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Full text of "Handbuch der pharmaceutischen Praxis: Für apotheker, ärzte, drogisten und ..."

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I 




I 




HATOBUCH -> 

DER 

PHARMACEUTISCHEN PRAXIS. 



FOB ArOigMEK, IBZTB, DB00I8TEI DID 
HEDIGimiBElHTE 

BEAKBEITET 

VOM 

DE. HERMANN HAGER. 



5aT ZAJIL.BBICHEN IN DEN TEXT GEDRÜCKTEN HOLZSCHNITTEN. 

ERGÄNZUNGSBAND. 



BERLIN 1883. 
VERLAG VON JULIUS SPRINGER. 

MOHBIJOÜPLATZ S. 



Vorwort. 



Als das Handbuch der phannaceutischen Praxis vollendet in den 
Händen der Herren Apotheker und Aerzte war, begann eine Zeit, welche 
sieb in dem Bereiche der Arzneikunde durch ein Suchen nach neuen 
XrxneiBtoffen auffallend zu erkennen gab, andererseits wurden die Unter- 
^ucVmngen nnd Prüfungen der Nahrungs- und Genussmittel mit vorwie- 
gendem Eifer den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend betrieben, 
so das» das Handbuch nicht mehr den Anforderungen nach diesen Seiten 
hin genügte. Eine neue vermehrte Auflage desselben wäre nöthig ge- 
wesen, eine solche hätte aber die erste Ausgabe ziemlich werthlos ge- 
macht. Mir erschien es daher den Verhältnissen entsprechender und 
auch der Praxis angemessen, die wichtigsten der nach dem Erscheinen 
des Handbuches bekannt gewordenen und zugleich als vortrefflich 
wirksam empfohlenen Arzneistoffe und femer die seit dieser Zeit gewon- 
nenen Fortschritte auf dem Felde der pharmaceutisch- chemischen Wis- 
senschaft und Praxis, besonders aher in dem Bereiche der Untersuchungen 
nnd Prüfungen der Nahrungs- und Genussmittel zn sammeln und in der 
dem Handbuche eigenen Fassung als Ergänzungsband zu dem Handbuche 
der phannaceutischen Praxis den Apothekern und Aerzten vorzulegen. 
Die seit dem Erscheinen des Handbuches untersuchten Geheimmittel und 
Specialitäten sind ebenfalls in diesen Ergänzungsband aufgenommen 
worden. 

Da die Auffassungen, was ein reines und ein verfälschtes Nahrungs- 
nnd Genassmittel sei, wie in früherer Zeit so auch noch heute auf- 
fallend von einander abweichen, war es nothwendig, eine mt)glichst 
sichere Definition davon aufzustellen. Daher habe ich diese Definition 
anter Cacao S. 177 des Ergänzungsbandes versucht, und wurde mir 
darüber von verschiedenen Seiten zustimmende Anerkennung ausge- 
s^iyrochen. 



IV Vorwort. 

Durch Schaffung dieses Ergänzungsbandes ist man allerdings in die 
unangenehme Lage versetzt, oft in zwei Registern und zwei Büchern 
nachschlagen zu müssen, dennoch wolle man darüber hinwegsehen, um 
so mehr, als man zugleich erfährt, was der älteren Zeit und was der 
Neuzeit angehört. 

Um den Gebrauch des Werkes recht nutzbringend zu machen, so 
ist auch der Ergänzungsband mit einem ebenso vollständigen alpha- 
betischen Inhaltsverzeichniss versehen wie das Handbuch. 

Indem ich diesen Ergänzungsband als einen vom Handbuch der 
pharmaceutischen Praxis unzertrennlichen Theil der Oeffentlichkeit 
übergebe, bitte ich um wohlwollende Aufnahme und wegen der nicht 
unbedeutenden Arbeit auch um eine nachsichtige Beurtheilung. Fehler 
und Mängel, welche sich finden sollten, bitte ich mir gütigst mitzutheilen, 
um sie zu verbessern und mir auch Gelegenheit zu geben, sie, wenn 
erheblich, öffentlich zu besprechen zu Nutz und Frommen des Faches. 

Frankfurt a. d. Oder, im December 1882. 

Der Verfasser. 



Absinthinm. 

Me«m MtliereniB ibsinthii. Böhm und Eobert haben über die Wirkung 
des Oels auf den thierischen Organismus eine Reihe Experimente angestellt. 
?>\e fanden, dass dieses Oel dem Terpenthinöl am nächsten steht und wie dieses 
und das Pfefferminzöl in massigen Gaben Reflexverminderung und Depressions- 
lust&nde hervorrufen, während Rosmarinöl, Senfbl, Thymianöl Erhöhung der 
Reflexeiregbarkeit und Elxcitation bewirken. 

Tino Termutb di Tniino ist ein guter italienischer Wein, versetzt mit circa 
s Proc. Tinct. Absintliii, 2 Proc. Tinct. Aurantii corticis und 20 Proc. Zucker (0,75 
Liter =« 3 Mk.). (HAaER, Analyt.) 

Essentia amara der Ermigsseer Olitätcnkrämer soll eine Tinctur aus Hb. Ab- 
ftinthii, Millefol., Trifol. fibrin., Tanacet., Scord., Rd. Gent., Pom. Aurant. immatur., 
Liq. Ammon. caust. ana 30,0, Spkit. dilnt. 1800,0 sein. 

Sdiwcixer Absintke. lieber die Fabrikation dieser Getränke finden sich in 
der neuen Brennerei-Ztg. und in Jacobsens Chem. techn. Repertorium, 1. Halb- 
jahr 1878^ S. 155 Angaben, beziehentlich mehrere Anweisungen zur Darstellung 
der Yerschiedenen Schweizer Absinthe. 

StOBaefcievm von Oswald Beeb, ein 22 Proc. Zucker enthaltender Schnaps mit 
den extrahirten Stoffen aus Wennuth, unreifen Pomeranzen > Ingwer, Zittwer, wenig 
Angelica, Anis and Pfefferminze. (Hager, Analyt) 



Acacia. 

Acacia Verek Güillemin et Pereottet {A. Setiegaletisis Aiton), ein am 
Senegal ganze Wälder bildender Baum^ hält Flückigeb für die eigentliche 
Stammpflanze des Acacien- oder Arabischen Gummis. lieber die verschiedenen 
Arten und Sorten des Acaciengummis findet sich von Masing im Archiv d. Ph. 
1879 eine ausführliche Arbeit. Sie sind geschichtet in 1) Asiatische , 2) Ara- 
bische und Afrikanische, 3) Amerikanische, 4) Australische. 

Die Reaction der Lösungen ist meist schwach säuerlich, selten stark sauer, 
einige Sorten sind aber auch völlig neutral, eine Sorte zeigte eine schwach alka- 
Hsche Re^iction. In vielen Vorzugssorten konnte Stärkemehlgehalt durch Jod 
nachgewiesen werden. Der Aschengehalt variirte zwischen 2,5 und 5,5 Proc, 
der Feuchtigkeitsgehalt zwischen 10 und 15 Proc, er ist meist 10 — 12 Proc 
Die meisten Sorten geben mit Kaliumsilicat Niederschläge. 

Inf life-filDni y schon seit Decennien gekannt, tauchte in neuerer Zeit auf 
dt^rn europäischen Markte wieder auf. Es kann nur die geringeren Sorten des 
Arabischen Gummis ersetzen. Die Mutterpflanze ist AlgaroMa glandulosa Torrey 

H»f f r, Phana. Praxi». Suppl. 1 



2 Acacia. 

et Ob. {Prosopis glandulosa Torr., Mezquitobaum) eine in Nord- Amerika und Texas 
einheimische baumartige Mimosee (Acaciee). Heilkräfte besitzt dieses Gummi nicht. 
Senegalgummi in wässriger Lösung mit metallischem Eisen längere Zeit 
macerirt geht in Dextrin und Glykose über (Kosmann). 

Mncilago (Innmi Arabid. Behufs Darstellung eines klaren und auch haltbaren 
Gummischleimes wird die rohe Lösung in ein porcellanenes Gefäss gegeben und 
mit Fliesspapier bedeckt an einen warmen Ort (eine Ofen- Wärmröhre) von 50 — 
70® gestellt. Nach Verlauf von 2 — 3 Tagen haben sich etwaige ünreinigkeiten 
am Boden und in der am Niveau der Flüssigkeit entstandenen Haut abgesetzt. 
Man schiebt die Haut bei Seite und decanthirt durch ein reines Haarsieb. 

Ein Versetzen des zu Arzneimischungen dienenden Gummischleims mit Salicyl- 
säure oder anderen fremden Stoffen behufe der Conservirung widerspricht der pharma- 
ceutischen Ordnung. In ganz bis in den Hals hinein gefüllten Flaschen (das Niveau 
auch wohl mit einer Paraffinschicht bedeckt) hält sich der Schleim sehr gut. 

Mixtnra gummosa (Additamenta Pharm. Austriacae) wird aus 10 Th. Gummi 
Arabic, 6 Th. Zucker und 150 Th. Wasser bereitet. 

Dem Gummischleim als Elebsubstanz Tenacität zu verleihen, die einge- 
trocknete Schicht biegsam zu erhalten genügt ein Zusatz von 2 — 3 Proc. Gly- 
cerin. Mit einem solchen Klebleime bestreicht man auch das Papier zu Kapseln, 
welche zum Ausgiessen von Pflaster und Geraten verwendet werden. 

DäiTersal-lLIebscUeim, Gummischleim als Klebemittel von Papier auf Holz, 
Pappe, Papier, Glas, Porzellan, Metall wird zusammengesetzt aus 100 Th. Gummi 
Arab., 6 Th. Alumina sulfurica, 10 Th. Glycerin, 140 Th. destill. Wasser und 
20 Th. verdünnter Essigsäure. 

Klebschleim für Etiquetten auf Weissblech, Zink und Messing wird 
erhalten, wenn man den Üniversal-Klebschleim mit 2 Proc. Kupferacetat oder 

3 Proc. Liquor Stibii chlorati versetzt. 

Wasserfester flnmmilack', wasserfester fiammikitt. Einfacher Gummischleim mit 
Kalibichromat versetzt und dem Lichte ausgesetzt, wird in Wasser unlöslich 
(Edeb). Es lässt sich dieser Umstand sehr wohl verwerthen zum üeberziehen 
von Papier, Schildern, beim Kitten der Glassachen. 

Selle' scher Kleister für papieme Etiquetts auf Metallblech ist ein con- 
centrirter Gummischleim mit 20 Proc. Glycerin versetzt. 

Diamantine (Güignot's). Arab. Gummi 5 — 8 Th., Dextrin 3 Th., Traganth 
2 Th., Gelatine 3 Th., irgend eine Farbe, so viel als hinreichend, werden als 
Pulver gemischt, mit heissem Wasser zu einem dünnen Schleime angerührt, im 
Wasserbade noch eine Stunde erhitzt und dann auf Glas- oder Porzellantafeln 
aufgestrichen. Nach dem Trocknen werden die Tafeln in einem Räume mit circa 
110^ C. Wärme erhitzt, bis sich die Ueberzüge abblättern. Endlich wird die 
Masse fein oder gröblich gepulvert. Es wird dieses Pulver bei der Fabrikation 
künstlicher Blumen gebraucht. 

(l) Charta adhaesiva Indlea Gummi. Liquor limpidus chartae sericeae tenui 

GuMMi's Ostindisches Pflanzenpapier. (Seidenpapier), chartae bibulae impositae, 

ope penicilli molhona illmatur, quae ope- 
i^ Gummi Arabici 100,0. ratio, illitura priore siccata, repetatur. 

Solutis in 
Aquae destillatae 400,0 (2) Pulvis traumaticus. 

Glycerinae 10,0 Logo Colliame. Wuudheilpulver. 

admisce 

Collae piacium optimae 7,5 i^ Gummi Aeaciae optimi 100,0 
soluta in Corticis Chinae rubrae 

Aquae destillatae 200,0. Boracis 



Äcacia. — Acidum aceticum. 3 

Acidi boracici Pulver, welches Pflanzengummi und Pflan- 

Acidi tannici zenleim als hauptsächlicbe Bestand theile 

Acidi salicylici ana 5,0. enthalten soll und eine rosenrothe Farbe 

Misce. Fiat pulvis subtilissimus. hat. Obige Yorachrift liefert ein Pulver, 

D. S. Aeusaerlich, z. Bestreuen frischer welches die Heilung der Wunden vortreff- 

und alter Wunden. lieh fördert und eine faulige Verjauchung 

Colliame nennt man in Frankreich ein derselben verhindert. 

Celle blaoeliey Pariser Leim, ist concentrirte wässrige Lösung von Arabischem 
Gummi oder ein Präparat aus Zucker, Aetzkalk und Leim (Vergl. unter Gelatina). 
Kommt in kleinen Flaschen mit Pinsel, der dem Stopfen eingefügt ist^ in den Handel. 



Acidnm aceticum. 

« 

V. Meter hat im Eisessige des Handels circa 0,01 Proc. Furftirol (C5H4O2, 
Aldehyd der Pyroschleimsänre) aufgefunden, welcher Aldehyd bekanntlich bei der 
Verkohlung des Holzes entsteht. Zum Nachweise solcher Aldehyde versetzt man 
e'mige CX). mit einigen Tropfen Silberlösnng und erwärmt eine Viertelstunde im 
Waaserbade. Es tritt Bräunung oder Metallausscheidung ein. Diese Vernnreini- 
gung beeinträchtigt übrigens den Werth der officinellen Essigsäure nicht. 

ieetuL Prafung auf freie Mineralsäuren soll sich Hubeb's Reagens (siehe 
Snppl. unter Kalium ferro-cyanatum) eignen. 

Femer empfahl Mallet den verdächtigen Essig mit Natronsalicylatlösung 
zu versetzen. Es erfolge in reinem Essig keine Salicylsäureausscheidung. Diese 
Reactionen sind werthlos, im letzteren Falle tritt eine Ausscheidung der Salicyl- 
säure dann nicht ein, wenn die Mineralsäure in nur geringer Menge vertreten 
ist. Hubeb's Reagens würde auch bei einem starken reinen Essig Erfolg 
haben. Auch die empfohlene Reaction mit Methylviolett ist eine unsichere und 
erfordert ein mehrfaches Experimentiren, um die Farbennuancen richtig zu be- 
urtheilen. 

Die einfachste Prüfungsweise ist (nach Haoeb), circa 20 CC. Essig (Schnell- 
esflig) mit 5 — 6 CC. Aetzammonflüssigkeit zu versetzen und an einem 60— 80<^C. 
beissen Orte oder auch im Wasserbade in einer Glasschale mit flachem Boden 
zu verdunsten. Reiner Essig hinterlässt einen gelben bis braunen Fleck, dessen 
Substanz nicht oder kaum' wägbar ist, bei Gegenwart von freien Mineralsäuren 
auch Weinsäure, Citronensäure) dagegen hinterbleibt eine krystallinische Masse, 
in welcher sich nicht nur die Art der Mineralsäure, selbst auch ihre Menge sehr 
leicht bestimmen lässt, insofern die aus Schwefelsäure, Salzsäure und Salpeter- 
säure resnltirenden Ammonsalze kein Erystallwasser enthalten. Da beim Er- 
hitzen sich diese Ammonsalze verflüchtigen (Tartrat und Citrat verkohlen), so 
kann auch gleichzeitig die Prüfung auf fixe Bestandtheile des Essig mit diesem 
Verfahren verbunden werden. Ein Essig, welcher nach der Sättigung mit Am- 
mon einen salzartigen Yerdampfungsrllckstand hinterlässt, ist filr den pharma- 
centischen Gebrauch zu verwerfen. 

Eine empfeblenswerthe Prüfungsweise auf freie Schwefelsäure ist von Kessler 

angi^eben. Man soll 30 — 40 Ctm. lange Streifen Filtrirpapier aufhängen, so 

tiass sie mit dem unteren Ende um 2—3 Ctm. in den Essig (oder Wein), in 

welchem man 2 — 3 Proc. Rohrzucker aufgelöst hat, eintauchen. Nach einem 

Tage werden die Papierstreifen im Wasserbade getrocknet. War freie Schwe- 

klsäure (auch Salzsäure) gegenwärtig, so ist das Papier braun bis schwarz 

^efirM. 

1* 



4 Acidum aceticum. 

Mit Kupfer verunreinigter Essig ist öfters angetroffen worden. Es ge- 
ntigt, 15 CC. des Essigs mit 15 Tropfen Kaliumferrocyanid- (Blutlaugensalz--) Lö- 
sung zu versetzen und einige Stunden bei Seite zu stellen. Bei Spuren Kupfer 
wird sich ein brauner Bodenanflug oder Bodensatz einfinden. Bei Gegenwart 
starker Kupferspuren tritt sofort eine braune Trübung ein. 

Ein an der Luft schwarz werdender Essig entstammt nach Wittsein 
einem nicht genügend gereinigten Holzessig und enthält daher noch Brenz- 
säuren. 

Essig in eichenen Fässern aufbewahrt oder fabricirt enthält kleine Mengen 
Gerbsäure und filrbt sich in Berührung mit Eisen (eisernen Kochgeschirren) 
tintenartig. 



Essigessenz. Die chemische Fabrik Eisenbüttel zu Braunschweig liefert 
in concentrirter Form unter dem Namen Essig-Essenz (nach Verlangen mit 
50, 56,6 und 65 Proc. Essigsäurehydratgehalt) einen sehr reinen Essig. Der- 
selbe wird mit destillirtem Wasser verdünnt und auf den Gehalt des officinellen 
Essigs gebracht (Vergl. auch Hbd. d. ph. Pr. 11, S. 1351.) 



Anwendung der Essigsäure. Bouchüt empfiehlt die Eisessigsäure zur Be- 
seitigung der Warzen und Papillen, überhaupt bei allen Hypertrophien der Haut. 
TägUch wird die Säure einmal auf die Neoplasmen aufgetragen. Diese lösen 
sich in dünnen Schichten ab und verschwinden endlich unter Hinterlassung einer 
unbedeutenden Narbe. 

Zu parenchymatösen Injectionen (behufs Zerstörung carcinomatöser, 
sarcomatöser etc. Geschwülste) ist der Eisessig mit der 4- höchstens 2 fachen 
Menge Wasser zu verdünnen oder Acidum aceticum dilutum mit gleichviel 
Wasser zu verdünnen. 



Acidum monochloro-aceticuni, Monochloressigsäure (C2H3CIO2) wird durch 
Einwirkung von trocknem Chlorgase auf Essigsäureanhydrid bei 100^ C. darge- 
stellt. Sie bildet farblose rhombische Prismen, welche hygroskopisch sind, bei 
62^ schmelzen, bei 187^ sieden, sich im übrigen wie Eisessig verhalten und in 
gleicher Weise auf das organische Gewebe ätzend einwirken. Man hat sie als 
Aetzmittel angewendet, sie wird aber durch Eisessig vollständig ersetzt. 



icidnm trichloro - aceticam , Acidnm aceticnm trichloratnm , TricUoressigsiure ist 

als ein dem Chloralhydrat ähnlich wirkendes Mittel erkannt, aber noch nicht 
als solches angewendet worden. 



(1) Acetum cosmeticum. Liquor! filtrato adde 

Vinaigre cosmötique. Olei Menthae piperitae 

Ol ei Bergamo ttae 

i^r Benzoes pulveratae 100,0 Olei Cinnamomi ana 10,0 

Aquae Rosae Olei Aurantii floram 2,5 

Acidi acetici diluti (1,040 p. sp.) ana Spiritus Melissae 100,0 

500,0. Spiritus Vini 2500,0 

Dip:ere per diem unum, tum sepone per Acidi acetici diluti 500,0. 

dies (luos loco frigido et filtra. Sepone per hebdomadem unam, tum filtrn. 



Acidum aceticum. — Acidam benzoYcuni. 5 

(2) Aeetum llorum omninni. (3) Gargrarlsma acetlcam 

Yinaigre de millefleurs. Magkekzie. 

Tinetarae Moschi 1,0. M. D. S. Zum Gurgeln (gegen Angina 

Miaee, sepone per hebdomadem unam, bei acuten Exanthemen). 
tum filtra. 

Arcam. Giehtwasfler, J. Funk'b, von einem gewissen Metzger in Mainz ver- 
sendet, wird mit einem wollenen Lappen auf der leidenden Stelle des KOrpers so 
krafdg verrieben, bis sieh die Haut röthet und der Lappen dampft. 120 g Flüssig- 
keit, Deatehend ans ungefähr Ol. Korismar. 2,0, Ol. Spicae, Ol. Serpvlli, Ol. Thymi 
ana 1,0; Acid. acetici 10,0; Spiritus Vini und Spirit. Vini dilut. ana 55,0, oder nach 
einer anderen Angabe aus 100 Th. Spiritus Serpylli und 3 Th. Essigsäure oder 118 Th. 
Weingeist und 7 Th. Essigsäure. 

Hjkodermatleon von G. Eikchberg in Greifswald, Mittel zur Förderung der 
Eäsiggährnng; 1. Flüssigkeit: lOproc. Essig enthaltend 1,56 Proc. Ammon-Magnesia- 
phosphat und 0,17 Proc. indifferente organische Substanz, Spuren Schwefelsäure, Salz- 
säure, Kali, Natron. (Sghädler, Analyt.) — 2. Festes, ein gröbliches weisses Pulver, 
bestehend aus Magnesia, Ammon, Phosphorsäure, Weinsäure, Zucker. (Sommer, Analyt.) 

PrsoHKAROW'sche Flflssigkeit, ist braunschwarz, fast von Syrupconsisteüz, wenig 
sauer und von 1,18 spec. Gew. Sie ist eine holzessigsaure Eisenflüssigkeit mit etwas 
Zink und vielen Brandharzen. (Casselmann, Analyt!) 



Acidnm benzoicnm. 

^AEGELi beobachtete die anüzymotische Eigenschaft der Preisseibeeren 
(Fr&ehte von Vaccinium Vitis Idaea) und 0. Low constatirte darin einen reich- 
lichen Benzogsäuregehalt. 

Die Darstellung aus Akaroidharz (Bd. II, 331) wird als wahrscheinlich an- 
genommen, doch enthält dieses Harz zugleich Zimmtsäure. 

Die Englischen Fabriken liefern die sublimirte Benzoesäure zu auffallend 
billigeren Preisen als die Deutschen und nimmt man an, dass man in England 
irgend eine andere Benzoesäure ergebende Droge verarbeitet oder dass man eine 
besondere billige Darstellungsweise künstlicher Säure anwendet. 

Darstellung. Prof. R. v. Wagneb schlägt vor, BenzoSharz mit roher Essig- 
sänre zu extrahiren, den Auszug behufe Entfernung des gelösten Harzes mit 
4 Th« siedendem Wasser zu verdünnen und das heisse Filtrat erkalten zu 
lassen etc. 

Die Darstellung aus Steinkohlennaphthalin resp. Phthalsäure soll in Frank- 
reich im Grossen betrieben werden, denn diese künstliche Benzoesäure (Acide 
Wuzoique de la houille der Franzosen) hat angeblich viele Vorzüge vor der- 
jenigen aus Harn. 

Prüfung. Eine Verfölschung mit Salicylsäure ist zu beachten, die wässrige 
iXisung darf sich also durdh Ferrichloridlösung nicht violett färben. Verunreini- 
^ng oder Verfälschung der Benzo^äure mit Sublimat ist vorgekommen. Zur 
Prüfung auf Benzoesäure aus Hippursänre, Acidnm benzoYcum ex urina, wägt 
man 0,5 der Säure ab, übergiesst dieses Quantum mit 50,0 Wasser und lässt 
anter wiederholtem Umschütteln eine Stunde stehen. Erfolgt vollständige Lö- 
i^ung, so 11^ höchst wahrscheinlich jene Säure ex urina vor. Erfolgt nicht 
vollständige Losung, sondern erst nach weiterem Zusatz von 30,0 Wasser und 



6 Acidum benzoYcum. 

einstündiger Maceration, so ist eine Beimischang dieser Sänre wahrscheinlich 
(Hager). Sie macht sich auch durch den Geruch kenntlich. 

BoüRGOiN hat die Löslichkeitsverhältnisse der Benzoesäure in Wasser con- 
trolirt und fand er, dass 1000 CC. Wasser lösen 

Temp. Säure Temp. Säure Temp. Säure 



00 


1,70g 


20» 


2,90 g 


700 


17,75g 


50 


1,85 


30» 


• 4,10 


800 


27,15 


100 


2,10 


500 


7,75 


900 


40,75 


150 


2,45 


600 


11,55 


1000 


58,75 



Femer wurden bei 150 C. durch 100 Th. 90proc. Weingeist 41,6, durch 
100 Th. absoluten Weingeist 46,7, durch 100 Th. absoluten Aether 31,3 Th. 
der Benzoesäure gelöst (Boürgoin). Nach anderer Beobachtung ist die Säure 
löslich in 2V2 Th. 90proc. Weingeist, 2 Th. absolutem Weingeist und 3V2 Th. 
Aether. 

Im Organismus der Vögel geht (nach Shepard und Jaff^:) die Benzoesäure 
nicht in Hippursäure, sondern in eine andere Säure, Omithursäure (C19H2QN2O4), 
über, welche wasserfrei krystallisirt, in Wasser sehr schwer, in Aether kaum, in 
heissem Weingeist ziemlich leicht löslich ist und mit Alkalien und den alkalischen 
Erden neutrale, in Wasser lösliche Salze liefert. 

Anwendung. Benzoesäure hat sich als ein sehr wichtiges Arzneimittel er- 
wiesen und zwar als ein hervorragendes An tipyr et icum, Antizymoticum und 
Antisepticum, sie tibertrifft die Salicylsäure in jeder Beziehung. Daher findet 
sie bei Diphtheritis und Gelenkrheumatismus (Senator) .vorzugsweise Anwendung 
(vergl. auch Natrum benzoicum). 

Bruns' BenzoesSnre-daze (BenzoSgaze) wird durch Tränkung der durch Waschen 
mit Soda völlig entfetteten Gaze mit weingeistiger Benzo^säurelösuhg dargestellt, 
welche Lösung mit ^5 des Benzo^säurequantums Ricinusöl oder Y5 Ricinusöl und 
1/5 Colophon versetzt ist (um das lästige, Husten erregende Stäuben zu verhin- 
dern). 1 Kilog. (ca. 25 m) Gaze erfordert 2,5 Liter Lösung. 

Zur Darstellung der 5 proc. Benzo^aze wird 1 Kilo entfetteter Gaze mit 
2,5 Liter einer Lösung von 50,0 g Benzoesäure, 20,0 g Ricinusöl (oder Ricinusöl 
und Clolophon ana 10,0 g) in 2,43 Liter (2430 CG.) Weingeist getränkt. 

Zur Darstellung der 10 proc. Benzo^aze wird 1 Kilo fettfreier Gaze mit 
einer Lösung von 100,0 g Benzoesäure, 40,0 g Ricinusöl (oder Ricinusöl und Colo- 
phon ana 20,0 g) in 2,36 Liter (2360 CC.) Weingeist getränkt. 

BenioS-Watt« , BenxoSsinre- Watte Brüns', Benzoe-Jnte (Dschnte), Benzo!s3nre-Jnte 
Bruns'. Zur Darstellung dieser Verbandmittel verbraucht man auf 1 Kilog. der 
Pflanzenfaser 3,5 — 4 Liter der weingeistigen Benzo^säurelösung, welche ^/^ vom 
Säurequantum Ricinusöl oder V5 Ricinusöl und V5 Colophon enthält. Zur Dar- 
stellung einer 5 proc. Watte wären aus 50 g Benzoesäure und 20 g Ricinusöl 
(oder Ricinusöl und Colophon ana 10 g) und Weingeist 4 Liter Lösung zu machen. 
Zur Darstellung einer 10 proc. werden 100 g Säure, 40 g Ricinusöl (oder Rici- 
nusöl und Ck)lophon ana 20 g) und Weingeist zu 4 Liter Lösung gemacht. 

Bei Jute gentigen auf 1 Kilo 3,5 Liter der Lösung. 

Gonservirniig attatonischer PrSparate nach Toninetti (Deutsch. Patent). In- 
jection einer Lösung von 50,0 Benzoesäure in 1000,0 Weingeist und 50,0 Aether 
oder Durchtränkung damit. Dann Einpressen von 85— 100<> C. heisser Luft bei 
einem Drucke von mehreren Atmosphären (in die Jugularis und Carotis), bis zur 
Trocknung des Objectes. 



Acidiun benzoYcum. — Acidam boricum. 



(1) Aqua benzolca. 

Benzo^Bäurewasser. 

Liquor Acidi benzoYci. Benzoesäure- 
vaaaer zum Hausgebrauch. 

Kr Acidi benzoYci Ifi. 
Solye in 

Aquae destillatae 1000,0. 

Pient zum Bereiten von Compot oder 
Speisen, welche leicht verderben und 
einige Tage aufbewahrt werden sollen. 



(2; linimentniD antipsorieum. 
Ejratzspiritus. 

ite Acidi benzolfci 3,0. 
&)lve in 

Benzini lithanthracini 57,0 

Spiritus absoluti 35,0 

Glycerinae 5,0. 

D. S. Bei Tageslicht täglich zweimal 
mit einem Pinsel aufzutragen (auf die 
Stellen, wo sich Kiätzpusteln befinden). 

(3; Liquor i^Jectorins excitans 

ROHDE. 

^ Acidi benzoYci 1,5 
Camphorae 1,0 
Spiritus Vini 12,0. 

D. S. Subcutan 1,0 zu injiciren (als 
starkes £xc!taDSj. 



(4) Troehisci cum Acido benzoloo. . 

Pastilli antaphonici. Yoice lozenges. 

i)r Acidi benzoYci 5,0 

Fructus Anisi vulgaris 10,0 
Succi Liquiritiae 20,0 
Tragacanthae 5,0. 

Pulveratis admisce 
Glycerinae 

Aquae Kosae ana 10,0 
Vanillae saccharatae 0,5 
Badicis Liquiritiae q. s., 
ut fiat massa, quae in pastillos vel ta- 
bulas centum (100) redigatur. Ligno 
santalino rubro conspergantur. 

D. S. Am Tage öfters 1—2 Stück zu 
nehmen (bei Heiserkeit und catarrhalischen 
Halsbeschwerden, besonders für Sänger 
und Schauspieler). 

(5) üngnentum antiherpeticnm acre. 

i^ Baisami Peruviani 5,0 
Acidi carbolici puri 2,0 
Acidi benzoYci 1,0 
Unguenti cerei 20,0. 

M. D. S. Zum Bereiben (he\ Kinn- oder 
Bartflechte, Finnen im Gesicht). 

(6) ünguentum antiherpetieum leniens« 

i^ Baisami Peruviani 5,0 
Acidi benzoYci 2,5 
Unguenti cerei 25,0. 

M. D. S. Wie die vorhergehende Salbe 
zu gebrauchen. 



Arcanwii. Menyl von A. Niebke (Dresden), Mittel rothe Nasen weiss zu machen, 

besteht ans 1) einer weingeistigen parttimirten Lösung von Benzoesäure, Salicylsäure 

und Thymol and 2) einem Pulver aus Zink weiss, Talkstein mit Thymol parfUmirt. 

iGeissler^ Analyt.; — Ein anderes ICenyl war ein wässriger Veilchenwurzelauszug 

mit CaJomel gemischt. 



Acidnm boricum. 



Borsänreanhydrid mit einem doppelten Gewicht Wasser übergössen 
bindet das Wasser unter Wärmeentwickelung bis über 100® C. 

Bors&ure ist ein sicheres , dabei geschmackloses und in kleinen Mengen 
der Gesundheit nie schädliches, daher in der Chirurgie und Oekonomie verwend- 
bares Antizymoticum und Antisepticnm , doch ist nicht zu übersehen, dass sie in 
zu grosser Verdünnung nicht immer den Ansatz von Schimmel verhindert, dass 
sie diesen dann nnr zurttckh&lt. Man hat auch das wenig lösliche Kalkborat 
{CaB407), welches auch als Hayesin oder ülexit vorkommt, zum Conspergiren 
des zu conservirenden Fleisches vorgeschlagen, jedoch ist es noch nicht in den 
Handel gebracht worden. Seine Darstellung aus dem Stassfurtit dürfte keine 
kostspielige sein. 

Nach P^IGOTS Versuchen ist die Einwirkung der Borsäure auf die Pflanzen- 
Vegetation eine deletere. Diese Wirkung kommt besonders der Borsäure zu, 



8 



Acidum boricom. 



weniger dem Borax. P. zieht hieraus den Schluss, dass die Borsäure und Borax 
als Gonservirungsmittel des Fleisches nicht ohne Einfluss auf die Gesundheit der- 
jenigen, welche damit conservirtes Fleisch gemessen, sein dürfte. Es müsse sol- 
ches Fleisch daher vor dem Genüsse durch Einwässern und Abwaschen sorgsam 
gereinigt werden. Dagegen hat G. Polli durch Versuch constatirt, dass die Bor- 
säure selbst längere Zeit mit den Nahrungsmitteln genossen, ohne allen Nachtheil 
auf die Gesundheit ist. Auch Polli bestätigt die ausserordentliche antizymotische 
und antiseptische Wirkung der Borsäure. 

Päligot's Versuche ergeben die vortreffliche deletere Wirkung der Bor- 
säure auf den Hausschwamm (MertUius lacrymafis Schüm., M. destruens Pebs.). 
Vergl. unten: Holzlack gegen Hausschwamm. 



Es ist nicht zu übersehen, dass Mischungen von Borsäure (oder Borax) 
mit Salicylsäure (oder Salicylaten) emen sehr bitteren Geschmack haben, 
obgleich jede für sich auch nicht im mindesten bitter sind. Wegen dieses üm- 
standes lassen sich beide zugleich behufs Oonservirung der Nahrungsmittel nicht 
anwenden, dagegen aber als ein sicheres Gonservirungsmittel der Gewebe, Pelze, 
Haare etc. und zwar als Schutz gegen Motten, Wanzen, Läuse und anderes Un- 
geziefer (Hager). 

Lintemn boricatnm, Borlint, Sagena boricata, Borwatte, sind Leinen oder 
Watte (Baumwollenwatte) mit Borsäurelösung getränkt. Letztere wird nach ihrem 
Gehalt bestimmt und Borwatte und Borlint mit 10 — 15 — 20procentig bezeichnet. 
Die Lösung wird hergestellt: 

Hc Acidi boracici 10,0—15,0—20,0. 
Solve in 

Aquae destill, calidae 90,0—85,0—80,0. 

Diese Lösung oder nach dem Erkalten mit Krystallen durchsetzte Mischung wird 
vor der Anwendung auf circa 50® C. erwärmt, bei welcher Wärme wiederum 
Lösung eintritt. Das durchtränkte, noch circa 40® C. warme Gewebe wird so- 
fort als Verband aufgelegt oder es wird an einem lauwarmen Orte getrocknet 
und vor Staub geschützt fär den Gebrauch aufbewahrt. 

Lint«nm phenob-borieatam , Borphenollint, Sagena phenolo - boricata , Borpbenol- 
watte, werden wie die vorhergehenden Verbandstoffe hergestellt und ange- 
wendet. Die Lösung zur Tränkung der Faser wird nach folgendem Verhältniss 
dargestellt : 

^ Acidi borici 5,0 (—10,0) 
Acidi carbolici puri 2,0. 

Solve in 

Aquae dest. calidae 100,0 
(Spiritus Vini 5,0). 



(1) Spiritus boricus 

J. Neuäiann. 

iVr Acidi borici 2,0. 
Solve in 

Glycerinae 10,0 

Spiritus Vini diluti 50,0. 
Tum adde 

Olei Caryopbylloium guttas 5. 
D. S. Zum Bereiben der kranken Ilaut- 
stellen (bei Pityriasis versicolor, Herpes 
tonsurans, Urticaria, Pruritus der Haut, 
Ekzemen etc.). 



(2) Unguentnm Acidi borici 

LlSTER (et NUSSBAUM). 

vtfi Acidi borici subtilissime pulverati 

Gerne albae ana 10,0 

Olei Amygdalarum 

Paraffin! ana 20,0. 
M. ut fiat unguentum. 

Vergl. auch Ungt. vulnerar. Listfk, 
Bd. II, S. 634, und Ungt. Acidi borici 
Crede, Bd. II, S. 1351. 



Acidum boricum. — Acidum carbolicum. 9 

^SjIm, Desinfectionsmittel, ist eine Flüssigkeit angeblich bestehend aus 
20 Th. BoTBäure, 2 Th. Borax, 10 Th. Gewürznelkentinctur (Gewtirznelkenextract) 
imd 80 Th. Waaser. 

km^^%s von H. Galen in Upsala, Cosmeticnm, ist eine mit Glycerin and 
BoTä&aTe verBetzte Gewürznelken-Abkochung. 

\W[lLMasepti]iy mit Borsäurelösnng g:etränkte Leinwand. 

Kitinernlioii, Zerener's (Deutsch. Patent) zwei Mittel gegen Hausschwammm. 
1) Eieselguhr mit Kochsalz und Borsäure (6 und 3 Proc.) imprägnirt ; 2) Wasser- 
glas mit Kochsalz und Borsäure. Fabrikant Gustav Sghallehn in Magdeburg. 

Itorttat, Jannascu's Gonservesah wird durch Eindampfen der Lösungen von 
gleichen Th. Kaliumchlorid, Natriumnitrat und Borsäure gewonnen. 

ErkaltimgspnlTer, Dr. H. Oppebmann's in Bemburg zur Conservirung der 
Nahrungsmittel enthält vorwiegend Borsäure. 

CalacUpkyl, Milchconservirungsmittel, eine Mischung aus circa 1 Th. Borsäure 
und 4 Th. Zucker. 

filacialin, ein Conservinmgsmittel, besteht aus 18 Th. Borsäure, 9 Th. Borax, 
6 Th. Zucker, 9 Th. Glycerin und 400 Th. Wasser. (Engl. Patent.) 

(tlasiir, Ueifreie (nach Jannasch). 5 Th. Schlämmkreide, 4 Th. calcinirfe 
.Soda, 4 Th. Borsäure, 2 Th. Kalisalpeter, 1 Th. Saud werden gemischt bei 
RothglQhhitze halb geschmolzen (gefrittet), dann in ein feines Pulver verwandelt 
und wie Töpferglasur verbraucht. Um sie leichter flüssig zu machen, setzt man 
noch etwas mehr Borsäure hinzu. 

Kebzen's Fleischconsenations-FIflssigkeit besteht aus 150 Th. roher Borsäure, 
30 Th. Borax, 15 Th. Kochsalz, 5 Th. Kalisalpeter und 2000 Th. Wasser. 
Nach 24 — 36 stündiger Maceration wird das Fleisch in Fässer eingeschichtet und 
verpackt. (Engl. Patent.) 

Htlilaek gegen Hanssckwamm, lemlientod. 200,0 Borax, 400,0 Schellack und 
2000,0 Wasser werden im Dampfbade bis zur Lösung erhitzt, dann noch mit 
1000,0 heissem Wasser vermischt, nach dem Erkalten koliii;. Die Holzfläche wird 
bei troekner Witterung zuerst mit einer heissen Lösung aus 200,0 Borax, 100,0 
Borsäure; 250,0 Essigsprit und 2500,0 Wasser, vor der Anwendung mit 200,0 
Spiritna versetzt, zwei- bis dreimal überstrichen und getränkt, dann nach dem 
TrockjaeB mit jenem Lacke überzogen. Der Erfolg ist vortrefflich (Hager). 

MUekfMlftr G. Huohe's (London), Milchconservirungsmittel enthält Borsäure. 
(Der Vertrieb ist in Dresden verboten.) 



\ 



Acidnm carbolicnm. 

Darstellung. Bbougthon zu Oatacamund bespricht die Darstellung der 
CarbolsÄure durch Destillation der aus dem ätherischen Oele von Andromeda 
Leschenaultity einer auf den Neilgherriehtigeln wuchernden Pflanze, gewonneneu 
t^alieyl8äu^e flber Kalk und Sand. 500 g würden 5 — 7 Sh. zu stehen kommen. 



10 Acidum carbolicum. 

Bildung und Vorkommen. Bei der Fäulniss von EiweisskOrpem , so wie im 
Wege der Verdanang findet die Bildung von Phenol statt. In 100 k Faeces 
fanden Bbi£6£r und Salkowski 0,14 g Phenol. Es entsteht femer bei Schmel- 
zung von Albnminol'dkörpem mit Aetzkali. 100,0 Eiweiss ergaben 0;255 Phenol 
(Nbncki). 

Die Ursache der Rothf^rbung des reinen Phenols während der AufDewahrung 
soll nach Finzelbebo hauptsächlich in der Art des Glases, aus welchem die 
Gefösse bestehen, zu suchen sein. Die Einwirkung von Wärme oder Licht sei 
nicht die Ursache dieses Rothwerdens. Haoeb dagegen glaubt dieses Rothwerdeu 
in einem Zutritt von Ammongas zur Säure zu erklären, und fand er eine Säure 
in 2 Th. getheilt, den einen Theil in ganz gefüllter hermetisch geschlossener 
Flasche, den anderen Theil in offener Flasche mit 2,0 Ammoncarbonatstüokchen 
in Gesellschaft unter einer Glocke, nach 8 Tagen letztere Säure roth geflürbt, 
die in dicht geschlossener Flasche aber farblos. 

Chemie U. Analyse. Die Reaction des Ferrichlorids auf Phenol wird ver- 
hindert durch die G^enwart der meisten organischen Säuren, der Mineralsäuren, 
der Phosphorsäure, der Acetate, Phosphate, des Borax, Glycerins, Weingeists, 
Amylalkohols, Aethers (Hager). 

Der Nachweis des Phenols neben Salicylsäure oder Salicylaten gelingt auf 
Zusatz von Aetzammon und dann einige Minuten späteren Zusatz von gechlorter 
Natronflüssigkeit. Es entsteht eine blaue Färbung, welche durch Säuren roth, 
durch Alkalien wieder blau wird. Freies Chlor und fVeie Säuren verhindern die 
Reaction. Es ist daher Ammon bis zur alkalischen Reaction, jedoch Chlomatron 
nicht im Ueberschuss zuzusetzen. Bei V50000 Verdünnung erfolgt die Reaction 
erst in 24 Stunden, bei Vsoooo Verd. in 15 Minuten (Almen). 

Allex setzt behufs Nachweises der Carbolsäure zu einigen Tropfen Salz- 
säure 1 — 2 Tropfen der zu prüfenden Flüssigkeit, dann einen Tropfen Salpeter- 
säure. Es erfolgt purpur-carmoisinrothe Färbang, doch Kreosot stört diese Re- 
action. — E. HoFFMAKN (in Kandel) hat folgende sehr scharfe Reaction auf Car- 
bolsäure aufgefunden. In einem Reagircylinder überschichtet man 1 — 2 CG. reiner 
concentrirter Schwefelsäure mit einem gleichen Volumen der wässrigen Carbolsäure- 
lösung (z. B. 1 Säure auf 500) und lässt nun einige Kömchen Salpeter in die 
Flüssigkeit fallen. Schon bei Anwesenheit von 1 mg Carbolsäure erzeugt jedes 
Partikel Salpeter einen violetten Streif. Beim Umschütteln färbt sich die ganze 
Flüssigkeit intensiv violett. Wasserzusatz verändert die Farbe in roth-orange. — 
Davy empfiehlt als Reagens eine Lösung der Molybdänsäure in conc. Schwefel- 
säure, welche Lösung mit Carbolsäurelösungen violette Färbungen hervorbringt. 
Behufs Absonderung des Phenols in organischen Massen kann man diese mit 
Wasser verflüssigen und mit Essigsäure im Ueberschuss versetzt der Destillation 
in Glasretorten unterwerfen. 

Die quantitative Bestimmung geschieht (nach Degeneb) mittelst einer wäss- 
rigen Bromlösung. Die phenolhaltige, von Schwefligsäure freie Flüssigkeit wird 
mit der Bromlösung von bestimmtem Gehalt versetzt, so lange das flockige weisse 
Tribromphenol ausfällt. Das Ende der Reaction wird durch Kaliumjodidstärke- 
papier, dessen Jod durch freies Brom ftei wird, erkannt Das Zurücktitriren 
überschüssigen Broms geschieht entweder mit titrirter Phenollösung oder mit 
titrirter Kaliumjodidlösung. Im letzteren Falle kann ausgeschiedenes Jod durch 
Natronhyposulfit bestimmt werden. 94 Phenol entsprechen 280 Brom oder 
1 Phenol entsprechen 3,5213 Tribromphenol. Indol giebt mit Brom auch einen 
Niederschlag, aber einen amorphen. Das Tribromphenol ist krystallinisch. 



Acidum carbolicum. 11 

Eine andere Methode ist die Verwandlung des Phenols mittelst rauchender 
Sehwefelsftnre in Sulfophenol, Sättigung mit Barytcarbonat, Filtration , Fällen 
mit Schwefelsäure. 100 Barytsulfat = 80 Phenol. Freies Phenol lässt sich 
mit Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff aus Lösungen ausschütteln, nachdem 
etwa vorhandener Weingeist in gelinder Wärme (30 — 40^ C.) verdunstet ist. 

Behufs Gehaltbestimmung einer rohen Carbolsäure werden 10 CC. mit 
10 CC. Aetznatronlange (1,33 sp. G.) und 10 CC. Wasser kräftig durchschüttelt 
und eine Stunde unter bisweiligem Schütteln digerirt, hierauf mit weiteren 10 CC. 
Wasser gemischt, erkalten gelassen, durch Glaswolle iiltrirt und diese mit etwas 
Wasser nachgewaschen. Das Filtrat wird, nachdem circa 10g Kochsalz darin 
gelöst sind, mit 7 CC. Salzsäure (von 1,124 sp. G.) oder bis zum geringen 
Ueberschuss versetzt und nach halbstündiger Digestion an einen kalten Ort ge- 
Biellt. Die abgeschiedene Carbolsäure ergiebt den Gehalt der rohen Carbolsäure. 

Bezüglich der Anwendung der Carbolsäure ist zu erwähnen, dass sie sich 
bei Diphtheritis vorzüglich bewährt hat. Dr. Schüler in Cüstrin starben bei 
ilirer Anwendung nur 4,3 Proc. der diphtheritischen Patienten, während die An- 
wendung von Kalichlorat 14,6 Proc. und die von Salicylsäure 46,6 Proc. Sterbe- 
faile ergaben. Viele Aerzte geben der Benzoesäure als Antidiphtheriticum den 
Vorzug. 

Zn parenchymatösen und hypodermatischen Carbolinjectionen 
wird Aqua phenylata duplex (2 zu 100) angewendet (1 — 2 volle Pravazspritzen), 
bei Entzündungen einzelner Organe, der Drüsen, bei Blutgeschwülsten, Tumoren 
jeder Art, Erysipelas, Rachenbräune, Luftröhrenentzündung, Lungenentzündung, 
GelenkrheumatiBmus, Lumbago etc. Hueteb hält die Carbolsäure für das mäch- 
tigste Antiphlogisticum und Antipyreticum. Dass hier nur eine sehr reine Car- 
bolsäure in Anwendung kommen darf, ist wohl zu beachten. 

Die Dosis für ein Kly stier ist 0,1 — 0,15 — 0,2 in 150,0 Aq. oder Auf- 
pis8 (bei Durchfall, leiden des Rectums). Stärkste Klystierdosis 0,3. Bedenk- 
lich ist eine Dosis zu 0,5. Frauen sind empfindlicher, Kinder am empfindlichsten 
gegen Carbolsäureinjectionen. Diesen letzteren genügt eine Dosis von 0,05 in 
120,0 Aq. 

Die Pile Doctors (Haemorrhoiden- Aerzte) Nordamerikas sollen in die be- 
treffenden Knoten eine Mischung aus Carbolsäure und Olivenöl (man behauptet 
sogar dne solche Mischung zu gleichen Theilen !) injiciren. Von einigen Seiten wird 
angegeben, dass sie hierzu auch Mischungen aus Carbolsäure, Morphin, Jodoform, 
Chloralhydrat etc. anwenden. 

Eine weitere Anwendung ist die Inhalation des Carbolsäurestaubes. Zu den 
Carbolinhalationen wird 1,0 g höchst reines Phenol in 1 Liter dest. Wasser 
gelöst verwendet bei Lungengangrän und chronischen Lungencatarrhen, besonders 
bei übelriechendem Sputum. 

Saioxssox befolgt folgende Behandlung grosser Brandwunden: 1) Des- 
infection der Wunde und Umgebung mittelst Carbolspray (Aq. phenyl. sunpl.), 
2» Auflegen mit 4 proc. Borsäurelösung getränkter Compressen, 3) Darüberlegen 
von Guttaperchapapier, und 4) Bedecken mit ungeleimter, mit Carbolwasser durch- 
sprengter Watte. 

Heilsam hat sich die Carbolsäure äusserlich angewendet erwiesen bei syphi- 
litiseben Geschwürsformen. Die Aerzte pflegen die Präparate aus Carbolsäure 
gewöhnlich nur mit der Abkürzung Carbol- zu bezeichnen, z. B. Carbolspray, 
Carbolgaze. 



12 Acidam carbolicum. 

In Betreff der Wirkung auf den thierischen Organismus ist zu erwähnen : 
Carbolsäure ist eine giftige Substanz. Sie wirkt direct auf das cerebrospinale 
Nervensystem und auf das Athmungscentrum^ erst reizend , dann lähmend, auch 
ist sie nicht ohne Einflnss auf das Blut, denn nach emigen Stunden der Intoxi- 
cation tritt Hämoglobinurie ein. Die Ausscheidung aus dem Körper erfolgt in 
12 — 16 Stunden. Glycerin mindert die Giftigkeit. 

Im thierischen Organismus unterliegt die eingeführte Carbolsäure zum grös- 
seren Theile einer Oxydation, aus welcher Oxalsäure und Kohlensäure resultiren. 
Der Harn nimmt nach äusserlichem und innerlichem Phenolgebrauch eine dunkle 
bis tintenartige Farbe an. Baumann und Preusse constatirten im Harne nach 
einer Vergiftung mit Phenol Hydrochinon und Brenzcatechin als Aetherschwefel- 
säuren. Das in die Verdauungswege eingeführte Phenol wird hauptsächlich in 
phenolschwefelsaures Salz übergeführt und als solches durch den Harn abge- 
schieden. Salrowski fand bei Phenolgebrauch stets einen Harn mit grossem In- 
dicangehalt. 

Als Gegengift empfiehlt Jandousch Zuckerkalk oder ein Gemisch aus Kalk- 
hydrat und Zucker. Febrand empfiehlt zur Entfernung des Giftes aus dem 
Magen Ipecacuanha, Apomorphin, Magenpumpe, dann Verabreichung von Kalk- 
saccharat oder ein Gemisch aus 5 Th. Kalkhydrat, 16 Th. Zucker und 40 Th. 
Wasser, Milch, Wein, Kaffee, äussere Reizmittel. Die innerliche, besonders die 
äuflserliche Anwendung auf Wunden, zu Klystieren, Injectionen sollte nur mit 
der Aqua phenylata simplex oder duplex geschehen. In concentrirterer Form 
drohen Vergiftungen. 

Gegen Intoxicationen in Folge wiederholter Anwendung der Carbolsäure auf 
Wunden, in Waschungen hat Dr. Sonnebebg, auch Baumann den innerlichen 
Gebrauch von Natriumsulfat (Glaubersalz) stets wirksam gefunden. Sanptleben 
empfiehlt den Gebrauch folgender Mixtur (Rp. Acidi sulf. diluti 1,0; Syrupi gum- 
mosi 200,0. M. S. Stündlich 1 Esslöffel). Mit dem Gebrauch von Glaubersalz 
verschwindet alsbald die dunkle Farbe des Harnes. Die Wirkung beruht auf der 
Bildung von Sulfocarbolsäure, welche nicht giftig sein soll. 



Carbolgaze, Listeb's, Ltster's antiseptic mull, nach Prof. Dr. Paul Bruns 
Anweisung dargestellt. Die LiSTER'sche Carbolgaze wird in der Art hergestellt, 
dass man Gazestoff in eine heisse Mischung von 1 Th. reiner Carbolsäure mit 
5 Th. Harz und 7 Th. Paraffin taucht und dann in mehrfacher Jjage zwischen 
zwei Rollen hindurchpresst. Bruns stellt nun diese Carbolgaze in einfacherer 
und leichterer Weise dar. Er verwendet dazu eine dünnflüssige kalte weingeistige 
Lösung,* welche von dem Baumwollengewebe leicht aufgenommen wird. 1 Kilog. 
entfetteter Gaze (ca. 25 Meter) erfordert circa 2,5 Liter einer Flüssigkeit, be- 
stehend aus 100,0 g Carbolsäure, 400,0 g gepulvertem Colophonium, 40,0 g 
Ricinusöl und 2 Liter Weingeist. Zuerst wird das Colophon im Weingeist ge- 
löst, dann die Carbolsäure zugesetzt etc. In diese Flüssigkeit wird die Craze ein- 
getaucht und darin wiederholt umgedreht, einige Minuten lang mit den Händen 
(wohl besser mit einem Holzpistill) geknetet etc., um eine gleichmässige Durch- 
tränkung zu erreichen. Durch Aufspannung in horizontaler Lage wird das Ge- 
webe getrocknet, was in einer halben Stunde geschehen sein kann. Diese 
BRUNs'sche Carbolgaze (eine lOproc.) ist viel weicher und schmiegsamer als die 
LiSTER'sche Gaze (welche nur 6 — 7 proc. ist) und ist frei von Paraffin, welches 
in vielen Fällen auf die Haut reizend wirkt. Der Preis pro Meter der in der 
Klinik z. B. vom Krankenwärter zubereiteten Carbolgaze kommt, das Meter Gaze 



Acidum carbolicum. 13 

m 18 Pf. angenommen, auf ungefähr 25 Pf. oder 0,25 Mk. Die LisxER'sche 
CarbolgsLze wird zu 35—45 Pf. pro Meter gekauft. Die BRUxs'sche Carbolgaze 
kann nach dem Gebrauch durch Auskochen in stark verdünnter Aetzlauge ge- 
reinigt und dann aufe Neue mit der antiseptischen Flüssigkeit getränkt werden. 

CarM-Gewebe, antiseptische Verbandstoffe. Hierzu verwendet man 
gebleichten und ungebleichten Mull, der mit einer Masse, bestehend aus 16 Th. 
Paraffin, 4 Th. Colophonium und 1 Th. reiner Carbolsäure, imprägnirt wird. Ein 
üebelstand an diesem so zubereiteten Stoffe ist der, dass Paraffin und Colophonium 
den Verbandstoff steif machen und das nachträgliche Waschen desselben erschweren. 
Da der ungebleichte und unbearbeitete Mull einen Fettgehalt von 1 bis 2 Proc. 
hat, welcher eine directe Imprägnirung mit Carbolsäure wesentlich hindert, so 
haben mch die obenerwähnten Mittel zum Auftragen der Carbolsäure als noth- 
wendig erwiesen. Wenn man die Gewebe durch Waschen mit Natroncarbonat 
vom Fette befreit, so lässt sich' die Imprägnirung mit Carbolsäure auch direct 
ermr^lichen. Poehl ^ebt dazu folgende Anweisung. Man bediene sich dazu 
eines kupfernen Apparates,, welcher die Einrichtung eines PAPiN'schen Topfes hat. 
Er ist ein kupferner Kessel mit hermetisch schliessendem Deckel, welcher mit 
Siclierheitsventil und Ableitungsrohr nebst Krahn versehen ist. Zudem ist noch 
eine Oeffhung im Deckel, in welche ein Thermometer eingesetzt wird. In den 
Kessel kommt ein Drahtnetzgestell, welches dazu bestimmt ist, das Gewebe auf- 
zunehmen und zwar derart, dass letzteres die äusseren Wände des Kessels nicht 
l>erührt, wodurch ein mögliches Versengen des Gewebes, wie auch Verstopfung 
des Sicherheitsventiles vermieden wird. Das Gewebe wird vor dem Einlegen in 
den Kessel mit einer Mischung von 100 Th. Acid. carbolic. ehem. pur. cryst. 
und 5 Th- 95 proc Spirit. vini auspulverisirt und zwar nimmt man 3,5 — 4,0 g 
dieser Mischung auf 1 qm. 

Nachdem das Gewebe in das Drahtnetz gelegt ist, wird der Deckel her- 
metisch geschlossen und der Inhalt bis zu 120 bis 130^ C. erhitzt. Sollte das 
»"Mcherheitsventil schon vor Erreichung dieser Temperatur gehoben werden, so 
musA man durch zeitweiliges Oefihen des Ableitungskrahns den Druck im Kessel 
mindern, um einer Explosion vorzubeugen. Sobald die Temperatur von 120'^ C. 
erreicht ist, nimmt man den Kessel vom Feuer und lässt ihn allmählich ab- 
kühlen. Das schliesslich fertige Verbandmittel wird wie gewöhnlich in Pergament- 
papier oder in carbolisirtem Paraffinpapier aufbewahrt. 

Carb^klire-Lint wird nach Prof. Bruns mit einer Losung von 100,0 g Car- 
l>olsäure, 40,0g Colophon und 40,0g Ricinusöl in 2 Liter Weingeist, womit 
1 kg Lint durchtränkt wird, dargestellt. 

PrOfung der Carbol-Verbandstoffe. Diese geschieht nach Poehl, dass man 
ein Stückchen des Stoffes in eine circa 15 proc. Mercurinitratlösung, welche etwas 
Salpetngsäure enthält, eintaucht. Bei Gegenwart von Carbolsäure färbt sich die 
I>'Vsung intensiv roth. Im Allgemeinen genügt eine Extraction eines bestimmten 
Qnadratmaasses oder Gewichts des Verbandstoffes mit 30 proc. Weingeist , wel- 
cher nur die Carbolsäure, aber nicht deren Vehikel oder Bindemittel löst etc. 

AeidBm earbtlicum eamphoratam , Phenolkampfer (vergl. Bd. II, S. 1319) 
*>ll zum innerlichen und äusserlichen Gebrauch geeignet und darin die giftige 
Wirkung der Carbolsäure gemindert oder abgeschwächt sein. 

Dieses Mittel mit der 2 — 3 fachen Menge Olivenöl oder Weingeist verdünnt 
dient besonders zum Bestreichen und Bereiben scabiöser Exantheme sowie der 
Hautanschwellungen in Folge von Insectensticlien und der sogenannten Hautwür- 
mer sowohl bei Menschen wie bei Hausthieren. 



14 



Acidam carbolicum. 



Phenolkampfer empfiehlt sich hauptsächlich als Ersatz der Carbolsäiire beim 
Wundverbande. Es soll weder die Haut noch die Wunde irritiren und macht 
eine Erneuerung des Verbandes alle 8 — 10 Tage nöthig. Es lindert den Schmerz 
der Wunden und vermindert die Eiterbildung. 

GarbolfinÜ8& zum Bestreichen von Holz, dasselbe zu conserviren und vor 
Fäulniss zu bewahren, auch zum Bestreichen der Wände und Mauern, auf wel- 
chen Pilzvegetationen existiren, bei Hausschwamm etc. Es werden in einem 
eisernen Kessel 100 Th. Borax und 50 Th. Aetznatrou in 4000 Th. Wasser 
gelöst, bis zum Kochen erhitzt, allmählich unter Agitation mit 450 Th. Schellack 
versetzt. Nach geschehener Lösung werden der halb erkalteten oder lauwarmen 
Flüssigkeit 200 Th. einer 90 — 95 proc. Carbolsäure (gereinigte) hinzugemischt. 
Dieser Fimiss wird lauwarm verwendet. Er ersetzt das Carbolineum der 
Firma Gebr. Avenarius zu Gau-Algesheim. Vergl. auch Holzlack S. 9. 



(1) Aqua Coloniensls desinfleiens« 

ly: Acidi carbolici puri 10,0 
. Aquae Ooloniensis 100,0. 

Misce. Ein bis zwei Theelöfifel zu dem 
Wasser zu mischen, mit welchem man 
die Hände waschen will, nach Opera- 
tionen, Befassen kranker Thiere etc. 

(2) Bacilla dueiformia carbolica« 

Carbolnasalbougies. Carbolnasenstäbchen. 

i^ Gelatinae albae 55,0 
Glycerinae 30,0 
Aquae destillatae 15,0. 
Calore oalnei aquae in massam gelatinosam 
redactis adde 
Acidi carbolici puri 2,0. 
Effundendo in modulos vitreos vel e charta 
paraffinata factos iiant bacilla quinde- 
cim (15), centimetros octo ad decem 
longa, millimetros circiter quinque lata 
paulum cuneiformia. 

D. S. Nasenbougies (bei übermässigem 
Nasenschleimfluss, stinkendem Nasen- 
schleim etc.). 

(3) Guttae antodontalglcae phenjlatae. 
Phenylirte Zahntropfen. 

i)r Acidi carbolici puri 

Cblorali hydrati ana 2,5 

Extracti Aconiti 1,0. 
Solve in 

Aquae Cinnamomi vinosae 

Tincturae Opii ana 10,0 

Spiritus Menthae pip. 5,0. 

D. S. Auf Baumwolle getropft in den 
hohlen Zahn zu stecken. 

(4) Linimentum carbolisatum Platt. 
Pockenliniment, 
i^ Acidi carbolici puri 5,0 



Aquae destillatae 
Glycerinae ana 50,0. 

M. D. S. Täglich zweimal mittelst eines 
Schwammes die Pusteln zu bereiben (um 
Eiterung und Narbenbildung der Pusteln 
bei echten Pocken zu verhindern). 

(5) Liquor jodocarbollcns Holtz. 

i)r Acidi carbolici 

Spiritus vini ana 5,0 

Aquae destillatae 25,0 

Tincturae Jodi 20,0. 
M. D. S. zum Bepinseln (bei Diphtheritis). 



( 



^6) Liquor Jodocarbolicns 

C. G. ROTHE. 

^r Acidi carbolici puri 

Spiritus Vini diluti ana 1,0 

Tincturae Jodi 0,5 

Glycerinae 

Aquae destillatae ana 2,5. 

M. D. S. I. 25—30 Tropfen auf 1 bis 
2 Esslöffel Wasser (zur Inhalation in zer- 
stäubter Form bei Öiphtheritis, Phthißis 
pulmonum, oder zum Touchiren des 
Scblundkopfes). 

M. D. S. II. 40 Tropfen in einer Tasse 
Wasser zum Mundausspülen, Gurgeln (bei 
Diphtheritis, Scharlachfieber oder als Pro- 
phylacticnm bei herrschender Diphtheritis 
und Scharlachfieber). 

(7j Liquor stypticns Pavesi. 

i^ Acidi carbolici puri 10,0 

Acidi sulfurici concentrati 16,0. 
Digere calore balnei aquae per horas tres. 
Post refrigerationem adde 

Acidi benzoTfci 

Acidi tannici ana 5,0 
antea soluta in 

Glycerinae 

Spiritus Vini ana 25,0. 



Acidum carbolicum. 



15 



Tarn adde 

Aqaae Bosae 200,0. 

Wird als ein vortreffliches blutstillendes 
Mittel gerühmt. 

('8) Hixtvra mtidiabetiea Ebstein, 

Lebert. 

K- Acidi carbolici 5,0 
Aqnae destillatae 150,0 
Aqoae Menthae piperitae 50,0. 

M. D. S. 2— 4 mal täglich 1 TheelöffeL 
('9^ Mixtnra antidiarrhoica infantam 

C. G. ROTHE. 

9e Acidi carbolici 0,2 

Aqnae Menthae piperitae 30,0 
Tinctanie Valerianae aethereae 2,0 
Tinctnrae Opii crocatae 
Tlnetiinie Jodi ana 0,05 (—0,15) 
Mncilaginis Gummi Arabici 
Sympi Papaveris ana 10,0. 

M. D. S. Zweistündlich einen Thee- 
löffel (bei Kindercholera). 

;10 Mlxtura inhalatoria Waldenbcko« 

'Loco Hixturae inh. Waidenburg. Bd. I, 

S. 36 (ijc 33.) 

IV Acidi carbolici puri 5,0. 
Solye in 

Spiritus Vini 25,0. 
Tum adde 

Acidi tannici 20,0 
Aqnae destillatae 100,0 
et agita, donec liquor limpidus effectus 
fnerit. 

D. S. 1— 2£88mffel auf ein halbes Liter 
Wasser zu Inhalationen in zerstäubter 
Form (bei Phthisis, Bronchectasie , Bron- 
ehids putrida). 

Vet. (11) Compositio earbollca nnlrer- 

salis. 

Universal-Carbolcomposition. 

ft- Benzols Snmatrensis notae secundae 
100,0 

Alogs 50,0 

Acidi saÜcylici notae inferioris 25,0. 
In pnlyerem redactis adde 

Olei Spicae 50,0 

Olei Anisi stellati 10,0 

Spiritus Vini 1000,0. 



Macera per diem unum, interdum agitando, 
tum primum admisce 
Acidi olefnici 100,0 
deinde 

Natri caustici crudi 50,0, 
Boracis 25,0 
antea soluta in 

Aquae communis 500,0. 
Inter agitationem digere per diem unum, 
tum mixturae adhuc caudae adde 
Acidi carbolici crudi, 90 ad 95 partes 
Phenoli in centenis partibus conti- 
nentis, 3000,0. 

Agita per horam dimidiam, tum sepone 
loco frigide per hebdomadem unam. 
Post hoc tempus liquorem limpidum co- 
lando decantha. 

D. S. Vorsicht. Ein Theil dieser Flüs- 
sigkeit wird unter Umrühren in die 30— 
120 fache Menge Wasser eingegossen und 
gemischt. Die verdünnte Flüssigkeit wird 
mittelst einer Bürste (sogenannte Schmier- 
bürste) auf das Fell der Hausthiere auf- 
getragen. Dabei ist ein Spritzen in die 
Aufi^en oder an die Geschlechtstheile zu 
verhüten. G^gen Zecken der Schafe, 
Läuse und Flöhe wird die 100 fache, ^egen 
Bände die 30 fache (bei Hunden die 40- 
fache), auf jauchige Wunden die 100 fache 
Verdünnung angewendet, im letzteren 
Falle entweder mit der 100 fachen Ver- 
dünnung die Wunde ausgespritzt oder 
Charpie oder Hede, Werg damit ange- 
feuchtet. Um Fliegen und Insecten ab- 
zuhalten, wird mit der 100 fachen Verdün- 
nung Leinen befeuchtet und das Fell des 
Thieres damit gestrichen. 

Diese Composition ersetzt die Little'- 
sche Flüssigkeit, ist selbst besser als diese. 

Vet. (12) üngnentnni nngnlarinm. 

Unguentum ad ungulas. 
Huf- und Klauenheilsalbe. 

^r Benzoes 

Oatechu 

Carbonis ossium ana 10,0. 
Subtilissime pulveratis admisce 

Acidi carbolici depurati 8,0 

Vaselinae 100,0 

Cerae flavae 10,0. 
Leni calore fiat uuguentum aequabile. 

Salbe bei Brockelhuf, Wunden und Ero- 
sionen des Hufes der Pferde, auch bei 
Klauenleiden der Zweihufer. 



Carbolate of Jodine Inbalant. Eine der rohen Carbolsäure nicht unähnliche 
Flüssigkeit, nach Carbolsäure, Kampfer und W^intergrünöl riechend, von neutraler Re- 
:iction, bestehend aus Phenolkampfer, versetzt mit wenig Wintergi'ünöl (Preis f. 12 g 
2,50 Mk.). (Gates u. Prescott, Analyt.) 



16 Acidum cnrbolicnm. — Acidum carboDicum. 

HnngertordHcbe AntirbenmatisinsaBalbe von Werecke in Berlin iBt eio Ge- 
misch nUB lg Kampfer, lg Cflrholsäure, ]2g Wachssalbe. Preis l.fiOMk. fSciUEDusR, 
Analyt.j 

LiTTLE'a FlBBBifhelt, ein ungiftigcB Mittel, um Seliafe, Rinttvieh etc. von Unge- 
ziefer in leichter und billiger Weise zu reioieeo, Heilmittel gegen Baude, ist eine 
dunkelbraune dicklicli HieBsende Subetnoz, in ihrer HaiiptmaBae aus roher CarbolBäure, 
verseift durch N'atron, bestehend. Wahrscheinlich enthält es nocli etwas TerpeDtliinOl, 
Quilhijaeitract. (Soll in England, Frankreich und Oesteireich patentirt soinj Vergl. 
P. 15 CompiJBitio carbolica universalis. (Hager, Analyt.) 

DeBinteetlonspnlTer, Durlab', besteht aus Calcium autfit, Kalk, CarbolBäure. 

Wanzanmlttel, K.vmpe'b, scheint ein TabakaufguGs , versetst mit CarbolBäure, 
nach Angabe Ql'eszel's jedoch nur Miatjnuche zn sein. 



Acidum carbonicnm. 

CarVolCDB Beins', durch Druck verflilssigte Kohleitsüure, verwendbar zur Dar- 
stellung von Kohlen Bftuerlingen, auch als motorische Kraft. Zur Darstellung be- 



g. 1, Ein starkwündi^e« «i«ern(i Rohr, in .1 lifBend. «u-eefMIt mit Nutnnmi 
bloBH6Q und bei ff angctchriQbt. £ tin kleiner KAfalks-ief; C Glairohr. umg 
-ernfn Rohre, -eria sich zwei g*K.n6ber«»hend8 Llngsschlit« beflnaen « 
tptel dicneideH. mit Glasplatten webenes Küblrehr, B SpiritDt- cdec Gi 
Linpe B (D, mo wird du in A >ich beündende Dicaibonit erhitit und iet»«t:it, i 
id Iksat dort das gleichieitic in Dampf dbergrmbrte KTjetallwaBaer det Natriumdi 
ond / gelangt di<- Koblen^tDni in C. Üae Manometer leigt >tets bAfasce Bpai 
UDOBpbären anhiebt, bei welcben Kob]eni<äure eich veiAH^BiBt, und man Eie] 
der Winde de» Glairohrs al; Flötsigteil bsionlerdies'en nnl «ich doH antim 
kann die HbM'ig« Keblenskiir« »bgelaüen weidsn. 



Acidam carbonicnm. — Acidum chromicum. 17 

nutzt er ]S!satritLmdicarboiiat und eine Eisenretorte, welche aus zwei concentrischen 
Mieu bestellt. In den durch diese beiden Röhren gebildeten ringförmigen Raum 
^ird das Dicarbonat eingeschichtet, in das Innere der centralen Röhre ein Gllih- 
üäeu gele^, d^sen Hitze die Kohlensäure aus dem Salze austreibt. Die Kohlen- 
^ute gelangt in einen mit Manometer versehenen Gasbehälter, nachdem der an- 
Mu^ende "Wasserdampf unterwegs condensirt worden ist. Der Druck wird bis 
xor Yeiftüssignng der Kohlensäure gesteigert. Die flüssige Kohlensäure wird 
durch einen Hahn abgelassen. Der Apparat, durch vorstehende Figur vergegen- 
wärtigt, wird von der Firma B£Ins, Hoen & Corveb in Groningen in den 
Handel ^bracht. In Deutschland fand er bisher wenig Aufnahme. 

Chemie U. Analyse. Zur Bestimmung der Kohlensäure neben Schwefligsäure 
in C^rbonaten, Sulfit- und Hyposulfitlösungen soll man sich nach Polacci's Angabe 
des reinen Kalibitartrats bedienen, welches nur die Kohlensäure freimacht. 

Die Wirkung der Kohlensäure, welche mit kohlensäurehaltigen Getränken 
genossen wird, ist ähnlich derjenigen, welche sehr kleine Gaben Mineralsäuren 
zur Folge haben. Eis erfolgt eine geringe Belebung der Verdauung und eine 
etwas vermehrte Hamsecretion. Es handelt sich hier im letzteren Falle nur um 
eme reflectorische Beeinflussung der Nieren von Seiten der Magennerven. Da- 
durch, dass die Kohlensäure durch die Wärme der Verdauungswege freigemacht 
wird, nimmt sie Wärme auf, und jedes zerspringende Kohlensäurebläschen er- 
zeugt auf der Haftstelle ein Kältegefühl (Prickeln). Ein Theil der Kohlensäure 
wird vom Mageninhalt resorbirt und wirkt dann, wie schon erwähnt ist, wie 
kleine Mineralsäuregaben. 

Als Gegengift bei Intoxlcationen durch Kohlensäure und Kohlenoxydgas wird 
von Dr. Schlosser neben dem Einflüsse frischer Luft der Gebrauch einer Lösung 
von 0,3 Extr. Seealis comuti in 50,0 Wasser (viertelstündlich ein ThöelöflTel) 
empfohlen. 



Acidnm chromicum. 

üeber* die Darstellung der Chromsäure und deren Aufbewahrung findet sich 
eine von Holzschnitten begleitete Arbeit von Gawalovski in Zeitschr. f. analyt. 
Ch. 17, S. 179. Der aus einer heiss gesättigten Kalibichromatlösung mittelst 
Schwefelsäure ausgeschiedene Chromsäurebrei wird in einem Trichter gesammelt, 
dessen Rohrtheil abgeschnitten ist. Dieser Trichter ist in einen grossen Trichter 
eingesetzt und mit Glaswolle- so abgeschlossen, dass eine Schicht Glaswolle 
zwischen beiden Trichterwandungen lagert. Der Aussentrichter wird mit einer 
Glasplatte geschlossen. Nach dem Abtropfen der Flüssigkeit werden die Kry- 
ätalle in einer gleichen Menge gesättigter Kaliumdichromatlösung gelöst, dann wieder- 
um mittelst Schwefelsäure gefällt und der abgeschiedene Brei wieder in die 
Trichtervorrichtung gebracht. Der Trichter wird nun mit dem Chromsäurebrei 
auf ein Becherglas gestellt, 12 Stunden im Exsiccator placirt und der Brei auf 
Backstein trocken gemacht, dann in wenigem Wasser gelöst, mit etwas Baryum- 
Chromat versetzt, durch Glaswolle filtrirt und in massiger Hitze zur Krystalli- 
sation abgedampft. Ueber die Aufbewahrung vergleiche man die genannte 
S^tschrift. 

Haser, Pharm. Praxis. SappL 2 



18 Acidum chromicum. — Acidam citricum. 

Es wird von v. Mosetig in dem Jahresb. d. k. k. Krankenhauses Wieden 
ein Yergiftungsfall mit tödtUchem Ausgange gemeldet. Das kraterförmige Car- 
cinoma medulläre mammae simstrae bei einer 39jährigen kräftigen Frau wurde 
behufs Hemmung des jauchigen Zerfalls mit Chromsänre cauterisirt. In der 
nächstfolgenden Nacht traten mehrere Intoxicationserscheinungen (Erbrechen, 
Bauchschmerzen etc.) auf und der Tod erfolgte am Morgen. Mosetig hatte 
schon früher bei Anwendung von Chromsäure als Aetzmittel Erbrechen beob- 
achtet, dasselbe aber der Anwendung von Chloroform zugeschrieben. Der vor- 
liegende Fall erwies aber das Erbrechen als Folge der Anwendung der Chrom- 
säure. Letztere erfordert also Vorsicht. 

Delpech und Hillaibet besprechen in den Annal. de hygiöne publ. 1876 
die Krankheitserscheinungen, welchen die Arbeiter in den Fabriken, in welchen 
Chromate dargestellt und verarbeitet werden, ausgesetzt sind, wie die Ulcera- 
tionen an den Extremitäten, Wunden und Perforationen an den Nasenknorpeln, 
ErstickungszufUlle, Lufhröhrenentztindung, Geschwüre in der Kehle, welche syphi- 
litischen ähnlich sind, Kopfschmerz, Schwäche etc. 



Acidum citricum. 

Der Italienische Cittonensaft soll mit Kochsalz, Schwefelsäure, Salpetersäure, 
Weinsäure oft beschwert und verfälscht sein. 

In Deutschland hat sich zu Rosslau a. d. Elbe eine Citronensäurefabrik 
unter der Firma Dr. E. Fleischer & Cp. etablirt, welche eine sehr schöne reine, 
völlig bleifreie Säure liefert, auch einen reinen klaren Citronensaft mit 
einem Gehalt von 16 Proc. krystall. Säure in den Handel bringt. Dieser letztere 
Artikel wird der praktischen Pharmacie sehr willkommen sein. 

E. BoüRGOiN fand, dass 100 Th. absoluter Aether 2,26 Th., absoluter 
Weingeist fast 76 Th. und 90 proc. Weingeist 52,8 Th. Citronensäure lösen. 

Chemie U. Analyse. * Zum Nachweise der Apfelsäure neben Citronen- und Bem- 
steinsäure soll man (nach Pagasogli und Poli) die Flüssigkeit mit etwas 
Schwefelsäure und Kalibichromat versetzen und erwärmen. Bei Gegenwart von 
Aepfelsäure entwickelt sich der Geruch nach überreifen Früchten. 

Um die Citronensäure in Fruchtsäften nachzuweisen, verfährt man (nach 
Laskowsky und Sababin) in folgender Weise: Man vermischt den Saft mit 
gleichviel Weingeist, lässt absetzen, iiltrirt, fällt mit Bleiacetat aus, sammelt den 
Niederschlag, wäscht ihn, digerirt ihn in Aetzammon, verdunstet die Lösung bis 
zur Austreibung des Ammons, leitet Schwefelwasserstoff hinein, beseitigt das 
Schwefelblei, dann den Überschüssigen Schwefelwasserstoff, versetzt mit Baryt- 
acetat, erwärmt, sammelt den entstandenen Niederschlag, wäscht ihn aus und 
zersetzt ihn mit Schwefelsäure. Endlich wird die vom Barytsulfat getrennte 
Flüssigkeit eingetrocknet nnd mit der 6 fachen Menge 10 proc. Aetzammon in 
einer verschlossenen oder zugeschmolzenen Glasröhre 6 Stunden hindurch auf 
120® C. erhitzt. Der Röhreninhalt färbt sich, lag Citronensäure vor, gelb und 
Krystalle scheiden sich daraus ab. Giesst man dann die erkaltete Flüssigkeit in eine 
porzellanene Schale, so nimmt sie nach einigen Stunden unter Verschwinden der 
Krystalle eine blaue Farbe an, welche nach einigen Tagen blassgrttn wird und 
endlich in Farblosigkeit übergeht. Während das Blau auch im durchfallenden 



Acidam citricum. — Acidum cresotinicum. 19 

Lichte blau, und zwar noch intensiver erscheint, sieht das Grün im durchgehen- 
den Lichte blau aus. 

Wird das Erhitzen in der verschlossenen Röhre länger und bis auf 150^ 
fortgesetzt, oder nimmt man auf 30 CC. Aetzammon 10g der Säure, so erfolgt 
die Grflnf^bung direkt. Steigert man aber die Hitze auf 160^, so bleibt die 
Färbung aus. 

IHeses Verhalten der Citronensäure wird nicht beeinträchtigt durch die 
G^enwart vorwaltender Mengen Oxalsäure, Weinsäure, Apfelsäure, nur Bedingung 
ist, dass wenigstens 0,01 g Citronensäure zugegen sein muss. Itakonsäure scheint 
die Reaction allein zu stören. 

Zur Prüfung der Citronensäure des Handels auf Weinsäuregehalt oder Bei- 
mischung giebt man nach (Cailletet) in ein Reagirglas 10 CC. kalte gesättigte 
Kaliumdichromatlösung und lg des Säurepulvers und rührt mit einem Glasstabe 
um. In 10 Minuten ist die Flüssigkeit orangefarben bis bräunlich, bei Gegen- 
wart von Weinsäure dunkelbraun bis schwarzbraun. Reine Weinsäure wird da- 
durch sehr schnell dunkelpurpurviolett bis schwarz, reine Citronensäure dagegen 
sehr langsam kaffeebraun. 

Iatr«-Kali eitrieim» Natrio-Ealium citricum wird von Pusch empfohlen 
als Ersatz des Tartarus, natronatus im Pulv. aßrophor. laxans. Es werden 
108 Th. Ealicarbonat und 221 kryst. Natroncarbonat mit Citronensäure (100 Th.) 
gesättigt und zur Kristallisation gebracht. 



Acidnm cresotinicum. 

Aeidm cresttinienm, Cresotinslnre (CgH^Oa = 152). Farblose, bei 150^ 
schmelzende Prismen, schwer löslich in kaltem, leicht IMich in kochendem Was- 
ser, Weingeist und Aether. In Borax, Natriumcarbonat, Ammon enthaltendem 
Wasser ist sie leicht löslich. Sie entsteht aus dem Cresol oder Cressylalkohol 
(C^HgO) wie die Salicylsäure (CjHgOa) aus dem Phenol oder Phenylalkohol 
(C^H^O) beim Einleiten von Kohlensäure in erhitztes Cresol, welches mit Aetz- 
natron verbunden ist. Sie hat auch mit der Salicylsäure im Geschmack und dem 
Verhalten g^en Reägentien viel Aehnlichkeit. Mit Ferrichlorid erzeugt sie eben- 
falls eine violette Färbung. 

Dr. C. F. Buss zu Basel, von der Voraussetzung ausgehend, dass die Cre- 
sotinsäure als eine der Salicylsäure homologe Verbindung auch ähnliche Wir- 
kungen haben müsse, veranlasste die therapeutische Prüfung der Säure und des 
cresotinsauren Natriums. Die klinischen Beobachtungen an Fieberkranken, be- 
merkt Dr. Buss, lassen keinen Zweifel übrig, dass die Cresotinsäure ein dem 
Chinin und der Salicylsäure ebenbürtiges Autipyreticum ist (BerL klin. Wochen- 
achr.). Das cresotinsäure Natrium wurde zu 6,0—8,0 gegeben. Nach dem Ein- 
Behmen klagte der Kranke zuweilen über schlechten Geschmack, nie über unan- 
genehme Sensationen, meist stellte sich aber Ohrensausen, selten Schwerhörigkeit 
n$cb einigen Standen ein. Weitere Versuche ergaben, dass Cresotinsäure dieselben 
WjrlnmgeD wie die Salicylsäure hat, und hat sie daher auch einen Eingang in 
Jeo Arzoeischatz gefanden, wird aber in letzterer Zeit nirgends angewendet. 



2* 



20 Acidum gallicum. — Acidum hydrobromicum. 



Acidum gallicnm. 

BouEGOiN fand, dass bei 15^ C. je 100 Th. absoluter Aether 2,56 Tb., 
absoluter Weingeist 38,8 Tb., OOproc. Weingeist 23,3 Tb. Gallussäure lösen. 

Die Reaction der Gallussäure (und Gallusgerbsäure) mit Ferricblorid wird 
durcb die Gegenwart des officinellen Natriumpbosphats niebt gestört, wobl aber 
dieselbe Reaction der Salicylsänre und Carbolsäure (Hager). 

Zur AufPrisebung und zum Leserlichmacben geschriebener alter Schrift 
erweist sich eine weingeistige Iproc. Gallussäurelösung brauchbar. Das damit 
genetzte Papier trocknet leicht ab, ohne fleckig zu werden (Hager). 



Acidum hydrobromicum. 

•{* ieidom hjdrobromicaii concentratum, 'concentrirte Bromwasserstoff- 
ganre, concentrirte Hjdrobromsäore, eine 25 Proc. Bromwasserstoff enthaltende Säure 
(HBr + 27 Aq = 324), von 1,203—1,205 spec. Gew. 

Darstellung. In eine Gasentwickelungsflascbe giebt man 100 Tb. krystal- 
lisirtes Natronhyposulfit, 50 Th. Brom und 17 Th. Wasser und leitet 
das sich entwickelnde Gas in die obere Schiebt von 140 Th. destillirtem 
Wasser. Die Gasentwickelung wird, wenn sie träge erscheint, durcb gelinde 
Erwärmung unterstützt (Mäne). Ausbeute 185—190 Tb. flüssiger Säure. 

Acidum hydrobromieum (dilutum), Terdlnnte BromwasserstoMare, die mit 

gleichviel destillirtem Wasser verdünnte Säure. Sie wird dispensirt, wenn der 
Arzt Acidum hydrobromicum ohne weitere Bezeichnung vorschreibt. Die 
Aerzte Nord-Amerikas, welche diese Säure zuerst anwendeten, bedienten sich einer 
8- bis 10 proc. Säure, dargestellt ex tempore aus Kaliumbromid und Weinsäure. 

Zur Darstellung, ex tempore, welche nur im Notbfalle zulässig ist, 
wäre die Zersetzung des Ealiumbromids mittelst Weinsäure zu unterlassen, denn 
sie ist eine sehr unvollkommene. 

Eine etwas bessere Vorschrift zur Darstellung einer 12,5 proc. Säure ist, in 
einem Glaskolben 15,5 Kaliumbromid in 25,0 heissem Wasser zu lösen, die Lö- 
sung mit 38,0 verdünnter Schwefelsäure (1,115 spec. Gew.) zu versetzen, den 
Kolben in kaltes Wasser zu stellen, dann nach einiger Abkülilung mit 40,0 eines 
90 proc. Weingeistes zu vermischen, nach zweistündigem Beiseitestellen an einen 
kalten Ort durch Glaswolle zu filtriren und den Rückstand im Tiichter mit 15,0 
eines 80 proc Weingeistes nachzuwaschen. Das Filtrat giebt man in eine kleine 
Tubulatretorte oder, wenn die Fertigstellung Eile hat, in ein tarirtes Porzellan- 
kasserol und dampft den Weingeist im Wasserbade bei 60 — 80^ C. soweit ab, bis 
die Flüssigkeit auf 80,0 reducii-t ist oder verdünnt den Rückstand bis auf 80,0 
mit destillirtem Wasser. Das Abdampfen des Weingeistes geschieht am besten 
in einer Retorte. Wird es in einem Kasseroi vorgenommen, so ist eine Ammon 
enthaltende Luft und auch das Athmen in der Nähe der Säure zu vermeiden. 
Es entweichen zwar nur höchst imbedeutende Mengen Bromwasserstofi', doch sind 
sie den Lungen immerbin schädlich. 



Acidam hydi*obromicum. 21 

Behnfe Gewinnung einer lOproc. BromwasserBtoffsäure ist das Nachwaschen 
des Trichterinhaltes mit 20,0 eines 62 proc. Wemgeistes passend nnd die Con- 
eentration nicht anf 80^0, sondern auf 100,0 zu stellen. 

Eigenschaften. Die reme Bromwasserstoffsäure ist eine farblose, wasserhelle, 
sehr saure, beim Erhitzen völlig flüchtige, mit ammoniakalischen Dämpfen in Be- 
rührung kommend rauchende Flüssigkeit von erstickendem Gerüche, welche auf 
Zusatz von Chlorwasser sich gelb färbt und nun mit Chloroform oder Aether 
geschüttelt, auch diese gelb färbt. 

Die of&cinelle Säure muss möglichst frei sein von Jod, JodwasserstolQf, Chlor- 
wasserstoff, Ammon, und völlig frei sein von fixen Substanzen und Metallen. 

Häufig ist die Säure schwach gelblich gefärbt in Folge Spuren freien Broms, 
Jods oder Jodwasserstoffs. Die ex tempore bereitete Säure enthält starke Spuren 
Salzsubetanz und Schwefelsäure, und wenn zu ihrer Darstellung ein jodhaltiges 
Kaliumbromid verwendet wurde, wird sie mehr oder wenig gelb gefärbt er- 
scheinen. 

Das spec. Gew. der 25 proc. Säure ist bei 15^ C. 1,204, der 12,5 proc. 
1,97—1,98. Es ist bei 10 Proc. 1,077—1,078, bei 20 Proc. 1,158—1,159, bei 
30 Proc. 1,251—1,252. 

Aufbewahrung: mit Vorsicht, in einer Flasche mit Glasstopfen und Glas- 
kapsel, um ammoniakhaltige Luft abzuhalten. 

Prüfung. 1) Völlige Flüchtigkeit beim Erhitzen mehrerer Tropfen in einer 
Glasschale im Wasserbade. Ein weisser Rückstand deutet auf Ammongehalt, 
wenn — 2) einige Tropfen der Säure im Platinschälchen erhitzt sich völlig flüchtig 
erweisen. Bleibt auch hier ein Rückstand, so sind fixe Stoffe gegenwärtig. — 
3) Prüfung sowohl der mit Wasser verdünnten, als auch der mit Ammon über- 
sättigten Säure mittelst Schwefelwasserstoffs auf Metalle. — 4) Prüfung auf Jod 
und Jodwasserstoff. Ersteres ergiebt sich an der violettrothen Farbe des 
mit etwas Säure geschüttelten Chloroforms. Es macht die Säure verwerflich. 
Jodwasserstoff und auch Jod werden erkannt, wenn man zu 5 Tropfen der Säure 
5 CC. Wasser und 5 CC. Aetzammon giebt und dem Gemisch einen Tropfen 
Silbemitratlösung zusetzt. Nach dem Schütteln muss die Mischung klar oder 
darf höchstens nur so getrübt erscheinen, dass ihre Durchsichtigkeit nicht total 
gestört ist letzteres Verhalten deutet nur auf eine entfernte, daher zulässige 
Spur Jodwasserstoff. — 5) Prüfung auf Chlorwasserstoff. 2 Tropfen der 
concentrirten oder 4 Tropfen der verdünnten Säure werden in einem Reagir- 
cylinder mit 4 — 5 CC. Wasser und circa 10 Tropfen Silbemitratlösung versetzt. 
Nach dem Durchschütteln giebt man 6 — 8 CC. Ammoniumcarbonatlösung (Lösung 
des etwas vervritterten offlcinellen Salzes) hinzu und macerirt unter bisweiligem 
Umschütteln circa 10 Mmuten. Man filtrirt nun und giesst das etwa zuerst 
trübe abtropfende in das Filter zurück, bis das Filtrat total klar erscheint. Von 
dem Filtrate werden einige CC. mit reiner Salpetersäure übersättigt. Bleibt es 
klar, so ist kein Chlorwasserstoff vorhanden. Es ist je nach der Menge desselben 
aber opalescirend bis milchig trübe. Eine massige Opalescenz macht die Brom- 
wasserstoffsäure nicht verwerflich. — 6) Bestimmung des Säuregehaltes auf volu- 
metrischem oder stathmetometrischem Wege. 

Anwendung. Viele Aerzte ziehen die Hydrobromsäure dem Kaliumbromid 
vor, dessen unangenehme Nebenwirkungen ihr Gebrauch nicht zur Folge haben 
soll Gegen Ohrensausen, Krampfhusten, Erbrechen Schwangerer, bei dyspeptischen 
Zuständen wird die concentrirte Säure zu 1 — 2—3 Tropfen (0,05—0,1 — 0,15) 
stündlich bis zweistündlich in starker Verdünnung (1 ; 100—150) gegeben. 



22 Acidum hydrobromicum. — Acidum hydrochloricum. 

Die verdünnte Säure wäre in doppelt so grosser Menge zu verordnen. Die 
stärkste Einzelngabe der concentrirten Säure wäre zu 0,6 anzunehmen. 
Die Hydrobromsäure dtlrfte äusserlich in allen den Fällen bei Croup und 
Diphtheritis anwendbar sein, in welchen man bisher Salzsäure gebrauchte, jedoch 
stets nur in einer Verdünnung mit der 5 fachen Menge Wasser. 

(1) Mixtnra hydrobromica« (2) Pilolae hydrobromlcae. 

J^ Ealii bromati 5,0 

lyr Acidi hydrobromici diluti 5,0 Acidi hydrobromici diluti 10,0 

Aquae Menthae piperitae 200,0 Glycerinae 6,0 

Synipi Aurantii corticis 50,0. Tragacanthae 12,5 vel q. s. 

nr T^ o Tk««;«*««^!;/.!. ^i«Ä« TTaQu;«-/.! ^- Fiant pilulae ducentae et quadraginta 

nehmen. (Bei Erbrechen Schwangerer und D. advitr. S. 2 — 3stündl.3Pillen. (Jede 
Dyspepsie.) Pille enthält 1 Tropfen verdünnter Säure.) 



Acidum hydrochloricum. 

Behufs der Dispensation in Mischungen sind 1 g zu rechnen =16 Tropfen, 
2 g = 33, und 3 g = 50 Tropfen. 

Prüfung. Eine solche auf Arsen, Antimon, Kupfer etc. geschieht einfach 
durch Aufsetzen kleiner Tröpfchen auf starkes Stanniol. (Vergl. unter Arsenum.) 
Hierzu wird die rohe Säure mit dem zweifachen, die reine 25 procentige mit dem 
gleichen Volumen Wasser verdünnt. Ein grauer oder schwarzer Fleck im Ver- 
laufe von 1 — 2 Stunden macht beide Arten Säuren verwerflich. 

Chemie U. Analyse. Reagens auf freie Salzsäure neben Chloriden ist (nach 
Löttenthal) bei Abwesenheit- der Chloride des Eisens und Zinns, Bleihyperoxyd, 
welches Chlor frei macht. 

Die aus Königswasser entwickelten Dämpfe sind (nach Goldschmidt) 
ein Gemenge von Chlor und Nitrosylchlorid (NOCl). 

KältemiseliDngen aus Salzsäure (1,185 sp. G.) und Schnee. 

500 Schnee und 200 Säure — 29«, 500 Schnee und 250 Säure — 31«. Wird 
die Säure bis zu mehreren Kältegraden abgekühlt, so filllt die Temperatur noch 
um mehrere Grade. 

Krjstallinische Insterang des Weissbleches wird (nach Dr. Bering) erlangt, 
wenn man das bis zum beginnenden Schmelzpunkt des Zinnes erhitzte Weissblech 
in eine Flüssigkeit, bestehend aus 16 Salzsäure, 8 Salpetersäure (1,3 spec. Gew.), 
24 Wasser und 1 — 2 Th. Kalibichromat eintaucht, nach dem Abspülen mit einer 
Natronhyposulfitlösung benetzt etc. Nach Haoeb erreicht man eine krystallinische 
Musterung, wenn man das heisse Blech mit einer heissen Mischung von Schwe- 
felsäure (circa 100 Th.) mit Kochsalz (50 Th.), gelöst in Wasser (300 Th.) 
übergiesst. 

likothanaton (nicht Mykothanaton), Schwammtod der Firma J. Herrmakn 
(Berlin) ist der Rückstand aus der Kohlensäureentwickelung aus Magnesit mittelst 
Schwefelsäure in 20 proc. Salzsäure gelöst. Man kann es ex tempore darstellen, wenn 
man circa 10,0 Eisenvitriol, 20,0 Kupfervitriol, 300,0 Bittersalz in 300,0 Wasser 



Acidum hydrochloricum. — Acidum hydrocyanicum. 23 

und 300,0 roher Salzsäure löst. Nutzloses Mittel. (Hager, Analyt.) Nach 
Prof. M. BauLpO's Untersachung enthält ein Liter 1,16 Eisenoxyd und Thonerde, 
1,47 Cnprioxyd, 16,72 Magnesia, 99,9 Schwefelsäure und viel Salzsäure. 

Tinnm amethystnm. 

Antikaterweiu. Katensein. 

^ Vini nostratis 500,0 

Spiritus Vini 5,0 

Tmeturae aromaticae 2,5 

Glycerinae 10,0 

Acidi hydrochlorici 5,0. 
Mixta sepone per horam unam loco tepido, 
vase clauso. 

D. S. Alle 1—2 Stunden Va Weinglas 
(2 EsslöflFel) voll mit V2 Weinglas Wasser 
gemischt zu trinken. 



Acidum hydrocyanicum. 

IKe Bildung von Azulmin, dem starren braunen Cyanwasserstoff, scheint 
durch die Gegenwart einer nur geringen Menge Alkali veranlasst zu werden. 

Chemie u. Analyse. Betreffend den Nachweis der Blausäure in VergiftungsfäUen 
empfiehlt Sokoloff auch die Muskeln als Objecte, in denen die Blausäure an- 
zutreffen ist, anzusehen, besonders wenn die Untersuchung längere Zeit nach der 
Vergiftung gefordert wird. Die fraglichen Körpertheile werden mit Wasser, wel- 
ches nut Schwefelsäure stark sauer gemacht ist, übergössen und (in einer Retorte) 
entweder einer langsamen, 2 — 3 Tage dauernden Destillation aus dem Wasser- 
bade oder einer eintägigen aus dem Sand- oder Oelbade unterworfen. Da ver- 
modernde Körpertheile hierbei auch Schwefelwasserstoff entwickeln, so soll man 
das mit Kali flbersättigte Destillat mittelst Bleiacetats davon befreien, ehe man 
zur Titrirung mit Silberlösung schreitet. 

Von den bekannten Reactionen auf Blausäure ist die Rhodanreaction (Ferri- 
snlfocyanidreaction) eine ungemein empfindliche, denn Almen konnte sie noch 
bei einer Yerdflnnung von 1 : 4 000 000 erkennen. Nach Almen's Vorschlage 
wird die auf Blausäuregehalt zu prüfende Flüssigkeit mit einer Spur Natron- 
lange alkalisch gemacht, um beim Erwärmen im Wasserbade eine Verflüch- 
tigung des Ammoniumrhodanids zu verhüten, dann mit Schwefelammonium (gelb- 
gewordenen) versetzt, zur Trockne eingedampft, der Rückstand mit wenigem 
Wasser aufgenommen, mit sehr geringer Menge Salzsäure und einige Minuten 
später mit Ferrichlorid versetzt. In einer anderen Probe wurde nur bis zum 
Farbloswerden der Flüssigkeit eingedampft, angesäuert und dann mit Ferri- 
chlorid versetzt. Bei sehr starker Verdünnung war die gesättigt blutrothe Fär- 
bung dnrch Orangeroth ersetzt. Nächst dieser Reaction erwies sich die Guajak- 
kupferreaction als eine sehr empfindliche, denn sie war noch bei einer Verdünnung 
von 1 : 3 000 000 deutlich. Ein Fliesspapierstreifen, mit einem Auszuge des Guajak- 
harzes mit 4proc. Weingeist getränkt, nach dem Ti'ocknen mit einem Tropfen 
einer Y4 proc. KnpfervitrioUösung befeuchtet, ergab bei der erwähnten Verdünnung 
noch deutliche Blaufärbung. 

Anwendung. Macdonald empfahl die Blausäure bei Nachthusten der Kinder. 



24 



Acidum hydrojodicum — Acidam hydrosalfuiicum. 

Acidnm hydrojocLlcnm. 



Die ViGiER'sche Vorschrift zur Darstellung der JodwasserstofFsäure berich- 
tigte EoLBE dahin, dass man in eine mit Kohlensäure angefallte und mit 10 Th. 
Jod beschickte Retorte nach und nach 1 Th. Phospor in kleinen Stücke» ein- 
trägt und das dann noch einige Zeit hindurch erhitzte Gemisch von Di- und 
Trijodphosphor nach dem Erkalten mit 4 Th. Wasser übergiesst. 



Acidnm hydro-siliclo-fluoricnm. 

Man ist auf die Idee verfallen, Kindern behufs Belebung der Zahnbildung 
Fluorverbindungen zu reichen, obgleich die unteren Volksschichten und die wilden 
Völkerschaften ohne Gebrauch von Fluorverbindungen die herrlichsten Gebisse 
aufweisen. 



I. Pulvis ad Odontophyiam. 

Vf Acidi hydro-ailicio-fluorici 100,0 
Natri phosphorici 
Kali bicarbonici 
Natri bicarbonici ana 5,0 
vel q. s., ut liquor sit reactionis alka- 
lini. Leni calore evapora, tum massam 
residuam misco cum 
Tragacanthae 10,0 
Sacchari lactis 
Sacchari albi ana 65,0, 
ut fiat pulvis subtilis. 
D. S. Nach Abgewöhnung des Kindes 
von der Mutterbrust ist demselben täglich 
so viel wie eine Erbse gross mit der Milch- 
nahrung zu geben. 



II. Tabulae ad Odontophyiam. 

!^ Natri i vel Kalii fluorati 5,0 

Natri phosphorici leni calore dilapsi 
Tragacanthae ana 10,0 
Sacchari albi 250,0 
Glycerinae 30,0 
Aquae destillatae 15,0. 

M. Fiant tabulae vel trochisci quin- 
genti. 

D. S. Täglich eine halbe bis ganze 
Pastille nach dem Abgewöhnen von der 
Mutterbrust (um die Bildung eines ge- 
sunden kräftigen Zahngebisses zu unter- 
stützen). 



LSthsalz. Als solches empfiehlt Stolba Borfluorkalium, Kaliumbor- 
fluor id (KBFI4), dargestellt durch Auflösen von 100,0 Kaliumdicarbonat und 
61,8 kryst. Borsäure in Fluorwasserstoffsäure, so dass diese vorwaltet, oder auch 
aus Kaliumcarbonat durch Sättigen mit Borfluorwasserstoffsäure. Der Geschmack 
ist schwach bitter. Es ist löslich in Wasser und Weingeist, schmilzt bei geringer 
Erhitzung, bei der Löthhitze Fluorborgas freilassend. Bei der Anwendung ist das 
Aufathmen des Fluorborgases zu vermeiden. 



Acidnm hydrosulfuricnm. 

Die Darstellung des Schwefelwasserstoffgases durch Erhitzen von Paraffin 
mit Schwefel bis auf 110® C. erfordert einen besonderen Apparat, welcher eine 
Verdichtung der Paraffindämpfe ermöglicht, che das Gas in das Waschgefäss oder 
in die Gasleitungsröhre eintritt. Acceptirt man den Apparat Hageb's (Handb. I, 75, 
Fig. 26), so wäre h und c mit einem circa 10 Ctm. langen, circa 4 Mm. weiten 
Glasrohre oder durch ein weites Glasrohr, welches in seiner Mitte eine kuglige 



Acid. lactic. — Acid, molybdaenic. — Acid. nitric. 25 

ErweiteroDg hat, zu verbinden, für die Paraffindämpfe ist also eine Verdichtungs- 
Vorrichtnng anzubringen. Diese Art der Entwickelung des Schwefelwasserstoff- 
gases empfiehlt sich nicht (Hager). 

Chemie und Analyse. Von R. Otto wurde darauf aufmerksam gemacht, 
dass das Schwefelwasserstoffgas, aus rohen Materialien dargestellt, nicht selten 
Arsenwasserstoff enthalte und man deshalb in forensischen Untersuchungen, in 
welchen Arsen in Frage kommt, dieses Gas aus reinen Materialien oder aus Cal- 
ciumsiilfid, dargestellt aus Calciumsulfat, mittelst Salzsäure entwickeln solle. 

Toxicologisches. Bei Vergiftung durch Cloakenluft empfiehlt Dr. Th. 
Schlosser innerlich 10 Tropfen Spiritus aethereus mit wenig Wasser, Riechen 
an Spiritus Aetheris nitrosi oder Chlorkalklösung neben frischer Luft und Waschung 
mit Essig. Statt des Riechens an Chlorpräparaten ist ein vorsichtiges Riechen 
an verdfinntem Bromwasser vorzuziehen (Handb. I, 76). 



Acldiim lacticum. 

Anwendung. Laufenauer empfahl die Milchsäure als mildes Hypnoticum, 
doch wandte er zu starke Gaben an (5,0 — 10,0 stark verdünnt auf 2 — 3 mal 
nach dem Abendbrote). Andere beobachteten unangenehme Nebenwirkungen (wohl 
in Folge zu starker Gaben), so dass man von der Anwendung als Hypnoticum 
absteht. Salzsäure ist ebenfalls indirect ein Hypnoticum, aber nur in starker 
Verdünnung (0,8 — 1,0 — 1,5 in 400,0 Zuckenvasser nach dem Abendbrote halb- 
stündlich auf 4 — 5 mal zu nehmen) , indem sie wie die Milchsäure das Verdau- 
ungsgeschäft während des Schlafes erleichtert (Hager). 



Aeidnin molybdaenlcnm. 

imieniun molybdaenieom. Der gelbe Bodensatz, welcher sich in der Lösung 
dieses Reagens bei der Aufbewahrung bildet, entsteht nach Junok in Folge der 
Einwirkung des Lichtes und ist eine besondere Modification der Molybdänsäure. 
"Man soll daher die Lösung sorgfältig vor Tageslicht schützen. 

Huber's Reagens auf freie Mineralsäuren ist eine Mischung von Lö- 
sungen des Ammoniummolybdänats imd Ferrokaliumcyanids (Blutlaugensalz). Wird 
davon zu einer Flüssigkeit gesetzt, welche freie Mineralsäure (Schwefelsäure, 
Schwefligsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Arsensäure, Phosphorsäure, Phosphorig- 
sänre) enthält, so erfolgt eine rothe bis braune Färbung oder Trübung, welche 
auf Zusatz von überschüssigem Alkali verschwindet. Bei Borsäure und Arsenig- 
sänre erfolgt keine Reaction. Nach dem damit gemachten Experiment scheint 
dies Reagens auf grosse Schärfe nicht Anspruch machen zu können. 



Acidiim nitricnm. 

Wenn Luft durch ein Gemenge von Wasser, Magnesiaearbonat oder Kalk- 
carbonat und Braunsteip gesogen Avird, findet Salpetersäurebildung statt (HChx- 

>ELD, RmCUARDT). 



26 Acidum nitricum. 

Chemie und Analyse. Ein scharfes Reagens auf Salpetersäure (und auch 
Salpetrigsäure) ist Diphenylamin (Ci2HnN). 1 Th. Salpeter in 30,000 Th. 
Wasser gelöst ergab damit noch deutliche Reaction. Man löst ein Nadelkopf 
grosses Stückchen des Reagens in einigen Tropfen Schwefelsäure und etwas Wasser 
und setzt dieser Lösung mehrere Tropfen der zu untersuchenden Flüssigkeit zu. 
Es tritt eine blaue Färbung ein, welche nach und nach wieder verschwindet. 

Prüfung. Ein sicherer Nachweis von Jodsauerstoffs äuren in der rohen 
Salpetersäure gelingt nach E. Biltz in folgender Weise: Etwa. 3 bis 5 g der 
Salpetersäure verdünnt man in einem etwa 1,3 Ctm. weiten Reagircylinder mit 
gleichviel Wasser, vermischt die Flüssigkeit mit einigen Tropfen Stärkelösung, 
und lässt einige Tropfen Schwefelwasserstoffwasser vorsichtig aufftiessen. Enthält 
die Salpetersäure auch nur 0,001 Procent Jodsäure, so zeigt sich dennoch ein 
scharfgeschmttener blauer Ring von Jodstärke (besonders deutlich, wenn man 
durch die Grenzschicht beider Flüssigkeiten hindurch nach einer weissen Wand 
sieht). Hat man z. B. 5 Gramm solcher Salpetersäure verwendet, worin also 
0,00(X)5 Jodsäure, und haben die 10 Gramm Mischung im Reagircylinder etwa 
70 Mm. Höhe, so wird die Dicke der scharfgeschnittenen Jodamylumzone etwa 
Ye mm., das Ciewicht derselben 0,025 Gramm betragen. Da die Reaction aber 
nur dem an dieser Stelle befindlichen Theilchen Jodsäure entspricht, so ist man 
also auf diese Weise im Stande, ein Zehnmilliontel Gramm Jodsäure deutlich 
und unzweifelhaft zu sehen. 

Der Nachweis von Jod oder Jodsäure geschieht nach Hageres Angabe 
kurz und bündig, indem man circa 3 CC. der Salpetersäure mit 3 Tropfen Na- 
triumsulfitlösung oder Schwefligsäure, dann nach einer Minute mit 5 CC. Aetz- 
ammon versetzt und nach der Mischung einen Tropfen Silberlösung dazu giebt. 
Entsteht eine Trübung oder Fällung, welche selbst nach Zusatz von einigen CC. 
Aetzammon nicht verschwindet, so liegt eine Verunreinigung der Salpetersäure 
mit Jod oder einer Jodsäure vor. 



Oleum oxygenatnm. 

ly Aeidi nitrici 10,0 
Olei Papaveris 90,0. 

M. D. S. Aeusserlich. Umgeschüttelt 
zum Bestreichen der Frostbeulen (ist nicht 
zu empfehlen). 



Intoxication durch salpetrige Dämpfe. Das Einathmen dieser Dämpfe ist 
gefährlich, wie dies im Handb. I, S. 89 auch angegeben ist. Vor einem Jahre 
sind drei Fälle bekannt geworden. In zwei Fällen war ein längeres Kranksein 
die Folge, in einem trat der Tod ein. 

litrirsäare bezeichnet in der chemischen Technik ein Gemisch aus 2 — 3 Th. 
rauchender Schwefelsäure und 1 Th. rauchender Salpetersäure. 

Acidum nitrosum, SalpetrigsSure, salpetrige Säure. 

Als ein sehr empfindliches Reagens auf Salpetrigsäure empfiehlt Peter 
Griess das Metadiamidobenzol (Metaphenylendiamin '*'). Dieses Reagens soll 
doppelt so scharf wirkend sein als die Diamidobenzoesäure. 1 Th. Salpetrigsäure 
in 10 Millionen Th. Wasser gelöst, mit diesem Reagens versetzt, filrbt sich nach 



*) Metadiamidobenzol. Bezugsquelle: Chem. Fabrik von C. A. F. Kahl 
BAUM, Berlin SO, Schlesische Strasse 13/14. 



Acidum nitricum. — Acidum oleYnicum. 27 

kurzer Zelt gelb. Das Metadiamidobenzol wird in überschüssiger verdünnter 
Schwefelsäure gelöst ^ nöthigen Falls mit Thierkohle farblos gemacht und aufbe- 
wahrt. Wassersoffsuperoxyd ist ohne Wirkung darauf. Eine noch schärfere 
Reaction auf Salpetrigsäure wurde von Griess einige Zeit darauf (in dem Bericht 
d. d. ehem. Ges. 12, 427) erwähnt: 

Man säuert nach Gkiess die zu prüfende Flüssigkeit mit reiner Schwefel- 
säure an und versetzt mit etwas Sulfanilsäurelösung (Anilinschwefelsäure), 10 Mi- 
nuten später fügt man einige Tropfen einer durch Thierkohle entfärbten schwe- 
felsauren Naphtylaminlösung hinzu. Bei den geringsten Spuren von Salpetrig- 
sänre färbt sieh die Flüssigkeit tief roth. Salpetrigsäure bildet hierbei aus 
SnlÜEinilsäure IHazobenzolsulfosäure, welche sich mit Naphtylamin zu einem 
rothen Farbstoffe vereinigt. Gbiess empfiehlt diese Reaction, um z. B. Salpetrig- 
saure im Speichel nachzuweisen. In einem hohen Glascylinder, welchen man in 
die Nähe eines Fensters auf einen Bogen weisses Papier gestellt hat, bringt man 
den mit dem 6 — 10 fachen Vol. Wasser verdünnten Speichel. Fügt man dem- 
selben die eben genannten Reagentien hinzu, so wird er nach kurzer Zeit in- 
ieDsiv magentaroth. 

Fresenius versetzt, behufs Prüfung eines Wassers auf Salpetrigsäuregehalt, 
dieses mit etwas reiner Essigsäure und unterwirft es der Destillation, das Ueber- 
«rehende in mit Schwefelsäure angesäuertem Jodkalium-Stärkekleister-Wasser auf- 
fangend. 



Acidnm oleinlcum. 

ttkil des Handels ist eine rohe Oelsäure. 

Reine illeTlsäare zur Darstellung besonderer olel'nsaurer Salze lässt sich 
dadurch gewinnen, dass man ein reines fettes Oel z. B. ein ranzig gewordenes 
Mandelöl, Bucheckeröl, Arachisöl, Sesamöl, mit Natronlauge verseift, die aus- 
gesalzene Seife mit Bleinitrat zersetzt, das sich hierbei abscheidende fettsaure 
Blei, aus ölsaurem und palmitinsaurem Blei bestehend, sammelt und an einem 
lauwannen Orte trocknet. Auf 100 Th. Oel sind erforderlich circa 50 Th. 
Natronlange (1,33 spec. Gew.), 120 — 125 Th. Bleinitrat. Dieser fettsaure Blei- 
niederschlag (oder audi ein aus Oel bereitetes Bleipflaster) wird mit Benzol in 
der Wärme behandelt, welches das Olel'nat löst, das Palmitinat ungelöst lässt. 
Nachdem von der benzolischen Lösung der grösste Theil Benzol abdestillirt ist, 
digerirt man den Rückstand unter bisweiliger Agitation mit überschüssiger reiner 
Salzsäure (circa 110—112 Th., 1,124 spec. Gew.), welche mit V2 Vol. Wasser 
verdünnt ist. Die abgeschiedene Fettsäure wird gesammelt, nach dem Absetzen 
ßltrirt und in offner Schale im Wasserbade erhitzt, bis aller Benzol- und Feuch- 
tigkeitsgehalt entfernt ist. 

Auch die käufliche rohe Oelsäure kann an Blei gebunden und diese Verbindung 
mit Benzol etc. behandelt werden. 

DiET£RiCH'sches Heftpflasterband. Die ehem. Fabrik von Eugen Dieterich zu 
llelfenberg bei Dresden liefert ein vorzügliches dauerndes, der Zwischenlage nicht 
bedürftiges Heftpflaster in 1—2—3 etc. Ctm. breiten, 1 — 2 — 3 — 5 — 10 Meter 
langen Streifen aufgerollt in dazu passenden Blech- oder Pappschachteln. Dieses 
Heftpflaster in eleganten Streifen wird von der genannten Fabrik mit Heftpflaster- 
bsnd bezeichnet. Es ist ein sehr bequemes Material für den Gebrauch und be- 
sondere geeignet fttr den Handverkauf. 



28 Acidam oleYnicum. — Acidum oxalicum. 

Dieses Heftpflasterband verdrängt das Heftpflaster in Stangen, wie es 
im Handverkauf bisher abgegeben wurde , vollständig. Wegen seiner Dauer- 
haftigkeit sollten die Apotheker sich bemühen, dasselbe zu einem in jeder ge- 
ordneten HauBwirthschaft vorräthig zu haltenden Material zu machen, um es bei 
jeder vorkommenden Verwundung sofort zur Hand zu haben, die Wunde zu 
schliessen und vor dem Eindringen schädlicher Stoffe zu schützen. Wird eine 
Wunde alsbald mit reinem Wasser gewaschen und mit Heftpflaster bedeckt ge- 
halten, so wird sie in den meisten Fällen ohne Eiterung und in kürzerer Zeit heilen. 

Dieselbe Fabrik liefert femer: 

Heftpflasterband auf Segeltnch in angemessener Breite (4—5 Ctm.) für den 
Verband gebrochener Extremitäten und überhaupt für Verbände, welche starre 
und feste Schichtungen erfordern. Die Elebfähigkeit erwies sich noch nach einem 
Jahre unverändert. 

Lederschmiere. Nach Eftner soll Oelsäure als Lederschmiere das Leder hart 
und spröde machen. Dieser Angabe steht eine vieljährige Erfahrung entgegen (Hager). 

D {gras (spr. dehgrah), Abfallproduct aus der Sämischgerberei, wird künstlich dar- 
gestellt durch Mischung von circa 200 Th. Oelsäure mit 2 Th. Gerbsäure in 5 Tli. 
absolutem Weingeist gelöst und dann Zusatz von frisch bereiteter Kalkseife, um 
die Consistenz zu vermehren. Die Kalkseife hierzu wird durch Mischen von 3 Th. 
Oelsäure mit 1 Th. Kalkhydrat hergestellt. 



Acidnm oxalicum. 

Dass das Tageslicht auf Oxalsäure in wässriger Lösung zersetzend einwirkt, 
ist von einigen Chemikern beobachtet worden, dass auch eine solche zersetzende 
Einwirkung auf eine Ammoniumoxalatlösung stattfindet, wie Fleury anhebt, und 
auch bei den sauren und neutralen Oxalaten des Kalium und Natrium Dicht aus- 
bleibt, ist von A. Downes und Th. P. Blunt nachgewiesen worden. Die Ver- 
änderung besteht in einer Oxydation. Es sind also die Lösungen der Oxalsäure 
und der Oxalate an einem schattigen Orte aufzubewahren. 



Löslichkeit. Oxalsäure ist löslich in 14 Th. Wasser von mittlerer Tempe- 
ratur, 6 — 7 Th. 90proc., 4 Th. absolutem Weingeist und in 80 Th. Aetlier. 

GiftlSsung. Bei Darstellung derselben (nach dem Verfahren von Babo und 
Fresenius), wie sie unter Arsenum, Handb. d. pharm. Praxis I, 485, angegeben 
ist, hat Melckebecke zuerst die Bildung von Oxalsäure beobachtet. Es resul- 
tirten aus der Behandlung mit Kalichlorat und Salzsäure z. B. aus 100,0 Rind- 
fleisch 0,021, aus 100,0 Milch 0,117, aus 100,0 Kalbsleber 0,9 Oxalsäure. 



Es sind wieder mehrere Fälle (in Berlin allein 4 Fälle) vorgekommen, in 
welchen Kaufleute statt Bittersalz Oxalsäure abgaben und die Vergiftungen einen 
tödtlichen Ausgang hatten. Die Polizei scheint von diesen warnenden Unglücks- 
fällen nichts erfahren zu haben. 

Die Anwendung der Oxalsäure und auch des Oxaliums zur Tilgung von 
Rostflecken in Weisszeug hat Erfolg, wenn man das betreffende Stück des 
Zeuges angefeuchtet auf eine warme Zinnfläche legt und nun mit der warmen 
Oxalsäurelösung bereibt. Ein sofortiges Auswaschen mit Wasser ist nothwendig, 



Acidam oxalicum — Acidam picrinicam. • 29 

denn die Oxalsäure wirkt auf die Zeugfaser corrodireud. Dieses Verfahren ist 
i^hon seit mehr denn 50 Jahren von den Wäscherinnen geflbt worden. Die Zinn- 
Üäehe wird durch ein Geföss oder einen Löflfel ans Weissblech gewährt, wenn 
ein zinnernes Geftos nicht zur Hand ist. 



letallpitipfliade, salbenähnliche Mischung zum Pu];zen der Metalle. Rp. Acidi 
oxalici crudi, Kali . bitartarici ana 10^0. In pulverem subtilissimum redactis ad- 
misee Talci Veneti praeparati 40,0, Glycerinae 20,0, Glycerolati simplicis 30,0, 
Aqoae 5,0, Olei Lavandulae, Petrolel ana 1,0. 



Instantaneous ink extractor von Perry & Comp, sind Oedernholzröhrchen, 
vollgegossen mit geschmolzener Oxalsäure. Der Tintenfleck wird angefeuchtet und 
mit der Oxalsäure berieben. Eisentinte verschwindet. Dass der Fleck nach einiger 
Zeit wieder hervortritt, beruht in dem Ammongehalt der Luft, welcher die Oxalsäure 
sättigt. (Hager, Analyt.) 

BostfleclLzerstdrer von Frühaup (Fabrik von Otto Richter & Co. in Berlin) 
zur Entfernung von Rostflecken in Weisszeug. Der durchfeuchtete Fleck wird damit 
berieben, nach 15 Minuten gewaschen, nöthigen Falles diese Operation wiederholt, 
QUEXZEL, Analyt) 



Acldnm phosphoricum. 

Die bei langsamer Oxydation des Phosphors an feuchter Luft entstehende 
Säure (phosphatige Säure) fand Th, Salzkel aus Phosphorigsäure , Unterphos- 
phorsanre (PO^) und Phosphorsänre bestehend. Die ünterphosphorsäure giebt 
mit AnuDQonmolybdaenat keinen Niederschlag^ wohl aber auf Zusatz von Salpeter- 
saare (AnnaL d, Ch. Bd. 187, ph. Centralh. 1877, S. 353). 

Acidim phfsphoriciun gladale. Pbesgott untersuchte 6 Handelssorten und 
fand in denselben 23 — 38 Proc. Natronmetaphosphat. Um ein einiger Maassen 
dauerndes Präparat zu erzielen, kann diese Beimischung nicht wohl vermieden werden. 

Chemie und Analyse. Als Sättigungsindicator fUr Phosphorsäure schlägt 
ScHLiCKüM Cochenilletinctnr vor. Diese Tinctur wird durch Säure gelb, durch 
^Ukalien violettferbig. Sobald ein Aeq. der Säure mit einem Aeq. Alkali ver- 
bunden ist, z. B. (NH4)H2P04 repräsentirend , geht bei Zusatz von mehr Alkali 
die gelbe Farbe in Violett über. — Zur Trennung der Phosphorsäure von Thon- 
erde und Ferrioxyd soll man nach Debome die Substanz mit dem 6 fachen Ge- 
wichte entwässertem Natriumsulfat 10 Minuten hindurch erhitzen und nach dem 
Erkalten mit Wasser behandeln, in welches die Phosphorsäure als dreibasisches 
Natriumphosphat fibergeht. 

Acldnm plcrlnlcnin. 

■f inndniiii picrinicnm ist von Dellenbaugh in Philadelphia als ein wahres 
Sp€cificum gegen Keuchhusten erkannt worden. Derselbe giebt es ungefähr in 
f'jigender Form: 

1^ Ammonii picrinici 0,06 

Ammonii muriatici 1,5 

Succi Liquiritiae 4,0. 
Solve in 

Aquae destillatae 90,0. 
D. S. Stündlich 1 Theelöffel (für Kin- 
der von 6 Monaten und darunter), 2 Thee- 
löflfel (flu: Kinder von 1—2 Jahren). 



30 Acidum picrinicum. — Acidum pyrogallicum. 

Die Anfälle sollen schon nach 2 — 3 Gaben an Heftigkeit nachlassen und 
nach einigen Tagen den Charakter eines gewöhnlichen Bronchialkatarrhs an- 
nehmen. Man vergl. Bd. I, S. 104 und Bd. n, S. 1320, an welchen beiden 
Stellen Ammonpicrinat Erwähnung findet. 

•J* Kali (Kaliam) isopurpurifum , isopurpursaures Kali, gewöhnlich nur 
mit Isopurpur säure o^er Picrocyaminsänre bezeichnet. Man stellt es 
dadurch her, dass^ man eine siedend heisse Lösung von 1 Th. Pikrinsäure in 
10 Th. Wasser unter Umrühren zu einer bis auf 60^ C. erhitzten Losung von 
2 Th. Ealiumcyanid in 4 Th. Wasser mischt und erkalten lässt. Der ausge- 
preiste Krystallbrei wird durch Umkrystallisiren gereinigt. Blättrige braunrothe, 
das Licht grün reflectirende , in kaltem Wasser wenig, in verdünntem Weingeist 
leicht lösliche Erystalle. Beim Erhitzen bis 215^, auch in Berührung mit conc. 
Schwefelsäure kommend verpuffen sie mit starkem Knall. Ihre wässrige Lösung 
giebt mit Blei-, Silber-, Quecksilber- und Baryumsalzen Niederschläge, nicht mit 
Kupfer-, Zink-, Strontium-, Calcium-Salzen. 

fielbe Holzbeize liefert eine wässrige Lösung der Pikrinsäure. 

Diorrexin, Sprengmittel von G. Pangera besteht aus 1,50 Pikrinsäure; 6ß2 
Holzkohle; 10,0 Sägespänen aus Buchenholz, 39,0 Salpeter; 21,0 Chilisalpeter und 
12,0 Schwefel. fJ. Fels, Analyt.) 

Acidum chinoplcrienm, von Henry, Alfroy-Duguet und Perret als Fieber- 
mittel und Chininsurrogat empfohlen, scheint durch Fällung der Chinarindenabkochung 
mittelst Pikrinsäure dargestellt zu sein, denn es war ein unreines Gemisch aus Chinin- 
und Cinchoninpicrinat. (G. H. Hörn, Analyt.) Bei Anwendung dieses Präparats ist 
alle Vorsicht nöthig, denn es gehört zu den stark wirkenden Mitteln, und können 
starke Gaben selbst den Tod herbeiführen. 



Acidum pyrogallicnm. 

Die Pyrogallussäure hat in neuerer Zeit Anwendung als Arzneisubstanz ge- 
funden. Prof. Hebra hat damit bei Psoriasis Heilerfolge erzielt. Innerlich 
ist sie von A. Veset in stündlichen bis mehrstündlichen Gaben zu 0,05 als blut- 
stillendes Mittel bei Blutungen der Lungen und aus dem Magen angewendet und 
soll sich hier als ein hervorragendes Heilmittel erwiesen haben. Sie wirke ebenso 
sicher wie Mutterkorn, Eisen, Tannin, Gallussäure, führe aber niemals wie 
Mutterkorn zu Erbrechen, auch belästige sie den Magen nicht in der Weise wie 
die anderen Mittel. Das Tannin erfahre innerlich genommen Umwandlungen in 
Gallussäure (welche auch direct viel als blutstillendes Mittel Anwendung findet 
und vom Magen besser tolerirt wird, als die Gerbsäure), Pyrogallussäure, Meta- 
gallussäure etc. Eine Combination von Mutterkorn mit Pyrogallussäure hält Hebra 
für zulässig. 

Ob nach vorerwähnten Erfahrungen die Pyrogallussäure noch einen Platz 
unter den stark wirkenden ArzneistoflFen behaupten wird, scheint zwar fk-aglich, 
doch hat ein in Frerich's und Leyden's Zeitschrift mitgetheilter Vergiftungsfall 
mit tötlichem Anfange nach äusserlicher Anwendung in Salbenform gegen 
Psoriasis universalis erwiesen, dass die Pyrogallussäure den toxischen 
Arzneistoffen zugezählt werden muss, dass sowohl die innerliche wie 
äusserliche Anwendung alle Vorsicht erfordert. Von ihrer Anwendung als Arznei- 
substanz ist stets abzurathen. 

Es wurden Versuche angestellt und erkannt, dass Pyrogallussäure seiner 
antiseptischen Eigenschaften wegen in der Chirurgie statt der Carbolsäure ange- 



Acidam pyrogallicam. — Acidum salicylicum. 31 

wendet werden kann und dieser gegenüber gewisse Yortheile bietet, wogegen es 
den Nachtheil hat, Instrumente und Hant schwarz zu förben, es lassen sich aber 
diese Flecke durch Oxalsäure beseitigen. Auch diese Anwendung als antisep- 
tisches Yerbandmittel ist zu verwerfen. 

Die Pyrogallussäure ist eine oxygeniovore Substanz, welche also mit Energie 
den Sauerstoff absorbirt, wo sie ihn findet, und als solche ist sie wie alle anderen 
enej^sch oxygeniovoren Substanzen dem Organismus nicht zuträglich, unter Um- 
ständen sogar ein Gift. Wenn schon das Einreiben einer Pyrogallussäure ent- 
haltenden Salbe tötlich wirkte, sollte sie da innerlich genommen etwa weniger 
gefährlich sein? Da man bei Anwendung der sogenannten Chrysophansäure 
(vergl. unter Ai*aroba) nie Intoxicationen beobachtet hat, so sollte man dieser 
(oder auch der Benzoesäure) stets den Vorzug geben. 

BovET constatirt, dass die Pyrogallussäure oder das Pyrogallol eine her- 
vorragende antiseptische Wirkung einschliesst. Die nach dieser Seite aus- 
geführten Experimente führten zu folgenden Schlussfolgerungen: 

1. Das Pyrogallol verhindert die Zersetzung der thierischen Gewebe. Diese, 
in eine Lösung dieser Substanz getaucht, können monatelang darin bleiben, ohne 
dass sich darin Mikroorganismen oder Geruch entwickelt. Dazu bedarf es einer 
1 — V/f proc. Lösung. 2. Das Pyrogallol mit einer in Zersetzung sich befinden- 
den, schon stark riechenden und mit Bacterien erfüllten Substanz in Berührung 
gebracht, bemmmt derselben den Geruch und tötet die Bacterien in kurzer Zeit. 
Um diesen Erfblg sicher zu erzielen, bedarf es einer mindestens 2 — 2Y2Pi'oc. 
Lösung von Pyrogallussäure. S^ Die Pyrogallussäure verhindert die Alkohol- 
gährung. In Gegenwart von alkoholischer Hefe spaltet sich der Traubenzucker 
nicht, sobald er in eine 2 proc. Pyrogallussäurelösung getaucht wird. 4. Das Pyro- 
gallol verhindert die Schimmelbildung. — 

Mit diesen Ergebnissen ist die Frage noch nicht beantwortet, ob Pyrogallol 
^ antiseptische Wirkung seiner Neigung, Sauerstoff zu absorbiren, verdankt, 
oder ob seine Wirkung vielleicht nur eine allgemeine Eigenschaft der sogenannten 
aromatisehen Körper ist. 

Pirpir^gallin» ein Oxydationsproduct aus der Pyrogallussäure. Es entsteht 
ans letzterer im Contact mit einprocentiger Lösung des arabischen Gummis, femer 
mit Malzaufguss, Speichel, Blut, Hyperoxyden. Es bildet gelbe oder bronze- 
farbene glänzende ErystaUnadeln, welche in kaltem Wasser schwer, in Weingeist, 
Chloroform, heissem Wasser leicht löslich sind. Seine Lösungen werden durch 
Ammon vorübergehend dunkelblau. In conc. Schwefelsäure löst es sich mit car- 
moisinrother Farbe. Beim Erhitzen schmelzen die Erystalle und sublimiren. 

PjrTtgaUusSnreflecke in Leinen werden durch Oxalsäurelösung und Insolation 
getilgt. 

Haarfärbemittel 9 ChineslscheSy von Bothe & Cp. in Berlin, eine Lösung von 
circa 2 Th. Silbemitrat und 1 Th. Pyrogallussäure oder Gerbsäure in 5 Th. Salmiak- 
geist und 92 Th. Wasser. (Hagek, Analyt.) 

Tamdgene von Eisekwein (Wien) besteht aus 2 Flflssigkeiten , einer ammonia- 
kaUschen Silbemitratlösung und einer Pyrogallussäurelösung. So auch dieTannigene 
von Brss. (Inkhauser, Analyt.) 



Acidnm salicylicum. 

Iciiiiii salieylicttm, icidaii spiricnm, Acidum orthohydroiybenzolcum , Spir- 
»im, Salieflslire (2H0, C"H^O* oder CtHöOs oder OeH4.OH.COOH = 138). 



32 Acidum salicylicnm. 

Darstellung. Diese in den Blflthen der Spiraea Ulmaria L. und als Me- 
thylsalicylsäure in dem ätherischen Oele der Gaultheria procumbens Linn. und 
Andromeda Leschenaultii vorkommende Säure lässt sich ans letzterer Ericacee 
mit Vortheil darstellen. Diese Pflanze wächst in . sehr grosser Menge anf dem 
südlichen Theile des Ghatgebirges (Vorderindien), den blauen Bergen (Nilgherrj- 
gebirge). Das ätherische Oel dieser Ericacee hat viel Aehnlichkeit mit dem 
Wintergrünöl (Ol. Gaultheriae, Bd. ü, S. 11) und besteht hauptsächlich aus 
Salicylsäure-Methyläther. Mit Aetznatron behandelt liefert es Methyalkohol und 
Natronsalycilat, aus welchem sich die Salicylsäure durch Mineralsäuren abschei- 
den lässt. 1000 g Salicylsäure in dieser Weise zu gewinnen sollen einen Kosten- 
aufwand von nur 8 Mk. beanspruchen (Broughton). 

John Williams constatirte die Identität der nattlrlichen Salicylsäure mit 
der völlig reinen künstlichen Säure, die als Handelswaare vorkommende reine 
Salicylsäure diflferirte dagegen in Betreff der Krystallisation und der Löslichkeit. 

Der fabrikmässigen Darstellung der Salicylsäure geht die Darstellung 
eines trocknen Natronphenylats (Natriumphenols) voraus. Concentrirte Aetz- 
natronlauge wird mit Phenol gesättigt, so dass 1 Aeq. Natron mit 1 Aeq. 
Phenol verbunden ist, und die Flüssigkeit in einem flachen eisenien Kessel zur 
Trockne gebracht, indem man die teigig gewordene Masse unter Durchkneten, 
zuletzt unter Zerreiben im Mörser und Erhitzen in ein staubiges Pulver ver- 
wandelt. Dieses trockne Natronphenylat wird vor feuchter Luft wohl bewahrt 
in eine im Oelbade liegende Retorte gebracht und nun langsam erhitzt. Mit 
dem Einleiten trockner Kohlensäure wird begonnen, wenn die Temperatur im 
Innern der Retorte auf 100^ gestiegen ist. Man lässt während des Einleitens 
der Kohlensäure die Temperatur langsam steigen, so dass die Masse im Ver- 
laufe mehrerer Stunden ungefähr 180^ erreicht. Zuletzt steigert man sie auf 
220 — 250^. Die Operation ist beendet, wenn bei dieser Temperatur kein Phe- 
nol mehr übergeht. Der Rückstand in der Retorte ist grauweiss und besteht 
aus Natroncarbonat, Natron und Natronsalicylat (natrium-salicylsaurem Natrium 
oder basischem Natriumsalicylat). Er wird in Wasser gelöst, mit Salzsäure zer- 
setzt, die krystallinisch ausgeschiedene Salicylsäure in einem Spitzbeutel ge- 
sammelt, ausgepresst, in kochendem Wasser gelöst, mit gereinigter thierischer 
Kohle behandelt, umkrystallisirt etc. Ausbeute circa 40 Proc. des angewendeten 
Phenols. 

Schering's chemische Fabrik in Berlin reinigte die Salicylsäure durch 
Dialyse und erwarb sich damit ein grosses Verdienst, indem nun die mit Phe- 
nol stark verunreinigte und giftige Säure vom Handelsmarkte und auch aus der 
Therapie verdrängt wurde. 

Eine durch Sublimation gereinigte Salicylsäure ist nicht beständig. Nach 
einiger Zeit färbt sie sich röthlich und es tritt der Phenolgeruch auf. Biel con- 
statirte hierbei die freiwillige Zersetzung in Phenol und Kohlensäure. Da hier 
die mildwirkende Substane freiwillig in eine starkwirkende über- 
geht, so darf sublimirte Salicylsäure nicht als Medicament in An- 
wendung kommen. 

Um die Salicylsäure von einer Verunreinigung mit Oxybenzoesäure und 
Paraoxybenzoö säure zu befreien, soll man sie mit einer kochendheissen Zucker- 
kalklösung behandeln. Während Kalksalicylat niederfilllt, bleiben die Kalkver- 
bmdungen jener Säuren in Lösung (Masset). 

Handelswaare. Es kommt die Salicylsäure in drei Sorten in den Handel, 
welche sich nur durch den Grad ihrer Reinheit unterscheiden; — 1) Präcipi- 
tirte Salicylsäure, Acid. salicyl. praecipitatum. Sie ist die geringste 
und unreine Waare, oft nicht von rein weisser Farbe und meist von schwachem 



Acidum salicylicunu 33 

Phenolgernch. Für den innerliohen arzneilichen Gebrauch, sowie als Couser* 
virungsmittel von Speisen und Getränken darf sie nicht Verwendung finden. — 
2) Krystallislrte Salicylsäure, Acid. salicyl. crystallisatum, ist die 
reinere Waare und; 4rzneifiubstanz für den innerlichen Gebrauch. — 3) Dialy- 
sirte S.y Acid. salioy^ crystall. dialysatum, die durch Dialyse gereinigte 
cr\'stalL. Säure. Sie ist ein sehr sehöues und reines Präparat, dem man als 
Arzneisubstanz den Vorzug einräumen sollte. Ihr ziemlich gleichstehend ist Acid. 
saUcylicum recrystallisatum. 

Eigenschaften. Salicylsäure krystallisirt je nach der Concentration ihrer 
Lösung in kleineren und gi'össeren prismatischen Krystallen von saurer Reaction, 
ohne Geruch und von süsslichem, hintennach scharfem und kratzendem Ge- 
ächmack. IHe Krystalle schmelzen in einer Wärme von 175,5^ und beginnen 
bei 200^ zn sublimiren. Kochendheisse Lösungen dunsten Salicylsäure ab unter 
theilweisem Zerfallen in Kohlensäure und Phenol. Diese Zersetzung, obgleich in 
sehr geringem Maasse, findet auch in der wässrigen Lösung in der Wärme unter 
dem Kochpunkte statt. Die Salicylsäure löst sich schwer in Wasser. Eine in 
der Wärme bewirkte Lösung von 1 Th. der Säure in 350 Th. Wasser bleibt 
auch beim Erkalten bis zur mittleren Temperatur klar. Zur Lösung in Wasser 
von mittlerer Temperatur erfordert sie mindestens 400 Th. Wasser. Durch- 
schnittlich kann man annehmen, dass 1 Liter Wasser bei 15^ C. 2 g der Säure 
löst und auch bei einer Abkühlung bis auf 11^ klar bleibt, dass 1 Liter Wasser 
von 20^ C. 2,5 g löst und bei einer' Abkühlung um 4® C. noch klar bleibt, dass 
1 Liter kochend heisses Wasser 75 g der Säure löst und eine Abkühlung von 
3* G- verträgt, ohne Krystalle abzuscheiden. 

Die Gegenwart der Carbonate und Acetate der Alkalien und des Borax 
fördern die Löslichkeit in Wasser ausserordentlich, es wird aber der Geschmack 
der Salicylsäure durch Borax (und durch Borsäure) in einen sehr 
bitteren umgeändert. 

Salicylsäure ist ferner löslich in 60 Th. Glycerin, 2 Th. absolutem, 2,5 Th. 
90 proc. Weingeist, 2 Th. Aether, 80 Th. Benzol, 3,5 Th. Amylalkohol, 80 Th. 
Chloroform, circa 60 Th. fettem Oele. 

Aufbewahrung. Diese erfordert Glasgef^sse mit weiter Oeffuuug, dichten 
Verschluss mit Glas- oder Korkstopfen und einen Ort, welcher den directen 
Sonnenstrahlen nicht zugänglich ist. Im Anfange der Fabrikation war die Säure 
eine stark wirkende und wurde sie im Handbuch mit einem oflfeuen f versehen, 
ab Zeichen, dass sie zu den starkwirkenden Arzneistoffen gehöre. Einige Jahre 
später, nachdem sich ein reines und nur mild wirkendes Präparat eingefllhrt 
hatte, manche Apotheker aber die noch im Vorrath befindliche unreine Säure in 
den grösseren Gaben, wie sie für die reine Säure gelteu, dispensirten, haben sich 
mehrere Vergiftungsfälle, einige sogar mit tötlichem Ausgange ereignet. 

Beim Um- und Einfüllen der Säui'e hat man sorgfältig das Einathmen des 
Staubes zu verhüten, denn er ist den Lungen feindlich, und bei manchen Per- 
sonen ^rkt der Staub so reizend, dass sich ein krampfhafter, mit Erstickung 
drohender Husten, selbst einige Tage dauerndes Unwohlsein einstellt. Massiges 
Riechen an Aetzammon oder Olfactorium anticatarrhoicum ist zunächst das Ge- 
genmittel. 

Prüfung. 1) Eine reine Salicylsäure wird von kalter concentrirter reiner 
Schwefelsäure bei 10 bis 15® C. farblos gelöst (Hager). Wäre die Lösung nur 
achwach gelblich, so ist das Präparat nicht zu beanstanden, denn ein solches, 
welches sich völlig farblos in Schwefelsäure löst, ist im Handel noch seltene 
Waare. Eine bohnengrosse Menge der Salicylsäure wird in einem reinen Re^r- 

Hager, Pharm. Praxis. Snppl. 3 



34 Acidum salicylicum, 

cylinder mit 4—5 CC. conc. Schwefelsäure übergössen und unter sanftem Agitiren 
in Lösung übergeführt, was in 5 Minuten erreicht wird. Ist die Lösung bräun- 
lichgelb oder braun, so wäre auch die Saiicylsäure eine unreine und verwerfliche. 
— 2) Beim Erhitzen verdampft oder sublimirt die Saiicylsäure, ohne dabei eine 
Andeutung einer Verkohlung erkennen zu lassen, und verdampft vollständig. Die 
Prüfung nach dieser Seite lässt sich in zweierlei Weise ausfahren. Eine halb- 
bohnengrosse Menge wird in einem kleinen Porzellantiegelchen über einer Wein- 
geistflamme so erhitzt, dass die Flamme den Tiegel nicht berührt, ihre Spitze 
gegen 2 Ctm. vom Tiegel entfernt ist. Unter Dampfbildung schmilzt die reine 
Säure zu einer farblosen Flüssigkeit, welche endlich völlig ohne Zurücklassung 
eines farbigen Streifens oder Fleckes verdampft. Die heute in den Handel kom- 
mende reine Säure hinterlässt meist jeinen braunschwarzen Streifen oder solche 
Kreislinie (als Rest des flüssigen Säuretropfens) von der Breite eines Haares, eine 
weniger reine Säure dagegen einen Streifen oder eine Kreislinie von grösserer 
Breite oder auch wohl einen braunen Fleck. Bequemer ist die Erhitzung in einem 
1,5 — 2 Ctm. weiten trocknen Reagircylinder, so dass der Boden desselben von 
der Flamme nicht berührt wird. Die reine Säure schmilzt zur farblosen Flüssig- 
keit und sublimirt, den untersten Theil des Reagircylinders klar und durchsichtig 
lassend. I)ie nicht genügend reine Säure hinterlässt einen bräunlichen bis braunen 
Bodenanflug oder Fleck. — 3) In einem reinen Reagircylinder von 1 Ctm. Weite 
giebt man eine halbbohnengrosse Menge der Säure, 4 — 5 CC. Aetzammon und 
erhitzt bis zum Aufkochen. Es erfolgt emh klare und völlig farblose Lösung. 
Bei einer nicht genügend reinen Säure ist sie gelblich bis bräunlich gefärbt. Die 
gelbliche Farbe erkennt man leicht, wenn man die Flüssigkeitssäule gegen ein 
Stück weissen Papiers betrachtet (Hager). 

Prof. KoLBE giebt folgende Prüfungsweise an: 

Man gebe etwa 0,3 — 0,5 Gramm der zu prüfenden Saiicylsäure in ein 
Reagirgläschen, löse die Substanz in möglichst geringer Menge absoluten Wein- 
geistes und giesse die klare Lösung auf ein auf weisser Unterlage stehendes Uhr- 
glas. Mechanische Unreinigkeiten zeigen sich in der Mitte des Uhrglases auf 
dem Boden desselben. 

Bei dem hiemach erfolgenden freien Abdunsten des Weingeistes in möglichst 
staub- und eisenfi*eier Atmosphäre blüht die Saiicylsäure in schönen Efflorescenzen 
wieder aus, und hat man nun Folgendes zu beobachten: 

1. Sind die Spitzen der Efflorescenzen braun, so enthält die untersuchte Saii- 
cylsäure harzige Verunreinigungen. 

2. Sind die Spitzen ganz lichtgelb, aber nicht kugelig, gleichsam dick zu- 
sammengeschmolzen, so ist das Präparat zwar harz- und carbolsäurefrei, je- 
doch nicht gänzlich von der Spur eines oi^anischen Farbstoffes befreit, zu 
technischen Gebrauch, wo dieser nicht stört, immerhin brauchbar. 

3. Sind die Spitzen violett oder rosa, so ist das Präparat eisenhaltig. 

4. Sind die Spitzen klar, farblos, so ist das Präparat mustergiltig (crystallisirte 
Saiicylsäure muss stets diese Probe bestehen). 

5. Beim Verbrennen auf dem Platinblech muss die Verbrennung eine vollstän- 
dige sein und darf keine unverbrennliche Asche zurückbleiben. 

Chemie und Analyse. Salicylsäurelösung giebt mit Bromwasser wie das 
Phenol (und sehr viele Alkalol'de) einen krystallinischen Niederschlag. — Saiicyl- 
säure mit wässriger Lösung des Kaliumferrocyanids der Destillation unterworfen, 
ergiebt ein blansäurehaltiges Destillat. — Ihre wässrige Lösung Wird auf Znsatz 
von Ferrisalzlösungen intensiv violett gefärbt. Diese Reaction wird gestört durch 
^ie Gegenwart von Aetzalkali, Alkalicarbonat, Alkaliacetate, Borax, Kaliumjodid, 
Katronphosphat, Oxalsäure, Citronensäure, Weinsäure, Phosphorääure, Arsensänre. 



Acidum salicylicum. 35 

Da diese Reaction durch Weingeist nicht gestört wird, wohl aber die Reaction 
Ton Ferrisalz anf Carbolsänre , so versetzt man die fragliche Lösung i^eichlich 
mit Weingeist oder löst die fragliche Substanz in Weingeist und versetzt mit 
wenigen Tropfen Ferriehloridlösung. Eine violette Färbung lässt die Salicylsäure 
erkennen (Hageb). 

Kalihypermanganat wirkt zersetzend unter Bildung von Ameisensäure, 
Kohlensäure und Wasser. Aehnlich wirkt Kalibichromat mit Schwefel- 
säure. In neutralen Salicylatlösungen erzeugt Silbemitrat einen weissen Nieder- 
schlag. 

^n scharfes Reagens auf Salicylsäure ist das MiLLON'sche (Lösung von 
Queekolber in rauchender Salpetersäure und Verdünnung der Lösung mit einem 
doppelten Vol. Wasser). Man setzt (nach Almi^) 5 — 10 Tropfen des Reagens 
zu circa 20 GG. der Salicylsäurelösung (oder Carbolsäurelösung) und erhitzt zum 
Kochen, wobei ein gelber Niederschlag entsteht. Man setzt nun Salpetersäure 
hinzu bis zur Lösung dieses Niederschlages. Die Flüssigkeit nimmt bei Gegen- 
wart von Salicylsäure (oder Garbolsäure) eine rothe Färbung an. Grenze der 
Reaction bd Viooooo Verdünnung. 

Wild eine Salicylsäurelösung mit Aetzammon und dann mit wenig ver- 
zinnter Chlor natronflüssigkeit versetzt, so erfolgt eine gesättigt blaue Farben- 
reaction, welche aber durch freies Chlor gestört wird. 

Neutrale Salicylsäurelösungen werden durch Cuprisulfat intensiv grün 
gefilrtyt. Freie Säuren wie auch Alkalien stören die Reaction (H. Schulz). 

Zur Bestimmung und Absonderung aus Flüssigkdten, Getränken, (}enuss- 
nütteln etc. werden diese wenn nöthig in gelinder Wärme concentrirt, mit ver- 
dünnter Schwefelsäure oder Phosphorsäure stark sauer gemacht und dann mit 
Aether, auch wohl mit Chloroform oder auch Benzol (bei 25 — 30® C.) ausge- 
schüttelt. Beim Verdunsten des Aethers bleibt die Salicylsäure im Rückstande 
und kaoB gewogen werden (Tvon). Oder man macht die Flüssigkeit mit Natron- 
earbonat schwach alkalisch, dampft sie (z. B. Bier) im Wasserbade bis auf ein 
geringes Volumen ein, vermischt sie mit Gyps und bis zur sauren Reaction mit 
Salzsäure, trocknet die Masse in lauer Wärme aus, zerreibt sie und extrahirt sie 
mit Aether oder Cloroform, welche die freie Salicylsäure lösen. 

Zum Nachweise von Spuren werden nach Cazeneuve z. B. 100,0 der 
Fififlagkeit bis auf 10,0 emgedampft, dann mit 1,0 — 2,0 Salzsäure und 20,0 
Gype versetzt und eingetrocknet. Der zerriebene Rückstand wird mit Chloroform 
oder auch Aether extrahirt. Bei Harn ist Chloroform geeigneter. Der Ver- 
dampfirngsrückstand wird mit heissem Wasser aufgenommen und heiss filtrirt. 
Der Gyps hat die Eigenschaft etwaige Farbstoffe zurückzuhalten. 

Soll die Salicylsäure aus Substanzen extrahirt werden, welche Harzstoffe, 
Fette etc. enthalten, so ist die Anwendung einer kalten 1 proc. Aetzammon- 
flttsägkeit passend. Der Auszug in gelinder Wärme eingetrocknet hinterlässt 
nur Salicylsäure. 

Der Genuss Salicylsäure enthaltender Stoffe lässt sich in dem 2 — 20 Stun- 
den nach dem Genüsse gelassenen Harne mittelst Ferrichlorid constatiren. Auf 
Zusatz von Cuprisulfat färbt sich der Harn intensiv grün. 

Anwendung. Die alle zulässigen Grenzen überschreitenden Reclamen für An- 
wendung und (Gebrauch der Salicylsäure, deren Darstellung aus Phenol und Eohlen- 
aänre dem Herrn Prof. d. Chem. Dr. Eolbe zu Leipzig patentirt ist, nöthigten 
Hager (ph. Centralh. 1879, S. 37) zu folgenden Auslassungen: 

Wiedeiholt haben wir darauf hingewiesen, dass Salicylsäure ein vortreff- 
liches Antizymoticum, eine die Gährung und Zersetzung der Kohlehydrate und 
ähnlicher Stoffe veriiindemde oder doch zurückhaltende Substanz sei, aber kein 



36 Acidnm salicylicum. 

Antisepticuni; kein iUulnisswidrigeB Mittel. Dft wo es sich um die Conser- 
vation thierischer Substanzen handelt, wird sie die faulige Zersetzung nicht ver- 
hindern. Dass sie diese eher befördere, ist nicht erwiesen. Die von emer Seite 
bemerkten Nachtheile der Salicylsäure auf den Schmelz der Zähne ist nicht wahr- 
scheinlich, denn die Salicylsäure ist zu ohnmächtig, um auf den Schmelz der 
Zähne im Verlaufe von 2 — 3 Minuten, der Zeit der Anwendung des Mund- 
mittels, zersetzend einzuwirken. Es wurden Zähne in Salicylsäurelösung einen 
Tag macerirt, und war nach dieser Zeit an dem Schmelz der Zähne keine Ver- 
änderung, höchstens an dem Theile der Zähne, welcher der Wurzel angehört, 
wahrzunehmen. Obgleich die Säure kein Antisepticum ist, so zeigt sie dennoch 
in Salben und Pflastern eine gute Heilwirkung, die kleinen Wunden scheinen 
schneller und leichter, gewöhnlich ohne alle Eiterung zu verheilen. 

Die Beobachtung Dobrowolski' s, dass nach Gebrauch von Zahnpulver und 
Mundwasser, welche Salicylsäure enthielten, sich ein eigenthümlicher Geruch im 
Munde entwickelt habe, ist nur von dieser Seite her beobachtet, und wurde an- 
genommen, dass die Säure aaf das Natriumsnlfocyanid im Speichel zersetzend 
einwirke. Diese Ansicht hat auch ihre Widerlegung (durch Köhi^er und An- 
dere) gefunden. Wo die Anwendung des Mundmittels nur einmal am Tage statt- 
findet, kann doch eine solche Einwirkung sich nicht den ganzen Tag hindurch 
vollziehen. 

Die Anwendung der Salicylsäure als desodorirendes und die Schweissabson- 
derung minderndes Mittel, z. B. in den Streupulvern gegen Fussschweiss , hat 
sich in der Praxis bewährt, dennoch steht sie hier dem Alaun und Thonerde- 
Sulfat nach, denn diese leisten noch bessere Dienste, auch als Mittel bei aufge- 
riebener und wunder Haut. 

Den Ruf der Salicylsäure als Antipyreticum verdankt sie allein der Re- 
dame, denn im Kalinitrat haben wir ein weit besseres und billigeres Antipy- 
reticum. Man irrt, wenn man sie Air ein Specificum bei acutem Gelenkrheuma- 
tismus hält und man ihrer Anwendung die Erkenntniss zu verdanken habe, dass 
bei dieser Ejrankheit die Hebung des entzündlichen Zustandes die vomehmlichste 
Aufgabe des Arztes sei. Im Jahre 1843 übergab ein französischer Arzt, mit 
Kamen Mabttn Solon, der Academie de medicine eine Arbeit, welche die An- 
wendung des Kalisalpeters, dieses ältesten Antipyreticums , bei acutem Gelenk- 
rheumatismus empfahl. Da der Kalisalpeter kein neues Mittel war, so ist die 
Sache gleichsam wider Willen in die therapeutische Rumpelkammer geworfen 
worden und kein Arzt dachte heute daran, dass schon Martin Solon vor 36 Jahren 
ein antipyretisches Heilverfahren m dieser Krankheit obenanstellte. 

Das Auffallende ist, dass man mit der Salicylsäure erfreuliche Heilerfolge 
erzielte, nebenher auch nach grossen Gaben dieser Säure Dyspepsie beobachtete 
und später von mehreren Seiten über deletere Wirkungen dieser Säure berichtete. 
So wurde von einem schnell eintretenden Tode eines an acutem Gelenkrheumatis- 
mus leidenden Mannes nach Gaben von 0,75 g Salicylsäure, im Deutsch. Arch. f. 
klin. Med. von der toxischer Wirkung dieser Säure, in einem anderen medicinischen 
Blatte von einer tödtlichen Vergiftung einer 28 jährigen, an Pleuritis leidenden 
Frau, in der Deutsch, med. Wochenschr. von einer acuten Vergiftung nach Ver- 
brauch von 22 g Natronsalicylat berichtet. Auch Tuckwell hat auf Gebrauch 
der Salicylsäure Vergiftungssymptome beobachtet. Zum Theil wird in diesen Ver- 
giftungsftlllen eine nicht genügend reine Säure in Anwendung gekommen sein. 
Man könnte auch hiemach die Salicylsäure als eine nicht so unschuldige Substanz 
auffassen, die sich nicht wohl zur Conservirung von Genussmitteln eigne. Man 
bedenke aber, dass Kalisalpeter sich in einer gleichen Lage befindet, dass grosse 
Gaben dieses Salzes ebenfalls deletere Wirkungen äussern, es aber dennoch ohne 



Acidum salicylicum. 37 

Bodenken zum Einpökeln des FleischeB von je her verwendet wird. Kleine Gaben 
d^ reinefn SaUcylsäare haben sicher nichts Bedenkliches und die Minimalgaben 
TOB Salicyldäore, welche bei Genussmitteln in Betracht kommen, dürften in der 
Thai höcbat nnschnldige, auf den Organismus des Körpers fast wirkungslose 
aeuL — 

IMe Frage nun, ob die reine Salicylsäure in Genussmitteln zulässig sei, 
könnte man unbedenklich mit ja beantworten. Man sollte die Salicylsäure also 
als Gooservationsmittel in Nahrungs- und Genussmitteln mit der Einschränkung 
zulassen, dass sie hier nur in sehr kleinen Mengen in Anwendung kommen dürfe. 
Da nun aber kleine Mengen unbestimmte Gewichtsmengen darstellen, so müsste 
die Polizei, im Falle sie die Salicylsäure in Genussmitteln als zulässig erklärt, 
auch gewisse Grenzen vorschreiben, z. B. 1 Liter Bier darf nicht über 0,5 g, ein 
Liter Wein nicht über 0,2, eine saure Gurke nicht über 0,2, 1 Kilo eingemachte 
Früchte nicht über 1,0 g Salicylsäure enthalten. Im anderen Falle würde man 
in Berlin ein Genussmittel wegen zu grossen Salicylsäuregehalts verwerfen, welches 
in Ijeipzig oder Dresden .unbeanstandet bleibt. 

Dass eine nicht gehörig reine, noch Phenol beigemischt enthaltende Säure, 
wie fflc nicht selten im Handel angetroffen wurde, als eine der Gesundheit nach- 
theilige anzusehen ist, dass eine solche Säure in den oben bemerkten Vergiftungs- 
fillen die Hauptrolle spielte, ist unverkennbar. Erst durch Scherikg's Fabrik 
wurde eine reine Salicylsäure in den Handel gebracht. In den ersten 2 Jahren, 
als die Salicylsäure auf dem Markte erschien , war diese selten eine derartig be- 
schaffene, dass man sie als eine reine hätte bezeichnen können. Eine reine Säure 
wird selbst in etwas überstarken Gaben wenn auch den Magen sehr belästigende, 
80 doch keine deletere Wirkungen zur Wahrnehmung bringen. 

Diese Anführungen geben einen Ueberblick über den Werth der Salicylsäure 
als Arzneimittel und als ein Gegenstand für den ökonomischen Gebrauch. Durch 
Versuch ist constatirt, dass Salicylsäure bei Infectionskrankheiten nicht die Wir- 
kungen zeigt, welche man von ihr entsprechend der irrlhümlichen Angabe, dass 
sie ein kräftiges Aniisepticum sei, erwartete. Ueberhaupt die unendlich schönen 
Heilwirkungen, welche in allen Fachblättem Erwähnung fanden, erlitten nach 
und nach in der Wirklichkeit eine erhebliche Reduction oder Herabminderung. 

Es war eine sehr traurige Wahrnehmung, dass des Geschäftes halber oder 
ans persönlichen Rücksichten für ein Mittel wie die Salicylsäure eine über- 
schwängliche, selbst bis in das Sinnlose überfliessende Reclame von Männern ge- 
macht wurde, von denen man ein sachverständiges Urtheil erwarten konnte, und 
dass Apotheker und Aerzte solchen Reclamen Glauben schenkten. 

Wesentlich ist, dass die Salicylsäure die Functionen des Magens stört, dass 
einige Personen sie in starker Dosis gar nicht nehmen können oder nach der 
ßnfähnmg in den Magen ein gewisses Unwohlsein empfinden und andere damit 
im Zusammenhange stehende Zufälle bekommen. Die Individualität des Patienten 
und die Grösse der Gaben spielen eine nicht geringe Rolle. Es ist räthlich, bei 
Beginn der Salicylsäureanwendung stets mit den kleineren Gaben anzufangen. 

Der Harn zeigt bei innerlichem Salicylsäuregebrauch einen grösseren Indican- 
gehalt und daher eine grüne Farbe. 

Für therapeutische Zwecke giebt man die Salicylsäure innerlich zu 0,5 — 
1,0 — 2,0 eb-, zwei- bis dreistündlich, oder zu 3,0 — 5,0 — 8,0 auf einmal am 
Tage oder in zwei bis drei Gaben getheilt, welche halb- bis einstündlich ge- 
nommen werden. Die kleineren Gaben empfehlen sich bei acutem Gelenkrheu- 
matismns, chronischen Magen- und Darmkatarrhen, Katarrh der Luftwege, Diar- 
rhöen mit stinkenden Ei^ssen, Dysenterie, Phthysis, die grösseren Gaben bei 
Typhus, Intermittens, am besten in Pulverform mit Haferschleim, in Bissen oder 



38 Acidam salicylicum. 

weingeistiger LöBung. Der kratzende Geschmack und die Belästigung des Magens 
nach dem Nehmen der Salicylsäure genügen, der Anwendung des Natmm sali- 
cylicum den Vorzug zu geben, jedoch ist die antipyretische Wirkung dieses Salzes 
eine etwas minder kräftige als die der Salicylsäure. Dem entsprechend muss die 
Gabe um ein Drittel verstärkt werden, auch in dem Falle, in welchem man die 
Salicylsäure in Form einer Saturation mit Natriumdicarbonat anwendet. Es er- 
fordern zur Saturation 

1,0 Salicyls. 0,65 Natriumdicarbonat 6,0 Salicyls. 3,9 Natriumdicarbonat 
* 2,0 . „ 1,3 „ 7,0 „ 4,55 „ 

3,0 „ 2,0 „ 8,0 „ 5,2 „ 

4,0 „ 2,6 „ 9,0 „ 5,85 „ 

5,0 „ 3,25 „ 10,0 „ 6,5 „ 

Ein Erwärmen oder Erhitzen einer sauren wässrigen Salicylsäurelösung ist zu 
vermeiden, wegen Disposition derselben zur Zersetzung. 

Die Salicylsäure bewirkt im Allgemeinen ein Herabgehen der Temperatur, 
doch nicht immer eine Minderung der Pulsfrequenz. Es ist ihre Anwendung be- 
sonders dann indicirt, wenn auch eine vermehrte Transpiration erwünscht ist. 
Auch iib ELlystier bewirkt die Salicylsäure eine Abschwächung der Temperatur 
(2,0—4,0—6,0 pro Klystier). 

Bei Migräne erwiesen sich halbstündliche Gaben von 1,0 — 1,5 wirksam, den 
Anfall einige Zeit zurückzuhalten oder abzuschwächen 

Bei Lumbago, Ischias und Neuralgien mit entzündlichem Charakter y, — 
Istündlidi 0,5 — 1,0. Es erfolgt häufig Besserung, manchmal auch nicht Die 
Schmerzen müssen durch Morphininjectionen herabgedrückt werden. 

Bei Gelenkrheumatismus, der fieberhaften Polyarthritis rheumatica erweist 
sie sich meist heilend bei Tagesdosen von 3,0 — 5,0 (5,0 — 8,0 Natronsalicylat). 
Heilung erfolgt in 4—6 Tagen. 

Dr. Stricker normirt bei Gelenkrheumatismus folgende Dosirung: für ju- 
gendliche und kräftige Rheumatiker stündlich als Maximaldosis 1,0, für ältere 
und schwache 0,5, ftlr Kinder zwischen 5 — 15 Jahren 0,25. 

Als Prophylacticum bei herrschendem Scharlach hat sich Salicylsäure (aber 
nicht Natronsalicylat) bewährt. Vergl. die Vorschrift zu Bacilla antiscarlatina, 
Sie wird hier täglich zweimal zu 0,1—0,5 (pro Jahr 0,05) so lange gegeben, 
als in der Familie oder dem Hause ein Scharlachpatient ist und eine Desinfection 
nicht stattgefunden hat (Barker). 

Salicylsäure hat sich als Antaphrodisiacum erwiesen. Bei längerem Gebrauch 
ist Minderung, selbst vorübergehender Verlust des Geschlechtstriebes constatirt 
worden. Nach Jewelt soll eine fünftnalige Darreichung von je 1,0 täglich den 
Geschlechtstrieb für 3 Monate schwächen. 

Dass Salicylsäure nach dem (jenusse trichinösen Fleisches vor Trichinose 
schützt, ist unzweifelhaft. Vergl. Aq. Vitae antitrichinotica. 

Bei Diabetes mellitus glaubt Bartels mit grossen Gaben Erfolge er- 
zielt zu haben, doch andere Aerzte constatirten bei dem Gebrauche der Salicyl- 
säure in grossen Gaben stets Eiweissgehalt im Harne. 

