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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 




LV. BAND 1905. 

Mit 17 Tafeln. 



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Wien, 1905. 

Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

In Kommission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandhing 
I. Graben 31. 



Die Autoren allein sind für den Inhalt ihrer Mitteilungen verantwortlich. 



Inhalt. 



•Seite 

Personalstand der k.k. geologischen Reichsanstalt (20. August 1905) . . VI 



Heft 1. 

Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. (Zone 20, Kol. III der 
österr. Spezialkarte.) Von Dr. W. Hammer. Mit einer Tafel (Nr. I) 
und 4 Profilen im Text 1 

Säugetierreste von Wies. Von A. Hof mann. Mit einer Lichtdrucktafel 

(Nr. II) 27 

Aus dem Devon- und Kulmgehiete östlich von Brunn. Von Dr Franz E. S u e s s. 

Mit einer Kartenskizze und 4 Figuren im Text 31 

Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch der Congerienschichten 
der Wiener Bucht. (Pelamycybium [„Sphyraenodus"] sinus vindobonensis 
n. gen. et n. sp.) Von Franz T o u 1 a. Mit einer lithographischen 
Tafel (Nr. III) und 11 Textillustrationen 51 

Zur Geologie von Nordalbanieu. Von Dr. Franz Baron Nopcsa. Mit einer 
geologischen Übersichtskarte (Tafel Nr. IV) und 20 Zinkotypien im 
Text 85 

Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. Von R. J. 

Schubert 153 



Heft 2. 



Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. Von Prof. Eberhard Fugger 

in Salzburg. Mit 4 Zinkotypien im Text 189 

Über das jüngere Paläozoicum an der böbmisch-schlesischen Grenze. Er- 
widerung an Herrn Dr. W. Petrascheck von Dr. A. Schmidt, 
J. Herbing und K. Flegel 217 

Geologische Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 
(Vorarbeiten für eine in Vorbereitung befindliche geologische Karte im 
Maßstabe 1:25.000.) Von Franz Toula. Mit einer Tafel (Nr. V) und 
34 Textillustrationen 243 

Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. Von K. A. Redlich in Leoben. 

Mit 2 Tafeln (Nr. VI und VII) und 3 Zinkotypien im Text ... 327 



IV 

Seite 
Über einige Erzlagerstätten in der Umgebung der Stangalpen. Von W. A. 

Humphrey aus York, England. Mit 2 Tafeln (Nr. VIII und IX) und 

einer Zinkotypie im Text 349 

Über die Terrasse von Imst — Tarrenz. Ein Beitrag zu den Studien über die 

Inntalterrassen. Von Dr. 0. Ampferer. Mit 1 Profil im Text . . 369 
Eine Stammtype der Delpbiniden aus dem Miocän der Halbinsel Taman. Von 

0. Abel. Mit 4 Textfiguren 375 

Über Halitherium Bellunense, eine Übergangsform zur Gattung Metaxytherium. 

Von 0. Abel. Mit 1 Textfigur 393 



Heft 3 u. 4. 

Die Zone des Act'mocamax plenus im östlicben B.öbmen. Von W. Pe t ra- 
sche ck. Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. X) und 8 Zinkotypien im 
Text 399 

Kleine Beiträge zur Geologie der Bukowina. Von Dr. Hermann Vetters. 
Mit einer Karte in Farbendruck (Tafel Nr. XI) und vier Zinkotypien 
im Text 435 

Geologische Beschreibung des Seefelder, Mieminger und südlichen Wetterstein- 
gebirges. Mit 3 Tafeln (Nr. XII— XIV), 41 Profilen und Ansichten 
im Text. Von Dr. 0. Ampfer er 451 

Die Basaltgesteine der Kosel bei Böbm.-Leipa. Von Bruno Förster. Mit 

einer Kartenskizze im Text 563 

Neogenpflan7en vom Nordrande des Sinjsko polje in Mitteldalmatien. Von 

Dr. F. v. Kern er. Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. XV) 593 

Die Fischotolithen des österr.-ungar. Tertiärs. Von R. J. Schubert. Mit 

zwei Lichtdrucktafeln (Nr. XVI und XVII) und 4 Zinkotypien im Text 613 

Nachträge zu den Erläuterungen des Blattes Mährisch-Neustadt und Schönberg 

der geologischen Spezialkarte. Von Gejza Bukowski 639 



Verzeichnis der Tafeln. 



Tafel Seite 

I zu: Dr. W. Hammer. Geologische Aufnahme des Blattes 

Bormio— Tonale 1 

II zu: A. Hofmann. Säugetierreste von Wies 27 

III zu: Franz Toula. Über einen dem Thunfisch verwandten Raub- 

fisch der Congerienschichten 51 

IV zu: Dr. Franz Baron Nopcsa. Zur Geologie von Nordalbanien 85 

V zu: Franz Toula. Geologische Exkursionen im Gebiete des 

Liesing- und Mödlingbaches 243 

VI— VII zu: K. A. Redlich. Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales 327 
VIII— IX zu: W. A. Humphrey. Über einige Erzlagerstätten der Stang- 
alpen 349 

X zu: W. Petrascheck. Die Zone des Actinocamax plenns im 

östlichen Böhmen 399 

XI zu: Dr. Hermann Vetters. Kleine Beiträge zur Geologie der 

Bukowina 435 

XII- XIV zu: Dr. 0. Ampferer. Geologische BeschreibtiDg des See- 
felder, Mieminger und südlichen Wettersteingebirges . . 451 
XV zu: Dr. F. v. Kern er. Die Neogenpflanzen von Sinj in Mittel- 

dalmatien 593 

XVI — XVII zu: Dr. R. J. Schubert. Die Fischotolithen des österr.-ungar. 

Tertiärs 613 



vi 



Personalstand 

der 

k. k. geologischen Reichsanstalt. 



Direktor : 

T ietze Emil, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der Eisernen Krone 
III. KL, Besitzer des kaiserl. russischen Set. Stanislausordens 
IL Kl. und des Komturkreuzes IL Kl. des königl. schwedischen 
Nordsternordens, Ritter des königl. portugiesischen Set. Jakobs- 
ordens und des montenegrinischen Daniloordens, Phil. Dr., k. k. 
Hofrat , Mitglied der kaiserl. Leop. Carol. deutschen Aka- 
demie der Naturforscher in Halle, Präsident der k. k. Geogra- 
phischen Gesellschaft in Wien, Ehrenmitglied der Societe geo- 
logique de Belgique in Lüttich, der königl. serbischen Akademie 
der Wissenschaften in Belgrad, der uralischen Gesellschaft von 
Freunden der Naturwissenschaften in Jekaterinenburg, der Gesell- 
schaft für Erdkunde in Berlin, der rumänischen Geographischen 
Gesellschaft in Bukarest und der schlesischen Gesellschaft für 
vaterländische Kultur in Breslau, korrespondierendes Mitglied 
der Geological Society of London, der Societe Beige de Geologie, 
de Paleontologie et d'LIydrologie in Brüssel, der Geographischen 
Gesellschaft in Leipzig etc., III., Hauptstraße Nr. 6. 

Vizedirektor : 

Vacek Michael, III., Erdbergerlände Nr. 4. 

Chefgeologen : 

Teller Friedrich, Phil. Dr. hon. causa, k. k. Bergrat, korr. Mitglied 
der kais. Akademie der Wissenschaften, III., Kollergasse Nr. 6. 

Geyer Georg, III., Iloernesgasse Nr. 9. 

Bukowski Gejza v., III., Hansalgasse Nr. 3. 

Rosiwal August, a. o. Professor an der k. k. Technischen Hochschule, 
III., Bechardgasse Nr. 10. 



VII 

Vorstand des chemischen Laboratoriums: 

John von J o h n e s b e r g Konrad, k. k. Regierungsrat, Mitglied der 
kaiserl. Leop. Carol. deutschen Akademie der Naturforscher in 
Halle, korr. Mitglied der Gesellschaft zur Förderung deutscher 
Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen etc., IL, Paffrath- 
gasse Nr. 6. 

Geologe: 

D reg er Julius, Phil. Dr., III., Ungargasse Nr. 03. 

Chemiker : 

Eichleiter Friedrich, III., Seidigasse Nr. 37. 

Adjunkten : 

Kern er von Marilaun Fritz, Med. U. Dr., XIII., Penzingerstraße 
Nr. 78. 

Suess Franz Eduard, Phil. Dr., a. o. Professor an der k. k. Universität, 
II., Afrikanergasse Nr. 9. 

Kossmat Franz, Phil. Dr., Privatdozent an der k. k. Universität, 
III., Metternichgasse Nr. 5. 

Abel Othenio, Phil. Dr., Honorardozent an der k. k. Universität, korr. 
Mitglied der Soc. Beige de Geologie, de Paleontologie et d' Hydro- 
logie in Brüssel, XIII., Jenullgasse Nr. 2. 

Hinter lechner Karl, Phil. Dr., XVIII. , Klostergasse Nr. 37. 

Bibliothekar : 

Matosch Anton, Phil. Dr., III., Hauptstraße Nr. 33. 

Assistenten : 

Hammer Wilhelm, Phil. Dr., III., Blattgasse Nr. 8. 
Schubert Richard Johann, Phil. Dr., III., Rasumofskygasse Nr. 2. 
Waagen Lukas, Phil. Dr., III., Sophienbrückengasse Nr. 10. 
Ampfer er Otto, Phil. Dr., XVIII., Haizingerstraße Nr. 49. 
Petrascheck Wilhelm, Phil. Dr., III., Geusaugasse Nr. 31. 

Praktikanten : 

Trener Giovanni Battista, Phil. Dr., III., Untere Viaduktgasse Nr. 1. 
Ohne sorge Theodor, Phil. Dr., III., Geusaugasse Nr. 43. 



VIII 



Für das Museum: 

Zellzko Johann, Amtsassistent, III., Löwengasse Nr. 37. 

Für die Kartensammlung: 

Z e i c h n e r : 

Jahn Eduard, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, 

III., Messenhausergasse Nr. 8. 
Skala Guido, III., Hauptstraße Nr. 81. 
Lauf Oskar, I. Johannesgasse 8. 

Für die Kanzlei: 

Girardi Ernst, k. k. Rechnungsrat, III., Marxergasse Nr. 23. 

In zeitlicher Verwendung: 

Frenzl Olga, III., Eslarngasse Nr. 8. 



Diener : 

Erster Amtsdiener: Sehreiner Rudolf, 

Besitzer des silbernen Verdienstkreuzes mit 

der Krone 
Laborant: Kalunder Franz 
Zweiter Amtsdiener: Palme Franz 
Dritter Amtsdiener: Ulbing Johann 
Präparator: Spatny Franz 
A m t s d i e n e r g e h i 1 f e für das Laboratorium 

Apostelgasse 3. 
Amtsdienergehilfe für das Museum: Kreyöa Alois, III., Erd 
bergstraße 33. 



III., Rasumofsky- 
gasse Nr. 23 u. 25. 



Felix Johann, III., 









Ausgegeben am 30. April 1905. 



JAHRBUCH 



KAISERLICH-KÖNIGLTCHEN 




JAHRGANG 1905. LV. BAND. 

1. Heft. 






Wien, 1905. 
Verlag- der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

In Kommission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandlung, 

I., Graben 81. 



wwmp i 



Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— 

Tonale. 

(Zone 20, Kol. III der österr. Spezialkarte.) 

Mit einer Tafel (Nr. I) und 4 Profilen im Texte. 

Von Dr. W. Hammer. 

In den Jahren 1901 — 1904 wurde die im Ultentale begonnene 
Neuaufnahme der gesamten Ortleialpen gegen Westen und Südwesten 
weitergeführt, welches Gebiet auf dem Blatte Bormio — Tonale der 
österreichischen Spezialkarte zur Darstellung kommt. Die Detail- 
aufnahmen wurden auf diesem Blatte bis zum Noce im Süden und 
bis zur Landesgrenze im Westen durchgeführt. Das Gebiet südlich 
des Noce bearbeitet Dr. Treuer, der italienische Anteil des Blattes 
wird in dem österreichischen geologischen Kartenwerke nicht geologisch 
koloriert. Dieses von mir aufgenommene Gebiet umfaßt hauptsächlich 
die Täler des Rabbies und des obersten Noce und deren Seitentäler, 
von denen das größte das Val della Mare ist; außerdem ragen in 
dieses Kartenblatt noch die Quellgründe des Ulten-, Martell- und 
Suldentales herein. Der orografische Rückgrat des ganzen Hochlandes 
ist der mächtige Gletscherkamm, der in hufeisenförmigem Verlaufe 
vom Königsspitz — der Ortler selbst liegt nicht mehr auf diesem 
Blatte — zum Piz Tresero zieht. Ihm folgt die Landesgrenze. Gegen 
Osten zieht vom Cevedale weg noch stark vergletschert ein langer 
Seitenkamm, Nocegebiet und Martelltal trennend, bis zum Ursprung 
des Ultentales, dieses dann mit seinen sich gabelnden Enden um- 
fassend. Ein langer gletscherfreier Kamm scheidet, von jenem sich ab- 
spaltend, die Täler von Rabbi und Pejo und bildet im Süden eine 
ziemlich selbständig erscheinende Berggruppe zwischen Rabbi und 
dem Sulzberge, die Tremenescagruppe. Der Hauptkamm senkt sich 
von der Punta S. Matteo (nahe dem Tresero) tief herab und tritt 
durch den Kamm des Corno dei tre Signori in Verbindung mit dem 
das oberste Nocetal vom Vermigiiotal trennenden Bergkamm. 

Von- diesem kartierten Teile des Blattes Bormio— Tonale wurde 
der Hintergrund des Ultentales und der ihn umschließende Bergkranz 
im zweiten Teile der „Kristallinen Alpen des Ultentales" im Jahrbuch 
der k. k. geol. R.-A. 1904, Heft 3 und 4 beschrieben ; der mesozoische 
Anteil des Ortlerkammes — vom Königsjoch westwärts — der auch 
noch hier hereinragt, wurde vom Verfasser früher schon beschrieben 
(Mitteil, über Studien in der Val Eurva und Val Zebru (Verhandl. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Dr. W. Hammer.) l 



2 Dr. W. Hammer. [2J 

der k. k. geol. R.-A. 1902), so daß hier hauptsächlich die Rede sein 
wird von dem zwischen dem Hintergründe des Martelltales, dem 
Torrente Rabbies, dem Noce (bis Fucine), dem Vermigliobach und der 
Landesgrenze liegenden Bezirk. 



Gesteine und ihre Verbreitung. 

Dieselben zwei Formationen der kristallinischen Schiefer, welche 
das Ultener Gebirge aufbauen, herrschen auch hier: die obersten 
Horizonte der Gneisformation und die Phyllite. Der ganze 
Hauptkamm vom Hintergründe des Ultentales bis zum Königsjoch und 
bis zum Tresero besteht aus Phyllit, das südlich davon gelegene Land 
aus Gneis und Phyllitgneis. Die obersten Gründe des Martelltales 
liegen noch ganz im Phyllit, 

Die G n e i s f o r m a t i o n ist hier entwickelt in Gestalt von 
zweiglimmerigen gemeinen Gneisen, Gneisglimmerschiefer, phyllitischen 
Gneisen, Quarziten, Quarzitschiefern, schiefrigen Grauwacken und 
Kalken. Zwischen diesen Gesteinen läßt sich aber nur lokal, das heißt 
für einzelne Gebirgsstöcke eine sichere Altersfolge aufstellen. Eine 
Parallelisierung dieser einzelnen Gruppen ist nur mit geringer Sicher- 
heit durchzuführen, da durch das ganze Gebiet gleichmäßig durch- 
gehende Leithorizonte fehlen. 

Die genannten Gesteine sind so verteilt, daß sich hauptsächlich 
drei Faziesbezirke ergeben: 

Die Tremenescagruppe , in der die Gneisglimmer- 
schiefer vorherrschen; 

die Tonale gruppe (zwischen Pejo und dem Vermigliotal), in 
der quarzitische Gesteine und Kalke besonders stark vertreten 
sind, während das ganze 

Südgehänge des Hauptkammes nördlich des Val del 
Monte, die ValdellaMare und das obere Rabbital samt dem 
dazwischenliegenden Kamme fast ausschließlich aus den gleichförmigen 
Phyllitgn eisen bestehen. 

Die quarz reiche Fazies ist besonders ausgesprochen ent- 
wickelt an der Nordseite des Kammes Cima Boai — Punta Albiolo, des 
Hauptkammes des oben als Tonalegruppe bezeichneten Gebirgs- 
abschnittes. Der schroffe Sockel dieses Bergkammes gegen die Val 
del Monte besteht aus feinkörnigem, quarzreichem, zweiglimmerigem 
(Biotit wiegt vor), plattig brechendem Gneis, der in sehr gleichmäßiger 
Entwicklung von Cogolo an Pejo vorbei längs dem Fuße des 
Gebirges bis in die Val Montozzo und zur Landesgrenze zu verfolgen 
ist. Er ist stellenweise hornblendeführend (mikroskopisch). Er hat 
eine Mächtigkeit von 1000 bis 1500 m und tritt sehr deutlich in der 
Oberflächenform des Gebirges hervor, indem gerade an seinem oberen 
Rande die sehr steile Neigung des felsigen Gehänges, das sich vom 
Noce herauf aufbaut, aufhört und die flacheren Hänge und die Alm- 
böden beginnen, wobei an den Taleinschnitten der Rand als unterste 
Karschwelle von der Glazialerosion herausgearbeitet erscheint. 



[3] Geologische Aufnahme des Blattes Bormio -'Pönale. ?, 

Auf diesen Gneisen liegt eine etwa 300—400 m mächtige Serie 
quarzitischer Gesteine. Es sind da hellgraue oder grünlichgraue, sehr 
feinkörnige, dickbankige Quarzite, dann dünnschiefrige, muskovit- 
haltige Quarzitschiefer von grauer oder rostroter Farbe, ferner ganz 
dunkelgraue und schwarze Schiefer und endlich äußerst feinkörnige, 
weißlichgelbe, dünnplattige Schichten, alle in mehrfachem Wechsel 
ohne regelmäßige Reihenfolge. Im Hangenden schieben sich dann 
zwischen die Quarzite zweigliinmerige Gneise ein, ähnlich denen im 
Liegenden, aber sie wechsellagern immer noch mit quarzitischen 
Gesteinen, besonders graugrünen feinkörnigen Quarziten, und serizitisch- 
quarzitischen Schiefern. In dieser oberen Abteilung, selten auch in 
den tieferen Quarzitschiefern treten oft kleine Lager von dünnbankigen 
bis schiefrigen grauen kristallinischen Kalken auf, zum Beispiel zwischen 
Val Coni und Malga di Comasine. Bei den Laghettis nördlich der 
Punta Albiolo (gegen Val Montozzo hinab) treten dunkelgraue, fast 
dichte Kalke auf, die manchmal in Menge Einschlüsse von Quarz und 
scharfkantigen Schieferstückchen enthalten, so daß stellenweise eine 
Art Breccie daraus hervorgeht. Sie gehen dann in stahlgraue Phyllite 
über; diese und die Kalke wechsellagern aber auch mit zweiglim- 
merigen Gneisen, die nach oben zu herrschend werden. Die Glimmer- 
gneise in dieser oberen Abteilung nehmen gegen Osten sehr zu an 
Menge und sind hier vorherrschend, während gegen Westen zu die 
quarzitischen und serizitischen Gesteine stärker hervortreten. Die 
untere fast rein quarzitische Abteilung ist viel gleichmäßiger längs 
der ganzen Bergkette hin ausgebildet. Beide zusammen nehmen den 
Raum von den untersten Karschwellen bis zum Kamm hinauf und 
diesen selbst, von der Cima Boai abgesehen, ein; beide zusammen 
sind dadurch ungefähr gleich mächtig wie die liegenden Gneise. Gegen 
Westen tritt diese ganze Serie in voller Entfaltung auf das italienische 
Gebiet über; gegen Osten aber tritt ein rascher Übergang in die 
Phyllitgneisausbildung ein; während am Gehänge westlich von Cogolo 
noch Gneise der Basis sowie die darüberliegenden quarzigen Gesteine 
gleichwie weiter westlich entwickelt sind, machen die quarzreichen 
feinkörnigen Gneise von Pejo am^ Gehänge östlich über Cogolo zum 
größeren Teile Phyllitgneisen und Übergangstypen zwischen ihnen und 
jenen Gneisen Platz; die untere Quarzitgruppe zieht aber mit ver- 
minderter Mächtigkeit bis zum Cercenapaß hinauf und noch darüber 
hinaus, hauptsächlich vertreten durch schwarze, grauwackenähnliche, 
dichte Quarzite im Gehänge ober Cogolo und durch die rostfarbenen, 
glimmerigen Quarzitschiefer am Cercenapaß. Ihre Fortsetzung bilden die 
auf Cima Vedrigan Ganani liegenden gleichgearteten Quarzitschiefer, 
die sich, eine kleine Mulde bildend, längs dem Kamme zwischen 
Val Maleda und Val Cercena noch ein Stück weit gegen Osten fort- 
verfolgen lassen. 

Ein besonderes Interesse unter diesen quarzitischen Gesteinen 
beanspruchen die schwarzen Schiefer. Die mikroskopische Untersuchung 
zeigt, daß es einerseits durchweg sehr feldspatreiche Gesteine sind 
und daß anderseits manche derselben eine deutlich primärklastische 
Struktur besitzen. Eine Anzahl Proben solcher schwarzer Gesteine 
erwies sich zwar so stark k ataklastisch, daß die primäre Struktur 

1* 



Dr. W. Hammer. 



[4] 



gänzlich verdeckt ist. Eine Probe aber aus den dichten schwarzen 
Schiefern zwischen Val Comegiolo und Val alta zeigt deutlich primär 
klastische Struktur. In einer Grundmasse aus Muskovitschüppchen und 
wahrscheinlich feinsten Quarz- und Feldspatkörnern, die meist ganz 
dicht mit feinstem schwarzen Pulver imprägniert ist, liegen eckige, oft 
kantengerundete Bruchstücke von Quarz- und Feldspatkörnern. Von 
beiden sind auch sehr große Körner im Gestein eingeschlossen, die 
schon makroskopisch hervortreten. Auch dieses Gestein ist kataklastisch. 
Die Feldspate sind stark zersetzt. Die schwarze Imprägnation zeigt 
stellenweise bläuliche Reflexionsfarben. In HCl löste sich aus dem 
Gesteinspulver ein Teil der schwarzen Substanz und es fällt aus der 
Lösung mit Ammoniak viel Eisen, aber auch etwas Tonerde. In Verein 
mit dem optischen Bilde läßt dies auf Magnetit schließen, der viel- 
leicht mit löslicher Tonerde vermengt ist. Der noch dunkelgraue Rück- 
stand von der Salzsäurelösung wird durch Glühen rein weiß; es ist 
also außer dem Erz auch noch, und zwar wahrscheinlich in großer 
Menge, graphitische Substanz vorhanden. 

Das Gestein hat nach Zusammensetzung und Struktur also den 
Charakter einer Grauwacke und ein Vergleich mit Schliffen von 
böhmischen kambrischen Grauwacken bestätigte dies. 

Eine Probe von dem dunkelgrünen dichten Gesteine am Über- 
gang der Kalke zu den Schiefern bei denLaghettis nördlich Punta. Albiolo 
läßt auch noch die klastische Struktur erkennen, einzelne isolierte fein- 
schiefrige Partien dürften wahrscheinlich den makroskopisch sicht- 
baren Schieferstückchen entsprechen, die im Gestein stecken, wenngleich 
sie auch im Dünnschliffe nicht absolut sicher als solche nachweisbar 
sind : denn das Gestein ist weit mehr zersetzt, als das von Val Come- 
giolo und auch stärker kataklastisch. Man erkennt noch Bestandteile 
zwillingslamellierter Feldspate und solcher ohne dieser Streifuug, dann 
rundliche Quarzbrocken, die teilweise aus feineren, schiefrig geordneten 
Körnchen sich zusammensetzen, Titanit und lagenweise angereichert 
Cakit. Proben eines feinschiefrigen schwarzen Gesteines von demselben 
Ort sowie eines mehr massigen, dichten, schwarzen Gesteines vom 
Gehänge ober Cogolo ließen auch Spuren der klastischen Struktur 
erkennen, indem auch größere Quarz- und Feldspatstückchen in einer 
feineu körnigen Kittmasse liegen; der größte Teil dieser Gesteine 
ist aber so zersetzt und so äußerst feinkörnig, daß sie bei gekreuzten 
Mkols fast ganz dunkel bleiben und eine genauere Untersuchung nicht 
möglich ist. 

Man wird diese schwarzen dichten Gesteine jedenfalls am ehesten 
alle als teils schiefrige, teils mehr massige Grauwacken bezeichnen 
können. 

In den Quarziten am Monte Macaoni, besonders aber auch weiter 
westlich treten Lagen eines schmutzigweißen, sehr feinkörnigen und 
mehr weniger massig struierten Gesteines auf. Im Dünnschliff sieht man 
ein richtungslos körniges Gemenge von Quarz und Feldspat, und zwar 
Orthoklas, ganz wenig Mikroklin und Oligoklas. Die Bestandteile sind 
intensiv ineinandergepreßt ; an den Grenzen derselben hat sicli oft 
Mörtelstruktur ausgebildet, die Feldspatlamellen sind verbogen, die 
Auslöschung ist undulös. Die Zusammensetzung läßt vermuten, daß es 



[51 Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. f> 

sich um aplitische Lagergänge handelt; durchgreifende Lagerung oder 
Kontakterscheinungen wurden an diesen Gesteinen nicht beobachtet. 

Die phyllitischen grauen Schiefer, die bei den obengenannten 
Laghettis sowie am Hauptkamm beim Monte Palu auftreten, nähern 
sich petrographisch schon sehr den Quarzphylliten. Immerhin ist die 
Struktur noch etwas weniger phyllitisch, der Glimmer, der zu sehr 
großem Teile aus Biotit besteht, etwas mehr individualisiert und außer- 
dem tritt auch einiger Plagioklas in augenartig hervortretenden 
Körnern auf. 

An dem Kamme zwischen Val Verniana und Val Saviana treten 
die obersten Schichten der Pejoserie auf die Südseite des Gebirges 
über infolge von Verwerfungen parallel dem Verlaufe dieser Täler. 
Sie sind hier teilweise stark mit Pegmatit durchädert und erhalten 
dadurch ein etwas abweichendes höher kristallinisches Aussehen. 

Die südlichen Seitenkämme der Tonalegruppe sowie die da- 
zwischenliegenden Täler liegen in zweiglimmerigen, phyllitischen 
Gneisen, die aber durch die stellenweise Durchtränkung mit peg- 
matitischem Magma ein glimmerschieferähnliches Aussehen erhalten 
haben. In welchem Altersverhältnis diese Gneise zu der quarzitischen 
Serie von Pejo stehen, ist nun nicht sicher anzugeben. Im westlichen 
Teile der Gruppe, in der Val Albiolo und Val Nambiolo liegen sie 
auf dieser, am Redival aber bilden sie eine selbständige Antiklinale 
und nur ein kleiner Teil liegt noch auf den quarzitischen Gneisen, 
beide zusammen hier den Nordflügel zu der Mulde nördlich der Redi- 
valaufwölbung bildend. Im Nocetal bei Comasine liegen sie wieder 
gleichmäßig in ihrer ganzen Masse auf den Quarziten. Das wahrschein- 
lichste ist, daß nur jener kleine Teil wie am Redival und ober den 
Laghettis im Hangenden der Quarzitserie ist, die anderen aber Äqui- 
valente derselben sind und wo sie zur Gänze konkordant aufliegen, 
vollständig zusammengefaltet sind, so daß dergestalt wieder die 
Phyllitgneisentwicklung hier zum Vorschein kommt. Diese phyllitischen 
Gneise hier sind ausgezeichnet und unterscheiden sich dadurch von 
dem Phyllitgneisdistrikt nördlich des Noce durch die Einlagerung aus- 
gedehnter und teilweise sehr mächtiger Marmorlager. Es sind dies 
hochkristallinische Kalke, bankig bis schiefrig, von meist weißer Farbe, 
seltener grau, die fast immer in Menge Glimmer enthalten, häufig 
auch Strahlstein sowie Pyrit. Besonders schön entwickelt sind sie 
nördlich des Tonalepasses, wo sie an der Cima Cady eine Mächtig- 
keit von ungefähr 200 m erreichen. Mehrere sehr ausgedehnte, aber 
viel weniger mächtige Lager ziehen als Fortsetzung — ob in unmittel- 
barem Zusammenhang mit jenem ist wegen des Diluviums nicht zu 
sehen — am Monte Tonale hin bis in die Val di Strino. Alle diese 
Kalke sind mit den Schiefern in innigem syngenetischen Verband; 
am Rande großer Kalklager findet mehrfache Wechsellagerung von 
schmächtigen Kalk-, beziehungsweise Schieferlagen statt; nach beiden 
Seiten hin keilen die großen und kleinen Lagen durch Abnehmen der 
Mächtigkeit in den Schiefern aus. Die Annahme, daß es sich um 
eingefaltete jüngere Kalke handelt wird durch diese Lagerungs- und 
Übergangsverhältnisse unmöglich gemacht, die Kalke sind jedenfalls 
gleich alt wie die ganzen Schiefergneise dieser Berge. 



Dr. W. Hammer. [G] 

Salomon 1 ) vermutet, daß diese ganze Gneismarmorserie, welche 
er als „Tonaleschiefer" bezeichnet, vielleicht eine „eingebrochene oder 
ein gefaltete, vielleicht dynamometamorph veränderte Zone von Trias 
und alteren Bildungen" sei, weil er bei Cortena, am Monte Padrio, in 
der Fortsetzung der Tonalegesteine, Kalk gefunden hat, der dem 
sogenannten Zellendolomit der lombardischen Trias petrographisch 
gleich ist, und weil sich diese verlängerte Tonalezone bis ins Veltlin 
hinüberzieht und im Streichen der metamorphen Triasschollen des 
unteren Veltlin liegt. Es scheint mir, daß diese bloße petrographische 
Analogie bei einem Kalk denn doch ein viel zu schwacher Anhalt ist, 
um solche Folgerungen aufzustellen, zudem bei einer so weiten Ent- 
fernung im Streichen sehr wohl auch im Streichen an einer Stelle 
jüngere Schichten eingefaltet sein können, ohne daß sich diese Ein- 
faltung auf die ganze so weit ausgedehnte Strecke von Sulzberg bis 
ins untere Veltlin zu erstrecken braucht. 

Es erscheint mir doch sicherer, die Übereinstimmung und den Ver- 
band der diese Kalke umschließenden Schiefer mit den kristallinischen 
Schiefern der anderen Teile der Ortlergruppe als Maßstab zu wählen, 
als eine so sehr in der Luft hängende Vermutung. Eher könnte man 
diese Gesteinsserie den „Laaser Schichten", das heißt der Schiefer- 
serie, in welche die Laaser Marmore eingebettet sind, in Parallele 
setzen, mit denen jene durch das Vorkommen so großer Marmorlagen 
übereinstimmen. Setzt man sie diesen Laaser Schichten gleich, so 
würde diese Gesteinsgruppe eine Mittelstellung zwischen Gneis und 
Phyllit einnehmen — soweit ich es nach dem derzeitigen Stand 
meiner Untersuchung der Laaser Gruppe sagen kann. Jedoch sind die 
den Laaser Marmor begleitenden Schiefer durchaus nicht von dieser 
konstant gneisigen Art wie die am Tonale, sondern, abgesehen von 
dem starken Fluktuieren des Gesteinscharakters der Laaser Schichten, 
überwiegen dort phyllit- und glimmerschieferartige Typen (Staurolith- 
schiefer sehr häufig, die hier gar nicht vorkommen). Die meiste Ähn- 
lichkeit damit haben die kalkführenden Gneise des Marlingerjoches 
und der höheren Teile des nördlichen Gehänges des Vintschgau — 
Ultener Kammes, die ja auch den hängendsten Gneishorizonten an- 
gehören. 

Kristallinische Kalke kommen eben in verschiedenen Horizonten 
der kristallinischen Schiefer vor — in unserem Gebiete zum Beispiel auch 
in den Phylliten — und bilden daher keinen charakteristischen Bestand- 
teil einer Serie. Noch weniger gilt dies von den Pegmatiten, die gern 
in ganz auffallender Weise gerade in diesen kalkführenden Horizonten 
häufig auftieten, so daß Kalk, Pegmatit und meistens auch Amphibolit 
eine weithin zusammenhaltende Gruppe bilden; aber es liegt in dem 
Charakter des Pegmatits als Intrusivgestein, daß er sich nicht an 
ein einziges Niveau hält, sondern in allen auftreten kann, die älter 
als seine Intrusion sind, und tatsächlich tritt er ja auch nicht bloß in 
diesen kalkführenden Horizonten auf, sondern auch über und unter 
ihnen. Übrigens sind gerade die Laaser Marmore und Schiefer sehr 



*) Salomon. Über neue geo]. Aufnahmen in der Adamellogruppe. Sitzungsber. 
der Berliner Akademie. VIT], 1901, pag. 170. 



[7| Geologische Aufnahme des Blattes Bormio — Tonalf. 7 

arm an Pegmatitgängen (mit Ausnahme des verschwindend kleinen 
Areals bei Tarsen), 

Die Marmore der Val Albiolo und Val di Strino wurden von 
Foulion 1 ) nach dem von Stäche gesammelten Material beschrieben. 
Von den von Foulion in diesen Marmoren gefundenen Silikaten 
verdanken die Augite und Granaten ihre Entstehung der Kontakt- 
metamorph ose an pegmatischen Gängen, wie der Verfasser 2 ) 
anderen Ortes gezeigt hat. 

Zu den dort gemachten Angaben über Metamorphose der Kalke 
ist hier noch etwas nachzutragen. Es wurde dort angegeben, daß die 
Kalke der Cima Cady am Kontakt mit den Pegmatiten keine Änderung 
zeigen. Eine genauere Untersuchung des Materials zeigte nun, daß 
bei einzelnen der in diesen Marmoren steckenden Pegmatitgängen 
doch eine Kontaktzone vorhanden ist. Es wurde ein massiger, fein- 
körniger Kontaktfels gefunden, der aus (im Dünnschliff) blaßgrünen 
Pyroxen (Salit) und Feldspat neben Titanit und Quarz besteht und 
sehr deutliche Kontaktstruktur zeigt, Dieser Gesteinstypus wird auch 
von Foul Ion beschrieben. Ferner steht am Kamme der Cima Cady, 
auf deren östlichem Vorgipfel Pegmatit ansteht, ein Gestein von 
schwach schiefriger Struktur an, das nur wenig Calcit noch enthält, 
sonst aber aus Lagen von Wollastonit und solchen von Plagioklas 
(Andesin-Labrador) besteht. Der Wollastonit wurde bestimmt durch die 
Lage der Achsenebene quer zur Spaltbarkeit in einem gerade aus- 
löschenden Schnitte, ferner aber durch die chemische Probe ; nach 
Entfernung des Calcits mit Essigsäure ließ sich a is der salzsauren 
Lösung Kalk und Kieselsäure in der Zusammensetzung des Wollastonits 
entsprechenden Mengen fällen. Makroskopisch ist er schmal leisten- 
förmig, stets in größerer Anzahl zu schiei'rigen, faserigen Aggregaten 
vereint und von blaßgrünlichgrauer Farbe. Das Gestein enthält auch 
ziemlich viel Pyrit, der allerdings in diesem Marmor der Cima Cady 
durchaus häufig auftritt. Die Wollastonitausbildung wurde nur an dieser 
einen Stelle beobachtet; der herrschende Typus sind die Pyroxen- 
feldspat und Granat führenden Kontaktgesteine. Gleiche, nur aus 
Salit und Feldspat im wesentlichen bestehende Hornfelse wie der 
oben beschriebene treten auch im Val di Strino mehrfach auf. In den 
Kalken ober dem Baito an der westlichen Tallehne beobachtete ich 
an einer Stelle eine Zonenfolge von der Art, daß zunächst am 
Pegmatit ein dichter Kalksilikatfels (mit Pyroxen und Granat) war 
und dann der äußerlich dioritähnlich aussehende Pyroxen-Feldspatfels 
folgte, beide von sehr geringer Mächtigkeit, doch nur an der einen 
Seite des Ganges, die von kleinen Adern von Pegmatit quer durch- 
zogen war; an der anderen Seite folgte auf den Kalksilikatfels ein 
Kalk mit vereinzelten Granaten und Pyroxenen. 

Vereinzelte kleinere Lagen ähnlicher, aber weniger silikatreicher 
Marmore finden sich in diesen Phyllitgneisen hin und hin, so am 
Monte Mezzolo und an der Cima di Boai. Diese Kalke dienen auch 

'J Foul Ion. Über Minerale führende Kalke aus dem Val Albiolo in Südtirol. 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 18S0, pag. 146. 

2 ) Hammer. Über die «Pegmatite der Ortlergruppe. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 190 j, pag. 345. 



])r. W. Hammer. 



[8] 



als Leithorizont, mittels welchem man diese lokale Phyllitgneisserie 
noch über den Noce hinüber zum Cercenapaß hinauf verfolgen kann 
— hier sind die Gneise durch gemeine zweiglimmerige Gneise ver- 
treten — und durch das Cercenatal hinab an dem Nordfuße des Polinar 
vorbei über dem Bad Rabbi weg bis gegen das Dorf Rabbi hin. Hier 
haben die Gneise wieder phyllitischen Habitus. 

Sehr verändert werden diese Phyllitgneise auf viele Flächen hin 
durch die schon obenerwähnte Durchtränkung mit Pegmatit. Ich habe 
in der früher angeführten Arbeit diese Veränderungen beschrieben, 
die den Phyllitgneisen ein glimmerschieferähnliches Aussehen geben, 
allerdings von sehr unbeständigem flackernden Charakter. Es ist gerade 
dieser Zug der Phyllitgneise, in dem sie am meisten vorkommen. In 
der Quarzitserie sind sie nur in den an die Phyllitgneise angrenzenden 
Strichen zu sehen. Sie begleiten auch diese Phyllitgneiszone über den 
Cercenapaß hinüber und bis Rabbi, zusammen mit gleichfalls gerade 
hier auftretenden Marmoren eine charaktische Gesellschaft bildend. 
Gegenüber den quarzreichen Gneisen mag diese Lokalisierung der 
Pegmatite in einer leichteren Aufblätterbarkeit der Phyllitgneise ihren 
Grund haben; auf der Linie Rabbi— Cercena— Cogolo aber liegt vielleicht 
auch eine Zone besonders starker tektonischer Inanspruchnahme vor, 
weil man hier hin und hin in den Schiefergneisen Lagen findet, die, 
in flache Schelpern zerlegt, mit Rutschflächen durchzogen und serizi- 
tisiert sind, also alle Zeichen starker mechanischer Inanspruchnahme 
zeigen. Die Bewegung hat auch nach der Intrusion an dieser Linie 
fortgedauert, da außerdem auch die Pegmatite selbst oft Druck- 
schieferung angenommen haben. Im übrigen gründet sich die örtliche 
Verteilung der Pegmatite aber gewiß zum Teil auch auf die örtliche 
Lage des Tiefenherdes, aus dem das Magma kommt. Bei den Kalken 
ermöglicht es die leichtere Zerklüftbarkeit in verschiedenen Richtungen, 
daß hier öfter durchbrechende Lagerung und überhaupt intensives 
gegenseitiges Ineinandergreifen der beiden Gesteine auftritt; vielleicht, 
daß durch die ungleiche Härte und Elastizität der Kalke und Schiefer 
in solchen vielfach zwischen beiden Gesteinsarten wechselnden Kom- 
plexen besonders starke Spaltöffnungen aufbrechen bei der Gebirgs- 
bildung und sich dadurch das häufige Zusammenvorkommen beider 
erklären ließe; dieses Zusammenvorkommen ist ja auch imVintschgau — 
Ultener Kamme zu sehen und auch in anderen kristallinischen Ge- 
bieten, zum Beispiel in Böhmen 1 ), hervorgehoben worden. 

Als eine vereinzelte Einlagerung in den Gesteinen der Südseite 
der Tonalegruppe ist das Vorkommen von Olivinfels an dem Kamme 
zwischen Val di Strino und Val Albiolo zu erwähnen. An dem von 
Punkt 2846 m gegen Val di Strino vorspringenden Bergeck treten zwei 
Linsen von Olivinfels auf. Das Gestein ist ein Amphibololivinfels, 
ähnlich dem vom Sass delF Anel bei Male 2 ). Der Hornblendegehalt 
wechselt zonar; so ist eine Randzone mit sehr vielen, aber ganz 
kleinen Strahlsteinnädelchen vorhanden. Am Ostrande zieht eine Ver- 

*) Fr. E. Suess. Bau und Bild der böhmischen Masse. Wien 1903. 
2 ) Hammer. Olivinfelse aus Nonsberg, Sulzberg und Ultental. Jenaische 
Zeitschr. f. N., Bd. 72. 



[<)] Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. <i 

rutschungszone querüber, an der das Gestein zu talkig-serpentinischem 
Schiefer umgewandelt ist. Der nächstbenachbarte Gneis ist zwei- 
glimmerig, feinkörnig und glimmerarm. 

