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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 



DER 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 



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L. BAND 1900. 



Mit 27 Tafeln uud einem Bildnis. 



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Wien, 1901. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 



In Commission bei R. Lechner (Wilh. MUller), k. u. k. Hofbuchhandlun^, 

I., Graben 31. 



Die Autoren allein sind für den Inhalt ihrer Mittheilungen verantwortlich. 



Inhalt. 



Seite 

Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt (1. April 1901) .... V 

Correspondenten der k. k geologischen Reichsanstalt ... VIII 

Heft 1 . 

Seite 

Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 zur Tektonik seines 
pleistoseisten Gebietes. Von Dr. Fritz von Kerner. Mit einer geo- 
logischen Karte (Taf. Nr. I) 1 

Skizze eines geologischen Profils durch den steirischen Erzberg. Von 
M. Vacek. Mit einer lithographirten Tafel (Nr. II) ui.d einer Zinko- 
typie im Text 23 

Geognostisch-palaeontologis^che Beschreibung der Insel Lesina. Von U. Sohle. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. III) 33 

Fossilreste aus dem südmährischen Braunkohlenbecken bei Gaya. Von A. 

Hof manu. Mit 2 Lichtdruck-Tafeln (Nr. IV und V) 47 

Die Grenze zwischen der Flyschzone und den Kalkalpen bei Wien. Von 

A. Bittner 51 

Ueber die triadische Lamellibranchiaten-Gattung Mi/sidioptera Sal und deren 
Beziehungen zu palaeozoischeu Gattungen. Von A. Bittner. Mit einer 
lithographirten Tafel (Nr. VI) 59 

Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. Von ö. Z a- 

hälka. Mit vier Tabellen 67 

Ueber Säugethierreste der Pikermifauna vom Eichkogel bei Mödling. Von 

M. Vacek. Mit zwei lithographirten Tafeln (Nr. VII und VIII) . . 169 



Heft 2. 

Seite 
Cvelacatithus Lunzensis Teller. Von Dr. Otto M Reis. Mit 2 Liciitdruck- 

tafeln (Nr. IX und X) 187 

Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. Von Dr. Franz E. Suess. 
Mit 8 Lichtdruck-Tafeln (Nr. XI [I]— XVIII [VIII]) und 60 Zinko- 
typieu im Text ... 193 



Heft 3. 

Seite 
Einige Bemerkungen über die stratigraphische Stellung der Krimmler 
Schichten und über den Tauerngiaben im Oberpinzgau. Von Prof 

Dr. C. Diener. Mit einem Profil im Text 383 

Beitrag zu einer geologischen Karte des Fleimser Eruptivgebietes. Von 0. 

v. Huber. Mit einer Farbendrucktafel (Nr. XIX) 395 

Das Alter der Kohlenablagerungen östlich und westlich von Rötschach in 
Südsteiermark. Von Dr. Karl A. Redlich in Leoben. Mit einem 
Profil im Text 409 



IV 

Seite 
Untersuchuug der Aufschlüsse der Bahnstrecke Karlsbad — Marienbad sowie 
der angrenzenden Gebiete. Von Fr. Martin. Mit einer Lichtdruck- 
tafel (Nr. XX) und 8 Zinkoty2)ien im Text 419 

Ueber Basaltgesteine aus Ostböhmen. Von Dr. Karl Hin te rl ech iier. Mit 

einer Lichtdrucktafel (Nr. XXI) und 10 Textfiguren 469 

Zur Erinnerung an Carl Maria Paul. Von Dr. E. Tietze. Mit einem 

Bildnis 527 



Heft 4. 

Ueber Pseudomofiotis Telleri und verwandte Arten der unteren Trias. Von 

A. Bittner. Mit 3 Tafeln (Nr. XXII— XXIV) 559 

Beiträge zur Kenntnis der geologischen Verhältnisse Ostböhmens. I. Theil. 
(Der Gneissgranit und die Dislocation von Pottenstein a. d. Adler.) 
Von Dr. Karl H in ter 1 echn e r. Mit 2 Zinkotypieu im Texte. . . 593 

Der Granulitzug von Borry in Mähren. Von Dr. Franz E. Suess. Mit 

einer Lichtdrucktafel (Nr. XXV) und einer Zinkotypie im Text . . . 615 

Bemerkungen über einige Foraminiferen der ostgalizischen Oherkreide. Von 
R. J. Schubert. Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. XXVI) und drei 
Zinkotypien im Text 649 

Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt, ausgeführt in den Jahren 1898 — 1900 von C. v. John und 
C. F. Eichleiter 663 

Geognostische Schilderung der Lagerstättenverhältnisse von Dobschau in 
Ungarn. Von Friedrich W. Veit. Mit einer Tafel in Farbendruck 
(XXVII) und zwei Zinkotypien im Text 695 



Verzeichnis der Tafeln: 

I zu: Dr. F. v. Kerner. Die Beziehung des Erdbebens von Sinj 

zur Tektonik seines pleistoseisten Gebietes ..... 1 
II zu: M. Vacek. Skizze eines geologischen Profiles durch den 

steirischen Erzberg 23 

in zu: U. Sohle. Geognostisch - palaeontologische Beschreibung 

der Insel Lesina 33 

IV — V zu: A. Hofmfiiin. Fossilreste aus dem sUdraährischen Brauu- 

kohlenbecken bei Gaya 47 

Vi zu: A. Bittner. Ueber die triadische Lamellibranchiaten- 

Gattuug Mysidioptera Sal 51 

VII— VIII zu: M. Vacek. Säugethierreste der Pikermifanna vom Eich 

kogel bei Mödling 169 

]X — X zu: Dr. Otto M. Reis. Coelacanthus Lunzensis Teller . . . 187 
XI— XVIII zu: Dr. Franz E. Suess. Die Herkunft der Moldavite und 

verwandter Gläser 193 

XIX zu: 0. v, Hub er. Geologische Karte des Fleimser Eruptiv- 
gebietes 395 

XX -m: Fr. Martin. Aufschlüsse der Bahnstrecke Karlsbad — 

Marienbad 419 

XXI zu: Dr. K. Hinterlechner. Ueber Basaltgesteine aus Ost- 
böhmen 469 

XXIT— XXIV zu: A. Bittner. Ueber Pseudoinonotis Telleri und verwandte 

Arten der unteren Trias 559 

XXV zu: Dr. F'ranz E. Suess. Der Granulitzug von Borry in 

Mähren 615 

XXVI zu: R. J. Schubert. Bemerkungen über einige Foraminiferen 

der ostgalizischen Oberkreide 649 

XXVII zu: Friedrich W. V o i t. Geognostische Schilderung der 

Lagerstättenverhältnisse von Dobschau in Ungarn . . 695 



Personalstand 

der 

k. k. geologischen Reichsanstalt. 



Director : 

Staclie Guido, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone 
III. Gl., Besitzer des Comthurkreuzes IL Gl. des königl. säch- 
sischen Albrechtsordens und des kaiserl. russischen Set. Stanislaus- 
ordens II. Gl., Gommandeur des tunes. Niscian-Iftkliarordens, 
Phil. Dr.. k. k. Hofrath, Adjunct der kais. Leop. Carol. Deutschen 
Akademie der Naturforscher in Halle, Ehrenmitglied der ungar. 
geolog. Gesellschaft in Budapest, des Museumsvereines Francisco- 
Carolinum in Linz, der Societä adriatica di scienze naturali in 
Triest, der naturforsch. Gesellschaft „Isis" in Dresden und des 
Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg etc., 
III., Oetzeltgasse Nr. 10. 



Vice-Director : 

Tietze Emil, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone 
III. GL, Besitzer des kaiserl. russischen Set. Stanislausordens 
IL Gl, Ritter des königl. portugiesischen Set. Jacobsordens und 
des montenegrinischen Daniloordens, Phil. Dr., k. k. Oberberg- 
rath, Mitglied der kaiserl. Leop. Garol. Deutschen Akademie 
der Naturforscher in Halle, Prcäsident der k. k. geographischen 
Gesellschaft in Wien, Ehrenmitglied der Societe geologique de 
Belgique in Lüttich , der königl. serbischen Akademie der 
Wissenschaften in Belgrad und der uralischen Gesellschaft von 
Freunden der Naturwissenschaften in Jekaterinenburg, corre- 
spondirendes Mitglied der Societe Beige de Geologie, de 
Paleontologie et d'Hydrologie in Brüssel , der geographischen 
Gesellschaften in Berlin und Leipzig, der schlesischen Gesell- 
schaft für vaterländische Gultur in Breslau etc., III., Haupt- 
strasse Nr. 90. 



VI 

Ohefgeologen : 

Vacek Michael, III., ErdbergerLände Nr. 4. 
Bit tu er Alexander, Phil. Dr.. III., Thoiigasse Nr. 11. 
Teller Friedrich, k. k. Bergrath, III., Kollergasse Nr. 6. 
Geyer Georg, III., Kübeckgasse Nr. 9. 

Vorstand des cheniischen Laboratoriums : 

John von J o h n e s b e r g Conrad, k. k. Regieruugsrath, IL, Paffrath- 
gasse Nr. 6. 

Geologen : 

Biikowski Gejza v., III., Marxergasse Nr. 27. 
Rosiwal August, Privatdocent au der k. k. technischen Hochschule, 
III., Bechardgasse Nr. 10. 

iVdjuncten : 

Dreger Julius, Phil. Dr., III.. Ungargasse Nr. 63. 

Eichleiter Friedrich, III., Seidigasse Nr. 37. 

Kern er von Marilaun Fritz, Med. U. Dr., III., Ungargasse Nr. 6. 

Suess Franz Eduard, Phil. Dr., Privatdocent an der k. k. Universität, 

IL, Afrikanergasse Nr. 9. 
Kossraat Franz, Phil. Dr., Privatdocent an der k. k. Universität, 

V., Wildemanngasse Nr. 4. 

Bibliothekar : 

Matosch Anton, Phil. Dr., III., Hauptstrasse Nr. 33. 

Assistenten: 

Abel Othenio, Phil. Dr., XIIL, Jenuligasse Nr. 2. 
Hinterlechner Karl, Phil. Dr., IIL, Geologengasse Nr. 1. 

Für die Kartensamnilung: 

Zeichner: 
Jahn Eduard, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, 

IIL, Messenhausergasse Nr. 8. 
Skala Guido, IIL, Hauptstrasse Nr. 81. 
Lauf Oscar, VII., Kaiserstrasse Nr. 8. 

Für die Kanzlei : 

Girardi Ernst, k. k. Rechnungsrath, IIL, Marxergasse Nr. 23. 



VII 



Hilfsbeamte : 

Wlassics Johannes, k. k. Ingenieur i. R., 
Zellzko Johann, III., Blattgasse Nr, 8. 



III., Mohsgasse Nr. 13. 



Diener : 

Erster Amtsdiener: S ch re i ner Rudolf, 

Besitzer des silbernen Verdienstkreuzes mit 

der Krone. 
Laborant: Kalander Franz 
Zweiter A m t s fl i e n e r : Palme Franz 
Dritter A m t s d i e n e r : LI 1 b i n g Johann 
Am ts dienergehi If e für das Laboratorium: 

Felix Johann 
Amtsdienergehilfen für das Museum: 

Spatnj Franz 

Kreyca Alois 
Heizer: Rausch Josef. 



Schmid Josef, k. u. k 



Portier : 

Invaliden-Feldwebel 



III., Rasumoffsky- 
gasse Nr. 23 u. 25. 



III., Hauptstrasse Nr. 1. 



VIII 



Correspondenten 

der 

k. k. geologischen Reichsanstalt 

1900. 

Dr. F. J. B e c k e , o ö. Professor der Mineralogie an der Wiener 
Universität. 

Dr. F. Berwerth, a. o. Professor der Petrograpliie an der Wiener 
Universität und Leiter der mineral.-petrograph. Abtheilung des 
k. k. naturhistorischen Museums. 

Adolf Ilofniann, Professor der Mineralogie und Lagerstättenlehre 
an der k. k. Bergakademie in Prlbram. 

Ad albert Holy. Bergingenieur in Vejvanov bei Radnitz in Böhmen. 

Josef Eduard Kny in Häjek bei Brandeis a. d. Adler in Böhmen. 

Ferdinand Seidl. Professor an der k k. Oberrealschule in Görz. 

Dr. Karl Vrba, o. ö. Professor der Mineralogie an der k. k. böhmi- 
schen Universität in Prag. 

Wilhelm Winkler, Director der k. k. Realschule im XVI. Bezirke 
in Wien. 



Ausg:«geb«n lim 1(i."^irlt' 1909'.'^ 



JAHRBUCH 



DER 



KAISERLICH-KÖNIGLTCHEN 




JAHRGANG 1900. L. BAND. 

1. Med. 

Mit Tafel I-VIII und vi. , -n. 






Wien, 1900. 

Verlag- der k. k, ' ^ Reichsanstalt. 

In CommiasioD bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Uofbuchhandlong, 



Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 
2. Juli 1898 zur Tektonik seines pleistoseisten 

Gebietes. 

Von Dr. Fritz von Kerner. 

Mit einer geologischen Karte (Taf. Nr. I). 

Am Morien des 2. Juli 1898 wurde die südliche Umrandung 
der grossen Cetinaebene bei Sinj von einem verheerenden Erdbeben 
heimgesucht Das Auftreten einer heftigen, von zahllosen Nachbeben 
gefolgten Erschütterung am Rande eines der grossen innerdalmatischen 
Einbruchsgebiete rief sofort den Gedanken wach, dass es sich hier 
um ein neues Glied in der langen Kette jener Vorgänge handle, die 
mit dem genannten Einbrüche in genetischer Beziehung stehen und 
eine Theilerscheinung jener Krustenbewegungen bilden, die man in 
ihrer Gesammtheit als periadriatischen Senkungsprocess bezeichnet. 
Der Umstand, dass das Beben in ein Gebiet fiel, das sich zufolge 
seiner grossen Aufgeschlossenheit für tektonische Studien verhältnis- 
mässig günstig erweist, liess die Hoffnung begründet erscheinen, dass 
sich bestimmte Beziehungen zwischen dem Gebirgsbaue und den 
seismischen Erscheinungen feststellen lassen. Es wurde mir die Auf- 
gabe zutheil, eine diesbezügliche Untersuchung durchzuführen ^), und 
ich habe die Ergebnisse derselben in einem vorläufigen Berichte über 
das Erdbeben von Sinj mitgetheilt. (Verh. d. k. k. geol. R.-A. 1898, 
Nr. 11/12.) Die folgenden Zeilen enthalten eine genauere Darstellung 
meiner im Schüttergebiete gemachten geologischen Beobachtungen und 
eine Erörterung der aus denselben abzuleitenden Schlüsse bezüglich 
der nächsten Ursachen des stattgehabten Bebens. 

Geologische Beschreibnng der südlichen Umrandung des 

Sinjsko Polje. 

Die südliche Umrandung des Sinjsko Polje wird durch die Cetina 
in einen westlichen und östlichen Theil geschieden. Der westliche Theil 
ist ein ziemlich flacher, etwa 2 km breiter Gebietsstreifen, welcher sich 
längs der Nordostseite des Bergrückens Cemernica (Traposnik 666 m) 
bis zum Südfusse des Berges Visoka (>9l m) erstreckt. Der an diesen 



^) Mit der physikalischen Untersuchung des Bebens wurde Herr Ingenieur 
A. Faidiga, Adjunct am astronomisch-meteorologischen Observatorium in Triest, 
betraut. 

Jahrbuch d. k. k. «eol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (F. v. Kerner.) 1 



Dr. Fritz v. Keriier. 



[2] 



Berg zunächst anstossende nördliche Theil des Terrains, die Gegend 
Podovi, ist eine völlig horizontale, steinige Ebene, deren Ostrand 
gegen das Sinjsko Polje ziemlich steil abfällt. Weiter südwärts wölbt 
sich der Ostrand dieser Ebene zu einem Hügelzuge auf, welcher sich 
alsbald in zwei divergirende Züge spaltet. Der eine derselben (Gomila 
434 m) verläuft in der Richtung des Ostrandes der Podoviebene gegen 
SO weiter und flacht sich schon 2 km westlich von der Cetina ab. 
Der andere Zug (Vojnicki Brig 440 m) wendet sich zunächst gegen S 
und alsdann in flachem Bogen gegen OSO, um erst an der Cetina 
mit steilen Felsabhängen zu enden. Die zwischen diesen beiden Höhen- 
zügen gelegene Vertiefung wird durch einen bei Klapeza Staja die 
beiden Züge verbindenden Querriegel in eine längliche Mulde und in 
ein gegen SO sich öffnendes kurzes Thälchen geschieden. Die Ebene 
Podovi erfährt durch die südwestliche Ausbauchung des inneren Höhen- 
zuges eine bedeutende Verschmälerung ; gleichzeitig vollzieht sich eine 
geringe Senkung ihres Niveaus, so dass sich das in ihrer Fortsetzung 
gelegene Terrain von Vojnic zu einer flachen, zwischen dem Vojnicki 
Brig und dem Rücken des Traposnik gelegenen Mulde gestaltet, von 
welcher ein Graben zur Cetinaschlucht hinabführt. 

Zwischen den Kuppen Kukusovac und Radasusa trifft man am 
steilen Westabhange des Sinjsko Polje vorzugsweise losen Schutt und 
recente Gehängebreccien, aus denen da und dort Felsen von Rudisten- 
kalk aufragen. Oben am Plateau zeigen sich viele dem Plateaurande 
parallele Riffe dieses Kalkes, die als Schichtköpfe von steil aufge- 
richteten Bänken zu betrachten sind. Zwischen diesen Riffen liegt viel 
loses Trümmerwerk, vorwiegend Stücke von Kreidekalk, zum Theil 
auch Fragmente von alten Breccien aus eocänen Kalken. Jenseits der 
kleinen, auf der Südseite der Radasusa befindlichen Mulde, zu deren 
beiden Seiten die verticale Stellung der Schichten ziemlich deutlich 
erkennbar ist, trifft man unfern des Plateaurandes inmitten eines 
wüsten Kreidekalkterrains eine ziemlich ausgedehnte Linse von dunkel- 
rothen bis braunen, zum Theil auch lichten Cosinaschichten in Ver- 
bindung mit kleinen Lagern von Eisenthon. 

Nähere Aufschlüsse über die Art der Störung, mit der dieses 
Vorkommnis in Zusammenhang steht, lassen sich wegen der Undeut- 
lichkeit der Lagerungsverhältnisse in dieser Region nicht gewinnen. 

Nordostwärts von dieser Protocänlinse treten auch am Plateau- 
rande und am steilen Abhänge des Sinjsko Polje Gesteine auf, die in 
das tiefere Eocän zu stellen sind : sehr fossilarme, hellgraue Kalke, 
welche stellenweise Milioliten und vereinzelte Alveolinen enthalten. 
Weiter südostwärts trifft man am Abhänge zunächst wieder Rudisten- 
kalk; eine Strecke weit vor der Stelle, wo der von Turjake nach 
Vojnic hinaufführende Weg beginnt, tritt aber am Plateauabfalle 
Alveolinenkalk zu Tage. Die durch eine Zone von Bi-eccien bezeichnete 
Grenze zwischen beiden Kalken zieht in südlicher Richtung schief 
über das Gehänge zum Plateau hinauf und durchquert alsdann die 
Kuppe des kleinen Felshügels, um dessen Ost- und Südseite sich der 
genannte Weg herumbiegt. An der Umbiegung dieses Weges gegen 
SSO stehen cretacische Breccienkalke und Netzkalke an ; westwärts 
vom Anfangsstücke der gegen SO gerichteten Strecke des Weges 



[3] Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 3 

lagern fossilarme Kalke des Untereocäns, deren Schichtmasse gegen W 
längs einer NO— SVV streichenden Querverwerfung scharf gegen den 
Rudistenkalk abbricht. Ostwärts vom Wege trifft man hier bis zur 
Ebene hinab ziemlich fossilreichen, blassröthlichen Alveolinenkalk. 
Weiter gegen SO nimmt derselbe nur die Kammregion des längs der 
Ebene verlaufenden Höhenzuges ein. Der dem Polje zugekehrte Ab- 
hang besteht von den südlichsten Hütten von Turjake an aus Rudisten- 
kalk, das der Mulde von Pistetak zugewendete Westgehänge des Rückens 
aus Nummuliten fiiiirenden Schichten. Besonders deutlich lässt sich 
dieser Aufbau des Rückens aus drei verschiedenen Kalkzonen in der 
kleinen Schlucht erkennen, die ihn gegenüber von Zabljak durchbricht. 

Die die innere Zone bildenden Nummulitenschichten beginnen 
schon am Ostrande der Podoviebene südostwärts von dem vorhin er- 
wähnten untereocänen Kalken und ziehen von da schief über das 
Terrain, in welchem sich der die Einsenkung von Pistetak von West 
her umgreifende Höhenzug vom vorerwähnten Zuge abgliedert, in diese 
Senkung hinüber. 

Am VVestabhange derselben verlieren sie sich schon da, wo die- 
selbe aus einem flachen Graben in eine weite, mit Eluvien erfüllte 
Mulde übergeht. Am ziemlich steilen Ostabhange der Mulde lassen 
sie sich bis zu dem flachen Querriegel von Klapeza Staja verfolgen, 
welcher die Mulde gegen SO abschliesst. 

Am Ostrande der Podoviebene und auf dem Rücken zwischen 
dieser Ebene und dem flachen Graben, welcher zur eben genannten 
Mulde hinabführt, erscheinen vorzugsweise rothgefärbte, zum Theil 
schiefrige Kalke mit kleinen Nummulinen. Am Westabhange des 
grabenförmigen Anfangsstückes der Mulde von Pistetak beobachtet man 
einige Rifl'e von typischem Hauptnummulitenkalk mit dem diesem Kalke 
eigenthümlichen Relief, dann Scherbenfelder von dichten bis körnigen, 
zum Theil plattig entwickelten blassen Kalken, die meist fossilleer sind, 
da und dort jedoch vereinzelte Nummuliten enthalten, ferner lose 
Stücke von Congloraeraten und Breccien aus grauen und weissen 
Fragmenten. Das Einfallen der stellenweise aus dem losen Trümmer- 
werk vortretenden anstehenden Kalkvorkommnisse ist, soweit es sich 
erkennen lässt, ein massig steil nach Ost gerichtetes. 

Die Nummulitenkalke auf der Ostseite der Mulde von Pistetak 
zeigen gleichfalls verschiedenen petrographischen Habitus ; am oberen, 
sich abflachenden Tlieile des Gehänges sieht man lange Riffe von 
rothen, dünnpkttigen bis schiefrigen und von weissen körnigen Kalken, 
dann Bänke von mehr mergeligem Aussehen. Die Schichten fallen hier 
steil gegen WSW. Es liegt somit in der Mulde von Pistetak Synklinale 
Schichtstellung vor ; doch liandelt es sich nicht um zwei durch ein 
Bogenstück verbundene, sondern um zwei unter einem Winkel zu- 
sammentretende Schichtflügel. 

Auf dem Rücken westwärts vom oberen Theile der Mulde von 
PiStetak trifft man ausgedehnte Scherbenfelder von blassröthlichem, 
nicht sehr fossilreichem Alveolinenkalk. In der Gegend von Punkt 424 
der Specialkarte bestehen auch noch die Felsen an dem der Podovi- 
ebene zugekehrten Westabhange des Bergrückens aus Alveolinenkalk. 
Nordwärts von da reicht der Rudistenkalk weiter gegen Ost bis in die 



Dr. Fritz v. Kerner. 



[4] 



Nähe der vorerwähnten Nummuliten führenden Schichten. Der Alveo- 
linenkalk schneidet hier längs einer SSW— NNO streichenden Störungs- 
linie ab. Südwärts von Punkt 424 der Specialkarte bestehen die Felsen 
am Abhänge auf der Ostseite der Podoviebene aus Rudistenkalk. 
Die Grenze zwischen Kreide und Tertiär verläuft hier in flachem, 
gegen SW convexera Bogen schief über die Rückenfläche des Höhen- 
zuges in die Mulde von Pistetak hinüber. Sie erscheint durch einen 
Zug von protocänen Kalken bezeichnet, die ziemlich fossilarm sind, 
indess sich die Randzone des Kreidekalkes als reich an Rudisten er- 
weist. Die Zone des Alveolinenkalkes auf der Westseite der Mulde 
von Piätetak nimmt dem eben erwähnten Verlaufe der Formations- 
grenze entsprechend gegen SO hin rasch an Breite ab, um etwas süd- 
wärts vom Punkt 399 der Specialkarte auszukeilen, so dass am Süd- 
rande der Mulde (zwischen Punkt 399 und Klapeza Staja) schon 
Rudistenkalk ansteht. 

Südostwärts von Klapeza Staja, woselbst der Nummulitenkalk 
endet, reicht dieser Rudistenkalk, welcher das Liegende des Eocäns 
auf der Westseite der Mulde von Pistetak bildet, bis an den Zug 
des Alveolinenkalkes auf der Ostseite der Mulde heran. In seinem 
östlichen Theile besteht demzufolge der Höhenzug von Gomila aus 
einer mittleren Zone von Alveolinenkalk und zweien seitlichen Rudisten- 
kalkzonen. In der äusseren Rudistenkalkzone, welche den der Ebene 
zugekehrten Steiiabfall des Höhenzuges bildet, treten oberhalb Docic 
wilde Felsriffe auf, welche auf Steilstellung der Schichten hinweisen. 
An der Grenze gegen den über die Rückenfläche des Höhenzuges ver- 
laufenden Alveolinenkalk, welcher wahrscheinlich gleichfalls steil auf- 
gerichtet ist, treten fossilleere Kalkgesteine von unregelmässigem, zum 
Theile breccienartigem Gefüge auf. Cosinaschichten fehlen, ebenso 
obere Foraminiferenschichten von charakteristischem Habitus. Am 
ehesten könnte man nahe bei Kosute von einer Vertretung des oberen 
Foraminiferenkalkes durch feinkörnige grauliche Kalke sprechen. Die 
Grenze des Alveolinenkalkes gegen den Innern Rudistenkalkzug, welcher 
die Nordostabhänge des Thälchens bei Koäute bildet, ist ziemlich scharf 
und jedenfalls einer Störungslinie entsprechend. 

In dem eben genannten Thälchen sind mächtige Anhäufungen 
von Terra rossa vorhanden. Das Südostende des Rückens Gomila ist 
mit vielem Schutt und Trümmerwerk bedeckt Längs des Nordost- 
fusses des Rückens ziehen sich flach gelagerte neogene Mergel hin, 
welche in bald grösserer, bald geringerer p]ntfernung vom Gebirgsrande 
unter den quartäien Bildungen des Sinjsko Polje verschwinden. 

Bei Bucanj endet die steinige Ebene Podovi und es schliesst 
sich an dieselbe zunächst die Finsenkung von Pistak, welche weiterhin 
in die Mulde von Vojnic übergeht. Am Gehänge, welches die Ein- 
senkung in Osten begleitet, trifft man viel Gehängeschutt, auch grössere 
Blöcke, Anhäufungen von Terra rossa und einzelne Felsen von Rudisten- 
kalk, welcher massig steil gegen NO bis NNO einfällt. 

Auch an der zur Mulde von Vojnic abdachenden südöstlichen 
Fortsetzung dieses Gehänges ist neben anstehendem Fels sehr viel Ge- 
birgsschutt vorhanden. Auf dem breiten Rücken, welcher die Ein- 
Senkung Pistak von der Mulde von Pistetak scheidet, trifft man vor- 



[5] Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 5 

zugsweise anstehenden Rudistenkalk ; auf der zunächst anstossenden, 
gegen OSO umbiegenden, schmäleren Fortsetzung des liückens, dem 
Vojnicki Brig, breiten sich dagegen grosse, durch Zerfall der Felsmassen 
gebildete Trümmerfelder aus. Auf der weiteren östlichen Fortsetzung 
des Kückens, dem Gardunski Brig, ist gleichfalls viel loses, mehr oder 
minder scharfkantiges Gesteinsmaterial vorhanden. Im nordöstlichen 
Tiieile dieses Terrains (nordwärts von Punkt 434 der Specialkarte) 
tritt dagegen in grösserer Ausdehnung Rudistenkalkfels zutage, welcher 
ein nordnordöstliches Einfallen zeigt. Am Nordrande des Vojnicki Brig 
sind lockere und mehr oder minder festgefügte Gehängebreccien zu 
constatiren. 

Das hügelige Terrain, welches sich zwischen dem Ostfusse des 
Bergrückens Gomila und der Cetina auf der Nordseite des Vojnicki- 
und Gardunski Brig ausbreitet, besteht aus flach gelagerten neogenen 
Süsswasserschichten. Man beobachtet hier vorzugsweise Mergel mit 
vereinzelten Lignitschmitzen und Bänke von lockeren Sandsteinen und 
Congiomeraten. Es tritt dieses Terrain in autfälligen, durch die Ver- 
schiedenheit in Farbe und Relief bedingten landschaftlichen Contrast 
gegen seine felsige Umrandung. Das morphologische Charakteristikon 
dieser Mergelterrains, welches in der Durchfurchung von vielen tiefen 
und vielverzweigten Erosionsrinnen besteht, zeigt sich besonders schön 
an der Stasina Glavica (450 m) entwickelt, welche einem von zahl- 
reichen Barancos durchschnittenen, oben abgeflachten Kegelberge gleicht. 
Auf der Nordseite des Vojnicki Brig reichen diese Mergel nicht bis 
zur Höhe des Kalkrückens hinan ; weiter ostwärts steigen sie jedoch 
bis in das Niveau desselben hinauf. Das Plateau von Gardun ist mit 
Maisfeldern bepflanzt und es ist hier, soweit nicht die Farbe der Acker- 
erde einen Hinweis liefert, schwer entscheidbar, ob der unter derselben 
zunächst gelegene Boden aus Eluvien des Kreidekalkes oder aus Um- 
schwemmungsproducten von neogenen Mergeln besteht. 

In der westlichen Ausbuchtung der Mulde von Pistak, welche 
dem unteren Ende des Grabens entspricht, der von der Einsattlung 
zwischen den Kuppen Bracic und Traposnik herabkommt, tritt inmitten 
grosser Anhäufungen von Terra rossa cretacischer Dolomit zutage. 
Das Muldengebiet selbst ist von vielen, weithin verfolgbaren, nord-süd- 
streichenden Felsriffen durchzogen, welclie den Schichtköpfen massig 
steil ONO-fallender Bänke von Rudistenkalk entsprechen. Weiter 
gegen Südost sind längs des Nordostfusses des Traposnik {()6Ö m) mehr 
oder minder breite Züge von Dolomit verfolgbar. Gegenüber von 
Vojnic tritt am Nordostfusse des Jedinidrinak (544 m) Dolomit in 
grösserer Ausdehnung zutage, dessen Schichtmasse in nordöstlicher 
Richtung nach abwärts gekrümmt erscheint. Am Rande der Mulde 
sind die Dolomitbänke schwach gegen NO geneigt; an der Grenze gegen 
den das Gehänge aufbauenden Kreidekalk liegen sie ganz horizontal. 

Der anstossende Rudistenkalk fällt steil gegen SW bis SSW ein 
und bildet die Basis einer mächtigen Folge von Kalkbänken, deren 
Schichtköpfe als langgestreckte, an den Abhängen des Traposnik und 
Jedinidrinak sicli hinziehende Felsbänder erscheinen. Es liegt somit 
auf der Südseite der Mulde von Vojnic antiklinale Schichtstellung vor, 
doch handelt es sich nicht um zwei einander correspondirende Falten- 



6 Dr. Fritz v. Kerner. [6] 

flügel, sondern um zwei längs einer Störungslinie aneinandertretende 
Schollen, welche nach entoegengesetzten Richtungen geneigt sind. 
Weiter südostwärts ist am Fusse des südlichen Berghanges ein grösseres 
Lager von Terra rossa vorhanden. In sehr bedeutender Anhäufung 
findet sich die rothe Erde in der Einbuchtung des Gehänges hinter 
Raviciö. Die Kalke fallen am Ostfusse des Jedinidrinak massig steil 
gegen S bis SSW. Weiter hinauf am Gehänge sind die Lagerungs- 
verhältnisse unklar. Bei Ravicic selbst beobachtet man mauerähnliche 
Felszüge, welche als Schichtköpfe sehr steil gegen SSW fallender 
Kalkbänke anzusehen sind ; auch weiter südostwärts ist mehr oder 
minder steiles Einfallen gegen SSW deutlich erkennbar. 

Der unterhalb der Kirche Sv. Jurai gelegene Theil der Mulde von 
Vojnic ist fast ganz mit Feldern und Weingärten bedeckt. An einigen 
Stellen tritt sandiger grauer und körniger weisser Dolomit zutage. 
Die kleine Terrainstufe südöstlich von der Kirche wird durch Breccien- 
kalke gebildet, die' östliche Fortsetzung dieser Stufe aus Felsmassen 
von Rudistenkalk, dessen Lagerung nicht erkennbar ist. In der Gegend, 
in welcher die Mulde von Vojnic in den zur Cetinaschlucht hinab- 
führenden Graben übergeht, tritt ein ziemlich breiter Zug von Dolomit 
hervor, welcher weiterhin dem Graben bis zum Cetina hinab folgt. 

Die den Zug im Südwesten begleitenden Rudistenkalke sind am 
Waldrande vor Ravicic 25 — 30° gegen S bis SSW geneigt; die längs 
der Nordseite des Zuges verlaufenden Kalkbänke lassen ein 40° steiles 
Einfallen gegen NO erkennen. Die Lagerungsverhältnisse des Dolomites 
sind hier minder deutlich ; in dem zur Cetina hinabführenden Graben 
fällt er unter den dort steil gegen SSW geneigten südlichen Flügel der 
Antiklinale ein. Ein Faltenaufbruch mit einander genau entsprechenden 
Schenkelstücken ist jedenfalls auch hier nicht vorhanden. 

An der Ostwand der Cetinaschlucht ist das südliche Einfallen 
der Kalkmassen, welche sich südwärts von der Einmündung des vor- 
erwähnten Grabens befinden, deutlich sichtbar; minder deutlich an 
den von einer kleinen Ruine gekrönten Felsen am westlichen Steilufer. 
Der erste, auf der Südseite des Grabens am westlichen Cetinaufer auf- 
ragende Felsriff fällt noch 55° NNO. Thalabwärts von der Ruine 
sind die Lagerungsverhältnisse an beiden Schluchtwänden ziemlich un- 
klar, doch dürfte noch eine Strecke weit südliches Einiallen andauern. 
Weiter südwärts sind dann wieder östliche bis nordöstliche Fall- 
richtungen zu constatiren, welche zunächst local, auf der Südostseite 
des Konacnik (464 m) aber regional zu sein scheinen. 

Die Cetina ist auf dieser Thalstrecke von circa .ö m hohen, aus 
Lehm, Sand und Schotter gebildeten Terrassen theils einseitig, theils 
beiderseitig begleitet. 

Am steilen, felsigen Nordgehänge des zur Mulde von Vojnic hin- 
aufziehenden Grabens fallen die zum Theile breccienartigen Kalke 
40° N. Die Grenze gegen den in der Tiefe des Grabens zu Tage 
tretenden Dolomit ist durch Felsschutt und Gehängebreccien verdeckt. 
In der Cetinaschlucht sind thalaufwärts von der Mündung dieses Grabens 
die Lagerungsveriiältnisse nur theilweise feststellbar. Die steilen Felsen 
an der westlichen Schluchtwand unterhalb Punkt 407 der Specialkarte 
zeigen keine deutliche Schichtung Die unter einem mit rother Erde 



[7] Die Beziehung tles Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 7 

bedeckten Gehänge vortretenden Felsriife schief gegenüber von der 
Mühle unter Svaline lassen ein nnässig steiles Einfallen gegen NO er- 
kennen Minder bestimmt lässt sich diese Fallrichtung für die weiter 
nordwärts unter den neogenen Mergeln auf der Ostseite der Cetina 
anstehenden Kalkfelsen behaupten. 

An den weiter thalaufwärts folgenden Westabhängen des Cetina- 
thales ist die Lagerung sehr unklar; die aus umfangreichen Schutt- 
massen aufragenden Felsriff'e unterhalb der Kirche Sv. Petar weisen 
auf Steilstellung der Schichten am Rande des Gebirges hin. 

Nordwärts von diesen Riffen, welche auf der Ostseite der Cetina 
keine Fortsetzung finden, wird auch das Westgehänge des Cetinathales 
von jungtertiären Ablagerungen gebildet, deren Grenze gegen das 
cretacische Gebirgsgerüste durch recente Schuttmassen völlig verdeckt 
ist. Man beobachtet hier zunächst eine mächtige Folge von gelblichen 
Mergelschichten, darüber groben Sand mit eingelagerten Schotterbänken, 
dann eine dicke Bank von lockerem Congloraerat und über dieser wieder 
mergelige Schichten, sowie gröberes und feineres Geschiebe. Die Con- 
glomeratbank lässt eine schwache Neigung gegen die Ebene hin er- 
kennen. 

Auf der Ostseite des Cetinathales unterhalb Tiilj breitet sich 
eine umfangreiche Hügelmasse aus. welche gegen NO und SO durch 
Thalfurchen von den umgebenden Bergzügen getrennt ist und nur an 
ihrer SW-Seite mit dem Nachbarterrain zusammenhängt. Sie ist durch 
einen grösseren und mehrere kleinere Gräben in eine Anzahl von 
Rücken gegliedert, deren Abhänge von zahlreichen vielverzweigten 
Erosionsrinnen durchfurcht sind. Diese ganze, im Golo Brdo bis zu 
463 m anschwellende Hügelmasse besteht aus flach gelagerten Mergeln 
und eingeschalteten Bänken von Sauden, Schottern und lockeren Con- 
glomeraten. An der am Ostabhange des Cetinathales von Trilj nach 
Caporice hinaufführenden Strasse stehen mächtige, ganz horizontal 
gelagerte Bänke von Conglomeraten an. Eine reiche Entwicklung von 
conglomeratischen Einschaltungen ist auch in dem Graben östlich von 
Caporice zu beobachten. 

Südwestlich vom Golo Brdo liegt ein wüstes Rudistenkalkterrain, 
das in seiner Mitte von NW — SO streichendem Dolomit durchzogen 
ist. welcher sich als die jenseits der Cetina gelegene Fortsetzung des 
Dolomitzuges von Vojnic erweist. Auf der Nordseite der Runjik Gla- 
vica (431 w), woselbst OSO- bis SO-Fallen der Kalke zur Beobachtung 
kommt, ist ein grosses Terra rossa-Lager vorhanden. Auf dem schmalen 
Rücken, welcher nordostwärts von der Runjik Glavica verläuft, trifft 
man ein wüstes Felsgewirre von Rudistenkalk, in welchem sich die 
Lagerungsverhältnisse völlig der Beobachtung entziehen. Dasselbe ist 
auf dem nordostwärts benachbarten Rücken der Fall, welcher bei den 
Hütten von Briskilje endet. Die mehrfach zu beobachtenden steilen 
Felsriffe lassen mit einiger Wahrscheinlichkeit auf saigere Stellung der 
Kalkbänke schliessen. 

Im unteren Theile und an der Mündung des zwischen diesen 
beiden Felsrücken gelegenen Grabens sind sehr umfangreiche An- 
häufungen von rother Erde vorhanden. Auch ein kleines, vom gegen- 
überliegenden, der Masse des Golo Brdo zugehörigen Gehänge durch 



8 Dr. Fritz v. Kerner. [g] 

Eluvien getrenntes Vorkommnis von neogenen Mergeln ist liier zu con- 
statiren. 

Ein grösseres Lager von solchen Mergeln breitet sich nordwärts 
von dem vorgenannten Kalkrücken zwischen Biskilje und Strmen 
Dolac aus. Die Felsen südwestlich von Strmen Dolac bestehen 
aus NW — SO streichenden, steil aufgerichteten Kalkbänken. Am 
Gehänge, längs dessen Fuss sich das eben genannte Dörfchen 
hinzieht, nimmt die Neigung der Schichten in der Richtung gegen 
N allmälig ab. Bei den gegen Süden zu gelegenen Hütten constatirt 
man 60^, weiterhin 40 — 45'^ und schief gegenüber von der Kirche 
Sv. Nicola 300 nq bis NNO fallenden Rudistenkalk. 

Auf der Ostseite der nördlichen Ausbuchtung der Mulde von 
Strmen Dolac tritt 40~-50o WSW fallender Alveolinenkalk zutage. 
Derselbe ist zum Theile rein weiss und in seinem petrographischen 
Habitus dem typischen Rudistenkalke sehr ähnlich, zum Theile blass- 
röthlich bis rosenroth und stellenweise breccienartig entwickelt. Auch 
die bei meinen Detailaufnahmen in der Zagorje als ein ziemlich con- 
stanter Horizont des tieferen Eocäns erkannten, schiefrigen, geibgrauen 
Kalke mit kleinen Nummulinen kamen hier zur Beobachtung. An der 
Grenze gegen den die höheren Theile des Thalgehänges bildenden 
Rudistenkalk erscheint ein schmaler Zug von kieseligen, graurothen 
bis lilafarbigen Kalken, welche vereinzelte Durchschnitte von Hydrobien 
enthalten. Eine Zone von oberem Foraminiferenkalk ist hier nicht zu 
constatiren. 

Eine Strecke weit vor den Hütten von Krolina verschwindet 
dieser Zug von Alveolinenkalk unter einem Schuttkegel, dessen Material 
von den höher oben anstehenden Rudistenkalkfelsen stammt. Weiterhin 
treten unter diesem Kalkschutte neogene Mergel zutage, welche einen 
kleinen, in die Mulde von Strmen Dolac ausladenden Gehängevorsprung 
bilden. Bei den Hütten von Krolina erscheint wieder als Fortsetzung 
des vorerwähnten Zuges ein schmaler, zwischen Rudistenkalk eingekeilter 
Zug von Alveolinenkalk. Der Felsriff ober dem dort befindlichen ge- 
mauerten Punar (Brunnen) besteht aus einem Kalk, welcher vollkommen 
den Habitus gewisser Kreidekalke besitzt und auf Rudisten zu be- 
ziehende Schalensplitter enthält 

Die Felsen am Pfade unterhalb des Punars bestehen aus einem 
rein weissen Kalk mit schlecht erhaltenen, aber doch sichei-en Längs- 
und Querschnitten von Rudisten. Die anstehenden Partien und losen 
Kalktrümmer in der schmalen, dazwischen liegenden Gehängezone ent- 
halten dagegen Alveolinen. Die Lagerungsverhältnisse sind hier nicht 
zu erkennen. Bei dem grossen Eichenbaume vor den Hütten von 
Krolina trifft man unmittelbar unter einem Riff von Rudistenkalk einen 
mürben, schmutzig graugelben Kalk, welcher zahlreiche Nummuliten in 
sich schliesst. Dieser schmale Zug von eocänen Kalken lässt sich 
jenseits der vorerwähnten Hütten am Abhänge eine Strecke weit süd- 
ostwärts verfolgen. Man beobachtet da ausser Alveolinen führenden, 
mehr homogenen Kalken vorzugsweise Breccienkalke und fossilleere 
röthliche Breccien. Das Einfallen dieser Schichten ist 40— 50° NO. 
Cosinaschichten sind hier am Nordostrande des eocänen Kalkzuges 
fehlend ; dagegen treten auf der Südwestseite des Zuges an der Grenze 



[9] Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 9 

gegen den Rudistenkalk Gesteine auf, welche in ihrem Habitus gewissen 
Kalken der Protocänstufe gleichen. 

Der östlich von der Cetina gelegene Theil der südlichen Um- 
randung des Sinjsko Polje besteht aus vier einander parallellen, NW 
— SO streichenden Höhenzügen, welche ebensoviele Felssporne in die 
Ebene vorschieben und deren südöstliches, jenseits des Ruda Potok 
gelegenes Randstück in mehrere Buchten zertheilen. Der Südostrand 
des Sinjsko Polje beschreibt demzufolge eine Zickzacklinie und tritt 
so in scharfen morphologischen Gegensatz zu dem südwestlichen Rande, 
welcher geradlinig verläuft. Der südlichste und breiteste dieser Höhen- 
züge schiebt sich^ — sich allmälig gegen N hin verjüngend — aus 
der Gegend von Cacvina bis zu der Stelle vor, wo der Ruda Potok 
kurz vor seiner Einmündung in die Cetina aus seiner südsüdwestlichen 
Richtung nach W umbiegt. 

Hinter den Hütten von Susnjara tritt dieser Rücken bis dicht 
an die Hügelmasse des Golo Brdo heran, so dass das von einem theil- 
weise trocken liegenden Flussbette durchzogene Thal, welches diese 
Hügelmasse von her umgreift, in zwei Theile zerfällt; in einen 
inneren, welcher eine von SW gegen NO in die Länge gezogene 
Mulde ist (Mulde von Strmen Dolac), und in einen äusseren, welcher 
die südlichste der vorerwähnten Ausbuchtungen des Sinjsko Polje dar- 
stellt (Bucht von Vedrine). In dem nordwärts vom Felssporne von 
Vedrine zur Linken des Ruda Potok gelegenen Randtheile des Sinjsko 
Polje schiebt sich der dritte der vorerwähnten Höhenrücken bis un- 
mittelbar an den Fluss vor und theilt so jenes Randstück in zwei 
Buchten (Bucht von Jabuka und Grab), von denen die erstere durch 
das Ende des schmalen zweiten Rückens, die letztere durch das End- 
stück des vierten Rückens in zwei Zipfel^ zerfällt. 

Der breite, aus der Gegend von Cacvina zum Ufer des Ruda 
Potok verlaufende Höhenzug setzt sich aus einer schmalen mittleren 
Zone von Dolomit und zweien seitlichen Rudistenkalkzonen zusammen. 
Westlich von Kovic bildet der Dolomit eine Zone, welche sich im 
Relief als seichter Graben bemerkbar macht und durch die reichere 
Rasenbedeckung und den röthlichbraunen Ton der von Vegetation ent- 
blössten Stellen gegen die hellgrauen Felsgewirre des Rudistenkalkes 
lebhaft contrastirt. Bei den Dolomitbänken lässt sich ein massig steiles 
(35 — 400) Fallen gegen NNO bis NO mit ziemlicher Deutlichkeit er- 
kennen ; in den begleitenden Rudistenkalkterrains sind die Lagerungs- 
verhältnisse sehr unklar. Die Rudistenkalke auf der SW-Seite des 
Dolomitzuges dürften gegen SW einfallen ; für die an den Dolomit 
zunächst aiistossenden Bänke dürfte saigere Stellung, eventuell sogar 
locale Ueberkippung gegen SW (steiles NO-Fallen) anzunehmen sein. 
Die Grenze zwischen Dolomit und Kalk ist auf dieser Seite sehr scharf 
und jedenfalls einer Störungslinie entsprechend. Auf der NO- Seite 
treten auch noch in dem der Dolomitzone benachbarten Kalkterrain 
dolomitische Einschaltungen auf, welche gleich den Schichten in der 
dolomitischen Hauptzone gegen NO einzufallen scheinen. Es lässt dies 
darauf schliessen, dass der auf der NO-Seite an den Dolomit anstossende 
Kalkcomplex das Hangende des Dolomites ist. An den Kalken selbst 
ist nur stellenweise nordöstliches Einfallen zu constatiren und eine 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (F. v. Kerner.) 2 



10 Dr. Fritz v. Kerner. MQ] 

deutliche concordante Auflagerung der untersten Kalkbänke auf den 
benachbarten Dolomit nicht erkennbar. Weiter gegen hin ist dann 
massig steiles bis steiles NNO- bis N-Fallen der an Rudistenresten 
ziemlich reichen Kalke zu beobachten. Bei der östlichen Hüttengruppe 
von Cacvina (südlich von der Kota Glavica, 584 m) trifft man mauer- 
ähnliche Felsriffe, welche den Schiehtköpfen steil (60—650) gegen 
SW fallender Kalkbänke entsprechen. Weiterhin folgen Einschaltungen 
von Dolomit und dann wieder bei Bilaniö massig steil^ NNO fallende 
Kalke. Der Felsgrat (703 m) zwischen Bandovo und Cacvina scheint 
aus steil aufgerichteten Kalkbänken zu bestehen. 

Bei Sivalica ist die in der Mitte des Bergrückens verlaufende 
Zone von Dolomit ziemlich schmal. Die Kalkbänke fallen in dieser 
Region im südwestlichen Kalkzuge 30° SW bis SSW, im nordöstlichen 
Zuge ungefähr ebenso steil gegen ONO. In dem dolinenreichen Terrain 
nordöstlich von Sivalica trifft man ausser homogenen Kalken auch 
Breccien und Conglomerate aus weissen und grauen Fragmenten mit 
gelblicher Kittmasse, welche sich in ihrem Habitus von den klastischen 
Gesteinen der Prominaschichten einigermassen unterscheiden. 

Solche Breccien sind auch weiter westwärts, oberhalb Vedrine, 
in grösserer Verbreitung zu beobachten. Man trifft indessen an ver- 
schiedenen Stollen des in Rede stehenden Gebietes auch räumlich be- 
schränkte Vorkommnisse von Gesteinen, welche das Aussehen der in 
den untersten Prominaschichten auftretenden Breccien und Conglo- 
merate besitzen. In grösserer Ausdehnung finden sich solche Conglo- 
merate am Nordabhange des Thälchens von Grab. Sie bestehen dort 
aus runden, durch spärliche Kittmasse verbundenen Stücken von weissem 
und grauem Kalk, von denen die ersteren zum Theile Rudistenreste 
enthalten, die letzteren das Aussehen des die südlich benachbarte Re- 
gion aufbauenden Muschelkalkes haben. Aus ebensolchen Conglomeraten 
besteht auch der Felssporn nördlich von Vedrine, welcher das nord- 
westliche Endstück des Bergrückens von Cacvina bildet. Am Fusse 
des Abhanges bei Vedrine finden sich Breccien und Conglomerate, 
welche aus weissen und rosenrothen Kalkstücken bestehen, die durch 
reichliche rothe Kittmasse zusammengefügt sind. 

Der kleine Hügel, welcher die mittlere (ier drei früher erwähnten 
südöstlichen Ausbuchtungen des Sinjsko Polje in zwei Tiieile scheidet, 
besteht aus Gesteinen der untersten Trias. Auf dem Südabhange des 
Hügels beobachtet man dunkelrothe Sandsteine, mehr gegen die Nord- 
seite des Hügels zu dunkle Kalke, Rauhwacken und Dolomite. Auf 
dem Rücken, dessen Endstück die eben erwähnte Bodenerhebung bildet, 
trifft man südlich von Jabuka lose Stücke und aus dem Humus vor- 
tretende Trümmer von schmutzig-braunrothen sandigen und gelbgrauen 
kalkigen Werfener Schichten, jedoch keine Züge von anstehendem Ge- 
stein. Weiter südwärts sind am Nordabhange dieses Rückens 40^ SSW 
fallende, dünnplattige grünliche Schiefer in Wechsellagerung mit 
Bänkchen von Kalkschiefern zu constatiren. Besonders mannigfaltig in 
petrographischer Beziehung erweist sich diese schmale Zone von Wer- 
fener Schichten am Ostfusse des von der Öacvina-Ruine gekrönten 
Felsgrates. Es finden sich dort schmutzig- braunrothe Sandsteine, 
typische graugelbe löchrige Rauhwacken, schwarze, weiss geäderte 



[ll] Die Beziehimg des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. H 

Kalke und dunkelrothe Conglomerate. Das Einfallen dieses Zuges von 
Werfener Schichten ist 40o SW. 

Das nordwärts von diesem Zuge zwischen den Buchten von Ja- 
buka und Grab gelegene Terrain besteht aus Muschelkalk mit Ein- 
lagerungen von Dolomiten, welche sich durch gröberes Korn und eine 
mehr ins Silbergraue spielende und dunklere Farbe von den bräunlich- 
grauen cretacischen Dolomiten unterscheiden. Der Rücken (458 w), an 
dessen Südfuss die Hütten von Jabuka liegen, baut sich aus vertical 
gestellten, WNW — OSO streichenden grauen Kalken auf; bei den 
hinteren Hütten des eben genannten Dörfchens treten dolomitische 
Einschaltungen auf. Auf dem diesem Rücken benachbarten Höhen- 
zuge (432 m), an dessen Nordfuss das Dorf Grab liegt, ist kein 
deutliches regionales Fallen zu constatiren. Die verschiedenorts mess- 
baren Fallrichtungen und Pallwinkel machen den Eindruck localer 
Befunde. 

In der Einsenkung zwischen beiden Rücken befinden sich die 
steil aufgerichteten Muschelkalkbänke in Wechsellagerung mit dolo- 
mitischen Schichten. Der Umstand, dass die letzteren weniger wider- 
standsfähig sind, bringt es mit sich, dass die Schichtköpfe der Kalk- 
bänke als mauerähnliche Gesteinsriffe vorragen, eine Erscheinung, 
die, wo viele solcher Riffe in paralleler Anordnung und in grösserer 
Längserstreckung sich hinziehen, einen sehr eigenthümlichen Anblick 
gewährt. 

In der Gegend zwischen der nordwestlichen Hüttengruppe von 
Velic und dem Felskessel, in welchem der Grab Potok hervorbricht, 
bedingt die Steilstellung der Muschelkalkbänke das Auftreten höchst 
pittoresker und bizarrer Felsformationen, als Mauern, Thürmchen, 
Zinnen und Ruinen. Weiter nordwärts ist das Felsterrain völlig ein- 
geebnet; kurz vor Bugarin ragt aber nochmals ein breiter Felsriff 
auf, ein Zeichen, dass die steile Stellung der Schichten auch noch in 
dieser Gegend herrscht. Auf dem Felsgrat südlich von Velic stehen 
die Kalkbänke gleichfalls steil ; weiter gegen die Mulde von Velic 
hinab trifft man ziemlich sanft gegen NO geneigte Felsflächen. Da 
hier eine regionale Abnahme der Fallwinkel unwahrscheinlich ist, 
dürfte es sich um Schichtflächen einer grösseren umgestürzten Fels- 
masse oder um Klüftungsflächen steil gegen SW geneigter Schichten 
handeln. 

Der im Bereiche des Muschelkalkes auftretende Dolomit er- 
scheint zum Theile auch in breiteren, nicht von Kalkbänken durch- 
setzten Zonen, so insbesondere in der Mulde von Velic und in der 
Gegend von Raduna am Nordostfusse des Berges Jelinak (824 m). 

In den beiden Buchten, zwischen welchen das Endstück des 
Muschelkalkzuges gegen die Ebene vortritt, finden sich Denudations- 
reste von neogenen Schichten. In der Bucht von Jabuka bilden sie 
die kleine nordwärts vom Triashügel gelegene Bodenanschwellung und 
dringen noch eine Strecke weit in den in der östlichen Verlängerung 
dieser Bucht gelegenen Graben hinein. In der Bucht von Grab bilden 
sie einen gro:^sen Theil des nordöstlichen Gehänges bei Cosic und 
reichen im Thale des Grab Potok bis zur Mündung des engen Thäl- 
chens, welches aus der Gegend von Bugarin herabkommt. In der 

2* 



12 Dr. Fritz v. Kerner. ri2] 

Bucht von Vedrine ist ein von der Masse des Golo Brdo durch AUuvien 
getrenntes kleines Vorkommnis von neogenen Mergeln am Fusse des 
östlichen Gehänges zu erwähnen. 



Tektonisehe Uebersicht. 

Aus den im vorigen beschriebenen geologischen Verhältnissen 
ergibt sich das Vorhandensein mehrerer Längs- und Querbrüche in 
der südlichen Umrandung des Beckens von Sinj. Ein Längsbruch ver- 
läuft in der Achse der Mulde von Pistetak und weiterhin über den 
südöstlichen Theil des Rückens Gomila. Eine zweite Dislocation be- 
gleitet den Nordostfuss des Traposnik, eine dritte den Südwestfuss 
des Bergrückens von Gacvina bei Susnjara. Zwei kurze Transversal- 
brüche sind — wie erwähnt — am Ostrande der Podoviebene zu con- 
statiren. Eine weitere, quer zum Streichen verlaufende Störung kreuzt, 
dem an früherer Stelle Gesagten zufolge, bei Krolina den Längsbruch 
unterhalb Öacvina. 

Der geologische Nachweis einer Anzahl von Längs- und Quer- 
brüchen gestattet die Annahme, dass auch manche im Streichen liegende 
oder dasselbe verquerende Relief linien als Bruchlinien aufzufassen sind." 
Es gilt dies zunächst bezüglich des geradlinigen Nordostabsturzes der 
Gomila und in Betreff des Steilgehänges auf der Ostseite der Mulde 
von Pistak, ferner hinsichtlich der beiden einander parallelen Steil- 
ränder des Vojnicki Brig. Diese vier im Streichen verlaufenden Terrain- 
stufen weisen auf Longitudinalbrüche hin. Die zum Streichen senk- 
rechte Linie, längs welcher der Gomilarücken bei Unter-Kosute ab- 
geschnitten ist, bezeichnet allem Anscheine nach den Verlauf eines 
Querbruches. Die Annahme, dass die Spalte der Cetina unterhalb Trilj 
einer grossen Querverwerfung entspricht, wird besonders dadurch ge- 
stützt, dass die Felsmassen bei Sv. Petar am Ostufer des Flusses keine 
Fortsetzung finden. Des weiteren ist es zulässig, die Thalfurche von 
Briskilje als südwestliche Fortsetzung der bei Krolina vorhandenen 
transversalen Störung zu betrachten. In ähnlicher Weise könnte der 
Südostrand der Podoviebene (bei Bucanj) als eine Dislocationslinie 
gedeutet werden, welche in der südwestlichen Fortsetzung des süd- 
lichen der beiden an ihrem Ostrande constatiiten Querbrüche läge. 

Die im vorigen aufgezählten, theils aus Störungen im Schicht- 
verbande, theils aus den Reliefverhältnissen erschlossenen Dislocationen 
combiniren sich zwar nicht zu einem vollständigen Sprungnetze, sie 
gestatten aber doch die theilweise Umgrenzung einer Anzahl von 
Schollen im Bereiche der südlichen Umrandung des Beckens von Sinj. 
Der Rücken des Vojnicki Brig repräsentirt einen schmalen Horst zwi- 
schen zwei Schollen, von denen die an seinem Nordrande abgesunkene 
die tiefer gelegene ist. Die westliche Fortsetzung des Vojniciii Brig 
ist als ein Schichtklotz zu betrachten, welcher in Bezug auf den 
Rücken Gomila und das Terrain von Pistak die Rolle eines Horstes 
spielt, gegen die nördlich sich anschliessende Podovi aber selbst ge- 



[13] Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 13 

senkt ist. Das vom Golo Brdo eingenommene Gebiet muss als eine 
Scholle angesehen werden, die gegen das westliche und östliche Nach- 
barland tief hinabgebrochen ist. 

Dieses Gebiet stellt eine nischenartige Erweiterung des grossen 
Senkungsfeldes von Sinj dar und ist mit neogenen Süsswasserschichten 
erfüllt, welche mit jenen ganz übereinstimmen, die sich als Reste einer 
ehemaligen Ausfüllung des Hauptbeckens an den Rändern desselben 
erhalten haben und gleich diesen letzteren eine ursprüngliche Lage- 
rung zeigen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass jene Nische schon in 
der Pliocänzeit bestand, und eine tiefe Bucht jenes Sees in sich auf- 
nahm, welcher das Becken von Sinj erfüllte. Die Hügel, welche die 
in jener Nische abgesetzten und die weiter westlich abgelagerten Neo-' 
genschichten bilden (Golo Brdo 463 m, Stasina Glavica 450 m), er- 
reichen eine etwas grössere Höhe als die Kuppen in dem westlich 
und südlich benachbarten Terrain des Rudistenkalkes (Vojnicki Brig 
440 m, Runjik Glavica 431 m). Es liegen jedoch keine Anzeichen 
(Uferlinien) vor, dass sieh der jungtertiäre See des Sinjsko Polje über 
das letztgenannte Terrain ausgebreitet hat, und dass das Fehlen von 
Neogenschichten auf diesem Terrain durch Denudation zu erklären 
ist, (Eine Ablagerung von gelbem Lehm bei Ober-Kosute ist das Pro- 
duct einer jüngeren Umschwemmung der Mergel in der Gegend der 
Stasina Glavica und nicht das Verwitterungsproduct einer an Ort und 
Stelle gebildeten Mergelmasse). Da man auch nicht annehmen kann, 
dass die Kalkterrains rascher abgetragen wurden als die benachbarten 
Sand- und Mergelhügel, so ergibt sich der Schluss, dass jene Terrains 
in der Pleistöcänzeit in ein tieferes Niveau gekommen sind, wogegen 
die schon in der Pliocänzeit tief gelegenen Schollen keine nennens- 
werte weitere Senkung erfahren haben. Man gewinnt den Eindruck, 
dass sich der Senkungsprocess im Gebiete von Sinj während der Quar- 
tärzeit zunächst mehr in einer Erweiterung als in einer Tieferlegung 
des jungtertiären Einbruchsfeldes zu äussern trachtet, und dass das 
Gebiet zwischen der Podoviebene und dem Cetinathale" jener Theil 
der Beckenumrandüng ist, in welchem sich diese Erweiterung vor- 
bereitet. 

Betrachtet man den Verlauf der Isoseismen des Bebens vom 
2. Juli 1898, so ergibt sich, dass die pleistoseiste Region in den Be- 
reich des" eben genannten Gebietes fällt, und zwar in den südöstlichen 
Theil desselben. Man hat es darum bei diesem Beben mit einem tek- 
tonischen Vorgange zu thun, welcher mit der sich langsam vollziehen- 
den Erweiterung des Einbruchsfeldes von Sinj zusammenhängt. Die 
stärkste Zerstörung wiesen die am Südabhange und die am Nordfusse 
des Vojnicki Brig und die auf dem Gardunski Brig befindlichen Hütten- 
griippen auf. Die Hütten von Bucani und Vudriga Stan, sowie jene 
von Jerkovic und Ravicic zeigten einen minder hohen Grad der Be- 
schädigung. Der üebergang zwischen diesem und dem maximalen 
Grade der Zerstörung wird durch jene Schäden repräsentirt, welche 
die westlichsten Hütten von Vojnic, die Hütten zwischen Ober-Kosute 
und Jerkovic und jene westlich von Sv. Petar erlitten. Auf Grund 
dieser Verhältnisse ist anzunehmen, dass das Beben vom 2. Juli 1898 
der .Ausdruck von tektonischen Vorgängen war, welche sich an den 



14 Dr. Fritz v. Kerner. [141 

Bruchlinien zu beiden Seiten des Horstes des Vojnicki Brig ab- 
gespielt haben. 

Um des näheren festzustellen, von welcher Art die Vorgänge 
gewesen sind, welche sich an diesen Bruchlinien ereigneten, müssen 
die Schilderungen der seismischen Katastrophe durch Augenzeugen 
und die Beobachtungen über die Wirkungen des Bebens herangezogen 
werden. 



Form und Richtung der Bodenbewegung im pleistoseisten 

Gebiete. 

Ueber die Art und Weise, wie die Haupterschütterung am Morgen 
des 2. Juli im pleistoseisten Gebiete verspürt wurde, kam mir eine 
grosse Zahl von Angaben zu. Die Herren Bezirksingenieur Achille 
Savo und Bezirkscommissär Nicolo Giuppanovich hatten die grosse 
Liebenswürdigkeit, bei der commissionellen Erhebung der durch das 
Beben verursachten Schäden, bei welcher ich mich den genannten 
Herren anschliessen konnte, in allen Hüttengruppen der Gegend von 
Vojnic und Kosute darüber Nachfrage zu halten, wie das seismische 
Phänomen verspürt wurde und mir die ihnen diesbezüglich gemachten 
Angaben zu verdolmetschen. 

I. In Bucani, im nördlichsten Theile der Mulde von Vojnic, wurde 
Folgendes erzählt: 1. Ein Bauer vernahm das Getöse eines starken 
Windstosses und verspürte dann ein Erzittern des Bodens, das er 
durch sehr rasches horizontales Hin- und Herbewegen der Faust de- 
monstrirt; er konnte sich kaum aufrecht erhalten, fühlte sich ge- 
stossen und gerüttelt und es schien ihm, als ob die Erscheinung vor- 
beigezogen wäre. 2. Es wurde ein Geräusch gehört, dann eine Be- 
wegung des Bodens wahrgenommen, welche durch Worte bezeichnet 
wird, die mit Hin- und Herwackeln oder mit Hin- und Herdrehen zu 
übersetzen sind. 3. Man vernahm ein Geräusch wie von einem Sturm- 
wind, dann ein Zittern und Schütteln des Bodens, welches von Norden 
zu kommen schien; zwei Personen, welche am Boden sassen, wurden 
hin- und hergeworten. 4. Ein Bauer von Vudriga Stan, welcher im 
Felde arbeitete, hatte den Eindruck, als wenn der Erdboden gebeutelt 
würde und er sah, dass Steine aufgelupft wurden. Ein Windstoss und 
ein Getöse gingen der Erscheinung unmittelbar voraus. 

II. Aus der Gegend von Vojnic liegen folgende Daten vor: 
1. Die Bodenerschütterung wird durch sehr schnelles Hin- und Her- 
bewegen der Faust veranschaulicht; in den Hütten wurden die Ein- 
richtungsgegenstände durcheinander geworfen. 2. Ein Bauer hatte das 
Gefühl, als wenn er sich im Wellenmeere befände; ein anderer be- 
wegt zur Demonstration der stattgehabten Bodenbewegung die Fäuste 
auf und ab. 3. Man vernahm einen Borastoss und ein Getöse und 
verspürte dann eine Bewegung, die durch ein Wort charakterisirt 
wird, das mit „Umdrehen" wiederzugeben ist. 4. In einem Stalle soll 



[151 ^'^ Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 15 

sich der Boden 20 cm emporgehoben haben; ein Borastoss und ein 
Getö&e gingen der Erscheinung voraus. 5. Man sah im Erdboden 
Risse und Klüfte entstehen, welche sich sofort mit Staub und Erde 
füllten, die gleichzeitig aufgewirbelt wurden. 6. Ein Bauer, welcher 
in einem Acker stand, hatte das Gefühl, als wenn er sich im 
wogenden Meere befände; er glaubte zu sehen, dass sich Risse und 
Klüfte bildeten und allsogleich wieder schlössen. 7. Ein Mann sagt, 
er hatte das Gefühl, dass eine Welle unter seinen Füssen durchzog; 
er konnte sich kaum aufrecht erhalten. Die Welle kam von NNO 
und zog gegen SSW weiter. 8. Ein Mann, welcher sich in den Aeckern 
südöstlich von der Vojnicer Kirche befand, hörte ein Getöse und 
dann schien es ihm, dass der Boden der ganzen Umgebung in Wellen- 
bewegung war ; zugleich sah er eine Hütte in einer Staubwolke zu- 
sammenfallen. 9. In Ravicic fühlte sich ein Mann dreimal hin- und 
hergeschuplt ; die Bewohner der südöstlichen Hütten von Ravicic be- 
richten dagegen von einer sussultorischen Bewegung. 

HI. In Kosute wurden nachstehende Angaben gemacht: 1. Das 
Getöse kam von Nord; eine Frau wurde in ungefähr nordsüdlicher 
Richtung hin- und hergeworfen ; mehrere Leute hatten das Gefühl, 
als wenn der Boden an verschiedenen Stellen aufbrechen wollte. 
2. Man vernahm ein kanonenschussähnliches Geräusch und verspürte 
dann einen Stoss nach aufwärts ; nach einer anderen Mittheilung war 
das Geräusch so, als wenn ein Eisenbahnzug nahe unter der Erde 
vorbeifahren würde. 3. Es wurde zuerst ein Stoss nach aufwärts, dann 
ein Ruck nach abwärts wahrgenommen. Das vorausgegangene Geräusch 
schien diesem Gewährsmann so, wie wenn eine Schlange durch dürres 
Laub raschelt. 

IV. Aus der Gegend von Gardun liegen nachstehende Schilde- 
rungen vor: 1. Ein Bauer hatte das Gefühl, als wenn er zuerst ge- 
hoben, dann umgeworfen und dann in die Tiefe gezogen würde. 2. Man 
vernahm zuerst einen Windstoss und ein Geräusch wie von einem 
Eisenbahnzuge, dann ein Zittern und Beuteln und dann zog die Er- 
scheinung gegen Süden weiter. 3. Man beobachtete eine in der Rich- 
tung von Nord nach Süd durch die Ortschaft gegangene Welle. Ein 
Bauer, welcher einem andern in einer zusammenstürzenden Hütte Be- 
findlichen zu Hilfe eilen wollte, konnte dies nicht, da er auf dem 
hin- und herschwankenden Boden nicht zu gehen vermochte. 4. Ein 
Bauer spricht von einer von Nord gekommenen und gegen Süd durch- 
gezogenen Welle; ein anderer verspürte dagegen drei Stösse von 
unten. 6. Es wurde eine Wellenbewegung des Bodens beobachtet, bei 
welcher sich derselbe scheinbar bis zur Gesichtslinie hob, so dass 
man im Wellenthaie nicht über die Wellenberge hinaussehen konnte. 
7, ;p]s wird von einem Stoss und einem Schaukeln des Bodens be- 
richtet. 8. Ein Bauer demonstrirt die Erscheinung wieder so, dass 
auf eine wellenförmige Bewegung des Erdbodens zu schliessen ist. 
9. Bei den Hütten in dem Graben, welcher zur Cetina hinabführt 
(unter Punkt 407 der Specialkarte), haben die Leute zuerst einen 
Stoss und dann eine Wellenbewegung wahrgenommen. In der Gegend 



16 Dr. Fritz v. Kerner. [Ißj 

von Turjake, nordwestlich von der epicentralen Region, ist nach Er- 
kundigungen, welche Bezirkscommissär Baron Sternbach einzuziehen 
die Güte hatte, gleichfalls zuerst ein Stoss von unten und dann eine 
Wellenbewegung verspürt worden. 

Aus den vorstehenden Berichten ist zu ersehen, dass sich der 
Erdboden in der pleistoseisten Region in transversaler Schwingung 
befand. Die Heranziehung des wogenden Meeres zum Vergleiche lässt 
kaum einen Zweifel darüber bestehen. Die Angaben über succussorische 
Bewegung sind auf die südöstliche Randzone jener Region beschränkt 
und auch dort mit Beobachtungen von undulatorischer Bewegung ver- 
mischt. Bezüglich der Schwingungsrichtung stimmen die Angaben 
darin überein , dass dieselbe eine ungefähr meridionale war. Die 
Zahl der Berichte, welche der Oscillationsrichtung Erwähnung thun, 
ist jedoch sehr gering, so dass es wünschenswert erscheint, sich über 
diesen Punkt noch anderweitig Gewissheit zu verschaffen. 

. Eine Erscheinung, welche fürs eine meridionale oder genauer für 
eine NNO — SSW-Richtung der Wellenbewegung spricht, war das Auf- 
treten von Rissen und kleinen Spalten entlang dem WNW— OSO 
streichenden Nordrande des Vojnicki Brig. Ich verdanke die Mitthei- 
lung von der Bildung solcher Erdrisse Herrn Giuppanovich. Zur Zeit 
meiner Ankunft waren dieselben infolge der Durchweichung des Erd- 
reiches, welche ein vorausgegangenes Regenwetter verursacht hatte, 
bereits verschwunden. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Boden- 
bewegung in der vorhin genannten Richtung stattfand, ist in einer 
Erscheinung zu erblicken, welche zu den interessantesten der im ganzen 
Schüttergebiete zur Beobachtung gelangten Phänomene gezählt hat. 
Auf dem Rücken des Vojnicki Brig, insbesondere in der Umgebung 
der flachen Mulde Rudanov Dolac, waren grosse Mengen von Steinen, 
welche in seichten Vertiefungen des rothbraunen Eluviums lagen, aus 
ihren Lagerstätten herausgeschleudert worden und in nächster Nähe 
wieder niedergefallen, und zwar meist mit nach aussen gekehrter 
Unterseite, so dass die Trümmerfelder auf weite Strecken hin nicht 
grau, sondern rostfarbig erschienen. Man konnte in den meisten Fällen 
aus den Formverhältnissen erkennen, welche Steine und Eluvialgrübchen 
zusammengehörten und da zeigte es sich nun, dass in der Gegend von 
Rudanov Dolac sehr viele Steine südwärts bis südwestwärts von ihren 
Betten lagen, und dass weiter im Westen, wo das Phänomen der 
Herausschleuderung weniger allgemein auftrat, die Steine entweder 
gegen S bis SW oder gegen N bis NO dislocirt waren. Ein Bericht 
eines Augenzeugen liegt mir über das am Vojnicki Brig stattgehabte 
Phänomen nicht vor. Dagegen enthält der Bericht des Gewährsmannes 
von Vudriga Stan die Angabe, dass Steine aufgelupft wurden, Dort- 
selbst wurde auch erzählt, dass auf der Weide befindliche Schafe 
emporgeschupft worden seien. Aus dem nördlichsten Theile von Vojni6 
liegt gleichfalls eine Angabe vor, dass etwa zwei Schotterfuhren Steine 
emporgeschupft wurden. 

Was die Beschädigungen der Gebäude betrifft, so ist man zwar 
bekanntlich längst von der Ansicht abgekommen, dass dieselben zu 
näheren Schlüssen über die Art der stattgehabten Bewegung ver- 



[17] Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 17 

wertbar seien ; einen Anhaltspunkt in Betreff der Hauptrichtung der 
Bewegung können sie aber möglicherweise doch bieten. Ho er n es meint 
wenigstens (Erdbebenkunde, pag. 172): „Dem ungeachtet werden wir 
gewisse Beschädigungen, wie abgeschleuderte Mauerecken, nach be- 
stimmten Richtungen umgeworfene Gebäudetheile etc. mit Vortheil 
benützen können, um die Richtung der heftigsten Oscillationen des 
Bodens bestimmen zu können." Es mögen deshalb im folgenden jene 
Beobachtungen mitgetheilt werden, die ich im pleistoseisten Gebiete 
über Beschädigungen von Baulichkeiten zu machen Gelegenheit hatte. 
Der Umstand, dass sich in diesem Gebiete nur Dörfer befinden, brachte 
es mit sich, dass die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen eine ver- 
hältnismässig geringe war. 

I. Biicani. Bei den schlechter gebauten Hütten war das Mauer- 
werk gelockert, eine Hütte war stark zerstört, das Dach zusammen- 
gebrochen, die Seitenmauern eingestürzt, die Giebelwände dagegen 
noch erhalten. Die besser construirten Häuschen zeigten Sprünge und 
Risse in den Mauern. Die nwdlichsten Hütten zeigten ausser einer 
starken Beschädigung der Steinplattendächer nur wenige Spuren der 
stattgehabten Erschütterung. In der unteren Hüttengruppe von Bucani 
war bei einer Hütte der grösste Theil der gegen NO gerichteten 
Giebelwand eingestürzt, bei einer andern die NO-Giebelwand ganz ein- 
gefallen ; von einer Hütte waren die Giebelwände stehen geblieben, 
aber der Dachstuhl ganz zu Boden gebrochen. Bei den Häusern von 
Vudriga Stan waren Continuitätstrennungen in den Quadermauern zu 
beobachten, eine gegen SW gerichtete Giebelmauer war vom übrigen 
Gemäuer abgetrennt. 

II. Vojnic, westlicher Theil. Bei der westlichsten Hütte war 
die NO-Giebelwand eingestürzt, bei der zweiten zeigte die gegen NO ge- 
richtete Giebelwand einige Sprünge. Ein massig gut gebautes Häuschen 
hatte einen grossen Riss nahe der Ostecke, bei einem andern war die 
Ostgiebelwand eingestürzt, bei einem dritten die Südecke herausgebro- 
ciien. Die Dächer waren überall sehr stark beschädigt. Das Schulhaus 
von Vojnic hatte viele diagonale Sprünge an den Wänden und N — S 
verlaufende Sprünge in der Decke der Hausflur; in den Zimmern des 
ersten Stockes waren der Mörtel der Decke und der Seitenwände zum 
grossen Theile abgelöst. Die Häuser in der Umgebung der Schule 
waren gleich dieser äusserlich nicht viel beschädigt. An einem Hause 
östlich von der Schule waren die Süd- und Ostecke stark heraus- 
getrieben, die Quadern bis zu 8 cm voneinander getrennt. Ein anderes 
der Schule benachbartes Haus zeigte Trennungen der Quadern in der 
OSO-Wand. Bei einem Hause war die Südwand herausgebrochen, bei 
einem zweiten die Ostwand vorgebaucht. 

Bei einer von den weiter ostwärts gelegenen Hütten war die 
NW-Ecke ganz herausgebrochen, neben der SW-Ecke ein grosser 
Sprung und die Ostwand um 8 cm hinausgedrückt. In der Nachbar- 
hütte verlief ein grosser, schief aufsteigender Riss von der Süd- auf 
die Ostmauer hinüber; die Nordmauer war theilweise vorgewölbt. 
Bei einer weiteren Hütte waren die West- und Ostwand ganz zu- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalr, 1890, 50. Uaiid, 1. Heft. (F. v. Kerner.) 3 



18 Dr. Fritz v. Kerner. [ig] 

sammengestürzt und die Südwand neben der SO-Ecke geborsten. Bei 
einer Hütte daneben war der Nordgiebel herausgebrochen, bei einer 
andern die Südwand und SW-Ecke vom übrigen Gemäuer losgetrennt. 
In einer etwas höher gelegenen Hüttengruppe war bei einer Hütte 
der Einsturz des Südgiebels und eines Stückes der Ostwand, bei zwei 
andern der Zusammenbruch der ganzen Südwand und bei einer weiteren 
eine Vorwölbung der Südmauer zu constatiren. 

III. Vojnic, mittlerer Theil. Die Häusergruppe gleich west- 
lich vom Pfarrhause war vielleicht die am stärksten zerstörte. Von 
einer Hütte standen nur mehr Reste der Mauern, der Dachstuhl war 
ganz zusammengebrochen. Bei einer Hütte daneben waren der Nord- 
giebel und die Südwand total eingestürzt, eine etwas tiefer gelegene 
Hütte war gleichfalls fast ganz zusammengefallen. Bei einer weiter 
ostwärts gelegenen Hütte war die Südwand theilweise, bei einem etwas 
oberhalb dieser Hütte gelegenen Häuschen die SSW-Wand total zu- 
sammengestürzt. In der nächsten Häuser^^ruppe war bei einem besseren, 
aus Quadern ausgeführten Baue ein Theil der Südwand und die SW- 
Ecke eingefallen, bei einem andern Bau auch die gegen S gerichtete 
W'and zerstört. Bei einer kleinen, etwas tiefer gelegenen Hütte war 
die südliche Giebelwand fast ganz, die nördliche zum grossen Theile 
zusammengefallen : bei zwei folgenden Hütten war aus der Nordwand 
ein grosses Stück herausgebrochen. Bei einer westöstlich orientirten 
Hütte war die nördliche Längswand theilweise zerstört. Zwei massiver 
gebaute Häuser liessen Ausbauchungen der gegen Süd gekehrten Wände 
erkennen. Das Pfarrhaus von Vojnic zählte zu den am stärksten zer- 
störten Gebäuden des ganzen Schüttergebietes. Die steinernen Thür- 
und Fensterstöcke waren vom Mauerwerk losgelöst und zum Theile 
verschoben und nach aussen geneigt. Die Decken und Wände der 
Zimmer des ersten Stockes waren von vielen Sprüngen durchsetzt und 
durch breite, den Ziramerecken folgende Spalten voneinander getrennt. 

IV. Vojnic, östlicher Theil. Bei zweien der zunächst östlich 
vom Pfarrhause gelegenen Hütten waren die oberen Theile der gegen 
Süd gekehrten Wände herausgebrochen. Von einer Hütte waren di- 
südliche Längsmauer ganz zusammengestürzt, die Ostseite stark bee 
schädigt. Einige weitere Hütten von mangelhafter Bauart hatten gleich- 
falls sehr gelitten. Bei einem Hause von soliderer Construction war 
die Südwand vom übrigen Gemäuer abgelöst und etwas vorgeneigt 
von der Hütte daneben war die Südgiehelwand zusammengefallen, von 
einer andern dagegen die West- und Ostmauer zerstört. Zwei weitere 
Hütten zeigten wieder eine partielle Zerstörung der gegen Süd ge- 
kehrten Wände. Die weiter ostwärts gelegene Hüttengruppe wies 
minder grosse Beschädigungen auf. Nur die Dächer waren auch hier 
zum grossen Theile zerstört. Eine kleine, zwischen Vojnic und Ober- 
Kosute gelegene Hütte war bis auf die Ostmauer ganz zusammen- 
gefallen. 

V. Kosute. Die grosse Häusergruppe von Ober-Ko§ute Hess 
minder grosse Folgen der stattgehabten Erschütterung erkennen. Die 



[19] Die Beziehung des Erdbebens von Rinj am 2. Juli l'^OS etc. 19 

Schäden beschränkten sich hier auf das Auseinanderweichen der Mauer- 
quadern, besonders an den SW-Ecken der Häuser. In Jerkovic waren 
zwei sehr elende Hütten ganz zusammengestürzt. Zwei andere, mehr 
gegen die Mulde von Vojnic zu gelegene, gleichfalls mangelhaft con- 
struirte Hütten zeigten dagegen keine bedeutenden Schäden. 

Die aus Quadern solid aufgebauten Häuser von Ravicic zeigten 
geringe Beschädigung. Bei einem alleinstehenden Hause war die NW- 
Ecke eingestürzt, bei einem andern das Mauerwerk an verschiedenen 
Stellen ausgebaucht. Die südöstliche Häusergruppe von Ravicic hatte 
in den Mauern wenig gelitten, nur die Dächer waren auch hier stark 
beschädigt. 

Von den Hütten in dem zur Cetina hinabführenden Graben 
zeigten die besser gebauten nur einige Sprünge, bei den untersten, 
schlecht gebauten war die Nord- und Südgiebelwand ganz eingestürzt, 
bei einer andern die Ostwand theilweise zusammengefallen. 

VI. (irardim. Bei einer schlechter gebauten Hütte war der Süd- 
giebel herausgefallen, die Nordseite eingestürzt und auch ein Theil 
der Westwand zerstört. Eine zweite Hütte hatte grosse Sprünge auf 
der Westseite und Ausbauchungen in der gegen N gekehrten Mauer. 
Ein grosser benachbarter Hüttenbau zeigte besonders in seinem öst- 
lichen Theile grosse Sprünge. Zwei aus Quadern solid construirte 
Häuschen hatten wenig gelitten ; bei einer mangelhaft gebauten Hütte 
waren der SSW- und NNO-Giebel, bei einer andern die Ecken heraus- 
gebrochen. Von einer Kapelle war die NNO-Wand herausgebrochen, 
in der SSW-Wand beobachtete man Trennungen der Quadern. Bei 
einem grösseren Hause daneben waren die nördliche und südliche 
Längsmauer durch breite, die Randtheile der West- und Ostmauer 
durchsetzende Klüfte losgetrennt, die Deckenwände von weit klaffenden 
Sprüngen durchsetzt, die steinernen Fensterstöcke hinausgedrückt. 

Von einem benachbarten Hüttchen waren die Nord- und Süd- 
giebelseite stark zerstört, von einem andern die Südwand ganz hr raus- 
gefallen, von einem dritten die gegen NNO und SSW gerichteten 
Giebelwände ganz zusammengefallen. Eine benachbarte Hütte zeigte 
eine theilweise Zerstörung der Ost- und Nordmauer, Risse in der 
Südwand und Ausbauchungen in der Westwand. Eine schlechter ge- 
baute Hütte war bis auf die Grundmauern zusammengebrochen, der 
Dachstuhl eingestürzt. Bei einer andern Hütte war die Östwand ein- 
gefallen. Bei zwei Häusern waren die Nordgiebel herabgestürzt, bei 
zwei weiteren die Nordgiebelwand ganz herausgebrochen, die Süd- 
giebelwand bei der einen zerstört, bei der andern losgetrennt. Bei 
einer folgenden, westöstlich orientirten Hütte war die nördliche Längs- 
mauer überhängend, die südliche losgetrennt. Li der Hüttengruppe 
nahe der Kirche waren bei einer mit der Längsachse von N nach S 
gerichteten Hütte die beiden Giebelwände, bei einer westöstlich orien- 
tirten Hütte die nördliche und südliche Lingswand durch breite Klüfte 
losgetrennt. Bei einer andern Hütte war die nördliche Längswand 
zum Theile weggebrochen, bei einer weiteren der Südgiebel heraus- 
gefallen. 



20 Dr. Fritz v. Kerner. [20] 

Aus den vorstehenden Angaben lässt sich erkennen, dass die in 
westöstlicher Richtung sich erstreckenden Hüttenmauern viel häufiger 
zerstört wurden als die meridional verlaufenden Mauern. Es war dies 
zum Theile darin begründet, dass die ersteren in sehr vielen Fällen 
die Giebelmauern waren, deren oberer Theil mehr zum Einstürze neigt 
als das übrige Mauerwerk, eine Erscheinung, die F. E. Suess als eine 
beim Laibacher Beben sehr oft beobachtete erwähnt und hinsichtlich 
ihrer Ursache erörtert hat. Es kam aber, wie aus der vorigen Auf- 
zählung erhellt, auch wiederholt vor, dass die gegen Nord und Süd 
gekehrten Wände auch dann die allein oder die stärker beschädigten 
waren, wenn sie die Längswände der betreffenden Hütte bildeten. 
Andererseits gab es freilich auch vereinzelte Fälle, in denen die 
westlichen und östlichen Mauern einstürzten, auch wenn sie die Längs- 
mauern der Hütten waren. Das eine kann aber immerhin behauptet 
werden, dass die Beschädigungen der Baulichkeiten in Vojnic, Kosute 
und Gardun eher für eine ungefähr meridionale Richtung als für eine 
von dieser sehr abweichende Richtung der stattgehabten Bodenschwin- 
gung sprechen. Es bedeutet diese Behauptung wohl nur ein sehr be- 
schränktes Zugeständnis der Möglichkeit, dass die Beschädigungen der 
Gebäude und die Bodenbewegung in Beziehung zu einander stehen. 
Die absolute Negirung einer solchen Beziehung wird aber auch von 
modernen Erdbebenforschern nicht gefordert. F. E. Suess meint (Lai- 
bach, pag. 110): „Theoretisch würde nichts dagegen sprechen, dass 
in einzelnen Gegenden die Bewegung in einer oder der andern Rich- 
tung besonders überwiegt, und dass sich das in erkennbarer Weise an 
der Art der Gebäudebeschädigungen äussert." 

Eine merkliche regionale Terrainsenkung hat im Bereiche der 
pleistoseisten Region (und des Schüttergebietes überhaupt) nicht statt- 
gefunden. Eine geringfügige partielle Absenkung des Terrains auf 
einer der beiden Seiten oder auf beiden Seiten des Vojnicki Brig ist 
dessenungeachtet nicht ausgeschlossen. Der grösste Theil der beiden 
Abhänge des eben genannten Rückens ist mit jüngeren, mehr oder 
minder plastischen Bildungen, als Eluvien, lockeren Breccien, Mergeln 
und deren Umschwemmungsproducten, bedeckt. Es könnte darum eine 
im felsigen Untergrunde dieser Schichten entstandene Stufe von 
geringer Höhe gegen die Bodenoberfläche hin wieder ausgeglichen 
worden sein. 



Ergebnisse. 

Es Hess sich bezüglich der tektonischen Beziehungen des Erd- 
bebens von Sinj am Morgen des 2. Juli 1898 Folgendes fest- 
stellen : 

1. Dass sich die pleistoseiste Region im Bereiche der südlichen 
Randzone des Senkungsfeldes von Sinj über einen schmalen Horst 
zweiter Ordnung, den Vojnicki Brig, und die angrenzenden Theile der 
demselben benachbarten Schollen erstreckte. 



[211 Die Beziehung des Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 etc. 21 

2. Dass das seismische Phänomen im pleistoseisten Gebiete in 
einer quer zur Streichungsrichtung der Schichten erfolgten Oscillation 
des Bodens bestand. 

3. Dass eine merkliche regionale Terrainsenkung nicht erfolgte. 

Es ergibt sich hieraus, dass die seismische Katastrophe am Morgen 
des 2. Juli in der Auslösung einer tangentialen Spannung bestand, 
welche zwischen den Schollen am Südrande des Siiijsko Polje vor- 
handen war. Das Gebiet auf der Ostseite der Adria zählt nicht zu 
jenen Theilen der Erdkruste, von welchen man annehmen kann, dass 
in ihnen ausscliliesslich nur die verticale Componente der tellurischen 
Spannungen in Wirksamkeit tritt. Es muss darum in diesem Gebiete 
jeder verticalen Verschiebung zweier Schollen eine Lostrennung dieser 
Schollen vorausgehen. Es wird sich ferner nach einer erfolgten Sen- 
kung im Laufe der Zeit wieder eine tangentiale Spannung einstellen, 
so dass das weitere Absinken einer Scholle entlang einer schon vor- 
gezeichneten Linie wiederum die Auslösung einer solchen Spannung 
zur Voraussetzung hat. Man hat sich demnach vorzustellen, dass die 
Gebirgsmasse am Südrande der Cetinaebene längs einer der beiden 
dort verlaufenden alten Störungslinien einen neuen plötzlichen Riss 
bekam, und dass die in diesem Momente aus ihrer Ruhelage gebrachten 
Gebirgstheile zu beiden Seiten des Risses in elastische Schwingung 
geriethen. An der freien Oberfläche gestaltete sich die Bewegung zu 
einer transversalen Undulation. 

An welcher von den beiden Seiten des Vojnicki Brig der Riss 
erfolgte, ist kaum zu entscheiden. Der Umstand, dass auf dem eben 
genannten Rücken die Steine gegen S und SW dislocirt waren, könnte 
dahin gedeutet werden, dass dort der erste und heftigste Ruck in der 
Richtung gegen NNO erfolgte und somit der Südrand des Vojnicki 
Brig der Schauplatz der Katastrophe war. Jedenfalls hatte die in 
weitem Umfange erfolgte plötzliche Lostrennung zweier Schollen mehr 
oder minder grosse Störungen im gegenseitigen Verbände aller um- 
gebenden Schollen zur Folge. Die starken Zerstörungen, welche die 
Hütten von Unter-Kosute und die Häuser von Trilj erlitten, sind ein 
Beweis, dass die tiefgelegene Scholle im Norden des Vojnicki Brig 
sehr heftig erbebte. Unterhalb Trilj sollen die gebildeten Erdspalten 
parallel zur Strasse, d. i. von NNO gegen SSW gerichtet gewesen sein, 
was dem Umstände entspricht, dass dort der Ostrand der eben ge- 
nannten Scholle verläuft. 

In hohem Masse wurden die nordwestlich benachbarten Schollen 
erregt, da das an der Grenze von zweien dieser Schollen sich hin- 
ziehende Dorf Turjake sehr stark gelitten hat. Die Schäden, welche 
das Dorf Caporice aufwies, lassen erkennen, dass auch die ostwärts 
der Cetina gelegenen Schollen in Bewegung geriethen. 

Die zahllosen Nachbeben der Haupterschütterung sind als der 
Ausdruck jener Vorgänge anzusehen, welche nach der plötzlichen Ver- 
änderung der gegenseitigen Lagebeziehungen der Schollen zur Her- 
stellung eines neuen Gleichgewichtszustandes der Gebirgsmassen er- 
forderlieh waren. Da sich diese Vorgänge nicht auf den Schauplatz 
der Hauptkatastrophe beschränkt haben können und sich zum Theile 



22 Dr. Flitz V. Kerner. [22] 

an den Grenzen der benachbarten Schollen abspielen mussten, ist es 
begreiflich, dass manche der Nacli beben ausserhalb des Epicentrums 
der llaupterschütterung am stärksten verspürt wurden. 

Es liegt die Vermuthung nahe, dass diese Vorgänge wenigstens 
zum Theile in Schollensenkungen bestanden haben. Die Möglichkeit, 
dass solche in sehr beschränktem Ausmasse stattfanden, ist, wie vor- 
hin erwähnt wurde, niclit vollkommen ausgeschlossen. Ein merkbarer 
Fortschritt in der Erweiterung des grossen Seiikungsfeldes von Sinj 
wurde jedoch durcli jene Vorgänge nicht erzie-lt. 



F. V. Kerner: Geognostische Übersichtskarte der südlichen Umrandung des Sinjsko Polje. 



Taf. I. 






Buea 




Traposnik 



S/^rmen dolcco 



Werfener Schichten. 
Muschelkalk. 

Dolomit des Muschelkalkes. 
Rudistenkalk. 
lüiJlilU Dolomit des Rudistenkalkes. 
<-' retaclsche ? Breccienkalke 
(Josinaschichten u. Miliolitenkalk. 
Alveolinenkalk. 



|t>pOoo°oo°o° 

I o o o o o o"o 



Nummulitenkalk . 
Mitteltertiäre Breccien. 
Neogene Mergel. 
Neogene Conglomerate. 



iJ Schutt u. jüngere Breccien. 
Eluvium . 

Grössere Terra rossa-Lager. 
Alluvium. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt. Band L 1900. 

Verlag der k. k. Geologischen Iteichsanstalt, Wien, III. Rasumoffskygasse 23. 



Skizze eines geologischen Profils durch den 
steierischen Erzberg. 

Von M. Vacek. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. II) und einer Zinkotypie im Text. 

Die Anregung zu den folgenden Zeilen gab ein Brief des Herrn 
Prof. Beck in Freiberg, in welchem er den Verfasser um ein dem 
derzeitigen Stande der geologischen Kenntnisse entsprechendes Profil 
durch den Erzberg ersucht, zu dem Zwecke, dasselbe in der 
Neuauflage eines Lehrbuches der Lagerstättenlehre verwenden zu 
können. Die Auffassung der Lagerungsverhältnisse am Erzberge, wie 
sie der Verfasser auf Grund eigener Studien seinerzeit gewonnen, 
zeigt aber in vielen Punkten wesentliche Abweichungen von den bis- 
her gangbaren Darstellungen und Begriffen über den Gegenstand, so 
dass eine ohne nähere Erläuterung gegebene Profilzeichnung kaum 
verständlich wäre. Um dem thatsächlich vorliegenden Bedürfnisse ent- 
gegenzukommen, musste sich demnach der Verfasser entschliessen, zu 
einem 1886 entworfenen, Taf. II beifolgenden Erzberg-Profile 
den folgenden kurzen Commentar zu schreiben, welcher durchaus nicht 
etwa eine erschöpfende Darstellung der geologischen Verhältnisse im 
Erzberggebiete sein will, sondern nur eine knappe Skizze, die den 
Zweck hat, einen bestimmten, über die Lagerungsverhältnisse orienti- 
renden Schnitt durch den am besten aufgeschlossenen Theil des Erz- 
berges einem weiteren Leserkreise verständlich zu machen, von dem 
allerdings vorausgesetzt wird, dass ihm die ältere Literatur über den 
Erzberg nicht unbekannt ist. 

Die Schwierigkeiten in der Geologie fangen gewöhnlich erst da an, 
wo man im Detail exact zu sein versucht. In diesem Sinne gehört auch eine 
richtige Auffassung und Deutung der geologischen Lagerungsdetails in 
der Gegend von Eisenerz, und insbesondere am Erzberge selbst, 
zu den nicht gerade leichten geologischen Aufgaben. Eine rein locali- 
sirte Studie allein würde hier kaum jemals zum Ziele geführt haben, 
wie man dies deutlich genug an den älteren Arbeiten und Mitthei- 
lungen über den Erzberg sieht, die über den engeren Rahmen des 
Eisenerzer Bezirkes kaum hinausgiengen ^). 



^) F. Ritt. V. Ferro, Innerberger Hauptgewerkschaft. Tiinners mont. 
Jahrbuch Bd. III, pag. 197, 1845. — A. v. Schouppe, Erzberg bei Eisenerz. 
Jahrb. der k. k. geoi. R.-A, Jahrg. 1854, pag. 396 mit Profiltafel. — A. Miller 
V. Ilauenfels, Die steiermärkischen Bergbaue. Sep. aus: Ein treues Bild des 
Herz. Steiermark. Wien 1859, pag. 14. — D. Stur, Vorkommen obersilurischer 
Petrefacte am Erzberg. Jahrb. der k. k. geol. R.-A. Jahrg. 1865, pag. 267 

Jahrbuch d. k. k. geol. Iteichsaustalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (AI. Vacek.) 



Skizze eines geologischen Profils durch den 
steierischen Erzberg. 

Von M. Vacek. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. II) und einer Zinkotypie im Text. 

Die Anregung zu den folgenden Zeilen gab ein Brief des Herrn 
Prof. Beck in Freiberg, in welchena er den Verfasser um ein dem 
derzeitigen Stande der geologischen Kenntnisse entsprechendes Profil 
durch den Erzberg ersucht, zu dem Zwecke, dasselbe in der 
Neuautlage eines Lehrbuches der Lagerstättenlehre verwenden zu 
können. Die Auflassung der Lagerungsverhältnisse am Erzberge, wie 
sie der Verfasser auf Grund eigener Studien seinerzeit gewonnen, 
zeigt aber in vielen Punkten wesentliche Abweichungen von den bis- 
her gangbaren Darstellungen und Begriffen über den Gegenstand, so 
dass eine ohne nähere Erläuterung gegebene Profilzeichnung kaum 
verständlich wäre. Um dem thatsächlich vorliegenden Bedürfnisse ent- 
gegenzukommen, musste sich demnach der Verfasser entschliessen, zu 
einem 1886 entworfenen, Taf. II beifolgenden Erzberg -Profile 
den folgenden kurzen Commentar zu schreiben, welcher durchaus nicht 
etwa eine erschöpfende Darstellung der geologischen Verhältnisse im 
Erzberggebiete sein will, sondern nur eine knappe Skizze, die den 
Zweck hat, einen bestimmten, über die Lagerungsverhältnisse orienti- 
renden Schnitt durch den am besten aufgeschlossenen Theil des Erz- 
berges einem weiteren Leserkreise verständlich zu machen, von dem 
allerdings vorausgesetzt wird, dass ihm die ältere Literatur über den 
Erzberg nicht unbekannt ist. 

Die Schwierigkeiten in der Geologie fangen gewöhnlich erst da an, 
wo man im Detail exact zu sein versucht. In diesem Sinne gehört auch eine 
richtige Auffassung und Deutung der geologischen Lagerungsdetails in 
der Gegend von Eisenerz, und insbesondere am Erzberge selbst, 
zu den nicht gerade leichten geologischen' Aufgaben. Eine rein locali- 
sirte Studie allein würde hier kaum jemals zum Ziele geführt haben, 
wie man dies deutlich genug an den älteren Arbeiten und Mitthei- 
lungen über den Erzberg sieht, die über den engeren Rahmen des 
Eisenerzer Bezirkes kaum hinausgiengen i). 



^) F. Ritt. V. Ferro, Tnnerlierger Hauptgewerkschaft. Tunners mont. 
Jahrbuch Bd. III, pag. 197, 1845. — A. v. Schouppe, Erzberg bei Eisenerz. 
Jahrb. der k. k. geol. R.-A, Jahrg. 1854, pag. 396 mit Profiltafel, — A. Miller 
V. Hauenfels, Die steiermärkischen Bergbaue. Sep. aus: Ein treues Bild des 
Herz. Steiermark. Wien 1859, pag. 14. — D. Stur, Vorkommen obersilurischer 
Fetrefacte am Erzberg. Jahrb. der k. k. geol. R.-A. Jahrg. 1865, pag. 267 

Jahrbuch d. k. k. geol. Iteiehsaiistalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (AI. Vacek.) 



24 



M. Vacek. 



[2] 



Der steierische Erzberg bildet nicht nur eines der wichtig- 
sten bergbaulichen Objecte, sondern auch einen interessanten geo- 
logischen Knotenpunkt. Er ist sozusagen eine geologische Gleichung 
mit mehreren Unbekannten, deren Lösung bekanntlich nur auf Um- 
wegen möglich ist. Im vorliegenden Falle liegt der Umweg darin, 
dass man einzelne Formationsglieder des Bezirkes schon von weiter 
her verfolgt und ihrer geologischen Stellung nach erkannt und fixirt 
haben rauss, bevor man an die Lösung des localen Problems geht. 
So verhält es sich in erster Linie mit jenem Gebirgsgliede, welches 
man immer als die „körnige Grauwacke von Eisenerz" 
bezeichnete. Nach seiner Rolle als Grundgebirge und weitaus älteste 
Bildung des ganzen geologischen Bezirkes, musste dieses Glied zunächst 
bathrologisch klargestellt werden. Verfolgt man diese charakteristische 
Bildung, welche in den nördlichen Ostalpen eine weite Verbreitung 
hat, im Streichen bis an einen Punkt, wo dieselbe im normalen 
stratigraphischen Verbände auftritt, wie z. B. in der Veit seh, dann 
wird man darüber belehrt, dass es sich hier nicht um irgend ein 



Fig. 1. 



uhüJoenalc 



I S6S 



Gzzbc/i 



viaWipohiun, 




Zeichenerklärung: 
Gn = Blasseneckgneiss. — Q. Ph. — Quarz-Phyllit. — Ob. Sil. = Ober-Silur. — 
U. D. = Unter-Devon. — E. = Eisensteinformation — W. S. = Werfener Scliiefer. 
— U. M. K. = Unterer Muschelkalk. — Tr. D. =- Trias-Dolomit. — Dil. = Diluvium. 



untergeordnetes Lager einer klastischen Ablagerung handelt, sondern 
um einen integrirenden Tlieil des Gneiss-Profiles, und zwar um 
dessen oberstes Glied. Hat man dieses stratigraphische Verhältnis 
festgestellt, dann ist es schon weniger schwierig, sich darüber klar zu 
werden, dass die dunklen 'kieseligen Schiefer im Hintergrunde des 
Erzgrabens, in denen Fossilreste des Ober-Silur gefunden wurden, 
nicht so, wie die älteren Autoren annehmen, das sogenannte „Grau- 
wackenlager" unterteufen, sondern vielmehr , dass dieselben 
discordant über diesem, in neuerer Zeit als „Blasseneckgneiss" be- 
zeichneten alten Untergrundgliede liegen und ihrerseits die normale 
Basis des Kalkcomplexes bilden, aus welchem sich die Rei chenstein- 
gruppe aufbaut (vergl. Profil Fig. 1). 

Die Kalke des Reichen st ein wurden sclion von Schouppe 
in seinen Profilen (1. c. Prof. V) als „Uebergangskalk" be- 
zeichnet und von dem „erzfülirenden Giauwackenkalk" unterschieden, 



[3] Skizze eines geologischen Profils durch den steierischen Erzherg. 25 

welch letzterer auf dem Erzberge eine so wichtige Kolle spielt, 
während der erstere (vergl. 1. c. Prof. III) daselbst fehlt. Leider ist 
V. Schouppe im Texte auf diesen Unterschied nicht näher ein- 
gegangen, sondern spricht nur von „Grauwackenkalkstein" schlechtweg. 
Und doch ist die Unterscheidung zwisclien den Kalken des Reichen- 
stein und den sogenannten Sau berger Kalken des Erzberges 
für stratigraphische Zwecke eine sehr wichtige, wie nicht minder auch 
die geologische Scheidung der jüngeren Erze (Flinze) des Haupterz- 
lagers von den Erzen des älteren Schichtsystems, welches durch die 
Sauberger Kalke charakterisirt wird. 

Während so die Entzifferung der geologischen Verhältnisse in 
den Bergen südlich vom Erzberge und diesem selbst, oder, was 
gleichbedeutend ist, die stratigraphische Analyse des sehr complexen 
Begriffes der „Grauwackenzone", immer viel Schwierigkeiten 
gemacht hat, Schwierigkeiten, die hauptsächlich auf complicirte Lage- 
rungsverhältnisse vor Allem aber auf grossen Fossilienmangel zurück- 
zuführen sind, war man sich andererseits über das geologische Alter 
und die bathrologische Stellung der nördlich vom Erzberge mächtig 
entwickelten Triasbildungen viel früher klar, da hier sowohl 
Fossilreichtum als auch der unmittelbare Zusammenhang mit dem 
übrigen Schichtenkopfe der Trias die Aufgabe wesentlich erleich- 
terten. 

Besser und übersichtlicher als viele Worte dürfte der vorstehende 
Profilschnitt Fig. 1 die Position des Erzberges, an der Grenze zwischen 
Trias einerseits und den, ehemals in Summe als „Grauwacken- 
bildungen" aufgefassten, paläozoischen und krystallinen Ablagerungen 
andererseits, erläutern und so für die folgende Darstellung der geo- 
logischen Verhältnisse des Erzberges selbst (Profil Taf. II) einen 
zweckentsprechenden Rahmen bilden. 



Mitten in einem Kranze von steilen Höhen (Reichenstein, 
Griesmauer, Pf äff en stei n, Kaiserschild), durch die tief- 
gehenden Einschnitte des Erzbaches und Trofengbaches von 
drei Seiten scharf isolirt und nur im südöstlichsten Theile, durch den 
sogenannten Platten hals, mit der Reichensteingruppe theilweise 
zusammenhängend, erhebt sich der Erzberg als ein nahezu frei- 
stehender, 1537 m hoher Kegel, von dessen Spitze man einen pracht- 
vollen Rundblick geniesst. 

An der geologischen Zusammensetzung dieses Kegels sind nicht 
weniger als vier von einander stratigraphisch unabhängige Schicht- 
folgen oder Formationen betheiligt (vergl. Profil Taf. II). 

1. Blasseneck gn eis s. Den Sockel des Erzberges, zugleich 
den grössten Theil seiner Masse, bildet das älteste Formationsglied 
der ganzen Gegend die ehemals sogenannte „körnige oder Eisenerzer 
Grauwacke". Es sind dies graugrüne, bräunlich anwitternde, wohl- 
geschichtete, jedoch im Handstücke körnig aussehende Gesteine, die 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1900, 50. Band, 1. Hett. (M. Vacek.) 4 



26 M. Vacek. [4] 

besonders weiter östlich vom Erzberge, z. B. schon jenseits des 
Gerichtsgrabens im Polsterberge, mächtig entwickelt sind und 
sich von hier continuirlich über Tragöss ins Aflenzer Becken, 
und mit kurzen Unterbrechungen weiter in die Veitsch th äl e r, 
und schliesslich in immer mehr aufgelösten Kuppen bis nach Nieder- 
österreich in die Prein, ja selbst bis in die Semmering- 
gegend verfolgen lassen. In der Veitsch kann man die strati- 
graphische Zugehörigkeit dieses Schichtcomplexes zur Gneissfor- 
raation feststellen, deren oberstes Glied er bildet. Die Gesteine 
dieser Schichtgruppe entsprechen auch petrographisch dem G n e i s s- 
Begriffe, indem sie nach Baron F o u 1 1 o n's Untersuchungen (Ver- 
handl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 112) aus hanfgrossen Quarzkörnern und 
Feldspathkrystallen bestehen, die in einer graugrünen Grundmasse 
liegen. Diese Grundmasse erscheint unter dem Mikroskope als ein 
dichtverfilztes Gewebe von Kaliglimmerblättchen oder Schuppen, nebst 
wenig Quarz, Baron F o u 1 1 o n bezeichnet demgemäss diese, aller- 
dings durch einen merkwürdigen klastischen Habitus auffallende 
Gneissart als „Blasseneckg neiss", nach einer Localität im 
P al ten th ale. 

2, Unter- Devon. Discordant über diesem ältesten Grundgliede 
liegt auf dem Erz berge eine Schichtreihe, die aus einem Wechsel 
von Kalken, Roh wänden und Erzen besteht in vielfachen Ueber- 
gängen. Das geologisch auffallendste und auch für die stratigraphische 
Bestimmung der ganzen Schichtreihe wichtigste Element bilden die 
Kalke, welche von den älteren Autoren als ..erzführende" oder „Sau- 
berger Kalke" bezeichnet werden. Es sind dies lichte, zumeist röth- 
lich oder gelblich geflammte, stellenweise durch feine Glimmerbelege 
flaserige, äusserst feinkörnige oder dichte Kalke von gut ausge- 
sprochener Schichtung, die in mehreren leicht zu verfolgenden Lagern 
der in Rede befindlichen Serie eingeschaltet sind. 

Da und dort (z. B. im So b berhaggen) treten schon in den 
Kalklagern selbst rohwändige, ja theilweise bis zur Vererzung gediehene 
Partieen auf. In der Hauptmasse aber treten die unreinen, roh- 
wändigen oder ankeritischen Mittel als selbständige, mächtige Lager 
auf, die mit den Kalklagern mehrfach wechseln und, wie es scheint, 
ohne bestimmte Regel vielfacii in reine Erze (sauere Erze von 
Söbberhaggen etc.) übergehen. Im allgemeinen scheint der Erzreich- 
thum gegen das Hangende des Schichtsystems zuzunehmen. 

Die Bestimmung des geologischen Alters dieses Schichtsystems 
basirt auf einigen Petrefactenfuiiden, die zumeist aus den Kalken 
stammen, zuerst von E. Suess bestimmt und von D. Stur (Ver- 
handl. d. k. k. geol. R.-A. 1865, pag. 267) beschrieben wurden. Die 
ursprünglichen Bestimmungen wurden später von G. Stäche (Ver- 
handl. d. k. k. geol. R -A. 1879, pag. 217) revidirt und auf Grund 
des Vorkommens von Jironteus palifer Beyr., Bronteus cognatus Barr., 
Cijrtoceras sp., Calamopora Forbesi liöm. der sogenannte „Sau- 
berger Kalk" als gleichalterig mit Konieprus, sonach als Aequi- 
valent des böhmischen Silur /''' und G oder, nach dem neuesten Stande 
der Frage, als Unter de von bestimmt. 



[5] Skizze eines geologischen Profils diircli den steierisclieri Krzberg. 27 

Ganz verschieden von dieser u n ter d e vo n i scli en, erzführen- 
den Schichtreihe, und auf dem Krzberge selbst nicht vertreten, ist 
jenes mächtige Schichtsystem, welches den Reichen stein und 
Reiting südlich vom Erzberge aufbaut (vergl. Prof. Fig. 1) und in der 
Hauptmasse aus halbkrystallinen Kalken besteht, an deren Basis, als 
charakteristische Grenzzone gegen die alte Unterlage, ein je nach 
localen Umständen verschieden stark entwickelter Complex von 
dunklen, kieselreichen, vielfach von Pyritnestern durchsetzten Schiefern 
liegt. Dieses mächtige Schichtsystem ist, nach den wenigen Fossil- 
funden, die man theils in den schwarzen Schiefern (im Hintergrunde 
des Erzgrabens), theils innerhalb der Kalkfolge selbst (am 
Kr um pal bei bei Vordernberg) gemacht hat, ein Aequivalent des 
Obers ilur oder der Etage E des böhmischen Silur. 

Dass die beiden Schichtsysteme des Unterdevon und Obersilur 
in unmittelbarster Nachbarschaft über der gleichen Unterlage von 
Blasseneckgneiss liegen, ist ein nach den heute gangbaren geologischen 
Begriffen nicht leicht aufzufassender Umstand, auf den hier näher ein- 
zugehen jedoch zu weitläufig wäre. Die discordante Lagerung 
einzelner Schichtsysteme spielt in den Alpen eine viel wichtigere 
Rolle, als man heute anzunehmen geneigt ist. Den älteren Autoren 
zumal war der Begriff der discordanten Lagerung nahezu ganz fremd, 
und daraus erklärt es sich, dass sie alle übereinstimmend die schwarzen 
Schiefer, welche die Basis des Obersilur bilden, missverständlich unter 
die Grauwacken verlegen und dieselben als ältestes Formationsglied 
am Erzberge aufgefasst haben. Auch an eine strengere stratigraphische 
Scheidung der beiden in Rede befindlichen Schichtsysteme wurde um- 
soweniger gedacht, als man ja seinerzeit bekanntlich alle unter der 
Trias liegenden älteren Bildungen des Eisenerzer Bezirkes insgesammt 
einer weit gefassten „Grauwackenformation" zurechnete, für welche 
man, nach den Fossilfunden von Dienten^), ein allgemein silurisches 
Alter annahm. Selbstverständlich zählte man dieser Cumulativformation 
auch das nächstfolgende, für den Bergbau weitaus wichtigste, Eisen- 
stein führende Schichtsystem zu, welches jedoch abermals eine von dem 
tieferen Unterdevon unabhängige, stratigraphisch selbständige Lage- 
rung zeigt. 

3. Eisensteinformation. Dieses Schichtsystem, welches in 
den älteren Arbeiten als das „Haupterzlager" oder, nach den 
Verhältnissen im oberen Theile des Berges, als „Weingartner 
Lager" bezeichnet wird, besteht in seiner Hauptmasse aus einer 
mächtigen Folge von gutgeschichteten, im frischen Bruche lichtgrau 
oder gelblich gefärbten, reinen, kleinkörnigen Spatheisensteinen oder 
„Flinzen", zwischen welche sich nur spärlich und untergeordnet 
schwache Lager eines unreinen, röthlichen Flaserkalkes einschieben. 
Die normale Basis der Eisensteinablagerung bildet eine, über die 
sämmtlichen Etagen im Westen des Reviers gut zu verfolgende Zone 



^) Vergl. M. Lipoid, Grauwackenformation und Eisensteinvorkommen im 
Kronlande Salzburg. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1854, pag. 371. 

4* 



28 M. Vacek. [6] 

von theilweise liebten, meist aber dunklen oder bunten Thonscbiefern, 
die sich infolge von feinen zersetzten Glimmerbelegen meist seifig 
anfühlen. Local verschieden, jedoch an keiner Stelle besonders mächtig, 
schmiegt sich diese charakteristische Grenzbildung einer unebenen 
Corrosionstläche des tieferen Unterdevonsystems an, liegt daher, je 
nach Umständen, theils über dem Sauberger Kalke, theils über den 
Rohwänden und Erzen dieses älteren Systems. Das hängendste 
Glied der Eisensteinformation bildet andererseits ein dickbankiges 
Rohwandlager, das jedoch nur im östlichen Theile des Reviers (z. B. 
bei den Baracken N vom ehemaligen Vordernberger Herrenhause) theil- 
weise noch erhalten ist, in dem beiliegenden Profilschnitte Taf. II, 
welcher durch den westlichen Theil des Bergreviers gelegt ist, dagegen 
infolge von Erosion fehlt. 

Das geologische Alter dieser Eisenstein formation ist nach 
dem heutigen Stande der Dinge nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Die 
einzigen aus einem Erzmittel stammenden, von' E. Suess (in Stur, 
Jahrb. 1865, pag. 173) als Spirifer sp. und BhijnclioneUa cf. princeps be- 
stimmten Fossilstücke, die für ein höheres Alter ihres Lagers sprechen 
würden, fanden sich in der Gegend des Gloriettes. Dieses steht aber, 
wie Profil Taf. II zeigt, auf einem Vorsprunge der unterdevonischen Serie, 
die hier auch zum Theile erzführend ist (Fortsetzung von Söbber- 
h a g g e n), und es fragt sich daher, ob die genannten Fossilfunde 
nicht aus den älteren Erzen stammen, umsomehr, als D. Stur 
(1. c. pag. 271) ausdrücklich angibt, dass der Fundpunkt in verwitterter 
Roh wand lag. Solche braun verwitternde, vielfach in Erz übergehende 
Rohwände charakterisiren die ältere unterdevonische Serie und nicht 
die Eisensteinformation, wie sie eben dargestellt wurde. Diese ist, 
ihrer discordanten Lagerung nach, sicher jünger als Unterdevon, 
andererseits aber sicher älter als die tiefste Trias, welche auf dem 
Erzberge vertreten ist, und von der noch die Rede sein soll. 

Verfolgt man den Zug der Eisensteinformation weiter nach Osten 
und bis nach Niederösterreich, so fällt es sehr auf, dass derselbe con- 
sequent an der Basis der Trias auftritt, mit dieser also trotz der 
Discordanz, die zwischen beiden besteht, eine weitgehende Ueberein- 
stimmung in der Verbreitung zeigt, wogegen die ältere Unterlage im 
Liegenden des Eisensteinzuges von Stelle zu Stelle den auffallendsten 
Wechsel bietet. Nach diesem Verhältnisse muss man geneigt sein, anzu- 
nehmen, dass das Alter der Eisensteinformation von jenem der untersten 
Trias nicht allzusehr abweiche und vielleicht dem auch anderwärts 
durch reiche Erzvorkommen charakterisirten Perm entsprechen könnte. 
Diese Annahme empfiehlt sich umsomehr, als die aus dem Bereiche 
der Ostalpen bisher bekannten Bildungen des Mitteldevon und 
Oberdevon sowohl wie die des Carbon, die hier noch in Frage 
kommen könnten, nicht die geringste xVehnlichkeit in der petro- 
graphischen Entwicklung mit dem Spatheisensteinzuge zeigen. In der 
Radmer und Veitsch, sowie in Gollr ad, Niederalpel, Feister- 
eck, Debrin, Retten bach, Bohnkogel, Altenberg, Knappen- 
berg, Grillenberg besteht die Eisensteinformation der Hauptmasse 
nach aus jenen Schieferarten, die am Erzberge nur untergeordnet 
auftreten und vorwiegend die Basis der Spatheisensteinmasse bilden. 



r71 Skizze eines geologischen Profils durch den steierischen Erzbcsrg. 29 

Diesen Schiefern erscheinen in allen den oben genannten Bergrevieren, 
also in dem grössten Theile des Zuges, die einzelnen Eisenspathlager 
untergeordnet eingeschaltet, während am Erzberge, oft'enbar infolge 
localer Bildungsverhältnisse, ausnahmsweise die Flinzbildung weitaus 
überwiegt und die tauben Mittel stark zurücktreten. Es stimmt dies 
mit der reichen Eisensteinführung, welche am Erzberge local und aus- 
nahmsweise auch das Unterdevon zeigt, welches anderwärts, wie z. B. 
im Grazer Becken (Breitenau), nur untergeordnete Linsen und Lager 
von minderen Erzen und Ankeriten führt, 

4. Werfener Schiefer. Das jüngste am Erzberge entwickelte 
Schichtsystem bilden rothe oder grüngraue, sandige Schiefer von 
bedeutender Mächtigkeit, an deren Basis vielfach Breccien und con- 
glomeratische Bildungen' auftreten, deren Materiale theils aus den 
Erzen der Eisensteinformation, theils aus dem tieferen Unterdevonsysteme 
stammt. Dieses Schichtsystem gehört, nach seiner stellenweise reichen 
Fossilführung der typischen Fauna des Werfener Schiefers, schon an 
die Basis der Trias, welche nördlich vom Erzberge in mächtiger Ent- 
wicklung im Pfaffenstein, Kaiserschild etc. ihren steilen 
Schichtenkopf dem Eisenerzer Kessel zukehrt (vergl. Prof. Fig. 1). Das 
Auftreten der basalen Breccien (besonders schön aufgeschlossen z. B. 
im Peter Tunn er -Stollen), noch mehr aber das durch die vielen 
Tagarbeiten auf dem Erzberge gut aufgeschlossene unregelmässige Ein- 
greifen dieser Buntsandsteinbildung in eine Menge von Unebenheiten 
und Vertiefungen der älteren Unterlage, zeigt klar, dass zwischen 
diesem tiefsten Triasgliede und der tieferen Eisensteinformation eine 
ausgesprochene Discordanz der Lagerung besteht. 

Die Verbreitung des Werfener Schiefers auf dem Erzberge ist 
nur auf den östlichen Theil des Reviers beschränkt (Umgebung der 
Barbara-Kapelle bis hinauf in die Gegend des neuen Herrenhauses). 
Im westlichen Theile des Revieres sind die Werfener Schiefer abge- 
tragen und denudirt, so dass hier das mächtige Erzlager frei zutage 
Hegt. Auf diesem äusserst günstigen Umstände beruht die Möglich- 
keit der leichten, tagbaumässigen Gewinnung der Erzmassen, welche, 
durch mustergiltige Abbau- und Förder- Anlagen gesteigert, den Erzberg 
zu dem macht, was er ist, einem Glanzpunkte der Montanindustrie. 



Nachdem wir uns im Vorstehenden über die petrographische 
Entwicklung der verschiedenen Schichtsysteme, welche den Erzberg 
aufbauen, deren relative Folge und ihr geologisches Alter, soweit sich 
dieses nach der heutigen Lage der Dinge beurtheilen lässt, orientirt 
haben, erübrigen noch einige W^orte über die tektonischen Ver- 
hältnisse des Erzberges. 

Die Tektonik eines bestimmten Bezirkes wird nur dann verständlich, 
wenn ihr die stratigraphische Analyse in entsprechender Art vorgear- 
beitet hat; denn streng genommen, kann man von einer einheitlichen 
Tektonik einer mehrfach unterbrochenen Folge von Ablagerungen ver- 



30 M. Vacek. |^8] 

schjedenen geologischen Alters, oder mit anderen Worten, von einer 
congruenten Bewegung melirerer disparater Scliiehtsysteme, die zu- 
fällig übereinander liegen, gar nicht reden. Vielmehr zeigt jedes dieser 
Systeme seine eigene, von der Gestaltung des Ablagerungsraumes 
vielfach beeinflusste Tektonik, welche allerdings in letzter Folge mit 
den tektonischen Bewegungen des Untergrundes ursächlich zusammen- 
hängt, sich jedoch keineswegs mit diesen vollkommen übereinstimmend 
oder congruent zeigt. Um sich über den tektonisciien Mechanismus 
eines solchen complexen Schichtsystem- Verbands einigerraassen klar zu 
werden, ist es sonach nothwendig, zunächst zu individualisiren, Ursache 
und Folge zu scheiden, und dann erst jene Momente zu suchen, welche 
gegebenenfalls eine Verknüpfung der tektonischen Daten zu einem 
harmonischen Ganzen erlauben. Versuchen wir die angedeutete Methode 
am vorliegenden Falle. ' 

Am folgewichtigsten für die ganze tektonische Erscheinungsreihe 
am Erz berge ist der locale Bau der alten Unterlage, welche hier 
der „Blasseneckgneiss", resp. die „körnige Grauwacke" bildet. Das 
allgemeine Streichen dieser Grundmassen ist für den ganzen Bezirk 
WSW^ONO. Das locale Einfallen in des Gegend des Platten- 
kreuzes, südlich von der Erzbergspitze, ist ziemlich steil in WNW, 
dagegen an der Nordgrenze des Reviers, in der Gegend der Röst- 
öfen im Krump enthale, gerade entgegengesetzt in OSO unter 
geringeren Winkeln Hiernach bilden also die Gneissmassen, welche 
den Sockel des Erzberges darstellen, im Allgemeinen eine etwas gegen 
N geneigte Faltenmulde, deren Wesen kaum alterirt wird durch einige 
kleinere, secundäre Bewegungen, wie sie in Profil Taf. II angedeutet, 
in Wirklichkeit vielleicht intensiver und zahlreicher sind. 

Unmittelbar über dem so gebauten Grundgliede liegt die Schieb t- 
folge des ünterdevon auf, und zwar so, dass die tieferen Lager 
des Systems, welche die Erzbergspitze bilden, den Nordrand des Reviers 
nicht erreichen, sondern sich succe&sive an dem alten Untergrunde 
todtlaufen. Denken wir uns das Unterdevon, von welchem am Erz- 
berge nur noch ein Rest erhalten ist, in seiner ehemaligen Vollstän- 
digkeit in einer alten Terrainvertiefung abgelagert, deren Thalpunkt 
südlich vom Erzberge lag, dann wird die nach Nord hin übergreifende 
Lagerung der Schichtfolge dieses Systems leicht verständlich. Die Lage 
der Terrainmulde, welche den Ablagerungsraum für das Unterdevon- 
system gebildet hat, ist sonach ganz verschieden und unabhängig von 
der tektonischen jNIulde des Erzbergsockels. Dagegen stimmen aber 
wohl die tektonischen Bewegungen des erhaltenen Torso von Unter- 
devon, wie sie das Profil Taf. II zeigt, im Allgemeinen sehr gut mit 
der tektonischen Faltenmulde des alten Untergrundes, wenn sie auch im 
Detail vielfache Abweichungen zeigen. Besonders fällt die Schicht- 
stellung an der Bergspitze auf, indem hier die tieferen Lager des 
Unterdevonsystems senkrecht aufgerichtet, ja selbst etwas überkippt 
sind. Sie bilden den Rest des steilen Mittelschenkels einer nord- 
blickenden Falte, deren Hangendschenkel durch Erosion abgetragen 
ist. Diese Faltenbildung zeigt klar, dass die heute grösstentheils zer- 
störte Schichtmasse des Unterdevon viel weiter nach Süden fortgesetzt 
haben und von dieser Seite her einem starken Drucke ausgesetzt 



("9] Skizze eines geologischen Profils durch den steierischen Erzberg. 31 

gewesen sein muss. Die tiefer folgenden kleinen, secundären Palten- 
bewegungen des Unterdevon, deren erste Erreger wohl in den Un- 
ebenheiten des alten Untergruncies zu erblicken sind, correspondiren 
in ihrer Gesammtanordnung sehr gut mit der tektonischen Mulde im 
Untergrunde. 

Eine Wiederholung ganz analoger Lagerungsverhältnisse bietet 
das nächsthöhere Schichtsystem der Eisensteinformation. 
Ja, die tektonischen Beziehungen sind hier wegen der Kleinheit des 
Objectes nur noch übersichtlicher und bei der grösseren Vollständig- 
keit desselben klarei'. Wie der Profilschnitt Taf. II zeigt, schmiegt sich 
dieses Ablagerungssystem den unebenen Reliefconturen der unter- 
devonischen Unterlage an und füllt eine Art Doppelmulde auf, deren 
grössere Partie unter, die kleinere oberhalb der Ebenhöhe liegt. 
Die tektonischen Bewegungen der Füllmassen aber, welche durch die 
Form des alten Reliefs allerdings auch beeinflusst erscheinen, entsprechen 
sehr gut dem allgemeinen Muldenbaue des Erzberges. Im oberen 
Theile, etwa dem ehemals Vordernberger Abschnitte entsprechend, ist 
das Spatheisensteinlager steil aufgestellt, jedoch unter einem etwas ge- 
ringeren Winkel als die anstossenden senkrechten bis überkippten Lager 
der älteren Unterdevonserie am Berggipfel. Unterhalb der Ebenhöhe setzt 
diese Steilstellung des Haupterzlagers eine Strecke weit fort, geht aber 
sodann in eine im Allgemeinen flache, wenn auch durch eine Reihe 
von untergeordneten kleinen Stauchungen und Spaltverschiebungen 
stark gestörte Lagerung über, die gegen den Nordrand des Reviers, 
speciell in der Gegend des Gloriettes, sogar wieder etwas aufbiegt. 

Das jüngste Schichtsystem des Erzberges, der Werfener 
Schiefer, liegt ausserhalb des Profilschnittes Taf. II. Doch deutet das 
Profil Fig. 1 klar an, dass dieses tiefste Triasglied discordant quer über 
den Schichten köpf der drei älteren Systeme übergreifend und bis 
nahe an das oberste Drittel der Berghöhe hinaufreichend, erst weiter 
nördlich vom Erz berge, in der unteren Trofeng und beim Orte 
Eisenerz selbst, den tiefsten tektonischen Punkt erreicht und hier 
daher auch die stärkste Verknitterung der Schiefer eintritt, wie man 
sie z. B. in der Gegend des Bahn-Tunnels unter dem alten Schicht- 
thurme gut aufgeschlossen beobachten kann. 

Fassen wir das im vorstehenden kurz skizzirte Bild der Lager- 
ungsverhältnisse am Erzberge zusammen, so wie es das Profil Taf. II 
übersichtlich darstellt, dann ist es klar, dass die Bewegung der Massen, 
welche den Erzberg aufbauen, eine im hohen Grade einheitliche ist. 
Man braucht sich nur die ursprünglich viel flachere Faltenmulde des 
krystallinischen Untergrundes in ihrer Bildung fortschreitend zu denken, 
wobei die Endpunkte der beiden Muldenschenkel einander näher gerückt 
und die eingelagerten Sedimentmassen des Unterdevon und der Eisen- 
steinformation naturgemäss gepresst, auf kleineren Raum zusammen- 
geschoben oder gestaut werden mussten. Dass hiebei das Detail dieser 
Stauungen nicht congruent ist, sondern dass vielmehr jedes der beiden 
disparaten Schichtsysteme eine Reihe ihm eigenthümlicher localer Ab- 
weichungen zeigt, erscheint als natürliche Folge der discordanten Lagerung 
über einem unebenen Untergrunde leicht verständlich. Diese nur auf den 
ersten Blick scheinbar regellosen Abweichungen sind aber, wie man 



32 M. Vacek. [10] 

sieht, nicht ausgiebig genug, das Wesen des im Grossen und Ganzen 
übereinstimmend muldenförmigen Baues zu stören, welcher, dem localen 
Bauplane des Untergrundes entsprechend, den Erzberg im Allgemeinen 
beherrscht. Ebenso können auch die mehrfachen Kluftverschiebungen, 
die man im mittleren Theile des Erzreviers beobachtet, die also vor- 
wiegend im Centrum der tektonischen Mulde auftreten, wo die Stau- 
bewegung am intensivsten war, die Einheitlichkeit des tektonischen 
Gesammtbildes nur ganz unwesentlich alteriren. 



Vacek: Skizze eines geologischen Profils durch den steierischen Erzberg. 



Taf. II. 



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(H'üxao^^cn. nach Jianv QJ tande va n 1 



WNW. 




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Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, 50. Band, I. Heft. 

Verlag der k. k. geolog. Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



Geognostisch- palaeontologische Beschreibung 
der Insel Lesina. 

Von U. Sohle. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. ITI). 

Die Insel Lesina, zu deutsch Schusterahle, infolge ihres lang- 
gestreckten ostwestlich gerichteten Aufbaues, hat eine Längserstreckung 
von 68 km, eine Breite im Maxiraum von 10, durchschnittlich aber 
von 4 km und ist nach Brazza die grösste der dalmatinischen Inseln. 
Für den Fremden, der sich ihr von Norden aus, von Spalato, nähert, 
treten zunächst, über die niederen Höhen vom westlichen Brazza 
hinwegragend, die stark gewellten Landschaftspartien zwischen 
Brusje, Grabje und Lesina-Ort, alle mehr im Westen gelegen, in die 
Erscheinung, und Höhen, wie der Brusje glava und Smirceva glava 
— glava im Sinne von Berg — heben sich unter anderen vom Hori- 
zonte ab, und macht das gesammte, aus Hügeln und Thälern be- 
stehende Terrain den Eindruck, als hätte die Erosion hier gewaltig 
eingewirkt, um die pittoreske P'orm der Berge und die der einzelnen 
sie verbindenden Thäler und Mulden herauszumodeln. Erst bei der 
Passirung der Strasse zwischen den Inseln Solta und Brazza kommen 
auch die weiter östlich, sowie westlich gelegenen Theile der Insel 
zur vollen Geltung, so vor allem der Mt. St. Nicolo, der höchste 
Punkt des Eilandes mit einer Höhe von 626 m über der Adria. 

Oestlich des Mt. St. Nicolo erhebt sich vor unseren Blicken 
die langgestreckte Kette des Mt. Scarbina und des Mt. Ohm, ohne 
grosse Mannigfaltigkeit und Abwechslung in sich, um noch weiter öst- 
lich noch viel einförmiger und zugleich bedeutend niedriger zu werden, 
während westlich der Blick weit über die Insel hinaus bis nach 
Lissa hin schweift. Was nördlich der soeben genannten Bergkette 
liegt, gehört der fruchtbaren Ebene von Cittavecchia, der grössten 
Stadt auf dem Eilande, an, fruchtbar deswegen, weil wohl kaum ein 
zweiter Punkt auf Lesina zu finden ist, wo so üppig der Weinstock 
und die Olivenbäume gedeihen, deswegen auch die Cittavecchianer 
die reichsten auf ganz Lesina sind. Wir fahren in die Bucht von 
Cittavecchia ein und haben zur Rechten den mehr oder weniger 
steilen Abfall der Bergmassen nördlich von Grabje und Selca zum 
Meere, unterbrochen durch Thaleinschnitte, in welchen der Weinstock 
bis zur Piateauhöhe hinauf gedeiht, vor uns, zur Linken die Halbinsel 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (U. Sohle.) 5 



34 U. Sohle. [2] 

Kabal mit ihrem flach sattelförmigen Gesteinsgewölbe und ihren 
stark geklüfteten Felsmassen, Gleich der Bucht von Cittavecchia sind 
als für die Schitfahrt bedeutenderen Golfe die von Lesina, Gelsa und 
Verbosca zu nennen, während sonst noch ausserdem eine Unzahl 
von grösseren und kleineren Einbuchtungen sich in annähernd NS in 
die Insel hinein erstrecken, speciell da, wo nicht wie auf der Süd- 
seite zwischen Zarac und Ivandolac die Bergmassen beinahe schroff 
ins Meer abfallen. 

So schon ersieht man bei dem ersten Blick auf die Aufnahms- 
karte die grosse Ausbreitung des Rudi sten kalke s, der im Verein 
mit dem zugehörigen Dolomite, sicherlich die Hälfte des 
Gesammtareais einnimmt; ihm zunächst an Ausbreitung ist der 
Stinkdolomit zu nennen, welcher im West^en einen grossen Com- 
plex inne hat, nach Osten zu aber sich in drei Züge, welche in der 
Hauptsache durch R u d i s t e n k a 1 k von einander getrennt 
sind, spaltet. Die Eocänschichten sind auf die Südseite der Insel 
beschränkt, und zwar mit Ausnahme der Cosinaschi chten auf 
die Gegend zwischen Madonna della Salute im Westen von Lesina- 
Ort und dem Golf von Milna im Osten; nur die C osinaschi chten 
treten noch weiter östlich, auf der Südseite gleichfalls, mit Unter- 
brechungen auf, Dinge, worauf ich weiter unten, bei Besprechung der 
einzelnen Schichten, zu sprechen kommen werde. 

Sechs Querprofile (vergl. Tafel III) habe ich durch die Insel 
gelegt; danach beherrscht den ganzen westlichen Theil bis zur Linie 
Verbanjo — Ivandolac und Sfirze im Osten in Bezug auf den geologischen 
Aufbau eine Anzahl von überkippten Sätteln und liegenden Mulden, 
und zwar so, dass im Westen angefangen von dem einfachen — ein- 
heitlichen Sattel an, wie er im Querprofile, welches durch Spilica und 
über den Poljica brdo gelegt ist, zu erkennen ist, mit dem Fortschreiten 
nach Osten durch Hinzutreten der c r e t a c i s c h e n pflanzen- 
führenden Schichten um den Golf von Paria und der Zerspaltung 
des einheitlichen Sattels durch eine Verwerfung, wodurch die pflanzen- 
führenden Schichten in das Niveau des geologisch jüngeren Rudisten- 
kalkes gerathen sind, schon der Anfang mit dem einigermassen 
complicirteren Gebirgsaufbau gemacht wird. Sobald die Eocän- 
schichten im Süden noch hinzutreten, schliesst sich dem ihnen 
im Norden vorgelagerten überkippten Sattel aus R u d i s t e n k a 1 k e n 
eine liegende Mulde, aus den unteren Tertiärschichten be- 
stehend, an, die ihrerseits wiederum einen überkippten Sattel aus 
R u d i s t e u s c h i c h t e n, sofern dieselben, wie an der Batteria Andrassi 
südlich von Lesina-Ort und bei Plasica, südöstlich von Lesina-Ort, 
sich vorfinden, im Süden erfordern. Ich verweise in dieser Hinsicht 
auf Profil II. Noch weiter östlich theilt sich der einheitliche Sattel 
infolge einer Verwerfungskluft in zwei, und die Complication nimmt, 
wie aus den Profilen zu entnehmen ist, zu, je weiter wir nach Osten 
vorrücken und je breiter das Areal ist, welches durch dasselbe ge- 
troffen ist. Die grösste Mannigfaltigkeit liefert darin Profil V. wo wir es 
mit drei liegenden Mulden und drei überkippten Siitteln zu thun haben. 

Zugleich aber fällt der durchgreifende Unterschied, welcher 
sich zwischen Profil V und Profil VI geltend macht, auf: dort im 



("3] Geognostisch-palaeontologische Beschreibung der Insel Lesina. 35 

Süden des Profiles der überkippte und nach Süden geneigte, hier 
der nach Norden geneigte Sattel. Gleich dem Profile VI ist aber 
auch Profil VII, welches noch weiter östlich durch die Insel durch- 
gelegt ist, aufgebaut, und findet nicht weniger seinen Ausdruck bei 
Querschnitten, in denen, gleich denen der Westseite der Insel, im 
()sten nur noch ein Sattel wiederum das Ganze beherrscht. Dieser 
durchgreifende Unterschied, von dem soeben die Rede war, hat nun 
darin seinen guten Grund, dass eine grosse Querverwerfung von 
Verbanjo aus südlich nach Ivandolac das Gebirge durchsetzt, eine 
Verwerfung, die sich auch schon auf der Aufnahmskarte im Maß- 
stabe angedeutet findet, da sonst unmöglich z. B. bei Sfirze die jung- 
tertiären bis quart.ären S a n d e so zwickeiförmig in den Stink- 
dolomit eingreifen könnten, ebensowenig wie sonst unmöglich weiter 
südlich nördlich des Mt. Nahum, plötzlich der Stinkdolomit 
am Rudistenkalk absetzen würde. Diese Querspalte 
trennt den östlichen Theil der Insel von dem westlichen. 

Aber noch von anderer Bedeutung ist diese, soeben genannte 
Querverwerfung geworden, insoferne sie von grösster Wichtigkeit für 
die Deutung des nun zu besprechenden, am 26. Juni 1899 zuerst 
stattgehabten und sich 3 Monate hindurch bald öfter, bald seltener 
wiederholenden Erdbebens geworden ist. 

Zur Zeit des Bebens befand ich mich gerade an dem Orte, wo 
es die ganze Zeit hindurch am stärksten weit in der ganzen Runde 
aufgetreten ist, zu Cittavecchia. Es war den 26. Juni über sehr 
regnerisch gewesen, von Morgens ab bis gegen Abend ging ein feiner 
Sprühregen herunter und liess nur damit die neuerliche Nachricht 
von der Ankunft des Scirocco zur Gewissheit werden. Falb hatte 
allerdings für diesen Tag, als Tag erster Ordnung, Gewitter und 
vielleicht auch seismologische Erscheinungen angekündigt, doch 
waren seit 8 Jahren keine Beben verspürt worden, so dass man auf 
Lesina hinsichtlich dieses guten Muthes war. Es war 9 Uhr 5 Min. 
abends, als plötzlich, während ich mit der Familie, bei welcher ich 
wohnte, beim Abendessen sass, ein heftiger Stoss ohne vorhergehendes 
Geräusch die Gläser auf dem Tische erklirren und die Teller sich 
bewegen machte. Meine Tischgenossen stürzten vom Tische weg zu 
Boden in dem festen Glauben, der letzte Tag wäre gekommen. Mein 
Bemühen war, schleunigst das Freie zu erreichen, da es nichts weniger 
als gewiss war, ob das Haus, in dem ich logirte, schon seiner mise- 
rablen Bauart wegen, einen zweiten Stoss aushalten würde. Kaum 
hatte ich die Strasse erreicht, also ^j^ Minuten später, so erfolgte 
schon der zweite, aber bedeutend schwächere Stoss, dem ein donner- 
ähnliches Geräusch nachfolgte. Diese Stösse wiederholten sich bis 
Mitternacht dreimal und nach Mitternacht bis gegen 8 Uhr früh noch 
viermal in Pausen von 2 Stunden. Interessant war die spätere 
Beobachtung, d. h. im Monat August, als sich beinahe 12 Tage hin- 
durch Tag für Tag des Morgens um 6 Uhr, des Vormittags um 
11 Uhr und des Abends um 10^2 Uhr jedesmal die Erde rührte 
und bei vorausgehendem und nachfolgendem Geräusche sich ein bald 
schwächerer, bald stärkerer Stoss bemerkbar machte. Später im 
September und October hörten die Stösse ganz auf, und nur ein 

5* 



36 U. Sohle. [4] 

dumpfes Rollen ward bisweilen beobachtet, doch nirgends so gut wie 
gerade in Cittavecchia. 

Dass in Lesina-Ort nur die stärksten Stösse verspürt wurden und 
in Gelsa desgleichen, während die Orte östlich letzteren Ortes, also Pol- 
jica, Zastrasicze und Odjin nichts in dieser Hinsicht zu melden hatten, 
während das Erdbeben die ganze Zeit hindurch zu Verbanjo, Sfirze 
und Ivandolac umso stärker war, scheint mir zu beweisen, dass obiger 
Bruch — Querspalte — mit Verbindung über Dol nach Cittavecchia 
und höchst wahrscheinlich entlang der Südküste der Halbinsel Kabal 
in engster Beziehung zum Beben steht, da alles Gefasel hinsichtlich 
eines Ausbruches des Vesuvs und somit dessen Einwirkung auf dieses 
Beben sich später als irrig herausstellte Merkwürdigerweise ist zu 
Sinj um diese Zeit kein Beben gewesen, wohl aber schwach zu Spa- 
lato und stark zu Almissa, so dass vielleicht die Erdbebenlinie über 
Brazza, von wo stellenweise gleichfalls starkes Beben gemeldet ward, 
nach Almissa fortsetzt. Es wäre demnach das Beben ein rein 
tektonisches gewesen, vornehmlich, wenn man bedenkt, dass fast 
immer nach einem stärkeren Regengusse die Erdbebenerscheinungen 
eintraten, was sich wohl damit erklären lässt, dass der Mergel vor 
allem, der sich in Fugen und Spalten neben der Querspalte und 
in derselben befand, ausgewaschen wurde und damit die festeren 
Gesteinspartien ihres Haltes und ihrer Stütze beraubt, gegeneinander 
in Bewegung geriethen. Ueber die Ansichten des dortigen Volkes könnte 
man eigentlich zur Tagesordnung übergehen; die Leute wollten 
Flämmchen auf dem Meere spielen gesehen haben, elektrische Ent- 
ladungen seien vorgekommen - Dinge, die allerdings möglich wären, 
doch ziemlich unwahrscheinlich sind — Asphalt sollte sich in grösseren 
Partien auf dem Meere im Golf Maslinica bei Cittavecchia schwimmend 
gefunden haben, auch FLsche hätten todt in grosser Anzahl den See 
bedeckt. 

Ich möchte nun daxu übergehen die einzelnen Gesteinschichten, 
soweit sie was Neues bieten, sammt den zugehörigen Versteine- 
rungen dem Alter nach zu besprechen, indem ich mit dem unter- 
er e t a c i s c h e n S t i n k d o l o m i t e anfange und dann zu dem nächst 
jüngeren Rudistenkalke und Rudistendolomite übergehe. 

Der Stinkdolomit, ein dem Hauptdolomite Ober- 
bayerns nahestehender Dolomit von bituminösem Gerüche, wie das 
Wort schon sagt, führt gleich diesem keine Versteinerungen und 
zeichnet sich gegenüber dem weiter unten zu besprechenden Rudisten- 
kalke dadurch aus, dass alle aus ihm bestehenden Höhen und 
Berge mehr einen schroffen, eckigen Habitus gegenüber dem ge- 
rundeten dieses Gesteines besitzen, so dass es schon bei einiger 
Uebung leicht wird, selbst aus der Entfernung zu sagen, ob diese 
oder jene Anhöhe aus diesem oder jenem Gesteine besteht. Oefters 
hält es allerdings schwer zu sagen, welchem der beiden Horizonte 
eine Gebirgsscholle zuzurechnen sei, da selbst beim Rudistenkalke 
dolomitische Partien zwischen durch auftreten, die dem Stink- 
dolomite zum Verwechseln ähnlich sind. Selbst ein quellen-, 
resp. wasserführender Horizont ist der Stinkdolomit 
nicht, da ich nur an vereinzelten Stellen, so auf dem Fussteige von 



[5] Geognostisch-palaeontologische Beschreibung der Insel Lesina. 37 

Cittavecchia nach Grabje grande, denselben infolge Wasseraustrittes 
selbst bei grosser Trockenheit feucht gesehen habe. Dabei nimmt 
die Quelle bei Vrisnik eine Ausnahmestellung ein, wiewohl sie im 
S t i n k d 1 m i t e aufsetzt, da sie auf obiger Bruchspalte Verbagno — 
Sfirze— Ivandolac liegt, so dass es zweifellos ist, dass die hierzutage 
tretenden, wegen ihrer Reinheit und Oüte auf der gesammten Insel 
höchlichst gerühmten oder berühmten Wasser, welche sich in einer 
Cisterne, resp. Brunnen an Ort und Stelle sammein, aus dem geo- 
logisch und orographisch höher gelegenen Horizonte, dem des 
Rudisten kalke s, stammen, 

Wohl in den meisten Fällen steht der Stinkdolomit in 
engster Beziehung zum Rudiste n kalk, sei es, dass er diesen 
conform unterlagert, sei es, dass er infolge überkippter Verhältnisse 
über demselben zu liegen kommt. In den meisten Fällen kann man 
daher sagen, dass, wenn einmal der Rudisten kalk fortgeführt 
oder abgetragen ist, der Stinkdolomit unter ihm zum Vorschein 
kommt. Ja, dieses Abhängigkeitsverhältnis geht so weit, dass man 
von erhabenen Punkten, so von der Passhöhe Borovic - St. Domenica 
leicht die Beobachtung machen kann, wie blos lappenförmig der Kalk 
dem Dolomite auflagert, während in den Thälern und Schluchten 
als den tiefer gelegenen Partien der reine Stink dolomit ansteht. 
Das beste Beispiel für eben genannten Fall bietet der Mt. Bendezica, 
NNW des Mt. St. Nicolo, an dem die Kuppe aus Rudistenkalk, 
der Sockel aber aus S t i n k d o 1 o m i t besteht. Somit dürfen wir wohl 
annehmen, dass der Rudistenkalk, zu dessen Besprechung wir 
jetzt übergehen wollen, einstmals ^/e der Gesammtinsel bedeckt hat, 
und dass das, was wir heutzutage als Dolomit sehen, sein Z u- 
ta getreten einzig der Erosion verdankt. 