Gegen hektisches FieberTuberculöser fanden Loebisch und v. RoKirANSKT 
das Natronsalicylat in Gaben von 3,0 — 6,0 recht wirksam. 

Bei schmerzhafter Myelitis (Rückenmarkentzündung) gewährt der Gebrauch 
der Säure (in Saturationsform) vorübergehend Lmderung. Ebenso steht es mit 
der Wirkung bei Podagra und Arthritis nodosa. Will man hier die Sali- 
cylsäure als Prophylacticum benutzen, so ist das Natriumsalicylat in seltneren 
massigen Gaben vorzuziehen, dessen Tagesdosis 5,0 nie übersteigen sollte. 

Bei Diphtheritis, auch als Mittel gegen Bandwurm ist Salicylsäure ohne Werth. 



Acidum salicylicnm. 39 

Die in den Magen eingeftlhrte Salicylsäure wird im Wege der Verdau 
ang zum grösseren Theile in Salicin; Salicylursäure und Oxalsäure verwandelt, 
zum Theil in Phenol und Kohlensäure zersetzt. Diese Producte werden theiU 
mit den Faeces, theils mit dem Harne, welcher an Indican reicher wird und eine 
grüne Farbe zeigt, im Laufe eines Tages abgeschieden. 

Zu den unangenehmen Neben- und Nachwirkungen, welche nach dem 
Gebrauch der S&ure bei manchen Patienten zur Beobachtung gelangen, zählen Appetit- 
losigkeit, Uebelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindel, Schwerhörigkeit, Abge- 
9ehlagenheit der Glieder, CoUapserscheinungen , auch zuweilen £iweiss im Harne, 
Nesselausschlag, Petechien, Ecchymosen etc. Diese Wirkungen, mit Salicylis- 
mus bezeichnet, sind bei Anwendung des Natronsalicylats um vieles geringer oder 
sie treten gar nicht auf. 

Aensserlich ist Salicylsäure in allen möglichen Fällen angewendet und in 
allen verschiedenen Arzneiformen zum äusseren Gebrauch untergebracht worden. 
Das Verhältniss der Mischung ist 1 bis 10 auf 100. 

Hier ist noch zu bemerken, dass Salicylsäure in Verbindung mit Borsäure 
in ein energisches Antisepticum übergeftlhrt wird (vergl. Acidum borosalicylicum), 
dass sie in dieser Verbindung im LiSTER'schen Verbände das im vollen Maasse 
leistet, was man von ihrer alleinigen Anwendung irrthümlich erwartete. 

Die Lösung, welche als Salicyl-Spray Verwendung findet, besteht aus 
1 Th. Salicylsäure und 300—350 Th. Wasser. 

Gegen profhse Nachtschweisse der Phthisiker fand Köhkhorn das Einpudern 
der Haut mit dem Pulver gegen Fussschweiss (Pulvis antihydroticus; vergl. S. 41) 
wirksam und erfolgreich. 

Die ökonomische Verwendung ist bereits erwähnt und weiter unten sind 
Beispiele angegeben. Bei ihrer Anwendung in Genussmitteln sind Borax und Bor- 
säure stets zu meiden, weil daraus eine sehr bittere Verbindung entsteht, welche 
aber wiederum als ein Gift für allerhand Ungeziefer von Werth ist, z. B. als 
Mittel gegen Läuse, Flöhe, Wanzen, Blattläuse, Raupen etc. Unten sind diesen 
Zwecken entsprechende Mittel angegeben und verdienen diese den Vorzug, da sie 
nie die schädlichen Folgen erwarten lassen wie die Quecksilbermittel. 

Prof. Fbosky will die Salicylsäure als Mittel gegen Hausschwamm er- 
kannt haben und genügt nach ihm öfteres Bepinseln der Holz- und Mauerstellen 
mit einer weingeistigen Lösung derselben. 

Salicylgaze, Salicylslore-fiaze Bruns'. Ein Kilog. fettfreier Gaze (circa 25 m) 
erfordert circa 2,5 Lit Flüssigkeit. Zur Darstellung einer 5proc. Gaze wird Ik 
Gaze mit einer Lösung von 50,0 g Salicylsäure und 20,0 g Ricinusöl (oder Rici- 
Dosöl und Colophon ana 10 g) in 2,43 Lit. Weingeist getränkt und bei lauer 
Wärme getrocknet Zur Darstellung einer 10 proc. Gaze wird 1 k Gaze mit einer 
Losung von 100,0 g Salicylsäure und 40,0 g Ricinusöl (oder Ricinusöl und Colo- 
phon ana 20 g) in 2,36 Lit. Weingeist getränkt etc. 

Salicylwatte, Salicftjiite (Salicyldschute) Bruxs'. Zur Darstellung der 5 proc. 
Salicylwatte wird 1 Kilog. Watte mit 4 Liter einer Lösung von 50,0 g Salicyl- 
siure, 20,0 g Ricinusöl (oder Ricinusöl und Colophon ana 10,0 g) in 3,930 Liter 
t3930 CC.) Weingeist getränkt. 

.Zur Darstellung der 10 proc. Salicylwatte wird 1 Kilo Watte mit einer Lö- 
sung von 100,0 g Salicylsäure, 40,0 g Ricinusöl (oder Ricinusöl und Colophon 
«na 20,0 g) in 4,860 Liter (4860 CC.) Weingeist getränkt. 

Bei Darstellung des Jute- Verbandmittels wären auf ein Kilo Faserstoff, die 
Torbemerkten Lösungen aber nur bis auf 3,5 Liter mit Weingeist zu verdünnen. 

SaHfjlwatte nach £. Rennabd. Behufs Darstellung der 10 proc. Watte 
werden 2 Theile Salicylsäure in 15 Theilen Weingeist von 80pCt. gelöst und 



40 Acidam salicylicum. 

mit 35 Theilen Wasser von 25 bis 30^ C. verdttnnt. In diese Mischung werden 
10 Theile gute, weisse, gereinigte und mit Natronbicarbonat vollständig entfettete 
Watte getaucht und dann getrocknet. Wird die rothe Farbe der käuflichen 
Watte gewünscht und soll der Spiritus nicht verloren gehen , so löst « man die 
Säure blos in Spiritus und destillirt denselben aus der Destillirblase ab, wodurch 
beides erzielt wird. Auf dieselbe Weise, nur mit entsprechend weniger Säure 
wird die 4proc. Watte, sowie auch die Salicylsäure-Jute hergestellt. Um das 
Stäuben zu verhüten, werden 10 — 15 pCt. Glycerin zugefügt. 

Salicyls&ure-Tampons far Wanden, Salicyl-Wandpfropfe der Soldaten. Ueblich 
sind zwei Grössen. Die kleinen bestehen aus 1,0 g Salicyl-Watte umhüllt oder 
vielmehr straff umwickelt mit einem circa 4 Ctm. langen und 3 Ctm. breiten 
Stück weicher Baumwollengaze , durchzogen mit ein Paar Stichen feinem Zwirn, 
um den Zusammenhalt zu wahren. Die grossen enthalten 2,0 g solcher Watte 
in einem 5 Ctm. langen und 3,3 Ctm. breiten Gazestück. Der Gehalt der Watte 
an Salicylsäure ist ein circa 10 procentiger. Es können die Tampons aus ge- 
tränkter und getrockneter Watte gefertigt werden oder man stellt sie aus unge- 
tränkter Verband watte her und tränkt sie hierauf. 1000 g oder 1 k Watte oder 
1000 kleine oder 500 grosse Tampons erfordern eine Lösung von 100,0 g Sali- 
cylsäure, 30,0 g Ricinusöl, 10,0 g hellem Fichtenharz in 4000,0 g (oder 4,860 Liter) 
Weingeist. Die aus ungetränkter Watte gefertigten Tampons werden in einem 
Napfe oder einem Fasse eingeschichtet, mit der Lösung übergössen, nun mit einer 
passenden hölzernen Scheibe bedeckt stark zusammengepresst, so dass die Lösung 
alle Tampons bedeckt, und in dieser Lage eine Stunde erhalten. Dann entfernt 
man die pressende Kraft und breitet die Tampons auf Brettern oder Hürden aus 
I^inwand in einem kleinen scharf geheizten Zimmer aus, damit sie trocknen. 

Der auf dem Schlachtfelde verwundete Soldat, welcher nicht alsbald vom 
Arzt verbunden werden kann, bedeckt oder füllt die Wunde damit aus, um sie 
vor Fäuluisserregeni zu bewahren. 

Salicylsäure-Cold-cream , ein Präparat der ehem. Fabrik zu Helfenberg bei 
Dresden, ist ein schönes und haltbares Präparat in Glasdosen, welches sich schnell 
heilend bei aufgesprungener und auch wunder Haut erweist. Die elegant« Fas- 
sung mit Signatur und Angabe der Anwendung ist schon eine genügende Em- 
pfehlung. 

Zinenm salicjflienm, Zinksalicylat , ein krystallisirendes Salz.' Zur Dar- 
stellung ex tempore mischt man 2,0 Salicylsäure und 1,0 auf nassem Wege be- 
reitetes Zinkoxyd innig und feuchtet mit 3 Tropfen Wasser an. 

Acidam boro-salicylicnm, BorsalicylsSnre , ist eine chemische Verbindung, 
welche ein wahres Antisepticum ist, und jederzeit entsteht, wenn Salicyl- 
säure mit Borsäure in Lösung zusammentreffen. Zu seiner Darstellung für den 
pharmaceutischen Gebrauch werden zu 1 Th. krystallisirter Borsäure, in 5 Th. 
heissem destillirtem Wasser gelöst, 2 Th. Salicylsäure in 10 Th. Weingeist gelöst 
gesetzt und die Mischung im Wasserbade langsam eingetrocknet. Es bildet dieses 
Präparat ein weisses krystallinisches Pulver oder ein Haufwerk kleiner nadelfOr- 
miger Krystalle, löslich in 200 Th. kaltem, 40 Th. heissem Wasser, 10 Th. Wein- 
geist. Der Geschmack ist ein anhaltender sehr bitterer. 

Anwendung. Diese ist nur eine äusserliche und mit derjenigen der Salicyl- 
säure insofern übereinstimmend, dass die angewendeten Mengen nur 2/3 — 3/4 so 
viel betragen. In Salbenform oder in Lotionen ist die Borsalicylsäure ein ganz 
vorzügliches Mittel gegen Scabies und besonders gegen Räude der Hausthiere. 
Hier sind zugleich keine schädlichen Nebenwirkungen zu filrchten, wie von vielen 
anderen gegen diese Hautausschläge angewendeten Mitteln (Hager). 



Acidum salicyiicum. 



41 



t'l) AqiA Titae uititriehinotica. 

Munitor. 

R- Acidi salicylici pari 10,0. 
S«>lve in 

Spiritus Yini pari 1000,0. 
Tum admiflce 

Carvoli (vel Olei Cam) 2,5 

Tinctnnie aromaticae Ö0,0 

Syrapi Sacchari 1800,0. 
Ein Spitasglaa nach dem Grennsse von 
Schweinefleisch oder Speisen aus Schweine- 
fleisch, das trichinös zu sein verdachtig 
oder nicht mikroskopisch untersucht ist 

(2) Bacilla antisearlatina. 

Trochisci s. Panicelli prophylactici. 
Scharlachbrötchen. 

Rr Acidi salicylici 10,0 
Acidi benzoici 1,0 
Sacchari albi 100,0 
Olei Anisi Guttas 5 
Tragacanthae 

Badicis Liquiritiae ana 2,0 
Glycerinae 6,0 

Aquae destillatae 4,0 vel q. s. 
M. Fiant panicelli ad tres centimetros 
crassi, radice Liquiritiae pulverata con- 
sperai. Loco vix tepido paululo desic- 
centnr. 
D. S. Morgens und Nachmittags 
1 Stück für ein Kind von 2 Jahren 

IV2 1» « T» « »3 

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Die Brötchen werden nach und nach 
zerkaut und verschluckt, Wasser oder 
Kaffee nachgetrunken (als Prophylacticum 
bei hemchendem Scharlach). 

(3) liqnor antiotorrhoieus Bezold. 

IV Acidi salicylici 2,0. 
Solve in 

Spiritus Vini 40,0 

Aquae destillatae 60,0. 
D. S. Täglich zweimal davon in das 
Ohr zu giessen (bei Ohrenfluss). 

(4) Liquor salicylicus. 

Acidum salicyiicum solutum. 

Hr Acidi salicylici 10,0. 
Solve in 

Spiritus Vini 90,0. 
Liquor* filtratus loco umbrosa servetur. 
S. Sumatur Xplum. 

{dj Mixtara antidyspeptica Mosler. 

Kr Acidi salicylici 

Xatri boracici ana 6,0 



» 



n 



Aquae destillatae 170,0 
Syrupus Sacchari 30,0. 
M. D. S. Mittags und Abends vor dem 
Essen 1—2 Esslöffel (bei Dyspepsia acida. 
Wohl nicht zu empfehlen und durch Ge- 
brauch von Pepsin nebst kleinen Gaben 
Salzsäure zu ersetzen). 

(6) Mixtura salicyliea Düppey. 

i^ Acidi salicylici 10,0. 
Solve in 

Liquoris Ammoni acetici 60,0 

Aquae destillatae 230,0. 
D. S. Stündlich zwei Esslöffel. (In 
dieser Lösung goll die Salicylsäure sehr 
gut vertragen werden.) 

(7) Mixtura salicyliea infantum. 

^ Acidi salicylici 5,0 

Natri carbonici crystallisati 

Succi Liquiritiae ana 2,5. 
Solve in 

Aquae destillatae 120,0 

Syrupi Sacchari 20,0. 
M. D. S. Stündlich 1 Kinderlöfljel voll. 

(8) BUxtura salicyliea vinosa. 

i^ Acidi salicylici 5,0. 
Solve leni calore in 
Spiritus Vini Gallici 
Vini Hispanici ana 100,0 
Svrupi Aurantii corticis 50,0. 
D. S. Oefters (2— 4 stündlich) zwei Ess- 
löffel zu nehmen (bei chronischen Darm- 
katarrhen milderen GradesX 

(9) FulTis inspersorius antihydroticus. 

Salicyl-Fussschweisspulver. Mildes Ein- 
streupulver bei schweissigen Füssen. 

^ Acidi salicylici 3,0 
Amyli 10,0 
Talci Veneti 87,0. 
M. f. pulvis subtilissimus. 
D. S. Zum Bepudem der Füsse (gegen 
Fussschweiss) oder der Haut des Körpers 
(gegen profusen Nachtschweiss). 

(10) Saccharum salicylatum. 
Acidum salicyiicum saccharatum. 

^ Acidi salicylici 2,0 

Sacchari albi 8,0. 
Misce. Fiat pulvis subtilis. 

(11) Unguentum antieczematicnm 
Abelin. 

^ Acidi salicylici 1,0 

Spiritus Vini 2,0 

Adipis suilli 4,0. 
M. Fiat unguentuni. 

(Bei flechtenartigen Hitzblätterchen aut 
Gesicht und Kopf.) 



42 



Acidum salicylicum. 



(12) üngiieiitiim antieczematicmn 
Fleischmann. 

1^ Acidi salicvlici 2,5 

Tinctnrae Benzoes 

SDiritus Vini 

G-lycerinae ana 1,0. 
Centerendo mixtis adde 

Ungnenti emollientiB 35,0. 

D. S. Täglich 2— 3 mal damit zu be- 
streichen (die mit Seife abgewaschenen 
and abgetrockneten Stellen der nässenden 
Flechten). 

(13) üngnentiim leniens salicylatiiiD. 

Salicylsäare-Cold-cream. 

lyr Acidi salicylici 5,0 

Natri carbonici crvstallisati 2,0 
A(]^nae Rosae 20,0 
Spiritus Vini 5,0. 

In cucurbitam vitream ingesta digere, do- 
nec solutio effecta fuerit, quam inter 
agitationem sensim sensimque immisce 
mixturae paratae e 

Cerae virgineae albidae 

Cetacei ana 10,0 

Olei Amygdalarum 70,0 

Olei Bosae guttis 3 

Aquae Bosae 10,0. 

Diese Salbe soll besonders bei aufge- 
sprungener Haut schnell heilend wirken. 

(14) üngiientiim contra tlneam eapitis. 

Unguentum contra bestiolas molestas. 
Salicyl-Läusesalbe. Grindsalbe. 

iVr Acidi salicylici 10,0 
Acidi borici 3,3. 

In pulyerem tenerrimum redacta commisce 

cum 
Cerae flavae 50,0 
Adipis suilli 250,0 

antea liquata et pigmento rubro Alkan- 

nae tincta. Tum adde 
Baisami Peruviani 10,0 
Olei Bergamottae guttas 50 
Olei Anisi stellati guttas 20, 

deinde paullatim 
Aquae Bosae 30,0. 

Agita, donec massa nnguentaria plane 

refrixerit. 

Diese Salbe ist niemals eine schädliche 
und besonders, eine Läusesalbe für Kinder, 
welche am Kopfgrind leiden. Dieser da- 
mit bestrichen, heilt sehr bald ab, natür- 
lich ist auf bessere Nahrung zu sehen. 
Femer ist die Salbe .als Haarpomade ffe- 
ei^net für die Kinder*, welche die Volks- 
schule besuchen, gleichsam als Präservativ 
gegen Kopfläuse. 



(15) üngnentam Tvlnerarinm saliey- 

latnm. 

Salicylsäure Wund- und Fusssalbe. 

J^ Sebi taurini recentis 10,0 
Olei Olivae 
Cerae flavae ana 5,0. 
Leni calore Hquatis immisce 
Acidi salicjlici triti 1,0 
Spiritus Vini absoluti guttas 10. 
Digere inter agitationem per aliquot mo- 
menta temporis, tum in modulum cylin- 
dricum efl\inde. Sint bacilla 5 cm longa, 
1,5 cm crassa. 

Zum Heilen leichter Wunden und Haut- 
aufschürfungen. 

Eugen Dieterich 's Fabrik zu Helfen- 
berg bei Dresden brinfft eine ähnliche 
Salbe {k Stück 8,0} mit Signatur und Ge- 
brauchsanweisung m den Handel. 

(16) Yinnm salleylatnm. 
Salicylwein. 

1^ Acidi salicylici 5,0. 

Natri carbonici 2,5. 
Solve digerendo in 

Vini Hispanici 500,0. 

(17) Vet. üngnentnm antipityrlenm 

eqnomm« 

Pferdeschorfsalbe. 

1^ Boracis 5,0 

Aquae fontanae 50,0 

Cerae Japonicae 10,0. 
Coque, donec in massam pultiformem la- 
cteam inversa fuerint. Tum admisce 

Acidi salicylici 

Acidi borici 

Benzoes ana 5,0 
in pulverem tenerrimum redacta et com- 
mizta cum 

Adipis suilli 100,0. 
D. S. Pferdeschorfsalbe. Bei jüngeren 
Pferden kommt zu manchen Zeiten ein 
eigenthümlicher Hautschorf zum Vorschein» 
welcher sogar ansteckend ist und mittelst 
Decken und Geschirr auf gesunde Pferde 
übertragen wird und mit einer Irritation 
der Hautstelle seinen Anfang nimmt. Von 
der Salbe wird täglich zweimal die Stelle 
oder der Schorf bestrichen. Balsam um 
salicylico-benzoYnatum lässt denselbenHeil- 
zweck en*eichen. 

(18) Liquor conserratorins anlrergAlig 

Hager. 
HAQER'sUniversalconservirungsflüssigkeit* 

lyr Acidi salicylici 20,0 

Acidi borici 30,0 

Kali carbonici 5,0. 
Solve in 

Aquae fervidae 800,0 

Glycerinae 250,0. 



Acidum sallcylicum. 



43 



Tom admiflce 

Olei Ciniiamomi Cassiae 
Olei Caryophyllonim ana 15,0 

soluta in 

Spiritua Yini 500,0. 

Postremum filtra. 



D. Zum Besprengen, Bestänben, Be- 
feuchten der dem Wurm- und Insecten- 
frasse ausgesetzten Gegenstände, auch zum 
Conserviren von Flüssigkeiten und feuch- 
ten Objecten der Anatomie. 



Andere Arzneieompositionen mit Salicylsäure vergl. tinter Natrum salicylic. 
Handb. Bd. n, S. 539 ü. f. 

Zur ConserTirang der Getränke, eingemachter Früchte, der Frucht- 
säfte etc. genügen auf 1 Kilog. Zucker 2 — 3 g, auf 1 Lit. Fruchtsaft 2 g Salicylsäure. 
Bier wird vor Nachgähmng bewahrt im Sommer auf Zusatz von 0,15— 0,25 g pro Liter, 
in kalter Jidireszeit auf Zusatz von 0,05— 0,1g pro Liter. Die Brauer m Belgien ge- 
brauchen circa 8,0 g der Säure auf 100 Liter Bier (Blas). 

PiAZ will sehr günstige Besultate in der Conservirung des Obstes erhalten haben. 
Ohne jedes Erhitzen oder Aufkochen wurde die betreffende Obstsorte einfach in eine 
Flüssigkeit eingelegt, welche auf 1 Liter Wasser 100 — 500 g Zucker und 2V2 — 3 g 
Salicylsaore enthält. Dann wurden die Gläser mit gewöhnlichem Schreipapier verbunden. 
Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Trauben, Kirschen, Birnen hielten sich auf 
diese Weise ein ganzes Jahr im Vollbesitz ihres Aroms; gekochten Fruchtsäften 
braucht nur etwa lg Salicylsäure auf das Liter Flüssigkeit zugesetzt zu werden, um 
sie völlig haltbar zu machen. Auch abgenommenes Obst kann man jetzt besser auf- 
bewahren als sonst, indem man der Luft in der Obstkammer geringe Mengen Aether; 
Phenol, Chloroform oder Schwefelkohlenstoff beimengt. Der Redakteur von Dingler^s 
polytechnischem Journal, Dr. Fischer, erhielt dadurch, dass er hin und wieder einige 
Tropfen reines Phenol auf den Boden seines Obstkellers tropfte, Aepfel bis zum näch- 
sten Juli völlig frisch. 

In allen Fällen ist bei Darstellung solcher salicylirten Genussmittel die An- 
wendung eiserner Geräthschaften und auch eines Ocker absetzenden oder 
eisenhaltigen Wassers zu vermeiden. 

Salicylaliireliqiieiiry von welchem man bereits eingemachten Früchten .beimischt 
oder welchen man in dünner Schicht auf die Oberfläche des Eingemachten aufgiesst, 
bestellt aus einer Lösung von 20,0 Salicylsäure in 200,0 Weingeist und 1800,0 Syrupus 
Sacchari. Eine Zumischung von 200,0 — 300,0 Glycerin ist zweckmässig. 

Salieylsiiiresynip zu derselben Verwendung wird aus 5,0 der Säure, 50,0 Wein- 
ereist, 700,0 Wasser und 800,0—1000,0 Zucker bereitet und in denselben die Früchte 
eingeschichtet. 

SaUcylsänre-Essenz zur Conservirung von Bier, Wein und anderen Getränken 
ist eine filtrirte Lösung von 1 Th. Salicylsäure in 9 Th. Weingeist. Auf 1 Liter Bier 
«ider Wein genügen im Sommer 30 Tropfen, im Frühjahr und Herbst 20 Tropfen, im 
Winter 10 Tropfen. Vergl. oben Liquor salicylicus. 

Pisodzin von J. Herbabny (Wien), Präservativ und Heilmittel bei Diphtheritis, 
Bräune, Diabetes etc., ist ein mit Salicylsäure und Thymol gesättigtes Glycerin. 
'GoDEPFROY, Analyt.) 

Beavme antizymiqiiey ein (wenig nützendes) Präservativ gegen syphilitische 
Ansteckung, soll bestehen aus je 6,0 Chloralhydrat, Salicylsäure, Glycerin, Natrium- 
aalfit, 16,0 Wasser und 4,0 Weingeist. 

Krepin von E. H. Bovend (Crefeld) besteht aus Salicylsäure, Weingeist und 
Wasser, ein gutes Mittel gegen Insecten, Würmer etc., welche der Gärtner, Landwirth 
und Forstmann fürchtet. 

pENNis' Eth^rolö antiseptiqne soll eine weingeistige Lösung von Salicylsäure, 
versetzt mit wenig Eucalyptusöl, sein. 

Salubrlne enlinaire Perrot's (Genf), Conservirungsmittel für den Hausgebrauch 
ist ein Gremisch ana 3 Th. Salicylsäure und 2 Th. Kochsalz. 

Salubrlne oenoaote Perrot's ist ein Gemisch ans 80 Th. Salicylsäure und 20 Th. 
Weinstein znr Conservirung weiniger Getränke. 

Satnbrine-Saeeharosote Perrot's, dem Zucker zum Einmachen der Früchte 
zuzusetzen, ist ein Gremisch von 70 Salicylsäm*e und 30 Weinstein (1 Kilo =» 64 M.). 
rScHAEDLER, Analyt.) 

Selmtzmittel gegen Syphilis des Dr. Kienel ist eine Salicylsäurelösung in 
Khwaehem Weingeist mit Eau de Cologne parfUmirt. (In^hauser, Analyt.) 



44: Acidiim saiicylicam. — Acidum silicicam. 

Zahnwasser, Kothe's, eine Lösung von 0,3 Salicyls&ure in 100,0 eines 65proe. 
Weingeistes, mit einigen Tropfen Pfefferminzöl versetzt. (Schaedler, Analyt.) Die 
Zahn-Schöne Kothe's enthält nicht SalicylsUure und ist ein Gemisch aus Alaun 
mit Kreide, mit Pfefferminzöl parfÜmirt. 

FischconserTation nach der EcsART'schen Methode besteht darin, unter Beihilfe 
eines hydraulischen Apparates die Fische mit Salicylsäurelösung zu durchtränken, in 
Fässer einzuschichten und dann mit Glyceringelatine zu decken. Dass die Fische an 
Geschmack nicht gewinnen und die Conservation eine lückenhafte ist, lässt sich wohl 
voraussehen. 

Htthneraiigeneollodiiim, Leichdorncollodium des Apoth. Gezow, ein Gemisch 
aus 3,0 Salicylsäure, 24,0 CJoUodium, 0,5 Extract. Cannabis Indicae. 

Htthnerangenmittel des Apoth. Wit-Tschaikowski, ein Gemisch von circa 5,0 
Salicylsäure, 30,0 Collodium, 3,0 Terpentin. 



Acidum siliclcum. 

Zur Analyse der Silicate resp. Bestimmung der Alkalien in den Sili- 
caten wird nach A. Teereil das gepnlv. Silicat mit der 7 fachen Menge ge- 
schmolzenem Barythydrat durchmischt und (im Silbertiegel) bei kaum schwacher 
Rothgltihhitze (350 — 400^ genügen) geschmolzen, die Schmelze ausgelaugt (Baryt 
kann noch im Rückstande verbleiben), durch die filtrirte Lösung Kohlensäure ge- 
leitet, aufgekocht und die Lösung der alkalischen Carbonate durch Filtration ge- 
sammelt. Diese Lösung wird mit Salzsäure gesättigt, zur Trockne gebracht und 
in Wasser gelöst (behufs Abscheidung von Kieselsäure). Die Chloridlösnng wird 
eingetrocknet, schwach geglüht und gewogen. Dann wird Kali mittelst Platin- 
chlorids und Natron durch Berechnung bestimmt. Ist Lithon zugegen, so ist 
dieses aus den trocknen Chloriden durch Aether zu scheiden, worin Lithium - 
Chlorid löslich ist. 

Anwendung der Kieselsäure. Von Batty wurde Kieselsäurehydrat bei Dia- 
betes nnd auch gegen Krebs empfohlen (0,06 zweimal täglich). Dass reine hy- 
dratische Kieselsäure in die Verdaunngswege emgeführt, ohne alle Wirkung ist, 
scheint eine zutreffende Ansicht zu sein. 

Wasserglas mit der 5 fachen Menge Wasser verdünnt, dient als Üeberzug 
von Erysipelas. Es bildet sich eine glänzende Decke, unter welcher Schmerz 
nnd Röthe bald verschwinden sollen. 



Conservaüensmittel für Kleister, Leim^ Gelatinelösungen, Gummi- 
schleim etc. ist nach Regeksberg Natron Wasserglas, von welchem man zn 
einem Liter der Lösung jener Klebflüssigkeiten 15 — 20 Tropfen unter Umrühren 
zumischt. 

Glaswolle, Lana silicea, Lana vitrea, ein Natronglas in feinen Fäden, 
der gekrempelten Baumwolle ähnlich. Fb. Zitzmann brachte sie zuerst in 
den Handel und hat den Vertrieb dem Apoth. R. H. Paulgke in Leipzig über- 
tragen. Sie existirt in drei Nummern I, II und III. Die Nummer I ist die 
feinste. Die Glaswolle ist ein ganz vortreffliches Colir- und Filtrirmittel. Man 
schiebt ein lockeres Bäuschchen in das Abflussrohr eines Trichters entweder mit- 
telst Glasstabes oder eines am Ende sichelförmig gebogenen Drahtstückes. I und 
II eignen sich zum Klarmachen von Flüssigkeiten, welches sich durch Filtration 
oder Coliren durch feinmaschige Seihetücher erreichen lässt, III zum Goliren, wenn 



Acidnm silicicum. 45 

ein Änadiüeken des Bäckstandes nicht gefordert ist. Znm Filtriren behufs Ab- 
sondenmg von schleimigen Partikehi ist sie nicht geeignet. Da sie aus weichem 
Glase fabricirt wird, so ist sie gegen Alkalien und starke Säuren nicht indiffe- 
rent, doch immer noch besser als Asbest. Glaswolle ist im Ganzen ein billigeres 
Material als Filtrirpapier oder Colirzeug, besonders aber bequem in der Receptur 
zum Coliren der Salzlösungen und Mixturen. 10 g Glaswolle I, 11, III wurden 
bezahlt mit 2—1,50—1 Mk. 

Die Wiener Glaswolle soU aus zu weichem Glase bestehen, welches 
selbst von Wasser corrodirt wird. 

Man hüte sich eine Glaswolle in den Gebrauch zu nehmen, welche aus blei- 
haltigem Glase besteht. Zur Prüfung kocht man ein Bäuschchen der Glaswolle 
mit verdünnter (lOproc.) Natronlauge auf, verdünnt mit Wasser, decanthirt und 
übersättigt das Decanthat mit verdünnter Schwefelsäure oder versetzt es mit 
Schwefelwasserstoffwasser. 

filaswollen-Colatorien. Man soll Gewebe aus Glaswolle darstellen, es sind 
solche aber noch nicht im Handel. 

Lanpeidoehte aus Glas fä den, auch verwendbar für Spirituslampen brachte 
die Firma Youbriekl & Beck in Hanau in den Handel. 

Pressglas, Amerikanisches, enthält circa 18 Proc. Alkali, es ist daher 
nicht zu pharmaceutischen Aufbewahrungsgefässen geeignet. Dagegen ist 

liactiiisehes Glas, bernsteingelbes Glas, Stendeb's, wie es die Glashütte 
Stendeb's in Lamspriuge in den Handel bringt, ein herrlicher Ersatz des Hya- 
lithglases zu Aufbewahrungsgefässen für lichtempfindliche Chemikalien. 

Tlpferglasur, bleifreie nac^h Constauk besteht aus 100 Wasserglas von 
50^ Be&um^, 15 Quarz, 15 Schlämmkreide oder aus 100 Wasserglas, 15 Schlämm- 
kreide und 15 Borax. 

Clasir, bleifreie (Bernagoud's). Ein Glasfluss aus 100 Kieselerde, 80 ge- 
reinigter Potasche, 10 Kaliumsalpeter, 20 gebranntem Kalk mit Wasser in Hydrat 
üljergefiihrt, wurd in ein feines Pulver verwandelt, welches auf die zu glasirenden 
angefeuchteten Thongefässe au%esiebt wird. Dann lässt man die Gefllsse an der 
Luft trocknen, um sie nun im Töpferofen zu brennen. 

Clasir fir Ofenkacheln mischt man aus Kalkhydrat und Wasserglas, womit 
man die Kacheln bestreicht, nachdem sie zuvor einen Anstrich mit Wasserglas 
erhalten haben. 

Kitte fiir Porcellan, Glas, Holz etc. aus Lüneburger Infusorienerde (2 — 3 Th.) 
und Kaikhydrat (3 — 5 Th.) und heissem Wasser haben sich gut bewährt. Die 
Mischung mit dem Wasser darf nur ex tempore geschehen. Zur Erhärtung ist 
immer eine Zeit von mehreren Tagen erforderlich. 

Kitt, Sealy's, ein Gemisch aus Porcellanthon und Aetzkalilauge. 

Kitt, SiaAesiseher. Zwei Fläschchen, von denen das eine Schlämmkreide, das 
andere Wasserglas enthält. (Kögleb, Analyt.) 

Van Baerle's Wasserglascomposition oder weisse Schmierseife 
besteht aus 10 Th. Natronseife, 90 Th. sodahaltigem Wasserglase und einge- 
blasener Luft. Sie ergab 56,8 Proc. bei 100 ® G. verdampfbaren Wassers. (Be- 
zugsquelle VAN Baeble & Sfonnagei., Berlin, Hermsdorfer-Str. 8.) (Merz, 
Analyt.) 

Iaitfe*(r6Heilt (Bd. I, S. 112) ist nach einer anderen Angabe aus 40 Th. 
Cdopbon, 80 Th. Kreide und 100 Th. Sand zusammengesetzt. 



46 Acidum silicicnm. 

• 
Singeb'b Ceneit, Kitt fflr Glas auf Messing; besteht ans 20 Th. Fichtenharz, 
4 Th. Wachs, 4 Th. Ocker und 1 Th. Gyps. 

Ure's Gement besteht ans 25 Th. Harz, 4 Th. gebranntem Ocker, 2 Th. ge- 
branntem Gyps und 1 Th. Leinöl. 

Varley*s Cement besteht aus 1 Th. Wachs, 16 Th. Harz, 16 Th. ausge- 
trockneter Kreide. 

Framlsiscker Cenent, ein Material für künstlichen Sandstein. Er soll ein pulve- 
riges Gemisch aus 40 Th. Sand, 60 Th. Kalkstein, 3 Th. Bleiglätte sein, welches 
mit circa 7 Th. Leinölfimiss vor der Anwendung vermischt wird. Einen an- 
deren Cement mit demselben Namen bereitet man durch Tränken gebrannten 
Gypses mit kalt gesättigter Alaunlösung und dann durch nochmaliges Brennen. 
Es dient dieses Material zur Darstellung des künstlichen Marmors. 

Brillantine, Claon's, ein Polirmittel (patentirt). 100 Th. Guanoextract, 
25 Th. Trippel, 12 Th. Weizenmehl, 10 Th. Kochsalz werden in der Siedehitze 
des Wassers zu einer gleichförmigen Masse (Brei) gemischt und nach dem Er- 
kalten in ein feines Pulver verwandelt. 

Dinaskrjstall, plastigeker, ein Gement, aus circa 90 Th. Kieselsäure, 6,6 Th. 
Thonerde, 3 Th. Kalkerde und weniger als 1 Th. Eisenoxyd bestehend, mit 
Wasser gemischt in einigen Stunden erhärtend, in der Rothglnth sinternd. 

Pkoenixessenx, Pebeles', ein Mittel, Gewebe, Papier schwer verbrennlich zu 
machen, eine Lösung von 15 Th. Natronwolframat, 10 Th. Natronwasserglas, 
3 Th. Natronphosphat und etwas Gummi Arabicum in circa 35 Th. Wasser. 
(Hageb, Analyt.) 

PttbfnlTer aus Kohlenasche. Nach A. Viedt (Braunschweig) ist es die fein 
gepulverte Asche der Bogheadkohle, das beste Putzpulver für Metalle. Es ent- 
hält circa 42 Proc. Kieselsäure, 40 Proc. Thonerde, 1 Proc. Eisenoxyd und 
Feuchtigkeit. 

Steroxylln, ein Lemsurrogat in der Papierfabrikation ist naoh Hallwachs 
syrupdickes Wasserglas. 

EisensekwamiB , 0feiw«lle, Scklackeiwolle , Schlacke in faseriger Form, darge- 
stellt durch Einblasen von Luft in geschmolzene Eisenschlacke, ist ein schlechter 
Wärmeleiter. Die Schlackenwolle besteht durchschnittlich in Procenten aus 
65 Kalisilicat, 20 Thonerdesilicat, 15 Magnesiasilicat, kleinen Mengen Eisen, 
Mangan und Schwefelmetallen. Man benutzt sie als Ausfüllmaterial bei Bauten, 
der Fussböden, zum Umhüllen von Eüsreservoirs, Eisschränken, Wasserrohren, 
Dampfröhren, Dampfcylindem, feuerfongender Gegenstände etc. Um sie als Filtrir- 
material für Wasser oder auch zum Ausfüllen unter Dielungen der Wohnungen 
zu benutzen, muss sie vorher durch Maceration in 1 proc. Salzsäure von den 
Schwefelmetallen befreit werden. Zur Filtration des Wassers zu künstlichen 
Mineralwässern ist sie nicht verwendbar, weil sie nicht völlig unlöslich ist. 

Das Erzherzog-Albrechtsche Eisenwerk zu Trzinietz an der Kaschau-Oder- 
berger Eisenbahn liefert 50 k zu 5 Mark. Die Fäden haben einen Durchmesser 
von 0,0004—0,0006 mm. 



Laf 18 L;iei8, Belemaites, Hebniitkolitkis, Dactyhs Idaens, Donnerkeil, Donner- 
stein, Katzensteii, Laekstein, DmideDsteii , ein häufig dem Kiessande beigemischtes, 
hauptsächlich aus Kieselsäure und Kalksilicat bestehendes Fossil, eine versteinerte 
Species der vorweltlichen Familie der Cephalopoden (Kopffüssler). Es sind ge- 
wöhnlich Binichstücke, cylindrisch, 1 — 1,3 Ctm. dick, mehrere Ctm. lang, an 
dem einen Ende in eine Spitze auslaufend, mehr oder weniger durchscheinend, 



Acidum silicicum — Acidum succinicum. 47 

uusen glatt y auf dem Brache meist strahlig krystallinisch, in der Längsrichtung 
mit emer röhrenförmigen Höhlung. Dieses Fossil wird hin und wieder vom 
TjnilwMmn in der Apotheke gefordert. Den Besitz desselben hält der Aberglaube 
für einen Schutz z. B. gegen Feuersgefahr, gegen Verwundung; Hexerei etc. 



Acidum succinicum. 

Bemsteinsänre soll 8,5 Th. 90 proc. Weingeist, 14 Th. absoluten Weingeist 
ond 80 Th. Aether zur Lösung erfordern. 

Das Vorkommen derBemsteinsÄure in unreifen Weintrauben wurde von Bbunner 
und BRANDENBURG coustatirt. Der Saft wird mit Kreide übersättigt, filtrirt, 
mgedamptt, g'eldst, mit Thiurkohle gereinigt. Aus der verdampfenden Flüssigkeit 
B(mdem sich Calciumsuccinatkrystalle (C4H4Ca04 + SHjO) ab. 

Bemstemsftare wirkt auf Ealiumdichromat bei Gegenwart von Schwefelsäure 
webt Tedncirend, viobl aber Aepfelsänre. 



Acidum snlfnrlcum. 

ktiimm siilfHrieiiii erystallisatiim s. anhydrnm, krystallisirt« oder aahj- 
tio^ ^¥lltfelaSHre» Schwefelsäure in fester oder krystallinischer Form, aus 
^— ^ Proc Anhydrid und 10—20 Proc. Monhydrat bestehend. Sie wird auf 
^ ^JLBs'Bchen Werken in Böhmen nach Prof. Cl. Winkleb's Methode dar- 
gestellt. Sie ist arsenfrei. Die VerpackungsgefUsse sind zugelöthete Weiss- 
MeehbüchBen (da anhydrische Säure bei gewöhnlicher Temperatur und bei Ab- 
Bthhiss von Feuchtigkeit Schwermetall nicht angreift). In den Preiscouranten 
unserer Drogisten findet sich diese Waare noch nicht verzeichnet. 

Aus England kommt in 50 k fassenden eisernen Trommeln eine Säure, 
welche nur 40—50 Proc. Anhydrid enthält. 

Von den eisernen Aufbewahrungsgeftlssen ist feuchte Luft und Wasser fem 
ZB halten. Unsere Keller sind gewöhnlich etwas feucht und daher keine geeig- 
neten Orte für die Lagerung dieser Säure. 

Nach einem Deutschen Patent stellt J. A. W. Wolters (in Kalk bei Göln) 
das Anhydrid durch Erhitzen des wasserfreien Natriumdisulfats mit wasserfreiem 
Xagnesiumsnlfat dar. 

Das Clakob WiNKLER'sche Verfahren beruht auf den Vorgang dass Schwefel- 
säure in der Hitze in Schwefligsänre und Sauerstoff zerlegt wird, und die beiden 
Ton Wasser befreiten Gase im Contact mit fein zertheiltem Platin (platinirtem 
Bimslein) sich zu Schwefelsäureanhydrid verbinden. 



Prüfung. Die Bestimmung der Stickstoffverbindungen in der Handels- 
Schwefelsäare kann nach Watt's Angabe am besten durch Bestimmung des 
T<rfiiniens und Gewichts des Stickoxyds, entwickelt durch Quecksilber, erzielt 
Verden. Aus der Menge des Stickoxyds wird das Stickstoff-Trioxyd (N2O3) 
herecbmL 

Aditm Sllfkriciui fninaiis. Die Darstellung dieser Säure gelingt nach einem 
TOB J. A. W. W01.TEIE8 in Kalk genommenen deutsch. R.-Patente, wenn Natri- 



48 



Acidum snlfuricum. 



umdisulfat vorsichtig geschmolzen, dann mit einer entsprechenden Menge ent- 
wässertem Magnesiumsulfat gemischt der Destillation unterworfen wird. Letztere 
soll bei massiger Hitze vor sich gehen. Der Retortenrückstand kann wieder 
zerlegt und zur weiteren Fabrikation anhydrischer Schwefelsäure benutzt werden. 

Chemie und Analyse. Zur quantitativen volumetrischen Bestimmung der 
Schwefelsäure in den neutralen Alkalisulfaten soll man nach Jean die 
Lösung mit Barytwasser im üeberschuss fällen, den Barytüberschuss durch 
Kohlensäure fällen, die vom Niederschlage dekanthirte Flüssigkeit aufkochen, 
dann das Ganze der Filtration unterwerfen, den Filterrückstand mit kochendem 
Wasser auswaschen. Das mit Lackmus tingirte heisse Filtrat wird nun mit 
Normal-Schwefelsäure titrirt. Die Menge der hierzu nöthigen Schwefelsäure ist 
gleich der an Alkali gebunden gewesenen. Hiermit wird zugleich die Menge 
des Alkalis bestimmt. 

Nach den Versuchen von F. Kohlrausch (Annal. d. Phys. u. Ch., 1878, 
Ergänzungsbd. 8, S. 675) ergeben sich folgende specifische Gewichte für Misch- 
ungen von Schwefelsäure (Gewichtsprocent) und Wasser: 



S04HJ 

90 
91 


Spec. Gew. 
1,8147 

1,8200 


92 


1,8249 


93 


1,8290 


94 


1,8325 


95 
96 
97 

98 


1,8352 
1,8372 
1,8383 
1,8386 


99 


1,8376 


100 


1,8342 



Q. Lunge (Ber. d. deutsch, ehem. Ges., 1878, S. 370) hat folgende Siede- 
punkte für Schwefelsäure gefunden: 



Proc. 




Proc. 




SO4H2 


Siedepunkt 


SO4H2 


Siedepunkt 


5 


1010 


70 


1700 


10 


102 


72 


174,5 


15 


103,5 


74 


180,5 


20 


105 


76 


189 


25 


106,5 


78 


199 


30 


108 


80 


207 


35 


110 


82 


218,6 


40 


114 


84 


227 


45 


118,50 


86 


238,50 


50 


124 


88 


251,5 


53 


128,5 


90 


262,5 


56 


133 


91 


268 


60 


141,5 


92 


274,5 


62,5 


147 


93 


281,5 


65 


153,5 


94 


288,5 


67,5 


161 


95 


295 



Die Desarsenication der Schwefelsäure geschieht nach Rüd. Waqner 
leicht, entweder durch Natriumsulfid (Na^S), weniger gut durch Natriumhypo- 



Acidam sulfaricum. — Acidum siilfurosum. 49 

Biüfid, oder durch Baryumhyposalfit. Im letzteren Falle scheiden Arsensulfid 
und BarynmBulfat ans. 19,8 Th. Arsenigsäure erfordern 85,5 Baryumhyposalfit. 

IrttstitB nennt Dr. G. Leube sen. eine verdünnte Schwefelsäure , Wasser 
mit 4 Proc Schwefelsäure versetzt, zur Conservirung von Fleisch, auch zur Des- 
infectioB von Faecalmassen. Das Fleisch wird in das Ereosozon 2 — 4 Minuten 
untergetaucht oder wiederholt untergetaucht, Würste werden damit bestrichen. 
Grosse Stücke Fleisch sind vor dem Eintauchen in kleinere zu theilen. Die Con- 
servation ist danach um viele Tage und Wochen, je nach der Jahreszeit, zu er- 
reichen. Für Zwecke der Anatomie und gerichtlichen 6hemie ist das Kreosozon 
mcht ohne Werth. 

Michel's Pasta, eine Mischung aus 3 Th. conc. Schwefelsäure und 1 Th. 
gepulvertem Asbest. Sie dient als Causticum. Die Umgebung der zu cauteri- 
sirenden Hautstelle ist mit Heftpflaster oder Collodium zu decken. Sie soll ein 
heftige Schmerzen verursachendes Causticum sein. 

CorrespOHdeukarten-Tittte, Tinte, unsichtbare für Correspondenzkarten. 

Nach R. BÖTTGER schreibt man mit einer verdünnten Schwefelsäure (2 Säure, 

100 Wasser). Beim massigen Erhitzen kommen die Schriftzüge zum Vorschein. 

Dieses Erhitzen deutet man dem Adressaten mit s. v, v. c, fsi eis videre edle- 

facj an. 

Reblaastod, Mittel zur Tödtung der Reblaus, von Breslau aus in den Handel 
gebracht, bestand aus einer Mischung von 2 Th. Schwefelsäure und 98 Th. 
Wasser. Es wurde für dieses Mittel ein öOfacher Preis seines wahren Werthes 
gefordert 

Hihnerangen-Essenz, aus Steiermark in den Handel gebracht, war ein Gemisch 
ans concentrirter Schwefelsäure und Fettsubstanz, nach Wittstein aus 2 Th. 
Schweinefett und 1 Th. Schwefelsäure. 

Gnttae anthidroticae (G. A. Richter). Mixtnra anthaemoptysiea aeida. 

ytc Acidi sulforici diluti 15,0 i^ Acidi sulfurici diluti 10,0 
Tincturae Opii simplici 5,0 Syrupi Rubi Idaei 90,0. 

Synipi Rubi Idaei 125,0. M. D. S. Stündlich einen Theelöffel 

M. u, S. Nachmittags und Abends vor mit einem Löffel Wasser verdünnt zu 

dem Schlafengehen Vt Esslöffel mit einer nehmen. Zum Getränk V2 Esslöffel zu 

Tasse Hafergrützschleim zu nehmen (gegen einem Trinkglase Wasser zu mischen 

hektische Schweissc). (gegen Blutspucken). 



Acidiim sulfarosum. 

Schwelligsäaredampf für Desinfectionsz wecke erzeugt man nach Kates 
'iurch Verbrennen von Schwefelkohlenstoff. Dieser wird filr sich oder auch ge- 
mischt mit Brennöl oder Petroleum in einer einfachen Dochtlampe verbrannt, 
leren Dochthalterrohr mindestens 15 Ctm. lang ist. 10,0 g Schwefelkohlenstoff 
erzeugen verbrennend circa 50000 CO. Schwefligsäuredampf, 10 — 12 g reichen 
nir einen Raum von je 100 Cubikmeter aus, diesen Raum so mit Schwefligsäure 
zn füllen, dass ein lebendes Wesen darin nicht eine Minute existiren kann. 

Dass die Desinfection durch Schwefligsäure stets die zweckmässigere, billigste 
ind am wenigsten umständliche ist, gegenüber der Desinfection mittelst Chlors, 
»Tirde durch Experimente Pettenkofer's und Mehlhausen's nachgewiesen. 

Hager, PtajiriD. Praxis. Suppl. 4 



50 Acidum sulfurosum. — Acidum tannicam. 

Baryta snlfarosa. Baryumsalfit , soll ein gutes Mittel gegen Haasschwamm 
(Merulim lacrimansj sein. Zu seiner Darstellung für diesen Zweck wird eine 
Lösung des Witherits in roher Salzsäure mit Natriumsulfit versetzt^ so dass Ba- 
ryumchlorid noch im üeberschuss ist. Nach 2 — 3 maligem TJebertünchen wird 
die Wand mit Cement belegt. 

Calcaria solforosa. Das so genannte Ealkbisulfit in wässriger Lösung findet 
verbreiteten Verbrauch nicht nur in der Bierbrauerei und Branntweinbrennerei 
behufs Sistirung der Gährung, auch bei der Weinbereitung, wo es den Schwefel- 
einschlag zu verdrängen scheint. 

Sanerkalk ist eine neue Bezeichnung der Kalkbisulfitlösnng. 

KatronMsnlfit ist ein geeigneter Ersatz des Natriumhyposulfits als Antichlor. 

Bleiehong der Zeugfaser und anderer organischen Stoffe wird nach Tessii^ 
Du MoTHAY sicher und schnell erreicht, wenn man die Faser in Kaliumhyperman- 
ganatlösung einige Minuten macerirt, dann auswäscht und hierauf in eine Lösung 
von Natriumdisulfit einlegt. 

Askolin. Mit diesem Namen soll man ein mit Schwefligsäure tlbersättigtes 
Glycerin bezeichnen. 

Hamorgane« Mittel gegen Leiden der Harnorgane von £. Eari» 

2 Berlin). 24 Pulver, bestehend aus 10,0 Natriumsulfit, 4,0 Kochsalz, 4,0 gebrannter 
agnesia (3 Mk.). (Schaedler, Analyt.) 



Acidum tannicum. 

Die sogenannte krystallisirte Gerbsäure (Handb. I, 133) wird auch 
mit Acidum tannicum levissimum bezeichnet (Bezugsquelle: Scherings ehem. 
Fabrik). 

Chemie und Analyse. Beziehendlich der Constitution der Galläpfelgerbsäure 
ist an JuL. Lowe's Untersuchungen zu erinnern , welcher die Bmttoformel 
Q2SH12018 oder C14H12O9 aufstellte. J. Löwe constatirte, dass die Gallusgerb- 
Bäure in wässriger Lösung auch bei Luftabschluss bei höherer Temperatur in 
Gallussäure übergeführt werden kann, und dass sie kein Glycosid ist. Der in 
letzterer Beziehung bei Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure neben Gallus- 
säure und Ellagsäure resultirende Stoff (1,25 Proc.) ist nicht Glykose, wahr- 
scheinlich aber ein secundäres Derivat der Gerbsäure. Die Galläpfelgerbsänre 
bei 120® getrocknet enthielt noch 0,8 Proc. Wasser, welches erst bei 140 — 
150® C. verdampfte. Die Gerbsäure der Eichenrinde hat Aehnlichkeit mit der 
des Catechus. 

Dass Gallusgerbsäure kein Glykosid ist, wurde nicht allein von J. Löwe, 
in neuerer Zeit auch von anderen Chemikern nachgewiesen. 

Bei Anwendung von Ferrichlorid als Reagens auf Carbolsäure, Salicylsäure, 
Gerbsäure, Gallussäure, versetzt man die zu prüfende Flüssigkeit reichlich mit 
Natriumphosphatlösung und setzt dann Ferrichloridflüssigkeit hinzu. Bei Gegen- 
wart nur von Carbolsäure oder Salicylsäure tritt keine violette Färbung ein, wohl 
aber bei Gegenwart von Gerbsäure oder Gallussäure (Hager). 

Bestimmung. Carpexi föUt mittelst einer Lösung von 2 Th. Zinkacetat in 
3 Th. Aetzammonflüssigkeit und 10 Th. Wasser. Zinktannat ist im üeberschuss 
des Reagens, in Ammon und Wasser nicht löslich, die ammoniakalische Zinkacetat- 
lösung wird nicht durch Tartrate, Eisensalze mit organischen Säuren, Leim, Ei- 



Acidum tannicum. 51 

^faaa, Weinsäure, Aepfelsäure, Weingeist, Glycerin etc. getrflbt, Gallussäure, 
Bernsteinsänre, Glykose, Thonerdesalze erzeugen damit jedoch Fällungen, welche 
aber in einem Ueberschuss der Zinklösung löslich sind. Das Reagens dem Weine 
zugesetzt bewirkt einen Tannatniederschlag, welcher auch den Weinfarbstoff ent- 
hält, aber davon durch Erwärmen und Wiedererkaltenlassen der Flüssigkeit zu 
eutfemen sein soll. 

Bakbteki fand diese Methode unzureichend und modificirte sie dahm ab, 
dasB er die Flüssigkeit mit dem Zinkniederschlage um Ys einkocht, nach dem 
Erkalten filtrirt, den Niederschlag mit heissem Wasser auswäscht, dann in ver- 
dünnter Schwefelsäure löst und nun mit Ealihypermanganat litrirt. 

Diese Methode scheint nur für die Eisenblaufärbenden Gerbstoffe geeignet 
(Hagsb). 

Löwenthal giebt eine sehr umständliche Methode der Bestimmung des 
Gerbstoffes an. Joum. f. pract. Chemie Bd. 81 S. 150, Zeitschrift f. analyt. 
Chem. Jahrg. 16, S. 33. 

Febd. Jean bedient sich zur Bestimmung des Gerbstoffes des Jods und 
hat er gef^den, dass 1 Th. Gerbsäure 4 Th. Jod absorbiren, ehe in der Flüssig- 
kdt ft^ies Jod auftritt. Natürlich ist die Anwendung dieser Methode nur eine 
beschränkte. Die gewöhnlichen Extractivstoffe verhalten sich gegen Jod indiffe- 
renty Gallussäure aber nicht. Es werden 4 Gm. Jod in Jodkaliumlösung gelöst 
und die Lösung bis zu 1 Liter verdünnt. Von dieser Lösung setzt man zu 
10 OC. einer 0,1 Froc. enthaltenden Tanninlösung, welche vorher mit 2 CG. 
einer 25 Proc. krystallisirte Soda enthaltenden Lauge vermischt ist, so lange, 
bis ein aus der Mischung genommener Tropfen auf stärkehaltigem Papier einen 
violetten Fleck erzeugt. Der so erhaltene Titre ist zu corrigiren, d. h. man 
mnss von der Anzahl CC. der Jodsolution, welche. 0,01 Gm. Tannin entspricht, 
dasjenige Volumen der Lösung abziehen, welches man umsonst anwenden muss, 
bevor man eine farbige Reaction auf dem gestärkten Papiere erhält. Zu diesem 
Zwecke misst man 10 CC. destillirtes Wasser ab, setzt 2 CC. der Alkalilösung 
hinzu und dann tropfenweise die Jodlösung bis zu dem Punkte, wo man auf 
dem Papier einen Fleck bekommt. Mit einer Jodsolution,. welche 4 Gm. Jod im 
liter enthält, beträgt die Correction gewöhnlich 0,1 CC. Auf 0,01 Gm. Gerb- 
säure in 10 CC. Wasser gelöst, bedarf man durchschnittlich 10,5 CC. Jodlösung 
von 4 Proc 

Bei G^enwart von Gallussäure und behufe Bestimmung derselben ist die 
GeitMiänre vorher durch thierische Haut zu entfernen, nachdem man in einer an- 
dern Portion Flüssigkeit beide zusammen mit Jod bestimmt hat. 

llHTerllschliehe Tinte Braconnot's. 20,0 reine Pottasche werden in kochen- 
dem Wasser gelöst und mit 10,0 zerkleinerter Lederabfälle und 5,0 Schwefel- 
blumen in einem gusseisemen Gefässe bis zur Trockne eingekocht, dann unter 
beständigem umrühren stärker, und überhaupt so lange erhitzt, bis die Masse 
"nch erwdcht, wobei indess Entzündung derselben sorgfältig zu vermeiden ist. 
Nach allmählichem Hinzufügen einer angemessenen Menge Wassers, wird die dunkel- 
farbige Flüssigkeit colirt und in dicht verschlossenen Flaschen aufbewahrt, in 
veleheo sie sich sehr gut hält, wenn man nur nicht versäumt, das Gefäss jeder- 
zeit möglichst verschlossen zu halten. 

(1) Fomentnm ad attrita« Gljrcerinae 5,0 

WundheiL Brustwarzenwasser. i^^SÄe Ä 

IJurcüritt, j) g Aeusserlich (damit genässteLein- 

^f Acidi tanniei 2,0 wand wird auf wunde Hautstellen, wunde 

Acidi salicylici 0,5. Brustwarzen, bei Wundsein zwischen den 

Solve in Beinen etc. gelegt, täglich 2 bis 3 mal). 

4* 



52 Acidmn tannicum. — Acidum tartaricum. — Acidum uricnm. 

(2) Liquor tannicvs Jodatvs Tum adde 

(v. Sigmund). Tincturae Jodi 2,0 

^ Aquae destillatae 130,0. 

Liquor antigonorrhoicus mitior. D.S. Aeusserlich (wie sub L bei hart- 

A . j» x • • /^ R nackiger QonorrhOe nach erfolgloser An- 

Solve ?n ^ Wendung des Liquor mitior). 
Aquae destillatae tepidae 10,0. 

.■\^^Mr^My,^4^^^^':Z^^ "" KWzoS WÄ Florentinae 

die Harnröhre täglich 3— -4 mal, nachdem Florum Boaae 

jedes Mal der Hai-n gelassen und reines Rnracia ana 2 ^ 

Vasser in die Harnröhre gespritzt ist. Äo^e Am unam. 

Bei hartnäckiger Gwnorrhöe). |^ ^ pulvis. 

IL D. S. Schnupfpulver (bei Nasenbluten, 

T' X» ^ ^-u^s^«-*^*:«« üblem Geruch aus der Nase, bei Anzeichen 

Liquor antigonorrhoicus fortior. ^^^^j^^^ Schleimpolypenbildung in der 

^ Acidi tannici 1,0. Nase, sehr schlaffen Schleimhäuten und 

Solve in auffallend starker Schleimabsonderung der 

Aquae destillatae tepidae 20,0. Nase). 

Haarbalgani) Holländisehery aus Brandt's Adlerapotheke (Paderborn) besteht 
aus circa 1,0 Gerbsaure, 75,0 gutem Weisswein, 10,0 Weingeist und einer Spur Essig- 
Äther. (Hager, Analyt) 



Acidum tartaricum. 

In Betreff des Auftretens von Tranbensäure bei Darstellung der Wein- 
säure nahm man an^ dass die Weinsteine ans den verschiedenen Weinbanbezirken 
auch einen verschiedenen Traubensäuregehalt aufweisen. Nun hat E. Jüxgfleisch 
nachgewiesen und durch Experiment begründet, dass die Umwandlung der activen 
Weinsäure in inactive bei der Darstellung der Weinsäure bei Gegenwart von' 
Thonerde wohl eine 6 mal grössere sei als ohne dieselbe. Aluminiumsalze sind 
nur von geringem Einfluss. 

Nach BouBGom ist Wemsäure löslich in 250 Th. Aether, 39 Th. abso- 
lutem Weingeist und 2,5 Th. 90proc. Weingeist. 



Acidum uricum« 

Magnieb de LA SouBCE hat die Murexidreaction auf Harnsäure dabin ab- 
geändert, dass er statt Salpetersäure, Bromwasser anwendet. Die Sedimente, 
welche Harnsäure enthalten, werden ohne Erhitzen mit einigen Tropfen Brom- 
wasser behandelt. Die Flüssigkeit, in einem Wasserbade eingedampft, wird einen 
ziegelrothen Absatz an den Wänden der Schale hinterlassen, welcher in einen 
Tropfen Kalilösung aufgenommen eine schöne blaue Färbung, oder durch einen 
Tropfen Aetzammon die dem purpursauren Ammonium charakteristische Purpur- 
farbe annimmt. Man soll auf diese Weise die geringsten Spuren von Harnsäure 
nachweisen können, wenn nur überschüssiges Bromwasser vermieden wird, indem 



Acidum uricum. — Acidum yalerianicum. 53 

Qich aoBst höhere Oxydationsprodokte als das Alloxan, nämlich Parabansäure und 
Oxal^ore, hilden. 

lippnnlire. Das Verfahren P. Cazeneuve's der Abscheidung und Bestim- 
mimg der Hippursäure besteht darin, den Harn bis auf den zehnten Theil seines 
Volumens abzudampfen , mit einem doppelten Qewicht Gyps und etwas Alaun zu 
Tersetzen, einzutroeknen und den zu Pulver zerriebenen Rückstand mit Aether zu 
extrahiren. Man erhält auf diese Weise die Hippursäure in farblosen Krystallen. 

Antllitliic- Acid-PrSpar at) Antilithic-Acid-Kur des Mr. Hodges (Engländer) 
bezweckt ^e Lösung der in den Gelenkconcretionen der Bheumatiker und Gicht- 
leideDden aufgefundenen Lithiaksäure. Woraus das Mittel besteht, ist nicht bekannt 
geworden. 



Acidum yalerianicum. 

Eine reine Valeriansäure als Monohydrat wird jetzt im Handel angetroffen. 
Zur Prafiing der Valeriansäure auf Valeraldehyd yermischt man zuerst 2fi der 
Säure mit 3^0 Aetzammon, alsdann mit 150^0 — 200,0 kaltem Wasser und 
schüttelt kräftig um. Eine reine Säure ergiebt eine völlig klare, valeraldehyd- 
haltige eine opalisirende Flüssigkeit. Eine total reine Säure fabrizirt Finzelbeb0 
zu Andernach a. Rhein. 

Nach Le800£UB gelingt die Reinigung der Valeriansäure von anhängendem 
Amylalkohol, homologen Säuren, sowie dem Valeriansäure-Amyläther, wenn man 
ein Aeq. neutrales Natriumvalerianat in 2 Aeq. der rohen Valeriansäure bei ge- 
linder Wärme löet und in der Kälte krystallisiren lässt. Die Erystalle des Na- 
triumtrisvalerianats werden auf Thonplatten (Dachziegeln) oder Gypsplatten aus- 
gebreitet, nach dem Abtropfen auf Fliesspapier gewälzt und dann 10 Aeq. des 
sauren Salzes mit 11 Aeq. reinem Schwefelsäuremonohydrat der Destillation unter- 
worfen« Das Destillat ist dann einfach gewässerte Valerftinsäure oder das Mono- 
hydrat Dasselbe ist stets von bestimmtem Gehalt, während das bisher offidnelley 
im Handel vorkommende Trishydrat gewöhnlich ein Gemisch aus Trishydrat und 
Monohydrst zu sein pflegt 

Die Säure aus der Baldrianwurzel soll sich besonders zur Darstellung eines 
Chininvalerianats in grossen Krystallen eignen. 

iBB«Han Talerianicaiii, AmnonTalerianat, Taleriansanres oder baldriansanres 
iBBtuiH ist, wie es im Handel vorkommt, kein neutrales, sondern em mehr 
oder weniger saures Salz, durchschnittlich der Formel : (NH4)C5H902 + 2C5H10OJI 
entsprechend. Es bildet nicht grosse farblose prismatische, bei 30 — 31® C. 
schmelzende Krystalle von Valeriansäuregeruch, welche auf Wasser geworfen 
lebhaft rotiren. Sie sind in Wasser und Weingeist leicht löslich. Das Salz ist 
in dicht geschlossenen, möglichst ganz gefällten Glasgefässen am kühlen Orte 
(im Keller) au&ubewahren, um die Abdunstung sowie die Verbreitung des Va- 
lerianBäuiegemches durch die Apothekenräume zu verhindern. 

Dieses saure Valerianat wird dispensirt, wenn der Arzt Ammonium valeri- 
Boieum vorschreibt und es Bestandtheil von Pillen, Bissen, Pulver etc. ist. Soll 
es Bestandtheil von Tropfen oder einer Mixtur sein, so ist die Verbindung zu 
dispensiren, welche in Liquor Ammoni valerianici (Bd. I, S. 148 des Handb.) 
vertreten ist, oder man nimmt in Stelle von 10,0 des neutralen 8,0 des sauren 
Salzes und neutralisirt mit Aetzammon, von welchem 6,0 — 7,0 zur Neutralisation 
snsreiehen werden. 



54 Aconitinum. 

Man giebt das Valerianat zu 0,2 — 0,4 — 0,6 zwei- bis dreistündlich, bei Ge- 
sichtsschmerz zu 5,0 — 8,0 auf den Tag. 



Aconitinum. 

Die Formel des Aconitins ist nach Wright C33H43NO12: Eine Identitäts- 
reaction wurde angegeben. Wird nämlich eine geringere Menge des Alkalolds 
(0,001) in einigen Tropfen massig concentrirter Zuckerlösung vertheilt und dann 
ein Tröpfchen concentrirter Schwefelsäure hinzugesetzt, so zeigt sich an der Grenze 
zwischen Zuckerlösung und Schwefelsäure eine schön rosenrothe Zone, deren Farbe 
indess ziemlich schnell in schmutziges Violett und Braun übergeht. Es hat zwar 
dieses Verhalten eine gewisse Aehnlichkeit mit dem des Morphins, noch mehr mit 
dem des C!odeüis, doch ist eine Verwechselung mit diesen beiden Stoffen nicht 
wohl möglich. Bedient man sich nämlich zur Abscheidung der Basen des Ver- 
fahrens von Dbagendobff, so gehen nur Aconitin und Codein — nicht Mor- 
phin — aus alkalischer Lösung in Benzol über; Aconitin und Codein aber 
können sehr gut von einander getrennt und unterschieden werden, da das erstere 
in Wasser fast unlöslich ist, während CodeYn sich besonders in heissem Wasser 
leicht auflöst. 

•)••)• Englisches Akonitin, Pseudakonitin, Napellin Wiggeb's, Nepalin 
Flückigsb's, Acrakonitin Lüdwig's ist (nach Flockiger und Hanbuby) das 
Alkaloi'd aus Aconitum ferox. Es existirt in amorpher und krystaUinischer 
Form. Seine Formel ist nach Wbight und Luff C3eH49NOi2« Zur Darstellung 
werden die Knollen des in Ostindion einheimischen Aconitum ferox mittelst 
Weingeists, welcher mit 0,05 Proc. Schwefelsäure versetzt ist, extrahirt, der Ver- 
dampfüngsrückstand mit Aether behandelt, die Aetherlösung filtrirt, der Aether 
von der Lösung abdestiUirt und der Rflckstand in heissem Weingeist gelöst zur 
Krystallisation gebracht! Die Krystalle müssen aus Weingeist umkrystallisirt 
werden. Englisches Akonitin ist ein stärkeres Gift als das Deutsche. 

Pseudakonitin ist löslich in 100 Th. Aethyläther, 250 Th. weingeistfr^iem 
Chloroform, wenig löslich in kaltem, leicht löslich in heissem Weingeist, wenig 
löslich in Wasser. (Akonitin ist dagegen löslich in 2 Th. Aether, 3 Th. Chloro- 
form, 4 Th. 90 proc. Weingeist.) 

Pseudakonitin erweicht nicht in kochendem Wasser und stellt hier nicht wie 
das deutsche Akonitin eine harzähnliche Masse dar, wenn aber die krystaUinische 
Form aas ihrer Lösung in verdünnter Säure mittelst Ammons ge^Qlt wird, so 
vereinigt sich der Niederschlag bei Siedetemperatur des Wassers zu einer harz- 
artigen plastischen Masse (Gsoves). 

Pseudakonitin ist in Aether und Weingeist nicht nur löslicher als Akonitin, 
es krystallisirt auch in Nadeb und kömigen Erystallen aus der bei geringer Wärme 
verdampfenden Lösung. Bei stärkerer Wärme geht es in der Lösung leicht in die 
amorphe Form über. Das Nitrat krystallisirt am leichtesten, dagegen sind 
das Sulfat, Hydrochlorat, Acetat, Oxidat nicht krystallisirbar. Das Goldsalz 
(CseH^oNOis, HCl, AuClß) krystallisirt leicht und gut. Das Alkaloid krystaUisirt 
in Verbindung mit H2O und schmilzt bei 104— 105<^ C. (Das Akonitin kiystalli- 
sirt wasserfrei und schmilzt bei 189^.) 

Wbioht und Luff erforschten folgende Veränderungen und Zersetzungspro- 
dukte des Akonitins: 

Beim Entwässern des Akonitins durch Erhitzen mit einer Säure, am besten 



Aconitinnm. — Aconitum. 55 

^emBteinQ&nre, entsteht Apoakonitin, C33H4iNOii. Aetzalkalien spalten Ako- 

mtin m Benzo^ätire und Akonin, C26H39NO11, löslich in Wasser und Chloroform, 

UDl()a\leh in Aetber. Muthmaasslich sind die von Hübschmann als Nap ellin 

\uAAko\yctin beschriebenen Körper nichts anderes als mehr oder minder reines 

Xkonin. Beliandlnng des Akonitins mit wasserfreier Essig- und Benzoesäure 

lieferte Acetyl- und Benzoyl-Apeakonitin, C33H4o(C2H30)NOii und C33H4q(C7H50) 

XO^j. Die letztere Verbindung kann mittelst BenzoSsäureanhydrids auch aus 

Akonin gewonnen werden. 

lÄe Polarisationsebene des Lichtes wird vom deutschen Akonitin nach Imks 
abgelenkt. Sehr leicht und gut krystaUisirt das Nitrat. 

Labobde fand das Akonitin aus den Knollen von Aconitum Napellus je 

nach dem Vaterlande dieser Pflanze von verschieden starker Wirkung. Dasjenige 

ans der Schweizer Pflanze war das giftigste, dagegen das Alkalold aus dem in 

Frankreich (der Dauphin^ und auf den Pyrenäen) gewachsenen Akonit weit 

weniger giftig. Wright und Lüff constatirten im Aconitum Napeüus einen 

grossen Gehalt an Akonitin und wenig Pseudakonitin , em umgekehrtes Verhält- 

niss aber in u4. ferox. Beide Alkaloide trafen sie auch in A, Lycoctonum an. 

Die Dosis des Englischen Akonitins ist um circa 2/5 des Gewichts geringer 

zu setzen, als die des milder wirkenden Deutschen Akonitins. 



Aconitum. 

Beim ¥^kanf der Akonitknollen ftb* den pharmaceutischen Gebrauch hat 

inaA sich zn Tersichem, dass sie dem Aconitum Napellus Linn. entstammen, 

denn die Knollen anderer Akonitarten scheinen Alkaloide zu enthalten, welche 

chemisch, physikalisch und auch wohl therapeutisch mit den Alkaloiden des A. 

NapeUus theils qualitativ, theils quantitativ nicht übereinstimmen. 

Wkight hat in Aconitum Napellus neben Akonitin noch zwei andere Al- 
kaloide aufgefunden. Dem Akonitin giebt er die Formel C33H43NOi2> ^^^ zweiten 
Alkalold, dem Pseudakonitin, die Formel C3eH4QNOii. Dieses giebt nicht 
leicht krystallisirende Salze. Das dritte Alkalold ist nicht krystallinisch und 
giebt nicht krystallisirende Salze. Es scheint keine besondere oder giftige Wir-. 
kung zn haben. In dem Extract traf Wright Zersetzungsprodukte dieser Al- 
kaloide an, welche die Namen Akonin und Pseudakonin erhielten. 

Das in Ostindien ofificinelle Aconitum heterophyUum Waluch f Aconitum 
Alfees RoyIiE) ist auf den westlichen Abhängen des Himalaja-Gebirges heimisch. 
Die Enoüen, Alteesknollen, werden in Indien bei Intermittens zu 1,0 — 1,5 
and als Boborans zu 0,4 — 0,6 dreimal täglich gegeben. Nach Dr. M. Duin 
V. Wasowicz sind sie 2—8 Ctm. lang, 0,6—2,2 Ctm. dick, 0,6— 5,0 g schwer, 
eiförmig länglich oder rttbenförmig , oberhalb etwas flachgedrückt, nach unten 
meist k^elförmig, selten spitz auslaufend, mitunter sind sie stielrund. Bedeckt 
äind sie mit dicht und unregelmässig stehenden Narben als Reste abgeschnittener 
Nebenwnrzeln nnd mit vielen Längsrunzeln, am oberen Ende zuweilen mit einigen 
Qnermnzeln. Einige Knollen haben mitunter eine der Länge nach verlaufende 
rinnenförmige Yertiefhng. Aussen smd die Knollen gelblichgrau, stellenweise fast 
weiss, auf dem Bruche fast eben und rein weiss. Der Geschmack ist mehlig- 
schleimig nnd rein bitter, weder reizend noch kratzend. 

Unter der Lupe findet man im Querschnitt eine ähnliche Structur, wie bei 
A. Napellus^ nur sind die gelblichen Geftlssstränge unregehnässig und lückig gestellt. 



56 Aconitum. — Adeps. 

Auf der Schnittfläche fUrbt conc. Schwefelsäure röthlich, Jodjodkalium violett 
bis schmutzig blauschwarz. Ferrichlorid verhält sich indifferent. Der Aufguss 
(1:5) ist flltrirt goldgelb. Er röthet Lackmus, schäumt beim Schüttehi stark, 
ist rein bitter und überzieht sich nach einiger Zeit mit einem dünnen schillern- 
den Häutchen. Er wird durch Ferrichlorid weder getrübt noch gefärbt, durch 
Bleiacetat weissflockig gefällt. Der Niederschlag verschwindet nicht beim Auf- 
kochen. Der durch Bleiessig bewirkte Niederschlag ist dunkelgelb. Cuprisul&t, 
Brechwemstein , Leimlösung verhalten sich indifferent. Jodjodkalium giebt die 
Stärkereaction, ebenso erzeugen die AlkaloYdreagentien Niederschläge. 

Das in den Atees-Knollen vertretene Alkaloid ist das nicht giftige Atesin. 
Sie enthalten Akonitsäure, eine Art Gerbsäure, Rohrzucker, Pflanzenleim, Pektin- 
körper, Fett, Stärkemehl, 2,33 Proc. Asche. Wahrscheinlich enthalten sie noch 
ein zweites, aber unkrystallisirbares Alkaloid. Der Atesingehalt beträgt kaum 
0,08 Proc. Paul und Kingzett gaben dem Alkaloid der Japanischen Akonit- 
knolle die Formel C29H43NO9, Beoüghton aber die Formel C4eH74N204, welche 
durch v. Wa80wicz*s Analyse Bestätigung findet. Dieses AlkaloXd wnrde angeb- 
lich von anderen Chemikern auch in den Knollen von A. NapeUus nachgewiesen, 
ihm aber die Formel C30H45NO10 gegeben. Es ist nicht das von Hübschmann 
eingehender studirte Na pell in. Gboves und Andere trafen das Napellin in den 
Knollen vieler anderen Akonitarten an, doch erwies es sich aus den Indischen 
Knollen abgeschieden nicht identisch mit dem in den Europäischen Knollen. 
T. und H. Smith glaubten noch ein drittes Alkaloid, Aconellin, welches sie 
später mit dem Narcotin identisch hielten, in den Knollen von A. NapeUtts 
aufgefunden zu haben, jedoch gelang anderen Chemikern die Abscheidung des- 
selben nicht. 

Aconitum ferox Wallich {A, virosum Don.), Nepalischer Eisenhut, Bikh, 
Bish, einheimisch auf dem Himalaja und in Nepal, scheint die giftigste Aconit- 
art zu sein. Sie liefert das MoRSON'sche oder Englische Aconitin, auch 
Pseudo-Aconitin, Nepalin (nach Flückioeb), Acraconitin (nach Ludwig) 
genannt. 

Ueber die Knollen des Aconitum heterophyllum findet sich eine pharma- 
kologische und chemische Arbeit, illustrirt mit Holzschnitten, von Dr. DuiN 
V. Wasowicz im Arch. d. Pharm. 1879. An derselben Stelle finden sich auch 
Tubera Aconit! Japonica, welche verschiedenen Aconitarten zu entstammen 
scheinen, besprochen. 

Die Japanischen Aconitknollen sollen denen von A, ferox an Giftig- 
keit in keiner Weise nachstehen. Das Extract aus beiden Arten Knollen wird 
auch als Pfeilgift, sowie zur Erzeugung localer Anästhesien angewendet. 

Aus diesen Notizen kann man entnehmen, dass die bei uns officinellen 
Tuhera Aconiti nicht durch Knollen von Akonitarten, welche in Asien einhei- 
misch sind, vertreten werden können. Nach Labokde wäre das in Frankreich 
vegetirende A, Napellus weit weniger giftig, als das in der Schweiz und Süd- 
Deutschland heimische (vergl. unter Aconitum, S. 55). 



Adeps. 

Hin und wieder kommt ein Schweinefett in den Handel, welches 10 bis 
20 Proc. Wasser beigemischt enthält. Es ist nothwendig darauf zu untersuchen. 
Man filUt ein Reagirglas mit dem starren Fette an und stellt es eine Stunde in 
ein Wasserbad. Die geschmolzene Fettschicht muss ziemlich klar und ohne eine 
untere Wasserschicht sein. 



AdepB. — Aether. 57 

Einen Brsatz für Sehweinefett, welches die Eigenschaft besitzt^ nicht ranzig 

la werden, ist eine im Wasserbade bewirkte Mischung von circa 10 Th. 

Knoc\ienfett, 3 Th. Vaseline und 3 Th. reinem gelbem Bienenwachs, 

dTudi XgiÜTen mit 1 Th. Wasser gemischt. Je nach der Consistenz des 

^noc^enfett^ y welches aus guter Hand zu beziehen ist und in der Weise ; wie 

ma& Bd. 11, S. 941 (unter Sebum) bemerkt findet, gereinigt wurde, ist der 

^aiäiszusatz abzuändern und selbst bis auf 5 Th. zu erhöhen. Soll der nicht 

ranäg werdende Fett-Ersatz nicht gelblich sein, so wäre zu einer Mischung aus 

friadiem Oleum Cacao 10 Th., Vaseline 15 Th. und Wasser 2 Th. zu 

greifen. Je nach der Consistenz der Vaseline vermehrt oder vermindeii; man die 

Menge des Cacaoöls. 

Eän -Zusatz von Salicylsäure zum Schweinefett soll dieses vor dem Ranzig- 
werden schützen. Eine solche Wirkung der Salicylsäure ist schwer erklärlich, 
docli hindert auch Benzoesäure, wie die Erfahrung lehrt, ein Ranzigwerden des 
Sehweinef^^. Vergl. Adeps balsamicus. 

AstlunMalbe von SruRZEKEaaBR in St. Gallen ein mit Kupfer verunreinigtes 
GemiBch aas Stearin und Schweinefett (30,0 g =: 2 Mk.). 

Bmstwanenbalsain von C. ScHELUKa in Sensheim im Elsass ist Bratenfett vom 
HirBcb oder Reh (37,0 g = 3 Mk.). (Hager, Analyt.) 

Kammfett) destillirtes von Abt, ein Haarwuchsmittel, besteht aus 2 Th. Rici- 
011851, 3 Th. Provenceröl (23,0 g = 2 Mk.). (Hager, Analyt.) 

Lungenschwindsneht-Mittel des R. Strang zu Friedrichsroda in Thüringen ist 
Hnndefett. 



Aether. 

Napieb fand, dass sich eine Salzsäure mit 38 — 39 Proc. Chlorwasserstoff- 
gehalt mit Aether klar mischen lässt. Es resultirt daraus eine dickflüssige 
rauchende Substanz. 100 Vol. der Säure geben bei 0® C. mit 177,5 Vol. Aether, 
bei 38^ C. mit 135 Vol. Aether klare Mischungen, aus welchen sich der Aether 
vollständig wieder abdestilliren lässt. 

Den reifartig erstarrenden Wasserdunst, wie er bei Filtrationen von Aether 
beobachtet wird, untersuchte Tanket näher und hält er denselben für ein Hydrat 
des Aethers, welcher Ansicht beizutreten man aus vielen Gründen abgehalten wird. 

Zur Prüfung des Aethers auf Weingeistgehalt versetzt man einige CC. 
mit einigen Körnchen Rosanihn. Reiner Aether färbt sich nicht, der officinelle, 
welcher nicht total frei von Weingeist ist, erst nach Verlauf einiger Minuten 
and dann immer nur sehr wenig. Zur Erkennung von Wasser im Aether be- 
dient »ch Napieb eines mit Cobaltichlorid gebläuten Papiers, welches in reinem 
Aether seine Farbe nicht verändert, in wasserhaltigem aber im Verlaufe von 
24 Standen roth wird. 

Methylalkohol im Aether nachzuweisen mischt man (nach Langbeck) 
10 Vol. des Aethers mit einer 2 proc. Silbemitratlösung und lässt 24 Stunden 
beiseite stehen. Bei G^enwart des Methylalkohols hat die Fläche, in welcher 
sieh Aether und Silberlösung berühren, eine schwach violettrothe Färbung ange- 
nommen und ein der Alkoholmenge entsprechender rothbrauner Niederschlag von 
Silberoxyd gebildet. 

Anwendung. Aether steht in sofern vor dem Chloroform als Anaestheticum 
znrflck, als er bis zum Eintritt der Narkose eine Einwirkung von 15—20 Minuten, 
Chk>it)fonD aber nur 3 Minuten Zeit erfordert. Da die Aetherinhalationen für 



58 Aether. — Aether acet. — Aethyle bromata. — Aethyle jodata. 

weniger gefährlich gehalten werden, so empfiehlt Weigel eine Mischung von 
9 Th. Aether mit 1 Th. Chloroform als ein vollkommen gefahrloses Anaestheticum. 



Zahntropfen Blace'b sollen ein Gemisch aus 1 Th. Alaunpulyer und 50 Th. 
Aether sein. 

Frostschntzpomade der Baronin Stempel ist ein Gremiscii von 25,0 Aether mit 
einer bis auf 30® C. erwärmten Mischung von 3,0 Bleipflaster; 1,0 Wachs; 10,0 Schweine- 
fett und 40,0 Schöpsentalg. Die Mischung geschieht in einem sogenannten Opodeldok- 
glase. Diese Pomade dient zum Bestreichen der gegen Frost empfindlichen Hautstellen. 



Aether aceticus. 

Je weniger der Essigäther Feuchtigkeit enthält, um so weniger disponirt er 
zum Sauerwerden. Bei der Behandlung mit entwässertem Natriumcarbonat ist 
es daher gut, ihn damit nicht einen halben, sondern 1^2 "^^^ hindurch zu ma- 
ceriren, ihn auch wohl vor der Rectification mit geschmolzenem Calciumchlorid 
zu schütteln. 

Aethyle hromata 

wird von einigen Aerzten, selbst von Professoren mit dem Namen Aether bro- 
matus belegt. 

Aethylbromid hat hier und da Anwendung gefunden, namentlich als Hyp- 
noticum, und sich bei Asthma, nervöser Aufregung etc. bewährt. Nur in einigen 
wenigen Fällen scheint es nicht vertragen zu werden, msofem sich nach dem 
Einnehmen Uebelkeit oder Erbrechen einstellt 

Ein Bromgehalt ist mittelst Blattsilbers zu beseitigen. 



Aethyle jodata. 

Aethyljodid benennen einige Aerzte und selbst Professoren mit Aether 
jodatus. 

Das Aethy^odid ist schwer conservirbar, d. h. es wird sich trotz besten 
Verschlusses stets mit der Zeit bräunen. Das Entbräunen mit Kupfer ist bereits 
(Hdb. Bd. I, S. 190) angegeben. Hiervon ausgehend hat man in das Standgeföss 
eine Silbermünze geworfen und es blieb das damit in Berührung stehende Aethyl- 
jodid farblos. Diesem Modus ist der Vorwurf zu machen, dass der Jodidgehalt 
durch ein unreines Silber, woraus die Münzen bestehen, im verstärkten Maasse 
gefährdet ist. Es ist besser, dicht vor der Dispensation ein Blättchen 
reines Blattsilber in das Standge&ss zu werfen, umzuschüttebi und zu decan- 
thiren. Eine Filtration geschieht nur durch Glaswolle. 

Die Inhalationen lässt man jetzt in der Weise vornehmen, dass man zum 
Einathmen durch die Nase ein Glasgefäss mit weiter Oeffnung (Opodeldokglas) 
mit circa 10,0 des Aethyljodids versieht und das Niveau dieser Flüssigkeit mit 
einer circa 1,5 mm dicken Wasserschicht bedeckt, oder dass man ein Weinglas 
hierzu verwendet, wenn das Einathmen durch Mund und Nase geschehen soll. 



AgTOpyram. — Alcohol amylicus. — AlkaloYdia. 59 



AgropjTum. 

Plauchitd fand in der trocknen Pflanze in Procenten: krystallisirbaren 
Zücker 3, Glykose 4, Stärkemehl 13,9, Fett 1,115, StickstoflF 1,45, Asche 3,25. 
b der Asche £EUid er in Proc. 20 Kieseisänre, 10,9 Phosphorsäure, 12,35 Schwe- 
felsäure, 8,42 Kalkerde, 2,04 Magnesia, 26,23 Kali, 5,06 Natron, 2,4 Ferrioxyd. 

Diese analytischen Ergebnisse, allerdings auf die ganze Pflanze bezogen, 
weichen von Müuueb's Angaben über das Rhizom bedeutend ab, welcher in der 
Quecke nachwies: 6 — 8 Proc. Tri ticin, eine dem Inulin sich anschliessende 
Stärkemehlform , in Wasser leicht löslich und den polarisirten Lichtstrahl nach 
links ablenkend, durch Mineralsäuren leicht in Glykose überführbar. 

Jedenfalls ist die Quecke als Arzneimittel eine höchst überflüssige Droge. 



Alcohol amylicus 

auch von einigen Gelehrten mit Oleum fermeBtationis, Fermentoleiuii bezeichnet, wird 
innerlich zu 0,05 — 0,1—0,15 (1—3—5 Tropfen) einige Male täglich gegeben. 
Er wurde von Huss gegen Alcoholismus chronicus, zur Abgewöhnung Ton der 
Trunksucht empfohlen. Als stärkste Einzelngabe sind 0,2g oder 6 Tropfen, als 
stärkste Gesammtgabe auf den Tag 0,8 anzunehmen. 

Babuteau beobachtete an sich nach einer Dosis von 0,5 erhebliche Vergif- 
tungasymptome. Subcutane Dosen von 1,8 — 2,3 können den Tod im Verlaufe 
weniger Stunden herbeiführen. Eine tödtliche, innerlich genommene Dosis liegt 
zwüchen 1,4 — 1,6. Subcutan ist die tödtende Dosis eine grössere (AuDiGi: und 

DUJARDIN BeAÜHETZ). 

Das Einathmen des Dunstes und der Dämpfe des Amylalkohols vermeide 
man m^lichst, wenn auch ein Fall mit tödtlichem Ausgange nicht bekannt ist, 
so ist es doch sicher, dass ein viele Tage andauerndes Unwohlsein, beruhend 
auf einer Depression des Nervensystems, die Folge sein kann (Hager). 

Das reine Fuselöl des Handels besteht gewöhnlich aus zwei verschiedenen, 
jedoch isomeren Alkoholen, von welchen der eine optisch linksdrehend, der an- 
dere inactiv oder auch rechtsdrehend ist. Da sie einen gleichen Siedepunkt 
hab^i; ist die Trennung kaum ausführbar. Bei der Behandlung mit Schwefel- 
säure entstehen zwei Amylschwefelsäuren, deren Baryumsalze eine verschiedene 
htßslkibkeit zeigen. Der active Amylalkohol liefert eine Valeriansäure, deren 
CJunäuaüz nicht krystallisirt. Das Chininsalz der Valeriansäure aus dem inactiven 
.4iD7/alkohol krystallisirt dagegen leicht. Der Amylalkohol, welcher nach einigen 
ronLUBgegimgenen Fractionen zwischen 128 — 132^ C. übergeht, ist als pharma- 
ceutische Waare genügend (Gbeene). 



AlkaMdla. 



J. BnuGHTON berichtet über die Einwurkung der Düngung auf den Alkalold- 
sehalt der Cinchonen, Th. Diettbich in Altmarschen über den Einfluss der 
Dtngung auf den Morphingehalt des Papaver somniferum. Ammoniumsulfat und 



60 Alkalotdia. 

Guano werden bei den Cinchonen durch Hofdttnger (Excremente des Menschen) 
um vieles übertroflfen. Bei Papaver erwies sich Hofdttnger vorzugsweise wirksam. 
Opium aus Papaver^ welches in hungrigem Boden gezogen war, enthielt Y^ Proc. 
Morphin, nach Düngung mit Chilisalpeter auf demselben Boden 2 Proc., nach 
Düngung mit Ammoniumsulfat 6,5 Proc., nach der mit Hofdttnger 15 Proc. Mor- 
phin. (Pharm. Centralh. 1876, 221,) 

Ausmittelung organischer Gifte (Hdb. Bd. I, S. 210). Es ist wesentlich, die Aus- 

zttge in eine trockne Form überzuführen, um daraus die alkaloidischen , glyko- 
sidischen, harzigen, zuckerartigen Substanzen mittelst der geeigneten Auflösungs- 
mittel zu extrahiren. Der chemisch Indifferenteste und Feuchtigkeit im reich- 
lichsten Maasse absorbirende Stoff ist nach Ansicht einiger Chemiker wasserfreie 
Thonerde oder ein Thonerdesilicat , woraus der weisse Bolus besteht. Da die 
natttrliche weisse Thonerde nie f^ei von Carbonaten des Calcium und Magnesium 
ist, so muss sie vor dem Gebrauch zuerst mit verdttnnter Salzsäure unter Dige- 
stion, dann mit Wasser ausgewaschen und endlich scharf ausgetrocknet werden. 

Die aus pflanzlichen oder thierischen Stoffen bereiteten wftssrigen, weingei- 
stigen etc. Auszttge werden durch Abdampfen auf ein geringes Volumen gebracht 
und dann mit dem gereinigten weissen Boluspulver vermischt, so dass eine breiige 
oder krümliche Masse entsteht. Diese in einer porcellanenen Schale ausgebreitet 
wird bei gelinder Wärme getrocknet, zerrieben und dann nochmals in derselben 
Wärme einige Stunden belassen. Unter Umständen ist es zweckmässig, den total 
wasserfreien gereinigten Bolus nach dem Gewicht dem concentrirten Auszuge zu- 
zusetzen, z. B. bei Bestimmung von Glycerin. Während beim Erhitzen der con- 
centrirten, Glycerin enthaltenden Flüssigkeit stets etwas Glycerin abdunstet, flndet 
dies in der Mischung mit weissem Bolus kaum oder doch im allergeringsten 
Maasse statt. Wie E. Heintz beobachtete, so adhäriren dem Bolus Farbstoffe, 
harzige und andere Stoffe mit gewisser Energie, so dass diese Stoffe nicht oder 
doch im geringen Maasse in die Lösungsmittel, womit die bolushaltige Masse be- 
handelt wird, ttbergehen. Von den Lösungsmitteln zieht im Allgemeinen Heintz 
das Chloroform dem Aether und Essigäther vor, weil diese letzteren Wasser auf- 
nehmen, auch nicht alle Alkaloide lösen; auch Benzol und Petrolbenzin zieht 
Heintz dem Petroläther, Benzol dem Petrolbenzin vor. 

Bei der Bestimmung der Mengen Alkalol'd in Tincturen, Extracten etc. 
sind diese durch Abdunsten vom Weingeist zu befreien und der Rttckstand oder 
das Extract in mit Schwefelsäure oder Salzsäure sauer gemachtem Wasser zu 
lösen oder auch mit Ammon alkalisch zu machen und dann mit Chloroform in 
der Weise auszuschtttteln , dass man die Absonderung des Chloroforms durch ge- 
ringe Digestionswärme (30 — 40^ C.) untersttttzt. Andere Methoden sind unten 
angegeben. 

Haoeb konnte in vielen Fällen die nicht flttssigen Alkaloide sowohl aus 
thierischen wie vegetabilischen Massen dadurch im ziemlich reinen Zustande ab- 
scheiden, wenn er die Substanz mit 2 Proc. Schwefelsäure enthaltendem Wasser 
kalt oder warm, je nach Umständen, extrahirte, den colirten oder auch filtrirten 
Auszug im Wasserbade auf den dritten Theil des Volumens gebracht zuerst mit 
präparirter Bleiglätte im Ueberschuss (1 Th. PbO zur Sättigung der Schwefel- 
säure und 3 Th. PbO als Ueberschuss), dann nach einer Stunde der Einwirkung 
einer Digestionswärme mit 1 Th. Bleiweiss (Bleisubcarbonat) versetzte und nun 
unter Umrtüiren eintrocknete und austrocknete. Die so gewonnene Masse wird 
zerrieben und entweder mit absolutem Weingeist oder mit einem Gemisch aus 
gleichen Theilen absolutem Weingeist und Chloroform extrahirt, der Auszug in 
einem genau tarirten Glaskolben abdestillirt und dann im Wasserbade ausge- 



AlkaloYdia. 61 

trocbaet. "Der dem Gewichte nach bestimmte Rückstand kann nun mit Aether, 
CWoTotorm etc., je nach der Art des Alkaloids exti'ahirt werden. 

Durch Zusatz von Alaun znm schwefelsauren Wasser konnten im Allge- 
meinen die AVkalo\'de nicht reiner und farbloser isolirt werden. Dagegen wurden 
& etwa Bebr dankelfarbig gewonnenen AlkaloYde mit etwas schwefelsaurem 
Waaaer gelöst, mit Alaun versetzt, die Lösung auf ein geringes Volumen einge- 
dampft, nun mit Kalkhydrat im geringen Ueberschuss versetzt, in lauer Wärme 
anBg^ocknet, mit absolutem Weingeist extrahirt und der Auszug eingetrocknet, 
in ^nem üemlich reinen Zustande gesammelt. 

Zur Abscheidung flüssiger Alkalolde genügt Extraction mit schwefelsaurem 
Wasser, Concentration des Auszuges, Versetzen mit Alkali und Ausschütteln 
mittelst eines passenden Lösungsmittels, wie mittelst Aethers oder Schwefelkohlen- 
stoffs und Abdunsten dieser Lösung oder Versetzen derselben mit Oxalsäure etc. 

Lösoh's letkode der BestimmiiBg der AlkaloTde. Die Pflanzentheile werden 
anter Digestion mittelst 90 proc. Weingeistes, welcher mit Salzsäure angesäuert ist, 
extrahirt, die Tincturen entweder durch Destillation oder Abdampfen auf Yj Vo- 
lumen reducirt, filtrirt und im Wasserbade zur Extractdicke eingedampft. Der 
Verdampfnngsrückstand wird nun mit doppelt so vielem warmem Schwefelsäure- 
haltigem Wasser, als vegetabilische Substanz in Arbeit genommen ist, extrahirt, 
nach dem Erkalten filtrirt und das Filtrat mit dem 3 fachen Volumen kalt ge- 
sjlttigter Alaunlösung vermischt, erwärmt, durch einen geringen Ueberschuss 
Aetzammon ausgefällt, nun das Ganze im Wasserbade zur Trockne gebracht, dann 
za Pulver zerrieben und dieses Pulver mit den Lösungsmitteln wie Aether, Chloro- 
form, Amylalkohol etc. erschöpft. Beim Verdunsten dieser Lösungen sollen die Al- 
kal<Mde in ziemlich reiner Form zurückbleiben. Die ganze Procedur dürfte wohl 
einer Kürzung fähig sein. Die flüchtigen AlkaloYde können nicht auf diesem 
Weg^e bestimmt werden. 

LÖSCH sammelte z. B. in Procenten nach der Methode von 

aus Stas 

^. . ,. /Chinin 2,735 

KoBigscbna \cinchonin 0,194 

.u m.' • ;i /Chinin 1,105 

rother Chmannde jcinchonin 0,425 

K m.' ' A /Chinin 0,895 

branner Chinarinde | cinchonin 2,485 

FoL Qyoscyami. Hyoscyamin 0,099 

Sem. Hyoseyami „ 0,197 

Fol. Belladonnae. A tropin 0,115 

Rad. Belladonnae „ 0,3 

Rad« Ipeeacnanhae. Emetin 0,72 

Folia Aconiti. Aconitin 0,3 

Als Lösungsmittel giebt Lösch dem Amylalkohol den Vorzug, nach diesem 
dem Chloroform. 

Zar Bestimmung flüssiger oder flüchtiger Alkaloide wird der Pflanzentheil 
anter Einwirkung von Aetzkalk oder Aetzalkali destillirt, das Destillat mit Salz- 
äänre gesättigt, zur Trockne eingedampft, der Rückstand nun entweder mit Aetz- 
kalilösang destillirt oder mit Weingeist extrahirt, die alkoholische Lösung ein- 
getrocknet und der Rückstand mit Aetzkalilösung gemischt und mit Aether aus- 
gewhüttelt. Die quantitative Bestimmung geschieht alkalimetrisch. Lösch er- 
kennt in dieser Methode eim'ge Mängel an, denn die Trennung des AlkaloKd- 
hydrochlorats von Ammoniumchlorid mittelst Weingeistes ist keine exacte. Aus 



Wagner 


Mayer 


Lösch 


2,46 


2,57 


3,25 


0,187 


0,175 


0,285 


1,085 


1,005 


1,235 


0,4 


0,395 


0,525 


0,825 


0,8 


0,975 


2,35 


2,3 


3,075 


0,085 


0,074 


0,175 


0,18 


0,1 


0,285 


0,1 


0,09 


0,225 


0,275 


0,225 


0,375 


0,55 


0,475 


0,875 


0,265 


0,22 


0,425. 



62 AlkaloYdia. 

diesem Grunde empfiehlt er, das Destillat mit Schwefelsäure zu sättigen (Pharm. 
Ztg. 1879 No. 89). 

Gerbstoff-Bleioxyd-Methode der Alkaloidbestimmung. Dieselbe ist ein altes, 
im Allgemeinen aber quantitativ keine sicheren Resultate gewährendes Verfahren, 
weil die Alkalol'dtannate gegen ein und dasselbe Lösungsmittel ein verschiedenes 
Verhalten zeigen, sie entweder nur in neutraler oder in schwach- oder in stark- 
saurer wässriger Flüssigkeit unlöslich sind, ihre völlige Abscheidung bald eine 
kürzere bald längere Zeit erfordert. Im üebrigen liefert diese Methode, was die 
Reinheit der Alkalose betrifft, sehr befriedigende Resultate, in manchen Fällen 
vollkommen reine AlkaloYde. 

Gewöhnlich werden die Alkalolde aus der nur schwach sauren schwefel- 
sauren Lösung gefällt. Das Filtrat vom Tannatniederschlage ist zu prüfen , ob es 
auf weiteren Zusatz von Gerbsäure oder Schwefelsäure oder Natronacetat Fällungen 
giebt. Im letzteren Falle, wäre die Flüssigkeit zu sauer und müsste sie durch 
stark verdünntes Aetzammon um etwas abgestumpft werden. (Ammon bildet in 
Verbindung mit Mineralsäuren kein Tannat.) Der feuchte gewaschene Nieder- 
schlag, das feuchte Tannat wird mit 2 — 3 mal so viel präparirter Bloiglätte, als 
vegetabilische Substanz in Arbeit genommen wurde, vermischt und langsam aus- 
getrocknet, hierauf nochmals zerrieben, mit etwas Wasser befeuchtet und dann 
vollständig zur Trockne gebracht. Die zerriebene Masse wird mit absolutem 
Weingeist oder auch anderen Lösungsmitteln der Alkaloüde behandelt etc. 

Auf Alkalo¥de, welche mit Gerbsäure nicht völlig in Wasser unlösliche oder 
auch keine Tannate geben, ist selbstverständlich diese Methode nicht anwendbar. 

HAaRB's pharmaceatiselie Methode der ilkaloTdbestimmiuig in vegetabiUschen 
Körpern kürzt die gewöhnlich sehr umständliche Extraction ab und liefert meist 
die Alkalolde in ziemlich reiner Form. In einem tarirten Glaskolben wird eine 
bestimmte Menge der vegetabilischen Substanz in gröblicher Pulverform, z. B. 
15,0 mit 150,0 Wasser übergössen, welches 2 Proc. Schwefelsäure enthält 
(z. B. gemischt aus 20,0 verd. Schwefelsäure und 180,0 Wasser). In einem 
tarirten Glaskolben, welcher mit einem kleinen Glastrichter geschlossen ist, wird 
die Mischung 6 — 8 Stunden im vollheissen Wasserbade erhitzt oder in einem 
tarirten porcellanenen Kasseroi eine Stunde hindurch gekocht, dann ein etwaiger 
Verdampfungsverlust genau durch Wasserzusatz ersetzt, zum Erkalten mindestens 
2 Stunden beiseite gestellt und nun colirt. (Enthält die Substanz harzige Stoffe, 
so ist eine Filtration vorzuziehen.) Der imlösliche Theil bei lufttrocknen Samen 
und Rinden (A) ist zu 80, bei lufttrocknen Wurzeln und Rhizomen (B) zu 60, 
bei lufttrocknen Blättern und Blüthen (C) zu 50 Proc. anzunehmen. Von der 
Colatur oder dem Filtrate werden bei A. 102,0, bei B. 104,0, bei C. 105,0 g, 
entsprechend 10,0 der zu untersuchenden Substanz, in einer porcellanenen Schale 
oder einem solchen Kasseroi bei gelinder Wärme abgedampft, und sobald die 
Flüssigkeit auf Y2 Volumen reducirt ist, mit 25,0 präparirter Bleiglätte (liegen 
viele Farbstoffe vor, so mit 30,0 Bleiglätte) vermischt. Nachdem. nach weiterem 
30 Minuten dauernden Erwärmen und Abdampfen der nothwendig noch flüssigen 
Masse 5,0 Bleiweiss (Bleisubcarbonat) zugesetzt worden sind, wird die Mischung 
weiter eingedampft und in gelinder Wärme ausgetrocknet. Die so gewonnene 
Masse wird zerrieben und mittelst eines der passenden Lösungsmittel der Alka- 
lolde, z. B. mit absolutem Weingeist, Chloroform, Amylalkohol etc. unter Mace- 
ration extrahirt. Das Filtrat ist häufig Bleioxydstaub haltend. Man muss es 
einen halben Tag absetzen lassen, ehe man den Weingeist durch Destillation aus 
dem Wasserbade oder durch Verdampfen beseitigt. Die Extraction der einge- 
trockneten Masse auf dem Verdrängungswege ist unthunlich. Bisweilen ist der 



AlkaloYdia. 63 

BäckBiaiid des vom Ldsmigsmittel befreiten und filtrirten Auszuges so rein, dass 
mi der W&gong desselben die Bestimmung der Alkaloidmenge abgeschlossen ist. 
lixtracte und Verdampf ongsrückstände aus Tincturen mit nicht flüssigen 
Mkalolden werden mit schwefelsaurem Wasser gemischt, nach mehrstündiger Ma- 
tenLÜon filtrirt, das Filtrat mit Bleioxyd und Bleisubcarbonat , wie vorher ange- 
geben gemischt und eingetrocknet etc. 

Das Gewicbtsverhältniss der auszuziehenden Substanz und der verdünnten 
Schwefelsäure zum Bleioxyd ist leicht zu bestimmen. Der Auszug muss stark 
sauer a^ und Bleiglätte ist mindestens 10 mal mehr zu nehmen als Schwefel- 
äiurehydrat vertreten ist. 

Die Abscheidung der Alkaloide geschieht häufig auch mittelst Kalk- 
hydrats Qu Stelle des Bleioxyds), worauf vor einigen Jahren Cazeneuye 
(Jouni. de Ph. et de Ch. 1876) aufmerksam machte. In diesem Falle verfährt 
man m folgender Weise: 

Die gepulverte Substanz feuchtet man mit Wasser an, vermischt sie mit 
circa ihrem halben Gewichte Kalkhydrat, theilt das Gemisch in zwei Theile und 
läaat den einen Theil an der freien Luft, den andern im Wasserbade eintrocknen. 
Jeden Theil behandelt man alsdann mit Aether. 

Von jedem der beiden ätherischen Auszüge lässt man einen Theil freiwillig 
verdunsten, beobachtet den dabei verbliebenen Rückstand unter dem Mikroskop. 
Einen andern Theil der Aetherauszüge versetzt man mit einer Lösung von Oxal- 
säure in Aether; dadurch werden viele Alkaloide als Oxalate niedergeschlagen, 
weil sie in dieser Verbindung in Aether unlöslich sind. Eine entstandene Trü- 
bung kann übrigens auch von oxalsaurem Kalk herrühren, dessen Kalk dem 
Vßgetabil durch den Aether als fettsaurer oder harzsaurer Kalk entzogen wor- 
den ist. Eine solche Trübung würde aber durch Wasser nicht wieder ver- 
schwinden, während die Oxalsäuren Alkaloide sich darin sofort lösen. 

Zwar lösen sich viele Alkaloide nicht in Aether, allein nach dem vor- 
stehenden Verfahren sollen sie dennoch, da sie sich im amorphen Zustande be- 
finden, davon aufgenommen werden. 

Dass in den Aether auch noch andere Pflanzenbestandtheile übergehen 
können, ist erklärlich, daher ist eine weitere Prüfung der extrahirten Materie 
anf ihre Natur immer nothwendig. 

Behufs Abscheidung der flüssigen Alkaloide unter Anwendung der 
HAGER'schen Methode dampft man die saure schwefelsaure Lösung bis auf einen 
geringen, aber noch flüssigen Rest ein und vermischt diesen mit einem Ge- 
misch aus Bleiglätte und stark ausgetrocknetem weissen Bolus und nach Ver- 
lauf einer Stunde noch mit etwas getrocknetem Bleiweiss, so dass die Mischung 
einem staubigen Pulver gleicht. Sie wird mit absolutem Weingeist extrahirt. 
Ist der Auszug farblos, so wird er mit Salzsäure oder Oxalsäure neutralisirt 
und eingetrocknet, ist er aber noch gelblich gefärbt, so neutralisirt man mit 
verdünnter Schwefelsäure, setzt aber etwas Wasser hinzu, dampft bis zur Ver- 
jagnng des Weingeists ab, macht mit Aetznatron alkalisch und schüttelt mit 
Aeüier ans. 

AlkakNreagentieii sind als neu folgende empfohlen: 

lltkerckltrsiire, icidim hyperchUricnm, von Fraude vorgeschlagen. Man 
kocht einige Minuten eine minimale Menge des Alkalolds mit einigen CC. wäss- 
riger Ueberchlorsäure von 1,13 — 1,14 sp. Gew. Indifferent verhalten sich die 
Alkaloide des Opiums, der Chinarinde, auch Atropin, Coffein, Coniin, Nicotin, 
Veratrin. Es erfolgen Farbenreactionen bei Aspidospermin (Alkaloid aus 
^r Quebracho- Rinde) dauernd fuchsinroth, Brucin dunkel madeirafarbig, 
Scrychnin röthlich gelb. Bei einer stundenlangen Kochung werden die Farben 



64 Alkalotdk. 

heller nnd gehen zuletzt in intensives Gelb über. Die durch das Reagens be- 
wirkten Färbungen werden durch Zinkstaub und Schwefligsäure zerstört. (Wei- 
teres in d. 6er. d. deutsch, ehem. Ges. Xn, 1558.) 

KieselwolframsSnre, Icidam silicico-wolf ramicnm , von R. Godeffaoy 
(Wien) und Laübenheimeb empfohlen, ist eine Verbindung, welche beim Kochen 
frisch gefällter Eaeselsäure mit einer Natriumhyperwolframatlösung und durch 
Abscheidung aus dieser Lösung mittelst Säure gewonnen wird. Man stellt sie 
auch dadurch her, dass man frisch gefällte Kieselsäure mit Natriumwolframat- 
lösung kocht und die daraus entstehende Lösung mit Mercuronitratlösung ver- 
setzt. Der gelbe Niederschlag, Mercurosilicowolframat , wird mit Salzsäure zer- 
setzt und die filtrirte Flüssigkeit zur Krystallisation abgedampft. Es scheidet 
die Silicowolframsäure in farblosen octaädrischen Krystallen ab, welche an der 
Luft verwittern, bei 36® 0. zerfliessen und in Wasser und Weingeist löslich 
sind. Wegen letzteren Umstandes können die Alkaloide mittelst dieser Säure 
auch aus weingeistiger Lösung gefällt werden. Die Silicowolframsäure-Lösung 
erzeugt in den Hydrochloratlösungen der Alkaloide Niederschläge. Die Empfind- 
lichkeit der Reaction ist eine so weitgehende, dass noch dadurch Y15000 Atropin- 
hydrochlorat, Vsoooo Chininhydrochlorat, Vaooooo Cinchoninhydrochlorat angezeigt 
werden. 

Diese Niederschläge sind meist schwer löslich in Salzsäure. Aetzkali 
scheidet das Alkaloid daraus ab und Kaliumsilicowolfi*amat bleibt in Lösung. 
Aetzammon löst die Alkaloidsilicowolframate, aus welcher Lösung sich nach und 
nach Kieselsäure abscheidet. 

Ferrichlorid, Fermm sesqmcbloratum , fällt aus salzsaurer Lösung (nach 
Godeffroy) Aconitin, Piperin, Strychnin, Veratrin als gelbe bis rothe Nieder- 
schläge, fällt aber nicht: Atropin, Chinin, Cinchonin, CoflFeln, Morphin. 

Stannoehlorid, Stannnm chloratiim , ZinnchlorSr giebt nach Godeffroy in 
salzsauren Lösungen mit 

Aconitin Chinin Coniin Solanin 

Atropin Cinchonin Morphin Veratrin 

Brucin Codein Piperin 

dichte krystallinische Niederschläge. Es fällt auch Nicotin in concentrirter Lö- 
sung, aber nicht Coffein. Dieses in salzsaurer Lösung mit Stannochlorid einge- 
dampft giebt monoklinische Krystalle von der Formel SnCl2C8HioN402HCl. 

Intimonchlorid, Stibinm chhratam, von R. Godeffroy empfohlen, fällt in 
salzsaurer Lösung nicht: Coffein, Morphin, es fällt aber: Aconitin, Atropin, 
Chinin, Cinchonin, Piperin,. Strychnin, Veratrin weiss oder gelb. 

LiNDo's Reaction. Lindo löst das Alkaloid in concentrirter Schwefelsäure, 
beobachtet das Verhalten und versetzt dann zuweilen mit conc. Ferrichlorid- 
lösung. Es werden folgende Resultate angegeben: — Berberin (Buxin, 
schwefelsaures) in braunen Schuppen löst sich tief schwarz, mit mehr 
Schwefelsäure wird die Lösung roth, mit Ferrichlorid beim Erwärmen dunkel- 
grün (über weissem Papier betrachtet). Bei Wasserzusatz wird die Flüssigkeit 
schmutziggelb. — Betulin giebt eine schmutzig grtinbraune Lösung, die mit 
Wasser klar und farblos wird. — Brucin giebt eine hell amethystfarbene Lö- 
sung, die von der Seite betrachtet orangegelb oder rothgelb, von oben angesehen 
roth erscheint; das Amethystroth erblasst allmählich, bleibt aber 14 Tage hin- 
durch deutlich' erkennbar. — Coffein löst sich farblos, wird dann tiefgelb, end- 
lich wieder farblos. -— Chinin (schwefelsaures) des Handels löst sich hell- 
gelb, wird beim Erwärmen mit Ferrichlorid dunkler und mit Wasser farblos. — 
Cinchonin (unreines) giebt klare gelbe, trübe gelbe und gelbliche Flüssig- 



Alkalofdia. 65 

keilen. — Cotarnin giebt eine dunkel bräunlicligelbe Lösung;. Auf Zusatz von 
Ferrichlorid entstellt ein weisslicher Niederschlag, der sich zu einer dunkelrothen 
Flüssigkeit löst, die mit Wasser eine etwas hellere Färbung annimmt wie Nar- 
rr»tin, und sich ebenso lange hält. — Cumarin löst sich klar mit orangegelber 
Farbe, die iooiit Wasser ganz blassgelb wird. — Narcein löst sich orangefarben, 
die Ijösnng wird dann trübe und etwas purpurroth, schliesslich blassroth. — Nar- 
rotin löst sich mit tiefgelber Farbe, nach einer Stunde orange werdend, mit 
Ferrichlorid wird die Lösung blutroth, hierauf etwas purpurroth, endlich tief- 
roth, etwa wie Ferrirhodanid ; letztere Färbung bleibt wohl 14 Tage constant. — 
Papaverin löst sich in Schwefelsäure zu einer blass purpurrothen Flüssigkeit, 
welche nach einer Stunde verblasst und .bräunlich wird. Ein Zusatz von Ferri- 
rhlorid unter Erwärmen verwandelt die Purpurfarbe schnell in Gelb, wobei sich 
die Flüssigkeit trübt. Wasserzusatz entfärbt die Flüssigkeit, die nach 24 Stun- 
den hellgelb wird. — Phlorizin giebt eine blutrothe Lösung, die bei Anwen- 
dung von wenig Substanz anfangs orangegelb ist. Wasserzusatz bewirkt einen 
'geringen flockigen Niederschlag und löst orangefarben. — Piper in giebt eine 
tiefrothe, fast schwarze Lösung, beim Erhitzen mit Ferrichlorid einen flockigen 
Niederschlag. Auf Wasserzusatz entsteht eine gelbe Flüssigkeit, der Nieder- 
H<*hh^ erscheint dnnkelbraun; nach 24 Stunden wird die Flüssigkeit fast farblos. 
— Strychnin löst sich zu einer farblosen Flüssigkeit, die hellgelb, dann wieder 
farblos wird. 

bliuwisnithjodid (Bd. I, S. 206). Zu seiner Darstellung giebt man in 
ein Glaskölbchen 30,0 Wismuthsubnitrat, 17,0 zerriebenes Kalium- 
jodid und 50,0 destill. Wasser, digerirt mehrere Stunden, lässt erkalten, 
decanthirt die wässrige Schicht, giebt zu dem Bodensatz 50,0 Kaliumjodid 
and 200,0 destill. Wasser. Nach eintägiger Digestion und öfterem Um- 
:4chütteln wird filtrirt. Sollte das Filtrat trübe werden, so giebt man 2,0^ — 3,0 
Salzsäure dazu. 

Oder: Das aus 11,0 Wismut hm et all gewonnene Wismuthsubnitrat wird 
Diich fencht in eine kochendheisse Lösung von 60,0 Kaliumjodid in 150,0 
dest. Wasser eingetragen. Nach 10 Minuten langem Umrühren giebt man 
10,0 einer 25 proc. Salzsäure hinzu. 

Jfdjtdkaliani (Bd. I, S. 201). Nicht gefällt werden dadurch Coffein, Pi- 
p+rin, Theobromin, Harastoff. Dieses Reagens lässt sich zur alkaloidimetrischen 
IWstimmung verwenden (R. Wagneb). Die Flüssigkeit aus 12,7 g Jod , 20,0 g 
Kaliumjodid und Wasser wird bis zum Liter verdünnt. Der Niederschlag ent- 
hält Jod und zwar stets in constanter Menge, jedoch nicht in Verbindung, d. h. 
H nicht substituirend. Die Dauer dieser Verbindung beträgt mehrere Stunden. 
Das im Ueberschusse zugesetzte Jod wird im Filtrat mittelst *^/n)-Normal-Natriuni- 
hyposnlfitlösung bestimmt (Arch. d. Pharm. 1863, S. 260). Guyaud hält Jod- 
j«»dkaliam nicht für eine einfache Lösung, sondern für eine chemische Verbin- 
dung (Kaliumdijodid, KJg), weil Metallsalze vollständige Fällung bewirken. 

KalimtlBeeksilbeijodid (Bd. I, S. 201). Das MAYER'sche Reagens ist eine 
^ i^-Normal-Lösung. Der Niederschlag ist eine Doppelverbindung von gleichen Aeq. 
Alkaloidhydrojodid und Qnecksilberjodid. Behufs volumetrischer Bestimmung der 
Alkalolde werden diese in schwach saurer' Lösung (von 1 in 200 — 1000 Wasser) 
verwendet Das Ende der Reaction ergiebt sich, wenn man 2 — 3 Tropfen des Fil- 
inUs auf einem Uhrgläschen mit einem Tropfen des Reagens mischt. Bleibt die 
Trübung aas, so ist die Reaction auch beendigt. Diese Probe muss natürlich 
'i^i^en das £nde der Reaction nach jedem Zusätze des Reagens zur Alkaloid- 
l»jaung vorgenommen werden. Die Gegenwart von Weingeist, freier Essigsäure, 

Hager, Fkum, Praxis. Snppl. 5 



66 AlkaloMia. 

freien Ammons stören den Reactionsverlauf. Gummi, EiweiBs, Glykose, Ex- 
tractivstoffe in massiger Menge sind ohne Einflnss. Die Ansäuerung der Al- 
kaloidlöBung geschieht am besten mittelst verdünnter Schwefelsäure. Dragen- 
BORFF hat dieser Titrirung in ^die ehem. Werthbestimmung einiger starkwirkenden 
Drogen etc. St. Petersburg 1874" besondere Aufmerksamkeit zugewendet. 

Auch diese Methode der Bestimmung der Alkaloide hat mit den übrigeu 
empfohlenen durch den Mag. Pharm. A. Lösch (Russiand) eine nichts w^eniger 
denn günstige Kritik erfahren. Wenn die in dieser Beziehung angestellten Ver- 
suche eine richtige Ausführung fanden , so dürfte Lösch's Methode den Vorzug 
verdienen. 

Sublimate aus den Alkaloiden.' Hierüber hat Armstrong (Pharm. Jouni. 
and Trans. Vol. 8) Versuche angestellt. Unterhalb einer Temperatur von 100® C. 
sublimiren Coffein, Thebain, Oantharidin, krystallinische Sublimate , und 
Hyoscyamin und Atropin, amorphe Sublimate ausgebend. Zwischen 150 — 
200® C. sublimiren Pilocarpin, Strychnin, Morphin mit krystallinischen 
Sublimaten. Solan in bedarf eme Hitze über 200®. 

Analyse. Eine kurze und leicht auszuführende Methode der Extraction der 
Alkaloide aus forensischen Untersuchungs-Gegenständen wird von G.Reknard (Chem. 
Centralbl. 1876) angegeben: 

Behufs Extraction der Cadavertheile kommt ein 90 — 94 proc. Wemgeist, bei 
fettreichen Substanzen Wasser zur Verwendung. Dem Weingeist wird verdünnte 
Schwefelsäure bis zur deutlich sauren Reaction zugesetzt Nach hmlänglicher 
Digestion im Wasserbade wird er in ein Becherglas decanthirt, der Rückstand 
mit emer neuen Menge Weingeist nochmals extrahirt und dieser Auszug mit dem 
ersten vereinigt. Nach völligem Erkalten filtrirt man, destillirt den Weingeist aus 
dem Wasserbade zum grössten Theile ab und verjagt aus dem Rückstande, nach 
Zusatz von etwas Wasser (wenn nöthig), den letzten Rest des Weingeistes. Einen 
wässrigen Auszug lässt man gleichfalls erst vollständig erkalten, bevor er filtrirt 
wird. Auf dem Filter hinterbleibt ein grösstentheils aus Fett bestehender Rück- 
stand, den man mit heissem, etwas angesäuertem Wasser ausschüttelt, letz- 
teres vom Fette trennt, nach dem Abkühlen filtrirt und mit dem ersten wässrigen 
Filtrate vereinigt. Liegen zur Untersuchung schleimige oder zuckerhaltige Stoffe 
vor, so lässt sich Wasser zum Ausziehen nicht anwenden, weil schliesslich eine 
wässrige, syrupöse Flüssigkeit resultirt, welche beim Ausschütteln mit Aether, 
Benzol etc. mit diesen eine Emulsion bildet, deren Klärung nur schwierig und 
unvollständig gelingt. Indessen giebt auch Weingeist bei Säften kein befriedigen- 
des Resultat, da er Fruchtzucker in Lösung zurückhält; in diesem Falle fügt 
man zum weingeistigen sauren Auszuge ein Viertel- bis ein Drittel - Volumen 
Aether hinzu; dann scheidet sich der Fruchtzucker als schmierige Masse an den 
Wänden und dem Boden der Kochflasche fast vollständig aus und die über- 
stehende Flüssigkeit lässt sich klar abgiessen und ohne Filtriren weiter verar- 
beiten. Bei der Extraction von erbrochenen, überhaupt viel Wasser enthalten- 
den Untersuchungsobjecten erhält man nach dem Abdestilliren des Weingeists 
eine relativ grosse Menge wässriger Flüssigkeit, die man behufs weiterer Reini- 
gung erst auf dem Wasserbade concentriren und mit Weingeist nochmals be- 
handehi muss; auch hier ist ein Zusatz von Aether oft passend. Operirt man 
nach diesem kurz skizzirten Verfahren, so resultirt schliesslich eine verhältniss- 
mässig kleine Menge einer dünnflüssigen, klaren, wässrigen Flüssigkeit, aus wel- 
cher sidli das darin event. enthaltene Alkaloid mit Leichtigkeit isoliren lässt. 
Hauptbedingung bleibt dabei immer eine vollständige Abkühlung und ein Ab- 
setzenlassen. 



AlkaloYdia. 



67 



Das Ausschütteln der sauren wässngen Flüssigkeit geschieht zuerst mehrere 
Male mit Petrol&ther, dann einmal mit wenig Aether. Beide Flüssigkeiten 
werden vorläufig bei Seite gestellt. 

Die mit Ammoniak übersättigte wässrige Flüssigkeit kann alsbald mit 
Aether oder Benzol ausgeschüttelt werden. Der Aether verdient wegen seiner 
grösseren Flüchtigkeit den Vorzug, nur muss er weingeistfirei sein. Zur schliess- 
lichoi Extraction kann statt des Amylalkohols rectificirter Essigäther angewendet 
werden. Die aus der alkalisch gemachten Flüssigkeit in Aether oder Benzol 
abergehenden Alkaloide hinterbleiben nach dem Verdunsten der Lösungsmittel 
in der Regel in so reinem Zustande^ dass damit ohne Weiteres die Reactionen 
vorgenommen werden können; dagegen nimmt Amylalkohol, in geringerem Grade 
Essigäther, aus dem Wasser etwas gefärbter Stoffe auf, so dass eine weitere Reini- 
gung des Alkaloides (Morphin) oft nothwendig wird. 

Gegengift giftiger Alkaloide. Als ein solches ist jodirtes Stärke- 
mehl, Amylumjodatum, empfohlen worden. Es ist dieses wohl ein sehr un- 
sicheres Mittel. Einerseits ist es nichts weniger denn unschuldig in seiner Wir- 
kung, andererseits sind auch die Verbindungen der Alkalol'de mit Jod nicht 
vöUig unlöslich im Magen- und Darmsafte. Gerbsäure dürfte immer den ersten 
Platz als Gegengift der giftigen Alkalose behaupten, von welchen keine speci- 
ellen G^enmittel bekannt sind. Da Jodjodkalium in wässngen Lösungen, welche 
Alkaloidtannate enthalten, noch Fällung erzeugt, so wäre zuerst Gerbsäure als 
(j^engift und 10 Minuten später jodirtes Stärkemehl und zwar in ziemlich 
starker Gabe zu verabreichen, denn Gerbsäure ist wieder ein Gegengift des Jods. 

JkaetitusckeBä der giftigen Alkaloide und Glykoside nach Stas 
und Otto. 

L AuB der sauren Lösung gehen in Aether über (neben Spuren 
Atropin) : 



durch Gerbsäure 



fällbar 



Colcflictn. 



Lösung gelb, 

conc. Schwefelsäure 

färbt violett 

Verdünnt man die 
salpetersaure Lö- 
sung und macht mit 
Natron alkalisch, so 
entsteht eine 
orangerothe 
Färbung. 

Mit Jodlöttung 
Niederschlag. 



Digitalin. 

Mit Gallenlösung 
und conc. Schwefel- 
säure versetzt ent- 
steht anfangs eine 
schön rothe 2k)ne, 

später eine rothe 
Flüssigkeit 



in conc. Schwefel- 
säure gelöst auf Zu- 
satz einer Spur 

Hromwasser 

violettrothe 

Färbung. 



nicht fällbar 

Pikrotoxin. 

Die farblose Lö^n; 

in natronhaltigem 
Wasser reducirt 
kalische Kupfer- 
lösung. 

Mit Jodlösung 
kein Nieder- 
schlag. 



Conc. Salzsäure 
löst mit grüngelber, 
später smaragd- 
grüner Farbe. 





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Wird beim ge- 
linden Em-är- 
men mit Sah- 
säure violett, 
Betzt man Sal- 
petersäure hin- 
zu, so schlügt 
die Farbe in 


Nicotin. 
WSsserige Lö- 

autig färbt sich 
beim Erwii.- 
men nicht. 


H. 
g. 

i 
1 


1 
1 



AlkaloYdia. — Alkanna. — Aloe. . 69 

m. In alkalischer Lösung bleibt zurück Morphin. 

Die mit Ammon alkalisch gemachte Lösung giebt beim Erhitzen mit Eupfer- 
oxydammonlak eine grasgrüne Lösung; conc. Salpetersäure färbt es blut- 
rotlL, neutrales verdünntes Ferrichlorid dunkelblau. Wird es in conc. Schwe- 
{!d^ure gelöst, erwärmt, lässt man erkalten und fügt etwas Salpetersäure hinzu, 
so entsteht eine intensiv rothe Färbung. Reducirt in saurer Lösung Kalium- 
jijdat (jodsaures Kali) und das hierbei abgeschiedene Jod wird von Schwefel- 
kohlenstoff violett aufgelöst. 

Alkanna. 

Wie Prof. Dr. Au(4. Vogl berichtet, kommt auch die Wurzel von Onosma 
erhtoides L. als Alkannawurzel in den Handel. Diese unterscheidet sich durch 
eine 2 — .3 fach weitere Fügung ihrer Gewebeelemente von der Wurzel der An- 
chusa tinctoria. 

PigBCBtui llkannaf, Anchusin, ist löslich in Weingeist, Aether, den flüch- 
t^jren und fetten Oelen mit rother Farbe. 

lahagoni-Beixe , wird nach Apoth. Leo zu Bensheim bereitet aus: 15,0 Al- 
kanna, 30,0 Aloe, 30,0 Drachenblut, 500,0 eines 95 proc. Weingeistes durch 
.3 — 4tägige Digestion. Das Holz wird zuvor mit Salpetersäure gebeizt und nach 
dem Trocknen mit der Mahagonibeize ein- oder mehrmals bestrichen , endlich ge- 
«ilt und polirt Diese Beize soll sich besonders für Fussböden eignen. 



Ff Ha Lawsoniae inemis, Hennablätter, sind einfache, fast sitzende oder 
-^hr kurz gestielte, an den Zweigen des Strauches abwechselnd stehende Blätter. 
Beim Trocknen an der Sonne bewahren sie ihre grüne Farbe. Der wässrige 
Aufj2:u8s färbt roth (der Farbe des rothen Ochers ähnlich). Die trocknen Blätter 
<'nd geruchlos, nehmen aber angefeuchtet einen scltwachen eigenthümlichen Ge- 
ruch an. 

Die Droge wird von mehreren Seiten z. B. aus Persien, dem nördlichen 
AMen, Westafrika (vom Senegal) in den Handel gebracht und es bieten die 
Blätter in ihrer Form einige Verschiedenheit. Die Persischen sind (nach Vogl) 
eiförmig, spitz, stachelspitzig, am Grunde in den Blattstiel sich verschmälernd 
verlaufend, circa 2 Ctm. lang, 1 Ctm. breit, ganzrandig, am Rande etwas ein- 
gerollt. Die lederartig glänzende Oberfläche ist grünlichbraun, auf der Unter- 
««eite heller, mit einem Hauptnerven und mit Nebennerven, welche nicht weit vom 
Rande anastomisiren. 

Anwendung. Der Aufguss und das Pulver werden schon seit alten Zeiten 
zum Färben der Haut und Haare als cosmetische Mittel benutzt. Die Blätter 
gelt^i auch als Ijäusemittel, besonders aber werden sie als Wundheilmittel von 
den Thierärzten geschätzt, welcher Umstand seinen Grund in einem Tanningehalt 
hat. Dieser Gehalt an eisenbraungrünfärbendem Tannin erklärt auch die An- 
wendung behufe Abhärtung der Haut an den Fusssohlen und der inneren Hand, 
Beseitigung des Fussschweisses etc. 

AloS. 

Bestandtheile. Kosmann fand die Aloö bestehend aus zwei electronegativen 
Harzen und Säuren in Verbindung mit einem Kohlehydrat, nach einer 1863 aus- 
^eftlhrten Analyse aus circa 60 Proc. Aloäbitter (Aloätin), welches in Wasser 
lOslich ist, und circa 33 Proc, Aloöharz, welches in Wasser unlöslich ist. 



70 Aloe. 

Beide Bestandtheile sind nach Eosmann OlykoBide, duroh Oxydation beim Ein- 
trocknen des Aio^saftes ans dem glykosidischen Aloln entstanden. Alotn mit 
verdünnter Schwefblsftore behandelt zerfallt in Glykose und einen harzartigen 
Körper. Das Alo^bitter zerflült anf demselben Wege in die krystallisirende 
Alo^retsäure nnd das indifferente Aloöretin, das AloSharz in AloSresin- 
sänre nnd Alo6retinsänre. 

Nach anderen Chemikern ist AloYn kein Glykosid. Wie neuere Unter- 
suchungen ergeben, ist Alolnsubstanz in allen Aloäarten vertreten, jedoch in jeder 
Sorte AI06 von etwas abweichender Beschaffenheit. In der Barbadosaloß hat man 
esBarbaloKn (das Alo\'n der fritheren Zeit), in der Natalaloß Nataloln, in der 
Socotorina SocaloYn, in der Zanzibaraloö Zanaloln genannt. Das von 
Flückiger in der Natal-Alo6 entdeckte Nataloln weicht vornehmlich von den 
anderen Alolnarten physikalisch und chemisch ab. Nach Tilden sind die ver- 
schiedenen AloYne isomerisch und nur durch Wassergehalt von einander abwei- 
chend, z. B. NataloTn CieHi^O,; BarbaloKn CieHigO, + H,0; Socaloüi 
CieHigO, + 3H,0. 

Barbalotn wird durch Ferrichlorid grün, durch kalte Salpetersäure tief car- 
moisinroth ge&rbt. Socaloin filrbt sich mit kalter Salpetersäure nur schwach 
roth, Nataloün etwas mehr roth. Mit heisser Salpetersäure bilden sie, Nataloin 
ausgenommen, Chrysaminsäure, Alo^äure, schliesslich Pikrinsäure und Oxalsäure. 
Die schwefelsaure Lösung des Nataloins mit einem Wenigen Salpetersäure oder 
Kaliumbichromat versetzt giebt eine ähnliche Reaction wie Strychnin. Salzsäure 
soll das Aloln der Leberaloä in Zucker und Rottlerin (Ci^H^oOs) spalten, Zink- 
staub daraus Anthracen bilden. 

Prlifung der Aloe. Dragendorff hat in Beziehung zur Prüfung der offi- 
cinellen Aloe ausführliche Arbeiten ausgeführt und wären folgende Merkmale der 
Güte der Aloö als Normative zu acceptiren. 

1. Die ofQcinelle Aloö darf nicht mehr denn 10 Proc. Lösliches an den offi- 
cinellen Aether abgeben. (Bjlndrackt fand z. B. in 4 Sorten Cap-Aloe 1,68— 
6,5 Proc, in 3 Sorten Socotora-Aloö 4,27 — 5,30 Proc., in Barbados-Aloö 11 Proc. 
in Aether Lösliches.) 

2. Die officinelle Aloö darf nicht über 20 Proc. in 95 proc. Weingeist Un- 
lösliches enthalten. 

3. Der Aschengehalt darf 5 Proc. nie überschreiten (in guten Aloösorten 
steigt derselbe kaum auf 4 Proc). 

Extraetun ileSs repräsentirt die wirksamen Bestandtheile der Aloö, denn das 
Aloeharz ist ohne Wirkung. 

Alolna, Moln, Aloebitter (C'^^Hi^O*^ oder G^^E^^O^ = 334), der amorphe 
AloYnstoff aus der SocotorarAloö oder der Cap-Aloö. 

Darstellung. Nach Mitchell soll man 1 kg Barbadosaloö in 14,5 liiter 
warmem Wasser lösen, mit 66,6 g conc Schwefelsäure versetzen und 24 Stunden 
ohne Agitation bei Seite stehen lassen. Mittelst Durchseihens beseitigt man die 
obenauf schwimmende Harzschicht, dampft die Colatur bis auf 3 Liter ein und 
stellt sie wiederum bei Seite. Nach mehreren Tagen haben sich Krystallchen 
angesetzt, welche man auf einem Filter sammelt, mit wenigem kalten Wasser ab- 
wäscht, hierauf in warmem Wasser löst und mit thierischer Kohle digerirt. Die 
warme Lösung wird eingeengt und zur Erystallisation bei Seite gestellt. Auf 
diese Weise sollen 106 — 109 g AloYn gesammelt werden können. Eine andere 
Vorschrift der Darstellung siehe Hdb. Bd. I, S. 223. 

Anwendung des Aloins. Dieses hat man als die Quintessenz der Aloe em- 
pfohlen. Da eine gute Aloö schon in kleinen Dosen zu 0,5 —1,0 stark purgirend 



AloS. — Alumen. 71 

wirkt, die Wirkuiig des AloKns aber keine stärker purgirende ist, die krystallini- 

sehen Alolne sogar schwächer als die Alo^ wirken, so dürfte in dem Alo'iu kein 

therapeutiBclieT Vortheil geboten sein und der Zweck der Wirkung durch Ex- 

Iraetum Alo^ sogar völlig erreicht werden. Dkagendorff beobachtete nach 

Gaben von 0,3 — 0,5 reinem Aloln nur eine schwache purgirende Wirkung und 

^\t er das Aloln aus der Socotora-Alo6 wirksamer. Barbados-Aloün und Natal- 

k\o\n äusserten fast keine purgirende Wirkung. Es ist das AloKn somit ein nicht 

^cher wirkendes und auch überflüssiges Arzneimittel, welches man wahrscheinlich 

nur sdnes Namens wegen in einem Verhältnisse zur Alo6 sich dachte, wie Chinin 

nur Chinarinde, Strychnin zum Strychnossamen. 

Abdlititnstrepfen von Albin Es&a, gegen Magenkrampf, bestehen aus 15,0 g 
Lebenselixir, 7,0 g Pomeranzentinctur, 7,0 g Mynsicht's Elixir, 30 Tropfen Opium- 
tinctur» (15,0 = 0,50 Mk.) (Qübnzel, Analyt.) 

Brana-LiTB-EUiir (6 esundheitsta feibitter) von Mansfeld-Büllner und 
Lassen (Kopenhagen) soll bestehen aus 4 Alo6 und 96 Weingeist. (110,0 = 3 Mk.) 
iWmsTEiN, Analyt.) 

Essig-Bitter (Nord-Amerika) besteht aus einer Tinctur von Alo6, Glaubersalz, 
Acaciengummi, Guajak, Essigsäure, Kohlensäure, Weingeist, mit Anisöl parfttmirt. 
(Cberbach, Analyt.) 

Pemale pills, Hoofeb's. Eine Schachtel enthält 40 Pillen im Gewicht von 
2,5 g, bestehend aus 8 Aloe, 4 Eisenvitriol, 2 Myrrhen, 4 Extract. Hellebori nigri, 
2 Seife und 1 Canella alba. 

Flvsstisetnr, allgemeiBe, Sulzbeegeb's enthält bittere und aromatische Sub- 
stanzen mit etwas Alo6 (15 g = 0,70 Mk.). Die Einnahme aus dem Vertrieb 
dieses Mittels wird zu wohlthätigen Zwecken, besonders zur Unterhaltung eines 
Lazareths verwendet. 

luikirger Tropfen, ein Theil der in Nord-Amerika vielgebrauchten Dr. Aüg. 
Köxio'schen Familien-Medicinen, besteht aus Elixir ad longam vitam, ent- 
hält aber 3 — 4 mal mehr des Löslichen aus Electuarium Theriaca, nach einer 
anderen Angabe aber mehr Lärchenschwamm, soll auch noch. Wachholderroob ent- 
halten. (30,0 = 2,20 Mk.) 

Pfcjsic balls (Purgirkugeln fflr Pferde) haben bereits S. 237, Bd. I des Hand- 
buches Erwähnung gefunden und zwar unter den Namen Englische Pferde- 
pillen, EnglischeThissicks. Sie sind keineswegs Geheimmittel und jeder 
Englische Apotheker bereitet sie nach seinem Ermessen. Ellimann veröffent- 
licht folgende Zusammensetzung: 20 Barbados-Aloä, 2Glycerin, 2Ricinusöl, 1 Ingwer. 



Alumen. 

Alaunsurrogat (von 0. EIauffmank in Niedersedlitz bei Dresden), ein 
Fällstoff für Papierfabrikanten, besteht aus einem Gemisch von Thonerdesubsulfat 
mit Infusorienerde. 

Alaunknchen, Englischej^ bestehen aus rohem Alaun mit Sand und an- 
deren ünreinigkeiten gemischt. 

Nicht Flamme fangende Zeugstoffe stellt Siebdbaht (Dresden) durch 
Tränkung der Gewebe mit Lösungen von 5 Th. Alaun *nnd 5 Th. Aluminium- 
phosphat in 90 Th. Wasser dar. Es genügt auch eine Aluminiumphosphatlösung. 

Asbestkohle sind Briquettes zur Feuerung, Asbestmasse mit bitummösen 
Stoffen durchtränkt 



72 Alumen. — Alumina. 

Colliame, ein wahrscheinlich aus Acaciengummi (10 Th.) und gebranntem 
Alaun (1 Th.) bestehendes Pulver zum Bestreuen der Wunden. 

ZahnsehSne (Kothe's, Berlin) zum Nachputzen der Zähne, ein mit Pfeffer- 
minzöl parfiimirtes Gemisch von 1 Th. Alaun und 3 Th. Kalkcarbonat (Schaedler, 
Analyt). 

Zabntropfen, Blace's, eine Mischung von 1 Th. höchst feinem Alaunpulver 
und 40 Th. Aether und 10 Th. Weingeist. 



Alumina. 

Zur Gewinnung eines reinen Thouerdehydrats behufs Darstellung 
reiner von Eisen freier Aluminiumsalze schlägt Dulca vor, die I^ösung des käuf- 
lichen gewöhnlichen Aluminiumsulfats mit einer Kalkmilch, welche aus zerfallenem 
und an der Luft längere Zeit gelegenen Aetzkalk bereitet ist, welche also auch 
Calciumcarbonat enthält, zu zersetzen, den Niederschlag mit Aetznatronlauge zu 
behandeln und die alkalische Lösung durch Kohlensäure zu zersetzen. 

Chemie und Analyse. Behufs des Nachweises und der Bestimmung de» 
Aluminiumoxyds wird das Hydroxyd (auch das getrocknete) in Barytwasser ge- 
löst und aus dieser Lösung durch Ammoniumchlorid abgeschieden (Beckmann). 

Aluminiumhydroxyd oxistirt in zwei Modificationen, als amorphes und kry- 
stalloidisches. Ersteres entsteht im statu nascendi oder existirt kurze Zeit nach 
der Fällung, geht aber dann, schneller in der Wärme durch das Stadium des 
metamorphen Zustandes in den krystallo'idischen über. Das amorphe ist in 
Essigsäure leicht, das metamorphe wenig, das krystalloidische beinah nicht lös- 
lieb. Bei 100 — 105^ C. führt wässriges Glycerin bei Gegenwart von Wasser 
und organischer Säure das metamorphe Hydroxyd in amorphes über (Hager). 

Satrona refined saponifier ist ein rohes Natronaluminat. 

Patent-Thonerde, Loewig's, Argilla diplomata Loewig. Die LoEwiG*srhe 
Patentthonerde kommt seit ein Paar Jahren in den Handel. Sie ist ein feuchtes, 
gallertartiges (amorphes) Thonerdehydrat mit circa 10 Proc. Aluminiumoxyd, oft 
kleinen Mengen Natron und Kalkerde und den Carbonaten derselben. Daher braust 
sie beim Anrühren mit Säure mitunter auf. Sie wird dargestellt durch Fällunj^ 
von Thonerdenatron mittelst Aetzkalkes, Lösen des Thonerdekalkes in Salzsäure 
uud Versetzen der Calciumchlorid und Aluminiumchlorid enthaltenden Lösung mit 
Thonerdekalk, stets unter Ausschluss von Wärmeanwendung. Aufzubewahren ist 
sie in dicht geschlossenem Gefäss und an einem kalten Orte. Nach einigen 
Wochen geht sie in den krystalloidischen Zustand über, was sie durch ein mehr 
weisses kreidiges Aussehen angiebt. 

Die Anwendung dieser Patentthonerde im pharm. Laboratorium als Klär- 
mittel bei der Reinigung des Honigs und anderer einfacher neutraler Flüssi{5- 
keiten ist zu empfehlen. Nicht anwendbar ist sie als Klärmittel von Flüssig- 
keiten, welche Farbstoffe und Säuren enthalten, wie die Säfte der Früchte. Zur 
Darstellung von Thonerdesalzen mit organischen Säuren ist sie nur dann ver- 
wendbar, wenn sie sich noch im amorphen Zustande befindet oder die Salzlösung 
einen Glycerinzusatz verträgt. 

Die Patentthonerde dient ferner als Hüllmittel von nicht sauren Arznei- 
stoffen, welche äusserlich auf die Haut wirken sollen, zu Umschlägen, Einreib- 
ungen, wenn man Fettstoffe vermeiden will, auch zur Reinigung der Haut, zur 
Beseitigung der Fettflecke etc. Im letzteren Falle bestreicht man den Fettfleck 



Alumina. — Alumina acetica. 73 

mit einer 3 mm dicken Lage und lässt diese völlig trocken werden. Endlich 
giebt diefte Thonerde mit Kalkhydrat und Wasserglas sehr gute Kitte und Ce- 
mente. 

Bezugsquelle ist die chemische Fabrik Goldschmieden bei Deutsch-Lissa 
^Schlesien), Firma Loewig & Comp. 

Plastilina, Plastillin, Modellirthon-Ersatz, wurde von F. Giebel unter- 
sucht. Diese Composition bewahrt ihre Plasticität ohne trocken oder brüchig 
zu werden. IMe Analyse ergab, dass sie aus Schwefel, fettsaurem (ölsaurem) 
Zink, un verseiftem Ocl, etwas Wachs und aus Thon in folgendem Verhältniss 
besteht: Fettsäure und Fette 51,2 pCt., Zinkoxyd 5,2 pCt., Schwefel 30,0, Thon 
13,4 pCt. Zur Nachbildung der Plastilina wurde Oelsäure (aus Olivenöl) durch 
Erhitzen mit der nftthigen Menge Zinkoxyd in das Zinksalz verwandelt, welches 
eine dem Stearin nicht unähnliche geschmeidige feste Masse darstellt. Dieses 
wurde mit dem Oel und Wachs zusammengeschmolzen, der äusserst fein gepul- 
verte Schwefel und Thon unter stetem Umrühren in die warme Masse einge- 
tragen und schliesslich das Ganze möglichst vollkommen durchgeknetet. Als 
zweckentsprechend erwiesen sich dabei folgende der obigen Analyse sehr nahe 
kommende Verhältnisse: 

300 Gr. Oelsäure \ , 150 Gr. Olivenöl \ , 250 Gr. Schwefel \ 
42 - Zinkoxyd / "^ 60 - Wachs / "^ 118 - Thon. / 

Alumina aitriea, AlDminium nitricum, salpetersaare Thonerde, Alaminiainnitrat 
(Alj(NO;,)g + 36 Aq= 1501,6) wird selten gebraucht. Da dieses Nitrat schwer kry- 
^tallisirt und auch sehr zerfliesslich Ist, so dürfte seine Darstellung ex tempore 
und zwar in Form einer 50proc. Lösung der Praxis conveniren. Als Lösung 
lä^st es sich auch aufbewahren. 

Liqaor Ahminae nitrieae mit einem Gehalt von 50 Proc. des krystall. Salzes. 
lo,5 trocknes officinelles Aluminiumhydroxyd (Alumina hydrata) werden unter 
Digestion in 65,0 reiner Salpetersäure von 1,180 spec. Gew. gelöst, durch Zu- 
:*atz von Wasser bis auf 110,0 verdünnt und dann filtrirt. Eine Aufbewahrung 
in Flaschen mit Glasstopfen ist nothwendig. Spec. Gew. 1,170 — 1,172. Die 
■"^isniatur könnte auch „Alumina nitrica. Suraatur quantitas duplex" lauten. 

Die lA")8ungen für den ausser liehen Gebrauch enthalten 10 — 20 Proc. des 
kr^'stallisirten Salzes. Sie wirken ätzend auf die Zeugfaser. Damit befeuchtetes 
I^inenzeng ist daher alsbald auszuwaschen. 

Btlns Armena (Hdb. Bd. I, S. 255) diente in alter Zeit als Farbmaterial für 
Sjieisen, wird aber heute bei einem üebermaass anderer und schönerer rother 
Farbstoffe nur noch selten angewendet. Man ti-ifft ihn an im künstlichen Choco- 
ladenmehl, im deutschen braunrothen Sago. Da dieser Bolus ohne allen Einfluss 
auf die Verdauung ist, selbst in grösseren Mengen den Magen nicht im Geringsten 
bcRchwert, er also einen höchst unschuldigen Farbstoff repräsentirt, so zeugt es 
von Unkenntniss oder Unüberlegtheit, wenn Sachverständige seine Gegenwart in 
kleiner Menge in gefärbten Genussmitteln als einen Betrug oder schädlichen Zu- 
^z declariren. 



Alumina acetica. 

Nur das Y» es^ig^üre Salz , das amorphe Aluminiumacetat , ist das offi- 
cinelle. 

Anwendung. Das Aluminiumacetat gilt bei der Wundbehandlung als ein 
Antisepticam, welches sich dadurch auszeichnet, dass es nicht giftig ist* 



74 Alumina acetica. 

Bei Gonorrhoe wird die 8 proc. Lösung mit der 10 — 15 fachen Menge 
Wasser verdünnt injicirt. Im Allgemeinen empfiehlt sich für die äussere Anwen- 
dung eine 5 — 10 fache Verdünnung. 

Innerlich giebt man von der 8 proc. Lösung 2 — 3 stündlich 0,5 — 1,0 — 1,5 
in Mischung mit Syrupus Sacchari (bei atonischen Blutungen, Diarrhoe). Die 
BuBOw'sche Lösung sollte nicht mehr in Anwendung kommen, denn sie ist ein 
schlechtes unsicheres und oft bleihaltiges Präparat. 

Liqier ilnoiinae aceticae glycerinatas. 100 Th. Kalialaun und 8 Th. 
trocknes Thonerdehydrat (letzteres mit etwas Kalialaun zerrieben und ge- 
mischt) werden in einem Glaskolben mit 160 Th. destiU. Wasser übergössen 
und unter dauernder gelinder Agitation bis zum Aufkochen erhitzt, unter bis- 
weiligem Agitiren stellt man nun zum Erkalten beiseite. Der völlig er- 
kalteten Mischung setzt man 84 Th. Natronacetat in kleinen Krystallen oder 
gröblich zerrieben hinzu und stellt unter bisweiligem Agitiren wiederum einige 
Stunden beiseite. Dann mischt man in kleinen Portionen soviel 90 proc. Wein- 
geist hinzu, dass das Totalgewicht 620 Th. beträgt. Man stellt es wieder mehrere 
Stunden an einem kühlen Orte (+ 8 bis 13®), kolirt dann durch ein dünnes, 
auf einen Glastrichter gelegtes leinenes Colatori um, presst mit äer Hand gut 
aus und filtrirt die Colatur in einem bedeckten Trichter. Das Filtrat beträgt 
410 — 420 Th. und repräsentirt eine Flüssigkeit, welche 10 Proc. wasserflreier 
2/3 essigsaurer Thonerde enthält. Dieses Filtrat wird nun mit 20 Th. verdünnter 
Essigsäure (1,040 spec. Gew.) und soviel Glycerin versetzt, dass die Mischung 
500 Th. beträgt. Diese Mischung ist an einem kühlen Orte aufzubewahren. 
Sie enthält 8 Proc. wasserleeres und circa 10 Proc. lufttrocknes Acetat. Durch 
Eindampfen, Glühen, Auswaschen des Glflhrückstandes und nochmaliges Glühen 
muss der Glührückstand mindestens 2,5 Proc. betragen. 

Liegt Löwig's Patentthonerde im amorphen Zustande vor, so ttbergiesst man 
in einem Glaskolben eine Portion derselben, welche 12 Th. wasserleerer Thonerde 
entspricht (zu erforschen durch p]rhitzen und Glühen), mit 80 Th. verdünnter 
Essigsäure (1,040 spec. Gew.) und so viel destill. Wasser, dass das Gewicht des 
Ganzen 320 Th. gleich ist. Nach kräftigem Umschütteln und 4 stündiger Mace- 
ration wird filtriii; und das Filtrat mit so viel Wasser nachgewaschen, dass das 
Filtrat 320 Th. beträgt. Das Filtrat, eine 10 proc. Tvösung darstellend, mit einem 
Gemisch aus 10 Th. verdünnter Essigsäure, 20 Th. Weingeist und 50 Th. Glycerin 
vermischt, liefern eine 8 proc. Losung des wasserfreien oder eine 10 proc. Lösung 
des wasserhaltigen ^j^^ essigsauren Salzes. Glycerin verhindert den üebergang des 
amorphen Salzes in den in Wasser unlöslichen kryst>allinischen Zustand. 

Liegt Löwig's Patentthonerde im metamorphen Zustande vor, was an der 
Aehnlichkeit mit feuchter Kreide zu erkennen ist, so verfiUirt man zur Darstel- 
lung eines 8 proc. Liquor Aluminae aceticae in folgender Weise: 

In einen Glaskolben giebt man 600 Th. des metamorphen Thonerde- 
hydrats, 400 Th. verdünnte Essigsäure (1,040 spec. Gew.), 400 Th. 
destillirtes Wasser und 150—160 Th. Glycerin, schüttelt kräftig durch- 
einander, verschliesst den Kolben mit einem Kork mit 12 — 15 Ctm. langem 
offenen (Blasrohr und setzt ihn in ein Sandbad. Man bringt die Mischung in's 
Kochen, und hin und wieder agitirend unterhält man die Kochung ungefähr 
eine Stunde. Dann wird nach dem Erkalten iiltrirt und das Filtrat nun mit 
60 Th. verdünnter Essigsäure und Wasser bis auf 2025 Th. verdünnt. 

Li<|a«r iliminae aceticae Burow (verbesserte Vorschrift). 1 Th. des Liquor 
Aluminae aceticae glycerinatus wird mit 9 Th. destill. Wasser verdünnt. 



Alumina acetica — oleYnica — sulfurica. — Ammoniacum. 76 

« 

Liquor Aliminae aeeticae Bbuns, eine 3 proc. Lösung. Sie soll darch Lösen 
nnd Mischen von 144^0 Alaun und 330,0 kryst. Bleiacetat in so \iel Wasser, dass 
die filtrirte Mischung ein Liter ausfüllt, bereitet werden. Die directe Darstellung 
dieser Lösung ans Alumiuiumacetat verdient den Vorzug. Behufs continuirlicher 
Irrigationen der flaut wird die BRUKs'sche Flüssigkeit mit der 3 — 6 fachen Menge 
Wasser verdünnt. 

■lldwasser, Rissbergeb^s (Dresden) ist eine 2,5 proc. Aluminiumacetatlösung. 
fftOOg = 5 Mark.) (E. Geissler, Analyt.) 

Die FouRNAiSE'sche Methode des Wasserdichtmachens der Gewebe 
besteht im Einweichen letzterer in einer 5 proc. Aluminiumacetatlösung, Aus- 
pressen und Trocknen bei 120 — 140® C. 

(1) Liquor stjptiens benzoinatns« (2) Syrupns Alnminae aeeticae. 

Liquoris Aliumnac aeeticae glycerinati g . g^^^j,^^' g^A 

ana oU,ü. -^ ^ ' 

Macera per diem umun, tum filtra. ^ ^ g 2-3 stündlich einen h»lben 

D. S. Mit der 5- bis 8 fachen Menge bis ganzen Esslöffel (bei Blutspeien, 

Wasser verdünnt zum Wundverband. Durchfall, profusem Schweiss etc.). 



Alnmina oleinica. 

Gewebe wasserdicht zu machen. Vergl. Industriebl. 1880 S. 63. 

Hydro fugin zum Wasserdichtmachen der Gewebe ohne die Luftcirculation 
zn behindern, besteht aus einer Lösung von Alaun, Kupfervitriol und Zinnchlorür, 
welche mit einer Seifenlösung gemischt wird. Durch diese Lösung wird das 
Gewebe einige Male gezogen und jedesmal getrocknet. 

Nach einer anderen Methode wird das Zeug zuerst mit einer dünnen schwach 
weingeistigen Seifenlösung getränkt, getrocknet und dann durch eine Alaunlösung 
gezogen. 

Alnmina snlfnrica. 

Behufs Prüfung des Aluminiumsulfats auf einen Giehalt an freier Säure ge- 
niig:t es, das Salz zu Pulver zu zerreiben und mit absolutem Weingeist auszu- 
schfitteln. Das Filtrat darf keine saure Reaction aufweisen. 

Ineralisches fiimmi. Mit diesem Namen bezeichnet J. Th. Way eine con- 
rentrirte Lösung des Aluminiumphosphats in Phosphorsäure oder Schwefelsäure, 
welche auch als Cement und Kitt Verwendung findet. 

Li^itr alminoins benzoTio-carbolisatns Bbunker wird durch Mischung von 
1<» Th. Liq. alumin. benz. Mbntel mit 3 Th. gereinigter Carbolsäure und 
wenn nöthig durch Filtration bereitet. Diese Mischung wirkt adstringirend und 
desinficirend. 



Ainmonlacnm. 

üeber die Reinigung der Gummiharze nach Eugen Dieterich (Helfenberg 
bei Dresden) vergl. man unter Galbanum. Sie ist abweichend von degenigen, 
welche die Französische Pharmakopoe angiebt und auch unter Galbanum (Supple- 
ment) Erwähnung findet. 



76 Ammonium chloratum. — Ammonium jodatum. — Ammonum. 



Ammonium chloratum. 

Besondere Verunreinigungen des Ammoniumchlorids sind Bleichlorid 
und Ammoniumnitrit. Ersteres wird sich leicht durch die bekannten Reactioncn 
auf Blei nachweisen lassen. Letzteres wurde in einer lange Zeit, aber gut auf- 
bewahrten Lösung nachgewiesen und (von Storer) als Folge von Pflanzenorga- 
nismen angenommen, welche sich in der Salmiaklösung gebildet hatten. 

Anwendung und Wirkung. Wie Adamkiewioz beobachtet hat, kann Salmiak 
als Heilmitlel bei Zuckerharnruhr gelten, indem mit der Assimilation des Ammons 
sich ein Schwinden des Harnzuckers verbindet, dass sogar bei nicht hochgradigen 
Diabetikern dieses Schwinden ein ,absolutes sein kann. Broom beobachtete nach 
vierstündlichen Gaben von 1,25 Salmiak ausserordentliche Erfolge bei Delirium 
tremens. 

Patina auf Bronce. Laut Pataky's „Metallarbeiter" soll man die Bronce- 
Gegenstände in eine I^sung von Cuprinitrat, welche mit etwas Kochsalz versetzt 
ist, tauchen oder man betupft sie gleichmässig mit dieser Lösung. Nach dem Ab- 
bürsten taucht man sie in eine Lösung von 1 Th. Oxalium, 5 Th. Salmiak in 
94 Th. Essig und bürstet sie dann wieder ab. Dieses Verfahren, einige Male 
wiederholt, soll eine sehr schöne Patina erlangen lassen. 



Ainnioniiim jodatum. 

Amraoniumtrijodid entsteht (nach G. St. Johnson) durch Sättigung 
einer Ammoniumjodidlösung mit Jod und Abdunsten der Lösung über Schwefel- 
säure behufo Krystallisation. Es enthält 0:^7:3 ^^^' *^^^' ^^ ^^* ^" wenigem 
Wasser löslich, durch vieles Wasser wird Jod abgeschieden. 

Liniment of Jodide of Ammonia, Gile's, wird durch eine Mischung aus Am- 
moniumjodid 1,8, Kampfer und Lavendelöl ana 3,88, Salmiakgeist 124,32 und 
so viel Weingeist, dass 3790,0 ausgefüllt werden, repräsentirt. (Davids, Analyt.) 



Ammonum. 



Ein Salmiakgeist von 0,880 spec. Gew. kommt im Handel vor und wird 
von den Fabrikanten künstlichen Eises gebraucht. 

Prüfung. Eine sehr scharfe Reaction auf pyrogene Producte im Aetz- 
ammon ist folgende. Man fibersättigt stark mit vcrdltnnter Schwefelsäure, welche 
sich gegen Kaliumlij-permanganat indifferent verhält, tingirt nun mit diesem Salze 
und stellt Yg Stunde bei Seite. Es tritt während dieser Zeit bei Abwesenheit 
pyrogener Producte keine Entfärbung ein. Ein Salmiakgeist, welcher diese Probe 
aushält, ist übrigens eine seltene Waare. Diese Reaction der Praxis anzube- 
quemen, wäre folgender Modus zu acceptiren: 5 CG. des 20proc. oder 10 CG. 
des 10 proo. Salmiakgeistes werden mit 20 CG. verdtinnter Schwefelsäure (1 u. 5) 
vermischt und mit 5 Tropfen der Kaliumhypermanganatlösung versetzt. Diese 
zu entfärben 'muss zugelassc^n werden. F^ntfärbt die Mischung weitere hinzuge- 
setzte 5 Tropfen der Kaliumhypermanganatlösung, so ist der Salmiakgeist für 
pharmaceutische Zwecke verwerflich. 



Ammonum. — Ammonum carbonicum. 77 

ScHWALM fand einen Salmiakgeist farblos und dennoch kupferhaltig. Die 
Farblosigkeit erklärt sieh aus dem gleichzeitigen Gehalt dieses Salmiakgeistes 
an Cyan, denn die Cyankupferammoniumverbindung ist farblos. 

Zur Prüfung auf Anilin und ähnliche Basen neutralisirt man mit Schwefel- 
säure^ concentrirt die Flüssigkeit und versetzt einen Theil mit Kaliumdiehromat, 
den andern mit etwas Chlorkalklösung. 

Galinsgerbsäure fällt in nicht verdünnten Flüssigkeiten das Ammon, welches 
an schwache Säuren, wie z. B. Essigsäure, gebunden ist. Man verwechsele 
die4%n Niederschlag nicht mit den ähnlichen Fällungen aus Alkaloidlösungen 
(Haoer). 

Gegen Alopecie (das zu starke Ausfallen der Kopfhaare) empfahl Euasmus 
Wii^soN zur Waschung der betreffenden Hautstellen eine Mischung aus gleichen 
Theilen Salmiakgeist, Süssmandelöl und Chloroform mit einem fünffachen Volumen 
Rüsmariespiritus. Diese Flüssigkeit wird mit einer Bürste aufgetragen. Bei 
kahlen Stellen soll eine Mischung aus Campfer, Salmiakgeist, Chloroform und 
Aconittinktur den Haarwuchs wieder hervorrufen. Dass Ammoniumcarbonat den 
Haarwuchs fördert, hat Hager bereits im Handb. Bd. I, S. 298 erwähnt und 
hält er die oben angegebene Mischung für eine zu reizende, daher schlägt er vor, 
5 Th. Salmiakgeist, 2 Th. Mandelöl, 1 Th. Chloroform mit 10 Th. Hoffmann's 
Lebensbalsam, 20 Th. Weingeist, und 20 Th. Rosenwasser gemischt anzuwenden. 
Vor jeder Anwendung ist ein kräftiges Ümschütteln nothwendig. 

Vergiftungs fälle in Folge Einführung von Salmiakgeist in die Ver- 
danungswege sind mehi'ere beobachtet worden. Nach dem Einnehmen von 45 g 
Salmiakgeist erfolgte trotz Trinkens von Wasser, Essig, Milch und der Wirkung 
eines Brechmittels nach 32 Stunden der Tod. 



Liqif r immonii anisatas. Die Zusätze zur Ph. Austriaca führen diesen Liquor 
auf, lassen aber (damit doch eine Uebereinstimmung mit deu Vorschriften anderer 
Pharmakopoen vermieden werde) 6,0 Anisöl mit 25,0 Salmiakgeist und 100,0 
Weingeist mischen. 

neekwasser, Englisches, besteht aus 100,0 Weingeist, 30,0 Salmiakgeist und 
•4,0 Benzol. (Artus, Analyt.) 

latertropfen, Dr. Worm's (Firma Worm & Schoenau in Oberweissbach), 
t'in Gemisch aus Aetzammon, Essigäther, aromatischer und Pomeranzen-Tinktur. 
Dtn Käufern der Tropfen wird empfohlen, den gastrisch-biliösen Zustand durch 
einige Tropfen Salzsäure in Wasser genommen zu beseitigen. (Industriebl. 1880 
Nro. 11.) 

Kestiintif islittid, Simon's, eine trübe bräunliche Flüssigkeit, besteht aus 8 Th. 
Amikaaufgnss, 1 Th. Kampferspiritus, 1 Th. Salmiakgeist und 1 Th. Koch- 
salz, Wird mit der 7 fachen Menge Wasser verdünnt angewendet. (Roll und 
S<!UNRiD£R, Analyt.) 