Ober Comasine, im Nordwestgehänge der Cima Boai enthalten 
die Phyllitgneise ein beträchtliches Erzlager, das bis Mitte des 
19. Jahrhunderts eifrig abgebaut wurde 1 ), seither aber tot liegt. Die 
tiefer gelegenen Erzlager befinden sich auf der Malga Goggia und nörd- 
lich derselben und wurden dort mittels zahlreicher Stollen abgebaut. 
Die Stollen sind gänzlich verfallen; am Tage steht von weißem Marmor 
beiderseits umgeben eine aus grobkörnigem kristallinischen Ankerit 
und spärlichen dunklen Glimmerblättchen bestehende Schicht an. 
Besser ist die ganze Art des Vorkommens in den ober der Wald- 
grenze in der Val Gardene an der Schwelle des unter der Cima Boai 
befindlichen Kars gelegenen Gruben zu sehen. Der Abbau wurde hier 
ersichtlich als Tagbau betrieben ; Ruinen einstiger Baulichkeiten stehen 
dicht neben den Aufschürfungen. Das Schichtstreichen ist hier nahe 
NS bis NNW— SSO, das Einfallen sehr steil nach W gerichtet. Das 
Profil von W nach ergibt der Reihe nach : Schiefergneis, der dicht 
durchadert ist mit pegmatitisch-granitischen Injektionen; unter ihm 
liegt Marmor von geringer Mächtigkeit, der nach unten übergeht in 
ein Lager desselben Ankeritgesteines wie bei Malga Goggia. Es ist 
grobkörnig, kristallinisch und gelb gefärbt; im Dünnschliff zeigt das 
Gestein Mörtelstruktur und Verbiegungen der Lamellen des Karbonats. 
Neben dem Ankerit ist ein makroskopisch dunkelbrauner, im Dünn- 
schliff blaßgrünlicher Glimmer spärlich in sehr kleinen Schüppchen 
im Gesteine verteilt; außerdem enthält es etwas Pyrit und lokal treten 
auch Kristalle von smaragdgrüner Hornblende bis zu 6 mm Länge auf. 
Nach wenigen Metern nimmt der Pyrit rasch an Menge zu und es 
folgt eine Schicht, die aus Pyrit, Magnetit und Ankerit, erstere beide 
an Menge vorwaltend, besteht. Sie ist auf ein paar Meter Mächtig- 
keit aufgeschlossen. Das Liegende ist durch Schutt und Vegetation 
verdeckt. 

Die Aufschürfungen reichen im Streichen etwa 50 m weit. Die 
Nachbarschaft der pegmatitischen Injektionen — auch auf Malga Goggia 
treten Gäuge von Pegmatit auf — hißt vermuten, daß der Magnetit 
und Pyrit durch die Einwirkung des Pegmatits auf Ankerit entstanden 
ist,' wie derartige Bildungen von Magnetitlagern durch Kontaktineta- 
morphose ja von verschiedenen Orten bekannt sind 2 ). 

Von gleicher Art ist das Erzvorkommen der alten Grube Ronco 
auf der gegenüberliegenden Talseite ober Celedizzo. 

Diese Phyllitgneise der Südseite der Tonalegruppe überschreiten 
zwischen Cogolo und Fucine des Nocetal, bilden die Gehänge ober 
Celentino und gehen dann im Hochtale des Lago Cadinel in die 
zweiglimmerigen Gneise über, welche im wesentlichen die Berggruppe 
zwischen Cercenatal, Rabbital und Nocetal von Male bis Cogolo bilden. 
So einförmig der größte Teil dieser Gruppe, nämlich deren Haupt- 

*) Hauer und Foetterle. Übersicht der Bergbaue der österr.-ungar. 
Monarchie. Wien 1855. 

2 ) Elockmann. Über kontaktmetamorphe Magnetitlagerstätten etc. Zeitschr. 
f. prakt. Geol. 1904, pag. 73. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reiehsansta.lt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Dr. W. Hammer.) 2 



10 Dr. W. Hammer. [10] 

kämm und Südhänge, landschaftlich ist mit seinen endlosen flachen 
Almhängen und seinen ausgedehnten Wäldern, so gleichförmig sind 
auch die Gesteine seiues Baues ; dort, wo größere Mannigfaltigkeit im 
Bilde ist, in der Gegend des Lago rotondo und Monte Polinar, dort 
ist auch im Bau mehr Abwechslung; das letztere veranlaßt eben 
gutenteils das erstere. Diese zweiglimmerigen Gneise entsprechen 
den im südlichen Ultener Hauptkamme herrschenden Gneisen, mit 
denen sie über das Rabbital weg in direkter Verbindung stehen. Ihre 
Ausbildung ist aber eine etwas andere als die der typischen Ultener 
Gneise, und ist bereits am Ostgehänge ober Rabbi entfaltet und seiner- 
zeit bei der Beschreibung der Ultener Berge angeführt worden 1 ). 
Dort vollzieht sich eben der Übergang. Diese Gneise haben im ganzen 
ein mehr glimmerschieferähnliches Aussehen und nur das Auftreten 
des Feldspates als wesentlicher Bestandteil berechtigt ihre Einreihung 
zu den Gneisen; man kann sie daher als Gneisglimmerschiefer 
bezeichnen. 

Es sind hochkristallinische Schiefer von weithin gleichbleibender 
Zusammensetzung und Struktur : mittelkörnig, reich an Glimmer, der 
in großen (1 — 4 mm) selbständigen Täfelchen entwickelt ist, Biotit 
und Muskovit, ohne Einordnung ausgedehntere Glimmerlagen, aber 
durchaus parallel geordnet, oft zu kleineren Flasern und Flecken 
vereint. Im Querbruch tritt Quarz und Feldspat in körnigem Ge- 
menge mehr hervor als der Glimmer. Als Übergemengteile beob- 
achtete ich unter Passo di Camucina , bei Malga Grassi und an 
anderen Orten Cyanit und Granat. Natürlich treten auch bei diesen 
Gneisen stellenweise wieder Formen auf, die durch ihren geringeren 
Glimmergehalt und etwas feineres Korn den typischen Ultener 
Gneisen gleich sind und einen rein gneisigen Habitus haben, 
so an der Cima grände und einzelnen anderen Stellen des Haupt- 
kamines. Die mikroskopische Untersuchung gibt wenig Neues gegen- 
über dem makroskopischen Befunde : kristalloblastische Struktur, Biotit 
waltet vor gegenüber Muskovit, unter den Feldspaten sind Orthoklas und 
saure Plagioklase vertreten. Die Ähnlichkeit mit den Gneisen von 
Rabbi wird durch das Vorkommen von Sillimanit erhöht. Außerdem 
treten akzessorisch Granat, Apatit, Disthen, Staurolith, Zirkon auf. 
In den tieferen südlichen Gehängen schalten sich häufigere Phyllit- 
gneise zwischen die anderen Gneise ein. Die petrographische und 
geologische Gleichförmigkeit wird noch gefördert durch den fast 
gänzlichen Mangel von Einlagerungen anderer Gesteine. Keine Kalk- 
lager treten auf, nur Amphibolite sind im östlichen und nördlichen 
Teile zu finden ; außerdem aber die Granite des Mt. Polinar, über 
die unten gesprochen werden wird. 

Diese Gneise lagern bei Cogolo und am Cercenapaß auf der 
Quarzitserie, entsprechend den Phyllitgneisen von Comasine, in die 
sie übergehen. Im Nordosten und Osten ist das Verhältnis zu den 
anderen Schichten durch Störungen verwischt. 

Die dritte Fazies der Gneise endlich ist die des typischen 



*) Hammer. Die kristallinischen Alpen des Ultentales. I. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1902, pag. 111. 



Ml] Geologische Aufnahme dos Blattes Bormio — Tonale. ]] 

Phyllitgneises, die ebenso wie die vorgehende sich durch gleich- 
förmige Ausdehnung über weite Strecken hin auszeichnet. Sie breitet 
sich nördlich des Noce von seinem Ursprünge bis Cogolo und nördlich 
des Cercenatales aus. Die Phyllitgneise sind wie in den Ultener Ge- 
birgen Gesteine von der Zusammensetzung eines Gneises und einer 
Struktur, analog der der Phyllite. Im Hangenden, an der Grenze gegen 
die Phyllite treten fast durchgehends Quarzite auf, wie dies schon 
vom Gleckkamm anderen Ortes beschrieben wurde, den Übergang zu 
den Phylliten vermittelnd. Auffallend ist der feinstkörnige, baukige, 
graue Quarzit vom Monte Mandriole, der dicht durchschwärmt ist 
von mikroskopisch kleinen Turmalinkriställchen, die alle nach der 
Schichtungsebene geordnet sind. Es wäre möglich, daß die in der 
Nähe befindlichen Lagergranite eine Kontaktwirkung ausgeübt hätten ; 
aber es ist keinerlei Kontaktstruktur vorhanden. 

Einlagerungen von Amphiboliten und Pegmatiten treten selten 
auf, erstere im Rabbitale an der Mündung der Val Maleda, letztere 
im Val della Mare, unterhalb Torbi. Kalke sind nicht zur Ablagerung 
gekommen. 

In dem Kamme zwischen Rabbital und Val della Mare erscheinen 
die Phyllitgneise als äquivalent der Quarzitserie, indem die Decke 
des Granitstockes der Cima Verdignana im südlichen Teile (an der 
Cima Vedrignan Ganani und am Cercenapaß) noch aus quarzitischen 
Schiefern jener Serie, im nördlichen Teile, am Passo Verdignana 
aber aus Phyllitgneisen besteht; bei ihrer großen Mächtigkeit über 
und unter diesem Granitstocke aber scheint es, daß sie nach beiden 
Richtungen noch über den Horizont der Quarzitserie hinausragen. 
Die Quarzite an der Basis der Phyllite sind jedenfalls jünger als die 
Quarzite der Tornalegruppe, nur in dem Gehänge nördlich ober 
dem Bade Rabbi reicht die quarzreiche Ausbildung der Schiefer 
bedeutend tiefer hinab in die Phyllitgneise als an anderen Orten 
und dieser kleine Faziesbereich mag eventuell bis in das Niveau 
der Pejoquarzite hinabreichen, die ja auch an dem Kamme des 
Monte Villar bis ins Rabbital, an der jenen quarzreichen Phyllit- 
gneisen ober Bad Rabbi gegenüberliegenden Talseite reichen und so 
gewissermaßen eine Brücke der zwei Quarzitfazies darstellen. In 
Val del Monte liegen die quarzreichen Gneise von Pejo anscheinend 
auf den Phyllitgneisen des Hauptkammes, doch ist es ziemlich wahr- 
scheinlich, daß hier eine Bruchlinie beide trennt. 

Die in den Gneisen liegenden Amphibolite sind trotz 
gewisser makroskopischer Verschiedenheiten mikroskopisch sehr ein- 
heitlich gebaut. Ihre Struktur ist die für Amphibolite charakteristische 
diabetische, der Gabbrostruktur gleichende. Makroskopisch haben 
sie meist Lagenstruktur oder Schieferung mit gleichmäßiger Verteilung 
der Elemente, doch treten auch solche von gleichmäßig rein körniger 
Struktur auf, zum Beizpiel am Lago Salezi. Die Hornblende schwankt 
in ihrer Färbung zwischen lauchgrünen und bräunlichgrünen Tönen. 
Zersetzung in Biotit, beziehungsweise Chlorit ist gelegentlich zu 
sehen ; betreffs der Feldspate kann man eine Entwicklungsreihe 
zusammenstellen von solchen, bei denen die Feldspate noch frisch 
und dann zwillingsgestreifte Plagioklase (Oligoklas bis Labrador) 

2* 



12 Dr. W. Hammer. [12] 

sind, neben wenig ungestreiftem Feldspat, der wahrscheinlich Ortho- 
klas ist, zu solchen, bei denen ein Zerfall der Plagioklase in Zoisit 
und Albit eingetreten ist. An der Hornblende sind keinerlei Ver- 
änderungen oder Entwicklungsstadien zu bemerken, die auf eine 
Metamorphose aus einem anderen Mineral schließen ließen. Es bleibt 
daher dahingestellt, welcher Art das Magma war, aus dem sie sich ge- 
bildet haben ; es ist auch der eruptive und intrusive Charakter hier 
nicht nachweisbar, der Gesteinscharakter verweist aber eher auf eine 
eruptive, beziehungsweise intrusive als auf eine sedimentäre Bildung. 
Eigentümlich sind ganz kleine Lagen von Amphibolit in dein Marmor 
der Cima Cady. Ich beobachtete eines von 1 — -2 dm Mächtigkeit, 
konkordant zwischen den Marmorschichten liegend. Es stecken aber 
sicher noch mehrere derartige Amphibolite in diesen Marmoren wegen 
der vereinzelten Bruchstücke, die man am Fuße der Wände findet 
und die nicht von anderswo her transportiert sein können ; bei dem 
genannten kleinen Lager hat sich noch zwischen Amphibolit und Kalk 
pegmatitisches Magma eingedrängt, ein paar Zentimeter dick, und ist 
auch apophysenartig in den Amphibolit eingedrungen. Im Dünnschliff 
ist die Grenze beider unscharf, der (glimmerfreie) Pegmatit greift viel- 
fach in den Amphibolit ein, der am Rande wie aufgelöst in seine 
Teile ist, sonst aber keine Änderungen zeigt als ein etwas gröberes 
Korn am Rande. Kontaktwirkungen seitens der Amphibolite sind 
weder hier noch an dem anderen Vorkommen zu bemerken. Die 
größten Amphibolitlager sind das von Prelongo über Mezzana und 
das auf der Alpe Polinar, von denen jedes eine Längenerstreckung 
von ungefähr 2^2 km besitzt. Die anderen bei Coller im Rabbitale, 
Rocca della Lame, Cima Mezzana, Cusiano, am Cercenapasse, Malga 
Levi, Cima Boai, M. Mezzolo und an der Tonalestraße stehen alle an 
Ausdehnung bedeutend zurück gegen jene bis herab zu den ganz 
kleinen Lagern wie die der Cima Cady. 

Die Gesteine der Gneisformation gehen im Hangenden allmählich 
über in die Phyllite. Wie schon oben bemerkt, sind es besonders 
Quarzite und quarzreiche Schiefer, welche den Übergang vermitteln. 
Mit ihnen wechsellagern rostfarbene Muskovitquarzitschiefer und über 
ihnen folgen die eigentlichen Phyllite, denen aber immer noch ge- 
legentlich solche rostfarbene Schiefer zwischengeschaltet sind. Die 
Phyllite besitzen besonders im obersten Martelltal und im Madritschtal 
ausgesprochen den petrographischen Charakter der Quarzphylli te 
durch die Flasem, Knauern oder Lamellen von Quarz, die zwischen 
den Glimmerlagen und Flasern liegen. Gegen Süden zu läßt diese 
typische Ausbildung nach, der Quarz ist weniger und nicht so in 
dieser Form ausgeprägt. Das gleiche ist auch im Ultental und Rabbital 
der Fall. In dieser Ausbildung treten häufiger granatreiche Varietäten 
auf, doch ist dieser makroskopische Granatgehalt ein schwankender 
und fehlt auf weite Flächen hin vollständig. Stellenweise treten im 
Gebiete von Pejo in diesen Phylliten sehr feinkörnige, glimmerarme, 
granulitische Einlagerungen von gelblicher Farbe auf, ähnlich denen, 
die oben bei der Quarzitserie vom Monte Macaoni beschrieben wurden. 
Doch reichen diese Unterschiede zwischen Phylliten der Laaser Gruppe 
und denen der südlichen Täler nicht aus, um darauf eine strati- 



[13] Geologische Aufnahme dos Blattes Bormio— Tonale. 13 

graphische Gliederung zu bauen, zudem auch in der Tektonik kein 
Anhalt dafür besteht. 

Im obersten Martelltale treten als Einlagerungen in den Phylliten 
Kalkglimmerschiefer, Bänderkalke und Marmore in großer Ausdehnung 
auf. Sie ziehen vom Zufrittspitz am unteren Rande der Gletscher 
herüber zum vorderen Rotspitz und von dort in besonders großer 
Mächtigkeit bis zum Zufallferner; an der anderen Talseite sind am 
Südhange des Muthspitz (zwischen Blitzen- und Madritschtal) mehrere 
Lager von geringer Ausdehnung. Weiter talein bis zum Langenferner 
liegt ein ganzer Schwärm kleinster Lager in den Phylliten, bis beide 
zusammen unter den Eismassen verschwinden; die kleinen Kalklager 
am Eisseepaß und am Schrötterhorn zeigen aber, daß diese kalkreiche 
Zone sich unter den Fernern hin bis in die Val Cedeh und Val Zebru 
fortsetzt. 

Die Phyllite bilden die ganzen vergletscherten Kämme des Ge- 
birges vom Ultental an bis zur Sforcellina am Ursprünge des Noce; 
sie greifen auch auf die südlichen Kämme hinaus bis zum Saßfora 
ober Rabbi und bis zur Cima Pontevecchio zwischen Rabbital und 
Val della Mare und auch auf der Punta Ercavallo südlich des obersten 
Noce liegt noch eine kleine Kappe von Phylliten. Der Hintergrund 
des Martell und der Kamm gegen das Suldental liegt vollständig 
in den Phylliten. Ihre Mächtigkeit ist, soweit die tektonischen Ver- 
hältnisse eine Schätzung erlauben, eine sehr bedeutende, jedenfalls 
mindestens 1 — 2 km. 

An dem Kamme vom Eisseespitz zum Butzenspitz treten im 
Phyllit Chloritschiefer auf. Sie befinden sich in mehrfacher 
Wechsellagerung mit den Phylliten und man kann drei verschiedene 
Gesteinsarten schon mit unbewaffnetem Auge unterscheiden: Chlorit- 
schiefer, Epidotchloritschiefer und einen im Aussehen mehr einem 
dichten Gneis sich nähernden grünlichen Schiefer. 

Der Chloritschiefer steht an den Hängen der Madritschspitze 
gegen das Butzeutal an, von wo er über den Grat ins Madritschtal 
hinüberzieht. Er ist lichtgrünlich, seidenglänzend und feinsehiefrig 
bis blättrig. Im Querbruch bemerkt man häufig weiße feinkörnige 
Lagen, die mit Salzsäure aufbrausen. Im Dünnschliff sieht man Chlorit, 
Quarz und Calcit in lagenweiser Verteilung. Der Chlorit ist nahezu 
farblos und zeigt graue Interferenzfarben; er besitzt eine geringe 
schiefe Auslöschung. . 

An demselben Gehänge treten auch die Epidotchloritschiefer 
auf, die sich über die Butzenspitze weg längs des Kammes zum 
Eisseespitz hin verfolgen lassen und auch im oberen Teile des vom 
Eisseespitz zur Schaubachhütte hinabführenden Strecknerweges mehr- 
fach zu sehen sind. Es sind kräftig grüngefärbte, sehr feinkörnige 
Gesteine mit schiefriger Textur. Bei mikroskopischer Untersuchung 
findet man als Bestandteile Chlorit (Pennin), Quarz, Epidot und Calcit. 
Der Chlorit ist || c hellgrünlichgelb, normal dazu intensiv grün und 
zeigt dunkle, dunkelrotbraune Interferenzfarben ; der Epidot ist auch 
im Dünnschliff kräftig gelbgefärbt. Der Calcit tritt lagenweise und 
vereinzelt im Gemenge auf. Der dritte dieser Schiefer besitzt einen 
gneisähnlichen Habitus bei grüngrauer Färbung. Auf den Schieferungs- 



14 Dr. W. Hammer. [14] 

flächen sieht man äußerst feiue glimmerige Aggregate glänzen. Im 
Querbruch ist das Gestein nahezu dicht und grau. Nach dem mikro- 
skopischen Befunde ist es als Amphibolit zu bezeichnen ; es besteht 
aus einem sauren Plagioklas und grüner splitteriger Hornblende, Um- 
wandlungsprodukten (Biotit, Zoisit, Serizit) und Titanit (Leukoxen in 
wurmförmigen Aggregaten). Dieses Gestein ist besonders am Kamme 
von der Butzen- bis zur Eisseespitze anzutreffen. 

Die Epidotchloritschiefer gleichen makroskopisch vollständig den 
Grünschiefern, die in der Val Zebru (ober Bormio) sowie an den 
Cime del Forno im Hangenden der Phyllite auftreten 1 ). Mikroskopisch 
ist eine solche Gleichheit zwar nicht vorhanden, doch sind die beider- 
seitigen Gesteine immerhin nahe verwandt miteinander. Aus diesen 
Gründen und wegen des unmittelbaren geologischen Zusammenhanges 
beider Gebiete können wohl auch diese mit Chloritschiefern wechsel- 
lagernden Phyllite am Eisseespitzkamm als die hängendsten Teile 
der Phyllite angesehen werden. Eine direkte Verbindung mit den 
Grünschiefern der Cime dell Forno besteht nicht, da am Kamme 
Suldenspitz — Königsjoch, wo sie durchstreichen müßten, keine der- 
artigen Gesteine vorkommen. Gleich weiter nördlich am Kamme der 
Marteller Vertainen (zwischen Madritschtal und Pedertal, bereits auf 
dem Blatte Glurns — Ortler liegend) treten ebenfalls Chloritschiefer im 
Phyllit auf. Beide Vorkommen können als Einfaltungen oder Hervor- 
treten jüngerer Horizonte an Schuppungsflächen betrachtet werden. 
An den Vertainen wird dies noch wahrscheinlicher durch das Auftreten 
eines wohl einer jüngeren Schieferserie angehörenden Gipslagers in 
den Nordabhängen dieses Kammes. 

In dem hier besprochenen Teile des Blattes Bormio— Tonale 
beteiligen sich auch verschiedene Eruptivgesteine am Aufbau. 
Es sind vor allem Granite als Intrusivlager, dann die schon oben 
erwähnten Pegmatite, ferner Diorite und Porphyrite. 

Der Granit tritt durchweg als Intrusion auf, sei es in großen 
lakkolithähnlichen Intrusivmassen, sei es in kleinen Lagern. Die 
bedeutendste Granititmasse ist hier der Granitit der Cima 
Verdignana (Punkt 2938 m der Karte). Sie ist auch diejenige, deren 
Lagerung am besten sichtbar ist. Die Granitmasse liegt an dem steil 
aufragenden Kamme zwischen zwei tiefen Tälern, die bis unter die 
Basis des Granits in den Erdkörper einschneiden. Verfolgt man vom 
Cercenapasse den Kamm des Gebirges nach Norden, so betritt man bald 
nach Verlassen des flachen Paßsattels den Granit und. klettert mit 
einer kurzen Unterbrechung an der Cima Ganani immer über Granit, 
bis man den Verdignanapaß (Punkt 2833 m der Karte) erreicht. In den 
beiderseitigen Flanken kann man den Granit einerseits im Val della 
Mare bis zur Malga Pontevecchio, anderseits in der Val Maleda bis in 
den Hintergrund des Tallaufes zur Isohypse 2300 m hinab verfolgen. 
In der Kartenprojektion nimmt der Granit ein Areal von rund 4 km 2 
ein. Blickt man von der gegenüberliegenden Talseite der Val della 
Mare herüber, so sieht man sehr schön, wie am Verdignanapaß die 
Schiefer auf dem Granit liegen und nordwärts mit mittlerer Neigung 



x ) Hammer. Verband], d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 320. 



[15] Geologische Aufnahme des Blattes Bprmio— Tonale. | f> 

von ihm abfallen ; ebenso aber siebt man auch, wie bei Pontevecchio 
die Schiefer in fast horizontalen Bänken unter dein Granit liegen. 
Beides entspricht auch den Beobachtungen an Ort und Stelle. Die 
Basisbänke können allerdings nicht unter den Granit hinein verfolgt 
werden, man sieht aber, wie die Granitgrenze sich ganz dem Fallen 
und Streichen der Schiefer entsprechend bewegt. Von Pontevecchio 
gegen Nordost zu fallen die Schiefer flach S unter den Granit ein; 
die Granitgrenze zieht sich von liier im Bogen hinauf zu den N fallenden 
Schichten der Decke. Verfolgt man die Grenze von Pontevecchio über 
die Alpe Verdignana zum Cercenapaß hinauf, so sieht man, daß die 
Schiefer unter dem Granit hier ein flaches Gewölbe bilden, und ganz 
dementsprechend steigt die Granitgrenze hinauf und dann wieder 
herab; in dem Gehänge westlich unter dem Cercenapaß keilt der Granit 
zwischen Decke und Basis aus. Am Cercenapaß selbst liegen die 
Schiefer S fallend als Decke darauf und an der Cima (Vedrignan) 
Ganani greift von Osten her die Decke als eine kleine, flache, lange 
Mulde zungenartig noch einmal bis auf den Hauptkamm über. 

Es kann also mit großer Wahrscheinlichkeit eine lakkolithische 
Form der Intrusion angenommen werden, mit derselben Wahrschein- 
lichkeit wenigstens, mit der dies bei den anderen bestbekannten 
alpinen „Lakkolithen" angenommen wird, zum Beispiel wie bei dem 
Granatspitzlakkolith, dessen Basis ja auch nicht tatsächlich auf größere 
Distanz unter den Granit hinein verfolgt werden kann, sondern bei 
dem dies auch aus der Lagerung der umliegenden Schiefer, der an 
verschiedenen Stellen unmittelbar sichtbaren Auflagerung von Granit 
auf Schiefer sowie aus dem Verlaufe der Grenzlinien geschlossen 
wird 1 ). Dieselben Belege liegen auch hier reichlich und gut sichtbar 
vor, nur hat hier keine solche Verzahnung stattgefunden wie beim 
Granatspitzkern. Nur an dem Absenker der Cima Vedrignana, der 
den Buso del diavolo im Norden begrenzt, stellt die dort vorhandene 
kleine Schieferdecke ein keilartiges Eindringen von Schiefer im 
Granit dar. 

Der Verdignanalakkolith ist gleichzeitig mit seiner Intrusion 
oder nachträglich — dies läßt sich nicht entscheiden — aufgefaltet 
worden. 

Petrographisch ist nicht die ganze Masse einheitlich gebaut, 
sondern es tritt neben dem Hauptgesteine noch eine Art Randfazies 
auf. Das Hauptgestein ist ein Bioti tgrani ti t, der durch Streckung 
die Textur eines Stengelgneises oder — was weniger verbreitet 
ist — eine ebenschiefrige Textur angenommen hat. Das Gestein im 
großen bricht massig. Das Korn ist ein ziemlich feines. Als dunkler 
Bestandteil ist Biotit in sehr mäßiger Quantität vorhanden. Die mikro- 
skopische Untersuchung zeigt, daß unter den Feldspaten die Kali- 
feldspate stark überwiegen, und zwar ist neben Orthoklas besonders 
Mikroklin viel vorhanden. Die Gitterstruktur ist oft nur randlich ent- 
wickelt. Die Kalifeldspate sind meist noch ganz frisch, während der 
daneben vorhandene saure Plagioklas meist stark zersetzt ist. Quarz 
ist viel vorhanden; der Glimmer ist ausschließlich Biotit. Granat ist 



*) Löwl. Der Granatspitzkern. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1895, pag. 615. 



16 Dr. W. Hammer. [Itf] 

als Übergemeiigteil da, in kleinen Kristallenen, die sich oft in Reihen 
ordnen. 

An der Basis des Granits, und zwar sowohl an der ganzen West- 
seite des Massivs von Pontevecchio bis zum Cercenpaß als auch an 
der Ostseite im Buso del diavolo und der Val Maleda tritt eine horn- 
blendehaltige Abart auf in beträchtlicher Mächtigkeit. Der Habitus 
ist ein mehr gneisähnlicher, indem das Gestein stärker geschiefert 
ist und mehr Glimmer enthält. Der Gehalt an Hornblende und Glimmer 
ist aber ein wechselnder, insofern sich zwischen jene stark gneis- 
ähnlichen Lagen wieder solche mit mehr dem Hauptgesteine ähnlichen 
Aussehen einschieben. Der Übergang aus dem Hauptgesteine ist ein 
rascher. In den Dünnschliffen, die von der hornblendehaltigen Varietät 
gemacht wurden, sind die Feldspate durchaus stark zersetzt. Es hat 
sich Muskovit und Zoisit gebildet, welch letzterer auf eine stärkere 
Vertretung der Kalknatronfeldspate hinweist. Wo noch frische Feld- 
spate zu sehen sind, sind es meistens Orthoklase; Plagioklas ist nur 
selten noch frisch zu sehen. Der Hornblendegehalt ist, wie schon oben 
bemerkt, verschieden ; das einemal ist sehr viel Horndblende vorhanden 
und fast gar kein Glimmer, das anderemal überwiegt Biotit unter 
den farbigen Gemengteilen. Die Hornblende besitzt durchaus keine 
Idiomorphie, ihre Formen wie überhaupt die Struktur des Gesteines 
sind denen in den Amphiboliten gleich, ihre Färbung ist || a blaß- 
lauchgrün, || b und sehr ähnlich j| c kräftiglauchgrün. Quarz ist stets 
reichlich vorhanden und als Übergemeiigteil fehlt nie Titanit, seltener 
trifft man Granat. 

Diese amphibolhaltige Fazies des Granitits entspricht der analogen 
Bildung am Kuppelwieser Granit (Ultentaler Alpen). 

Kontaktwirkungen wurden bei diesem Granit nicht beobachtet. 

Das nächstgrößte Granit vorkommen ist dann das des Monte 
Polinar südlich von Bad Rabbi. Die Lagerungsverhältnisse sind 
nicht so klar wie bei Verdignan. Es sind hier zwei mächtige Lager 
konkordant zwischen steil gestellten, beiderseits der Granite Südwest-, 
beziehungsweise südfallenden Gneisen. Das eine Lager erstreckt sich 
von der Malga Camposecco unter dem Gipfel des Polinar durch bis 
zur unteren Malga Soprasasso; das zweite südlichere erstreckt sich 
von der Malga Tremenesca di sotto (im Cercenatal) über Da rocc bis 
zum Gambraikamm, beide nur durch einen sehr schmalen Streifen 
von Glimmergneis getrennt. Die Längserstreckung ist 2 1 /2> beziehungs- 
weise 3 km, die größte Mächtigkeit 800, beziehungsweise 1000 m. 
Nach den Seiten hin keilen sie zwischen den Schiefern rasch aus. 
Der Granit ist mittelkörnig, schwach schiefrig, meist glimmerarm. 
Der Glimmergehalt ist bezüglich seiner Qualität ein sehr ungleicher 
in den verschiedenen Teilen der Lager. Das südliche Lager von 
Da rocc geht gegen Osten in einen reinen Muskovitgranit über (auf 
der oberen Malga Soprasasso), während er im Westen zweiglimmerig 
ist; das nördliche Lager am Polinar ist bei Camposecco ein reiner 
Biotitgranit, während nahe dem Gipfel des Polinar wieder fast nur 
Muskovit auftritt. Der Feldspat ist im Polinargranit (Probe vom Gipfel) 
zum größten Teile Mikroklin, zum kleineren Oligoklas; in der Probe 
von Camposecco tritt mehr Plagioklas als am Polinar auf, der meiste 



[171 Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. 17 

Teil des Feldspates ist aber gänzlich zersetzt und es lassen die Zer- 
setzungsprodukte (Glimmer und Kaolin) auch hier auf Vorherrschaft 
des Kalifeldspates schließen. Von dem südlichen Granit wurden keine 
Schliffe angefertigt. Bei beiden ist mehrerenorts die Ausbildung einer 
besonders feinkörnigen Randfazies zu bemerken. 

Ein noch kleineres Granitlager ist auf der Alpe Saent im oberen 
Rabbital, wo der Granit den unteren Teil der Wände bildet, welche 
diesen Talkessel von Saent im Westen umschließen. Es ist ein sehr 
stark flaserigschiefriger Granit, der Biotit und Muskovit enthält. 

Endlich ist noch eine Anzahl ganz kleiner Granitlager zu er- 
wähnen; es finden sich mehrere solche an der Cima Mandriole, an 
der Cima fratta secca und Cima Castello, ober dem Cornaccio, am 
Corno del morte, sämtliche in dem Südabhange, beziehungsweise Seiten- 
graten des Hauptkammes ober Pejo; ferner am Ostkamme des Corno 
dei tre Signori, bei Fucine und mehrere ganz kleine bei Mezzana (an 
der Straße nach Piano und höher oben im Gehänge). Bei diesen 
letzteren wurde die Ausbildung von Turmalin in den anliegenden 
Gneisschichten beobachtet. Alle diese liegen in den Gneisen ; im 
Phyllit wurden keine gefunden. 

Schließlich ist noch der am Rande des Blattes hier hereinragende 
Biotitgranit von Valorz (bei Rabbi) zu erwähnen, der sich durch sein 
gröberes Korn von den anderen abhebt. Er ist undeutlich flaserig. 

Als petrographisch sehr nahe verwandte Bildungen treten dann 
als Lager und Gänge in großer Menge Pegmatite auf. Da an 
anderer Stelle 1 ) schon ausführlich diese Gesteine aus dieser Gegend 
besprochen wurden, so möge hier nur kurz erwähnt werden, daß 
sie als Muskovitpegmatite, glimmerfreie Pegmatite, Quarzgänge und 
Turmalinpegmatite entwickelt sind, daß sie meist konkordant in 
den Schiefern liegen in Lagen mit 50 m Mächtigkeit herab bis zu 
feinsten Adern ; besonders reich an Pegmatiten ist die Tonalegruppe, 
in der besonders die feine Durchäderung der Schiefer zu beobachten 
ist; mächtige Lager treten im Val della Mare etwas taleinwärts von 
Cogolo auf und endlich ist noch eine pegmatitreiche Zone von Cogolo 
über den Cercenapaß und das gleichnamige Tal nach Rabbi zu ver- 
folgen. Kontaktwirkungen treten nur in beschränktem Ausmaße und 
nicht durchweg auf. 

Außer den Pegmatiten treten noch als Gänge, beziehungsweise 
kleine Stöcke Porphyrite und Diorit auf. Es ist besonders der 
Hintergrund des Ultentales, das Weißbrunnertal und die Gegend des 
großen Grünsees, welche solche Gesteine aufweisen. Die Porphyrite 
sind Hornblendeglimmerporphyrite; außerdem wurden zwei Gänge 
von Kersantit (Eggenspitz) gefunden. Auch betreffs dieser Gesteine 
kann auf eine frühere Veröffentlichung hingewiesen werden 2 ). In dem 
ganzen Bereiche zwischen dem Hauptkamme (von Tresero bis Eggen- 
spitz) und dem Noce wurden derartige Gänge nur an zwei Stellen 



') Hammer. Üher die Pegmatite der Ortlergruppe. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1903. 

2 ) Hammer. Porphyrite und Diorit der Ultentaler Alpen. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1903, pag. 65. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Dr. W. Hammer. 3 



IS Dr. W. Hammer. [18] 

gefunden : ein Porphyritgang am Südhange des Monte Villar im 
Cercental und Bruchstücke eines solchen im mittleren Aste der Val 
Albiolo. Im Norden des Kartenblattes aber gehören das hinterste 
Martelltal und besonders der Ursprung des Suldentales zu den Haupt- 
verbreitungsbezirken jener Porphyrite, die von Stäche und John 1 ) 
aus diesem Gebiete beschrieben wurden. Es ist das die Heimat der 
Suldenite und Ortlerite. Auf dem vorliegenden Kartenblatte fand ich 
solche Porphyrite auf den dem Eis entragenden Felskämraen, so einen 
Suldenitgang an der Butzenspitz, zwei an der Eisseespitze und einen 
am Ostkamme der Madritschspitze, ferner mehrere Porphyritgänge am 
Kreilspitz und den Dioritstock vom Königsjoch. Besonders bemerkens- 
wert sind wegen der Rückschlüsse auf das Alter derselben die 
Porphyritgänge, die im triadischeu Ortlerkalk auftreten. Ich habe 
anderenorts 2 ) die Gänge an der Cima della Miniera beschrieben; in 
analoger Weise treten zahlreiche solche Gänge in den Wänden der 
Königsspitz auf (Mitscherkopf, Nordostgrat etc.). Eine nähere 
Untersuchung derselben hoffe ich kommenden Sommer durchführen 
zu können. Alles andere ist im Eis begraben, aber die häufigen 
Rollstücke in den Moränen erzählen von viel zahlreicheren solchen 
Gängen, die unter den Gletschern liegen müssen. Die von Stäche 
beschriebenen Gänge am hinteren Grat liegen bereits im nördlich an- 
stoßenden Kartenblatte. 

Einen großen Teil der Oberfläche des Gebirges bedecken glaziale 
und post glaziale Ablagerungen. Zunächst sind es schon einmal die 
noch bestehenden Gletscher, die in dem Kartenblatte ein sehr großes 
Areal einnehmen, da der Hauptkamm stark vergletschert ist und 
mehrere sehr große Gletscher, nämlich den Suldenferner, Langen- 
und Zufallferner, die Vedretta la Mare und den Moosferner (Vedretta 
Careser) beherbergt (der Fornoglefscher als der größte der Ortler- 
gruppe liegt ganz auf italienischem Gebiete). Ihre Zungen sind umgeben 
von mächtigen Moränenwällen und die vorgelagerten alten Zungen- 
becken sind von ihren Gletscherbächen vollgeschüttet worden. Außerdem 
fiuden wir aber eine große Menge alt glazialer Ablagerungen in den 
Tälern und an den jetzt nicht mehr vergletscherten Bergkämmen. In 
den Hochtälern, die noch Gletscher besitzen, also im oberen Val della 
Mare, im oberen Val del Monte, im oberen Rabbital und Martelltal 
sind altglaziale Ablagerungen fast nirgends liegen geblieben; überall 
bilden die glattgeschliffenen Felsen die Karschwellen und unteren 
Gehänge. Hinter jenen haben sich kleine Seen angesammelt, soweit 
nicht rezente Block- und Schuttfelder die glazialen Erosionsbecken 
erfüllen. Diese Talhintergründe, besonders im Val della Mare und 
Rabbital sowie im obersten Martelltal (Zufall) zeigen in ihrem ganzen 
Umkreise unverhüllt die glazialen Erosionsformen. Dagegen treten in 
den tieferen Tälern mächtige glaziale Materialanhäufungen auf. 

Die Ortschaften Comasine, Celentino und Celedizzo liegen auf 



*) Stäche und John. Eruptiv- und Massengesteiue der Mittel- und Ost- 
alpen. II. Cevedalegebiet. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1879, pag. 317. 

2 ) Hammer. Mitteilung über Studien in der Val Furva und Val Zebru. 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 320. 



[19] Geologische Aufnahme des Blattes Bqrmio— Tonale. [9 

einer Sehutterrasse, die jetzt vom Noce durchschnitten, das Tal 
(Hierüber in sehr bedeutender Mächtigkeit erfüllt (Seehöhe des 
Noce ungefähr 1000 m, oberer Rand der Terrasse 1200—1300 m). 
Die Terrasse ist sehr schön von Äckern und Wiesen überkleidet und 
bietet nur sehr wenig Aufschlüsse. An denen in der Noceschlucht 
ist der Schutt schichtungslos, kleinkörnig mit einzelnen großen darin 
eingebetteten Blöcken. Gesteine von sicher bestimmbarer erratischer 
Herkunft beobachtete ich nicht. Dagegen liegt am Ausgange der 
Schlucht des Torrente Drignana zwischen Celedizzo und Celentino eine 
deutlich ausgeprägte Grundmoräne auf der Terrasse. Um Gehänge- 
schuttbildungen kann es sich bei dieser Terrasse nicht handeln, da 
an dem Gehänge darüber irgendwelche der Mächtigkeit der Schutt- 
massen entsprechende Talungen oder Abrißgebiete vollständig fehlen. 
Am wahrscheinlichsten besteht der Hauptteil der Terrasse aus umge- 
schwemmtem Moränematerial. Auf einer ähnlichen, wenn auch weniger 
ausgeprägten Terrassenbildung liegt das Dorf Pejo (1504 m). Ober dem 
Dorfe bei S. Rocco liegen alte Moränen offen. Die Glazialbedeckung 
erstreckt sich hier von dem Bergeck zwischen Val del Monte und 
Val della Mare bis zur Malga Coel (1800 m). Auch hier ist der größte 
Teil, besonders der ganze untere Teil von Vegetation bedeckt. An dem 
von der Val Vioz herabkommenden Bache tritt der darunterliegende 
Gneis zutage. Gegen Westen enden die Schuttbildungen in der Val 
Taviela, an deren rechten Bachufer der Gneis ansteht, während die 
linke Flanke von der Malga Coel abwärts von den Schuttmassen ge- 
bildet wird. Diese zeigen im oberen Teile eine sehr flach liegende 
Schichtung und haben im ganzen die Struktur von Moränen. In der 
Höhe von 1800 m liegen hier auf der Malga Coel am vorderen Rande 
des Almbodens auf jenem geschichteten Schutt mächtige, über den 
dahinter liegenden Boden emporragende Wälle von großen Blöcken. 
Diese Stirnmoränenwälle haben ursprünglich einen kleinen See auf- 
gestaut, der dann durch die Gletscherbäche zugeschüttet wurde und 
jetzt durch eine sumpfige Wiese vertreten wird. Höher oben im Val 
del Monte befindet sich ein zweites, bedeutend größeres, verschüttetes 
glaziales Seebecken, der Boden der Malga Palu, oberhalb der Fontanina 
di Celentino. Der Stauwall besteht aber hier nicht aus Moränen, 
sondern aus anstehendem Fels ; das Becken ist aus dem Felsen heraus- 
gearbeitet und wird jetzt von einer Sumpfwiese eingenommen. Eine 
analoge Terrassenbildung wie die von Comasino — Celedizzo sperrt bei 
Piazzola das Rabbital. Die Ortschaft Piazzola mit ihren Kulturen liegt 
auf der Höhe der Terrasse (rund 1300 m), während das Bad Rabbi 
der Heilquellen wegen in der Tiefe der Schlucht (bei 1200 m) liegt, 
mit welcher der Noce die Schuttalsperre durchbricht. 