Der petro graphische Habitus des Rudisteukalkes und 
Rudis t endo lomites ist sattsam genug bekannt, um näher darauf 
einzugehen ; kam es doch vor allem bei der geognostisch-palaeonto- 
logischen Untersuchung des Eilandes darauf an, wenn möglich eine 
Gliederung in der sich im Grossen und Ganzen sehr ähnelnden 
Masse des Gesammtcomplexes dieses Kalkes auf Grund palaeonto- 
logischer Funde vorzunehmen. Die Ausbeute an Fossilien ißt 
leider trotz intensiven Suchens nach denselben verhältnismässig 
gering; dazu kommt, dass alle Versteinerungen, welche ich im 
Kalke gesammelt habe, mehr oder weniger stark lädirt sind, kein 
Wunder, wenn man die Grösse der Formen einerseits und die 
Splittrigkeit des sie umgebenden Gesteines andererseits bedenkt. Mit 
wenigen Ausnaliraen, so im äussersten Westen in der Nähe des Golfes 
Paria und im Norden von Cittavecchia bei Maslinovic, an welch 
letzterem Punkte Korallen neben R u d i s t e n f r a g m e n t e n vor- 
kommen, ist die gesammte Fauna des Rudisten horiz<jn t es 
auf die Südseite der Insel, speciell auf die Gegend zwischen 
St. Domenica und Ivandolac, beschränkt. 

Als Versteinerungen kommen in Betracht: 

tiippurltes infriraki Lama, vom Autor im „Bulletin de la So- 
ciete geologique de France 185^3, pag. 133, beschrieben und PI. 8, 
Fig. 8 abgebildet, stammt nach Lanza aus einem gramen Kreide- 



38 U. Sohle. [6] 

kalk der Umgebung von Zava: diese Hiypuritenspecies tritt gewöhn- 
lich in Gruppen von mehreren Individuen auf, welch letztere aber 
meistens so unter sich verkettet — entrelaces, wie Lanza schreibt 
— sind, dass man kein Exemplar vollständig iierausprapariren, 
resp. herauszieiien kann. Längsstreifen sollen nach Lanza mit 
Querstreifen oder Anwachsstreifen wechseln, doch sind erstere zweifels- 
ohne die bei den Hippuriten vom Oberrand der Unterschale zur 
Spitze verlaufenden Längsfurchen. 

Auch vom Mt. Prolog, der an der Grenze zwischen Dalmatien 
und Bosnien gelegen ist, führt Lanza diese Species als in einem 
mergeligen rothen Kalk vorkommend, an. Ich kann wohl sagen, dass 
Hippnrites intncnfa Lanza am häufigsten vertreten ist; so tritt 
er massenhaft in oben beschriebenem Zustande 10 m oberhalb Sanct 
Domenica resp. 40 m über dem Meeere auf, bei einer Horizontalent- 
fernung von oO m von letztgenanntem Orte, desgleichen an der 
Strasse etwas oberhalb der Marina zwischen St. Domenica im Westen 
und Jagodna im Osten, ferner circa 200 und 220 m oberhalb Jagodna, 
ausserdem auf dem Scoglio Goika, südwestlich von Lesina-Ort in 
geradezu erstaunlicher Menge ; leider sind hier die Fossilien so eng 
mit dem Nebengestein verwachsen, dass eine einigermassen erträg- 
liche Ausbeute unmöglich wird, doch macht es einen interessanien 
Eindruck, zu sehen, wie bei einer geringen verticalen Verbreitung, 
resp. bei einer geringen Mächtigkeit der einzelnen Hipp. Infricafa 
führenden Gesteinslagen die Horizontalerstreckung eine recht be- 
deutende ist insofern die einzelnen, dieses Fossil in sich schliessenden 
Zonen die Längserstreckung der Insel mitmachen. 

Ich habe wohl 15 bis 20 solcher Zonen jede von circa ^4 '^' 
Mächtigkeit und durch fossilleere Lagen von einander getrennt auf 
Goika gezählt. Auch die Ostinsel der Scogli Bazili oder Knoblauch- 
inseln, so benannt, weil das l'aio, slovenisch Luc, zu deutsch Knob- 
lauch, neben verschiedenen FettpÜanzen {;mntar) in grosser Menge 
vorkommt, weswegen die Inselgruppe im slavischen auch Lucosci 
gemannt wird, ist reich an Hi^ip. infricaftf, der sich gleichfalls in 
einzelnen Zonen, wie auf der Insel Goika anordnet, wobei man nur 
das in Rücksicht zu ziehen braucht, dass diese Ostinsel etwa 8 m 
über dem Meeresspiegel emporragt und in etwa fünf Minuten in seiner 
•Längsausdehnung zu durchwandern ist Die zweite oder Westinsel 
unter den Scogli Bazili ergab nichts, was die Mitnahme verlohnte, 
ebensowenig wie die gesammte Inselgruppe der Isole di spalmadori, 
auf welche ich unten bei Besprechung der Knochenbreccien zurück- 
kommen werde, und die Insel Torcola, welche ganz und gar aus 
Kudistenkalk besteht. Sofern die Annahme von Zittel richtig 
ist, dass Hipp, iritricata Lanza mit dem Hipp, comu-vaccinnm Bionn 
zu indentificiren wäre, was wohl noch der näheren Bestätigung bedarf, 
da typisch ausgebildete Hipp. cornu- raccinwn-¥ ormen total 
verschieden von typisch ausgebildeten Hipp. Intricatit- 
Formen aussehen, so hätten wir hier gemäss Zittel das P r o v e n c i e n, 
d. h. die Gosauschichten, d. i. oberes Turonien, resp. unteres Senonien 
vor uns ;• inzwischen hat aber Douville in seinen „ßtudes sur lös 
Rudistes" 1890, pag. 8, die Ansicht Zittel's hinsichtlich der Identi- 



r71 Geognostisch-palaeontologische Bescfireibung der Insel Lesina. 39 

ticirung des llifp. cornu-oaccinnm Bronti mit anderen Species, sowie 
dessen weite geograpliiscl)e Verbreitung sehr beschränkt und Hipp. 
coVnu-ccuxinuni, Bronn blos für Bruchstücke vom Untersberg bei 
Salzburg bestehen lassen. Ob Hipp. intrivaUi, Latiza mit Hipp, arbofca 
Lanza identisch ist, bedarf einer eingehenden Prüfung, da Lanza 
allein auf äussere Merkmale hin seine Species aufgestellt hat, was 
bei Hippuriten aber unzulänglich ist. Douville schreibt hin- 
sichtlich Hipp, ai-hoi-ea Lanza 1. c. pag. 30, er könne es nicht genau 
sagen, wo beide, auch intncata mit eingeschlossen, hingehören; betreffs 
des inneren Baues hätte Hipp, arhovea denselben Charakter wie 
Hipp, yosaoiensis Douo., welch' letzterer aus den untersten Lagen 
der Gosauschichten, also aus dem oberen Turon von Piesting, 
der Umgegend der Gosau, der Traunwand und dem NefgTaben bekannt 
ist, während er in Frankreich fehlt. 

Als zweite Species unter den bei St. Domenica gesammelten 
kommt liadioUtes sodalis D'Orb , in 45 m über dem Meere oberhalb 
St. Domenica gesammelt, in Betracht; er ist nach D'Orbigny im 
Turonien der Umgebungen von Angouleme, Dep. Charente , ge- 
sammelt und wird gleichfalls von Lanza 1. c. aus den Kreidekalken 
der Umgebung von Zara angeführt. Eine der in Colonien auftretenden 
Formen ist noch mit Deckel versehen. Zu dritt sind zwei Formen, 
welche aus einer Höhe von 400 m NW von St. Domenica in nächster 
Nähe von einander am Wege oberhalb der Grande spelunca Eremo 
St. Domenico anstehend angetroffen sind und zur Hippurifes ra- 
(liosu.^ /-»es/n. - S i p p e gehören, anzuführen. Leider sind beide vor- 
liegenden Exemplare nicht vollständig erhalten, besonders 
fehlt jeglicher Anhaltspunkt hinsichtlich des inneren Aufbaues, 
wiewohl bei dem einen der Deckel erhalten ist. Die D esmoul in'sche 
Species ist nach Douville 1. c. aus dem Dordonien, d. i. dem 
oberen Senon des südöstlichen Frankreichs, nach Grossouvre 
auch aus den Pyrenäen bekannt. Nicht unerwähnt soll bleiben das 
reichlichere Vorkommen von Turon - Radioliten im Valle Pokon- 
jidol. so von Lesina-Ort, wo sie am Abhang eines Hügels in den 
Weinbergen und in Gesteinen, welche sich in den dortigen Höhlungen 
vorfinden, massenhaft zu sammeln sind. Als Species sind aus diesem 
mit braunem Ueberzuge versehenen, gelblichen Kalke anzuführen: 

Radiolites irreyulaiis D'Orb. in zahlreichen Exemplaren. 

. „ quadrata D'Orb. gleichfalls zahlreich. 

„ radiosa D'Orb. tritt sehr oft auf. 

„ angulosa D'Orb. seltener. 

„ Fonsiana D'Orb. sehr zahlreich. 

Mit diesem gelblichen Kalke ist ein schneeweisser, 
kreide artiger Kalk, welcher die südlicheren aber höheren, d. h. 
topographisch höheren Gesteinslagen einnimmt, vergesellsc haftet. 
Seine Versteinerungen sind ausser unbestimmbaren Ostreen 
und Pedines folgende: 

Sphaerulites angeoides Lmk. oft ; derselbe ist nach Z i 1 1 e 1 der 
beständige Begleiter von Hippürites cornu-vaccinum und Hipp, orga- 



40 tJ. Sohle. [8] 

Ulsans, gehört also wahrscheinlich dem Santonien, d. i. dem mitt- 
leren Senonien an. 

Ostrea diluviana Linne, bekannt aus dem unteren Turon, tritt 
hier selten auf. 

Cnprotina cenomanensis D'Orh. h<äufig, ist aus dem Cenoman 
von le Mans bekannt. 

Caprotina laevlgata D'Orb., im Valle Pokonjidol seltener, ist eine 
untercenomane Form. 

Desgleichen Caprotina semlstnatu D'ürh. und Radiolites acuti- 
costata D'Orh. ; selten im Valle Pokonjidol, stammt letztere Spe':ies 
ursprünglich aus dem Turonien von le Beauset und Martigues. 
Darnach möchten diese weissen Kalke des Valle Pokonjidol, 
welche ich bisher an keiner zweiten Stelle der Insel wieder an- 
getroffen habe, älter sein als die vorhin besprochenen gelblichen 
Kalke, u. zw. dem Alter nach an die Grenze des Cenoman und 
Turon gestellt werden. 

Was sonst den Rudistenhorizont auf der Insel angeht, so 
ist eine Trennung zwischen der unteren, Ostreen führenden 
Abtheilung des bräunlichen bituminösen Kalkes, wie er typisch 
bei Vrata, südlich von Pitve, in 1 m Mä.chtigkeit und ferner unfern 
der Bucht von Prapatna an der marina zwischen Gelsa und dem Orte 
Prapatna entwickelt ist, und der oberen, aus w e i s s e m, g e 1 b 1 i c h e m 
Kalke bestehenden, Hippuriten führenden, leicht vorzunehmen. 
Hornsteinausscheidungen fehlen aber in der Regel diesem 
Horizonte, selbst die unteren Lagen sind davon frei. Ob auf der 
Südseite der Insel NW von St Domenica in noch höheren Lagen 
als die sind, in welchen Hippiirifes riuHosus Desm. oder eine dem 
ähnliche Species vorkommt, Hippuritf'S intricata Lanza nahestehende 
Formen vertreten sind, lässt sich bei dem schlechten Erhaltungszustand 
der Fossilien schwerlich sagen. In jedem Falle ist anzunehmen, dass 
diese schmalen, Versteinerungen bergenden Bänder nach Osten, süd- 
lich des Mt. Nahum und des Mt. Ohm, fortsetzen. Auch die mehr 
san dige Ausbildung scheint dem Rud isten kal ke nicht fremd zu 
sein; auf der Halbinsel Kabal lagert so eine schmale Zunge sandiger 
Gebilde zwischen Rudistenkalk, desgleichen sind solche Sande 
mit Ostreenresten westlich von Odjin, im Osten der Insel und 
auf der Insel Dobriotok, südlich von Isola St. demente, anzutreffen. 

Von Interesse für die stark erodirende Thätigkeit des Wassers 
im Rudis tenkalk e ist die grande spelunca Eremo St. Domenico 
und die etwa zwei Minuten weiter östlich von ihr gelegene piccola 
spelunca Eremo St. Domenico. Jene Höhle fasste seinerzeit ein ganzes 
Kloster in sich, das neben der schönen Aussicht auf das Meer noch 
den Vortheil hatte, dass es an einer verhältnismässig wasserreichen 
Stelle angelegt war, denn es ziehen durch die Firste der etwa 20 m 
hohen und vielleicht ebenso tiefen Höhle massenhaft Klüfte und 
Spalten, durch die das Wasser hindurchsickert und zu Boden fällt. 
Da diese Wasserzufuhr eine verhältnismässig schnelle und reichliche 
ist, so haben die Mönche eine Cisterne zum Auttangen des Wassers 
angelegt. Unter Napoleon I. wurde das Kloster aufgehoben und heut- 
zutage sprechen nur noch die traurigen Ueberbleibsel von der da- 



[9] Geogiiostisch-palaeontologißcho Heschreibiing der Insel Lesina. 41 

maligen Tracht. Bedeutend kleiner aber mehr gerundet und nicht 
so langgestreckt oval ist die piccola spelunca. Beide, speciell aber 
erstere, gelten heutzutage als Walfahrtsort. Eine ähnliche Höhle 
findet sich auf der Insel Dobriotok, wo kurz vor meiner Anwesenheit 
ein Einsturz infolge der Gesteinslockerung durch Erosion stattgehabt 
haben muss, da die Bäume vor dem Eingange in dieselbe infolge der 
herniedergegangenen Felsmassen vollkommen zur Seite geworfen 
waren. Auch sie zeigte in ihrem Innern zahlreiche Klüfte und Sprünge, 
auf denen Wasser circulirte. Eine Höhle eigener Art liegt oben auf 
dem Kamme zwischen Mt. St. Nicolo und Mt. Skarbina; bei einer 
Tiefe von sicher 20 m und einer Breite von 6 m steht sie gänzlich 
isolirt da; sie verjüngt sich stark nach unten und ist reichlich mit 
Pflanzenwuchs in ihrem Innern versehen; ohne Zweifel hat sie sich 
auch auf dem Wege der Erosion gebildet, wozu noch das kommt, 
dass die Kalke, welche sie zusammensetzen, stark zerklüftet sind und 
bald nach Nord, bald nach Süd, einfallen. Mit diesen Klüftungs- 
verhältnissen im Rudistenkalke hängen ja auch die Wasser- 
verhältnisse und somit die Wasserfrage zusammen, welch' 
letztere für keinen Ort wichtiger geworden ist als gerade für Lesina 
selbst. Wenn man bedenkt, dass Lesina auf der Grenze zwischen 
R u d i s t e n k a 1 k und dem jüngeren, tertiären N u m m u 1 i t e n m e r g e 1 
gelegen ist, so lag es bei der Wasserundurchlässigkeit des letzteren 
auf der Hand, dass bis auf sie niedergeteuft und in ihnen als Basis 
eine Cisterne angelegt werden musste. Leider ist das bisher nicht 
geschehen, da alle Versuche im Kreidekalk stecken geblieben sind; 
es wäre demnach rathsam, gemäss der überkippten Lagerung der 
Schichten, wie es Profil II auf Taf. III deutlich macht, östlich von 
Lesina-Ort und südlich des Forts St. Nicolo bei Lesina, möglichst 
nahe dem Muldenkerne, d. h. möglichst senkrecht über demselben 
ein Bohrloch anzusetzen und in die Mergel hinab abzuteufen, wo 
man sicher auf Wasser stossen würde ; allerdings ist die Gefahr vor- 
handen, dass dasselbe infolge der Nähe des Meeres ein wenig gesalzen 
wäre, was auch bei den beiden jetzigen schlecht functionirenden 
Cisternen nicht zu umgehen war. 

Wie anderswo, an der Karst- und dalmatinischen Küste, so konnte 
ieh auch hier zum öfteren die Beobachtung machen, dass, speciell 
zur Zeit des tieferen Wasserstandes, die Süsswasser dem Golfe von 
Cittavecchia durch den liudistenkalk hindurch zuströmten, dass somit 
gleichsam eine unterirdische Verbindung mit dem Meere statthatte; 
anders verhält es sich mit den Süsswasserquellen von St. Vincent 
bei Cittavecchia und der Quelle bei Gelsa auch nicht, hier nimmt 
das Wasser sicher seinen Ursprung aus den Kreidekalken der Valle 
Ptudina, dort oberhalb Gelsa im Valle Duboka, nur dass im letzteren 
Falle dasselbe i¥r/-reicher ist, infolgedessen einen frischeren und 
erquickenderen Geschmack hat. Sonderbar ist das Antreffen von 
Wasser hoch oben auf der Caserma, westlich von Lesina-Ort, in der 
Nähe des Smokovnik in einer Höhe von 144 ?w; stets, selbst bei 
grösserer Trockenheit, ist das Wasser in der dortigen Cisterne von 
angenehmer Kühle; ich kann es mir nicht anders erklären, als dass 
wir es hier mit Erscheinungen artesischer Brunnen, indem das 

.Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsauatalt, 1900. 50. Band, 1. Heft. (U. Sohle.) ß 



42 U. Sohle. [10] 

Wasser sich hier von den ringsumgebenden höheren Bergen sammelt 
zu thun haben. 

Im Anschlüsse an den R u d i s t e n k a 1 k möchte ich den geologisch 
allerdings älteren, doch mit dem Kalke stratigraphisch eng zusammen- 
hängenden Fischsc'hief er, wie er zwischen Cittavecchia und Ver- 
bosca entwickeltist, behandeln. Früher, zur Zeit Haue r's, wie auch, 
auf der Uebersichtskarte der österreichisch-ungarischen Monarchie 
zur Darstellung gebracht, war die Ansicht vertreten, dass die Schiefer, 
als dem lithographischen Schiefer Baierns, dem Solenhofener-Schiefer 
nicht blos stratigraphisch, sondern auch fauuistisch gleich, dem 
oberen Jura zuzurechnen wären i), eine Anschauung, die sich auch 
mir regelmässig bei einem Besuche der zahlreichen über die Ebene 
von Cittavecchia verbreiteten Höhlen oder Cave, welche zum Theile 
schon halb eingestürzt, zum Theile noch in Betrieb sind, aufdrängte, 
insbesondere, wenn man bedenkt, dass die beiden Saurierfunde, auf 
welche gleich zu kommen sein wird, sowie die Eeste einer Libellen- 
Art eher auf eine Litoralfauna, gleich der von Solenhofen, hin- 
weisen. Leider sind die beiden mir aus einer der Cave, die nörd- 
lich vom Mt. Hum bei Verbosca und zugleich westlich vom Golf 
Maslinica gelegen ist, zugestellten Stücke mit den Neuropteren-Resten 
auf dem Transporte zerbrochen, doch ist das Geäder der Flügel noch 
deutlich zu erkennen. Auch einen schlecht erhaltenen Belemniten, 
sowie Zähne von Fischen lieferte die eben erwähnte Höhle. Seit etwa 
200 Jahren werden hier, in der Rudine di Verbagno, wie es allgemein 
genannt wird, — Rudein-Cava nebenbei bemerkt — die Schiefer, 
welche sich zum Dachdecken der Häuser ausgezeichnet eignen, ge- 
wonnen und in der Umgegend verwendet. Schwierig ist allerdings zu 
sagen, wo der F i s c h s c h i e f e r aufhört und wo der R u d i s t e n- 
kalk, welcher sicherlich der nächst höhere Horizont ist und (ver- 
gleiche das Terrain westlich der Valle Maslinica) jenen unter- und 
überlagert, anfängt, da der Kalk in der Nähe des Schiefers gleich- 
falls gut geschiefert ist. Was die Fischfauna angeht, so möchte ich 
zu dem Zwecke auf die Arbeit von Fr. Bassani „Descrizione 
dei P esci fossili di Lesina", Denksehr. d. kais. Akad. d. 
Wissens eh. Wien, Bd. 45, 1882, in der der Autor alle bis dahin 
bekannten Fische aus diesem Horizonte beschreibt, verweisen. Autor 
kommt zu dem Schlüsse, dass vornehmlich mit Comen in Istrien eine 
nahe Verwandtschaft hinsichtlich der Fauna existirt, und dass die 
Fauna von Comen, Lesina, sowie von Hakel, Tolfa, Crespano und 
Groditsch gleichaltrig sein müsse und ins Aptien, d. h. in den 
Gault zu stellen wäre. Die Formen gehören nach Bassani zu den 
Ganoiden, und zwar zu den Familien der Lepidostei und der 
Pycnodonten, sowie zu den Teleostiern mit den Familien der 
Scopeliden und der Clupeiden und zwar den Gattungen Leptolepls 
und Thrissops. Elf Jahre früher, im Jahre 1871, beschrieb Korn- 
hub e r in den Verhandlungen der k. k. ge o 1. II e i c h s a n s t a 1 1 



^) Vergl. über die Richtif^stoilliing dieser älteren Ansiclit das einsclilägige 
Kapitel in G. Stach e's Uobersiclit der geologischen Verhältnisse der Küsten- 
länder von Oesterreich-Ungarn". Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., Band XIII, pag. 34, 
Wien 1889. 



[111 Geognostisch-palaeontologische Beschreibung der Insel Lesina. 43 

einen neuen fossilen Saurier aus Lesina, der in den Jahren 1869/70 
zu Planirat bei Verbosca in den dortigen Steinbrüchen gefunden ward. 
Kornliuber scliilderte in der Einleitung zu jener Mittheilung das 
Gestein in trett'ender Weise als einen lichten, schwach gelb- 
lich-grauen, kryptokrystallinischen Kalk, der in 
sehr dünnen Platten von nur 1 bis 3 cm Dicke geschichtet ist und 
auf den Fugen dünne Lagen rothen Eisenoxyds zeigt. Diese dünnen 
Platten sind, so schreibt Autor weiter, ziemlich ebenflächig oder doch 
nur an einzelnen Stellen schwach wellenförmig gebogen, daher auch 
im Querbruch die röthlichen Linien des Eisenoxydes einen wenig 
gewundenen, gleichnicässigen Verlauf zeigen. Kornhuber stellt den 
Fund in das Genus Hyclrosaurus Wagler und benennt ihn auf Grund 
der relativ sehr kurzen Gliedraassen bei der mächtigen Ausbildung 
des Humpfes und Schwanzes eine neue Art aufstellend, Hifdrosaurus 
Lesincnsis. Vor verhältnismässig kurzer Zeit — August 1899 — ist 
nun ein zweiter Saurier, und zwar in der dem Marino Vidos gehörigen, 
NW von Mt. Hum bei Verbosca gelegenen Grube aufgefunden worden. 
Dieses zweite Exemplar ist noch besser erhalten als das erste ; Kopf, 
Rumpf und Schwanz sammt den zugehörigen Extremitäten sind uns 
überkommen, nur dass der Kopf vom Ptumpf abgetrennt ist und das 
Thier sich beim Todeskampfe offenbar eingerollt hat. Dieses zweite 
Exemplar eines Sauriers, über welches Herr Professor Kornhuber 
eingehendere Untersuchungen in Aussicht gestellt hat, hat eine Länge 
von 1 m und 40 cm bei einer Plattendicke von 10 mm. Die Grube, 
in der diese Echse sich vorfand, befindet sich l'^j^hn vom Mt. Hum 
entfernt, ist circa 10 w hoch und lang und 6 tn breit. Das Einfallen 
der Schichten beträgt hier 20 — 30° nach Nord. 

Gleichfalls dem oberen Niveau der unteren Kreide sind die 
pflanzenführenden Mergel von Lesina, welche im Jahre 1895 durch 
v. Kerne r einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurden, 
sind, zuzurechnen. Nach v. Kern er setzt sich die Flora dieser 
Mergel, welche um den Golf von Paria, im Westen der Insel 
auftreten und von da aus nach dem Valle Duga ostwärts ziehen, 
worauf sie bald, noch weiter ostwärts, ins Meer untertauchen, aus 
Arten zusammen, welche theils der mittleren Kreide angehören, 
theils aus der unteren Kreide in die mittlere hinaufreichen, 
theils auf ältere als mittelcretacische Schichten beschränkt 
sind. In Bezug auf die Menge der vorliegenden Fossilexemplare, so 
schreibt Autor, übertrifft die Cunninghamia elegcms alle übrigen Arten 
sehr beträchtlich, und so hjjibe auch ich trotz längeren Sucliens an Ort 
und Stelle, wo gleich wie in den Fische führenden Höhlen des Rudine 
di Verbagno bei dem früheren Ausbeutesystem nichts für die Nach- 
folge übrig geblieben ist, nur elende Reste der Conifere Cunninghamia 
gefunden, v. Kerner schildert im Eingang seiner Arbeit, die in dem 
Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsan stalt 1895, Bd. 45, 
Heft 1, erschienen ist, das die Flora einschliessende Gestein als 
einen dickplattigen Merge Is chiefer von schmutzig-gelblich- 
weisser Farbe, von dem man annehmen sollte, dass er scharf gegen 
den ihn im Süden begrenzenden weissen Rudistenkalk abstechen 
würde. Das ist nun nicht der Fall , vielmehr ist ein allmähliger 

6* 



44 U. Sohle. [12] 

Uebergang des einen Horizontes in den anderen zu constatiren. 
Andererseits liegt der p f 1 a n z e n f ü li r e n d e Mergel vollkommen 
c n c r d a n t a ii f d e m R u d i s t e n k a 1 k e, so dass bei einem völligen 
Fehlen eines ausgewalzten Mittelschenkels und bei der wiederum 
weiter nordwärts c o n c o r d a n t e n Auflagerung der unteren, 
s t r e e n führenden Abtheilung der oberen Kreide auf dem 
Mergel eine Verwerfung zwischen der unteren Kreide und der 
sie unterlagernden oberen Kreide anzunehmen ist. Dem Ostreen- 
Horizonte lagert seinerseits der eigentliche Rudistenhorizont auf. 

lieber die Eo cäns chichten auf der Südseite der Insel, 
zwischen Madonna della Salute und dem Valle Milna, als da sind 
Cosinaschichten, Nummulitenkalk und Nummuliten- 
mergel, ist nichts besonderes mitzutheilen, höchstens das, dass die 
Nummulitenkalke unmittelbar östlich von Lesina mit Nummuliten 
in Längs- und Querschnitten wie vollgespickt sind; auch die Mergel 
führen an der Bucht von Milna reichlich Nummuliten. Die Eocän- 
s chichten gehören oft — siehe Profile I und II — einer liegenden 
Mulde an; dieselbe taucht bei Milna ins Meer, um östlich bei Zarac 
wieder zum Vorschein zu kommen. Noch weiter östlich treten nur 
vereinzelt noch Cosinaschichten auf, die Kalke und Mergel 
fehlen. Grossartig schön ist die Ueberkippung der Schichten, 
die liegende Mulde und der überkippte Sattel bei Madonna della 
Salute zu beobachten, wobei die Verhältnisse die gleichen, wie östlich 
von Lesina-Ort sind. Gleich wie im Osten, so tauciien die Eocän- 
s chichten auch im Westen in's Meer, dafür treten die mehr oder 
weniger schroffen Kreidekalkfelsen des Porto Palermo und der 
Gegend zwischen St. Domenica und Jagodna direet an das Meer. 
Die Nordseite ist gänzlich frei von Eoc an schichten. 

Sicherlich ein Z e r s e t z u n g s p r o d u c t sind die Sande, die in 
der Hauptsache zwischen Cittavecchia und Verbosca lagern, ein zweiter 
kleinerer Complex ist mit Unterbrechung durch Rudistenkalk und 
Stinkdolomit zwischen Sfirze und Gelsa ausgeschieden, es sind kalkige, 
sandige, dem Löss ähnliche Partien, vielleicht des gleichen Alters 
wie dieser, doch ohne Versteinerungen nur mit Einschlüssen ähnlich 
den Lösskindln und reichlichem Glimmer; die Sande sind typisch 
bei Pitve und bei Cittavecchia, an welch' letzterem Punkte sie die 
spelunca Sabione (Sandhöhle) bilden, entwickelt. Schichtung fehlt, 
umso reichlicher sind zwischen den Sauden Stinkdolomitstücke 
ausgeschieden, so dass das Ganze mehr den Eindruck einer Breccie 
macht und die Vermuthung nahe liegt, aus diesem Dolomite die 
Sande abzuleiten. Diese sind geschätzt und werden als Streusand 
in der Gegend von Cittavecchia und bei Bogomolje, im Osten der 
Insel, gewonnen. Doch erfordert ihre Gewinnung Vorsicht, da sie 
leicht gewinnbar, sehr mürbe und nachgiebig sind, ein Umstand, dessen 
Ausserachtlassen schon öfters Menschenleben in den Sandhöhlen ge- 
fordert hat. 

Zum Schlüsse seien noch einige Worte über die Terra rossa 
und die Breccien der Rudistenkalk e, wie letztere an der 
Südküste der Insel bis zu einer Höhe von 50 w über dem Meere 
anstehen, gesagt. Die Terra rossa ist ein eisenschüssiger, in der 



[131 Geognostisch-palaeontologische Beschreibung der Insel Lesina. 45 

Regel intensiv rother Lehm, der sich in den Höhlungen und auf den 
Spalten und Klüften des Rudistenkalkes findet und stellenweise 
reichlich Knochenreste von Pflanzenfressern, so auf den 
Inseln Goika und Borovac, führt. Die meisten der hieher gehörigen 
Versteinerungsreste gehören zur Gattung Cerous und sind neogene 
Formen. Da dieselben mit anderen Resten aber auch auf der Insel 
Lesina, so in der spelunca di Gradac bei Humazzo, in grösserer 
Anzahl aufzulesen sind, so ist es zweifellos, dass gegen Ende des 
Tertiär noch die Insel Lesina mit den isole di spalmadori und 
dem Festlande von heute zusammengehangen hat, da auch von hier 
solche Vorkommnisse vorliegen. Erst zur Pleistocänzeit trat die 
Trennung der einzelnen Inselgruppen vom Festlande nach dem in- 
zwischen erfolgten Einbrüche der Adria ein. Dass, nebenbei bemerkt, 
auch die einzelnen Inseln der Spalmadori miteinander zusammen- 
gehangen haben, beweisen am besten die Erosionserscheinungen an 
der Hauptinsel St. demente, die merkmürdig buchtenartige Ausbildung 
der Insel Marinkovac, sowie die Möglichkeit des Verfolgens des 
Rudistenkalkes der Insel Stambedar unter dem Meere, wenigstens 
nach dem Scoglio Plocica hin. Stambedar ist ausserdem noch dadurch 
interessant, dass der Kappernstrauch, sowie Salbei hier in grossen 
Mengen wild wachsend auftritt, während sie den umliegenden Inseln 
fehlen. Auch der steile Südabsturz dieses Eilandes in einer Höhe von 
circa 100 m bei einer allmäligen Nordabdachung gegen das Meer hin, 
spricht für einen Einbruch früherer Eilandsmassen in die See. Ebenso 
interessant , wie das soeben erwähnte vereinzelte Vorkommen des 
Kappernstrauches auf Stambedar, ist das völlige Fehlen der Gift- 
schlangen, vor allem der Vipera berlui^, auf den isole di spalmadori, 
während Lesina reichlich damit gesegnet ist. Im letzeren Falle wird 
wohl darin die Erklärung zu suclien sein, dass die Insel Lesina schon 
von den umliegenden Inseln abgetrennt war, als die giftigen Schlangen 
dort aufkamen, in jenem Falle muss aber an eine Uebertragung des 
Pflanzensamens gedacht werden. 

Dass die Terra rossa wegen ihrer lehmigen Beschaffenheit 
dem Landwirte einen trefflichen Boden liefert, ist klar ; gedeiht doch 
auch der Weinstock nirgendswo auf Lesina so gut wie auf der rothen 
Erde und auf dem N u m m u 1 i t e n m e r g e 1. Nicht vergessen möchte 
ich zu erwähnen, dass in der terra rossa unmittelbar SO von Lesina- 
Ort eckige Knollen in einer Tiefe von circa 1 m im Erdboden ver- 
steckt lagen und beim Durchpflügen desselben zum Vorschein kamen. 
Oberflächlich sind sie mit terra rossa überzogen, sie selbst bestehen 
aber nach der gütigen Untersuchung des Herrn Adjuncten F. Eich- 
leiter aus Manganeisen, Thonerde und Kieselsäure. Wie dieselben 
hieher gekommen sind, ist mir bis heute nicht klar, da ein Anstehen 
von manganartigen Erzen auf Lesina bisher nicht nachzuweisen war, 
vielleicht dass sie a\is der Gegend von Spalato aus den triadischen 
Schichten zur Zeit der Terra rosssa- Bildung durch die Wasser 
mitgeführt und hier abgesetzt sind. 

Betreifs der Breccien und Gong lomerate des Rudisten- 
kalkes verweise ich auf die Abhandlung von Oberberg rath 
Tietze im Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt 1873 : 



46 U. Sohle. [14] 

„Geologische Darstellung der Gegend zwischen Karl- 
stadt in C r a t i e n und dem nördlichen T h e i 1 e des C a- 
nales der Morlacca", wo der Autor für die Conglomerate 
und Breccien Croatiens anführt, dass sie grösstentheils den Kalken 
und Dolomiten der Kreide und Trias entnommen sind. Da die 
Trias auf Lesina n i c h t in Frage kommt, so bleiben nur die Kreide- 
kalke und speciell die Rudi sten kalke, deren einzelne Bruch- 
stücke durch eisenschüssigen Lehm mit einander verbunden sind, 
übrig, um die Erklärung für Obiges zu liefern. Gleicli wie an der 
croatischen Küste stehen die Conglomerate und Brecien an 
minder steilen Stellen der Meeresküste zwischen St. Domenica im 
Westen und Radonic im Osten an. Auch ist es nicht ausgeschlossen, 
dass sie unter dem Meeresspiegel in grosser Ausdehnung und Mäch- 
tigkeit hinziehen. An den eben genannten Punkten erreichen sie eine 
Höhe von circa 50 m über dem Meere und fallen selbst mehr oder 
weniger schroff ins Meer ab. Oberbergrath Tietze stellt die 
analogen Bildungen Croatiens ins Jungtertiär und Diluvium. 

Offenbar das wichtigste von allem, was durch die neuere Unter- 
suchung auf Lesina constatirt werden konnte, ist, dass wir es gleich wie 
auf Bua, Solta und Brazza mit Ueberkippungen, die je weiter südlich, 
umso schwächer entwickelt sind, zu thun haben, im Gegensatz zu den 
durch V. Kern er zwischen Spalato und Sebenico nachgewiesenen 
Ueberschiebungen, welche aber auch ihrerseits südöstlich von Spalato 
nach Makarska zu in Ueberkippungen überzugehen scheinen. 



U. Sohle: Geognostisch-palaeontologische Beschreibung der Insel Lesina. 



Tafel III. 



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S/.MntoTiio 'f \ J^or^SJ/icoIo 




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0/oa2ja^'iea. 



b. Pll'avske ßlaze 



b. (felsa. 




1 . Untercretaceischer Fischschiefer (Aptien). 

2, Unter- bis mittelcretaceischer Pflanzen führender Mergel 
3 Untercretaceischer Stinkdolomit. 

4. Obercretaceischer Rudlstenkalk und Rudistendolomit 

5. Untereocäne Cosinaschichten. 

6. Mitteleocäner Nummulitenkalk. 

()ö. Mitteleocäner Echiniden- und Anthozoenkalk. 

7. IWitteleocäner Nummulitenmergel. 

8. Oberpleistocäne bis diluviale Sande. 

9. Terra rossa (unterpleistocän bis diluvial). 

10. Breccien und Conglomerate der Rudistenkalke. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt. Band L 1900. 

Verlag der k. k. Geulogischen Keichsanslalt, Wien. 111. R.isumoflskyR is.se 2:^. 



Fossilreste aus dem sUdmährischen Braun- 
kohlenbecken bei Gaya. 

Von A. Hofnuinii. 

Mit 2 Lichtdruck-Tafeln (Nr. IV und V). 

Aus der östlich von Gaya gelegenen, Lignit führenden Süss- 
wasserablagerung wurden mir einige Fossilien vom Betriebsleiter 
des Fürst S a 1 m'schen Braunkohlenbergbaues , Herrn Bergingenieur 
R. Riedel, zur Bestimmung übersendet, die theils schlecht erhaltene 
Pflanzenreste, zum Theil gut bestimmbare Saugethierreste vorstellen. 

Die letzteren sind insbesondere von Bedeutung, da wir bis nun 
aus diesen Ablagerungen keine Säugethiere kennen, weshalb sie einen 
willkommenen Beitrag zur zoogeographischen Verbreitung während der 
jungtertiären Epoche liefern. 

Da mir leider von Seite des genannten Herrn keine näheren 
Mittheilungen weder über die geologischen Verhältnisse, noch auch 
über die Lagerungsverhältnisse des Koblenflötzes selbst zutheil wurden, 
so verweise ich auf die Uhlig'schei) geologische Schilderung dieser 
Gegend, welche Schilderung ich nur durch die Angabe der Mächtig- 
keit des Koblenflötzes bei Gaya ergänzen kann. 

Nach Riedel wurde die Kohle in den neuen Schächten in 
einer Teufe von 37 m angefahren, und misst die 

Oberbank . . . 2640 mm 
Mittelbank . . . 1000 mm 
Sohlbank .... 640 mm. 

Im Ganzen liegen mir aus der Kohle 

Steneoßber {Clialicomijs) m/nutus H. v. Meijer 

dann ein schlecht erhaltener P/mt.s-Zapfen und ein Lignitstück mit 
Früchten vor; weitere Reste wurden mir als aus dem „Hangendsand" 
des Flötzes herrührend, übermittelt; diese sind durch Limonit gelb 
gefärbt, sehr fest und bestehen aus einem Prämolar von Acerafherium 
indsiüum, ferner aus nicht näher bestimmbaren Knochenfragmenten 



^) Dr. V. Uhlig: Bemerkungen zum Kartenblatte Lundenburg — Göding. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., 1892, pag. Uü. 

Jahrbuch d. k. k. geol. lleichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Uef^. (A. Hofmann.) 



48 A. Hofmann. [2] 

eines Cerviden, und zwar dem unteren Ende eines Humerus und 
einem Phalanx, und schliesslich aus einem Rippenfragmente von 
Ualitherlum np. 

Reste aus der Kohle selbst: 



Steneofiber (Chalicomys) minutiis H. v. Meyer. 

Tafel IV, Fig. 1—3. 

In einem brüchigen, lederbraunen Lignit waren zwei Iiicisive, 
von den Backenzähnen der Prämolar, ferner der erste und zweite 
Molar eingebettet (s. Taf. IV, Fig. 1). 

Die Backenzähne sassen noch im rechtseitigen Unterkieferaste, 
der leider schon stark zerklüftet war und zum grossen Theile sich 
nicht mehr retten liess; auch die Nagezähne waren durch den Ver- 
lust der Grubenfeuchtigkeit so mürbe geworden, dass selbst durch 
die sorgfältigste Präparation nur mehr Fragmente gerettet werden 
konnten. 

Nach Erhalt der Sendung wurde dieses Stück vor der Präpa- 
ration photographirt, so dass die natürliche Lage und der Erhaltungs- 
zustand der Reste durch Figur 1, Tafel IV, wiedergegeben werden 
konnte. 

Die Form und die Grössenverhältnisse der Molare (Taf. IV, 
Fig. 1 — 3) wie auch der Verlauf der Schmelzfalten an den unbe- 
deutend abgenützten Kauflächen (Taf. IV, Fig. 2 und 3) unterscheiden 
sich nicht von jenen gleichartiger Reste anderer Fundpunkte, nur der 
Prämolar ist bedeutend stärker als alle mir zum Vergleiche dienenden 
Zähne von Göriach und auch anderen Orten. 



Piuus sp. 

Tafel V, Fig. 2. 

Im Hugoschachte I wurde in dem das Kohlenflötz überlagern- 
den grauen Sande der hier abgebildete Zapfen vorgefunden ; dieser 
ist stark abgerieben, abgerollt und gleicht in der Grösse etwa dem 
Pinus (Pinrnter) aequimontana (Uwj.) von Gleichenberg (Unger, Cldoris 
protoyaeM Taf. XX, Fig. 4). 

Die Samen sind zum grössten Theile ausgefallen und lässt sich 
eine Art-Bestimmung nach diesem Funde einstweilen nicht vornehmen. 



Carpites Kaltemwrdheme.nsis Zenk. sp. 

Zwei Lignitstücke sind mit fossilen Früchten ganz übersäet; 
diese zeigen theils die äussere Hülle, theils die halbirte Testa von 
innen oder auch noch den Samen enthaltend. 

Diese Fossilien lassen sich sehr gut in Einklang bringen mit 
Zenker's FoUiculües KaUennordJiemcmis (Neues Jahrb. für Minera- 



[3] Fossilreste aus dem südmährisclien Braunkohlenbecken l)ei Gaya. 49 

logie etc. 1833) und mit jenen Heer's Flora tertiana helvetiae, Tafel 
141, Fig. 68 und 69. 

Reste aus dem „Hangendsande" des Flötzes: 



Aceratherium incisivum Kaup. 

Tafel V, Fig. 1. 

Nach Riedel wird stellenweise die Kohle direct vom „scharfen 
Sand" überlagert, in welchem der vorliegende Zahn vorgefunden wurde. 

Derselbe stammt aus dem rechtseitigen Unterkieferaste, und 
zwar ist derselbe als der dritte Prämolar anzusehen, der, weil eine 
stark abgenützte Kaufläche zeigend, von einem völlig erwachsenen 
Individuum herrührt. 

Die Form dieses Zahnes entspricht vollkommen dem gleich- 
artigen Zahne von Göriach (Autor, Die Fauna von Göriach, Taf. X, 
Fig. 6) und sind selbst die Basalwülste hier vorzufinden wie beim 
Erwähnten. 

Die Grössenverhältnisse stimmen, wie aus der nachfolgenden 
Zusammenstellung erhellt, gut überein: 

von Gaya von Göriacli von Sansan 

Pmg Länge . . . 032 0-031 0029 m 

„ Breite (vorne) . 0-022 0-022 0023 m 

(hinten). 0-023 0-024 0023 m 

Ausser dem hier abgebildeten Zahne sollen, nach freundlicher 
Mittheilung des Herrn Prof. A. Makowsky, in der Sammlung der 
k. k. technischen Hochschule in Brunn „einige kaum bestimmbare 
Zähne eines Aceratherium (?) aus der Braunkohle von Gaya" aufbe- 
wahrt werden. 



Jahrbuch der k. k. geol. Reichaanstalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (A. Uofmaiin.) 



50 A. Hofmann. [4] 



Erklärung zu Tafel IV. 

Fig. 1. Steneofiber [Chalicomys) minutus H. v. Meyer. Beide Incisive des Unter- 
kiefers, der Prämolar, dann der erste und zweite Molar des recht- 
seitigen Unterkieferastes. 

Fig. 2. Desgleichen. Pin, w, und ni^ von der Kaufläche aus, in natiirl. Grösse. 
Fig. 3. Desgleichen in zweifacher Vergrösserung. 



Erklärung zu Tafel V. 

Fig. 1. Aceratherium incisivum Kaup. Pm^ des rechtseitigen Unterkieferastes von 

aussen, innen und oben in natiirl. Grösse. 
Fig. 2. Piniis sp. in natiirl. Grösse. 



A. Hofmann : Fossilreste aus Gaya. 



Tafel IV. 




«1 



pm 



1^ 



pni ra, in., 

1 : 1 




1 :2 



Autor photograph. Lichtdruck von Max Jaffe, Wien. 

Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band L 1900. 
Verlag der k. k. g-eologiscben Reichsaiistalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



A. Hofmann : Fossilreste aus Gaya. 



Tafel V 



la 






Autor photograph, Lichtdruck von Max Jaffe, Wien 

Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band L 1900. 

Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., RasumoHskygasse 23. 



Die Grenze zwischen der Flyschzone und den 
Kalkalpen bei Wien. 

Von A. Bittiier. 

Soeben ist unter dem Titel „Der Giesshübler Sandstein and 
die Flyschgrenze bei Wien" in den Sitzgsber. d. k. Akad. d. Wiss., 
math.-nat. Gl., Bd. CVIII, Abth. I, Oct. 1^>99, eine Arbeit von Th. 
Fuchs erschienen, die aus einer vereinzelten Beobachtung Folgerungen 
von — wie der Autor selbst glaubt — grosser principieller Bedeutung 
abzuleiten sucht. 

Wie vielen Fachgenossen noch in Erinnerung sein wird, hat 
Th. Fuchs schon früher einmal in bemerkenswerter Weise in die 
Flysch-Literatur eingegriffen. Im Jahre 1877 nämlicli veröffentlichte 
derselbe im LXXV. Bande der Sitzgsber. d. kais. Akad. d. Wlss. 
eine Abhandlung, in welcher er (S. 2) den gesammten Flysch 
für das Product eruptiver Vorgänge erklärt, deren bei- 
läufiges Analogon in der Jetztzeit die sogenannten 
Schlammvulkane darstellen, und es u. a. als ein Factum 
von geradezu maassgebender Bedeutung hervorhebt (S. 18, 19), dass 
man allenthalben in den Nordalpen in unmittelbarer Nähe des Flysches 
etwas weiter gebirgseinwärts „Kreide- und Eocänbildungen jeglichen 
Alters" in vollkommen normaler Ausbildung und mit grossem 
Fossilreichthum antreffe, ohne dass man irgendwo Uebe r- 
gänge oder Zwischenformen zwischen diesen beiden 
Arten des Auftretens bemerken könne. 

In unseren Verhandl. 1878, Nr. 7, S. 135 ff. wird diese Idee 
von der eruptiven Natur des Flysches von Fuchs noch weiter aus- 
geführt und betont, dass er den ganz bestimmten und con- 
creten Nachweis liefern zu können glaube, dass wir im Flysch 
thatsächlich gar nichts anderes als ein System von 
eruptiven Effusivdecken einer wirklichen und wahr- 
haftigen „Kothlava" vor uns haben, da in der That die Spuren 
des „Geflossenseins" an den Flyschbänken so allgemein ver- 
breitet, so augenscheinlich, ja sozusagen handgreif- 
lich seien, dass sich gewiss niemand bei unbefangener Betrachtung 
des Gegenstandes der zwingenden Gewalt dieser That- 
sachen wird entziehen können. Fuchs verspricht hier auch 
(S. 136) eine grössere, von mehreren Tafeln begleitete Abhandlung 
„Ueber die Fluidalstructur des Flysches" zu liefern, in welcher er 
seine Behauptung, dass die scheinbare Schichtung des Flysches nicht 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reich sanstalt, 1900 50 Kand, l lieft (A. Bittner.) ^* 



54 A. Bittner. [4J 

Altenmarkt ist die obere oder alpine Gosaukreide genau in derselben 
Weise transgredirend und von Conglomeratbildungen begleitet tief 
eingedrungen, wie weiter im Süden in die grosse Aufbruchslinie von 
Buchberg— Admont. Die Analogie ist in jeder Hinsicht eine voll- 
ständige bis auf das mehr tlyschartige Aussehen der Gesteine des 
nördlichen Zuges und die offenbar damit im Zusammenhang stehende 
geringere Petrefactenführung derselben. 

Hat die Aufbruchlinie von Brühl- -Altenmarkt von Enzersdorf 
a. G. bis zum Triestingthale einen südwestlichen Verlauf, so ändert sich 
diese Richtung von da bis Ramsau bei Hainfeld in eine rein westliche, 
während sie von Ramsau an wieder in südwestlicher Richtung tiefer 
in die Kalkalpen eindringt und dementsprechend einen rasch sich 
verbreiternden Abschnitt derselben nach aussen abtrennt. In ihrem 
ganzen Verlaufe, auch weiter ins Gebirge hinein, ist diese Tiefen-, 
resp. Aufbruchslinie von Gosauablagerungen begleitet, die speciell 
wieder südöstlich bei Lilienfeld zum Theile tiyschartig entwickelt sind. 

Schon unmittelbar westlich von Hainfeld, im Gebiete von St. Veit 
a. d. Traisen, erweitert sich der äussere Kalkalpenzug auf eine Breite 
von 7 hm in der Luftlinie und mehr, und setzt sich in com- 
plicirter Weise aus einer ganzen Anzahl von Einzelzügen zusammen, 
deren exacte oro graphische, tek tonische und s t r a t i- 
graphische Fortsetzung nach Osten eben jener, stellenweise 
wirklich überaus reducirte äusserste Kalkalpenzug ist, welcher sich 
von Hainfeld bis Kalksburg — Rodaun als Aussenzone der Kalkalpen 
hinzieht und welcher trotz seiner geringen Breite und Erhebung 
fast allenthalben sich noch als aus zwei in gleichem Sinne gebauten 
Einzelzügen bestehend erweist. 

Bei Altenniarkt a. d. Tr. gabelt sich bekanntlich die Aufschluss- 
linie des Werfener Schiefers und sendet einen Seitenast, die so- 
genannte P'urther Aufschlussliiiie, nach SW ins Gebirge, bis in die 
Gegend von Gutensteiii, hinein. Auch in diesen Auf brudi dringt die 
Gosaukreide in mächtigen Massen und ist auch hier noch, so bei 
Ebersbach — Aggsbach, theilweise in Gestalt flyschähnlicher Sandsteine 
und Mergel vertreten. Der in die Gabelung sich vorschiebende Kalk- 
sporn des Hochecks ist sowohl im Norden von Gosauablagerungen 
begrenzt, als auch im Süden und Südosten bis hoch hinauf von den- 
selben übermantelt und trotzdem wird es niemand einfallen, ihn für 
eine Klippe in der Kreide zu erklären. Die geringere Höhe und 
Breite, sowie die beträchtlichere Längserstrecknng des nördlichsten 
Kalkalpenzuges können keinen Grund abgeben, denselben für einen 
Klippenzug zu halten, selbst wenn man seinen Anschluss im Westen 
nicht kennt. 

Es ist wichtig, zu wissen, dass die Hauptmasse der flyschartigen 
Gosaubildungen dieses Zuges mit den Flyschbildungen der benach- 
barten Fiyschzone durchaus nicht in directem Zusammenhange steht \). 
Die eigentliche Flysehgrenze unserer Karten, die natürliche Flysch- 

*) Man wolle hier sowie für die übrigen topographischen Angaben die 
kürzlich von C. M. Paul veiöftentliclite Uebersi c h tslcar te des W^iener- 
waldes (Jahrb. d. k. k. geol. H.A. 1^9^, Taf. II) verghiichen. 



r51 I)ie (irenze zwischen der Flysch/one und den Kalkalpen bei Wien. 55 

grenze, wie sie heute existirt, ist nämlich für die meisten Stellen 
nachweisbar eine Längsstörung, oft sogar eine Ueberschiebung, und 
es ist seit lange bekannt, dass der Flysch an vielen Orten noch 
ganz nahe der Kalkgrenze unter den Kalk einfällt, wodurch seiner- 
zeit die Ansicht hervorgerufen wurde, der gesammte Flysch sei älter 
als das Kalkgebirge (vergl. „Hernstein", S. 227). In dieser That- 
sache liegt auch die einfache Erklärung für das P'ehlen der von 
Fuchs an der Flyschgrenze vermissten Conglomerate des Flysches. 
Diese Grenze ist eben keine Anlagerungsgrenze oder Küsten- 
linie des Kalkgebirges, sondern eine tektonische Linie, resp. eine 
Combination tektonischer Linien von verhältnismässig geringem Alter, 
wahrscheinlich jünger als die jüngsten, an dem Aufbaue der Flysch- 
zone betheiligten Sedimente. Wenn man daher Conglomerate u. dgl. an 
dieser Flyschgrenze gesucht hat, so ist man von einer ganz falschen 
Voraussetzung ausgegangen. Andererseits erklärt sich das Auftreten 
von Conglomeraten in der Kreide des Giesshübler Zuges, ohne dass 
man in ihnen die Strandbildungen einer „südlicheren Flyschgrenze" zu 
suchen braucht, ganz ebenso ungezwungen durch das Eindringen der 
oberen Kreide in eine schmale und seichte Bucht oder einen Fjord 
des Kalkgebirges, wie in dem Falle der Gosauablagerungen der 
Neuen Welt weiter im Süden. Freilich so absolut scharf darf man 
sich die Flyschgrenze wieder nicht vorstellen, dass nicht in der 
Flyschregion selbst jüngere mesozoische (jurassische) Vorkommnisse 
der Kalkalpen ebenfalls noch hie und da auftauchen, und dass anderer- 
seits nicht flyschartige Gesteine in den Kreideablagerungen des Kalk- 
alpengebietes vorkommen dürften. Die Conglomerate und Breccien 
nächst Weissenbach aber, die Fuchs so lebhaft an Beschreibungen 
karpathischer Klippenhüllen erinnerten, haben höchst wahrscheinlich 
mit der flyschartigen Gosaukreide überhaupt nichts zu thun, sondern 
dürften viel jünger sein; die Hauptmasse derselben wurde von Stur 
als miocän colorirt. 

Auch die Fossilführung ist noch in Betracht zu ziehen. So 
spärlich die Fossilien in dem Giesshübler Gosaukreidezuge auftreten, 
so sind deren dennoch vorhanden und Fuchs gibt sich in seiner 
neuesten Schrift vergebens Mühe, die Funde derselben als zweifel- 
haft hinzustellen. Insbesondere muss ganz entschieden Verwahrung 
eingelegt werden dagegen, dass Fuchs eine in den Erläuterungen 
zur geologischen Specialkarte der Umgebung von Wien, 1894, S. 40, 
mitgetheilte positive Angabe durch die Bemerkung wiedergibt, „es 
sollen bei Altenmarkt Inoceramen und Brachiopoden vorkommen". 
Man sieht übrigens gar nicht recht ein, weshalb Herr Fuchs in 
diesem Punkte Bedenken haben sollte, denn diese Ablagerungen 
gehören ja unbestreitbar zu jenen „Kreide- und Eocänbildungen" in 
der Nachbarschaft der Flyschgrenze, die nach dem oben citirten, ganz 
bestimmt lautenden Ausspruche des Fuchs in Sitzungsber. der 
kais. Akad. der Wissensch. vom Jahre 1877, S. 19, allenthalben 
einen grossen Fossilienreichthum enthalten sollen! 
Was speciell die Actaeonellen von Perchtoldsdorf betrifft, so scheint 
es schon nach den Angaben von Paul (Jahrb. 1860, S. 16), als ob 
solche dort auch in anstehendem Gosaugestein gesammelt worden 



56 A. Bittner. [6] 

seien und auch Kittl erwähnt (in Verli. 1893, S. 379) neben den 
Actaeonellen aus dem Tertiärconglomerate auch solche vom Paraplui- 
berg bei Perchtoldsdorf ; derselbe führt übrigens ebenda vom Gold- 
bühel bei Perchtoldsdorf u. a. Inoceramen, RJu/nchonella diformls, 
Terehratulina Defrancei an 2). 

Es gibt aber auch noch eine directe Probe auf die Haltbarkeit 
der neuen, von Fuchs vorgeschlagenen Flyschgrenze, und zwar in 
zweierlei Hinsicht, in stratigraphisch-petrographischer und in tekto- 
nisch-topographischer. In der ersteren Hinsicht muss man sich die 
Frage vorlegen, wo bleibt die neue Flyschgrenze weiter im Westen 
und im Südwesten innerhalb der Kreide selbst, da, wo die flysch- 
artigen Gesteine des Gosauzuges mehr und mehr zurücktreten und 
der Typus der vielgestaltigen Gosaukreidegesteine der südlicheren 
Districte vorzuherrschen beginnt? 

Noch wichtiger ist das zweite Moment. Gesetzt den Fall, man 
würde allen Ernstes die neue Anschauung vom Verlaufe der Flysch- 
grenze im Norden des Aninger acceptiren wollen, so müsste diese 
Flyschgrenze in ihrem Verlaufe gegen Westen nicht nur eine ganz 
sonderbare Ausstülpung in die Further Aufschlusslinie hineinsenden, 
sondern sie müsste auch, da man sie von Ramsau aus nicht willkür- 
lich mitten durch den Kreidezug nnd quer durchs Streichen des Kalk- 
gebirges nach Hainfeld hinaus ziehen kann, von Ramsau nach Südwest 
in die Kalkalpen hinein verlaufen und die ganze Breite des nach 
aussen von der Brühl — Altenmarkter Linie liegenden Kalkalpen- 
Gebietes müsste der Flyschregion zugewiesen werden. 

Das sind die nothwendigen Consequenzen des von Fuchs ge- 
thanen Schrittes und dieselben würden allerdings, wie sich nunmehr 
herausstellt, „von grosser pri ncipiell er Bedeutung" sein, da 
dadurch ein sehr beträchtlicher Theil der nordöstlichen Kalkalpen der 
Flyschzone einverleibt und „im Grunde genommen" Klip pen- 
gebiet der Flyschzone würde, welches dann allerdings einigermaassen 
schwierig — wenigstens für den Feldgeologen ! — von dem restirenden 
echten Kalkalpengebiete abzutrennen wäre. Für den Theoretiker 
indessen dürften auch diese Schwierigkeiten mit Hilfe der neuesten 
Anschauungen über den Bau gewisser „Voralpen "-Districte der Schweiz 
ziemlich leicht zu bewältigen sein, worauf hier im Interesse der Ob- 
jectivität hingewiesen sein möge. 

Für Leute von „veralteten" Anschauungen kann, wenn von einer 
Flyschgrenze, d. h. von der Grenze eines einheitlichen, zusammen- 
hängenden Flyschterrains oder einer Flyschzone gesprochen wird, 
das nur in dem Sinne der Fall sein, dass man dabei an jene natür- 
liche Abgrenzung der Flyschzone gegen die Kalkalpen denkt, wie sie 
unsere heute existirenden geologischen Karten zum Ausdruck bringen. 
Der Versuch einer „Verlegung" der Flyschzone nach Süden in die 
Kalkalpen hinein ist auch schon deshalb gänzlich unberechtigt, weil 
bei diesem Versuche nicht die Spur eines Nachweises geführt werden 



*) Hier sei angemerkt, dai^s meine in der Nachschrift bei P''uchs citirte 
Mittheilun^; in Verhandl. 1899 bereits im Juni, vor den öommeraufnahmen, 
gedruckt war. 



[7J I>ie Grenze zwischeu der Flyschzniie und den Kalkalpen bei Wien. 57 

kann, dass die gesammten in der Flyschzone vertretenen 
Niveaus über unsere bislierige Flyschgrenze weiter nach Süden 
reichen, sondern weil es sich hiebei evident nur um das Eindringen 
ge wi sser Theile der auch in der Fly schzon e vertretenen 
Kr eideabla gerungen, speciell oberer Kreidebildungen, in den 
Bereich der Kalkalpen handelt. Dass in diesen im Innern der Kalk- 
alpen liegenden oberen Kreidebildungen, insbesondere zunächst der 
Flyschregion, auch noch flyschartige Gesteine auftreten, ist eine Er- 
scheinung, die, einmal erkannt und nachgewiesen, für den erfahrenen 
Alpengeologen nicht sonderlich auffallender sein kann, als dass die 
in der Flyschregion so verbreiteten neocomen Aptychengesteine und 
andere Neocomgebilde in identischer Ausbildung, oft transgredirend 
wie die Gosaukreide, in die Kalkalpen eindringen und an deren Zu- 
sammensetzung theilnehmen. Schliesslich könnte man auch die Ross- 
feldschichten als Flysch ansprechen und dementsprechend die „Flysch- 
grenze" tief in den Kalkalpen drin festzulegen suchen, man könnte 
den die Kirchberger Neocomniederung nach aussen begrenzenden 
Kalkalpentheil als Klippenterrain ansehen u. s. w. Es wird auch gut 
sein, hier daran zu erinnern, dass selbst der Lunzer Sandstein früher 
einmal (vergl. F. v. Hauer im Jahrb. 1850, S. 48) dem Wiener Sand- 
stein zugezählt worden ist, und dass man damals sogar (ebenda S. 49) 
umgekehrt auch nach Aequivalenten des Lunzer Sandsteines, nach- 
dem er als Keuper erkannt worden war, im eigentlichen Flyschterrain 
gesucht hat. 

Ein Eingreifen cretacischer Ablagerungen in die Kalkalpen 
findet ja, wie längst bekannt, thatsächlich in äusserst mannigfaltiger 
Weise statt, dessenungeachtet bleibt die Flyschgrenze, d. h. die 
Grenze der Flyschregion genau in der Position, in der wir sie längst 
kennen und auf unseren Karten verzeichnet haben, weil sie, als einer 
der schärfsten Charakterzüge im Baue der Nordostalpen und wohl 
der Nordalpen überhaupt, in jeder Hinsicht, sowohl orographisch als 
stratigraphisch - tektonisch, sich in der Natur ausprägt, somit gar 
nicht verkannt, am allerwenigsten aber durch eine vereinzelte Beob- 
achtung verschoben werden kann. 

An derartigen, durch gemeinsame Arbeit aller Alpengeologen 
wohlbegründeten, nach jeder Richtung hin vollkommen sichergestellten, 
geradezu fundamentalen Erfahrungen und Kenntnissen sollte doch nicht 
unnöthigerweise und so ganz ohne jede zureichende Begründung ge- 
rüttelt werden. Jeder derartig ausgesprochene Zweifel, jede solche, 
ohne genügende Motivirung hingestellte Meinung und Behauptung 
findet bekanntlich immer ihre Anhänger i) und es muss dann längst 



^) Es ist staunenswert, mit welcher Findigkeit gerade die am wenigsten 
haltbaren Anschauungen herausgegrift'en und verbreitet zu werden pflegen. Als 
Beispiel möge dienen die absolut willkürliche Deutung der sogen. Starhemberger 
Sihichten durch Th. Fuchs, die nichtsdestoweniger von J. Walther sofort 
wieder zur Stütze anderer theoretischer Ansichten herangezogen worden ist (Verh. 
1885, S 289). Nicht weniger bezeichnend ist der von Paul (Verh. 1878, S. 185) 
angeführte Umstand, dass kurz nach dem Erscheinen der Eruptivtheorie des 
Flysches von Fuchs an anderer Stelle bereits von Fumarolen in den Karpathen 
gesprochen worden ist ! 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanatalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (A. Bittner.) 8 



58 A. Bittner. [8] 

Bekanntes von neuem erörtert, zu den elementarsten Erfahrungen 
Gehöriges abermals dargestellt werden, um nur jenen Standpunkt 
festhalten zu können, der Längst als vollkommen gesichert zu gelten 
das Recht hat. Das ist eine Arbeit, die ernste Forscher ihren Fach- 
genossen doch ersparen sollten. 

Es sei zum Schlüsse dieser Auseinandersetzungen nochmals 
hervorgehoben: Die Südgrenze der Flyschzone liegt da, wo sie seit 
jeher lag, wo sie unsere bisherigen Karten angeben, weil wir sie 
in der Natur wirklich so liegen sehen. Die Südgrenze einzelner in 
die Kalkalpen eindringender flyschartiger Bildungen ist überhaupt 
nicht scharf zu fixiren, weder stratigraphisch noch tektonisch, auch 
liegt sie gewiss nicht dort, wohin sie Fuchs verschieben möchte, 
es führt mindestens zu den misslichsten Consequenzen, sie in dieser 
Art verlegen zu wollen. Der äusserste Kalkalpenzug aber, der sich 
von Westen her über Hainfeld bis nach Kalksburg erstreckt, besitzt 
„im Grunde genommen" gar nichts Klippenartiges, sondern ist, wenn 
man ihn gründlich in der Natur und nicht nur durch Betrachtung 
der Stur'schen Karte kennen gelernt hat, für nichts anderes zu er- 
klären, als für das, was er bisher für alle Feldgeologen war, nämlich 
für einen integrirenden Theil der Kalkalpen. 



Ueber die triadische Lamellibranchiaten-Gattung 

Mysidioptera Sal. und deren Beziehungen zu 

palaeozoischen Gattungen. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. VI). 

Von A. Bittner. 

Im Jahrbuche der geolog. Reichsanstalt 1891. S. 113, Tal II, 
Fig. 10, sowie im Jahrbuche 1892, S. 85, Taf. V, Fig. 4, 5 habe ich 
unter dem Namen Mi/sidia nov. gen. Orientalin nov. spec. eine merk- 
würdige Bivalve aus der oberen Trias von Balia Maaden in Klein- 
asien (Mysien) beschrieben, die ihrer Gestalt nach zunächst an 
Ämhom/chia Hall erinnert. Bis dahin war nichts sicher Vergleichbares 
aus der alpinen Trias bekannt. 

W. Salomon (in seiner Arbeit über die Marmolata, 1895) 
stellte S. 117 eine verwandte Gattung Mi/sidioptera auf, die sich bald 
als in der alpinen Trias sehr verbreitet erwies, wie ich in „Lamelli- 
branchiaten der alpinen Trias I.", Abhandl. d. geol. R.-A. XVIII. 
1895, S. 177—200 zeigen konnte. Hier werden bereits mehr als 16 
Arten von Mysidioptera namhaft gemacht, von tieferen Muschelkalk- 
ablagerungen an bis in die Cardita- und Schiernplateau-Schichten 
hinauf, Formen, die in Umrissen und Sculptur recht mannigfaltig 
sind und theilweise bereits früher als L/'m«-Arten beschrieben worden 
waren. Die Tafeln XX, XXI und XXII der cit. Arbeit geben eine 
Vorstellung von den bisher bekannten Formen der Gattung Mijsidi- 
optera ^). Es sind meist glatte oder schwachberippte Formen, Arten 
mit starker Berippung sind bis daliin spärlich vertreten gewesen. Von 
solclien wären insbesondere namhaft zu machen Mysidioptera spiniqera 
Taf. XX, Fig. 32 und Mysidioptera (^) dubiosa Tab. XXII, Fig. 19, 20, 
beide von St. Cassian. Gerade diese stark berippten Typen sind in 
neuerer Zeit häufiger vorgekommen und es scheint, als ob dieselben 
im Gegensatze zu den schwächer berippten, die besonders in den 
ladinischen Niveaus dominiren, von den Raibler Schichten nach auf- 
wärts in grösserer Zahl vertreten seien ; und zwar gilt das für beide 
Gruppen dieser berippten Formen, sowohl für diejenige, welche durch 
M. spiniyera, als für jene, die durch M. duhiosa repräsentirt wird. 
Diese beiden Arten hatte ich zuerst mit einigem Zweifel zu Mysi- 



1) Einige Arten beschreibt auch A. Tornquist in Zeitschr. d. D. geol. 
Ges. Bd. L, 1898, Taf. XXI. 

Jahibiicb d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Baiul, 1. Heft. (A. Bittner.) 8* 



60 A. Bittner. [2] 

dioptera gebracht, da sie von der Hauptmasse der mir bekannt ge- 
wordenen Arten sich am weitesten entfernten; neuere Funde zeigen, 
dass aucli sie dahingestellt werden können, wobei von der Möglichkeit 
weiterer Unterabtheilungen vorerst abgesehen werden soll. Am zweifel- 
haftesten erschien mir bezüglich ihrer generischen Zugehörigkeit 
Mißidiopteya d^dnosa, von der mir nur einige, nicht vollständig erhal- 
tene Stücke bekannt waren, eine Form, die übrigens schon Laube 
(unter einem anderen Namen) besclirieben hat. 

Nahe verwandte Formen liegen mir heute in besonders schöner 
Erhaltung aus den Tuffen des Frombachs der Seisseralpe vor und 
sollen zunächst beschrieben werden: 

Mysidioptera Emiliae nov. spec. 

Taf. VI, Fig. 1-7. 

Sie lässt sich kurz charakterisiren als eine vollberippte Art aus 
der Verwandschaft der AI. didnosa von St. Cassian, welche letztere 
aber von ihr weitaus an Grösse übertrotfen wird und von der sie sich 
auch durch das Fehlen der kielförmigen Mittel- oder Diagonalerhebung 
der Schale unterscheidet. Kleinere Exemplare, wie das Fig. 1 abge- 
bildete, sehen der Cassianer Art recht ähnlich und würden wohl nur 
schwer von derselben scharf zu trennen sein, obschon auch ihnen der 
Diagonalkiel fehlt. Dieses Fig. 1 abgebildete Exemplar besitzt auf 
der Mitte der Schale ca. 10 stärkere Rippen, denen sich beiderseits, 
nach rückwärts und vorwärts, eine grössere Anzahl schwächerer und 
graduell an Stärke abnehmender Rippen anschliessen ; nach rückwärts 
mögen deren auch noch 10 vorhanden sein, gegen vorn ist der 
Raum schmäler und bietet nicht mehr für so viele Platz. Der obere 
Rand des vorderen Lunular-Ausschnittes ist ein wenig wulstig gerandet, 
vorn stumpfeckig vorgezogen. Der Lunular-Ausschnitt selbst ist auf- 
fallend tief, offenbar für den Austritt eines Byssus gebaut, die Ligament- 
Area ist schmal, mit einer wenig scharfen, sehr schiefen Ligamentgrube 
versehen. Die Gesammtform der Schale ist eine beträchtlich schiefe. 

Es liegt mir nur ein Exemplar von diesen geringen Dimen- 
sionen vor, dagegen 7 Stücke Einzelklappen von beträchtlicherer 
Grösse, und zwar 3 linke und 4 rechte, von denen einige sehr schön 
erhalten sind. An der kleinsten der linken Klappen ist nur das 
Ligamentfeld gut erhalten und zeigt (Fig. 2) in besonderer Deutlichkeit 
die Bandgrube desselben. Ein zweites Exemplar einer linken Klappe 
besitzt ungefähr 25 Aussenrippen von gerundete]' Gestalt, die mit den 
Zwischenräumen eine gleichmässig gebaute Wellenlinie im Durch- 
schnitte bilden (Fig. 3) und sowohl gegen die hintere SchlossHnie 
als gegen den Lunular-Rand beträchtlich an Stärke abnehmen oder 
nahezu ganz verlöschen. Alle Rippen beginnen am Wirbel. Der 
Lunular-Rand ist fast in Form eines vorderen Flügels entwickelt und 
auch der hintere oder eigentliche Schlossrand resp. obere Arealrand 
erscheint ein wenig gehoben. Die Rippen sind fast glatt, nur von 
sehr feiner, dichter Anwachsstreifung gekreuzt. Der Wirbel ist 
schwach entwickelt. Die Ligament-Area ist schmal, ihr oberer Rand 
hängt schwach über, der untere Rand ist in der Mitte der Länge 



[3] Ueber die triadische Lamellibranchiaten-Gattung Mysidioptera Sal. etc. Gl 

sehr flach ausgeschnitten für die undeutliche, sehr schiefe Ligament- 
grube, unter dem Wirbel springt er ein wenig, fast zahnartig, vor. 
Der Lunular-Ausschnitt ist nächst dem Wirbel sehr tief ausgehöhlt, 
sein Innenrand tief ausgerandet, offenbar für den Austritt des Byssus. 

f]ine dritte linke Klappe (Fig. 7) ist Steinkern und lüsst als 
solcher nahe dem oberen und hinteren Schaleneck einen grossen, 
aber sehr undeutlich begrenzten, runden Schliessmuskeleindruck 
wahrnehmen. Vor dem Wirbel, hart am Lunular-liand, erscheint ein 
unregelmässig begrenzter, auffallend rauher Raum, der vielleicht einem 
vorderen Muskeleindrucke entsprechen mag. Diese rauhe Stelle fällt 
umsomehr auf, als der übrige Steinkern, abgesehen von den Rippen, 
glatt ist. 

Von den rechten Klappen lassen jene mit besser erhaltener 
Aussenseite erkennen, dass die Berippung, insbesondere vorn, nahezu 
bis an die Schlossränder reicht; es sind an 30 Rippen vorhanden, 
von denen freilich nur etwa die 15 mittleren kräftiger entwickelt 
sind. In der Entwicklung der Ligament-Area entspricht das Fig. 4 
abgebildete Exemplar recht gut der linken Klappe Fig. 3. Die Area 
ist schmal, die flache Ligamentgrube sehr schief gestellt, der Unter- 
rand der Area unter dem Wirbel nach innen zähnchenartig vorgezogen ; 
der Lunular-Ausschnitt ebenfalls ganz wie bei der linken Klappe 
gebaut. Die Fig. 5 abgebildete rechte Klapi)e besitzt eine beträchtlich 
breitere Ligament-Area und vermittelt in vollkommener Weise gegen 
die Klappe Fig. 6 mit ihrer auffallend breiten Ligament-Area, die 
trotzdem specifisch nicht von den übrigen Stücken getrennt werden 
kann. Auch diese Klappe besitzt an 30 Rippen, ihre Schlossränder 
sind beiderseits erhöht resp. aufgebogen oder wulstig, was besonders 
den Lunular-Rand betrifft; ausserdem existiren beiderseits nächst 
den Ecken dieser Ränder deutliche Ausschnitte am Anschlüsse der 
Seiten-, resp. Pallealränder. Die breite Area ist mit horizontaler 
Anwachsstreifung versehen, in ähnlicher Weise macht sich Anwachs- 
streifung auch im tiefen Lunular- Ausschnitte bemerkbar; die JByssus- 
ausrandung an dem Innenrande des Lunular-Auschnittes ist sehr deutlich 
entwickelt, die Ligamentgrube der Area dagegen flach, schmal und 
wenig deutlich, im Bogen gekrümmt. 

Die sämmtliclien hier beschriebenen und abgebildeten Exemplare 
dieser interessanten Art gehören der Sammlung des kais. naturh. 
Hofmuseums. Zahlreiche ganz ähnliche, zum Theil gewiss auch speci- 
fisch identische Formen erhielt ich durch die Herren Professor 
L V. L c z y und Professor P. Desiderius L a c z k o aus den sogen. 
Veszpremer Mergeln der oberen Trias des Bakonyerwaldes zur Be- 
schreibung, die in kürzester Zeit beendigt und publicirt werden soll. 

Hier möge zunächst nur der muthmaasslichen verwandtschaftlichen 
Beziehungen dieser triadischen Mijsidioptera-kvt und der triadischen 
Mysidiopteren überhaupt gedacht werden, da über diese Beziehungen 
bisher nur wenig Anhaltspunkte vorlagen. 

Die hier beschriebene neue Art von Mijsidioptera besitzt eine 
so grosse Aehnlichkeit mit einer Reihe von palaeozoischen Bivalven, 
dass man sehr geneigt wird, dieselbe nicht als eine zufällige Er- 
scheinung, sondern als den Ausdruck wirklicher Verwandtschaft auf- 



62 A. ßittner. [4] 

zufassen. Vor allem ist mir aufgefallen die überraschende Formen- 
ähnliclikeit mit zahlreichen, insbesondere devonischen Arten, die zur 
Gattung Piiella Barr.^) gestellt zu werden pflegen. 

Insbesondere ist hier zu nennen Puella hellistriata Kays, (vergl. 
Beushausen Lamellibr. desrhein. Devons, 1895, S. 312, Taf. XXXII, 
Fig. 5). Diese devonische Art ^) besitzt aber ausser einer äusserlichen 
Formen- und Sculpturilbnlichkeit auch eine in ähnlicher Weise wie 
bei Mijsidiopfera gestaltete Area hinter dem Wirbel und wenn auch 
eine Ligamentrinne, wie sie bei Mijsidiopfera vorkommt, bei ilir bisher 
nicht nachgewiesen ist, so dürfte dieser Umstand bei der schwachen 
Ausprägung dieser Ligamentrinne oder -furche bei Mi/sidioptera selbst 
nicht allzuschwer in's Gewicht fallen. Auch das Fehlen eines präg- 
nanten Lunular-Ausschnittes bei PueUa hellistriata und Verwandten be- 
deutet nicht allzuviel, denn erstens schwankt die Stärke desselben 
auch bei den triadischen Mysidiopteren in sehr beträchtlichen 
Grenzen bis zum fast völligen oder selbst gänzlichen Zurücktreten 
dieses Ausschnittes und zweitens ist derselbe bei anderen nahe- 
stehenden palaeozoischen Gattungen recht wohl entwickelt. Die Ab- 
bildung öa der Area bei Puella hellistriata (in Beushausen's 
Abhandlung) erinnert so stark an die Bildung der betreffenden Partien 
bei Mi/sidioptera, dass man eine solche Form, stammte sie aus der 
Trias, ohne Bedenken zu Mysidioptera stellen oder zunächst an die- 
selbe anschliessen dürfte. 

Nun gehört zu Puella Barr, (vorausgesetzt, dass die Einreihung 
richtig ist) eine sehr grosse Anzahl jener formenreichen Gruppe 
palaeozoischer Bivalven, die Beushausen als „Cardioconchen" zu- 
sammenfasst und deren systematische Stellung heute noch als eine 
ziemlich zweifelhafte gilt (vergl. Beushausen 1. c. S. 440). Beus- 
hausen theilt seine Cardioconchen wieder in drei Unterabtheilungen 
ein, Cardioliden, Lunulicardiiden und Conocardiiden. Zur ersteren 
Gruppe gehört die Hauptmasse der ehemaligen „Palaeoconchen" 
Neumayr's, zu den beiden anderen geringere Theile derselben. 

Puella und eine Anzahl verwandter Gattungen (wie Begina, 
Praelima etc.) werden von Beushausen zu den Cardioliden gestellt. 
Aber auch an seine zweite Gruppe, die Lunulicardiiden, sind unter 
den triadischen Mysidiopteren nicht wenige Anklänge zu finden. Bei 
Zittel „Grundzüge der Palaeontologie" 1895, S. 293 ff. stehen alle 
diese palaeozoischen Typen, in drei Familien: Lunulicardiidae, Conocar- 

') Zittel hat in seinen „Grundzügen" von 1^95 noch deu Namen l'anenJca 
Barr, (derselbe müsste aber „I'anenca' geschrieben werden) neben Regina u. s. f., 
obwohl bereits Neumayr, Frech, Koken, Traut sc hold u. a. sich gegen 
die Anwendung dieser eigenthümlichen Nomenclatur Barrande's ausgesprochen 
haben. Im übrigen dürfte eine der ältesten ^Einsprachen gegen Barrande's Nomen- 
clatur, wenn nicht die älteste, jene sein, die sich in unseren Verhandlungen vom 
Jahre 1882, S. 146 iindet. Die „treffende Bemerkung' Frech's beispielsweise, die 
Koken in „Die Vorwelt etc." 1893, S. 130 citirt, ist viel jünger, sie datirt vom 
Jahre 1891, ebenso wie jene von Neumayr. 

') Von den von Barrande beschriebenen Arten wäre beispielsweise P. 
opportuna zu vergleichen; ferner Arten von Praelima Barr., vr'ie infansta Taf. 99 
und proava Taf. 108. Bekanntlich sind auch die triadischen Mysidiopteren theil- 
weise zu Lima gestellt worden, so insbesonders von Stopp an i. 



[51 Ueber die triadische LainolIibraucliiateii-CTattiiiig Mi/sidio^Hera Sal. etc. 63 

diidae und Praecardiidae eingetbeilt, zwischen den Luciniden und den 
Cardiiden mitten inne. 

Die Praecardiiden Zittel's entsprechen so ziemlich den Car- 
dioliiden Bens hause n's, allein der letztere weist seinen Cardioconchen 
nicht einen bestimmten Platz unter den übrigen „normalen" Lamelli- 
branchiaten an, sondern hält sie getrennt von diesen als eine 
Art Anhang. 

Es wurde soeben bemerkt, dass auch unter den, zu den Lunuli- 
cardiiden gestellten Formen sich auffallende Anklänge an Mi/si- 
diopfera finden. Das gilt vor allen von der Gattung Chaenocardla Meeh 
mAWoyfhen, deren Typus Ch. ovata (von Bens hausen 1. c. S. 364 in 
einer Copie dargestellt) äusserlich von triadischen Mysidiopteren nicht 
unterschieden werden kann (vergi. beispielsweise in meiner cit. Arbeit 
Taf. XX, Fig. 16; Taf. XXII. Fig. 14). Zittel ist geneigt ^), eine 
Anzahl der M ü n s t e r'schen Lunulicardium-Arten zu Chaenocardia zu 
bringen, deren Mehrzahl Beushausen zu seiner neuen Gattung 
Prosochasma zieht. Von diesen Arten ist besonders Lumdicardium 
ovatum Münst. hervorzuheben, eine von Münster in seinen Beiträgen 
III., Taf. XII, Fig. 18 abgebildete, ziemlich grosse Art. Die Münster- 
sche Abbildung ist wohl eine überaus rohe und ungenaue, aber es 
liegt in der Sammlung der geolog. Reichsanstält ein Exemplar von 
derselben Fundstelle (Schübelhammer), als L. ovatum Münst. bestimmt, 
und dieses Exemplar besitzt eine geradezu überraschende Formen- 
ähnlichkeit mit der oben beschriebenen Mysidioptem Emiliae n. sp. 
der alpinen Trias. Würde dieses Stück, dass ich zum Vergleiche auf 
Taf. VI, Fig. 8 abgebildet habe, aus der alpinen Trias stammen, 
so dürfte man es unbedingt zur Gattung Mi/sidioptera stellen. Sein 
hinterer Schlossrand ist flügelartig ausgebreitet wie bei Mysidioptera, 
allerdings beträchtlich kürzer als bei der diesmal abgebildeten 
alpinen Art, was aber nicht in's Gewicht fällt, da viele ändere 
Mysidiopteren einen weit kürzeren hinteren Schlossrand besitzen. 
Die Berippung reicht bis zu diesem Schlossrande. Der Lunular-Rand 
ist genau so gebildet (äusserlich) wie bei Mysid. Emiliae, wulstig 
vortretend und tief ausgerandet für den Austritt des Byssus. Von 
der Hauptwölbung der Schale ist dieser Lunularrand aber schärfer 
abgesetzt als bei Mysidioptera. Zwischen der vortretenden Vorderecke 
des Lunularrandes und dem Pallealrande ist die Schale merklich ein- 
gezogen, ganz wie bei Mysidioptera Emiliae. Trotzdem die Schloss- 
region nicht blossgelegt werden kann, erweist sich die beiderseitige 
Uebereinstimmung dieser an und für sich ziemlich ungewöhnlich ge- 
stalteten Bivalven als eine so grosse, dass wohl wirklich an eine 
nähere Verwandtschaft beider gedacht werden muss. Eine ebene 
Area des hinteren Schlossrandes ist ja überdiess bei Lumdicardium 
und verwandten Gattungen bekannt, so dass auch in dieser Hinsicht 
kein Grund gegen die Annahme einer wirklichen Verwandtschaft 
zwischen den triadischen und den palaeozoischen Formen angeführt 
werden kann. 



*) In seinem Handbuche II. S. aG, wo er Lmuilicardium zu den Aviculiden 
rechnet. 



ß4 A. Bittner [6] 

Als weitere an My^klioptera niahiieiide palaeozoisclie Lamelli- 
branchiateu wären Eiithijdesma Hall, und Opisthocoelus Beush. anzu- 
führen, von letzterer Gattung speciell die Art Opisthoc. concentricus 
Beush. Taf. XXXVIII, Fig. 9—11. 

Ich bin aus den zuvor angegebenen Gründen sehr geneigt, in 
den triadischen Mt/sidioptera-kTten wirklich mesozoische Nachkommen 
der Cardioconchen B e u s h au s e n's zu erblicken. Da nun Mijsidioptera 
unbedingt zu den Mono- oder Heteromyariern, wahrscheinlicher zu 
den letzteren gehört so würde, vorausgesetzt, dass meine Ansicht 
sich als richtig erwiese, ein Rückschluss auf die systematische Stellung 
der palaeozoischen Cardioconchen, die bisher als völlig zweifelhaft 
gilt, zulässig sein und diese Cardioconchen müssten dann ebenfalls 
definitiv zu den Heteromyariern, etwa in die Nähe der Aviculiden 
(oder zu den Monomyariern in die Nähe der Limiden) oder zwischen 
beide Gruppen eingereiht wären, wodurch ein wichtiger Schritt in der 
Richtung, den grössten Theil der palaeozoischen Lamellibranchiaten- 
Genera incertae sedis — der ehemaligen „Palaeoconchen" Neumayr's 
— endlich einmal systematisch richtig zu definiren, gethan wäre. 

Man wird vielleicht meiner Ansicht die hie und da in ziemlich 
summarischer Weise ausgesprochene Angabe, dass die „Palaeoconchen" 
zwei gleiche Muskeleindrücke besitzen, entgegenstellen. Dem gegen- 
über ist hervorzuheben, dass gerade die hier zum Vergleiche herbei- 
gezogenen palaeozoischen Gattungen in dieser Hinsicht entweder 
völlig unbekannt sind, oder dass sie sogar, wie einzelne der von 
B e u s h a u s e n beschriebenen Formen (Prosoclia^ma, S. 44(3) nur 
einen M u s k e 1 e i n d r u c k besitzen, weshalb aucli schon B e u s- 
hausen bemerkt, es scheine fast, als seien diese Formen zu den 
Heteromyariern (im Sinne Free h's = Monomymarier und Hetero- 
myarier aut.) zu rechnen. Die Berufung auf die angeblich beiden 
gleichen Muskeleindrücke dieser palaeozoischen Formen hat also bei 
dem heutigen Stande unserer Kenntnis über dieselben nur geringes 
Gewicht. Es handelt sich ja hier in erster Linie um die Cardioconchen 
Beushausen's und da beziehe ich mich denn wieder auf die Diagnose 
der Cardioliden bei Bens hausen, S. 444, wo es heisst: „Inneres 
unbekannt", was sich S. 445 für die Lunulicardiiden wiederholt. 

Die als palaeozoisch zu bezeichnenden Typen unter den Lamelli- 
branchiern der alpinen Trias werden durch Mißidiopteya um ein 
wesentliches Element vermehrt. Auf das palaeozoische Gepräge der 
Gattung hat übrigens schon Salomon 1 c. S. 117 hingewiesen und 
auch ich habe Abb. XVIII, S. 191, 198 auf gewisse Aehnlichkeiten 
mit Mi/alina und MytUarca aufmerksam gemacht. Die palaeozoischen 
Anklänge innerhalb der Trias-Lamellibranchiaten sind ja überhaupt 
etwas recht allgemeines. Das gilt bekanntlich für die Myophorien und 
Megalodonten, für die Aviculopectines und Streblopterien, für die 
Fseudomonotis und Myalinen *). 

^) Erst neuestens wieder beschreil)t E. Philippi in Zeitschr. d. D. g. ü. 
LI. Bd., Juni 1899, S. 63 aus deutschem Muschelkalke eine neue Mi/a/ina und 
einen neuen Streblopteria-arügcn Pecten. Hier sei auch der von mir beschriebenen 
Mijalina Schamarae aus dem Hüd-Ussuri-Gebiete der ost-sibirischen Jiüstenprovinz 
gedacht. (Mem. du Com. geol. vol. VII. Nr. 4, St. Petersburg 1H99.) 



[7] Ueber die tritidisclio Lamellibranehiaton-Gaftung Mysidioptera Sah etc. 65 

Was speciell Fsewiomonofii^ anbelangt, so möchte ich mich auf 
die Hinweise im Jahrbuclie der geolog. Reichsanstalt Bd. 48, 1899, 
S. 714, 716 und Mem. du Com. geol. St. Petersburg, vol. VII. Nr. 4 
S. 10 beziehen. 

Eine zahlreiche Vertretung von Palaeone/Jo {Cfenodonfa) in der 
alpinen Trias ist durch die Abhandlungen der geolog. Reichsanstalt 
XVIII, S. 133 ff. bekannt geworden. 

Die von mir im Jahrbuche der geolog. Reichsanstalt 1891 S. 103 
und 1892, S. 85 (neben M;/sidia) beschriebene Gattung Pergamidia 
erinnert so auffallend sii\Avlci(la hians WahhchinUlt aus dem rheinischen 
Devon (Z. d. D. g, G. 1885, Taf. XL, Fig. 4), dass man an eine 
wirkliche generische Uebereinstimmung beider denken möchte. Ävicula 
liidtis ist von Neueren zu Posidono7n!/a gestellt worden. Die triadische 
Pergamidia erreicht eine viel bedeutende Grösse als die devonische Art. 

Die von Frech aufgestellte Gattung Kochia der Aviculiden, 
die Frech selbst mit Hoernesia Joannis Anstriae vergleicht, mahnt 
in ihrer typischen Art {K. capidiformis) noch viel mehr an gewisse 
Cassianellen, vor allem an Cassianella avictdaris Münst. und C'a.s.s. 
anqusta ni. (Abhandlungen der geolog. Reichsanstalt XVIII, Taf. V. 
und VI.). 

Und wenn man die neuen Abbildungen bei Beus hausen 
Taf. XVIII. Fig. 5, 6 von Sohnopsis pelagica GoJdf. mit den in Ab- 
handlungen der geolog. Reichsanstalt XVIII. Taf. I, Fig. 11, 12, 13 
gegebenen Abbildungen von Cnspidavia gladius Lhe {Sohn caudaf,us 
Hauer) vergleicht, so wird man kaum an eine specifische, geschweige 
denn an eine generische Verschiedenheit beider Arten denken wollen. 

Das wären so einige auffallende Beispiele grosser Ueberein- 
stimmung zwischen palaeozoischen und triadischen Lamellibranchiaten, 
deren Mehrzahl wohl kaum auf eine zufällige Formenähnlichkeit, 
sondern vielmehr auf wirkliche enge Verwandtschaft begründet zu 
sein scheint. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (A. Bittner.) 



6G A. Bittner. [8] 



Erklärung zu Tafel VI. 

Fig. 1 — 7. Mysidioptera Emiliae nov. spec. aus den Tuifen des Frombachs der 

Seisseralpe. 
Fig. 1. Linke Klappe eines kleinen Exemplars von der Innen- und Aussenseite, 

sowie vergr. Ansicht der Ligament-Area. 
Fig. 2. Ligament-Area einer etwas grösseren linken Klappe, vergr. 
Fig. 3. Linke Klappe eines grösseren Exemplars in 5 Ansichten in nat. Grösse. 
Fig. 4. Ligament-Area einer rechten Klappe in 3 Ansichten. 
Fig. 5. Rechte Klappe mit breiterer Ligament-Area, als die der Klappe Fig. 4 ist. 
Fig. 6. Rechte Klappe mit sehr breiter Ligament-Area in 5 Ansichten. 
Fig. 7. Steinkern einer linken Klappe in natürl. Grösse und Partie vor dem 

Wirbel desselben vergr. 

(Die sämmtlichen hier abgebildeten Stücke in der Sammlung des kais. 
naturhist. Hofmuseums in Wien.) 

Fig. 8. LunuJicardinni ovatuni Miinst. von Schübelhammer. Eine rechte Klappe, 
z. gr. Theile Steinkern. Sammlung der geologischen Reichsanstalt. 



A.Bittiier.ÜberMysidioptcMa 

7. 



T:ir.VI. 




'/J^ß- 



A.SwoTjod.a n iNat öezu-lith 



Litli/Viist v-Tli BannwarthWicn 

Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanslah. Band L.1900. 

Verlag der kk.GeologischenReichsanstalt.Wien.Ill.Rasumoffskygasse 23. 



Lieber die Schichtenfolge der westböhmischen 
Kreideformation. 

Vou C. Zahalka. 

Mit vier Tabellen. 

Wie aus meinen früheren Arbeiten ^) bekannt ist, habe ich die 
Kreideformation Westböhmens in zehn Zonen gegliedert und dieselben 
von unten nach oben, also von der ältesten Zone zur jüngsten fort- 
schreitend, mit den römischen Zahlen I — X bezeichnet. 

^) Bericht über die Resultate der stratigraphischen Arbeiten in der west- 
bölimischen Kreideformation. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. Wien 1899. Bd. 49, H. 3. 

Die stratigraphische Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten in 
Böhmen. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. Wien 1895. Bd. 45, H. 1. 

Päsmo X. kfidoveho ütvaru v Poohfi. S obr. 70—85. (Zone X der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 70—85.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1899. 

Päsmo IX. kfidoveho ütvaru v Poohfi. S obr. 56—69. (Zone IX der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 56--69.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1899. 

Päsmo VIII. kfidoveho ütvaru v Poohfi. S obr. 55. (Zone VIII der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 55.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1898. 

Päsmo V., päsmo VI. a päsmo VII. ütvaru kfidoveho v Poohfi. S obr. 51 — 54. 
(Zone V, Zone VI und Zone VII der Kreideformation im Egergebiete. Mit Fig. 51 — 54.) 
Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1898. 

Päsmo IV. ütvaru kfidoveho v Poohfi. S obr. 28—50. (Zone IV der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 28—50.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1897. 

Päsmo in. ütvaru kfidoveho v Poohfi. S obr. 16 — 27. (Zone III der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 16 — 27.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1897. 

Päsmo II. ütvaru kfidoveho v Poohfi. S obr. 12^15. (Zone II der Kreide- 
formation im Egergebiete. Mit Fig. 12 — 15.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1897. 

Päsmo I. ütvaru kfidoveho v Poohfi. S obr. 1 — 11. (Zone I der Kreideformation 
im Egergebiete. Mit Fig. 1 — 11.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 
Prag 1897. 

Geotektonika kfidoveho ütvaru v Poohfi. (Geotektonik der Kreideformation 
im Egergebiete.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1899. 

Palaeontologie ütvaru kfidoveho ve Vysocine Ripske a v Polomenych Horäch. 
(Palaeontologie der Kreideformation im Ripplateau und im Daubaer Gebirge.) 
Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1896. 

Stratigraphie kfidoveho ütvaru Ripsk6 Vysociny a Polomenych Hör. Strati- 
graphie der Kreidefonmation im Ripplateau und im Daubaer Gebirge.) Sitzungsb. 
d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1896. 

Päsmo IX kfidoveho ütvaru v okoli Ripu s poznämkou o geologickych näiysech. 
Kokofinske podoli mezi Lhotkou a Kokofinem. S obr. 52 — 57. (Zone IX der Kreide- 
formation in der Umgebung von Rip mit einer Notiz über die geologischen Auf- 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt 1900, 50. Band, 1. Heft. (C. Zahälka.) 9* 



68 C. Zahälka. [2] 

Die Mehrzahl dieser Zonen sind nicht in allen Bezirken der 
westböhmischen Kreideformation von derselben ])etrographischen Be- 
schaffenheit, sondern, wenn man dieselben zum Beispiel aus der Um- 
gebung von Raudnitz nach NO und in das Daubaer Gebirge (Polo- 
mene Hory) verfolgt, so verändern sie sich in ganz andere Facies. 
Kleinere Faciesveränderungen findet man in unseren Zonen, wenn 
man dieselben in entgegengesetzter Richtung von Raudnitz nach Westen 
durch das Egergebiet bis nach Laun und Postelberg verfolgt. Die 
allmäligen Uebergänge einer Facies in die andere bei einer und der- 
selben Zone wurden von meinen Vorgängern übersehen. Diese Facies- 
veränderungen kann man nur dann feststellen, wenn man jede ein- 
zelne Zone Schritt für Schritt zwischen ihrer hangenden und liegenden 
Zone verfolgt, wenn man detaillirte Profile der Schichtencomplexe in 
ganz kurzer Entfernung darstellt, dabei überall die petrographisch- 
petrologischen, physikalischen, palaeontologischen und Mächtigkeits- 



risse. Das Kokofiner Thalgebiet zwischen Lhotka und Kokofin. Mit Fig. 52 — 57.) 
Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1895. 

Päsmo IX. ütvaru kfidoveho mezi Chocebuzy a Vidimi v Polonienych Horäch. 

5 obr. 58, 59 a 3 obr. v textu. (Zone IX der Kreideformation zwischen Zebus und 
Vidini im Daubaer Gebirge. Mit Fig. 58, 59 und 3 Fig. im Text.) Sitzungsb. d. 
k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1896. 

Päsmo IX. ütvaru kfidoveho v okoli Ripu. Nebuzelske podoli. S obr. 51 a 

6 obr. V textu. (Zone IX der Kreideformation in der Umgebung von Rip. Nebuzeler 
Thalgebiet. Mit Fig. 51 und 6 Fig. im Text.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. 
d. Wissensch. Prag 1895. 

Pasmo IX. ütvaru kfidoveho v okoli Ripu. Jenichovsk6 podoli. S obr. 50. 
(Zone IX der Kreideformation in der Umgebung von Rip. Jenichower Thalgebiet. 
Mit Fig. 50.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1895. 

Pasmo IX. ütvaru kfidoveho v okoli Ripu. Repinske podoli. S obr. 44 — 49 
na 5 ,tab. a 3 obr. v textu. (Zone IX der Kreideformation in der Umgebung von 
Rip. Repiner Thalgebiet. Mit Fig. 44 — 49 auf 5 Taf. und 3 Fig. im Text.) Sitzungsb. 
d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1895. 

Geologickö mapy Podfipska: Vysocina Klapska [barvotisk]. (Geologische 
Karten der Umgebung von Rip: Rijjplateau [Farbendruck].) Raudnitz 1895. 

Geologick6 profily Podfipska. S obr. ;i7 — 41. (Geologische Profile der Um- 
gebung von Rip. Mit Fig. 37—41. [Farbend/iick.]) Raudnitz 1894. 

Päsmo X. ütvaru kfidoveho v okoli Ripu. S obr. 42, 43 a 1 tab. (Zone X 
der Kreideformation in der Umgebung von Rip. Mit Fig. 42, 43 und 1 Tab.) 
Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1894. 

Päsmo IX. kfidoyöho ütvaru v okoli Rijju. (Zone IX der Kreideformation 
in der Umgebung von Rip.) .Tahresb. d. landw. ^Mittelsch. Raudnitz 1894. 

Päsmo Vlll. kfidoveho ütvaru v okoli Ripu. S obr. 3{). (Zone VIII der 
Kreidefornuition in der Umgebung von Rij^ Mit Fig. 36.) Sitzungsb. d. k. böhm. 
Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1894. 

Päsmo Vi 1. kfidov(5ho ütvaru v okoli Ripu. (Zone VII der Kreidefornuition in 
der Umgebung von Rip.) Sitzungsb. d. k. böhm. (Jesellsch. d. Wissensch. Prag 1893. 

Päsmo VI. kfidoveho ütvaru v okoli Ripu. (Zone VI der Kreideformation in 
der Umgebung von Rip.) Sitzungsb. d. k. l)öhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1893. 

Stratigrafie ütvaru kfidoveho v okoli Ripu. Päsmo IV., i)äsmo V. S 35 
profily a profilometrem na 36 tabulkäch (Stratigrajihie d(!r Kreideformation in 
der Unige])ung von Rip. Zone I V, Zone V. Mit 35 Profilen und Profilometer auf 
36 Tab.) Jahresb. d. landw. Mittelsch. Raudnitz 1893. 

Petrografickä studia v kfidovöm ütvaru okoli Ripu. (Petrographische Studien 
in der Kreideformation der Umgebung von Ri]).) Sitzungsb. d. k. böhm. («escllsch. 
d. Wissensch. Prag 1893. 

tfech nejstarsich j^äsmech kfidoveho ütvaru v okolf Ripu. Päsmo 1., 
päsmo II,, päsmo III. (Ueber die drei ältesten Zonen der Kreideformation in der 



[3] lieber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 69 

Verhältnisse , aiu'h ihre Meeresliöhe, Streichen und Fallen studirt und 
gleichzeitig die geologischen Karten in grösserem Maßstabe (z. B. 
1:25.000) ausarbeitet. Durch solches 20jahriges Studium bin ich zu 
überraschenden Resultaten gekommen. Zum Beispiel: 

Die typischen W eissenb erger Schichten (unsere 
Zone III) am Weissenberge bei Prag sind aequivalent nur den 
Semitzer Mergeln (III) bei Melnik und Vsetat, so dass die Dfinovver 
Knollen (IV) , Raudnitzer Schichten Z a h A 1 k a's (V) und die 
Wehlowitzer Pläner (VI) in der Umgebung von Melnik und Raud- 
nitz jünger sind als die typischen Weissenberger Schichten (III) 
bei Prag. 

Der Malnitzer Grün Sandstein {IV r) bei Malnitz und 
Laun ist aequivalent den höchsten Schichten der Zone IV der west- 
böhmischen Kreideformation, also den höclisten Schichten der Dfinower 
Knollen (IV) bei Melnik uud Raudnitz. 



Umgebung von Rip. Zone I, Zone 11, Zone III.) Sitzungsb. d. k. l)öhm. Dcsellscli. 
d. Wissensch. Prag 1893. 

Geotektonika kfidoveho ütvaru v okoli Ripu. Se 4 obr. (Geotekt-onik der 
Kreideformation in der Umgebung von Rip. Mit 4 Fig.) Sitzungsb. d. k. böhin. 
Gesellscb. d. Wissensch. Prag 1893. 

souvrstvi glaukonitickeho väpniteho slinu v Polabi Litomeficko-melnickem. 
S 2 obr. (Ueber die Schichten des glaukonitischen kalkigen Mergels in dem 
Leitmeritz-Melniker Elbethale. Mit 2 Fig.) Sitzungsb. d. k, böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1891. 

nove füssilni spongii SoUdinodiis Poctai. S 1 tab. (Ueber eine neue fossile 
Spongie Solidinodiis Poctai. Mit 1 Taf.) Sitzungsb. d. k. l)öhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1889. 

Canierospongia monostonm z ceskeho ütvaru kfidoveho. S 1 tab. (Caniero- 
spoiigia moiiostoma aus der böhmischen Kreideformation. Mit 1 Taf.) Sitzungsb. 
d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 1889. 

Prvni zpräva o geolog. pomerech vysiny Brozanske. S 1 tab. (Erster Bericht 
über die geologischen Verhältnisse der Brozaner Anhöhe. Mit 1 Taf.) Sitzungsb. 
d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag 18S4. 

Druhä zprava o geolog. pomerech vysiny Brozanske. S 1 tab. a 2 obr. v 
textu. (Zweiter Bericht über die geologischen Verhältnisse der Brozaner Anhöhe. 
Mit 1 Taf. und 2 Fig. im Texte.) Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 
Prag 1887. 

Thecosiphonia craniata Zah. S 1 tab. Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1887. 

Beitrag zur Kenntnis der Phymatellen der böhmischen Kreideformation. 
Melanges phys. et chim. tires du Bulletin de TAcadömie imper. des sciences de 
St. Petersbourg. Tome XII. 1886. 

VerrucocoeUa vectenaU Hm. S \ tab. Sitzungsb. d. k. böhm. Gesellsch. d. 
Wissensch. Prag 1F8G. 

Ueber zwei Spongien aus der Kreideformation von Raudnitz. Beiträge zur 
Palaeontologie Oesterreich-Ungarns und des Orients, Bd. V, H. 2. Wien 1885. 
Mit 2 Taf. 

Scytalia pertusa z pyrop. sterku u Chodoulic a z Bfezenskeho päsma ütvaru 
kfidoveho u Brozan. [Scytalia pertusa aus dem Pyropengerölle l)ei Chodoulic und 
aus den Priesener Schichten der Kreideformation bei Brozan.) Zeitsehr. d. geol. 
Vereins. Prag 1885. 

Ueber Isoraphinia texta und Scytalia pertusa aus der Umgebung von 
Raudnitz. Mit 1 Tab. Sitzungsb. d. kais. Akad. d. Wissensch. Wien 1885. 

Geologie vysiny Rohatecke u Roudnice. S 2 tab. (Geologie der Rohatezer 
Anhöhe bei Raudnitz. Mit 2 Taf.) Sitzungsb. d, k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 
Prag 1885. 



70 C- Zahälka. [4] 

Die Launer Knollen Fric's bei Laun und überall in der 
westböhmiseben Kreideformation sind kein selbständiger Horizont der 
böbmiscben Kreide. Sie gehören zu verschiedenen Zonen, bei Laun 
besonders zu den Horizonten IV /• und V«. 

Die Angabe von Reuss, der Exogy rensandstein (IV e) von 
Malnitz liege unter dem dortigen Grünsandsteine (IV r) ist richtig; 
nicht die spätere Angabe beim Krejcf und Fric, dass der Exogyren- 
sandstein (IV ^0 über dem Grünsandsteine (IVr) liegt. 

Die M a 1 n i t z e r A v e 1 1 a n e n s c h i c h t e F r i c's bei Malnitz ist 
die unterste Bank des Horizontes V a. 

Die Z n e V wurde entweder übersehen (Umgebung von Raud- 
nitz) oder zu verschiedenen Zonen gezählt, im Egergebiete besonders 
zu den Teplitzer Schichten (X), 

Die 13ischitzer Uebergan gss chicht en sind auch kein 
selbständiger Horizont der böhmischen Kreide. Die typischen Bischitzer 
Schichten in Bischitz und Oecelic gehören zu den höchsten Schichten 
(r) der Zone IV, gerade so, wie der Grünsandstein von Malnitz (IV /•). 
Die Bischitzer Schichten in anderen Gegenden gehören zu ver- 
schiedenen Zonen unserer Kreide. 

Der grösste Theil der I s e r s c h i c h t e n, und zwar : der Hledseber 
Zwischenpläner, der zweite Kokoriner Quader, die Chorousker Trigonia- 
schichten und die Kaniner Bryozoenschichten, die zusammen unserer 
Zone IX entsprechen, sind aequivalent den Priesener Schichten (IX) 
in der Umgebung von Laun (Priesen, Leneschitz etc.). 

Die P r i e s e n e r S c h i c h t e n i n P r i e s e n sind nur der obere 
Theil der Priesener Schichten (IX) des Egerthales. Bei der Lene- 
schitzer Ziegelhütte und am Velky vrch bei Vrsovic ist auch der 
untere Theil der Priesener Schichten (IX) zugänglich. 

Die Teplitzer Schichten (X) sind n i c h t älter als die 
Priesener S ch ich ten (IX), sondern umgekehrt. Ueberall, wo man 
die Teplitzer (X) und Priesener Schichten (IX) übereinander auf- 
gedeckt findet, werden die Priesener Schichten (IX) durch die Tep- 
litzer Schichten (X) bedeckt. Als Liegendes der Priesener Schichten 
findet man überall in unserer Kreideformation die Zone VIII und nie 
die Zone X. 

Die Zone VIII wurde von den Geologen im Egergebiete ent- 
weder als Weissenberger Schichten, oder als Malnitzer oder als 
Teplitzer Schichten erklärt. 

Der klingende Ino ceram enplä n er (X^^), der in der 
westböhmischen Kreide die höchste Lage der Teplitzer Schichten ein- 
nimmt, ist nicht aequivalent den Priesener Schichten (IX) bei Lene- 
schitz und Priesen. 

Sehr viele andere Beispiele findet der Leser in den nach- 
stehenden Zeilen dieses Artikels. 

Ich habe schon erwähnt, dass durch die Faciesveränderungen 
in unserer Kreideformation eine und dieselbe Zone in verschiedenen 
Gegenden petrographisch verschieden sein kann. Mit der Facies- 
veränderung ändert sich aber auch die Vergesellschaftung der Versteine- 
rungen, wie ich oft bewiesen habe. Es kann also in einer mergeligen 
Zone eine ganz andere Gesellschaft charakteristischer Petrefacten 



[^] 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



71 



herrschen als innerhalb derselben Zone, wenn sie in einer sandigen 
Facies entwickelt ist. Da den Geologen diese Umstände in unserer 
Kreideformation nicht bekannt waren, da sie die stratigraphischen Ver- 
hältnisse nicht ins Detail studirten, so ist klar, dass die Erklärung 
der geologischen Profile oft in kurzen Distanzen nicht befriedigend 
ausgefallen ist. Eine und dieselbe Zone in ganz kleinen Entfernungen 
wurde anders bestimmt. So wurde z B. die Zone VIII von Fric, 
Krejcl und Gümbel in folgender Weise bestimmt (siehe Tab. II): 



Zahälka 


Fric 


Krejöl 


Gümbel 








&J0 

m 

o 


et-i 
O 

tB 

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C3 


o 

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Nach dieser Tabelle wurde also unsere Zone VIII nur von den 
drei genannten Geologen an verschiedenen Orten der westböhmischen 
Kreide für die Zone III, IV, V (unterste Schichte), VI, VIII, IX und 
X gehalten ! 

Mehrere ähnliche Beispiele findet man in diesem Artikel und 
übersichtlich auf der Tab. II. 

Wie die Geologen verschiedene Horizonte für eine und dieselbe 
Zone gehalten haben, geht aus nachfolgendem Beispiel hervor. Fric 
erklärte als W^ehlowitzer Pläner (VI) folgende Zonen Z a h ä 1 k a's : 



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Ö. Zahälka. 



[6] 



Fric's Wehlowitzer Pläner in 



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gehört zu Zahälka's Zone 



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VI 



V 

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III III 



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III 



III 



III 



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das heisst zu Fric's typischen 



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Semitzer 

Mergel bei 

Melnik 



Mehrere Beispiele findet man in diesem Artikel übersichtlich 
in der Tabelle III und IV. 

Es ist selbstverständlich, dass durch solche Irrthümer in die 
Petrefactenverzeichnisse einzelner Schichten Fric's und anderer 
Geologen Versteinerungen eingereiht wurden, die in dieselben nicht 
gehören. Diese Irrthümer habe ich in meinen Arbeiten bereits cor- 
rigirt. Es ist aus dem obigen Beispiele über die Wehlowitzer Pläner 
auch klar, dass der Wehlowitzer Pläner in Wehlowitz etwas ganz 
anderes ist als der Wehlowitzer Pläner in Slavötfn und wieder etwas 
anderes als der Wehlowitzer Pläner in Libochowitz u. s. w. ! Dasselbe 
gilt für andere Schichten und für die Darstellungen bei anderen 
Geologen. 

Es war also nicht möglich, bei meinem Studium der böhmischen 
Kreideformation die bisherige Nomenclatur der Kreideschichten beizu- 
behalten. Um die Resultate meiner Studien der böhmischen Kreide 
ersichtlich zu machen, habe ich mir vorgenommen, die verschiedenen 
Zonen einfach mit römischen Ziffern I bis X (von unten nach oben) 
zu bezeichnen. 



Zu Seite 73 [7]. 



Kurze TJel>ei*siclit 

der 



Schichtenfolge in der westböhmischen Kreideformation. 



Zone 



Bei Lauii 



Petrograi)hie 



Mächtig 
keit 



Bei Raudiiitz 



Petrogri'i^pl^ic 



Mächtig 
keit 



Bei Melnili 



Petrogvaphie 



Mächtig- 
keit 



Bei Tupadl-Widim-KokoMn 



Petrograplüe 



Mächtig 
keit 



IX 



VIIT 



VII 



VI 



Mergelige Inoceramen- 
kiilke 

lialkige Mergel . . . . 

Kalkige Mergel . . . . 

Mergeliger Thon mit Co- 
prolithen 



Mergelige Thone . . 
Sphaerosiderit - Concret. 
Mergelige Gastropoden 

Thone 

Cilaiikon. mergelige Thone 
Mergelige tTastropoden- 

Thone 

Mergelige Thone . . . 



IV 



III 



Cilaukoü. Saudmergel . 

Thon-Mergel 

MergeligerSpong^enkalk- 
stein 

Mergeliger grober glau- 
konitischer Spongien- 
Sandstein oder Sand- 
mergel 



' Thonmergel 



Glaukon. Mergel- 
Sandstein . . . . 
Glaukon. Sandmergel 
Glauk. Sandkalkstein 
Glaukon. Sandmergel 
Glaukon. kalkiger 
SaTidmcrgcl - . . . 



f) Glaukon. Sandstein . 
e) Glaukon. kalkiger Exo- 

gyrensandstein 
m) Glaukon. kalkiger 

Magas-Sandstein . . 
c) Peinglaukon. kalkiger 

Callianassen-Sandstein 



Spongien-Sandstein 
Spongien-Sandmerge) m. 
kugeligem Spongien- 
Kieselsandstein , . 
Spongien-Sandstein 
Thon 



Thoniger Sandstein mit 

Limonit 

Quadersandstein . . . . 



Feiner Quadersandstein 
Schieferthon mit Kohle 
Grober Quadersandstein 
Conglomerat 



30-0 

> I 
49-Of ;, 



U-T\ 
0-3 



Summa . > 2757 
Jahrbuch d. k. k. geol. ReichsnustaU, 1!)Ü0, GO. Band 



Mergelige Inoceramen- 

kalke 

Kalkige Mergel . , . , 
Kalkige Mergel . . . . 
Glaukon. kalkige Mergel 



Sandige Mergel 



Mergeliger Thon 



14-1 
24-71 
28-1 ( 



Mergelige Inoceramen- 
kalke 



Kalkige Mergel . . . . 
Glaukon. kalkige Mergel 



Mergelige Inoceramen- 
Kalke 



Kalkige Mergel 
Glaukon. kalkigt 



»•8/2 



c) Sandmergel m bi.s 
b) Glaukon. grobkörn 
Pucoiden Sandkalk 
bank 

(Grobkörniger Sand 
mergel und Sand 
«h kalksteine . . 
Sandmergel u. S; 
' kalksteine . . 



Glaukon. weiche Mergel 



Plattenförmiger Sand- 
mergel, oben mit zwei 
Sandkalksteinbänken . 



//) Weicher Mergel 
rf) Weicher Mergel mit 
Quadersandatcinbank 



Glaukonitische Sandmer- 
gel und Sandkalke 



Sandmergel mit Sand- 
kalken 



Fester Mergel, oben auch 
Sandmergel 



Glaukon. Sandstein 



Feiner Quadersandstein 
Schieferthon mit Kohle 
Grober Quadersandstein 
Conglomerat 



Grobkörnig. Sandmergel 

Sehr sandige Mergel und 
Kalksteine . . . . 

Sandmergel mit Sand- 
kalksteinen 

Sandmergel 



d) Bryozoen führende, 
sandige Kalksteine u. 
Quadersandstein . . 

c) Kalksteine, Sandmer- 
gel undSandkalksteine 

b) Quadersandstein, oben 
mit limonitischen Con- 
cretionen 

a) Mergel. Sandstein . . 



29-0 
135; 



Quadersandstein 



Sandmorgel und Sand- 
kalksteine 



Quadersandstein . . 
Mergeliger Sandstein 



6-5 
bis 
4-7 



3-4 

lG-6( 



Grobkörnig. Sandmergel 
(oder Sandsteine) 

Grobkörnig, oder fein- 
körnig. Sandkalksteine 

Sandmergel 

Sandmergel mit Sand- 
kalksteinen 

Grobkörnig. Sandmergel 

Grobkörnig. Sandmergel 

Sandkalkstein 

Quadersandstein 1 1 m . 
Grobkörnig. Sandmergel 



5-4 
bis 
7-2 



Quadersandstein . . . 
Mergeliger Sandstein 



Grobkörnig. Sandmergel 



Grobkörnig. Sandmergel 
Quadersandstein . . . . 
Grobkörnig. Sandmergel 
Sandmergel mit Sand- 
kalksteinen 



Glaukonitische Sandmer- 
gel und Sandkalksteine 

Sandmergel mit Sand- 
kalksteinen 

Sandmergel 

Thon . • 



Summa . 169-9 



Glaukon. Sandstein 



Feinkörniger Sandstein 



Summa . I94'8 



rici't. (C'. Zahlllka.) 



f. Zabiilkn: üeber ilk- Sclmlil,.nrolf,'.> ,l,i w.sll 



Zahälka's Zonen der westböhmischen Kreideformation im Vergleiche zu älteren Gliederungsversuchen. 







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1844-1853 


1847 


1807-1802 


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18fi8 


1869—1877 


















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Julirbucli d. k. k. geol. Beichsaiistalt. lOOO. 50. Bund. l. Helt. (C. Ziiluilkfi.) 



C. ZahAlka: üeber die SeUchtenfolge da- westböhmischen Kreideformation. 



Friö's Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu nachfolgenden Zonen Zahällca's: 





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V 


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IX 

IXunt. 
VIII 


IX 
ober. 






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Teplitzei- Schichten 


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Biyozoen-Schichten 





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- 


- 


IX rf 


- 


- 


- 


- 


- 




- 


- 


- 


- 


- 


- 






IX c 


Trigonia-Schicliten 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


Yd 


IXdc 


IX c 


IX c 
1X6 


- 


Yd 


IX c 


- 


- 


- 


- 


_ 


- 


- 


- 


- 


— 


- 


- 






IX J 


Zweiter Koiofmer Quader 


- 


- 


- 


IX 


- 


- 


- 


- 


- 


Yd 


1X6 


1X4 


- 


Yd 


1X6 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 






IX a 


Hledseber Schichten 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


IX r. 


IXa 


IX o 


IX» 


Yd 


IX 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


_ 


- 


- 






VIII Ä 


Erster Kokofiner Quader 


VIII 


- 


- 


IX 


VIII 


- 


VIII 


- 


- 


Yd 


VIII 
bis 
IV 


VIIU 


VIII/i 


villi 


Yd 


VlIIA 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 




- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 






IV /• 


Bysitzer Uebergangsschichten 


- 


- 


- 


VIII 


- 


- 


- 


- 


- 


IV,- 


- 


- 


VII 


lYf 


— 


~ 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


~ 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 






Va 


1 

1 
1 
•a 


Malnitzer Avellauenschichte 


VIII 


VIII 


VI 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


IV 


- 


- 


- 


IV 


- 


- 


Va 


- 


- 


- 


- 


Vn 


- 


Vn 


- 


- 


- 


- 






Va 

ni,iv 


Launer Knollen 


VII 


VIII 
VII 


VI 


VII 
VI 


VI 


- 


VIII 


- 


- 


- 


- 


— 


IV 
IV 


- 


- 


- 


- 


- 


~ 


- 


- 


- 


IV e 


IV e 




III 


- 






IV»-- 


Malnitzer Gi-iinsand 


VII 


VII 


VI 


V 


VI 


- 


- 


villi 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


IV 


- 


- 


- 


IV.- 


IV ,-■ 


IV,-- 


IV f 


- 


- 


- 






VI 


ll 

»CO 


Wehlowitzer Planer 


VI 

III 


VI 


VI 


V 
IV 


VI 


VI 


VI 


VIII 


- 


IV 


iir 


- 





- 


IV 


- 


- 


- 


- 


- 


III 


III 


III 
III 


VIII 


- 


- 


IV c 


IV..-,. 
III 


III 


III 


- 






IV 


Dfinower Knollen 


Yd 
IV 


V 
IV 


V 
IV 


- 


V 


v;^ 


V 


VIII 
VII 

V, VI 


IV 
unt. 


IV 


- 


- 


IV 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


III 


- 


- 


- 


- 


III 


_ 


- 






III 


Semitzer Mergel 


III 


- 


IV 


- 


IV 


Vd 


IV 


IV 


III 


III 


- 


- 


- 


III 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


III 


III 
II 


- 


- 


- 


II 
I 


III 


- 






II 


Korycaner Schicliten 


II 


- 


- 


- - 


- 


- 


- 


II 


- 


- 


- 


- 




- 


- 


- 


- 


— 


- 





II 


- 


- 


- 


- 


- 





- 






I 




Perutzer Schichten 


- 


- 




- 


- 




- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


I 


1 


- 


- 


- 




- 


- 









KrejCi's Schichten der 


westböhmischen Kreideformation gehören zu 


nachfolgenden 


Zonen Zahälka's: 




GUmbers Schichtender westböhm. Kreideformation gehören zu 


nachfolgenden Zonen Zahälka's: 








Z a h Ä 1 k a 










Z a h a 1 k A 








Krejii 


i 


J 
1 


1 

r 


■1 
.5; >i 

■S ' 

■1| 


■E 

1 

3 


s 


Ah 
1 

1 




1 


i 


a 
1 


1 

1 
1 




1 


's 


3 
1 

tu 


E 
G 


a 

-5 
> 
1 

1 

-D 

13 




ZahiUka 


G ii in b e 1 




ja 

t ' 




-.3 


►J 


^ 




"i 


i 
s 


>> 

3 




IX 


Pi-iesener Schichten 


V 


V 


- 


IX 


IX 


IX 


- 


- 


Xd 


- 


- 


Xrf 


Xrf 


Xrf 


- 


Xrf 


Xrf 


- 


IX 


Priesenei- Schichten 


III 


- 


- 


IX etc. 
3 


V 


V 


- 


IX 


- 


- 


x\ 


- 




X 


Teplitzei- Schichten 


V 


V 


- 


X 

IX tocli. 


IX? 


IX ob. 
V 


(III) 


III 


^ 


V, IX 


- 


X6 


X6 


X6 


Yd 


X6 


X6 


- 


X 


Hnndoi-fev Schichten 


III 


- 


- 


1X1,2 
VIII 
2.3,4 


V 


V 


V 


V 




VI! 
VI 


IX* 


- 




IX 

VIII 


Iserachichten 


IV e 


IV e 


- 


- 


VIII 

(iimöcn.) 


IV'; 


- 


III 




~ 


Yd 


IX 
bis 
V 


IX 

viii;. 


VIII 


IX 

bis 
V 


IX 

VIII 


IX 

VIII 


IV,^e 


Malnitzer Schichten 


III 


- 


- 


Villi 


TV 


Vf. 


IV 


IV r 


< 


- 


IX» 


- 




IV /■ 


Malnicer Schichten 


IV c 


IVj- 


III 


- 


- 


ffll) 


III 




- 


- 


VIII ml. 
Vir 

4,3, 2 


VI 


- 


IV 
III 


VI 
V 


VIII 
VII 


IV 


Libocher Schichten 


III 


ll 


- 


IV 


_ 


- 


- 


l„, 


IV 


- 


VIII 
ober. 


- 




in 


Weissenberger Schichten 


III 


III 


III 


VIII 


III 


- 


III 


III 


~ 


Ui 
bis 
X 


IV 
III 


IV 
III 


VIII 
bis 

III 


V 


IV 
III 


VIII 
bis 
IV 


III obere 

III unterste 
II 


Melniker Schichten 


III 


in 


III 


- 


- 


III ob 


- 







11 


Koi^conei- Schichten 


Irfll 


II 
Irf 


III Th. 
II 


- 


- 


- 


II 


II 


- 


II 


II 


- 


IV.- 


II 


- 


- 


- 


Tuchomeritz-Panki-atzer 
Schichten 


II 


I! 


II 


- 


- 


- 


- 


II 


- 


- 


- 




i 


Pei-ucei- Schichten 


K 


n 




- 




~ 


I 


I 


- 


I 


~ 


~ 


~ 


~ 


~ 


~ 




" 


II 


Rudistenschichten etc. 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


II 






I 


Perutzer Schichten 


I 


I 


1 


- 


- 


- 


- 


I 


- 


- 


- 


- 





Jahrbuch d- k. k. 



Beidiaaiiatalt, lOOO, 50. Band, i. Heft. (U. ZahAlka.) 



C. Znlii'ilkii; UpIkt dio Sohiphtpiifolgp der wpstbfilimischen Kri'idefnviiiation. Tiilmlle IV. 

Reuss' Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu nachfolgenden Zonen Zahäil<a's : 









Z ah ä, Ik a 






R e u s s 


Lippenz, 
Malnitz, 
Laun, 
TepUtz 


1^ 


13 


Kystra 


Weberschan— 
Hradek 


Perutz 






c 
,a 
1 

i 


Oberer Plänerkalk 


X 


Xb 


V 


Xb 


- 


- 






Unterer Plänerkalk 


V 


Xn 


- 


- 


- 


- 






Plänermergel 


IX 


IX 


- 


IX 


- 


~ 






Pläners andstein 


III 


- 


- 


- 


III 


III 






Unterer Quadersandstein 


Grünsandstein von Malnitz 


IV.,'- 


- 


IV r 


- 


- 


- 






Grauer Kalkstein von Cencitz 


IV «■ 


- 


IV« 


- 


- 


- 






Exogyrensandstein von Malnitz 


IV e 


- 


- 


- 


- 


- 






Grauer Sandstein von Lipenz 


IV c 


- 


- 


- 


- 


- 






Unterster Quader 


IIIuntThon 
I, 11 


- 


~ 


- 


in Thon 
II 


111 Thon 
11 
I 





Schlönbach's Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu nachfolgenden Zonen Zahälka's; 



IX ob. 



IV 



III 



S c h 1 ö 11 1) a (■ li 



Zone des Inoceramus Cuvieri 
und Micraster cortestndinarium 



Zone des Seaphites Geinitzi und 
Hpondylus spinosua 



Zone des Ammonites Woolgarei 
und Inocermnus Bronffmarti 



Zone des hiocemmits lahiatiis 



Zone der Trigonia sulcataria 
und des Calopygus carhiatiis 



Z a h ä 1 k a 



IX 

VIII 
VII2, 3, 4 



VI, VII 1 

V 

IV 

111 ob. 



V« 
IV c 



IV c 
111 



IX 

VII 1 

VII 2, 3, 4 



IV unt. 
III 



Julirbuch d. k. k. Keol. Reicliaanstalt, 19Ü0. 50. Band, 1. Hel't. [C. Zahalka.) 



VIll 
VII 



[7] Ueber die Scliichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 73 

In welchem Bezirke der westböhmischen Kreideformation sollte 
ich meine Studien beginnen? In dem Egergebiete und im böhmi- 
schen Mittelgebirge, wie R e u s s und andere Geologen , wo eine 
Mehrzahl von Zonen in Folge ihrer mergeligen Ausbildung ähnliche 
petrographische Eigenschaften haben und durch viele Verwerfungen 
gestört sind und so das Studium erschweren? Oder in der Gegend 
des Daubaer Gebirges (Polomene Hory), wo wieder viele Zonen sehr 
sandig und dadurch petrographisch und palaeontologisch sehr cähnlich, 
die unteren Zonen aber der Beobachtung nicht zugänglich sind ? Ich 
hatte in beiden Gebieten wenig Aussicht auf Erfolg. 

Dagegen erschien mir die Umgebung des denkwürdigen Berges 
Rip bei Raudnitz für stratigraphische Studien besonders günstig, da 
hier alle Zonen am besten entwickelt, leicht zugänglich, wenig durch 
Verwerfungen gestört, reich an Versteinerungen, scharf von einander 
nach petrographischen , palaeontologischen und physikalischen Be- 
schaifenheiten abgesondert sind. Darum habe ich das Elbethal und 
das ßipplateau bei Raudnitz als Ausgangspunkt gewählt, von welchem 
ich meine zehn Zonen nach allen Seiten hin verfolgen konnte. 

In der Tabelle I, die jetzt folgt, befindet sich eine kurze Ueber- 
sicht der Schichtenfolge unserer westböhmischen Kreideformation 
von vier Hauptpunkten von Westen nach Osten : bei Laun, Raudnitz, 
Melnik und Kokoffn. Man sieht in ihr den petrographischen Bau, 
die Faciesveränderungen der Zonen und die Mächtigkeit. Eine grosse 
Anzahl detaillirter Profile aus dieser Gegend mit den Petrefacten- 
verzeichnissen einzelner Schichten jeder Zone befinden sich in den 
unten citirten Arbeiten. 

(Siehe die beiliegende Tabelle I.) 

Als ich meine Hauptarbeiten aus den stratigraphischen Studien 
der westböhmischen Kreideformation veröffentlicht hatte, habe ich im 
Jahre 1899 diejenigen Mitglieder der k. böhmischen Gesellschaft der 
Wissenschaften, der böhmischen Akademie der Wissenschaften und 
der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien, die sich für die böhmische 
Kreideformation interessiren, zu einer mehrtägigen Excursion ein- 
geladen, um ihnen die Resultate meiner erwähnten Arbeiten in der 
Natur selbst zu erklären. An dieser Excursion betheiligte sich im 
Monate September 1899 nur die k. k. geologische Reichsanstalt in 
Wien durch die Herren Oberbergrath Dr. E. Tietze und Dr. J. Jahn. 
Schon nach den ersten Excursionen zwischen Raudnitz und Melnik 
überzeugten sich die genannten Geologen, wie verschiedene Ansichten 
über das Alter unserer Zonen herrschten, und ich wurde von ihnen 
zu einer Arbeit aufgefordert, in der übersichtlich die Vergleichung 
meiner Zonen mit den Profilen anderer Geologen ausgeführt wäre. 
Das war umsomehr erwünscht, da diese Vergleichung in meinen 
böhmischen Arbeiten auf viele Abhandlungen vertheilt war. Mit grösster 
Freude trat ich an diese Studien und veröffentliche hiemit eine über- 
sichtliche Vergleichung unserer Zonen mit der Kreideschichtenfolge 
anderer Geologen, selbstverständlich nur aus den Bezirken, die ich 
speciell studirt habe. Die Profile der Geologen sind auf folgende 
Weise tabellarisch zusammengestellt: 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Ueft. (Ö. Zah&lka.) IQ 



74 



C. Zahsilka. 



[8] 



Profil bei Pfestavlk. 

Krejcl: Studien, Fig. 18 rechts. 

Zahälka: Zone I, II und III der Kreideformation in der Umgebung 
von fop. S. 7-9, 11—12, 19-22. Fig. 3. Geotektonik. S. 2—4. 
Fig. 2. 



Z a li jI 1 k a 


Krejcl 


Z all iUka 


III 


t 


Teplitzer Schichten 


X 


m j 


Malnitzer Schichten und Iserschichten 


IV r; VIII, IX 





Weissenberger Schichten 


III 


II 


k 


Korycaner Schichten 


II 


I 


P 


Perutzer Schichten 


1 



In der linken Randcolonne sind meine Zonen in Pi'estavlk an- 
gegeben, zu denen Krejcfs Schichten ;> bis t gehören; z. B. die 
Schichten o, w, j und t gehören zu unserer Zone III, die Schichten 
k zur Zone II etc. In der rechten Randcolonne ist wieder angegeben, 
welchen unserer Zonen die typischen Schichten K r e j c fs — mit 
denen er die Scliichten bei Pfestavlk parallelisirt hat — angehören. 
Also: die Teplitzer Schichten Kr ejcfs in Teplitz zur Zone X, die 
Malnitzer Schichten Krejcl's in Malnitz zum Horizonte r der Zone 
IV etc. Daraus geht aber hervor, dass Krejcf unsere Zone III (die 
wahren Weissenberger Schichten am Weissenberge) bei Pfestavlk für 
die Zonen III + IVr + VIII + IX + X gehalten hat (das heisst : 
für seine Weissenberger Schichten am Weissenberge + Malnitzer 
Grünsand bei Malnitz + Iserschichten im Isergebiete + Teplitzer 
Schichten bei Teplitz). Diese tabellarische Vergleichung genügt aber, 
wie wir sehen werden, nicht immer, und es zeigte sich oft noth- 
wendig, Bemerkungen beizufügen. 

Die Profile, die wir jetzt durchgehen werden, sind zuerst jene 
des ersten Stratigraphen unserer westböhmischen Kreide, Peuss; 
dann folgen die Profile U o m i n g e r's, J o k e 1 y's, L i p o 1 d's, G ü m- 
bel's, S eil lön bach's, Krejcfs und Fric's. 



[^ 



Uebcr die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



75 



Schichtenfolge der Kreidefornintioii in Westböhnien. 

Reuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 5 etc. Prag 1844. 
Zahälka: Zone I, II etc. bis X des Egergebietes. 



Z a li ä 1 k a 


Reuss 


— 


Oberer Quadersandstein 


X 


X 


Oberer Plänerkalk 


Plänerkalk 


Plänerschichten 


V 


Unterer Plänerkalk 


IX 


Plänermergel 


III 


Plänersandstein 


IV 


lYr 


Grünsandstein von Malnitz 


Unterer 
Quadersand- 
stein 


IV e 


Grauer Kalkstein von Cencic 
Exogyrensandstein von Malnitz 


IV c 


Grauer Sandstein von Lippenz 


I, II 

Th( 


und unt 
;n von 


erster 
[11 


Unterster Quader 





Bemerkungen. 

1. Den Reuss'sehen oberen Quadersandstein lassen wir ausser- 
acht, da ich zum Studium desselben erst in nächster Zeit gelange. 

"2. Reuss hat gewöhnlich unsere Zone X als Plänerkalk, und 
zwar oberen Plänerkalk, unsere Zone V als unteren Plänerkalk bestimmt. 
Im nachstehenden werden wir aber sehen, dass Reuss manchmal 
auch die Zone V für den oberen Plänerkalk und manche Schichten 
der Zone X für unteren Plänerkalk gehalten hat. 

3. Den grauen Kalkstein von Cencic kann man als Aequivalent 
des Exogyrensandsteines (IV e) von Malnitz betrachten. 

Schichtenfolge bei Wolenic und Kostic. 

Reuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 20, 38, 40, 53, 
54, 55. 

Zahälka: Zone IX des Egergebietes, S. 15 — 25; Zone X, S. 7, 
15—18; Zone V, S. 27—31, Fig. 56—58. 



Zahälka 


Reuss 


X 


b 


Oberer Plänerkalk 


a 


Unterer Plänerkalk 


IX Ol 
Schi( 


jerstö 
jhten 


Obere Schichten des Plänermergels 



10* 



76 



Ö. Zahälka. 



[10] 



Bemerk u n g. 

Reu SS glaubte, dass die Coprolithschichte unseres Horizontes 
Xa in Kostic äquivalent ist den Schichten unserer Zone V (unterer 
Plänerkalk) am Egerufer in Laun, was unrichtig ist. (Siehe Zone V 
des Egergebietes, S. 27 — 31.) 



Schichteiifolge in Ceiicic. 

Reu SS : Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 96. 
Zahälka: Zone IV des Egergebietes, S. 25—30, Fig. 30; Zone V, 
S. 20—23. 



Zahälka 


Reuss 


V 


Plänerkalk mit Terebratula octoplicata Soiv. '), Terebrafula 

pisum Sow. ^), Terehratula Mantellinna Soio. * ), Terebrafula 

semiglobosa v. Buch und Terebratula carnea Soiv.'^) an dem 

Hügel, der die Kirche trägt. 


IV 

obere 

Abtheilung 


f 


Grünsandstein, ein sehr fester, grünlichgrauer, 
körniger Sandstein. 


ziemlich fein- 




e 


Fester grauer Kalkstein. 





Bemerk u n g. 

In den Schichten der Zone V in Cencic befindet sich keine 
Terebratula semiglobosa und auch keine andere für den R e u s s'schen 
Plänerkalk (oberer Plänerkalk — Zone X) charakteristische Ver- 
steinerung. Vielleicht wollte Reuss mit dem Satze: „Plänerkalk mit 
Terebratula semujlobosa etc." sagen, dass diese Schichten äquivalent 
sind dem Plänerkalke mit Terebratula semiglobosa etc. — was nicht 
richtig ist. Es ist sonderbar, dass denselben Irrthum auch G ü m b e 1 
und Krejcf wiederholt haben. (Siehe weiter.) 



Schichtenfolge bei Kj stra. 

Reuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 24, 51, 55, 42. 
Zahälka: Zone IX des Egergebietes, S 36-44; Zone X, S. 19-20, 
Fig. 60. 



Zahälka 



Reuss 



X 

untere 
Abtheilung 



Plänerkalk. Gelblich- und graulichweisser, milder, kalkig- 
thoniger, ziemlich dünnschiefrigcir Mergel mit vielen Petrefacten. 



IX 

obere 

Abtheilung 



Obere Schichten des Plilnermergels. Mehr oder weniger dünn- 

schiefriger, sehr thonigcr, milder Mergel mit einzelnen sehr 

kleinen Glimmerschüppchen von lichtaschgrauer, selten gelblich- 

srrauer Farbe. 



') Jihynchonella plicatilis. 
*) Terebratula semif/hbosa. 



[11] 



lieber die Schichtenfolge der westböbmischen Kreideformation. 



77 



Unterer Pläiierkalk von Laun und Malnitz. 

Reuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 37, 23—24, 39. 
Zahälka: Zone V des Egergebietes, S. 27 etc., Fig. 51. 

Die Schichten unserer Zone V am rechten Egerufer in Laun 
hat Reu SS als die tiefsten Schichten des Plänerkalkes (X) betrachtet 
und glaubte, dass sie dem Plänermergel (IX) aufgelagert sind. Reuss 
stellte sich also die stratigraphische Ordnung der Zonen V, IX und X 
in folgender Weise vor: 

Zone X . . . Oberer PLänerkalk. 

Zone V . . . Unterer Plänerkalk. 

Zone IX . . . Plänermergel. 
Später (siehe weiter) ist Reuss zu anderen Ansichten über die 
Lage dieser Zonen gekommen und stellte sich folgende Ordnung vor: 

Zone IX . . . Plänermergel 

Zone X . . . Oberer Plänerkalk. 

Zone V . . . Unterer Plänerkalk. 
Auch die Zone V in der Umgebung von Malnitz hielt Reuss 
für den unteren Plänerkalk. (Kreidegebilde, S. 24, 39.) 



Schichtenreihe von Webersclian. 

Reuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S. 86 — 88, Taf. I, 

Fig. 8. 
Zahälka: Zone III des Egergebietes, S. 53—62. Fig. 27, 26, 15: 

Zone IV, S. 76; Zone II, S. 8. 



Zahälka 


Reuss 


Zahälka 




6. Plänersandstein. 


3. Fester Grünsandstein 
mit zahlreichen grünen 












5. Grauer Thon wie 1 . „ Körnern. 






4. Sandiger Thon. ^ 






3. Von Eisenoxyd ganz 'S 




III 


durchdrungener und °g 2. Ein gelblicher, sehr 


IV 


untere 


von Brauneisenstein a feinkörniger, fast zer- 


obere 


Abtheilung 


durchzogener feinkör- ^ reiblicher Sandstein. 
niger Sandstein. i 
2. Sandiger Thon mit ^ 1 . Sehr feinkörniger 
vielen grünen Körnern. , Sandstein mit silber- 


Abtheilung 








1 . Glimmerreicher 


weissen Glimmerblät- 






Thon. 


chen. 





Bemerkungen: 

1. Reuss zählt die Schichten 1^ — 5 noch zum unteren Quader- 
sandstein, das heisst zu unseren Zonen I + IL 

2. Bei dem Dorfe Weberschan führt Reuss unter den thonigen 
Schichten der unteren Zone III auch den Quadersandstein (unteren) 
[Zone IIJ auf. 



78 



Ö, Zahälka. 



[12] 



Schichteiireihe von Perutz. 

Keuss: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens, S 
Zaiialka: Zone I des Egergebietes, S. 17^ — 26, 
S. 5; Zone III, S. 28—33. 



91-95. 

Fig. 7; Zone H, 





Zahälka Reuss 




III2 Plänersandstein. 




III,+II + I 


Unterer Quadersandstein. 




Perm 


Rothes Todtliegendes. 



In seinem Vortrage im naturwissenschaftlichen Verein „Lotos" 

im Jahre 1853 hat Reuss seinem Plänermergel (IX), den er auch 

Bakulitenthon nennt, eine andere Stellung gegen den Plänerkalk (X) 

gegeben. Er stellt den PLänermergel über den PLänerkalk. Also so: 

Plänermergel . . . Zone IX. 

PLänerkalk . . . Zone X. 

Ich glaube, dass auf diesen Vortrag die Studien Rominger's 
Einfluss gehabt haben. (1847. Siehe weiter.) 

Ein Irrthum ist es auch, wenn Reuss schreibt (in demselben 
Vortrag, S. 75), dass der Bakulitenthon (Plilnermergel) theils den 
Plänersandstein überlagert, also von oben nach unten: 

Plänermergel . . . Zone IX. 
Plänersandstein . . . Zone III. 

Auch in der Arbeit: „Die Gegend zwischen Komotau, Saaz, 
Raudnitz und Tetschen", 1867, S. 25, stellt Reuss den Plänermergel 
(Bakulitenthon) über den Plänerkalk. 

C. Rominger hat sich auch mit der Gliederung der böhmischen 
Kreideformation beschäftigt. In seiner Abhandlung: „Beiträge zur 
Kenntnis der böhmischen Kreide" von Dr. Carl Rominger in Waib- 
lingen. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie etc. Stuttgart 1847, 
S. 641 — 644, entwickelt er nachstehendes Schema für die Kreide in der 



Uingebuiig^ von Postelberg. 

(Siehe auch unsere Abhandlungen über die zehn Zonen des Egergebietes.) 



Zahälka 


Rominger 


Zahälka 
bei Leneschitz 


IX 


6. Baculiten-Thone = Plänermergel von Reuss. 


IX 


X 


5. Oberer Pläner. 


X 


V 


Unterer Pläner. 


Vlll-flXunterste 


IV f 


4. Grünsandstein. 


— 


IV e 


3. Exogyrensandstein. 


— 


III + IVc 


2. Gelber Baustein — Plänersandstein u. grauer 
Sandstein von Lippenz bei Reuss. 


III 


I+II 


1. Unterer Quader. 


— 



[13] Ueber ilie Scliichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 79 

Bemerkung. 

Rominger hielt unsere Zone V am Weissenberge bei Laun für 
ein Aequivalent der Zone VIII und der untersten Schichten 1 + 2 
der Zone IX bei der Leneschitzer Ziegeliiütte. 

Profil bei der Leiiescliitzer Ziegelhütte. 

Rominger: Beiträge, S. 651. 

Zahälka: Zone VIII des Egergebietes, S. 12, Fig. 55; Zone IX, 
S. 49-63, Fig. 64-66; Zone X, S. 7, 22, Fig. 54. 



Zahälka 
Fisf. 55 



Rominger 



X 



Oberer Pläner mit Terebratula carnea (unsere semiglohosa) etc. 



VIII, IX,,, 



Unterer Pläner mit Ostrea sulcata und Scyphia suhseriata. 



III 



Plänersandstein. 



B e m e r k u n g e n. 



1. Rominger hat die zwei Verwerfungen (siehe unsere Fig. 55) 
bei der Leneschitzer Ziegelhütte übersehen. Er hat geglaubt, dass 
die Schichten unserer Zone VIII und die untersten Schichten der 
Zone IX (1 + 2) unter die Zone X fallen, und die Schichten der 
Zone III unter die Zone VIII. 

2.- Bei dieser Beobachtung der Aufeinanderfolge der Schichten 
vom Bache bis über die Ziegelhütte (unsere Fig. 55) hat Rominger 
die Zone IX3 ober der Ziegelhütte, das heisst die Baculitent hone, 
ausgelassen ; ähnlich die höchsten Schichten der Zone IX beim Bache 
(Poustka). 

3. Dass die Schichten VIII + IXi-|_2 kein unterer Pläner sind, 
das heisst, dass sie nicht äquivalent sind der Zone V am Weissenberge 
bei Laun, die Rominger unteren Pläner nannte, haben wir schon 
erwähnt. 

Pläner bei Koschtitz. 

Rominger: Beiträge, S. 653. 
Zahälka: Zone IX, S. 20—23. 

Rominger hielt den Reuss'schen Plänermergei von Koschtitz 
(unsere oberste Zone IX) für den Pläner (X). Alle Schichten am 
Egerufer bei Koschtitz sind also nach Rominger Plänerschichten (X). 
Dies ist unrichtig. Schade , dass Rominger den R e u s s'schen 
Plänermergei (IX) unter der ZoneX nicht weiter gegen Volenitz 
verfolgt hat, dort steigt die Zone IX sofort in grosser Mächtigkeit 
zu Tage (infolge der aufsteigenden Schichten — siehe unsere Fig. 5(5) ; 
hier bei Volenitz konnte Rominger nicht nur die petrographische 
Uebereinstimmung des Plänermergels (IX) bei Volenitz (Koschtitz) 



80 



Ö. Zabälka. 



[14] 



mit dem Plänermergel (IX) in der Umgebung von Postelberg, sondern 
auch deren gleichartige palaeontologische Entwicklung (siehe unsere 
Zone IX, S. 31, 32 etc.) constatiren. 



Johann J o k e 1 y untersuchte die Kreideformation im östlichen 
Theile des Leitmeritzer Kreises und gibt eine allgemeine Uebersicht 
über dieselbe im Jahrbuche der k. k. geol. Reichsanstalt 1857, S. 776, 
Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt 1858, S. 72. 

Seine Gliederung der Kreideformation ist beinahe in völliger 
Uebereinstimmung mit den früheren Arbeiten von Reuss. 



Z a h ä 1 k a 



J k e 1 y 



IX 



Baculitenmergel. 



Mittlere Plänermergel (Plänerkalk p,.. 
von Reuss). ^^'^"^'' 



IX 



Unterer Plänermergel. 



III + IV +V -i- VI +VII +VIII 



Plänersandstein. 



I + II u. A. 



Unterer Quader. 



In seiner Arbeit: „Die Quader- und Plänerablagerung des 
Bunzlauer Kreises in Böhmen", Jahrbucli der k. k. geol. Reichs- 
anstalt 1862, S. 367 — 378, unterscheidet Jokely in unserer Kreide - 
formation nachstehende Glieder: 



Z a h ä 1 k a 



IX 

Mertreliffthonisre Facies 



X, IX 

Mergeligthonige Facies 

I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX 
.Sandige Facies 



Jokely 



Baculiten-iSchichten (Tiiron ? Senon?). 



Pläner (Turon) 



Quader (Cenoman) : Quadersiindstein und 
Quadermergel. 



Rem erkungen. 

1. Da die Faciesveränderungen der Kreidezonen aus dem Eger- 
gebiete über das ftijjplateau in (las Daubaer (Jehirge und Isergebiet 
nicht bekannt waren, so wurden alle Quaderlioiizoute mit den ver- 
schiedenen Quadermergel- Einlagerungen zusammen als Quader auf- 
gefasst. 

2. Die mergelthonige Facies unserer Zone IX zwischen Ober- 
Befkowitz und Öernousek wurde hier zum Pläner gerechnet, und 
dieselbe Facies im p]gergebiete wurde als jüngere Schichte, die auf 
dem Pläner liegt, erklärt. 



[1^ 



Ueber die Schichtenfolge der westhöhmischen Kreideformation. 



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k. k. geol. Reiclisanstalr, 1900 50. Band, 1. Heft. (C. Zahälka.) 



11 



82 



C. Zahälka. 



[16] 



M. V, Lipoid unterscheidet im nordwestlichen Theile des 
Prager Kreises (Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1862) von 
oben nach unten (z. B. bei Di'fnov) : 



Zahälka 



Lipoid 



III 



Quadermergel 
Blauer Thon (Letten). 



I + II 



Quadersandstein (iiiit Kohlenflötz). 



Dr. C. W. Gümbel unterscheidet in seiner Arbeit: „Skizze 
der Gliederung der oberen Schichten der Kreideformation (Pläner) 
in Böhmen" (Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaeon- 
tologie, Jahrgang 1867, Stuttgart, S. 797 und 798) nachstehende Zonen 
in der westböhmischen Kreideformation : 



Z a h ä 1 k a 



Gümbel 



IX 



Oberpläner-(Quader-)Sandstein : 

Schneeberg-Schichten (Chlomeker- n. 

Quadersandstein von Grosskai der 

Prager Geologen). 



Oberplänermergel : 
Priesener Schichten, Baculitenmergel. 



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VII m ^ 
VI X III 



Mittelpläneriaergel und Kalk: 

Hundorf- Strehlener Schichten, Tep- 

litzer Pläner (der Prager Geologen), 

Weissenberger Pläner zum Theil. 