Trtuiehaehtesseiiz des Parfümeurs Russ ist eine Mischung von Salmiakgeist, 
Minzöl und Weingeist, vielleicht in einem Verhältniss von 20 : 1 : 100. 



Ammonum carbonicum. 

lieber die chemische Zusammensetzung des Ammoniumcarbonats des Handels 
stellte U. VoGLEB folgende Experimente an. 

Grossere Stücke der ganz weissen krystallinischen durchscheinenden Masse 
vorden durch Abschlagen mit dem Meissel von der verwitterten äusseren Rinde 



78 Ammon. carbonicum. — Ammon. molybdaenic. — Ammon. nitricum. 

befreit, nur der unverwitterte Kern zerkleinert und dieser der Analyse unter- 
worfen. Aus derselben ergab sich die Formel (0 = 8) NH4 0,HO,2C02 + 
2(NH3,C02) = 157. Dasselbe Salz wurde dann 15 Tage lang über Schwefel- 
säure unter einer Glasglocke der Verwitterung überlassen, wonach der Rückstand 
nur noch 32,6 Proc. von der ursprünglichen Menge betrug. Die Zusammen- 
setzung entsprach dann annähernd der Formel NH40,HO,2C02 = 79. Dieses 
verwitterte Salz ist aber nicht, wie bisher angegeben wurde, luftbeständig, son- 
dern verdunstet langsam schon bei gewöhnlicher Temperatur. 

Receptur. Bei Verordnung des Ammoniumcarbonats in Arzneimischungen 
sind selbstverständlich saure Substanzen zu vermeiden. Zu den sauren Sub- 
stanzen muss auch Gummi Arabicum und der Syrupus gummosus gerechnet 
werden, welche bei einer Wärme von circa 20^ C. eine reichliche Absonderung 
von Kohlensäure veranlassen. Die bei niedriger Temperatur (z. B. bei + 8 bis 
10® C.) bewirkte Mischung entwickelt kaum Spuren Kohlensäure. In einer dicht 
verkorkten Flasche in die Temperatur eines sehr warmen Zimmers translocirt, 
tritt sehr leicht die Kohlensäureentwickelung ein und die Flasche wird zersprengt. 
Eine solche Mischung wäre bei der Bereitung auf unge&hr 25^ C. zu erwärmen, 
obgleich es auch Sorten des Acaciengummis giebt, welche sich nicht gegen 
Ammoniumcarbonat sauer verhalten. 



Hakt. Unter diesem Namen versteht man ein Pestpräservativ, welches auf 
der Brust getragen wird. Zwischen zwei runden Lederscheiben mit eleganter 
Umhüllung und Einfassung befinden sich 2 — 3 g mit Carbolsäure und Rosenöl 
parfdmirtes AmmoniumdicArbonat. Es wurde in Berlin in den Apotheken gefordert. 



Ammonum molybdaenicum. 

HuB£B*s Reagens besteht aus einer Mischung einer Lösung des Ammou- 
molybdänats mit einer Lösung des gelben Blutlaugensalzes (Kaliumferrocyanid). 
Setzt man von dieser klaren, gelblichen Flüssigkeit zu einer farblosen, wässrigen 
Flüssigkeit, welche für sich oder neben Salzen der Alkalien und Erden nur eine 
geringe Spur freier Mineralsäuren (Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Phos- 
phorsäure, Arsensäure, Schwefligsäure, Phosphorigsäure) enthält, so tritt sofort 
eine röthlich gelbe, bei grösseren Spuren Säure eine mehr oder weniger dunkel- 
braune Färbung, resp. Trübung ein, welche aber durch den geringsten Ueber- 
schuss Alkali wiederum verschwindet. Borsäure und Arsenigsäure geben keine 
Reaetion. 

Dieses Keagens düifte sich als Indicator in der Acidimetrie und Alkali- 
metrie verwerthen lassen. 



Ammonam nitricum. 

• 

UeberStickoxydulgas undStickoxydulwasser hat Clamor Wikklkr 
eine Abhandlung veröffentlicht, aus welcher zu entnehmen ist, dass dieses Gas 
jetzt in eisernen oder kupfernen Flaschen, die unter einem Druck von 50 Atmo- 
sphären gefiült werden, als Flüssigkeit in den Handel kommt. Der Preis be- 
trägt pro Liter Stickoxydulgaa ungefähr 8,8 Pf. ohne Flasche. Um Gaserspamiss 
herbeizuführen, hat man wohl hier und da Einrichtungen getroffen, das von den 
Patienten ausgeathmete Gas wieder aufzufangen und durch Kalkmilch zu reinigen, 
um es von Neuem zu verwenden. Wird das Gas in völlig reinem Zustande 



Ammoniun nitricum. — Ammonum phoBphoricum. — Amygdalus. 79 

eingeathmety so tritt Bewnsstlosigkeit ohne vorhergehende Heiterkeit ein. l£an 
verwendet es jedoch nie rein, sondern immer mit Yio ^^^ V* Volumen Luft ver- 
miseht Zur Hervorbringung einer totalen Narcose sind ungefähr 22 — 26 Liter 
Gas nothwendig. Nach £. Andrews kamen vor: 1 Todesfall auf 2723 Nar- 
cosen mit Chloroform, 1 Todesfall auf 5588 Narcosen durch eine Mischung von 
Chloroform und Aether, 1 Todesfall auf 7000 Narcosen mit Methylendichlorid, 
1 Todesfall auf 23,200 Narcosen mit Aether, kein Todesfall auf 75,000 Nar- 
ctysesi mit Stickoxydul. 

Dr. Schub in Stettin hat auf Anregung Anderer jetzt die Fabrikation des 
Gases selbst, als auch die Darstellung von Wasser, das mit Stickoxydul unter 
Druck gesättigt ist, aufgenommen. Doch erfüllte das mit Stickoxydul beladene 
Wasser die Erwartungen bezüglich seiner anaesthesirenden Wirkung nicht, was 
sich ja auch leicht erklären lässt, wenn man die zur Narcose nothwendigen 
Mengen des Gases erwägt. In einer Flasche von Y« Liter Inhalt sind ungefthr 
0,97 Liter Stickoxydul enthalten. 

Die Anwendung des Stickoxydulgases als Anaestheticom ist contraindicirt bei 
Personen, welche an Gehimcongestionen leiden und ein sehr reizbares Central- 
nervensystem vermuthen lassen. 

B. Bebt schlägt (Compt. rend. 1878) vor, das Stickoxydul mit einem glei- 
chen Volnmen atmosphärischer Luft behufs Anaesthesirung einzuathmen. 

Menke will eine krystallisirte Verbindung des Stickoxyduls mit Natrium- 
oxyd entdeckt haben, doch ist Näheres nicht bekannt geworden. 



Besinfeeting Ptwder besteht aus mit Eisenoxyd überstäubten kleinen Am- 
moniomnitratkiystaUen. Zum Gebrauch streut man davo^ auf glühende Kohlen. 
(Hekrt B. Pabsons, Analyt.) 

Ammonum phosphoricnm 

Bd. I, S. 307. Ammoniumphosphat ist in neuerer Zeit wieder als ein Mittel 
empfohlen worden , die Zeugfaser, Papier etc. vor dem Brennen mit Flamme zu 
bewahren. Nach Siebdbaht genügt eine Tränkung mit 5proc. Salzlösung. 
Daas die Beimischung des Phosphats zur Stärke den Zweck nicht erreichen lässt, 
idt an bezeichneter Steile bereits erwähnt. 



Amygdalns. 

Zur Prüfung des fetten Mandelöls mit Schwefelsäure ist zu beachten, 
dass es einige kleine Bittermandelsorten giebt, welche hier eine Braunfärbung 
eintreten lassen. 

Von J. D'. BiEBEB (Hamburg) ist eine Prüfung behuf^ Unterscheidung des 
Mandelöls vom Pfirsichkernöl bekannt gemacht worden. Das Reagens ist eine 
Mischung ans gleichen Theilen conc. Schwefelsäure, rauchender Salpetersäure 
und Wasser. Es wird kalt angewendet. Im Yerhältniss von 5 Th. Oel auf 
1 Th. des Reagens giebt: Reines Mandelöl: ein schwach gelblichweisses Lini- 
ment, Pfirsichkernöl wird sofort pfirsichblüthroth, später dunkler orange, Sesamöl 
wird anfongs blassgelbroth, später schmutzig orangeroth, Mohnöl und Nussöl aus 
Wsllnüssen giebt ein etwas weisseres Liniment als Mandelöl. 

Mit reiner Salpetersäure von 1,40 spec. Gew. gemischt, giebt Mandelöl ein 
blagg gelbUches Liniment, Pfirsichkernöl sofort ein rothes Liniment, Sesamöl wird 



ÖÖ Amygdalus. 

schmutzig grünlich gelb, später röthlich, Mohnöl und Nussöl geben ein ganz 
weisses, Bucheckeröl ein röthliches Liniment. 

In Frankreich und Italien benutzt man noch mehrere Oelsamen, welche ein 
dem Mandelöl nahestehendes Oel liefern, zu denen in erster Linie die Zirbelnüsse 
oder Pinienkeme gehören, üeber das Verhalten dieses Gels gegen Reagentien 
ist jedoch nichts Näheres bekannt. 

Uhrmachern. Die Vorschrift zu demselben Bd. I, S. 319 des Handb. d. 
ph. Prax. ist zu verwerfen und dafür zu setzen. Frisch gepresstes fettes Oel 
aus süssen Mandeln wird mit 5 Proc. eines dickflüssigen Paraffinöles und 
10 Proc. Rinderklauenfett versetzt und 100 Th. des Gemij^ches mit 10 Th. zu 
einem höchst feinen Pulver zerriebenen Natronbicarbonats wiederholt durch- 
schüttelt, hierauf 2—3 Wochen beiseite gestellt, um dann das klare Oel zu dccan- 
thiren. Das Oel für Stubenuhren, überhaupt grössere Uhren wird aus GO Th. 
Oel aus süssen Mandeln, 50 Th. Provenceröl, 10 Th. Rinderklauenfett und 
10 Th. dicklichem Paraffinöl gemischt und in gleicher Weise mit 15 Th. Natron- 
bicarbonat behandelt. * 

Amygdalin in die Verdauungswege eingefllhrt wirkt giftig, nicht bei sub- 
cutaner Injection. 0,4 — 0,6 t()dteten Kaninchen. In den Verdauungswegen ist 
also ein StoflF gegenwärtig, welcher wie das Emulsin auf das Amygdalin wirkt 
(MoERiGiA und Ossi). 

Dass Amygdalin im Wickensamen vorhanden ist, wurde von Ruthauskn 
und Kreuhlea (1874) nachgewiesen. 

Aqua Amygdalaram amaramm. Man bringt mitunter das bei Bereitung des 
Bittermandelöls gewonnene destillirte Wasser als Bittermandelwasser in den 
Handel. Wenn es von dem vorschriftsmässigen Gehalte ist, dürfte seiner Ver- 
wendung nichts entgegenstehen. 

Prüfung des ätherischen Bittermandelöls. Hier ist eine Voi*prüfung 
zu erwähnen. Diese besteht darin, dass man ein Gemisch aus 5 CC. 90 proc. 
Weingeist und 5 CC. destill. Wasser (also 10 CC. eines 45 proc. Weingeistea) 
in einem engen Reagircylinder mit 10 Tropfen des Oeles versetzt, dann den 
Cylinder mit dem Finger schliesst und nur durch ein zweimaliges sanftes Um- 
wenden die Mischung bewirkt. Reines Bittermandelöl löst sich in dieser Weise 
sofort vollkommen klar. Enthält es Nitrobenzin, selbst nur 1 Proc., so sondert 
sich dieses ab und schwimmt, die Flüssigkeit anfangs trübend, nach Verlauf einer 
Minute in Form sehr kleiner Tröpfchen in der sanft bewegten Flüssigkeit, welche 
Tröpfchen sich in der Ruhe am Boden des Reagircylinders zu grösseren ansammeln. 
Würde sich das Bittermandelöl nur trübe lösen, so wäre das auch eine Andeu- 
tung einer Verfillschung mit anderen ätherischen Oelen. Da das Bittermandelöl 
die 16 — 17 fache Menge 45 proc. Weingeist zur Lösung beansprucht, so kann 
damit auch eine quantitative Bestimmung des ihm beigemischten Nitrobenzins er- 
möglicht werden. Däagendokff's Prüfungsmethode vergl. unter Nitrobenzin. 

Ein Bittermandelöl, welches sich in seiner 20 fachen Menge eines 45 proc. 
Weingeistes bei kurzer sanfter Agitation nicht sofort klar löst, ist einer Ver- 
fälschung verdächtig und daher zu verweisen. 

Seit einigen Jahren soll in Frankreich ein Bittermandelöl in den Handel 
kommen, welches solches nicht ist, auch nicht die Oele aus Kirschlorbeerblättem, 
oder den Samen der Pfirsiche und Aprikosen repräsentirt. Seine Abstammung ist 
nicht bekannt. Boyveau sagt davon: Echtes Bittermandelöl hat ein spec. Gew. 
von 1,045—1,060, das nicht echte Oel ein Gewicht von 1,029—1,030. Das 
unechte Oel hat einen minder angenehmen und auch schärferen Geruch, was 
man beim Tröpfeln auf Papier und Abdunstenlassen an der Luft erkennt. Beim 



Amygdalus. — Amylaether nitrosus. 81 

Venmacben des echten Bittermandelöls mit einem gleichen Volumen conc. Schwe- 
tel^uTe erfolgt eine rothe Färbung der Mischung, welche zwar nach und nach 
dunkler wird, aber dünnflüssig und klar bleibt. Das unechte Oel färbt sich 
mit Schwefelsäure zwar auch roth, die Mischung wird aber dann braun, trübe 
und dick und bildet nach einem Tage eine starre bräunliche Masse. Aetherisches 
Pfirsich- und Aprikosenöl verhalten sich wie das Bittermandelöl, die Mischung 
mit Schwefelsäure wird aber schneller dunkelroth und dickfliessend, bleibt jedoch 
klar. EirschloTbeeröl verhält sich ebenso wie die beiden vorbemerkten Oele, nur 
ist die Mischung mit der Schwefelsäure alsbald sehr dunkelroth. Enthält das 
eine oder das andere dieser Oele etwa 25 Proc. des unechten Bittermandelöls, 
Bo 0Lrbt sich die Mischung mit Schwefelsäure nicht nur braun, sondern wird 
auch trübe. 

Christofia, ein Magenwein, bereitet aus ca. 1500 Th. Weiss-Wein, 20 Th. Zimmt, 
10 Th. Gewürznelken, 60 Th. bitteren Mandeln, 300 Th. Zucker und 500 Th. 
Weingeist. (Hages, Analyt.) 

Amylaether nitrosus. 

Darstellung des Amylnitrits. Greene empfiehlt die Darstellungs weise aus 
Kalinmnitrit, Schwefelsäure und Amylalkohol. Das Kaliumnitrit dargestellt durch 
längere Dunkelrothgluth des Kaliumnitrats genügt. Die Substanzen, die Säure 
mit gleichviel Wasser verdünnt, werden der Destillation aus dem Wasserbade 
unterworfen. Zwischen 90 — 100<^ C. destillirt das Amylnitrit mit wenigem Wasser 
über. Das Verhältniss der Substanzen ist folgendes: 90 Th. des in ein Pulver 
verwandelten Kaliumnitrits werden mit 100 Th. Amylalkohol in einer Retorte 
durchmischt, dann nach Verlauf einer halben Stunde allmählich mit 60 Th. Eng- 
lischer Schwefelsäure, v.erdünnt mit 50 Th. Wasser, versetzt und gemischt. 
Wendet man in Stelle einer Retorte einen Glaskolben an, so ist es zweckmässig, 
wenn dieser einen sehr kurzen Hals hat. Eine Retorte hat immer den Vorzug. 
Das Destillat wird, um es von Feuchtigkeit zu befreien, mit zerfallenem und aus- 
getrocknetem Glaubersalz, dem eine ausreichende Menge Calciumcarbonat zuge- 
setzt ist, macerirt und geschüttelt und einer Rectification aus dem Wasserbade 
unterworfen. 

Der Siedepunkt des reinen Amyläthemitrits oder Amylnitrits liegt nach 
BaIäABD bei 96^ C. Eine Zersetzung des Amyläthemitritdampfes bei der Destillation 
findet nicht statt (Greene). Was bei der Destillation bis zu 90^^ C. überdestillirt, 
ist nicht Amyläthernitrit. Die Verunreinigung mit Amyläthemitrat ist nur eine 
unbedeutende, insofern der Siedepunkt dieses Nitrats bei 140 — 148^ liegt. 

Das spec. Gew. des Amylnitrits ist nach Dott 0,877. Die Haltbarkeit 
des Amylnitrits wird gesichert durch ein vollständiges Entwässern. Vor der 
Rectification ist die Flüssigkeit circa 24 Stunden hindurch mit dem geschmolzenen, 
in kleine Stückchen verwandelten Calciumchlorid im Contact zulassen und öfters 
damit nmznschütteln. 

Prüfung. Amylnitrit enthält, wie angegeben wird, mitunter freie Blausäure 
als Nebenproduct aus der Einwirkung der Salpetrigsäure auf Amylalkohol. Spuren 
mflssten als unvermeidliche zugelassen werden, doch konnten in dem nach den 
zwei verschiedenen Methoden dargestellten Amylnitrit auch nicht Spuren Cyan- 
wasserstoff aufgeAinden werden. Man verdüunt 10 Tropfen Amylnitrit mit dem 
10— löfiichen Volnmen Weingeist und versetzt mit 2—3 Tropfen Silbernitrat- 
lösung. Da Chlorwasserstoff als Verunreinigung im Amylnitrit nicht vorkommt, 
80 würde eine weisse Trübung oder Fällung Cyanwasserstoff anzeigen. Ein altes 

Hager, Pharm. Praxis. Snppl. 6 



82 Amylaether nitrosus. — Amylum. 

verdorbenes Amylnitrit enthält Yaleriansäure , leicht am Geruch zn erkennen, 
wenn man einen Tropfen auf der Handfläche verreibt. 

Anwendung. Amylnitrit hat sich zu 1 — 2 — 3 Tropfen innerlich genommen 
bei Antritt eines epileptischen Anfalles nützlich erwiesen. Ausserdem ist die 
Einathmung des Dampfes von 1 — 2 Tropfen ausreichend , den Anfall zurückzu- 
halten. Vorsicht ist nothwendig und in allen Fällen der Anwendung zuerst nur 
zwei Tropfen zu versuchen. Wenn sich danach keine widerwärtigen Neben- 
wirkungen ergeben, so steige man bis zu 3—4 Tropfen. Es ist angezeigt, das 
diluirte Amylnitrit zu verwenden. Zu Inhalationen ist es viel benutzt worden. 
Hervorzuheben sind Seekrankheit, Zufälle bei Herzfehler, Neuralgien, Starr- 
krampf, Chloroform-Asphyxie, Asthma. Die subcutane Anwendung hat keinen 
Heilerfolg ergeben. 

Amylaether nitrosns dilntus. 

ly- Amjrlaetlieris nitrosi 

Spiritus Vinl absolut! ana 2,5. 

M, D. S. 2—3—4 Tropfen innerlich, 
5 — 8—10 Tropfen auf Leinwand zur Inha- 
lation. 



Amylnm. 

Satal-irrow-root, Port Natal-Arrow-root, kommt mitunter in den Euro- 
päischen Handel. Die Stärkemehlkömchen sind ziemlich gross, der Bermuda- 
sorte ähnlich, aber in ihrer Form vieleckiger, mitunter spitzer, überhaupt un- 
förmiger. 

Stärkemehl ergiebt durch die Einwirkung heisser verdünnter Schwefelsäure 
oder der Diastase folgende Producte: 1) Lösliches Stärkemehl, unlöslich in 
kaltem, löslich in 50 — 60® C. warmem Wasser. Es wird im trocknen Zustande 
durch Jod blau, im gelösten weinroth gefärbt. Optisch rechtsdrehend, auf ka- 
iische Kupferlösung reducirend wirkend. — 2) Erythrodextrin wird durch 
Jod roth gefärbt (daher sein Name). Es ist in kaltem Wasser nicht unlöslich. 
Es soll den grössten Theil des käuflichen Dextrins ausmachen. Optisch rechts- 
drehend, auf kaiische Kupferlösung reducirend wirkend. — 3)Achroodextrin 
a wird durch Jod nicht gefärbt, durch Diastase schwieriger als die beiden vor- 
hergehenden in Olykose übergefilhrt, ist optisch rechtsdrehend und wirkt stark 
reducirend auf kaiische Kupferlösung. — 4) Achroodextrin ß unterscheidet 
sich von der vorhergehenden Modification a durch seine Resistenz gegen Dia- 
stase im Verlaufe von 24 Stunden. — 5) Achroodextrin y unterscheidet sich 
dadurch, dass Diastase ohne Wirkung darauf ist, aber im Verlaufe mehrerer Stunden 
durch verdünnte Schwefelsäure in Glykose übergefilhrt wird. — 6) Maltose 
(C12H22O11 + H2O). IndiflFerent gegen Diastase, aber nicht gegen verdünnte 
Schwefelsäure, leicht gährungsföhig. Ist in Weingeist schwerer löslich als — 
7) Glykose (CeHjjOß + H2O). (Musculus und D. Gruber.) 

Nägeli giebt dem Stärkemehl die Formel CselleiOßi also = (CeHioOj)^ + 
H2O. Zur quantitativen Bestimmung verwandelt man die Stärke, welche bei 
100 bis 110^ C. getrocknet ist, in Glykose und berechnet daraus den Stärke- 
mehlgehalt. 

1) CßHioOs + H2O = CßH^aOc od. 2) C-^^.B^^Ozi + öHjO = GCCeHijOe) 
162 -f 18 = 180 990 + 90 = 1080. 

Im ersteren Falle berechnet sich aus 100 Th. Glykose 90 Th. Stärkemehl, 
im anderen aber aus 100 Th. Glykose 91,667 Th. Stärkemehl. 



Amylam. 83 

Die Ueberfühning der Stärke in Glykose erfolgt in einer reichlichen Menge 
einer 2^/^ proc. Salzsäure unter 3 stttndigem Erhitzen im vollheissen Wasserbade. 
Das Qefäss (Glaskolben) ist mit Rllckflusskühler versehen. Kartoffelstärke lässt 
hier einen geringen ungelösten Rückstand. Das Filtrat wird mit Kali neutrali- 
sirt, auf ein gewisses Maass (bei 2,5 g Stärke auf 500 CC.) gebracht und nach 
üblicher Weise der Glykosegehalt bestimmt. Kaiische Kupferlösung und kaiische 
Jodquecksilberlösung lieferten gleiche Resultate , welche sich der Formel 2) an- 
schlössen^ wesshalb Sachsse diese für die richtigere hält. Da die bei 100 bis 
HO* C. getrocknete Stärke mit Wasser Übergossen bedeutende Wärmeentwicke- 
lung verursachte, so hält er die Verbindung der Stärke mit Wasser für eine 
chemische. Da lufttrocknes Stärkemehl circa 17^5 Proc. Wasser enthält, so 
wäre in derselben ein Hydrat von der Formel C3eHe203i + 12H2O anzunehmen. 
Nach Musculus und Gbubeb wäre diese Formel noch zu verdoppeln, um das 
Molecnlargewicht zu erlangen, also. = 072^124062* 

Nach ZuLKOWSKT wird das Stärkemehl durch Erhitzen in der 20 fachen 
Menge Glycerin bis auf 190^ C. in lösliches Stärkemehl übergeführt und 
kann mit Weingeist ausgefällt werden. Seine frische wässrige Lösung trocknet 
zu einer glasartigen Masse ein, welche in Wasser nicht mehr löslich ist. Das 
mit Weingeist gefällte trocknet zu einer kreidigen, in Wasser unlöslichen Masse 
ein. Die wässrige Lösung der löslichen Stärke wird durch Jod blau gefärbt und 
durch Kalk- und Barytwasser gefällt. 

Bestimmung des Stärkemehls im Getreidemehl. Zu derselben empfiehlt 
Sachs8£ behnfs der Inversion nicht Schwefelsäure, sondern Salzsäure anzuwenden, 
auf 1,0 g Amylum (völlig ausgetrocknetes) 80— 100 CC. Wasser und 8— 10 CC. 
2.3 proc. Salzsäure. Unter 3 stündigem Kochen in einem Kolben mit Rückfluss- 
rohr erfolgt volle Ueberführung in Glykose. Die auf 200 CC. gebrachte Flüssig- 
keit wird mit kalischer Kupferlösung titrirt. 

Eine lufttrockne Stärke enthält durchschnittlich 16 Proc. Feuchtigkeit. Ihre 
Formel wäre demnach CseHeoOso + lOH^O = 1152. Die Aschenmenge variirt 
zwischen 0,15 — 0,3 Proc., die bei der Glykosificirung verbleibende unlösliche 
Menge Zellmembran 0,3 — 0,6 Proc. 

Bestimmung der Protelnsubstanz in den Cerealien und den stärkemehl- 
haltigen Stoffen, welche als Nahrungsmittel dienen. Sie geschieht in vielen 
Fällen, wenn es nicht auf grosse Genauigkeit ankommt, durch Subtraction der 
Summe der Procentgehalte an Wasser, Fett, Stärkemehl, Zucker, Gummi, Cellu- 
loäe, Asche etc. von 100 Th. der analysirten Substanz. 

Den Nährwerth jener Substanzen pflegt man gewöhnlich nach dem Stick- 
stoffgehalt zu bemessen. Die Bestimmung desselben geschieht am besten nach 
der WiLii-VARRENTEAPp'schen Methode, Verbrennung mit Natronkalk und 
Anffangen des gebildeten Ammons in titrirter Schwefelsäure, welche mit Aetz- 
barytlösnng znrOcktitrirt wird. Natronkalk ist ein Gemisch aus 2 Th. Aetz- 
kalk und 1 Th. geschmolzenem Aetznatron. In eine 55 — 60 Ctm. lange, 1,2 — 
1.0 Ctm. weite Röhre aus hartem Glase werden 1 — 2 g ammonfreies Calcium- 
oxalat, dann 18 — 20 Ctm. der Röhrenlänge Natronkalk in kleinen Stückchen, 
hierauf 0,5 — 1,0 — 2,0 der zu analysirenden Substanz gemischt mit der 15 — 
20 fachen Menge Natronkalk, so dass das zweite Drittel der Röhre damit gefüllt 
ist. Auf diesen Theil kommt noch eine Lage Natronkalk und ein loser Asbest- 
pfropf. Das Rohr wird mit einer dreikugeligen Röhre mit 10 CC. Normal- 
Schwefelsäure (*Viooo) "^^ öiner Vorlage etc. verbunden. Das Nähere über 
Handhabung und Zusammenstellung des Apparats sehe man in den Werken 
FresivNIUs' nach. 



84 Amylam. 

Die Stickstoffsubstanzen sind hier Albumin, Casel'n (Legumin, Conglutin^ 
Gluten-CaseXn), Kleberprotetnstoffe (Glutenfibrin, GUadin oder Pflanzenleim, Muce- 
din). Sie enthalten 15 — 19 Proc. Stickstoff. Eine kurze Methode der Bestimmung 
der Summe dieser Proteüikörper ist nicht bekannt. Werden 10 g Weizenmehl 
(Kemmehl) mit läo CC. Wasser und 10 CG. verdünnter Schwefelsäure erst im 
Wasserbade erhitzt, dann 1 Stunde im Sandbade gekocht, so erlangt man eine 
dünne Flüssigkeit mit Bodensatz. Nach dem Erkalten wird dieser im Filter ge- 
sammelt, ausgewaschen, mit einem Messer vom Filter in eine Schale übertragen, 
ausgetrocknet und gewogen. Hiermit verbindet man die Parallelversuche mit 
bekannter Mehlsubstanz und gewinnt damit Momente in Betreff der Beurtheilung, 
ob das Mehl ein gröberes oder feineres, sogenanntes Kemmehl ist, welches letztere 
immer einen geringeren Bodensatz erwähnter Art liefert als das gröbere Mehl. 
Weizenmehl und Roggenmehl verhalten sich in dieser Probe auch verschieden. 
Es wird nämlich Roggenkemmehl häufig als Weizenmehl verkauft. Dieser trockne 
Bodensatz ist bei Weizenmehl gelblich, bei Roggenmehl braun, beim trocknen 
Weizenmehl beträgt er 7,5 — 10 Proc, bei trocknem Roggenmehl 5,5 — 7,0 Proc. 
Diese Procentzahlen mit 1,15 multiplicirt ergeben annähernd den Procentgehalt 
des Stickstoffs im getrockneten Mehle. Der Beweis dafür wurde in 2 Weizen- 
mehl- und 2 Roggenmehlproben geliefert. Die Differenzen ergaben sich in der 
2. Stelle, einmal in der 1. Stelle nach dem Komma in der Procentzahl. Die 
Mehle waren bei einer Wärme von 35 — 40® getrocknet (Hagee). 

üeber die Bestandtheile der Cerealien und deren Mehle vergl. Chemie der 
menschlichen Nahrungs- und Genussmittel von Dr. J. König 1880. 

Der Feuchtigkeitsgehalt der Cerealien und Stärkemehlsubstanzen ist ein 
verschiedener, weil sich die Hygroskopicität der Stärkemehle verschieden kräftig 
erweist und dies um so mehr, je feuchter und je kühler oder je trockner und 
wärmer die umgebende Luft ist. Dieser Umstand ist da von Wichtigkeit, wo 
diese Substanzen nach dem Gewichte verkauft werden. 1000 Kilogr. Roggen 
können auf einem zweiwöchentlichen Transport bei trockner Sommerwitterung an 
dem Orte seiner Bestimmung angelangt z. B. nur noch ein Gewicht von 
950 Kilogr. aufweisen. Dasselbe Quantum im lufttrocknen Zustande verladen 
kann auf dem Transporte bei zweiwöchentlicher nasser Witterung auch z. B. 
50 Kilogr. mehr betragen. Nach den Resultaten einer grossen Anzahl von Ana- 
lysen beträgt der Feuchtigkeitsgehalt lufttrockner Cerealien und Stärkemehle von 





Minimum 


Maximum 


Mittel 


Weizen 


6 Proc. 


20 


Proc. 


13 Proc. 


Weizenmehl 


8 - 


20 


- 


14 - 


Weizenstärke 


7 - 


19 


- 


13 - 


Roggen 


8 - 


20 


- 


14 - 


Roggenmehl 


9 .- 


21 


- 


15 - 


Hafer 


7,6 - 


16 


- 


11,8 - 


Hafermehl 


9 - 


18 


- 


13,5 - 


Gerste 


7,6 - 


21 


- 


14,3 - 


Malz 


7 - 


12 


- 


9,5 - 


Mais 


8 - 


22 


- 


15 - 



Je nach der Verpackung ist das Austrocknen wie das Aufnehmen der 
Feuchtigkeit erschwert oder nicht erschwert, im Ganzen erfolgten diese Vorgänge 
immer langsam. Bei dichter Verpackung kann dieser Vorgang sich nur um 
einen Bruchtheil eines Procentes handeln, bei undichter Verpackung in 5 Tagen 
um 1 — 2, in offner freier Lage in 5 Tagen um 3 — 4 Proc. Soll sich das ganze 
Maass der Differenz zwischen Minimum und Maximum des Feuchtigkeitsgehaltes 



Ajnylum. 85 

aiifiMWen, so gehören dazu immer mehrere Wochen Zeit und während derselben 
die Dauer emer und derselben Witterung. Der mittlere Feuchtigkeitsgehalt ist 
a\s der normale zu betrachten. 

Bestimmung der Aschenbestandtheile des Mehles oder Brotes (Handb. 
Bd. I, S. 345). Dieselbe ist wegen der nothwendigen Einäscherung des Mehles 
oder Brotes stets eine sehr schwierige; selbst die Einäscherung eines Ge- 
misches aus Mehl und Ealiumnitrat (völlig trocknem) oder Ammoniumnitrat bei 
albn&hlichem Eintragen in einen glühenden Tiegel verläuft unter heftigem Sprühen. 
Der damit verbundene Verlust kann durch eine 8 — lOCtm. breite auf den 
Tiegelrand gesetzte Manchette aus dünnem Blech allenfalls verhütet werden. 
Das Mehl ist zuerst in Kohle zu verwandeln und diese mit Ammoniumnitrat 
innig zu vermischen. Einfacher ist die Einäscherung, wenn man das Mehl oder 
Brot mit circa 20 Proc. einer 25 proc. Salpetersäure tränkt, trocken macht und 
in einem geräumigen porcellanenen Gefäss verkohlt, dann die kohlige Masse 
wiederum mit Salpetersäure tränkt, in einem porcellanenen Gefäss bei gelinder 
Wftrme eintrocknet und noch warm anzündet und schwach verglüht, endlich die 
Asche im Platintiegel vollständig entkohlt. 

Kommt es nur auf die Erforschung und Bestimmung beigemischter Mineral- 
subetanzen an, so wird das fragliche Object im Gewichte von 10,0 mit 2,0 Oxal- 
säure versetzt und mit ca. 100,0 Wasser einer mehrstündigen Erhitzung im voll- 
heissen Wasserbade ausgesetzt. Die Flüssigkeit wird nun mit Aetzammon im 
üeberschuss und mit weiteren 100,0 Wasser versetzt, einen Tag zum Ab- 
setzen bei Seite gestellt und dann unter Decanthation filtrirt. Der im Filter 
gedammelte Bodensatz wird mit einem 2 proc. Salmiakgeist nachgewaschen oder 
mit demselben geschüttelt und wiederum im Filter gesammelt, um ihn zuerst 
einer optischen Prüfung zu unterwerfen, dann einzuäschern (Hager). In der 
Wärme des Wasserbades erleiden die meisten Mineralsubstanzen, welche als 
VerfiLlschungsmittel des Mehles dienen, keine wesentliche Veränderung ihrer Form. 
)fan theilt den getrockneten Bodensatz auch wohl in zwei gleiche Theile, um 
den einen Theil einzuäschern, den anderen als Corpus delicti zu reserviren. 

Eine andere sehr praktische Methode ist folgende von Nesslkr angegebene : 
Das Mehl wird mit Wasser zu einem dünnen Brei angerührt (etwa 2 Gm. Mehl 
und 20 Cubikcentimeter Wasser) und dann nach und nach unter Umrühren mit 
dem gleichen Raumtheile (also 20 Cubikcentimeter) concentrirter Schwefelsäure 
gemischt. Je nachdem die Schwefelsäure rascher oder langsamer zugegossen 
wird, tritt grösseres oder geringeres Erhitzen der Flüssigkeit ein; in allen Fällen 
lost sieh das reine Mehl vollständig oder doch so weit auf, dass sich kein Satz 
im Giefässe bildet, während Schwerspath, Gyps und Sand sich am Boden des 
(^f^ses ansammeln und hier leicht erkannt werden können. Bei Vorhandensein 
von kohlensaurem Kalk (Kreide) schäumt die Flüssigkeit, sobald man die Säure 
zugiesst, und der entstehende Gyps scheidet sich nach und nach ebenfalls am 
Boden d^ Greftsses ab. Zu bemerken ist noch, dass bei sehr langsamem Ein- 
giessen der Säure die Flüssigkeit fast farblos bleibt, bei rascherem Eingiessen 
braunschwarz wird. In letzterem Falle löst sich das Mehl vollständiger auf und 
die Flüssigkeit wird durchsichtiger, so dass die ungelösten Mineralstoffe besser 
erkannt werden können. 

Weniger sichere Resultate gewährt die Scheidung der Mineralstoffe 

durch Chloroform, wie sie Hager in den „Untersuchungen, ein Handbuch etc. 

1871, Bd. n, S. 392 angiebt. Man giebt 5 g des wohl durchmischten und 

lafhroeknen Mehles (oder der Kleie) in einen Reagircylinder, übergiesst mit 

20 — 25 CC- Chloroform und durchschüttelt kräftig. Die Mischung ist weiss 

trübe, aber noch so durchscheinend, dass darin Substanzen, welche mit Hast zu 



86 Amylum. 

Boden sinken, zu erkennen sind. Dann giebt man 10 — 15 Tropfen Wasser 
hinzu und schüttelt innerhalb ö Minuten wiederholt um. Bei reinem Mehl (wel- 
ches trocken specifisch ebenso schwer oder schwerer als Chloroform ist) bildet 
sich nun eine milchige Schicht, welche die Mehltheile einschliesst, nach dem Ni- 
veau des Chloroforms strebt und sich in der oberen Chloroformschicht ansammelt. 
Bei Gegenwart mineralischer Beimischungen werden diese sich nur zu einem 
Bruchtheile ihrer Menge alsbald am Grunde des Chloroforms ansammeln, das 
übrige den Mehlpartikeln adhäriren. Bei gelinder und oft wiederholter Agitation 
der oberen Mehlschicht lösen sich aber die anhängenden mineralischen Theilchen 
ab und sinken ihrer specifischen Schwere folgend zu Boden. Nachdem ein für 
die Untersuchung hinreichend starker Bodensatz sich angesammelt hat, giebt 
man mit Hilfe eines Glasstabes 8 — 10 Tropfen 25 procent Salzsäure hinzu und 
vermischt dieselben durch Agitiren mittelst eines Glasstabes mit der Mehlschicht, 
welche sich in wenigen Augenblicken in eine gelatinöse Masse verwandelt und 
mehrere Minuten später mit einem hölzernen oder hörnernen Spatel abgenommen 
und beseitigt werden kann, um den mineralischen Bodensatz sammt Chloroform 
in eine Schale zu schütten. Sand lässt sich auf diese Weise vom Mehle oder 
der Kleie vollständig sondern, leichter und bequemer aber bestimmt man den 
Sand, wenn man 25 Gm. Mehl mit 200 CC. Wasser und 10 CC. 25 proc. Salz- 
säure bis zum Aufkochen erhitzt, den Sand absetzen lässt, die Flüssigkeit decan- 
thirt, den Bodensatz mit stark verdünnter Salpetersäure nochmals aufkocht, aus- 
wäscht, trocknet und glüht. 

B. Jegel beobachtete bei der Prüfung des Mehl es auf Mühlsteinstaub- 
gehalt unter Schütteln und Absetzenlassen in Chloroform eine hellblaue Schicht, 
welche sich unter dem Mikroskop als ein Algengebilde in Form runder 
0,002— 0,004 mm dicker Zellen, deren Farbe durch Säuren in Hellroth, durch 
Alkali in Gelbgrün überging, erwies. 

Ein Lehmgehalt (Thonerdesilicatgehalt) im Mehle, von dem Detrit der 
Dreschtenne herrührend, ist keine Verfälschung, sondern verdankt sein Dasein 
einer nachlässigen Reinigung des Getreidekoms. Ueber ^2 Proc. sollte er nicht 
hinausgehen oder bis zu einer solchen Höhe zulässig sein. Andererseits sollten 
Müller kein Getreide vermählen, in welchem sich Lehmkörnchen mit blossem 
Auge erkennen lassen. 

Ein Zusatz einer sehr geringen Menge Alaun bis zu */§ Proc. zum Brot- 
mehle sollte aus praktischen Gründen erlaubt sein, denn dieser geringe höchst 
unschädliche und im Brote nicht mehr als Alaun vertretene Zusatz ermöglicht 
verdorbenes Mehl zu verbessern und das daraus gebackene Brot geniessbar 
zu machen. Die Nothwendigkeit dieses Zusatzes macht sich nach nassen Jahren 
besonders geltend. Andererseits ist dieser Zusatz zum Mehlteige eine Gewähr, 
dass das Gebäck von guter Beschaffenheit sein wird (Haoer). Behufö Nach- 
weises behandelt man das Mehl oder Brot mit verdünnter Salzsäure und unter- 
wirft das Filtrat der Dialyse. Aluminiumchlorid ist ein Crystalloid. 

Der Aschengehalt des Roggenmehls beträgt 1 — 2 Proc. und übersteigt 
(Tennen- und Mahlsteindetrit dazugerechnet) nie 3 Proc., der des Weizens 0,5 — 
2 Proc, und es könnte im allgemeinen 3 Proc. als die Grenze angenommen 
werden, welche der Aschengehalt des Getreidemehles nicht übersteigen sollte. 
Der Aschengehalt der Leguminosensamen ist ein grösserer, 3 — 4 Proc, doch 
übersteigt er 4^5 Proc. nicht, und zeichnet er sich durch eine grössere alkalische 
Beschafifenheit aus. 

Dass Brote an ihrer Unterseite bleioxydhaltig sein können, hat die Er- 
fahrung schon einige Male bestätigt, indem die Bäcker die Backöfen mit altem 
Holzwerk, welches mit Bleifarben bestrichen war, geheizt hatten. Die Unterseite 



Amyluin. 87 

des Brotes auf anhängende Metalloxyde zu untersuchen, ist also nicht zu unter- 
lassen. 

Im Mehle ist der Nachweis der Leguminosensamen nicht schwer wegen 
der ahwekhenden Form der Stärkekörnchen und des Zellgeweherestes. Mittelst 
12 — 15proc. Aetzalkalilauge wird die Stärkezelle gelöst, und die Zellgewebe- 
trflmmer bleiben intaet In letzterer Weise muss man verfahren, wenn man die 
Zelltrümmer der L^uminosensamen im Mehle erkennen will. Der chemische 
Nachwds im Brote ist schwieriger. Im Mehle ist Legumin unverändert, im 
Brote zum Theil in die unlösliche Form übei^eführt. Mehl wie Brot w^erden 
mit kaltem Wasser, welches mit 1 Proc. Salmiakgeist versetzt ist, unter Mace- 
ration und Coliren extrahirt, die Colatur nach dem Absetzen filtrirt und in 2 — 
3 Theile getheilt, um jeden Theil auf seinen Legumingehalt zu prüfen, z. B. 
den einen Theil durch Erhitzen und Abdampfen zu cone^ntriren (es bildet sich 
wie bei Milch an der Oberfläche eine Haut, welche beseitigt, durch eine zweite 
Hant ersetzt wird). Ein anderer Theil des Filtrats wird mit Essigsäure im ge- 
ringen üeberschuss versetzt, das abgeschiedene Legumin nach dem Waschen mit 
Weingeist auf seine Löslichkeit in verdünntem Aetzammon geprüft. Es wird 
saner reagiren und in verdünnter Essigsäure unlöslich, in Aetzammon löslich sein. 
En dritter Theil des Filtrats wird mit Weingeist versetzt und es erfolgt bei 
(Gegenwart von Legumin eine Gerinnung. Zweckmässig ist es. Parallel versuche 
mit Getreidemehl oder Brot ans Getreidemehl anzustellen, um aus dem abwei- 
chenden Verhalten Sicherheit in der Bestimmung des Legumins zu gewinnen. 
Za bemerken ist noch, dass mit Säuren coagulirtes und bei 100^ C. erwärmtes 
Legumin seine Löslichkeit in verdünnter Aetzalkalilösuug einzubüssen pflegt. Uafer- 
frfiehte enthalten ebenfalls einen dem Legumin sehr ähnlichen Proteinkörper, 
was nicht zu übersehen ist. 

Man kann nach Donkt das eine Ende eines starken Glasstabes anfeuchten, 
den angefeuchteten Theil mit Mehl beladen und in eine Salpetersäuredampfatmo- 
^häre (in einem Reagirglase erzeugt), dann in eine Ammondampfatmosphäre 
bringen. Leguminosenmehl förbt sich purpurroth, Getreidemehl nur gelb. Nach 
Mabtens soll man ein weingeistiges Extract (aus Brot, Mehl) darstellen, dieses 
auf Porcellan dünn ausstreichen und nun auf 100^ C. erhitzt zuerst mit Salpeter- 
säuredampf, dann mit Ammondampf in Contact bringen. Bei Gegenwart der 
den Legnminosensamen anhängenden Farbstoffe erfolgt eine granatrothe Färbung. 
Brot wird mit kaltem Wasser, welchem 2 Proc. 10 procentigen Aetzammons zu- 
gesetzt sind, unter Maceration extrahirt, die Golatur nach genauer Sättigung mit 
Salzsftnre einige Male aufgekocht und zum Absetzen bei Seite gestellt. Die obere 
klarere Flüssigkeit wird decanthirt, zur Extractdicke gebracht und mit Wein- 
geist extrahirt. Der weingeistige Auszug in einer Porcellanschale ohne Um- 
rühren langsam eingetrocknet hinterlässt auf der Schalenwandung einen Ueber- 
ZQg, der zuerst mit heissen Salpetersäuredämpfen, dann mit Ammondampf in 
Berührung gebracht sich granatroth f&rbt. 

Roggenmehl, das Mehl der Früchte von Seeale cereale li,, nachzuweisen 
(als Zusatz auf S. 341, Bd. I des Handb.). In den RoggenMchten hat Müntz 
Synanthrose nachgewiesen. Damit ist die Möglichkeit gegeben, das dem Mehle 
aöderer Getreidefrflchte etwa beigemischte Roggenmehl chemisch nachzuweisen. 
Synanthrose (C\^^2%^n) ^^^ ^^^ Rohrzucker isomer und findet sich in Be- 
gleitung des Inulins in den Knollen vieler Compositen, besonders in den Topi- 
namborknoUen. In der unreifen Roggenfrucht ist sie reichlich vertreten, schwindet 
aber g^en die Reife mehr und mehr, indem sie in Stärkemehl übergeht, sie 
verschwindet aber nicht ganz und Müntz fand im Kemmehle des Roggens 3,5, 
im schwarzen Mehle 4,67, in der Eleie 6,23 Proc. Synanthrose. Sie ist in 



88 Amylum. Maisstärkemehl. 

Weingeist schwer, in Aether nicht löslich, nicht gährungsfähig und auch optisch 
inactiv. Wie Saccharose verbindet sie sich mit Kalkerde und Baryterde, und mit 
verdünnten Säuren behandelt geht sie in Dextrose und Levulose über. Auf ka- 
iische Kupferlösung wirkt sie erst w^ährend einer längeren Erwärmung oder nach- 
dem sie in ihrer Lösung mit etwas Mineralsäure aufgekocht ist. 

Zum Nachweise wird das mit Bleiessig gemischte Mehl mittelst kalten Was- 
sers extrahirt, aus dem Filtrat das Blei durch SchwefelwasserstoflF beseitigt, die 
entbleite und mittelst Ammons neutralisirte Flüssigkeit auf ein geringes Volumen 
eingeengt und der rückständige Syrup mit anhydrischem Weingeist gemischt. 
Dadurch wird die Synanthrose als eine weisse amorphe perlmutterartig glänzende 
Substanz ausgeschieden. Durch Lösen in Wasser und Fällen mit Weingeist kann 
sie gereinigt werden. Ihre wässrige Lösung wirkt auf kaiische Kupferlösung 
nicht reducirend, sofort aber, wenn sie mit Wasser, welches circa 2 Proc. 
Schwefelsäure enthält, 2 — 3 Minuten gekocht wird. Dann zeigt sie sich optisch 
auch stark links drehend. 

In Weizen, Hafer, Gerste und Mais wurde wohl Rohrzucker, aber keine 
Synanthrose aufgefunden. 

Vergiftungen, sogar mit tödtlichem Ausgange, in Folge Genusses von Back- 
werk aus Mehl, welches Baryumcarbonat enthielt, sind vorgekommen. 

Die pharm. Ztg. erwähnte vor 3 Jahren zwei Fälle, in welchen zu Torten 
ein Zink weiss enthaltendes Mehl verwendet war und in Folge des Genusses 
Vergiftungssymptome, jedoch ohne tötlichen Ausgang, eintraten. Das Stärkemehl, 
von einem Stettiner Kaufmann bezogen, war abwechselnd mit Zinkweissschichten 
in einem Fasse verpackt gewesen. 

Maisstärkemehl (Haudb. Bd. I, S. 334). Das Maismehl, das Mehl der Früchte 
des Mais {Zea Mays) soll im verdorbenen Zustande giftige Substanzen bilden, 
welche man sogar als Ursache des Pellagra (der Mailändischen Rose, des Lom- 
bardischen Aussatzes) ansieht. Dass im Wege der Fäulniss wie in jedem anderen 
vegetabilischen Nahrungsmittel StoflPe entstehen, welche die normalen Lebensver- 
richtungen des thierischen Körpers stören, muss allerdings angenommen werden, 
dass aber das giftige Prinzip des fauligen Maismehles selbst tetanisirend und 
dem Strychnin ähnlich wirken sollte, düifte doch wohl Zweifel zulassen. Dass 
es Ursache des Pellagra*) sei, wäre an und für sich eine ungemein wichtige 
Umstand, welchem die Gesundheitspolizei alle Beachtung zuwenden sollte. Prof. 
Th. Hüsemann hat über diesen Gegenstand in der pharm. Ztg. 1879, Nro. 46 
sich näher ausgesprochen und darin auch einen Fall der Vergiftung durch Brod- 
pudding erwähnt, an welchem der Chemiker Allen den Geruch nach Härings- 
lake (Trimethylamin) erkannte. Die Reactionen auf Mutterkorn trafen nicht zu. 
Was nun der giftige Fäulnissstoff ist, welches Verhalten er gegen Reagentien. 
zeigt, das zu ergründen ist noch Aufgabe geblieben. 

LOMBROSO erwähnt, dass er und Düpr6 aus der Tinctur von verdorbenem 
Mais ein in Alkohol lösliches Oel, das einige giftige und ofßcinelle Erscheinungen 



*) Diese Krankheit äussert sich durch Röthung der den Sonnenstrahlen ausge- 
setzten Hautstellen, besonders im Gesicht und auf dem Rücken der Hände, welche 
sich kleicnartig abblättern und von Allgemeinleiden begleitet sind, wie von Schwäche- 
gefühl, dem Gefühl von Taubheit in den Gliedern, Schwindel, Schwermuth (welche 
selbst zum Selbstmord drängt), übelriechender Hautausdünstung. Gewöhnlich wird 
die Hautstelle hart und rauh, es finden sich auch juckende Bläschen ein oder über 
den ganzen Körper ziehen sich flechtenartige Aufschürfungen oder Geschwüre. Mund- 
geschwUre, Koptgi'ind kommen mitunter zum Vorschein. Auch Lähmungen, Krämpfe, 
Diirchrälle. Wassersucht erscheinen als Folge der Krankheit. Im Frühjahre erscheint 
die Krankheit, um meist im Herbst ganz zu verschwinden. Früher hielt man Unrein- 
lichkeit für die Ursache dieses Leidens. 



Amyliim. Mutterkorn. 89 

eiitw\eke\te, sowie eine giftige Substanz, die alkaloidische Eigenschaften aufwies, 
\^M baben. Nach neueren Untersuchungen . desselben Oeles und derselben 
gifügeu Substanz, deren Ausscheidung C. Uba nach nicht geringen Mühen und 
Unkosten mit ausgezeichnetem Erfolge zu Stande brachte, gelang es Bbugnatelli 
einen Körper auszuscheiden, der alle chemischen und beinahe alle physiologischen 
EigenBchafteu des Strychnins aufwies. Da jedoch sich auch wieder Vergiftungs- 
djmptome wahrnehmen lassen, welche von denen der Strychninvergiftung ab- 
weichen, so vermuthet Lombboso, dass eine andere narkotische oder paralytische 
Erscheinungen erzeugende Substanz vorhanden sein müsse. Bei einer Fortsetzung 
der Untersuchungen wurde der mit Alkohol behandelte Mais mit Wasser ausge- 
zogen und dadurch ein Extract erhalten, welches durchaus keine strychninartige 
Eigenschaften zeigte, aber Narkose oder Tod unter klonischen Convulsionen be- 
wirkte. Beide Stoffe wirken ätzend auf die Gewebe. 

BAI.BIANO beschreibt das nach dem STAS-0TTO*schen Verfahren abgeschiedene 
3i£ai8gift als ein weisses, leicht sich veränderndes, amorphes, in Wasser unlös- 
liches, in Weingeist und Aether leicht lösliches, alkalisch reagirendes Alkalold, 
dessen schwefelsaure Lösung unter Einwirkung oxydirender Substanzen sich blau 
fkrhij ähnlich der Strychninreaction. Die Reaction gelinge auch mit concentrirter 
Schwefelsäure, welche Spuren des Stickstoffoxydes enthält. 

Nachweis des Hatterkorns im Mehle oder Brote. Diese Aufgabe 
ist durch die Apotheker C. H. Wolpf (Blankensee) und Dr. E. Hoffmann 
(Kandel) vollgültig gelöst worden (pharm. Ztg. 1878 und 1879), indem sie der 
chemischen Reaction die spectroskopische Prüfung anschlössen. Die Abscheidung 
des dem Mutterkome eigenen Farbstoffes geschieht in folgender Weise: Wird 
reines Mehl (oder das zu Pulver zerriebene getrocknete Brot) im Gewichte von 
10 g mit 20 CC. Aether und 20 Tropfen verdünnter oder 5 — 6 Tropfen con- 
centrirter Schwefelsäure oder besser 15 — 20 Tropfen Mixtura sulfurica acida I/2 — 
1 Stande macerirt, dann in ein Filter gebracht und der Rückstand im Filter mit 
Bo viel Aether nachgewaschen, bis das Filtrat circa 14 CC. beträgt, so ist das 
Filtrat von strohgelber Farbe. Wbrd das Filtrat mit 5—10 und mehr Tropfen 
einer kalt gesättigten Natriumdicarbonatlösung versetzt und damit durchschüttelt, 
30 setzt sich in der Ruhe die Natriumdicarbonatlösung als eine fast farblose 
Flüssigkeit zu Boden. Chlorophyllfarbstoffe und auch Farbstoffe aus Gewürzen, 
wie sie dem Backwerke zugesetzt werden, verbleiben im Aether. 

Enthält das Mehl oder Brot Y^q Proc. oder noch eine geringere Menge 
Mutterkorn, und es wird in gleicher Weise behandelt, so setzt sich die Natrium- 
dicarbonatlösung nicht farblos, sondern violettfarbig ab. Man kann auch zur Er- 
kennung des Mutterkomfarbstoffes die Zönenreaction vornehmen. Man giesst 
nämlich auf eine Schicht der Natriumdicarbonatlösung behutsam eine Schicht des 
sauren Aetherauszuges und beobachtet die Färbung der Niveauschicht der Natrium- 
dalzlösung. Die Reaction beruht auf der Abscheidung des Sclererythrins aus 
^ner Verbindung mit Ealkerde, Lösung desselben in Aether und Bindung an 
Natron. Diese Reaction dürfte für den Nachweis einer gesundheitsschädlichen Menge 
Mutterkorn im Mehle oder Brote genügen, denn man wird doch wohl nicht be- 
haapten wollen, dass z. B. Y2o'^'*^^^^^ Mutterkorn im Mehle der Gesundheit 
Nachtheil bringen könne. Dieses Zwanzigstelprocent sollte übrigens von Seiten der 
Gesondheitspolizei zugelassen werden oder ein Mehl, welches Y20 Proc. und we- 
niger Mutterkorn enthält, wäre als Nahrungsmittel nicht zu beanstanden. 

Um dem wissenschaftlichen Nachweise zu genügen und selbst noch weit ge- 

TiDgere Mengen Mutterkorn sicher nachzuweisen, schreitet man zur spectro- 

skopiacben Prüfung und kann jene Natronpigmeiitlösung oder auch die Aetherlösung 

blerza verwenden* Um . ein sicheres Urtheil zu erlangen, stellt man aus Go- 



90 Amylum. 

mischen von Mutterkorn mit Mehl oder Brot entsprechende Lösungen dar, um 
das spectroskopische Bild derselben mit demjenigen der Lösungen aus dem frag- 
lichen Mehle oder Brote zu vergleichen. Die Natronsalzpigmentlösung, welche 
auch mit Natriummonocarbonat erlangt wird, kann mit Schwefelsäure übersättigt 
und mit Aether ausgeschüttelt werden, um mit der reinen ätherischen Pigment- 
lösung zu experimentiren. üeber das Spectrum vergl. man die Angaben Wolff's 
in Zeitschr. für analyt. Chemie, 18. Jahrg. S. 119 und ph. Ztg. 23. Jahrg. 

Mittelst dieser Methode, der Behandlung der mutterkornhaltigen Substanz 
mit Aether, Säure und Natriumdicarbonat , lässt sich auch der Mutterkomfarb- 
stoff, wie schon vorhin erwähnt ist, isoliren, denn die Natriumdicarbonatlösung 
mit Säure neutralisirt , lässt den Farbstoff niederfallen, so dass dieser im Filter 
gesammelt werden kann. 

Die Abscheidung des Farbstoffes und seine Bindung an Aluminiumhydroxyd 
geschieht in der Weise, dass man das Mehl oder Brot mit Weingeist, welcher 
mit 5 Proc. Mixtura sulfurica acida versetzt ist, unter Maceration extrahirt, den 
Auszug mit Aluminiumacetat versetzt und dann mit Salmiakgeist schwach alka- 
lisch macht. Die Thonerde scheidet sich nicht weiss, sondern mit rother Farbe 
ab. Bei lauer Wärme ausgetrocknet kann sie in forensischen Fällen als Beweis 
dem Richter vorgelegt werden (Hager). 

Petri's Untersuchungen und Resultate differiren im Ganzen nur nebensäch- 
lich von denen durch Wolff gewonnenen. (Zeitschr. f. analyt. Chemie 18. Jahrg. 
S. 211.) Wenn ein heiss bereiteter weingeistiger Mutterkomauszug mit Salz- 
oder Schwefelsäure schwach angesäuert wird, so verwandelt sich die ursprünglich 
bräunliche Farbe desselben in roth. Dieser rothe Farbstoff ist in kaltem Wein- 
geist, Amylalkohol, Aether, Benzol, Chloroform leicht löslich. Durch Einwirkung 
von Wärme, bei Concentration seiner weingeistigen Lösung z. B. erleidet er Ein- 
busse und seine Menge vermindert sich. Auf seinem spectroscopischen Verhalten 
beruht der sichere Nachweis des Mutterkorns. Die auch bei starker Verdünnung 
noch deutlich sichtbaren zwei Absorptionsstreifen lassen selbst geringe Spuren Mutter- 
korn mit Sicherheit erkennen. Der sich zuerst abhebende Streifen liegt im Grünen 
dicht an E nach F hin. Er ist etwas schmäler und weniger intensiv, als der 
zweite im Blauen, in der Mitte zwischen F und G gelegene. Die ursprüngliche 
bräunliche vor dem Säurezusatz gewonnene Lösung zeigt dieselben Absorptions- 
streifen, nur weniger intensiv. Der rothe, auch in Wasser und verdünntem Wein- 
geist lösliche Farbstoff lässt sich aus dieser Lösung durch Ausschütteln in Aether, 
Amylalkohol, Chloroform, Benzol etc. leicht überführen und zeigt in diesen Lö- 
sungsmitteln ebenfalls die beiden Absorptionsstreifen, die ätherische Jjösung zeigt 
aber die Absorptionsstreifen am schönsten. 

Nach der Methode Jacoby's (Handb. Bd. I, S. 346) arbeitend feind Petri 
auch im reinen Roggenmehle eine gering rothfärbende Substanz, obgleich dieses 
Mehl im reinen Zustande angeblich nur einen gelben Auszug darbieten soll. Im 
reinen Weizenmehl fehlt diese Substanz. Die nach Jacoby's Methode gewonnene 
rothe Flüssigkeit ergab nicht immer das dem rothen Mntterkomfarbstoffe entspre- 
chende Spectrum. Jacobt's Methode kann also sehr leicht zu Irrthümem Anlasa 
geben. Auf Grund dieser Beobachtungen verfährt Petri in folgender Weise: 

Ungefähr 20,0 des zu prüfenden Mehles werden 5 Minuten hindurch mit 
siedendem Weingeist behandelt, dann absetzen gelassen und der gelb gefärbte 
Weingeist decanthirt. Diese Operation wird so oft wiederholt, bis der über dem 
Mehle befindliche Weingeist farblos erscheint. Die Flüssigkeit wird nun mit 
20 Tropfen verdünnter Schwefelsäure angesäuert, filtrirt und, je nach der Inten- 
sität der Färbung, in dickerer oder dünnerer Schicht im Spektroscop untersucht. 
Man vergleicht mit einer etwa gleich stark tingirten . Lösung von Mutterkorn. 



Amylum. 91 

Znr weiteren Prüfung wird ein Theil der Lösimg mit 1 — 2 Vol. Wasser ver- 
dttnnt und mit Amylalkohol, dieselbe Flüssigkeit ans einer anderen Probe mit 
Chloroform, aus einer dritten mit Benzol, aus einer vierten mit Aether ausge- 
schüttelt. Die genannten Lösungsmittel färben sich bei Anwesenheit von Mutter- 
korn roth und zeigen alle das chai*akteristische Spectrum. Statt des Weingeistes 
kamt das Mehl auch mit Aether behandelt werden. Zur Beseitigung störender 
gelber Farbstoffe genügt hier mehrmaliges Ausschütteln und Absetzenlassen. 

Eine quantitative Abschätzung der Mutterkommengen im Mehle kann nur 
eine annähernde sein und geschieht einfach durch Vergleich der Farbenintensität 
mehrerer Auszüge aus Mehlmengen, welche verschiedene Mengen Mutterkommehl 
beigemischt enthalten. 

Mehlstaubexplosionen sind vorgekommen und nimmt man an, dass 
zu ihrer Erscheinung ein gewisses Maass von Mehlstaub in der Luft, sowie eine 
gewisse Trockenheit des Mehlstaubes und der Luft nöthig sind, denn nur in 
seltenen Fällen, in welchen der Staub mit einem Lichte oder glühenden Körper 
in Berühmng kommt, erfolgt eine Explosion. Vergl. pharm. Centralhalle 1876, 
Seite 70. 

Amylin (Handb. Bd. I, S. 340) pflegt man eine Substanz zu nennen, 
welche eine Zwischenstufe zwischen Dextrin und Glykose einnimmt, indem sie den 
polarisirten Lichtstrahl stark nach rechts ablenkt,, durch Weingeist nicht fällbar 
ist nnd mit Hefe zur weingeistigen Oährung nicht gebracht werden kann. Im 
Dialysator verhält sie sich wie ein Crystallol'd. Sie kann durch Dialyse vom 
Dextrin, durch Gährung von der Glykose befreit werden. In dem mit Amy- 
lina bezeichneten Präparat ist sie bis zu 60 Proc. vertreten. 

GetreMesuen, geilter, geölter Weizen, kommt im Handel vor. Die 
Gelang geschieht, um dem Getreidekom ein besseres Aussehen zu geben. Wird 
dn solcher Getreidesamen mit Curcuma conspergirt, so hängt ihm das farbige 
Pulver an. Auf dem mit einem solchen Getreidesamen geschüttelten Wasser 
schwimmen kleine Kampferstückchen ohne zu rotiren. 

Sigt, mit armenischem Bolus tingirt, ist, wenn er nicht als Indischer 
rerkaoft wird, kein Fabrikat, dem Betrug zu Grunde liegt. Armenischer Bolus 
ist der nnschädlichste rothe Farbstoff, welcher existirt und in alter Zeit viel zur 
Färbung von Speisen Anwendung fand. 

Getreidemehl in Dextrin und Glykose übergeführt als Nahrungs- 
mittel. Ein Verfahren zu dieser Ueberführung ist den Herren Frebichs, Boie 
und dnrROMFELD (Göttingen) patentirt worden. 100 kg Mehl werden mit 40 Lit. 
Wasser, welches 0,5 bis 1,0 Proc. einer starken Säure enthält, bei gewöhnlicher 
Temperatur verknetet. Die Masse wird in Fäden gepresst und mehrere Male 
durch einen auf 70 — 100^ erwärmten langen Ofenraum geführt. Das getrocknete 
Material kommt in Trommeln, die sich in einem Oelbade befinden, welches durch 
überhitzten Dampf auf 110 bis 145« erwärmt ist. Nach 10—15 Stunden ist 
die Dextrinirung vollendet. Zur Erzeugung der Glykose werden 100 kg Mehl 
mit 40 Lit. eines ziemlich dünnen Malzauszuges (1 : 6) bei 50 — 60« verknetet. 
Nach kurzer Zeit ist die Stärke in Dextrin und Traubenzucker umgewandelt. 
Der dünnffüssige Teig wird noch einmal mit 50 — 75 kg Mehl verknetet, dessen 
Stärke ebenfalls noch umgewandelt wird. Das die Knetmaschine umgebende Oel- 
bad wird dann auf 100 — 110^ erwärmt, um die Diastase zu zerstören. Endlich 
wird das dextrinirte und glykosificirte Mehl gemischt. 

A^^intiie, Gerabd's, eine farblose durchscheinende Masse, aus Kartoffelstärke 
und Aetznatron hergestellt. 20 Th. Stärke, 100 Th. Wasser und 10 Th. 
25 proc Aetznatronlauge werden gemischt und die daraus entstandene klare 



92 Amylum. 

Gelatine auf Glastafeln getrocknet, 8o dass sie hornartige Blättchen bildet. Sie 
wird in der Kattundruckerei gebraucht. 

Apyrinstarke , FeoersehatzstSrke. Die Bereitung derselben wurde vor vielen 
Jahren (von Ha6£B) veröffentlicht. Da diese Stärke hier und da Beachtung ge- 
funden hat, so möge die Vorschrift zu ihrer Bereitung hier einen Platz finden. 
100 Th. gepulverter weissgebrannter Knochen werden mit 500 Th. heissem Wasser 
übergössen und nach und nach mit 60 Th. Engl. Schwefelsäure versetzt. Nach 
zweitägiger Digestion werden 1000 Th. Wasser dazu gemischt, die Mischung fil- 
trirt und der ungelöste Rückstand mit 500 Th. Wasser nachgewaschen. Dem 
Filtrate werden 50 Th. Bittersalz in 100 Th. kochendem Wasser gelöst und 
kolirt zugeführt und nach dem Umrühren und Erkalten mit Aetzammon im ge- 
ringen Üeberschuss versetzt. Nach einigen ' Stunden wird der Niederschlag ge- 
sammelt, ausgepresst, an einem lauwarmen Orte getrocknet, zu einem feinen 
Pulver zerrieben und je 2 Th. dieses Ammonium-Magnesiumphosphats mit 1 Th. 
Natriumwolframat und 6 Th. Weizenstärke gemischt, auch wohl mit 
etwas blauem Carmin schwach gebläut. Wesentlich ist, dass diese Mischung kein 
Eisen enthält und dazu kein eisenhaltiges Wasser verwendet wird. Sie dient 
zum Stärken der Damenkleider. 

Die PATERA'sche Salzlösung als Flammenschutzmittel (Handb. Bd. I, 
S. 336) ist stets dicht vor de^ Verwendung anzufertigen, um die Bildung von 
Magnesiumborat zurückzuhalten. 

Babyfood (in Nord -Amerika), Kindeniahrung aus Weizenstärke und Milch- 
zucker bestehend. (60,0 = 2 Mk.) (H. B. Parsons, Analyt.) 

Backmehl, Liebig's selbstthätiges des G. Liebig in Hannover, besteht aus 
84 Natriumdicarbonat, 18,8 Weinstein und 1000 Weizenmehl. 

Backpuher von J. Gaedicke & Co. (Berlin) entspricht dem HoRSFORü'schen 
(Handb. I, S. 347). Es besteht aus Phosphaten des Calcium und Magnesium, 
Natriumdicarbonat, Kochsalz, Mehl. (C. Raabe-Grap, Analyt.) 

ErbseH-Ialz-Hehlt Fbiedel's (auf Dahsau bei Hermstadt), ein Nahrungsmittel 
in Pulverform von hellgelber Farbe und brotartigem Geruch und Geschmack. Es 
enthält in Procenten 28,1 Legumin und Ei weiss, 51 Getreidemehlkörper (Stärkemehl, 
Dextrin etc.), 2,27 Fett, 8 Zellfaser, 2,55 Aschenbestandtheile, 8,1 Feuchtigkeit. 
(500,0 = 0,25 Mk.) (Fez. Hulwa, Analyt.) 

filutinin hat man eine Lösung des Stärkemehles in Aetznatronlauge genannt. 
100 Th. Stärke werden mit 300 Th. Wasser zum Kleister gemacht, noch heiss 
mit 30 Th. concentrirter Aetznatronlauge und mit so viel Wasser versetzt, dass 
das Ganze 1500—2000 Th. beträgt. 

Hafermehl, praparirtes, Weibezahn's (Fischbeck, Hessen-Nassau), Nährmittel 
für Kinder, Reconvalescenten und Gesunde, scheint Hafermehl zu sein, das in 
ähnlicher Weise wie präparirtes Gerstenmehl behandelt ist. Da Hafer einen dem 
Legumin ähnlichen Proteinkörper enthält, so dürfte dieses Präparat als Nahrungs- 
mittel Werth erlangen. Preis pro 450— 500 g 0,50 Mk. 

Heuzwiebaek, Futter für Pferde, besteht aus sehr feingeschnittenem Stroh und 
Heu, Hafer- und Roggenkleie, Bohnenmehl mit heissem Leinsamenschleim be- 
sprengt und in die Form der Rapskuchen gebracht. Er kommt in Frankreich 
in den Handel. 

Kindermehl von Gebbeb & Co. in Thun (Schweiz) besteht in Procenten aus 
circa 75 Stärke, Dextrin, Glykose, 15 Proteinsubstanz, 5 Fett, 2 Aschenbestand- 
theilen, 4 — 5 Feuchtigkeit. (Renck, Analyt.) 



Amylum. 93 

Kleister für Papiersignatnren auf Metallblech soll man durch Misch- 
ung von gewöhnlichem Stärkekleister mit etwas Spiessglanzbutter oder in Salz- 
sJure gelöstem Stannochlorid gewinnen. Auf 10,0 Kleister 20 — 30 Tropfen der 
sauren Metalllösung. 

Knutnehl, histweiss (Kunstmeel, Kunstwit) von Heebemakns & Co. (Rotter- 
dam) ist Gyps, welcher in fein gemahlener Form als Beschwerungsmittel des 
Backmehles in den Handel gebracht und auch von einigen Thüringer Müllern seit 
Jahren verbraucht wurde. (100 kg = circa 8 Mk.) 

Leguünese (Kraft-Suppen-Mehl) von Habtenstein (Nieder- Wiesa bei Chem- 
nitz) ein Gemisch ans Leguminosensamenmehl und Getreidemehl. 1 kg = 3 Mk. 

likrpaher, Pabmentieb's ist ein gutes, dem Anschein nach mit etwas Gly- 
koee versetztes Brotpulver. (Hageb, Analyt.) 

Stirkepriparate für die Hauswirthschaft. Es existiren (wie Hageb be- 
richtet) im Handel eine Menge Stärkepräparate, welche beim Steifen der Wäsche 
den Zweck besser erreichen lassen, als Stärke an und für sich. Die eine Stärke 
zum Steifen, wo ein gewisser Glanz und Härte der Stärkeschicht nicht gefordert 
wird, ist eine gute Weizenstärke mit 2 — 2,5 Proc. Borax. Mit einer lauwarmen 
Losung von 25 Th. Borax in 150 Th. reinem Wasser werden 1000 Th. Weizen- 
stärke durchfeuchtet und die Mischung dann an einem luftigen Orte getrocknet, 
doch dürft» eine einfache Mischung aus feinem Boraxpulver und Weizenstärke 
denselben Zweck erreichen lassen. 

Berliier praparirte Appretur-filanzstSrke ist ein solches einfaches Gemisch. Für 
den Gebranch wird diese Mischung mit kaltem Wasser zu einer dünnen milch- 
ähnlichen Flüssigkeit angerührt, damit das feuchte, gut ausgewrungene Gewebe 
bestrichen, der üeberschuss durch Auswringen beseitigt. Diese Operation wird 
wiederholt, wenn man eine starke Steifung beabsichtigt. Ein Brechen der ge- 
stärkten Gewebe resp. Stärkeschichten soll bei Anwendung dieser Stärke nicht 
vorkommen. 

Beabsichtigt man einen höheren Glanz der gestärkten Gewebe, so beginnt 
man das Stärken mit der durch kochendes Wasser in Schleim verwandelten Glanz- 
Elaatik-Stärke. 

Pripirirte (IIuz-Elaslik-Stirke ist ein Gemisch von ungefähr 0,7—0,8 Th. 
Stearin (Stearinsäure) mit 1(X),0 Weizenstärke. Geschmolzenes Stearin wird mit 
ungefähr seiner 15 fachen Menge Stärke gemischt und nach dem Erkalten ge- 
pulvert mit der weiteren Stärkemehlmenge vereinigt. Hier ist also der Hausfrau 
die Mühe erspart, der Stärke noch Stärkeglanz (Stearin) zuzusetzen. 

filanz-StSrke, Stirkeglanz (Handb. I, S. 336). Von diesem Artikel werden 
g^egenwftrtig mehrere verschiedene Compositionen in den Handel gebracht. Dr. 
£d. Preise (Braunschweig) giebt zur Erlangung einer guten Mischung folgende 
Vorschrift. 435 Th. Stärke (Weizenstärke), 85 Th. Borax, '10 Th. Kochsalz, 
75 Th- bestes Acaciengummi und 275 Th. Stearin (Stearinsäure) werden als 
feine Pulver innig vermischt. Etwas Schwierigkeit bildet die Pulverung der 
Stearinsäure und schlägt Preise vor die auf der Reibe zerkleinerte Säure mit 
Benzin be^rengt in einer Reibschale mit dem Pistill zu zerreiben. Einfacher ist 
es wohl, die 435 g trockner gepulverter Stärke in die bei gelinder Wärme ge- 
ächmolzene Stearinsäure einzutragen und damit zu mischen, dann die völlig er- 
kaltete (im Eisschrank bis zu + 5^ 0. abgekühlte) Masse in einem Mörser zu 
zerstossen und durch ein Haarsieb zu schlagen. 

Eine einfache und genügend den Zweck erfüllende Mischung in vorstehend 
angegebener Weise dargestellt besteht aus 2 Th. Weizenstärke und 1 Th. sehr 
weisser Stearinsäure. 



94 Amylum. 

filanzstSrke, arseHikhaltige , ist in Nord- Amerika in den Handel gebracht 
worden. Der Arsenikzusatz soll die Eigenschaften der Glanzstärke erhöhen. 
Der Verkauf einer solchen Stärke ist bei uns straffilllig. Bei Untersuchung sol- 
cher Präparate muss daher auch auf Arsen vigilirt werden. 

Patent-filanz-Stirke, Fsanz Coblenzer's (Cöln). Ein in Päckchen ä 50 Gr. zum 
Preise von 25 Pf. in den Handel gebrachtes Präparat ist ein sehr weisses Gro- 
misch von 70 Proc. einer sehr kleinkörnigen Stärke (Reisstärke), 30 Proc. Borax 
und andern kleinen Zusätzen. 

StSrkcglani, P. J. Klotten*s (Cöln) bildet 15 g schwere Täfelchen aus 
Stearinsäure mit etwas Stärkemehl gemischt und mit blauem Carmin oder Ultra- 
marin hellblau tingirt. 

Die Paheroblaten, Cachets, Oblatencapseln, haben sich eingeführt und 
sind von verschiedenen Seiten zu ihrer Anfertigung und Verwendung Vorrich- 
tungen angegeben; z. B. von Boeing (Americ. Journal of Pharm. Vol. 48 No. 1), 
Rice (Americ. pharm. Journ. Vol. 48 No. 5), Digne (Schweiz. Wochenschr. f. 
Pharm. 1876). 

Sevcik'seher Oblaten-Versehlnssapparat. Dieser Apparat besteht nur aus zwei 
Theilen: 1) aus dem Monteur oder Aufsatz^ einem 3 Ctm. langen, im Lichten 
1,7 Ctm. weiten Doppelcylinder (aus Weissblech oder Silber) mit beliebig ver- 
schiebbarem Docht, welcher als Befeuchter dient, und mit einem dem Dochte 
entgegengesetzten festen Ende, mit welchem der dichte Schluss der beiden Oblaten 
vollendet wird; 2) aus einem hölzernen, polirten Untersatz mit einer Vertiefung 
für die Aufnahme der zuschliessenden Oblaten. 

Um die Oblaten mit diesem Apparat zu füllen, werden die Pulver wie bis- 
her auf Pulverschiflfchen oder Kartenblättem dosirt und dann folgendermaassen 
verfahien : 

1. Eine Oblate wird auf die Vertiefung des Untersatzes gelegt; der Docht des 
Aufsatzes wird vorgeschoben, mit Wasser benetzt und durch mehrmaliges 
Andrücken gegen ein reines trockenes Handtuch von der überschüssigen 
Feuchtigkeit befi-eit. Es genügt der so vorbereitete Docht mindestens für 
12 Pulver. Nachdem der gefeuchtete Docht zurückgeschoben ist, wird der 
Aufsatz mit der Dochtseite auf die auf dem Untersatze liegende Oblate ge- 
stellt. 

2. Den so zusammengestellten Apparat fasst man und zwar den Aufsatz mit 
Daumen und Zeigefinger, schüttet durch das Rohr des Aufsatzes mit der 
i*echten Hand das Pulver auf die Oblate und klopft gegen die Unterlage 
einige Male schwach an, wodurch sich das Pulver auf der Oblate gleich- 
massig ausbreitet. 

3. Der Docht des Aufsatzes wird nun gegen die Oblate vorgeschoben, wieder 
zurückgezogen und der Aufsatz abgenommen. 

4. Eine zweite Oblate wird auf die erste genau passend angelegt, der Aufsatz 
mit dem festen Ende darauf gestellt und festgedrückt und zwar durch Auf- 
legen der beiden Daumen auf das Dochtende des Aufsatzes, wodurch die 
Oblate geschlossen wird. 

Es ist wesentlich, dass der Docht nur feucht und nicht nass angewendet 
wird, da er sonst den Rand der Oblate mit Feuchtigkeit überladet, dann auch die 
benetzten Ränder der Oblate nach dem Trocknen ein hornartiges und gar nicht 
einladendes Aussehen annehmen. 

Bei einiger Uebung arbeitet man mit diesem Apparat ebenso schnell, wie 
wenn man die Pulver in Papierkapseln dispensirt. 



Amylum, — Anilinum. — Anisum. 96 

Der Preis des kleineren Apparats ist 1,40 Mk., des grösseren 1,60 Mk. 
Bezugsstelle: Apotheker F. Sevcik zu Prag, Kleinseite. 



Anilinum. 

Reines Anilin erfordert 33 — 35 Th. Wasser von mittlerer Temperatur zur 
Lösung. 

Eine sehr scharfe Reaction auf Anilin wurde von E. Jacquemik aufge- 
ftmden und mit Rhodelnreaction bezeichnet. Sie besteht darin, dass man 
der farblosen oder braunen Flüssigkeit einige wenige Tropfen einer mit der 
30 fachen Menge Wasser verdünnten Schwefelammoniumflüssigkeit zusetzt. Bei 
Gegenwart von Anilin erfolgt Rosenrothförbung. Diese Reaction, welche durch 
dnen Ueberschuss Schwefelammoniums gestört wird, tritt dann noch ein, wenn die 
mit Chlorkalk oder Chlornatron erfolglos ist. Die rosenrothe Farbe schwindet 
tald und geht in Gelb über. 

Als Gegengift bei eingeathmeten Anilindämpfen, Benetzung der Haut mit 
Anilin, Einführung von Anilin in den Magen wurde Riechen an verdünnter Essig- 
BSure, Waschen mit Essig, Trinken essigsaurer Limonade empfohlen, von der 
Ansicht ausgehend, dass Anilin giftig wirke, nicht aber seine Salzverbindung. 
ScHLoasEB empfiehlt als Gegengift Emetica und im Widerspruch zu obiger Be- 
merkung Magnesiamilch. Hofmann konnte Anilin nicht als Gift bezeichnen, doch 
erkannte er es als eine auf den Organismus übel einwirkende Substanz. Nach 
der Einföhmng in die Verdauungswege konnte es nie in dem Harne wahrge- 
nommen werden. 

Ueber Rosanilinum muriaticum vergl. unter Pigmenta. 



Anisum. 

lliserde. Mit diesem Namen bezeichnet man eine thonhaltige Erde in der 
'Sihe von Wischau und Rausnitz in Mähren in Form kleiner Kömer, wie sie von 
den R^enwürmem an die Oberfläche der Erdschicht aufgestossen werden. Diese 
Kömer werden gesammelt und unter der Hand an die Drogisten verkauft, welche 
damit die Anisfrüchte selbst bis zu 20 Proc. hinauf versetzen (Campe, ph. ehem. 
gem. GeschftftsbL No. 11, 1876). Die quantitative Bestimmung dieser Fälschung, 
fiberhaapt der nicht seltenen Beimischung von Sand etc. führt man in der Weise 
ans^ dass man von den wohldurchmischten Früchten 20 g in eine Flasche mit 
nicht zu enger Oeffhung giebt, mit circa 100 g gesättigter Kochsalzlösung über- 
leset, 5 — 6 Minuten sehr kräftig durchschüttelt und das Ganze in ein Becher- 
glas ansgieast. In der Ruhe sammeln sich sofort die Anisfrüchte am Niveau der 
Fitssigkeit, von wo man sie mit einem kleinen Siebe wegnehmen kann. Die 
mit Wasser abgewaschenen Früchte werden getrocknet. Die abgesetzte Erde 
vird im Filter gesammelt, ausgewaschen und getrocknet. Das Gewicht der ge- 
trockneten Früchte und das der getrockneten Erde ist zu vei-gleichen. 

Die den Anisfrüchten anhängende Erde sollte nur bis zu Y2 Proc. zulässig 
B*in, eine gröesere Beimischung die Waare aber unverkäuflich machen. 

Behufs Prüfung auf Beimischung bereits extrahirter oder der Destillation 
coterworfener Waare kann man (nach Hageb) in folgender Weise verfahren: 

Gfebt man in einen Reagircylinder von 2 Ctm. Weite circa 4 CC. Anis und 
10—22 CC. eines 30-volumprocentigen Weingeistes, schüttelt eine halbe Minute 



96 Anisum. — Apocynum. 

recht kräftig durcheinander und stellt dann eine halbe Stande bei Seite, so findet 
man bei einer sehr guten Waare zwei Schichten, eine untere Anisschicht und 
eine obere ziemlich klare und kaum gefärbte Flüssigkeitsschicht. Vielleicht 
schwimmen am Niveau der letzteren einige wenige (5 — 6) so genannte taube 
Früchtchen. Bei mittler Waare wird die Zahl der schwimmenden Kömchen viel- 
leicht eine doppelt so grosse sein. Extrahirter Anis ergiebt hier eine untere und 
oberste Schicht von gleicher Höhe. Ist die obere Anisschicht ^3 s^ stark wie 
die untere, so ist eine Beimischung von extrahirtem Anis höchst wahrscheinlich. 
Die russische Waare giebt gewöhnlich eine obere Schicht, welche halb oder ^3 so 
stark ist als die untere. 

Wenn sich der Anis hiemach verdächtig erweist, so schreitet man zur Ex- 
tractbestimmung. 10 g der abgesiebten lufttrocknen ganzen Früchte extrahii*t mau 
unter wiederholtem Aufgiessen von Wasser, Aufkochen, Decanthiren und Coliren 
durch Glaswolle, dampft die Colaturen ein und trocknet so weit aus, bis sich 
der Rückstand mit einem Messer mit abgeflachter Spitze von der Wandung der 
Porzellanschale staubig abstossen lässt. 10 g guter Anis geben mindestens 1,8 g 
staubig trocknes Extract, mittlere Waare 1,6 — 1,7 g. Zwei russische Sorten er- 
gaben a) 1,2 und b) 1,43 Extract. Der Normativgehalt könnte zu 16 Proc. 
angenommen werden. Es enthielte dann die Sorte a ungefähr 25 Proc, die 
Sorte b ungefÄhr 10 Proc. extrahirten Anis. 

Die Verunreinigung oder Verfälschung der Anisfrüchte mit den Früchten 
von Conium maculatum ist wieder beobachtet worden und ist A. Poehi^ in 
Petersburg diesem Gegenstand eingehend und vielseitig experimentirend näher 
getreten (pharm. Centralh. 1878, S. 103, Petersb. med. Wochenschrift 1877, 
No. 36). Die Schwierigkeit der Unterscheidung der Coniumfrüchte von den Anis- 
ft-üchten, der innere Bau dieser ersteren Früchte lassen die Vermuthung auf- 
kommen, dass Bastarderzeugungen, Zwischenstufen-Gebilde zwischen Pimpinella 
Anisum und Conium maculatum existiren. Poehl konnte nur durch den 
Nachweis von Coniin die Anwesenheit der Coniumfrüchte constatiren. Man ex- 
trahirt mit Aether, schüttelt diesen Auszug mit angesäuertem Wasser aus, macht 
die filtrirte wässrige Lösung alkalisch und schüttelt sie mit Aether aus. Ein in 
diesem Aether eingetauchtes Stück Papier lässt nach dem Abdunsten des Aethers 
den Coniingemch deutlich wahmehmen. Hoffentlich wird diese Vemnreinigung 
der Anisfrüchte immer nur eine höchst seltene bleiben. 

Oleum Anisi ist mit dem Stearopten des Fenchelöls verfälscht vorgekommen. 
Die Erkennung dieser Fälschung wird der Geruch möglich machen. 

Arcanum. LebensöL Unter diesem Namen werden nach Prof. Dr. Richter's An- 
gaben verschiedene Präparate von den Olitätenkrämern in den Handel gebracht, welche 
mit dem im Handb. unter Anisum angegebenen Lebensöl wenig Aehnlichkeit haben. 

a) Ordinäres Lebensöl. Penibalsam 12, Bergamott- und Citronenöl je 8, 
flüss. Storax 6, Lavendelöl 4, Nelkenöl 3, Zimmttinctur 340, Zuckertinctur 12, Wein- 
geist 1600 Th. b) Gelbes Hamburger Lebensöl durch Digestion dargestellt aus: 
Benzoetinctur 72, flüss. Storax 24, Penibalsam 18, Cassiaöl 12, Nelkenöl 9, Cardamom- 
öl 1, Berg-amottöl 12, Macisöl, Rosmarinöl, Lavendelöl, Sassafrasöl je 3, Weingeist 1500, 
Hamburger Lebensöl 900 und Saffrantinctur 150 Th. nebst etwas Zucfeertinctur. 



Apocynum, 



* In der Tinctur und dem Fluid-Extract aus Apocynum cannabinum und 
androsaemifolium bildet sich beim Stehen ein weisser, gleichsam krystallähnlicli 
sich mehrender Bodensatz, welcher aus einer in Chloroform, Aether, Schw^efel- 



Apocynam. — Apomorphinum hydrochloricum. 97 

bMenstoff löslichen ^ in Wasser unlöslichen Substanz besteht nnd Rohrzncker- 
VorystaWehen emBchliesst (Lloyd). 

In der Familie der Apocyneen liefert Thecetia neriifolia Juss., welche ur- 
spitlngUeli auf den Antillen vorkommt , aber in Ostindien caltivirt wird, in dem 
Sanken ein HeTzgift, das von D£ Vru entdeckte und von Blas näher unter- 
saehte Thevetin, ein Glykosid von der Formel €541194024. Es scheint mit 
OuDSMA^B Cerberin (in den Samen der Apocynee Gerber a Odallam Hamilton) 
identiBch. Dem aus diesem Thevetin neben Glykose sich abspaltenden Theve- 
resin kommt die Formel C4gH7oOi7 zu. Thevetin gleicht qualitativ und quanti- 
tativ in seiner Wirkung dem Digitalin, ebenso das Theveresin. 

Andere Apocyneen, z. B. Geüsospermum Vellosü (P£Ckolt) oder Geisso- 
spermum laeve (Baillon), sollen die als Fiebermittel empfohlene Pereiro- 
Rinde liefern. Dem darin befindlichen giftigen Alkaloid Pereirin wird von 
0. Hesse der Name Geissosperm in gegeben, und lässt dieser Chemiker einem 
zweiten Alkaloid in derselben Rinde den Namen Pereirin (Zeitschr. d. österr. 
Apoth.-Ver. 1878, S. 193, Bericht d. d. eh. Ges. zu Berlin 1878). 



Apomorphinnm hydrocUoricam. 

Morphinhydrochlorat ist in Aether und Chloroform unlöslich, dagegen 
ist das im Contact mit Luft daraus entstehende Zersetzungsproduct in Aether 
und Chloroform mit violetter Farbe löslich. Mittelst dieser Lösungsmittel lassen 
fflch also leicht die zersetzten Salztheile von den unzersetzten trennen. Diese 
Operation dürfte mitunter uothwendig werden, wenn ein altes Präparat dispen- 
sinmgsfiUiig gemadit werden muss. Es genügt eine starke Durchschttttelung und 
Sammeln des Salzes im Filtrum. Die Abtrocknung geschieht schnell durch Aus- 
braten auf einem Stück Fliesspapier. 

Ein Erwärmen der Lösung oder die Darstellung einer Lösung durch Er- 
wärmen ist zu vermeiden, denn dadurch wird die Zersetzung begünstigt. Beim 
Erhitzen bis zum Kochen nimmt die ursprünglich neutrale Lösung eine alkalische 
Reaction an und wird gesättigt grünbraun. 

Soll eine wässrigeApomorphinhydrochloratlösung auf mehrere Wochen conservirt 
werden, so ist ein geringer Aetherzusatz zu empfehlen , auf 2 g der Lösung ein 
Tropfen Aether (Hageb). Eine geringe Zersetzung ist ohne Einfiuss auf die 
Wirkung des Salzes, welche durch Chloral oder Chloroform gemindert, durch 
Morphin aber gesteigert werden soll. 

IsAAK Ott constatirte neben der Erbrechen erregenden Wirkung eine Er- 
höhung und darauf folgende Erniedrigung der spinalen Reflexerregbarkeit unter 
Herabsetzung der Herzschläge. 

Um eine sichere Emesis zu erreichen, soll die höhere Dosis, die subcutane 
zu 0,012 in Anwendung kommen, da von einer etwas zu grossen Dosis kein 
Nachtheil zu erwarten sei. Die stärkste Injectionsdosis normirt Pharm. Austriaca, 
Additamenta, zu 0,01. 

Durch subcutane Injectionen des Apomorphinhydrochlorats will Vallekdeb 
(Berl. klm. Wochenschr. 1878) in kurzer Zeit drei Epileptiker geheilt haben, 
von denen der eine täglich von 10 — 15 Anfällen gequält wurde. Die Injection 
geschah stets während der Aura in einer Dosis von 0,005. Der Anfall wurde 
jedesmal coupirt und erfolgte anstatt des Krampfes eine Ohnmacht. Nach und 
naeh wurde die Injectionsdosis reducirt, selbst bis auf 0,0025. Die Anfillle wur- 
den leichter und seltener und blieben zuletzt ganz aus. 

Hager, Phftrm. Praxis. Sappl. 7 



98 



Apomorphinam hydrochloricum. — Aqua. 



Apomorphin. Patrouillard beschreibt im Journ. de Ph. et de Ch. 1877 
ein aus England bezogenes Apomorphin. Es bildete ein voluminöses graues Pul- 
ver, untermischt mit schwärzlichen Partikeln. Zusammeugerieben Hess es sich mit 
der Lupe als ein Haufwerk von glänzenden Schüppchen erkennen. Es war von 
schwach bitterem Geschmack, in Wasser, Weingeist, Aether, Chloroform löslich. 
Salpetersäure färbte e& dunkelroth bis violett, allmählich blasser und klebrig 
werdend. Durch Aetzammon wurde diese salpetersaure Lösung wieder dünn- 
flüssig und braun. Ferrichlorid färbte die Apomorphinlösung erst tief rosenroth, 
welche Farbe in Violett, endlich in Schwarz überging. Jodjodkalium erzeugte 
in der wässrigen Lösung emen schmutzigrothen Niederschlag, welcher beim Er- 
wärmen verschwindend eine erst lebhaftrothe , dann braun werdende Flüssigkeit 
ergab. Die wässrigen und weingeistigen Lösungen waren fast farblos, Ins Graue 
ziehend, wurden dann an der Luft grünlich, smaragdgrün. 



(1} Liquor Apomorphini hydrochlorici 

ad injectionem subcutaneam. 

IV? Apomorphini hydrochlorici 0,12. 
Solve in 

Aquae bisdestillatae 10,0. 
Per penicillum lanae vitreae funde. 

D. S. Eine Pravazspritze voll zu inji- 
ciren (1 CG. entsprechend 0,012 Apomor- 
phinum hydrochloricum). 



(2) Apomorphinum hydrochloricum 
saccharatum. 

1^ Apomorphini hydrochlorici 1,0 
Sacchari Lactis 9,0. 
Misce, ut fiat pulvis subtilis. 
Serva. Signa: Sumatur Xplum. 

Dient zum Abwägen sehr kleiner Mengen 
des Apomorphinsalzes. Es ist in kleinen 
dicht verkorkten Flaschen an dunklem 
Orte aufzubewahren. Flaschen mit Glas- 
stopfen sind zu diesem Zwecke ungeeignet. 



Aqua. 

Baeterienkeime, Ursprosser im Wasser. Diese werden in jedem Wasser, wel- 
ches mit der Atmosphäre in Berührung stand oder steht, vorhanden sein. Da 
viele dieser Keime die Eochhitze des Wassers überstehen, selbst, wie L. Pasteür 
und JoüBEBT berichten, eine Hitze von 130^ ertragen, ohne getödtet zu werden, 
80 finden wir sie auch im gekochten und destillirten Wasser, welches ja nach 
der Erhitzung mit der Luft in Berührung bleibt und auf diese Weise von Bacterien- 
keimen bestäubt wird. Viele sind so klein, dass sie selbst durch unsere Papier- 
filter gehen. Ch. Chamberland beobachtete eine Bacterie, welche er für Ba- 
cillus subtilis COHN hält, welche die Wasserkochhitze überstand, aber bei 115^ 
ihre Lebensthätigkeit einbüsstc, im Uebrigen nur in neutralen, nicht in sauren 
Flüssigkeiten vegetirte. Es ergiebt sich daraus, dass durch Kochen des Wassers 
die Keime dieser mikroskopischen Organismen nicht immer getötet werden können. 
Hager stellte dahinzielende Versuche an und gelang es ihm immer die im Wasser 
gewöhnlich vorkommenden Organismen bei 100^ C. zu töten. 

Tannin stört die Lebensfähigkeit der Baeterienkeime, die Bacterien und die 
anderen mikroskopischen Vegetationen in dem Wasser. Von Müntz wurde sogar 
constatirt, dass das Mycelium des gewöhnlichen Schimmelpilzes 60 Proc. Tannin, 
die Pilze einer höheren Ordnung selbst bis zu 86 Proc. Tannin aufzunehmen 
vermögen. Die Annahme, dass Brunnen- Wasser , welches durch Gerbsäure ge- 
trübt wird, Leim enthalte, ist eine irrthümliche. 

Gas- und Thecrw asser, Leuchtgas im Brunnenwasser. Diese Ver- 
unreinigung macht sich in verschiedener Weise kenntlich. Oft reicht schon der 
Geruch und Geschmack aus. Das Wasser kann enthalten starke Mengen Ammon 
als Chlorid, Nitrit, Nitrat oder Hyposulfit, Fetttheile (Schwimmprobe mit Kampfer), 



Aqua. Prüfung des Wassers. 99 

Sehvefelwasserstoff. Nach H. Vohl wird das Hyposulfitsalz in der Weise nach- 
gewiesen^ da83 man 1 Liter des Wassers mit Bleiacetat fällt , den Niederschlag 
mit Natrinmcarbonatldsang aufgekocht, heiss filtrirt, das Filtrat durch Eindampfen 
auf ein geringes Volumen bringt und davon einige Tropfen zu verdünnter Schwe- 
felBäure setzt, in welche man reine Zinkstückchen giebt. Das sich entwickelnde 
WasserBtoffgas lässt man auf mit Bleiessig getränktes Papier einwirken. Bei 
Gegenwart von Hyposulfit entsteht Schwefelwasserstoff. 

Zum Nachweise des Leuchtgases versetzt 0. Himlt das Wasser mit 
Chlorwasser, setzt die Mischung mehrere Stunden dem Sonnenlichte aus und be- 
seitigt dann das Areie Chlor durch Quecksilber oder Quecksilberoxyd. Riecht 
dann das Gemisch oder ein partielles Destillat daraus nach Aethylenchlorid oder 
einer ähnlichen Chlorverbindung, so liegt eine Verunreinigung des Wassers mit 
Steinkohlengas vor. Zu diesem Experiment muss nothwendig mindestens ein 
halbes Liter des Wassers verwendet werden. 

Prüfung auf organische Stoffe und Bestimmung derselbenl Man 
dampft 1 Liter des Wassers bis fast zur Trockne ein, nimmt den Rückstand 
mit 5proc. Aetznatronlauge auf, filtrirt, erwärmt und bestimmt die organische 
Substanz mit der auf Yioo Normal-Oxalsäure titrirten Chamäleonlösung. Dass 
Salpetrigsäore und Ammon reducirend auf diese Lösung einwirken, ist nicht zu 
übersehen. 

Bereitung der Kaliumhypermanganatlösung zur Bestimmung der 
organischenSubstanz. Die im Handbuch gegebene Anweisung enthält 
einen Druckfehler. In der 4. Zeile von unten S. 382, Bd. I, ist zu setzen 0,4 
statt 4,0. Bei der Prüfung des Wassers mit der Kaliumhypermanganatlösung 
ist es zweckmässig, das Wasser mit Aetznatron stark alkalisch zu machen und 
bis auf 50 — 60® C. zu erwärmen. Unter diesen Verhältnissen geht die Oxydation 
der dänischen- Substanz leichter und schneller vor sich. 

Bestimmung des Ammons oder Ammoniumcarbonats im Wasser. 
Nach HouzEAu's Angabe versetzt man in einem farblosen Glasgefäss oder in 
rein weisser Porcellanschale z. B. 1 Deciliter mit weinrother Lackmuslösung 
(Lackmnstinctur). Bei Gegenwart von Ammon tritt sofort Blaufäi*bung ein und 
soll selbst Ammon in einem Verhältniss von 1 Th. zu 4 Millionen-Theilen Wasser 
auf diese Weise zu erkennen sein. Zum Titriren eignet sich eine Säure, von 
welcher 1 CC. (oder 1 g) genau 0,001 g Ammon anzeigt. Versetzt man nach 
Gribssmayeb 1—2 Tropfen Gerbsäurelösung mit 1 CC. 7ioo"No^"^*^Jö^lösung, 
^j erfolgt Enterbung. Auf Zusatz von Wasser, welches Ammoniumcarbonat 
enthält, durch Aufkochen (?) aber von Kohlensäure befreit ist, erfolgt eine schön 
rothe, im auffallenden Lichte carmoisinroth erscheinende, längere Zeit andauernde 
Färbung. 

Nachweis der Salpetersäure. Man versetzt ca. 15 CC. des Wassers 
mit 2 — 3 CC. reiner Salzsäure und einigen Goldblättchen, digerirt und erhitzt 
biä zum Aufkochen. Das Filtrat versetzt man mit einigen Tropfen Stannochlorid 
Zinnehlorür). War Salpetersäure gegenwärtig, so erfolgt sofort oder einige 
Stunden später eine rothe Färbung oder ein röthlicher Niederschlag (Aüg. Vogel). 
So schön und gut diese Reaction ist, so bleibt sie hinter der mit Diphenylamin 
«jder Phenylanilin, welche E. Kopp (Zürich) vorschlägt, weit zurück. Diphe- 
nylamin in schwefelsaurer Lösung zeigt sowohl Salpetersäure als auch Salpetrig- 
»aure an (vergl. Suppl. S. 26). Das Reagens ist eine Lösung von gepulvertem 
Diphenylamin in concentrirter Schwefelsäure. In ein Porcellanschälchen giebt 
man ungef^r 2 CC. dieser Lösung und mittelst eines Glasstabes einen Tropfen 
des zu prüfenden Wassers. Bei Gtegenwart von Salpetersäure oder Salpetrigsäure 
entsteht eine lasurblaue Färbung oder man giebt auf ein auf weissem Papiere 

.;: ^- 7* 



100 Aqua. Analyse des Wassers. 

stehendes ührglas einige wenige Erystalle von Dipbenylaminy Hbergiesst dieselben 
mit etwas concentrirter SchwefelsÄure, nnd fördert durch Umrühren mit einem 
Glasstabe die Lösung derselben ; bringt man nun vermittelst des Glasstabes einige 
Tropfen des zn untersuchenden Wassers in die Flüssigkeit, so entstehen an den 
Stellen, wo sich die Schwefelsäure mit dem Wasser zu mischen beginnt, bei 
Gegenwart auch minimaler Mengen Salpetersäure blaue Streifen, und beim Um- 
rühren wird die ganze Flüssigkeit deutlich blau. 

Wenn eine quantitative Bestimmung bezweckt wird, so macht man 1 Liter 
des Wassers mit einigen Tropfen Aetznatroulauge alkalisch und dampft bis auf 
10 — 15 CG. ein, um den Salpetersäuregehalt im concentrirten Zustande zu 
sammeln. 

Nachweis von Salpetrigsäure. Das mit Essigsäure angesäuerte Wasser 
wird der Destillation unterworfen und die überdestillirenden Tropfen in mit 
Schwefelsäure angesäuertem Kaliumjodidstärkekleist^r aufgefangen. Salpetrigsäure, 
welche ohne Zersetzung zu erleiden leicht im Anfange der Destillation übergeht, 
erzeugt hier eine blaue Jodstärke-Aasscheidung (FRESEmus). Diese Reaction ist 
eine scharfe, wo es darauf ankommt Salpetrigsäure neben Salpetersäure utid 
bei Abwesenheit von Ferrioxyd nachzuweisen, im anderen Falle verdient die weit 
schärfere Reaction mit Diphenylamin in schwefelsaurer Lösung den Vorzug (vergl. 
unter Acidum nitrosum). Ein noch schärferes Reagens auf Salpetrigsäure ist 
nach Gries das Metadiamidobenzol, welches 1 Th. Salpetrigsäure in 1 Mill. 
Th. Wasser durch Eintritt einer gelben Färbung anzeigt. Es wird in verdünnter 
Schwefelsäure gelöst und die Lösung durch gereinigte Thierkohle entfärbt. Eine 
solche Lösung lässt sich Monate hindurch aufbewahren. 

Die im Handb. (Bd. I, S. 384) angegebene Reaction mit Cadminmjodid 
haltender Stärkelösung kann auch durch eine Zinkjodid-haltende Jjösung ersetzt 
werden. 10 CC. des Wassers werden mit 1 Tropfen des Reagens versetzt. 

Bestimmung der Sulfate im Wasser. Dieselbe geschieht nach Aug. 
HouzEAü in folgender Weise: 

10 CC. des Wassers werden in einen (12 Ctm. langen, 1,8 Ctm. weiten) 
Reagircylinder gegeben und mit einem Tropfen Essigsäure angesäuert. Hieranf 
giebt man aus einem Tropfenzähler je nach Umständen 2, 4, 6, 8 oder 
10 Tropfen einer titrirten Baryumchloridlösung hinzu. Hat sich nach Verlauf 
von 3 Minuten eine Trübung gebildet, filtrirt man durch ein genässtes doppeltes 
Filter. Das Filtrat versetzt man wiederum mit einem oder mehreren Tropfen 
der Baryumsalzlösung, wartet 3 Minuten und giesst, wenn eine Trübung einge- 
treten ist, durch dasselbe Filter. In dieser Weise fährt man fort, bis das Filtrat 
aufhört,, mit dem Reagens im Verlaufe von 3 Minuten eine Trübung zu geben. 

Die Methode der Titrirung lässt sich beim Wasser auch auf andere Bestand- 
theile wie Kalkerde, Chloride etc. anwenden. Nothwendig ist, die Zusätze genau 
zn notiren. Dass sich diese Methode auch auf stathmetometrischem Wege ver- 
wenden lässt, bedarf wohl keiner Erklärung. 

Farbe des Wassers. Zur Erkennung derselben werden zwei gleich weite 
(2 Ctm. weite) Reagircylinder, der eine derselben mit dem fraglichen Wasser, 
der andere mit destill. Wasser gefüllt und beide neben einander gegen eine 
Scheibe völlig weissen Schreibpapiers in verschiedenen Lagen gegen das Licht 
betrachtet. 

Düngerjauche, Dejectbestandtheile, Cloakenstoffe im Wasser 
nachzuweisen oder zn erkennen, ob ein Brunnen mit Düngergruben oder Abtritten 
communicirt, verfährt man (nach Hageb) in folgender Weise. Man dampft in 
einem Porcellangefäss 1 Liter des Wassers bis auf circa 30 CC. Rückstand ein 
und filtrirt, das ^ etwa an die Qefllsswandung* angelagerte mit einem Pinsel 



Aqua. Trinkwaßser. 101 

sammelnd und mit dem Wasser in das tai'irte Filter bringend, um es dem Ge- 
wichte nach zu bestimmen und näher zu untersuchen. Von dem Filtrate werden, 
nachdem es auf sein Verhalten gegen Reagenspapier geprüft ist, 5 CC. mit 
einigen Tropfen Silberlösung versetzt und im Wasserbade eine halbe Stunde er- 
hitzt Die Flüssigkeit gleitet mit Silbersalz nicht nur einen sehr starken Nieder- 
schlag, sie färbt sich auch wohl schwarz oder enthält einen schwarzen Boden- 
satz, oder Silber ist reducirt. Andere 5 GC. werden mit mehreren Tropfen Gerb- 
säure versetzt, eine dritte Portion von 5 CC. des Wassers werden zunächst mit 
10—15 Tropfen verdünnter Schwefelsäure und dann mit 5 CC. Pikrinsäurelösung, 
weitere 5 CC. des Wassers mit einigen Tropfen verdünnter Schwefelsäure und mit 
Jodjodkalium versetzt Bei Gegenwiirt jener fauligen Stoffe treten in der einen 
oder der anderen Flüssigkeit alsbald oder nach einstündigem Stehen Trübungen 
oder Niederschläge ein. Mindestens werden 3 dieser Reactionen eintreten. 
Kommen die Reactionen erst nach einiger Zeit zum Vorschein, so ist der Gehalt 
des Wassers an jenen Stoffen ein unbedeutender. Giebt Gerbsäure keine Reaction, 
so ist es gut, die Flüssigkeit mit wenig Essigsäure schwach säuerlich zu machen. 
Mit dem Reste des eingedampften Wassers versucht man Reactionen auf Ammon, 
Hamsäure, Harnstoff. Die beiden letzteren sind nur dann vertreten, wenn eine 
directe Verbindung zwischen Brunnen und Dunggrube vorhanden ist. Das bis 
zur Trockne eingedampfte Wasser hinterlässt bei einem Gehalt an Dungstoffen 
gewöhnlich einen braunen oder dunkelfarbigen Verdampfungsrückstand. 

Behufs Abschätzung und Beurtheilung des Wassers als Trink- 
wasser gab Hager vor 15 Jahren das Verhalten desselben gegen Tannin- 
lusung an und findet sich im Handb. Bd. I, S. 385, sub IV die Anweisung, 
diese Reaction auszufahren und zu beurtheilen. Endlich hat man in neuerer 
Zeit den Werth cUeser Reaction erkannt, jedoch modificirte man Haoer's Angaben 
insofern y als Eaemmebeb den Gebrauch eines Wassers als Trinkwasser für ge- 
fihrlich erachtet, wenn dieses überhaupt durch Tannin gleich oder spät-er eine 
Trübung erleidet. Hages bemerkt dazu, dass er die im Handb. loco citato ge- 
machten Anweisungen für richtige und der Erfahrung sich anschliessende hält 
Er beobachtete Trübungen in der dritten und vierten Stunde nach dem Tannin- 
Zusätze. Diese Wässer waren beim Schöpfen und kurz nach der Entnahme aus 
dem Brunnen scheinbar firei von Algen, farblos und hatten einen guten Geschmack, 
wohl aber einen etwas starken Kalkgehalt (im Liter ca. 0,25) und eine geringe Menge 
organischer (nicht organisirter) Substanz, .denn der Verdampfungsrückstand war 
grangelblich, nach dem stärkeren Erhitzen im geschlossenen Tiegel schwärzlich- 
brann. Nadi eintägigem Stehen in dicht geschlossener Flasche bei 15 — 18^ C. 
fanden sich organisirte Gebilde ein. Ein solches Wasser wird oft angetroffen 
und wird ohne allen Nachtheil genossen. Hageb hält nur das Wasser für ver- 
werflich ^ welches in den ersten zwei Stunden erhebliche Trübungen nach dem 
Tanninznsatze ergiebt Würde man der KAEMMEBEB'schen Ansicht folgen, so 
käme man in die Lage, wohl 50 Proc. der Brunnen zu cassiren. 

Das Wasser, welches farblos oder fast farblos ist und Ursprosser oder Algen 
enthält, die aus vegetabilischen Zersetzungsproducten entstehen oder solche als 
Nährboden haben, ist im Allgemeinen, wie Hageb aus mehrjähriger Erfahrung 
nachweist (pharm. Centralh. 1879, S. 267), der Gesundheit nicht nachtheilig, 
dagegen aber ist der Genuss des Wassers höchst gefährlich, dessen Algenvega- 
ihnesi thierischen Stoffen, Dejecten, Faecalmassen, todten Thieren ihren Ursprung 
verdanken oder solche Substanzen zum Nährboden haben. Wasser der letzteren 

Art wird nie ermangeln in der ersten Stunde nach dem Tanninzusatze sich zu 

trüben oder einen Bodensatz zu bilden. 

Die Benrtbeilnng eines Trinkwassers stützt in neuerer Zeit A. Dupasquieb 



102 Aqua. Aqua bisdestillata. 

auf das Verhalten einer Goldchloridlösüng in dem Wasser. Dieser Chemiker giebt 
folgende Anweisung: 

Man setzt zu 25 — 50 g des Wassers einige Tropfen Goldchlorid-Lösung in der 
Art, dass die Flüssigkeit schwach gelb gefärbt erscheint. Enthält das Wasser 
nur so viel organische Substanz, wie das gewöhnliche «Trinkwasser überhaupt, so 
bleibt die gelbliche Färbung selbst bei anhaltendem Kochen ohne Veränderung; 
enthält dagegen das Wasser eine ungewöhnliche Menge organischer Substanzen, 
so färbt es sich zuerst bräunlich und später bläulich violett. 

Wie gefährlich der Genuss von Wasser ist, welches mit Faecalmasse in 
Berührung war, ergiebt ein in England zu Caterham vorgekommener Fall. Das 
Deject eines Typhuskranken war in das Wasser eines Grabens gefallen, aus wel- 
chem fast 400 Arbeiter ihr Trinkwasser schöpften, und es erfolgten 300 Typhus- 
erkrankungen. Massenhafte Erkrankungen nach Genuss von Wasser aus Teichen 
und Gräben, in welchen man todte Thiere geworfen hatte, sind oft vorgekommen. 

Hedieinische Pflanzenwässer. 

Man hat vorgeschlagen, zur Conservirung der destillirten Pflanzenwässer 
einen Glycerinzusatz zu machen. Da schon ein mit 33,3 Proc. reinem Glycerin 
versetztes Wasser die Bildung von Schimmel und Schleimalgen zulässt, so ist jener 
Vorschlag ein verfehlter (Hager). 

Aqnabisdestillata, kSclistreines Wasser, zweimal destillirtes Wasser, bisdestil- 
lirtes Wasser bezeichnet ein Wasser, welches mit besonderer Sorgfalt gereinigt 
ist und zur Darstellung der Lösungen und Flüssigkeiten dient, welche eine hypo- 
dermatische Anwendung finden. Dass das destillirte Wasser, wie es in den 
Apotheken vorräthig gehalten wird, meist Bacterienkeime enthält und beim Stehen 
die Bildung von Organismen in Form von Schleimflocken zulässt, dass ein solches 
Wasser subcutan angewendet, Entzündung und Eiterung an den Injectionsstellen 
hervorbringt oder zur Folge hat, wurde von Hageb durch Experiment an eigener 
Person constatirt. Bisher erklärten die Aerzte diese unangenehmen Erscheinungen 
und localen Nachwirkungen der Injectionen als Folge einer unreinen Beschaffen- 
heit der gelösten Injectionssubstanz und man ahnte nicht, dass meist nur die 
Beschaffenheit des destillirten Wassers die Ursache sei. So kam in einer Apo- 
theke in Pommern der Fall vor, dass ein und dasselbe Morphinsalz bei der 
einen Person jene Entzündungen hervorbrachte, bei der anderen nicht. Der be- 
treffende Apotheker vertheidigte sich damit, dass die eine Person wohl zu diesen 
Entzündungen disponire, die andere nicht. Als Gegenbeweis dieser Ansicht er- 
gab sich, dass die I^ösung aus einer anderen Apotheke entnommen nicht solche 
Nachwirkungen gezeigt habe. Die Einführung einer Aqua bisdestillata in 
die praktische Pharmacie ist zu einer Forderung geworden (pharm. Centralhalle 
1879, S. 385. 473), die zu erfÜUen ist. 

Die Darstellung dieses zu Injectionen brauchbaren Wassers richtet sich 
nach der Beschaffenheit des Brunnenwassers. Ist letzteres nicht frei von orga- 
nischer Substanz und Ammon, so versetzt man 50 Liter des in einem Steintopfe 
oder einem Glasballon befindlichen Wassers mit 10 g Kaliumhypermanganat , ge- 
löst in einem halben Liter Wasser, kolirt nach einigen Stunden in die Destillir- 
blase, versetzt mit 25 g Kalialaun und destillirt, nach Verwerfung des zuerst tiber- 
gehenden ersten Liters Wasser die folgenden 33 — 34 Liter sammelnd. Giebt 
das Destillat mit Silbemitrat im Verlaufe einer Viertelstunde keine Trübung, so 
wird es durch ein doppeltes, vorher mit destill. Wasser gewaschene» Papierfilter 
direct in Y2 — 1- Literflaschen hineinfiltrirt. Die vollen Flaschen werden sofort 
mit Glasstopfen geschlossen und mit Glas- oder Blechkapseln tectirt und an einem 
schattigen Orte aufbewahrt. Hätte das Destillat auf Zusatz von Silbemitrat eine 
Trübung erfahren, was vorkommt, wenn das Brunnenwasser viel Calciumchlorid 



Aqua. 103 

oder Magneaiamchlorid enthält, so müss es über 5 g Aetznatron und 10 g kry- 
stalL Natriumcarbonat nochmals destillirt nnd das Destillat durch ein doppeltes 
nit^ gegossen werden. 

Auf diese Weise erhält man ein Wasser, welches frei von organischen Stoffen 
und Ammon ist. Die Destillation über Alaun erscheint nach der Behandlung 
mit Eaüumhypermanganat tiberflüssig, dennoch sichert man die Bindung des 
Ammons nnd die Zerstörung aller organischen Keime, welche nach der Behand- 
lung mit dem Eaüumhypermanganat und während der Beschickung der Destillirblase 
m das Wasser hineingestäubt sein könnten. 

Dass die Flaschen und Trichter völlig rein und vor Staub geschützt sein 
müssen, ehe sie mit dem Wasser gefüllt werden, ist unumgänglich nothwendig. 

EntgfpsQflg des Wassers. Diese geschieht nach F. Anthon durch Baryum- 
oxalat. Auf 10,0 krystallisirtes Calciumsulfat gentigen 15,0 Baryumoxalat und 
mehrstündige Digestionswärme. 1 Liter mit Gyps gesättigtes Wasser enthält 
2,5 g davon. Bei Siedehitze erfolgt die gegenseitige Zersetzung beider Salze 
schneller. 

TrfikbanDachung schlechten Wassers. Diese wird nach Oltmanns (Obern- 
dorf a. d. Oste) sicher dadurch errei(^ht, dass man 1 Liter des Wassers mit 
1 CC. dialysirter Eisenfltissigkeit versetzt und 1 — 2 Tage absetzen lässt. Gunnikg 
erreicht diesen Zweck durch Zusatz von 0,033 wasserfreiem Ferrichlorid. Die 
ÖLTMANN^sche Methode dürfte den Vorzug haben, besonders in den Fällen, in 
welchen das Wasser technischen Zwecken dienen soll. 

Weickniaclieii harten Wassers. Zu 100 Liter Wasser werden 20 g Aetz- 
kalk, mit Wasser abgelöscht, zugesetzt, bis zum Aufkochen erhitzt und nach 
dem Absetzenlassen filtrirt. Wenn ein Erhitzen bis zum Aufkochen nicht geschehen 
kann, so versetzt man 100 Liter Wasser mit 25 — 30 CG. lOproc. Aetzammon, 
lässt einen Tag absetzen und filtrirt. 

Eiseisekwaminiilter, Bischof's. Diese Vorrichtung wurde vor 10 Jahren in 
England patentirt. Sie besteht aus Eisenschwamm und soll sich in der Fabri- 
kation der Mineralwässer, überhaupt zur Reinigung schlechten Wassers vortreff- 
lich eignen. Es existiren verschiedene Grössen. No. 1 dürfte sich für Apo- 
theken, No. 4 und 5 für Mineralwasserfabriken eignen. Bezugsquellen sind 
E. Letbold's Nachfolger in Cöln und Ernst Voss (Gebr. Kalkmann) in Ham- 
burg. Dazu verwendbare Glaskugelhähne werden zu 7,20 — 8,40 Mk. berechnet 

Alti-KesselBteiiimittel giebt es eine grosse Anzahl, deren Zusammensetzung ge- 
heim gehalten wird oder welche patentirt sind. Das HAUFF'sche (Feuerbach bei 
Stuttgart, Fabrik von J. Hauff) besteht nach Bbockhoff und Süssengut aus 
Aetznatron 24 Th., Natriumchlorid 1,24 Th., Natriumsulfat 2,13 Th., Wasser 
73 Th-, ist also eine ans roher Soda bereitete Aetzlauge. — Das patentirte 
Anti-Kesselsteinmittel von Meyn & Cp. (Berlin) besteht aus unreinem Baryum- 
chlorid mit 4 Proc. Salmiak, tingirt mit rothem Ocher. — Das Ad. MABOHN'sche 
Mittel (Berlin) ist dem vorigen ähnlich, nur mehr Ocher enthaltend. (Baryum- 
chiorid ist für Wasser, welches an Magnesiumchlorid nicht arm ist, ein verwerf- 
liches Antikesselsteinmi ttel.) — Pate antitartrique in Form einer ziegelrothen 
körnigen Pasta besteht ans Meersalz, Soda, Sand, Eisenoxyd und den Rückständen 
ans der Stärkefabrikation. — Alex. Stock's Antikesselsteinmittel (Guben) besteht 
aas Borax nnd Kochsalz. — Ein nnbenanntes Mittel bestand aus unreinem Mag- 
nesinmoxalat, Borax und Kochsalz (Hageb). 

Einlagen von Zinkstäben in die Dampfkessel (bei Gegenwart von Magnesinm- 
chjorid entsteht Zinkchlorid, welches der Bildung des Kesselsteins entgegen- 
wirkt). 



104 Aqua. Eisdarstellang. 

Eine Verfahrungßweise, das Wasser, welches zur Speisung von 
Dampfkesseln bestimmt ist, zu reinigen, um die Kesselsteinbildung zu 
verhüten, ist in No. 2 der Industrieblätter 1880 von K. und Th. Mölleb 
(Kupferhammer bei Brackwede) angegeben. 

Dampfkesselspeisewasser, empirische Beurtheilung desselben. W. F. K. 
Stock sagt darüber (Chemical News), dass es auf folgende Punkte ankomme und 
eine genaue Analyse nicht nöthig sei: 1) das Wasser muss frei sein von einer 
sehr merklichen Menge suspendirter mineralischer Substanzen, 2) darf dasselbe 
keine freien Mineralsäuren, saure oder corrodirende Salze enthalten, 3) dürfen 
ölige und fettige Substanzen ebenfalls nicht vorhanden sein, 4) darf ein gutes 
Kesselspeisewasser nicht mehr als 0,44 g feste Substanzen per Liter enthalten, 
und dürfen von diesen sich nicht mehr als die Hälfte beim Kochen unter Druck 
ausscheiden. Zur Bestimmung letzteren Umstandes kocht man, nachdem man die 
Gesammtmenge der gelösten Substanzen bestimmt hat, ein bestimmtes Volumen 
des Wassers am Rückflusskühler und wägt den ausgeschiedenen Niederschlag. 

In Erwägung kommt, dass Magnesiumcarbonat neben Calciumsulfat und 
Calciumchlorid in Wasser bis zu 100<^ C. erhitzt zersetzend wirkt und Sulfat und 
Chlorid des Magnesium entstehen, dagegen dass bei höherer Temperatur dieser 
Process eine retrograde Richtung annimmt und Magnesiumcarbonat und Sulfat 
und Chlorid des Calcium resultiren. Auf diesen Umstand hin wird von E. Bohlig 
{Eisenach) Wasser gereinigt (D. R.-Patent). 

Bleirlhren, Zinnrlkren. Für Wasserleitungen sind Bleiröhren in unserem Klima 
die besten und dauerhaftesten. Zinnröhren brechen und bersten leicht, besonders 
in der Winterkälte. Eiserne Röhren liefern immer Wasser von Ocher getrübt 
und sind ebenfalls weniger dauerhaft denn Bleiröhren (Bd. I, S. 385). 

Die mit Zinn ausgekleideten Bleiröhren könnten den Vorzug verdienen, doch 
auch hier erleidet Zinn bei starker Kälte, Temperaturwechsel, Erschütterung eine 
Disaggregation , die schwache Zinnauskleidung wird krystallinisch und bröckelt 
in kleinen Stücken ab. Diese Erscheinung tritt nicht ein, wenn das Zinn 2 bis 
3 Proc. Blei enthält. Dass bei Anwendung von Röhren aus 2 — 3 Proo. Blei ent- 
haltendem Zinn an Mineralwasserapparaten die Gefahr einer Verunreinigung der 
künstlichen Mineralwässer mit Blei zu erwarten sei, ist nicht erwiesen. Ent- 
sprechende Versuche mit solchen Röhren ergaben Wasser, welches sich völlig 
bleifrei erwies (Hageb). 

Eisdarstellnng. Die Eis-Erzeugungsmaschine Siddeley's und Mackat's beruht 
auf der Kälteerzeugung durch Aetherverdunstung und Uebertragen der Kälte auf 
tief unter 0^ erstarrende Salzlösungen. 

Viel Verwendung zur Eisbereitung findet Methyläther. Die Darstellung 
desselben geschieht einfach durch Erhitzen einer Mischung von 13 Th. Methyl- 
alkohol und 20 Th. conc. Schwefelsäure und Hindurchleiten des bei 110^ ent- 
wickelten Dampfes durch Natronlauge (behufs der Reinigung von Schwefligsäure) 
und Hineinleiten in conc. Schwefelsäure. Diese vermag ein 600faches Volumen 
Methylätherdampf zu absorbiren. Diese Lösung von Methyläther in Schwefelsäure 
kommt in den Handel. Um den Methyläther daraus frei zu machen, lässt man 
1 Th. der Schwefelsäurelösung in 2 Th. Wasser eintröpfeln. Hierbei werden 
92 Proc. des Aethers als Dampf frei (Krichbaumer). 

Die Ammoniak- und Aether-Eismaschinen leiden an dem Uebelstande, dass 
die völlige Dichtung der Gasleitungen etc. daran schwer zu erreichen ist, und die 
WiNDHAUSEN'schen Eismaschinen, deren Construction auf dem Wärmeverbrauch 
bei der Ausdehnung comprimirter Luft beruht, sind sehr voluminös und bieten 
angeblich auch ihre Schwierigkeiten, so dass sie nur seltene Anwendung finden. 



Aqua. fiisdarBtellung. 105 

RkOüL PiOTET (in Genf) baut Eis -Maschinen und benutzt als Kälteerzeu- 
gungsmittel Schwefligsäoreanhydrid ^ welches billig zu beschaffen ist und bei 
— 10^ C. etwas mehr als 1 Atmosph., bei + 35^ nicht mehr als 4 Atmosphären 
Dampfepannung besitzt. Von zwei Röhrenkesseln dient der eine als Verdampfungs-, 
der andere als Condensationsraum. Eine Pumpe evacuirt den ersten und com- 
primirt die gebildeten Dämpfe in dem zweiten Kessel und ein durch einen gehörig 
gestellteß Hahn passend verengtes Rohr lässt die condensirte Flüssigkeit aus 
dem zweiten Kessel eontinurlich nach dem ersten zurücklaufen. Durch die 
Bdhren des ersten Kessels circulirt Salzwasser, das zur Uebertragung der Kälte 
auf die eigentlichen Gefriergeflisse dient; durch die Röhren des zweiten Kessels 
läuft das Kühlwasser. Das Schwefligsäureanhydrid greift weder die Metalltheile 
der Maschine an, noch löst es die als Schmiermittel benutzten Fette auf; für 
d^ Pamp^ikolben ist gar kein Schmieren erforderlich; für diesen dient die 
schweflige Säure selbst als Schmiermittel. 

Die oben angegebenen Grenzen der Dampfspannung schliessen sowohl ein 
Eindringen atmosphärischer Luft durch üadichtheiten , wie es bei den Aether- 
nuschinen vorkommt, als auch ein Anwachsen des Druckes zu einer gefährlichen 
Hohe, wie es bei den Ammoniakmaschinen vorkommen kann, aus. 

Die PiCTET'schen Maschinen sollen das Eis zu 10 Frcs. pro 1000 k liefern. 
Die Preise (ohne Motor, mit Dampfmaschine 20 bis 25 Proc. höher) sind: 

Kisproduction pro Stunde Kraftbedarf Preis 

25 bis 30 k 1 PS. 10000 Frcs. 

100 „ 125 k 5 „ 18500 „ 

250 k 10 „ 32000 „ 

500 k 20 „ 55000 „ 

1000 k 40 „ 80000 „ 

Eine besonders construirte Maschine ist die LiNDE'sche Eismaschine, welche 
ads Kälteerzengnngsmittel Aetzammon bedarf. Die Dichtungen an dieser Maschine 
eoUeii vorzüglich sein, so dass der Ammongasverlust nur ein sehr unbedeutender 
ist Als Eülteüberträger dient eine Calcium- oder Natriumchloridlösung durch 
den Verdampfer geleitet, dort auf — 7^ bis — 12^0. abgekühlt und in den 
Eiserzeuger geführt. Letzterer ist, abweichend von der seither üblichen Methode, 
rofoend angeordnet. 

Die Ablösung des in den Blechgefässen gefrorenen Wassers erfolgt rasch und 
leicht durch einen Dampfstrahl. Die ganze Maschine bildet ein vollständig ab- 
geschlossenes System, alle Undichtigkeiten sind vermieden, die Stopfbüchse der 
Pumpe ist auf eine eigenthümliche Art durch Glycerin abgedichtet, so dass der 
Ammoniakverlust auf ein Minimum reducirt wird. Das Glycerin dient zugleich 
in rationellster Weise zum Schmieren und Dichten des Kolbens. Auch hat die 
Maschine die relativ kleinste Pumpe, wodurch ein hoher Effect, betreffend Ver- 
minderung des Verbrauches an zu verdampfender Flüssigkeit erzielt wird. Wird 
die Maschine zur Abkühlung einer Flüssigkeit verwendet, so wird diese dem 
Verdampfer durch eine Centrifugalpumpe zugeführt. Will man jedoch kalte Luft 
erzeugen, so erfolgt deren Zu- und Weiterführung durch einen Ventilator. 

Nach Angabe des Herrn Gabbiel Sedlmay£b in München stellt sich der 
Herstellungspreis von 1 Ctr. Eis auf 45 Pf.; bei Erzeugung kalter Luft be- 
reehnet sich der Werth von 1 Ctr. Eis auf nur 25 Pf. unter Annahme einer 
starken Amortisation des Apparates von 20 Proc. Das in der Maschine gebildete 
^ ist krjstailhell. Gebaut wird die Maschine von der Actienmaschinenfabrik in 
Augsburg. 

Gel Teiaae&j ein französischer Ingenieur, welcher in der Bereitung künst- 
Ucbea Eises eine Autorität ist, gelang es, mit Hülfe des bei 4 — 5^ C. siedenden 



106 AqnR. Mineralwasaer. 

Trimethylamins (PBeudopropyUmins), welches oach dem Yeriahren von Cau. 
Vincent aua RflbenBchlämpe in groasen Mengen gewonnen werden kann, bisher 
aber eine directe nnd ausgedebntere Verwendung, anaser als Arzneianbatanz, 
noch nicht gefunden hat, unter den gewöhnlichen Umetänden, d. h. mit Anwen- 
dong von Brennmaterial, kOnatlichea Eia zu 1,60 bia 2 Mfc. pro 1000 kg darzu- 
stellen. Bei Anwendung geeignet grosser Apparate, deren Constrnction Übrigens 
sehr einfach nnd deren Unterhaltung sehr leicht ist, gedenkt Telliek 10000kg 
Eis pro Stunde zn erzeugen. 

Eine Eiserzeugung durch Methylchlorid (Chlormethyl, CH^Ct) dürfte 
kostspielige Apparate nöthig machen. Seine Darstellung aus Rübenschlftmpe ist 
übrigens keine koatspielige. Es siedet achon bei — 21*, erfordert also einen 
sehr starken Druck zu seiner Verfldsaigung. 

Eisdaratellung oder Kälteerzeugung ex tempore kommt zuweilen 
vor. Die billigste Methode ist entweder die Ltisung von Ammoniumnitrat in 
gleichviel Wasser oder die Lösung einer Mischung aus gleichen Theilen Ammoninm- 
chlorid und Kalinmnitrat ebenfalls in gleichviel Wasser. Der Apparat besteht 
aus Weiaablech oder bleihaltigem Zinn in der Form zum Einsetzen in ein höl- 
zernes Fasa. 

Die Salzlösungen werden nach dem Gebrauch eingedampft, trocken gemacht 
und grob gepulvert , um sie zu gleichem Zwecke wiederum zu verwenden. Die 
Temperaturemiedrigung betrögt 20—25". 

Einen kleinen brauchbaren Eisapparat bereitet der Mechaniker Beenh. 
Peetsch zn Jena, welchen auch Prof. E. Reichakdt (Archiv der Pharm. 1878) 
empfiehlt. Dieser Apparat fordert die Benutzung von Ammoniurnnttrat als Kälte- 
mittel und kostet 20 — 25 Mk. 2 Kilog; des Salzes mit 2 Liter Wasser Hber- 
gossen soll Junerhalb 10 Minuten ß40 g Eia liefern. 

Miienlwuierapparatf. Einen neuen und eigenthUmlich coustmirten Apparat 
hat die Firma Beiks, Hoen & Corver zu Groningen (Niederlande) in den 
Handel gebracht. Es iat die Erfindung H. Beimb. 

Es unterscheidet sich 
dieser Apparat von an- 
deren hauptaftchlich in 
zwei Punkten, 1) da- 
durch, dasa die Kohlen- 
B&ure erat in den Fla- 

i sehen mit den zn im- 
prftgnirenden Flüssigkei- 
ten in Berührung kommt 
und in den Flaschen die 
Absorption der Kohlen- 
säure stattfindet, 2) dass 
die comprimirte Kahlen- 
sänre durch Erhitzen aus 
Natriumbicarbonat dar- 
gestellt wird. 
Die Retorte A enthält 
Natriumdicarbonat. Im 
Fig. 1 Centrum der Retorte ist 

eine auf der einen Seite 
offene Röhre angebracht. In diese wird ein giflhender Eisenstab gesteckt, oder 
man wendet auch billiger und bequemer eine Gasflamme an. In Folge der Er- 
hitzung b^nnt alsbald das Natriumdicarbonat Kohlensäure fVei zn lassen, welche 



Aqua. Minerolwaaser. 107 

out«r Spannung (die sich duTcli fortgesetzte Erhitz,nng beliebig steigern Iftest) 
inreh 4le Köhlröhre B nach dem Behälter C geleitet und dort aufbewahrt wird, 
niD später je nach Bedarf nach dem BebAlter D und von dort nach der hohlen 
Welk E geleitet zu werden. Auf letzterer sind die mit der zu imprägnirenden 
Flütagkeit gefüllten Flaschen strahlenförmig aufgesetzt. Wird die Welle E mit 
ien anfgesetzten Flaschen eine Zeit lang (10—12 Minuten) regelmässig langsam 
jedteht, 80 wird die Kohlensäure in den Flaschen absorbirt nnd ist das kohlen- 
iinrehaltige Getränk damit ferti gestellt. 

Bei dieeem Apparate kommen also weder Schwefela&ure , noch Calcinm- 
rftrbonat, noeb Magnesinmcarbonat in Anwendung, es fHllt der Kohlensäure- 
behltter nnd die CompreBfflonspumpe fort, so auch Waschvorrichtungen ftlr die 
Rohlensänre. Die Darstellung des kflnstlichen Säuerlings ist eine sehr korze, 
nod die nSthige Kohlensaure kommt nicht theuerer zu stehen als nach dem 
STKCVE-SoLTMASNSchen Verfahren. 

Der folgende Apparat ist ein sogenannter doppelter BEiNs'scher Apparat. 
Links (Fig. 3) steht ein Ofen, worin dorch eine BuNSEN'sche Lampe ein mit 
Satrinmdicarbonat be- 
»hicktes Bohr erhitzt 
wird. Die freigemachte 
KoblensSnre wird unter 
beliebigem Drucke (12 — 
Ifi Atmosph.) in zwei 
kopTemen Behältern auf- 
gewogen. Ein dritter 
Behalter dient dazu, um 
ans den erateren Behäl- 
tern die für die Impräg- 
nation nöthige Kohlen- 
^änre zn der nöthigen 
Spannang (4 — 5 Atmo- 
sph.) zn bringen. Die 
mit der zu imprilgniren- 
dpn Flössigkeit gefilllten 
Flaschen werden in ra- 
dialer Stellang auf eine Fi 3 ,^ „.«n. o««.. 

knpfeme Drehwelle auf- Doppeltet iteinichet Nmerilwusetippant. 

ze«ichraabt. 

Ein Hartgummikörper mit Kantschukventil scbeidet jede Flasche von der 
Drehwelle, so d^ts die Berührung des Metalls mit der Flüssigkeit gehindert ist. 
Die Welle mit den Flaschen wird 10 Minuten hindurch in Action gesetzt, nach 
weither Zeit die Imprägnation beendet ist. 

Zar Sicherheit sind die Flaschen mit einem Dralitgitter überdacht. 

Obgleich Flaschen jeder Art hier verwendbar sind , so sind doch die soge- 
nannten Kngelflaschen vorzuziehen. An diesem Apparate befindet sich auch ein 
geeigneter Siphon, behnfä Ausschankes, so dass die gekohlen säuerte FlQseigkeit 
hiertiei nicht mit Metall in Berührung kommt. 

Die Kngelflaschen sind den Weinflaschen ähnliche Flaschen mit Glas- 
kngelversehlnsB, in England viel im Gebrauch. Ihr Rauminhalt beträgt 300 CC. 
Im Halse mht eine Glaskugel, welche grösser als die Mündung der Flasche ist. 
In dieser Mflndnng befindet sich eine horizontale Rinne, in welcher ein Kaut- 
fhakring mbt. Durch den Druck der Eohlens&nre des Mineralwassers wird die 



108 Aqua. Mineralwasaer. 

gläserne Kugel an den Kautschukring angepreaat und damit die Flasche her- 
metisch geschloasen. 

Siphoig mit Kohlensäurewüssem köimen nicht nur durch Erwärmen, sondern 
auch bei unvorsichtiger Abkllhlnng zerspringen. Eine Abkühlung musa bo ge- 
schehen , dasB der ganze 
Siphon bis zum Kopf unter 
Wasser steht. Würde er ' 
nur am unteren Thoile von 
kaltem Wasser nmgeben 
sein, 80 würde die Con- 
traction des mit dem kalten 
Wasser in Beiilhrung ste- 
henden Glases eine stärkere 
sein als in dem oberen, von 
der wärmeren Luft umge- 
benen Glase. Diesem Miss- 
verhältnisBc addirt sich der 
starke Druck im Siphon 
hinzu und ein Zerspringen 
ist die Folge. 

Was ist künstliches 
Mineralwasser? Die Be- 
antwortung dieser Frage 
dürfte dem Apotheker als 
Sachverständigen obliegen. 
Künstliches Mineralwasser 
ist jede Nachbildung eines 
natürlich vorkommenden 
Fii. i. Kugtiiaach«. Wasscrs. Kohlensäurewas- 

ser, Sodawasser, Natrokrene 
sind nur Namen für die Nachbildnngen des Selterserwassers. Diese Wässer zähleu 
also zn den künstlichen Mineralwässern. Dagegen sind pTTophosphorsaures 
Eisenwasser, Lithionwasser, kohlensaures Bitterwasser, kohlensaures Magnesia- 
Wasser, Hämorrhoidalwasser, Bleiehsuchtwasser und andere ähnliche Zusammen- 
setzungen Arzneimischnngen , welche nur der Apotheker verkaufen darf, nicht 
aber der Nichtapotheker. Dass letzterer z. B. künstlich dargestelltes Friedriolis- 
haller Bitterwasser und Saidschützer Bitterwasser verluiufen darf, ist nicht zu 
bestreiten, denn sie sind eben knnstllche Mineralwässer, nicht aber kohlensaures 
Bitterwasser, denn unter letzterem Namen wird eine BittersalzliJsung mit Kohlen- 
säure imprägnirt verstanden, ein Medicament, welches zu verkaufen dem Apo- 
theker zusteht. Sodawasser ist keiu Arzneimittel, sondern ein Gennsamittel. 

Seewasser-, leerwasgfr-SilnerliBg, narint-Saatrliis, Meerwasser mit 2 Proc. Salz- 
gehalt und mit Kohlensäure imprägnirt. Sal marinnm ' facticium (tlandb. II, 
8. 504) 20 g und Katriumdicarbonat 5 g werden in 1 Liter reinem Brunnen- 
wasser olme Wärmean wen düng gelöst und unter einem Drucke von 3,5 Atmo- 
sphären mit Kohlensäure gesättigt. Soll natürliches Seewasser verwendet werden, 
so ist es mit so viel Bninnenwaaser zu verdiinnen, daas es nur 2 Proc. Salze 
enthält, und pro Liter mit 5 g Natriumdiearbonat zu versetzen. Die Lösung wird 
durch frisch bereitetes Holzkohlenpnlver filtrirt und mit Kohlensäure, wie vor- 
stehend angegeben, gesättigt. Dieses' Wasser soll ein gutes Mittel hei dispeptiscben 
Leiden sein und biutreinigend wirken. 

Enstr Qnellsali in flüssiger Form (Administration der König- Wilhelms- 



Aqua. Mineralwasser. 109 

FelsenqueUe) ist 'Emser Mineralwasser in concentrirter Form. Es kommt in den 
H«ide\ in 14 Ctm. langen, 4 Ctm. weiten, viereckigen Glasflaschen, welche neben 
einer an^Uebten ancb mit einer anfgepressten Signatur nnd einem 16 theiligen 
Gebr&TiebBmesBeT veTsehen sind. Eine Flasche enthält 150 g einer völlig klaren 
(tfUoaen, B&linisch und mild alkalisch, nicht unangenehm schmeckenden Flüssig- 
keit mit einem Salzgehalt von 6,7 Proc. Es entsprechen diese 150 g Flüssigkeit 
3 Liter Wasser der Victoriaquelle. Diese Flüssigkeit gewährt sämmtliche che- 
mische ReacUonen der Hauptbestandtheile, welche Fresenius in seinem ana- 
lyüsehen Befunde der Victoriaquelle angiebt. Eine Flasche (Flagon) hat den Ver- 
kaafepreiB von 2 Mk., auf welchen Preis die Wiederverkäufer einen Rabatt von 
25 Proc- in Natura vergütet erhalten. 

Emstr Pastillen mit oder ohne Pfefferminzarom (Administration der König- 
Wilhelms-FelsenqueUen) sind mittelst Maschine gefertigt, von ovaler Form, 2 Ctm. 
lang, 1,7 Ctm. breit, rein weiss, tragen den Stempel „Ems" und enthalten neben 
den Qnellensalzen Zucker als Constituens. 8 Pastillen haben ein Gewicht von 
ca. 10 g. Eine ovale Pappschachtel enthält 47 Pastillen, enthaltend Quellensalz 
und Zucker, entweder ohne oder mit einem Pfefferminzarom. Sie enthalten in 
der That sämmtliche Salze, welche Fresenius in der Analyse der Emser Mineral- 
quellen angiebt. Der Preis einer Schachtel mit 47 Pastillen beträgt 85 Pfg. 
und wird den Wiederverkäufern ein Rabatt von 50 Proc. gewährt. 

Budapest. Hanyadi JaHOS-Bitterquelle (Fresenius Analyt. — Berechnet 
Tun Hages). 

Xatrlumsulfat NaO,S03 
Magnesinmsulfat MgO,S03 
Kaliumsnlfat KO,SO» 

Liihiumsulfat LiO,S03 
Natriumchlorid NaCl 
ralciumehlorid CaCl 
Natiiumcarbonat NaO,C02 
krv3t. FerrosulfatFeO,S03-f7HO 
Nitriumsilicat 3NaO,2Si03 
*Natriumpho3phat SNaOjPO^ 
♦Natriumbiborat NaO,2B03+ lOHO 
*KaKumbromid KBr 
^Kaliumjodid KJ 

Kohlens&ure 3,5 Volume. 

Me mit * bezeichneten sind in der Analyse als in Spuren vorhanden aufgeführt. 

Cagarisehes Bitterwasser (v. Liebig, Analyt.). 

50 Kilogramm - 100 Kilogramm 
Kaliumsulfat K0,S03 2,60 5,2 Grm. 

Natriumsulfat NaO,SO» 969,00 1938,0 „ 

Magnesinmsulfat MgOjSO» 1087,12 2174,2 „ 

Xatriumchlorid NaCl 19,10 38,2 „ 

Natriumcarbonat NaO,C02 175,50 354,0 „ 

Calciumchlorid CaCl 51,25 102,5 „ 

kryst. Ferrosulfat FeO,80H7HO 1,90 3,8 „ 

Manganosulfet MnO,S03 1,10 2,2 „ 

KaKaiaun KO,S03;A1203,3S03+24HO 0,44 0,^9 „ 

Kaliumsiücat 3KO,2Si03 1,0 2,0 „ 

Xatriumphosphat 3NaO,P05 0,15 0,3 „ 

Sohlensaure 4 Volume. 



50 Kilogramm 


100 Kilogramm 


990,5 


1981,0 Grm. 


974,8 


1949,6 „ . 


6,65 


13,3 „ 


0,05 


0,1 n 


14,15 


28,3 „ 


54,15 


108,3 „ 


46,0 


92,0 „ 


0,24 


0,48 „ 


1,11 


2,22 „ 


0,05 


0,1 n 


0,05 


0,1 „ 


0,05 


0,1 „ 


0,05 


0,1 „ 



110 Aqua. — Araroba. 

Prodnits hygieniqnes i Teau de mer in Form von verschiedenen Backwaaren 
und Getränken ; fabricirt mit destillirtem Meerwasser , gerühmt gegen alle nur 
denkbaren Krankheiten, kommen in Frankreich in den Handel und finden gläu- 
bige Consumenten. Hier sieht man, dass Reclame nur allein die Basis der Ge- 
schäfte dieser Art ist. Auch das in Deutschland sich geltend machende 

Hagnetisch-heilkräftig bereitete Wasser eines Dr. Kuhlmann erfreut sich gläu- 
biger (Konsumenten. 

Apparate und Instramente zur Untersuchung des Wassers. Einen für 
die Zwecke der physikalisch-chemischen Trinkwasser-Untersuchung construirten 
Apparat in Etui mit den nöthigen Instrumenten hält die Firma Ch. F. Geissleb 
Sohn (Albebt Geissleb) Berlin SW. Hallesches Ufer 26 zu emem Verkaufs- 
preise von 40 Mark vorräthig. 

Beachtenswerthe Arbeiten über Wasseruntersuchungen sind: 

Anleitung zur Untersuchung von Wasser von Dr. Febd. Tiemann 
(Braunschweig, Vieweg & Sohn). 

Labecks Trinkwasser von Th. Schobeb (Lübeck, Rud. Seelig). 



Araroba. 

Andira Araroba Aguiab, Angelin amarzogo, eine der Andira anthelmin- 
thica Bentham sehr ähnliche Papilionacee, aus der Gruppe der Dalbergieen. 
Dieser Baum ist im südlichen Amerika, besonders in Bahia einheimisch. Das 
Holz ist von sehr bitterem Geschmacke, daher die Bezeichnung Amarzogo, im 
Gegensatz zu Angelin dolce f Andira cermifugaj, 

Araroba, Chrysarobina, Acidom ckrysophanicnm erndom, Pnlris Goa, Chrysarobin, 
Goapnher, Bahiapnlver, Po de Araroba, Po de BaUa, Pok Baia, Po de Goa, ein inter- 
cellulares Secret im Holze der oben angegebenen oder einer derselben sehr 
ähnlichen Andira-Art, Man sammelt die Araroba, indem man das Holz des 
bis zu 50 Ctm. dicken Stammes alter Bäume spaltet und die in Längskanälen 
abgelagerte, anfangs dunkel schwefelgelbe Masse mit der Schneide der Axt ab- 
stösst. Da die Araroba nachdunkelt, so erhalten wir sie im Handel als ein 
rhabarberfarbenes bis grünlich aloäbrannes, selbst bis dunkelviolettes von Holz- 
fasern durchsetztes Pulver. 

Bestandtheile. Attefield fand in der Araroba Proc. 84 Chrysophansänre, 
7 Glykose, Bitterstoff, Arabin, 2 Harz, 5,5 Cellulose, 0,5 Asche. Liebe&mann 
erkannte in der Substanz, welche Attefield für Chrysophansäure hielt, ein 
Gemisch von verschiedenen Stoffen, unter welchen ein indifferenter Körper, welcher 
mit der Chrysophangäure viel Aehnlichkeit hat, der auch in Chrysophansäure über- 
geführt werden kann, in vorwiegender Menge vertreten ist. Diesem Körper gab 
man den Namen Chrysarobin. Seine Zusammensetzung entspricht der Formel 
C30H26O7. Chrysarobin wird von conc. Schwefelsäure mit gelber, Chrysophan- 
säure mit rother Farbe gelöst, ersteres ist in sehr verdünnter Kalilauge un- 
löslich, letztere löst sich darin mit rother Farbe. Ersteres giebt mit Kali eine 
braune, letztere eine blaue Schmelze. (Berichte d. d. ehem. Ges. Jahrg. 11, S. 1603.) 

Kochendes Benzol löst die Araroba bis auf die beigemischte Holzfaser (16 — 
18 Proc.), und aus der erkaltenden benzoligen Lösung scheiden 60 — 65 Proc. 
eines blassgelben krystallinischen Pulvers oder warzenförmiger Krystalle aus. Im 
kalten Benzol bleiben circa 10 Proc. in Lösung (Liebermann und Seidleb). 

Aufbewahrung. Ehe die Araroba in die Standgefässe eingeführt wird, ist 
sie durch ein Sieb zu schlagen. Der Staub wirkt heftig reizend auf die Schleim- 



Araroba. 



111 



baute der "Nase und der Augen. Es ist ratlisam das Zerreiben und Absieben 
kYreien 'm bedeckten Sieben vorzunehmen und eine Staubbrille zu benutzen. 
Knwendung. Araroba fand bisher nur äusserliche Anwendung und dürfte 
daic)i Benzoesäure sehr wohl ersetzt werden können. Als Ersatz der Araroba 
hat mau Alizarinum siccum (Bianthrachinon) vorgeschlagen ^ wegen der 
(iLeuuBcheu Aebullchkeit desselben mit der Chrysophansäure (dem Bioxymethyl- 
mtrachinon). Da nun aber letztere Säure nicht in der Araroba vertreten ist, 
wird mau den Vorschlag wohl nicht acceptiren^ obgleich sich das billigere Ali- 
xarin auch bei Psoriasis bewährte. Araroba dient als Antipsoricum , Antiher- 
peticnm, Anteczematicum, gegen Leber- und andere Hautflecke. J. Neuiiiann 
dzielte mit diesem Mittel bei Psoriasis vulgaris, Herpes tonsurans und Pity- 
riasis versicolor schnelle und. gute Heilerfolge. Köbneb hält die Araroba nur 
far ein Palliativmittel bei Psoriasis. Für die Anwendung empfiehlt sich das 
Collodium chrysarobinatum. Die Wirkung soll eine mild stimulirende sein, ist 
aber mitauter eine übermässig reizende. Die mit der Salbe einzureibende Haut- 
steile umgiebt man auch wohl mit Heftpflaster, um Färbung und Reizung der 
gesunden Haut zu verhüten. Die Färbung der Haut schwindet in 8 — 10 Tagen, 
Behueller beim Bereiben mit Benzol. 

iciiiB ehrysophanicvm, RhelnsSare, Kaponticin, Ramicin, CkrysophansSnre 
(Ci4Hg04 od. Ci4He02(OH)2 , also isomer dem Alizarin) findet sich in der Rha- 
baxberwurzel^ den Sennesblättem , in den Rumexarten etc. Das unter diesem 
Namen als Antiherpeticum und Anteczematicum in den Handel gebrachte Prä- 
parat war das mittelst Benzols aus der Araroba ausgezogene und in ein Pulver 
verwandelte Extract. Sollte der Arzt Acidum chrysophanicum zur äusserlichen 
Anwendung verschreiben, so wäre diese Araroba depurata zu dispensiren. 

M. D. S. Zum Einreiben. (Die einzu- 
reibende Hautstelle wird mit Heftpflaster 
umgeben, um die Färbung der gesunden 
Haut zu vermeiden.) 



(1) Collodium chrysarobinatum 

Adams. 

CbUodiam cum Araroba s. Aeido chry- 

sophanico. 



Ararobae 2,0 
CoUodii 15,0. 



D. S. Zum Bepinseln der Haut. 

'2 linimentnm antiherpeticum clirysa- 

robinatam. 

Cfarysarobinkrätz salbe. Chrysarobin- 
flechtensalbe. 

1^ Aeidi benzoici 2,5 
Ararobae 5,0. 
Subtilissime pulverata misce cum 
Benxini litnanthracini 60,0 
Spiritus Yini absolut! 40,0 
aiycerinae 10,0. 
Sepooe loco tepido per horam dimidiam. 
Liquor refrigeratus, per lanam vitream 
fwiQ3 dl8x>en8etur. 

D. S. Zum Bestreichen der leidenden 
Haotstellen mittelst eines kleinen Pinsels 
:bei Herpes, Scabies). 

'3; UnfirnoBtum Aeidi clirysophaniei 

Neumank. 

^ Ararobae 10,0 

Un^enti Ion lentis 40,0. 



(4) Ungnentum Aeidi ehrysophaniei 

Squire. 

i^ Ararobae 10,0 

Benzini lithanthracini 15,0 
Adipis suilli 40,0. 
In cucurbitam vitream ingesta diger- 
antur per horam dimidiam , tum per lin- 
teum fusa calore balnei aquae seponantur, 
donec Benzinum evaporando fugatum fuerit. 
Unguentum inter agitationem refrigeratum 
dispensetur. 

(5) Unguentum antipsoricum 
elirysarobinatum. 

ijf Ararobae 2,5 

Unguenti cerei 30,0. 
D. S. Zum Einreiben (mittelst eines 
kleinen weichen Lederballens). 

(6) Unguentum Ararobae. 

ly Chrysarobinae 5,0 
Unguenti cerei 30,0. 
M. f. unguentum. 



112 Argen tum. 



Argentnm. 

Selenhaltiges Silber ist von Debray beobaclitet worden. Die Legi- 
rongen daraus sind blasig und lUckig und soll es beim Schmelzen schäumen. 
Der Selengehalt scheint einer zur Affinage verwendeten selenhaltigen Schwefel- 
säure zu entstammen. 

Erkennung von Silber oder echter Versilberung (Hdb. I, S. 437) und 
Vergoldung. Betupft man das Metall mit 10— löproc. Silbemitratlösung, so 
wird bei vorliegendem edlem Metall innerhalb 15— 20 Minuten die betupfte Stelle 
und auch der kleine Flüssigkeitstropfen ungefärbt , bei unedlem Metall dagegen 
farbig erecheinen (Hager). Die zu untersuchenden Gegenstände werden durch 
diese Probe nicht im Geringsten im Ansehen beeinträchtigt. Weniger lässt sich 
dies von folgender Probe sagen. Eine Losung oder Mischung von 1 Th. Kalium- 
dichromat mit 1 Th. reiner Salpetersäure wird auf den Gegenstand aufgetropft. 
Bei Gegenwart von Silbermetall hinterbleibt nach einigen Augenblicken beim Ab- 
spülen der Waare mit Wasser ein blutrother oder braunrother Fleck. 

Agyrolith. Mit diesem ungehörigen Namen bezeichnete man vor einigen De- 
cennien eine versilberte Metalllegirung; welche mit Silber viel Aehnlichkeit hatte. 

Argentina, argentinirt nennt Hansen (Stockholm) den metallischen; be- 
sonders silbernen Ueberzug unglasurten Porcellans. Das Porcellan wird wahr- 
scheinlich in eine silbersalzhaltige oder überhaupt metallsalzhaltige Flüssigkeit 
eingetaucht und dann durch Hitze eine Reduction des Ueberzuges bewerkstelligt 
Argentina ist nicht mit Argen tine zu verwechseln. 

Argentine, eine Versilberungsflüssigkeit, bestehend aus 10,0 Silbemitrat, ge- 
löst in 200,0 Wasser, dann versetzt mit 12,0 Salmiak, 20,0 Natriumhyposulfit 
und 20,0—25,0 Schlämmkreide, ist also der KuHu'schen Versilbexungsflüssigkeit 
ähnlich. Unter dem Namen Argentine versteht man auch eine Druckfarbe 
far Gewebe, bestehend aus durch Zink galvanisch niedergeschlagenem Zinnmetall 
und Case^nmasse aus Milch. 

Dianenbanm, Arbor Dianae, baumzweigartige Aneinanderreihung von 
Silberkrystallen, welche durch galvanoelectrische Reduction gebildet sind. In einem 
Spitzgläschen übergiesst man einen erbsengrossen Quecksilbertropfen mit Silber- 
nitratlösung und stellt an einen kaum lauwarmen Ort bei Seite, um Erschütterung 
zu vermeiden. Je nach der Concßntration der Silberlösung bildet sich der Di- 
anenbaum langsamer oder schneller. 

GlanzTersilbernng. Ebermateb löst 20 g Silber in 60g Salpetersäure^ fällt 
das Silberoxyd durch Aetzkali (20 g) , löst es nach dem Auswaschen in einer 
wässrigen Lösung von 100 g Ealiumcyanid und verdünnt mit Wasser bis auf 
ein Volumen von 2 Litern. 

Silberschwamm zu Zahnplomben. R. Boettgeb empfiehlt Silbertartrat 
auf einem Platin- oder Kupferbleche einzuäschern und zu glühen. Dieses lockere 
Silbermetall kann jedoch nicht das Blattgold für denselben Zweck ersetzen^ denn 
die kleinen Silberlamellen haben nicht die Weichheit des Goldes. 

Tnla- oder liello-Silber. Die Legirung ist von der Firma F. Zagher & Cp. 
(Berlin) aufgefunden worden und soll aus 9 Th. Silber, 1 Th. Kupfer, 1 Th- 
Blei und 1 Th. Wismuth bestehen und den blauen Farbenton zeigen (Dengler's 
polyt. Joum.). 

Nach Habt werden 4 Th. Feinsilber, 9 Th. Kupfer, 9 Th. Blei, 2 Th. 
Borax und 48 Th. sublimirter Schwefel in der Weise vereinigt, dass der Metall- 



Argentum. — Argentum nitricom. 113 

ecknelze nüt Borax auf den Schwefel giesst, damit schmelzt und dann das 
floasige Gemisch über Beiser in Wasser giesst behnib Qranalimng. Die Granülen 
werden in ein Pnlver verwandelt; welches mit Salmiaklösung gemischt auf das 
£a niellirende Metall übertragen wird. Durch Glühen, langsames Abkühlen^ 
Feilen, Schleifen mit Tripel wird die Niellirung fertig gestellt. 

Tersilheruigspatzfvher ist ein Gemisch aus Silberchlorid mit der 10 fachen 
Menge gepulvertem Weinstein. 



80 


70 


60 


öO 40 


30 


20 


10 VoLProct» 


10,3 


22,1 


30,5 


35,8 56,4 


73,7 


107 


158 Gew. Th. 


— . 


— 


68,1 


— 98,3 




214 


"^ T) V 


42,0 


— 


89,0 


— 160,0 




340 


» n 



Argentum nitricnm. 

Der Schmelzpunkt des Silbemitrats liegt bei 225^ C. Beim Schmelzen gold- 
haltigen Nitrats scheidet Gold metallisch aus. 

Silbemitrat ist in Weingeist um so weniger löslich, je stärker dieser ist 
J. M. Eder). 100 Th. Weingeist mit einem Gehalt an wasserfreiem Weingeist 

95 

lödenbeil50 3,8 

bei 500 7^3 

bei 750 18,3 

Silbeniitrat. 

In reinem Aether, auch in mit Wasser gesättigtem Aether ist es nur in 
^uren lOfilich, ein Weingeistgehalt steigert jedoch die Löslichkeit (Joum. f. pr. 
Ol N. f. Bd. 17). 

Die Herstellung genügend harter und nicht leicht zerbrechlicher Höllenstein- 
softe dnreh Zusatz von Silberchlorid ist schon vor 2 Decennien versucht worden. 
Wie ans den Handb. Bd. I, S. 449 gemachten Angaben hervorgeht, genügt es, 
die krystallinische Structur der Stifte zu stören, sie wenigstens feinkörniger zu 
ir^furh^^- Dazu genügt ein sehr geringer Zusatz von Silberchlorid oder etwas 
Chlorid enthaltendem Kalisalpeter. 2 Proc von dem einen oder dem anderen 
Salze reichen völlig aus, die leichte Zerbrechlichkeit und das Abbröckeln der 
Stifte zu beseitigen, sie also härter zu machen. Ein Zusatz bis zu 10 Proc. 
Snberchlorid ist ein übermässiger und verleiht den Aetzstäben eine nicht gern 
gesehene Härte und Resistenz beim Touchiren. Wird Kalisalpeter als Solidi- 
iieationsniittel angewendet, so ist es nothwendig, dass er etwas Chlorid enthält. 
IMese BoMdificirten oder die aus einem Silbemitrat bereiteten Stifte, welches mit 
etn^ Spur Chlor verunreinigter Salpetersäure dargestellt wurde, werden kurze 
Zeit nach ihrer Darstellung grau. Wie bekannt geben die meisten Aerzte dem 
graneD Höllenstein als Aetzstift den Vorzug. Es wäre erwünscht, wenn der soll- 
d^cireiide Zusatz genau festgestellt, z. B. zu 2 Proc normirt würde und man 
deD Höllenstein als Argentum nitricum fusum solidatnin s. solidilieatiuii offi- 
c'oiell machte. Zur Darstellung wäre eine Vorschrift zu geben und die Mischung 
ans 98 Th. Sübemitrat, 1,5 Th. Kalisalpeter und 0,5 Th. Kaliumchlorid zu 
bewerkstelligen. 

In den Preiscouranten der Droguisten ist der Höllenstein mit 10 Proc 
Chlorid an%eftlhrt, der mit 1 Proc Kaliumnitrat noch nicht, dagegen aber ein 
LapHs mitigatus mit 75 — 66,6 — 50—33,3 Proc. Kaliumnitrat, Der reine und 
mitigirte wird auch von den Droguisten in Gaze und Glas, in Holz, Federposen 
gefaast vorräthig gehalten. Die in Holz nach Art eines Bleistiftes gefassten und 
je 3,0 g Lapis enthaltenden werden auch zuweilen mit dem Namen HEU^EB'sche 
ictisüfk belegt. Sie sind in Frankreich bereits seit anderthalb Decennien im 
Gebranch und unter dem Namen Crayons au nitrate d'argent im Handel (vergU 

H »7 c r , FkmriB. Prsxia. Bnppl. 8 



114 Argentum nitricum. 

Handb. Bd. I, S. 448). Ein gutes Einhttllmittel ist mit GoUodiom überzogene 
Seidengaze. 

Prüfung. Krystalllsirtes Silbemitrat hat Shuttlbworth goldhaltig ange 
troffen. Zum Nachweise fölit man mit Salzsäure aus und versetzt das Filtrat 
mit Ejiliumrhodanid. Es tritt bei Gegenwart von Gold eine orangerothe Färbung 
ein; oder man stellt in das Filtrat einen Zinkstab, auf welchem sich das dunkle 
Gold ablagert. 

Wittstein und auch Biel berichten von Höllenstein , welcher Bleinitrat 
enthielt. 