Diese altglazialen Terrassen und Moränendecken sind in diesen 
rauhen, steilhängigen Tälern die Lebensbedingung für die mensch- 
liche Besiedlung. Mit Ausnahme der am Noce von Fucine abwärts 
gelegenen Ortschaften liegen alle anderen hier auf den Schottern und 
Moränen der Eiszeit aufgebaut, die ihnen den Humus für ihre Felder, 
eine geringere Neigung und über der kühlen Talschlucht erhobene 
sonnigere Lage für ihre Häuser und Kulturen gewähren. Die drei Dörfer 
in Vermiglio liegen auf postglazialen Schuttkegeln. Gleichalterig mit 

3* 



20 Dr - W. Hammer. [20] 

jenen tiefgelegenen Relikten der Hauptgletscherströme dürften die von 
den Lokalgletschern in den südlichen Tälern der Tonalegruppe abge- 
lagerten Terrassen sein, die von der Mündung bis tief hinein in die Täler 
reichen und die Alpen bilden (1600—1900 m, Terrassenhöhe 1700 m). 
Es sind dies wohl alles Stauungsbildungen, indem die an der so jäh 
und hoch aufsteigenden Nordseite der Presanellagruppe befindlichen 
Gletschermassen noch im Vermiglio- und Nocetal lagen, als sich die 
sonnseitigen Gletscher des viel weiter zurückliegenden Hauptkammes und 
der kleinen Lokalgletscher der Tonalegruppe schon zurückzuziehen be- 
gannen. Eine analoge Bildung liegt an der Nordseite des Cercenatales. 

Die weite Hochfläche des Tonalepasses ist fast ganz bedeckt mit 
Moränen, die sich hoch in die Val Albiolo hineinziehen und am Ge- 
hänge weit hinaus gegen Strino. Als Zeugen des letzten Rückzugs- 
stadiums (Daunstadium) sind besonders in der Tremenescagruppe, aber 
auch in der Tonalegruppe zahlreiche Moränenringe stehen geblieben. 
Auf der flach geneigten Südseite der Tremenescagruppe fehlen sie in 
keinem Kar — oft sind mehrere Ringe nahe übereinander — die sich 
alle in einer Höhe von 2400 m durchschnittlich halten. An der Nord- 
seite liegen sie bei 2000 m. In der Tonalegruppe sind sie nicht so 
deutlich entwickelt und mehr in der Höhe wechselnd. In den Karen 
der Nordseite aber liegen sie hin und hin in 2200 — 2300 m Höhe; 
im Val Comegiolo tritt noch ein zweiter, 300 m höher gelegener Wall 
auf; ähnliches zeigt auch die Val Verniana. 

Als letzte Sedimentbildungen liegen in allen Karen und Hoch- 
tälern ausgedehnte Schuttablagerungen und Halden sowie in den Tal- 
tiefen Bachalluvionen und große Schuttkegel der Bäche. Ein größerer 
postglazialer Bergsturz ist vom Dente di Vioz in die Val Vioz herab- 
gebrochen. 

Tektonik. 

Die Schichten dieser Gebirge sind in lang hinziehende, vorwiegend 
NO— SW streichende Falten gelegt, ebenso wie in den Ultentaler 
Alpen, deren Faltenzüge sich eben nach SW fortsetzen. Mit Ausnahme 
der Stellen, wo Querverwerfungen den Zusammenhang stören, wie es 
bei S. Bernardo di Rabbi der Fall ist, setzen die tektonischen Elemente 
aus den Ultentaler Alpen direkt auf das westliche Gebiet über. 

In der Nordostecke des Blattes treten die den Kamm des nörd- 
lichen Astes der Ultentaler Alpen einnehmenden Phyllite auf das Blatt 
Bormio— Tonale über. Die Phyllite bilden vom Ultener Hochjoch an 
eine dem Kamme parallel laufende Mulde, der sich bald im Süden eiu 
Sattel angliedert. Die genannte Mulde ist als ein tektonisches Leit- 
element längs des ganzen Kammes vom vordersten Teile des Ulten — 
Vintschgauer Kammes bis zum Cevedale hinein zusammenhängend zu 
verfolgen, also auf eine Erstreckung von rund 32 Jan. Die Muldeu- 
achse verläuft fast durchaus nördlich nahe unter dem Kamme. Der im 
Süden sich angliedernde Sattel zieht von der Südseite des Hasenohrs 
zum Gipfel der Zufrittspitze und von dort zum Kamm Eggenspitz — 
Lorkenspitz, wo er in mehrere kleinere sekundäre Fältchen oder 
vielleicht besser gesagt Schollen zerlegt ist. Sattel und Mulde sind 



[21] Geologische Aufnahme des Blattes Bormio — Tonale. 21 

schon vom Tuferspitz an (südwestlich des Hasenohrs) steil aufgerichtet. 
An den Südschenkel des Gewölbes stößt auf der Tuferalpe durch eine 
Längsverwerfung getrennt eine flache weite Mulde — in ihrer Tiefe 
schneidet der oberste Lauf der Faltschauer sich ein — die zum 
Schwäizerjoeh hinaufzieht, wo sie in voller Weite den langen, die 
Neigung der Schichten in seinem Gefälle nachahmenden Kamm Gleck— 
Eggenspitz bildet. Hier am Kamm liegt sie ganz in den Phylliten, 
während im Weißbrunnertale die darunter liegenden Gneise ange- 
schnitten sind. Sie läuft an jenem Kamm in die Luft aus und ebenso 
auch der nördlich anschließende Sattel der Eggenspitz, denn jenseits 
des tiefen Rabbitales, gegen welches der Gleckkamm abfällt, ist nichts 
mehr davon vorhanden. Die darunterliegenden Gneise verflachen sich 
in dem Gehänge gegen Saent hinab vollständig; östlich ober Saent 
liegen sie fast ganz söhlig. Am Wege von Saent zum Rifugio Dorigoni 
sind noch flach südostfallende Schichten des Nordflügels jener Mulde 
zu sehen, an den westlichen Hängen des Tales unter der Ciraa Careser, 
in der Valetta, aber fällt bereits die ganze Gneismasse einheitlich 
flach nach Nordwest ein. An dem das Rabbital vom Val della Mare 
trennenden Kamme liegen vom Passo Verdignana, wo die Phyllit- 
gneise auf dem Verdignanagranit liegen, bis zum hinteren Rothspitz 
hinein die Schichten hin und hin flach nordwestfallend, von Cima 
Pontevecchio an die Phyllite über den die tieferen Gehänge bildenden 
Phyllitgneisen als ein mächtiger Südschenkel der Hauptkammulde, 
deren Achse ungefähr an der Gramsenspitze auf der Marteller Seite 
durchstreicht. Es verdankt jedenfalls das oberste Rabbital seine flach- 
wellige, weite Form neben der Erosion der Gletscher dieser Lagerungs- 
form der Gesteine und das gleiche gilt von dem Moosferner (Vedretta 
Careser), dessen Firnbecken bei sehr großer Ausdehnung eine Flach- 
heit besitzt, wie ich mich in den Ostalpen nur am Gepatschferner 
erinnere, sie in ähnlicher Weise hervortreten gesehen zu haben. 

In der oberen Val della Mare steigert sich wieder die Intensität 
der Zusammenfaltung der Phyllite von Osten gegen Westen zu rasch. 
Am Westrande des Moosferners zeigt sich die Ausbildung einer ein- 
seitigen Mulde an der Cima Lagolungo in den am Ostrande des Ferners 
noch einheitlich nach NW fallenden Phylliten. Nördlich derselben 
sind die Schichten sehr steil, teilweise seiger aufgerichtet, einen Sattel 
zwischen der genannten Mulde und der Hauptkammsynklinale bildend. 
Und im obersten Val della Mare ist diese steile mehrfache Zusammen- 
faltung noch gesteigert: die Mulde von Cima Lagolungo zeigt am 
Dosso Venezia, dem östlichen Absenker des Palon della Mare, sehr 
steile Schichtstellung und beim Rifugio Cevedale erscheint noch eine 
kleine, sehr steil aufgerichtete Mulde zwischen jener und der Haupt- 
kammulde, die hier übers Hoheufernerjoch auf die Südseite des 
Kammes übertritt und unter der Fürkelescharte durchziehend bald 
darauf unter dem Eismantel der Vedretta la Mare verschwindet; sie 
überschreitet wahrscheinlich zwischen dem Monte Rosole, der noch 
nordfallende Schichten zeigt, und dem Cevedale die Landesgrenze. 

Im ganzen obersten Martelltale und dem Madritschtale, soweit sie 
auf dem Blatte Bormio— Tonale liegen, fallen die Phyllite durchaus 
mit steiler Neigung S, beziehungsweise SSO ein bei einem zwischen OW 



22 Dr. W. Hammer [22] 

und ONO — WSW schwankenden Streichen. Es prägt sich dies auch in 
der pultartigen Form der Kämme aus, die gegen Süden der Schichtlage 
entsprechend geneigte Hänge haben, während nach Norden die Schicht- 
köpfe in Wandstufen abbrechen. Daß diese ganze südfallende Schicht- 
masse tektonisch eine ungestörte Folge von Schichten ist, ist sehr 
unwahrscheinlich, denn dieses kontinuierliche Südfallen umfaßt nicht 
nur das oberste Martelltai, sondern reicht bis ins Laasertal hinüber, 
so daß man bei der petrographischen Gleichheit eine Mächtigkeit des 
Quarzphyllits von 8—10 km erhielte. Es handelt sich hier gewiß eher 
um vollständig zusammengeklappte Falten oder um Schuppenstruktur 
und die bereits oben beschriebenen Einlagerungen von Chloritschiefer 
und Gips am Eisseekamm, beziehungsweise an den Vertainen sind ein 
deutliches Anzeichen hierfür. Genaueres wird die weitere Untersuchung 
der Laasergruppe voraussichtlich lehren. 

Wir kehren wieder auf die Südseite des Gebirges zurück. Auch 
die Falten der oberen Val della Mare verschwinden unter der Eis- 
und Firnbedeckung des hier nach Süden verlaufenden Hauptkammes. 
Vom Monte Vioz an, wo der Kamm sich wieder gegen SW wendet, besteht 



C.Iomlvu^ S. 




gn = Gemeiner Gneis. — pgn = Phyllitgneis. — q ■= Quarzite. — Fh = Phyllit. 

gr = Granit. 
X X Dieser Teil des Profils verlauft im Streichen der Schichten. 

nur der oberste Teil der Kette noch aus Phylliten, die hier der all- 
gemein gegen Westen zunehmenden Zusammendrängung der Falten 
entsprechend steil und eng zusammengeschoben sind. Am Monte Vioz 
und an der Punta Taviela fallen die Phyllite sogar unter die Phyllit- 
gneise hinein. Da die Phyllite nach den Beobachtungen an allen 
anderen Profilen jünger sind, so hat hier eine Überfaltung oder steile 
Aufschiebung stattgefunden; wahrscheinlich das letztere, weil auch 
die weiter westlich gelegenen Seitenkämme in ihrer Lagerung auf das 
Auftreten einer Verwerfung an dieser Stelle schließen lassen. Am Süd- 
kamme der Ptocca S. Caterina stoßen Phyllit und der hangende Quarzit 
der Gneisformation wie Muldenschenkel gegeneinander, schon liegt 
aber bereits etwas Phyllit auf dem Quarzit und am nächsten Seiten- 
kamm, dem der Cima Cadini, bilden die Phyllite bereits eine auf dem 
Gneise liegende kleine Mulde. Den obersten Teil des Grates vom 
Monte Vioz zur Cima Cadini bildet ein daranschließender Sattel, dessen 
Scheitel bei der Rocca S. Caterina auf die Nordseite übertritt, während 
er östlich davon den obersten Teil der südlichen Seitenkämme ein- 
nimmt. Vom Col degli Orsi an westlich bis zur Sforcellina, am Monte 



[231 



Geologische Aufnahme des Blattes Bormio -Tonale. 



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24 Dr. W. Hammer. [24] 

Giumella, Punta S. Mateo, Cima Dosegu und den Seitenkämmen ist nur 
mehr eine einheitlich steil südostfallende Phyllitfolge zu sehen, die 
den Kamm des Gebirges bildet und ihm folgend bis zu den Quellen 
des Noce herabsteigt. 

In dem an den Phyllitbezirk des Hauptkamines südlich sich 
anschließenden Phyllitgneisterrain findet sich auch ein tektonisches 
Element, das der obigen „Leitmulde" des Hauptkammes an Länge und 
deutlicher Ausprägung entspricht. Es wurde oben von der Mulde des 
Weißenbrunnertales, Schwärzerjoches und des Gleck gesprochen, die 
über dem hinteren Rabbital ausläuft. Ihr entspricht im Süden jene 
Antiklinale von Schichten, in welche das Kirchbergtal und das innere 
Ultental eingeschnitten ist. Ihr Scheitel erreicht bei der Seenplatte 
des Rabbijoches den Kamm. In dem Gehänge des Gleck und Saßfora 
gegen Bad Rabbi ist sie nicht erkennbar. Es treten hier vielfach 
Störungen durch abnorme Streichungsrichtungen ein ; wo dies nicht 
der Fall, neigen sich die Schichten immer mäßig gegen NNW. Erst 
am Kamme zwischen Rabbital und Val della Mare tritt dieser Sattel 
wieder deutlicher auf. In ihm und mit ihm flach aufgewölbt steckt 
hier der mächtige Granitfladen der Cima Verdignana in den Phyllit- 
gneisen. Die Lagerung der Schichten an diesem Granit wurde schon 
oben beschrieben, ebenso die kleine Mulde in seinem Hangenden, die 
den Kamm des Monte Villar und Monte Sole einnimmt. Dieser mächtige, 
weit und flach gewölbte Sattel wird von der unteren Val della Mare 
tief durchschnitten und ist dann an der Westseite des Tales und 
beiderseits der Cima di Vioz deutlich ausgeprägt zu sehen. Von hier 
an gegen West aber steigert sich die Intensität der Zusammenfaltung 
genau analog wie in den Phylliten rasch; im Gehänge ober den Alpen 
von Termenago sind an Stelle des einen Sattels zwei getreten; im 
Val degli Orsi bilden die Gneise einen steil aufgerichteten Sattel und 
eine daranschließende Mulde in den untersten Hängen und noch weiter 
oben im Val del Monte, Val piana, Val Umbria ist vom Kamm bis zum 
Tal herab nur mehr eine jäh aufgerichtete Masse von Phyllit und 
Gneis vorhanden, in der man bei herrschender SO-, beziehungsweise 
SSO-Neigung in den Gneisen an dem stellenweise auftretenden NNW- 
Fallen noch die Andeutungen eng zusammengepreßter Falten sieht. 

Bedeutend weniger klar ist die Tektonik des südlich der Linie 
Rabbi — Cercen — Pejo — Sforcellina liegenden Gebietes, weil hier große 
Störungen den Zusammenhang zerreißen. Vom Cercenapaß an westlich 
liegt, wie schon oben angeführt wurde, auf dem aus Phyllitgneis be- 
stehenden Sattel die Quarzserie von Pejo, welche die Nordseite der 
Tonalegruppe und das Gehänge ober Cogolo aufbaut. Sie gehören in 
dem Gehänge Cercen — Cogolo sicher dem Südschenkel des Verdignana- 
gewölbes an ; im Val del Monte aber scheint es mir wahrscheinlicher, 
daß ihre Zugehörigkeit zu diesem Schenkel keine so direkte ist, 
sondern daß eher längs einer Verwerfung eine Teilung dieses Schenkels 
und ein Emporschieben des südlichen Teiles stattgefunden habe, weil 
sie bei ungestörter Auflagerung auf den Gneisen der nördlichen Tal- 
seite in ein so hohes Niveau der Schichten kämen, daß man sie mit 
den Phylliten in Äquivalenz stellen müßte, wogegen andere Gründe 
sprechen. Zudem ist an der Cima Ercavallo tatsächlich eine solche 



[25 1 Geologische Aufnahme (Ick Blattes Boxmio— Tonale. 

Verwerfung vorhanden, indem die kleine Kappe von flachliegenden 
Phylliten, die hier noch erhalten geblieben ist, abstößt von den steil 
aufgerichteten Quarziten, die dort im Liegenden der quarzitischen 
Gneise von Pejo zum Vorschein kommen. Diese Verwerfung liegt dort 
genau in der Fortsetzung der Richtung der unteren Val del Monte von 
der Malga Palu abwärts, so daß die Fortsetzung der Verwerfung eben, 
wie vermutet, der Talsohle der Val del Monte folgen würde. 

An der Südseite der Tonalegruppe bilden die* Schichten am 
Monte Mezzolo, dem südöstlichen Seitenkamme des Redival, eine deut- 
liche Falte ; am Monte Mezzolo selbst liegt der Sattel derselben in 
den mit Pegmatit durchäderten Gneisen und eine entsprechende Syn- 
klinale bilden die nordfallenden Schichten des Monte Mezzolo mit den 
steil südfallenden Schiefern des Redival. Dasselbe ist auch noch an 
der Ostseite der Val di Strino zu sehen. Bereits an der Westseite 
dieses Tales sind die Schichten aber wieder so steil aufgerichtet, daß 
die Falte kaum mehr zu erkennen ist, und in der Val Albiolo neigt 
sich das ganze Schichtpaket steil nach SSO, so daß ein hier durch die 
Val Albiolo und das obere Nocetal vom Tonale bis zum vergletscherten 
Hauptkamm gezogenes Profil durchaus südostfallende Schichten zeigt, 
und erst die Verfolgung der Schichten gegen Osten lehrt, daß es sich 
hier um zusammengeklappte, nach N überkippte Falten handelt, in 
denen aber mangels einer sicheren stratigraphischen Gliederung der 
Gneisformation die einzelnen Sattel- oder Muldenschenkel nicht mehr 
unterschieden werden können. 

In dem weiter östlich gelegenen Teile der Südseite der Tonale- 
gruppe, im Umkreise der Val Saviana, liegt einer jener Bezirke vor. 
wo das Streichen der Schichten quer zu dem sonst hier herrschenden 
verläuft und von denen Beispiele bereits aus den südlichen Ultentaler 
Alpen beschrieben wurden. Der ganze Kamm von der Cima Forzilin 
zur Cima Boai, sein Gehänge in der Val Saviana bis Caccio Dassare 
über Cortina und der Kamm zwischen Val Saviana und Val Verniana 
zeigen ein Streichen der Schichten von NW nach SO, beziehungsweise 
WNW nach OSO. Die Kämme folgen diesem Streichen ; am Kamme 
von Cima Forzilin zum Monte Palu, der den Hintergrund der Val 
Saviana bildet, streichen die Schichten wieder mit Ausnahme kleiner 
Schollen NO — SW und der Kamm verläuft gleich. Wo viele Aufschlüsse 
die Grenzen der Bezirke verfolgen lassen, sieht man, daß der Über- 
gang aus dem einen ins andere Streichen ein bruchweiser ist; es 
findet an der Grenzzone eine Zertrümmerung in ganz kleine Schollen 
statt, die im kleinen das Bild im großen widerspiegeln, indem sie sich 
bald in der einen, bald in der anderen Richtung quer gegeneinander 
sperren, wobei aber auch oft dazwischenliegende Streichungsrichtungen 
auftreten. Auch in der Gegend der Erzvorkommen ober Comasine 
tritt eine Menge kleiner derartiger Störungen auf. 

In noch größerer Ausdehnung treten solche querstreichende 
Regionen in der Tremenescagruppe auf. Ein bemerkenswerter Unter- 
schied tritt aber dadurch ein, daß hier auch allmähliche Übergänge 
von der einen in die andere Streichungsrichtung auftreten. Die ganze 
große Fläche zwischen Malga Tremenesca, Malga Camposecco. Malga 
Polinar, dein Rabbital, Val Salezi und dein Kamme Camucina— Pozze 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, l. Heft. (Dr. W. Hammer.) 4 



26 Dr. W. Hammer. [26] 

ungefähr wird von NW — SO bis NNW— OSO streichenden Schichten 
eingenommen. Im Cercenatale und ober Bad Rabbi lassen die häufigen 
Rutsch- und Zerquetschungserscheinungen in den Pegmatiten und in 
den Phyllitgneisen auf eine bruchweise Trennung schließen ; am Monte 
Polinar wird der Wechsel teilweise auch durch die Einlagerung der 
Granite bedingt. Im Bereiche des Hauptkammes dieser Gruppe sind 
die Streichungsrichtungen mehrfach durch Übergänge miteinander ver- 
bunden und nur in geringerem Maße plötzliche bruchweise Änderungen 
vorhanden. So tritt ein solcher Übergang im obersten Salezitale durch 
NS streichende Schichten ein, auf den Alpen Valenaja und Valetta 
durch OW streichende Schichten. Die NW— SO streichenden Schichten 
dieses Bezirkes bilden an der Mezzana (Berggipfel zwischen Lago 
Salezi und Lago rotondo) einen steilen Sattel sowie auf der Alpe 
Tremenesca eine kleine Falte, sonst fallen sie durchaus gegen SW 
ein. Ebenso ist das zweite größere querstreichende Gebiet dieser 
Gruppe, nämlich das breite Bergeck zwischen Celentino und Castello, 
durch Übergänge mit den NO — SW streichenden Schichtkomplexen 
verbunden. In der Gegend von Castello sind die Schichten mehrfach 
in quer gegeneinander streichende Schollen verworfen. Betreffs der 
Details sei auf die Kartenskizze verwiesen. Es entsteht durch diese 
Übergänge und verschiedenen Streichungsrichtungen die eigentüm- 
liche Erscheinung, daß die Schichten rings um diese Gruppe in 
einem gebrochenen Kreise herumstreichen, wobei das Fallen mit 
Ausnahme der Strecke Camucina — Mezzana (Dorf) nach innen gerichtet 
ist. Im Innern ist eine analoge halbkreisförmige Krümmung der 
Schichten im Gelände hinter Castello bis zu den Alpen hinauf zu sehen. 
Der nach außen fallende südöstliche Rand bildet mit den nordwest- 
fallenden Schichten des Gehänges des Sass dell' Anel die Fortsetzung 
der Mulde von Mont dent im Rabbital. (Siehe : Die kristallinen Alpen 
des Ultentales. I.) 

Als Erklärung dieser eigenartigen Tektonik erscheint mir immer 
noch die Annahme am passendsten, daß sie auf zweimalige gebirgs- 
bildende Bewegungen zurückzuführen ist, die in zwei senkrecht auf- 
einander stehenden Richtungen gewirkt haben. 



W. Hammer: Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. 






Tektonische Kartenskizze. 



Zeichenerklärung: 

■ Gemeiner Gneis und Gneisglimmerschiefer. — pgn = Phyllitgneis. — q = Quarzit, Quarzitschiefer und Grauwacke (in der Pejoserie). — K = Kristalliner Kalk. 

o = Amphibolit. — Ph = Phyllit. — gr = Granit. — P = Pegmatit. — e = Eis und Firn. 

Maßstab der Profile: 1:90.000. — Maßstab der Kartenskizze: ungefähr 1:150.000. 

X X Dieser Teil des Profils verlauft im Streichen der Schichten. 



Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band LV, 1905. 

Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasnmofskygasse 23. 



I ! ; I 



Säugetierreste von Wies. 

Von A. Hofmann. 

Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. II). 

Gelegentlich der Besichtigung der Neuerwerbungen der letzten 
Jahre an der k. k. montanistischen Hochschule in Leoben wurden 
mir vom Herrn Hofrat H. Höfer auch die Säugetierreste von Steier- 
mark vorgezeigt, unter welchen sich auch zwei neue Funde von Wies 
befanden. 

Da ich seit Dezennien den miocänen Säugetieren der Steier- 
mark ein besonderes Interesse entgegenbringe, so wurden mir diese 
Reste mit der größten Zuvorkommenheit vom obgenannten Herrn zur 
Präparation und Bestimmung übergeben, wofür ich an dieser Stelle 
mich der angenehmen Pflicht entledige und hierfür meinen Dank ab- 
statte. 

Von Wies direkt sind uns, abgesehen von den seinerzeit häufig 
vorkommenden Resten von Mastodon angiistidens, keine weiteren Säuge- 
tierreste bekannt, weshalb ich die mir vorliegenden Funde einer 
kurzen Besprechung unterziehe und zum Teil auch abbilde. 

Der eine Rest gehört einem biberähnlichen Nager an, das ist 
Steneoßber (Chalicomys) Jaegeri Kaup. sp., und der andere stammt 
von einem Vorfahren unserer Dachse ab. 

Vom Steneoßber Jaegeri liegt ein zerdrücktes Schädelfragment 
mit zum Teil erhaltener Bezahnung vor. 

Der rechtseitige Nagezahn, so auch die fast komplette link- 
seitige Oberkieferzahnreihe weisen die Charaktere dieser Art auf, 
bieten aber nichts Neues, weshalb von einer neuerlichen eingehenderen 
Beschreibung abgesehen werden kann. 

Trochidis cf. hydrocyon P. Gerv. 

Tafel II, Fig. 1—5. 

Das in der lignitartigen Kohle eingebettete Schädelstück war 
bis auf die Dicke der Kieferkörper zusammengepreßt ; leider wurde 
dann noch bei der versuchten mechanischen Präparation das Fossil 
stark beschädigt, indem die Zähne zerklüftet und zum Teil zersprengt 
wurden. Die chemische Präparation erwies, daß fast der ganze Vorder- 
schädel mit beinahe der kompletten Bezahnung in die Kohle zur Ab- 
lagerung gelangte. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (A. Hofmann.) 4* 



28 A. Hofmann. [2] 

Vom 

Oberkiefer 

liegen vor: das in Fig. 1 abgebildete Schädelfragment mit den Eck- 
zähnen und dem zweiten Prämolar, ein stark beschädigter Reißzahn 
und der linkseitige Molar. 

Die Inzisive auf Fig. 1 sind nur durch ihre Wurzeln repräsentiert. 
In den Fragmenten fand sich ein Schneidezahn vor, der als J 3 zu 
deuten wäre; er ist sehr abgenutzt und zeigt annähernde Größe wie 
der gleiche Zahn bei Meles. Die Eckzähne sind konisch, seitlich 
komprimiert, sanft nach rückwärts gebogen und mit einer feinen 
Längsfältelung des Schmelzbleches versehen ; am Wurzelhalse mißt 
der Durchmesser von vorn nach hinten 9 mm, von außen nach innen 

7 mm. Die Länge der Eckzähne vom Wurzelhalse bis zur Spitze 
dürfte 20 mm betragen haben. 

In Fig. 1 folgte direkt auf den Eckzahn, kaum 1 mm Zwischen- 
raum, der einwurzelige erste Prämolar ; dieser ist am rechtseitigen 
Kiefer durch eine mit kohliger Substanz ausgefüllte Alveole und 
linkerseits durch die noch sitzende Wurzel angedeutet. 

Der zweite Prämolar (Fig. 1, Taf. II) stellt einen etwas seitlich 
(von innen nach außen) komprimierten Kegel dar, dessen hintere Zahn- 
kante einen schwachen Zacken trägt; die ganze Zahnkrone ist von 
einem deutlichen Basalwulst umsäumt, der insbesondere auf der Innen- 
seite stark entwickelt ist. Die Länge dieses Zahnes beträgt zirka 

8 mm, die Breite 5"5 mm. 

Der Reißzahn, der nur in einem größeren Fragment vorliegt, 
muß ziemlich stark gewesen sein, wenigstens kann nach dem inneren 
grubigen Talon hierauf geschlossen werden. 

Der dem Reißzahn folgende Molar zeigt einen rechteckigen Quer- 
schnitt; die Außenseite trägt zwei starke Höcker und innen einen 
ziemlich breiten vertieften Talon, der von einem Basalwall umgeben 
ist. Innerhalb dieses Talons ist etwa in der Mitte der rückwärtigen 
Seiten ein Sekundärhöcker vorhanden. 

Dieser Zahn bildet etwa die Mittelform zwischen Plesiäis und 
Martes bei einem annähernden Größenverhältnisse wie bei unserem 
Dachse Meles. Die Länge beträgt 10 mm und die Breite 145 mm. 

Der Bau und auch die Größe dieses Molars entspricht dem 
unteren mit einem langen Talon versehenen Reißzahn vollkommen, 
wie es bei Trochictis im Hinblicke auf den unteren Carnassiere bis 
nun vorausgesetzt wurde; es findet die Diagnose Schlossers (1. c. 
pag. 126) ihre Bestätigung. 

Bis nun war uns die Bezahnung des Oberkiefers unbekannt, 
denn alle bis jetzt in Sansan, Käpfnach etc. vorgefundenen Reste 
der Trochictis-Avten machen uns nur mit der Unterkieferbezahnung 
vertraut. 

Daß dieser Zahn nicht durch Zufall, durch etwaige Einschwemmung 
unter diese Fragmente gelangte, ist wohl als ausgeschlossen anzu- 
nehmen, da nach der Lage der Bruchstücke der verdrückten Knochen 
nur der Schädel eines Individuums vorliegen kann. 



[3] Säugetierreste von Wies. 29 

Vom 

Unterkiefer 

sind beide Äste (Fig. 2—5, Taf. II) erhalten, die noch leidlich die 
Bezahnung dieser Art erkennen lassen. 

Die plumpen Unterkieferäste zeigen neben dem Eckzahn die 
randlichen stumpfen Schneidezähne, die nicht ganz intakt sind. 

Die Eckzähne (Fig. 2-- 5, Taf. II) sind konisch, seitlich etwas 
gedrückt, nach hinten stark gebogen, am Wurzelhalse stark verdickt, 
das Schmelzblech mit zahlreichen Runzeln versehen; die Wurzel ist 
komprimiert. Die Länge der Eckzähne beträgt 10 mm bei einer Breite 
von 7 mm. 

Die Prämolarreihe besteht im ganzen aus vier Prämolaren. 

Der erste Prämolar ist am rechten Unterkieferaste durch eine 
mit kohliger Substanz ausgefüllte Alveole angedeutet. Aus den uns 
überlieferten Fragmenten des zweiten bis vierten Prämolars des 
linken Astes (Fig. 4 und 5, Taf. II) ist ersichtlich, daß dieselben dicht 
einander folgten. 

Alle Prämolare haben gleiche Form, vom zweiten bis vierten 
Prämolar an Größe und Höhe erheblich zunehmend und alle tragen 
an der hinteren Zahnkante einen schwachen Nebenzacken und alle 
sind von einem kräftigen Basalwulste umsäumt. 

Am vierten Prämolar steigt aus dem Basalwulste auch an der 
Vorderkante ein kleiner Nebenzacken empor. 

Die Messungen der einzelnen Prämolare ergaben folgende 
Resultate : 





P* 


P, 


^4 


Länge . 


. . 6-5 


90 


100 mm 


Breite . 


— 


5-0 


50 „ 



Vom unteren Reißzahn ist nur der Vorderzacken erhalten (Fig. 3, 
Taf. II) der sich als eine Schneide darstellt; nach den vorhandenen 
Bruchflächen dürfte dieser Zahn einen Innen- und einen Außenzacken 
besessen haben, sowie auch einen Talon, denn die rückwärtige Wurzel 
ist weit hinten gelegen. Die Länge muß über 12 mm betragen haben. 

Aus den angedeuteten und vorhandenen Zähnen resultiert die 

Zahnformel : 

3 T 1 , '? „ 1 ,, 
_j_.C_A._j, 

ziehen wir noch die weiteren Merkmale dieser Zähne in Betracht, so 
kann dieser Rest nur einer Trochictis- Art angehören. 

Von den bekannten Trochictis- Arten sind in erster Linie jene 
von Sansan, die Gervais (Zoolog, et Pal. franc.) und Filhol (Annal. 
Sc. geol. XXI, 1891) beschreiben und abbilden, zum Vergleiche heran- 
zuziehen. 



30 A. Hofmann. [4] 

Unter diesen stellt sich am nächsten Trochictis hydrocyon sowohl 
im Hinblicke auf den Bau wie auch auf die Maßzahlen der einzelnen 
Zähne, so auch der ganzen Zahnreihe. Die Länge der ganzen Zahn- 
reihe mißt bei Trochictis hydrocyon von Sansan 45 mm, beim vor- 
liegenden Fossil 43 mm ohne dem ersten Prämolar, der wahrschein- 
lich nicht viel mehr und auch nicht weniger als 2 mm betragen 
haben mag. 

Hinsichtlich der Höhe des massiven Unterkiefers stimmt unser 
Stück auch recht gut mit den Abbildungen dieser Art von Sansan. 



Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von 

Brunn. 

Von Dr. Franz E. Suess. 

♦ Mit einer Kartenskizze und 4 Figuren im Text. 

1. Querverwerfungen im Gebiete der Devonkalke. 

Die altpaläozoischen Faltenzüge der Sudeten, welche in Mähren 
und Schlesien das Niedere Gesenke und im Westen der Olmützer 
Ebene das Plateau von Drahan zusammensetzen, enden plötzlich 
unweit Brunn an den Gesteinen der ausgedehnten Eruptivmasse. 
Das Tal der Zwittawa von Blansko abwärts liegt bereits ganz in den 
granitischen Tiefengesteinen. Der östliche Plateaurand über der tief- 
eingesenkten Erosionsfurche besteht aber noch aus devonischen Kalken. 

Zwischen dem Kalke und dem Granit ist ein stellenweiser unter- 
brochener und wechselnd breiter Saum von roten Sandsteinen, Quarz- 
und Granitkonglomeraten eingeschaltet, welche aus Gründen der 
Lagerung den fossilführenden Schiefertonen von Petrowitz bei Raitz 
gleichgestellt und zum Unterdevon gerechnet wurden ] ). 

In dem 3 — 5 hm breiten Kalkzuge, der von Sloup bis zum 
Hadyberge bei Brunn südwärts zieht, sind — wie schon seit längerer 
Zeit bekannt ist — sowohl Mitteldevon (Stringocephalen-Querschnitte) 
als auch Oberdevon 2 ) (Clymenienkalke am Hadyberge), vertreten. 
Vermutlich gehören auch die Kramenzelkalke und die dunklen Kalk- 
schiefer von Kiritein und Ostrow weiter im Norden zum Ober- 
devon 3 ). Im westlichsten Vorsprunge des Kalkgebietes am Hady- 
berge, und zwar in einem am Waldrande im Gehänge über der 
Zwittawa gelegenen Steinbruche, sind die obersten Lagen mit den 
Clymenien aufgeschlossen. Es sind dunkle schiefrige Knollenkalke ; die 



*) A. Makowsky. Der petrefaktenführende Schieferton von Petrowitz in 
Mähren. Verhandl. d. naturforsch. Vereines Brunn, Bd. XI, 1872, pag. 107. — Von 
manchen Autoren wird diese Bildung schlechtweg als „Old red" bezeichnet. Ich 
glaube jedoch, daß man diese relativ spärlichen Sedimente mit den marinen Fossilien 
von Petrowitz nicht ohne weiteres den viele tausend Fuß mächtigen Süßwasser- 
bildungen, welche in England das ganze Devon umfassen, gleichstellen darf. 

2 ) A. Rzehak. Oberdevonische Fossilien in der Umgebung von Brunn. 
Verhandl. d. k. k. geol. R, : A. 1891, pag. 314. 

3 ) L. v. Tausch. Über die kristallinischen Schiefer- und Massengesteine 
sowie über die sedimentären Ablagerungen nördlich von Brunn. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1895, pag. 354. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Dr. Fr. E. Suess.) 



32 Dr. Franz E. Suess. [2] 

einzelnen Knollen sind in der Regel bis zur völligen Unkenntlichkeit 
zerdrückte Clymeniensteinkerne. Diese Schichten sind innig ver- 
gesellschaftet mit plattigen oder dünnschiefrigen schwarzen Kalken 
und man kann vermuten, daß ähnliche schwarze Kalkschiefer an 
anderen Lokalitäten ebenfalls zum Oberdevon gehören. Man findet 
sie z. B. wieder in sehr stark gestörten Schichtstellungen nahe der 
oberen Kante des Südabfalles des Hadyberges, etwa 500 m ostwärts 
von den Steinbrüchen am westlichen Rande , ferner in einzelnen 
kleinen Aufschlüssen an den Fußwegen in der Waldparzelle östlich 
vom Kleidovka-Wirtshause. Ähnliche Beschaffenheit zeigen einzelne 
Lagen der Kalke bei Horakow im Osten; dann auch die dunklen 
Kalke, die in kleinen Aufbrüchen unweit der Straße von Lösch nach 
Latein aufgeschlossen sind. In den Kalkbrüchen, welche zwischen 
Bellowitz und Latein aus marinem Tegel hervorblicken, liegen Bänke 
von schwarzem Kalkschiefer mit steilem (30—50°) Einfallen gegen SSO 
auf massigem hellgrauen Kalke des Mitteldevon. Die Kalke zu beiden 
Seiten der Straße gegen Ochos und im Gebiete von Mokrau und Hos- 
tienitz, im allgemeinen hell- bis dunkelgrau und grobgebankt, können 
auch stellenweise schwarz und schiefrig werden. Die petrographischen 
Gegensätze sind jedoch meistens nicht so scharf und die Unterschiede 
in der Färbung sind — zum Teil wenigstens — auf spätere Bleichung 
an der Oberfläche zurückzuführen, und eine sichere Abgrenzung der 
oberdevonischen von den mitteldevonischen Kalken wird sich in dem 
Gebiete kaum durchführen lassen. 

Die Lagerung des Devonkalkes ist durchweg stark gestört. 
Ungestörte horizontale Schichtstellung findet sich nirgends. Die Regel 
sind Fallwinkel von 30—50°; und noch steilere Schichtstellungen sind 
nicht selten. Im geologischen Kartenbilde treten einige Querver- 
werfungen besonders deutlich hervor. 

1. Die Mokrauer Verwerfung. Beim Dorfe Mokrau bildet 
die Grenze zwischen den Kalken und den Kulmkonglomeraten eine 
weit gegen SO vorspringende Ecke. Der Kalk reicht noch bis auf 
die in der Spezialkarte als „Lichy" bezeichnete Höhe in der Richtung 
gegen Posorzitz. Die von hier in sanftem Bogen gegen Nord, gegen 
Ilostienitz, verlaufende Strecke ist die stark gestörte Auflagerungs- 
grenze des transgredierenden Kulm. In den hellgrauen oder dunklen, 
grobgebankten Kalken, welche die westlichen Höhen des Mokrauer 
Waldes einnehmen, beobachtet man an mehreren Stellen Nordsüd- 
streichen und ca. 40° östliches Einfallen. In den großen Steinbrüchen 
westlich von Hostienitz fallen die groben Kalkbänke mit ebenen 
Schichtflächen unter einem Winkel von 50— 60° gleichmäßig gegen 
Ost, nur stellenweise sind die Bänke etwas gebogen und gefaltet. 
Steil gegen Ost geneigte, ja selbst fast senkrechte Schichtstellung 
kann man auch noch in der engen Kalkschlucht wahrnehmen, die 
von hier zum Rziczkatale hinabführt; unmittelbar nördlich und östlich 
der oberen Rziczkamühle ragen die weißen, felsigen Schichtköpfe 
des Kalkes steil empor über die roten Sandsteine des Unterdevon. 

Die von der Ecke bei Mokrau gegen NW verlaufende Grenze 
wird ohne Zweifel durch einen Quersprung gebildet. Die massigen 



[3] 



Ans dem Devon- und K'ilmgebiete östlith von Brunn. 




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« I 

I 



n 









Jahrbuch d. k. k. geol. Rciehsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Dr. Fr. E. Suess.) 5 



34 Dr. Franz E. Suess. [4] 

und wenig geschichteten hellgrauen Kalke der Steinbrüche im Dorfe 
Mokrau sind von vielen Cleavageflächen durchzogen und zerklüftet. 
Dünnplattige Druckschieferung begleitet häufig die Cleavageflächen, 
welche keine bestimmten Richtungen und keine konstanten Neigungs- 
winkel einhalten. Die Schichtung ist weniger deutlich als in den 
Kalken bei Hostienitz; sie fällt, wie man an einzelnen Bänken be- 
obachten kann, mit 40° gegen Ost. 