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V^IVf III 



Mittelpläner-Grünsandstein : 

Malnitzer Schichten, Grünsandstein 

von Malnic (der Prager Geologen), 

Weissenberjjfer Pläner zum Theil. 



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Mittelpläner-(Quader-)Sandstein; 
' Tyssawandschichten. 



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IV 



«) Knollensandstein : 
Libocher Schichten. 



III 



h) Wohlgeschichteter Mergel 
Melniker Schichten. 









17] 



Uebor die Schichtenfolge der westbölimischeu Kreideformation. 



83 



Z a h Ä l k a 



III unterste 
II 



II 



G ü m b e 



Unterplänermergol und Hiuii)ti,Tnu- 

sandstein : 

Tuchomefitz - Pankratzer Schichten, 

Weissenberger Pläner zum Theil (der 

Prager Geologen). 



Rudistenschichten von Koritzan und 

Unterquadersandstein mit Rudisten, 

Trig. stilc. etc., Korycaner Schichten 

(der Prager Geologen). 



Pflanzenführende Schichten : 

Perutzer Schichten, Perucer Schichten 

(der Prager Geologen). 



B eme rku 11 o e n. 



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1. Gü mb e 1 hat den Unterpläner-Grünsandstein (z. B. in Perutz), 
d. h. unsere Zone II für eine jüngere Schichte gehalten als die 
Korycaner Schichten in Korycan (unsere Zone II). obwohl es Schichten 
gleichen Alters sind. 

2. Wir sehen schon bei G um bei die Absicht, die Mergel der 
Zone III oder dieMelniker Schichten von den Knollenschichten 
der Zone IV oder Libocher Schichten abzutrennen. 

Später hat Fric diese Trennung durchgeführt, indem er die 
Schichten der Zone III. das heisst die Melniker mit dem Namen: 
S e m i t z e r Mergel , die Schichten der Zone IV, das heisst die 
Libocher Schichten mit dem Namen: Dflnower Knollen bezeich- 
nete. Es ist zu bedauern, dass beide Geologen diese Horizonte nicht 
Schritt für Schritt aus einem Bezirke in den anderen verfolgen 
konnten, sondern weit von einander gelegene Profile verglichen haben 
und dadurch zu Irrthümern geführt wurden. So wurden von Gümbel 
nachfolgende Horizonte als Aequivalent betrachtet (siehe auch weiter) • 

M d in Liboch = IV /• in Malnitz = III z. Th. am Weissenberg 
und VI + VII in Wehlowitz = X in Hundorf, Teplitz, Strehlen = 
III z. Th. am Weissenberg. 
Eine Reihe von Profilen gibt Gümbel in seiner Arbeit: „Bei- 
träge zur Kenntnis der Procän- oder Kreideformation im nordwest- 
lichen Böhmen in Vergleichung mit den gleichzeitigen Ablagerungen 
in Bayern und Sachsen". (Abhandl. d. mathem.-physik. Classe d. k. 
bayer. Akademie d. W., X. Bd., IL Abth., München 1868.) 

11* 



84 



(5. Zahälka. 



[18] 



Weisser Berg bei Prag. 

Gümbel: Beiträge, S. 509—511. 



Zahälka 



Gümbel 



Z a li a 1 k a 



1. Oben als Ueberdeckung : brauner, 
lössähnlicher Lehm, unten mit 
Schutt und Geröll 18' 



III 



2. Weiche, lehmartige, gelbe Lagen 
als Zersetzung von weichen , mer- 
geligen Schichten 5' 

3. Weiche, weisse, erdige Lagen mit 
oft zerrissenen kalkigen Concre- 
tionen, unten erfüllt von unzähligen 
Foraminiferen, welche Species für 
Species mit den Arten der Prie- 
sener und Hundorfer Schichten 
übereinstimmen 10' 



Dünngeschichtete, nicht sehr feste, 
kalkige Mergel mit Fischschuppen 
— ob Fischlager? — Nautilus sp., 
üstrea vesieidaris , TerebratuUna 
chrysalis 11' 



O r^ 



Ziemlich dünnbankige, harte, kie- 
selige Lagen mit harten Concre- 
tionen und sehr zerdrückten Petre- 
facten, namentlich bestimmt er- 
kennbar und von mir selbst aus dem 
anstehenden Gestein geschlagen : 
Ammonites Woolgari und Magas 
Geinitzi 16' 



6. Dickbankigeßausteinschichten, fast 
ohne Versteinerungen, oder nur als 
schwierig zu bestimmende, stark 
verdrückte Steinkerne ; nur Inoce- 
ramus lahiatus fand ich in deut- 
lichen Exemplaren 24' 

7. Dünngeschichtete, kieselreiche La- 
gen 15' 

8. Dünngeschichtete Lagen mit Thon- 
geoden, welche auswitternd dem 
Gestein eine grossluckige Beschaf- 
fenheit ertheilen, ausserdem mit 
harten Kalkconcretionen, die nach 
aussen allmälig in das Gestein 
übergehen und mit senkrechten 
Streifen von Brauneisenstein ver- 
sehen. Die ziemlich zahlreichen or- 



IX 



X 



IV r 



IV 



[19] Ueber die Schichtenfolge der wesiböhmischen Kreideformation. 



85 



Z a li ä l k a 



G ü m b e 1 



Z a h ä 1 k a 



III 



II 



ganischen Einschlüsse sind meist 
bis zum Unkenntlichen verdrückt; 
nur zahlreiche Serpula machen sich 
sehr bemerkbar. Die tief ei-en Schich- 
ten sind ohne Ausscheidungen 9' 

9. Ziemlich weicher, grauer, fleckiger, 
durch Verwitterung gelblicher, 
bröcklich zerfallender Mergel, nach 
unten mit einer Brauneisenstein- 
schwarte abgegrenzt . . i . 2' 



10. Hauptgrünsandstein, oben dünn- 
schichtig, mergelig, unten dick- 
bankig, sandig, mit unebenen, auf- 
und niedersteigenden Schichten- 
flachen gegen die Unterlage ab- 
gegrenzt 11' 



11. Weisslichei*, oben feinkörniger, 
nach unten grobkörniger, zerreib- 
licher Sand und Sandstein mit 
kohligen Putzen und weissen 
Thonstreifen (hier Sandgrube) 40' 

12. Eisenschüssiger, grobkörniger 
Sandstein mit Geröll und Gesteins- 
trümmern 5' 



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III 



III 

unterste 
II 



Unterlage : Silurschichten. 



Profil hinter dem Strahower Thor in Prag. 

Gümbel: Beiträge, S. 507. 



Z a h ä 1 k a 



Gümb el 



III 

unterste 



II 



Brüchiger , dünn geschichteter , 

grauer , dunkelgefleckter , durch 
Verwitterung hellgelblich gefärbter 
Mergel mit nicht näher bestimm- 
baren Inoceramen- und Ostreen- 
Steinkernen und zahlreichen Exem- 
plaren von Flabellaria cordata 3' 



2. Weicher, thoniger, dünngeschich- 
teter Grünsand 1^ 2' 

3. Löcherig-poröser Grünsandstein, in 
dickeren Lagen stark verwitternd, 
mit algenartigen weissen Streifen 3' 

4. Fester, in Bänken geschichteter, 
normaler Grünsandstein ... 5' 



Mittelpläner- 
Sandstein und Merkel 



Unterpläner- 
Grünsandstein 



86 



ö. Zahälka. 



m 



Zahälka 



G ü m b e 1 



Weicher, weisslicher, gelbstreifiger, 
kaolinhaltiger , ziemlich grobkör- 
niger Sandstein, welcher nach unten 
in grobkörnigere und Rollstücke auf- 
nehmende Lagen mit ausgezeich- 
neten, zu Schichten stark geneigten 
Anwachsstreifen übergeht . . 15' 



Unterpläner-Sandstein 



Unterlage : Silurschichten. (Die un- 
mittelbare Grenze zwischen der Unter- 
lage und dem erwähnten Sandstein 
ist hier nicht deutlich entblösst.) 



Profil in Peruc. 

Gümbel: Beiträge, S. 532 — 533. 

Zahälka: Zone I, II und III des Egergebietes mit dazugehörigen 



Profilen und Figuren. 



Zahälka 



Gümbe 



III 



II 



1. Wechselnde Lagen von weichem, 
gelbem Schwamiiiflintstein (Plä- 
nersandstein) und Mergelkalk mit 
seltenen Versteinerungen i Inoce- 
ranms labiatus), in Brauneisen um- 
gewandelte Holztheile in einem 
grossen Steinbruche .... 60' 

2. Gelber, thoniger Mergel in dünnen 
Schichten, zum Mittelpläner ge- 
hörend 3' 



6. 



Eisenschüssiger, thoniger Sand- 
stein voll Cardium hillauum ';,' 
Bröckliger , dünngeschichteter 
Grünsandstein mit groben t^narz- 
körnchen und mit zahlreichen 
Exemplaren von Cardium hilla- 

num . . . 1 ' 

Dünngeschichteter Grünsand- 
stein . • 2' 

- Weisslicher Sandstein, fest, 
zu Baustein ...... 5' 

Thoniger Sandsteinschiefer. Hie- 
mit beginnt der Complex der Pe- 

rutzer Schichten 3' 

Grobkörniger , weisser , ziemlich 
fester Sandstein ohne Glaukonit 15' 



Mittelpläner Sand- 
stein. 

Melniker Schichten 



Unterpläner-Grün- 
sandstein. 

Tuchoniefitz- 
Pankracer 
Schichten 



Mittelpläner Sand- 
stein. 

Perutzer Schichten, 



:2i] 



lieber die Scliichtenfolse der westböhmischen Kreideformation. 



87 



Zahälka 



Gümbel 



Perm 1—6 



9. Feiner, grauer, durch Pflanzen- 
reste schwärzlich gefärbter Schie- 
ferthon mit sehr zahlreichen, 
schön erhaltenen Blättern — 
Hauptpflanzenlager von Perutz 5' 



10. Gelbkörniger, weisser Sand- 
stein 25' 

11. Dünnes Lager von Pflanzen- 
schiefer ^ / 

12. Grobkörniger, weisser, z. Th. 
eisenschüssiger Sandstein mit un- 
regelmässigen Thonputzen, welche 
Pflanzenreste enthalten . . .17' 

13. Quarzconglomerat und grober 
Sandstein, tiefste Lage des Pläners 
mit wenigen Graden in St. 4. NO 
einfallend 



14. Unterlage: Rothliegendes in 
in St. 3 mit 10° SW einfallend. 



Unterpläner-Sand- 
stein. 

Perutzer Schichten. 



Profil bei Weberschan. 

Gümbel: Beiträge, S. 529—530. 

Zahälka: Zone III des Egergebietes, S. 55-57, Profil 38, 39; 
Zone IV, S. 76, Profil 77, Fig. 15, 26, 27. 



Zahälka 



IV 



Gümbel 



10. Weisslicher Mergel 



9. Dünnschiefriger Sandstein 1\'2' 

8. Dünnschiefriger G r ü n s a n d s t e i n mit vielen groben 
Quarzkörnchen und Rhynchonella alata, genau wie Schicht 
G des Profils an der Leneschitzer Ziegelei, die zur Malnitzer 

Schicht gehört 3 

7. Weicher, weisser Sandstein 5 

6. Grauer, thoniger Sandstein . . • • . ■ 3/ 

5. Dichter, weisslicher Sandstein, unten feinkörnig, massig, 
fast ohne Schichtungsstreifen, von vielen unregelmässigen 
Höhlungen erfüllt ^1 



Ö. Zahälka. 



[22] 



Zahälka 



III 

untere 
Schichten 



Gümbel 



4. Dünnbankiger Sandstein, welcher in ein kalkig-mergeliges 
Gestein übergeht 5' 

3. Gelber, eisenschüssiger Sandstein 8' 

2. Schwarzer Sand mit kohligen Theilchen 3' 

1. In der tiefsten Thalsohle rechts und links erscheinen 
mächtige Lagen von dunkelgrauem, selbst schwärzlichem, 
schwefelkiesreichemThon, aus dem Eisenvitriol und schwefel- 
saure Thonerde auswittert. Man bemerkt zahlreiche kohlige 
Einschlüsse und verkohlte Pflanzentheile ; der Schiefer, 
namentlich wo er sandig wird, ist so bröcklig und mürbe, 
dass es mir nicht gelang, irgend bestimmbare Fragmente 
zu erhalten. Von Thierresten, welche R e u s s in seiner 
ausserordentlich genauen Beschreibung aus eben diesen 
Bildungen (geogn. Sk. a. Böhmen II. S. 86) anführt, konnte 
ich nichts entdecken (Mittel plan er) 7' 



Bemerk u n gen. 

1. Es ist wahrscheinlich, dass die Schichten 1 bis 4 unseren 
Schichten 1 bis 11 der Zone III und des Profils 38 entsprechen 
können, lieber diese Schichten stellt Gümbel gleich die Schichten 
5 bis 9, das heisst unsere Schichten 1 bis 4 der Zone IV und des 
Profils 39. Dazu muss ich bemerken, dass sich in Weberschan nicht 
alle Schichten der Zone III befinden, sondern nur die unteren. Die 
höheren Schichten der Zone III befinden sich weiter bei Hrädek. 
Man kann also in Weberschan über die unteren Schichten der Zone 
III nicht gleich die Schichten der Zone IV stellen. Es ist bekannt, 
dass sich zwischen dem unteren Profil 38 und 39 eine Verwerfung 
befindet. (Fig. 15.) 

2. Ueber die höheren Schichten unserer Zone III bei Hrädek 
(siehe Zone III des Egergebietes, S. 63, Profil 40) sagt Gümbel 
(Beiträge, S. 530): „Das Gestein dieser Steinbrüche ist jenes licht- 
gelbe, kieselig- mergelige Gebilde, das icl» S'ch wam m f lintstein 
zu nennen vorgeschlagen habe, welches Reuss als Plänersand- 
stein bezeichnet .... Neben Ostrea coliimha findet sich auch Ino- 
ceramus lahiahis. Gesteinsbeschaffenheit und organische Einschlüsse 
drücken diesem Hrädeker Gestein den Stempel eines unteren 
Ct 1 i e (1 (! s d OS Mi 1 1 c 1 p 1 ii n e r s auf " 



123J 



Ueber die Schiclitenfolge der westböhmischen Kreidefonnatioii. 



89 



Profil an der Ziegelhütte bei Lenescliitz. 

Gümbel: Beiträs^e, S. 527, 528. 

Zaliillka: Zone V und VI des Egergebietes, S. 77, Prof. 85, Fig. 54; 

Zone VIII, S. 7—13, Fig. 55; Zone IV, S. 73—75; Zone III, S. 52 

bis 53; Zone IX, S. 49—54, Fig. 64 -6(). 



Z a b ä l k a 



Gümbel 



Zahälka 



IX 



a 



pq 



+ 
X! 



VIII 



1. Priesener Schichten an den Ge- 
hängen und in zahlreichen Wasser- 
oräben reichlich entblösst, beste- 
hend aus dunkelfarbigem, leicht 
verwitterndem Mergel, mit zahl- 
reichen, durch Zersetzung von 
f^chwefelkies entstandenen Braun- 
eisensteinkernen zahlreicher orga- 
nischer Einschlüsse , nanientlich 
von Gastropoden, sehr zahlreichen 
Baculiten, Scaphiten (Am- 
moniten) neben Gypskrystallen. 
Die Schichten entsprechen in 
allem genau den am gegenüber- 
liegenden Egerufer aufgeschlosse- 
nen Lasren bei Priesen . . 80' 



Unmittelbar unter dem dunklen 
Mergel folgt eine dünngeschich- 
tete Lage von Mergelkalk mit 
Glaukonitkörnchen und Ostrea se- 
miplana l^/j' 



3. Darunter weisslicher, bröckliger, 
z. Th. fester Mergel, zuweilen mit 
Ockerstreifen 15' 

4. Fester, schiefriger Mergel . .10' 

5. Weicher, weisslicher Mergel, 
wechsellagernd mit festen Kalk- 
bänken 50' 

Die Schichten .H, 4 u. 5 enthalten 
die Fauna der Hundorfer Schichten; 
darunter am häufigsten : Ostrea >>emi- 
■plana, liliynchonelta plicatilis, Rh. Cu- 
vieri, Terebratiila semiglohosa, Tere- 
hratuHna chrysalis u. a. 



6. Fester, jedoch dünngeschichter, 
deshalb bröckliger, weissgefleckter 
Grünsandstein mit Ana cretaceu, 
Rhipichonella alatn, Pectuuculus sp. 

Mit diesen Lagen beginnt wie bei 
Malnitz die Reihe der Malnitzer 
Schichten l'/a' 

7. Fester, kalkiger Grünsandstein in 
dicken Bänken, mit groben, oft IV 
grünen Quarzkörnchen und zahl- 
reichen Versteinerungen, nament- 
lich JAicina lenticularis in Un- 
zahl ... . ... 5' 

8. Weicher, grünlicher Sand, welcher 
hier das tiefste aufgeschlossene 
Glied zunächst an der Ziegelhütte 
ausmacht ; es steht 3' mächtig an 3' 

Julirlmcli (1. k. k. geol. UcicliSiuistalt,, 1900. 50. U:ui(l. 1. Heft. (C. Zahiilka.) 12 



IX 



.90 



Ö. Zaliälka. 



[24] 



Z a li ä 1 k a 



IV 
III 



G ü m b e 



Dünngeschichtetes, 
ijeliores Gesteiii . . 



kieselig - mer- 
... . 10' 






Zahälka 



IV 
III 



den 
die 
die 
das 



10. Knollige , sandige , kieselreiche 
Lagen 15' 

11. Wechselnd festere und weichere, 
kieselig-sandige Mergel . . 30' 

Die Gesteinslagen entsprechen ge- 
nau den Zwischenschichten zwischen 
den Pflanzenschichten und dem Grün- 
sandstein bei Lippenz bis zu den 
Malnitzer Schichten, obwohl es mir 
nicht glückte, hier charakteristische 
Versteineruno-en aufzufinden. 



Bern er kungeii. 

1. Die Prieseiier Schichten Gümbel's bei der Leneschitzer 
Ziegelhütte sind unsere Schichten IX ;^, Profil 85, Fig. 54 und die 
höheren Schichten der Zone IX von dem Profil 85, IX 3 gegen 
Gipfel des Berges Chlum. In diesem unserem Profile 85 ruhen 
Priesener Schichten Gümbel's auf den Schichten IX 1 + 2, 
Gümbel Nr. 2, nennt und diese wieder auf der Zone VIII, 
heisst Gümbel's Schichten 3 bis 8. Seine Schichten 2 bis 5 zählt 
Gümbel mit Unrecht zu seinen Hundorfer Schichten. Erstens können 
unter den Priesener Schichten (Zone IX) nicht die Hundorfer Schichten 
(Zone X) liegen, sondern die Zone VIII, was auch bei der Ziegel- 
hütte der Fall ist; zweitens befindet sich in diesen Schichten (2 bis 
5 Gümbel's = VIII 2-1-3 + 4 + IX 1 + 2) keine charakteristische 
Fauna der Hundorfer Schichten {Terehrntula scmiglobosa). Wenn sie 
aber Gümbel doch citirt, so ist es ein Irrthum mit den Schichten der 
Zone X (Hundorfer Schichten), die in der Leneschitzer Ziegelhütte 
— aber auf einer anderen Seite, gegen den Hrädeker Bach bei 
Poustka — durch eine Verwerfung (siehe unsere Fig. 55) unter die 
Zone IX geworfen wurden! Wir haben schon bemerkt, dass Romin g er 
der erste war, der diesen Irrtiium gemacht hat, dass heisst, der 
die Priesener Schichten bei der Leneschitzer Ziegelei für jünger 
als die Hundorfer Schichten erklärt; nach ihm haben denselben Irr- 
thum alle Geologen wiederholt. 

2. Die Schichten 6 + 7 + 8 Gümbel's sind keine Malnitzer 
Schichten weder petrographisch noch auch palaeontologisch und stra- 
tigraphisch. In der Scliichte 7 soll sich nach Gümbel die Lueina 
lenticularis in Unzahl befinden. Kein anderer Geolog hat hier diese 
Versteinerung wieder aufgefunden und ich auch nicht. 

: 3 Zwischen den Schichten 8 und 1> befinden sich auch Ver- 
werfungen, durch welche die Schichtenfolge einigemal unterbrochen 
ist und die einzelnen Zonen nicht ganz zugänglich sind. Bei der 
Trinksmühle habe ich auch die Zone V (unterste Schichten) entdeckt 
(fiiehe Zone IV, S. 73, 74, Fig. 50 ; Zone V, S. 50, 57). 



Ueber die Schichtonfol^i! der w^stböhiniscln n Kreideformation. 



91 



Profil in Cencic. 

G um bei: Beitrüge, S. 21, 22. 

Ziihälka: Zone V des Egergebietes , S. 20-22, Trüfil 48. 41), 
Fig. 30. 



Z a li ;'i l k a 



G ü m b e 1 



Z a h ä 1 k a 



V 



4, 5 



IV 



5. Oberhalb der Kirche an der Strasse 
endlich breiten sich darüber auch 
noch die Priesener Schichten 



Weicher, weisser Mergel am Ge- 
hänge mit mehreren, sehr verstei- 
neriingsreichen Kalkbänken voll 
Rhynchonellen und Terebratulen der 
Hundorfer Schichten 



3. Ein dünnschiefriges , mergeliges, 
noch Grlanconit - führendes Ge- 
stein 1^ ,' 



Durch schwache, mehr mergelige 
Zwischenmittel getrennt, breitet 
sich über die Seh. 1 ein sehr harter, 
dichter, glauconitreicher Grünsand- 
stein mit zahlreichen groben Quarz- 
körnchen aus; er umschliesst zahl- 
reiche Versteinerungen, namentlich 
Ammonifes peramphis , Cardium 
hillanum, Lucina lenticularis, Ana 
cretacea, Perna cretacea, Lima cana- 
lifera u. s. w 14' 



Im tiefsten Niveau erscheint hier, 
wie bei Laun, ein sehr dichtes, 
graues, glauconitisches und kalk- 
reiches Gestein, dessen Quarztheil- 
chen ausnehmend fein vertheiltsind 
und dasselbe kaum als eine Sand- 
steinbildung erkennen lassen. Nur 
durch Verwitterung wird seine 
sandsteinähnliche Natur deutlicher. 
Die zahlreichen Versteinerungen, 
die es umschliesst, sind meist fest 
mit dem Gestein verwachsen und 
schwierig, wenn nicht aus zersetzten 
Partien, in gutem Erhaltungszu- 
stande herauszuschlagen. Unter 
den Versteinerungen dieses in 
groben Bänken getheilten Gesteins 
sind besonders als die häufigsten 
hervorzuheben: Animaitites per/rm- 
plus, Woolijari, l'leurutomaria linea- 
ris, Lucina lenticu'nris, Area cre- 
tacea, Perna cretacea, Lima cannli- 
fera u. s. w, ... von 3—5' 



Eser. 



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M 



IX 



X 



IV 



12* 



92 



U. Zahälka, 



[26] 



Bemerk u ii g. 

Dass bei Ceucie keine Hundorfer Schichten (Plänerkalk 
Reuss) sind, haben wir schon bei dem Reuss'schen Profile in Cencic 
erwälmt; es sind dort aucli keine Terebratulen und keine anderen 
für die Hundorfer Schichten (Zone X) charakteristischen Versteinerungen. 
Gümbel's Schichten 4, 5 gehören zu den oberen Schichten unserer 
Zone V. Darum können Gümbel's Schichten 5 nicht zu den Priesener 
Schichten (IX) gehören. Die Priesener Schichten (Zone IX) sind viel 
jüngere Schichten. 

Profil iinterhall) Laiin um Egerufer. 

G ü m b e 1 : Beiträge, S. 525, 526. 

Zahälka: Zone V des Egergebietes, S. 23—38, Profil 78 - 80, Fig. 51. 



Zahälka 



G ü m b e 1 



Zahälka 






Dunkelgrauer bis schwärzlicher, 
weicher Mergelschiefer, wie am 
Egerufer bei Priesen mit gleichen 
Petrefacten (im Wassergraben ent- 
blösst, nicht ganze Mächtigkeit) 15' 



00 05 

+1 



+ 



2. Weicher, hellfarbiger, bröckliger 
Mergel mit spärlichen organischen 
Einschlüssen . . 30' 

3. Sehr feste Mergelkalkbank . . l' 



4. Lichtgrauer Mergel, bröcklig schie- 
frigbrechend mit nicht zahlreichen 
Versteinerungen: Terebratulina r/- 
gida 15' 



5. Sehr fester, glauconitreicher Mer- 
gel, mit weissen, algenähnlichen 
Zeichnungen und einigen schwer 
herauszuschlagenden Versteinerun- 
gen, darunter Lima canalifera 

G . . • r/./ 



6. Weicher, grauer Mergel, dessen 
Versteinerungen sehr leieht zer- 
bröckeln ........ 9' 



Lichtgrauer, ziemlich fester, flecki- 
ger , glauconitischer Mergel mit 
vielen Versteinerungen. Beide 
Schichten (i und 7 bilden ein 
Mittelglied zwischen den eigent- 
lichen Hundorfer und Malnitzer 
Schichten. Hier fand sich Ammo- 
nites Cunnigtonni Sli 11' 



8. Flusssohle -^-- Malnitzer Exogyren- 
sandstein. 

Die Schichten 8 zeichnen sich durch 
die mergelige Beschaft'enheit wie die 
Schichte " aus. 



IV r 



33| 



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Co o a 



IX 



X 



l\e 



[271 



Ucber die Schichtenfolge der westbölimischcn Kreidoforniation. 



93 



B e 11) erk Uli gen. 

1. I){i sich im Flussbette der Eger unterhalb Laun (unser 
Profil 78) der Malnitzer Grinisandstein (Fric) befindet (das lieisst 
unser Horizont IV >'•), so muss der Malnitzer Kxogyreiisand.stein (unser 
Horizont IV p) noch tiefer unter dem Flussbette liegen; denn es ist 
aus unseren Studien über die Zone IV (auch aus den Arbeiten von 
Reuss und G um bei) bekannt, dass der Exogyrensandstein unter 
dem Grünsandsteine liegt. Gümbel's Schichte 8 gehört mit der 
Schichte 7 zu den untersten Schichten unserer Zone V, und zwar zu 
dem Horizont Va. 

2. Die Schichten 7 bis 1 gehören zu unserer Zone V, sind viel 
älter als die Hundorfer und Priesener Schichten, können also nicht 
zum Mittelglied zwischen den eigentliclien Hundorfer und Malnitzer 
Schichten, zu den Hundorfer Schichten und Priesener Schichten ge- 
hören. 

3. In den Schichten 1 von G ü m b e 1 befinden sich keine Petre- 
facten der Priesener Schichten. Aus unseren Studien über die Zone 
V ist bekannt, dass sich in ihr keine charakteristischen Petrefacten 
der Zone IX (Priesener Schichten) befinden. 

Profil im alten Steinbruche bei Laun 

am westlichen Ende der Stadt zwischen der Strasse nach Postelberg 

und der Eger. 
G ü m b e 1 : Beiträge, S. 526. 

Zahälka: Profil 54, Zone IV des Egergebietes, S. ol — 4ü; Zone V, 
S. 41, Profil 81, Fig. 41 links. 



Z a h ä 1 k a 



G ü 111 b e 



Zah äl ka 



V 



IV 



1. Weicher, weisser, kalkiger Mergel 
mit 'rerehfiitiilinarigida, nach unten 
übergehend in brockligknolligen 
Mergel 19' 

2. Feste, lichtfarbige Kalkbank im 
Mergel. Beide gehören den Hun- 
dorfer Schichten . . . . 1' 



3. Schalige, knollige, plattigbrechende 
Grün Sandstein schichten 
mit grossen grünen Körnchen und 
zahlreichenVersteinerungen : Östren 
chinilxi (gross) und den übrigen 
Versteinerungen der Malnitzer 
Schichten; (mit 1 und 2) den Ab- 
raum des Steinbruches bildend 3' 



4. Sehr fester, kalkiger Sandstein 
(Baustein von Laun) in grossen 
Bänken geschichtet, mit zahlreichen 
Versteinerungen: hioceramus Bron- 
gniarti, OaUianasa speci'S, Magas 
Geinitzi Schlönb |4' 






X 



IV 



94 



Ö. Zahälka. 



[28] 



B e 111 e r Ic u n g. 
Ich habe den weichen, weissen, kalkigen Mergel (unsere 
Zqne V = Günibers Schiclite 1 und 2) im Abraum des Steinbruches 
nicht gefunden sondern höher, hinter der Strasse nach Postelberg 
(siehe Fig. 41, V). 



Profil von Lipenc über Maliiic iiacli Priesen. 

Gümbel: Beiträge, S. 516 — 519 — 523. 

Zah dlka: Zone I des Egergebietes, S. 34—37. Prof. 24, 25, 
Zone II, S. 7—8, Fig. 12, 13, 1 -I ; Zone III, S. 46—52, 
33, 34, 35, Fig. 25; Zone IV. S. 46—72. Prof. 60, 61, 62 
65, 66, 67. 68. 69, 70, 71, 72, 73, Fig. 34, 35. 36. :'.7. 
49, 48, 47, 46, 45, 44, 43; Zone V. S. 42— 55, Prof. 82, 
Zone IX, S. 65—82, Prof. 107. Fig. 63. 



Fig. 


11; 


Prof. 


32, 


,63, 


64, 


. 38, 


39. 


56, 


83; 



Z a h ä 1 k a 



Gümbel 



Z a h ä 1 k a 



IX. 



IV 



21. Priesener Schichten (Fundort bei 
Postelberg), dunkelfarbige, meist 
dünngeschichtete , Schwefelkies- 
führende Mergel, erfüllt von ebenso 
zahlreichen, wie charakteristischen 
Versteinerungen (BacnJites anceps, 
Inocerainus Cuvie^i u. v. a.) . 75' 



20. Härtere, kalkige Lagen mit den 
charakteristischen Versteinerun- 
gen der Hundorfer Schichten, 
wechselnd mit hellfarbigem Mer- 
gel :.0' 

Auch diese Schichtenreihe senkt sich 
allmälig unter die Thalsohle ein, aus 
der erst bei Priesen selbst wieder 
anstehendes Gestein zutage tritt. 
Zwischen der zuletzt beobachteten 
Schicht 20 und dem Mergel bei 
Priesen ist eine nicht sehr mächtige 
Schichtenreihe nicht entblösst . ?' 

19. Lichtgrauer, thoniger Mergel, der 
in bröckligen Schutt zerfällt und 
ausser Foraminiferen wenige Ver- 
steinerungen enthält: Östren se- 
ntipl'iin Sow. ; TerebratuUnn rigi- 
da, ( idaris subvesiculosa d'Orh. b' 



18. Weicher, sandiger, glauconiti- 
scher Mergel V;,^' 



17. Dünne Bänke eines grünlichen, 
fleckig weissgestreiften (durch Al- 
gen) glauconitreichen Grünsand- 






Sc» 



IX 



X 



IVr + e 



[29] 



Ueber die Scliirhtonfolge der westböbmischen Kroideformation. 



95 



Z a li ä 1 k a 



G ü m b e 1 



Z a li d 1 k a 



IV 



el 

+ 
m 



Sandsteins mit zahlreichen Ver- 
steinerungen, wie die vorherge- 
henden Schichten, und ausserdem 
mit Aitiutonites Woolgari (= A. ro- 
tomagensis Kss.), den ich selbst 
aus dem anstehenden Gestein er- 
halten habe. — Es ist dies der 
Grünsandstein v. Malnitz (R e u s s' 

Verst. S. 117) 5' 

Die festen, der Verwitterung trotzen- 
den Gesteinsbänke dieses Grünsand- 
steines senken sich einerseits rasch in 
die Thalsohle, die sie nahezu an der 
Hasinamühle erreichen, während sie 
andererseits in ihrer streichenden Aus- 
dehnung durch die Felder südlich 
von Malnitz fortziehen und hier in 
sehr zahlreichen kleinen Steinbrüchen, 
ist augenscheinlich. An der Hasina- 
mühle setzt das Profil über dem Mal- 
nitzer Grünsandsteinlager in folgender 
Weise weiter fort (18 etc.). 



III 



16. Sandigmergelige, glauconitische 
Bänke mit kalkigen Geoden und 
sehr zahlreichen, sehr grossen 
Exemplaren von Ostrea columb'i, 
dann mit F i s c h z ä h n e n, 7'm rritella 
muHistriata, T.aff.granulata Sow. ; 
Natica vulgaris Rss.; Fleurotoma- 
ria linearis, PL gigantea Sotv. ; 
Rostellaria Reiissi Gein., Teilina 
Reichi, Area crelacea d'Orb., Pecfen 
quadricostattis, Lima conalifera, 
Rhynchonella jilicatilis, Magas Gei- 
nitzi U.S.W, umschliessen . .15' 



15. Feste, kalkige Sandsteinbank voll 
Versteinerungen: Ostrea columba, 
Inoceramus Brongniarti, Rhyncho- 
nella alala, Magas Geinitzi. Es ist 
dies der sog. Exogy ren Sand- 
stein (Reuss' Verst. S. 1 1 7) 5 '/a' 



14. Sandige und kieselige, leicht ver- 
witternde Lagen 20' 



13. In dünnen Bänken geschichtete 
Lagen von sandigkieseligem, licht- 
gelbem Gestein, welches leicht in 
knollige Stücke mit zerfressener, 
löcherigerOberfläche und in sandig- 



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IV r + e 



IV 



96 



Ö. Zaliälka. 



[30] 



Z a h tl 1 k a 



Gümb e 



Z a li ä 1 k a 



III 



II 

(siehe Bemer- 
kunffen) 



thonigen Schutt zerfällt, genau, 
wie der sogenannte Knollentripel 
bei Regensburg und der blasige 
Plilnersandstein in Sachsen. Die 
wenigen gut erhaltenen Verstei- 
nerungen sind: Inoceramun lahia- 
tus, Östren cohitnba, 0. canalicu- 
lata{?)d'Orb., O.vesicufaris Lm. 15' 

Die Schichten 12 und 13 sind die 
obersten im Steinbruche, sie neigen 
sich ziemlich stark unter 10 — 15" nach 
Norden und streichen jenseits des 
Steinbruches an dem steilen und 
kahlen Gehänge gegen die Hasina- 
mühle fort, so dass man hier die un- 
mittelbar aufgelagerten Schichten 
Schritt für Schritt verfolgen kann. 
Zunächst darüber kommen 14, 15 etc. 
1 2. Seh wammflintsteinschichten, licht- 
gelb, porös, in dicken Bänken ge- 
schichtet (Baustein) mit Horn- 
steinconcretionen und Ausschei- 
dungen von Cacholong auf den 
Kluftflächen. Versteinerungen 

spärlich: Inoceranius lahiatus, 

Austern \T 

Die Schichten 2 — 11 setzen das Steil- 
gehänge von der Bachsohle bis zu 
einem grossen Steinbruch am oberen 
Rande des Glehänges zusammen. In 
letzterem selbst sind weiter aufge- 
schlossen Schichten 12, 13. 
11, Dünnschiefriger , gelber, etwas 
glimmerigerSchwammflintstein 1 5' 

10. Weicher, mergeliger, gefleckter 
Thon 20' 



9. Fester, hellfarbiger Grünsand- 
stein . , . , 15' 

8. Lichtfarbiger, weicher Grünsand, 
arm an Versteinerungen {Osfrea 
columba, Curdiuni, j)roductuiii) 10' 

7. Grauer, thoniger Mergel . . 3' 



6. Weicher, weisser, glimmerreicher 
und Kaolinführender Sandstein 
(Fegsand) 15' 



Grauer, sandiger Pflanzenschiefer 
mit meist undeutliclicn, schlecht 
erhaltenen Pflanzen in wechselnder 
Mächtigkeit bis 5' 



O) 



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111 



II 



[31] Ueber die Schicbtenfolge der westböbmischcn Kreideformation. 97 



Z a h ä 1 k a 



G um b e ' 



Z a h d, 1 k a 



4. Sandsteinschichten wie 2 . . 3' 

3. Zweites, oberes, mehr sandiges 
Lager von Pflanzenschiefer . ^ .,' 

2. Glinimerreicher, weisslicher, strei- 
fenweise durch kohlige Beimen- 
gungen grauer Sandstein mit 
sehr zahlreichen kleinen Kohlen- 
theilchen . 3' 

1. Grauer, sehr feiner, dünngeschich- 
teter Schieferthon, erfüllt von 
kohligen Streifchen und zahl- 
reichen sehr deutlichen Pflanzen- 
theilchen. Ihre Mächtigkeit ist 
wechselnd, durchschnittlich . 2' 



Bemerkungen. 

1. In dem Profil Gümbel's zwischen Lipenc und Priesen sind 
auch Verwerfungen, auf welche Gümbel keine Rücksicht genommen 
hat. Es werden in diesem Profile Schichten verzeichnet, die hinter- 
einander in der Natur nicht vorkommen. 

2. In der Stelle, wo Gümbel seine Schichte 7 angibt, befindet 
sich kein thoniger Mergel. Der Grünsandstein der Schichten 8 und 9 
soll eine Mächtigkeit von 25' haben. Diese Mächtigkeit stimmt nicht 
mit der Natur überein. Die Wörter Grüns and und Grün Sand- 
stein darf man bei Gümbel nicht im petrographischen Sinne 
nehmen, sondern nur im stratigraphischen Sinne. Es sind hier keine 
Grünsandsteine und keine Grüusande. 

3. Unsere ZoneV wurde hier von Gümbel den Hund orfer 
Schichten parallelisirt. Gümbel sagt, dass sie charakteristische 
Versteinerungen der Hundorfer Schichten enthalten. Das ist ein Irr- 
thum. Die Versteinerungen der Zone V sind keine charakteristischen 
Versteinerungen der Hundorfer Schichten in Hundorf (X). Die Tere- 
bmtulina rigida, die Gümbel aus der Zone V bei Laun angibt, 
findet sich nicht nur in der Zone X (Hundorfer Schichten), sondern 
auch in der Zone V und auch in anderen Zonen. 

4. Auf der Zone V (fälschlich Hundorfer Schichten bei Gümbel) 
ruht nicht gleich die Zone IX, das heisst die Priesener Schichten, 
sondern die Zonen VI, VII und VIII und dann kommt erst die 
Zone IX. 

5. Bei Priesen treten unter den Priesener Schichten keine 
Hundorfer Schichten (Zone Xj zu Tage. Denn die Priesener Scliichten 
(Zone IX) in Priesen gehören zu der oberen Abtheilung der Zone IX, 
unter ihnen kann sich nur die untere Abtheiluug der Zone IX befinden. 

6. Die wahren Hundorfer Schichten (Zone X) liegen nicht unter 
den Priesener Schichten (Zone IX), sondern über denselben. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1000, 50. Band, 1. Heft. (0. Zahälka.) 13 



98 



C. Zaliälka. 



[32] 



Profil am Elbeufer bei Meliiik bis in die Schlucht bei Liboch. 

Gümbel: Beiträge, S. 535, 536. 

Zahälka: Zone III der Umgebung des Berges fop, S. 25, 27; Zone 
IV, S. 25; Zone V, S. 59; Zone VI, S. 16, Fig. 11. 



Zahälka 



Gümbel 



Z a h ä 1 k a 



VIII 



Zu oberst in der Schlucht von 
Liboch, wo das Plateau beginnt, 
steht ziemlich lockerer, weisslicher 
Sand , nach unten grobkörnig 
werdend, an 60' 



VI + YII 



2. Es folgt dai-unter : mergeliger Sand 
und Sandschiefer und sandiger 
Mergelschiefer 15' 



IV 



IV? 



III 



3. Quarziger, fester Sandstein mit 
groben Quarzkörncheii voll Rhyn- 
choiieUa vesj^ertilio (Rhynchonellen- 
hornsteinbank) 3' 

4. Knollig-sandiger Mergel und mer- 
gelig-kieseliger Sandstein, z. Th. 
in Kieselknollen zerfallend, mit 
blaugrauen, thonigen Zwischen- 
lagen, angefüllt von Kohlentheil- 
chen und Pflanzenresten. Diese 
Schichten reichen vom Ausge- 
henden der Libocher Schlucht bis 
nahe oberhalb des Dorfes und 
werden als sogenannte Libocher 
Schichten ausgeschieden. Die 
Pflanzenlager erinnern an die 
ähnlichen Zwischenschichten bei 
Weberschan 12' 

Unter denselben beginnen die spe- 
ciell sog. Melniker Schichten, 
und zwar: 

5. Sandigkalkige Schicht mit Rhyn- 
chonella Cuvieri, Pecten virgatus, 
Ostrea äff. canalicnlata d'Orh., 
Oslrea coluniba 5' 

6. Gelber Mergel mit kalkigen Zwi- 
schenlagen, in diesen kommt ein- 
zeln In ocerannis lahiatus vor . 3' 

7. Wechselnd mehr hellgelbe und 
grauliche Lagen von leicht zer- 
setztem Mergel 12' 

8. Feste, harte, gelblich gefärbte 
Kalkbank mit Inoceramus la- 
hiatus 2' 

9. Gelber Mergel 3' 

10. Grauer, fleckiger Mergel mit zahl- 
reichen, meist sehr zerstückelten 
Pflanzenresten 2' 

Elbe unterhalb Melnik. 






IV r + ß 



IV 



IV? 



III 



[33] Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



99 



Bemerkungen. 

1. Das Alter der Schichten 1 und 2 wird von Giimbel nicht 
näher angegeben. 

2. G um bei waren nicht alle Schichten des Elbethalabhanges 
zugänglich, wie es die Mächtigkeit einzelner Schichten beweist. So 
gibt z. B. Gümbel an, dass die Schichte 3, das heisst der quarzige, 
feste Saudstein mit groben Quarzkörnchen drei Fuss Mächtigkeit hat. 
Die wahre Mächtigkeit derselben ist aber (siehe Zone V der Um- 
gebung von Rip, S. 55, Schichte V f/ 3 + 4 + 5) lim! Die Libocher 
Schichten sind nach Gümbel 12' mächtig, aber wir haben in Liboch 
und Melnik die Mächtigkeit dieser Schichten (Zone IV der Umgebung 
von fiip, S. 23 und 25) 32*7 m und 29 m ! gefunden. 

3. Aus diesem Profile ist zu sehen, dass Gümbel oft nur 
kleinere Partien von den verschiedenen Zonen in seine Profile auf- 
genommen hat, solche Partien, die ihm gerade an der Stelle, wo er 
studirte, zugänglich waren. 

4. Ich habe in den Schichten der Zone IV, das heisst in den 
Libocher Schichten GümbeTs, sowohl bei Liboch als auch an anderen 
Fundorten nie ein Pflanzenlager gefunden. Ueberhaupt sind Pflanze ii- 
reste in der Zone IV überall in der westböhmischen Kreideformation 
sehr selten. Von einer Parallele des sogenannten Pflanzenlagers der 
Libocher Schichten in Liboch mit dem Pflanzenlager von Weberschan 
kann wohl keine Rede sein, denn dieses gehört zu der untersten 
Schichte der Zone III. 

5. Ob die Schichte 5 Gümbel's zur Zone IV gehört, kann ich 
nicht mit Sicherheit constatiren. 



Grosser Steinbruch von Wehlowitz. 

Gümbel: Beiträge, S. 536-538. 

Zahälka: Zone IV der Umgebung von Rip, S. 24. Fig30; Zone V, 
S. 56; Zone VI, S. 13-15; Zone VII, S. 9; Zone VIII, S. 25. 



Zahälka 



Gümbel 



Zahälka 



VII 
VI 



Grünlichgrauer, flasei-iger, kalkiger 
Sandstein mit zahlreichen Fanopaea 
ffurgitis (Brongn. sp.) d'Orb., Trigo- 

nia limhata u. s. w. 
Sehr feine, kalkige Schwammfiint- 
steinschichten, ähnlich den Lagen am 
Weissen Berg bei Prag gewonnen 
werden. Nach den Mittheilungen von 
Prof. K r e j c 1 sind hier schöne Fisch- 
abdrücke und Klytia Leachi ge- 
funden worden. 



X 



B e m e r k u n g e n. 

1. Trigonia limhata findet sich nicht in den Wehlowitzer Stein- 
brüchen. Das ist offenbar eine Verwechslung mit einer anderen Muschel. 

2. Die Schichte, in der Gümbel zahlreiche Panopaea gurgitis 
angibt, gehört zu unserer Zone VII, Schichte 3. 

13* 



100 



Ö. Zahälka. 



[34] 



3. Die Schwammflintsteine G ü m b e l's liegen in der Zone VI, 
Schichte 1, 2, 3, 5 und in der Zone VII, Schichte 1. 

4. Gümbel sagt, dass seine Schwammflintsteinschicliten in 
Wehlowitz ähnlich sind den Lagen am Weissen Berg bei Prag. 

Aufscliluss im Wrutitzer Tluale ^) bei Staiubachmühle. 

Gümbel: Beitrage, S. 536 - 537. 

Zahälka: Päsmo IX., Kokoffnske podolf (Zone IX, Kokoflner Thal- 
gebiet), Fig. 52. 



Zahälka 


Gümbel 


IX rt 


Mergelig-kalkige, dünnscliiclitige, graugelbe, gefleckte Sand- 
steinbildung voll CaUianassa antiqua, welche unzweideutig 
auf dem Sandstein aufliegt 15—20' 


VIII 

obere 
tScliichten 


Fast bindemittelleerer, daher ziemlich mürber, in grossen 
Bänken geschichteter hellfarbiger bis weisslicher Sand- 
stein, dessen Felsmassen im Grossen durch die ziemlich 
leichte Verwitterung jene pittoresken Formen annehmen, 
welche den oft schluchtenartig engen Thillern einen so 
autt'allenden Charakter wie in der sächsischen Schweiz 
verleiht. In den höchsten Schichten grobkörnig. 



Bemerkungen. 

Am besten sindGümbel's mergelig-kalkige etc. Schichten, das 
heisst unsere Zone IX«, oberhalb der Stambachmühle am Wege 
nach Wysokä zugänglich. (Siehe unsere Fig. 54.) In diesen Schichten IX a 
findet sich nirgends CaUianassa antiqua, obwohl Gümbel erwähnt, 
dass sie voll von CaUianassa antiqua sind. 

2. Die Mächtigkeit des untersten Horizontes a der Zone IX 
beträgt bei der Stambacher Mühle 185 m. 

3. Gümbel glaubt, dass der Sandstein unserer Zone VIII im 
Wrutitzer Thale (Kokorfner Thale) eine Sandsteinfacies der Libocher 
Schichten (Zone IV) ist. Nach Gümbel wäre also Zone IV = VIII, 
was mit der Natur nicht übereinstimmt. Hätte Gümbel die Schichten 
unserer Kreideformation von dem Wehlowitzer Steinbruche weiter 
hinauf auf die Anhöhe „Kalsky" verfolgt, so hätte er dort (also 
über der Zone VI und VII) auch die Quadersandsteine der Zone VIII 
(auch die Zone IX) gesehen. Noch besser ist der Quadersandstein 
der Zone VIII mit der unteren Abtheilung der. Zone VIII über der 
Zone VII in einem Profil von Mlazic über Räj auf Sträsensko 
entblösst (siehe unser Profil Fig. 32 und die Beschreibungen einzelner 
Zonen der Umgebung von liip, besonders Stratigraphie S. 28, Schichten- 
folge Nr. XIII), wo auch auf der Zone VIII noch die Zone IX ruht. 



1) Kokofiner Thal. 



[35] Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 101 



Proiil im Seitenthale ') von der Krouzeker Mühle bis nach 

Dorf Nebuzel. 

Gümbel: Beiträge, S. 537; Skizze der Gliederiing, S. 801. 
Zaliiilka: Päsmo IX, Nebu^elske podoU (Zone IX, Nebuzeler Thal- 
gebiet), mit Fig. 51. 



Z a h ä 1 k a 



Gümbel 



Z a h a 1 k a 



Weisse, leicht verwitternde 
Mergel, die grosse Aehnlich- 
keit mit den Priesener 
Schichten besitzen, jedoch 
hellfarbiger sind und leider 
keine Versteinerungen auf- 
finden Hessen, um die Pa- 
rallelstellung auch palaeon- 
tologisch zu begründen. 



IX 



2. Ziemlich kalkreiche_, gelb- 
lichgraue Schichtenreihe mit 
Uebergängen nach oben in 
einen dünngeschichteten , 
knolligbröckligen, kalkigen 
Sand, voll Callianassen 
von Mächtigkeit . 10—15' 
Diese Lage entspricht genau 
jener am gegenüber liegenden 
Plateau bei Wehlow^itz. 



3. Sandsteinbänke , hellfarbig, 
dem unteren Sandstein ähn- 
Hch. 



4. Kalkigsandige Lage mit spär- 
lichen Glauconitkörnchen u. 
zahlreichen , sehr grossen 
Exemplaren von Ostrea co- 
Itimba, von Ammonitrs per- 
amplus und sonstigen Ver- 
steinerungen der Malnitzer 
Schichten. 



VIII 

obere 



5. Unterer Sandstein. 



Priesener 
Schichten 



o o 

O) I— i 

o ca 

ü PI 



Libocher 
Schichten 



IX 



VII 
VI 



X 



lYr + eYd 



IV 



Bemerkungen. 

1. Gümbel schreibt, dass seine Schichten 1 keine Versteine- 
rungen auffinden Hessen. Ich habe in diesen Schichten eine Menge 
von Versteinerungen gefunden (siehe Nebuzeler Thalgebiet, S. 12 
und 13), und diese Petrefacten beweisen, dass Gümbel's Schichten 1 
nicht zu den Priesener (IX), sondern zu seinen Hundorfer Schichten (X) 
gehören, was ich übrigens auch stratigraphisch festgestellt habe. Unsere 
ganze Zone IX im Isergebiete ist die Facies der Priesener Schichten 
im Egergebiete. 



') Nebuzeler Thal (Zahalka). 



102 



C. Zahälka. 



[36] 



2. G ü m b e 1 sagt, dass die Schichten 2 voll von C a 1 1 i a n a s s e n 
sind. Ich habe in diesen Schichten (gerade so wie in IX a des vorher- 
gehenden Profils) keine Callianassen gefunden. Auch Fric, 
der sich mit der palaeontologischen Durchforschung der Iserschichten 
beschäftigt hat, fand in der Umgebung des Kokorlner Thaies keine 
Callianassen bis im Iserthale und constatirt dies ausdrücklich 
(Iserschichten, S. 127, 128): „Diese Crustacee . . . wurde bisher in der 
Gegend von Chorousek nicht nachgewiesen und es ist daher noch 
ungewiss, in welcher Lage des Profils sie hauptsächlich auftritt. Man 
trifft sie zuerst in einem Steinbruche südlich von Kuttenthal und dann 
überall im Iserthale ..." 

3. Wie Gümbel ganz verschiedene Horizonte parallelisirt hat, 
ist aus unserer Tabelle zu ersehen: 

Zone IXc + (/ bei Nebuzel = IXa bei Stambachmühle = VI + VII 

bei Wehlowitz = X bei Teplitz-Hundorf. 
Zone IX a von Nebuzel =N d in der Schlucht bei Liboch -= IVr + e 

bei Mallnitz etc. 

4. Die Mächtigkeit der SchiclTten 2 soll nach Gümbel 10 bis 
15 Fuss betragen. Ich habe aber die Mächtigkeit dieses Schichten- 
complexes 19-48 m gefunden. 

5. Gümbel erwähnt, dass die Mächtigkeit des Schichten- 
complexes 3 -f- 4 (soll dazu auch Schichte T) gerechnet werden?) 30 
bis 35 Fuss beträgt. Ich habe die Mächtigkeit desselben Schichten- 
complexes 37*42 m (eventuell mit der Schichte 5 beinahe Gl m) ge- 
funden. 

Dr. U. S c h 1 ö n b a c h unterscheidet in seiner Arbeit : Die 
Brachiopoden der böhmischen Kreide (Stratigraphische Einleitung. 
Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt in Wien 1868, S. 139—147) 
nachfolgende Zonen in der westböhmischen Kreideformation: 



Zahälka 


S c h 1 ö n b a c h 


IX 

obere 


Baculitenmergel von Priesen 


5. Zone des Inocer. 

Ciivieri u. Micraster 

cor testudinarium . 


VIII + IX 
VII obere 


d 

^' V X 

h ' 

a 


Isersandst. 

d 

VIII + IX c 

VII obere b 

\ a 


GrössterThei] 
d. ob. Pläner- 
mergelsd. Ge- 
gend V. Laun 
(IX obere) 


Oberer 

Plänerkalk v. 

Teplitz (X) u. 

Laun (V) 


4. Zone des Scaphites 

(leinitzivi. Spondyliis 

spinosus. 


l\>\e Ya 


Grünsandstein (IV r) Unterer Plänerkalk 

u. Exogyrensand- des Egerufers in 

stein (IV e) Laun (Va) 


3. Zone d.Ammonites 
Woulgari und Inoce- 
ramus Brongniarti. 


III, IV c 


Grauer Sand- 
stein von Lip- 
penz (IV c) u. 
Plänersand- 
stein (III) 


Pläner des 

Weissen 
Perges bei 
Prag (m) 


Melniker 
Schichten 
(111 obere) 


2. Zone des Inocera- 
mus labiatus. 


I, I 


1 


Sandstein von 
und Msen^ 


Peruc SiJäth 
' (I) Ko 


iger Kalk in 
rycan (II) 


l. Zone der Trigonia 

sidcataria und des 
Catopygus carinatus. 



[37] 



Ueber die Sclüchtenfolgc der westböhmischen Kreideformation. 



103 



Be m e rk u n gen. 

1. Aus dieser Tabelle ist zu ersehen, welche Schichten Schlön- 
bach in unserer Kreideformation als äquivalente Zonen betrachtet 
hat, und wie er sich die Schichtenfolge vorgestellt hat. Schlön- 
bach nahm als Grundlage die Schichtenreihe der Kreideformation 
in Norddeutschland und Frankreich und untersuchte, inwiefern die 
böhmischen Schichten damit in Einklang gebracht werden könnten. 

2. In Betretf der Iserschichten hat Schlönbach die Hypothese 
aufgestellt, dass diese Schichten iuiuivalent sind dem oberen Plänerkalk 
von Teplitz und sagt (Die Brachiopoden, S. 147), dass diese Hypothese 
durch den Umstand einigermassen unterstützt wird, dass der an vielen 
Localitäten direct vom Plänerkalk überlagerte Grün Sand- 
stein an anderen Orten, wo kein Plänerkalk vorkommt, die Basis 
des concordant daraufliegendcu Isersandsteins bildet. 

In seiner Arbeit : Die Kreideformation im Isergebiete in Böhmen. 
Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt 1868, S. 250 — 256, ist 
Schlönbach zu einer anderen Ansicht über das Alter der Iser- 
schichten gekommen. Er schreibt (S. 255 — 256): „Da nun die 
Thone mit Ostrea sulcafa, welche hier nächst der Grenze des Unter- 
quaders gegen die jüngeren Schichten entschieden die schärfste Be- 
grenzung nach unten aufzuweisen haben und meistens die Plateaus 
auf dem Isersandstein einnehmen, ziemlich sicher dem Complex der 
Hundorfer oder Teplitzer Schichten des Scaphites Geinitzl zugerechnet 
werden müssen, so würde sich aus obigem in Betreff der Frage nach 
dem Alter der I s e r s a n d s t e i n e als sehr wahrscheinlich 
das Resultat ergeben, dass dieselben älter sind als die 
Hundorfer Scaphiten schichten und der oberen Abthei- 
lung des PI an er -Bausand stein es, dem Exogyrensand- 
stein und Grünsandstein der Gegend im Norden der 

des Inoceramus Brongniarti e n t- 



Eger, d. h. 
sprechen." 
Nach dem 



also der Zone 



wäre also 



Zone IX 



(^ 



h ) im Isergebiete = Zone IVr + e bei Malnitz. 



Zone Vni 
In derselben Arbeit theilt 
Cenoman folgendermassen ein : 



Schlönbach das westböhmische 



Z a h ä 1 k a 


Schlönbach 


II 


Marine versteinerungsreiche Quader von Zlosejn 

und Rudistenkalk und Conglomerat von Grossdorf 

und Korycan. 


a 
S 

O 

ö 
O 


I 


Land- und Süsswasserbildung vi^estlich der Elbe. 



104 



6. Zahälka. 



[38] 



In dem Artikel : Die Kreideformation itn nördlichen Iser- 
gebiete etc. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1868, S. 289-294, gibt 
Schlönbach nachstehende Schichteufolge. 



Schichtellfolge von Meliiik und Liboch über Wehlowitz und 
Krouzeker Mühle nach Nebiizel. 

Siehe Zahälka: Zone III bis X der Umgebung von ßip, besonders 
Nebuzeler Thalgebiet. 



Zahälka 



Schlönbach 



X 



IX 



VIII 



Echte bläuliche, schiefrigeBaculiten- 
mergel (etwas veränderte Facies), 
welche nach oben immer mergelig- 
kalkiger werden, so dass daraus zu- 
letzt fast schneeweisser, schriefriger 
Kalk entsteht, welcher nicht selten 
dieselben Scaphiten enthält wie 
die Baculitenmergel ; ausserdem sehr 
häufig Inoceramus ßrongniarti, Mi- 
craster cor testudinariuin etc. Selbst 
die B a c u 1 i t e n fehlen nicht. (Siehe 
Bemerkung ].) 



7. Plastische Thone. 



Zwei weitere Hauptpartien von 
Sandsteinen, welche durch mer- 
gelig - kalkige Zwischenmittel von 
einander (und von dem unteren 
VIII Zahälka) getrennt werden. 



Eine Bank grobkörnigen, versteine- 
rungsarmen Quadersandsteins von 
zunehmender Mächtigkeit , welche 
eine neue Terrasse bildet und sich 
weithin verfolgen lässt. Es ist dies 
jener Sandstein, welchen Gümbel 
nur als eine sandige Facies seiner 
Libocher Schichten (siehe Be- 
merkung 3, Zahälka) betrachtet 
und als Krouzeker Sandstein be- 
zeichnet. 



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Zone 


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[39] 



Ueber die Schiclitt-nfulgc der westböhniischeii Kreidefoniiutioii. 



10;") 



Zaliälka 



Schlönbach 



VIII 



VII 



VI 



IV 



III 

obere 

Abthei- 

lunor 



4. Sandige Kalk- 
niergel mit 
festeren kiese- 
ligen, ebenfalls 
Glauconitkömer 

in geringer 
Menge und da- 
neben zahl- 
reiche feine 
Quarzkörner 
enthaltenden 
Knollenbänken 
wechsellagern ; 
von letzteren 
zeichnen sich 
besonders drei 
Laser aus. 



Diese Schichten . . . 
stimmen sowohl pe- 
trographiscli als pa- 
laeontologisch ge- 
nau mit jenen Mer- 
geln u. Kalken über- 
ein, welche ich in 
meinem früheren Be- 
richte von Dfinov 
(111 + IV Zahälka) 
und aus der Gegend 
von Raudnitz (So- 
witzberg), wo sie 
ebenfalls deutlich 
das Hangende 
(Vll+VlllZahälka) 
des Plänerbausteins 
(VI Zahalka) bilden 
(d. h.VlI + VIllZa- 
hälka), als die Ver- 
treter der Iserschich- 
ten oder wenigstens 
des unteren Theiles 
derselben gedeutet 
habe. 



Plänerbaustein - Schichten, welche 
ganz denen des Weissen Berges 
(111 Zahälka) entsprechen und wie 
dort Inoceramus lahiatus (siehe Be- 
merkung 2, Zahälka), schöne F i s c h- 
reste und Krebse (namentlich 
Klijtia Leachi) nebst Ammonites per- 
amplus enthalten. 



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2. Sandige Mergel mit mehreren je etwa 
0'5 m mächtigen glauconitischen 
Sandsteinbänken , unter welchen 
letzteren namentlich die tiefste, etwa 
-/a ni starke und sehr feste Bank mit 
RhynchonellapUcatilis in sehr grosser 
Anzahl (siehe Bemerkung 3, Zahälka). 



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1. Mächtiger Complex von wechselnden 
grauen u. gelben Mergeln u. festeren 
sandigen Kalkschichten, arm an Ver- 
steinerungen : Janird, Ost reu latera- 
lis, cf. vesicularis, columba, die keinen 
bestimmten Schluss auf dass genauere 
Alter zulassen (wenigstens 15 w Mäch- 
tigkeit). 



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Jahrbuch d. k. k. Keol. Ileichaaiistalt, 1900, 50. Band, 1. Ilett. (C. Zahalka.) 14 



106 



Ö. Zahälka. 



[40] 



B e m e r k u ii g e ii . 

1. Die Schichten 8 sind keine Baculitenmergel, weil die Baculiten- 
niergel der Zone IX angehören. Sie haben auch keine für die Baculiten- 
mergel charakteristischen Versteinerungen. Schlöiibach schreibt, dass 
er diese Schichten westlich von der Elbe, zwischen Raudnitz, Libocho- 
witz und Tfiblitz, im Hangenden der Zone des Scaphites Geinitzi 
(unsere Xr//>6-) wiederholt begegnet hat. Es ist wahr, dass diese 
Schichten über Schlönbach's Zone des Scapinfes Ge'mitzi liegen. 
Sie haben aber eine Fauna wie die Scliichten Xahc und die echten 
Baculitenmergel (IX) liegen unter der Zone X (Zone des Scapli. Gem.). 

2. Die Schichten 3 im Wehlowitzer Steinbruche und bei Liboch 
entsprechen nicht den Weissenberger Schichten (Melniker Schichten 
Gümbel). Diese gehören der Zone III, jene der Zone VI an. 
Inocennnus lahiafits habe ich in ihnen (in Wehlowitz) nie gefunden, 
sondern immer Inoceramus Bronf/niarti. S c h 1 ö n b a c h corrigirt darum 
unrecht Gümbel's Melniker Schichten (Plänerbaustein des Weissen 
Berges), indem er schreibt, dass die Wehlowitzer Schichten eigentlich 
die wahren Melniker (Weissenberger) Schichten sein sollen (siehe 
Gümbel's Profile vorne). Die Melniker Schichten Gümbel's am 
Elbe uf er unterhalb Melnik gehören zur Zone III wie die Weissen- 
berger Schichten. 

3. Schlönbach schreibt, dass Gümbel seine Schichten 2 
„Libocher Schichten" nannte. Das ist ein Irrthum. Gümbel rechnete 
die Schichten — reich an Rhynchonellen — zu den Malnitzer Schichten 
(siehe die vorherbeschriebenen Profile Gümbel's, sowie Gümbel's 
Skizze der Gliederung etc. S. 801). G ümbe l's Libocher Schichten 
sind die Utächst älteren Schichten unser Zone IV, die Schlönbach 
mit den unter ihnen liegenden Melniker Schichten Gümbel's 
(Zone III) als Schichten 1 erwähnt (mächtiger Complex etc.). 

Dr. U. Schlönbach veröffentlichte die Schichtenfolge der 
Umgebung von Laun in der Notiz: „Die Kreidebildungen der Um- 
gebungen von Teplitz und Laun im nördlichen Böhmen". Verhand- 
lungen der k. k. geolog. Reichsanstalt 18G8. S. 352 — 355. 

Schichtenfolge bei Laiin. 

Siehe die schon erwähnten Abhandlungen Zahälka's über die 
zehn Zonen der Kreideformation im Egergebiete. 



Zahälka 



Schlönbach 



IX 



8. Graublaue Schichten von etwas mehr thonig- 
schiefncr(;r BeschafFenheit mit einer sehr reichen 
und mannigfaltigen Fauna. Bei letzterer lassen 
sich zweierlei Erhaltungszustände unterschei- 
den, indem manchmal inncn-halh der weissen 
Kalkschale der Kern der Petrefacten verkiest 
ist, manchmal aus Mergelthon beSteht; im er- 
steren Falle bleiben hei der Verwitterung des 
Gesteins die verkiesten Kerne übrig (Bannay- 
Berg-Leneschitz), im letzteren Falle ist man 
darauf angewiesen, die Petrefacten in frisch aus- 
gegrabenen Gesteinsmassen zu suchen (Priesen). 



m 






[41] Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 107 



Z a h ä 1 Iv a 



S c h 1 ö u b a c li 



X 



\a 



IV 



e 
m 



7. Bei Laim graue und I 7. Bei Teplitz graue 
gelbe mergelige Ge- mergelige Kalke 
bilde I 

in denen zahlreiche Spongitarien, Mi- 
craster breviporus [MicheUni?), TtvehratuUna 
rigida, Terehraiida suhrotunda, Rhynchonella 
Cuvieri, Ostrea sulcata, Spondylus spinosita etc. 
enthalten. (Siehe Bemerkung 3.) 



G. Mit Quarz und Glauconitkörnern durch- 
streuter Kalk, mit grauen Mergeln wechsel- 
lagernd. 



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5. Grünsandstein mit einer reichen, aus dem 
Reuss'schen Werke leicht zu entnehmenden 
Fauna. 



4. Feiner glauconitischer Sandstein mit zahl- 
reichen Ostrea coliimba, dann RhynchoneUa 
hohemica, Magas Geinitzi, Pecten arten. 



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in 



II 



Graue, bei der Verwitterung gelb werdende 
Sandsteine, die verhältnismässig arm an Petre- 
facten, vorzugsweise durch Inoceramus labiaftis 
charakterisirt werden, welcher in den sie zu- 
nächst überla^rernden Schichten bereits fehlt. 



^ 1 


^3 


i 




£P^ 


Cl) 




e 




Ö 

o 

N3 






fc-S 




'^ 





2. Marine Bildunaren hier weniarer ausg-ezeichnet. 



1. Sandsteine, welche mit pflanzenführenden 
Letten wechseil affern. 



o 



Bern erkungen. 

1. Die Baculitenmergel von Lenesic gehören zu den unteren 
Schichten der Zone IX, die von Priesen zu den oberen Schichten. 

2. Die Versteinerungen, welche Schi önba ch in den Schichten 
7 citirt, bilden eine charakteristische Gesellschaft in der Zone X (auch 
in Teplitz), von dieser Gesellschaft sind für die Zone V, welche 
Schlönbach mit Unrecht zur Zone X rechnet, nur Ostrea sulcata 
{semlplana Zahälhi) und Terehratulina rigida {gracilis Zahdlka) charak- 
teristisch. 

3. Wichtig ist folgender Satz Schlönbach's (S. 354): „Die 
Grenze dieses Horizontes (Zone des Scaphites Gein. = Zone X) gegen 

14* 



108 



Ö. Zahälka. 



[42] 



Zone IX) ist meistens 



oben (d. li. gegen den Baculitenmergel 
schwer zu e r k e n n e n. " 

Johann Krejci gibt zum erstenmale die Schichtenfolge der 
böhmischen Kreideformation in seiner Abhandlung: „0 litvaru ki'i- 
dovem" an. Casopis musea Knllovstvf Ceskeho, Band 39, Heft 3, 
S. 222—242. Siehe Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1807, S. G7. 
8. Chlomeker Sandstein. 

7. Mergelschiefer von Sobotka (Bunzlau, Laun). 

6. Pläner von Teplitz (Leitmeritz, Wysokä). 

5. Grossskaler Sandstein (Schneeberg). 

4. Pläner von Bunzlau. 
3. Kokorfner Sandsteine. 
2. Pläner von Baudnitz. 

1. Sandstein von Zlosyn (Perutz u. s. w.). 
Zum zweitenmale führt Krejcf die Schichtenfolge der böh- 
mischen Kreideformation im Berichte: „Druhä rocni zi)räva o cinosti 
obou komitetü pro ph'rodovedecky vyzkum Zemö Ceske roku 1865 a 
1806". (Zweiter Jahresbericht des Comites für die Durchfoi'schung 
Böhmens.) 

8. Chlomeker Quadersandstein. 

7. Teplitzer und Launer Pläner, 

6. Grossskaler Quadersandstein. 

5. Isersandstein. 

I 4. Malnitzer Grünsandstein (fasäk). 

i 3. Weissenberger Pläner. 

I 2. Zlosyner Sandstein und Korycaner Kalk. 

1. Perutzer Quadersandstein. 
In diesem Berichte werden die Horizonte schon etwas näher 
beschrieben, so dass wir sie mit unseren Zonen vergleichen können. 
Nur die Grossskaler und Chlomeker Schichten lassen wir ausser Acht. 



Zahälka 


K r e j c 1 


Zahälka 


— 


8. Chlomeker Quadersandstein. 


— 


X, IX 


Q, i-l^ > n. LaanerPliuier(Baculitonthon). 


— 


— 


6. Grossskaler Qnadersandstein. 


— 


vni, IX 


5. Isersandstein. 


Vielleicht = Teplitzer 
Pläner. 


X 


IV >^ 


4. Malnitzer Grün- Pläner ober dem Pläner- 
sandstein. baustein in Wehlowitz. 


VHa, 3, 4 

VI, vn, 

Vr/ 
HI, IV 


III 


Obere Abtheilung j ■ 
3. Weissenberger Schichte mit Ten- \ -^ ^ 
Planer. bratn/n plicutilis l^'^ 
Untere Abtheilung ' -^ 


II 


2. Zlosyner Sandstein und 
Korycaner Kalk. 


Cenoman, Tourtia. 


— 


I 


1. Perutzer Quadersj 


mdstein 


• 


— 



[43] Ueber die Schichtenfolge der westböhmisclien Kreideformation. 109 

Bemerkungen. 

1. Krejcf bemerkt, dass das Alter der Teplitzer Schichten 
fraglich ist, und dass sie vielleicht den Iserschichten entsprechen. 

2. Der Schichtencomplex 7 soll nach Krejcf stellenweise den 
Weissenberger Planer, stellenweise den Iser- und Grossskaler Pläner 
überlagern. 

Zum drittenmale erwähnt Krejcf die Schichtenfolge der böh- 
schen Kreideformation in einem Schreiben an den Director v. Hauer: 
„Gliederung der böhmischen Kreideformation". Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1867, S. 207. 



Z a h ä 1 k a 



Krejcf 



13. Sandstein von Chiomek bei Jungbunzlau 
mit Osfrea laciniata, Baculiten und Belemnitella 
quadrata. 



IX 



12. Priesen er 
mersrel. 



Mergelschichten, Baculiten- 




II. Iser Sandsteine, das mächtigste Glied unserer 
Kreideformation (etwa 300 Fuss), mit kolossalen 
A m m n i t e n (ähnlich dem Ammonites peram- 
plns), Inoceramns Cuvieri, Cnlianassa atitiqua, 
Irigonia Umhata ; analog den Kieslingswalder 
Schichten. 



^ CS 

o ^ 



c? 



X 



10. Pläner von Hundorf bei Te plitz; bei 
Kostic mit einer mergeligen Facies ; ausgezeichnet 
durch Spondylus spinosus, Terebrattilina rigidu, 
Lima Hoperi, Scaphites aequalis etc. 



IV >• 



9. Grün Sandstein von Malnitz. 



III. VI 



8. P 1 ä n e r mit F i s c h r e s t e n, Macropoma spe- 
ciosunt, Osmeroides Lewesiensis, Clytia Leachi; 
der gewöhnliche Baustein vom Weissen Berg 
bei Prag (III) und bei Wegstädtl (VI), Liboch 
(VI) etc. 



IV 



7. Sandsteine mitkalkigenConcretionen 
bei Wehlowitz unweit Melnik. 



III, IV, V^/ 



0. Sandige Pläner schichten von Melnik, 
abgeschlossen durch eine Bank voll llhynchoiiella 
vespertilio (plicatilis) (V d). 



11 



5. Z 1 s 3^ n e r S a n d s t e i n, ganz analog den Sand- 
steinen von Tisa mit derselben reichen Fauna. 
4. Hippuritenkalke von Korycan, Kuttenberg etc. 



3. Pflanzenquader mit Palmenblättern, 

Coniferenzapfen, CauJopt.puiictafn etc. 
2. Schieferthone mit kleinen Kohlen- 

flötzen, Pflanzenresten und Süsswasscr- 

muscheln (Unio). 
1. Eisenschüssiges Conglomerat ohne 

Petrefacten. 



<U O) y: 



^ S -r ^-' 



o-ji ?; 



^H, 



110 



6. Zahälka. 



[44] 



B e m e r k u 11 g. 

Siehe Referat Schlönbach's über Prof. J. Krejcl's Bericht 
und die Arbeiten der Section für Geologie des Comites für die natur- 
wissenschaftliche Durchforschung Böhmens. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1867, S. 224, 225, 251. 

Zum viertenmale beschreibt Krejcl die Schichtenfolge der 
böhmischen Kreideformation in seinen : Studien im Gebiete der böhmi- 
schen Kreideformation. Archiv für die naturwissenschaftliche Landes - 
durchforschung von Böhmen, I. Bd., 1869, S. 46. 



Z a h ä 1 k a 



Krej cf 



8. Chlomeker Schichten. 



IX 



7. Priesener Schichten. 



X 



6. Teplitzer Schichten. 



VIII, IX 



5. Iserschichten. 



IV r 



4. Malnicer Schichten. 



III 



3. Weissenberger Schichten. 



II 



2. Korycaner Schichten. 



1. Perucer Schichten. 

B e m e r k u 11 g. 
Unsere hier beigelegten Zonenziftern beziehen sich n u r auf die 
typischen Kreideschichten Krejcl's, also: IX = Priesener Schichten 
in Priesen; X = Teplitzer Schichten in Teplitz etc. 

Schichtenfolge zwischen Lipeuec und Hasinaniülile. 

Krejcl: Studien, S. 52—55, 60. Böhm. Aufl. S. 47. 
Zahälka: Fig. 11, 12, 13, 14, 49, 34 des Egergebietes und dazu- 
gehöriger Abhandlungen. 



Z a h a 1 k a 



Krejcl 



Zah i'ilka 



Weiche, mergelige Pläner. 



Teplitzer u. Prie- 
sener Schichten 



X, IX 



IV ^, r, m 



Exogyrensandstein. 



Iserschichten 



VIII, IX 



IV c 



Malnicer Grünsandstein. 



Malnicer 
Schichten 



lYr 



III 

I'/, II 1 



Pläner, der an der Basis eine 
lettige Schichte führt. 

Weicher, lichter Sandstein. 



Ibc 



Sandsteine mit Schieferthon. 



Weissenberger 
Schichten 

Korycaner 
Schichten 

Perucer 
Schichten 



III 



II 
I 



[-1^ 



Ueber die öchiclitenfolgt! der westböliniischeii Kreideformatioii. 



lU 



1^ e merk im gen. 

1. In der deutsclien Anfinge seiner Studien nennt Krejcf 
unsere Zone V: Baciilitentlione, aber in der böliniisclien Auflage (1870, 
Seite 47): Teplitzer und Priesener Scliichten. 

2. Nach Krejci soll der Exogyrensandstein den Grünsandstein 
überlagern. Ich habe immer das umgekehrte gefunden wie R e u s s, 
R m i n g e r und G ü ni b e 1 : 



Grünsandstein. 
,y ; .. Exogyrensandstein 



n 



Siehe Bemerkuni 
bei Malnic". 



I in Magasschichte. 

V c Callianassensandstein. 

6 beim nächsten Profile und „Iserschichten 



Schichteiifolge von Lipenc über Malnic und Laun nach Cencic. 

Krejci: Studien, S. 54; böhm. Ausgabe S. 48, 
Zahälka: Zone I bis V des Egergebietes mit dazugehörigen Pro- 
filen und Figuren. 



Z a h ä 1 k a 



Krejci 



Zahälka 



Weiche, mergelige Pläner. 



IV ni, e, r 



Exogyrensandstein. 



IV/-, c 



Malnitzer Grünsandstein. 



Teplitzer u. Prie- 
sener Schichten 



Iserschichten 



Malnitzer 
Schichten 



X, IX 



VIII, IX 



IV r 



III 



Gelber Pläner. 



Weissenberger 
Schichten 



III 



I^^, II 1 



Quadersandsteine. 



Korycaner 
Schichten 



II 



U, c 



Quadersandstein mit Schiefer- 
thonen. 



Perucer 
Schichten 



I 



Bemerkungen. 

1. Wie in der früheren, so auch in dieser Schichtenfolge sehen 
wir, dass Krejcf unseren Schichten-Complex Id zu seinen Korycaner 
Schichten rechnet. Das ist unrichtig, da dieser Complex noch eine 
Süsswasserablagerung ist. 

2. Krejci glaubte, dass sich der Reuss'sche graue Kalk- 
stein und graue Sandstein aus dem Grünsandsteine entwickelt 
(Steinbruch des Herrn Kostka südlich von Laun und am Egerufer 
östlich von Launj. Dazu muss ich bemerken : 



112 Ö. Zahalka. 



[46] 



a) Die Kalksteine im Steinbruche des Herrn Kostka und 
dessen Umgebung befinden sich theilweise ober dem Griinsande, also 
in unserem Horizonte Va, theilwe,ise in dem Grünsande (IVr), theil- 
weise unter dem Grünsande (in IV c); 

h) der Reuss'sche graue Kalkstein am rechten Egerufer öst- 
lich von Laun gehört zu unserer Zone V, hauptsächlich zum untersten 
Horizonte V a ; 

6') mit dem Namen grauer Sandstein (von Lippenz) meinte 
Reuss den unteren Horizont IV c — den Callianassensaudstein ; 

d) auch der Reuss'sche graue Kalkstein (von Öencic) 
liegt unter dem Grünsandsteine und kann etwa dem Exogyrensand- 
stein entsprechen. 

3. Krejcf schreibt (S. 63): „So auffallend sich nun der Grün- 
sandstein von den anderen Plänerbildungen der Umgebungen von 
Laun namentlich in petrographischer Beziehung unterscheidet, so 
dass er für diese Gegend mit Recht als eine eigene Zone ausge- 
schieden werden kann, so schwierig möchte es sein, den Grünsand- 
stein als eine selbständige Zone in der gesammten böhmischen Kreide- 
formation nachzuweisen. " 

Ich habe, wie aus meinen Arbeiten bekannt ist, überall in der 
westböhmischen Kreideformation das Aequivalent des Malnitzer Grün- 
sandes aufgefunden, und zwar immer in der höchsten Lage der Zone 
IV, als sehr glauconitische Schichten, wie überall bei Laun. Diese Zone 
IV lässt sich überall in der genannten Kreideformation von der Zone 
III, sowie von der Zone V unterscheiden. 

4. Krejcl glaubt, dass die Malnitzer Schichten nur als eine 
nicht scharf zu umgrenzende Zone zwischen den Weissenberger und 
Iserschichten angesehen werden. Dazu muss ich bemerken, dass über 
dem Malnitzer Grünsande (höchste Schichten unserer Zone IV) noch 
nicht die Iserschichten, sondern die Zone V kommt, denn die wahren 
Iserschichten Krejcf's fangen mit unserer Zone VIII an. 

5. Der Exogyrensandstein in Malnitz ist kein Aequivalent der 
Iserschichten, er liegt ja unter dem Grünsande. 

6. Die Ursache von dem Umstand, dass Krejci den Exogyren- 
sandstein (IV e) über den Malnitzer Grünsand (IV /•) gestellt hat, liegt 
darin, dass Krejcf irrthümlich unseren Callianassensaudstein (IV c) 
mit dem Grünsandsteine (IV r) verwechselt hat; dann muss freilich 
der Exogyrensandstein IV ß auf IV c liegen. Dies sah Krejcf in der 
Schlucht zwischen Malnitz und Hasinamühle. (Siehe Zone IV des 
Pigergeb., Fig. 34 — 39, und Zone III, Fig. 23 — 25 und dazu gehörige 
Abhandlungen.) Krejcf schreibt fS. 64): „Auf der steileren östlichen 
Wand dieser Schlucht (Maruscher Thal) sielit man von Malnitz gegen 
Lipenec (von Nord nach Süd) die Schichten in folgender Ordnung: 
Bei Malnitz selbst stehen weiche graue Mergel (Teplitzer Schichten) 
[nicht Teplitzer Schichten (X), sondern Zone V Zahälka] an, die 
an der westlichen Seite des Baches bis zur Haninamühle anhalten 
(Zone IV, Fig. 35 und 36 links). Dann folgen an der östlichen Seite 
Schichten von Exogyrensandstein (IV e in den Fig. 34, 35, 36, 23, 
24 Zahälka; bei Krejcl Iserschichten), welche die steinige Lehne 
bis zur Ilasiiiamühle bilden, während am Bache selbst unter den- 



[47] 



Ueber die Schichtcnfolgc der wcstböhmischeu Kreideformation. 



113 



selben der eigentliche Grünsandstein" (uon Grünsandstein, sondern 
IV c Zahälka; siehe dieselben Figuren). Hätte Krejcl die Schichten 
über dem Exogyrensandsteine (IV e) besser durchstudirt, so hätte er 
über dem Exogyrensandstein überall den Grünsandstein IV /• gefunden 
(siehe unsere Zone IV in der Umgebung von Malnitz und Lipenc). 

7. Denselben Irrthum sehen wir bei Krejcf in seiner Er- 
klärung der Schichtenfolge bei Hasinamühle und von da nach Lipenc 
(S. (U), sowie in dem Steinbruche der Hügelkuppe südlich von 
Malnitz (S. 62) [Zone III, S. 46, Protil 31 ; Zone IV, S. 68—61), 
Fig. 45]. Auch hier hat Krejci die Schichten IV c als Grünsand- 
steinschichten erklärt. 

8. Siehe auch unten „Iserschichten bei Malnitz". 



Profil bei Weberschan und Hrädek. 

Krejcf: Studien, S. 53, 55, 61, 66. 

Zahälka: Zone II, S. 8, Fig. 15; Zone III, S. 52—68, Fig. 26, 27. 



Zahälka 



Krejci 



Z a h ä 1 k a 



III 



II, III Thone 



Mergel. 



Glauconitisclie Plänerschichten, 
„ Winterstein " genannt, mit 
Rhynchonella boheinica. 



Lichtgelber, fester Pläner mit 
gi"auen, kalkreichen Ausschei- 
dungen, unten mit Letten. 



Sandsteine in kleiner Partie (II) 
und glimmerige Thone (III 
Thone). 



Teplitzer 
Schichten 



Malnicer 
Schichten 



Weissenberger 
Schichten 



Korycaner 
Schichten 



X 



IV 



IH 



II 



Bemerkungen. 

1. Krejci rechnet einmal die untersten Thone unserer Zone III 
zu den Korycaner Schichten, ein anderes Mal zu den Weissenberger 
Schichten. 

2. Hätte Krejcf das Aequivalent seiner Malnicer Schichten 
(IV /') bei der Trinksmühle gesehen (siehe unsere Zone IV, S. 73 — 75, 
Fig. 50), so hätte er gewiss die höchsten ächten Weissenberger Pläner 
bei Hradek (III), den sogenannten „Winterstein", nicht als Malnitzer 
Grünsand erklärt. 

3. Da der „Winterstein" zur Zone III gehört, so kann er nicht 
mit den Mergeln der Teplitzer Schichten bedeckt sein. Das Profil 
Fig. 11 auf der S. 65 ist überhaupt schlecht gezeichnet, wie wir noch 
einigemale sehen werden. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, I90ü, 50. Band, l. Heft. (Ö. Zahälka.) 15 



114 ö. Zahalka. [4^] 

Iserschichtcii bei Maliiic (und Drnhoinysl). 

Krejcl: Studien, S. 66. 

Zaliälka: Siehe unsere Zone IV d. Egergeb. Unigeb. v. Malnitz. 

Wie wir schon in den vorhergehenden Profilen angedeutet haben, 
hat Krejcl den Reuss'schen Exogyrensandsteiii zu seinen Iser- 
schichten gerechnet, besonders darum, weil sich in dem Exogyren- 
sandstein Lima senmakata, Casmlulus Inpis cancri und Catopi/gus 
carinatus befindet. Das Unlialtbare dieser Theorie hat schon Eric vom 
palaeontologischen Standpunkte aus bewiesen. Der Exogyrensandstein 
gehört mit dem Grünsandsteine zu den höchsten Scliicliten der Zone 
IV, aber die Iserschicliten im Isergebiete zu den Zonen VIII und IX. 
Also auch vom stratigraphischen Standpunkte aus kann man den Exo- 
gyrensandstein (IV e) nicht zu den Iserschicliten rechnen. 

Krejci schreibt (S. 66): „Der Exogyrensandstein tritt an den 
Hohlwegen südlich von Malnic und an der östlichen Seite des Thäl- 
chens von Malnic (Zone IV, S, 51 — 68) in der Mächtigkeit von 3—4 
Klaftern auf etc." Da der Exogyrensandstein mit der Magasschichte 
eine Mcächtigkeit von 285 in bis 3"9 m besitzt (Zone IV, S. 72), so 
geht daraus hervor, dass Krejcf zwischen Malnic und Hasinamühle 
auch noch andere Schichten zugezählt hat, und zwar den echten 
Malnicer Grünsandstein (IN r). Die Schichten: Magasschichte (IV w), 
Exogyrensandstein (IV e) und der echte Grünsandstein (IV /) haben 
zusammen eine Mächtigkeit von 4"25 m bis 5"9 m. Diese Mächtigkeit 
wäre dann, wie Krejcl angibt: 3 Klafter. 

Dass Krejcl den wahren Malnicer Grünsandstein — aber nur 
zwischen Malnic und Ilasinamühle — dem Exogyrensandstein zu- 
gezählt hat, gehtauch daraus hervor, dass Krejcl — wie wir schon 
oben angegeben haben — den Grünsandstein unter dem Exogyren- 
sandsteine gesucht hat. Er hat unseren Callianassensandstein IV c im 
Malnicer Steinbruche, im Maruscher Thale und zwischen Hasinamühle 
und Lipenc für den Malnicer Grünsandstein gehalten. 

Da Krejcl im Exogyrensandsteine die oben erwähnten Echino- 
dermen citirt (die sich in IV m befinden), so hat er auch die Magas- 
schichte (IV m) zum Exogyrensandsteine (IV e) gerechnet. 

Unsere Schichtenfolge der Zone IV und V hat also Krejcl bei 
Laun auf zweierlei Weise erklärt: 

<i) Zwischen Malnitz und Hasinamühle: 

V Teplitzer Schichten (X). 

•jy I f? > Exogyrensandstein = Iserschichten (VIII -H IX). 
jmj 
' c Malnicer Grünsandstein. 

b) Zwischen Malnic und Laun: 

V Teplitzer Schichten (X). 

if (irünsandstein von Malnic. 
1 — 9 dem Krej cl nicht bekannter Horizont (siehe Zone IV, 
Profil 57). 



[49] 



Ueher die Schichtenfolge der westhöhniischen Kreideformation. 



115 



B e m e r k u n g. 

Die Theilung der Zone IV in die Horizonte c, w, e, r kann 
man nnr bei Mahne durclifüliren ; anderswo kann man nur den 
Horizont r in den höchsten Schichten der Zone IV ausreihen. Hier 
muss man den Horizont IV y und vielleicht auch einige Schichten unter 
IV r als Aequivalent der Horizonte IV /' + ß + ni von Malnitz be- 
trachten. (Siehe Zone IV, S. IG— 19.) 



Schichteiifolge in der riugebung von Libocliovic, Kystra und 

Kostic. 

Krejci: Studien, S. 61, 68, 74. Fig. 12 rechts. 
Zahälka: Zone VIII, IX und X des Egergebietes. 



Z a h ä 1 k a 



Krejci 



Z a h ä 1 k a 



IX 



X 



IX höchste 



VIII 



Weiche, kalkig-thonige, dünn- 
blätterige Mergel , die sich 
durch Verwitterung in lettige 
Masse auflösen. 



Gelblichgrauer Pläner- q, 
mergel. ^ 



Feste, kalkreiche, graue 
Mergelbänke. 



Untere 



Gelber Pläner bei Radovesic. 



Priesener 

Schichten 



IX 



Teplitzer 
Schichten 



Weissenberger 
Schichten 



HI 



Korycaner Schichten. 



Bemerkungen. 



II 



1. Ueber die unteren Teplitzer Schichten (nicht Teplitzer [X], 
sondern höchste Schichten der Zone IX) sngt Krejci, dass sie im 
palaeontologischen Charakter mit der Bllä Horka (Zone V) über- 
einstimmen. Wir haben schon bewiesen (Zone IX, S. 39), dass schon 
nach Krejci's palaeontologischen Studien ein grosser Unterschied 
zwischen den Schichten IX in Kystra und der Zone V der Bflä 
Horka ist. Nach Krejci wäre also: Zone IX (höchste) in Kystra = 
Zone V der Bllä Horka = Zone X in Teplitz. 

2. Krejci meint, dass seine Weissenberger Schichten (nicht 
Weissenberger [III], sondern Zone VIII) theilweise von grauen 
Teplitzer Schichten (Zone X) bedeckt sind. Das ist nicht richtig. 
Nirgends ist die Zone VIII mit der Zone X bedeckt. Bei der Aus- 
mündung des Ti-iblitzer Baches in die Eger bei Radovesic SW von 
Zabovfesk sieht man zwischen der Zone VIII auf einer Seite und 

15* 



116 



Ö. Zahälka. 



[50] 



der Zone IX und X auf der anderen Seite eine Verwerfung (siehe 
Zone IX des Egergebietes, S. 14, 15). 



Zone VIII 



Zone X. 



Zone IX. 



Eger-Fluss. 

Der von K r e j c f citirte riesige Inoceramus lahiafu^ wird wohl 
ein Inoceramus Brongniaiii sein (siehe Zone VIII d. Egergeb., S, 6, 7). 

3. Unter den angeblichen Weissenberger Schichten (Zone VIII) 
führt Krejcf seine Korycaner Schichten (unsere Zone II) an. Wie 
bekannt, kann unter der Zone VIII nur die Zone VII sein. Diese 
Schichten kommen aber nirgends zutage, da die tiefsten Schichten, 
die bei Libochowitz zutage treten, der Zone VIII angehören. 



Schichtenfolge bei der Leneschitzer Ziegelei (Chliim und 

Ranay Berg). 

Krejcl: Studien, S. 66, 74, Fig. 11 rechts. 
Zahalka: Zone III, VIII und IX des Egergebietes. 



Zahälka 



Krejcl 



Zahillka 



1X3 etc. 



Baculitenmergel. 



Priesener 
Schichten 



IX 



IX, und 1X2 



Weiche Mersrel. 



Teplitzer 
Schichten 



X 



VIII 



III 

höchste 



Grünsandstein. 



Winterstein. 



Malnitzer 
Schichten 



IVr 



III 



Weissenberger Pläner. 



III 



Bemerkungen. 

1. Da Krejcl den Winterstein (höchste Schichte der Zone III) 
unserer Zone VIII gleichgestellt hat, so stellt er den Weissenberger 
Plcäner (bei Hrädek— Zone III) unter die Zone VIII. Wie bekannt, ruht 
unter der Zone VIII bei der Leneschitzer Ziegelei der Schichten- 
complex der Zonen V + VI -H VII und nicht III. Sowohl die Zone VIII 
(Grünsandstein, Krejcf), als auch die höchste Schichte der Zone III 
(Winterstein, Krejcf) entsprechen nicht den Malnicer Schichten 
Krejcfs bei Laun (IV r). 

2. Die Scliichten IX ^ und IX 2 haben mit den wahren Teplitzer 
Schichten (X) nichts gemeinschaftliches, weder petrographisch noch 
auch palaeontologisch und stratigraphisch. 

3. Von der Leneschitzer Ziegelei zur Poustka ruhen die wahren 
Teplitzer Schichten (X) auf den Priesener Schiciiten (IXj. 



Ff)!" 



Ueber die Schichtenfolge der westböhniischen Kreideformation. 117 



Profil in Priesen (Krenzberg). 

Krejcl: Studien, S. 66, 67, 74, Fig. 11 links; Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 



Zahälka 



Krejcf 



Zahälka 



X 



1V«>, / 



Baculitenmergel am Kreuzberg. 



Tiefere Mergelbänke dieses 
Hügels (Kreuzberg), da, wo 
sie von der Eger entblösst 
sind und als festere graue 
Schichten auftreten. Hieher 
gehören auch die Schichten 
der Bilä Horka. 



Exogyrensandstein K r e j c i. 



Priesener 
Schichten 



IX 



Teplitzer 
Schichten 



Iserschichten 



VIII, IX 



Schichtenfolge aus der Umgebung von Peruc bis nach Prag 

(Weissenberg). 

Krejcf: Studien, S. 79—85, Fig. 14, 15, 17. 



Zahälka 



Krejcf 



Zahälka 



III 



Weissenberger, Malnicer und Teplitzer 
Schichten. 



III, IV /, X 



II 



Korycaner Schichten. 



II 



I 



V 



Perutzer Schichten. 



I 



Bemerkung. 

Krejcl schreibt in seinen Studien S. 85: „Der typische Malnicer 
Grünsandstein (IV r) fehlt dem beschriebenen Plateau; da dieser Grün- 
sandstein aber seinem palaeontologischen Charakter nach eigentlich 
nur als die höhere Zone des Weissenberger Pläners betrachtet werden 
kann, so dürften die höheren plattenförmigen und sandigen Pläner- 
schichten, wie sie am weissen Berg auftreten, als ein Repräsentant 
derselben betrachtet werden." 

Der typische Malnicer Grünsandstein gehört zu dem höchsten 
Horizonte r unserer Zone IV. Diese Zone IV endet bei Peruc 



118 



Ö. Zahdlka. 



[52] 



(in Slavetin) und von Periitz gegen Prag (Weissenberg) setzt sie nicht 
mehr fort. Die höchsten Pläner des Weissenberges gehören nur der 
Zone III an. So auch die „weissgrauen kalkig- erdigen Schichten mit 
zahlreichen Foraminiferen", die Krejci (S. 86) zu den Teplitzer 
Schichten zählt. 

Profil bei Pfestavllv. 

K r e j c f : Studien, Fig. 1 8 rechts. 

Zahälka: Päs. I, II, III d. Kreideformation in d. Umgeh, v. ßip, 
S. 7—9, 11—12, 19-22. Fig. 3, Geotektonika S. 2-4, Fig. 2. 



Zahälka 



Krejcf 



Zahälka 



III 



m,j 



II 



P 



Teplitzer Schichten. 



X 



Malnitzer und Iserschichten. 



IVr, VIII, IX 



Weissenberger Schichten. 



III 



Korycaner Schichten. 



II 



Perutzer Schichten. 



d 



Pennische Formation. 



B e m e r k u n g. 

Bei Pfestavlk ist über den Korycaner Schichten nur die Zone III 
entwickelt. In der Thalsohle desselben Dorfes ist keine Permfor- 
mation zu beobachten. Durch das Dorf Pfestavlk gehen zwei Ver- 
werfungsspalten, 



Profil bei Zidovec (eigentlich Zidovic). 

Krejcf: Studien, S. 87, Fig. 18 links. 

Zahälka: Zone X d. Umgeh, v. Bip, Fig. 43, S. 11—21. 



Zahälka 



K rej Gl 



Z a h ä 1 k a 



Priewener 



Weissgelbe, feste, plattenförmige Kalk- 
mergel mit charakteristischen Ino- 
ceramjis Ciivieri. Zwischen Chvalin Schichten 
und Zidovic. 



t, C 



Bröcklige, mergelige Pläner von grauer 
oder w eissgrauer Farbe. 



IK 



Teplitzer 
Schichten 



X 



Malnicer und Iserschichten. 



IVV,VIILIX 



Weissenberger Schichten. 



III 



[53] 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 119 



I> (! 111 e V k u 11 |A. 
Die Schichten X d sind keine l'riesener Schichten (IX), sondern 
die höchsten Schichten <l der Zone X, d. h. der Teplitzer Schiciiten. 
Unter dem Horizonte \l>c können nidit die Malnicer (IV/'-^ Iser- 
(VIII + IX) und Weissenberger (III) Schichten liegen. Diese von 
Krejcf angeführten Schichten existireu nicht an der Stelle, wo sie 
Krejcl angibt, sondern an ihrer Stelle befindet sich auch der Horizont 
Xbc bis nach Zidovic. Erst unter Zidovic im Elbeufer habe ich bei 
den Navigationsbauten die Spuren der höchsten Schichten der Zone IX 
(Priesener Schichten) gesehen (siehe Profil Fig. 43, Zone X d. Umgeb. 
des Berges Eip). 

Teplitzer Schichten am Ripplateau. 

Krejcf: Studien, S. 86. 

Krejcf schreibt: „Am Üstrande des Kreideplateaus kann man 
sie auf den Höhen zwischen Mühlhausen und Welwarn bei Ober- 
Berkovic und Citov und dann über Skuhrov, Eecic gegen Kostomlat, 
Vesce, sowie über Kiene, Racinoves bis gegen Charwatec verfolgen." 

Diese Schichten gehören nicht zu den Teplitzer Schichten von 
Teplitz (Zone X), sondern zu unserer Zone V und IX, ^ (siehe unsere 
Abhandlungen über diese Zone d. Umgeb. des Berges Eip). 



Schichtenfolge vom Cecemiii zur Elbe bei Lobkovic. 

Krejcf: Studien, S. 103, Fig. 25. 
Zahälka: Zone V, S. 64, Fig. 14. 



Z a h ä 1 k a 



Krej cf 



Z a h ä 1 k a 



Yd 



III, IV 



II 



k 



Iserschichten. 



"Weissenberger Schichten, 



Korycaner Schichten. 



vni, IX 



in 



II 



Profil von Cecelic nach Slivno. 

Krejci: Studien, Fig. 25. 



Z a h ä 1 k a 



Krej cf 



Zahälka 



Xd 



Priesener Schichten. 



IX 



Xabc 



t Teplitzer Schichten. 



V, VI, VII, VIII, IX 



Iserschichten. 



X 



vni, IX 



III, IV 



Q Weissenberger Schichten. 



III 



120 



C. Zabälka. 



[54] 



Profil von der Elbe bei Meliiik (und Liboch) über Vehlovic 

nach Vysokä. 

Krejci: Studien, Fig. 26. 



Z a h ä 1 k a 



Krejcf 



Z a h ä 1 k a 



Xab 



VIII obere, IX 



VIl2_4, VIII unt. 



VI + VII 1 



V(/6-f V/j(Fig.20) 



V d l —5 (Fig. 20) 



IV 



III obt 



Dünnplattige Kalkmergel. 



Priesener 
Schichten 

Graue, bröcklige Mergel oder i Teplitzer 
thonige Schichten. Schichten 



Quadersandstein. 



Sandige Mergel. 



Typischer Plänerbaustein. 



Weiche Sandsteine und sandige 
Mergel. 



Feste Bank kieseligen Sandsteines 
voll einer Rhynchonella. 



Sandigkalkige Mergel mit kiesel- 
reichen Concretionen und un- 
deutlichen Pflanzenresten. 



Sandigthonige Mergelschichten 
in abwechselnd festeren und 
weicheren Bänken anstehend 
(Melnik, Elbeufer). 



Iser- 
schichten 



Malnicer 
Schichten 



Weissen- 

b erger 
Schichten 



IX 



X 



VIII, IX 



IV >• 



III 



Bemerkung. 
In der Gegend zwischen Vehlovic und Vysokä sind nicht alle 
Schichten des Complexes VIII obere + IX aus Quadersandstein 
zusammengesetzt (siehe unsere Arbeiten über die Zone VIII und IX 
der Umgeb. v. fiip). 

Profil des Berges Sovice bei Raudnitz. 

Krejöi: Studien, Fig. 27, S. 106. 



Zahälka 



Krejci 



Zahälka 



\d 



Lichtgelber, kalkiger Plattenmergel. 



\ah c 



Graue Mergel mit Terehratula sub- 
globosa etc. 



VIII 



Kalkigsandige, festere Gesteine mit 
Tunitellen etc. 



VII 



VI 



Festere Pläner. 



Mergelpartie. 



IV obere 



Glauconitische Sandmergel. 



Pnesener 
Schichten 



Teplitzer 
Schichten 



Iser- 
schichten 



Malnitzer 
Schichten 
Weissen- 
berg. Seh. 



Kory- 
caner Seh, 



IX 



X 



VIII, IX 



IVr 



III 
II 



[55] 



Ueber die Scliicliteufolge der westböhmischeu Kreideformatiou. 



121 



Bern erk uii <i;e ii. 

1. Schichte „y" Üvrejcl's Iserschichten) sollen auf der Fig. 27 
niedriger gezeichnet werden. 

2. Schichte „/." (Krejci's Korycaner Schichten) beziehen sich 
wahrscheinlich auf unsere höchsten Schichten der Zone IV auf einem 
Fusswege zwischen Kyskovic und Brozanek (Zone IV d. Umgeb. v. 
Rip, S. 18, V,). Fig. 9). 

3. Das Profil des Sovice-Berges ist nur oberflächlich gezeichnet 
und beschrieben, so dass es schwer ist, dieses Profil mit unserem zu 
vergleichen. 



Prolil von dei' Elbe über Zabof nach Hostinna. 

Krejcl: Studien, S. 102, 113, Fig. 32 links. 
Zahälka: Profil 39 b., 41 der Umgeb. v. Rip 

Hostinna 





CS 
S3 


Krejcl 


CS 
S3 


Z ä b r 


X 


b 


Priesener Schichten 


X 

l-H 




CS3 


Krejcl 




X 


t 


Teplitzer Schichten 


X 






J 


Iserschichten 


X 
t—t 

l-H 
1— ( 


IX a h c d 

V, VI, VII, VIII 


J 


Iserschichten 


X 

l-H 

1— r 

l-H 
l-H 




> 

(—1 

1— T 





Weissenberger 
Schichten 


1— ( 
l-H 
►— ( 


> 

l-H 
-O 

o 

l-H 
1— ( 
l-H 





Weissenberger 
Schichten 


l-H 
KH 
l-H 




1— 1 
t— ( 


k 


Korycaner Schichten 


)—< 





Bemerkung. 
Unter Hostinna in M^rutic nennt Krejcl unsere Zone V, aus 
der einige ungemein starke Quellen aus mergeligem Plänergesteine 
(V d) hervorsprudeln, Weissenberger Schichten (III). 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt 1900, 50. Baud, 1. Jlelt. (C. Zahälka.) 16 



122 



C. Zahälka. 



[56] 



Schichtenfolge im Kokofiner Thale von Wrntie nach KokoiMn, 
Hradski), Sedlec, Kanina, Stiem, Nebnzel. 

Krejcf: Studien, S. 114, 126, 127. 

Zahälka: Zone IX, Kokori'ner Thalgebiet, Fig. 52. 



Zahälka 



Krejcl 



Zahälka 



Xd 



Grauarelbe Plattenmers-ol. 



Xabc 



Bröcklisje Merkel. 



l\cd 



Kalkige Sandsteine mit Exogijra 
coluniba etc. 



IX /> 



Zweite mächtige Bank von Sand- 
steinen. 



IX a 



Glauconitische, sandige Mergel. 



VIII 



Mächtige Bank von Sandstein. 



V, VI, VII 



Plänermergel. 



Piiesener 
Schichten 



IX 



Teplitzer 
Schichten 



X 



Iserschichten 



VIII, IX 



Weissen- 
berger Seh. 



III 



Profil von Liboch nach A^idini. 

Krejci: Studien, S. 105—118, Fig. 35 rechts. 

Zahälka: Zone IV, S. 22—23; Zone V, S. 55; Zone VI, S. 12-13; 
Zone VII, S. 8; Zone VIII, S. 24—25, Fig. 29, 36; Zone IX 
zwischen Zebus mid Vidim S. 6-7, 10—11, Fig. 59. 



Zahälka 



Krej cf 



Z a h ä 1 k a 



VIII obere, IX 



VII ob., VIII unt. 



m 



IV, V, VI, VII I 



Iserschichten. 



Malnicer Schichten. 



Weissenberger Schichten. 



VIII, IX 



IV r 



III 



Krejcl vergleicht seine Schichten der böhmischen Kreide- 
formation in seiner Geologie, Praha 1877, S. 738 — 757, mit nach- 
stehenden Kreidestufen Frankreichs : 



[57] 



lieber die Schiclitenfolffo der westbölimischen Kreideformation. 



123 



Chlomecker Schichten. 
Priesener Schichten. 



\ Senon. 



Teplitzer Schichten. 
Iserschichten. 
Malnicer Schichten. 
Weissenberger Schichte 

Korycaner Schichten. 
Perucer Schichten. 



J 



Tiiron. 



Cenoman. 



In demselben Werke S. 778, Fig. 654, unterscheidet Krejcf 
nachstehende drei Schichten im Ripplateau. 



Z a li a 1 k a 



IV bis X 



III 



K r e j c 1 



Weissenberger Schichten .o". 



II 



Korycaner Schichten „k 



Perucer Schichten „/>". 



Dabei sagt Krejcf (ebenda S. 779), dass über dem Weissen- 
berger Pläner höhere Lagen um den Berg Rip herum zu dem Malnitzer 
Grünsande, zu den Iser- und Teplitzer Schichten gerechnet werden 
können, aber dass hier alle diese höhere Schichten als Pläner ent- 
wickelt sind. 

Dass Krejci mit dem Namen Teplitzer Schichten unsere Zonen V 
und IX gemeint hat, haben wir schon früher erwähnt. Auf welche 
Schichten er aber mit dem Namen Malnitzer Giünsand und Iser- 
schichten hinweisen wollte, kann ich nicht sicher bestimmen, da er 
sie nicht näher beschrieben hat; wahrscheinlich die, welche unter der 
Zone V und llL liegen. 

Dr. Ant. Fric verölfentlichte nachstehende Arbeiten aus den 
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation — Palaeontologische 
Untersuchungen der einzelnen Schichten — im Archiv der natur- 
wissenschaftlichen Landesdurchforschuno" von Böhmen : 



Perucer Schichten. 1869. 
Korycaner Schichten, 1869. 
Weissenberger und Malnitzer 
Iserschichten. 1888. 
Teplitzer Schichten. 1889. 
Priesener Schichten. 1893. 
Chlomeker Schichten. 1897. 



Schichten. 1878. 



16^ 



124 



Ö. Zahälka. 



[58] 



In diesen Arbeiten unterscheidet Fric nachfolgende Schichten- 
folge der westböhmischen Kreideformation : 



Zahälka 



Fric 



IX 



X 



IX 



VIII // 



IV /• 



V a untere 



Vrt, IVr etc 



IV 



VI 



IV 



III 



Priesener Schichten. 



Teplitzer Schichten. 



Kaniner Bi-yozoenschichten. 



Chorousker Trisfoniaschichten. 



Zweiter Kokofiner Quadei*. 



Hledseber Zwischenpläner. 



Erster Kokofiner Quader. 



Bysicer Uebergangsschichten. 



Malnitzer Avellanenschichte. 



Launer Knollen. 



Malnitzer Grünsand. 



Wehlowitzer Pläner. 



Dfinower Knollen. 



Semitzer Mersrel. 



Iser- 
schichten 



Malnitzer 
Schichten 



Weissen- 

berger 

Schichten 



]I 



Korycaner Schichten. 



Perucer Schichten. 



[50] lieber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 125 

Idealprofil der Weissenber<;er und Malnitzer Schichten 

zusammengestellt nach den Aufschlüssen bei Dilnov und Welilowitz. 
Friu 1878: Die Weissenberger und Malnitzer Schichten, S. 8. 



Zahälka 



Fric 



Z a h ä 1 k a 



VIII 



VII 

in Wehlowitz^ 



l 



VI 



III 



Die unterste 
Schichte der Zone 
> d l bei Raudnitz 



IV 



I Vrf2 

I bei 
Raudnitz 



III 



II 



13. Iserschichten. 



12. Gelbliche, 
sandig-plä- 
nerisfe 



11. Graue, kal- 
kige 



Malnitzer Avel- 
lanenschiehte. 



Launer Knollen. 



10. Glauconitischer 
Pläner od. graue, 
klinorendePlatten 



Malnitzer 
Grünsand, 



9. Höhere Lage od. Fischlasre. 



8. Tiefere Lage mit Hohl- 
räumen nach Scyphien. 



Ih. Ostreen-Schichte. 



7 ((. Höhere 
knollisfe 



oder quadrige 
Lage. 



Va 



nicht 
selbständig 



r^ Ph 



6. Tiefere , sandig - plänerige 
Laffe. 



( ^ 



5. Festere , kalkig - sandige 
Lasre. 



4. Graue obere Lage. 



3. Gelbliche untere Lage. 



2. Schwärzliche Schieferthone 
mit Area snb(/labra (Hradek, 
Hledseb). 



bc 



IV r 



VI 



1. Korycaner Schichten. 



IV 



} "I 



III 



126 C. Zahälka. [60] 

Be m erkling eii. 

1. Das Idealprofil ist nicht nur nach den Aufschlüssen bei 
Drinow und Wehlowitz zusammengestellt, sondern auch nach den Auf- 
schlüssen am Dzbanberge bei Rakonitz (das bezeugt die Schichte 8), 
und nach den Aufschlüssen am Vrchlabec bei Raudnitz (das bezeugt 
die Schichte 7 h). 

2. Die römischen Ziffern in der linken Colonne bedeuten, zu 
welcher meiner Zonen die Fric'schen Schichten 1 bis 13 gehören. 

3. Die römischen Ziffern in der rechten Colonne bedeuten wieder, 
zu welchen meiner Zonen die in dem Fric's Idealprofile rechts an- 
gegebenen typischen Schichten gehören. Zum Beispiel: 

Die Malnitzer Avellanen-Schichte in Malnitz gehört zu der 
untersten Schichte der Zone V, Horizont a. 

Die Launer Knollen bei Laun sind kein selbständiges Glied 
der Kreideformation. 

Der Malnitzer Grünsand in Malnitz gehört zu den obersten 
Schichten r der Zone IV. 

Der Wehlowitzer Plan er in Wehlowitz gehört zur unserer 
Zone VI u. s. w. 

Die Weissenberger Schichten am Weissen berge bei Prag 
gehören blos unserer Zone III an. 

4. Beim ersten Blick auf unsere Colonnen sieht man, wie Fric 
ganz verschiedene Horizonte unserer Kreideformation für aequivalente 
Horizonte gehalten hat. Zum Beispiel : 

Die untersten Schichten der Zone VIII = der unteren Schichte von V (l 
Die unteren Schichten der Zone VII = den oberen Schichten /■ der 

Zone IV u. s. w. 

VI ] 

Der Schichtencomplex IV ^^^ Wehlowitz ^ Zone III bei Prag 
TTT und Drinov. 

5. Fric hat die mächtige Zone V bei Raudnitz übersehen und 
nur die unterste Schichte der Zone V am Vrchlabec bei Raudnitz 
als Ostreenschichte erwähnt. Hätte Fric in der Umgebung von 
Raudnitz die ganze Zone V durchstudirt, so hätte er überall in ihrer 
unteren Abtheilung Yd über seiner Ostreenschichte den Rhynclionellen- 
quader gefunden (V d2 bei Raudnitz). In dem Idealprofile der 
Weissenberger und Malnitzer Schichten stellt aber Fric denselben 
Quader unter seine Ostreenschichte. 

6. Da nun der Rhynchonellenquader bei Raudnitz und Wehlowitz 
jünger ist als die genannte Ostreenschichte, so können wir diesen 
Quader nicht, wie es Fric gethan hat, zu den Drinover Knollen 
(unserer Zone IV) rechnen. Nach Fric sollte man also, da die 
Ostreenschichte die Drfnover Knollen nach oben hin abgrenzt ^), den 
über dieser Ostreenschichte folgenden Quader bei Fric's WelUowitzer 
Pläner (meiner Zone VI) einreihen; aber Fric's Wehlowitzer Phlner 
ist vom Rhynchonellenquader noch durch einen mächtigen Schichten- 



') Kriö, VVoisseiihergpr und Malnit/er Scliiclitoii, Seile 13. 



[1)1] Uebor die Scliichteiifolge der westböliniisclien Kreideformation. 127 

complex getrennt (meine höheren Schichten der unteren Zone V die 
über den Quader liegen, und meine obere Zone V; daraus folgt, 
dass wir den Quader auch nicht zu dem Wehlowitzer Pläner (Zone 
VI) rechnen können. Es ist also gerechtfertigt — abgesehen -von 
anderen Gründen ^) - - dass ich zwischen den Dfüiower Knollen 
(Zone IV) und dem Wehlowitzer Pläner (Zone VI) eine selbständige 
Zone V ausgeschieden habe. (Siehe auchZahälka: Die stratigraph. 
Bedeutung der Bisch. Ueberg. Jahrbuch der k. k. geol. R. -A. 1895, 
Bd. 45, Hft. 1, S. 94, 95.) 

7. Fric glaubt, dass in dem Wehlowitzer Pläner (Zone VI) 
noch eine tiefere Lage mit Hohlräumen nach Scyphien sich befindet 
(Schichte 8). Diese Schichte 8 hat aber Fric in den Aufschlüssen 
bei Wehlowitz nicht gefunden (darum hätte sie in das Idealprofil nach 
den Aufschlüssen bei Drfnov und Wehlowitz nicht aufgenommen werden 
sollen), sondern am Dzbanberge bei Rakonitz^). Ich habe dieselben 
Schichten in der Umgebung von Laun constatirt^) Dieser Horizont 
(Schichte 8) gehört aber nicht zur Zone VI (Wehlowitzer Pläner in 
Wehlowitz), sondern zu den oberen Schichten der Zone III (= Semitzer 
Mergel bei Melnik = Weissenberger Schichten bei Prag) und liegt 
bei Laun unter der Zone IV (= Dfinover Knollen bei Raudnitz). Die 
Schichte 8 bei Rakonitz und Laun ist eine sandige Facies der Zone III, 
die sich bei Rakonitz und Laun durch eine ungeheuere Menge von 
Spongiennadeln auszeichnet. 

Wir sehen also, dass das Idealprofil mit der Natur nicht über- 
einstimmt. 



Profil der Weissenberger und Malnitzer Scliichten bei 
Wehlowitz unweit Melnik. 



Fric: Weissenberger und Malnitzer Schichten, 
schichten, S. 22, Fig. 9. 



S. 85—87; Iser- 



Z a h ä 1 k a 



Fric 1878: Weissenb. u. Main. Seh., S. 85—87 



Zah älka 



VIII 



( 3 



VH l 2 
1 
l 



Sandig-mergeliger Pläner, in wel- 
chem .i Reihen (1, 2, 3) von grauen 
Kalkknollen, welche zum Kalk- 
brennen verwendet werden. 



Plattenförmiger, klingender Pläner mit 
Areas üb fflabra, der, trotzdem er nur spar- 
same glauconitische Körner enthält, den- 
noch ein Aequivalent des tiefsten Gliedes 
der Malnitzer Schichten sein dürfte. 



Va 



Launer 
Knollen 



nicht 
selbständ 






§6 



IV 



^) Zahälka: Päsmo V. ütvaru kMd. v okoli fi,ipu, S. 32; pasmo V. ütvaru 
kfidoveho v Poohi'i. 

^) Friß: Weissenberger und Malnitzer Schichten, S. 15, 65. 
^j Zahälka: Päsmo III kfidovöho ütvaru v PooLfi. 6, 47, 48. 



128 



ö. Zahälka. 



[62J 



Zahälka 



P'ric 1878: Weissen!), u. Main. Seh., S, 85—87 



Z a h ä 1 k a 



VI { 



V 
IV 



Welliger, quarziger Planer, auf Avelclien 
eine mächtige Lage gewöhnlichen Bau- 
pläners mit zwei Lagern von Quarz- 
knollen folert. 



Gelbliche 
oben. 

Graue 
unten. 



Schöne Pläner (Zloutky), 
welche zu den Steinmetz- 
arbeiten verwendet werden 
und das Lager von Macro- 
yoma speciosiiin , Berijx 
Zippei und Enophclythia 
Leachii sind. 



Erste Bank des Pläners, 3' mächtig, 
„Spodek" genannt. Enthält graue Par- 
tien, welche zum Kalkbrennen und zum 
Strassenbau verwendet werden. 



Knollenschichten, welche den grössten 
Theil der ganzen Berglehne zwischen 
Melnik und Liboch einnehmen und die 
berühmten Weinberge tragen, enthalten 
etwa in der Mitte ihrer Mächtigkeit die 
Bank des Rhynchonellen-Quaders. 






VI 



IV 



Z a li ä 1 k a 



Fric 1883: Die Iserschichten, S. 22, Fig. 9 



Z a h ä 1 k a 



VII, VIII 



VII 



VI 



Launer Knollen der Malnitzer Schichten. 



nicht 
selbständig 



Plattenpläner. 



Knollenlage der Fischpläner. 
Wehlowitzer Fischpläner. 



Malnitzer 
Grünsand 



Wehlo- 
witzer 
Pläner 



IV /• 



VI 



V 



IV, V 



Feste , durch Fucoiden ver- 
filzte Schichte, „Vecnost" 
genannt. 



Obere Partie der Dfinover 
Knollen. 



Rhynchonellen-Quader. 



Pläner vom Alter der Dfinover 
Knollen. 



IV 



Bemerkungen. 

1. Die römischen Ziffern in der linken und rechten Colonne 
haben dieselbe Bedeutung wie früher. Man sieht wieder, wie bei 



[<5 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



129 



Fric verschiedene Horizonte als äquivalente Horizonte betrachtet 
werden. Zum Beispiel: 

Zo e VIII in Welilowitz = Y a bei Malnitz. 
Zone Ml in Wehlowitz = IV r bei iMalnitz. 
Zone V in Welilowitz = IV bei Raudnitz und Drfnov. 

2. Fric gibt in den vorhergehenden Profilen an, dass in Wehlowitz 
der Rhynchonellenquader in der Mitte der Drfnover Knollen (Zone IV) 
sich befindet. Das stimmt nicht mit der Natur überein. Der Rhyn- 
chonellenquader liegt oberhalb der Fric'schen DKnover Knollen, in 
der unteren Zone V. 

3. Fric schreibt (Weissenb. Seh., S. 86): „Die Steinbrüche (im 
Wehlowitzer Pläner bei Wehlowitz) sind stellenweise bis auf den 
Rhynchonellenquader getieft, der aber nicht abgebaut wird." Das ist 
ein Irrthum. In den Steinbrüchen kommt man unter dem Wehlowitzer 
Pläner nicht auf den Rhynchonellenquader^), sondern auf einen grob- 
körnigen Sandmergel, der „Vecnost" genannt wird (höhere Zone V) 
und der auch Rhynchonellen birgt. Der wahre Rhynchonellenquader 
befindet sich um 18 ni tiefer unter dem Wehlowitzer Pläner. Diese 
Angabe Fr ic's stimmt auch mit seiner vorhergehenden nicht überein, 
dass der Rhynchonellenquader in der Mitte der Dri'nover Knollen sich 
befinden soll! 

4. Fric glaubt, dass die Schichte „Vecnost" durch Fucoiden 
verfilzt ist. Das ist nicht richtig. Erst 16 m unter dem Wehlowitzer 
Pläner in Wehlowitz befindet sich ein glauconitischer Quadersandstein 
(V(^5), der durch Fucoiden verfilzt ist. 



Profil bei Libocli. 

Friö: Weissenberger Schichten, S. 84, 85, Fig. 31. 



Zahälka 



Fric (Fig. 31] 



Zahälka 



VI 



IV 



m 



10 

d' 
r 



Malnitzer Schichten. 



Wehlowitzer Fischpläner. 



Dfinower Knollen. 
Rhynchonellen-Quader. 



Dfinower Knollen. 



Semitzer Mergel. 



IV r, V« 



VI 



IV 



III 



P) em erkung en. 

1. Bei Wehlowitz führt Fric die Knollenlage des Fischpläners 
an (Iserschichten S. 22, Fig. 9); es ist die obere Lage des Fisch- 
pläners (unsere obere Abtheilung der Zone VI). Diesen Horizont hat 



>) Dasselbe führt Friö an in seinem Idealprofile. Weissenb. Seh., S. 8. 
-lalubuch d. k. k. geol. Reichsanstalr, 1900, 50. Band, 1. Heft. (0. Zahälka.) 17 



130 



ö. Zahälka. 



[64] 



Fric bei der oberen Kirche von Libocli (also in der Nähe von 
Wehlowitz) nicht als seine Knollenlage des Fischpliiners" erkannt, 
sondern als Malnitzer Schichten in Wehlowitz erklärt, das heisst als 
Aequivalent der Schichten 7 und 8 (Iserschichten, S. 22, Fig. 9), die 
aber wieder den Malnitzer Schichten in Malnitz nicht äquivalent 
sind, wie aus früheren Profilen bekannt ist. Friö hat also nach- 
stehende falsche Gleichung gestellt: 

Obere Zone VI in Liboch =- YII + untere Zone VllI in 
Wehlowitz = IV / -f V a in Malnitz. 

2. Die Drinover Knollen (Zone IV) gehen in Liboch l)is zur 
Elbe. Es sind also in dem Libocher Profile keine Semitzer Mergel 
(Zone III). 

3. Unsere Zone V wurde bei Liboch in ähnlicher Weise erklärt 
wie bei Wehlowitz. 



Sclieiiiatisches Profil des Sovice-Ber^es bei Bro/anek nord- 
östlich von Kaudnitz. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 44, 45, Fig. 15. 

Zahälka: Fig. 1, J-59 «. Zone IV, V, VI, VII, VIII, IX und X der 
Umgebung von Rip. 



Zahälka 



F r i c 



Z a h ä 1 k a 



Diluvialer. 



12. Diluvialgerölle. 



11. Klingende Inoceramenpläner. 



IX 



VIII 



VI, VII 



10. 



8. 



Höchste Rhynchonellen - Lage der 
Teplitzer Schichten (Abraumschich- 
ten des Profils von Settenz). 
Festere Bänke vom Alter des Körjiers 
des Settenzer Profils. 
Graue Mergel vom Alter der Pläner- 
mergel von Kystra und der Kosch- 
titzer Platten. 



7. Sandige Felder, den zerfallenen 
Kokofiner Quadern entsprechend. 



6. Sandige 

Knolleni^läner 



der Bischitzer lieber- 
Efansjsschichten. 



A' 



IV 



t) 



Braune Pläner mit Aixa 
suhfflabra 



Launer 
Knollen. 



3. Festere, glauconitische , Malnitzer 
Bank 1 Grünsand. 



2- I Graue, glai 
— f C(il/i<t>iass(i 



auconitische Pläner mit 
hohcmiai. Wehlowitzer 
Pläner. 



Priesener 
Schichten 






Weissen - 
berger 
Schichten 



IX 



X 



IX /> 
VIII IX 



IV /• 

\ a 
IV 

IV /• 



VIII 

Na 
IV r 



VI i III 



Ux)] Ucbcr dit! Scliiclitciifolge clor wcbllioliiiiisrhen Krcidcfonnutioii, 13| 



Bern erklingen. 

1. Weil die Schichten dieses Proftles, besonders aber die 1. bis 
5. sehr oberflilchlicli gezeichnet und besclirieben wurden, so können 
wir dieselben nur annähernd mit meinem Profile vergleichen. 

2. Fric schreibt (Teplitzer Schichten S. 44), dass der klingende 
Inoceramenpläner „Liegendes" der Priesener Schichten ist. Aber in 
derselben Arbeit schreibt er (S. 12), dass er die Inoceramenpläner 
zu den Priesener Schichten rechnet. 

3. Fric rechnet einmal den Inoceramenpläner (X<;/) zu den 
Teplitzer Schichten, z. B. auf der Rohatetzer Anhöhe (siehe dieselbe 
Arbeit: Teplitzer Schichten S. 43, Z. 11 bis 21), weil ich aus den- 
selben Tevehrahda seniüjlohosa anführe, ein anderesmal (in derselben 
Arbeit S. 44 und Priesener Schichten S. 32) zu den Priesener 
Schichten (IX), z. B. am Sowitzberge, obwohl sich dort auch Terehra- 
tida i^einkßohosa vorfindet. 

4. Fric rechnet den Inoceramenpläner (Xr/) auf der Rohatetzer 
Anhöhe (bei Zidowic) zu den Teplitzer Schichten (nach der vorher- 
gehenden Bemerkung 3) aber in derselben Arbeit (Teplitzer Schichten 
S. 12) führt er dieselben Inoceramenpläner (X(/) auf derselben 
Rohatetzer Anhöhe (Zidowic [nicht Zidowec]) als Priesener Schichten 
(IX), also nicht als Teplitzer Schichten an. 

5. Fric beschreibt seine Schichte 7 folgendermassen (Teplitzer 
Schichten S. 45): „Die Kokonner Quader stehen hier zwar nicht als 
massige Felsen an, sondern verrathen ihre Gegenwart in zerfallenem 
Zustande in den sandigen Feldern (Schichte 7), welche die Anhöhe 
des eigentlichen Soviceberges umgeben und den Boden der armseligen 
Föhrenwäldchen bilden, welcher am Wege von Wettel nach Raudnitz 
den Wanderer ermüdet". Ich habe schon in meinem Artikel: „Die 
stratigraphische Bedeutung etc." S. 16 constatirt, dass Fric seine 
Schichten Nr. 7 am Sowitzberge nicht gesehen hat. Den diesen Hori- 
zont 7 bilden hier keine Sandsteine, sondern feuchte Mergel meiner 
Zone IX (mergeligthonige Facies der Zone IX). Darum sind im Um- 
fange der Zone IX (Fric's Schichte 7) am Sowitzberge keine 
sandigen, sondern feuchte, mergelige Felder, und die sandigen Felder, 
von denen Fric oben spricht, besonders zwischen Wettel und Raud- 
nitz, gehören dem hiesigen , weitverbreiteten Diluvialsande und 
Diluvialschotter an ! (Siehe meine geologische Karte des fop- 
plateaus.) 

6. Fric erklärte seine Schichten 6 so: „Die weiter oben an- 
stehenden mehr sandigen Pläner führen drei Reihen von Knollenlagen 
(6), die sehr reich an Turritellen sind, die ich früher als Turritella 
Jßttoniana auffasste, welche aber auch zu T. Xoe(j(jei-athiana {GoUf.) 
gehören könnten. Die übrigen darin aufgefundenen Arten weisen 
darauf hin, dass wir es hier mit den tiefsten Iserschichten, mit den 
Bise hitzer Ueb e rgan gs s chicli ten zu thun haben". 



17^ 



132 <5. Zahälka. [m] 

(i) Ich habe in diesem Horizonte nicht nur drei Reihen von 
Knolleiihigen (wie Fric), sondern zwölf Reihen von KiioUenkigen 
gefunden. 

h) Dieser Horizont ist nicht äquivalent den Bischitzer Ueber- 
gangsschichten bei Bischitz, da die Bischitzer Uebergangsschichten 
in Bischitz 

a) kein selbständiger Horizont sind, 

[i) zur Zone IV (Dfinover Knollen) gehören. 

c) Am Sowitzberge gehören die Fric'schen Schichten 6 zu 
unserer Zone VIII. Die obere Abtheilung dieser Zone VIII ist äqui- 
valent dem ersten Kokori'ner Quader von Fric bei Kokorni (Siehe 
meinen Artikel: Die stratigraphische Bedeutung der Bischitzer Ueber- 
gangsschichten, S. 9 bis 18, besonders S. 15 und 16.) 

7. Die Schichten 4 und 5 beschreibt Fric folgendermassen (Tep- 
litzer Schichten, S. 45): „Etwa 12 in braune Pläner, wahrscheinlich 
vom Alter der Launer Knollen.'^ Das sind unsere Zonen VI und VII. 

a) Diese Zone VI — nach Fric wahrscheinlich Launer Knollen 

— ist identisch mit den etwa 2 km entfernten Steinbrüchen der 
„Gastorfer Platten", von denen aber Fric sagt, dass sie echte Wehlo- 
witzer Fischpläner sind (ganz richtig. Zone VD, in denen er Ver- 
steinerungen nach oft wiederholten Besuchen im Verlaufe von etwa 
15 Jahren sammelte etc. (Weissenberger Schichten, S. 83). Die höhere 
Schichte der Zone VI (also des echten Fric'schen Wehlowitzer Fisch- 
pläners, unsere Zone VI 4, siehe Zone VI der Umgebung von Rip, 
S. 7) hat aber Fric in denselben Steinbrüchen als Aequivalent des 
Malnitzer Grünsandes betrachtet (siehe Weissenberger Schichten, 
S. 83). 

h) Die genannte Zone VII (bei Fric annähernd die Schichte 5 

— wahrscheinlich Launer Knollen) hat Fric im Wehlowitzer Stein- 
bruche als Malnitzer Grünsand (theilweise als Launer Knollen) erklärt 
(siehe vorne das Wehlowitzer Profil). 

c) Die Launer Knollen in Laun gehören entweder zur Zone IV 
oder zu der untersten Schichte der Zone V<^ (Avellanenschichte), der 
Malnitzer Grünsand zur Zone IV r. 

d) Die Zonen VI + VII am Sowitzberge wurden also von Fric 
gleichgestellt der Zone IV + Va bei Malnitz. 

8. Friö's Schichten 2 und 3, die Fric als Wehlowitzer Pläner (!) 
und Malnitzer Grünsand (!), d. h. als Zone VI und IV /■ bestimmte, 
gehören zu meiner Zone V, die unten den bekannten Quadersandstein 
(Rhynchonellenquader von Wehlowitz) birgt. 

9. Die unterste Schichte 1, die Fric auch zu seinem Wehlo- 
witzer Pläner (!) zählt, gehört zu meiner Zone IV (Dffnower Knollen), 
die jetzt mit Schutt bedeckt und besser in einem Hohlwege „v Lopatech" 
entblösst ist. 



1671 



Ueltcr die kScliichtenfolire der wcstljöhniischcn Ivreidt'fornuition. 



ir,3 



l*r()fil der lUMglelino iiiul Hochebene bei Kochowitz iiiid 
(ilastoi'f obeihalb der Klbe. 

Fric: Weissenberger Scliicliten, S. 82, Z. l, 2 v. uiit., iiiul S. 8;}, 84. 
Zahälka: Fig. 39 r/, 10, 27. Zone IV, V, VI, VII u. VIII d. Ilingeb. 
von Rip in Jezerka, Lopaty, Ulicka. 



Z a h a 1 1< a 


I'' r 1 c 


i Zahälka 


Diluvium und 
VIII 


Sparsame Reste der zer- 
störten 


Isersandsteine 


VIII, IX /> 

1 


Ca 


VI . 


G 


Sind hier auch angedeutet 
die 


Launer 
Knollen 




Ya 
IV 

IV /• 


V« 
IV 


5 

4 

3 

•_) 

1 


Kalkig-e, klingende Pliiner- 

platten, welche nur spärliche 

Glauconitkörner enthalten. 


Malnitzer 
Grünsand 


Lange Reihe von Stein- 
brüchen, in denen die be- 
rühmten „Gastorfer Platten" 
und andere Steinmetzarbeiten 
verfertigt werden. 


Wehlowitzer 
Fischpläner 


ö 

Ol 

ü 

IS 

o 

r-< 
<V 

<p 

00 

'S 


VI 


III 


o 

cS 

p 


■V • 




Die Knollenschichten sind 
hier mit Weingärten be- 
pflanzt und stellenweise durch 
den Schutt der am Plateau 
befindlichen Steinbrüche ver- 
deckt. (Siehe Bemerkung 4.) 


Dnnower 
Knollen 


IV 


1 

1 


Steile, an 3 Klafter hohe 
Wand des Rhynchonellen- 
Quaders. (Siehe auch Bemer- 
kung 3.) 




Im Strombette der Elbe liegen 
graue, sandige, in unebene 
Platten sich lösende Pläner, 
welche sehr sparsame Petre- 
facten enthalten und durch 
Kohlenbrocken und zahlreiche 
Fucoiden sich auszeichnen. 


'P 


( 

IV 


T 



Bemerku nge n. 

1. Die Schiclitenfolge in diesem Profile ist von Fric sehr ober- 
flächlich angegeben (vergleiche mit unseren Profilen in Ulicka, Lopaty 
und in Jezerka die Zone IV, V, VI, VII und VIII der Umgebung von ßip). 

2. Das Alter der untersten Schichten (unsere IV 1 bis 15) 
wurde nicht näher bestimmt, obwohl es die echten, charakteristischen 
Schichten der Dfinover Knollen Fric's sind. 

3. Die Mächtigkeit des Rhynchonellenquaders wurde mit 3 Klafter 
angegeben. Ich habe sie nur 3'45 m mächtig gefunden. Es kann also 



184 



C. Zahälka. 



m 



sein, dass Fric auch die unter dem Rhynchonellensandsteine liegen- 
den Schichten zum Rhynchonellenquader gerechnet hat. 

4 Nach Fric sollten über dem Rhynchonellenquader die Knollen- 
schichten kommen, die aber verdeckt sind. Das ist nicht der Fall. 
Ueber dem Rhynchonellensandsteine kommen die mittleren und oberen 
Schichten der Zone V, die aus Mergeln und Sandmergeln zusammen- 
gesetzt sind (siehe Zone V in Lopaty). 

5. Die unteren Schichten des Wehlowitzer Fischpläners (Zone VI) 
hat Fric bei Gastorf (in den Steinbrüchen) als Wehlowitzer Fisch- 
pläner erklcärt (unsere VI 1, 2, 3). Die nächsthöheren Schichten des- 
selben Wehlowitzer FischpLäners (VI 4, 5) erklärte Fric als Malnitzer 
Grünsand (also als TV r). Die höchsten Schichten des Wehlowitzer 
Pläners (VI 6, 7 in Jezerka, VI 2, 3, 4 in Lopaty), die Fric in 
Wehlowitz „Knollenlage der Fischpläner" nannte, hat Fric hier zu 
den Launer Knollen (IV, V a) gerechnet. 

6. Auf der genannten Hochebene bei Gastorf und Kochowitz 
oberhalb der Elbe befindet sich auch die Zone VII, die Fric in 
Wehlowitz zum Malnitzer Grünsand (IV r) zählte (siehe Zone VII in 
Lopaty, Lestlnek, Jezerka, Pod Prosikem). 

7. Oberhalb der Zone VII befindet sich im höheren Niveau 
dieser Hochebene auch die Zone VIII (siehe Zone VIII in Uvoz v 
Lestinku, V Lopatech, Na Prosiku, südöstlich von Host'ka |Gastorf|), 
deren obere Abtheilung äquivalent ist dem ersten Kokoriner Quader 
bei Kokorin. Zu dem Satze Fric's: „Den Schluss der Schichtenfolge 
bilden hier sparsame Reste der zerstörten Isersandsteine, welche auf 
dem Plateau, namentlich gegen Raudnitz hin, überall den Boden der 
ärmlichen Kieferwäldchen bilden," muss ich hinzusetzen, dass dieser 
Boden grösstentheils zum Diluvialsand und Schotter gehört. 



Holilweg an der westlichen Seite des Soviceberges. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 84; Iserschichten, S. 76, 77. 
Zah/ilka: Zone V, VI, VII, VIII, Fig. 26 der Umgebung von 
Uvoz V Brozänkäch. 



Rip. 



Zahälka 



Fric 



Z a h j'i 1 k a 



Diluvialsand 

und 

Schotter 



vni 



VII, VI, V 



Sandige Felder. Stellenweise ent- 
stammt der Sand augenscheinlich 
einem Quadersand. 



Wahrschein- 
lich der erste 
Kokofiner 
Quader 



Graue Knollen])lilner, welche nach Bysicer 
oben hin immer mehr und mehr i Uebergangs- 
grobsandig werden. schichten 

Petrefactenleere Planer, deren ge- 
naue Deutung gegenwärtig noch 
unzulässig ist. 



VIII 



IV /■ 



[691 



Uober die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



135 



Bern e rkun gen. 

1. Die Zone VII ist hier reich auf Petrefacten. Siehe meine 
Zone VII der Umgebung von Rip, Seite 5. Der Hohlweg nad Brozanky. 

"2. Die Zone VI ist liier typisch ansgebildet ; es ist der Wehlo- 
witzer Fischpläner. Ihre untere Abtheilung hat Fric bei Gastorf (in 
den Steinbrüchen, 2 Lm nordöstlich von da) erkannt (siehe : Profil der 
Berglehne etc. Bemerk. 5). Die obere Abtheilung der Zone VI (VI 3, 
4, 5) hat hier die zwei charakteristischen Knollenbanke, die Fric in 
AVehlowitz die Knollenlage des Wehlowitzer Fischpläners nennt. Doch 
sagt aber Fric über diesen seinen charakteristischen Horizont (des 
Wehlowitzer Fischpläners), dass seine genaue Deutung gegenwärtig 
unzulässig ist. 

3. Die geologischen Verhältnisse unserer Zone V waren Fric 
nicht bekannt, darum sagt er auch von diesen Schichten, dass ihre 
genaue Deutung gegenwärtig unzulässig sei. 

4. Unsere Zone VII ist hier eine mergelige Facies der sand- 
mergeligen Zone VII in Wehlowitz, die Fric in Wehlowitz als Mal- 
nitzer Grünsand betrachtete (das heisst als die Zone lY r). 



Eiseiibahiiprofil bei Scliwafeiiitz. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 80, 81, Fig. 28. 
Zahälka: Zone V, VI, VII, VIII der Umgebung von Rip, Sväfenice, 
Na Bousce, Fig. 18, 17. 



Z a h ä 1 k a 


Fric 


Zahälka 




VI 


w. Fischpläner. 


Wehlowitzer 
Pläner 


ö 

ü 

'M 
ü 

<v 

ö 

(D 

CO 

x 

'S 


VI 


III 




V 


h 


3 

2 
1 


r. In den höheren Lagen der 
Dfinower Knollenschichten be- 
merkt man eine schwache Quader- 
sandschichte, welche die erste 
Andeutung des an Rhynchonellen 
reichen Quaders ist, den wir 
später bei Liboch und Wehlo- 
witz unter den Fischplänern 
treffen werden. 


Dfinower Knollen 


IV 
HI 




k. Gelbliche, etwas sandigkalkige 
Concretionen. 




d 


2 


s. Schwärzlichgraue Mergel, 3 
bis 4 Klafter. 


tSemitzer 
Pläner 




1 
i 

l 










- 





136 Ö. Zabälka. [70J 

Bemerkun gen. 

1. Fric schreibt über die Mächtigkeit des WelilowitTier Fiscli- 
pläners in der hiesigen Gegend: „lieber den Knollen liegen bei 
Webrutz an 5 Klafter mächtige VVehlowitzer Fischplilner." Wie aus 
unserer Arbeit über die Zone VI der Umgebung von Rip bekannt, 
ist die Mächtigkeit der ganzen Zone VI in Wehlowitz, d. h. des 
Wehlowitzer Pläners (sammt der Knollenlage des Fischpläners) 31 in 
(Zone VI, S. 14); wenn wir uns von Wehlowitz gegen Schwarenitz 
(Sväi'enic) nähern, so steigt die Mächtigkeit der ganzen Zone VI 
(Wehlowitzer Pläner) folgendermassen : in Libocli 3'7 m, bei Poceplic 
und Jesovic 5-1 m, bei Wegstädtl 4 9 m, bei Gastorf 5*2 w, bei Svärenic 
(oberhalb des Bahnhofes Gastorf) 52 m. Wenn also Fric die Mächtig- 
keit des Wehlowitzer Fischpläners bei Webrutz mit 5 Klafter angibt, 
so ist daraus zu sehen, dass er zum Fischpläner auch andere Schichten 
zugerechnet hat, die dem Fischpläner nicht angehören. 

2. Fric hat in der höheren Lage seiner vermuthlichen Dffnowor 
Knollen eine schwache Quadersandsteinschichte „r" bemerkt und 
glaubt, dass es die erste Andeutung des Rhynchonellenquaders von 
Liboch und Wehlowitz ist. Schade, dass Fric die Schichten unter 
seinem vermuthlichen Semitzer Pläner (Mergel) „s" in der Umgebung 
von Sväfenic nicht durchstudierte (meine V(/ 1), sonst hätte er das 
Aequivalent seines Rhynchonellenquaders von Wehlowitz unter ihnen 
gefunden (siehe Zone V der Umgebung von Rip, S. 51, Sväi'enice, 
V(/ 1, Fig. 18; Zone V, S. 50, Nädrazf Host'ka V(/ 1 -4, Fig. 17; 
Zone V, S. 50, Host'ka [Gastorf] V(/ 2). 

3. In Wehlowitz stellt Fric seinen Rhynchonellenquader un- 
richtiger Weise in die Mitte der Dflnower Knollen, hier in Schwarenitz 
wieder in die höheren Lagen der Drfnower Knollen (im Texte Seite 
82), oder in die höchste Schichte der Drfnower Knollen (ebenda Fig. 
18r, Seite 81). 

4. Ueber die unteren Schichten „.s" sagt Fric, dass sie ganz 
den Semitzer Mergeln entsprechen. Das sind aber die Schichten 
unserer unteren Zone V (V^i 2), unter welchen sich zuerst der 
Rhynchonellenquadersandstein befindet, der auch der unteren Zone V 
angehört. 

5. Aus dem Vorhergehenden ist auch zu ersehen, dass hier keine 
Dflnower Knollen (Zone IV) sich befinden, da ihre wahre Lage unter 
der Zone V ist. 

Darum ist der folgende Satz Fric's unrichtig: „In der Gegend 
von Gastorf wurden in neuerer Zeit durch Eisenbahneinschnitte schöne 
Profile entblösst, welche in Beziehung auf die Gliederung der Weissen- 
berger Schichten me in e Ansi ch ten glänzend be st ätigt haben" ; 
denn in den Profilen, von welchen hier die Rede ist (besonders Fig. 28), 
befinden sich keine Semitzer Mergel und Drfnower Knollen (diese 
sind tief unter der Oberfläche), so dass hier die Schichtenfolge : 
Semitzer Mergel (Zone III), Dflnower Knollen (Zone IV), Wehlowitzer 
Pläner (Zone VI) nicht bestätigt werden konnte. 



[71] 



lieber die Scliiclitenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



137 



Profil von Gastorf zur Anhöhe „Auf dei' Höre". 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 82, Fig. 30, 
Zahillka: Zone VIII, S. 20; Zone VII, S. G; Zone VI, S. 9; Zone V, 
S. 50. Host'ka Uvoz cesty k MaleSovu. 



Z a h ä 1 k a 



entweder oder 



Fric 



Z a li a 1 k a 



VIII 

VII 

VI2-4 



VIII 



m 



VIi 



VI 



Vrfg,/? 



VJh 



Vr/. 



\h 1—4 
V d 1-3 



V^/i 



Eisenschüssige 

Schichte: zollstarke 

Platten von sandigem 

Brauneisenstein. 



Echte kalkige, mit 

groben Sandkörnern 

untermischte Schichten, 



Lage der Kalkknollen. 



Lage der Kalkknollen. 



Fischpläner. 



Rhynchonellen-Quader 



Knollenschichte. 



Graue Schichte mit 
Ostraeen. 



Iserschichten 



Launer 
Knollen 



Wehlo- 
witzer 



Dfinower 
Knollen 






Knollenschichte. 



VIII, IX 



IV, Va 



IV /• 



VI 



IV 



IV 



Semitzer Mergel (in Gastori). 



III 



IV 



III 



Bemerkungen. 
1. Da das Profil von Gastorf zur Anhöhe „Auf der Höre" sehr 
oberflächlich beschrieben und dargestellt wurde, so ist es schwer, 
dasselbe mit unserem Profil zu vergleichen. Es kann sein, dass Fric 
mit den Schichten m, m', i und /' entweder diejenigen Schichten ge- 
meint hat, die wir mit VI 2-4, VII und VIII bezeichnen, oder die wir 
zur Zone VIII rechnen. Es kann sein, dass Fric mit dem Fisch- 
pläner w entweder die untere Zone VI 1 (Zone VI, S. 9) gemeint hat, 
oder die ganze Zone VI. Auch ist nicht sicher, ob Fric mit dem 
Rhynchonellenquader r unseren Schichtencomplex V/i gemeint hat 
(was wahrscheinlicher ist), oder unsere Schichte V d 2. So ist der 
für die erste Colonne gewählte Titel „entweder, oder" zu verstehen. 

Jalubuch d. k. k. geol. IJciclisaiistalt, 1900, 50. Band, 1. lieft. (C. Zah&Uta.) 18 



138 



C. Zahälka. 



[72] 



2. Mit dem Scliichtencomplexe V(/l (unteres „Z^" bei Fric) 
enden bei Gastorf die untersten Schichten der Zone V, so dass 
unter ihnen, also in Gastorf selbst, keine Semitzer Mergel mehr vor- 
lianden sein können , sondern die echten Schichten der Dfiuower 
Knollen, d. h. unserer Zone IV. 

3. Es ist wahrscheinlicher (nach der Fric'schen Fig. 30), dass 
Fric mit dem Rhynchonellenquader „/•" die obersten Schichten unserer 
Zone V meinte (V//o), wie bei Schwarenitz (in diesem Falle wäre 
der lihynchonellenquader schlecht gedeutet, da er sich in der unteren 
Zone V befindet). Die Schichten gehen bis zur Zone VI (Fischpläner). 
Demnach hätte Fric den Rhynchonellenquader gleich unter den Fisch- 
pläner gesetzt (in Wehlowitz aber in die Mitte der Dffnower Knollen). 

4. Hätte aber Fric mit dem Rhynchonellenquader „r" unsere 
Schichte Vr/2 gemeint, dann wäre der Horizont dieses Quaders gut 
erklärt, aber me kommt dann die Ostraeenschichte „o" in die Mitte 
der Dffnower Knollen „Z/, Z/" ? Denn die Ostraeenschichte (und die 
graue Schichte Fric's „o" mit Ostraeen ist die wahre Ostraeenschichte 
von Vrchläbec bei Raudnitz) soll nach Fric (Weissenberger Schichten, 
S. 13) die Drlnower Knollen nach oben abgrenzen. 

Wir sehen wieder, wie durch Unkenntnis der Zone V Fehler in 
unserer Stratigraphie gemacht wurden und dass auch bei Gastorf die 
Gliederung der Weissenberger Schichten keine Bestätigung gefunden 
hat (siehe Bemerkung 6 des vorhergehenden Profiles). 



Profil der Weissenberger Schichten^ von Raudnitz gegen den 

Georgsberg (Rip). 

Fric: Weissenberger Schichten, S 78, 79, Fig. 26. 

Zahälka: Zone III, S. 21— 28, Fig. 5, 6; Zone IV, S. 11— 15, Fig. 7 ; 
Zone V, S. 39—43, Fig. 22, 15, 16, 24, 23, 40a, b, c, 38; Zone VI, 
S. 4— 5; Zone VII, S. 3—4; Zone VIII, S. 8—10; Zone IX, S. 6 ; 
Zone X, S. 21 — 22 der Umgebung von &p. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



VIII, V II, VI 



4—61) 



2-') 



IV 



in 



w. Fischpläner in einer iir i i v 
Schlucht bei Bechlin (Slä- 1 Weh owitzer 
1 u ■ r7 T_ ' 1 1 \ I 1 Inner 
pek bei Zahälka). i 



r. Rhynchonellen-Quader. 