• 

Anwendung. Silbemitrat gilt als ein gutes Mittel in Krankheiten des Ver- 
dauungsapparates, sowohl den acuten wie chronischen, besonders bei Neuralgien 
des Unterleibes. Niewodnigzanski fand, dass dieses sehr leicht zersetzliche 
Salz durch Zinksulfat in allen Fällen und sogar noch besser versetzt werden 
könne (bei Magenkatarrh giebt er innerhalb 24 Stunden 0,06 — 0,08 g Zinc. 
snlfiiric.). Silbemitrat wird von Le Dektu zu Injectionen in das Unterhaut- 
zellgewebe gegen Neuralgien, Ischias, Arthritis etc. als schmerzlindemd empfohlen. 
Injectionsdosis 2—3 Tropfen einer 20 proc. Lösung. Es folgt nach der Injection 
starker Schmerz, nach 3 — 4 Tagen Abscess, welcher nach Oeffhung in 4 — 
5 Tagen abheilt. Diese Injectionen sollen ein besserer Ersatz der Anwendung 
von Aetzpasta, Glflheisen etc. sein. Bei stinkendem Nasenschleim (Punaisie) soll 
ein Auspinseln der Nasenhöhle mit 2 proc. Silbemitratlösung (und Einführung von 
mit Alaunlösung getränkter Tampons) sehr zweckdienlich sein. Zu den sub- 
cutanen Injectionen nach Thiebsch und Nussbaum (bei Carcinomen und ent- 
sprechenden Geschwülsten) wird zuerst eine 0,1 proc. Lösung angewendet. Sie 
wird durch mehrere Stichöffhungen iigicirt und dann eme Natriumchloridlösung 
nachinjicirt. 

irgentum nitrievni cnm Kali nitric». Zur Darstellung ex tempore bei Mangel 
einer Höllensteinform oder behu& Herstellung einer Mischung im besonderen Ver- 
hältnisse hat man hohle Cylinder aus Pergamentpapier als Ersatz der Form 
empfohlen. Da die Temperatur des geschmolzenen Gemisches ausreicht, die 
Papierhülle zu entzünden, wie auch von Schlesikgeb praktisch nachgewiesen 
wurde, so ist von dem Gebrauche dieser Formen abzuweichen und in Stelle der- 
selben wären fingerlange erwärmte Glasröhren, welche an dem einen Ende mit 
etwas Boluspasta geschlossen, auch wohl im Innem mit beöltem Fliesspapier be- 
rieben sind, zu benutzen. 

litrosilber bezeichnet eine Verbindung, welche in ihrer Zusammensetzung 
einem Silberhyponitrit entspricht. 

Zvr Teriilgug der SilberDeeke auf Geweben (Hdb. Bd. I, S. 451) empfiehlt 
Eratzeb eme Lösung von 10 Th. Salmiak und 10 Th. Aetzsublimat in 100 Th. 
Wasser. 

Zeichenstifte für Wäsche. Nach einer irgend wo gemachten Angabe sollen 
solche Stifte in gleicher Weise wie starke Bleistifte gemacht werden, und zwar 
aus einer Masse, welche aus 8 Th. weissem Thon, 2 Th. feinstem Pulver des 
Braunsteins, 3 Th. Silbemitrat und 5 Th. destill. Wasser gemischt ist 



Comaehrome, eine ammoniakalische, Pyrogallussäure enthaltende Silbernitrat- 
lÖBung. 

Haarbalsam der Franzlskaner-Brttder in St. Mount ist eine wohlriechende, aus 
0,3 Silbemitrat, 25,0 Glycerin und 1B4 Weingeist bestehende Flüssigkeit (Wittst£1m. 
Analyt.). 



Argentum nitricum. — Amica. — Arsenam. 115 

HAarfIrbeiiiittel. ChlneslseheB) Ton Bothe & Gf. (Berlin) besteht aus einer 
LdBung von 2 Th. Silbemitrat nnd 1 Th. Pjnrogallussäure oder Gerbsäure in 5 Th. 
Salmiakgeist nnd 92 Th. Wasser. (Hager, Analyt.) 

Hmarliqvory Chinesischer y Bighard Hoffkänn's (Leipzig) ist eine ammonia- 
kafische Silbemitratlösnng. Die gleichzeitig beigegebene Contra-Tinctur zur 6e- 
seitigaDg der Silberflecke ist eine Kaliamjodidlösung. (Indastriebl.) 

Hlftwatha Haarhalsamy Hott's, von David Wright (New-Tork), ist eine am- 
moniakaliflche Iproc. Silberlösnng. (Chandler, Analyt.) 

Tamdgene von Buss, auch Taimigene von Eisenwein sind Haarfärbemittely ans 
2 Flüssigkeiten bestehend, von denen die eine ammoniakalische Silberlösung, die an- 
dpTC Pyrogallii&säurelOsnng ist 



Arnlca. 

Ein YergiftnngsfiEdl mit letalem Ausgange, durch Genuss von 60 — 80 g Ar- 
nirablflthentinctur veranlasst , ist wiederum vorgekommen. Die Experimente mit 
der 'Hnctnr ergaben, dass in den Amikablüthen scharfe Stoffe enthalten sind. 
30,0 Amicatinctur wurden eingedampft, mit Chloroform der Bückstand extrahirt 
und der chloroformige Yerdampfüngsrückstand auf gesunder Haut aufgestrichen. 
Es erfolgte eine Beizung mit warzigem Ausschlage. Auch eingedunstete Amica- 
tinctur erzengt Blasen wie Spanischfliegenpflaster. Der Mageninhalt des Ver- 
gifteten; durch Abdunsten concentrirt, erzeugte ähnliche Beizungserscheinungen 
wie die durch Abdunsten concentrirte Tinctur (Joum. de Ph. et de Gh. 1879). 

Haarmlttel von BtJHLiGEN bestehen aus 1) einer braunen Salbe, einem Gemisch 
von 25 Th. Schweinefett, 5 Th. Gacaomasse, 1 Th. wohlriechendem Gele; 2) einer 
Tinctur 09db. Bd. I, S. 467), dem Gonservateur oder der grossen Tinctur; 3) der 
kleinen Tinctur (Tinct. Amicae florum) und 4) einer Tanninbalsamseife (?) (G. Krause, 
Analyt.)- 



Arsennm. 

Therapeut. Anwendung. Arsen wird jetzt häufiger subcutan angewendet, 
besonders bei Chorea. Die Injecüonsdosis ist 3—5 Tropfen der 1 procent. Ar- 
KnigBäurelösnng oder der FovrL£B*schen Solution, welche man mit der zwei- 
tMthea Menge destill. Wasser verdünnt. Die kleinere Dosis ist für Kinder von 
4—7, die grössere für Kinder von 11—14 Jahren. -Die Heilerfolge, welche 
Gabin damit erzielte, waren erfreuliche. Nur selten wurde die Injection gar 
nicht vertragen. 15 — 20 Injectionen innerhalb eines Monates genügten. Je nach 
Umständen wird die angegebene Dosis jeden Tag oder jeden zweiten oder dritten 
Tag injicirt. £äne Reizung der Injectionsstelle erfolgt äusserst selten. Hypo- 
dermatische Arseninjectionen sind auch bei anderen Nervenleiden, femer bei 
Cholera, Psoriasis, parenchymatöse Injectionen bei Sarkomen, wo auch eine inner- 
liche Anwendung des Arsens stattfindet, empfohlen worden. 

Mabtelli berichtet über einen Fall (Gaz. med. itai. 1877), wo er durch 
iubentane Arseninjectionen ein lange Zeit dauerndes Asihma nervosum heilte. 
Der Kranke war ein Mann im Alter von 39 Jahren. Die Injectionsdosis wurde 
von 0,6 bis zu 1,0 der FowLEB'schen Solution, welche mit der zweifachen Menge 
Wasaer verdünnt wurde, gesteigert. Nach jeder Injection cessirte der Anfall 
und nachdem im Ganzen 8 — 9 Injectionen gemacht waren, kamen Anfalle nicht 
mehr vor. 

Die maximale Injectionsdosis wäre so hoch wie die innerliche anzunehmen 
md ein üeberschreiten dieser Dosis mit Vorsicht zu erwägen. 

8» 



116 



Arsenum. Chinin, arsenioio. 



Zn Inhalationen mittelst des Venstftnbungsapparates (gegen Asthma) ist die 
Verwendung einer sehr yerdttnnten Lösung der Arsenigs&ure und zwar 1 anf 
2000—3000 Wasser angezeigt. Soll der Rauch inhalirt werden, so wird 1 g 
(oder 18 Tropfen) der FowLEB'schen Solution auf Schreibpapier ausgegossen und 
nach dem Trocknen das zu einem Fidibus gefaltete Papier angezündet. 

Liquor Kali arseiieisi (Fowlbb), Solulao arsenicalis Fowleb. Behufis Con- 
servirung und Verhinderung der Pilz- und Schleimbildung schlägt J. Müixeb 
(HQrde) einen Zusatz von 0,4 Borax vor. Die Anwendung einer Aqua bisdestillata 
genügt demselben Zwecke so lange, bis der Boraxzusatz von Seiten der Pharma- 
kopoe acceptirt und officinell gemacht ist Da Arsenigsäure durch ihre Dispo- 
sition zur Sauerstoffaufhahme indirect eine Nfthrsubstanz für Pilzvegetationen ist 
und sie durch den Lebensprocess dieser ürsprosser in Arsenwasserstoff umgesetzt 
wird, so ist erklärlich, dass eine von Schleimpilzen bewohnte arsenikalische So- 
lution allmählich im Arsengehalt eine Minderung erfährt. Letztere ist sogar von 
Bbbtet (Arch. d. Ph. 1880, XITT, S. 61) nachgewiesen, so genügt ein Zusatz 
von 10 Proc. Weingeist nicht nur die Pilzvegetation zurückzuhalten, als auch 
den Arsengehalt zu conserviren. Dem entsprechend ist die weiter unten folgende 
Vorschrift gefasst. Die in der Arseniklösung vegetirenden Algen und Pilze sind 
nicht von einer und derselben Art. Es sind dieselben, welche sich auch auf 
Bier, schwachem Weinessig einfinden. Meni^e bezeichnet den Pilz mit Hydro^ 
crocis arsenicalis. Die Algen, welche sich in und auf ArseniksäurelOsungen 
bilden, sind vorwiegend Leptothriz-j Hygrocrods- und AnabaenorkriNi. 



(1) f Liquor Arsenici hromati Clemens. 

(Handb. Bd. I, S. 474, snb 10.) Dieser 
Anneiformel ist der Zusatz zu machen: 
Eine längere Zeit conservirte Zusammen- 
setzung soll wirksamer sein als die frisch 
bereitete. Dosis: 1 — 2 Tropfen tS^^lich 
1 — 2 mal und anhaltender Gebranch, dabei 
Nahrung und frische Luft, als Heilmittel 
der Epilepsie. Tritt nicht vOllige Hei- 
lung em, so doch Bednction der Anfälle. 

(2) f Liquor Kali arsenieosi (Fowleb). 

Solntio arsenicalis Fowler. 

^ Liqnoris Kali arsenicosi Ph. Qerma- 
nicae 90^ 
Spiritus Yini absolut! 10^0. 

Misce. Liquor in centenis partibus partem 
nnam Acidi arsenicosi contineat Haeo 
mixtura in lagena bene clausa per annos 
multos conservari potest. 



(B) t Sympns Ferri arsenieiei. 

Sirop d'arseniate de fer. 

i$f Ferri arsenicici 0,1 
Acidi citrici 0,5. 
Gonterendo mixtis affunde 
Glycerinae 5,0 
Syrupi Sacchari 94,5. 

Digere per diem unum, interdum a^- 
tando, donec solntio effecta fherit, tum 
liquorem adhuc calidum per pumum 
linteum funde. 

D. S. Tiiglich 2— 3 mal einen Thee- 
löffel. Den &ERM0KT'8chen Symp stellt 
DüiN v. Wasowicz durch Lösen von 
0,02 Ferroarsenit (arsenigsaurem Eisen- 
oxydnl) in wenig Essigsäure ^ Verdttnnen 
mit Wasser, Neutralisiren mit Natriumdi- 
carbonat, Verdünnen mit Wasser bis auf 
40,0 und Lösung von 60,0 Zucker, dar. 



ChiBinnm anenieieDin (Handb. Bd. I, S. 478). Hier ist der Zusatz zu machen, 
dass Adlbb gelungen ist eine Chininarsenitverbindung darzustellen und zwar 
durch Wechsekersetzung von Silberarsenit mit Chininhydrochlorat und Extraction 
mittelst 70 proc. Weingeistes. Die Erystalle erwiesen sich als eine Yerbindnng 
von 1 Molecül Arsenigsäure mit 3 Molecttlen Chinin (Archiv d. Pharm. 1879). 
Die Zweifel an dem Bestehen dieses Salzes sind noch nicht dadurch beseitigt. 

irseuwassersttif. Die Prttfting auf Arsen erfordert in den meisten Fällen die 
Umsetzung der Arsen Verbindung in Arseuwasserstoff, jenes farblose, knoblanch- 
artig riediende Gas, welches schwere als atmosphärische Luft ist, in dieser mit 
bläulicher Flamme zu Arsenigsäure verbrennt, welches auf der Porzellanfläche, 



Arsennm. Arsen Wasserstoff. Giftlösnng. 117 

üie von Beiner Flamme berührt wird, den metallischen dunklen Arsenfleck er- 
zengt nnd anf dem über seiner Flamme gehaltenen kalten Porzellan einen Ar- 
senigB&niebeachlag absetzt, welches eingeathmet wie ein heftiges Gift wirkt 

IXe Ueberfühmng der Sanerstoff^erbmdnngen des Arsens in Arsenwasserstoff 
geschah bisher unter Einwirkung von arsenfireiem Zink auf arsenfreie verdünnte 
Schwefelsäure bei Gegenwart der Arsenverbindung. In neuerer Zeit haben Dawy 
Natriumama^m mit Wasser und Johnsok Aluminiummetall mit Aetzkalilauge 
empfohlen. Dem Wasser wird zuerst die arsenhaltige Substanz, dann das Na- 
trmmamalgam in kleiner Menge zugesetzt. In eine mit ihrem halben Volumen 
Wasser verdünnte Aetzalkalilauge, versetzt mit der arsenhaltigen Substanz, wer- 
den einige Stücke Aluminiumdraht gegeben und die Gasentwickelung durch ge- 
linde W&rme in Gang gebracht. 

Aluminium des Handels ist wohl selten arsenf^ei und dieser Umstand ist ein 
ffindemiss, das nicht überwunden werden kann. Aluminium entwickelt übrigens 
im Gontact mit Aetzlauge und Arsenigsäure theiiweise Arsenwasserstofl^as, ein 
Theil des Arsens wird aber meti^Hsch ausgeschieden. Yergl. auch S. 118* 



Bei Einwirkung des Arsenwasserstoffgases auf Mercuricyanid in wein- 
geistiger Lösung, beim Hindurchleiten des Gases durch diese Lösung erfolgt ein 
roth-brauner Niederschlag, welcher sich in einigen Stunden in Quecksilber, 
Arsenigsäure und Cyanwasserstoff zersetzt. Phosphorwasserstoff erzeugt 
einen blassgelben Niederschlag, welcher sich im Lichte schwärzt, und Anti- 
monwasserstoff scheidet aus der Mercuricyanidlösung metallisches Queck- 
silber ab. 

GfffUSsiing. Dass bei Darstellung der sogenannten Giftlösung in forensischen 
Fällen bei Behandlung der organischen Substanz mit Kaliumchlorat und Salz- 
säure geringe Mengen Oxalsäure entstehen, ist bereits unter „Acidum ozali- 
cum" erwähnt. 

Arsensäure in Arsenigsäure überzuführen genügt Eochung mit Oxal- 
säurelSsnng. 

Arsensnlfid und Antimontrisulfid sind in Kaliumdisulfitlösung 
lödidi, letzteres nur etwas schwieriger. 

Behu& Trennung des Arsens vom Antimon giebt Nilsok folgendes Ver- 
fahran an. Man löst die frisch gefällten Sulfide in Kalilauge, leitet in die Lö- 
eong Chlor im üeberschuss, erwärmt im Wasserbade, lässt nach und nach mittelst 
einer Pipette concentrirte Salzsäure zufliessen, wiederholt das Erwärmen resp. 
Abdampfen und Zusetzen von Salzsäure, und setzt, nachdem jede Spur fraen 
ClilarB ausgetrieben ist, frisch bereitetes und gesättigtes Schwefelwasserstoffwasser 
hiBzn. Eb ftllt sofbrt oder binnen kurzer Zeit alles Antimon als Antimonpersulfid 
t3b|S5) nieder, das gesammelt, gewaschen und bei 110^ getrocknet wird. 

Ans den Filtraten wird das Arsen durch Einleiten von Schwefelwasserstoff- 
gas, 1 — 2tägige8 Stehenlassen bei Luftabschluss, wiederum Sammeln des Nieder- 
telüages u. s. w. gewonnen. 

Zur Erkennung des Arsens in Metall-Sulfiden genügt eine Eochung 
derselben mit Wasser und Filtration. Nur das Arsensulfid geht hierbei in ein 
in Wasser lösliches Oxyd, Arsenigsäure, über (Frommel, Ph. de Clbsmoüit). 

PriKung der Farben auf Arsengehalt Von dem Pigment werden 2,0 mit 
2,0 Kalisalpeter und 1,0 entwässertem Natriumcarbonat gemischt, mit etwas 
Natrimnearbonatlösung angefbuchtet, getrocknet und die pulvrige Masse messer- 
spitzenweise in einen glühenden Porzellantiegel eingetragen. Die Asche wird nun 
anf Arsen untersucht. 

Beiksch empfiehlt das verdächtige Anilinpigment mit verdünnter chemisch 



118 Arsenum. 

rdner Salzsäure zn digeriren, in die Flüssigkeit einen Eupferstreifen zn stellen 
nnd einige Minuten zu erwärmen. Bei Gegenwart von Arsen ist das Kupfer mit 
einem grauen bis schwarzen Ueberzuge bedeckt 

ArsennachweiS; empirische Methode, um in der Salzsäure, Schwe- 
felsäure oder in Salzen, welche nicht Schwermetallsalze sind, den Nahrungs- 
mitteln etc. Arsen bis auf einen Gehalt von ^4000 nachzuweisen, verdünnt man 
die Salzsäure mit der 10 fachen Menge Wasser, die Schwefelsäure mit circa der 
10 fachen Menge Wasser und giebt zu letzterer etwas Kochsalz. Salze und 
andere Stoffe extrahirt man mit einer Salzsäure, welche mit der 10 fachen Menge 
Wasser verdünnt ist und setzt von der Flüssigkeit auf Weissblech, besser auf 
dickes Stanniol kleine Tröpfchen auf und stellt eine Stunde bei Seite. Nach 
dieser Zeit zeigen die betropften Stellen nach dem Abspülen mit Wasser braune, 
graue oder auch stahlfarbene Flecke. Schneller und stahlfarbiger wird der Fleck, 
wenn man das Blech über einer Petroleumlampe in der Distanz hält, dass ein 
schnelleres Abdunsten oder Eintrocknen des Tropfens ohne Kochung erfolgt 
(Hager). 

Methode von Haoeb (Hdb. I, S. 493) hat sowohl durch W. Dawy, als 
auch durch Johnson eine Modification erfahren, insoibm ersterer als Arsenwasser- 
stoff-Entwickler Natriumamalgam mit Wasser, letzterer Aluminium im Contact mit 
Aetzalkalilauge empfiehlt. Natriumamalgam kann leicht arsenfrei hergestellt wer- 
den, aber Aluminium in Drahtform ist nicht immer arsenfrei. Letzteres kann also 
nur dann in Anwendung kommen, wenn es sicher arsenfi'ei ist. Die Vortheile, 
welche beide Wasserstoffgas-Entwickler darbieten, bestehen darin, dass sie die 
Entwickelung von Schwefelwasserstoff und Antimonwasserstoff nicht bewirken^ 
wohl aber die des Phosphorwasserstoffs. 

In einen Probircylinder oder ein Kölbcheu giebt man 5 — 7 CG. Wasser, 
dazu eine geringe Menge der auf Arsen zu prüfenden Substanz und dann eine 
Menge Natriumamalgam von dem Volumen einer halben Bohne oder man giebt 
in das Kölbchen eine Lösung von 2 g Aetzkali (Kali caust. fnsum) in 7 — 8 CC. 
Wasser, etwas von der arsenhaltigen Substanz und ein Paar centimeterlange 
AlnminiumdrahtstUckchen , setzt auf den Oylinder den Kork mit dem mit Silber* 
nitratlösung befeuchteten Pergamentpapierstreifen oder auf das Kölbchen einen 
Kork mit einem 6 — 8 Ctm. langen Glasrohre und stülpit über dieses Glasrohr 
einen kleinen oder kurzen Probircylinder, in welchem sich ein Bäuschchen feinster 
Glaswolle befindet, welche mit Silbemitratlösung getränkt ist. Diese Tränkung 
geschieht einfach in der Weise, dass man das lockere Bäuschchen Glaswolle in 
den kurzen Probircylinder hineinschiebt und ein Paar Tropfen der Silberlösung 
daraufgiesst. Hätte man zu viel darauf gegossen , so kann man das vom Glas- 
bäuschchen Ablaufende in das Standgefäss für die Silberlösung zurückgiessen« 
Die Spitze oder äussere Mündung des Glasrohres muss bis in oder an das 
Bäuschchen hinaufreichen. Bei Anwendung des Aluminium ist eine geringe Er- 
wärmung nöthig. Das Glaswollenbäuschchen wird grau bis metallisch glänzend 
schwarz, wenn Arsen gegenwärtig ist. Aus der Silbemitratlösung wird bekannt- 
lich durch Einwirkung von Arsenwasserstoff Silber metallisch abgeschieden unter 
Arsenigsäurebildung, und Salpetersäure wird frei. Jandousoh empfiehlt eino 
Silbemitratlösung, welche mit etwas Salpetersäure angesäuert ist, wenn sie zum 
Benetzen des Pergamentpapieres Verwendung finden soll. (Vergl. oben unter 
Arsenwasserstoffgas.) 

Zur Beseitigung von Arsenigsäure aus Wasser, um dieses trinkbar 
zu machen, versetzt man dasselbe mit einer entsprechenden Menge Ferrichlorid 
und dann mit etwas Kalkhydrat oder zerfallenem Aetzkalk und lässt absetzen. 



Arsenum. 119 

Argen (T^xic^tog.)* Nach andauernder Einführung von Arsenverbindungen 
m den Organismus findet eine Localisation des Arsens im Gehirn statt, es 
sammelt sich hier an^ den Phosphor delogirend, welcher als Phosphat in den 
Harn übergeht. In Stelle der Glycerinphosphorsäure tritt Glycerinarsensäure 
ein und Lecethin enthält in Stelle des Phosphors Arsen. Im Gehirn sind grössere 
Mengen Arsen nachweisbar als in der Leber und den Knochen. Nach chroni- 
schen Vergiftungen mit Arsen wäre also das Gehirn das vornehmlichste Unter- 
snchungsobject (0. Caillol und Ch, Livon). 

Dieser Beobachtung entgegen erkannte E. Ludwig bei chronischen Ver- 
giftungen die Leber^ nach acuten Vergiftungen auch die Nieren als vorwiegende 
Araenspeieher. Nach acuten Vergiftungen verhielten sich die Arsenmengen in 
Gehirn, Leber, Nieren und Muskeln wie 1:89:135:3. Diese Verhältnisse 
sind mit aller Sicherheit bestimmt worden. 

Vergiftungen ^durch Arsenwasserstoff sind dadurch vorgekommen, dass vier 
Italiener (in Altena) sich mit der Darstellung von Wasserstoffgas zur Füllung 
von GummibaUons beschäftigten und diese Arbeit mit arsenhaltigem Zink und 
an^nhaldger Schwefelsäure in einem kleinen, schlecht ventilirten Zimmer aus- 
fiihrten. Drei der Vergifteten wnrden innerhalb 14 Tagen geheilt, der vierte 
erlag der Vergiftung. 

irseiik oder Arsenigsäure ist weder ein Antisepticum noch ein Anti- 
zymotlcum, es vermag weder die faulige Zersetzung noch irgend einen che^ 
mischen Act, welcher zur Kategorie der GähiTingen gehört, zurückzuhalten, 
wohl aber letztere zu modificiren und in die Form der fauligen Gährung über- 
Eiifdhren. Es begünstigt Arsenik in gewisser flüssiger wässriger Verdünnung 
sogar die Bildung von Pilzen und Algen, welche Begleiter der fauligen Zer- 
setzung zu sein pflegen, es ist sogar indirect ein Nährkörper für Pilzvegetationen. 
IMese auffallende Behauptung kann sicher und klar durch Benutzung der 
WiCK£R8H£mER'8chen Conservirungsflüssigkeit mit und ohne Arsenigsäuregehalt 
nachgewiesen werden. Man darf nur 10 CC. der einen und der anderen Flüs- 
<^keit mit 100 (X3. Harn mischen, in leicht oder locker bedeckten Geftlssen 
bei Seite stellen und diesen beiden Proben 100 CC. Harn ohne Zusatz in einem 
ähnlich verdeckten GefiLsse zugesellen. Während nach 5—6 Wochen die arsenige 
Mischung sich einer fingerdicken Pilzschicht erfreut, ist sie bei den anderen 
beiden Proben kaum 2 mm dick (Hager). 

latBrirsalze in der Färberei und Zeugdruckerei sind entweder Arseniate oder 
enthalten Arseniat (Ammoniumarseniat). 

Tapcteifarben und Zeogfarben jeder Art, nicht allein die grüne, sind ver- 
dächtig, arsenhaltig zu sein, und dies um so mehr, je lebhafter sie erscheinen. 
Wenn sie nur Spuren Arsen enthalten, so können sie in ihrer Verwendung 
nichts Gesundheitsschädliches darbieten, üeberhaupt total arsenfteie Mineral- 
farben mit geringem Einkaufspreise dürften sich immer als eine seltnere Waare 
ergeben. Da nun die Proben auf Arsen sich meist einer grossen Schärfe er- 
freuen ^ 80 wäre es wohl angezeigt, eine Reaction in einem gewissen Verhält- 
nisse fttr den Nachweis der nicht zulässigen Spuren Arsen als normative anzu- 
nehmen. Hagee erlaubt sich folgendes Verfahren vorzuschlagen: 1,0 g der 
fraglichen Substanz wird getrocknet oder eingetrocknet mit 0,5 Natriumnitrat 
und 0,2 wasserleerem Natriumcarbonat eingeäschert, die Asche mit 10 CC. Wasser 
extrahirt und filtrirt Von dem Filtrate werden 10 Tropfen zu 10 CC. einer 
2,5 — 3 proc Salzsäure (dargestellt durch Verdünnen von 10 CC. einer 25 proc. 
Säure auf 100 CC.) gemischt. Von dieser Mischung werden einige mittelst eines 
Glasstabes aufgenommene Tropfen auf starkes Stanniol aufgesetzt und dieses so über 
einer brennenden Lampe gehalten, dass nur ein massig warmer Luftzug gegen 



120 Arsenum. 

die ünterfläche des Bleches strömt Die langsam eintrockBenden Tropfen hinter- 
lassen einen Fleck; welcher stahlfsurbig ist, wenn eine starke Spar Arsen in der 
zu untersuchenden Substanz vertreten ist, welche auch von nachtheiligem Ein- 
flüsse auf die Gesundheit sein kann. EnthUlt der Auszug Salze, so muss die 
Stelle, wo die Tropfen eintrockneten, mit Wasser abgespült werden. Wäre der 
Fleck nur hellgrau ohne dunklen Rand, so wäre die Abwesenheit von Arsen 
anzunehmen, ebenso wenn der Fleck dunkelgrau oder einfarbig ist und sich an 
seinem Rande eine Stahlfärbung oder eine solche farbige dunkle Einfassung 
nicht wahrnehmen lässt Diese Reaction hat bei einem Arsenigsäuregehalt von 
Viooo ^h^^ Grenze und kann eine solche Verdünnung in Tapeten und Farben 
schwerlich von Einfluss auf die Gesundheit sein. 

Fleck fand Arsenigsäure in starkem Maasse vertreten in verschiedenen 
Sepia-Arten, Terra Siena, Brun de van Dyk, Ocre brun etc., welche Farben den 
Firmenstempel „Chenal Paris^ mit der Randschrift „Richard^ trugen. 

Anstrich für Schiffsböden (nach irgend einem Patente) besteht aus 
15 Th. Zinnober, 10 Th. Zinkcarbonat, 20 Th. Harz, 16 Th. Kreide, 10 Th. 
Arsenik, 10 Th. Trockenfimiss, 8 Th. Petroleum, 2 Th. Bleiacetat und 10 Th. 
Mennige. Hier hat Arsenik wohl nur eine Stelle auf Grund des Aberglaubens 
gefunden, dass Arsenik die Fäulniss stört, wo es doch gerade eine Substanz 
ist, welche die Fäulniss durch Begünstigung der Vegetation von Pilzen und 
Algen unterstützt 

irsenikrickstlnle, wie sie sich in verschiedenen Fabrikzweigen ansammeln, 
werden nach Clah. Winkleb in der Weise ausgenutzt, dass man in Natron- 
lauge löst, die Lösung bis zur Salzhaut eindampft, mit natürlichem Calcium- 
carbonat und Steinkohlenpulver mischt, die Mischung austrocknet, dann in Muffel- 
röstöfen glüht und den Arsendampf auffängt und verdichtet. 

Antlseptle fluid von A. Moeell entspricht dem Liquor antisepticus Anglicus, 
Hdb. Bd. I, S, 473 sub (8), 

ConserriniDgsflttssigkelt WiCKERSHEiMEit's (mit D. R.-Patent) für anatomische 
Zwecke. 100 Th. Alaun, 25 Th. Kochsalz, 12 Th. Kalisalpeter, 60 Th. Potasche und 
20 Th. Arsenigsäure werden in 3 Litern Wasser gelöst, nltrirt und das Filtrat mit 
1550 Th. Glycerin nnd 300 Th. Methylalkohol vermischt. Diese Vorschrift ist das 
traurigste Elaborat unserer heutigen uhemie nnd dennoch soll die Flüssigkeit eine 
Conservimngskraft von wunderbarer Stärke besitzen. Wie das Expjeriment erwiesen 
hat, vermögen 10g der Flüssigkeit 100g frischem Harn zugesetzt nicht, diesen ohne 
Schimmelansatz nur anf 8 Tage zu conserviren und das damit durchtränkte Mnskel- 
fleisch lässt innerhalb 3 Wochen Pilzvegetationen aufkommen. 

Das Filtrat enthält nur 0,622 Proc. Arsenigsäure, ist nur schwach alkalisch und 
enthält kein Alannerdesalz. Das arsenfreie Filtrat conservirt Harn besser und länger 
als bei Arsenigsäuregehalt (Haoer). 

Grannies d'arseniate d'or dniainis^ du Dr. Addison (Pharmacie Geun, rue 
Kochechouart 38, Paris), ein Mittel ftlr alle Krankheiten, welche in den Bereich der 
innerlichen gehören, sind Pillen (candirte?), mit Goldarseniat. Jede Pille soll cirea 
0,0005 Goldarseniat enthalten. 1,0 Goldarseniat ergiebt sich aus einer Mischung von 
1,8 Ghlorgoldnatriumchlorid (Auro-Natrinm chloratum) und 0,55 ausgetrocknetem Na- 
triamarseniat. Wahrscheinlich existirt Groldarseniat nicht, denn nach der Berechnung 
zusammengesetzt ist das Resultat kein Körper, welcher eine bestimmte chemische 
Zusammensetzung hat oder in Krystallen gesammelt werden könnte. 

Pento -EpUatoire, Enthaarungsmittel, stellt eine Lösung von circa 8 Proc. 
Arsensulfid in Schwefelnatriumlösung dar. 

Pflanzenconserrining durch Tränkung einer Lösung von 10 Th. Natriumarsen iat 
in 30 Th. Wasser nnd 300 Th. Glycerin hat man empfohlen, hoffentlich aber diesem 
Batiie niemals Folge gegeben. 

Poudre merreilleuse de Vivier besteht in Th. aas 48 Jod, 8 Arsenik, 8 Brech- 
weinstein und 1 Phosphor (Bürcttner, Analyt.). 



Arsenum. — Artemisia. — Asarnm. 121 

Tfneol. Unter diesem Namen kommt eine PulvenniBcfaung gegen Wanzen in 
den Handel, welche ans persischem Insectenpulver und Schweinforter Grün besteht 
Es ist also arsenhaltig, seine Anwendung erfordert grosse Vorsicht. 

Wormsalbe fttr Pferde von Fbkbat entspricht dem Unguentum antifareiminicum« 
Hdb. Bd. I, S. 476 sub (34). 



Artemisia. 

Die BuBDAGH'sche Methode der Anwendung der Radix Artemisiae gegen 
Epilepsie besteht darin, dass dem Kranken kurz vor dem erwarteten Anfalle 
üas Pulver der Wurzel zu 2,0—3,0—4,0 mit Wannbier oder erwärmtem Biere 
eingegeben wird. Tritt der Anfall eher ein, bevor die Verabreichung dieser 
Dosis möglich ist, so muss sie sofort nach dem Anfalle getrunken werden. 
Dnr^ Oenuss warmer Getränke ist eine vermehrte Transpiration zu erzielen. 
Die angegebene Portion wird einen um den anderen Tag, wenn aber dennoch 
kein Schweiss eintritt, täglich gegeben. 

Spllei^emittel des Fräulein Eakolike Gotzkow (Goldap in Ostpreussen) be- 
steht aus 7 Stück aschgrauen^ 0,5g schweren Pulvern von süsslichem aromatischem 
Geschmack,^ bestehend aus Zimmt, Beifusswurzel und der Kohle von irgend einem 
kleinen Thiere. Die Kui wird 2 — 3 mal repetirt. 7 Pulver haben einen Preis von 
3^ Mk. (WiTTSTBiN, Analyt.) 

BpUepsiemittel^ Dubakd's, besteht aus 1) 600 Pillen mit Artemisiapulver und 
dem Extract von Oalium palustre, 2X einigen Laxirpulvem, beim Eintritt des Voll- 
mondes zu nehmen, und 3) einem Thee aus kleingeschnittenen Folia Fraxini ex- 
eelriofis. 

Sehen-fü des Dr. Schöpfer war Badix Artemisiae concisa mit etwas Curcuma 
vermifleht. 500 g wurden mit 45 Mk. bezahlt 



Asaram. 

IL Asarum Canadense Linn., auch Asarum arifolium Michaux, Cana- 
diaehe Schlangenwurz , Indianischer Ingwer, zwei in Nord-Amerika einheimische 
Aristolodiieen. 

Das Bhizom ist die in Nord-Amerika offidnelle Radix Asari. Dieselbe 
ist der Eoropidschen ähnlich, nur von grösserer Form und dunklerer Farbe, in 
ihrem inneren Baue dichter und härter und von aromatisch pfefferartigem Ge- 
mehe. Sie ist in Blech- oder Glasgefässen au&ubewahren. 

In Betreff der Wirkung hat diese Wurzel mit der Europäischen Asarum- 
wurzel keine Aehnüchkeit Sie enthält ein scharf aromatisches flüchtiges Oel 
(2 Proe.) und wird auch in der Stelle des Ingwers in der Hauswirthschaft und 
Technik verwendet. Sie wird als Diaphoreticum, Stimulans, besonders bei Starr- 
krampf der Kinder und als Emmenagogum gebraucht. Als Medicamente kommen 
in Anwendung 

Tiictin Asari CanadeHsis , bereitet durch Digestion von 1 Th. der Wurzel 
mit 6 Th. verdflnntem Weingeist (0,892 spec. Gew.), und 

litractn Asari GaaadeBsis fliidam, bereitet durch Digestion aus 100 Th. der 
kleingeflchnittenen Wurzel mit 50 Th. Glyce.rin und 250 Th. Weingeist 
(0,833 spee. Gew.)> Auspressen, Filtriren und Eindampfen bis auf einen Rück- 
stand von 105 Th. Man lässt mehrere Tage an einem kalten Orte das etwa 
abgeachiedene Harz sich absetzen und decanthirt. Das nur wenig trübe De- 
canthat muss 100 Gew.-Th. betragen. 



122 Asarum. — Asellas. 

Syrnpos Isari Canadensis, eine Mischung ans 5 Tb. Fluidextract mit 
95 Th. Syrupus SaccharL 



Asellns. 

Th. Husemann hat (pharm. Handelsbl. 1877, No. 99—100) eine sehr be- 
lehrende Abhandlung über Leberthran der Oeffentlichkeit ttbei^ben, aus welcher 
wir hervorheben; dass die Qallenfarbstoffreaction als eine charakteristische des 
Leberthrans aufzufassen ist, die Leberthrane als Fabrikthrane und Bauemthrane 
oder Privatindustriethrane zu unterscheiden sind, von denen erstere den Vorzug 
verdienen, dass der Namen Dorschleberthran fUr einige Fabrikthrane keineswegs 
zutreffend sei und er von Oadus Callarias abstammen müsse. Während der 
Fabrikthran aus frischen Lebern bereitet wird, kommen zur Gewinnung des 
Bauemleberthrans auch alte Lebern zur Verwendung. 

Der Jodgehalt der hellgelben oder sogenannten weissen Sorten beträgt 
0,025—0,035 Proc. 

Die vorzüglichsten Fabriken für Leberthran sind die des Dr. phil. Fbantz 
Peck£L Mölleb (Christiania und London) und die des Heinbigh Meyeb in 
Christiania. Der beste und reinste Leberthran wird gewöhnlich mit Oleum 
Jec. Aselli naturale, natürlicher Medicinal-Leberthran, bezeichnet 
und ein solcher ist in den Preislisten unserer Drogisten mit Ol. Jec. Aselli album 
(vap. par.) I* notirt. 

Ein weisser Leberthran ist der blassgelbliche, ein farbloser (oder völlig 
weisser) echter Leberthran existirt nicht. 

In Betreff der Aufbewahrung, wäre ein Zusatz von 0,2 Proc. eines wasser- 
f^ien Weingeistes zu empfehlen. Ein solcher Leberthran wird weniger leicht 
ranzig. Ein Filtriren ist möglichst zu vermeiden. 

Der Jodgehalt ist nicht als ein charakteristisches Rennzeichen des Leber- 
thrans zu betrachten, denn auch viele fetten Oele lösen in der W&rme kleine 
Mengen Jod farblos auf. Der Nachweis und die Bestimmung des Jods geschieht 
in der Weise, dass man den Leberthran mit Aetzkali verseift, den Seifenleim 
eintrocknet, dann scharf austrocknet und in Asche vei*wandelt. Die Glühhitze 
darf nur so stark sein, dass eine kohlige Asche resultirt, im anderen Falle wird 
ein Theil des Kaliumjodids verflüchtigt. Sicherer verfährt man, wenn man das 
eingetrocknete Seifenpulver bei schwacher Rothgluth verkohlt und mit seinem 
halben Gewicht reinem Kalisalpeter vermischt in kleinen Portionen in einen 
tiefen glühenden Tiegel nach und nach einträgt. Die zerriebene Asche wird 
mit der doppelten Menge Wasser gelöst und dann mit einem 10 fachen Volumen 
Weingeist durchschüttelt. Kaliumjodid geht in den Weingeist über und kann 
darin als Silbeijodid bestimmt werden. 

Als Verfälschung und Unterschiebung des Dorschleberthrans wird von 
MoNUAD Kbohn (Bergen, Norwegen) der Leberthran einer Art Haifisch, des 
Haakj erring, Scymnus borealis, angegeben. Die Leber dieses Fisches soll 
100— 160 k Thran ausgeben und wird iu Finnmarken seit mehreren Jahren der 
Fang dieses Fisches stark betrieben. Der lieberthran soll sich nur durch einen 
weniger angenehmen Geruch und Geschmack unterscheiden, es dürften aber auch 
Manipulationen versucht werden, Geruch und Geschmack dem des Dorschleber- 
thrans anzupassen. Wahrscheinlich weicht die Wirkung dieses Thranes nicht 
wesentlich von derjenigen des Dorschleberthrans ab. 

Fischthrane für Industriezwecke sind mit Harzöl, selbst mit Petroleum 
verfälscht vorgekommen. 



Asellua. 



123 



Zur Darstellung: des Oleum Jecoris Aselli ferratum ist Ferrum ben- 
zoicum (Handb. Bd. I, S. 510) vorgeschrieben; aber die Darstellung dieses Eisen- 
salzes nicht angegeben worden, daher hier die Vorschrift. 

VerriB beDZtlcnfli •xydatun, Ferrisabbenzoat, basisehes benzoesaares Eisen (2Fe%^, 
:/Ci^X)») + 15H0). Man löst 10,0 g der krystallisirten Benzoesäure in 
200 CC. dest. Wasser und 15,0 g oder so viel lOproc. Aetzammonflüssigkeit, 
>^ads unter gelinder Digestion aus der Lösung eine nur schwach ammoniakaUsche 
Flflssigkeit hervoi^eht. Dieser Flüssigkeit setzt man 11,0g Ferrichloridflflssig- 
kdt (1,480 spec. Gew.), verdünnt mit 200 CC. heissem destill. Wasser, hinzu. 
Nach dem Umrühren lässt man an einem kalten Orte einen Ta^ absetzen, de- 
canthirt, rührt den Bodensatz nochmals mit kaltem Wasser an, lässt absetzen, 
decanthirt wiederum und wäscht nun den Bodensatz in einem Filter mit kaltem 
Wasser soweit aus, bis das Abtropfende durch Silbemitrat eine nur noch unbe- 
deutende Trübung erfährt 

Das Filter mit dem feuchten Niederschlage auf einer Lage Fliesspapier 
au^ebreitet lässt man an einem lauwarmen Orte trocken werden. Nachdem 
der Niederschlag zu Pulver zerrieben ist, legt man ihn behufb vollständiger Aus- 
trocknung nochmals einen Tag an einem warmen Ort (bei circa 40^ C.) und 
hebt ihn schliesslich in einem gut verstopften Glase vor Tageslicht geschützt 
auf. Sein Gewicht wird circa 12,0 g betragen. Es ist dieses Benzoat weder 
n Wasser noch in Essigsäure löslich. Behufis Darstellung des eisenhaltigen 
Leberthrans zerreibt man 10,5 g des pulvrigen, völlig trocknen Ferribenzoats in 
^4nem Mixturmörser mit etwas (circa 4,0 g) Leberthran zu einer unfühlbaren 
Masse und vermischt diese mit 990,0 g Leberthran. Nachdem man einige Tage 
öfter umgeschüttelt hat, lässt man absetzen und decanthirt das braunröthliche 
Oel; den letzten trüben Rest filtrirt man durch ein zuvor ausgetrocknetes Papier- 
filter. Vor Lichteinfluss ist auch der eisenhaltige Leberthran sowohl während 
der Bereitung als während der Aufbewahrung möglichst zu bewahren, denn im 
anderen Falle wird der Geschmack des Präparats ein ziemlich unangenehmer 
und kratzender. 

'D Mixtnra contra tnssim Guli*. D. S. Täglich 3—4 mal einen Thee- 



Gull's Hustenmixtur. 

ie 01 ei Jecoris Aselli 

Sacci Citri recentis 

Mellis depurati ana 30,0. 
M. D. S. Gut umgeschttttelt 3— 4 mal 
taglich einen Theelöifel bis Vt Esslöffel. 



i2 Oleum Jeeorls Aselli aetherisatnm« 

Geätherter Leberthran. 

R- Olei Jecoris Aselli 100,0 
Aetfaeris 4,0. 
3L D. S. Täglich 3— 4 mal Va Esslöffel. 
Dieser Leberthran soll stets leichter ver- 
tragen werden als der nicht ätherisirte, 
besonders soll er bei Lnagenphthisis von 
sichtbarem Erfolge sein.) 

(3) Olenm Jeeorls Aselli aspido- 
gpemünatniii. 

1^ Aspidospermini puri 2,0. 
Terendo solve in 

Olei Jecoris Aselli flavi 100,0. 



löffel bis halben Esslöffel voll. 
(4) Oleum Jeeorls Aselli coffeatnm 

(SlMONDO). 

ijf Seminnm Coffeae tostorum grosso modo 
pulveratorum 
Carbonis ossium ana 10,0 
Olei Jecoris Aselli 200,0. 

Digere per horam unam. Sepone per diem 
anum loco frigido, deinde nltra per char- 
tam bibulam. 

Dieser Leberthran soll Kaffeegeschmack 
haben und gern genommen werden. 



(5) Oleum Jecoris Aselli cum Extracto 

lialti. 

Malzextract-Leberthran« 

i)r Extracti Malti 

Gummi Arabici ana 10,0 
Aqua destillatae 15,0« 



124 



AselloB. — AspidoBperma. 



Mixtis Bensim adde 

Olei JecoriB ÄBelli 75,0, 
ut fiat emulsio, cni 

Aetheris guttae 10 
ftdiniscoaiiliiur 

D. S. 3 mal tätlich einen EsslOffel. (Der 
Aether kann aacn durch eine andere Sub- 
stanz z. B. Elaeosacchar. Menthae pip. 2,0 
ersetzt werden, doch verdient Aether den 
Vorzug, weil er die Mischung vor Schim- 
melansatz bewahrt und auch den Ge- 
schmack verbessert Eine Emulgirung 
mit Eigelb gelingt ebenfalls, doch mehr 
auf Kosten der Dünnflüssigkeit.) 



(6) Oleom Jeeoris Aselli jodoferratnin« 

Oleum Jecoris Aselli cum Ferro jodato. 

^ Olei Jecoris Aselli 200,0 

Jodi 0,5. 
In cucurbitam vitream ingestis et pauUum 

calefactis adde 
Ferri pulveratl 0,5. 
Digere saepius agitando per horas dnas 

vase clauso. Deinde sepone ad sedi- 

mentationem. Liquor limpidus decan- 

thetur. 

D. S. Täglich 3-4 mal einen Thee- 
löffel bis Vs EBslöffel. 



Aspidosperma. 

Äspidosperma Quebracho Schlechtekdal, ein in den Gegenden auf der 
Östlichen Seite der Cordiileras und südlich der Republik Bolivia häufiger Baum. 

Gortex ispidosperaatis Qaebrieko, Cortex Qnebracko, Qnebrackoriade» 
die mit Borke bedeckte Rinde des Stammes. Sie ist 1 — 2 Ctm. dick. Dia 
Dicke der mit nur dünner Korkschicht bedeckten Borke beträgt ungefähr ^1^ der- 
jenigen der Innenrinde. Die Borke ist uneben, höckerig, tief rissig, aussen r9th- 
lich braungelb oder ochergelb, auf dem frischen Querschnitt mehr oder weniger 
roth, durchzogen von dunkleren, gelbbräunlichen, unregelmässig concentrischen, 
mit einander zusammenfliessenden Linien (Korklamellen) und auch dicht weisslich 
punktirt. Die weisslichen Punkte erweisen sich unter dem Mikroskop als stark 
sderenchymatisch verdickte Elemente. Die innere Rinde ist von bräunlichgelber 
oder blassgelblicher Farbe, kurz- und grobfaserig, mit nach verschiedenen Rich- 
tungen und unregelmässig verlaufenden, schief aufeteigenden FasergefiUszügen. 

Nach Mölleb's Angaben lässt der Querschmtt mit blossem Auge aus hellen 
Punkten sich zusammensetzende mosaikartige Zellenreihen erkennen. Mit dem 
Mikroskop beobachtet man Korkbänder von verschiedener Breite (bis über 1 Mm) 
und Verlaufkrichtung, welche tief in die Innenrinde hineintreten. Zwischen den 
genäherten, 1 — 3 reihigen Markstrahlen findet sich nur wenig dünnwandiges Ge- 
webe. Ausser den regelmässigen tangentialen Sderenchymbändern kommen auch 
noch selbstständige, grosse Gruppen von Sderenchym und isolirte grosse Stein- 
zellen vor. Die Bastzellen emä 1 — 1,5 Mm lang, 0,06 Mm breit, spindelig, 
stumpf endigend und über und über mit Erystailen bedeckt, so dass man in 
Macerationspräparaten selten der Faserwand ansichtig wird. Die Yerdickang 
ist sehr bedeutend. Mit den Bast&sem untermischt und vereinzelt finden sich 
Steinzellen von verschiedener Gestalt, Grösse und Verdickung. Das Sclerenchym 
ist hellgelb, die Wände der Parenchymzelien sind mit einer glänzend braun- 
rothen Substanz angefallt, welche nur zum Theil aus Gerbstoff besteht, denn sie 
wird durch heisses Wasser nicht vollständig gelöst und Eisenchloridflüssigkeit 
zeigt neben dem fast schwarzen Niederschlage unveränderte Reste derselben. 

Das Pulver der Rinde entspricht in seinem Aussehen einem Giemisch der 
Pulver der Königs- und rothen Chinarinde und ist von bitterem Geschmack. 
Der Aufguss ist bräunlichgelb und von sehr bitterem Geschmack. Die Ab- 
kochung ist dunkler an Farbe und lässt beim Erkalten einen Bodensatz fallen, 
welcher durch Zusatz von Salzsäure oder Schwefelsäure fast ganz verschwindet, 
ein Beweis, dass er hauptsächlich aus Alkalold besteht. 



Aspidosperma. 125 

unter dem Namen Quebracho kommen Holz nnd Rinden von anderen 
Bftnmen, z. B. Lozopterygium Lorentzii Grisebach als Gerbmaterialien in den 
Handel, welche aber die oben beschriebenen Qnebrachorinde nicht ersetzen, da 
ihnen das Alkaloid Aspidospermfn fehlt. 

Bestandtheile der Kinde. Paskis fand 3,48 Proc., Ettneb noch weniger 
Gerbstoff. Sgeickbndanz wies in der Kinde em Alkaloid, Aspidospermin 
c4er Qn ehr achin nach. 

Anwendung. Da die Rinde im Handel oft fehlte, so experimentirten die 
Physiologen nnd Aerzte oft mit dem Quebrachoholz, welches nnr Spnren Alka- 
loid enthält, aber reich an Gerbstoff ist. Jedenfalls kommt die Wirkung der 
Rinde mit derjenigen der Chinarinde überein, wie dies anch von den Aerzten 
^damerikas behauptet wird, welche die Rinde viel gegen Wechselfieber an- 
H-enden. 

Dr. Pänzold {Berliner Klinische Wochenschrift 1879, 19) liess 10 Th. der 
^polverten Rinde mit 100 Th. Weingeist extrahiren, den Anszng eindampfen, 
in Wasser iQeen, filtriren, eindampfen nnd den Rückstand in 20 Th. Wasser 
Ideen. Obgleich anf diese Weise der grösste Theil des Alkalolds, welchem doch 
wohl die Hanptwirknng zuzuschreiben wflre, beseitigt wurde und in der Lösung 
haoptsflchlich unschuldsvoller Extraktivstoff vertreten gewesen sein kann, so hat 
man dennoch Wirkungen beobachtet. Von dieser Lösung wurden 1 — 2 Thee- 
l9ffel gegeben, auch die Dosis 2 — 3 Mal täglich wiederholt und bei mehr als 
25 Kranken versucht, welche aus verschiedenen Ursachen (wie Emphysem, 
Phthisis, chronischer Pneumonie, Pleuritis etc.), an Dispnoe (Schwerathmigkeit) 
fitteiL. Alle Patienten fanden Erleichterung des Athemholens, die Respirations- 
freqnenz sank, und war Cyanose (das (3efilhl von Schwere und Druck auf der 
Bnust) vorhanden, so wurde sie entweder verringert oder beseitigt. Einen Ein- 
floBS anf die Pulsfrequenz konnte man nicht constatiren. 

Die von Dr. Penzold in Erlangen mit dem neuen Heilmittel angestellten 
therapeutischen Versuche haben zu folgenden Resultaten geführt: — 1. Die 
Qnebracho-Rinde erscheint in manchen Fällen als ein nutzbringendes Palliativ- 
mittel gegen dyspnoCtische Beschwerden bei Emphysema pulmonum und chroni- 
scher Bronchitis; in anderen Fällen dagegen bleibt das Mittel ohne jeden £än- 
ÜBBS, namentlidi bei bejahrten Individuen. Bei der von erworbenen Klappen- 
fehlern abhängigen Dyspnoö scheint sein Werth mindestens fraglich. — 2. Bei 
liogerem Gebrauche des Mittels treten eine Reihe von unangenehmen Neben- 
wirkungen auf, die eine weitere Anwendung desselben erschweren. — 3. Die 
Re^irations-Frequenz wird durch das Mittel um so zuverlässiger herabgesetzt, 
in je höherem Qrade sie die Korm übersteigt. Das Mittel zeigt keine constante 
Einwirkung auf die Beschaffenheit des Pulses. 

Tiietira AspidtsperBatis s. Qnebraeh« etrtieis wird durch Digestion aus 
1 Th. Rinde und 5 Th. verdünntem Weihgeist bereitet Eine rothe ad- 
gtringirend bittere Tinctur. 

Tii€tira ispidtspernatis s. ^iHebnck» a^Msa, wissrige QuebnekotiBetir 
wild ans 1 Th. grob gepulverter Rinde, 1 Th. Glycerin, 1 Tb. Weingeist und 
3 Tli. Wasser durch 3tägige Digestion dargestellt. Eine rothe, adstringirend 
bitter schmeckende Tinktur 

Tiictira Aspidogpernatis s. Qiebraek ex extnct«, Tinetnra extraeti Ag- 
pMtfpentttis wird durch Lösen von 1 Th. des Extracts in 10 Th. eines 45proc 
Weingeistes und Filtration dargestellt. 

IxtraetiH Agpidespernatis g. <|iebneh« certileig wird durch Extraction 
der Knde mittelst 30proc. Weingeistes dai^estellt und der durch Digestion be- 



126 Aspidosperma. — Atropinum. 

wirkte, erkaltet filtrirte Anszng zur MnsconsiBtenz eingedickt, anf glasirtem Por- 
zellan oder Glas circa 2 Ctm. dick ausgestrichen und bei einer gelinden Wärme 
(35 bis 45^ C.) so weit ausgetrocknet, dass es sich leicht von der Porzellan- 
flache abstossen lässt. Das Extract löst sich trübe in Wasser, klar in dOproc. 
Weingeist. 

Extractnm ispidospermatis s. Qaebracho eorticis flnidum, <lD6bracholliud- 
extraet 100 Th. der grobpulverigen Quebrachorinde werden mit 40 Th. Gly- 
cerin und 300 Th. 30 proc Weingeist übergössen, 3 Tage hindurch digerirt und 
ausgepresst, der Pressrückstand mit 200 Th. 30 proc. Weingeistes nochmals 
1 Tag digerirt und ausgepresst. Die Colaturen werden gemischt, filtrirt, dann 
im Wasserbade bis auf circa 90 Th. eingeengt und nach dem Erkalten mit 
10 Th. oder soviel verdünntem Weingeist vermischt, dass das Gewicht des Fluid- 
extraotes 100 Th. beträgt. 

ispidospermiiiiiH, Quebraehin (CsaHsoN^Os oder CaaHggNsOs), das Alka- 
lotd der Quebrachorinde. Es wurde von Schickendakz zuerst aufgefunden und 
ist von Fraude dargestellt und nach seinen chemischen und physikalischen 
Eigenschaften geprüft worden. Die Abscheidung aus der Kinde geschieht in 
gleicher oder doch ähnlicher Weise wie die der Chinaalkalol'de aus der China- 
rinde. 

Aspidospermin bildet farblose (weisse), prismatische, sehr bitter schmeckende 
Krystalle, welche nicht in Glycerin, wenig in Wasser, leicht in Weingeist und 
Aether, auch in fetten Oelen löslich sind, bei 205^ schmelzen, stärker erhitzt 
zum Niesen reizende, nach Acroleln riechende Dämpfe entwickeln. Das Sulfat 
und Hydrochlorat dieser Base sind in Wasser leicht löslich. Die Lösungen 
schmecken sehr bitter, geben mit Mercurichlorid einen flockigen weiBsen und mit 
Phosphorwolfiramsäure einen weissen amorphen Niederschlag. Die Lösung der 
Platinverbindung mit überschüssigem Platinichlorid färbt sich beim längeren 
Stehen oder Erwärmen tief violett. Arata hält das Aspidospermin mit Hesse' ä 
Geissospermin identisch, welcher Ansicht die Zustimmung nicht fehlen dürfte^ 
denn Geüsospermum ist auch eine Apocinee und aus derselben Gruppe (den 
Plumerieen) wie Aspidosperma, 

Aspidospermin hat noch keine therapeutische Verwendung finden können, da 
es noch nicht im Handel vorkommt. 



Atropinnm. 

f t Das sogenannte SiMON'sche Atropin ist das in Deutschland dargestellte 
Atropin und ist ebensogut und besser wirksam als das aus England kommende. 
Es hatte sich sogar in der praktischen Medicin der Usus eingeführt, dem Atropin 
aus dieser oder jener chemischen Fabrik den Vorzug zu geben. A. Poehl hat 
diesem aufiTallenden Umstände eine besondere Aufmerksamkeit zugewendet und 
nachgewiesen, dass auch Daturin als Atropin oder Gemische beider in den Handel 
gebracht werden. Planta hatte Atropin und Daturin für identisch gehalten 
und war diese behauptete Identität von anderen Chemikern, Pharmaceuten und 
'Physiologen als eine begründete anerkannt. Daher kam es, dass man Atropin 
sowohl aus der Belladonna wie auch aus Datura darstellte, welche letztere So- 
lanee weit häufiger und massenhafter vegetirt als Belladonna. Poehl constatirte 
zunächst eine optische Verschiedenheit und fand, dass Daturin die Polarisations- 
ebene nach links dreht (^ = —14,12^), Atropin aber optisch inactiv ist, 



Atropinum« 127 

dass ferner in chemischer Besiehung Atropinsalze mit Platinchlorid einen 
Niederschlag, Daturinsalze aber mit demselben Reagens keinen Niederschlag 
geben, dass Datnrinsalze mit Pikrinsäure eine Fällung, Atropinsalze mit 
dieser Säure aber keine Fällnng geben. 

Die im Handel vorkommenden Atropine waren oder sind vielleicht noch 
heute entweder Atropin oder Daturin oder Qemische aus beiden. Wenn auch 
die Pupillen-düatirende Wirkung beiden Alkalolden zukommt, so differiren sie 
theils in dieser Wirkung und kommen ihnen differirende Nebenwirkungen zu. 
Da das Deutsche Atropin meist aus der Atropa Belladonna bereitet wird, so 
hat es mch jetzt einen Vorrang vor dem Englischen Präpai*at erworben. Daturin 
ist jedenütüls schwächer wirkend. 

Die mydriatische Wirkung des Belladonnins gleicht qualitativ der des 
AtropmB, ist nur etwas schwächer (Buchheim). 

Belladonnin ist amorph, in Wasser fast unlöslich, schwer löslich in Aetheri 
leicht Idslich in Weingeist und Chloroform, auch in verdünnter Schwefelsäure, 
mit letzterer aber kein krystallisirendes Salz liefernd. Durch- Einwirkung von 
veingeistiger Aetzkalilösung wird es in Belladonninsäure und Tropin 
xeri^t 

Darstellung. Nach Wasilewbkt wird das trockne kleingeschnittene Bella- 
donnjJcraut 24 Stunden mit Salzsäure haltendem Wasser digerirt, dieser Auszug 
mit Ghloroform ausgeschtlttelt, dann alkalisch gemacht und nun wiederum mit 
Chloroform ausgeschüttelt. Die letztere chloroformige Lösung hinterlässt beim 
Abdnnsten das Atropin. Trockne Belladonnablätter ergaben 0,056 Proc. Atropin. 

Prüfung. Das Atropin, cbrca 0,02, wird mit 20,0 Wasser und 4 Tropfen 
verdünnter Schwefelsäure gelöst. Diese Lösung darf durch ein halbes Volumen 
Pikrinsiiurddsnng nicht oder doch nur schnell vorübergehend getrübt werden. 
(Atropinpicrinat ist in Pikrinsäurelöeung löslich.) Eine Lösung von 0,02 in 
10,0 Wasser und 1 Tropfen Salzsäure muss durch Platinchlorid Fällung erleiden. 
Ln anderen Falle liegt Daturin vor. Noch sicherer ist der Nachweis des Da- 
torüia dnreh das optische Verhalten, denn Daturin dreht die Ebene des polari- 
sirten Lichtes nach links, Atropin ist inactiv (Poehl). 

Anwendung. Stephanides wendete Atropin mit schnellem Erfolge bei pro- 
ftuer Spennatorrhoe an. Der Kranke nahm Abends beim Schlafengehen einen 
Tropfen einer Lösung von 0,1 Atropin in 10,0 Aqua. 

Vergiftung und Gegengift. Immunität für Atropin hat man beim Kanin- 
chen beobachtet, auch fand man, dass für Hunde erst Dosen von 3 — 8 g letal 
wirken, während bei erwachsenen Menschen schon 0,13 — 0,3 letale Dosen sind. 
Kkapstein wies durch Experiment nach, dass Atropin und Morphin gegen- 
seitig keine Antidote sind, zwischen ihnen kein Antagonismus besteht, da- 
gegen ist Atropin ein Gegengift des Muscarins und Pilocarpins, aber 
diese beiden letzteren nicht Gegengifte des Atropins. Bei Vergiftung mit Chlo- 
ralhydrat hat sich Atropin wirksam erwiesen. Im Gegensatz vorstehender Be- 
merkung empfiehlt Schlosser bei Vergiftungen mit Atropin oder Belladonna einen 
wäsarigen Aufguss von 10,0 Folia Jaborandi zu 200,0 Colatur, auf einmal zur 
Hälfte, dann jede halbe Stunde einen Esslöffel voll mit 1 Esslöffel Wein zu 
nehmen y und ausserdem subcutane Injectionen von 0,05 Pilocarpinum hydro- 
chloricnm, gelöst in 2,0 destill. Wasser. Bei Vergiftung mit Chloralhydrat 
empfiehlt Schlosses Atropinsulfat 0,002, gelöst in 35,0 destill. Wasser, auf 
zweimal in einer halben Stunde zu nehmen, oder statt dieser Lösung Tinctura 
Belladonnae 2,0. 

Wood und Johnston empfehlen Atropin als Gegengift des Opiums. 



128 Atropinmn* — Atropinum sallcylic. — Atropinum Bulfniicum. 

Chemie und Toxikologie. Die Abacheidung kleiner Mengen Aropin aus 
Mischungen mit leicht zersetzlichen thierischen Stoffen ist nach Selmi eine sehr 
schwierige; doch erkannte er die Gegenwart des Atropins an dem Weissdoru- 
blüthengeruch beim Verdampfen der Lösung (wässrigen?) an der Luft. 

Extraction des Atropins zuerst durch Ausschütteln der ammoniakalisclien 
Flüssigkeit mit Amylalkohol ^ dann Ausschütteln der amylalkoholischen Lösung 
mit schwefelsaurem Wasser , Depurirung der sauren Lösung durch Schütteln mit 
Aether, endlich Ammoniakalischmachen der sauren wässrigen Lösung und Aus- 
schütteln derselben mit Aether sind Operationen , welche beim Abdunsten des 
Aethers das Alkalold in farbloser und reiner Form gewinnen lassen. 

Künstliches Atropin. Die Darstellung desselben giebt Ladenbbbg an. 
Atropin spaltet sich unter der Einwirkung von Baryt oder Salzsäure in ein 
neues Alkalold , Tropin und eine Säure, Tropansänre (C17H23NO3 + HjO = 
O^HisNO + CöHioOj). 

Bei Behandlung des tropansauren Tropins mit Salzsäure unter 100<^ entstand 
wiederum Atropin. 

Atrtpinafli salieylieuBi, itrtpiisalieylat, soll ohne reizende Wirkung auf 
das Auge sein. Man stellt es ex tempore durch einfache Mischung von 1^62 
Atropin mit 0,78 Salicylsäure (höchst reiner) dar. Ein Theil des Salicylats ist 
in 20 Th. Wasser löslich, die Lösungen conserviren sich überhaupt gut. Nach 
angestelltem Versuch ist es zweckmässig, das Atropin um ein Geringes vorwalten 
zu lassen und stets 2 Th. Atropin mit 1 Th. reiner Salicylsäure zusammen za 
bringen. Yergl. unten Collyrium salicylatum. Das Atropinsalicylat ist 
amorph. 

TiCHBOSNB empfiehlt ein Vorwalten der Salicylsäure in der Mischung, weil 
dadurch die Lösung besonders conservirt werde, doch scheint dann die Lösung 
reizender auf die Schleimhaut zu wirken. 

Collyrium salicylatum. 

Loco Oollyrii stillatitii Graefe. 



l^ Atr(^ 
Aei 



rqpini pari 0,1 (vel 0,15) 
idi salicylici 0,05 (vel 0,075). 



Solve in 

Aquae destillatae 20,0. 

D. S. Augentropfwasser. 



Atroplnnm snlfaricnm. 

tt Vergl. vorhergehend: Atropinum. 

Das Atropinsulfat kommt im Handel in fein kömiger oder granulirter und 
in pulvriger Form vor. Es ist wesentlich, dass nur das Deutsche Atropinsulfat, 
das aus Atropa Belladonna bereitete, in Anwendung kommt. Zu verwerfen ist 
das Daturin enthaltende, erkennbar durch den Niederschlag, den es in schwefel- 
saurer Lösung auf Zusatz von Pikrinsäurelösung giebt (Atropinsalz wird nicht 
dadurch gefilllt). Vergl. unter Atropinum. 

Anwendung. Subcutane Injectionen (0,0005—0,001 pro dosi) sind bei 
Krampfiinfällen, Neuralgien, Muskelschmerz, Rheuma etc. mit Erfolg angewendet« 
Als Epilepsiemittel wurde das Atropinsulfat mit Ealiumbromid von einem ge- 
wissen Ejlusgh in Form emes Geheimmittels und gegen dieses Nervenleiden 



Atropinum sulforicum. - Aurantium. 



129 



Ton Skoda speciell empfohlen, welcher letzterer von einer 1,2 Proc. Atropin- 
snlfst haltenden wässrigen Lösung täglich 1 — 2 mal je 1 Tropfen nehmen lässt. 
Nach Verlauf eines Monats wird immer den Monat hindurch 1 Tropfen mehr 
genommen. Erfolgt Besserung, so bleibt Patient bei der letzten Dosis stehen, 
nm dann wieder zurückzugehen unter monatlicher Verminderung der Dosis um 
emen Tropfen. Machen sich Intoxicationen bemerkbar, so Aussetzen des Mittels 
oder Minderung der Dosis. 



(1) PUnlae Atropini Fraentzgl. 

1fr Atropini sulfurici 0,01 

AT|:illae q. b. 
M. f. pilulae daodeviginti (18). Consper- 
gantnr Lycopodio. 

D. S. Abends und wenn nöthig auch 
Nachts eine Pille (gegen profuse Nacht- 
uhweisse). 

'2) PilvlAe anteplleptieae medlel in- 

eogniti« 

EpUepsiepillen eines unbekannten 

Arztes. 

Kr Atropini sulfurici 0,1 
StiTchnini nitrici 0,2 
Chinini sulfurici 2,0 
Kalü bromati 
Extracti Trifolii ana 10,0 
Gljeerinae 

Radicis AUhaeae ana 3,0 
Badieis Artemisiae q. s. 

M. £ pilulae ducentae (200). Lycopodio 
conspeigantur. 



D. ad vitmm. S. Die ersten 14 Tage 
täglich 1 Pille, die folgenden 14 Tage 
Morgens und Abends je 1 Pille, die hier- 
auf folgenden 4 Wochen Morgens, Mittags 
und Abends je 1 Pille, dann alle 14 Tage 
Minderung der Dosis um 1 Pille. Tritt 
während letzterer Zeit ein Anfall ein, so 
wiederum Vermehrung der Dosis um 
1 Pille. (Dieses Mittel befreite angeblich 
einen jungen Mann von 18 Jahren von 
der Epilepsie und wurden dem Dr. Haqer 
10 Pillen zur Untersuchung eingesendet. 
Die chemische Untersuchung unterblieb 
seiner Zeit (1878, November), weil Ein- 
senderin (die Mutter des Patienten) die 
Bezugsquelle der Pillen nicht angeben 
wollte. Für die Pillen scheint ein hor- 
render Preis gezahlt worden zu sein. Der 
guten Sache halber wurde die Analvso 
in diesen Tagen, als Verf. dieses nieder- 
schrieb, ausgeführt. Möglich ist es, dass 
auch Extractum Saponariae oder Radix 
Saponariae pulv. gleichzeitig vorlag, denn 
ein sehr leichtes Schäumen der wässrigen 
Lösung wurde beobachtet, Saponin konnte 
aber wegen. Mangels an Material nicht 
nachgewiesen werden.) 



Anrantinm. 

ifia Airintii fUrnm, Orangeiblltlienwasser. Das Wasser des Handels 
hat zuweilen die Eigenschaft mit Säuren gemischt eine röthliche bis rothe Farbe 
anzunehmen. Früher glaubte man in dieser Bothfärbung besonders bei Zusatz 
von Salpetersäure eine Identitätsreaction zu haben, doch kommen auch echte 
Orangenblflthenwässer in den Handel, welche in keiner Weise diese rothe Fär- 
bung ergeben. Sie steht jedenfalls mit der Art der Darstellung und der Be- 
trhaffenheit des Wassers, welches zur Destillation Verwendung findet, im Zu- 
sammenhange. Wesentlich ist und bleibt der Qeruch des Wassers das Kriterium 
sdner Aechtheit und Oüte. Dass es femer auf Zusatz von Schwefelwasserstoff- 
waaaer, Bluiiaugensalzlösung und Gerbsäurelösung weder gefärbt noch getrttbt 
werden darf, ist eme Bedingung, welcher ein reines Orangenblüthenwasser ge- 
nügen mufls. 

Die Eigenschaft des echten Wassers, sich zuweilen mit Mineralsäuren, selbst 
auch mit organischen Säuren röthlich oder roth zu färben, führt nicht selten 
zu unangenehmen Erklärungen zwischen Arzt und Apotheker, wenn z. B. eine 
find ^eselbe Mischung roth, ein anderes Mal farblos ist. Um solchen leidigen 
Eventualitäten aus dem Wege zu gehen, ist es rathsam, Mixturen mit Orangen- 
blüthenwasser mit einem ge&rbten Zuckersyrup zu versehen« 

9 

Ha^^T. T*barw. Traxi«. Soppl, 



130 



Aurantium. — Auram. 



Dr. HoFFBiAKN (Eandel) fond in einem Orangenblüthenwasser Spähnchen 
oder Gewebezellen der Phytol(icca decandra oder Beta cuU/aris. Es ist ja 
möglieh; dasB man nach einem alten Usus dem Wasser solche rothfarbigen Sab* 
stanzen zusetzt, nnd von diesem Umstände das Rothwerden des Wassers im Con- 
tact mit Säuren abhängig ist 



Aqua Yitae stomacbica Cqjawlca« 

Gujawischer Magenliqueur. 

Fnictnum Aurantii unmaturorum 

100,0 
Gortids Aurantii expulpati 35,0 
Radicis Gentianae 
Bhizomatis Galangae 
Bhlzomatis Zedoariae ana 25.0 
Ck)rticiB Ginnamomi Gassiae oO,0 
Foliorum Menyanthis trifoliatae 
Garyophyllorum aromaticorum 
Fructus Anisi stellati ana 20,0 
Fructus Gardamomi minoris 
Fructus Garvi ana 10,0 
Fructus Foeniculi 5,0. 



Gontusis, concisis et grosso modo pulve- 
ratis affunde 

Spiritus Vini 1000,0 

Aquae destillatae 500,0 
antea mixta et ad 60*^ G. calefacta. 
Deinde affundendo 

Spiritus Vini 1600,0 

Aquae destillatae 1000,0 
antea mixta modo deturbatorio fiat ex- 
tractio, postremum aquae copiam suffi- 
cientem affundendo, ut colatura con- 
summata ponderis 3600 grammatum 
colligatur, cüi admisce. 

Syrupi Sacchari 1500,0 

Aquae destillatae 1000,0. 



PortngalSl, Mallard's, besteht aus 10,0 Neroliöl, 10,0 Vanillentinctur und 
100,0 Spiritus. 

Katarrhtropf en^ Dr. Wobms, eine aromatische Tinctur mit Fomeranzengeschmack, 
in welcher etwas Aetzammon und Essigäther vertreten sind. 

Sirops^ Laroze'Sj existiren von verschiedener Zusammensetzung, z. B. enthält 
der blutreinigende Kabumjodid, der schmerzstillende Ealiumbromid. Ein Hauptbe- 
standtheil ist immer ein Auszug aus der Pomeranzenschale. 



Anmm. 

filannergridnig nach E. Ebermater. Das Goldchlorid ans 10 g Gold wird ge- 
löst nnd mit Aetzammon als Knallgold ausgefällt^ dieses im Filter gesammelt^ ausge- 
waschen nnd noch feucht in einer Lösung von 100 g Kalinmcyanid in 300 — 400 g 
Wasser in der Weise gelöst, dass man diese Lösung wiederholt auf das feuchte 
Knallgold im Filter auf- und zurttckgiesst, bis es total gelöst ist. Die Flüssig- 
keit wird dann bis auf 1 Liter mit Wasser verdünnt. In die erwärmte Flüssig- 
keit wird der zu vergoldende blanke Metallgegenstand eingetaucht. Bei Befol- 
gung dieser Vorschrift gehe man mit aller Vorsicht vor, denn diese Vergoldungs- 
methode hat schon manches Menschenleben vernichtet. 

Ebebmateb giebt desshalb auch eine Anweisung der galvanischen Vergol- 
dung mittelst Blutlangensalzes. Vergl. E. Jaoobsen's ehem. techn. Repertor. 1877. 

Vergtldug des Eisens nach Kibchhann (Archiv d. Pharmade, Bd. 201 
S. 232). Es besteht wie das Bemalen mit Goldzeichnungen darin ^ die Ober- 
fläche des Eisens mit Natrinmamalgam einzureiben ^ welche ^ selbst wenn oxydirt^i 
sofort verquickt wird^ nnd sodann concentrirte Goldchloridlösnng auüsutragen und| 
das Quecksilber vor der Lampe oder auf dem Heerde zu verjagen. Es resnltirt 
eine sehr polirbare ebenmässige Vergoldung. Mit Silber- oder Platinsalz erhall' 
man entsprechende Resultate. l 

Abseheidnng des Goldes ans alten Tonbädern (der Photographen). Msd 
filtrirt das Tonbad, macht es mit Natrinmbicarbonat alkalisch nnd ftlgt dani^ 
tropfenweise concentrirte alkoholische ^ Anilinroth- Lösung" hinzu, bis die Flüssigj 
keit eine tief himbeerrothe Färbung angenommen hat. Hierauf stellt man dil 






Aarum. — Balsamocarpon. 131 

TlMclie 6 — 8 Stunden- an ein hell beleuchtetes Fenster. Nach dieser Zeit hat 
fiich das beim Tonnngsprocesse nicht in Yerwerthung gekommene Gold als dunkel 
Violettes PuWer niedergeschlagen und die überstehende Flüssigkeit ist farblos 
geworden. Diese giesst man, als unbrauchbar, vom Niederschlage ab. Bei 
jeder neuen Tonungsprocedur filtrirt man das in Gebrauch gewesene Goldbad 
wieder in dieselbe Flasche, direct auf den früher erhaltenen Niederschlag und 
Tcrfihrt, wie oben angegeben, weiter. Hat sich nach und nach eine genügende 
Menge Goldoxydul angesammelt, so bringt man dasselbe auf ein Filter, wäscht 
C8 aus, trocknet das Füter und verbrennt es. Die Filterasche mit dem darin 
enthaltenen Golde löst man schliesslich unter Anwendung gelinder Wärme in 
überschlLssigem Königswasser auf, etc. (Haugk.) 



PrtbirsteiB, Lydischer Stein, dient zum Probiren des Goldes und ist 
ein Kieselsclüefer. Auf demselben macht man Striche mit dem zu probirenden 
Grolde und zur Vergleichung Striche mit Probimadeln, welche aus verschiedenen 
Goldlegimngen bestehen. Werden die Striche mit Salpetersäure übergössen, so 
lost cUese dasjenige, was nicht Gold ist. Auf diese Weise lassen sich Tombak 
oder (joldimitatlonen leicht vom Golde unterscheiden. 

Nach B. Dumas und Renault ist der Probirstein ein fossiles Holz einer 
Dicotyledone, vielleicht der Bosthemia ünoes. Die Bestandtheile sind in 
Proeenten 80—85 Kieselsäure, 5—6 Thonerde, 1—2 Eisenoxyd und femer die 
Bestandtheile der Asche der Dicotyledonengewächse nebst 4—5 organische 
Substanz. Renault schlägt den Namen Obryssaxylon (Holz zur Prüfung 
des Goldes) für Probirstein vor (wohl eine sehr wenig passende Bezeichnung). 



Balsamocarpon. 

Bakamocarpon brevifoUum Phujppi, eine in der Provinz Coquimbo in 
Chile einheimische strauchartige Caesalpiniacee. 

Prictis Balsamtcarpi, Fraetvs AlgaroMllae , AlgaroMIIa (Algartvilla) , il- 
pr»k«, &lgar«Mt«, die getrockneten walzenf5rmigen HülsenfHtchte mit linsen- 
förmigem Samen. Die Früchte sind 3 — 5 cm lang, 1,5 — 2,5 cm. dick, meist 
von gelblicher Farbe, jedoch auch je nach dem Reifezustande und der Witterung 
bei der Einsammlung oft gelbbraun, dunkelbraun, selbst zuweilen auf der 
einen Seite rdüüich. Das gitterartige Zellgewebe des Perikarps (der Hülsen- 
schalen) ist von einer glänzenden bernsteingelben harzähnlichen Masse (Gerb- 
stoff) durchsetzt und gefüllt. Stellenweise fehlt die gelbliche oder bräunliche 
Oberhant. Zwischen Oberhaut und der Innenhaut ist jene glänzende Gerbstoff- 
mjuse hauptsächlich gelagert 

Die Oberhaut der Hülse besteht aus kleinen polygonalen tafelförmigen 
Zellen und ist von eigenthümlichen Spaltöffnungen und kugligen Drüsen mit 
krfimlichem Inhalt besetzt Die Gefässbündel bestehen aus zarten Spirolden 
und derben verdickten Bastfasern. Die Innenhaut ist aus typischen Prosen- 
chypzellen mit langgezogenen spitzen Enden zusammengesetzt, deren Lumen die 
Wanddicke bedeutend übertrifft In den Innenraum der Hülse sendet das Endo- 
karp mitunter kurze Diaphragmen hinein, zwischen welchen die Samen (2—6 
in einer Hülse) liegen, welche reif linsenförmig und mattbraun und 8 — 9 mm 
breit sind« Sie enthalten Aleuron und Fett, aber kein Stärkemehl (Hakausek). 

In dem Deutschen Handel kam die Frucht erst seit zwei Jahren und auch 
nur splriicli vor. Sie wird von Chile aus verschickt. 

9* 



13fi BalsamocarpoD. — Balsamum Copaivae. 

Bestandtheile. Der Gerbstoffgebalt der ganzen Frücbte beträgt 58— 
60 Proc. Da (lie Samen keinen Gerbstoff entbalten und 12 — 13 Proc. des 
Totalgewichtes ausmachen, so enthalten 100 Th. der trocknen samenlosen Hülsen 
68 — 70 Th. Gerbsäure, welche von Spuren Gallus- und EUagsäure, aber reich- 
lich von einem gelben Farbstoffe begleitet ist (R. Godeffboy). Der Gerbstoff 
ist eisenblauschwarz föUend. 

Anwendung. Die Algarobillafrüchte haben in Stelle von Cortex Quercus 
Anwendung gefunden und entsprechen 1 Th. der Frucht 3 Theilen der Eichen- 
rinde. In der Technik sind diese Früchte seit Decennien ein gesuchtes Gerb- 
material, besonders wo es auf eine Schnellgerbung ankommt Der Gerbstoff ist 
in Stelle des Galläpfelgerbstoffes insofern nicht verwendbar, als er von einem 
gelben Farbstoff begleitet ist, welcher sich schwer beseitigen lässt. Die Gerb- 
säure aus der Algarobilla hat, m der Weise wie aus den Galläpfeln dargestellt, 
stets eine braune Farbe. 



Balsamnm Copaivae. 

Der Name Copaivbalsam für Copaivabalsam scheint sich in Deutschland 
einzuführen. 

Wie sich aus einem Bericht Baillon's (rUnion pharm. Vol. 18) ergiebt, 
ist die Zahl der Copaivabalsame liefernden Bäume keine geringe. Dieser Um- 
stand erklärt die ausserordentliche Verschiedenheit der im Handel vorkommeu- 
den Balsame. Meist werden sie Gemische der Balsame von verschiedenen Copai- 
fera-Arten sein. Bowman (Americ. Journ. of Pharm. Ser. 4. Vol. 49) hat ver- 
gleichende Untersuchungen angestellt: 

Paracopaiva-Sorten. Maracaibo-Sorten. 

Mischung mit wenig absolutem Wein- Mischung mit absolutem Weingeist 
geist klare Lösung, mit viel absolutem nur Trübung, kein flockiger Nieder- 
Weingeist flockiger Niederschlag. schlag. 

Mit wenig Weingeist (0,817 sp. G.) Mit wenig Weingeist (0,817 sp. G.) 
Trennung in zwei Schichten, mit viel milchig, ohne Schichtung, mit viel des- 
Weingeist (0,817 sp. G.) fast klare selben Weingeistes nur trübe Mischung. 
Lösung. 

Mit Weingeist (0,835 sp. Q.) zwei Mit Weingeist (0,835 sp. G.) ?wei 
Schichten, untere durchsichtig, obere Schichten, 
trübe. 

Mit Ya "^ol* Aetzammon klare Lö- Mit ^2 ^^^- Aetzammon bleibend 
sung. milchige Mischung. 

Auf Papier getropft und verdunstet, Auf Papier getropft etc. harziger 
harziger Fleck ohne Fettrand. Fleck mit Fettrand. 

Verdunstung: 44,4 Proc. Harz. Verdunstung: plastischer od. weicher 

Rückstand. 

Im Archiv der Pharm, fand sich von Muteb folgende Prüfungsmethode auf 
fettes Oel im Copaivabalsam angegeben. 3— 4 g des zu prüfenden Balsams 
werden mit 50 CC. Weingeist und 5 g Aetznatron auf dem Wasserbade ver- 
seift. Ist Alles gelöst, so wird es mit einer nicht zu kleinen Wassermenge in 
eine Schale gespült und über einer schwachen Flamme bis auf 100 CC. einge- 
engt. Jetzt wird verdünnte Schwefelsäure bis zur bleibenden Trübung und dann 



BalBamum Copaivae. 133 

wieder ^atronlosung bis zur völligen Aufhellung zugefügt, damit so eine mög- 
liclist neutrale Lösung mit einem erheblichen Gehalte von Natriumsulfat resultirt. 
Das Ganze wird jetzt im Wasserbade unter Rühren zur Trockne gebracht und 
das zurückbleibende Pulver dreimal mit je 70 CC. Aetherweingeist in einem 
Glaskolben extrahirt. Der dabei verbleibende, und auf einem Filter gesammelte 
Rückstand wird jetzt nur aus Natriumsulfat bestehen, wenn der Balsam frei 
war von fetten Oelen, sonst aber auch Natriumoleat enthalten. Man löst ihn 
in warmem Wasser, säuert mit Salzsäure an und stellt kalt. Bei reinem Balsam 
werden sich nur einige wem'ge bräunliche Harzflecken an der Oberfläche finden, 
eine ölige Schicht dagegen, wenn er mit fetten Oelen vermischt war. 

Bicinusöl im Copaivabalsam erkennt man, wenn man denselben mit einem 
4 fachen Volumen Petrolbenzin mischt und mehrere Stunden bei Seite stellt. Es 
findet dann eine Schichtung statt, denn Bicinusöl ist nur theilweise in Petrol- 
benzm löslich (vergl. unter Ol. Bicini). Eine geringe Beimischung von Bicinusöl dürfte 
durch diese Probe nicht immer erkannt werden und ist es angezeigt, noch andere 
Proben anzustellen, z. B. 1 — 2 Tropfen auf Papier zu geben und an einem lau- 
warmen Orte abtrocknen zu lassen, wo ein Fettrand nicht ausbleiben dürfte. 

Terpenthin und Terpenthinöl. Letzteres siedet bei 160 — 170<> C, 
Copaivaöl bei 240 — 250* C. Wenn man daher in einer kleinen Betorte eine Destil- 
lation des Balsams vornimmt, so werden die ersten übergehenden Tropfen auch 
jedenfalls Terpenthinöl sein und sich durch den Geruch leicht zu erkennen geben. 

Gurjunbalsamim Copaivabalsam zu erkennen, mischt man nach Flückigkr 
15 Tropfen des fraglichen Balsams mit dem 15 — 20 fachen Volumen Schwefel- 
kohlenstoff und setzt dann einige Tropfen einer völlig erkalteten Mischung von 
gleichen Theilen conc. Schwefelsäure mit conc. Salpetersäure hinzu. Nach 
wiederholtem Schütteln färbt sich die Flüssigkeit nach und nach dunkelviolett. 

Diese Prüfung ist keine entscheidende, denn wie Hager fand, giebt es 
Copaivabalsame , welche sich unter denselben Umständen erst braunroth förben, 
dann aber im Verlaufe einer halben Stunde auch violett werden. Einige Balsam- 
arten färbten Kch bräunlich, rothbraun, braun, eine Para-Sorte nur gelb. Es 
ist jeden&lls der FLüCKiGER'schen Prüfangsweise auch die von Hageb ange- 
gebene (Hdb. I, S. 548) Mischung mit dem 4 — 5 fachen Vol. Petroläther anzu- 
schliessen. Wenn diese Mischung klar ausfällt, und in der FL0CKiG£B*8chen 
Probe die Färbung durch Braun in Violett übergeht, kann eine Verfälschung mit 
Guijunbalsam nicht angenommen werden. 

Ein Balsam, welcher mit Sassafhisöl verfälscht schien, gab in der Flüceigeb'- 
schen Probe auch eine violette Färbung, nicht aber ein Balsam, der für die Be- 
aedon mit Sassafrasöl vermischt war. 

Die Probe mit Petroläther kann übrigens auch nicht immer entscheidend sein, 
weil es einige Balsamsorten giebt, welche mit einem 4 — 5 fachen Vol. Petrol- 
äther eine etwas trübe Mischung geben, nicht aber mit einem gleichen oder 
zweifiu^en Volumen, so wie es auch Balsame giebt, die im ersteren Falle eine 
klare, im zweiten Falle eine trübe Mischung geben. Die HAGEB'sche Probe 
wäre desshalb dahin abzuändern, dass man zuerst eine Mischung mit dem 
2 fachen und dann mit dem 5 fachen Vol. Petroläther vornähme. Wenn in bei- 
den Mischungsverhältnissen eine trübe Mischung erfolgt, so ist die Gegenwart 
von Guijunbalsam anzunehmen. 

BiEL will mit der FLüCKiGEs'schen Methode immer zweifelhafte Resultate 
erhalten haben, was auffallend ist, da die Reaction in der That eine völlig 
schere wäre, wenn es eben keine Copaivabalsamsorten gäbe, die dieselbe Farben- 
reaetion darbieten. 

Harzöl (Oleum resinae Pini) ist ein seit wenigen Jahren en vogue ge- 



134 Balsamum Copaivae. Acidum copaivicum. 

kommenes Verfölschnngsmittel des CopaivEbalsams. Da dieser in vielen, so sehr 
von einander abweichenden Sorten in den Handel kommt und fttr ihn keine 
sichere Identitätsreaction existirt, so bleibt der bestimmte Nachweis des Harzöles 
in dem Copaivabalsam eine noch zu lösende Aufgabe. Wenn nachgewiesen wird, 
dass jeder echte Copaivabalsam in dem 60 fachen Vol. eines lOproc. Aetz- 
ammons löslich ist, was nämlich bei vielen Balsamen zutrifft, so wäre auch die 
Verfälschung zu erkennen, denn diese liefert keine Lösung. Zu 10 CO. des 
Aetzammons giebt man ein Quantum von 5 — 6 Troj^fen des Balsams und 
schüttelt um. Bei Gegenwart von Harzöl erfolgt eine fast milchige Mischung. 
Im üebrigen kommt auch hier die Prüftingsweise auf Terpenthinöl und Terpen- 
thin (Hbd. I, 8. 547) in Geltung (Hagee). 



ieidum etpaiTieim, Gopaifsanre, CopafvasSure (C20H30O2), wird als kry- 
stallisirte und amorphe unterschieden und sds Acid. cop. crystallisatum oder 
Acidum metacopaivicum, Metacopaivsäure, und als Acid. cop. amor- 
phum in den Preislisten der Droguisten aufgeführt. Erstere hat hauptsächlich 
Anwendung gefunden. Die erstere zeigt deutliche Krystallisation , ihre Darstel- 
lung gelingt nur aus einigen Copaivabalsamsorten , sicher und ergiebig aber aus 
dem Gurjunbalsam , dem Balsamum Copaivae Indiae orientalis. Die amorphe 
Säure des Handels enthält gewöhnlich mehr oder weniger nicht saure Harze. 
Im reinen Zustande bildet die krystallisirte Säure farblose Prismen (die des 
Handels hat gewöhnlich eine gelbliche oder bräunliche Farbe), ist fast geruchlos, 
von bitterem Geschmack, sauer reagirend, unlöslich in Wasser, schwer löslich in 
Aether und kaltem verdünntem Weingeist, leicht löslich in absolutem Weingeist, 
auch löslich in flüchtigen und fetten Oelen. Ihre Darstellung besteht darin,* dass 
man Gurjunbalsam bei 30 — 35*^ C. mit 5 proc. Aetzammon, welcher mit 8 Proc. 
Weingeist gemischt ist, zweimal ausschüttelt, die ammoniakalische Lösung durch 
Filtration sondert und in gelinder Wärme eindampft und austrocknet. Der Ver- 
dampftingsrückstand wird mit 10 proc. kaltem Aetzammon ohne Weingeistzusatz 
aufgenommen und erschöpft und die filtrirte Lösung eingedampft und ausge- 
trocknet. Will man die etwas gelbliche Säure rein weiss gewinnen^ so muss 
dies mit Hilfe gereinigter Thierkohle geschehen (Hageb). 

latr^BctpahatpilleD, Pihlae latri eopaivid, G£za Lücich's, sind mit 
Zucker dragirte Pillen mit je 0,13 g Natriumcopaivat, entsprechend 0,4 g Copaiva- 
balsam. Bezugsquelle: Apotheke zum Salvator in Pressburg. In derselben Apo- 
theke können auch 

Acidum copaivicum, in Form emes weissen krystallinischen Pulvers, und 
Natrum copaivicum, ebenfalls in derselben Form, bestehend aus 
1 Aeq. Natrium und 1 Aeq. Säure, bezogen werden. Einige Aerzte, besonders 
Dr. ZixAMAL konnte mit diesen Präparaten nicht nur sichere, sondern auch schnelle 
Heilerfolge erzielen. Es sollen weder die harzigen Stoffe noch das Aetheröl im 
Copaivabalsam das wirksame Princip repräsentiren , sondern nur die sauren Be- 
standtheile sind es, welche wirken. 

Balsamom Copaivae Indiae erientalis, East Indian Balsam Gapiii, Ost- 
indischer Cepaifabalsam. Unter diesem Namen bringen die Engländer einen Gurjun- 
balsam in den Handel. Ob derselbe den westmdischen Balsam als Medicament 
zu ersetzen vermag, ist noch eine zu beantwortende Frage. Wäre die Copaiva- 
säure das eigentliche wirkende Prinzip, so wäre auch der Guijunbalsam wie 
Copaivbalsam anwendbar, denn er enthält eine der Copaivasäure sehr ähnliche 
Säure. In Ostindien gebraucht man den Gurjunbalsam in denselben Fällen wie 
bei uns den Copaivbalsam. Vergl. Balsamum Gurjunicum. 



Balsamum Copaivae. — Balsamam Gurjanicam. 



135 



(1; Gereoli Balsuii CopalTae Bebendes 

Bind 7em lange , 4 mm dicke Stäbchen. 
Bezogsquelle Apotheker Dr. Bebendes 
in Hameln. Diese Stäbchen sollen sich 
leicht in der Harnröhre auflösen. Man 
fährt sie mittelst einer 5 mm weiten Glas- 
röhre in die Harnröhre ein. 

(2) Enema Balsami Copairae. 

CopaiybalsamflüBsigkeit zum Elystier. 

1fr Balsami Copaivae 20,0 

Gummi Acaciae 10,0 

Äqnae destillatae 15,0. 
Hisce, ut fiat emulsio, cui adde 

Aqoae destillatae 55,0. 

D. S. Zu 2swei bis drei Klystieren, jede 
Portion mit Vio oder Vis Liter warmem 
Wasser zu verdünnen. 

(3) Enema balsamicnm 
Velpbaü. 

]^ Balsami Ck>paivae 20,0 
YiteBum Ovi unius 
Infosi Malvae florum 500,0 
Tinctnrae Opii simplicis 2,0. 

M. f. emnlsio. 

D. S. Zu 2wei bis drei Klystieren. 



(4) Gattae anticystoeatarrlioicae 
Edlefsen. 

^ Olei Terebinthinae rectificati 
Balsami Copaivae ana 10,0. 

M. D. S. 4— 5 mal täglich 20 Tropfen 
(bei Blasenkatarrh. Der alkalische Harn 
nimmt bald saure Beaction an). 



(5) Fotio balsamiea Choppart 
modificata« 

'fy BalsJEimi Copaivae 

Syrupi Picis liquidae ana 60,0 
Aquae Picis liquidae 100,0 
Spiritus Aetheris nitrosi 8,0 
Gmmmi Arabici 15,0. 

M. ut fiat emulsio. 

D. S. ümgeschüttelt täglich 3-4 mal 
einen EsslöffeL 

Die Combination mit Theerpräparaten 
soll nach Parisel den Geschmack des 
Copaivabalsams angenehmer machen. 



(6) Sirop an Copahn 

ist eine Bezeichnung für den Syrupus 
Balsami Copaivae Puohe. 



Balsamum Onrjnnicam. 

Dipteroearpm crüpalatus soll nach Hanausek den Cochinchinischen Gur- 
junbalsam liefein. 

Bahsmin Nptersearpi , Balsamnm fiiijnnae sind Synonyme von Guijunbalsam. 
Unter dem Namen Wood-oil verstehen viele Drogisten ein dem Steinkohlen- 
benzin ähnliches Prodnct. Dieses Synonym des Gurjunbalsams wäre wohl als ein 
tlberflOsaiges zu streichen, wenngleich es in England gebräuchlich ist. üebrigens 
wird anch ein fettes trocknendes Oel aus den Samen des Oelfruchtbanmes, Aleu- 
riies cordata R. Brown (Elaeococctcs verrucosus Juss.), welcher in China und 
Japan einheimisch ist und den man dort wegen seiner Schönheit und seines harten 
Holzes schätzt und viel cultivirt, mit Holzöl (huile de bois) benannt. 

Das im Gurjunbalsam enthaltene Harz besteht aus einem krystallisations- 
fthigen nnd einem amorphen Theile. Der erstere, die Gurjunsäure, scheint , wie 
Flockiger sich auslässt (Arch. der Pharm. 1878 unter: Indifferentes Harz aus 
Guijunbalsam), mit der im Maracaibo-Copaivbalsam von Straus nachgewiesenen 
Metacopaivasäure identisch zu sein. Die Gurjunsäure ist in stark wässrigem 
Weingeist kaum, wohl aber in 90proc. Weingeist, auch in Aether, Benzin und 
Schwefelkohlenstoff löslich. Flückioer berechnet die Formel zu C2SH4QO2. 

PriMung. Als Identitätsreaction des Guijunbalsams giebt Flückioer folgende 
an: Werden zu ehier Mischung von 1 CC. des Balsams mit 10 — 15 CC. Schwefel- 
kohlenstoff einige Tropfen einer kalten Mischung aus gleichen Theilen conc. 
Schwefelsäure nnd conc. Salpetersäure gegeben und ümgeschüttelt, so erfolgt eine 
allmählich oder bald eintretende dunkle violette, 1 — 2 Stunden dauernde Färbung 



136 Balsamum Gurjunicum. — Balsamuin Peruyiannm. 

der Mischung. Diese Reaction ist eine sehr sichere ^ aber es giebt auch einige 
Copaivbalsam-Sorten, welche eine sehr ähnliche Reaction zulassen und nur insofern 
abweichen, als der violetten Färbung eme rothbraune vorausgeht. Aehnlich ver- 
läuft dieselbe Reaction mit mehreren Sorten Harzöl (Ol. Resinae Pini); nur hier 
ist die violette Farbe etwas braun nuancirt. Mischungen aus Gurjunbalsam mit 
einigen Sorten Harzöl oder einigen Sorten Copaivabalsam geben in dieser Reaction 
ebenfalls eine violette Färbung, jedoch tritt diese bei Gurjunbalsam gewöhnlich 
um mehrere Minuten schneller und intensiver ein. 



Balsamum antarthriticum Indicnm. Indischer Balsam wurde im Jahre 1878 
von der mit Geheimmitteln handelnden Firma Elnain & Cp. in Frankfurt a. M. in 
den Handel gebracht und als Mittel gegen Gelenkrheumatismus empfohlen, und von 
dem Obermedicinalrath H. von Holder als vortrefflich wirksam attestirt. Dieses 
Mittel ist nicht mit Indischem Balsam (Gurjunbalsam oder Balsamum Peruviannm 
Indicum) zu verwechseln. Bei seinem ersten Erscheinen im Handel war es wahr- 
scheinlich Gurjunbalsam, mehr oder weniger versetzt mit Harzöl, denn eine kleine 
F^be des Balsams^ welche in einem Umfang von circa 2 g in Haoer'b Hände kam, 
war nicht dickflüssig, enthielt aber in ihrer Hauptmasse anscheinend Gurjunbalsam, 
denn sie ergab mit Petroläther eine trübe milchige Mischung wie Gurjunbalsam und 
nnter dem Mikroskop Hessen sich kleine Krystalle in der Flüssigkeit erkennen. 
Haqeb bemerkte daher bei Besprechung dieses Arkanums, pharm. Centralh. 1878, 
S. 383: „Jener Balsam ist wahrscheinlich nur jener bekannte Gurjunbalsam." — Nach 
Ed. Hahn's Geheimmittel und Specialitäten etc. besteht der Balsam nach der Ana- 
lyse des Apoth. Dr. Hirsch in Frankfurt a. M. aus 1 Th. Harzsäure, 2 Th. eines 
schweren und nicht verseifbaren Oels und etwas Fettsäure^ auch Baldriansäure. 
Dieses analytische Resultat wurde seiner Zeit mit auffallender Animosität in einer 
Menge sich drängender Artikel in den Tagesblättern veröffentlicht und nur zum Be- 
weise, dass der Balsam nicht Gurjunbalsam sei. Ein 

Balsamum antarthritienm Indicum 9 Indischer Pflajusensafty gegen Gicht- 
schmerzen, Mnskelrheumatlsmen etc. wurde im Jahre 1876 von Hager analysirt und 
als Gurjunbalsam erkannt (23 g 1 Mk.). Vergl. pharm. Centralh. 1876, S. 313. Ob 
der vorerwähnte Balsam mit diesem Arcanum aus derselben Geheimmittelquelle her- 
vorgegangen ist, war nicht mehr zu eruiren. Der vorerwähnte Balsam wurde 1878 
als etwas ganz Neues angerühmt und liegt die Wahrscheinlichkeit vor, dass der nicht 
Aufnahme findende stark dickflüssige Balsam von 1876 durch Zusatz von Harzöl 
dünnflüssiger gemacht und modificirt nochmals mit einer besonderen ärztlichen Em- 
pfehlung bedacht in den Verkehr gebracht wurde. Da Gurjunbalsam und Harzöl 
auch wieder in verschiedenen Sorten in den Handel kommen, so ist es wohl leicht 
begreiflich, dass die Mischungen des Geheimmittelkrämers nicht immer dieselbe Be- 
schaffenheit zeigten. 



Balsamum PeruTiannm. 

Bei Untersuchung und Prüfung eines Perubalsams sind nach Hager folgende 
Operationen erforderlich und auch ausreichend: 

1. Prüfting des spec. Gewichtes. (Die Kochsalzlösung hält man in gut ver- 
korkter Flasche vorräthig. Hndb. I, 555.) 

2. Schüttelung mit Petroläther (der dann decanthirt farblos sein muss. Die 
im Handb. gemachte Angabe über das Verhalten des Balsams nach dem Schütteln 
ist hinfällig, denn Benzoö enthaltendes Balsam würde sich als ein reiner Balsam 
erweisen). 

3. Lösung von 1 Th. Balsam in 7 Th. Weingeist, einestheils die Intensität 
der Farbe der Lösung zu mustern, anderentheils zur Mischung mit Wasser. 

4. Mischung von 6,0 des Balsams mit 8,0 conc. Schwefelsäure und Be- 
handlung der ausgewaschenen und auf ihre Oonsistenz geprüften, dann in zwei 
gleiche Theile getheilten Masse mit Steinkohlenbenzin oder Benzol und mit 
Petrolbenzin. 



Balsamum Peruvinnum. 137 

5. Miscliang von 5,0 des Balsams mit 0,14 wasserleerem Natriumc&rbonat, 
10,0 Waaaer und Erhitzen bis zum Aufkochen. Die erkaltete wässrige Flüssig- 
keit mnsB neutral sein oder sauer, aber nicht alkalisch reagiren. 

Die PrOfong des Balsams mittelst Petrolbenzins, welches den Balsam nicht 
IM, ist eine irrtbümliche, denn Petrolbenzin löst circa 30 Proc. einer wie Oel 
MeBoenden gelblichen bis gelben klaren Masse. 

Die Yerfälschnng des Perubalsams mit Benzol scheint eine seit Jahren ge- 
flbte und besondere in Bremen cultivirt worden zu sein. 1) Man löse 1 Th. des 
Balsams in 7 Th. eines 90 proc. Weingeistes. Die Farbe dieser Lösung ist um 
so heller, je grösser der Benzoögehalt ist. Zur Controle dient eine gleiche Lö- 
sung des echten Balsams. Nach Beobachtung dieser Farbentiefe verdünnt man 
die Hälfte der Lösung mit einem 4 — 5 fachen Volumen kalten Wassers und 
schfittelt kräftig durcheinander. Diese milchige Flüssigkeit lässt man 3 Tage 
bei gewöhnlicher Zimmertemperatur bei Seite stehen. Nach dieser Zeit ist sie so 
mifehig trfibe wie am ersten Tage. Harz, Oel oder Pech enthaltender Balsam 
ist nach dieser Zeit nicht oder unbedeutend trübe mit Absonderungen am Niveau 
oder am Grunde. — 2) Die durch schnelle Agitation mit dem Glasstabe in einem 
Becherglase bewirkte Mischung aus gleichen Vol. Balsam und conc. Schwefelsäure 
wird nach dem Erkalten unter Kneten mit der 10 fachen Menge kochenden 
Wassers übergössen und unter Kneten und Drücken ausgewaschen, dann letzteres 
deeanthirt Die wässrige Flüssigkeit, aus welcher sich kleine Krystalle aus- 
scheiden, ist bei reinem Balsam ungefärbt, bei Siambenzoö gelblich, bei Penang- 
benzoS farblos. Die nochmals in warmem Wasser mit den Fingern durchknetete 
und ausgewaschene Masse wird durch Drücken zwischen alter trockner Leinwand 
abgetrocknet, auch wohl in dünner Schicht auf einer Glasfläche durch Stellen an 
einen lauwarmen Ort möglichst trocken gemacht, nach dem Erkalten in kleine 
Stücken zerbrochen und zerdrückt und davon die eine Hälfte mit Petrolbenzin 
zuerst macerirt, dann digerirt. Die abgesetzte Maceratflüssigkeit muss farblos 
sein, die Digestfiüssigkeit muss fast farblos sein oder kann gelblich erscheinen. 
Im anderen Falle liegen Verfälschungen vor. Die Digestflüssigkeit hinterlässt 
abgedampft 14 — 16 Proc. des Balsams einer gelblichen oder weisslichen, zum 
Theo krystallinischen , aber nicht fettigen Masse. Ist dieser Rückstand gefärbt 
oder fettig anzufühlen, so liegt eine Yerfölschung vor. 

Die zweite Hälfte jener ausgewaschenen, getrockneten und zerkleinerten 
Schw^elsäure-Balsammasse wird mit ihrer 10 fachen Menge Benzol übergössen 
imd 6 Stunden unter öfterem Schütteln macerirt. Dann lässt man 6 Stunden 
absetzen, deeanthirt und mischt zum Bodensatz aufs Neue eine dem Volumen 
des Deeanthats gleiche Menge Benzol, lässt wieder absetzen und sammelt endlich 
den Bodensatz mit Beihilfe aufgegossenen Benzols in einem tarirten trocknen 
Filter. Was der Inhalt des Filters mehr als 2,5 Proc. betraf, ist mit 1,2 multi- 
plidrt annähernd die Menge des Benzoözusatzes (Haoeb). 

Chloroform löst auch den trocknen ausgewaschenen Balsamrückstand aus der 
Behandlung mit Schwefelsäure, sogar vollständig, nur ist die Filtration der bei 
Gegenwart von Benzoö trüben Lösung eine zu schwierige, indem die trübenden 
TheOe mit durch das Filtrum gehen. 

Die Verfälschung mit Benzoö steht in erster Reihe. Die mit absolutem 
Weingeist bereitete Benzo^Tinctur wird wahrscheinlich bis zur dicken Syrupcon- 
sistenz eingeengt und in der WäiT^e mit dem Perubalsam gemischt. In thera- 
peutischer Beziehung wird natürlich damit dem Perubalsam kein wesentlicher Nach- 
theil zugefügt Der Weingeist bildet mit der Benzol- oder Zimmtsäure die ent- 
sprechenden Aether. 



138 Balsamum Peruvianum. 

Als YerfälBchnngssubstanzeii des Pernbalsams gelten Weingeist, flüch- 
tige Oele, fette Oele (Ricinnsöl), Copaivabalsam, Canadabalsam, Garjunbalsam, 
Styrax, Asphalt, Pech. 

Weingeist in massiger Menge und als Lösangsmittel von Harzen dem Pem- 
balsam zugemischt, kann, wie schon bemerkt worde, nicht völlig dnrch Destillation 
aus dem Wasserbade gesondert werden, denn die ans ihm entstandenen Aethyl- 
Verbindungen destilliren erst bei einer über 200<^ hinausgehenden Hitze. Wollte 
man ihn nachweisen, so müssten 20 — 30 g des Balsams mit einer gleichen Menge 
10 proc. Aetznatronlauge durchschüttelt und der Destillation aus dem Wasserbade 
unterworfen werden. 

Flüchtige Oele dürften schwerlich zum Verfälschen Verwendung finden, 
denn sie würden sich durch den Greruch nur zu leicht verrathen. Ebenso steht 
es mit dem Canadabalsam. Dagegen wären Canadabalsamharz und 
Colophon in concentrirter weingeistiger Lösung ganz geeignete Verfälschungs- 
mittel und mögen auch in Anwendung kommen, doch ist ihr Nachweis kein er- 
schwerter, denn bei Mischung von Schwefelsäure mit Perubalsam findet keine 
Schwefligsäureentwickelung statt, wohl aber bei Gegenwant der Harze der Pinien. 
Die ausgewaschene und getrocknete Masse aus der Mischung von 4 Th. Schwe- 
felsäure und 3 Th. Balsam ist femer in kaltem Petrolbenzin nicht löslich, wohl 
aber werden die Pinienharze davon gelöst. Hier wäre jene Masse in sehr kleine 
Stückchen zu verwandeln und mit kaltem Petrolbenzin einen Tag zu maceriren. 
Das was Petrolbenzin über 2 Proc. löst, ist als Verfälschung zu betrachten. 

Die Verfälschungen mit fetten Oelen, Gurjunbalsam,Copaivabalsam 
werden einerseits an dem geringeren spec. Gew. des Pernbalsams erkannt, denn 
dieses würde stets geringer denn 1,136 sein, andererseits an der ausgewaschenen 
Masse aus der Mischung des Balsams mit Schwefelsäure. Diese ist bei reinem 
Balsam bei einer Temperatur von 10—15^ C. brüchig und nicht klebrig, bei 
Gegenwart jener Verfälschungen aber weich und kleberig, oft so weich, dass sie 
sich nicht mit den angefeuchteten Fingern kneten lässt. Aus derselben können 
die benannten Substanzen durch Petrolbenzin extrahirt werden. Die Lösungen 
sind durch Maceration zu bewirken. Kaltes Petrolbenzin löst circa 2 Proc., 
heisses aber 8—10 Proc. einer starren, hell bräunlichgelben Masse. Wäre diese 
sehr weich, halbflüssig oder starr und dunkel gefärbt, so deutet dies auf eine 
Verfälschnng. 

Styrax und Asphalt dürften schwerlich als Verfälschungsmittel dienen, 
denn die Mischung damit ist eine sehr erschwerte, bei Styrax nicht einmal eine 
lohnversprechende. Asphalt würde die Farbe des Balsams so sehr dunkel machen, 
dass man die Verfälschung sofort erkennen müsste. 

Wie aus vorstehenden Bemerkungen ersichtlich ist, lassen sich die bekannten 
Verfälschungen des Perubalsams mit einiger Sicherheit erkennen, selbst viele der- 
selben quantitativ bestimmen. 

In Dülk's Commentar 1839 findet man die Verfälschung mit Benzo@ er- 
wähnt, aber dabei die Bemerkung, dass dadurch der Balsam specifisch leichter 
denn Wasser werde. Das ist nun ein starker Irrthum, denn die Benzoö ist selbst 
schwerer als jene Salzlösung, welche zur Prüfung der Eigenschwere des Peru- 
balsams benutzt wird (Hdb. I, S. 555). 

Anwendung des Perubalsams: In Betreff der innerlichen Anwendung ist der 
Säur^ehalt zu beachten und nur ein säurereicher Perubalsam wird bei Lnngen- 
katarrh und sonstigen Beschwerden der Athmungsorgane eine sichtliche Wirkung 
äussern. Aeusserlich auf Wunden ist der säurereiche Perubalsam nicht nur 
schmerzstillend, sondern auch schnell heilend, Eiterung verhindernd oder mindernd 
und desinficirend. Es ist also der Balsam beim Einkauf auf den Säuregehalt vor- 



Balsammn Peravianum. — Balsamum Tolatannm. 139 

zagswttBO sa prUfen. Auf Wunden anzuwenden tränkt man Baumwolle mit dem 
Balsam. Voizüglich bewährt er sich bei eiternden Panaritien; gutartigen Ear- 
bunkeliiy Brandwunden, Erosionen etc. 

Interessant ist, dass man sich in neuerer Zeit ärztlicher Seits über die 
Wirkung des Pembalsams als Wundmittel in den Fachblättem auslässt^ und da- 
mit Sachen zu Tage bringt, welche man schon vor 100 Jahren erkannt hat, auch 
vom Laienpublikum überall gekannt sind. 

BalsaniB PemTiamn artificiale, künstlielier Perabalsan, als Substitut 
des echten Balsams, verwendbar zur Darstellung der modificirten Pharaoschlangen 
(vei^l. unter Kalium sulfo-cyanatum). Man mischt 100 Th. gepulverte Benzoä 
(^arabenzod) mit 20 Th. Guijunbalsam und 400 Th. absolutem Weingeist, 
digmrt, filtrirt nach dem Erkalten und dampft das Filtrat (im Dunstsammler) 
bis zur Sympconsistenz ab. Dieses Präparat ist in der Yeterinärpraxis auch da 
verwendbar, wo die Anwendung des theuren Perubalsams angezeigt ist (Haoeb). 
Ueber einen Ersatz des Perubalsams vergl. unter Benzol im Suppl. den Benzol- 
baisam, Balsamum salicylico-benzolnatum. 

1) Enmlsio balsamica antibronchitiea (2) Emulsio balsamica antieatarrhoiea 

(Bouchardat). (Wiss). 

itr Balsami Peraviani 1,0 ^ Baisami Peruviani 6,0 

Olei Amygdalarum dulcium 20,0 Olei Amygdalarum 

Gummi Arabici 10,0 Gummi Arabici ana 10,0 

Aquae destillatae 16,0. Aquae destillatae 15,0. 

Gonterendo emulsioni peractae adde Miscendo ad emulsionem redactis admisce 

Syrupi Sacchari 50,0 Aquae destillatae 250,0 

Aqoae destillatae 200,0. Syrupi Ginnamomi 50,0. 

M. D. S. 1— 28tündlich einen EsslöfTel D. S. 2— Sstündlich einen Esslöffel 

l>ei hartnackiger Bronchitis). (bei Lungenkatarrh). 

HaarspirituSy Lidloff's, Hoffmann's Lebensbalsam mit 3 Proc. Perubalsam, 
1 Proc. Gerbsäure, Va P^oc. Kampher. 

Hamburger gelbes LebensQl ist ein Gemisch resp. Tinctur in Theilen aus 
24 Benzoetinctur, 8 flüssigem Storax, 6 Perubalsam, 4 CassiaOl, 3 Nelkenöl, ^^ Oarda- 
momCO, 4 Bergamottöl, je 1 M acis-, Rosmarin-, Lavendel-. Sassafras-Oel, 64 Weingeist, 
32 onUnaren Lebens5I, 6 Safrantinctur und etwas Zuckertinctur (nach Angabe des 
Dr. Bichtbr). 

üosteressenz. Spanische (begleitet von einem Hefte von Dr. Venus) entspricht 
dem HoFFHAKN*8chen Lebensbalsam verdünnt mit einem gleichen Vol. Weingeist und 
versetzt mit 2 Proc. Perubalsam. 

Oebme'selier Balsam, ein Gemisch in Grammen ans 120 Hoffmann's Lebens- 
b«laam, 3 Safrantinctur, 60 Hoffmann's Tropfen, je 0,15 Cajeputöl, AnRelicaöl, Cas- 
aienOlj Pomeranzenöl, Eamillenöl, Bemsteinöl, Lavendelöl, KosmarinöL Muscatnussül. 
'30 g 1 Mk) (QüBNZBL, Analyt.) 

Wvnderbalsam, Englischer« Unter diesem Namen kommen mehrere verschiedene 
Präparate in den Greheimmittelhandel. Dem Handb. I, S. 559 verzeichneten lÖinlich 
ist ein anderer von Geisslek untersuchter, welcher sich als eine Tinctnra Ben- 
zols compoita ergab. Ein anderer Balsam mit derselben Bezeichnung findet sich 
unter Tereointhina verzeichnet und ist ein grüngefärbtes Gemisch aus 60 Proc. Ol. 
Olivae nnd 40 Proc'. Ol. Terebinthinae. 



Balsarnnm Tolutannm. - 

Nach E. Busse sind im Tolubalsam Harz, Benzo6säurebenzyläther, Zimmt- 
sänrebenzyl&ther, Zimmtsäure und Benzoesäure vertreten. 

Gegen Ldsungsmittel und die meisten Reagentien verhält sich der Tolu- 
balsam ziemlich ähnlich der Siambenzoe. Conc. Schwefelsäure fdrbt kirschroth^ 



140 nalsamum Tolutanum. — Baptisia. 

ohne Sehwefiigsäure zu entwickeln (ülex) und Weingeist löst die Scliwefelsäure- 
balsammasse mit violetter Farbe. Enthält der Tolubalsam Colophon oder Pinien- 
harze, so entwickelt sich beim Zusammenreiben mit conc. Schwefelsäure auch 
Sehwefiigsäure. 

Nach Mattison löst vom Tolubalsam ein 90proc. Weingeist 26 Proc., aus 
dem in Weingeist nicht löslichen Theile Aether weitere 63 Proc einer Styraciu 
haltigen Masse. Die übrigen 11 Proc. sind Holzfaser etc. 

Petroläther löst aus dem Balsam etwas über 1 (1^2) Proc. eines nicht 
flüchtigen Harzes und 7—8 (7,5) Proc. flüchtige Bestandtheile (Hirschsohn). 
Benzol löst höchstens 5 Proc. 

Wegen des Zimmtsäuregehaltes destillirt aus einem Gemisch mit Kalium- 
dichromat und Schwefelsäure oder auch mit Ealiumhypermanganat und Schwefel- 
säure Benzaldehyd (Bittermandelöl). Durch den Benzo^säuregehalt unterscheidet 
sich der weiche Tolubalsam vom Perubalsam, welcher nur Zimmtsäure und keine 
Benzoesäure enthält. 

Holmes und Nalob (Pharm. Joum. Transact.) weisen darauf hin, dass 
sich im Englischen Grosshandel ein in seinem chemischen Verhalten abweichen- 
der Tolubalsam findet, welcher in dicken Lagen gelbbraun, in dünnen Schichten 
vollständig durchsichtig und goldgelb und ausserordentlich klebrig ist. Er wird beim 
Aufbewahren wenig hart und selbst bei mehrtägiger Einwirkung einer Tempe- 
ratur von 100^ nicht spröde. Er erinnert in seinem Gerüche etwas an Leim und 
beim Kauen entwickelt er erst nach einigen Secunden ein brennend scharfes Ge- 
fühl. Bei der mikroskopischen Untersuchung nach vorherigem Erhitzen auf 90^ 
setzen sich beim Erkalten keine Kry stalle ab. Der Schmelzpunkt liegt bei 58^, 
also niedriger als beim Tolubalsam, auch unterscheidet sich der neue Balsam da- 
durch, dass er sich vollkommen in Aether aufiöst, ebenso in Benzol, während 
Kalilauge ihn nur theilweise löst. In dem Balsam ist kein Tolen oder ein bei 
160® siedender Kohlenwasserstoff enthalten. Weitere Untersuchungen machen 
es ziemlich klar, dass es sich um ein wirkliches Katurproduct handelt, dessen 
Abstammung jedoch noch zu ermitteln ist. 

Syrupns Balsam! Tolntani, Sjropns Tolotanns. Die Darstellung dieses Syrups 
durch Mischung der Tinctur mit Magnesiacarbonat und etwas Zucker und dann 
mit der nöthigen Menge Syrupus Sacchari ist eine ganz unpassende, und durch 
Saturirung des Säuregehaltes wird auch der therapeutische Werth reducirt. 



Baptisia. 

* 

Baptisia tinctoria R. BaowN {Sophora tinctoria Linn., Podalyria ttn- 
cioria Willdenow), wilder Indigo (Pferdefiiegenstrauch) , eine in Nord-Amerika 
einheimische Papilionacee, der Gruppe der Podalyrieen und der Untergruppe der 
Eupodalyrieen angehörend. 

Kadix Baptisiae, Baptisienwunel , kommt noch nicht im Handel vor. Sie 
soll einen widrigen Geschmack haben. Die Tinctur hat Anwendung gefiinden. 
Pharm. Centralh. 1879, 438 theilt darüber mit: 

Eine Tinctur auff der Wurzel der Baptisia tinctoria hat Johnson in 7 Ty- 
phusfällen, von denen 3 mit sehr schweren Erscheinungen auftraten, neben 
kühlen Abwaschungen, Milch und Stimulantien angewendet, 1—6 Tropfen 1 — 
4 stündlich. Der Verlauf der Fälle blieb frei von bedenklichen Erscheinungen, 
namentlich fehlten Delirien und trat nur wenig Diarrhoe auf. Die Temperatur 
wurde durch die Tinctur merklich herabgedrückt und Genesung trat rasch ein. 



Baptisia. — Barosma. — Baryt. 141 

Das Kraut der Pflanze enthält Indigo ähnlichen Farbstoff. Die Zweige der 
Pflanze stockt man auf die Pferdegeschirre, um die Stechfliegen abzuhalten. Die 
^uzel hat einen widrigen Geschmack und soll sie frisch genossen sowohl Er- 
biedien als auch Durchfall bewirken. Getrocknet und in kleinen Gaben hat man 
sie achon IHiheT (wie Dr. D. Rosenthal in seiner Synopsis bemerkt) als anti- 
optisches Mittel bei Scharlach; typhösen Fiebern ^ auch als Substitut der China- 
nnde gertLhmt. 



Barosma. 

Wie Holmes berichtet, kommt im Handel eine neue Sorte Bukkublätter vor, 
welche jedoch wegen ihrer kleinen Form und ihres etwas abweichenden Geruches 
mehr an Feldkümmel erinnern. Es smd dies die Blätter von Barosma 
erieifoUa, die, wie der Name sagt, an unser Heideblümchen (Erica) erinnern. 
Auch die Blätter von Empleurum serrukUum kommen wieder als Bukkublätter 
in den Handel. Ein neues Kriterium zur Unterscheidung dieser Blätter von den- 
jenigen von Barosma serratifoKum besteht in der grösseren Länge und stärkeren 
Entwicklung der Seitenadem. 

Nach Wayxe enthält das ätherische Oel der Bukkublätter einen Körper, 
welcher durch Einwirkung chemischer Agentien in Salicylsäure übergefiihrt wird, 
denn beim Vermischen des Oeles mit Natronlauge und dann mit Salzsäure er- 
folgte die Ausscheidung von Krystallen, welche sich wie Salicylsäure verhielten. 

IMe Wirkung der Blätter beruht in dem ätherischen Oele und einem bitteren 
Hane. Man hat in Anwendung gebracht 

TiictAa Bartsnae, bereitet durch Digestion aus 1 Th. Blättern und 5 Th. 
verdünntem Weingeist. 

fatraetm Bar^smae fliudnm, bereitet durch Elxtraction mit 90proc Wein- 
geist Der filtrirte Auszug wird auf ^/j der extrahirten Blättermenge gebracht 
und dann mit ^5 Glycerin versetzt. Behufs Dispensation ist das Extract umzu- 
sehütteln. 



Baryta. 

Wird Barytwasser lange Zeit in weichem Glase aufbewahrt, so bilden sich 
ortborhombische Baryumsilicatkrystalle von der Formel BaO,8i03+2(BaO,HO). 

Barythydrat (Baryumhydroxyd) ist ein guted Aufschliessungsmittel der 
Silicate, welche durch Säuren nicht angegriffen werden. Selbst in der Rothglüh- 
hitze wird es nicht völlig vom Hydratwasser, befreit. Zum Aufschliessen ver- 
wendet man ein im Platintiegel, besser im Silbertiegel geschmolzenes Barythydrat 
(Tebheil). 

Barythydrat bis zum Schmelzen erhitzt, jedoch bei nicht zu starker Hitze, 
dann in Stückchen zerbrochen und mit Wasser bestäubt, dient als Kohlensäure- 
reaorptionsmaterial in der Analyse. 

t Baryumcarbonat ist ein tödtliches Gift, denn es wurde von Reincke 
(Yierteljsefar. f. ger. Med. Bd. 28) ein Vergiftungsfall mit letalem Ausgange 
veröffentlicht Bei Dispensation dieses Stoffes ist daher stets Vorsicht anzu- 
rathen. 

^ Battcigift, lliseiiift, lanlwnrfsgift, giftfreies (?), lässt sich nach folgenden 
Vonehrifken herstellen: 



142 Baryt. — Baryum cbloratum. — BelladoniuL 

1^ Casei paululam yetusti rasi 100,0 J^ Oasei paalulum vetusti dccati contriti 

Glycennae 20,0 GanÜB taurinae coctae et minutim con- 

Barvtae carbonicae praecipitatae 50,0 cisae 

Boli Armenae laevigatae o,0 Glycennae depuratae ana 50,0 

Farinae secalinae 10,0. Aqnae Anisi 20,0 

M. f. bacilla yel rotulae centam, qnae Barytae carbonicae praecipitatae 100,0 

farina secalina conspersa adhibentur. Panis siccati palverati q. b. 

M. f. bacilla ducenta, farina conspergenda. 

Letztere conserviren sich sehr gut und sind zugleich ein Gift für Maulwürfe. 
Wenn auch kein directes Gift in diesen Compositionen vertreten ist; so sind sie 
dennoch so zu l^en, dass andere Thiere nicht dazu kommen können (Hageb). 

*f* Ihsegrltie, eine mit Kohlenpulver grau gefärbte und unansehnlich granu- 
lirte Mischung aus 6 Th. präcipitirtem Baryumcarbonat, 1 Th. Zucker und 4 Th. 
Weizenmehl. 

Tpabns Oribasei, Henby'b (Paris), ist ein Pulver-^misch aus Baryumcarbonaty 
Zucker und Mehl und dient als Mäusegift;. 

Barjta litriea, Barjumnitarat, wird in der Glasperlfabrikation gebraucht. 

Unstliche Elfenbeinmasse (rothe) erhält man nach Gawaix)vski durch Misch- 
ung von 10 Th. Mennige, 16 Th. Schwei:8path9 9 Th. Thon und einer Lösung 
von 25 Th. Leim in 25 Th. Wasser. 



Barynin chloratum. 

Baryumchlorid ist ein gegen Eesselsteinbildung viel angewendetes Salz. Es 
wurde fdr diesen Zweck von der Firma de Haex (Hannover) besonders empfohlen, 
auch wurden in Betreff der Anwendung die nöthigen Anweisungen veröffentlicht. Das 

littel gegen Kesselsteil, Kablowa's, besteht ebenfalls in Baryumchlorid, 
welches nur Anwendimg findet; wenn das Wasser Calciumsulfat enthält. Vergl. 
auch unter Aqua. 

Hahgenin oder Hallogenin, Antikesselsteinmittel, ist eine Mischung aus 
17 Proc. Baryumchlorid, 65 Proc. Salmiak und 18 Proc. Catechu. 

intikesselstein, Mabohn's (Berlin), unreines Baryumchlorid mit etwas Salmiak 
und 10 Proc. Eisenoxyd. 

Antikesselstein, patentirter, von Meyn & Cp. (Berlin), besteht nach Bbockhoff 
und SüssEKOUTH aus dem Pulver einer eingetrockneten Lösung von Witherit in 
Salzsäure und enthält in Proc. 76 Baryumchlorid, 4 Salmiak, 16,6 Feuchtigkeit, 
0;5 Calciumchlorid, 0,14 Chlormagnesium etc. (1 kg 2 Mk.) 



Belladonna. 



In allen Theilen ier Atropa Belladonna befindet sich ein Blauschiller- 
stoff von grosser Beständigkeit und starker Fluorescenz (Fassbekder). 

Wo die Belladonna cultivirt wird, beobachtete man bei guter Dttngang be- 
deutendere Entwickelung der Pflanze, besonders in der Länge, doch soll sie 
dann an Wirkung einbüssen, also nicht an Alkaloldgehalt zunehmen (im Gegen- 
satz zu den Ghinabäumen, welche nach guter Düngung einen grösseren AlkalolTd- 
gehalt aufweisen). « 

ToxicologiSChe Analyse. Nach einer Mittheilung Wasilewskt's ist Chloro- 
form das bessere Alkalold-Extractionsmittel bei Untersuchung von Substanzen; 



Belladonna. 143 

vckhe Thelle der Atropa Belladonna, Datura und Hyoscyamus enthalten, 

auf dem Wege der Ausschüttelung aus alkalischer Flüssigkeit. Chloroform 

imnmt selbst etwas Alkalold aus saurer Flüssigkeit auf, aber nicht Aether, 

PetroV&tlier, Amylalkohol, Benzol. Letztere können also zur Reinigung der zu 

TmleTSuckenden Lösung dienen. Die Procedur der Untersuchung ist: Extraction 

der traglichen Substanz mit schwach salzsaurem Wasser, Eindampfen auf ein 

geTinges Volumen (bis zur Syrupconsistenz), Vermischen mit Weingeist, Filtriren, 

Verdampfen des Weingeistes aus dem Filtrat, Ausschütteln mit Petroläther etc. 

(aber nicht mit Chloroform), bis das Ausschüttelungsmittel farblos decanthirt 

werden kann, Ammoniakalischmachen und Ausschütteln mit Chloroform. Der 

Yerdampfnngsnickstand aus der chloroformigen Lösung lässt sich in bekannter 

Weise (durch Wiederholung des obigen Verfahrens) leicht reinigen (vergl. unter 

Atropin). Die quantitative Bestimmung kann mit Ealiummercurijodidlösung 

(Mateb's Keagens), von welcher 1 CC. 0,0145 Atropin entspricht, geschehen. 

Als Gegengift des Atropins und der Belladonna empfiehlt Schlosseb 200,0 

Infosum foliorum Jaborandi (10 : 200), die Hälfte auf einmal und dann halb- 

etflndlich 1 Esslöffel mit 1 Esslöffel Wein zu nehmen. Ausserdem subcutane 

Injectionen von Pilocarpin, hydrochloric. 0,005 in dest. Wasser 2,0. Sydney 

RiX6£B berichtet über zwei Vergiftungsfälle, in welchen sich Jaborandi und 

POocarpin unter theilweiser Nichtäusserung der Wirkung zur Hypersalivation 

und Hypertranspiration , erfolgreich erwiesen. Kinder zeigten gegen Belladonna 

und Jaborandi einige Toleranz. Auch eine Vergiftung durch Anwendung eines 

Beüadonna-Extract enthaltenden Liniments ist in England vorgekommen. 



Extractum Belladonnae Ph. Germ, enthält 1,3—1,6 Proc, das Ex- 
tract nach der Englischen Pharmakopoe 1,7—2,0 Proc. Alkalold. 

Folia Belladonnae im getrockneten Zustande enthalten 0,2 — 0,25 Proc. 
Alkalold. 

Radix Belladonnae im getrockneten Zustande enthält 0,33 — 0,38 Proc. 
Alkalold. 

Tinctnra Belladonnae Ph. Germ, enthält 0,03 — 0,05 Proc. Al- 
kaloTd. 

Der Alkaloldgehalt des Extractes hängt zum Theil von der Wärme ab, 

welche bei der Darstellung in Anwendung kommt, denn schon bei einer Wärme 

von 70 — 90® C. entweichen, mit den Wasserdämpfen kleine Mengen des Atro- 

piiiB. Eine Wftrme von 60® C. sollte nie überschritten werden. Das Ab- 

äesähren des Weingeistes lässt sich im Dunstsammler bei 50—60® C. sehr gut 

hewerkatelligen. 

Polvis fumalls antasthmatieus 

Crevoisies. 

^ Foliorum Pelladonnae 
Foliorum Digitalis 
Foliorum iäiiamonii 
Foliorum Salviae ana 10,0. 
Minutim concisa et inter manus fricta misce 
cum 

Kali nitrici pulverati 10,0 
aquae guttis nonnullis irrigatis. 
D. S. Ein halber Theelßffel wird an- 
gezündet und mit einem oben offnen Pa- 
pierkegel bedeckt. Der Dampf wird auf- 
geathmet (gegen Asthma). 



144 Belladonna. — ßinzinnm. 

neilpflaster, Richard'b (Sommerville), soll aus Belladonna, Pech and Kautschuk 
bestehen. 

Asthma remedy. Lanqell's (Nord- Amerika). Grobes Belladonnapalver mit 10 Proc. 
Salpeter in Lösung befeuchtet und getrocknet. Auf einer Platte angezündet, sind 
die Dämpfe einzuathmen (60 g 1,25 Mk.) (Hager, Analyt). 

Asthmatic and Fnnilgatlng pastUles von Samuel Kidder & Cp. (Charlestown Ü.S.) 
5 Ctm. lange, 6,5 Mm. dicke Stkbe. Es wird eine solche Kerze in einem Metall- 

fefasB erhitzt und man athmet die Dämpfe ein. 12 Pastillen 50 Gents. Die Kerzen 
estehen aus Belladonnaextra et, Belladonnapulyer, Strammoniumblätterpulver, Kohle, 
Gummi, Stärke, Grewürzen mit 15 Proc. Salpeter (Hager, Analyt.). 

Dieselben Kerzen, letzt von Daniel White & Cp. (New-York) verkauft, wurden 
zusammengesetzt gefunden aus 20,1 Kalisalpeter, unreinem (?) 3,5 Scammoniumharz, 
35,0 Gummi und Zucker, 40,7 Kohlenpulver, Pflanzenstielen und Blättern (Fleck, 
Analyt.). 

Sedative PUlg^ Gunther*s (N.-Amerika), bestehen nach Henry B.Parsons An- 
gabe in T^eilen aus 50 Asa foetlda, 50 Extract Valerianae, 3 Extract. Belladonnae, 
1 Zinc. oxydat., 2 Castoreum. Decigrammpillen, 2 — 6 zweimal täglich bei Chorea. 



Beiizlniim. 

Die im Handel vorkommenden Benzole sind 1) Benzolum purum, 
reines Benzol, aus Benzoesäure dargestellt. Man hat ihm auch den Namen 
Benzinum purissimum gegeben. 2) Benzinum lithanthracinum, 
Steinkohlenbenzin. Von diesem existirt ein 90 procentiges und ein SOpro- 
centiges. Ersteres 90 procentiges ist das ofiicinelle Benzol und das in der che- 
mischen Analyse gebräuchliche und gemeinhin Benzol, nur von wenigen Che- 
mikern auch Benzin genannt. Das Benzin aus dem Petroleum ist von der 
Pharmacopoea Germanica als Benzinum, Benzin, ofißcinell gemacht worden, 
doch bezeichnen es die Chemiker mit Petrolenmbenzin oder Petrolbenzin. 

Abieten, Erasii, Heptan sind Namen ftir Destillate aus dem Harze der Piniis 
Sahiniana Douglas, welche in Californien einheimisch ist. Diese Destillate 
gelten als Ersatz des Benzols (Thorpe). 

SteinktUentkeerin , leicktes, des Handels ist das Destillat aus der Steinkohle, 
aus welchem durch fractionirte Destillation das Benzol gesondert wird. Es lässt 
sich für technische Zwecke in Stelle des Benzols verwenden. Der Benzolgehalt 
beträgt 30 — 40 Proc. Es wird auch als 30 procentiges Steinkohlenbenzin von 
den Eaufieuten abgegeben. 10 CC. 90 proc. Weingeistes lösen höchstens bei 
160 C. 2,5 CC. dieses Steinkohlentheeröls. 

liienlgeist ist ein leichtes Steinkohlentheeröl. 



Dispensation. Die Aerzte nehmen es mit der Unterscheidung der Benzine 
nur zu häufig wenig genau und schreiben Benzin vor, wo sie das Benzol an- 
wenden wollen. Ist es zum innerlichen Gebrauch bestimmt, so ist stets für 
Benzinum das Benzinum lithaothracinum zu dispensiren. 



Die Prüfung des Steinkohlenbenzins auf seinen Benzolgehalt geschieht ein- 
fach durch Prüfong seiner Löslichkeit in 90 proc. Weingeist oder der Lösiichkeit 
des 90 proc. Weingeistes im Steinkohlenbenzin. Vom 90 proc. Steinkohlenbenzin 
geben 77,77 Vol. mit 22,23 Vol. jenes Weiogeists eine klare Mischung. Man 
giebt in einen graduirten Cylinder 5 CC. 90 proc. Weingeist von 15 — 16^ C. und 
Sdtzt nach und nach vom Benzol hinzu, bis die stark durchschtlttelte Mischung 
nur eine schwache Trübung zeigt. Das Volumen des zugesetzten Benzols 
muss mindestens 17 CC. gleich sein (Hager). Je weniger das Steinkohlenbenzin 



Benzinum. Nitrobenzinum. 145 

Benzol entliälty um so weniger vermag Weingeist zu lösen. 5 CC. eines 90proc. 
Weingeists lösen z. B. 7,5 CC. des 45proc.y aber nur 2,5 CC. des 30proG. 
Steinkoblenbenzins nach starkem Schütteln und bei 16^ C. 

Eine genügende Reinigung erkennt man, wenn man circa 3 CC. des Benzols 
mit 5 CC. Weingeist mischt, dazu ein Paar Tropfen Silbemitratlösung giebt, 
unter A^tiren aufkocht, dann etwas Wasser zugiebt und bei Seite stellt. Die 
Färbung der Grenze zwischen den beiden Schichten darf nur eine geringfügige 
sein nnd die untere weingeistige Schicht darf kaum gefärbt erscheinen. 

Zum Nachweise des Benzols in Steinkohlengasen leitet man letztere 
durch rauchende Salpetersäure. Es bildet sich Nitrobenzol. 

Anwendung. Hier wäre zu erwähnen, dass Lochneb Benzolmhalationen 
bei Keuchhusten empfohlen hat. Benzol wird auf das Bett des Patienten wieder- 
holt geträufelt Gleichzeitig sollen täglich 2 — 3 mal 3 — 5 Tropfen innerlich ge- 
nommen werden. 

Benzol ist ein willkommener Ersatz des Wemgeistes bei Darstellung der 
Alkalolde, wenn auf Weingeist eine zu hohe Steuer liegt. Aus der alkalischen 
Flüssigkeit, besser der alkalischen trocknen pulvrigen Masse wird das Alkalold 
mit Benzol warm oder kalt, je nach dem Lösungsverhältniss des zu extrahiren- 
den Alkalolds, ausgezogen. 

Steinkohlenbenzin als Fettfleckvertilger. Bbydoes giebt hierzu 
folgendes, sehr einfaches Verfahren an: 

Die Fläche der Zeichnung, Drucksache, Seidenzeug etc., wo Fettflecken vor- 
handen mnd, betropft man (jedoch nie bei freier lichtflanmie) mit Benzol. Nach- 
dem die fettigen Stellen damit getränkt sind, schüttet man weisses Boluspulver 
darauf. Man kann letzteres lose auf den Stellen liegen lassen oder fest an- 
drücken. Nachdem das Pulver ungefähr 3 Minuten gelegen hat, wird dasselbe 
abgeschüttelt und die Stelle mittelst einer Bürste oder eines Leinwand-Lappens 
abgewischt. Sind die Flecken nicht vollständig entfernt, so wiederholt man das 
VerfiJiren. Als Unterlage des Fettfleckes dient em reines farbloses Papier, kein 
bedrucktes Papier, weil die Buchdruckerschwärze in Benzol nicht unlöslich ist. 

Flecbrasser« EigUsdies, ffir Säure-, Harz-, Theer- und Fettflecke ist ein Ge- 
misdi aus 20 Th. Benzol, 30 Th. weingeistigem Salmiakgeist und 50 Th« 
Weingdst 

•{• litrtkeiixiMii. Im Handbuch d. ph. Pr. ist angegeben, dass 10,0 g Nitro- 
bpnzol genossen einen erwachsenen Menschen in wenigen Stunden tödten können. 
Die Zahl 10,0 kann, wie die Erfahrung ergiebt, auf 5,0 herabgesetzt werden. 
t>ubeatan injicirt wirkt es so schnell wie Blausäure tödtend. Das Blut des Ver- 
p-fteten ist chocoladenbraun und verliert die Fähigkeit Sauerstoff au&unehmen. 
Die Cadaver sind blau gefärbt. Beim Blute der mit Nitrobenzol vergifteten 
Hunde beobachtete Filehne spectroskopisch zwischen C und D rechts neben der 
Stelle des Hämatinstreifens ein Absorptionsband. ■ 

Als Gegengift sind Substanzen zu meiden, welche Nitrobenzol lösen, z. B. 
Oele, Fette, Weingeist. 

Toxicolog. u. Chemie. Eine Methode des Nachweises des Nitrobenzols in 
ätherischem Bittermandelöl, Bittermandelwasser, Eirschwasser u. dergl. gründet 
E. Jacqüemin auf die Reduction zu Anilin, welche das Nitrobenzol in Berührung 
mit Zinnoxydulnatron erleidet. Wenn man eine Stannochloridlösung (Zinnchlorür- 
Ifteung) mit überschüssigem oder soviel Natronhydrat versetzt, bis der Anfangs 
entstehende Niederschlag wieder gelöst ist, dann einige Tropfen der auf Nitro- 
benzol zu prüfenden Substanz zusetzt und kurze Zeit erwärmt, so wird hm- 

H»ser« Fbarm. Pnxi«. SnppL 10 



146 Benzinum. Nitrobenzinam. 

reichend Anilin gebildet, um auf Zusatz von einem Tropfen Phenol und etwas 
Chlorkalklösung oder unterchlorigsaurem Natron, die bekannte blaue Farbe des 
erythrophenylsauren Kalkes oder Natrons hervorzubringen. Hier muss man 
etwas mehr Chlorkalk anwenden, weil die ersten Portionen zur üeberfahrung 
des Restes vom Zinnoxydulnatron in Zinnoxydnatron verbraucht werden. 

Nach Dbagenbobff's Anweisung mischt man 5 bis 8 Tropfen des Oels 
mit ebenso viel Weingeist und giebt in diese Mischung ein linsengrosses Stück 
Natrium. Das Metall überzieht sich mit einer weissen flockigen Schicht, und 
die Flüssigkeit behält ihre Farblosigkeit, wenn das Oel rein ist, während sie 
bei Anwesenheit von Nitrobenzol dunkelbraun wird. Diese Färbung kann übrigens 
auch bei Gegenwart eines anderen Oeles stattfinden. Jedenfalls zeigt die braune 
Färbung eine Verfölschung an. Die angegebene JACQUEMm'sehe Methode ver- 
dient hier den Vorzug. Man löst einen Tropfen des Oeles in circa 20 CC. eines 
45proc. Weingeistes oder zur Prüfung des Bittermandelwassers, Kirsch- 
wassers nimmt man 10 CC, verdünnt nun mit 10 CC. Weingeist und giebt 
einige Zinkstückchen und Schwefelsäure dazu. Nachdem die Wasserstoffent- 
wickelung eine Viertelstimde gedauert hat, ist die Reduction erfolgt. Man über- 
sättigt nun mit Natroncarbonat, filtrirt, versetzt mit einem Tropfen Carbolsäure 
und dann mit Chlorkalklösung oder Chlomatronflüssigkeit. Erfolgt eine braune, 
bald in Blau übergehende Färbung, so ist die Gegenwart von Nitrobenzin an- 
gezeigt. 

E. Jacquemin hat über das Verhalten des Nitrobenzins eingehende Unter- 
suchungen angestellt. Dass Nitrobenzin in den Organismus übergeführt eine 
Reduction zu Anilin erleide, ist nur von Lethebt beobachtet. Guttmann und 
Bergmann gelang es nie, nach der Einführung des Nitrobenzins in die Ver- 
dauungswege weder in der Leber noch im Harne selbst nur Spuren Anilin auf- 
zufinden, während Lethebt dieses im Harne, in der Leber und dem Gehirne 
nachzuweisen vermochte. 

Aus diesem Widerspruch lässt sich der Schluss ziehen, dass die kleine 
Menge Anilin, welche etwa im Darmkanale entsteht und vom Blute aufgenom- 
men wird, keine tödtliche Wirkung zur Folge hat. Obgleich die Vergiftungs- 
symptome, wegen Schwerlöslichkeit des Nitrobenzins, sich langsam kundgeben, so 
bezeugen doch alle Beobachter, dass von dem Zeitpunkte an, wo das Thier vom 
Schwindel ergriffen ist, seine Lunge den charakteristischen Geruch dieses Kör- 
pers aushaucht, sein Harn nach bitteren Mandeln riecht, und nach dem Tode 
dasselbe im Blute wahrgenommen werden kann. Das Nitrobenzin hat also cir> 
culirt und als solches die toxikologischen Erscheinungen hervorgerufen. 

Da auch Bittermandelöl einen ähnlichen Geruch hat, so ist bei Unter- 
suchungen von Substanzen mit Blausäuregeruch anzunehmen, dass Bittermandelöl, 
Blausäure oder Nitrobenzol oder Bittermandelöl und Nitrobenzol zugleich vor- 
liegen. Eine Trennung muss versucht werden. Man destillirt nach Zusatz von 
verdünnter Schwefelsäure. Etwa entstandenes Anilin bleibt im Rückstande, im 
Destillate findet sich Nitrobenzol oder Bittermandelöl in öligen Tropfen und diese 
können daraus durch Ausschütteln mit Aether aufgenommen werden. Bei Gegen- 
wart von Blausäure oder Bittermandelöl wird das Destillat auch Blausäure ent- 
halten und ist darin leicht nachzuweisen. Enthält es nicht Blausäure, so liegt 
nur Nitrobenzin vor. Behufs Erkennung desselben kann man die im Handb. I, 
S. 588 angegebene Reactiou versuchen oder nach E. Jacquemin in folgender 
Weise verfahren: 

Em ungefähr einem Tropfen Nitrobenzin entsprechendes Quantum der Flüs- 
sigkeit vermischt man mit 10—20 CC. Weingeist von 45 — 50 Proc. Gehalt, 
schüttelt mit Zink und Schwefelsäure und theilt die saure Flüssigkeit in drei 



Benzinum. Petrolbenzin, 



147 



Theiie. — Eänen Theil davon übersättigt man mit Natroncarbonat^ filtrirt, setzt 
zum Filtrate einen Tropfen Carbolsäure und hierauf Natronhypochlorit- (Chlor- 
natron-) Flüssigkeit, wodurch eine braune F&rbung entsteht , welche alsbald in 
B2&U übergeht — In den zweiten Theil giebt man etwas braunes Bleisuperoxyd, 
welches 7 unterstützt durch vorhandene i^eie Schwefelsäure, oxydirend wirkt und 
bald eine rosenrothe Färbung hervorbringt, die in eine braune und dann in eine 
granlichblaue oder violettblaue übergeht. — In den dritten Theil wirft man einen 
Krystall chlorsaures Kali und lässt an der Wand des Glases conc. Schwefelsäure 
herablanfen. Diese zersetzt das Chlorat, worauf eine schöne violette Färbung 
znm Vorschein kommt. 

Das BECHAMp'sche Verfahren zur Umwandlung des Nitrobenzins in Anilin 
besteht darin , mit Eisenfeile und Essigsäure zu erwärmen und bis zur Trockene 
zu deetilliren, wobei das Anilin als Acetat übergeht. Jacquemin vermeidet die 
Destillation, indem er 1 Tropfen in 20 CC. Weingeist löst, mit Eisenfeile und 
Esdigsäiire schüttelt und wie oben angegeben verfährt. 

In Stelle der Reduction des Nitrobenzins mittelst Schwefelsäure und Zanks 
oder Eisens empfiehlt sich diejenige mit Zinnoxydulnatron (Natriumstannit). Er- 
hitzt man Nitrobenzol mit einer concentrirten Lösung von Zinnoxydulnatron in 
emer Retorte, so destillirt Anilin über. Das Destillat lässt sich in forensischen 
raien aufbewahren und dem Gerichtshofe vorlegen. 

Anwendung. Nitrobenzol ist als Verdeckungsmittel des Fusels im Brannt- 
wdn benutzt und als Anti-Brand- und Fusel-Essenz in den Handel ge- 
bracht worden. In Folge des Genusses solchen Branntweines kamen Todesfälle 
vor (in Bussland). Femer wurde Nitrobenzol von E. v. Bibka zur Reinigung 
aher Oelgemälde empfohlen. Da das Einathmen des Dunstes gefährlich ist, so 
geschehe die Verwendung für diesen Zweck an einem etwas zugigen Orte. Die 

MgeBllde-Keinigiuig geschieht in der Weise, dass das mit Wasser und neu- 
traler (offieineller medicinischer) Seife gereinigte und trockne Gemälde mit Bäüsch- 
eheo aus feiner alter Ldnwand, welche mit Nitrobenzol getränkt sind, sanft 
berieben wird. Sind einige Farbenstellen eingeschlafen (matt geworden), so wer- 
den diese mit einem Läppchen, welches mit Olivenöl gefettet ist, berieben und 
mit reinen Läppchen von etwa anhängendem Oel wieder befireit. Endlich wird 
das Bild mit einem Lack überzogen. 

PetrilbeüZlB unterscheidet sich nicht nur durch den Geruch, auch dadurch 
vom Steinkohlenbenzin, dass 10 CC. 90proc. Weingeist bei 16^ C. höchstens 
2.5 CG. lösen. Eine genügende Reinigung erkennt man, wenn man eine Misch- 
ung von gleichen Volumtheilen Benzin und Weingeist mit einigen Tropfen Silber- 
nitratlösung versetzt und unter Agitiren aufkocht. Die untere weingeistige Schicht 
darf kanm gefärbt oder nur blassgelblich erscheinen. 



(1) 0nttae antempnenmatlcae« 

Windtropfen. 

9t Benzin! lithanthracini^5,0 
Olei Carvi 1,0 
Sphritus aetberei 10,0. 

M. D. 8. Täglich 3— 4mal (eine Stunde 
Eich jeder Mahlzeit) je 20-30 Ti-opfen 
'Iwi starken Blähungen und Neigung zur 
Windkolik). 



(2) Linimentum antlscabiosnm« 
Eriitzspiritus. 

i^ Nitrobenzini 

Acidi benzoici ana 5,0 

Benzini lithanthracini 

Aquae Coloniensis 

Spiritus Vini 

Glycerinae ana 20,0. 
M. D. S. Nur die Stellen mit Pusteln 
täglich am Tage einmal zu bereiben, 

S dieses Liniment macht keine Flecke und 
at keinen üblen Geruch. Vier Einreibungen 
genügen zur Vertilgung der Scabies.) 

10* 



148 



ßenzinam. — Benzoe. 



(8) Spiritus bemolatas depnratiTiig. 

Bemignngsspiritus. Milben- and 
Insektentödter. 

1^ Benzini lithanthracini 100,0 
Olei Thymi 

Olei Bergamottae ana 5,0 
Alcoholis amylici 20,0 
SpiritUB Vini 150,0. 

H. D. S. Beinigungsspiritos. (Diese 
Gomposition dient zur Desinfection der 
Kleidungsstücke, besonders der Pelze von 
Personen, welche an Scabies oder an an- 



steckenden Krankheiten litten, welche 
EHieidnngsstttcke nicht gewaschen werden 
können, auch zur Desinfection von Betten 
nnd Bettzeug. Entweder werden die Ge- 
genstände mit der Flüssigkeit bestäubt, 
oder was besser ist, in einen Elasten, 
welcher ziemlich dicht verschliessbar ist, 
locker eingeschichtet und mit der Flüs- 
sigkeit begossen. Der Elasten wird so- 
gleich geschlossen und eine Woche bei 
eite gestellt. Obige Portion reicht für 
einen Kasten von 1 Cnbikmeter Raum- 
inhalt aus. Das Einathmen des Dunstes 
ist möglichst zu meiden.) 



BenzoS. 



PalembenidS ist eine neue Handelswaare^ welche frei von ffimmtsäure ist und 
circa 10 Proc. Benzoösftnre enthält. Sie soll aus Sumatra kommen und ist 
wahrschonlich das Material ^ aus welchem in England die im Handel auffallend 
billige Benzoesäure dargestellt wird. Sie unterscheidet sich von der Siam-Benzo^ 
insofern; als sie mit Weingeist eine hellere oder blassere Tinctnr ergiebt^ welche 
in Wasser gegossen dieses nicht milchig macht, sondern flockige Ausscheidungen 
yerursacht. Die Tinctnr ans dieser Benzol ist also nicht der officinellen zu 
substituiren. 

Zur Unterscheidung der Benzotorten soll nach Hibschsohk concentrirte 
Schwefelsäure Siam-Benzoö kirachroth, die anderen Benzo^arten braanroth 
förben. (Diese Reaction tritt nicht immer in dieser Farbe auf , Hagbr.) Die 
Schwefelsäure-Siam-Benzo€mischung soll mit Weingeist eine klare violette Losung 
geben und dann auf Zusatz von Wasser violettrothe Flocken abscheiden. Die 
Schwefelsänre-Sumatra- und Penang-Benzo@-Mi8chnng wird von Weingeist rothviolett 
gelöst nnd lässt auf Wasserzusatz schmutzig violette Flocken fallen. 

Aus der ausgewaschenen und getrockneten Schwefelsäure-Benzo^mischimg löst 
Benzol bis zu 16 Proc. vom Gewicht der Benzo6. Das Gelöste ist dunkelfarbig 
biB schwarzbraun. Petrolbenzin dagegen löst aus derselben Mischung circa 1 Proc. 
und ist der Auszug fast farblos (Haoeb). 

Ein wesentliches Zeichen eines Benzoöharzes ist die Farblosigkeit des auf 
kaltem Wege bereiteten Petrolbenzinauszuges, welcher emgetrocknet einen klaren, 
kaum oder doch unbedeutend gefärbten Rückstand von sehr angenehmem Ge- 
rüche hinterlässt, welcher Rückstand bei Penang- oder Sumatra-Benzol 3^5 — 
4;5 Proc., bei Siam-Benzo^ 1,5 — 2,5 Proc. beträgt Der erstere ist weich und 
schmierig. Das mit Petrolbenzin extrahirte Pulver der Penang-Benzoö war weiaa- 
lich, von der Siam-Benzoö gelb. Dass Petroläther aus Siam-Benzo6 26—29 Proc., 
aus der Sumatra-Benzo6 nur 2—4,5 Proc. Lösliches aufhehme, wie Hibschsohn 
angiebt, scheint Beanstandung zuzulassen, denn die von Haoeb geprüften Siam- 
Benzoesorten gaben an Petroläther nur 2 — 2,6—3,5 Proc. Lösliches ab, in wel- 
chem Benzoesäure den Hauptbestandtheil ausmachte. 

Die Unterscheidung der Zimmtsäure enthaltenden Benzoö von der nur 
Benzoösäure haltenden ist nicht erschwert Man zerreibt in einem kleinen Por- 
zellanmörser circa 1 g des Harzes mit ebensoviel Kaliumdichromat, mischt als- 
dann 4— 5 g conc. Schwefelsäure und nach einer halben Minute circa 10 CG. 
Wasser dazu. Die in Folge dieser Mischung heisse Masse dunstet bei Gegen- 
wart von Zimmtsäure Bittermandelölgeruch aus. 



Benzol'. — Berberis. 149 

In der Biam-Benzo^ soll Vanillin vertreten sein nnd giebt Chb. Rump 
(Humover) folgende Anweisung znr Abscheidong dieses Körpers. Man reibt 
2 Th. Benzol nnd 1 Th. Ealkbydrat mit Wasser zu einem Brei an, setzt dann 
das lOfiiehe Wasser hinzu, kocht , colirt, übersättigt die Colatur mit Salzsäure, 
lisst die S&nre herauskrystainsiren, schüttelt die von den Säurekrystallen befreite 
Flüsfligkeät mit Aether aus und lässt den Aetherauszug abdampfen. Der Ver- 
dampfungsrückstand gleicht dem Vanillin und wird durch Umkrystallisiren aus 
Wasser gereinigt Nach Jankasch hat diese Substanz dieselbe Zusammensetzung 
vie Vanillin. 

Dass der Benzol antiseptische Eigenschaften zukommen, wurde 1872 von 
Ha6£r ang^eben, welcher im Ck)mmentar zur Ph. Germ. I, S. 359 bemerkte: 
^.Aensserlich in weingeistiger Lösung zeigt sie fäulnisswidrige Eigenschaften und 
i»t me wohl zum Theil wegen des Benzo€säuregehaltes ein mildes Antisepticum 
und Beainficiens, daher ein bewährtes Wundmittel.^ Diese Angabe beruhte auf 
einer vom Apotheker Pakcratz in Friesoythe im Jahre 1870 an Hageb ge- 
richteten Beurtheilung der Benzoä als antiseptisches Wundheilmittel. 

(1) Balsamiun salleylico-benzolnatnm (2) Lac eosmeticnm Beglnae. 

Haosb. Der Königin Schönheitsmiloh. 

BeozD^Balsam. SaUcyl-Wundbalsam. ^ BenzoSs Sumatrensis 50,0 

Balsami Tolutani 

Hc Benzoes Siamensis contusae 100,0 Ck)rtici8 Quillajae ana 20,0 

Picis nigrae 15,0 Spiritus Vini 400,0. 

Acidi saäicylici 10,0 Digere per dies duos et post refrige- 

Balsami Gurjunici 40,0 rationem filtra. Liquori limpido ad- 

SpiiitoB Yini absoluti 500,0. misce 

Dijcere interdnm agitando per aliquot G^^^3"!l,'^^Kf„^'^':^„ ^^ i?««^,^« 
Kora», tum ad sedLentationem sepone. Sepone per ahquot dies, tum liquorem 

Liquor decautluitus et colatus calore ^l^Snem Uctis infimde üquoris 
bslnei aqnse destilUndo ex parte a 20^ in ""•»""" "h" ■• 

spiiitt Kberetur et uuu»a residua refri- ^^^^ ^^^ j^^ j^^ 0. 

^ Sw^Vini abaoluü q. 8. '^ *'^""'<> *'<»*'**°'' ^« •«•*»• 

dflnatar, ut liquor sit ßpissitudims ay- .gs unguentmii HeaMliiien. 

rnpi tenmons. ^ -^ ^^ 

Dieser Balsam ist ein sehr geeigneter üngueutum benzoicum. 

und billiger Ersatz des Perubalsams, mit J^ BenzoSs pulyeratae 5,0 

dem er ^^rosse Aehnlichkeit hat. Er em- Aetheris 15,0. 

pfiehlt seh besonders in der Veterinär- In cucurbitam vitream ingesta Stent per 

praziB. Mit demselben werden kleine horam unam et saepius agitentnr. rer 



Wanden und etwaige Excoriationen direct penicillum lanae gossipinae fiisis admisce 
bes^dien, und gewöhnlich genügt ein ein- Olei Bicini 2,5. 



Bestreichen nnd die Wunde heilt Loco tepido evapora et residuo ab Aethere 

iB wenigen Tagen. Auch die damit be- liberato admisce 

Btrichenen Excoriationen heilen schnell, Unguenti cerei q. s. 

siiid sie unbedeutend, in einem Tage. ut pondus mixturae 20,0 exaequet. 

Wnderbalsamy Englischer, von Joseph Erieql (Grätz), ist Tinctura BenzoSs 
eompotita. (20 g 0,60 Hk.) (E. Geissler, Analyt) 

HItiilfn nannte man einen Lack, welcher aus Th. 7 Benzoe, 8 Gummilack, 50 ab- 
iolntem Weingeist, 4 gekochtem Leinöl, 1 Alkanna und 1 Fuchsin bereitet sein soll. 



Berberis. 



Berberiim phesphdricnn, Berberiipkdsphat, pkdspkdrsaires Berberuu 

(3C2eH„N04,2Pfl304 + 5H2O.) Berberin wird mit der 30 fachen Menge lau- 



150 Berberis. — Biamuthnm. 

warmen Wassers übergössen und dann unter Umrühren mit so viel Phosphorsäure 
versetzt, bis Lösung und auch eine neutrale Flüssigkeit erfolgt. Bei Anwendung 
einer Phosphorsfture von 1,120 spec. Gew. reichen fast gleiche Theile aus oder 
auf 105 Berberm 100 Phosphorsfture. Die heiss gemachte und heiss filtrirte 
Flüssigkeit wird durch langsames Abdampfen zur Trockne gebracht. Das Ber- 
berinphosphat bildet ein kanariengelbes, m Wasser leicht, in heissem Weingeist 
schwerer, in kaltem Weingeist schwer lösliches Pulver. Wenn man eine cod- 
centrirte Lösung des Sabses in kalten starken Weingeist tröpfelt, so scheidet es 
als gelbes Pulver aus. 

Das Berberinphospat ist hi wftssriger Lösung als entzündungswidriges To- 
picum angewendet worden. 



Blsmnthnm. 

Einige noch wenig in Erwägung gekommene Verunreinigungen des Wismuths 
sind Tellur und Selen. Sie sind keine so seltenen, insofern Wlsmuth (besonders 
im Banat, m Brasilien und Mexiko) aus seien- und tellurhaltigen Erzen abgeschieden 
wird. Das aus einem solchen Wismuth dargestellte Subnitrat giebt sein Tellur 
an das Blut ab und der Erfolg ist ein stinkender knoblauchähnlicher Athem. 
Zum Nachweise übersättigt man die salpetersaure Lösung des Wismuths oder das 
Wismuthsubnitrat mit Kalilauge, filtrirt, versetzt das Filtrat mit etwas Schwefel- 
ammonium, filtrirt wenn nöthig wieder nach einiger Zeit, übersättigt das Filtrat 
mit Essigsäure und dann mit Schwefelwasserstoff. Bei G^enwart von Tellur 
fällt braunes Tellursulfid nieder. Wäre Tellur nicht gegenwärtig, aber Arseu, 
so würde gelbes Schwefelarsen ausscheiden. Das Selen geht höchstens in ent- 
fernten Spuren in das Subnitrat über und bleibt hier ohne Nachtheil. 

Bismitkn depuratn. Zur Reinigung des Metalls hat H. Tamm folgendes 
Verfahren angegeben: 200 Th. Wismuth werden bei gelinder Hitze geschmolzen 
und demselben eine trockne innige Mischung von 10 Th. Ealiumcyanid , 3 Th. 
Schwefel (in Stelle des Ealiumrhodanids) nach und nach zugesetzt Dann er- 
hält man das Metall eine Viertelstunde hindurch in Rothgluth. Der Regulus er- 
giebt einen Verlust von 6 — 12 Proc. je nach der Reinheit des in Arbeit ge- 
nommenen Metalls. Bei Anwendung eines total reinen Kaliumcyanids genügen 
auch 8—9 Th. statt 10 Th. 

Einen ziemlich reinen Regulus erhält man, wenn man 100 Th. Wismuth 
in ein mittelfeines Pulver verwandelt, dieses mit 5 Th. Kalisalpeter, 2 Th. 
Natronsalpeter und 2 Th. trocknem Aetznatron mischt, das Gfemisch in einem 
Hessischen Tiegel unter zeitweiligem Umrühren schmelzt und eine halbe Stunde 
im geschmolzenen Zustande erhält. 

Da die Darstellung eines chemisch reinen Wismuthregulus umständlich und 
sehr schwierig ist, so hat Hageb eine Vorschrift zur Darstellung eines reinen 
Hydroxyds gegeben. VergL weiter unten. 

Chemie und Analyse. Ein Reagens auf Wismuth ist das ScHNsmEB'sche 
Reagens, eine Lösung von 3 Th. Weinsäure und 1 Th. Stannochlorid (Zinn- 
chlorür) in der genügenden Menge Aetzkalilauge. Die damit versetzte neutrale 
oder alkalische Lösung des Wismuths wird mit dem Reagens versetzt und einige 
Zielt auf 70 — 80^ C. erwärmt Es erfolgt ein schwarzbrauner Niederschlag, 
selbst M einer Verdünnung von 1 Met»ll auf 200000 Flüssigkeit. Oder man 
versetzt die zu prüfende Lösung mit einer hinreichenden Menge Weinsäure, 



Bismathnm. Bismuthum citricum. 151 

er^tant und macht mit Kalilauge schwach alkalisch. Dana setzt man einige CO. 
d^ S^tumocMoTidlösnng hinzu und erwilrmt circa 5 Minuten auf 60 — 70^. 