Die Kalkgrenze verläuft entlang dem Waldrande rechts ober- 
halb des "Weges zum Mokrauer Jägerhause. Das Streichen der Kalk- 
bänke hat sich knapp am Bruche gegen Nordwest mit Südwestfallen 
gewendet und die am erwähnten Wege anstehenden Kulmschiefer 
besitzen im Dorfe Mokrau noch das allgemein herrschende Nordsüd- 
streichen, in der Richtung gegen das Jägerhaus werden sie aber 
ebenfalls in die Richtung der Verwerfung gedreht und fallen mit 
ca. 30° gegen SW. 

Das Mokrauer Jägerhaus liegt knapp an der Verwerfung; auf 
den Wegen nordwärts in den Wald trifft man sogleich auf den an- 
stehenden Kalk, dessen Bänke hier ebenfalls nordwestlich, parallel 
der Verwerfung streichen, während der Waldboden zunächst dem 
Jägerhause übersät ist mit den Gneis- und Quarzgeröllen aus dem 
Kulmkonglomerat. 

In dem kleinen Graben aber, über den der Weg von Mokrau 
zum Jägerhause führt, und zwar etwas nördlich und aufwärts am 
Waldrande, ist eine kleine Partie von rotem Sandstein des Unterdevons 
anstehend aufgeschlossen. Folgt man dem Graben aufwärts in den 
Wald, so trifft man Blöcke von Sandstein und Quarzkonglomerat, die 
etwa 500 m weit anhalten. Dann mengen sich im W^aldboden bereits 
die Quarzgerölle der Konglomerate mit den Kalkblöcken und verlieren 
sich auf der Höhe gänzlich. Ein kleiner nordsüdlicher Zug von Unter- 
devon ist somit an dieser Stelle durch Auffaltung oder Verwerfung 
zwischen den Kalken zutage gebracht. 

Auf der kurzen Strecke vom Jägerhause zur Bielker Mühle 
führt der Fahrweg nur durch nordsüdstreichenden Kalkstein. Die 
Grenze gegen den Kulm liegt südlich im Graben und ist durch 
Gehängeschutt verhüllt. 

Im Rziczkatale, zwischen der unteren Rziczkamühle und der 
Bielker Mühle, erreicht dieser Streifen von Devonkalk seine West- 
grenze. Er bildet noch einige Felsen auf der steilen rechten Tal- 
seite und macht dann den Sandsteinen und Quarzkonglomeraten des 
Unterdevon Platz. Im Süden der Verwerfung hält aber noch der 
Kulm an in Form von grauen Sandsteinen, Grauwacken und Kon- 
glomeraten, so daß in dieser Talstrecke Kulm und Unterdevon 
unmittelbar aneinander grenzen. 

In einer Biegung durchschneidet der Bach zweimal die Ver- 
werfungsgrenze. Knapp oberhalb der Bielker Mühle verläßt er den 
Kalk und tritt in den Kulm. Er wird anscheinend durch die Verwerfung 
gegen Nordwest abgelenkt. Doch findet sich am rechten Ufer etwa 
200 Schritte unterhalb der Mühle, knapp am Bache, ein Aufschluß 
mit anstehender Kulmgrauwacke, während am Fahrwege, der über 
den Kamm nach Ochos führt, gleich unten der rote Sandstein des 



[5] Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von ßriinn. 35 

Unterclevons ansteht und auch in der konvexen Biegung bis an den 
Bach herabreicht. Am steilen Westabhange der wieder gegen Süd 
gerichteten Talstrecke und auch an dem markierten Fußwege gegen 
Lösch kann man noch in einer ziemlichen Strecke im Gehänge an- 
stehende Kulmgrauwacke nachweisen. In dem Graben, der nord west- 
wärts zur Straße hinaufzieht, sind die Gneisgerölle der Kulm- 
konglomerate verstreut über anstehendem Unterdevon. Es kann kein 
Zweifel darüber bestehen, daß sich die Verwerfung mit Beibehaltung 
der bisherigen Richtung auf der anderen Talseite zwischen Kulm und 
Unterdevon fortsetzt. 

In den nordwärts ansteigenden Waldschluchten bei der Bielker 
Mühle trifft man bald wieder auf den Kalk, es ist die an der Ver- 
werfung verschobene Fortsetzung des Zuges von Mokrau. Hier ist der 
Zug bedeutend schmäler. Die Verwerfung liegt hier zwischen dem 
Kalke und dem sehr verbreiterten Unterdevon; sie quert die Straße 
zwischen dem Bildstocke und der scharfen Kurve SO vom Kanitzer Berg 
(Kote 471). Quarzsandsteine und Konglomerate nehmen den ganzen 
Kanitzer Berg ein, stehen an der Straße an und werden auf den von 
der Straße zum Rziczkatale hinabführenden Wegen angetroffen ; hier, 
ebenso wie der benachbarte Kalk, mit steil ostfallender Schichtung. 

Schwieriger wird die Abgrenzung in den steilen Abhängen und 
Gräben, die in das tiefe Tal der Zwittawa hinabführen. Hier ist auf 
größere Strecken alles durch abgestürztes Blockwerk verkleidet und 
Kalkschutt füllt noch tiefere Talmulden, wo ohne Zweifel bereits 
Sandstein oder auch schon Granit ansteht. 

2. Die Dislokation von Horakow. An der Straße von 
Mokrau nach Horakow, und zwar bereits in der Nähe des letzteren 
Ortes, befindet sich ein kleiner Aufbruch von dunklem, schiefrigem 
Devonkalk; die Schichten stehen fast senkrecht und streichen NW — SO 
in der gleichen Richtung wie die Mokrauer Verwerfung. Im Süden 
grenzt die etwa 50 Schritte breite Kalkpartie an Kulmkonglomerat. An 
der Nordgrenze ist auf eine kleine Strecke Kulmschiefer aufgeschlossen. 
Auf der westlichen Talseite gegenüber von diesem Aufbruche liegen 
auffallend große Kalkblöcke auf dem Kulmkonglomerat. Sie stehen nicht 
im Zusammenhange mit dem größeren Kalkzuge im Dorfe Horakow. 

Im unteren Teile des Dorfes Horakow, zunächst der Straße, 
zieht ein Graben aufwärts in nordwestlicher Richtung; er bildet 
zugleich die Grenze zwischen Kalk und Kulmgrauwacke. Schwarze 
Kalkschiefer, in kleinen Brüchen aufgeschlossen, fallen steil östlich 
unter den Kulm. Größere Steinbrüche in demselben Kalk befinden 
sich oberhalb des Dorfes in dem nächsten südlicheren Graben ; hier 
sind die Kalkbänke stellenweise aufgewölbt und gefaltet, im großen 
scheinen sie jedoch östliches Einfallen mit zirka 40° festzuhalten. 

Auf der Höhe, im Horakower Walde, läßt sich der Kalkzug 
nicht mehr gut verfolgen. Hier sind viele verstreute Kalkblöcke ver- 
mengt mit den reichlich verschleppten Gerollen des Kulmkonglomerates. 
Deshalb gelang es mir nicht, mit Sicherheit festzustellen, ob dieser 
Kalkzug im Zusammenhange steht mit dem Kalkgebiete, dem die 
steilen Felsen im Rziczkatale angehören. 

5* 



3G Dr. Franz E. Suess. [6] 

3. Die Hadybergverwerfung. Wenn man von einer der 
Kuppen in der Umgebung von Julienfeld, etwa vom Fredamberge 
aus, nordwärts blickt gegen den Hadyberg, gewinnt man den Eindruck, 
wie wenn dort eine mächtige Kalkplatte ziemlich ungestört dem Granit 
der Brünner Eruptivmasse aufruhen würde; im Grunde des Tales, 
welches von Malomierzitz zum Kleidovka- Wirtshause und zur Ochoser 
Straße führt, steht der Granit an und die höheren Gehänge werden 
von Kalk gebildet. Bei einer genaueren Begehung erkennt man aber, 
daß auch hier Kalk und Granit durch eine NW-SO streichende Ver- 
werfung begrenzt werden, welche im nördlichen Abhänge des Tales 
fortstreicht. 

In der Umgebung von Lösch sind die Grenzen von Kulm und 
Devon gegen den Granit teils durch eine mächtige Lößdecke, teils 
durch miocäne Sande und Schotter verdeckt. Letztere sind sehr ver- 
breitet auf den Höhen und in den Gräben zwischen Lösch und dem 
Mordowa-Meierhofe und finden sich in Form kleiner Erosionsreste 
wiederholt auf dem Granitgebiete im W T esten der Straße. Wie fast im 
ganzen Miocängebiete der Umgebung von Brunn gehören auch hier 
zum wesentlichen Bestände der Sande und Schotter zahlreiche Trümmer 

9 9 f &-» 




Fig. 2. Aufschlüsse an der Strasse unterhalb des Kleidovka-Wirtshauses. 



von Hornstein, welcher der zerstörten Transgressionsdecke des mitt- 
leren und oberen Jura entstammt. Außer den bekannten Schollen 
von Jurakalk in der Umgebung von Julienfeld und Latein befindet 
sich noch ein kleiner, größtenteils in loses Blockwerk aufgelöster Rest 
knapp unter dem Gipfelpunkte des Hadyberges in der Richtung gegen 
das Jägerhaus 1 ). 

In der Umgebung des Kleidovka-Wirtshauses zu beiden Seiten 
der Straße wird der Devonkalk in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut; 
die Kalkbänke fallen allenthalben ziemlich gleichmäßig mit 40 — 50° 
gegen Ost. Im südlichsten Steinbruche, welcher knapp an der Straße 
etwa 300 Schritte unterhalb des erwähnten Wirtshauses gelegen ist, 
bricht der Kalk steil riffartig ab. Grober tertiärer Sand mit einzelnen 
Schotterlagen und Tegelschmitzen, mit eingestreuten Blöcken von Jura- 
kalk und Hornstein ist dem Kalke unmittelbar angelagert. Infolge 
ursprünglicher Ablagerung auf geneigtem Gehänge fällt seine deutliche 
Schichtung ziemlich steil gegen die Kalkwand (Fig. 2). 



J ) A. Makowsky. Verband], d. nattirw. Vereines Brunn, Bd. 32, S. 1894, 
nag. 30. 



[7] Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von Brunn. 37 

Nur etwa 90 Schritte südlich von diesem Punkte wurde in kleinen 
Aufgrabungen, in denen offenbar ebenfalls nach Kalk geschürft worden 
war, bereits anstehender Granit angetroffen. Es ist ausgeschlossen, 
daß der ostfallende Kalk dem in Süden anstehenden Granit aufliegt. 
Entlang der Verwerfung, an der Grenze zwischen beiden Gesteinen, 
mag sich in vormiocäner Zeit eine Kluft oder eine Erosionsrinne be- 
funden haben, welche später durch die Meeressande und die Zer- 
störungsprodukte der Juraplatte verschüttet wurde. 

Ähnliches gewahrt man auch an der Westseite der Straße, im 
oberen Einstieg in das Tal, welches nach Malomierczitz hinabführt. 
An einen Aufbruch, in welchem grobgebankter grauer Devonkalk 
mit 40° Ostfallen bloßliegt, schließt unmittelbar grober tertiärer Sand 
an. Dieser hält an auf eine Strecke von etwa 50 Schritten, dann 
blickt bereits der grobe Granitgrus aus dem Gehänge. Kalk und Granit 
liegen auch hier in gleicher Höhe. Von Quarziten oder Sandsteinen 
des Unterdevons ist keine Spur wahrzunehmen. 

Während die Talfurche im Bogen gegen Süden ablenkt, streicht 
die Verwerfung allem Anscheine nach geradlinig fort gegen Nordosten, 
bleibt aber zum großen Teile durch Gehängeschutt, herabgestürzte 
Kalkblöcke und Tertiärschotter verdeckt. An dem Fahrwege, welcher 
von dem Brunnen nächst dem erwähnten Kalkbruche ostwärts am 
Gehänge fortführt, steht noch ziemlich hoch hinauf Granit an. Kalk- 
stein folgt sehr nahe darüber. Bald trifft man auf einen breiten 
Streifen von quarzreichem Tertiärschotter; dazwischen liegen viele 
Blöcke von hartem Konglomerat, bestehend aus Gerollen von Quarz 
und Jurahornstein. Es scheint, daß sie hier, ebenso wie oben an der 
Straße, eine Zwischenlage oder Kluftausfüllung an der Grenze von 
Kalk und Granit bilden. Der weitere Abhang ist durch Kalkschutt 
verhüllt, bis eine tiefere Erosionsschlucht wieder den Kalk knapp 
über dem Granit bloßlegt, ohne daß von uuterdevonischen Gesteinen 
etwas zu bemerken wäre. Hier kann man recht deutlich sehen, daß 
der Kalk nicht dem Granit auflagert; denn im oberen Teile dieser 
Schlucht, wo ein Fahrweg kreuzt, sind dunkle Kalkschiefer (Ober- 
devon?) in senkrechter Stellung mit nordsüdlichem Streichen aufge- 
schlossen (Fig. 3). In einem weiter östlich gelegenen Steinbruche sind 
dieselben Gesteine in flachere Falten gelegt; hier wird auch stellen- 
weise ostwestliches Streichen mit Nordfallen beobachtet. 

Erst unter der am weitesten nach Westen vorgeschobenen Ecke 
des Kalkgebietes, unter den großen Steinbrüchen mit den Kalk- 
breccien, wo sich das Gehänge bereits zum Zwittawatale wendet, 
finden sich Spuren der unterdevonischen roten Sandsteine und Kon- 
glomerate, wie es scheint, mit geringer Neigung unter den Kalk 
einfallend '). Doch ist weder die unmittelbare Auflagerungsfläche des 

*) Sie sind jedoch nur spärlich und nicht in so großer Ausdehnung auf- 
geschlossen, als mau nach der Darstellung von H.Bock vermuten sollte. Jahrb. 
d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 263, Fig. 5. Unter der Hauptmasse der Kalke liegen 
reichliche Splitter eines harten, etwas pliyllitischen Kalkschiefers, wie er in der 
Nähe der Bruchlinieu (zum Beispiel bei Josefstal) aus dem Kalke entstehen kann. 
Ein MergelschiefiT wurde nicht gefunden. 



38 



Dr. Franz E. Suess. 



[8] 



Kalkes auf dem Unterdevon noch die des letzteren auf dem Granit 
bloßgelegt. 

Die Verwerfung unterhalb des Kleidovka-Wirtshauses an der 
Straße trifft die Oberfläche in einer Seehöhe von 360 m, während 
die untere Grenze des Kalkes im Westen über der Zwittawa etwa in 
der Höhenkote 300 liegt 1 ). Gegen Norden, im Gehänge gegen die 
Zwittawa, steigt die Grenze wieder an bis zu 350 m. Diese Unregel- 
mäßigkeiten können nicht gut durch die Unebenheiten einer ursprüng- 
lichen Auflagerungsfläche erklärt werden, da sich die Kalkschichten 
nicht einer solchen Oberfläche anschmiegen, sondern in den meisten 
Aufschlüssen mehr oder weniger steil gegen Osten geneigt sind. 




Fig. 3. Senkrecht gestellte Kalkschiefer über der Granitgrenze. 

Nordabhang des Hadyberges. 



Wo die Kalkgrenze im Hadywalde weit zurückspringt bis nahe an 
die Straße, erhebt sich der Sandstein des Unterdevons bis zur 400 m 
Höhenkote. Am Kanitzer Berge jenseits der Mokrauer Verwerfung 
erreichen die unterdevonischen Gesteine die Seehöhe von 471 m. Von 
hier aus vollzieht sich ein staffeiförmiges Absinken der devonischen 
Bildungen gegen Süden bis zu den isolierten Kalkpartien südlich von 
Lösch und bei Bellowitz, welche sich in Seehöhen von 280 und 
260 in befinden. 

2 ) Nach den Höhenkoten der Originalaufnahme des militärgeographischen 
Instituts im Maßstabe 1:25.000. 



[91 An« dem Devon- uml Kulmgebiete östlich von Brunn. 39 

4. Kleinere Aufschlüsse von D e v o n k a 1 k im Süden. 
In der Talfurchc südlich von Lösch, und zwar rechts unterhalb der 
Straße nach Latein ist dunkler, vermutlich oberdevonischer Kalk in 
einigen kleinen Steinbrüchen auf eine Länge von etwa 300 m auf- 
geschlossen. Die Umgebung ist unter einer einförmigen Lößdecke ver- 
hüllt. Die Kalke fallen mit einem Winkel von 35° gegen SO; eine 
kleine Partie schwarzer Kalkschiefer am Südende des Aufschlusses 
mit nordsüdlichem Streichen steht fast senkrecht. 

Weitere Aufschlüsse, in denen ebenfalls Schotter gebrochen wird, 
sind noch weiter gegen Südost vorgeschoben, in der flachen Mulde zwischen 
Latein und Rellowitz. Ein größerer Steinbruch liegt etwa 300 Schritte 
südlich der Reichsstraße ; hier ist miocäner Tegel mit einer Bank 
von Östren crassissima der unregelmäßigen Oberfläche des Kalkes un- 
mittelbar aufgelagert. Wie bereits erwähnt wurde, liegt hier auf 
hellgrauem massigen Kalkstein ein plattiger, bankweise geschieferter 
schwarzer Kalk mit steilem Fallen gegen SSO. — Die kleineren, 
noch weiter gegen Süd gelegenen Steinbrüche bestehen aus ähnlichen 
schiefrigen Kalken, grau bis schwarz, stark bituminös mit knolliger 
Oberfläche, weiß oder auch rot verwitternd, dichtplattig und auch mit 
ganz dünnschiefrigen Zwischenlagen ; sie streichen fast ostwestlich mit 
sehr steilem Südfallen, manchmal auch mit senkrechter Schichtstellung ; 
auch Faltungen, fächerförmige Verbiegungen und örtliches Nordfallen 
können beobachtet werden; dazu kommen noch zahlreiche Rutsch- und 
Harnischflächen und verruschelte Streifen im Kalke. 

Diese Kalkaufbrüche liegen nicht in der Fortsetzung des Devon- 
zuges vomHadyberge. Sie scheinen staffelweise gegen Südost verschoben. 
Der kleine Granitaufschluß an der neuen Straße von Julienfeld nach 
Lösch zeigt an, daß die Grenze gegen den Kalk durch die Hadyberg- 
Verwerfung gegen Ost verschoben ist. Die Kalke bei Bellowitz er- 
scheinen dort, wo man die Fortsetzung der Kulmgebiete von Lösch 
und Kritschen vermuten würde. Es liegt nahe, anzunehmen, daß 
weitere Verwerfungen, etwa parallel jener des Hadyberges, diese Ver- 
schiebung bewirken. Zugleich mit dieser Verschiebung gegen Südost 
vollzieht sich, wie erwähnt wurde, ein staffelweises Absinken der 



5. Fortsetzung der Verwerfungen gegenNorden. Un- 
mittelbar nördlich der Mokrauer Verwerfung gewinnen die Sandsteine 
und Konglomerate des Unterdevons plötzlich große Verbreitung; vom 
Kanitzer Berge, wo sich die Schichtstellung nicht gut nachweisen läßt, 
erstrecken sie sich quer über die Ochoser Straße bis in das Rcziczka- 
tal, mit einer Breite von mehr als 3 km ; gegen Norden aber erreicht 
das Unterdevon sehr rasch sein Ende. Wo die Straße sich im Bogen 
gegen Ochos wendet, noch im Kartenblatte Brunn, in einer Höhe von 
400 m, steht bereits wieder Granit an, und zwar sowohl an der Straße 
als auch auf den Äckern im Osten, bis nahe zum W T aldrande, und 
in den Gräben im Westen. Steigt man vom Gipfel des Kanitzer 
Berges nordwärts hinab, gegen das Tal unterhalb der Dörfer Ochos 
und Kanitz, so trifft man auch dort sehr bald, ebenfalls in der Höhe 
von 400 m, bereits auf Granit. An einer ostwestlichen Linie, die 



40 Dr. Franz E. Suess. HO] 

keinesfalls als Transgressionslinie gedeutet werden kann, werden die 
Sandsteine und Konglomerate des Unterdevons plötzlich abgeschnitten 
und bei Ochos tritt der Granit unmittelbar an die Kalkgrenze. 

Der unregelmäßige Verlauf der Grenze zwischen dem Granit und 
dem Devonkalke in den nördlichen Gebieten, wie er im Kartenblatte 
Boskowitz-Blansko von Tausch dargestellt wird, läßt viel leichter 
auf sich kreuzende Störungen schließen, als auf eine regelmäßige An- 
lagerung. Insbesondere scheint*die Richtung der Grenze von Ochos 
über Babitz gegen Josefstal auf eine ähnliche Querwerfung hinzudeuten, 
wie sie im Süden nachgewiesen wurde. Das schmale Band von Unter- 
devon, welches Tausch an der Grenze von Granit und Kalk ein- 
zeichnet, läßt sich durchaus nicht mit der Regelmäßigkeit verfolgen, 
als man nach seiner Darstellung vermuten könnte. 

Bei Ochos ist nur ein ganz schmaler Streifen zwischen Granit 
und Kalk von Lehm und abgestürzten Kalktrümmern verdeckt, ohne 
daß man eine Spur von den Quarziten oder Sandsteinen nachweisen 
könnte. Dasselbe ist der Fall an der Grenze nördlich von Kanitz ; der 
Kalk erhebt sich in steilen Erosionsformen über den Granit mit einem 
schmalen Sockel von Kalkschutt. Die Kalkbänke streichen hier 
WSW— OSO 40— 50° einfallend gegen NO, gleichsam steil geschleppt, 
an dem Quersprunge. Ebensowenig konnte ich einen sicheren Anhalts- 
punkt finden für das Vorhandensein des Unterdevons auf der ganzen 
Strecke bis Babitz. 

Es scheint mir sehr fraglich, ob die von Tausch nördlich von 
Babitz eingetragenen Devonpartien tatsächlich transgredierende und 
anstehende Schollen sind, ich fand hier nur gehäuftes Kalkblockwerk, 
das vielleicht schon in vordiluvialer Zeit von den höher oben an- 
stehenden Kalkfelsen herabgewandert sein mag. Im Dorfe Babitz gleich 
unter der Kirche steht Granit an, die Kirche selbst steht bereits auf 
Kalkstein. Auch an der Straße, die nördlich von Babitz über dem 
Tale westwärts nach Adamstal führt, nähert sich der anstehende Granit 
bis auf wenige Meter dem anstehenden Kalksteine, ohne daß eine 
Spur von einer unterdevonischen Zwischenlagerung zu sehen wäre. 

Völlig unzweifelhaften Aufschluß über die Grenze von Granit und 
Kalk gibt die oft beschriebene Örtlichkeit beim Hochofen Josefstal 
östlich von Adamstal. Alle Beobachter haben hier in gleicher Weise 
die steil westfallende Verwerfung erkannt, an der das Intrusivgestein 
auf dem Kalke zu liegen kommt 1 ). Reiche nbach, Tausch und 
auch H. Bock behaupten, daß an dieser Stelle noch ein schmaler 
Streifen unterdevonischen Sandsteines zwischen dem Granit und dem 
Kalksteine eingeklemmt wäre. Es ist zwar für die Deutung der Tek- 



J ) K. Reich enb ach. Geologische' s Mitteilungen aus Mähren. Geognostische 
Darstellung der Umgegenden von Blansko. Wien 1834, pag. 16. — E. Suess. 
Entstehung der Alpen. Wien 1875, pag. 70. — V. Uhlig. Die Jurabildungen der 
Umgehung von Brunn. Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarn?. Wien 1881, 
pag. 115. — A. Makowsky und A. Rzehak. Die geologischen Verhältnisse der 
Umgebung von Brunn. Verhandl. d. naturf. Vereines, Brunn 1884, pag. 170. — 
L. v. Tausch. Über die kristallinischen Schiefer- und Massengesteine sowie über 
die sedimentären Ablagerungen nördlich von Brunn. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1896, 
pag. 290 u. 355. — H. Bock. Zur Tektonik der Brünner Gegend. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1902, pag. 259. 



[11] Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von Brunn. 41 

tonik des Gebietes unwesentlich, ob an der Verwerfung noch eine kleine 
Partie der Liegendsedimente emporgeschleppt wurde, ebenso wie es 
unwesentlich ist, ob die Verwerfung gegen den Granit oder gegen den 
Kalkstein einfällt und ob örtlich jener auf diesem zu liegen kommt 
oder ob das umgekehrte der Fall ist; zur Klarstellung will ich jedoch 
bemerken, daß ich eine Sandsteinlage an der Grenze der beiden Ge- 
steine nicht wahrnehmen konnte. In der unmittelbaren Nahe der 
Störung ist der Granit stark kataklastisch verändert, etwas undeutlich 
schiefrig, gebleicht oder blaß grünlich sericitisch ; etwas größere Quarz- 
körnchen mit gerundeten Umrissen treten auffallend hervor, wie das 
bei ähnlichen granitischen Quetschzonen nicht selten der Fall ist, und 
ihnen zufolge ist das Gestein für klastisch gehalten worden. In früheren 
Zeiten sind ja nicht allzuselten die Quetschprodukte von Eruptivge- 
steinen mit schiefrigen Sedimenten verwechselt worden 1 ). 

Unter dem Mikroskop zeigen die Gesteine, welche an den Bruch 
unmittelbar angrenzen, wie vorauszusetzen war, die Erscheinungen der* 
Kataklase in vollkommenster Ausbildung. Von klastischen Umrissen 
der Körner ist nichts warzunehmen. Die Zwillingsstreifung der häufigen 
Plagioklase ist stets stark verbogen. Die Körner sind von Zermalmungs- 
zonen umgeben, auf denen sich sericitische Häute angesammelt haben. 
Vereinzelte Biotitschuppen sind in Chlorit verwandelt. Stellenweise 
finden sich sehr feinkörnige schmale mylonitische Zonen im Gestein. 

Der Devonkalk wurde in der Nähe der Verwerfung ebenfalls 
durch die Pressung in hohem Grade beeinflußt. Wie bereits Uhlig 
hervorhob, werden die in flache Falten gelegten Schichtbänke von 
einer gegen Südwest, das ist parallel mit der Verwerfung einfallenden 
Schieferung durchschnitten. Die Schieferung wird immer vollkommener 
je mehr man sich der Verwerfung nähert, und die Schichtbankung 
wird allmählig immer undeutlicher, bis sie unmittelbar am Bruche 
nicht mehr unterschieden werden kann (Fig. 4). Es scheint, als wäre 
hier ein graues dünnschiefriges, kalkphyllitartiges Gestein der Störungs- 
fläche unmittelbar angelagert. Diese Gesteinslage wurde ebenfalls 
fälschlich für einen gesonderten stratigraphischen Horizont gehalten 
und als mitteldevonischer Mergelschiefer bezeichnet 2 ). 

In den Tälern, welche weiter im Norden die Granitgrenze queren, 
bei Laschanek und bei der Sägemühle oberhalb des Gußwerkes Alt- 
grafenhütte, sind die Lagerungsverhältnisse nicht so deutlich auf- 
geschlossen, doch ist auch hier eine Verwerfung viel wahrscheinlicher 
als eine Auflagerung des Kalkes auf dem Granit 3 ). Am Nordabhange 
fällt der Kalk mit kleinen Knickungen und unregelmäßig gegen den 
Granit, auf der Südseite fällt er sehr steil gegen Osten. Blöcke von 
Quarzkonglomerat und Sandstein liegen in der Nähe. 

Tietze 4 ) beschreibt die gestörte Lagerung und sehr steile 

') Vgl. zum Beispiel R. Reinis ch, Druckprodukte aus Lausitzer Biotitgranit. 
Habilitationsschrift. Leipzig 1902, pag. 7. 

2 ) Das Liegende der Kalkbänke ist bei Josefstal nicht zu sehen, wie man 
vielleicht nach der P'ig. 2 in der Abhandlung von H. Bock annehmen könnte. 

3 ) A. Makowsky und A. Rzehak, 1. c. pag. 54. 

4 ) E. Tietze. Die geognostischen Verhältnisse der Gegend von Landskron 
und Gewitsch. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 328. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, l. Heft. (Dr. Fr. E. Suess.) G 



42 



Dr. Franz E. Suess. 



[12] 



Schiclitstellung der Schiefer und Kalke beim Dorfe Wratikow, an der 
Ostgrenze der Eruptivmasse, wo diese bereits bald ihr nördliches 
Ende erreicht; er läßt die Annahme gelten, „daß hier lokal eine Über- 
kippung stattfindet, ähnlich wie man sie beim Adamstal kennt". Der 
Syenit zeigt nach Tietze in der Nähe der Grenze schiefrige Be- 
schaffenheit. Ungestörte oder wenig gestörte Auflagerung von Kalk 
auf Granit konnte auf der ganzen Grenze vom Hadyberg bis in die 
Gegend südlich von Gewitsch an keinem Punkte mit Sicherheit nach- 
gewiesen werden ; wo die Aufschlüsse einen näheren Einblick gestatten, 




Fig-, 4. Schicht!) ankung und Schieferung im Deronkalke beim Hochofen 
Josefstal. 

Flach ostfallende Kalkbänke werden durchschnitten von den sehr steil west- 
fallenden Schieferungsflächen. 



werden immer Verwerfungen an der Grenze beider Gesteine mehr 
oder weniger deutlich wahrgenommen. 

Die Störung von Josefstal ist nicht, wie Tausch glaubt, eine 
örtliche Ausnahme, sondern es sind im Gegenteil Verwerfungen an 
der Grenze zwischen Granit und Kalk die Regel ; allerdings begrenzt 
nicht ein einziger nordsüdlicher Bruch das Granitgebiet, sondern 
Querbrüche scheinen sich spitzwinklig zu durchschneiden. In gleicher 
Weise sind mitten im Eruptivgebiete Schollen von unterdevonischem 
Sandstein und Quarzkonglomerat bei Brunn und am Babylom, unweit 



[13] Aus dem Devon- und Kalmgebiete östlich von Brunn. 43 

Lelekowitz, auch Schollen von devonischem Kalkstein an Verwer- 
fungen abgesunken. 

Die Quetschzonen und Rutschflächen, welche man auf Schritt 
und Tritt antrifft, beweisen ferner, daß die Eruptivmasse selbst von 
ungezählten Störungen durchschnitten wird, die aber im geologischen 
Kartenbilde nicht zum Ausdrucke kommen; hier macht sich die Nord- 
südrichtung häufiger bemerkbar. 

An den einheitlichen Bogen der permischen Sedimente in der 
Boskowitzer Furche bei Mährisch-Trübau und Landskron schließt sich 
im Osten ein Gebiet, in welchem Verwerfungen nach verschiedenen 
Richtungen sehr häufig sind. Ein Teil derselben läuft der Furche 
parallel und begrenzt zum Beispiel den Landskroner Horst und den 
aus Kulm und Phyllit bestehenden Molleiner Horst. Bis Schildberg 
erstrecken sich die Ausläufer der Neißesenke, welche parallel ver- 
laufen mit der Senke von Trübendorf. Die begleitenden Brüche 
gehören einem ausgedehnten System an, das sich bis zum Heuscheuer 
Gebirge und darüber hinaus erstreckt. Etwas weiter östlich liegt die 
Störung von Buschin bei Mährisch-Schönberg. 

Das sudetische Gebiet im Osten der Boskowitzer Furche, und 
zwar sowohl die Eruptivmasse als auch die paläozoischen Gesteine 
sind nach verschiedenen Richtungen von vielen Verwerfungen durch- 
zogen. Sie treten deutlich hervor, wenn sie die Grenze zwischen zwei 
verschiedenen Gesteinen bilden. 



2. Konglomerate des Kulm. 

In allen Gebieten der deutschen Kulmformation, in den Vogesen, 
in Westfalen und im Fichtelgebirge, im Frankenwalde, in Thüringen 
und im Harz, ebenso wie in dem kleinen sächsischen Bezirke und an 
den Abhängen des Eulengebirges in Schlesien, finden sich neben den 
weitverbreiteten Sandsteinen und Schiefern auch konglomeratische 
Lagen, bald nur in beschränkter Ausdehnung; bald kennzeichnend für 
ganze Horizonte, entweder im Liegenden oder im Hangenden der ganzen 
Bildung. Nach den vorliegenden Beschreibungen erreichen sie aber 
nirgends eine so bedeutende Ausdehnung und so autfallende Entwick- 
lung, wie in den südlichsten Ausläufern des mährischen Kulmgebietes 
in der Richtung gegen Brunn. 

Camerlander J ) betonte bereits, ^daß im schlesischen Kulm- 
gebiete gegen Süden die Schiefer immer mehr zurücktreten und 
Sedimente von gröberem Korn größere Verbreitung gewinnen ; in noch 
höherem Maße ist das der Fall in dem Kulmgebiete von Drahan im 
Westen der Olmützer Ebene, wo Schiefer neben den Grauwacken 
und Sandsteinen nur eine geringe Rolle spielen. 

Tausch erwähnt" bei der Beschreibung des Kulmgebietes im 
Kartenblatte Boskowitz— Blansko, daß hier Konglomerate nur gegen 



J ) C. v. C a m e r 1 a n d e r. Geologische Aufnahmen in den mährisch-schlesischen 
Sudeten. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., Bd. 40, 1890, pag. 157. 



44 Pr. Franz E. Suess. [14] 

Südwesten, also zunächst der Grenze gegen das Kartenblatt Brunn, 
größere Verbreitung gewinnen 1 ). Im Kartenblatte Proßnitz— Wischau, 
und zwar im Gebiete der großen und der kleinen Hanna bei Pistowitz 
und Ratschitz, erwähnt derselbe Autor Gneis- und Granitblöcke in 
den Konglomeraten, welche in einzelnen Fällen Durchmesser von 
1 — 2m erreichen 2 ). Auch in dem kleinen Kulmgebiete der nord- 
westlichen Ecke des Kartenblattes Austerlitz sind neben Grauwacken 
Konglomerate sehr verbreitet 3 ). 

Aus diesen Nachbargebieten greifen die Konglomerate von allen 
Seiten über auf das Kartenblatt Brunn. 

Der Kulm schließt hier, wie oben beschrieben wurde, mit un- 
regelmäßiger Grenze an das Kalkgebiet, löst sich gegen Süden in 
einzelnen Kuppen auf und taucht allmählich hinab unter die Decke 
von Löß und miocänem Tegel. In einzelnen tieferen Tälern, wie bei 
Schlappanitz, kommt der Kulm nochmals felsig hervor unter der 
jüngeren Decke. Im allgemeinen herrscht wie im Kalkgebiete östliches 
Einfallen, u. zw. steile, stellenweise senkrechte Schichtstellung in der 
Nähe der Kalkgrenze bei Lösch (Fig. 5); Fallwinkel von ca. 45° 
herrschen im Rziczkatale, weiter gegen Osten wird die Neigung stellen- 
weise wieder recht flach, wie z. B. am Napoleonshügel bei Bosenitz, 
bei Wellatitz, bei Horakow und südlich von Schiwitz. Im Orte Schiwitz 
wird örtlich sehr steiles Westfallen angetroffen. 

Das ganze Gebiet, welches etwa 38 km 2 umfaßt, besteht zum 
weitaus größten Teile aus Konglomeraten. Nur an wenigen Punkten 
finden sich die bezeichnenden schwarzen, dünnblättrigen Schiefer des 
Kulm. Einer dieser Punkte ist der Waldrand oberhalb der westlichen 
Hälfte des langgestreckten Dorfes Hostienitz; die Schiefer greifen hier 
in geringerer Ausdehnung über auf das gegenüberliegende südliche 
Gehänge und zeigen bald Übergänge in schiefrige Sandsteine. Ein 
zweites kleines Schiefergebiet befindet sich am Wege vom Dorfe 
Mokrau zum Mokrauer Jägerhause; hier steil gegen Südwest geneigt 
und unmittelbar angelehnt an die Mokrauer Verwerfung und angrenzend 
an den Devonkalk. Ein schmales Band von schwarzem Schiefer grenzt 
auch an die kleine Kalkpartie, welche an der Straße von Mokrau 
nach Horakow aufgeschlossen ist. Ferner befinden sich noch Kulm- 
schiefer und schiefrige Sandsteine an beiden Gehängen des Rziczka- 
tales gleich oberhalb Kritschen in der Nähe der Mühle; an der 
Biegung der Straße sind verworrene Faltungen von Schiefer und 
Sandstein angeschnitten. 

Sandbänke sind häufig zwischen die Konglomeratbänke ein- 
geschaltet und mit diesen durch Übergänge verbunden. Sehr grob- 
körniger und grauwackenartiger Sandstein findet sich in mächtigeren 
Bänken an einigen Punkten des Rziczkatales, u. zw. im Gebiete zu- 



*) L. v. Tausch. Über die kristallinischen Schiefer und Massengesteine 
sowie über die sedimentären Ahlagerungen nördlich von Brunn. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A., Bd. 45, 1896, pag. 358. 

2 ) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, pag. 165. 

3 ) L. v. Tausch. Resultate der geologischen Aufnahme des nördlichen 
Teiles des Blattes Austerlitz etc. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., Bd. 43, 1893, pag. 257. 



[15] 



Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von Brunn. 



45 



nächst unterhalb der Mokrauer Verwerfung und weiter abwärts zwischen 
der Pariczekmühle und der Altmühle. 

In den Tälern sind die Konglomerate fast allenthalben gut auf- 
geschlossen, so besonders an der Straße von Lösch zum Rziczkatale 
und im Durchbruche bei Schlapanitz, bei Wellatitz, am Napoleons- 




Fig. 5. Bänke von Saudstein und Konglomerat des Kulm an der Strasse 
unterhalb Lösch, in fast senkrechter Stellung. 

Die Schichtung wird von Cleavageflächen durchschnitten, welche mit etwa 45° 
gegen Osten einfallen. 



hügel bei Bosenitz, in den Gehängen bei Posorzitz und oberhalb 
Schumitz ; aber auch auf den Höhen und Kuppen lassen sie sich 
meistens anstehend nachweisen. Oft bedeckt dicht gestreuter Schotter, 
welcher den Konglomeraten entstammt, auf weite Strecken den Wald- 
boden, so z. B. im ausgedehnten Knesi-Hrda-Walde in der Nordost- 



46 Dr. Franz E. Suess. [16] 

ecke des Kartenblattes. Die Gerolle aus den Konglomeraten sind 
oft weithin verstreut über die den Kulmbergen vorliegenden Gehänge, 
sie liegen verschleppt in großer Zahl manchmal auf tertiärem Tegel, 
wie bei Posorzitz und Schumitz, und manchmal auch auf dem Löß 
und Gehängelehm, wie bei Horakow und bei Wellatitz. Eine Ver- 
wechslung dieser verschleppten Gerolle mit diluvialem Terrassen- 
schotter kann stellenweise nicht ausgeschlossen sein. 

Im anstehenden Gestein sieht man häufig den mannigfachen 
Wechsel von Konglomeratbänken mit groben Sandsteinbänken (Fig. 5) ; 
die ersteren sind in der Regel mächtiger und häufiger und manchmal 
fehlen die Sandsteineinlagerungen. Sehr oft sind einzelne Gerolle, 
und zwar auch solche von bedeutenden Dimensionen, im Grauwacken- 
sandstein eingebettet, Die Größe der einzelnen Gerolle ist sehr ver- 
schieden, die kleineren überwiegen natürlich bedeutend an Zahl. 
Neben kleinsten gerundeten Körnchen finden sich nußgroße, eigroße 
oder faustgroße Gerolle in Bänken angehäuft. Fast an jeder Lokalität 
erreichen einzelne Blöcke Kopfgröße ; sie sind zwischen die kleinen 
eingelagert. Blöcke von mehr als 1 m Durchmesser sind aber ziemlich 
selten. Ich fand solche am Fahrwege nördlich von Schiwitz gegen 
Horakow und in den Abhängen bei Schumitz. Gegen 2 m erreichen 
manche Blöcke in dem Tälchen unterhalb Jesera gegen Schumitz. 

Die Stücke sind stets gerollt, rundlich oder flach geglättet, gleich 
wohlausgebildeten Flußgeschieben. Die größeren Blöcke sind meistens 
mehr massig und gerundet, sie zeigen niemals Ecken oder Kanten 
und die Oberfläche ist glatt. 

Trotz lagenweiser und schichtiger Anordnung im großen sind die 
Gerolle im einzelnen durchaus nicht nach der Größe geordnet, sondern 
die umfangreichsten Blöcke können in relativ feinem Konglomerat 
oder, wie erwähnt, selbst in grobkörnigem Sandstein eingebettet sein. 

Die Konglomerate sind polygen. Die verschiedensten Gesteine 
sind einerseits in derselben Bank vereinigt und anderseits werden 
die häufigeren bezeichneten Typen in allen Teilen des Kulmgebietes 
angetroffen. Es ist lange bekannt, daß der weitaus größte Teil der 
Gerolle mannigfachen Gesteinen des Grundgebirges angehört. 