X. Schichte mit Osfi-ca 
semdjjlatut. 

k. Dfinower Knollen. 



.s. Sandige, bröcklige, 
graue od. gebliche Pläner. 



Dfinower 
Kiiolli'n 



Semitzer 
Mergel 



VI 



IV, III 



III 



^ l'ig 24. 

'•') Scliiclite V (l .> in der Fig. l.ö u. 16 oder Schichten V r/ 2, 3 in der Fig 24. 



L78] 



Uober die Schicliti'iif'olsfc der westböhniischou Kruideformatiun. 



3i) 



Bemerk unge n. 

1. Ueber die Ostreenschichte „a?" sagt Fric, dass sie die 
Dffnower Knollen nach oben hin abgrenzt (Weissenberger Schichten, 
S. 13). Da nun Fric über dieser Schichte in Beclilin den Rhyncho- 
nellenquader gefunden hat, so sollte er nach seiner Theorie diesen 
Rhynchonellenquader überall zu seinem Wehlowitzer Pläner stellen, 
aber er stellt ihn in Wehlowitz in die Mitte der Di'fnower Knollen (!) und 
in seinem Idealprofile gleich unter die Ostreenschichte! (Siehe vorne.) 

2. Alle übrigen Schichten, die sich in der Schlucht bei Bechlin 
über dem Rhynchonellenquader befinden, und zwar die Schichten der 
Zone Vr/4 bis 6, dann Yh, der Zonen VI, VII, VIII, hat Fric zu 
seinem Wehlowitzer Fischpläner gerechnet (siehe unsere Fig. 24). 
Das ist sehr unrichtig. Nur die Zone VI bei Bechlin ist der wahre 
Wehlowitzer Fischpläner. 

3. Unsere Schichten V(/4— 6, dann VA (Fig. 24), die über dem 
Rhynchonellenquader liegen, hat Fric in Wehlowitz zu seinen Dff- 
nower Knollen gerechnet, hier in Bechlin wieder zu dem Wehlowitzer 
Fischpläner ! 

4. Unsere Zone VII in Bechlin (Fig. 24) hat Fric zum Wehlowitzer 
Fischpläner gezählt, aber in Wehlowitz zu seinem Malnitzer Grünsand. 

5. Die oberen Schichten der Zone VIII in der Schlucht „Släpek" 
(Bechlin) übergehen schon in einen Sandstein, doch hat in ihnen 
Fric seinen „ersten Kokofiner Quader' nicht erkannt. Diese Zone 
ist ganz identisch mit der Zone VIII am Soviceberge, die Fric als 
Bysitzer Uebergangsschichten erklärte ! 

6. Fric hat die Wehlowitzer Schichten „?r" seines Profiles 
Fig. 26 in Bechlin in der Schlucht „Släpek" studirt (unsere Fig. 24). 
Es befindet sich aber in Bechlin noch eine andere Schlucht, die 
„Slap" heisst. In dieser Schlucht sind auch höhere Zonen entblösst, 
als die erwähnten Zonen V, VI, VII und A^III. Es sind die Zonen 
IX und X (siehe unsere Fig. 23 und die Abhandlungen über die 
Zonen VIII, IX, X). 



Profil der Weissenberger Schichten westlich von 
Untei'-Befkowitz. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 76, 77, Fig. 25. 

Zahälka: Fig. 40c, 37; Zone IV, S. 17; Zone V, S. 44; Zone VII, 
S. 4—5, Fig. 25j Zone VIII, S. 11 — 13; Zone IX, S. 6-7 der 
Umgebung von Rip. Geologische Karte des Ripplateau. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



IX 



f. Bläuliche Mergel. 



VIII 



t. Bräunliche, sandige Mergel. 



m. Graue, sehr feste, kalkige 
Schichte. 



Malnitzer 
Schichten? 



IV, Va 

18* 



140 



C. Zahälka. 



[74] 



Zahälka 



VIII 



VII 
VI 
V 



IV 



Fric 

IV. RegelinäsHigo IJauplilner. 

Fischpläner ^im Steinbruche 

„na Sibenym". 



d. Schichten, welche hier der 
grauen und sandigen Be- 
schaffenheit wegen niani'hen 
Partien derLserschichten .sehr 
ähnehi, al)er nach den Petre- 
facten und der Lagerung 
(unter den Wehlowitzer Plä- 
nern mit Mdcropoma spccio- 
sitm) unstreitig den Dfinower 
Knollen entsprechen. 



Gut aufgeschlossen, aber arm 
an Petrefacten treffen wir die 
Semitzer Mergel im Dorfe 
Citov, und zwar in der festen 
Varietät, welche graue, san- 
dige, bröcklige Pläner dar- 
stellt. (Weissenberger Schich- 
ten, S. 76.) 



Wehlowitzer 
Plan er 



Dfinower 
Knollen 



Semitzer 
Mergel 



fec 



Zahälka 



VI 



IV 



III 



III 



B e 111 erkuiigen. 

1. Ganz anders als in Bechlin hat Fric dieselben Schichten beim 
nahe liegenden Dorfe Lipkowitz erklärt. In Bechlin hat Fric den 
grössten Theil der Zone V, die Zonen VI, VII und VIII als „Wehlo- 
witzer Pläner" erklärt, aber dieselben Schichten der Zonen V. VI, 
VII und VIII bei Lipkowitz (3 bis 4 km von Bechlin) als Di'lnower 
Knollen, Wehlowitzer Planer und vielleicht Malnitzer Schichten! 

2. Als Wehlowitzer Fischpläner betrachtete Fric bei Lipkowitz 
die oberen Schichten unserer Zone Villa, die also dem ersten 
Kokofiner Quader entsprechen. Viel tiefer befinden sich bei Lipkowitz 
die Schichten der Zone VI, d. h. des wahren Wehlowitzer Fisch- 
plänerhorizontes, die aber Fric mit anderen Schichten zu den Dfi- 
nower Knollen rechnete. 



Dfinower Berg. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 25, 26. 

Zahälka: Zone II, S. 14 --16; Zone III, S. 28—29; Zone IV, 
S. 17 — 18, Fig. 4 der Umgebung von ftip. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



IV 

unterste 
Schichten 



Sandige Mergel mit drei 
Lagern von kalkigen Knollen- 
schichten. 



Dfinower 
Knollen 



III 



II 



Feuchte Mergel, welche hier q •< . 
das Material zur Ziegelf abri- i *iyr ■, 
cation liefern. ° 



Ppa 



Korycaner Schichten. 



IV 



III 



III 



II 



[75] 



Ueber die Scliichtenfolge der westböhmischen Kleideformation. 



141 



B e in e r k u ii g. 
Die sandigen Mergel mit den kalkigen Knollenschichten am 
Di'fnower Berge, nacli denen Fric diese Schichten Dflnower 
Knollen nannte, gehören zu den untersten Schichten 
unserer Zone IV. Sie sind 7 m mächtig. In der Umgebung des 
Üfinower Berges ist die ganze Zone IV circa 30 m mcächtig. Die 
Dflnower Knollen, welche Fric am Vrchlabec bei Raudnitz beschrieben 
hat (siehe vorne), sind jünger als die Dhnower Knollen am Df'lnower 
Berge, da sie der oberen Abtheilung der Zone IV angehören. 

V 

Profil zwischen Bysic und ('ecelic. 

P'ric: Iserschichten, S. 26—27. 

Zahälka: Die strat. Bedeut. d. Bischitzer Uebergangsschichten. 

Jahrbuch d. k. k. geol. R.-A. 1895, Bd. 45, H. 1, S. 95-99, Fig. 1 ; 

Zone IV, S. 25-28, Fig. 12; Zone V, S. 61-63. 



Z a h ä 1 k a 



Fric 



Zahälka 



\d 



Den Gipfel des Berges 
nehmen graue, an der 
Oberfläche weiss verwit- 
terte Plattenkalke mit Ino- 
ceramus Bronijniarti. 



ß. Rostrothe Sande. 



IV 



46 

bis 
40 



Grosse Knollen mit Fisch- 
schuppen. 



Trigonia- 
Schichten 



IX c 



Beide Koko- 
nner Quader 



Bysicer 
Uebergangs- 
schichten 



Wh 
IX a 
VIII /i 



Nicht 

selbst. 

IV r 



IX 

VIII 



b9 

bis 
34 



4. Malnitzer Schichten. 



IV, V 



33 
bis 
25 

"2r 

bis 
1 



8. Fischpläner. 



2. Etwa fünf Reihen von 
Knollen mit Lima elongata. 



III 



1. Semitzer Mergel. 



Wehlowitzer 



Dfinower 



Semitzer 



6d j- 



VI 



<D 



OJ 






IV 



III 



III 



Bemerkung. 
Da ich über das Profil zwischen Bysic und Cecelic an anderer 
Stelle ausführlicheres mitgetheilt habe (Jahrb. 1895, Bd. 45, Hft. 1, 
S. 95 — 99, Fig. 1), so kann ich mich hier mit einem Hinweise darauf 
begnügen. Di^e Bysicer Uebergangsschichten Fric's in 
Bysic und Cecelic stellen keinen selbständigen Hori- 
zont der böhmischen Kreideformation vor, sie gehören in 
Bysic und Cecelic zu den höchsten Schichten der Zone IV (IV r), wie 
der Malnitzer Grünsandstein in Malnitz. 



142 



Ö. Zaliälka. 



[7Ü] 



Hügel zwischen Vsetat und J)ris (Ceceniin). 

Fric: Iserschichten, S. 26. 

Zcahälka: Fig. 14, Zone V, S. 64. Hügel „Öecemfn". D. str. B. d. 
Bisdiitzer Uebergangsscliichteii; Jahrb. 1895, Bd. 45, H. 1, S. 101, 



Z a h t'i 1 k a 



Fric 



Z a h ä 1 k a 



V(/ 



Auf dem Gipfel des langen 
Hügels die ersten Andeutungen 
der tiefsten Trigoniascliichten. 



Müssen hier alle eine sehr ge- 
ringe Mächtigkeit haben. 



IV 



Reihen von festeren, kalkigen 
Knollen. 



III 



Mergel mit zahlreichen Ver- 
steinerungen. 



Iserschichten 



Bysicer Ueber- 
gangsschichten 



Malnitzer 
Schichten 



Wehlowitzer 
Pläner 



Dfinower 
Knollen 



Semitzer 
Merg-el 



IX c 



IV 



IV, Va 
VI 



IV 



III 



B e m e r k u n g. 

Nach der Fric'schen „Gliederung der Iserschichten" soll über 
den Bysicer Schichten der erste Kokoi'lner Quader (Zone VIII 
obere) liegen, aber Fric stellt hieher gleich die „tiefsten 
Trigoniaschi chten" (also die Zone IX c)! Da hier die Wehlo- 
witzer Schichten etc. nicht sein können, so sagt Fric: „Müssen liier 
alle eine sehr geringe Mächtigkeit haben". 



Profil in der Linie von Bysic, Repin, Chorusic, Ohorou.sek 

nach Kanina. 

Fric: Iserschichten, S. 27, Fig. 15. 

Zahälka: Zone IV, S. 25—29; Zone V, 61-62, Fig. 14; Zone IX, 

Repfner Thal, Fig. 44—49; Jenichovver Thal, Fig. 50; Nebuzeler 

Thal, Fig. 51; Kokofiner Thal, Fig. 52-57. 

Dieses Profil (Fig. 15) lässt sich auf vier Theile theilen, 
und zwar: 

A. Hügel Cecemin (bei Fric der lange Hügel zwischen 
Vsetat und Dffs, zwischen den Buchstaben 1^ und B). 

B. Ilostina Berg, zwischen den Buchstaben B und U. 

C. fiepfner Plateau, bei dem Buchstaben //. 

I). Thal ab hang bei Kanina, bei dem Buchstaben K. 

Wir wollen jeden Tlieil für sich betrachten. 



[77] 



Uebor die Schichtenfolffe der westbölimischeii Kreideformation. 



143 



A. Profil des Hügels Öecenini (zwischen Vsetat und Dffs). 

Wie Fric dieses Profil beschrieben hat, haben wir im vorher- 
gelienden i^ gesehen. Seine Zeichnung stimmt aber mit seiner Be- 
schreibung nicht überein, denn die Semitzer Mergel sollen selbst 
die Basis des Hügels bilden. Aber Fric zeichnet hier: Weissen- 
berger Schichten (also auch Dfinower und Wehlowitzer Schichten), 
üeber den Semitzer Mergeln, also höher als die Basis des Hügels, 
sollen nach Fric die Dfinower Knollen sich befinden, aber an dieser 
Stelle zeichnet Fric die Malnitzer Schichten und die Bysicer Ueber- 
gangsschichten ein. Diese zwei angeblichen Horizonte Fric's haben 
zusammen in der Umgebung von Cecelitz eine Mächtigkeit von 9-8 m, 
aber auf der Fig. 15 nehmen sie die ganze Höhe des Hügels bis auf 
dessen Gipfel ein, also beinahe 50 m. 

Zwischen der Elbe und Bysitz befindet sich noch eine Anhöhe: 
und zwar oberlialb Cecelic (zwischen Cecelitz und Bysitz) ; diese wird 
in der Fig. 15 nicht angegeben. Oder soll das der gezeichnete Hügel 



zwischen den Buchstaben E und B sein? 
Hügel Cecemln fehlen. 



Dann möchte wieder der 



B. Profil des Berges Hostina. 
Siehe auch Fric: Priesener Schichten, S. 32, Fig. 19. 
Siehe auch Zahälka: Zone X, S. 28—30. 



Zahalka 



Fric 



Zahälka 



X 



IX 



ahc 



cd 



IV— VIII 



III 



5. Die dünnsten weissen Platten- 
pläner. 

4. Plattenpläner „Kfidläk" mit 
Inoceramen. 

3. Feste Bank als Baustein. 

2. Bläuliche Plattenpläner. 



3 m 



1. Lettige Mergel, 1 m, mit Haplo- 
phragmium irreg. 



Chorousker Trigoniaschichten. 



Zweiter Kokofiner Quader. 



Z wisch enpläner. 



Erster Kokofiner Quader. 



Bysicer Uebergangsschichten. 



Malnitzer Schichten. 



Weissenberger Schichten. 



Priesener 
Schichten 



Teplitzer 
Schichten 



Iser- 
schichten 



IX 



IX c 



VLh 



IX« 



VIII /« 



IV f 



IV r, Va 



iii~-viin 



Bemerkungen. 

1. Die angeblichen Teplitzer und Priesener Schichten Fric's, 
unsere Zone X, sind viel mächtiger als 4 m, und zwar 23 m ! (Siehe 
unsere Profile und Abhandlungen über die Zone X.) 



144 



ö. Zahälka. 



[78] 



2. Auf der Fig. 15 zeichnet Fric auf dem ganzen Bergabhange 
von Bysic bis zu den Priesener Schichten am Hostinaberge alle 
Schichten von den Weisseuberger Schichten bis zu den Chorouäker 
Trigoniaschichten, aber im Texte S. 27 und Fig. 14 (Iserschichten) 
beschreibt er bei Bischitz und Öecelitz nur die untersten Schichten 
dieses Profiles auch als Weisseuberger etc, bis Chorousker Trigonia- 
schichten ; also auf diese Weise : 



Zahälka 

Fig. 1 ») 


Fric 
Fig. 15 


X 


Priesener Schichten. 


IX 


Trigoniaschichten. 

Zweiter Kokofiner 

Quader. 

Zwischenpläner. 


VIII 


Erster Kokofiner 

Quader. 

Bysicer Schichten. 

Malnitzer Schichten. 


VII 


VI 


V :' 


IV 


III 


Wehlowitzer ) ,,7- • 
r^., 1 Weissen- 
Urinower > , 

Semitzer J ^'''^^' 



Fric 

Fig. 14 



Zahälka 
Fig. l>), 12, 13 



Trigoniaschichten. 
Beide Kokofiner Quader. 



Bysicer Schichten 

Malnitzer Schichten. 

Wehlowitzer Schichten. 

Dfinower Schichten. 



Semitzer Schichten. 



Vr/1,2, 3 



IV 



III 



3. Fric schreibt (Iserschichten, S. 27): „Die Berglehne nördlich 
von By§ic ist eine Wiederholung des ebengeschilderten Profils" (d. h. 
der Fig. 14, Profil zwischen Bysic und Cecelic). Nach diesem Fric- 
schen Satze sollten also seine unrechten (in der Fig. 14 angegebenen) 
Trigoniaschichten in den höchsten Schichten des oberen Stein- 
bruches unter der BySicer Kirche zu suchen sein (siehe Zone V, 
unterster Theil, Jahrbuch d. k. k. geol. R.-A., Bd. 45, H. 1, S. 90, 
Fig. 1), aber er giebt als Trigoniaschichten um 35 m höhere Schichten 
bei Harbasko: „Weiter gegen Hostin bei Harbasko findet man an 
Feldrainen Stücke der Trigoniaschichten, die hier nirgends gut ent- 
blösst sind." (Iserschichten, S. 27 ) 

'j Jahrhiicii der k. k geol. R.-A., Bd. 45. il. 1, H !)7. 



[791 lieber die Scliichteiifolgo der westböhmischen Krcideformatioii. 

C. Profil der A n li ö h e v o n ß, e p f n. 
Siehe auch Fric: Teplitzer Schicliten, S. 45—47, Fig. 17. 
Zahdlka: Zone IX, liepüier Thal, Fig. 46, 48. 



Uf) 



Zahälka 


Fric 


Zahdlka 


Xd 


P. Priesener Schichten. 


IX 


IX c 


7. Chorousker Trigoniaschichten. 


IX c 


IXh 


6. Zweiter Kokofiner Qugtder. 


IX /> 


IX a 


5. Zwischenpläner. 


IX a 


Vin höhere 


4. Erster Kokofiner Quader. 


VIII höhere 


— 


3. Bysicer Uebergangsschichten. 


— 


— 


2. Malnitzer Schichten. 


— 



Bemerkungen. 

1. Die angeblichen Bysicer Uebergangsschichten und Malnitzer 
Schichten Fric's in diesem Profile existiren in dem Thalabhange 
unter fiepfn nicht, da das Profil unten von der Thalsohle mit dem 
ersten Kpkofüier Quader beginnt. 

2. Zwischen den Trigoniaschichten (7) und den angeblichen 
Priesener Schichten (P) befinden sich auch die Bryozoenschichten 
Fric's (IX(/) und die typischen Teplitzer Schichten (Xahc). Die 
angeblichen Priesener Schichten (P) Fric's sind auch Teplitzer 
Schichten (X(/). 

Dieses Profil wurde schon von J. Jansa, derzeit Lehrer in 
feepin, auf folgende Weise verbessert (siehe Fric: Teplitzer Schichten, 
S. 47, Fig. 17): 





Zahälka 


Jansa - Fric 


Z a h ä 1 k a 




X 


d 


7. Weisse, klingende Inoceramen- 
pläner. 


Priesener 
Schichten 


IX 




bc 


6. Gelber Mergel mit Terehratula 
seni. und Haplophragmium irreg. 


Teplitzer 
Schichten 


X 




a 


— 


- 


— 




IX 


d 
c 
h 
a 


5. Rhynchonellenlage. 

4. Trigoniaschichten. 

3. Zweiter Kokofiner Quader. 

2. Zwischenpläner. 


Iserschichten 


VIII //, IX 




VII 


Ih 


1. Erster Kokofiner Quader. 



.Jahrbuch d. k. k. gool. IJeiclisaiistalt, 19üO, 50. Hand, I. Ilctt. (C. ZahAlka.l 



19 



146 



Ö. Zahalka. 



[80j 



Be m erklinge 11. 

1. Die Rliynclionelleiilage (5) gehört zu den Fric'schen „Bryozoen- 
schichten" (IX ^0- 

2. Unter dem gelben Mergel (^G) ist die Fric'sche „glauconitisclie 
Contactschichte" {Xa). 

3. Jansa's Profil, Fig. 17 (Fric: TepHtzer Schichten, S. 47), 
geht auch durch den linken Thalabhang des Repfner Thaies bis zur 
Basaltkuppe „Homole". Zwischen der Thalsohle und Homole sind 
nur erster Kokoffner Quader (VIII) und der Zwischenpläner (IXa) 
eingezeichnet. Es befinden sich dort aber auch der zweite Kokofüier 
Quader (IX Z>) und die Trigoniaschichten (IX c). (Siehe unsere Abhandl. 
über d. Z. IX im Repfner Thale, die Fig. auf d. S. 5 im Texte, und 
Fig. 49.) 

D. Profil unterhalb Kanina. 
Siehe auch Iserschichten, S. 25, Fig. 13 und 12. 

Zahälka: Zone IX im Kokorfner Thale, Fig. 57, 52. 



Z a h il 1 k a 



Fric 



IX 



8. Kaniner Bryozoenschichten. 



7. Chorousker Trisroniaschichten. 



6. Zweiter Kokofiner Quader. 



5. Zwixchenpläner. 



VIII ]i 4. Erster Kokonner Quader. 



Iserschichten 



Bem erkungen. 

1. In dem Fric'schen Profil Fig. 15 ist von Itepfn nach Kanina 
das Fallen der Schichten eingezeichnet. Das ist unrichtig. Denn z. B. 
in Uepfu beträgt die Meereshöiie des Gipfels des zweiten Kokoffner 
Quaders 255"42 w, in Kanina 2üö w. 

2. In demselben Profil ist die Mächtigkeit der Trigoniaschichten 
bei Kanina einigemal grösser als in llepfn. In der Wirklichkeit ist 
das Verhältnis der beiden Mächtigkeiten circa 2:1. Wenn wir aber 
die Bryozoenschichten zu den Trigoniaschichten in Kepfn hinzu- 
zeichnen möchten, wie das Fric in der Fig. 15 gemacht hat, dann 
wäre das Verhiiltiiis viel klciiKM'. 



181] lieber die Schicbtenfolge der westböhmisclien Kreideforniation. 



47 



Profil bei Kokorin. 

Fric: Iserschicliten, S. 24, Fig. 11. 
Zahälka: Zone IX, KokoHiier Thal, Fig. 53. 



Z a h ä 1 k a 



IX 



VIII /i 



Fric 



6. Bryozoenschichten auf der Anhöhe, welche 
das Kokofiner Thal von dem Ziniof-Trus- 
kavnathale trennt. 



5. Trigoniaschichten. 



4. Zweiter Kokofiner Quader mit dem Dorfe 
Kokorin. 



3. Zwischenpläner. 



2. Erster Kokofiner Quader mit der Burg 
Kokofin. 



Iserschichten 



1. Bysicer Uebergangsschichten mit Rhyn- 
chonellenquader, meist von Schuttsand 
verdeckt. 

Bemerku ngeii. 
In diesem Profile erwähnt Fric „die Bysicer Uebergangs- 
schichten mit Rhynchonellenquader, meist von Schuttsand verdeckt" 
(Schichte 1 unter dem ersten Kokoriner Quader). Ich habe schon 
in meinem Artikel über die Bischitzer Uebergangsschichten (S. 101) 
bemerkt, dass im Kokofiner Thale bei Kokorin und Kanina gleich 
von der Tlialsohle der erste Kokofiner Quader beginnt, und dass 
hier also keine Bischitzer Uebergangsschichten mit Rhynchonellen- 
quader existiren können. Die vermuthlichen Bischitzer Uebergangs- 
schichten Fric's in Hledseb fallen schon bei Lhotka (8 km südlich 
von Kokofin) unter die Thalsohle. 

Profil von Hledseb. 

Friß: Iserschichten, S. 28, 29, Fig. 16. 

Zahälka: Zone VII, S. 12—13; Zone VIIL S. 29, Fig. 35, 52. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



IX a 



6. Hledseber Zwischenpläner. 



VIII 



VII 



5. Erster Kokofiner Quader. 



4. Feste Fucoidenbank (015 m). 



1,2,3 



3. Rhynchonellenquader {[•5 m). 



2. Mürber Sand (1 m). 



1. Bysicer Uebergangsschichten mit mehreren 
Reihen von grossen grauen Knollen (3 m). 



IV /• 



IX 
VIII /t 



19* 



148 ö. Zahälka. [82] 

Bemerkungen. 

1. Fric bezeichnet nur die Schichte 1 in der Fig. 16 und im Texte 
S. 29 als die ßischitzer Uebergangsschichten, aber in denselben Iser- 
schichten S. 8 reclmet er auch die Schichten 2, 3 und 4 zu den 
Bischitzer Uebergangsschichten. Frio's Bysicer Uebergangsschichten 
in Hledseb gehören also zu unserer Zone VII, eventuell auch zu 
den unteren Schichten der Zone VIII. Und diese Zone VII und die 
unteren Schichten der Zone VIII erklärte Fric als Aequivalent der 
Bysicer Uebergangsschichten in Bysic und Cecelic, d. h. als Aequi- 
valent der höchsten Schichten der Zone IV (IV r)! 

2. Fric führt seine Schichten 1, 2, 3 (in der Mächtigkeit von 
5*5 m) nur aus einem kleinen Steinbruche im Dorfe Hledseb an. 
Gleich darauf führt er die Schichte 4 an. Aber der Rhynchonellen- 
sandstein (nicht Quader — da er plattenförmig ist) geht noch hinter 
dem Steinbruche weiter hinauf (um 1-5 m), höher als Fric angibt? 
und noch höher kommen unsere Schichten 1, 2, 3 der Zone 
VIII in einer Mächtigkeit von 6 m, ehe die Schichte 4 Fric's (feste 
Fucoidenbank) beginnt. Es ist also zwischen der Schichte 3 und 4 
Fric's noch ein Schichtencomplex von Ib m. 

Profil vom Elbeflusse über Liboch etc. bis nach Cliorousek. 

Fric: Iserschichten, S. 23, Fig. 10. 

Zahälka: Zone IV, V etc. bis IX der Umgebung von fop. Zone IX, 
Kokoffner Thal; Zone IX zwischen Zebus und Widim mit dazu- 
gehörigen Profilen. 

In diesem Profile befinden sich auch die Hauptprofile bei Liboch, 
Kokoi'in und Kanina, von denen wir schon im Vorhergelienden ge- 
sprochen haben. Ich will nur noch auf den Umstand aufmerksam 
machen, dass die Schichten von Liboch nach Kokofin und Kanina 
nicht fallen (wie es im Profile gezeichnet ist und im Texte be- 
schrieben : Iserschichten S. 21, Weissenberger Schichten S. 85 und 87), 
sondern dass sie steigen. Denn die Meereshöhe des Gipfels der Zone 
Vin bei Liböchov (in Nouzov) z. B. beträgt 230 w, in Tupadl (hinter 
dem Slavinj dagegen 2ö65 m, bei Klein-Kokofin 24G'24 m, bei Kanina 
253-5 m. 



[83] 



Ueber die ychichtoiit'olgo der westböhtnischen Kreideformatioii. 



149 



Ideales Profil der Iseischicliten luicli den Aufschlüssen bei 
Bysie und Chorousek. 

Fric: Iserschichten, S. 7, Fig. 3. 

Zahälka: Zone IV, V etc. bis IX der Umgebung von Iiip. Mit 
zahlreichen Profilen. 





Z a h d 1 k a 


Fric 






bei Bysic 


bei Chorousek 






— 


X 


Teplitzer Schichten. 




— 


IX 


d 


Kaniner Bryozoenschichten. 


Iserschichten 




V(/ 


3 


c 


Chorousker Trigoniaschichten. 




2 

1 


b 


Zweiter Kokofiner Quader. 




a 


Plänerige Zwischenschichte. 




VIII 


Erster Kokofiner Quader. 




— 


Fucoidenbank. 




IV 


40-46 


— 


Bysicer Uebergangsschichten mit 
Rhynchonellenquader. 




34—39 


Malnitzer Schichten. 




25-33 


Wehlowitzer Pläner. 


Weissen- 

berger 
Schichten 




1-24 


Dfinower Knollen. 



B e m e r k u n g e n. 

1. Aus unseren vorhergehenden Tabellen ist bekannt, dass 
Fric mit dem Namen „Iserschichten" bei Bysic ganz andere Schichten 
benannt hat als bei Chorousek etc. Darum haben wir die zwei 
Colonnen „bei Bysic" und „bei Chorousek" getrennt gehalten. In der 
ersten ist angedeutet, welche von unseren Scliichten Fric bei Bysic 
als Iserschichten, Malnitzer Schichten und Weissenberger Schichten 
bezeichnet hat, und in der zweiten, welche von unseren Schichten bei 
Chorousek (und Kanina) er als Iserschichten erklärt hat. 

2. Der erste und der zweite Kokofiner Quader keilt sich nicht 
aus, wie es Fric in der Fig. 3 zeichnet, sondern beide Quader ver- 
wandeln sich aus dem Daubaer Gebirge in die Umgebung von Rip 
in ganz andere Facies. 



150 



U. Zahälka. 



[84J 



Teplitzer Schichten bei Raudiiitz iiiul Biozaii. 

Friö: Teplitzer Schichten, S. 40. 

Z a h ä 1 k a : Geologie der Rohatetzer Anhöhe Zweiter Bericht über 

die geologischen Verhältnisse der Brozaner Anhöhe. Zone X der 

Umgebung von fop, Fig. 43. 

In meinen Anfangsarbeiten über die Kreideformation bei Raud- 
nitz und Brozan habe ich die klingenden Iiioceramenpläner (Zone Xr/) 
als Priesener Schichten betrachtet (nach Krejci und Friö). Da sie 
dieselben palaeontologischen Verhältnisse haben, wie die unter ihnen 
liegenden Teplitzer Schichten (unsere Zone Xbc), hat Fric in seiner 
Arbeit „Teplitzer Schichten" die Inoceramenpläner (X (/) zu den 
Teplitzer Schichten (X) gerechnet. Das ist ganz richtig, denn aus 
meinen späteren Arbeiten geht hervor, dass die Priesener Schichten 
in Priesen (Zone IX) unter den Teplitzer Schichten (X) liegen. Von 
der Zeit an rechne ich immer die Inoceramenpläner zu den Teplitzer 
Schichten (X), und zwar zu der höchsten Abtlieilung (X(/). 

Obwohl Fric die Inoceramenpläner der Rohatetzer und Bro- 
zaner Anhöhe zu den Teplitzer Schichten zählt, so erwähnt er sie 
doch in derselben Arbeit (Teplitzer Schichten, S. 12) als Priesener 
Schichten, und dieselben Inoceramenpläner (Xd) in derselben Um- 
gebung von Raudnitz, am Sowicberge oder in der Umgebung von 
Melnik (Hostina etc.), rechnet er auch zu den Priesener Schichten 
(siehe vorne). 



Profil der steilen Berglehne am linken Egernt'er bei Koschtitz. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 35—37, Fig. 13. 

Zahälka: Zone IX, S. 15-25; Zone X, S. 15-17, besonders 6 
und 7, Fig. 56, 57 des Egergebietes. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



X 



a 



IX 

höchste 
Schichte 



6. Rhynchonellen-Schichten. 

5. Schichten mit Terehratula seini- 

glohosa. 
4. Plänerkalk mit riesigen Ammonites 

peramp/us. 



3. Mächtige, blos FuCoiden führende 

Bank. 
2. Lage der Koschtitzer Phitten. 



1. Pliinermergel (etwa der Nr. 6 des 
Profils von Podhraz entsprechend). 






X 



Be m erkungen. 

1. Die Schichten 2 und 3 bei Fric gehören zu der untersten 
Schichte « unserer Zone X, die Fric westlich vom Egergebiete 
„glauconitische Contactschichte" nennt. 



[85] Uober ilio Schichtonfolge dor wosthölimiscluMi Ivreideformafion. lf)l 

2. Die Scliiclite 1 bei Fric gehört nicht zu den Teplitzer 
Schichten (X), sondern ist die höchste Stufe der Priesener 
Schichten (IX). 

3. Die Schichte 1 bei Fric ist nicht Aequivalent der Schiclite 
Nr. G des Profils Fric's von Podliraz, da die Schichte Nr. G von 
Podhraz zur Zone V gehört. (Siehe weiter und Zahcllka: Zone V 
des Egergebietes, S. 14.) 

Profil an der Berglehne von Kystra. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 33-35, Fig. 12. 

ZaliJllka: Zone IX des Egergebietes, S. 3G — 45, Fig. GO, Gl; Zone 
X des Egergebietes, S. 19, 20. 



Z a h ä 1 k a 



Fric 



Z a h ä 1 k a 



X 

untei'ste 



IX 

höchste 



Existiren 

nicht bei 

Kystra unter 

den Schichten 

6 u. 8 Fric's 



Schwächere Plänerkalkschichte, auf 
welche weissliche, mürbe Schichten 
mit Micraster breriporus folgen. 
Feste Plänerkalkschichte mit riesi- 
gen Ammoniten (Plänerkalk von 
Kystra, Reuss). 



6. u. 7. Schichten mit Terehrcdulina 
gracilis (Plänermergel von Kystra, 
Reuss). 



Scharfe Spongienschichte miiAcMl- 
leum hisquitiforine. 



4. Petrefactenreiche Avellanenschichte. 



Bemerkungen. 



Malnitzer 
Schichten 



X 



IV r, V« 



1. Die Fric'schen Schichten 4 und 5 existiren in der Natur 
nicht unter den Schichten G und 7 (IX). Unter den Schichten G und 
7 (IX) ist in Kystra derselbe mergelige Thon wie in den Scliichten 
6 und 7 (IX). 

2. Fric parallelisirt die Schichten bei Kystra mit den Schichten 
bei der Podhrazmühle, was unrichtig ist, denn die Scliichten 4, 5, G 
und 7 von der Podhrazmühle gehören zu der viel älteren Zone V. 
(Siehe nachstehendes Profil undZahälka: Zone V des Egergebietes, 
S. 13 bis 19. und Zone IX, S. 41 und 43.) 



152 



Ö. Zahälka. 



[8G] 



Profil bei der Podhrjizmühle nöidlich von Slavetin. 

Friö: Teplitzer Schichten, S. ;U-33, Fig. 11. 
Zahälka: Zone V des Egergebietes, S. 13-19, Fig. 29. 



Zahälka 



Fric 



Z a h ä 1 k a 



V 



IV 



12 



11 



1, 2 



7. Bräunliclie, plastische 
Schichten. 



6. Festere Schichte in 
grauen, mergeligen Lagen 
mit Terehratalina gracilis. 



5. Scharfe Spongien- 
schichte. 



4. Petrefactenreiche 

Plänerschichte mit grossen 

Rhynchonellen. 



2. u. 3. Festere Pläner- 
schichte vom Alter der 



1. Blockigrer Grünsand der 



Teplitzer 
Schichten 



Avel- 

lanen- 

schichte 



Launer 
Knollen 



Malnitzer 
Schichten 



X 



V« 



IV, Vrt 



IV 



IV 



Profil von der AnhiUie bei Poriic über Slavetin, Kystra nnd 
Koschtitz nach dem Weinberge bei Wiinitz. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 2G, 27, Fig. 9. 

Zahälka: Zone I des Egergebietes, S. 17—32, Fig. 7 und 8; Zone 

II, S. 5; Zone III, S. 28—33, 35-36, 38—40: Zone IV, S. 20—24, 

Fig. 28; Zone V, S. 13—19; Zone IX, S. 15—29, 31—34, 35—45, 

Fig. 56—61; Zone X, S. 15—20. 

Dieses sehr oberflächlich gezeichnete Profil stimmt nicht mit 

der Natur überein ; auf die geotektonischen Verhältnisse dieser Gegend 

wurde keine Rücksicht genommen. Es wurden Schichten übereinander 

gezeichnet, die in der Katur nicht übereinander liegen. 

1. lieber die Schichtenfolge der Kreideformation bei der Podhraz- 
mühle, Kystra und Koschtitz, die in diesem Profile angedeutet sind, 
haben wir schon gesi)rochen. Wir wissen, dass in Kystra die untersten 
zugänglichen Schichten zu den höheren Schichten der Zone IX ge- 
hören (Schichten mit Terehratalina f/racilis Fric) und die Schichten 
bei der Podhrazmühle zu den Zonen IV und V (Schichten 1, 2, 3 
und 4 in der Fig. 9 von Fric). Aus diesem Grunde können also die 
Schichten von der Podhrazmühle (IV + V) nicht unter die Schichten 
bei Kystra (IX) gezeichnet werden. Zwischen den Schichten bei der 
Podhrazmüiile und denen bei Kystra befindet sich eine Verwerfung. 

2. Das i'rofil des llochj)lateaus Bytiny in der Fig. 9 (bei Fric) 
hat als Unterlage die Permformation, und zwar von der Meereshöhe 
circa 175 ni l)is zu 300 m. Das ist unrichtig. Die Permformation 



[87] 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



153 



bildet zwar die Unterlage der Kreideformation, aber zwischen Bytiny 
und Podlirazmülile (wie auf der Fig. 9) geht sie nicht zu Tage, sondern 
liegt tief unter der Erdoberfläche, also nicht zwischen 175 und 30Ü w, 
sondern jedenfalls unter 175 m. Bei Slavetin ist das Profil durch 
Bytiny verschieden, je nachdem man dasselbe auf der Westseite oder 
auf der Ostseite des genannten Dorfes construirt. Denn zwischen 
beiden Profilen befindet sich eine Verwerfung, deren Verwerfungs- 
spalte quer zu der Slavötiner Terrasse geht. Das Profil durch 
Bytiny auf der Westseite haben wir in der Fig. 28 (Zone IV der 
Kreideformation des Egergebietes) dargestellt. Das Profil der Kreide- 
formation durch Bytiny auf der Ostseite ist cähnlich dem auf der 
Fig. 28, nur mit dem Unterschiede, dass auf der Slavetiner Terrasse 
die Zone III die Oberfläche bildet. Diese Zone III bildet die Anhöhe 
„V Lomech" und „Na Sibenici", die Fric unrichtig als Wehlowitzer 
Pläner (also als Zone VI) beschrieben hat (Weissenberger Schichten, 
S. G3: „Zwischen Slavetin und Patek zieht sich ein schmaler Streifen 
von Wehlowitzer Planer"). Diese Anholie „V Lomecii" und „Na 
Sibenici", die aus der Zone III zusammengesetzt ist und als Unter- 
lage die Zone II und I hat (siehe Zone III des Egergebietes, S. 39), 
befindet sich infolge der Verwerfung (Zahälka, Bytiner Verwerfung) 
in einer viel niedrigeren Lage als die Aniiöhe Bytiny (mit denselben 
Zonen 111,^11 und I). Fric zeichnet aber diese Anhöhe „V Lomech" 
und „Na Sibenici" mit der Zone III auf seiner Figur 9 als eine 
kleine Scholle, „die sich vor Zeiten von dem Plänerpiateau oberhalb 
Peruc abgetrennt haben mag und tiefer ins Thal herabrutschte" 
(Weissenberger Schichten, S. 63 ; Teplitzer Schichten, S. 26). 

3. Fric zeichnet in der Figur 9 am Weinberge bei Wunitz die 
Baculitenthone der Priesener Schichten über die Teplitzer Schichten, 
was unrichtig ist. Schon in dem linken Egerufer zwischen Kostic und 
Wolenic befinden sich die Priesener Schicliten (IX) unter den Tep- 
litzer Schichten (X). Die Teplitzer Schichten in Kostic (X) sind von 
den Priesener Schichten am Weinberge bei Wunitz (IX) durch ein 
Thal getrennt (welches in der Fig. 9 bei Fric nicht eingezeichnet 
ist) und durch dieses Thal geht eine Verwerfungsspalte, der zufolge 
die Priesener Schichten (IX) bei Wunitz in höherem Niveau erscheinen. 
als die Teplitzer Schichten (X) bei Koschtitz. (Siehe unsere Arbeiten 
über die Zone IX und X im Egergebiete.) 



Weissenberger Schichten bei Perutz und Prag. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 64—69. 

Zahälka: Zone III des Egergebietes, S. 28—35, Profil 8, 9, 10, 
11 und 27, Fig 7 und 8. 





Zahälka 


P' r i c 


Zahälka 




III 


Wehlowitzex" Planer. 


W eissenberger 
Schichten 


VI 


III 




Dfinower Knollen. 


IV 




Semitzer Mergel. 


III 



■lahrbiicli d. k. k. geol. Reiclisanstalt, 1000, 50. Unnd, 1. TIcf'f. (Ö. Zahälka.) 



20 



154 



0. Zahälka. 



[88] 



Bemerkungen. 

1. In Perutz befinden sich drei Zonen der Kreideformation: 
Zone I, II und III. Diese Zone III nennt Fric im Moldau- und Ellbe- 
tliale bei Melnik : Semitzer Mergel. Dieselbe Zone III in Perutz er- 
klärt aber Fric als Welilowitzer Pläner (in einem kleinen Stein- 
bruch) und Semitzer Mergel. Ueber den Semitzer Mergel (unsere 
unterste thonige Schichte der Zone III) schreibt Fric: „Die weichen 
Semitzer Mergel sind in Perutz selbst nicht sichtbar, aber längs des 
Weges nach Ceraditz". Die mittleren Schichten der Zone III in der 
hiesigen Kreideformation (Weissenberger Schichten, S. 64 — 73) nennt 
Fric auch mit Unrecht Drfnover Knollen, 

2. Von Perutz kann man die Zone III mit den beiden unteren 
Zonen I und II über Zlonitz, Schlau bis auf den Weissen Berg 
nach Prag verfolgen. Keine jüngere Zone mehr deckt diese Zone III. 
Doch hat Fric am Weissen Berge bei Prag dieselbe Zone IIP wie in 
Perutz als Semitzer Mergel, DKnower Knollen und Wehlowitzer Pläner 
bestimmt. 



Weissenberger Scliicliteii bei Mseno (eigeiitlicli Msene) unweit 

Bndin. 

Fric: W^eissenberger Schichten, S. 64. 
Zahälka: Zone I, S. 8— 10; Zone II, S. 11 
bis 22 der Umgebung von Kip. 



-14; Zone III, S. 19 



Z a h ä I k a 



Fric 



Z ä h a 1 k a 



Wehlowitzer Pläner. 



III 

untere 



Dfmower Knollen. 



fSeiiiitzer Mergel ^).] 



VI 



Weissenberger 
Schichten 



IV 

III 



III 



Bemerk ungen. 
1. Fric schreibt: „In der Richtung, welclie wir verfolgen, 
treffen wir die Weissenberger Schichten nur noch bei Mseno auf der 
Anhöhe bei Charwatetz an. Die den Wehlowitzer Plänern entspre- 
chenden, das Plateau bildenden Schichten sind hier ganz petrefacten- 
leer. Die tieferen, den Drluowor Knollen äquivalenten Schichten 
besitzen auf den abgewaschenen Flächen viele A'iHorplios/wfij/id, 
(Acliillewn) riujosa und eben auf dieser Localität erkannte ich zum 
erstenmale, dass wir dieses Petrefact nicht als für die Teplitzer 
Schichten bezeichnend ansehen dürfen, wie wir es früher thaten, da 
dessen Auftreten in eine viel frühere Periode fällt, wie wir uns seit- 
dem auch an anderen Orten bei Dri'iiov und Semitz überzeugt haben." 



') Die untcrnte thonig(! Scliichte unserer Zone III, die Fric /wisclien B/ban- 
berge und i'ernt/ iils „Semitzer Mergel" betriichtet luit, liiit derselbe Autor bei Msene 
übersehen. ol)\volil sie liiei' im einigen Sfcllcn zu,'4iingli(li ist. 



[89] Ueber die Schiclitenfolge der westbölimischon Kreideformation. 155 

2. Den ciiigeblichen Wehlowitzer Pläiier Fric'.s (unsere untere 
Zone III) treffen wir in der Uiclitun^ von Perutz nach Mseno niclit 
nur bei Mseno, wie Fric an^;ibt, sondern auf vielen anderen -Orten, 
z. B. bei Wraiiy, Jecovic, KedhoSt' etc. 

o. Der Wehlowitzer Tlaner Fric's bei Mseno entspriciit also 
niclit dem wahren Wehlowitzer Pläner (Zone VI) von Wehlowitz, 
sondern — sammt den angeblichen Drfnower Knollen und den 
übersehenen „Semitzer Mergel Fric" (vom Perutzplateau etc.) 
— der unteren Abtheilung unserer Zone III, d. h. der unteren Ab- 
theilung der Fric'schen Semitzer Mergel (aus der Umgebung von 
Melnik). 

4. Wie bekannt, haben wir die Amorijhosponijia rtK/osa auch 
schon in der Zone II (Korytzaner Schichten) gefunden (siehe Zone II 
der Umgebung von Rip, S. 13). 

Wehlowitzer Pläner bei Libochowitz. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 52. 
Zahälka: Zone VIII des F'gergebietes, S. 4 — 7. 

Unsere Zone VIII bei Libochowitz, zu welcher Zone der Erste 
Kokoriner Quader bei Kokoffn gehört, bestimmte Fric als Wehlo- 
witzer Pläner, das heisst als unsere Zone VI. 



Profil des rechten Egeriifers unterhalb der Zuckerfabrik 

in Laun. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 60 — 62, Fig. 16. 



Zahälka: Zone V des Egergebietes, S. 23- 
des Egergebietes, S. 36, 37, Fig. 40. 



-38, Fig. 51 ; Zone IV 



Z a h ä 1 k a 



Fric 



Zahälka 



V 



IV 



t. Graue Mergel mit häufigen 
Ostrea seniiplana und Rhyn- 
chonella Cuvieri. 



P. Schichte von ockergelber 
Farbe mit grossem Reich- 
thum an Pectunculus lens. 



S. Schichte mit Spondylits spi- 
nosus. 



b. Festere graue Schichten mit 
zahlreichen Turritellen. 



a. Festere Kalkschichte. 



m'. Graue kalkige Knollen. 



m. Typischer Grünsand. 



Teplitzer 

Schichten 

(tiefste Lagen) 



Avellanen- 
schichte 



Launer 
Knollen 



Malnitzer 
Grünsand 






X 



V« 
lV,Va 
IV r 



Vrt 
IV 



2Ü* 



156 ^- Zahälka. [90] 

Be m erk ungeu. 

1. Wie bekannt, luit Fric die La im er Knollen als einen 
selbständigen Horizont zwischen dem Malnit.zer Grünsande und 
zwischen der Malnitzer Avellanensehichte aufgestellt. Nach unseren 
Arbeiten (Zone IV und V des Egergebietes) ist aber dieser Hori- 
zont nicht selbständig, da die durch Fric an verschiedenen 
Stellen beschriebenen Launer Knollen bei Lauii zu verschie- 
deneu Horizonten gehören. Manche Launer Knollen gehören zu den 
höchsten Schichten der Zone iV (IV/), d. h. zu dem Malnitzer Grün- 
sande, manche liegen unter dem Horizonte IV >' und andere wieder 
über dem Horizonte IV r, d. h. in den tiefsten Schichten der Zone V 
(Va). Die Zone IV wurde aber schon von Fric als selbständiger 
Horizont ausgeschieden, als Drinower Knollen, und die Schichte 
V u auch, und zwar als Avellanensehichte. 

Auch aus der Fric'schen Arbeit kann man beweisen, dass 
die Launer Knollen kein selbständiger Horizont sind, denn Fric sagt 
(Weissenberger Schichten, S. 60, 20): „Die grauen kalkigen Knollen, 
welche den höchsten Lagen des G r ü n s a n d e s eingelagert 
sind . . ." Wenn sie also nach Fric den höchsten Lagen des Mal- 
nitzer Grünsandes eingelagert wären , so müssten sie dann dem 
Malnitzer Grünsande angehören! 

Dasselbe gilt von dem Fundort Fric's: „Steinbruch des 
Herrn Kostka aus Laun" (Weissenberger Schichten, S. 69. — Siehe 
auch meine Zone V des Egergebietes, S. 38 — 40, Profil 52, Fig. 42 
rechts und Fig. 52). 

2. Fric schreibt (ebenda S. 60), dass diese grauen kalkigen 
Knollen (Launer Knollen) dem Exogyrensandstein von Malnitz ent- 
sprechen. Dies ist unrichtig. Denn die kalkigen Knollen gehören zu 
der untersten Schichte der Zone V (Va 1, 2), sie sind also dem Mal- 
nitzer Grünsand aufgelagert, aber der Exogyrensandstein in Malnitz 
ist dem dortigen Malnitzer Grünsande untergelagert. (Siehe unsere 
Zone IV des Egergebietes, S. 45—72.) 

3. Fric sagt, dass die Schichten des Profils Fig. 16 „seit 
dieser Zeit (1870) durch Eisenbahnbau unzugänglich gemacht wurden". 
Ich habe sie von der Veröffentlichung der Weissenberger Schichten 
Fric's (1877) bis zum Jahre 189() (wo ich mein Profil, Fig. 51, ge- 
fertigt habe) gut aufgeschlossen gefunden. 

Steinbruch bei 14 Nothelferii in Laun. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 60. 

Zahälka: Zone IV des Egergebietes, S. 37—40, Fig. 41, links. 

In diesem Steinbruche befindet sich Zone IV. Die höchste Schichte 
des Steinbruches und der nebenliegenden Anhöhe gehört zum Grün- 
sandsteine (IV/-), alle übrigen Schichten unter dem Grünsandsteine 
sind aus kalkigen Sandsteinen und Kalksteinen zusammengesetzt 
(Zone IV, Schichte 1 bis 9 im Profil 54). Den Grünsandstein erwähnt 
Fric nicht (vielleicht war der Steinbruch früher nicht so hoch), die 
ü b r i g e n S c h i c h t e n unter dem G r ü n s a n d s t e i n e h ä 1 1 F r i c 



[91] 



lieber die Schichtenfolge der westhöhinischen Kreideformation. 



157 



„für die L a u n e r Knollen o cl e r f ü r etwas j (i n g e r e 
Schichten". Nach der Definition Fric's sollen die Launer Knollen 
„in die höchsten Schichten des Malnitzer Grünsandes eingelagert sein", 
wenn sie etwas jünger wären, möchten sie zu der Avellanenschichte 
gehören; sie liegen aber unter dem Grünsandsteine. So 
sehen wir wieder, d a s s die L a u n e r Knollen keinen selbstän- 
digen Horizont der K r e i d e f o r m a t i o n vorstellen. 

Profil der Anhöhe „Lehmbrüche" zwischen Laim und Malnitz. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 27—29, Fig. 10. 

Zahälka: Zone V des Egergebietes, S. 42— 47, Profil 82, 56, Fig. 33, 
43, 53. 



Zahälka 



Fric 



Zahälka 



10 



7. und 8. Petrefactenarme Schichten, 
welche an die Baculitenthone (d. h. 
auf die Zone IX) erinnern. 



6. Weisse mergelige Schicht mit Fron- 
dicularia angusta u. kleinen Austern. 



5 c. Mergel mit Fischschuppen etc. 



bh. Die eigentliche Lage der grossen 
Achilleum. Festere Bank. 



5 a. Mergelige Schichten. 



4. Sehr feiner, bräunlicher Mergel mit 
rostiger Oberfläche. Petrefactenleer. 



3. Graue Mergelschichte, fein glau- 
conitisch. 



2. Grlauconitischer Pläner mit Copro- 
lithen und Austern. 



IV 



1. Typischer Grünsand. 



5j S 



Malnitzer 
Grünsand 



Xa^ 



IV r 



Bemerkungen. 

1. Wir sehen wieder, dass Fric die Zone V, die zwischen 
seinen Dfinower Knollen und Wehlowitzer Pläner liegt, als Teplitzer 
Schichten erklärte. 

2. Fric hat seine Avellanenschichte (unsere Zone Va) hier 
nicht erkannt, obwohl sie in der Nachbarschaft seines typischen Fund- 
ones der Avellanenschichte von Malnitz sich befindet. 



158 



ö. Zahälka. 



[92] 



Prolil der Anhöhe „Jini Saude'' bei lUalnitz. 

Fric: Weisseiiberger Schichten, S. 58, Fig. 15. 

Zahälka: Zone IV des Egergebietes, S. 53 — 64, Fig. 23, 24, 35, 
36, 37, Profil 64, 65, 66, 67; Zone V des Egergebietes, S 41) -52. 



Z a h äl k a 



Fric 



Z a h il 1 k a 



Na 



f. Graue Mergel mit Ostrea 
semiplana. 



a. Gelblichweisse, kalkige, 
festere Schichte, nur wenige 
Zoll mächtige Avellanen- 
schichte. 



IV 



m. Verwitterter, rostgelber 
Grünsand, welcher an der 
Basis die an Petrefacten 
reichen Knollen (Launer) 
enthält und nach oben 
plattenförmig wird. 



el 



e. Exogyrenbank. 



m 



mg. Schichte mit zahlreichen 
Mayas Geinitzii. 



r. Sandige Facies der Weissen- 
berger Schichten (= Winter- 
stein). 



Teplitzer 
Schichten 



X 



A vellanen- 
schichte 



Malnitzer 
Grünsand 

Launer 
Knollen 



Na\ 
IVr 
Va 



IV.V« 



Wehlowitzer 
Pläner 



VI 



Bern e rkungen. 

1. Die Avellanen schichte Fric's ist die unterste Schichte 
unserer Zone V und des Horizontes Va. 

2. Fric zeichnet und beschreibt hier die Launer Knollen 
(diese Launer Knollen nannte Ileus s Exogyren Sandstein von 
Malnitz sammt der Exogyrenbank) in dem Malnitzer Grünsande, und 
zwar an seiner Basis. 

Wir sehen also wieder, dass die L a u n e r Knollen F r i c's 
keinen selbständigen Horizont d e r b ö h m i s c h e n Kreide- 
formation vorstellen, und wieder nach den Fric'schen Schriften 
selbst: denn Fric zeichnet und beschreibt hier seine Launer Knollen 
im Malnitzer Grünsande, und zwar an dessen Basis. In seiner Schichten- 
folge der böhmischen Kreideformation (z B. Iserschichten S.5) stellt 
er aber die Launer Knollen zwischen Malnitzer Grünsand und Avellanen- 
schichte ! 



[93] 



lieber die Schicbtenfoljro der westböhmisclieii Kreideformation. 



r)9 



Wir werden noch später sehen, dass V r i 6 die L a u n e r Knollen 
i n d e n h ochsten S c h i c h t e n d e r W e i s s e n b e r g e r S c h i c h t o n 
i n g e z e i c h n e t und b e s c hr i e b e n h a t. 

3. Fric erklärt die Schichten r als sandige Facies der Weissen- 
berger-Schichten, er glaubt, dass sie aequivalent sind dem Winter- 
stein bei Hradek und dieser wieder dem Welilowitzer Tläner. Das 
ist nicht richtig. Die Schichten r gehören der unteren Abtlieilung 
unserer Zone IV an. Sie sind also äquivalent den Drlnower Knollen, 
daher sind sie jünger als die W^eissenberger Scliichten (Zone III) bei 
Prag und älter als der Wehlowitzer Pläner (Zone VI) von Wehlowitz. 

4. Der ]\I a 1 n i t z e r G r ü n s a n d gehört sammt dem pAogyrensand- 
steine zu den höchsten Schichten der Zone IV, also zu den höchsten 
Schichten, die Friö bei Kaudnitz und an anderen Orten Dftnower 
Knollen nennt. Es ist also der Malnitzer G rün Sandstein 
kein selbständiger Horizont der böhmischenKreideformation. 

Profil zwischen 3Ialiiitz und Lippenz längs dem Maruscher Bache. 

Fric: Weissenberger Schichten, S. 55 — 57, Fig. 14. 

Zahalka: Zone I des Egergebietes, S. 34-37. Fig. 11; Zone II, 

S. 7-8, Fig. 12, 13, 14; Zone III, S. 45-52, Fig. IG— 25; Zone 

IV, S. 44— 72, Fig. 34-49; Zone V, S. 47-55. 

Wir wollen dieses Profil auf drei Theile theilen und jeden Theil 
für sich betrachten. 

A) Profil zwischen Lippenz (L) und der Verwerfung A. 

B) Profil zwischen der Verwerfung A und der Anhöhe „am Sande". 

C) Profil von der Anhöhe „am Sande" bis zu „(5" hinter dem 
Wege nacli Malnitz. 

A) Profil zwischen Lippenz (L) und der Verwerfung A. 
Siehe besonders Zahälka's erwähnte Fig. 11, 12, 13, 14, 49. 34 
und dazugehörige Abhandlungen. 



Z a h ä 1 k a 



Fric 



Zahalka 



IV 



in 
iT 



I 



In diesem Profile Fric, 
Fig. 14, werden die Tep- 
litzer Schichten nicht an- 
gedeutet, aber eine Erwäh- 
nung macht F r i c in seinen 
Teplitzer Schichten, S.27, 
Z. 15, Iß. 



Grünsand mit Protocar- 
dium HillaiHim etc. 



Exogyrenbank e ^ (S. 55), 
Exogyrenschicht. ?j (S. 50). 



Teplitzer Schichten 
(unteres Niveau) 



Malnitzer Giünsand 



Launer 
Knollen 



Sehr sandige, weissliche Planer 






Korytzaner Schichten, nic-ht deutlich entwickelt. 



Mit grauen, pflanzenreichen Schieferthonen wech- 
selnde Quadersande der Perutzer Schichten. 



X 



IVr 



lV,Va 



VI 



III 



II 



160 Ö. ZahÄlka. [94] 

B e m e r k u n g e n. 

1. Fric schreibt (Weisseiiberger Schichten. S. 55) : „In seinen 
liöchsten Schichten (vveisslicher Piiiner der Weissenberger [Wehlowitzer] 
Schichten) ist eine F.xogyrenbank eingelagert." Wenn also nach Fric 
die Exogyrenbank in die höchsten Schichten der Weissenberger 
[Wehlowitzer] Schichten eingelagert wäre, so geht daraus hervor, 
nach Fric selbst, dass die Launer Knollen (Fric nennt diese 
Exogyrenbank auch Exogyrenschichten oder Launer Knollen) wieder 
kein selbständiger Horizont sind. 

2. Der sandige weissliche Pläner „yr" gehört aber nicht zu dem 
Wehlowitzer Pläner (Zone VI), sondern zu der Zone III (Weissen- 
berger Schichten am Weissenberge) und zu der Zone IV. 

B) Profil z w i s c h e n der Verwerfung Ä u n d der A n höhe 

„am Sande" (bis zum Skupitzer Wege). 

Siehe besonders Zahalka's erwähnte Fig. 34, zwischen der Maruse 
und Skupickä cesta, 35, 36, 48 links und dazugehörige Abhand- 
lungen. 

Die Verwerfung B, welche Fric in der Fig. 14 zeichnet, ist 
nicht in der Natur. Die Schichten zwischen Ä und B gehen ungestört 
in die Schichten links von B. 

Fric erwähnt hier dieselben Schichten, wie im vorhergehenden 
Profile zwischen Lippenz und der Verwerfung A der Fig. 14 rechts, 
mit Ausnahme der Perutzer Schichten P. 

Die Verwerfung A wird schon von Rominger angegeben. 
(Siehe Zahalka's Geotektonik der Kreideformation im Egergebiete.) 

C) Profil von der Anhöhe „am Sande" bis zu „^" hinter 

dem Wege na c h M a, 1 n i t z. 

Siehe besonders Zahalka's Fig. 34, links vom Skupitzer Wege, 
Fig. 37, 38, 39, 44, 45 und die dazugehörigen Abhandlungen. 

lieber diese Schichten haben wir schon in dem Fric'schen 
Profile der Anhöhe „am Sande" bei Malnitz gesprochen. 

Profil zwischen Leiieschitz uii<l Hradek bei Laiiii. 

Eric: Weissenberger Schichten, S. 50, 51, Fig. 13; Teplitzer Schichten, 

S. 29 ; Priesener Schichten, S. 26. 
Zahälka: Zone II des Egergebietes, S. 8, Fig. 15; Zone III, S. 52 

bis G8, Fig. 26; Zone IV, S. 73—77, Fig. 50; Zone V, S. 56—57, 

Fig. 54; Zone VIII, S. 7-19, Fig. 55; Zone IX, S. 49-63, 

Fig. 64-66; Zone X, S. 22. 

Wir wollen dieses Profil, Fig. 13 in zwei Theile theilen, und zwar: 

A) Die rechte Hälfte des Profils, Fig. 13, oder das Profil durch 
das Hradeker Thal. 

B) Die linke Hälfte des Profils, Fig. 13, oder das Profil bei der 
Lenesicer Ziegelei. 

Jedes Profil werden wir für sich betrachten. 



[95] lieber die Schichtenfolge der westhöhmisclieii Kreidefonnatioii. l(;i 

.1. Profil durch das llradeker Thal. 



Z a h äl k a 



F r i c 



Z a h ä 1 k a 



w. Oberste Lage des Pläners, sogenannter 
-Wintei'stein". 



c. Wehlowitzer Pläner als Baustein. 



III 



b. Dfinower Knollen. 



Semitzer Mergel, welche hier schwärz- 
lich und gliniinerreich sind und auf- 
fallend den Perutzer Pflanzenschichten 
ähneln. 



VI 




III 



III 



Bemerkung. 

Alle diese Schicliten a, h, c und ir gehören zu unserer Zone III, 
das heisst zu den Semitzer Mergeln Fric's, also auch zu den 
Weissenberger Schichten des Weissen Berges bei Prag. Die Schichten 
a sind nur der unterste Theil der Semitzer Mergel. Das ahnte 
Fric. Denn er sciireibt (Weissenberger Schichten, S. 51): „Eine 
ganz ähnliche s c h w a i" z e Schichte werden wir später 
auch bei Mühlhausen als das tiefste Glied der Semitzer 
Mergel kennen lernen." 

B. Profil bei der Leneschitzer Ziegelei. 
Siehe besonders Zahälka's Fig. 54 des Egerthales. 





Z a h ä 1 k a 


Fric 


Zahälka 






1X3 


Priesener Schichten. 


IX 






VIII, 1X1,2 


Teplitzer Schichten. 


X 






III') 


Malnitzer Schichten: Launer Knollen. 


IV, \a 






Wehlowitzer Schichten. 


VI 


1 



Bemerkungen. 

1. Dieses Profil, Fig. 13, wurde von Fric nicht richtig erklärt 
und gezeichnet. Zwischen den Priesener Schichten (IX) bei der 
Ziegelei und der Zone III (gegen Hradek) befindet sich eine Ver- 



^) Diese Zone III befindet sich in der Natur nicht unter der Zone VIII 
(Fig. 54 u. 55 des Egergebietes). 

Jahrbuch d. k. k. geol. Rcichsanstalt 1900, 50. Band, 1. Ilelt. (C. ZaluUka.) 21 



162 



C. Zahälka. 



[96] 



werfung, wodurch die Zone III in Contact gekommen ist mit der 
Zone IX. Es liegen hier also der angebliche Wehlowitzer Planer 
und die Malnitzer Schichten nicht unter den Priesener Schichten. 

2. Die Zone VIII und Schichten 1 und 2 der Zone IX gehören 
nicht zu den Teplitzer Schichten, darum liegen die Teplitzer Schichten 
nicht unter den Priesener Schichten. In unserem Profil, Fig. 55 (des 
Egerthales), sehen wir zwar die Zone X (das heisst die Teplitzer 
Schichten mit l'ereb nitida semiglohosa) in einem niedrigeren Niveau 
als die Zone IX (Priesener Schichten), aber wir haben bewiesen, dass 
sich zwischen beiden Zonen eine Verwerfung befindet (siehe Fig. 55 r; 
Zone VIII des Egergebietes, S. 10, Z. 3—9 von unten; Zone IX, 
S. 52 — 53; Zone X, S. 22). In der Umgebung des Ranaiberges über- 
haupt gibt es eine. Menge von Verwerfungen, deren Verwerfungs- 
spalten manchmal auch zugänglich sind. (Siehe Zahälka's Geotek- 
tonika kridoveho ütvaru v Poohri [Geotektonik der Kreideformation 
im Egergebiete]). Man muss also bei den stratigraphischen Studien 
im Egergebiete sehr vorsichtig sein. 

Profil am rechten Egerufer bei Priesen zwisclien Postelberg 

und Laun. 

Fric: Priesener Schichten, S. 12—25, Fig. 2. 
Zahälka: Zone IX, S. 65— 82, Profil 107, Fig. 63. 



Zahälka 



Velky Vrch 
bei Vrsovic 



in Priesen 



Fric 



IX 



12 



11 



10 



7 + 8 



4 + 5 
3 
2 
1 



5. Krabbenschichte. 



4. Sphaerosiderite mit Amnion dcn- 
tatocarinatus. 



3. Gastropodenschichten. 




2. Radiolarienschicliten. 



1. Geodiaschichten, glauconitisch. 



0. Nuculaschichten. 



Eger-Fluss 



Esrer-Fluss. 



B e m e r k u n g. 

Wie bekannt, waren die Geologen der Ansicht, dass unter den 
Priesener Schichten in Priesen (IX) sich die Tei)litzer Schichten (X) 
befinden. Aus unseren Studien über die Zone IX ist aber bekannt. 



[97] 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



163 



dass sich am Velky Vrcli bei Vrsovic alle diese Schichten von Priesen 
befinden. (Siehe Zone IX des Egergebietes, S. 45—49, Profil 101, 
Fig. ()2 und S. 09), und dass unter ihnen diese Schichten fortsetzen. 
Es befinden sich auf dem Velky Vrch unter den Nuculaschichten 
Fric's von Priesen andere Gastropoden-Schichten (IX 4 + 5), die den 
Leneschitzer ähnlich sind. 



Schema der Lagerung der Teplitzer Schichten im Egergebiete. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 13, 
Zahälka: Zone IV bis X des Egergebietes. 



Z a h ä I k a 



Fric 



Xr/ 
(siehe Bemerk.) 



Weiche Baculitenthone (IX) oder klin- 
gende Inoceramenpläner (Xr/) der Prie- 
sener Schichten. 



Hansrendos 



\b 



Die höchsten Lagen bei Kystra (X b), Kosch- 
titz (Xb) und Popelz (Xb). 



Horizont der 
Rhynchonellen 



Xh 



Die Ammonitenschichte von Kystra {Xb), 
Koschtitz (Xb) und Popelz (Xb). 



Horizont von 
Hundorf 



Xa, V 



Die Koschtitzer Platten (X a) und Tei-f- 
bratulina ^racj7/.s-Sehicbten bei Laun (V). 



Horizont von 
Koschtitz 



ix, VIII, V^8 



Die Plänermergel von Kystra (IX höchste) 
und darunter die „scharfe' Schichte in 
Leneschitz (VIII) und bei der Podhraz- 
mühle (V8, Profil 46, Zahälka). 



Horizont von 
Kystra 



IV>-, Va 



Malnitzer Schichten. 



Liegfendes 



Bem erkungen. 

1. Aus diesem Schema und aus unseren Studien über die Zone X 
des Egergebietes, besonders auf der Anhöhe von Brozan und Rohatec 
ist zu sehen, dass Fric unseren Horizont Xc übersehen hat. Wir 
theilen unsere Zone X in vier Theile von oben nach unten : r/, c, h, a. 

2. Die Zone Xb kann nirgends mit „weichen Baculitenthonen" (IX) 
bedeckt sein, weil die Zone IX unter der Zone X, und zwar unter 
dem Horizont Xa liegt. 

3. Horizont Xd, d. h. der klingende Inoceramenpläner, ist nicht 
äquivalent den Priesener Schichten in Priesen (IX obere). 

4. Dass Fric unsere höchsten Schichten der Zone IX in Kystra 
mit den Schichten der Zone X, VIII und V parallelisirt hat, wurde 
schon in den früheren Profilen erwähnt. 

5. Liegendes der wahren Teplitzer Schichten von Teplitz und 
Hundorf sind nicht die Malnitzer Schichten (IV>-, V«), sondern die 
Zone IX. 

21* 



1G4 



Ö. Zahälka. 



[98] 



Schema der Teplitzer Scliicliteii im östlichen Böhmen. 

Fric: Teplitzer Schichten, S. 13; Priesener Schichten, S. 32—35. 

Dieses Schema gilt nach Fric auch für die Umgebung von 
Melnik, wo Fric in den hangenden Schichten keinen Ämmonites 
jyOrhigni/anus citirt. 



Z a h ä 1 k a 



Fric 



Xd 



Weisse klingende Inoceramenpläner. 



Hangendes 



Horizont der 
Rhynclionellen 



x« 



Graue und bräunliche Mergel mit Tere- 

hratula semiglohosa und Haplophragmiuni 

irreguläre. 



Horizont von 
Hundorf 



Horizont von 
Koschtitz 



Horizont von 
Kystra 



Wcd 



Bryozoen- und Trigonia-Schichten. 



Liesrendes 



Bemerk u n g e n. 

1. Aus dieser und der vorigen Tabelle des Schemas der Teplitzer 
Schichten ist zu sehen, dass die Horizonte der Teplitzer Schichten 
Fric's aus dem Egergebiete mit denen aus der Umgebung von 
Melnik (östlich Böhmen) nicht ganz corresi)ondiren. Der Horizont der 
Rhynclionellen im E^gergebiete gehört unserem Horizonte X/>, aber der 
unsichere bei Melnik den Horizonten X/> + r an. Der Horizont von Hun- 
dorf und Koschtitz im Kgergebiete gehört hauptsächlich zu X a + /> (auch 
zu V), bei Melnik aber zu X«. Der Horizont von Kystra im Eger- 
gebiete gehört zu den Schichten IX, VHI und V, aber der unsichere 
bei Melnik kann nicht existiren, da unter X« gleich die Bryozoen- 
schichten kommen (IX</). 

2. Auch das Liegende der Teplitzer Schichten Fri c's im p]ger- 
gebiete und bei Melnik stimmt nicht; denn im Egergebiete führt 
Fric als Liegendes die Malnitzer Schicliton (IV/-, \ a) aber 
bei Melnik ganz andere Schichten: Bry ozo e n-Schi eh ton (L\ rf) 
u n d T r i g n i a - S c h i c h t e n (IX <■) an. Nach unseren Studien ist 
Liegendes der wahren Teplitzer Schichten von Teplitz (X) im Eger- 
gebiete als auch bei Melnik die Zone IX. (Priesener Schichten = 
oberen Iserschichten.) 



[99] 



Ueber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreideformation. 



IG5 



Inhalts-Verzeiehnis. 



Seite Seite 

Einleitende Bemerkungen [1]— [8] 67—74 

I. Schiclitenfolg-e nach Reuss [9]— [12] 75—78 

1. Schichtenfolge der Kreideformation in West- 

böhmen [9J 75 

2. Schichtenfolge bei Wolenic und Kostic [9] 75 

3. Schichtenfolge in Cencic [10] 76 

4. Schichtenfolge bei Kystra |10] 76 

5. Unterer PUinerkalk von Laun und Malnitz ... (11] , 77 

6. Schichtenreihe von Weberschan [11] 77 

7. Schichtenreihe von Perutz . . ]12] 78 

li. Schichtenfolge nach Rominger [12] — [14] 78—80 

1. Umgebung von Postelbeig [12] 78 

2. Profil bei Leneschitzer Ziegelhütte [13] 79 

3. Pläner bei Koschtitz . [13] 79 

III. Schichtenfolge nach Jokely [14] [15] 80—81 

1. Gliederung im östlichen Theile des Leitmeritzer 

Kreises [14] 80 

2. Gliederung der westböhmischen Kreideformation [14] 80 

3. Profil von Melnik nach Klein-Ziwonin etc. . . . [15] 81 

IV. Schichtenfolge nach Lipoid [16] 82 

im nordwestlichen Theile des Prager Kreises ... [16] 82 

V.. Schichtenfolge nach Giimbel [16] [36] 82—102 

1. Gliederung der westböhmischen Kreidoformation [IG] 82 

2. Weisser Berg bei Prag [18] 84 

3. Profil hinter dem Strahower Thor in Prag . . [19] 85 

4. Profil in Peruc [20] ' 86 

5. Profil bei Weberschan [21] 87 

6. Profil ah der Ziegölhutte bei L&neschitz . . . [23] 89 

7. Profil in Cencic . [25] 91 

8. Profil unterhalb Laim am Egerufer [26] 92 

9. Profil im alten Steinbruche bei Laun [27] 93 

10. Profil von Lipenc über Malnic nach Priesen . . [28] 94 

11. Profil am Elbeufer bei Melnik bis in die Schlucht 

bei Liboch [^2] 98 

12. Grosser Steinbruch von Wehlowitz [33] 99 

13. Aufschluss im Wrutitzer Thale bei Stambach- 

mühle [34] 100 

14. Profil im Seitenthale von der Krouzeker Mühle 

bis nach Dorf Nebuzel [35] 101 



1G6 ö. Zahalka. [100] 

Seite Seite 

VI. Schicliteiifolge nach Schlönbacli [:^6] - [41] 102—107 

1. Gliederung der westböhuiisclien Kreideformation [36] 102 

2. Das westböhmische Cenoman [37] 103 

3. Schichtenfolge von Melnik und Liboch über 

Wehlowitz und Krouzeker Mühle nach Nebuzel [38] 104 

4. Schichtenfolge bei Laun [40] 106 

VII. Schichtenfoli^e nach Krejci [42] -[57] 108-123 

1. Schichtenfolge der böhm. Kreideformation A . [42] 108 

2. Schichtenfolge der böhm. Kreideformation B . [42] 108 

3. Schichtenfolge der böhm. Kreideformation C . [43] 109 

4. Schichtenfolge der böhm. Kreideforuiation D . [44] 110 

5. Schichtenfolge zwischen Lipenec und Hasina- 

mühle [44] 110 

6. Schichtenfolge von Lipenec über Malnic und 

Laun nach Cencic [45] 111 

7. Profil bei Weberschan und Hradek [47] 113 

8. Iserschichten bei Malnic (und Drahomysl) . . . [48] 114 

9. Schichtenfolge in der Umgebung von Libochovic, 

Kystra und Kostic ]49| 115 

10. Schichtenfolge bei der Leneschitzer Ziegelei 

(Chlum und Ranay Berg) [ÖO] 116 

11. Profil in Priesen (Kreuzberg) [51] 117 

12. Schichtenfolge aus der Umgebung von Peruc 

bis nach Prag |51] 117 

13. Profil bei Pfestavlk [52] 118 

14. Profil bei Zidovic [52] 118 

15. Teplitzer Schichten am Kipplateau |53J 119 

16. Schichtenfolge vom Cecemin zur Elbe bei Lob- 

kovic [58] 119 

17. Profil von Cecelic nach Slivno ........ |53] 119 

18. Profil von der Elbe bei Melnik (und Liboch) 

über Vehlovic nach Vysokä [54] 120 

19. Profil des Berges Sovice bei Raudnitz .... [54] 120 

20. Profil von der Elbe über Zabof nach Hostinnä [55] 121 

21. Schichtenfolge im Kokofiner Thale von Wrutic 

nach Kokofin, Hradsko, Sedlec, Kanina, Stfem, 

Nebuzel [56] 122 

22. Profil von Liboch nach Vidim [56] 122 

23. Schichten im Ripplateau [57] 123 

VIII. Schichtenfolge nach Fric |57| |9«) 145-164 

1. Schichtenf'olge der westböhmischen Kreidefor- 

mation |58| 124 

2. Jdealjtrofil der Weissenborgor und Malnitzer 

Schichten [591 125 

3. Profil der Weiasenberger Schichten bei VVehlo- 

witz 1878 [61] 127 

4. Profil der Weissenberger Schichten bei Wehlo- 

witz 1883 [62] 128 



lull lieber die Schichtenfolge der westböhmischen Kreide forma tion. 167 

Seite Seite 

5. Profil hei Lihofh |63| 129 

6. Scbematischcs Profil des Sovicebergc« bei liro- 

zilnek [61] 130 

7. Profil der Bergleluie und Hochebene bei Kocho- 

witz und Gastorf [67] 143 

8. Hohlweg an der westlichen Seite des Soviccbcrgcs [68] 1 34 

9. Eisenbahnprofil bei Schwafenitz [69] 135 

10. Profil von Gastorf zur Anhöhe ,Auf der Höre" [71] 137 

11. Profil der Weissenberger Schichten von Raudnitz 

gegen den Georgsberg [72] 138 

12. Profil der Weissenberger Schichten westlich von 

Unter-Befkowitz [73] 139 

13. Dfinower Berg . . * [74] 140 

14. Profil zwischen Bysic und Cecelic [75] 141 

15. Hügel zwischen Vsetat und Uns (Ceceniin) . . [76] 142 

16. Profil in der Linie von Bysic, Repin, Chorusic, 

Chorousek nach Kanina [76] 142 

17. Profil bei Kokofin [81] 147 

18. Profil von Hledseb [81] 147 

19. Profil vom Elbeflusse über Liboch etc. bis nach 

Chorousek [82] 148 

20. Ideales Profil der Iserschichten nach den Auf- 

schlüssen bei Bysic und Chorousek [83] 149 

21. Teplitzer Schichten bei Raudnitz und Brozan . [84] 150 

22. Profil der steilen Berglehne am linken Egerufer 

bei Koschtitz [84] 150 

23. Profil an der Berglehne von Kystra [85] 151 

24. Profil bei der Podhräzmühle nördl. v. Slavetin [86] 152 

25. Profil von der Anhöhe bei Peruc über Slavetin, 

Kystra und Koschtitz nach dem Weinberge 

bei Wunitz [86] 152 

26. Weissenberger Schichten bei Perutz und Prag [87] 153 

27. Weissenberger Schichten bei Msenö [88] 154 

28. Wehlowitzer Pläner bei Libochowitz [89] 155 

29. Profil des rechten Egerufers unterhalb der Zucker- 

fabrik in Laun [89] 155 

30. Steinbruch bei 14 Nothhelfern in Laun .... [90] 156 

31. Profil der Anhöhe „Lehmbrüche" zwischen ^un 

und Malnitz [91] 157 

32. Profil der Anhöhe „Am Sande" bei Malnitz . . [92] 158 

33. Profil zwischen Malnitz und Lipi^enz längs dem 

Maruscher Bache [93] 159 

34. Profil zwischen Leneschitz und Hrädek bei Laun [94] 160 

35. Profil am rechten Egerufer bei Priesen zwischen 

Postelberg und Laun [96] 162 

36. Schema der Lagerung der Teplitzer Schichten 

im Egergebiete [97] 163 

37. Schema der Teplitzer Schichten im östlichen 

Böhmen [98] 164 



168 C. Zahälka. [102] 

Tabelle I. 
Kurze Uebersicht der Schiclitenfolgo Zahälka's in der westbölimischen 
Kreideformation, zu Seite [7], 73. 

Tabelle II. 

Zahälka's Zonen der westböhmischen Kreidetbrmation im Vergleiche zu 
den von anderen Geologen entworfenen Gliederungsversuchen. 

Tabelle III. 

1. Fric's Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu nach- 
folgenden Zonen Zahälka's. 

2. K r ej c i's Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu nach- 
folgenden Zonen Zahälka's. 

3. Gümbel's Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu 
nachfolgenden Zonen Zahälka's. 

.Tabelle IV. 

1. R e u s s' Schichten der westböhmischen Kreideformation gehören zu 
nachfolgenden Zonen Zahälka's. 

2. tSchl önbach's Schichten der westböhmtschen Kreideformation gehören 
zu nachfolgenden Zonen Zahälka's. 



Ueber Säugethierreste der Pikermifauna vom 
Eichkogel bei Mödling. 

Von M. Vacek. 

Mit zwei lithogr. Tafeln (Nr. VII u. VIII). 

Nach dem derzeitigen Stande unserer Kenntnisse unterscheidet 
man in den Tertiärabhigerungen des Wiener Beckens zwei Säuge- 
thierfaunen von verschiedenem Charakter, welche seit Eintritt der 
Miocänzeit und vor Beginn des Diluviums in unseren Gegenden gelebt 
haben. Die Reste der älteren oder „Ersten Säugethierfauna des 
Wiener Beckens", von malaischem Charakter, stammen aus den 
sogenannten Mediterranbildungen und z. Th aus den darauffolgenden 
Ablagerungen der sarmatischen Stufe, Die Reste der „Zweiten Säuge- 
thierfauna des Wiener Beckens " , mit afrikanische m Charakter, 
finden sich in den Bildungen der Congerien-Stufe (brackisch) und der 
folgenden Levantiuischen (limnisch) und Thracischen oder Belvedere- 
Stufe (fluviatil). Den Uebergang zu den heutigen Verhältnissen stellt 
eine weitere „Dritte Säugethierfauna" dar, mit e uro päi seh - asia- 
tischem Charakter, welche schon die diluvialen Bildungen kenn- 
zeichnet. Hingegen kennt man die jungpliocäne Fauna mit Masfodon 
arvernensis bisher aus dem Wiener Becken nicht, wenn auch An- 
deutungen derselben aus den Alpen vorliegen i). 

Die meisten Reste der zweiten Säugethierfauna des Wiener 
Beckens, welche uns an dieser Stelle näher interessirt, stammen aus 
den fluviatilen Bildungen der Belvedere-Stufe. Viel seltener sind die 
Funde von Säugethierresten aus den tieferen Paludinenschichten und 
den brackischen Bildungen der Congerien-Stufe. Die Reste, welche 
im Folgenden näher boschrieben werden sollen, gehören nun dieser 
letzteren an und stammen von einer in der Literatur wohlbekannten 
Localität, vom Eichkogel bei xMödling. Dieselben wurden in dem 
kleineren, tiefer liegenden Theile des Steinbruches des Herrn Weiss 
gefunden, dessen Anlagen westlich von den Serpentinen der neuen 
Fahrstrasse von Mödling nach Gu mpoldskir eben, nahe unter 
dem Sattel liegen und derzeit einen frischen Aufschliiss bieten. Das 
fossile Materiale, zumeist aus losen Zähnen bestehend, wurde zunächst 
von Herrn Director Dr. J. Gaunersdor f er in Mödling erworben, 



•) Vergl. F. Teller, Mast, arvernensis C. J. aus den Hangendtegel n der 
Lignite des Schallthales in Südsteierinark. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, 
pag. 295. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Heft. (M. Vacek) 22 



170 M. Vacek. [2] 

welcher die sehr dankenswerte Liebenswürdigkeit hatte, dasselbe der 
Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt abzutreten. 

Der Eichkogel (365 m) liegt etwa 2 km südlich von Mödling 
und bildet einen sporna.rtig nach Osten vorspringenden Ausläufer des 
als Aussichtspunkt bekannten Anninger, mit dessen Masse er im 
Westen durch einen flachen Hals zusammenhängt. Die Trage der 
Südbahn zwischen den Stationen Mödling und G u m p o 1 d s k i r c h e n 
schneidet in den flachen Ostabfall des Kegels ein. Etwas höher, sich 
mehr den Contouren des Hügels anschmiegend, bewegt sich der 
Aquäduct der Wiener Wasserleitung. Geologisch interessant ist der 
Eichkogel hauptsächlich dadurch, dass er einer der wenigen Punkte 
ist, an welchen man im Wiener Becken die ganze Serie der Tertiär- 
bildungen im selben Profil beobachten kann. 

Die ersten Angaben über die geologischen Verhältnisse des E i c h- 
kogels und insbesondere über die im Tertiärbecken von Wien so 
selten erhaltenen Süsswasserkalke, welche dessen Spitze bilden 
und das Schichtprofil beschliessen, findet man in einem Excursions- 
berichte von J. Czizek^). Zehn Jahre später hat F. Karrer^) in 
einer eingehenden Localstudie den Aufbau und die stratigraphischen 
Verhältnisse des Eichkogels dargestellt. Nach ihm liegt, unter 
massigen Winkeln nach Ost bis Nordost gegen die Tiefe des Beckens 
geneigt, über einem alten Untergrunde von Triasdolomit zunächst 
Leithaconglomerat, über welchem ein Wechsel von festen Sandkalken 
und Tegellagern folgt, die nach ihrer Fauna unstreitig der sarma- 
tischen Stufe angehören. Höher folgen tegelige und sandige, 
z. Th. auch conglomeratische Bildungen der Congerien-Stuf e, die 
als theilweise gieichalterig dargestellt werden mit dem Süsswasser- 
kalk des Gipfels. Ein etwas corrigirtes übersichtliches Profil durch 
den Eichkogel veröffentlichte später Th. Fuchs 3). Auch nach 
seiner Darstellung besteht der Eichkogel aus einer massig in Ost 
neigenden, concordanten Tertiärfolge, die mit dem Leithakalke beginnt 
und mit dem Süsswasserkalke als oberstem Gliede schliesst. Zwischen 
diesen beiden erscheint der Altersfolge nach regelmässig sarmatischer 
Muschelsandstein und Tegel, höher Congerientegel und Congeriensand 
concordant eingeschlossen. Die ganze Schichtfolge erscheint an einen 
alten Steilrand von Triasdolomit angelagert. Den gleichen Eindruck 
des vollkommen regelmässigen Aufbaues macht auch die Darstellung 
des Eichkogel auf der Stur'schen Specialkarte der Umgebung von 
Wien (Blatt Baden-Neulengbach). 

Indessen finden sich im Bereiche des Wiener Tertiärs eine ganze 
Reihe von allerdings bisher nicht im Zusammenhange studirten Erschei- 
nungen, die klar darauf hindeuten, dass zwischen der stratigraphisch 
einheitlichen Serie der mediterranen und sarmatischen Bildungen 
einerseits und der jüngeren Serie der pontischen und thracischen 
Ablagerungen (Congerien-, Paludinen-, Belvedere-Stufe) andererseits, 



^) Haidinger's Berichte, etc. 1849, pag. 183. 

^) F. Karrer, Der Eichkogel bei Mödling. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1859, 
pag. 25. 

"; Th. Fuchs, Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1870, pag. 128, Kig. 3. 



[3] lieber SäugethieiTeste der Pikonnifaima vom Eichkogel bei Mödling. 171 

oder mit anderen Worten zwischen Miocän und riiocän, eine 
Discordanz der Lagerung bestellt, welche auch am P^ichkogel vor- 
handen zu sein sclieint. 

Dass in gewissen Gegenden, wie z. B. westlich vom Neusiedler 
See, die p o n t i s c h e n Schichten in wahren Erosionsthälern liegen, 
welche in die Bildungen der sarmatischen Stufe und zum Tlieile der 
II. Mediterranstufe eingegraben sind, wird von E. Suess (Antlitz, 
etc. I, pag. 422) nach Beobachtungen von Th. Fuchs (Jahrb. 1868, 
pag. 276) auf das Klarste angegeben und daran die wichtige Be- 
merkung geknüpft, es müsse der Ablagerung dieser Schichtreihe eine 
vollständige Trockenlegung des Landes vorangegangen sein, 
während welcher die Erosion dieser Thäler stattgefunden hat. Damit 
übereinstimmend finden sich an der Basis der Congerienstufe häufig 
gröbere, aus Strandgerölle bestehende Conglomerate, wie sie z. B. 
F. Karr er (Jahrb. 1868, pag. 274) aus der Gegend von Li e sing 
anführt und Th. Fuchs (Jahrb. 1870, pag. 128) hinter dem Richards- 
hof, südlich vom Eichkogel beschreibt. Nach Stur's Karte der 
Umgebung von Wien hat diese hochliegende conglomeratische Ufer- 
bildung der Congerienstufe auf dem Ostabhange des An n in g er sogar 
weite Verbreitung. In dieselbe Kategorie könnten auch jene Er- 
scheinungen gehören, wie sie Th. Fuchs (Jahrb. 1872, pag. 319, 
Taf. XIV, Fig. 8) aus den Steinbrüchen der Wiener Baugesellschaft 
bei Atzgersdorf beschreibt. F. Toula (Jahrb. 1875, pag. 3) be- 
schreibt ein Profil unter dem Gipfel des Eichkogel, in welchem 
er die Grenze zwischen der sarmatischen und der Congerienstufe 
scharf zu fixiren in der Lage war. Dieselbe wird durch eine Bank 
bezeichnet, welche aus Ve rwitter ungsproduc ten der nächst 
tieferen, durch ihre Foraminiferenfauna sicher sarmatischen Schichte 
besteht. In den Steinbrüchen des Herrn Weiss am Eichkogel 
zeigt der als Werkstein abgebaute sarmatische Sandstein eine z. Th. 
unregelmässig zerfallene Oberfläche, deren Unebenheiten aufgefüllt 
erscheinen durch einen lockeren Grus, der sich als ein Zerfalls- und 
Verwascliungsproduct der sarmatischen Sandsteinunterlage darstellt 
und nach oben rasch ausklingt in den unreinen, grünlichen Letten 
der Congerienstufe. Am Contacte treten, besonders im oberen Theile 
der Brüche, auch Schmitzen eines ockergefärbten, groben Schotters 
auf. In dem lockeren Grus und Schotter, die zusammen mit Resten 
von Tegel und Humus den Abraum der Brüche bilden, fanden sich 
in dem tiefer liegenden Theile der Brüche des Herrn Weiss die 
weiter unten zu besprechenden Säugethierreste. Sie stammen sonach 
von der Basis der übergreifenden C o n g e r i e n b i 1 d u n g. 
Für den Umstand, dass es vorwiegend nur Zähne und die resisten- 
testen Theile des Skeletes sind, die am Eichkogel gefunden wurden, 
gibt eine gute Erklärung die Thatsache, dass einzelne Bruchstücke 
eine weitgehende Abrollung zeigen, die beweist, dass die Reste vor 
Einbettung in den lockeren Grus einen Wassertransport erlitten haben, 
bei welchem die weniger resistenten Skelettheile wohl zumeist zu- 
grunde gingen. Offenbar haben wir es hier mit einer seitlichen Ein- 
schwemmung von Skelettheilen zu thun, die zur Congerienzeit in einer 
kleinen Untiefe des Ufergrundes zur Einbettung gelangten. 

22* 



172 M. Vacek. [4] 

Es ist klar, dass bei solchen corrosiven Vorgängen, wie wir sie 
am E i c h k g e 1 sehen und wie sie so häufig die Grenze von der 
sarmatischen zur Congerienstufe kennzeichnen , vielfach auch eine 
Unilagerung von fossil reichen sarmatischen Schichten stattgefun- 
den hat. Die dabei leicht zustande kommende mechanische Mengung 
von Fossilien der sarmatischen und Congerienstufe darf daher nicht 
als eine U ebergangsbildung aufgefasst werden in dem Sinne, 
als hätten die beiden Faunen zeitweise gleichzeitig gelebt. Vielmehr 
sind die Mollusken faunen der beiden angrenzenden Schichtreihen, wie 
Th. Fuchs (Führer III, 1877, pag. 35) wohl mit Recht anführt, in 
schroffster Art verschieden. Uebereinstimmend damit schliesst sich 
auch die Säugethierfauna der sarmatischen Stufe innig an die der 
tieferen Mediterranstufen an, während andererseits die ihrem Charakter 
nach ganz anders geartete Säugethierfauna der Cougerienschichten in 
die höheren Belvedere-Bildungen fortsetzt. 



Im Folgenden sollen die am Eichkogel gefundenen Reste 
näher beschrieben und soweit als möglich der Art nach bestimmt 
werden. 

Mastodofi Pentelici Gaudry et Lartet. 

(Taf. VII, Fig. 1 u. 2.) 

Es liegen vom Eichkogel zwei bunolophodonte Mastodon- 
Backenzähne vor. 

1. Der kleinere ist nach Form und Grösse der dritte aus dem 
rechten Unterkiefer (Taf, VII, Fig. 2). Wenn auch an der 
Aussen- und Hinterseite stark beschädigt, zeigt der Rest doch noch 
die meisten, zur näheren Bestimmung der Art noth wendigen Charaktere 
erhalten. Bei einer Gesammtlänge von 74 mm zeigt sich das erste 
Joch 35 mm breit. Die Breite der beiden folgenden Joche ist wegen 
der Beschädigung nicht genau festzustellen, nimmt aber, wie dies für 
die unteren Molaren von Mastodon allgemein charakteristisch ist, nach 
rückwärts zu; denn der vorhandene Rest des beschädigten dritten 
Joches misst noch immer 36 mm in der Breite. Der Zahn ist aus- 
gesi)rochen tril oj) li od on t, besteht also aus drei vollentwickelten 
Jochen und einem kräftigen Talon, der aber leider abgebrochen ist. 
Die drei Joche sind durcli je eine tiefe mediane Einkerbung scharf 
in zwei Hälften getheilt, und die der Aussenseite entsprechenden 
oder prätriten Jochhälften an der Innenhinterecke durch je einen 
kräftig entwickelten Sperrliöcker verstärkt. Aehnliche, jedoch nur 
schwach entwickelte Sperrhöcker bemerkt man auch an der Vorder- 
innenecke der äusseren Halbjoche, die aber durch die Abkauung 
schon stark gelitten haben. Trotz der Sperrhöcker erscheinen die 
Tiefenlinien der Jochthäler scharf ausgesprochen. Dieselben kreuzen 
die Zahnaxe nicht senkrecht, wie bei M. an(/iistldens und M. longi- 
roHtris, sondern unter einem schiefen Winkel, entsprechend einer 
deutlichen Verschiebung der äusseren Halbjoche nach rückwärts. Diese 



[5] Ueber Säiigethierreste der Pikermifauna vom Eichkogel bei Mödling. 1 73 

Verschiebung der Halbjoclie prägt sich bei dem vorliegenden Zahn- 
reste auch weiter darin aus, dass die scharfen medianen Kerben, 
welche die Halbjoche scheiden, ebenfalls eine etwas schiefe Stellung 
zeigen, so dass die Medianlinie nicht einheitlich gerade ist, wie bei 
M. atKjtisfidens, sondern doppelt z-förmig gebrochen erscheint. Der 
vorliegende Zahnrest zeigt demnach das erste Stadium einer alter- 
niren den Stellung der Hai bj och e, wie sie am ausgesprochen- 
sten bei den Zähnen von J\J. arvernensis auftritt. 

Der Zahn besitzt zwei Wurzeln, von denen besonders die vordere, 
dem ersten Joche entsprechende, gut erhalten ist und einen etwa 
1/2 wiw dicken, glatten Cementbeleg zeigt. Die viel stärkere hintere 
Wurzel, den beiden übrigen Jochen sammt Talon entsprechend, ist 
stark beschädigt, zeigt aber immerhin noch deutlich genug die schiefe, 
nach rückwärts geschleppte Form, wie sie besonders für die hinteren 
Wurzeln der unteren Molaren von Mastodon charakteristisch ist. Eine 
halbmondförmige Falte, median im Thalgrunde situirt, verbindet 
brückenartig die beiden Wurzeln. 

Der Zahn befindet sich im ersten Stadium der Abkauung, und 
die Kaufläche schreitet, entsprechend der Art, wie die Mastodon- 
molaren sozusagen windschief aus der Alveole rücken und nach und 
nach in Gebrauch kommen, vom ersten äusseren Halbjoche gegen das 
letzte innere vor, so dass das erstere am stärksten, das letztere am 
wenigsten abgenützt erscheint. 

2. Von den übrigen hier beschriebenen Resten gesondert, jedoch 
übereinstimmend in der gleichen Situation, nämlich an der Basis eines 
rostig gefärbten, groben Schotterschmitzes unmittelbar über der Ober- 
fläche des sarmatischen Sandsteins liegend, fand sich im oberen Theile 
des Weiss'schen Steinbruches ein vollständiger, gut erhaltener 
Mastodot}-7i?i\\\\ welcher der gleichen Trilophodon-AYt wie der vor- 
beschriebene angehört und nach Form wie Dimensionen ohne Zweifel 
ein vorletzter Molar aus dem linken Unterkiefer ist 
(Taf. Vn, Fig. 1). 

Der Zahn hat die bedeutende sagittale Länge von 128 mm und 
misst am ersten Joche 55 mm, am dritten 70 ntm, nimmt also nach 
rückwärts an Breite bedeutend zu. Den drei wohlentwickelten Jochen 
reiht sich rückwärts noch ein auffallend kräftiger Talon an, so dass 
der vorliegende Zahn einer jener Formen angehört, die den Ueber- 
gang zu TetraJophodon bilden. Ebenso auffallend kräftig ist die Ent 
Wicklung der Sperrhöcker an den Innenkanten der äusseren Halb- 
joche, so dass hier die Thalfurcheu vollkommen unterbrochen er- 
scheinen. Ausserdem finden sich auch kräftige Schmelzhöcker an 
den Ausgängen der Jochthäler an der Aussenseite des Zahnes ent- 
wickelt. Die Medianlinie zeigt auch bei diesem Zahne dadurch, dass 
sich die Sperrhöcker in die inneren Thalhälften drängen, einen etwas 
gebrochenen Verlauf und im Zusammenhange damit eine merkliche 
Verschiebung der äusseren Jochhälften nach rückwärts. Der Zahn hpt 
zwei stark nach hinten geschleppte Wurzeln, die durch eine halb- 
mondförmige Falte verbunden sind und theilweise einen ca. 1 mm, 



174 M. Vacek. [6j 

dicken Cementbeleg zeigen. Die Abkauung ist ziemlich weit vorge- 
schritten, so dass die Kaufiächon der äusseren Ilalbjoche mit denen 
der Sperrliöcker zu den bekannten kleeblattartigen Figuren zu ver- 
fliessen anfangen, wie sie für die Bunolophodonten charakteristisch sind. 
Auf den ersten Blick könnte man geneigt sein, die vorliegenden 
Mastodon-Reste vom Eichkogel der Art M. angustidens zuzurechnen. 
Doch wurde schon oben auf jene allerdings nur einen gradualen 
Unterschied bedingenden Charaktere aufmerksam gemacht, welche, 
abweichend von M. angustidens, in dem etwas gebrochenen Verlaufe 
der Medianlinie, ferner in der deutlichen Verschiebung der äusseren 
Halbjoche nach rückwärts, insbesondere aber in der auffallend starken 
Entwicklung des Talons liegen. Diese Charaktere haben die vor- 
liegenden Zahnreste mit einer viel jüngeren Trllophodon- Ai% dem 
Mastodon Pentelici gemeinsam, welche, wie Gaudry (Attique, p. 339) 
klar hervorhebt, eine Intermediärform ist zwischen M. angustidens und 
M. arvernemis. 

Mast. Pentelici Gaudry et Lartef^) ist allerdings bisher nur nach 
einer jugendlichen Form von Pikermi genauer besciirieben. 

Die Art gehört nach dem Charakter der langen Symphyse so- 
wohl als dem dreijochigen Baue der Molaren zu der Falcone r'schen 
Untergruppe Trilophodon. Der dem erstbeschriebenen Reste vom 
E i c h k g e 1 homologe dritte Unterkiefennolar (Gaudry 1. c, Taf. 
XXII, Fig. 3, 3/3) zeigt den oben erwähnten Charakter der Sperr- 
höcker auch an der inneren Vorderecke der posttriten Jochhälften 
und damit zusammenhängend der schiefen, nach aussen und hinten 
zurückweichenden Stellung der Joche sehr klar, ebenso wie den im 
Vergleiche zur Zahnaxe etwas gebrochen unregelmässigen Verlauf der 
Medianlinie, welche die Halbjoche scheidet. Zu diesen Charakteren 
tritt noch die übereinstimmende kräftige luitwicklung sowohl der 
Schmelzschwiele am Vorderende als insbesondere die auffallende 
Grösse des Talons am Hinterende der Zähne, so dass man, da auch 
die Grössenverhältnisse gut stimmen, die vorliegenden Reste vom 
Eichkogel ohne Zweifel als der Art M. Pentelici zugehörig be- 
stimmen muss. Bei dieser Artbestimmung wird man auch wesentlich 
bestärkt durch den Vergleich mit den schönen Resten von M. Pentelici 
aus Maragha (am Urmiasee in Persien), die sich in der Sammlung 
des k. k. nat. Hofnmseums befinden und schon von Rodler (Ver- 
handl. 1885, pag. 355) und Kittel (ebenda, pag. 31^7) erwähnt wurden. 
Der interessante Trilophodon M. Pentelici Gandrij et Lart. scheint 
demnach in den unterpliocänen Ablagerungen Euroi)as und Asiens ein 
durchaus nicht seltenes Vorkommen zu sein. Derselbe steht zu dem 
Tetralophodon M. arvsrnensis Cr. et Job. in demselben Verhältnisse, 
wie der ihm nächststehende miocäne Trilopliodon M. angustidens Cuv. 
zu M. longirostris Kaup.'^) 



') Vergl. A. (raiidry, Aniin. foss. ot Göol. do rAtticjue. Paris 18H2, pag. 
112, Taf. XXII und XX 111 

*) Vergl. M. Vacek, lieber österr. Mastodonten. Abhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. Bd. VII, 1877, pag. 45^ Tabelle. 



[7] üeber Säugethierreste der Pikermifauna vom Eichkogel bei Mödling. 175 
Dinotheritim laevius Jourdan. 

(Taf. VII, Fig. 4 u 5.) 

Der vorliegende, gut erhaltene Backenzahn von Dinotherium ist 
nacli seinen Charakteren ein vorletzter aus dem linken Unter- 
kiefer (Taf. VII, Fig. 4). Derselbe ist 73 mm lang, zeigt zwei nur 
wenig angekaute Joche, von denen das vordere 64 mm, das hintere 
66 mm in der Breite misst, und denen rückwärts noch ein kräftig 
entwickelter Talon von 40 mm Breite folgt. Dieser Talon war schon 
zu Lebzeiten des Thieres etwas beschädigt, denn die Unebenheiten 
der Bruchfläche erscheinen durch den Kauprocess theilweise wieder 
geglättet und polirt. An der Rückseite des Talons bemerkt man eine 
seichte Contactfläche von Seite des folgenden letzten Molars, während 
durch eine ähnliche, nur etwas tiefer greifende Contactniarke an der 
Vorderseite des Zahnes ein hier vorhandener kräftiger Schmelzvvulst 
grossentheils resorbirt erscheint. Die Aussen- und Innenfläche der 
Kronenbasis ist glatt, ohne Schmelzwucherungen. Der Zahn hat zwei 
Wurzeln, die jedoch nur theilweise erhalten sind und durch je eine 
kräftige, breite Furche an der Innenseite theilweise paarig gebaut 
erscheinen. 

Eine sichere Artbestimmung gehört bekanntlich bei einzelnen, 
losen Zähnen von Dinotherium zu den grossen Schwierigdeiten. Man 
ist bei der Gleichartigkeit im Baue fast nur auf die Grössen Verhält- 
nisse der Zähne angewiesen, wenn man zwischen den drei heute in 
Europa unterschiedenen Arten Diu. (jiijanteum Kanp, Din. hievius 
Jourdan und Diu. havaricum H. v. Meiner = Diu. Cuvieri Kaup eine 
Entscheidung treffen will. Nach Deperet's^) an einem grösseren 
Materiale augestellten Messungen verhalten sich die Längenmasse der 
dem vorliegenden homologen vorletzten Molare der drei genannten 
Arten {D. giganteum = 0'Sb bis 0*81 m: D. laevius = 0-13 bis 0'72 m : 
D. Cuvieri = 0-59 m) beiläufig me 8:7:6. Mit Rücksicht auf die 
oben angegebene Länge von 0'73 m müsste man bei dem vorliegen- 
den Zahne vom Eichkogel zunächst auf Din. laevius Jourd. schliessen. 
Dazu kommt indirect noch ein zweites Merkmal, welches nach D e- 
peret (1. c. pag, 198) darin besteht, dass bei Din. laevius die ab- 
wärts gebogene Symphysenpartie, welche die charakteristischen unteren 
Incisiven trägt, viel schlanker ist als bei Din. gigantenm, bei dem sie 
eine Art Auftreibung oder Bauchung zeigt. 

Nun stimmt der vorliegende Zahn vom Eichkogel in Grösse 
und allen übrigen Charakteren auf das beste überein mit dem homo- 
logen Zahne eines in der Sammlung der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt befindlichen /)mo;^/«ermm- Unterkiefers, der nebst anderen 
Skelettheilen desselben Thieres in den Ziegeleien von Vösendorf 
bei Brunn a. G. im Niveau der Congerienschichten gefunden wurde 2). 
Der Unterkiefer von Vösendorf zeigt in der That jene bauchige 



^) Deperet, Verteb. mioe. de la vallee du Rhone Archives du Mus. d'hist. 
nat. du Lyon. Tom. IV, pag. 200. 

^) Vergl. M. Vacelc, Ueber neue Funde von Dinotherium im Wiener Becken. 
Verband!, d. k. k. geol. R.-A. 1882, pag. 341 



176 - M. Vacek. [8] 

Wucherung des Symphysenschnabels nicht, wie man sie z. B. an dem 
von P e t e r s 1) beschriebenen und in Abgüssen verbreiteten Unter- 
kiefer von Din. (jlganteum aus Hausmannstetten bei Graz be- 
obachten kann. Die Art von V ö s e n d o r f nähert sich, wie schon 
seinerzeit bemerkt wurde, in diesem Charakter mehr dem Din. Cuvieri 
= havaricum. Andererseits zeigt sich an dem Unterkiefer von Vösen- 
dorf keine so auffallende Breiteuzunahme vom dritten zum vierten 
Molar, wie sie H. v. Meyer 2) für das ältere, kleine Diu. havaricum 
als charakteristisch angibt, vielmehr nähert sich dieses Verhältnis 
demjenigen, das man bei Diu. laevius und Din. giganteum beobachtet. 

Nach den im Vorstehenden angeführten Anhaltspunkten wäre 
sonach der vorliegende vorletzte, untere linke Molar vom Eichkogel, 
welcher ohne Zweifel derselben Species angehört, wie die Dinotherium- 
Reste aus der Congerienstufe von V ö s e n d o r f, der Art nach als 
Din. laevius Jourdan zu bestimmen, welches zeitlich sowohl als mor- 
phologisch die Mitte hält zwischen dem grossen Din. giganteum Kaup, 
welches unsere Bolvedere-Schichten kennzeichet, und dem Din. hava- 
ricum IL V. M. = Din. Cuvieri Kaup, welches z. B. in den Cypris- 
schiefern des Egerer Braunkohlenbeckens bei Franzens bad in 
Gesellschaft von M. angustidens Cuv. auftritt^). 

Allerdings sind die Speciesunterschiede zwischen Din. laevius 
und Din. giganteum, wie sie oben angedeutet wurden, nur gering- 
fügiger Natur, so dass man glauben köunte, es würden bei grösserem 
Materiale sich Uebergänge zwischen beiden finden lassen. Auch könnte 
man an irgendwelche sexuelle Unterschiede denken, die noch nicht 
genügend geklärt sind. Doch muss vorderhand an der Thatsache 
festgehalten werden, dass die Reste des grossen Din. giganteum im 
Bereiche des Wiener Beckens stets in der Belvederestufe gefunden 
wurden, während die bisher bekannten Funde aus der tieferen Con- 
gerienstufe die Charaktere des Din. laevius zeigen. 



Nach Abschluss des vorstehenden Textes gelangten noch drei 
weitere Zahnreste von DinofJi-erium in unseren Besitz, welche von der 
gleichen Fundstelle wie das übrige Materiale, nämlich aus dem tieferen 
Theile des Weiss'schen Steinbruches am Eichkogel stammen und 
durch den Kaufmann G r ö s s e n b r u n n e r in M ö d 1 i n g von den Ar- 
beitern erworben wurden. Derselbe hatte die Freundlichkeit, sie 
unserer Sammlung abzutreten. Es sind: 

1. Der vorderste Prämolar des definitiven Gebisses aus 

der rechten Unter kieferhälfte. 

2. Ein vorderster Prämolar des definitiven Gebisses aus 

dem rechten Oberkiefer. 

3. Ein vorletzter echter Molar aus dem linken Ober- 

kiefer. 



') K. Pctors, Mitfli. d. nat. Ver. für Steiermark Bd. 3, Heft 3. 

■•') H. V. Meyer, Das JHn. hararicinn. Nova acta Acad. Leop. Carol. Nat. 
cur. Vol. XVI, pt. 2, 1833. pag. 487. 

*j Vergl. V. Biber, Ein /Jinotherium-iSke]et aus dem Eger-Franzeusbader 
Tertiärbecken. Verhandi. d. k. k. geol. R.-A 1884. pag. 299. 



[9] Ueber Säiigethierreste der Pikennifauna vom Eiclikogel bei Mödling. 177 

1. Wiewohl an den Seiten und besonders an der Basis ziemlich 
stark beschädigt, zeigt die im allerersten Abkauungsstadiiim befind- 
liche Krone des ersten Unterkiefer-Prämolars, also des 
vordersten Zahnes im definitiven Gebisse, den für Dinotherium so 
charakteristischen Kegelbau mit dreieckigem Grundrisse der Basis 
noch sehr klar. Der Anlage nach besteht die Krone aus vier Höckern, 
von denen aber die beiden vorderen nahezu ganz verschmolzen er- 
scheinen zu einem Complexe, der die beiden besser isolirten rück- 
wärtigen Höcker an Höhe bedeutend überragt. Auch von diesen 
übertrifft der äussere Höcker, der in sagittaler Richtung zu einer Art 
crenelirter Schneide entwickelt ist, bedeutend den inneren an Höhe. 

Die sagittale Länge des Zahnes beträgt 55 mm, die Breite in 
der hinteren Hafte etwa 45 mm. Diese Dimensionen stimmen sehr 
gut mit den Maassen für Din. Jaeviiis, stehen dagegen etwas zurück 
im Vergleiche zu Din. giganteiim, bei welchem sie nach De per et 
(Vall. du Riiöne Taf. XXV, Fig. 2) etwa G6 : 55 mm betragen. In 
Form und Ausbildung der Krone stimmen jedoch, wie De per et 
(1. c. p. 199) angibt, die ersten Prämolaren der beiden Arten voll- 
kommen tiberein. Für JMn. bavaricmn gibt Roger (Palaeontographica 
Bd. 32, p. 221) dieselben Maasse mit 51-5:42 mm an. 

Der Zahn zeigt zwei stark beschädigte Wurzeln, von denen die 
vordere einfach, die hintere paarig gebaut erscheint. Der Cement- 
beleg der Wurzeln ist etwa 1/2 mm stark, während die Schmelzlage 
der Krone bis zu 5 7nm dick wird. 

2. Der weiter vorliegende obere erste Prämolar (Taf. VH, 
Fig. 5), oder der vorderste Zahn im definitiven Gebisse, zeigt die 
Krone sehr gut erhalten. Auch das Abkauungsstadium ist nur so weit 
vorgeschritten, dass die Anordnung der Kronenelemente noch sehr 
klar erscheint. Bekanntlich weicht der Kronenbau der oberen Prä- 
molaren von Dinotlierinm wesentlich ab von dem ausgesprochenen 
Jochtypus der Molaren dadurch, dass die äusseren Kronenhöcker nicht 
mit den inneren, sondern untereinander zu einer sagittal gerichteten 
Aussenwand zusammenfliessen, an welche sich die inneren Höcker 
mehr minder lose, querjochartig anschliessen. Diese Gruppirung der 
Kronenelemente erinnert sehr an den Bau der oberen Molaren von 
Tapirits. 

Der Grundriss der Kronenbasis bildet bei dem vorliegenden 
Reste ein eckenrundes Trapez, dessen längere Parallelseite der 
Aussenwand, die kürzere der Innenseite entspricht. Die beiden Aussen- 
höcker verfliessen nahezu zu einer an der Contactstelle etwas ein- 
geschnürten sagittalen Aussenwand, an deren vordere Kante sich ein 
Parastyl-artiger Höcker anschliesst. Dagegen sind die beiden Innen- 
höcker der Krone gut voneinander isolirt durch eine scharf ausge- 
sprochene Senke, in deren Grunde zwei secundäre Schmelzhöcker 
sitzen. Der hintere Innenhöcker ist durch eine Querleiste mit dem 
hinteren Aussenhöcker verbunden. Dagegen ist der vordere Innen- 
höcker gut isolirt und durch einen secundären Schmelzhöcker an der 
Vorderseite verstärkt. Ein kräftiger Schmelzwulst, der nur an der 
Aussenwand etwas unterbrochen ist, umzieht nahezu die ganze Kronen- 

Jalabucli d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 1. Ueft. (M. Vacek.) 23 



178 



M. Vacek. 



[10] 



basis, hat aber durch Abkaiuiiig schon stark gelitten. Der Zahn zeigt 
drei leider stark beschädigte Wurzeln. 

Die Grössenmaasse des vorliegenden Restes vom Eichkogel 
sind in der folgenden Tabelle mit den normalen Dimensionen des 
homologen Zahnes bei den drei europäischen Dinofherium- Arten in 
Vergleich gebracht. Dieselben entsprechen, wie man sieht, abermals 
am besten der mittleren Art Din. laevius. 



M* vom 
Eichkogel 



Din.giganteum 
n. Kaup 



Din. laevius 
n. Deperet 



D. havariciim 
n. Roger 



74 
72 
71 



Sagittale Länge 
Breite am Nachjoche 
Breite am Vorjoche 



84 
82 
81 



76 
73 
72 



52 

47-5 

43 



3. Der vorliegende vorletzte Oberkiefer -Molar der 
linken Seite ist leider an der Vorder- und Hinterseite etwas be- 
schädigt, so dass sich die Beschaffenheit der hier auftretenden Schmelz- 
wülste und damit auch die sagittale Länge des Zahnes nicht mehr 
beurtheilen lässt. Dagegen sind die beiden kaum angekauten Joche 
sehr gut erhalten. Dieselben zeigen den normalen Bau und sind von 
nahezu gleicher Breite (76 mm), wie dies für die vorletzten Molaren 
von Dinofherium charakteristisch ist im Gegensatze zu den letzten, 
bei denen das rückwärtige Joch immer etwas reducirt ist. Verglichen mit 
der Breite des homologen Zalines bei D. giganteum (94 mm nach Kaup) 
und D. havaricum (62 mm nach Roger) stimmt auch dieser Zahn in 
den Dimensionen am besten mit Din. laevius (75 mm nach Deperet). 

Nach dem Grade der Abnützung der vier vorliegenden Dino- 
tlieriiim-Zäihne vom Eichkogel lässt sich nicht annehmen, dass die- 
selben einem und demselben Individuum angehört haben, wenn auch 
keine Wiederholung desselben Zahnes vorliegt. Dagegen gehören 
wohl die neuerworbenen drei zu derselben Species Din. laevius^ wie 
der erstbeschriebene vorletzte untere Molar, indem sie übereinstim- 
mend alle in ihren Dimensionen so ziemlich die Mitte halten zwischen 
Din. giganteum und Din. havaricum^ ein Umstand, den man kaum gut 
nur einem Zufalle zuschreiben kann. 



Äceratherium Goldfussi Kaup. 

(Rhinoceros brachgpus Lartet.) 

(Taf. VIII, Fig. 1-4.) 

Unter dem Materiale vom Eichkogel fanden sich, neben einer 
Reihe von Bruchstücken, vier wohlerhaltene Backenzähne, sowie ein 
Eckzahn eines Rhinoceroten von mittlerer Grösse, und zwar: 

1. Ein erster oberer wahrer Molar der linken Seite. 

2. Ein dritter oberer Prämolar der linken Seite. 

3. Ein zweiter unterer echter Molar der rechten Seite. 

4. Ein zweiter unterer echter Molar der linken Seite. 

5. Ein unterer Eckzahn der rechten Seite. 



[11] Ueber Säugethierreste der Pikermifauna vom Eiclikogel l)ei Mödling. 179 

1. Für die nähere Bestimmung der Art am wichtigsten ist wohl 
der linice erste wahre Molar (Taf. VIII, Fig. 3). Dessen sagittale 
Länge, an der Aussenwand gemessen, beträgt 44 mm, die Breite am 
Vorjoclie 52 m)n. am Naclijoohe 45 mm. Der Zahn fällt zunächst 
durch zwei Charaktere auf, nämlich durch die bedeutende Länge der 
Aussenwand und einen sehr entwickelten, den grössten Theil der 
Krone umsäumenden Schmelzwulst. Der erstere Charakter kommt 
dadurch zustande, dass die vordere accessorische Falte stark ent- 
wickelt und gerade nach vorne gerichtet ist, wodurch die Aussenwand 
über die vordere Contour des Zahnes charakteristisch vorspringt. 
Auch der vordere Aussenhügel der Wand ist kräftig entwickelt und 
weit nach vorne gestellt, so dass er in die Linie des vorderen Quer- 
joches zu liegen kommt. Dagegen ist der hintere Aussenhügel nur 
schwach entwickelt. 

Die zwei von der Aussenwand abzweigenden, nach innen und 
hinten etwas schief gestellten und nur wenig gekrümmten Querjoche 
schliessen ein breites, auffallend tiefes Thal ein, gegen welches von 
der Aussenwand her eine dreifach gelappte, kräftige Crista, sowie 
von der Vorderseite des Nachjoches ein ebenfalls dreilappiger, 
kräftiger Gegensporn hineinragt. Dagegen fehlt jede Andeutung 
eines Sporns an der Innenseite des Vorjoches. Gegen die Tiefe 
des Thals, dessen Boden mit dem Schmelzrande der Kronenbasis 
etwa in gleicher Linie liegt, verlieren sich allmälig die kleinen 
Schmelzfalten der Crista sowohl wie des Gegensporns. Diese beiden 
Schmelzfalten vereinigen sich hier also nicht, wie dies sonst bei 
Rhinoceroten häufiger vorkommt. Eine nur wenig geringere Tiefe, 
wie das Hauptthal, zeigt auch das rückwärtige Seitenthal. 

Das kräftige, stellenweise etwas gekerbte Schmelzband, welches 
nahezu die ganze Krone einfasst, beginnt hoch oben an der Rückseite 
der vorderen accessorischen Falte, zieht von hier mälig abwärts gegen 
die Basis der beiden Jochhöcker, diesen entsprechend etwas an- 
steigend, dagegen an den Stellen, wo es die Thäler passirt, etwas 
absteigend, und endigt an der vorderen Aussenkante des Zahnes, in- 
dem es hier an der Basis der Aussenwand sich allmälig verliert. 
Der Gesammtverlauf des Schmelzbandes bildet also eine Art unregel- 
mässige Spirale um die Seitenw^ände der Krone. 

An der Vorderfläche sowohl als an der Hinterfläche der Zahn- 
krone sieht man eine kräftige Resorptionsmarke, entstanden durch 
den Druck der Nachbarmolaren. Die vordere dieser Marken liegt 
knapp unter dem Schmelzwulst, die hintere etwas tiefer, genau am 
unteren Rande der Schmelzkappe. Der Zahn hat drei Wurzeln, die 
jedoch grossentheils abgebrochen sind. 

2. Ein d r i 1 1 e r b e r e r, 1 i n k e r P r ä m 1 a r (Taf. VIII, Fig. 2) 
zeigt viel geringere Dimensionen und ist bedeutend stärker abgekaut, 
hat aber sonst dieselben Kronencharaktere wie der vorbeschriebene 
M \ Die sagittale Länge , an der Aussenwand gemessen , beträgt 
33 mm, die Breite am Vorjoche 34 mm, am Nachjoche 36 mm. Das 
Breitenverhältnis zwischen Vor- und Nachjoch ist sonach umgekehrt 
wie bei M^, entsprehend der Verschmälerung der Prämolarenreihe 
nach vorne und der Molarenreihe nach hinten. Der Zahn zeigt eben- 

2ä* 



180 M. Vacek. [12] 

falls einen continuirlichen Schmelzwulst, der in gleicher Art verlauft, 
wie oben für M^ angegeben wurde. Trotz der starken Abkauung ist 
die Crista sowohl als der Gegensporn noch deutlich zu sehen, 
dagegen fehlt auch hier jede Andeutung eines Sporns am Vorjoche. 
Die drei Wurzeln sind auch hier abgebrochen. 

3. Aus dem Unterkiefer fand sich je ein zweiter echter 
Molar der linken und rechten Seite, welche nach dem verschiedenen 
Grade der Abkauung zwei verschiedenen Individuen angehören. Der 
weniger abgekaute M^ der linken Seite (Taf. VIII, Fig. 4) zeigt zwei 
halbmondförmige Joche, von denen das vordere unter rechtem Winkel 
eine Falte nach innen entsendet. Ein deutlich entwickelter, gekerbter 
Schmelzwulst deckt die Vorderseite der Krone und zieht von hier 
an der Basis der Aussenwand, in der Nähe der Vereinigungsstelle 
beider Joche stark abklingend, gegen die Hinterseite des Zahnes, wo 
er wieder stärker anschwillt. Dagegen ist die Kronenbasis an der 
Innenseite glatt. Der Zahn hat zwei beschädigte Wurzeln, die durch 
tiefe mediane Eindrücke paarig gebaut erscheinen. 

4. Die gleichen morphologischen Charaktere zeigt der etwas 
stärker abgekaute untere vorletzte Molar der rechten Seite, 
bei dem die hintere der beiden W^urzeln vollständig erhalten ist. 

5. Der vorliegende Eckzahn (Taf. VIII, Fig. 1) aus der 
rechten Unterkiefer hälfte ist an der Spitze sowie am unteren 
Wurzelende wohl etwas beschädigt, zeigt aber sonst die charakte- 
ristische Form der Eckzähne von Aceratherium sehr gut. Im unteren 
Wurzeltheile nahezu kreisrund (mit 30 mm Durchmesser), bildet der 
Querschnitt höher, da wo der Kronentheil beginnt, ein mit der Schmal- 
seite nach Innen sehendes Oval (von 36 mm grösstem Durchmesser), 
aus welchem sich durch rasche Zuschärfung der Schmalkante und 
merkliche Abflachung der Aussenseite die etwa 90 mm lange, cha- 
rakteristisch dreikantige Spitzenkrone von lancette-artigem Umrisse 
entwickelt. Krone und Wurzel gehen ohne jede Spur einer Hals- 
bildung ineinander über. An der Unterseite des etwa dem obersten 
Drittel der Zahnlänge entsprechenden Kronendreikants sieht man eine 
dünne, etwa 1/2 mm starke Schmelzlage mit stellenweise noch wenig 
abgenützter, fein chagrinartig gezeichneter Oberfläche. An der Ober- 
und Aussenseite der Krone findet sich kein Schmelzbeleg mehr und 
die Dentinsubstanz zeigt zum Theile schon starke Spuren von Ab- 
nützung. Am tiefsten abwärts reicht der Schmelzbeleg an der scharf 
vorspringenden Innenkante der Krone. Der Wurzeltheil ist mit einem 
dünnen Cementbeleg bekleidet. Wo dieser fehlt, zeigt die Oberfläche 
der Wurzel eine kräftige Längs- und Querriefung, welche unter dem 
Schmelzbeleg der Krone fehlt. 

Der homologe Eckzahn von Hhinoceros hrachi/pus, welchen I) e- 
peret (Vall. du Khöne, Taf. XXIV, Fig. 2) abbildet, stimmt wohl 
sehr gut in Bezug auf die Form und besonders die Entwicklung der 
scharfen Innenkante des Kronenkegels mit dem vorliegenden. Doch 
ist der Rest von Grive-St. AI bau, nach der Pulpenhöhlung zu 
urtheilen, ein im Wurzeltheile noch ganz unentwickelter Keim. Besser 
lässt sich ein Vergleich führen mit dem F.ckzahne des von Gaudry 
(Attique, p. 212, Taf. XXXIII, Fig. 6) aus Pikermi beschriebenen 



[13] Ucber Säiigethierreste der Pikermifaiina vom Eichkogel bei Mödling. 181 

Acerafherlum-Vnterkieievs. Wie G.audry angibt, ist auch dieser im 
unteren Tlieile der Wurzel rund, im oberen, der Krone entsprechen- 
den Drittel triangulär. Die Länge des Kronentlieiles wird mit 90 mm, 
der Durchmesser knapp unterhalb der Kronenbasis mit 39 mm ange- 
geben. Die Form- und Grössenverhältnisse der Pikermi-Form 
stimmen sonach sehr gut mit dem vorliegenden Reste vom Eich- 
kogel. Dagegen sind mehrere dem Aceratherium incisivmn zuge- 
schriebene Eckzähne, welche unsere Sammlung aus den Belvedere- 
Sanden vom Laaer berge besitzt, durchwegs von viel bedeutenderen 
Dimensionen als der vorliegende und zeigen einen gleichmässig 
elliptischen Querschnitt des Wurzeltheiles. 

Zum Unterschiede von Acer, incisivnm Kaiip ist ferner die reiclie 
Falte lung, welche bei dem ersten Molar, der oben sub 1 be- 
schrieben wurde, die Schmelzleisten der Crista sowohl als des Gegen- 
sporns zeigen, ebenso wie das Fehlschlagen des Sporns am Vorder- 
joche charakteristisch für Rhinoceros hrackypm Lartet, welches mit 
Aceratherium Goldfussi Raup identisch ist. Deperet und die fran- 
zösischen Autoren stellen die Art zu Rhinoceros hauptsächlich auf 
Grund der Angabe Gervais' (Pal. frauQ. I, pag. 99), dass sowohl 
Vorder- als Hinterfuss derselben dreizehig seien, während nach Kaup 
für die Gattung Aceratherium die Vierzehigkeit des Vorderfusses 
charakteristisch sein soll. Die Ausbildung der Oberkiefermolaren aber, 
insbesondere die auffallende Tiefe der Thäler und die reiche Ent- 
wicklung des Schmelzwulstes, der nahezu die ganze Krone umsäumt, 
stimmen dagegen sehr gut mit der Charakteristik von Aceratherium, 
wie nicht minder auch die Beschaffenheit des zuletzt beschriebenen 
Eckzahnes. 

Hipparion gracile Kaup. 

(Taf. VII, Fig. 7.) 

Der vorliegende, prismatisch gebaute, rechtsseitige Ober- 
kieferzahn eines Equiden ist leider nur in seiner äusseren 
Hälfte erhalten, während die für eine genauere Bestimmung der Art 
viel wichtigere Innenhälfte fehlt. Nach seiner Form und den Dimen- 
sionen (75 mm lang bei 17 mm. Breite, diese an der Aussenwand ge- 
messen) dürfte derselbe ein vorletzter Prämolar sein. Eine sichere 
Bestimmung indessen ist bei losen mittleren Molaren und Prämolaren 
des Oberkiefers bei den Equiden ganz unmöglich. 

Die Aussenwand zeigt drei kräftige parallele Leisten oder Längs- 
falten der Schmelzlage, von denen die mittlere stark nach vorne 
überneigt und etwas enger ist als die beiden seitlichen, welche die 
vordere und hintere Aussenkante des Zahnprismas bilden. Unten ist 
der Zahn noch offen und zeigt zwei den Marken entsprechende 
Höhlungen, aber noch keine entwickelten Wurzeln. Der Jugend des 
Zahnes entsprechend, ist denn auch die Krone nur sehr wenig ab- 
gekaut, und zeigt auch die Fältelung der halbmondförmigen Marken 
nur geringe Complication. Viel kräftiger entwickelt zeigt sich da- 
gegen diese Fältelung an einem Querschnitte, der etwa 25 mm unter- 
halb der Kronenfläche geführt wurde, so dass damit der Zweifel, ob 
man es mit einem Hipparion zu thun habe, beseitigt sein dürfte. 



182 M. Vacek. [14] 

Mit der Jugend des Zahnes hangt es auch zusammen, dass in jener 
Tiefe des Zahnprisnias, in welcher der Schnitt gelegt wurde, weder 
die Zahnsubstanz noch die Cementmasse innerhalb der Halbmonde 
die Zwischenräume voll auffüllt, so dass kleine Hohlmarken übrig- 
bleiben, die von der Wurzelseite her mit der Masse des Hüllgesteins 
ausgefüllt sind. 

Die Beschaffenheit der engen und einfachen Medianleiste, sowie 
die reiche Fältelung der Halbmonde, die sich im oberen Drittel des 
Zahnprismas einstellt, sind Charaktere, welche klar für die Bestim- 
mung des vorliegenden Restes als von Hipparion gracile stammend, 
sprechen. Dagegen gemahnt allerdings die bedeutende Länge des 
Zahnes woiil an Equus. Dieselbe erklärt sich aber leicht aus dem 
Umstände, dass der Zahn nahezu vollständig unverbraucht ist. 

Hystrix primige?iia Gaudry. 

(Taf. VII, Fig. 8.) 

Das vorliegende Fragment eines ziemlich kräftigen Nagezahnes 
stammt, seiner starken Krümmung nach, aus dem Oberkiefer und 
lässt sich, nach einer deutlichen Contactfläche, als linksseitig gut 
Orientiren. Der Querschnitt ist ein mit der Schmalseite nach oben 
sehendes Oval von 12 mm grösstem Durchmesser. Die Oberfläche 
des Zahnfragmentes zeigt starke Spuren von Abnützung, so dass an 
keiner Stelle Reste einer Schmelzlage zu bemerken sind. Nur eine 
seichte Rinne, welche entlang der oberen Hälfte der Aussenseite 
verläuft, scheint der Lage des verbrauchten charakteristischen Schmelz- 
bandes zu entsprechen. Auf der Unterseite des Vorderendes, welches 
durch die Contactfläche als solches gekennzeichnet ist, sieht man eine 
kräftige Abnützungsfläche theilweise erhalten, welche durch den ent- 
gegenstehenden unteren Nagezahn erzeugt ist. 

Nach den vorstehenden Charakteren lässt sich das vorliegende 
Fragment als der Spitzentlieil eines linken oberen Nagezahnes 
bestimmen, der nach Grösse, Krümmung und Querschnitt gut über- 
einstimmt mit der Abbildung, welche Gaudry (Geol. de l'Attique, 
Taf. XVHI, Fig. 4) von dem homologen Zahne von Hijstrix prhnUjenia 
bringt, einer in Pikermi nicht seltenen Art. 



'D^! 



? Relladotherium. 

(Taf. VII, Fig. 3.) 

Unter dem Materiale vom Eichkogel befindet sich auch ein 
sehr gut erhaltener Zahn mit einer auttallend breiten Krone und einer 
einfachen, plumpen Wurzel, der auf den ersten Blick an die gelappten 
unteren Eckzähne im Vordergebisse der Giraffe erinnert. Der Zahn 
zeigt kaum die ersten Spuren einer Abkauung, so dass man die 
feineren Elemente des Kronenbaues noch klar sehen kann. Diese ist 
im allgemeinen firstartig gebaut, von schlankelliptischem Grundrisse 
(29:13 mm) und massiger Höhe (15mm im hinteren Drittel). Die 
Aussenwand der Krone ist glatt und in beiden Richtungen flach convex; 
die Lmenwand stark concav, mit einem kräftig entwickelten Schmelz- 



[15] Ueber Säugethierreste der Pikcrmifauna vom Eichkogel bei Mödling. 183 

Willst an der Basis. Eine ähnliche Schmelzschwiele bemerkt man an 
der Innenseite der Kante, welche den Kronenfirst nach rückwärts 
abschrägt. An der vorderen Schmalseite der Krone bemerkt man eine 
plane Contactfläche. Im Abstände von etwa '/a (^er Gesammtkronen- 
länge vom Vorderende ist der Kronenfirst durch eine tiefe, scharfe 
Einkerbung in einen kleineren vorderen und einen grösseren hinteren 
Abschnitt getheilt. Diese beiden Abschnitte selbst erscheinen weiter 
durch je eine seichtere Kerbe in zwei Kronenelemente aufgelöst, so 
dass die beginnende Kaufläche vier kleine runde Marken zieigt, die 
entlang dem Kronentirst aneinandergereiht erscheinen. Die Oberfiäche 
der Schmelzlage zeigt eine feine Riefung, die besonders an der vor 
Abkauung mehr geschützten concaven Innenwand deutlich erhalten ist. 
Die plumpe Wurzel ist einfach, von dreieckigem Umrisse, etwas schief 
nach hinten gezogen und zeigt einen seichten, rinnenartigen Eindruck 
an der Vorderseite, sowie zwei ähnliche seichte Rinnen an der Innen- 
fläche. Die Aussenfläche ist, wie bei der Krone, glatt und sanft gewölbt. 
Ein dünner Cementbeleg ist besonders an der Innenseite der Wurzel 
gut erhalten. 

Trotz der guten Erhaltung ist mir eine nähere Artbestimmung 
des vorliegenden Zahnrestes vorderhand nicht gelungen. Dass derselbe 
mit den Caninen im Unterkiefer der Gir äff inen zu vergleichen 
ist, dürfte sehr wahrscheinlich sein. Für diese Stellung desselben 
spricht, abgesehen von der Gesammtform, zunächst die plane Contact- 
fläche an der vorderen Schmalseite der Krone, die den innigen 
Anschluss an den nächsten Incisiv beweist. Ferner scheint die auf- 
fallende Breite der gelappten Krone, die sich frei entwickeln konnte, 
sowie die schief nach rückwärts verzogene Gestalt der Wurzel mit 
der Tendenz zusammenzuhängen, die Zahnlücke zu überbrücken. Der 
vorliegende Zahn ist jedoch viel plumper, robuster gebaut als die 
bekannten Caninen von Camelopardalis, Älcicephnlus oder Falaeofragni^. 
Selbst bei Samofherium (vergl. Zittel, Pal. IV, pag. 409, Fig. 342) 
scheint der Canin sich mehr der Giraffenform zu nähern, indem der 
hintere Kronenlappen kleiner erscheint als der vordere, während bei 
dem vorliegenden Reste das Verhältnis umgekehrt ist. Es bleibt uns 
sonach nur noch übrig an HeUadotherium zu denken, die am plumpsten 
gebaute Gattung der Giraffinengruppe. 

Leider ist aber, meines Wissens, ein Vordergebiss von HeUado- 
therium nirgends beschrieben, so dass man die Bestimmung des vor- 
liegenden Restes vom E i c h k o gle 1 als eines linken Eckzahnes aus 
dem Vordergebisse von HeUadotherium vorderhand nur als eine freie 
Vermuthung hinnehmen muss, für welche neben den bereits angeführten 
morphologischen Anhaltspunkten, wohl auch das häufige Vorkommen 
dieser Art in der Fauna mit Hipparion spricht, welcher die vor- 
liegenden Reste vom Eichkogel ohne Zweifel angehören. 

? Tragocerus. 

(Taf. VII, Fig. 6.) 

Unter dem Materiale vom Eichkogel fanden sich endlich auch 
zwei gut erhaltene Astragali, die untereinander in allen Merkmalen 



184 M. Vacek. [16] 

gut übereinstimmen, sonach wohl derselben Art angehören dürften. 
Da beide aber von derselben, nämlich der rechten Seite stammen und 
auch in der Grösse merklich ditferiren, gehören sie zwei verschiedenen 
Individuen an. Nach den morphologischen Charakteren der Trochlea 
und der Facetten stammen die beiden Sprungbeine ohne Zweifel 
von einem Wiederkäuer, am wahrsclieinlichsten einer Antilopenart 
von massiger Grösse. Sie stimmen in den Details gut überein mit 
der Abbildung des gleichen Knochens von Tragoccrns amalfheuK, wie 
sie Gaudry (Geol. et Pal. de l'Attique, Taf. L, Fig. 10) gegeben hat. 



Aus den Congerienschichten des Wiener Beckens kannte man 
bisher '): 

Mastodon hngirostris Kaup. Hippan'on gracile Kanp. 

Dinoflierium giganteum Kaup. Cervus sp. 
Äceratlierinm incisirnm Kaup. »SV.s sp. 

Nach den im vorstehenden gegebenen Bestimmungen sind es 
die folgenden sieben Arten, welche am Eichkogel gefunden wurden: 

Mastodon Fentelici Gaudry etLartet. Hystrix primigenia Gandrg. 

Dinotherliim laevius Jourdan. ? tielladother'mm. 

Aceratherium Goldfussi Kaup. ? Tragocerus. 
Hipparion graciJe Kaup. 

Wenn wir von den zweifelhaften Bestimmungen von HeJIado- 
therium und Tragocents absehen, bieten vor allem die charakteristischen 
Arten Mai^t. Fentelici und Hgsrrix primigenia, welche am Eichkogel 
in Gesellschaft des Hipparion gracile auftreten, einen neuen, nicht 
uninteressanten Beitrag zur Kenntnis der zweiten Säiigethierfauna 
des Wiener Beckens, indem sie geeignet sind, die bekannte Ansicht 
wesentlich zu bekräftigen, dass diese Fauna mit jener von Pikermi 
übereinstimme, der Eichkogel sonach unzweifelhaft ein Glied in 
der langen Kette von gleichgearteten Vorkommen jener interessanten 
Heerdenfauna bilde, welche hauptsäclilich durch das massenhafte 
Auftreten von H ip pari on en, Gazellen und Antilopen charak- 
terisirt quer durch Europa bis tief nach Asien hinein bekannt ge- 
worden ist (Concud, Mt, Leberon und Croix Uousse, Eppels- 
h e i m, B a 1 1 a v ä r, Pikermi, S a m o s, T r o j a, M a r a g h a). 

Neben MaU. Fentelici scheint auch Dinotherium laevius eine 
Pikermi -Art zu sein. Leider sind Zahnreste dieser Species in 
Griechenland nur sehr selten gefunden worden, und die meisten 
Autoren vermeiden daher eine nähere Artbestimmung, Nur bei A, 
Wagner (Abb. d. königl. Akad. München, Bd. V, 1850, ]>. 3G0) findet 
man die Besclireibung einiger Zahnreste der Dinotlierium- Art von 
Pikermi, welche, wie der Autor ausdrücklich hervorhebt, „mehr 
an Din. Cuvieri (s. J). havaricum) als an Din. giganteum hinsichtlich 
ihrer Grösse sich anreihen." Die Aufstellung der Art I). laevius 



') Vergleiche Th. Fuchs, Erläiiteriiiigen zur geologischen Karte der Um- 
gebung Wiens 1873, pag. 40. 



[17] Ueber Siiugethierreste der Pikerraifaun.a vom Eichkogel Itei Mödling. 185 

durch J u r d a 11 (Comptes reiidus Ac. sc. 1861) ist späteren Datums 
als die Arbeiten W a g n e r's. 

Die Art Äcerafherinm Gohlfiissi Knup (s. Rhinoc. bmrhi/pii^ Lart.) 
wird von Tikermi nicht angeführt, ist viehnehr aus inittehniocänen 
Ablagerungen Frankreichs besclirieben. Indessen biklet doch Gaudry 
(Attique, Tat'. XXXIII, Fig. 6) auch aus Pikernii einen Unterkiefer 
von Aceratherium ab, welches er der Art nach unbestimmt lässt. Die 
Grösse des vorletzten Molars in diesem Unterkiefer, sowie die Be- 
schaffenheit des basalen Schmelzwulstes, ferner auch Form und Dimen- 
sionen des Eckzahnes stimmen gut mit den vorliegenden homologen 
Zähnen vom Eichkogel. 

Nach den vorliegenden Daten kann sonach an einer weitgehenden 
Uebereinstimmung der Suite vom Eichkogel mit der Fauna von 
Pikerrai kaum ein Zweifel sein. Anders steht es allerdings mit der 
viel discutirten Frage, ob die Fauna, welche, an dem reichen Materiale 
von Pikermi am klarsten charakterisirt, in Gaudry's bekannter 
grosser Arbeit sehr eingehend dargestellt wurde und die man daher 
schlechtweg als Pikermi-Fauna bezeichnet, noch obermiocän 
ist, oder aber schon dem P Hoc an zuzurechnen sei. 

A. G au dry (Attique, p. 431) verlegt die Ablagerung der knochen- 
führenden Lehme von Pikermi an den Schluss der Miocänperiode. 
Nach dem Rückzuge des Miocänraeeres boten ausgedehnte, grasreiche 
Ebenen, die zum Theil auch die Fläche des heutigen Aegeischen 
Meeres einnahmen, einer Heerdenfauna mit vorherrschend zalilreichen 
Hipparionen, Antilopen, Gazellen den weitesten Spielraum zur Ent- 
faltung und Entwicklung. Durch spätere Einbrüche und Ueber- 
flutungen von den ihr zusagenden Futterplätzen verdrängt, flüchtete 
die Thiergesellschaft in höher gelegene Theile und erlag der Ungunst 
der neuen Verhältnisse. Ihre Skeletreste wurden durch fliessende 
Wässer von den Hängen des Pentelicon herabgewaschen und im 
Schlamme von Pikermi begraben. Wie man sieht, engt Gaudry 
seine Darstellung in sehr vorsichtiger Art auf die ihm nächstliegenden 
Verhältnisse in Griechenland ein. 

Stratigraphisch viel ausgreifender sind schon die Darstellungen 
M. Neumayr's^) über diesen Gegenstand. Derselbe betont ausdrück- 
lich die Unterbrechung, welche zwischen miocänen und pliocänen 
Meeresablagerungen stattgefunden hat. Dieser Sedimentationslücke ent- 
spricht in ganz Europa eine Continentalperiode, während welcher 
vielfach brackische und limnische Bildungen entstanden. Diese Ab- 
lagerungen der pon tischen Stuf e (Congerienschichten, Belvedere- 
schichten) sind es, welche die Reste der Pikermi-Fauna führen. Die- 
selben sind nach Neumayr älter als alle bekannten marinen Absätze 
des Pliocän, und er stellt dieselben (Tabelle p. 271 1. c), ohne sie einer 
der beiden Formationen einzugliedern, zwischen Miocän und Pliocän. 

Hingegen ist Th. Fuchs'-^) mit Entschiedenheit für das pliocäne 
Alter der Pikermi-Fauna eingetreten, hat sich aber später dem 



') M. Neumayr, Insel Kos etc. Denksch. d. k. Akad d. Wiss. XL, 1879. 
2) Th. Fuchs. Studien über das Alter der jüngeren Tertiärbildungeu 
Griechenlands. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss. 1876, pag. 1 — 11. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichaanstalt, 1000, 50. Hand, 1. Ilelt. (M. Vacek.) 24 



186 M. Vacek. [18] 

Standpunkte Neumayr's und Gaudry's insoferne geucähert, als er 
diese Fauna an den Anfang der Plioccänphase stellt (Verhandl. 1879, 
pag. 58) und dieselbe als ältere Thiergesellschaft klar trennt von der 
jüngeren Fauna mit Masfodon arvernensis, welche im Alter dem marinen 
Pliocän entspricht. 

Die letztere Auffassung von Th. Fuchs, nach welcher die 
Pikermi-Fauna ins untere Pliocän zu stellen ist, scheint wohl am 
besten mit dem zu stimmen, was oben einleitend über die strati- 
graphische Position des Lagers der Säugethierreste vom Eichkogel 
gesagt wurde. Die Reste stammen von der Basis der Congerienbildung 
und fanden sich in einem grusigen, von Schotterschmitzen durchsetzten 
Umlagerungsproducte der sarmatischen Sandstein-Unterlage. Zwischen 
der sarmatischen und pontischen Stufe stellen sich also corrosive 
Vorgänge ein, die sicheren Kennzeichen einer Trockenperiode, in 
welche wohl die Hauptverbreitung der Pikermi-Fauna fällt. Deren zahl- 
lose Skeletreste dürften freilich zum allergrössten Theile an der 
Luft spurlos zugrunde gegangen sein, während uns nur selten deren 
Repräsentanten unter günstigen Einbettungsverhältnissen erhalten 
blieben. Die Trockenperiode, welche in der Unterbrechung der marinen 
Sedimente ihren scharfen Ausdruck findet und sich daher strati- 
graphisch gut fixiren lässt, entspricht ohne Zweifel dem tiefsten 
Niveau st an de des Meeres und erscheint sonach als naturgemässe 
Grenzmarke zwischen den Uebertiutungsphasen der miocänen und 
pliocänen Zeit. Die ihr folgende neue Sedimentserie beginnt, wie 
natürlich, meist mit gröberen Umlagerungsproducten und Binnen- 
ablagerungen, in unserem Falle mit den Congerienschichten und den 
an ihrer Basis vielfach auftretenden Schotterbildungen, welche sonach 
schon der jüngeren Periode, dem Pliocän, zugezählt werden müssen. 

Es ist selbstverständlich, dass das Ansteigen und Vordringen 
des pliocänen Meeres als eine Erscheinung von sehr langer Dauer 
und äusserst langsamem Fortschritte zu denken ist. Die Heerdenfauna, 
welche zur Zeit der Continentalperiode zwischen Miocän und Pliocän 
die grasreichen Ebenen Europas und Vorderasiens bevölkerte, erfuhr 
sonach eine nur sehr allmälige Verdrängung und unterlag erst in einer 
verhältnismässig vorgeschrittenen Phase der Pliocänzeit der Ungunst 
der neuen Verhältnisse, insoweit sie sich nicht denselben zu accommo- 
diren im Stande war, wie dies von der iiächstjüngeren Thiergesell- 
schaft mit Mast, arvernensis wahrscheinlich ist. 

Leider sind jene stratigraphischen Verhältnisse im Wiener Becken, 
auf Grund deren man eine scharfe Trennung der miocänen und plio- 
cänen Ablagerungen als zweier disparater Schichtcomplexe sicher 
vornehmen könnte, heute nur in sehr unzureichender Weise bekannt 
und vor allem nicht systematisch mit Rücksicht auf die vorliegende 
Frage studirt. 



Verlag der k. k. geolog. Reichsanstalt, Wien, III., Rasunioffskygasse 2». 
Ge.sellsehafts-Hiicliflriickcrci Uiiulor Hollinck, Wien, I.M., Eidltcrgstra.s.se 3. 



Tafel VII. 

lieber Säuge thierreste der Pikermifauna vom Eichkogel bei 

Mödliiig. 



24* 



Erklärung zu Tafel VII. 

Fig. 1. Mastodon Pentelici Gatidry et Lartet. 
Vorletzter Molar aus dem linken Unterkiefer, vou der Kaufläche, pag. 173. 

Fig. 2. Mastodon Pentelici Gaiidry et Lartet. 
Dritter Präraolar aus dem rechten Unterkiefer, von der Kaufläche und 
Innenseite, pag. 172. 

Fig. 3. ? Helladotherium. 
Eckzahn aus dem linken Unterkiefer in fünf Ansichten, pag. 182. 

Fig. 4. Dinotherium laeviv.s Jourdan. 
Vorletzter Molar aus dem rechten Unterkiefer, von der Kaufläche und 
Innenseite, pag. 175. 

Flg. 5. Dinotherium laevius Jourdan, 
Vorderster Prämolar aus dem rechten Oberkiefer, von der Kaufläche und 
Aussenseite, pag. 177. 

Fig. 6. ? Tragocerus. 
Astragalus der rechten Seite in 2 Ansichten, pag. 183. 

Fig. 7. Hipparion gracile Kaup. 
Vorletzter Prämolar aus dem rechten Oberkiefer, Schemat. Querschnitt im 
oberen Drittel des Zahnprismas, pag. 181. 

Fig. 8. Hystrix primigenia Gatidry. 
Nagezahn aus dem linken Oberkiefer, von der Innenseite mit Querschnitt, 
pag. 182. 



M.Vacek: PikermiPauna vom Eichkogpl 



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Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanstad. Band L.1900. 

Verlag der kk Geologischen ReichsanslaltWien.lllRasumoffskygasse 23 



Liüi .\n^l vTli BnTinwEirfh.Wen 



Tafel VIII. 

Ueber Säuge tliierreste der Pikermifaiina vom Eichkogel bei 

Mödling. 