Die quantitative Bestimmung des Wismuths geschieht nach Borchbbs 
duith i^eutraÜBation der Lösung mit Ammon, Versetzen mit Salmlaklösung, Ver- 
mifiäieni mit einem Ueberschuss Wasser, Sammeln des Niederschlages, Auswaschen 
mit Balzsäurehaltigem Wasser und Trocknen bei 120^ C. Dieser Niederschlag 
ist nach dem Trocknen wasserfreies Wismuthoxychlorid (2BiO^,BiGP oder BiOCl). 
Sein Gewicht mit 0,8036 multiplicirt ergiebt den Wlsmuthmetallgehalt. 

Zur Yolumetrischen Bestimmung gehört eine Kaliumdichromatlösung von 
10,0 g in 1000 GG. Die salpetersaure Lösung wird mit Anmion bis zur leichten 
TrQbung versetzt, erhitzt und mit jener Kaliumdichromatlösung versetzt, bis ein 
vom Niederschlage gesonderter klarer Tropfen mit überschüssiger Silbemitrat- 
losnng auf weisser Flftche zasammengebracht nach einigen Augenblicken eine 
rothe Trübung erfährt 1 GG. der Kaliumdichromatlösung entspricht 0,0095 g, 
oder 10 GG. entsprechen 0,095 g Wismuthmetall. Grössere Mengen Ghlorid 
stören und die Methode ist nicht anwendbar, wenn Galciumnitrat, Guprinitrat oder 
Ara^gAure gegenwärtig sind (Pattinson). 

Legirungen: Walke's Legimng besteht aus WismuthS, Zinn 4, Blei 5> 
Antimon 1 ; — Qnion's Legirung aus Blei 3, Zinn 2, Wismuth 5 (Schmelzpunkt 
92^ C.)- Wird dieser Legirung 1 Quecksilber zugesetzt, so liegt der Schmelz- 
punkt bei 77 G., der Erstarrungspunkt bei 60<> G. Walkers Legirung dient 
zu Electrotypfbrmen und zu Glicht. Für Zinngiesser ist folgende Legirung 
ein gutes Loth: Wismuth 2, Blei 4, Zinn 3. 

Zum Aufkitten der Messingschale auf die Glasbehälter der Petro- 
leumlampen soll folgende bei 100<^ schmelzende L^rung passend sein: 6 Blei, 
4 Zlnn^ 5 Wismuth. 

Legirungen zum Messen der Temperaturen hat Düllo angegeben: 





Legirung 




Schmelz- 


Erstarrungs 


Blei 


Zinn 


Wismuth 


punkt 


punkt 


120 


140 


120 


1300 


1120 


145 


145 


100 


1400 


1290 


150 


150 


75 


1500 


1350 


*)150 


150 


50 


1600 


1500 


170 


180 


35 


1700 


1630 


210 


190 


30 


1800 


1650 


140 


155 




1900 


1800 


200 


185 




2000 


1800 


200 


180 




2100 


1800 



240 150 2200 1800 

207 294 1800 1800 

Die mit Stern bezeichnete Legirung bleibt erstarrend homogen und scheidet 
keine Krystalle aus. 

BisBitkim citricnm, Wismutkeitrat, eitrtnemiaiires Wismutk, wird nach 
BoTEDER dargestellt, wenn man 10 Th. Wismuthsubnitrat, 7Th. Gitronen- 
8 iure und 40 Th. Wasser erhitzt, bis ein Tropfen der Mischung mit Ammon 
eine klare Flüssigkeit liefert. Dann verdünnt man das Ganze mit einem 10 fachen 
Volumen Wasser, lässt absetzen, decanthirt, wäscht den Bodensatz mit Wasser 
aus und trocknet diesen in geb'nder Wärme. Ausbeute circa 13 Th, 



152 Bismuthum oleKnic, oxyd. bydric, tamuc. 

Bismatknm •lelnienm, Wumntiuieife, wird durch Mischung und Erwärmen 
im Wasserbade aus 50,0 Wismuthoxydhydrat und 200,0 Oelsäure dar- 
gestellt. Eine salbenartige Mischung, welche in Stelle der Bleisalbe und bei 
Exanthemen Anwendung findet (Betty). 

BismatkiiiH •xydatimi kjdricnm, Bismatkoni kjdr«x;dieiim, Wismatkkydrat, 
Wismatkkydroxjd (BiO^HO oder BiHOs == 243). Das Bismuthmetall des Handels, 
100 Th., wird in zerstossener Form nach und nach in die 4 fache Menge reiner 
Salpetersäure von 1,185 spec. Gew., welche im Wasserbade erhitzt ist, einge- 
tragen. Wäre volle Lösung eingetreten, so giebt man noch etwas Metall hinzu, 
bis bei fortgesetzter Erhitzung Lösung nicht mehr stattfindet und ein geringer 
weisslicher oder bräunlichgrauer Bodensatz sich ansammelt Nach weiterer 
halbstündiger Erhitzung in der Wärme des Wasserbades lässt man die Flüssig- 
keit absetzen und decanthirt sie noch wann unter Durchgiessen durch ein Bäusch- 
chen Glaswolle. Das klare Decanthat resp. Filtat wird nun unter Umrühren in 
400 Th. lOproc. Aetzammon, welche mit einem 4 — 5 fachen Volumen destill. 
Wassers verdünnt sind, gegossen, die Mischung einige Male umgerührt und zum 
Absetzen bei Seite gestellt. Die klare Flüssigkeit wird abgegossen und der 
Bodensatz mit destillirtem Wasser vermischt, in einem leinenen Colatorium ge- 
sammelt und mit destillirtem Wasser ausgewaschen. Hierauf wird der Nieder- 
schlag in ein gläsernes oder porcellanenes Gef^s übertragen und mit 50 Th. 
conc. Aetznatronlauge, welche mit 225 Th. destill. Wasser verdünnt ist, oder 
mit 275 — 300 Th. einer 5 Proc Ealiumoxyd haltenden Lauge gemischt, eine 
Stunde digerirt, hierauf mit einem gleichen Volumen destill. Wasser durchmischt, 
nun der Bodensatz in einem leinenen Colatorium gesammelt, mit warmem destill. 
Wasser gut ausgewaschen und endlich ausgetrocknet. Auf diese Weise werden 
Eisen, Zink, Blei, Kupfer, Antimon, Arsen, Selen, Tellur etc. vollständig be- 
seitigt. Der Bodensatz in der salpetersauren Lösung enthält Eisen, Antimon, 
Arsen im oxydirten unlöslichen Zustande. Wäre diese Lösung gelblich gefärbt, 
so ist eine längere Erhitzung bis zum Aufkochen nöthig, um das Eisenoxyd un- 
löslich zu machen. Nothwendig ist die Beseitigung dieses Bodensatzes und kann 
man denselben nach dem Decanthiren auch in einem Papierfilter sammeln und 
mit etwas Salpetersäure von 1,180 — 1,185 spec. Gewicht auswaschen. Die 
Fällung mit überschüssigem Ammon bezweckt die Beseitigung von Silber, Kupfer, 
Nickel, Arsen, Selen, Tellur und die Behandlung mit Aetzalkali die Beseitigung 
von Zink, Blei und den Resten von Arsen etc. Wesentlich ist die Anwendung 
eines eisenfk'eien Wassers (Haoeb). 

Dieses Wismuthhydroxyd bildet ein rein weisses Pulver und dient zur Dar- 
stellung reiner Wismuthpräparate. 

Bismntku tannicnm wird besonders bei Diarrhoe der Elnder empfohlen, 
welche den Tag über 1 — 2 g vertragen. Im Handbuche ist die Dosis doppelt so 
gross wie vom Subnitrat angegeben. 

Liquor BismiitU tartarid natriens ist in Stelle des Liq. B. tartaric. kalicus 
(Handb. I, 609) zu setzen und als Reagens anzuwenden. In Stelle der Aetz- 
kalilauge ist Natronlauge zu verwenden. Die Lösung erfolgt leichter und 
schneller und dieselbe hält sich besser. Sie dient zum Glykose-Nachweis. 

(1) Mixtur» antidiarrhoiea bismuthlca« Mixtis adde 

Aquae Cinnamomi 100,0 

i^ Bismuthi tannici 3,0 Syrupi Sacchari 50,0. 

Gummi Arabici 10,0 D. S. Umgeschüttelt 2—3 stündlich 

Tuberis Salep 1,0. einen Esslöffel (Kindern Vs BsslOffel). 



Bismtttham nitrioum, sabnitricom. 153 

(2; PilTeres sattdiarrholei fortiores* (3) FnlyereB antidlarrboiei infantam. 

i^ BiBmatlii tannici 3,0 i^ BiBmathi tannioi 2,0 

Sacebari ilbi Sacchari albi 5,0. 

PalvoriB Doveri ana 2,0. U ^ ^^^^^^ j^^^^ .^ p^^^ ^^^^^ ^^^^ 

M. f. polviB. Divide in partes decem (10) aeqoales. 

Ts^llle 2-3 Stunden ein Pulver »' S- Alle 2-8 Stunden ein Pulver. 
(for ErwachBene). 

Kopf-HAarfirbemittely Prof. William'b, ist eine bleihaltige Wismathlösang. 
William's Haarfärbemittel enthält Eisen und PyrogalloBsSare. (Bisghoff, Analyt.) 

Sreliii, weltberlUimteB HaarreijflngiuigBmittel der Firma Carl Polt in Wien, 
besteht in Procenten aus circa 21,3 Glycerin, 11 Natriomhyposolfit, 1,7 Wismathsub- 
chlorid und 66,0 Wasser. (Hager, Analyt.) 



Bismuthum nitricnm. 

tisKiüiUl snbiitricui ponm. Zur Darsteliimg eines reinen Wisrnnthsub- 
nilrats werden in einem Glaskolben 103 Th. des reinen Bismnthnm oxy- 
datum hydricum mit 265 Th. reiner Salpetersänre von 1,185 spec. Gew. 
fibeigoBsen nnd unter bisweiligem Agitiren erhitzt , bis völlige Lösung erfolgt 
Wäre diese nicht zu erreichen, so setzt man tropfenweise kleine Mengen Salpeter- 
Bame hinza, bis völlige Lösung erfolgt und. die Flüssigkeit klar erscheint. 
Nöthigenfalls ^esst man sie durch eui GlaswoUenbäuschchen. Sie entspricht 
200 Th. krystallisirtem Wismuthnitrat. Nun giesst man ^4 ^^^ Flüssigkeit ab 
und versetzt die übrigen ^/4 Theile mit destillirtem Wasser, biB sie umgesohüttelt 
trübe erBchdni. Hierauf setzt man jenes gesonderte E^viertel hinzu, schüttelt 
um, ^esst alsdann durch einen Glastrichter m eui Gefitos, welches 4500 Th. 
kochendes destillirtes Wasser enthält und agitirt eine Viertelstunde hin- 
durch. Nach Verlauf einer halben Stunde sammelt man den Niederschlag in 
einem F^ter oder leinenen Colatorium und wäscht ihn mit 1000 Th. kaltem 
destill. Wasser aus. Dann breitet man den Niederschlag auf porcellanenen 
Tellern in nicht zu dicker Schicht aus, bedeckt die Teller mit Fiiesspapier, um 
die Masse vor Staub zu schützen, und stellt an einen lauwarmen Ort, dessen 
Temperatur 30^ nicht übersteigt. Die Ausbeute beträgt 120^130 Th. (Hageb). 

Ans der Colatur wird der Wismuthrest durch Aetzammon abgeschieden und 
gesarnrndt. 

Die Prüfung auf eme Verunreinigung mit Tellur ist unter Wismuth ange- 
geben. ISne Verunreinigung mit Ammon ist, wenn dieses nur in Spuren vor- 
handen, idcht zu beanstanden, wie dies bereits im Handbuch angegeben ist, denn 
das '^^mnthsubnitrat mit atmosphärischer Luft im Oontact entzieht derselben das 
Ammon. Andererseits kommen auch durch die Salpetersäure, welche wie jede 
andere SAure selten total frei von Ammon ist, Spuren Ammon in das* Präparat. 
Wurde bei der Darstellung Ammon angewendet, wie einige Vorschriften dies an- 
geben, so enthält das Präparat auch mehr als Spuren Ammon. Betrügerische 
Verftlschungen sind Oalciumphosphat und Gyps. Kalkerde kommt in der Weise 
m das Präparat, wenn bei der Fällung statt des Wassers Ealkwasser zur An- 
wendung kommt. Kalk und Magnesia können auch dem Asbest entstammen, 
durch welchen man nicht selten die Salpetersäure Metalllösnng zu coliren pflegt. 
Hier ist eine reine Glaswolle das bessere Material. 

Die Prüfung des Wismuthsubnitrats lässt sich im Ganzen dahin ordnen, dass 
man 1,5 g desselben mit 10 CC. Aetzammon (lOproc.) und 15 CC. Wasser 



154 Bismuiham nitricam. 

15 Huraten unter kräftigem ümschütteln maceiirt and dann filtrirt. Das farb- 
lose Filtrat theilt man in 3 Theile (A, B, C). Der Theil A wird zonAchst 
mit Salzsäure schwach übersättigt (eine weisse Trübung ist Silber), dann mit 
Ealinmferrocyanid versetzt (eine mehr oder weniger braunrothe Färbung zeigt 
Kupfer, eme weissliche Nickel an). Den zweiten Theil (B) des Filtrats 
mischt man mit einem gleichen Volumen Salpetersäure (1,185 spec. Gew.) und 
theilt diese Mischung in 2 Theile, um den einen zuerst mit einem gleichen Ge- 
wicht oder einem 1^/4 Vol. officineller Ammoniumacetatlösung und dann mit 
einigen Tropfen Silbemitratlösung (eine braunröthliche Trübung oder Färbung 
zeigt Arsensäure an), den anderen Theil aber mit circa 2 CC. Ammoninmmolyb- 
dänatlösung zu versetzen und au&ukochen (es erfolgt bei Gegenwart von Arsen- 
säure oder Phosphorsäure eine gelbe Trübung). Den dritten Theil (C) kann man 
wieder in zwei Theile (a und b) theilen und den einen (a) mit Salzsäure über- 
sättigen und bis zum Aufkochen erhitzen, um ihn dann mit Schwefelwasserstoff- 
wasser zu versetzen und wiederum etwas zu erwärmen. (Ein gelber Niederschlag 
deutet auf Arsen oder Selen, ein brauner langsam entstehender auf Tellur.) Den 
anderen Theil (b) prüft man nach Uebersättigung mit Salpetersäure, mit Silber- 
nitrat und Baryumnitrat auf Salzsäure und Schwefelsäure. Der Filterinhalt nach 
der Behandlung mit der Mischung aus 10 CC. Aetzammon und 15 CC. Wasser 
wird nun mit 10 CC. einer 8 — lOproc. Aetznatronlauge übergössen, das Filtrat 
auf den Filterinhalt nochmals zurückgegossen und dann mit Schwefelwasserstoff 
behandelt Es darf weder eme Färbung noch Trübung erfolgen (Blei, Zinn, Zink). 

Eine zweite Portion Wismuthsubnitrat circa 1,0 g wird mit 2,0 g Ammoninm- 
chlorld gemischt mit 15 CC. Wasser emige Male aufgekocht und filtrirt Im 
Filtrat wird auf Kalkerde und Magnesia reagirt, z. B. mit Ammoniumoxalat und 
Natriumphosphat, im letzteren Falle unter Erhiteen bis zum Aufkochen. 

Die Prüfung des Wismuthtemitrats auf Reinheit geschieht in gleicher Weise, 
nur wären auf 1,5 desselben 12 CC. Aetzammon zu verwenden. 

Aufbewahrung. Eine fireiwillige Explofflon des nach Ph. (Germanica be- 
reiteten Subnitrats wird von Gribsebach erwähnt Dieser sonderbare Fall hat 
keine Aufklärung gefunden. Wahrscheinlich enthielt das Präparat Silberammoniak 
(Enallsilber). 

Anwendung. Dass der arzneiliche Werth der Wismuthpräparate in den 
starken Spuren Arsen, welche sie in flrüherer Zeit enthielten, zu suchen ist, hat 
Hageb bereits in dem Commentar zur Ph. (Germanica I, S. 366 besprochen. In 
neuerer Zeit entdeckten die Französischen Chemiker in dem Subnitrat des Fran- 
zösischen Codex reichliche Mengen Blei. Von einer Seite wurde diese Verun- 
reinigung selbstverständlich als eine gefährliche erkannt, von anderer Seite aber 
auch wieder als eine erwünschte oder nothwendige hingestellt, weil diese Venm- 
reinigung die Wirkung bei Dysenterie und Diarrhöen erkläre, auch habe mau 
bisher noch keine Bleivergiftung in Folge des Gebrauches dieses bleihaltigen Sub- 
nitrats beobachtet (wahrscheinlich weil man vorgekommene Symptome dieser Ver- 
giftung nicht als solche erkannte). Der pharmaceutische Puritanismus der heutigen 
Zeit muss diese giftigen Verunremigungen verwerfen, denn wenn der Arzt die 
Wirkung des Arseniks oder des Bleihydroxyds wünscht, so möge er die be- 
treffenden Körper direkt in den Gebrauch ziehen. Das Wismuthsubnitrat ist in 
Italien, besonders in Frankreich fast zu einem Hausmittel geworden, es dürfte 
daher ein starker und öfterer Gebrauch des bleihaltigen Präparats wohl zu Blei- 
vergiftungen führen und auch schon gefiihrt haben. 



Bismutbam nitricom. — Blatta. 



155 



(1) Glyeerolatmn bismntliieiiiii« 

Linimentimi Bismathi nitrici. 

]^ BiBmuthi nitrici crystallisati 5,0. 
Göntritis cum 

Aqnae destillatae 

Glycerinae ana 2,5 
adde 

Glycerinae 90,0. 

D. S. Zum Einreiben oder Bestreichen 
"der Hantstellen mit Eczematen verschie- 
dener Art, gegen welche Bleiliniment, 
BleiVtoimgen etc. in Anwendang kommen). 

(2) Pilnlae antieardlalgleae 

H. £. BiCHTEB. 

i^ Bismathi sabnitrici 6,0 
Extracli €k)nii 1,0 
Saponis medicati q. s. 

M. f. pilnlae centnm (100). Lycopodio 
conspe^antor. 

D. S. TSglich dreimal bei leerem Ma- 
^en 1 oder 2 Pillen zu nehmen (bei Ma- 
gengeschwüren, Magenkrampf). 



(B) PnlTls inspersorins bismnthlcus. 

]^ Bismuthi subnitrici 5,0 

Bhizomatis Iridis Florentinae 45,0. 
M. Fiat pulvis subtilis. 

D. S. Zum Einstreuen, zum Bereiben, 
zum Schnupfen (bei Hautwunden, Prurigo, 
Nasenkatarrh etc.). 

(4) Trochisei dlgestiyi Bobivent. 

Pastilles digestives de Borivent. 

]^ Bismuthi subnitrici 2,0 
Galcariae phosphoricae 3,0 
Natri bicarbonici 1,0 
Magnesiae subcarbonicae 20,0 
Feiri carbonici 5,0 
Sacchari albi 100,0 
Elaeosacchari Menthae piperitae 40,0 
Glycerinae 10,0 
Aquae Menthae piperitae q. s. 

Misce, ut fiat massa, ex qua trochisei 
centum et quinquaginta (150) formentur. 
Siccatae dispensentur. 

S. Den Tag über bei Digestionsstörun- 
gen 10—15 Stück und zwar je 2--3 Stück 
zu nehmen. 



Bau de Lj8 de Faiis der Firma CSompagnie d^Hygi^ne francaise, ein Gosmeti- 
eom, besteht aus circa 17,5 Wismuthsubnitrat und 150,0 Bosenwasser. (3 lÖ:.) (Hageb, 
Analyt) 

Präparat Elsneb's, blelfreies,^ zur Wiederherstellung der ursprünglichen Farbe 
des Haares, ist eine schwache alkalische Wismuthlösung mit suspendirtem Schwefel. 
^Hageb, Analyt) 

Haarfirbemlttel des Dr. Lbtbsb (Wien) besteht aus 2 Flüs^keiten. Die 
weisse milchige in Proc. ans 10 Glycerin, 6,5 Salmiak, 76 Wasser, 7,25 Wismuthnitrat, 
die braune in Proc. ans 1 Pyrogallussäure, 13,7 Natriumhyposulfit und 85,3 Gaultheria- 
waseer. (Ishaxjsbb, Analyt.) 



Blatta. 

Periplaneia arientalis lass. oder Blatta orientalüy ein käferfthn- 
liefaes Insect ans der Ordnung der Geradflügler {OrthapUra) und der Familie 
d^ Schaben {Blatüna Bubmeisteb). Diese Schabe^ ans Asien nach Europa 
flbergewandert, ist bei uns häufig eine Hausplage und bewohnt dann in unzfth- 
lig«T Menge besonders Backstuben nnd Küchen, überhaupt warme und auch 
feachte Bftmne. Am Tage h&it sich dieses lichtscheue Insect in Löchern, Fugen, 
Ritzen auf, am Abend kommt es dann hervor. 

Blatta •rientalis, Uckenscliabe , Kakerlake, BIckersckabe, sckwane Tarakak 
(Sckwake, Risse) das schwarzbraune todte getrocknete Insect Es ist circa 2 Ctm. 
lang, röthlich- bis schwarzbraun; mit heileren Beinen und Flügeldecken. Beide 
Geadilechter sind geflügelt , die Flügel sind aber bei dem Männchen lang, bei 
dem Weibchen sehr kurz, so dass man dieses für nngeflügelt halten könnte. Von 
oben gesehen ist der Kopf von dem platten Brustschilde bedeckt. Am Kopf 
finden sich zwei grosse^ aber wenig gewölbte nierenförmige helle Augen und zwei 
lange üadenfönnige vielgliedrige Fühler. Der Körper ist platt mit scharfkantigem 



156 Blatta. 

Seitenumfange. Die Beine sind an Schenkeln nnd Scliienbeineii mit vielen teima 
eingelenkten beweglichen Dornen besetzt. IMe Tareen (Fttsse) sind 5-gliedet^ 
mit zwei starken Klanen. Das Weibchen legt von April bis Ängoat im Ganzen 
4.8 Eier, je 16 Eier in zweireihiger Grappimng von einer pergamentartigen 
1,3 Ctm. langen und halb so 
breiten Hülle umBchlossen. An- 
fangs tragt das Wdbchen diese 
Hüllen mit sich hemm, klebt 
sie aber endlich mit Hilfe eines 
leimartigen Schiumes an ver- 
schiedene Stellen oder in Fu- 
gen an. Die Eier kommen oft 
erst nach einem Jahre aus. 
IMe Wdbchen bilden die Mehr- 
zahl in der Familie, Männ- 
chen sind immer nnr wenige. 
Auf ein MBnnchen kommen 
mehr denn hnndert Weibchen. 
Als Nahmng dient ihnen alles, 
was der Mensch geniesBt, we 
ftessen anch kleinere Insecten, 
Flg. 5, zernagen aber auch Haare, Qe- 

webe, Leder etc. 
Einsammlung und Aulbewahning. Abends kommen diese Schaben ans ihren 
Schlupfwinkeln hervor und dann streitet man die m^st in grosseren Gruppen 
an der Wand, in den Wandeckeo, den ThUrpfosten sitzenden mittelst einer Feder- 
fohne in Trinkgl&ser, oder man legt nut Wasser oder Bier gefenehtete Lappen 
an verscMedene St«llen des Zimmers, unter welchen sich diese Insecten mit Vor- 
liebe sammeln. Da sie weder beissen noch stechen, so kann man sie mit den 
Fingern erfassen. Einfacher ist die Eänsammlnng , den Baum bis 9 Uhr Abends 
finster zu lassen nnd dann die an Wanden und Schränken sitzenden Insecten mit 
zusammengelegten HandtOohem zn erschlagen. Die Trocknung geschieht an 
einem lanwarmen Orte. Bei einer W&rme über QO" C. getrocknete sind weniger 
wirksam. Aufbewahmngsge&sse sind dicht g^ohlossene Glasgeßlsse. Mas hftlt 
sie als grobes und feines Pulver von&thig. Es ist zweckmäsüg, das Pulver in 
den Oefttssen mit einigen Tropfen Schwefelkohlenstoff zn begiessen und dann das 
GeßtsB dicht zu sohlieesen. 

Eine Verwechselung mit der Hansschabe oder kldnen oder Deutscheu 
Schabe (SkUta Germanica) ist nicht gut mOglich, denn diese ist wenig über 
einen Gentimeter Lang. 

Dass die in Russland gesammelten wirksamer seien, ist nicht erwiesen. Es 
ist ttbrlgens ein grosser Irrtbum, die aus Bnasland kommende Waare für Blatta 
Lapponica zn halten, denn diese Blattine lebt in Wäldern und Holznngen und 
nicht in Wohnungen, Küchen und Backstuben. 

BestandUieile. Boqomolow schied ans der Blatta einen krystalliniachen 
Stoff, welchen man für den wirksamen Theil ansah und mit dem Namen Antl- 
hydropin, Taracanin belegt«, welcher aber in 7 F&Uen angewendet, sich ohne 
jede Wirkung erwies. Der wirksame Bestandtheil ist noch nicht erkannt. 

Anwendung. Die orientalische Blatta ist in Bussland ein allgemein be- 
kanntes Hausmittel gegen Wassersucht. Seit einigen Jahren ist sie auch in 
Deiitscliland bei hydropischen Leiden angewendet worden. Man giebt sie zu 
0,2—0,3—0,6. 



Blatts. — Borax. 157 

Die Heilerfolge sind nach den veröffentlichten Berichten ausserordentliche. 
In einer Gabe von 0^6 ist die orientalische Blatta ein sicheres Diureticum. Bei 
der fortgesetzten Anwendung nimmt die Hammenge zu, Oedem der Hände, Füsse, 
des Gesichts y sowie Bauchwassersucht (Ascites) schwinden schnell, die Schweiss- 
absondemng ist meist gesteigert. Nierenreizung wurde nicht beobachtet, die Ver- 
dauung wird in keiner Weise beeinträchtigt. Man hat bei Albuminurie, Nephri- 
tis, der BBiGHT'schen Nierenkrankheit, Pleuritis, Pericarditis die besten Heil- 
erfolge gewonnen. Der Eiweissgehalt des Harnes nimmt bedeutend ab. Kinder 
vertragen Gaben zu 0,2 — 0,3 dreimal täglich leicht und ohne Belästigung, selbst 
Osben zu 0,5 — 1,0 Hessen keinen erkennbaren Nachtheil wahrnehmen. 



Tinctori Blittie orientilis, Liquor antikfdropiens, wird durch Digestion 
aus 1 Th. grob gepulvertem Insect und 5 Th. verdünntem Weingeist dar- 
gestellt. 

Schabaunittel, Mittel zur Vertilgung der Schaben sind mehrere in den Handel 
gekommen, z. B. 1) bestehend aus 44g Mehl und 16 g Angelicawurzelpulver 
(Preis 2 Mark), — 2) bestehend aus Zinkoxyd, Eisenvitriol, Schwefel, Sand, 
loüien Bolus (100 g 1 Mark), — 3) bestehend aus 2 Th. Fliegenstein, 1 Th. 
Zucker und 1 Th. Mehl. 

Daa einÜAchste Mittel ist eine Pasta aus je 20 Th. Brechweinstein, weisser 
Nieswnrzel, Mehl und Zucker, 40 Th. Brotpulver, 50 Th, Glycerin und der ge- 
nügenden Menge Wasser. Man formt Eügelchen oder Panicellen, welche man 
dahin legt, wo die Insecten ihren Lauf nehmen oder in die Fugen und Löcher 
eindriickt. um ganze Colonien zu tOdten, spritzt man ein Gemisch von gleichen 
Tbeilen Benzin und Schwefelkohlenstoff in die Löcher, aus welchen man die In- 
secten hervorkriechen sieht. 



Borax. 

Der oetaödrische Borax hat die Formel Na2B407 + 5HsO. 



Borax und Glycerin. Borax zeigt gegen Glycerin ein eigenthümliches 
Verhalten in Gegenwart von Carbonaten. Giesst man Borax in kaltem Wasser 
gelöst auf Natriumdicarbonat, so erfolgt keine Kohlensäureentwickelung, aber so- 
fort, wenn man Glycerin hinzusetzt, und in einer Wärme von 60 — 80^ C. ent- 
wicht gerade die Hälfte der Kohlensäure des Natriumdicarbonats. Es kann 
dieses Verhalten zur Bestimmung von Dicarbonaten in Monocarbonat verwerthet 
werden. Bei stärkerer Hitze wird auch das Monocarbonat attakirt. üebergiesst 
man das Monocarbonat mit der Boraxlösung und Glycerin, so steigen die dem 
Monocarbonate anhängenden Luftbläschen und die Kohlensäurebläschen auf, welche 
den Sporen Diearbonat, die in dem längere Zeit aufbewahrten Monocarbonat nie 
fehlen, entstanmien (Hageb). Diese Wahrnehmungen stimmen mit denen Sbnieb's 
und Lowe nicht flberein, denn diese nehmen an, dass Glycerin Borsäure firei 
mache. Dass diese Ansicht nicht die zutreffende sein kann, lässt sich daraus 
entnehmen, dass wenn man Borsäure und Natriummonocarbonat mit Wasser über- 
gieast, keine Kohlensäureentwickelung eintritt, sofort aber, wenn man Glycerin 
zusetzt Wahrscheinlicher ist eine einfache Contaktwirkung die Ursache dieses 
Verhaltens. 



158 Borax. FeuerschutzmitteL 

Borax uad Salicylsäure oder NatrinmBalicylat. Wenn diese Sab- 
stanzen in Lösung zusammentreffen , so nimmt diese einen sehr bitteren Ge- 
schmack an, wie dies auch schon unter Borsäure erwähnt ist. Solche Misch- 
ungen sind zu unterlassen, wenn man etwa Milch, Fleisch etc. damit conser- 
viren will. 

Borax hat sich als ein vortreffliches Conservans des Butterfettes er- 
wiesen. Es genügt ein Zusatz von 5 — 6 Proc. feinem Boraxpulver. 

In Betreff des Einflusses des Borax auf den Organismus berichtet Cyon die 
Resultate, welche er an Hunden beobachtete: 1. Borax, dem Fleische in einer 
Menge von 12 g per Tag, d. h. eine 17 Mal grössere Menge als zum Conser- 
viren nöthig ist, hinzugesetzt, kann von dem Körper aufgenommen werden, ohne 
die geringste Störung in dem Emährungsprocesse hervorzubringen. — 2. Wird 
Borax an Stelle des Kochsalzes mit der Nahrung genossen, so tritt eine ver- 
hältnissmässig starke Vermehrung des Körpergewichtes in Folge grösserer Assi- 
milation ein. PoLLi stimmt den Ansichten Oyon's bei. 

0. Le Bon will die entgegengesetzten Resultate gewonnen haben (Gompt. 
rend. 1878) und erklärt den Borax in den Nahrungsmitteln für ein Gift, be- 
sonders schon aus dem Grunde, dass Peligot die giftigen Wirkungen des Borax 
auf die Vegetation nachgewiesen hat. Diese letztere Folgerung ist übrigens eine 
wenig begründete, denn Arsenigsäure ist z. B. ein Gift für den thierischen Orga- 
nismus, nicht aber oder kaum für den pflanzlichen, sie ist sogar ein Nährboden 
fUr Pilzvegetationen, wie Hageb durch Experiment nachgewiesen hat. Massige 
oder geringe Mengen Borax in die Verdauungswege eingeführt sind sicher ohne 
allen Nachtheil. Nach Versuchen an eigener Person vermochte Haqeb keine 
Wirkungen zu beobachten, welche auf einen nachtheiligen Einfluss des Borax in 
täglichen zweimaligen Dosen von 0,6 — lyOg auf den Gesundheitszustand elBcs 
gesunden Menschen schliessen lassen. 

Decboix hat den Borax als ein Heilmittel des Milzbrandes (bei Pferden) 
erkannt. Wahrscheinlich befindet er sich im Irrthume. Die Infectionsbacterien 
im Blute sind nicht Ursache dieser schrecklichen Krankheit, sondern sind die 
Folge derselben. 

Fenersehatzmittel. Dass Borax ein gutes A n t e x a p t i c u m , ein die Entzündung 
durch Flamme hmdemdes Mittel ist, beweisen die unter Amylum angegebenen 
Vorschriften für Feuerschutzstärke (z. B. PATEBA'sches Salz). Folgende Zu- 
sammensetzung soll ein Antexapticum für Gewebe und Holz sein, welche mit der 
heissen Flüssigkeit getränkt oder bestrichen werden (the Druggist Gircular etc. 
1879). 
(1) Antexapticum ad texta tenera. Mucilagine effecta, adde 

Feuei-schutz fllr Gewebe. soluto in ""'" ^""^"^^ ^^'^ 
ijf Amyli triticei 20,0 Aquae fervidae 200,0. 

Aquae fervidae 500,0. Agitatione peracta, admisce liquori calido 
Mucilagine effecta, adde Acidi borici ö0,0 

Ammoni sulfurici 80,0 Ammoni muriatici 150,0 

Ammoni carbonici 25,0 Liquoris Kali silicici 

Acidi borici 17,0 Liquoris Natri silicici ana 150,0 

soluta in soluta in 

Aquae ealidae 500,0. Aquae fervidae 500,0. 

/^v . ^ ^, ^ ,• Postremum adde 

(2) Antexapticum ad res lignosas. Aqime fervidae q. s., 

Feuei-schutz für Holz. ^^ Po?t refrigerationem mixturae muci- 

lago nuida etrecta slt. Ad usum Greta 
!• laevigata admiscetur, ut fiat masaa s^- 

i^ Amyli triticei 15,0 iniposn, rebus lignosis ope penicilli illi- 

Aquae fervidae 400,0. nenda. 



Borax. Lithokolyter« 159 

II. III. 

i^ Aeidi borici 600,0 J^ Aoidi borici 30,0 

Ammoni mmiatici 1500,0 Boracis 20,0 

Boncis 200,0. Ammoni sulfurici 80,0. 

SoWe in Solve in 

Aquae 10000,0. Aquae 1000,0. 

Wird zum Tränken von Segeltach, Tan- Wird zum Tränken von feinerem Papier, 
werk, Stroh, Holz etc. angewendet. Wechseln , Docnmenten, Büchern ver- 

wendet. 

ßorax scheint ein die Bildung des Kesselsteins zurttckhaltendes Mittel zu 
Bein und wendet man ihn zu diesem Zwecke mit der 2 — 4 fachen Menge Koch- 
6alz gemischt an. Das dem Alexander Stock in Guben patentirte Mittel ist 
eine ähnliche Mischung. 

Hageb's Litkokoljter, pkamacentisckar, ist ein Antikesselsteinmittel für pharma- 
ceutische Dampfapparate. Es besteht aus einem grobpulvrigem Gemisch von 
6 Th. Borax, 20 Th. rohem Ealiumchlorid und 30 Th. Natrium- 
i' hier id. Diese Mischung greift nicht die MetaUe an und das abdestillirende 
Wasser ist pharmaceutisch verbrauchbar. 

SaaUmasse für Eäsen wird nach Th. Raetz zusammengesetzt aus 260 Kry- 
stallglas, 41 calcinirter Soda und 25 Borsäure in Form eines feinen Pulvers, 
rjder man emaillirt in 2 Schichten aus Grundmasse und Deckmasse. Zur Her- 
stellong der Grundmasse werden 60 feingemahlener Feldspath mit 50 Borax zu- 
sammengeschmolzen, die geschmolzene Masse fein gepulvert und mit 20 Thon, 
12 Feldspath und 3 Magnesiumsubcarbonat gemischt. Diese Grundmasse wird 
auf die zu emaillirenden Gegenstände, mit Wasser zu einem Brei gemacht, auf- 
getragen and dann mit der Deckmasse einer nach dem Schmelzen gepulverten 
Mischung von 75 Quarzmehl, 75 Borax, 100 Zinnoxyd, 30 Soda und 20 Kali- 
salpeter bestreut. Diese auf dem Geschdrre gleichmässig vertheilte Masse wird 
vorsichtig getrocknet und in dem Muffelofen geschmolzen. 

(1) Pulvis antaphldlcus. (2) PuItIs antigrylllcns. 

Mittel gegen Blattläuse. Mittel gegen Heimchen oder Grillen. 

1^ Boraeis 20.0 ^ Boracis 10,0 

Aeidi salicylici Farinae 20,0. 

Talci Veneti ana 5,0 M. Fiat pulvis subtilis. 

Caeralei montan! Dieses Pulver wird den Heimchen, ge- 

Bhizomatis Curcuniae ana 2,0. wohnlich des Nachts in die Fugen des 

u f * 1 •- onKffifa Mauerwerks eingeschüttet. Feuchte Nah- 

IL Iriat pulvis suDtms. rungsmittel müssen entfernt gehalten wer- 

Mit diesem Pulver werden die Stellen, den. Diese Vorschrift ist der pharm. Ztg. 
wo Blattläuse sitzen, bestäubt. entnommen. 

(3) \et. Bad gegen Zecken der Schaaf e. 

1600 Liter Wasser werden mit einer 
Lösung von 5 k Borax in 30 Liter Wasser, 
dann mit 10 Liter Salmiakgeist und 5 Liter 
OarbolsHure vermischt. 



Antl-Aeldiim-PalTery HoU&ndisches, zur Conservirung der Milch, besteht aus 
Potasche, Sodii und Borax. (A. du Bell, Aualyt) 

Ifaschmethode^ k. k. ausschliesslich privilegirte, oder Becept zur Behandlung 
der Wäsche von Fbakz Palme (Trautehau), gründet sich auf Anwendung eines 
Waschpulvers. 

Das Recept lautet im Auszuge: 1) ViBtündiges Einweichen der Wäsche in reinem 
Wasser. 2) 24 Maass Wasser werden in einem Kessel erhitzt, mit 2 Loth des k. k. 
yriv. Waschpulvers und 12 Loth Seife versetzt und darin gelöst. 3) Die ausge- 



160 Borax. — Bromum. 

wrungene Wäsche (1 Korb = 30 bis 40 Stück) wird in 5 Maass jener heissen Lö- 
sung, verdünnt mit 4 Maass kaltem Wasser, geschweift and ausgewrungen. 4) Das- 
selbe geschieht nochmals in einer Mischung von 7 Maass jener heissen Lösung und 

3 Maass kaltem Wasser. 5^ Dasselbe geschieht nun in jener, aber siedend heissen 
Lösung (12 Maass). 6) Enalich wird mit reinem Wasser gespült etc. Vorhandene 
Blut-, Fett- und Schweissflecke werden mit den Händen extra gerieben etc. 

Das Waschpulver besteht aus 30 Proc. Borax, 61 Proc. halb verwitterter Soda, 

4 Proc. Kochsalz, den Verunreinigungen der käuflichen Soda, 5 Proc. Mais- und 
Weizenstärke mit anhängender Klebersubstanz. Herr Franz Palme verkauft 500 g 
dieses Pulvers für 2,40 Mark. (Haobr, Analyt.) 

Borocat nach Jankasgh ist ein patentirtes Salz, ein Doi)pelsalz aus den Mono- 
carbonaten des Natrium and Kalium bestehend, ist als Antisepticum and Fleisch- 
conservirungsmittel empfohlen. Nach einer anderen Mittheilung stellt man das 
Borocat in grösseren Quantitäten derart her, dass man gleiche Gewichtstheile Chlor- 
kalium^ salpetersaures Natrium und Borsäure in Wasser löst and nach der Filtration 
bei massigem Feuer zur Trockne eindampft. Das in der Weise gewonnene Salz 
besteht nun aus Natriokaliumborat, Kaliumnitrat und Natriumchlorid. 

KalllBton. Burnett's, von Joseph Burnett & Comp. (Boston), ist ein Borax 
enthaltendes Waschmittel (Chai^ler, Analyt.). 

Orientalische Kopfeehnppen-Krftuter- Essenz von St. C. Ozene, Edler von 
Janobtalva (Wien), ist irgend ein Krautaufguss (Wegerich) versetzt mit Borax, Soda 
und sehr wenig Salmiak. (Haqer, Analyt.) 

Paphian-Lotion oder Floral Beantifier von Phalon and Son (Neu- York) ist 
dem Kalliston ähnlich. (Chander, Analyt.) 

Sei de oonserre, Mittel zur inneren Desinfection, ist ein reiner Borax, (v. Cvon, 
Analyt.) 



Bromum. 

Amerikanisches nnd Englisches Brom stehen an Reinheit dem Deutschen sehr 
nach, allerdings sind jene billiger, aber nur da verwendbar, wo im Laufe der Dar- 
stellung der Bromide eine Reinigung von selbst erfolgt. 

Nach Julius Philipp (Berichte d. d. eh. Ges.) erstarrt reines Brom bei 
— 7,2 bis — 7,3*> C, ein nicht völlig reines bei — 9 bis — 10*^, ein chlorhaltiges 
noch nicht bei — 15^ 

Bromoform im Brom ist auch dadurch erkennbar, wenn man Brom mit 
Kalinmjodidlösung zusammenbringt nnd das ausgeschiedene Jod mit Natriumhypo- 
snlfitlösnng entfärbt. Bromoform schwimmt in Tröpfchen herum und kann dann 
auch durch den Geruch erkannt werden. 

Chemie U. Analyse. Zur Erkennung und Bestimmung von Brom, Chlor und 
Jod nebenemander findet sich unter Jod ein Verfahren von Ed. Donath ange- 
geben. Ein anderes für den Pharmaceuten ausreichendes Verfahren beruht auf 
der Löslichkeit des SUberbromids in Aetzammon und seine Unlöslichkeit in heisser 
Ammoninmcarbonatlösnng, in welcher letzteren beim Aufkochen Silberchlorid leicht 
löslich ist. Andererseits ist Silberjodid weder in dieser Lösung noch in Aetz- 
ammon löslich. Nur unbedeutende Spuren entgehen der Erkennung (ELaoeb). 
Auf dieses Verfieihren gründet sich im Handbuch die Prüfung des Broms auf 
Chlorgehalt. 

Auch die unter Kalium bromatum angegebene VoBTMAXN'sche Methode ist 
beachtenswerth, nur ist die üeberführung des Broms in Ealiumbromid nicht zu 
umgehen. (Siehe weiter unten.) 

Ein weiteres Verfahren giebt Guyard an. Der Prüfung des Broms auf 
Cüilor- und Jodgehalt geht die Üeberführung in Bromid resp. Chlorid und Jodid 
voraus. Im Falle die Haloide ganz oder zum Theil als Chlorate, Bromate und 
Jodate vorliegen, ist es nöthig, dieselben mittelst schwefeliger Säure zu reduciren. 



Bromum. 



161 



Man behandelt dann die nut Schwefelsänre angesäuerte Mischung mit einem 
Ueberachoss eines Gemisches von Natriamdisnlfit und Kupfervitriol. Das Jod f^Ut 
sofort Yollst&ndig als weisses Guprojodid heraus ^ welches durch Filtration ge- 
trennt^ gewaaehen, getrocknet und gewogen wird. Ein Irrthum durch etwaige 
Anwesenheit von Sulfocyaniden kann nicht platzgreifen^ denn in der Praxis kommt 
d^gldchen kaum vor. 

IMe vom Cuprojodid getrennte Flüssigkeit kocht man nach Zusatz von 
Sehwefelsäure, um alle noch vorhandene Schwefligsäure auszutreiben. Alsdann 
versetzt man die Flüssigkeit mit Chromsäure oder einer Mischung von Kalium- 
dichromat und Schwefelsäure , verbindet mit dem Kolben durch eine Röhre eine 
ähnliche Vorlage^ wie man ae bei der Bestimmung des Stickstoffe als Ammoniak 
benützt, und in die man je nach Belieben eine Lösung von Natriumdisulfit oder 
der Sehwefligsäure oder Schwefelkohlenstoff oder eine Lösung von Kaliumjodid ge- 
bracht hat, erhitzt zum Kochen bis zur völligen Austreibung des Broms und kühlt 
gleichzeitig die Vorlage gut ab. Alsdann bestimmt man das nun in der Vorlage 
befindliche Brom entweder als Silberbromid colorimetrisch oder auf indirectem 
Wege {L h. durch Berechnung aus dem Gemenge von Brom- und Jodsilber). 

Um zuletzt das Chlor zu bestimmen, reducirt man in der vom Brom durch 
Erhitzen befreiten Flüssigkeit die noch vorhandene Chromsäure vermittelst eines 
Sulfids und fällt hierauf mit Silbemitrat. 



Dass Brom nach dem innerlichen Gebrauch von Bromiden auch im Eiter 
angetroffen wird, wurde von Adamkiewicz nachgewiesen. 



Brt Bim stlidif ieatam, festes, starres Brom, ist dine Mischung von Brom (1) 
mit Kieeelguhr oder Infusorienerde (5 — 8). Es dient dieselbe als Desinfections^ 
imbstanz. Zum Zweck der arzneilichen Anwendung ist die Infusorienerde durch 
ein Sieb zu schlagen, ehe sie mit Brom gemischt wird. Zweckmässig ist hier die 
Mischung von 1 Th. Brom mit 9 Th. Terra infusoria. Das Mischen geschehe 
stets am freien Orte, wo Luftzug stattfindet. Die Mischung wird in Gläsern ver- 
packt und dispensirt. Das von Frank in Charlottenburg bei Berlin in den 
Handel gebrachte feste Brom ist sehr gehaltreich an Brom und durch Pressen 
in Würfel oder Stäbe gebracht. Es dürfte diese Solidification des im flüssigen 
Zustande äusserst gefährlichen Körpers eine grosse Bedeutung gewinnen und der 
Sanitätspolizei und Wundbehandlung die herrlichsten Dienste als Desinfections- 
mittel leisten« Diese Solidification ist hier nur eine Nachahmung der längst ein- 
geführten Solidification des Nitroglycerins, des NoBEL'schen Sprengöles. 



(1) Liqnor inhalatorins bromatns« 

Netolitzky, Jacob Schütz. 

^ Kali bromici (Kalii bromati?) 
Bromi ana 1,0 
Aqnae destiUatae 200,0. 

M. D. S. Halbstündlich auf Schwamm 
oder Watte in massiger Menge gegossen 
durch 5—10 Minuten durch Mund und 
Xase die sich freimachenden Dünste ein- 
zuathmen (bei Croup, Diphtheritis) oder 
zfun Betopfen (bei Soor, Ezsudationen 
»nf den Schleimhauten) oder zum Ver- 
bände (be\ Eiterungen). 

ScnÜTZ hält dieses Mittel fiir ein Gar- 
dinalmittely welches er beim Ergriffen- 



sein der Luftwege zu Inhalationen des 
Dampfes, als Gargelung, Injection, zum 
Bepinseln empfiehlt 

(2) Mixtura bromata Bbdenbacher. 
Bromirte Mixtur gegen Kehlkopforonp. 

^ Decocti Althaeae 120,0 

Kali bromici {KsAii bromati?) 4,0 

Bromi 0,3 

Syrupi simplicis 30,0. 

M. D. S. Stündlich einen EsslöffeL 

Die Dispensation des Broms in Sub- 
stanz und kleiner Dosis ist eine sehr er- 

11 



162 



ßromiim. — ßnicinum. 



Schwerte, abgesehen von dem dabei sich 
freimachenden Bromdampfe, welcher Lunge 
und Waage nicht unberührt lässt. Es 
ist daher zweckmässig, Aqua bromata zu 
verordnen, welche 5,0 Brom in 1000,0 Aq. 
enthält. Dieses Bromwasser correspondirt 
mit dem officinellen Chlorwasser. Ferner 
ist der Gehalt der Mixtur an Althee- 
schleim ein chemischer Widersinn und 
erklärt, dass die Mixtur nach kurzer Zeit 
O/s Stunde) nicht mehr nach Brom riecht 
Obiges Becept wäre umzusetzen in 

1^ Kali bromici (Ealii bromati?) 4,0. 
Solve in 

Aquae destillatae 100,0. 
Tum adde 

Aquae bromatae 60,0 

S3rrupi simplicis 30,0. 

Diese Mischung conservirt den Gehalt 
an freiem Brom wenigstens einige Tage 
hindurch. Will man eine länger haltbare 
Mixtur darstellen, so lässt man auch den 



Syrupus simples fort und setzt dafür 
Wasser. 



(3) SolQtio aatldiplitlieritica CLemeks. 

I. 

^ Ealii bromati 4,0 (ad 6,0). 
Solve in 
Syrupi simplicis 30.0 
Aquae destillatae oO,0. 

D. S. Alle Stunden einen Esslöffel 
voll, mit einem Theelöffel Chlorwasser 
gemischt zu nehmen. 



II. 

% Aquae chloratae 50,0 
Detur et vitrum nigratum. 

S. Alle zwei Stunden einen llieelöffel 
voll mit einem Esslöffel der Medicin ge- 
mischt zu nehmen. 



Brucinum. 

Brucin ist nach Shenstone in 150 Th. kochend heissem Wasser lös- 
lich und nicht, wie gewöhnlich behauptet wird, in 500 Th. Femer constatirt 
derselbe Cownley's Resultate, dass Brucin mit verschieden verdünnter Salpeter- 
säure kein Strychnin als Zersetznngsproduct liefert, doch könne man die zer- 
setzende Einwirkung einer 5 proc. Salpetersäure immerhin benutzen, kleine Mengen 
Strychnin im Brucin nachzuweisen und quantitativ zu bestimmen. 

Lüdecke bestimmte die EjTstallform des Brncins, und es scheint diese dem 
monoklinischen Systeme anzugehören. Ber. der d. eh. Oesellsch. Jahrg. 10. 

Chemie und Analyse. Es gelang dem Alkalold - Analytiker D&agenborff 
einige das Brucm betreffende Farbenreactionen aufzufinden. Wenn man Brucin 
in conc. Schwefelsäure löst und darauf etwas Kaliumdichromat hinzufügt, giebt 
reines Brucin eine dunkelgrüne Lösung. Femer fand D., dass Brucin, wenn man 
die Lösung in conc. Schwefelsäure oder Schwefelsäuredi- resp. tnhydrat zunächst 
mit etwas Salpetersäure versetzt und die erste Farbenreaction abblassen lässt, 
später nach Zusatz von Kaliumdichromat diese grUne Färbung nicht mehr giebt 
und die Farbenreaction eventuell vorhandenen Strychnins nicht stört. Femer ist 
bekannt, dass in wässrigen Lösungen von Brucinsulfat Kaliumdichromat allmäh- 
lich einen deutlich krystallinischen Niederschlag liefert und dass ein ähnlicher 
krystallinischer Niederschlag erhalten werden kann, wenn man Bmcin mit ver- 
dünnter Chromsäurelösung übergiesst. Femer fand D. eine weitere Reaction. 
Löst man Brucin in einer >lischung von einem Vol. reiner Schwefelsäure und 
9 Vol. Wasser auf, so resultirt eine farblose Flüssigkeit. Bringt man in diese 
mittelst des Glasstabes kleine Mengen einer sehr verdünnten wässrigen Solution 
von Kaliumdichromat, so färbt sich die ganze Flüssigkeit für einige Secunden 
schön himbeerroth, um dann allmählich in Rothorange und später in Braunorange 
überzugehen. In der Wärme erfolgt dieser Farbenübergang schneller, wie in 
der Kälte; es ist aber zu empfehlen, die Versuche bei gewöhnlicher Temperatur 
anzustellen. Die Empfindlichkeit dieser letzteren Probe ist sehr bedeutend. Lö- 



Brucinum. — Butyrumf. 163 

Bangea von 1 : 1000 nehmen sogleich schön iiefrothe Färbung, etwa wie der ans 
der Himbeere gepresste Saft, an; auch in 1 : 10000 ist die Reaction sehr deat- 
lidi ZQ beobachten^ wenn man einen UeberschuBS von Ealiamdichromat vermeidet. 
Da man, selbst wenn aus Leichentheilen das Brucin nicht ganz rein isolirt sein 
sollte, mit einer Mischmig von 1 Vol. Schwefelsäure mit 9 Vol. Wasser farblose 
Löeongen desselben erhält, so hat diese Reaction einen gewissen Vorzug vor sol- 
chea, bei denen conc. Säuren in Anwendung kommen, welche durch begleitende 
fremde Stoffe dunkel geförbt werden. 

Von Meteb befindet sich im Archiv d. Pharm. Bd. X, S. 413 eine Arbeit 
Aber Absorptionsspectra der Lösungen des Brucins, Morphins, Strychnins etc. 
nnd eine Vorführung der Absorptionsspectra. Tvok beobachtete bei Brucin ein 
continuirliches Absorptionsspectrum. Bänder fehlten. Die Verdunkelung ist von 
der Idchtintensität abhängig und sie ist um so stärker, je dunkler die Färbung 
der BrndnlOsung ist 

Als Gegengift des Brudns fand sich Chloralhydrat bewährt. Brucin 
in die Yerdaunngswege eingeführt soll theils durch den Harn, theils durch die 
Galle unverändert abgeschieden werden. 



Batyrum. 

Besbuidiheile. Nach Bbomeis setzt sich das Butterfett aus fünf verschie- 
denen Fettkörpem zusammen und zwar aus 30 Proc. Butyroolein, 68 Proc. Mar- 
?uin nnd 2 Proc. Butyrin, Caprin und CaproXn. Die Tischbutter des Handels 
besteht aus 83 — 93 Proc. reinem Butterfett, 0,5 — 3 Proc. Casein und Milch- 
nicker, 5 — 12 Proc. Wasser und 2 — 3 Proc. Kochsalz. Vergl. Handb. I, S. 636. 
Nach Fusibchhann's Untersuchungen (185 Analysen) ergebt sich, dass reines 
Bntterfett 85,79—89,73 Proc. nicht flüchtige oder in Wasser unlösliche Fettsäuren 
aaageben kann. 

Die Consistenz des Butterfettes ist im Allgemeinen derjenigen des Schweine- 
fettes gldch, doch trifft man auch, wenn auch nur selten, Butter an, deren Bu- 
tjToolemgebalt bis auf 50 Proc. steigt. In der Sommertemperatur sondert sich 
m der Ruhe beim Aufbewahren grösserer Mengen ein grosser Theil dieses Aus- 
säen Fettes ab, und sind auch schon Fälle vorgekommen, in welchen man daraus 
anf ekoe Verfillschung der Butter mit einem flüssigen Oele schloss. Dieser Um- 
stand befhgt zur Annahme, dass die quantitative Zusammensetzung der Butter 
kedne oonstante ist, sondern mehr oder weniger variirt. 

Dieses flüssige Butterfett ist von der Consistenz des Olivenöls, klar 
imd meiat gelb. 

Handeiswaare. Die Butter kommt in verschiedener Form und Zubereitung 
*ii den Handel. Man unterscheidet 1) eine gesalzene und 2) ungesalzene. 
&atere ist vorwiegend im nördlichen Europa, letztere im südlichen Europa ge- 
brftnehlieh. Die gesalzene ist mit wenig Salz (bis 2,5 Proc.) die sogenannte 
Tisehbntter, mit stärkerem Salzversatz (bis 8 Proc.) die Kochbutter, Fass- 
bntter. Die ungesalzene Butter kommt entweder als frische Butter auf den 
Markt oder sie wird geschmolzen und abgeschäumt und klar abgegossen als ge- 
schmolzene Butter, Schmelzbutter, zuweilen auch Schmalz genannt, 
ED den HaodeL Letztere kommt aus Frankreich, Bayern und Russland in den 
Handel. Sie ist eine sehr reine und auch sehr dauernde, nicht leicht ranzig 

11* 



164 Butyrum. Prüfung der Butter. 

werdende Butter. In ihr fehlen Caseln, Salz und auch Wasser. Letzteres 
ist höchstens in Spuren vertreten. 

Grasbutter kommt von Kühen, welche nut Grünfntter, Strohbutter 
von Kühen, welche im Stalle und mit Heu etc. ernährt werden. Maibutter 
entstammt der Zeit, wo die Weiden sich üppiger Vegetation erfk-euen, Stoppel- 
butter der Zeit, wo das Vieh auf den Stoppelfeldern Nahrung findet. Man 
unterscheidet auch Sommer- und Winterbutter. Die Hofe- oder Have- 
butter kommt von den Meierhöfen Holsteins. 

Farbe der Butter. Die Butter ist gewöhnlich blassgelb, strohgelb, am 
häufigsten gelb. Mitunter ist die Butter rein weiss oder gelblich weiss und dann 
nicht verkäuflich, so dass eine Gelbfärbung geboten ist. Das Publikum ist au 
die gelbe Farbe gewöhnt und die Gelbfärbung ist wohl seit mehr denn 2 Jahr- 
hunderten geübt worden. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts wurde die Butter 
in der Nähe Berlins mit Mohrrüben gelb gefärbt , was aus mündlichen üeber- 
lieferungen dem Schreiber dieses bekannt wurde. Es sei dies erwähnt, um einen 
alten Gebrauch nicht heute in die Rubrik des Betruges zu stellen, wie dies von 
einigen jungen unerfahrenen Chemikern geschehen ist. Uebrigens ist reines Butter- 
fett fiärblos. Die Butter verdankt ihre gelbe Farbe dem Chlorophyll oder Xantho- 
phyll. Bei Fütterung mit Nährstoffen, welche zu den oberirdischen Theilen der 
Vegetabilien gehören, erzielt man eine gelbe Butter, dagegen ist bei Fütterung 
nur mit Stoffen, welche den unterirdischen Theilen der Vegetabilien angehören 
(Rüben, Kartoffeln), die Butter mehr weiss als gelblich und doch eine gute reine 
Butter. Da die Fütterung gewöhnlich in Gräsern besteht oder eine gemischte 
ist, also in ober- und unterirdischen Pflanzentheilen besteht, so ist die Butter 
meist gelblich bis gelb und das Auge des Consumenten an diese Farbe von je 
her gewöhnt. Die künstliche Färbung der Butter mit unschuldigem Farbstoff ist 
also keine Fälschung, sie ist dies vielleicht nur dann, wenn der Producent dem 
Consumenten eine künstlich gefärbte Butter für reine Maibutter oder Gras- 
butter abgiebt. 

Verfälschungsmittel der Butter giebt es eine ziemliche Anzahl. Als solche 
findet man angegeben: 

Kreide, Gyps, Schwerspath, Thon, ja selbst. Bleisalze, wie Acetat, Carbonat, 
Sulfat, Chromat, femer Alaun, Borax, Wasserglas, Kochsalz. 

Stärkemehl, Getreidemehl, Kartoffelmehl, Kartoffelbrei, Quark (Weich-Käse), 
Curcuma, gelbe Möhren, weisse Rüben, Talg, Schweinefett, Pferdefett, Oleo-Mar- 
garin, Rüböl, Madiaöl, Sonnenblumenöl, Gänsefett, ranzige oder Fassbutter. 

Bei letzterer Verfälschung besteht der innere Theil des Butterstückes aus 
schlechter Butter und ist eingehüllt in eine dünne Schicht guter Butter. 

Empirische Prüfungsmethoden existiren mehrere. Man bedient sich 
derselben, um die mit Umständen verknüpften Methoden zu umgehen. Einige 
sind in der That so sicher, dass eine eingehendere Untersuchungsweise oft llber- 
flüssig wird. 

I. Hageres Dochtprobe. Handb. I, S. 638 (unter Talg). Es kann die- 
selbe auch in eine Geruchsprobe umgesetzt werden. In ein Glaskölbchen giebt 
man 1 Vol. des klar abgesetzten warmen flüssigen Butterfettes und 2 Vol. einer 
Mischung von 1 Vol. reiner conc. Schwefelsäure mit 2 Vol. eines 95—98 proc. 
Weingeistes. Man setzt dem Kölbchen ein gläsenies Dampfleitungsrohr auf und 
erhitzt mit einer Weingeistflamme bis zum Aufkochen, um 2 — 3 CC. Destillat, 
welches man in einem Beagircylinder sammelt, zu erlangen. Einige Tropfen des 
Destillats auf der Hand zerrieben und mit dem Geruchssinne geprüft ergeben bei 
der Kuhbutter einen angenehmen Butteräthergeruch, Rumgeruch , bei der Kunst- 



Butyram. Prüfung der Butter. 165 

bntter keinen Bntteräthergerach ^ sondern einen einigermaassen obstähnlichen Ge- 
räch und hintennach den unangenehmen Geruch nach altem Talg. Dass das zum 
Versuch verwendete Butterfett völlig abgesetzt haben muss und keine Caseün- 
Partikel enthalten darf, ist selbstverständlich. 

Wenngleich die Kunstbutter meist Talgfett enthaltend ist, so soll auch mitunter 
Kunstbntter in den Handel kommen, welche kein Talgfett enthält, z. B. eine 
fiolche, welche ans Pferdefett und Kuhmilch bereitet ist. Für diese Fälle wäre 
die vorher bemerkte Docht- nnd Geruchsprobe nicht anwendbar. 

n. Hager's Alkoholprobe. Wenn die Dochtprobe kein sicheres, über- 
haupt kein Resultat giebt, so schreite man zu folgender Probe. Von dem ge- 
schmolzenen decanthirten klaren Butterfette giebt man in ein cylindrisches Glas 
genau 1 g und dazu 12,5 g eines anhydrischen Weingeistes von 0,797 — 0,799 
gpec Gew. Der passende Weingeist ist em solcher von 0,798 spec. Gew. Man 
setzt das Glas in ein Gefäss mit Wasser und erhitzt genau bis 60,5^ C. Dann 
Terschliesst man mit einem Stopfen und schüttelt kräftig um. Es erfolgt eine 
klare durchsichtige Lösung. Da hierbei eine kleine Abkühlung stattfindet und 
deshalb Trübnng eintritt, so steUt man das GeftLss noch einige Augenblicke in 
das Bad, welchee auf 60 — 61^ zu halten ist. Dann ergreift man das Glas aufs 
Nene, trocknet es möglichst schnell mit einem in der linken Hand gehaltenen 
Tuche oder Fliesspapierstreifen ab und schüttelt kräftig um. Liegt reines Butter- 
fett vor, so ist die Lösung total klar und durchsichtig. Bei Gegenwart von 
Schweinefett, Talg, Rüböl etc. ist die Mischung mehr oder weniger trübe, je 
nach dem Maasse der Verfälschung. 

Zehn Butterproben aus vier verschiedenen Stellen und zu zehn verschiedenen 
Zeitpunkten bezogen verhielten sich wie angegeben, sie lösten sich in der 12,5- 
fachen Menge eines Weingeistes von 0,798 spec. Gewicht bei 60^ 0. völlig klar 
und durchsichtig. Andere Fette, welche zur Verfälschung der Butter dienen, 
Msten sich nicht klar, auch nicht bei einer Erhitzung auf 70^ 0. Was nun die 
Mischungen der Butter mit anderen Fetten betrifft, so ist allerdings die Erkennung 
letzterer, wenn sie nur zu 1 — 10 Proc. in der Butter vertreten sind, keine sichere. 
Bei Gegenwart von Talg wurden noch 4 Proc. wahrgenommen, bei Schweinefett, 
daa sich sehr verschieden erweist, scheint die Erkennungsgrenze bei 11 Proc. zu 
lie^n, bei einer Sorte lag sie sogar bei 16 Proc. Die geringste Trübung ist 
em Zeichen, dass die Butter ein firemdos Fett enthält. Ein flüssiges Butterfett, 
welches Hagek aus guter Hand erhalten hatte, erwies sich in dieser Probe einer 
Verfälschung verdächtig. Es war entweder verfälscht oder es giebt auch Butterfette, 
welche ^ese Probe mit Weingeist nicht aushalten. Spätere Erfahrungen gehören 
Dothwendig zur Beantwortung der Frage, ob die Prüfungsweise vollen Werth hat. 

IIL Eine dritte empirische Probe könnte sich darauf gründen, dass bei 
Darstellung des reinen Butterfettes durch Schmelzung, Absetzenlassen in der 
Wärme, Coliren unter Decanthation durch ein lockeres Bäuschchen Glaswolle 
stets ein bei circa 40^ C. völlig klares Fett gesammelt wird. Bei Kunstbutter 
ist ^eses Fett meist, vielleicht immer trübe. Es wird auch nicht klar, wenn 
man es einen ganzen Tag weiter in einer Wärme von ca. 40^ 0. absetzen lässt. 
Diese Beobachtung wurde von Haoes in mehreren Fällen, auch von Filsingeb 
wahlgenommen. 

IV. Bach*s empirische Butterprobe beruht auf der Löslichkeit des 
Botterfettes m der 20 fachen Menge einer Mischung von 3 Vol. Aether und 1 Vol. 
eines 95 proc Weingeistes bei emer Temperatur von 19 — 21^0. Fremde Fette, 
wie Schweineschmalz, Talg, Pferdefett etc. sind darin unlöslich oder weniger lös- 
lich, selbst bei Erwärmen um mehrere Grade über 20<> C. Da manche Kunst- 



166 Butyrum. Prüfung der Butter. 

butter sieh hier wie Kuhbutter verhält, so hat die Probeweise keinen Anklang 
finden können. 

V. Hüsson's empirische Butterprobe ist eine Parallele zu der Bach- 
schen. Das Butterfett wird in seiner 10 fachen Menge eines Gemisches ans glei- 
chen Gewichtstheilen Aether nnd 90proc. Wemgeist bei einer Wftrme von 35 bis 
40^ C. gelöst und die Lösung an einen Ort gestellt, dessen Temperatur constant 
ungefähr 18^ G. ist. Nach 24 Stunden hat die Lösung der reinen lülchbutter 
einen Bodensatz aus Margarin gebildet, welcher gesammelt und ausgetrocknet 
nicht über 40 Proc. nnd nicht unter 35 Proc. betragen soll. Beträgt er über 
40 Proc., so deutet dies auf eine Verfälschung mit Talg der Wiederkäuer, ist 
er dagegen geringer denn 35 Proc, so deutet dies auf Eunstbutter (nach MouBi^is), 
Schweinefett, Gänsefett. 

Sowohl in der BACH'schen wie in der HussoN'schen Probe soll nach ur- 
sprünglicher Angabe die Butter, wie sie ist, in Lösung gebracht werden. Da 
die Herren Autoren aber hierbei nicht an den verschiedenen Wassergehalt der 
Butter dachten, welcher in die Lösungsflüssigkeit übergeht und deren Lösungs- 
kraft herabdrückt, so haben ihre Methoden nur dann einigen Werth, wenn man 
die durch Schmelzung, Absetzenlassen und Decanthation gereinigte Butter an- 
wendet. Uebrigens sind beide Proben von Hageb geprüft und als unbrauchbar 
erkannt worden (pharm. C!entralhalle 1878 No. 5). 

VI. Mikroskopische Prüfung. Dieselbe hat nur einen beschränkten 
Werth, denn die Kunstbutter, welche durch Buttern der Fettmasse mit Sahne 
oder Milch in der bekannten Weise oder durch Maschine hergestellt ist, erscheint 
nnter der Linse nicht um einen Deut abweichend. Nur bei oberflächlicher 
Mischung sind die Fettkügelchen entweder doppelt so gross oder me fehlen nnd 
dafür erblickt das Auge unförmliche Massen, durchsetzt von Stearinstäbchen oder 
eckigen Partikeln. 

Der Werth der HEHKEB'schen Methode ist gewiss nicht zu bestreiten, 
doch ist von verschiedenen Seiten nachgewiesen worden, dass der Gehalt an 
nicht flüchtigen Fettsäuren im Butterfett, welcher von Hehneb bis höchsteus 

88 Proc. zugelassen wird, ein noch höherer sein kann. M. Ebetschmab (Ber. 
d. d. eh. (Jes. 1877) fand im Juni 89,34, im Juli 89,45, im August 89,57, im 
Nov. 89,20 Proc. nicht flüchtiger Fettsäuren. Kbetschmab fand in 2 Sorten 
Eunstbutter 95,5 und 95,1 Proc. nicht flüchtiger Fettsäuren, im Schweinefett 
95,8 und 95,5 Proc. Er macht noch darauf aufmerksam, dass die Fettsäuren 
beim Trocknen bei 100 — 110^ nach einiger Zeit in Folge Oxydation eine Ge- 
wichtszunahme erfahren. 

FiLSiNGEB hat unter Befolgung der HEHNEB*schen Methode aufibllende und 
wohl zn beachtende Resultate erlangt. Unter den Eunstbutterarten (12 an der 
Zahl aus verschiedenen Quellen bezogen) fand er in dem sogenannten Bayeri- 
schen Schmalz 87,5 bis 88 Proc., in der Euhbutter (10 Fälle) 88— 

89 Proc. nicht flüchtiger Fettsäuren. Da Hehneb 88 Proc. als höchste, 87,6 
Proc. als normale Menge annimmt, so hätten jene Eunstbnttersorten als reine 
Butter, viele der Euhbuttersorten als Eunstbutter erkannt werden müssen. Auch 
GsoAB DiETZSCH fand Pariser Sparbutter (Pariser Gleo-Margarine) mehrmals mit 
88 Proc. jener Säuren. 

FiLSiNGEB fand femer wie auch Haoeb (pharm. Centralh. 1877, S. 413), 
dass durch Schmelzen, Absetzenlassen, Decanthiren in der Wärme die Euhbutter 
ein völlig klares, die Eunstbutter aber ein trübes Fett liefert. Es wäre dieses 
Verhalten, wie schon erwähnt ist, als eine empirische Probe aufzufassen. 



Butyrum. Prüfung der Butter. 167 

£. RmcHAiLDT (Jena) liat in Bezug zur H£HN£B*8chen Methode eine ziemlich 
lange Beihe von Analysen anstellen lassen, z. B. 9 verschiedene Butterproben, die 
Terschiedenen Oele und Fette des Handels , dann Mischungen von Butter mit 
Schweinefett in verschiedenen Verhältnissen (Arch. d. Pharm. 3. 12, 128). Der 
Gehalt an in Wasser nicht löslichen oder nicht flüchtigen Fettsäuren betrug hier- 
nach in 

Kohbutter . . 80,70—87,92 Proc. Leberthran 93,87 Proc. 

Knhbütter 88,02 „ Paknöl 1 86,20 „ 

Bindstalg 1 94,07 „ „ H 86,08 „ 

„ IL 93,83 „ Butter (mit 85,73 Proc. nicht flüchtiger 

Gänsefett 95,47 „ Fettsäuren) gemischt mit 

Schweinefett 95,58 „ 10 Proc. Schweinefett . 87,36 Proc. 

Mohnöl 95,97 „ 20 „ „ . 89,05 „ 

Mandelöl 94,02 „ 25 „ „ . 88,90 „ 

Raböi 96,03 „ 33,3 „ „ • 89,21 „ 

Olivenöl 94,03 „ 50,0 „ „ . 90,65 „ 

Werden in der Kuhbutter 89 Proc. als grösster Gehalt jener Fettsäuren 
angenommen 9 so ergiebt sich, dass mit der HEHKEB'schen Methode eine Bei- 
mischung von Schweinefett bis zn 25 Proc. hinauf nicht erkannt werden kann, 
und bei den Mischungen mit mehr denn 25 Proc. Schweinefett berechnen sich 
die Zusätze immer anf ein weit geringeres Quantum, bei 33,3 Proc. Fett nur 
22,6—23 Proc, bei 50 Proc. Fett nur 40 Proc. 

Kuhbntter mit 86,80 Proc. nicht flüchtiger Fettsäuren gemischt mit 

10 Proc. Talg ergab nicht flüchtige Fettsäuren 87,88 Proc. 
"^ T) n n n n n 88,44 „ 

35?^ n ff n n n n 89,92 ,, 

Auch hier gab die HEHNKB'sche Methode eme Beimischung bis zu 23 Proc. 
Talg nicht ^m, nnd lässt man die 89 Proc. als höchste Menge in der Butter 
gelten, so wUre noch der Znsatz von 33,3 Proc. Talg nicht zu erkennen. 

W. Fleischmank nnd P. Yieth fanden 85,79 Proc. als Minimalgehalt und 
89,73 Proe. als Maximalgehalt jener Fettsäuren in der Euhbutter. 

Diese Angaben dienen als Antwort auf eine in öffentlichen Blättern zu fin- 
dende Klage Hbhkeb's gegen Hageb, welcher in No. 4, 1878 der pharm. 
CentraOi. die laut schreienden Verherrlichungen der HEHNEB'schen Methode durch 
dnige Neulinge in der praktischen Chemie als Aeusserungen der Einfalt hingestellt 
hatte. Diesen Umstand hatte Hehneb natürlich sehr übel aufgenommen und 
ihm ganz etwas anderes unterbreitet, als der wahre Zweck des HAOEB^schen Ur- 
theiles war. Die ÜEHNEB^sche Methode ist sicher eine solche, welche sich selbst 
empfiehlt, aber noch ist sie nicht die alleinig beste und sicherste. Bei Butter* 
antersnehnngen müssten mindestens drei Proben verschiedener Art 
zur Ausführung kommen^ wenn Irrthum ausgeschlossen bleiben soll. 

£. Beichebt's Prüfungsmethode, modifidrte HEHNEB'sche Methode (Ztschr. 
für anal. Ch. 1879) besteht in der Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren der 
Butter, welche Fettsäuren durch Destillation gesondert und acidimetrisch be- 
fltinunt werden. 

Eine gewisse Menge des Butterfettes wird verseift, dann in einer bestimmten 
ttenge Wasser gelöst, mit Schwefelsäure zerlegt, nun der Destillation unter- 
worfen bis zur Erlangung einer bestimmten Menge Destillat und dieses mit 
liormalnatron titrirt. 

2,5 g wasserfreies reines Fett werden in einem 150 CC. fassenden Kolben 
mit 1,0 g Kalihydrat und 20 CC. 80 proc. Weingeist unter Erwärmen im Wasser- 



168 Butyrum. Prüfung der Butter. 

bade und unter Agitiren verseift, bis ein Anfechänmen etc. nicht mehr statt- 
findet. Dann werden 60 CC. Wasser und nach der Lösung 20 CC. verdünnte 
Schwefelsäure (1 CC. conc. Schwefelsäure auf 10 CC. Wasser) dazu gegeben. 
Nun soll man den Inhalt des Eölbchens mit Vorsicht der Destillation unterwerfen, 
dass ein Stossen der Flüssigkeit nicht stattfindet, und zwar unter Hindurchleiten 
eines schwachen Luftstromes. Auch soll man, um ein Ueberspritzen von Schwe- 
felsäure zu verhüten, eine Kugelröhre mit weiter Oefihung dem Kolben aufeetzen« 
Nachdem 10 bis 20 CC. übergegangen smd, giesst man das Destillat wieder in 
das Kölbchen zurück und setzt nun die Destillation fort, bis 50 CC. filtrirtes 
Destillat gesammelt sind. Dieses, eine wasserhelle Flüssigkeit bildend, wird mit 
vier Tropfen Lackmustinktur tingirt und mit Yio'^^™^^^'^^^^^ titrirt, bis die 
blaue Farbe des Lackmus bestehen bleibt. 

Aus einer reichen Anzahl Versuchen ergab sich, dass 13 — 14,95 CC. (im 
Durchschnitt 13,97 CC.) Y^o'^^^"^^^^^^^^^ ^^ ^^ Destillat aus reinem Butterfett 
erforderlich sind, und daraus schliesst £. Reichbrt, dass eine Butter, welche 
weniger denn 12,5 CC. der Alkalilösung erfordert, als verfälscht zu erachten sei. 
Es waren femer erforderlich 

bei Cocosnussfett .... 3,70 CC. 



„ Kunstbutter 
„ Schweinefett 
„ Nierenfett . 



0,30 „ 
0,25 „ 
0,25 „ 



„ Rüböl . . 
der i/iQ-Normalalkalilösung. 

Verf. hat auch verschiedene Mischungen des Butterfettes mit anderen Fetten 
derselben Untersuchung unterworfen und gefunden, um den wahrscheinlichen 
Buttergehalt in Procenten zu bestimmen, dass man von der verbrauchten Zahl 
CC. Yio"^^^"^*^**^^"^ 0,30 abziehen und den Rest mit 7,30 multipliciren müsse. 

Wäre der Gehalt der Butter an flüchtigen und nichtflüchtigen Säuren quan- 
titativ constant, oder doch um etwas weniger differirend, so hätte diese Methode 
ihre Vorzüge. Die Differenz um 2 CC. (13 und 15 CC.) ist eine zu erhebliche 
und lässt fremde Fett-Beimischungen bis zu 10 Proc. übersehen. Uebrigens hat 
bereits Hehneb auf Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren eine Methode begrün- 
den wollen, konnte aber nicht zu normativen Resultaten gelangen. 

Die REiCHERT^sche Methode befolgte E. Meissl (Polytechn. Joum. 1879) 
mit einigen beachtenswerthen Abänderungen. 5,0 g des reinen Butterfettes wer- 
den in einem Glaskölbchen von 200 CC. Rauminhalt mit 2,0 g stückigen Aetz- 
kalis (Kali causticum fusum) und 50 CC. eines 70 proc. Weingeists versetzt im 
Wasserbade bis zum Verschwinden der öligen Tröpfchen erhitzt und die klare 
Seifenlösung bis zur vollständigen Verflüchtigung des Weingeists eingedampft. 
Den erhaltenen dicken Seifenleim löst man in 100 Wasser und zersetzt ihn mit 
40 CC. verdünnter Schwefelsäure (1 : 10). Das Kölbchen wird nun mit einigen wie 
Hanfkom grossen Bimssteinstückchen beschickt, durch ein knieförmig gebogenes 
Kugelrohr mit Kühlapparat verbunden und der Inhalt, der ohne zu stossen ruhig 
kocht, der Destillation unterworfen, diese liefert circa 110 CC. Destillat. Diese 
110 CC. des Destillates werden filtrirt und vom Filtrate 100 CC. nach Zusatz 
einer immer gleich geringen Menge Lackmustinktur so lange mit Zehntel-Normal- 
Kalilauge versetzt, bis die blaue Farbe der Flüssigkeit auch nach längerem 
Schütteln sich nicht mehr verändert. Die Anzahl der verbrauchten CC. Kali- 
lauge muss selbstverständlich um Yio vermehrt werden, der Gesammtmenge des 
Destillates entsprechend. Das zu verwendende Aetzkali soll nicht zu sehr mit Ni- 
traten und Chloriden verunreinigt sein, um nicht aus diesen Quellen im Destillate 
freie Säuren zu erhalten. Aus diesem Grunde empfiehlt sich di^ Anstellung 



Butyram. Prüfung der Butter. 169 

emes ControlversucheB oime Hinzuthun eines Fettes, und muss derselbe ein säure- 
freies Destillat ergeben. 

Die Menge der verbrauchten CO. Kalilauge schwankte bei 17 untersuchten 
echten Bntterfetten zwischen 27,0 bis 31,5 und betrug im Mittel 28,76, bei 35 
anderen Bntterfetten zwischen 26,6 bis 31,8, und betrug im Mittel 28,79, während 
als Mittel ans allen 52 Untersuchungen zusammen 28,78 gefunden wurde. Bei 
diesen 52 Untersuchungen wurden 35 Mal zwischen 28,0 bis 30,0 CC. verbraucht. 
Es läast sich nicht die Gesammtmenge der flüchtigen Fettsäuren des Butterfettes 
durch die Destillation mit Wasser gewinnen, wie auch schon Hehneb angegeben 
hat; doch geht bei gleichen Mengen Butterfett und gleichen Mengen Flüssigkeit 
stets dieselbe Menge flüchtiger Säuren in das Destillat über, was Controlanalysen, 
deren Resultate höchstens um 0,4 CG. differirten, bestätigten. Gleichgültig ist 
ea, ob das zu untersuchende echte oder, verfälschte Butterfett im fHschen oder 
stark ranzigen Zustande zur Untersuchung gelangt; denn als 2 Fettproben, eine 
echte nnd eine sogen. Sparbutter (Oleo-Margarin- Kunstbutter), im firischen Zu- 
stande und dann nach 6 Wochen langem Liegen bei Zimmertemperatur, im stark 
ranzigen Zustande zur Untersuchung kamen, wurde im letzteren Falle blos 0,3 
und 0,4 CC. Kalilauge weniger verbraucht, eine Differenz, welche innerhalb der 
Fehlergrenzen liegt. Dieser Versuch zeigt gleichzeitig, dass beim Ranzigwerden 
der Butter nicht flüchtige Fettsäuren gebildet werden. Auch eine starke Er- 
hitzung des Butterfettes beeinträchtigt den Gehalt an Säuren nicht. 

Die Anzahl der verbrauchten CC. Yto"No"^*l"K*l^lö8ung nimmt, wie auch 
Reichkkt fand, proportional dem steigenden Gehalte der Butter an fremden Fetten 
ab, nnd lässt sich demzufolge zur Berechnung des Gehaltes an reinem Butterfette 
die Formel JB = a {n — b) benutzen, wobei B die Procente reines Butterfett, 
n die Zahl der verbrauchten CC. Zehntel -Normallauge, a und b Constanten be- 
deuten« Unter Zugrundelegung der von dem Autor nach der modificirten Methode 
erhaltenen Mittelzahl 28,8 CC. für reines Butterfett und 3 CC. fUr andere Fette 
erhält man aus obiger Formel für 5 = 0, J = 3 und für 5 = 100, a = 
3.875. Durch Substitution der für a und b gefundenen Werthe ergiebt sich die 
Gl^chnng B = 3,875 (n—S), d. h. man findet den Procentgehalt eines Fettes 
an rdnem Butterfette, indem man die um 3 verminderte Anzahl der verbrauchten 
Cnbikcentimeter Zehntel-Normallauge mit 3,875 multiplicirt. 

Was nun die Benrtheilung anbelangt, ob eine Butter oder ein Butterschmalz 
verfilscht sei, so lässt sich nach den mitgetheilten Untersuchungen folgern, dass 
em Bntterfett, dessen Destillat 27 CC. Zehntel Normal-Kalilauge und darüber zur 
Nentrslisation erfordert, unbedingt unverfälscht ist; 27 bis 26 CC. sind zwar 
verdächtig, doch noch nicht zu beanstanden. Was aber unter 26 verbraucht 
wird, deutet auf Verfälschung. Die Resultate aus dieser Prüfungsmethode gehen 
ftlao mit denen aus der HEHKEB'schen Methode ziemlich parallel. 

Werden 89 Proc. der unlöslichen oder nicht flüchtigen Fettsäuren als Nor- 
mativ für reine Butter acceptirt, so sind Fälle möglich, dass Beimischungen von 
Schweinefett bis zu 35 Proc. nicht durch die HEHNEn'sche Methode erkannt 
werden können. Bei Messung der flüchtigen Säuren schemt dieses Quantum bis 
aaf 15 Proc. zurückzugehen und verdient vielleicht nur desshalb die Reicheet- 
ache Methode den Vorzug. 

Butter, Ostprensslsehe soll ein Gemisch sein aus 100 Th. Isländisch-Moos- 
Gallerte, 200 Th. Butter mit Orlean gelb gefärbt. (Jul. Post, Analyt) 

Bntterfarbe aus Paris. Ein Gemenge von 40 Proc. Chromgelb und einem durch 
Oriean gefärbten Fett (FLtJCKiGER und Weil.) 



170 



Bntynnn. — Oaoo. 



Bnttorpnlnr von E. von Giuborh, zur B«fSrdeniiig dei ButtenHUBoheidnng iet 
Nstrimnbicarbon&L (P. Petersen, Analyt.) 

Nota. Eb widerapnoht die Änwendniifr des Natriumblcarboiiata zur Beförderung 
der Butte rausBoheiduD^ ans der Hilch den Bedin^ngen des Zweckes. Hur Kaliius- 
bitartrat ist hierzu geeignet. 

Star Butter FoTrder ist ein Gemisch aus Alaun und Kochsalz ana. 



Cacao. 

Theobroma Cacao hms., Th. Ino^orpum Bebkoülli, Th. pentagonum 
Bebhhabdi, Th. Sabmannianum Bebnhasdi, Bäume des nördlichen Sud- 
Amerikas u. Central-Amerikas, 
liefern Kakaobohnen. 
rot. g Der Oel- oder Fettgehalt 

Her Eakaolx^e ist awar kein 
scharf begrenzter, dennoch 
kann man 50 Pfoc als den 
dnrohechnittlichen annehmen. 
Lauhofeb fimd in Qnayaqnil- 
kakao 46, in Garracae 38, in 
San Blas 45, in Balikakao 
^ o ~ " 6 51Proo. Oel. A.MrrecHBRUCH 

fand in ^er Sorte Trinidad 
48,3, in uner anderen Sorte 

He. t. a KikBObotiD« Ton der FUchs betrübtet. •• Nebel, 52 PrOC., O. WoUltAM iu 

t fleeelbe tos der Seite geaehen, n Nkbal. ( Nebelatreiree, ninfir PanurnaanTtii Fl^ A in 

.LlDg.nd«Hluieh«tt,e\w.e«rgr»"«t.rWür«.lch.n. ^f^ t^araCSSSOIle &^,ö, in 

Tabasca 52,6 , in Domingo 
51,6 Proc 

T«gtt« Cact*, EatUMHCiiebtle, ist dünn, zerbredillch, rothbrann, auf ihrer 
Innenfläche mit einem dünnen farblosen Uäntchen bekleidet, welches unr^elmfteaig 
in die Hasse der Kotyledonen eindringt nnd selbige in unregelmflasige Stücke 
zerklüftet. 100 Th. trockner Kakaosamen liefern dnrciischnitÜich 12 Th. Schalen. 

Die Samenschalen in der Eakaomasse sind b nur geringer Menge keine Ver- 
ftlschong und nur der Oebrsuch za einer Zeit, wo man die Kakaosamen im StosS' 
mJJrser pr&parirte, brachte es mit sich, die Schalen zarückzalassen und nicht mit dem 
Kern za prapariren, denn ^e Umwandlung der Schalen in eine unfühlbare Masse 
hitte üne Verdoppelung von Arbeit und Zeit nittfaig gemacht. Heute, wo man 
die Prftparation mittelst Haschine liewerkstelligt , würde mau die Schalen nicht 
verweribn, denn auch sie enthalten Theobromin und NtLbrbestandtheile und haben 
prftparirt einen Chocoladengeschmack. Es li^ kein Grund vor, die Schale in 
der Masse als Fftischong anznsehen. Eine Parallele haben wir im Oetreidemehl 
mit nnd ohne Theile, welche die Rinde des Getreidekoms darstellen. Auch 
in der Eakaoschale ist der StickstofTgehalt ein etwas gritsserer als in dem Samen. 
Die Frotelnsubstanz in der Schale betragt 12—18 Proc, in den Samen ohne 
Schtüe, den Kakaobohnen 13—16 Proc Der Fettgehalt betrSgt 5 — 9 Proc., 
die Holzfaser 12 — 16 Proc. (in den Bohnen 3 — 4 Proc.), die Asohentheile 6 — 
8 Proc 

Wird die Geanndheitspolizei die Gegenwart von Schalen in der Kakaomasse 
verbieten, so muss der Verordnung Folge geleistet werden, wenn nicht, so kann 
man auch die Gegenwart von Scbslentrümmera in der KakiiomaBse nidit als eine 
VerfiUsdiung oder Veninranigung declariren. 



Cacao. Theobromin. 171 

TkMlnroBili ist oach neueren Erforschungen löslich in 1600 Th. kaltem^ 
150 Th. kochendem Wasser^ 4300 Th. kaltem, 430 Th. kochendem absolutem 
WeingeiBt, 105 Th. heissem Chloroform. 

Durch Phosphormolybdänsäure wird Theobromin gelb und amorph, 
dordi KaliumwiBmuthjodid roth und krystallinisch gefällt Silbernitrat 
zu einer sehr verdünnten Lösung des Theobrominnitrats gesetzt veranlasst nach 
einiger i^it die Ausscheidung süberweisser Erystallnadeln; eines Doppelsalzes. 
Pikrinsäure fällt nicht, Gerbsäure nur unbedeutend. Kaliumcadmiuin- 
jodid, Kaliumqueeksilberjodid geben keine Fällung. Platinchlorid 
lisst nach tiniger Zeit braune Flocken ausscheiden. Wird Theobromin mit ver- 
dünnter Schwefelsäure und Bleihyperoxyd unter Vermeidung eines Ueberschusses 
des letzteren erwärmt, so erfolgt unter Kohlensäureentwickelung Zersetzung. 
Das Ritrat ist farblos, färbt aber die Haut purpurroth und Magnesia indigoblau. 
Die FltLssigkeit mit Aetzkali versetzt entwickelt Ammon. Aetzammonflüssigkeit 
l9flt Theobromin. 

Meu Caeä«. Der Schmelzpunkt des Oeles der verschiedenen Eakaosorten 
varürt zwischen 32 und 33^ (Lakhofeb). Es ist somit der im Handb. ange- 
gebene Schmelzpunkt von 25^ C. nicht der richtige. Obgleich fettig anzufühlen, 
ist das Kakaoöl bei + 10 bis 15^ 0. brüchig. Unter dem Mikroskop lässt 
äeh bei 400 — 500facher Vergrösserung deutlich ein krystallinisches, zart fasriges 
Erystallgefüge erkennen. Aus seiner Lösung in 2 Th. Benzol scheidet es bei 
niederer Temperatur in Krystallen aus. Die Benzollösung auf einem Objectglase 
der freiwilligen Abdunstung überlassen und dann mit Deckglas belegt ergiebt 
sternförmig gruppirte nadeiförmige Prismen, welche aber kaum Y3 so breit, über- 
haupt feiner und zarter als ähnlich hergestellte Krystalle des Talgs erscheinen. 
Dieses Experiment kann bei der Prüfung des Kakaoöls benutzt werden. 

Kakaoöl enthält die Glyceride verschiedener Fettsäuren, unter anderen 
20 Ptoc. Oleinsäure, femer Theobrominsäure und noch eine nicht näher gekannte 
Säure, aber keine Stearinsäure (Kingzett). 

Zur Prüfung des Kakaoöls ist es stets rathsam, auch die Dochtprobe 
fHdb. I, S. 638) anzuwenden, denn Verfälschungen mit Nierentalg junger Rinder 
ist eine nicht seltene. Die Lösung des Kakaoöls in 3 Th. Aether in gut ver- 
korkter Flasche einige Tage stehen zu lassen ist zu empfehlen, denn später er- 
folgende Abscheidungen deuten auf Verfälschungen, während echtes Oel eine 
dauernd klar bleibende Aetherlösung giebt. Eine ähnliche Prüfung ist die Lö- 
sung von 3 Th. Kakaoöl in 2 Th. Benzol und das Beiseitestellen einen Tag hin- 
durch an einen Ort von circa 15^ C. Auch diese Lösung muss klar und frei 
von jeder Trübung oder Ausscheidung bleiben. 



ItUXiiiteker Kakao, lelckt UsiiAer Kakao, nach Holihdischer letkode 
ptifuirter Kakao zählt nidit zu der präparirten Kakaomasse, er ist vielmehr eine 
Art (Siocolade, welche meist in Pulverform in den Handel kommt. Diese Choco- 
lade unterscheidet sich von der gewöhnlichen, dass sie mit warmem oder heissem 
Waaaer gemischt, sofort ein geniessbares schleimiges Getränk giebt. Ein Kochen 
erfordert dieses Präparat also nidit, wie die gewöhnliche Chocolade oder Kakao- 



Die Art der Behandlung der Kakaobohnen, um diese in die leicht lösliche 
Fotmi überzufahren, besteht darin, sie mehrere Stunden in einer Potasohen- oder 
SodalöBong, welche auch mit Magnesiacarbonat versetzt ist, zu maceriren oder 



172 Oacao. Holländischer Kakao. 

aufzuquellen und dann zu trocknen und in ein feines Pulver zu verwandeln. 
Auf 100 Th. Bohnen kommen drca 3 Tb. Carbonat. 

Dieses Verfahren bewirkt gleichsam eme Aufschliessung und Erweichung 
der in Wasser nicht löslichen Bestandtheile. Aehnlich ist der Vorgang, wenn 
unsere Hausfrauen den Bohnen oder Erbsen etwas Soda zusetzen, um sie beim 
Kochen schneller zu erweichen. Nicht nur die Proteünsubstanz , auch das Zeil- 
gewebe wird gelockert und in Wasser leichter zertheilbar gemacht. Diese Be- 
merkung diene denen, welche der Meinung sind, dass ein solches Verfahren auf 
die Kakaobohnen angewendet nicht zulässig sei. Was man keiner Hausfrau ver- 
bieten kann, dürfte man auch wohl dem Fabrikanten nicht untersagen können. 

Dieses Fabrikat ergiebt 7 — 9 Proc. Aschengehalt. Da man bei der Berei- 
tung oft wenig Sorgfalt verwendete, so wurde es zuweilen Kupfer und Blei ent- 
haltend angetroffen und erfolgten polizeiliche Einschreitnngen. Gesundheitsschäd- 
liches enthält diese Waare im Allgemeinen nicht, der Geschmack ist keineswegs 
ein etwa angenehmerer und lässt sich die Nachfrage danach nur aus der dafür 
gemachten öffentlichen Reclame erklären. 

Das Monatsbl. f. öff. Gesundheitspfl. bespricht die Resultate der Analyse 
des Holländischen Kakaos aus 4 Fabriken: In 100 Th. wurden gefunden 

van Honten. Wittekop. Blooker. van Haagen. 

Feuchtigkeit 5,98 3,54 4,70 5,82 

Asche 8,00 6,10 6,00 6,00 

(In der Asche Alkalien .... 4,58 1,74 3,00 2,74) 

Fett 30,81 33,13 30,68 30,53 

In kaltem Wasser lösliche Extractiv- 

stoffe 22,57 15,36 16,51 16,05 

Darin Asche 7,00 3,75 4,23 3,70 

Substanzen, welche in der Menge, wie sie sich in dem Kakaopulver finden, ge- 
sundheitsschädlich wirken können, waren nicht vorhanden. Die Asche aller vier 
Sorten ist besonders alkalireich. Dieser Alkali -Ueberschuss wird zugesetzt, um 
eine bessere Aufechliessung der Substanz der Kakaobohnen zu bewirken. Schon 
das Kakaopulver selbst lässt einen Gehalt an freiem Alkali erkennen, denn 
sämmtliche vier Proben geben mit Wasser angerührt eine deutlich alkalische Re- 
action. Die Wirkung, welche dieses Alkali auf die Kakaobohnen haben soll, 
wird einfach auf die gi'össere Löslichkeit der bei dem Rösten der Kakaobohnen 
entstehenden Röstproducte in alkalischen Flüssigkeiten zurückzuführen sein, ein 
Verhalten, das auch beim Kaffee längst angewandt wird, indem man dem zur 
Bereitung des Kaffee's dienenden Wasser etwas Natriumbicarbonat zusetzt. Probe 
No. 1 mit dem höchsten Alkaligehalt liefert daher auch die grösste Menge von 
in Wasser löslichen Extractivstoffen (nach Abzug der Aschenbestandtheile), und 
ihr wässeriger Auszug war am intensivsten gefärbt. Diese lösende Wirkung der 
Alkalien ist bekannt, dagegen ist eme verseifende Einwirkung auf das Kakaofett 
sicher nicht anzunehmen ; ob aber die geringe Menge des Alkalis für die Gesund- 
heit schädlich ist (ein Theelöffel voll des Pulvers liefert eine Tasse Getränk und 
enthält etwa 0,1g Alkali), ob namentlich der sich täglich wiederholende Genuss 
einer solchen geringen Menge von nachtheiligen Folgen für die Gesundheit sein 
kann, das ist eine Frage, deren Beantwortung sich nach der Individualität des 
Geniessenden richtet und zur Competenz des Arztes gehört. Bei der mikro- 
skopischen Untersuchung Hessen sämmtliche Proben sehr geringe, desshalb zu 
vernachlässigende und offenbar nur zufällig beigemengte Spuren von Kakaoschalen 
erkennen; die Probe No. 2 zeigte ausserdem ein firemdes Stäi-kemehl beigemengt, 
das sich als Maisstärke erwies. Die drei anderen Proben Hessen fremdes Stärke- 
mehl oder andere Substanzen nicht erkennen. 



Cacao. Prüfung u. Untersuchung. 173 

Diesen AenBsernngen wäre hinzuzufügen; dass die Gegenwart von mehr als 
Spuren Eakaoschalen dem Präparate keinen Nachtheil bringen kann und dass, 
da die Schalen dieselben Bestandtheile wie die Bohnen enthalten, ebenso gut Be- 
rechtigung haben, in der Chocoladenmasse vertreten zu sein. Zweitens kann die 
geringe Menge Alkali in diesen Präparaten nie nachtheilig auf die Verdauung 
oder die Gesundheit einwirken, denn man nimmt vom Natrinmbicarbonat (als Bul- 
rieh- und Vichy-Salz) 10 — 20 mal grössere Portionen, Jahr ein, Jahr aus, ohne 
davon merkUch schädliche Wirkungen zu beobachten. 

Yan Houten'b reiner Kakao, zu welchem der verstorbene Professor 
Dr. SojfNBNSCHEiN (Berlin) folgendes Attest nach Besprechung der Bestand- 
theile gab, kann nur als ein chocoladenartiges Präparat aufgefasst werden. 

„Hiemach kann ich mein Gutachten nur dahin abgeben, 

dass der von C. J. van Houten & ZooN in Weesp dargestellte «van Hoüten's 
reiner Kakao. Ein lösliches Pulver.^ ein ans reinen Kakaobohnen dargestelltes 
niiTerfälschteis PrSparat ist, welekes dnrckans keine gesnndheits- 
sekSdlicken Stoffe entkäli 

Berlin, den 21. Januar 1878. 

Dr. Fr. L. Sonnenschein, 

^ f^^ Professor an der königlichen Universität und vereidigter 

{MI* ö.j Sachverständiger bei den königlichen Gerichten." 

Nun war oder ist dieser Kakao kein reiner Kakao, sondern nach Hollän- 
discher Manier behandelter. Er hatte also aufgehört reiner Kakao zu sein. 
Solehe Mystificationen sollten polizeilich untersagt werden, und Chemiker von Ruf 
sollten sich hüten, Mystificationen dieser Art durch Zeugnisse zu unterstützen. 
Aber auch hier haben wir ein Beispiel, dass der als Gerichtschemiker hochge- 
schätzte SoNi^^EXSCHEiN den Unterschied von Kakao und Chocolade nicht kannte, 
denn dann hätte er nur dem van HouTEM'schen Chocoladenpräparat ein Attest 
ansgestellt. 

PrOfung und Untersuchung der Kakaomasse und Chocoladenpräpa- 
rat e. Die Verfälschungen und Verunreinigungen hierzu bilden eine lange Reihe, 
doch dürften viele der genannten Körper überhaupt noch nicht in Anwendung 
gekommen sein. Verfälschungen der Kakaomasse sind: ungeröstetes und ge- 
röetetes Getreidemehl, Thon, Bolus, Holzsägemehl (Mahagoniholz), ausgepresste 
gflsse Mandeln, ausgepresste Walhiusskeme, Kartoffelmehl, geröstetes Brot, Hülsen- 
fitlehte, Eicheln etc. Auch durch heisse Pressung vom Fette befreite und dann 
mit Rindemierentalg versetzte Kakaomasse ist im Handel angetroffen worden. 

Für die Chocolade können nur die Stoffe als Verfälschung gelten, welche 
nicht zu den ISahrungsmitteln und den Gewürzen gehören, und welche dazu 
dienen das Gewicht zu vermehren, ohne auf den Geschmack verbessernd einzu- 
wirken, wie Thon, Bolus, Holzmehl, Pressrückstände der Mandeln, Nüsse. Auf 
die Gesandheit nachtheilig einwirkende Stoffe sind selbstverständlich als Verfälsch- 
ungen zu betrachten. 

Kakaomasse darf nur aus den Stoffen und Gewebetrümmem bestehen, 
ans welchen sich der Kakaosamen constituirt. Dazu gehören auch die Samen- 
schalen, welche jedoch von vielen Fabrikanten, behufb Erzeugung einer Waare 
beater Qualität, beseitigt werden und daher meist nicht in der Kakaomasse ver- 
treten sind. Zunächst entscheidet das Mikroskop und ist es zweckmässig gleich- 
xelüg die mikroskopischen Bilder einer Kakaomasse von reiner Qualität mit denen 
der zn untersuchenden zu vergleichen. Die mikroskopischen Präparate sind mit 
verdOnntem Glycerin anzufertigen und eines derselben mit etwas stark verdünnter 



174 Cacw). Prüfung o. nnterBachnng. 

JodtQBimg zn vereetzen, um die Form der SUrkemehlkdrochen zu erkennen. 
Letztere sind nngemein kl^, meist rund oder oval, nur aeltoi nierenfBimig 
oder drdeckig. 

Die Oewebeelemente der Cacaobohne und der Schalen Bind eigenthflmlicha, 
daher lassen sich fremde Substanzen leicht erkennen. Zniiächst aind zu be- 
merken die verlängerten, cylindriBchen , keulenfönnigen oder BpindelfÖrmig;en , an 
dem mnen Ende zuweilen getheilte, durch Querscheidewände , auch wohl durch 
Lftngsacbeidewände geechiclitete Schläuche, die sogenannten ÜirecHERLiCH'echen 
Eörperchen, femer die braunen vieleckigen Zellen der Eeimlappen, welche die minu- 
ti&Ben Stfirkemehlkörperchen einschliessen, nnd endlich die mit einem rothbrauneu 
Farbstoff gefüllten Zellen. Mitunter, jedoch nur höchst .selten, sieht man audi 
kleine prismatische Erystalle, vielleicht TheobromJnkryatalle, zwischen den Trüm- 
mern des Zellgewebes. 



Hg. T. ■• BcUlDnh» d«! FIf. 9. > SUrksaaU 

inDar» SuoBiiliut oder mnesd«. / Fkrbitiill 

Mitacliailiih^ch« K«t- nhrendeZellsn der Kein 

(«chBn, * TkaoliKiiniii- Uppen (lMf»cli« Vergt.l 



■cberlichlKhs Karii<T(heB. 

Der Farbstoff wird durcb verdünnte Schwefelsaure mit blutrother, durch 
Essigsaure mit violetter Farbe gelöst. Stark verdflnnte FerrichloridflüsBlgkeit 
tii^irt blan, jedodi nicht bei atlen Eakaosorten. 

Bestimmung der Asche. Diese betragt durchscbnittlich 3 Proc., niemals 
Ober 5 Proc Sie besteht ans circa 50 Proc. Kali und Natron, 2 Proc. Ealk- 
erde, 30 — 40 Proc Phosphorsäure, Spuren Magnesia, Chlor, Eieselaäure, 3 — 
5 Proc. Schwefelsäure. Sie ist in verdünnter EsBigsäure fast ganz löslich. 

Bestimmung des Fettes. Man zerreibt in einem Mörser mit Ausgnaa 10 g 
der Masse mit Benzol oder Äether nnd filtriit durch Papier im bedeckten Trichter, 
oder man sammelt das Fett, welches beim Kochen der Masse mit Wasser ^cb 
abscheidet, von der erkalteten Flüssigkcitsacbicht, trocknet es, löst es in Benzol, 
filtrirt nnd dampft das Lösungsmittel ab. 3 Th. des Fettes sowohl in 9 Th. 
Aeäiei, als auch in 2 Th. Benzol gelöst, ergeben klare Lösungen, welche auch 
nach eintägigem Stehen an einem kalten Orte weder wolkige Trübungen noch 
überhaupt Ausscheidungen ergeben, wenn ein reines Kakaoöl vorliegt. Der Fett- 
gdialt der Kakaosamen betragt 47—52 Proc. Als Durchschnittsgehalt können, 
wie schon oben angegeben ist, 50 Proc angenommen werden. 

Bestimmung des ExtniCtgehaltes. Liegt Eakaomasse ohne BeimischuRg vor, 
80 wird die Masse (s. B. 10 g) fein gepulvert, mit der 10 fachen Menge kaltem 



Cacao. Prüfang a. Untersuchnng. 175 

Wasser wiederholt kräftig durchschüttelt und dann nach eintägigem Beiseitestellen 
der flltrsdon unterworfen. Oder es wird der nach der Extraction mittelst Ben- 
zols oder Aethers verbleibende Kakaortlckstand getrocknet zerrieben und mit 
kaltem Wasser behandelt. Das Filtrat ergiebt eingetrocknet zerrieben und bis 
auf 110^ C. erhitzt 12 — 14 Proc. einer rothbrannen Masse von schwach salzig 
bittertichen Geschmack , welche in Wasser gelöst und mit Schwefelsäure ange- 
säuert mit Pikrinsäurelösung keine^ mit Phosphorwolframsäure eine grünlichgelbe 
und mit Kaliumwismuthjodidlösung eine röthliche Trübung und Fällung giebt. 

Bestimmung des Stärkemehls« Die im Filtrum bei Behandlung mit kaltem 
Wasser verbleibende Masse aus 10 g Kakaomasse wird mit 100 CC. Wasser und 
2,0 g Salzsäure von 1,124 spec. Gew. Übergossen und einen Tag im Wasser- 
oder Dampfbade erhitzt , dann erkalten gelassen, das abgeschiedene Fett be- 
seitigt und dann filtrirt, das Filtrum gut nachgewaschen und das Filtrat ein- 
g^Tocknet. Während des Eindampfens, besonders gegen das Ende der Operation 
setzt man öfter einige CG. Weingeist hinzu^ um die Abdampfung noch vorhandener 
Salzsäure zu fördern. Das im Wasserbade eingetrocknete und zuletzt bis auf 
110^ C. erhitzte Extract beträgt gewöhnlich ebensoviel wie das kalte wässrige 
Extracty also 12 — 14 Proc., entsprechend einem Stärkegehalt von 11 — 13 Proc. 
Wenn man die Extraction auf kaltem Wege unterlässt und alsbald die Eochung 
der 10 g Eakaomasse mit dem salzsäurehaltigen Wasser unternimmt, so ist das 
Besoltat dasselbe. Eine Kakaomasse ergab zuerst 13 Proc. kalt bereitetes Ex- 
tract, dann 13 Proc salzsaures heiss bereitetes Extract, und ohne vorherige kalte 
Extraetion 26 Proc. salzsaures heiss bereitetes Extract. Die Menge des Salz- 
säuren heiss bereiteten Extracts (nach vorhergegangener kalter Extraction) mit 
0,9 multiplicirt ergiebt die Menge des in Glykose übergeführten Stärkemehls. Da 
die Kakaobohnen in Glykose überzuführende Stoffe höchstens 14 Proc. enthalten, 
80 würde eine darüber hinausgehende Menge auf eine Vermischung mit stärke- 
mehlhaltigen Stoffen hinweisen. Eine über 15 Proc. hinausgehende Menge con- 
statirt mit aller Sicherheit eine YerfUlschung. Man hat nämlich auch schon 
15 Proe. solcher der Glykosificirung fähiger Stoffe in den Kakaobohnen nach- 
gewiesen, meist betragen sie aber nur 13 Proc. und der Stärkegehalt 10 — 
11 Proc 

Wenn man das Pulver der Kakaomasse mit kaltem Wasser schüttelt und 
einige Tropfen davon auf Fliesspapier giesst, dann die Rückseite des Papiers mit 
Jodwasser betropft, so erfolgt die Stärkereaction oder sie erfolg); nicht. Dieses 
MissTerhältniss hängt von der Wärme ab, welcher die Kakaobohnen beim Brennen 
und dem Präpariren ausgesetzt waren. Diese Reaction auf Stärkemehl ist hier 
jdso ohne Werth. 

Bestimmung des Theobromins. Sollte der Geschmack der Kakaomasse 
Zweifel aufkommen lassen, ob in der That Kakao vorliegt oder eine andere Sub- 
stanz, dann wäre die quantitative Bestimmung des Theobromins nothwendig. Für 
gewöhnlich genügt es die Gegenwart des Theobromins zu constatiren. Man über- 
giesst circa 3 g der gepulverten Masse mit 12 CO. Wasser und 6 Tropfen ver- 
dünnter Schwefelsäure, schüttelt kräftig um, erwärmt auf30— 40<>C. und filtrirt. 
Das Filtrat theilt man in 2 Theile, den einen mit 5 Tropfen verdünnter Schwefel- 
säare und 20 Tropfen Natriumphosphorwolframatlösung, den anderen Theil mit 
20 Tropfen Kaliumcadmiumjodidlösung versetzend und beiseite stellend. Nach einer 
Stunde findet man in jeder Mischung einen Bodensatz, in ersterer einen grünlich- 
gelben, in der anderen einen gelbrothen. Noch besser gelingt die Reaction, wenn 
man das auf kaltem Wege bereitete wässrige Extract in der 10 fachen Menge 
kaltem Wasser, dem man einige Tropfen verdünnter Schwefelsäure zugesetzt hat^ 
VMj filtrirt etc. 



176 Cacao. Cliocolnde. 

Die qualitative Bestimmung des Theobromins geschieht nach Dbagendorff 
dadurch, dass man die mit Petroläther ausgewaschene Masse trocknet, mit kochend 
heissem Wasser, welches mit Schwefelsäure angesäuert ist, durchmischt, dann 
nach dem Abkühlen auf 70 — ßO^ C. mit Amylalkohol ausschüttelt. Den Amyl- 
alkohol decanthirt man in eine Porzellanschale, dampft ab, bringt die Schale in 
ein Oelbad von 110® 0., setzt Chlorwasser zu, dampft schnell ab und befeuchtet 
den Bückstand mit Ammon. Es erfolgt eine purpurrothe Färbung (Murexid- 
reaction). 

Zur quantitativen Bestimmung hat G. Wolfram folgendes Verfahren 
angegeben (polyt. Joum. 1878). Kakaomasse oder Chocolade wird fein zerrieben 
oder die Kakaobohnen werden im heissen Mörser zu einem dickflüssigen Brei 
zerrieben. 10 g dieser Masse oder der Kakaomasse oder 30 g der Chocolade^ 
werden mit kochendem Wasser behandelt, mit ammoniakalischem Bleiessig oder 
Bleizucker bis zum geringen Ueberschusse versetzt, heiss filtrirt und mit heissem 
Wasser so lange ausgewaschen, bis das angesäuerte erkaltete Filtrat mit Natrium- 
phosphorwolframat keinen Niederschlag mehr ergiebt. Zum Auswaschen bedarf 
man ungefähr 700 bis 800 CC. Wasser. Das Filtrat, welches bei Ueberschuss 
an ammoniakalischem Bleiacetat wasserhell erscheint, wird mit Natronlauge ver- 
setzt und bis auf etwa 50 CC. Flüssigkeit eingedampft, mit Schwefelsäure stark 
angesäuert und das schwefelsaure Blei mittelst Filters abgesondert. Das Filtrat 
wird nun mit einem grossen Ueberschusse phosphorwolframsaurem Natron gefällt 
und die Abscheidung des gelbweissen Niederschlages durch gelindes Erwärmen 
und Umrühren beschleunigt. Nach einigen Stunden wird die erkaltete Flüssigkeit 
in ein Filter gebracht und der Filterinhalt mit Hülfe von 6-procentiger Schwefel- 
säure ausgewaschen. Darauf wird das Filter mit dem Niederschlage in einem 
Becherglase mit Aetzbarytlösung bis zur stark alkalischen Reaction versetzt, die 
Zersetzung durch Wärme unterstützt, das überschüssige Barythydrat durch Schwe- 
felsäure neutralisirt und ein etwaiger Ueberschuss derselben durch Baryumcarbonat 
beseitigt. Die Flüssigkeit, welche das Theobromin gelöst enthält, wird kochend 
heiss filtrirt und der Niederschlag mit heissem Wasser ausgewaschen. Das Filtrat 
wird in einer Platinschale eingedampft, getrocknet und gewogen. Da neben 
Theobromin stets noch eine geringe Menge Barytsalz, hauptsächlich als Bicar- 
bonat, in Lösung bleibt, so wird das Alkaloid durch Glühen veijagt, der Rück- 
stand mit kohlensaurem Ammoniak befeuchtet, eingedampft, erhitzt, zurückge- 
wogen und die Differenz der beiden Wägungen als Theobromin in Rechnung 
gebracht. 

Der Theobromingehalt der Kakaobohnen ist durchschnittlich zu 1,5 Proc. 
anzunehmen. 

Aus den Samenschalen schied Treuhank 0,3 Proc. Theobromin ab und 
zwar durch Auskochen, Fällen der Abkochung mittelst Bleisubacetat, Beseitigung 
überschüssigen Bleies mittelst Schwefelsäure und Einengen des Filtrats, Neutrali- 
sation mit Magnesiumsubcarbonat, weitere Einengung, Versetzen mit gebrannter 
Magnesia im Ueberschuss und völliges Eintrocknen. Der trockne Rückstand wird 
mit 80 proc. Weingeist ausgekocht, der Weingeist-Auszug abgedampft und der 
Rückstand mit Thierkohle gemischt mit kochendem Wasser extrahirt etc. (Zu 
4,5 Kilog. Kakaoschalen wurden ein Bleiessig gebraucht aus 940 g Bleiacetat 
und 300 g Bleioxyd. Theobrominausbeute 13,5 g.) 



Chocolade des Handels. Die Gutachten, welche mit der Untersuchung der 
Chocolade beauftragte Chemiker abgaben, waren vor einigen Jahren so sonderbar 
und häufig so wenig den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend, dass sich 
Hager wiederholt zu Kritiken dieser Gutachten gezwungen sah. Um nun den 



Gacao. 177 

joDgen Pharmacenten und Chemikern eine Anleitung für die Beurtheilnng zu 
geben, was bei Untersuchnng der Nahmngs- nnd Genussmittel als Verfälschung 
angesehen werden kann und muss, und was nicht als Verfälschung aufzufassen 
ist, veröffentlicht Hager (pharm. Centralh. 1878, No. 16) eine Eintheilung oder 
Grnppirung der Nahrungs- und Genussmittel, welche bisher von keiner 
Seite einen Einspruch erfahren hat. Die Grnppirung ist folgende: 

I. Gruppe: a) Rohmaterialien, b) daraus dargestellte Fabrikate, welche 
keinen dem Rohmaterial nicht angehörigen Zusatz (Zusätze behuüs der Conser- 
virang ausgenommen) enthalten und c) einfsu^he Fabrikate. 

Es gehören z. B. zu a) Weizensamen, Kakao, Kaffee, Gewtlrze, Milch, — 
zn b) Weizenmehl, Weizenkleie, Kakaomasse, gebrannter Kaffee, — zu c) Stärkop 
Batter, Wein, Essig, Oliven-Oel, Fleisehextract, einfaches Brot. 

n. Gruppe: Zusammengesetzte Nahrungs- und Genussmittel oder Fabri- 
bite, welche zu ihrer Fertigstellung eine Mischung aus verschiedenen Nahrungs- 
^d Genussmitteln oder eine Beimischung von Substanzen erfordern, welche den 
Geschmack oder die Farbe verbessern oder durch welche sie erst geniessbar oder 
^ den Gebrauch geeignet gemacht werden. 

Es gehören hierher z. B. verschiedenes Backwerk, Chocolade, Mostrich, oon- 
denairte Milch, Bier, Wurst. 

in. Gruppe: Surrogate ftlr die den Gruppen I. und 11. angehörigen Nah- 
nmgs- und Genussmittel. Hierher gehören z. B. Chocoladenmehl, inländischer 
Sago^ Saffransurrogat, Kaffeesurrogate. 

Die Frage, wo eine Verfälschung bei den Stoffen der I. Gruppe anfängt 
ond aufhört, beantwortet sich selbst. Bei der ü. Gruppe kommt sie gar nicht 
m Betracht, denn hier ist allein der Geschmack der einzige wahre Richter, natür- 
lich abgesehen von etwa zugemischten Substanzen, welche auf den normalen Ge- 
sundheitszustand des Menschen einen nachtheiligen oder unliebsamen Einfluss aus- 
üben. Bestehen die Zu- und Beimischungen aus Nährstoffen, Gewürzen, wir- 
^galosen Farbstoffen nnd in jeder Hinsicht unschädlichen Substanzen in ver- 
hütnissmässig geringer Menge, so kann von einer Verfälschung nie die Rede sein. 
Kakao ist bekanntlich der Käme für die Samen aus der Frucht des Kakao- 
binmes. An und für sich können diese Samen nicht genossen, sie mtlssen zuvor 
einer gelindea Röstung unterworfen werden, welche sie ihrer Härte beraubt und 
<üe Beseitigung der Samenschale erleichtert. Doch auch die gerösteten Samen 
snd nicht geeignet, wie Bohnen oder Erbsen durch Kochen weich gemacht zu 
werden. Daher werden sie präparirt, d. h. durch Zerstossen und Zerreiben in 
eine zarte, in heissem Wasser leicht zertheilbare Masse verwandelt. Die Masse 
kommt unter dem Namen Kakaomasse oder präparirter Kakao für sich oder mit 
i^eiehviel Zucker vermischt in den Handel. Wäre dieser Masse Mehl, Stärke- 
mehl, Eicheln etc. beigemischt, ohne dass der Fabrikant diese Beimischung spe- 
oell angiebt; so ist sie auch eine verfälschte Waare. Kakaomasse gehöft der 
Grappe L an. 

Obgleich hier eine reine Waare vorliegt, wird sie dennoch vom Publikum 
fut unbeachtet gelassen. Dieses giebt der angenehmer schmeckenden, ein brauch- 
bares Getränk liefernden Chocolade alle Zeit den Vorzug und aus vielen berech- 
tigten Gründen. Chocolade gehört zur Gruppe H. und ist ein zusammengesetztes 
Genossmittel, d. h. die Kakaomasse ist durch Zusätze von Gewürzen, Mehl, 
Stärkemehl, Zucker etc. zum directen Verbrauch in der Küche geschickt gemacht, 
ZQ einer Masse geformt, welche angenehm schmeckt und mit kochendheisser Milch 
oder kochendem Wasser ein gleichförmiges, dauernd dicklich flüssiges Getränk 
giebt. Daas die Mischung ein solches Getränk erreichen lasse, ist des Fabri- 
^nten Sache, im anderen Falle würde das Publikum das Fabrikat nicht beachten. 

Hager, Pharm. Prudi. Suppl 12 



178 Cacao. Chocolade. 

Fehlt Stärkemehl in der Mischnng; so erreicht man auch ein ähnliches Qetränk, 
welches aber in kurzer Zeit, in 15—20 Minuten der Buhe die Eakaosubstanz 
absetzt, und eine dttnne, nicht angenehm schmeckende Flüssigkeit sammelt sicli 
Aber dem Bodensatz. Das muss aber verhütet werden und ein Mehl- oder 
Stärkemehlzusatz macht das Getränk so schleimig, dass sich kein Bodensatz 
bildet Somit ist ein Zusatz einer stärkemehlhaltigen Substanz zum Kakao noth- 
wendig und keine Verfälschung. Denn dann könnte man auch die Gewürze oder 
den Zucker als Verfälschungen ansehen. Die Frauen, welche die feineren Choeo- 
ladensorten zu kaufen pflegen, setzen derselben stets etwas Stärkemehl hinzu, 
um die dauernde Schleimigkeit des Chocoladengetränkes zu erreichen. Bei einem 
zusammengesetzten Nahrungsmittel können nur ungehörige, der Gesundheit nach- 
theilige und nicht als Nährsubstanz verbrauchbare Beimischungen Beanstandung 
finden. 

Dies gilt auch vom Ghocoladensuppenmehl, einer Pulvermischung aus 
10 Proc. Kakao, 70 Froc Zucker, 10 Proc. Mehl und 1 Proc. Armenischem 
Bolus. Dieses ist eine Mischung zum Zwecke der Darstellung einer Suppe mit 
Chocoladengeschmack, indem die Hausfrau zu kochendem Wasser einige Löffel 
des Mehles setzt. Hier hat man den Mehlzusatz und den Armenischen Bolus 
beanstandet, obgleich letzterer das unschuldigste Farbmaterial ist, welches existirt 
und in alter Zeit als solches viel gebraucht wurde. Diesem Bolus kommt nach 
keiner Sdte hin auch nur eine Spur einer Wirkung auf den Organismus zu, 
selbst in grösseren Mengen genossen zeigt er keine nachtheilige Wirkung. 

Bei Prüfting der Chocolade kommen in Erwägung 1) der Geschmack, 2) der 
Gehalt an reiner unverfälschter Kakaomasse, 3) die Abwesenhdt gesundheits- 
schädlicher Mineral- und Pflanzenstoffe, welche nicht als Nahrungs- und Genuss- 
mittel dienen, z. B. Holzfaser, präparirte Cellulose, Thonerde, Schwerspath, Kalk- 
carbonat etc. 

Eine Portion der Chocolade wird eingeäschert und die Asche auf ihre Be- 
standtheile untersucht. Ein Gehalt von 1 — 2 Proc. Natriumcarbonat in der 
Chocolade ist gegenstandslos. Es soll ein solches Präparat ein besseres Getränk 
liefern. 

Eine andere Portion wird getrocknet mit einem Fünffcelthml Kalisalpeter 
und Natriumcarbonat gemischt und eingeäschert. Diese Asche wird auf Arsenik 
untersucht 

Kupfer ist zuweilen in der Asche angetroffen worden, wahrscheinlich in 
Folge Darstellung der Chocolade in kupfernen Gefässen. Dann kann es nur in 
Spuren vertreten sein und ist desshalb ohne allen Nachtheil auf die Gesundheit. 
5 Ctg. Kupfer pro Kilo der Chocolade sollte als unschädlich zuzulassen sein. 
Auch Zinn wurde von Hager, jedoch auch nur in Spuren, in einer Chocolade 
angetroffen. Behu& Erkennung solcher Metalle übergiesst man 0,25 g der Asche 
mit 10 CC. Weisser und 10 Tropfen Salzsäure, schüttelt einige Male um, und 
stellt dann euien blanken Zinkstab hinein. Nach 1 — 2 Stunden hat sich der 
Zinkstab mit einer Schicht des firemden Metalls bedeckt. Man reinigt den Stab 
durch Eintauchen in Wasser, lässt ihn trocken werden und schabt dann den 
üeberzug ab, behufe Prüfung auf Kupfer oder Zinn. Auf Zink ist die Asche 
besonders zu untersuchen. 

Gyps, Thon, Calciumcarbonat, Bolus können nur dann beanstandet werden, 
wenn ihre Mengen eine Beschwerung des Gewichtes erkennen lassen und sollte 
die zulässige Grenze zu 1,5 Proc. angenommen werden. Dass diese Stoffe auch 
bis zu dieser Menge die Qualität der Chocolade herunterdrücken, kann nicht 
bestritten werden. Schwerspath, dieses schon oft als Vermischung des Stärke- 



Gacao. — Gadmiom. 179 

mehlfl angetroffene Mineral , obgleich es in kleinen Mengen ohne allen Nachiheil 
aof die Geanndlieit ist^ sollte immer beanstandet werden. 

Eine Menge von 30—50 g der gepulverten Choeolade wird mit Benzol oder 
Aether extrabirt, der Auszug in einem tarirten Glaskolben der Destillation resp. 
Verdampfung unterworfen. Die Fettqnantität ninunt man als die Hälfte des 
Gewichts der vertretenen Eakaomasse an. Das Fett wird auf sidne Identit&t 
untersacht. 

Die vom Fett befreite Masse wird nun getrocknet und mH kaltem Wasser 
extrahbrt Der unlösliche Rückstand enthält Kakao ^ Gewürzpulver und etwaige 
andere nnlösliche Stoffe, auf welche aufinerksam zu machen das Mikroskop nicht 
ermangeln wird. Das Gewicht des getrockneten unlöslichen Theiles der Choeo- 
lade + der mit 1,25 multiplicirten Fettquautität ergiebt nach Abzug der aus 
der Fettquantität berechneten Eakaomenge annähernd das Gewicht der in der 
Choeolade vertretenen, in Wasser unlöslichen Zusätze, welche nicht Kakao sind. 

Behufs Bestimmung des Stärkemehls des im Wasser unlöslichen Theiles ge- 
schieht in der Weise, wie oben für Untersuchung der Eakaomasse angegeben 
ist, durch Kochung mit sahsaurem Wasser etc. Einen Zweck hat die Bestimmung 
des Stärkemehls nur dann, wenn man überhaupt über die Zusammensetzung einer 
Choeolade dn ürtheil gewinnen will oder der Auftrag zur Bestimmung des Stärke- 
mehls vorliegt Da mch der Eakaogehalt in der Choeolade ziemlich annähernd 
bestimmm lässt, so kennt man auch die Menge Stärkemehl, welche der Eakao- 
masse angehört ffie kann zu 12 Proc. angenommen werden. Es ist dann aber 
such das Stärkemehl in dem in Wasser löslichen Theile der Choeolade zu be- 
BtisuDen. 20 g Choeolade werden mit circa 200 CC. kaltem Wasser extrahirt, 
der filtrirte Auszug bis zur dünnen Syrupconsistenz eingedampft, der Bückstand 
mit dnem 20£BMshen Vol. 90 proc. Weingeist gemischt und ein bis zwei Tage 
mm Abaetzenlassen bei Seite gestellt Der Bodensatz mit Weingeist ausgewaschen 
und getrocknet, ist als der llidl der zugesetzten Stärke zu betrachten, welcher 
in Folge der f^ärmnng und Fabrikation der Choeolade in die lösliche Stärke- 
mehlfonn übergeführt wurde. 

GesnndlieitBehoeoladey Amerlkanlsehe) ein Gemisch aus geröstetem Getreide- 
laeiiL, Bindertalg, Kakao. Zucker und geringen Mengen Gewürz. Die hierzu verwandte 
Kakaomasse scheint entfettete zu sein. (HIobr, Analyt) 

Hardidadiky Asiatische Choeolade, besteht aas 42 Th. Kakao, 180 Th. 
Zaeker, 112 Th. Stärkemehl, 64 Th. Beismehl und 3 Th. Vanille. (Chbvallibr, 
Analyt) 

H«n#eopatbische Choeolade des p. Ebeplin ist Choeolade mit 20 Proc. ge- 
rSstetem Weizenmehl, 85 Proc. Kakao und 46 Proc. Zucker. (Hager, Analyt) 

SJMemlliniiigspiilTeT des Apoth. Dr. Lehkakn (Berlin) besteht aus Fleisch- 
extraet, Kakao, Salep, Conchae praep. und Saccharum(500g2Mk.). (Hageb, Analyt.) 

Theobromade oder Theobromine^ DuvAii's ist das trockne pulvrige Extract aus 
den Kakaoschalen« (Chevallieb, Analyt) 



Cadminm. 

Dm» fand (Compt rendu 1878)^ dass Schwefelcadmium in Schwefelammonium* 
€fiaaigkeit bei gewöhnlicher Temperatur löslich ist und dass diese Löslichkeit mit 
der Temperatur steigt^ dass sie auch eine bedeutend grössere ist als beim Schwe- 
fellnipfer. Behnfis der Trennung von den in Schwefelammonium löslichen Me- 
tallen soll man sich der Sulfide des Natrium oder Kalium bedient; in welchen 

12* 



180 Cadmium. — Caladium. 

das Schwefelcadmium sowie das Schwefelknpfer nicht löslich sind, anch soll man 
das Cadminm bei der Analyse nicht nnr in der Fällnng mittelst Schwefelwasser- 
stofis^ sondern auch in dem Macerat der Schwefelmetalle mit Schwefelammonium 
anfimchen. 

PnrltaS) Haar-Verjüngungsmilch für grane Haare, zur Wiederherstel- 
lung ihrer ursprünglichen Farbe von Otto Franz & Cp. (Wien, Mariahilferstr. 38\ 
Eine Flasche mit 165g Inhalt, bestehend aus 40g Glycerin, 106g Wasser, 3g kry- 
stall. Soda, etwas Natriumhyposulfit enthaltend, 15g Schwefelcadmiom und 1,3g 
SchwefelzinL (Hageb, Analyt.) 



Caladinm« 

Dießenlachia aeguina Schott, Caladium seguinum Ventenat, Arum 
segutnum Linn., Schweig-Rohr, eine in Süd-Amerika, den südlichen Nord- 
Amerikanischen Freistaaten nnd anch in Ostindien einheimische, höchst giftige 
Aroidee, der Gruppe der Anaporeen angehörend. Sie wird hier nnd da in un- 
seren Gärten gezogen. 

f Herba receis Galaiii segniiu, Rkiztma receis Caladii segnini, Sicens recens 
Caladii segniiii. Dieses Schweigrohr gilt als die giftigste Pflanze nnter den 
Giftpflanzen. Der Saft ist an und ftlr sich giftig, aber er enthält oder in ihm 
sind rhaphidische Gebilde suspendirt, welche mit der Haut m Berührung in die 
Poren eindringen und lebensge&hrdende Entzündungen bewirken können. In der 
Kochhitze wird die Giftigkeit der Pflanze nnd ihres Saftes vernichtet. Hager 
sagt pharm. Centralh. 1878,. S. 36 über diese Pflanze: 

Der Saft der frischen Pflanze ist überaus scharf und ätzend, so dass schon 
sehr kleine Mengen desselben in die Verdaunngswege eingeführt, Ehitzündung 
derselben nnd ge&hrliche Intoxication hervorrufen. Auf Leinen macht er un- 
vertilgbare Flecke und könnte er als unauslöschliche Tinte Verwerthang finden, 
wäre er nicht so giftig. Er ist also ein Verwandter der Balsamflüssigkeit in den 
Anacardien. Es wird erzählt, dass das weidende Vieh, welches die Blätter nicht 
frisst, aber in dieselben hineinbeisst , dies mit Anschwellung der Zunge nnd Ent- 
zündung der Schlingorgane büssen mnss. Diese Notiz soU uns Pharmaceuten 
nur zur Vorsicht mahnen, beim Zerquetschen der Blätter und dem Auspressen 
des Saftes mit der grössten Vorsicht vorzugehen. Ein geringes Spreutröpfchen 
auf der Haut bewirkt ein heftiges stechendes und juckendes Brennen, dann Ge- 
schwulst Die eine Person ist gegen diesen Saft empfindlicher als die andere 
und in einem Falle genügte ein auf die Backe geschleuderter Tropfen, obgleich 
er alsbald abgewischt wurde, eine rosenartige Entzündung der betreffenden Ge- 
sichtshälfte, dass für das Leben des Betroffenen wenig Hoffnung blieb. Nach der 
Heilung fand sich ein herpetischer Ausschlag ein. 

Das Rhizom scheint einen verdünntoren Saft zu enthalten und es wurde 
semer Zeit von amerikanischen Aerzten gerade dieser Saft gegen Pruritus pu- 
dendorum empfohlen. Man sollte 15 bis 20 Tropfen des Saftes in einen Tassen- 
kopf Wasser geben und mit dieser Mischung Waschungen machen. 

Nun ist es eine wunderbare Beobachtung, dass die Tinctur die Schärfa des 
frischen Saftes nur noch zn einem Bruchtheil zeigt. Die Ursache dieser Erschei- 
nung ist folgende. In dem Safte sind kleine mikroskopische Erystalle (Rha- 
phiden), vielleicht aus einem Oxalat bestehend, welche in die Poren der Haut 
eindringen und die Entzündung bewirken. Weingeist löst diese ELrystaUe nicht 
und wie es schemt, geht nur ein germger Theil derselben durch das Filter. 
Daher wird es erklärlich, dass eine durch ein dichtes Fliesspapier oder ein 



Oaladium. — Galamas. — Galcaria. 181 

BoppelfiiteT gegossene Tmctnr die Unschuld selber ist. Hier finden "mt auch 
wohl eine ErkULning^ dass ein Dr. Scholz die Tinctor als ein Specificum gegen 
Praiitos empfehlen; Dr. Cabl Maybs aber gar keinen Heilerfolg constatiren 
konnte. Vielleicht auch entsprang Scholz'b Empfiahlnng dem „similia similibus^ 
der Homöopathen, denn der Saft erzengt ja heftiges Jacken. 

Das Schweigrohr erlangt bei uns eine Höhe von 1 — 2 m. An der Spitze 
des Stengels sind die länglichovalen zugespitzten weissgefleckten Bllltter schopf- 
artig gestellt. Die Blttthenscheide ist blassgrttn und kürzer als der Blttthenkolben. 
Der Gemch der Blfithen ist faulig, cadaverös. 

Einsammlung und Aufbewahrung. Dass der Einsammelnde alle Vorsicht an- 
zuwenden hat, er hierbei mit bedeckten H&nden und einer Scheere agiren muss, 
dass beim Zerschneiden mit der Scheere und dem Auspressen des Saftes des 
Krautes, der Blätter und Blüthen ein Bespritzen des Gesichtes oder der Hände 
Borgftltig zu vermeiden ist^ folgt aus dem vorhin Erwähnten. Der Saft wird mit 
3 Proe. Amylalkohol versetzt und in dicht verkorkten Flaschen aufbewahrt. So 
hält sich der Saft unendliche Zeit hindurch.. Zur Verwendung wird er umge- 
eehllttelt. Der Aufbewahrungsort ist der Raum ftlr die directen Gifte. 

Anwendung. In Amerika gebraucht man die Abkochung der Pflanze sn 
Bfidem und Fomentationen gegen Hydrops, Gicht, zu Bähungen bei Obstructionen, 
den mit Wasser verdünnten Saft zu Wasdmngen gegen Pruritus pudendorum. 

Tmcteu Caladii »egiini wird rationell dadurch bereitet, dass man gleiche 
Th^e des frischen Saftes und 90 proc. Weingeistes mischt und durch Leinwand 
coUrty nicht filtrirt. Zum Gebrauch ist jedesmal umzuschüttein. Die in den 
ArzneiBchaiz eingeflährte Tinctur wird in der für die narkotischen Tincturen vor- 
geschriebene Bereitungsweise hergestellt 5 Th. des zerschnittenen frischen 
Krautes werden zerstampft mit 6 Th. 90 proc. Weingeist gemischt, einige Tage 
maeerirty dann unter Auspressen colirt und filtrirt. Durch die Filtration werden 
jeDß Baphidengebilde beseitigt und damit die Wirkung der Tinctar bedeutend 
abgeschwächt. 

Doäa 2 — 8—5 Tropfen mehrmals täglich gegen Pruritus. Maximal-Einzeln- 
äoas 10 Tropfen oder 0,3 g, Maximaldosis auf den Tag 1,5 g. 

ttixtura antipmrltlea Soholz. 

^ Tinctnrae Caladii segnini 0,6 (^1,5) 
Aquae destillatae 150,0 
Syrupi Saochari 80,0. 

D. a Stündlich einen EsslOffel. 



Calamns. 



BarcftahaUam, angeblich ein aus verdünntem Wemgeist bestehendes Destillat 
ans Kalmusrlüzom und Lavendelblüthen, mit Curcuma gelb gefärbt. 

Huiertrinkleii, Johann Trettleb's, Einsiedlers beim Spittelberge bei Glaz, 
ist ein Aquavit mit Bestandtheilen des Ejalmusrhizoms. 



Calcaria. 



Calciumoxyd m deutlichen hexa6drischen Ejrystallen wird durch Glühen 
TOD Caleiumnitrat bis zur vollständigen Zersetzung gewonnen (ähnlich wie Baryum- 



182 



Galcaria. — Galcaria carbonica. 



oxjd und Strontiumoxyd). Diese Ejrystalle werden durch Feuchtigkeit der Lufb 
und Kohlensäure weniger leicht angegriffen (G. Bsüoelmann). 

Als ein ausserordentlich empfindliches Reagens auf Ealkerde ist von Sonstadt 
Natriumwolframat angegeben worden. Da dieses Salz aber auch mit den 
Salzlösungen der anderen Erden Niederschläge giebt, so kann es nicht als ein 
apedelles Reagens au^efasst werden. 

Glycerin befördert die Löslichkeit des Calciumoxyds in Wasser, 1000,0 
Wasser gemischt mit 100,0 Glycerin lösen 3,58 Calciumoxyd. 

1000 Th. Wasser lösen bei 10» C. 1,333, bei 15» 0, 1,3, bei 20» C. 1,2, 
bei 300 c. 1,1, bei 40» C. 1,0 Th. Calciumoxyd. 



Phstisekes Dtaas-Krystall, Neüsnheübbr's, ist em dement, besonders geeignet 
fhr Feueranlage im pharmaceutischen und chemischen Laboratorium. Es soll 
besser wie Chamottestein sein. Bezugsquelle Dr. Ribth & O'Bbien, Portland- 
Cementflabrik zu Bonn, Franz Ck)BLENZ£R in Oöln. — 100 kg 16 Mk. 

irgentid, em Putzpulver fbr Metall, wahrscheinlich gebrannter Dolomit» 



(1) Aqua Calcarlae glyeerlnata. 

Br Calcariae ustae 25,0. 
Aquam insperge, ut calcaria dilabatur. 
Dein affunde 
Aquae fontanae 300,0. 
Post agitationem et sedimentationem 
aquam decantha. Tum adde 
Aquae destillatae 800,0 
Glycerinae 200,0. 
Sepone per horas duas, vase clause, sae- 
pins agita, postremum filtra. 



Serva in lagenis bene obtoratis. Conti- 
neat in centenis partibus fere quinque 
partes Calcariae. 

(2) Llnimentum ad ambnstiones Laub. 

t^ Calcariae ustae 3,0. 

In pulverem terendo redactis affiinde 

Glycerinae 150,0. 
Digere leni calore. Post refrig^rationem 
admisce 

Spiritus Aetheris chlorati 5»0. 



Calcaria carbonica. 



leersekanm, kBnstlieker nach Waosnmakn, ist eine Mischung aus Kalkbrei 
mit etwas kohlensaurer und gebrannter Magnesia mit Wasserglas, um echten 
Heerschaum von künstlichem zu unterscheiden, soll man mit emer Silbermünze 
darauf streichen. Echter Meerschaum zeigt keinen Strich, dagegen unechter einen 
Strich wie mit einer Bleifeder. 

Cl]rp8-C6ment, Schott's, eine im SiEHSNs'schen Puddelofen geschmolzene und 
dann gepulverte Mischung von 75,5 Th. Ealkstem mit 100 Th. Anhydrit 
(wasserfreiem Gyps), welche als fdne Pulver vorher gemischt sein müssen. 



Compound Chinese Tablet of Alabaster von John IrvIne, SchSnheitspulver 
für die Haut, besteht ans Kalkcarbonat, frei von schädlichen Metallen. (CHAimLER, 
Analyt.) 

Componnd Chinese Tablet of Alabaster von Shamd. Dieselbe Anwendung und 
dieselben ßestandtheile wie das vorhergehende Pulver. (Cbandler, Analyt.) 

EpUepslemlttely von der Frau Gross -Herzogin von Mecklenburg- 
Schwerin empfohlen, zu beziehen aus der Hofapotheke zu Schwerin, besteht aus 
91^ g Päonienpulver und 8,77g präparirten Krebssteinen, vertheilt auf 24 Pulver, 
und einer Flasclie Maiblumenwasser. (Himlt, Analyt.) 

Hmidswnthmlttel, Thömeb's. In einem pharm. Blatte wurde folgendes Mittel^ 
welches früher ein Fanuliengeheimniss war, mitgetheilt 



Calcaria carl)onioa. — Oalo. hypophosphorosa. — Calc. lactioa. 183 

1^ Lapidnm Gancrorum praeparatorum 
Radicis Gentianae ana 60,0 
Boli Tubrae 30,0 
Myrrhae 15,0. 
M. Fiat pulvis snbtilis. 

Von diesem Pulver nimmt der Gebissene 
an drei auf einander folgenden Morgen 
drei Messerspitzen voll mit Warmbier, 
und wartet den Schweiss ab. Diät oder 
irgend welcbe anderweitige Behandlung 
ist nicht nöthig. 

IHy Wliitey snperlor^ besteht aus Kalkcarbonat und wenig Magnesiasubcarbonat. 
(CHAHD1.ER, Analyt.) 

UniTersalputipiilTer für Eisen ist gesiebte Steinkohlenasche. 

Zahnhalsbftnder für Kinder von B. Bubchell, aus England bei uns importirt, 
bestehen aus 12 cyündrischen. 13mm langen, in inrer Mitte 4mm im Durchmesser 
hahenden, nach den Enden sicn schwach verjtlngenden Perlen aus Knochen, auf einen 
seidenen Faden gereiht. Daneben befinden sich 1,3 g eines gelblich weissen Pulvera 
xam Eingeben, welches aus prSparirten Austerschalen, mit Schlämmkreide durch- 
misebt» besteht Der ganze Apparat kostet 9 Mark (9 Schilling). (Haqeb, Analyt) 



Calcaria hypophosphorosa. 

Von diesem Salze verlangt Ponke^ dass es in 6 — 7 Th. Wasser völlig lös- 
bch sei und dass die Lösung mit Bar3rumGhlorid und Bleiacetat keine in Essig- 
siare nnlöeliehe Niederschläge gebe. Oalciumhypophosphit soll aus seiner wftss- 
rigen Lösung durch Zucker fiUlbar sein. 

In Betreff der Anwendung dieses Salzes ist daran zu erinnern , dass es zn 
den Qxygeniovoren gehört und als solches nie einen wohlthätigen Emfluss, noch 
weniger einen die inneren Organe betreffenden Heilzweck erwarten lilsst Dass 
die Einwirkung auf den Organismus und die Blutbildui^ ein nachtheiliger sein 
könne, ergiebt sieh ans dem Vergleich mit der Wirkung anderer Ozygeniovoren. 
Von dem Gebraneh dieses Salzes ist immer abzurathen (Haoeb). 



Calcaria lactica. 

8aierkalk des Dr. Sghoepfeb (jenes genialen Erfinders von Geheimmitteln 
Oiinesisehen Herkommens) ist Calcaria phosphorico-lactica (kann aus der Löwen- 
apotheke zn Leipzig bezogen werden). 

Idqnor Caleariae pyrophosphorleo- 

laetlcae« 

iVr Caleariae pyrophosphoricae 17,0, 
Conterendo pmveratis adde 

Acidi lactici concentrati 19,0 
Aquae destillatae 904,0. 
Saepius agitando macera, tum liquorem 
filtra. 

Ein EsslOffel voll enthält 0,25 Calcium- 
pyrophosphat. 

Calcaria pkespkmcf-laetiea ist ein Gemisch aus 2 Th. der ofBcmellen neu- 
tralen OaleariA phosphorica und 1 Th. Calcaria lactiea. 



184 Galcaria phosphorica. Saperphosphat. 



Calcaria phosphorica. 

Parrisk CkeHieal ¥%%i (Nährsaft) bereitet man in der Weise, dasa man 10 g 
Ealkhydrat; 20 g Zucker und 50 GG. Wasser mischt, eine Stunde macerirt, dann 
filtrirt, das Filtrat mit 450 g Phosphorsäure (1,120 spec. Glew.) mischt, hierauf 
mit 3 g kryst. Natrinmcarbonat und 5 g Ealiumcarbonat, welche in 50 GG. Wasser 
gelöst sind, versetzt und nun das Ganze bis auf 800 GG. mit Orangenblüthenwasser 
auffüllt. Nachdem man 8 g zerriebene Gochenille zugesetzt und eine Stunde mace- 
rirt hat, wird filtrirt und 600 CC. des Filtrats mit 1000g Zucker zum Syrup 
gemacht. In den übrigen 200 (X). des Filtrats werden 30 g kryst. Ferrosulfat 
gelöst, filtrirt und dieses Filtrat endlich mit jenem Syrup gemischt. 

S^lnti^ii GontB^. 47 g kryst. Natriumphosphat werden in 1,5 Liter Wasser 
gelöst und mit einer Lösung, welche 25 g wasserleeres oder 50 g wasserhaltiges 
Galciumchlorid enthält, oder mit 100 Th. einer Galciumchloridlösung von 1,235— 
1,236 spec. Gew. gefällt. Der ausgewaschene Niederschlag wird mit 400 GG. 
Wasser und 23 g einer 25 proc. Salzsäure Übergossen und in Lösung gebracht 
und bis auf ein Volumen von 1000 GG. mit Wasser verdünnt. Ein Esslöffel 
enthält 0,25 g saures Galciumphosphat (Madsen). 



Patent-SiperpkMphat von Müller, Packabd & Gp. soll durch Extraction der 
Lahnphosphorite mittelst verdünnter Schwefelsäure dargestellt werden und 30 Proc 
in Wasser lösliche Phosphorsäure enthalten. 

Siperpk^spkat Nach Abel's Patent wird das natürliche Elalkphosphat in 
Pulver verwandelt, mit Salzsäure zu einem Tdge angerührt, dann ausgepresst. 
Der Pressrückstand ist Superphosphat. Auf 100 Th. Phosphat reichen 60— 
62 Th. Salzsäure aus. 

Von einigen Ghemikem wird die im Galciumdiphosphat vertretene Phosphor 
säure ebenso kräftig düngend angesehen, wie die wasserlösliche Phosphorsänre. 

Zur Bestimmung der wasserlöslichen oder assimilirbaren Phosphorsänre in den 
Superphosphaten hat man die von FBBBENnis, Nbubaüer und Lügs ange- 
nommene, von JoüLiE modificirte Methode als beste acceptirt, welche darauf 
beruht, dass die alkalische Ammoniumcitratlösung das unau^eschlossene basische 
Galciumphosphat nicht berührt. Albert und Siegfried (Zdtschr. f. analyt. 
Ghem. 1877, 1879) geben dem Ammoniumeitrat vor dem ebenfidls empfohlenen 
Ammoniumtartrat den Vorzug. 400 g Gitronensäure in Wasser gelöst werden 
mit Aetzammon gesättigt, noch mit 10 (X!. Aetzammon versetzt und bis auf das 
Volumen eines Liters mit Wasser verdünnt. 1 g des Superphosphats wird mit 
40 GG. der Ammoniumcitratlösung im Mörser zerrieben und in ein Glaskölbchen 
gespült. Nach einstttndiger Einwirkung bei mittlerer Temperatur wird die Misch- 
ung bis auf 100 GG. verdünnt, filtrirt und 50 GG. des Filtrats mit Magnesia- 
mixtur geföUt. Nach Verlauf von 4 Stunden wird das gefällte Ammoninmmag- 
nesiumphosphat im Filter gesammelt mit verdünntem Aetzammon ausgewaschen etc., 
auch wohl die Phosphorsäure volumetrisch bestimmt 

Behufs Bestimmung der Phosphorsäure im Fischguano ist die directe Lö- 
sung in Säuren oder die Lösung der Asche in Salpetersäure vorzuziehen. 

In Betreff der Umwandlung der löslichen Phosphorsäure in unlösliche in 
den Superphosphaten bemerkt Joulie (Annal. de Gh. et de Phys. T. XVni), 
dass nur zu häufig Materialien zur Darstellung der Superphosphate in Anwen- 
dung kommen, welche stark mit Stoffen vermischt sind, die eine Rückwandelnng 
der löslichen Phosphorsäure begünstigen. Zu diesen gehören: Eisenoxyd, Thon- 



Galcaria pbosphorica. CelluloYd. 185 

erde etc. Die Bedingimg, unter welchen eine Umwandlung erfolgen kann, sind 
folgende: 1. Saperphosphate, welche sehr stark mit Eisen und Thonerde ver- 
mischt sind, erleiden keine Umwandlung der assimilirbaren Phosphorsäure, wenn 
sie mit einer genügenden Menge von Säure dargestellt worden sind, sie bleiben 
dann aber tdgig. 2. Wenn bei der Fabrikation die Menge der Säure reducirt 
worden oder die Einwirkung unvollständig geblieben war, trocknet die Masse 
b^ser aus; aber die assimilirbare Phosphorsäure erleidet durch die Einwirkung 
der Oxyde auf die sauren Calciumphosphate eine Umwandlung, deren Resultat 
die Bildung von neutralem Calciumphosphat und mehr oder weniger basischem 
Eisen- und Thonerdephosphat ist. 3. Ein Kreide- oder Oipszusatz zu den Super- 
phosphaten bewirkt sofort dieselbe Erscheinung, deren Intensität mit der Zeit 
snnimmt. 

Ihmg-Extraet, Abry*s in Helmstedt, ein Ersatz für Knochenmehl und Guano, 
enthält nur Spuren Phosphorsäure und Stickstoff, Kali 1,84 Proc. (50 k 15 Mk.) 
(Dr. Hüoo ScHULTZE, Analyt.) 

VitrophosphatdIInger, aus England importirt, Vertrieb bei Wilkes in Dentz, 
enthält in Proc. 1,65 Stickstoff, 5,9 Phosphorsäure, 83 organische Substanz. (100 k 
17,5 Mk.) (Marker, Analyt.) 

mtro-Fhesphoric-Guano wurde in der Zeitschr. des landw. Centraly. der Pro- 
vinz Sachsen von MARSBAiiL & €k)MP. in Colchester bei London durch die General- 
agentor dieses Hauses (Eogers & Stollforth in Bremen) empfohlen. Es sollte 
dieses Dnngmittel enthalten: 15—16 Proc. löslicher, 7 — 8 Proc. unlöslicher Phosphor- 
säure und &— 4 Proc. nicht flüchtigen Ammoniak. Eine in dem BERTHOLD'schen 
Laboratoriom der Versuchsstation untersuchte Probe ergab nur 2,40 Proc. lösliche, 
5,60 Froc. unlösliche Phosphorsäure und 2,30 Proc. Stickstoff, ausserdem in bedeuten- 
den Mengen das den Pflanzen so schädliche Bhodanammonium« Es wäre deshalb vor 
dem Ankauf dieses geringhaltigen und sogar giftigen Düngers zu warnen. 

Phosphat 9 Westindisches 9 soll Kalkphosphat enthalten, wird aber für Kessel- 
stein ans den Dampischiffkesseln gehalten. 

Zahnperlen, Bamcois' (Paris). Fabrikant Auoust Lbonhardi in Freiburg. 
Aus Knochen gewechselte Perlen oder Kügelchen. (Wittstbin, Analyt) 



sia, khsttiekes, GeUnl^Id, enthält nicht die Bestandtheile des Elfenbeins. 
Es wnrde zuerst von dem Amerikaner Hyatt (1869) dargestellt und zwar durch 
Behsoideln von Cellulose, Papier etc. mittelst Schwefelsäure (5 Th.) und Salpeter- 
säure (2 TL), Auswaschen der nitrosirten Masse, Austrocknen, Pdvem, Ver- 
miachen mit Kampfer, Pressen etc. Düe Masse ist sehr hart, aber zugleich 
daalafleh, lässt sich poliren, wird durch Erhitzen in Wasser oder Oel dehnbar 
und plastisch, läast sich mit Farbstoffen vermischen, doch ist lue leicht ent- 
zündlich und bei Annäherung einer Flamme verbrennt sie schnell und heftig 
wie jeder andere Nitrokörper. Man arbeitet aus diesem Cellulold Sachen, wie ans 
Sfenbein. 

Wegen der leichten Entzündlichkeit sind diese Sachen im Grunde recht ge- 
läLhrliche Gegenstände und sollten desshalb polizeilich verboten werden. Clouet 
giebt folgende Beschreibung von diesem vorzugsweiße in Amerika, jetzt auch in 
Frankreich fiibricirten Stoffe: Cellulold ist eine harte, feste, unzerbrechliche Masse, 
dem hellen Hom ziemlich ähnlich. Es ist elastisch und wird bei Erwärmung 
auf 125^ 0. plastisch; die einzelnen Stücke lassen sich dann durch Zusammen- 
drücken vereinigen. Es lässt sich zu Blättern von 0,5 mm Dicke auswalzen, 
drücken, incrustiren und auf Holz, Marmor etc. aufleimen. Wenn die Masse aus 
den Apparaten kommt, ist sie durchscheinend. Sie brennt mit russiger Flamme, 
wobei tie starken Kamphergeruch verbreitet, lässt sich aber nur schwierig (?) 



186 Calcam phosphoriciu — Calcaria sulfnrica. 

entflamme. Wird sie allmählich erwännt, so wird sie bei ca. 135^ undurch- 
scheinend und zersetzt sich dann plötzlich bei ca. 140^ unter Bildung eines röth- 
liehen Rauches, Sie ist geruchlos und wird durch Reibung nicht electrisch. 
Das Oellulold lässt sich leicht bearbeiten und sehr schön poliren; man stellt 
daraus u. A. Billardkugeln, SchirmgriffC; Gebisse, Gaumen, Kämme, Spiel- 
sachen etc. her; durch verschiedene Zusätze kann man Nachahmungen von Bern- 
stein, Korallen, Malachit, Lapis, Lazuli, Ebenholz und Elfenbdn herstellen. Das 
Gellulold ist unlöslich in Wasser, daher fftr G^enstände der Hauswirthschaft, 
wie Messergriffe, Bttrstenrttcken etc., verwendbar. Angeblich ist es in Säuren 
unlöslich, doch hat Cloüet gefunden, dass es durch concentrirte Schwefelsäure 
zwar nicht unmittelbar angegriffen wird, wohl aber allmählich auch m der Kälte 
sich darin auflöst; nach 36 Stunden hatte sich ein Stück vollständig ohne Rück- 
stand gelöst. Schon seit seiner ersten Entdeckung wurde das Cellulold zn chirur- 
gischen Apparaten, Bruchbändern, elastischen Gürteln etc., sowie zu künstlichen 
Gebissen verwendet. Der Preis der rohen Masse beträgt 6,50 Mk pro 1 kg. 



Calcaria snlfarica. 

BBELY'sche (Ifpg-Hanf-Sekienei für chirurgische Zwecke (Lanoenbbck's Archiv 
fiOr Chirurgie XIX). Von Dr. Bbely ist in neuerer Zeit eme Methode angegeben, 
für chirurgische Zwecke „Schienen^, d. h. rinnenförmige Stütz-Apparate, für die 
Extremitäten des Körpers zu construiren, die sich dadurch auszeichnen, dass das 
zu ihrer Herstellung erforderliche Material sehr wohlfeil und die Technik der 
Bereitung ebenso einfach als mühelos ist. — 

Das Material zu diesen Schienen besteht nur aus gehecheltem Hanf, ge- 
branntem Gyps und Wasser. — Man theilt den Hanf in schmale Bündel, welche, 
locker hingelegt, etwa 3 bis 4 cm breit, 1 cm dick sind, zusammengedreht kaum 
Kleinfinger-Dicke haben; ihre Länge dJfferirt je nach der Länge der einzelnen 
Fasern zwischen 40 und 60 cm. 

Nun wird aus circa 4 bis 5 Raumtheilen Gypspulver und 4 Raumtheilen 
Wasser ein gleichmässiger Brei angerührt; man taucht ein Bündel nach dem an- 
dern hinein, wobei man aber darauf zu achten hat, dass der Brei auch zwischen 
die einzelnen Fasern emdringe, streift den überflüssigen Brei durch Hindurch- 
ziehen der Bündel zwischen den Fingern ab und legt nun diese Gypshanf^treifen 
parallel dicht neben einander, oder so, dass sie sich zum Theil noch decken. — 
5 bis 7 Hanfbtreifen genügen für eine solche, 1 cm dicke, die halbe Oircnmferenz 
deckende Schiene am Unterschenkel. — Sind die Gypshanfbtreifen länger als 
die beabsichtigte Schiene, so werden die Enden abgeschnitten oder einfach um- 
geschlagen. — 

Trägt man jetzt noch etwas Gypsbrei auf und streicht denselben glatt, so 
hat man in der sehr soliden Schiene, welche vermittelst einer Rollbinde an der 
Extremität befestigt wird, zugleich einen getreuen Abguss des Körpertheils , über 
welchem die Schiene angelegt war. Will man sich einen solchen Abguss von 
der Form einer ganzen Extremität schaffen, so hat man zwei solche Schienen zu 
bereiten, von denen eine die Streck-, die andere die Beugseite deckt. 



Die Erstarrung des mit Wasser angerührten gebrannten Gypses kann durch 
Zusatz von Kaliumsulfat so beschleunigt werden, dass das Ausgiessen des Gips- 
breies kaum möglich ist (Schott). 



Calcaria snlforica. — Galcinm chloratum. 187 

ZtDT Heratelliing abwaschbarer Gypsabgüsse empfiehlt Dechend 
folgendee Verfahren: Man lasse die Gypsabgttsse nach vdlligem Trocknen 24 Stun- 
den lang in einer kalten Barytaoflösung^ wasche sie nach der Heransnahme sorg- 
£ütig mit kaltem Wasser ab, so dass der anhängende Baryt vollst&ndig beseitigt 
wird, imd lasse sie dann 3 bis 4 Tage bei gewöhnlicher Zimmertemperatar 
trceloien. ffieranf bringe man sie auf kurze Zeit — etwa eine halbe Stande — 
in eine heisse AaflSsnng von 1 Th. Kernseife in 15 bis 20 Th. . Wasser nnd 
troekne sie endlich, nachdem die anhängenden Seifentheilchen durch Wasser ent- 
fernt worden sind, in geeigneten Trockenräumen. 

Um Oypsabgttsse gegen die Einflüsse der Witterung stabiler zu machen, 
werden sie mit folgender Flüssigkeit überstrichen: 30g krystall. Aetzbaryt wer- 
den in 800 CC. destill. Wasser gelöst, dann mit einer Lösung von 7,5 g Oxal- 
säure in 200 OC. destill. Wasser versetzt 



ist ein künstlicher Marmor, den man durch Mischung von einer 
Lösung aus 125 g Borax in 15 Liter Wasser und 1 Liter dünnem Leinwasser 
ndt so viel Gypspulver mischt, dass eine mittelst Presse zu bearbeitende Masse 
entsteht. Durch Einrühren von Farbstofifen lassen sich marmorähnliche Zeich- 
nungen hervorrufen« 

Ceneut, Eenkb's. Gebrannter Gyps wird mit Alaunlösung getränkt, bei 
dunkler Rothgluth gebrannt und zu Pulver zermahlen. Zum Gebraudi wird dieses 
Pulver mit einer 7 — 8 proc. Alannlösung angerührt. 



fiekruäter i^n als Rattengift ist in neuerer Zeit von einem pharm. 
Hstte als etwas Neues empfohlen worden. Die Anwendung des gebrannten 
Gypses ftlr diesen Zweck wurde von Hageb schon vor 50 Jahren nach erfolgter 
Anwendung durch Landwirthe auch versucht und hat Hageb auch in seinem 
Manuale pharm, unter Kemedia contra rattos eine stets frisch zu bereitende 
Mischung aus gebranntem Gyps und Mehl ana 100 g und Anisöl 5 Tropfen an- 
gegeben, aber neben dem Gifte auch Wasser au&ustellen nicht angerathen, denn 
wenn Wasser den Ratten zur Disposition stand, konnte auch kmne Verminderung 
der Ratten beobachtet werden. 



Galcinm chloratum. 

Das Calciumchlorid ist in neuerer Zeit wiederum als innerliches Medicament in 
Aufiiahme gekommen. Das zu dispensirende ist das sub I im Handbuch aufge- 
ftQirte kiystalliffirte. Sollte der Arzt in der Bezeichnung des Salzes nicht Sorg- 
fatt anwenden und der Apotheker die Bezeichnung für die des Chlorkalkes 
annehmen, so ist in solchen zweifelhaften Fällen immer das krystallisirte Calcium- 
chlorid zu dispensiren, wenn es für den innerlichen Gebrauch bestimmt ist. 



Zur Verhinderung des Strassenstaubes hat man rohes Calciumchlorid 
gdOst enthaltendes Wasser zum Besprengen angewendet An vielen Qrt^ hat 
man den Zweck angeblich nicht erreicht, wahrsdieinlich wegen zu geringhaltiger 
Lösung. Eine solche mit 5 Proc wasserfreiem Salze hat sich immer gut be- 
wSlirt Da eine solche auch die Vegetation des Grases zwischen den 
Pflasterstdnen hindert, so ist damit ein weiterer Vortheil dargeboten. Da fsmer 
eme CaleiumchloridlöBung ein vortrefflicher Flammenlöscher ist, so kommt 



188 



Galciam chloratum. — Calcium sulfuratnm. — Camphora. 



mit dem Zorhandhalten einer Calciumchloridlösong noch ein dritter schätzbarer 
Vortheil in Betracht. Der 

Fyni-Extinetor Koicmel ist allerdings eine concentrirte Calciumchloridldsung^ 
doch dürfte eine lOprocentige Lösung den Zweck der schnelleren Flammen- 
löschung wdt besser erreichen lassen. Da ein Gefrieren dieser lOproc. Lösung 
die Einwirkung einer Kälte von circa 20® C. erfordert, also bei Fenersgefiihr im 
Winter stets em flüssiges Löschmittel zur Hand sein kann, zu diesen Vortheilen 
auch ein ungemein niedriger Einkaufispreis kommt, so sollte in jeder kleinen 
Ortsgemeinde das Vorräthighalten einer concentrirten Lösung, welche zum Ge- 
brauch zu verdünnen wäre, eine polizeiliche Forderung sein. 



Calcium snlftiratnm. 

Die phosphorescirenden Eigenschaften des Schwefelcalciums hat man bereits 
ftlr leuchtende Zifferblätter an Uhren verwerthet. Das von diesen Ziffer- 
blättern auBgestrahlte Licht ist blauviolett, wie das, welches Becqueeiil am 
Arragonit beobachtete. Das Leuchten dauert die ganze Nacht hindurch. Dieses 
Leuchten wird durch jede Lichtquelle angeregt, deren Farbenstrahlen über das 
Gelb im Spectrum hinausreichen. 

Liqnido anticriptogtmic«, ein Mittel gegen Traubenkrankheit, von Mailand aus 
in den Handel gebracht, ist eine röthlichgelbe Flüssigkeit, bestehend aus einer 
concentrirten Ealkschwefelleber und enthaltend 7,47 Proc. Calcium, entsprechend 
10,45 Proc. Caldnmoxyd, und 15,41 Proc. Schwefel. Zum Gebrauch wird 
1 Liter mit 39 Litern Wasser verdünnt und damit der kranke Pflanzentheil 
inspergirt. (E. Pobtslb, Analysator.) 