Das häufigste Gestein ist ein sehr feinkörniger, glimmerarmer, 
orthoklasreicher Biotitgneis; im frischen Zustande heller oder 
dunkler grau, von dem Aussehen mancher Granulite, bei beginnender 
Verwitterung weiß, doch sind Granaten mit freiem Auge nur äußerst 
selten und in kleinen Individuen wahrzunehmen; auch kleine Fibro- 
lithfleckchen wurden nur an ganz wenigen Blöcken gesehen. Einige 
Dünnschliffe haben gezeigt, daß diese Gesteine zum größten Teile 
aus Mikroperthit bestehen, mit viel Quarz und wenig Biotit; selten 
sieht man kleine Granaten, mit kleinen, eckigen Quarzeinschlüssen, 
sie sind randlich in Chlorit und Quarz umgewandelt. Nur an einer 
Stelle fand sich ein Säulchen von Disthen. Sehr spärlich finden sich 
Apatit und Zirkon ; die undulöse Auslöschung und die kataklastischen 
Zertrümmerungszonen scheinen noch im anstehenden Gestein und 
nicht erst nach der Umlagerung in den Kulm entstanden zu sein. 

Um diesen Haupttypus des Gneises gruppieren sich zahlreiche 
Varietäten; das Gestein nimmt häufig etwas gröberes Korn an, wird 



j"t7] Aus dem Devon- und Kulmgebiete östlich von Brunn. 47 

mehr ebenschiefrig, bei Zunahme und Vergrößerung der Glimmer- 
schuppen auch grobfaserig; dann gesellt sich auch weißer Glimmer 
dazu. Einzelne Blöcke von mehr richtungsloser, granitischer Textur 
erinnern dann sehr an manche Typen der weißen Gneise des mäh- 
rischen und niederösterreichischen Urgebirges und werden von' diesen 
in der Regel nur durch einen geringen Gehalt an weißem Glimmer 
und durch die Seltenheit der Granaten unterschieden. 

In seltenen Blöcken von grobflaserigem Biotitgneis sind die Gra- 
naten etwas größer und häufiger. 

Grobflaserige oder schiefrig sericitische Gneise sind recht häufig. 
Sie enthalten meistens flache Linsen oder augenartige Anschwellungen, 
in denen Orthoklas und Quarz mit gröberem Korne gehäuft sind. Es 
finden sich aber auch in solchen Gesteinen vereinzelt die porphyro- 
klastischen Orthoklase, welche für den Kepernik-Gneis der Sudeten und 
den Bittescher-Gneis im westlichen Mähren bezeichnend sind. 

Auch rein weißer Sericitgneis wurde in einzelnen Blöcken im 
Konglomerat bei Schiwitz gefunden. 

Mit besonderer Sorgfalt wurde nach echten Granuliten 
gesucht; denn diese Gesteine bilden einen sehr bezeichnenden Typus 
im westmährischen Grundgebirge und finden sich in so typischer 
Ausbildung nicht in den Sudeten. Es wurden nur wenige Gerolle 
glimmerfreien, granatführenden Gesteines in den Waldgebieten nörd- 
lich von Posorzitz gefunden, welches im Handstück den Namen eines 
Granulits verdient. Aber auch glimmer- und granatführende Granulit- 
gneise und Granulite mit mehr ausgeprägter, bandstreifiger Parallel- 
struktur, wie sie in ähnlicher Ausbildung im westlichen Grundgebirge 
die größte Verbreitung finden und auch in den Sudeten seltener vor- 
kommen, werden im Kulmkonglomerat nicht gänzlich vermißt. Man 
findet übrigens in kristallinischen Schiefern, besonders in Glimmer- 
gneissen, und auch in Glimmerschiefern, in der Regel stellenweise 
beschränktere Einlagerungen, welche nach der allgemein gebräuch- 
lichen Definition als Granulite zu bezeichnen wären ; doch nach dem 
allgemeinen Habitus der Gesteine, scheint es mir nicht wahrschein- 
lich, daß die Zerstörungsprodukte größerer, zusammenhängender 
Granulitkörper, wie sie für die westlichen kristallinischen Gebiete so 
bezeichend sind, an der Zusammensetzung der Kulmkonglomerate 
teilnehmen. 

Echte grobschuppige Glimmerschiefer wurden nicht gefunden, 
dagegen ist bleigrauer fein gefältelter Phyllit nicht selten. 

Recht auffallend sind an mehreren Punkten, wie namentlich im 
Dorfe Schumitz, einige sehr große Blöcke von porphyrischem 
Granitit mit 2 cm großen rechteckigen Orthoklasen, ein Gesteins- 
typus, wie er in den Granitstöcken der böhmischen Masse, zum Beispiel 
in dem Stocke von Trebitsch, aber auch in den Sudeten sehr ver- 
breitet ist. Auch die mittelkörnigen, glimmerreichen Granitite und 
Amphybolgranitite jener Gegend und die feinkörnige Typen, ähnlich 
dem Granit von Mauthausen, Zweiglimmergranite und Aplite, wie sie 
an den Rändern der westmährischen Granite auftreten, wurden nicht 
selten gefunden. Besonders bezeichnend für die Konglomerate ist 
ein sehr biotitreiches, grobkörnig granitisches Gestein mit weißem 



48 Dr. Franz E. Suess. [18] 

Plagioklas. Es ist stets sehr stark zersetzt, so daß aus dem an- 
stehenden Fels mit dem Hammer nur der lockere Grus herausgekratzt 
werden kann. 

Selten sind stark chloritisch zersetzte Grün steine, fein- 
körnige D i o r i t e und wenig geschieferte, feldspatfreie A m p h i b o 1 i t e. 
Allenthalben aber ist weißer Gang quarz verbreitet, er macht aber 
niemals einen hervorragenden Bestandteil aus. 

Begreiflicherweise gehörtauch devonischer Kalk zu den 
häufigen Gesteinen. Er findet sich in besonders großen Blöcken im 
Konglomerat bei Mokrau und nördlich von Horakow ; im Vergleiche zur 
Menge der kristallinischen Gesteine bildet er aber immer noch einen 
sehr untergeordneten Bestandteil. Bemerkenswert ist die Seltenheit 
sonstiger vorkarbonischer Sedimente und nur sehr vereinzelt findet man 
Gerolle von quarzitischem Sandstein, von Kieselschiefer 
oder einer glimmerigen Grauwacke, ähnlich den Grauwacken des 
Kulm in den benachbarten Gebieten. 

Zu den Gesteinen, die beim Zerschlagen der Gerolle von Zeit 
zu Zeit in die Augen fallen, gehören weiße oder blaßrote oder auch 
blaßgrünliche Quarzporphyre mit feinkörniger, feldspätiger Grund- 
masse ohne Glimmer und mit einen oder wenige Millimeter großen 
eckigen Quarzen; diese Gesteine sind im westmährischen und nieder- 
österreichischen Grundgebirge ganz unbekannt; die Herren Prof. 
Becke, G. v. Bukowski und Prof. Rosiwal erklärten mir auf 
meine Anfrage, daß ihnen ähnliche Gesteine bei ihren Arbeiten im 
Sudetengebiete nicht vorgekommen wären. Nur mit größeren dichten, 
feldspätigen Ganggesteinen, welche die Uralitdiabase nördlich von 
Brunn durchsetzen und welche mit aplitischen Gesteinen durch Über- 
gänge verbunden sind, besteht anscheinend eine gewisse Verwandt- 
schaft. Eine sichere Identifizierung ist jedoch nicht möglich. 

Soweit meine bisherigen Erfahrungen gehen, fehlen in den 
Konglomeraten des Kulm Cordieritgneise, Pyroxengranulite und ebenso 
feldspätige Amphybolite, Hornblendegneise und Serpentine. Auch die 
Gesteine der Brünner Intrusivmasse : die bezeichnenden titanit- 
fiihrenden, plagioklasreichen Granitite und Diorite, konnten nicht auf- 
gefunden werden. 

In den Beschreibungen der Konglomerate verschiedener Kulm- 
gebiete werden manchmal Erwägungen über deren Entstehung ange- 
troffen. Camerlander erwähnt gelegentlich der Besprechung der 
schwarzen Schieferkonglomerate in den südöstlichen Sudeten, 
daß die Einlagerung der kirschkern- oder eigroßen Gerolle ganz 
unregelmäßig ist, „am ähnlichsten dem Geröllmaterial innerhalb einer 
Moräne" 1 ). Dathe berührte die Möglichkeit einer Mitwirkung von 
Eistransport bei der Besprechung der Kulmkonglomerate in der Gegend 
von Salzbrunn 2 ). Nach seiner Beschreibung besitzen insbesondere die 
Konglomerate von Alt-Reichenau — Liebersdorf große Ähnlichkeit mit 
den hier besprochenen Bildungen. Auch dort wird ein Gebiet von 
mehreren Quadratkilometern fast nur von Konglomeraten mit bis 



1 ) 1. c. pag. 130. 

2 ) Abhandl. d. preuß. geol. Landesanstalt. Neue Folge. Heft 13, 1892. S. 67. 



[19] Ans dem Devon- und Kulmgebiete östlich von Brunn. 49 

kopfgroßem und größerem Gerolle zusammengesetzt, neben denen Grau- 
wackensandsteine eine ganz untergeordnete Rolle spielen und Ton- 
schiefer nur in einigen kleinen Zwischenlagen zur Ausbildung gelangt 
sind. Auch dort deutet die Mengung der verschiedenen Gesteine auf 
eine Zuführung aus großer Entfernung. Ein großer Teil der Gesteine 
weist auf das Riesengebirge, ein kleinerer gehört den Gneisen des 
Eulengebirges an. Ein ziemlich allgemein verbreiteter rotbrauner 
Granit, der ebenfalls in großen Blöcken auftritt, ist aus Sachsen, 
Böhmen und Schlesien unbekannt und wird den nordischen Gesteinen 
der erratischen Blöcke in derselben Gegend verglichen. 

Dathe errinnert an die Angaben über eine karbonische Eiszeit 
in Indien, Australien und Südafrika, ohne jedoch ein endgültiges Urteil 
abzugeben. Nach seiner Meinung wären diese Gerolle „die letzten 
Überreste und Zeugen eines verschwundenen schlesischen Gebirges, 
das nicht allzuweit vom jetzigen Kulmgebiete entfernt war". Bei einer 
späteren Besprechung desselben Gebietes wird aber eine diesbezüg- 
liche Äußerung 1 ) nicht angetroffen. 

Ausführlicher erwog Kalkowsky die Entstehung der Geröll- 
tonschiefer an der Bahnstrecke Eicht — Probstzella— Stockheim 
im Frankenwalde 2 ). Er glaubt, daß die faust- bis kopfgroßen Gerolle 
von Granit und kristallinischen Schiefern in Eisschollen schwimmend 
in größere Entfernung von der Küste und in größere Meerestiefen 
und somit in das Gebiet der tonigen Sedimente gebracht worden sind. 
Lepsius dagegen hält die Annahme eines Eisschollentransports für 
überflüssig; nach seiner Meinung wurden die Gerolle in Deltabildungen 
abgelagert, die sich immer weiter ins Meer hinausschoben 3 ). 

Beim Anblicke der mächtigen Konglomerate östlich von Brunn 
mit ihren nach Größe und Gesteinsart so mannigfach gemengten 
Blöcken wird man gewiß an den Transport durch Eis in irgendeiner 
Form erinnert. Doch wird man sich zu weitgehenden Schlußfolgerungen 
über das Klima der unteren Steinkohlenformation erst entschließen, 
wenn näherliegende Erklärungen gänzlich versagen. 

Die glatte, gerundete Gestalt aller Blöcke zeigt deutlich, daß 
sie in hohem Maße der formenden Kraft bewegten Wassers unterworfen 
waren. Die größten Blöcke erinnern an die Einwirkung der Meeres- 
brandung, obwohl sie nicht vollkommen rund sind, wie das bei Strand- 
geröllen meistens der Fall ist. Es ist ja bekannt, daß die Meeres- 
brandung ganz gewaltige Massen zu bewegen, umzuformen und auch 
streckenweise fortzuschleppen vermag 4 ). 

Die große Mannigfaltigkeit der Gesteine deutet aber ohne Zweifel 
auf den Transport aus größeren Entfernungen hin ; die kleineren 
Geröllagen erinnern stellenweise sehr an Flußschotter, während ander- 
seits oft größere Blöcke im Sande eingebettet sind. Vielleicht hat der 
Transport vom Lande her zusammengewirkt mit der Umlagerung durch 



*) Die Salzbrunner Mineralquellen. Zum 300jähr. Jubiläum der Verwendung 
des Oberbrunnens. Berlin 1901. 

2 ) E. Kalkowsky. Über Gerölltonschiefer glazialen Ursprunges im Kulm 
des Frankenwaldes. Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch. 1893, pag. 69. 

3 ) R. Lepsius. Geologie von Deutschland, IL Teil. Stuttgart 1903, pag. 229. 

4 ) Bogulowsky. Ozeanographie. Stuttgart 1887, pag. 100. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Beichsanstalt, 1905. 55. Band, l. Heft. (Fr. E. Suess.) 7 



50 Dr. Franz E. Suess. [20] 

mächtige Flutwellen und Brandungen zur Bildung dieser Ablagerungen. 
Voraussetzung dieser Annahme ist die Nähe eines hohen Gebirges 
mit steilen Tälern, mit Flüssen, die mindestens zeitweilig, vielleicht 
infolge einer jährlichen Schneeschmelze, bedeutende Wassermengen 
führten. 

Die Vergesellschaftung der Gesteine ist nicht diejenige, die 
man bei einer Herkunft von Westen aus den inneren Tälern der 
böhmischen Masse erwarten sollte; Amphibolite, Granulite, Fibrolith- 
gneise, Serpentine sind viel zu selten. Eher deutet sie auf die nörd- 
lichen Gebiete, auf den kristallinischen Kern der Sudeten. 

Man erkennt aber unzweifelhaft, daß sich in der Nähe des be- 
sprochenen Gebietes schon vor der Kulmzeit ein gefaltetes Gebirge 
befand, das nach Beseitigung der auflagernden Sedimente bereits bis 
auf den kristallinischen Kern abgetragen war, wenn auch die allertiefsten 
Umwandlungsstufen der kristallinischen Schiefer mit den Cordierit- 
gneisen, Fibrolithgneisen und Granuliten noch nicht in größerem Maße 
bloßgelegt waren. Doch können wir nicht sagen, wie weit das Kulm- 
meer gegen Süden reichte. Nachträgliche Gebirgsbildung und Trans- 
gressionen haben die Gestalt der Oberfläche im höchsten Grade 
verändert und wir sind völlig im unklaren darüber, was sich an 
Stelle der gegenwärtigen tertiären Ebene und der Karpathenketten 
befunden haben mag. 



Über einen dem Thunfische verwandten Raub- 
fisch der Congerienschichten der Wiener Bucht. 

(Pelamycybium [,,Sphyraenodus"J sinus vindobonensis 
n. gen. et n. sp.) 

Von Franz Toula. 

Mit einer lithographischen Tafel (Nr. III) und 11 Textillustrationen. 

Gegen Ende des letzten Studienjahres brachte mir einer meiner 
Hörer, Herr stud. ing. Anton Schindler, aus einer Ziegelgrube zu 
Siebenhirten bei Wien ein Kieferstück mit spitzen, etwas hakig- 
gekrümmten Zähnen, weiche aus der Umhüllung, einem mergeligen, 
erhärteten, zum Teil mit Eisenkies durchzogenen, gelblichgrauen Ton, 
hervorlugten. Sorgfältige und nicht ganz leichte Präparation brachte das 
Taf. III, Fig. 1 dargestellte Stück zutage. Da Herr Schindler die 
Wahrscheinlichkeit aussprach, daß an der Fundstelle, an der über 12 m 
hohen, fast vertikal abgearbeiteten Tegelwand in der seinem Vater 
gehörigen Ziegelgrube, noch weitere Teile dieses Fisches vorkommen 
dürften, sah ich mich veranlaßt, den Adjunkten meiner Lehrkanzel, Herrn 
Dr. J. Porsche, mit meinem eingeübten Diener Wienerberger 
nach Siebenhirten zu entsenden. Herr Porsche nahm die Verhält- 
nisse der Fundstelle (/) auf. (Man vergleiche die umstehende Text- 
figur 1.) Wienerberger grub bei einem späteren Besuche, als die 
Abräumarbeiten wieder bis zur Fundstelle vorgerückt waren, die in 
unmittelbarer Fortsetzung der Lage, auf welcher das Kieferstück ge- 
funden worden war, befindlichen Tegelplatten heraus, auf welchen in 
langer Reihe die Wirbel lagen. 

In dem plattigen, sandigen Tegel, aus welchem die Fischreste 
stammen, finden sich Unmassen kleiner amygdaloider Congerien, zu- 
meist in schlechter Erhaltung, und weniger häufig Steinkerne ziemlich 
großer Cardien. Die ersteren werden wohl als Congeria Czjzeki M. 
Hoernes (Foss. Moll., II, pag. 367, Taf. XLIX, Fig. 3) zu bestimmen 
sein, die letzteren aber als Cardium apertum Münst. (M. Hoernes, 
1. c. pag. 201, Taf. XXIX, Fig. 5 u. 6), und zwar als eine zwischen 
den in Fig. 5 u. Fig. 6 abgebildeten Typen stehende Form, mit nach 
vorn etwas verlängertem, geradem Schloßrande. Man kann 11 Rippen 
zählen. Das Klaffen der Schalen dürfte unbeträchtlich gewesen sein. 
Die Steinkerne, wie sie vorliegen, haben einige Ähnlichkeit mit 
jenen des sarmatischen Cardium plicatum Eichiv. (M. Hoernes, 1. c, 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 7* 



52 Kranz Toula. [2] 

Tai*. XXX, Fig. 1), doch liegen auf dem festgebundenen Gesteine die 
Abdrücke derselben Congerien. 

Die Knochenreste sahen recht übel aus, da die auf der oberen 
Seite der betreffenden Platte liegenden Wirbel stark korrodiert waren. 
Bei der Präparation ergab sich jedoch bald, daß die im Gesteine 
steckenden Partien der Wirbelkörper in bezug auf ihre Erhaltung viel 
weniger zu wünschen übrig ließen. Auch zeigte sich, daß die einzelnen 
herausgeförderten Stücke sich ungezwungen in eine ununterbrochene 
Reihe aneinanderfügen ließen und eine Wirbelkörperreihe von zirka 
1 m Länge ergaben. Das überraschendste war, daß das hinterste 
Stück der Reihe eine zusammenhängende Platte bildet. Ich begab 
mich sofort in die zoologische Sammlung des k. k. naturh. Hofmuseums, 
wo sich ein von Herrn Kustos Sieben rock trefflich präpariertes, 
zerlegtes Skelett eines Thunfisches befindet, welches mich überzeugte, 
daß ich es mit einem "Verwandten des Thunfisches zu tun haben müsse, 

Fig. 1. 




1 Krume, 50 cm. — 2 Lokalschotter. — 3 Sandiger, etwas rostiger Tegel, 1*5 m. — 
4 Plattiger, feinsandiger Tegel. — 5 Blauer Tegel, 12 m tief aufgeschlossen. 

was mir Herr Sieben rock bestätigte, indem er betonte, der Rest 
von Siebenhirten könne nur der Familie der Scombriden angehören 
und keiner anderen, da nur dieser Familie der eigenartige Bau eines 
plattenförmigen Schwänzendes zukomme. Dieses tafelförmige Hypurale 
wird bekanntlich bei den lebenden Makrelen von den Schwanzflossen- 
strahlen, denen es zum Ansätze dient, teilweise verhüllt. — Damit war 
aber der Fund zu einem immerhin interessanteren geworden, da man 
bei den fossilen Formen diese Übereinstimmung, soviel mir bekannt 
geworden, bisher nicht mit genügender Schärfe wahrzunehmen ver- 
mochte, ganz besonders aber nicht bei den groß- und spitzkonisch- 
zähnigen Formen, welche man bisher nach Agassiz als Sphyraenodus, 
nach Owen als Dictyodus bezeichnet hat, wenngleich auch eine öster- 
reichische Form dieser spitzzähnigen Fische schon vor sehr langer 
Zeit, und zwar vom Grafen Münster unter dem Namen Cybium 



[31 Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 53 

Partschi aus dem Tegel von Inzersdorf, nach ärmlichen Resten be- 
schrieben und damit die Zugehörigkeit zu den Scombriden angedeutet 
worden war. Freilich war die Einreihung bei Cybium nicht ganz zu- 
treffend, da für dieses Geschlecht ausgesprochen zweischneidige, 
lanzettliche Zahnkronen bezeichnend sind. Mit Sphymena hat unser 
Fund nichts zu tun, da ja bei Sphyraena die Form der Wirbelkörper 
eine ganz andere ist als bei unserem Fossil, welches sich in dieser Be- 
ziehung an die Scombriden inniger anschließt. Der Name Sphyraenodns 
war schon aus diesem Grunde von allem Anfange an kein glücklicher. 
Bevor ich in die nähere Betrachtung der Fundstücke von 
Siebenhirten eingehe, will ich es nicht unterlassen, meine Danksagung 
abzustatten an die Herren Hofrat Dr. Franz Steindachner, Kustos 
Sieben rock und Kustos E. Kittl, für die große Bereitwilligkeit, mit 
der mir die genannten Herren Vergleichsmaterialien und die litera- 
rischen Behelfe zur Verfügung stellten. Herrn Kustos Sieben rock 
aber bin ich für seine stete Bereitwilligkeit herzlichst dankbar, mit 
der er mir während meiner Arbeit das Vergleichsmaterial von lebenden 
Formen zur Verfügung stellte. Auch den Herren Kollegen Dr. A. Koch 
in Budapest und Dr. L. Dollo in Brüssel fühle ich mich zu Dank 
verpflichtet. Mein lieber Freund, Herr Hofrat Dr. J. M. Eder, ließ 
mir die photographische Verkleinerung der Wirbelsäule herstellen, 
wodurch dem Zeichner eine wesentliche Erleichterung geboten wurde. 



A. Beschreibung der Fischreste von Siebenhirten. 

Von Siebenhirten liegt mir vor allem ein linker Unterkieferast 
vor (Taf.TII, Fig. \a — c), 10*65 cm lang, 546 cm hoch und rückwärts 
2*1 cm dick. Das Symphysenende, soweit es erhalten, ist 376 cm hoch. 

Die äußere Oberfläche ist leicht konvex gekrümmt, die Innen- 
fläche in der Mitte leicht vertieft. Die äußere Oberfläche zeigt eine 
etwas ungleiche, aber deutliche Streifung mit einer nahezu glatten 
Längszone, unterhalb der rückwärtigen vier Zähne. Gegen den Rand 
der die Zähne tragenden Oberseite ist eine zierliche Transversal- 
furchung vorhanden. Zwischen dem dritten und vierten Zahne findet 
sich an der Außenseite des Dentale die Mündung eines Gefäßloches, 
das sich ganz an derselben Stelle auch bei Cybium findet. 

Der Vorderrand (das Symphysenende) zeigt einen unregelmäßigen, 
tief eingebuchteten Verlauf, mit einer starken, transversal gestreiften 
und gefurchten Aufwölbung an der Außenseite. 

Am hinteren Bruchrande unseres Stückes ist noch der Beginn 
der tiefen Furche erhalten, in welche sich der vordere Teil des Gelenk- 
stückes (o.s articulare) hineinschiebt. 

Die glatte Innenseite zeigt nahe dem vierten Zahne unseres 
Stückes den oberen schön gerundeten Rand der tiefen Furche oder 
Grube für die Aufnahme des M eck eischen Knorpels. Oberhalb tritt 
die erwähnte seichte Vertiefung auf, welche gegen das Symphysenende 
spitz ausläuft, an der oberen Grenze eine stumpfe Längskante besitzt 
und an der Oberfläche fein längsgestreift ist. Am Symphysenrande 



54 Franz Toula. [4] 

findet sich hinter dem scharfen Vorderrande eine tiefe unregelmäßige 
Grube, die, für Band- und Knorpelmassen bestimmt, gegen rückwärts 
durch eine kammartige Erhöhung begrenzt wird. 

Die die Zähne tragende Oberseite des Knochens (Taf. III, Fig. 1 c) 
ist von scharfen Rändern begrenzt — der äußere ist recht wohl- 
erhalten — und verbreitert sich der Raum zwischen diesen Rändern 
von vorn 5 mm auf rückwärts 7*5 mm. Die Zähne sind von der charak- 
teristischen konischen Form, mit hakenförmig nach einwärts gebogener 
Spitze. Vollkommen erhalten sind fünf Zähne, mit den dicken Basal- 
oder Wurzelstücken sind weitere zwei Zähne erhalten, während ihre 
Kronen abgebrochen sind. Außerdem finden sich zwei weite tiefe 
Gruben (Alveolen) vorn, die wohl gleichfalls zur Aufnahme von Ersatz- 
zähnen bestimmt waren. Ganz vorn, nahe der Symphyse, liegen zwei 
kleine Grübchen. Auch gegen rückwärts finden sich zwischen den 
Zähnen rundliche Vertiefungen. 

Das Kieferstück dürfte vollbezahnt von 14 Zähnen besetzt gewesen 
sein. — Was die Form und Beschaffenheit der Wurzeln anbelangt, 
so stimmt das von A. Koch (1904) Gesagte mit unserem Stücke gut 
überein, sie sind dick, spongiös und scheinen einem Dickenwachstum 
unterworfen gewesen zu sein, was zur Resorption des inneren Kiefer- 
wandteiles geführt haben mag, wie sich an der ersten großen leeren 
Alveole, aber auch bei den hinteren Zähnen erkennen läßt, deren 
W r urzeln über die Kieferwandung vorragen. Alle fünf Zähne zeigen 
die Form leicht gekrümmter Kegel von nur annähernd kreisförmigen 
Umrissen an der Basis der Krone. Die Länge des Zahnquerschnittes, 
von vorn nach rückwärts gemessen, beträgt bei dem mittleren Zahne 
73 mm, die Breite, von außen nach innen, 6 mm; beim vordersten 
Zahne beträgt dieses Verhältnis 6-5 : 5 - 3 mm, ist sonach ein fast 
gleiches 1 ). Die Höhe des ersten erhaltenen Zahnes ist 8*6 mm, des 
zweiten 8'7 mm, des fünften 7 3 mm (die Spitzen des dritten und 
vierten Zahnes sind leicht verletzt). 



*) Von den Zähnen aus der geologisch-paläontologischen Sammlung des 
Hofmuseums habe ich mehrere gemessen : 

Bei Unterkieferzähnen von Vösendorf ist der Zahn- \ 3 '1 mm lan §' ** mm breit 

qi,erschnitt \X\ : : 3-09 ; ; 

Ein Zahn eines Intermaxillarendes 3-3 „ „ 2'9 „ „ 

Oberkieferzähne von Inzersdorf (sehr spitz) .... 3*2 „ „ 3-2 „ „ 

Oberkiefeizahn von Leopoldsdorf 3 5 „ „ 3-3 „ „ 

„ „ (Hinterende) . . . 30 „ „ 3*0 „ 

Unterkieferzahn „ „ (nahe der Symphyse) 3-5 3'4 „ 

Der vierte Unterkieferzahn von Leopoldsdorf ist . . 3'9 „ „ 3-7 „ „ 
p]in großer Unterkieferzahn von Inzersdorf (von den in 

Taf. III, Fig. 7 und 8 dargestellten Fundstücken) ist 6*9 „ 8-2 „ „ (!) 

Das ist ein ganz abweichendes Verhalten und wird man es daher besonders 
bei dem letzten Fundstücke wohl mit einem anderen Fossil zu tun haben, für 
dessen Bestimrrung man bessere Fuude abwarten muß. 

Es ist bedauerlich, daß sich diese Verhältnisse für die von Münster (1847) 
beschriebenen und abgebildeten Zähne von Cybium Partschi nicht mehr bestimmen 
lassen, eine Form, die, wie ich glaube, in dieselbe Formengruppe gehört. 



[5] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. ^) 

Die Oberfläche der Zahnkronen zeigt auch bei unserem Reste 
eine unter der Lupe erkennbare sehr zarte, bis weit hinauf reichende 
Längsstreifung. Viel auffallender ist die ausgesprochene Furchung, 
die sich zum Teil gleichfalls bis gegen die Spitze verfolgen läßt. 
Dieselbe ist an der Außenseite besonders scharf ausgeprägt, erscheint 
aber beim letzten hintersten Zahn viel weniger deutlich. Wenn ich 
die Furchen des mittleren Zahnes zähle, oder auch die vorragenden 
Längswülste, so finde ich acht solche, bei dem vorhergehenden Zahne 
aber nur deren fünf. Es scheint diese Furchung sonach recht ver- 
änderlich zu sein. 

Von Siebenhirten liegt mir noch ein kleines Bruchstück mit 
kleinen hakenförmigen Zähnen vor, das von demselben Individuum 
herstammen muß, da es mit den übrigen Resten zusammen gefunden 
wurde. Vielleicht könnte man an das hinterste Ende des Unterkiefers 
denken. Die weit an das Ende gerückten Zähne scheinen nun aber 
nicht dafür zu sprechen. Sollte es etwa ein Stück des Palatinums 
sein? Cybium hat ja, wie Dollo und Stör ms (Lit.-Angaben 1888, 
S. 267) anführen, konische Zähne am Palatinumunterrande. Mein kleines 
Vergleichsexemplar von Cybium läßt dies nicht erkennen. Ich lasse das 
Stück (Taf. III, Fig. 3) abbilden, und zwar von der Innenseite. Es würde 
auf eine weitgehende Abschwächung des Knochens gegen das hintere 
Ende hindeuten, was übrigens auch bei dem mir zum Vergleiche vor- 
liegenden Skelette der Fall ist. Drei Zähnchen sind erhalten, davon 
zwei dicht nebeneinander, analog wie bei dem Fig. 2 abgebildeten 
Hinterende des Oberkiefers, beziehungsweise Zwischenkiefers. Sollte 
die erstere Annahme richtig sein, so würde das Stück von der rechten 
Seite stammen. — An das vorderste Ende des Zwischenkiefers ist 
dabei nicht zu denken, da der Winkel im Symphysenende ein viel zu 
großer wäre. 

Von Siebenhirten erhielt ich auch das soeben erwähnte End- 
stückchen eines rechten Zwischenkiefers (Taf. III, Fig. 2) mit vier 
wohlerhaltenen, stark hakenförmigen Zähnchen, welche der Form nach 
jenen gleichen, welche Münster (1846) von Inzersdorf abgebildet 
hat. Von diesen Zähnen stehen zwei nebeneinander. Vier Zähnchen 
sind teils abgebrochen, teils sind ihre Alveolen angedeutet. Dieses 
Stück hat eine Länge von 4'7 cm und verjüngt sich rasch gegen das 
hintere, beziehungsweise untere Ende von 134 cm Höhe und 1*1 cm 
Dicke, bis zu einem scharf schneidigen Ende. Die Oberfläche ist mit 
kräftigen Längsstreifen bedeckt. Der äußere Rand der Alveolarzone 
der Oberseite ist kantig, der innere gerundet. Der mittlere Zahn, 
dessen Spitze leider etwas beschädigt ist, zeigt die feine Längsstreifung, 
welche von Querlinien wie von zarten Wülsten durchquert wird. 
Auch Furchungen lassen sich daran deutlich wahrnehmen, und zwar 
acht an der Zahl. Größter Längsdurchmesser (des mittleren Zahnes) 
52 mm, größter Querdurchmesser 4-7 mm bei einer Kronenhöhe von 
zirka 6*7 mm. Der eine (letzte) abgebrochene Zahn zeigt im Zentrum 
eine im Umriss fast dreiseitige Höhlung, die mit Eisenkies erfüllt 
ist. Alle Fundstücke lassen teilweise Verkiesung erkennen. Der Eisen- 
kies findet sich auch in dem umhüllenden Material und wurde bei 
der Präparation sehr lästig. 



56 Franz Toula. [6] 

Wie schon erwähnt, gelang es mir, aus den an Ort und Stelle 
sorgfältig gesammelten Platten fast die ganze Wirbelsäule mit allen 
ihren Wirbelkörpern herauszupräparieren ; die meisten ihrer Anhangs- 
gebilde und Fortsätze sind jedoch nur in vereinzelten Bruchstücken 
vorhanden (man vgl. Taf. III, Fig. 10 bis 16). Ich deute die vorliegenden 
Wirbel in folgender Weise : der erste Wirbelkörper von normaler 
Form wird wohl auch der erste in der Reihe sein (Taf. III, Fig. 11). 
Der vor ihm liegende Körper von größerer Länge (man vgl. in 
Fig. 10), leider recht unvollkommen erhalten, wird sonach als ein Teil 
des Hinterhauptes aufzufassen sein (Occipitale basilare), mit dem ich 
einen, nach unten eine große Höhlung zeigenden, nur unvollkommen 
und schlecht erhaltenen, zum Teil verkiesten Knochenkörper in Zu- 
sammenhang bringen möchte (man vergleiche Textillustration Fig. 2), 
da sich beim Thunfischskelette eine ganz ähnliche Bildung vorfindet. 
Der Erhaltungszustand ist jedoch ein so wenig guter, daß ich auf diese 

Fig. 2. 




Frage nicht näher einzugehen wage. Er wird einfach als ein Teil des 
basalen Craniums zu bezeichnen sein. 

Der Fisch von Siebenhirten besaß 30 Wirbel, eine Zahl, welche 
übereinstimmt mit jener von Cybium speciosum Ag. vom Monte Bolca 
(Poiss. foss. Bd. V. Taf. XXV). Es fehlen nur der Wirbelkörper des 
29. und Teile des 30. Wirbels. 

Es ist dies eine geringe Zahl im Vergleiche mit dem Skelette 
des als Orcynus l'hynnus (Th;/nnus thijnnus) bezeichneten Individuums 
aus der zoologischen Abteilung des Hofmuseums, an dem ich 40 Wirbel- 
körper zähle. Die mir von Siebenhirten vorliegenden Wirbel reihen 
sich so gut aneinander, daß ein Abgang von einzelnen Wirbelkörpern 
nicht anzunehmen ist. 

Die Wirbel sind fast durchweg nur in ihren Körpern erhalten; 
fast alle Fortsätze und Anhänge sind abgebrochen und liegen, wie 
gesagt, nur vereinzelt lose und in Bruchstücken vor; nur beim 
siebenten Wirbel ist der obere Dornfortsatz erhalten geblieben, 



[7] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 57 

während derselbe beim sechsten Wirbel nur teilweise, aber in natür- 
licher Lage vorhanden ist. 

Die ersten drei Wirbel sind kurz und gedrungen, nehmen aber 
von vorn nach rückwärts in der Länge zu. 

Die Wirbelkörperdimensionen ergeben sich wie folgt: 
Wirbel 1. 170 cm. lang (unterhalb der hinteren Zygapophyse 
gemessen), bei einem Durchmesser (am Rande von rechts nach links) 
von 3-23 cm. 

Wirbel 2 2*25 cm lang, Durchmesser ca. 3*02 cm. 
3. 2-27 „ „ 
„ 4. 2-61 „ „ 
„ 5- 2-79 „ „ 
. 6- ^6 „ „ 
7. 2-87 „ „ 
» 8. 2-90 „ „ 
„ 9. 2*93 „ „ 

„ 10. Nur in den Hohlkegelausfüllungen erhalten. 
„ 11. 3 - 07 cm lang. 
„ 12. Nur teilweise erhalten. 
,. 13. 3*27 cm lang. 
„ 14. 3-20 „ „ 
„ 15. ca. 3*20 cm lang. 
„ 16. 330 cm lang. 
„ 17. 3-26 „ „ 
„ 18. 3-21 „ „ 
„ 19. 300 „ „ 
„ 20. 2-90 „ „ 
„ 21. 2-90 „ „ 
„ 22. Unvollkommen erhalten. 

„ 23. und 24. Sind durch eine auflagernde Decke (Haut- 
reste?) verhüllt. 

Wirbel 25. ca. 2'2 cm lang. 
„ 26. ca. 2*1 cm lang. 
„ 27. 1-76 cm lang. 
„ 28. 09 cm lang. 

„ 29. Der Wirbelkörper fehlt, der mediane untere Dorn 
ist vorhanden. 

Wirbel 30. In seinen medianen Fortsätzen teilweise erhalten. 
Im allgemeinen nehmen sonach die Längendimensionen bis über 
die Mitte hinaus zu, jedoch ohne volle Gleichmäßigkeit 1 ) 



1 ) Bei dem mir zum Vergleiche vorliegenden Skelette von Thynnus thynnus 
siud die ersten vier Wirbel ohne untere Fortsätze, beim dritten beginnen die Rippen; 
die anderen besitzen nur luirze seitliche Anbänge. Vom sechsten Wirbel an be- 
ginnen die seitlichen Fortsätze nach unten zu rücken, vom achten an beginnt die 
untere Bogenbildung. 

Die Wirbelinngen an den gleichen Stellen gemessen, verhalten sieb folgender- 
maßen : der 5. und 6. messen V2S cm, der 7—11. 1-37 cm, 12 und 13. 1*47 cm, 
14. und Iß. 15 cm, 16.— 20. 1'57 cm, 21. und 22. 1*63 cm, 23. und 24. 1-69 cm, 
25.-27. 1-80 cm, 28. 1*91 cm, 29. und 30. 2'12 cm, 31. 2 17 cm, 32. 2-14 cm, 
33. 2-1 cm, 34. 176 cm, 35. 1-51 cm, 36. 0-78 cm, der 37. 0'52 cm. 

Es zeigt sich somit eine ähnliche Ungleichmäßigkeit der Wirbelkörperlängen, 
.lahrlmch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 65. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 8 



58 Franz Toula. [8] 

Diese Zunahme der Länge reicht bis zum 13. Wirbel, dann 
folgen bis zum 18. Wirbel annähernd gleich lange, aber doch etwas 
variable Wirbelkörperlängen (zwischen 3 - 3 cm und 3'2 cm schwankend), 
worauf dann die Länge wieder abnimmt. 

Der erste bis siebente Wirbel sind ohne Härnapophysen. Die 
Ansatzstellen für die seitlichen Anhänge (Rippen) sind erst beim vierten 
Wirbel deutlich erkennbar; sie rücken allmählich nach unten, so daß 
sie beim achten Wirbel mit nach abwärts gerichteten Fortsätzen ver- 
sehen sind. Die Neurapophysen beim ersten und zweiten Wirbel sind 
sehr kräftig und nach aufwärts gerichtet, beim zweiten sogar knotig 
verdickt, während sie vom dritten Wirbel an schräg nach rückwärts 
gewendet sind. Die vorderen und rückwärtigen Zygapophysen sind 
kräftig entwickelt (beim ersten Wirbel ist nur die rückwärtige Zyga- 
pophyse wohlerhalten) und laufen die rückwärtigen in einen förmlichen 
kurzen Dorn aus, der schon am vierten und fünften Wirbel zu 
beobachten ist. Beim dritten, vierten und fünften Wirbel sind auch 
die vorderen Zygapophysen stark verdickt und spitz dornartig ver- 
längert, während sie bei den hinteren Wirbeln allmählich schwächer 
werden. Die Fossetten der ersten sechs Wirbel sind von jenen der 
übrigen verschieden. Die eine nach vorn gerichtete Fossette des ersten 
Wirbels ist eng und von elliptischem Umrisse. Außerdem sind noch 
vier kleinere Vertiefungen, eine davon am Oberrande der hinteren 
Zygapophyse, vorhanden. Beim zweiten Wirbel ist die Fossette durch 
eine in der Mitte von oben nach abwärts ziehende Leiste in eine 
vordere größere und eine hintere kleinere Grube geteilt (auch beim 
ersten Wirbel leicht angedeutet). Beim dritten W T irbel liegt eine 
einheitliche weite, tiefe vordere Grube vor, die hintere und die 
Leiste rücken weit nach rückwärts. Beim vierten und fünften Wirbel 
ist es ähnlich so, doch rückt jene Leiste gegen die Mitte und er- 
scheint die rückwärtige Grube weiter und tiefer. Diese Grube wird 
dann beim siebenten bis zehnten Wirbel die Hauptvertiefung. Bei den 
späteren Wirbelkörpern bilden sich dafür die unteren Fossetten heraus. 

Die Unterseite des ersten Wirbels zeigt seichte Längs- 
furchen, welche am zweiten Wirbel besonders wohlentwickelt, in der 
Vierzahl an der einen erhaltenen Seite, auftreten. Beim dritten Wirbel 
treten diese Furchen zurück und sind beim vierten bis auf zwei seichte 
Längsgruben verschwunden. Beim fünften Wirbel ist die Unterseite 
fast ganz glatt und ähnlich so beim sechsten, während vom siebenten 
an unten je eine mittlere Furche auftritt, die sich weiterhin immer 
enger und tiefer ausgestaltet. 

Die Oberfläche der ersten Wirbel weist eine zierliche Ornamen- 
tierung auf in der Form von zarten Grübchen, welche besonders in 
der Nähe der Ränder entwickelt sind, sich bei dem ersten bis fünften 
Wirbel auch auf den Zygapophysen finden. Weiter nach rückwärts 
werden diese Grübchen räumlich etwas beschränkter und erscheinen 
vom siebenten Wirbel an durch zarte Längslinieu in Reihen geordnet. 
Vom 11. Wirbel an ist die Grübchenverzierung hauptsächlich auf die 
vordere Randpartie beschränkt und auf der rückwärtigen Hälfte nur 
als feine Punktierung angedeutet. Weitere Details anzugeben unter- 
lasse ich, es wäre ermüdend. 