Erklärnug zn Tafel VIII. 

Fig. 1. Äceratherium Goldfussi Kaup. 
Eckzahn aus dem recbten Unterkiefer, von der Innenseite mit Querschnitt 
der Spitze, pag. 180. 

Fig. 2. Äceratherium Goldfussi Kaup. 
Dritter Prämolar aus dem linken Oberkiefer, von der Kaufläche und Aussen- 
seite, pag. 179. 

Fig. 3. Acefutherimn Goldfussi Kaup, 
Erster Molar ans dem linken Oberkiefer, von der Kaufläche und Aussen- 
Seite, pag. 179. 

Fig. 4. Aceratheriiim Goldfussi Kaup. 
Vorletzter Molar aus dem linken Unterkiefer, von der Kaufläche und Aussen- 
seite, pag. 180. 



M.Vacek:Pikermifauna vom Eichkogel. 



TafYni. 




A.Swoboda n dXat geziLlüh. 



Jahrbuch der k.k. Geologischen Rerchsanstall. Band L .1900 

Verlag der kk.GeologischenReichsanstalt.W.en.lll.Rasumoffskygasse 23. 



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Infi alt. 



Hoft 1. 

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Die Beziehaog de« Erdbebens von Sinj am 2. Juli 1898 zar Tektonik 

seines pleistoseisten Gebietes. Von Dr. Fritz von Kern er. Mit 

einer geologischen Karte (Taf. Nr. I) i 

Skizze eines geologischen Profils durch den steierischen Erzberg. Von 

M. Vacek. Mit einer lithojjraphirten Tafpl (Nr. TT) und einer 

Zinkotypie im Text 

Geognostisch - palaeontologische Boschreibung der Insel Lesina. Von 

U. Sohle. Mie einer lithographirten Tafel (Nr. III) 33 

Fossilreste aus dem südmährischen Braunkohlenbecken bei Gaya. Von 

A HofmHnn. Mit 2 Lichtdruck-Tafeln (Nr. IV und V) . . . . 47 
In i.i'i/i \\; 1) II 1.1 Flyschzone und den Kalkalpen bei Wien. Von 

A. Bittner i 

Uelier die triadische Lamellibranchiaten-Gatnuig i/., ,..• 7 •. . ., -../ i>:.i 

deren Beziehungen zu palaeozoischen Gattungen Von A. Bittnt i. 

Mit piiier lithographirten Tafel (Nr. VI) r.i» 

1 iiichtenfolge der westböhmischen Kreideform ition. Von 

Ü. Zafiälka. Mit vier Tabellen tj7 

Ijr:i. I Säugt^thierreste der Pikermifauna vom Richkogel bei Mödling. 

V " V' - 1- y.: '■' .ii,.<.. Tafeln (Nr. VII II. VIII) 169 



NB. Die Autoren alleii. .., . für den Inhalt und die Form 
iliicr Aufsätze verantwortlicl». 



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Coelacanthus Lunzensis Teller. 

Von Dr. Otto M. Reis. 

Mit 2 Lichtdrucktafeln (Nr. IX und X). 

In der Beschreibung des berühmten Schädels von Ceratodus 
SfnriP) erwähnt F. Teller auch des Körperfragmentes eines grossen 
Coelacanthinen aus den Lunzer Schichten; er erkennt in ihm eine 
neue Art, welche in Vergleich zu dem aus den Fischschiefern von 
Raibl bekannten, zierlichen Graphiurus cnllopterus Kner ein wahrer 
Riese sei ; er nennt ihn Coelacanthus Lunzensis; der Gattungsbezeichnung 
schliessen wir uns provisorisch (vergl. unten) an. 

Das Exemplar besteht aus einer Hauptplatte mit einzelnen 
fragmentarischen Gegenplatten , von welchen eine wichtigere die 
Knochen der ventralen Hälfte des Schwanzes (Taf. X, Fig. 1) enthält, 
dessen Bau daher auf der Hauptplatte im Abdruck vorhanden ist; 
von diesem Theil sind beide Platten abgebildet. Die Hauptplatte zeigt 
den ganzen, auf der linken Flanke aufliegenden Fischkörper von der 
Schnauzenspitze mit einer Unterbrechung im Klemenschultergürtel- 
abschnitt bis zum Ende der Caudalis, bezw. dem Stiel der Pinselfiosse ; 
alle P'lossen sind mehr oder weniger fragmentarisch erhalten bis auf 
die Caudalis und Analis, deren Träger zwar vorhanden sind, deren 
Strahlen aber völlig fehlen. 

Vom S p i n a 1 s k e 1 e t ist die Reihe der oberen Bogen (vergl. 
Taf. IX) am ungestörtesten geblieben; an ihrem Vorderrande ist noch 
der Eindruck der oberen Endigung der Clavicula bemerkbar; von da 
an zähle ich circa acht bis zum hinteren Ende des Plattenträgers der 
ersten Dorsalis, sodann circa 14 bis zum Beginn der zweiten Dorsalis; 
während die ersteren ganz kurz sind, spitzig endigen und sich etwas 
nach hinten krümmen, zeigen sich die letzteren stark verlängert, nach 
vorne concav und zeigen distal breite Endigungen persistirender 
Knorpelapophysen. Sodann folgen nach der Caudalis zu wieder sechs 
freie Dornfortsätze mit gleicher Endigiing und endlich drei, an welche 
sich Interspinalia anheften, die ihrerseits aber noch nicht mit Flossen- 
Strahlen der äusseren Caudalis dorsalis in Verbindung treten ; die Inter- 
spinalia sind kurz und besonders gut ist der erste erhalten. Die dem 
Bereich der Dermalstrahlen der Caudalis angehörigen und mit Inter- 
spinalien verbundenen Neurapophysen betragen an Zahl circa 19, sie 
legen sich nach hinten zu allmälig flacher zur Körperaxe ; der letzte. 



») Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. Bd. XV, Heft 3, S. 2—3. 
Jahibuch d. k. k. geol. Keicbsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (0. M. Keis.) 25 



188 Dr- Otto M. Reis. [2] 

schwächste liegt ihr fast ganz an, wodurch der Beginn der nicht 
mehr erhaltenen Pinselflosse gekennzeichnet ist. 

Von den ventralen Anhängen der Körperaxe erkennt 
man nur über der hinteren Hälfte der Leibeshöhle kleine Rippen, 
die im ersten Drittel, wie häufig, sicher ganz fehlen. Nach der 
Combination mit der Gegenplatte zu schliessen, beginnen sie sechs 
Segmente vor dem Vorderende der zweiten Dorsalis und reichen 
ungefähr neun Segmente hinter dieselbe bis zum Beginn der Haemapo- 
physen im Bereich der Caudalis ventralis, welche ihrerseits auf der 
Ventralseite, wie es scheint, ziemlich genau mit dem Beginn der 
Caudalis dorsalis anhebt. Von ihr sind 18 mit Interspinalien ver- 
bundene und zu Trägern derselben stark entwickelte Haemapo- 
physen, vergl. Taf. X, Fig. 1, deutlich abzuzählen, die drei vordersten 
sind ohne Interspinalträger. 

Den ganzen Raum zwischen dem erwähnten Eindruck des oberen 
Clavicularendes und dem Beginne der Haemapopbysen nimmt die stark 
verknöcherte Schwimmblase ein. Von einer Phosphoritisirung 
der Muskulatur ist hier nichts zu bemerken. 

Die erste und zweite Dorsalis, die Analis und Ven- 
tralis haben Flossenträger, welche von der gewöhnlichen Form bei 
den Coelacanthinen fast in nichts Besonderem abweichen. Jener der 
ersten Dorsalis zeigt an dem äusseren Rand, der als Verbindungs- 
stelle mit den Flossenstrahlen zu betrachten ist, sechs stärkere, 
strahlige Verdickungen, welche sowohl stärker verknöchert sind, als 
auch die Anwesenheit eines stärkeren Knorpelkerns bekunden. Ab- 
züglich der etwas nach hinten verschobenen linksseitigen Hälften der 
beiden vordersten Flossenstrahlen zähle ich etwa acht Flossenstrahlen, 
welche dieser Ansatzstelle des Flossenträgers entsprechen ; diese 
Strahlen haben stumpfe, knotige Proximalenden und sind stark nach 
hinten gekrümmt und, soweit gezeichnet, völlig ungegliedert ; es 
gelang mir, durch nachträgliche Präparation noch Reste der ab- 
gelösten, gegliederten äussersten Theile bloszulegen , welche also 
auch hier nicht fehlen ; nur der vorderste kurze Strahl, der sich an 
den ersten starken und langen anlegt, ist völlig ungegliedert und 
vielleicht auch unpaarig. 

Der Träger der zweiten Dorsalis zeigt keine Besonderheiten 
und liegt, wie stets bei Coelacanthinen, ziemlich weit von der hier 
nur fragmentarisch erhaltenen äusseren Flosse entfernt; der Zwischen- 
raum ist durch ein knorpeliges Flossenskelet zu ergänzen. 

Von der Analis ist nur der Träger (Taf. X, Fig. 1), von den 
beiden Ventral flössen sind Reste des Beckens und der Flossen- 
lappen erhalten, welche in ihrer Unvollständigkeit nichts Bemerkens- 
wertes bieten (Taf. IX); von den Strahlen der Pectoralis sieht 
man einige Abdrücke auf der Schwimmblase. 

Von der grossen Caudalis haben wir dorsal und ventral die 
interspinalen Flossenträger schon erwähnt, deren Angliederungsstelle 
an die Neurapophysen aber sowohl durch die Schuppenbedeckung 
hindurch deutlich ist, wie sie auch — da hier die Knochenhülle am 
schwächsten ist — häufig durch ein Trümmerwerk von Knochen- 
splittern gekennzeichnet ist (besonders an dem Dorsallappen auf der 



[3] Coelacanthus Lunzensis Teller. "[gg 

Hauptplatte). Die äusseren Flosseiistrahleii der Caudalis sind oben 
und unten nur in ihren basalen Enden erhalten. 

Der Körper ist bedeckt mit dünnen Schuppen, deren Ueber- 
deckungslinien man nicht beobachten kann; die Höhe zur Länge des 
sculpturirten Feldes beträgt am hinteren Ende der Leibeshöhle etwa 
12:10 mm] daselbst ist auch die Sculptur am besten zu erkennen, 
wobei zu bemerken ist, dass allen Anzeichen nach eine wesentliche 
Aenderung hierin an der übrigen Körperoberfläche nicht eintritt; 
die Sculptur besteht aus 36—42 dichtgedrängten, gleichmässig breiten, 
langwurmförmigen Dentin-Emailwülstchen, welche zwar nicht durch- 
gängig die ganze Länge des Sculpturfeldes einnehmen, aber doch 
beinahe; hie und da sind Einschaltungen und seltener Verzweigungen 
zu sehen. Die Beschuppung erstreckt sich natürlich auch auf den 
erhaltenen Flossenlappen der zweiten Dorsalis. 

Zwischen dem in zwei getrennten Stücken erhaltenen Kopf und dem 
Körper ist eine Lücke in der Platte, welche auf der rechten Körperseite 
durch die Gebilde des Kiemenapparates ausgefüllt ist; ßeste der 
Clavicula finden sich, wie erwähnt, auf der Hauptplatte und einem 
vereinzelten, schwierig zu orientirenden Theil der Gegenplatten. 

Das dorsale Fragment des Schädels enthält Parietal- und 
Frontalregion, welche sehr zerdrückt ist. Fragmente der beiderseitigen 
Parietosquamosa zeigt die Skizze Taf. X, Fig. 2 im Ausguss 
nach dem Gesteinsabdruck der Aussenseite und der Knocheninnen- 
fläche selbst; erstere zeigt die spitzig-körnige Sculptur, welche in 
Natur etwas dichter gedrängt ist, letztere die Ossificationsstrahlen 
der Knochenbasis; auch das lange Frontale (Taf. IX) ist in gleicher 
Weise mit ziemlich dicht gedrängten kleinen Schmelztuberkeln besetzt; 
an der Unterseite dieses Dorsalstückes des Schädels zeigt sich noch 
im Längsbruch das Parasphenoid. 

Das zweite ventrale Bruchstück des Schädels konnte von beiden 
Seiten präparirt werden; es zeigt Theile des Kiefer-, Gaumen- und 
Kehlapparates; da die rechte Seite gegen die linke etwas nach hinten 
verschoben ist, so zeigt diese etwas mehr vorne liegende Theile, 
die linke dagegen noch Theile des Kiemendeckels und der ventralen 
Schultergürtelendigung (Infraclavicula). Wir beschreiben zuerst die 
rechte Seite unter Einbeziehung der gleichartigen Gebilde der linken 
Flanke (Taf. X, Fig. 3). 

Oben erkennt man sofort das vom Unterkiefer etwas über- 
schobene Pterygo Suspensorium mit seinem vorderen Quadrat- 
kiel; der hintere Muskelkiel fehlt; auf der Gegenseite, Taf. X, 
Fig. 3, ist diese Region erhalten, dagegen unter der Ueberdeckung 
mit Resten postorbitaler Dermalgebilde undeutlich. 

Die Mandibel liegt auf der rechten Seite hinten nicht bis 
zum Gelenk vor, dagegen vorne bis zum Beginn des Dentale-Lifra- 
dentale mit der eigenthümlichen Erhebung des ersteren zur Auf- 
lagerung der hier nicht erhaltenen bezahnten vorderen Splenial- 
plättchen, welche man zur Unterscheidung von dem hinteren grossen 
„Spleniale" mit Traquair am besten Dentalia interna nennt 
(yergl. auch meine Figurenbezeichnungen in: „Zur Osteologie der 
Coelacanthinen. L Theil. Dissertation 1888 [bezw. 1892]). 

25* 



190 Dr. Otto M. Reis. [4] 

Was vom Unterkiefer daher hauptsächlich vorliegt, ist das 
grosse Angulo-Articulare; es zeigt in der hinteren Hälfte vor 
dem Gelenk eine feine, runzelig-strahlige, nach oben vorne und unten 
divergirende Oberflächensculptur, welche, wie es scheint, nur der 
Knochenbasis angehört, nach vorne sitzen auf dieser deutliche 
Schmelzdentintuberkel auf. Die gleiche Sculptur besitzt das dem 
Unterkieferrand hart an- und aufgelagerte grosse Jugulare, das 
nur in seiner oberen Hälfte in Substanz erhalten ist; die untere 
Hälfte ist theils abgebrochen, theils im Abdruck der Innenfläche zu 
erkennen. 

Auf der linken Seite, Tai. X, Fig. 3, ist das Jugulare noch viel 
fragmentarischer; dagegen reicht hier das Angulo-Articulare über das 
Quadratgelenk hinaus bis zum hinteren Abschluss; so kommt es, dass 
hier ein Theil des p e r c u 1 u m und das I n f r a c 1 a v i c u 1 a r e nach 
vorne verschoben sichtbar werden, 

Ueber der Mitte des Angulo-Articulare und unter seinem Oberrand 
hervortretend, gelang es mir, noch ein weiteres Gebilde (Taf. IX) mit 
glatter Oberfläche bioszulegen, das seiner Lage und Gestaltung nach 
ganz unzweideutig ein für die Coelacanthinen charakteristisches 
Gebilde und ein, wie mir scheint, für ihre Systematik bezeichnendes 
Knöchelchen ist; ich habe es zuerst nach Huxley mit dem neu- 
tralen Namen Postmaxillare bezeichnet, welcher blos seine Lagerung 
andeuten soll. Ich fand diesen Knochen stets im Zusammenhang mit 
einem völlig auf der Unterkiefer-Innenfläche liegenden Gebilde, das 
ich ebenso nach seiner Lagerung hinter dem oben berührten be- 
zahnten Postspleniale bezeichnet habe. Nachdem ich aber dem Vorgang 
Traquair's gefolgt bin und diese schon oben erwähnten Plättchen 
als Dentalia interna (vergl. Dissertation) anführte, blieb der Name 
Spleniale auf das von mir Postspleniale bezeichnete und von Huxley 
mit den vorderen Splenialplättchen als einheitlich betrachtete Gebilde 
beschränkt, und habe ich so auch den Namen des sich an das Sple- 
niale anschliessenden Gebildes geändert; ich habe das Gebilde zugleich 
vergleichend anatomisch bezeichnet, indem ich es mit dem Coronoid 
der älteren Fisclitypen etc. verglich (vergl. 1. c. Dissertation S. 36, 
Erkl. zu Taf. I, Fig. 2 u. 3, und S. 37, Erkl. zu Taf. II, Fig. 13, 
endlich S. 39 unter cor, PM und Spl.). Zu diesem Vergleich sind 
die Diagramme 1. c. Taf. II, Fig. VSa,b und c herzugezogen, welche 
darthun, dass der eigenartige Lippenknorpel von Polypterus zu dem 
Spleniale dieselbe Lage einnimmt, wie der knorpelige Coronoid- 
fortsatz des Meckelschen Knorpels zum dermalen Coronoid-Spleniale 
bei Lepi(/osf,eus, dass derselbe also nur als ein mit dem Meckelschen 
Knorpel verschmolzener und von einem Supraangulare von aussen 
bedeckter „praeoraler" Knorpel erscheint. Die Beziehung des „prae- 
oralen" Muskels (der an dem Lippenknorpel seine Stütze hat) zum 
grossen Adductor bei den Haien und die dieses Muskels zu dem 
Kronenfortsatz der dermalen Kieferknochen bei Ganoiden lassen es 
durchaus als wahrscheinlich erscheinen, dass hier im Mundwinkel 
eine Verschmelzung von oralen und praeoralen Knorpelelementen nebst 
ihren inneren (bezahnten) und äusseren (tuberkulirten) Belegknochen 



[5] Coelacanthus Lunzensis Teller. 191 

eingetreten ist; nacli meiner Ansicht hat die Maxillarreilie mit den 
praeoralen (Lippen-) Knorpeln gar nichts zu thun ^). 

Das praeorale Coronoid, das auf der Aussenseite, wie erwähnt, 
stets glatt ist, erweist sich also als ein Belegknochen der Mundhöhle; 
denselben Charakter zeigt es auch im vorliegenden Falle. In seiner 
Form erinnert es am meisten an das Coronoid von Coccoderma gigns 
Reis, (wobei ich gleich betonen muss, dass ich diese Art nicht mehr 
zu Coccoderma rechnen kann). Der mehr plattige Untertheil ist aller- 
dings nicht sichtbar, jedoch zeigt sich die obere starke Randrippe 
sehr deutlich; die mediane kantige Erhebung ist bedeutend stärker 
und etwas nach vorne über derselben eine schwach plattige Ver- 
breiterung sichtbar, wie bei der jurassischen Gattung Lihijs (vgl. 
meine Monographie : Palaeontographica XXXV, Taf. III, Fig. 18 und 
Fig. 1 PM). 

Was die Gattungszugehörigkeit betritft, so kann die 
Bezeichnung als Coelacanthus nur als eine provisorische gelten; wie 
ich von Coelacanthus s. sfr. die Gruppe um Coelac. elegans Neicb. als 
Rhahdoderma abgetrennt habe 2), so würde ich auch vorliegende Art 
von Coelacanthus trennen ; es ist kein Zweifel, dass sie zu den ju- 
rassischen Gattungen in näherer Beziehung steht, als zu den Gattungen 
nächst älterer Formationen, jedoch ist einerseits das vorliegende 
Exemplar zu fragmentarisch, und sind andererseits auch die ju- 
rassischen Gattungen noch in vieler Hinsicht zu wenig bekannt, um 
die systematischen Abstände klarer definiren zu können. 



*) Während sonst durch die grosse Ausdehnung der zahntragenden maxillaren 
und dentalen Randknochen bis fast zum Quadratgelenk diese (praeoralen) Gebilde 
sehr nach hinten zusammengedrängt sind, erreichen sie bei den Coelacanthinen bei 
sehr reducirter Entwicklung der obigen Randknochen und ausserordentlich langen 
Kiefern die Möglichkeit einer freien Ausdehnung und selbständigen anormalen 
Entwicklung gemäss ihrer ursprünglich von den Kiefern unabhängigen Anlage. 

^) Es ist kein Zweifel, dass, wenn man die Gattung Makropoma aufrecht 
erhält, man auch das Gleiche bei Rhahdoderma etc. thun muss; der Systematiker 
der Zukunft wird wahrscheinlich, um die Verhältnisse richtig auszudrücken, nur 
eine Gattung gelten lassen und die übrigen Gruppen als Untergattungen anreihen. 



192 Dr. Otto M. Reis. [6] 



EikLäriiiig zu Tafel IX und X. 

Tafel IX. 

Coelacanthus- Ltinzensis Teller. Gesanimtbild des Fundstü'ckeS'; zwei Drittel 
der nalürlichen Grösse. 



Tafel X. 



Fig. 1. Ventrale Hälfte des Schwanzes von Coelacanthus Lioizensis , welche 
in Taf. IX nur im Gesteinsabdruck vorhanden ist (natürliche Grösse). 

Fig. 2. Skizze nach einem Abdruck der Aussenseite, bozw. der Innenfläche 
der Parietosqiianiosa von Coelacaiithuf; Lunzensis. 

Fig. 3. Linke Flanke des Schädels, bezw. seines ventralen Gaumen-Kiefer- 
anhangs (in natürlicher Grösse) von Coelacanthus Lunzensis. 



Sammlung der k. k geologischen Reichsanstalt in Wien. 



Die Herkunft der Moldavite und verwandter 

Gläser. 

Von Dr. Franz E. Suess. 

Mit acht Lichtdrucktafelu (Nr. XI [IJ— XVIII [VIIIJ) und 60 Zinkotyiden im Text. 



Einleitung. 

Im Sommer des Jahres 1898 führte mich die seit Jahren im 
krystallinisclien Gebiete von Westmähren fortgesetzte Aufnahmsthiltig- 
keit in das Fundgebiet der Moldavite der Umgebung von Trebitsch. 
Hier wurde ich beim Besuche der reichen Privatsammlung des Herrn 
herrschaftlichen Wirtschaftsinspectors Ernst Hanisch zuerst auf- 
merksam auf die merkwürdigen Gestalten der racährischen Moldavite, 
welche, dank des regen Sammeleifers des genannten Herrn, in 
grosser Zahl vorlagen. Die eigenthümliche Oberflächensculptur, welche, 
verbunden mit der tiefschwarzen Farbe der Stücke, eine freilich in 
.gewissem Sinne blos äusserliche Aehnlichkeit mit Meteorsteinen her- 
vorruft, war in den vielen Aufsätzen, welche die Frage der Herkunft 
dieser sonderbaren Gläser zum Gegenstande hatten, nur wenig be- 
achtet worden. Durch sie wurde ich auf dem Wege einer einfachen 
Ideenverbindung auf die im folgenden dargethane Deutung des Räthsels 
gebracht. 

Weitere Literaturstudien belehrten mich über das Vorkommen 
ähnlicher Gläser auf weiten Strecken des australischen Continents 
und auf mehreren Inseln des Sunda-Archipels. In seinem hochwichtigen 
Aufsatze über die „Glaskogels van Billiton" hatte D. M. Verbeek 
zum erstenmale die kühne Theorie vom ausserirdlschen Ursprünge 
der moldavitartigen Gläser in bestimmter P'orm ausgesprochen ; das 
bestärkte meinen Muth zu den Mittheilungen „über die Herkunft der 
Moldavite aus dem Welträume", welche ich am 6. November 1898 
in der Sitzung der naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften und am 6. December desselben Jahres 
in der Sitzung der geologischen Reichsanstalt vorgebracht habe und 
welche dahin endigten, dass man sich werde entschliessen müssen, 
den bisher bekannten Gruppen der Meteoriten noch eine neue Gruppe, 
die der „Moldavite", anzureihen. 

Da die Stücke von den drei bisher bekannten Fundgebieten 
moldavitischer Gläser im allgemeinen durch Merkmale der äusseren 
Gestalt und zum Theil auch durch die chemische Zusammensetzung 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 



194 Dr. Franz E. Siiess. [2] 

unterscheidbar sind, hat es sich bei den im folgenden Aufsatze wiec er- 
holt nöthigen Hinweisungen und Vergleichen als zweckmässig herrus- 
gestellt, die einzelnen Vorkommnisse mit besonderen Namen zu be- 
legen, welchen aber nicht die Bedeutung von Mineralspecies zu- 
kommen soll. Sowie die Moldavite schon seit langem von ihrem 
Auftreten im Gebiete des Moldauflusses der Umgebung von Budweis 
ihren Namen tragen, habe ich die Vorkommnisse des Sunda-Archipels 
von ihrem Hauptfundpunkte, der Zinninsel Billiton, als „Billitonit e" 
und die Vorkommnisse des australischen Continents und der südlich 
vorgelagerten Inseln als „ A u s t r a 1 i t e " bezeichnet. 

Als gemeinschaftlichen Namen für die ganze Gruppe habe ich 
naßh der Eigenschaft der Körper, welche im Gegensatze zu den 
übrigen Meteoriten gänzlich durchgeschmolzene Massen sind, die Be- 
zeichnung „Tektite" gewählt. (T/,/-£tv, schmelzen von Metallen und 
anderen harten Massen; t'/ix-to?, geschmolzen). 

Es wäre mir nicht möglich gewesen, die vorliegend zusammen- 
fassenden Studien durchzuführen, ohne die reichliche Unterstützung, 
welche mir von den verschiedensten Seiten zutheil geworden ist. 
In erster Linie bin ich jenen Herren zu grösstem Danke verpflichtet, 
welche mir das Material aus ihren Sammlungen in gütigster Weise 
geliehen haben. 

Se Durchlaucht Fürst Adolf Josef zu Schwarzenberg stellte 
mir seine zu tausenden von Stücken zählende Sammlung von Molda- 
viten der Budweiser Gegend zur Verfügung ; weitaus der grösste Theil 
des mir zu Gebote stehenden Materiales geiiörte dieser Sammlung an. 

Mit reichem Materiale der Umgebung von Trebitsch wurde ich 
durch Herrn herrschaftlichen Inspector E. Hanisch versehen, welcher 
mir seine ganze Sammlung in freundlichster Weise überlassen hat. 
Eine weitere Suite von sehr bemerkenswerten, von ihm selbst ge- 
sammelten Formen aus Mähren, hat mir Herr Prof. Dr. F. Dvorsky 
in Brunn zum Zwecke meiner Studien zugeschickt. 

Weitere Moldavite, meist von böhmischen Fundorten, konnte 
ich durch die Güte der Herren Professoren J. N. Woldrich und 
C. Vrba von der böhmischen Universität und Herrn Professor 
V. Uhlig von der deutschen technischen Hochschule in Prag aus 
den Sammlungen der betreffenden Institute entlehnen ; durch die 
Freundlichkeit des Herrn Directors Prof. F. Berwerth standen mir 
die zahlreichen Exemplare der mineralogischen Sammlung des natur- 
wissenschaftlichen Hofmuseums in Wien zu Gebote. 

Einzelne Stücke erhielt ich noch durch Herrn Professor Dr. G. 
A. Koch von der Hochschule für Bodencultur in Wien und aus den 
privaten Mineraliensammlungen der Herren Dr. P\ Perle p, em. Hof- 
und Gerichtsadvocat, und Professor K. Kürschner in Wien. 

Von besonderem Werte war es mir, einige Stücke von 
den aussereuropäischen Vorkommnissen zum Vergleiche für meine 
Studien heranziehen zu können. Eine Anzahl von Billitonkugeln er- 
hielt ich durch Herrn Professor K. Martin vom Reichsmuseum in 
Leiden, von Herrn Professor li. v. Beck aus der Sammlung der 
Bergakademie in Freiberg und aus der Sammlung des Herrn Dr. 
F. Perle p in Wien. 



[3] Die Herktint't clor Moldavite und verwandter Gläser. 195 

Die von S t e 1 z n e r beschriebenen australischen Bomben hatte 
ic-li durch die Freundlichkeit des Herrn Professor II. Beck Gelegen- 
heit, in Freiberg selbst in Augenschein zu nehmen; auf meine Bitte 
Hess Herr Professor Beck einige neue Photographien von der merk- 
würdigen Hohlbombe vom Kangaroo Island herstellen. 

Einige Stücke vom Kalgoorlie Goldfelder-District, West-Australien, 
erhielt ich durch Herrn li. H. Walcott vom Technological Museum 
in Melbourne und Herr J. Co 11 et Moulden in Broken Hill über- 
sandte mir die Photographien von mehreren Stücken seiner grösseren 
Sammlung von australischen Bomben, nebst wertvollen brieflichen 
Mittheilungen über das Vorkommen derselben. 

Ueber das angebliche Vorkommen von Moldaviten in der Auvergne 
hatte ich mich bei Herrn Paul Gautier in Clermont-Ferrand erkundigt 
und durch seine Güte die gewünschte Auskunft nebst den Proben der 
kleinen Obsidiankörner und der zugehörigen Tuffe erhalten. 

Durch die Freundlichkeit der Herren Custos Szombathy und 
Dr. Moriz Hoernes war es mir gestattet, aus der prähistorischen 
Sammlung des naturhistorischen Hofniuseums alte Glasperlen und 
Obsidiausplitter als Vergleichsmateriale zu entlehnen. 

Herr Eegierungsrath C. v. J o h n hatte auf meine Bitte die 
Güte, einige Analysen von Moldaviten, sowie von je einem Billitonit 
und einem iVustralit vorzunehmen. Herr A. Rosiwal prüfte zwei 
Moldavitstücke auf ihre Härte und bei mancherlei Versuchen im 
chemischen Laboratorium ist mir Herr C. F. Eichleiter in freund- 
schaftlichster Weise zur Seite gestanden. 

Herrn Professor F. E x n e r verdanke ich die Resultate einer 
spectralanalytischen Untersuchung von Moldavit- und Glassplittern. 

Auch meine Bestrebungen, die Moldavitsculptur auf experi- 
mentellem Wege nachzuahmen, wurde von verschiedenen Seiten ge- 
fördert. Herr Generalingenieur Philipp Hess Hess auf mein Ansuchen 
in der technologischen Section des technischen Militär- Comites einige 
Versuche über die Wirkung von Explosionen auf Metallkörper vor- 
nehmen. Vieles verdanke ich in dieser Hinsicht dem mir in gütigster 
Weise ertheilten Belehrungen von Autoritäten, wie Professor E. Mach 
und Oberst Albert von Obermayer. Spätere Experimente an Colo- 
phoniumkörpern wurden in der Cementfabrik meines Bruders Ado If 
zu Witkowitz in Mähren vorgenommen. 

Herr Professor E. Abbe in Jena veranlasste einige Versuche 
über die Möglichkeit, die Moldavite künstlich herzustellen, welche 
durch Herrn Director 0. Schott im glastechnischen Laboratorium 
daselbst durchgeführt worden sind. Herr Professor J. Walther 
hatte die Güte, mir die Resultate der Experimente mitzutheilen. 

Durch das liebenswürdige P]ntgegenkommen des Herrn Julius 
A. Reich war mir die Gelegenheit geboten, einige Experimente über 
die Schmelzbarkeit von Moldaviten in der Glasfabrik von S. R e i c h & Co. 
zu Krasna bei Wallachisch-Meseritsch in Mähren durchführen zu lassen. 

Auf meinen Excursionen im mährischen Aufnahmsgebiete war 
mir Gelegenheit geboten, unter der Führung der ortskundigen Herren 
Inspector E. Hanisch und Lehrer F. Zavrel die Fundstellen der 
Moldavite genau kennen zu lernen. Was das Budweiser Fundgebiet 

Jahrbucli d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1900, 50. Baud, 2. lieft (Fr. E. Suess.) 26 



196 Dl'- Franz E. Suess. [4] 

betrifft, erhielt ich genaue Aufschlüsse durch den Herrn fürstl. 
Schwarzenberg'schen überingenieur Jul. Brabetz in Kruniau und 
auf einer Excursion zu den Fundstellen von Prabsch und Korosek 
hatte Herr Hauptmann a. 1)., Adolf Lindner, Conservator des 
städtischen Museums in Budweis, in liebenswürdigster Weise die 
Führung übernommen. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, allen genannten Herren für 
die meinen Untersuchungen geleistete Unterstützung an dieser Stelle 
meinen wärmsten und verbindlichsten Dank auszusprechen. 



Literatur ^). 

I. Europäische Fuiidpunkte. 

L 1787. Josef Mayer. Ueber die böhmischen Gallmeyarten, die 
grüne Erde der Mineralogen, die Chrysolithen von Thein und 
die Steinart von Küchel. Abhandlungen der böhmischen Gesell- 
schaft der Wissenschaften auf das Jahr 1787. Prag und Dresden. 
1788. S. 265—268 (§ III. Chrysolithen von Thein). 

2. 1792. Johann Thaddäus Lindaker. Einige Nachträge und Zu- 
sätze zu den böhmischen Topasen und Chrysolithen, in: Sammlung 
physikalischer Aufsätze, besonders die böhmische Naturgeschichte 
betreffend, von einer Gesellschaft böhmischer Naturforscher; 
herausgegeben von Dr. Johann Mayer. Dresden. Zweiter Band.- 
1792. S. 272 (2. Beitrag zur Geschichte der böhmischen Chryso- 
lithe und ähnlicher so benannter Steinarten). 

3. 1816. Klaproth. Chemische Untersuchung des Pseudo-Chryso- 
liths von Thein an der Moldau. Der Gesellschaft naturforschender 
Freunde zu Berlin Magazin. VII. Jahrgang. Berlin. 1816. 
S. 86—88. 

4. 1823. August Breithaupt. Vollständige Charakteristik des 
Mineral-Systems. Dresden, in der Arnold'schen Buchhandlung. 
1823. S. 223-224. 

5. 1826. Caspar Graf Sternberg. Rede des Präsidenten in der 
öffentlichen Sitzung des böhmischen Museums am 15. März 1826. 
Verhandlungen der Gesellschaft des vaterländischen Museums 
Prag. S. 42. 

6. 1831. F. M Zi])pe. Uebersicht der Gebirgsformationen in 
Böhmen. Abhandlungen der l)öhniischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften. Prag. S. 72. (Auch 1836. Böhmens Edelsteine. Aus 
den Vorträgen bei der 1. Jubelfeier am 14, September 1836, 
ebenda. Neue (4.) Folge. 4. Band. S. 26 und 49.) 



^) Bios referirende Aufsätze jüngeren Datums in Tagesblättein oder natur- 
wissenschaftlichen Zeitschiiften wurden in dieses Literaturverzeichnis nicht auf- 
genommen. 



["5] nie Herkunft der Moldavite und verwandter Glaser. 197 

7. 1832. O.L. Erdmann. Cliemische Untersuchung einiger Obsidiane 
des Sphäroliths und eines ähnlichen Minerals, des Pechsteines 
oder Perlsteines. Journal für technische und ökonomische Chemie. 
Leipzig. XV. Bd. 1832. S. 35. 

8. 1840. F. M. Zippe. Die Mineralien Böhmens nach ihren 
geognostischen Verhältnissen und ihrer Aufstellung des vater- 
ländischen Museums geordnet und beschrieben. Verhandlung der 
Gesellschaft des vaterländischen Museums, Prag. Beilage B. 

9. 1848. E. F. Glocker. Ueber die ursprüngliche Lagerstätte des 
chrysolithartigen Obsidians. Poggendorfs Annalen, 1848. 
Bd. 75. S. 458. 

10, 1854. K. V. Hauer. Bouteillenstein (Obsidian) von Moldawa in 
Böhmen. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1854. S. 868. 

11, 1873. R. Helmhacker. Mineralogische Beobachtungen aus dem 
Böhmerwalde. T s c h e r m a k's Mineralogische Mittheilungen. 
Beilage z. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1873. S. 281. 

12« 1880. Fr. v. Hauer. Bouteillenstein von Trebitsch. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A. 1880. S. 282. 

13. 1880. A. Wenzliczke. Chemische Analyse des Bouteillensteins 
von Trebitsch in Mähren. Verhandlungen des naturwissenschaft- 
lichen Vereines Brunn. Bd. XIX. Abhandlungen S. 9. 

14. 1881. A. Makowsky. Ueber den „Bouteillenstein" von Trebitsch. 
Verhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereines Brunn. 
Bd. XX. Sitzungsberichte S. 21 und Weitere Bemerkungen über 
den „Bouteillenstein" ebenda S. 26. 

15. 1881. J. Hab ermann. Chemische Analyse des „Bouteillen- 
steines" ebenda S. 21 und Weitere Bemerkungen über den 
„Bouteillenstein" ebenda S. 26. 

16. 1882. A. Makowsky. Ueber die Bouteillensteine von Mähren 
und Böhmen. Tschermak's Mineralogische Mittheilungen. (Neue 
Folge). Bd. IV. 1881. S. 43. 

17. 1882. A. Sehr au f. Beiträge zur Kenntnis des Associationskreises 
der Magnesiasilicate. Zeitschrift für Krystallographie. Bd. IV. 
S. 345. Anmerkung. 

18. 1883. F. Dvorsky. Die am Iglavaflusse abgesetzten Moldavit- 
Quarzgerölle. Ein Beitrag zur Bouteillensteinfrage. Programm 
des Gymnasiums in Trebitsch. 1883. (Referiert Verhandl. d. 
k. k. geol. R.-A. 1883. S. 219.) 

19. 1885. Rutley Frank. On Fulgurite from Mont Blanc, with a Note 
on the Bouteillenstein or Pseudochrysolite of Moldauthein in 
Bohemia. Quaterly Journal of the Geolog. Society. London. 
1885. p. 152. 

20. 1886. J. N. Woldf ich. Ueber das Vorkommen einiger Mineralien 
in Südböhmen. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886. S. 455. 

21. 1888. J. N. Woldrich. Ueber Moldavite von Radomilic. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A. 1888. S. 164. 

26* 



19S r)r. Franz E. Sr.ess. |"6] 

22. 1889. C. Y. J li 11. Ueber den Moldavit oder Bouteillensteiii von 
Radoniilic in Böhmen. Jahrb. d. k k. geol. R.-A. 1889. Bd. 39. 
S. 473. 

23. 1892. Bob. Erben. Moldavit. Naturwissenschaftliche Zeitschrift 
„Vesmlr". Prag 1892. Jahrg. XXI. S. 123. (Böhmisch, referirt 
von J. J. Jahn. Verhandl d. k. k. geol. R.-A. 1893. S. 85). 

24. 1893. J. H anamann. povaze oeskeho vltavlnu. (Ueber den 
Charakter des böhmischen Moldavits). Böhmische Zeitschrift für 
chemische Industrie. Prag. Jahrg. III, S. 365. (Referirt von 
J. J. Jahn. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1894. S. 194.) 

25. 1893. J. N. Woldi-ich. PKspövek k seznänf budöjovicke pänve 
permske a tfetfhornl (Beitrag zur Kenntnis des perniischen und 
terticären Beckens von Budweis). Sitzungsbericht der böhmischen 
Gesellschaft der Wissenschaften. Prag. IV. (Mit einem deutschen 
Resume. S. 11.) 

26. 1897. A. Rzehak. Zur Geschichte des Glases in Mähren. Mit- 
theilungen des mährischen Gewerbe-Museums. Briinn. 1897. 
Nr. 9. S. 69. 

27. 1899. Fr. Dvorsky. vltavüiech moravskych. (Ueber die 
mährischen Moldavite.) Museum Francisceum, Annales. Brunn. 

1898. pag. 55. 

28. 1898. Fr. E. Sues's. Ueber die Herkunft der Moldavite aus dem 
Welträume. Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissen- 
schaften. Wien. Nr. XXIV. S. 2. 

29. 1898. Fr. E. Suess. Ueber den kosmischen Ursprung der Mol- 
davite. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1898. S. 387. 

30. 1898. J. N. Woldfich. Pffspevek k otäzce o vltavinech. (Ein 
Beitrag zur Moldavitfrage.) Vestnlk Ceske Akademie cisafe 
Frantiska Josefa, 1898. Jahrg. VII. pag. 643. (Deutsches llesume 
ebenda.) 

31. 1898. A. Rzehak. Ueber die Herkunft der Moldavite. Verhandl. 
d. k. k. geol. R-A. 1898. S. 415. 

32. 1899. J. J. Jahn. vltavinu. (Ueber Moldavit.) Casopis pro 
prümysl chemicky, Prag. IX. 1899. 

.33. 1899. J. J. Jahn. lieber das Vorkommen der Moldavite in den 
nordböhmischen Pyropensanden. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 

1899. S. 81. 

34. 1899. C. V. John. Ueber die chemische Zusammensetzung der 
Moldavite. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1899. S. 179. 

35. 1899. A. Rzehak. Eine neue Art Meteoriten? „Prometheus", 
illustrirte Wochenschrift über die Fortschritte in Gewerbe, 
Industrie und Wissenschaft. Berlin. Jahrg. X. S. 369. 

30. 1899. Jos. Bares. Ilornini archaickeho ütvaon a vltavin (Gesteine 
der archäischen Formation und Moldavit). Casopis pro prumysl 
chemicky. Jahrg. IX. 1899. pag. 118—123. Ferner PoUMuik 
zwischen Slavik und Bares über den (Gegenstand, ebend. 
pag. 223-225 und 2r)4— 266. 



[7] Hio TTerkiinft dor Moldavito und verwandter Gläser. 199 

11. Vorkoiinuiiisse im SuiHla-Ai'cliipel. 

87. 1844. A. Damoiir. Sur uiie obsidienue de Tlnde qui a eclate 
avec detoiiation. au moment oü on la sciait. comm. par Dufrenoy. 
Paris. Conipt. rendus 1844. I. Vol. XIII. p. 4. 

8S. 1S7U. r. van Dijk. Obsidiaau van Billiton. Jaarboek van het 
Mijnwesen in Nedeiiandisli Oostindie. Amsterdam. 1879. II. 
S. 225. 

89. 1880. C. deGroot. Referat über obigen Aufsatz. Indische Gids. 
1880. S. 495—496. 

40. 1881. K. Martin. Referat über van Dijk. Neues Jalirbuch für 
Mineralogie. 1881, II. S. 380. 

41. 1882. Wichmaun. Beiträge zur Geologie Ostasiens und Austra- 
liens. Gesteine von Timor. Sammlungen des geologischen Reichs- 
museums Leiden. Bd. II. 1882. S. 22 u. 23. Anmerkung. 

42. 1893. A. Wichmann. Protokoll der Sitzung der deutsehen 
geologischen Gesellschaft, 14. August 1893. Zeitschrift der 
deutschen geologischen Gesellschaft. S. 518. 

48. 1897. R. D. M. Verbeek. Over Glaskogels van Billiton. Verslagen 
van de vergadering der Wis-enNatuurkundige Afdeeling; Koniglijke 
Akademie van Wetenschapen. Amsterdam. V. Deel. 1897. S. 421. 

44. 1897. R. Ü. M. Verbeek. Glaskogels van Billiton. Jaarboek 
van het Mijnwesen in Nederlandish Oostindie. Amsterdam. 
XX. Jahrg. 1897. S. 235 

45. 1898. P. G. Krause. Obsidianbomben aus Niederländisch-Indien. 
Sammlungen des geologischen Reichsmuseums. Leiden. Serie L 
Bd. V. S. 237. 

111. Australische Vorkommnisse. 

4(). 1844. Ch. Darwin. Geological observations on Volcanic Islands 
etc. London, pag. 38. (2d Edition 1876) pag. 44. 

47. 1855. R. W. B. Clark e. On the occurence of Obsidian 
Bombs in the auriferous alluvia of New-South-Wales. Quart. 
Journ. of the Geol. Soc. London. Vol. XI. p. 403. 

48. 1857. R. W. B. Clarke. Additional Note on the occurence of 

Volcanic Bombs in Australasia [Abstract]. Quart. Journ. of the 
Geol. Soc. 1857. p. 188. 

49. 1893. V. Streich. Geology (in Scientihc Results of the Eider 
exploring expeditiou.) Transact. of the Royal Society of South 
Australia. Adelaide. Vol. XVL Part. II. pag. 84 u. 10(5. 

50. 1893 A. W. Stelzner. Ueber eigenthümliche Obsidianbomben 
aus Australien. Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 
1893. S. 299. 

51. 1895. J. C. Moulden. Petrographical observations upon some 
South Australian rocks. Transact. Royal Soc. of South Australia. 
Adelaide. Vol. XIX. Part. I. pag. 77.' 



200 I>i'- f^ranz E. Siiess. [8] 

52. 1898. W. H. Twelvetrees and W. F. Petterd. Tlie igneous 
rocks of Tasiuania, Transact. of the Australasian Institute of 
Mining Engineers. Vol. V. 1898. pag. 10. 

53. 1898. W. H. Twelvetrees and W. F. Petterd. On tlie 
occurence of Obsidian „Buttons" in Tasmania. Papers and Procee- 
diugs of the Royal Soc. of Tasmania for 1897 (issued April 
1898) p. 40. 

54. 1898. T. Stephen s. Notes on a Specimen of Basalt Glass (Tachylyte) 
from near Macquarie Plains Tasmania, with remarks on Obsidian 
„B^ittons". Papers and Proceedings of the Royal Soc. of Tas- 
mania for 1897 (issued April 1898) p. 55. 

55. 1898. R. H. Wale Ott. The occurence of so called Obsidian 
Bombs in Australia. Royal Soc. of Victoria. Vol. XI, (New 
Series). Pt. I. (issued September 1898). pag. 23. 

Die weiteren Angaben über kleinere gelegentliche Mittheilungen, 
betreifend die Australite , sind in dem Aufsatze von W^alcott 
entlialten. 



I. Geschichtliches. 

1. Europäisclie Vorkomniiiisse. 

Schon vor mehr als hundert Jahren haben die sonderbaren 
Glasfindlinge Südböhmens die Aufmerksamkeit einzelner Forscher auf 
sich gelenkt und die Frage nach ihrer Herkunft ist bereits ein recht 
altes Räthsel, das aber trotz wiederholter Versuche und trotz vielen 
Aufwandes von Scharfsinn und Mühe durch lange Zeit eine be- 
friedigende Lösung nicht erfahren konnte. 

Die erste Nachricht betrifft die Vorkommnisse der Umgebung 
von Budweis und ist in den Scliriften der böhmischen Gesellschaft 
der Wissenschaften für das Jahr 1787 enthalten (1). Sie stammt vom 
Professor Josef Mayer, der eben damals sein Lehramt in Prag mit 
dem an der Universität zu Wien vertauscht hatte. ^) Er zählte die 
Findlinge zu den Chrysolithen und unterschied bei der Aufzählung 
der böhmischen Chrysolithen zweierlei Arten; solche, welche in 
starker Hitze die Farbe verändern und nicht in Fluss gebracht 



^) Josef Mayer, geb. zu Prag 5. Juni 1752, gründete zusammen mit seinem 
Bruder, dem berühmten Arzte Johann May]er, das erste Naturaliencabinet in 
Prag, 1782 über Kaunitz' Befürwortung von Kaiser Josef auf Reisen geschickt, 
besuchte er die Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich. Nach seiner Rück- 
kehr erfolgte die Gründung eines officiellen Naturaliencabinets in Prag und 
1784 wurde er Adjunct an demselben und 1785 erhielt er die erste Professur für 
Naturgeschichte, physikalische Erdbeschreibung und Technologie. 1787 nach Wien 
berufen, konnte er 1800 auf seine Bitte nach Prag zurückkehren. 1812 ging er 
abermals auf eigenen Wunsch nach Wien zu den Verwandten seiner Frau. Hier 
zum Kector gewählt, starb er als solcher am 14. October 1814. — Von seiner im 
Jahre 1786 veröffentlichten Abhandlung über das Leuchten des adriatischen Meeres 
(Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1786) hat 
P'ranklin in Nordamerika eine Uebersetzung veranstaltet. Um die Porzellan- 
fabrikation in Böhmen hatte er sich grosse Verdienste erworben. 



lyi Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 201 

werden können, und solche, die vor dem Geblase, ohne die Farbe zu 
ändern, ruhig flicssen ; diese letzteren werden als eine .. Schörlart" 
betrachtet und denselben auch die „Chrysolithe von Thein" 
zugereclinet. Ihr Vorkommen wird in folgender Weise geschildert : 

„In der Gegend von Thein, an der Moldau, oder Moldauthein, 
findet man besonders schöne Stücke einer grünen glasichten Masse, 
die in der Härte anderen Granaten gleich kömmt, sehr rein und durch- 
sichtig ist und besonders eine sehr schöne dunkelgrüne Farbe hat 
und als Chrysolithen verkauft werden. Ich habe sie von keiner anderen 
Gestalt, als ungebildet, als runde Kiesel und Geschiebe zu Gesicht 
bekommen; auch findet man sie bis jetzt, blos in dieser Gestalt, in 
zerstreuten Stücken auf den Feldern, und in den vom Regen ausge 
halten Thälern. Die Grösse der Stücke übertrifft sehr oft ein Taubenei, 
und man hat Stücke gefunden, aus welchen man Stockknöpfe ge- 
schliffen hat, die an Dicke 1 Zoll, die Länge oder Höhe aber bis 2 
Zoll hatten." Im weiteren wird hervorgehoben, dass das Muttergestein 
der Stücke noch nicht bekannt ist, und es wird der Vermuthuug 
Ausdruck gegeben, dass diese „vorgeblichen Chrysolithen" 
zu einer glasigen Lavaart gestellt werden könnten. 

Eine noch genauere Beschreibung lieferte im Jahre 1792 
Johann Thaddäus Lindaker in Dr. Johann Mayer's Sammlung 
physikalischer Aufsätze (2). Er lenkte bereits die Aufmerksamkeit 
auf die Oberfläche der „Geschiebe", welche nach seiner Ausdrucks- 
weise rauh und abgerieben ist, und „vom Hin- und Herstossen mit 
kleinen halbmondförmigen Vertiefungen versehen, die von dem 
muschlichten Bruche entstehen und kleine ausgesprengte Stücke sind." 
Ferner wurde von ihm bereits das „geschmolzene Aussehen", das 
Vorhandensein von Blasen im Innern, sowie die streifige Fluidal- 
structur der böhmischen Moldavite beobachtet. Ueber den zweifel- 
haften Ursprung äussert sich Lindaker, wie folgt: „Es ist wahr- 
scheinlich, wenn es ein Product der Natur ist, dass ein ächter Vulkan 
oder Pseudovulkan, den man auch Erdbrand nennet, dessen Geburts- 
ort sey; doch scheint der Erdbrand keineswegs tauglich zu seyn, 
eine so vollkommene Schmelzung bewirken zu können. Sollte keines 
von beyden seyn, so muss man sicher unsere Moldautheiner Chryso- 
lithe unter die Kunstprodukte legen, und es wäre vielleicht möglich, 
dass ein hoher Ofen, der eine sehr flüssige Schlacke gegeben 
hätte, oder wohl gar eine Glashütte, z. B. wo man geringes 
Bouteillenglas verfertigte, die Geschiebe liefern möchte ; allein diess 
sind nur Muthmassungen, und nur aufmerksame Beobachtungen und 
Untersuchungen in jenen Gegenden können uns ein gehöriges Licht 
verschaffen. Und es wäre zu wünschen, dass jeder Mineraloge, der 
diese Gegend besucht , dieser vielleicht überaus merkwürdigen Stein- 
art einige Zeit zur Nachforschung widmen möchte." 

Wohl haben seit jener Zeit viele Mineralogen die Gegend be- 
sucht und auch diese Frage im Auge gehabt; an Ort und Stelle 
fanden sich aber keinerlei Anhaltspunkte zur Entscheidung der 
Frage, weder zu Gunsten des künstlichen, noch des natürlichen 
Ursprunges. 



202 1>>- Kianz E. öuess. nyi 

Vom Obermedicinalrathe Klaprotli wurde zum erstenmale 
(1816) die chemische Analyse als Hilfsmittel zur Lösung des Problems 
herangezogen (3). Die unvollkommenen Methoden jener Zeit lieferten 
ihm folgende Verhältniszahlen: 

Kieselerde 88-50 

Alaunerde 5' 75 

Kalkerde 2-00 

Eisenoxyd ■. . . 1-75 

So ungenau auch nach heutigen Begriffen diese Resultate sind, 
so waren sie doch für Klaproth hinreichend, im Verein mit den 
Schmelzversuchen, um zu entscheiden, dass das Mineral „weder zum 
Chrysolith gehöre, noch dass es ein künstliches Glas 
sei." Als einstweilige Bezeichnung, „bis nähere, in der Gegend seines 
Vorkommens anzustellende Forschungen ein Anderes bestimmen," 
schlug Klaproth den Namen „Pseud o-Chry so lith" vor. 

In A. Breithaupt's Charakteristik des Mineralsystems (1828) 
findet sich neben dieser Bezeichnung noch der Name „Bouteillen- 
stein". Nach Breithaupt ist das Mineral, welches „früher als 
eine Artefact, für ein Glas angesprochen worden, ausgemacht dem 
edlen glasigen Obsidian mitzuzählen." Seitdem findet man 
auch stets den Pseudo-Chrysolith oder Bouteillenstejn in Handbüchern 
und Lehrbüchern unter den Obsidianen angeführt^). Die Furchen auf 
den rundlichen, platten oder länglichen Stücken werden von 
Breithaupt mit Furchen auf der Holzrinde alter Obstbäume ver- 
glichen und daneben das Vorhandensein zahlreicher, flach rundlicher 
Eindrücke auf der ganzen Oberfläche der Stücke erwähnt. — Die 
geschliffenen Exemplare wurden als Schmuckstücke unter dem Namen 
„Wasser- Chrysolith" in den Handel gebracht; obwohl sie nach 
Breithaupt durch „das zart wellige Lichtspiel im Lniern der Stücke" 
(Fluidalstructur) und durch das Vorhandensein von zahlreichen kleinen 
Bläschen vom echten Chrysolith leicht zu unterscheiden seien. 

In der öffentlichen Sitzung der Gesellschaft des vaterländischen 
Museums zu Prag am 15. März 1826 erwähnt der Präsident der 
Gesellschaft Graf Caspar Sternberg (5) die Moldavite in seiner 
Rede bei der Aufzählung der verschiedenen, in Böhmen gefundenen 
Mineralspecies. Er sagte: „Smaragd ist zwar in Böhmen vorhanden, 
aber nicht als Edelstein brauchbar; das, was zuweilen so genannt 
wird, ist die grüne Varietät des Obsidians, der als Geschiebe bei 
Moldauthein gefunden wird, auch unter dem Namen Wasserchrysolith 
und Bouteillenstein bekannt." 

Im Jahre 1832 veröffentlichte Linne 0. Erdmann eine zweite 
Analyse dieses Minerals und bezeichnete es als edlen Obsidian 
von Moldauthein. Er betont neuerlich, dass die Splitter in der 
Zange nur schwer zu einem farblosen Glase schmelzbar sind. 



') z. B. C. C. V. lyoonliard. Handbuch der Oryktognosie. Heidelberg 1826, 
Seite 416. 



[111 Die Ilerkuiitt der Moldavite und verwandter Gläser. 203 

Gelegentlich der Jubelfeier der böhmischen Gesellschaft der 
Wissenschaften am 14. September 1836 hielt Fr. X. Zippe einen 
Vortrag über „Böhmens Edelsteine". Hier findet sich zum ersten- 
male der Name „Moldavit"; wahrscheinlich wurde dieser Name 
damals neben den Namen Wassere hry sollt h und Bouteillen- 
stein von den Händlern mit böhmischen Gesteinen zuerst in Um- 
lauf gebracht. Zippe verwendet als wissenschaftliche Bezeichnung 
die Namen Obsidian oder empyrodoxer Quarz, üie Lager- 
stätte ist nach Zippe der Sand und das aufgeschwemmte Land, 
welches als Decke auf dem Urgebirge ausgebreitet ist. Er macht 
neuerlich auf das R ä t h s e 1 h a f t e des Vorkommens aufmerksam, 
„da eine vulkanische Felsart in der Nähe nicht vorhanden ist". Schon 
im Jahre 1830 hatte er sehr richtig hervorgehoben, dass die Stücke 
nicht abgerollt sind (7). 

Im Jahre 1840 gab Zippe in den Verhandlungen der Gesell- 
schaft des vaterländischen Museums zu Prag eine genauere Beschrei- 
bung der Stücke (8) wie folgt: 

„Dieses Mineral findet sich in platten, oft in die Länge ge- 
zogenen, grossen Körnern und knolligen Gestalten, denen des Bern- 
steines ähnlich, mit eigenthümlich runzeliger und gefurchter Oberfläche. 
Die Farbe ist dunkel oliven-grün, zuweilen ins schwärzlich-grüne ge- 
neigt, äusserlich fast matt, innerlich auf dem vollkommen muscheligen 
Bruche stark glasglänzend von Glasgianz, halbdurchsichtig mit Wellen- 
streifen durchzogen, gleich einem unreinen Glase. Diese interessante 
Varietät des empyrodoxen Quarzes unterscheidet sich durch seine 
Farbe und hohen Grade der Durchsichtigkeit von den in vulkanischen 
Gegenden vorkommenden Obsidianen, auch die Gestalten und die Ober- 
fläche haben etwas Eigenthümliches, wiewohl sich ähnliche, nur minder 
plattgedrückte Gestalten in Ungarn und Stücke mit ähnlicher Oberfläche 
in Mexico finden. Vor dem Löthrohre schmilzt diese Varietät schwierig 
und ohne Aufschäumen. Man kennt das Gestein nicht, aus welchem 
die Stücke abstammen. Doch sind es keine Geschiebe, sie finden sich 
im Sande und in der Dammerde von Moldauthein und Budweis." 

Das Räthsel der ursprünglichen Lagerstätte glaubte E. F. 
Glocker im Jahre 1848 gelöst zu haben (9). Ergibt an, „dass ein 
sehr schöner chrysolithartiger Obsidian von vollkommener Kugelform, 
nahe 6 parallele Linien im Durchmesser, mitten in einem gneissartigen 
Gestein, welches als loses Stück in der Dammerde lag (vielleicht 
von einem der skandinavischen Geschiebe herrührend, die in jener 
Gegend zerstreut vorkommen i, bei dem Dorfe Jakschenau, eine Stunde 
vom Dorfe Steinau, ungefähr zwei Stunden von Jordansmühle in 
Niederschlesien, von einem Landmann gefunden worden ist. Dieser 
Obsidian ist vollkommen durchsichtig und glasartig, von einer Mittel- 
färbe zwischen lauchgrün und pistaziengrün, wie der böhmische, an 
der Oberfläche rauh, d. h. mit einer Menge sehr kleiner Vertiefungen 
und Erhöhungen versehen, auch an der Aussenseite nicht trübe, son- 
dern fast ebenso klar und glasglänzend wie im Innern." 

Hieran knüpft Glo cker die Vermuthung, dass der „böhmische 
chrysolithartige Obsidian" auch aus dem Gneissgebirge, und zwar aus 
dem Böhmerwalde, stammen dürfe. 

.Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 27 



204 Dr. Franz E. Suess. ri2] 

Aus späterer Zeit finden sich keine Angaben über ein Vor- 
kommen von Moklaviten in Schlesien, und schon aus allgemeinen 
Gründen ist das Auftreten solcher reiner Glilser. wie die Moldavite, 
als Einschlüsse im Gneisse eine Unmöglichkeit. Vielleicht war 
Glocker ein Geschiebe einer dichten und hellgrünen Nephritvarietät 
zu Händen gekommen, welches von den Nephritvorkonimnissen des 
Zobtenberges bei Jordansmühle stammt. Diese Nephritvorkommnisse 
mussten G 1 o ck e r völlig unbekannt gewesen sein, da sie nach Traube ') 
erst in den achtziger Jahren durch tiefgehende Steinbrüche bloßgelegt 
worden sind und in älteren Schriften auch nirgends Geschiebe von 
Nephrit erwähnt werden, während Glocker den Moldavit wohl von 
seinen Reisen in Böhmen und Mähren gekannt haben dürfte. Die 
Nephrite finden sich meist an den Grenzen von Serpentin und Granulit 
und in Verbindung mit beiden als Einschlüsse; so dürfte das „gneiss- 
artige Gestein," welches den chrysolitartigen Obsidian umschloss, 
vielleicht Granulit gewesen sein. 

Ferner erwähnt Glocker. dass er von einem grünen, glas- 
artigen Minerale gehört habe, welches in der Gegend von Iglau in 
Mähren, ganz in der Nähe der böhmischen Grenze, gleichfalls im 
Gneiss eingeschlossen, gefunden worden sei. Dasselbe war ihm jedoch 
nicht zu Gesicht gekommen und nur aus der Analogie mit dem 
schlesischen Vorkommen schloss er, dass es ebenfalls für Obsidian 
zu halten sei. Die unsicheren Angaben über die Fundstelle und über 
die Art und Weise des Vorkommens lassen es sehr zweifelhaft er- 
scheinen, ob man diese Bemerkung auf die Moldavite aus der Gegend 
von Trebitsch beziehen und als älteste Andeutung über das Vor- 
kommen der Moldavite in Mähren betrachten kann 2). 

Im Jahre 1853 war Czjzek mit der geologischen Aufnahme des 
südlichen Böhmen betraut; durch ihn gelangten einige „Bouteillen- 
steine" von Fundpunkten aus den Gegenden südlich von Bud- 
w eis in die Sammlungen der geologischen Reichsanstalt. K.v. Hauer 
veröffentlichte im Jahre 1854 eine Analyse dieser Stücke, und erwähnt 
bei einer kurzen Besprechung der physikalischen Eigenschaften, dass 
an den Stücken keine Spur von Verwitterung zu bemerken war (10). 

Während so seit dem Anfange des neunzehnten Jahrhunderts 
von Zeit zu Zeit, meistens veranlasst durch gelegentliche äussere 
Umstände, kürzere Notizen und Bemerkungen über den sogenannten 
Bouteillenstein in die Oeff'entlichkeit gelangten, trat nun ein Stillstand 
ein und durch einen Zeitraum von neunzehn Jahren findet sich, ab- 
gesehen von einer kurzen Bemerkung in Zirkel's Petrographie 1866, 
welche im wesentlichen nur die Angaben Glocker's wiederholt, 
keine Angabe in der Literatur vor. — Die Herkunft des obsidian- 
artigen Glases blieb völlig räthselhaft. Der Mangel irgend 
welcher junger P>ruptivgebilde in der engeren und weiteren Um- 
gebung der Moldavitfundstätten befestigte manchen Forscher in 



') H. Traube. Ueber Nephritvorkommnisse von .lordansniiihl in Schlesien. 
Neues Jahrbucb für Mineralogie etc. Beilage-Band III, Heft 2, 1884, ö. 425. 

'■*) Fr. V. Haner vermuthet, dass sich die Angaben auf einen grünen Chalcedon 
aus der Gegend von Bory bei Gr.-Meseritsch bezieht. Verhandl. der k. k. geol. R. A. 
1880, S. 283. 



[13] Die Herkunft, der Moldavite und verwandter Gläser. 205 

der Vermuthuiig, dass man es mit Kiinstproducten zu thun habe. 
Zippe soll, wie man mir berichtet, gesprächsweise die Möglichkeit 
eingeräumt haben, dass die Moldavite irgendwelche Schlacken alter 
Oefen sind. Eine Bemerkung Helmhacker's aus seinem Aufsatze 
vom Jahre 1873 (11) lässt schliessen, dass damals die Meinung vom 
künstlichen Ursprünge der Moldavite unter den Forschern ziemlich 
verbreitet war. obwohl es bis dahin niemand gewagt hatte, denselben 
mit Bestimmtheit zu behaupten. Helm hack er glaubte, auf seinen 
Excursionen im Böhmerwald im Jahre 1873 die ursprüngliche Lager- 
stätte der Moldavite gefunden und die Ansicht vom künstlichen Ur- 
sprünge der Moldavite endgiltig aus der Welt geschafft zu haben. Nach 
seiner Angabe sollten sich Moldavite als Einschlüsse im Serpentin 
in den Schluchten beim Markte Krems (Kfem^) südwestlich von Bud- 
weis vorfinden, in Gesellschaft der gewöhnlichen Umwandlungs- 
producte des Serpentins, wie Biotit, Talk, Steatit, Chalcedon, Magnesit, 
Opal etc. Indess schon die Vorstellung von Obsidian als Einschluss 
im Serpentin muss ein Kopfschütteln aller Petrographen hervor- 
rufen ; und sie muss allen Wert verlieren, sobald man beobachtet, 
dass die Beschreibung, welche Helm hack er von den nussgrossen, 
im zersetzten Serpentin eingewachsenen Körnern gibt, durchaus 
nicht auf die Moldavite passt. Der „schwarze Obsidian" ist 
nach der Beschreibung Helm h a c k e r's gänzlich zerklüftet und die 
feinen Spalten und Klüfte mit eingedrungenem weissen Magnesit er- 
füllt. Ferner ist das Mineral in geringerem Grade graugrün durch- 
scheinend als der Moldavit. Vor dem Löthrohre schmilzt es unter 
starkem Aufschäumen und bedeutender Volumvergrösserung zu einer 
grauen, bimsteinähnlichen, blasigen Masse, während es zu den charak- 
teristischen Eigenschaften des Moldavites gehört, dass er schwer und 
ruhig zu einem klaren, grünen Glase schmilzt. Es ist somit sehr 
wahrscheinlich, dass H e 1 m h a c k e r ein dunkelgrün gefärbtes Hydro- 
silicat aus der Gruppe der Opale vor sich gehabt hat, wie sie so 
häufig in der mannigfachsten Ausbildung als Begleiter der Serpentine 
des böhmischen Massivs auftreten. In den Jahren 1878 — 1!^80 hat 
A. Sehr auf (17) die Zersetzungsproducte des Serpentins in denselben 
Schluchten einer sehr genauen Untersuchung unterzogen, hat aber 
daselbst ebensowenig wie C ame rlan der^) im Jahre 1887 die an- 
geblich im Serpentin eingeschlossenen Moldavite aufzufinden vermocht. 
So hatte auch der angebliche Moldavitfund Helmhacker's 
keine weitereu Folgen für die Deutung der Herkunft der Moldavite. 
Erst nach weiteren fünf Jahren beginnt eine neue Epoche in der 
Literatur über die Moldavite, mit der Auffindung derselben in der 
Umgebung von Trebitsch in Mähren. Wir verdanken sie dem 
Herrn Dr. Franz Dvorsky, damals Gymnasialprofessor in Trebitsch. 
Ein Spaziergang am Dienstage der Pfingstwoche 1878 führte ihn auf 
die kleine Plateauhöhe beim Dorfe Kozichovitz. Die Höhe ist 
bedeckt mit Quarzschotter; und im Suchen nach den verschiedenen 
Mineralien des Gerölles, fand Herr Professor Dvorsky ein grünes, 



^) C. V. C am er lau der. Zur Geologie des Granulitgebirges von Prachatitz 
am Ostrande des Böhmerwaldes. Jahrb. der k. k. geol. R.-A. Bd. 37, 1887, S. 117. 

27* 



206 I^r. Franz, E. Siiess. [14] 

glasartiges Mineral, welches ihm, da er die böhmischen Moldavite 
nicht kannte, auffallend erschien, und das er nebst weiteren Stücken 
zur Untersuchung au die geologische Reichsanstalt in Wien übersandte. 
In der Sitzung dieser Anstalt vom 16. November 1880 hielt Herr Hofrath 
F. V, Hauer einen Vortrag „über den Bouteillenstein von Trebitsch," 
in dem er die Identität der mährischen und böhmischen Vorkommnisse 
nachwies (12). Eine Analyse von C. v. John liess die nahe chemische 
Verwandtschaft der böhmischen und mährischen Stücke erkennen. 

Zur gleichen Zeit veranlassten einige Stücke, welche von Herrn 
Lehrer F. Zavrel in Trebitsch an den naturwissenschaftlichen 
Verein in Brunn geschickt wurden, Herrn Professor A. Makowsky 
zu eingehenderen Studien über den Gegenstand, deren Resultate in 
den Sitzungen des naturwissenschaftlichen Vereines zu Brunn (1880) 
vorgebracht und später in einem grösseren Aufsatze „über die 
Bouteillensteine von Mähren und Böhmen" veröffentlicht worden sind 
(14 und 16). Es ist die erste Publication, in welcher in eingehenderer 
Weise die Gründe angeführt werden, welche für einen künstlichen 
Ursprung der Moldavite sprechen. Es wird das grösste Gewicht ge- 
legt auf die zahlreichen Punkte, in denen sich die Moldavite von 
den gewöhnlichen Obsidianen unterscheiden, wie: „die bouteillen- 
grüne Farbe, die Abwesenheit aller mikroskopischen Krystalleinschlüsse, 
das Vorhandensein vieler einzelner grösserer und kleinerer Luftblasen, 
das ruhige, wenn auch schwierige Schmelzen in der Löthrohrflamme 
zu einem klaren Glase, das Irisiren der Oberfläche nach anhaltendem 
Glühen, und ferner, was wohl als entscheidend angesehen werden 
musste, das Vorkommen in Gegenden, die völlig frei sind von vul- 
canischen Erscheinungen und Formationen." So wurden denn sowoiil 
die mährischen, als auch die böhmischen Moldavite als Ueberreste 
einer ehemaligen Glasindustrie betrachtet, u. zw. wurden sie speciell 
mit jenen „Glasthränen" verglichen, welche sich als Zufallsproducte in 
Form grüner, thonerdereicher und schwer schmelzbarer Tropfen so- 
wohl au den Glashöfen, als auch besonders an den Decken und 
Innenwänden der Glasöfen selbst bilden und in eigens zu diesem 
Zwecke angebrachten Rinnen abfliessen. Dieser Anschauung neigte 
sich in einer anhangsweisen Bemerkung zu dem Aufsatze von 
Makowsky auch Herr Hofrath G. Tschermak zu; es ist nach 
seinen Auseinandersetzungen unzweifelhaft, dass man es mit keine m 
Obsidian zu thun hat, und da die bisherigen Angaben von dem 
Auftreten der Moldavite in einem Muttergesteine kaum einer Dis- 
cussion wert erscheinen konnten, blieb nach dem damaligen Stande 
der Kenntnisse kein anderer Ausweg übrig, als der von Makowsky 
vorgeschlagene. Diesem räumt demnach auch Tschermak die 
grösste Wahrscheinlichkeit ein, obwohl, wie betont wird, die Trebitscher 
Funde k e i n e r d e r g e w ö h n 1 i c h in d e r T e c h n i k verwendeten 
G lassorten entsprechen. 

Aber dieser Erklärungsversuch sollte abermals die Frage nicht 
zum Abschluss führen; von zwei verschiedenen Standpunkten wurden 
Einwendungen dagegen erhoben. Zunächst waren es ebenso, wie 90 Jahre 
vorher, die Chemiker, die eine Auffassung der Moldavite als künst- 
liche Gläser nicht dulden wollten. Professor J. Habermaun (15) 



ri5] r)ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 207 

und A. Weiizliczke (13) in Brunn (1880) erklärten wiederliolt „mit 
Bestimmtheit", dass die von Herrn Zavfel aus Trebitsch ein- 
gesendeten Stücke ein künstliches Glas nicht sein können. 
Ein Blick auf die Analyse lehre, dass der hohe Percentsatz von 
Kieselsaure, Thonerde, Eisenoxyd einerseits, gegen den der Alkalien 
anderseits nie bei künstlichen Gläsern vorkomme. Die Versuche von 
Professor Habermann ergaben eine ausserordentlich schwere 
Schmelzbarkeit der Splitter im Platintiegel, der in einem Lampenofen, 
mittels der Wasserstraiilgebliiseflamme erhitzt wurde. Die Versuche 
bestätigten die aus der Analyse gezogenen Schlüsse und es kann nach 
der Aeusserung der beiden genannten Autoren über den natürlichen 
Ursprung dieses Glases kein Zweifel bestehen. 

Den zweiten Standpunkt vertrat Professor Fr. Dvorsky in 
seinem Aufsatze über „die am Iglawa-Flusse abgesetzten Moldavit- 
Quarzgerölle* (18). Zugunsten des natürlichen Ursprunges machte 
er hauptsächlich die Verhältnisse der Fundpunkte geltend. Niemals 
findet man in der Nähe der Moldavite die sonstigen bekannten bunten 
und farbigen Schlacken der alten Glasöfen und anderseits sind in 
der Umgebung alter Glashütten, z. B. bei Oppatau und Haida die 
Moldavite vollkommen unbekannt. Besonders bemerkenswert ist jedoch, 
dass sich die Moldavite an verschiedenen Fundpunkten stets nur in 
einem 2 — 5 m mächtigem Quarzgerölle, auf dem hügeligen Plateau in 
Höhen von 50—100 m über der heutigen Thalsohle des Flussbettes, 
niemals aber in der Tiialsohle selbst vorfinden. Die Zusammengehörigkeit 
der Schotter und der Moldavite kann keinem Zweifel unterliegen. 
Der Schotter gehört einem verloren gegangenen Flussysteme an und 
stammt ohne Zweifel aus Zeiten, in denen von einer Glasindustrie 
nicht die Rede sein kann. 

Denselben Grund zugunsten des natürlichen Ursprunges der 
Moldavite machte Professor J. N. W ol d rieh für die neu entdeckten 
reichlichen Vorkommnisse von Radomilitz bei Budweis geltend [1880 
und 1888]. (20 und 21). Er fand daselbst drei Moldavite unter einer 
50 cm mächtigen Decke von lehmiger und humöser Ackererde in 
einer 50 cm mächtigen Bank von braungelbem, stellenweise con- 
glomeratartig verfestigtem Gerolle. Das Liegende der Bank besteht aus 
tertiärem Sande (der oberen Braunkohlenformation) und Woldrich 
schreibt dieser Bank selbst ein diluviales oder tertiäres Alter zu. 

Einige der neuen Stücke von Radomilitz hat C. v. John (22) 
analysirt und hervorgehoben, dass sie in den chemischen und physi- 
kalischen Eigenschaften nicht in höherem Grade schwanken, als das 
gewöhnlich bei Mineralien der Fall ist, dass sie aber den Obsidianen 
gewiss nicht zugezählt werden können. Gelegentlich einer längeren 
Besprechung bemerkt dann C. v. John, „dass ein bestimmtes Urtheil 
über die Frage der Provenienz dieses speciellen Vorkommens, sowie 
auch über die der anderen Moldavite noch nicht gefällt werden kann." 

Der Vollständigkeit halber sei hier eine Arbeit von Frank 
Rutley über Fulgurite vom Mont B'anc erwähnt, in welcher auch 
der „Bouteillenstein oder Pseudochrysolith" von Moldauthein zum 
Vergleiche mit den dünnen, durch Blitzwirkung entstandenen Glas- 
häutchen herbeigezogen wird (19). Die Fulgurite stellen, wie nicht 



208 r)r. Franz E. Suess. [16] 

anders zu erwarten ist, ebenso wie der Moldavit ein grünes, wasser- 
freies Glas dar, welches infolge der raschen Erkaltung frei von 
Mikrolithen ist. Für die Frage der Herkunft der Moldavite liefert 
der Vergleich natürlich keinen Anhaltspunkt; es zeigt aber der Auf- 
satz, dass die Moldavite nach und nach auch in verschiedene Samm- 
lungen gelangt und in weiteren Kreisen bekannt geworden sind. 

Zur Zeit der landwirtschaftlichen Jubiläums-Ausstellung im 
Jahre 1890 in Prag waren die Moldavite als Schmucksteine sehr 
beliebt und sind in grösserer Menge verschilften und in Handel 
gebracht worden. Dieser Umstand mociite die Veranlassung zu dem 
von Boh. Erben (23) in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift 
„Vesmir" in böhmischer Sprache 1892 veröö'entlichten Aufsatze über 
„Moldavit" gewesen sein. Es werden die verschiedenen Theorien 
über den Moldavit im allgemeinen besprochen, ohne dass sich der 
Verfasser entschieden für eine der Meinungen ausspricht. Ein weiterer 
Aufsatz in böhmischer Sprache „Ueber den Charakter des böhmischen 
Moldavits" von J. Ha na mann erschien 1893 in der böhmischen 
Zeitschrift für chemische Industrie (24) ; derselbe enthält eine neue 
Analyse und die genauere Beschreibung der Fundorte itn südlichen 
llande der ßudweiser Niederung; sie finden sich in Schottern, welche 
nach des Autors Ansicht diluvialen Alters sind. Der Verfasser hält 
die Moldavite für zum Obsidian gehörige Pseudochrysolithe und ver- 
muthet, dass sie den Gneissen des oberen Moldauthales entstammen. 

Die Ansicht vom künstlichen Ursprünge der Moldavite wurde 
neuerdings im Jahre 1897 von Professor A. Rzehak in einem Auf- 
satze „Zur Geschichte des Glases in Mähren" vertreten (26). Die 
Schwerschmelzbarkeit der Moldavite könne nicht zugunsten der 
Mineralnatur des „Bouteillensteines"^ angeführt werden, da auch 
manche unzweifelhafte, alterthümliche Glasartefacte ebenso schwer 
zum Schmelzen gebracht werden können. Die Schmelzpunkte mancher 
Glassorten sollen nach Rzehak im Laufe der Zeit wesentliche Ver- 
änderungen erfahren. Was die Lagerungsverhältnisse auf den Schottern 
des Plateaus betrifft, wird bemerkt, dass das ganze südböhmische 
und westmährische Massiv der Sitz einer uralten Glasindustrie ge- 
wesen sei und dass man auf diesem Plateaugebiete allenthalben neben 
Gesteinsgerölle auch abgerollte Stücke von Glasflüssen und Schlacken 
finden könne. 

Im selben Jahre wiederholte Professor F. D v o r s k y seine im 
Jahre 1883 bereits geäusserten Gründe für den natürlichen Ursprung 
der Moldavite in einem Aufsatze der Zeitschrift des Brünner Museums 
in böhmischer Sprache und fügte mehrere bemerkenswerte Ergänzungen 
und eine Tafel, welche die ersten veröftentlichten Abbildungen von 
Moldaviten enthält, hinzu (27). 

Im Sommer des Jahres 1898 führten mich die geologischen 
Aufnahmsarheiten, die ich in den vorhergehenden Jahren in der 
Gegend von Gross-Meseritsch und Namiest südwärts fortschreitend 
vorgenommen hatte, in die Gegend von Trebitsch und somit in 
das Gebiet der Moldavitfundstätten. Dort gewann ich, wie bereits oben 
gesagt wurde, bei dem Besuch der reichen Sammlung des herrschaft- 
lichen Inspectors Herrn E. Hanisch die Anregung, mich mit den 



[17] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 209 

Moldaviten zu beschäftige», deren sonderbare, bisher wenig beachtete 
Oberfiäcliensciilptiir meine Aufmerksamkeit besonders auf sich zog. Hei 
einigen Stücken wurde icli zunäclist au die Gruben und (irübchenreihen 
erinnert, welche Daubree erhielt bei den Versuchen, die Ober- 
fiachenbeschaifenheit der Meteoriten nachzuahmen. Sie führten mich. 
da ja alle sonstigen Erklärungsversuche versagen, auf den Gedanken 
eines kosmischen Ursprunges der Moldavite, der dann, als ich bei 
Verfolgung der Literatur die später zu besprechenden Arbeiten von 
Stelzner und Verbeek, über die aussereuropäischen ähnlichen 
Gläser kennen lernte, zur Ueberzeugung erhärtete. Am 17. November 
1898 trug ich in der Sitzung der Akademie der Wissenschaften einen 
Bericht vor. der in Kürze die Gründe zusammenfasste, aus welchen 
auf einen ausserirdischen Ursprung dieser Körper gefolgert werden 
muss, wobei das Hauptgewicht auf deren Oberflächensculptur gelegt 
wurde und der dahin endigte, dass man sich werde entschliessen müssen, 
„den bisher bekannten Gruppen derAerolithen eine 
neue Gruppe — d ie der „Mo Idavite" — anzureihen" (28). 
In einem zweiten ^'ortrage in der Sitzung der k. k. geologischen 
Reichsanstalt am 6. December 1898 wiederholte ich dieselben An- 
schauungen in erweiterter Begründung (29); inzwischen war mir der 
Aufsatz von P. G. Krause über die „Obsidianbomben aus Nieder- 
ländisch-Indien" bekannt geworden, welche die Furchen auf der 
Oberfläche der Billitonkugeln in einem ähnlichen Sinne zu erklären 
bestrebt ist. Am 9. December 1898 referirte Professor J. N. W o 1 d fi c h 
über den Inhalt meiner Vorträge in einem im allgemeinen zustimmen- 
den Sinne in der Sitzung der böhmischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften und brachte einige weitere Abbildungen zur Veröffent- 
lichung (30\ Ebenso schloss sich Herr Dr. J. J. Jahn in einem in 
böhmischer Sprache abgefassten x\ufsatze meiner Meinung an (32). 

Dagegen brachte Herr Professor A. Rzehak in der Schluss- 
nummer der Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt 1898 
einige Punkte vor, welche gegen den kosmischen Ursprung der Mol- 
davite sprechen sollen, jedoch ohne von vorneherein die Richtigkeit 
dieser Ansicht bestreiten zu wollen (31). Er betont zunächst die Ver- 
schiedenheit der Moldavite von den gewöhnlichen Gläsern und meint, 
dass, wenn wirklich glasige Erstarrungsrinden zerstörter, im Innern 
metallischer Weltkörper vorkämen, die Moldavit-Aerolithen schon 
viel häufiger niedergefallen sein müssten. Die Identität der europäischen 
Vorkommnisse und der Obsidianbomben Australiens wird mit Be- 
rufung auf Stelzner bestritten. Nach einer kurzen Kritik des Ver- 
suches von F. Rutley, die Moldavite mit den Fulguriten zu ver- 
gleichen, bespricht Rzehak die Fundgebiete, und hier scheint ihm 
die sonderbare Theilung in zwei wohlgetrennte Gebiete, das böhmische 
und das mährische, nicht im Einklänge zu stehen, mit Ausnahme eines 
Meteoritenfalles ; man müsste denn zwei getrennte Schwärme an- 
nehmen, welche zu verschiedenen Zeiten gefallen wären. Noch 
schwieriger w^äre die Frage, wenn sich das Vorkommen der Moldavite 
in den nordböhmischen Pyropensanden bestätigt und man gezwungen 
wäre, noch ein drittes Fallgebiet anzunehmen. Kunstproducte sollen 
sich in der Umgebung von Brüuu auch manchmal im Schotter bis 



210 I>J'- Franz E. Suess. [lg] 

ZU 2 iK Tiefe finden; in der Gegend von Skrej, d. i. im Gebiete 
der nKihrischen Moldavite. fand man ohne Zweifel aucli ki'instliclie 
Glaskugeln und auf manchen alten Glasobjecten lasse sich eine Über- 
Hächensculptur beobachten, „welche sich von der der Moldavite 
blos graduell unterscheidet". Hiefür werden Beispiele angeführt, 
und so sei es denn, nach Professor Rzehak, „immerhin denkbar, 
dass die Moldavite Abfälle oder Nebenproducte einer uralten Glas- 
industrie sind, die in dem durch das massenhafte Vorkommen von 
weissem Quarz ausgezeichneten Gebiete von Trebitsch einmal be- 
standen hat". Mit Anführung derselben Gründe bezweifelte Professor 
A. Rzehak in einem Aufsatze der Zeitschrift „Prometheus" (oö) 
den kosmischen Ursprung der Moldavite. 

Anfang 1899 führte Herr Dr. J. Jahn in den Verhandlungen 
der geologischen Reichsanstalt einige Daten an, betreffend das Vor- 
kommen der Moldavite in den altdiluvialen nordböhmischen Pyropen- 
sanden (33) und schloss an seine Ausführung ein Referat über die von 
Herrn Bares im Chamottefeurer angestellten Versuche, betreffend 
die Schmelzbarkeit der Moldavite. Es gelang Herrn Bares, die 
Moldavite erst bei 1400° C. zu einem grünen Glase zu schmelzen (36). 

Von grossem Interesse war die Vornahme einiger neuer Analysen 
zu Anfang desselben Jahres durch Herrn C. v. John (34). Es zeigte 
sich, dass nur die Angaben der älteren Analysen schwanken, während 
nach den vorgeschrittenen Untersuchungsmethoden der neueren Zeit 
sich eine vollkommen befriedigende Uebereinstimmung der chemischen 
Beschaffenheit, besonders was die wichtigen Alkalienverhältnisse be- 
triff't, zwischen den böhmischen und mährischen Moldaviten ergibt. 

2. Vorkommnisse im Siiiida-Archipel. 

Im Jahre 1844 legte Dufrenoy in einer Sitzung der Pariser 
Akademie eine kleine Abhandlung von A. Damour vor, weiche einen 
Obsidian aus Indien beschrieb, der im Momente des Zerschneidens unter 
Detonation zersprang (37). Das Stück war von einem Mineralienhändler 
erstanden worden und der nähere Fundort unbekannt. Nach der 
Beschreibung und nach der Analyse hat man es aber wahrscheinlich 
mit einer der sonderbaren „Glaskugeln" oder der Bi lli to nite, wie 
sie- hier genannt werden sollen, zu thun, welche sich an mehreren 
Punkten in Niederländisch-Indien vorfinden. 

Die erste Beschreibung und Abbildung solcher Körper gab 
P. van Dijk erst im Jahre 1879 in einem Aufsatze „Obsidiaan van 
Billiton" (38). Sie sind in den alten Schottern zahlreicher Zinngruben 
mehrerer Districte über ein grosses Gebiet verbreitet, wenn auch örtlich 
nicht häufig. Von den chinesischen Arbeitern für schwarze Diamanten 
gehalten, waren sie eifrig gesammelt und von dem Mineningenieur 
C. de Groot zuerst als Obsidian erkannt worden. Eine Beschreibung 
der Stücke durch Dr. Cretier, welche van Dijk citirt, lautet 
folgendermassen : 

,,p]s sind kugelrunde oder ellipsoidische Stücke von der Grösse 
einer Haselnuss oder einer Wallnuss, an der Oberfläche unregel- 
mässig gegrubt; die Felder zwischen den Gruben sind glasglänzend. 



[19] r)ifi ITerkunft der Mcildavite und verwandter Gläser. 211 

Die Farbe ist schwarz, in dünnen Stücken im ganzen die von ge- 
wöhnlicliem Flaschenglas, während das Pulver, gleich dem von Obsidian, 
melir oder weniger grauweiss ist. Der Brucli ist muschelig und die 
Stücke zeigen auf der Bruchfiache unter der Loupe feine concentrische 
Streifen." 

Van Dijk findet es befremdend, Obsidian anzutreffen in den 
Gerollen der Insel, auf welcher vulkanische Gebilde unbekannt sind. 
Er bezeichnet die Stücke wohl als Rollsteine, hebt jedoch die eigen- 
thümliche Sculptur hervor: „die halbkreisförmigen Gruben, welche 
die Obertiäche aller dieser Rollsteine wie eine Geheimschrift be- 
decken, die nabeiförmigen Eindrücke, welche an die Anheftungsstelle 
einer Frucht erinnern und vor allem die scharfen Kanten der Gruben 
scheinen darauf hinzudeuten, dass die Steine zuerst gerollt und dann 
gegrubt worden sind" und lassen die Frage erstehen, ob man es mit 
einem Kunstproduct oder mit von der Natur geformten Körpern zu 
thun habe. Es lag der Gedanke an Zinnschlacken nahe, es sollten 
dann die Steine die Zeugen sein einer längs vergangenen und ver- 
gessenen Culturepoche auf der Insel Billiton. Doch glaubt der 
Verfasser nach der Analyse und den sonstigen Eigenschaften, dass 
die Steine zu dem Geschlechte der Obsidiane gehören, und weist 
darauf hin, dass nach Naumann aus Böhmen eine ähnliche Obsidian- 
varietät unter dem Namen Bouteillenstein oder Pseudochrysolith be- 
kannt ist, welche an der Oberfläche ebensolche Gruben zeigt. Zum 
Schlüsse bedauert van Dijk, dass er keine Gelegenheit gehabt habe, 
sich durch den Augenschein von der Uebereinstimmung der beiden 
Vorkommnisse zu überzeugen. 

In einem Referate über diese Schrift in den „Indische Gids" 
1880 äusserte der Bergingenieur C. de Groot die Ansicht, dass die 
Billitonkugeln alte Zinnschlacken wären (39). 

Ein weiteres Referat von Professor K. Martin erschien im 
Neuen Jahrb. für Mineralogie 1881 (40); hfer wird bemerkt, dass die 
Stücke gewiss nicht abgerollt sind, auch scheint Martin, obwohl er 
sich nicht bestimmt äussert, der Annahme, dass die Körper Obsidiane 
seien, nicht zugeneigt. Dagegen hält Prof. Wich mann 1882 die 
Billitonite entschieden für Obsidiane und nicht für Kunstproducte (41). 

In der Sitzung vom 14. August 1893 der Deutschen geologischen 
Gesellschaft sprach Herr Prof. Wieb mann über die Glaskugeln von 
Billiton, im Anschlüsse an Stelzuer's Vortrag über die merk- 
würdigen australischen Obsidianbomben. Er hob die Aehnlichkeit 
beider Substanzen hervor, welche in beiden Fällen aus dunklem, 
grünem Glase ohne krystallinische Ausscheidungsproducte besteht. Der 
nächste Vulkan des Indischen Archipels liegt 440 km entfernt von 
Billiton. Auch wird hier zum erstenmale auf das Vorkommen der- 
artiger Bomben in den Goldseifen von Borneo aufmerksam gemacht (42), 

Die bedeutsamsten Schriften über den Gegenstand sind die- 
jenigen von R. D. M. V e r b e e k, welcher zuerst unter eingehender 
Begründung für einen ausserirdi s chen Ursprung der Billito- 
nite und der verwandten Gläser von Europa und Australien eintrat ; eine 
Anschauung, die schon früher von einzelnen Forschern bezüglich der 
australischen Bomben unsicher und vermuthungsweise geäussert worden 

.lalu-biich il k. k. gcol. lJei('lisniistalt, 1900, 50. Paiui, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 28 



212 r)r. Franz E. Suess. [20] 

war. Einem Vortrage in der Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu 
Amsterdam am 27. März 1897 (43) folgte bald der längere Aufsatz 
im „Jaarboek van het Mijnwezen" (44), auf welchen ich noch öfter 
zurückzukommen Gelengenheit haben werde. Es werden die Lagerstätten 
eingehend beschrieben und die bisher bekannten Fundpunkte aufgezälilt, 
ferner die mikroskopische Beschaffenheit und an der Hand einer Analyse 
von B r u n c k die chemische Zusammensetzung besprochen. V e r b e e k 
bemerkt zwar, dass die Billitonite sicher keine gewöhnlichen Roll- 
steine sind ; hält jedoch die Gruben und halbmondförmigen Furchen 
der Oberfläche für die Folge von Abstossung und Abreibungen durch 
die benachbarten Quarzgerölie während des Transportes im fliessenden 
Wasser. Die Zinnschlacken-Theorie wird als vollkommen unhaltbar 
bezeichnet, da diese mit den Glaskugeln weder chemisch noch 
mikroskopisch übereinstimmen und die Annahme eines künstlichen 
Ursprunges auch nicht mit dem Vorkommen der Körper in den 
quartären Lagen vereinbar ist. Die Gründe gegen die Obsidiannatur 
der Gläser werden z. Th. mit Berufung auf S t e 1 z n e r's Auto- 
rität angeführt; es sind im wesentlichen dieselben Gründe, welche 
A. Makowsky (16) gegen die Obsidiannatur der Moldavite vor- 
gebracht hatte. Da alle sonstigen Erklärungsversuche versagen, können 
wir nach Verbeek nur einen ausserirdisc h en Ursprung der 
Körper annehmen, und zwar sollen sie speciell den Vulkanen des Mondes 
entstammen und zur Pliocän- oder Quartärzeit auf die Erde gefallen 
sein. Die ganze Beschaffenheit der Körper, welche so sehr verschieden 
ist von der gewöhnlicher Meteoriten, soll auf eine andere Quelle 
hindeuten als bei diesen ; zudem kommt, dass nach den Unter- 
suchungen von Lander er, der Polarisationswinkel der Mondober- 
fläche auf den Bestand aus saureu Gläsern hinweist. Die Anfangs- 
geschwindigkeit, welche eine aus einem Mondvulkane geschleuderte 
Bombe verlangt, um nicht mehr zum Monde zurückzukehren, ist be- 
deutend geringer als die Wurfgeschwindigkeit, die bei der Eruption 
des Krakatau und bei anderen Ausbrüchen beobachtet worden sind. 
Sie ist geringer als die Wurfgeschwindigkeit, welche verlangt wird, um 
eine Bombe vom Krakatau nach Billiton zu schleudern. So will Ver- 
beek, wie er in seinem Schlussworte bemerkt, wenigstens auf dieMög- 
l i c h k e i t hingewiesen haben, dass diese Gläser vom Monde herstammen. 
In einer Schrift über „Obsidianbomben aus Niederländisch- 
indien" beschreibt Herr Dr. F. G. Krause (1899) weitere, ganz gleich- 
artige Glaskörper von Bunguran im Natuna-Archipel und sucht eine 
Erklärung für die Oberflächensculptur zu geben, indem er die Deutung 
Verbeek's verwirft. PJr bringt sie, wie weiter unten noch ausgeführt 
wird, mit Rotationserscheinungen der theilweise geschmolzenen und 
durch die Luft geschleuderten Bomben in Zusammenhang. Die An- 
nahme einer ausserirdischen Herkunft der Bomben scheint dem Ver- 
fasser nicht unwahrscheinlich ; der ganze äussere Habitus der Stücke 
stehe damit im Einklänge. Doch glaubt er nicht, dass eine Herkunft 
vom Monde sich nachweisen lassen werde ; an irgend einen jener 
Himmelskörper zu denken, die vielleicht nur sehr selten in den 
Bereich der Erdbahn gelangen und vielleicht si)äter in dem Sonnen- 
systeme verloren gehen, hält der Verfasser für näherliegend. 



|211 Die Herkunft der Moldavito und verwandter Glaser. 213 



3. Anstralische Vorkoiinnnisse. 

Die älteste Nachricht iiber ein den Moldaviten ähnliclies Glas 
räthselhafter Herkunft aus Australien stammt aus dem Jahre 1844 
und findet sich in Ch. Darwin's bekanntem Werke über die Reise 
des ,,Beagle" (46). Daselbst wird bei Besprechung der vulkanischen 
Auswürflinge der Insel Ascension auch eine „Obsidianbombe" erwähnt, 
welche Ch. Darwin von Sir Thomas Mitchell erhalten hatte. 
Sie war gefunden worden auf einer grossen sandigen Ebene 
zwischen den Flüssen Darling und Murray in Australien und 
in einer Entfernung von mehreren hundert Meilen von irgend einer 
bekannten vulkanischen Region. 

Die Abbildung an der angegebenen Stelle zeigt bereits, dass 
man es mit einer von den europäischen Moldaviten abweichenden 
Form zu thun hat. Die Gestalt ist die einer gerundeten etwas ellipso- 
idischen Schüssel aus compactem Glase von flaschengrüner Farbe, 
deren Hohlraum nicht vollständig ausgefüllt ist „mit feinzelliger 
schwarzer Lava", weit weniger durchsichtig und glasig als der äussere 
und umrandende Obsidian. Fast alle australischen Funde sind durch 
ähnliche, mehr gerundete und regelmässige Formen ausgezeichnet. 

Es war natürlich, dass man vermuthete, das Exemplar wäre 
durch Eingeborene oder durch einen natürlichen Transport an den 
Fundort gebracht worden. Schwieriger wurde bereits die Erklärung 
des Vorkommens, als W. B. Clarke 1855 (47) das Vorkommen gleicher 
flaschengrüner „Obsidianbomben" in den Goldfeldern vom Turonflusse 
und am Urallaflusse in Neu-Süd-Wales beschrieb. In der Nähe des 
letzteren Fundortes befinden sich basaltische Ergüsse, und Clarke 
vermuthete, dass das Vorkommen der Bomben mit diesen in Zusammen- 
hang zu bringen wäre, denn der Schotter des Flusses wäre durchwegs 
örtlichen Ursprungs und ein Transport aus grosser Entfernung 
unwahrscheinlich. Doch findet es Clarke bereits auffallend, 
dass die Bomben an drei Punkten gefunden wurden, welche 455 und 
205 Meilen von einander entfernt seien. „Sie könnten deshalb unmöglich 
einem gemeinschaftlichen vulkanischen Herde entstammen". 1857 be- 
richtete Clarke über weitere Fundpunkte der „vulkanischen Bomben" 
in Victoria und in Tasmanien (48). 

Durch diese und durch die späteren, mit der Zeit sich stets 
mehrenden, neueren Funde wurde das Problem der Herkunft der 
Stücke immer räthselvoller. Schon waren die Bomben bekannt von 
verschiedenen Punkten des südwestlichen Victoria, z. B. in der Um- 
gebung von Warrnambool und in der Wimmera-Ebene i) und aus dem 
fernen Westen des Continents, aus dem Gebiete zwischen den Everard 
und Fraser-Ketten. Victor Streich, der als Geologe der Elder- 
Expedition in den Wüsten des inneren Australien (Birksgate Range) 
selbst die „Obsidianknöpfe" gefunden hatte, war, wie es scheint der 
erste, der auf den Gedanken kam. dass diese räthselh aften 
Körper möglicherweise kosmischen Ursprungs seien, 
fast stets befanden sich die Bomben weit entfernt von irgend- 



^) S. Walcott, 1. c. pag. 25, daselbst auch die genaueren Li(eraturangaben. 

28* 



214 !>'■• ^lan'''' K- Öuess. [22] 

welchen Vulkanen und die Verschleppung durch Eingeborene, welche 
manche Forscher annahmen, konnte bei dem Mangel irgendwelcher 
ähnlicher vulkanischer Gesteine auf dem australischen Continente 
keine befriedigende Erklärung abgeben. Streich wandte sich mit 
seiner Vermuthung brieflich an Professor A. W. Stelzner in Frei- 
berg (1893), dieser sprach jedoch in seiner Antwort die Meinung 
aus, dass die Obsidianbomben sicherlich nicht kosmischen Ursprungs 
sind, da keine glasigen Massen meteorischen Ursprungs bekannt 
sind ; der anstehende Obsidian , von dem sie stammen, würde wohl 
noch gefunden werden. 

Später erhielt Stelz n er (50) durch Streich einige Exem- 
plare von verschiedenen Fundpunkten, welche er 1893 in ein- 
gehender Weise beschrieb. Er erkannte, dass die Stücke keinerlei 
äussere Abrollung erfahren haben und bemerkt, dass ihm Objecte 
ähnlicher Art niemals zu Gesicht gekommen sind. Der Aufzählung 
der Vermuthungen, welche über deren Herkunft ausgesprochen wurden, 
als da sind : Verschleppung durch Eingeborene oder durch Emus, 
ferner Transport durch Eis, fügt er folgenden, offenbar auf Streich 
bezüglichen Satz bei: „Wieder andere sind der Meinung, dass das 
Eäthsel nur dadurch gelöst werden könne, dass man den , Bomben', 
obwohl sie eine von jenen aller anderen bekannten Aerolithen sehr 
abweichende Beschaffenheit zeigen, trotzdem einen kosmischen Ursprung 
zuschreibe". 

Die merkwürdigste der sieben von S t e 1 z n e r beschriebenen 
„Bomben" war eine aus compactem Glase bestehende, dünnwandige 
Hohlkugel von fast kugeliger Form, bestehend aus einer breiteren, 
flacheren und einer mit einem kleineren Radius gewölbten Hälfte ; 
ähnliche kugelförmige, einseitig eingedrückte oder mit einem über- 
stülpten Aequatorialkranze versehene Formen zeigten auch die übrigen 
Stücke, auf deren nähere Beschreibung ich noch später zurückkommen 
werde. Die allgemeine Kugelforni führt Stelzn er auf die mehr oder 
weniger kugelige Tropfenform zurück, zu welcher sich flüssige Körper 
nach dem Attractionsgesetze zusammenballen. Die Plohlkugel soll durch 
Expansion der Gase in der ausgeschleuderten Lava erzeugt worden 
sein. Die eingedrückte Form, sowie die überstülpten Ränder werden 
auf den Widerstand der Luft zurückgeführt und mit den Formen 
verglichen , welche in den Sand geschossene Mausergewehrkugeln 
annehmen. 

Bei Besprechung der „feineren Ob erf läc h e n sc ulptur", 
bestehend aus rundlichen Grübchen und Narben, welche theils gruppen- 
weise, theils vereinzelt auftreten, kommt Stelzner zu dem Vergleiche 
mit den Moldaviten, welche er selbst in der Gegend von Budweis zu 
hunderten zu sehen Gelegenheit hatte. Ueber die Verwandtschaft 
beider Körper äusserte er sich wie folgt: „Ich wurde nun im hohem 
Grade überrascht, als ich auch auf der Oberfläche mehrerer Moldavite 
eine Anzahl kleiner, kreisrunder Grübchen und grösserer ellipsoidischer 
Narben sah, und als ich auf vier anderen Stücken auch noch eine 
schlierenförmige Oberflächensculptur wahrnahm, die ebenfalls recht 
gut mit jener d(!r australischen Bombe Nr. 6 übereinstimmte". Auch 
die Aehnlichkeit der Masse der Moldavite selbst und ihres Gefüges 



[231 Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 215 

mit dem der australischen Bomben wurde festgestellt; doch glaubt 
Stelzner. „dass die Oberfiüchenersclieinungen beider Arten von 
Findlingen nur in formeller Hinsicht übereinstimmen". Zur Begründung 
dieser Anschauung wird hervorgehoben, „dass die Moldavitfindlinge 
nach Ausweis ihrer Formen tropfen-, Scheiben- oder brockenartige 
Fragmente irgendwelcher grösserer Glasmassen sind" (ein Umstand, 
den ja Stelzner sicher nicht zu einem Vergleiche mit den austra- 
lischen Bomben hcätte verwerten können) ; und ferner schliesst 
Stelzner, offenbar aus dem Vorkommen der Moldavite in diluvialer, 
Ablagerung und daraus, dass sie anstehend in der Nähe nicht vor- 
kommen, dass sie von ihrer ursprünglichen Heimat einen meilen- 
weiten Transport durch fliessende Gewässer erlitten haben müssen, 
dass sie demnach ihr zerhacktes Aussehen, die feinen Rippen, Kanten 
und so weiter nicht schon vor dem Transport besessen haben konnten. 
Deshalb sollte in dem Falle der böhmischen Moldavite die Ober- 
flächensculptur „corrosiven Vorgängen chemischer oder mechanischer 
Natur" zuzuschreiben sein. 

Die Grübchen auf der Oberfläche der australischen Stücke sollen 
jedoch eine andere Entstehung haben und werden mit den Näpfchen 
und Fingereindrücken auf den Meteoriten, speciell mit den von Daubree 
in seinen Experimenten erhaltenen Nachahmungen der Meteoriten- 
oberfläche verglichen. 

Die Beantwortung der Frage nach dem Ursprungsorte der Bomben 
und nach der Ursache ihrer weiten räumlichen Verbreitung überlässt 
Stelzner den australischen Fachgenossen. 

In den folgenden Jahren hat die Anzahl der australischen Fund- 
punkte noch einen reichlichen Zuwachs erfahren, und immer wird 
bei den einzelnen Berichten das räthselhafte und unerklärte des Auf- 
tretens der Obsidianbomben ausdrücklich bemerkt. In jüngster Zeit 
beschrieben W. H. Twelvetrees und W. F. Petterd eine Anzahl 
von rundlichen und unregelmässig geformten, verwandten Bomben von 
verschiedenen Punkten, die über ganz Tasmanien vertheilt sind (52 und 
53). Sie wurden meistens in den Goldwäschen, öfters auch aus beträcht- 
lichen Tiefen zutage gefördert. Kein vulkanisches Glas von ähnlicher 
Beschaffenheit ist auf der ganzen Insel bekannt. 

Mit Beziehung auf Verbeek's Abhandlung halten die Autoren 
die Annahme, dass diese unzweifelhaft vulkanischen Producte von 
Vulkanen des Mondes herrühren, für überflüssig und mehr als einem 
Einwurfe zugänglich. Selbst zugegeben, dass die Energie eines Mond- 
vulkanes hinreichen sollte, einzelne Stücke von Lava von der Ober- 
fläche unseres Satelliten loszuschleudern, so müsste doch dieses Stück 
zunächst einen selbständigen Kreis um die Erde beschreiben. Es wäre 
schon als ein Zufall zu betrachten, wenn ein Stück die Erde er- 
reichen würde ; hier würde aber das Zusammentreffen zahlreicher, 
besonderer Bedingungen für tausende von Stücken verlangt. Dann 
soll auch das Niedergelangen so zahlreicher kleiner Stücke bis auf die 
Erde als eine Unmöglichkeit erscheinen, da ja eine sehr grosse Zahl 
von Meteoriten im Widerstände der Luft völlig verstäubt und zerstört 
wird. Die nächsten Obsidianvorkommnisse befinden sich auf Neu-Seeland, 
und es vermutheu denn die Verfasser, dass die Bomben aus diesem 



210 Dr. Kranz E. Suess. |24] 

Gebiete oder von einem noch nnbekannten vulkanischen Gebiete der ant- 
arktisclien Regionen herstammen und durch starke Luftströmungen 
vertragen worden seien. 

Eine neuerliche ausführliche Abhandlung über die australischen 
Bomben und alle auf dieselben bezüglichen Fragen wurde im Jahre 
1898 von R. H. Walcott verötfentlicht (55); auf die Einzelheiten 
dieser Arbeit werde ich nocli unten melirmals Gelegenheit haben, 
Bezug zunehmen. Es wird für die Bombender Name „0 bsi diani te" 
vorgeschlagen. Nach einer eingehenden historisch gefassten Besprechung 
der bisher bekannten Daten und der verschiedenen Theorien über 
den Gegenstand werden einige Analysen angeführt (siehe S. 235) und 
dabei eingehend dargethan, dass in Victoria ausser den Obsidianiten 
kein saures vulkanisches Glas vorkommt. Unter den beschriebenen 
und abgebildeten Stücken finden sich knopfförmige und kugelige Formen 
mit überstülpten Rändern und, was besonders bemerkenswert ist, auch 
eine Hohlkugel von compactem Glase ; es sind im ganzen dieselben 
Formen, die bereits S t e 1 z n e r beschrieben hat. Die Gesammtform, 
sowie die Grübchen und Furchen an der Oberfläche, welche nach 
den Auseinandersetzungen von Walcott nicht durch nachträgliche 
Zersetzung entstanden sein können, werden als die Folgen einer 
raschen Bewegung der noch flüssigen oder doch weichen Masse durch 
die Luft betrachtet; die letzteren werden mit den Eindrücken auf 
Meteoriten verglichen. 

Ein Bild der ausserordentlichen Verbreitung der „Obsidianite" gibt 
die lange Reihe von australischen Fundorten, welche Walcott auf- 
zählt und welche fast über die ganze Breite der südlichen Hälfte des 
australischen Continents zertreut sind : Zweierlei Möglichkeiten bezüglich 
der Herkunft der Obsidianite werden zunächst ins Auge gefasst, nämlich, 
dass sie von irdischen Vulkanen stammen, oder dass sie ausserirdischen 
Ursprunges sind. In ersterem Falle müssen sie auf irgend eine Weise 
auf ihre jetzigen Fundstellen gebracht worden sein, und zwar sind 
bisher folgende Erklärungen für die Verbreitung vorgebracht worden: 
durch Flüsse, durch Eis, durch Eingeborene oder durch die Thätigkeit 
des Windes. Gegen den Transport durch Wasser spricht das oft sehr 
frische Aussehen der Stücke, vor allem aber ihr nicht seltenes Vor- 
kommen in beträchtlichen Höhen oder auf Wasserscheiden. Ein Trans- 
l)ort durch Eis ist aus allgemeinen Gründen ausgeschlossen ; dagegen 
ist auf die dritte Erklärungsweise, dass die Steine durch Eingeborene 
verschleppt worden seien, von verschiedenen Seiten grösserer Wert 
gelegt worden, und auch Walcott hat dieselben ausführlicher 
besprochen. Es werden die Gewährsmänner angeführt, nach deren 
Angaben die seltenen scliwarzen Steine in verschiedenen Gegenden 
des Continents von den Eingeborenen hochgeschätzt und als Talismane 
und Zaubermittel betrachtet werden. Nach Walcott ist es auffallend, 
dass trotz vieler unbestimmter Angaben nach Berichten, keine authen- 
tische Nachricht vorliegt. Ferner wird, auch wenn diese Thatsache 
selbst sich als richtig herausstellt, das Räthsel nicht gelöst; da kein 
Punkt bekannt ist, von welchem die Eingeborenen die Steine hätten 
sammeln können, sie konnten sie auch in diesem Falle sicher nur auf der 
Oberfläche verstreut aufgefunden haben. Endlich bestreitet W alcott 



[251 ^i^ Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 217 

noch die Möglichkeit, dass Körper von der Grösse und dem Gewichte der 
„Obsidianite" von irgend einem Punkte ausserhalb Australien durch 
den Wind fast über den ganzen Continent liätten vertragen werden 
können. Auf Neu-Seeland, wo sich die nächsten, jungen sauren Erup- 
tionen befinden, sind noch niemals ähnliche Obsidianbomben gefunden 
worden. Ueberhaupt scheinen die vulkanischen Bomben immer melir 
blasig zu sein und niemals so compacte Gläser zu liefern, wie die 
Australite. 

Dagegen gibt die Theorie einer ausserirdischen Herkunft sofort 
eine befriedigende Erklärung für die weite und anscheinend zufällige 
Verbreitung, und deshalb allein verdient sie nach Walcott eine 
ernste Betrachtung. Die Verbeek'sche Annahme einer Herkunft vom 
Monde hält Wale Ott für unwahrscheinlich. Er neigt vielmehr zur An- 
sicht, dass die Bomben entstanden sind durch Bersten eines einzigen 
grösseren Körpers, dessen einzelne Bruchstücke im Sturze völlig um- 
geschmolzen und zu einzelnen Tropfen geformt worden sind. Von 
äusserst zahlreichen Trümmern dürften nur sehr wenige, welche unter 
besonders günstigen Umständen gefallen sind, die ErdoberÜäche unzer- 
stört erreicht haben. 

Zum Schlüsse bemerkt W a 1 c o 1 1, dass wir nur negative Gründe 
haben, welche zur Annahme eines ausserirdischen Ursprunges geführt 
haben. Es ist deshalb von Wichtigkeit, dass alle übrigen möglichen 
Erklärungen von Grunde aus untersucht und erschöpft werden. Nach- 
dem diese alle endgiltig verworfen sein werden, dann erst werden 
wir, nach Walcott, berechtigt sein, den „Obsidianiten" oder 
„Australiten" einen kosmischen Ursprung zuzuschreiben. 



II. Verbreitung und Lagerung. 

1. Europäische Vorkommnisse. 

In Europa sind unzweifelhafte und reichlichere Moldavitfunde 
auf zwei benachbarte Gebiete beschränkt, welche beide dem süd- 
lichen, archäischen Theile des böhmischen Massivs angehören. Das 
erste, seit mehr als hundert Jahren bekannte Fundgebiet befindet 
sich am W^estrande der tertiären Ebene von ßudweis im südlichen 
Böhmen ; das zweite, erst später entdeckte, erstreckt sich über die 
Höhen der südlichen und südöstlichen Umgebung der Stadt 
Trebitsch im südwestlichen Mähren. (Fig. 1.) 

Das südliche Böhmen bildet ein hügeliges Plateauland, in dem 
die Flussthäler mit felsigen Gehängen verhältnismässig tief ein- 
geschnitten sind und welches von dem gebirgigen Böhmerwalde zu 
einer durchschnittlichen Höhe von circa 500 m-allmälig herabsinkt. 
Es besteht aus Graniten und mannigfaltigen altkrystallinischen Schiefer- 
gesteinen, denen sehr vereinzelte Schollen von rothen Sauden des 
Permocarbon aufgesetzt sind. Die Wellen des Plateaulandes werden 
unterbrochen durch die moor- und torfreichen P^benen von Wittingau 
und Budweis, gegen die das Terrain in etwas steilerer Böschung 



218 



Dr. Franz, E. Suess. 



[26] 



^ 
^ 










e 






[27] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 219 

abfällt. Beide Ebenen sind durcii jüngere, tertiäre Ablagerungen aus- 
gefüllt; doch bestimmt die junge Ueberdeckung nicht genau den Rand 
der Ebenen, sondern greift in mannigfachen Ausläufern und losgelösten 
Lappen über dieselben hinaus. 

Der südöstliche Theil der Budweiser Ebene wird von der 
Moldau durchströmt, aber die jungen Bildungen begleiten noch das 
Moldauthal, nachdem der Fluss bereits die Ebene bei Pohrad ver- 
lassen hat, bis in die Gegend des Städtchens Moldauthein, woselbst 
die tertiären Ablagerungen mit denen der östlichen Wittingauer 
Ebene in Verbindung stehen. 

Die Ausfüllungen beider Ebenen werden als Ablagerungen eines 
zusammenhängenden Binnensees der Miocnäzeit betrachtet (Sequoia 
Sternhergi Heer bei Wittingau). Schwache, eingeschaltete Lignitflötze 
werden am Rande der Budweiser Ebene an mehreren Orten aus- 
gebeutet und die kleinen Bergbaue haben Aufschlüsse in diesen 
Bildungen eröffnet; Dieselben bestehen aus liegenden Sand- 
steinen und Sauden mit einer überlagernden Folge von lichtgrauen und 
bunten Thonen, welche mit Sandbänken wechsellagern. Das oberste 
Glied bildet der stellenweise conglomeratartig verfestigte Hange n d- 
Schotter. 

Dieser letzteren Bildung \Yerden auch die Quarz- und Urgebirgs- 
schotter zugerechnet, welche über die Ebene im Westen hinaus- 
greifen und deren Rollsteine an vielen Stellen dem Ackerboden der 
die Ebene westlich umrandenden Hügel beigemengt sind. Derselbe 
Ackerboden ist es, in dem schon seit mehr als hundert Jahren die 
Moldavite gefunden werden. 

Da die Funde natürlich rein zufällige sind und zumeist ein ab- 
sichtliches Suchen vergebens sein wird, lassen sich die diesbezüglichen 
Angaben durch den Augenschein nur schwer controliren. Nur die 
Landleute, welche ganze Tage hindurch auf den Feldern arbeiten, 
können die Moldavite, wenn ihnen der Zufall günstig ist, in grösserer 
Anzahl sammeln. Von diesen sind sie namentlich in früherer Zeit 
häufig an die Händler gelangt, und namentlich zur Zeit der land- 
wirtschaftlichen Jubiläums-Ausstellung in Prag im Jahre 1890, als der 
Moldavitschmuck eine Zeitlang besonders begehrt war, wurde das 
Kilo dieser Steine um 40 — 45 fl an die Edelsteinschleifer verkauft. 
Man ersieht daraus, dass im Laufe der Zeiten gewiss schon viele 
hunderttausende von Moldavitfindlingen in die Welt gewandert sind. 

Nach den bestimmten Angaben mehrerer verlässlicher Local- 
forscher, die sich eingehend mit dem Gegenstande beschäftigt haben, 
wie der Conservator des städtischen Museums in Budweis, Herr 
Hauptmann a. D. Lindner, und Herr Oberingenieur Jul. Brabetz 
in Krumau, ist die nähere Umgebung von Moldauthein a. d. Moldau 
nicht als Fundort zu betrachten und die diesbezüglichen Angaben 
in der älteren Literatur, die sich stets wiederholen, können sich nur 
auf die circa 16 Am gegen SW gelegene Gegend von Wodnian be- 
ziehen, welche sich unmittelbar an die Tertiärbildungen der Budweiser 
P^bene anschliesst und von denen des Moldauthaies beiMoldauthein 
durch einen flachen Gneissrücken getrennt ist. Auch das Moldauthal 
selbst kann nicht als Moldavitfundgebiet gelten ; die allerdings nicht 

Jahi-bueh d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Siiess.) 29 



220 !>'•• I^'i'aDz K. Suess. [28] 

seltenen Angaben von Funden daselbst können sich nur auf verschleppte 
Stücke beziehen. 

Die einzelnen engeren Fundstellen, die sich kaum mit voller 
Sicherheit umgrenzen lassen werden, bilden, als Ganzes betrachtet, 
wie bereits bemerkt, eine;; zusammenhängenden Streifen, der in der 
Gegend von Wodnian beginnt, die Abdachung gegen die Budweiser 
Ebene südwärts begleitet, dann der südlichen Umrandung der 
Ebene folgend, gegen Osten umbiegt und in den reichen Fundstellen 
bei Klein-Korosek und Prabsch nahe der Moldau endigt. Einer der 
am häufigsten genannten Fundorte ist Radomilitz bei Wodnian; 
die ausgedehnten, flach gelegenen Felder, welche sich von hier 
Nordwest gegen Strp ziehen, scheinen besonders ausgezeichnet zu 
sein. Nach J. N. Woldfich (21) werden die Stücke daselbst vereinzelt, 
aber nur bei einer Tiefackerung gefunden, zusammen mit verschiedenen 
Mineralien, welche dem benachbarten Urgebirge entstammen, wie : 
Bergkrystall, Citrin, Rnuchtopas, Quarzit und Hornstein. Einzelne 
Quarzkrystalle besitzen nach Woldfich genau dieselbe abgerollte 
Oberfläche, wie Moldavitexemplare, „welche nicht runzelig sind". 
Woldfich hat demnach ohne Zweifel bereits den Unterschied 
zwischen abgerollten Moldaviten und solchen mit ursprünglicher 
Oberfläche beobachtet Ueber die ursprüngliche Lagerstätte berichtet 
Woldfich Folgendes: „In einem südwestlich vom Orte gelegenen 
Feldwege Hess Fürst Schwär zenberg den Feldrain abgraben; im 
Liegenden lag stark gelber, tertiärer Sand (der oberen Braunkohlen- 
formation) . . derselbe geht im Hangenden in ein kleinkörniges, eben- 
falls braungelbes Gerolle über, das stellenweise conglomeratartig 
fest verbunden ist; aus dieser Schichte nun gelang es uns, drei 
Stücke Moldavite eigenhändig herauszuziehen. Die Schichte war 
etwa 50 cm mächtig und wurde überlagert von einer bei 50 cm 
mächtigen Schichte von unten lehmiger, oben humöser Ackererde". 
Dem verfestigten Schotter ist, nach Woldfich, wenn nicht ein 
tertiäres, so doch mindestens ein diluviales Alter zuzuschreiben. 

Als weitere Fundgebiete mit etwas geringerem Reichthum als 
Radomilitz werden angeführt die südlicher gelegenen Dörfer Malowitz, 
Krtel und der öfter genannte , etwas grössere Ort Netolitz ; den 
Schwarzenberghof in der Nähe von Netolitz führt Helmhacker an 
(11). Von hier an verbreitert sich das Fundgebiet; denn einerseits 
wurden die Moldavite bei Blovitz und auch an den bereits der Ebene 
angehörigen Teichen von Klein-Groschum und Dechtern, anderseits gegen 
Westen aber noch bei Gross-Groschum und Tfebanitz gefunden. Drei 
Stücke, welche mir Herr Professor G. A. Koch übergeben hat, stammen 
von den Feldern, welche sich von Ober-Groschum gegen den Lieselberg 
ziehen. Am Gehänge südlich von Dechtern ziehen sich die Funde 
noch bis Holleschowitz; dann scheint in der Gegend von Chmelna 
und Berlau eine Lücke zu sein, wenn nicht vielleicht nur das Vor- 
herrschen von Wald- und Weidegebiet auf dieser Strecke das Auf- 
finden der Moldavite erschwert. Ueber das weiter sich anschliessende 
Fundgebiet, dem Winkel zwischen Zahofitz, Slawtsch, Klein-Korosek 
und Prabsch an der Moldau hatCzjzek in seinem handschriftlichen 
Tagebuche der geologischen Aufnahme in Böhmen 1854 verzeichnet, 



[29] r>'e Herkunft der Moldavit.e und verwandter Gläser. 221 

dass die „Bouteillensteine" daselbst ausgeackert werden, u. zw. be- 
hauptet bereits Czj^ek, „dass sie damals schon seltener waren, als 
früher" i). 

Ein Besuch der Moldavitfundstätten von Prabsch, bei dem 
Herr Hauptmann a. D. Ad. Lindner, Conservator des Brünner 
Museums, in liebenswürdiger Weise meinen P'ührer machte, belehrte 
mich über das reichliche Vorhandensein von deutlich gerolltem 
Quarzschotter auf den Fundstatten, welche in ihrem Gesammtcharakter 
lebhaft an die mährischen Fundstätten erinnern. Unser Suchen nach 
Moldavitfindlingen blieb zwar, wie nicht anders zu erwarten, ver- 
geblich ; doch erstand ich von einem Landmanne ein an Ort und 
Stelle gefundenes kleines Exemplar. 

Die Moldavite der Umgebung von Budweis kommen nach dem 
Gesagten in einem Streifen der H a n g e n d s c h o 1 1 e r über dem 
Miocän an dem westlichen Rande der Ebene vor. Das Alter dieser 
Schotter ist, wenn nicht tertiär, so doch zum mindesten diluvial. 

Aber durchaus nicht überall, wo solche Schotter vorhanden 
sind, enthalten dieselben Moldavite ; so scheinen z. ß. in dem aus- 
gedehnten Schottergebiete der näheren Umgebung von Wittingau niemals 
Moldavite gefunden worden zu sein. Allerdings muss zugegeben 
werden, dass wir keinen Anhaltspunkt besitzen, um das Alter der 
zahlreichen Schotterpartien zu vergleichen, welche in verschiedenen 
Gebieten auf grössere oder kleinere Strecken die krystallinischen 
Gesteine des böhmisch- mährischen Hochlandes überdecken. 

Woldfich^) berichtet von einem vereinzelten Funde bei 
Neu haus, nordnordöstlich von Wittingau. Beim Baue einer Bahn- 
linie soll in der Neuhaus er Bahnstation im „känozoischen 
Schotter" ein kleiner, lichter Moldavit vom Durchmesser 1 cm ge- 
funden worden sein, der nach Woldfich vollständig mit dem Aus- 
sehen der Moldavite von Radomilitz übereinstimmt. In allerneuester 
Zeit berichtet Herr Conservator Richly in Neuhaus, dass er in 
derselben Lage in tertiärem GeröUe an den Ufern des Naserflusses 
bei Neuhaus ein zweites und im Flusse selbst, etwas unterhalb der 
Stadt, ein drittes Exemplar gefunden habe ^). Man wird demnach an- 
nehmen können, dass die Neuhauser Gegend eine verbindende 
Zwischenstation darstellt, welche von den Fundgebieten der Budweiser 
Gegend hinüberleitet zu den mährischen Vorkommnissen. 

Ueber das Fundgebiet der Umgebung von Trebitsch bin 
ich in der Lage, genauere Angaben zu liefern, denn es liegen bereits 
zwei Aufsätze über den Gegenstand vor von dem Entdecker dieser 
Fundstellen Herrn Professor Dr. F. Dvorsky (18 und 26). 
Eine reiche Sammlung von Moldaviten dieser Gegend besitzt in 



*) Zepharovich. Mineralog. Lexikon für das Kaiserthum Oesterreich. 
1859. Wien. Bd. I, S. 290. 

^) J. N. Woldf ich. Geologisches aus Südhöhmen. I. Das Gebiet der oberen 
Nezärka. Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Bölimen. 
Bd. XI, Nr. 4, 1898. 

^) H. Richly. Bericht über seine Thätigkeit während des Sommers 1899. 
Mittheilungen der anthropologischen Gospllsrhaft. Wien 1900. XXX. Bd.. IL 
Heft S. 146. 

29* 



222 Dr- Franz E. Siiess. [30] 

seinem Privatmuseum der Herr lierrsthaftliche Gutsinspector Ernst 
Hanisch in Trebitsch. Die meisten Stücke wurden theils vom Be- 
sitzer selbst, theils von den Herren Professor F. Dvorsky und 
Lehrer F. Zavrel unter grossem Aufwand von Zeit und Mühe eigen- 
händig gesammelt, so dass ich die verlässlichste Auskunft über die 
Ausdehnung und Reichhaltigkeit der einzelnen Fundstellen erhalten 
konnte. Ausserdem habe ich selbst während meiner Aufnahmsthätigkeit 
in den Sommern 1898 und 1899 Gelegenheit gehabt, die Moldavit- 
fundstätten zum Theile unter Führung der genannten Herren kennen 
zu lernen. Allerdings ist es mir trotz mehrstündigen Suchens nicht 
gelungen, selbst einen Moldavit zu finden. 

Sowie in Böhmen, ist auch hier das Auftreten der Moldavite 
an vereinzelte, weniger ausgedehnte Partien des auf den Höhen des 
Plateaus stellenweise auftretenden Quarzschotters gebunden, dessen 
geologisches Alter sich nicht mit Sicherheit feststellen lässt. 

Nach den bisherigen Erfahrungen liegen die westlichsten Fund- 
punkte unmittelbar südlich von Trebitsch, in der Nähe der Ortschaft 
Slawitz ; sie begleiten auf den Höhen verstreut das Thal der Iglawa 
gegen SSO, und es endigt das Fundgebiet zugleich mit einer Schotter- 
partie unmittelbar bei der Ortschaft Dukowan. Das Grundgebirge 
besteht bei Trebitsch aus einem sehr grobkörnigen Amphibolgranitit 
mit grossen jjorphyrischen P'eldspäthen, weiter gegen Osten bei 
Daleschitz aus weissem Gneisse (gleich B e c k e's Centralgneiss im 
niederösterreichischen Waldviertel) mit schwächeren Amphibolitbändern 
und dann bei Mohelno und Dukowan aus Serpentin und Granulit. 
In dieser Region senkt sich das böhmisch-mährische Hochland all- 
mälig gegen das Rothliegende am Bruchrande bei Kromau. Das 
Tertiär, welches die Ebene jenseits des Bruches ausfüllt, greift hier 
bereits an verschiedenen Stellen, meist in Form kleiner isolirter 
Lappen, auf das Plateauland über. Ein fossilreicher miocäner Tegel 
wurde von der weiter nördlich gelegenen Ortschaft Kralitz be- 
schrieben ^). Derselbe wird ebenfalls von einem sandigen Quarzschotter, 
der jedoch keine Versteinerungen enthält, überlagert. Bei Mährisch- 
Kromau und Rakschitz finden sich Sande und Tegel, welche nach den 
Fossilien {Oncopliora socialis und Cardiuni sociale) dem mittleren Miocän 
zugerechnet werden müssen. Aehnliche, jedoch versteinerungsleere 
Sande finden sich noch weiter westlich, bei den Ortschaften Ribnik, 
Petrowitz, Dubnian und auch bei Dukowan, in der unmittelbaren Nähe 
der Schotter, von denen sie allem Anscheine nach überlagert werden. 

Uebergänge und Wechsellagerungen von Sand und Schotter 
sind deutlich aufgeschlossen auf den Höhen von Mährisch-Kromau 
gegen Ribnik. Hier enthält der Schotter die verschiedensten Gerolle 
des Urgebirges; sie stammen vielleicht aus den benachbarten Roth- 
liegend-Conglomeraten, ebenso wie die Blockanhäufungen. Die 
Schotter, welche südlich von Dukowan unmittelbar die grauen, feinen 



*) F. Toula. Die Miocäii-Ablageruugen von Kralitz in Mähren. Annalen 
des k. k. natiirwissenschaftliclien Ilofmiiseums. Bd. VIII, Heft 2. 1893. 

V. J. Trochäska. Das Miocän von Kralitz nächst Namiest in Mähren. 
Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. Prag 1893. Böhmisch, (deutsches 
Kesume. S. 58'. 



[31] 



Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 



223 



Tertiärsaude überlagern, bestehen fast ausschliesslich aus Granulit 
und Granulitgneiss, neben reichlichem Quarz. Auch die weiter nördlich 
gelegenen Schotter bei Mohelno und jenseits der Oslawa über dem 
tertiären Tegel bei Koroslep und bei Oslawan (Heinrichshof) enthalten 
neben Quarzgeröllen auch häufig Granulit. Die Äehnlichkeit dieser 
Bildungen mit dem Belvedereschotter der Umgebung von Wien, 
welche ebenfalls nicht selten Granulite enthalten, haben schon ältere 
Autoren veranlasst, beide Ablagerungen gleichzustellen, und die 
innige Verbindung der Schotterbildungen mit den Sauden und Tegeln 
kann diese Auffassung nur unterstützen. 



Fig. 2. Kärtchen der mährischen Moidayitfundstellen mit Renütxung von 

Dvorsky's Darstellung. 




Maßstab: 1,300.000. 

m Schotterparfieen in denen Moldavite bisher noch nioht 

^** gefunden wmden. 

■ Moldavitführende Quarzschotter. 



Während, wie bereits bemerkt wurde, ähnliche Schotterbildungen 
auch weiterhin im ganzen böhmisch-mährischen Hochlande sehr ver- 
breitet sind und wahrscheinlich zu verschiedenen Zeiten in ähnlicher 
Weise gebildet wurden, ist das Fundgebiet der Moldavite ein be- 
schränktes und erstreckt sich durchaus nicht über alle oben ange- 
führten Oertlichkeiten. 



Man kann unter den mährischen Vorkommnissen noch vier engere 
Fundgebiete unterscheiden, 1. Die Vorkommnisse von Trebitsch, 



224 Dl-- l*"ranz E. Siiess. |'32] 

Kozichovitz und Slawitz. — 2. Von Dalescliitz. — 3. Von Skrey und 
Dukowan. — 4. Von Mohelno und Seiiohrad. (Fig. 2.) 

1. Die kleine Bergkuppe „Mala krohota", nördlich von Kozichovitz 
und östlich von Trebitsch, fällt nordwärts ziemlich steil gegen das 
enge Thal der Iglawa ab, welche hier in 389 m Seehöhe fliesst, während 
die Kuppe sich bis zu 451 m Seehöhe erhebt. Die kleine plateauartige 
Erhöhung ist gegen Westen und Osten durch felsige Schluchten be- 
grenzt, welche zur Iglawa hinabführen; im Süden ist sie durch eine 
flache, muldenförmige Einsenkung von den höher gelegenen, ebenen 
Feldern beim Dorfe Kozichowitz getrennt. Diese „Mala krohota" ist 
nun auf eine Fläche von ca. 15 ha mit einer wohl umgrenzten Schotter- 
lage überzogen. Die GeröUe sind so zahlreich, dass die Feld- 
friichte nur schlecht gedeihen ; es sind hauptsächlich Quarzgerölle, 
oft von Faustgrösse, meistens aber kleiner, dazwischen die härteren 
Mineralien, welche den Gängen des umliegenden Urgebirges ent- 
stammen, wie: Rauchquarz, Bergkrystall und Schörl in stark abge- 
rolltem Zustande. Hier wurden die ersten mährischen Funde gemacht. 
Dvorsky zählte bis zum Jahre 1883 15 Stück; doch sind sie später 
viel zahlreicher geworden, gegenwärtig sollen sie aber bereits nur 
spärlich zu finden und die Felder anscheinend bereits stark abgesucht 
zu sein. 

Eine weitere Fundstelle sind die „Teruvka" benannten Felder 
am Beginne eines Grabens, der gegen Norden zur Vorstadt Stafecka 
von Trebitsch führt. (Seehöhe 464 m) Daselbst sind nach den 
Angaben des Inspectors E. Hanisch in den letzten Jahren gewiss 
weit mehr als 100 Exemplare gefunden worden. Die Stelle ist nicht 
so scharf umgrenzt wie auf der „Mala krohota", aber das Vor- 
handensein der Schotterlage gibt sich sehr deutlich durch zahl- 
reiche gerollte Quarze im Ackerboden kund. Auf den umliegenden 
Feldern, auf denen noch keine Moldavite gefunden wurden, 
fehlen auch die gerollten Quarze ; es finden sich nur die allent- 
halben verbreiteten polygonalen Quarzstücke, welchen den zahlreichen 
Gängen im Amphibolgranitit entstammen. 

Die meisten Stücke sollen auf den Aeckern in der unmittel- 
baren Nähe des Ortes Slawitz (Seehöhe 490 m) gefunden worden sein. 
Die Fundstellen, welche an die Gärten des Dorfes westlich an- 
schliessen, sind hier ebenfalls mit reichlicher Schotteranhäufung be- 
deckt. Quarz ist auch hier, wie sonst, vorherrschend und es ist diese 
Stelle noch durch häufiges Auftreten von rothem Eisenkiesel unter 
den Gerollen ausgezeichnet. 

Ziemlich mächtige Lagen von Quarzschotter bedecken auch 
weiter im Westen die Höhen südlich und westlich von Wladislnu (bei 
Strzischau und gegen den Heinrichshof) ; in diesem Gebiete sind aber 
bis jetzt trotz wiederholten Suchens noch keine Moldavite gefunden 
worden. 

2. Von den flachen Höhen zwischen dem Dorfe Daleschitz und 
dem Thale der Iglava, in ca. 420 m S. H., zieht sich ein breiter 
Streifen von Quarzschotter südwärts bis in die Nähe des (Jrtes 
Slawietitz. Eine ziemliche Anzahl von mährischen Moldaviten stammt 
aus diesem Gebiete. Sie sollen nicht gerade selten, besonders in einer 



[331 Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser, 225 

Sc hotter grübe nahe dem Waldrande, nordöstlich von Daleschitz ge- 
funden worden sein. Doch scheinen sie nicht so häufig aufzutreten, 
wie in der Umgebung von Trebitsch, denn Dvorsky gab im Jahre 
1883 an (18), dass ihm nur gelungen war, ein Exemplar in dem aus- 
gedehnten Gerolle, das auf 6 m Mächtigkeit geschätzt wurde, zu finden. 

3. Weitere Geröllmassen befinden sich unter dem Ackerboden 
an der Strasse, unmittelbar östlich von Skrey i Seehöhe 381 m), und 
setzen sich gegen Osten, mehrfach vom hervorragenden Grund- 
gebirge unterbrochen, bis in die unmittelbare Nähe von Dukowan fort. 
wo sie, wie bereits erwähnt, an der Strasse von feinem , grauem, 
versteinerungsleerem Sande begleitet werden. In diesen Schottern 
scheinen die Moldavite wieder reichlicher vorzukommen als bei 
Daleschitz. 

In einer Schottergrube bei Skrey, in der das GeröUe 4 m mächtig 
aufgeschlossen war, hat Herr Professor Dvorsky in einer Tiefe von 
2 m unter der Oberfläche einen kleinen lichtgrünen Moldavit aufge- 
funden. 

An dem Feldwege, der vom Schuttboden des Dukowaner Schlosses 
nordwestwärts gegen die Iglawa führt, findet man unter den Geröll- 
stücken häufig ungerollte und recht grosse Bruchstücke eines Süss- 
wasser-Hornsteines, der ganz erfüllt ist mit Conchylienabdrücken. 
Mir war es nicht gelungen, die Bildung anstehend zu finden. Nach 
Dvorsky überlagert sie aber an dem genannten Fahrwege in Form 
einer 4 — 8 cm mächtigen Bank diese Quarzgerölle. Ich besitze jedoch 
Bruchstücke des zelligen, fossilführenden Hornsteines von dieser 
Stelle, welche die erwähnte Mächtigkeit um das Dreifache über- 
treffen. 

Auf Ersuchen des Herrn Professors F. Dvorsky (1. c. S. 19) 
bestimmte Herr Professor F. S an db erger in Würzburg die Reste als 
PUmorbis cornu var. Mantelli und als Lhnnaeus dilatxitu^. Erstere Form 
ist in jedem Handstücke reichlich zu sehen, letztere tritt mehr ver- 
einzelt auf. Daneben findet sich noch selten Planorlns Gousmrdiamis, 
eine Form, die bisher nur aus Sansons bekannt geworden ist. Nach 
diesen Fossilien ist das Alter des Hornsteines als mittelmiocän be- 
stimmt, und F. Sand berger hob noch ausdrücklich die grosse Aehn- 
lichkeit der Bildung mit dem Hornsteine von Egelsee bei Burglenden- 
feld hervor. Leider muss aber zugegeben werden, dass Fhmorhis cornu 
und seine Verwandten einen recht indifferenten Typus darstellen, von 
dem sehr ähnliche Formen noch heute leben, so dass ich mich nocli 
nicht entschliessen kann, das mittelmiocäne Alter der Schotter als un- 
zweifelhaft erwiesen zu betrachten. 

4. Eine weitere Schotterpartie, welche namentlich in früheren 
Jahren häufig Moldavite geliefert hat, befindet sich auf den Aeckern 
von Mohelno gegen Senohrad (Seehöhe ca. 340 m). Es ist das die ein- 
zige Fundstätte nördlich der Iglawa. Sie ist von den Fundstellen von 
Daleschitz und Dukowan durch ein breites, tiefes Thal getrennt. 
(Seehöhe der Thalsohle 250 m.) 

Die Lagerstätten der mährischen Moldavite sind demnach als 
die Reste eines alten, anscheinend ziemlich breiten, Thalbodens zu 
betrachten, der um 60 — 90 m höher lag als die gegenwärtige Sohle 



226 I>r- l'rauz K. Suess. |34] 

des Iglawathales und der sich in gleichen Sinne und nicht in viel 
höherem Grade gegen Osten herabsenkte, als das Iglawathal. 

Nach dem Gesagten finden sich die Moldavite im südlichen 
Theile des böhmischen Massivs in zwei gesonderten Gebieten, welche 
ca. 110 km von einander entfernt sind, u. zw. stets im innigen Zu- 
sammenhange mit gewissen Schotterlagen von zweifelhaftem Alter. 
Der innige Zusammenhang der Schotter aber mit tertiären Ab- 
lagerungen sowohl in Böhmen als auch in Mähren, macht ein mittel- 
miocänes Alter derselben wahrscheinlich. Das böhmische Fundgebiet 
ist entschieden reicher und umfasst einen Landstreifen, welcher, in 
der Hauptrichtung NNW — SSO verlaufend, den Westrand der Bud- 
weiser Ebene in leichtem Bogen auf ca. 30 km begleitet. Die mäh- 
rischen Vorkommnisse begleiten das Thal des Iglawaflusses in der 
Ilichtung von NW gegen SO auf eine geradlinige Erstreckung von 
ca. 25 km. Die Moldavite sind hier noch niemals in den Flussthälern 
selbst, sondern immer nur auf den über der Thalsohle gelegenen 
Höhen gefunden worden. 

In dem ganzen südlichen Theile des böhmischen Massivs findet 
sich keine Spur irgend einer jüngeren vulkanischen Bildung, Die 
nächsten miocänen Vulkane des Mittelgebirges von Nordböhmeu sind 
von den böhmischen Fundstellen ca. 200 km von den mährischen 
entfernt. Die Entfernung der karpathischen Trachyteruptionen von 
Luhatschowitz in Ostmähren von den Trebitscher Fundpunkten beträgt 
immer noch reichlich über 100 km. 

Es sei gleich hier erwähnt, dass die Exemplare von ver- 
schiedenen Fundstellen einen etwas verschiedenen Charakter auf- 
weisen (s. Fig. 1, S. 218). Die böhmischen Stücke sind, wie bereits 
Stelzner bemerkt hat, leicht als Bruchstücke und scherbenartige Ab- 
sprenglinge erkennbar, ihre Oberflächensculptur ist feiner ausgearbeitet 
und im höheren Grade entwickelt als bei den mährischen Stücken, 
so dass die Scherben oft ein ganz zerrissenes oder zerhacktes Aus- 
sehen besitzen Die mährischen Exemplare sind mannigfaltiger in der 
Form, und wenn auch Scherben und Bruchstücke nicht selten sind, 
so herrschen doch Stücke mit deutlich individueller kugel-, zapfen- 
oder scheibenförmiger Ausbildung vor. Sie sind in der Sculptur gröber 
und in ihrem Gesammthabitus überhaupt mehr den aussereuropäischen 
Vorkommnissen verwandt. Besonders ausgezeichnet aber sind die 
Fundorte Slawitz, Teruvka und Kozichowitz bei Trebitsch, denn der 
bemerkenswerte Typus jener massigeren Bruchstücke mit mehr 
meteoritenähnlicher Oberfläche, welche ich weiter unten als „Kern- 
stücke" bezeichne, ist fast ganz auf diese am Westende des mäh- 
rischen Moldavitgebietes gelegenen Orte beschränkt. 

Als dritte Fundstelle für Moldavite werden noch die weit ent- 
fernten „Py ro pen san de" am Südfusse des böhmischen Mittel- 
gebirges bei Trebnitz in Nordböhmen angegeben. Nach J.Jahn 
(33) wurden daselbst bisher 8 Stücke gefunden, u. zw. bei dem Dorfe 
Starrey 2 grössere Stücke (zu 42 — 28 mm und 33 — 25 /«?/<), ohne Spur 
irgendwelcher Abrollung, mit stark gerunzelter Oberfläche und von 
ausgesprochen böhmischem Typus, und 6 kleinere Stücke vom 



135] I^ie Herkunft der Moldavite und verwandter üläser. 227 

Dorfe Chrästan, welche unverkennbar durch den Transport im fliessenden 
Wasser abgeschliffen sind^). Die Pyrojjensaiide sind dis Hauptt'und- 
stelle der böhmischen Edelsteine und als Zerstörungsproduct hervor- 
gegangen aus einer tertiären tiiffartigen Breccie, welche neben Basalt 
Gerolle der verschiedenen Gesteine des Urgebirges, vor allem der in 
der Nähe anstehenden pyropenführenden Serpentine enthält. Die Zeit 
ihres Absatzes fällt in das Diluvium, wie die Reste von Elep]ta>^ 
pyim'njenins. Rliinoceros ttcJiorJiitms u. a. beweisen, und es würde durch 
eine Bestätigung obiger Funde das diluviale Alter der Moldavite un- 
zweifelhaft dargethan sein. Ich glaube jedoch, dass man sich mit den 
bisherigen Angaben wird noch nicht zufriedengeben können, denn 
es ist befremdend, dass bisher nur 8 Stücke gefunden worden 
sein sollen, da ja doch diese Seifen schon seit Jahrhunderten aus- 
gebeutet werden und sowohl zahlreiche Tagbaue, als auch bis 60 m 
tiefe Schächte in dem ausgedehnten Schottergebiete eröffnet worden 
sind. Während der Prager Landesausstellung im Jahre 1890, als die 
Moldavite als Schmucksteine besonders begehrt waren, sind in den 
Pyropensanden über 362 Arbeiter beschäftigt gewesen, und es ist 
kaum denkbar, dass damals ebensowie in den früheren Jahr- 
hunderten, in denen bereits die Granatgewinnung lebhaft betrieben 
worden war, die ohne Zweifel auffallenden Moldavite keine Beachtung 
gefunden hätten. Es muss demnach, wie ich glaube, auch der Ge- 
danke erwogen werden, ob nicht die 8 Moldavite von Trebnitz, welche 
vollkommen denen von Budweis gleichen, durch Händler oder Edel- 
steinschleifer, die ja die Moldavite und die Granaten in denselben 
Werkstätten verarbeitet haben, auf irgend einer Weise verschleppt 
worden sind^). 



^) J. J. Jahn, lieber das Vorkommen der Moldavite in den nördbölimischen 
Pyropensanden. Verhandl.d.k. k. geol. R.-A; 1^99, S. 81. — Siehe auch Ö. Zah älka. 
horninäch pyrop sproväzejicich v Ceskeni Stfedohofi. (Ueber die den Pyrop im 
böhm. Mittelgebirge begleitenden Gesteine.) Sitzgber. der kgl. böhm. Gesellschaft 
d. Wissensch. Prag 1883, und H. Oehmichen. Die böhmischen Granatlagerstätten 
und die Edelsteinseifen des Seufzergründeis bei Hinterhermsdorf in Sachsen. Zeit- 
schrift für prakt. Geologie, Berlin 1900, S. 5. 

^) Frank Rutley gibt als Moldavitfundpunkt noch Mont Döre in der 
Auvergne an. Um über die Angabe Aufklärung zu erhalten, wandte ich mich an 
Herrn Paul Gautier, Conservateur du Musee Lequoc in Clermont Ferrand, und 
erhielt nicht nur die liebenswürdigste Auskunft, sondern auch einige Proben von 
den von Rutley wahrscheinlich mit den Moldaviten verwechselten Körpern. Bei 
la Bourboule, oberhalb des Dorfes Pessy, findet sich ein trachytischer Bimstein- 
tuff, der von Michel-Levy als „Cinerite inferieure rhyolitique" bezeichnet wird 
(Le Mont-Döre. Bulletin de la Soc. geologique, Bd. XVIII, 1890, pag. 789); er ent- 
iiält trümmerförmige Einschlüsse von Rbyolit und Perlit. An einem Punkte in 
der Nähe von Pessy findet man in dem Tuffe noch isolirte, durchscheinende 
Körneben eines Obsidians, gewöhnlich von der Grösse einer Erbse, selten bis zu 
der einer Haselnuss. Das dürften die von Frank Rutley gemeinten Stücke sein. 
In den Proben konnte ich sofort sehen, dass die Stücke von den Moldaviten sehr 
verschieden sind. Die Farbe ist blass rauchgrau, mit einem schwachen Stich ins 
bräunlichgrüue. Die Formen sind unregelmässig abgekantet, und sie erinnern ent- 
schieden an die meist grösseren Marekanite, mit denen sie in der Entstehung in- 
sofern eine gewisse Ciemeinschaft haben dürften, als, nach einem noch im Tuffe 
eingeschlossenen Exemplare zu schliessen, ihre gegenwärtige Gestalt durch Ab- 
springen einer äusseren, etwas heller glasigen Schiebte entstanden ist, während 
die Marekanite bekanntlich die innersten Kerne zweibelschaliger Partien einer 

Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 30 



228 I^r. Franz E. Suess. [36] 

2. Vorkoiiiiniiisse im Suiida-Archipel. 

Die grösste Anzahl von Billitoniten haben bis jetzt die Zinn- 
seifen der Insel Billiton bei Java geliefert. Sie wurden von Verbeek 
eingehend beschrieben und seiner Schilderung sind zum Tlieil in 
wörtlicher Uebersetzung die nachfolgenden Angaben entnommen. 