(1) Hassä depilatoria. 

Enthaarungsteig. 

^ Calci! Bulfnrati 20,0 
Natri hjnpoaulfurosi 5,0 
Sacchari albi 

Glycerati simplicis ana 15,0 
Olei Bergamottae guttas 15 
Aquae q. s. 
ut fiat massa pnltiformis mollis. 

D. S. Auf die zu enthaarende Stelle 
aufzustreichen und nach V4~~^/s Stunde 
mit Wasser zu entfernen. 



(2) PoItIs ad massam depUatorianu 
Pulver zum Enthaarungsteig. 

1^ Natri hyposuUurosi 20,0 
Calcariae ustae 10,0 
Sulfuris depurati 5,0 
Amyli Solani tuberosi 30,0. 

M. Fiat pulvis subtilis. 

Dispensetur in lagena bene obturata. 

S. Mit warmem Wasser zu einem dünnen 
Teige anzurühren und damit die behaarten 
Stellen zu bestreichen. In 5—10 Minuten 
ist der Zweck der Enthaarung erreicht 



Camphora. 

Kampher ist von Dr. Wittich als ein vorzügliches Hypnoticum erkannt 
und als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Schlaflosigkeit weiblicher mit Melan- 
cholie, Angst, Aufgeregtheit geplagter Irrsinniger gerühmt worden und zwar bei 
hypodermatischer Anwendung. 1 Th. Eampher wird in 10 Th. Mandelöl gelöst 
und davon wird 1,0 subcutan injicirt. Localer Abscess in Folge der Injection 
soll nicht stattfinden. Der Schlaf dauert mehrere Stunden. 



Chloralum camphoratum. Vergl. unter Chloralum hydratum« 



Camphora. Gamphora monobromata. 1B9 

Anti-Blieiiiiiatismas-Salbe von Frau Hungerfobd (zu haben bei Wedegke, 
Berlm, ^euenbnrgerstrasBe 13) besteht aus circa 1,0 g Eampher, 1,0 g Carbolsäare, 
12,0 g Wacbsaalbe. Dieses Salbengemisch wird in Sonderheit empfohlen gegen acuten 
ond chronischen Bhenmatismus , Hüftschmerz, Gicht, Rheumatismus des Herzens, 
Nervenschmerz, Lumbago (Hexenschuss), Lähmungen. 1,5 Mark. (Schädler, Analyt.) 

Chambeklain's Belief besteht aus 20,0 Tinct. Gapsici annui, 16,0 Spirit. Cam- 
phorae, 12,0 Tinct. Guajaci. (1,40 Mk.) (Pierron, Analyt.) 

Ounphor-MUeli von Coler, zuverlässiges Mittel gegen alle Hautkrankheiten, 
besteht aus 10 g präcipitirtem Zinkoxyd, 180 g Rosenwasser und 5 g Eampherspiritus. 
1 Mk. (ScHADLER, Analyt.) 

Extern Embrocation, Dr. Airy's, ein wein^eistiger Auszug von Cbrt. Mezerei 
und GascariDae, in welchem viel Kampher gelöst ist. 

Flaog's Belief besteht aus 4,0 Ol. Garyophyll, 6,0 OL Sassafras, 36,0 Spirit. 
Csmphorae. (2 Mk.) (Pierron, Analyt.) 

Olehtwolle des Apothekers NAUENBURa in Neu -Gersdorf ist E[amm wolle mit 
Eampher und wohlriechendem Oel parfümirt. (Schädler, Analyt.) 

E[AML.rs's Wizard Oil besteht aus 20,0 Spirit. Gamphorae, 10,0 Liq. Ammon. 
caust. spirit, 10,0 OL Sassafras, 6.0 Ol. GaryophylL, 15,0 Ghloroform., 10,0 Ol. Tere- 
binth., 50,0 Spirit Vini. (4 Mk.) (Aerron, Analyt) 

Kelloo's Bed Drops bestehen aus 45,0 Spirit. Gamph., 5.0 Spirit. Origani, 
0,0 Ol. Sassafras, 10,0 OL Terebinth., 5,0 Tinct. Sacchari, 10,0 Spirit VinL (Pierron, 
Analyt) 

SrafUither, 
5 Th. Aether, 
^»iritnB, 50 Th. 
(500 CG. 3 Mk.) (Hager, HuiiWA, Analyt.) 

Untment der Franziskaner-Brllder (St Monnt) ist zusammengesetzt aus 20,0 
Spirit Gamph., 20,0 Liq. Ammon. caust und 40,0 Kaffeeaufguss. (Wittstein, Analyt.) 

Ijavrineeiiy Blumenthal's (Berlin) gegen Bheuma und Gicht besteht in Pro- 
eenten ans 8 Seife, 3 ELampher, 1 Rosmarieöl und 94 eines 75proc. Weingeistes. 

X^dleine Chinese oder Chinese Medieine soll einer Mischung aus 12,0 Spirit 
Lavand. comp., 15,0 Spirit. Gamph., 15,0 Liq. Ammoni caust., 1,5 OL Sassafras, 36,0 
Spirit. Vini und 20,0 Aqua entsprechen. (4 Mk.) 

Jiotteiitinetiir von Führmann ist aus 2 Th. Golocynthid.. 2 Th. Fmct. Gapsici, 
1 Th. Piper nigrum und 20 Th. starkem Spiritus dargestellt und mit OL Caryo- 
pfajIloT., OL Lavandulae und etwas E[ampher parfümirt. (250 g 1,5 Mark). EUger, 
Anal^) 

OhrenSl des Apothekers Nauenburg (Nou- Gersdorf) 8,0 g OL camphorat., 
8 Tropfen OL Garyophyll. Inclusive GichtwoUe 1,5 Mark. (Schädler, Analyt.) 




Cuapk«» B«ii«br«]iiata. Handb. n, S. 1326 ist die MAiBCH'sche Vorschrift 
zur DaisteUuiig dieses Bromids angegeben; welche VoTSchrift Gault modificirt. 
In mnem feinen Strahle und unter sanftem Schwenken Iftsst man so viel Brom 
anf gepulverten Kampher fliessen, der sich in einer geräumigen Retorte befindet^ 
bis derselbe anfgeldst ist. So entsteht zunächst Dibromkampher. Der Hals der 
Retorte ist mit einem langen und weiten Abzugsrohre versehen , welches in eine 
SodalOsang ausmündet. Man erhitzt nun die Retorte im Wasserbade ^ alsbald 
entwickelt sich Bromwasserstoffsäure und die dunkelbraune Flflssigkeit wird bern- 
gtebiÜBrbig. Man giesst sie alsdann in kochendes Wasser und lässt eine Zeit 
lang sieden y wodurch noch Brom und Bromwasserstoff verflüchtigt werden. Die 
Maose ist jetzt fast farblos^ durch wiederholte Erystallisation aus Weingeist wird 
sie vdUig entfärbt und stellt nun reinen Monobromkampher dar. Wenn die Zer- 
Ktznng des Dibromkamphers, nach der Vorschrift von Maisch, in höherer Tem- 
peratur als der des Wasserbades stattfindet, so bildet sich nebenbei in nicht 
nnbetrftchtticher Menge em öliger Körper, eine Verbindung von Monobromkampher 
mit Bromwasserstoff. Wird derselbe auf 200 bis 220^ erhitzt, so entwickelt sich 



190 



GiUDphora monobromata. — Cannabisi 



Bromwasserstoff; aus der rflckBtftndigen schwarzen vlacosen Masse iSast sich dann 
mit Weingeist Monobromkampher extrahiren. 

In der pharm. Centralhalle 1880, S. 88 und in der Sehweiz. Wochenschr. 
f. Pharm. 1880 No. 6 findet sich eine Vorschrift von Eellbr angegeben. Nach 
derselben löst man in einer Tubulatretorte 300,0 Kampher in 180,0 Chloroformi 
versetzt mit 320,0 Brom, Iftsst einige Standen stehen und destillirt dann ans dem 
Wasserbade. Chloroform und Bromwasserstoff destilliren nebst etwas Brom ab 
und Monobromkampher bleibt als Rückstand, welcher mit absolutem Weingeist 
ausgewaschen aus Aether umkrystallisirt wird. Ausbeute 340,0 Monobrom- 
kampher. 



(1) EUxIrlnm Camphorae mono« 
bromatae. 

vt Gamphorae monobromatae 2,0 

Spiritus Vini 10,0 

Glycerinae 80,0. 
Conterendo bene mixtis adde 

Tincturae CinnAmomi Gassiae 20,0 

Syrupi Sacchari 50,0. 



(2) Ennlsie Gamphorae mono- 
bromatae* 

Br Gamphorae monobromatae 2,0. 
Solve in 

Olei Amygdalarum 15,0. 
Tum adde 

Gummi Arabici 7,5 

Aqua destillatae 12,0. 
Gontereudo agitandoque fiat emulsio, quae 

Aquae destillatae q. s. 
diluatur, ut mixturae pondus 100,0 
exaequet. 



(3) Pnlfls antleoryaolcus Genbuil. 
Schnupfenschnupfpulver. 

^ Gamphorae monobromatae 2,0 
Rhizomatis Iridis Florentinae 5,0 
Acidi tannid 0,2. 

M. Fiat pulvis. 
D. S. Zum Schnupfen bei Nasenkatarrh. 

Täglich einige Male eine Priese. 

(4) Sympns Gamphorae monobromatae 

emnlslTiis. 

i^ Gamphorae monobromatae 2,0. 
Solnta in 

Olei Amygdalarum 15,0 
miscendo cum 
Gummi Arabici 10,0 
Aquae Aurantii florum 15,0 
in emulsionem redige, cui adde primum 

Syrupi Sacchari 140,0, 
deinde 
Glycerinae 20,0. 
Post agitationem syrupus dispensetur. 



Cannabls. 

Herka Cauabis hdicae. Peltz (Riga) untersuchte den Indischen Hanf und 
erhielt durch Behandehi mit kaltem Weingeist 30 Proc. einer weichen klebrigen 
Substanz. Aether zog daraus 28 Proc. einer ähnlichen harzigen Masse aus. 
Der wässrige Auszug des Haschich lieferte durch Destillation fUr sich und noch 
mehr mit E^ eine Flüssigkeit, worin Nikotin nachgewiesen werden konnte. Als 
er hierauf die blfihendra Spitzen der Pflanze sowohl mit Wasser allein, als auch 
unter Zusatz von Kalk oder E^ destillirte, enthielten die Destillate gleichMs 
Nikotin. Die Ausbeuten davon betrugen: ans 150g Summitates 0,025 g, aus 
50 g Summit mit alkalischem Wasser 0,335 g, aus 5 g Ertract 0,091 g und aus 
2 g Extract mit alkalischem Wasser 0,063 g Nikotin. Prbobrasghbnbkt hatte 
auch im Haschisch einen Körper von alkaloKdischer Beschaffenheit angetroffen und 
als Nikotin bestimmt. 

Die Araber gebrauchen den Haschisch in Stabform gepresst in zwei Sorten, 
von denen die eine nur aus den Blättern und Blüthen der Gannabis Indica be- 
steht, die andere (Haschisch-Eafiir) aber noch Zusätze von Hyoscyamus, Stra- 
monium etc. enthält. Die Stäbe werden in kleine Stücke zerbrochen und mit 
Tabak geraucht (A. Poehl). Dann hat man im Orient ein fettiges Haschisch- 



Cannabis. — Cantharides. 



191 



fixtnd (Dawa-Mesc) versetzt mit Gewürzen. Es wird als Aphrodisiacom ge- 
braucht. 

Um das Extractum Cannabis Indicae in Mixturen in Suspension zu 
erbalten, serreibt man es mit Oummi Arabicum, Zucker und Oljcerin, auf 1 Tb. 
Extraet 10 Tb. Gummi, 10 Tb. Zucker und 30 Tb. Glycerm. 

Ggiretten aus Cannabis Indica, Fumigateurs pectorales, von Gbi- 
MAULT & Cp. (Pftris), aus hOcbst kleingescbnittenen Blättern &bricirt, besteben 
naeb Dr. Hebm. Braun (Wien) bauptsScblicb aus Belladonna mit wenig Canna- 
bisblftttem, emer Art Epilobium etc. Zu den Cigarettes Indiennes giebt 
Dr. G. Ramdohb (pb. Ztg. 82, 1880) folgendes von Dobvault angegebene Be- 
eept an: 

j^ Foliorum Belladonnae 0,3 

Foliorum Hyoscyami 

Follomm Stramonii ana 0,15 

Herbae Cannabis Indicae 0,1* 
Concisa hnmectentnr 

Extracti Opii 0,013 
soluto in 

Aqnae Laurocerasi 0,5. 
Tum fiat ope tubi cbartacei cigareta. 



(1) Charta dgaretarla Cannabis 
Indicae. 

1^ Herbae Cannabis Indicae 100,0. 
Concisis et siccatis afftinde 

Spiritos Vini 200,0 

Benzini lithantbracini 50,0. 

Digere calore dO^ C. per aliquot boras, 
tarn post refrigerationem exprime. Be- 
ndno denuo affunde 
Spiritus Vini 250,0. 

Digere et ex]^rime. Liquores commixti 
ealore balnei aqnae evaporent, ut 150,0 
remaneant. Per boc residnum cbarta 
bibula, qnae antea Kali nitrico soluto 
conspersa est, trahatur, tum loco tepido 

Bfiecetar. 

• 

Ein Streifen Panier wird angezündet, 
die Flamme gelOecnt und der Dampf des 
veiie^immenden Papiers wird aufgeaüimet. 



(2) Cigaretae oum berba Cannabis 
Indicae. 

Cigaretae pectorales. Brustcigaretten. 
^ Herbae Cannabis Indicae äO,0 

Foliorum Belladonnae 

Foliorum Stramonii 

Foliorum Nicotianae ana 5,0 

Herbae Yeronioae 20,0. 
Minutim concisis primum insperge 

E[ali nitrici 5,0 
soluta in 

Aqnae destlllatae 15,0. 
Tum inspeige 

Tincturae Opii 

Tincturae Benzo^'s ana 10,0 
antea mixta. 
Postremum mixturam sicca et per cribmm 

laxum trajice. 
In tubos chartaceos nitricatos species in- 

Serendo imprimendoque fiant cigaretae 
ecem magnae vel viginti parvae. 



Cantharides. 

8^ einigen Jabren wird eine Art Spaniscb-Fliege^ Myldbris Oiehorii 
FABSidüBy aus dem östlicben Asien in Deutscbland importirt^ welche grösser 
imd stSrker gebaut (4cm lang, lodern breit) und aucb canüiaridinreicber ist. 
Kop^ Brust und Hinterleib sind mit scbwarzen Haaren besetzt; die FQbler sind 
kealenförmig und nur ^4 so lang als der Körper. Die scbwarzen Flügeldecken 
seig^i 3 breite, bräunlicbgelbe Querbinden, von denen die oberste nicbt vollständig 
gezeichnet ist Auch die Ostindische blaue Cantbaride, Lytta Qigas Fabriciüs 
kommt im Handel vor. Sie ist von dunkelvioletter Farbe und auch schlanker 
und grösser als Lytta vesicatoria. 



192 Cantharides. Werthbestimmung. 

Zur Werthbestimmang der Canthariden, resp. Bestimmung des Can- 
tharidingehaltes verfährt Draoenborff in der Weise ; dass er 25— 30 g der in 
Pulver verwandelten Canthariden mit Petroläther eztrahirt, um das Fett zu be- 
seitigen, dann das wiederum getrocknete Pulver mit ^5 ^^ Gewichts gebrannter 
Magnesia und etwas Wasser mischt und eintrocknet, nun den pulvrigen trocknen 
Rückstand mit 25 — 30 g Chloroform durchtränkt, dann verdünnte Salzsäure 
bis zur sauren Reaction zusetzt, die Mischung mindestens 3 mal mit je 30 CO. 
Aether ausschüttelt, den Aetherauszug durch Schütteln mit Wasser auswäscht 
und nun abdunstet. Der Aetherrflckstand soll mit Hilfe von Weingeist auf ein 
tarirtes Filter gebracht, hier mit etwas Weingeist, dann mit 2 — 3 CC. Wasser 
gewaschen und zuletzt bei 100^ C. getrocknet werden. Bei der Wägung sind 
in Rechnung zu bringen, dass 100 CC. Petroläther 0,0108 g, 10 CC. Weingeist 
0,0077 g, je 1 CC. Wasser 0,0005 g Cantharidin lösen. (Die ehem. Werthbe- 
stimmung etc. von Dragendobff 1874.) 100 CC. Schwefelkohlenstoff sollen 
nämlich 0,018 g, 100 CC. Weingeist 0,0777 g Cantharidin lösen. 

Nach Desne's Untersuchungen ist Essigäther das beste Lösungsmittel des 
Oantharidins. 

Eugen Dietrich scheidet das Cantharidin auf dialytischem Wege ab und 
stellt es in dieser Weise im Grossen dar (ph. Centralh. 1880, S. 87). Gröblich 
gepulverte Canthariden, 1000 g, werden nach Znsatz von 50 g RaUhydrat mit 
6000 g Wasser 5 Stunden dige^drt, dann 15 Minuten kochend gemacht, nach 
dem Erkalten colirt und ausgepresst. Der Pressrückstand wird nochmals unter 
Znsatz von 20 g Kalihydrat in gleicher Weise behandelt. Die filtrirte Colatur 
wird auf 3 Dialysatoren von 60 cm Durchmesser vertheilt und unter Ersatz des 
verdunstenden Wassers 5 — 6 Tage der Dialysation überlassen. 

Die coUoidisehe dialysirte, bräunlich gefärbte Flüssigkeit wird nun mit ver- 
dünnter Schwefelsäure nentralisirt, mit Holzkohlenpulver gemischt und eingetrocknet. 
Dieser krümlige Rückstand enthält neben freier Schwefelsäure Kaliumsnlfat und 
Cantharidin. um erstere zu binden wird etwas Baryumcarbonat zugesetzt, dann 
das Ganze mit Essigäther ausgekocht und vom Auszuge der Essigäther abdestillirt. 
Das im Rückstande befindliche Cantharidin wird mit etwas Weingeist abgewaschen 
und aus Essigäther umkrystallisirt. Das so gesammelte Cantharidin ist blendend 
weiss und beträgt circa 2,8 g. Durch Ausziehen mit Aether und Entfetten mit 
Schwefelkohlenstoff konnte Dietrich nur 2,3 g sammeln. 

Nachweis des Cantharidins. Es werden nach Paktes die betreffenden 
Theile mit Wasser, in welchem etwas Aetzkali gelöst ist, digerirt, die Flüssigkeit 
bis zur Extractdicke abgedampft, mit reinem Sand und mit einer entsprechraden 
Menge Essigsäure gemischt. Die Masse wirc( in einer Weise erhitzt, wie man 
Benzo^äure aus Harz sublimirt Man bedeckt mit einer Scheibe Fliesspapier und 
setzt dne Glasglocke darüber und erhitzt bis auf 210^ C. Das an die Wandung 
der Glasglocke angesetzte sublimirte Cantharidin lässt sich mit Chloroform sam* 
mein. Uebrigens dürften die Mengen Substanz, welche nach Vergiftungen dis 
penibel sind, im seltensten Falle zur Gewinnung von Cantharidin ausreichen. 

Fahnestock schied aus Cantharts vittata (Lytta vittatüy gebftnderter 
Pflasterkäfer, Eartoffelfliege) 1,5 Proc. Cantharidin ab. Warneb vermochte nur 
0,4 Proc zu erlangen. 

Kalieantliaridatsparadrap wird wie das Englische Heftpflaster bereitet, nur 
dass der Hausenblasenlösung ftlr die zwei letzteren Anstriche eine heisse wein- 
geistige Lösung des Kaliumcantharidats zugesetzt wird. Auf 100 qcm genügen 
0,1 g des Cantiiaridats. 



Cantharides. — Gapsicum. 



193 



(1) EmplAStmin Canfharidnm alkaliniim 

extensiim. 

AlkaÜBcbes Spanischfliegenpflaster. 

Emplasiro Oantharidiun extenso insperge 

Natri oarbonici dilapsi 

Oantharidum palverataram ana 2,0 
antea mixta, tum palverem inspersum 
uffte metacarpii exteriore (Ballen der 
Hand) adprime. Emplastrum Charta 
pazamnata obtectum dispensa. 

Dieses Spanischfliegenpflaster soll keine 
Strangorie als Nebenwirkung zur Folge 
haben. Derselbe Zweck wird besser er- 
reicht, wenn man die Pflasterfläche mit 
einer L0sang von 2 TL Eampher in 
1 Th. Chloroform bestreicht. 



(2) t Olenm Cantharidmn« 

Handb. I, S. 714 ist ein Yerhältniss 
von 1 : 10 angegeben. Dieses Yerhält- 
niss haben auch z. B. die Belgische und 
Französische Pharmakopoe acceptirt. Der 
Preuss. Arzneitaxe 1878 ist em Anhang 
beigefügt mit verschiedenen Yorschrifteni 
von welchen die meisten den heutigen 
pharmac. Anforderungen nicht Rechnung 
tragen und wahrscheinlich aus der Hand 
eines in der Pharmacie völlig unbewan- 
derten Mannes kommen. Es sind z. B. 
1 Th. Canthariden auf 4 Th. Oel vorge- 
schrieben. Hier sei nur darauf aufmerk- 
sam gemacht, dass kein Apotheker 
an diese Yorschriften gebunden 
ist (Hager). 



BlisterlnST olntement des Lieut James, ein Mittel gegen Späth der Pferde, 

veraltote Stollbeulen. Ueberbeine etc. 25 g einer grünlichbraunen weichen schmierigen 

.Ssibe von starkem Geruch. Es besteht aus 3 g Oantharidenpulver, 2.5 g Euphorbium, 

ISg Elemisalbe, 20 Tropfen Wacholderholzöl, 20 Tropfen Bosmarieöl und 20 Tropfen 

rejpenthinöL (3 Mk.) (HAaER, Analyt) 

IJqiild blister of Hibbon ist ein öliger Cantharidenauszug. 



Capslcnm. 

Von J. C. Tbesh wurde aus der Capsicumfhicht ein fHiher schon von 
Dragenbobff und Flückigeb erkannter flüchtiger, anscheinend alkaloldisch sich 
verhaltender, krystallisirbarer Körper abgeschieden, welcher den Namen Cap- 
saicin erhalten hat und das die Schärfe der Frucht repräsentirende Prinzip zu 
aein scheint. Wenn man den Aetherauszug abdunstet, den Rückstand in heisser 
weingeistigeT Kalilauge löst, die Lösung mit Wasser verdünnt, mit Baryumchlorid 
ausfallt, den Niederschlag auswäscht, trocknet, mit Aether extrahirt und diesen 
Aetherauszug abdunstet, so hinterbleibt das von Büohheim mit Capsicol be- 
zeiefanete ölähnliche Fluidum. Aus diesem Capsicol schied Tresh das Capsalcin 
ab. Dieses ist in Weingeist leicht löslich. Die weingeistige nicht zu sehr ver- 
dünnte Lösung giebt mit Baryumchlorid oder Calciumchlorid einen in Aether 
löslichen Niederschlag. Auch Silbemitrat erzeugt einen Niederschlag, löslich in 
veidUnntem Aetzammon. Diese ammoniakalische Lösung wird beim Kochen 
dunkler und giebt einen braunschwarzen Niederschlag. 

Bei einiger Vorsicht lässt sich das Capsatcin auch unzersetzt verflüchtigen. 
Das Snblimat erscheint dann in Form von Fettkügelchen. Bei 100^ C. ver- 
flfiehtigt es sich schon etwas, und darüber abdestiilirtes Wasser besitzt einen ent- 
schieden stechenden Oeschmack. 

Das Capsafcin lässt sich auch isoliren, wenn man das Oel (Capsicol) m ver- 
dflimt^ Kalilauge löst, zur Lösung Ammoniumchlorid setzt, den dadurch ent- 
standenen gefärbten Niederschlag sammelt, wieder in Kalilange löst, und mit 
Ammoniumchlorid bei 50® C. behandelt. Die nach einigen Tagen entstandenen 
KrystaUe werden nöthigenfaUs noch einmal so behandelt. Auch durch Dialyse 
lässt sich das Capsaicin gewinnen. 60 — 80 g der concentrirten Tinctur des 
Spaoiachen Pfeffers werden m einen Dialysator von Pergamentpapier gegossen, 
und derselbe mit starkem Weingeist umgeben. Dieser nimmt rasch einen stechen- 
den Geschmack an und liefert, nach einiger Zeit verdunstet, Krystalle, welche 

H»f »r, Phsnn. Praxis. Snppl 13 



194 Ccipsicum. — Caragaheen. 

mit den oben erwähnten übereinstimmen. Die dialysirte Tinktur reagirt ent« 
schieden sauer. 

Flückigeb fand für das Capsaicin die Formel CgH^Os- 
^ Tinctura Capsid ist von Englischen Aerzten gegen Delirium tremens mit Erfolg 
angewendet. Crowtheb giebt 3— 5 stündlich 1— 2 g der Tmctur mit 15 g 
Wasser verdünnt Da die Tinctur nach der Britischen Ph. halb so stark als 
die bei uns gültige ist, so w&re von letzterer 3 — 5 stündlich 0,5 — 1 g mit Wasser 
verdünnt zu geben. Die Wirkung erwies sich stimulirend und derivirend. Tremor 
und die Unruhe werden dadurch beseitigt, Schlaf folgt, es tritt normale Hautw&rme 
und gelinder Schweiss ein. Die Zahl der Pulsschlftge wird gemindert, voller und 
kräftiger. 

Die Verwandlung des Spanischen Pfeffers m ein höchst feines Pulver 
ist kaum möglich, er kann nur als mittelfeines Pulver dispensirt werden. 
Eine Austrocknung, welche auch eine höchst feine Pulverüng zuliesae, würde die 
wirksamen Bestandtheile völlig verändern oder zerstören. 

Charta capslcinata« Denuo digere per tres dies et filtra. Li- 

(Papier Wlinsi.) quore leni calore ad 300,0 remanentia 

U. Fmctus Capsici annui 100,0 liltt,^*'*^ *^"'^^'' ^* ^^""^"^^ ^' 

Spiritus Vini absolut! 600^0. Unnatur. 

Digere per dies tres, tum expnmendo cola. Streifen des erwärmten Papiers werden 

GoTaturae adde auf die Hautstellen aufgelegt, wo ein 

Benzoes 30,0 innerer Schmerz empfunden wird, bei Ka- 

Enphorbii 10,0 tarrh auf die Brust Es bewirkt eine 

Baisami Copaivae Röthung der Haut und angeblich eine 

Sanguinis Draconis ana 5,0. Ableitung des Krankheitsstoffes. 

Blister essence, C. Simonis, ist eine dem Restitutionsfluid ähnliche Zusammen- 
setzung. 



Caragaheen. 

Sagena carragenata, Caragaheen-Watte , Garragenirte Watte, baumwollene Watte 
mit einer Caragaheenabkochung getränkt und dann getrocknet. Auf einem Blech 
von verzinntem Eisen breitet man eine dünne Watte aus, übergiesst sie mit 
einer dicken (1 Ctm. hohen) Schicht concentrirten Decocts des Caragaheenmooses, 
breitet dieses gleichmässig über die Watte aus, und legt eine ähnlich grosse, 
aber dünne Platte der Watte darauf. Dann beschwert man nach einigen Mi- 
nuten das Ganze mit einem zweiten Bleche aus verzinntem Eisen, presst durch 
allmählich vermehrte Beschwerung und trocknet am lauwarmen Orte ans. Diese 
von Leli&vbe zuerst dargestellte Watte dient als Ersatz der Leinmehlumschläge. 
Vor der Anwendung lässt man ein Stück der Watte auf einem Teller circa 
15 Minuten lang in heissem Wasser weichen. Die trockne Caragaheenwatte 
schwillt an und wird sofort noch warm als Cataplasma angewendet 

Tabnlae Caragaheen, leespllanzenseltcken, ein in Oesterreich viel ge- 
brauchter Artikel. In 4000,0 Colatur der Abkochung aus 2.00,0 Caragaheen wer- 
den 1000,0 Acaciengummi (Arab. Gummi) und 2500,0 Zucker gelöst, die colirto 
Lösung mit einer Lösung von 30,0 Gfelatine in 100,0 Glycerin vermischt und 
abgedampft, bis eine Probe beim Erkalten erstarrt. Die Masse wird mit Phyto- 
laccasymp oder Cochenilleauszug tingirt und mit etwas Ananasäther oder Neroliöl 
aromatisirt, dann auf geöltes Metallblech gegossen, in quadratische Stücke zer- 
schnitten und mit Vanillenzucker (1 Vanille, 5 Milchzucker, 15 Rohrzucker) con- 
spergirt. 



Garagaheen. — Garbo animalis. — Garbo mineralis. 195 

iHsphnienxeltelieii, Roznauer, ans der Apotheke „zur Mutter Gottes" des 
J. Seichelbt im Molken-Kurorte Bozuau am Radhorst in Mähren , sind 1,5 mm 
dicke, verschieden grosse rhombische Tafehi, mit Gochenille roth geförbt, b^ 
stehend ans Zucker, Garrageenschleim und einer Spur Süssholzextract. (Haoeb, 
Analyt) 

Den Japanischen Agar-Agar soll Gelideum comeum Lamouboux 
{S^Aaerococcus comeus Aoabdh) liefern. 

Im Agar-Agar ist Pararabin nachgewiesen worden. 

Eine Masse zu Vaginalkugeln erhält man durch Eochung von 10 Th. 
Agar-Agar, 200 Th, Wasser und 100 Th. Glycerin, 



Carbo animalis. 

BoLLER^Bches FiilTer gegen Epilepsie, Veitstanz, Starr-, Lach-, Wein-Erampf, 
hysterische Krämpfe, aus der Diakonissen- Anstalt in Dresden, besteht aus nicht voll- 
ständig verkohltem Hom (Hager) oder der Kohle von Vögeln, wie Elstern (deren 
Federn mit Homsnbstanz doch wohl einige Verwandtschaft haben) und zwar versichert 
Dbagendorff, wahrscheinlich war er Augenzeuge bei der Bereitung, dass es ver- 
kohlte Elstern sind, welche 12 Tage nach Weihnachten geschossen wurden (Jahres- 
bericht 1876, S. 575). Trotz allen Forschens konnte von Seiten der Industrieblätter 
keine specielle Reaction auf solche Elstern aufgefunden werden. 

Stiefelwichse, englische wasserdichte: Man mischt 60 Th. gebrannte Knochen 
unter UmrQhren mit 45 Th. Syrup, giebt 12 Th. Essig und nach und nach unter be- 
ständigem Umrühren 12 Th. Vitriolöl zu. Nach 7 Tagen, in welcher Zeit man Alles 
der Rahe ttberlässt, mischt man die Masse noch mit 9 Th. KautschukOl und bewahrt 
die fertige Wichse in Büchsen auf. Das KautschukÖl wird durch Schmelzen von 1 Th. 
zenehnittenem Kautschuk in einem irdenen Topfe über Kohlen und durch Mischen mit 
6 bis 8 Th. Leinöl unter Umrühren bereitet 



Carbo mineralis. 

Zur Bestimmung des Schwefels in der Stein- und Braunkohle werden 
nach Teikighi Kakamura 3 — 4 Th. Ealium-Natriumcarbonat innig mit 1 Th. 
der lein pulverisirten Kohle gemischt^ in einem Platintiegel erst gelinde mittelst 
Weingdstlampe, dann bis zur hellen Rothgluth mittelst Bunsenbrenners erhitzt 
Letztere Gluth wird 1 Stunde unterhalten. Nach dieser Zeit ist die Masse völlig 
weiBS oder bei Gegenwart von Eisen röthlich. Die Masse wird während des Er- 
hitzens nicht umgerührt. Die Schmelze wird in Wasser gelöst, filtrirt und dann 
die Schwefelsäure auf gewöhnliche Weise bestimmt. 

Dass im Russ der Steinkohle Arsenigsäure vertreten ist, hat Macadam nach- 
srewieseiD. Es wird hiemach auch der Rauch aus Steinkohlenfeuerung arsen- 
haltig sein. 

Künstliche Diamanten will Hannay durch Erhitzen von Kohlenwasser- 
stoffen mit Magnesium bis zur Rothgluth und unter hohem Druck erlangt haben 
(Chem. News 41, 106). 

kapfrehrkillaasse wird erhalten durch Mischung von Th. 100 feingemahlenem 
Kalkstein, 350 feingemahlener Steinkohle, 250 Thon, 300 Flugasche aus Dampf- 
keaselzflgen, 600 Wasser, 10 Schwefelsäure, 15 Haaren (Kälber-, Kuh-Haaren, 
ScbwefoBboraten). Mit der Masse werden die Rohre bis zu 5 Ctm. dick umhttllt 

13* 



i96 Garbo vegetabilis. — Carbonenm oxydatum* 



Garbo yegetabilis. 

Die Pflanzenkohle, in geschlossenen Geflüssen erzengt, enthält nach 
Jaillard auch Essigsäure (an Eaii gebunden). Er fand z. B. in 1000 Th. sol- 
cher Kohle 3,7 Th. KaUumacetat. 

PresskoUe, auch Pyrolith genannt, ist ein Feuerungsmaterial, welches 
langsam, rauchlos und ohne Funkensprühen brennt. Sie besteht aus Holzkohlen- 
pulver vermischt mit etwas Salpeter, mit Thonerde und Wasser zur Masse ge- 
macht und in Ziegel geformt. 

Tnscke, schwane, Boswell's. Zur Darstellung werden Homspäne unter Di- 
gestion in Aetzkalilauge gelöst, die Masse eingetrocknet und in einem eisernen 
Tiegel bis zur Schmelzung erhitzt. Die in kochendem Wasser gelöste und colirtc 
Masse wird mit einer überschüssigen Alaunlösung versetzt, der Niederschlag ge- 
sammelt, mit heissem Wasser ausgewaschen, mit Acadengummi versetzt und in 
Formen gebracht. 

Tische, sehwane, Lukas'. Eampherruss, dargestellt durch Verbrennen des 
Eamphers bei geringem Luftzuge und dann mit Weingeist ausgewaschen, giebt 
mit Leim und Gummi eine schöne Tusche. 

Cemssa nigra« 

Schwarze Schminke. 

1^ Fuliginis e Camphora effectae 1,0 

Olei Gacao 6,0. 
Leni calore conterendo exacte mixtis adde 

Olei Neroli guttas 5. 
Massa refrigerata in bacillum redigatur. 

Wachsgrlndmittel eines in der Nähe von Werl wohnenden Heilpfuschers besteht 
aus einer Flasche Bieressig und einer Salbe ans 70 Th. Butter, 30 Tn. einer kohUgen 
Masse, wahrscheinlich geröstetem verkohltem Salbeikraut, Pfeffer und B;oggen8amen. 
(HAaEB, Analyt.) 



Carbonenm oxydatnm. 

Carbeneamexjdatnm, KoUenoxydgas, KoUenstoSmonexyd, Kehlengas (€arbon;l) 

(CO) entsteht beim Verbrennen von Holz, Kohle etc. neben mangelhaftem Zutritt 
von Luft. Es wird vom gemeinen Manne mit Kohle n dun st bezeichnet. Wenn 
dasselbe auch kein pharmaceutisches Object ist, so kommt der Pharmaceut dennoch 
zuweilen in die Lage dieses giftig wirkende Gas zu bestimmen und nachzuweisen. 

Kohlenoxydgas ist ein permanentes Gas, geruch- und farblos, von 0,9674 
spec. Gew. (Luft = 1), in Wasser fast nicht löslich, indifferent gegen Lackmus, 
angezündet mit Flamme zu Kohlensäure verbrennend. 

Um es von beigemischter Kohlensäure zu befreien leitet man das Gas durch 
Kalkwasser oder dünne Kalilauge. 

Leitet man das Kohlenoxydgas durch eine nothwendig völlig neutrale Pal- 
ladiumchlorürlösung, so fllrbt sich diese schwarz unter Abscheidung me- 
tallischen Palladiums. Mit der Palladiumchlorttrlösung gefeuchtete Leinwandstreifen 
in einem Räume, in welchem sich Kohlenoxydgas befindet, aufgehän^, färben 
sich in wenigen Minuten intensiv schwarz (Rd. Boettgeb). Hier ist nicht zu 
übersehen, dass auch Kohlenwasserstoffgase, Wasserstoff, Aethylengas etc. eine 
ähnliche Reaction bewirken. 



Carboneam oxydatum. 197 

Bei UutersachuBg einer Zimmerluft auf den Gehalt an giftigen Gasen ist 
zanäcbst die Entstehung letzterer zu erforschen. Sie können durch directe Feu- 
erang im Ofen oder Kamin entstanden sein, aber auch aus anderen über oder 
unter dem betreffenden Zimmer liegenden Feuerungen herrühren. Die Gegen- 
wart yon Kohlenwasserstoffen oder Wasserstoff dürfte nur eine seltene sein. Um 
nun Yorlänfig zu prüfen , ob in einer Luft Kohlenoxyd ist, bläst man mittelst 
eines Handblasebalges (Insectenpulverbläsers), dem man ein im Winkel gebogenes 
Glasr(^hrchen aufgesetzt hat, einen 10 — 30 Minuten dauernden, durch eine kleine 
Wasserschicht getriebenen Luftstrom durch die Palladiumchlorürlösung. Es findet 
bei Gegenwart von Kohlenoxydgas in der Luft eine Reduktion in der Metalllösung 
statt, und um so schneller, wenn diese auf circa 40^^ C. warm erhalten wird. 

Auf Aurichloridlösung wurkt Kohlenoxydgas ebenfalls reducirend und 
Gold wird ausgeschieden. 

lieber den Nachweis im Blute vergl. unter Sanguis. 

Hempel (Zeitschr. f. analyt. Ch. 18. Jahrg. 399) mischt das Blut mit gleich 
viel firisch bereitetem Schwefelammonium (Handb. II, S. 882). Er fand, dass 
man mindestens 10 Liter Luft durch verdünntes Blut leiten müsse, um spectralana- 
lytisches Resultat zu erlangen. Eine Maus müsse wenigstens einige Stunden in 
dem betreffenden Räume athmen. Hempel hält die VoGEL'sche Methode des 
Nachweises von Kohlenoxydgas für die beste (dieselbe findet man ausführlich im 
Berichte d. d. ehem. Ges. 11, 235). Man soll in der Weise verfahren, dass man 
dne mit Wasser gefüllte Flasche in dem das Gas enthaltenden Zimmer entleert, 
2 — 3 GC. eines sehr stark mit Wasser verdünnten Blutes, welches eben nur noch 
einen Stich in's Rothe, dabei aber die bekannten Absorptionsstreifen im Spektro- 
skope bei Reagensglasdicke deutlich zeigt, zusetzt und einige Minuten umschütteli 
Em Kohlenoxydgehalt bewirkt sofort eine Farbenänderung in Rosa. Auf Zusatz 
von einigen Tropfen Schwefelammoniums verschwinden die beiden Absorptions- 
stieifen nicht, während dieselben bekanntlich im kohlenoxydfireien Blut bei dieser 
Reaction durch ein breites verwaschenes Band ersetzt sind. Hierbei lassen sich 
nach Yogel's Angabe 0,25 pCt. Kohlenoxyd noch deutlich nachweisen. Nach 
Versuchen Hempel's gelang es nicht, Gasgemischen, welche sehr geringe Mengen 
von Kohlenoxyd enthalten, dieses vollständig mittelst verdünnter Blutlösungen zu 
entziehen. Hempel versuchte nun die Lungen lebender Thiere zur Concentration 
des Kohlenoxydgases. Mäuse, befindlich in zwei mit den grössten Durchmessern 
g^eneinander stossenden Trichtern, die durch üeberspannen eines breiten dünn- 
wandigen Gummibandes mit einander zu einem doppelconischen Räume vereinigt 
waren, wurden der auf Kohlenoxyd zu prüfenden Luft ausgesetzt. Die Ausfluss- 
rohren der Trichter gestatten mittelst Gunmiischläuchen die leichte und sichere 
Verbindung mit den Gasometern. Der Gasstrom wurde so regulirt, dass 10 Liter 
Gas den Apparat in 1 — 2 Stunden passirten, der von der Respiration des Thieres 
herrührende Kohlensänregehalt der Luft überstieg gewöhnlich nicht 1 pCt. Eine 
Vergiftung durch Kohlensäure war also ausgeschlossen. Die Mäuse wurden durch 
Eintanehen in Wasser getödtet und durch Zerschneiden in der Herzgegend reich- 
liche Mengen Blut aus denselben entnommen. Das Kohlenoxydhaemaglobin wurde 
nach Zumischung von frischem, farblosem Schwefelammonium nachgewiesen. 
Schwefelammonium hat vor dem weinsauren Eisenoxydul-Ammoniak den Vorzug, 
dass man bei ihm auch ohne Spectralapparat bei Spuren von Kohlenoxyd eine 
Verschiedenheit der Färbung der reducirten Lösungen leichter erkennt. 

Zur Untersuchung der Zimmerluft schlägt Hempel vor, sich der VoGEL'schen 
Probe in der Weise zu bedienen, dass man wenige CC. verdünnten Blutes in 
einen Absorptionsapparat bringt und dann mindestens 10 Liter Luft hindurch- 
leitet; oder, dass man eine Maus in einer Drahtsiebfalle einige Stunden in dem 



198 Carboneum oxydatum. — Carboneum sulfuratum. 

Räume athmen lässt und dann ihr Blut untersucht. Auf Grund dieser Versuche 
und der Erwägung, dass Kohlenozyd nicht wie die Kohlensäure zu den unver- 
meidlichen Bestandtheilen der Zimmerluft gehört , ist Hempel der Ansicht, dass 
der von Vogel und neuerdings Yon Wolffhbigel ausgesprochenen Ansicht, 
dass geringere Gehalte von Kohlenozyd als 0,25 pCt. vom hygienischen Stand- 
punkt aus als unbedenklich anzusehen seien, nicht beizutreten, dass vielmehr bei 
der Beurtheilung von Heizanlagen vom Standpunkt der Gesundheitspflege aus die 
Gegenwart von Kohlenoxyd überhaupt als unzulässig angesehen werden muss. 



Carbonenm snlfaratnm. 

Schwefelkohlenstoff ist ein ausserordentlich wirksames Conservirungs- 
mittel in allen den Fällen^ in welchen eine Verdunstung gehmdert ist, besonders 
in wässrigen Flüssigkeiten. Hageb conservirte mittelst 1,0 g ein Liter diabe- 
tischen Harnes durch 3 Jahre. Hugo Sohiff hat in dieser Beziehung eine Menge 
von Vei'suchen angestellt und konnte er Fleisch über Jahr und Tag conserviren. 

Femer ist Schwefelkohlenstoff ein Gift für alle parasitischen Wesen. Es ge- 
nügen einige Gramme davon in das Geföss mit Canthariden, Flores Amicae^ Radix 
Bardanae zu giessen und in den Ge&ssen den Schwefelkohlenstoffdunst einige 
Zeit zu erhalten. 

Der Anwendung in der Hauswirthschaft als Conser^rungsmittel steht der Geruch 
entgegen, welchen viele Frauen nicht ertragen können, und die Feuergefährlichkeit 

Die vortreffliche Eigenschaft als üngeziefergift wird, wie Prof. Kirschbaum 
berichtet, bereits an vielen Strafanstalten und Lazarethen benutzt, um die Klei- 
dungsstücke der Vagabunden und Kranken zu desinficiren und von dem daran 
haftenden Ungeziefer zu befreien. Hierzu gehören dichte Kästen mit Einguss- 
einrichtung. Pro Cubikmeter genügen pro Tag 20 CC. Schwefelkohlenstoff und 
eine 3—5 tägige Einwirkung. Die Eier des Ungeziefers sollen ebenfalls dadurch 
lebensun^ig werden. Schwefelkohlenstoff ist das beste Mittel gegen Motten, 
wenn eben luftdicht zu verschliessende Kästen zu Gebote stehen und ein Ein- 
fallen der Flüssigkeit nur alle 2 — 4 Wochen zu wiederholen wäre (pharm. Cen- 
tralh. 1879, S. 194). 

Schwefelkohlenstoff ist der beste Löschkörper flr brennende Schorn- 
steine. Enthält er einige Procente Schwefel in Lösung, so ist eine Wirkung um 
so sicherer. Die Anwendung erfordert viel Vorsicht und müsste eine bezügliche 
Spritze stets zur Hand gehalten werden. Die Spritze besteht aus Zinn, ihr 
Stempel giebt das Maass der Füllung an. Für einen 1-etagigen Schornstein ge- 
nügen 60 g, für einen 2-etagigen 100 g, für einen 3-etagigen 130 g Schwefel- 
kohlenstoff. Der 0,4 — 0,5 Ctm. weiten Oeffnung der gefüllten Spritze, wird ein 
1,5 — 2 m langes circa 0,2 Ctm. weites zinnernes oder aus Messingblech gelöthetes 
Kohr aufgeschraubt und nun entweder der Schwefelkohlenstoff in den Schornstein 
hinaufgespritzt oder wenn dies nicht angeht, in die unterste mit Thür geschlossene 
Schomsteinöffnung ein Bogen Papier angebrannt und auf diesen der Schwefel- 
kohlenstoff aufgespritzt. Dass hier Personen und Thiere während dieser Action 
fem zu halten sind, ist selbstverständlich. 

SchwefelkoUeBStoCIampe behufk Schwefligsäure-Räucherung, Einschwefeln der 
Weinfässer etc. 

Die Lampe besteht aus einem zweihalsigen WuLP'schen Fläschchen von 
200 CC. Inhalt, dessen mittlere Oeffnung mit einem durchbohrten Kork ge- 
schlossen isty in welchem sich eine gerade, einen baumwollenen, federkieldicken 



Carbonenm sulfuntuiu. Sulfocarbotuite. 199 

Dodit bt&gende Glasrfthre, besser und »cherer eioe blecherne 0,1 Gtm. weite 

Bjjhre befindet, die bis ftnf den Boden des Flftschchena reicht Die zweite Oeff- 

nüng des Fl&schchena , darch welche man den Schwefelkohlenetoff einbringt, ist 

iinh einen eine möglichst enge, rechtwinlcelig gebogene Glasröhre tragenden 

Kork geschloBsen. Das Ende dieser 

letzteren Röhre mose von dem Dochte 

der Fljimme mdglichst entfernt sein. 

Du FUachchen wird zu ^/^ mit Scbwe- 

fi;lkohlenstoff gefüllt, wobei wegen der 

KipiosibUitftt des Schwefelkoblenstoff- 
dunpfes grosse Vorsicht geboten ist. 
Reicht die den Docht enthaltende Röhre 
möglichst bis auf den Boden der Flasche, 
so ist die Anwendung der Lampe ge- 
Ehrlos. Beim Gebranche zUndet man 
den Docht an. Diese Lampe l&ast sich 
■neb zum Einschwefeln der Fässer ge- 
brauchen und bietet, da hierbei ein 
Abtropfen von Schwefel, sowie das 
Fallen von Leinwandkohle in die Fässer 
vermieden wird, grosse Vortheile. Die 
ModiGcation besteht darin, dass man 
die den Docht tragende Röhre recht- 
winkelig ambiegt nnd die Flamme durch 

das seitliche Zapflwh in das Fass ein- ^.^ ,„ s.l.w.f,lloM,«uln»»p^ 4 D,d,t 

f:lhrL Bei Anwendung der Lampe gc- ond BUiiioiir, r oUtoe» oitiroht. 

bietet es die Vorsicht, die Lampe vor dem 

AnzDnden in einen grösseren eisernen eine Schicht Wasser haltenden Topf zd 
setzen nnd dafQr zu sorgen, dass der Anztlnder sofort den Ort, wenn der Noth- 
fall eintritt, verlassen kann. Wie die Lampe brennt, wird vorher in der Weise 
verancht, dass man nur eine kleine Menge Schwefelkohlenstoff (20 — 30 CC.) ein- 
fallt nnd die Lampe anzttndet. Diese Lampe ist von F. Eoenig angegeben. 



Die Bestimmung des Schwefelkohlenstoffs in den alkalischen Snlfo- 
carbonaten geschieht nach E. A. Gsete dnrch Titrimng mit einer '/jQ-Nor- 
mallösnog von krystall. Cuprisulfat, welche in 1 CC. 0,003168 Ca enthält und 
deren je 1 CC. 0,0076 Schwefelkohlenstoff entspricht. Znr Darstellung der alka- 
lischen TitrirflOsaigkeit löst mau 3,168 Kupfervitriol, versetzt die Lösung mit 
Setgnettesalz and Natriumcarbonat, bis der anhnga entstehende Niederschlag 
wieder verschwanden ist, nnd verdünnt bis zu 1 Liter. Der beim Titrireu sich 
bUdeade Niederschlag von xanthogensaurem Kupfer setzt sich nach wiederholtem 
Schlagen sehr gnt flockig ab nnd ermöglicht selbst in nicht ganz geklärter Flüs- 
sigkeit mit grosser Öenanigkeit das Ende der Reaction durch Ausblühen der Trü- 
bung nach weiterem Znsatz von einem Tropfen Kupferlösung zu erkennen. 

Der von der Bildung des Xanthogenates bleibende geringe Ueberschnsa an 
Aetzkalt moss durch Zasatz von Natriumbicarbonat unschädlich gemacht werden. 

FiMOT und Bertbahd's Methode beruht &uf der Unbeständigkeit des sulfo- 
caibonBanren Zinks, welches sich in der Kälte langsam und bei 50 — 60° rasch 
■ach der Gleichung ZnS CS, = ZnS -f GS, zersetzt. Man verfUtrt folgender- 
maaasffli. In einen Glaskolben von nngeßlhr 100 CC. Inhalt bringt man 10 g des zn 
nnterancbenden Sulfocarbonates, dann 25 — 30 CC. Wasser und 10 CC einer 



200 Carboneum sulfuratum. — Carica Papaya. 

concentrirten L((Biing von Zisksalfat; die beiden Flüssigkeiten mischen sich nicht 
sogleich, sondern bilden eine halbflüssige Masse. Der Kolben wird mit einem 
zweifach durchbohrten Kork verschlossen. In der einen Dorchbohrong steckt 
ein Glasrohr y welches mit einem Trockenrohr (Bimstein mit Schwefelsäure) ver- 
bunden ist. In der anderen Darchbohrung steckt ein kurzes Glasrohr , das sich 
durch ein Eautschukrohr mit Stöpsel verschliessen lässt. Der Apparat wird ge> 
wogen, dann schüttelt man den Inhalt gehörig, wodurch ein gelber Niederschlag 
von Zinksulfocarbonat entsteht. Hierauf wird gelinde erhitzt, wodurch Zersetzung 
eintritt und der Schwefelkohlenstoff entweicht. Wenn die Masse vollständig 
weich geworden ist, saugt man trockene Luft durch den Apparat, um die letzten 
Spuren Schwefelkohlenstoff zu entfernen, und wägt wieder. Der Gewichtsverlust 
entspricht dem Schwefelkohlenstoffe. 

Kaliiim siilfo • carbonicum, Ealiamsnlfecarbonat, sckwefelkoUenstolTsanres 
Ealiam (oder Kali), solfo- kohlensaures Kali (Ka^CSs + Aq) wird bereitet durch 
Darstellung von einfach Schwefelkalium, indem man in eine Aetzkalilauge bis 
zur Uebersättigung Schwefelwasserstoff leitet und dann ein gleiches Volumen 
Aetzkalilauge zusetzt Dieser Einfach-Schwefelkaliumlösung setzt man eine ge- 
nügende Menge Schwefelkohlenstoff hinzu. Das Kaliumsulfocarbonat kommt in 
wässriger Lösung, auch als krystallisirtes Salz in den Handel und wird zur Ver- 
tilgung der Reblaus (PhyUoxera vastatrtzj gebraucht. Ebenso das 

Kali aetkylosnlfo-carbonicam, Kaliom lanthogenif nm , Kaliamiantkogenat, 
Kaliumsalfocarbonat, aethyliaathogensaores Kaliam (K,C2H50,CS2), welches entsteht, 
wenn man eine mit Aetzkali gesättigte weingeistige Lösung zuerst mit Schwefel- 
kohlenstoff versetzt und dann mit einem mehrfachen Volum Aether schüttelt 

Kaliumxanthogenat ist wie Schwefelkohlenstoff ein ausserordentlich 
kräftiges Conservirungsmittel , welches Fäulniss und jede Art von Gährung zu- 
rückhält und zugleich ein Gift für kleine Thiere, Würmer, Insecten etc. ist. 

Der Anwendung als Conservirungsmittel in der Oekonomie steht der Geruch 
entgegen, welchen die meisten Frauen nicht ertragen können. 

Zahnsehmerzmlttel von Gustav Traberth in Eisenach (mit electrischem 
Strom). Ein längliches, einlöthiges Fläschchen, am Boden eine kleine Schicht rothge- 
färbter Baumvolle, getränkt mit Schwefelkohlenstoff und wahrscheinlich versetzt mit 
1 l>opfen Senföl. 10 Tropfen der Flüssigkeit stehen über die Baumwolle hinweg. 
(1,5 Mark.) (Hager, Analyt.; 



Carica Papaya. 

Carica Papaya Linn., Papaya Carica Gaebtker, Melonenbaum, Papay- 
baum, eine in Südamerika einheimische, in anderen tropischen Ländern viel 
cultivirte, bei uns in Gewächshäusern gezogene Papayaceo. 

Snceus reeens Caricae Papayae, Saccus Papayae, lelonenbannsaft, Papaya^ 
saft, der fi-ische Saft der Blätter und des Holzes des Papayabaumes. 

Dieser in Brasilien mit Papay oder Mamaoeria bezeichnete p&lmenähn- 
liehe , astlose , bis zu 6,5 m hohe , sich aus dem Samen ungemein schnell ent- 
wickelnde , im dritten Jahre seines Alters schon 0,3 m dicke , jedoch im vierten 
und fünften Jahre schon absterbende, fortwährend Blüthen treibende und Früchte 
reifende Baum hat einen krautartigen Stamm und langgestielte gipfelständige 
grosse bandförmige, 7-lappige Blätter, aus deren Winkeln blassgelbe, kressenartig 
riechende und schmeckende Blüthen hervortreten, und längliche, gefurchte, melo- 
nenäbnliche, 5-kantige beerenartige, einfächerige, bis zu 7,5 k schwere , anfiangs 



grflne, dann galbe Frfichte mit sflBsem' wohtschmeckendem Fleische und milch- 
Ihnlichem Safte, mit vielen Samen vom Geschmacke der Indischen Kreaae. , 



Fif. II. Cirica Fipa^i. a Oborer Theil d« fiiiohUtuFDdcn Eiuidm <|» GiGiia, i Blnnllch», 

röEiie trichlernroiige, i^pdtig« BlAttaa. a %-thalltg« weibliche Blttbe nil ttlllfliippig«! nkarbttt 

Sub« n( den Pistill, d Frtchta, eine denalbsB io dti Mitte «Her doiclKCblilteD. SimeD u 

nnf «tndsUtndigeD Simestitgerii. 

Holz nnd Blatter sind strotzend aTigefllllt mit einem neutralen gelben bitteren 
scharfen Milchsafte, welcher peptische Eigenschaften besitzt nnd seit je als Arznei- 
«obstanz von den Eingeborenen benutzt wnrde. Aus Einschnitten in den asoh- 
^nen glatten ßanmstamm flieast der Saft reichlich aus und coagulirt an der 
Luft unter Abscheidung eines dicklichen und eines dünnflüssigen Theiles. Dni%h 
Znsatz von Zucker, Olycerin, Aether, Chloroform ISsst er sich conserviren nnd 
verschicken. Milch wird durch den Saft coagnlirt, aber dann völlig in eine 
H-äserige 'Flüssigkeit verwandelt. Eiweiss, Kleber, Fleisch, Blutfibrin erwacht er 
and löst äe langsam, leicht bei 30 — 40'> C. auf. Auch Taenien, Spnlwflrmer, 
Ascariden werden davon getüdtet und gelöst. Als Wurmmittel gebrauchten in 
Amerika die Aerzte den Saft schon seit lauger Zeit. 

ripiriii, firalni, Pipajiinim, Pipijin, F&filB, PflanKB^epiii, ist der wie 
Peimn wirkende Steff im Safte des Papaybanmes. Er enthalt 10,6 Proc. Stick- 
ätoff. Zn seiner Darstellung wird der frische Saft durch ein feinmaschiges Cola- 
torium grossen oder der geronnene Saft filtrirt und der im Filtmm verbleibende 
Rflckstand mit Wasser ausgewaschen. Die Colatur wird bei gelinder Wilnne, 
sm besten im Vacnnm auf ein geringes Volumen eingeengt, dann mit einem viel- 
fachen Volumen Weingeist versetzt, der Niederschlag nochmals in Wasser gelöst, 
wiedernm mit Weingeist ausgefällt und in gelinder Wärme (30—351* C), am 
liesteu im Vacnum, ausgetrocknet. Dieses Papayin bildet ein amorphes weias- 
liehcs, in Wasser losliches, schwach zusammenziehend schmeckendes Pulver, dessen 
wkssrige Lösnug sich beim Kochen trtibt nnd mit Weingeist, Bleiacetat, Gerb- 
eanre, SalpetorsÄnre ete. Fallnngen giebt (WimTZ, Bodohut). 0,1 Papayin löst 
10,0—20,0 Blntßbrin, sowohl in neutraler, wie in saurer oder alkalischer FIDs- 
sigkeit. 

Papayin wird wie Pepsin angewendet, ist aber noch nicht im Handel. 
Da es an^ auf Crotipmembranen nnd diphtheritische Vegetationen schnell lösend 



202 Carica Papaya. — Caro. Floißchaaft. 

wirkt, 80 dürfte es auch bei allen den ErankheiteD, wo Mikrococcen, Bacterien 
und ähnliche Wucherungen zu beseitigen oder deren Bildung zurückzuhalten 
sind, Anwendung finden. 



Caro. 

Svceiis Carni8 recens eipressvs, frisck gepresster Fleiscksaft. Wie eine 
Hand grosse und dicke Muskelfleischstttcke des Rindes werden durch Zwischen- 
lagerung von reinen leinenen Lappen übereinander geschichtet und dann mit 
einer kräftigen Presse ausgepresst. Die auf diese Weise gesammelte Flüssigkeit 
wird, wenn nothwendig, colirt und in kleine Flaschen bis zur Mündung einge- 
füllt. Die Flaschen werden mit Spitzkorken geschlossen, so dass der Kork etwas 
Fleischsaffc verdrängt. Die Aufbewahrungszeit ist V/^ Tag, im Winter 2 bis 
3 Tage. 

Dieser Fleischsaft ist blutroth, von schwach saurer Reaction, von Fleisch- 
geschmack und Geruch. Nach VoiT und Bauer hinterlässt er beim Abdampfen 
6 Proc. trockne Substanz. Man giebt den Saft in Fleischbrühe oder einer dünneu 
Lösung von Fleischextract, auch wohl rein zweistündlich einen Esslöffel. 

Fleischsaftklystier. 300,0 Rindermuskelfleisch und 150,0 Bauchspeicheldrüse 
werden fein geschnitten und gewiegt, hierauf kräftig zeistossen, dann durch ein 
Haarsieb gerieben und nun die durchgeriebene Masse in einem Porzellanmörser 
mit lauwarmem Wasser soweit verdünnt, dass 3 Gläser k 180,0 damit angefüllt 
werden. Ein Zusatz von 1,0 Salicylsäure soll die Flüssigkeit auf mehrere Tage 
conserviren. 

flesellsehaft fflr Fleischprodaction zu St. Petersburg stellt Fleischsaft im 
Grossen dar durch Auspressen des frischen vom Fett befreiten Rindfleisches und 
Filtration, natürlich für den alsbaldigen Absatz berechnet, denn die Dauer des 
reinen Fleischsaftes ist nur auf 1 — 1^2 Tag anzunehmen. Von diesem Fleisch- 
saft berichtet J. Martenson, dass das spec. Gew. 1,031 — 1,037 betrage, dass 
er eine klare fleischrothe Flüssigkeit darstelle und unter dem Mikroskop verein- 
zelte Blutkörperchen und Fettkügelchen zeige, in der Siedehitze erstarre, dass 
schon bei 45^ die Ooagulation beginne und er in Proc. aus 6,12 organischer, 
1,04 mineralischer Substanz und 92,84 Wasser bestehe. Die 6,12 org. Substanz 
setze sich zusammen aus 3,86 Albumin, 0,3 Zucker und 1,96 Leim, Kreatin, 
Inosin etc. In 1,04 mineral. Substanz fanden sich 0,064 Phosphorsäure. 90 proc. 
Weingeist löst aus dem Fleischsafte 4 Proc. 

Das Fleisch giebt nach Martenson höchstens 50 Proc. Saft und die ersteren 
Pressungsflüssigkeiten enthalten stets weniger Albumin als die späteren mit 
grösserer Kraft abgeschiedenen. 

Flaschenbouillon wird nach Dr. Uff£lmann in Rostock in folgender 
Weise bereitet (pharm. Centralh. 1880, No. 21): Frisches, vom Fett so weit als 
möglich befreites Rindfleisch oder Kalbfleisch, in kleine, etwa bohnengrosse Stücke 
zerschnitten, giebt man in Mengen von 250 bis 500 g, ohne jeglichen Zusatz in 
eine Flasche, korkt letztere leicht zu, stellt sie in ein Gefäss mit warmem Wasser, 
erhitzt dieses langsam und erhält es 35 — 45 Minuten hindurch nahe dem Siede- 
punkte. Nimmt man nun die Flasche wieder heraus, so findet man in ihr dne 
gelbliche oder bräunliche BrQhe; dies ist die sogenannte Flaschenboüillon, welche 
man von dem Fleische einfach abgiesst und ungeseiht verabfolgt. 100 Theile 
so bereiteter Rindfleisch-Flaschenbouillon enthalten 1,73 Th. Salze neben 5,53 Th. 
organischer Substanz und in letzterer 2,69 Th. sogen. Extraktivstoffe und 



Caro. Fleiscliconserven. 203 

1.84 Th. ProteKn und Leim; die Salze selbst sind vorwiegend Kalisalze. Diese 
Bouillon Ist wenig haltbar, mnss daher jeden Tag firisch bereitet werden. Die 
ans Kalbfleisch in derselben Weise gewonnene Bouillon ist reicher an Leim* 
gabstanz, ärmer hing^en an Protein , Extraktivstoffen und Salzen. Sie enthält 
in 100 Th. 1,58 Th. Salze und 5,77 Th. organische Substanz, wovon 2,95 Th. 
Extraktivstoffe, 1,95 Th. Leim und 0,87 Th. Protein sind. 

CiiserriniHg des Fleisches. Dieselbe kann auf verschiedene Weise be« 
werkstelligt werden. Salze, welche die Conservirung erreichen lassen, sind die 
Alaunerdesalze, besonders Alaun, Kaliumsulfat, Kaliumnitrat, ELaliumborat in 
wissriger Lösung, Borsäure gemischt mit Yio Kaliumphosphat. Flüssigkeiten 
sind Schwefelsäure oder Phosphorsäure (3 — 4procentige), Schwefelkohlenstoff, 
Chloroform, Aether, die meisten zusammengesetzten Aether, welche dem Wasser, 
worin das Fleisch liegt, zuzusetzen sind. Zu vermeiden sind Natronsalze. 

Die Japanesen tauchen das Fleisch auf 3 Minuten in kochendes Wasser 
(behufe Coagulation der Eiweisskörper), und legen es dann in Wasser, welchem 
sie eine Schicht fetten Oeles aufgiessen. 

Fleisehcenserren sind in Menge in den Handel gekommen. Unter denselben 
sind vorzügliche Präparate: 

Courousa aus der Conservenfabrik von J. B. Jaoqüieb in Nantes. Sie 
ist in Bacillenform gebracht und von Stanniol umhüllt. Jede Bacille ist 11 cm 
lang und hat ein Gewicht von circa 45 g. Die Courousa ist eine bräunliche 
Substanz, welche trocken und in heissem Wasser zertheilt genossen werden kann. 
Der Geschmack erinnert an Fleisch und Cacao. Die Bestandtheile sind in Pro- 
eenten 42,2 Fleischmehl, 47,0 Stärkemehl, 4,3 Salze, 5,2 Wasser. 2 Bacillen 
in 0,5 Liter Wasser 10 Minuten gekocht liefern eine kräffcige braune Fleischsuppe, 
welche in der Ruhe einen Bodensatz (Gries) bildet. Der Aufbewahrungsort muss 
sehr trocken sein, im andern Falle schimmeln die Bacillen. 

Eine Conservirungsmethode für Fische, diese mit Salicylsäurelösung unter 
Dmek zu imprägniren und dann mit Gelatineschleim zu übergiessen, dürfte wohl 
keinen Eingang finden, denn Salicylsänre ist wohl ein Antizymoticum , aber kein 
Antiseptieum. Die in dieser Art behandelten Fische sind, wenn sie nur einen 
Tag mit der Luft in Berührung waren, nicht mehr geniessbar und der Ge- 
schmack der soeben aus der Gelatinemasse entnommenen Fische war trotz Ab- 
waschens kein angenehmer. Emil Jacobsbn fand sie ebenfalls wenig dauerhaft. 

Fleisekbrot-ConserTe, Pain de sonpe, ein sich gut conservirendes Präparat, um 
daraus mit kochendem Wasser sofort eine wohlschmeckende und kräftige Suppe 
darzustellen, welches auch im Kriege 1870 in Frankreich Anwendung fand. Zur 
Darstellung di^er Broteonserve hat man verschiedene Wege eingeschlagen. 

Wenn man Fleisch mit Mehl gemischt unter Hinzufügung von Sauerteig der 
Brotgährung unterwirft, so geht das Fleisch während der Gährung in die Brot- 
maase über und es verbleibt keine Spur von unverändertem Fleisch im Brote. 
Auf solche Weise hergestelltes und getrocknetes Brot zeigt nach 7 Jahren 
keinerlei Veränderung, wenn es nicht etwas ranzig schmeckt, vom Fettgehalte 
des Fleisches herrührend. Zur Herstellung des Teiges macht man eine Misch- 
ung von 550—575 Th. Mehl, 50 Th. Sauerteig und 300 Th. zerhacktem, gut 
zerkleinertem Fleisch. Unter Zusatz der nöthigen Menge Wasser wird ein Teig 
von gewünschter Steifheit hergestellt. Derselbe wird behufö Gährung 3 Stunden 
hindurch lauer Wärme ausgesetzt und dann in gewohnter Weise verbacken. 

IKe Gährung erzeugte hierbei stark saure Produkte, die zwar durch Natrium- 
bicarbonat gehoben werden konnten, allein das hieraus resultirende Brot besass 
einen weniger angenehmen Geschmack als das ohne Natron dargestellte. Es 



204 Oaro. FleischprUparate. 

wurde darauf das zu verbrauchende Fleisch vorher mit der zur Herstellung des 
Teiges nöthigen Wassermenge eine Stunde lang gekocht, von diesem Momente 
an waren die Gährungserscheinungen constant und trat keine überschüssige Säure 
mehr auf. Die Menge des anzuwendenden Fleisches darf 50 Th. auf 100 Th. 
Mehl nicht übersteigen , zahlreiche Versuche bewiesen, dass dann die Oährung 
eine unvollständige ist. 

Das so erhaltene Brot hat ungetrocknet einen angenehmen Geschmack, wel- 
cher sich durch Zusatz von Salz verbessern Hesse, wenn dadurch das Brot nicht 
hygroskopisch würde. Zur besseren Conservirung setze man dem Brote lOProc. 
feines Knochenmehl hinzu, welcher Zusatz den Geschmack nicht beeinflusst. 

Fluid leat (flüssiges Fleisch), ein theurer concentrirter syrupdicker Fleisch- 
safb, dessen Eiweissgehalt in Pepton umgewandelt ist oder sein solL Die Farbe 
ist braun, der Geschmack und Geruch erinnert an Fleischextract und Leim. 
2 Esslöffel sollen 625 g Fleisch entsprechen. Nach Rubneb besteht das Prä- 
parat aus 79,21 Proc. Trockensubstanz und 20,79 Proc. Wasser, 18,64 Proc. 
Asche. Zur Darstellung eines ähnlichen Präparats löst man 100 Th. Büschen- 
THAL'sches Fleischextract, 8 Th. Kochsalz und 4 Th. Kaliumchlorid in 20 Th. 
Wasser und 12 Th. Weingeist, lässt absetzen und decanthlrt. 

Ieat-Jiuc6, Valentine's, ein concentrirter, im Vacuum eingedickter Fleisch- 
saft in Flaschen zu 60,0, angeblich entsprechend 2000,0 Fleisch und ESweiss 
enthaltend. J. Forsteb fand eine schwach saure Reaction, 40,84 Proc. feste 
Substanz, 59,16 Proc. Wasser. Die feste Substanz ergab in Proc. von dem 
Gewichte des Fleischsaftes 13,88 Asche, 26,96 verbrennliche Stoffe, 0,73 Ei- 
weiss, 3,45 Stickstoff und 20,50 in 90 proc. Weingeist nicht lösliches. Hager 
fand (ph. Centralh. 1879, S. 213, 214) 1,8 Proc. Eiweisssubstanz , 70 Proc. in 
Weingeist lösliches, 49,1 Proc. feste Substanz und 9,79 Proc. Asche. (Die 1. c. 
angegebenen 18 Proc. Eiweiss sind einem Druckfehler zuzuschreiben.) Haoeb 
fand in einem Fläschchen 72 g Inhalt; Preis einer Flasche 5 Mk. 

Dass das Präparat ein vortreffliches ist, unterliegt wohl keinem Zweifel, 
es ist nur zu theuer und wird es durch die billiger zu beschaffenden Fleisch- 
extracte Liebig's und Anderer vollkommen auch ersetzt. Bezugsquelle Gosbtk, 
Stacey & Cp., 300, high Holborn, London, femer Wittig & BenkendobJ'^, 
grttne Apotheke, Chausseestr. 21, Berlin. 

lastTiekpnher von L. Barthold & Cp. (Dresden) scheint ein pulveriges 
Gemisch aus Weizen- und Roggenkleie, grobem Roggenmehl und Fleischmehl mit 
5 Proc. denaturirtem Viehsalz zu sein. Heinrich fand in Procenten 9,6 Feuchtig- 
keit, 90,4 Trockensubstanz, 8,08 Fett, 47,25 Kohlehydrate, 27,30 Proteinkörper, 
1,72 Rohfaser, 6,05 Asche, wovon 4,67 Kochsalz. Viertel-Originalbttchse mit 
750 g Inhalt wird mit 5 Mark bezahlt, während nach Berechnung des Nähr- 
werthes pro Centner 9 Mk. den wahren Werth darstellen sollen. 

Fleischfaserzwieback fBr Hunde aus New-York, ein künstliches Futtermittel aus 
Mehl, Fleischfaserstoff, Datteln und anderen „Ingredienzien," welches die Vor- 
abfolgung anderen Futters ttberflassig machen, sowie dem Thiere besonders Aus- 
dauer, kräftige Muskeln und starke Knochen verleihen soll, enthält nach E. Kern's 
Untersuchung eingetrocknete Fleischfaser, neben derselben aber auch beträchtliche 
Mengen structurloser hyaliner Knorpelmasse. Das Verhältniss der stickstoffhaltigen 
Nährstoffe zu den stickstofffreien Bestandtheilen ist wie 1 : 3,70. (50 k 24 Mk.) 

fehl für Geflügel aus New-York, ein künstliches Futtermittel aus gemahlenem 
Fleischfaserzwieback, Mehl, liupinen und Sonnenblumensamen, als Eier erzengendes 
und nährendes Futter für Geflügel empfohlen. Die mikroskopische Untersuchung 
lässt nach E. Kern die Anwesenheit eingetrockneter Fleischfaser zwar erkennen, 



Caro. Fleischprüfung. 205 

dooh zeigen sich neben derselben beträchtliche Mengen stnictnrloser hyaliner 
Knoipelinaasey neben einem Gehalt von 5,58 Proc. der lufttrocknen Substanz an 
Calchmicarbonat. (50 k 24 Mk.) 

Das Fleisch, obgleich in der elementaren Zusammensetzung gleichartig, 
zeigt dennoch bedeutende Verschiedenheiten, je nach Art^ Alter und Ernährung 
des Thieres, Die Erkennung der verschiedenen Fleischarten wird nur durch 
eine oft wiederholte praktische Anschauung eine sichere. Der Feuchtigkeits- 
gehalt variirt zwischen 70 — 83 Proc. Das Fleisch alter oder schlecht genährter 
Thiere ist stets das wasserreichere. An der Consistenz, der Farbe, dem Geruch 
des die Muskelfaser begleitenden Fettes lässt sich in den meisten Fällen das 
Herkommen des Fleisches beurtheilen. 

Verdorbenes, ungesundes Fleisch. Ein fHsches und gesundes Fleisch 
zeigt seine ihm eigenthümliche lebhafte jothe Farbe, ergiebt beim Druck mit dem 
Finger darauf eine gewisse Festigkeit, verschwistert mit einer eigenthümlichen 
Geschmeidigkeit und Elasticität. Die mit dem Finger bewirkte Vertiefung ver- 
schwindet mit aufhörendem Drucke, ein Hervortreten des Saftes darf an der ge- 
drückten Stelle nicht stattfinden und d r Finger darf nicht nass werden. Das Ver- 
halten des guten Fleisches beurtheilt man sehr bald, wenn man ein solches Fleisch 
öfter befühlt, überhaupt durch die Sinne prüft. 

Je wärmer und feuchter die Temperatur der Luft, um so le'chter und 
schneller geht das Fleisch in einen putriden Zustand über. Dieser Zustand 
giebt dch zu erkennen durch den Geruch, durch Annahme einer dunkleren oder 
violetten oder schwärzlichen Farbe, Fliegen drängen steh, sich auf das Fleisch 
zu setzen, Eier darauf zu legen und dann wird das Fleisch der Wirth von Maden- 
eolonien. In der kälteren Jahreszeit tritt der Zersetzungsprocess später ein und 
geht dann auch nur langsam vorwärts. Bei einer Temperatur unter dem 0-Punkt 
Irts hinauf auf + 2^ C. findet keine Alteration statt, bei + 2 bis 5® C. tritt 
sie unmerklich ein und erst nach Verlauf von 5 — 8 Tagen macht sie sich den 
Sinnen im geringen Maasse kenntlich. Das dem freiwilligen Zersetzungsprocesso 
verfallene Fleisch verändert die Farbe, es wird missfarbig, beim Druck mit dem 
Finger ftlhlt es sich mehr oder weniger schwammig an, der zurückgezogene 
Finger ist an der Stelle, an welcher er mit dem Fleische in Berührung war, 
feucht; auch wohl klebrig-feucht. Bei kräftigerem Zusammendrücken des Fleisches 
zwischen den Spitzen des Daumens und Zeigefingers quillt klebrige Feuchtigkeit 
hervor, wenn das Fleisch in einem Znstande ist, in welchem es selbst durch 
Braten nicht mehr in eine geniessbare Form versetzt werden kann. Der Geruch 
wird letzteres bestätigen. Man bedient sich auch wohl der empirischen Methode, 
ein ca. 10 g schweres Fleischschnitzel mit Kraft gegen die perpendiculär gehaltene 
Fläche der linken Hand zu werfen. Klebt es dieser so an, dass es nicht als- 
bald abfilllt, so ist das Fleisch verdorben. 

Das Fett widersteht der Fäulniss am längsten, es kann desshalb kein Merk- 
mal in der Prüfung abgeben, wohl aber eignet sich das Gewebe an den Stellen, 
an welchen Fettschichten die Muskelfasercomplexe durchsetzen, zu berühren, zu 
drücken und zu streichen. Hier sondert sich der Saft des verdorbenen Fleisches 
am reichlichsten ab, welcher durch das Maass seiner klebrigen Beschaffenheit die 
vorgeschrittene Zersetzung sicher erkennen lässt. 

Während ein Fleisch eines nicht alten und gut ernährten Thieres, also ein 
gutes und gesundes Fleisch durch Kochung weder einschrumpft, noch am Ge- 
wicht stark Einbusse erleidet, noch hart und zähe wird, beobachtet man an dem 
Fleische alter oder schlecht ernährter Thiere das Gegentheil. Durch Austrocknen 



206 Caro, AtnyloH. Hihbrnndbacterieo. 

laast eich dieser Unterschied leicht feetstellen. Das Moskelfleisch der gnten 
Qaalitftt klein geschnitten und völlig in der Wärme des Wasserbades ausge- 
trocknet verliert höchstens 73 Froc. Feuchtigkeit, die schlecht«re Sorte dagegen 
bis zn 83 Proc Das Fieiech, welches weniger als 70 Proc. Feuchtigkeit ent- 
hAlt, ist anch das vorzüglichste. 

Die Abkochung eines frischen Fleisches reagirt schwach sftuerlich, nnd Ge- 
ruch und Geschmack sind nicht unangenehm, di^enige eines Fleisches, welches 
fkulig alterirt ist, ist alkalisch und Geruch und Geschmack sind widerlich. Das 
fVische Fleisch mit 10 proc Aetznatronlauge zerriehen giebt kaum Spuren Ammon, 
das alterirte Fleisch dagegen reichlich Ammon aus. Diese letztere Reaction er- 
giebt meist auch ein Fleisch von Vieh mit einer ansteckenden Krankheit. 

Unter dem Mikroskop wird das gesunde und frische Fleisch eine klare 
mehr oder weniger durchsichtige Muskelfaser zeigen, das alterirte oder kranke 
Fleisch eine weniger klare nnd weniger scharf begrenzte Muskelfaser, begleitet 
von ungewöhnlichen Gebilden (vergl. weiter nnten). 

Die Aufetellung einer CharahieriBtik guter und gesunder Fl^schconserven 
ist eine schwierige Aufgabe. Hier kann nur der Vergleich mit guter Waare zu 
einem richtigen Urtheile fuhren. 

Krankhafte oder paraütische Gebilde im Fleische giebt es eine grosse Menge. 
Hier können nur die wichtigsten Erwähnung finden. 



Aajhld. Mit diesem Namen bezeichnet man eine eigenthdmliche, den Ei- 
weisskörpem verwandte, also stickstoffhaltige Substanz, welche in gewissen Er- 
krankungen der Leber, Milz, Nieren sich anatomisch durch Einlagerung einer 
homogenen, stark lichtbrechenden scholligen Masse in die Gewebe zu erkennen 
giebt und die amylolde Entartung darstellt. Die amyloVde Substanz wird 
dnrch w&ssrige Jodlösung mahagoniroth und bei nachherigen Zusatz von Schwe- 
felsäure blau gefUrbt. Heschl fand, dass das Dahliablau (die Basis der Lbon- 
HASDi'schen Tinte] auch Jodviolett genannt, die amylolden Theile roth, die an- 
deren Theile aber blau fUrbt, ohne die Durchsichtigkeit des Gewebes zn stören, 
■wie jene (MsissEL-ViBCHOw'sche) Jod-Schwefelsäurereaclion. 






TW, Vi, PaU«ider'e<li8 Körperchaii im Uiltbriiid- Fig. 13. ts Schleim Esriniel , i in tUrktiei Tarcr., 
blDU, «OOficIi« Vergr. c Eitartfcpsrclian, f OihipIlM, IJOfieh» Vargr. 

lillbraidbaeUriea, PoLLENDSs'sche Körperchen (Baderium anthracicum 
BoLUNBEB, BaciÜm antkracU Cobn) im Blute an Milzbrand leidender oder 



Coro. Psoroapermieii. 207 

verendeter Thiere sind mikroskopisch kleine cylindrische atäbchenförmige, glatte, 
einer freiwilligen Bewegung nicht fähige Gebilde. Das Blut ist damit aberfQIlt. 
fjoe Verwechaelang mit Blutkrystallen ist nicht gut möglich und wäre durch 
eine stSrkere mikroskopische VergröSBernng zu conatatiren. Die gewöhnlichen 
bewegnagefthigen Bacterien, Micrococcen, Vibrionen, B&cillen konunen in dem 
Blnte der milzbrajidk ranken Thiere nicht vor. Die Milzbrandbaoterien sind keine 
orgaiÜBirten Wesen (Habz). Dass sie den Milzbraadinfectionsatoff darstellen, ist 
noch nicht sicher erkannt. Bei der Untersuchung ist Vorsicht nOthig und ist es 
pt, wiederholt an Äether zu riechen, auch einige Tropfen davon einznnetunen. 



Synchyirium Mischenanum , MiESCHEa'sches oder RAiNEY'sches KCr- 
perchen, Psoroapermie. Mit diesen Namen bezeichnet man Oi^anismen, 
«elehe den Gregarinen sich anreihen, innerhalb des Zellgewebes innerer Organe 
des Thien». Eine zarte HllUe, bestehend aus structurloser Membran, in ovaler 
oder wnnnßtrmig gestreckter oder schlauchartiger Form umschliesst eine kömige 
Hasse, bestehend aus mikroskopisch kleinen kngligen oder eiförmigen Zellen mit 
Zellkern. Die Hulle und Zellkern fehlen zuweilen und ist die körnige Masse 



zwischen den Fleischfksem zerstreut gebettet Die Hallen mit ihrem Inhalt sind 
von verschiedener Grösse, mikroskopisch klein bis bohnengrosa und durchsetzen 
das Pleisch oft massenhaft, dasselbe granstreifig und missfarbig erscheinen lassend. 
Obgtach dne PsorospermienhUUe mit ihrem körnigen Inhalte farblos ist, so er- 
scheint sie anter dem Mikroskop grau und zart pnnktirt, so dasa eie sich von 
der klaren nnd dnrchBlcbtigen Muskelfaser leicht unterscheiden IBsst. Ueber den 
pithologiechen Wertfa dieser Gebilde ist man noch nicht zu einem sicheren ächlosee 



208 Cart). Bacterien, Hicrococcen. 

gekommeo and man b&lt sie tOi nnBchSdlich. Es kommt eben anf ihre Menge 
an und tuLt man beobachtet, dasa Schafe dann verendet sind. Schweine, in 
denen diese Gebilde h&nfig vorkommen, echeinen in ihrem Wohlbefinden zwar 
wenig hritirt zn werden, dennoch Bchmeckt ein von PsoroBpermien dnrchwnchert«» 
SchweinefleiBch weicbUch nnd nicht kräftig nnd ein aolchea Fleisch neigt stärker 
Knr F&nlniss. Dasa ein eolchea Fleisch roh genossen dem Hensehen nicht zu- 
tilLglich ist, dass Menachen, welche solches rohes Fleisch mit B^erde assen, 
sp&ter kr&nkelten nnd Ivesondera zu Hydrops neigten, glaubt Haseb beobachtet 
m hqben. Gekocht oder gebraten ist dieses Fleisch sicher unschädlich nnd wurde 
dasselbe anch bisher poliz^hcb nicht beanstandet. 

Der dnrch das Gefüge der Mnakelfosem zerstreute Inhalt der PsoroBpennien- 
bläschen ist nicht zn verwechseln mit Schleim-, E^tei- nnd andern Körperchen, 
Hicrococcen etc. 

Baeterieo, limeiecen, Eiter, SctteinklrperckCB nnd andere, dem gesunden 
Fleische nicht angehörende Gebilde. Um das Fleisch mikroskopisch auf seine 
Brauchbarkeit und Verwendbarkeit als Nahrungsmittel zu prüfen, ist eine sichere 
Eenntnisa von Form und Gestalt der 
Mnskelßuer und Fettblftschen, Oberhaupt 
die Eenntnise von den Gewebeelementen 
des Fleisches nothwendig, denn dann 
und abweichende Gebilde wie Bacterien, 
Hicrococcen, Spirocbaelen , Eiterbläs- 
chen, SchleimkOrperchen, LymphkSrper- 
eben etc. leicht zu erkennen. Viele 
der Bacterien, wie Bacterium termo, 
Spirochaete, SpiriUum, erfreuen sicli 
lebhafter Bewegung und entgehen daher 
dem Auge nicht. Sie sind Anzeichen, 
dass das Fldscb der freiwilligen Zer- 
setzung entgegen geht und nicht ge- 
sund ist. In H&geb's Mikroskop und 
seine Anwendung finden sich mikro- 
skopiscbe Abbildungen vom Eiter, 
. I'?- '£■ ." "^n,™ *!"°''' fo";"?""',"'^ , Schleim, Lymphkörperchen, Gährpilzeu, 
rinaofoni;. £ Eit>[körpsicb«n. Blut, Sarcimeu otc. Demselben emo 

Dnrohsicbt zu widmen, auch selbst 
Versuche anzustellen, Fleisch foulen zn lassen und mikroskopisch zu prtlfen, sei 
denen empfohlen, welche m die Lage kommen können, nach dieser Seite hin Gut- 
achten oder dn Urtheil abgeben zn mUasen. 



TricAma spiralis Owen, Trichine, ein Rundwurm aus der Ordnung der 
Fadenwdrmer oder Nematoden, ein Schmarotzer im Muakelfleische vorwiegend der 
Schweine, dann in dem Fleische der Menschen nnd vieler Thiere, wie Katzen, 
Hunde, Ratten, Mäuse, FUehse, Iltis, Marder, Hamster, Dachs, Igel, Waschbär, 
also Thieren, welche Fleiach fressen, dasa aber auch die Trichine auf Nicht- 
fleischfreaser fibertragen ist, unterliegt keinem Zweifel nnd kann sie auch im 
Kaninchen und Hasen vorkommen. Gleniesst der Mensch (oder das Thier) tri- 
chinigee Fleisch, in welchem die Trichine noch auf der Wanderung durch die 
Muskeln begriffen iat oder bereits einen Ruhepankt als eingekapselte, d. h. ^s 
töne kalkige eiförmige HiÜle eingeschlosaene Trichine gefunden hat, so entwickelt 



Caro. Trichine. 209 

sf. Äcb im Dsirmtanale geschlechtlich. Die männliche Trichine zeichnet sich 
änrch i^wei lappenartige FortsStae am Schwänzende aus. Die weibliche Trichine, 
Tridüaennratter bringt eine Woche nach Einftlhrung in den Magen etwa 100 le- 
liendige Junge (Embryonen) zur Welt und fährt in dieser Erzeagung 6 — 8 Wochen, 
väbrcDd der Lebensdaner der Muttertrichine, fort, so dass dieselbe 500 — 1000 Em- 
bryonen entleert. Die Embryonen wandern in die Muskeln über und in diesen 
weiter, zngleich wachsend und an Grösse zunehmend, finden endlich einen Ruhe- 
pankt, rollen sich spiralig zusammen, die Lagerstelle ausbuchtend und dieselbe 
reizend, Bo dass sich um die Trichine eine Lagerung einer kalkhaltigen Haut 
bildet, welche an Dicke zunimmt, bis endlich die Trichine von einer undurch- 
sichtigen Hülle nmschlossen ist Eine solche Kapsel beherbergt gewähnlich eine, 
zuweilen auch 2 — 4 geschlechtelose Trichinen. Diese Wanderung der Embryonen 
m die Muskeln, m^ sie auf dem Wege der Blut- und Lymphgefässe oder durch 
Durchbohmng der Darmwände geschehen, dauert so lange als Embryonen zur 
Wdt kommen. Die Wanderut^ in den Muskeln ist ebenso eine unausgesetzte, 
bis ein Hindemiss entgegensteht. Ein solches Hindemiss bilden die sehnigen An- 
atze der Mnskeln, durch welche diese an die Knochen angeheftet sind. Hier 
konunen die wandernden Trichinen meist zur Ruhe und kapseln sich ein. Um 
die sehnigen Ansätze herum und an den sehnigen Zwerchfell ansätzen findet man 
die meisten Trichinen. Wanderung und Einkapselung dauern 2 — 3 Wochen. In 
dieser Einkapselnng zeigt die Muskeltrichine einen Scheintod und zwar so lange, 
liis sie in den Magen eines Thieres gelangt, dessen saurer Magensaft die kalkige 
Holle lOet nnd die Trichine frei macht. Es erfolgt nun die geschlechtliche Ent- 
wickelnng, nnd in dem neuen Wirth erfo^ die Vermehmng und Wanderung wie 
angegeben. Die in Folge dieses Voi^anges entwickelt« Krankheit, Trichimaaia 
oder Trichinose, endet sehr häufig letaL 



Fi«. IS. Hsk«n*inAft«Td«r Fig 17. W«i bliebe Tri chln«, Flg. B. etngebuslta 

Btnilichen Trichine. IDOBial TSigt. TrinUnu, SO bli SOntl Targr. 

Die weihUche Darmtrichine hat eine Länge von 1 bis 3 mm, die männliche 
von 0,8 bis 1,5 mm, die Embryonen von 0,08 bis 0,13 mm, die Muskeltrichine 
von 0,7 bis 1,0mm. Als ünt«rsuchungsobjecte reichen 5 bohnengrosse Muskel- 
flnschportionen ans, entnommen aus verschiedenen Theilen des Körpers aus der 
Nähe der Sehnenansätze, darunter hauptsächlich 1 — 2 Portionen dos sehnigen 
TheUes des Zwerchfelles oder Bauchfelles. 

Dass der Gennss von Branntwein, Wein, besonders der Aqua Vitae antitri- 
ehinotica die Entwickelnng der Trichine st^rt, selbst verhindert, ist durch die 
Erfdirung erwiesen. Durch Kochnng werden die Huskeltrichinen getddtet nnd 
um so sicherer, wenn die zu kochenden Fleischmassen nicht dicke Stücke bilden. 

Die Erforschnng des Lebens, der Entwickelnng und Fortpflanzung der Tri- 
chinen verdanken wir besonders den Forschem Zenkeh, VmcHOW, Leuckakt, 

Hi^cr, Phan». Pruii. 8s»l 14 



210 Caro. Strongyliden. 

OUulamts tricmpü Leuckabt, Ollulane, ein Strongylide, welche Leij- 
CKABT znerst in der Magenschleimhaut einer Katze antraf und auch bei Wieder- 
käuern und anderen Thieren beobachtete, lebt wie die Trichine und kapselt 
sich wie diese ein, zeigt mit dieser überhaupt eine auffallende Aehnlichkeit. 01- 
lulanus gebärt lebendige Junge, welche fast Ys ^^ mütterlichen; 1 mm langen 
Körpers messen (0,32 mm). Der Leib ist schlank (0,015 mm dick), mit einfach ab- 
gestumpften Mundende und einem kurzen Schwänze, dessen Ende S-förmig gekrümmt 
ist. Der Oesophagus (Speiseröhre) nimmt über Y3, fast die Hälfte des gesammten 
Tractus intestinalis ein und sein hinterster kolbig verdickter Theil lässt helle 
Bläschen durchschemen. Diese Embryonen kommen nur zu 3 Stück im Mutter- 
leibe zugleich vor. Sie finden sich im Magen, im Darminhalte und durchwandern 
den Wirth wie die Trichinen. Der Pleuraüberzug, das Diaphragma, die Leber, 
die Lungen des inficirten Thieres sind mit zahlreichen Cysten (von 0,15 — 0,2 mm 
Länge) besetzt, welche einen auch mehrere Embryonen einschliessen. In einer 
Maus, welche mit ollulanenhaltigem Fleische gefüttert war, fand Leuckart 





Fig. 19. Epibryo des Ollulanus tricnspU. Fig. 20. Embryo der Strongylaa filaria. 

:Wfacbe Vergr. 25fttche Vergr. 

6 Wochen später mehrere hundert als eingekapselte Muskelbewohner. Die Kap- 
seln entbehren der inneren Schale, welche der Trichinenkapsel eigen ist. Die 
Wand der Kapseln besteht aus einfachem Bindegewebe, äusserüch von wuchern- 
den Kernen umgeben und zahlreiche Kömchenzellen einschüessend. Den einge- 
kapselten Wurm fand Leuckabt bis zu 0,8 mm gross. 

Dass dieser Wurm den Tod der Katze, in welcher Leuckart ihn zuerst 
erkannte, bewirkte, unterliegt keinem Zweifel und wird er auch in den Verdaa- 
ungskanal des Menschen gelangend, sich gefahrdrohend erweisen. 

StrongyltLs commutatus traf Leuckabt in den Lungen der Hasen und 
Kaninchen, Strongyhis commütattis im Verein mit Str, filaria in den Lungen 
der Schafe an. Die Embryonalform ist der vorstehend angegebenen ähnlich. 
Die Embryonen entwickeln sich nesterweise in den feineren Bronchialästen und 
deren Enderweiterungen in dem Maasse, dass sie Ursache zu bedeutenden Ent- 
zündungen werden. Eine Wanderung durch die Gewebe des Wirthes scheint 
nicht stattzufinden, wahrscheinlich weil sie dicker und plumper als die Embryonen 
von OUulanas tricuspis sind. Sie unterscheiden sich von diesen durch eine 
geradgestreckte Schwanzspitze. Die kleinsten, noch nicht geschlechtlich differen- 
zirten Exemplare von Strongylus filaria maassen 3 — 5 mm und wurden in der 
Luftröhre gesunder Schafe angetroffen. Zwerchfell und Bauchfell der Fledermäuse, 
Igel, Wiesel, Raubvögel fanden die Forscher R. Owen, Leuckabd, v. Siebold u.a. 
oft von Tausenden eingekapselter Nematoden durchsetzt, sie fanden selbst wirbel- 
lose Thiere, z. B. Mehlkäfer, Mistkäfer als Wirthe dieser Würmer. 



Caro« Ascaris- Arten. 



211 



Im M&asekoth findet man häufig Embryonen der Spiroptera obtusa in circa 
0,04 mm langer bräunlicher Eihülle, aus zwei Schichten bestehend, worin der Em- 
bryo in Form eines 0,14 mm langen und 0,01mm dicken Spulwurmes eingebettet 
liegt Das abgestumpfte Ende desselben zeigt eine stachelförmige Hervorragung 
and die Schwanzspitze drei Papillen. Diese Embryonen in der Eihülle gelangen 
in den Darm der Mehlwürmer, welche den Mäusekoth benagen, entwickeln und 
rennehren sich in diesen Würmern und dauern als eingekapselte Würmer aus, 
bis sie wieder in den Magen der den Mehlwurm fressenden Maus gelangen. 

Die sogenannten Maulwurfstrichinen sind nach Leuckabt auch nur eine 
Ascaris' Axt Sie trifft man fi*ei und eingekapselt an. Sie gehen wie Trichmis 
spiraUs in andere Thiere über, welche die Maulwürfe fressen. THchocephalus 
^ßfUsy Oxyuris vermicularis, Dochmius duodenaUs^ DochmiuB triffonocepheUus 
sind häufig angetroffene Würmer, welche im Menschen und in den Hausthieren 
vegetiren, sich einkapseln und mit Trichinen verwechselt werden können. 

In den Fischen finden wir die Muskel- und Fleischnistler besonders häufig 
und viel vertreten, z. B. treffen wir im Fleische des Dorsches und anderer See- 
fische, welche als Nahrungsmittel dienen, die stricknadeldicke und 2 — 3 Gtm. 
lange Mlaria piscium oder Ascaris capsularisy welche von einer Gewebe* 
kapeel eingeschlossen, also auch eingekapselt ist, zu vielen Hunderten an. Diese 
Kapsel in den Magen anderer Thiere gelangend, öffnet sich und ihr Bewohner 
wächst zu einer Ascaris aus. Diesen Wurm finden wir oft in den Gedärmen der 
anderen Raubfische, der Seehunde, der Schwimmvögel sich vermehrend und seine 
Embryonen in das Fleisch seiner Wirthe versendend. 

Im Weissfisch {Leuciscus aWumus) findet man gewöhnlich im Gekröse 1 mm 
gioese Kapseln, welche eine sogenannte Trichma cyprinorumy eine Ascaris-Art, 
canschliesseo. In den Hechten sind diese und andere ähnliche Nematoden gar 
Dicht selten. 

Oucuüanus elegans (Eappenwurm) des Barsches wird bis zu 16 — 20 mm 
lang und zeichnet si(5h durch ein pfriemenförmiges Schwanzende aus. Mit Hülfe 
dieses Schwanzes sieht man nicht gelten eine Menge von Embryonen zusammen- 
hängen und kräftig schnellende Bewegungen ausführen. Die kleineren, 0,4 — 
0,6 mm langen und 0,04 — 0,05 mm dicken Em- 
bryonen könnten mit Trichinen verwechselt werden, 
es fehlt ihnen aber die schlanke Form, und unter- 
scheideD sie sich durch das dicke Kopfende und spitze 
Sdiwanzende. 

Es giebt ausser den vorstehend angeführten noch 
eine Menge Nematoden, welche bei Untersuchung des 
Fldflches in Betracht kommen, von denen aber die 
meisten sicher durch Kochen des Fleisches getödtet 
werden und dann die Gesundheit des Fleischessers nicht 
bedrohen. Demjenigen, welcher über diese Parasiten 
Näheres zn wissen wünscht, sei Leuckabt's Men- 
schen-Parasiten empfohlen. 




Cysticercus^ Finne. Der Blasenwurm des ge- 
wöhnlichen Bandwurmes, Taenia Soliumj findet sich Fig. 21. Embryo des Cncnllanas 

am häufigsten im Schweinefleisch, die Finne von * ^^^^' ^ ® *'*'' 

Taenia mediocaneUata dagegen oft im Bindfleisch. 

Die Finne von Bothriocephalus latuSy welche nur im Wasser vorkommt, dürfte 
nach Leuckabt durch den Genuss von Fischen in den Menschen überwandem. 

14* 



212 



Csro. Cysticercus. Finne. Banilwnna 



Die Finnen, wenn sie anch verBchiedenen Bandwumarten augetiören, siuil 
«ch in der Gestalt und Form ziemlich fthnlicb. Sie wohnen zwischen den FsBern 
des Fleisches ihrer Wirthe nnd bilden mit nnhewafiiietem Auge erkennbare weiss- 
liche oder halbdnrchsichtige , mehr oder weniger walzenförmige, senfkom- bis 
erbsengroße Blasen innerhalb einer hautigen weisen Kapsel, welche mit dem 
umgebenden Fleische verwachsen ist. In dem Fleische der Schweine (zuweilen 
im Fleische des Rindes und anderer Thiere, auch im Fleische des Menschen) 
findet man die Finnen häufig in unzähliger Menge. Unter dem Mikroskop findet 





U^^ 



Hittingi- KltToiEC- ad«T der ThdU isedliicancIliiU. 

■ttLIntem atiKktam FiEnenkopf. Oiaa« FilD« iBt 3 — Smiii Ung. 

Eojf Kopr. 

man an dem Kopfe schon bei schwacher Yei^Tösserung vier wulstige, in ihrer 
Uitte vertieft« Erhabenheiten, Saugnäpfe, und inmitten derselben einen Haken- 
kranz, d^isen Haken zwaerlei Form und Grösse haben. Gelangt die Finne lebend 
in den menschlichen Hagen, was beim Gennrae rohen Schweine- nnd Rindfleisches, 
oder roher Wurst, oder nicht genttgend gekochten Fleisches geschieht, so ent- 
wickelt ue sich hier zum Bandwunn, indem der Kopf sich an die Wandung der 
Verdaaongswege ansaugt nnd festsetzt, 
die Blase aber abfällt und daftlr sich 
bandförmige Glieder (Proglottiden ge- 
nannt) entwickeln, deren Zahl viele 
Hunderte erreicht, so dass ein Band- 
wurm bis EU 3 m Länge und niehr aus- 
wächst. Der Kopf des gewöhnlichen 
Bandwurmes (EUrbiabandwnnn, Taenia 
solium) hat eine Breite von circa 1 mm. 
der darauf folgende nngegliederte Hals 
eine Länge von 10 — 15 mm, die folgen- 
den Proglottiden oder Glieder eine Länge 
von 0,1 — 13,0 mm, und zwar sind sie 
um 80 weniger lang, je näher sie dem 
Kopfe liegen. Die Breite der Glieder 
beträgt 1,3 — 6,3 mm. Inmitten der 

Gliederkette läuft der Fruchtbeh&lter, 

Fig. li. T«niu ,oiinn.. * Kopf t.b a.r s.ii. «^ Welcher in den untersten und letzten 
leEen otari »ergr.), i ein« Frojiottid» mii uierns Gliedern die Eicrbildung bcsorgt. Diese 
loiinm Bit scbtic. kaseecer Oaiiarthfiiie nnd Glieder erlaugcD einen gewiBsen Grad 
DoM.tk.in, (Stark T.tgrft.i.tt) j^j Rejfe ^„3 treuuen sich gefüllt mit 

Eiern von selbst ab, um mit dem Dann- 
inhalte nach aussen entleert zu werden. Die reifen Glieder entleeren ihre Eier 
durch eme beeondere, an dem Seitenrande liegende Mündung. Das Bandwunuei, 



Caro. Wurst-Unterauchung. 213 

0)02—0,03 Toom im DurchmeBser, erscheint unter dem Mikroskop als ein braunes, 
kugelig OYalee Körperchen. Gelangen diese Eier in den Magen oder Darmkanal 
des Menschen, des Schweines oder eines anderen Thieres, so entwickeln sie sich 
hier schnell nnd die Embryonen entschlüpfen ihrer Schale in Form kleiner wasser- 
heller Bl&schen, an denen sich 4 — 6 paarweise geordnete Häkchen entwickehi 
und welche nach allen Gegenden des Körpers wandern, um sich an irgend einer 
SteQe als Finne {Cysticercus) auszubilden. Im Schweine findet der Embryo den 
zusagendsten Yegetationsboden. Bei anderen Bandwurmarten findet sich ein ähn- 
licher Generationswechsel und Entwickelungsverlauf. 

Durch Kochung wird sowohl die Finne als auch das Bandwurmei und der 
Bandwurm getödtet, ebenso durch Einpökeln, nicht immer durch Räucherung. 



Vorstehende Angaben sind bei der Untersuchung, besonders der mikroekopi- 
«hen Untersuchung des Fleisches zu beachten. Was nun die Untersuchung des 
Fleisches und der Fleischpräparate auf giftige Beimischungen und ihrer Ver- 
wendbarkeit als Nahrungsmittel betrifit, so verdienen folgende Angaben Beachtung. 

Bleihaltiges Fleisch. Das in verlötheten Blechbüchsen importirte 
Fleisch, sowie in gleicher Art verpackte C!onserven haben sich in den Schichten, 
welche mit der Löthung in Berührung waren, bleihaltig erwiesen. Wenn nicht 
durch Beschauen mit der Lupe Bleimetall zu erkennen ist, so ist eine Ein- 
iichemng und der Nachweis des Bleies in der Asche nothwendig. 

Fleisckwirst, Bratwurst mit Stärkemehlgehalt. Wurst gehört zu den zu- 
sammengesetzten Nahrungs- und Genussmitteln (vergl. Suppl. S. 177). Dem 
Wurst£abrikanten muss hiemach die Freiheit zustehen, die Wurst dem Geschmack 
imd dem üblichen Verbrauche in Küche und auf dem Tisch anzupassen. Um 
nun eine Bindung der zerkleinerten Fleischmassen zu erreichen, den Fleisch- 
geschmack angenehmer zu modificiren, setzen die Fabrikanten Stärkemehl oder 
höchst fieines Weissbrotpulver zu 4 — 10 Proc. hinzu und sie haben diesen Zusatz 
schon Bat der Zeit gemacht, seit überhaupt Fleischwurst in den Handel gebracht 
wurde. Die zur Räucherung bestimmten Würste erhalten keinen Stärkemehl- 
Zusatz, wohl aber alle die Wurstsorten, welche bald nach ihrer Anfertigung ver- 
zehrt werden. Wenn man alte und neue Kochbücher zur Hand nimmt, findet 
man auch gewöhnlich einen Semmelzusatz verzeichnet, z. B. zur Bratwurst, Blut- 
wurst Dann ist der Gonsument oft daran gewöhnt, dass eine Fleischwurst einen 
N-mmelzusatz enthält, und er glaubt in einer Wurst, wo dieser Zusatz fehlte eine 
bchlechtere Waare vor sich zu haben. 

Die vor einigen Jahren plötzlich in Manie ausartende Verfälschungsspürsucht 
fand in dem kleinen Stärkemehl- oder Semmelzusatz eine Verfälschung, welcher 
Ansieht sich selbst an vielen Orten (z. B. in der Schweiz) die Polizei anschloss 
und die Fleischer als Fälscher verurtheilte , welche nur einem alten eingeführten 
Gebrauehe gefolgt waren. Andererseits wiesen hier und da Chemiker sogar 
Stärkemehl hi einer Wurst nach, welcher gar keine Stärkemehlsubstanz zugesetzt 
war. Die Chemiker stellten sich nicht die Frage, ob Fleisch nicht auch Sub- 
etanzei^ enthalten könne, welche wie Stärkemehl resp. wie Glykose reagiren. 

In einigen Orten ist der Geschmack unter polizeiliche Controle gestellt und 
entweder der kohlehydratische Zusatz ganz untersagt oder bis zu einem be- 
stimmten Maasse zugelassen. Die Wurstmacher forderten in einer in Berlin ab- 
gehaltenen Versammlung einen Zusatz bis zu 5 Proc. Stärkemehlsubstanz. Bei 
der quantitativen chemischen Untersuchung müssen 2 Proc. kohlehydratischer 
Substanz als der Wurst von Hause aus angehörend angenommen werden und 
zwar ^ji Flroc den zugesetzten Gewürzen und 1^/2 Proc. dem Fleische ange- 



214 



Caro. WurstantersnchuDg. 



hörend. Letzterer Procentsatz ist etwas höher, als gewöhnlich angetroffen wird^ 
doch ist der Fall denkbar, dass das Rindfleisch von Vieh stammt, welches haupt- 
sächlich durch SchlempefÜttemng gemästet wurde. B^ Pferdefleischwurst ist 
dieser Procentsatz sogar auf 2^/2 Proc. zu erhöhen. 

Die Bestimmung des Stärkemehls in der Fleischwurst wird nach Medicus 
und Sghwab's Angabe dadurch ausgeführt, dass man die Wurstmasse mit Malz- 
aufguss mehrere Stunden bei 40 — 50^ digerirt, filtrirt und in dem Filtrate Mal- 
tose und Dextrin durch Zusatz von Salzsäure und Kochen in Glykose überführt, 
dann mit kalischer Eupferlösung titrirt. Von dem Resultate sind, wie bemerkt,. 
2 Proc. in Abzug zu bringen, denn es kann nicht bestritten werden, dass 
Dextrin oder Stärkegummi im Blute und der Leber der Herbivoren vorkommt,, 
besonders reichlich im Pferdefleische. Glykogen ist femer eine animaUsche 
kohlehydratische Substanz, welche ein vorwiegender Bestandtheil der Leber ist 
und in dem Fleische der Herbivoren nie fehlt. Glykose ist im Blute und 
Fleische der Nutzthiere immer vorhanden, bald mehr bald weniger, wahrschein- 
lich aus Dextrin und Glykogen entstanden, auch im bebrüteten und unbebrttteten 
Ei. Bei pathologischen Zuständen ist Glykose besonders stark vertreten im 
Speichel, Schweiss, in Nieren, Lungen, Faeces, Harn bei Diabetes melütiis. 
(Inosit ist zwar auch kohlehydratischer Zusammensetzung, aber wirkt nicht redu- 
«irend auf kaiische Eupferlösung.) 

Behufö Untersuchung der Fleischwurst auf Stärkemehlgehalt ist 
es das einfachste, 100 g der Wurst mit 5 g Oxalsäure zu versetzen und 4 Stun- 
den im vollheissen Wasserbade zu erhitzen. Dann ist alles Stärkemehl in Gly- 
kose übergeführt. Man vermischt nun mit 2,5 g Aetzkalk , vorher in Hydrat 
verwandelt, hierauf mit 2,5 g kohlensaurer Ealkerde und füllt das Ganze bis auf 
ein Gewicht von 500 g mit Wasser auf, lässt einige Stunden stehen und colirt, 
den Rückstand im Colatorium mit Wasser nachwaschend, bis die Colatur 500 CC» 
beträgt Die Colatur filtrirt entspricht in 100 CC. 20 g der Wurst Das mit- 
telst kalischer Eupferlösung gefundene Glykosequantum mit 0,9 multiplicirt er- 
gieibt die Menge des Stärkemehls, von welchem 2 Procent als den Bestand- 
theilen der Wurst (dem Pfefifer und Fleisch) natürlich angehörend in Abzug zu 
bringen sind. 

Das Versetzen eines mit warmem Wasser bewirkten colirten Auszugs oder 
das Befeuchten der Wurstscheibe mit Jodwasser, um an der sich entwickelnden 
blauen Farbe die Gegenwart von stärkemehlhaltiger Substanz zu erkennen, ist 
nur dann anwendbar, wo ein jeder stärkemehlhaltige Zusatz überhaupt polizei- 
lich untersagt ist, doch muss immer die Stärkemehlsubstanz aus Gewürzen z« B. 
aus Pfeffer- und Pimentzusatz zugelassen werden. 








Fig. 26. SttrkemeblkOrnchen des PfeiTere. 
500iDftl Tergr. 




a ^^ 











0^0 ®J<^ 




Fig. 27. Piment, in feines Fairer yerirandelt. 
OelselleB, «f Steinsellen, »p Spiralgefftsse, a Stärkemehl. 



Die Wurstsorten, welche zu ihrer Darstellung einen grösseren Zusatz kohle- 
hydratisoher Substanz erfordern und Lieblingsgenussmittel der unteren Volks- 
klassen sind (wie Semmelwunrt, Blutwurst, Grützwurst, Leberwurst, Niedelwursti. 



Caro. WuTBtgift. 215 

KDAckwurst) , können unmöglich der polizeilichen Verordnung ^ betreffend den 
>iehtflei8ch£ii8atz, unterliegen. 

Fuchsin, Rosanilin in der Wurst nachzuweisen schüttelt man die zer- 
riebene Wurst mit 80proc. Weingeist, filtrirt. Das Filtrat zeigt die Fuchsin- 
ftrbung. Man versetzt dasselbe mit Aetznatronlauge und stellt bei Seite. In 
kurzer Zdt verschwindet die Färbung und tritt auf Zusatz einer Säure wieder 
hervor. Die Extraction des Pigments lässt sich auch durch Amylalkohol be- 
werkstelligen. 



Besonders im südwestlichen Deutschland kommen zuweilen Ver» 
giftungen nach Genuss von Wurst vor, meistens nach Genuss von Leber-, Blut- 
nud Gehimwurst. Die dickere Wurst scheint stets die giftigere zu sein. Symp- 
tome der Vergiftung sind Magendruck, Uebelkeit, Erbrechen, Erweiterung der 
Pupille, Veränderung der Stimme, Krämpfe etc. (Gegenmittel sind Brechmittel, 
Opium, Gerbstoff.) Die Untersuchung der Wurst auf das Wurstgift, welches hier 
unzweifelhaft eine Art Septicin ist, geschieht in der Weise, dass man die Wurst 
mit Wasser zerreibt, mit Salzsäure bis zur schwach sauren Reaction versetzt, bis 
zum Aufkochen erhitzt, unter Auspressen colirt, filtrirt, auf ein geringes Volumen 
einengt und in einer Weise weiter behandelt, wie unter Septicin (Handb. und 
^^upplem. unter Conünum) angegeben .ist. Das abgesonderte Septicin ist nun 
physiologisch zu prüfen, besonders seine Wirkung auf die Pupille. Fehlt hier 
die Wirkung, so liegt auch ein Gift schwerlich vor. Es sind dann mit Brot oder 
Fleisdi kleine Pillen zu machen und damit kleine VierfÜssler oder Vögel zu 
füttern. Hunden, Ejitzen und Mäusen ist das Wurstgift erfahrungsgemäss kein Gift. 

Vergiftungen mit altem Corned beef sind vorgekommen, wie es scheint 
in Folge metallischer Verunreinigung durch die Löthmasse, vielleicht auch in 
Folge eines giftigen Septicingehaltes. Jedenfalls ist der Genuss eines corned 
beer 8, welches über 2 Jahre lagerte, bedenklich. 

Fldsek typhöser Rinder und Kälber. Von Waldeb und Huguenin 
i?t mit aller Sicherheit constatirt, dass auch die Rinder und Kälber von emer 
Krankheit befallen werden können > welche alle Symptome darbietet, wie sie der 
Unterleibstyphus bei Menschen erkennen lässt, und dass das Fleisch dieser Thiere 
genossen, den Typhus heirvorbringt. Ein eclatanter Fall für die Richtigkeit dieser 
Ansicht ereignete sich 1878 zu Kloten in der Schweiz gelegentlich eines Sänger- 
festes. Von den 700 Festtheilnehmem erkrankten nach und nach circa 500, 
welche von den Fleischspeisen des Gastwirthes genossen hatten, zu welchen ca. 
22 k Fleisch von einem Kalbe verwendet waren, welches man zu Seebach ge- 
!»ehlaehtet hatte, weil es krank war und doch vor dem zu erwartenden Verenden 
verwerthet werden sollte. Diejenigen, welche nicht von dem Fleische genossen 
hatten, waren auch gesund geblieben. Dieses Schlachten vor dem Verenden 
kranker Nutzthiere ist auf dem Lande allgemein üblich und bietet sich hier der 
Gesnndheitspolizei wohl ein umstand dringlicher Erwägung. Eine Erkennung 
solchen Fleisches auf chemischem und physikalischem Wege ist noch nicht er- 
möglicht worden. 

Das Gift in dem Fleische mancher Fische dürfte theils denselben 
septischen Alkalolden zuzuschreiben sein, vielleicht auch den verschiedenen Para- 
siten, welche gerade im Fleische der Fische häufig angetroffen werden. 

Lebensgefiihrdend ist femer der Genuss des nicht genügend durchkoch- 
tea oder des rohen trichinösen oder ollulanösen Fldsches. Trichinen 
änd auch in dem Fleische von Hasen, Kaninchen, Hunden, Katzen, Füchsen 
aufgefunden worden. Dass Trichinen auch im Fleische des Pfbrdes und Rindes vor- 



216 Caro. GenieBBbares und ungeniessbares Fleisch. 

kommen können, wie Fuchs behauptete, ist zwar von competenter Seite bestritten 
worden, doch liegt die Möglichkeit dazu nur zu nahe. 

Räuchern, Entsalzen, Pökeln des Fleisches bieten selten Sicherheit der 
Tödtung der Trichinen und Ollulanen, besonders der eingekapselten. 



Welches Fleisch darf' nicht genossen werden, welches Fleisch wirkt giftig 
und geföhrdet selbst das Leben? Diese Fragen beantworten folgende anerkannte 
Aufstellungen. 

1. Der Gesundheit nachtheilig ist der Genuss des Fleisches 
derThiere zu erachten, welche in Folge irgend einer innerlichen, 
nicht contagiösen Krankheit verendet sind oder während oder 
kurz vor dem Verenden geschlachtet wurden. 

Ist das Fleisch vom Blute befreit und gut gekocht, so ist es in den meisten 
Fällen nicht gesundheitsgefährlich, doch müssen auch entzündliche ELrankheiten 
angenommen werden, welche das Fleisch verdächtig und gesundheitsschädlich machen. 

Auf dem Lande ist es eine gewöhnliche Sitte, ein krankes Nutzvieh, wenn 
die Aussicht des Verendens vorliegt, zu schlachten und das Fleisch zu gemessen 
und zu verkaufen. Selbst Schlächter kaufen den geschlachteten Kadaver zum 
Wiederverkauf. Bestand die Krankheit in äusseren Verletzungen, so ist der 
Genuss eines solchen Fleisches nicht bedenklich. Ob die Krankheit eine conta- 
giöse war, das zu beurtheilen kann nur dem Thierarzte zustehen, aber nicht 
dem gemeinen Manne. Thierarzte werden erfahrungsgemäss aber selten hinzuge- 
zogen und um Rath gefiragt. 

2. Gefährlich ist der Genuss des Fleisches der Nutzthiere, 
welche von contagiösen Krankheiten befallen sind, wie Milz- 
brand, Rotz, Wuthkrankheit, Pocken, Maul- und Klauenseuche, 
Perlsucht (Tuberculose), typhösen Leiden etc. 

Durch Einsalzen, Einpökeln, Räuchern, Kochen wird im Allgemeinen der 
Infectionsstofif nicht immer unschädlich gemacht. Da erwiesen ist, dass manche 
Mikrococcen selbst eine Hitze von 150^ C. ertragen, ehe sie absterben, so kann 
man annehmen, dass eine halb- bis einstündige Kochung nicht zur Tödtung oder 
Unschädlichmachung des Infectionsstoffes ausreicht. Das Fleisch der Thiere, 
welche von wuthkranken Hunden gebissen wurden und bei denen noch nicht 
diese Ejrankheit zum Ausbruch kam, ist gekocht unschädlich. 

3. Gefährlich ist das Fleisch vergifteter Thiere. 

4. Nicht geniessbar ist das Fleisch der Thiere, welchen vor 
dem Abschlachten lange Zeit hindurch Arzneistoffe (Aloe, Kalomel, 
Arsenik, Strychnossamen etc.) gegeben wurden. 

Nach Aloägebrauch schmeckt das Fleisch bitter, nach Gebrauch von Queck- 
silberpräparaten und Arsenik findet man diese Gifte durch das ganze Fleisch 
des Thierkörpers vertheilt und kann sehr leicht chemisch nachgewiesen werden. 

5. Gesundheitsschädlich ist das Fleisch der Thiere, welches 
Parasiten, wie Trichinen, Ollulanen, Finnen etc. einschliessen. 

Durch Kochung werden diese Parasiten getödtet, wenn die Fleischstücke 
nicht zu gross und dick sind. Zu geringe oder kurz dauernde Kochung, ober- 
flächliches Ueberbraten, Räuchern reichen nicht zur Tödtung der Parasiten aus. 

Die mikroskopische Untersuchung lässt die Gegenwart der Parasiten er- 
kennen. Die Degeneration der Fleischfaser in Folge der Krankheiten entgeht 
dem auf diesem Felde Erfahrenen so leicht nicht, er findet die Struktur der 
Muskelfaser gestört, er beobachtet ein Zerfallen des Gefüges. Das Fleisch kranker 
Thiere eilt überhaupt einem schnelleren Zerfalle entgegen und mit der Lupe er- 
kennt man auf der einen Tag hindurch der Luft ausgesetzten Schnittfläche durch 



Caro. — Carvi. 217 

die MuBkeln dunklere, selbst schwärzliche Punkte und Flecken, es riecht anch 
woM ammoniakaliflch , welcher Geruch beim Kneten mit Kalkmilch deutlicher 
hervortritt. Femer ist ein solches Fleisch reichlicher mit Stoffen überladen, 
welche auf kaiische Kupferlösung reducirend wirken. Pferdefleisch ist besonders 
reich an diesen Stoffen, auf dieses wäre diese Reaction nicht anzuwenden. Man 
übergiesst und zerstdsst z. B. 50 g des Muskelfleisches mit 200 g Wasser und 
filtrirt. Würde man in diesen 200 g mehr als 1 g glykosidische Substanz auffinden, 
so kann es mit einiger Sicherheit als krankes Fleisch angenommen werden. 
Behu& Erforschung der Gifte genügt ein Zertheilen des Fleisches in kleine Stücke 
and Digestion mit l,Oproc. reiner Salzsäure, Auspressen, Filtriren. Wenn da- 
mit ein Resultat nicht erlangt wird, so ist die Darstellung einer GifUösung 
(vergL Handb. I, S. 485) erforderlich. Die Prüfung mit lOproc. Aetzlauge auf 
^rken Ammongehalt ist nicht zu unterlassen. Em ammonreiches Fleisch ist immer 
gesundheitsschädlich. 

Arcanimi. Kraftbalsam von Gaul (Gnoyen) soll ein weingeistiger Auszug aus 
Bindeigehim sein, welchem der Erfinder nundemirkungen beilegt. 



£än empfehlenswerthes Buch ist: 

Das Fleisch. Gemeinverständliches Handbuch etc. von Oabl Philipp 
Falk, Dr. u, ordentl. Prof. der Medicin etc. Marburg 1880. (10 Mk.) 



Caryi. 

Prüfung. Eine ganz gewöhnliche Verfälschung des Kümmelsamens ist die Bei- 
mi:$chung eines bereits der Destillation unterworfenen. Auch die Holländische Sorte, 
wekhe ftlr die beste und reinste Waare gilt, findet man nur zu häufig mit ex- 
trahirter Frucht gemischt. Eine Waare, welche nach der Berechnung 10 Proc. 
extrahirter oder tauber Früchte, sowie eine solche, welche über ^/j Proc. Sand 
oder Lehm enthält, sollte als eine verfälschte oder unbrauchbare Waare zurück- 
gewiesen werden. 

1) In einen Reagircylinder von 2 Ctm. Weite giebt man 4 CC. des Kümmel- 
samens, schüttelt mit 15 CC. Wasser von mittlerer Temperatur eine Minute 
kräftig durcheinander und stellt dann 15 Minuten bei Seite. Die Mischung er- 
gebt 2 Schichten, eine untere Kümmelschicht und eine obere Wasserschicht, an 
deren Niveau sich nur einige wenige Früchtchen (4 — 10) schwimmend erhalten. 
Extrahirte oder sehr alte Waare giebt 3 Schichten. Die obere ist ungefähr ^/^ 
9o stark als die unterste. Wendet man in Stelle des Wassers eine Mischung 
von 50 CC. Wasser mit 20 CC. gesättigter Kochsalzlösung an und agitirt nach 
dem Schütteln einige Male sanft, so sammelt sich nach einer halben Stunde der 
Kümmel am Grunde der Flüssigkeit und nur einige wenige Kömchen finden sich 
am Niveau schwimmend, dagegen bilden sich bei 3 — 4 Jahre altem oder ex- 
trahirtem Kümmel eine unterste und oberste Schicht, welche beide ziemlich von 
gleichem Volumen sind. Die obere Schicht aus dem Salzwasser wird abge- 
nommen, abgewaschen und getrocknet und als extrahirte Waare dem Gewichte 
nach bestimmt. 

Ergab der Anis in dieser Probe einen Gehalt an extrahirter Waare, so 
achreitet man zur weiteren Bestimmung dieser letzteren und geht zur Extract- 



218 Carvi. Carvol. 

bestimmnng üben Man giebt 10 g der abgesiebten Inftti'ocknen ganzen Frttchte 
in ein porzellanenes Casserol nnd extrahirt unter wiederholtem Aufgiessen von 
Wasser, Aufkochen , Decanthiren nnd Coliren durch Olaswolle, dampft die Cola- 
turen in einer flachen Porcellanschale ein und trocknet den Rückstand in der- 
selben Schale so weit ans, bis er sich mit einem Messer mit abgeflachter Spitze 
staubig abstossen lässt. Der Normativgehalt an staubig trocknem Extract wäre 
bei guter Waare auf 12,5 Proc zu fixiren. Betrüge dieser Gehalt nur 11 Proc. 
80 enthält der Kümmel auch über 10 Proc. extrahirter Waare. Dieses Resultat 
wäre mit dem Gewichte des aus der Schwimmprobe gesammelten Kümmels zu 
vergleichen. Das Resultat aus der Extractbestimmung gewährt die grössere 
Sicherheit. 

Oleum Carri kommt mit ungenügendem Carvolgehalt in den Handel. Ent- 
weder ist es mit Carven (vergl. unter Carvol) vermischt oder es ist nicht aus der 
ganzen Kümmelmasse bei der Destillation gesammelt. Das zuerst übergehende 
Oel ist stets an Carven reicher. Das specifische Gewicht des Kümmelöls kann 
dieses Missverhältniss verrathen. Es beträgt bei dem aus Holländischer Waare 
destillirten Oele 0,925 — 0,935. Beträgt es weniger als 0,920, so ist es auch 
carvolarm und sollte ein Oel, welches leichter als 0,920 wäre, keine pharma- 
ceutische Verwendung finden. Ein carvenreiches Oel knirscht bedeutend weniger, 
wenn man den damit benetzten Kork in die Flaschenmündung drehend einsetzt 
(Flückigeb). 

Eine quantitative Bestimmung wäre nur durch Destillation zu ermöglichen, 
indem man ein bestimmtes Quantum des Oels aus dem Oelbade aus einer Retorte 
destillirt und zwar bis zu einer Temperatur von 220^ erhitzt. Das bis zu dieser 
Temperatur gesammelte Destillat darf nicht über 35 Proc. hinausgehen. 30 Pro- 
cent ist der durchschnittliche Carvengehalt. 

Das Kümmelspreuöl, Oleum Carvi e paleis, ist nicht in der Phar- 
made verwendbar, auch soll es gewöhnlich Terpenthinöl enthalten. 

Canolnm, Canol (C10H14O) kommt jetzt im Handel vor und wird zur Dar- 
stellung von Kümmelliqueuren verwendet, denn der Geschmack dieses farblosen 
Oeles ist kräftiger, feiner und angenehmer als der des Kümmelöles. Die Ab- 
scheidung des Carvols aus dem Kümmelöl geschieht durch firactionirte Destillation, 
indem man das zwischen 220 und 230^ destillirende sammelt. Der zuerst über- 
gehende Theil ist das Carven (CioHie), welches kaum nach Kümmel riecht und 
schmeckt nnd wovon circa 30 Ftoc. im Kümmelöl vertreten sind. Der Carvol- 
gehalt beträgt durchschnittlich 65 Proc. Das unbrauchbare Carven dient wahr- 
scheinlich zum Verfälschen des Kümmelöls. Sein spec. Gewicht ist 0,861 (bei 
150 c.). Es siedet bei 170— 180<^C. Den polarisirten lichtstrahl lenkt es st^rk 
nach rechts ab und dies stärker als Carvol. Das spec. Gew. des Carvols bei 
150 C. ist 0,954—0,955. Nach dem Abdestilliren des Carvols folgt eine Flüs- 
sigkeit, welche alle Aehnlichkeit mit Phenol hat. 

Carvol soll bis zu 30 Proc. im Oleum Anethi graveolentis vorkommen und 
Oleum Menthae crispae noch reicher daran sein (Flückigeb). 

Zum Nachweise kleiner Mengen Carvol verfilhrt Flückigeb in folgender 
Weise. Er verdünnt das zu prüfende Oel mit 74 Vol. 90 proc. Weingeist, sftttigt 
mit Schwefelwasserstoff und versetzt mit absolutem Weingeist, welcher mit Aetz- 
ammongas gesättigt ist. Es entsteht ein Krystallbrei von Schwefelwasserstoff- 
carvol. Wollen die Krystalle nicht erscheinen, so genügt ein nochmaliges Hinein- 
leiten von Schwefelwasserstoff. Die Krystalle werden mit kaltem Weingeist ab- 
gewaschen, umkrystallisirt, dann mit weingeistiger Aetznatronlösung digerirt und 
endlich mit Wasser versetzt. Es scheidet nun das Carvol ab. 



Carvi. — CaryophylluB. Nelkenstiele. 219 

Aqua Card daleis« (2) Guttae oarrolatae. 

Säss-KfimmelvaeBer. Gesttsstes Kümmel- Carvoltropfen. Wasserhelle Magentropfen. 

waaaer. Weisse Magenkrampftropfen. 

R- Spiritus Vini 500,0 ^ Carvoli 20,0 

Olei Carvi optimi 2,5 Olei Menthae piperitae 2,0 

Spiritus Aetheris nitrosi 1,0. Spiritus Yini 73,0. 

Mistis adde Mixtis adde 

Syruin Sacciiari 500,0 Aquae destillatae 5,0 vel q. s. 

Aquae destillatae 600,0. ne mixtura agitata turbida sit 

Sepone per tres dies, tum filtra. Diese Mischung ist an einigen Orten ein 

Handverkaufsartikel. Gabe 20— 30 Tropfen. 



Caryophyllus. 

Prüfung der Gewürznelken. Da die Gewürznelken in mehr als 15 Sorten 
im Handel and von verschiedener Güte^ d. h. mit einem verschiedenen Gehalte 
an flüchtigem Oele vorkommen, die beste Sorte als pharmaceutische Waare vor- 
geschrieben ist, so liegt es nahe, dass die Anforderungen an die Ergebnisse 
der Untersuchung und Prüfung der Gewürznelken in pharmaceutlscher Beziehung 
andere sind als in kaufmännischer und ökonomischer. Eine Waare kann hier 
als Gewürz für Zwecke der Hauswirthschaft tadellos, für pharmaceutische Zwecke 
aber eine ungenügende, selbst verwerfliche sein. Wären die Sorten Gewürz- 
nelken, welche nur in Anwendung kommen dürfen, polizeilich normirt, so wäre 
einer aller üeberlegnng baren Begutachtung auch ein Riegel vorgeschoben. Da 
nun eine solche Normirung nicht stattgefunden hat und auch wohl nie ge- 
schehen wird, so ist der Chemiker selbstverständlich darauf angewiesen, sein 
Gutachten den zeitigen Verhältnissen anzupassen. Er kann an die ökonomisch 
zu verwendende Waare nicht dieselben Anforderungen stellen, wie an die phar- 
maceutische Waare. (Vergl. ph. Centralh. 1879, No. 14.) Dass auch die ge- 
ringeren Handelssorten für die Ökonomische Verwendung zugelassen werden 
müssen, unterliegt keinem Zweifel und darf der Kaufmann die Waare, wie sie 
ist, in den Handel bringen, z. B. liegt für den Kaufmann keine Verpflichtung 
vor, ^e sogenannten Nelkensüele von den Gewürznelken zu trennen. Die ge- 
ringeren, besonders die amerikanischen Sorten, kommen gewöhnlich mit 1 — 
8 Pioc. Nelkenstielen vermischt in den Handel. Sind diese Nelkensüele ganz, 
80 sind sie natürheh leicht durch Absieben zu sondern, weniger leicht aber, 
wenn sie, wie gewöhnlich, zerbrochen sind. In diesem Falle gehören sie also 
zu der Waare und charakterisiren nur diese zu einer wenig geringer werthigen. 
INe Beimischung der Nelkenstiele beträgt meist 3—4 Proc. 

Diese lelkenstiele, die Blumenstiele des Nelkenbaumes, fHlher als Festucae 
Caryophyllorum in den Apotheken gehalten, benachtheiligen in geringer 
Menge in keiner Weise die Gewürznelken. Man kann von ihnen sagen, dass 
diese pharmaceutisch misscreditirte Waare besser als ihr Ruf ist, dass sie den 
Geschmack des Gewürznelkenpulvers sogar angenehm modificiren und dessen 
Schärfe fitr die Zunge erträglicher machen. Da sie auch reichlich mit Arom 
ausgestattet sind, welches dem der Gewürznelken ähnlich ist, da femer der Ge- 
nuas der Stiele nichts Nachtheiliges für die Gesundheit bietet, so liegt auch kein 
Gmnd vor, anf welchen hin der Kaufknann zu verpflichten wäre, diese Nelken- 
stiele vor der Pnlverung der Gewürznelken sorgfältig zu beseitigen. Deshalb 
kann ihn auch nicht, wenn er die mit einigen wenigen Proc. Stielen vermischten 
Nelken in Pulver verwandelt, der Vorwurf der Vermischung oder des Betruges 
treffen. Letzteres wäre doch nur dann der Fall, wenn er die auch als besondere 



220 Cirjophyllus. Nelkenatiele. 

Waare in äen Handel kommenden Nelkenatiele expresa den Gewürznelken bei< 

mischt und mit diesen in PaWer verwandeln Usat. In der phannaceutischeD 

Waare dürfen aelbstverstAndtich keine Nelkenstiele vertreten sdn. 



Tig, 28. PonnsD d*r GeirabealttDent« dar Oeirllri. 
nslken. k Zollen mit KttbUIUil (KklkaioUt- 
krnUlldrDgen). yfiuthser. sOeUeUen. ip Bpilt- 
OlhisDEan. I> PDUenkarBsr. k sftmil TeRTlisert«! 

sui den NBlkenBlislan. (MOhch. Tergil " ** 

Fig. Xe. Ä OeveTinelktablatheiutiel (HtlkeBttial) 

in nitbrltclitr Oragu. £ OenpbeelcEiente der 

Nelkenatiele in S«-IOO(Beber Tepgi. 

Zu der mikroskopischen Untersnchung des GevUrznelkenpulvers verwendet 
man zunächst das nur mit verdünntem Glycerin gemischte Pulver, dann aber 
auch zur besseren Kxamination der Zellen und GeHLsse eine Portion des Pnlvers, 
weiche mit verd(lnnt«r Aetzlange geschüttelt, in einem Filter gesammelt, mit 
Wasser abgewaschen nnd mit Glycerin gemischt ist. 

Es lassen sich folgende Formenelemente walimehmen: — 1) Oelzelien, unter 
der kleinzellig^ Oberhaut liegend. — 2) Baetzellen, meist spindell^rmige. — 
3) Spiral geßlsB e , zum Theil in einem kleinzelligen Parenchym, dessen 2^en 
Krystellgruppen (Kry stall drasen) enthalten. — 4) Pollenkörner (Blllthenstanb- 
zellen). Diese erscheinen dreiseitig und sind dreipolig. — 5) Spaltöffnungen 
mit den beiden Schi iessz eilen. 

Die Formenelemente der Nelkenatiele zeichnen sich ans 1) durch dick- 
schichtjg-wandige rundliche oder eiförmige Stebzellen, — 2) starke grössere Bast- 
bündel nnd lange spindelförmige Bastzellen, — 3) dickere treppe nitlrm ige Ge- 
f^lsse mit wdterem Lumen nnd grossere Parenohymzellen , also überhaupt dnrch 
grössere Gewebeelemente ala in den Gewürznelken. Die Stein- nnd die grosaeQ 
Bastzellen sind vorwiegende Elemente in dem Pulver der Genilrznelken. 

Verßtlschnngen des GewUrznelkenpulvers eind zerriebene Brotkruste, Eichel- 
kaffee, zerriebene Oelkuchen aus Raps und I^ein, hauptsächlich aber berdta 
extrahirtfl Gewürznelken oder sol- 
.. eher Gewllrznelken, aus welchen 

(Cl^<.-^o„ //) f^ ^^ a/).-, '»"■eita daa Oel abdestUlirt ist. 

P/#"^^® ^'^^^^^ Eichelpulver verrftth sich 

a '•^^ dnrch seine Stärkemehlzellen, 

Flg. 30. suiiemsbiderEiibei». iii2(iniii, 1 250ni»i rergr. Welche denen der HiilsenfrUchte 
sehr Ähnlich, nnr kleiner sind 
nnd einen langen und breiten Eernhöhlenspalt zeigen. 

Das GewUrznelkenpnlver mit verdünnter Lösung des Ferrichlorids befeuchtet 
ftrbt sich blauviolett wegen des Gehaltes an Gerbstoff. Diese Reaction erfolgt 



Gary ophyllus, 221 

nieht, oder ist nur gering, wenn eine bereits extrahirte Waare vorliegt. Eichel- 
pnlver würde sich beim Benetzen mit Jodwasser leicht erkennen lassen. 

Die Prüfung ganzer Gewürznelken auf beigemischte extrahirte Waare ist 
bereits im Handb. Bd. I, S. 762, 763 angegeben. In Gewürznelken für den 
ökonomischen Gebrauch und den geringeren Sorten wären 15 Proc. taube Ge- 
würznelken zulässig. Behufs Beantwortung der Frage, ob diese 15 Proc. natür- 
liche taube oder ob sie extrahirte sind, dient die Bestimmung der Menge des 
schwefelkohlenstoffigen Extracts (siehe weiter unten). Taube Nelken geben 7 — 
10 Proc. Extract, bereits extrahirte aber bedeutend weniger (2 — 6 Proc). 

Die Schwimmprobe im Wasser lässt sich anf das Gewürznelkenpulver 
nicht ausdehnen, denn auch die extrahirte Waare sinkt im Wasser zu Boden. 
Hier ist in Stelle des Wassers eine bei gewöhnlicher Temperatur gesättigte 
Kochsalzlösung zu nehmen. Circa 4 CO. des Pulvers werden in einem Reagir- 
c]ündermitl5 — 20CC. kalt gesättigter Kochsalzlösung von 15 — IS^C. eine Minute 
kräftig durchschüttelt. Die bei Seite gestellte Mischung wird nach Verlauf von 
20 — 30 Minuten einige Male sanft agitirt, damit die durch Luftbläschen an dem 
Niveau der Flüssigkeit zurückgehaltenen Partikel Gelegenheit finden, zu Boden 
zu sinken. Nach 5 — 8 Stünden der Ruhe ist das Pulver guter Nelken total zu 
Boden gesunken. Das etwa am Niveau der Flüssigkeit verbleibende beträgt 
kaum den lOOsten Theil des geschüttelten Pulvers. 

Das Pulver extrahirter Nelken hat sich in diesem Falle in zwei ziemlich 
gleiche Theile getheilt, die eine Hälfte ist Bodensatz, die andere Hälfte bildet 
die Niveauschicht. Das mit fettem Oele gefeuchtete Pulver wird eine höchst 
kleine Bodenschicht und eine starke Niveauschicht bilden. Für ökonomische 
Zwecke und für ein Palver aus einer geringen oder altlagemden Sorte Gewürz- 
nelken könnte eine Niveauschicht zugelassen werden, welche Y3 von der Höhe 
der Bodenscldcht einnimmt. Ist die Niveauschicht dicker, mehr als ^3 betragend, 
80 ist das Pulver ein schlechtes und der Verfälschung sehr stark verdächtig. 

Die Farbe der Kochsalzlösung ist bei gutem GeWÜrzneTkSSQpR^er nach 5 — 
6 Stunden der Ruhe die des Weissweines. Ist sie fast farblos oder farblos, so 
liegt auch eine Verfälschung vor, ebenso wenn sie dunkelfarbig ist. Mit Schwe- 
felkohlenstoff oder Petroläther extrahirte Nelken färben die Kochsalzlösung nicht 
stärker und schwächer als gutes Gewürznelkenpulver. Die Beobachtung dieser 
Färbung ist ein sehr wichtiger Theil der Untersuchung. Auffallend ist, dass 
rdnes Wasser eine dunklere Färbung annimmt und sich mit Nelkenpulver, wel- 
ches mit Schwefelkohlenstoff oder Petroläther extrahirt ist, sogar sehr dunkel färbt. 

Die Mischung des Pulvers mit der Kochsalzlösung wird der Filtration unter- 
worfen. Das flltrat ist von der Farbe des Ungarweines oder Weissweines. Es 
redueirt in der Wärme kaiische Kupferlösung und wird durch Pikrinsäure 
nicht getrübt Es wird femer durch Jodjodkalium dunkler gefärbt, giebt aber 
damit keine Jodreaction (Gegenwart von stärkemehlhaltigen Beimischongen). Gerb- 
säure erzeugt eine strohgelbe Trübung oder Fällung. 

Der filtrirte Aufguss mit kaltem Wasser ist meist dunkelgelbroth, 
aber indifferent gegen Gerbsäure, auch gegen Pikrinsäure, selbst nach 
Znsatz von verdünnter Schwefelsäure erfolgt nur eine höchst unbedeutende Trü- 
bung. Ferrichlorid färbt violett. 

Schüttelt man das Pulver guter Gewürznelken mit Chloroform, so setzt 
eB sich in der Ruhe zu Boden, höchstens schwimmt nach einer Stunde in der 
Chioroformschicht eine unwägbare Menge eines staubigen Pulvers. Giebt man 
nun mehrere Tropfen Wasser hinzu und schüttelt eine Minute um, so tritt in 
der Buhe die Palvermasse an das Niveau der Chloroformschicht, diese ist kaum 



222 Caryophyllos. 

gefärbt und am Grunde sammeln sich VerfälschnngszoBätze^ Mineral-Sub- 
stanzeu; welche schwerer als Chloroform sind. 

Zur Darstellung des Extractes mittelst Schwefelkohlenstoffs wer- 
den die gepulverten Gewürznelken auf dem Wege der Deplacirung und Filtration 
durch Glaswolle mit Schwefelkohlenstofif extrahirt, der Auszug in einem genau 
tarirten Glaskölbchen unter allmählicher Erwärmung des Wasserbades der Destil- 
lation unterworfen und dann der Rückstand im geöffneten Kölbchen im voll- 
hßissen Wasserbade noch 20 Minuten hindurch erhitzt. In einem Kolben findet 
hier keine Verdampfung des ätherischen Oeles statt. Dann wird der Rückstand 
nach seinem Gewicht bestimmt. Diese Procedur hat nur einen Zweck, wenn es 
darauf ankommt zu bestimmen^ ob ganz oder nur theilweise extrahirte Nelken vor- 
liegen. Amboina-Nelken gaben 30 u. 34,5 Proc., Zanzibar-Nelken 28, 30 und 
32 Proc., älteres Zangibar-Nelken-Pulver 25 Proc. Verdampfungsrückstand. Dieser 
hinterliess einer stärkeren Hitze (150^ C.) in offener Schale ausgesetzt ^/^2 — V» 
seines Gewichtes Harzsubstanz. Diese Ergebnisse wurden aus sehr guten Sorten 
Gewürznelken erlangt. Eine sehr geringe und alt gelagerte, aber gut conservirte 
Sorte ergab schwefelkohlenstoffiges Extract 18 Proc., dessen Harzgehalt aber auf 
^4 seiner Menge stieg. Eine Sorte, welche 10,8 Proc. Oel ausgab, lieferte 
14 Proc. schwefelkohlenstoffiges Extract. Man könnte hiemach einen Gehalt 
von 14 Proc. dieses Extractes als Mindestgehalt einer brauchbaren Gewürznelken- 
waare annehmen. 

Da der Gehalt an ätherischem Oele den Werth der Waare bedingt, 
so kann unter Umständen die Bestimmung desselben nothwendig werden. Die 
Extraction geschieht in ähnlicher Weise wie bei der mit Schwefelkohlenstoff, 
aber mit Petroläther oder Aether, welche hauptsächlich das Oel lösen. 
Der Oelgehalt variirt zwischen 9 — 22 Proc. In der Ostindischen Waare finden 
sich 16 bis 21, in der Afrikanischen 12—17, in der Amerikanischen 9 — 12 Proc. 
flüchtiges Oel. 

Der Hangehalt ist ebenfalls kein stabiler und variirt zwischen 4 — 9 Proc. 
Derselbe wira gefunden, wenn der Rückstand von dem destillirten Schwefel- 
kohlenstoffauszuge in Weingeist gelöst und in einer offenen Schale eingetrocknet 
und bis auf 110» C. erhitzt wird. 

Der Oelgehalt der Nelkenstiele beträgt 4—5 Proc, der Harzgehalt 1,5— 
2 Proc. 

Das mit fettem Oele gefeuchtete Pulver erkennt man, wenn man eine dünne 
Schicht des Pulvers zwischen feinem Postpapier mit dem Daumen drückt. Das 
reine Gewürznelkenpulver erfordert einen sehr bedeutenden Druck, ehe es Oeliges 
an Papier abgiebt. Dieses Oelige ist flüchtig, der Fleck verschwindet, mcht aber 
der aus gefettetem Pulver. 

Oleum Carytplijllfniai, Gewürznelkenöl, ist ein Gemenge eines dem 
Terpenthinöle isomeren, wie Terpenthinöl riechenden Kohlenwasserstoffs (GjsH^«) 
mit einem sauerstoffhaltigen, phenolartigen Oele, dem Eugenol. Jener Kohlen- 
wasserstoff hat ein spec. Gew. von 0,918 und geht bei der Destillation zuerst 
über (leichtes Nelkenöl). Das Eugenol (CßHg.^Hs.OCHa.OH oder CjoHi^Oa), 
auch Nelkensäure, Eugensäure genannt, ist frisch farblos, vom Gemcli 
und Geschmack der Gewürznelken, bei 18,5^ C. von 1,063 spec. Gew., bei 2bS^ 
siedend, von kaum saurer Reaction, unlöslich in Wasser und Glycerin. Kleine 
Mengen Salicylsäure kommen in Nelkenöl bisweilen vor (Flückiger). 

Mit Superoxyden und Oxyden der edlen Metalle in Contact kommend be- 
wirkt das Gewürznelkenöl Explosionen. Gegen Kaliumhyperoxyd und Mercuri- 
oxyd verhält sich das Oel indifferent (R. Boettgeb). 

Behufis Prüfling des Gewürznelkenöls schüttelt man dieses mit kaltem Wasser 



CaryophylluB. — Cassia. — Caatoreum, 223 

und filtrirt nach einigeT Zeit« Das Filtrat darf nicht sauer reagiren^ und giebt 
mit Ferricblorid eine geibweise Trübung ^ keine grüne oder anfangs ins Violette 
siebende (Carbolsftore). 

Wenn man auf eine Wassers&nle in einem Reagircylinder einige Tropfen 
des Gewürznelkenöls giesst, so sinken die Tropfen bei sanftem Rütteln des Oy- 
linden auf den Grand der Wassersäule , ohne sich zu trüben oder mit einer 
trüben Wolke zu umgeben. Wenn man nun den Cylinder mit dem Daumen 
aehliesst und zweimal langsam umwendet , so dass die Oeltropfen gezwungen 
sind, die Flüssigkeitssäule noch zweimal zu durchwandern; so bewahren die 
Tropfen die Durchsichtigkeit, bei weiterer Agitation gewöhnlich nicht mehr. Das 
Wasser aus dieser Probe giebt mit Ferricblorid eine Trübung. 

Das Nelken stengelöl weicht wenig von dem Gewürznelkenöl ab. Es 
zeigt im Geruch eine geringe Abänderung, auch ist es um ein Geringes specifisch 
leichter, aber immer schwerer als Wasser. Es giebt auch dieselben Reactionen« 

Zahnseliinemiiittely Cölnery zum Stillen des Zahnschmerzes, ist eine Mischung 
von 2 g Nelkenöl und 8 g Aether. (Sgbädler, Aualyt.) 



Cassia. 



Pllpi CassUe (Ph. Austr.). Eine Mischung von 3 Th. Pulpa Cassiae depurata 
«nd 1 Th. Zucker wird im Wasserbade bis zur gehörigen Musconsistenz ab- 
gedampft. 



Castoreum« 



Pharm. Centralh. 1879, No. 7 spricht Hager den Wunsch aus, und gewiss 
unter Uebereinstimmung vieler Aerzte und Pharmaceuten, das Castoreum aus der 
Arzneischatzkammer hinauszuwerfen, denn einerseits sind seine pharmakodynami- 
sehen lägenschaften nicht grössere als die der Y alerianwurzel , eher geringere, 
und zweitens ist es eine thierische Absonderang, daher ein ekelhaftes Medi- 
cament, welches das Schicksal der einst officinellen Stercoralia verdient Die 
letzte Ausgabe der Pharmacopoea Austriaca ist hier mit gutem Beispiele voran- 
gegangen und hat Castoreum nicht mehr recipirt. Hoffentlich wu*d eine neue 
Ausgabe der Ph. Germanica diesem Beispiele folgen. 

Zum Abschiede des Castoreum aus dem Arzneischatz mögen einige ge- 
acbiditliche Notizen über die dem Biber entnommenen Arzneisubstanzen folgen. 

Der Biber scheint in alter Zeit über ganz Europa verbreitet gewesen zu 
sein, denn Hippoksatss, später Galen, Celsus, Aketaeus bedienten sich des 
Bibcargeils bei Mutterbescliwerden und Krämpfen. Das Fleisch ist dem Rind- 
fletsch ähnlich, nur fettreicher und von nicht angenehmem Fleischgeruch. Der 
gebratooe fette Schwanz galt in alter Zeit für eine Delicatesse. Das Fett, wel- 
ches um die Castoreumbeutel lagert (Axungia Castorei), wurde zu erweichenden 
EinreibungeD, auch zu Einreibungen gegen Nervenschmerzen und bei Lähmungen, 
das Fett aus dem Sehwanze in Canada zu Pomaden wie bei uns das Markfett 
und auch zu nervenstärkenden Einreibungen gebraucht Bondelbt (1540) 
emp&hl die Bibergalle als Mittel gegen den grauen Staar und als ein den Be- 
gattungstrieb förderndes Mittel. Andere rühmten das Biberblut gegen Epilepsie 
und entzündliche Zustände der Brustorgane, den Harn als Antidot (Alexiterium), 



224 



Castoreum. Pferdestaub. 



Biberhaare zum Blutstillen der Wanden, die Zähne als Amulet beim Zahnen der 
Kinder, dagegen calcinirt und gepulvert innerlich gegen Bräune und Seiten- 
stechen. Nach Plikius wird das Fell zum Einhüllen und Bedecken gichtischer 
Glieder gebraucht, nach Anderen in späterer Zeit zum Bedecken atrophischer 
Kinder, an Puerperalfieber daniederliegender Frauen und Wuthkranker empfohlen. 
Irgend ein Gelehrter wollte sogar gefunden haben, dass das Tragen von Biber- 
pelzen das Gedächtniss stärke. 

Die Bibergeilsubstanz scheint schon vor Hippokbates ein Volksmittel ge- 
wesen zu sein. Es wurde gegen Nervenleiden jeder Art, auch gegen Epilepsie, 
selbst bei Gemüthskrankheiten von jeher angewendet und für ein Opium thieri- 
scher Herkunft gehalten. 

Gelegenheit zu vorstehender Aeusserung bot die von Godeffboy (Wien) 
veröffentlichte Untersuchung eines abnormen, aber allem Anscheine nach unver- 
letzten Gastoreumbeutels (Ztschr. d. Oesterr. Ap.-Ver. 1879, No. 3). Dieser 
Beutel enthielt nur ein üebermass Calciumcarbonat und zweifelt Hageb keines- 
wegs an der Echtheit desselben, denn auch der Biber unterliegt Krankheiten 
und dürfte die übermässige Absonderung des Kalksalzes als ein pathologischer 
Vorgang zu betrachten sein, zumalen schon öfters in der Ganadischen Waare bis 
zu 40 Proc., in Sibirischer Waare bis zu 45 Proc. Calciumcarbonat angetroffen 
wurde. So fand vor 50 Jahren Willem van Babnefeld in frischer russischer 
Waare 25 Proc. Kalkerde, entsprechend 45 Proc. Kalkcarbonat, Bbakdes über 
55 Proc. verschiedener Kalkverbindungen. Dass Castoreum auch mit geringem 
Kalkgehalt vorkommt, ist wohl erklärlich, da Klima, Jahreszeit, Nahrung, Alter 
der Thiere nicht ohne Einfluss sind. Godeffboy fand in jenem Beutel: 



A 



B 



r Kieselsäure .... 

Kohlensaures Calcium . 

Durch Glühen flüchtige 

Substanzen . . 

Summa 

Weingeistextract . 

Aetherextract . . 
j Petroleumätherextract 

' Chloroformextract . 

Wasserextract . . 

Ammoniakeztract . 

Feuchtigkeit . . . 



0.3305 Proc. 
47.0690 



ff 



.. 52.5980 



99.9975 

7.723 

12.380 
3.402 
0.386 
3.553 
2.394 
4.425 



n 
n 

n 

71 



Pferdestaub, Striegelstanb , der durch Striegel und Kartätsche von der 
Haut der Pferde gesammelte Staub, kann ein Gegenstand in gerichtlichen und 
poUzeilichen Untersuchungen werden, einmal wird er von Knechten und Ca- 
valleristen auf Tanzböden ausgestreut, um durch seine Niesen und Jacken er- 
zeugende Wirkung den Tänzern das Vergnügen des Weitertanzens zu verleiden, 
ein anderes Mal zu gemeinen Schelmstücken benutzt, die hier zu benennen der 
Anstand verbietet. Es kann also dem Chemiker die Aufgabe werden, irgend 
eine Substanz in Pulverform, auch in fester Form zu untersuchen. Steht der 
Gegenstand mit einem Pferdeknechte oder Cavalleristen in Beziehung, so mag 
der Chemiker auch an den Pferdestaub denken. 

Der Pferdestaub bildet ein graues Pulver, welches unter dem Mikroskop 
amorphe, weisslich-gelbe oder gelbe, durchsichtige Massen darstellt. Er lässt 
sich trocken mit den Fingern zusammendrücken und zu festen Stücken formen» 



Castoreum. — Catechn. 225 

Mit Äetlier geschüttelt giebt er ein gelbliches fettes Oel an diesen ab. Dieses 
Oel ist nicht flüssig; mehr zähe von Consistenz, wenig leichter wie Wasser, bei 
«rewöhnlicher Temperatur also nicht flüssig, im übrigen durchsichtig. Der Staub 
von einigen Pferden, z. B. von Schimmeln ergab ein fettes Oel, welches con- 
i^istenter als das aus dem Staube von braunen Pferden war und sogar etwas zur 
Krystallbildung dlsponirte. Verseifbar ist es nur zum grösseren Theile. Der 
Pferdestanb enthält 12—17 Proc. dieses fetten Oeles (Haqeb). 



Krampftropfen, KSnlgseer, bestehen aus Spirit. aetherens 10,0, Spirit. Aetheris 
nitriwi, Tinct. Gasterei Canad., Tinct. Opii, Tinot. Valeriauae ana 2,0. 

Mntterkolikessenz, Eouigseer, besteht aus Tinct. aromatica, Tinct. Aurant. 
fwm. ana 5,0, Tinct Croei, Tinct. Opii croc. ana 2,5, Spiritus Vini diluti 10,0. 



Catechn. 

Kat^chu soll in Indien hauptsächlich von Acacia Catechu Willü. {Mi- 
mosa Sandra Roxb.) einem 12 Meter hohen Baume mit braungrauer Rinde 
Qiid von Acacia Suma Kürz {Mimosa Suma Roxb.); ebenfalls einem grossen 
uäume mit weisser Rinde gesammelt werden. 

Die Gambir- Sorte, obgleich von den Pharmakopoen zurückgewiesen, soll 
'Tfgen ihres starken Catechingehalts den Vorzug verdienen. 

Cambirt fiatta Gambir, ist das getrocknete Extract aus den Blättern der Un* 
rarta Gambir Roxbüböh {Nauclea Gambir Hunter), welche Rubiacee in 
Uinterindien zu Hause ist und im östlichen Asien cultivirt wird. Arm. Oaütier 
hat diese Catechu-Art, von welcher in Grossbritannien jährlich wohl 20000 Ton- 
nen als Gerb- und Parbmaterial verbraucht werden, näher untersucht und ge- 
f.nden, dass sie drei unter sich verschiedene Catechine in wechselnden Verhält- 
LisseB enthält. Nach Gautier's Angabe operirt man in folgender Weise: 

Das Gambir wird gepulvert mit kaltem Wasser erschöpft, der Auszug ab- 
jeilampft und der Rückstand aus siedendem Wasser umkrystalUsirt. Die Kry- 
i^railmasse wird nun in verdünntem Weingeist gelöst und mit Bleiacetat versetzt, 
»^ der Niederschlag hellgelb erscheint. Man filtrirt, destillirt den Weingeist zum 
Theil im Kohlensäurestrome ab, entfernt das überschüssige Blei durch Schwefel- 
wasserstoff, destillirt abermals ^j^ der Flüssigkeit im Kohlensäurestrome ab und 
lisst erkalten. Das hierdurch erhaltene erste Catechin {A) ist vollständig weiss. 
Man wäscht es mit siedendem Wasser und trocknet es. 

Die Flüssigkeiten, Waschwässer und Mutterlaugen, werden abermals auf 2/3 
«'incentrirt und man erhält durch Abkühlen ein zweites Catechin (5). Endlich 
iLimpft man die Mutterlauge bis zur Syrupdicke ein und erhält ein Product, 
w^*lche8 aus einem öligen Körper und einem krystallinischen dritten Catechin ((7) 
^»esteht. Diese drei Catechine müssen schnell mit ausgekochtem kaltem Wasser 
auf kalkfireien Filtern gewaschen und im Vacuum oder in einer Kohlensäureatmo- 
fphäre unterhalb 50® getrocknet werden. Aus 1 kg Gambir wurden von A 150, 
Vjn B 20 und von C 6 — 7 g erhalten. Die Analyse ergab für A die Formel 

C4oHj80,6 + 2H2O, für B C42H3,Oiß + H^O und für C C4on3,Oie + H^O. 
Das Krystallwasser entweicht bei allen dreien bei 120 — 130^. A bildet kleine 
f^^h:efe rhombische Prismen, C sehr feine Nadeln. A schmilzt bei 204 — 205®, 
B bei 176—177« und C bei 163». 100 Th. Wasser lösen bei öO» von A 9,9, 
Ton C Bur 5,3 Th. Durch diese verschiedene Löslichkeit ist auch die Trennung 
dureh fractionirte Krystallisation bedmgt« 

Bar«r, Plurn. Pnads. Suppl. 15 



226 Catechu, — Cautschuc. 

Die empirische Formel filr Catechin ist nach C. Liebermann und Taüchert 

C2 1 Hj^Og + ÖH2O. 

Pyrocatecbina, Aeidom oiyphenicvm , Brenzkatechasüare , Bioxybenzol, leta- 
bioxyphenol, Brenzkatechin (C6H6O2 oder C6H4(OH)2) findet sich im Kino, in Euca- 
lyptus, den Blättern von Ampelopsis heder acea, entsteht durch trockne Destil- 
lation vieler Pflanzenextracte , des Katechu, Kino, beim Schmelzen junger Braun- 
kohle mit Kalihydrat, beim Erhitzen von Kohlehydraten mit Wasser auf 200<^ C. 

Es bildet säulenförmige farblose Krystalle, ist von nicht unangenehmem Ge- 
rüche und löslich in Wasser und Weingeist. Bei gewöhnlicher Temperatur ver- 
dunstet es langsam, schmilzt bei 112^, siedet bei 240^ und sublimirt in Blätt- 
chen. Die alkalischen Lösungen färben sich an der Luft dunkelgrün, zuletzt 
schwarz, es reducirt die Oxyde der Edelmetalle und kaiische Kupferlösung. Ferri- 
chlorid färbt es dunkelgilln, Bleiacetat fällt es weiss (der Niederschlag ist in 
Essigsäure löslich), Salpetersäure verwandelt es in Oxalsäure. Erhitzt mit Phtal- 
säureanhydrid und Schwefelsäure und dann mit Wasser übergössen liefert es eine 
Flüssigkeit, welche auf Zusatz von Kalihydrat blau wird. 

Die Darstellung des Brenzcatechins aus Katechu ist nach J. Löwe folgende: 
Katechu, bis zu einer Temperatur von 165^ laugsam ausgetrocknet, dann gepul- 
vert, wird in einer Retorte, deren Wände vom Feuer umspielt werden, erhitzt, 
das Destillat mehrmals mit gesättigter Kochsalzlösung ausgeschüttelt, die Koch- 
salzlösung dann mit Aether ausgeschüttelt, vom Aetherauszuge der Aether ab- 
destillirt und der Rückstand in wenig heissem Wasser gelöst. Die nach dem 
Abkühlen erstarrte Masse wird zwischen Fliesspapier ausgedrückt. Dieses Brenz- 
catechin ist weiss, kann aber durch Sublimation weiter gereinigt werden. 



Das Repert. de Pharm. 4, p. 395 berichtet einen Fall der Vergiftung durch 
Cachou de Bologne, und zwar war dieses Präparat mit Bleisalz verunreinigt. In 
dem Inhalte einer Schachtel fand Lendet 0,2 g Blei. 

Antikesselsttinmittel, Levesque's, besteht aus 30 Theilen Alaun, 30 Fariu- 
zucker, 120 Soda, 120 Katechu, 90 Arab. Gummi, 30 Potasche. 



Cautschac. 

Kautschukpillen sind auf der erwärmten eisernen Pilleumasehine zu 
fabriciren. Am sichersten verfährt man, wenn man die KautschukbenzoUösung bis 
zur Syrupdicke eindampft resp. bei höchst gelinder Wärme abdampfen lässt und 
mit einer genau zu bestimmenden Menge und so viel Armenischem Bolus versetzt, 
dass eine weiche Pillenmasse entsteht. Diese wird in einer Dicke ausgerollt, 
dass die Riefen der Pillenmaschine beim rollenden Abschneiden sich mit ihren 
Schärfen berühren und die Abnmdung mit den Fingern wenig Mühe erfordert, 
üeber diese Darstellung ist die Einwilligung des verordnenden Arztes einzuliolen. 
Dass diese Pillen auch nach der im Handbuch vorhandenen Vorschrift (Bd. I, 782) 
herstellbar, wenn auch nicht schön geformt sind, ist hierbei wohl zu beachten. 
Man verwende hierzu nie vulkanisirten Kautschuk. 

Zur Darstellung von Pflastern etc. ist die unten angegebene Kantschnk- 
Benzol-Iiösung verwendbar und lässt sich diese Lösung mit allen erwärmten und 
flüssig gemachten Fett- und Harz-Mischungen verbinden. 

Platten, dünne und dickere, aus vulkanisirtem Kautschuk dienen zum Er- 
weichen homartiger Gebilde und harter Hautverdickung durch Auflegen und 
längere Zeit dauerndes Bedeckthalten. 



Cautsohuc. 227 

Cirn-Ertirpators, Leichdomzerstöror, sind dünne Kautschukscheiben, 
Kantschukpergament , auf der emen Seite mit der Kautschuk-Benzollösung oder 
in Benzol gelöstem Heftpflaster bestrichen. 

Sangpfropfen wurden Zinkoxyd, einige auch Baiyt enthaltend angetroffen. 

Kautschukpfropfen wurden Arsen enthaltend , angetroffen. Bei Unter- 
suchungen auf Arsen sind also diese Pfropfen zu meiden. 

laatsehHk-Sparadrap, Kantsehukadhäsivpflas t«r. Kautschukpergament wird 
auf einer Seite mit einer Lösung von Heftpflaster in Benzol dünn überstrichen 
und an der Luft abgetrocknet (von Mokgan in Boston zuerst empfohlen). 