[9] Über einen dem Thunfische verwandten Rauhfisch. 59 

An dem zehnten Wirbelkörperreste erkennt man die auf den 
nächstfolgenden Wirbelkörper oben hinübergreifenden hinteren Zyg- 
apophysen, welche am 15. Wirbel schon leicht bogenförmig gekrümmt 
erscheinen und am 18. förmlich hakenartig in Gruben des folgenden 
Wirbels eingreifen. An den stärker eingeschnürten Wirbelkörpern, 
vom elften an zu beobachten, treten an den Seitenflächen zwei Gruben 
auf, welche eine zum Teil grubig gefurchte mittlere Erhöhung be- 
grenzen, die sich nach rückwärts verbreitert. 

Auffallend verschieden von den vorhergehenden sind der 25., 26., 
27. und 28. Wirbelkörper der Schwanzregion gebaut (man vergleiche 
Tafel III, Fig. 14), die in sicherem Verbände mit den vorhergehenden 
vorliegen. Die mittlere Erhöhung an den Seiten ist am 25. Wirbel 
noch vorhanden, aber auffallend verschmälert. An der oberen Seite 
sind die beiden rückwärtigen Zygapophysen mit den Neurapophysen 
in eine zungenförmige Platte vereinigt, welche sich auf den nächst- 
folgenden Wirbelkörper bis an seinen hinteren Rand legt, eine Ent- 
wicklung, die bei Thynnus thynnus am 32. Wirbel ganz deutlich so 
zur Entwicklung kommt, wo diese Platten noch inniger aufliegen wie 
bei unserem Individuum. Der 26. Wirbel zeigt eine ganz ähnliche 
Platte auch an der Unterseite, wieder ganz analog wie bei Thynnus 
thynnus beim 32. Wirbel. Während jedoch bei Tliynnus diese Platten 
auch bei den nachfolgenden letzten Schwanzwirbeln innig auf den 
nächstfolgenden Wirbeln aufliegen, erheben sie sich bei unserem Reste 
vom 27. Wirbel ab mit der kräftigen, stark verdickten Spitze und ragen 
dornartig über die Wirbelkörper hinaus. Der untere dieser Dornen 
liegt abgebrochen vor (man vgl. Taf. III, Fig. 15). Am 28. Wirbel ist 
der untere Dorn bogenförmig nach vor- und abwärts gekrümmt. 

Vom 29. Wirbel, dessen Körper fehlt, sind die beiden Dornen 
recht wohl zu erkennen. Dieselben legen sich innig an die Hypural- 
platte am Schwanzhinterende an, die Spitze der unteren ist leider ab- 
gebrochen. Nahe der Basis des oberen Domes schon des 27. Wirbels 
erkennt man eine Grube, welche die Durchtrittsstelle des Chorda- 
stranges andeuten könnte. 

Von einer seitlichen p 1 a 1 1 i g e n Vorragung an den 
letzten Wirbelkörpern ist nicht die leiseste Andeutung 
zu erkenne n, weder am 25. noch am 27. oder am 28. Wirbel, während 
bei dem mir zum Vergleiche vorliegenden Skelette von Thynnus thynnus 
schon am 30. und 31. Wirbel leichte Andeutungen, am 32.-34. aber 
scharf vorragende Knochenplättchen (Parapophysen) entwickelt sind, 
welche von der mittleren Erhöhung an den Seiten ausgehen. Ähnlich 
verhält es sich bei Pelamys sanla, während es sich bei Cybium ähnlich 
so verhält wie bei unserem Tierreste. DasHypurale unseres Restes 
läßt eine mittlere, wenig vorragende Leiste auf seiner seitlichen Mittel- 
linie erkennen. Es besteht aus zwei Teilen, welche in dieser Mittellinie 
innig aneinanderschließen und knöchern verbunden sind. Es läßt seine 
Bildung aus Hämapophysen im unteren, aus Neurapophysen im oberen 
Teil recht wohl erkennen. Der obere Dorn des 30. Wirbels schließt 
sich, wie schon erwähnt wurde, innig an diese Platte, in welcher die 
Fortsätze miteinander verschmolzen sind. Dasselbe gilt für die untere 
Hälfte. Dort, wo beide Hälften aneinandergrenzen, liegt jene aus zwei 



6() Franz Toula. [10] 

Teilen (Leistchen) bestehende Vorragung an der Verwachsungsstelle, 
deren unterer Teil mit einer Erhöhung am 30. Wirbel im Zusammen- 
hange steht, wohl dem Querfortsatze beimKarpfenschwanze entsprechend 
(Brühl, Anfangsgr. d. vgl. Anat., Taf. II, Fig. 6 und 7), während der 
obere Teil erst hinter der Neurapophyse des 30. Wirbels beginnt. 

An der seitlichen Oberfläche des Hypurale glaube ich fünf oder 
sechs Strahlen oder Dornen zu erkennen, und zwar sowohl auf der 
oberen als auch auf der unteren Hälfte, welche miteinander mehr 
oder weniger innig verschmolzen sind, wie man an dem hinteren Ende, 
an der Anheftungsstelle der Schwanzflosse, deutlich erkennt, wo man 
diese Verschmelzung an je drei elliptischen Endflächen beobachten 
kann (Taf. III, Fig. 16 a). Nahe der Vereinigungsstelle, etwas oberhalb 
der mittleren seitlichen feinen Rinne, zwischen den beiden erwähnten 
Leistchen, scheint sich die Ausmündung eines Ernährungskanales zu 
befinden. — 

Unter den vereinzelt erhalten gebliebenen Knochenresten der 
Schädelregion ist einer besonders auffallend (Taf. III, Fig. 9). Es sind 
Stücke von vier Knochen, welche durch ein kiesiges Bindemittel mit- 
einander verkittet sind. Je zwei und zwei gehören zusammen. Ihr voll- 
kommen symmetrischer Bau beweist dies, so daß offenbar bei der Ein- 
bettung des Skelettes das eine Paar unter das andere zu liegen kam. 
Ich konnte dabei nur an Teile des Z ungen bein e s denken, welche 
Vermutung durch Herrn Kustos Sieben rock sichergestellt wurde. 

Ich denke dabei an das Hypohyale, den vordersten, und das 
Ceratohyale, den mittleren der großen Hauptknochen der seitlichen 
Bögen ; das mediane Glossohyale fehlt. 

Weiters fällt ein Stück auf (Taf. III, Fig. 18 a, b, c), das in 
seinem vorderen, Gelenke tragenden Teile wohlerhalten ist, während 
der rückwärtige Teil, der auf der einen Seite mit einer nicht 
sehr kräftigen, flachen Knochenplatte versehen gewesen sein dürfte, 
abgebrochen ist. Auf der anderen Seite ist der Knochen wenig breit 
und zeigt eine scharfe, jener Knochenplatte zugewendete Kante, 
während der andere Rand, dick und gerundet, eine seichte Längs- 
furche besitzt. Das vordere Gelenksende zeigt eine Art Gelenkkopf 
mit zwei in spitzem Winkel gegeneinander geneigten kleinen, aber wohl 
ausgeprägten Gelenkflächen; von diesem Gelenkkopfe geht ein seitlich 
vorragender Fortsatz aus, der auf der einen Seite eine rundliche 
Gelenkfläche besitzt. Zwischen diesen beiden Gelenkfortsätzen be- 
findet sich eine weitere schräggestellte Gelenkfläche auf der Mitte 
des dahinter beginnenden Längsknochens. Eine sichere Deutung ist 
mir schwer zu geben, doch dürfte auch dieses Stück aus dem Kiemen- 
gerüste stammen. Ich denke dabei an den ersten, den an das Urohyale 
anschließenden Knochen (Copula) eines Kiemenbogens. 

Kleine Bruchstücke von Flossenstrahlen der Extremitäten liegen 
gleichfalls vor. Ebenso einige Stachelstrahlen der unpaarigen Flossen. 
Mehrere derselben besitzen eine gewisse Ähnlichkeit mit den von 
F. Stein dachner (1859, Taf. VII, Fig. 9 u. 10) vom Caranx varan- 
yopsis zur Abbildung gebrachten Strahlen mit einer Furche an der 
Hinterseite, was freilich auch bei den Flossenstacheln von Thymus 
sich ähnlich so verhält. Das Taf. III, Fig. L7 abgebildete Stück ist wohl 



|11] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. Hl 

einer der Strahlen der Brustflosse, jenes Taf. III, Fig. 20 abgebildete 
eine der seitlich eingefügten Gräten. 

Schließlich sei erwähnt, daß auch einige kleine Cyclo idsch uppen 
im Gestein gefunden wurden, aber nur wenige und meist nur Bruch- 
stücke. Das beste Stückchen habe ich Taf. III. Fig. 21 zur Abbildung 
gebracht. Es zeigt unter der Lupe eine sehr zarte konzentrische 
Streifung und auf der vorderen Hälfte eine Andeutung einer leichten 
radialen Faltung oder Streifung. — Z i 1 1 e 1 (Paläontologie, I, 3, 
S. 16) bildet eine Schuppe von Naucrates ductor (Carangide) ver- 
größert ab, welche einige Ähnlichkeit hat, nur ist die Faltung bei 
dieser Form viel deutlicher ausgeprägt als bei unserem Stückchen. 



B. Fischreste derselben Art oder einer sehr nahe- 
stehenden Form. 

(Aus der geologisch-paläontologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen 

Hofmuseum?.) 

Im naturhistorischen Hofmuseum finden sich ziemlich viele Reste 
von großen Scombriden. Von Unterkieferästen möchte ich zwei rechte 
Äste zum Vergleiche zur Abbildung bringen. Sie stammen beide aus 
dem Congerientegel von Vösendorf (Taf. III, Fig. 4 und 5). Beide 
Stücke rühren von kleineren Individuen her und reichen viel weiter 
nach rückwärts, so daß die Furche für das Articulare zur Wahr- 
nehmung kommt. 

Bei dem Siebenhirtener Kiefer mißt das Stück bis zu dem er- 
wähnten Beginne der Artikularfurche 9*75 cm, bei den Vösendorfer 
Stücken betragen die Längen bei dem einen 6-9 cm, bei dem zweiten 
7*96 cm. Die Symphysenenden sind einfacher gestaltet, etwa so wie 
es A. Koch bei seinem Sphymenodus hexagonalis zeichnet. Im übrigen 
besteht kaum ein Zweifel, daß man es mit einer dem Siebenhirtener 
Reste mindestens sehr nahe stehenden, vielleicht sogar damit über- 
einstimmenden Art zu tun habe. Die Bezahnung ist vollständig zu 
verfolgen, so daß bei dem einen Stücke die zwei vordersten Zähne 
nahe der Symphyse wohlerhalten sind. Die Zähne sind der Form 
nach sehr ähnlich, die Längsstreifung ist ganz analog und besonders 
nahe der Basis scharf ausgeprägt ; die Furchung der Zähne ist dagegen 
kaum angedeutet. Die Zahnquerschnitte messen von vorn nach rück- 
wärts 4 mm und 3'8— 39 mm, von außen nach innen aber 3*5 — 3*7 mm. 

Ein Kieferbruchstück eines mittelgroßen Individuums liegt im 
Hofmuseum auch aus der Lob'schen Ziegelei (im Congerientegel von 
Neudorf bei Mödling). Es ist als Splnjraenodus hexagonalis Koch 
bezeichnet. Die drei wohlerhaltenen Zähnchen zeigen die Furchung 
der Kronen wohl sehr schön, aber ohne die Sechszähligkeit. 

Unter den Stücken von Vösendorf findet sich auch ein Bruch- 
stück einer linken Oberkieferhälfte (Taf. III, Fig. 6), und zwar ein 
großes Stück des mit Zähnen besetzten Zwischenkiefers und, in ver- 
schobener Stellung damit verkittet, des zahnlosen dahinter liegenden 
eigentlichen Oberkiefers, der als ein schlanker, aber unten scharf- 
kantiger, in der Mitte kräftig verdickter, im Innern schwammig ge- 



Q<2 Franz Toula. [12] 

bauter Knochen vorliegt, und zwar mit der hinteren, dem Gelenke 
zu gelegenen Hälfte. Der Zwischenkiefer zeigt mit jenem des mir 
zum Vergleiche vorliegenden Thunfisches (Thynnus thynnus Linne) 
überraschende Ähnlichkeit. Die gegen oben und rückwärts ziehende 
Knochenplatte am vorderen Ende, mit der Symphyse, ist, wenn auch 
etwas zerdrückt, doch im ganzen wohlerhalten. Auf der Oberfläche 
ist er mit einer zarten, bogig gekrümmten Streifung versehen; der 
die Zähne tragende Ast ist glatt mit zarter Längsstreifung. Am unteren 
schmalen Rande sitzen die Zähne. Nur einer derselben, etwa der sechste, 
ist wohlerhalten, von den vordersten Zähnen sind drei Wurzeln übrigge- 
blieben, zwei weitere sind aus den Alveolen herausgebrochen. An den 
abgebrochenen Zähnen erkennt man deutlich, daß sie in der Mitte einen 
engen Hohlraum besitzen. Yon den hinteren Zähnen sind nur zwei 
erhalten. Die Zähne sind kegelförmig spitz, leicht hakig, nach einwärts 
gekrümmt und wie die Unterkieferzähne glänzend längsgestreift, aber 
ohne deutlichere Furchung. Das erhaltene Bruchstück hat eine Länge 
von 8 - 86 cm. Der sechste Zahn ist 5*7 mm hoch, der Längsdurch- 
messer an der Basis mißt 2-7 mm, der Querdurchmesser (von außen 
nach einwärts) 2 - 8 mm (!). 

Als Cybium Partschi Münster findet sich im Hofmuseum ein 
kleines Kieferstückchen, mit zwei erhaltenen und einem abgebrochenen 
Zähnchen, aus der Inzersdorfer Ziegelei (10 Klafter tief) aus dem 
Jahre 1865. Das Stück dürfte dem hinteren Teile eines Zwischen - 
kiefers entstammen. Die Zähnchen sind, wenn man sie mit den 
Abbildungen bei Münster (Lit. Angaben 1846, Taf. III, Fig. 1) 
vergleicht, viel schlanker als diese, die beiden Durchmesser sind bei- 
nahe oder ganz gleich, 3'2:3'2 und 3:20 mm bei bS mm Höhe. Das 
abgebrochene Zähnchen zeigt im Zentrum der Bruchfläche ein aus der 
Wurzelmitte aufragendes Zäpfchen, das von einem Kreise von kleinen 
röhrenförmigen Hohlräumen umgeben erscheint. Die Dentinsubstanz 
läßt unter der Lupe eine zarte radiale Faserung erkennen. 

Große Ähnlichkeit zeigt ein anderes Kieferstückchen, wohl gleich- 
falls von einem Zwischenkieferzahnaste stammend, aus der Ziegelgrube 
von Leopolds dorf (Dachlers Ziegelei). Von diesem Fundpunkte 
stammt auch ein hinteres Ende des Zwischenkiefers mit einem wohl- 
erhaltenen Hakenzähnchen und einem Querbruche eines zweiten mit 
zentraler Höhlung. Endlich liegt von Leopoldsdorf auch ein Symphysen- 
ende eines linken Unterkiefers vor, mit drei wohlerhaltenen, stark 
gekrümmten Zähnchen ; das vorderste mit einem Längsdurchmesser von 
4-3 mm und einem Querdurchmesser von 3 - 6 mm bei einer Kronen- 
höhe von 6-3 mm Andere Maße sind schon oben angegeben worden. 

Von Inzersdorf liegen mehrere Kieferbruchstücke mit Zähnen 
im Hofmuseum, welche auf ein viel größeres Individuum schließen 
lassen (Taf. III, Fig. 7 und 8). 

Die Zähne sind gleichfalls kegelförmig, aber nur leicht nach 
einwärts gebogen, ohne die hakenförmige Krümmung der Spitze zu 
zeigen. Auffallend ist weiter der ganz andere Querschnitt. Der eine 
dieser Zähne mißt an der Basis von vorn nach rückwärts 7-0 mm, 
zwei andere ö'l mm, während ihre Breite, von außen nach innen, 
7-0 mm und 75 mm beträgt. 



[13] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 63 

A. Koch betont besonders (1904, pag. 45), daß die Zähne von 
S]>li//raenodus hexagonaiis eine konische Zahnhöhle nicht besitzen. Er 
zeichnete auch einen Durchschnitt (1. e. Taf. VI, Fig. 6), an dem man 
das Hinaufreichen der Vasodentinsubstanz der Wurzel in die Zahnhöhle 
schön verfolgen kann. 

Bei den Zähnen von Inzersdorf fällt dagegen auf, daß sie durchweg 
im Innern weite Hohlräume aufweisen, mit kräftigen Längsstreifen. An 
einem Kieferbruchstücke (Taf. III, Fig. 8) sind sieben direkt anein- 
andergestellte Zähne zu erkennen, deren Kronen abgebrochen sind 
und in einzelnen Bruchstücken vorliegen, an welchen man das Hinauf- 
reichen der inneren Hohlräume bis gegen die Spitze beobachten kann. 
Die spongiösen Wurzeln lassen gerade bei diesen Stücken das Ver- 
schmelzen mit den Kiefern recht deutlich erkennen. Das schwarze 
dichte Dentin läßt unter der Lupe deutlich konzentrische, dünne Lagen 
erkennen und springt gegen den inneren Hohlraum eigenartig wulstig 
vor, wodurch die wulstige Längsstreifung an der Innenseite sich ergibt. 
Die inneren Hohlräume erstrecken sich bis tief in die Wurzel. Hohle 
Kegelzähne finde ich beiAgassiz an der Abbildung des kretazischen 
Hypsodon Lewesiensis (Taf. XXV </■, Fig. 2 und auf Taf. XXV i, Fig. 1, 
2 und 3). Diese Form wurde von Man teil zuerst als Meyalodon? 
Lewesiensis bezeichnet. 

„Hypsodon Lewesiensis" Ay. (Taf. XXV b, Fig. 4 u. 5, unvoll- 
ständiger Schädel) wurde neuerlichst von Smith Woodward (1901 
[IV], pag. 33) als Thrissopater tnagnus n. sp. bei den Elopideen, der 
von Agassiz unter demselben Namen (1. c. Taf XXV b, Fig. 1 u. 2, 
Oberkieferreste) behandelte Rest, aber als Port'ieus Mantel li Neuion 
(1. c. pag. 9F>) bei den Chirocentrideen eingereiht, welchen auch 
Hypsodon Lewesiensis Geinitz aus dem sudetischen und böhmischen 
Turon zugesellt wird. (Das von Agassiz nur zur Abbildung gebrachte 
Stück [Schuppen] von Hypsodon Lewesiensis [1. c. Taf. XXV«, Fig. 5 u. 6] 
hat S m. Wo o d w a r d als Cladocyclus Lewesiensis Ag. beschrieben und ab- 
gebildet.) Sonach werden alle diese Formen weitab von den Scombriden 
eingereiht. — Die großen Zähne aus dem Inzersdorfer Tegel bleiben 
auf jeden Fall ihrer Bestimmung, nach fraglich und werden glückliche 
bessere Funde abzuwarten sein. 

Von Vösendorf liegt auch ein Stück vor, das aus der Opercular- 
region stammt. Vor allem das Operculum selbst, aber auch das 
Praeoperculum. Dahinter scheinen Teile der vorderen Extremität zu 
liegen. (Schulterblatt?) 

Im Hofmuseum liegen ferner zahlreiche einzelne Wirbelkörper, 
und zwar von Inzersdorf, Hungelbrunn, Matzlein sdorf, 
Leopoldsdorf, Rotneusiedl und Vösendorf. Ich bringe davon 
nur den zweiten und dritten Wirbel von Leopoldsdorf zur Abbildung 
(Taf. III, Fig. 12), weil der Erhaltungszustand der Oberfläche ein be- 
sonders guter ist und erkennen läßt, daß die Skulptur derselben eine 
von jener unseres Fossils sehr verschiedene ist. — Ob in der Tat alle 
jene Wirbel von Scombriden stammen, muß ich dahingestellt sein lassen; 
es finden sich darunter welche, die mehr jenen etwa von Gadus pan- 
nonicus (A. Koch, 1. c. Taf. I, Fig. 1 — 3) ähnlich sind oder auch von 
Serranus herstammen könnten (A. Koch, 1. c. Taf. VII, Fig. 1). 



(J4 Franz Toula. [14] 



C. Über die in der Literatur verzeichneten Arten, mit 
vergleichenden Betrachtungen. 

Es ist selbstverständlich, daß ich mich bemühte, aus der Literatur 
die auf Sphyraenodus bezüglichen Angaben kennen zu lernen, wobei 
ich auch die auf die fossilen Scombriden überhaupt bezugnehmenden 
Abhandlungen in Betracht zog. 

1796. In der Ittiolitologia Veronese von Volta (1796) sind vom 
Monte Bolca mehrere Scombriden zur Abbildung gebracht worden, 
darunter Scomber Tliynnus (CX1X, Taf. XXVII), welcher von Agassiz 
als Thynnus bolcensis bezeichnet wurde, ferner Scomber alatunga und 
Scomber trachurus (— Tliynnus propterygius Agassiz [Poiss. foss., Bd. V, 
Taf. XXVII], mit welchem Namen Agassiz übrigens eine ganze Reihe 
von Volta unter verschiedenen Namen bezeichnete Formen zusammen- 
gefaßt hat) 1 ). 

Scomber tliynnus Volta (— Tliynnus bolceitsis Ag.) läßt auf V o 1 1 a s 
Abbildung nur 25 Wirbel erkennen, doch dürften deren mindestens 
29 vorhanden gewesen sein. Die verjüngten Schwanzwirbel lassen 
ganz ähnliche, zur Übereinanderlagerung geneigte Hämapophysen 
erkennen. Leider ist der Schädel so schlecht erhalten, daß von der 
Bezahnung nichts zu erkennen ist. Auch die Hypuralplatte ist nur an- 
gedeutet. Tliynnus propterygius Ag. (= Scomber trachurus Volta) dürfte, 
wie gesagt, 29 oder 30 Wirbel besessen haben, welche in der Mitte 
viel stärker eingeschnürt erscheinen, als dies bei unserer Form der 
Fall ist. (Sie erinnern in der Tat etwas an jene von Sphyraena.) 

Erwähnt sei auch, daß Volta einen Scomber pelamys (Taf. XIV, 
Fig. 1) abbildete (die spitzen Zähne sind deutlich erkennbar), den 
auch Blainville genannt hat (Poissons fossiles 1818, deutsch von 
J.F.Krüger 1823). Agassiz hat auch diese Form — die Originale 
des Vo Haschen Werkes sind nach Paris gekommen - als Thynnus 
propterygius bezeichnet (Neues Jahrb. für Min. etc. 1835, S. 292; 
Poissons fossiles V, Taf. 27), obgleich gerade dieses Original in der 
Pariser Sammlung fehlt. 

Die Stellung dieser Form bleibt nach Stör ms offen. 

1833 — 43. L. Agassiz (Recherehes sur les poissons fossiles, 
Bd. V, 1833—43) hat folgende Gattungen zu den Scombriden gerechnet: 

Gasteronemus, Acanthonemus, Vomer, Zeus, Lichia, Trachinotus, 
Carangopsia, Amphistium, P a l i m p h y e s, Arcliaeus, Isu r u s, Ductor, 
Tliynnus, Orcynus, Cybium, Enchodus, Anenchelum, Nemoptergx, 
Palaeorhynchus und Henürhgnchus 2 ), 

Von diesen sind von Albert Günther (Handbuch der Ichthyo- 
logie, deutsche Ausgabe 1886) nur die Gattungen Palimphyes, Isurus, 
Thynnus und Cybium bei der Familie der Scombriden belassen worden, 



') Nach Stör ms (1. c. 1888, 176) entfernt sich übrigens „Thynnus pro- 
pterygius Agassiz 11 weit vo:i der Gattung Thynnus, durch die verschiedene Ausbildung 
der Fossetten an den Seiten der Wirbelkörper. 

2 ) Über die Scombriden des Londontons hat L. Agassiz (Ann. sc. nat. 
1845, c. III) einen eigenen Bericht erstattet. 9 Gattungen mit 12 Arten. 



M5] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. ß5 

wozu noch von auch fossil vertretenen Gattungen Seomber und Auxis 
kommen. 

K A. v. Zittel (Paläontologie I, III, pag, 308) stimmt damit 
überein, fügt aber selbstverständlich auch Orcynus hinzu. Sphyraenodtts 
Ag. führt Zittel dagegen als Synonym bei Dictyodus Owen an und 
stellt diese Gattung mit Sphyraena zu den Mugiliformes Härder, 
während Agassiz (Poissons fossiles, V, S. 145) diese beiden Genera 
als eine eigene Familie, Sphyrenoides, direkt an die Scombriden an- 
schließt, indem er mit Sphyraeno.dus die damals wenig bekannten 
Saurocephalideen oder Saurodontideen und auch den in seiner Stellung 
noch immer fraglichen Typus Cladocyclus Ag. vereinigte, welche Zittel 
teils an die Silurideen anschließt (Saurocephalideen), teils zu den 
Mugiliformes stellt {Cladocyclus Ag.). 

Die Wirbelsäule von Cybium speciosum Ag. (1. c. Taf. XXV) vom 
Monte Bolca hat viel Ähnlichkeit mit unserem Reste. Diese Art dürfte 
30 Wirbel besessen haben, während ich bei dem rezenten Cybium 
regale Bloch aus der Lagune von Mexiko der Wirbel 46 zähle. 

1838. R. Owen hat (Rep. brit. Ass. VII, 1838, Notices etc., 
S. 142) ein neues Genus Dictyodus als zu den Sphyraenoideen 
gehörig aufgestellt, und zwar auf Grund vereinzelter Oberkieferzähne, 
deren Bau er studiert hatte. Die zierlichen Markkanäle werden als 
das Charakteristische hervorgehoben. Die größten derselben enthalten 
im Innern eine körnelige Substanz. 

In seiner Odontographie (London 1840—45) hat Owen einen 
stark vergrößerten Längsschnitt eines dieser Zähne zur Darstellung 
gebracht (Taf. LIV), dem die Spitze fehlt. Die Kanäle erfüllen die 
ganze Innenmasse (Vasodentin) und werden von einer dünnen, von 
radialen Dentinröhrchen durchsetzten Dentinhülle umgeben, die äußer- 
lich einen sehr dünnen Schmelzüberzug besitzt. 

Wichtig ist, daß Owen in dieser späteren Publikation (S. 121) 
sein Geschlecht Dictyodus als Sphyraenodus Ag. bezeichnet, die Über- 
einstimmung damit scharf betont und den Namen Dictyodus hinter 
jenem Agassizschen anführt.- Sphuraena, Sphyraenodus, Dictyodus und 
Saurocephalus faßt er zusammen und stellt sie zu den Scombriden. 

Das Vasodentin scheint nicht in allen Fällen und Altersstadien 
Bestand zu haben, wie die Zähne von Inzersdorf zeigen können, welche 
ich oben besprochen und Taf. III, Fig. 7 und 8 zur Abbildung gebracht 
habe; auch an einzelnen Zähnen des Restes von Siebenhirten wurde 
auf das Vorhandensein von inneren Hohlräumen hingewiesen. 

1846. Im 7. Hefte der Graf Georg zu Münsterschen Beiträge 
zur Petrefaktenkunde, nach dem Tode des Autors von W. Dunker 
1846 herausgegeben, finden sich S. 25 Reste von Cybium Partschi 
Münster als der Familie der Scombriden zugehörig, aus einer Lehm- 
grube bei Inzersdorf am Wienerberge beschrieben, und zwar ein kleines 
Bruchstück des Kiefers mit einem einzelnen noch festsitzenden Zahn, 
ein kleines Kinnladenstück mit noch drei darin sitzenden Zähnen und 
zwei einzelne noch im Kieferknochen sitzende Zähne. Der Autor gibt 
an, daß schon auf der ursprünglichen Etikette die Reste als „Cybium" 
bezeichnet waren. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1U05. 55. Band, l. Heft. (Fr. Toula.) 9 



(36 Franz Toula. [16] 

Zur Abbildung (1. c. Taf. III, Fig. \a — d) ist nur das an zweiter 
Stelle genannte Stückchen gekommen. Die frühzeitige Bestimmung 
der unbedeutenden Reste als Cybium ist auffallend genug, da damit 
schon damals die Zugehörigkeit zu den Scombriden erkannt, wenngleich 
die Bezeichnung des Restes als Cybium auf jeden Fall etwas gewagt 
war. Die fast rein konischen Kronen sprachen dagegen, da die Zähne 
von Cybium durch die Zweischneidigkeit auffallend genug charakterisiert 
erscheinen, gerade dieses Merkmal aber bei „Cybium Partschi" kaum 
angedeutet war. Münster beschrieb die Zähne wie folgt: 

„Die Zähne sind kurz, dick, konisch, klauenförmig gebogen, an 
der Basis fast so breit als die ganze Höhe ; bei einigen bemerkt man 
an den Seiten einen schwachen Kiel, wodurch der Zahn etwas eckig 
erscheint; von außen ist er glänzend schwarz, an der Basis zeigen 
sich kurze feine Reifen. Die Knochen des Kiefers, worin die Zähne 
sitzen, sind schwammartig porös, die Zähne sitzen ziemlich weit aus- 
einander." 

Diese Originalstücke konnte ich unter den mir mit großer 
Liberalität durch Herrn Kustos E. Kittl zur Verfügung gestellten 
Fischresten aus den Congerienschichten nicht auffinden, sie mögen 
bei den wiederholten Lokalveränderungen beim Umzüge in das neue 
Hofmuseumsgebäude in Verstoß geraten sein. 

Das in natürlicher Größe zur Abbildung gekommene Stück mißt 
etwa 18 mm, der Durchmesser an der Basis einer der Zähne 3-5 mm, 
die Höhe der Krone 48 mm. Einer der erwähnten seitlichen „Kiele" 
wurde bei einem der einzelnen Zähne (Fig. 1 c) recht deutlich ge- 
zeichnet. Die breite poröse Basis des Zahnes mißt im Durchmesser 
5 mm, in der Höhe 63 mm. 

In Zittels Paläontologie III, S. 309 wird bei dem Geschlechte 
Cybium (und Scomberodon van Beneden) dieses Kieferfragments 
und der Zähne, „angeblich im Tegel von Inzersdorf bei Wien", Er- 
wähnung getan. 

1846. H. v. Meyer erwähnte zuerst im Neuen Jahrb. f. Min. 
etc. 1846, S. 597 Kieferfragmente aus dem tertiären Sande von 
Flonheim, „von Fischen aus der Familie der Sphyraenoiden" mit den 
Charakteren von Sphyraenodus, welche als Sphyraenodus lingulatus 
und Sphyr. conoideus bezeichnet werden. 

1851. H. v. Meyer hat später die beiden Fischreste aus dem 
mitteloligocänen Tertiärsand von Flonheim beschrieben und abgebildet 
(Palaeontographica I, 1851, S. 280— 282, Taf. XXXI II, Fig. 13 u. 14). 
Sphyraenodus lingulatus (1. c. Fig. 14) hat „flach lanzettförmige" 
Zähne, welche vorn und hinten in scharfe Kanten ausgehen. 

Sphyraenodus conoideus (1. c. Fig. 13) hat Zähne, die „an der 
Basis gewöhnlich noch einmal so stark" und im Verhältnisse niedriger, 
konisch und „ohne scharfe Kanten" sind. Sie zeigen einen elliptischen 
Querschnitt an der Basis. 

Bei der ersteren Form wird man an die scharfschneidigen Zähne 
von Cybium (zum Beispiel jene des mir aus dem Hofmuseum im 
Skelett vorliegenden C. regale Bloch aus der Lagune von Mexiko) erinnert. 
In Zittels Charakteristik von Cybium (Paläont. III, S. 309) wird bei 



[17] über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 67 

Cybium freilich angeführt: „Zähne konisch." Angeführt werden von 
Zittel: Cybium speciosum kg. (Agassi z 1. c. Taf. XXV), aus dem 
Eocän vom Monte Bolca, sowie Cybium (Scombrinus Smith Woodw.) 
macropomum Äg. (1. c. Taf. XXVI, Fig. 1—3) aus dem Londonton von 
Sheppy. (Smith Woodward hat 1901 [Catalogue, IV, S. 469] Sphgrae- 
nodus lingulatus H. v. M. zu Cybium gestellt, Svhyraenodus conoideus 
II. r. M. aber als nahe verwandt mit Stereodus R. Öw. bezeichnet, ein auf 
unbestimmbare Reste von Malta begründetes Scombridengeschlecht.) 

1850. F. Dixon in seiner Geologie von Sussex (S. 112, Taf. XI, 
Fig. 24) bezeichnet ein Kieferfragment aus dem mittleren Eocän als 
Sphyraenodus tenuis n. sp. ohne jede weitere Erklärung. (Smith 
Wood ward hält den Rest mit vollem Rechte [1901, IV, S. 469] für 
genetisch unbestimmbar und stellt ihn anhangsweise zu Cybium.) 

1853. He ekel hat (Sitzungsber. d. Wiener Akad. 1853, XI, 
S. 122— 138) unter den von de Zigno nach Wien gesandten Fisch- 
resten vom Monte Bolca ein neues „Scombridengeschlecht" Vomeropsis 
(Vomeropsis elongatus Heck.) beschrieben. (Man vergleiche auch 
Denkschr. d. Wiener Akad. 1863, XXI.) Eine kleine Form, die in 
unserem Falle ganz außer Betracht bleibt. 

Auch Seriola lata Heck, wird vom Monte Bolca beschrieben. 
Schon He ekel macht aufmerksam, daß Lichia prisca Äg. zu Seriola 
gehöre und daß Scomber Cordyla Volta „auf Seriola lata zu beziehen 
sein dürfte". 

1859. Franz Stein dachner (Sitzungsber. d. Wiener Akad. 
XXX VII, 1859, S. 685, Taf. V, Fig. 1 — 12, Taf. VI und VII) hat 
Caranx carangopsis Heck, aus dem sarmatischen Tegel von Hernais be- 
schrieben und abgebildet. Ein Fisch mit nur einer Reihe von gleichen, 
nicht sehr großen konischen Zähnen. Das Hypurale besteht aus zwei drei- 
eckigen, eng aneinander grenzenden Platten (man vgl. Fig. 10, S. 30). 

1859. Im Jahre 1859 hat Fr. Stein dachner (Sitzungsber. d. 
Wiener Akad., XXXVIII, S. 776, Taf. II) einen von Radoboj stammenden 
Fischrest als Scomber msedanus beschrieben und abgebildet, welchen 
Namen Kram berger (Beitr. zur Paläont. von Österreich-Ungarn 
etc. II, 1882, S. 94), da eine Fundortverwechslung vorlag, in Scomber 
Steindachneri umwandelte. 

Auch F. Bassani (1876) hat unter den Fischresten von Radoboj 
das Vorkommen von Scomber festgestellt (Thynnus propterggius Ag.). 

1860. Valerian Kiprijanoff hat unter den Fischresten des 
kurskischen eisenhaltigen Sandsteines (Bull. Soc. nat, Moscou 1*60, 
XXXIII, S. 602—670 mit 4 Tafeln) mehrere Wirbel als zu dem 
Geschlechte Thgnnus gehörig bezeichnet (1. c. S. 662, Taf. IX, Fig. 
7 — 10) Stör ms bezweifelt (1. c. S. 177), daß man es dabei mit 
Thynnus -Wirbeln zu tun habe und meint, daß sie von anderen Fischen 
der betreffenden Ablagerungen herrühren dürften (Saurocephalus, Pty- 
chodus etc.). 

Mit den Wirbelkörpern unseres Fossils hat keines der von 
Kiprijanoff abgebildeten, zu Thgnnus gestellten Stücke (1. c. 
Taf. IX, 7 — 10) auch nur entfernte Ähnlichkeit. 



68 Franz Toula. [18J 

1861. J. J. He ekel und R. Kner (Denkschr. d. Wiener Akad. 
d. Wiss, math. -nat. KL, XIX, 1861, S. 49— 76) haben ein nicht ganz 
vollständiges Skelett von Scomber antiquus von Margaretheil (Mittel- 
mioeän) beschrieben (1. c. S. 74). Eine kleine Form, von der 22 Wirbel 
erkennbar sind, bei welchen die zum Teil recht ungleiche Länge der 
Wirbelkörper besonders betont wird. 

1861. T.C.Wink ler hat (Descr. des quelques nouv. especes 
des poissons du calcaire d'eau donce d'Oeningen. Harlem 1861) aus 
dem Oberoligocän schlanke, dünne und spitze Unterkieferstücke als 
Sphyraena Sternbergi beschrieben und mit den Agassi z sehen Formen 
von Sphyraena zusammengestellt. Sie bleiben bei unserem Reste außer 
Betracht. 

1868. F. de Botella (Descr. geol. Mureia y Albacete) führt 
von Lorca in Spanien das Vorkommen von Seriola Beanmonü an. Nach 
Smith Wo od ward reichen Beschreibung und Abbildung zur Be- 
stimmung nicht aus. 

1871 Einen für unsere Vergleiche sehr interessanten Fischrest 
hat P. J. v a n B e n e d e n (Bull. Ae. Roy., IL Ser., XXXI, 187 1 , S. 493) 
unter dem Namen Scomber odon Dumonfii (I.e. S. 504 u. Taf. III) 
beschrieben und abgebildet, und zwar aus dem Rupelton von Boom, 
einen Rest, welcher sieh in der Sammlung van der Maelen befindet. 
Derselbe besteht aus einem Intermaxillare mit Zähnen im hinteren, 
verjüngten Teile und nahe dem vorderen Ende, und aus Unterkiefer- 
Stücken. Die Zähne sind viel höher als bei unserem Reste und werden 
die Kronen als von außen gegen innen zusammengedrückt und lanzett- 
lich geformt beschrieben. Ihre Oberfläche ist glatt und glänzend. An 
der Außenseite zeigen sie eine leichte Depression. Sie sind leicht 
gegen einwärts gekrümmt. Van Beneden hat Scomberodon Dumontii 
als dem Sphyraenodus Agassiz angenähert und mit voller Bestimmtheit 
als einen Scombriden bezeichnet. Die unterscheidenden Merkmale 
unserem Siebenhirtener Reste gegenüber liegen hauptsächlich in der 
Gestaltung der Zähne, die bei Scomberodon vun Beneden lanzettlich 
zusammengedrückt erscheinen und nur wenig an der Spitze nach 
einwärts gekrümmt sind, in der Tat sonach am meisten an die Ver- 
hältnisse bei Cybium erinnern, mit welchem Geschlechte sie von 
Zittel folgerichtig in Zusammenhang gebracht wurden. Die An- 
deutung, welche van Beneden darüber macht, daß der Name 
Sphyraenodus eigentlich unzutreffend sei, ist gewiß beherzigenswert, 
da die betreffenden Reste mit Sphyraena nichts zu tun haben, sondern 
zu den Scombriden gehören. Auf jeden Fall wäre der Name Scomberodon, 
wenn er von Agassiz anstatt Sphyraenodus gewählt worden wäre, ein 
glücklicherer gewesen. 

Van Beneden führt (1. e, 1871, S. 512) aus dem belgischen 
Mitteloligocän (Rupelton) auch Reste von Pelamys robusta an, hat aber 
die „charakteristischen" Reste, ein großes Fragment eines Maxillare 
und eine Anzahl von Wirbeln, leider nicht zur Abbildung gebracht. 

1873. E. Sau vage (Mem. sur la faune ichthyologique de la 
periode tertiaire, Bibl. des Hautes etudes, VIII, 1873; Ann. Soe. geol., 



[191 Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. Q<) 

IV, 1873, S. 1—272 mit 18 Tai'.; man vergleiche auch Bull. Soc. geol. 
de Fr., 3. Ser., IL, S. 312) hat die tertiäre Fischfauna behandelt und 
dabei die fossilen Fische von Uran und von Licata auf Sizilien be- 
sprochen. Von Scombriden führt er an: Thynnus anyustus (Tai III, 
Fig. 21), Th.? proximus (Taf. III, Fig. 24) und Zeus Licatae, alle drei 
von Licata stammend. Die erstgenannte Form ohne seitliche Fossetten, 
nach Storms zu Auxis gehörig. Nach der Abbildung läßt der Erhaltungs- 
zustand der Wirbelkörper fast alles zu wünschen übrig. Die zweite Art, 
schon von Sau vage als fraglich bezeichnet, scheint der seitlichen 
Knochenplatten an den Schwanzwirbeln zu entbehren. Ihre Größen- 
verhältnisse sind nach Storms (S. 178) andere als die entsprechenden 
bei Thynnus. (Man vergleiche auch Ann. Sc. Nat., XIV, 1870.) 