Die „Glaskugeln von Billiton" finden sich in den sogenannten 
„Kulitseif en". Man gewinnt nämlich, sowohl auf Billiton als auch 
auf der benachbarten Insel Bangka, das Zinn zunächst aus den Gängen 
der ursprünglichen Lagerstätten und dann auch aus den Seifen, unter 
denen zweierlei Arten unterschieden werden, u. zw. einerseits die 
genannten eluvialen Bergzinnseifen oder Kulitseifen und die ange- 
schwemmten Thalzinnseifen oder KoUongseifen. In den ersteren wird 
die oberste verwitterte Kruste der Gesteine (Kulit) mit den darin ent- 
haltenen Zinnerzquarzgängeu gebrochen und verwaschen; es sind das 
die eigentlichen Kulitseifen. An anderen Stellen liegen über der ver- 
witterten oder unverwitterten Gesteinsdecke eine oder zwei Lagen 
von aufgeschwemmtem Sand, welche, da sie zinuhaltend sind, in 
gleicher Weise verwaschen werden. Man rechnet sie auch zu den 
Kulitseifen, da die Gewinnungsweise des Zinns mit der in den echten 
Kulitseifen übereinstimmt. Aus der horizontalen Lagerung der Sande 
und der gleichmässigen Vertheilung der Zinnerzstückchen geht hervor, 
dass sie wahrscheinlich in einem seichten See abgesetzt wurden ; nach 
Verbeek sind sie richtiger zu den Kulitkollongseifen zu rechnen. 
Die Glaskugeln finden sich sowohl auf der alten Gesteinsoberfläche 
als auch unter den quartären Sandlagen und nicht in der Ver- 
witterungskruste des Gesteins. Auf der gegenwärtigen Oberfläche sind 
sie noch nicht gefunden worden und sie gehören augenscheinlich nicht 
der Gegenwart, sondern einer früheren Epoche — wenn nicht der 
Pliocänzeit — doch mindestens dem Diluvium an. 

Die „Glaskugeln" wurden ferner auch gefunden beim Verwaschen 
der Erzlagen aus einigen Thälern. Herr Verbeek empfing einige 
Exemplare aus diesen sogenannten Kaksa, das sind die 0-10—1 m 
mächtigen J^rzlagen, welche unmittelbar auf dem Grundgebirge liegen. 
Sie bestehen aus Quarz, Schieferbrocken und Grus von zersetztem 
Granit. Diese Stücke unterscheiden sich in keiner Hinsicht von den 
Glaskugeln der Kulitkollongseifen. Doch kommen sie in den Kaksa- 
lagen der Thäler nur sehr selten vor, so dass vermuthet wurde, dass 
sie durch chinesische Arbeiter dahingebracht worden sind. Verb e ek 
kann sich aber dieser Meinung nicht anschliessen, da diese Steine 
für die Minenarbeiter keinen besonderen Wert haben und von diesen 
in der Regel weggeworfen werden. Wahrscheinlich ist auch das Alter 



grösseren Obsidianmasse darstelleu. Vor dem Löthrohre verhalten sich die Körn- 
chen wie gewöhnliche Obsidiane, schwellen, rasch weiss werdend, bltimenkohlartig 
auf. Unter dem Mikroskope sieht man die für Obsidiane charakteristischen Mikro- 
lithen. Das Vorkommen hat demnach mit den Moldaviten gar nichts zu thun. 

Von den vielleicht auch zu l)erück8iclitigenden Obsidianbomben vom iierge 
Patka bei Tokay, welche Beudant beschrieben hat (Voyage en Hoiigrie 1822, II. 
pag. 213) konnte ich kein Exemplar erhalten, da sie in den Museen in Budapest 
nicht vorhanden sind. Nach ihrem Vorkommen kann aber kaum gezweifelt werden, 
dass auch sie echte Obsidiane sind. 



[37] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 229 

der Erzlager, in den Thillern und der Kulitkollongseifen genau das- 
selbe, und es ist kein Grund vorhanden, warum sie in jenen nicht 
ebensowohl auftreten sollten, wie in diesen. 

Eine Aufzählung der Fiindpunkte zeigt, dass die „Glaskugeln", 
über der ganzen Insel verbreitet, meistens in den Kulitkollongseifen 
vorkommen, u. zw. sowohl in den Seifen über dem Granit, als auch 
in denen über sedimentären Gesteinen, so dass bei ihrem Auftreten 
der Untergrund keine Rolle spielt. 

Von anderen Fundpunkten aus dem malaiischen Gebiete liegen, 
wie es scheint, bisher nur einzelne Stücke vor. Im Museum von 
Amsterdam befinden sich nach V e r b e e k zwei Glaskugeln, eine 
schwarze und eine lichtgelbe, von dem Berge Muhria in Djapara 
auf Java. Die Stücke waren, nach Angabe des Regenten von Djapara, 
zugleich mit einigen hellergrünen, beim Graben einer Wasserleitung 
in der Nähe von Djapara am westlichen Fusse des genannten Berges 
gefunden worden. Sie lagen wahrscheinlich daselbst in quartären 
(oder pliocänen) Tufflagen, von demselben Alter, wie diejenigen, 
welche sich am Südfusse des Berges Muhria bei Patajam befinden. 
Von dem Leucitvulkane Muhria sollen sie in keinem Falle herstammen 
können, denn dieser hat bisher keine Gläser geliefert. 

Der Regent von Djapara hatte die gefundenen Kugeln zu Knöpfen 
schleifen lassen; und auch an den beiden Amsterdamer Stücken waren 
Facetten angeschliffen, so dass an der hellgelben Kugel gar nichts, 
au der schwarzen Kugel nur wenig von der ursprünglichen Oberfläche 
zu sehen war. Doch zeigt die letztere dieselben Furchen und Gruben 
wie die Billitonkugeln ; in den Vertiefungen haften kleine, gelbe 
Glimmerschüppchen, die wahrscheinlich aus den Tufflagen stammen 
sollen, in denen die Kugeln eingebettet waren. Die hellgelbe Kugel 
zeigt, im Gegensatze zu den Exemplaren von Billiton, verschieden 
grössere und kleinere Glasblasen. Die Zugehörigkeit dieser letzteren 
zu den Billitonkugeln wird übrigens von P. Krause (45, S. 238) 
bezweifelt. 

Auf das Vorkommen in B o r n e o hat, wie erwähnt, zuerst 
Wichmann aufmerksam gemacht. Von zwei Exemplaren im Reichs- 
museum zu Leiden wurde die eine von Salomon Müller aus den 
Goldminen von Palaiary (Pleiari) in Tanah Laut im Süden von Marta- 
pura gebracht. Die zweite, von Herrn P. van Dijk nach Leiden 
gesandte, trug die Etiquette : „Aus den Diamantgruben bei Sungei 
Riam in Tanah Laut." Verbeek vermuthet, dass damit die Diamant- 
gruben im Süden von Karang intan, in der Nähe des Flusses (Sungei) 
Riam gemeint sind. Beide Stücke sind schwarz, mit gegrubter Ober- 
fläche. Die Fundstellen in Gold- und Diamantwäschen deuten auf 
mindestens diluviales Alter : sie liegen ca 500 km von den nächsten 
Java-Vulkanen entfernt. 

Zwei ganz ähnliche Bomben hat van Hasselt von der weit nörd- 
lichen Insel B unguran im Natuna- Archipel mitgebracht. P. Krause 
bemerkt gelegentlich der Beschreibung der Stücke (45), dass es nach 
unserer bisherigen, allerdings noch lückenhaften Kenntnis der Geologie 
Bungurans und der benachbarten Landmassen nicht wahrscheinlich ist, 
dass in dem Gebiete alter Gesteine ein junger Vulkan vorhanden sei. 

30* 



230 r>''- Vvmz R. Suess. [Sg] 

Die nächste bekannte, jüngere Eruptivniasse ist der erloschene Vulkan 
Melabu in der Westabtheilung von Bonieo. von der Insel Bunguran 
reichlich über 300 Aw entfernt M. 

Die malaiischen Fundstätten sind nach dem Gesagten in vieler 
Hinsicht den böhmisch-mährischen verwandt. Die Stücke finden sich 
auch hier in quartären oder jungtertiäreu Anschwemmung und sind. 
mit Ausnahme des einen Vorkommens von Djapara, weit entfernt von 
irgendwelchen jüngeren vulkanischen Bildungen. Doch erstrecken sich 
die Funde im Sunda-Archipel auf ein viel grösseres Gebiet und um- 
fassen Entfernungen von 300 — bOOkm. Als eine auffallende Thatsache 
muss hervorgehoben werden, dass, obwohl die Glaskugeln auf der 
ganzen Insel Billiton ziemlich verbreitet sind, dieselben auf der benach- 
barten Insel Bangka, wo das Zinn in den gleichen Seifen gewonnen 
wird, nach der ausdrücklichen Bemerkung von Verb eck nicht ge- 
funden werden. 



3. Australische Vorkoiniuiiisse. 

Unvergleichlich ausgedehnter als die beiden vorgehenden ist 
das Fundgebiet der Australite. Hiervon gibt die Zusammenstellung in 
II. H. Walcott's Aufsatz Zeugnis (58). Die bisher bekannt gewordenen 
Fundstellen sind fast über den ganzen südlichen Theil des Continentes 
verbreitet; von Albany (South West-Division) im Westen bis Uralla 
(New-England) im Osten sind sie fast über die ganze Breite Australiens 
vertheilt. Beiläufig in der Mitte des Continentes im Gebiete der Mac 
Donnel Range und im Central- (Rockhampton) Districte (Queensland) nahe 
der Ostküste, erreichen sie die nördlichsten Punkte, und im Süden 
sind sie an zahlreichen Stellen in den Ebenen und Anschwemmungen 
Tasmaniens entdeckt worden. (Twelvetrees und P e 1 1 e r d 53.) 

Sie finden sich an den einzelnen Stellen innerhalb dieser äussersten 
Grenzen theils frei an der Oberfläche liegend, theils in jüngeren 
Bildungen eingebettet. Ersteres ist z. B. der Fall an verschiedenen 
Punkten der grossen Victoriawüste und der Umgebung von Uralla. 
Doch häufiger sind die ausdrücklichen Angaben von ihrem Auftreten- 
in verschiedenen Tiefen unter der Oberfläche. So soll das von 
Clark e erwähnte Stück (47) vom Turon River (Neu-Südwales) aus einer 
Goldseife aus einer Tiefe von 30 Fuss unter der Oberfläche stammen ; 
in Nerring bei Beaufort (Victoria) sollen Exemplare in einem Thon 
12 Fuss unter der Oberfläche, in den Goldseifen bei Ararat (Victoria) 
16 Fuss und Rokewood 30 Fuss unter der Oberfläche gefunden worden 
sein. An anderen Stellen werden die Tiefen geringer angegeben -). 



^) Die schwanken und gefiircliten Bomben von Hyomelan, von Atapiipu in 
der Regentschaft Fiarlang auf Timor, welche nacli A. Wich mann au die 
bölimischen ßouteillensteine erinnern, gehören nicht hieher. Ihre ursprüngliche 
Lagerstatte ist eine AugitAndesithreccie und sie sind den marekauitartigen Oh- 
sidianen, denen aucli die oben erwähnten Gläser aus der Auvergne angehören, 
zuzurechnen. A. Wichmann, Gesteine von Timor. Sammlungen des gool. Reichs- 
museums in Leiden. I. Beiträge zur Geologie Ostasiens und Australiens. Leiden, 
II. Bd., Heft 1, S. 21 ff. 

■■') Die genauen Daten Walcott's (1. c. S. 38) sollen hier im einzelnen wieder- 
gegeben werden: „In West-Australien scheinen die „Obsidianite'' seit pjiitdeckung 



[39] r)iG Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 231 

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den Fundplätzen in Tasmanien ; 
sie werden daselbst an zahlreichen Punkten, welche auf entfernte 
Oertlichkeiten im Westen und Osten der Insel vertlieilt sind, in Gold- 
und Zinnseifen, meist in geringen Tiefen, selten aber auch in Tiefen 
bis zu 10 Fuss gefunden Doch betonen die beiden Autoren Twel- 
vetrees und Fetter d (53), dass die Stücke trotz ihrer Verbreitung 
keineswegs zahlreich sind, und dass sie bei der Beschreibung nur 
acht Stücke zur Hand hatten. In dem centralen Theile der Insel 
sind sie bisher noch nicht nachgewiesen worden. 

Seien die Stücke nun an der Oberfläche gefunden worden oder 
in der Tiefe, in der grossen Mehrzahl der Fälle zeigen sie keinerlei 



der Goldfelder sowohl verstreut auf der Oberfläche als auch in den Aliuvien von 
Coolgardie und den umliegenden Districten reichlich gefunden worden zu sein. 
Victor Streich sagt, dass sie am Mount Squires im Fräser Gebirge, in den Sand- 
hügeln der grossen Victoriawüste und in der Birksgate Range gesammelt worden sind. 
Nach Mr. H. L. Br wn, Gouvernement-Geologen von Süd- Australien, sind sie in 
gleicher Weise über diese Provinz, besonders im fernen Norden verbreitet und die 
Herren Täte und Watt fanden zahlreiche Stücke zwischen Stevenson River und 
Charlotte Waters. Prof. Täte erwähnt, ein Stück aus Gawler (Adelaide) erhalten 
zu haben, welches in einer Travertinkugel enthalten war und eine weitere Anzahl, 
welche bei Stuarts-Creek und am König Georgs-Suud gesammelt worden waren Nach 
.1. Chandler sollen Pechstein- und Obsidianbomben in den Ebenen von Peak reichlich 
vorkommen und Mr. Ca nh am berichtet über ähnliche Stücke, von Stuarts-Creek 
Das hohle Exemplar, welches Stelzner beschrieben hat, soll vom Kangaroo-Island 
stammen. Clark's Angabe über das Vorkommen am Wannon. scheint die erste 
zu sein, welche sich auf Victoria bezieht. Im Südwestdistricte dieser Colonie sind 
ihre viele gefunden worden, z. B. auf den Elephants- und Eccles Bergen. Sie werden 
ebenfalls angegeben von einer postpliocänen Anschwemmung bei Spring Creek unweit 
Daylesford (Victoria, Melbourne NW) Obsidian soll sich finden (nach der Angabe in 
einem Ausstellungs-Katalog) bei Ararat und Retreat Creek, Inglebey, doch werden 
keine näheren Daten gegeben. Stücke im Warrnambool- Museum sind bezeichnet 
vom Mount Rouse, Grassmere, und von Mepunga 2 Fuss unter der Ober- 
fläche. Mr. R. G. Johns in Ballarat stellt fest, dass Obsidianite an der Ober- 
fläche gefunden worden sind bei Warrnambool, Balmoral, Harrow und Edenhope 
(im Westdistrict), in den Goldseifen bei Ararat 16 Fuss und bei Rokewood 30 Fuss 
unter der Oberfläche ; ferner noch in seichten Gruben der Hard Hills, bei Buninyong. 
Er berichtet neuerlich über einen Obsidianring, welcher gefunden wurde auf Ledrock 
16 Fuss von der Oberfläche bei Rocky Point, circa acht Meilen von Ararat. Mr. 
T S. Hart, von der Ballarat-Bergschule, gab folgende Liste von Localitäten, 
von denen die Exemplare (sämnit liehe von der charakteristischen Knopfform) 
des Museums stammen: Telangatuk, Nord von Balmoral; Glenelg River, Nerring 
bei Beaufort, gefunden im Thon 12 Fuss von der Oberfläche, Byaduk-Creek 
(Hamilton); ferner Bolwarrah (Moorabool River) Mr. G.W. Card theilt mit, dass 
sie bei Uralla Neu-Südwales sowohl in seichten Wäschen, als auch verstreut an 
der Oberfläche vorkommen, dass sie aber auch in tieferen Erzlagern gefunden 
worden sein sollen; doch von letzterem \'orkommeu konnte kein Nachweis erlangt 
werden Sie werden auch angegeben von Thakaringa. Tumbarumba (Cobar 
District), Majors Creek und Brcken Hill. In derselben Colonie war das von 
Darwin beschriebene Stück zwischen den F^lüssen Murray und Darling gefunden 
worden ; ferner die Stücke aus dem Waschmaterial von Uralla und das eine vom 
Turonflusse, welche W. Clarke erwähnt hat. Ein im technologischen Museum 
(in Melbourne?) befindliches Stück soll vom Mount Oxley stammen. Mr. R. L. Jack, 
Gouvernement-Geologe von Queensland, stellte fest, dass Obsidianknopfbomlien 
vom Central- (Rockhampton) District gebracht worden sind." 

Nach einer brieflichen Mittheilung von J. C. MouJden an mich, wurden 
ferner einige Stücke gefunden auf den diluvialen Ebenen bei Wasleys, einer 
kleinen Stadt 40 Meilen nördlich von Adelaide. 



232 r)r- Fianz E. Suess. [40] 

Spur irgend einer Abreibung oder sonstige Anzeichen von Trausport 
durch Wasser. Nur von frei gefundenen Stücicen zeigen einige leicht 
angewitterte Oberflächen. Allerdings glaubt Wale Ott, dass die Stücke 
einerseits wegen ihrer Sprödigkeit und Gebrechlichkeit keine längere 
Beförderung im fliessenden Wasser überstellen konnten, und dass 
ferner abgerollte Stücke leichter der Aufmerksamkeit der Sammler 
entgangen sein werden, und er schliesst. dass bei der jetzigen Ver- 
theilung der Stücke der Transport durch fliessendes Wasser keinesfalls 
eine bedeutende Rolle spielen kann. 

Einige interessante Angaben über das Vorkommen der Obsidianite 
verdanke ich zwei an mich gerichteten Briefen des Herrn Ingenieurs 
J. Coli et Mouldeu in Broken Hill, der schon seit Jahren ein ent- 
schiedener Anhänger der Theorie vom kosmischen Ursprung der austra- 
lischen Bomben war (Lit. 51) und selbst eine Sammlung von 60 Stück 
besitzt. Seinen Briefen entnehme ich die folgenden Bemerkungen : 
„Die Obsidianite scheinen in Australien, obwohl sehr weit verstreut, 
niemals reichlich aufzutreten. Ein absichtliches Suchen hat gewöhn- 
lich keinen Erfolg. Ich selbst habe Tag für Tag gesucht und niemals 
einen gefunden. Ein einziges Iilxemplar fand ich hier in der Nähe, 
und das gerade, als ich nicht darauf ausging. Goldsucher und Leute, 
die am Lande beschäftigt sind, finden sie gewöhnlich. Sehr schöne 
Exemplare kommen in West-Australien vor. an ihnen erhielt sich noch 
eine Art glänzender, glasiger „Haut" oder Politur, ähnlich der „Haut" 

metallischer Meteoriten Es verdient hervorgehoben zu werden, 

dass sie in dieser Gegend zusammen vorkommen mit vollkommen ab- 
rundeten Massen von Bergkrystall, Turmalin etc., während die Stücke 
selbst vollkommen un gerollt und gar nicht abgerieben sind, 
wie wenn sie an dem Punkte niedergefallen wären, an dem sie 

aufgefunden werden •' Im ferneren Berichte erwähnt Herr 

J, C. Moulden noch ein merkwürdiges Unicum seiner Sammlung, 
nämlich ein kleines rundes Exemplar, welches einen grossen Theil 
Olivin enthält. Ich werde hierauf noch weiter unten zu sprechen 
kommen. 

Die ganze Region, über welche die Australite in Australien 
vertheilt sind, umfasst Entfernungen, wie von Lissabon bis Tiflis in 
der Länge, und von Rom bis Stockholm in der Breite. Nirgends auf 
dem ganzen Continente ist ein Eruptionspunkt bekannt, welcher ähn- 
liche Objecte geliefert hat, und von dem aus sie auf irgend einer 
Weise, durch Wind oder Wasser, oder vielleicht durch die Ein- 
geborenen zu den jetzigen, so weit von einander entfernten Fund- 
punkten hätten gebracht werden können. Ein erloschenes Eruptiv- 
gebiet bildet den Mount Elephant und Mount Eccles (Victoria), und 
man könnte vielleicht denken, dass die „Obsidianite" von dorther 
stammen (Walcott I. c. S. 44). Doch sind die Laven dieses Gebietes 
basaltisch und die blasigen Bomben, welche in einzelnen Theilen des 
(iebietes ziemlich häufig, sind in jeder Hinsicht völlig verschieden 
von den sauren „Obsidianiten". In einzelnen Stellen hat man sie in 
vollkommen frischem Zustande auf dem Basalte gefunden, der, ob- 
wohl er die allerjüngsten Ergüsse bildet, bereits sehr stark zersetzt 
war. Auch T w e 1 v e t r e e s und P e 1 1 e r d betonen, dass auf Tasmanien 



1411 Die Flerkmift dar Moldavite und verwandter Gläser. 233 

kein Glas irgend eines ähnlichen Eruptivgesteines, noch sonst eine 
Spur von tertiärem Rliyolit oder Trcacliyt bekannt ist. 

Die nächsten Vulkane mit sauren Ergüssen befinden sich auf 
der Nordinsel von Neu-Seeland ; gerade dort sind aber bis jetzt die 
Obsidianite oder ähnliche massige Bomben noch nicht gefunden worden. 



Fast man die wesentlichen Tunkte aus dem über das Vorkommen 
der Tektite Gesagten zusammen, so ergibt sich, dass dieselben in 
den drei gesonderten Gebieten in ganz ähnlicher Weise auftreten. 
Wenn sie nicht unmittelbar an der Oberfläche liegen, so sind sie in 
geologisch jungen Ablagerungen von nicht genau bestimmbarem, 
aber wahrscheinlich diluvialem oder jungtertiärem Alter eingebettet. 
Obwohl sie sehr häufig im Schotter zusammen mit wohlabgerundeten 
Gerollen auftreten, so sind die Stücke doch meistens sehr frisch 
und zeigen keine Spur von mechanischen oder chemischen An- 
griffen an der Oberfläche. Das Vorkommen der Tektite steht ferner 
in keinem der Fundgebiete in irgend einem Zusammenhange mit der 
Geologie des Landes und scheint in dieser Hinsicht in jedem Falle 
vollkommen zufällig zu sein. Die meisten Fundpunkte sind ungemein 
weit entfernt von irgend welchen jüngeren eruptiven Bildungen ; und 
wo die Stücke in der Nähe von Vulkanen gefunden werden, sind 
dies immer nur Eruptionspunkte, welche ganz anders geartete Ge- 
steine geliefert haben. Auch in diesen Fällen muss ihr Auftreten in 
der Nähe der betreffenden Berge als rein zufällig betrachtet werden ^), 



III. Chemische Zusammensetzung. 

Seit der ältesten theilweisen Analyse von Klaproth im Jahre 
1816 sind die Moldavite von Trebitsch und Budweis in chemischer 
Hinsicht wiederholt untersucht worden. Schon die ältesten Prüfungen 
haben trotz mancher offenkundiger Ungenauigkeiten ergeben, dass die 
chemischen Bestandtheile in dem Glase in Verhältnissen enthalten 
sind, welche bei Eruptivgesteinen häufig vorkommen und keineswegs 
einen zufälligen oder stark schwankenden Charakter aufweisen, wie man 
das bei einem Nebenproducte künstlicher Schmelzungen erwarten 
sollte. Ich folge dem Beispiele vieler Petrographen, wenn ich bei 
den späteren Betrachtungen die älteren, weniger verlässlichen Analysen 
ausser acht lasse ; hier seien sie nur der Vollständigkeit halber an- 
geführt. 



^) In G. Fr. Kunz: Gems and precious stoaes of North-America (New- 
York 1890) pag. 168 tiadet sich folgende Bemerkung: „Near Santa Fe (New 
Mexico) it (obsidian) is found in rounded pebbles over an inch across, resenibling 
moldavite, as the variety from Moravia is called, only not quite so green". Ich 
hatte Gelegenheit Herrn Kunz während seines kurzen Aufenthaltes in Wien im 
Jahre 1899 über den Punkt persönlich zu befragen, und erfuhr, dass sich das 
Vorkommen als sehr zweifelhaft herausgestellt hatte. 



234 J>i- ^'i'aiiz K. 8uess. [42J 



.S7 0^ 88-50 

Ah (>3 5-75 

Fei ^3 1"'^ 

FeO — 

MnO — 

Ca 200 

Mg — 

K^O — 

Xa, () — 

Glühverlust ... — 



II. 


III. 


IV. 


V. 




«1 


lec'.Gew.y 


3.Ö. I8i)ec.(il('w. 


82 70 


79-12 


81-21 


76-10 


9-40 


11-36 


10-23 


5'10 


2-61 


2-38 


2-45 


1 717 


0-18 


— 


— 


1 25 


1'21 


4-45 


2-10 


4-67 


1-21 


1-48 


1-08 


2-95 


2 45 


1-21 Diff. 


243 


3-lG 


— 


— 


0-14 


— 



98-00 99-71 100-00 99-64 100-43 

I. Budweis (?). Klapproth. Magaz. d. Ges. d. iiaturw. Freunde. 

Berlin 1816. 

II. Budweis. A. L. Er dm an ii. Journal für techn. u. ökonomische 

Chemie. Leipzig 1832. 

III. Moldauthein (?). C. v. Hauer. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1854. S. 869. 

IV. Trebitsch. C. v. John. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1880. pag. 282. 

V. Trebitsch. Wenzliczke. Verhandl. d. naturw. Vereines. 13rünn, 

1880, Bd. XIX. Abhandl. S. 9. 

Die vollkommenste Uebereinstimmung zeigen dagegen sieben 
neuere Analysen, von denen sechs zu verschiedenen Zeiten von Herrn 
C. V. John und eine von Herrn Jos. H au a mann in Frauenberg bei 
Budweis vorgenommen wurden. 

VI. VII. VlIJ. IX. X. Xl" XIL 

Si 0., . . . .82-28 77-75 77-69 81-20 82-68 ".8-61 77-96 

AI, 0, ... 10-08 12-90 12-78 9-65 'J-56 12-01 12-20 

Fe, 0,....- - 205 \ .,... - 0-16 0-14 

Fe ().... 2-03 2 60 1-45 / "^ "^ 113 3-09 3-36 

MnO .... — — — 0-11 0-18 0-11 010 

Ca ().... 2-24 3-05 1 26 2-65 206 r62 194 

M(f ().... 0-98 0-22 1-15 1-80 1-52 1-39 1-48 

K, O . . . . 2-20 2-58 2-78 2-34 2-28 3-06 2-70 

Na, ().... 0-28 0-26 0-7» — 0-63 0-44 0-61 

Gl üb Verlust . . 006 O'IO — — — — —_ 

100-15 99-46 99-94 100*00 100-04 100-49 100-49 

VI. Müldavit von Badomilitz bei Budweis, lichtgriin. 1 r^; ''; "^ /'('",' 

VII. Moldavit von liHdomilitz bei Budweis, dunkelgrün. ■ ^^.Q] i^ .^ 
YIII. Moldavit von lladomilitz bei Budweis, lichtbraun. I isho, S. 473. 

IX. Moldavit v. Wittingau (V). Spec. Gew. 3-35 Budweis. -J. llanamann. 

X. Moldavit von Budweis lichtgriin. | (j_ v. J o h n Verhandl. d. k. k. 

XI. Mohlavit von Irebitscli. > , ,. . ,orw» o imx 
XH. Moldavit von Trebitsch. J ^^^^- ^^ "A. 1899, b. 179. 

Der auffallende Gegensatz der neueren y\nalysen gegen die alten 
liegt darin, dass jene stets ein bedeutendes IJeberwiegen des Kali 
gegenüber dem Natron aufweisen, während die letzteren nur Natron 
angegeben haben. Nach der Aeusserung des Herrn C. v. J o h n scheint 
es demnach nicht ausgeschlossen, „dass bei den alten Analysen dem 
Vorgang der ersten Analytiker entsjjrechend nur Natron angenommen 
und eine Kalibestimmung überhaupt nicht durchgeführt wurde." 



r4ol Uif llerkuutt der Moldavite und verwandter üliiser. 2.35 

Die vollste Uebereinstimnmng der mälirischen Moldavite (XI 
und XII) mit denen der Budweiser Gegend lilsst mit Sicherheit auf 
deren gemeinsame Herkunft trotz der räumlichen Trennung schliessen. 
Ausserdem erhellt noch aus dem Vergleiche der Analysen, dass die 
Schwankungen der Bestandtheile durchaus keinen zufälligen Eindruck 
maclien, sondern sich in derselben Weise vollziehen, wie man es von 
den einzelnen Theilen erwarten kann, die einem gemeinsamen Eruptiv- 
körper angehören. Das wird aus dem, nach der Methode von Iddings V) 
entworfenen Diagramme auf Seite 2'dß ersichtlich. Die Molekularpro- 
portiouen der Kieselsäure sind in den Abscissen, die der Basen in 
den Ordinaten in gleichen Längenverhältnissen dargestellt. 

Die Schwankungen der Basen innerhalb der europäischen Moldavite 
vollziehen sich bei abnehmender Kieselsäure in ganz ähnlicher Weise 
und anscheinend mit noch grösserer Regelmässigkeit, wie in den 
sauersten Partien der Analysengruppen zusammengehöriger Eruptiv- 
Massen, wie sie von Iddings, Darky ns u. a. dargestellt worden sind. 
In ziemlich gleichmässiger Weise nimmt die Thonerde zu mit der Ab- 
nahme der Kieselsäure. Das Verhältnis von Kalk und Alkalien bleibt 
constant (Cd : iVag : iv^ schwankt um 4:1:6); Kali nimmt zum 
säurearmen Ende allmälig und mit grösserer Regelmässigkeit zu als 
andere Basen, während der geringe Gehalt von Natron um absolut 
kleine Grenzen schwankt. Die Monoxyde schwanken, wie das gewöhnlich 
der Fall ist, in unregelmässigerer Weise, nehmen jedoch, als Ganzes 
betrachtet, gegen das kieselsäurearme Erde zu. Bei Nr. VII vicariren 
Kalk und Magnesia, und bei Nr. VIII ist das Eisen theilweise als 
Oxyd vertreten; wenn FeoO^ zu FeO umgerechnet und der Molekular- 
zahl dieser Verbindung zugezählt wird, erhält man beiläufig dieselbe 
Eisenmenge, wie in den benachbarten Analysen. Aus dem Ganzen 
erhellt aufs deutlichste die „Gauverwandtschaft" (Lang) oder „Con- 
saguinity" (Iddings) der analysirten Stücke, welche ohne Zweifel 
derselben Gesteinsindividualität augehören-). 



^) J. P. Iddings. The ürigiu of Igneous Rocks. Bull. Philos, Society 
Washington. Vol. XII, 1892, pag. 90. 

'^) Ganz anders verhalten sich dagegen die Zufal]si)roducte von Glashütten, 
wie man sie zuweilen auf den Aeckern findet, wohin sie zeitweise zusammen mit 
Schutt und Abfällen gebracht; einzelne Stücke, z. B. grüne Glaskugeln, sind schon 
bei mangelhafter Kenntnis des Gegenstandes mit Moldaviten verwechselt worden. 
Eine solche Glaskugel von Netin, nördlich von Gross-Meseritsch, hat mir Herr Prof. 
¥. Dvorsky übergeben und auch als künstliches Glas bezeichnet. Die von Herrn 
C. V. John verfertigte Analyse (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1899, S. 179) 
zeigt chemische Verhältnisse, die bei Gesteinen unmöglich vorkommen können: 

Si (X, 52-32 

Al,0^ 0-3Ü 

F<^.0, - 

FeO 1-20 

MeO 102 

CaO 17-52 

%0 3-60 

K,0 22-84 

Na^O 0-24 

Glüliverlust .... 0-80 

99-84 

.lahrbiicli d. k. k. geol. Keiclisanstalt, 1900, ."jO. Band, -i. Heft. (Fr. E. Suess.) 31 



236 



Dr. Franz E. Suess. 



[44] 



2 







;^ 







td 



r45] ßie Herkunft der Moklavite und verwandter Gläser. 237 

Es darf jedocli nicht uiierwaliiit bleiben, dass die Analyse Nr. V 
eines Trebitsclier Stückes vielleicht doch auf das Vorkommen vereinzelter, 
stark abweichender cliemischer Mischungen schliessen lässt. Für die Auf- 
nahme in beistehendes Diagramm ist die Analyse wegen der Un- 
siclierheit der Alkalienbestimmung nicht geeignet. Das auffallendste 
ist jedoch der sehr geringe Thonerdegehalt (5- 13), dem ein sehr 
hoher Kisen- und Mangangehalt, mit reichlichem Kalk und Magnesia 
gegenüberstehen. Diese Zusammensetzung ist eigentlich nicht in 
üebereinstimmung mit dem ausnahmsweise geringen specifischen Ge- 
wichte (2-180), welches für das Stück angegeben wird. 

Die bisherigen Analysen von aussereuropäischen Moldaviten bin 
ich in der glücklichen Lage, durch zwei Analysen zu ergänzen, welche 
Herr C. v. John auf meine Hitte durchzuführen die Freundlichkeit 
hatte. Das eine der beiden Stücke, von Dedang in Billiton, verdanke 
ich Herr-« Professor K. Martin in Leiden, das zweite war ein Bruch- 
stück einer der von Stelzner untersuchten Stücke das von Streich 
(1891) zwischen der Everard Hange und Fräser Range gesammelt 
worden war; ich verdanke es der Güte des Herrn Professors R. 
Beck in Freiberg, der mir es zum Zwecke der chemischen Unter- 
suchung überlassen hat. 

Es liegen demnach folgende Analysen von Billitonkugeln vor: 

Xill. .\.1V. XV. 

Spec. Gewicht .... 2-503 2;43 2-447 

Si 0., 74-30 71-14 '<0-y2 

Al^O^ 13-83 11-99 12 20 

Fe^O, — — 1-07 

FeO 3"f)0 5-29 f)-42 

Mn — 0-32 014 

CaO 5-2'2 2-84 3-78 

MgO 1-50 2 3S ü-ßl 

K^O - 2-7G 2-49 

uya^O — 2-45 2-46 

TiO., — Spur — 

Was'ser 013 — — 

98-58 99-17 101-U9 

XHI. Billiton Dr. Cretier in Batavia. De Groot, Jaarboek van het 

Mijnwezen 1870, ü., S. 229. 
XIV. Lura Mijn. Nr. 13. Dendang. Dr. Brunck in Freiberg. Ver- 

beek Jaarb. v. h. Mijnwezen 1897, S. 240. 
XV. Tebrung, Dendang. C. v. John. Wien, geol. Pt.-A. 1900. 

Die Analyse von Cretier betrifft ein Stück von besonders 
hohem specifischen Gewicht ; sie ist jedoch wegen ihrer augenscliein- 
lichen Unvollständigkeit für den Vergleich nicht verwertbar. Nach 
Cretier war beim Versetzen des Pulvers der Billitonkugel mit Salz- 
säure ein bituminöser Geruch wahrnehmbar, was auf das Vorhanden- 
sein von Kohlenwasserstoffen schliessen lässt An dem Pulver von 
Moldaviten konnte ich das Gleiche nicht wahrnehmen. 

Im übrigen ist die grosse üebereinstimmung in die Augen fallend 
zwischen den beiden Analysen XIV und XV, von denen die eine vom 
Herrn Assistenten Brunck in Freiberg, die zweite von Herrn C. v. 

31* 



^38 r)!"- Franz E. Stiess. [46] 

John in Wien durchgeführt worden ist; dem entspricht auch die 
geringe Verschiedenheit beider Exemplare in Bezug auf das specifische 
Gewicht. ^ Die cliemisclie Zusammensetzung der Billitonkugeln ent- 
spriciit demnach, ebenso wie die der Moldavite, etwa der eines sauren 
granitischen Magmas. Von den Mohiaviten unterscheiden sie sich, trotz 
einer allgemeinen Verwandtschaft in der chemisclien Zusammen- 
setzung, durch geringere Aciditcät und durcli einen grösseren Gehalt 
an Alkalien, wobei Natron beiläufig in den gleichen Gewichtspercenten 
vorhanden ist wie Kali^). 

Weniger constant in der chemischen Zusammensetzung scheinen 
die weit verbreiteten australisclien Bomben zu sein ; man kann dies 
bereits nach dem bisherigen spärlichen Analysenmateriale annehmen. 
Die folgenden Analysen sind, mit Ausnahme von Nr. XX, dem Auf- 
satze von R. H. Wale Ott entnommen. 





XV[. 


XVII. 




XVITI. 




XTX. 


XX. 


Spec. Gewicht . . 


. 2-47 


— 




2-44 




2-47 


2-443 


.SVO^ 


. 73-70 


64-68 




71-38 




73-40 


71-2:^ 


AI, O3 


. 4-99 


16-80 


l 
1 






12-65 


13-52 


Fe,0,. . . . . 
FeO 


'. 08 


101 
6'57 


10-3(i 


} 


4-74 


0'77 
ry30 


MnO 


— 


0-20 




— 


vorhanden 


0-28 


CaO 


4-20 


3-88 




2-80 




4-30 


3-52 


Mf/0 


0-10 


2-50 




1-89 




0-74 


2-38 


K,0 


. 4-83 


401 




— 




, — 


2-28 


iVrt, 


. 5-20 


Spur 




— 




— 


1-48 


Glüliverliist . . . 


. 0-Ö5 


— 




— 




— 


— 



99-65 99-65 95-49 9583 lOÜ-75 

XVI. Wimmera (Victoria), Australien. Analyse von dem verstorbenen 
J. Cosmo Newbery, Melbourne, Exhibition Catalogue 1866. 

XVII. Uralla, New South Wales. Analyse 1897, verfertigt^ von Mr. 
J. C. H. Mingaye und durch Mr. E. F. Pittman, Gouver- 
nement-Geologist, an Herrn Walcott gesendet. 

XVIII. Mount Elephant (Victoria) 1898 M. Stonc, Assayer to the 
Mine-Departement. 

XIX. Central-Australien, gesammelt von Professor Si)enccr, ana- 

lysirt 1898 von R. H. Walcott. 
XX. (iesammelt von V. Streich zwischen Everard Range und 
Eraser Range, analysirt 1900 von C. v. John, Wien. 



^) Der Vollständigkeit halber sei hier noch die Analyse J^amnur's aus 
(h'ni Jalire 1844 angeführt, welche eine wahrscheinlich ebenfalls /.n den Hiliitnn- 
kugeln gehörige Ohsidianbombe „aus Indien' betrifft, (siehe oben, S. 210). Wenn 
man die unvoUkoninienen Methoden berücksichtigt, so wird man linden, dass die 
Analyse mit den obigen über Erwarten gut ühereiiistinimt. Ans hegreiflichen 
Gründen ist der Eisengehalt zu hoch angegeben, während eine Trennung der 
Alkalien offenbar nicht durchgeführt wurde. 

SiO., 70-34 

AI.., Ö 863 

FeO' 10 52 

Mti 0-32 

Ca 4-56 

MgO 1-67 

Na,0 3-34 

99-38 



[47] r)ie Ilerkiiiift der Moldavite und verwandter Gläser. 239 

Aus dem Vergleiche der specifisclien Gewichte im folgenden 
Capitel kann man bereits ersehen , dass unter den australischen 
Bomben neben sauren auch mehr basische Varietäten vorkommen 
müssen. Nr. XVI, einem Ausstellun<;skataloge aus dem J. 1 800 entnommen, 
kann als ältere Analyse uid)erü('ksichtigt bleiben und trägt überhaupt 
bei dem ausserordentlich grossen Alkaliengehalt und der geringen 
Menge von Thonerde den Stempel der Unwahrscheinlichkeit an. sicii. 
Das Exemplar Nr. XVII, dessen specifisches Gewicht leider nicht 
angegeben ist, stellt ein Beispiel der mehr basischen Varietäten dar. 
Es müssen aber vereinzelt noch weit extremere Glieder vorkommen ; 
denn Herr J. C. Moulden besitzt in seiner Sammlung eine kleine 
runde Bombe, welche in einem Netzwerk von Glas Körnchen von 
Olivin enthielt, ^sehr ähnlich dem Limburgit von Rosenbusch". 
Das Stück war in Brocken Hill an einem hoch über der Umgebung 
liegenden Tagbaue gefunden worden. 

Die Stücke XVIII, XIX und XX haben beiläufig dasselbe speci- 
fische Gewicht und demnach auch sehr ähnliche chemische Zusammen- 
setzung, sie stimmen auch gut überein mit den Billitonkugeln von bei- 
läufig gleicher Dichte. Die neuesten Analysen XV, XVI und XX sind 
nahezu identisch. 

Auf dem Diagramme S. 23G kann man im nahen Zusammenfallen 
der Molekularproportionen der genannten drei Analysen die Lage des 
anscheinend häufigsten Typus unter den aussereuropäischen Moldaviten 
wahrnehmen. Trotz der starken Verschiebung des Alkalienverhältnisses 
gegenüber den europäischen Stücken, welche eine „Gauverwandtschaft" 
im Sinne von Lang ausschliessen würde, ist nach meiner Meinung 
doch eine Verwandtschaft beider Typen nicht zu verkennen. Mit dem 
.Sinken der Kieselsäure haben sowohl die Monoxide, als auch die 
Alkalien beiläufig in demselben Masse zugenommen ; in Bezug auf 
die Thonerde ist die Zunahme nur gering. Dagegen tritt die Zunahme 
in dem Ansteigen der Linie zum basischesten Gliede (XVII) wieder 
deutlich hervor. Auch dieses Glas ist mit 64"/q *S7 O2 noch immer den 
sauren Magmen zu vergleichen; die Schwankungen der Linien voll- 
ziehen sich hier noch in derselben Weise, wie in innerhalb der 
sauren Glieder zusammengehörige Gesteinsgruppen und sind durchaus 
nicht grösser als die Schwankungen bei den nach I d d i n g s durch 
Gauverwandtschaft (Consanguinity) verbundenen Magmen. Vorläufig 
fehlen jedoch die Bindeglieder zwischen den aussereuropäischen und 
europäischen Vorkommnissen, und erst eine Anzahl weiterer Analysen 
wird darüber Aufschluss geben können, ob die sämmtlichen bekannten 
moldavitischen Gläser als Glieder einer Reihe zu betrachten sind. 
Dagegen geht aus den Analysen mit Bestimmtheit hervor, dass die 
b ö h m i s c h e n und mährischen IM 1 d a v i t e u r s }> r ü n g 1 i c h 
einer einzigen Masse angehört haben. 

Herr Professor F. Exner hatte die grosse Güte, eine spectro- 
skopische Untersuchung von Splittern böhmischer Moldavite vor- 
zunehmen, und ich bin ihm zu grossem Danke verpfiichtet, sein 
Resultat hier mittheilen zu können. 

„Es sind nachweisbar: Natrium, Calcium, Barium, Strontium, 
Silicium, Kohlenstoff, Eisen, Nickel, Chrom, Mangan. Blei, Aluminium, 



240 Dl"- Franz E. Siiess. [48] 

Magnesium. Ausserdem zeigt sich aber noch eine Reihe von Linien 
die sich bisher niclit indcntificiren Hess; da nur noch die Messungen 
der seltenen Erden ausstündig sind, wird vermutliet, dass sie diesen 
angeliören (Thorium ist iiiclit vorlianden). 

Es wurde aucli das Si)ectrum vom bölimischem grünen Flasclien- 
gh'is aufgenommen und es Hess sicli in demselben mit Sicherheit 
nachweisen: Nntrium, Calcium, Strontium, Silicium, Kohlenstoff, Eisen, 
Mangan, Aluminium, Magnesium; doch bleiben auch hier mehrere 
Linien übrig, die sich vorläufig nicht identificiren lassen. Nickel fehlt 
in dem untersuchten Glnse vollständig und nuch die Kohlenstotflinien 
treten viel schwächer auf als in den Moldaviten, sind jedoch deutlich 
nachweisbar." 



IV. Physikalische Eigenschaften. 

1. Farbe. Sowohl die europäischen als auch die ausser- 
europäischen Tektite sind bei einiger Dicke und bei frischem Erhaltungs- 
zustände im autfallenden Lichte tiefschwarz und lebhaft lackartig 
glänzend. Bei etwas abgerollten Stücken ist der GInnz matter und in 
vielen Fällen, namentlich unter den böhmischen Stücken, wird die 
Farbe der rauhen Oberfläche heller bis zu einem schmutzigen Weisslich- 
grün (s. unten Seite 251). 

Hält man ein nicht allzu dickes böhmisches oder mährisches 
Stück gegen eine Lichtquelle, so tritt in überraschender Weise die 
hellgrüne Farbe des stark durchscheinenden Glases hervor. Die 
Lichtdurchlässigkeit nimmt jedoch mit der Dicke sehr rasch ab, so 
dass massige und namentlich kugelige Stücke fast undurchsichtig 
erscheinen. Sehr dünne oder stark abgerollte böhmische Stücke sind 
jedoch auch im aufl'allenden Lichte hell grnsgrün. Daneben finden 
sich weniger häufig gelblichgrüne bis ins bräunliche gehende 
Varietäten. 

Li der Literatur findet man den Farbenton verschiedenartig 
bezeichnet, am häufigsten wohl als flaschengrün, seltener als lauch- 
grün, pistnziengrün. olivengrün oder smarng;igiün. Der Grundton ist 
eigentlicli ein milderes Flaschengi'ün, ohne den Stich ins Giftgrüne, 
wie er bei vielen Flaschengläseni angetroffen wird. p]r variirt zu 
schönem und brilliantem Hellgrün, wie es bei den zu Schmucksteinen 
verwendeten Stücken beliebt sind ; ein Stich ins bläuliche, wie er 
dem echten Smaragdgrün entsjjricht, ist jedoch niemals zu beobachten ^i. 
Ein Stich ins gelbliche bis zum Uebergang in ein schmutziges (»elblich- 
grün, ist besonders bei vielen mährischen Stücken (Slawitz) und bei 
den meisten, besonders bei abgerollten und etwas angewitterten 
böhmischen Exemplaren zu beobachten. Selten sind hellgelblichbraune 
Varietäten, denen jedoch ebenfalls nie ein Stich ins grünliche abgeht. 



^) Die häufigston Farben pnt,si)rorhon don Tcirien 10 /■ -d 11 >ii — p iinil 
12 n—r GelbgrUn, Uebergang nach (irasgriin, von Raddo's Internationaler Far- 
benscnla. 



[49] Öie Ilerkmifr der Molilavito iiiul verwandter (ililser. 241 

Solche Stücke sind meist etwas intensiver gefarl)t und um einen ge- 
ringen Grad weniger durchsichtig. Trotzdem sowohl in Böhmen, als 
auch in Mähren die extremsten Farbentöne, wie äusserst bhisses Gras- 
grün und dunkleres Oelblichbraun in ganz vereinzelten Fällen vor- 
kommen, so ist doch an grösseren ^Sammlungen von Stücken der beiden 
Fundgebiete ein Gegensatz leicht walirzunehmen. In der Budweiser 
Gegend h ersehen unbedingt die hellen und reiner grünen Stücke vor, 
während man im Trebitscher Fundgel)iete häutiger etwas mehr bräuii- 
lidie und dunklere Varietäten antritt't. 

Aus den Analysen von C. v. John geht sehr deutlich hervor, 
dass die verschieden gefärbten Stücke chemisch sehr gut miteinander 
übereinstimmen, dass der grüne Farbenton von dem Gehalte an 
Eisenoxydul herrührt, und dass die mehr gelblichen und bräunlichen 
Töne allein durch den Gehalt an Eisenoxyd bedingt werden. Die 
dunkleren Stücke dürften jedoch auch im allgemeinen etwas eisen- 
reicher und um ein Geringes ärmer an Kieselsäure sein ^). 

Die basischeren aussereuropäischen Stücke sind im allgemeinen 
merklich dunkler und etwas weniger durchscheinend ; sie enthalten 
stets neben dem Eisenoxydul etwas Eisenoxyd und man trifft bei 
ihnen, soweit meine Erfalirung reicht, nicht den reinen grünen Ton 
der Budweiser Stücke. Gewöhnlich werden sie auch von den Beobachtern 
als flaschengrün bezeichnet (Darwin, Gl ark, Cretier). Verbeek 
bezeichnet die Billitonkugeln als in Splittern grünlichbraun durch- 
scheinend und in äusserst dünnen Blättclien fast farblos; er erwähnt 
auch ein lichtgrünes Exemplar und nach ihm soll nebst einer schwarzen 
auch noch eine lichtgelbe Glaskugel vom Berge Muhriah auf Java 
stammen, welche beide sich im Museum zu Amsterdam befinden. 
Krause bezweifelt jedoch die Zugehörigkeit der letzteren zu den 
hier besprochenen Körpern. Stelzner schildert die hohle Bombe 
vom Kangaroo Island als vor einer Lichtquelle gelblichbraun durch- 
scheinend, und ebenso ist die Hohlkugel von Horsham nach Wal cot t 
bräunlich durchscheinend. Twelvetrees und Petterd bezeichnen 
die Farbe der Kanten und Splitter der tasmanischen Stücke als tief- 
grau bis gelblichbraun. Die Farbe der Splitter der beiden von John 
analysirten Exemplare von Billiton und von Australien waren voll- 
kommen gleichartig bräunlichgelb mit einem schwachen Stich ins 
grünlich und fast ganz gleich der P'arbe mancher dunkelster Varietäten 
unter den Moldaviten'tz B. dem Stücke von Analyse Nr. VIII). 

Da die Farbe nur von einer verschiedenen Oxydationsstufe des 
Eisens abhängt, kann sie keinen Gegensatz der chemischen Mischungen 
der verschieden gefärbten Stücke bedeuten. Doch kann es zu gleicher 
Zeit nicht Wunder nehmen, dass die basisclieren und specifisch 
schwereren Exemplare infolge grösseren Eisengehaltes zugleich die 
dunkleren Farbentöne aufweisen. 



^) Das eelblichbraune, von John (Seite 42) analysirte Stück von Rado- 
militz bei ßudweis hat ganz den äusseren Habitus der mährischen Stücke. Seiner 
Farbe nach ist es ganz vereinzelt unter vielen huuderten von böhmischen Stücken, 
welche ich gesehen habe, doch ist gar kein Grund vorhanden, an der Richtigkeit 
der von Woldrich gegebenen Fundortsaugabe im mindesten zu zweifeln. 



242 ßi'- Fi'anz E. Suess. [50] 

2. Gewicht. Um einen Anhaltspunkt zu gewinnen betreffs der 
Gleichniässigkeit der chemischen Zusammensetzung und eine beiUuifige 
Vorstellung von den Grenzen, in welchen die Mischung variirt, habe 
ich eine Reihe Gewichtsbestimniungen an einer Anzahl der abgebildeten 
und auch an den wenigen mir vorliegenden aussereuropäischen Stücken 
vorgenommen. Nicht alle Moldavitexemplare sind dazu geeignet, weil 
an manchen Stücken in den tiefen Rillen noch die schwer zu ent- 
fernenden Reste des verhärteten Sandes haften, in dem die Stücke 
auf ihrer ursprünglichen Lagerstätte eingebettet waren. Die unter 
Wasser auf der stark zerrissenen Oberfläche reichlich anhaftenden 
Luftblasen wurden durch Auskochen unter der Luftpumpe entfernt. 
Die Stücke sind unten nach dem steigenden Gewichte der Reiiie nach 
aufgezählt; B bedeutet „Budweiser", T „Trebitscher", M „malaiisches" 
und A „australisches" Fundgebiet. 

Die Bestimmungen anderer Autoren habe ich, mit einen * ver- 
merkt, zwischen die meinigen eingereiht. 

S|)ec. Gew. 

B. 2"318. Sehr blassgrün. Krems bei Budweis. Fig. 33. (Mineralog. 
Institut der böhm. Universität Prag.) (Das Gewicht ist 
vielleicht im geringen Masse beeintlusst von im Stücke 
enthaltenen Blasen.) 

B. 2-318. Lichtgrün, mit sehr schwachem Stich ins gelbliche. Fig. 31. 
Collection S c h w a r z e n b e r g. 

T. 2-318. Gelblichgrün. Slawitz. Collection Dvor.sky. Unregel- 
mässiges Kernstück, mit dem Charakter der Furchen böh- 
mischer Kernstücke (etwa wie Fig. 11). 

T. 2-318. Kleines, ganz ausnahmsweise lichtgrünes Stück, wie es 
unter den mährischen Moldaviten selten vorkommt. Von 
Professor D vor sky in einer Schottergrube bei Skrey ge- 
funden. 

T. 2-321. Sehr lichtgrüu. Skrey. Collection D vor sky. 

B. 2*324. Sehr lichtgrün, mit schwachem Stich ins gelbliche. Collection 
S c h w a r z e n b e r g. Fig 34. 

B. 2-324. Sehr lichtgrün, mit scliwachem Stich ins gelbliche. Collection 
S ch Warzen b erg. Fig. 11. 

B, 2*321). Sehr lichtgrün, mit schwachem Stich ins gelbliche. Collection 
S c h w a r z e n b e rg. Fig. 18. 

T. 2-332. Ziemlich hellgrün. Sternform Skrey. Collection Dvorsky. 

B. 2*334. Lichtgrün, schwach gelblich. Collection S ch warz enberg. 
Fig. 10. 

T. 2-337. Oelgrün, ins bräungelbliche durchscheinend. Kernstück. 
Slawitz. Beispiel Nr. 2. 

T. 2-340. Abgerolltes Stück. Slawitz. Collection Dvorsky. 

T. 2*342. Gelblichgrün, Kernstück. Slawitz. Collection Dvorsky. 
Beispiel Nr. 3. 

T. 2-342. Gelblichgrün, abgerollt. Teruvky. Collection Dvorsky. 

T. 2*343. Gelblichgrün, Kernstück. Sl/iwitz. Collection Dvorsky. 

B. 2-343. Lichtgrün, ins gelbliche. Pfeilform. (Angeb. Moldauthein.) 
Naturhistorisches liofmuseum. Beispiel Nr. 30, 



[51] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 243 

Spec. Gew. 

B. 2-344. Liclit grasgrün, mit kaum merklichem Stich ins gelbliche. 

Umgebung von Budweis Collection S cli warz enber g. 

Fig. 32. 

T. 2344. Kernstück. Slawitz. Collection Dvorsky. 
T. 2-344. Abgerollte Sternzapfenfonn. Kozichowitz. Collection 
I) V r s ky. 

*T. 2344. Dunkelgrün. Skrey, Hiirtebestimmung durch Herrn 
Rosiwal. Seite 24(j. 

T. 2345. Rund, abgerollt Dalescliitz. Collection Dvorsky. 

B. 2347. Hell grasgrün, mit kaum merklichem Stich ins gelbliche. 

Collection S c h w a r z c n b e rg Stark zerrissenes Stück. 
T. 2-348. Licht ölgrün, mit einem schwachen Stich ins gelbliche, an- 
geschliffenes Stück. Skrej. Collection Dvorsky. 
T. 2-348. Teruvky. Collection Dvorsky. 
T. 2349. Kernstück. Slawitz Collection' Dvorsky. 
T. 2-3Ö0. Hell gelblicligriin. Kernstück. Beispiel Nr. 7. 
T. 2-351. Dunkle Kugel, etwas angewittert. Skrey. Collection 

D V r s k f. Siehe Seite 278. 
T. 2-352. Grün, mit schwachem Stich ins gelbliche. Zwischen Skre y 

und Dukowan. Geologische Ueichsanstalt. Beispiel Nr. 10. 
T. 2 352. Grünlichgelb Koi^ic h o wi tz Collection D vor sky, Beispiel 

Nr. U). 
T. 2353. Hell, aber trüb grünlichgelb. Slawitz. Collection Hanisch. 

Fig. 12. 
T. 2355. Gelblichgrün, dunkel. Dukowan. Collection Dvorsky. 

Beispiel Nr. 14. 
T. 2356. Gelblichgrün, dunkel. Zwischen Skrey und Dukowan. 

(Naturhistonsches Hofmuseum.) Beispiel Nr. 8. 

T. 2-356. Licht bräunlichgelb, mit einem starken Stich ins grünliche, 
Skrey und Dukowan. (Naturhistorisches Hofmuseum.) 
Beispiel Nr. 23. 
Grösstes Stück, dunkel grünlichgelb. Slawitz. Collection 

Dvorsky. Fig. 9 
Rein hellgrün. (Angeb. Moldauthein.) Naturhistorisches 

Hofmuseum.) Beispiel Nr. 30. 
Gelblichgrün, Kanten durchscheinend. Dukowan. Col- 
lection Dvorsky. Beispiel Nr. 12. 
Dunkel, Kugelform. Zwischen Skrey und D u k o w a n. 

(Geologische Reichsanstalt.) Taf. VH, Fig. 2. 
Grünlichgelb, Sternscheibe, etwas abgerollt. Skrey. Col- 
lection Dvorsky. Fig. 14. 
T. 2362. Gelblichgrün, Kanten durchscheinend. Skrey— Dukow^an. 
(Geologische Reichsanstalt.) Beispiel Nr. 16. 
*T. 2363. Lichtgrün. Umgebung von Trebitsch. Kxemplar der Härte- 
bestimmung durch Herrn A. Rosival. Seite 240. 
B. 2-363. Grasgrün, Uebergang ins gelbgrüne. Umgebung von Bud- 
weis. Collection Seh warzen b erg Fig. 42. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keiclisan.stalt, 19ü0, 50. Hami, 2. lieft. (Fr. E. Siiess.) 32 



T. 


2357, 


B. 


2-357 


T. 


2-357 


T. 


2-357, 


T. 


2-361 



244 r)i"- Franz E. Suess. [52] 

Öpec. Gew. 

B. 2*oG5 Hell gelbliclibraun, mit einem schwachen Stich ins grün- 
liche. Radomilitz. (Geologisches Institut der böhmischen 
Universität Prag.) Analyse von C. von John. Nr. VIII. 
Seite 234. 
B. 2-3GG. Hell grasgrün. Collection S chwarz e nberg. Fig. 24. 
B, 2'375. Hell grasgrün. Collection Seh war z e nberg. Fig. 22. 
B. 2-385. Hell grasgrün. Collection Seh war zenb erg. Beispiel Nr. 29. 

Taf. V, Fig. 5. 
A. 2 419, Australien. (v. Streich.) Geologisches Institut der Universität 
Wien. Fig. 44. 
*M. 2-443. Fluss Lura, Mine 13. Dendang, Brunk, Freiberg. Analyse 

Nr. XIV, Seite 237. 
M. 2-443. Zapfenform. Dendang, Billiton. Collection Perlep. Taf. VH, 

Fig. 7. 
A. 2'443. Zwischen Everard Bange und Fräser Range. (Streich.) 

Analyse Nr. XX von C. v. John, Seite 237, 
M. 2-443. Tebrung. Dendang, Billiton. Geologisches Reichsmuseuni 

Leiden. Taf. VH, Fig. 2. 
*M. 2-445. Billiton. Krause. 

M. 2-447. Tebrung. Dendang, Billiton. Analyse Nr. XV, Seite 237. 
M. 2-447. Ebenda. Geologisches Reichsmuseuni Leiden. 
*A. 2-450. Smith Creek, Long Piain, Tasmanien. Twelvetres und 
Petterd. 
A. 2-450, Längliches Stück, erhalten von Wale ott. Kalgoorlie-District, 
Fig. 46. 
*M. 2-452. Dick-linsenförmig. Bunguran. Krause. 
*M. 2-454. Billiton. Krause. 
A. 2-45G. Grössere Knopfform. Kalgoorlie District. Fig. 45. 
M. 3-45G. Tebrung. Dendang, Billiton. Geologisches Reiehsmuseum 

Leiden. Fig. 38. 
A. 2-457. Kleines knopfförmiges Exemplar, erhalten vonWalcott. 

Kalgoorlie-District, Westaustralien. 
*M. 2-4G2. Rhizopodenartig Bunguran. Krause. 
M. 2-4G3. Tebrung. Dendang, Billiton. Geologisches Reiehsmuseum 

Leiden. Fig. 39. 
M. 2-4GG. Ebenda. Taf. VII, Fig. (>. 

*A 2-470. Central- Australien. Wale ott. Analyse Nr. XIX, Seite 238. 
^'^A. 2-470. Wimmera. Cosmo Newberry. Analyse Nr, XVI, Seite 238. 
i\I. 2 479. Dendang. Collection Perlep. Taf.'VH, Fig. 4. 
*M. 2-485. Billiton Krause. 
M. 2-490. Dengang. Geologisches Institut der Universität Wien. Fig. 3(). 
*M. 2-503. Billiton! Dr. Cretier, 

*A. 3-78. Olivinführende Bombe von Broken Hill, Moulden (nach 
brieflicher Mittheilung). 

Man ersieht leicht aus diesej- Aufzählung den Gegensatz zwischen 
den euroi)äisehen melir sauren und den aussereuroi)äiseiien mehr 
basischen Vorkommnissen. 01)woiil es aus den mir vorliegenden Proben 
nicht ersichtlich wird, scheinen doch die Australite in Bezug auf das 



[531 I^iß Ilorkunt't der Moldavito iiiid verwandter Gläser. 245 

specitisclie Gowiclit grösseren Schwankungen unterworfen zu sein, als 
die Stücke der anderen Fundgebiete ; das geht aus den Angaben 
verscliiedener Autoren hervor. Clarke fand Unterschiede von 
2-42 -27, Stelzner gibt als bei der Wägung von 6 Stücken ent- 
halte Grenzwerte 2-41 — 2'52, Tvvelvetrees und Petterd von 
tasmanisclien Stücken 245 — 2-47, Walcott fand dagegen an Stücken 
von verschiedenen Gegenden nur Schwankungen von 2-42— 2'48. Nach 
der Mittheilung des Herrn J. C. Moulden in Brocken Hill, welcher 
eine Sammlung von mehr als 60 Exemplaren aus verschiedenen Theilen 
Australiens besitzt, zerfallen sie dem specifischen Gewichte nach 
in zwei Grupen, und zwar in solche vom durchschnittlichen Gewichte 
2'o8 und solche vom durchschnittlichen Gewichte 2-44— 2'45. 

Geringere Schwankungen weisen die Biliitonkugeln auf: sie be- 
tragen nur etwa sieben Hundertstel und ihr durchschnittliches Gewicht 
fällt nahe zusammen mit dem der australischen Bomben. Nach meinen 
Beobachtungen liegen auch die extremsten Zahlen für die böhmischen 
und mährischen Moldavite nicht weit auseinander; die weit über- 
wiegende Mehrzahl der Stücke liegt zwischen 2-34 — 2-30. Sehr blass- 
grüne Stücke haben ein auffallend geringes Gewicht, während dunklere, 
mehr braune Stücke in der Regel etwas schwerer sind ; doch gibt es 
Ausnahmen von dieser Regel ; man kann immerhin schliessen, dass 
die von C. v. John analysirten lichtgrünen und hellbraunen Stücke zu- 
gleich den Extremen in der chemischen Zusammensetzung ziemlich 
nahe kommen, und dass unter den Moldaviten kaum viel grössere 
Schw^ankungeu in der chemischen Zusammensetzung vorkommen dürften, 
als die aus dem Diagramme auf Seite 236 ersichtlichen. 

In den Einzelheiten lässt sich eine Beziehung zwischen der Farbe 
und dem Gewichte nicht leicht feststellen, da es sehr schwer ist, 
an den verschieden dicken Exemplaren mit sehr verschiedenartiger 
Oberfläche die Intensivität der im allgemeinen doch sehr ähnlichen 
Färbung zu vergleichen. Im grossen und ganzen sind aber ohne 
Zweifel die Trebitscher Stücke etwas mehr gelbbraun gefärbt als die 
böhmischen, ein Unterschied, der, wie bereits bemerkt, nur in der 
Form der Bindung des Eisens liegt und vielleicht durch verschieden 
langes Glühen des Glases hervorgerufen werden könnte. Man wird 
vielleicht nicht fehlgehen, anzunehmen, dass die Stücke von Trebitsch 
im allgemeinen etwas basischer sind als die von Budweis. Das weniger 
saure Exemplar von Analyse Nr. VIII, obwohl von Radomilitz bei Bud- 
weis, kann hiefür nur als Bestätigung dienen, denn es trägt im ganzen 
Habitus und in der Farbe in ausgesprochener Weise den Charakter 
der Exemplare aus der näheren Umgebung von Trebitsch. 

Von der relativen Vertheilung nach dem specifischen Gewichte 
im mährischen und böhmischen Gebiete kann übrigens die Aufzählung 
keine richtige Vorstellung geben, da von beiden Fundgebieten ab- 
sichtlich auch die am extremsten gefärbten lichtesten und dunkelsten 
Stücke mit in die Bestimmung einbezogen wurden. 

3. Härte. Die Härte der Moldavite wird von verschiedenen 
Autoren mit 6 oder 6 — 7 angegeben und ähnlich scheinen sich die 
aussereuropäischen Tektite zu verhalten; Verbeek bezeichnet die 

32* 



246 Dr Franz E. Suess. [54] 

Härte der Billitoiiite niit 6 und Moiildeii die der Australite mit 
6—7. IJezüglicli der jMoldavite liat sich ein erfahrener Praktiker in 
Härte-Untersuchungen, Herr A. Rosiwal, der dankenswerten Mühe 
unterzogen, nach seiner eigenen Methode eine genauere Prüfung vor- 
zunehmen, und ich hin in der glückliclien Lage, seine p]rgehnisse 
hiehersetzen zu können: 

„Die üntersucliung zweier Moldavitproben auf ihre Härte er^ab 
die folgenden Resultate, wobei die Härtezahlen in pro niille der 
der Korundhärte ausgedrückt sind '). 

I. Moldavit von Skrey (dunklere Varietät; sp. G. - 2-344). 
Directe Bestimniung durch Abschlitf mit Normalkorund- 

l.ulver '^<J'^'7oo K- 

Indirecte Bestimmung durch Abschliii' mit Smir^eipulver .'»Mi^/f,,^ „ 

Mittelwert . . 31-0"/oo K. 

n. M 1 d a V i t V n ß u d w e i s (hellere Varietät ; sp. G. = 2'363). 

Zwei Bestimmungen durch Abschlitf mit Smirgelpulver 90 90/ "^ 

I •^•' ^ /(jO ^ 

Mittelwert . . 29-5o/oo K. 

Des Vergleiches halber wurden auch zwei Glassorten auf 
ihre Härte in gleicher Weise untersucht und gefunden : 

ni. Grünes Flaschenglas (Bruchtläciie ; sp. G. = 2 268). 
Directe Bestimmung durch Abschlitf mit Normalkorund- 

pulver ^0 1%,, K. 

Indirect mit Smirgelpulver . . li)-r)<'^,) „ 

Mittelwert . . lO'So/oo K. 

IV. Weisses Solin-Tafelglas (Oberfläche; sp. G. ^ 2-546). 
Zwei Bestimmungen durch Abschliff f 1. Anschlitf . . lOO%o K. 
mit Smirgelpulver | 2. „ . . 17-4'V,)o „ 

Mittelwert . . 18-2%ü K. 

Die Härte des Tafelglases nimmt von der Oberfläche gegen das 
Innere zu ab. 

Es ist somit die Härte des Moldavits wesentlich h ö h e r 
(ca. 30%y K.) als jene der gebräuchlichen künstlichen Glassorten 
(ca. 20%o K.). Von den natürlichen Gläsern kommen tracliy tische 
Obsidiane dem Moldavite an Härte ungefähr gleich, indem für 
Liparit-Obsidian von Maravatio, Mexiko 34'2*^/oo K., für solchen von 
Obsidian-Clitf, Jellowstone, Nat. Park 35'6"/q„ K. gefunden wurde 
(a. a. O. S. 489). Die wasserhaltigen Pechsteine (z. B. Felsit- 
Pechstein von Corbitz bei Meissen mit 21'4"/üo J^- ^i"*^^ ^^" ^^^^' Distal 
Arran mit 25-5'Yoo K.) sind weicher. 

') Man vergl. hierüber: Itosiwal, Neue Untersuchungsergebnisse über die 
Härte von Mineralien und Gesteinen. Verhandl. d. k k. geol. R.-A. 1896. S. 475. 



[55] I^'6 Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 247 

Die Harte der Moldavitc erreicht also iiiclit ^aiiz die Durch- 
schnittslärte der Feldspathe (Olij^oklas 35 5, Ortlioldas o^-fJ'Voo K.) 
und bleibt ganz bedeutend unterhalb jener des Quarzes (ll7"/„ü K.)." 

4. S c h ni e 1 z b a r k e i t. \' or dein Löthrohre schmelzen die Mol- 
davitsplitter nur sehr schwer zu einem klaren Glase, ohne zu schäumen, 
im (Jegensatz zu dem Verhalten der meisten Ubsidiane, welche infolge 
ihres Wassergehaltes eine schaumige Schlacke bilden In dieser Hin- 
sicht stimmen die Beobachtungen aller Autoren in Bezug auf die 
verschiedene Vorkommnisse vollkommen überein; und die Billitonite 
sowohl, als auch die Australite verhalten sich ebenso wie die euro- 
päischen Moldavite, 

Die Schwersclinielzbarkeit der Moldavite wurde bereits wieder- 
holt geprüft, da sie einen Rückschluss gestattet auf den natürlichen 
Ursprung des Glases und einen künstlichen Ursprung ausschliesst. 
Diesen Schluss hat bereits Klapproth im Jahre 181(5 gezogen. Später 
haben 1881 Prof. Habermann u. A, VV enz licz ke i) die Schmelz- 
versuchen in einem Lampenofen, an einer Wasserstrahl-GebhiseHamme 
wiederholt. Bei einer Erhitzung durch fünfzehn Minuten zeigten die 
Splitter eines Trebitscher Moldavites nur schwach abgeflossene 
Ränder und hafteten nur wenig am Platintiegel, während viel grössere 
Splitter von schwer schmelzbaren Verbrennungsröhren nach fünf Mi- 
nuten, und Splitter von Champagnerflascheii nach ein bis zwei Minuten 
vollständig niedergeschmolzen waren. 

Eine Reihe von sehr bemerkenswerten Schmelzversuchen an 
Bud weiser Moldaviten hat Herr Jos. Bare§, Chemiker der fürstl. 
Schwarzenberg'schen Thonwarenfabrik in Zliv bei Hudweis, zu- 
gleich mit Schmelzversuchen an einigen archäischen Gesteinen vor- 
genommen-). Tafelglas und hartes Kaliglas (von Kawalier in Sazau) 
wurden zugleich mit Moldaviten einer Temperatur von ca. 960— 1000 '^C. 
ausgesetzt. Der Moldavit zeigte keine Anzeichen von Schmelzbarkeit 
und keine Sprünge beim Abkühlen, während die beiden Gläser beim 
Abkühlen zersprungen waren. Bei 1250° C. überzogen sich die Mol- 
davite mit einem schön grünen, ganz undurchsichtigen Schichtchen, 
ohne jedoch zu schmelzen; bei derselben Temperatur war das Tafel- 
glas in eine weisse Glasur zerflossen, das harte Kaliglas hatte sich 
blos gänzlich verbogen und war in seiner ganzen Dicke milchig ge- 
färbt. Erst bei 1400" war es Herrn Bares gelungen, die Moldavite 
zu einem schön grünen Glase zu schmelzen, dessen Farbe an Inten- 
sität die des ungeschmolzenen Moldavites übertretfen soll. Tafelglas 
war bei dieser Temperatur zu einer vollkommenen Glasur geschmolzen; 
das Kaliglas war über das Chamotteplättchen heruntergeflossen und 
war nur dort, wo es sich in einer ganz dünnen Schiebe befand, in eine 
Glasur verwandelt. 

Ein von mir im Jahre 1898 vorgenommener Versuch im Sef- 
ström'schen Ofen ergab keine vollkommene Verflüssigung der Mol- 



1) Verhdlg. nat. Ver. Brunn, XIX. Bd., «. 5 u. 10. 

^) Öasopis pro prümysl chemicky. Piag 1898, Nr. 4. Ich entnehme die An- 
gaben dem Citate von Jahn. Verhdg. d. geol. Reichsanst. 1899, S. SS. 



248 D>'- Franz E. Suess. [56] 

(lavite; sie waren nur ziih erweicht worden, so dass man noch an 
dem Aneinanderschluss der zusammengeflossen Tropfen din Um- 
grenzung der eiiizehien Stücke des (ihises erkennen konnte, die in 
einem Tiegel zusammengelegt worden waren. Dabei zeigte sich keine 
bemerkenswerte Farbenveränderung, sondern der gelblichgriine Ton 
war auch dem Schmelzproduct geblieben. Die Oberfläche war glatt, 
klar und glasglänzend, so wie die die des zu gleicher Zeit ganz nieder- 
gescholzenen Flaschenglases und nicht dunkel und lackglänzend, wie die 
der meisten frischen Moldavite. Herr Julius A. Reic'h, Chemiker der 
Glasfabrik von S. Reich u. Co. zu Krasna bei Wallachisch-Meseritsch in 
Mähren, hatte auf meine Bitte die Freundlichkeit, Ende 1890 einige 
Moldavitstücke in einem Thontiegel im Glasofen niederschmelzen zu 
lassen ; das gelang nur, wenn die Stücke durch mehrere Stunden den 
höchsten im Glasofen zu erzeugenden Hitzegraden ausgesetzt wurden. 
Auch in diesem Falle hatten die Moldavite nicht denselben Grad von 
Dünnflüssigkeit erreicht, wie die in Ofen erzeugten Gläser, sondern aus 
den nicht vollkommen auseinandergeflosseiien, breiten Tropfenformen 
des Erstarrungsproductes konnte man ersehen, dass sie sich in. einem 
merklich zäheren Zustande befunden hatten als diese. Auch die Be- 
obachtung von Bares, betreffend das verschiedene Verhalten der 
Moldavite und der künstlichen Gläser beim Erkalten, konnte in der Glas- 
fabrik von Krasna beobachtet werden. Einzelne Moldavite wurden erhitzt, 
bis sie so weich wurden, dass man mit einer Zange Eindrücke auf ihrer 
Oberfläche erzeugen konnte, und dann in Schnee geworfen ; nur einzelne 
Exemplare sind beim raschen Erkalten in einige wenige Bruchstücke 
zersprungen, während andere trotz der grossen TemperaturdiÖ'erenz 
ganz geblieben sind ^). 



V. Mikroskopische Beschaffenheit. 

An mehreren Schliffen von böhmischen und mährischen Moldaviten, 
sowie an je einem Schliffe von einem Billitonite von Dendang in 
Billiton und von dem Australite von der Fräser Range, dessen Analyse 
oben gegeben wurde, konnte ich zunächst im wesentlichen die Beob- 
achtungen jener Autoren bestätigen, welche die Masse als reines Glas 
mit zahlreichen Gasporen, aber ohne jegliche krystallinische Ein- 
schlüsse schildern. In dieser Hinsicht stimmen die Angaben von 
Mako WS ky über die Moldavite mit denen von Wich mann-) und 
Behrens-^) über die Billitonkugeln und denen von Walcott*) 
über die Australite überein. Tasmanische Stücke enthalten nach 
Twelvetrees und Petterd'') ausser den kleinsten Gasporen, noch 
sehr kleine Globulite, welche die als Margarite bezeichneten; in Reihen 



*) Neuere Versuclie von A b b e, welche die Möglichkeit, Moldavit künstlich 
herzustellen betreffen, sind im letzten Capitel besprochen. 
'') Ztschft. d. Deutsch, geol. Ges. 1893, S. 518. 
•') Krause 1. c. S. 239. 
*) 1. c. p. 31. 
=) 1. c. p. 40. 



[57] ßie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 249 

geordneten Gruppen bilden. Diese, sowie andere in kurzen Schnüren 
geordnete Krystallite sind am häufigsten am Rande der Stücke und 
werden von den Autoren als Producte der beginnenden Entglasung 
betrachtet. 

Die Beschreibung von Verbeek und meine eigene Beobachtung 
an dem Billitonitschliife zeigt jedoch, dass sich, wenigstens was die 
Billitonite betritt, nicht alle Exemplare vollkommen gleich verhalten. Er 
sah in dem vollkommen isotropen und fast farblosen Glase allerfeinste 
Interpositionen, in Form von ca. 00 14 nun langen Stäbchen oder un- 
regelmässig gestreckte, ca. 0-001— O'OOG mm, höchstens 0-02 7nin grosse, 
äusserst blassgrüne oder farblose und wasserhelle Blättchen, welche 
er vermuthungsweise für Pyroxen hält. Aeusserst kleine opake Körn- 
chen dürften zum Magnetit und ebenso kleine, bräunliche, durch- 
scheinende Blättchen zu einer anderen Eisenverbindung (Eisenoxydul ?) 
zu rechnen sein. Yerbeek vermuthet, dass die braune Farbe des 
Glases von diesen kleinsten Tlieilchen herrührt. Mit Recht bemerkt 
Verbeek, dass man bei der Beurtheilung dieser Schliffe selir vor- 
sichtig sein und die genaueste Einstellung zu Rathe ziehen muss, 
um nicht die feinsten, staubartigen Bestandtheile, welche hartnäckig 
an' der Oberfläche des Glases haften, fiir Einschlüsse anzusehen. 

Ich gewahrte in dem einzigen mir vorliegenden Billitonitschliffe 
nur zwei kleinste, farblose, schmale, rechteckige Säulchen mit ziemlich 
starker Lichtbrechung, gerader Auslöschung und a in der Längsrich- 
tung {a = c); nach der Lage der optischen Elasticitätsaxen können 
diese Säulchen keinem Pyroxen angehören. 

Die schlierige Fluidalstreifung ist an sämmtlichen Dünnschliffen 
mit freiem Auge fast noch deutlicher wahrzunehmen als unter dem 
Mikroskope ; hier tritt sie aber auch bei seitlicher Beleuchtung infolge 
der ungleichen Lichtbrechung der einzelnen Lamellen sehr schön 
hervor. Sie verläuft, namentlich bei den schaligen oder gezerrten 
böhmischen Stücken, in ihrer Haupterstreckung den Hauptflächen 
parallel, was aber nicht ausschliesst, dass sie oft in ziemlich scharfen, 
faltenartigen, auch mehrfach wiederholten Biegungen rückläufig wird. 
Ein solches Verhalten ist wohl auch von den neuerdings aufgeschmol- 
zenen und dann verzerrten Schlieren zu erwarten. 

Li Dünnscliliffen von allen Vorkommnissen finden sich in 
wechselnder Menge und Grösse, längliche oder rundliche Linsen von 
schwächer lichtbrechendem Glase eingeschlossen; ihre Streckung fällt 
stets mit der Richtung der Fluidalstructur zusammen und tritt am 
stärksten hervor bei den böhmischen Stücken. Doch besitzen sie auch 
in dem australischen Schliffe, wo sie sich etwas spärlicher vorfinden, 
oft eine ausgesprochene, beiderseitig zugeschärfte Lancetform ; daneben 
finden sich aber auch rundliche oder unregelmässig umgrenzte 
Blättchen ; hie und da liegen sie schief im Schliffe, ohne denselben 
der ganzen Dicke nach zu durchsetzen. 

Eine unbestimmt streifige, meist nur schwache, aber stets deut- 
liche Aufhellung unter gekreuzten Nikols wurde ebenfalls an ver- 
schiedenen Stellen fast aller Schliffe wahrgenommen ; u. zw. am 
reichlichsten in den böhmischen Schliffen und am spärlichsten in dem 
Schliffe der Billitonkugel. Dieselbe Erscheinung haben Ho witt und 



250 Dr. Franz E. Siiess. [58] 

H g g an australischen und T w e 1 v e t r e e s u. I* e 1 1 e r d an tasma- 
nisclien Stücken beobachtet. Walcott glaubt, dass die Spannungs- 
doppelbrechung wenigstens zum Theil durch die Herstellung des Schliffes 
verursacht ist, da sonst die Körper eine grössere Sprödigkeit auf- 
weisen müssten. Fiir die böhmischen Moldavite kann diese Erklärung 
aber keinesfalls angenommen werden. Fast stets ist diese Spaniiungs- 
doppelbrechungan die unmittelbare Umgebung der erwcähnten, schwäclier 
liclibrechenden Glaspartien gebunden. In dem australischen Schliffe 
konnte ich ein solches Glasblättchen beobachten, welches unter ge- 
kreuzten Nikols von einem deutlichen Spannungskreuze umgeben 
war; a lag in der Längsrichtung der aufgehellten Kreuzbalken. 

Bei den gezerrten Stücken, wo die Glaseinschlüsse sehr lang- 
gestreckte Formen angenommen haben, sind die aufgehellten Partien 
oft gleich büschelartigen Schweifen an den Enden und an den Seiten 
der langgestreckten oder auch augenartig verdickten Linsen angehängt 
In manchen Exemplaren sind die Glaseinschlüsse zu äusserst dünnen, 
liaarförmigen Streifen auf lange Erstreckung hin ausgezogen : ein 
dünner Streifen zeigt dann ebenfalls Aufliellung und tritt unter ge- 
kreuzten Nikols wie ein helleres, sehr dünnes Haar aus der dunklen 
Fläche hervor. Aber auch unabhängig von den schwächer lichtbre- 
chenden Glaspartien finden sich stellenweise kleine, aufgehellte, 
längliche Wolken, die oft in Reihen geordnet sind. In allen aufgehellten 
Partien fällt a mit der Längsrichtung der Streifen zusammen ; wie 
das auch der elastischen Spannung des Glases infolge einer Zerrung 
entspricht. 

Kleinere oder auch grosse Gasporen und Bläschen finden sich 
ebenfalls in wechselnder Häufigkeit in allen Schliffen. Spärlicher und 
meist vollkommen rund sind sie in den aussereuropäisclien Stücken ; 
doch finden sich auch hier stellenweise linsenförmige Blasend iirch- 
schnitte. In tasmanischen Schliffen sind nach Twelvetrees und 
Petterd die runden Gasporen umgeben von Globuliten und Glas- 
einschlüssen. In den böhmischen Moldaviten sind die Gasblasen meist 
häufiger und grösser und werden oft von den beiderseitigen Schliff- 
fiächen geschnitten. Sie scheinen in ihrer langgestreckten Form zahl- 
reicher zu sein innerhalb der sclnvächer lichtbrechenden (Jhispartien ; 
doch finden sie sich auch ausserhalb derselben nicht selten. Manchmal 
kann man auch in der Umgebung oder an den Enden der linsen- 
förmigen Blasenräum'^ durch Spannung doi)pelbrechende Partien be- 
obachten. 

Während diese kleineren Bläschen schon urspriiiiglich in der 
Masse enthalten gewesen sein dürften, scheinen die grossen Blasen- 
räume in den hohlen australischen Stücken und in vielen böhmischen 
Moldaviten erst später entstanden zu sein Sie werden unten be- 
sprochen. 



[59] r)ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 251 

VI. Gestalt und Oberfläche. 
1. Moldavite. 

I. Frische und angewitterte Oberfläche. 

Die den Moldaviten eigene gegrubte, und gefurchte Oberfläche 
ist nicht, wie häufig angenommen worden ist, die Folge irgend- 
weh'her corrosiver Vorgänge mechanischer oder chemischer Natur 
während des Transportes durch Wasser, sondern ist als eine ursprüng- 
liche für diese Körper in höchstem Grade bezeichnend und muss 
mit ihrer Entstehung in innigem Zusammenhange stehen. Das geht, 
abgesehen von den aus der näheren Beschreibung weiter unten sich 
ergebenden Gründen, schon daraus deutlich hervor, dass man die 
angegriffenen Stücke von den frischen sehr wohl unterscheiden kann 
und dass Abrollung und Verwitterung unzweifelhaft die ursprüngliche 
Sculptur verwischen oder verschwinden machen. Die unveränderten 
Stücke sind im auffallenden Lichte tief schwarz, gleich einer frischen 
Steinkohle und glänzen lebhaft, wie wenn ihre Oberfläche mit einem Lack 
überzogen wäre. In dieser Hinsicht gleichen die unverwitterten 
mährischen Moldavite vollkommen den frischen Stücken von Billiton 
oder von Australien. Unter der Lupe erscheint die gegrubte Ober- 
fläche auf das feinste gekörnelt oder in einem der Fluidalstructur 
entsprechenden Sinne gestreift. 

Die Oberfläche der corrodirten Stücke ist infolge feinster Rauhig- 
keiten nur schw\ach fettglänzend oder hat den Glanz völlig verloren. 
Die Stücke haben zwar im allgemeinen noch das dunkle Aussehen 
bewahrt, doch ist das lichte Grün des Glases, meist getrübt durch die 
in die feinsten Sprünge eingeriebene, lehmige Substanz, auch im auf- 
fallenden Lichte deutlich sichtbar; viele corrodirte Stücke haben aber 
eine hellere, ins schmutzig Gelbbraun gehende Farbe. Die untrüg- 
lichsten Anzeichen der Corrosion sind die zahlreichen ringförmigen 
und halbmondförmigen Sprünge, die, ausgefüllt mit einer gelblichen 
Lehmsubstanz, schon mit freiem Auge an solchen Exemplaren stets 
sichtbar sind und deren Zahl unter der Lupe noch bedeutend zu- 
nimmt (Fig. 4). Aehnliches sieht man im selben oder auch in viel 
grösserem Masstabe häufig an zersetzten Obsidianen, deren Ober- 
fläche unter Umständen auf mehrere Millimeter Tiefe durch solche 
haardünne Einrisse, oder breitere, mit Lehm oder Zersetzungsmateriale 
ausgefüllte sichelförmige oder kreisförmige Gruben zerrissen ist; oft 
stehen sie unregelmässig vertheilt , oft in eng gedrängten Reihen 
hintereinander; oft ist die Oberfläche durch den Reichthum solcher 
Aufrisse vollkommen zerstört. An den Moldaviten ist aber diese Zer- 
setzung nie so weit gegangen. 

Es offenbart sich in diesen bogenförmigen oder kreisförmigen 
Anlagen die innere molekulare Structur des Glases. Wenn es auch 
nicht angeht, der Kugelform dieselbe Bedeutung für die amorph er- 
starrte Lösung zuzuschreiben, welche die Krystallform für das aus- 
geschiedene Salz besitzt, so spielt doch für die chemischen Angriffe 
der muschelige Bruch in diesem Falle eine ähnliche Rolle, wie die 

Jahrbuch d. k. k. geol. Ifeichsanstait, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 33 



252 Dr. Franz E. Suess. [ßO] 

ebenflächige Spaltbarkeit beim Krystalle. Während sich hier die Störung 
des molekularen Zusammenhanges durch einen kleinsten Stoss an der 
Oberfläche in gerader Linie fortpflanzt, wird sie im Glase einen 
Bogen beschreiben. Solche feinste Risse geben dann den chemischen 
Angrifl"en vorgezeichnete Wege. Es scheint mir nicht unbedingt nöthig, 
zur Erklärung der kreisförmigen Anwitterung in jedem Falle eine 
auch im Mikroskope nicht unterscheidbare kryptoperlitische Structur 
anzunehmen ; bei den Moldaviten spricht aber manches dafür, dass 
eine solche thatsächlich vorhanden ist. An manchen solchen Ringen, 
die einen Durchmesser bis zu 2 nini besitzen, sieht man nämlich 
an der durch Lichtbrechung helleren Färbung des Randes, dass sich 
nach allen Seiten in das innere Stück eine Ablösungsfläche fortsetzt, 
welche anscheinend den Tiieil einer kleinen Kugelfläche bildet. An 
anderen Stücken sieht man die volle, kugelige oder ovale Form einer 

Fig. 4. 




Verwittoriiiigsringe an einem abgerollten Moldavit der Umgebung von Biulweis 
(^/._, der natürliclien Grösse). 

im Innern abgesonderten Glaspartie hindurchschimmern und wo die 
Glaspartie von der corrodirten Oberfläche des Stückes geschnitten 
wird, hat sich die Absonderungsfläche in Form eines kleinen Ringes 
abgezeichnet. 

Mit der an alten, künstlichen Gläsern oft beobachteten, kreis- 
förmigen Auswitterung, die meist mit einer schichtweisen Ablösung 
der obersten Partien und P^ntstehung einer irisirenden Schichte ver- 
bunden ist, wie sie z. B. Brewster beschrieben liat^), lässt sich 
die Erscheinung an den Moldaviten niclit unmittelbar vergleichen ; 
bei diesen ist die Zersetzung von einem Punkte, vielleicht von einem 
kleinen Bläschen ausgehend, nach allen Seiten gleichmässig vor- 
gescliritten, so wie sie in ungleichem Grade nach verschiedenen Rich- 

') David Brewster, On tlic Stiucture and Optica) Piienomena of ancient 
de{'oni])OS('d (rlass. Traiisact. of tlie Roj'al Soc. of Kdinl)iirgli. Vol. XXlII, 18()4, 
pag. l'J-J. 



[61] Die Herkunft der Moklavite und verwandter Gläser. 253 

tungeii beim Anätzen einer Krystallfiäche vorschi-eitet, oder es sind 
leichter zerstörbare, sclialige Partien ausgewittert. Aber auch an 
alten Gläsern sieht man häufig, dass die beginnende Entglasung sich 
kleine Kreisbögen und Hinge als erste Angriffslinien erwählt; häufig 
mag dann die von einem Ringe umschlossene Substanz gänzlich heraus- 
wittern, so dass eine scharf umgrenzte, kreisförmige Grube zurück- 
bleibt. Alle diese Erscheinungen konnte ich deutlich an einer Reihe 
von prähistorischen Glasobjecten der Sammlung des k. k. natur- 
historischen Ilüfmuseums beobachten, auf welche mich Herr Dr. Moriz 
H e r n e s aufmerksam gemacht hat. Die in Fig. 5 abgebildete, 
prähistorische Glasperle zeigt ganz dieselben Zersetzungsringe, welche 
man auf manchen Moldaviten beobachten kann, und daneben ist noch 
die Fluidalstructur des Glases infolge der chemischen Angriff"e in Form 
feiner Streifen im Sinne der Meridiane hervorgetreten. Ein hellgrünes 
Glasstück, das bei Gross-Meseritsch gefunden worden ist, wurde mir 
von Herrn Prof. F. Dvorsky mit der Bezeichnung als künstliches 
Glas eingeschickt, um zu zeigen, dass es auch Gläser mit rauher Ober- 

Fi?. 5. 




Verwitterungsringe an einer prähistorischen Glasperle von der Höhle Byciskala 
bei Adamsthal in Mähren {^l^ der natürlichen Grösse). 

fläche gibt, welche man bei ungenügender Kenntnis des Gegenstandes 
für Moklavite halten könnte. Die Farbe ist ein helleres Grün und durch 
einen schwachen Stich zum Giftgrünen für den Kenner von jenem der 
Moldavite wohl unterschieden; im Innern sieht man einige Streifen 
irgendwelcher Unreinigkeit eingeschlossen, was ich bei Moldaviten noch 
nie wahrgenommen habe, trotzdem ich bereits tausende von Stücken 
gesehen habe. Das hohe specifische Gewicht (2*61) beweist ebenfalls 
die Verschiedenheit der Substanz von der der Moldavite. Es ist 
anscheinend ein nicht mehr deutlich erkennbares Stück eines Henkels 
oder Flaschenbodens. Zwei etwas ebene Flächen mit geringerer 
Rauhigkeit sind offenbar jüngere Bruchflächen ; die dritte, das Stück 
umschliessende, gewölbte Oberfläche ist ganz überdeckt mit sehr 
kleinen Grübchen, zwischen denen sich deutliche, grössere Halbmonde 
befinden ; an dem Boden dieser Vertiefungen haftet noch stellenweise 
die perlmutterglänzende Entglasungssubstanz. Ein ähnliches Stück 
Glas mit rauher Oberfläche, welches an der Moldau bei Prag ge- 
funden worden war, zeigte mir Herr Professor C. Vrba bei meinem 
Besuche im mineralogischen Institute der böhmischen Universität in 
Prag. Es ist klar, dass diese Rauhigkeiten von oberflächlich zer- 
setzten Gläsern nichts zu thun haben mit der tiefgefurchten, nach 

33* 



254 Dr. Franz E. Suess. [62] 

gewissen Gesetzen verlaufenden Sculptiir der Moldavite, sondern dass 
sie den kleinen Hingen auf der Oberfläche der corrodirten und ab- 
gerollten Stücke entsprechen. Die kalk- und alkalireichen künstlichen 
Gläser sind jedoch vielmehr den chemischen Angriffen ausgesetzt 
und zeigen die Zersetzungserscheinungen in viel höherem Masse, als 
die viel älteren, aber thonerdereichen Moldavite. 

Ebensowenig als eine chemische, kann, wie öfter versucht wurde, 
eine mechanische Corrosion, durch Reiben an Sand in Gerollen bei 
Wassertransport oder durch Rutschen und Bewegungen auf der Lager- 
stätte selbst, als Erklärung für die Moldavitsculptur herangezogen 
werden. Abgesehen davon, dass kein Grund vorhanden ist. zufolge 
dessen die mechanische Abreibung, welche ja im allgemeinen die Er- 
habenheiten und Kanten an Gesteinsstücken entfernt und dieselben in 
glatte Gerolle verwandelt, auf die Moldavite in anderer Weise wirken 
sollte als auf die übrigen Körper, lehrt schon ein Blick auf die Ab- 



Fig. ß. 




Abgerollter Moldavit (Budweis) mit „Fingernageleindrücken'. Natürliche Grösse. 

bildungen auf den Tafeln, dass derartige tiefe Rinnen, sternförmig 
angeordnete Gruben u. s. w. niemals durch gewöhnliche Abreibung zu- 
stande kommen können. Es finden sich dagegen hin und wieder Stücke, 
welche, ausser der oben beschriebenen Corrosion, deutlich die Form 
der wahrhaften Gerolle zeigen. Ja das Verschwinden der frischen, 
lackglänzenden Oberfläche geht unzweifelhaft Hand in Hand mit dem 
Verschwinden der tiefen Canäle und Gruben. An weniger abgerollten 
Stücken sieht man oft, dass, während die äussere Oberfläche bereits 
matt und mit zahlreichen Sichelbögen übersäet ist, die tieferen Partien 
der Gruben, welche der Abreibung nicht zugänglich waren, noch tief- 
schwarz glänzen. An anderen, stark abgerollten Stücken sind die 
Spuren der Sculptur noch als unregelmässige Vertiefungen vorhanden. 
Hat das Stück ursprünglich sehr tiefe, scharfe Canäle besessen, so 
sind die tiefsten Stellen derselben oft noch an den abgerollten Stücken 
als scharf gezeichnete Einrisse erhalten geblieben, welche dadurch, 
dass sich in denselben die Lehmsubstanz reichlich angesammelt hat, 



[63] r)ie Herkunft der Moldavite iiud verwandter Gläser. 255 

besonders deiitlicli und scliarf umgrenzt hervortreten. Herr Professor 
Doli hat sie einmal gesprächsweise treti'end mit „Fingernagel- 
eindriicken" vergliclien. Es scheint übrigens, dass diese engsten und 
tiefsten Theile schmaler Canäle in ähnlicher Weise der Zersetzung 
Vorschub leisten, wie die capillaren, bogenförmigen Sprünge, und es 
erklärt sich daraus die allgemeine Aehnlichkeit dieser „Fingernagel- 
eindrücke" mit den Zersetzungsringen, nur dass erstere stets grösser 
sind und einen anderen Verlauf besitzen. In ihrer sternförmig aus- 
einander strahlenden Anordnung kann man häufig noch die Gesetze er- 
kennen, nach denen die Vertiefungen auf den frischen Stücken ver- 
laufen (Fig. 6). Wie nicht anders zu erwarten, ist es selbstverständlich, 
dass man alle Uebergänge von ganz frischen bis zu völlig abgerollten 
und corrodirten Moldaviten nachweisen kann. 

Zum Schlüsse sei noch bemerkt, dass nach meiner Erfahrung 
abgerollte Stücke durchaus nicht selten sind (wie z. B. Fig. 4). Unter 
den böhmischen Stücken sind sie häufiger als unter den mährischen ; 
jene scheinen im allgemeinen die Oberfläche nicht in derselben Frische 
erhalten zu haben wie diese; daher mag auch die meistens etwas 
heller grüne Farbe der Oberfläche herrühren. Man muss bedenken, 
dass die frischen Stücke aus begreiflichen Gründen mehr Aufmerk- 
samkeit erregen und in den Sammlungen verhältnismässig häufiger 
gefunden werden müssen ; nach meiner Erfahrung glaube ich, dass 
man die Anzahl der abgerollten Exemplare unter den böhmischen 
Moldaviten auf ein Drittel der gesammten Menge wird schätzen können. 
Unter den mährischen Vorkommnissen scheint, nach den Stücken in 
der Sammlung des Herrn Inspectors E. Hanisch zu schliessen, die 
Localität Trebitsch besonders reich an abgerollten Moldaviten zu 
sein ; es sind sämmtlich Stücke von dem Habitus der weiter südlich 
gelegenen Localität T e r u v k y — S 1 a w i t z , an der jedoch die 
allerschönsten, frischen Exemplare im Schotter gefunden worden sind. 



2. Formentypen. 

Die Oberfläche der Moldavite ist, wie bereits mehrfach zu er- 
wähnen Gelegenheit war, ausgezeichnet durch tiefe Gruben, kleinere 
rundliche oder langgestreckte Näpfchen oder auch tief eingerissene 
Furchen und Canäle ; alle diese verschiedenartigen Sculpturen schwanken 
bedeutend in den Dimensionen und von den breiten und tiefen, rund- 
lichen Eindrücken mit Dimensionen bis zu 08 cm Länge und 0'3 cm 
Breite finden sich in ununterbrochener Reihe alle Uebergänge bis 
zur Anreihung kleinster, scharfer Einrisse, welche das Aussehen vieler 
Stücke aus der Budweiser Gegend charakterisiren und denselben 
gleichsam ein zerhacktes Aussehen geben. Die Sculptur steht in 
innigem Zusammenhange mit der gesammten Gestalt der Stücke und 
an der Hand der weiter unten besprochenen Formentypen werden die 
Uebergänge erläutert. 

Ausserdem zeigt die Oberfläche der meisten Moldavite eine 
feine Streifung, welche unabhängig von den grösseren Gruben, diese 
oft quer durchschneidend verläuft. Es ist ohne Zweifel dieselbe 



256 Dl'- yrsiuz E. Suess. [64] 

Streifung-, welche Stelzner an einzelnen Australiten als „Bürsten- 
striche der Luft" bezeichnet hat. Die Wirkung der Luft hat jedoch 
in dem von S t e 1 z n e r gemeinten Sinne mit dieser Streifung nichts 
zu thun, denn dieselbe ist der Ausdruck der schlierigen Fluidal- 
structur des Glases und sie kommt auch beim Anätzen von frischen 
BrudiHächen mittels Flusssäure zum Vorschein. Die Fluidalstreifung 
kann unter Umständen so sehr hervortreten, dass die gröbere Sculptur 
von ihr beinflusst wird und dass sie das Aussehen des ganzen Stückes 
in erster Linie beherrscht, wie das bei den Stücken der letzten der 
unten besprochenen Formengruppen der Fall ist. 

Wenn im folgenden von einer Corrosion die Rede ist, welche 
die tiefgrubige Sculptur auf der Oberfläche der Moldavite hervor- 
gerufen hat, so ist damit natürlich nicht eine gewöhnliche, mechanische 
oder chemische Corrosion gemeint, sondern ich will gleich vorgreifend 
bemerken, dass ich dabei an die atmosphärische Corrosion denke, 
welche ein Aerolith im raschen Abstürze erleidet. 

Schon Stelzner bemerkte, dass die böhmischen Moldavite 
durchweg Bruchstücke irgend einer grösseren Glasmasse sind. Dasselbe 
trifft zum grossen Theile auch für die mährischen Vorkommnisse zu; auch 
sie sind zum grossen Theil an den scharfkantig umgrenzten Flächen 
als polygonale oder schalige Bruchstücke zu erkennen. Doch bemerkt 
man sowohl an den Budweiser, als auch an Uebergangsreihen der 
Trebitscher Stücke nicht selten, dass die zunehmende Corrosion die 
beim Bruche entstandenen Kanten zerstört hat und dass neue indi- 
vidualisirte Formen gebildet wurden. Ausserdem gibt es aus der 
Trebitscher Gegend eine Reihe von Stücken, welche durch kugelige, 
eiförmige, scheibenförmige oder zapfenförmige Gesammtform aus- 
gezeichnet sind und durchaus nicht den Eindruck von Bruch- 
stücken machen, diese bilden eine besondere Gruppe. Sie wurden 
als zweite Gruppe beschrieben und an sie habe ich die am stärksten 
corrodirten schal igen Bruchstücke angeschlossen; als letzte 
Gruppe habe ich die in extremster Weise corrodirten, z, Th. unregel- 
mässig gezerrten Formen unterschieden, welche sich von den schaligen 
Bruchstücken der Budweiser Gegend ableiten lassen. 

Ich habe es am zweckmässigsten gefunden, meine Ausführungen 
mit den Bruchstücken von Slawitz bei Trebitsch zu beginnen; es ist 
das ein an dieser Localität vorherrschender Typus, welcher die 
Sculpturerscheinungen in der einfachsten Weise zeigt, und es sind 
zugleich dieselben Stücke, bei deren Betrachtung in der Sammlung 
des Herrn Lispectors p]. Hanisch ich zu dem Studium der Moldavite 
angeregt worden bin. Die Beschreibung der mährischen Stücke, welche 
selbständige individualisirte Körper bilden, sah ich mich genöthigt, 
zwischen die Bruchstücke einzuschalten, da sie weniger stark gegrubt 
und gefurcht sind und die Behandlung der extremsten Formen am 
Schlüsse des Ganzen, wie ich glaube, das Bild der gesammten Er- 
scheinung am übersichtlichsten gestaltet. Selbstverständlich können 
die angeführten Gruppen nicht als streng gesondert betrachtet 
werden, sondern es sind dieselben durch mannigfache Uebergänge 
miteinander verbunden; die Cömbinationen der Eigenschaften ver- 



[65] r'iß Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 257 

schiedener Gruppen in einem anderen Sinne, als in dem hier be- 
sprochenen, sind jedoch, wenn sie überhaupt auftreten, gewiss sehr 
selten. 

A. Kernstücke. 

Bruchstücke von unregelmässig polygonalem Umriss, mit ebenen 
oder auch sowohl concav als auch convex gekrümmten Bruchtiächen. 
Die Sculptur besteht fast ausschliesslich aus mehr oder weniger ge- 
rundeten Gruben, welche auf verschiedenen Flächen in verschiedenem 
Grade und in verschiedener Grösse entwickelt sind. 

Beispiel Nr. 1 . Tafel I, Fig. 1 a—h. (Sammlung H a n i s c h.) 
Slawitz bei Trebitsch. Im autfallenden Lichte pechschwarz, lebhaft fett- 
glänzend, dem Glasglanze genähert, wie stark lackiert; im durch- 
fallenden Lichte dunkel ölgrün ins braungelbe. 

Die Gesammtform ist die eines verzogenen kurzen Prismas mit 
vier sehr ungleichen Seitenflächen, die in sehr verschiedenen, theils 
spitzen, theils stumpfen Winkeln aneinanderstossen. Die breiteste 
Seitenfläche (Fig. 1 a) hat offenbar mit der Deckfläche zusammen- 
gehangen und mit dieser eijie einzige gewölbte Fläche gebildet; 
doch ist das Stück hier durch einen frischen Bruch, an welchem die 
innere compacte Glasmasse zu Tage tritt, beschädigt. Die kleine 
Basisfläche stösst mit unscharfer, ein wenig gewölbter Kante von der 
breiten Fläche ab, während von den Seitenflächen die eine hochgewölbt 
ist und in die breite Fläche im Bogen übergeht (Fig. 1 a links) und die 
andere, im ganzen ebenflächig, nur unregelmässig flach aus- und ein- 
gebogene, gegen die breite, tief sculpturirte Fläche einen scharfen und 
spitzen Winkel bildet. An die kleinsten Flächen (Fig. 1 b) sind die 
beiden Seitenflächen in stumpfen Winkeln aber mit deutlichen Kanten 
angeschlossen; die Basis setzt in rechtem Winkel ab und es ist hier 
noch eine kleine, schmal dreiseitige, eckenabstumpfende Fläche ein- 
geschaltet. Alle Flächen und Kanten machen sofort den Eindruck, 
dass sie durch zufälliges Zerspringen eines Körpers theils ebenflächig, 
theils in mehr oder weniger muscheligem Bruche zerfallen sind und 
dass eine spätere, irgendwie geartete Corrosion die Schärfe der 
Kanten etwas abgestumpft und theilweise gerundet hat. Die breiteste 
Fläche (Fig. 1«) zusammen mit der Deckfläche, mit der sie offenbar 
in continuirlicher Wölbung ursprünglich zusammenhing, bilden augen- 
scheinlich einen Theil der ursprünglichen gewölbten Oberfläche eines 
grösseren Körpers ; hier ist die Corrosion in Form tiefer Gruben am 
stärksten entwickelt. Die rundlichen Gruben scheinen eingesenkt in 
einer Oberfläche, die mit zahlreichen viel kleineren, rundlichen Näpf- 
chen bedeckt ist, von der aber nur mehr ein kleiner Theil erhalten 
ist. Die tiefen Gruben schneiden sich vielfach und sind in gemein- 
samen, bogenförmigen Höhlungen enger aneinander gereiht: es finden 
sich aber auch, namentlich auf der die Deckfläche bildenden Partie, 
isolirte, tiefe, ovale und rundliche Einsenkungen. Die kleinen rund- 
lichen Vertiefungen, welche die Rauhigkeit der ältesten Oberfläche 
bilden, setzen sich noch stellenweise in die grossen Gruben fort, 
doch sind sie hier durchaus nicht immer vorhanden ; dagegen ist, wie 



258 Ri". Franz E. Siiess. rßß] 

man unter der Lupe gut wahrnehmen kann, die Fläche der grossen 
Gruben häufig mit einer welligen oder unregelmässig concentrischen, 
allerfeinsten Streifung überzogen, die theils quer auf die Längs- 
richtung der Gruben, theils parallel derselben verläuft. Es scheinen 
hier zweierlei PJigenheiten der Masse zum Ausdrucke zu kommen: 
die concentrische Streifung dürfte ihre Ursache in der Tendenz der 
Masse zu muscheligem Bruche haben, sie ist es, welche in erster 
Linie den Eindruck hervorruft, wie wenn die grösseren Gruben mit 
einem harten Instrumente gewaltsam herausgestemmt 
worden wären. Die Längs- und Querstreifen dürften einer Fluidal- 
structur der Masse entsprechen, die aber an solchen Kernstücken 
gewöhnlich nur im geringsten Masse hervortritt. 

Die jüngeren Bruchflächen sind in weit geringerem Grade corro- 
dirt; sie sind ganz überdeckt von kleinen rundlichen Grübchen und 
flachen Näpfchen, die häufig durch etwas bedeutendere Grösse aus 
der allgemeinen Rauhigkeit hervortreten. Stellenweise sind sie in 
grösserer Anzahl geradlinig aneinander gereiht; sie folgen in einer 
kleinen Partie auf der kleinen Basisfläche (^in der Figur nicht wahr- 
nehmbar) einer feinsten erhabenen Riefung, welche wahrscheinlich 
ebenfalls der Fluidalstructur entspricht. 

Das Stück ist allem Anscheine nach entstanden durch Zerspringen 
eines grösseren Körpers, auf dessen gewölbter Oberfläche durch äussere 
Einwirkung bereits tiefe Gruben enstanden waren; nach dem Zer- 
springen war die Dauer der Einwirkung zu gering, als dass sich die 
Oberflächensculptur auf der neu entstandenen Fläche hätte in dem- 
selben Grade entwickeln können. 

Beispiel Nr. 2. Taf. I, Fig. 2n — c. (Museum Ferdinandeum 
in Brunn). Slawitz bei Trebitsch ; abs. Gew. 20-380 gr, spec. Gew. 
2*350. Farbe wie bei Nr. 1, die Oberfläche jedoch etwas weniger 
frisch und der Glanz um ein ganz geringes matter. 

Das Stück mag spitz keulenförmig gewesen und später an einem 
ebenen Bruche die muthmassliche Spitze abgebrochen sein ; dieser 
Querbruch zeigt die schwächsten Vertiefungen und ist der jüngste. 
Die beiden vorhandenen Breitseiten zeigen die Sculptur in sehr ver- 
schiedener Ausbildung. Die stark gewölbte Seite ist ganz übersäet mit 
den sich schneidenden und in einem polygonalen Netze aneinander 
stossenden tiefen Gruben, während die gegenüberliegende, nur wenig 
gewölbte Fläche (Fig. 2 c) viel flachere, kleinere und mehr vereinzelte 
Gruben aufweist. Auf der einen Seite (Fig. 2 c links) stösst diese 
Fläche ziemlich scharf an die grossgegrubte Aussenfläche, die andere 
Kante ist aber verschwunden und eine bogenförmige, gewölbte Fläche 
bildet hier den Uebergang zur Aussenfläche ; es war hier eine weitere 
Bruchfläche vorhanden, deren Umkantung theilweise durch die Cor- 
rosion verloren gegangen ist. Auf derselben Seite ist auch ein schaliges 
Stück herausgesprengt worden ; die concave Jkuchfläche schneidet die 
rundlichen Gruben der älteren Fläche. (Fig. 2 c rechts unten.) Man 
nimmt hier deutlich die erhabene Streifung der Fluidalstructur wahr, 
welche theils geradlinig gestreckt, theils in rücklaufend gekrümmtem 
Bogen schlierenartig verläuft. Die concave Aussprengung zeigt drei 



[67] 



Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 



259 



tiefe, runde Gruben; man kann jedoch vielleicht bei so vereinzelten 
Gruben nicht ganz sicher sein, ob man es nicht mit gesprengten 
Blasenräumen zu thuu hat, denn es sind ja vereinzelte, oft auch 
grössere Blasen im Innern der Moldavite nicht selten (s. unten"). 

Die allergrössten Gruben zeigt das Stück in der Ansicht auf die 
obere, schmale Fläche (Fig. 2 h); diese Partie dürfte die älteste 
Aussenfiäche darstellen ; gegen sie setzt allerdings an einer stark ver- 
wischten Kante die stark gegrubte, breite Fläche ab (Fig. 2 a); hier 
dürfte die starke Corrosion den ursprünglichen Gegensatz, wenn auch 
nicht völlig verwischt, so doch undeutlicher gemacht haben. Später 
sind die weniger corrodirten Prismenflächen entstanden, deren Kanten 
eine theilweise Rundung erfahren haben ; dann ist das ziemlich scharf- 
kantig umgrenzte, schalige Stück herausgesprengt worden, und ganz 
zuletzt muss der Querbruch erfolgt sein, denn diese Fläche ist, wie 
bereits erwähnt wurde, in geringerem Masse gegrubt. 

Beispiel Nr. 3. Fig. 1 a — c. (Museum Ferdinandeum in Brunn). 
Slawitz ; abs. Gew. 15-793 gr. Die Oberfläche ist tiefschwarz, jedoch 
nicht mehr vollkommen frisch erhalten und deshalb der Glanz ziemlich 
matt, dem Fettglanze vergleichbar. Im durchfallenden Lichte schmutzig 
gelblichgrün. 




Moldavit, Kernstück von Slawitz. 



Das Stück zeigt bereits die Neigung der Substanz zum schaligen 
Zerspringen. Es besitzt die Form einer verbogenen und etwas ver- 
drehten vierseitigen Pyramide mit unregelmässiger, gewölbter Basis; 
an einem solchen Bruchstücke kann nur die convexe Seitenfläche 
oder die Basis die älteste Oberfläche darstellen. In der That besitzt 
die erstere weitaus die grössten und tiefsten Gruben; dann folgt 
die gewölbte Basis, auf welcher namentlich eine Kette von vier an- 
einander gereihten, flachen Grübchen deutlich hervortritt. Dann folgen 
die weiteren drei verbogenen Pyramidenflächen, welche ungefähr in 
gleichem Masse mit flachen Grübchen bedeckt sind. Auf der inneren 
concaven, dreiseitigen Fläche befindet sich noch eine längere Furche, 

Jahrbuch der k. k. geol. Keichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 34 



260 I^''- Franz E. Suess. [68] 

welche bei genauerer Betrachtung als AueinandeiTeiliuiig zalih-eicher 
flacher Grübchen zu erkennen ist ; das ist auch bei einzelnen läng- 
lichen Gruben der Aussenfläche der Fall. Ueberhaupt scheinen in 
vielen Fällen tiefere Canäle und Rillen auf der Oberfläche der Moldavite 
durch das Aneinanderreihen der einzelnen Gruben vielleicht in unmittel- 
barer Aufeinanderfolge entstanden zu sein. 

Auf einer Seitenfläche (Fig. 7 a) tritt die geradlinig gestreckte 
Fluidalstructur in Form schwacher, erhabener Streifen deutlich hervor ; 
auf der convexen Fläche verläuft sie in einer Richtung senkrecht zur 
vorigen ; das ist ein Beweis, dass sie unabhängig von der Lage der 
Bruchflächen das Stück durchsetzt. 

Beispiel Nr. 4. Taf. I, Fig. 5a— c. (Sammlung H a n i s c h.) Slawitz. 
Oberfläche schwärzlichgrün, an den erhabenen Stellen etwas abgerollt 
und ein wenig matt ; in der Tiefe der Gruben lebhaft glänzend ; im 
durchfallenden Lichte, wie oben; nur wegen geringerer Dicke an- 
scheinend etwas heller. 

Das Stück hat die Form eines abgesplitterten Segmentes aus einem 
gewölbten Körper, dessen Aussenfläche sehr tief gegrubt war. Die 
Gruben besitzen gegeneinander eine unregelmässige Lage, man sieht 
aber deutlich, dass sie stellenweise zu länglichen Rillen mit feiner 
Querstreifung aneinanderschliessen (Fig. 6b). Partienweise sind diese 
wieder durch erhabene zackige Rücken von einander getrennt und 
es macht von vorneherein den Eindruck, wie wenn die ganze grob 
angelegte Sculptur auf einem so kleinen Stücke nicht hätte zustande 
kommen können. Die beiden unregelmässig verbogenen und einge- 
drückten radialen Bruchflächen zeigen einzelne flache grössere Ein- 
drücke und ausserdem die gewöhnlichen, zahlreichen, rundlichen 
Pünktchengruben und partienweise tritt in zarten Streifen die Fluidal- 
structur hervor. 

Auf Fig. 5/^ links oben sieht man eine weitere Fläche, welche 
ein Stück der Wölbung im Sinne einer Secante abschneidet; die 
grossen und tiefen Gruben werden von dem jungen, ebenflächigen 
Bruche durchschnitten und man gewahrt deutlich den Gegensatz 
zwischen dieser jüngsten und der ältesten äusseren Fläche des Stückes 
in Bezug auf die Sculptur. 

Beispiel Nr. 5. Taf. I, Fig. 4 a — />. (Sammlung Han i seh.) Im 
auffallenden Lichte schwarzgrün, mattglänzend, an den erhabenen 
Stellen etwas abgestossen ; im durchfallenden Lichte wie Nr. 4. 

Das Stück bildet einen Uebergang von dem Typus der Kern- 
stücke zu dem der schal igen Ab spr englinge, ist aber nach 
dem ganzen Charakter der Sculptur noch den ersteren zuzurechnen. 
Die stark gewölbte Aussenfläche ist ganz überdeckt mit tief ein- 
gegrabenen Vertiefungen ; ihre mit kleinen, runden Tupfen über- 
säeten Reste sind Jiur noch in kleinen Partien erhalten (Fig. 4 a). Gegen 
die jüngeren, inneren Flächen ist die Aussenfläche durch unscharfe, 
bogenförmige Kanten begrenzt, aber von diesen jüngeren Flächen 
ist nur mehr ein schmaler Raum erhalten, denn aus der Innenseite 
wurde ein grosses, calottenförmiges Stück herausgesprengt, welches 



r()9] nie Herkunft der Moldavite luul verwandter Gläser. 261 

eine iicahezu kreisförmige, ziemlich scharfkantig umgrenzte Vertiefung 
zurückliess. (Fig. 4/a) Diese concave Fläclie ist überdeckt mit grösseren 
napfförmigen und kleineren rundlichen, tiachen Eindrücken, welche 
aber nicht im entferntesten an Grösse und Tiefe diejenigen der 
AuRsentiäche erreichen. Es tritt schon hier die Erscheinung deutlich 
hervor, welche ich ohne Ausnahme an hunderten von schaligen Stücken 
beobachten konnte, dass nämlich an derartigen Absprenglingen in 
der Regel die convexe Seite in merklich höherem Grade gegrubt oder 
gefurclit ist, als die concave Innenseite. 

Am Rande des Stückes auf der Seite der Aussenfläche ist ein 
weiteres kleines, rundliches Stück herausgesprengt. In der Nähe des 
Randes dieser Vertiefung ist die Aussenfläche durch frische Schläge 
etwas beschädigt (Fig. 4o Mitte rechts), doch kann man deutlich 
sehen, dass hier die Kanten am allerschärfsten sind ; es zeichnet sich 
namentlich die concave Kante zwischen den beiden , verschieden 
grossen Aushöhlungen durch besondere Schärfe aus. Auf der kleinen, 
jüngsten Fläche (Fig. 46 oben) befinden sich nur einige kleine, wenig 
vertiefte, rundliche Eindrücke. 

Beispiel Nr. 6. Fig. S a—b. (Sammlung Hanisch.) Slawitz. 
Farbe und Glanz wie Nr. 3. 

Das Exemplar soll ein Beleg sein für das Vorkommen von 
Bruchstücken, welche keine extrem corrodirte Aussenfläche aufweisen 
und die aus dem inneren Theile eines zersprungenen Körpers stammen 



8. 





Moldavit, Kernstück von Slawitz (natürliche Grösse). 

dürften. Das wenig gewölbte, schalige Stück von der Ilauptform eines 
unregelmässigen Dreieckes mit abgerundeten Ecken besitzt zwei grössere 
Hauptflächen, eine unregelmässig convexe und eine flach concave. Die 
nicht scharf abgekanteten ümrandungsflächen bestimmen die Dicke 
des Stückes, und an der dicksten Stelle, wo die convexe Fläche eine 
hügelartige Erhabenlieit bildet, sind an den betreifenden Seitenflächen 
zwei flache, kreisförmige Mulden herausgesprengt; die Schärfe der 

34* 



262 I>i*. Franz E. Siiess. nQi 

Kanten und die geringe Corrosion innerhalb der Flächen beweist, 
dass dies die jüngsten Sculptiutlieile sind. 

Das ganze Stück ist auf allen Flächen bedeckt mit kleinen und 
kleinsten rundlichen Gruben und Näpfchen. Die tiefen Einbuchtungen 
auf der wahren Aussenfläche der obigen Kernstücke sind hier nicht 
vorhanden. Die concave Fläche zeigt nur einige ganz flache und ver- 
schwommene, breitere Einsenkungen, die zufälliger Natur sein dürften. 
Die stärker gewölbte, convexe Fläche dagegen zerfällt in zwei Partien, 
die, obwohl sie nicht durch eine bestimmte Kante getrennt sind, sich 
doch unterscheiden lassen und in stumpfem Winkel aneinandergrenzen. 
Auf der grösseren der beiden Partien sieht man ausser einigen 
ganz flachen und verschwommenen Unebenheiten nur die Rauhigkeit 
der kleinen rundlichen, punktartigen Vertiefungen ; die kleinere Partie 
dagegen zeigt eine Anzahl von grösseren, flachen, rundlichen Conca- 
vitäten, und man wird annehmen müssen, dass diese Flächepartie 
des Stückes im frühesten Stadium der Zertrümmerung enstanden ist; 
demselben Stadium dürfte auch die eine längste und gebogene Seiten- 
fläche angehören, denn auch hier befinden sich ähnlich flache, breitere 
Gruben. Diese lassen sich aber nicht mit den tiefen Einrissen auf 
der Aussenfläche der obigen Kernstücke vergleichen. 

Beispiel Nr. 7. Taf. I, Fig. 3a— d. (Sammlung Dvorsky, 
Brunn.) Slawitz. Abs. Gew. 41-957 gr, spec. Gew. 2-337. Im auf- 
fallenden Liebte tief schwarz, in der Tiefe der Gruben dagegen leb- 
haft lackglänzend; im durchfallenden Lichte hell gelblichgrün. 

Ein längliches, schaliges Bruchstück, welches sich am einen 
Ende verschmälert und zuspitzt, so dass das Ganze bis zu einem 
gewissen Grade ein hornförmiges Aussehen annimmt. Am spitzen Ende 
ist das Stück durch einen frischen Bruch beschädigt. Der Gegensatz 
zwischen der äusseren älteren und der inneren concaven Fläche ist 
zwar nicht so scharf, wie bei den obigen Stücken, aber dennoch 
deutlich zu erkennen. Die Innenfläche ist gegen die sehr stark ge- 
wölbte Aussenfläche auf der einen Seite ziemlich scharfkantig begrenzt 
(Fig. 3«). Auf der anderen Seite (Fig. 3(/) verliert sich die in der 
Nähe der Spitze vorhandene Kante ziemlich bald und macht einer 
gleichmässigen Rundung Platz, so dass beide Flächen allmälig in ein- 
ander übergehen. 

Auf der breiteren, convexen Wölbung (Fig. Sb) sieht man zwischen 
den tiefen Gruben grössere Partien, welche nur kleinere Gruben zeigen; 
es sind anscheinend die letzten Reste der Oberfläche eines grösseren 
gewölbten Körpers. Die Gruben sind tief, meist länglich oval und in 
der Nähe des zugespitzten Endes zahlreicher. Auf der breiteren 
Fläche, sowie auch auf der Innenseite (Fig. 3 c) erscheinen sie stellen- 
weise in grösserer Zahl gruppirt, gemeinsame, grössere Vertiefungen 
von länglichem oder rundem Umrisse bildend. 

Am unteren Ende der Innenfläche befindet sich noch eine 
weitere ovale Aussprengung, welche schärfer umgrenzt ist und keine 
grösseren Gruben aufweist. Die feine Streifung der Fluidalstructur ist 
in den Gruben beider naui)tflächen sichtbar; sie folgt beiläufig der 
Längsriciitung des Stückes. 



[71] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 263 

Diese Beispiele mögen genügen, um den bei der Loccalität Slawitz 
südlicli von Trebitsch allein herrschenden Typus der Kernstücke zu 
veranschaulichen. Mir liegen von diesem Orte im ganzen 34 Stücke 
vor, und zwar 24 aus der Sammlung des Inspectors E. Hanisch 
und 10, die mir Herr Professor F. Dvorsky zugeschickt hat. Eine 
weitere geringe Anzahl habe ich in einigen Privatsammlungen gesehen, 
und ich glaube nicht, dass sie sonst noch in grösserer Menge aufzu- 
treiben sein werden. Ganz ähnliche Typen finden sich auch auf den 
Feldern Teruvky südlich von Trebitsch, doch zeigen die Stücke 
dieser Localität meist stärkere Abrollung. Sie sollen hier ziemlich reich- 
lich gefunden worden sein und ich habe 13 Exemplare aus der Samm- 
lung Hanisch und 2 Stücke aus dem P)rünner Museum zur Hand. 

Fiff. 9. 




Grösstes Moldavitbriichsiück. Slawitz (natürliche Grösse). 

Unter den Slawitzer Moldaviten der Sammlung Dvorsky befindet 
sich das grösste Exemi)lar, welches mir überhaupt untergekommen ist, 
mit einem Gewichte von 121-82 Gramm (spec. Gew. 2357). (Fig. 9.) 
Das Exemplar ist auch nur ein zufcälliges Bruchstück eines frisch 
zerschlagenen Körpers, der vielleicht dreimal so gross gewesen sein 
mag. Die ganze, in der Darstellung Fig. 9 von der Bildfläche ab- 
gewendete Seite ist frischer Bruch ; die fast schwarze Glasmasse 
gleicht ganz einem dunklen Obsidiane. An den durchscheinenden 
Kanten sieht man aber dieselbe Farbe, wie an den übrigen Kern- 
stücken. Die Oberfläche ist matt und stark abgerollt, mit zahlreichen 
runden und breiten Gruben. Die Wölbung der Fläche lässt auf eine 
gerundete Gestalt des ursprünglichen Gesammtkörpers schliessen und 
man kann sich daraus vielleicht eine ungefähre Vorstellung machen, 
wie die grösseren Körper ausgesehen haben mögen, von denen die 



264 Dr. Franz E. Siiess. [72] 

kleineren schaligen und unregelmässig geformten Scherben abge- 
splittert sind. 

Unter den böhmischen Stücken finden sich auch nicht selten 
unregelmässig polygonale Formen, welche den mährischen Kernstücken 
entsprechen. Sie scheinen jedoch dort, soviel ich erfahren konnte, 
niclit auf besondere Fundpunkte beschränkt zu sein, sondern im 
ganzen Fundgebiete zusammen mit den sonstigen schaligen Ab- 
sprenglingen aufzutreten. (Fig. 10.) Zum Studium sind sie weniger 
geeignet, als die mährischen Kernstücke, da sie fast stets stark abge- 
rollt und angewittert sind; die Kanten sind meistens ganz abgerundet, 
so dass die Stücke ein unregelmässig knolliges Aussehen liaben. Man 
kann aber immerhin noch oft die tiefen Eindrücke der grösseren 
Gruben nachweisen, die an einzelnen Flächen in höherem Grade aus- 
gebildet sind. Nur ein einziges Bruchstück aus Böhmen ist mir be- 
kannt geworden, welches in seinen sämmtlichen Eigenschaften, in 

Fi^. 10. Fi??. 11. 





„Kernstücke" aas der Umgebung von Budweis (Coli. Sc li würzen her g). 
Natürliche Grösse. 

Bezug auf Erhaltung, Ausbildung der Gruben, Glanz und Farbe ganz 
den mälirischen Kernstücken gleicht. Nur ein Theil einer stark ge- 
wölbten und gegrubten Fläche ist erlialten, das übrige ist frisclier 
Bruch. Im Innern der Glasmasse sind ausnahmweise zahlreiche 
Bläschen sichtbar. Nach der Etiquette in der Sammlung des minera- 
logischen Institutes der böhmischen Universität in Prag stammt es 
aus lladomilitz und ist dasselbe „liclitbrauhe" Exomphir, von dem 
C. v. John im Jahre 1889 eine Analyse gegeben hat. Sonst finden 
sich unter den böhmischen Exemplaren häufig jene unregelmässigen 
Formen mit mehreren concaven Flächen, welche man als die innersten 
Kerne betrachten nniss, die nach erfolgter Absprengung der schaligen 
Bruchstücke erhalten geblieben sind (Fig. 11). 



Mir ist keine Erscheinung bekannt, welche sich mit den 
Sculpturen auf den Fhichen der Slawitzer Kernstücke vergleiclien 
Hesse, als die Gruben und Näpfclien auf der Oberfiäche der Meteoriten, 
welche D a u b r e e durch die Einwirkung von Exi)lüsionsgasen auf 



[73] Rit' Herkunft, der Moldavite und verwandter Gläser. 265 

Stalilplatteii und audereu Körpern nachgeahmt und mit dem Namen 
„Pi ezogiypten" belegt hat^). Vergleicht man die Abbildung eines 
Kernstückes wie Fig. 12, oder die Flächen eines der Stücke auf 
Tat". 1 mit den von Daubree gegebenen Abbildungen der Stahlplatten 
auf S. 515 und 510, oder die weiter vorstehenden Abbildungen der 
Meteoriten ebendaselbst, so fällt die Aehnlichkeit sofort in die 
Augen. Die durch den Druck der hochcomprimirten Gase auf 
Stahlschienen erzeugten Aussprengungen und Ausbrennungen schildert 
Daubree als theils isolirte Näpfchen, welche „in der Form ihrer 
>Vände eine Eeihe von sphäroidalen Flächen zeigten, welche ebenso 
vielen Centren einer Wirbelbewegung zu entsprechen scheinen". „Sie 
sind im ganzen wie der Abdruck von gewissen Grui)pen von Gas- 
blasen, die an der Oberfläche von Flüssigkeiten, aus denen sie sich 

Fig. VI. Fig. 13. 








„Kernstücke" von Slawitz (Coli. Ilanisch\ Natürliche Grösse. 

entwickeln, entstehen"... „Oft sind diese Näpfchen selbst zu Gruppen 
vereinigt und auf Centimeterlänge aneinander gereiht, wie die 
Ringe einer Kette" (vgl. Fig. 3/^ — c. Tat'. I und die Partie links Fig. 12). 
„Abgesehen von den Näpfchen oder Gruppen derselben, die auf den 
ersten Blick sehr leicht kenntlich sind, kann man sagen, dass die 
ganze Oberfläche, welche der Wirkung der explosiven Gase aus- 
gesetzt war, von Unebenheiten kleinerer Dimensionen derartig be- 
deckt ist, dass sie an eine genarbte Fläche erinnert". Diese aus- 
gewählten Sätze passen vorzüglich in eine Beschreibung der Näpfchen 
und Gruben auf den ursprünglichen Flächen der Kernstücke. Die 
polyedrische Gestalt von Bruchstücken haben die " Kernstücke mit 
vielen Meteoriten gemein ; und ebenso die verschiedengradige Ent- 
wicklung der Näpfchen und Gruben auf veischiedenen Flächen. Es 
ist begreiflich, dass ein sprödes Glas bei der gleichen Einwirkung 



^j A. Daubree. Synthetische Studien zur Experiniental -Geologie. Deutsche 
Ausgabe von A. Gurlt. Braunschweig 1880. S. 483 — 554. 



266 Dr. Franz E. Siiess. [74] 

in viel zahlreichere und kleinere Stücke zerspringen wird, als ein 
viel zäherer Siderit oder Chondrit. Auch ist es klar, dass beim Zer- 
springen des Glases die Neigung zum muscheligen Bruche gelegentlich 
hervortreten wird, so dass auch krummschalige Bruchstücke häufig 
auftreten werden. Selbst in der Form der Näpfchen wird in einem 
gewissen Grade das molekulare Gefüge der Masse zum Ausdrucke 
kommen können; es geschieht das, indem sich die Näpfchen manches- 
mal zu gebogenen Gängen und halbmondförmigen Ketten ordnen, 
oder selbst halbmondförmige Gestalt besitzen (Fig. 12 Mitte, Taf. I, 
Fig. 5a — b). In der Regel besitzen sie jedoch dieselbe rundliche 
Form, wie bei den Meteoriten. Auf das Glas der Moldavite kann die 
hochcomprimirte Luft kaum in chemischer Hinsicht wirken ; es wird 
nur deren mechanische Kraft, einerseits als Sprengkraft, welche die 
Stücke zertrümmert (D a u b r e e 1. c. S. 485), und anderseits als 
bohrende Wirbel, welche die Näpfchen und Gruben erzeugen, zur 
Geltung kommen. Demnach darf es nicht Wunder nehmen, wenn 
unter Umständen vielleicht beide Wirkungen vereinigt sind, so dass 
es in einzelnen Fällen nicht ganz sicher ist, zu entscheiden, ob man 
es mit kleineren Absprengungen oder mit grösseren Näpfchen zu 
thun hat (z. B. Fig. 13). Das beeinflusst aber nicht die Deutung der 
Erscheinung als Ganzes und deren grosse Verwandtschaft mit den 
Piezoglypten der Meteoriten bei den typischen Stücken. 

B. Selbständige Körper. 

Gerundete Formen, oft mit regelmässigen Umrissen, ohne scharfe 
Kanten. Die meist ziemlich grobe Sculptur besteht aus länglichen 
Näpfchen und Kerben und ist in ihrer Anordnung stets bis zu einem 
gewissen Grade abhängig von der Form des Körpers. 

Beispiel Nr. 8. Taf. II, Fig. 1 a — (7. (Sammlung des naturhist. 
Hofmuseums.) Zwischen Skrey und Dukowan. Abs. Gew. 5(r3()9 gr, 
spec. Gew. 2'356 Im auffallenden Lichte tief schwarz mit lebhaftem 
Fettglanze ; im durchfallenden Lichte gelblichgrün. 

Kreisrund, scheibenförmig, von der Form eines sehr stark ab- 
geplatteten Rotationsellipsoides. Die regelmässige Gestalt wird von 
einer relativ glatten Fläche gebildet, welche allenthalben recht 
deutlich die feinen Streifen der Fluidalstructur zeigt und ganz über- 
deckt ist mit kleinen, flachen Näpfchen. In diese Fläche, mit nur 
schwacher aber allgemeiner Sculpturirung, sind grössere, tiefe Kerben 
von ovalem Umrisse eingegraben; sie sind auffallend in Bezug auf die 
Gleichmässigkeit ihrer Dimensionen in der Länge, Breite und Tiefe ; 
einzelne längere Furchen sind deutlich aus einigen knapp aneinander- 
gereihten Kerben zusammengesetzt. (Fig. la rechts.) Die Kerben 
sind auf beiden Seiten sehr ungleich vertheilt; und während sie auf 
einer Seite (Fig. 1 a) so sehr gedrängt sind, dass zwischen ihnen von 
der ursprüglichen Fläche nur schmälere und unregelmässig ausgezackte 
Partien übrig geblieben sind, finden sie sich auf der anderen Seite 
nur vereinzelt. (Fig. 1 c.) Was aber dem Stücke das auffallendste 
und bezeichnende Gepräge gibt, ist die deutlich radialstrahlige An- 



[75] r)'e Herkunft der Molilavite iiiul verwaiultcr Gläser. 2f)7 

Ordnung, in welcher die Kerben auf beiden Seiten gruppirt sind : 
von einem Centrum aus scheinen sie nacli allen Seiten gegen den 
Rand hinzustreben. Dieses Centrum fällt nicht genau mit dem 
Mittelpunkte der Scheibe zusammen, sondern ist um ein weniges 
seitlich verschoben. Hier, in dem von der Corrosion am stärksten 
betrolfenen Theile, ist die radialstrahlige Anordnung der tiefen Gruben 
noch nicht so deutlich ; sie scheinen an dieser Stelle mehr in un- 
geordneter Weise gehäuft und zwischen ihnen stehen nur einzelne kleine, 
scharfkantig erhabene Partien, auf deren Höhen nur ganz kleine 
Reste der alten Oberfläche erhalten geblieben sind. Die Furchen 
bilden hier gemeinsame grössere Vertiefungen, an deren Rande aber 
durch kleine, scharfkantige Erhebungen die Individualität jeder ein- 
zelneu dieser Kerben zu erkennen ist. Gegen den Rand zu wird ihre 
radiale Stellung besonders deutlich, und während auf der einen Hälfte 
der stark gegrubten Seite ein grösserer Theil der Oberfläche erhalten 
geblieben ist, ist der gegenüberliegende Theil, derjenige gegen welchen 
der Mittelpunkt des Furchensternes verschoben ist, bis an den 
Rand hin mit enggedrängten Kerben bedeckt. Am breitgewölbten 
Rande selbst sind die Kerben wieder reichlich vorhanden, und zwar 
auf der einen Hälfte dicht gedrängt, auf der gegenüberliegenden 
etwas spärlicher (Fig. Ib); aber dennoch ist am ganzen Umfange des 
Randes im Vergleiche zu den nächstliegenden Partien der beiden 
Calotteu eine bedeutende Vermehrung der Kerben zu bemerken. Da 
sie der Neigung der Fläche folgen, greifen sie am Aequator des 
Stückes, von beiden Seiten fingerförmig ineinander, und wo sie den 
Aequator selbst schneiden, stehen sie senkrecht zu diesem und paral.el 
zur Axe des Stückes (Fig. 1 (/). Aber auch die flachen, napfförmigen 
Vertiefungen werden gegen den Rand zu reicher und schärfer aus- 
geprägt; es linden sich einzelne tiefere, runde Gruben, welche man 
aber ihrer Ausbildung nach nicht zu den jüngsten Kerben rechnen 
kann. Es scheint, dass die den Aequator bildende Randzone bereits 
in einem der Kerbung vorangegangenen Stadium in höherem Grade 
den "Wirkungen der Corrosion ausgesetzt war, als die polaren Theile. 

Die zweite Calotte (Fig. 1 (•) bildet in gewissem Sinne das Ne- 
gativ zur ersten; hier greifen die Kerben von einer Seite her in 
grösserer Zahl über und verlieren sich allmälig (Fig. 1 c links) gegen 
die Mitte. Eine isolirte, starke Kerbe in der Mitte der Scheibe weist 
auf eine seitliche Verschiebung des hier nur angedeuteten radialen 
Furchensternes hin, und zwar ist der Mittelpunkt des Systems in 
der entgegengesetzten Richtung verschoben wie auf der gegenüber- 
liegenden Fläche. 

Die schwach erhabenen, aber scharf gezeichneten Streifen der 
Fluidalstructur sind fast auf dem ganzen Stücke zu sehen. Meistens 
durchsetzen sie ununterbrochen und nur wenig oder gar nicht ab- 
geschwächt, die tiefen Kerben und zeigen in ihrem Verlaufe 
keine Beziehung zur Symmetrie der ganzen Form. Die einander ent- 
sprechenden, stärker corrodirten Hälften der beiden Calotten sind 
ganz überdeckt von annähernd parallelen und schwach welligen 
Streifen, die auch ununterbrochen über den Aequator hinwegstreichen; 
auf den anderen Hälften ist die Streifung weniger deutlich aus- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1900, 50. Band, 2. lieft, (Fr. E. Suess.) 35 



268 ^^^- l'^anz E. Suess. [7(5] 

geprägt, setzt in undeutlicher Weise von der gestreckten Streifung ab 
und tritt stärker liervor in einzelnen Bogenstücken, die zu einer dem 
aequcatorialen Umfange parallelen Richtung hinüberführen. (Fig. 1 c 
rechts.) Aus der Unabhängigkeit der Fluidalstructur von der Gesammt- 
form könnte man vielleicht schliessen wollen, dass man es nur mit 
einem deformirten Bruchstücke eines grösseren Körpers zu thun habe. 
Ich glaube jedoch nicht, dass dieser Schluss unbedingt gezogen werden 
muss, denn auch an völlig umgeschmolzenen Moldavittropfen tritt bei 
stärkerem Anätzen die unregelmässig wellige Fluidalstructur hervor 
und zeigt auch dann keine Beziehung zur Gestalt des Tropfens. 

Es ist klar, dass es nicht möglich ist, die symmetrische Ver- 
theilung der Kerben auf diesem Stücke als die Wirkung irgendwelcher 
Zersetzungs- oder Abreibungsvorgänge im Sande oder Schotter hin- 

Fig. 14. 




Etwas abgerollte Scheibeuforiii mit Gternzeichnung von Skrey, uatürliche Grösse. 

zustellen. Das Exemplar ist auch durchaus kein zufälliges Unicum, das 
beweist schon das in Fig. 14 abgebildete Stück von Skrey aus der 
Sammlung des Brünner Museums (abs. Gew. 60077 gr, spec. Gew. 2'361). 
Dieses Stück ist matter im Glänze, ziemlich stark abgerollt und 
besonders an den hervorragenden Kanten reichlich überdeckt mit 
Verwitterungssicheln und Höfchen. Die Sculptur ist infoige der Ab- 
rollung viel weniger scharf als auf dem Exemi)lare Nr. 8 und sieht 
gewissermassen stark verwaschen aus ; dieser Umstand beweist neuer- 
dings, dass die Sculptur nicht durch Abreibungsvorgänge erzeugt 
wird, sondern dass im Gegentheile, wie auch von vorneherein nicht 
anders zu erwarten ist, die Reibung an benachbarten (iesteins- 
trümmern die Kanten abrundet und die F^rhabenheiten entfernt Man 
erkennt aber deutlich, dass beide Seiten des nahezu kreisrunden und 
dick scheibenförmigen Stückes mit radialstrahligen Systemen von 
tiefen und oval gestreckten Einkerbungen überdeckt waren. Doch ist 
hier die Furchung auf beiden Seiten des Stückes in ziemlich gleichem 



[771 I^i<^ Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 269 

Grade entwickelt. Die Mittelpunkte der Systeme sind auch hier nicht 
genau im Mittelpunkte der Scheibe gelegen, sondern auf beiden Seiten 
um ein geringes im entgegengesetzten Sinne excentrisch verschoben, so 
dass auf beiden Seiten in der Nähe des Aequators ein entsprechender 
sichelförmiger, ungefurchter Raum bleibt. Die tiefen Gruben, welche 
die Aequatorialregion in senkrechter Stellung durchschneiden, lassen 
darauf schliessen, dass auch hier der Rand einer besonders starken 
Corrosion ausgesetzt gewesen ist; das ist noch immer sehr gut zu 
erkennen, obwohl an der Umrandung die spätere Abreibung am 
stärksten angegritt'en und die ursprünglich kreisrunde Form ein wenig 
abgekantet haben dürfte. 

Beispiel Nr. 9. Tafel II, Fig. 2a — c. (Sammlung Hanisch.) 
Skrey. Die Oberfläche ist ziemlich dunkel, ein wenig abgerieben, aber 
besonders in den Vertiefungen noch lebhaft fettglänzend ; im durch- 
fallenden Lichte hellgrün, mit einem schwachen Stich ins Gelbliche. 

Ein regelmässiges, dick scheibenförmiges Oval, von tief ein- 
gerissener Furchung durchzogen. Beide Seiten sind im gleichen 
Grade corrodirt. Theile einer älteren Oberfläche, welche nur mit 
flachen, rundlichen Niipfen bedeckt war, sind an einzelnen Stellen 
unzweifelhaft erhalten und bilden namentlich in der Nähe der beiden 
schmäleren Enden etwas ausgedehntere, ganz unregelmässig aus- 
gezackte Partien. Die Furchen bilden in dem centralen, wenig ge- 
wölbten Theile der beiden Seiten je ein unregelmässiges Netzwerk 
ohne erkennbare symmetrische Anordnung; sie sind hier weniger tief, 
aber reichlicher vorhanden als in der Randzone, so dass im centralen 
Theile so gut wie nichts von einer älteren Oberfläche erhalten 
geblieben zu sein scheint. Gegen den Rand zu drängen die Furcben 
strahlenförmig auseinander in dem anscheinenden Bestreben , die 
Aequatorialzone in senkrechter Richtung zu durchschneiden. Es macht 
den Eindruck, wie wenn hier gegen den Rand hin die Corrosion mit 
grösserer Entschiedenheit bestimmtere Bahnen gewandelt wäre ; da- 
durch sind hier ganz besonders tiefe und schmale Kerben ausgefurcht 
worden und der Rand sieht ganz zerrissen und zerhackt aus. Trotz- 
dem sind gerade in der Nälie des Randes, wie erwähnt, einzelne 
Partien der ursprünglichen Oberfläche stehen geblieben (Fig. 2 a und 
2 c oben). 

Der Charakter der Furchen ist etwas verschieden von dem der 
Kerben auf Beispiel Nr. 8 ; zwar machen sie auch, namentlich in der 
Nähe des Randes, öfters den p]indruck von einzelnen Schlägen. Im 
ganzen sind sie aber vielmehr wurmförmig in die Länge gezogen, 
oft mit etwas welligem Verlaufe. Unter der Lupe nimmt man aber 
wahr, dass am Grunde jeder dieser oft tiefer eingekerbten Furchen 
zwei, seltener drei glänzende, schmale Furchen zweiter Ordnung sich 
befinden, die durch einen ganz zarten, erhabenen Streifen von einander 
getrennt sind ; diese secundäre Verdopplung ist ganz allgemein und 
in sehr gleichmässiger Ausbildung zu beobachten. Stellenweise kann 
man allerdings bemerken, dass auch letztere Furchen aus einer Reihe 
schmaler, länglicher Gruben zusammengesetzt sind. Diese Erscheinung 
der „ s e c u D d ä r e n Für c h u n g " , die anscheinend bestrebt ist, nach 

35* 



270 I^r. Franz E. Suess TYg] 

den vorgeschriebenen Hauptzügen der grol)en Sculptur ein feineres 
Detail auszuarbeiten, tritt an anderen Stücken in viel grösserem 
Massstabe auf und wird unten eingebender besprochen. 

Kine Fhiidalstreifung ist an dem Stücke nur in ganz beschränkter 
Weise in der Nälie der Reste der ursprüngliclien Oberfläche an 
einem schmalen Ende zu sehen. 

In Fig. 15 ist eine verwandte Form von Mohelno abgebildet. 
Das Oval ist bei weitem nicht so regelmässig, bedeutend dicker, auf 
einer mehr gebogenen Flanke verschmälert imd etwas einseitig ein- 
gedrückt. Die Oberfläche ist ziemlich stark abgestossen und auch 
durch einen frischen Bruch beschädigt; die Furchen sind noch ein 
wenig frisch und tief schwarz; im durchfallenden Lichte genau wie 
Nro. V). Die Kerben, welche etwas gröber angelegt sind, als bei obigem 

Fis. 15. 




Ovale Sclieii)onform mit Steriizeichniiiig von Mohelno (Sammlung Ha, nisch). 

Natürliche Grösse. 

Stücke, verfolgen dieselbe Anordnung: im centralen Theile der Scheibe 
labyrinthartig durcheinanderlaufend, oft auch streckenweise gebogen, 
graben sie sich, gegen den Rand zu strahlenförmig auseinanderstrebend, 
besonders tief ein. Am Rande stehen sie senkrecht; nur an einer 
Stelle, wo der Rand stark verdickt ist und keine Kante mehr darstellt, 
erleiden auch sie eine Ablenkung von ihrer senkrechten Stellung. 
Man sieht schon hier, dass die Asymmetrie der Gestalt eine Störung 
der Regelmässigkeit der Sculptur zur Folge hat. F.ine secundäre 
Furchung ist trotz ihrer zarten Anlage deutlich am Grunde fast jeder 
Vertiefung zu sehen. 

Beispiel Nr. 10. Taf. I, Fig. 6a— c. (Sammlung der geologischen 
Reichsanstalt) Zwischen Skrey und Dukowan. Abs. Gew. ir)'()32 gr, 
s|)ec. Gew. 2"352. Im auffallenden Lichte tief schwarz, lebhaft fett- 
glänzend, in den Gruben wie lackiert; im durchfallenden Lichte grün, 
mit einem schwachen Stich ins Gelbliche. 



[791 r)'6 Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 271 

Die unregelmässige Gestalt kann als eine Mittelform zwischen 
scheibenförmigen und kugeligen Körpern betrachtet werden. Die 
grobgekerbte Sculptur lilsst aber immer noch deutlich zwei etwas 
breitere Flächen mit radialer Anordnung der Kerben und eine sehr 
verdickte Aequatorialzone mit senkrechter Einkerbung erkennen. Die 
grobe Sculptur, bestehend aus scharf begrenzten ovalen und stark 
vertieften einzelnen Schlägen, überzieht fast die ganze Oberfläche des 
Stückes und nur ganz kleine, unscheinbare Stellen mit ganz kleinen 
rundlichen Näpfchen sind hie und da erhalten geblieben (Fig. C)b 
oben). Auf den beiden Breitseiten ist die Sculi)tur nicht in völlig 
gleichem Grade ausgeprägt; auf der nur um weniges mehr gewölbten 
Seite (Fig. 6 a) sind die Kerben etwas stärker und etwas tiefer und 
breiter angelegt als auf der flacheren ; auf letzterer kommt die radial- 
strahlige Anordnung der Kerben etwas deutlicher zum Ausdrucke. Im 
centralen Theile sind abermals die Kerben in grösserer Zahl vor- 
handen, jedoch nicht so tief eingegraben. Man sieht, dass jüngere 
Kerben von den älteren hie und da Theile weggeschnitten und deren 
Umfang eingeengt haben; es entstehen dann, wo sich Kerben anein- 
ander drängen, unregelmäsig polygonale Umrisse. Die Ansicht Fig. 6/> 
zeigt die senkrechte Stellung der Kerben in der aequatorialen Zone. 
Diese ist hier so sehr verdickt, dass sie nicht mehr von einer ein- 
zigen Reihe von Kerben ausgefüllt wird, wie bei Beispiel Nr. 8 ; sie 
erscheinen deshalb in paralleler Stellung in mehreren Reihen gehäuft. 
Eine secundäre Furchung ist in den gröbsten Kerben nur ungemein 
schw^ach angedeutet. Fluidalstreifung ist auf dem Stücke nicht wahr- 
zunehmen. 