Kaatscbikpergaiiient ist ein Fabrikat, welches Gelatinepapier, feines Leder, 
Goldschlägerhäutchen, Pergament etc. zum Verschluss der' Flaschen ersetzt. Es 
bildet sehr geschmeidige dehnbare weisse oder verschieden gefärbte Blättchen, 
dargestellt aus feinstem Parakautschuk mit Schwefelzink, gefärbt mit Zinnober, 
Ultramarin, Chromgrün, Schwefelcadmium etc. Das Vulkanisiren erfolgt in der 
Kälte mittelst einer Lösung von Chlorschwefel in Schwefelkohlenstoff. Durch ein 
sehr einfaches — aber nicht angegebenes — Mittel wird dem Pergament der 
durch den Chlorschwefel hervorgebrachte unangenehme Geruch und die hellgelbe 
Farbe genommen. 

¥egetabiU8€lies Pergament, vegetabilisches Elfenbein. Mit diesen Namen be- 
zeichnet man schwefelfreie Mischungen aus Kautschuk und Magnesia. Es wird 
dailureh hergestellt, dass eine Kautschuklösung mit gebrannter Magnesia versetzt 
irad die Masse dann mittelst der hydraulischen Presse in erwärmten gusseisernen 
Formen comprimirt wird. Das vegetabilische Elfenbein ist also durch Magnesia ge- 
härteter Kautschuk. Man stellt daraus z. B. Billardkugeln her, die denen aus 
Elfenbein täuschend ähnlich sind, denn sie sind ebenso gleichmässig , haben das- 
selbe specifische Gewicht, sind aber dabei sehr elastisch und doch so fest, dass 
sie nicht zerbrechen, wenn sie aus einer Höhe von 20 m auf Stein fallen. Sie 
lassen sich ganz wie achtes Elfenbein drehen, poliren und färben. Durch An- 
wendung verschiedener Verhältnisse von Kautschuk und Magnesia kann man unter 
gleichzeitiger Einwirkung von Wärme und Druck mehr oder weniger dichte und 
mehr oder weniger harte, aber stets sehr elastische Produkte erhalten. Diese 
Masse dürfte sich für viele chemische Apparate verwenden lassen. Das vege- 
tabilische Elfenbein unterscheidet sich von dem 

htraisirtea Kantseknk, Ebonit, nur in der Zusammensetzung und durch etwas 
irrossere Elasticität. Der Ebonit wird durch Erhitzen von 20 Th. Kautschuk 
mit circa 10 Th. Schwefel, Versetzen mit Kreide, Zinkweiss, Bleiweiss, Schellack 
dargestellt. 

Bornesit ist ein färb- und geruchloser, nicht gährungsfähiger Süssstoff im 
Bomeokautschuk. Er krystallisirt in 4-seitigen Prismen, ist leicht löslich in Wasser, 
wenig löslich in Weingeist, schmilzt bei 175® und sublimirt bei 205® unter par- 
tieller Zersetzung. Die Polarisationsebene des Lichtes lenkt er nach rechts ab. 

Dambonit (C4H8O2), aus dem Gabon-Kautschuk zu 1/2 Proc. abgeschieden, 
ist ein färb- und geruchloser, nicht gährungsfähiger Süssstoff, welcher bei 190® 
schmilzt, bei 210® sublimirt, in Wasser und Weingeist löslich ist. Weder Bornesit, 
noch Dambonit reduciren kaiische Kupferlösung, beide geben aber mit rauchen- 
der Jodwasserstoffsäure im geschlossenen Gefäss auf 120® C. erhitzt, Jodmethyl 
und Dambose (C^HeOs). 

lieber Chicle und Bai ata vergl. man unter Gutta percha. 

iiinaiiseher Kaotsehnk kommt von einer Coccus-Art, einem Insect in Yucatan 
rCentral-Amerika). Es ist ziemlich gross, von brauner Farbe und unangenehmem 
Oelgeruch. Das aus dem Insect ausgebratene Fett gilt als Arzneimittel. Wird 

15* 



228 CautBchuc. 

dieses Fett stark erhitzt, so verflüchtigt sich ein Theil und eine dem Schellack 

ähnliche Masse bleibt zurück. Wird diese Masse angezündet und lässt man sie 

bis zum Verlöschen brennen, so hinterbleibt eine zähe dem Kautschuk ähnliche 
Substanz. 

iromatisinuig des Kautschuks und der Fabrikate daraus. Diese geschieht 
nach Türpin durch Einlegen der Gegenstände in Schwefelkohlenstoff auf 5 Se- 
cunden, Herausnehmen, Abtrocknenlassen an freier Luft, dann Bepinselung mit 
wohlriechenden ätherischen Oelen. 

Fettdichter tantschnk, glyeerinirter tantsclink. Wird der Kautschuk während 
des Vulkanisirens mit Glycerin behandelt, so zeigt er sich gegen Fette und fetto 
Oele total widerstandsfähig. Der Kautschuk wird zwischen erwärmten Walzen 
bearbeitet, nach Zusatz von Glycerin allein oder auch von mit Glycerin vermischten 
metallischen oder mineralischen Stoffen (Zinkweiss, Bleiweiss, Schlämmkreide, 
Schwefel etc.). Man wendet z. B. an: 3 kg Paragummi, 3 kg Schlämmkreide, 
0,5 kg Glycerin von 1,230 spec. Gewicht, 0,1kg Bleiglätte, 0,2 kg Schwefel- 
blumen. Zur Vulkanisirung wird der Gegenstand aus der so gemischten Masse 
bestehend in ein Glycerinbad gelegt und dann in einem geschlossenen Gefäss der 
Einwirkung von Wasserdampf von mehreren Atmosphären Druck ausgesetzt. 
Für manche Gegenstände genügt schon die alleinige Anwendung eines Glycerin- 
bades. 

tlnstlieher tantschnk nach Dancewerth und Sandees (Deutsches Reichs- 
Patent 9620). 100 Th. einer Mischung aus gleichviel Holz- und Kohlentheerr»! 
und 100 Th. Hanföl werden mehrere Stunden auf 140— 150» erhitzt, bis die 
Masse sich in Fäden ziehen lässt. Dann werden 100 Th. durch Kochen ver- 
dicktes Leinöl zugesetzt, hierauf 15 — 30 Th. Ozokerit nebst etwas Wallrath und 
nach weiterem mehrstündigem Erhitzen 18 — 25 Th. Schwefel dazu gemischt. 
Diese Masse soll sich wie Kautschuk verarbeiten lassen. 

Eliokom nennt man künstlichen Kautschuk, bereitet durch Kochung von 
Leinöl unter Zusatz von wenig Salpetersäure bis zur dicklichen Consistenz, und 
Zusatz von kleingeschnittenem Kautschuk oder Guttapercha bis zur Losung. 
Dann wird Schwefel zugesetzt, erhitzt und durch Zusatz von Kreide, Baiyt, 
Magnesia, Bolus, Metalloxyden, Schwefelmetallen, Ultramarin der Mischung Con- 
sistenz und Farbe gegeben. Es bildet eine harte und etwas elastische, polirbare 
Masse. 

Kantsclink- Benzol -LSsnng dient zur Darstellung von elastischen Firnissen und 
Lacken. 

Zur Darstellung derselben wird Kautschuk in sehr kleine Stückchen zer- 
schnitten, welche auf Porcellantellem bei einer Wärme von 30 — 40^ C. ausge- 
trocknet werden. Hierzu genügt meist eine Zeitdauer von 14 Tagen. Dann 
giebt man den erkalteten Kautschuk in eine Glasflasche mit weiter Oeffhung und 
übergiesst ihn hier mit einer 6 fachen Menge Steinkohlenbenzin (Benzol), so dass 
die Flasche ungefähr halb gefüllt ist und die Mischung öfters gut umgeschüttelt 
werden kann. Wird sie beim Erkalten steif, so giebt man noch so viel Benzol 
hinzu, dass sie eine giessbare homgdicke Masse darstellt. Es ist gut, die Lö- 
sung bei einer Wärme von 30 — 40® C. zu unterstützen. Hartgummi wird durch 
Benzol nur erweicht, nicht gelöst. 

Kantsehnk-Fimisse, Kantschnk-Lacke , elastische Firnisse stellt man dadurch auf 
kürzestem Wege dar, wenn man den Leinölfimiss oder den Harzlack mit Yio — Vs 
der Kautschuk-Benzol-Lösung mischt. 

Kantschnk- Graphit -Fimiss. Eine Mischung von 2 Th. Kautschuk-Benzol-Lö- 
sung mit 5 Th. gutem Leinölfimiss und 3—4 Th. präparirtem Graphit. Er dient 



Cantschnc. — Centanriam. 229 

mm Bestreichen von Metallblechen, Zinkdächern, Kupferblechdächern und Gegen- 
ständeoy welchen man das Aussehen von Metall* geben will. 

Kitt für Langenbehälter. 10 Th. Kautschuk -Benzol -Lösung wird mit 
2 Th. Paraffin versetzt und damit bis zur Lösung erwärmt, die Flüssigkeit durch 
Abdunsten an der Luft auf ein halbes Volumen gebracht und dann mit Schwer- 
Fpath und weissem Bolus, welche gut ausgetrocknet sind, zu einer kittartigen 
malarirbaren Masse gemacht. Fttr Gefösse für warme oder heisse Lauge eignet 
sich dieser Kitt nicht und ist er dann ohne Zusatz von Parafißn darzustellen oder . 
m Stelle des Paraffins gepulverter Copal zu nehmen. 

litt för Säurege fasse, welcher sowohl der Salzsäure wie der Salpeter- 
säure widersteht. Nach Obnicke wird kleingeschnittener Kautschuk, 10 Th., 
mit 20 Th. Leinöl unter Umrühren langsam erhitzt, bis eine gleichförmige Masse 
entstanden ist. Dieser setzt man 35 — 45 Th. oder soviel einer Mischung aus 
gleichen Theilen weissem Bolus und Schwerspath hinzu, bis eine kittartige plasti- 
sche Masse vorliegt. Der Kitt wird erwärmt angewendet. Der Bolus muss vor- 
her mit Salzsäure und Wasser ausgewaschen und dann gut ausgetrocknet sein« 
Bei der Bereitung der Kieselfluorwasserstoffsäure ist dieser Kitt nicht anwendbar. 

Kleidungsstücke mit vulkanisirtem Kautschuk zu tränken. 
Man tränkt das Tuch mit einer Kautschuklösung und setzt es dann Schwefel- 
cbloriddämpfen aus. (Deutsch. R.-Pat. 2265. W. Abbot^ London.) 



Centaniinm. 

In der pharmaceutischen Tagespresse tauchte plötzlich die Chininblume, 
Quinxne 'ßowers y auf und wurde von derselben sogar als Ersatz der China so 
^iel Rühmens gemacht, dass dieses Vorgehen deutlich auf eine kaufmännische 
Speculation hindeutete. Unsere Erythraea Centaurium ist seit jeher als Fieber- 
mittel benutzt und auch, wie aus dem Kamen Tausendgüldenkraut (100 Gold- 
Btücke werth) folgt, als ein vorzügliches Medicament geschätzt worden. Ihre 
Tolksthümlichen Namen sind auch: Fieberkraut, Erdgalle. Den Namen 
Cetitaurium {xevxavQiov) hatte dieses Kraut schon von den alten Griechen er- 
halten, weil der Centaurer Chieion als Lehrer der Aerzte besonders dieses Kraut 
hochschätzte. Es wäre somit der Erythraea Centaurium der Name deutsche 
Chininblume ebenso gut beizulegen, wie den ähnlichen Gentianeen der nörd- 
lichen Amerikanischen Freistaaten. Welche Gentianee oder Erythraeaart 
im Bereich Florida's Quinine-flowers liefert, war nicht in Erfahrung zu bringen. 
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie Frasera verticillata Walteä (Sabatiia 
owrymbosa Bldw.). 

Sollte sich in Deutschland das Verlangen nach der Chinin blume einstellen, 
ao wäre daiiir Herla Ceyitaurii minoris zu dispensiren. In England wird man 
dafür die officinelle Herba Chiretiae s. Chiraytae (von der im nördlichen Ost- 
indien einheimischen Gentianee Agathotes Chirayta Don.) dispensiren, welche 
ä^xh ebenfalls als Fiebermittel bewährt hat. 



lagettkniinpfelixir der Pattltnb Seidl ist ein Elixir aus circa 80 proc. Wein- 
^('ist aas Beifass, Tausendgüldenkraut, Dreiblatt, Veronica; Melisse etc. mit etwas 
Kochsalz versetzt 



230 Gera. 



Cera. 

Specifisches Gewicht des Europäischen Bienen wachses. Die im Hand- 
buch gemachten Angaben sind dahin abzuändern, dass das spec. Gewicht zwischen 
0,956 und 0,964 schwankt, dass ein spec. Gewicht ausserhalb dieser Grenzen 
auf eine Verfälschung des Wachses deutet. Bei Bienenwachs aus anderen Erd- 
theilen und auch bei weissem Wachs kommen unerhebliche Ueberschreitungen der 
angegebenen Grenzen vor, ohne dass eine Verfälschung vorliegt. Ein Brasilianisches 
Bienenwachs zeigte z. B. em spec. Gew. von 0,980. Das spec. Gew. des Wachses 
aus jungen Bienenstöcken soll selbst bis auf 0,945 herabgehen. Weisses Wachs 
hat wegen der nöthigen Beimischungen von weicher ParafQnsubstanz, Talg etc. 
ein oft bis auf 0,950 herabgehendes spec. Gew. 



Ein filtrirtes, höchst reines Wachs wird von der ehem. Fabrik zu 
Helfenberg bei Dresden durch Eugen Dietebtch in den Handel gebracht. Hier 
ist man nicht nur vor verfälschtem Wachse gesichert, man erhält auch eine total 
reine Waare, wie sie für pharmaceutische Zwecke nur allein verwendet werden 
sollte. 

Klnstliches Wachs (nach einem Französischen Patent der Firma Paüvert, 
MoussAY & Chaüvis) besteht aus 2 Th. Colophon und 1 Th. Paraffin. Misch- 
ungen aus Harz, Wachs, Paraffin, Ceresin sind oft im Handel aufgetaucht. Es 
mahnen diese immer wiederkehrenden Verfälschungen besonders den Pharmaceuten 
zur Vorsicht und nöthigen ihn zur Prüfung jedes eingekauften Wachses. Brote 
jenes künstlichen Wachses mit echtem Bienenwachs überzogen, wurden ebenfalls 
angetroffen. Daher ist jedes Wachsbrot zu durchbrechen und ein Theil ans der 
Bruclifläche näher zu prüfen. 

Ein künstliches Bienenwachs, bestehend aus Fichtenharz (40 Proc.) und Pa- 
raffin (60 Proc.) ist im Handel vorgekommen. Durch Kochung mit 63 — 68 proc. 
Weingeist lässt sich das Harz leicht sondern. 



Cera alba. Schon im Commentar zu den Pharmacopöen Nord-Deutschlands 
(1854) sagte Hager; „Das gebleichte Wachs ist, ähnlich anderen gebleichten 
Pflanzenfetten, den Ranciden zuzuzählen. Man glaube nicht, dass das weisse 
Wachs als Arzneikörper vor dem gelben den Vorzug verdiene etc." Die Ent- 
fernung des gebleichten Wachses aus dem Arzneischatze ist von demselben Schrift- 
steller immer und immer wieder angeregt worden. Nichts desto weniger ist der 
alte Aberglauben, dass das gebleichte Wachs eine bessere Arzneisubstanz sei, 
noch immer vorhanden und selbst Pharmaceuten von Ruf, z. B. Mohr glaubten, 
dass zu einer Wachsemulsion nur weisses Wachs (wahrscheinlich als das bessere) 
genommen werden müsse. Um weisse Salben zu dispensiren, wurde das weisse 
Wachs beibehalten und der diesen Salben nothwendig anhängende ranzige Geruch 
als nebensächlich und nicht der Rede werth erachtet. Nun wird sich die Phar- 
macie wohl mehr Ehre einlegen, wenn sie die Dispensation ranziger Salben meidet 
und denselben in Folge der Verblendung des gelben Wachses einen leichten gelb- 
lichen Farbenton oder ein lichtes Chamois gönnt. Arzt und Publikum würden 
sich bald daran gewöhnen. Hat doch das ünguentum cereum der Pharnaacopoea 
Germanica nirgends Beanstandung erfahren. 

Nun vertheidigt LAUTESCniiÄGER das weisse Wachs, indem er die Rancidität 
der übrigen Fettkörper einem Ozongehalt zuschreibt (pharm. Ztg. 1879, No. 29), 
welcher bei weissem Wachse nicht vorhanden sei. Wenn Ozon im Talg einen 



Gera. Untersnchung des Wachses. 231 

Wohnsitz anstrebt und findet; so wird er auch im weissen Wachse, welches ge- 
wöhnlich mindestens 5 Proc. Talg enthält, keinen Widerstand finden. Anderer- 
seits ist es doch auffallend, dass von zwei Salben, die eine mit weissem, die 
andere mit gelbem Wachse bereitet, erstere in den ersten 2 Wochen schon Ran- 
cidit&t anmeldet, während die andere erst nach 10 — 20 — 30 Wochen dem Schick- 
sale anderer Fette anheimfallt. 

Ob ein gebleichtes Wachs einen Zusatz von Talg oder weichem Paraffin 
behu& der Erhaltang der Wachsconsistenz erfahren hat, dürfte sich durch die 
unten sub VI und VII angegebenen Proben erkennen lassen. 



Prüfung des Wachses auf Identität und Verfälschung. Eine solche, jedoch 
empirische ist von Hagbr aufgestellt und praktisch durchgeführt worden. Wenn- 
gleich sie in manchen Beziehungen mit der im Handbuch angegebenen überein- 
stimmt, so umschliesst sie doch so manches, was das Resultat der Prüfung sichert 
uud irgend eine der üblichen Verfälschungen nicht übersehen lässt (pharm. Gen- 
tmlh. 1880, No. 15 u. 16). Zuvor ist zu erwähnen, dass in katholischen Kirchen 
cur Bienenwachskerzen anwendbar sind und der Lieferant solche Kerzen unter 
(Garantie abgiebt, dass also hier auch Fälle vorkommen werden, wo der Apotheker 
als Sachverständiger gerichtlich herangezogen werden dürfte. Femer liegt nur 
dann Fälschung oder Betrug vor, wenn Ceresin und andere künstliche Wachs- 
fjibrlkate als reines Bienenwachs abgegeben werden, dass unter dem Namen 
Wachs nicht nothwendig Bienenwachs zu verstehen ist, um so mehr als die 
Präparate aus künstlichem Wachse oder Ceresin nicht selten ein schöneres Aus- 
^^'hen haben und sie sich für den Gebrauch oft besser eignen, dass die Wachs- 
masse zu den Wachsstöcken verschiedene Zusätze erfordert, wie Talg, Harz, um 
Jem Wachse die genügende Tenacität zu geben, und dass weisses oder ge- 
bleichtes Wachs seit jeher einen Zusatz von mehreren Procenten Talg erLält, 
um die ihm eigene Sprödigkeit zu beseitigen. Die Prüfung geschieht in folgen- 
der Weise; 

I. Bestimmung des spec. Gewichtes. Dieselbe geschieht durch die 
von Hageb bereits im Jahre 1861 veröffentlichten (pharm. Centralh. III, S. 196, 
197) Schwimmprobe, welche S. 132, Jahrg. XX der ph. Centralhalle ausführlich 
besprochen ist. Wenn die Masse des Wachses nicht von Feuchtigkeit durchsetzt 
ist, schneidet man mit einer heiss gemachten Messerklinge fünf und mehr kleine 
Stückchen ab oder besser man schmelzt einige Gramme in einem Schälchen mit 
Ansgnss, tropft, die Tropfen nur niedrig fallen lassend, das Wachs auf eine Glas- 
platte, welche mit einem feuchten Tuche vorher abgewischt ist, und legt die Glas- 
platte in kaltes Wasser. Entweder lösen sich die Wachstropfen bei leisester Be- 
rührung leicht ab oder man stösst sie nach Verlauf einer halben Stunde mit 
einem Messer ab. Das spec. Gew. wird durch die erwähnte Schwimmprobe unter 
Mischung von Wasser und Weingeist bestimmt, bis die Wachsstückchen nämlich 
in der in eine rotirende Bewegung versetzten Mischung kreisend schwimmen, ohne 
de Neigung des Auf- und Abwärtssteigens wahrnehmen zu lassen. Die Wachs- 
tropfen, welche etwa ein Luftbläschen einschliessen, sind leicht zu erkennen, denn 
während die Hauptmenge der Tropfen am Grunde der weingeistigen Flüssigkeit 
s'ch sammeln, schwimmen die bläschenhaltenden nach oben oder am Niveau der 
Flüssigkeit Letztere beseitigt man. Die Eigenschwere des Wachses, des gelben 
und weissen, liegt wie Hager sich überzeugt hat, nur zwischen 0,956 und 0,964, 
i!?t also durchschnittlich 0,960 und meist 0,958—0,960. Die Angaben im Hand- 
?'nch sind hiemach zu corrigiren. Liegt das spec. Gew. ausser 0,956 — 0,964, 
&J ißt das gelbe Wachs einer Fälschung sehr verdächtig. 



232 Cera. Untersuchung des Wachses. 

Das spec. Gew. ist meist ein höheres bei Wachs^ welches Stearinsäure^ Harz 
oder Japanisches Pflanzenwachs beigemischt enthält. Es ist leichter bei einer 
Beimischung von Paraffin oder Erdwachs und Talg. 

n. Lösung in Chloroform oder in einem fetten Oele in der Wärme. 
Die Lösung ist bei trockenem Bienenwachs klar, bei feuchtem etwas trübe, in 
der warmem Lösung darf sich aber kein Bodensatz bilden, welcher gesammelt 
und mit Benzin oderAether abgewaschen ^ näher zu bestimmen ist (Mineral-Stoffe, 
Stärkemehl etc.). 

in. Boraxprobe. In einem Reagircylinder werden 6 — 8 CO. kaltge- 
sättigte Boraxlösung mit einem bohnengrossen Stücke des Wachses bis zum 
Schmelzen des Wachses erhitzt und sanft agitirt. Die wässerige Flüssigkeit trübt 
sich etwas bei reinem Bienenwachs, erscheint aber nie milchig trübe. Stellt man 
zum langsamen Erkalten bei Seite, so sammelt sich die Wachsschicht am Niveau 
der Flüssigkeit, diese fast klar oder nur wenig trübe oder halb durchscheinend 
lassend. Wird sie dagegen weisslich milchig trübe und bleibt sie auch nach dem 
Erkalten undurchsichtig und milchähnlich, so sind in dem Bienenwachs entweder 
Japanisches Pflanzenwachs ' oder Stearin (Stearinsäure) gegenwärtig. Harz und 
brasilianisches Pflanzenwachs verhalten sich in dieser Probe wie reines Bienen- 
wachs, jedoch macht eine Mischung aus Harz oder diesem Pflanzenwachs die 
Boraxlösung undurchsichtig trübe. 

IV. Sodaprobe. In einen Reagircylinder giebt man 6 — 7 CC. Natron- 
carbonatlösung (1 Salz, 6 Wasser) und ein bohnengrosses Stück des Wachses. 
Man operirt in der Weise, dass die obere Schicht der Flüssigkeit ohne Agitation 
bis zum Schmelzen des Wachses erhitzt wird. Findet hier an der Wachsschicht 
ein starkes Aufschäumen statt, so ist Stearinsäure wahrscheinlich gegen- 
wärtig. Man erhitzt nun das Ganze bis zum Aufkochen. Wird hierbei die 
Flüssigkeit milchig, milchiggelblich oder milchweiss, so liegt die Gegenwart von 
Japanischem Pflanzenwachs oder Stearinsäure vor. Nach dem Erkalten ist die 
wässrige Flüssigkeit in diesem Falle immer noch milchig, bei Japanischem 
Wachse mehr oder weniger breiig, selbst steif, während bei Stearinsäure 
die milchähnliche Schicht gewöhnlich flüssig und auch wohl von nicht milchigen 
Schichten durchsetzt erscheint. Die Wachsschicht am Niveau ist meist mürbe 
oder wenig hart. 

Bei reinem Bienenwachs erscheint nach dem langsamen Erkalten die Wachs- 
schicht hart und die wässrige Schicht ist zwar trübe, aber nicht milchig, sogar 
oft halb durchscheinend und was die Hauptsache ist, vollkommen flüssig. 

V. Nachweis von Harz, besonders Fichtenharz. Enthält das 
Bienenwachs Fichtenharz, so findet bei Ausführung der Sodaprobe eine glatte 
Scheidung des Harzes statt. Statt bis zum einmaligen Aufkochen zu erhitzen, 
läsBt man eine Minute kochen und dann langsam in der Ruhe erkalten. Die 
Masse besteht dann aus 3 Schichten, einer oberen ziemlich scharf abgegrenzten 
harten Wachsschicht, einer flüssigen, nur wenig oder unbedeutend trüben Soda- 
lösung, und einer am Grunde derselben befindlichen oder auch die Sodalösung 
durchsetzenden lockeren oder flockigen Harzschicht. 

Dass auf diese Weise eine quantitative Bestimmung des Harzgehaltes mög- 
lich ist, liegt auf der Hand. Im üebrigen lässt sich das Harz mittelst heissen 
60proc. Weingeistes total ausschütteln, wie auch Handb. Bd. I, S. 788 ange- 
geben ist. 

Obgleich diese einfachen Methoden des Harznachweises ausreichen, so sei 
noch die von Schmidt modificirte Methode Donath's erwähnt. 5 g des Wachses 
übergiesst man mit 14 — 15 CC. roher Salpetersäure von 1,32 — 1,33 sp. Gew., 
lässt eine Minute kochen, setzt dann ein gleiches Vol. Wasser und dann unter 



Cera. Untersucliang des WaoliBes. 233 

UmschüttelB Aetzammon im üeberschnss hinzu. Die decanthirte Flüssigkeit ist 
bei ranem Wachs gelb, bei Gegenwart von Harz intensiv rothbraon. 

YL Nachweis dßs Talges im Wachs. Obgleich eine ziemliche Menge 
von Methoden des Talgnachweises existiren, so scheint die allerdings sehr em- 
pirisehe, im Handb. (Bd. I, S. 789) angegebene Dochtprobe immer noch die 
sicherste zu sein und wird neben folgender Probe ausgeführt, welche bis zu 
3 Proc Talg angiebt und die Gegenwart dieeies Fettes ausser Zweifel stellt. Un* 
geföhr 0,5 g des zu prüfenden Wachses wird in zarte Schnitzel zertheilt in einem 
engen Probircylinder mit circa ö CC. Aether übergössen, der Probircylinder ver- 
korkt und bei mittlerer Tagestemperatur mindestens 4 Stunden oder länger bei 
äeite gestellt, auch wohl 2 — 3 mal umgeschüttelt. Reines Bienenwachs scheidet 
sich in der Ruhe in zwei Schichten, eine obere gelbliche klare und eine untere 
dickere weisslich- trübe, das nicht gelöste Wachs enthaltend. Mittelst eines 
Glasstabes nimmt man von der oberen Schicht Tropfen auf, setzt sie auf weisses 
Sehreibpapier (Kanzleipapier) und wartet 15 — 20 Minuten ab. • Nach dieser Zeit 
ist der frisch wie ein Fettfleck erscheinende Fleck in so weit verschwunden, dass 
er gelblich erseheint und er nur gegen das Licht betrachtet emen schwachen 
oder matten Fettrand wahrnehmen lässt. Bei auffallendem Lichte liegt kein An- 
zeichen, welches auf einen Fettfleck schliessen könnte, vor. 

Enthält das Wachs Talg (oder eine ähnliche Fettsubstanz), so ist die Schich- 
tung der Aetherflüssigkdt in eine klare obere und trübe untere eine mehrere Stun- 
den in Anspruch nehmende, und der auf das Papier gesetzte Tropfen von der 
oberen etwas dünneren, trüben oder klaren Aetherschicht conservirt auch nach 
mehreren Stunden noch den durchscheinenden Fettfleck in bester Form. Da auch 
Japanwachs, Ceresin, Paraffin und Gemische dieser Substanzen mit Bienenwachs 
keine so ausgeprägten Fettflecke wie das talghaltige Wachs erzengen, diese Flecke 
sieh nur durch einen etwas stärker ausgeprägten Fettrand kenntlich machen, so 
kann mit dieser Probe auch in den genannten Substanzen ein Talggehalt er- 
kannt werden. 

Vn. Nachweis von Paraffin. Dieser könnte gefordert werden, denn 
wenn ein Wachs specifisch leichter als Bienenwachs ist, es verhält sich aber in 
der Borax- und Sodaprobe wie Bienen wachs, oder das Wachs hat das richtige 
gpecnfische Gewicht, erweist sich aber in der Borax- und Sodaprobe japanwachs- 
haltig, 80 ist die Gegenwart von Paraffin oder Ozokerit mehr denn wahrschein- 
lich, sogar sicher. Japanwachs ist durchschnittlich fast so specifisch schwer wie 
Wasser. Nur durch Zusatz von Paraffin lässt es sich specifisch leichter machen 
und auf die Bienenwachs-Eigenschwere reduciren. 'Die Abscheidung und quanti- 
tative Bestimmung des Paraffins neben Japanwachs, wie im Ceresin, bietet keine 
Schwierigkeit und kann ziemlich exact ausgeführt werden (vergl. unter Ceresin). 
Ueber die Abscheidung des Paraffins aus Gemischen von Bienenwachs mit Japau- 
-wachfl nnd Paraffin hat Hägeb verschiedene Versuche gemacht (ph. Centralh. 
1880, No. 16). Eine exacte quantitative Bestimmung des Paraffins ist bei Ge- 
genwart von Bienenwachs kaum möglich, denn eme bessere Methode als die im 
Handbuch Bd. I, S. 788 angegebene LANDOLT'sche ist nicht bekannt. Die Haupt- 
sache bleibt immer die Beantwortung der Frage: ist Paraffinsubstanz in dem 
Wachse von normalem spec. Gew. vorhanden oder nicht. Da neben Paraffin, 
Bienenwachs, Japanharz und Fichtenharz vertreten sein können, so übergiesst 
man in einem Becherglase 5 g des fraglichen Wachses mit 10 CC. Wasser, er- 
hitzt und setzt, wenn das Wachs geschmolzen ist, 10 CC. Aetznatronlauge (1,333 
spec. Gew.) oder eine Lösung von 3 g geschmolzenem Aetznatron in 7 CC. 
Wasser hinzu und nach dem Umrühren 45 CC. 90 proc. Weingeist. Unter Um- 
riUireii erhitzt man weiter, so dass die Mischung 75—80^ C. heiss ist, aber 



234 Gera, üntorsucliung des W«ichscs. 

nicht ins Kochen geräth. Nach einer Viertelstunde des Erhitzens lässt man langsam 
erkalten, damit die Wachssehicht Gelegenheit gewinnt, sich am Niveau der Misch- 
ung zu sammeln. Nach dem Erkalten hebt man die harte Wachssehicht ab oder 
giesst die lauwarme und flüssige weingeistige Flüssigkeit aus, versetzt die Wachs- 
schicht mit 5 CG. Aetznatronlauge und 30—40 CG. verdünntem oder 68proc. 
Weingeist, erhitzt unter Umrühren eine halbe Stunde hindurch bei 75 — 80® C, 
lässt erkalten und schmelzt die Wachsschicht 3 — 4 mal in 30 — 40 GG. verdünntem 
Weingeist um, bis der Weingeist unter der erstarrten Wachsschicht kaum trübe 
erscheint. Letztere wird nun in einem flachen Schälchen umgeschmolzen, ausge- 
trocknet und gewogen, dann auf das spec. Gew. geprüft. 

Reines Bienenwachs hinterlässt nach dieser Operation ca. 33,3 Proc. ünverseif- 
bares. 5 g Wachs müssten also 1,66 g ausgeben. Was das TJnverseifbare mehr 
beträgt ist Parafnnsubstanz , welche zunächst von der Wachsmenge in Abzug zu 
bringen ist. Da nun die Wachsmischungen selten aus reinem Bienenwachs und 
Paraffin bestehen ^ sie entweder Japanwaehs oder Harz enthalten, so wird man 
selten fehlgreifen, wenn man ^/g der Menge des Ünverseiften als Paraffinsubstanz, in 
dem untersuchten Wachse vorhanden, annimmt. 5 g einer Mischung von 3 g 
Wachs und 2 g Paraffin ergaben 3,3 g unverseifte Masse. Das spec. Gew. der 
nicht verseifbaren Masse des Bienenwachses schwankt zwischen 0,949 und 0,955. 
Das Nichtverseifoare aus einer Wachsmischung mit 33,3 Proc. Paraffin zeigte ein 
spec. Gew. von circa 0,935, aus einer Wachsmischung mit 40 Proc. Paraffin ein 
spec. Gew. von 0,926. Ist das spec. Gewicht des Nichtverseifbaren geringer als 
0,948, so ist auch die Gegenwart von Paraffin im Wachse anzunehmen. 

Das hauptsächlich aus Harz und Paraffin bestehende künstliche Wachs 
lässt sich mit Hilfe der Sodaprobe (vergl. unter V) scharf in seine Bestandtheile 
zerlegen. Während sich die Paraffinsubstanz am Niveau der aufgekochten und 
dann langsam erkaltenden Sodalösung ansammelt und zu harter Masse erstarrt, 
verbleibt das Harz in der Sodalösung in Form lockerer Flocken vertheilt. 

Paraffin kann auch durch Destillation abgeschieden werden. Diese De- 
stillation ist, da die Paraffindämpfe sehr schwer sind, so einzurichten, dass man 
in einem circa 1,3 G. weiten und 8 — 9 G. langem Reagireylinder circa 2,0 g des 
Wachses giebt und dieses in lebhaftes Kochen bringt. Die weissen Paraffin- 
dämpfe lässt man unter vorsichtiger Neigung des Gylinders, den man mit einer 
Blechklammer hält, so vorsichtig in ein Glas mit genügend weiter Oeffhung ab- 
fliessen, dass von dem flüssigen Wachse nichts aus der Mündung des Gylinders 
abfliesst. Das zu einer weissen Masse erstarrende Destillat wird in zwei Tropfen 
geformt, um das specifische Gewicht zu erforschen und dann mit etwas Natron- 
lauge behandelt, um die paraffinige Beschaffenheit zu erkennen. Ergiebig ist 
diese Destillation nicht, genügt aber, die Gegenwart des Paraffins zu constatiren. 

Pharmaceutische Prüfung des Bienenwachses. Sie ordnet sieb in 
folgender Weise: 1) Boraxprobe, 2) Sodaprobe, 3) Bestimmung des specifisehen 
Gewichts nach der sub I angegebenen Methode (wenn sich in den beiden vor- 
hergehenden Proben nichts Verdächtiges ergab). Ob die Masse mineralische oder 
vegetabilische Stofife als Beschwerung beigemischt enthält, ergiebt sich beim 
Schmelzen der Wachsmasse behufs Bestimmung des speciflschen Gewichts, denn 
geschmolzenes Wachs mnss eme klare Schicht aufweisen. Unter Beihilfe von 
Soda beigemischtes Wasser scheidet sich beim Schmelzen aus, unter Trübung der 
geschmolzenen Wachsschicht. Zur Bestimmung der Wassermenge schmelzt man 
2 g Wachs im Reagireylinder und lässt in der Wärme des Wasserbades ab- 
setzen. Ein Talgzusatz ist, wenn sich die Abwesenheit von Japanwachs ergab, 
durch die Dochtprobe und die sub VI erwähnte Fleckprobe leicht zu erforschen. 
Ein talghaltiges Wachs wird specifisch leichter, ein stearinhaltiges aber schwerer 



Gera. Gera Japouica. 235 

Bein. Weisses oder gebleichtes Bienenwachs enthält immer einige Pro- 
cente Talg, welche nach sehr altem Gebrauch zur Verbesserung der Consistenz 
zugesetzt werden. 



Cfn Japoniea, Japantalg (Uandb. I, S. 789). Der Namen Japantalg wird als 
der passendere angesehen, weil diese Substanz mit Wachs in chemischer Bezie- 
hung keine Aehnlichkeit hat, sie vielmehr ein Glycerid ist. 

Das JapanwacLs soll auch von Rhus vernicifera DC. und Rhus silcestrü 
Siebold et Zuccarini entnommen werden. Beide Species sind ebenfalls in Japan 
heimisch, üeber Japantalg findet sich im Arch. d. Pharm. 1879 von Arthub 
McvEB eine erschöpfende pharmakologische Arbeit. 

Die trocknen und schwach gerösteten Samen ergeben durchschnittlich 25 Proe. 
Wachs. Ueber die Darstellung vergl. pharm. Gentralh, 1864, S. 46. 

Die Verschiedenheit des specifischen Gewichtes lässt den Schluss zu, dass 
das Japanwachs je nach der Abstammung verschieden ist, denn es ist auch zu 
0,970 und zu 0,978 angetroffen worden. Meist ist es 0,990 — 1,000. Der 
S-hmelzpunkt liegt meist bei 52^ C. Japanwachs verseift sich mit Borax, Al- 
kaücarbonat und Actzalkali leicht, milchige breiige Massen liefernd. Mit 10 proc. 
Aetzammonflüsäigkeit giebt es eine etwas trübe Lösung. Die Verseifung mittelst 
eines gleichen Gewichtes Aetznatronlauge mit einem 4 — 5 fachen Volumen 45 proc. 
Weingeist gemischt ist klar und gelb, erkaltet etwas trübe, und kleine Partikel 
nn verseifter Substanz schwimmen an der Oberfläche, völlig erkaltet stellt die 
Flüssigkeit eine opodeldokähnliche Gelatine dar. Mit Wasser gekocht theilt das 
Japanwachs demselben eine saure Reaction mit. 

Eine Verfälschung des Japanwachses mit Stärkemehl, durch Jod zu erkennen, 
ist nur dann anzunehmen, wenn dieses mehr als 2 Proc. beträgt. Man schmelzt 
ein bestimmtes Quantum des Wachses und lässt an einem gelind warmen Orte 
seilimentiren. Den Bodensatz nimmt man mit warmem Bcuzol auf, filtrirt, wäscht 
m'.t Benzol nach etc. 

Das Ligustrum-Wachs, weisses Wachs von Sze-chuen, scheint 
noch nicht nach Europa gebracht zu werden. Dieses Wachs erzeugt ein Insect, 
welches auf dem in China einheimischen Ligustrum lucidum lebt und die Zweige 
dieses Strauches mit der Wachssubstanz überzieht. 



Cereritt wurde zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Bezugsquellen 
i>ntnommen untersucht, .und es ergab sich, dass es reines Ozokerit oder Belraontin 
sein kann, dass es aber gewöhnlich ein Gemisch aus Paraffinsubstanz mit Japan- 
wachs ist. Es wurde auch irgendwo angegeben, es sei ein Gemisch aus raffi- 
Dirtem Ozokerit und Kamauba-Wachs. 

Ceres in, gelbes und weisses liefern entweder in der Borax- und Soda- 
probe milchige Flüssigkeiten oder sie verhalten sich in beiden Proben wie Bienen- 
wachs, zeigen dann aber ein geringeres specifisches Gewicht. Zwei Sorten Cere- 
pina flava, welche als gelbes Wachs verkauft waren und die Borax- und Sodaprobe 
wie Bienenwachs bestanden, ergaben specifische Gewichte von 0,925 und 0,931. 
Die Gegenwart von Paraffinsubstanz war also unzweifelhaft. Bei der Kochung 
mit Natriumcarbonatlösung ergaben sie 56 und 59,5 Proc. unveränderte Wachs- 
masse von 0,920 und 0,923 specifischem Gewicht. 

Das specifische Gewicht des im Handel vorkommenden Ceresins schwankt 
zwischen weit auseinanderstehenden Grenzen je nach dem Gehalt an Paraffin- 
substanz. Es ist Ceresin von 0,860 — 0,980 spec. Gewicht angetrofi'en worden. 



236 



Cera. — Cerasus. 



Die Bestimmung der Paraffinsabstanz im Oeresin ist nicht schwierig. Man 
übergiesst 5 g des Oeresins mit 5 CG. Aetznatronlange und 20 CC. Wasser^ er- 
hitzt bis zur Schmelzung des Oeresins, rührt anhaltend um und mischt dann 
30 CC. 90proc. Weingeist dazu. Nach dem Umrühren unterstützt man die 
Scheidung der Paraffinsubstanz von der Japanwachsseife durch Stellen an einen 
Ort von 50— 60<^ 0. Dann lässt man völlig erkalten. Obgleich auch Japan- 
wachs einige Proc. unverseifbare Substanz enthält, so ist dennoch die am Niveau 
der Masse befindliche ParafGnschicht durch ihr geringeres specifisches Gewicht 
zu erkennen. ■ 

Isolit, Masse zum Abguss von Medaillen, Holzschnitten etc. ist ein Gemisch 
aus gelbem Ceresin oder Wachs mit 5 Proc. präcipitirtem Schwefel und 6 — 7 Proc. 
Leuchtpetroleum. 



(1) Ceratnm eosmetienm saponatum. 

Cold-cream ohne Fett. 

^ Mucilaginis Gummi Arabici 15,0 
Aquae Bosae 5,0 
Aeidi stearinici 50,0 
Saponis medicati 5,0. 
Leni calore mixtura efficiatur et admixtis 
Glycerinae 10,0 
agitatio usque ad refrigerationem pera- 
gatur. 

Diese Mischung soll in Frankreich als 
ein billiges Cold-creamsubstitut gebraucht 
werden. 



(2) Unguentum lenlens Tasilinatum. 

Yaseline-Oold-cream. 
L 
^ Cetacei 
Paraffin! 

Olei Cacao ana 10,0. 
Liquatis adde 

Vaselinae flaviusculae 100,0 
Saponis medicati pulverati 20,0 
Aquae Rosae 60,0 
Olei Rosae Gnttas 2. 
Fortiter per horam unam usque ad refri- 
gerationem perfectam agitando fiat un- 
guentum molle. Ad usum mercatorium 
hoc unguentum laudant. 



II. 



^ 



Cerae albae 
Cetacei ana 10,0 
Saponis medicati 20,0 
Vaselinae 100,0 
Aquae Rosae 60,0. 
L. a. et agitatione per horam unam effecta 
fiat unguentum molle aequabile albimi. 

LABAipuE lässt zur Darstellung des Vaseline -Cold-cream 40,0 Quittenschlcim, 
60,0 Mandelölseife, 10,0 Stearinsäm-e und 2,0 Glycerin verwenden. 

Original Pasta -Pompadour von Dr. A. Rix Wwe., gegen Sommersprossen, 
Leberflecken und andere Gcsichtsübel. Ein Gemisch von feingeriebenen entschälten 
bitteren Mandeln und Cold-Cream oder Wachspomade. (25 g 3 Mk.) (Schädler, Analyt.) 

Schöntaeitspasta, Orientalisehe, von Albin Müller in Brunn, ist Cold-Cream in 
elegantem Glastöpfchen. (40 g 0,65 Mk.) (Hager, Analyt.) 



Cerasus. 

Das Klären der Fruchtsäfte, besonders der farbigen, mit der hierzu em- 
pfohlenen LöwiG*schen Patentthonerde ist nicht zulässig, weil der Farbstoff theils 
verändert, theils an die Thonerde gebunden und aus dem Safte herausgefällt wird. 

Syrupns Cerasonun. Künstlich gefiirbter Kirschsymp soll im Handel vor- 
kommen. Die PiHfiing besteht darin, ungefähr 30 g des Syrups mit Amylalkohol 
auszuschütteln. Der decanthii*te Amylalkohol darf in keiner Weise geförbt er- 
Bcheuien, Vergl. auch Suppl. unter Pigmenta. 



Cerastts. Kirschwasser. 237 

Sjnpus Cerasi^ corticis, Kirsehrindensyrop (Syrvp of vild eherry bark). 
Die Rinde des wilden Kirschbaumes (entweder von Gerasus Padus DO. oder 
(7. Virginiana Michaux, auch C. serotina Loi^eleub-Deslongchamps) wird 
bei gelinder Wärme oder an der Luft getrocknet, grob gepulvert und 100 Th. 
mit einer Mischung aus 30 Th. Glycerin und 50 Th. Wasser angefeuchtet 
im geschlossenen Geföss (aus Porzellan oder Glas) drei Tage bei Seite gestellt, 
dann mit einem Gemisch aus 40 Th. Weingeist und 350 Th. Wasser tiber- 
gOfisen drei Tage macerirt. Die durch Auspressen oder Deplaoiren gesammelte 
Colatur wird filtrirt und 380 Th. des Filtrats mit 620 Th. zerstossenem 
Zucker unter Digestion in geschlossenem Gefäss zum Syrup gemacht. 

Dieser Syrup, welcher blausäurehaltig ist, wird besonders bei Lungenleiden 
und fieberhaften Zuständen angewendet. 

tirschkemSl. In den Wäldern Nord-Amerikas wächst Cerasics Virginiana 
MiCHAUX und Cerasus serotina Loiseleur-Deslongchamps {Prunus Virginiana 
MHiLEE) in grosser Menge. Die Rinde dieser Bäume, Cortex Pruni Virgini- 
anae, wird viel, besonders wegen ihres Amygdalingehaltes, bei Lungenleiden ge- 
braucht, und aus den Samenkemen presst man gegen 8 Proc. eines fetten Oels, 
welches dem fetten Oele aus süssen Mandeln nicht unähnlich ist, aber durch 
einen Blausäuregeruch und eine grünliche Farbe von demselben abweicht. Sein 
specifisches Gewicht ist 0,905 — 0,908. Bei —5 bis 8® C. erstarrt es. Durch 
Schütteln mit gepulvertem Natriumbicarbonat und trockner kohlensaurer Magnesia, 
Absetzenlassen in ganz gefällten und dicht geschlossenen Gefässen liefert es ein 
Oel, welches dem Oleum Amygdalarum dulcium ähnlich ist. Ob es nun schon 
als solches in den Handel kommt, ist noch nicht beobachtet. Es dürfte sich viel- 
leicht durch ein specifisches Gewicht von weniger denn 0,912 erkennen lassen. 

Afna Titae Cerasornm, Spiritas Cerasoram, Kirseliwasser, Schweizer lürsck- 
Wasser, Kirsek, ein im südwestlichen Deutschland, in der Schweiz und dem süd- 
östlichen Frankreich als Genussmittel dienendes farbloses Destillat aus dem ge- 
gohrenen Safte der wilden Kirschen mit den Kernen (besonders von Cerasus 
acittm), welches einen Blausäuregehalt aufweist und ein specifisches Gewicht von 
circa 0,935 hat. Die Kirschen worden von den Stielen befreit, zerquetscht und 
in Fässern oder Cementgruben der Gährung unterworfen. Nach der Gährung 
wird die Masse der Destillation aus kupfernen Blasen unterworfen. 100 kg 
Kirschen liefern 12 — 13 Liter Kirsch. 

Dieses Getränk wird oft künstlich nachgeahmt und zwar durch Vermischen 
des Weingeistes von 0,935 spec. Gew. mit Bittermandelwasser, Kirschlorbeer- 
wasser oder durch Maceration des Weingeistes mit Kirschlorbeerblättern oder zer- 
stossenen Pfirsich- und Kirschkernen und folgende Destillation. Diese Producte 
haben entweder nicht den angenehmen Geschmack oder sie enthalten mehr Blau- 
säure, Der echte Kirsch enthält höchstens 0,01 Proc, gewöhnlich nur 0,005 
Proc. Cyanwasserstoff. 100 CC. des Kirsch, mit 10 Tropfen verdünnter Salpeter- 
säure und einer Losimg von 0,06 g Silbemitrat vermischt, dürfen nach Verlauf 
einer Viertelstunde nur ein solches Filtrat ausgeben, welches auf weiteren Zusatz 
von SUbemitrat keine weitere Trübung erfährt. 

Im Jahre 1867 empfahl Gentilhomme, früher auch schon Desaga (Handb. I, 
S. 797) den Kü*sch8piritus mit Guajakholz zu schütteln, wodurch das echte Prä- 
parat indigoblan gef&rbt werde. Diese Prüfang fand Aufoahme und wird auch 
noch heate oft angewendet, obgleich Delgominj^e und später Hardy daran er- 
innerten^ dass diese Beaction nur ein Zeichen des Kupfergehaltes des Kirsches 
Sei und mit der Echtheit desselben in keiner Verbindung stehe, denn der aus 
Glasgefässen oder aus Kupferblasen mit Verdichtungsvorrichtung aus Zinn destil- 
Urte KlTBcb verhält sich gegen Guajakholz indifferent« 



238 Corasus. — Cerevisia. 



Die Zulässigkeit eines Kupfergehaltea wäre dahin zu normiren, 
jrsch mit 50 CC. Wasser verdünnt nach Zusatz von 0*02 g Kalii 



dass 50 CG. 
Kirsch mit 50 CC. Wasser verdünnt nach Zusatz von 0^02 g Kaliumfen*ocyanld 
in wässriger Lösung nach Verlauf von einer Stunde filtrirt auf weiteren Zusatz 
von Kaliumferrocyanidlösung keine Fällung oder Färbung erleide. 

Da der künstliche Kirsch auch durch Nitroglycerin aromatisirt sein kann, 
so fälle man mit Silbernitrat und prüfe den Niederschlag mikroskopisch (vergl. 
Handb. I, S. 66). Fehlen die Silbercyanidkrystalle, so wird die Reaction auf 
Nitroglycerin nothwcndig. Ein Liter Kirsch ist die geringste Menge als ünter- 
suchungsobject (vergl. Ilandb. II, S. 34 und Suppl. S. 80 und 81). 



Cerevisia. 

Wasser, BcscliaflTenheit desselben für den Braubedarf. Nach Ansicht Brau- 
verständiger kann das Wasser eine ziemliche Härte besitzen, wenn dieselbe haupt- 
sächlich von Gyps herrührt. Gypshaltiges Wasser wirkt sowohl beim Einmalzen 
als bei der Bereitung der Würze günstig. Wasser, welches grössere Mengen 
Bicarbonate enthält, erhitzt man vor der Verwendung, wenigstens vor der Ver- 
wendung zur Wtirzebereitung, bis zum Aufkochen. Natriumchlorid enthaltende 
Wässer wirken in der Mälzerei schädlich, die Würze dagegen und die resultiren- 
den Biere werden durch dieselben rascher klar. Wässer, welche viel organische 
Substanzen enthalten, sind in den Brauereien stets nur mit grösster Vorsicht zu 
verwenden, doch fehlt es nicht an Beispielen, dass solche Wässer besonders wohl- 
schmeckende Biere liefern. 

Extractmenge des Malzes. Da die Gerstenfrucht nicht immer ein und die- 
selbe ist, so erklärt sich der Umstand, dass auch die Extractmenge, welche 
trocknes Malz liefern kann, eine verschiedene ist. Andererseits wird das eine 
Brauverfahren mehr Extract dem Malze entziehen als das andere. Die Durch 
Schnittsmenge des Extracts wäre zu 62 Proc. für den Verlauf des Brauactes und 
zu 70 Proc. für die physikalische Extraction durch den Chemiker anzunehmen. 
Diese Zahlen entsprechen auch den Annahmen der Chemiker. 

Die wirkliche Extractausbeute berechnet man nach V. Griessmayeu nach 

der Formel : JB = —^, wobei E die Extractprocente, l die Anzahl der Liter von 

der gewonnenen Würze, s das spec. Gewicht der Würze, p den Extractprocent- 
gehalt dieser Würze (nach Balling) und m das verwendete Malz in Kilogrammen 
angeben. 

Maltose, unvergohrener Zucker, ist in jedem Biere vertreten, in den 
Extract-gehaltreicheren in grösserer Menge als in den leichteren Biereu. Der 
Gehalt schwankt zwischen 0,3 — 0,9 Proc. 

Eiweissstoffe, Proteine, Peptone betragen gewöhnlich 5 — 12 Proc. vom 
Gewichte des Extracts. In den mittelstarken Bieren betragen sie 0,4 — 0,6 Proc. 
vom Gewichte des Bieres. 

Glycerin kommt im normal gebrauten Biere stets vor, doch nicht über 
0,3 Proc. hinaus, gewöhnlich zu 0,1 Proc. Ein Glycerinzusatz zum Biere macht 
dieses unbestritten vollmundiger. Da dieser Körper im reinen Zustande in seiner 
Wirkung auf den thierischen Organismus mit dem Zucker in gleicher Linie steht, 
so kann der Zusatz desselben zum Biere im Umfange von 1 — 4 Proc. nicht be- 
anstandet werden. Einige Chemiker betrachten diesen Zusatz als eine Schmiererei, 
doch dürfte diese stets vom Consumenten wohlgefällig aufgenommen werden. Mit 
fetten Säuren verunreinigtes Glycerin würde stets als eine strafbare Verfälschung 



Cereviaia, Bierbestandtheile. 239 

aofzafafsen sein. Das Bierdestillat dürfte durch den Gerach ein solches Glycerin 
Terrathen. 

Bierkiärmittel y übliche, sind Weissbuchenspäne, Haselnussholz, 
Kochsalz, Hansenblase, Gelatine oderLeim nnd Tannin, Caragaheen- 
raoos. Verwerflich ist die Anwendung von Schwefelsäure mit und ohne 
Alaun, lieber Kochsalz vergl. weiter unten. 

Conservirungsmittel y doch selten angewendete, sind Salicylsänre, Bor- 
säure, Borax. Diese sind in höchst kleinen Mengen unschädlich, über 0,025 
Proc. jedoch wohl zu beanstanden. Borsäure und Borax erkennt man nach 
dem Sauermachen des Bieres mit Salzsäure an dem Verhalten gegen Curcuma- 
papier. Auch kann man das mit Phosphorsänre oder Schwefelsäure sauer ge- 
machte, znr Syi'upconsistenz eingedampfte Bier mit Weingeist ausschütteln und • 
den Weingeist anzünden, um an der grtingesäumten Flamme die Gegenwart von 
Il'^rsäure zu erkennen. Zur Unterscheidung der Borsäure vom Borax genügt die 
wciiigelstige Extraction aus dem nicht angesäuerten Bierextract. 

Amylalkoholgehalt. Bier soll nur den Weingeist oder Aethylalkohol 
enthalten, welcher in Folge des Gähraktes aus der Glykose des Malzes entsteht. 
Wird nun ein Theil des Malzes durch Kartoffelstärkezucker ersetzt, so soll 
das daraus gewonnene Bier verhältnissmässig Amylalkohol enthalten, welcher auf den 
menschlichen Organismus schädlich, selbst giftig einwirkt. Nun wird Kartoffel- 
stärkezucker wöchentlich zu tausenden von Centnern in Deutschland und Oester- 
reicb als Biermaterial verbraucht und dennoch hat man den Amylalkohol bisher 
nicht nachgewiesen, obgleich er im Destillate aus dem Biere leicht durch Geruch 
und Geschmack nachzuweisen wäre. Nach der Theorie müsste er im • Stärke- 
zuckerbiere vorhanden sein. Da er es aber nicht ist, so mag dieses Fehlen ent- 
wiWler in dem Gährverfahren liegen, oder die Bildung des Amylalkohols wird 
durch Stoffe in der Kartoffel veranlasst, welche im Kartoffelstärkezucker fehlen. 

Hopfensurrogate und fremdartige Zusätze. In einem Biere (1876) wurde 

ein flflssiges AlkaloXd angetroffen, welches mit Pikrinsäure, Gerbsäure, Jodjod- 
kaliam Niederschläge gab. Hager nahm an, dass zu diesem Biere die blühen- 
dea Zweige von Sarothamnm scoparitcs Wimmeü {Spartium scoparium L.) 
als Hopfensurrogat gedient haben mögen und das fltissige Alkaloid Sparte In 
gewesen sein könne. Das betreffende Bier soll in dem Erzeugungsorte gern ge- 
tranken werden. Der Name des Ortes und der des Analytikers war nicht in 
Erfabrnng zu bringen (pharm. Centralh. 1876, S. 112). 

Ton einem Analytiker wurde angeblich Coleb icin in einem Biere ange- 
troffen, es stellte sich aber dieser Befund später als Irrthum heraus. 

Ein Chemiker glaubte in einem Biere Morphin angetroffen zu haben. Es 
liegt hier die grosse Wahrscheinlichkeit vor, dass eine Verwechselung mit Buxin 
stattgefunden hat, denn Buxtts sempervirens L. wird auch mitunter als Hopfen- 
gurrogat benutzt. 

In einem Biere wurde Buxin (Bibirin) nachgewiesen (ph. Centralh. 1876, 
No- 50). Der Geschmack des Bieres war gut, nur der bittere Nachgeschmack 
etwas lange anhaltend. Der durch Gerbsäure gewonnene Niederschlag wurde 
auf Menyanthin, Quassiin und Colocynthin untersucht, jedoch ergab der farblose 
gesonderte Bitterstoff nicht die Farbenreactionen mit Schwefelsäure, er erwies 
fcich auch leicht in Aether, Chloroform, selbst in Schwefelkohlenstoff löslich. Die 
ALkaloidnatar ergab die deutlich alkalische Reaction und das Verhalten seiner 
gchwefeiBaaren Lösung (welche nicht fluorescirend war) gegen die Alkaloid- 
reagentien. Das an Hager behufs Bestimmung übersendete Alkaloid (ungefähr 
0,0<32 aas 5 Litern Bier) war weisslich und amorph. Aus seiner salzsauren 



240 Cerevisiü. Hopfensurrogate. 

LösuDfc war es durch Aetzkali fllllbaT, aber in einem Ueberschuss desselben lös- 
lich, Jodsäure reducirte es nicht, durch Pikrinsäure wurde es vollständig gefällt. 
Concentrirte Schwefelsäure löste das mit Ammon gefällte farblose amorphe Al- 
kaloid farblos und nur nach einem Tage trat eine bräunliche Färbung ein. Dieses 
Verhalten war wohl ein genügender Beweis^ dass in dem Alkaloid Buxin (Bibirin) 
vorlag. 

Da im Liter Bier ungefähr 0,0004 g Buxin enthalten war und das Bier- 
destillat einen prononcirten Hopfengesehmack aufwies, so lag hier wenigstens 
kein Ersatz des Hopfens durch Buxusbestandtheile vor und musste die Frage, 
ob eine Bierverfälschung vorliege, entschieden verneint werden. Ebenso musste 
die Frage, ob dieses Alkaloid als ein gesundheitsschädlicher Zusatz zum Biere 
^zu erachten sei, verneint werden, da Buxin in Gaben bis zu 0,5 g (in mit Salz- 
säure sauer gemachtem Wasser) keine anderen Erscheinungen hervorbringt als 
eine gleiche Menge Chininhydrochlorat. Die von Conzen angegebenen Symptome, 
bei Hunden nach Gaben von 0,1 bis 0,8 Buxin sind ganz dieselben, welche er 
auch erhalten haben würde, wenn er statt des Buxins Chinoidin ohne Säure an- 
gewendet hätte. Es ist eben ein grosser Unterschied, ob ein stark basisches Al- 
kaloid fdr sich oder als lösliches Salz gegeben wird. Buxin kann man nicht, 
zumalen in so unbedeutender Monge, als eine gesundheitsschädliche Substanz auf- 
fassen und ist es mit Quassiin und Menyanthin in dieselbe Reihe zu stellen. 

In einer Berliner Zeitung fand sich folgende Bemerkung: In einer zu Berlin 
abgehaltenen Versammlung Deutscher Brauer, wurde der Antrag: „Ein kaiser- 
liches Reichsgosundheits-Amt zu ersuchen, bei dem Reichskanzler-Amt dahin zu 
wirken, dass gesetzlich festgestellt werde, dass zur Bierbereitung nur Malz, 
Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden dürfen und die Anwendung aller 
Surrogate oder sonstiger Zusätze verboten sein solle" — abgelehnt. (!) 

Diese Ablehnung war gewiss eine verständige, denn der Biertrinker will 
ein Bier trinken, das ihm mundet und wird der Brauer gezwungen, sein Fabrikat 
zu aromatisiren , demselben einen G^^schmack zu geben, dass es gern getrunken 
werde. Unter 100 Brauern giebt es sicher 99, welche ausser zu Malz und Hopfen 
noch zu unschuldigen Zusätzen, wie sie im Handbuch Bd. I, S. 801 aufgeführt 
sind, ihre Zuflucht nehmen. Dazu kommt, dass diese Zusätze meist in so ge- 
ringem Umfange Anwendung finden, dass ihr Nachweis, besonders derer mit 
flüchtigem Arom, auf chemischen Wege meist kaum möglich ist und nur ein 
feiner Geschmackssinn sie entdecken kann. Dass diese Zusätze schon vor euiigen 
hundert Jahren üblich waren, beweist die Geschraacks-Versehiedenheit der Biere, 
welche aus einigen Orten kommend einen besonderen Ruf hatten. Das im 
16. Jahrhundert berühmte Bemauer Bier soll z. B. nach der Erzählung alter 
Leute einen an Anis erinnernden Geschmack gehabt haben. 

Vorstehende Bemerkungen haben nur den Zweck, den Ansichten über Bier 
und seine durch altes Herkommen und Gewohnheit sanctionirten Bestandtheile 
Anhalt und Unterlage darzubieten, und den Chemiker in der Beurtheilung der 
Bier Verfälschung eine klarere Einsicht zu gewähren. Es ist eine traurige Wahr- 
nehmung, wenn ein Chemiker von Bierverfälschung spricht, wenn er neben den 
Hopfenbestandtheilen etwa noch andere unschuldige Bitterstoffe und Gewürze an- 
gotroff'en hat. Hierzu sei noch bemerkt, dass Hopfen keineswegs ein unschuldiger 
Stoff ist, dass derselbe sogar Vergiftungssymptome hervorbringen kann. Es sei 
nur an den Bierrausch und seine Nachwehen erinnert. Wenn ein Bier gut 
schmeckt und die Bestandtheile enthält, welche im Biere vertreten sein sollen, 
so können etwaige unschuldige, den Geschmack nur berührende Stoffe das Bier 
nicht zu einem verfälschten machen.. Die Möglichkeit, dass sich in Stelle des 
Hopfens auch ein anderes Arom einführen könne; liegt gar nicht so fern; und 



Cerevisia. Mikroskop. Prüfung. 241 

-weim dann ein solches Bier von Vielen lieber genossen wird, so dürfte es die- 
selbe Berechtigung haben wie Hopfenbier, ohne dass es als ein verfälschtes be- 
zeichnet werden könnte, eben so wenig als man ein mit Stärkezncker hergestelltes 
Bier, wie es doch in grossen Massen in den Handel kommt, für ein verfälschtes 
hält. Wenn also ein theilweiser Ersatz des Malzes durch Btärkezucker zuge- 
lassen wird, warum sollte Aer Brauer nicht auch einen theil weisen Ersatz des 
Hopfens anwenden dürfen, wenn dieser Ersatz dem Geschmacke des Consumenten 
genügt Das Bier, welches in Amerika statt mit Hopfen mit den Früchten der 
Ptelea irifoliata L. aromatisirt ist, schmeckt eben so gut, wie uüser. Hopfen- 
bier, und wegen des Zusatzes kleiner Mengen anderer Qewürze oft sogar noch 
besser. 

Ptelea irifoliata L., Hopfenbaum, Eleestrauch, eine in den südlicheren 
Staaten Nord-Amerikas einheimische, bei uns in Gärten gezogene Xantboxylee^ 
liefert in ihren geflügelten Früchten ein dem Hopfen ähnlich schmeckendes und 
riechendes Arom. Diese sollen ein Alkalotd Pteletn enthalten. 

Zu den Tet^crmm- Arten zählen einige, welche vortreffliche Hopfensurro- 
gate darbieten könnten, und hat man auch Scorodonia silvestris Link {Teucrium 
Scorodonia L.) als solches warm empfohlen. Wie es scheint werden in Italien 
bereits einige Teucrtum-ATien zur Geschmacksverbesserung des Bieres benutzt. 
Der Nachweis wird ein sehr schwieriger sein, weil der Zusatz zu gering ist und 
das Tcucrium-Arom durch das Hopfenarom ausreichend verdeckt wird. 



EHe Wiederherstellung verdorbenen, sauren oder trübe gewordenen 
Bi^-eSy d. h. das Trinkbarmachen eines solchen Bieres, geschieht in verschiedener 
Weise. Ein zu schwaches Bier kräftigt man durch Zusatz von Zucker oder 
Warze. Schleimig gewordenes Bier versetzt man mit Gerbsäure oder gerbstoff^ 
halti^en Stoffen, sauer gewordenes mit Natriummonocarbonat und Katriumbicar- 
bonat, Potasche, kleberhaltiges mit Leimlösung und Gerbsäure. 

Kleberhaltiges Bier ist trübe, die Klebersubstanz des Malzes ist in 
die Würze übergegangen, das Bier hat nicht genügend ausgegohren. Kleber 
wird auch zum Theil durch Essigsäure, wenn diese im Biere stark vertreten ist, 
gelöst. Beim Neutralisiren des Bieres tritt desshalb eine Trübung, eine Aus- 
scheidung von Flocken ein. Ein solches Bier kocht unter Schäumen und Stossen. 

Gehörig vergohrenes Bier giebt (nach Webner Schmidt) mit einer 
neutralen Ferrisulfatlösung (1,157 spec. (5ew.) nur einen geringen Niederschlag. 
Es soll 1 Th. der Lösung mit 16 Th. Bier gemischt werden und der Nieder- 
schlag nach 24 Stunden der Ruhe etwa den 6. Theil des Volumens betragen. 
„Bei mehr als der Hälfte (?) sollte das Bier nicht verwendet werden.^ 

Wirkung des Bierextracts* Hermann glaubt, dass im Bierextract Curare- 
aiüge Stoffe vertreten seien (Schhidt's Jahrbücher d. ges. Med. Bd. 183, S. 242), 
denn nach hypodermatischer Injection beobachtete er an Fröschen Erscheinungen, 
wie sie nach Curare -Injectionen beobachtet wurden. Wahrscheinlich sind die 
B^^ndtheile des Hopfens, welche in das Bier übergehen (Lupulin, Trimethyl- 
arnin oder Zersetzungsproducte der Hopfenbestandtheile) die Ursache. 



Mikroskopische Priifung. Dieselbe erstreckt sich zunächst auf die Hefe- 
elemente, diejenigen der Unter- und Oberhefe und der sauren Gährung. Ab- 
norme mikroskopische Elemente sind mit der chemischen Untersuchung zu com- 
bimreii. , 

Die organisirten Elemente der Bierhefe bestehen nach Reess nur aus einer 
Species, Saccharomyces cerevisiaej und die der Unter- und Ober hefe sind nur 

B»ffer, Pkana. Paxifl. Snppl. 16 



S42 CereTisia. Mikroskop. Prilfung. Bierhefe. 

Spielarten einer nnd derselben Art, eratere bei 5 bia lO" C, letztere bä 12 bis 
24" C. vegetirend nnd sich fortpflanzend. Letztere wird durch den Temperatur- 
einfluBB leichter und von den sich oatwickelnden KohleneänrebläBcben nach oben 
gezogen. Man betrachtet die Hefeorganiamen bei 350— SOOfacher VergrOasening, 
Die Zellen der Unterhefe Bind meist einzeln oder paarig, weil die Tochter- 
zelle nnr dann zar SprosBung gelangt, wenn Bie sich von der Mutteraelle ge- 
trennt hat. ' Die Form ist mehr kugel- 
iormig als l&nglichrund, viele Zellen 
sind Belbst kugelrund, völUg klar und 
dnrchsichtig oder enthalten ein oder 
mehrere weniger durchsichtige Zellkem- 
chen in Form von dunkleren Punkten. 
Die GröBSB variirt zwischen 6 — lOmtnm. 
Mit Zunahme der Temperatur werden 
sie speciÜBch leichter, von der sich ent- 
wickelnden Kohlensaure nach dem Ni- 
veau der Qährtlilssigkeit gehoben and 
gehen so in Obcrhefezellen über. 

Die Oberhefe Zellen sind selten 
einzelne, meist paarig nnd zu mehreren 
kettentbrmig aneinander gereiht. We- 
nige sind vollkommen klar nnd durch- 
sichtig, meist mehr oder weniger trübe. 
Die Form ist eine länglichrunde oder 
ovale oder bimenithn liehe. Der Darch- 
musser der Zellen variirt zwischen 5 — 

Bei Bier, welches in den sauren Zustand übergeht, verschwinden die liefe- 
Zeilen oder es scheint vielmehr die Vegetation der Üefezellen in die Form von 
Saccharomyces exiguus, besonders aber in Sacch. Paslorianus Reesb flberzn- 
gehen, um dann der Bildung von Essig bacterien {Mycoderma Aceti) Raum zu 
lassen. Das in Säuerung flbergehende Uier enthält viele kleine längliche nnd we- 
niger rcgelmä-ssig gestaltete, oft gerade und knotig aufgetriebene, verästelt« Zellen 
{Saccharomyces Pastorianus). SteLt man das Bier in einem Glase einige Stun- 
den bei 20 — 25" C. bei Seite nnd beobachtet das Niveau der FKlasigkeit im 
aufTallenden Lichte, so lässt sich die Bildung der Eaaigbacterienhäutchen wahr- 
nehmen, selbst Andeutungen von Schimmel, Mucor racemosus, mit seinen steck- 
nadelkopfgrossen Sporangien Bind bemerkbar, nnd in der Flüssigkeit findet man 
Organismen, welebe an Saccharomyces exiguus, welcher sich an der Nach- 
gährung des Bierea betheiligt, und an Saccharomyces Pastorianus, an der 
kenlen- oder grassten geligen Form erkennbar, erinnern. Letzterer deutet auf 
den Uebergang zur Säuerung. Dass auch Elemente der Bacterien, welche die 
EssigdäurebllduDg, die Milchsäure- nnd Buttersfturegährung begleiten, vorhanden 
sein können, ergiebt die Erfahrung. Die EsaigBäurebacterien {Mycoderma Aceti) 
zeigen sieb in Form zarter Häntchen am Niveau der saner werdenden Flüssig- 
keit, in welchem Häutehen stabförmige, in der Mitte eingeschu(trte Zellen roihen- 
förmig gelagert sind. Die einzelne Bacterienzelle ist 2—Zmmm lang. Sowie 
das Uäutchen mit seinen Einlagemngen untergetaucht und dem Contact mit der 
Luft entzogen wird, h(}rt auch die Säuerung auf nnd es bildet sich am Nivean 
der Flüssigkeit ein neues Bacterienlager, welches nun wiederum den Oxydationa- 
process des Wein^istes besorgt. 



CereviBia. Bierhefe. BierbeBtandtlieüe. 243 

B«9 einiger Masseneutwlckelnng dieser Organismen lassen sich dieselben nach 
Zautz von Weingeist, AbBetzenlasaen , Decanthiren sammeln. Je weiter der 
SänenrngeprocesB vorgeschritten ist, um so weniger ist die Bierhefe vertreten. 



rig. rti. X gisigttnro- Bicterien. S, «. Smeoharo- Fig. 33. U. r. Äucor racmotut. U— Biitt«tBiiire> 
nJui «nnw KEESS. S.J*. Saetiaromyea Fattori- bBCt«ii«il. Jf— HilchsisrebutaTisn. 

UHU BGESS. 460faclie Vecgr. ISOfieh* Tergr. 

Uebersichf des Ganges der Bieranalyse. Getränke, welche ans Wasaer, 
>Ulz oder glykosehaltlgen Stoffen nnter Vennittelung der weingeistigen Qähmng 
dargestellt, darch die Beatandtheile gewürzhafter vegetabilischer Stoffe, besonders 
des Hopfens, nnr schwach aromatisirt sind and stcb zum Theil in einer schwachen 
KachgÄhmng befinden, benennt man Biere. Einige Biere, wie Berliner Weiss- 
bier, Broyhahn, Danziger Jopenbier, Wachhoiderbier werden nicht mit Hopfen 
aromstisirL Die mit Hopfen aromntiBirten halten sich am besten und sind dio 
am metaten dargestellten und geuoasenen. 

I>er sachverständige Chemiker beantwortet sich die Frage, was Bier sei, 
auch noch nach einer anderen Seite hin und zwar: 

Bier ist ein zusammengcBetztea Nahrunga- und Geunsamittel , welches 
dnrch seinen Kohlensäuregehalt erfrischend, durch seinen Weingeist- und 
Aromgehalt auf Kürpet und Geist belebend und anregend, durch sdnen 
Bxlractgehalt ernährend wirkt. 

E^n Bier, welches diesen Eigenschaften nachkommt, bezeichnet man im ge- 
vidualichen Leben mit vollmundig. Eine VoUmnndigkeit zn erlangen 
^ixxA der Brauer zum Theil genCthigt im gewöhnlichen Brauact Modißcationen 
dstreten zu lassen und zu kleinen Zuafttzen zu greifen, um das Ärom dem Ge- 
aehiiuicke angenehm zu machen, denn ein nur ans Malz nnd Hopfen bereitetes 
Bier ist dann nnr vollmundig, wenn auch Bein Estracfgehalt ein höherer ist. 
Anderersdts zieht man einen mo^ficirten Hopfengeschmack vor. Die Bestand- 
tlieile sind hei Hopfenbier laut mehr denn 100 Analysen im Minimum und Maxi- 
mam (nach KOinG): 

Sp. 
Oeir. Wass. CO3 

10142 83,00 0,10 1,63 2,60 0,02 0,10 1,46 0,08 0,07 0,14 0,02 
1,0159 95,27 0,50 9,04 12,40 1,98 2,45 7,85 0,71 0,40 0,48 0,09 



244 Oerevisia. Bierbestandtheile. 

Schenk- oder Wintorbier im Mittel: 

Spec. AI- AI- Gly- 

Gew. Wass. 00« kohol Extr. bumin Zucker Dextrin Sänre cerin Asche PO5 

1,0142 91,81 0,228 3,206 4,988 0,811 0,442 2,924 0,116 0,202 0,20 0,026 

Lager- oder Sommerbier im Mittel: 
1,0159 90,71 0,218 3,679 5,612 0,491 0,872 4,390 0,128 0,218 0,223 0,03 

Exportbier (Bock- und Doppelbier) im Mittel: 
1,0237 88,72 0,245 4,066 7,227 0,710 0,900 — 0,166 — 0,267 0,072 

Beim Lagern des Bieres nimmt der Extractgehalt ab, der Weingeistgehalt 
zn, in Folge schwacher Nachgähmng. 

Die Asche des Bieres besteht im Mittel in Procenten der Aschenmenge, 
welche zn 0,3 Proc. ans dem Biere erhalten wurde. 

K Na Ca Mg FejOj PO5 SOs SiO, Cl 
33,7 9,0 2,8 6,2 0,45 31,3 3,5 9,0 3,0 

Der Kali- und Phosphorsäuregehalt, deren jeder ziemlich Ys ^^^ Aschen- 
menge ausmacht, lässt in diesem Umfange die Verwendung des Gerstenmalzes 
erkennen. Selbst geringhaltige Biere aus Gerstenmalz und mit circa 0,2 Proc. 
Asche müssen mindestens 0,05 Proc Phosphorsäure und 0,06 Proc. Kali ent- 
halten. 

Bier gehört, wie schon erwähnt wurde, der Rubrik der zusammengesetzten 
Nahrungsmittel an (Suppl. S. 177), und es ist dasjenige das beste, welches von 
angenehmem, erquickendem, erfrischendem Geschmack ist, dessen Zusammen- 
setzung sich nicht nach den Anforderungen unerfahrener Chemiker richtet, son- 
dern in Betreff des Geschmackes, des Geruches, der Farbe und auch der phy- 
siologischen Wirkung den nach Ort und Zeit verschiedenen Anforderungen des 
biertrinkenden Publikums entspricht. 

Wesentliche Bestandtheile eines Bieres sind Wasser (mindestens 75 Proc.), 
Weingeist (höchstens 10 Proc.), Glykose oder Zucker, freie organische Säuren 
(höchstens 0,5 Proc. exdusive Kohlensäure) und irgend welche Gewflrzstoffe, 
von welchen Hopfenstoffe die seit ältester Zeit beliebtesten waren und auch noch 
heute sind. Berliner Weissbier, Broyhahn, Danziger Jopenbier, Wacholderbier 
z. B. enthalten keine Hopfenstoffe und dennoch sind sie Biere. Jedes Bier hat 
nach der Art der Bereitung seinen besonderen Charakter und divergiren sie 
nach Geschmack, Geruch, Farbe, Consistenz, Dauerhaftigkeit. 

Verfälschte Biere sind solche, welche das nicht sind, wofür, sie ausge- 
geben werden. Ein Hopfenbier, gehopftes Bier muss nothwendig durch Hopfen- 
bestandtheile aromatl^rt sein und heben noch andere beigefügte kleine Mengen 
Bitterstoffe und Arome den Charakter eines Hopfenbieres nicht auf, wofern das 
Hopfenarom vorwaltet. Das Hopfenbier ist dann ein vermischtes, wenn Ge- 
schmack und Gerach der Hopfentheile durch Geschmack und Geruch anderer 
Gewttrzstoffe überwogen wird, oder ein Bier ist dann ein verwerfliches, nicht 
trinkbares oder ein verfälschtes, wenn es Bestandtheile fasst, welche der Gesundheit 
Nachtheile bringen können, dem Wohlbefinden des Geniessenden erfahrungsgemäss 
nicht zuträglich sind, wenn ein Bier überhaupt einen Charakter zeigt, welcher ein 
Getränk scheinbar zu einem Biere macht, das z. B. ein Product einfacher Mischung 
ist, statt ein Product der weingeistigen Gährung zu sein. Die Erkennung und 
Nachweisung dieser Abweichungen und Umstände ist allein der Zweck der Ge- 
sundheitspolizei und der durch letztere angeordneten chemischen Analyse. 

Da die gehopften Biere am meisten fabricirt werden, so kommen die Be- 
standtheile eines normalen und gut gebrauten Bieres, wie sie die Er&hmng be- 



Cerevisia. ZosStze. Analyse. 245 

• 

stimmt, in erster Reihe in Betracht. Unter schweren Bieren versteht man 
solche mit grossem Extractgehalt, unter starken Bieren solche mit grossem 
Weingeistgehalt, unter leichten Bieren solche mit mittlerem Extractgehalt und 
kleinem Weingeistgehalt. 

Eän leichtes Bier enthält 2 — 3, ein mittelschweres Bier 3,5 — 5, ein 
starkes Bier 6 — 9 Proc. Weingeist. In Bayern findet man an einigen Orten 
die polizeiliche Vorschrift, dass bei der zu verwendenden 12 proc. Würze der 
Weingeistgehalt 3 Gew. -Proc. oder 3,8 Vol. -Proc. nicht . überschreiten darf und 
der Extractgehalt mindestens 5,25 Proc. betragen müsse. 

Verwerflich oder nicht trinkbar sind stark trübe Biere, in denen 
sich die Hefe noch suspendirt vorfindet oder sich in Folge der Glutintrübung 
ansjgeschiedene Eiweisskörper, Peptone etc. noch nicht abgelagert haben. 

Die Farbe des Bieres kann nur dann beanstandet werden, wenn sie durch 
Zusatz eines Farbstofifes bewirkt ist, der sich nicht für den Genuss eignet oder 
den Geschmack eines Bieres merklich beeinträchtigt Man unterscheidet helle 
und braune Biere und verdanken diese ihre Farbe der Anwendung von Luft- 
oder Darrmalz, von welchen das erstere auf dem Wege des Brauens helle, das 
andere braune Biere liefert. Ob nun ein Bier künstlich oder in normaler Weise 
gefärbt ist, wird nach V. Griisssmateb (einer Autorität für die Bieranalyse) ge- 
fanden, wenn man in 10 CC. des Bieres 6 — 7 g Ammoniumsulfat löst und nun 
die Lösung mit 10 CC. 90 proc. Weingeist kräftig durchschüttelt. In der Ruhe 
sondern sich zwei Schichten, von denen die obere weingeistige die normale Malz- 
f&rbe des Bieres aufgenommen hat und die untere Schicht entweder schwach far- 
big oder doch immer blasser als die obere gefärbt ist. Bei Gegenwart von Zucker- 
cooleur etc., ist entweder die untere Schicht dunkler als die obere gefärbt oder 
auch sehr blassfarbig und an der Grenze, in welcher sich beide Schichten be- 
rflhren, findet man die zugesetzte Farbe in trübschichtiger Ansammlung. 

Die Farbenintensität des Bieres bestimmt man oft durch Vergleich mit einer 
Nonnaljodlösung, einer Lösung von 12,7 g Jod, 15 g Kaliumjodid in Wasser, so 
dass sie 1 Liter ausfällt. Die Farbe wird dann nach dem Jodgehalte der ent- 
sprechend farbigen Jodlösung bezeichnet. 

Besondere Zusätze zum Biere, welche eine Verbesserung des Geschmackes, 
der Farbe, eine Klärung, eine länger andauernde Haltbarkeit oder eine Herab- 
mindernng des Gehaltes an freier Säure bezwecken, und in Folge des lange Zeit 
hindurch stattgefundenen Gebrauches oder auch wegen Mangels eines nachtheiligen 
Einflusses auf das Wohlbefinden als zulässig angesehen werden, sind: Stärke- 
zncker, Bohrzucker, Glycerin, Zuckercouleur, Natriumcarbonat, Natriumbicarbonat, 
K&trinmbisulfit, Potasche, Salicylsäure, femer die Gewürze Anis, Coriander, Carda- 
momen, Thymian, Zimmt, Englisches Gewürz, Ingwer, dann die Bitterstoffe aus 
Wermuth, Fieberklee, Tausendgüldenkraut, Kardobenedikten, Buchsbaum. Dass 
hier das Maass des Zusatzes von Wichtigkeit ist, dass von einem oder dem an- 
deren zn grosse Mengen nicht in Anwendung kommen dürfen, ist bekannt. Der 
Zusatz sollte nie so gross sein, dass er im Geschmack überwiegt. Wenn das 
Bier trotzdem trinkbar ist und auch gern getrunken wird, so liegt auch kein 
Gnuid der Verwerfung oder wohl gar das Kriterium einer Verfälschung vor. 

Der vollständigen Analyse des Bieres geht eine genaue Berücksichtig 
gans ^^ physikalischen Verhältnisse, spec. Gew., Klarheit, Farbe, Geruch, 
Geschmack etc., unter Umständen die mikroskopische Untersuchung der Boden- 
sätze voraus. Dann schreitet man zur Bestimmung: 
*1) des Weingeistes (gewöhnlich 1,5—6 Proc), 
^2) des Extracts (3,5 — 6 Proc. in den gewöhnlichen Hopfenbieren), 



246 ' Oerevisia. Extract-, WeingelBt-Best 

3) des VerhaltniBses des Weingeistes zum Extract (es beträgt ge- 
wöhnlich 1 : 1,2 bis 2;6, in besonders guten Bieren wie 1 : 1,7 bis 1,8), 

4) der Bestandtheile des Extracts (gewöhnlich Proc. 1 Glykose, 3—5 
Dextrin, 0,5 Proteinstoffe, 0,15 — 0,5 Aschentheile), 

5) des Verhältnisses des Zuckergehalts zu den anderen Kohlehydraten 
und Nicht-Kohlehydraten (gewöhnlich 1 Zucker zu 3 — 4,5 Nichtzucker), 

6) der ursprünglichen Concentration der Würze (mindestens 10,5 Würze- 
procente, gewöhnlich 11 — 14 Proc), 

*7) des Säuregehaltes (ohne Kohlensäure), welchen man in der Zahl der 
zur Neutralisation erforderlichen Anzahl CC. Normalalkali (gewöhnlich 1,5 
bis 2,5) ausdrückt, 

8) der freien Kohlensäure, 

9) des Phosphorsäuregehaltes in der Asche (gewöhnlich ein Drittel der 
Asche), 

*10) der besonderen Zusätze. Da diese flüchtige und nicht flüchtige Theile 
enthalten können, so ist eine Destillation aus einem Glaskolben nothwendig, 
und zwar ist die Destillation so lange fortzusetzen, bis circa ^/^ in der 
Vorlage gesammelt sind. In zwei gleiche Theile getheilt, dient der eine 
zur Bestimmung flüchtiger Säuren. Der Rückstand im Kolben wird auf 
die fixen Bestandtheile untersucht, oder zur Glycerinbestimmung benatzt, 
11) der zufälligen Verunreinigungen (Zink, Kupfer, Blei). 

Finden nur die mit einem Stern bezeichneten Bestimmungen Beachtung, so 
ist die Analyse eine einfache Bieranalyse, welche in den meisten Fällen 
den Anforderungen der Gesundheitspolizei genügt und die Anhaltspunkte zur Be- 
urtheilung gewährt, ob ein Bier fär den Genuss zulässig ist oder nicht. 

Extract- Bestimmung. Diejenigen, welche häufig Bieranalysen auszuführen 
haben, bedienen sich einer Bierwaage oder eines Saccharimeters (BALLiNO^sches), 
welches Instrument immer kleine Fehler an sich trägt. Der Pharmaceut be- 
stimmt den Extractgehalt zugleich mit der Bestimmung des Weingeistgehaltes, 
wobei der wirkliche von dem berechneten Gehalt Differenzen ergiebt, welche 
höchstens 0,015 Proc. betragen. Ist der wahre Gekilt zu erforschen, so unter- 
nimmt man eine directe Bestimmung und zwar dampft man 200 CC. des Bieres 
auf circa Yio ^^l. ein, versetzt mit 10,0 emes weissen Bolus, welcher mit Salz- 
säure haltendem Wasser und mit reinem Wasser ausgewaschen und in der Wärme 
total ausgetrocknet ist, trocknet die Mischung in der Wärme des Wasserbades 
(nicht bei 110^ C.) ein und so lange aus, bis sich ihr Gewicht constant erweist. 
Das Mittel aus dem berechneten und dem auf vorbemerkte Weise erlangten Ge- 
wicht repräsentirt den wirklichen Gehalt. Beim Abdampfen in flachen Gefässen 
ist nämlich eine geringe Abdunstung des Giycerins nicht zu vermeiden. 

Um den Zucker vom Dextrin zu scheiden, extrahirt man die Masse mit 
90 proc. Weingeist, welcher den Zucker löst. Mit Wasser lässt sich dann Pextrin 
extrahiren. 

Weingeist- und Extract-Bestimmung. Dieselbe geschieht nach irgend einer 
der unter Spiritus Yini (vergl. Handb.) und Vinum angegebenen Methoden. Will 
man ihn durch Destillation absondern, so ist das Bier zuvor mit Natron neutral 
oder schwach alkalisch zu machen. Am einfachsten ist die Handb. Bd. II, 
S. 994 sub 2 angegebene Methode, welche sich mit der Bestimmung des Extract- 
gehaltes verbinden lässt. Man bestimmt das spec. Gew. des Bieres {A\ dampft 
100 g desselben bis zur vollen Verflüchtigung des Weingeistes ab, was nach dem 
Abdampfen bis auf Y3 des Volumens erreicht ist, und verdünnt diesen Rest mit 
kaltem Wasser bis auf 100 g. Nun bestimmt man das spec. Gew. dieser Ver- 



Cereyfsia. Glycerin-, Hopfenharz-Best. 247 

dflnnung {B) bei gleicher Temperatur (15^ C). Die Differenz aus dem spec. 
Gew. von A und B von 1,000 subtrahirt ergiebt das spec. Gew. eines Wein- 
geiBtes von demselben Gehalte, wie er im Biere (A) vertreten ist. WÄre das 
spec Gew. von A 1,022, von B 1,030, so sind in A enthalten (1,030—1,022 
= 0,008; 1,000—0,008 = 0,992 spec. Gew. oder) 4,8 Proc. Weingeist. 

Wkd die nach dem Komma stehende, aus drei Stellen bestehende Zahl 
der Zahl 9 welche das spec Gew. der entgeisteten und auf 100 g mit Wasser 
verdünnten Flüssigkeit mit 255, oder die nach dem Komma folgende, aus vier 
Stellen bestehende Zahl mit 2550 multiplicirt, so ergiebt das Product annähernd 
den Extractgewichtsprocentgehalt (für Gehaltsmengen von 1—8 Proc.) an. In 
vorstehendem Beispiele wäre der Extractgehalt des Bieres (0,030 x 255,0 =) 
7,65 Gew.-Proc. (nach Schultzk*s Tabelle 7,71, nach Ballinq 7,5). 

Behufis Bestimmung des Gehalts im Volumen wären 100 CC. Bier zu ver- 
wenden und die Verdünnung auf 100 CC. vorzunehmen. In diesem Falle ist 
der Multiplicator 260 oder 2600. Obiges Beispiel ergäbe m 100 CC. des Bieres 
(0,030 X 260,0 =) 7,8 Gew.-Proc. Extract (nach Schultzb 7,94). 

Um nach Baluko'b Tabelle den Extractgehalt in 100 Gewichtstheilen Bier 
zu berechnen^ wären die Gehalte von 0,1 — 7,0 Proc. Extract (bei spec. Gew. 
von 1,001 — 1,028) durch Multiplication der Zahl nach dem Komma der spec. 
Gew.-Zahl mit 250 zu erfahren. Die Tabelle Schultzens findet man in Dr. 
Victor Grie88MAYEb's: Die Verfälschung der wichtigsten Nahrungs- und Genuss- 
mittel (1880) angegeben. 

Glycerinbestimmung. Der Glyceringehalt der Biere ist ein sehr verschiedener, 
obgleich er in sehr vielen Fällen den 15. Theil des Weingeistgehaltes ausmacht. 
Er beträgt im Allgemeinen 0,25 — 0,75 Proc, doch hat man Biere mit noch grösse- 
rem Glycerin-Gehalte angetroffen. 

Die Bestimmung führte Hager in letzterer Zeit in folgender Weise aus. 
Bier (oder Wein), 200 — 300 g, wird durch Aufkochen vom Weingeist befreit 
und mit einer passenden Menge gereinigter Thierkohle (30 g) zwei Tage macerirt, 
dann filtrirt und der Filterrückstand mit möglichst kaltem Wasser nachgewaschen. 
Die Waschwässer werden fttr sich durch Abdampfen im Wasserbade eingeengt 
nnd der Verdampftingsrückstand dem Bier (Wein) zugesetzt. Das Bier wird bei 
70 — 80^ C. auf circa den 16. Theil des Volumens (auf 12—13 CC.) eingeengt 
mit einem annähernd gleichen Volumen (20 — 25 g) gepulverter gereinigter, sehr 
trockner Thonerde vermischt, die Mischung an einem lauwarmen Orte oder über 
Schwefelsäure ausgetrocknet, zu Pulver zerrieben und nun auf dem Wege der 
Deplacirong mit einem (jemisch aus gleichen Volumen Aether und absolutem 
Weingeist extrahirt, der klare Auszug in einem tarirten Glaskölbchen der De- 
stOlalion aus dem Wasserbade unterworfen und dann das geöffnete Rölbchen 
einige Stunden hindurch in der Weise im Wasserbade erhitzt, dass der Hals des 
Kölbchens um die Hälfte seiner Länge aus dem Wasserbade hervorsteht. Letz- 
tere Operation bezweckt Abdunstung etwaiger anhängender Feuchtigkeit. 

Es ist nicht zu tibersehen, dass wässrige Glycerinlösungen beim Abdampfen 
in flaehen Grefässen bei einer Wärme von 60 — SO^ C. zu einigen Proc. an Gewicht 
durch Verdunsten Einbusse erleiden, dass Glycerin selbst bei gewöhnlicher Tem- 
peratnr einer Abdunstung föhig ist. 

Kommt es auf scharfe Genauigkeit nicht an, so kann die Behandlung mit 
ihieriacher Kohle unterbleiben. 

Bestimmung des Glycerins und Hopfenharzes nach VicrroB Griess- 
HAYE&j eines hervorragenden Chemikers der Bieranalyse (Ber. d. d. ehem. Ges, 
1878). Im Wasserbade werden 300 CC. des Bieres bis auf 100 CC. einge- 



248 CereviBia. Glykose-, ABchen-Bestimmung. 

dampft, in dnen Halbliterkolben mit engem Halse und dazu 200 CG. Petrol- 
äther gegeben. Man Bchüttelt 3 — 4mal je 5 Minuten kräftig durch, lässt ca. 
3 Stunden absetzen und bringt die Flüssigkeit in einen Scbeidetrichter. Nach 
3—4 Stunden lässt man die untere braune Flüssigkeit wieder in den Halbliter- 
kolben abfliesen, die obere gelatinöse Masse nebst dem überschüssigen Petrol- 
äther giebt man in eine tarirte Glassohale und überlässt sie zunächst sich selbst 
Die Flüssigkeit im Halbliterkolben wird wiederum mit 200 CC. Petroläther be- 
handelt, wieder in den Scheidetrichter gebracht, und nach 4 — 5 Stunden die 
untere, nun von Hopfenbestandtheilen fi-eie Flüssigkeit in den Halbliterkolben 
abgelassen und sofort mit Barytwasser ode^ Baryumalkoholat alkalisch gemacht. 
Aus der Glasschale, in welcher sich mittlerweile der überschüssige Petroläther 
vom ausgeschiedenen Hopfenharz scharf getrennt hat, wird ersterer abgegossen 
und die im Scheidetrichter noch restirende Masse dazugegeben. Nach einiger 
Zeit giesst man die Flüssigkeit (Petroläther und Spülwasser) ab, bringt die Schale 
aufe Wasserbad und beendigt die Austrocknung über Schwefelsäure. Man wägt 
und findet so den Gehalt des Bieres an Hopfenharzen. Die im Halbliter- 
kolben befindliche alkalische Flüssigkeit wird nun in analoger Weise mit dem 
doppelten Volumen einer Mischung von 2 Th. absolutem Weingeist und 3 Th. 
Aethyläther geschüttelt und abgeschieden. Die wasserhelle Aether- Flüssigkeit 
stellt man in ein Glaskölbchen gegeben sofort ins Wasserbad, bis der Aether 
verdunstet ist. Die restirende Flüssigkeit wird nochmals mit gleichviel Aether- 
Weingeist behandelt und die nach dem Ablassen der braunen Flüssigkeit im 
Scheidetrichter übrig bleibende Glycerinlösung in das Glaskölbchen von der ersten 
Beschickung gegeben, und wiederum aller Aether auf dem Wasserbade abge- 
dunstet. Die nun restirende weingeistige Flüssigkeit wird in eine tarirte Por- 
zellanschale nach und nach eingetragen und deren Inhalt im Wasserbade so vor- 
sichtig eingeengt, dass sie bis zur Erlangung einer zäheflüssigen Consistenz 15 — 
20 Stunden erfordert. Endlich bringt man die Schale unter den Recipienten über 
Schwefelsäure oder wasserfreie Phosphorsäure und wägt nach 2 Tagen. Nach 
Abzog der Tara hat man das Gewicht des Glycerins. 

Bestimmung des Stärkezuckers oder Stärkezuckersyrups in Bieren, 
bei deren Darstellung ein Theil des Malzes durch Stärkezucker ersetzt ist. 

Die Erkennung des zugesetzten Stärkezuckers basirt auf einem Gehalt an 
Amylin, eines von B^champ zuerst erkannten, zwischen Glykose und Dextrin 
rangirenden, durch Hefe nicht in Gährung versetzbaren, durch Weingeist nicht 
fällbaren, den polarisirten Lichtstrahl dreimal stärker als Glykose rechtsdrehenden 
Kohlehydrats in dem käuflichen Stärkezucker. Eug. Dietebigh föllt zum Nach- 
weise des Amylins zuerst Dextrin mittelst Weingeistes aus dem Bierextract, be- 
seitigt die Glykose durch Gährung (4tägige) mittelst Hefe vollständig und entfärbt 
mit Kohle. Das Filtrat zeigt nun eine starke Rechtsdrehung des polarisiiieu 
Lichtes. Die Abscheidung vom Dextrin bewirkte dieser Chemiker auch durch 
Dialyse, in welcher sich Amylin wie ein CrystalloXd verhält. Die Bestimmung 
des zum Biere verwendeten Stärkezuckers aus dem Phosphorsäuregehalt ist keine 
zutreffende (vergl. unter Bestimmung der Phosphorsäure), 

Stammwürze. Die Quantität derselben ist = Weingeistgehalt x 2 + Ex- 
tractmenge. 

Aschenbestimmung. Der Aschengehalt variirt bedeutend und da nicht selten 
mineralische Zusätze gemacht werden, welche Entsäuerung, Conservirung oder eine 
Verbesserung des Geschmacks bezwecken, so wird die normale Aschenmenge um 
ihr zwei- bis fünffaches Gewicht vermehrt. Der normale Aschengehalt beträgt 
0,2—0,3 Proc, und circa 1/3 dieser Menge ist Phosphorsäure. 



Cerevisia. SäarebestimmuDg. 249 

Em Bier, welches mehr denn 0,35 Proc. Asche liefert, hat einen mineralischen 
Zusatz erfifthren, z. B. von Kochsalz, Soda, Potasche. 

Bestimmung der Phosphorsäure. Der Gehalt an Phosphorsäure ist ein sehr 

variabler nnd zwar schon ans dem Grunde, dass die Grösse des Gehalts der 
das Malz liefernden Gerste je nach Boden und Jahreswitterung sehr verschieden 
aosfüllt, auch nicht selten Znsätze von Enochenerde, Triastase etc. stattfinden. 
Die Bestimmung geschieht nach einer der im Handb. Bd. I, 3. 100 u. f. ange- 
gebenen Methoden. Nach Gbiessmater werden 500 CC. Bier auf mehr denn 
ein halbes Volumen eingedampft, mit 3 g Baryumnitrat (oder 2 g Aetzbaryt) ver- 
setzt (besser ist die Verwendung voiv 1,5 Baryumnitrat und lg Aetzbaryt), zur 
Trockne emgedampft und nun in einem nicht zu kleinen Tiegel eingeäschert. 
Die Asf^he befeuchtet man mit Salpetersäure, trocknet sie wieder ein, wiederholt 
dies noch einmal (behufs Unlöslichmachens der Kieselsäure), nimmt nun den Rück- 
stand mit Salpetersäure auf, giesst durch ein feuchtes Filtrum, wäscht den Röck- 
stand gut aus und bestimmt in dem sauren Filtrat die Phosphorsäure nach eher 
der im Handbuche angegebenen Methoden. Man versetzt das Filtrat reichlich 
mit Weinsäure, tibersättigt stark mit Aetzammon, versetzt mit Magnesiamixtur, 
w&scht den Niederschlag mit 3,3 proc. Aetzammon nach etc. 

Ein Phosphorsäuregehalt unter 0,05 Proc. deutet auf einen Ersatz des Malzes 
dnrcb Stärkezucker, Glycerin, welche keine Phosphate enthalten. Diesen Phos- 
phatmangel auszugleichen, dürfte dem klugen Bierbrauer durch Zusatz von Enochen- 
asche wohl leicht gelingen. Dass dieses in der That geschieht, ist kein Geheim- 
11138. Ob damit eine Fälschung geschieht? Eine solche muss entschieden be- 
zweifelt werden, so wenig der im grossen Maassstabe betriebene Ersatz des Malzes 
durch Stärkezucker als eine Fälschung vemrtheilt werden kann. Das Fabrikat 
verliert dadurch nicht im Geringsten an seinem Charakter als Bier, es wäre 
denn, dass man einen besonderen Werth auf die im Malzbiere vertretenen Protei'n- 
etoffe legte, welche auch wiederum durch Zusatz von Weizenfrucht zum Malz 
ersetzt werden können, denn bekanntlich vermag die im Malz vertretene Diastase 
mehr Stärkemehl in Glykose umzusetzen, als das Malz an und für sich darbietet. 

Kohlensäure -Bestimmung. Diese geschieht nur in besonderen Fällen und 
man berechnet ihre Menge entweder aus dem Gewichtsverlust beim Kochen des 
Bieres, unter Leitung des Wasserdampfes durch ein tarirtes Rohr mit Oalcium- 
chlorid^ oder aus dem Baryumcarbonat, resultirend aus dem Einleiten der Dämpfe 
des kochenden Bieres in eine ammoniakalische Baryumchloridlösung. Kürzer ist 
die Bestimmung, das Bier mit einem gleichen Volumen Wasser zu verdünnen 
nnd dann mit ammoniakalischer Baryumchloridlösung zu versetzen, den Nieder- 
schlag zu sammeln, auszuwaschen, zu trocknen und zu wägen. Der Nieder- 
schlag wird mit verdünnter Essigsäure behandelt. Der Theil, welcher sich löst, 
mit 0,22335 multiplicirt, ergiebt den Kohlensäuregehalt des Bieres, der nicht ge- 
löste Theil, getrocknet und gewogen, mit 0,34335 multiplicirt ergiebt die Schwefel- 
s&nre, welche etwa vorhanden wäre. 

Der Kohlensäuregehalt beträgt gewöhnlich 0,1 — 0,5 Proc. Bei einem Ge- 
halte von 0,05 bis 0,1 Proc. ist der Geschmack des Bieres ein fader. 

S&urebestiinmitng im entkohlensäuertem Biere resp. Hopfenbiere, 
Bestinmiung der im Verlaufe des Gähractes entstandenen Säuren, also der Essig - 
sftnre, Milchsäure, Bernsteinsäure (oder der trigierischen Säure Maumen^'s). 
Anszuflcfaliessen sind etwa dem Biere zugesetzte Schwefelsäure, Salicylsäure, Bor- 
sftnre etc. Die Menge dieser organischen Säuren beträgt in einem normalen Ge- 
brlin höchstens 0,2 Proc. Sie genügt dem Geschmacke und ist zum Theil Ur- 
sache der erfHschenden Wirkung des Bieres. In der Analyse bezeichnet man 



250 Cerevisia. Säure-Bestimmung. 

die Summe dieser organischen Säuren gewöhnlich mit Milchsäure und berechnet 
die Menge auch nach dem Atomgewicht (90) der Milchsäure , d. h. lg Säure 
entspricht 11,11 CC. Normalalkali. Ein Bier, welches über 0,2 Proc. Säure ent- 
hält, also mehr als 2,2 CC. Normalalkali oder 22 CC. Zehntel - Normalalkali zur 
Sättigung erfordert, ist ein sehr sauer schmeckendes Bier. Der normale Säure- 
gehalt eines unverdorbenen entkohlensäuerten Hopfenbieres beträgt oft noch nicht 
0,01 Proc. 

Gbiessmayer vergleicht den Säuregehalt mit dem Extractgehalt. Er be- 
zeichnet das Verhältniss des Extractgehaltes zum Milchsäuregehalte mit Rela- 
tion oder Aciditätquotienten und stellt folgende Rechnung auf: Bei einem 
Biere mit 6,4 Proc. Extract und 0,23 Proc. Milchsäure ist die Relation (6,4 : 
0,23 =r^ 100 : X =) 3,593. Bei den Deutschen und Oesterreichischeri Lager- 
bieren fand er die durchschnittliche Relation zu 2,869 bei einem durchschnitt- 
lichen Milchsäuregehalt von 0,164 Proc. Die Belgischen Biere fand derselbe 
Chemiker so stark sauer, dass wir sie in Deutschland für ungeniessbar halten 
würden, während sie den Belgiern sehr wohl munden. Trotz dieser Erfahrung 
kommt Gbiessmateb zu folgendem Schlüsse (Polytechn. Joum. 227): 

„Es erscheint daher pro lege ferenda nothwendig, erstens von allen fremden 
Bieren abzusehen und zweitens für die einheimischen nur zwei Arten zu unter- 
scheiden: Lagerbiere und Schankbiere. Für erstere möchte die Relation 3,8 die 
passende sein, fttr letztere 1,9." Letztere Ziffer findet folgende Motivirung: Ein 
Schankbier habe 3,8 Proc. Extract (gewiss ein Minimum) und verlange zur Neu- 
tralisation von 100 CC. 0,8 CC. Normalnatron = 0,072 Proc. Milchsäure (das 
Maximum); also ist hier die Relation (0,072 x 100) : 3,8 = 1,9. „Alle Re- 
lationen, welche die beiden entwickelten oder andere nach diesem Principe zu 
wählenden Maxima überschreiten, seien strafiEHllig" (straffällig? wohl nur in Bayern). 

Insofern das Säuremaass im Biere durch den Geschmack controlirt wird, 
der Geschmack aber ein individueller ist, indem der eine etwas zu sauer findet, 
was dem andern nur säuerlich erscheint, und auch der Greschmack der Säure 
durch den Extractgehalt gemildert wird, so dürfte sich die Aufstellung eines be- 
stimmten Verhältnisses des Säuregehaltes zum Extractgehalt der Einfachheit halber 
empfehlen. Nach Griessmayee soll der Säuregehalt (Milchsäuregehalt) bei Lager- 
bieren 4 Proc., bei Schankbieren 2 Proc. von der Menge des Extracts nicht über- 
schreiten. Enthält z. B. ein Schankbier 5 Proc. Extract, so wäre die höchste 
zulässige Säuremenge (100 : 2 = 5 : x ==) 0,1. Wenn man für Lagerbier eine 
doppelt so grosse Menge Säure zulässt, so wäre auch diese Menge als normativ 
für jedes nicht übermässig saure Bier anzunehmen. 

Schwefligsäure, Nachweis und Bestimmung. Behufs Sistirung der 
Gährung und der Conservirung setzt man dem Biere Schwefligsäure oder viel- 
mehr Natriumdisulfitlösung hinzu. Ist dieser Zusatz in kleinen Grenzen gehalten, 
so beeinflusst er keineswegs den Geschmack. Er darf nie so gross sein, dass er 
durch Gfernch und Geschmack wahrnehmbar ist. Die äusserste zulässige Grenze 
dürfte fttr Schwefligsäure bei 0,0005 Proc. vom Gewichte des Bieres liegen. Zur 
Erkennung der Gegenwart versetzt man in einem Cylindorglase circa 30 CC. des 
Bieres mit 10 CC. 25 proc. Salzsäure und giebt ein Stück reines (schwefel freies) 
2änkmetall dazu. Die Oeffnung des Glases bedeckt man mit einem Stück Filtrir- 
papier, welches mit einem Tropfen Bleiessig getränkt ist. Bräunt sich dasselbe, 
oder wird ein nach Schwefelwasserstoff riechendes Wasserstoffgas entwickelt, so 
ist auch Schwefligsäure im Biere vorhanden. 

Behufs quantitativer Bestimmung soll man nach J. A. Pabst ein bestimmtes 
Quantum Bier (100 CC.) mit einem halben Volumen Wasser verdünnen, mit 



Gerevisia. Säare-Bestimmung. 251 

Schwefehänro (4 — 5 g) stark sauer machen, im Wasserbade bis auf circa 60^ C. 
erhitzen und einen Luflatrom hindurch und in eine Baryumchloridlösung leiten, 
welche mit etwas Jodlösung und Salzsäure versetzt ist. Es erfolgt bei Gegen- 
wart von Schwefligsäure ein Niederschlag von Baryumsulfat, dessen Gewicht mit 
3;64 dividirt das Gewicht der Schwefligsäure angiebt. 

Der Schwefligsäurezusatz in kleiner Menge ist nicht als eine Verfälschung 
anfeafasseu; denn damit wird weder eine gewinnbringende Volumvermehrung; noch 
ein Ersatz des Biergeschmackes , noch irgend eine Täuschung des Consumenten 
erreichL 

Schwefelsäure, freie. Nachweis und Bestimmung. Im Weissbier hat 
GRiEäSMETEB diese Säure neben Leimsubstanz angetrofifen und war dieselbe ent- 
weder in Folge einer Elärmethode hineingekommen oder absichtlich zugemischt^ 
nm die Wdnsäure zu ersparen. Zum Nachweise dampft man das Bier bei ge- 
linder Wärme auf den 5. Th. seines Vol. ein, giebt 2—3 Tropfen auf Fliess- 
papier und lässt in gelinder Wärme trocknen. Die Tropfenflecken werden einer- 
seits einen dunklen oder schwärzlichen Rand zeigen, andererseits wird der Fleck- 
theil des Papiers sehr mürbe und leicht zerbrechlich sein. Man kann auch (nach 
Nessler) Fliesspapierstreifen zur Hälfte mit dem conc. Biere befeuchten und 
trocknen. Behufs Bestimmung dampft man ein bestimmtes Quantum des Bieres 
bis auf den 5. Theil seines Gewichtes ein, vermischt den erkalteten Rückstand 
mit einem 10 fachen Vol. Weingeist, lässt absetzen, decanthirt, wiederholt das 
Schütteln des Bodensatzes mit dem Weingeist und decanthirt. Im Decanthat 
wird nach Zusatz von Salzsäure und Wasser die Schwefelsäure mit einer Baryt- 
aalzlösnng gefällt, der Niederschlag mit heissem Wasser ausgewaschen etc. 

Salicylsäure wird durch die Holzfaser aufgenommen und zerstört, wie Kolbe 
gefdnden hat. Es hat daher keinen Zweck, Bier behufs der Conservirung mit Salicyl- 
säare zu versetzen, wenn dieses in Holzfössem aufbewahrt oder verschickt wird. 

Behufs Nachweises der Salicylsäure macht man circa 10 CC. des durch Ab- 
dampfen concentrirten Bieres mit 10 — 15 Tropfen verd. Schwefelsäure saure, 
schüttelt mit Aether aus und giebt den Aether auf eine stark verdünnte Ferri- 
chloridflüBsigkeit, dann damit sanft schüttelnd. Die violette Farbenreaction zeigt 
die Salieylsäure an. Ein damit versetztes Bier wird an und für sich auf Zusatz 
von Ferrichlorid eine etwas dunklere Farbe annehmen. Mittelst thierischer Kohle 
Lässt sich die Salicylsäure der schwefelsauren Lösung am sichersten entziehen. 

Caiciumsulfat- Bestimmung. Diese geschieht bei Abwesenheit von Sulfiten 
ans der Asche, im anderen Falle wird das Bier mit Salzsäure stark sauer ge- 
macht eingedampft und das Extract mit wenig Ealiumnitrat gemischt und ein- 
geäschert, oder man dampft 100 CC. Bier zur Syrupdicke ein, versetzt mit 
0,5 Kalinmnitrat, trocknet die Mischung bei 110 — 120^ C. aus, zerreibt zu 
Pulver, behandelt dieses mit heissem Wasser, filtrirt und versetzt das Filtrat mit 
Baryamdilorid und Salzsäure. 

Kochsalzgehalt des Bieres. Ein solcher ist kein normaler, aber geeignet in 
gewissen kleinen Grenzen, den Geschmack zu verbessern. Da er mitunter ge- 
macht wird, um bei den Biertrinkern Durst zu erzeugen, so wäre eine Normirung 
dieses Gehaltes durch die Gesundheitspolizei gerechtfertigt. Da das Kochsalz als 
Geschmackscorrigeus in einer Menge von 0,1 Proc. ausreicht, so könnte 
0,1 Proc. auch als höchste zulässige Menge erachtet werden. iEIierbei wären 
h^hstens 0,03 Proc. als eine während des Brauactes durch das Wasser in das 
Bier hineingekommene Natriumchloridmenge anzunehmen und die höchste zulässige 
Menge Natriumchlorid in Summa zu 0,13 Proc. zu normiren. 



252 Cerevisia« PrUfung auf Bitterstoffe. 

Das Versetzen des Bieres mit vielem Kochsalz, um Durst zu erzeugen, ist 
ein Betrug, denn der Zweck des Biertrinkens wird dadurch verhindert, der K&afer 
und Trinker des Bieres betrogen. Ein Vergleich hierzu wäre die Zahlung eines 
messingenen Geldstückes in Stelle eines Goldstückes. In England sind gesetzlich 
höchstens 0,066 Proc. Kochsalz zulässig. 

Ei weiss- oder ProteTnstoffe. Zur Bestimmung derselben werden 50 CC. 
Bier bis zur vollständigen Trockne gebracht mit Natronkalk gemischt, verbrannt 
und das Ammon bestimmt oder mit Normal-Schwefelsäure titrirt. Der Stickstoff 
mit 6,2 multiplicirt ergiebt die durchschnittliche Menge ProteXnsubstanz. Die 
Multiplication mit 6,25 ist die übliche, jedoch erhält man damit zu hohe Proteüi- 
mengen. 

Prüfung des Bieres auf Alkalolde, Bitterstoffe und Hopfensurro- 
gate. Sowohl die KuBiCKi'sche, als auch WrrrsTEm'sche Methode für diesen 
Theil der Bieruntersuchung finden sich im Handbuch Bd. I, S. 802 u. f. ange- 
geben. Die KuBiCKi'sche Methode wird auch mit erster DBAOENBOBFF'schen be- 
zeichnet. Von Werth ist noch die zweite DRAQENDORFF'sche (Die gerichtl. eh. 
Ermittelung von Giften, 2. Aufl. S. 300). Bier, 600—1000 CC. werden behufs 
Austreibung der Kohlensäure erwärmt, nach dem Erkalten mit Bleiessig versetzt, 
so lange ein Niederschlag entsteht und dann filtrirt. Aus dem Filtrat wird der 
Bleiüberschuss durch Schwefelsäure gefeit, die Flüssigkeit filtrirt, das Filtrat bis 
auf 200 CC. abgedampft und nun mit verschiedenen Lösungsmitteln ausgeschüttelt 
und sollen sich auf diesem Wege in 600 — 1000 CC. Bier, z. B. 0,25 g Quassia, 
1 g Ledum palustre, 0,1 g Wermuth, 1 g Fieberklee, 3 g Benedictenkraut, 2 g 
Tausendgüldenkraut, 3 g Weidenrinde, 0,05 g Alo6, 0,5 g Koloquinten, 0,5 g Kockels- 
kömer, 1,0 g Colchicumsamen, 0,1 g Spanischer Pfeffer nachweisen lassen. Hierzu 
wäre zu bemerken, dass die üblichen Zusätze behufs Verbesserung des Bier-Ge- 
schmacks eine solche Höhe höchst selten erreichen und die angegebenen Mengen 
sich auf 3 — 5 Liter vertheilen dürften. Wenn sie als Hopfenersatz in Anwen- 
dung kommen, so werden die angegebenen Mengen sich auch auf 1 — 2 Liter 
Bier vertheilen. Desshalb ist es rathsam, mindestens 2 Liter für diese Untersuchung 
zu verwenden. 

Zunächst ist die Beseitigung der Hopfenbestandtheile die Aufgabe. Ist diese 
gelöst, so wird der Geschmack die Gegenwart der fremden bitteren oder scharfen 
Stoffe anzeigen. Sehr gleichgültig dürften die unschuldigen Bitterstoffe sein, wenn 
Hopfenbestandtheile genügend vertreten sind und wäre es nur die Aufgabe, cUe 
Stoffe zu erkennen, welche eine starke oder giftige Wirkung auf den Organismus 
ausüben. Hierher gehören 

Alo6 Koloquinten (Colocynthis) 

Amberkraut (Marum versum) Opium 

Belladonna Pikrinsäure 

Bilsenkraut (Hyoscyamus) Porst (Ledum palustrej 

Herbstzeitlose (Colchicum) Seidelbast fMezereumJ 

Kockelskömer (Fruct. Cocculi) Strychnossamen. 

Von allen diesen können Aloö, Kockelkömer und auch Porst vielleicht im 
Biere vorkommen, weil sie angeblich vorgekommen sein sollen, die anderen sicher 
nicht. Sollten sie angetroffen werden, so liegt allerdings eine straffällige Fälschung 
eines Genussmittels vor. Dagegen sind die unschuldigen Bitterstoffe aus Enzian, 
Fieber klee, Kardobenedicten, Quassia, Tausendgüldenkraut, Wermuth, Weiden- 
rinde, Buchsbaum, Erdrauch, Genista, Marrubium, Ysop, Gamander (Teucrium 
Chamctedrysjj Wallnussblättem, Stoffe aus Fenchel, Anis, Wachholder etc., welche 
sämmtlich in nur unbedeutenden Mengen im Biere vorkommen können, nicht zu 



Gereyisia. Prüfttng auf Bitterstoffe. 253 

beanstanden, sofern nämlicb kein Gesetz, keine polizeiliche Verordnung ein nnr 
aus Malz und Hopfen bereitetes Bier für den Genuss im Handel fordert , denn 
das Bier gehört den zusammengesetzten Genussmitteln an (vergl. 3. 177). 

Die Beseitigung der Hopfenbestandtheile aus dem Biere, behufs der ünter- 
sachnng auf andere Bitterstoffe, wird nach Dragendobff durch Fällung mit Blei- 
snbacetat erreicht. Es scheint nothwendig, vorher das Bier von der Kohlensäure 
und durch Abdampfen bei gelinder Wärme auch zum Theil vom Weingeist zu 
befreien, ein möglichst basisches Bleisubaeetat anzuwenden und, wenn das Bier 
auch SaJicylsäure enthalten sollte, nach der Fällung mit überschüssigem Bleisub- 
aeetat die Flüssigkeit mit Schwefelsäure stark sauer zu machen und mit circa 
10 g thierischer Kohle in der Kälte zu maceriren. Diese Kohle wäre dann 
später auf anhängende Bitterstoffe (Alo3) zu untersuchen. Das also durch Zusatz 
von Schwefelsäure im geringen Ueberschuss entbleite Filtrat (aus circa 2 Litern 
Bier) wird durch den Geschmack die Gegenwart eines bitteren oder scharfen 
Stoffes genügend erkennen lassen. Ist ein solcher Geschmack noch vorhanden, 
so theile man das Filtrat in zwei gleiche Theile (A und B)j um den einen 
säuerlichen {Ä) nach Daagendorff^s Methode zur Ausschüttelung zu verwenden, 
den anderen Theil {B) aber nach irgend einer anderen Methode der üntersuchuD^ 
oder zur Prüfung auf die Gegenwart einiger besonderer Stoffe, wie Alo^ Salicm, 
Salicylsäure zu verwenden. Man befreit ihn auch wohl, mit Ammon neutralisirt, 
durch Schwefelwasserstoff von den anhängenden Bleispuren, engt ihn auf ein 
halbes Volumen ein und prüft die mit Schwefelsäure angesäuerte Flüssigkeit mit 
Gerbsäure. Keine Trübung, kein Niederschlag lässt die Anwesenheit von Enzian, 
. Weidenrinde, (Alo6), Kockelskömer, Spanischem Pfeffer, (Belladonna) annehmen. 
Einen anderen Theil derselben Flüssigkeit versetzt man mit Alkaloldreagentien, 
um sich überhaupt über die An- und Abwesenheit von Alkaloltden zu unterrichten. 
Oder man engt die mit Natriumcarbonat schwach alkalisch gemachte Flüssig- 
keit {B) auf ein halbes Volumen ein, mischt sie mit 20 g (pro Liter Bier) ge- 
reini^er thierischer Kohle und macerirt 2 Tage. Nach dieser Zeit wird filtrirt, 
die Kohle mit Wasser von circa 10^ C. abgewaschen, bei gelinder Wärme ge- 
trocknet und dann mit absolutem Weingeist bei 50 — 60<) C. extrahirt. Auf diese 
Weise sammelt man die im Biere vorhandenen Alkalolde und Bitterstoffe in ziem- 
licher Reinheit Schmeckt das von der Kohle gesonderte wässrige Filtrat bitter, 
8o ist die Gegenwart von Enzian mit einiger Sicherheit anzunehmen. 

Das säuerliche Filtrat A wird nach Dbagendobff mit einem Lösungs- 
mittel ausgeschüttelt, dieses bei gelinder Wärme abgedampft und der Rück- 
stand chemisch und physikalisch geprüft. Krystallinisch ist er nur bei Alo6, 
Pikrinsäure, Belladonna, Strychnos. 

Die Ausführung dieser Methode ist in Draqendobff's: Die gerichtlich- 
chemische Ermittelung von Giften, 1876, S. 301 u. f. ausführlieh angegeben. 
Hier mnd nur cUe wichtigsten Stoffe erwähnt, welche durch Ausschütteln der ent- 
bluten Flüssigkeit {A) und Abdampfen des Lösungsmittels resultiren. 

PetroiSther-Riickstand amorph, mit Schwefelsäure sich zuerst braun, dann 
violett, endlich rothviolett färbend (Spuren Absynthiin). 

Benzolriickstand. Krystallinisch: nicht bitter, mit Kalilauge purpur- 
roth^ mit Schwefelsäure zuerst roth, dann orange werdend (AI o 6t in). Amorph: 
Schwefelsäure und Zucker röthen kaum und die wässrige Lösung wird durch 
Bleiessig nur schwach getrübt (Gentianbitter, Quassiin). Geschmack 
kaum bitterlich, und Ferrichlorid förbt die wässrige Lösung beim Erwärmen 
braongrOn (Gentianbitter); Geschmack sehr bitter, und Ferrichlorid färbt die 
Ijösiisg braon (Qnassiin). — Bleiessig trübt oder föllt die Lösung stark, 
Schwefebänre und Zucker färben nach und nach roth bis kirschroth. Schwach 



254 Cerevisia. Prüfung auf Bitterstoffe. 

bitterlich (Cniein, Ledumbitter, Trifoliumbitter, Centaureabitter, 
Absinthiin). Die wässrige Lösung reducirt nur in der Wärme Goldchlorid, 
reducirt aber ammoniakalische Silberlösung nicht, Tannin trübt nur schwach; mit 
verd. Schwefelsäure erhitzt wird Ericinolgenich entwickelt und Fröhde's Reagens 
färbt schwarzbraun (Ledumbitter). Die wässrige Lösung wird durch Tannin 
gefällt, und sie reducirt ammoniakalische Silberlösung; beim Erhitzen mit ver- 
dünnter Schwefelsäure entwickelt sich Menyantholgeruch (Trifoliumbitter). 
Die wässrige Lösung föUt kalte Goldchloridlösung, reducirt diese aber nicht in 
der Wärme, und mit verdünnter Schwefelsäure erhitzt, entwickelt sich schwacher 
Benzo6säuregeruch (Centaureabitter). Die wässrige Lösung fällt Goldchlorid 
nnd reducirt es in der Wärme. Schwefelsäure löst zuerst braun, dann allmäh- 
lich violett; Salzsäure von 1,135 spec. Gew. färbt zuerst grün, dann schön blau 
(Absynthlin). 

Die saure Flüssigkeit {A) wird nun nach dem Ausschütteln mit Petroläther 
nnd Benzol mittelst Aetzammons alkalisch gemacht und nun wieder mit Ben- 
zol ausgeschüttelt, der Benzolauszug abgedampft und eingetrocknet und der Ver- 
dampfungsrückstand geprüft. Wirkt dieser Benzolrückstaüd aus der Ausschütto- 
lung aus alkalischer Flüssigkeit auf die Pupille erweiternd und giebt er mit 
Platinchlorid keine Trübung oder Fällung, so liegt Atropin vor, giebt er aber 
mit Platinchlorid eine Trübung, so liegt höchstwahrscheinlich Hyoscyamin 
vor. Auf die Pupille nicht erweiternd wirkend sind Strychnin und Brucin. 
Ersteres giebt mit Schwefelsäure und Kaliumdichromat eine blaue Farbenreaction 
und letzteres färbt Salpetersäure roth. 

Um auf Sali ein zu reagiren, muss die Flüssigkeit A nach dem Alkalisch- 
machen mit Ammon mittelst Amylalkohol ausgeschüttelt w^erden. 

Die Untersuchung nach der Methode Kübicki's, welche auch mit Dkagen- 
DORFF'sche erste Methode bezeichnet wird (die DRAGENDORFF'sche zweite Me- 
thode ist die vorstehend angegebene), sowie die Methode nach Stas-Otto ergeben 
Rückstände der Petroläther-, Benzol-, Chloroform- und Aether-Ausschüttelung aus 
saurer wie aus alkalischer Flüssigkeit, welche eine gelbe bis rothbraune Farbe 
haben und manche Aehnlichkeit mit Colchicin zeigen und von bitterem Geschmack 
und Caramelgenich sind. Sie reduciren weder die kaiische Kupferlösung oder 
ammoniakalische Silberlösung, noch geben sie mit Jodjodkalium, Tannin, Gold- 
chlorid Fällungen; Brom- und Chlorwasser trüben etwas, und Salpeter-Schwefel- 
säure, auch Salpetersäure färben roth. In diesen Rückständen repräsentirt sich 
ein eigenthümlicher Körper, welcher kein Colchicin ist, vielmehr aus Resten 
der Hopfenbestandtheile und in Folge des Gähractes aus dem Malz und der Gly- 
kose entsteht, welcher auch wohl einfach mit Bieralkalold bezeichnet wird. 
Wegen des Auftretens dieser Substanz scheint das KuBiCKi'sche (1. Dragkn- 
DORPF'sche) und STAS-Orro'sche Verfahren bei Bier weniger geeignet und ist 
dem DRAGENDORFF*schen 2. Verfahren der Vorzug einzuräumen. 

D ANNENBERG beseitigt dieses Bieralkalotd, indem er den beim Verdunsten 
der Aether- und Chloroform-Ausschüttelung restirenden Körper wieder in Wasser 
löst, filtrirt, mit Tannin versetzt, den Niederschlag absondert, mit Bleioxyd mengt, 
mit verdünntem Weingeist extrahirt und diesen Auszug abdunstet. Giebt auch 
dieser Rückstand Colchicinreactionen, so liegt unzweifelhaft Colchicum im Biere vor. 

Dass in Folge eines nicht normal verlaufenden Gähractes im Biere eine 
Substanz alkalolfdischer Natur vorhanden sein kann, besonder» wenn Darrmaiz 
in Anwendung kam, ist kaum zu bezweifeln und dürfte sie vielleicht einer noch 
unbekannten Hefepilzvegetation ihren Ursprung verdanken. 

Hopfenextract, HopfenbUier, wie es im Biere vertreten ist, wird durch 
Bleisubacetat, Cuprisulfat, Mercuronitrat, Jodjodkalium; Gerbsäure (in der Schwefel- 



Cerevisia. Prüfung auf Bitterstoffe. 255 

Banren Lösung) getrübt und gefällt , und wirkt auf Goldchlorid und ammonisi- 
kalische SUberlösnng reducirend. Jene Trübungen und Fällungen erfolgen meist 
in der concentrirten Lösung des Extracts. Das Blau der Kupferacetatlösung 
wird selbst durch dünne Hopfen-Extractlösungen sofort zerstört, natürlich bis zu 
einer gewissen Grenze. Im Bier, welches durch Abdampfen vom Weingeist be- 
frdi ist, wird das Hopfenbitter durch Bleisubacetat vollständig gefüllt. Es ist 
wesentlich, dass das Subacetat möglichst basisch ist. Nach der Fällung lässt 
man 2 Stunden am kalten Orte stehen und schreitet dann zur Filtration. 

Das reine Hopfenbitter, Lupnlinsäure, Lupulit, bildet farblose Pris- 
men, welche im Wasser fast unlöslich, dagegen leicht löslich sind in Weingeist, 
Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Benzol, Petroläther. Die weingeistige 
Losung reagirt sauer. Das Hopfenharz, in Weingeist und Aether löslich, schmeckt 
nicht bitter, aber schmeckt und riecht hopfenartig. Griessmatsb will ein flüch- 
tiges, dem Coniin ähnliches Alkalold in den Hopfendrüschen aufgefunden haben. 

Ariemtsia Absynthium giebt sein Bitter an Benzin und Chloroform , weniger 
an Petroläther ab. Der Bitterstoff unterscheidet sich von dem vorhergehenden 
dadurch, dass er durch Bleisubacetat nicht gefällt wird, er auch ammoniakalische 
Silberlösung nicht reducirt, Goldchlorid in der Kälte trübt und mit concentrirter 
Schwefelsäure und Fröhde's Reagens erst braun, dann violettblau wird und er 
sich auch nut 27 proc. Salzsäure erst grün, dann blau färbt. 

Cnicus henedicius. Der Bitterstoff giebt mit concentrirter Schwefelsäure 
und Fröhde's Reagens eine blutrothe, mit 27 proc. Salzsäure eine grüne, dann 
braune Färbung. 

Erythraea Centaurium. Der Bitterstoff wird durch Tannin gefällt Er 
reducirt ammoniakalische Silberlösung. Mit conc. Schwefelsäure und Faöhde's 
Reagens braune Färbung. 27 proc. Salzsäure färbt grün, beim Erwärmen braun. 

Gentiana, Der Bitterstoff wird durch Tannin nicht gefällt und färbt sich 
sowohl mit conc. Schwefelsäure, als auch mit Fböhde's Reagens und mit Kali- 
lange braun. Conc. Salpetersäure löst mit rothbrauner Farbe. 

Ledum paltistre. Der Bitterstoff (Ericolin) geht in Benzol und Chloroform 
über. Er trübt Goldchlorid nicht, reducirt es aber in der Wärme. Tannin wirkt 
trübend. Bleisubacetat bewirkt keine Fällung, ammoniakalische Silberlösung wird 
nicht reducürt. Conc. Schwefelsäure färbt gelbbraun, Feöhde's Reagens schwarz- 
braun , Schwefelsäure mit Zucker färben roth. Mit verdünnter Schwefelsäure 
erhitzt wird Ericinolgeruch entwickelt. 

Quassia. Der Bitterstoff wird von Petroläther kaum aufgenommen. Er 
fnrkt auf Goldchlorid weder trübend noch reducirend, auch nicht auf ammoniak. 
Silberlösung. Durch Tannin wird er gefällt (selbst aus weingeistiger Lösung), 
weniger durch Bleisubacetat. Mit conc. Schwefelsäure und Feöhde's Reagens 
färbt er sich dunkelbraun. Mit conc. Schwefelsäure und Zucker entwickelt sich 
langsam eine rothe Färbung. Quassiabitter kann auch durch den Geschmack 
von anderen Bitterstoffen unterschieden werden. 

Colchicum, Colchicin geht leicht in Chloroform über und ist in Aether nicht 
Mslicb, Benzol oder Aether lösen nur etwas ColchiceYn, Chloroform löst es aber leicht. 

Colocynthis. Petroläther und Benzol lösen kaum den Bitterstoff, wohl aber 
Chloroform. Er fällt weder, noch reducirt er Goldchlorid, noch wird er durch 
Bleisabacetat gefällt, wohl aber durch Tannin. Mit conc. Schwefelsäure färbt er 
^eh roth, mit Fböhde's Reagens rothviolett (gewonnen aus der benzoligen Aus- 
schftttelnng nach der ersten Methode Dbageis'dorff's. Nach der zweiten Me- 
thode aus der Chloroformausschüttelung treten diese Färbungen nicht ein). 

Kackekkömer. Das Hkrotoxin ist krystallinisch^ geht vorzugsweise an 
Chloroform über; welches sich mit conc. Schwefelsäure gelb färbt. Es reducirt 



256 Cerevisia. Bierstein, Bierkläre. 

kaiische Knpferlösung. Seine Lösung in conc. Schwefelsäure ist goldgelb und 
wird durch eine Spur Ealiumbichromat violett, durch mehr Chromat braun. 

Aloe, Fällung mit Bleisubacetat, Beseitigung des Bleies durch Schwefel- 
säure, zuerst Ausschüttelung mit Aether, dann Ausschüttelung mit Amylalkohol, 
welcher amorphes und krystallisirendes AloKn leicht löst. Der Verdampfungs- 
rückstand kann durch Bromwasser, Tannin, Bleisubacetat etc. leicht erkannt 
werden (Metke). Thierische Kohle schlägt Alo^bitterstoffe auf sich nieder. 

Pikrinsäure ist als Hopfensurrogat nur als ein Phantasma auf dem Felde 
der Bieranalyse zu betrachten. Weil ein Chemiker (H. Rose) vor 40 Jahren 
die Möglichkeit hinstellte, dass diese Substanz als Hopfensurrogat verbraucht wer- 
den könne, so wurde auch schon das Factum erkannt. Die Anwendung der 
Pikrinsäure als Hopfensurrogat ist und bleibt wenig glaubwürdig. 

Behufe des Nachweises dampft man das Bier auf circa den 5. Theil seines 
Volumens ein und versetzt einige CC. mit einer sauren Cinchoninsulfatlösung. 
Alsbald oder im Verlaufe von 5 Minuten erfolgt eine gelbe Trübung oder ein 
solcher Niederschlag, welcher unter dem Mikroskop aus Krystallen besteht, oder 
man schüttelt das mit Schwefelsäure angesäuerte Bier mit Amylalkohol aus, dampft 
die amylalkoholische Lösung ab, löst den Rückstand in Wasser und prüft diese 
Lösung mit ammonlakalischer Lösung des Cuprisulfats (grünlicher krystalliniacher 
Niederschlag), oder nach dem Erwärmen auf circa 60^ C. mit Kaliumcyanid 
(blutrothe Färbung), auch mit saurer Cinchonin- oder Chininsalzlösung. Die Pikrin- 
säure lässt sich auch dem mit einer Spur Schwefelsäure angesäuerten Biere durch 
Wolle oder weisse Seide entziehen. 



Bierstein, (letreidesteiH , ZeilithoTd, von F. G. Ritsch erdacht und zuerst 
(1845) dargestellt (auf der Domaine Böhmisch Rudoletz in Mähren). Dieses Prä- 
parat war ein Malz- und Getreide-Extract in fester Form, welches mit der 8 bis 
12 fachen Menge Wasser gelöst ein gutschmeckendes Bier lieferte. Eine hellbraune 
Sorte Bierstein wurde zur Darstellung von Bayrischem Bier, eine schwarzbraune 
Sorte zur Darstellung von Porter dargestellt. Gawalovski fand in dem Bier- 
stein in Procenten 

Bierstein 
heller dunkler 

Wasser 12,655 11,325 

Asche 1,680 1,580 

ProteXnkörper 5,599 3,913 

Glykose 35,360 27,270 

Hopfenextract und Fett .... 0,292 0,035 

Dextrin und andere Kohlehydrate . 44,414 45,877 

Stickstoff 0,896 0,626 

Summe der Kohlehydrate . . . 80,066 73,182 

Der Bierstein soll jetzt nicht mehr dargestellt werden und nicht mehr im 
Handel vorkommen. Könnte dieses Präparat nicht für Seefahrer verwerthe 
werden können? 

BierklSrmittel, Bierkllre, kommt von verschiedener Zusammensetzung in den 
Handel. E**n Hauptbestandtheil ist Natriumbicarbonat, dieses auch neben Wein- 
säure m Lösung und in Pulverform. Eine Probe einer dunkelbraunen weichen 
Masse erwies sich eine Mischung aus Stärkezucker, Leim und Gerbsäure. (Hageb, 

Analyt.) 

Triastase, Chatelain's, ein Zusatz zum Malze oder zur Getreidefrucht^ wel- 
ches der Malzung unterworfen werden soll, ist eine Mischung aus Natrinmphos- 



Cerevisia. — Gerinm. — Chamomilla. 257 

pliat, sanrem Caiciamphosphat, Kochsalz, Stlürkezucker, Dextrin und Malzpulver. 
Mit diesem Mittel erreicht der Brauer zunächst einen höheren Phosphatgehalt 
und kann er viel Bier aus wenig Malz herstellen. 

Ausschankpressionen mit Bleiröhren sind an vielen Orten polizeilich verboten, 
weil sie zu einer Verunremigung des Bieres mit Blei Anlass geben. 

ünfirnentam Porteri. 

^ Gerevisiae Anglicae, quae Porter no- 

minatnr, q. v. 
Usque ad massam remanentem mellaginis 
spissitudinis evaporetor. 

Massae remanentis 10,0 
commisce cum 
Medullae bovinae 80,0. 



Cerinm. 

Cerlim ixalieiim. Mills schreibt (Med. Times Vol. 6 No. 212), dass dieses 
Salz beim Glühen in Ceroso-Ceroxyd verwandelt und Ijraun wird (während Lan- 
thanoxyd weiss ist)^ in Wasser, Weingeist, Aether, Chloroform, Salzsäure, 
Salpetersäure, Natronlauge, Kalilauge in der Kälte fast unlöslich ist, und dass 
er das Oxalat mit Lanthan- und Didymoxalat verunreinigt angetroffen hat. Zum 
Naehweise wird das Ceroxalat erhitzt und zersetzt, der Rückstand mit Salzsäure 
in der Wärme behandelt, das Filtrat mit Kalihydrat gefällt und in die Mischung 
Chlor geleitet, welches die Lösung des Lanthan- und Didymoxyds bewirkt. Nun 
wird der Niederschlag im Filter gesammelt, ausgewaschen, in heisser Salzsäure 
gdöet und wieder als Oxalat gefällt, getrocknet und gewogen. Der Gewichts- 
verlast ergiebt die Menge der fremden Oxalate. Man kann auch den erhitzten 
Geroxalatrückstand, das Ceroso-Ceroxyd, mit Ammoniumchloridlösung einige Stun- 
den kochen, filtriren und dann das Oxyd in Oxalat verwandeln, trocknen und 
wägen, oder man löst Lanthan- und Didymoxyd in Salpetersäure. 

Hjsnbt 6. Qreenish fand (Pharm. Joum. and Trans. 3 Ser. Vol. 7 No. 359 
Pag. 909) das Oxalat noch mit Kalk, Eisen, Magnesia und auch mit Lanthan 
and Didym verunreinigt, so dass die Menge des Lanthans die des Cers überwog. 

Im Handel hält es schwer, ein Oxalat von genügend weisser Farbe zu er- 
langen. 

Cerinm oxalicum fand Thomas Claek sehr wirksam bei chronischem Husten 
nnd MoBXfi wandte es in Folge dieser Erfahrung auch bei Keuchhusten der Kin- 
der an. Er gab einem 1jährigen ELinde täglich Imal vor dem Frühstück 0,03, 
einem 7jährigen 0,18. Der Erfolg im Krampfstadium war ausserordentlich. 
Nicht nur wurde die Anzahl der Hustenanfälle auffallend reducirt, die Intensität 
derselben auch gemindert, Nachtruhe wurde erzielt und der Krankheitsverlauf 
abgekürzt Eäne Woche hindurch muss das Mittel in Anwendung kommen. 



Chamomilla. 

?|]s6;-fl«W6n. üeber diese Benennung berichtet H. Thoms (pharm. Ztg.): 
BT englische Ausdruck ist im Norden Englands bekannt, besonders in York- 
shire, Cumberland, Westmoreland. Von einem Freunde, der längere Zeit dort 
gdebt, erfuhr ich, dass pulsey ein Corruptivum des Wortes poultice ist. Letzteres 

Hsger, PbArm. Praxis. SnppL yj 



258 Chamomilla. — Charta. Cellulose. 

bedeutet Cataplasma, erweichender Umschlag, und zur Bereitung desselben werden 
in England hauptsächlich verwandt: Eamillenblüthen (der Engländer braucht fast 
nur die doppelte oder römische Kamille: roman camomile), femer Fliederblüthen 
(elder-flowers), Minze (mint), Melisse (balm) n. m. a. Auch nimmt man zuweilen 
Mohnköpfe (ppppy-heads) zu den poultices. Fliederblüthen und Kamillen spielen 
jedoch die Hauptrolle. Unter pulsey-flowers wird man also eine Mischung von 
dergleichen Blüthen zu verstehen haben, die, wie unsere „Species ad Cataplasma" 
oder „Species emollientes^ zu erweichenden Umschlägen gebraucht werden. 



Charta. 

Cellnlos«, Pflanzenzellstoff, die Grundlage des Papiers und der meisten 
Gewebe, wird von conc. Schwefelsäure nach und nach gelöst, aus dieser 
Lösung durch Wasser in weissen Flocken ausgeschieden, welche sich mit Jod 
blau färben. Bei der mikroskopischen Untersuchung benutzt man diese Reaction 
in der Weise, dass man erst mit Jod tränkt und dann mit conc. Schwefelsäure 
macerirt — Verdünnte Mineralsäuren verwandeln die Cellulose erst in 
Hydrocellulose , dann in Glykose, conc. Salpetersäure in der Kochhitze in 
Oxalsäure. — Eine Mischung von 1 Th. conc. Salpetersäure und 2 Th. 
conc. Schwefelsäure verwandelt die Cellulose in Nitrocellulose (Trinitrocellu- 
lose, Pyroxylin). — Kupferoxydammoniaklösung löst Cellulose, welche 
Lösung durch Salzsäure oder durch Weingeist (nicht durch Aether) gefällt wird. 
Die Lösung geht nur bei ganz reiner Cellulose vor sich. 

Reagentien auf Holzstoff, Holz-Cellulose (im Papier, auch auf Jute) 
sind Anilinsalze, wie Anilinsulfat, welche die Holzfaser schwefelgelb färben. 
Naphtylaminsalze, z. B. das salzsauere, reagiren noch schärfer, die Holz- 
faser lebhaft orange färbend. Als das kräftigste Reagens auf Holz-Cellulose im 
Papier empfiehlt Wiesnee das Phloroglucin (Trioxybenzol , CeHgOs). Man 
bereitet es durch Erhitzen von Phloretin, Quercitrin, Drachenblut, Gummigutti, 
Kino und ähnlichen Substanzen mit Aetzkali. Es setzt sich dann in Form rhom- 
bischer Krystalle, die zwei Moleküle Krystallisationswasser enthalten, ab. Es ist 
in Wasser, Weingeist und Aether löslich. Die auf Holzstoff enthaltendes Papier 
getropfte Lösung färbt roth mit violettem Tone. Eine 0,01 proc. Lösung soll 
noch reagiren. 

RüD. V. Wagner lässt sich darüber in folgender Weise aus (Dinglee's 
Joum. Bd. 228): Die Probe ist eine scharfe, leicht auszuführende und in den 
meisten Fällen zutreffende; doch sind, damit in der That das Resultat der Ver- 
suche von praktischem Werth sei, einige Umstände nicht ausser Acht zu lassen. 
Der Nachweis von Holz im Papier gelingt durch Phloroglucin und Salzsäure bei 
Vorhandensein von geschliffenem Holzstoff zuverlässig, dagegen nicht bei Cellu- 
lose, nachdem dieselbe die in den Cellulosefabriken übliche Behandlung mit Natron- 
lauge, das Zertheilen der Fasern in dem Holländer und die Chlorbleiche durch- 
gemacht hat. Die rohen Späne der Coniferenhölzer geben selbstverständlich mit 
Phloroglucin und Salzsäure eine violette Färbung. 

Bei einer früher ausgefiihrten Arbeit über die Zersetzungsproducte desMac- 
lurins (der Moringerbsäure) beobachtete v. W., dass das Gelbholz (von Maclura 
tinctoria) mit concentrirter Salzsäure befeuchtet eine intensiv rothe oder violette 
Färbung annimmt. Diese Färbung hat zwar nichts Auffallendes, da die nahen 
Beziehungen des Maclurins zum Phloroglucin festgestellt sind, überraschend ist 
dagegen der Umstand, dass Fichten-, Föhren- und Tannenholz mit concentrirter 



Charta. Hydrocellulose. Cellaloid. 259 

Salzsäure befeuchtet und dann dem Sonnenlichte ausgesetzt (ohne Phloroglucin) 
eine violette Färbung annehmen. 

Die von Runge herrührende Beaction auf Phenol mit Hilfe eines Spanes 
von harzhaltigem Holze und Salzsäure ist trotz ihrer Unsicherheit vielleicht doch 
in gewissen Fällen zur Erkennung von Holzsubstanz anwendbar. Ist doch genau 
genommen die WiESNER'sche Probe im Wesentlichen eine Modification der von 
Runge herrührenden; beide gehen vom Phenol aus, nur verwendet Runge die 
gewöhnliche Carbolsäure, während Wiesneb ein dreiatomiges Phenol; das nicht 
ganz leicht zu beschaffende Phloroglucm, benutzt. 

Xylophilin wurde von v. Höhnel im Kirschholz aufgefunden, von ihm 
benannt und als Holzfaserreagens empfohlen. Es soll im Pflanzenreich sehr ver- 
breitet sein. Ambbonn fand, dass Xylophilin und Phloroglucin im Wesentlichen 
identisch sind. Höhnel's Xylophilin ist, wie es z. B. im weingeistigen Extracte 
des Kirschholzes vorliegt, ein Gemenge von viel Phloroglucin mit wenig Brenz- 
katechin. 

Harz- und Stärkemehl -Bestimmung im Papier. Hierzu wägt man nach 
C. WuBSTEB 0,5 — 1,5 g ab, trocknet und w^ägt zur Bestimmung des Feuchtig- 
keitsgehaltes. Der Papierstreifen wird dann der Länge nach in kleine, 3 — 4 mm 
breite Falten zusammengelegt und mit Weingeist, dem einige Tropfen Salzsäure 
zugesetzt wurden, gekocht. Durch das in Lösung gehende Harz wird der Wein- 
geist gelb gefärbt. Die Harzlösung wird dann abgegossen, das Papier sorg- 
Mtig mit Weingeist abgespült oder besser einigemal mit frischem Weingeist ohne 
Salzsäure ausgekocht, nun zwischen Filtrirpapier abgepresst, getrocknet und ge- 
wogen« Der Gewichtsverlust abzüglich der aufgelösten mineralischen Bestand- 
theiie ergiebt die im Papier vorhandene Harzmenge. Beim Verdünnen der Harz- 
loaung mit Wasser trübt sich diese stark. Stärkemehl kann in dem ersten wein- 
geistägen Auszuge nie nachgewiesen werden. Der harzfreie Papierstreifen wird 
nun zur Entfernung der Stärke wieder gefaltet und so lange im bedeckten Ge- 
wisse mit gleichen Volumen Weingeist und Wasser und einigen Tropfen Salz- 
säure gekocht, bis das mit Wasser gut abgespülte Papier durch Jodlösung nicht 
mehr gefärbt wird. In den meisten Fällen wird ein V2" ^^s l-stündiges Kochen 
genügen. Der Streifen wird dann herausgenommen, mit Weingeist und Wasser 
ohne Säure gut abgespült oder besser ausgekocht, getrocknet und gewogen. 
IMe Gewichtsdifferenz giebt direkt das Stärkemehl an. 

l}drteeUftlose nennt A. Gibabd eine Modification der Cellulose von der For- 
mel C12H22OH, gleichsam ein Hydrat der Cellulose, welches bei Einwirkung von 
Säure auf Cellulose entsteht und sich durch Brüchigkeit und leichte Zerreiblich- 
keit auszeichnet. Sie entsteht z. B., wenn man die mit stark verdünnter Säure 
befeuchtete Cellulose einer Temperatur von 100® C. aussetzt. Der Vorgang ist 
der UeberfÜhrung des Stärkemehls in Dextrin durch verdünnte Säuren parallel. 
Die Bildung von Hydrocellulose ist Ursache des Brüchig- und Mürbewerdens des 
Papiers und der Zeugfaser bei der Chlorbleiche in Folge unvollständigen Aus- 
waschens. Der Chlorkalk wird durch die Kohlensäure der Luft zersetzt, es bil- 
den sich Unterchlorigsäure und Salzsäure, welche die Cellulose in HydroceUulose 
umsetzen. 

CcUdlid, eine Erfindung Hatatt's, ist jene durch Compression einer Mischung 
von Nitrocellulose und Kampfer dargestellte, dem Elfenbein ähnliche Masse, welche 
unter Calcaria phosphorica bereits Erwähnung gefunden hat. 

Ckartaresintsa, diektpapier, Telaresinata, Gichtskirting. Die fleissigen 
Arbeiten Eüqes Dcbtbbich's (ehem. Fabrik Helfenberg bei Dresden) haben in 

17 ♦ 



260 Charta. Piltrirpapier. 

Betreff der Darstellung einer Charta resinosa, welche ohne Zwischenlage aufge- 
rollt werden kann und allen sonstigen Anforderungen entspricht, erfreuliche Re- 
sultate erzielt. Dietebich liefert eine 18 — 19 cm breite Charta resinosa aus 
Schreibpapier (10 m 1,25 Mk), aus Seidenpapier (10 m 1 Mk) und eine Tela 
resinata aus Shirting (5 m 2 Mk). Letzteres Fabrikat empfiehlt sich als ein 
vortreffliches Antirheumaticum. Es lässt sich an die Körpertheile bequem und 
glatt anlegen. 

Ebnrii, eine Nachahmung des Elfenbems aus Cellulose, Holzmehl und Eiweiss. 

Filtrirpapier. Das sogo^annte Schwedische von Munktell fand Uelb- 
MANN stark Phosphate enthaltend, und erlangte er aus einem Filter von 8 Ctm. 
Durchmesser 0,006 g Molybdänatniederschlag. Das Papier lieferte durchschnitt- 
lich 0,42 Proc. Asche und 0,001 Proc. Phosphorsäure. Der Gehalt an hygro- 
skopischer Feuchtigkeit betrug 9,22 Proc.. 

Die Asche dieses Filtrirpapiers enthielt Proc. 31,8 Kieselsäure, 21,4 Kalk- 
erde, 11,3 Magnesia, 14,4 Thonerde, 9,3 Eisenoxyd, 7,6 Manganoxyduloxyd, 

2.2 Alkali, 1,7 Schwefelsäure, 0,24 Phosphorsäure, Spuren Chlor, Spuren Kupfer- 
oxyd. Die Aschentheile waren nicht gleichmässig durch die Papiermasse ver- 
theilt und wurden 0,38 bis 0,461 Proc. Asche gesammelt. Filtrirpapier aus 
anderen Bezugsquellen ergaben 0,312, 0,45, 0,543 und 0,597 Proc. Asche. 
Durch stark verdünnte Säuren konnten die vorstehend angegebenen basischen 
und sauren Stoffe ausgezogen werden. 

Auf diese Verhältnisse des Papiers ist bei Analysen Rücksicht zu nehmen. 

Gawalovski hat Schwedisches und Deutsches Filtrirpapier untersucht und 
fand er ersteres die geringste Menge Asche enthaltend. Somit verdient das 
MüNKTELL'sche Papier (mit 0,2 Proc. Asche) den Vorzug. Diesem am nächsten 
kam das Schwedische Filtrirpapier von Blaha & Kappus in Prag, dann das 
von EiCHMAKN in Prag (0,3 Proc). Gewöhnliches Filterpapier enthielt 1,0 und 

3.3 Proc. Asche. 

Je weniger die Leinenfaser des Papiers zertheilt ist, um so leichter ist die 
Filtration. In dem Englischen Filtrirpapier fand Gbeenish einige Baumwollen- 
fasern, auch Trümmer der Jute-(Dschute-) und Espartofasem. 

Aschefreies Filtrirpapier lässt sich dadurch herstellen, dass man das Papier 
mit verdünnter Salzsäure extrahirt. Um sicher alle Aschenbestandtheile zu ent- 
fernen, soll man nach Townsend Aüsten das Papier mit einer Mischung aus 
30 GC. conc. Salzsäure, 15 CO. käuflicher Fluorwasserstoffsäure und 500 CO. 
Wasser behandeln.' 

Papier, feuerfestes. Ein solches soll dargestellt werden durch Verarbeiten 
einer Mischung aus 20 Th. vegetabilischer Faser, 40 Th. Asbest, 2 Th. Borax 
und 1 Th. Alaun mit der nöthigen Menge Wasser. Eine feuerfeste Tinte für 
solches Papier besteht aus mit Graphit vermischter schwarzer Tinte. 

ParafGnpapier erweist sich als ein vorzüglicher Ersatz des Stanniols für Ver- 
packung von Nabrungs- und Genussmittehi. Bezugsquelle: ehem. Fabrik zu 
Helfenberg bei Dresden. 

Barometerpapier nach Bebd^o und Gbotthüs. Dieses wird mit Cobalto- 
rhodanid (Cobaltrhodanür) getränkt. Dieses Salz wird dadurch hergestellt, dass 
man eine wässerige Lösung von schwefelsaurem Kobalt so lange mit einer al- 
koholischen Lösung von Rhodankalium versetzt, als sich schwefelsaures Kalium ab- 
scheidet. Nach dem Filtriren und Auswaschen mit Alkohol kann man die (etwas 
eingedampfte) Lösung zum Tränken des Papiers benutzen. Das krystallisirte 
Salz erhält man durch Abdampfen der Lösung im Vacuum in Form schöner 
dunkel blauvioletter Säulen. 

Andere Tinten dieser Art werden nach folgenden Vorschriften znsanmien- 



Charta. Rcagenspapier. 261 

gesetzt: — 1) 1 Th. Cobaltchromat, 2 Th. Natrinmchlorid gelöst in 40 TL 
Wasser und 2 Th. Salpetersäure. Farbe gelblich -grün. — 2) 1 Th. Kalium- 
bromid, 1 Th. Kupfersulfat gelöst in 20 Th. Wasser. Farbe braun. — 3) 1 Th. 
Natriumchlorid; 1 Th. Kupferchlorid in 20 Th. Wasser gelöst Farbe gelb. 

Papier1iygr#ineter. Nach einer Mittheilung im Pharm. Journ. and Transaet. 
1879, S. 700 besteht dieses Hygrometer aus Fliesspapier, welches mit einer 
Losung von Kobaltochlorid (CoCla), Natriumchlorid, Gummiarabicum, Glycerin 
oder Calciumchlorid in Wasser getränkt und dann getrocknet ist. Es zeigt feucht 
eine blassrothe, beim Trocknen blaurothe und trocken eine blaue Farbe. Je nach 
dem Feuchtigkeitsgehalte der Luft zeigt es' eine mehr oder weniger rothe Fär- 
bung. In Gegenden mit sehr trockner Atmosphäre ist der Lösung etwas Glycerin 
oder Calciumchlorid zuzusetzen. Das Maass der Luftfeuchtigkeit wird durch fol- 
gende Farben angegeben: — Rosenroth: Regen — Blassroth: Sehr feucht — 
BlauToth: Feucht — Lavendelblau : Fast trocken — Violett: Trocken — Blau: 
Sehr trocken. — 

Jene Lösung wäre zusammenzusetzen aus Kobaltchlorid 10,0; Natrinm- 
chlorid 5,0; Gummi Arabicum 2,5; Calciumchlorid 1,0 — 2,0; Wasser 30,0. — 
Glycerin scheint deshalb nicht passend, als es an der Luft bald abdunstet, und 
dürfte es durch das fixe Calciumchlorid besser ersetzt werden. 

Pei^mentpapier. Zum Kleben von Pergamentpapier, behufs Darstellung 
von Dialysatoren dient eine 15proc. Gelatine- oder Leimlösung, welcher man 
circa 4 Proc. Ealiumchromat in wässriger Lösung zugesetzt hat. Das aneinander- 
geklebte Papier ist dann dem Lichte auszusetzen, um den Leim unlöslich zu 
machen. 

*{• Battan-, ISusepapier, giftfreies und giftiges, eine lockere brüchige, 
dicke Pappe, dargestellt aus dem Pulver der Meerzwiebel (oder Arsenik), Kar- 
toffelmehl, Papierbrei (Pappbrei). Kleine Streifen werden nach dem Bestreichen 
mit Bratenfett in die Löcher der Mäuse und Ratten eingeschoben. Meerzwiebel 
wirkt bei den Ratten nicht tödtend. Für diesen Fall wäre Arsenik hinzuzusetzen. 
Da die Meerzwiebel sehr hygroskopisch ist, so dürfte die damit hergestellte Pappe 
schwer zu conserviren sein. 

leagenspapier, Eüg. Dietbrigh's, ehem. Fabrik zu Helfenberg bei Dresden, 
ist ein für die Praxis sehr bequemes Fabrikat Auf einem Bogen weissen Papiers 
smd die Farben des Lackmuspigments, die rothe und blaue, abwechselnd in circa 
0,5 Gentimeter breiten, aneinander liegenden Streifen saube% aufgetragen. Zum 
Gebranch kann man sich ein Stück des blauen oder rothen Streifens oder auch 
noch bequemer ein Stück mit blauem und rothem Streifen abschneiden und mit 
letzterem durch eine Manipulation auf Säure und Alkali gleichzeitig prüfen. 

Keispapier, Chinesisches, besteht aus dem Marke der in Ghina einheimi- 
schen AraUa papyrifera Hookeb. Dieses Mark hat einige Aehnlichkeit mit 
d»n HoUundermarke und besteht aus homogenem Parenchymgewebe. Es wird 
zu dünnen Blättern zerschnitten, gepresst, geglättet etc. und kommt als Reispapier 
io den Handel. 

Sickerheitspapier ist ein mit grünem Ultramarin gefärbtes Papier. Wird mit- 
telst stark verdünnter Salzsäure oder Alaunlösung darauf geschrieben, so treten 
die Schriftzüge rein weiss hervor, und ist ein Radiren, Fälschen etc. nicht unbe- 
merkt möglich. 

Yittaiisirtes Papier, mlkanisirte Faser ist ein Pergamentpapier, aber nicht 
mit Schwefelsäure ; sondern mit Zinkchlorid gedichtet. Durch eine nur lau- 
warme neutrale sympdicke Zinkchloridlösung wird ungeleimtes Papier nach Um- 



262 Chai-ta. 

ständen langsamer oder schneller gezogen, so dass es davon völlig dnrchdmngen 
ist, und dann mit Wasser vollständig ausgewaschen, gepresst, getrocknet und ge- 
glättet. Dieses Papier besitzt grosse Festigkeit, Biegsamkeit und Geschmeidig- 
keit, so dass es selbst dünnes Leder und vulkanisirten Kautschuk vertreten kann. 

Yoskintpapier ist ein Fackpapier von grösserer Zälugkeit als das gewöhnliche 
Strohpapier. Bezugsquelle: Chem. Fabrik zu Helfenberg bei Dresden. 

Wasserdicktmaclien des Papiers und der Papp- und Papierschachteln. 
Dieses erreicht map durch Auspinseln der GefUsse aus Pappe mit geschmolzenem 
Paraffin oder durch Bestreichen oder Tränken des Papiers mit einer 10 proc. Leim- 
lösung, welche unmittelbar vor der Anwendung mit 3 Proc. Kaliumdichromat in 
Lösung versetzt ist. Dieser letztere Anstrich muss den Sonnenstrahlen ausgesetzt 
werden, um ihn in Wasser unlöslich zu machen. 

Die Chinesen sollen zum Wasserdichtmachen der Gewebe, des Papiers, der 
Pappe etc. eine Mischung aus 6 Th. defibrinirtem Blut, 10 Th. Kalkhydrat und 
1 Th. Alaun verwenden. 

Das Leimen des Papiers, besonders der geringeren Sorten, geschieht jetzt 

meist mit Resinaten des Natrons und der Thonerde. Letzteres Resinat wird 

durch Einwirkung von Alaun auf Natronresinat erzeugt und kommt die anti- 
capillarische Wirkung dem Thonerderesinate vorzugsweise zu. 

Das Fortglimmen des Papiers zu verhindern, dient eine Lösung des Am- 
moniumphosphats, womit das Papier getränkt wird. 

Cellnlose-Terdiclitnngsringe , sind aus Holzcellulose fabricirte Ringe zum Legen 
zwischen Dampfkesseltheile, zwischen Helm und Destillirblase, zwischen Dunst- 
sammler und Kessel, brauchbar zur Flantschen-Dichtung. Mit Oel getränkt sind 
sie von ausserordentlicher Dauerhaftigkeit. Bezugsquelle: Actiengesellschaft für 
Maschinenpapier-Fabrikation in Aschaffenburg. 

(Ilanzpapiere mit arsenhaltigen Farben sind vorgekommen. Dieselben 
sollten möglichst vermieden werden. Da man (in Amerika) der Stärke ArBenik 
beimischt, um den gestärkten Gegenständen mehr Glanz zu geben, so liegt es 
nahe, dass man diese Zumischung auch für die Darstellung von Glanzpapier 
nicht scheut. Wood, Amerikanischer Polizei-Chemiker, fand in grünen, rothen, 
blauen und braunen Glanzpapieren Arsen. Solche Papiere werden zum Ein- 
wickeln von Bonbons und ähnlicher Genussmittel benutzt. Wer dies thut, wäre 
wohl nicht strafbar, aber der Glanzpapierfabrikant wäre verantwortlich zu machen. 

SSgespSne. Ueber die Verwendung und Ausnutzung dieses Abfalles finden 
sich in pharm. Centralhalle 1878, S. 93 nähere Angaben. 

Zusatz zur Pag. 818, Bd. I, des Handbuches: 

V. Charta haematoxylinata Simplex. ^- ^«^f « reBgentes, 

Einfaches Blauholzpapier. ^^.^^^ FiSSS^wM mit der Lö- 
10 Th. kleingeraspeltes Blanholz werden sung des Beagens getränkt und dann in 
mit 200 Th. Wasser tibergossen, welches lauer Wärme getrocknet. Diese Papiere 
von Kohlensäure und von Ammon total ersetzen die flüssigen Bcagentien. Solche 
frei sein muss. Nach 36 stündiger Mace- im Handb. d. ph. Pr. noch nicht erwähnten 
ration im dicht geschlossenen Grefäss, wird Beactivpapiere sind z. B. l)Bieizucker- 
filtrirt, Fliesspapier mit dem Filtrate ge- papier (HjS, Sulfide), 2) Kalium ferro- 
tränkt und dann getrocknet. Das Papier cyanidpapier (Eisen-, Kupfer - Salze), 
erscheint nach dem Trocknen kaum ge- 3) Kaliumrhodanidpapier (Ferri-* 
färbt. Es wird dm*ch Alkali gebläut, Cupri-Salze), 4) Amylumkaliurnjodid- 
durch Säuren geröthet, iedoch ist es we- papier (Chlor, Hypochlorit), 5) Tann in- 
niger empfindlich als Lackmuspapier und papier (Eisensalze, Ammon, Aetzkali 
nur anwendbar bei den Alkahen und alkalische Erden), 6)Brucinpapier, mit 
Mineralsäuren. BrucinBulfatgetränkt(Salpetersäure, Chlor). 



Charta. — China. 263 

Fhoenixessenz des Marcus Pereleb, ein Mittel, Gewebe, Papier etc. schwer 
verbrennlich zu machen. Eine Lösang von 15 Th. wolframsaurem Natron, 10 Th. 
flüssigem, kieselsanrem Natron und 3 Th. phosphorsaorem Natron neben Gummi arabi- 
cum m 35 Th. Wasser. (Hager, Analyt) 



China. 