1876. R. Lawley hat in seinen „Nuovi studi sopra al pesci ed 
altri vertebrati fossili delle colline toscani'' (Florenz 1876, 122 S. mit 
5 Taf.) pliocäne Fische besprochen, darunter Pelamys adunca und 
Sphyraena Winkleri. Pelamys adunca Lairl. ist auf unzulängliche Kiefer- 
und Knochenreste begründet (man vergleiche Smith Woodward, 
Catalogue IV, S. 482). In der Tat sind die von Lawley (1. c. S. 64, 
Taf. V, Fig. 6) behandelten Reste, die er mit der lebenden Art Pelamys 
sarda verglich, recht dürftig. Abgebildet werden zwei Stücke, eines 
mit drei, ein zweites mit zwei konischen und etwas hakig gekrümmten 
Zähnen, mit deutlicher Streifung nahe der Basis. Nach dem Text sind 
sie leicht zusammengedrückt. 

1876. T. C. Winkler (Arch. Mus. Teyler, IV, S. 43, Taf. IL 
Fig. 24 und 25) führt Cybhtm Bleekeri aus dem belgischen Mittel- 
eocän an, eine Art, welche auch R. Storms (Bull. Soc. Belg. Geol., 
Mem. VI, S. 3, Taf. I, 1892) besprochen hat. Die Zähne sind seitlich 
stark zusammengedrückt. 

1876. F. Bassani (Atti Veneto-Trent. Sc. Nat., III, S. 183) 
führt das Vorkommen von Orcynus lanceolatus an. 

1877 hat E. D. Cope (Bull. U. St. Geol. Surv. of Territ., S. 816) 
ein neues Geschlecht Priscacara aus der eocänen Bridgerfauna von 
Twin Creek in Wyoming aufgestellt und 1884 im Rep. U. St. Geol. 
Surv. of Territ., III, S. 92 ff. beschrieben. Eine der Arten ist Prisca- 

Fisr. 3. 




Priscacara serrata Cope. 

cara serrata (1. c. 1884, S. 93, Taf. XIII, Fig. 1). Von Zittel (1. c, 
S. 288) bei den Pomacentrideen (Pharyngognathi), von Smith Wood- 
ward (1901, S. 554) bei den Chromideen eingereiht. Diese Art wird 
nur aus dem Grunde angeführt, weil der Bau der Hypuralplatte gut 
zu beobachten ist. (Fig. 3.) 



70 Franz Tonla. [20] 

Auch Mioplosus labracoides Cope (1. c. Taf. XII, Fig. 1) läßt die 
Hypuralregion erkennen (man vgl. Fig. 4). Gleichfalls aus den Green 
Riverschichten Wyomings. Von Smith Wood ward zu den Percideen 
gestellt. Mit Perca hat das Hypnrale einige Ähnlichkeit, nur scheinen 

Fig. 4. 




Mioplosus labracoides Cope. 

die beiden Platten bis zur Basis getrennt zu sein. Beide Formen 
erinnern in der geschilderten Beschaffenheit an Caranx carangopsis 
Heck. (Steindachner, 1859, Taf. VII, Fig. 4). 

1878. de Bosniaski hat unter den Fischresten von Cutro in 
Kalabrien auch Thynnus angeführt, ohne jedoch Abbildungen beizu- 
fügen (Proc. Verb.'Soc. Toseana Sc. nat. Pisa 1878 und 1879). 

1878. G. Capellini (Mem. Ace. Sc. Ist. Bologna, IX, 1878) 
beschrieb Ci/bium Bottii (1. c. S. 250, Taf. III, Fig. 1 — 8) aus dem 
mittleren Miocän von Lecce. Nach Smith Wo od ward ist die 
Genusbestimmung fraglich. 

1882. Drag. Gorjano vi 6- Kram berge r hat von Podsused 
einen Rest als Sphyraena croatica beschrieben (Beitr. z. Geol. Öst.-Ung. 
1882, II, S. 112, Taf. XXVIII, Fig. 1). Die charakteristische Form 
der Wirbelkörper ist wohlentwickelt, vom Kopfskelett sind nur wenige 
Knochenstücke erhalten. 

Von „Scombriden" werden besehrieben und abgebildet: Scomber 
Steindach neri Gorj.-Kramb. (= Sc. susedanus Steind.) von Radoboj, 
Scomber priscus Krumb. (1. e. S. 119. Taf. XXIV, Fig. 3), eine kleine 
Art von Podsused, Auxis croaticus Kramb., eine größere Art (57 cm 
lang) von Radoboj, Auxis Vrabceensis Kramb. (S. 121, Taf. XXIV, Fig. 4) 
von Vrabce, Auxis minor Krumb. (S. 122, Taf. XXIV, Fig. 5, 6) von 
Radoboj, Auxis thynnoides Kramb. (S. 125, Taf. XXVI, Fig. 1, 2) 
von Podsused. Außerdem mehrere Arten von Caranx und Proati gonia 
(Krambenjer). Bei keinem der abgebildeten Stücke ist die charakte- 
ristische Beschaffenheit der Schwanzwirbelplatte zu erkennen. 

Scomber (Auxis) sarmuticns hat Kram berger -Gor janovic 
später (1891, Rad. jugosl. Ak., CVI) beschrieben und abgebildet. 

1883. W. Dam es. Sitzungsber. d. Berliner Akad. d. Wiss. 1883, 
S. 147, Taf. III, Fig. 12. 

Was die als Saurocephalus Fujumensis Barnes (Sitzungsber. d. 
Berliner Akad. d. Wiss. 1883, S. 147, Taf. III, Fig. 12) bezeichneten 
Reste von Birket el Qtirun in Ägypten anbelangt, so reichen dieselben 
nicht hin, um mit Sicherheit zu sagen, die Annahme Dames', man 
habe es dabei mit Saurocephalus zu tun, sei eine unrichtige. Es 



[21] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 71 

Üanies nur glatte, wurzellose Zähne vor, mit „flachgewölbten Seiten 
und scharfen Rändern", also Reste, welche kaum gestatten, eine 
irgendwie sichere Genusbestimmung vorzunehmen. Dasselbe gilt von 
dem einzelnen als „? Enchodiis sp." bezeichneten Zahne. 

Die Angabe bei Dam es von gerader, regelmäßig lanzettlicher 
Gestalt stimmt übrigens überraschend mit den Abbildungen von Sauro- 
cephalus bei Agassiz (vgl. V., Taf. 25c, Fig. 19 — 29), freilich zeigen 
alle diese Abbildungen deutliche Längsstreifung, während Dam es 
bestimmt erklärt, die ihm vorliegenden Zähne seien glatt, und nur bei 
starker Vergrößerung sei an dem größten Stücke, aber nur an der 
Basis, eine feine vertikale Streifung wahrzunehmen, die kaum 2 mm 
weit hinaufgehe. Dabei an Sphyraenödus = Dictyodus zu denken, 
scheint mir ausgeschlossen zu sein. 

1884. D. Kramberger-G orjano vic hat (Rada jugosl. Ak., 
LXXII, 1884) von Trifail Orcynus Komposchi beschrieben (S. 39) und 
abgebildet (Taf. III, Fig. 1). Eine Wirbelsäule mit den Anhängen, 
ohne den Schwanzteil und ohne Reste vom Kopfe. Wirbelkörper 
schlecht erhalten. Muß daher außer Betracht bleiben. 

1885. E. Ri viere hat unter den Resten aus den Höhlen von 
Menton (Italien) auch einen Kiemenhautstrahl von Thynnus angeführt 
(Assoc. Franc,. 15. Sess. 1885, pag. 450 — 457, Nancy) ohne alle weiteren 
Angaben, außer dem Gattungsnamen 

1886. Von den zahlreichen Resten von Scombriden in den 
tertiären Glarner Fischschiefern (A. We tt stein, Abhandl. d. Schweiz, 
paläont. Ges. 1886, Bd. XIII, Heft 2) zeigt kein einziger die Hypural- 
platte und auch sonst kommt keiner dieser Reste bei unserem Fische 
in Betracht. (Abgebildet wurden: Echineis glaronensis Wettst. [ein 
prächtig erhaltenes Exemplar], Arehaeus glaronensis Ag., Arrh. aeoides 
longus Wettst., Arch. longicostatus v. ff., ArcJi. macrurus Wettst. [gut 
erhaltener Rest], Falimphyes glaronensisWettst. und Isurus macrurus Ag.) 

1887. R. Storms hat (Ann. Soc. Geol. Belg. XIII, 1887 Mem. 
pag. 265, Taf. IV) Reste eines Scombriden unter dem Namen Amphodyn 
Benedeni beschrieben. Kopfteile und Wirbel. Die großen Zähne sind an 
der Basis stark gefaltet und gefurcht, an der Spitze wenig nach ein- 
wärts gekrümmt. (Smith Wood ward, Catalogue IV, S. 474, hat 
den Geschlechtsnamen in Scombramphbdon umgeändert und Sphyrae- 
nodus crassidens Ag. angeschlossen.) Andere Kieferreste wurden von 
Storms Amphodon curvidens genannt (1. c. pag 266, Taf. V). Die 
Wirbelkörper sind nicht länger als breit, wodurch sich diese Reste 
von anderen großzähnigen Scombriden unterscheiden. Die Zähne stehen 
in zwei Reihen, eine Reihe von größeren innen und eine zweite von 
ungefalteten, gedrungeneren kleinen Zähnen außen. Dieses Verhalten 
erinnert an die zwei Zahnreihen bei Lichia vadigo. Freilich ist bei 
dieser Art die Reihe der großen Zähne die äußere. Die Doppel- 
reihigkeit der Zähne ist das von unseren Resten unterscheidende. 
Von hohem Interesse für unsere Vergleiche ist das von Storms zur 
Abbildung gebrachte Schwanzende der Wirbelsäule (man vergleiche die 
Textillustration Fig. 5), welche der Autor mit einer der beiden Formen 



72 



Franz Toula. 



[22] 



in Zusammenhang brachte, und dabei von einer Reihe von 20 Wirbeln 
Mitteilung machte, aber nur die beiden letzten und die Hypuralplatte 
abbilden ließ. Der vorletzte Wirbel zeigt die kräftige Neurapophyse, 
die in einem kräftigen Knochendorn ausläuft und das Vorhandensein 



Fig. 5. 




Schwänzende von Amphodon spec. nacli R._Storms (1887). 



eines Chordaschlitzes erkennen läßt. Das hintere Ende der Platte ist 
verbrochen, zeigt eine etwas gegen unten ziehende mittlere Seitenkante, 
was einigermaßen an das Verhalten bei unserem Reste erinnert. 

1887. R. Stör ms (Bull Soc. Belg. Geol. I, 1887, pag. 39) gab 
Bemerkungen über Scomberodon Dumontii van Beneden. 



L. Dollo und R Storni s haben in der Mitteilung über 
die Teleostier aus dem Rupelien (Zoologischer Anzeiger 1888, pag. 265 
bis 267) Dictyodus Owen als Synonym für Spli yraenodus bezeichnet. 

Die eine der H. v. Mey ersehen Arten (Sphyraenodus lingulatus) 
sei zu Scomberodon van Beneden gehörig. Auch seien im British 
Museum Reste von Scomberodon als Sphyraenodus bezeichnet. 

Dictyodus und Scomberodon seien generisch verschieden. Dictyodus 
habe gekrümmte, Scomberodon gerade und schneidende Zähne Dictyodus 
sei durch seine kräftigen Zähne von Scomber, Thynnus etc. unter- 
schieden, stehe aber Pelamys sehr nahe. Scomberodon jedoch sei als 
zu Cybium gehörig zu betrachten. Es stimmt dies mit meiner vor Ein- 
sichtnahme der Dollo-Stormsschen Abhandlung gewonnenen Auf- 
fassung vollkommen überein. 

1889. R. Storms (Memoires Soc. Beige de Geologie etc. III. 
1889, pag. 163—178, Tat' VII) hat aus der Gegend von Antwerpen 



[23] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 7); 

Wirbel von verschiedenen Seombridengattungen besprochen, sie auf 
Thynnus bezogen und als Thynnus (Orvynus) scaldisii beschrieben. 
Von den Monte Bolca-Scombriden seien nur Orcynus lanceolatus und 
latior zu Thynnus gehörig. 

Stör ms bildet in dieser wichtigen Arbeit Wirbel von Thynnus 
scaldisii ab, welche von ansehnlich großen Individuen stammen, weit 
größer als der Fisch von Siebenhirten. Es besteht offenbar eine 
ähnliche Verschiedenheit in den Längen der aufeinanderfolgenden 
Wirbel (1. c. pag. 175). Es werden die folgenden Maße angegeben: 

der 17. Wirbel 39 und 42 mm lang 
„18. „ 38 mm 
. 24. „ 43 „ 
„ 25. „ 42 „ 

weiterhin besteht eine Zunahme bis zum 32. Wirbel. Dieser wird mit 
57 und 48 mm Länge angegeben, 

der 33. Wirbel mit 53 mm 
. 34. „ „ 67 „ 

„ 35. „ „ 44 und 33 mm Länge. 

Einen Hauptunterschied in der Form von jener an unserem 
Fossil bezeichnet die Ausbildung der seitlichen Gruben, welche im 
allgemeinen, ähnlich so wie bei Thynnus, annähernd symmetrisch 
gestaltet sind, wenigstens beim 26. und 30. Wirbel, während bei 
unserem Fossil die größte Vertiefung durchweg weiter nach vorn 
gelegen ist. Daraus ergibt sich bei unserem Individuum eine andere 
Gestaltung der mittleren Erhöhung, welche nach rückwärts beträcht- 
lich anschwillt und verbreitert erscheint und den Raum bietet für 
die Entwicklung von meist seichten Längsfurchen. Beim 23. W T irbel 
unseres Tieres rückt die Vertiefung nach hinten. Der 32. Wirbel bei 
Thynnus scaldisii läßt die scharfen seitlichen Leisten („crete longi- 
tudinale") deutlich erkennen, während für unser Fossil gerade der 
Abgang solcher seitlicher Knochenfortsätze an den Schwanzwirbeln 
zu den bezeichnendsten Erscheinungen gehört; ähnlich wie Thynnus 
scaldisii verhalten sich nach Stör ms (1. c. 166) Cybium und Scomber. 
Bei Cybium sind sie nur als Knorpel angedeutet, nicht verknöchert. 
Aus dem Gesagten geht hervor, daß unser Fossil nicht in die un- 
mittelbare Verwandtschaft mit dem pliocänen Thynnus von Antwerpen 
gehören kann. 

1889. F. Bassani (Atti R. Ac. Sc. Napoli III) führt aus dem 
unteren vizentinischen Miocän an : Lichia lata, L. Stoppanii und 
Scomber cf. antiquus. 

1890. A. Smith Woodward (Ann. mag. Nat. Hist, 6. Ser., V, 
1890, pag. 294) hat aus dem Corallinen Crag, dem Crag von Suffolk 
und aus dem Red Crag Wirbel eines Scombriden beschrieben, die 
(nach W. Dames, Neues Jahrb. 1893, I, S. 173) möglicherweise 
einer noch unbeschriebenen Gattung angehören dürften. Er nannte 
die betreffende Form, sie ist etwas kleiner als die belgische, Thynnus 
scaldisiensis (= Th. scaldisii Storms). 

Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanstalt, 1905, 56. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 10 



74 Franz Tonla. [24] 

1891. D. Gorjanovic-Kramberger (Rad. Jugosl. Ak., CVI, 
1891, pag. 119, Taf. XXIV, Fig. 3) hat von Podsused in Kroatien 
einen unvollständigen Rest als Scomber priscus beschrieben. 

1892. R. S t o r m s hat über Cybium (Enchodiis) Bleekeri geschrieben 
(Mem. Soc. Belg. de Geol. etc., VI, 1892, pag. 3—14, Taf. I). Ziemlich 
vollständiger Schädelrest mit bezahntem linken Intermaxillare von 
Boom. (Die Unterkieferzähne scheinen im Gesteine zu stecken.) Die 
Zähne sind, zum Unterschiede von Thynnus und Pelamys, „lanzettlich" 
zusammengedrückt, „scharf, spitzig und schneidig". Neben Cybium finde 
sich in Boom auch ein konischzähniger Fisch, der an Sphyraenodus und 
Pelamys anschließe. 

1895. D. Gorjanovic-Kramberger hat einen unvollständigen 
Rest als Thynnus (Scomber Smith Woodward) planovatus von Trifail 
besprochen (Djela Jugosl. Ak., XVI, 1895, pag. 63, Taf. XI, Fig. 2). 

1897. R. Stör ms hat aus dem belgischen mittleren Eocän 
Cybium Proosti beschrieben (Revue Quest. Sc, XII, 1897, pag. 244 
Fig. 1 — 3). Kiefer und Wirbel, die nach Smith Wood war d (IV, 1901, 
S. 470) als etwas zweifelhaft zu bezeichnen sind. (Diese Abhandlung 
ist mir erst durch die Güte Prof. Dollos zugänglich geworden.) 
Cybium Proosti ist auf Kieferreste von bedeutender Größe (zirka 
0'34 m lang) und auf sechs große, in einer Reihe aufeinanderfolgender 
Wirbel begründet, deren Abbildung leider weniger gut gelungen ist 
(1. c. S. 246), aber den Scombridenwirbelcharakter aufzuweisen scheinen. 
Die großen Fossetten erinnern mehr an jene bei Pdamys als bei 
Cybium. Die großen Zähne werden als lanzettlich und an den Rändern 
schneidig bezeichnet, sind unregelmäßig angeordnet und sollen weit 
vor dem hinteren Ende der Intermaxillaren enden. Im Unterkiefer 
sitzen auffallenderweise viel kleinere Zähne. 

1898. E. Wittich (Neue Fische aus den mitteloligocänen Meeres- 
sanden des Mainzer Beckens. Notizbl. d. Ver. f. Erdk., Darmstadt, IV, 
Hft. 19, 1898) hat (1. c. S. 40) einen Kieferrest von Dictyodus linyulatus 
H. v. M. sp. beschrieben und (Taf. I, Fig. 9) abgebildet. Er erwähnt, 
daß H. v. Meyer diese Form als Sphyraenodus neben einer verwandten 
Art (Sphyraenodus conoidms) aus dem Flonheimer Meeressande be- 
schrieben habe. Wittich schließt sich dem Zitt eischen Vorgange 
an, den Agassiz sehen Namen Sphyraenodus durch den von Owen 
(siehe oben) gegebenen: Dictyodus zu ersetzen. Wittich beschreibt 
die ihm vorliegenden Zähne als spitz, dreieckig, mit scharfen Rändern, 
während die gegebene Abbildung dies nicht gut erkennen läßt. Er 
erwähnt, es scheine, daß Dictyodus auch sonst noch in Tertiärschichten 
vorkomme, und führt als Beispiele die von Graf Münster aus dem 
Wiener Becken und von Dam es aus fraglich „jungeoeänen Schichten 1 ' 
vom Birket-el-Qurun in Ägypten beschriebenen Zähne an. W r enn er 
sagt, diese beiden Autoren hätten die betreffenden Zähne zu Sauro- 
cephahis gezogen, so trifft dies bei Graf Münster nicht zu, denn 
Münster beschreibt die mit Sphyraenodus zu vereinigenden Reste, 
wie schon erwähnt wurde, als Cybium Partschi. (Dieselbe Annahme 
hat übrigens auch H. v. Meyer gemacht [Neues Jahrb. 1846, S. 598], 



[25] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 75 

sie aber auf die beiden von Münster als Saurocephalus bezogenen 
Reste beschränkt.) Auch wenn Wittich anführt, van Beneden habe 
Kieferreste aus dem belgischen Rupelien als Scomberodon beschrieben, 
mit Sphyraenodus für identisch erklärt, also zu den Scombriden ge- 
rechnet, so stimmt dies nicht ganz mit den Angaben van Benedens. 
der wohl nur von einer Annäherung an Sphyraenodus spricht; wenigstens 
läßt sein „se rapproch e" sich auch auf diese Art deuten. Scomberodon 
van Beneden, sagt W i 1 1 i c h ganz zutreffend, sei dem Dictyodus 
ähnlich, aber „durchaus nicht als identisch anzusehen", wobei er auf 
die Verschiedenheit der Dimensionen und Krümmungen der Zahn- 
kronen hinweist. 

Dollo und Storms hätten eine Art aus dem Meeressande 
(„wahrscheinlich Dictyodus Mngulatus") gleichfalls zu Scomberodon 
gestellt. Wittich läßt übrigens mit Recht die Entscheidung offen, 
da man bei beiden Gattungen nur auf Dentalia angewiesen sei. 

Die Zahnhöhen bei Dictyodus lingulatus E. Wittich betragen 8*3, 
11 6 und 9*3 mm, ihre Basalbreiten 6 - 0, 66 und 6'8 mm (von vorn 
nach hinten), die Dicken (von außen nach innen) 4*3 und 4*5 mm. 

Nach der gegebenen Abbildung würde ich auf glatte oder vielleicht 
etwas zweischneidige Zahnkronen geschlossen haben. Die Form des 
Vorderrandes des Unterkieferbruchstückes (Taf. I, Fig. 9) hat mit 
den eigenartigen Ausschnitten, die an dem Reste von Siebenhirten 
beschrieben wurden, einige Ähnlichkeit. 

1901. A. Smith Wood ward hat in seinem „Catalogue of the 
fossil Fishes in the British Museum (Natural History)", Part. IV, 
XXXVIII und 636 S. mit 19 Tafeln und 22 Textfiguren, London 1901. 
Carangklae (S. 425—451) und Scombridae (S. 451—482) behandelt. 

Von den Carangideen, welche früher vielfach als Scombriden 
bestimmt wurden, werden mehrere Arten von Seriola besprochen als 
S. prisca Ag. sp., S. lata Heck., S. analis Ag. sp. = Carangopsis oder 
Lichia analis. Bei Lichia lata F. Bassani und L. Stoppanii F. Bassani 
bleibe die Zugehörigkeit in Frage, die Reste von Lichia alta Kramb., 
L. secunda Winkl. und Seriola Beaumonti Fr. de Botella seien generisch 
nicht zu bestimmen. Die fossilen Lieh /«-Arten stellt Smith Woodward 
zu Seriola. Von den angeführten Scombriden werden besprochen : die 
Genera (die Wirbelzahl in [ ]) 1 sur i chthys [30] für Isurus Ag., 
Thynnus [zirka 40], Eoth ynnus n. g. für Coeloceph alus L. Ag. 
[?], Sco m ber [zirka 30], Pal i m p h y e s [zirka 40], Scombrinus 
n. g. ['?], zum Beispiel Scombrinus macropomus Ag. für Cybium macro- 
pomum Ag. (durch die größeren Zähne von Scomber unterschieden), 
Auxis [30 — 40], A. (?) propterygius Ag. sp. (Scomber pelamys, trachurus 
Volta, Labrus bifasciatus Volta und Ophicephalus striatus Volt« um- 
fassend), Cybium (= Scomberodon van Beneden). Wirbel stark ein- 
geschnürt, Wirbelanzahl offenbar sehr variabel. Aus dein Bartonton 
werden angeführt: C. excelsum und bartonense (nur Kieferstücke). 

Sphyraenodus lingulatus H. v. Meyer wird als Cybium bezeichnet, 
wie schon von R. Storms (1892). Die Gattungsbestimmung von Cybium 
Partschi Münster von Inzersdorf wird als fraglich bezeichnet. Von 
Eocoelopoma n. g. für Coelopoma Ag., ist nur der Kopf bekannt. 

10* 



76 Franz Toula. [26] 

Sphyraenodus (= Dictyodus Owen): Große konische Zähne ohne 
seitliche Depression. Es stimmt dies zwar mit den von L. Agassiz 
(1. c. V, S. 98) gegebenen Ausführungen nicht überein, denn dort 
heißt es ausdrücklich: Die Zähne „sind konisch, leicht zusammen- 
gedrückt". Agassiz betont übrigens an derselben Stelle, daß die 
Zähne von Sphyraenodus gleich seien, im Gegensatze zu jenen von 
Sphyraena, bei welchem Geschlechte neben konischen auch zusammen- 
gedrückt erscheinende und neben den großen eine Menge damit ab- 
wechselnder kleiner Zähne auftreten. Agassiz hat sonach das wenig 
zutreffende des von ihm gewählten Namens bereits selbst erkannt. 
Smith Wood ward betont die Ähnlichkeit mit Pelamys, die Zähne 
seien nur größer und stärker als bei diesem lebenden Geschlechte. 
Scombr amphodon n.g. für Ampltodon R. Storms; Eine Reihe kleiner. 
Zähne neben den großen und konischen. Die Wirbel nicht länger als 
breit, mit zwei seitlichen Gruben. Sphyraenodus crassidens Ag. wird 
hierher gestellt. Tyrsitocephalus G. v. Roth (Fischschiefer von 
Glarus) und Lepidopus Gouan (Glarus und Sizilien). 

1904. Vor kurzem hat A. Koch Reste von Sphyraenodus aus den 
Mergeln von Beocsin in Kroatien ausführlicher beschrieben und ab- 
gebildet. (Annales musei nation. Hungarici, II, 1904, 72 S. mit 7 Taf.) 

In seiner sehr genauen Beschreibung des schönen Restes von 
Sphyraenodus hexagonalis n. sp. (1. c. S. 44—50, Taf. IV, Fig. 1, Taf. V, 
Fig. 1, Taf. VI, Fig. 1—6) betont Koch, daß die Zähne in bezug auf 
ihre Form und Skulptur Abweichungen zeigen von den bisher be- 
schriebenen fossilen Sphyraenodus- Arten. Die jüngeren Zähne „krümmen 
sich gleich von der Emailbasis an nach einwärts". Im unteren Teile 
sei die Zahnkrone breit konisch, weiter hinauf aber werde der Kegel 
schlanker und sei von außen gegen innen etwas zusammengedrückt, 
um in einer scharfen Spitze zu enden. Daß unter den Beocsiner 
Zähnen auch solche mit feiner Streifung vorkommen, geht aus den 
Abbildungen (1. c. Taf. VI, Fig. 2—6) hervor. A. Koch hat den Umfang 
der Basis, besonders der jüngeren Zähne, symmetrisch sechsseitig 
gefunden. Bei den Zähnen von Siebenhirten kann ich dies, wie schon 
erwähnt, nicht finden. Diese symmetrische Sechsseitigkeit findet sich 
wohl nur vereinzelt, vielleicht als ein weiterer Beweis für die Varia- 
bilität auch dieser Verhältnisse. Am konstantesten ist das Überwiegen 
der Längs- gegen die Querdimension der Querschnitte der Zähne, be- 
sonders im unteren Teile der Zahnkronen, was mit den Messungen 
an unserem Stücke im allgemeinen übereinstimmt. 

Herr Prof. Dr. A. Koch hatte die große Freundlichkeit, mir 
die Originalstücke zu den Abbildungen von Sphyraenodus hexagonalis 
aus dem Beocsiner Mergel, der dem unteren Horizont der „pannoni- 
schen Stufe" entspricht, zur Ansicht zuzusenden. Ich entnehme daraus, 
daß die Unterkieferreste etwas schlanker gebaut zu sein scheinen, als 
jene des Siebenhirtener Restes. Ihre Oberflächen sind auffallend glatt, 
während die Stücke aus der Wiener Bucht etwas gedrungener gebaut, 
derber erscheinen und an der Oberfläche eine schärfer ausgeprägte 
Längsstreifung aufweisen. Die in den Kiefern sitzenden Zähne der 
Beocsiner Stücke sind zumeist, soweit dies beobachtet werden kann, 



[271 Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 77 

von annähernd kreisrundem Querschnitte und fast glatt, während sie 
bei unserem Stücke, besonders an der Basis der Kronen, tief gefurcht 
sind, wobei die Furchen an der Außenseite sich bis über die Hälfte 
der Kronenlänge gegen die Spitze hin verfolgen lassen. 

Ein neu erworbener Schädelrest des Budapester Museums, der 
von Prof. Koch erst bearbeitet werden wird, den er mir jedoch zum 
Vergleiche zu senden die Liebenswürdigkeit hatte, zeigt eine viel 
größere Übereinstimmung mit dem Wiener Stücke, auch in der Be- 
schaffenheit der Knochen und Zähne. Es spricht dies nur für die 
große Variabilität der Skulpturbeschaffenheit der Knochenoberflächen, 
was sich auch aus dem Vergleiche der Halswirbel unseres Siebenhirtener 
und des Taf. III, Fig. 12 abgebildeten Stückes von Leopoldsdorf 
ergibt. Im Budapester Museum befinden sich auch Teile der Wirbel- 
säule, so ein Wirbelbruchstück aus dem vordersten Teile der Wirbel- 
säule, vielleicht der erste Halswirbel, wenn es nicht einen Teil des 
basalen Hinterhauptkörpers (Occipitale basilare) darstellt, mit der 
flach konisch vertieften Hinterfläche. Ich wage dies nicht zu ent- 
scheiden, der Erhaltungszustand läßt zu viel zu wünschen übrig. Außer 
einigen Ausfüllungsmassen der konischen Vertiefungen von Wirbel- 
körpern aus der mittleren Partie der Wirbelsäule, einige davon in 
schönem Verbände miteinander, liegen noch zwei Wirbel aus der 
vorderen Schwanzregion vor. Gerade diese erlauben in bezug auf die 
Größenverhältnisse Vergleiche anzustellen. 

Schon aus der Betrachtung der erwähnten Ausfüllungsmassen 
läßt sich eine Art von Vergleich ziehen. Sie lassen auf eine Länge der 
Wirbelkörper zwischen 26 und 29 mm schließen, bei einem Durch- 
messer von 31 — 35 mm, während bei der Wiener Wirbelsäule die 
Wirbelkörperlänge in derselben Partie der Säule zirka 30 mm, der 
Durchmesser der konischen Vertiefungen aber 25—26 mm beträgt. 
Es ergäbe sich daraus eine weit gedrungenere Form dieser Wirbel- 
körper. Die Schwanzwirbel des Beocsiner Exemplars sind wohl durch 
seitlichen Druck etwas deformiert. Die Länge des am besten erhaltenen 
Wirbels mißt 23 mm. Der Durchmesser, der Höhe nach gemessen, 
ergäbe sich an den Rändern der konischen Hohlräume mit etwa 36 mm, 
der Querdurchmesser aber mit zirka 32 mm, während an dem Sieben- 
hirtener Stücke die Länge des Wirbelkörpers zirka 21 mm beträgt, 
der Querdurchmesser aber gleichfalls zirka 21 mm ausmachen dürfte, 
so daß auch in dieser hintersten Partie der Wirbelsäule bei der 
Beocsiner Art viel gedrungener gebaute Wirbelkörper vorhanden sind. 

1904. A. Koch hat jüngst (Földtani Közlöny XXXIV, S. 365, 
366) aus dem mitteleocänen Grobkalke von Bacstorok in der Umgebung 
von Klausenburg (Kolozsvär) in Siebenbürgen das Vorkommen eines 
Kiefers besprochen, der als Sphymenodus cf. priseus Äff. bestimmt 
wurde. Eine Abbildung und Beschreibung wird in Aussicht gestellt. 



78 Franz Tonla. [28] 



D. Einige Vergleiche mit lebenden Arten. 

Im k. k. natürhistorischen Hofmuseum in Wien konnte ich mich 
überzeugen, daß unter den lebenden Scombriden in bezug auf die 
Bezahnung Pelamys sarda Bl. (aus der nördlichen Adria [Triest]) eine 
große Ähnlichkeit mit unserem Reste hat, denn die Zahne von Thynnus 
thynnus sind, wenn auch von recht ärmlicher Form, im Verhältnisse sehr 
klein. Die Zahne von Pelamys dagegen sind kräftig, konisch und hakig 
nach einwärts gebogen, sie sind nur verhältnismäßig schlanker gebaut als 
jene an unserem Fossil. Zu erwähnen ist dabei das Vorkommen meist 
in einer Reihe gedrängt stehender kleiner, spitzer Zähnchen an dem 
Unterrande der Gaumenbeine. — Was dagegen das Skelett von Pe- 
lamys anbelangt, so ist, wie schon erwähnt wurde, die Zahl der 
W T irbel (54) eine bedeutend größere als beim Thunfisch oder bei 
unserem Fossil. Erwähnen möchte ich, daß die Fossetten der Pelamys- 
Wirbel ihre größte Tiefe vor der Mitte besitzen und daß die mittleren 
Erhöhungen dadurch jenen an unserem Tiere ähnlich werden und 
sich nach rückwärts verbreitern. Bei Pelamys sarda. treten bei den 
Schwanzwirbeln auch die flach niedergelegten oberen und unteren 
Fortsätze auf. und zwar deckt der Dornfortsatz des sechsten Wirbels 
(von rückwärts gezählt) in flächenförmiger Verbreiterung den fünft- 
letzten Wirbelkörper, die Fortsätze des fünftletzten Wirbels aber nehmen 
bereits Anteil an der Bildung der Stütze der Schwanzflosse. Bei 
Thynnus nehmen dagegen die beiderseitigen Dornfortsätze der drei 
letzten Wirbel an der Bildung der Stütze der Caudalflosse Anteil, 
jene des vierten ragen bereits frei und spitz vor. Bei Ausonia 
beteiligen sich nur die Dornfortsätze der beiden letzten Wirbel an 
der Stütze der Caudalflosse. Ähnlich so ist es, wie gezeigt wurde, 
bei unserem Reste. Die Hypuralplatte ist bei dem mir vorliegenden 
Exemplar von Pelamys sarda nicht völlig entblößt, doch erkennt man, 
daß das hinterste Ende leicht vorspringt, etwa so wie bei Ausonia 
und Thynnus (man vergleiche Textfigur 6 und 7). Die Zähne sind, 
obwohl konisch, von der Seite her etwas zusammengedrückt; sie 
sind zumeist fast ganz glatt, nur einige lassen in der basalen Hälfte 
eine zarte Längsstreifung erkennen. Die Parapophysen sind, von 
rückwärts gezählt, vom sechsten bis zum zehnten Schwanzwirbel ent- 
wickelt. 

Vergleiche konnte ich auch an dem vortrefflichen zerlegten 
Skelette eines ziemlich großen Individuums von Centrolophus pom- 
pilius L: aus Genua anstellen. Das Skelett besitzt 26 Wirbel und die 
Hypuralplatte besteht aus zwei unverwachsenen Stücken, welche am 
rückwärtigen Ende einen über die Mitte der zweiteiligen Platte hinein- 
reichenden dreieckigen Ausschnitt offen lassen (man vergleiche Text- 
figur 8), während beide Teile beim Thunfisch und bei der Ausonia eine 
vollkommen verknöcherte Platte bilden, die rückwärts in der Mitte sogar 
etwas vorspringt. Bei Cybium reyale erscheint mir das Hypurale als 
eine innig verschmolzene, aber am hintersten Ende nicht vorgezogen 
endigende Platte ; an sie schließen sich die Medianfortsätze der vier 
letzten Wirbel, um der Schwanzflosse als Stütze zu dienen, ähnlich so wie 



[29] Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch. 79 

das auch bei Thynnus thynnus L. der Fall ist. Da die Flossenstrahlen 
aufsitzen, ist die genauere Form der Hypuralplatte von Cybium regah 
nicht zu erkennen, nur in der Mittellinie liegt sie frei zutage. Daraus 
ergibt sich, daß unser Siebenhirtener Rest in dieser Beziehung 
zwischen die beiden genannten Formen, also zwischen Carangiden und 
Scombriden zu stehen kommt. 

Das herrliche zerlegte Skelett von Thynnus thynnm L. des Hof- 
museums besitzt 40 Wirbel, bei dem mir zum Vergleiche übergebenen 
zweiten Exemplar kann ich bis zur Schwanzplatte nur 39 Wirbelkörper 
zählen. Bei dem kleinen Skelette von Cybium regale zähle ich, wie schon 
erwähnt wurde, bis zur Schwanzplatte aber 48 Wirbelkörper. Die 
vier letzten Wirbel von Thynnus sind von den vorhergehenden auf- 
fallend verschieden, indem die Fossetten bei dem vordersten der- 
selben kaum angedeutet, bei den drei letzten aber vollkommen fehlen. 
Jener vierte, von der Schwanzplatte gezählt, besitzt noch eine An- 
deutung der seitlichen Erhöhung in der Mitte der Seiten, welche 
beim fünften, sechsten und siebenten Wirbel scharf und horizontal 
vorragende Platten aufweisen. 

Am siebenten, von rückwärts, beginnen die rückwärtigen Neura- 
pophysen und Haemapophysen sich auf den Körper des nächsthinteren 
Wirbels zu legen. Beim fünften reichen sie bis über die Mitte, beim 
vierten erreichen sie den Hinterrand. Dieses Verhältnis ist bei 
Cybium regale Bloch wieder ein ganz anderes, indem die genannten 
Fortsätze nach rückwärts zu immer spitzere Winkel mit der Ober- 
fläche der Wirbelkörper einschließen, lang und spitz stachelig bleiben 
und im hintersten Teile sich nur aneinanderschließen, ohne den 
Wirbelkörper zu erreichen. 

Unser Fossil gleicht somit in dieser Beziehung in der Tat am 
besten dem Thunfische. Aber auch bei der Abbildung von Cybium. 
speeiosum Agass. (1. c. V, Taf. XXV) glaube ich ein ganz analoges Ver- 
halten annehmen zu dürfen. 

Nachdem die im vorstehenden gegebenen Ausführungen voll- 
endet waren, machte mich mein sehr verehrter Freund, Herr Kustos 
Siebenrock, auf ein eben fertig gewordenes Skelett von Lichia 
vadigo Rond. von der marokkanisch-atlantischen Küste aufmerksam, 
eine Art, welche auch im Mittelmeer und in der Adria vorkommt 
und durch ihre verhältnismäßig kräftigen, konischen und nach ein- 
wärts gekrümmten Zähne auffällt, während zum Beispiel Lichia 
glauca Bond, kleine hecheiförmige Zähnchen besitzt. — Nur in der 
vordersten Partie der Intermaxillaren treten jedoch bei Lichia 
vadigo hinter den großen Zähnen eine größere Zahl viel kleinerer 
Zähnchen auf. Vomer und Palatinum tragen Hechelzähne. Die Inter- 
maxillaren gehen nach rückwärts in ziemlich lange, stark verjüngte und 
mit zum Teil paarig stehenden Zähnchen besetzte Endstücke aus. Das 
vordere Ende ist oben auffallend grubig vertieft. Diese Beschaffenheit 
ist von jener bei Thynnus und Cybium sehr verschieden. Die Wirbel- 
säule von Lichia vadigo zählt nur 24 Wirbel und fallen die vordersten 
durch ihre ansehnliche Größe auf. Der erste ist dem ersten unseres 
Fisches nicht unähnlich, was die seitlich nach vorn und rückwärts 
gerichteten, kurzen, derben, fast dornartigen Fortsätze (Zygapophysen) 



80 



Franz Toula. 
Fig. 6-11. 



Fig. 6. 




Fig. 7. 




[30] 



Fig. 8. 



Fig. 9. 





Fig. 10. 



Fig. 11. 





Fig. 6. Hypurale von Thyuntts. — Fig. 7. Hypurale von Aasonia. Fig. 8. Letzter 
Wirbel und Hypurale von Centrolophus. — Fig. 9. Leizter Wirbel und Hypurale 
von Lichia vadigo. — Fig. 10. Letzter Wirbel und Hypurale von Caranx caran- 
gopsis. — Fig. 11. Letzter Wirbel und Hypurale von Serranus (nacb A. Koch). 
(Fig. 6 — 10 nach der Natur gezeichnet.) 



I ;) 1 I Über einen dorn Thunfische verwandtet! Raubfisch. Hl 

anbelangt, doch fehlen bei Lichia vadigo hier die Fossetten. Die erwähnten 
dornartigen Seitenfortsätze (Zygapophysen) sind bei Lichia vadigo schon 
beim dritten Wirbel ganz zurückgetreten, während bei unserem Fische 
die nach rückwärts gerichteten beim vierten und fünften Wirbel am 
kräftigsten entwickelt sind. Die mittleren und rückwärtigen Wirbel 
von Lichia vadigo zeigen vom sechsten Wirbel an in bezug auf die 
Entwicklung der Fossetten mit unserem Fische eine größere Ähnlichkeit, 
als dies bei Thynnus und Cybium der Fall ist; die größte Tiefe bei 
den Fossetten ist wie bei unserem Individuum etwas nach vorn 
gerückt und die mittlere Erhöhung zeigt eine ganz ähnliahe Ver- 
breiterung nach rückwärts, wenigstens vom sechsten bis zwölften 
Wirbel. 