Aehnliche Formen mit mehr oder weniger rundlicher Gestalt 
und Vertheilung der tiefer eingekerbten Sculptur auf der ganzen 
Oberfläche sind in der Gegend zwischen Skrey und Dukowan ziemlich 
häufig. Mir liegen noch mehrere Stücke aus verschiedenen Sammlungen 
vor; die Erscheinungen wiederholen sich in gleicher Weise, und es 
mag das eine Beispiel genügen, um den Typus der Gruppe zu ver- 
anschaulichen. 

Beispiel Nr. 11. Taf. II, Fig. 4« — h. (Sammlung des naturhist. 
Hofmuseums.) Zwischen Skrey und Dukowan. Glanz und Farbe wie 
oben. 

Die unregelmässig kugelige Form schliesst sich in ihrer Gesammt- 
erscheinung an die obige an ; doch ist die Kerbung merklich gröber. 
Von einer älteren, weniger rauhen Oberfläche sind hie und da zwischen 
den Kerben einzelne Partien erhalten geblieben; es entstehen förm- 
liche Ritfe und Zacken zwischen den tiefen Gruben. Die einzelnen 
Kerben sind in der Regel quer gestreift von feinen , gebogenen 
Linien, welche den muscheligen Bruch der Substanz andeuten und 
den Eindruck hervorrufen, wie wenn die Kerben gewaltsam mit einem 
Instrumente herausgestemmt worden wären, so wie das bei den 
länglichen Gruben auf der Oberfläche der Kernstücke der Fall ist. 
Auch hier ist die Lage der einzelnen Gruben deutlich abhängig von 
der Form, wenn es auch den Eindruck macht, wie wenn die Sculptur 
zu grob gerathen wäre im Verhältnis zur Grösse des Stückes, um 



272 Dl'- l*'i'a'i7. E. Suess. [80] 

sich ebenso vollkommen an die Gestalt anschmiegen zu können, wie 
bei anderen Exemplaren. Auf der am wenigsten gewölbten Partie der 
Oberfläche (Fig. 4 a) tritt die radialstrahlige Anordnung der Kerben 
am meisten hervor; im Mitteljjunkte in grösserer Menge gedrängt 
und sich gegenseitig durchschneidend, treten sie gegen die Umrandung 
dieser Fläche als einzelne längliche Furchen auseinander, die be- 
strebt sind, sich dem steilen Abfalle der Böschung entsprechend zu 
strecken, und lassen einzelne Partien der älteren Oberfläche stehen. 
Man kann leicht die Analogie mit der Vertheilung der Furchen auf 
dem regelmässigen Stücke Nr. 8 (Taf. II, Fig. 1) wahrnehmen. Die 
der aequatorialen Randzone dieses Stückes entsprechenden Theile der 
Oberfläche, welche der Umrandung der wenig gewölbten Fläche zu- 
nächst liegen, zeigt in ähnlicher Weise eine senkrechte Stellung der 
Furchen (nicht abgebildet). Auf der am stärksten gewölbten Partie 
des Stückes aber (Fig. 4/>) muss anscheinend einem Gesetze zufolge 
die sternförmige Anordnung der Furchen verschwinden; die Kerben 
scheinen auf der gleichmässig gewölbten Kugelfläche regellos gestellt, 
wie wenn kein Grund vorhanden wäre, bestimmte Richtungen einzu- 
schlagen. Hie und da sind schwache Anzeichen eines Zusammen- 
tretens der Kerben zu rosetten-förmigen Gruppen vorhanden, wie sie 
bei den späteren P)eispielen noch beschrieben werden (S. 277). An 
einzelnen Stellen ist am Stücke eine Fluidalstreifung zu sehen, welche 
die Furchung durchschneidet. 

Beispiel Nr. 12. Taf. III, Fig. la-e. (Sammlung Dvorsky.) 
Dukowan. Abs. Gew. 78GoO gr, spec. Gew. 2";)57. Hat von allen 
Stücken die pechschwarze Farbe und den lebhaften Lackglanz am 
schönsten erhalten. Als dicker Körper nicht durchscheinend ; die rand- 
lichen schärferen Kanten zeigen dieselbe gelblichgrüne Farbe wie die 
übrigen Stücke. An mehreren Stellen ist das Stück durch frische 
Schläge beschädigt. 

Die Gestalt ist unregelmässig eiförmig oder zapfenförmig mit 
zwei seitlich abgeflachten und einer gewölbten Flächenpartie, die 
durch sehr stark abgerundete, von Pol zu Pol verlaufende Kanten 
verbunden sind. Unterhalb des schmäleren Poles, im oberen Theile der 
gewölbten Seitenfläche, ist eine breite Furche ausgesprengt (Fig. 1 (/), 
die sich eigentlich aus drei rundlichen, in scharfen Kanten aneinander 
absetzenden Aussprengungen zusammensetzt. Sie stösst senkrecht an 
der ebenen Fläche (Fig. 1 a oben) ab, verläuft dann spiral gegen unten 
und setzt sich in zwei länglich gerundeten Aussprengungen im unteren 
Theile der zweiten ebenen Fläche (Fig. 1 c) fort. Eine Grui)pe ähn- 
licher kleinerer Aussprengungen befindet sich im oberen Tlieile der 
ersten ebenen Fläche etwas seitlich verschoben Die Sculptur ist an 
diesem Stücke in der vollkommensten Weise der Gestalt und ihren 
Unregelmässigkeiten angepasst; es ist wohl möglich, dass die mehr 
ebenen Flächenpartien verwischte und mit jüngerer Sculptur über- 
kleidete Bruchflächen darstellen, 

Theile einer älteren Oberfläche sind anscheinend nur am oberen 
p]nde des Stückes erhalten geblieben (Fig. 1 r). Es ist ein dreiseitiges 
FUichenstück, welches mit flachen, polygonal umgrenzten Einsenkungen 



[81] Die Herkunft der MoUlavite und verwandter (iläser. 273 

bedeckt ist. Dazwisclieu betiiulen sich einzelne liingliclie, tief einge- 
rissene Kerben , iihnlicl» den tiefen Gruben der Kernstücke. Die 
Sculptur wird deutlicli von der oben erwalmten spiralen Aussi)rengung 
durchschnitten. Aber auch die ebene Flache Fig. 1 a ist deutlich von 
dem alten Flächenstücke abgegrenzt und auch von der Sculptur auf 
der Wölbung Fig. 1 h sind die ältesten, tiefen Gruben des alten 
Flächenstückes wohl unterschieden. 

Auf der ebenen Fläche Fig. \a ist die j-adialstrahlige Anordnung 
der Furchen in der vollkoiuniensten Weise entwickelt. Sie scheinen 
aus der oben erwähnten Gruppe von rundlichen Aussjjrengungen her- 
vorzuströmen, u. zw. schon in deren unmittelbarer Nähe. In der Mitte 
sind sie etwas kleiner und nehmen gegen den Rand der Fläche an 
Grösse und Tiefe zu. Die Erscheinung der „Furchengruppen" ist in 
klarster Weise zu beobachten, denn die nicht sehr stark vertieften 
Furchen sind in Gruppen in grössere, polygonal umgrenzte liache 
Gruben gelagert, die bereits die radialstrahlige Anordnung deut- 
lich zeigen. Die secundären Furchen sind meistens zu zwei oder 
auch zu mehreren enge aneinander gereiht und durch zarte, nur 
wenig erhöhte, scharfe Linien von einander getrennt; manchmal sind 
sie zu längeren Streifen auseinandergezogen und zeigen dann den 
bogenförmigen Verlauf, welcher der Wölbung des betreffenden Flächen- 
theiles entspricht; sie endigen ganz scharf und unvermittelt an der 
Begrenzung der grösseren Gruben. Da das Gröberwerden der Furchen 
gegen die Unirandungszone sich schon innerhalb der einzelnen 
Furchen vollzieht, ist das äussere Ende jeder einzelnen Furchen- 
gruppe stets schärfer sculpturirt und tritt autfallender hervor als das 
innere. Das erhöht noch den Eindruck des Auseinanderdrängens im 
ganzen System. Innerhalb der kleeblattförmigen Aussprengung sind 
nur die zarteren Streifen einer schwächeren Furchung zu sehen. Das 
lässt vielleicht schliessen, dass diese jüngeren Datums ist als die 
gröbere Sculptur und dass die vierfach verzweigte Höhlung nach der 
letzteren entstanden ist. Im Grunde dieser Vertiefungen verläuft die 
secundäre Furchung, ebenso wie in den Schlägen der gröberen Sculp- 
tur, der Längserstreckung der Gruben folgend. 

Eine Drehung des -Stückes um DO*^ von links nach rechts zeigt 
eine Zone mit paralleler Furchung (Fig. 1^). Die Zone erstreckt sich 
gürtelförmig um das ganze Stück, von Pol zu Pol, in gewissem Sinne 
vergleichbar der Flächenzone eines Krystalles. Sie entspricht in 
sculptureller Hinsicht der aequatorialen Zone der scheibenförmigen 
Stücke, und verbindet stets die Endpunkte der beiden 
grösstenAxen eines Stückes. Primäre und secundäre Furchung 
ist zwar nicht sehr in die Augen fallend, aber dennoch erkennbar. 
Beide Furchungsarten sind schon in ihrer Annäherung gegen die Rand- 
zone auf den angrenzenden Flächen gröber geworden, so dass zwischen 
den eingesenkten Furchengruppen scliarfzackige Kämme hervorragen. 
In besonders hohem Grade ist das in der Randzone in der Nähe 
des verdickten unteren Endes der Fall , wo auch die secundären 
Furchen zu kräftigen , quer gestreiften Rillen werden. Bei einer 
weiteren Drehung um circa 40" sieht man das gewölbte Flächen- 
stück (Fig. 1 (/ = Fig. 1 h links) ; es entspricht der Regel , dass 



274 I>r- l*>anz E. Suess. [821 

hier die Sculptur anscheinend auf der ganzen Fläche unregelmässig 
vertheilt ist. 

Die Furchen der zweiten Ordnung sind hie und da zu Gruppen 
zusammengedrängt, manchmal das Bild einer unbestimmten, rosetten- 
förmigen Anordnung darbietend. In dem breit ausgesprengten Canale 
im oberen Theile des Bildes ist abermals nur die Furchung zweiter 
Ordnung vorhanden. Nach dem allgemeinen Eindruck scheint sie der 
Längserstreckung der rundlichen Vertiefung parallel zu laufen. Man 
sieht aber leicht, dass sie sich in ihrem Verlaufe an die concaven 
Flächen ebenso anschmiegt, wie die äussere Furchung an die convexen. 
In jeder einzelnen der Vertiefungen, die in dem breiten Canale 
scharfkantig begrenzt aneinandergereiht sind , sind die Furchen in 
unvollkommen strahliger Anordnung gestellt, welche dem mittleren 
Theile eines Furchensternes gleicht, dessen raudliche Partien durch 
die umgehenden Sculpturgebilde abgeschnitten wurden. Am besten ist 
das in der untersten , mehr kreisförmigen Vertiefung dieser Reihe 
zu sehen (Fig. 1 c rechts oben). 

Die wenig gewölbte Fläche auf Fig. 1 c wiederholt beiläufig das 
Bild der ebenen Fläche (Fig. 1 a). Rechts oben greift das Ende der 
Spiralen Furche von Fig. 1 (/ herüber. Fast scheint es, als wollten die 
beiden Aussprengungen in der unteren Hälfte der Fläche die Spirale 
fortsetzen. Die Stellung der schwächeren Furchen in der Vertiefung 
verräth eine strahlige Anordnung; entsprechend der starken Verlänge- 
rung der grösseren Aussprengung ist auch der Stern auf der concaven 
Fläche sehr stark in die Länge gezogen. An dem unteren Ende ist 
das längliche Oval durch eine scharfe Kante schief abgeschnitten. 
Hier schneiden auch sowohl die zartere Sculptur der Vertiefung als 
auch die tiefen in Gruppen geordneten Kerben der convexen Fläche, 
scharf und unvermittelt ab. Auf der einen Seite (rechts) verschwimmt 
die radialstrahlige Furchung allmälig in der richtungslosen der gewölbten 
Fläche (Fig. 1 r/), auf der gegenüberliegenden Seite geht sie in die Zone 
paralleler Furchung über; es ist dieselbe Zone, welche die strahlige 
Furchung der ebenen Fläche (Fig. 1 a) auf der einen Seite umgrenzt. 

Unter der Lupe sieht man am Grunde der Furchen noch eine 
allerfeinste Sculptur von gebogenen zarten Streifen und Rippen, ausser- 
dem bemerkt man auch an einzelnen Flächenpartien die erhabenen 
Streifen der Fluidalstructur, die theils nach der Längserstreckung 
des Stückes, theils senkrecht darauf, wellig und gebogen verlaufen. 



Die Betrachtung dieses einen unregelmässig gestalteten Stückes 
enthüllt die Regel, nach welcher sich die Sculptur an den bisher 
beschriebenen Stücken an die Form anschliesst. Sie lautet: „Die 
Furchen folgen in i h i- e r L ä n g s s t r e c k u n g auf den con- 
vexen Flächen der stärksten Krümmung und auf den 
concaven Flächen in entgegengesetzter Weise der 
schwächsten K r ü m m u n g. " Es ergibt sich demnach, dass auf den 
gewölbten Rändern, oder wo zwischen den beiden grössten Axen eines 
Stückes eine Art Kante entsteht, die Furchen senkrecht darauf ge- 
stellt sind ; wo eine wenig gewölbte Fläche von einer steileren 



[83] r^it- Herkunft der Moldavite und vorwandter Gläser. 275 

BööC'huDg umrandet wird , ergibt sich durch die Streckung der 
Furchen in der Richtung der Wölbung von selbst die radialstrahlige 
Sternform. Je stärker die Krümmung, desto entschiedener tritt im 
allgemeinen die Furchung an einem Stücke auf, desto tiefer greift 
die Sculptur ein : das ebene Flächenstück in der Mitte eines Stei'ues 
zeigt demnach in der Regel die Sculptur in etwas abgeschwächtem 
Grade und noch ohne deutlich erkennbare Anordnung. Eine stärkere 
Wölbung, deren Krümmungsradius nach verschiedenen Richtungen der 
gleiche ist. erzeugt zwar der Regel gemäss eine stärkere Sculptur, 
aber ohne vorherrschende Richtung, mit einer gewissen Neigung der 
Furchen, sich zu rosettenförmigen Gruppen zusammenzuschliessen. In 
den langgestreckten Aushöhlungen folgen die Furchen der Längen- 
streckung; in rundlichen Vertiefungen entsteht ein selbständiger, 
localer Stern. 

Nur wo convexe und jüngere concave Flächen scharfkantig 
aneinandergrenzen, stossen die Furchen im Winkel aneinander. Wo 
sie sonst enger aneinander gereiht sind, wird das nur ausnahmsweise 
eintreten; in der Regel werden sie reihenweise umschwenken oder 
in allmäliger Biegung in die neuen Richtungen, die anders ge- 
wölbten Flächentheilen entsprechen, übergehen. Es ist klar, dass eine 
zartere Sculptur sich in vollkommenerer Weise an die Formen an- 
schmiegen wird, als eine grobe ; und schon das Bestreben der 
Furchen, nicht plötzlich, sondern nur allmälig die Richtungen zu 
wechseln, bedingt, dass man bei groben Furchen nur eine weniger 
vollkommene Anpassung erwarten darf. 

Beispiel Nr. 13. Taf. III, Fig. 2n — c. (Sammlung des naturhist. 
Hofmuseums.) Skrey — Dukowan. Tief schwarz, jedoch etwas abge- 
stossen und matt im Glänze ; im durchfallenden Lichte wie oben. 

Das Stück ist dem oben beschriebenen Stücke verwandt, nähert 
sich aber etwas mehr der kugeligen Scheibenform. Es ist jedoch im 
höheren Grade corrodirt, und zwar auf beiden Seiten in gleichem 
Masse. Auf einer Seite befinden sich tiefe Aussprengungen, ähnlich 
denjenigen auf den Flächen des Stückes Nr. 12. Am Ende der tiefen, 
länglichen Aussprengung (Fig. 2 a) befindet sich ein ganz frischer, 
glasglänzender Bruch, und unmittelbar daneben eine zweite glatte 
Bruchfläche, welche offenbar gelegentlich w^ährend des Liegens auf- 
den Aeckern erzeugt worden ist; sie ist infolge von chemischen Ein- 
wirkungen matt geworden. Auch an einigen anderen Stellen ist das 
Stück theils durch ganz frische, theils durch leicht angewitterte kleinere 
Brüche beschädigt. 

Am stärksten zerrissen, ja fast zerhackt ist die breite Aequatorial- 
zone, und doch scheinen wieder gerade in dieser Zone Theile der 
Oberfläche, wenn auch im nachträglich abgeriebenem Zustande, er- 
halten geblieben zu sein (Fig. 2 a oben) ; zwischen den groben 
Furchen ragen die stehengebliebenen Theile zackig hervor. Die 
scharfen Kanten der ursprünglich älteren, groben Furchung scheinen 
durch Abreibung zum grössten Theile verloren gegangen zu sein ; die 
sternförmige Anordnung derselben beherrscht jedoch das Gesammt- 
bild. In der Tiefe der Furchen aber sieht man die zahlreichen 

.Jalubiuli il. k. k. geol. Reiehsaimtalt, ittüO, 50. Bami, 2. Heft. (Fr. E. Siiess.) 36 



276 r^'"- Franz E- yuess. [84] 

scharfen und schmalen, wie eingekratzten Eindrücke der secundären 
Furchung; chemische Verwitterungsproducte haben sich hier noch 
festgesetzt, lassen die schwachen Striche noch schärfer hervortreten 
und bringen jene Sculpturform hervor, welche oben als „Fingernagel- 
eindrücke" bezeichnet wurde. Oft sind sie nur kurz und in grösserer 
Zahl am Grunde etwas breiterer Vertiefungen zusammengedrängt, und 
winden sich stellenweise in welliger Biegung zwischen den erhabenen 
Klippen hindurch (besonders Fig. 2 b). 

Am Grunde der jungen Aussprengung ist nur diese Art der 
Sculptur vorhanden. An dem zweitheiligen unteren Ende derselben 
drängen sie strahlig auseinander und gehen über in die gleichen Ein- 
drücke der Hauptfläche, die hier, der Böschung folgend, in die Ver- 
tiefung hineindrängen. Zwischen der länglichen und der zweilappigen 
Aussprengung befindet sich ein kleiner kantiger Querrücken ; hier 
sind die kleinen Furchen in besonders grosser Zahl zusammengedrängt; 
es entspricht auch der Regel für die Moldavitsculptur, dass sie in 
senkrechter Richtung in stärkstem Masse gefurcht sind. Eine sonstige 
feinere Sculptur ist an dem Stücke nicht wahrzunehmen ; das mag 
aber eine Folge des mangelhaften Erhaltungszustandes sein. 

Nach dem Gesagten wird die Regel umso deutlicher an einem 
Stücke zu beobachten sein, je grösser der Gegensatz zwischen stark 
gewölbten und ebenen Flächen hervortritt; an den flachen Scheiben- 
formen werden die Sterne sich in der schönsten Weise entwickeln 
können. Auf einer Kugelform müssen demnach die Furchen unbe- 
stimmte Richtungen einschlagen. Auf der Oberfläche der rein kugeligen 
Körper, die allerdings seltener auftreten, tritt aber eine ganz specielle 
Form der Sculptur auf, welche für diese bezeichnend ist; sie soll im 
folgenden an einigen Beispielen erläutert werden. 

Beispiel Nr, 14. Taf. II, Fig. Sa—b. (Sammlung Dvorsky.) 
Dukowan. Abs. Gew. 23*561 gr, spec. Gew. 2"361. Pechschwarz und 
lebhaft glänzend, namentlich in der Tiefe der Gruben; die Oberfläche 
ist etwas matter und anscheinend ein wenig abgerollt, im durch- 
fallenden Lichte gelblichgrün. 

Auf der unregelmässig kugeligen Gestalt ist noch ein grosser 
Theil der anscheinend ursprünglichen Oberfläche erhalten, sie ist 
ziemlich glatt und nur mit sehr schwachen Unebenheiten und ganz 
kleinen, punktförmigen Einsenkungen bedeckt. Die Sculptur in Form 
grosser und tief eingesenkter, meist länglicher Kerben ist im ganzen 
anscheinend regellos über die Oberfläche vertheilt; einzelne Theile 
der Oberfläche sind ganz zerstört, während wieder andere Theile 
ganz verschont geblieben sind. Was die Stellung der Kerben betrifft, 
ist die Kugelform des Stückes nicht so vollständig, um nicht noch 
die Andeutung einer sternförmigen Anordnung zuzulassen. Hiezu ge- 
nügt bereits die etwas abgeflächte Partie auf der Darstellung in Figur 
3/> rechts; daselbst entsteht eine einfache Krümmung der umran- 
deten Fläche, eine gewölbte Böschung, was eine auseinanderstrahlende 
Stellung der Kerben zur Folge hat. Ja, eine aequatoriale Zone mit 
paralleler Stellung der Kerben, welche die beiden grösseren Axen 
des Stückes verbindet, scheint noch vorhanden zu sein; jedoch nur 



["851 I^'c Herkunft clor Moldavite und verwandter Gläser. 277 

in sehr unbestimmter Weise und gestört durch mehrere Unregel- 
mässigkeiten in der Kerbenstell ung. Sonst wird man sich, wie ich 
glaube, vergeblich bemühen, eine llegelmässigkeit in der Vertheihing 
der Furchen ausfindig zu machen, wenn es auch bei manchen zu- 
fälligen Drehungen den Anschein haben mag, als ob aus einzelnen 
Furchengruppen das unbestimmte Bild eines radialstrahligen Sternes 
hervorblitze. Dagegen sieht man auch hier, dass an den gewölbten 
Flächentheilen die tiefen Kerben zu mehrfach gelappten Gruppen 
zusammentreten. (Fig. 3 a.) 

Wo die Kerben am engsten gedrängt sind, hat die Corrosion 
eine sehr deutliche und scharfe Fluidalstreifung zutage gelegt. Sie 
zeigt einen theils gestreckten, theils wellig gebogenen Verlauf, unab- 
hängig von der Gesammtform des Stückes. 

Beispiel Nr. 15. Taf. VIII, Fig. 2a— h. (Sammlung der geolo- 
gischen Reichsanstalt.) Skrey — Dukowan. Tiefschwarz, lebhaft glänzend, 
besonders in den Gruben, im durchfallenden Lichte an den dünnen 
Kanten gelblichgrün durchscheinend. 

Die vollkommenste Kugelform mit der bezeichnenden Sculptur, 
welche mir gegenwärtig vorliegt. Grosse Theile einer ursprünglichen 
Oberfläche mit ganz flachen, rundlichen Näpfen sind erhalten geblieben. 
Darin ist eine grosse Anzahl meist rundlicher, seltener länglicher 
Gruben eingesenkt; sie sind ganz unregelmässig vertheilt, an manchen 
Stellen eng gehäuft und einander schneidend, an anderen Stellen 
isolirt nebeneinander stehend. In jeder dieser Gruben ist nun eine 
Anzahl länglicher Furchen zusammengedrängt, die stets eine mehr 
oder weniger ausgesprochen radial auseinanderstrahlende Anordnung 
zeigen. Jede Furche verursacht eine rundliche Ausbiegung am Rande 
der Hauptgrube, die dadurch einen gelappten Umriss erhält; dadurch, 
sowie durch den Furchenstern im Inneren entsteht -das Bild der für 
die Kugelformen im höchsten Grade charakteristischen 
„Furchen-Rosetten". Ihre Entstehung wird man sich folgender- 
massen vorzustellen haben : In den ersten Stadien der Corrosions- 
wirkungen kommen, wie oben bemerkt wurde, die gröbsten und tiefsten 
Kerben zustande ; auf der gleichmässigen W^ölbung der Kugelfläche 
haben dieselben keine Veranlassung, einzelne Richtungen vorzuziehen 
und sind als rundliche oder wenig verlängerte tiefe Kerben unregel- 
mässig auf der Oberfläche vertheilt, etwa wie auf der Taf. II, Fig. 3a 
abgebildeten Fläche. Später kommt eine „secundäre Furchung" zum 
Vorschein ; sie findet die tiefen Gruben vor und passt sich diesen 
Vertiefungen an, entsprechend der Regel, dass die Furchung auf den 
concaven Flächen der schwächsten Krümmung folgt. Da eine Furche 
im tangentialen Sinne einen Kreis beschreiben müsste und die 
stärkste Krümmung erfahren würde, stellen sich die Furchen zu dieser 
senkrecht, dass heisst in radialer Richtung in die rundliche Vertiefung. 
Wo die Hauptgruben stark zusammengedrängt sind und sich gegen- 
seitig schneiden, kommen unvollständige oder unregelmässige Rosetten 
zustande. 



36* 



278 I>i"- Kianz E. Siiess. rgg-] 

Eine der schöiisten mir bekannten Kugelfoi-men mit kleinen 
Grübchenrosetten befindet sicli in der geologischen Sammlung der 
Deutschen technischen Hochschule in Brunn. In der Sammlung 
Dvorsky befindet sich eine sehr vollkommene Kugelform (abs. Gew. 
64875 gr, spec. Gew. 2o51 gr). Das Stück ist sehr stark abgerollt, 
ganz überdeckt mit kleinen Verwitterungsringen und Mondchen ; die 
Schärfe der Sculptur ist völlig verschwunden; man kann dennoch 
deutlich sehen, dass die ganze Kugelfläche ziemlich gleichmässig mit 
rundlichen Vertiefungen überdeckt war. 

Wenn die Sternform der Furchen den scheibenförmigen und 
die Rosettenform den kugeligen Stücken entspricht, so ist es dennoch 
möglich, dass beide Formen auf einem Exemplare angetroffen werden, 
und zwar wenn das Stück sowohl kugelig gewölbte als auch ebene 
Flächen aufweist. So waren schon an dem als Nr. 12 beschriebenen 
Stücke auf der gewölbten Fläche Andeutungen von Rosetten zu sehen. 

Beispiel Nr. 16. Taf. III, Fig. oa—h. (Sammlung der geolo- 
gischen Reichsanstalt.) Skrey— Dukowan. Abs. Gew. 37-787 gr. Farbe 
und Glanz wie Nr. 15. 

An dem einen der beiden gerundeten Enden der dickbauchigen 
Eiform befindet sich noch ein Theil einer älteren Oberfläche, welche 
von der weitgehendsten Corrosion verschont geblieben ist. Hier sind 
zwischen den flachen, rundlichen Näpfchen einige längliche Kerben 
in paralleler Stellung eingetieft. (Fig 3 a). Nur gegen die eine 
etwas zugeschärfte Seite (auf der Abbildungs links) kann man von 
hier aus eine sehr verschwommene Andeutung einer Zone mit 
paralleler Furchenstellung nachweisen ; auf der gegenüberliegenden, 
stark gerundeten Fläche ist keine Spur davon zu sehen. Die an- 
gedeutete Zone stellt sich noch am deutlichsten dar in der Ansicht auf 
die eine der beiden leichten Abflachungen der Wölbung (Fig. 3 a), 
und zwar in Form eines stärker ausgezackten Kranzes, indem auch 
die unmerkliche Zuschärfung der Wölbung in der Zone den Furchen 
bestimmte Bahnen zu weisen scheint. In der Mitte der Fläche ist 
die Wölbung noch zu stark, als dass eine Sternform sich entwickeln 
könnte ; nur secundär ist hier an einer leicht eingesenkten Stelle 
ein kleiner Furchenschwarm in paralleler, nur wenig auseinander- 
strebender Stellung entwickelt. Die gleichmässig stark gewölbten 
Flächentheile sind in Bezug auf die Gesammtform des Stückes ganz 
richtungslos sculpturirt. In den älteren Vertiefungen hat sich in 
Gruppen vereinigt eine ziemlich grobe secundäre Furchung festgesetzt. 
Wo die Vertiefungen mehr vereinzelt stehen, wie gegen das obere 
Ende des Stückes, sind wohlentwickelte Rosetten zustande gekommen 
(Fig. Sa und 3h oben); sonst werden die Rosetten im Gedränge der 
sich schneidenden P'urche unvollkommen oder verzerrt, oder die 
Furchen durchschwärmen nach allen Richtungen in Gruppen oder 
vereinzelt die Vertiefungen zwischen den älteren hervorragenden 
Zacken. Man sieht an diesem Stücke, dass trotz liochgradiger secun- 
därer Furchung dennoch alte Flächentheile erhalten geblieben sein 
können, und dass die längliche Kerbung nächst den flachen Näpfchen 
zu den alten Sculpturformen gehört; ferner dass eine hochgradige 



[871 I'i»' Ilerkiint't, der Moldavite und verwandter Gliiser. 270 

secuiulilre Fuiclmnii, iiiif einer stiirk geniiuleten Obertiilclie jede Regel- 
mässiKkeit einer Zeichnun'' verschwinden machen kann. 



Ausser den Scheiben und Kugelformen finden sich in der Gegend 
von Skrey und Dukowan noch eine grosse Anzalil von unregelniässigen, 
birni'örniigen, zapfentörniigen, auch von verbogenen und eingedrückten 
Gestalten, deren allgemeine Rundung und der Mangel an scharfen 
Kanten ihre Anreilning zu den ganzen Formen verlangt. Sie sind 
der eigentliche Typus des Vorkommens im östlichsten Theile der 
Moldavitfundpunkte. Die Sculptnr tritt an diesen Stücken in allen 
Graden und Formen auf, wie an den beschriebenen, und es lassen 
sich ganz dieselben Beobachtungen anstellen, wenn auch manchmal 
die complicirteren Formen weniger leicht zu deuten sind. Ich kann 
hier nur ganz wenige Beispiele aus einer Unzahl von Gestalten vor- 
führen. Zum Schlüsse werden noch einige absonderliche, zapfenförmige 
Formen behandelt. 

Beispiel Nr. 17. Taf. III, Fig. 4 a — r. (Sammlung H a n i s c h.) 
Skrey. Tiefschwarz mit nur matt glänzender, etwas angegriifener 
Obertiäche ; im durchfallenden Lichte grün mit einem schwachen Stich 
in's Gelbliche. 

Eiförmig, etwas flach gedrückt. Auf der Überfläche stellen ganz 
flache, runde Näpfchen von verschiedener Grösse die älteste Sculptnr 
dar; die jüngere Sculptnr besteht aus tiefen, länglichen Kerben. Es 
sind jedoch Uebergänge vorhanden zwischen den grössten Näpfchen, 
welche sich der elliptischen Form nähern, und den flacheren Kerben, 
so dass für die beiden Formen von Eindrücken die Trennung nicht 
strenge durchgeführt werden kann. Die Kerben sind auf der Fläche 
sehr ungleichmässig vertheilt, und auf den beiden Breitseiten in der 
Richtung gegen die stärkere Kante auf je einen Knäuel zusammen- 
gedrängt, während sie auf dem breitrunden Theile nur wenig aus- 
gesprägt sind. (Fig. 4a oben und 4/> unten.) Die Zone, welche die 
beiden grössten Axen verbindet, ist zugleich eine Zone paralleler 
Kerbenstellung, wenn auch die Kerben in der Zone nur in einer sehr 
lückenhaften Reihe auftreten (Fig. 4 c). Trotz der höchst unvoll- 
kommenen Symmetrie der Kerbenstellungen erkennt man leicht die 
Verwandtschaft mit der Scheibenform Nr. 10 (Taf. II, Fig. 1). 

Solche und ähnliche kleinere „Nüsse" trifft man wohl ziemlich 
häuflg in den Aufsammlungen dieser Gegenden ; sie mögen aber noch 
zahlreicher vorkommen, da sie wegen ihres unscheinbaren Aeusseren 
wenig Aufmerksammkeit erregen. Häufig sind sie stark abgerollt und 
es sind die spärlichen Kerben nur als breitere Vertiefungen zu er- 
kennen. Einzelne Stücke zeigen nur die rundlichen Näpfchen, oft ist 
an solchen Stücken die Fluidalstructur wahrzunehmen ; die Näpfchen 
bedecken die ganze Oberfläche und schneiden einander in winkeligen, 
erhabenen Kanten. Fast stets sind solche scheibenförmige Stücke auf 
der einen Seite etwas verdickt und auf der anderen verschmälert. 
Es ist dann schwierig eine Abgrenzung durchzuführen gegen die weiter 



280 Dr. Franz E. Siiess. [88] 

unten behandelten, mit Näpfchen bedeckten Absprenglinge. Auf den 
Stücken zeigen sich nur ganz vereinzelte tiefere SchLäge. Je geringer 
die Anzahl der Kerben ist, desto mehr macht ihre Stellung den Ein- 
druck des Zufälligen. Manchmal aber tritt schon bei 4 — 5 länglichen 
Gruben eine deutliche radiale Anordnung hervor. Im allgemeinen 
setzt sich die Furchung leichter in den Vertiefungen fest, es scheint 
aber, dass eine grössere ebene Fläche neben den stärker gewölbten 
in Bezug auf dem Luftwiderstande wirkt, wie eine Vertiefung, und 
dass sie so die Veranlassung zur ersten Furchenbildung gibt. So 
kommt es, dass man in der Mitte mancher Breitflächen häufig ver- 
einzelte Furchen zusammengedrängt findet, die sich oft zu einer 
gelappten grösseren Vertiefung vereinigen können. Anderseits siedeln 
sich auch die ersten Kerben gerne an den Kanten der mehr scheiben- 
förmigen Stücke an und es bleibt dann zwisclien den beiden sculpturirten 
Theilen eine Zone, in welcher die alte Oberfläche erhalten ist. 

Je reicher die Corrosion wird, desto mehr treten sternförmige 
Anordnungen hervor und desto mehr wird die ursprüngliche Gestalt 
der Stücke verwischt. Es entstehen zunächst Formen, wie sie unter 
Nr. 14 und 17 bereits beschrieben Avorden sind. Das Endziel ist 
dann eine flache Sternform mit zerhackten Rändern, wie das im 
folgenden beschriebene Stück. 

Beispiel Nr. 18. Taf. IV, Fig. 5« — c. (Sammmlung des natur- 
hist. Hofmuseums). Mohelno? Im auffallenden Lichte dunkelgrün, im 
durchfallenden Lichte hellgrün. 

Dick, scheibenförmig, mit verschoben rhombischem Umriss und 
stark gerundeten Kanten. Von einer ursprünglichen Oberfläche ist 
keine Spur mehr zu entdecken. Die länglichen Kerben, welche auf 
beiden Seiten die Oberfläche in schön radialstrahliger Anordnung 
überziehen, scheinen als secundäre Furchung aufgesetzt worden zu 
sein, nachdem bereits früher eine Anzahl grösserer länglicher Gruben 
vorhanden war. die aber durch das Ueberhandnehmen der späteren 
Sculptur stark verwischt wurden. Auf der flacheren Seite war so in 
der Mitte der Fläche eine längliche Grube entstanden. (Fig. 5 a.) Nun 
ist dort eine Anzalil kleinerer Furchen in der Längsrichtung der 
Vertiefung zusammengedrängt. In der Randzone sind abermals die 
einzelnen Furchen am grössten, und am tiefsten eingegraben. Die 
andere etwas mehr gewölbte Seite zeigt das Vorhandensein älterer 
Gruben noch deutlicher; in zwei breiteren Vertiefungen, die im oberen 
Theile der Fig. 5 h sichtbar sind, ergiessen sich die secundären 
Furchen stromgleich gegen den Rand. Die stark wellige Beschaffenheit 
der ganzen Fläche lässt vermuthen, dass hier eine grössere Anzahl 
von älteren tiefen Eindrücken durch spätere Corrosion aufgezehrt 
worden ist. Eine Fluidalstreifung ist an dem Stücke nicht zu sehen. 

Da auch Absprenglinge bei weitgehender äolischer Corrosion 
ohne Zweifel die Kanten völlig verlieren können und auf ihren 
Flächen eine ganz gleiche Sculi)tur entstehen kann, wird es meistens 
nicht möglich sein, bei derartigen vollkommenen „Sternen" zu ent- 
scheiden, ob sie von einem selbständigen Körper oder von einem 



[891 r^ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 281 

Bruchstücke herrühren. In obigem Falle spricht für das erstere nur 
die Dicke der Gestalt und der Umstand, dass die Absprenglinge in 
der Mehrzahl der Fälle schalig gebogen sind. Doch ist hier, sowie 
bei manchem anderen Stücke, das in dieser Abtheilung angeführt 
wurde, vielleicht ein Zweifel berechtigt. 

Der Massstab der Furchen scheint nur in geringem Grade ab- 
hängig zu sein von der Grösse der Stücke ; es sind offenbar andere 
Fa( toren, welche denselben bestimmen ; das lehrt schon ein Blick auf 
die Darstellung der Stücke auf Taf. III. Wenn ein kleines Exemplar 
eine sehr grobe Kerbung erlitten hat, so ist jede regelmässige An- 
ordnung verschwunden, und wenn die Corrosion sehr weit gegangen 
ist, entstehen völlig uni-egelmässige Formen, wie Fig. 16, S. 283. l3er 
Körper ist hier zu klein, als dass die groben Näpfe in irgend einer 
Weise an die Flächen sich hätten anschmiegen können ; doch sind 
solche Formen viel seltener, als die mit erkennbarer Anpassung der 
Furchen au die Gestalt. 

Die zapf enförm igen Körper machen scheinbar eine Aus- 
nahme von der oben (S. 274) gegebenen Regel. Man könnte vielleicht 
erwarten, dass dem kleineren Krümmungsradius der Cylinderliäche 
entsprechend, eine Reihe von gürtelförmig gestellten Querfurchen ent- 
stehen müsste. Das ist aber, wenn nicht schärfere Kanten vorhanden 
sind, niemals der Fall. Es kommt vielmehr auch hier die Flächen- 
wirkung zum Ausdrucke; nach dem oben Gesagten bilden Aushöhlungen 
leicht die Veranlassung zur Entstehung der ersten gröbsten Kerbung 
und etwas grössere ebene Flächen verhalten sich ähnlich im Ver- 
gleiche zu den umgebenden, gleichmässig gewölbten Flächen. Zu 
gleicher Zeit und aus demselben Grunde ist die erste Corrosion 
bestrebt, Vertiefungen zu erzeugen, welche in der Längsrichtung der 
Flächen gestreckt sind. So entstehen auf einzelnen etwas abgeflachten 
Partien die ersten Kerben mit gestreckter oder undeutlich radialer 
Anordnung; die spätere Furchung setzt sich daselbst fort und erzeugt 
einen oder mehrere in die Länge gezogene Sterne auf der stets 
etwas verdrückten Cylinder- oder Kegelfiäche. Es lassen sich die 
Sculpturen auf den Zajjfenformen ebenfalls am besten ableiten, wenn 
man diese als in die Länge gezogene und mit einem Furchensterne 
gezierte Scheiben, wie Beispiel Nr. 8, betrachtet. 

Beispiel Nr. 19, Taf. IV, Fig. la — d. (Sammlung Dvorsky.) 
Kozichowitz, Abs. Gew. 20-695 gr, spec. Gew. 2'352. Tiefschwarz, 
etwas angewittert, mit zahlreichen kleinen Verwitterungsringen; matt, 
in den Furchen lebhafter glänzend; im durchfallenden Lichte grün- 
lichgelb. 

Die langgestreckte, seitlich ein wenig zugeschärfte Zapfen- oder 
Tropfenform ist mit etwas verwischten, flachen und ungleich grossen 
Näpfchen bedeckt. Sie sind anscheinend infolge nachträglicher Ab- 
reibung ein wenig unscharf geworden , denn am Grunde einiger 
älterer runder Aussprengungen in der Mitte der breiteren Seite des 
Stückes (Fig. 1 a) sind die kleinen runden Näpfchen viel schöner 



282 ßr- Fniiiz K. Siiess. [90] 

geblieben; am Grunde der groben Kerben, welche einzelweise auf 
dem Stücke verstreut sind, kommen sie dagegen nicht vor. 

Möglicherweise liegt auch hier kein selbständiger Körper, sondern 
ein Bruchstück mit sehr stark gerundeten Kanten vor, aber in Bezug 
auf die grobe Sculptur verhält sich das Stück jedenfalls wie ein ganzer 
Körper. Um die erwähnte Vertiefung haben sich gröbste Furchen in 
radialstrahliger Stellung angesetzt. Die beiden schmäleren Seiten 
bilden, wenigstens soweit sie in der Nähe der Spitze ein wenig zu- 
geschärft sind, stark lückenhafte Zonen quergestellter Furchung. (Fig. 
1 h und (J.) Am verdickten Ende scheint es, wie wenn die Flächen 
die Rollen tauschen wollten ; an der verbreiteten Stelle der einen 
Schmalseite (Fig. 1 (/) haben sich die groben Kerben zusammen- 
gedrängt, während die nächstliegende, stark gewölbte Partie der 
NachbarHäche (Fig. 1 c) eine Anzahl beiläufig quergestellter Kerben 
zeigt, die allerdings gegen die Mitte der Fläche bereits ihre Stellung 
gewechselt haben und nur in ganz unbestimmter Weise gegen die 
Kante zu drängen scheinen. Immerhin wird man schon die Andeutung 
der Richtung wahrnehmen können, welche weiter unten an „pfeil- 
förmigen" Stücken beschrieben wird. Eine Fluidalstreifung ist an 
dem Stücke nicht zu sehen. 

Beispiel Nr. 20, Taf. IV, Fig. 2 a — d. (Sammlung H a n i s c h.) 
Skrey. Schwarz bis grünlichschwarz, fettglänzend, im durchfallenden 
Lichte gelblichgrün. 

Die Sculptur des langgestreckten eiförmigen Stückes lässt sich 
leicht ableiten von der Scheibenform Nr. 10 (Taf. II, Fig. 1) ; sie 
hat mit dieser den deutlich einseitigen Angriff gemein, doch sind ihre 
Kerben noch bedeutend gröber. An den beiden Enden und noch 
spärlich gefurchten Seiten sind grössere Theile der ursprünglichen 
Oberfläche vorhanden ; sie zeigen nebst der deutlichen Fluidalstreifung 
sehr zahlreiche, flach ausgesprengte Näpfchen. In der oberen Hälfte 
der Seite des Hauptangritt'es ist eine lange und tiefe Furche einge- 
graben und der Längserstreckung des Stückes parallel gerichtet. 
(Fig. 2 a.) Sie endigt gegen oben rosettenartig und scheint über- 
haupt den Ausgangspunkt des Furchensternes zu bilden, der sich 
namentlicii gegen die untere Hälfte und gegen die beiden Flanken 
in Form tiefster Einrisse verzweigt. Die Ränder der Kerben sind 
vollkommen scharfkantig und fallen senkrecht ab von klippenartigen 
Kämmen der ursprünglichen Oberfläche. 

Die Flankenansicht ist der äquatorialen Zone der scheiben- 
förmigen Stücke vergleichbar (Taf. II, Fig. 1 b — d). Auf der Kante 
selbst stehen die Kerben senkrecht, sie sind jedoch im Verhältnisse 
zur geringen Breite der Kante ziemlich lang und müssen deshalb 
einen bogenförmigen Verlauf besitzen. Ihre Richtung dürfte aber von 
der Richtung des einseitigen Angriftes stark beeinflusst worden sein. 
F^nge aneinander gereihte Kerben bilden längere, tiefe Canäle, deren 
Verlauf vielleicht durch die ersten, fast zufälligen Furchungen vor- 
gezeichnet war. Sie umfassen schief umbiegend und übergreifend die 
untere Hälfte der Rückseite. Andere schief gegen unten verlaufende 
Kerben setzen in unterbroclienen Kerbenreihen sich in der Weise 



r9l] r^ie Ilerkiiiift dor Moldavite und verwandter Gläser. 283 

fort, (lass sie auf der Rückseite abermals emporsteigen und es sclieint 
fast, wie wenn die der Länge nach geordneten Kerben in der Mitte 
der Rückseite eine Fortsetzung dieser Reihen bilden, die aber von 
den seitlich überströmenden Kerben im Winkel geschnitten werden. 
Ein eigentlicher selbständiger Stern ist hier nicht zur Entstehung 
gelangt. (Fig. 2 c;.) P^s hängt das mit der bereits mehrfach betonten 
Ersdieinung zusammen, dass, so lange die Sculptur noch sehr grob 
ist, noch häufig der Angriff ein einseitiger geblieben und eine all- 
gemeine Ani)assung der Sculptur noch nicht eingetreten ist. Auf der 
zweiten, nur um ein wenig mehr gerundeten Flanke ist eine j)arallele 
Furchenstellung nicht zu beobachten ; dagegen sieht man hier die 
sehr seltene Erscheinung, dass sich zwei lange Kerben im Winkel 
durchschneiden. (Fig. 2(/.) 

Allenthalben sieht man auf dem Stücke, namentlich auf den 
ausgehöhlten Flächentheilen, eine deutliclie, z;n*te Fluidalstreifung; sie 
ist im unteren Theil der Stirnseite von links oben gegen rechts unten 
diagonal gestreckt und behält diese Richtung auch auf der gegen- 
überliegenden Seite bei. Im anderen Theile des Stückes finden sich 
dazu fast senkrechte Richtungen (Fig. 2c oben); die Uebergänge 
zwischen beiden sind aber nicht gut wahrnehmbar. 



Fig. 17 (Skrey — Dukowan) stellt ein ziemlich stark angewittertes, 
gerundet keilförmiges Stück dar, bei welchem die Furchen kleiner 
geworden und auf der ganzen (Jbertiäche ziemlich gleichinässig zur 
Entwicklung gelangt sind. Auf beiden Breitseiten ist je ein undeut- 

Fig. 17. 
V'ig. 16. 





Staik corrodiito Form. Ko^ichowitz. 

Samnihing Iluniscb. (Siehe Seite 281 ) 

Natiirliclie Grösse. 

Zapfeiiform mit undeutlicher Sterii- 

zeichniing. Skrcy — Dukowan. 

Natürliche Grösse 

lieber Stern entstanden, der gögen das verdickte Ende sich verliert. 
Auf diesem Theile verlaufen die Furchen völlig richtungslos, während 
sie die beiden Kanten der Norm entsprechend in senkrechter Richtung 
queren. Die Form bildet einen Ueloergang zu dem nächsten ganz 
extremen Beispiele und es soll der Vergleich die Deutung dieses ganz 

Jahrbuch tt, k. k. geol. Keichsaiistalt, 1900, 50. Band, 2. llelt (Fr. E. Suesa.) 37 



284 I>i'- Franz E. öiiess. rg^] 

eigenartigen Gebildes, das eigentlich unter vielen hunderten mir vor- 
liegenden Moldaviten einzig dasteht, erleichtern. 

Beispiel Nr. 21, Taf. IV, Fig. 3 a — e. (Sammlung des natur- 
hist. Hofniuseums.) Angeblich aus dem Teiche von Skrey. Tiefschwarz, 
fettglänzend, die schmalen Furchen glänzen etwas lebhafter, als die 
ein wenig matteren dazwischen liegenden Partien; im durchfallenden 
Lichte grünlichgelb. 

Tropfenförmig, am verdickten Ende drehrund, am schmalen Ende 
ein wenig keilförmig zugeschärft. Die ganze Oberfläche ist völlig 
gleichmässig von einem engmaschigen, fast labyrinthisch verzweigten 
Furchennetze überrieselt. Unter der Lupe sieht man leicht, dass die 
Furchen, so wie immer, aus lauter einzelnen, scharfkantigen, elip- 
tischen Schlägen oder Kerben bestehen, welche auf der ganzen Ober- 
fläche in beiläufig derselben Grösse entwickelt sind und sich, oft enge 
aneinander gedrängt, zu längeren, im Bogen verlaufenden Furchen 
aneinanderreihen. An einer etwas eingedrückten Stelle der Kegel- 
fläche (Fig. ?} a) hat sich ein Stern entwickelt; gegen rechts 
schwenken die ausstrahlenden Furchen im Bogen quer auf die durch 
etwas stärkere Wölbung angedeutete Kante. Die Depression der Fläche 
zieht sich ein wenig gegen links aufwärts, es scheint, wie wenn in 
dieser Richtung sich ein zweiter Stern bilden wollte ; die vom ersten 
scharf ausstrahlenden Furchen werden hier anscheinend von solchen, 
welche der Längserstreckung des Stückes folgen, durchkreuzt. Auch 
an anderen Stellen kann man das Zusammenlaufen der oft Wurm- 
gängen gleich gewundenen Furchen als unvollkommene Sterne deuten ; 
besonders an den beiden etwas abgeflachten Partien in der Nähe der 
Spitze. Auf der etwas breiteren Abflachung in der Abbildung Fig. 3/>, 
wo die Furchen der abgekanteten Spitze zuströmen, ist der Einfluss 
des ebenen Flächenstückes auf die Sculptur unzweifelhaft zu erkennen. 
An dem gerundeten Ende lässt sich in dem Labyrinth von meist halb- 
mondförmig gebogenen Furchen keine Regelmässigkeit feststellen. 
(Fig. 3e). Die Furchen sind hier um ein geringes gröber als an dem 
zugeschärften Ende ; vielleicht hat auch hier noch die Richtung des 
Angritfes auf das ganze Stück eine gewisse Rolle gespielt. 

Ln ganzen verleugnet auch dieses Exemplar nicht die Abhängig- 
keit der Sculptur von der Form des Stückes ; wenn sich dieselbe auch 
in etwas anderer Weise äussert, als an den übrigen typischen Exem- 
plaren. Wohl zeigen die eingedrückten Flächentlieile die Neigung zur 
Sternbildung wie sonst; an dem kugeligen Tlieile aber befindet sich 
an Stelle der „Rosetten" ein völlig unregelmässiges Furchennetz 
(Fig. 3f?), welches übrigens ebenfalls der gleichmässigen Krümmung 
der Fläche nach allen Seiten, die keine bevorzugte Furchenrichtung 
aufkommen lässt, entspricht. 

Zum Schlüsse sei noch ein Beispiel angeführt, als Vertreter 
einer Gruppe, bei welcher die etwas feinere Sculptur infolge der 
älteren Unebenheiten nicht imstande war, sich nach der (Jcsammt- 
form zu richten, sondern sich an die frühesten Kerben, dieselben ver- 
tiefend und ausweitend, anschmiegen musste. 



[\)'M I>ic Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 285 

Beispiel Nr. 22, Tat'. IV, Fig. 4a— c. (Sammlung des iiatur- 
hist. Ilofmuseiiins.) Skrey — Dukowan. Wie alle stärker zerhackten 
Formen im auffallenden Lichte nicht tiefschwarz, sondern schwärzlich 
grün, au den Kanten und im durchfallenden Lichte hell grasgrün. 

Das längliche Stück ist auf der Oberfläche von schmalen, in 
der Tiefe langgestreiften Furchen wie zerhackt. Eine Anzahl breiter 
und tiefer Finsenkungen ist ohne erkennbare Regelmässigkeit über 
die Oberliäche verstreut. An der Mehrzahl nimmt man noch deutlich 
wahr, dass sie parallel der Längsrichtung des Stückes gestreckt sind ; 
andere besitzen eine diagonale zur spiralen neigende Stellung; an 
einer Stelle in der Nähe des einen Endes vereinigen sich drei dieser 
breiten Gruben zu einer einzigen, in drei Arme auseinanderfliessenden 
Vertiefung. (Fig. 4a oben.) Diese grössten Aushöhlungen dürften zuerst 
entstanden sein, den ersten tiefen Schlägen vergleichbar, welche z. B. 
auf Taf. IV. Fig. 1 noch in unveränderter Form zu erkennen sind. 
Die spätere Furchung hat jede dieser Gruben zu einem langgestreckten, 
eingesenkten Furchenstern umgewandelt: die jüngeren Furchen sind 
aber an dem Stücke selbst so tief eingesenkt und so ungemein scharf 
markirt, dass sie im äusseren* Bilde fast mehr hervortreten, als die 
älteren Gruben, welche den ersten Anlass für deren gegenwärtige 
Vertheilung gegeben haben. In der Tiefe der Gruben sind auch die 
Furchen am längsten und deutlichsten ausgeprägt, während an den 
erhabenen Stellen die Schläge kleiner und in grösserer Anzahl über 
die vielfach ausgezackte und gleichsam zerrissene Oberfläche gehäuft 
sind W'ie man aber unter der Lupe leicht wahrnehmen kann, besitzen 
auch die schmalen Furchen im wesentlichen denselben Charakter wie 
die grossen Rillen und die gewöhnlichen Kerben, jedoch in kleinerem 
Massstabe. 

An diesem Stücke muss noch eine weitere Erscheinung hervor- 
gehoben werden, die hier noch wenig entwickelt ist, aber bei den 
unten besprochenen extremsten Formen aus der Umgebung von Budweis 
(Beisp. 30 ff.) zum vollen Ausdrucke gelangt. Auf Fig. 4^. nimmt man 
im unteren Theile des Stückes eine sehr deutliche Fluidalstreifung 
wahr. Sie durchzieht von rechts unten nach links oben steil auf- 
steigend den oberen in eine Grube eingesenkten Furchenstern. Die 
einzelnen Streifen bilden dünne, scharfkantige Rippen und beeinflussen 
sehr stark die Richtung der Furchen. Bei der Betrachtung mit der 
Lupe erhält man sehr deutlich den Eindruck, dass die Furchung im 
Sinne der Streifung verzerrt worden ist, so dass der ganze Stern ein 
etwas verzogenes Aussehen erhält. In der Mitte des Stückes ist die 
Streifung in sanftem Bogen zur senkrechten Stellung übergegangen ; 
sie tritt hier in Form schwacher Einsenkungen hervor, die von den 
quer eingehackten Furchen durchbrochen werden ; von diesen ist sie 
aber sehr deutlich durch die feine Längsstreifung der einzelnen Band- 
stücke unterschieden. 

Von hier aus wendet sich die Streifung in leicht spiraler Drehung 
gegen rechts oben, fällt dort genau mit dem einen Arme der drei- 
getheilten Grube zusammen und quert als allerfeinste Sculptur die 
Furchen der beiden anderen Abzweigungen derselben (Fig. 4«). In der 
ersteren Grube besitzen die Furchen nicht dieselbe Kantenschärfe, 

37* 



286 I>r. Franz E. Sncss. [94] 

wie in der gegen unten und in der gegen links genehteten, und es 
macht auch hier den Eindruck, wie wenn der Verlauf der Furchen 
niclit nur von der Form des Stückes, sondern auch von einer im 
inneren Gel'üge der jNIasse begründeten Fluidalstructur beeinflusst 
worden wäre. Dasselbe tritt auch in der Ansicht Fig. 4 h deutlich 
hervor. Die leicht spirale Fluidalstructur erscheint im unteren Theile 
des Stückes als senkrechte Streifung und biegt oben gegen links 
gegen dieselbe Spitze wie auf Fig. 4 a. Man sieht auf dieser Ansicht 
zwei eingesenkte, in die Lange gezogene Furchensterne, die seitwärts 
ausstrahlenden Rillen sind breit und geben der Übertiäche ein ge- 
lapptes Aussehen. In der unteren Hälfte der Ansicht, wo zwei grössere 
Gruben durch eine Art quergestellte Passenge verbunden werden, stellt 
sich, der Regel entsprechend, ein Bündel tief eingehackter, quer ver- 
laufender Furchen ein. Die beiläufig der Längserstreckung des Stückes 
folgenden Furchen schmiegen sich stets mehr oder weniger der Fluidal- 
streifung an und sind dieser entsprechend gebogen und gestreckt. Oft 
sind sie an ihrem Grunde bäuderartig der Länge nach gestreift und 
stellenweise wird sogar der Unterschied zwischen solchen Furchen 
und den zu Bändern aneinander gereihten Fluidalstreifen verwischt. 
So kann es auch kommen, dass die gestreckten, bänderartig ge- 
streiften Fluidalfurchen senkrecht an den quer eingerissenen Furchen 
abstossen und von diesen durchschnitten werden, und dass die Sculptur 
ein undeutlich gegittertes Aussehen erhält. In einer anderen Ansicht 
des Stückes (Fig. 4 c) rechts oben erscheint die Fluidalstreifung 
bereits in Form tief eingerissener, fein gestreifter Bänder, welche 
die quergestellten Furchen durchschneiden. 

So führt eine sehr mannigfaltige, aber ununterbrochene Reihe 
von den gröbsten Sculpturformen mit den Gruben der Kernstücke 
oder nur mit flachen Näpfen zu denen mit sternförmigen (Janälen 
oder zerhackter und zerrissener Oberfläche, welche beweist, dass 
alle die verschiedenen Sculpturtypen verschiedene Grade und Ent- 
wicklungsphasen derselben Erscheinung sind. Eine gleiche Reihe lässt 
sich leicht auch unter den Bruchstücken zusammenstellen; das End- 
ziel ist in beiden Fällen völliges Verschwinden der äusseren Umrisse 
und ursprünglichen Kanten, so dass aus den ganzen Formen, sowie 
aus den Bruchstücken zuletzt ganz gleiche Typen entstehen. 

C. Sclialigc Bruchstücke. 

Plattige oder gewölbte, oft scheibenartige Stücke, meistens mit 
einer oder mehreren concaven Flächen. Die Sculptur zeigt alle Ueber- 
gänge von flachen runden Näpfchen bis zur völlig zerrissenen und 
zerhackten Oberfläche. Die convexen Flächen zeigen fast stets die 
Sculptur in höherem Grade als die concaven. 

Beispiel Nr. 23, Taf. V, Fig. 2 a — h. (Sammlung des natur- 
hist. Ilofmuseums.) Skrej — Dukowan. Im auffallenden Lichte schwarz, 
an den Kanten grünlichschwarz, matt glänzend ; Verwitterungsmönd- 
chen sind hie und da zu sehen. Im durchfallenden Lichte gelblichgrün. 

Dick, scheibenförmig mit rundlich eiförmigem Umriss; auf der 
einen Seite verdickt, auf der anderen etwas zugeschärft. Eine geringe 



[95] l^'^' lli rkiiiift lU-r Moldavite iincl vciwiiiultor Gläser. 287 

Wölbung der FUlclieu deutet dnrauf hin, dass man es mit einem 
sehaligen Bruchstücke zu thun hat, dessen Kanten stark gerundet 
sind. Die ganze Oberfiäclie ist ziemlich gleichmassig bedeckt von 
flachen, rundlichen oder ovalen Näpfchen von verschiedener Grösse, 
die stellenweise in undeutlichen Reihen geordnet und dann mit 
geradlinigen Kanten aneinandergrenzen. So gleicht die Sculptur der- 
jenigen auf der ursprünglichen Oberfläche mancher selbständiger 
Körper (vergl. Taf. I, Fig. 2 und Taf. III, Fig. 4). Am Rande und 
in dessen Umgebung treten die grossen Näpfchen auf, sonst fehlt 
aber jede Beziehung der Sculptur zur Form des Stückes, so wie bei 
den ältesten rundlichen Näpfchen auf der Oberfläche der selbständigen 
Körper. Auf der concaven Fläche ist eine Partie gegen den Rand liin 
rillenartig ausgesprengt und schneidet eines der am Rande sitzenden 
Näpfchen; dies ist offenbar die jüngste Sculptur. Vielleicht nimmt an 
diesem Stücke die der Näpfchenbildung nachfolgende gröbste Rilleii- 
bildung eben ihren Anfang. 

Eine wellig streifige Fluidalstructur ist nur stellenweise schwach 
angedeutet, sie quert die Scheibe und zeigt keinerlei Beziehung zur 
Gestalt (Fig. 2 a links). 

Beispiel Nr. 24, Taf. V. Fig. 1 a~c. (Geol. Institut der Uni- 
versität Wien.) Umgebung von Dukowan. Im auffallenden Lichte 
schwarz, ziemlich lebhaft glänzend und frisch erhalten, hell grünlich- 
gelb ins bräunlichgelbe durchscheinend. 

Ein fiaches, dreieckiges Stück mit stark gerundeten Ecken ; eine 
Ecke ist durch eine spätere Kante scharf abgestumpft. Diese Stelle 
ist übrigens theilweise durch einen frischen Bruch beschädigt. Eine 
convexe Fläche ist sehr flach gleichmässig gewölbt; in der concaven 
Fläche befindet sich eine unscharf abgegrenzte ovale Aushöhlung mit 
sehr ungleich steilen Rändern. (Fig. Ib.) Sie verursacht eine sehr stark 
zugeschärfte Kante am abgestumpften Theile der schmalen Dreieck- 
seite. Die Sculptur in Form länglicher Kerben zeigt ganz dieselben 
Merkmale wie an den selbständigen Körpern und eine Anpassung an die 
Gestalt nach genau denselben Grundsätzen. Die flach concave Seite 
gibt Veranlassung zur Entstehung eines Furchensternes mit etwas un- 
deutlichem Mitteltheile, woselbst die Kerben kleiner und enger zu- 
sammengedrängt sind. Gegen die Kante hin stellen sie sich senkrecht 
und bilden längere und tiefere Furchen. Auf der concaven Fläche 
ist die Sternform durch die ovale Grube zerstört. In der Nähe der 
verdickten Kante (Fig. 1 b rechts) kommt in dem schmalen Räume 
zwischen dem Rande und der Grube die Wirkung einer ebenen Fläche 
zum Ausdruck. An Stelle eines langgezogenen Furchensternes kann 
sich aber in dieser allzu schmalen Zone nur eine Reihe der Längs- 
erstreckung der Fläche folgenden Furchen entwickeln, wie das auch 
an manchen cylinderförmigen Stücken der Fall ist. Ganz knapp an 
dieser Zone stossen die breiteren Furchen ab, welche den Rand des 
Stückes queren. (Fig. Ic). Aus der Grube strahlen die Furchen genau 
der Wölbung derselben entsprechend gegen den Rand hin auseinander, 
sie gehen an den flachen Rändern ganz allmälig in Furchen der 
Hauptfläche über, die scharfe Böschung, die die Grube gegen obige 



288 !>>•. Franz E. Siiess. [«Jß] 

Zone begrenzt, überschreiten die Furchen, wie nicht anders zu er- 
warten ist, im steilen Winkel umbiegend. Eine Spur einer alteren, 
blos mit runden Näpfchen bedeckten Obertiäche ist am gerundeten 
Scheitel des Dreieckes vorhanden geblieben; man sieht das besonders 
gut in der convexen Ansicht (Fig. 1 «), wo eine Reihe länglicher 
Kerben an dem alten Flächenstücke plötzlich abbricht. 

Beispiel Nr. 25, Taf. VI. Fig. l a—c (Collection Fürst 
S c h w a r z 6 n b e r g.) Umgebung von Budweis. Im auffallenden und 
im durchfallenden Lichte hellgrün, matter Fettglanz. 

Flachschaliges Stück mit ausgezackter Umrandung. Die scharf- 
kantigen und stets polygonal umgrenzten Kerben zeigen in deutlichster 
Weise auf beiden Seiten die gegen die Kanten zu auseinanderstrahlende 
Anordnung. Sie sind jedoch in ihrem Verlaufe stellenweise ohne Zweifel 
auch von der Fluidalstreifung des Stückes beeinflusst. Letztere ist 
auf allen Flächen in Form feiner, eingesenkter Streifen zu sehen und 
folgt in ihrer Streckung der längsten Axe des Stückes. Auf der con- 
vexen Ansicht (Fig. l a) sieht man rechts gegen unten verlaufend 
eine lange, schmale, geradlinige Furche, welche ihre Entstehung der 
Fluidalstructur verdankt. An dieser Furche scheinen sich die Kerben 
zu stauen, aber im ganzen leiden sie durch dieselbe keine Unter- 
brechung. 

Das Stück zeigt im Vergleich zu Nr. 24 eine noch weitgehendere 
Corrosion. Von Näj)fchen ist keine Spur zu sehen und es muss zweifel- 
haft bleiben, ob sie an dem Bruchstücke jemals vorhanden waren. 
Der Rand ist nicht mehr gerundet, sondern hat ein kantig zerhacktes 
und förmlich gelapptes Aussehen erhalten. 

Beispiel Nr. 26, Taf. V, Fig. 4 <i-—h. (Sammlung Fürst 
S c h w a r z e n b e r g.) Umgebung von Budweis. Lichtgrün, lebhafter 
Fettglanz. 

Ein dünnes, schalig gebogenes Bruchstück mit dem Umrisse 
eines rechtwinkeligen Dreieckes und stark abgerundeten Ecken. Die 
Mitte der convexen Aussenfläche ist überzogen mit einer Rauhigkeit, 
welche aus dicht gehäuften, ungleich grossen Näpfchen besteht. Die 
Umrandung bildet ein Saum von länglichen Kerben, die gegen die 
Seiten und Ecken entsprechend der Wölbung des Stückes auseinander- 
streben ; sie bewirken es, dass der Rand stellenweise fein sägeförmig 
ausgezackt ist und dadurch eine scharfe, zickzackförmig verlaufende 
Kante entsteht. Die Kerbenzone ist nicht an allen Seiten gleich breit 
und an der einen Ecke (Fig. 4b links oben) erleidet sie fast eine 
Unterbrechung; das Näpfchengebiet sendet hier einen schmalen Aus- 
läufer in den spitzen Winkel hinein, am Rande selbst sitzen jedoch, 
wenn auch verkürzt, die gewöhnlichen grösseren Kerben. Näpfchen und 
Kerben gehen nicht ineinander über; erstere wechseln in der Grösse und 
letztere zeichnen sich, wie es Regel ist, durch grosse Gleichmässigkeit 
aus P]s verhält sich die Kerbenzone zum Näpfchengebiet genau ebenso 
wie die Furchen zur älteren Oberfläche auf den ganzen Körpern. 

Auf der Innenseite sind die Näpfchen grösser und unregel- 
mässiger gestaltet; die einzelnen fiacheu Vertiefungen sind durch 



[971 r^ie Herkunft der Moldavite iiml verwandter Gläser. 289 

kleinste zackig und gebogen verlaufende, glänzende Wülstchen ge- 
trennt, welche, wie auch bei vielen anderen Stücken, unter der Lupe 
lebhaft erinnern an das Netzwerk kleiner Schmelz wüls tch en 
auf der glasigen Rinde der Meteor st ei n e von Stannerii. 
Inwieweit beide Erscheinungen verwandt sind, wird weiter unten er- 
wogen. Auf einer Seite des Stückes sind die Wülstchen und die läng- 
lichen näpfchenartigen Aussprengungen i)arallel der einen Katheteii- 
kaiite gestreckt; hier äussert sich der Einfluss einer schlierigen 
Fluidalstructur auf die Schmelzbarkeit der Glasmasse. Die Kerben- 
zone ist auf der Concavseite ganz an den Rand gedrängt, ja strecken- 
weise sitzen die Kerben nur an der Kante selbst. (Fig. 4a.) 

Beisi)iel Nr. 27. Taf. V, Fig. da — c. (Geol. Institut der Univer- 
sität Wien.) Umgebung von Dukowan. Fettglänzend, hellgrün, etwas 
ins gelbliche durchscheinend. 

Das unregelmässige Stück ist der Rest eines zerborstenen Körpers, 
der eine etwas verzogene Scheibenform besessen haben dürfte. Von der 
Oberfläche ist noch das eine gerundete Ende vorhanden, welches in 
ein kaum merklich concaves Flächenstück übergeht (Fig. 3^« links); 
das ist die eine Scheibenfläche; von der gegenüberliegenden Scheiben- 
fläche ist nur mehr ein ganz kleines Stück vorhanden (Fig. 3r unten) 
und ebenso ein ganz schmaler Ausschnitt aus der Randzone, der beide 
Flächen verbindet. Der übrige Theil der Flächen ist durch zwei un- 
gleich grosse, concave Aussprengungen entfernt; dieselben stossen in 
einer sehr scharfen, leider etwas beschädigten Kante zusammen (Fig 3r). 
Das untere Ende des Stückes ist durch einen frischen Bruch verletzt. 
Sämmtliche Flächen sind mit der Regel entsprechend angeordneten 
Systemen von länglichen Kerben überzogen, und zwar sind die ein- 
zelnen Flächen nach der Reihenfolge ihrer Entstehung in Bezug auf 
die Grösse der Kerben merklich unterschieden. Die grössten Kerben 
befinden sich am gerundeten Ende ; sie sind daselbst richtungslos an- 
geordnet, gehen aber bald in eine deutliche Randzone über. (Fig. 3 a.) 
Wo die Seitenfläche etwas concav eingedrückt ist, entsteht die schwache 
Andeutung eines in die Länge gezogenen Sternes. (Fig. 3/^ rechts). Die 
grössere Aussprengung zeigt im unteren breiteren Theile einen Stern, 
dessen kräftige Kerben gegen die Kanten auseinanderstrahlen ; in der 
schmalen Fortsetzung gegen unten ist der Stern in der Weise ver- 
längert, dass die mittleren Kerben der Längserstreckung der Fläche 
parallel gestreckt sind, die rundlichen Kerben aber senkrecht davon 
abstossen. Man bemerkt den Uebergang in jene Anordnung, welche 
weiter unten als „Fiederstellung" der Furchen beschrieben wird. 

Die Corrosion hat nach dem Aussprengen dieser grösseren Partie 
noch Zeit genug gehabt, die umgrenzende scharfe Kante durch quer- 
gestellte Kerben tief einzusägen und zu zerhacken ; im deutlichen 
Gegensatze dazu ist die Umkantung der kleineren Aussprengung nur 
sehr wenig durchfurcht. Die Kerben sind hier am kleinsten, bilden 
jedoch einen schönen der Fläche angepassten Stern. Nur wo sich die 
concave Fläche im stumpfen Winkel von der äusseren Fläche abgrenzt, 
gehen die Kerben beider F'lächen, welche die Böschung hinabströmen, 
in einander über. (Fig. 3r links unten.) 



290 r)i'- Franz K. Suess. [98] 

Die jüngste Fläche auf dem Stücke wird aber diircli eine tiefe 
rundliche Aushöhlung am unteren Ende (Fig. 3/>) gebildet; hier sind 
nur undeutliche Kerben zu sehen. Sie verdankt möglicher Weise 
einem zerbrochenen Blasenraume ihre Entstehung. 

Beispiel Nr. 28. Taf. VI, Fig 2a— h. (Sammlung lianisch.) 
Daleschitz. Grünlichschwar/. etwas matt ghänzend, im durchfallenden 
Lichte gelblichgrün. Die Oberfläche ist durch frische Schläge stark 
beschädigt. 

Ein länglich rinnenförmiges Bruchstück, unter scharfem Winkel 
seitlich zusammengedrückt. In die mit rundlichen Näpfchen bedeckte 
Aussentiäche sind schmale und tiefe Kerben eingehackt. (Fig. 2 a.) 
Am Grunde jeder einzelnen Kerbe liegt ein glatter, dünner, wurm- 
förmiger Canal, der wohl gesondert ist von den ebenflächigen Ge- 
hängen; diese sind sehr scharfkantig und eckig umgrenzt. Wie immer 
wird durch die Kerben eine Umbiegungszone quer zerhackt. Die 
Innenfläche stellt beiläufig das Negativ der Aussenfläche dar (Fig. 2?;), 
demnach nehmen auch die Kerben eine entgegengesetzte Lage ein. 
Gegen den Rand zu befinden sich nur Näpfchen und nur in der 
innersten Tiefe sind die Kerben entstanden, welche der Richtung des 
Canales folgen. Die Aussenfläche war ohne Zweifel einer heftigeren 
und andauernderen äolischen Corrosion ausgesetzt, so dass die auf 
die Umbiegungszone quergestellten Kerben sich sehr stark entwickeln 
konnten; auf der eingebogenen Fläche hatte die Einwirkung nicht den- 
selben Grad erreicht, und es haben sich in der Regel in der Tiefe 
die ersten Furchen gebildet. Die Kanten des Stückes sind leider stark 
beschädigt und abgeschlagen; es scheint jedoch, dass auch an diesen 
Kanten nach der Absprengung des Stückes von dem grösseren Körper, 
dem es angehört hatte, keine quergestellten Furchen mehr zustande 
kommen konnten. 

Die wenigen Beispiele, Nr. 23 — 28, geben freilich nur ein 
unvollständiges Bild von der grossen Mannigfaltigkeit der Gruppe der 
„schaligen Abspr engl inge". Ihnen gehört ein grosser Theil 
der mährischen Stücke und der grösste Theil der mir aus der Um- 
gebung von Budweis bekannten Exemplare an. Manche Stücke sind 
nur mit Näpfchen bedeckt (Nr. 23), andere wieder nur mit Kerben 
und Furchen. Beide Sculpturen scheinen verschiedenen Umständen 
ihre Entstehung zu verdanken und nicht in allmäliger Reihe ausein- 
ander hervorzugehen. Wo sie auf demselben Stücke gleichzeitig auf- 
treten, stehen sie oft in deutlichem Gegensatze zueinander (Nr. 24 
und 26). Die Kerben sind auf gleichzeitig entstandenen Flächen immer 
beiläufig gleich gross, während die Näi)fclien von den verschiedensten 
Dimensionen durcheinander stehen. Diese zeigen niemals eine Be- 
ziehung zur Form, während die Kerben stets in ihrer Streckung an 
die Krümmungen der Flächen angepasst sind, in genau derselben 
Weise wie bei der vorhergehenden 7\btheilung. Da aber noch b(Mloutond 
stärkere Flächengegensätze auf den ]>ruchstücken vorhanden sind. 
kommt die Erscheinung meist noch viel schärfer zum Ausdrucke 
(Nr. 28). An die scharfen Kanten reihen sich häufig die Kerben, sie 



1<)*)1 Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 201 

verursaclieii die ausgezackten Ränder: die stark gestreckten Flächen 
vieler Scherben bedingen eine starke Zerrung der Sterne, es sondern 
sich dann die verscliiedenen Riclitungseleniente und es kommt die 
Fiederstellung der Kerben (Taf, VI , Fig. 3 a. h) zum Vorschein. 
Das Alter der einzelnen Flächen kommt ebenso wie bei den Kern- 
stücken als verschiedengradige Corrosion zum Ausdrucke. p]ntweder 
sind die Näpfchen auf beiden Seiten verschieden stark entwickelt, 
oder die Kerben (Nr. 27), oder die Corrosion hat auf concaven und 
convexen Flächen verschiedene Formen angenommen. 

Das etwas abgestossene und angewitterte Stück Fig 18 ai zeigt 
den Gegensatz sehr deutlich. Die Aussenfläche ist sehr uneben und 
mit tiefen Furchen und Gruben bedeckt. Die jüngeren Flächen (Fig. 18 a) 



Fig. 18. 




Schaliges Bruchstück aus der Umgebung von Budweis, mit ungleich corrodirter 
Innen- und Aussenfläche. Sammlung Seh warzen b erg, natürliche Grösse. 



zeigen Schrotschüssen vergleichbare, länglich runde Kerben, die sich in 
der Grösse ziemlich gleich bleiben und die auf der concaven Bruchfläche 
schon deutlich das radialstrahlige Auseinanderströmen erkennen lassen. 
Räthselhaft sind an dem Stücke die beiden rundlichen Canäle an der 
einen ebenen Randfläche, welche runden Bohrungen gleich die Schale 
durchstossen zu haben scheinen Auch sie weisen kleine, länglich- 
runde Grübchen auf. Entweder sind es spätere Aussprengungen von 
absonderlicher Form oder sie sind in der That vielleicht hervorgerufen 
durch aufgesprungene Blasenräume und durcli tief einbohrende Wirbel 
erzeugt worden, welche dann Veranlassung zur Zersprengung der 
Schale an dieser Stelle gegeben haben. 

Die grosse Mehrzahl der böhmischen Stücke besitzt eine stark 
zerha(tkte Oberfläche und ist den am stärksten corrodirten Formen 
der vorigen Abtheilung anzureihen ; ja sie entwickelt in Bezug auf 
die Sculptur noch eine Reihe von weiteren Einzelheiten, die dann bei 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reiehsaiistalt, 1900, 50. Bund, 2. lieft. (Kr. E. Siiess.) 38 



2'i}'2 l^r- Franz E. Suess. IIÜOI 

der letzten zu beti-achteiiden Gruppe typisch werden. Icli führe aus 
einer grossen Anzahl nur einige wenige hochcorrodirte Sternformen 
vor, welche zu gleicher Zeit zeigen können, wie man manchmal die 
stark zerhackten Bruchstücke von im gleichen Grade zerhackten 
ganzen Körpern unterscheiden kann. Die beschriebenen Stücke bilden 
zugleich den Uebergang zur nächsten Gruppe von Bruchstücken, 
welche allem Anscheine nach bereits ein theilweises zähes Erweichen 
der Glasmasse durch die Hitze erlitten haben. 

Beispiel Nr. 29. Taf. V, Fig. 5 a—c. (Coli. S c h w a r z e n b e r g.) 
Umgebung von Budweis. Abs. Gew. 51-031 gr. spec. Gew. 2*385. Im 
auffallenden Lichte schwarzgrün, lebhaft glänzend, im durchfallenden 
Lichte schön grasgrün mit schwachem Stich ins gelbliche. 

Dieses prachtvoll erhaltene Exemplar ist fast kreisrund, auf einer 
Seite nur wenig abgekantet. Eine Breitseite ist ganz eben, die andere 
in der Mitte etwas concav eingedrückt. Der Rand ist im Vergleiche 
zum mittleren Theile ein wenig verdickt und bildet in der gerundeten 
Partie des Umfanges eine Art Wulst. Die Sculptur überdeckt die 
ganze Oberfläche in Form ungezählter länglicher Furchen und Canäle, 
die sich zwar, was ihre Breite betrifft, im allgemeinen ziemlich gleich 
bleiben, in der Länge aber sehr verscliieden sind. Von ganz kleinen 
eckigen Grübchen variiren sie bis zu langen glatten Furchen, die sich 
über mehr als die halbe Breite des Stückes erstrecken. 

Am tiefsten greift die Furchung ein an der Randpartie, und zwar 
an der gerundeten Seite. An der geradlinig abgekanteten Ilandpartie 
ist sie nicht so weit gediehen und man darf hier die Spur einer 
jüngeren Bruchfiäche vermuthen. Die am tiefsten eingegrabenen 
Furchen des Randes sind in der Regel die längsten und oft sind sie 
in gemeinsamen breiteren Canälen enger zusammengedrängt. Auf der 
Krone der dazwischen stehen gebliebenen Klippen und zackigen Kämme 
befinden sich meist kürzere, oft näpfchenartig polygonal umgrenzte 
Furchen. Eine genaue Betrachtung lehrt, dass die kürzeren Furchen 
durch die tieferen und längeren abgeschnitten werden, und dass über- 
haupt in mehreren übereinander folgenden Generationen von Furchen 
die älteren durcii die jüngeren im Räume beschränkt wurden. 

Auf beiden Seiten strömen die Furchen gegen den Rand zu 
radialstrahlig auseinander. Die Sternform setzt sich aber nicht mehr 
bis in die Mitte der Scheibe fort, sondern es treten hier beiderseits 
etwas andere Sculpturformen auf, welciie sich derselben Regel nicht 
fügen. Auf der etwas convexen Seite (Fig. 5a) sieht man zunächst, 
dass in einer mittleren rundlichen Partie die Furchen weniger tief 
eingebohrt, dagegen aber kleiner und näpfchenartig polygonal geworden 
sind ; der Charakter dieser tiachen Vertiefungen ist aber durchaus nicht 
derjenige der rundlichen Näpfchen, sondern man hat es ohne Zweifel 
mit derselben p]rscheinung zu thun, wie bei den länglichen Furchen, 
das beweist der gleiche Grad des Glanzes, die feine Querstreifung 
und die oftmals büschelförmige Anordnung derselben, durch die sie 
allmälig in die Furchenbündel des Randsaumes übergehen. Die Be- 
deutung dieser mittleren Fläche wird sofort klar beim Vergleiche mit 
der Abbildung von Beispiel Nr. 8 (Taf. II, Fig. 1 «), wo ebenfalls 



|101] ^^c Herkunft der MoldavitP und verwandter Gläser. 2i)3 

die FurclHMi des Ceiitrums oii^e geliäiift sind und die radialstralilige 
Anordnung noch niclit zum Ausdnirke bringen. 

In wenig gebogenen Strichen, die gerade durch die Mitte der 
Scheibe ;^iehen, ist die Richtung der Fhiidalstructur angegeben. Sie 
liat ott'enkundig auch die Furchung beeinflusst, so dass diejenigen 
Furchen, welche auf zwei gegeniil)erliegenden Randi)artien mit der 
Richtung der Fluidalstreifung zusammenfallen, weiter gegen die Mitte 
des Stückes hineinreichen als die Furclien der übrigen Ilandpartien. 
Eine längere Furche setzt sich in Form von länglichen, gestreiften 
Vertiefungen, die theilweise mit kleineren pjnsenkungen besetzt sind, 
mit geringen Unterbrechungen fort durch die ganze Breite der Sclieibe 
und endigt am gegenüberliegenden Rande in einem längeren und 
schmäleren, tief eingesenkten Furchenbündel. Die Richtung dieser 
Linie wird unter schiefem Winkel geschnitten von drei parallelen 
breiteren Furchen, die vielleicht einer älteren, gröberen Corroslon 
ihre Entstehung verdanken. Die letzteren sind mit kurzen Furchen 
der normalen Breite besetzt; diese sind jedoch nicht, wie es der 
Kegel entsprechen würde, nach der Einsenkung in der sie liegen, 
gestreckt, sondern sie folgen in ihrer Orientirung der Fhiidal- 
structur. Die der Fluidalstreifung parallel laufenden Furchen sind in 
der Regel der Länge nach gestreift: es ist dies diese Streifung selbst, 
die am Grunde der Furche zum Vorschein kommt. Ein specieller 
Typus von Furchen, welcher auf dem vorliegenden Stücke und auch 
an anderen Exemplaren auftritt, scheint ebenfalls durch den Einfluss 
der Fluidalstructur zustande zu kommen; es sind das Furchen die in 
hufeisenförmigem Verlaufe zweiarmig dem Rande zuströmen (Fig. 5 a 
links). Die Furchen werden durch die schlierige Fluidalstreifung gleich- 
sam local abgelenkt und dadurch ein Zusammenfliessen zweier Furchen 
ermöglicht. Ausserdem scheinen auch hervorragende Klippen die Ver- 
anlassung zur Entstehung von Querfurchen in dem radialstrahligen 
Systeme bilden zu können. Nicht ganz in der Mitte der Scheibe 
befinden sich noch zwei längliche Vertiefungen, sie sind scharfkantig 
umgrenzt und am Grunde mit zahlreichen, sehr kleinen näpfchenartigen 
Furchen bedeckt. Ueber ihre muthmassliche Entstehung geben die 
Erscheinungen auf der concaven Scheibentläche Aufschluss (^Fig. ö h). 

Die wulstartige Umrandung der etwas eingedrückten Scheiben- 
fläche ist in der oben beschriebenen Weise hochgradig gefurcht. Eine 
mittlere Region ohne radialstralilige Furchung ist auf dieser Seite 
besonders deutlich abgegrenzt. Von einer dem oberen Rande der 
Figur etwas genäherten, glatten, länglichen Vertiefung scheinen, den 
scharfen Rand der Grube verlängernd beiderseits Furchen abzuströmen, 
welche die mittlere Region bogenförmig umfassen. Besonders fällt 
eine lange Furche auf. welche oben eine scharfe Grenze bildet gegen 
die radial gefurchte Randzone. Ihr Verlauf, ebenso wie der, der im 
Inneren sich parallel anreihenden Furchenbänder, ist durch die Fluidal- 
structur bestimmt; gegen rechts Üiessen diese Furchen mit denen der 
Randzone zusammen. Gegen unten ist die mittlere Region nicht so 
deutlich begrenzt, aber auch hier bildet ein etwas vertieftes Band 
von Fluidalstreifen an einer Stelle eine scharfe Grenze. Stücke solcher 
Streifenbänder schneiden die Raiidhirchen an mehreren Stellen in 

38* 



294 ßr. Franz K. Suoss. [102J 

schiefem Winkel. Sie verlieren sich gegen die JMitte und an ihre 
Stelle tritt eine Anhäufuiig feinster Grübchen, welche noch kleiner 
sind als in der JMitte der convexen Seite. Ausserdem befinden sich 
hier noch mehrere rundliche und ovale, 1 — 4 nnn grosse flache Gruben 
(Fig. bh stark vergrössert), die ich aber wegen ihres glatten Grundes 
und ihrer in einem Falle gebogenen Form nicht mit den gewöhnlichen 
Näpfchen vergleichen möchte : sie scheinen mir vielmehr zu derselben 
Art von Obertiächenorscheinungen zu geliören. wie die oben erwähnte 
längliche Grube. 

Die 11 mm lange Vertiefung gleicht dem Ilohldrucke einer schief 
eingepressten kleinen Bohne; die Fläche ist glatt, mit Ausnahme 
einiger kleiner und kleinster kreisrunder Vertiefungen und einiger 
äusserst feiner erhabener Streifchen. Zur Erklärung dieses Eindruckes 
kann eine Erscheinung dienen, die in derselben Ansicht zu beobachten 
ist, die aber auf anderen Stücken noch viel überzeugender zur Geltung 
kommt. Die geradlinige Verlängerung obiger (irube gegen unten trifft 
bald auf einen kleinen, längliclien HIasenraum (in der Figur sichtbar 
als dunkler Fleck mit schwachem Glanz im Grunde), der zum Theil 
aufgebrochen ist; von links her greilt das noch erhaltene Stück der 
Blasenwand dachartig über den ovalen Hohlraum (als lichter Fleck in 
der Abbildung sichtbar). Die Form des Hohlraumes lässt schliessen, 
dass die Glasmasse einmal eine Erweiterung und Zerrung erlitten 
hat oder dass die Blase in einer erweichten und bewegten Masse ge- 
bildet worden ist. Ihre lange Axe fällt mit der Richtung der Fluidal- 
streifung zusammen und das Bläschen selbst ist an das oben erwähnte 
Band von Fluidalstreifen unmittelbar angeschlossen. Auch das unter- 
stützt die Annahme, dass ein stärkeres Hervortreten der Fluidal- 
streifung mit einer stattgehabten Erweiterung und Zerrung der 
Glasmasse zusammenhängt. Der Grund des Bläschens ist voll- 
kommen glatt. 

Die Zacken an dem rechten steilen Rande der bohnenförmigen 
Grube ragen über die Vertiefung hinaus und eine schmale frische 
Bruchfläche an der rechten Seite des Randes lässt vermuthen, dass sich 
daselbst noch weitere überhängende Partien befunden haben. Man hat 
es wahrscheinlich mit dem Piest eines über die Höhlung überhängenden 
Daches zu thun und es hat sich eine zweite grössere Blase neben 
der kleinen befunden. Noch vor der Erkaltung der Masse muss die 
Blase aufgerissen worden sein, denn der flache Rand wird noch von 
einzelnen flachen Grübchen überschritten. 

Die Deutung, welche ich mir für die Erscheinungen an diesem 
Stücke zurechtgelegt habe, bedarf freilich der Beobachtung vieler ver- 
w\andter Stücke, um den auch nur für eine Hypothese wünschens 
werten Grad von Wahrscheinlichkeit hervorzurufen. Manches dies- 
bezügliche wird noch bei den folgenden Beispielen nachgeholt werden. 
Ich glaube, dass die verdichtete Atmosphäre, welche, um die Kanten 
des fliegenden Scherbens pfeifend, dessen lländer so stark ausgesägt 
hat, in der Mitte der Flächen auch bei fortwährenden Drehungen 
nicht ebenso rasch auszuweichen vermochte und daselbst durch die 
Erhitzung eine etwas tiefer gehende Erweichung und Zerrung ver- 
anlasste. (Siehe unten den Schluss des Kapitels.) Infolgedessen sind 



[1031 Die Herkunft der Mohlavite und verwandter Gläser. 2\K} 

liier die Furchen von der Fluidalstriutur etwas stärker beeintiusst 
als sonst. "Wo die Erweiterung noch weiter gediehen ist, sind die 
Furchen ganz verschwunden. Unter dem enormen Drucke muss die 
Glasmasse im hohen (irade die Fähigkeit besessen haben. Gase zu 
absorbiren, die dann beim Frkalten im zweiten Stadium des Falles 
vielleicht in Form eines kochenden Hlasenwerfens wieder ausgeschieden 
wurden. Wie weitei' unten ausgeführt wird, ist ähnliches auch bei 
vulkanischen Bomben zu vermuthen. Die grossen und kleinen rund- 
lichen Gruben in der Mitte der concaven Seite des Stückes denke 
ich mir auf diese Weise entstanden. 

Beisi)iel Nr. 30. Taf. VI. Fig. Sa—c. (Sammlung des natur- 
hist. Hofmuseums.) Angeblich Moldanthein (1822). Die Oberfläche ist 
durch Abwitterung etwas matt, dunkel graugrün, fast schwarz : im durch- 
fallenden Lichte hellgrün. 

Der pfeilf()rmige oder plattgedrückt tropfenförmige Körper ist 
nach der Analogie mit anderen Stücken auch nur als ein randlich 
stark corrodirtes. schaliges Bruchstück aufzufassen. Die Seiten- 
ansicht (Fig. 3() zeigt deutlich die schalige Wölbung. Das untere 
Ende und der ununterbrochen verlaufende Hand sind etwas verdickt, 
die geradlinige und eckig abgestufte Kante (Fig. oa links) dürfte 
durch späteren Bruch entstanden sein, aber doch konnte die Wirkung 
der Corrosion noch fast denselben (xrad erreichen, wie auf der gegen- 
überliegenden Seite. Das verdickte Ende wird auf der convexen Seite 
von zwei breiteren Aushöhlungen gequert, die dem eckigen Abbruche 
zuströmen. 

Das System, welchem die scharfkantige Sculptur angepasst ist, 
wird am leichtesten begriffen beim Vergleiche mit der Abbildung 
Taf. V. Fig. b(i. Man denke sich den Furchenstern sehr stark in die 
Länge gezogen : es werden die der Verlängerung parallel laufenden 
Furchen des Sternes in demselben Sinne gestreckt und bilden ein 
mittleres, streifenförmiges Band, von dem die Bandfurchen in scharfem 
Winkel abstossen. Es entsteht die „Fi ed e rstellung der Fur- 
chen", welche bei zahlreichen verlängerten Flächen mit Sternfurchen 
der obigen Beispiele bereits unvollkommen zu beobachten war. 

' Auf dem als Fig. 19 (Seite 290) abgebildeten länglichen Scherben, 
ist die gröbere Sculptur der mährischen Moldavite noch in unvoll- 
kommener Weise im Sinne der Fiederstellung vertheilt. Wenn man 
z. B. die Kerbenvertheilnng auf dem flachen Scherben Taf. V. Fig. 1 
mit in den Vergleich zieht, wird man sich leiciit eine Uebergangsreihe 
von grobgefurchten Sternen zu solchen Schweifen mit der vollkom- 
mensten Ausbildung der Fiederstelhmg zurecht legen können. Auf 
der concaven Seite des Stückes ist das Bild eines in die Länge ge- 
zogenen Sternes noch etwas deutlicher bewahrt, indem die Furchen 
des mittleren Bandes in einer schärferen Biegung in die kürzeren 
Randfurchen umschwenken. Beiläufig in der Mitte der unteren Hälfte 
sind die Furchen in einer unbestimmt umgrenzten, gemeinschaftlichen 
Vertiefung ein wenig zusammengedrängt. Gegen den eckigen Einbug 
des Randes strömen die Furchen in grösserer Zahl und eng anein- 
ander geschlossen. 



29() Dr. Franz E. Suess. 11041 

Auf (1er cüiivoxen Seite (Fig. 3«) liegen die mittleren Längs- 
furclien in einem gemeinscliaftliclien. fast geradlinig begrenzten 
Canal ; die Randfurclien setzen daran senkrecht ab und nur hie und 
da ist eine Andeutung eines bogenförmigen Ueberganges zwischen 
beiden Furchengruppen vorhanden. Der Gegensatz ist extremer aus- 
gebildet und es liisst sich wohl denken, dass bei zunehmender Fur- 
chung die Lüngsfurchen nach und nach einen gemeinschaftlichen 
Canal austiefen und dass dann der Zusammenhang zwischen beiden 
Furchengruppen allmälig erst vollkommen gelöst wird. Das ist auch 
bei dem vorliegenden Stücke auf der convexen, als der älteren 
Fläche, der Fall gewesen. 



Fii>-. ly. 




Moldavitschcrbeu mit uiivolil<oiiimener P'iederstelliitig der Ftirclien. Skrey-Dukowan. 
(Geolog. Institut der Univ<'isit;lt.) Natiirliclu' Grösse. 



Im mittleren Tlieile des verdickten Endes ist die strahlenför- 
mige Anordnung der Furchen undeutlich geworden; stellenweise ist 
ein ganzes Netzwerk von tief eingehackten Furchen entstanden. Durch 
die breiteren Quergruben fliepsen die Furchen hinab und streben am 
unteren Ende etwas auseinander, wie die Sjjalten eines Gletschers, 
der in eine Thalauswoitung heraustritt. (Fig. 3« links unten.) 

Die einzelnen Furchen haben an diesem Stücke den höchsten 
Grad der Schärfe erreicht, besonders die Längsturchen scheinen wie 
mit einem senkrecht aufgesetzten Messer eingeschnitten worden zu 
sein. Zwischen den Furchen befinden sich allenthalben steil zuge- 
schärfte Kämme oder kleine polygonal umgrenzte Plateaus. P]in 
ganz schmaler Streifen beiderseits des Längscanales auf der convexen 
Fläche ist nur mit flacheren Eindrücken besetzt, deren Kantenschärfe 
ein wenig durch spätere Abreibung gelitten hat; diese beiden Streifen 
sind aller Wahrscheinlichkeit nach Reste einer älteren Oberfläche, 
aus einer Zeit , in der die Corrosion noch nicht die extremsten 
Formen anuenommen hatte. 



|105J ^^^^ Herkunft der Moldavite und verwandter (ililser. 297 

Unter der Lupe nimmt miiii wahr, dass Jede der scliarf ge- 
schnittenen Furchen mit allerfeinsten Querfurchen besetzt ist, welche 
in senkrechter Stellung gleich den Federn an einem Kiele aneinander- 
gereiht sind, der Stellung und Vertheilung nach etwa vergleichbar mit 
den dünnen, flaumigen Barten im unteren Theile einer Ffauenfeder. 
Diese Erscheinung tritt nur an böhmischen Stücken mit hochgradiger 
Corrosion oder mit theilweiser Zerrung auf. Sie ist verwandt mit der 
Fiederstellung der Furchen und ich habe sie mit dem Namen der 
„Fiederun g" belegt. Auch an den engen Furchen der Quergruben 
ist sie sehr deutlich zu sehen und die Betrachtung daselbst lässt 
vermuthen, dass sie als allerfeinste Querstreifung auf dem Rücken 
der zwischen den Furchen stehenden Rippen entstanden sind, dass sie 
aber auf den erhabenen Stellen durch spätere mechanische Abreibung 
im Sande wieder verloren gegangen sind. In den tieferen Partien, 
namentlich auf der convexen Seite treten diese „Fiederchen" 
besonders scharf hervor infolge der weissen Farbe, die ihnen aller- 
feinstes eingeriebenes Material verleiht; sie sind jedoch immer noch 
zu fein, um in der Abbildung gut sichtbar zu werden. Nur in der 
Mitte von Fig. 'dh sind Spuren davon unter der Lupe zu bemerken. 
In den scharfen Furchen derselben Seite sitzen an verschiedenen 
Stellen fest eingeklemmt kleine Quarzkörnchen aus dem Sande, in 
dem das Stück auf seiner ursprünglichen Lagerstätte eingebettet war: 
auf Fig. 3« sind sie als helle Pünktchen wahrnehmbar. 

Eine Fluidalstreifung ist auf der abgeriebenen Oberflilche un- 
mittelbar nicht zu beobachten. In der Ansicht des etwas verdickten 
Randes i^Fig. Sc) sieht man, dass die Querfurchen an einer etwas un- 
regelmässig verlaufenden Längsfurche absetzen, in deren Fortsetzung 
man unter der Lupe eine feine Streifung wahrnehmen kann. An den 
Querbrüchen von zahlreichen schaligen Stücken kann man es als 
Regel nachweisen, dass die Fluidalstreifung parallel den breiten Flächen 
und den Bruchkanten gestreckt ist und es ist auch hier sehr wahr- 
scheinlich, dass diese Furche dem Einflüsse der Fluidalstructur zu- 
geschrieben werden muss und dass ein etwas leichter schmelzbarer, 
schlieriger Streifen in der Glasmasse die Veranlassung zu ihrer Ent- 
stehung gebildet hat. Eine ähnliche, etwas winkelig verlaufende Furche 
begleitet zur Rechten den mittleren Furchencanal auf der convexen 
Seite (Fig 3 a) und ist der obigen parallel : ihr dürfte derselbe Ur- 
sprung zuzuschreiben sein. 

Beispiel Nr. 31. Taf. II, Fig. 5« — c (Sammlung des natur- 
hist. Hofmuseums.) Angeblich Moldauthein. 

Das Stück ist in der Farbe und in der Entwicklung des Furchen- 
netzes sehr ähnlich dem schönen Sterne Nr. 29 aus der Sammlung 
S c h w a r z e n b e r g. Das dickschalige Stück mit rundlicher Um- 
grenzung ist auf der einen Seite durch einen fast geradlinigen Bruch 
begrenzt. Aus der Mitte der convexen Fläche strömen die Furchen 
in mannigfachen Biegungen und sich öfter verzweigend gegen den 
Rand auseinander ; stellenweise bilden sie in einzelnen Vertiefungen 
noch örtliche secundäre, mehr oder weniger verzerrte Sterne. Auf 
der concaven Seite reichen die vom Rande zusammenströmenden 



298 L>J'- l*>aiiz E. Suess. L^^^] 

Furchen nicht bis in die Mitte der Sclieibe. sondern es befindet sich 
daselbst eine Anzahl gerundeter Vertiefungen, welche theilweise in 
der Richtung der Fluidalstreifung ein wenig gestreckt sind. Die Wände 
der runden Gruben sind stellenweise etwas überhängend, der Grund 
der Höhlungen ist glatt oder kaum merklich erhaben gestreift. Sie 
machen den Eindruck, wie wenn sie in einer erweichten Masse ent- 
standen wären, und sind auf jeden Fall vergleichbar den Blasen- 
höhlungen in der Mitte der cont'aven Scheibenfläche von Nr. 28 
(Taf. V, Fig. bh). 

Das Stück soll ein Beispiel sein für die Anpassung der Sculptur 
an ein von jüngeren Bruchflächen umgrenztes Schalenstück. Der 
geradlinige Bruclirand ist in derselben Weise, wenn auch in gerin- 
gerem Grade, quer zerhackt, wie der ältere gebogene Band, und man 
kann sich leicht vorstellen, dass eine weitergehende Corrosion die 
Gegensätze beiden Bänder verwischt und dass zuletzt scheinbar 
ganze Formen zustande kommen, wie Beispiel Nr. 29 u. Nr. 30. Die 
schalige Krümmung kann dann immer noch einen Anhaltspunkt dafür 
bieten, dass man es eigentlich nur mit einem umgeformten Abspreng- 
linge zu thun hat. 

Eine scharfkantige Fluidalstreifung ist am besten auf dem 
jüngsten Querbruche, aber auch sonst an einzelnen Stellen des Bandes 
zu sehen. Sie ist, der Regel entsprechend, parallel der schaligen 
Krümmung gestreckt. 



'O o^ 



Man kann sich einen Begriff machen von der reichen Mannig- 
faltigkeit der Formen, wenn man sich vor Augen hält, dass die sehr 
verschiedenartigen Typen, aus denen die wenigen angeführten Bei- 
spiele gewählt wurden, durch zahlreiche Uebergänge mit einander 
verbunden sind. Es ist jedoch nicht möglich, dieselben in einer ein- 
fachen Reihe zu ordnen, denn die Bezieliungen der Formen unter- 




Kiindliclie, flache Scheibenform, ausschliesslich mit riclitungslosen Niipfclieii 
bedeckt. Trebitscher Gebiet. Natürliche Grösse. 

einander sind fast chaotisch. Die Uebergänge vollziehen sich in 
anderen Richtungen in Bezug auf die Gestalt, als in Bezug auf den 
Grad und die Form der Veränderung. Die ursprünglichsten Typen 
sind wohl diejenigen, welche nur mit ungleich grossen, rundlichen 
Näpfchen bedeckt sind (z. B. Fig. 20); sie mögen vielleicht ihre Ent- 
stehung nur der Erwärmung zu verdanken haben und vergleichbar 



[107] I*''' Ilt'ikmifr der Molilavite iind veivvaiultor Gläser. 21)^) 

sein den eigentlichen >.'ai)fchen der Meteoriten oder den bei Tempe- 
raturweclisel aussprinoenden Näpfchen der Wüstensteine ^). Eine ganz 
andere Art der Corrosion bilden die länglichen Kerben, die, wie man 
an vielen Stücken sehen kann, von den Näpfchen wohl unterschieden 
sind (Vgl. Taf. V. Fig. 1 und 4). Diese sind in ihrer Anordnung stets 
augepasst der Form und Krümmung der einzelnen Flächen. 8ie gehen 
über in lange, schmale Canäle (Beispiel Nr. 29) oder in tief einge- 
hackte, scharfkantig faltenähnliche Einrisse (Beispiel Nr. 30). In diesen 
Stadien macht sich meistens auch ein Einfiuss der Fluidalstructur auf 
den Verlauf der Furclien geltend, der vielleicht mit einem zähen 
Erweichen der Masse zusammenhängt. In der Mehrzahl der Fälle ist 
die Fluidalstructur parallel den Hauptbruchflächen und in der Längs- 
richtung der Scherben gestreckt; es ist demnach anzunehmen, dass 
nach diesen Richtungen die Stücke am leichtesten zerbrechen. 

Abgesehen von der bis zur Fi ed er ste 1 hing der Furchen 
gesteigerten Streckung, welche die Furchensterne allein infolge der 
Form der Flächen erleiden, werden sie auch noch häufig beeinflusst 
durch früher vorhandene grössere Unebenheiten, die sich vielleicht auf 
einer früheren grösseren Fläche nach einem anderen Systeme gebildet 
oder auch infolge der theilweisen, zäh-schlierigen Aufschmelzung der 
Masse verzerrt haben. Frühere Hervorragungen haben oft Anlass ge- 
geben zu einem beiderseitigen Ausweichen der tief eingesenkten 
Furchenreihen und zur Entstehung der hufeisenförmigen Fur- 
chen, welche in zwei Armen zum Rande verlaufen (Taf. II, Fig. 5a 
und Taf. V, Fig. 5«). Nicht selten findet man bei kleineren Stücken 
dieselbe Anordnung der Furchen. Wegen der tiefrunzeligen, falten- 
artigen Furchen sind solche Stücke, namentlich bei dunkler Farbe, 
oft mit getrockneten Pflaumen verglichen worden. 

Schon die weniger entschiedene' Krümmung des Mitteltheiles 
einer Fläche veranlasst ein Verschwinden der regelmässigen An- 
ordnung der Furchen gegen die Mitte des Sternes : dazu kommt nun 
bei stark angegriftenen Stücken noch eine Veränderung des Cohesions- 
zustandes der obersten Schichte der Masse, welche allem Anscheine 
nach in der Mitte der Flächen, wo die Luft am langsamsten abströmen 
kann, zuerst auftritt. Es entstehen in der Mitte der Flächen die 
rundlichen, blasenartigen Aushöhlungen (Beisp. Nr. 29 und 31), die 
fluidale Zerrung tritt streifenförmig hervor, die radialstrahlige Fur- 
chung wird immer zarter in den Dimensionen, verschwindet immer 
mehr und mehr aus der Mitte und wird oft ganz an die Kante ge- 
drängt; es entstehen förmliche „gefiederte" Ränder (Fig. 21). 
Die Entstehung der „Fiederung" (S. 297), d. i. die Bildung zar- 
tester Querfurchen auf den stark corrodirten, oft nach der Fluidal- 
structur gestreckten Canälen, scheint ebenfalls zusammenzuhängen mit 
dem Cohesionszustande des Glases und es ist fast sicher, dass sie erst 
in den letzten Stadien der Oberflächenveränderung zustande kommt. 

Es ist sehr wahrscheich, dass eine Erweichung des Glases durch 
die Hitze während des Falles nur iir der obersten dünnsten Schichte 



') Goldsclimi dt. Ueber Wiistensteine und Meteoriten. Tschcrniak's 
Mineralogische Mittheilnngen. Bd. XIV. 1895. S. 132. 

Jaliibucli d. k. k. geol. Ueichsiiustalt 1900, 50. »and, 2. Helt. (Fr. K. Siiuss.) 39 



'M)() Dr. Franz K. Sii.ss. [^108] 

eintritt, und dass die stärker verflüssigten Tiieile durch die Gewalt 
des Luftstronies entfernt werden. Das äussert sich in anderer Form 
in der Mitte der Fläclien als an den Kanten ; hier mögen die Luft- 
ströme bereits vorhandene Balmen, welche bei dem Abströmen von 
der Fläche entstanden sind, benützen und dieselben zu tief ein- 
gehackten Rinnen ausfurchen: an den hervorragenden Handklippen 
kann der Druck geringer sein und diese können stehen bleiben. In 
der Flächenmitte werden die richtungslos wechselnden TiUftströme 
mehr flächenweise die Masse entfernen ; es wird hie und da eine 
sehr seichte Vertiefung in der Mitte, oder, was auf dasselbe hinaus- 
läuft, eine wulstartige Verdickung des zerhackten Randes eintreten 
(Beisp. Nr, 28). Es wurde bereits oben erwähnt, dass viele mit 
Näpfchen bedeckte Absprenglinge einseitig zugeschärfte Kanten be- 
sitzen (S. 286). Wenn auf solchen schief abgesprengten Bruchstücken 

Fla:. 21. 




Flacher Absprengling, rechts verdickt, gegen links vorhangaitig ausgezogen. 
Umgebung von Biidweis. (Sammlung S cli warze n berg.) Natürliche Grösse. 

die länglichen Kerben und Canäle zu Bildung kommen, so ist es die 
Regel, dass auf der verdickten Seite die Kantenwirk img mit Quer- 
stellung der Furchen, gegen den zugeschärften Rand hin aber mehr 
die Flächenwirkung zum Ausdrucke kommt, welche sich in einer 
Zerrung des Furchensternes im Sinne des Flächenumrisses ohne 
eigentliche Querzerhackung äussert. Von der Mitte gegen den zu- 
geschärften Rand hin wird die ganze Fläche gescheuert, ähnlich 
wie das bei den rundlichen Stücken nur im (!ontruni der Fall ist; 
auf der verdickten Seite werden nur die Furchen vertieft. Die Folge 
davon ist, das die Gegensätze zwischen der Fläche und dem ver- 
dickten Rande immer zunehmen und dass zuletzt Formen übrig 
bleiben, welche aus einem querzerhackten, balkenartig verdicktem 
Rande bestehen, an welchem, einem Vorhange gleich, eine dünne, sich 
scharf verjüngende Phitte hängt (Fig. 21, 22 und 28V Der an der 
Grenze von Wulst und Platte entstehende einspringende Winkel wird 
häufig zur Furchenrinne, in der sich die feinste Fältelung und Fiede- 
rung ansiedelt. fFig. 22 rechts.) 



[109] 



Dil! Herkunft tler MoUlavite und verwandter Gläser. 



3U1 



Das riunenförmige Stück (Taf. \l. Fig. 2) von Dalescliitz hat 
die Erscheinung erläutert, dass in der jüngeren concaven Fläche die 
Furchen der Rinne entlang laufen und die ältere kammförmige Wöl- 



Fig. 22. 



Figr. 23. 





Fig. 22 (flach concuv) und Fig. 23 (flach convex) Moidavitscherben. Rechts 
balkenartig verdickt mit Quei'furchen. Zwischen der fiederartigen Farchung auf 
beiden Seiten Blaseugruben. Umgebung von Budweis. (Sanimliiag Schwarzen- 

berg.) Natürliche Grösse. 

bung quer zerissen ist. Bei einer ganzen Keihe von länglichen Ab- 
sprenglingen kann man denselben entgegengesetzten Verlauf der 
Furchen auf beiden Flächen mehr oder weniger deutlich beobachten. 



Vis, -'1. 



Fii?. 25. 





Fig. 24 (convex) und 25 (coucav), länglich rinnenförraiges Bruchstück, die Aussen- 
fläche hochgradig corrodirt, die Innenfläche in der Längsrichtung gefurcht. Um- 
gebung von Budweis. (Sammlung Seh wa r ze nber g.) Natürliche Grösse. 



Die ältere Fläche ist naturgemäss stets stärker corrodirt; die An- 
ordnung ist weniger deutlich, denn sie ist durch, vor der Neuformung 
entstandene. Gruben zerstört. (Fig. 24 und 25.) Oft mag die oberste 

39* 



302 



Dr. Franz E. Siiess. 



[llü] 



Schichte der äussere Fläche bereits eine theilweise Aufschmelzuiig 
und blasige Grubenbildung entwickelt haben, bevor das Stück abge- 
sprengt wurde. Auf frisch entstandener Bruchflache genügt schon die 
Streckung der ebenen Fläche, auch ohne dass eine rinnenartige Ver- 
tiefung vorhanden ist, um eine Streckung der Furchen in der Längs- 
richtung hervorzurufen nach der Regel der F i e d e r s t e 1 1 u n g 
(Fig. 26, -2-7) ;■ oft mögen sie auch durch die in demsell^en Sinne 
gestrecke Fluidalstructur beinflusst worden sein.-' 

Viele von den plattenförmigen oder langgestreckten Scherben 
sind an geradlinigen oder nur wenig gekrümmten Brüchen quer ge- 
sprungen (Fig. 21 und 31). Autfallenderweise sind die frischen Brüche 
niemals so geradlinig, sondern stets mehr muschelig oder splitterig; 



Fi^'. 26. 



Fis;. 27. 





Fig. 26 und 27 ebeiillachiges Bruchstück, dio ältere Bnichfläclie (26) hochgradig 

corrodirt, die Innenfläche (27) mit Längsfurchen und z Tli. mit Fiederfurchen. 

Auf beiden Seiten Blasengruben; unten frischer Bruch. Umgebung von Budweis. 

(Sammlung Seh w ar zen her g.) Natürliche Grösse. 



ebenso zerbrechen meiner geringen Erfahrung nach die Stücke, 
welche man zu Boden wirft, nicht geradlinig, sondern krummschalig. 
Die betreffenden Bruchflächen sind oft in verschiedenem Grade, aber 
stets in geringerem Grade als die Hauptfläche corrodirt ; entweder 
zeigen sie blos Näpfchen, oder auch quer verlaufende Furchen und 
Risse (Beisp. Nr. 31). Fast stets tritt die Fluidalstructur am Querbruche 
deutlich hervor, und zwar ist sie parallel den schaligen Flächen ge- 
streckt; es lässt sich vorläufig nicht entscheiden, ob diese Streckung 
eine Folge ist einer leichteren Spaltbarkeit des Glases im Sinne der 
Fluidalstructur oder einer nachträglichen Zerrung des erweichten 
Glases während des Fluges. 

An manchen rauhen und etwas angewitterten Querbrüchen sieht 
man blos die erhabene wellige Streifung der Fluidalstructur und vielleicht 
noch vereinzelte kleinste, kreisrunde, vertiefte Pünktchen ; in solchen 
Fällen dürfte ihr Erscheinen nur dem Einflüsse von chemischen An- 



[inj Die Herkunft der MoKlavite und verwandter (iläser. ;3(J3 

griffen zuzuschreiben und der Querbrui'h erst spät oder bereits nach 
der Ankunft des Stückes auf der Erde erfolgt sein. 

Die Erscheinungen der Zerrung und der oberfläcliliclien Blasen- 
bildung, sowie der Fiederiing werden am besten verstanden bei den 
in der letzten Gruppe betrachteten Stücken, wo sie am vollkom- 
mensten zur Entwicklung gelangen. 



D. (xczerrtt* Formen. 

Bruchstücke, welche verschiedenartige Anzeichen einer theil- 
weisen Aufschmelzung und Verzerrung der Glasmasse erkennen lassen. 

Für die selbständigen Körper und die Bruchstücke mittleren 
Corrosionsgrades war es charakteristisch, dass sie durch die Sculptur 
der Oberfläche fast stets zu selbständigen Individuen mit eigenartiger 
Anordnung eines Furchensystems geworden sind ; im allgemeinen hat 
die Corrosion dahin gearbeitet, die rundlichen Körper oder Scherben 
zu deutlichen Sternformen oder Pfeilen mit Fiederstellung der Furchen 
umzuwandeln. Bei denjenigen Stücken aber, welche die Anzeichen 
einer erfolgten Aufschmelzung des Glases an sich tragen, ist die In- 
dividualität wieder verloren gegangen; die grobe Sculptur ist ver- 
schwunden oder bis zur feinsten Fiederung herabgesunken, welche 
zwar noch immer in ihrer Anordnung derselben Regel folgt, wie die 
gröberen Kerben, jedoch neben bandförmigen Streifen sehr stark 
zurücktritt. Gleich .vielen, auf ähnliche Weise- verzerrten vulka- 
nischen A^uswürf lingen, sind sie fast stets quer zerrissen oder 
gebrochen, so dass fast nur von geradlinigen Querbrüchen begrenzte 
walzen- oder fladenförmige Bruchstücke vorliegen. Mehr als bei den 
vorhergehenden Gruppen ist man hier genöthigt, beim Studium die 
Erscheinungen, wie sie sich an mehreren Stücken in stufenweise Ab- 
änderungen darbieten, zusammenzufasseji, und was an einem einzelnen 
Exemplare unverständlich bleibt, darüber mag öfter der Vergleich 
mehrerer Stücke Aufschluss geben. 

Eine der augenfälligsten Erscheinungen an manchen Stücken 
ist die der gezerrten Blasenräume. 

Beispiel Nr. 32. Tat". VI, Fig. 5. (Coli. Seh warzenberg.) 
Ein ganz hellgrünes Bruchstück aus der Unigebung von Budweis, 
ist oberflächlich ein wenig matt, anscheinend vom Wasser abge- 
waschen, und von Quer- zur Fluidalstreifung an nachträglich ab- 
gestossenen Brüchen begrenzt. Auf der rechten Seite der Figur sieht 
man einen birnförmigen Blasenraum ; die obere Hälfte der läng- 
lichen Blase ist aufgebrochen und die innere Blasenwand liegt zu 
Tage. Die untere Hälfte ist noch durch eine Glashaut gedeckt und 
mit schwer zu entfernender lehmiger Unreinigkeit ausgefüllt. Die 
innere Blasenwand ist mit einer äusserst zarten Längsstreifung be- 
deckt, welche, wie man bei genauester Betrachtung unter der Lupe 
stehen kann, an dem zugespitzten Ende der Blase zu eliptisch con- 
centrischen Streifen umbiegt. Unmittelbar neben der Blase befindet 
sich eine unverkennbare zweite, weit grössere Blasenwand ; sie muss 
sich gegen oben noch weit über die gegenwärtige Dimension des 



304 



Dr. Franz E. Siiess. 



112J 



Bruchstückes hinaus erstreckt liabeii. Der untere Theil ist durcli 
einen frischen Bruch beschädigt. Der grösste Theil der Blasenwände 
ist durch die Corrosion entfernt, nur eine klippenartig überhängende 
Partie an der linken Seite deutet noch an, dass das breite, fast 
glatte Band ringsum von Glas umschlossen war. Die Längsstreifung 
ist um ein geringes deutlicher und schärfer als in der kleinen Blase, 
doch ist sie nicht so regelmässig und die Umbieguug am Ende lässt sich 
vielleich wegen der daselbst vorhandenen Störungen nicht beobachten. 
Die Streckung der Blasen, welche parallel der Fluidalstreifung 
erfolgt ist, beweist, dass die Glasmasse im erweichten Zustande eine 
Zerrung erlitten hat; freilich ist vorläufig noch nicht gesagt, ob das 
schon in einem früheren Zustande oder erst während der Ankunft 
auf die Erde der Fall war. 

Oft liegen die bandai'tigen Blasenwände zu Tage und wie zahl- 
reiche Uebergänge beweisen, können sie sehr lang und schmal werden ; 
dann sind sie als geglättete, glänzende, dünne, meist längsgestreifte 
Bänder, meist in paralleler Richtung mit der Fluidalstructur in die 
Oberfläche der Stücke eingesenkt; ich bezeichne sie als „Blaseu- 
bahnen". Fig. 28 gibt die vergrösserte Abbildung einer solchen 



Vis. 28. 



Fig. 29. 





Fig. 28 11. 29. Bruchstück mit gezerrteii Blasenräumen (28) und „Blasenbahnen" (29). 
Umgehung von Budweis. Vergrösserung: 5:0. 



Blasenbahn, an deren sackförmigen Knde noch ein Theil der äusseren 
Blasenwand vorhanden ist. Auf der anderen Seite desselben Stückes 
(Fig. 29) sieht man mehrere tiefe Bahnen sich bogenförmig über 
die ganze Länge des Stückes hinziehen ; sie sind oflenbar auf dieselbe 
Weise entstanden. Da die Blasen meist plattgedrückt sind, kommt 
es häufig vor, dass ihre biosgelegten Bahnen seitlich unter spitzem 
Winkel in die Glasmasse einschneiden. — Ein plattenförmiges Stück 



|llä] Hie Herkunft der MoMavito und verwandter (iliiser. 305 

mit längsgestreifter, getiederter Oberfläche, in Form eines quer ge- 
brochenen, dicken Fladens, ist durdizogen von einer an beiden Quer- 
brüchen offenen, röhrenförmig plattgedrückten Höhlung, die durch 
lehmige Substanz erfüllt ist ; es ist offenbar eine langgezogene Blase, 
die durch den (^)uerbru(li auf beiden Seiten geöffnet worden ist. 
Äehnliche, später ausgefüllte Hohlräume machen b(M flüch'tiger Be- 
trachtung manchmal den Kindruck, wie wenn man einen fremden 
Einschluss im Moldavite vor sich hätte. Man wird aber stets leicht 
nachweisen können, dass Lehm oder Ocker in einen aufgebrochenen 
Blasenraum eingedrungen ist. Das erwähnte Stück ist auch an den 
Querbrüchen ziemlich stark zerrissen, und zwar besieht die Bauhigkeit 
aus lauter grösseren und kleineren rundlichen Einbohrungen ; man 
sieht gleichsam auf den Stirnbruch der extrem entwickelten Fluidal- 
streifung und man kann sich überzeugen, dass der ganze Fladen sich 
während der Zerrung in einem i)lasenreichen Zustande befunden 
hat, wenn auch der Blasenreichthuni bei weitem nicht den Grad er- 
reicht hat, der bei ähnlich gestalteten vulkanischen Auswürflingen 
die Regel ist. 

Die Blasenbildung an der Oberfläche äussert sich in sehr ver- 
schiedenen Formen : bald haben sich die obigen, glatt gestreiften 
Bahnen zwischen der Fluidalstructur entwickelt, bei denen es vielleicht 
nicht nothwendig wird, anzunehmen, dass sie jemals als ganze Röhren 
existirt haben und die vielleicht im Entstehen sofort zerrissen sind 
und einen geglättet ausgezogenen Streifen hervorgebracht haben. 
Manchmal sind, wie erwähnt, noch die sackförmigen p]ndigungen vor- 
handen (Fig. 28): hie und da sind breitere sackförmige Eindrücke 
vorhanden, mit theilweise noch überhängenden Rändern ; sie gehen in 
flachere, langgestreckte Eindrücke über, welche von den Kerben wohl 
unterschieden sind. In ihrer Streckung fallen sie stets mit der Fluidal- 
structur zusammen und sind unabhängig von den äusseren Umrissen. 
(Taf. II. Fig. (i.) 

Beispiel Nr. 33. Taf. VI. Fig. G. Vergrössert: 5:3. (Gull. 
Sc h warzenberg.) Umgebung von i^udweis. 

Oberflächlich nur wenig abgestossen, hellgrün. Das fladenförmige 
Stück ist ort'enbar durch Aufschmelzung hervorgegangen aus einem 
Absprengling mit einseitig verdicktem Rande, vergleichbar den Stücken 
Fig. 21 und 22 (S. 300 und 301). In der Figur ist die verdickte Seite 
rechts; ich bezeichne Stücke von diesem Typus als „Vorhänge". 
Beide Breitseiten sind ebenflächig. Die zackige, zugeschärfte Kante 
ist durch frische Ausbrüche beschädigt, so dass die am dünnsten aus- 
gezogenen Randtheile nicht mehr vorhanden sind. Auf beiden Breit- 
seiten befindet sich eine Anzahl von gestreckten Eintiefungen, welche 
durch ihre weichen Formen wohl unterschieden sind von den Kerben 
oder Hohlkehlenschlägen. Die Streckung folgt genau der Fluidal- 
streifung. w^elche allerdings auf der abgebibleten Seite nur wenig 
hervortritt. Auf derselben Seite stellen sich am breiteren Ende des 
Fladens drei breitere Mulden ein, die von kleineren, bläschenartigen 
Ovalen umgeben sind. Ein dem linken Rande der Figur genäherter, 
vorspringender und etwas überhängender Zacken weist auf die Blasen- 



H06 t)r- Franz E. Suess. [114] 

iiatur der benachbarten Mulde bin. Die ganze Fläche ist ausserdem 
mit feiner „Fiederung" überzogen, die in den Furchen deren Längs- 
erstreckung folgt, und ausserhalb derselben allseitig dem Rande zu- 
strömt. Zum verdickten Rande sind die einzelnen kleinsten Eindrücke 
senkrecht gestellt. Am Querbruche des zugespitzten Endes befinden 
sich einige rundliche Einbohrungen ; es sind das aufgebrochene Blasen, 
welche beweisen, dass auch im Innern des Glases sich Gase aus- 
geschieden haben. 

Grosse Aehnlichkeit mit solchen Stücken zeigen die Abbildungen 
mancher fladenartiger vulkanischer Auswürflinge, deren Oberfläche 
ganz bedeckt ist mit langgezogenen Blasen ^). Allerdings ist bei diesen 
die blasige Beschaffeidieit der Masse entstanden durch die ursprüng- 
lich im Magma cntiialtenon Gase, die sich durch die yVbkühlung 
während des Fluges ausgeschieden haben. 

Aber auch an compacten ()bsidianbomi)en sieht man manchmal 
eine ähnliche grubige Beschaffenheit der Oberfläche, welche durch 
Blasenbildung entstanden sein mag. Manche Obsidianbomben von Tokay 
z. B. sind ganz bedeckt mit ziemlich scharfkantig umgrenzten rund- 
lichen und ovalen, flachen Gruben, die meistens im Sinne der gut 
wahrnelnr.baren Fluidalstructur gestreckt sind. Mit den Näjjfchen der 
Moldavite sind diese Gruben sicher nicht zu vergleichen; ich ver- 
niuthe. dass sie durch pjnwirkung der Atmosphäre auf die noch weiche 
Masse hervorgerufen worden sind. Die Bewegung war zu langsam, als 
dass Kerbung oder Fiederung hätte (!i)tstehen können, dagegen war 
die Masse mehr zäh flüssig als die der Moldavite, so dass der Luft- 
druck trotz der geringeren Geschwindigkeit noch Eindrücke erzeugen 
konnte. Auf diese Weise entstandene Gruben werden eine nahe Ver- 
wandtschaft besitzen zu solchen, die durch Verschlucken und rasches 
Neuausscheiden der Luft in Form von Blasen zustande kommen; 
ja ich glaube, dass es schwer sein wird, zwischen beiden eine strenge 
Grenze zu ziehen und sie überhaiipt von einander zu unterscheiden"^). 

Mit diesen Bildungen an vulkanischen Auswürflingen möchte ich 
die mehr rundlichen, blasenartigen Eindrücke vergleichen, welche 
häufig an stark gezerrten Moldaviten auftreten. 

Am häufigsten findet man sie an dünnen „Vorhängen". Sie sind 
durch [Jebergänge mit den „Blnsenbahnen" und sackförmigen Endi- 
gungen (wie auf Fig. 28) verbunden. Von den Kerben unterscheiden 
sie sich ausser der häufigen Streckung nach der Fluidalstructur und 
der wechselnden Grösse an einem Stücke, auch noch oft durch die 
bei Blasenräumen vorkommende , fein concentrische Streifung der 
Innenfläche (siehe die nachstehende vergrösserte Fig. 30). 

^) Vgl. z. B. 0. Fl aas, Beobachtungen an den vulkanischen Auswürflingen 
im Ricss. Stuttgart. Jahreshefte d. Ver. f. Naturk. 188i, Bd. 40, S. 41, u. A. Bergeat, 
Die äolischen Inseln. Al)hdlg. d. bayer. Akademie d, Wiss. XX. Bd., 1899, I. Ab- 
thlg., Taf. XXIII. 

-) Eine ähnliche Entstehung dürfte auch der blasigen Oberfläche der von 
W. Bergt abgebildeten Bombe aus Colombia zuzuschreiben sein. W. Reis8 und 
A. Stübel: Reisen in Südamerika. Berlin 1890. (Jeol. Studien d. Republik Co- 
lombia. II. Petrographie. Taf. VIII. 



[115] Die Herkunft der Moldavitc und verwandter Gläser. 307 

Eine weitere häufige Ersclieimiiig der anscheinend durch Blasen- 
bildung entstandenen Gruben und Grübchen auf der Oberfläche der 
gezerrten Stücke ist die reihenförmige Anordnung entlang der Bän- 
der von Fluidalstreifen (Taf. VI, Fig. Ab). Es macht den Eindruck, 
wie wenn während der Zerrung eine lleihe von Bläschen in einer 
Kette von kleinen Explosionen entstanden und geplatzt wäre i). 

Bei Besprechung des Beispieles Nr. 29 war von Blasen die 
Rede, welche in der Mitte der concaven Seite durch locales Auf- 
schmelzen zustande gekommen sein sollen. Sie werden gewiss das 
erste Stadium der Blasenbildung darstellen und gehören, da sie sich 
noch auf einem der Hauptsache nach starrem Körper gebildet haben, 
einem anderen Typus an, als diejenigen, die durch reichliche Gas- 
ausscheidung auf der Oberfläche verzerrter Fladen entstanden sind. 
Fig. 22, 23 und Fig. 26, 27 zeigen solche Blasengruben in grösserer 
Anzahl und in grösserem Masstabe ; es fällt hier wie auch bei 
anderen Stücken die Halbmondform einzelner Blasengruben auf, die 



Fig. 30. 




Dünne Moldavitplatte (Vorhang) überdeckt mit Blasengruben, ähnlich manchen 
vulkanischen Bomben. Umgebung von Budweis. Vergrösserung: ^/g. 

sonst charakteristisch ist für die durch Verwitterung entstandenen 
Grübchen. Man könnte vielleicht geneigt sein, dieselben hier auch 
als Verwitterungserscheinungen zu betrachten, trotzdem sie die ge- 
wöhnlichen Verwitterungsringe der Moldavite an Grösse weit über- 
treffen (s. S. 252, Fig. 5); andere Stücke geben aber darüber Auf- 
schluss, dass diese gebogenen Gruben unbedingt noch während des 
Fluges gebildet worden sein müssen, denn die feine Fiederung 
oder Gouffrirung überzieht die Wände der Gruben ebensowohl 
wie die übrige Oberfläche. 



^) Ueber Blasenbildung siehe noch unten S. 314. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1900, ."iO. Band, 2. Heft. (Fr. E, Suess.) 40 



308 



Dr. Franz E. Suess. 



116] 



Beispiel Nr. 34. Taf. VI, Fig. 7 und Textfigur 31. (Sammlung 
K ü r s c h n e r.) Koroslep. Lichtgrün, glänzend. 

Bruchstück einer tiaclien, ovalen Scheibe mit ein wenig wulstig 
verdicktem Bande; es zeigt in vollkommenster Weise den gerad- 
linigen Querbruch, der bei solchen Stücken liäufig ist. Beide Flächen 
sind etwas ungleich beschatten: auf der einen Seite herrschen die 
Streifen der Fluidalstructur vor (Fig. 31), welche hier einen beiläufig 
concentrischen Verlauf besitzen, parallel dem bogenförmigen Umrisse ; 
auf der anderen, offenbar älteren Fläche überwiegen die bogenförmig 
verzogenen Blasengruben. Zwischen diesen Gruben, beiläufig in der 

Fig. 31. 




Convcxe Seite der zerspriiDgenen Scheibe mit Anzeichen von Aufschmcl/Jing. 
Beisp. 34, Taf. VI, Fig. 7. Vergrösserung: %. 



Mitte der ergänzt zu denkenden Scheibe, befinden sich Flächenpar- 
tien, welche mit kleineren polygonalen, näpfchenartigen Vertiefungen 
bedeckt sind. Man hat es aber hier nicht mit den eigentlichen runden 
Näpfchen zu thun (wie z. B. auf Taf. V, Fig. 2), sondern es scheint 
nur eine Partie mit richtungslos enggedrängten Kerben in der Mitte 
der Sciieibe erhalten geblieben zu sein, welche dem ganzen Charakter 
nach der mittleren Partie der Scheibe Taf. V, Fig. 5 gleichkommt. 
Gegen den Band zu sind die Kerben ganz verloren gegangen und 
die regellos gekrümmten Blasenfurchen bekleiden auch in ziemlieher 



[117] r^ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 309 

Menge die liunclpartie. Die aus zahllosen kleinsten Furchen bestehende 
„Fiederung" in den Gruben ist auf der Abbildung Taf. VI, Fig. 7 
gut wahrnehmbar ; sie folgt genau demselben Gesetze, wie die gröbere 
Kerbung oder Furchung der mährischen Stücke, ist genau ebenso 
in der Tiefe der Furchen gestreckt und strömt seitwärts über die 
Abhänge nieder; man vergleiche z. B. die Furchen in den grösseren 
Aussprengungen auf Taf. 111, Fig. 1 c. 

Oben wurde bereits auseinandergesetzt, dass wahrscheinlich 
nach Bildung der Näpfchen zuerst die allergröbste Sculptur in Form 
der Iloh Ikehlen s cliläge entsteht, später bilden sich die kleineren 
Kerben und Furchen und die noch schmälere secundäre Fur- 
chung, welche sich häufig innerhalb der primären ansiedelt. Es 
werden also die Angriffspunkte der corrodirenden Luft immer zahl- 
reicher und enger aneinander gedrängt. Es ist eine naheliegende 
Annahme, dass dieses Feinerwerden der Sculptur mit der zunehmenden 
Erwärmung und Erweichung der Glasmasse zusammenhängt; und es 
entspricht ihr auch die Erscheinung, dass, wenn die zähe Aufschmel- 
zung bis zum starken Hervortreten der Fluidalstructur und bis zur 
Blasenbildung gediehen ist, — dass dann nur mehr die allerfeinste 
Furchung auf der weichen, von der Luft umströmten Masse in Form 
der „Fiederung" zur Entwicklung kommt. Nach den Erfahrungen 
bei den Experimenten am Colophonium entstehen die feinsten Zeich- 
nungen bei schwächerer und kürzerer Einwirkung; man wird demnach 
vielleicht annehmen müssen, dass die feinste Sculptur im letzten 
Stadium entsteht, wenn der Luftstrom nicht mehr kräftig genug ist, 
die an der Oberfläche geschmolzenen Theile wegzureissen. 

Zur allerfeinsten „G ouffrirung" wird die Fiederung bei 
einzelnen sehr stark gezerrten Stücken, bei denen die Fluidalstructur 
in Form von scharfen Rii)pen und gestreiften Blasenbahnen die ganze 
Oberfläche beherrscht. Das Beispiel Taf. 11, Fig. 6 zeigt die Er- 
scheinung im vergrösserten Masstabe. Die feinste Gouffrirung liegt 
zwischen den Rippen der Fluidalstructur, parallel den Eintiefungen 
gestreckt, und noch auf den schmalen Querrippen steht stets die 
allerfeinste Streifung senkrecht und wiederholt die Erscheinung der 
quer zerhacken Kanten. 

Schon bei der Beschreibung der Oberflächeuerscheinung hat sich 
gelegentlich gezeigt, dass mit der Aufschmelzung der Stücke eine 
Veränderung der Form verbunden war; die scharfen Kanten der 
schaligen Absprenglinge sind verschwunden, aus den plattigen Stücken 
mit verdickten Rändern (S. 300) sind die fladenf örmigen (Taf. VI, 
Fig. 6 und 7) oder die durch den Luftzug dünn ausgezogenen „Vor- 
hänge" mit gefiederten Rändern hervorgegangen. 

Beispiel Nr. 35. Taf. VI, Fig. 4.a—h. Vergr. 5:3. (Samml. 
S ch Warzen b er g.) Umgebung von Budweis. Lichtgrün, sehr gut er- 
halten. 

Das trapezförmige Stück besitzt eine leichte Krümmung. Zwei 
annähernd parallele Seiten sind durch geradlinige Querbrüche gebildet, 
die beiden anderen Seiten sind schön ausgebildete gefiederte Ränder. 
Die concave Fläche (Fig. 4A) wird in erster Linie von der Fluidal- 

40* 



310 I^'- Franz E. Siiess. [118] 

streifuiig beherrscht, die theils zu gestreiften Furchen vertieft ist, 
theils in Form dünner, scharfer Rippen hervorragt. Die Fiederung 
fehlt in der ]\Iitte der Fläche und beginnt, n'enn man die Flache 
von hier aus gegen den Rand verfolgt, ganz unmerklich, onne dass 
man im Staude ist, eine Grenzlinie nur annähernd anzugeben, und 
wird dann immer deutlicher in Form kleinster, dicht gedrängter und 
schwach gebogener Furchen, welche die Fluidalstreifen in spitzem 
oder rechtem Winkel schneiden. Der wohlerhaltene Rand (Fig. 4 b 
rechts) ist infolge der gedrängten Fiederfurchen äusserst dünn säge- 
förmig ausgezackt, der gegenüberliegende Rand ist theilweise durch 
frischen Bruch verletzt und deshalb die feinsten Fiederchen nicht 
erhalten. In der Nähe der rechten oberen Ecke der Figur befinden 
sich in einer längliche Grube einige ovale, flache Eindrücke, die als 
Blasengruben zu betrachten sein dürften. Gegen das schmale Ende 
des Stückes zu verschwinden die reihenförmigen Grübchenketten der 
concaven Seite rasch und machen der Fiederung oder „Gouffri- 
rung" Platz, die fernerhin die Fluidalstreifung fast ganz verdrängt. 
Stellenweise macht es den Eindruck, wie wenn die Fiederung aus 
einzelnen solchen Grübchen oder vertieften Fluidalbändern sich aus- 
breitend herausströmen würde. Im übrigen strömt sie nach allen 
Seiten radialstrahlig auseinander und die beiden Querbrüche sind 
jedenfalls erst nach der Ausbildung der Fiederung erfolgt. 

Noch vollkommener ist die Fiederung auf der convexen Fläche 
entwickelt (Fig. 4 a). Es macht den Eindruck, wie wenn die zäh- 
geschmolzene Masse durch einen heftigen Luftdruck nach allen Seiten 
auseinandergeschoben worden wäre. 

Die Mitte der oberen Hälfte der Fläche zeigt einige flache, 
gouffrirte Mulden, die durch wenig erhabene Leistchen zertrennt 
sind ; nach beiden Seiten ist diese Partie durch einen etwas erha- 
benen und quer zerrissenen bogenförmigen Kranz umschlossen, der 
gegen die obere Kante zu nur durch einen frischen Bruch unter- 
brochen ist. Gegen unten ist der Kranz offen und wie in einem breiten 
Bette strömt hier Fiederung gegen den unteren Rand. Ganz deutlich 
erinnert die mittlere Partie der Fläche an die feinglasige Schmelz- 
riiide der Meteoriten von Stannern, welche durch den Luftzug an 
den Kanten der Stücke „gleich einer abgeblasenen Milchhaut* ^) zu fein 
gefalteten Kämmen zusammengeschoben ist. Im einzelnen betrachtet, 
scheint es, dass die Fiederung dadurch gezeichnet wurde, dass 
kleinste Furchen in das Glas hineinmodellirt wurden; der Luftstrom 
scheint die im höherem Grade flüssig gewordenen Theilchen heraus- 
gerissen zu haben. Nur an einzelnen glatteren Flächen, wie z. B, 
an dem terrassenartigen Abstürze, in der Figur links oben, sieht man 
unter der Lupe ein Netz von feinen erhabenen Rippen, was aber 
der Figur allerdings nicht zum Ausdrucke kommen kann. Auf den 
Steinen von Stannern haftet aber tliatsächlich eine zähe Haut, die 
zu Falten gezerrt worden ist. Die Verschiedenheit dürfte auf dem 
sehr verschiedenen Schmelzgrade beruhen, und ohne Zweifel wurde das 



^) VergJ. W. Haidinger. Eine Leitform der Meteoriten. Sitzungsberichte 
der Alcadomic d. Wiss. natiirw. Cl., Bii. XI, Wien 18G0, S. 525. 



[119] I^io Herkunft der Moldavite und verwandter ülilser. 311 

amorphe Glas viel leichter verflüssigt, als die Feldspathsubstanzen 
der Choiidrite. Jedenfalls haben aber in beiden Fällen die gleichen 
Kräfte gewirkt (s. unten den IV. Abschnitt des Capitels). 

Der linke Kand fällt in zweimaliger terrassenartiger Abstufung 
zur sägeförniig ausgezackten Kante ab. Unmittelbar unterhalb der 
am stärksten hervorragenden Oberflächenpartie ist sie zu einer blasen- 
artigen Höhlung seitlich in die Glasmasse hereingedrückt. Die beiden 
scharfkantigen Ränder der Grube sind stark quer gefiedert. Der 
oberste Rand ist der steilste ; in der Seitenansicht nimmt man an dieser 
Kante einige kleinste, frische Bruchflächen wahr, welche beweisen, 
dass hier einige Zacken dachartig über Grube übergehangen waren, und 
dass die oberste Terrasse in derselben Weise sägeförmig ausgezackt 
war, ebenso wie die beiden unteren parallelen Kanten. Die Zacken 
sind hier, sowie noch an anderen Stellen des Stückes, wegen ihrer 
allzu grossen Zartheit leicht abgebrochen. 

Die beiden geradlinigen, älteren Querbrüche sind ziemlich stark 
corrodirt im Sinne einer Goutfrirung. In der grösseren Bruchfläche 
befinden sich einige kleine, aufgebrochene, gestreckte Bläschen mit 
rundem Querschnitte. 

Fig. 32. 




Wulstförmiges, gezerrtes Bruchstück. Umgebung von Biidweis. (Sammhing 
Schwarzenberg.) Natürliche Grösse. 

Begreiflicherweise zeigen die kleineren Stücke die Aufschmel- 
zungserscheinungen häufiger; mir sind jedoch auch einzelne massigere 
Exemplare mit deutlichen Anzeichen der Zerrung an der Oberfläche 
zuhanden gekommen. Insbesondere einige wulstförmige, gestreckte 
und quer gebrochene Exemplare (Fig. 32) ; auch an diesen Stücken war 
der Gegensatz einer längsgestreiften Innenseite und einer mit un- 
regelmässig gekrümmten Blasengruben belegten Aussenseite mit starker 
Fiederung zu beobachten. 



31Ö r^i'- Franz E. Suess. [1201 

Eine weitere Ersclieiming, welche die Annahme einer vorüber- 
gehenden Aufschmelzung mancher Stücke bestätigt und eine weitere 
Analogie darbietet zu vielen vulkanischen Auswürflingen, konnte ich 
an einigen wenigen Exemplaren beobachten. Es ist das die Erschei- 
nung der wirbelartigen Drehung der Fluidals treif e n. 

Beispiel Nr. 36. Taf. YII, Fig. 8 a—c. (Sammlung S c h w a r z e n- 
berg.) Umgebung von Biidweis. Im auffallenden Lichte schwärzlich- 
grün, im durchfallenden hellgrün. 

Das länglich plattgedrückte Stück ist noch während des Falles 
an einer unregelmässigen Fläche quer gebrochen, so dass nur mehr 
eine freie Endigung erhalten ist. Die Oberfläche ist bedeckt von 
schmäleren und breiteren Streifen nach Art der Blasenbahnen. Die 
breiteren unter ihnen sind durch feine Bippen der Länge nach ge- 
streift und besitzen eigenthümliche, erhaben verdickte und unregel- 
mässig gequollene Bänder, die den Eindruck machen, dass sie aus 
einem aufgeschmolzenen Zustande erstarrt seien. (Fig. 8 a Mitte.) Die 
feine Streifung in den Bändern entspricht offenbar der Fluidalstructur, 
welche in demselben Sinne gestreckt ist. Die Längsstreifen vollziehen 
gegen das gerundete Ende des Stückes eine anfangs sehr gestreckte, 
dann aber rasch sehr enge werdende spirale Drehung, welche nach 
dem oberen Ende alle Streifen zu einem querliegenden Zipfel zu- 
sammenzieht. Da dürfte die Spirale ein etwas hervorragendes Ende 
besessen haben, welches aber durch einen ganz kleinen, frischen 
Bruch beschädigt ist. 

An der Oberfläche des Stückes sind mehrere grössere, gruben- 
artige Vertiefungen unregelmässig verstreut ; die grosse Mehrzahl 
derselben ist anscheinend der Gestalt nach von der Zerrung der 
Masse beinflusst, indem sie entweder in ihrer Längserstreckung mit 
der Streifung zusammenfallen oder wenigstens schief verzogen sind 
(Fig. 8 c). Nur auf der einen Breitseite (Fig. 8 a) liegt eine blasen- 
artige Grube, unbeeinflusst quer in der gestreiften Oberfläche tief ein- 
gesenkt; dagegen ist an ihr, wie es scheint, ein bandförmiger Streifen 
seitlich verschoben. An ihrem unteren Rande ist ein kleines Stück 
frisch herausgebrochen. Alle verzerrten Gruben zeigen an den Rän- 
dern und in der Tiefe die Fiederung, und zwar in einer Weise, 
welche ebenfalls auf einen Einfluss der Zerrung hindeutet, indem sie 
in der Längsrichtung des Stückes einzelne Ausläufer aus den Ver- 
tiefungen heraus entsendet. Nur in der Tiefe der einen quergestellten 
Grube fehlt die Fiederung vollkommen ; es ist nur eine sehr feine 
Querstreifung vorhanden, welche in ihrer Richtung mit der Fluidal- 
streifung zusammenfällt. Diese eine Grube dürfte demnach erst nach 
erfolgter Zerrung, vielleicht durch das Aufbrechen einer Blase während 
des Erkaltens im zweiten Stadium des Absturzes entstanden sein. Ln 
übrigen folgt die ziemlich kräftige Fiederung den gewöhnlichen Regeln 
und liegt quer auf den einzelnen kammartigen Erhöhungen zwischen 
den vertieften Bändern. 

Die Analogie des Stückes mit den zusammengerollten oder tau- 
förmig gewundenen vulkanischen Auswürflingen ist zwar keine voll- 
kommene, denn diese sind zumeist durch Zusammenrollen fladen- 



[1211 r)ie Ilerkunft der Moldavitc und verwandter Gläser. 313 

förmiger Fetzen im Fluge eutstaiuleii i), was bei der compacten Be- 
schaffenheit des Moldavites niclit angenommen werden kann, aber 
dennoch kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass der Moldavit 
ebenso wie die Auswürflinge eine Drehung und Zerrung im auf- 
geschmolzenen Zustnnde erlitten haben. Wenn der zähe Zapfen sich 
ttintengeschossartig drehend durch die Luft bohrt, mögen als eine 
Art negativer spiraler Geschossziehung die vertieften Spiralen Furchen 
zum Vorschein kommen. 

Die grösseren Gruben dürften durch das Aufreissen weiter in 
der Tiefe gebildeter und zum Theil vielleicht schon ursprünglich vor- 
handen gewesener Blasen entstanden sein. 

Beispiel Nr. 37. Taf. VII, Fig. 1 a — c. (Sammlung S c h w a r z e n- 
berg.) Umgebung von Budweis. Lichtgrün. 

Nach dem Grade der Corrosion wäre dieses Beispiel eigentlich 
nicht hieher zu stellen, denn es ist noch keine Fiederung an seiner 
Oberfläche entwickelt. Vielmehr wäre es dem Charakter und der 
Grösse der Kerben nach den Beispielen Nr. 29 und 31 an die 
Seite zu stellen. Bei der Beschreibung von Nr. 29 wurde gesagt, 
dass anscheinend bei einem gewissen Grade von Erwärmung neben 
den kürzeren Kerben auch noch längere, schmale, längsgestreifte 
Furchen zur Entwicklung kommen, deren Verlauf zum Theil von der 
Fluidalstructur bestimmt wird und welche einen Uebergang bilden 
zu den eben erwähnten Blasenbahnen. Auch an dem vorliegenden, 
plattgedrückt ovalem Stücke kann man kleine, normale Kerben und 
bandstreifige Furchen unterscheiden. Die ersteren folgen, obwohl sie 
auf den stark zerrissenen Breitflächen unregelmässig gestellt sind, allem 
Anscheine nach normalen Regeln, insbesondere liegen sie in deut- 
lichster Weise quer über den schmalen Zonen. (Fig. 1 e.) Die vertieften 
Bandstreifen sind am gerundeten Ende zu einer ganz engen Spirale 
zusammengedreht, die sich gegen die Mitte des Stückes rasch erweitert 
und in mehrere grösseren, stark gekerbten und verzogenen Gruben 
mündet, in welchen sie sich verbreiternd allmälig verliert. Im ganzen 
ist die Erscheinung nahe verwandt der an obigem Stücke, nur ist 
das ganze Stück kürzer und die Spirale breiter und enger zusammen- 
gedrängt; an Stelle der Fiederung ist hier noch Kerbung vorhanden, 
beide sind aber nur dem Grade nach verschiedene Erscheinungen. 
Am unteren Ende befinden sich mehrere verzogene und im Innern 
sculpturirte Blasengruben. Die gestreckte Fluidalstructur ist noch an 
mehreren Stellen, als feinste Streifung, die Kerben und Grubensculptur 
durchscheinend, zu sehen und setzt ausserdem, zu vertieften oder 
kantig abgestuften Bändern zusammengedrängt, in senkrecht welligem 
Verlaufe die Spirale bis zum unteren Ende des Stückes fort. Hie 
und da schneiden solche Fluidalbänder die Kerben in senkrechter 
Richtung (Fig. 1 c unten) ; an anderen Stellen sind die Kerben im 
Grunde sehr fein gestreift oder beide Sculpturformen lassen sich 
nicht mehr scharf trennen und scheinen in einander überzufliessen. 