C#rtex Chinae Calisayae. Unter den anf Java cnltivirten Cinchonen liefert 
Cinchona Calisaya Ledgeriana die grösste Menge Chinin und zwar bis zu 
13 Proc. Die Bezeichnung Ledgeriana geschieht zu Ehren des Reisenden und 
Forschers (7. Ledger^ welcher die Samen dieser Cinchona 1865 aus Peru nach 
Europa brachte. J. E. Howard analysirte eine und dieselbe Rinde des Stammes 
einer Cinchona Ledgeriana und erhielt folgende Resultate: 

Im Sonnenschein getrocknet Künstlich getrocknet 

Chinin 11,66 Proc. Chinin 11,68 Proc. 

Cinchonin .... 0,32 „ Cinchonin .... 0,31 „ 
Amorphes Alkalold* . 0,45 „ Amorphes AlkaloKd . 0,51 „ 

Summa 12,43 Proc. Summa 12,50 Proc. 

Der Chiningehalt geht hiernach wie der Totalgehalt in der Sonne zurück. 
Damit wird uns ebenfalls eine Mahnung, die Chinarinde und die Präparate daraus 
vor Sonnenlicht zu bewahren. 

Dass durch lange Lagerung der Alkaloldgehalt bedeutend zurückgeht, welche 
Erfahrung schon vor 50 Jahren gemacht wurde, lässt sich auch aus Analysen 
StOEDER's entnehmen. Derselbe fand in einer flachen Kalisaya (Monopolwaare) 
aus den Jahren 1845 — 1855 gegen 3,8 Proc. Alkalotd, und in derselben Rinde 
aus dem Jahre 1874 — 1875 gegen 5 Proc. Ein Königs-Chinarindenpulver im 
Jahre 1870 beschafft, ergab damals 3,92 Proc. AlkaloYdgehalt, im Jahre 1880 
nur 3,47 Proc. Das Aufbewahrunga-Oefäss bestand aus Pappe (Haoeb). 

Die Ostindischen, besonders die Javanischen Rinden sind im Allgemeinen 
alkaloldreicher als die Amerikanischen. In therapeutischer Beziehung erscheinen 
die Rinden der Cinchona st^ccirubra vor der ofificinellen braunen Rinde, Cortex 
Chinae fdscus, den Vorzug zu verdienen. Diese vortreffliche Rinde kommt im 
Handel vor als Sorte I: Succirubra- Stammrinde nut 6 — 8,7 Proc. AlkaloYd- 
gehalt und speciell mit 0,7 — 1,4 Proc. Chinin; 3,2 — 4,4 Proc. Cinchonidin und 
1,8—2,5 Proc. Cinchonin. — Sorte H: Stammrinde mit 6 — 7 Proc. Alkalold — 
und Sorte III: Bruch mit 6—6,6 Proc. AlkaloYd. -- Succirubra-Wurzel- 
rinde wies 8 — 9,5 Proc. AlkaloKd auf. 

Weniger Werth scheint die Javanische Kalisaya zu haben, denn der 
Alkaloldgehalt variirte zwischen 1,0—3,5 Proc. und 0,2—0,4 Proc. Chinin. Die 
Wurzelrinde der Calisaya Javanica ergab 5,0 — 5,6 Proc. Alkaloid und 1,1 — 
1,5 Proc Chinin. 

Calisaya Ledgeriana, Stammrinde. Die Handelswaare enthält gewöhn- 
lich 8 — 9 Proc. Alkalold, inclusive 5—7 Proc. Chinin. 

Howasd fand die Rinde der Cinchonenwurzeb stets alkaloüdreicher als die 
des Stammes. Bei der China succirubra fand er stets die rechtsdrehenden kry- 
stallinischen AlkaloKde (Conchinin und Cinchonin) überwiegend und die AlkaloYd- 
Bumme in den Rinden der Zweige zu 3,3 Proc, in denen des Stammes zu 5,5 Proc, 
in denen der Wurzel zu 7,6 Proc, in den Wurzelfasem zu 2 Proc. In der Wurzelrinde 
der Kdnigscbina fand er 6— 8 Proc, in welchen sich die AlkaioXde nach Pro- 



264 China. Ghina-AlkaloYde. 

centen vertheilten: CMnin circa 50; Chinidin oder Conchinin 9, Cinchomdin 9, 
Cinchonin 16. 

Der Feuchtigkeitsgehalt lofttrockner Chinarinden beträgt durchschnitt- 
lich 12,5 Proc. 

Cortex Chinae niber, der Cinchona sticcirubra entnommen, kommt in dicken 
Rindenstücken in den Handel. Die Stücke sind mit milchweissem querrissigem 
längsmnzligem Feriderm und mnden dicken Korkwarzen bedeckt. Die Mittel- 
rinde ist rothbraun, matt, mit Längsmnzeln und Querrissen. Die Innenfl&che 
ist röthlichbraun, im Bruch fein- und ziemlich langfaserig. Ueber ihren Alkalold- 
gehalt vergleiche das Vorhergehende. 

Cnseo-China. Diese Rinde ist identisch mit derjenigen, welche bereits vor 
etwa 50 Jahren Levebköhn untersucht und als falsche Ealisayarinde bezeiclinet 
hat. Sie bildet meist nach einwärts gebogene Stücke, ist auf dem Bruche auch 
rauher und kurzfaseriger als die echte Ealisaya und giebt die GBAHE'sche Re- 
action nicht. 0. Hesse fand in dieser Rinde Aricin neben Cusconin an und 
zwar 0,62 Proc. Aricin und 0,93 Cusconin. Letzterem giebt Hesse die Formel 
C23H26N2O4, krystallisirt die Fonhel C23H26N2O4 -|- 2H2O. 

Eine der Cuscorinde sehr ähnliche ist die Cinchona Pelletierana ^ in wel- 
cher Hesse neben Aricin und Cusconidin noch Cuscamin und Cuscamidin 
auffand. 

Die Alkalolde sind, wie De Vbu nachgewiesen hat, in der China- 
rinde als Tannate enthalten neben freier Chinasäure, welche Ursache ist, 
dass kaltes Wasser circa ^7 ^^^ Alkalolde aus der Rinde aufhinunt (welche Al- 
kalolde ausgefällt und in Weingeist gelöst mittelst Folaristrobometejs eine Rechts- 
drehung von [a] D = + 14<> 18' bewirkten). Die übrigen 4/7 der AlkaloYde 
la3sen sich leicht mit Salzsäure enthaltendem Wasser extrahiren. Diese Alkaloide 
zeigen eine Linksdrehung des polarisirten Lichtstrahles von [a] D = — 36^ 2'. 
(Sämmtlich 7 Proc. Alkaloüd in weingeistiger Lösung zeigten eine Molecularrotation 
von [a] D = — 11» 1'.) 

Diese sehr wichtige Beobachtung in Betreff der Extraction der Alkaloide 
mit Wasser oder wässrigen Flüssigkeiten fordert zum Nachdenken auf, wenn man 
Vorschriften für Chinapräparate verfasst. Sie sei der Beachtung aller derjenigen 
empfohlen, welche Pharmakopoen bearbeiten. (Ausführliches: Archiv der Pharm. 
1880, Januarheft S. 34.) 

De Vau (spr. vrei) fand, dass 320 g Chinaalkalold 2 Liter Normal-Salzsäure 
(36,5 g Chlorwasserstoff im Liter) erfordern oder 3,2 Alkalold 20 CC. Normal-Salz- 
säure. Dem entsprechend sind die Vorschriften jRir Chinapräparate einzurichten 
(vergl. Extr. Chinae liquidum De Ybij). 

Aufbewahrung. Dass die Chinarinden durch langes Lagern Einbusse an 
ihrem Alkaloidgehalt erleiden, ist längst bekannt, dass aber auch das Sonnenlicht 
einen schädlichen Einfluss auf die Chinarinden ausübt, ist erst in neuerer Zeit er- 
kannt worden. Es lässt sich dieser Einfluss auch aus den Versuchen Flückioeb's 
entnehmen, welcher Chininsolutipnen dem Sonnenlichte aussetzte und die Umwand- 
lung dieses Alkaloids in das braune Chiniretin beobachtete. Jedenfalls ist es 
gut die Chinarinden vor dem Sonnenlicht zu bewahren, und diese Vorsicht auch 
auf die Präparate aus der China auszudehnen. 

China-AlkaloTde und deren Derivate sind (nach 0. Hesse, dem hervorragend- 
sten Chinologen unserer Zeit): 1. Chinin, 2. Conchinin, das (Chinidin der Pharma- 
ceuten und Aerzte, 3. Chinicin, 4. Diconchinin, 5. Cinchonidin, 6. Cinchonin, 
7. Cinchonicin, 8. Dicinchonin, 9. Homocinchonidin, 10. Homocinchonin, 11. Homo- 
cinchonicin, 12. Dihomocinchonin, 13. Chinamin, 14. Conchinamin, 15. China- 



GhiiUL ChiDü'AlkaloMe. 265 

m&sky 16. Apoehinaminy 17. Chinamicin, i8. Protochinamicm, 19. Parioiii; 
20. Paytin, 21. Paytamin, 22. Cusconin, 23. Aricin, 24. Casconidm, 25. Cos- 
eamm, 26. Gascamidiny 27. Javanin. Näheres darüber: Zeitschrift d. Oesterr. 
Äpothekervereins 1878, S. 425, 443. 

Knen tberapeutaschen Werth erlangten von diesen AlkaloYden nur Chinin, 
Conchinin (Chinidin), Cinchonidin und Cinchonin. 

Aricin bildet (nach Hesse) weisse Prismen, schmilzt bei 188^, reagirt nnr 
schwach alkalisch, schmeckt sehr schwach adstringirend, nicht bitter, löst sich 
sehr leicht in Cbloroform, ziemlich leicht in Aether, wenig in Weingeist; 1 Th. 
erfordert 20 Th. Aether und 235 Th. 80procentigen Weingeist znr Lösnng. 
Es verhält sich gegen Salpetersäure und Schwefelsäure wie das Cusconin und wird 
durch Ammon, Natron, Schwefelcyankalium, Ealiumbijodid , rothes und gelbes 
BluÜaugensalz, Platinchlorid, Goldchlorid, Ealiumquecksilberjodid, Phosphorwolfram- 
säure, also wie Cusconin, dann aber noch durch Kaliumjodid und Gerbsäure ge- 
0Lllt. Im krystallisirten Zustande hat es die Formel Ca3H2eN204, also genau 
dieselbe wie das wasserfreie Cusconin. Erystallwasser enthält es nicht. 

Das Aricinacetat unterscheidet sich von allen anderen bis jetzt bekannten 
Alkaloldacetaten. Setzt man nämlich zur Auflösung des salzsauren Salzes Essig- 
säure, so fällt das Acetat in kleinen, weissen Körnern nieder, welche sich sehr 
schwer in kaltem, leichter in kochendem Wasser lösen und daraus wieder beim 
Erkalten krystallisiren. 

Das Aricinoxalat krystallisirt in RhomboSdern und ist kaum in kochendem 
Wasser löslich. 

Cusconin bildet (nach Hesse) matt glänzende, weisse Blättchen oder kurze 
Prismen, schmilzt bei 110^, wird in höherer Temperatur zersetzt, reagirt in 
geistiger Lösung sehr schwach alkalisch, ist löslich in 35 Th. Aether, leichter in 
Weingeist und Aceton, sehr leicht in Chloroform, wenig in Benzin und Petrol- 
äther, wird wie das Aricin durch concentrirte Salpetersäure erst dunkelgrün und 
lost sieh dann darin mit grünlichgelber Farbe, in concentrirter Schwefelsäure 
ebenfalls mit grünlichgelber Farbe, die beim Erwärmen in Dunkelbraun über- 
geht. In salzsaurer Lösung wird es durch Ammon, Natron, Schwefelcyankalium, 
Kaliumbijodid, rothes und gelbes Blutlaugensalz, Platinchlorid, Goldchlorid, Ka-« 
liumqueckffllberjodid, Phosphorwolframsäure gefüllt und ist nach der Formel 

C23H26NJO4 -I- 2H2O 
zusammengesetzt. Seine in Wasser löslichen Salze reagiren im stöchiometrisch 
neutralen Zustande sauer, schmecken anfangs kratzend, dann schwach bitter, das 
neutrale Sulfat zuletzt kühlend, brennend, etwa wie geringes Pfeflerminzöl. Es 
ist linksdrehend. 

Cuscamin wurde von 0. Hesse in einer Cascorinde, welche auch Aricin und 
Gusconidin enthielt, entdeckt. Es krystallisirt in farblosen platten, an den Enden 
scluef abgestumpften Prismen, leicht löslich in Aether, Chloroform und heissem 
Wdngeist. Es ist von schwach beissendem Geschmack, in Verbindung mit Säure 
anfangs schwach zusammenziehend, hintennach schwach bitter. 

Guscamidin von 0. Hesse in derselben Cuscorinde aufgefrinden, scheint 
ein ümwandelungsproduct des Cuscamins zu sein. 

Ja van in, ein neues von Hesse in einer Kalisaya- Varietät, der Chma Ja- 
vauica, aufgefundenes AlkaloYd. Es krystallisirt aus Wasser in rhombischen 
PUttchen und ist in Aether löslich. 

Ein flüssiges Alkalold von penetrantem Geruch wurde von Hesse in 
doer jungen Kalisaya-Rinde aus Bolivia angetroffen. 

Chinasäure krystalüsürt nach 0. Hesse stets wasserfrei (C7H12O6). Mit 
Natronlauge behandelt liefert sie Protocatechusäure. 



266 China. AlkaloYd- Bestimmung. 

Die Extraction und Bestimmung der Alkalolde der Chinarinde 
(Handb. I; S. 830 u. folg.) vollzieht sich im Allgemeinen sicher und auf kürze- 
stem Wege, wenn man die Rinde in Form eines gröblichen Pulvers mit der 
Hälfte ihres Gewichtes Kalkhydrat und mit Wasser zu einem weichen Brei an- 
rühi*t, dann nach dreistündigem Stehen bei gelinder Wärme (im Wasserbade) 
vollständig austrocknet. Das zu Pulver wohl zerriebene Gemisch wird in ein 
Deplacirgefäss eingeschichtet und (bei Chinin enthaltenden Rinden zuerst mit 
Aetherweingeist) mit erwärmtem absolutem Weingeist erschöpft und der Rest des 
Weingeistes mittelst Wassers verdrängt. Aus einem tarirten Glaskolben destillirt 
man in der Wärme des Wasserbades den Weingeist ab. Der Rückstand enthält 
die Alkalose. Diese werden nun in einer verdünnten Säure gelöst, filtrirt und 
weiterhin untersucht. Aus der Lösung fällt man z. B. die Alkalolde mit Aetz- 
natron, wäscht sie mit wenigem ammoniakalischem Wasser aus, trocknet und be- 
handelt mit Aether, welcher Chinin löst oder man versetzt die nothwendig wein- 
saure, nicht zu Goncentrirte Lösung mit Natriumbicarbonat und unterwirft die 
Flüssigkeit alsbald der Filtration. Hier bleibt Chinin in Lösung und die anderen 
Alkalose werden gefällt. Bei längerem Stehen vor der Filtration beginnt auch 
Chinin sich auszuscheiden. 

In Chemical News war folgende Anweisung zu der Analyse der China- 
rinden angegeben. 50 g der feingepulverten Chinarinde werden zweimal mit 
250 CC. Wasser, mit 2 CC. Schwefelsäure versetzt, extrahirt, dann zuletzt mit 
125 CC. Wasser ausgekocht. Die gemischten Filtrate werden bis auf einen 
Rückstand von 125 CC. eingeengt, nach dem Erkalten mit Ealkhydrat bis zum 
üeberschuss versetzt, nach einigen Stunden der Bodensatz gesammelt, ausgewaschen, 
im Wasserdampfbade getrocknet, zerrieben und mit absolutem Weingeist unter 
Digestion bei 60 — 70® C. extrahirt. Die weingeistigen Auszüge werden durch 
Abdampfen oder Destillation (aus tarirtem Kolben) im Wasserbade zur Trockne 
gebracht, mit Schwefelsäure enthaltendem Wasser gelöst, filtrirt, mit Natrium- 
carbonat im üeberschuss versetzt und mit Chloroform ausgeschüttelt, welches 
Chinin, Chinidin und Cinchonin löst. Die chloroformige Lösung wird abgedampft 
und der Rückstand gewogen. Dieser Rückstand, mit Aether behandelt, giebt an 
diesen das Chinin (krystallinisches und amorphes) ab. 

Der vom Aether nicht gelöste Theil wird in verdünnter Essigsäure gelöst, 
dann mittelst concentrirter Kaliumjodidlösung das Chinidin ausgefällt und der Nie- 
derschlag bei sehr gelinder Wärme getrocknet (100 Th. Chinidinhydrojodat ent- 
sprechen 63,64 wasserfreiem Chinidin). 

Das vom Chinidinhydrojodat gesonderte Filtrat wird mittelst Ammons oder 
Natriumcarbonats gefällt, dann das auf diese Weise abgeschiedene Cinchonin mit 
ammoniakalischem Wasser gewaschen und zuerst im Wasserbade, endlich im Oel- 
bade (120® C.) getrocknet. 

Die Wägung der Alkalolde in den Chinapräparaten geschieht ein- 
fach in der Weise, dass man diese in etwas Wasser löst oder durch Abdampfen 
concentrirt, mit Kalkhydrat und thierischer Kohle mischt, austrocknet, zu Pulver 
zerreibt, mit Weingeist extrahirt, den Weingeist verdampft, den Rückstand mit 
salzsaurem Wasser aufnimmt und mit Aetznatron ausfällt etc. 

Die GRAHE'sche Chinaprobe beruht darauf, dass alle China-Rinden, welche 
Chinin, Cinchonidin oder deren Isomere enthalten, beim Erhitzen im Probirrohr 
karminrothe Dämpfe entwickeln. Dagegen liefern die Rinden, welche nicht Chi- 
nin, Cinchonidin oder deren Isomere enthalten, nur braungefärbte Dämpfe und 
schliesslich einen braunen Theer. 



• China. Extract Ghinae. 267 

Bxtnetoi ChiiM frigide fantu iBt in seinem Alkalotdgehalt sehr vanirend, 
doch kann es, ans gehaltreichen Rinden dargestellt, 3 — 5 Proc. enthalten. De 
Ym/s Beobachtungen ; nach welchen Wasser ^/^ des Alkaloids löst, sind hier 
nicht zntreffend, weil nach der Vorschrift der Ph. Germanica nur kaltes und zu 
wenig Wasser zur Darstellung angewendet wird. 

Extractim Chinae liqnidnm wird aus der Kalisayarinde wie Extr. Chinae 
rubrae liquidum bereitet. 

Bxtractnm Chinae rilrae lifnidiiin (Extraetam Cinchtnae nceirabrae De 

Ybu). 100,0 Cortex Chinae rubrae, Cortex Cinchonae succirubrae, wer- 
den in ein grobes Pulver verwandelt mit 10,0 Salzsäure (1,124 spec. Oew.) 
und 1000,0 kaltem Wasser Übergossen, nach Zusatz von 20,0 Glycerin 
3 Tage macerirt, * dann ausgepresst und der Rückstand nochmals mit 100,0 
Wasser vermischt und ausgepresst. Die filtrirte Colatur wird bis auf 500,0 ein- 
gedampft, zwei Tage bei Seite gestellt, decanthirt, dann bis auf 85,0 Rückstand 
eingedampft, mit 15,0 Weingeist vermischt und an einem schattigen Orte auf- 
bewahrt 100 Th. enthalten die wirksamen Bestandtheile aus 100 Th. der Rinde. 
Nach De Vbu erfordern 3,2 g Chinaalkaloid 20 CC. Normal-Salzsäure (in 
1000 CC. 36,5 g Chlorwasserstoff enthaltend). Enthält die Rinde 6,4 Proc. Al- 
kalold, so müssten hiemach fast 6 g der 25 procentigen Salzsäure zur Verwen- 
dung kommen. Soll das Extract nach De Yri/s Anweisung hergestellt werden, 
so ist auch die obige Vorschrift entsprechend abzuändern, und der Alkalotd- 
gehalt zuvor zu bestimmen. Dieses letztere zu umgehen, sind 10,0 der Salz- 
säure vorgeschrieben, denn der etwaige Ueberschuss der Säure geht beim Ab- 
dampfen grösstentheils verloren, andererseits muss auf die Aschentheile der Rinde 
Rücksicht genommen werden, welche durchschnittlich 2,6 Proc. betragen, wovon 
mindestens '1,5 Proc. Ealkerde und Kali der Salzsäure zugänglich bleiben. Die 
ABche Ton 100 g Chinarinde würde somit 4,5 g 25 procentiger Salzsäure allein 
beanspruchen. Enthält die Rinde 6,4 Proc. AlkaloKd, so ist bei Verwendung 
von 10 g der Säure kein Ueberschuss derselben disponibel, die Säure wird voll- 
ständig gebunden. 

Extraetam Chinae regiae lifaidim Pharmacipieae Britieae, Kx- 
tnetu (Sicktnae flaiae liquidam, Liqaid Extraet ef Yellew Cinekena. 1000,0 g 

grobgepulverte Königs-China werden mit 800 CC. destill. Wasser 
durchfeuchtet und nach vierundzwanzig Stunden in einen Yerdrängungsapparat 
gegeben mit so vielem Wasser erschöpft, bis die Colatur 15000 CC. beträgt oder 
bis das Wasser farblos abtropft. Die Colatur wird nun bei einer Wärme, welche 
nicht über 70^ C. hinausgeht, bis auf 1250 CC. abgedampft und durch ein 
Filter gegossen. Das Filtrat wird nun weiter abgedampft, bis der Rückstand 
190 CG. beträgt oder ein spec. Gew. von 1,200 aufweist. Diesem Rückstande 
werden dann allmählich und unter Umrühren 62,5 CC. oder so viel Weingeist 
zugesetzt, dass das spec. Gew. der Flüssigkeit = 1,100 ist. 

Ein Theil dieses Extracts entspricht ungefähr 5 Th. Chinarinde, im Alkalotd- 
gehalt aber nur 3 Th. Rinde. 

STTipis CUjiae. Im Anhange der Preuss. Arzneitaxe 1878 befand sich eine 
Yorsduift, welche auf Gedankenlosigkeit basirt, denn es ist wohl eine bekannte 
Sache, dass Rothweine keine Auszugsmittel für Chinarinden sind. Die Yorschrift 
Hast 4 Th. braune China und 1 Th. Zimmt acht Tage mit 24 Th. Rothwein mace- 
riren uod die Colatur mit 32 Th. Zucker zum Syrup machen. 

Viiim Chinae regiae (ratiinalis), Pnigs-Ckina-WeiD, wird mittelst acht- 
tägiger Maceration aus 100,0 grobgepulvertcr Kalisayarinde, 2000,0 



268 China. Vinum Ghinae. • 

gutem Weisswein, dessen Weingeistgehalt nicht unter 10 Proc. herahgeht, 
und 10,0 Salzsäure (1,124 spec. Gew.) dargestellt Nach dem Auspressen lässt 
man die Colatur am finstem Orte 14 Tage stehen und filtrirt hierauf. ' Eine 
klare braune, bitter und nicht sauer schmeckende, kaum Bodensätze bildende 
Flüssigkeit. (Vergl. ph. Centralhalle 1879, 8. 141.) 

Dieser Chinawein kann auch ex tempore dargestellt werden durch Mischung 
von 100,0 des Extractum Chinae liquidum mit 1900,0 Wein. 

Yinnm Ckinae hygidnienm, China-Cresondheits-WeiD, wird wie Vinum Chinae 
regiae rationalis bereitet, .nur werden noch 50,0 gepulverter Zucker und 
50,0 Glycerin zugesetzt, und der Wein muss mindestens 12 Proc. Weingeist 
enthalten. Dieser Wein kann auch ex tempore dargestellt werden durch Mischung 
von 50,0 des Extractum liquidum, 50,0 Zucker, 50,0 Glyceriii und 850,0 Wein. 

Ckinaweine der Firma C. H. Busk (Stuttgart, Archivstrasse 21 und 23) 
zeichnen sich als Producte einer sorgfältigen Herstellung aus. Diese Firma bringt 
in den Handel 1) Eisenchinawein mit 0,08, 2) Chinawein, mit Malvasier 
hergestellt, mit 0,085, 3) China wein, mit Santorinwein hergestellt, mit 0,075 
Procent wasserleerem Alkaloldgehalt, 4) Cacaochinawein mit 0,16 Proc. (incl. 
Theobromin). Die Analysen dieser Weine sind von v. Fehling und Abel aus- 
geführt. Da die Darstellung der Chinaweine eine besondere Sorgfalt erfordert, 
um sie von möglichst gleichem Alkaloldgehalt zu erlangen, und auch erst eine 
längere Erfahrung die Wege angiebt, wie man gehaltreiche Chinaweine erlangen 
kann, so dürften die Bemühungen genannter Firma wohl Anerkennung verdienen. 

(1) Elixir Chinae compositnm. (2) EUxir Chinae ferratnnu 

Elixir Cinchonae compositum. Ealisaya- i^ Elixiris Chinae compositi 90,0. 

Elixir. Adde 

i^r Extracti Chinae Uquidi 50,0 goluK '"'*"'''' »«^^niati 5,0 

Aqnae Cinnamomi spirituosae a«««^ ^^«4.:ii«4.»» ;; a 

Aquae destillatae ana 5,0. Täglich wird 2— 3 mal 1 EsslOffel mit 

Misce. Weisswein genommen. 

Antiperiodic Ferer-and Agne-Cnre, Wilkoft's. Ungefähr 120g eines wässrigen 
schwefelsauren aromatisirten Chinarindeuauszuges enthalten fast 1,0 g Chinin n. 1,75 g 
Schwefelsäure. (Chukchill, Analyt.) 

Agrue-Core, Ayer's (Nord -Amerika). 200g eines schwefelsauren Chinarindeu- 
auszuges mit Chinoidin versetzt, mit WintergreenOl aromatisirt und mit Zucker ver- 
setzt. (0. L. Churchill, Analyt.) 

Agrne-Cnre, Jatng's, eine nur sehr unbedeutende Mengen ChinaalkaloYd enthal- 
tende Mixtur mit Bbabarber- und Löwenzahnaufguss und Zucker. (0. L. Churchill, 
Analyt.) 

Agne Mixtnre^ Christie's. 175 CC. eines Chinaauszuges mit 30 proo. Weingeist 
mit dem Pulver der Capsicumfrüchte. (Churchill, Analyt) 

Haarerzengnngstinctnr, Paul Eneifel's (Dresden), ein filtrirtes Gemisch aus 
Chinatinctur, Hoffmann's Lebensbalsam oder einer ähnlichen Mischung und Zwiobel- 
saft. (Hager, Analyt.) 

Haanmchssalbe des Apothekers Otto Selle in Zachau in Pommern. Diese 
Salbe ist nach einer in den Apotheken häufig benutzten Vorschrift ein Gemisch von 
Wachssalbe mit einer concentnrten Chinaextractlösung, geringen Mengen Kino- oder 
Eatechutinctm* und Spuren Perubalsam. (90g 3,5 Mk.) (Hager, Analyt.) 

Michigan Ague-Cnre, Petermann's. 175 CC. weingeistiger Rindenauszng mit 
Chinoidin, Schwefelsäure und Zucker. (Churchill, Analyt!) 

Reparatenr ä base de Onlnqnina, prepare par F. Crucq, chimiste, ein Pariser 
Haarfärbemittel, enthält keine Bestandtheile der Chinarinde, wohl aber Bleizucker, resp. 



China. Vieirina. 



269 



Scbwefelblei, von einem Zusatz von Natriamhyposulflt herrührend. Weitere Bestand- 
theile waren Weingeist, Wasser, Glycerin. 

Boborirendes PulTery Simonis, besteht aus 8,0 Königs-Ghina, 10,0 Ealkhydrat, 
5.0 Bhabarber, 4,0 Eisensubcarbonat Vor dem Essen eine kleine Messerspitze zu 

nehmen. 

Aeilnm fieirinicnm, Vellosina, Tieirinslnre, Tieiriia, Yieirin, eine Säure aus 
der Rinde der Wurzel der Remigia ferruginea DC. (Cinchona ferruginea 
Saint Hilaiäe). Ein Dr. Vieira beschreibt diese amorphe und sehr bittere, 
hanähnliche Substanz zuerst und hat man ihr deshalb den Namen Vieirin ge- 
geben. Zur Darstellung wird die gepulverte Rinde der Wurzel und auch des 
Stammes mit der Hälfte ihres Gewichtes Kalkhydrat gemischt, mit kochendem 
Wasser extrahirt, das Filtrat mit Salzsäure und der daraus folgende Niederschlag 
mii thielischer Kohle behandelt. Man kann die Rinde auch mit ammoniakali- 
schem Wasser extrahiren und dann den Auszug mit Salzsäure bis zum Ueber- 
schofls versetzen etc. Ausbeute 9 — 10 Proc. Frisch bereitet ist das Vieirin 
weiss, färbt sich aber unter Einfluss von Luft und Licht. Der noch feuchte 
weisse Niederschlag besitzt den angenehmen Geruch der Quina da campo, 
trocken ist er fast geruchlos» Der Geschmack ist sehr bitter. Vieirin reagirt sauer 
and ist specifisch schwerer als Wasser, übrigens unlöslich in Wasser^ Aether und 
den flüchtigen Oelen, wenig löslich in fetten Oelen, löslich aber in Weingeist 
und Chloroform. Es brennt nicht mit Flamme, schmilzt bei 120^ 0. unter Wasser- 
verlast und. geht in eine dunkelbraune harzähnliche Substanz über. Es giebt 
mit den Alkalien und der Kalkerde leicht lösliche Salzverbindungen. 

TiBetsn Tieirinae ist eine Lösung von 1 Th. Vieirin in 10 Th. Weingeist. 

Syrapog Tieirinae s. Calcariae vieirinieae wird aus 3,0 Kalkhydrat, 3,0 Vieirin, 
Wasser und Zucker zu 300,0 Colatur dargestellt, so dass 1 Löffel 0,2 Kalk- 
mrinat enthält. Da der Geschmack gerade nicht angenehm ist, so muss der 
Symp mit passendem Arom versetzt werden. 

Diese Mittel werden bei Scrophulosis und Rhachitis angewendet. Die Gabe 
des VieiriüB ist 0,1 — ^0,15—0,2 mehrere Male täglich. Es gilt auch als Toni- 
eam, Stomachicum und Antipyreticum. 



(1) Mixtnra anüseroplmlosa. 

^ Calcariae hydratae 

Vireirinae ana 3,0 

Aqoae destillatae 

Sympi Aurantii corticis ana 150,0. 
Misee et eola. 

D. S. Zwei- bis dreimal täglich einen 
balben bis ganzen Esslöffel (kleinen Kin- 
dern wird 4 bis 5 mal täglich ein Thee- 
loffel, grösseren 2 bis 3 mal ein Kinder- 
loffel gegeben.) 



(2) Hixtara antlscroplialosa martiata. 

v^ Ferri citrici ammoniati 

Vireirinae ana 2,0 

Calcariae saccharatae 5,0. 
Solve in 

Aquae destillatae 50,0. 
Tum adde 

Sympi Cinnamomi 

Syrupi Aurantii corticis ana 75,0. 

D. S. 3 bis 4 mal täglich einen halben 
bis ganzen Esslöffel. 



Erwähnungswerthe chinologische Arbeiten sind: Studien über die qualitative und 
quantitative ehem. Analyse der ChinaalkaloYde mit Hilfe des Mikroskops und Polari- 
tetors. Von Mathias Kozsnyay Arad (Ungarn) 1878 (45 Pag.) Preis 1 Mark. 

Stadien über die mikroskopischen Beactionserscheinungen der China-Alkaloltde 
(Zeitschrift des Oesterr. Apothekervereins 1878) von Dr. Richard Godeffbov. 

Letztere Arbeit ist auch im Separat* Abdruck in der C. UEBERREUTEB'schen Buch- 
drackerei (Wien) 1878 erschienen. 



270 Ghinidinam. Cbinidinum salforicaiZL 



Chinidinnm. 

Zasätze zn S. 839, Bd. I und S. 1330 Bd. n des Handbuches der pharma- 
eentischen Praxis. 

Der Chinologen-Congress in Amsterdam (13. April 1877) hat beschlossen 
den Namen Chinidin festzuhalten und die anderen Benennungen dieses Alka- 
lotds nur als Synonyme gelten zu lassen. Die Motive zu diesem Beschlüsse 
finden in einer von Dr. 6. Kebneb im Archiv der Pharmacie 1880, Aprilheft 
S. 259, veröffentlichten Arbeit ihre Erklärung. 

Chinidin ist eine dem Chinin isomere tertiäre Diaminbase. 

Es kommt in mehreren Chinarinden vor, wie z. B. in Cinchona Pitayensis, 
C. amygdaUfoliay C. Cdlisaya fJavanica), 

Aus Weingeist sollen 2 Atome des Chinidins mit ÖH^O in verwitternden 
Prismen, aus Aether mit 4II2O in RhomboSdem, aus kochendem Wasser mit 
3H2O in zarten Plättchen krystallisiren , von welchen die beiden letzteren bei 
gewöhnlicher Temperatur nicht verwittern (Hesse). 

Es ist löslich in Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Benzol, unbedeutend in 
Petroläther. Seine Lösungen lenken den polarisirten Lichtstrahl nach rechts 
(Chinin nach links) ab, es sind aber die Lösungsmittel und Temperatur von Ein- 
fluss auf das Maass des Drehungsvermögens. Durch höhere Temperatur geht es, 
besonders in Verbindung mit Säuren wie das Chinin in Chinicin (C20H24N2O2) 
über. 

Die wässrigen schwefelsauren Lösungen des Chinidins fluoresciren ebenso 
blau wie die des Chinins, die Chinidinsalze sind aber in Wasser meist leichter 
löslich. Salzsäure oder (Chloride stören oder heben die Fluorescenz auf. 

lieber das Chinidin und seine Salze existiren Arbeiten von Julius Jobst 
(Neues Rep. d. Pharm, 1875, ph. Centralh. 1876) und sehr ausfdhrlicho von 
Rice. Godeffboy in der Zeitschr. d. Oesterr. Apoth.-yereins 1878. Letzterer 
studirte besonders das Verhalten gegen Reagentien und die mikroskopischen For- 
men der Niederschläge. 

Das Chinidin krystallisirt aus Weingeist in verwitternden Prismen nach 
der Formel C20H24N2O2 + 2Y2H2O. Es schmeckt sehr bitter und zeigt schwach 
alkalische Reaction. Es löst sich in 2000 Theilen Wasser von 15®, in 26 Theilen 
80procentigem Weingeist und auch in 22 Th. Aether bei 20^. In Aetzammon 
ist es nicht unlöslich. Aus ätherischer Lösung krystallisirt es in Rhomboädem 
und Prismen, welche letztere oft blumenkohl artig gruppirt sind. 

In Chlorwasser gelöst und mit Aetzammon versetzt erfolgt ein grüner Nieder- 
schlag, welcher sich in mehr Aetzammon mit grüner Farbe löst, es giebt also 
mit Chlor und Ammoniak dieselbe grtlne Färbung wie Chinin; bezüglich seiner 
optischen Eigenschaften nähert es sich mehr dem Cinchonin. Bei vorsichtigem 
Erhitzen gehen seine Salze in Chinicinsalze über. 

CUnidinun snlfnricnm (Handb. Bd. I, S. 838, Bd. n, S. 1330). Hesse fand 
die Zusammensetzung 2(C2oH24N202) H2SO4 + 2H2O mit 82,87 Proc. Alkalold, 
12,03 Proc. SO4H oder 10,23 Proc. Schwefelsäureanhydrid und 4,6 Proc. Kry- 
stallwasser. Nach anderen Analysen ist ^i© Bd. I, S. 838 angegebene Formel 
die richtige. Es wird erst bei 120^ C. wasserfrei. Die wässrige Lösung bläut 
rothes Lackmuspapier. Dieses Chinidinsulfat ist das officinelle. 

Chinidinnm salfnricnm, neutrales Sulfat (C2oH24N202)H2S04. Im Qrosscn dar- 
gestellt bildet es weiche asbestartige, an der Luft nicht verwitternde Krystall- 
büschel von einer Schönheit und Leichtigkeit, wie solche von keinem andern 



Chinidinam hydrochloricam. 271 

Snlfat der Cinchona-Alkalolde erreicht werden. Die Krystalle behalten an trockener 
Luft ihren Glanz und lassen sich auch dadurch von dem Chinin- wie auch Cin- 
chonidinsulfat unterscheiden, dass sie sich leicht in reinem Chloroform auflösen. 
Das Chinidinsulfat bedarf 108 Theile Wasser von 10<^ zur Lösung. 

Die Molecularrotation des Salzes 2[C2oH24N202] H2SO4 + 2H2O (4,5 Proc. 
Wasser) wurde von Oudemanks bestimmt zu + 255,2<>, diejenige eines aus 
anderer Quelle bezogenen Salzes bestimmte De Vrij = + 255,4®. 

Nach 0. Hessens Untersuchungen enthält das officinelle Chinidinsulfat 2 Mol. oder 
4,6 Proc. Krystallwasser (neben 12,53 Proc. Schwefelsäure). Von diesem Wasser 
verdampft bei 100® C. gegen 1 Proc, der ganze Wassergehalt erst bei 120® 0. 
Das entwässerte Salz nimmt an der Luft Wasser wieder auf. 

Chinidinsulfat ist in einer Natrio-Kaliumtartrat- (Seignettesalz-) Lösung Idcht 
loslich (Chininsulfat dagegen unlöslich). 

Zur Prüfung auf einen Cinchonidingehalt (ein Chiningehalt ist in pharmaceu- 
tischer Beziehung kein Nachtheil für das Präparat) schüttelt man 0,5 g mit 30 CC. 
kaltem Wasser von 15® C. eine halbe Minute und filtrirt sofort. Das Filtrat 
mit 2 — 3 CC. Ealiumtartratlösung versetzt lässt nach und nach einen salzig 
körnigen Niederschlag fallen, wenn Cinchonidinsulfat über 3 Proc. gegenwärtig ist. 

In Chloroform ist das Chinidinsulfat leicht löslich. Aus dieser Lösung gehen 
beim Schütteln mit Wasser nur starke Spuren des Salzes in das Wasser über. 
Das Cinchonidinsulfat ist dagegen in Chloroform schwer löslich. 

Die chloroformige Chinidinsulfatlösung färbt sich beim längeren Stehen, 
schneller im Sonnenlichte. 

0,5 des Salzes mit 3 CC. Chloroform und 2 CC. absolutem Weingeist ge- 
schüttelt muss sich völlig klar lösen (Abwesenheit anorganischer Stoffe). 

Ckinidinnm hydr^cUorieiuii , Chinidinum muriaticum, neutrales salzsaures 
Chmidin (C20H24N2O2HCI + H2O) krystallisirt aus einer gesättigten Lösung des 
Chinidins in Salzsäure in asbestartigen Prismen. Dieselben sind leicht löslich in 
Weingeist, unlöslich in Aether. Das salzsaure Chinidin erfordert 60 Th. Wasser 
von 10® zur Lösung. 

CUiidiiOffl kydrojodieiim, neutrales jodwasserstoffsaures Chinidin (C20H24N2O2HJ) 
entsteht aus der Lösung des Chinidinsulfates mit Jodkaliumsolution als weisser kry- 
stallinischer (sandähnlicher) Niederschlag, welcher sich in Wasser (1200 Th.) 
and Weingeist äusserst schwierig löst. 

Wässrige Brechweinsteinlösung nimmt beim Kochen das freie Alkaloid leicht 
anf, indem sich das schwerlösliche, aber gut krystallisirende Antimonoxyd-Chinidin- 
Tartrat; weinsaures Conchinin-Antimonoxyd (C2oH24N202,C4H5(SbO)06) bildet. 



Prüfung des Chinidinsulfats und Chinidinhydrochlorats nach 
0. Hesse und De Yku. 

0,5 g des Salzes wird mit 40 CC, Wasser 5 Minuten bei 60® digerirt, 
dann 3 g Tartarus natronatus zugesetzt. Bei (^egenwart von 6% und mehr 
Chinin- oder Cinchonidinsalz entsteht ein Niederschlag. Wird ein solcher nach 
1 Stunde abfiltrirt und das erwärmte Filtrat mit 0,5 g Kaliumjodid versetzt, so 
fallt alles vorhandene Chinidin als Hydrojodat nieder. Ein Tropfen Aetzammon 
zu dem nach einer Stunde gewonnenen Filtrate gesetzt, zeigt bei Gegenwart von minde- 
stens 2^Iq Cinchonin dasselbe durch einen Niederschlag an. Noch schärfere 
Resultate erhält man ^ wenn man 0,5 g des Chinidinsalzes mit 10 CC. Wasser auf 
60^ C. erwärmt; dann 0,5 g Kaliumjodid zusetzt , emige Male umrührt, erkalten 



272 ChiDidinum. 

IftBBt, nach Verlauf von etwa einer Stunde filtrirt und das Filtrat out 1—2 Tropfen 
AetzammonflUs^gkelt versetzt. Eine daraus erfolgende Trflbnng dentet auf die 
Oegenwart von Chinin, Cinchonin oder (Sndionidin (0. Hesse). Eine geringe 
Trübung ist in pharmacentischer Beziehung znISsaig und eine starke TiHbang in 
Folge der Gegenwart einer reichlichen Menge Chinins wäre ebenso wenig zn be- 
anstanden, weil Chmidin und Ctünin an Wirkung und Heilwerlh sich fast gleich 
sind, letzteres Bogar das erstere um ein Geringes Dberragt 

Etwa in dem Chinidinsulfat vorhandene Calcinm- and Natriumsalze bleiben 
nii|;elQst, wenn 0,5 g des Sidzea mit 7 CC. eines Oemiechee ans 2 Vol. Chloro- 
form und 1 VoL' absolutem Weingeist wUirend mehrerer Stunden in BerOhning 
gelassen und mitunter geschüttelt werden. 

Da Cinchonidin in der Wirkung dem Chinidin nahe steht, so ist eine geringe 
Vemnreinigimg damit nicht zu beanstanden. Hauptsitchlich ist auf Abwesenheit 
von Cinchonin, dem billigsten und gering wirkenden Chinaalkalofd zn sehen. 
Hier beim Chinidin und seinen Salzen können Vemnr^igungen vorkommen, 
welche nnr in chemischer, nicht aber in pharmaceatischer Beüehnng Beanstan- 
dung finden sollten. 

Die mikroskopische Prüfung giebt die schär&ten Resultate. Man 
schüttelt etwas des Chinidinsnifats oder anch ein anderes ofGcinelles Chinidinsalz 
mit Wasser und ßltrirt. Einen Theil des Fütrats versetzt man mit Aetz- 
ammon im Ueberschusa und bringt davon einige Tropfen auf mn Objectglas, 



FlK. M*. C CtlDMloeBli dnrch Annan gennt Fic. a5b. p Chinidlngili mit BoruIiauDr, (7il Chi- 

CiChiai^B- snd dnobonidinuli durch Aniiivii ta. lidin- nsd Cinckonidioskli mit Bonz. Cn ChiDldii- 

nllt. lOO-IMbehs Vsrgi. and CinchsgiDuti mit Boru. 100— l&Ofocbe Yeigr. 

l^ ein dQnnes Objectglaa darauf und zertheilt das Object durch Oegeneinander- 
reiben fc^der GlAser. Nach Verlauf von 10—20 Minuten geht man znr optischen 
Prof 01^ Aber. Reines Chinidinsulfat ergiebt ein aus kldnen Kiystallen be- 
stehendes Hanfwerk, welches kaum geßlrbt ist oder dem Ange blaesgraugelblich 
erscheint. Bei Gegenwart von Cinchonidin lagern neben den Partikeln kleine 
helle Eügdchen von gelblicher Farbe nnd innerhalb der Krystallh&nfohen er^ 
blickt man dunkele rundliche KSrper von donkler brauner Farbe, welche Ge- 
misclie von Chinidin mit Cinchonidin sind. 



Chinidinum. Chinidinum glyc5rrrhizinat. 273 

iSnen anderen Theil des Filtrats versetzt man mit Boraxlösung und ver- 
fahrt damit wie vorstehend angegeben ist. Nach Verlauf von 10 — 20 Minuten 
schreitet man zur optischen Prüfung. Bei reinem Chinidin sind die kleinen 
Krystallansammlungen hell und etwas gelblich, bei Gegenwart von Cinchonidin 
erblickt man dunklere bräunliche Kügelchen, mehr oder weniger von einem stern- 
förmigen Kranze umschlossen. Bei Gegenwart von Cinchonin sind ähnliche noch 
dunklere bräunliche oder braune Körper von den lichten Krystallhäufchen be- 
deckt , doch diese dunkelen Körperchen sind theils kleiner , theils weniger stem- 
formig einge&sst. Diese Formen bilden sich erst beim Liegen des Objectes im 
Verlaufe von 15 — 30 Minuten. Sofort nach der Fällung mit Ammon oder Borax 
beobachtet treten sie nicht oder weniger scharf hervor. Vergl. Handb. Bd. II, S. 1330. 

Einkauf. Die nun einmal im Laufe der Zeit eingeschlichene Verwirrung der 
Namen des vorliegenden Alkalolds macht es nöthig, dass bei der Bestellung der 
Auftraggeber dem Namen Chinidin oder Chinidinum ein (Conchinin oder 
Conchininum) folgen lässt. In diesem Falle kann der Drogist nicht Cin- 
chonidin abgeben und es gäbe eine solche Abgabe dem Empfänger das Recht^ 
die Waare zur Disposition des Drogisten zu stellen. 

Psevdodiimii hat sich nach Mabty als Chinidinsulfat erwiesen. 

Anwendung der Chinidinsalze. Chinidin steht dem Chinin als Arzneisub- 
stanz sehr nahe. Wenn man die Wirkung des Chinins mit 100-procentig be- 
zeichnen würde, so mtisste dem Chinidin auf Grund mehrjähriger Versuche min- 
destens eine 90-procentige Wirkung zugelassen werden. Es hat in sofern einen 
Vorzug vor dem Chinin in den Fällen, wo die Nebenwirkungen starker Gaben 
Chinin, wie Schwerhören, Schwere in den Gliedern etc., störend sind. Diese 
Nebenwirkungen gehen zwar dem Chinidin nicht ab, sie sisd aber um vieles ge- 
ringer, ohne die Körpertemperatur merklich weniger denn Chinin herabzusetzen 
(Hageb). Die Anwendung und die Grösse der Gaben kommen mit denen des 
Chinins völlig ttberem. Da die Chinidinsalze einen bedeutend billigeren Einkaufs- 
preis haben, so empfiehlt sich die Anwendung bei allen den Kranken, welchen 
die hohen Chininpreise zu schwer fallen, denn die Preise der Chinidinsalze sind 
nur drca ^/^ so hoch wie die der Chininsalze. Da Chinidinsulfat nur Y4 so viel 
Krystallwasser enthält als das officinelle Chininsulfat, so kann man ersteres fast 
halb so hoch im Preise abschätzen bei fast gleicher Wirkung. 

Ckinidinvm glyeyrrhizinatnm pvrum, Ckininiun dolee, sweet Qninine, süsses 
CUiil, ein mit dem Sttssstoff der Süssholzwurzel verbundenes Chinidin. Es ist 
von gelbbrauner Farbe, unbedeutend löslich in Wasser und von bitterlichsüssem 
Geschmack« Zu seiner Darstellung werden 100 Th. Glycyrrhizin mit 300 Th. 
destillirtem Wasser und 45 Th. lOproc. Aetzammon gemischt und im Wasser- 
bade erwärmt. In die agitirte Mischung wird eine heisse Lösung von 40 Th. 
neutralem Chinidinsulfat in 500 Th. lauwarmem Wasser und 17,5 Th. ver- 
dtlnnter Schwefelsäure (1,115 spec. Gew.) gegossen. Die unter Agitiren im 
Wasserbade erhitzte, dann erkaltete Mischung, wird zwei Tage beiseite gestellt, 
dann der Bodensatz gesammelt, mit etwas kaltem Wasser ausgewaschen und bei 
gelinder Wärme getrocknet Der Chinidinhydratgehalt beträgt 30 Proc. 

Das rohe Glycyrrhizin-Chinidin, rohes Süss-Chinin, stellt man 
dadurch her, dass man nach der Bereitung des Succus Liquiritiae depuratus den 
Rttckstand und die Bodensätze mit ammoniakalischem W^asser extrahirt, den fil- 
trirten Auszug zur Trockne eindampft, zu Pulver zerreibt, hierauf 120 Th. des- 
selben mit 110 Th. Wasser und 45 Th. lOproc. Aetzammon mischt, dann mit einer 
heiflsen Lösung von 40 Th. Chinidinsulfat in 300 Th. Wasser und 17,5 Th. ver- 
dftnnter Schwefelsäure versetzt und endlich das Gemisch zur Trockne abdampft 

Hager. Pharm. Praxis, Suppl. ^g 



274 Ghinidinum tannicnm. 

und zu Pulver zerreibt 1 g entspricht 0,25 g Chinidinsidfat. Es ist ein braunes 
Büsslich schmeckendes Pulver. Dieses Präparat ist zu dispensiren, wenn das 
obige reine (purum) nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist. 

Ckinidinum vreati-hjdricklirienm, Chinidinnm Mmnriatleiiii carbaBidatno, 

eine Doppelverbindung des Chinidinhydrochlorats mit salzsaurem Harnstoff. Es 
wird wie das entsprechende Chininsalz (vergl. S. 284) dargestellt, jedoch werden 
in Stelle von 400 Th. Chininhydrochlorat 380 Th. Chinidinhydrochlorat verwen- 
det. Die Erystalle dieses Salzes sind gelblich. Die Anwendung ist dieselbe. 



Ckinidinum tannieum, Conchininom tannicam neutrale, Chininnm tannicnm 
iuipidnm, Ckimdintannat, gerbsavres Ckimdin oder Conckinin, ein weissliches, in Wasser 
nnd Aether unlösliches, in Weingeist und verdünnten Säuren lösliches Pulver. 
Die verdünnte Lösung in verdünnter Schwefelsäure schmeckt sehr bitter und 
fluorescirt wie eine Chininlösung. Alkaloldgehalt mindestens 33,3 Proc. Behufs 
Abscheidung und Bestimmung des Alkaloldgehaltes wird das Tannat mit dem 
15 fachen Gewicht Bleioxyd und Wasser gemischt, langsam bei einer 40^ C. 
nicht übersteigenden Temperatur emgetrocknet, dann mit Weingeist extrahirt, der 
Auszug eingetrocknet und gewogen. 

Darstellung. lOO Th. des officinellen Chinidinsulfats (Handb. Bd. I, S. 838) 
werden in 3000 Th. kochend heissem Wasser gelöst und in einem geräumigen 
GefilSB (von circa 5000 Vol.-Th. Inhalt) mit 2/3 Vol. einer colirten, kalten, aus 
180 Th. Gallusgerbsäure und 1400 Th. Wasser dargestellten Lösung versetzt. 
Nach dem Umrühren lässt man sofort gleichzeitig das letzte ^3 Volumen der 
Gerbsäurelösung und 40 Th. 10 proc. Aetzammon, verdünnt mit 360 Th. Wasser, 
hinzufliessen, während die Fällungsflüssigkeit agitirt wird. Nach einstündigem 
Stehen wird der Niederschlag in einem leinenen Colatorium gesammelt, mit kaltem 
Wasser abgewaschen, ausgedrückt, in nur lauer Wärme am schattigen Orte aus- 
getrocknet, endlich zu Pulver zerrieben und an einem schattigen Orte in dicht 
geschlossenem Glasgefäss aufbewahrt. Ausbeute 220 — 230 Th. 

Zur Darstellung darf in allen Fällen nur deötillirtes Wasser in Anwendung 
kommen, überhaupt sind eiserne Geräthschaften sorgfältig zu vermeiden. Aus 
der Fällungsflüssigkeit ist der Chinidinrest durch Ansäuern mit Schwefelsäure etc. 
abzuscheiden. Die Wärme zum Trocknen überschreite nicht 40® C. 

Wirkung und Anwendung. Die Bereitung und Einführung dieses Präparats 
verdanken Pharmacie und Therapie dem Apotheker Mathtas Rozsnyay zu Arad 
in Ungarn. Er war es, welcher das geschmacklose Chinintannat, Chininnm tanni- 
cum insipidum in Substanz und in der Form von Zucker- und Chocoladenbrötchen 
zuerst in den Handel brachte und auch noch bringt. Rozsnyay's Verdienst be- 
steht darin, dem Arzte einen Chininersatz in die Hand gegeben zu haben, wel- 
cher bei Kindern jeden Alters angewendet werden kann. Nun sind die Ijeiden 
der Kinder gewöhnlich entzündlicher Natur. Chinin als Antipyreticum zu geben, 
ist nur selten möglich, denn beim Forciren des Eingehens der Chininmittel, brechen 
die Kinder entweder das Gegebene aus oder sie verschlucken es und der Wider- 
wille steigert sich bis zu Krämpfen. Das Chinidintannat ist dagegen geschmacklos, 
von gleicher antipyretischer Wirkung und lässt sich mit Zucker, Zuckerwasser 
oder süsser Milch leicht nehmen. Saure Flüssigkeiten sind hier zu vermeiden, 
sowohl dicht vor als wie gleich nach dem Eingeben des Chinidintannats, denn 
die geringste Säuremenge entwickelt den bitteren Chinidingeschmack. Sauer oder 
säuerlich schmeckende Flüssigkeiten sind 15—20 Minuten nach der Chinidintannat- 
gabe zu reichen. 



Chinldinum tannictim. 275 

Das Chinidintaimat wird mit der Zeit ein Specialmittel in Kinderkrankheiten 
werden. Das Register der Todesfälle im Kindesalter dürfte künftig ein bedeu- 
tend kleineres werden^ wenn die- Aerzte diesem Mittel mehr Beachtung schenken. 
Hager hatte einige Male Gelegenheit kranken Kindern, deren Leben vom Arzte 
bereits aufgegeben war, durch Eingeben des RozsNYAY'schen Chininzuckerl nicht 
nur das Leben zu erhalten, sondern auch dies in auffallend kurzer Zeit, in einem 
Falle in einem halben, in einem anderen in einem Tage zu erreichen. Hageb 
kann von vielen Fällen erzählen, wo er* das kleine Kind im Säuglingsalter am 
Zahnfieber schwer leidend antrifft, wo schon die Eltern den Tod nahe sehen, wo 
aber drei bis vier Gaben des Chmidintannats ausreichen, das sterbenskranke Kind 
wieder aufzurichten und demselben nach einigen Stunden Munterkeit und Frische 
wiederzugeben. Genug in allen Kmderkrankheiten, in welchen sich ein entzünd- 
licher oder fieberhafter Zustand bemerklich macht, ist die Anwendung des Chini- 
dintannats angezeigt und giebt man je nach dem Grade des Fiebers 

Kindern von 1 — 2 Jahren 1 — 2 stündlich 0,1 — 0,15 g 

n „ 2 3 „ „ 0,15 — 0,2 „ 

n « 3-4 „ „ 0,2 -0,3 „ 

« « 5— 6 „ „ 0,3 -0,4 „ 

„ 6—10 „ „ 0,4 -0,5 ,. 

und zwar bei hochgradigem Fieber die ersten 3 — 4 Gaben stündlich, dann 2—« 
4 stündlich, bei gleichzeitigen dyspeptischem Zustande stets die kleinere Gabe. 
So wie das Fieber gehoben ist, sind die Gaben noch seltener, 4 — 6 stündlich zu 
verabreichen. Bei Brechdurchfall sind dieselben Gaben, aber halbstündlich bis 
1 stündlich und nur halb so gross anzuwenden. Ist die Anwendung von Salz- 
säure nothwendig, so ist die salzsaure Mischung eine Viertelstunde nach dem Ein- 
geben des Tannats zu verabreichen. Besonders sei darauf aufmerksam gemacht, 
dass das Chinidintannat ein vorzügliches Hustenmittel ist. Da Ejndem bis 
zu 3 Jahren nicht wohl Opium noch Morphin gegeben werden kann, so ist in 
diesem Tannat ein Mittel dargeboten, welches mit aller Sicherheit jede Art des 
llustens beseitigt oder auf einen sehr leichten und erträglichen Stand verweist. 

Erwachsenen, welche Pillen oder bittere Chininlösungen nicht nehmen wollen 
oder können, giebt man dieses Tannat wie das Chinintannat, welches einen bitter- 
lichen, nicht angenehmen Geschmack hat, in gleicher Weise und Gabe und lässt 
zehn Minuten nach dem Einnehmen saure Limonade nachtrinken. 

Will man das Chinidintannat mit Eisenhydrat (Ferrum oxydatum fuscutn), 
Eiaenzucker, Eisencarbonat verbinden, so ist dies sehr leicht zu bewerkstelligen, 
ohne dass sich gerbsaures Eisen bildet und der Tintengeschmack hervortritt, wenn 
man nämlich der Mischung kleine Mengen Magnesia zusetzt. Es sind saure Sub- 
stanzen in der Mischung stets zu vermeiden. 

Rozbntay's gesekmaeklose Chininpräparate. Dieselben bestehen in drei Formen 
und enthalten hauptsächlich Chinidintannat oder /9-Chinintannat : 

1. Saccharola Chinini Rozsnyay, Chininzuckerln, circa 2,4g 
schwere, bräunlich weisse, krystallinisch glänzende, innen gelbliche, nicht sehr 
harte, mit dem Finger leicht zerdrückbare, durch Zucker und Glycerin versüsste 
Würfel von sehr süssem Geschmack. Jeder Würfel enthält so viel Tannat, dass 
dieses 0,05 g Chinidinhydrat entspricht. (100 Stück 8 Mk.) 

2. Pastilli Chinini Rozsnyay, Chininchocoladenpastillen sind 
circa 1,5 g schwere, 7 mm dicke und 2 cm breite Kugelsegmente, enthaltend eine 
0,05 g Chinidinhydrat entsprechende Menge Tannat. (100 Stück 8 Mk.) 

3. Pastilli Tannochinini ferrati Rozsnyay, Chinineisenpastillen 
mi einfache scheibenförmige mit Zucker versetzte Pastillen; deren jede 0,15 Chi- 

18* 



276 Chinidinum tanniciun. 

nintannat und 0^05 wasserlösliches Eisenoxyd enthält , ein Torzügliches Präparat 
für kleine bleichsüchtige Mädchen ^ Kinder mit blasser Gesichtsfarbe, an Helinin- 
thiasis leidende Kinder. 

Das RozsNTAT'sche Chinintannat ist vollkommen geschmacklos, blassgelb 
von Farbe und besteht nach zwei von Hager zu Terschiedenen Zeiten ausge- 
führten Analysen in Procenten 1) aus 6,83 Chinin, 12,72 Chinidin, 5,43 Cincho- 
nidin, 66,98 Gerbsäure und 9,04 Wasser. — 2) aus 4,5 Chinin, 15,88 Chinidin, 
3,2 Cinchonidin, 67,52 Gerbsäure und' 8,9 Wasser. Auch dieses Tannat sowie 
jene Präparate können vom Apotheker Mathias Rozsnyay zu Arad in Ungarn 
oder von der Firma J. D. Riedel, Berlin N., Gerichtsstr. 12, 13, bezogen werden. 

Es wurden diese Präparate insofern angegriffen, ab sie ihr Erfinder mit 
Chininpräparate benannte. Man übersah ganz, dass sie der Erfinder aber auch 
mit geschmacklose Chininpräparate bezeichnete, und jedem Chemiker und 
Pharmaceuten bekannt sein musste, dass das reine Chinintannat nicht geschmacklos 
ist. Insofern damals /?- Chinin noch eine übliche Benennung war, so ist dem 
Erfinder wohl kein Vorwurf der Mystification zu machen, wie dies von einigen 
Seiten geschehen ist. 

Betrachtet man die Sache vom praktischen Standpunkte, so hat die vom Er- 
finder angegebene Benennung sehr viel dazu beigetragen, seine Präparate als 
Yolksarznei einzufahren, denn hätte er das Kind bei seinem wahren Namen ge- 
rufen, so hätte die eingebürgerte Ansicht, dass nur allein Chinin das wahre wirk- 
same Chinaalkalold sei, genügt, die RozsNTAT'schen Präparate alsbald zu miss- 
creditiren. Von der chemischen Seite aus betrachtet verdiente jene Bezeichnung 
allerdings einen Tadel, von pharmaceutischer Seite dagegen, wo die Wirkung und 
der Heilwerth in Betracht kommen, ist sie bei der fast gleichen Wirkung jener 
Alkalolde von unwesentlicher Bedeutung. Rozsnyay kann das Verdienst, China- 
alkaloKde in geschmackloser Form eingeführt zu haben, nicht bestritten werden. 

Von den Chinaalkaloldtannaten hatte Hageb vordem in üebereinstimmung 
mit der Ansicht Anderer nicht viel Wirkung erwartet, aber in Folge Anwendung 
dieser RozsNYAY*schen Präparate bei mehreren ELrankheiten der Kinder jeden 
Alters überzeugte er sich, dass dem Chinidintannat die Wirkungen der China- 
alkaloYde ganz und voll zukommen, dass es ein vortreffliches Antipyreticum ist, 
auch die Gerbsäure darin in ihrer Wirkung auf die Nieren dem Zwecke sogar 
günstig scheint, dass endlich in keinem der Fälle der Anwendung widerwärtige 
Wirkungen zur Wahrnehmung gelangten. Dazu kommt der Vortheil, dass die 
Kinder jene Mittel gern nehmen und ein etwaiger zu starker Gebrauch keinen 
Nachtheil zur Folge hat und haben kann. 

Pilnlae antiphlogisticae (Hager). Radicis Gentianae ana 3,0 

Saure China-Alkaloidpillen. EntzUndungs- Kilnif ^' '''^" ^'^ 

widrigePillen. Hager's Katarrhpillen Nr J^ aTydrochlorici ana 7,5. 

ümversalhußtenpillen ^r. I. j^ pj^^^ pf^^^^^ dacentae. Cortice Gas- 

ijc Chinidini sulfurici 10,0 siae cinnamomeae pulverato sat con- 

Tragacanthae 7,0 spergantur. (Singulae pilulae contineant 

Ra£cis Althaeae 0,05 salis Chinidini). I). ad vitrum. 

Beabsichtigt man einen noch niedrigeren Herstellungspreis, so nehme man 
Chinidini sulfurici et Cinchonidini sulfurici ana 5fi. Diese Pillen sind dann 
die Katarrhpillen Nr. H, Die angefertigten Pillen 2 — 3 Stunden an der Luft 
(ohne Wärmeanwendung) abtrocknen zu lassen, ist für die weitere Conservirung 
zweckmässig. 

Als Katarrhmittel nimmt man je nach dem Grade des Fiebers täglich 3 — 
4 mal je 4 — 5 Pillen. Um den Katarrh m 3—4 Stunden zu beseitigen, nehme 
man innerhalb 3 Stunden stündlich ö Pillen mit Wasser, bei Mitleidenschaft des 



Chinidinum. 



277 



Magens jedoch halbstündlich zwei Pillen, bis 12 bis 15 Stück verbraucht sind. 
Ein besonderes Verhalten ist nicht erforderlich, nur Weingeist enthaltende Ge- 
tränke sind zu meiden. — Als Präservativmittel der Entzündungen der Brust- 
organe (der Lungen- und Lungenfellentzündung älterer Leute) nimmt man inner- 
halb drei Stunden 15 Pillen (3 mal je 5 Pillen), dann alle 2—3 Stunden 3 Pillen. 
Das Nehmen der Pillen geschieht sofort, sobald sich ein Schmerz in der Brust, 
besonders beim Athemholen, fühlbar macht, um dieser Anweisung nachzukommen, 
ist selbstverständlich das Zurhandhalten der Pillen erforderlich. Als Hustenmittel 
nimmt man täglich 3— 4 mal je 3 — 5 Pillen. Lässt der Husten nach, meldet er 
sich seltner an, so nimmt man täglich zum Frühstück und vor der Nachtruhe 
je 3—4 Pillen. 



(1) PUulae contra tnssim« 

Hostenpillen. 

]^ Chinidini sulfurici 2,5 

Morphin! muriatici 0,1 

Extracti Trifolü 3,0 

Glycerinae guttas 5 

Badicis Altnaeae q. s. 
M. fiant pilulae quinqnaginta (50). 

D. S. Morgens und Abends 2— -3 Pillen 
zu nehmen (bei Beizhusten). 



(2; Pulvis antlphloglsticns infantum« 

Kinderpulver mit Chinidintannat. 

I. 

^ Chinidini tannici 5,0 

Magnesiae subcarbonicae 0,5 
Sacchari albi 20,0 
Elaeosacchari Foeniculi 10,0. 

Misce. Serva in vase vitreo a luce re- 
moto. 

Man giebt 1 — 2 stündlich eine starke 
Messerspitze (bei allen Leiden im Gefolge 
des Zahnens, heissem Kopf, Durchfall, Ka- 
tarrh, Husten, unruhigem Schlaf). 

Dieses Pulver vertritt besser und kräf- 
tiger wirkend das sogenannte Kinder- 
oder Beruhigungspulver. 



n. 



* 



M 



Chinidini tannici 2,0 

Magnesiae subcarbonicae 0,2 

Sacchari albi 5,0. 

Divide in partes aequales decem (10). 

S. l-(— -2-) stündlich ein halbes (oder 
ganzes rnlver in einem Löffel Zucker- 
wasser zu geben. 



(S) Sjrapvg antiptalogisticus infantum. 

Fiebersaft für Kinder. 

^ Chinidini tannici 2,0 

Mflgnesiae subcarbonicae 0.5 



Sympi Sacchari 
Syrupi Liqulritiae ana 50,0. 
M. D. S. Umgeschüttelt 1^— 2-)stündlich 
einen halben (bis ganzen) Esslöffel. 

(4) Sympns contra pertussim« 

(Keuchhustensaft.) 

i)e Kalii bromati 5,0 

Magnesiae subcarbonicae 0,2. 
Contrita misce cum 

Aquae destillatae 

Syrupi Sacchari ana 100,0 

Tincturae Croci 10,0 
Tum admisce conterendo 

Chinidini tannici 5,0. 

D. S. ümgeschüttelt Vormittags von 
10 bis 12 Uhr, Nachmittags von 4 bis 
8 Uhr stündlich einen Theelöffel bis zu 
einem halben Esslöffel voll zu geben (im 
ersten Stadium des Keuchhustens). 

(5) Troehisoi roborantes. 

KraftbrOtchen. Kraftpastillen. 
B lutundeisenbrötchen. 

ly: Chinidini tannici 30,0 

Pulveris aromatici 5,0 

Corticis Aurantii fructus 2,5 

Vanillae saccharatae 5,0 

Tragacanthae 20,0 

Sacchari albi 300,0 

Magnesiae subcarbonicae 2,5 

Ligni Santali rubri 5,0 

Aquae Aurantii floram 50,0 

Glycerinae 20,0. 
Exacte mixtis adde 

Fern oxydati fusci 20,0 

Magnesiae subcarbonicae 2,5 

Sacchari albi 50,0 

Glycerinae 10,0 

Aquae destillatae 5,0 
antea optime contrita. 
Fiant trocnisci trecenti (300), qui loco vix 
calido paullulum desiccati in vitro clause 
serventur. 

Täglich 2— 4 mal je 2—3 Stück zu 
geniessen (3 — 4 Wochen hindurch bei 
Schwäche des Körpers und des Geistes, 
Hinfälligkeit, Hysterie, Blutarmuth, blasser 
leidender Gesichtsfarbe). 



278 



Ohinidinum. — Ghininum. 



(6) Troehisci roborantes infantnm, 

Kinder-Kraft-Brötchen« Keachhusten- 

Pastillen. 

^ Chinidin! tannici 20,0 

Magnesiae subcarbonicae 2,5 
Tragacanthae 20,0 
Sacchari albi B00,0 
Ligni Santali rnbri 5,0 
Palveris aromatici 2,0 
Ferri oxydati fusci 20,0 
Glycerinae 30,0 
Aquae destillatae 40,0 vel q. s. 



M. Fiat massa plastica, ex qua formentar 
trochiBci tiecenti (300). Ligno Santali 
rubri conspergantur. Loco vix calido 
p^uUum modo siccati in vase clause ser- 
ventur. 

1—2 — 4 Pastillen den Tag über zu neh- 
men. (Bei Keuchhusten im zweiten Sta- 
dium, bei Wurmleiden, trocknem Husten 
der Kinder, bei blasser Gesichtsfarbe trotz 
ausreichender Ernährung). 

Diese Brötchen haben sich als ein vor- 
tre£fliches Präservativ bei Diphtheritis er- 
wiesen. Sie werden langsam zerkaut und 
langsam verschluckt 



Chinlnum. 

Chinin (und auch Chinidin) und seine Salze geben beim Erhitzen über* 
150^ C. in Chinicin (C20H24N2O2) über, z. B. liefert Chininsulfat bis zum 
Schmelzen erhitzt Chinicinsulfat. Chinicin ist amorph, bildet aber krystallisirbare 
Salze und lenkt den polarisirten Lichtstrahl schwach nach rechts ab. Es prä- 
existirt nicht in den Chinarinden. 

Die Fluorescenz des Chinins tritt in der schwefelsauren Lösung am kräf- 
tigsten hervor, wird aber durch viele Säuren und Salze, besonders Salzsäure und 
Chloride gestört, abgeschwächt oder ganz aufgehoben. 

lieber das specifische Drehungsvermögen der Chinaalkaloüde und die quanti- 
tative Analyse der Gemische von 2 — 3 dieser Alkalolde mit Hülfe des Polari- 
strobometers existirt von Oudbmanns jun. eine ins Deutsche übertragene Arbeit: 
Annalen der Chemie und Pharm. Bd. 182 S. 33 u. f., im Auszuge: Jahresbe- 
richt über die Fortschritte der Pharmacognosie, Pharmacie und Toxicologie von 
Prof. Dr. G. Dragendokff Jahrg. 11, 1876, S. 480 u. f. 

Wässrige Chininlösungen erleiden unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes eine 
Veränderung, und das Chinin geht in Chiniretin über (Flückigee). Vergl. 
unter Chininum sulfuricum. 

Zur Bestimmung des Chinin-, beziehendlich China-Alkalold- Gehaltes 
in pharmaceutischen Präparaten oder Mischungen genügt meist ein Mischen mit 
Kalkhydrat, Eintrocknen und Extrahiren mittelst Weingeistes. Dieser Modus ist 
in den Fällen zu empfehlen, wo noch Farbstoffe interveniren. Die weingeistige 
Lösung wird fast zur Trockne abgedampft und der Rückstand mit schwefelsaurem 
Wasser aufgenommen. Harz- und Fettsubstanzen werden damit zugleich beseitigt. 
Einfache Chinaalkalol'dlösungen werden concentrirt, mit Aetznatron versetzt und 
mit den verschiedenen Lösungsmitteln wie Aether, Chloroform ausgeschüttelt. 
Aether löst nur Chinin neben Spuren der anderen Alkalolde. Vergl. auch Handb. 
Bd. I, S. 829. 

Um den Chiningehalt zu bestimmen macht man das Chinin mittelst 
Aetzammons oder Aetznatrons frei und schüttelt mit Aether aus. Der Verdampf- 
ungsrückstand der Aetherlösung ist nach Allen C20IJ24N2O2 + HgO (und nicht 
3K2O). Die Ausschüttelung ist sofort nach der Fällung auszuführen, ehe das 
ausgeschiedene Chinin in den krystallinischen Zustand übergeht. Im Allgemeinen 
ist der Verdampfungsrückstand amorph, wird aber bei mehr als 100® C. theil- 
weise krystallinisch. Der Aether löst von dem amorphen Alkalold circa 1/30 seines 
Gewichtes, von dem krystallinischen circa Ydo« 



Ohininum. Chinetum. 279 

Nach dem Ausschütteln mit Aether^ schüttelt man mit Amylalkohol oder 
Chloroform aas, um die anderen Chinaalkalolde zu sammeln. Man kann auch 
die Flüssigkeit mit Natriumbicarbonat versetzen, eindampfen, austrocknen und mit 
Weingeist extrahiren, wenn andere Substanzen abwesend sind, welche sich in 
Weingeist lösen würden. 

Der aus schwefelsaurer Lösung mit Kaliummercurijodid gefällte Nie- 
derschlag enthält in 29 Th. 10 Th. Chinin (Pbescott). 

Der durch Phosphormolybdänat gefällte, ausgewaschene und unter 
70» C. getrocknete Niederschlag enthält in 36,65 Th. 10 Th. Chinin (Loob). 

CUniTdinjodosvIfat, ein Reagens zur Bestimmung des Chinins, von De Vrij 
vorgeschlagen, ist eine Herapathit-artige Verbindung, löslich in 6 Th. 90proc. Wein- 
geist Zur Darstellung werden 2 Th. schwefelsaures ChinoKdin (sogen, amorphes 
schwefelsaures Chinin) in 8 Th. Wasser mit ö Proc. Schwefelsäure gelöst. Zur 
klaren Lösung fügt man langsam unter Umrühren eine Lösung von 1 Th. Jod 
und 2 Th. Jodkalium in 100 Th. Wasser. Dadurch entsteht ein orangegelber 
flockiger Niederschlag, der beim gelinden Erwärmen harzartig zusammenballt. 
Man deeanthirt, wäscht mit warmem Wasser und trocknet im Wasserbade. Ein 
Theil des Rückstandes wird in 6 Th. warmem 93 proc. Weingeist gelöst. Beim 
Abkühlen scheidet sich etwas ab; die klare überstehende Flüssigkeit wird im 
Wasserbade eingedampft und der Verdampfungs- Rückstand in 5 Th. kaltem 
Weingeist gelöst, wobei wieder etwas zurückbleibt. Diese Lösung ist das Reagens. 

Zur Bestimnftmg des Chinins in einem Gemenge von ChinaalkaloMen löst 
man 1 Th. des letzteren in 20 Th. 90 — 92 proc. Weingeist, welcher 1,6 Proc. 
Schwefelsäure enthält, und fällt durch tropfenweises Hinzufügen des obigen Re- 
agens aus einer Pipette, bis die überstehende Flüssigkeit durch Gelbfärbung einen 
geringen üeberschuss des Fällungsmittels anzeigt. Man erhitzt das Gefäss mit 
dem Lahalt im Wasserbade bis zum beginnenden Kochen und filtrirt nach dem 
Erkalten. Der Niederschlag wird mit emer gesättigten Lösung des ChinoTidinjodo- 
snlfats in Weingeist gewaschen, zwischen ührgläsem getrocknet und gewogen. 
Der Umstand, dass das jodschwefelsaure Chinin in Alkohol zwar schwer, doch 
nicht ganz unlöslich ist, sowie dass beim Auswaschen mit der Lösung von jod- 
Bchwefelsaurem Chinoldin etwas von diesem in dem Niederschlage zurückbleibt, 
macht eine Correction des Gewichts nöthig, die eben durch das Löslichkeitsver- 
hältniss des jodschwefelsauren Salzes bestimmt wird. Ein Theil des Jodschwefel- 
sauren Niederschlags entspricht 0,5509 wasserfireiem oder 0,7345 schwefelsaurem 
Chinin. 

Chinin-Ausschläge bei Arbeitern in Chininfabrikon und auch mitunter 
nadi Gebrauch von Chinin und der anderen Chinaalkalolide beruhen auf Idiosyn- 
krasie und individueller Empfindlichkeit. Emollientia sollen zur Heilung genügen. 

Chinetum, QninetoiH (Chininm Brasiliense) ist ein Gemenge von Alkalo'iden, 
Chinin, Cinchonidin, Cinchonm in einem ungefähren Verhältniss von 1:4:2, 
mittelst sauren Wassers aus der Javanischen Rinde der Cinchona succirubra 
extrahirt, mit Natron ausgefällt und getrocknet. Dieses Gemisch bildet ein weiss- 
gelbliches trocknes bitteres Pulver. In Holland wird es viel angewendet. 
Dieses Präparat ersetzt auch das sogenannte Pseudo-Chinin. 

CkiBetom (({viiietam) Sftlfnricvm ist das mit schwefelsaurem Wasser aus der 
Rinde der Javanischen Cinchona succirubra extrahirte, mit Natron gefällte und 
dann mit Schwefelsäure saturirte und eingetrocknete Alkaloidgemisch. 

Zur Prüfung des Chinets und ähnlicher Präparate auf gute Beschaffenheit 
genügen nach Haos;^: 

1) die voUsändige Löslichkeit in 7 Th. Chloroform von 1,494 spec. Gew. 



280 ChininuBL Chinetum. 

• 

Ein sehr gutes Präparat bedarf selbst nur 6 Th. Chloroform. — 2) Ein Gehalt 
von mindestens 95 Proc. Alkalold. Man löst 0,5 des Ghinets in 20 CC. Wasser 
nnd 10 CO. verdünnter Schwefelsäure und versetzt die Lösung mit 120 CC. einer 
bei gewöhnlicher Zimmertemperatur gesättigten wäasrigen Pikrinsäurelösung. Sollte 
sich der Niederschlag nicht schnell absetzen und die über demselben befindliche 
Flüssigkeit sehr trübe sein, so setzt man noch 5 CC. verdünnte Schwefelsäure, 
auch wohl noch 20 CC. Pikrinsäurelösung zu. Die Fällung ist immer nur eine 
vollständige bei Gregenwart einer genügenden Menge fireier Schwefelsäure und 
überschüssiger Pikrinsäure. Der Niederschlag setzt sich bald ab und die dar- 
überstehende Flüssigkeit ist klar oder fast klar. Nach einer Stunde sammeU 
man den Niederschlag in einem Trichter, der mit einem Glaswollenbäuschchen ge- 
schlossen ist, wäscht ihn hier mit kaltem Wasser nach, bis die abtropfende Flüs- 
sigkeit die zuerst abgelaufene zu trüben beginnt. Den Niederschlag entwässert 
man durch Drücken zwischen Fliesspapier einigermassen und trocknet ihn in 
einer Wärme, welche 40® C. nicht überschreiten darf. 

Aus 1,0 eines tadellosen Chinets müssten mindestens 2,0 Pikrinat erlangt 
werden. Ein Chinet aus der Handlung von Gehe & Co. ergab 2,3 Pikrinat. 
Ein von de Vru besprochenes Präparat hatte kaum den halben Werth des 
Deutschen Präparats. 

E. DE Yru giebt zur Prüfung des Chinets (im Joum. de Ph. et de Ch.) 
eine Anweisung, hat aber die Löslichkeit in Chloroform ganz unbeachtet gelassen, 
obgleich die nicht vollständige Löslichkeit in dieser Flüssigkeit auf einen über- 
wiegenden Gehalt an Cinchonin hindeutet. De Vbu betont die völlige Löslichkeit 
in Weingeist, welcher aber auch etwa beigemischtes Cinchonin lösen würde. Man 
soll nach de Vru femer S,l des Chinets mit 10 CC. Normal-Salzsäure über- 
giessen und maceriren. Es muss Lösung erfolgen, welche selbst noch eine al- 
kalische Reaction wahmehmeh lässt. Wäre sie sauer, so macht man sie mit 
etwas Aetznatronlösung neutral und versetzt sie mit 2,0 gepulvertem Seignette- 
salz (kryst. Ealiumnatriumtartrat) , dampft im Wasserbade fast zur Trockne ein, 
nimmt den Rückstand mit 60 CC. Wasser auf, erhitzt bis zur Temperatur des 
Wasserbades und stellt zum Erkalten bei Seite. Der Niederschlag wird ge- 
sammelt, mit einer massigen Menge Wasser ausgewaschen, durch Pressen zwischen 
Fliesspapier möglichst entfeuchtet, das Tartrat aus dem Filter genommen und in 
einem Schälchen im Wasserbade völlig trocken gemacht Ein gutes Chinet soll 
mindestens 2,015, d. h. 65 Proc. Tartrat ausgeben. 

Die vom Tartratniederschlage gesammelte Mutterlauge dient nach de Vbij 
zum Nachweise der Abstammung des Chinets, ob dieses auch wirklich aus der 
Rinde der Cinchona sticcirubra hergestellt ist und nicht etwa ein entsprechendes 
künstliches Gemisch aus Cinchonidin und Cinchonin vorliegt. Man soll nämlich 
diese Mutterlauge mit Aetznatron versetzen und den daraus hervorgehenden Nieder- 
schlag nach dem Trocknen mit Aether behandeln, welcher nur das amorphe Al- 
kaloYd (Sebtübneb's Chino'idin) mit Spuren von Chinamin und Chinidin löst, 
während Cinchonin ungelöst bleibt. 

(1) Pilnlae Chineti« (2) PulTeres emn Chineto. 

lyr Chineti 5,0 i^ Chineti 2,0 

Acidi muriatici diluti 7,5 Acidi tartarici 1,C 

Glycerinae 2,0 Sacchari lactis 

Tragacanthae 5,0 Sacchari albi ana 4,0. 

RaäciB Gentianae pulv. q. s. M. f. pulv. Divide in partes aequales do- 

M. f. piluke centum. Pulvere Cassiae cem (10). 

cinnamomeae consperge. D. ad vitrum. D.S. Dreistündlich ein Pulver zu nehmen. 



Chininnm. Chiniom (amorpli.). Chinin, ferro- citrio. 



281 



Eeknsr's übersichtliche ZuBammenstellung der Charakteristik der 

vier hauptsächlichsten Chinaalkalolde. 

Drehen die Polarisationsebene nach Links. Bil- 
den in Wasser sehr schwer löslich e Monotartrate. 



Isomere Al- 
ka loTde von 
der Formel: 
C»H^N203 
+ xH^O. 

Ihre Lösungen 
in Sanerstofif- 
sauren fluo- 

resciren 
blau. Die Lö- 
sungen ihrer 
Sake geben 
mit Chlorwas- 
ser und Ämmon 
eine charakte- 
ristische 
Grttnfär- 
bang. Die rei- 
nen AlkaloYde 
bilden krjstal- 
linische Hy- 
drate, welche 
verwittern. 



Chinin. 

In Aether leicht lös- 
lich. Seine meisten Salze 
sind weit schwerer lös- 
lich, als die entsprechen- 
den Salze der übrigen Chi- 
naalkaloYde.^ Bildet einen 
in Alkohol schwer lös- 
lichen , charakteristischen 
Herapathit. 






Chinidin. 

In Aether schwer lös- 
lich. Bildet ein in Wasser 
und Alkohol sehr schwer 
lösliches , krystallinisches 
Hydrojodat. 



Cinchonidin. 

In Aether sehr schwer 
löslich. Bildet derbe, 
grosse wasserhelle Kry- 
stalleals Hydro chlor at. 
Kommt in 2 Modifica- 
t i n e n vor, die sich durch 
die Form der Sulfate 
unterscheiden. 



Cinehonin. 

In Aether am schwer- 
sten löslich. Wird aus^ 
massig verdünnten neu- 
tralen Lösungen durch K J 
nicht gefällt. Das Hy- 
drojodat ist in Alkohol 
leicht löslich. 



Isomere Al- 

kaloYde von 

der Formel: 

C20H24N2O. 

Ihre sauren Lö- 
sungen fluo- 

resciren 
nicht und ge- 
ben mit Chlor- 
wasser und Am- 
mon keine 
Grtinfär- 
bung. Die rei- 
nen Alkalo'ide 
krystallisiren 
wasserfrei 
und verwit- 
tern daher 
nicht. 



Drehen die Polarisationsebene nach Bechts. 
Ihre Monotartrate sind in Wasser relativ leicht 

löslich. 

Chiniim, CUniniuii amorpkum, Qnininm, ist eine dem Chinoldin nahestehende 
Substanz und bereits im Handbuch Bd. I, S. 840 als Chininum crudum auf- 
geführt. 

MOENS fand in 100 Th. desselben 17,20 Chinin, 4,53 Chinidm, 7,90 Cin- 
ehonin , 1,10 Cinchonidin, 20,45 amorphe Chinabasen, 4,60 Chinovin, 1,05 un- 
organische Bestandtheile (Asche) und 15,83 Wasser. 

Diesem Präparat kann ohne Bedenken Chinoldin substituirt werden. 

Chiniiam chioicvm, cMnasaares Ghinin, ChinineUnat (C2oH24N202[C7H]20e]2 
-f 2H20) wird entweder dargestellt durch Sättigung der Chinasäure mit frisch 
gefülltem Chininhydrat oder aus 100 Th. trocknem Baryumchinat und 85 Th. 
Chlninsulfat, welches in 1000 Th. destill. Wasser, versetzt mit ICf Th. conc. 
Schwefelsäure, gelöst ist. Das Baryumchinat wird mit Wasser zu einem dünnen 
Brei angerührt nach und nach der Chininlösung zugesetzt. Enthält eine abfil- 
trirte Probe noch Baryt oder Sulfat gelöst, so ist noch eine entsprechende kleine 
Menge Chminsulfat oder Baryumchinat hinzuzusetzen. Das Filtrat, welches von 
Baryterde oder Sulfat frei sein muss, wird im Wasserbade eingedampft, bis zur 
Consistenz eines dicken Teiges gebracht, in Lamellen zerzupf! und an einem lau- 
warmen Orte völlig ausgetrocknet und zerrieben. Auch streicht man die symp- 
dicke Lösung auf Glastafeln aiis und trocknet, aber immer am lauwarmen Orte, 
un eine warzige Erystallbildung zu erzielen. 

Chininchinat bildet ein weissliches oder weisses, sehr bitter schmeckendes 
Pulver, löslich in 4 Th. Wasser, leicht löslich in Weingeist. 

Eb ist von Courier zu hypodermatischen Injectionen empfohlen worden. 

CUlilum eitrieiun, Handb. Bd. I, S. 841, ist das basische Salz von neutraler 
Beaction. Ein Bericht über Constitution und Darstellung der Chinincitrate von 
Makdelin findet sich im Arch. der Pharm. 1879. 

Clminsn ferrt-dtriciim. Behufs Bestimmung des Chiningehaltes löst man in 
wenig warmem Wasser, setzt Barytwasser bis zur alkalischen Reaction hinzu, er- 
wärmt kurze Zeit und filtrirt. Der auf dem Filtrum freiwillig getrocknete Rück- 



284 Chininum hydrochloricuin,-ureato-hydrochloric. 



Ohininnm hydrochloiicnm. 

Zur Prüfung des Chininhydroclilorats nach der HESSE'schen Cluninprobe werden 
0^5 dieses Salzes mit 0,25 krystallisirtem Natriumsulfat (Glaubersalz) und 10 CQ. 
Wasser von 60 bis 62^ C. geschüttelt, davon nach dem Erkalten 5 CC. in das 
Chinometer hineinfiltrirt etc. (vergl. S. 289). 

Die Prüfung dieses Salzes auf Verunreinigung mit Chinidin, Cinchonidin, so- 
wie mit Salicin, Salicylsäure, Morphinsalzen lässt sich einfach durch folgendes Ver- 
fahren den für Chininsulfat geltenden Proben Keeker*s (Handb. Bd. I, S. 849) 
und Hager's (Ergänz.-Bd. S. 287) anpassen. In einem Glaskölbchen löst man 2,25 g 
des Chininhydrochlorats in 25 CC. kochend heissem Wasser, versetzt die Lösung 
alsdann mit 10g kryst. zerriebenem Natriumsulfat, schüttelt wiederholt kräftig 
um und bringt die Temperatur der Mischung auf 14 — 15® C. Nach Verlauf 
einer Stunde wird filtrirt und von dem Filtrate zur KERNBR'schen Probe genau 
6 CC; au den HAGEE'schen Proben je 5 CC, verdünnt mit 1 CC Wasser, ver- 
wendet. 

Ckininvm bikydrocklorieiim,' Chininnm Mskydroehloratam , Ckininum bimvri- 

aticam, saures salzsaures Chinin, ein Gemisch von Chininhydrochlorat mit einem 
gleichen Aequivalent Salzsäure. Es bildet weisse Massen, welche man erlangt, 
wenn man 400 Th. kryst. Chininhydrochlorat genau mit 100 Th. Salzsäure von 
1,181 spec. Gew. (also mit 36,5 Proc. Chlorwasserstoff) mischt und über Aetzkalk 
im geschlossenen Räume austrocknet. Es ist dieses Gemisch zu subcutanen In- 
jectionen empfohlen. Für diesen Zweck dürfte die Darstellung ex tempore jeder 
Zeit ausreichen. Man giebt in einen Glaskolben 10 g des officinellen Chinin- 
hydrochlorats, dann 3 g destill. Wasser und 3,6 g Salzsäure von 1,124 spec. Gew. 
oder 7,3 g verdünnte Salzsäure von 1,061 spec. Gew. und dann so viel Wasser, 
dass das Gewicht der Mischung 20 g beträgt, endlich erwärmt man auf circa 
50*^ C Sollte beim Stehen der Lösung eine Ausscheidung stattfinden, so genügt 
eine laue Wärme zur Wiederlösung. 1 g enthält 0,5 g neutrales Chininhydrochlorat. 

Gkininvm vreato-kydroekloricjim, Ckininom bimoriatienm earbamidatom, 
Hydrochloras Chinin! et llreae, Chininhamstoffhjdroehlorat, eine Doppelverbindung des 
Chininhydrochlorats mit Harnstoffhydrochlorat, 69 Proc. Chinin enthaltend. 

Darstellung. 400 Th. Chininhydrochlorat werden in 300 verd. 
Salzsäure (1,061 spec. Gew.) gelöst, mit 60 — 61 Th. völlig reinem Harn- 
stoff versetzt, bis zur Lösung erwärmt, durch Glaswolle filtrirt und zur Kry- 
stallisation beiseite gestellt. (Den Hamstofi reinigt man nöthigen Falles durch 
Umkrystallisiren aus 95 Proc. Alkohol oder aus absolutem, falls der Harnstoff 
feucht ist.) Die nach 24 Stunden gebildeten Krystalle bringt man auf einen 
Trichter , lässt abtropfen , wäscht mit destillirtem, möglichst kaltem Wasser nach, 
breitet sie auf flachen Tellern aus und trocknet bei Zimmertemperatur. Die 
Mutterlauge wird eingedampft (die Verbindung des Chinins mit Harnstoff erleidet 
in wässriger Lösung beim Kochen keine Zersetzung oder Farbenveränderung, auch 
ist das Sonnenlicht ohne Einfluss auf eine concentrirte Lösung) und wiederum 
zur Krystallisation hingestellt. Die letzte, braungefUrbte Mutterlauge überlässt 
man in einer Schale der freiwilligen Verdunstung, wobei alles Chinin allmählich 
herauskrystallisirt und entfernt werden kann; was nun hinterbleibt, stellt eine 
dickliche, braunem Syrup ähnliche Masse dar, die keine Krystalle mehr ausson- 
dert, selbst bei — 18^ nicht gefriert und fast vollständig aus einem neuen Al- 
kalo'id — Cinchonichin — besteht (Drygin). Nach Kahl Jaff^'s Angaben ißt 



Chininnm nreato-hydrochloricum. — Chininam snlfaricam. 285 

dieses Chininsalz hygroskopisch und soll die wässrige Losung sich bald an der Luft 
br&onen. 

Eigenschaften. Das Chininam bimuriaticnm carbamidatam krystallisirt aus 
heissen Lösungen in harten, weissen, zusammenhängenden, vierseitigen Prismen. 
Bei freiwilligem Verdunsten einer concentrirten Lösung entstehen sehr grosso, 
häufig durch die ganze Schale sich erstreckende, durchsichtige Prismen. Das 
Salz löst sich bei gewöhnlicher Temperatur in seinem gleichen Gewicht Wasser, 
eine etwas dickflüssige, am Licht sich nicht verändernde Flüssigkeit von stroh- 
gelber Farbe bildend. Während des Auflösens findet eine bedeutende Tempe- 
raturemiedrigung statt. 

Eß ist nicht hygroskopisch und verwittert nicht, nur beim Erwärmen werden 
die Krystalle trübe und gelblich. Bei 70 — 75® schmelzen sie unter Verlust von 
10 Proc. Wasser zu einer gelblichen Flüssigkeit, welche nach dem Erkalten zu 
einer gelblichen Masse erstarrt. Lässt man die Masse an der Luft stehen, so 
zieht sie nach einigen Tagen die ganze Menge des verloren gegangenen Wassers 
an und wird wieder weiss. Löst man das geschmolzene Salz in Wasser, so lässt 
es sich vollständig in Erystallen wieder gewinnen. Auch in Weingeist ist es 
löslich und wird durch Aether aus dieser Lösung ein, wie es scheint, zum Theil 
zersetztes Salz ausgefällt (Dbygin). **") 

Anwendung. Die therapeutischen Versuche mit diesem Chininsalze haben gute 
Resultate ergeben, doch dürfte die geringe Dauer seiner wässrigen I^sung seinem 
Verbrauch hindernd entgegentreten. Im Hamburger Hospital wurden 60 proc. Lö- 
sungen zu subcutanen Injectionen angewendet (unter die Rückenhaut 1 — 3 Pra- 
vazspritzen). Die locale Reaction bestand in einem brennenden, 1 — 2 Stunden 
dauernden Schmerz, welcher sich nach Bleiwasserumschlägen bald legte. Die 
Nebenwirkungen des Chinins treten nur im mildesten Grade auf. Die subcutane 
Anwendung empfiehlt sich besonders bei gleichzeitiger Dyspepsie und gastrischen 
Zuständen. Endlich ist damit, wie versichert wird, eine Ersparung verbunden, 
insofern halb so grosse Dosen, wie solche vom Chininsulfat üblich sind, den Heil- 
zweck erreichen lassen sollen. 



Chininnm snlfaricum. 

Der Wassergehalt des neutralen Chininsulfats von der Formel (C20H24N2 0.2)2, 
S04H^ + 8H2O beträgt 16,6 Proc, mit 7,5 HjO Krystallwasser 15,8 Proc., 
mit THgO 14,45 Proc. Das im Handel vorkommende Salz hält meist 14,5 — 
15,5 Proc- Wasser. Eine Beschwerung mit Wasser würde nur in den unteren 
Schichten des gekauften Quantums anzunehmen sein. Zur Prüfung auf den 
Wassergehalt ist deshalb eine Durchmischung des ganzen Quantums nothwendig. 
1,0 g des Salzes muss nach dem Austrocknen im Wasserbade mindestens 0,834 g 
Rückstand ergeben. Ein grösserer Eintrocknungverlust deutet auf eine Anfeuch- 
tung. In der Wärme des Wasserbades wird die Austrocknung perfect, nur er- 
fordert sie mehrere Stunden. Am besten ist es, das Chininsalz in eine so grosse 

*) Cinchonichin nennt Drygin ein von ihm in der Mutterlauge des in Rede 
Ptehenden Salzes aufgefundenes AlkaloYd. Es ist in Aether schwer, in Chloroform 
leicht löslich. Aus der weingeistigen Lösung wird es durch Wasser in Form kleiner 
ftlünzender Tafeln gefällt. Das neutrale Sulfat ist sehr schwer in Wasser löslich, 
rinehonichin hält Farbstoffe energisch zurück. Auch in Cbininsalzen will Drygin 
dieses AlkaloYd angetroflfen haben. ^Vergl. Jahresbericht über die Fortschritte der 
Pharmacognosie, Pharmacie und Toxicologie von Dragendorpp, 13. Jahrgang 1878. 
Gottingen 1879, S. 477 etc.) 



2B6 Chininam sulforicam. Prüfang. 

Kapsel aus Schreibpapier einznschliessen , dass die Dicke der Schicht circa 3 mm 
beträgt, und seine AustrocknuBg einen Tag lundurch zu bewirken. 

Das Chininsulfaty welches in Weissblechgefässen aufbewahrt wird oder darin 
lagert, erleidet stets einen Verlust an Erystallwasser. Man kann diesen Verlust 
pro Kilog. des Chininsulfats bei einer Temperatur von 15 — 20® C. im Verlaufe 
eines Monats auf 1 g veranschlagen. Weissblech hält eine Abdunstung des Wassers 
sehr zurück, verhindert sie aber nicht. 

In wässrigen Chininlösungen, welche der Einwirkung des Sonnenlichtes aus- 
gesetzt sind, ensteht unter bräunlicher Färbung der Flüssigkeit Chiniretin, eine dem 
Chinin isomere, nicht alkaloldische Substanz. Sie ist unlöslich in Weingeist, 
Aether, Wasser, wohl aber in Säuren, ohne dieselben zu neutralisiren. Die salz- 
saure Lösung ist braun, von bitterem Geschmack. Gerbsäure fällt nicht, wohl 
aber Kaliummercurijodid, so auch Natriumchlorid, Ammoniumchlorid (Flückigeb). 
Pharm. Centralh. 1878, S. 376. 

Geschmackscorrigentien des Chinins sind Kaffee, Chloroform, Zimmt, 
Süssholz. Battebbuby hat gefunden, dass Milch am besten den bitteren Ge- 
schmack verdeckt. 0,3 g Chininsulfat in einem Trinkglase Milch schmeckt kaum 
bitter. 

Dass sich Chininsulfat bei Diphtheritis vor allen anderen Mitteln als das 
beste und sicherste Heilmittel erwiesen hat, wird von allen Seiten bestätigt. 

Die im Handbuche Bd. I, S. 849 angegebene KEBNER'sche oder Ammo- 
niakprobe, welche 1 — 2 Proc. Cinchonidinsalfat übersehen lässt, hat ihr Autor 
verbessert und sie behufs des Nachweises und der Bestimmung des Cinchonidin- 
sulfats in die Form einer Titrirung eingekleidet (Arch. der Pharm. 1880, März- 
heft). Zur Probe gehört ein Glascylinder , ein Maassinstrument für die 10 proc. 
Aetzammonflüssigkeit mit Theilungen, welche bis zu Y20 ^^* angaben. 5 g des 
Sulfats werden mit dem kalten Wasser im Mörser angerieben und in ein Stöpsel- 
glas mit so viel Wasser eingefüllt, dass dieses 50 CC. beträgt. Die Mischung 
soll 12 — 18 Stunden unter öfterem Schütteln beiseite stehen (Kebkeb sagt ohne 
Erwärmen 12 — 18 Stunden digeriren). 

Man bringt nun von dem filtrirten wässrigen Chininsalzauszuge 5 CC. in einen 
in mindestens Yio ^^« götheilten und 10 CC. fassenden Cylinder, setzt Ammoniak- 
flüssigkeit von 0,92 spec. Gew. zunächst nur 3 CC. zu und schwenkt um. Das 
Gemisch wird in den meisten Fällen noch stark trübe sein. Es wird nun weiter 
in kleinen Portionen Ammoniak, zuletzt tropfenweise zugesetzt, bis die Endreaction 
(vollkommene Klarheit) eintritt. Der Verbrauch an Ammoniak für 5 CC. Clüninsalz- 
lösung wird direct abgelesen. Nimmt man für einen Verbrauch von 5 CC. Am- 
moniakliquor auf 5 CC. Chininsalzlösung rund 1 Proc. Cinchonidinsulfat an, eine 
vollkommene Klarheit bei 3 CC. Ammoniakliquor gleich OProc., so lässt sich aus der 
vorhandenen Anzahl CC. Ammoniak (zwischen '^^/jq und ^^/jo CC.) annähernd 
die kleine in ^lo Pi'ocenten sich bewegende Menge Cinchonidinsulfat abschätzen. 
Jedenfalls aber lassen sich in dieser Weise durch parallel laufende Versuche unter 
ganz gleichen Verhältnissen verschiedene Chininsulfate sehr scharf prüfen. 

Die Ammoniakzusätze sind in Zwischenräumen von circa 10 Secunden zu 
machen. Werden 5 g Chininsulfat mit 50 CC. Wasser verrieben und gemischt, 
dann filtrirt, so beträgt das Filtrat circa 40 CC, ist also ausreichend den Ver- 
such 4 — 5 mal zu wiederholen und aus den Resultaten die Durchschnittszahl als 
die zutreffende anzusehen. 0,288 CC. oder rund ^/lo CC. Ammoniakliquor von 
0,920 spec. Gew. entsprechen einem Milligramm kryst. Cinchonidinsulfat oder 
0,1 Proc. dieses Salzes im Chininsulfat. Bei mehr als 1,5 Proc. des Cincho- 
nidinsulfatgehaltes im Chininsulfat wäre diese Prüfungsmethode nicht anwendbar. 

Ehe diese neue Ammoniakprobe bekannt wurde; hatte Hageb folgendes Ver- 



Chininom sulfarlcum. Prfifnng. SB 7 

fahren eingeschlagen, welches er stets der alten EöBNEB'schen Ammoniakprobe 
folgen Hess und ihm oft da noch Vernnreinignngen anzeigte, wo die Ammoniak- 
probe das Chininsnlfat als ein reines erkennen liess. Da sich diese Probe mit der 
KEKKER'schen Ammoniakprobe Terschwistem lässt und sie kurz und nmstandslos 
ist, so glaubt Hageb sie seinen Fachgenossen empfehlen zn müssen. 

Man sehüttele 2,5 g des neutralen Chininsulfats mit 25 CO. Wasser von 16^ C, 
macerire 15 Minuten, schüttele wieder um und filtrire. So erhält man circa 20 CC. 
Fiitrat, von welchem 5 CC. für die KEBNEB*sche Ammoniakprobe, dann aber 
4—5 CC. für die folgende Kjiliumjodid - und 4—5 CC. für die Kaliumtartrat- 
probe, der Rest für die Prüfung auf Morphin, Salicin, Salicylsänre etc. zu ver- 
brauchen sind. Also je 4 — 5 CC. des Filtrats versetzt man: 

1) mit 5 Tropfen Kaliumjodidlösung (1 :.20). Bei reinem Chininsulfat 
erfolgt eine äusserst geringe, opalescirende Trübung oder bei einem ziemlich 
reinen, nur Spuren Chinidin enthaltenden Chininsulfat eine die Durchsichtig- 
keit der 1 Ctm. dicken Flüssigkeitssäule nicht völlig aufhebende Trübung, bei 
grösserem Chinidingehalt aber eine Fällung. 

2) mit circa 2 CC. einer Kaliumtartratlösung (1 : 5). Bei reinem 
Chininsulf at erfolgt keine Veränderung, bei einem Cinchonidin enthaltenden Chi- 
ninsulfat entsteht sofort oder im Verlaufe von 15 Minuten ein kömig krystallinischer 
Niederschlag, welcher sich zum Theil an die Gefässwandung , dieselbe trübend, 
ansetzt. Kleine nadeiförmige Krystalle, welche etwa bei niedriger Temperatur 
entstehen, sind nicht Cinchonidinsalz. 

Sowohl die EERNEs'sche Ammoniakprobe wie die beiden vorstehenden Proben 
beruhen auf dem Lösungsverhältniss der ChinaalkaloYdsulfate in Wasser von 
+ 15® C. Diesen drei Proben, ausgezeichnet durch Bündigkeit und leichte Aus- 
führung, entgeht kerne der in Rede stehenden Verunreinigungen. 

100 CC. Wasser von 1 Th. Chinaalkalotdsulfat 
15<> C. lösen ist löslich in Wasser 

Chininsulfat . . 0,133 g 750 Th. 

Chinidinsulfat . . 1,000 „ 100 „ 

• Cinchonidinsulfat . l?llln ^^ n 

Cinchoninsulfat . 1,42&„ (—2 g) 70 „ 

Wesentlich ist, will man die Annahme des Chininsalzes verweigern, die Be- 
stimmnng der Nicht-Chininalkalolde, wenn eine der drei angegeßenen Reactionen 
solche anzeigte. Eine bis zu 1 Proc. reichende Verunreinigung sollte wohl als 
eine sogenannte unvermeidliche und daher zulässige erachtet werden. Die ge- 
nanere Bestimmung, welche dem pharmaceutischen Bedürfniss genügt und leicht 
ausfährbar ist^ geschieht in folgender Weise: 

Man entnimmt von dem wohl durchmischtem Chininsulfat 2 g, übergiesst mit 
200 CC. Wasser von 15« C, schüttelt kräftig durcheinander, lässt 20 Minuten 
stehen und schüttelt dann nochmals eine Minute und filtrirt, das Filtrum nach- 
waschend, so dass das Fiitrat genau 200 CC. beträgt. Das Filtrum ist ein 
tarlrtes, vor seiner Anwendung ausgetrocknet und dann gewogen. Es wird mit 
seinem Inhalt in ein Porzellanschälchen gegeben anfangs bei geringer Wärme, dann 
im Wasserbade vollständig ausgetrocknet und sein Gewicht bestimmt. 

Das Fiitrat wird mit 6 CC. verdünnter Schwefelsäure (1 : 5) sauer gemacht 
und mittelst emer kaltgesättigten Pikrinsäurelösung im Ueberschuss versetzt, der 
Niederschlag mit einer genügenden Menge Wasser (vergl. unten) gewaschen, ge- 
trocknet und gewogen. 

Reines Chininsulfat giebt an 200 CC. Schüttelwasser von 15^ C. höchstens 
0,27 g ab, nnd 0,27 g Chininsulfat geben 0,473 g Pikrinat. Lässt man 0,274 g 
ChminBul&t oder 0;48g Chininpikrinat als äusserste Grenze gelten; so gehört 



288 Chininum Bulfnricum. Prüfung. 

das darüber hinausgehende Quantum Pikrinat den NichtrChinmalkaloIdsalfaten an. 
Dieses Uebei:gewiGht mit 1,9 dividirt ergiebt das durchschnittliche Quantum kry- 
stallisirten Nicht-Chininalkaloldsulfats in 2 g Ghininsulfat. 

Das Auswaschen des Alkaloidpikrinats mittelst Spritzflasche geschieht genaa 
so weit; bis das Abtropfende das Filtrat zu trüben beginnt , ein Zeichen, dass 
sich Alkaloldpikruiat, welches in schwefelsaurem Wasser nicht löslich ist^ im Wasser 
zu lösen anfängt. Sobald also das Abtropfende in das Filtrat niederfallend eine 
Trübung bewirkt, ist das Auswaschen sofort abzubrechen. Das Filter mit Inhalt 
wird zuerst durch sanftes Drücken zwischen Fliesspapier so weit als möglich vom 
Wasser befreit, hierauf in einer Wärme von 30 — 35® trocken gemacht, dann in 
ein kleines flaches tarirtes Schälchen gegeben und in einer stärkeren Wärme 
(40 — 80*^) ausgetrocknet. 

Hätte man nicht schon den Wassergehalt des Ohininsulfats bestimmt, so 
trocknet man 1 g desselben Chininsulfats, aus dem wohldurchschüttelten Ohinmsalz- 
Vorrath entnommen, in der Wärme des Wasserbades aus. 

Damit sind die Hauptactionen der Untersuchung abgeschlossen und man 
schreitet zu der Berechnung, welche durch folgendes Beispiel« erläutert wird. 

lg einer als reines (!) Chininsulfat gekauften Waare verlor in der Wärme 
des Wasserbades 14,2 Proc. Wasser. Der Gehalt an wasserleerem Sulfat betrug 
also 85,8 Proc. 

2 g desselben Chininsulfats mit 200 CC. Wasser ausgeschüttelt gaben an 
dieses so viel Alkaloüdsulfat ab, dass 0,9 g Pikrinat gesammelt wurden. Von 
diesen 0,9 g Pikrinat gehören (0,9—0,48 =) 0,42 g den Nicht-ChininalkaloYden 
aU; und 0,42 g Pikrinat entsprechen annähernd (0,42 : 1,9 =) 0,222 g krystalli- 
sirten Nicht-Chininalkaloldsulfat. Das untersuchte Chininsulfat enthielt also 11,111 
Proc. kryst. China- Alkaloidsulfat, welches nicht Chininsulfat ist, und berechnet 
nur 88,889 Proc. reines krystaUisirtes Chininsulfat. 

Der nach dem Ausschütteln verbleibende Chininsulfatrest aus 2 g ergab aus- 
getrocknet 1,29 g, welche (85,8 : 100 = 1,29 : x =) 1,503 g krystallisirtem 
Sulfat entsprechen. Dieser Menge sind 0,274 g krystall. Sulfat, welches vom 
Wasser gelöst wurde, zuzuzählen (1,503 + 0,274 = 1,777). Aus dieser Be- 
stimmung berechnete sich also ein Gehalt an krystallisirtem Chininsulfat von 
88,89 Proc. Somit decken sich die Resultate aus beiden Analysen. 

In sechs anderen gleichen Untersuchungen lief die Bestimmung oder Berech- 
nung nicht so glatt ab und im Procentsatze der Menge Chininsulfat ergaben sich 
Differenzen, welche sich zwischen 0,01 und 0,2 bewegten. Sie sind erklärlich 
aus der grösseren Löslichkeit des Chininsulfats bei grösserem Gehalt an Chinidin- 
und Cinchonidinsalz und aus dem Maasse der Austrocknung. Cinchonidinsulfat 
z.' B. erfordert 120® zur völligen Austrocknung. Diese Differenzen sind wohl 
unerheblich gegenüber der leichten Ausführung der Bestimmung. 

Es ist nicht zu übersehen, dass diese Bestimmungsweise eine pharmaceutische 
und nur anwendbar ist, wenn der Nicht-Chininalkaloidsulfatgehalt 50 Proc. nicht 
übersteigt. Ein solcher Fall dürfte wohl nicht vorkommen, es läge denn eine 
Verwechselung oder Unterschiebung vor. Von 7 Proben Chininsalz erwiesen sich 
nur eine als völlig rein, drei als ziemlich und drei als sehr unrein und konnten in 
der einen Probe bis zu 16 Proc. Nichtchinin- Alkaloidsulfat nachgewiesen werden. 
Dieses Präparat sollte aus Frankreich gekommen sein. Jedenfalls mahnen diese 
Beispiele, die Untersuchung nie zu unterlassen, selbst wenn das Präparat aus 
sicherer Hand bezogen wird, denn auch der brave Drohst ist vor Betrug nicht 
geschützt. 

Will man nur das ungefähre Verhältniss der verunreinigenden Alkalold- 
sulfate erforschen, so zerreibt man das Pikrinat und übergiesst es mit genau der 



Chininam sulfnricum. 289 

20 fachen Menge 90proc. Weingeist. Dieser löst nur das Chinin- und Chinidin- 
pikrinat, die anderen Pikrinate aber nicht. 

Eine Verfälschung mit Salicylsäure hat Pratebi angetroffen und ist auch von 
anderer Seite erwähnt. Eine Durchmischung damit ist wohl ausgeschlossen, viel- 
mehr wird der Fälscher eine Durchschichtung versuchen. Es ist behufs Prüfung 
eine Durchschüttelung der angekauften Chininsalzmenge erforderlich, ehe man 
0,5 g davon nimmt und mit 10 CC. Wasser und ö CC. verdünnter Schwefelsäure 
durchschüttelt. Salicylsäure wird sich nicht lösen, wenn sie in reichlicher Menge 
vertreten ist. Einige CO. dieser Flüssigkeit mit einigen Tropfen Ferrichlorid- 
flüsaigkeit versetzt wird nicht ermangeln, eine violette Färbung anzunehmen. Um eine 
quantita-tive Bestimmung zu ermöglichen, muss der ganze Chininsalzvorrath durch 
Reiben im Mörser durchmischt werden. Circa 10 g von der Masse werden mit 
Wasser, dann mit 6^ Aetznatronlauge (1,333 spec. Gew.) durchmischt, mit 
Wasser verdünnt, filtrirt, das Filtrum nachgewaschen, das Filtrat mit Schwefel- 
f^iiie übersättigt, die abgeschiedene Salicylsäure gesammelt, gewaschen und ge- 
trocknet. Der im Waschwasser und der FäUungsfiüssigkeit in Lösung gebliebene 
Theil der Salicylsäure ist noch extra zu bestimmen, oder diese Flüssigkeiten wer- 
den durch Abdampfen concentrirt und erkalten gelassen, um auf diese Weise den 
Sälicylsäurerest abzuacheiden. Das abgeschiedene Chininhydrat ist auszuwaschen und 
in einer Wärme bis zu 100® C. zu trocknen. Es muss mindestens 7,4 g oder 
74 Proc. betragen, wenn ein reines Chininsulfat vorlag. 

Chininprobe, 0. HESSE'sche. Von 0. Hesse (in Feuerbach) wurde im Archiv 
der Pharm. 1878 eine neue Chininprobe veröffentlicht. Wenn sie auch nicht 
dem Chemiker genügt, so ist sie für deu praktischen Pharmaceuten und den 
Droguisten eine ausreichende und desshalb eine recht praktische. 

Das Gefäss, von Hesse Chinometer genannt, ist ein Reagircylinder mit 
starker Wandung, so dass es mit einem Kork dicht geschlossen werden kann. 
Der Cyünder ist circa 12 Ctm. lang und 1 Ctm. weit. Aussen versieht man 
ihn mit zwei Diamantstrichen. Die eine Marke A giebt das Niveau von 5 CC. 
Wasser an und die zweite B von 1 CC. Aether über dem Wasser. Das Ver- 
fahren für die Probe ist: 

Man giebt in einen weiten Reagircylinder 0,5 des Chininsulfats und 10 CC. 
50 bis 60® C. warmes Wasser und schüttelt einige Male kräftig um. Nach 
10 Minuten werden von der erkalteten Flüssigkeit in das Chinometer bis zur 
Marke Ay also 5 CC, filtrirt, darauf Aether bis zur Marke B, also 1 CC, auf- 
gegossen und dann noch 5 Tropfen der officinellen Aetzammonfiüssigkeit (mittelst 
dnes Tropfglases) dazugegeben. Nach Verkorkung des Chinometers wird einige 
Male sanft geschüttelt und dann 2 Stunden beiseite gestellt. — Nach dieser Zeit 
darf die Aetherschicht mittelst der Loupe keine Krystalle wahr- 
nehmen lassen. — Ist also die Aetherschicht von Erystallen frei, so kann 
das Chinmsalz immer noch bis zu 0,25 Proc. Cinchoninsulfat, oder bis 0,5 Proc. 
Chlnidinsnlfat (Conchininsulfat) oder gegen 1 Proc. Homocinchonidin- und Cincho- 
nidinsulfat enthalten. Wäre mehr denn diese Mengen fremder AlkaloYde im Chi- 
ninsalze gegenwärtig, so bilden sich Krystalle in der Aetherschicht, kömige bei 
Anwesenheit von Homocinchonidin und Cinchonidin, concentrisch gruppirte Nadeln 
bei Anwesenheit von Cinchonin und Chinidin. Je grösser die Verunreinigung 
ist, um so schneller bilden sich die krystallinischen Ausscheidungen. — Zeigt 
sich nach zwei Stunden die Aetherschicht von Erystallen frei, so lockert man 
den Kork, so dass der Aether einer langsamen Abdunstung ausgesetzt ist. Bei 
0.5 Proe. Cinchonidin- und Homocinchonidinsulfatgehalt bemerkt man dann noch 
einen deutlich krystallinischen Rückstand, bei Spuren davon wenige Krystalle in 

Hftger, Plann. Praxis. Snppl. j[9 



290 



Ohininam sulforicnm. 



der aufi Chinin bestehenden amorphen Masse, bei völliger Abwesenheit jener bei- 
den AlkaloXde einen rein amorphen Bückstand. — Beträgt der Gehalt 0,5 Proc. 
Ginchoninsulfat oder 1 Proc Chinidinsolfat, so scheiden sich im Aether sofort 
nach dem Schütteln die entsprechenden Kristalle ab. — Die mikroskopische 
Prüfung anf Cinchonidin und Oinchonin siehe S. 272 und 310. 



Reinigung eines Chininsulfats von einem grösseren Gehalt an Sulfiaiten des 
Chinidins, Cinchonidins und Cinchonins geschieht in folgender Weise: Man giebt 
das Chininsalz in ein Deplacirgeföss, welches mit einer Leinwandscheibe ge- 
schlossen ist (durch üeberbinden der unteren Oeflfhung). Der dichte Verschlusß 
wird mittelst einer Gummischeibe bewirkt (welche über die Leinwandscheibe lün- 
weg gelegt ist und jederzeit entfernt werden kann). Man drückt das Chininsalz 
zusammen, bedeckt es mit einer Leinwandscheibe und begiesst mit kaltem destil- 
lirten Wasser bis zur vollständigen Durchtränkung. Nach einem Tage beginnt 
man mit der Verdrängung und setzt dieselbe langsam , jedes Rütteln des (jefässes 
vermeidend so lange fort, bis weder Kaliumjodid noch Kaliumtartrat eine Re- 
action ergiebt. Dann wird das Chininsalz unter Zusammendrücken möglichst vom 
Wasser befreit und endlich auf grossen flachen Porcellanschüsseln ausgebreitet 
und mit Leinwand bedeckt an einem Orte von 20 — 25® C. trocken gemacht. 

Das Waschwassdr wird mit Essigsäure schwach angesäuert und mit Gerb- 
säure ausgefällt, um den Niederschlag f(tr Handverkaufsartikel als Chinidin- 
tannat zu verbrauchen, oder man dampft das Waschwasser ein und macht aus 
dem Rückstande Chininum dulce oder ähnliche Präparate. 

Dass eine Reinigung in dieser Weise gelingt, hat Hageb dreimal durch 
Versuch constatirt. Der Verlust an Chinmsalz, welches in das Waschwasser über- 
ging, betrug bei einen Gehalt mit 5,5 Proc, Nichtchininalkalol'dsulfat 8,5 Proc., bei 
2,23 Proc. Nichtchininalkalol'dsulfat 6,7 Proc, bei 11 Proc. Verunreinigung 
(Chinidin und Cinchonidin) aber 18 Procent. Die Temperatur während der 
Waschung hielt sich zwischen 18 — 21® C. 

Unter Beachtung der Resultate dieser Reinigungsmethode dürfte sehr wohl 
ein total reines Chininsulfat zu erlangen sein, und dennoch ist das Chininsalz 
des Handels nur in seltenen Fällen reines Chininsalz. 



(1) Globnli Chinini sacoharati 

MUENNICII. 

Chininkugeln nach Muennioh. 

i^ Chinini sulfurici 

Acidi tartarici ana 1,0 
Aquae destillatae guttas 2. 
Mixti^ adde. 

Sacchari albi 2,0 (—3,0). 
Fiat inassa plastica, quae in partes aequalcs 
dividatur. Quae vis pars ad globulum 
formata et Saccharo lactis pulverato 
conspersa dispensetur. 
Dif'se Form dient, um grössere Dosen 
Chininsulfat anf einmal zu nehmen. Die 
Kugel wird auf die Zunge genommen und 
mit Wasser in den Speisekanal einge- 
führt. 

(2) Liquor Chinini aethylosnlforici 

ad injectiones subcutaneas. 

i^ Chinini aethylo-sulfurici 2,5. 



Solve in 

Aquae destillatae 3,5 

Spiritus Vini diluti 1,5. 
Si opus fuerit, per lanam vitream fhnde. 
D. S. Zur subcutanen Injoction. (Die- 
selbe hat keine widerwärtigen örtlichen 
Nachwirkungen zur Folge.) 

(3) Mixtura antidlphtheritica Wiss. 

Vf Chinini sulfurci 0,5 (—0,6) 
Aquae destillatae 90,0 
Acidi h^drochlorici guttas 5 
Ammoni hydrochlorici 6,0 
Syrupi Aurantii corticis 90,0. 

M. D. S. Zweistündlich einen Esslüffel 
(Kinderlöffel) voll zu nehmen. 

(4) Pilnlae febrifagae fortiores 

(Lewis). 

IV Chinini sulfm-ici 2,0 
Morphin! muriatici 0,05 



OMnmam Bulfnricam, tannicam. 291 

Extracti Gentianae 5,0 men (nach Lewis ist die febrifuge Wir- 

BadiciB Gentianae q. s. kung des Chinins nm das Doppelte ge* 

M. f. pilulae ouadraginta (40). steigert, wenn es mit Morphin verbunden 

D. S. Am neberfreien Tage Vormittags gegeben wird). 

und Nachmittags je 4 — 5 Pillen zu neh- 

GiehtelixiTy J. Gulielmo's (Landauf ist eine Lösung von 1,5 g Ghininsulfat und 
7,5 g Chloralhydrat in 90 g 30proc. Weingeist und 30 g Pomeranzenschalensyrup. 
(8 mi,) (HAaER, Analyt) 

Begenerationspillen des Apotheker Tanner (Herisau, St. Gallen) für Geschwächte 
etc. sind 99 nicht gut geformte Pillen, welche 4 g £isenpulver, 1,ü6 g Chininsulfat, 
7^ g Harzsubstanz, 0,3 g Sand enthielten. (Hager, Analyt.) 

Stärkende Mittel von F. Bücher (Navasola, Texas) bestehen ans Chi- 
mosul&t^ ChinoYdin, verd. Schwefelsäure, Eisenvitriol, Bittersalz, Pfefferminzöl in 
concentrirtem Quassiaaufguss gelöst. 



Chininnm tannieiim der Pharm. Germanica (Handb. Bd. I, S. 856 ist die 
Vorschrift dazu aufgenommen) fand Jobst 9,7 Proc. Wasser und 22,72 Proc. 
Chinin enthaltend. Er giebt dem entsprechend dem Präparat die Formel 
C20H24N2O«, (C^4Hi0O9)3 + BHgO. 

Die Vorschrift der Pharmacopoea Germanica giebt in folgender Abänderung 
ein weisseres und minder bitterliches Präparat, wenn man die schwefelsaure 
Lösung von 100 Tb. des Chininsulfats mit einer Lösung von 300 Th. Gerbsäure 
in 60 Th- Ammoniumacetatlösuug und 3000 Th. Wasser versetzt. Dass nur 
ein destillirtes Wasser in Anwendung kommen darf und eiserne Geräthschaften 
ta vermeiden sind, muss stets beachtet werden, im anderen Falle wird das Tan- 
nat missfarbig. 

Zur Darstellung eines geschmacklosen Chinintannats löst man nach P. J. 
Haaxmann 1 Th. des neutralen Chininsulfats unter Zusatz von etwas Schwe- 
felsäure in Wasser und fällt das Chinin mit Natronlauge aus. Dies wird ge- 
hindert, ausgewaschen, in 10 Th. 95 proc. Weingeist gelöst und mit so viel war- 
mem Wasser versetzt, dass es auf dem Wasserbade klar bleibt. In einer anderen 
Sehale löst man 3 Th. Gerbsäure in 60 Th. destillirtem Wasser und 
setzt dann die Chininlösung unter fortwährendem Umrühren in kleinen Portionen 
zu. Das Ganze wird hierauf filtrirt, der Niederschlag mit warmem Wasser aus- 
gewaschen, bis das Filtrat farblos und ohne adstringirenden Geschmack abtropft, 
und das auf dem Filter bleibende Chinintannat getrocknet. 

Bei diesem Verfahren soll das bitter schmeckende saure Chinintannat in das 
neutrale geschmacklose verwandelt werden, "Welches auf dem Filter bleibt. Haax- 
MAXN hat letzteres auch durch einfaches Auswaschen des pharmaceutischen Prä- 
parates mittelst siedenden Wassers erhalten. In dieser Weise lässt sich also das 
Präparat der Ph. Germanica entbittern. 

Apotheker Beknick (Fehrbelin) veröffentlichte folgende Darstellungsweise 
eines geschmacklosen Chinintannats (ph. Ztg.) 

„Bei meiner Darstellung des Chinintannats erhalte ich auch ein Präparat von 
nicht bitterem Geschmack, und glaube ich, dass dieser dem preisgekrönten Chi- 
ninnm tannicum neutrale Rozsntay's gleichkommt. Die Gewichtsverhältnisse sind 
genan nach Pharm. Germanica. Ich nehme also 20 Th. Chininsulfat, füge die 
vorgeschriebene Menge destill. Wasser von 60 — 70® C. hinzu, versetze mit etwas 
verdünnter Schwefelsäure, jedoch nur so viel, dass man noch einige Flocken von 
Chinin in der Flüssigkeit sieht, sodann tröpfele ich unter Umrühren die kalt be- 
reitete Lösung aus 60 Th. Tannin hinzu. Absetzen lassen, Filtriren; Nieder- 
schlag mit 100 Th. Wasser abwaschen, abtropfen lassen und den Niederschlag 
ohne jegliche Anwendung von Wärme zwischen Filtrirpapier trocknen, sodann 

19* 



292 Chininum salfuricam. — ChinoMinuin. 

zerreiben liefern das fertige Präparat. Die Ausbeute beträgt 70 Th. Ich habe 
so im Niederschlag das ganze Chinin, welches angewandt wurde; im Filtrat be- 
fand sich nicht die geringste Menge Chinin, dagegen aber etwas Tannin; das so 
gewonnene Chininum tannic schmeckt nicht bitter und kaum nach Tannin.^ 

Zur quantitativen Bestimmung des Chiningehaltes wird nach Jobst 1 g des 
Tannats als feines Pulver mit fHschem Ealkbrei gemischt, auf dem Wasserbade 
eingetrocknet, zerrieben, mit Chloroform extrahirt, der Auszug abgedunstet und 
getroknet (120 O). 

Behufe Prüfung, ob reines Chinin vorliegt, wird der chloroformige Rückstand 
in schwefelsaurem Wasser gelöst, mit Ammon übersättigt und mit Aether aus- 
geschüttelt etc. Ein Mindestgehalt von 21,5 Chinin ist unerlässlich. 

Anwendung, Die im Handbuch (Bd. I, S. 856) gemachte Bemerkung über 
die Wirkung des Chinintannats bei intermittirenden Krankheiten ist dahin zu be- 
richtigen, dass die Anwendung als Fiebermittel keine verfehlte, sondern die Wir- 
kung eine nur etwas geminderte ist. Die antipyretische Wirkung ergiebt sich in 
fast gleichem Maasse wie nach dem Nehmen des Chininsulfats, nur scheint sie 
10 — 15 Minuten länger auf sich warten zu lassen. In Waldenbürg's klinischer 
Wochenschrift (1880) fand sich ein Artikel von Dr. Becker, welcher dem Chi- 
nintannat alles Lob spendet, besonders bei Keuchhusten etc. Also endlich kom- 
men die Aerzte dahin, das Chinintannat wegen Mangels des bitteren Gleschmackes 
als ein treffliches Mittel in der Kinderpraxis zu erkennen — nachdem Hager 
in dieser Beziehung schon seit 4 Jahren wiederholt das Chinidintannat als die 
geeignetste Form, den Kindern Chinaalkaloidsalze beizubringen, empfohlen und 
auch mitgetheilt hatte, d&ss dieser Verbindung die antipyretische Wirkung un- 
geschwächt innewohnt. Yergl. auch unter Chinidinum. Das Chinintannat der 
Pharm. Germanica ist stets etwas bitteren Geschmackes, dagegen das Chinidin- 
tannat geschmacklos. Will der Arzt das Tannat mit Eisenoxyd oder Eisenzucker 
verbunden anwenden, so ist eine Beimischung von etwas Magnesia subcarbonica 
erforderlich. 



Ghlnoidlnnm. 

Im Chinoldin ist oft vorwiegend Diconchinin (Amorpho - Chinidin) 
(C4oH4eN403) vertreten. Dieses Alkaloid begleitet in kleinen Mengen Chinin und 
Chinidin in den Chinarinden. Es ist . ein amorphes Alkaloid und scheint auch 
nur amorphe Salze bilden zu können. In schwefelsaurer Lösung ist es fluorescirend, 
giebt in der Chlor-Ammoniak-Reaction eine grüne Färbung und lenkt den i>ola- 
risirten Lichtstrahl nach rechts ab. Beim Erhitzen liefert es kein Chinicin (Hesse). 
Ein zweiter Bestandtheil ist das Dicinchonin (C4QH4gN402), wahrscheinlich auch 
das amorphe Dihomocinchonin (C38H44N4O2). 

Reinigung des käuflichen Chinoi'dins (nach einem Englischen Patent des 
W. H. M. Blews vom 1. Mai 1874). Dieselbe erfolgt durch Natriumhyposnlfit. 
Es werden 324 Th. käuflichen Chinoi'dins in 1670 Th. verdünnter Schwefelsäure 
(50 »Schwefelsäure, Rest Wasser) gelöst, die Lösung erhitzt, mit Aetznatron über- 
sättigt und mit unterschwefligsaurem Natrium versetzt (4 — 6 Th. auf 3 Th. Chi- 
notdin). Der hierdurch entstehende Niederschlag wird nach dem Absetzen von 
der überstehenden Flüssigkeit getrennt, mit heissem Wasser gewaschen, die Wasch- 
Wässer der Mutterlauge zugefügt, die Flüssigkeit erhitzt und mit einem Ueber- 
schusse von Aetznatron versetzt, wobei das gereinigte Alkaloid als weiche 
gelbe klebrige Substanz zu Boden fällt. Man wäscht dasselbe aus, löst ea in 



Chinoifdinum. — Chirata. 293 

verdüimter Schwefelsäure und bringt diese Lösung bei 100® zur Trockene. Dieses 
Präparat liefert 

ChinoTdinnm snlfaricnm, Chinoldinsnlfai Dasselbe ist m allen Verhält- 
nifisen in Wasser löslich. 

GhinoTdin, animalisehes, ist eine unpassende Bezeichnung des Septicins (Ptomalns). 

Cijielioqninine ist ein in Amerika im Handel vorkommendes Chinapräparat, 
dargestellt durch Extraction der Rinde mittelst schwefelsauren Wassers, Ab- 
stumpfen der Säure durch Ammon und Eindampfen zur Trockne. Wells fand 
in zwei Proben in Procenten neben 6,6 und 5,0 Schwefelsäure und 1,36 und 
1,38 Ammonium an Basen 0,466 und 0,24 Chinin; 1,25 und 1,82 Chinidin; 
0,717 und 0,92 Cinchonidin, 84,64 und 87,4 Cmchonin. Es scheint das Prä- 
parat einer braunen Chinarinde zu entstammen. Obgleich der Name Herkommen 
und Beschaffenheit anhebt, so wurde dieses Präparat von hervorragenden Chemikern 
den Geheimmitteln zugezählt, was jedenfalls viel Nachdenken verräth. 

Chinoidinum borlenm, ChinoTdinnm boraeicnm, Chinotdinborat wird nach C. 
Pavesi dargestellt durch Lösen von 1 Th. ChinoSdin und 2 Th. Borsäure in 
heissem Wasser, Entfärben der Lösung mittelst Thierkohle, Concentration der 
Lösang und Erystallisir^nlassen. Dass die Borsäure die amorphen Alkaloltde 
nicht in krystallinische überfahren kann, liegt zu nahe. Jobst hat den Versuch 
gemacht und krystallisirte Borsäure erhalten, aber kein borsaures Alkaloid. 

Pilulae montanorum. 

Pillen fUr Bergsteiger. 

^ ChinoYdini puri 10,0 

Acidi tartarici 

Ferri sesquichlorati ana 4,0 

Glycerinae guttas 20 

Badicis Althaeae 5,0 

Badicis Glentianae q. s. 
M. fiant pilulae ducentae (200). 

D. S. Täglich viermal 3-4 Pillen (bei 
Bergkrankheit, Fieber, Eörpersch wache, 
Bleichsucht). 



Chirata. 

Im Jahre 1877 wurde in Fachblättem von einer Chinin blume gesprochen, 
wahrscheinlich um sie zu einem Handelsartikel zu machen. Sie entstammte einer 
Gentianee, einer in Nord -Amerika einheimischen Chironia-Art. Sollte sie gefor- 
dert werden, so dürfte sie sich durch Herba Chiratae oder Herha Centaurii 
minoris vollständig ersetzen lassen. 

Das Kraut der Ophelia Chirata Grisebach (Handb. Bd. I, 8. 859) ist im 
Vaterlande dieser Gentianee unter dem Namen Kr eyat ein tonisches Hausmittel. 
Den Bitterstoff, Chi ratin, gewinnt man nach Kemp in folgender Weise: Das 
Kraut wird mit Wasser von +50® ausgezogen, der Auszug mit Bleiessig gefällt 
und das Filtrat mit einer Mischung aus Bleizucker und Ammoniakliquor versetzt. 
Der Niederschlag wird zuerst mit ammoniakhaltigem Wasser und dann mit Wein- 
geist gut ausgewaschen, mit Weingeist gemischt und mit Schwefelsäure zersetzt, 
das Filtrat mit kohlensaurem Kalk geschüttelt, filtrirt und das neue Filtrat ver- 
dunstet, wobei sich das Chiratin in noch nicht ganz reinem Zustande als unkrystal- 
lisirbare, durchsichtige, amorphe, an der Luft leicht feucht werdende, in Wasser 
und Weingeist lösliche, ausserordentlich bitterschmeckende Masse abscheidet. 



294 Chirata. Ohiratiiui. — Ohloralmn hydratam. 

Die w&8srige Löstuig reagirt neutral, zersetzt sich leicht und scheidet dann ein 
fast geschmackloses Harz ab. 

Die in dem Kraute vorhandene Opheliasäure (C^^H^oO^^^) stellt einen 
gelbbraunen Syrup dar, welcher anfangs schwach säuerlich, dann aber anhaltend 
bitter schmeckt, und einen eigenthümUchen, an Enzian erinnernden Geruch besitzt. 
Sie ist in Wasser und Weingeist leicht löslich, reducirt ammoniakalische Silber- 
lösung und wird durch Metalloxyde gefällt. 

Chiratina saeeharata, Sacchartm ckerettiBatam 8. ekiratinatom, Ckiratmzaeker 

ist eine Mischung von 1 Th. Ghiratin mit 9 Th. Zucker, welche gegen Wechsel- 
fieber in Anwendung kommt. 



Chloralnm hydratnm. 

Die ScHEBiNG'sche Fabrik zu Berh'n bringt das Chloralhydrat in Platten, 
durch Pressung erzeugt, und in Erystallen in den Handel. Im Allgemeinen 
zieht man das nach Liebbeich's Vorschrift dargestellte Präparat in glänzenden 
durchsichtigen Octaädem für die arzneiliche Verwendung vor, weil es das reinste 
ist und man beobachtet hat, dass ein nicht vollständig reines Chloralhydrat unange- 
nehme Nebenwirkungen verursacht. Diese Erystalle zeichnen sich auch durch 
Haltbarkeit aus. 

Das Chloralhydrat in Perlform, in Kapseln, soll ziemlich rein sein. 

Ein feuchtes Chloralhydrat, der Feuchtigkeitsgrad darf nur 0,5 Proc. betragen, 
genügt zur Bildung von freier Salzsäure. Es ist desshalb die Aufbewahrung 
in trockner Luft oder der Schutz vor feucjiter Luft nothwendig, ebenso ist es vor 
Schwefelwasserstoff zu schützen. Im anderen Falle nimmt es eme gelbliche Farbe 
an. Dieselbe Farbe kommt auch zum Vorschein, wenn es bei nicht genügender 
Reinheit sauer wird. 

Die freiwillige Zersetzung des Chloralhydrats wird sowohl durch Weingeist 
als auch durch Zucker zurückgehalten. Es empfiehlt sich daher den Lösungen 
Zusätze von dem einen oder dem anderen Mittel zu machen. 

Ein gelblich gewordenes oder sauer riechendes Chloralhydrat verbessert man 
durch Abtrocknen an einem lauwarmen Orte oder im direkten Sonnenlichte. Im 
letzteren Falle placirt man es über Aetzkalk, um den Zweck schneller zu er- 
reichen. 

Die Prüfung eines Chloralhydrats (Handb. Bd. I, 860) ist noch dahin ab- 
zuändern, dass Chloralhydrat mit Weingeist eine neutrale, mit Wasser aber eine 
sauer reagirende Lösung geben muss. Die im Handbuch angegebene Prüfung 
reicht für alle Fälle aus. 

Die Prüfung auf Alkoholat lässt sich nach A. Poehl dahm abändern, dass 
man die wässrige Lösung mit Aetzkali zersetzt, die wässrige Flüssigkeit von dem 
abgeschiedenen Chloroform decanthirt und mit Jodjodkalinmlösung bis znr Gelb- 
färbung versetzt. Es darf keine Ausscheidung von Jodoform stattfinden, widrigen- 
falls enthält das Chloralhydrat Alkoholat. 

Aufbewahrung. Da der Chloraldampf die vegetabilische Faser angreift und 
zerstört, so ist der Contact mit Papier, Kork etc. zu vermeiden. Mancher Staub, 
welcher bei der Bereitung, Verpackung, dem Einfassen auf Chloralhydrat fällt^ 
ist Ursache, dass dieses Färbungen annimmt, bläulich, röthlich wird, indem der 
Theil des Chloraldampfes, welcher unter Beihilfe der Luftfeuchtigkeit fireien Chlor- 
wasserstoff bildet, auf die Staubpartikel, selbst auf die Gemchstheile der Atmosphäre 



Ohloralnm hydratxun. 295 

einwirkt Hier walten dieselben ümstftnde ob^ unter welchen ein nicht völlig 
troeknes Chloralhydrat Pfefferminzöl und einige andere Oele roth färbt. 

CUoraliapseln, Chloralperlen, Chloral perU, Capsulae Chloralo hydrato 
repletae hat LmousiN eingeführt. Das geschmolzene Chloralhydrat wird in 
die Kapseln eingegossen. Jede enthält circa 0,25 Chloralhydrat. 

Jede Form, in welcher Chloralhydrat im festen und verdünnten Zustande in 
den Magen eingeführt wird, ist verwerflich, denn in diesem Zustande wirkt es 
ätzend, unter gewissen ümstilnden selbst giftig. Deshalb sind diese Chloralkapseln 
mit Vorsicht zu gebrauchen. 

Die Lösung des Chloralhydrats in Fettsubstanzen geschieht einfach 
durch Digestion im Wasserbade. 1 Th. ist in 5—6 Th. def Fettsubstanz löslich. 

Wirkung. Anwendung. Saure Reaction des Chloralhydrats. Dass sich 
Chloralhydrat in wässriger Lösung unter Bildung fireier Salzsäure zersetzt, ist be- 
reits im Handbuch (Bd. I, S« 860) erwähnt und auch in der pharm. Centralhalle 
1873 (Nr. 24, S. 202) besprochen, trotzdem haben bis Mitte 1879 die Chemiker 
und Pharmaceuten von dieser Eigenschaft keine Kenntniss gehabt, denn es finden 
äieh in der pharmac Tagesliteratur eine Menge Auslassungen, welche die Herstel- 
lung eines neutralen Chloralhydrats für eine schwierige Aufgabe halten und von 
der Lösung in Wasser verlangen, dass sie neutral sein soll. Gelegentlich einer 
Besprechung der Charakteristik des Chloralhydrats (pharm. Centralh. 1879, 3. 
147) bespricht HAasB die Eigenschaft, in wässriger Lösung sauer zu werden, in 
phyBiologischer Beziehung in folgender Weise: 

,,Die unbedeutende saure Reaction der wässrigen Chloralhydratlösung steht 
erstens der inneren Anwendung derselben nicht entgegen, und zweitens ist die 
freiwillige Zersetzung in der wässrigen Lösung sogar eine nothwendige Unterlage 
fttr die Wirkung des Chloralhydrats, oder mit anderen Worten, das Chloralhydrat 
wtirde an seiner milden hypnotischen Wirkung Einbusse erleiden, wenn das in 
den ^agen eingeführte Mittel nicht durch die in kleinen Mengen frei werdende 
Salzsäure die Digestion belebte. Jeder weiss, dass eine erschwerte oder eine 
anormale Digestion und ein erquickender ruhiger Schlaf zwei sich nie paarende 
Umstände sind. Den besten Beweis für die im Vorstehenden aufgestellte Ansicht 
Yon der erwünschten Eigenschaft des Chloralhydrats, in wässriger Lösung sich 
unter Abscheidung von freier Salzsäure langsam zu zersetzen, bietet uns das 
Chloralalkoholat. Dieses zersetzt sich nicht in Wasser, wenigstens weit schwieriger 
und geht grösstentheils unzersetet durch den Magen hindurch, es gewährt daher 
nicht die angenehme hypnotische Wirkung in gleichem Maasse wie das Hydrat. 
Dass das Chloralhydrat mit Wasser eine sauer reagirende Lösung giebt, ist eine 
ihm Bothwendig anhängende Eigenschaft und sollte bei seiner Prüfung auf Echt- 
heit und Güte als erste Beaction hingestellt werden: j,Das Chloralhydrat in ver- 
düiintem Weingeist gelöst ergebe eine neutrale, in Wasser gelöst eine saure 
Beacüon!^ 

„Da ich nun einmal diese Ansicht ausgesprochen habe, so muss ich auch 
der Vollständigkeit halber die durch Experiment an meiner Person gemachte 
Erfialining mitÜieilen, dass Chloralhydrat in kleiner Dosis emes der mildesten und 
vortrefflichsten Digestivmittel ist. Wenn man an Appetitmangel leidet, oder man 
der guten Speise mehr als dienlich zugesprochen hat, so genügen für Erwachsene 
einige halbstündlich oder stündlich zu verabreichende Gaben von 0,3 — 0,5, für 
Kinder 0,1 — 0,2 in wässriger Lösung (1 Chloralhydrat auf 100 Wasser). Die 
hypnotische Wirkung wird hier nicht wahrgenommen.^ 

Dass Kinder das Chloralhydrat auffallend leichter als Erwachsene vertragen, 

me selbst eine verhältnissmässig weit höhere Dosis ohne Nachtheil nehmen 



'296 Chloralum hydratum. 

können, führt Boübeüt in d. Gazette des Höpit. 1879 näher ans. Chloralhy- 
drat ist nach Boüohut ein ganz vorzügliches Mittel zur Erzeugung einer Nar- 
kose behufs Oeffnung von Abscessen, Zahnextractionen, Mnskeldehnungen, Appli- 
cation ätzender Stoffe, Paracentese etc. Die einmalige Dosis ist nach Boüghut 
für Kinder von 

1 — 3 Jahren 1 — 1,5 g 

3 5 „ 2 3 „ 

5-7 „ 3-4 „ 

Die Dosis wurde stets in 100 g Flüssigkeit gelöst. Die Dosis per anum 
(im Klystier, Suppositorium) scheint weniger passend und wird, mehrere Tage 
hintereinander angewendet, schlecht vertragen, weil eine Reizung, selbst Entzün- 
dung der Schleimhäute die Folge ist. 

Chloralhydrat wird mit Morphin, auch mit Bromkalium vereinigt, um eine 
sichere sedative Wirkung zu erlangen (0,01 Morph., Chloralum hydr. und Ka- 
lium bromat. ana 1,0). Als Mittel gegen das Bettpissen (micturatio nocturna) der 
3 — 10jährigen ELinder giebt man in gebrochner Dosis Abends 0,5 — 1,5 in halb- 
stündlichen Pausen (auf 2 — 3 mal). 

Bei Angina diphtheritica haben sich Auspinselungen mit Lösungen von 1 : 5 
bis 50 Wasser als sehr zweckmässig erwiesen. Vergl. Liquor Chlorali hydrati 
fortior. Auch gegen profusen Schweiss, bei epidemischer Ruhr, Diarrhöen in 
Ileotyphus (innerlich 1 — 3 g pro die), im Klystier (1 auf 100 Schleim), bei 
ürinverhaltung (^2 stündlich 0,5 g), bei Tetanus hat sich Chloralhydrat wirksam 
erwiesen. 

Die Anwendung des Chloralhydrats als schmerzstillendes Topicum ist keine 
seltene und hat man es allen Formen für den äusserlichen Gebrauch beigemischt. 
Die hypodermatische Injection hat locale Irritation und Schorfbildung zur Folge. 
Zu Injectionen in die Trommelhöhle bei Ohr -Katarrhen dient eine 3 — 4proc. 
Lösung, zu Injectionen in die Venen eine 20proc. Lösung (Dosis 1,0 — 6,0 
Chloralhydrat). 

Hautwarzen, täglich einige Male mit einer concentrirten Chloralhydrat 
lösung betupft, sollen verschwinden (Craig). 

Chloralhydrat als Vesicatorium. Nach Peyband wird schmelzendes 
Chloral mit Traganthpulver vermischt und die Masse zu dünnen Platten ausge- 
walzt. Auf die Haut gelegt sollen in 5—6 Stunden, nach Angabe Anderer in 
10 — 12 Stunden Blasen entstehen. 

Chloralhydrat als Gift. Deneffe und Van Wetteb beobachteten bei einem 
Manne einen Vergiftungsfall mit tödtlichem Ausgange nach Injection von 6 g. 
Der als Gegenmittel angewendete electrische Strom konnte wegen fehlerhafter Ein- 
richtung der Electrisirmaschine nicht voll in Anwendung kommen. Es sind Fälle 
bekannt geworden, wo innerliche Gaben von 1,5 und 2,5 g bei Erwachsenen 
den Tod herbeiführten. 

Dass mitunter auch starke Gaben vertragen werden, erwies sich bei einem 
Potator, der 10 g auf einmal genommen hatte und danach 5 — 6 Stunden schlief 
(Boston medical and surgical Journal). Ein anderer Potator hatte innerhalb 10 
Stunden circa 36 g genommen, ohne dass eine nachtheilige Wirkung sich be- 
merkbar machte. Trotzdem ist es rathsam immer mit der kleinen Dosis (2 g) 
den Anfang zu machen, weil diese gewöhnlich schon den Zweck erreichen lässt. 

Als Gegengift des Chloralhydrats empfiehlt Schlosser 0,002 Atropin in 
40,0 Wasser in einer halben Stunde auf zweimal zu nehmen, Boebneb dagegen 
subcutane Strychnininjectionen und Hautreize. 

Chloralhydrat bewährte sich nach Th. Hüsemai^n als Gegengift nur des 



Chloralam hydratum. 



297 



StryehBins, Brncins imd ThebaYBS, doch solle die subcutane Injectionsdosis Chloral- 
hjdrat nicht unter 2 g und nicht über 3 g betragen , auch wirke hier die dün- 
nere Lösung besser als die concentrirtere, welche das Eiweiss coagulire. Strych- 
nin sei kein Gegengift des Chlorals. 

Nach dem Gebrauch per os oder nach subcutaner Injection findet sich im 
Harne ürochlorals&ure^ auch wohl Acidalbumin (Syntonin). Die Säure be- 
sitzt ein linksseitiges Gircumpolarisationsvermögen in ihrer Kaliverbindung (Archiv 
der Pharm. 1880, Juniheft S. 426 u. f. Autor A. Bobntbägee). 

Im Allgemeinen kann man annehmen , dass Chloralhydrat ein Gegenmittel 
der £jramp%ifte ist. 

Zwischen Chloralhydrat und Pikrotoxin waltet Antagonismus. Erste- 
res vor oder nach der Pikrotoxingabe eingeführt hebt die reizende Wirkung des- 
selben auf (Amayat). 

Chloralhydrat ist ein Gift für Bacterien und alle Ursprosser, daher auch ein 
Desinficiens sowohl in Pulverform wie in wässriger Lösung. Es ersetzt hier das 
Chlorwasser, wo dieses nicht gut verwendbar ist. Zum Auswaschen schlecht 
eiternder Wunden dient eine 0,6 — 1 proc. w&ssrige Lösung. Dieselbe Lösung 
l^t ein gutes Mittel zum Waschen des Kopfhaares und der Kopfhautausschläge 
bei g^leichzeitiger Pityriasis. Nicht nur die Läuse sterben, auch die sogenannten 
Nässe werden dadurch getödtet. 



• 1) Balsamum vnlnerarium chloralatam. 

j^ Chlorali hydrati 5,0 
Camphorae 2,0 
Balsami Peruviaiu 
Balsami gnrjnnici ana 15,0. 
Misce conterendo^ ut fiat massa spissitu- 
dinis mellis fluid!. 

D. S. Zum Bestreichen oder Ausstrei- 
chen (fauliger Wunden. Mit gleich viel 
Ungoentum cereum gemischt dient der 
Ilalsam als Salbe fUr eiternde Wunden). 

(2) Chloralum camphoratum. 

Campbora chloralata. Linimentum chlo- 
ralo- camphoratum. 

Chloialkampher. Chloralkampherliniment 

K; Chlorali hydrati triti 

Camphorae tritae ana 10,0. 
Misce inter terendum, donec massa olei 
iustar effecta fuerit. 

Zum Einreiben bei neuralgischen, gich- 
*i*chen Schmerzen. 

Innerlich 2—3 Tropfen mitAquavit ge- 
mischt bei Schlaflosigkeit, Leibschneiden, 
Krampf* Migräne. Im letzteren Falle zer- 
reibt man auch zugleich einige Tropfen 
auf der Stirn, auf den Schläfen. Dies ist 
auch zur Verhütung eines epileptischen An- 
falles anwendbar. 



M. D. S. Zum Einreiben (bei Neural- 
gien. Bei Migi'äne sind die Schläfe und 
Stirn zu bereiben, einige Tropfen auf 
der Handfläche zu zertheilen und daran 
zu riechen). 

(4) Chloralum morphinatum« 

^ Morphini hydrochlorici 0,1 

Chlorali hydrati 10,0. 
M. Divide in partes aequales decem (10). 

D. S. Abends vor dem Schlafengehen 
ein Pulver mit Zuckerwasser zu nehmen. 
(Soll sehr sedativ wirken.) 

(5) Emplastmm Chloralo hydrato 
conspersnm SoLAiti. 

lyr Cerati resinae Burgundicae q. v. 
Supra tekm linteam extensum apprimendo 
consperge 

Chlorali hydrati q. s., 
ut singttli centimetri quadrati emplastri 
circiter quindecim centigrammatis 
(0,15 g) obtecti sint. 

Wird aufgelegt gegen Schmerzen iu 
Folge Erkältung, Neuralgie, Syphilis. 
Nach 24 Stunden entfernt man das Pflaster 
und sticht die Blase auf. Nach Heiluni; 
der Hautwunde soll der Schmerz 
schwunden sein. 



var- 



(3) CUoraluin eamphoratum 
compositum. 

Chlorali camphorati 20,0 
Mixturae oleoso-balsamicae 80,0. 



(6) Emplatrum Chloralis hydratL 

i^ Chlorali hydrati 10,0. 
Terendo in pulvere m redacta solve di 
gerendo in 



298 



Chloralam hydratum. — Chlorofonninm. 



Cerae flavae 30,0 
Sebi taurini 20,0 
antea liqoatis. Massam refrigeratam in 
bacillum redige. 

(7) Linlmentum camphorato-sulfDratiim. 

i^ Chlorali hydrati 

Oamphorae 

Sulfuris praecipitati ana lO.O. 
M. D. S. Zum Bestreichen (bei Acne 
rosacea, Finnen im Gesiebt). 

(8) Linlmentum Gblorall hydrati. 

i^c Chlorali hydrati 10,0. 

In pnlverem terendo redactis affande 

Olei Amygdalarum 50,0. 
Digere, interdum agitando, donec so- 

lutio effecta fuerit. 

D. S. Zum Einreiben der schmerzenden 
Stellen. 

(9) Liquor Chlorall hydrati 

ad injectiones sabcutaneas. 

ijf Chlorali hydrati 5,0. 
Solve in 

Aquae bis destillatae 10,0. 
D. S. Zu 3 — 5 Einspritzungen. 

(10) Liquor Clilorall hydrati fortior 

BOKITANSKY. 

Liquor antidiphtheriticus cum Chloralo. 

1^ Chlorali hydrati 10,0. 
Solve in 

Aquae destillatae 10,0. 
D. S. Drei- bis viermal halbstündlich 
einzupinseln (die diphtheritischen Belege 
in sehr hartnäckigen Fällen. Nach jeder 
Pinselung erfolgt intensive Salivation. 
Schmerz nach einigen Minuten cessirend). 

(11) Llqnor Chlorall hydrati 
morphinatns 

ad injectiones subcutaneas. 

ife Chlorali hydrati 5,0 



Morphini hydrochlorici 0,05. 
Solve in 

Aquae bis destillatae 10,0. 



(12) Snpposltorla enm Chloralo hydrato« 

No. I. 

i^ Chlorali hydrati 5,0. 
Terendo in pulverem redacta solve dl- 
gerendo in 
Cerae flavae 5,0 
Olei Cacao 15,0 
antea liquatis. Liquor limpidus in 
moduloB effundatur, at qninque suppo- 
sitoria fiant. 

No. n. 

^ Chlorali hydrati 10,0 

Cerae flavae 7,5 

Olei Cacao 12,5. 
Mixtio nt supra efficiatnr. 
toria quinque. 



Fiant supposi- 



(13) Snpposltorla vaglnalla cnm 
Cnloralo hydrato. 

i^ Chlorali hydrati 20,0. 
Terendo in pulverem redacta Bolve dige- 
rendo in 
Cerae flavae 
Sebi taurini ana 20,0 
Adipis suilli 30,0 
antea liquatis. Massam refrigeratam in 
quinque suppositoria cylindrica redige. 



(14) ünguentiim Chlorall hydrati. 

IV Chlorali hydrati 10,0. 
Terendo in pulverem redacta digerendo 
solve in 
Adipis suilli 45.0 
Cerae flavae 5,0 
antea liquatis. Solutione peracta liquo- 
rem in ollam infunde, nt refrigescat 

Die französische Vorschrift lässt Cera 
alba verwenden und ersetzt das Wachs 
zur Winterzeit durch Adeps. 



Chloralyde des Dr. Barr Mitchell (Firma Butler & Cribpe). Eine 50 proc. 
Lösung des Chloralhydrats in verdünntem Weingeist mit 2 Proc. Opium etc. (YergL 
Handb. Bd. 1 S. 862). 



Chloroformium. 

Man hat wiederholt gegen das Englische Chloroform oder Ghloral- 
Chloroform agirt, dass es nicht besser sei als das gewöhnliche oder officinelle 
Chloroform des Handels^ sich ebenso zersetze wie dieses, selbst wenn es 
Weingeist enthalte und dergleichen mehr. Es steht nnn aber fest, dass es das 



Chlorofonniam. 299 

reinere ist, z. B. nicht Amylalkohol und andere Vernnreinigangen enthält^ nnd 
dass efl zweitens mehr Weingeist enthält als das officinelle, wodurch aber seme 
Haltbarkeit gesichert bleibt. Uebrigens ist wohl zn beachten, dass es der 
Apotheker wegen des geringeren spec. Gewichtes nicht als „Chloroformium", 
wohl aber als „Ohloroformiam Anglicum" vorräthig halten und fahren 
darf. Dass ein Chloroform mit 1,5 — 2 Proc. Weingeist, wie es durch das 
Chlonü-Chloroform repräsentirt wird, Wochen hindurch dem Tageslicht ausgesetzt 
werden kann, ohne zersetzt zu werden, wurde wiederholt versucht. Wenn es 
nach Beobachtung Anderer der Einwirkung des Tageslichtes nicht widerstand, 
so war es auch nicht aus Chloral dargestellt oder besser es enthielt nicht 1,5 — 2 
Proa, sondern weit weniger Weingeist. 

Eün 0,5 — 1 Proc. Weingeist enthaltendes Chloroform unterliegt am schattigen 
Orte aufbewahrt nicht der Zersetzung und erst eine mehrtägige Einwirkung des 
directen Sonnenlichtes führt diese herbei und zwar bei dem 0,5 Proo. Weingeist 
enthaltenden eher als bei dem mit 1 Proc. 

Dem Arzte kann nur ein nicht zersetztes oder ein nicht in der Zer- 
setzung begriffenes Chloroform erwünscht sein, und ein solches ist sicher 
das Chloral-Chloroform mit 1,5 — 2 Proc Weingeistgehalt. Die Folgerung daraus 
ist, dass der vorsichtige Arzt so lange das Chloral-Chloroform in Gebrauch zieht, 
bis die ofßicielle Pharmakopoe das weingeistarme Präparat fallen lässt und ein 
weingeistreicheres ofQcinell macht. 

Dass manches Chloral-Chloroform des Handels nicht dem Chloral entstammt, 
darf man nicht übersehen. Man muss dieses Präparat stets aus sicherer Hand 
entnehmen. Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, dass ein remes Chlorkalk- 
Chloroform mit 1,5 Proc. wässerfreiem Weingeist versetzt jederzeit das Chloral- 
Chloroform ersetzt. 

Perles de Clertan sind Gelatine-Hohlkugelchen. Jedes derselben enthält circa 
5 Tropfen Chloroform. 

Reinigung. Diese wird nach H. Webneb am sichersten dadurch erreicht, 
da£is man das Chloroform zunächst mit ^4 seines Volumens Wasser durchschüttelt, 
vom 'Wasser trennt, es mit völlig entwässertem Natriumcarbonat 24 Stunden ma- 
cerirt^ dann decanthirt und der Rectification aus dem Wasserbade unterwirft, 
wobei nur dasjenige Destillat als reines Chloroform gesammelt wird, welches bei 
640 c. (richtiger bei 62— 64») übergeht. 

Die Antheile Destillat, welche unter 62 ^ und über 64 <^ C. gesammelt wer- 
den, dürften durch Schütteln zuerst mit ^5 Vol. reiner conc. Schwefelsäure, dann 
«IdTch Schütteln und Maceriren mit geglühtem Natriumcarbonat und folgender 
Rectification bo weit gereinigt werden, dass sie zum äusserlichen Gebrauch und 
zur Analyse verwendbar sind. 

I>as nach Webneb's Anweisung gesammelte reine Chloroform ist mit 1 Proc. 
absolutem Weingeist zu versetzen, um es haltbar zu machen. 

Prüfung. Eine vollständige Vornahme der Prüfung wurde von J. Rei^nauld 
angegeben, welche mit einigen Verbesserungen und Abänderungen folgt. 

1. Bevor man das Chloroform zum Betäuben anwendet, ist ein Stück Fliess- 
papier, welches wie eine Compresse zusammengefaltet ist, damit anzufeuchten, 
und nachdem der grösste Theil davon verdunstet ist, der Rest einzuathmen. 
Beines Chloroform besitzt bis zuletzt einen charakteristischen milden Geruch und 
hinterlässt dass Papier trocken und geruchlos; unreines hingegen, welches also 
als Anästheticum zu verwerfen ist, verbreitet einen unangenehmen, theils widrigen, 
theils reizenden Geruch, und das beinahe trockene Papier bleibt davon duroh- 
drnngen. 



300 Chlorofonnianu 

2. Das ChloTofoTm muss neutral reagiren und darf durch Silbemitrat keine 
Trübung erleiden. Die Röthung des Lackmuspapieres und die Trübung durch 
das Silbersalz zeigen freie Salzsäure an. Würde neben dieser Trübung das Lack- 
muspapier, statt roth, entfärbt werden, so wäre als Verunreinigung freies Chlor 
zugegen. 

3. Man gebe in eine Probirröhre ein Stückchen Ealihydrat, einige Tropfen 
Wasser und 1 — 2 CG. des Chloroforms und erhitze bis zum Kochen. Es darf 
keine Färbung eintreten ; wird das Oemisch gelb oder gar braun, so ist Aldehyd 
zugegen. 

4. Man gebe in eine Probirröhre 1 — 2 CC. Chloroform, ein gleiches Volumen 
farblose concentrirte Schwefelsäure, schüttle tüchtig und stelle alsdann bei Seite. 
Wenn sich die beiden Flüssigkeiten wieder von emander getrennt haben, müssen 
sie ihre anfängliche Farblosigkeit noch besitzen. 

Ist braune oder braunrothe Färbung eingetreten, so deutet dies auf einen 
Gehalt an gechlorten Derivaten des Propyl-, Bijtyl- und Amylalkohols. 

5. Der Siedepunkt des reinen Chloroforms ist 60,8 ® C. (bei 0,760 m Baro- 
meterstand) nach BiLTZ richtiger 62 o. Fängt es früher an zu sieden und 
übersteigt der Siedepunkt später die angegebene Grenze, so hat man im ersten 
Falle Schwefeläther darin, im letzten Falle andere Chlorverbindungen. Diese 
Probe gilt nur für das chemische Chloroform, für das pharmaceutische ist sie dann 
von Werth, wenn der Siedepunkt unter 60® und über 65® liegt, weil letzteres 
Chloroform stets etwas Weingeist enthält und auch enthalten muss, um es zu 
conserviren. 

6. Dem specifischen Gewichte des Chloroforms hatte man zuerst die Zahl 
1,480 bei + 18®C. gegeben; Soübbiran zeigte aber, dass dieselbe zu niedrig 
ist, und änderte sie um in 1,496 bei -f- 12®. Jüngst gelangte C. Remys sogar 
zu der Zahl 1,500, Biltz dagegen zu der Zahl 1,502 bei +15®, welche letz- 
tere die richtige ist; femer fand Remys, dass ein Zusatz von ^/goo Weingeist 
das spec. Gew. des Chloroforms um 0,002 erniedrigt, dass mithin solches, welches 
V200 Weingeist enthält, noch eine Dichtigkeit von 1,492 bei -f 15® besitzt. 
Biltz fand, dass 0,5 Gew. Proc. Weingeist das spec. Gew. auf 1,4936, 1 Proc. 
auf 1,485 reducirt. 

Das officmelle, als Anaestheticum verwendbare Chloroform sollte bei 15® C 
ein spec. Gew. von 1,488 — 1,492 haben, also 0,8 — 0,5 Proc. Weingeist ent- 
halten, weil sich ein solches bei guter Aufbewahrung sicher conservirt (vergl. 
auch Handbuch, Bd. I, S. 863, 864). Dieses Chloroform lässt sich auch in den 
meisten Fällen bei der chemischen Analyse verwenden. Für die Fälle, in welchen 
die Verwendung eines von Weingeist total freien Chloroforms gefordert wird, 
stellt man dieses dadurch her, dass man es einige Male mit einem doppelten Vol. 
warmen destill. Wasser kräftig durchschüttelt, absetzen lässt und mittelst Scheide- 
trichters vom Wasser sondert. 

Eine sehr wichtige Entdeckung wurde von Hebmann Wernbb gemacht, 
nämlich die Verunreinigung mit Amylalkohol, beziehendlich den entspre- 
chenden Amylverbindungen, welche zum Theil die Ursache der gefährlichen Neben- 
wirkungen sein mögen, die beim Anaesthesiren mittelst Chloroforms beobachtet 
werden. Bei Fabrikation des Chloroforms sollte nur ein reiner We