*) 0. Fraas 1. c. und F. l^erwerth. Ueber vulkanische Bomben von den 
canarischen Inseln. Annalen d. natiirhist. Hofmuseums. Wien, Bd. II, 1894, S. 399. 



314 



Dr. Franz E. Siiess. 



[122] 



Blasenrännie. 

Anhangsweise sei hier noch das Vorkommen von grösseren Bhisen- 
räumen, namentlich bei den Stücken der Biidweiser Gegend, erwähnt. 
Man kann Blasen von der Grösse einer Erbse, rund, linsenförmig 
oder eiförmig in die Länge gezogen, nicht allzuselten in abgerollten 
massigeren Stücken wahrnehmen ^j. Grössere Blasenräume habe ich 
nur in aufgebrochenem Zustande gesehen; die Wände sind meistens 
glatt oder zeigen nur geringe Spuren von Corrosion im Gegensatz zu 
den hocligradig corrodirten Aussenflächen der Stücke. Die Blasen 
sind meistens verdrückt und verzerrt, und niemals habe ich etwas 
gefunden, was sich mit der Regelmässigkeit der australischen Hohl- 

Fi?. 33. 




Fiff. 34. 




Fig. 33 und 34. Aufgebrochene Blasenräume in Moldavitcn der Budweiser Gegend. 

(Fig. 33 Mineralogisches Institut der böhmischen Universität Prag. Fig. 34 

Sammlung Schwarzenberg'.) Isatürliche Grösse. 



kugeln vergleichen Hesse (s. unten Fig. 47). In der Fig. 33 ist der 
grösste, mir bekannt gewordene Blasenaufbruch abgebildet; das Stück 
verdanke ich Herrn Prof. C. Vrba. Man sielit, dass die Aussenfiäche 
des Stückes in hohem Grade zerhackt und corrodirt ist. Der Rest 
des plattgedrückten grossen Blasenraumes bildet eine glatte, rinnen- 
förmige Aushöiilung; daran sind, durch dünne, theilweise aufgebrocliene 
Wände getrennt, mehrere kleine Blasen angeschlossen, welche in dem- 
selben Sinne wie die grosse Bhise verzerrt sind. An dem Stücke 



^) Herr Prof. F. Exner prüfte einzelne grössere Blasenrädme auf die Mög- 
lichkeit einer spectro^kojjisclien Untersuchung ihres Inhaltes; sie konnten jedoch 
auch in den htärksten elektrischen Wechselfeldern (Teslaströmen) nicht zum 
leuchten gebracht werden, woraus hervorgeht, dass das Gas in denselben nicht 
sehr verdünnt sein kann. 



[123] Die Herkunft der Moldavito iiiul verwandter Gläser. 315 

Fig. 34 sind zwei grössere Blasenräume, ebenfalls nur durch eine 
dünne Wand getrennt, in paralleler Streckung enge aneinander ge- 
schlossen ; eine Erscheinung, die ich auch bei anderen Stücken hie 
und da beobachten konnte. Das ziemlich abgerollte Stück Fig. 35, 
aus der Sammlung des Herrn Dr. Perlep, zeigt ebenfalls eine eigen- 
thümliche Erscheinung, die sich bei drei mir bekannten Exemplaren 
allerdings nicht in so deutlicher Weise wiederholt. Eine runde Blase 

Vig, 35. 





Moldavit mit Blasenraum und Furchenstern. (Sammlung Perlep.) Natürliche Grösse. 

liegt beiläufig in der Mitte eines ebenen Flächenstückes ; die tiefein- 
gehackten Kerben, welche sich dem Typus der „Fingernageleindrücke" 
nähern, bilden, wie gewöhnlich, auf der ebenen Fläche einen radialen 
Stern, der von der Höjilung mit den überhängenden Wänden auszu- 
strahlen scheint. Ich wage es nicht, zu entscheiden, ob die centrale 
Lage der aufgebrochenen Blase nur als ein zufälliges Zusammenfallen 
zu betrachten ist, oder ob irgend ein dynamisches Moment das Auf- 
brechen der Blase und die Lage des Kerbensternes verbindet. 



Die starken Schwankungen in den Dimensionen der Moldavit- 
sculpturen von den tiefen Gruben der Kernstücke, bis zur feinsten 
Fiederung und Goutfrirung, welche dennoch eine in allen Uebergängen 
zusammenhängende Beihe bilden, verrathen, dass deren Enstehungs- 
bedingungen sehr empfindlich gewesen sein müssen in Bezug auf die 
Grade und Formen der Einwirkung. An den Kernstücken sind die 
Gruben noch gleich den Piezoglypten der meisten Meteoriten rich- 
tungslos gestellt; einerseits ist bei diesen die Scnlptur noch zu grob 
um sich an die kleineren Flächen anschmiegen zu können, anderseits 
sind die Kernstücke überhaupt nur Bruchstücke, und an den kleinen 
Resten, der früher grösseren Flächen wäre eine Gesetzmässigkeit der 
Sculptur nicht mehr erkennbar. Erst wo an Stelle der rundlichen 
Gruben die länglichen Kerben treten, folgen sie den Krümmungen der 
Flächen; es sind die Luftabströmungslinien, welche sie in Form 
von Sternzeichnungen auf den ebenen Flächen und in L'orm der quer- 
gestellten Kerben in den Kantenzonen zum Ausdrucke zu bringen 
bestrebt sind. In den Sculpturen mittleren Grades ist die höchst be- 
zeichnende Erscheinung am allerdeutlichsten. Sie bleibt auch dann 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reiclisanstalt, 1900, 50. Band, 2. lieft. (Fr. E. Siicss.) 41 



316 r^i", Franz E. Suess. [1241 

noch unverkennbar, wenn die Oberfläche von Moldavitbruchstücken 
durch Verwitterung und Abrolliing im hohen Grade entstellt wird, 
und nicht ein bereits vollkommen glattes Gerolle entstanden ist. 
Das Auge, welches sich an das Bild der Moldavitsculptiir gewöhnt 




Zufälliges stark angewittertes Moldavitbrucbstück. Umgehung von Bndweis. (Samm- 
lung Seh warz en b erg.) Natürliche Grösse. Man sieht noch deutlich die Spuren 
der charakteristischen Zeichnung. 

hat, unterscheidet auch dann sehr leicht blos an den Sculpturmerk- 
malen die zufälligsten, stark abgerollten Moldavittrümmer (wie z. B. 
Fig. 36) von den Bruchstücken sonstiger glasiger Substanzen, wie 
z. B. zersetzten alten Schlacken und künstlichen Gläsern oder Übsian- 
trümmern. 

2. Billitonite. 

Während ich von Moldaviten weit mehr als tausend Exemplare 
zu Gesicht bekommen habe, liegen mir nur wenige Stücke von der 
Zinninsel Billiton als Repräsentanten des malaischen Typus vor. 
Sechs Stücke hat mir Herr Professor K. Martin geliehen, sie 
stammen aus der Collection van Dijk von der Mine 13, Tebrung, 
District Dendang im südlichen Billiton; vier Exemplare, ebenfalls 
aus Dendang, habe ich in der Sammlung der königl. Bergakademie in 
Freiberg durch Herrn Prof. K. Beck kennen gelernt; sie waren 
durch Herrn Verbeek der Sammlung geschenkt worden. Vier weitere 
Exemplare aus derselben Quelle besitzt Herr Advocat Dr. F. Perlep 
in Wien in seiner Privatsammlung und ein Exemplar hat das geolog. 
Museum der Universität in Wien durch Tausch erworben. Im übrigen 



[125] r)ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 317 

bin ich auf die Beschreibuiigeii und Abbildungen in den Arbeiten 
von van Dijk, van Verb eck und P. Krause angewiesen. Die 
nachfolgenden Auseinandersetzungen können ebenso wie das Capitel 
über die Moldavite , natürlich nur als ein vorläufiger Versuch be- 
trachtet werden, die schwierige Frage einer Klärung näher zu bringen, 
und es wird wohl zu erwarten sein, dass sp.iter einmal eine grössere 
Anzahl dieser formenreichen Körper einen besseren Aufschluss geben 
Avird über die Beziehungen der Sculpturmerkmale zu denen der 
böhmischen und mährischen Moldavite, als ich ihn gegenwärtig auf 
Grund von 15 Exemplaren und auf Grund der Beschreibungen zu 
geben vermag. 

Die äussere Aehnlichkeit der Billitonite mit manchen Molda- 
viten, namentlich mit den dunkleren und grob gefurchten rundlichen 
Stücken von Dukowan und Skrey, ist ausserordentlich gross und sehr 
in die Augen fallend. In den Sammlungen befinden sich meistens nur 
die Budweiser Exemplare, welche aber im Gesammthabitus von den 
mährischen Moldaviten viel mehr abweichen, als diese von den Billi- 
toniten. Die letzteren beiden nebeneinander gelegt, erkennt man auf 
den ersten Blick als derselben Gattung von Körpern angehörig. Sie 
gleichen sich vollkommen hinsichtlich der rundlichen oder länglichen 
Form, der durchschnittlichen Grösse, der schwarzen Farbe, des lack- 
artigen Glanzes auf der Oberfläche der frischen Stücke und hinsicht- 
lich der kleinen Näpfchen und der scharfkantigen, tief eingegrabenen 
Rillen, deren gekrümmte Querstreifung, nach dem Ausdrucke von 
P, Krause, den Eindruck hervorruft, „als wären sie künstlich mit 
einem sogenannten Rundeisen ausgekehlt". 

Weitaus die grosse Mehrzahl der Billitonite sind selbständige 
individualisirte, gerundete Formen, und Krause bemerkt, dass ihm 
nur zwei Bruchstücke, eines von Billiton und eines von Bunguran, 
untergekommen sind. Die Gestalten sind kugelig, eiförmig, zapfen- 
förmig oder walzenförmig, oft etwas plattgedrückt und in vielen Fällen 
auf einer Seite ein wenig concav eingedrückt (Taf. VII, Fig. 2 und 5). 
Eine eigenartige Form, welche ich bei europäischen Stücken niemals 
gefunden habe, die aber bei den australischen wiederkehrt, bildet 
Verbeek ab (1. c. Taf. I, Fig. 43/); es ist dies eine in der Mitte 
eingeschnürte Walzenform mit zwei rundlich verdickten Enden (Sand- 
uhrform). Die Billitonite erreichen nicht die Dimensionen der grossten 
mährischen Stücke, und eines der grossten Exemplare ist nach Ver- 
beek 5 cm lang, 4 cm breit und 2 cm hoch; im Museum der Uni- 
versität zu Amsterdam befindet sich nach Verbeek ein cylinder- 
förmiger Körper von 8 cm Länge und 2^2 «^'^^ Breite. Man erkennt 
leicht, ebenso wie bei den ganzen Formen aus der Gegend von Skrey 
und Dukowan, eine weniger sculpturirte, ältere Oberfläche, die mit 
ungleich grossen, meist rundlichen, flachen Näpfchen bedeckt ist, in 
welchen die breiten Höh Ikehlen schl äge eingefurcht sind. Die 
Rillen sind fast immer nur in der gröbsten Weise ausgebildet und bei 
manchen Exemplaren noch breiter als bei irgend einem europäischen 
Moldavite (Taf. MI, Fig. 5) ; ferner sind sie meistens länger und 
können mit viel grösserer Berechtigung mit „Wurmgängen" verglichen 
werden, als die kurzen Kerben der mährischen Stücke. Ebenso wie 

41* 



318 



Dr. Franz E. Suess. 



[12G] 



bei diesen, sind die Rillen an demselben Stücke stets beiläufig in 
demselben Maßstabe ausgebildet. 

Trotz der grossen Aebnlichkeit der mährischen Moldavite mit 
den Billitoniten, wird man nach der gegenwärtigen Erfahrung doch 
in der grössten Mehrzahl der Fälle die Stücke leicht trennen können, 
und zwar durch zwei Eigenthümlichkeiten der Sculptur. Erstens fehlt 
nämlich den F u r c li e n der B i 1 1 i t o n i t e der an den M o 1- 
daviten beobachtete ges etz massige Verlauf gänzlich, 
oder er ist nur in unbestimmten Andeutungen zu be- 
obachten; sie bilden nicht die für die Moldavite so bezeichnenden 
auseinanderstrahlenden Sternformen. Und zweitens durch eine eigen- 
thümliche Sculpturform, den sogenannten „Höfchen" (Verbeek 



Fiff. 37. 



Fiff. 38. 





Fig. 39. 



Fig. 40. 





Fig. 37—40. Billitonite. Fig. 37 von Dendang. (Geolog. Institut der Univorsität.) 
Fig. 38—40 Mine 13. Tobrnng. (d'colog. Keichsmuseum Leiden.) 



und Krause), welche ich an Moldaviten in der charakteristischen 
Weise niemals beobachten konnte. (Siehe Fig. 37 — 40.) 

Trotz dieser sehr bezeichnenden Unterschiede ist ein grund- 
sätzlicher Gegensatz zwischen den beiderlei Scul[)turforinen nicht 
vorhanden, und es lässt sich der Weg nachweisen, der von der 
einen zur anderen führt. 

Ueberhaupt scheinen die Verschiedenheiten nicht durchwegs 
vorhanden zu sein. Fig. 41 ist die Copie der Darstellung einer 
Billitonkugel von Krause (1. c. Fig. 1), auf welcher die Kerben in 
denselben Dimensionen entwickelt sind, wie auf vielen Moldaviten 
(vergl. z. B. Taf. IV, Fig. 3V, auch die Ilöfchen scheinen an dein 
Exemplare zu fehlen. 



[127] l^'<^ Ileikiiiift der Moldavite und verwandter Gläser. 319 

Einige Beispiele mögen ein genaueres Bild der Erscheinungen 
liefern : 

Beispiel Nr. 1. Taf. VIT, Fig. 2a — h. (Sammlung des natur- 
hist. Ilofmuseums.) Mine 13. Tebrung, District Dendang, Billiton. Abs. 
Gew. 21-998 gr, spec. Gew. 2-443. Pechschwarz, niattglänzend. 

Das Stück bildet ein gerundetes Oval mit breiter, abgefiacliter 
Basis, welches auf der einen Seite ausserdem ein wenig eingedrückt 
ist (Fig. 2 a). Die glattere und stellenweise etwas stumpf abgekantete 
Oberfläche ist mit wechselnd grossen, oft nur bis zur Grösse von 
Nadelstichen herabsinkenden, meist kreisrunden Näpfchen bedeckt. 
Die II oh Ik ehi enrillen von bedeutender, jedoch etwas schwanken- 
der Breite zeigen auf der abgeflachten Seite eine nndeutlich radial- 
strahlige Anordnung, wie das in ähnlicher Weise bei manchen sehr 
grobgefurchten mährischen Stücken der Fall ist (vergl. z. B. Taf. IV, 
Fig. 2). Auf der gewölbten Seite sind diese Rillen zwar zahlreicher, 

Fig. 41. 




Birnförmiger Billitonit, auf der Unterseite abgeplattet. Nach Krause (1. c. 

Taf. XIV, Fig. 1). 

jedoch in ganz unregelmässiger Weise angeordnet; sie zeigen im all- 
gemeinen eine Neigung zu bogenförmigem Verlaufe, mit dem Bestreben, 
sich zu Halbmonden oder kleinen Kreisen zusammenzuschliessen, 
welche in der Mitte einen etwas erhabenen Punkt umfassen und 
sich der Gestalt der Höfchen nähern (Fig. 2i> rechts oben); hie und 
da sind sie in unbestimmter Weise zu Gruppen zusammengedrängt. 
Einzelne kleinere, rillenartige Näpfchen scheinen sich seitlich schief 
oder fast senkrecht in die Masse einzubohren und bilden die von 
Krause als spitzkonische Vertiefungen bezeichnete Sculptur- 
erscheinung; sie sind mit einer feinen, hellgelben Substanz ausgefüllt, 
von der es mindestens fraglich ist, ob man sie als perlitische Substanz 
betrachten kann. Die spitzkonischen Vertiefungen sind besonders 
reichlich vorhanden an der etwas abgeflachten Seitenfläche; sie 
stehen daselbst sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Rillen und 
scheinen im allgemeinen in einer Richtung, welche mit einer scharf- 



320 Dr- Franz E. Siiess. [128] 

kantig markirteu Fluidalstreifuiig zusaminenfällt, schief eingebolirt zu 
sein. In der Umgebung dieser Stelle werden die spitzkonischen 
Gruben seltener und sind an dem gegenüberliegenden gewölbten 
Flächentheile gar nicht vorhanden. Auf dem Stücke befinden sich 
drei deutliche „Höfchen", und zwar das grösste an dem einen 
Endpunkte der längsten Axe, die beiden anderen in der Nähe des 
gegenüberliegenden Poles. Das erstere besteht aus einer ringförmigen 
tiefen Rille, welche beiläufig dieselbe Breite und auch sonst ganz 
denselben Habitus besitzt, wie die übrigen Rillen. Sie umschliesst 
eine Art erhabener länglicher Narbe , welche zur selben Höhe 
emporragt, wie die umgebenden Flächentheile. Die Rille ist in un- 
gleichem Grade vertieft ; von einer sehr seichten Stelle, welche fast 
einen verlängert querliegenden Verbindungsrücken von dem Gipfel 
der Narbe aus bildet, dringt die Furche spiral immer tiefer ein, so 
dass die seichteste und die tiefste Stelle nahe nebeneinander liegen. 
Am Grunde des Höfchens sind zwei Arten von Streifung zu beobachten, 
ebenso wie bei den gestreckten Rillen : nämlich, einerseits eine An- 
zahl von wenig gebogenen radialen, schwach erhabenen Rippen, die 
unmittelbar an der Narbe ziemlich scharf markirt beginnen und 
gegen aussen lasch an Deutlichkeit abnehmen; sie entsprechen der 
Querstreifung der gestreckten Rillen (s. oben S. 317). Ausserdem 
wird das Höfchen noch ebenso von den gestreckten Rillen der 
Fluidalstreifung gequert, welche, wie bereits bemerkt, bei den Billiton- 
kugeln schärfer ausgeprägt ist als bei den europäischen Stücken. 
Die beiden Höfchen des anderen Poles sind kleiner, flacher und ihr 
centraler Kegel weniger erhaben. Die unregelmässig gebogene Radial- 
streifung ist sehr deutlich. In dem einen der beiden Höfchen wird 
die Mitte von einigen ganz kleinen, näpfchenartigen Vertiefungen 
eingenommen. 

Beispiel Nr. 2. Taf. VII, Fig. ba — c. (Geolog. Institut der Berg- 
akademie, Freiberg i. S.) Dendang, Billiton. Pechschwarz, lebhafter 
Lackglanz. 

Das fast kreisrunde Stück ist ein gutes Beispiel für die unter 
den Billitonkugeln häufigen abgeplatteten Formen. Auf der gewölbten 
Seite befindet sich eine Anzahl fast paralleler, aber wellig gebogener 
Furchen, welche bedeutend breiter und weniger vertieft sind, als an 
anderen Exemplaren. Ganz schmale, mit „Nadelstichen" bedeckte 
Flächenstücke zwischen den breitesten Rillen scheinen Reste der 
älteren Oberfläche zu sein. (Fig. 5 a rechts.) Die Rillen gehen in ziem- 
lich weichen Formen auch seitlich ineinander über, und zwischen 
denselben sind flache, unregelmässig umgrenzte Vertiefungen einge- 
schaltet, welche verkürzten und verzogenen Stücken solcher Rillen 
gleichen. Die Querstreifung, welche wie eingekratzt aussieht, rührt 
von einer schlierigen Fluidalstructur her. Gegen den äquatorialen 
Rand sind die eigentlichen Rillen bis auf Spuren verschwunden. An 
einer Stelle in der Nähe des Randes befindet sich ein etwas ver- 
zerrtes und ganz flaches Höfchen mit excentrisch gelegener, länglich 
kanimartiger Nnrbe. Doch ist die Sculptur in zwei Hälften der ilqua- 
torialen Randzone verschiedenartig entwickelt. Eine Hälfte ist ziemlich 



[129] r>ie Ileikiinft der Moldavite und verwandter Gläser. 321 

glatt und fast mir mit den nmdlichen Näpfchen überzogen, auf der 
anderen Hälfte (Fig. bh) sind die spitzkonischen Vertiefungen in 
sehr grosser Zahl angereichert und, wie das auch bei anderen Stücken 
der Fall ist, tritt in der Gegend dieser Anreicherung die Fluidal- 
streifung besonders stark hervor; die Vertiefungen sind mit weiss- 
licher, perlitartiger Substanz ausgefüllt. Auf der flachen Basis fliessen 
die Charaktere der beiden Hälften der Randzone ineinander über. 
Die Fluidalstreifung scheint sich von der stark corrodirten Seite her 
zu einer undeutlichen, radialstreiligen Spirale zusammenzuschliessen. 
(Fig. 5c' oben.) Nicht ganz in der Mitte der Fläche befinden sich 
einige grössere, flachere Mulden mit einseitiger Kante. Die kleineren 
gestreckten Näpfchen , welche die ausgeflachten Aequivalente der 
konischen Einbohrungen darstellen, liegen sowohl innerhalb als auch 
ausserhalb dieser Mulden ; in der Mitte der grösseren Mulde selbst 
befinden sich noch einzelne derartige, in spitzem Winkel zur Ober- 
fläche gelegene Einbohrungen. 

Das ganze Stück macht den Eindruck eines teigartig zähen 
Tropfens, welcher an der Oberfläche einerseits mit Rillen und ander- 
seits mit durch eine spirale Drehung der schlierigen Masse ver- 
zerrten konischen Vertiefungen versehen war (ähnlich wie Beisp. Nr. 6, 
Taf. Vn, Fig. o) und durch den Aufschlag auf die Athmosphäre oder 
auf den Boden einseitig flach gedrückt und breit gequetscht worden ist. 
Die Rillen auf der oberen Seite wurden dadurch verzogen, breiter und 
flacher, während sie in einem Theile der Randzone undeutlicher 
wurden oder ganz verschwunden sind. Auf der Fläche des Auff"alles 
scheinen ursprünglich ebenso wie in einem Theile des Randes bei 
scharf markirter Fluidalstreifung nur die konischen Vertiefungen vor- 
handen gewesen zu sein, welche zum Theile ebenfalls flach gedrückt 
worden sind. 

Beispiel Nr. 3. Taf. VH, Fig. la — b. (Sammlung Perle p.) 
Dendang, Billiton. Abs. Gew. 40-295 gr, spec. Gew. 2443. 

An dem pechschwarzen, tropfenförmigen Stücke kann man sehen, 
wie sehr verschieden der Verlauf der Rillen auf den Billitoniten, 
von dem der Rillen der Moldavite sein kann, trotz der sonstigen 
gleichartigen Beschaftenheit beider Körper. Niemals gewinnen die 
breiteren Rillen auf den Moldaviten die Länge der „wurm gang- 
artigen" Rillen, wie auf diesen Körper, dessen kegelförmige Run- 
dung sie auf fast zwei Drittel des Umfanges umschliessen ; niemals 
finden Verzweigungen der Kerben jener statt, wie man sie an den 
Wurmgängen dieses Stückes stellenweise beobachten kann. Vor allem 
aber vermisst man am vorliegenden Stücke, wie auch sonst an den 
Billitonkugeln die regelmässige Anordnung der Rillen, welche, wie 
oben auseinandergesetzt wurde, bei den Moldaviten stets den Luft- 
abströmungslinien folgen. Auf der einen Längshälfte (Fig. 7 a links) 
des Stückes tritt die Fluidalstreifung so stark hervor, dass die Fläche 
ein stark zerfressenes Aussehen erhält. Die auf der übrigen Ober- 
fläche nur leicht eingekratzten Streifen werden hier so tief und breit, 
dass dazwischen nur schmale, zugeschärfte Leistchen hervorragen; 
darunter befinden sich auch noch längliche Vertiefungen nach Art 



322 D'"- Franz E. Siiess. [130] 

(1er Eiubohrimgeii, die mit einer briUiiilicligelbeii Substanz ausgefüllt 
sind. Ich wage nicht, zu entscheiden, ob das zerfressene Aussehen 
des einen Flächentheiles bei diesem, sowie auch bei manchem anderen 
Stücke ebenfalls im Fluge erworben wurde, oder ob es nicht als die 
Folge einer chemischen Corrosion zu betrachten sein dürfte. 

Eine Partie der zerfressenen Hälfte ist ein wenig abgeflacht, 
und hier zeigt allerdings eine Gruppe von Rillen eine Andeutung des 
radialstrahligen Auseinandertretens (Fig. 7a linke Kante); wenn man 
aber bedenkt, dass sich einzelne derselben in wechselnder Breite 
bis auf die gegenüberliegende Seite fortsetzen, wird man diese Stern- 
form nicht mit der oben erwähnten radialstrahligen Luftabströmung 
vergleichen können. Ein wohl entwickeltes, kreisrundes Höfchen sitzt 
in der Nähe des keulenförmigen Endes ; daneben belinden sich noch 
unbestimmte, nur zu Hälfte entwickelte, höfchenartige Sculpturen, 
welche aus einer engen Gruppirung von gebogenen Rillen zusammen- 
gesetzt zu sein scheinen. In der Nähe des spitzeren Endes, aber 
nicht an der Spitze selbst, befinden sich zwei weitere höfchenartige 
Bildungen; die eine besteht aus drei kürzeren, zum Dreieck zusammen- 
gestellten Rillen (Fig. 7 b nächst der Spitze) und die zweite kommt 
zustande durch die Umbiegung einer längeren und starken Rillen, 
deren seichteres Ende nach Art eines Bischofstabes zusammengekrümmt 
ist und ein spitzes Stilchen umschliesst, dessen oberes Ende an einer 
sehr kleinen glänzenden Fläche abgebrochen ist (Fig. 7 h oben links). 
Das Stilchen ragt nicht höher empor als die übrige Oberfläche und 
es ist wohl möglich, dass nur eine ganz kleine, scharfkantige Spitze 
abgebrochen ist, wie das auch bei einigen anderen hervorragenden 
Zacken des Stückes, die nicht mit Höfchen im Zusammenhange stehen, 
der Fall ist. Es ist bemerkenswert, dass die Rille, welche das Höfchen 
bildet, am gekrümmten Ende sehr seicht beginnt und sich, allmälig 
tiefer werdend, spiral in die Masse einbohrt, so dass ihr gestreckter 
Theil der breiteste und tiefste ist. 

Beispiel Nr. 4. Taf. VII, Fig. 4a— />. (Sammlung Perlep.) 
Dendang, Billiton. Abs. Gew. lü-238 gr, spec. Gew. 2479. 

Die ziemlich regelmässige Eiform zeigt an einzelnen Stellen, 
wie auch manche andere Billitonkugel, eine Art schwacher Facet- 
tirung in Form von zarten, aber bestimmten, schwach gekrümmt ver- 
laufenden Kanten. Die Sculptur ist verhältnismässig spärlich, indem 
der grösste Theil der Oberfläche auö'allend glatt ist und ausser wenigen 
grösseren, runden, Näpfchen nur eine sehr zarte Rauhigkeit zeigt 
(Fig. 41)). Ein Theil der EifläcJie, welcher den einen Pol zusammen 
mit einem etwas weniger gewölbten seitlichen Flächenstücke umfasst, 
ist bedeckt mit enggedrängten kleineren Kerben nach Art derjenigen 
mancher mährischer Moldavite, jedoch sind sie mehr ungleich in der 
Grösse und eine sternförmige Anordnung kann für die unregelmässige 
Gruppe nicht behauptet werden (Fig. Ab rechts unten und 4a, links 
oben). In der Nähe des Poles sind einzelne Kerben nach Art der 
konischen Einbohrungen verzogen und seitlich eingedrückt. Am übrigen 
Theile der Oberfläche befinden sich nur ganz wenige grössere Rillen 
in Form der Wurmgänge. Dagegen ist derselbe besonders reich an 



[131] Di« Herkunft der Moldavite iiud verwandter Gläser. 323 

höfchenartigen Bildungen, deren man 13 auf dem Stücke zählen kann. 
Sie sind der grösseren Anzahl nach in unbestimmter Weise auf 
einer grösseren Elipse des Umfanges aneinandergereiht, so dass sie 
einen Theil der Kerbenpartie fast kranzförmig umfassen. Der Zu- 
sammenhang der Höfc'hen mit den gekrümmten Wurmgängen ist an 
dem Stücke besonders deutlich. Eine Krum ms tabf or m tritt sehr 
auftauend hervor, bei der, wie oben, das seichtere, gebogene p]nde 
scharfkantig gegen das mehr vertiefte und gestreckte abstösst; die 
Krümmung ist hier ebenfalls spiral vertieft und umfasst ein kleines 
ebenes P'lächenstück, welches sich in keiner Weise von der übrigen 
glatten Oberfläche unterscheidet und unmöglich durch das Abbrcjchen 
eines Stiles entstanden sein kann. (Fig. 4 a rechts.) Sonst sind die 
Höfchen sehr ungleich entwickelt; manchmal ist der centrale Zapfen 
kaum angedeutet, so dass die Höfchen fast zu Näpfchen werden, oder 
es ist nur eine ganz schwache kegelförmige, in einer Spitze endigende 
Erhebung vorhanden; in anderen Fällen ist das Höfchen nicht ganz 
geschlossen, und ein schmaler Rücken der umgebenden Oberfläche 
ragt in die Mitte und ersetzt so den mittleren Zapfen. Fast stets 
sind die Käpfcheu ungleich vertieft und die Zapfen liegen nicht 
genau in der Mitte, sondern etwas seitlich verschoben. Oft sind die 
Rillen knapp an die Höfchen angeschlossen, ohne dass sie in dieselben 
überfliessen, indem sich zwischen beiden eine scharfe erhabene 
Kante befindet. (Fig. Ah, die Enden der langen Rille, welche sich 
fast über das ganze Stück erstreckt.) 

Beispiel Nr. 5. Taf. VII, Fig. 6. (Geolog. Reichsmuseum 
Leiden.) Dendang, Billiton. Abs. Gew. 9390 gr, spec. Gew. 2-465. 

Das knopftormige Exemplar ist ein gutes Beispiel für die kan- 
tige Facettirung der Oberfläche, welche bei manchen Billitonkugeln, 
und zwar besonders bei etwas glatteren Exemplaren gut ausgebildet 
ist. Die beiden Breitseiten sind sehr verschieden sculpturirt und 
die Grenze beider Sculpturgrade ist durch eine scharfe, wellig und 
zackig um den Aequator laufende Kante gekennzeichnet Die Ober- 
seite (Fig. 6) ist glatter, mit wenigen punktartigen Näpfchen und 
Nadelstichen, und durch einige scharfe Kanten in einige gekrümmte 
Felder getheilt. Nahe der Mitte befindet sich eine höfchenartige 
Vertiefung, mit stark excentrisch gelegenen mittleren Zapfen, der 
durch einen kantigen und im Winkel gebogenem Rücken mit der 
glatten Oberfläche in Verbindung steht und sich in Form einer Fa- 
cettenkante in diese fortsetzt. Die Näpfchenfurche ist ein wenig 
Spiral vertieft, und zwar am tiefsten an der breitesten Stelle ; sie 
besteht aber nicht wie sonst aus einer einzigen Rille, sondern es ist 
vom breiten Bogenstück ein ganz schmaler Streifen durch eine sehr 
zarte Kante abgetrennt; auch sonst befinden sich in der Tiefe der 
breiten Furche zarte, unregelmässig verlaufende Kanten und kleine 
Näpfchen. Auf dem benachbarten grösseren Facettenfelde (Fig. 6 
unten) ist eine Anzahl von unregelmässigen Näpfchen zu einer fast 
kreisförmigen Gruppe zusammengedrängt; zwischen den Näpfchen 
ragen einzelne Partien der Oberfläche ein wenig hervor, so dass auch 
diese Bildung entfernt an ein Höfchen erinnernt. 

JaLi'bucli d. k. k. geol. ICeichsanstalt, 1900, 50. Uand, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 42 



324 ßr. Franz E. Siiess. [132] 

Die untere Hälfte des Stückes (nicht abgebildet) ist gleichmässig 
überdeckt mit sehr zahlreichen, wechselnd grossen und meist rund- 
lichen Näpfchen; stellenweise schliessen sie sich in ihrer Streckung 
ein wenig der stark hervortretenden Fluidalstreifung an und nähern 
sich den konischen Einbohrungen. 

Der Gesammthabitus des Stückes nähert sich ein wenig dem 
mancher australischer Formen, die in weit regelmässigerer Weise 
abgekantet sind; dazu trägt noch ein wenig das Vorhandensein ein- 
zelner kürzerer Kerben bei, welche in fast senkrechter Stellung knapp 
auf der äquatorialen Kante stehen. 

Beispiel Nr. 6. Taf. VII, Fig. 3a— c. (Geol. Institut der Berg- 
akademie Freiberg in Sachsen.) Dendang, Billiton. 

Die auffallendste Erscheinung an dem dick sackförmigen Stücke 
ist die stark hervortretende, spiral gedrehte Fluidalstructur. Eigent- 
liche Rillen sind nur auf einer Seite des Stückes (Fig. 3 h) und 
auch da nicht In voller Schärfe entwickelt; zwei von den beiden 
Polregionen ausgehende deutliche Rillen sind sehr flach und endigen 
ganz unbestimmt und nicht in der Schärfe wie auf anderen Stücken ; 
einige kürzere Querrillen, welche zwischen den beiden Längsrillen 
liegen, sind noch flacher und unbestimmter ausgeprägt. (Fig. 3/> links.) 
Höfchen fehlen vollkommen; dagegen sind die konischen Einbohrungen 
im höchsten Masse entwickelt. Wie gewöhnlich sind sie auch hier auf 
einem Theile der Oberfläche besonders reichlich vorhanden (Fig. 3c), 
während sie auf dem anderen Theile, der den spiral gedrehten Pol 
bildet, fehlen (Fig. 3 a Mitte oben.) Die einzelnen Einbohrungen zeigen 
glatte oder wenig gestreifte Flächen ; sie endigen in der Tiefe in 
einer Spitze oder in einer scharfen, kürzeren Kante. Sie dringen 
meist im spitzen Winkel, seltener mehr senkrecht in die Glasmasse 
ein und werden in ihrer Lage unzweifelhaft von den kräftigen Fluidal- 
streifen bestimmt; stellenweise sind mehrere von ihnen in gemein- 
samen, grösseren Vertiefungen so enge aneinander gedrängt, dass nur 
ganz schmale Glaswände zwischen ihnen geblieben sind. (Fig. 3 c links.) 
Die ganze Masse scheint stellenweise wie verzerrt, so dass sowohl die 
Vertiefungen als auch die Trennungswände wellig gebogen erscheinen. 
Oft sind sie seitlich zu längeren Gruben auseinandergezogen ; sie 
gehen auch in napfartige Vertiefungen über, an welche sich eine der 
Fluidalstructur folgende Rinne anschliesst. Demnach kann auch kein 
Zweifel darüber vorhanden sein, dass die kleinen, zum Theil mit weiss- 
licher Substanz ausgefüllten Grübchen, welche am gedrehten Pole die 
Ausgangspunkte der stärksten Spiralstreifen bilden (Fig. 3 a), morpho- 
logisch den konischen Einbohrungen entsprechen ^). In der Sammlung 
der Bergakademie in Freiberg befindet sich noch ein zweites kuge- 
liges Stück mit ganz ähnlichen Sculpturverhältnissen. Auch an diesem 
kann man eine glattere Oberfläche mit schlieriger, vertiefter Fluidal- 
streifung, in der gestreckte, in langen Schweifen endigende Näpfchen 
stehen, wahrnehmen; auch hier ist die gegenüberliegende Seite über- 



') Es ist, offenbar dieselbe Erscbeinung, die Verbeek 1. c. Beilageblatt, 
Fig. 41 schematisirt wiedergegeben hat. 



[133] I^ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 325- 

Säet mit konischen Einbohruugen. Höfclien sind auch an diesem Stücke 
nicht vorlianden. 

Der Vergleich mit jenen zäh aufgeschmolzenen böhmischen 
Moldaviten liegt nahe, bei denen die stark vertiefte Fhiidalstreifung 
ebenfalls eine schöne spirale Drehung zeigt (Taf. VII, Fig. 1 und 
Fig. 8). Auch bei diesem Stücke muss man einen zähen, teigartigen 
Zustand während der Entstehung der Sculptur annehmen. So erklärt 
sich die Verzerrung der Killen und das Fehlen der Höfchen. Die 
konischeu Einbohrungen dürften eben die Wirkung des Luftstosses 
auf eine zähe Masse darstellen ; dafür spricht auch der Umstand, dass 
die Einbohrungen partienweise in einer Richtung liegen (Fig. 3 c links), 
(^as wäre die Richtung, aus welcher der letzte Angrift' der Atmosphäre 
vor dem Erstarren erfolgt ist. Die kleineren Näpfchen in der Um- 
gebung der Spiralen Drehung, an welche sich vertiefte Schweife an- 
schliessen, dürften dadurch zustande gekommen sein, dass sich frühere; 
Einbohrungen infolge der Oberflächenspannung des zähflüssigen Glases 
nur unvollkommen geschlossen haben und nun noch theilweise in der 
Form glatter Streifen mit grubigen Enden sichtbar sind. 



Wie Verbeek zutreffend bemerkt, lehrt fast Jedes Stück 
etwas anderes, sei es in Bezug auf die Form oder auf die Sculptur;- 
aber trotz der grossen Mannigfaltigkeit, in der sich die für die 
Billitonite charakteristischen Eigenschaften combiniren, stellen sie 
doch im Vergleich zu der viel abwechslungsreicheren Formenmenge 
der europäischen Moldavite nur eine einzige Gruppe dar. Das hängt, 
wohl damit zusammen, dass die letzeren sich noch zum grossen 
Theile in starrem Zustande befunden haben, so dass sie mannigfach 
geformte, kantige Bruchstücke bilden konnten, auf deren Flächen die 
Corrosion verschiedenartige Sculpturen hervorrufen musste und die 
erst als Bruchstücke zum Theil aufgeschmolzen wurden, ohne dass 
sie Zeit genug gehabt hätten, sich zu eigentlichen Tropfenformen oder 
Rotationskörpern umzubilden. Bei vielen Stücken von Billiton wird 
dagegen der zähe, teigartige Zustand der erhitzten Glasmasse schon 
durch die einseitige Abplattung auf der Fläche des Auffallens augen- 
scheinlich ; eine scharfe Kante trennt dann oft die obere gewölbte 
von der unteren abgeplatteten Fläche (s. auch Verbeek 1. c. Taf. I, 
Fig. 43 a, c, d, f, g, l und A). Bei den unten beschriebenen austra- 
lischen Stücken, welche ohne Zweifel in noch höherem Grade auf- 
geschmolzen waren, wird dieselbe Kante noch deutlicher und geht in 
einen wulstartigen Ring über. Es scheint, dass bei Stücken, welche 
in höherem Grade durchschmolzen sind, die Rillen flacher und ver- 
zerrt werden oder ganz verschwinden, so dass an ihre Stelle die 
spitzkonischen Einbohrungen treten, verbunden mit oft spiral gedrehter 
Fluidalstreifung. Auch die Doppelkeulenform oder Sanduhrform, welche 
Verbeek (1. c. Fig. 43/) abgebildet hat, weist darauf hin, dass die 
Gestalten, welche zum Theil wenigstens ursprünglich ebenso wie die 
europäischen Moldavite aus kaniigen Bruchstücken hervorgegangen 
sein mögen, erst im Fluge und unter Mitwirkung einer Rotation ihre, 
gegenwärtige Gestalt angenommen liaben. Diese Gestalten finden eben- 

42* 



326 Dl-- Viiiuz E. Suess. [I34] 

falls ihre extremen Vertreter unter den australischen Stücken (siehe 
unten Fig. 46 und Seite 339). 

Vielleicht hängt mit diesem etwas verschiedenen Cohäsions- 
zustande im Vergleiche zu dem der mährischen Stücke auch die 
verschiedene Ausbildung der Rillen zusammen; der Angriff mag sich 
auf den weichen Körpern heftiger geäussert haben. Die einzelnen 
Schlieren der erhitzten und comprimirten Luft, welche ja wahrschein- 
lich zunächst die einzelnen Angriffspunkte bestimmen, mögen im 
Stande gewesen sein, längere Bahnen auszufurchen. — Schon oben 
wurde bemerkt, dass auch bei den Moldaviten eine gröbere Sculptur 
sich unvollkommener den Krümmungen der Flächen anpasst, als eine 
feinere, und bei den grössten Kerben die Sternform undeutlich wird 
oder ganz verschwindet. Auch die Rillen der Billitonite zeigen noch 
hie und da eine undeutlich radialstrahlige Anordnung (Taf. VII, 
Fig. 2a). An einigen von Verbeek abgebildeten Exemplaren (1. c. 
Fig. 43/>, /, k), sowie an dem Exemplare Nr. 3 (Taf. VII, Fig. 7) kann 
man beobachten, dass die Rillen an den Billitoniten die Neigung be- 
sitzen, auf cylinder- oder kegelförmigen Körpern sich quer zur Längs- 
axe zu stellen; die kürzeren Kerben der Moldavite würden auf solchen 
Gestalten aller Wahrscheinlichkeit nach freilich andere Figuren zeigen 
(vergl. z. B. Taf. IV, Fig. 3), indem für die Luftabströmung mehr die 
Flächenwirkung zum Ausdrucke kommen und unregelmässige Stern- 
formen entstehen würden. Dennoch scheint mir, dass man die Wurm- 
gänge der Billitonite, trotz mancher Abweichungen, nur für eine durch 
den geänderten Cohäsionszustand und vielleicht auch durch verschie- 
dene Fallgeschwindigkeit bedingte Abänderung derselben Corrosions- 
erscheinung betrachten muss, welche die Kerben auf den Moldaviten 
hervorruft. 

Eine den Billitonkugeln allein eigenthümliche und für die 
meisten Stücke bezeichnende Sculpturform sind die oben beschrie- 
benen „H ö f c h e n" (K r a u s e , „naveltjes" V e r b e e k). Niemals 
habe ich ein typisches Höfchen auf einem böhmischen oder mährischen 
Moldavite gesehen ; die in Fig. 42 dargestellte Bildung auf der Ober- 
fläche eines böhmischen Absprenglinges ist alles, was ich gefunden 
habe, das sich mit den „Höfchen" vergleichen Hesse. Man sieht 
jedoch leicht, dass hier die ringförmige Vertiefung nicht durch eine 
einzige gekrümmte Rille, sondern durch eine Gruppe von vertieften 
Näpfchen gebildet wird. 

Schon von zwei Seiten ist der Versuch gemacht worden, die 
Entstehung dieser sonderbaren Bildungen zu erklären; dennoch 
glaube ich, dass eine vollkommen befriedigende Deutung noch nicht 
gefunden ist. 

Verbeek betrachtet sämmtliche Sculpturmerkmale als die Folgen 
einer mechanischen Abreibung der in den Zinnseifen zwischen här- 
teren Quarz- und Zinnerzstückchen eingebetteten Glaskörper; er 
bildet einzelne Exenii)lare ab, bei denen in der Mitte des Höfchens 
sich noch ein Stil mit einem daran haftenden dicken Plättchen, 
einem sogenannten „Tischchen" (taveltje), befindet. Eine der Ab- 
bildungen ist in Fig. 43 wiedergegeben. Die Tischchen sollen die 



[135] I^ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 52t 

Ueberreste des früher grösseren und durch alhnälige Abreibung 
bedeutend kleiner gewordenen Körpers darstellen. Die Eigenart 
der Abscheuerung wird dadurch erklärt, dass die Billitonkugeln nur 
mit geringer Bewegungsfähigkeit fest zwischen die härteren Theile 
eingelagert waren; die Berührungspunkte mit benachbarten härteren 
Bestandtheilen sollen dabei die ersten Angriffspunkte gebildet haben. 
Wenn die in einer Untiefe abgelagerte Geröllmasse, sei es durch 

Fig. 42. 




Höfchcnartige Sciilptnr an einem Moldavitscherben der Budweiser Gegend. 
(Sammlung Schwarze nberg). Natürliche Grösse. 

die Strömung des Wassers in einem Flussbette, sei es durch die 
Thätigkeit von Ebbe und Flut, in Bewegung geriethen, mussten die 
Glaskörper langsam rollende oder schraubenförmige Bewegungen voll- 
führen ; dabei sollten die Angriffspunkte auf ihrer Oberffäche wandern 
und die sonderbaren Bahnen beschreiben. Verschiedene Gestalten 
sollten dabei durch verschiedene Arten der Drehung entstanden sein. 
W^enn die Abscheuerung durch eine besondere Drehung rund um einen 

Fig. 43. 




Billitonit mit „Tischchen". (Nach Verbeek.) 

Punkt vor sich ging, so soll die im Bogen verlaufende Einkratzung 
eine halsförmige Verengung mit daraufsitzendem Tischchen erzeugt 
haben. In der grossen Mehrzahl der Fälle wären begreiflicherweise 
die schmalen Stilchen später abgebrochen und ein Höfchen zurück- 
geblieben. 

Dieser Abscheuerungsvorgang würde unter den gewöhnlichen 
Corrosionsphänomenen sehr vereinzelt dastehen und wo sonst weichere 



328 Dr. Franz E. Suess. v ,;,,u:f-.-rsr . *>' [136] 

GeröIle zwischen härteren eingebettet sind, wird m^an ähnliches ver- 
gebens suchen. Die Vertheihmg der Höfchen würde eine sehr häufige 
Verschiebung des Drehungspunktes auf einem Stücke voraussetzen, 
und man kann nur Krause beipflichten, wenn er den Erklärungs- 
versuch als zu künstlich und gezwungen bezeichnet. Ueberdies ist 
es noch äusserst unwahrscheinlich, dass die ßillen auf eine so ganz 
andere Weise entstanden sein sollen, als die nahe verwandten Kerben 
auf den mährischen Moldaviten, für welche aus vielen Gründen eine 
Entstehung durch Abreibung durchaus nicht angenommen werden kann. 

Krause's Erklärungsversuch,' der die Erscheinung mit den 
Vorgängen während des Fluges in Verbindung bringt, hat gewiss 
grössere Wahrscheinlichkeit für sich. Er denkt sich den Vorgang 
folgendermassen vor sich gehend: Die „Schmelzlinien" (Fluidal- 
streifen) entstehen nur an der Oberfläche des Glases durch Aufschmel- 
zung der äussersten Schichte ; in dieser bilden sich einzelne Tropfen, 
welche bei der schnellen Umdrehung der Bombe das Bestreben zeigen 
sollen, sich loszulösen. Man; hat sich den Vorgang nach Krause 
oflfenbar so zu denken, dass in zufälligen Partien ein höherer Flüssig- 
keitsgrad der Oberfläche erreicht werden konnte als in der Umgebung, 
und dass der wegfliegende Tropfen im Stande war, die dünnflüssige 
Umgebung mitzureissen, resp. dass eben solche dünnflüssige Partien 
im Stande waren, sich an einem Faden infolge der Centrifugalkraft 
herauszuheben und eine vertiefte Narbe zurückzulassen. Die Stelle, 
an der der Faden zuletzt abriss, bildet den mittleren oder seitlich 
verschobenen Zapfen ; wenn ein Tropfen kurz vor dem Niederfall 
noch in der Bildung begriffen war, so ist er als ein pilzförmiges, 
am freien Ende durch Umdrehung abgeplattetes Gebilde erstarrt; 
das wären die „Schmelzstiele" oder „Tischchen". 

Ein Versuch mit einem halbkugeligen, an der Oberfläche auf- 
geschmolzenem Colophoniumkörper, dem auf einer Drehbank eine 
Rotation von 150 Touren in der Minute verliehen worden war, be- 
lehrte mich, dass sich aus der zähflüssigen Masse, die gewiss einen 
dem unvollkommen geschmolzenen Glase ähnlichen Cohäsionszustand 
besitzt, in der That Tropfen loslösen und weggeschleudert werden. 
Sie ziehen sich an einem Stile aus der Masse, der aber rasch von 
dem wegfliegenden Tropfen haarförmig ausgezogen wird, wie gespon- 
nenes Glas, und später infolge der Drehung abreisst. Lässt man den 
Körper während der Drehung erkalten, so bleiben gewöhnlich einzelne 
Tropfen auf dickeren Stielen hangen oder sie sind nur in Form 
von Ausbauchungen im ersten Stadium der Entstehung erstarrt. Die 
Tropfen bilden sich aber keineswegs am Drehungspole, sondern sie 
stehen auf dem ebenfalls infolge der Drehung wulstärtig ausgebauchten 
Aequator; und es erinnert der ganze Vorgang ohne Zweifel an die 
herrschende Theorie von der Entstehung der Planeten. Auf einem 
Körper, der in mehreren Ebenen zugleich rotirt, sind, wie der Ver-, 
such ergeben hat, die Tropfen in unregelmässiger Weise vertheilt.i 
Die Entstehung der Tropfen in der Ebene der Drehung stimmt auch 
insoferne besser zur Theorie von Krause, als man nicht selten 
eine reihenförmige, ja fast ringförmige Anordnung der Höfchen um 
den ganzen Umfang eines Stückes wahrnehmen kann. Dem würde es, 



[137] I>ie Herkunft der Moldavite unfl v^fwandter Gläser. 329 

auch nicht widersprechen, dass die llöfchen nicht selten an den 
beiden Endpunkten von langgestreckten Formen stehen ; das würde 
nur die durchaus nicht unwähi'sclieinliclie Annahme voraussetzen, dass 
sich ein solches Stück nach Art eines gesclileuderten Stabes um eine 
kürzere Axe gedrelit hat. 

Wollte man in dieser Hinsicht auch der Anschauung von Krause 
einige Berechtigung einrruimen, so wird sie dennoch insoferne zum 
mindesten einer Abänderung bedürfen, als bei der Entstehung der 
llöfchen unbedingt auch die Killen mit in Betracht gezogen werden 
müssen, mit denen sie ohne Zweifel im innigsten Zusammenhange 
stehen. Nicht nur besitzen sie genau denselben Charakter und in der 
Regel dieselbe Tiefe und Breite an einem Stücke, sondern die Höfchen 
Werden in nicht seltenen Fällen von den spiral eingedrehten Enden 
der Rillen gebildet (s. Beisp. Nr. 3 u. 4\ und die Vorstellung, dass die 
ersteren durch die Loslösung abgeschmolzener Partien entstanden 
sind, bedingt entschiedön die Voraussetzung, dass bei den letzteren 
dasselbe der Fall ist. Im gewissen Sinne trifft das ja auch in Bezug 
auf die obige Vorstellung von der P^ntstehung der Moldavitkerben 
überein, indem der erodierende Luftstrom zu gleicher Zeit mit der Aus- 
bohrung der Furchen dieselben in dünnflüssigen Zustand versetzen und 
gänzlich zerstäuben wird. Nur müsste nach Krause an Stelle der 
Kraft des Luftstromes wenigstens am Ansatzpunkte' der Höfchen die 
Centrifugalkraft treten. Dann ist es aber zu verwundern, dass die 
Narbe mit dem Tropfen nicht in den einzelnen Rillen oder an deren 
Enden stehen, sondern von denselben im krummstabartigen Verlaufe 
umschlossen werden. - 

Man könnte sich vielleicht auch denken, dass die am Stile 
haftenden Tropfen erst während des Erkaltens als rascher erstarrende 
Theile abspringen und dabei noch eine ringförmige Partie des un- 
mittelbar umgebenden, ebenfals fest gewordenen Glases mitnehmen ; 
die innerste Partie der Tropfenwurzel war noch nicht völlig erstarrt, 
ist in der ringförmigen Aussprengung als kleines, erhabenes Zäpfchen 
stehen geblieben. Diese Annahme würde naturgemäss voraussetzen, 
dass auch die Rillen durch. Absprengung rascher erstarrter Streifen 
an der Oberfläche entstanden sind, und die Vorstellung von der 
Entstehung der Moldavitsculptur müsste auch, was die europäischen 
Stücke betrifft, eine völlige Verschiebung erleiden, die aber, nach 
den im vorhergehenden Abschnitte gegebenen Gründen, keinerlei Wahr- 
scheinlichkeit für sich hat. 

So viel ich den Abbildungen bei Verbeek und Krause ent- 
nehmen kann, sind die „Tischchen" überhaupt keine Tropfen, sondern 
ich muss mich der Ansicht Verb eek's anschliessen, der sie für stehen 
gebliebene Reste einer älteren Oberfläche des früher grösser ge- 
wesenen Körpers hält. Das Profil der Tischchen zeigt die kantig 
umgrenzten, in der Tiefe wohlgerundeten Querschnitte der ringför- 
migen Rille, durch welche das Tischchen geformt wird; und über- 
haupt entsprechen die kantigen umrisse der Tischchen nicht denen 
eines anhaftenden Tropfens. Hie und da sieht man auf der Höhe des 
Zapfens wohl eine Art abgeflachte Narbe, die von einem abgebro- 
chenen Theilcben herrühren könnte, die Gestalt der Zäpfchen variirt 



330 Dr- Franz E. Suess. [138] 

jedoch sehr stark iiud hcäufig werden sie so schmal und zugekantet, 
dass unmöglich ein Stilchen darauf gesessen sein kann; in anderen 
Fällen besteht die Mitte der Höfchen unzweifelhaft aus Theilen der 
Oberfläche, ohne dass ein Stilchen zustande gekommen wäre oder 
von einer Tropfenbildung die Rede sein könnte. Ferner muss noch 
bemerkt werden, dass die Grösse der Höfchen ganz unabhängig ist 
von der Grösse der Bomben und dass sie auch auf kleinen Körpern, 
auf deren Oberfläche eigentlich die Centrifugalkraft im allgemeinen 
nicht denselben Grad erreichen sollte, genau in derselben Weise 
entwickelt sind, wie auf grösseren (Fig. 40). Man könnte vielleicht 
vermuthen, dass die Bildung der Höfchen bedingt wird durch das 
innere Gefüge und durch molekulare Lagerungs Verhältnisse, vielleicht 
eine kryptoperlitische Structur, die sowie sie die Entstehung der 
Verwitterungsgeringe im Glase hervorruft, den Rillen kreisförmige 
Bahnen anweist und sie zwingt, leichter schmelzbaren Partien zu 
folgen und schwerer schmelzbare Kerne zu umschliessen. Vielleicht 
stellen die unter dem Mikroskope wahrnehmbaren Einschlüsse von 
schwächer lichtbrechendem Glase schwerer schmelzbare Theilchen 
dar, die, wo sie sich zufällig nahe der Oberfläche befinden, eine 
kurze Hemmung im Processe der Entstehung der Ausschmelzungs- 
furche hervorrufen können und etwas länger an der Oberfläche haften 
bleiben, als das leichter schmelzbare Glas ; in einem späteren Augen- 
blicke wird es dennoch losgerissen und verursacht die Entstehung 
des ein wenig emporgezogenen Zäpfchens. Es muss aber freilich noch 
dahingestellt bleiben, ob so kleine Theilchen, wie die erwähnten 
Glaseinschlüsse, im Stande sind, eine so merkbare Wirkung hervor- 
zubringen. 

3. Australite. 

Gerade derjenige Typus moldavitischer Gläser, welcher bei 
weitem die grösste räumliche Verbreitung besitzt, bietet im Ver- 
gleiche zu den vorherbeschriebenen verhältnismässig geringe Ab- 
wechslung in Bezug auf die Gestalten. Die Vorkomnisse von den 
entlegendsten Fundpuiikten, der Nähe des West- und des Ostrandes 
und aus dem Centrum des australischen Continentes, und ebenso die 
von der südlichen Insel Tasmanien sind durchwegs nach demselben 
Typus gebaut und von den beiden anderen Typen, den Moldaviten 
und den Billitoniten , schärfer unterschieden als diese beiden unter- 
einander. 

Das geht aus den Darstellungen und Abbildungen von Stelz- 
ner, Walcott, Twelvetrees und P e 1 1 e r d deutlich hervor. Die 
von Stelzner beschriebenen, von verscliiedenen Punkten Australiens 
stammenden Exemplare habe ich auf einer Reise nach Freiberg durch 
die Güte des Herrn Prof. R. Beck an der dortigen Bergakademie 
kennen gelernt. Ausserdem erhielt ich fünf kleinere, aus den Kalgoorlie 
Goldfeldern in Westaustralien stammende Exemplare durch die Güte 
des Herrn R. H. Walcott vom technologischen Museum in Mel- 
bourne, und ein weiteres Exemplar aus der mineralogischen Samm- 
lung des naturhistorischen Hofmuseums in Wien stand mir ebenfalls 



[139] r)>e Florktinft der Moldavite iiiul verwandter Gläser. 331 

zur Verfügung. Ferner dienten mir zum Studium noch mehrere von 
Herrn J. C. Moulden in Brocken Hill zugesandte Photographien 
von Stücken seiner Sammlung. 

Bezeichnend für die australischen „Bomben" oder „Obsidianite", 
wie sie Walcott nennt, ist die relativ glatte Oberfläche, welche 
niemals echte, stark vertiefte Rillen aufweist, und die relativ regel- 
mässige Gestalt, die bei rundlichem oder langgestrecktem Umrisse 
fast stets aus einer stärker gewölbten und einer nur flach convexen, 
durch eine randlich verlaufende Kante getrennten Hälfte besteht. 
Kantige Bruchstücke scheinen gar nicht vorzukommen. Häufig besitzt 
die flache Callote einen grösseren Durchmesser als die gewölbte und 
greift über diese hinaus, so dass ein ringförmiger, wulstartiger Rand 
entsteht (Fig. 44«, b); er findet sich sowohl an den rundlichen, 
als auch an langgestreckten und den sanduhrförmigen Stücken. 
Seine Entstehung hat bereits Stelzner in unzweifelhafter Weise 
erklärt, indem er ihm mit dem zurückgeschobenen Rande eines be- 
kannten Meteoriten von Stannern i) und den Gestalten von in den 

Fi!?. 44. 





Australitc. Cenlral-Australien, gesammelt von V. Streich. (Geolog. Institut der 
Universität Wien.) Natürliche Grösse. 



Sand geschossenen Mauser-Gewehrkugeln verglich. In letzterem Falle 
entsteht ein ganz ähnlicher Wulst dadurch, dass der vordere Theil 
der erweichten Bleimasse beim Anprall plattgedrückt und um den 
nachdrückenden Kern randlich zurückgestülpt wird; manchmal ist 
der Wulst so stark ausgebildet, dass die Rückseite der Bleikugel 
nahezu concav wird. Oft sieht man, dass der nachgedrückte Kern 
selbst in der Mitte noch einmal in Form einer kleinen Vertiefung 
uachgesackt ist. Dasselbe trifft mau auch hie und da bei den austra- 
lischen Bomben (siehe Fig. 44 & und Walcott, 1. c. Taf. Hl, Fig. 6). 
Bei dem Steine von Stannern wird der Randwulst hervorgerufen 
durch das Zurückweichen einer weichgeschmolzenen Schichte beim 
Anprall gegen die widerstehende Luft. Der Wulst der australischen 
Bomben ist ebenfalls durch den Luftwiderstand bewirkt; doch ist hier 
nicht wie bei dem Meteorsteine nur eine geschmolzene Rinde vor- 
handen gewesen, sondern die ganzen Stücke haben sich ohne Zweifel 
in halbflüssigem, plastischem Zustande befunden ; deshalb hat sich die 
Erscheinung ähnlicher derjenigen an den Bleikugeln, als derjenigen 
an den Meteoriten gestaltet. 

^) Siehe die Abbildung in Neuniayr's Erdgeschichte (zweite Auflage von 
Uhlig), Bd. I, S. 96 und 97. 

.Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1900, 50. BaiKl. 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 43 



332 ßr. Franz E. Suess. [140] 

In Fig. 44 (/, /> ist ein Beispiel der allerbezeiclinendsteu Gestalten 
unter den australischen Bomben abgebildet, die unter den Natur- 
körpern kaum sonst irgendwo in dieser Regelmässigkeitjwiederkehren. 
Die Oberfläche ist tiefschwarz und matt, mit nur ganz schwachem 
Glänze. Die Ansicht der Rückseite zeigt eine kleine, runde Vertiefung 
im kegelförmigen Kerne, offenbar eine Nachsackung der noch weichen 
Masse, welche von der Stirnseite aus breitgedrückt wurde. Der 
llandwulst stösst in sehr scharfem, einspringendem Winkel vom ku- 
geligen Körper ab, und man sieht deutlich, dass er von der Stirnseite 
her über diesen zurückgeschoben worden sein nniss. Er ist an zwei 
gegenüberliegenden Stellen ausgebrochen und die Bruchflachen zeigen 
denselben Grad schwacher Rauhigkeit, wie die übrige Oberfläche ; 
die Rauhigkeit ist demnach eine Folge von obertlächlicher Ab- 
rollung oder Anwitterung des Stückes, Auf der Stirn sieht man die 
schmalen, wenig erhabenen, fast kreisförmigen Falten, welche 
Stelzner treff"end als „erstarrte Stauungs welle n" bezeichnet 
hat; sie haben mit der Sculptur der übrigen Moldavite gar nichts 
zu thun und sind lediglich hervorgerufen durch das Zurückschieben 
der obersten Rinde des halbflüssigen Körpers während der Bildung 
des Stauungswulstes. Sie erinnern unbestimmt an die kreisförmigen 
Wellen, welche an der Oberfläche des Wassers durch das Hinein- 
fallen eines Körpers erzeugt werden ; doch ist hier die Kreisform 
durch den Umriss des Körpers bedingt. Gegen den Rand des Wulstes 
sind sie, wie gegen einen Uferrand, enger aneinander geschoben, werden 
uuregelmässiger und treten, oft sich wellig verzweigend, stärker her- 
vor. Ausserdem befindet sich auf der flacheren Kugelfläche noch eine 
äusserst feine, nur unter der Lupe wahrnembare, radiale Streifung, 
welche von der Zerrung der zähen Masse herrührt und in der ver- 
zerrten Metallmasse plattgeschossener Bleikugeln in ähnlicher Weise, 
jedoch noch viel schärfer hervortretend, zu sehen ist. 

Der Randwulst kann sehr verschiedene Formen und Dimensionen 
annehmen. Twelvetrees und Petterd haben ein Exemplar von 
der Thomas-Ebene in Tasmanien abgebildet, bei dem der Randwulst 
sehr gross entwickelt, über den rundlichen Kern einerseits zurück- 
zufliessen scheint und andererseits gegen aussen zu einer Art faltig 
umrandeten Schirme erweitert ist; nach der Abbildung zu schliessen 
scheint jedoch der Rand zackig abgebrochen zu sein. Walcott bildete 
dem oben beschriebenen sehr ähnliche, regelmässige Formen ab, und 
zwar von Charlotte Waters in Central-Australien und von Lisle in 
Tasmanien; ferner noch ein kleines, ein wenig seitlich verzerrtes 
F^xemplar vom Mount Elephant in Victoria, bei dem der verhältnis- 
mässig sehr breite Wulst in Form eines nicht ganz geschlossenen 
Ringes von dem massiven Kerne losgebrochen ist. Demselben Formen- 
kreise gehört auch das zuerst in der Literatur erwähnte Exemplar 
unter den australischen Bomben an ; es stammt aus der Gegend 
zwischen den Flüssen Darling und Murray und ist von Ch. Darwin 
im Jahre 1844 beschrieben und abgebildet worden (s. oben S. 218). 
Der Randwulst ist an dem etwas ellii)tischen Stücke so stark 
nach rückwärts gezogen, dass er den Kern schirmartig umfasst und 
nach Darwin „eine äussere, untertassenförmige Schale" bildet, die 



[1411 DiG Herkunft der Moldavito und verwandter Gläser. 333 

taus compactem Obsidiaii von flascheiigrinier Farbe besteht. Der an- 
scheinend ziemlich flache Kern wird als feinzellige, schwarze Lava 
geschildert, welche viel weniger durchscheinend und glasig ist, als 
der Obsidian. Wie Stelzner bemerkt, wäre es interessant, zu er- 
fahren, ob der centrale Theil thatsäclilich zellig ist oder ob er 
lediglich die grubige Oberfläche der übrigen Bomben besitzt. Der 
leicht concave Rand springt gegen den central gelegenen, zelligen 
Kern ein wenig vor, wie das auch an anderen Stücken der Fall ist. 
Auf der äusseren Oberfläche befinden sich 4—5 nicht ganz voll- 
kommene Rippen, offenbar die „Stauchungswellen" Stelzner's; 
sie sind, wie Darwin ausdrücklich bemerkt, auf seinem Holzschnitte 
etwas zu deutlich dargestellt. Darwin, der die übrigen Formen nicht 
kannte, hielt das Exemplar für ein Bruchstück eines ursprünglich 
kugeligen Körpers, der die kreisförmigen Rippen durch die Rotation 
erhalten hat und bevor er noch vollkommen starr war, zerplatzt ist, 
so dass der äussere Rand noch über die innen anhaftende zellige 
Substanz zurückfliessen konnte. 

Die verbreitetste Gruppe von Formen ist diejenige mit aus- 
gesprochener Knopfform, denen die Australite die Bezeichnung als 
„buttonstones" zu verdanken haben: bei ihnen ist der Randwulst 
verschwunden. Aber die Formen sind von demselben Gestaltungs- 



Fig. 45. Fig. 46. 





Fig. 45 und 46. Australite aus den Kalgoorlie-Goldfeldern. Natürliche Grösse. 

gesetze beherrscht, indem sie stets aus einem grösseren, gewölbten, 
kugelförmigen oder auch ein wenig zapfenförmig in die Länge ge- 
streckten Theile bestehen, der durch einen flacher gewölbten Theil 
gegen unten abgeschlossen wird. An die Stelle des Wulstes ist eine 
scharfe Umrandungskante getreten. 

Das in Fig. 45 abgebildete Exemplar aus den Kalgoorlie-Gold- 
feldern in Australien, welches ich durch Herrn Walcott erhalten 
habe, mag diesen Typus vergegenwärtigen. Die flachere Wölbung ist 
fast glatt und nur mit allerfeinsten Pünktchen übersäet, die eine 
allgemeine Rauhigkeit und einen matten Glanz hervorrufen ; sie 
rühren offenbar von nachträglicher Abreibung und Anwitterung her. 
An der dem Beschauer abgewandten Seite zeigt das Stück einige 
facettenartige Abflachungen, welche nach der freundlichen Mittheilung 
des Herrn W\alcott wahrscheinlich von einer späteren Abschleifung 
durch Windwirkung herrühren. Unmittelbar an der scharfkantigen 
Umrandung setzen einige faltenartige, ungleich breite Eindrücke ab, 
die sich gegen oben hin verlieren. Wie bereits Stelzner beobachtete, 

43* 



334 I>r. Franz E. Siiess. [142] 

entstehen genau dieselben Formen hie und da an Bleitröpfclien, 
welche man bei der Schrottfabrikation durch einen längeren Schacht 
ins Wasser fallen lässt. Es bilden sich ebensolche einseitig abgeflachte 
Gestalten mit schartkantiger Umrandung und über dem llande stehen 
ebensolche Querfalten. Ueber die Entstehungsweise der Gestalt kann 
demnach kein Zweifel bestehen. 

Nicht immer zeigen die Obsidianite einen rundlichen Querschnitt, 
sehr häufig sind sie in regelmässiger Weise elliptisch oder einer ein- 
seitig plattgedrückten Walze gleich verlängert (Stelzner I. c. Fig. 3). 
In der Mehrzahl der Fälle sind solche Stücke in der Mitte ein 
wenig verschmälert und in extremsten Fällen nehmen sie die in 
Fig. 46 wiedergegebene Doppelkeulenform an, welche Walcott mit 
einem Glockenschwengel (dumb-bell) vergleicht (1. c. PI. III. Fig. 1, 
2 und 8 vom Mount Elephant, Victoria und Back Creek, Tasmanien). 
Stets kann man eine mehr gewölbte und eine flachgedrückte Seite 
unterscheiden, die durch eine meist regelmässige, seltener eine ver- 
zogene oder mehr verschwommen undeutliche Kante getrennt sind. 
Auch die Doppelkeulenformen oder Sanduhrformen zeigen hie und da 
eine dem Längsumrisse folgende wulstartige Zurückstülpung (Wal- 
cott 1. c. PI. III, Fig. 8). An dem in Fig. 46 abgebildeten Exem- 
plare ist sie nicht mehr vollkommen erhalten, denn das Stück hat 
ohne Zweifel stark durch Verwitterung gelitten ; die zahlreichen Grüb- 
chen an der Oberfläche, die theilweise Spuren rother staubiger Sub- 
stanz enthalten, möchte ich entschieden für Zersetzungsgrübchen 
halten. Sie gleichen nicht sonstigen IMoldavitsculpturen, sondern ähneln 
in ihren ungleich grossen, rundlichen oder sichelförmigen, oft scharf- 
kantigen Umrissen viel mehr den Vertiefungen, welche durch Ent- 
glasung auf Obsidianen und künstlichen Gläsern nicht selten entstehen. 

Entschieden die merkwürdigsten Bildungen unter den australi- 
schen Moldaviten sind die Hohl kugeln, von denen bis jetzt zwei 
Exemplare bekannt geworden sind : eines vom Kangaroo Island, 
SW von Adelaide (in etwa 36^ s. Br., 137^ ö. L. v. Greenw.), und 
eines von Upper liegions Station in Horsham (Victoria). Ersteres 
wurde von Stelzner, letzteres von Walcott beschrieben und ab- 
gebildet. Beide Stücke sind in der Hauptform sehr ähnlich gestaltet 
und bestehen, so wie viele compacte Stücke, aus einer Halbkugel, 
welche an eine Calotte von grösserem Kadius angeschlossen ist. Die 
Exemplare gehören zugleich zu den grössten, die bisher gefunden 
worde)i sind ; das Exemplar von Horsham misst in seinem grössten 
Durchmesser 59 mm, im kleinsten 52 5 mm; das vom Kangaroo Island 
hat im grössten Durchmesser 45 7Hm, im kleinsten 36 mm; der dach- 
artig überhängende Band der flachen Calotte springt auf allen Seiten 
um ca. 2 nun vor. 

Das Exemplar von Horsliam wurde im Museum zu Melbourne 
zerschnitten und der etwas eiförmige innere Hohlraum sichtbar ge- 
macht (Fig. 47). Die Wand des Hohlraumes ist vollkommen glatt, die 
Glasmasse vollkommen dicht, mit nur spärlichen kleinen, runden Gas- 
bläsdien und im durchfallenden Lichte bräunlich durchscheinend. An 
dein zweiten Stücke wurde das Vorhandensein einer inneren Höhlung 



[143] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 335 

von Stelz 11 er erschlossen ans dem geringen specifischen Gewiclit, 
welches das Stück im Wasser nicht sinken lässt. Vor einer starken 
Lichtquelle wird das Stück gleichförmig gelblichbraun durchscheinend 
und es sind kleinere Blasenriiuine nicht zu beobachten, woraus schon 
Stelzner schloss, dass man es mit einer dünnwandigen, aus com- 
pactem Glase bestellenden Hohlkugel zu thun habe. 

Die H h 1 k u g e 1 vom K a n g a r o o Isla n d (Taf. VIII, Fig. 1 a—d. 
Gew. 29"275 gr), ist noch besonderer Beachtung wert, weil an diesem 
Stücke die zarte Oberfiachensculptur in einer Unversehrtheit und 
Vollkommenheit erhalten ist, wie an keinem anderen Exemplare. 
Es schien mir deshalb rathsam , dieselbe auf Grund der an den 

Fiar. 47. 




Durchschnittene Ilohlkugel von llorsham (nach Walcott). Natürliche Grösse. 

mährischen Moldaviten gemachten Erfahrung noch einmal ins Auge 
zu fassen, zu welchem Zwecke ich eine Excursion nach Freiberg 
unternommen habe. 

Die Oberfläche ist pechschwarz; der Glanz ist etwas matt und 
gleicht mehr dem Glänze einer schwarzen Holzkohle, als dem leb- 
haften Lackglanze der frischen mährischen Stücke. Die beiden Calotten 
zeigen in Bezug auf die Sculptur verschiedenartige Beschaffenheit. 
Auf der flachen Calotte treten zunächst die gewöhnlichen „Staucluings- 
wellen" in Form von ringförmigen, kantigen Wülsten hervor, die in 
Abständen von ca. 3— 4 mm durch flache Mulden von einander ge- 
trennt sind. (Fig. 1« und h.) Stelzner vergleicht sie mit rippen- 
förmigen Breitegraden auf einem Globus: sie liegen nicht genau cen- 
tral und die dem Pole am nächsten gelegenen sind am regelmässig- 
sten, gegen dem äquatorialen Rand zu werden sie wellig und un- 
regelmässiger. Der dem Aequator zunächst gelegene Ring ist eine 
sehr stark wellige Linie, deren einzelne Ausbuchtungen zustande 
kommen durch quergestellte, ungleich breite , faltenartige Einbie- 



336 Dl'- I'"raiiz E. Siiess. [144] 

gungen ; es sind das die in „meridionaler Richtung ausgelängten 
Narben" Stelzner's. (Fig. 1«). Sie liaben mit den unten bespro- 
chenen Grübchen nichts zu thuu und gehören ohne Zweifel derselben 
Sculpturgattung an, wie die Stauchungsringe; sie sind ebenfalls nur 
durch das Zurückströmen des Materials erzeugt. Sie unterscheiden 
sich von den Kerben der Moldavite durch geringere Austiefung und 
durch unbestimmt wellige Beschaffenheit der Gruben. Ihre Anordnung 
ist aber dennoch genetisch vergleichbar mit der Querstellung der 
Moldavitkerben zu den äquatorialen Rändern. 

Um die Polarregion dicht gedrängt und gegen aussen immer 
spärlicher werdend, befinden sich zahlreiche kleine, rundliclie Grab- 
chen , welche den Eindruck machen , wie wenn sie durch einen 
stumpfen Bleistift erzeugt worden wären (Stelzner). Oft sind sie 
zu kurzen Ketten aneinandergereiht oder sie bilden stellenweise dicht 
gedrängte Schwärme, so dass durch sie die Contouren der Stauungs- 
rippen verwischt werden. Sie besitzen offenbar eine weit grössere 
Verwandtschaft mit den Moldavitsculpturen als die Rippen. Unter der 
Lupe nimmt man wahr, dass einzelne der Eindrücke im Innern noch 
eine eigene kleinste Furchung zeigen ; am Rande der Eindrücke ver- 
ursachten diese „secundären" Furchen eine bogenförmige Auszackung 
und da sie meist eine unbestimmte radiale Anordnung zeigen, erinnert 
die Erscheinung lebhaft an die freilich viel grösseren „Grübchen- 
rosetten" der kugeligen Formen unter den mährischen Moldaviten 
(besonders Fig. 1 b rechts unten). 

Eine allerfeinste, schwach wellige Streifung strahlt nur partien- 
weise gut sichtbar von der polaren Region nach allen Seiten dem 
Rande zu. Sie ist nicht zu identificiren mit der im allgemeinen viel 
gröberen Fluidalstreifung der Moldavite, welche aus einer schlierigen 
Masse durch die athmosphärische Corrosion herausgearbeitet wurde, 
sondern sie lässt sich vielmehr vergleichen mit den Streifen, ''welche 
durch Zerrung oder Quetschung auf irgend einer teigigen Masse oder 
auf Blei erzeugt werden können, und ist offenbar ebenfalls entstanden 
durch das Zurückflie.^sen des halbflüssigen Glases im Luftwiderstande. 

Die gewölbte Calotte ist ganz bedeckt mit dichtgedrängten, 
kleinen Grübchen von ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie die „Blei- 
stifteindrncke", die auf der flacheren Calotte mehr vereinzelt stehen; 
sie sind meistens ganz enge aneinander gerückt, so dass sie die runde 
Umgrenzung verloren haben und durch winkelige, wenig erhabene 
Rippchen getrennt sind, ähnlich wie die Näpfchen vieler europäischen 
Moldavite. (Fig. 1 a und e.) Das auffallendste Merkmal der meisten, 
besonders der dem Aequator mehr genäherten und grösseren Grübchen 
ist auch hier die unbestimmt rosettenförmige Anordnung von aller- 
kleinsten furchenartigen Kerben innerhalb der einzelnen Grübchen. 
Die Kugelfläche besitzt ein etwas welliges Aussehen, weil die Grübchen 
nicht auf der ganzen Fläche in gleichem Grade entwickelt, sondern 
partienweise grösser, und stärker vertieft sind. An einzelneu Stellen 
macht es den Eindruck, wie wenn die quergerippten Kämmchen 
zwischen den einzelnen kleinen Rosetten nicht durch Vertiefung der 
Umgel)ung, sondern durch ein Emporzerren oder eine locale Auf- 
stauchung der weichen Masse erzeugt worden wären (Fig. 1 e am 



ri45] Die Elerkiinft der Moldavite und verwandter Glilser. 337 

oberen Rande) ; im grossen Ganzen sind die Vertiefungen aber gewiss 
als nahe aneinander liegende Eindrücke in einer, vielleicht früher 
glatteren, überflache aufzufassen. 

Ein gutes Zeugnis dafür, dass die Sculptur durch Luftströmungen 
erzeugt wird, bieten die Sculpturformen, welche an der Grenze der 
beiden Calotten auftreten. Sie sind an Zartheit, ebenso wie die kleinen 
Grübchenrosetten, der „Fiederung" an den böhmischen Moldaviten ver- 
gleichbar. Der facettenartig abgekantete Hand der flacheren Calotte 
hängt ein wenig dachartig über gegen die Flache des gewölbten 
Kugelstückes, so dass zwischen beiden eine enge, scharfbegrenzte 
Rinne entsteht (Fig. Id^ le rechts). 

Betrachtet man die Seitenansicht (Fig. 1 a), so sieht man, dass 
die Grübchensculptur der gewölbten Calotte nicht bis an den tiber- 
hängenden Rand heranreicht, sondern dass sie an einer dem Rand 
parallelen Linie ziemlich scharf absetzt, so dass zwischen beiden 
Linien ein ganz flach vertieftes, ca. 1 »im breites Band frei bleibt. 
Die oben erwähnte enge Rinne steht in der Seitenansicht vertical 
und ist, da sie von der flachen Calotte überdeckt wird, nicht sicht- 
bar. Auf der Ansicht schief von unten (Fig. 1 e) und auf den beiden 
Vergrösserungen (Fig. 1 c und 1 d) erscheint das flach vertiefte Band 
perspectivisch verschmälert ; dagegen bietet sich die erwähnte Rinne 
deutlich dar, und besonders an der einen Stelle, wo ein Stück des 
überhängenden Randes weggebrochen ist (Fig. 1 d), kann man gut sehen, 
dass sich in der Rinne zwei ganz schmale, feingefiederte Streifen an das 
erwähnte Band anreihen. Das Band besteht aus einer grossen x4nzahl 
kettenartig einandergereihter flacher Mulden, die durch querstehende 
Kämme voneinander getrennt sind; jede einzelne Mulde ist der Länge 
nach durch sehr schmale Furchen gestreift und die Furchenbündel 
mancher Mulden sind in der Mitte etwas zusammengeschnürt; daran 
kann man erkennen, dass die Parallelstreifung in dieser Rinne eben- 
falls der allgemeinen Regel für die Richtung der Moldavitfurcheu 
entsprechend verläuft. Es ist ganz dieselbe Erscheinung, die sich in der 
Rinne auf dem Taf. III, Fig. Ic und d abgebildeten Zapfen von Dukowan 
darbietet. Die Grenze des Bandes gegen die Sculptur der gewölbten 
Calotte wird an einigen Theilen gebildet durch einen etwas erhabenen 
unterbrochenen Streifen, der in feinster, quergestellter und fieder- 
artiger Fältelung gleich einer Hürde emporragt und kaum merklich 
über die flachen Gruben des Bandes überhängt (Fig. 1 e und 1 d unten). 
Es macht den Eindruck, wie wenn eine kleine Strecke weit vor dem 
überhängenden Wulste der flacheren Calotte eine oberste Schichte 
auf der gewölbten Calotte zurückgeschoben worden wäre. In dem 
engen Canale unter dem überhängenden Dache des Randwulstes sind 
noch mehrere der Länge nach fiederartig gefältelte Streifen entstanden, 
zwischen denen sich wieder hervorragende gefiederte Streifen be- 
finden. Man sieht das am allerbesten, wo ein Theil des überhängen- 
den Daches herausgebrochen ist (Fig. 1 e rechts unten). In der ver- 
grösserten Darstellung dieser Partie (Fig. Id) sieht man ausserdem, 
dass in einer kleinen Ausweitung unter dem Dache eine zweite 
kleinere, fiederfältige Hürde entstanden ist, welche der ersten schief 
gegenübersteht. Es scheint demnach der Wulstrand mit einer Schnellig- 



338 Dr. Franz E. Siiess. [146] 

keit und Plötzlichkeit zurückgeschoben worden zu sein, dass er sich 
uiciit vollkommen an die übrige Wand der Blase anschliessen konnte 
und der Luftwiederstand einen rinnenförmigen Zwischenraum schuf. 
Vielleicht durch eine lebhafte Rotation unterstützt entstanden hier 
unter dem Dachrande selbständige Luftströmungen, welche durch die 
Rinne fegten und eine Längsstreifung erzeugten; in der Rinue unter 
dem Dache war der Luftstrom offenbar noch heftiger und die dort 
entstandenen Streifen nicht noch schmäler und stärker vertieft. Die 
Breite des Bandes bezeichnet die Breite der Wirkungssphäre des 
durch das rasche Zurückschieben des W^ulstes entstandenen Lnft- 
stosses, der die Rückstauung des oberflächlich erweichten Materiales 
zu den kleinen emporragenden „Hürden" verursacht hat; die kleinere 
gegenüberstehende Hürde in der Ausweitung der Rinne wurde durch 
das Bestreben der Luft nach der anderen Seite auszuweichen, her- 
vorgerufen. 

Als eine weitere Sculpturform kann man die allerzarteste 
Rauhigkeit betrachten, welche man unter der Lupe auf den glatten 
Flächentheilen der flachen Calotte und auch den muscheligen Bruch- 
flächen an ausgebrochenen Stellen des Wulstes wahrnehmen kann; 
sie sind in der Vergrösserung, Fig. 1 d rechts, deutlich zu sehen und 
sind offenbar durch spätere Verwitterung entstanden. 

Während die Bildungen an der Oberfläche der hohlen Bombe 
vom Kangaroo Island unzweifelhaft derselben Entstehung sind, wie 
die an der Oberfläche europäischer Moldavite, erscheint mir das 
inbezug auf andere australischen Bomben zum mindesten unsicher. 
Das radialstrahlige Netzwerk von Furchen auf der flachen Calotte 
des von Stelzner als Fig. 2 abgebildeten Exemplars aus dem 
Gebiete der Macdonnel Range unterscheidet sich in mancher Hinsicht 
von Furchensternen der Moldavite. Es besteht allerdings aus einzelnen 
Kerben, aber dieselben sind viel schmäler und scharfkantiger, wie 
mit einem Messer hineingestossen, mehr Sprüngen ähnlich, als die 
stets mehr gerundeten Kerben der Moldavite. Das Netzwerk ist am 
stärksten entwickelt in der Mitte und verliert sich gegen den Rand, 
während bei den Moldaviten das umgekehrte der Fall ist. Sie machen 
auf dem australischen Stück weit mehr den Eindruck von durch 
Erkalten entstandenen Sprüngen oder von Schwindrissen, aber eine 
solche Deutung trifft nicht zu, wie Stelzner sehr richtig bemerkt, 
da sich solche Risse auf der ganzen Oberfläche befinden sollten 
und ihre A^ertheilung dadurch nicht erklärt würde. 

Stelzner führt, nachdem er die Grübchen der Bomben mit 
den Näpfchen der Meteorite verglichen hat, die Entstehung des 
Netzwerkes ebenfalls auf atmosphärische Corrosion zurück. Vielleicht 
lässt sich der Unterschied gegen die Furchensterne auf den Molda- 
viten dadurch erklären, dass in dem Falle der vorliegenden Bombe 
der Angriff" ein streng centraler war, indem das Stück, trotz einer 
möglichen Rotation im äquatorialen Sinne, doch nur mit der flacheren 
Calotte voran den Luftwiderstand zu überwindeji hatte. Bei den 
Moldaviten hingegen ist die Radialstrah ligkeit der Kerben sicher in 
der Mehrzahl der Fälle bei fortwährender Drehung des Stückes 



11471 Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 339 

durch das Einströmen der Luft von den Kanten her erzeugt worden 
(s. unten Seite 354 f.). Daher sind die Furchen bei diesen liaupt- 
sächlich am Rande, bei dem australischen Stücke im Centrum der 
Scheibe zur Entwicklung gelangt; die Form derselben mag vielleicht 
noch beim vollkommenen Erstarren des halbflüssigen Glases unter Mit- 
wirkung der bedeutenden Oberflächenspannung auf solchen Tropfen 
eine Veränderung erlitten haben. 

lieber die Natur der Grübchen auf anderen Stücken, welche 
ich nur aus Abbildungen kenne, wage ich nicht ein bestimmtes Ur- 
theil zu fällen. Walcott (1. c. pag. 37) vergleichtauch die kleinsten 
Grübchen mit den Näpfchen und Fiugereindrücken auf der Ober- 
fläche von Meteoriten und betont, dass einzelne Stücke wie mit 
einer schwarzen, durch oberflächliches Aufschmelzen entstandenen 
Kruste überzogen zu sein scheinen, gleich der schwarzen Schmelz- 
rinde mancher Meteoriten. Auf dem grössten der Exemplare (von 
Welligton, South-Australia, South-East-District), deren Photographien 
mir Herr M o u 1 d e n aus Broken Hill zugesandt hat, sieht man 
zahlreiche rundliche Grübchen und auch grössere Figuren, die an die 
Höfchen der Billitonkugeln erinnern; sie scheinen mir jedoch in diesem 
Falle möglicherweise durch das Herauswittern entglaster Substanz ent- 
standen zu sein. 

Aus den Gestalten der australischen Bomben geht auf das un- 
zweifelhafteste hervor, dass dieselben in viel höherem Grade flüssig ge- 
wesen sind, als die europäischen ]\loldavite. Daher rühren die zahl- 
reichen Tropfenformen, bei denen der Luftwiderstand eine Veränderung 
der gesammten Gestalt durch Bildung des Randwulstes oder Ein- 
drücken einer flacheren Calotte hervorrufen konnte. Die Entstehung 
der Sanduhrformen hat bereits Walcott richtig erklärt; sie sind 
oft'enbar aus länglichen Bruchstücken durch Aufschmelzung hervor- 
gegangen, wobei eine heftige Rotation das Auseinanderschieben der 
Substanz gegen die beiden Enden und eine Verengung in der Mitte 
verursachte i). Man kann sich kaum denken, dass diese Formen sich 
bilden könnten aus vulkanischen Bomben, welche im flüssigen Zu- 
stande emporgeschleudert worden sind und im Fluge erstarrten ; 
vielmehr scheint es auch hier viel wahrscheinlicher, dass bei unregel- 
mässigen Bruchstücken im Fluge aufgeschmolzen, die Massen, je nach 
der ursprünglichen Gestalt zu Tropfen zusammengezogen oder zu 
Sanduhrformen gegen zwei Pole auseinandergeschoben wurden. W^al- 
cott nimmt an, dass auch durch das Auseinanderreissen solcher 



^) J. J. See hat in einer Studie über die Entstehung der Doppelsterne, 
die Sanduhrform oder das Jacobi'sche, nahe der Mitte eingeschnürte Ellipsoid, 
als eine Rotationsform einer ursprünglich ungleichförmigen Masse betrachtet. 
Die Einschnürungsstelle soll zuletzt infolge stärkerer Condensation beider Theile 
und beschleunigter Rotation zur Abschleuderungsstelle werden. Die nicht seltenen 
Doppelnebel sollen dieses Stadium der Trennung der Massen darstellen. T. J. J. See. 
Die Entwicklung der Doppelsterne. Inaug. Diss Berlin 1>93 (Auszüge in Fort- 
schritte d. kosmischen Physik für 1893.. S. 9, und von G. H. Darwin. Nature. 1893, 
March. 16. The Observatory, London 1893, pag. 172 u. a.). In ähnlicher Weise 
wird man sich vielleicht auch ein Auseinanderreissen der sanduhrförmigen Australite 
in zwei gesonderte Tropfen vorstellen können. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsan.stalt, 1900, 50. Band, 2. Heft. (Fr. E. Suess.) 44 



340 Dr. Franz E. Suess. [148] 

Doppelkeiileii in der schwächeren Mitte einzelne, vielleicht manchmal 
seitlich verzogene Tropfen oder Knopfformen entstanden sein konnten. 

In Bezug auf die Hohlkugel nahm Stelzner an, dass sie durch 
starkes Aufblähen einer schon ursprünglich vorhanden gewesenen 
Blase habe zustande kommen können. Die innere Masse des Glases 
ist keineswegs schaumig oder bimsteinartig, wie das häufig bei den von 
einer compacten Rinde umschlossenen vulkanischen Bomben der Fall 
ist (Brodkrustenbomben 1), sondern der Durchschnitt der Hohlkugel 
von Horsham (s. Fig. 47, S. 335) zeigt ein ganz compactes Glas 
mit glatter Innenwand. Ich glaube, dass man auch die Möglichkeit 
ins Auge fassen muss, dass das Gas erst im Fluge aus der Atmo- 
sphäre aufgenommen worden ist. Einzelne Bruchstücke des Glases 
konnten, im hohen Grade flüssig geworden, sich zu grösseren Fladen 
verzerrt haben, die wohl in den meisten Fällen gänzlich zerstäubt 
worden sein mögen, hie und da aber, wie das bei geschleuderten 
Lamellen von zähen Flüssigkeiten vorkommen soll, die widerstehende 
Luft umfassend, sich zu grösseren Blasen zusammengeschlossen 
haben ^). 

Aus dem Querschnitte des Exemplares von Horsham (Fig. 47) 
erhellt deutlich die ursprünglich gleichmässig runde Form der Blase. 
Die flache Calotte ist nur dadurch entstanden, dass das Material 
von der Stirnseite gegen die Ränder zurückgeschoben wurde, deshalb 
ist die Wand in der Polargegend sehr stark verdünnt. Die geringe 
elliptische Verlängerung der inneren Blase mochte hervorgerufen 
sein durch ein seitliches Zusammendrücken, verursacht durch die 
gegen die Ränder abströmende Luft. 

Mir scheint es am wahrscheinlichsten, dass die Aufschmelzung 
der australischen Bomben im Hemmungs punkte des Absturzes, 
als alle Energie in Wärme umgewandelt wurde, vielleicht in aus- 
nahmsweise hohen Regionen, erfolgt war, und dass sie ihre gegen- 
wärtige Gestalt erst im zweiten Theile des Absturzes, während des 
Falles durch die eigene Schwere erworben haben. Daher erklärt 
sich ihre bedeutende Verschiedenheit von den Gestalten der europäi- 
schen Moldavite, die trotz mancher naher Beziehungen doch sehr in 
die Augen fällt. 



') A. Bergeat, Die äolischen Inseln. Abhandl. der Akad. d. Wissensch. 
München XX. Bd. I. Abthlg. 1899. S. 185. 

-) Plateau (Sohn) beschreibt 1864 (Fortschritte der Physik) folgenden 
Versuch: .Mein Vater hatte mir aufgetragen, eine Flüssigkeit, die zur Darstellung 
von Lamellen benützt worden und von schlechter Beschaffenheit war, in un- 
seren Garten zu giesscn. Ich wollte versuchen, ob dieselbe, wenn man sie schief 
in die Luft schleudere, sich zu einem Laken ausbreiten würde. Wirklich erhielt 
ich ein solches, allein zu meinem Erstaunen sah ich dasselbe sich in eine hohle 
Blase von 8 bis 9 cm Durchmesser verwandeln, die langsam herabsank . . ." Die 
Blase war bedeutend grösser als die Hohlkugeln. 



[149] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 341' 



VII. Vergleiche und Versuche über Moldavitsculptur. 

Wenn im obigen Capitel die Sculpturformen der Tektite an- 
scheinend vielleicht zu ausführlich behandelt wurden, so mag dies 
seine Begründung finden in der im Wesentlichen gänzlichen Neuheit 
des Gegenstandes, der zugleich das ausschlaggebende Argument bildet 
für die in dieser Schrift vertretene Theorie. Die bei den meisten 
Stücken ungemein auffallend hervortretenden Merkmale der Moldavit- 
sculptur lassen sich unmöglich durch mechanische Abreibung oder 
Aetzung erklären. Bei dieser Annahme bliebe es vollständig unver- 
ständlich, wie die den einzelnen Flächen angepasste radialstrahlige 
Anordnung der Furchen zustande kommen, oder ihre Querstellung zu 
den Kanten, oder die für die Kugelflächen charakteristischen Grübchen- 
rosetten, welche sämmtliche Eigenheiten aus der Regel hervorgehen, 
dass die Furchen oder Kerben den stärksten Krümmungen der Flächen 
folgen. Durch sie werden selbständige, regelmässige Körperformen in 
regelmässiger Weise gezeichnet und kantige, unregelmässige Formen 
zu individualisirten Formen umgestaltet. 

Aehnliches findet sich nur wieder bei den durch Windwirkung 
geformten W ü s t e n s t e i n e n und bei den Meteoriten. In beiden 
Fällen sind es die Luftabs tröm ungslinien , welche den für 
diese Körper charakteristischen Rinnen oder Kerben, der Ueber- 
rieselung der Wüstensteine oder der Rindendrift der Meteoriten den 
Weg gewiesen haben. Dadurch kommen radialstrahlige Sculpturformen 
und eine [flächenweise Anpassung derselben zustande '). In beiden 
Fällen kommt der Angriff in Form zahlreicher gesonderter Angriffs- 
punkte zum Ausdruck, so dass zahlreiche einzelne Vertiefungen oder 
Grübchen entstehen, die dann wieder durch reihenförmige Anordnung 
oder strahliges, cascadenartiges Auseinanderströmen auf gekrümmten 
Flächen an die Sculpturen typischer Moldavitformen erinnern. 

Der Vergleich mit den Wüstensteinen ist freilich für die Molda- 
vite nur in noch beschränkterem Sinne verwertbar, als für die Meteo- 
riten. Naturgemäss ist der Angriff des Windes meist nur ein ein- 
seitiger und es wirkt derselbe häufig durch lange Zeiten in derselben 
Richtung, so dass schon dadurch der Einfluss der Flächenform auf 
die Sculptur nur theilweise zum Ausdrucke kommen kann. Ferner 
sind bei den meisten Wüstensteinen die Scuplturformen stark durch 
die Inhomogenität und die krystallinische Beschaffenheit des Materials 
beeinflusst, während bei den Moldaviten höchstens die schlierige 
Fluidalstructur eine ähnliche Rolle spielen kann. Die Ueber- 
rieselung unterscheidet sich wesentlich von den Moldavitfurchen 
dadurch, dass sie aus lauter langen, continuirlich sich verzweigenden 
Rinnen besteht, während die Sculptur bei den Moldaviten stets aus 
aneinanderaereiiiten einzelnen Schlägen oder Kerben zusammengesetzt 



^) V. Goldsclirai d t. lieber Wüstensteine und Meteoriten. Tschermak's 
Min. Mittlieilangen Bd. XIV, 1895, S. 131. 

44* 



342 



Dr. Fianz E, Suess. 



[150] 



ist. Es erklärt sich das leicht, wenn man bedenkt, dass die Ueber- 
rieselung auf eine ganz andere Weise, nämlich durch eine Art Erosion 
des über die Obertläche des Steines abfliessenden feinen Sandes, zustande 
kommt. Die den Moldavitsculpturen ähnlichsten Bildungen weisen noch 
solche Flächen auf, welche dem „Frontangritfe" (G o 1 d s c h m i d t) des 
Luftstromes ausgesetzt waren ; daselbst finden sich durch schärfere 
Kämme getrennte Gruben und Einbohrungen in Gruppen oder in längeren 
Reihen angeordnet, wie z. B. an dem in Fig. 48 abgebildeten Wiisten- 
steine, den mir Herr Dr. F. v. Kern er aus seiner Sammlung zur 
Verfügung gestellt hat. Aber auch beim Vergleiche solcher Stücke darf 
man nicht vergessen, dass in der Mehrzahl der Fälle die Anlage der 
Rippen zwischen den Gruben in dem Materiale, vielleicht in Form 






## '^Sfi' 



-^ 





Wüslensteiu (Kalkstein) von Djebel Bou Selioun, westlich von der Oase 
Nordrand der algieriscben Sahara. (Natürliche Grösse.) 



Lagliouat, 



härterer Adern im Gesteine vorbereitet war, und dass die Zertheilung 
der Kraftwirkung in einzelne Angi'itfsijunkte nicht, wie man es für einzelne 
Meteoriten und Moldavite wird annehmen müssen, ausschliesslich 
durch ein rein dynamisches Moment bedingt wird. 

Die Meteoriten zeigen je nach der chemischen Beschaffenheit 
und dem Grade des Sclimelzbarkeit sehr verschiedenartige Entwicklung 
der Oberfiächensculptur und bekunden dadurch den grossen Einfluss, 
den das Material auf die Entwicklungsform der Piezoglypten ausübt. 
Die Moldavite sind trotz ihres hohen Schmelzungsgrades im Ver- 
gleiche zu den künstlichen Gläsern doch in ihrer Eigenschaft als 
amorph erstarrte Lösung immer bedeutend leichter schmelzbar als 
die krystallisirten , feldspäthigen Steine. Deshalb wird man beim 
Vergleiche die am leichtest schmelzbaren Chondrite heranziehen 
müssen ; an diesen sind im allgemeinen die Piezoglypten am schönsten 
und deutlichsten entwickelt und man wird erwarten können, dass die 



[löl] nie Herkunft, der Moldavite und verwandter Gläser. 343 

Moldavite verwandte, aber noch extremer entwickelte Oberflächen- 
bildungen darbieten sollten. 

Unter den Stücken der Sammlung des k. k. natiirhistorischen 
Hofmuseums in Wien zeigen die Chondrite von Knyahinya in 
Ungarn die schönste Entwicklung der durch mechanische und calo- 
rische Einwirkung der comprimirten Luft entstandenen Näpfchen und 
Gruben. Sie sind im allgemeinen auf grösseren Stücken etwas grösser 
als auf kleineren Exemplaren; sie sind meist nicht so zahlreich, dass 
sie einander durchschneiden könnten, sondern sind einzeln auf den 
Flächen verstreut. Eine wohl entwickelte Schmelzrinde hat ein 
streifiges Aussehen, das etwas mehr hervortritt durch einzelne kleine, 
erhabene und verschwommene Leistchen, die in derselben Kichtung 
gestreckt sind, wie die gesammte Streifung, und von in den obersten 
Schichten eingestreuten , schwer schmelzbaren Theilcheu herrühren 
dürften. An einzelnen Stücken sind die Näpfchen sehr deutlich nach 
Art der Moldavitkerben verlängert, und zwar in demselben Sinne, 
wie die Rindendrift der Schmelzrinde ; ein Beweis, dass die Gestal- 
tung der Näpfchen unter dem Einflüsse der Luftabströmungsrichtung 
gestanden ist. An den Flächen einzelner mittelgrosser Stücke treten 
diese Näpfchen strahlig auseinander; sie sind jedoch keineswegs auf 
allen Flächen so gleichmässig vertheilt, wie bei den meisten Moldaviten. 

In noch höherem Masse sind die Näpfchen entwickelt an dem 
Seite 344 abgebildeten Chondriten von Slika (Fig. 49 a,h) in Bosnien; 
sie sind im allgemeinen stark verlängert und zum Theil zu wahren 
„A usbrenn ungscanälen" geworden, wie sie hochcomprimirtes 
strömendes Gas erzeugt, denjenigen vergleichbar, welche Daubree 
als Wirkung von Pulvergasen an den Zündstellen alter Geschütze 
beschrieben und abgebildet hat ^}. Die Gasmassen haben gerade ^vo 
sie in strömender Bewegung waren, an den Seitenflächen, viel stärker 
corrodirt als an der Stirne, wo sich der Luftpolster, den das Stück 
vor sich hergeschoben haben mag, nicht in demselben heftigen Be- 
wegungszustande befunden haben wird. Die scharfkantige Furchung 
der Seitenflächen erinnert zunächst auch an die Bildungen auf der 
Oberfläche mancher Wüstensteine, wie z. B. des als Fig. 48 abge- 
bildeten. Aber andererseits hat sie auch entschiedene Verwandt- 
schaft mit der Moldavitsculptur und besteht auch wie diese aus zahl- 
reichen gehäuften einzelnen Schlägen, die in ihrer Längserstreckung 
gemeinschaftlichen Hauptrichtungen folgen (vergl. z. B. Taf. III, Fig. 2, 
mit dessen Gestalt, nach den Abbildungen zu schliessen, auch der 
bekannte Meteorit von Ivrähenberg grosse Verwandtschaft zeigt. 
Goldschmidt 1. c. Taf. IV, Fig. 7, und Hai ding er, Sitzungsber. 
d. Akad. d. Wiss., Wien 1870, Bd. 61, S. 499). 

In anderer Hinsicht bieten die zahlreichen Stücke von Stanne rn 
aus der Sammlung des naturhist. Hofmuseums die schönsten Vergleichs- 
punkte mit den Äloldaviten. In höherem Grade als bei anderen Chon- 
driten ist die Schmelzrinde auf den Stücken von Stannern entwickelt; 
sie ist meistens sehr frisch erhalten und stark glänzend, nach Art 



^) A. Daubree. Synthetische Stadien zur Experimental-Geologie. Deutsch 
von A. Gurlt, Braunschweig, 1880, S. 508. 



344 



Dr. Franz E. Suess. 



[152] 



Fig. 49 a. 




Fig. 49 b. 






Fig. 49 ft, b. Meteorstein von Slika in Bosnien. 
(Nach Brezina,) 



[1531 Die Herkunft der Moldavite und verwandter Glaser. 345 

eines frischen Firnisses ^). Es ist freilich nur eine dünne Hülle von 
Glas, mit der die krystallinische Substanz überzogen ist; sie ist aus 
dieser durch sehr rasche Erhitzung hervorgegangen und gleicht daher 
den Sclimelzproducten, welche Blitzschläge an der Oberfläche krystal- 
linischer Gesteine hervorgebracht haben, und Daubree vergleicht 
das Glas der Schmelzrinde mit F u 1 g u r i t e n, mit denen F rank 
Rutley (Literatur Nr. 19) auch die Moldavite in chemischer und 
mikroskopischer Hinsicht verglichen hat. Die dünne Schmelzschichte 
wird vom Luftstrome stets abgeblasen, während sie ununterbrochen 
neu entsteht, so dass der Endzustand nur ein zufälliger Moment eines 
länger dauernden gleichmässigen Processes ist; infolge dessen kann 
die Schmelzrinde nicht über eine gewisse Stärke anwachsen. Bei den 
Moldaviten wird sich der Process in etwas anderer Weise vollzogen 
haben, indem sich von dem leichter schmelzbaren Glase nicht eine 
gesonderte Rinde abgelöst haben wird, die von dem Kerne im höchsten 
Grade verschieden war, sondern die dünnflüssige oberste Schichte 
wird allmälig in die etwas erweichte innere Masse übergegangen 
sein. Immerhin hat man es bei der Rinde der Stannern-Chondrite 
mit einem Glase zu thun und wir können erwarten, ähnliche Er- 
scheinungen zu sehen, wie bei den Moldaviten, welche sich ja im 
Sturze mit einer gleichen dünnflüssigen Schichte überzogen haben 
müssen. 

Die Schmelzkruste bildet ein gröberes oder feineres Netzwerk 
von scharfkantigen oder erhabenen Rippen, welches lebhaft erinnert 
an die Oberfläche solcher Moldavite, die mit einem Netzwerk poly- 
gonaler Näpfchen bedeckt sind, wobei die Maschen im Netze der 
Schmelzrinde den Näpfchen auf dem Moldavite entsprechen. (Vergl. 
z. B. die mittleren Partien der Figuren la und 4&, Taf. V, ferner 
Taf. VI, Fig. la; Taf. III, Fig. la u. a.) 

Oft äussert sich das Abfliessen des geschmolzenen Glases durch 
Verzerrung des Netzwerkes im radialen Sinne, die einzelnen Maschen 
sind auf den Flächen, dann besonders in der Nähe der Kanten radial 
verlängert und wo sich in der Nähe einer Kante die von zwei Flächen 
abfliessenden Luftströme trotten, schliessen die verzweigten Rippchen 
zu einer stärkeren einseitig überhängenden oder senkrecht auf- 
gestauten „Rindennaht" zusammen. Hochorientirte Stücke, bei denen 
man eine deutliche Brust- und Rückenseite unterscheiden kann, 
wie sie Haidinger zuerst ausführlich geschildert hat, gehören 
durchaus nicht zur Regel, sondern in den weit häufigeren Fällen sind 
alle Flächen eines Stückes ziemlich gleichmässig überrindet (Fig. 50, 
S. 349), und nicht selten sind die Rindensäume an allen Kanten 
zu sehen. Das beweist, dass sich die Stücke während des Falles in 
einer lebhafter Rotation befunden haben müssen. Wo radialstrahlige 
Rindendrift vorhanden ist, ist der Stern bald mehr, bald weniger 
central gelegen ; auf gekrümmten Flächen ist das Netzwerk oft ganz 
unregelmässig, ohne dass sich die Luftabströmung beobachten Hesse; 
manchmal wieder sind die einzelnen Rippen zu Schmelzsäumen zu- 



^) W. Haidinger Eine Leitform der Meteoriten. Sitzungsber. d. Akademie 
d. Wiss. Wien, uaturw. Cl., Bd. XL. 1860. S. 525. 



346 Dl"- Franz E. Siiess. [lö'l] 

sammengeflossen, die mit einseitiger Neigung sclmppenartig neben 
einander liegen; in anderen Fällen wieder gibt sich die allseitige 
Abströmmung dadurch kund, dass sich die radialen Rippen von den 
concentrisch gelegenen durch besondere Schärfe und gerade hervor- 
tretende Streckung auszeichnen. Die durch die Schmelzung erzeugte 
Kantenrundung bei Meteoritenbruchstücken bezieht sich nur auf die 
innere Masse, die nur von der calorischen Wirkung des Luftstromes 
beeinflusst wird, und nicht auf die Einzelheiten der Sculptur der 
glasigen Schmelzrinde ; hier sind häufig kleine Rippchen und Schmelz- 
säume von grosser Kantenschärfe zu sehen. In der Mehrzahl der 
Fälle haben sie aber allerdings ein mehr gerundetes und geflossenes 
Aussehen. 

Die glasige Rinde der Meteoriten von Stannern gleicht dem- 
nach der Oberfläche mancher Moldavite in Bezug auf die schwarze 
Farbe, den lebhaften Glanz und das Vorhandensein des Netzwerkes 
von erhabenen Rippen, zwischen denen sich kleine vertiefte Maschen 
befinden, und welches der Luftabströmung entsprechende Verzerrungen 
zeigt. Dagegen ist es merklich verschieden durch das Fehlen der 
eigentlichen Kerben, welche tiefer in die Masse eingreifen und z. B. 
auf den Meteoriten von Knyahinya oder auf dem abgebildeten Stücke 
von Slika zu sehen sind. Im übrigen ist die Sculptur auf den 
Moldaviten viel schärfer und gleichsam entschiedener entwickelt und 
hat nicht den zerflossenen Charakter, überdies fehlen den Moldaviten 
die eigentlichen Rindensäume. Die Unterschiede lassen sich leicht 
erklären, wenn man die grosse Verschiedenheit des Materiales ins 
Auge fasst und sie sind eben im wesentlichen darin begründet, dass 
bei dem leichter schmelzbaren Glase, das bei der Schmelzung allmälig 
vom zähflüssigen in einen honigartigen Aggregatszustand übergeht, 
von der Entstehung einer geschmolzenen Rinde, wie sie den krystal- 
linischen Kern der Stannern-Chondrite überzieht, gar nicht die Rede 
sein kann. Mechanische und calorische Wirkungen werden bei den 
Moldaviten nicht gesondert zum Ausdrucke gekommen sein, und nur 
anscheinend tritt die Wirkung der ersteren besonders auffallend 
hervor in Form von Einbohrungen oder Kerben, welche in eine auf 
grössere Tiefen erhitzte und zäh erweichte Schichte eindringen konnten. 

Um im Zusammenhange mit der Moldavitfrage das Verhalten 
einer homogenenen, amorphen Masse gegenüber den Angriffen von 
hochcomprimirten und erhitzten Gasen zu studieren, hatte Herr 
Generalingenieur Philipp Hess auf meine Bitte hin, die grosse Güte, 
einige diesbezügliche Versuche zu veranlassen. Anfangs war beab- 
sichtigt, die Versuche an Ghiskörpern durchzuführen. Es war aber 
nicht möglich, mit einfachen Mitteln auf diesem Wege zu einem Re- 
sultate zu kommen, da leicht schmelzbares Glas infolge seiner Sprödig- 
keit sich zu den Versuchen nicht gut eignete und auch die schwer 
schmelzbaren (iläser, selbst wenn sie vorgewärmt waren, nicht die 
gewünschten Resultate gaben. 

Es wurden dann einige Versuche an Blei vorgenommen, welches 
Metall bei normaler Temperatur nicht spröde, sondern weich und 
zäh ist und deshalb leicht Deformationen der Gestalt erleiden kann. 



[155] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 347 

Zunächst wurde versucht, durch wiederlioltes Anschiessen von 
Bleikörpern die Wirkung des Luftdruckes nachzuahmen ; da aber 
stets unverbrannte Pulverkörner mit herausgeschossen wurden, welche 
Vertiefungen im Metallkörper erzeugten, war eine einwandfreie Be- 
urtheilung der resultirenden Formen nicht möglich. Weiters wurden 
00 bis 100 Gramm brisanter Sprengstolie in Papierpatronen laborirt, 
auf Bleiplatten aufgestellt und mittelst Sprengkapseln zur Explosion 
gebracht. Die Patronen hatten einen Durchmesser von 30 rnm. Es 
entstanden dadurch tiefe, kreisförmige Aushöhlungen in den Blei- 
platten und neben radial verlaufenden Stauchungen und Auftreibungen 
des Äletalles waren noch deutliche, längere, kerbeuartige Eindrücke 
sichtbar, welche anscheinend durch den Druck der Gase bewirkt 
wurden. Um auch das Metall der Sprengkapsel zu eliminiren, welches 
auch Eindrücke hervorrufen konnte, wurde in einem Bleicylinder eine 
cylindrische Ausbohrung von 8 mm Durchmesser hergestellt uud darin 
loses Knallquecksilber zur Explosion gebracht; die Wirkung war im 
allgemeinen ähnlich, wie in den früheren Fällen. Das Blei war durch 
das Abfiiessen der Gase gestaucht und nach oben gezerrt worden ; 
die Innenfläche war im aligemeinen rauh, eigentliche Kerben sind 
jedoch nicht zur Entstehung gelangt. Die Wirkung der Explosivkörper 
sowohl, als auch das physikalische Verhalten des zähen Metalles ist 
offenbar sehr verchieden von den bei Entstehung der Moldavitsculptur 
massgebenden Momenten. 

Eine weitere Reihe von Versuchen wollte ich vornehmen an 
leichter schmelzbaren Körpern, die, einem heftigen Darapfstrahle aus- 
gesetzte Oberflächendeformationen liefern sollten. Nachdem von den 
Versuchen mit Boraxglas und Wachs kein entsprechendes Resultat er- 
halten wurde, wählte ich, auf den Rath des Herrn Professors E. Mach, 
Colophonium als ein Material, das in der Nähe seines Schmelz- 
punktes (circa 130o C.) allmälig vom spröden zum zäh erweichten und 
honigartigen Zustande übergeht und sich dann zu langen Fäden aus- 
ziehen lässt, und überhaupt in der Nähe seiner Schmelztemperatur 
ganz ähnliche Veränderungen des A g g r e g a t z u s t a n d e s 
durchläuft, wie die Gläser bei viel höheren Temperaturen 

Die Versuche habe ich unter freundlicher Mitwirkung meines 
Bruders Adolf in dessen Cementfabrik zu Witkowitz in Mähren 
ausgeführt. Es wurden verschieden geformte Körper von Colophonium 
gegossen und der Wirkung eines Dampfstrahles ausgesetzt, der durch 
eine Leitung einem Dampfkessel mit ca. 8 Atmosphären Druck und 
ca. 300*^ C. entnommen wurde. Die Leitung war verstellbar, so dass 
man den Dampfstrahl in verschiedenen Entfernungen senkrecht oder 
schief oder seitlich auf die Flächen strömen lassen konnte ; die Körper 
konnten auf einer Drehbank während der Beströmung in Rotation 
versetzt werden. Die AVeite des Dampfstrahles betrug 41/2 Zoll. In 
der Regel wurde klar durchsichtiger, trockener Dampf zur Anwen- 
dung gebracht. 

p]ine erste Reihe von Versuchen sollte die Flächenwirkungen 
des Dampfes und die Art und Weise, in der sich die Luftabströmungen 
abzeichnen, untersuchen, und eine zweite Versuchsreihe sollte den 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaiistalt 1900, 50. Band, 2. Uel't. (Fr. E. Siiess.) 45 



348 ^^i'- Fiauz E. Suess. [156] 

Verlauf der Luftabströmung über den Flächen kleinerer rotirender 
Körper prüfen. Für den ersten Zweck wurden kuchenförmige Körper 
von einem Durchmesser von 7-5 cm gegossen, deren eine, dem 
Dampfstrahle ausgesetzte Endfläche, flach kegelförmig mit der Spitze 
um ca. 5 cm gegen den Kand emporragte. 

Der kräftige, heisse Dampfstoss verursacht auf der Colophonium- 
fläche die sofortige Bildung einer dünnen Schmelzhaut, die von dem 
allseitig abströmenden Gasstrahle abgeschert wird und sich sogleich 
erneuert; man erhält bei der Beobachtung des Experimentes ein 
gutes Bild von dem Vorgange, der sich auf der Oberfläche eines 
abstürzenden Meteoriten vollzieht. Man sieht deutlich, wie die neu 
gebildete Schmelzhaut, wie vom Sturme gepeitscht, fortwährend 
blitzschnell abgestreift wird und sich erneuert, während das Stück 
merklich kleiner wird. Innerhalb gewisser Grenzen (ca. 3 bis 20 See.) 
hat die Dauer des Vorganges keinen Einfluss auf die bei der Unter- 
brechung erhaltene Sculptur, die nur den zufälligen letzten Moment, 
in dem die bewegte Oberfläche erstarrt ist, wiedergibt. Dagegen 
spielt die Entfernung der Mündung von der getroffenen Fläche eine 
ziemliche Rolle; waren beide bis auf 42cm auseinander gerückt, so 
wurden kleine Gruben in der matt rauhen und licht chocolade- 
braunen, aufgeschmolzenen Oberfläche erhalten; sie waren bei etwas 
längerer Dauer (5 bis 10 See.) sehr zahlreich mit sternförmiger An- 
ordnung und deutlichen Quetschungsrändern und sehr ähnlich den 
Vertiefungen, die Daubree durch Einwirkung der Sprenggase von 
Dynamit auf Stahlplatten erhielt. Ich glaube aber nicht, dass diese 
Colophoniumgrübchen verglichen werden dürfen mit den Grübchen 
mancher Moldavite, und es scheint mir w\ahrscheinlich, dass auf die 
Entfernung von 42 cm bereits eine theilweise Condensation des 
Wasserdampfes stattgefunden hat, so dass vielleicht die rein mecha- 
nische Wirkung der gegen die Fläche geschleuderten Tröpfchen diese 
Art von Gruben erzeugt hat. 

Die lehrreichsten Oberflächenformen wurden in Entfernungen 
von 10 bis 20 cm erreicht. Bei kurzer Einwirkung (ca 5 See.) ent- 
steht eine dünne Schmelzhaut in Form eines zartrippigen Netzwerkes, 
dessen Verzerrungen besonders die Streckungen der radialen Bippen 
deutlich eine nach allen Seiten auseinandergehende Luftabströmung 
darstellen. — Setzt man einen unregelmässig kantigen Colophoniumblock 
dem Dampfstrahle aus, so werden die Kanten sofort rund geschmolzen 
und über die Fläche zeichnet sich sofort das verzogene Netzwerk der 
Schmelzrinde mit Schmelzsäumen an den Kanten ; kurz, man erhält ein 
getreues Abbild eines Meteoriten von Stannern (Fig. 51), das sich nur 
insoferne der Moldavitsculptur nähert, als die einzelnen Bippen scharf- 
kantiger und die Maschen des Netzwerkes zu flachen Mulden vertieft 
sind. Das rührt offenbar von der homogenen Beschatfenheit des 
Colophoniums her, welche den einzelnen Gaswirbeln gestattet, durch 
die bewegte geschmolzene Schichte hindurch bis auf die innere 
Masse zu bohren. Bei längerer p]inwirkung oder wenn man die Ober- 
fläche ein wenig vorwärmt, nähert sich das Bild noch mehr dem 
einzelner mährischer Moldavite; die einzelnen Gruben werden grösser 
und mehr in die Länge gestreckt und in ihrem Grunde häufig faltig 



[157] 



Die Herkunft der Moldavite'und verwandter Gläser. 



349 



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Dr. Franz E. Suess. 



[158] 



(Fig. 53) ; die gesclimolzene Masse iiuterscheidet sich meistens diircii 
etwas lebhafteren lackartigen Glanz von den übrigen Flächen und ist 
hin und wieder auch in der Farbe unterschieden. Daraus kann man 
erkennen, dass häufig die geschmolzene Schichte thatsächlich zerrissen 
wird und die bohrende Wirkung auf die innere, dunklere Masse durch- 
greift, ohne dass eine Verschiedenheit der Sculptur in den beiden 
verschieden gefärbten Substanzen zu bemerken wäre. 

Bei noch längerer Einwirkung (ca. 50 See. bis 1 Min.) oder wenn 
man die Stücke bis zum Aufschmelzen vorwärmt, weicht die Er- 
scheinung wieder mehr von der Moldavitsculptur ab. Der Gas- 
strom ist offenbar nicht kräftig genug, die ganze geschmolzene Masse 

Fig. 52. 








Moldavitälinliche Sculptur, erzeugt auf Lolo[)nonium ; der Dampfstrahl wirkt nicht 
ganz central durch 40 See. ohne Rotation der Scheibe. Natürliclie Grösse. 



ZU entfernen und so entsteht eine Art erweichter Polster, in dem 
sich sehr grosse und breite Gruben, mit weniger scharfknntiger Um- 
grenzung und von mehr geflossenem Aussehen, einzeichnen. 

Wieder anders gestaltet sich das IMiäuomen, wenn die Mündung 
des Dampfrohres ganz nahe (4 cm) an die Colophoniiimfläche (ohne 
Vorwärmen) herangerückt wird. Die Schmelzhaut wird dann sehr 
dünn und lebhaft lackartig glänzend und hat ein geglättetes Aus- 
sehen ; die Rippen sind durchaus nicht mehr scharfkantig, sondern 
ganz flach wellig, und besonders stark treten die regelmässig gerad- 
linigen Radialrippen hervor, zwischen denen die Querrippen nur 
unterbrochene Wellenlinien bilden. Die Oberfläche ist dann ent- 



[159] 



Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 



351 



fernt ähnlich einer vergröberten und vergrösserten Rindendrift mancher 
glatteren Meteoritenformen. 

Wird die Colophoniumfläclie senkrecht und central angeblasen, 
so eriüllt man eine regelmässige Sternfigur, und es rührt wohl von 
dem kleineren Durchmesser der Mündung des Dampfrohres her, dass 
die Gruben der erhalteneu Sterne in der JMitte grösser waren als an 
den Rändern, weil daselbst der Dampfstrom, noch etwas enge zu- 
sammengedrängt, eine stärkere Wirksamkeit besitzt. Selir schön 
regelmässig wird der Stern, wenn man die Scheibe während der Be- 
strahlung rotiren lässt (ca. 150 Touren per Minute) ; er liegt dann 

Fiff. 53. 




Versuch an Colophouiiim. Mündung des Dampfrohres auf 22 cm au die Scheibe 

herangerückt, welche mit 150 Touren i)er Minute rotirte. Dauer der Einwirkung: 

20 Secunden. Natürliche Grösse. 



genau central und zeigt natürlich ebenfalls in der Mitte die grösseren 
Gruben (Fig. 53\ Eine Spirale Krümmung der einzelnen Strahlen 
des Sternes ist nicht zu bemerken, offenbar weil die Geschwindigkeit 
des Dampfstosses sehr bedeutend ist im Vergleiche zur Drehungs- 
geschwindigkeit, dagegen sieht man stellenweise sehr deutlich, dass 
ältere strahlige Grübchenreihen von jüngeren abgeschnitten werden. 
Eine Erscheinung, die an den Kerbenreihen der Moldavite auch nicht 
selten beobachtet wird. (Vergl. z. B. Taf. V, Fig. bh). Die Grübchen-, 
reihen erinnern übrigens lebhaft an die viel kleineren Bildungen 
der Innenfläche des Scherbens Taf. VI, Fig. 4/>. 



352 



Dr. Franz E. Saes3 



[160] 



Es ist unwahrscheinlich, dass die Moldavite während des Fluges 
einem fiächenweisen Angriffe ausgesetzt waren, wie er in den eben 
beschriebenen Versuchen zum Ausdruck kommt. Vielmehr muss man 
annehmen, dass die scheibenförmigen Stücke, mit der Kante voran 
sich fortwährend drehend, geflogen sind, ähnlich wie ein geschleuderter 
Discus. Eine Rotation wird unbedingt erfolgen müssen ; einerseits 
wegen der unregelmässigen Impulse, welche die Scherben beim Zer- 
springen erhalten haben, und andererseits infolge der fortwährenden 
Verschiebung der Schwerpunktlage, die aus der Formveränderimg 
der Stücke durch theilweise Abschmelzung hervorgeht. Um die Mög- 

Fiff. 54. 




Versuch an Colophonium. Mündung des Dampfi obres in 21 cm Entfernung; der 

Strahl trifft die Scheibe unter einem Winkel von ^0". Rotation 150 Touren per 

Minute. Dauer der Einwirkung: 20 Secunden. Natürliche Grösse. 



lichkeit der Entstehung von Sternformen unter diesen Bedingungen 
zu prüfen, wurden die Colophoniumfläciien seitlich von der Kante her 
angeblasen, so dass der Dampfstrahl nahezu parallel der Ebene war 
(Fig 54). Besonders lehrreich waren in dieser Hinsicht die Versuche 
an kleineren linsenförmigen Colophoniumkörpern, die an einem Holz- 
stiel angeschmolzen, in der Drehbank in Rotation versetzt (ca. 150 
per Minute) und von einem den Hauptflächen i)arallelen Dampfstrahle 
von der Kante her angeblasen wurden '). Es ergaben sich auf beiden 

') Die meisten der kleineren Modelle sind leider beim Erkalten vom Holz- 
stiele abgesprungen. 



[1611 r*'6 Ilerkuuft der Moldavite und verwandter Gläser. 353 

Seiten gleichartige sternförmige Zeichnungen ; u. zw. war, ebenso wie 
bei den Moldavitscherben (vgl. Taf V, Fig. 46; Tat". IL Fig. 2a; Taf. V, 
Fig. In; T«f. VI, Fig. 1«), die Zeichnung am Rande gröber und deut- 
licher in der radialstrahligen Anordnung und gegen die Mitte zu bildete 
die Schmelzkante ein unregelmässiges Netzwerk. Genau so verhielten 
sich auch halbkugelige Körper, bei denen der Angriff parallel der 
kreisförmigen, ebenen Flache erfolgte. Sowohl auf der Halbkugel, als 
auch auf der ebenen Fläche entstand je eine Sternzeichnung, mit 
senkrechtem Verlauf der Rippen gegen die Kante und vollkommen 
gleichartiger Ausbildung der Sculptur auf beiderlei Flächen. Auch 
in diesen Fällen war eine spirale Zeichnung der Sculptur nur un- 
deutlich oder gar nicht zu beobachten. 



Fiff. 55. 




Rechteckig prismatischer Colophoniumkörper auf Holzstiel. Der Dampfstrahl wirkte 
in 20 cm Entfernung, während das Pi'isma in einer zur Stossrichtung senkrechten 
von links nach rechts (150 Touren per Min.) gedreht wurde. Dauer 15 Secunden. 
Auf den Prismenflächen sind gegen den Rand verschobene Sterne und Gruben 
entstanden. Das obere Drittel des Prismas ist abgebrochen. Vergrösserung: 3:2. 

Um zu prüfen, ob sich auf verschiedenen Flächen durch Drehung 
vor dem Dampfstrahl Sternzeichnungen bilden können, wurden recht- 
eckig prismatische Formen gegossen und an einem angeschmolzenen 
Holzstiele theils nach der kürzesten und theils nach der längsten 
Axe in einer der Richtung des Dampfstrahles parallelen Ebene ge- 
dreht. In der That war ein strahlenförmiges Auseinanderströmen der 
Luft auf den einzelnen Flächen zu beobachten, doch war der Mittel- 
punkt des Sternes gegen diejenige Kante der einzelnen Flächen ver- 
schoben, welche sich bei der Drehung dem Dampfstrahle entgegen be- 
wegt hat (Fig. 55). Es erklärt sich das leicht durch die einfache Ueber- 
legung, dass sich während der Drehung die Abströmungsfigur ver- 
schoben haben muss, u. zw. zuletzt, im zweiten Theile der Drehung, 



354 I>i-- Franz E. Siiess. [162] 

einer Fläche von der sich entfernenden zu der sich nähernden Kante 
gerückt sein wird. Bei den Moldaviten, welche in viel unregelmässigerer 
Weise und nach verschiedenen p]benen rotirt haben, wird man natür- 
lich solche seitliche Verschiebungen schwer nachweisen können. Wenn 
man die Gestalt in zwei oder drei Ebenen zugleich rotiren Hesse, 
so könnte man wahrscheinlich ziemlich regelmässige Abströmungs- 
figuren auf allen Flächen erzielen. Auf solchen Flächen sind wahre 
Einbohrungen und Vertiefungen, mit und ohne Quetschungs- 
rändern, durch den Gasdruck entstanden, was bei den in der Front an- 
gegriffenen Flächen nicht mit Bestimmtheit behauptet werden kann. 
Die Erklärung dafür gibt vielleicht die als Fig. 56 abgebildete 
Fläche. Es ist diejenige Fläche eines Prismenbruchstückes, in dessen 
Ebene (zu einer darauf senkrechten Axe) das ganze Prisma rotirt hat, 
während der Anprall des Dampfes in einer zur Rotationsebene (d. i. 
zur Ebene, in der die Abbildung liegt) parallelen Ilichtung erfolgt 
ist. Die abgebildete Fläche lag demnach im Halbschatten des Dampf- 

1 l?r. 56. 




Versuch an Colophoniiim. Fläche eines rotirten Prismenbruchstückes, im Halb- 
schatten der Wirkung des Dampfstrahles, mit Kerbcnbildiing. Vergrösserung: 3:2. 

Stromes. Auf den vier dem Dampfstrome ausgesetzten Flächen haben 
sich dünne, hell chocoladebraune Schmelzschichten mit seitlichen Ab- 
strömungsfiguren (ähnlich Fig. 55) gebildet; an den liändern hing 
die geschmolzene Masse ein wenig über, in Form eines Kanten- 
saumes. Die abgebildete Fläche zeigt dagegen die Farbe der unge- 
schmolzenen Masse und wird von zahlreichen länglichen, kerben- 
artigen Furchen gequert, welche, abgesehen von ihren eigenartigen 
Anordnungen, noch von allen bei den Experimenten beobachteten 
Sculpturen die grösste äussere Aehnlichkeit mit den eigentlichen 
Moldavitkerben besitzen. Es scheint demnach der rasch bewegte, 
seitlich über die Fläche streichende G a s s t r o m eine 
noch grössere e r o d i r e n d e K r a f t zu besitzen, a 1 s d e r a u f 
d i e F 1 ä eben senkrecht auffalle n d e ; in letzterem Fal le, wo 
fast nur die Druckwirkung zur Geltung kommt, setzt sich der grösste 
Theil der Energie in Wärme um; an der seitlich bestrichenen Fläche, 
wo in erster Linie aber Bewegung herrscht, wird die mechanische 
Arbeit geleistet. Der Fig. 49 ah abgebildete Meteorit von Slika zeigt 



[163] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 355 

eine ähnliche Erscheinung ; es scheint auf der kleinen, glatten, rund- 
lichen Stirnfläche haui»tsächlich Abschmelzung stattgefunden zu haben, 
während die eigentlichen Ausbrennungscanäle in der Richtung derLuft- 
abströmung an den Flanken zur Entwicklung gekommen sind. Damit 
stimmen die Beobachtungen von Daubree überein, über die besonders 
grosse Erosionskraft von bewegten, durch enge Röhren aus- 
strömenden Gasen. Scheibenformen von Colophonium, die genau 
senkrecht zur Rotationsebene in etwas grösserer Entfernung (20 bis 
80 cm) angeblasen werden , haben demnach auch Kerben ergeben, 
welche den Moldavitkerben sehr ähnlich sind (Fig. 57). 

Der Wechsel des Bestrahlungswinkels während der Drehung 
wird demzufolge ebenfalls die Entstehung von Einbohrungen be- 
günstigen (Fig. 56). An allen Kanten der bei Drehung bestrahlten 
Stücke befinden sich Schmelzsäume oder -nähte, ebenso wie bei den 
Meteoriten von Stannern. Bei den Moldaviten, bei denen überhaupt 
die Kerbenbildung eine viel tiefergehende war, sind solche Schmelz- 
säume nicht zu beobachten; die Wirkung war ohne Zweifel im Ver- 

Fig. 57. 




Kerben, entstanden am Rande einer rotirenden Colophoniumsscheibe, der Dampf- 
strahl wirkte auf die Kante parallel der Rotationsebene. Vergrösserung: 2:1. 

hältnis zur Schmelzbarkeit der Substanzen eine viel zu energische, als 
dass zarte Schmelzräume bei der ständigen Rotation und Pormen- 
veränderung der Körper hätten erhalten bleiben können. 

Eine der Gouffrirung oder Fiederung der böhmischen 
Moldavite ähnliche Erscheinung entsteht, wenn man den Dampfstrom 
aus ziemlicher Entfernung (ca. 50 cm) nur momentan auf die Colo- 
phoniumfläche wirken lässt; dann überzieht sich der Körper mit einer 
sehr dünnen Schmelzschichte, auf der man die zarte Sculptur und 
Radialstrahligkeit fast nur unter der Lupe wahrnehmen kann. 

Auf denjenigen Flächen, welche durch Rotation in verschiedenen 
Winkeln bestrahlt wurden, ist die geschmolzene Schicht in verschiedener 
Weise oft in kleinen örtlichen Stauungen auseinander geschoben 
worden ; hie und da sind dann Figuren zustande gekommen, welche 
entfernt an die Furchenrosetten der Kugelflächen und der australischen 
Hohlkugel (Taf. VIII, Fig. 1) erinnern. Auf den Basisflächen von halb- 
kugeligen Colophoniumkörpern, welche unter Drehung auf einem Holz- 
stiel seitlich bestrahlt wurden, sind die Wirkungen des vom Stiele 
reflectirten und des von aussen entgegenfliessenden Stromes zu sehen ; 
es sind dadurch feingefiederte kreisförmige Schmelznähte entstanden, 

Jahi-buch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1900, 50. Band, 2. lieft (Fr. E. Suess.) 46 



356 r^r- Franz E. Suess. [164] 

welclie in ihrer feinen FiederMtelung lebhaft erinnern an die gefiederten 
schmalen Streifen unter dem überhängenden Randwulste der austra- 
lischen Hohlkugel (Taf. VIII, Fig. !(/); die letzteren sind offenbar auf 
ganz ähnliche Weise entstanden und weisen so wie manche andere 
Eigenschaften durch ihre Regelmäsigkeit auf eine lebhafte Rotation 
hin, in der sich der Körper befunden haben muss. 

Die Experimente haben demnach das für die Moldavitfrage sehr 
wichtige Resultat ergeben, dass sich die Luftabströmungslinien auf 
einem unter dem Angriffe des Gases aufschmelzenden Körper in 
einer den Moldavitsculpturen ähnlichen Weise abzeichnen. Das an- 
prallende Gas strömt anscheinend gegen die Kanten in Form von 
Ketten sich überstürzender wirbelartiger Strömungen, vielleicht 
Strahlentiguren bildend, ähnlich denjenigen, die man beim Einströmen 
einer Flüssigkeit in eine zweite von verschiedener Dichtigkeit und 
gegen ein querstehendes Hindernis beobachtet. Nur muss man sich 
an Stelle eines einzelnen Strahles ein ganzes Bündel dicht gedrängter 
Strahlen denken, welche die Wirbel mehrfach wiederholen. Wie 
bei einem Windstosse über eine ebene Wasserfläche die ersten 
Unebenheiten durch die geringen Ungleichförmigkeiten der Masse 
hervorgerufen werden , welche dann örtliche grössere Widerstände 
und die Emporstauung der grösseren Wellen hervorrufen, so wird 
auch auf der rasch schmelzenden Oberfläche im ersten Augenblicke 
nur eine geringe Rauhigkeit der Oberfläche bewirkt, welche sich 
aber sehr bald in eine stark bewegte Masse umsetzt, in der ein- 
zelne localisirte Gaswirbel entstehen, welche tiefe, sich mit der 
Masse fortschiebende Kerben und Reihen von Kerben einzeichnen. 
Die Eindrücke verschieben sich fortwährend während des Vorganges 
und das erhaltene Bild ist nur das eines erstarrten Momentes. Die 
Rippen zwischen den Kerben können, wenn die Masse nicht zu stark 
aufgeschmolzen ist, sehr scharfkantig sein. (Fig. 53.) Die Einbohrungen 
können durch die fliessende Schichte hindurch bis in die erweichte 
darunter liegende Masse eindringen ; unter Umständen, namentlich wenn 
der Luftstrom ziemlich parallel über eine Fläche streicht, können 
Kerben entstehen, welche nicht von einer Schmelzschichte überdeckt 
sind (s. Seite 354). Die Luftabströmungslinien gehen quer über die 
Kanten ^) und auf den Flächen entwickeln sich mehr oder weniger 
deutliche Sternformen. Die Sternformen können auf verschiedene 
Weise zustande kommen, und zwar entweder durch direct senkrechte 
Bestrahlung bei Stillstand oder Rotation der bestrahlten Fläche, oder 
auch durch seitliche Bestrahlung, während die Fläche in der Ebene 
der Bestrahlung rotirt; auf flach linsenförmigen Körpern entstehen 
auf diese Weise beiderseits symmetrische Sterne, welche 
noch die Eigenschaft mit den Sternbildungen der schaligen Moldavit- 
bruchstücke gemeinsam haben, dass sie gegen die Kante deutlicher 
sind, gegen die Mitte der Flächen aber nur ein unbestimmtes Netz- 
werk von Rippen bilden. Durch die Annahme, dass die Scherben 

') L. Mach. Ueber die Sichtbarmachung von Luftstromlinien. Zeitschrift 
für Luftschiffahrt und Physik dor Atmosphäre. Berlin. Jahrg. XV. 1896, S. 129. 



[165] Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 357 

während des Falles rotirend sich gemäss dem geringsten Luftwider- 
stande stellen, und gleich einer geworfenen und rotirenden Discus- 
scheibe mit den Kanten die Luft durclischneiden, wird in vortreff- 
licher Weise die für die meisten dieser Körper liöchst bezeichnende 
Gleichartigkeit der S t e r n b i 1 d u n g auf beiden Flächen 
erklärt. (Vergl. z. B. Taf. V, Fig. 1, 4 und 5 und Taf. VI, Fig. 3 u. a.) 
Aber auch die beiderseitigen Verschiedenheiten der Sculptur 
an vielen gewölbten, und namentlich rinnenförmigen Stücken finden 
auf demselben Wege ihre Erklärung. Man vergleiche z. B. Fig. 2 a, b 
auf Taf. VI; die starke Concavität gestattet bei der Drehung um 
die kürzere Axe dem Luftstrome nur an einer Stelle den Eintritt, 
in dem Momente, in welchem die Längsaxe des Stückes mit der 
Flugrichtung zusammenfällt. Der Luftstrom muss der Rinne folgen, 
während er in dem Augenblicke der Querstellung in die lÜchtung 
quer auf den Kamm gewiesen wird und daselbst tiefe Einrisse 
erzeugt. (Vergl. auch Fig. 24 und 25, Seite 301.) Wird die Wölbung 
flacher, so werden auch die Gegensätze beider Flächen schwächer, 
wie z. B. bei den dünnen Scherben Fig. 4 a, b, Taf. VI. Hier fand 
der Luftstrom seinen Eintritt auf die concave Fläche (Fig. 4 6) an 
der geradlinig abgebrochenen Kante und erzeugte die Grübchenreihen, 
welche so sehr an die experimental erzeugten Luftabströmungsfiguren 
auf der Colophoniumfläche Fig. 54, Seite 351 erinnern. Ist die Innen- 
fläche noch weniger gewölbt, so verschwinden die Gegensätze noch 
mehr und sind oft kaum merklich nachzuweisen. (Taf. VI, Fig. la-c 
und Taf. V, Fig. 1 a, b.) Die Entstehung der Fiederstellung der 
Furchen ist ebenfalls nach demselben Grundsatz unschwer zu deuten, 
wenn man z. B. das auf Taf. II, Fig. 3 abgebildete Exemplar ins 
Auge fasst, welches die Erscheinung in vollkommenster Weise zeigt. 
Im Momente, als die Pfeilspitze mit der Flugrichtung zusammenfiel, 
strömte die erhitzte Luft vom zugeschärften Ende her der Länge 
nach über die beiden Breitflächen und erzeugte die beiderseitigen 
mittleren Furchengruben, und in der Querstellung strömte die Luft 
quer über die Bänder und wurde in die beiden schmäleren Gruben 
auf der convexen Wölbung zusammengedrängt. So wird man sich bei 
den meisten Stücken mit Sculpturen mittleren Grades die Furchen- 
vertheilung leicht zurechtlegen können; und selbst wo keine bestimmte 
Anordnung der Furchen zu bemerken ist, wie z. B. bei der Zapfen- 
form Taf. IV, Fig. 3, wegen Mangels an besonders individualisirten 
Flächen, stimmt die Erscheinung am besten mit der Annahme einer 
fortwährenden Drehung des Stückes während des Absturzes i). 



*) Bekanntlich wird von vielen Physikern angenommen, dass ein stark 
abgeflachter Körper im Abstürze sich mit der Fläche in die Richtung des grössten 
Luftwiderstandes stellt (Thomson und Tait. Handbuch der theoretischen Physik. 
Uebersetzung von Helmholtz und Wertheim 1871, Bd. I, § 336) und es wird 
hierauf auch die Ausbildung einer Stirn- und einer Riickenseite bei vielen Meteo- 
riten zurückgeführt. Ein rotirender Körper bleibt dagegen in seiner Lage constant, 
und es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass beim Abspringen der Moldavit- 
scherben Rotationen zustande gekommen sind. Ueberhaupt ist das Problem noch 
nicht vollkommen geklärt; namentlich was die Lage der Körper bei Fall- 
geschwindigkeiten betrifft, welche den Elasticitätscoefficienten der Luft überschreiten. 

46* 



358 Dr. Franz E. Suess. [166] 

Unter den bisher bekannten g e s t a 1 1 e n d e n V o r- 
gängen in der Natur ist kein zweiter, der imstande 
wäre, S c u 1 p t u r e n mit denselben M >3 r k m a 1 e n zu er- 
zeugen. 

Von Experimenten, welche mit noch vollkommeneren Mitteln 
unternommen werden, wird man erwarten dürfen, dass es gelingen 
wird, die Erscheinung der Moldavitsculptur in noch ähnlicherer Weise 
nachzuahmen, so dass man auch unter Umständen vereinzelt stehende 
Kerben oder Einbohrungen in Bruchstücken oder Rotationskörpern 
erhält. Bei mannigfacher Drehung wird man vielleicht eine ebenso 
enge Anpassung der Kerben an die Gestalt erhalten und vielleicht 
auch die für die Kugelflächen charakteristischen „Furchenrosetlen" 
erzeugen können, deren Entstehen man sich aber immerhin bereits nach 
bisherigen Erfahrungen im allgemeinen zurechtlegen kann (S. 277). 
Auch diese kugeligen Körper müssten sich in lebhafter Rotation 
befunden haben. 

Diese letzterwähnten Vergleiche, welche die Anordnung der 
Kerben mittlerer Sculpturgrade erklären, lassen sich aber nicht mehr 
anwenden auf die gezerrten Formen bei denen die Sculptur bis zur 

Fig. 58. 




Zarteste Sculptiir, erzeugt auf einer vorerwärmten Colophoniumfläche durch 
momentane Einwirkung des Dampfstralile?. Vergrösserung: 2:1. 

Fiederung und Gouffrirting herabsinkt (vergl. Taf. VI, Fig. 6 und 7, 
die australische Hohlkugel Taf. VIII, Fig: 1 u. a.). Die zarteste 
Sculptur gleicht derjenigen, die bei den während der Bestrahlung 
gedrehten Colophonium -Prismen erhalten wurde (Fig. 55, S. 353). 
Die in Fig. 58 vcrgrössert dargestellte allerfeinste Sculptur wurde 
erhalten, indem die vollkommen glatte Oberfläche eines bis zum 
zähen erweichten, erhitzten Colophoniumkörpers nur während eines 
Augenblickes dem Dampfstrahl ausgesetzt wurde; die Mündung des 
Dampfrohres war 40 cm entfernt. Ivs erzeugt demnach die kürzeste, 
schwächste Einwirkung auch auf erweichten Massen die zartesten 
Sculpturen. Ich glaube demnach, dass man für die „Fladenformen", 



[167] 



Die Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 



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360 Dr- Franz E. Suess. [168] 

für die „gouffrirten Vorhänge" und auch für die spiral gedrehten 
Formen (Taf. VII, Fig. 1 und 8) die besten Analogien gewinnt, wenn 
man sich vorstellt, die Gestalten fiadenförmiger und gedrehter, vul- 
kanischer Auswürflinge wie Fig. 59 und 60 wären, statt mit den 
Blasen der durchaus schlackigen ]\Iasse, mit der zarten Sculptur der 
betreffenden Moldavite überzogen und bestünden aus compactem 
Glase. Solche vulkanische Auswürflinge zeigen ebenfalls die iiudiale 
Streckung in der Längsrichtung und den mehrfachen geradlinigen Quer- 
bruch, der vielen gezerrten und gestreckten Moldaviten eigen ist. 

Trotz allem kann ich nicht leugnen, dass sich noch gar manche 
dunkle Punkte in der grossen Mannigfaltigkeit der Moldavitsculpturen 
befinden, deren Deutung ich nur als Vermuthung aussprechen konnte. 
Eine der wesentlichsten Fragen ist die nach dem Grade der Ver- 
flüssigung der Massen und nach der Abhängigkeit der Sculpturform 
von dem Grade der Aufschmelzung. Was die australischen Stücke 
betrifft, kann, wie aus den Rotationsformen zu erkennen ist, kein 
Zweifel bestehen, dass sie von allen moldavitartigen Gläsern den 
höchsten Grad von Fluidität erreicht hatten. Die Billitonite haben 
sich aller Wahrscheinlichkeit nach in einem zähflüssigen Zustande 
befunden (siehe S. 325). In Bezug auf das Verhältnis zwischen 
den böhmischen und den mährischen Vorkommnissen habe ich früher 
aus der unvergleichlich stärkeren Corrosion der ersteren geschlossen, 
dass sie einen längeren Weg in der Atmosphäre zurückgelegt haben 
dürften 1). Ich muss jedoch gestehen, dass die Ergebnisse der Ex- 
perimente am Colophonium meine erste Auffassung erschüttert haben, 
da es sich gezeigt hat, dass mit zunehmender Erwärmung und Dauer 
der Erscheinung die Furchen nicht zahlreicher, sondern immer breiter 
und grösser werden. 

Die böhmischen Exemplare sind trotz zahlreicher, rundlicher, 
massiger Stücke doch der grossen Mehrzahl nach schalige und 
scherbenartige Bruchstücke mit hochgradig zerhackten Kanten und 
oft sehr feiner Sculptur; aber auch bei stärkster Corrosion kann 
man oft noch deutlich sehen, dass man es mit einzelnen schaligen 
Bruchstücken zu thun hat (vergl. Beispiel Nr. 29 und 31). Einzelne 
Stücke sind gewiss während des Falles theilweise flüssig geworden 
und haben sich zu fladenartigen oder gedrehten Gestalten umgeformt, 
die theilweise mit vulcanischen Auswürflingen verglichen werden 
können. Gerade diese Stücke zeigen oft die zarteste Sculptur. 

Am westlichsten Fundpunkte des mährischen Fundgebietes bei 
Slawitz finden sich die typischen, im ersten Abschnitte behandelten 
Kernstücke. Es sind stets unregelmässige, zum Theil schalige 
Bruchstücke, mit ungleich stark gegrubten Flächen, die verschieden 
lange Zeit dem Angriffe der Atmosphäre ausgesetzt waren. Ihre 
Kanten beweisen, dass sie sicher noch im starren Zustande in der 
Luft zersprungen und zur P^rde gelangt sind. (Siehe die Kärtchen 
Fig. 1 und 2, Seite 218 und 223.) 



») Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1898, S. 403. 



ri69] I^ie Herkunft der Moldavite und verwandter Gläser. 361' 

Zwischen den Ortschaften Skrey und Dukowan im Osten des 
ganzen Gebietes finden sich auf den Feldern nebst einzehien schaligen 
Bruchstücken die instructivsten Formen, bei denen die Anpassung 
der Sculptur an die Gestalt am vollkommensten zu beobachten ist, 
nämlich diejenigen Typen, welche ich als die Gruppe der selbstän- 
digen Körper zusammengefasst habe. Ihre Sculptur ist stets 
gröber als die der böhmischen Bruchstücke, und nach den Ergeb- 
nissen der Experimente müsste man annehmen, dass sie in höherem 
Grade erweiciit worden sein müssten als jene;