Das auffallendste ist jedoch das Verhalten der Caudalplatte. 
Dieses Verhalten hat mich zu den weiteren Vergleiche veranlaßt. 
Die Platte besteht aus zwei Teilen (Fig. 9), die in der Mittellinie 
aneinandertreten und rückwärts einen schmalen dreieckigen Einschnitt 
offen lassen, ähnlich so wie bei unserem Fische. Auch die Neura- 
pophyse und Haemapophyse des letzten Schwanzwirbels legt sich ganz 
ähnlich so an die Platte, wie dies bei unserem Fische der Fall ist. Der 
seitliche Dorn des letzten Wirbels bei Lichia vadigo und glauca, scharf 
und spitz vorragend, seheint bei unserem Fische breit plattenförmig 
entwickelt gewesen zu sein. Der Bau des letzten Wirbels unseres Restes 
zeigt auch sonst große Ähnlichkeit mit jenem bei Lichia Diese Ähn- 
lichkeit ist schon bei dem vorletzten und drittletzten Wirbel nicht 
mehr vorhanden, da bei unserem Fische Neurapophysen und Haema- 
pophysen, wie schon geschildert wurde, ganz den Charakter wie bei 
Tkynnus und Pelamys annehmen, d. h. sich breit und derb gestalten, 
mit vorragendem kräftigen Dorn, während sie bei Lichia vadigo den 
Charakter der vorderen gewöhnlichen Fortsätze besitzen. Die ganz 
verschiedene Ausbildung der Wirbelkörper des Schwanzes unseres 
Tieres gegenüber Lichia geht aus den im Vorhergehenden gesagten 
Ausführungen hervor, das auffallendste bleibt immer der völlige 
Abgang jeder Andeutung von seitlichen Knochenfortsätzen, ähnlich so 
wie bei Cybium. Caranx carangopsis und Lichia (Seriola) vadigo 
scheinen in Beziehung auf die Entwicklung des Hypurale am meisten 
an die Verhältnisse bei unserem Reste anzuschließen, welcher sonach, 
in dieser einen Ausbildung, eine Art von Zwischenform zwischen 
Carangiden und Scombriden zu bilden scheint. (Man vergleiche die 
Zusammenstellung Textfigureu 6— 11 mit Taf. III, Fig. 14 und 15.) 
Freilich wird auch in Erinnerung zu behalten sein, daß bei den 
Formen, welche Cope (man vergleiche Cope: 1877, Textfigur 11 
und auch unsere Textfiguren 3 und 4) aus der Green River-Fauna 
beschrieben hat, das Hypurale in ähnlicher Weise zur Entwicklung kam. 



Zusammenfassung. 

Die Ähnlichkeit der Zähne und der Bezahnung überhaupt, einer- 
seits von Sphyramodus priscus Ag., anderseits von den Formen aus 
dem Wiener Becken ist sehr groß, doch sind die Zähne der letzteren 

Jahrbuch d. k. k. gcol. Reichsanstalt. 1905. 55. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 11 



^2 Franz Toula. [32] 

in den meisten Fällen höher, d. h. schlanker gebaut. Bei Cybhim 
macropomum Ag. (Agassi z 1. c. V, Tai XXVI, 2) = Scombrinus macro- 
pomus Sm. Woodw. sind sie dagegen noch viel schlanker. Eine viel 
größere Ähnlichkeit haben die Zähne von Sphyraenodus hexagonalis 
A. Koch. Die Ähnlichkeit der schlankeren Zahnformen der Funde 
aus der Wiener Bucht und der Zähne von Pelamys sarda und Lkhia 
vadigo wurde gebührend hervorgehoben. Es würde dies, angenommen 
die Kieferstücke aus der Wiener Bucht seien einer und derselben 
Art zuzurechnen, auf eine beträchtliche Variabilität der Zahnform 
schließen lassen, was ja immerhin möglich wäre ; auch die pannonische 
Form von Beocsin würde dann dazuzurechnen sein. — Da nun aber 
bei allen bisher untersuchten, zu Sphyraenodus gestellten Formen nur 
Kopf-, Kiefer- und Zahnreste bekannt * geworden und beschrieben 
worden, die übrigen Skeletteile aber zumeist ganz oder fast ganz 
unbekannt geblieben sind, erscheint mir eine solche Zusammenziehung 
aus dem Grunde gewagt, weil der nächste glückliche Fund möglicher- 
weise Unterschiede ergeben kann, die der Annahme der Zusammen- 
gehörigkeit zuwider wären, was um so mehr zu den Möglichkeiten 
gehört, als wir ja Zähne recht ähnlicher Art bei recht verschiedenen 
Gattungen und Arten von Scombriden wiederfinden und auch bei im 
System weitab stehenden anderen Fossilien begegnen, man denke 
nur an das an Lkhia vadigo beobachtete, an die Sphyraena-Zähne 
und an die Zähne von Scomhramphodon (Amphodon) Benedeni Storms. 
Der Fund von Siebenhirten läßt nun auch die ganze Wirbelsäule 
erkennen. Die geringe Anzahl der Wirbel unseres Tieres würde auf 
die fossilen Formen von Cybium, z. B. C. speciosum Ag. hinweisen, 
welch letztere Art die gleiche Wirbelanzahl aufweist, während bei 
Thynnus thynnus L. 40, bei dem ähnlich bezab.nt.en~ Pelamys * sarda 
Bloch gar 54 Wirbel auftreten; freilich hat auch Cybhim regale Bloch 
48 Wirbel, so daß die Wirbelanzahl bei Cybium eine recht variable 
zu sein scheint. Durch eine geringe Wirbelanzahl werden auch 
Centrolophus pompilius L. (26), Lkhia vadigo Rond. (24) und Ausonia 
Cuvieri Risso (23) auffällig, welche letztere Art in die^Centrolophus- 
Gruppe gehört. Da es nun, wo eine fast vollständige" Wirbelsäule 
vorliegt, möglich ist, mit noch größerer Sicherheit in bezug auf 
die systematische Stellung von „Sphyraenodus' 1 vorzugehen, als dies 
R. Storms 1888 zu tun in der Lage war, dessen Schlußfolgerungen, 
Sphyraenodus gehöre zur Familie der Scombriden und schließe sich 
in der Bezahnung nahe an Pelamys an, im allgemeinen zu bestätigen 
sind, so kann die systematische Stellung mit größerer Sicherheit be- 
sprochen werden als bisher. Daß die Art der Bezahnung und der Zahn- 
form allein nicht hinreichend ist, um eine sichere systematische 
Einreihung vorzunehmen, geht anderseits aus der Tatsache hervor, 
daß die Bezahnung bei einem und demselben Geschlechte sehr ver- 
schieden sein kann. (Lichia glauca mit hecheiförmigen, Lichia vadigo 
mit kräftigen konischen Zähnen.) Viel bezeichnender scheint das hintere 
Ende der Wirbelsäule zu sein, wenngleich sie auch nicht für sich 
allein entscheidend wird, da ja dermalen zu den Carangiden gerechnete 
Formen in gewisser Beziehung Ähnlichkeiten, speziell in der Aus- 
bildung dos llypurale aufweisen, wie die erwähnte Lichia zeigt, bei der 



[33] ttber einen dem Thunfische verwandtet Raubfisch. 83 

die Schwanzplatte noch vollkommener ausgebildet ist, wie etwa bei 
Centrolophus, und zwar noch vollkommener, als dies Steindachner 
(1859, Tai VII, Fig. 4) von Caranx carangopsis Heck, gezeichnet hat. 
(Siehe die obige vergleichende Darstellung der Hypurale, Textfiguren 
6—11). Das Hypurale unseres Tieres hat zum Unterschiede von 
Thynnus und Amis, bei welchen die Platte stumpf endet, rückwärts 
eine dreieckige Einbuchtung und erinnert in dieser Beziehung mehr 
an das Verhältnis bei Caranx und Centrolophus, wobei aber wieder 
insoweit eine Annäherung an Thynnus und Auxis auftritt, als die 
Schwanzplatte unseres Restes deutlicher ihre Entstehung aus oberen 
und unteren Dornfortsätzen erkennen läßt, als dies bei den zuletzt 
genannten lebenden Geschlechtern der Fall ist; ob eine ähnliche Ein- 
buchtung auch bei Amphodon R. Storms (1887) vorhanden ist, was nicht 
unwahrscheinlich wäre, kann des unvollkommenen Erhaltungszustandes 
der betreffenden Fossilreste wegen nicht angegeben werden; im übrigen 
ist die Ähnlichkeit auffallend genug (man vergleiche Fig. 5, S. 72). Der 
Abgang der seitlichen plattigen Fortsätze (Parapophysen) bei unserem 
Fische erinnert wieder an Cybium. Die Neurapophysen und Haema- 
pophysen der rückwärtigen Wirbel haben dagegen ganz den Charakter 
wie er z. B. bei Thynnus auftritt, so daß die Annahme von van 
Beneden (1874), R. S t o r m s (1888) und SmithWoodward 
(1901), Sphyraenodus sei zu den Scombriden zu stellen, fast sicher- 
gestellt scheint, wobei gewisse Annäherungen unseres Tierrestes an 
die Carangiden Caranx und Lichia kaum zu bezweifeln sein werden, 
so daß man versucht wird, an eine Art von Z w i s c h e n f o r m 
zwischen Carangiden und Scombriden zu denken. — Die Bezahnung 
ist analog wie bei Pelamys, Sphymena und Lichia vadigo. Die Wirbel- 
zahl ist kleiner als bei Pelamys, Thynnus, gleich jener bei Cybium 
speciosum und ähnlich jener von Centrolophus und Ausonia; der 
Abgang der plattigen Parapophysen erinnert an Cybium. 
Die weit übergreifenden plattigen oberen und unteren 
Dornfortsätze der ersten Schwanzwirbel sowie auch die abstehenden 
besonders kräftigen Dornfortsätze der letzten Schwanzwirbel sind wie 
bei Thynnus entwickelt. In bezug auf die Ausbildung des plat- 
tige n Hypurale steht unser Fossil zwischen Caranx und Thynnus, 
es dürfte sonach im System nach den Carangiden einzustellen sein 
(Lichia) und in der Nähe von Pelamys und Cybium. 

Ich stehe da vor einer noch größeren Schwierigkeit als damals, 
als ich (1902) das so vollständige Rhinozeros von Hundsheim 1 ) unter- 
suchte und benannte, wo ich bei der Namengebung zur Aufstellung einer 
neuen Form gedrängt wurde, wenngleich es mir sehr lieb gewesen 
wäre, wenn ich die Namen „Rh. etruscus Falc. oder Rh. megarhinus 
Christ." hätte wählen können, was mir nicht weniger angenehm ge- 
wesen wäre, als dem freundlichen Beurteiler meiner Arbeit, Herrn 
Dr. Max. Schlosser (Neues Jahrb. .für Min. etc. 1904, I, S. 300). 
Eine nicht vollkommen überzeugende Übereinstimmung in der Namen- 
gebung auszudrücken, erschien mir wissenschaftlich gefährlicher, als die 



') Dasselbe stammt übrigens nicht aus einer „Spalte", wie ein Berichterstatter 
angibt, sondern aus einem gewaltigen Erosionsschlote. 

11* 



S4 Franz Toula. [34] 

Aufstellung eines neuen Namens, bei genauer Angabe der Verwandt- 
schaftsverhältnisse, selbst auf die Gefahr hin, daß derselbe durch 
spätere sichere Erkenntnisse auf den einer Varietät beschränkt oder 
sogar ganz eingezogen werden müßte. Ähnlich so geht es mir heute. 
Der Siebenhirtener Fund liefert neue Erkenntnisse für eine bestimmte 
Form, Erkenntnisse, die sich dermalen auf keinen der bisher be- 
schriebenen Funde überzeugend anwenden lassen ; ich glaube daher 
recht zu tun, wenn ich gerade für einen gegenwärtig vollkommensten 
Rest einen ganz bestimmten neuen Namen aufstelle, bei dem ich jene 
der in gewissen Charakteren ähnlich gebauten Gattungen benütze und 
nicht den Namen Sphyraenodus wähle, da ja, wie sich im Verlaufe 
der Auseinandersetzungen zeigte, schon Agassi z selbst auf sehr 
bestimmte Unterschiede zwischen Sphi/raenodus und Sphyraena hin- 
gewiesen hat, die die Wahl dieses Namens als eine wenig glückliche 
erscheinen lassen. Um Mißverstündnissen vorzubeugen, werde ich 
übrigens den Namen Sphyraenodus in Parenthese beifügen, da er 
von Smith Wo od ward (1901) in seinem umfassenden Werke auf- 
recht erhalten wurde, wobei er jedoch auf das bestimmteste in die 
Charakteristik der Gattung die Angabe aufgenommen hat: „Die Zähne 
ohne seitliche Depression", was streng genommen weder für unseren 
Rest noch für jene von Beocsin nach den angegebenen Maßverhält- 
nissen gelten kann, da die Zahnquerschnitte doch immerhin um ein 
merkliches länger als breit sind. Bei unserem Reste wurde dieses Ver- 
hältnis mit 73:6 und 65 : 5-3, für Sphyraenodus hexagonalis A.Koch 
(1. c. 1904, S. 48) mit 5:4, 6:5, 55 : 45, 6 5:55 gefunden. Nach 
diesen Verhältnissen ist die seitliche Zusammendriickung bei unserem 
Fische ganz wenig stärker als bei der ungemein nahe stehenden Form 
von Beocsin (1-22 bei unserem, 1-18 bei dem kroatischen Individuum). 
Was die Artbezeichnung anbelangt, so muß ich weiters gestehen, daß 
ich am liebsten den Namen Partschi, den Graf von Münster (1846) 
für einen gewiß sehr nahestehenden Fischrest der Wiener Bucht (Cybium 
Partschi) eingeführt hat, gewählt hätte. Die betreffenden Reste sind 
aber denn doch zu ärmlich und konnten zum direkten Vergleiche nicht 
mehr herbeigezogen werden. Daß Sphyraenodus hexagonalis A. Koch 
(1904;, eine überaus nahestehende Form sei, habe ich gleichfalls 
schon des näheren besprochen, da ich jedoch an keinem der Fuud- 
stücke aus der Wiener Bucht einen hexagonal erscheinenden Zahn- 
querschnitt beobachten konnte, bezeichne ich den dem Thunfische 
ähnlichen ansehnlichen Raubfisch der Wiener Bucht als 

Pein my cybium („Sphyraenodus") sinus vindobonensis n. gen. et 

n. spec. 



Zur Geologie von Nordalbanien. 

Von Dr. Franz Baron Nopcsa. 

Mit einer geologischen Übersichtskarte (Tafel Nr IV) und 20 Zinkotypien im Text. 

„Über die Auflagerung der Trias auf dem Schiefergebirge längs 
der Linie des Schwarzen Drin wissen wir noch gerade wie Boue nur 
das, was v. Hahns Darstellung den Geologen ahnen läßt." Dies sind 
die Worte, mit denen K. Üe streich noch im Jahre 1902 genötigt 
war, seine Geomorphologie eines Teiles der westlichen Balkanhalbinsel 
zu schließen und seither hat sich das Verhältnis nicht wesentlich 
geändert. 

Infolge der ganz besonderen Liebenswürdigkeit meines Freundes, 
des k. u. k. ö s t e r r e i c h i s c h - u n g a r i s c h e n K o n s u l s in Ü s k ü b, 
Herrn B. Pära und der Unterstützung, die mir seitens ihrer 
Exzellenzen des Generalinspektors für Makedonien 
Hilmi Pacha und des Valis von Kossovo Schakir Pacha 
zuteil wurde, war es mir in den Jahren 1903 und 1904 ermöglicht, 
einen Teil des Gebietes zwischen der Bahnstrecke Kumanova — Köprülü 
und der bulgarischen Grenze einerseits, das Gebiet zwischen Ferizovic 
und Skutari anderseits in größter Ruhe zu bereisen, daselbst geo- 
logische Notizen zu machen und auf diese Weise einen Überblick 
über das bereits erwähnte Gebiet zu erlangen. 

Ich k a im nicht u m h in den gen a nuten II e r r e n f ü r 
i h r e G ü t e und Liebenswürdigkeit, für den h o h e n S c h u t z, 
den sie mir zuteil werden ließen, und für daslntcresse, 
das sie meiner Arbeit entgegenbrachten, wärmstens 
zu danken. 

Als Kartenmaterial stand eine auf den Maßstab 1 : 75.000 ge- 
brachte photographische Vergrößerung der Generalkarte von Mittel- 
europa ( 1 : 200.000) zur Verfügung. 

Als einheitliche Bezeichnung für das zwischen Rozaj, Mitrovica, 
Ferizovic, Kacanik, Kalkande, Gostivar, Krcova und Ohrida einerseits, 
Montenegro und der Adria anderseits gelegene geologisch einheitliche 
Gebiet glaube ich den Namen Albanien verwenden zu dürfen, für das 
nördlich davon zwischen Ibar, Serbien, Bosnien und Montenegro ge- 
legene Gebiet laßt sich der Ausdruck Novibazar verwenden. 

Da Makedonien mehr oder weniger ausführlich vonOestreich 
und Cvijic bearbeitet wurde und speziell von letzterem bereits eine 
recht detaillierte geologische Karte Makedoniens publiziert wurde (die 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 



86 Dr. Franz Baron Nopcsa. [2] 

nebenbei, wie schon Phillipson bemerkt, von Oestreichs geo- 
logischer Karte von Makedonien ganz bedeutend abweicht) außerdem 
von Cvijic eine große Arbeit über dieses Gebiet in Aussicht steht, 
so ist es natürlich, daß sich mein Hauptaugenmerk auf die von Cvijic 
und Oestreich nicht begangenen Gebiete reduzierte. Um die 
geologischen Verhältnisse Nordalbaniens erfassen zu können, schien 
mir ein kleiner Abstecher in die Rhodopemasse eine unerläßliche 
Bedingung, und dies ist der Grund, warum ich die Beschreibung der 
terra incognita Albaniens mit einer Skizze der besser bekannten Rho- 
dopemasse beginne. 



I. Reisebeschreibung. 

A. Tournee: Krivolak — Brusnik — Pesternik — Promet— Garvan— 

Trescovec — Inova— R a d o v i s t e — Topolnica — I s t i b — Karbinci 

— Teranei — Podlag -Kocana — Nivicani — Rudare-Tursko — 

Kratovo — Kumanova. 

Krivolak— Radoviste. 

Nach Übersetzung des Vardar zwischen Krivolak und Pepeliste 
auf einer großen, jedoch elenden Fähre kommen bald hinter Krivolak 
in einer niedrigen buschbewachsenen Hügellandschaft Flyschgesteine 
zum Vorschein, und zwar sind hier gelbe, etwas saudige Mergel 
sichtbar, die zuerst nördliches Fallen (<£ 30°), später jenseits des 
westlich von Brusnik herabkommenden Grabens verschiedenes Fallen 
(WSW < 30°, NNW < 20°) zeigen. Unmittelbar hinter Krivolak werden 
diese typischen Flyschgesteine von einer Schotterdecke überlagert, 
auf der wieder bohnerzhaltiger, gelber Lehm zur Ablagerung gelangte. 
Nach Überschreiten eines kleinen Rinnsals wurde vor Brusnik ein 
zweiter Graben überschritten, in dem die Flyschschichten polygonal 
zersprungen und längs der Sprünge gelb verwittert erschienen und 
außerdem waren hier überall auf große Flächen hin die allerherrlichsten 
Wellenspuren (Ripplemarkes) zu konstatieren. Dies hält so an bis 
Brusnik, woselbst sich sandigere Schichten desselben Komplexes zeigen. 
Wie man nun bei Brusnik südliche Richtung einschlägt und den tief 
eingeschnittenen Krivolakbach überschreitet, ändert sich die Sache, 
da man sich von nun anstatt auf Flyschsandstein auf mehr konglomerat- 
artigen Sandsteinen und echten groben Konglomeraten befindet. Ich 
konnte in dem polygenen Konglomerate zahlreiche kopfgroße Geröll- 
stücke konstatieren. Mit dem Korne des Sediments geht auch eine 
Farbenveränderung Hand in Hand, denn im Gegensatze zu dem zuvor 
erwähnten blauen bis gelben Flyschsandstein (der völlig an die gleichen 
Bildungen des Wienerwaldes erinnert) ist hier als vorherrschende 
Farbe Bolus rot zu konstatieren. Das Gefüge des Konglomerats ist 
im allgemeinen locker. Überall zwischen dem linken (südlichen) 
Bachufer bei Brusnik und Pesternik war ausgesprochen westliches 
Fallen zu konstatieren. Von Brusnik führt am südlichen Talhange 
ein südwärts gerichteter W T eg gerade nach Lipa, ein zweiter hingegen 



|3| Zur Geologie von Nordalbanien. s> 7 

in östlicher Richtung nach Pesternik, Kalanjevo (in der 1 : 200.000 
Karte nicht verzeichnet) und von da auf den Promet. 

Auf letztgenanntem Wege gelangt man (genau südlich des Orts- 
kreises von Pesternik) wieder auf Mergel, Schiefer, Sandsteine und 
mäßig grobe Konglomerate von grauer Farbe, welche zusammen eine 
Mächtigkeit von zirka 40 m zeigen, und bald darauf wieder auf die 
bolusroten, übrigens schon vonGrisebach erwähnten Konglomerate, 
die sich von den gleichen zuvor erwähnten roten Konglomeraten nur 
durch ihr bedeutend gröberes Kaliber unterscheiden, indem hier in 
den noch immer westwärts fallenden Konglomeraten (< 45°) nicht 
mehr kopfgroße, sondern fäßchengroße Geröllstücke von zirka 50 cm 
Durchmesser eine gar nicht unbedeutende Rolle spielen. 

Schon die Größe dieser Stücke zeigt, daß eine küstennahe 
lokale Bildung vorliegt und in der Tat läßt sich dies bald auch auf 
andere Weise konstatieren. Knapp vor dem zirka 30 Minuten östlich 
Pesternik gelegenen Kalanjevo zeigen sich nämlich in den tieferen 
Lagen des Konglomerats Kalkgerölle, welche gegen unten an Häufig- 
keit zunehmen, bis ein Kalkkonglomerat entsteht, welches endlich auf 
einer Erosionsfläche eines weiter im Osten anstehenden kompakten grauen 
Kalkes lagert. Bei einer Wegkrümmung konnte ich die Überlagerung 
ganz deutlich konstatieren. 

Auch von Kalanjevo zweigt ein Südwest gerichteter Weg gegen 
Lipa ab, während der Hauptweg weiterhin die Richtung gegen Lubnica 
einhält. Von fern kann man dort, wo der Hauptweg den Promet, 
respektive die in dessen südlicher Fortsetzung gelegene Kote 650 
überschreitet, lichte graue Kalkfelsen konstatieren, die sich auch über 
die Wasserscheide erstrecken und die von Oe streich erwähnten 
Kalkgerölle der Kriva Lakavica liefern. 

Von Kalanjevo bis Garvan wurden die auf der Karte einge- 
zeichneten Wege verlassen und auf einem Saumweg zuerst nordwärts 
in das tiefe Tal von Brusnik — Promet, darauf in nordöstlicher Richtung 
geradewegs gegen Promet geritten. 

Am Grunde des Tales, wo sich der Kalanjevo-Bach mit dem 
von Promet herabführenden Bache vereinigt (im Hochsommer enthält 
nur letzterer Wasser), zeigen sich noch immer "NW fallend rote Tone 
und Konglomerate, welche einen von hier gegen den Promet begleiten. 

Auf der Höhe des Promets kreuzt sich der eingeschlagene Fuß- 
weg Promet — Garvan mit einem längs der Vilajetgrenze NNW — SSO 
verlaufenden Saumweg, der geradeaus nach Berovo (Piperovo) 
hinführt. 

Ein elender Fußsteig führt von der Promet-Höhe am Nordabhange 
des Garvaner Tälchens in diese Gemeinde und hier kann man nun 
im Liegenden der Konglomerate statt Kalksteine Pegmatit durchsetzte 
Diorite konstatieren. Der Diorit tritt zwar zum Teil auch in größeren 
zusammenhängenden Massen auf, meist ist er aber so von dem Peg- 
matit durchsetzt, daß faustgroße bis taubeneigroße, oft vollkommen 
abgerundete, im Querschnitt augenartige dunkle Dioritstücke in der 
weißlichrosenroten Pegmatitmasse liegen und man fast geneigt wird, 
das Ganze für eine synchrone Bildung zu halten, in der die mehr 
basischen Bestandteile sphärische Ausscheidungen bilden. Gegen 



>~;y Dr. Franz Barou Nopcsa. |4| 

Garvan hin läßt sich statt dieses Eruptivmaterials ein sehr grobkörniger 
Zweiglimmergneis konstatieren und das Dorf ist selbst zum Teil 
noch auf einer in diesem Gesteine abradierten Terrasse errichtet. 

Südlich des Dorfes kann man nicht mehr Gneis, sondern nur 
mehr etwas geneigte, lockere, offenbar tertiäre Schotter erkennen, 
die anhalten, bis man südwestlich des Dorfes Dl. Vrastica in das Tal 
der Kriva Rjeka herablangt. Hier befinden sich die von estreich 
und Viquesnel erwähnten und von Cvijic auf seiner Karte eben- 
falls ausgeschiedenen Eruptivgesteine (Andesite). 

Die nun folgende, zwischen Treskovec Gabres und Inova liegende 
Gegend ist auf der Generalkarte 1 : 200.000 etwas unrichtig wieder 
gegeben worden, da die Wasserscheide zwischen Gabres und Inova 
nicht in der Mitte zwischen diesen beiden Gemeinden liegt, sondern 
sich höchstens 2 km südwestlich von Inova befindet. Auf diese Weise 
gewinnt das Treskove.c-Gabres-Tal ganz bedeutend an Länge. Am Ein- 
gange in dieses Tal stehen nun bei Treskovec noch Andesite an, 
gleich darauf erscheinen aber glimmerschieferartige, in einem Winkel 
von 80° gegen SO fallende Gneise, die eine zirka 8 m mächtige Kalk- 
bank enthalten. Dies hält ungefähr 2 km weit an, worauf am nord- 
westlichen Hange des breiten schottererfüllten Tales plötzlich wieder 
blaue Flyschgesteine anstehen. Allerdings scheint es sich hier bloß 
um ein ganz lokales Vorkommen zu handeln, indem gleich darauf 
wieder mit 45° gegen SO fallende Glimmerschiefer erscheinen, die 
bis auf die nordwestlich des Südendes liegende Wasserscheide an- 
halten. Diese selbst, zirka 800 m über dem Meere und 450 m über 
dem Radoviste-Tale, wird nun nicht, wie zu erwarten wäre, ebenfalls 
von kristallinischen Gesteinen, sondern von schwach geneigten Tegel- 
schichten, Sand- und Schotterlagern (!) gebildet, wobei die Schotter 
wiederum faßgroße, bloß an den Kanten gerundete Blöcke enthalten. 
Als überwiegendes Material ließ sich daselbst Granit konstatieren. 

Der Abstieg nach Inova zeigt wieder SO fallende Glimmerschiefer 
(Fallwinkel 50 — 90°) und man kann erkennen, daß die beschriebenen 
Sedimente bloß eine auf dem überschrittenen Rücken abgelagerte Decke 
bilden. Wahrscheinlich dürften sich diese Sedimente über Vrastica 
hinaus bis in die Gegend von Bres erstrecken. 

Zirka 1 km südwestlich Inova laßt sich steil NW (<X 70°) fallender 
muskovitreicher Gneis, darauf wieder großblättriger Glimmerschiefer 
konstatieren. Auf dem Weide- und Ackerlande zwischen Inova und 
Radoviste konnte ich nirgends auch nur halbwegs verwendbare Auf- 
schlüsse finden. 

Aus Cvijic' seiner Routenkarte von Makedonien geht hervor, 
daß dieser Pionier der Balkanforschung in dieser Gegend nur eine 
Tournee von Vinitiani-Gradsko nach Istib zurücklegte, während von 
Dr. Jankovic die Route Demirkapu— Strumiza begangen wurde. 
e s t r e i c h scheint, obzwar dies in seiner Arbeit nicht besonders 
erwähnt wird, den Weg zwischen Lipovik— Treskovec und Istib be- 
gangen zu haben. Trotz dieser wenigen Angaben läßt sich eine recht 
gute Übereinstimmung zwischen dem, was ich beobachtete, und dem, 
was Cvijic in seiner geologischen Karte dieser Gegend niederlegte 
ohne weiteres erkennen. 



|5| Zur Geologie von Nordalhanien. ,S<) 

Radoviste — Istib. 

Die nähere Umgebung von Radoviste ist, da bei dieser Lokalität 
verschiedenartige Bildungen auf einem kleinen Flecken beisammen- 
liegen, nicht ohne jeglicher Interesse. 

Wie auch aus der Generalkarte 1 : 200.000 ersichtlich, wird der 
Ort, dessen Längsachse NW — SO verläuft, durch den Radoviste-Bach 
in eine südwestliche und eine nordöstliche Hälfte getrennt, während 
zu beiden Seiten das Bergland knapp bis an die Ortschaftslisiere 
herantritt. Um die nächste Umgebung kennen zu lernen, habe ich 
eine Umgehung der nordöstlichen Dorfhälfte unternommen. 

Im Südosten dieses Teiles konnte ich an dem gegen Kalaguzli 
führenden Wege sehr flach gegen Osten geneigte rote Tonbänke und 
Konglomerate erkennen und feststellen, daß die Tonbänke in ihrem fazi- 
ellen Habitus nicht unbedeutend an die berühmten subaerischen ] ) und 
fluviatilen Pikermitone erinnern. Weiter gegen Nordwesten schreitend, 
traf ich Muskovitgneis an und in der Nordwestecke des bezeichneten 
Dorfteiles ließen sich (etwas nordwestlich der weithin sichtbaren 
Kavalleriekaserne) in quarzreichem, mit 80° gegen NO fallendem gneis- 
artigen Gesteine grünlichbraune bis dunkelgrüne Lagen von Hörn- 
st ein konstatieren. 

Auf dem Wege gegen Istib verquert man vor allem bis NO 
fallende glimmerreiche Gneise. Zirka l ] / 2 hm westlich der Kote 441 
(am Wege zwischen Radoviste und Istib) trifft man glimmerarmen, 
feldspatreichen Gneis und nicht weit davon auf an geschichteten 
Granitit erinnernde Gesteine. Westlich davon, wo der Weg nach Buim 
abzweigt, werden die wieder hervortretenden kristallinischen Schiefer 
von Hornblendeandesiten durchbrochen, die an dieser Stelle prächtige, 
regelmäßig schaligkugelige Absonderungen zeigen. Als Normalgröße der 
einzelnen Kugeln ließ sich zirka 20 cm erkennen, während größere 
allerdings auch 50 cm Durchmesser erreichen. Die Karaula östlich 
Kote 660 steht noch auf dem nämlichen Gesteine und erst bei Kote 660 
ist wieder ein kleiner Aufschluß von protoginartigem Granit zu kon- 
statieren. 

Wo sich nun der Weg gegen den Drin-Bach senkt, kommen 
wieder junge Eruptivgesteine zum Vorschein und noch weiter unten, 
bei der letzten Wegkrümmung, vor der Kote 482 erscheinen gut 
geschichtete graue und rote Mergel, die von tonigen, mit 25° gegen 
NO fallenden schlechtgeschichteten, etwas sandigen Kalken unterlagert 
werden. In letzteren gelang es mir, einen Fährtenabdruck zu ent- 
decken, der vollkommen übereinstimmt mit den aus dem Flysch von 
Olählaposbänya und Waidhofen a. d. Ybbs bekannten Schildkröten- 
spuren, leider ist mir aber dieses wertvolle Stück später abhanden 
gekommen. In Österreich wie in Ungarn waren die betreffenden Flysch- 
schichten als neokom bezeichnet worden und da sich der für die 
genannten Spuren charakteristische Fleischlappen auch an dem make- 
donischen Stücke wiederfand, glaube ich die Spuren jedenfalls identi- 



1 ) Ein Besuch in Pikermi überzeugte mich, daß wir es hier mit Schichten 
zu tun haben, die genetisch den tertiären Schichten der Badlands von Dakota 
analog sind. Näheres hierüber bei anderer Gelegenheit. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, l. Heft. (Baron Nopcsa.i 12 



90 l> r - Franz Baron Nopcsa. [ßj 

fizieren zu müssen. Ob hiermit auch das Alter der diese Kriechspur 
enthaltenden Kalktone selbst entschieden ist, bleibt allerdings eine 
andere, wohl eher negativ zu beantwortende Frage. Auf Cvijiö' 
geologischer Karte ist an dieser Stelle allerdings ebenfalls „Kreide- 
flysch" ausgeschieden worden. Auch jenseits des Drin- Baches laßt sich 
zirka bis zur Isohypse 700 mit 45° gegen NO fallender Flysch, von 
hier an aber bis Istib Granit konstatieren. 

Erst nordöstlich von Istib beginnt wieder Flysch und auf einem 
kleinen Gange von Istib zum nahe gelegenen Badeort Novoselo konnte 
das Verhalten von Granit und Flysch näher beobachtet werden. Genau 
östlich der in Istib eingezeichneten östlichen Mühle steht noch Granit 
an, weiter im Norden sind Flyschmergel entwickelt, das Bregalniea- 
Tal westlich der Zitadelle besteht wieder aus Granit und dieser reicht 
bis an das Thermalbad von Novoselo, 100—200 m nordöstlich der 
Istiber Zitadelle kann man am Burgberge und unter der Hauptdzamija 
auch noch rote bis graue Flyschmergel konstatieren. Beim Badehaus 
von Novoselo bricht der Granit in die Tiefe und südwestlich davon 
kann man südwestfallenden Flysch mit Fossilien der Gombertoschichten 
erkennen, weiter im Südwesten ist im ersten größeren Nebengraben, 
der von Nordwesten in die Bregalnica mündet, ein lokales Kohlen- 
vorkommen nachgewiesen worden. 

Die Therme von Novoselo entpringt hart an der Grenze zwischen 
Flysch und Granit noch aus dem letztgenannten Gesteine. Ihre Tempe- 
ratur ist von Boue mit 54 — 55° C. angegeben worden. 

Nördlich von Istib lassen sich bei der am Nordende der Stadt 
gelegenen Kaserne und am Wege gegen Karaorman mit 45° nach NO 
fallende bunte, rote bis blaue Tone, verschiedenfarbige Sandsteine und 
polygene Konglomerate konstatieren, woraus hervorgeht, daß die Flysch- 
und Konglomeratbildungen südwestlich und nordöstlich des Istiber 
Granitvorkommens eine Antiklinale bilden. Die bunten Konglomerate 
glaube ich mit den Konglomeraten des Promet identifizieren zu müssen. 
Analog dem Vorkommen am Promet sind auch nordöstlich der er- 
wähnten Istiber Kaserne („Ksr" der Generalkarte 1:200.000) auf den 
bunten Tonen und Konglomeraten blaue bis gelbe Mergeltone und feste, 
mergelige Kalklagen gelegen. Südwestlich von Novoselo sind hingegen 
die die Basis der Flyschserie bildenden bunten, roten Konglomerate 
und Tone, die einen Süßwasserhabitus zeigen, nur durch eine grobe 
Konglomeratlage von der Beschaffenheit eines Grundkonglomerates 
vertreten, die so wie die darauf auflagernden Flyschgesteine dieser 
Partie südwestliches Fallen (< 45°) aufweist. Möglicherweise ist diese 
Differenz dadurch zu erklären, daß schon damals das Becken von 
Kocana eine mehr abgeschlossene Mulde repräsentierte. 

Da der Weg von Istib bis Kocana größtenteils die Bregalnica-Niede- 
rung entlang führt, lassen die Aufschlüsse gar manches zu wünschen übrig. 
Nur bei dem 3 km östlich Karbinci gelegenen Karakol ließen sich noch 
einmal Flyschmergel konstatieren. Sonst wäre auf dem ganzen Wege 
höchstens die Existenz einer diluvialen Terrasse zwischen Mojanci 
und Podlag zu erwähnen. Kocana liegt auf kristallinischem Schiefer, 
und zwar konnte ich hier vorwiegend mäßig steil nach Ost fallende 
grünliche sernifitische Schiefer konstatieren. 



|7] Zur Geologie von NordalbaniaA. <)| 

Kocana Kumanova. 

Da der folgende Weg fast ausschließlich über eruptive Gesteine 
und deren Tuffe führt, wurde auf seine Aufnahme, die ohne aus- 
gedehnte petrographische Aufsammlungen eine Unmöglichkeit wäre, 
bedeutend weniger Aufmerksamkeit verwendet. Dementsprechend sind 
zahlreichere Notizen nur bis in die Gegend von Nivicani eingetragen 
worden. Westlich des Südendes von Kocana konnte ich vor allem 
weißen tuffigen Lithothamnienkalk bis in die Gegend von Beli kon- 
statieren ; bei Beli selbst wurde an knolligen mergeligen Kalkbänken 
30° südliches Fallen gemessen. 

Nördlich Trakana, etwa dort, wo sich beide Nebenarme des 
zwischen Banja und Trakana herabführenden Baches vereinigen, wurden 
sehr steil (> 80—90°) nach SO fallende, sehr stark gefaltete, rote, 
glänzende, harte Schiefer beobachtet und weiter im Westen führte die 
seit Beli eingeschlagene westliche Richtung geradeaus auf den von 
Banja nach Nivicani führenden Saumweg. 

Ungefähr 2 km nördlich des Badezeichens von Banja werden 
die ersten porphyrartigen Eruptivgesteine getroffen. Vj 2 km süd- 
südöstlich Nivicani erscheinen noch einmal die oben beschriebenen 
roten Schiefer und jenseits dieses Punktes wird das große Eruptiv- 
gebiet von Kratovo betreten. In diesem großen Eruptivgebiete wurde 
nun keine weitere Ausscheidung vorgenommen. Es wurde nur an 
Tuffs chi chten bei Rudare - Tursko 60° südliches Fallen gemessen, 
nördlich dem im Westen von Zletovo gelegenen Karakol war das 
Fallen 20° gegen SSW, weiter im Nordwesten bei der Kote 551 
mit 30° gegen SSW gerichtet. Ungefähr dasselbe Streichen ließ sich 
auch am Wege von Kratovo nach Kumanova bis Hau Egrisu messen, 
außerdem ließ sich auch zwischen Stracin Kula und Han Egrisu das 
Auftreten zahlreicher in gerader Linie angeordneter Basaltkuppen 
konstatieren. 

Das Tal der Kriva Rjeka scheint in dieser Gegend einem ganz 
gerade verlaufenden Bruche zu entsprechen. 

Alte kristallinische Schiefer, mächtige tertiäre Eruptivgesteine 
und in dem Becken abgelagerter Flysch scheinen also diesen Teil 
der Rhodopemasse vorwiegend zu charakterisieren. Vollkommen 
anders verhält sich nun aber der Aufbau des zu be- 
sprechenden nördlichen albanesischen Gebirges. 

/>. Tournee: Pr izren— Jablanica— Karaula Guri zi— Vesal— Brodec 

Sipkovica— K a 1 k a n d e 1 e (Ausflug nach Leska, Prsof ci)— G r u p s i n 

— Husein Sach — Ü s k ü b. 

Prizren — Kalkandele. 

Nachdem ich an einem Tage die Natur des Kalkes, der den 
Burgberg von Prizren bildet, und die darunterliegenden, hinter dem 
k. und k. österreichischen Konsulat anstehenden Schiefer untersucht 
hatte, unternahm ich es am nächsten Tage in Begleitung zweier Zapties 
den Sar zwischen Prizren und Kalkandele zu überschreiten. Über diese 
gewiß nicht wenig begangene Route ist trotzdem seit Viquesnels 

12* 



( J2 



Dr. Franz Barou Nopcsa. 



[8] 



und Grisebachs Zeiten gar nichts Geologisches publiziert worden 
und so kann man denn eine Kalkandele, Ljubeten-Spitze und Ferisovic 
verbindende Linie als die Ostgrenze der albanesischen „Terra inco- 
gnita" bezeichnen. 

Im großen ganzen einen wenn auch nur oberflächlichen Über- 
blick über diese unbekannten Gegenden zu erhalten dies betrachtete 
als das erste Ziel meiner bisherigen Reisen. 

Unmittelbar südöstlich von Prizren steigt der Weg auf, wie sich 
später zeigte, wohl paläozoischen Schiefern steil gegen die Spitze 
des Cviljen und der etwas isolierte Burgberg bleibt dabei einige 
hundert Schritte zur Linken liegen. Die Schiefer bei Prizren lassen 
sich am ehesten als ziemlich weiche, braune bis gelbbraune, stark 
gefältelte, dabei seidenglänzende Tonschiefer bezeichnen, wobei aller- 



Fig". 1. 




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Dusan-Feste und Bistrica-Tal. 

(Nach einer von Herrn Dr. K. Steinmetz aufgenommenen Photographie.) 
H = Hodzabalkan. — Co = Cviljen. — T = Tonschiefer und Phyllite von 



Prizren. 



Kalkstein. 



C — Kristallinischer Schiefer. 



dings auch schwarze, harte Phyllitschichten und quarzreichere feste 
Lagen nicht fehlen. Flyschartige Schiefer sind nirgends vorhanden, 
nur stellenweise sind in ganz untergeordneter Weise graugrüne, fast 
matte mergelige Tonschichten entwickelt und an einer Stelle ließen 
sich quarzreiche Konglomerate konstatieren. Allenthalben bei Prizren 
ließ sieh SSW- bis SW-Fallen feststellen und dabei schwankte der 
Fallwinkel in der Gegend der Zitadelle zwischen 45° und 60°. Etwas 
südlich der am Cviljen befindlichen Kote 524 wird der Schiefer von 
zahlreichen Pegmatitadern durchbrochen. In der Nähe der alten 
Dusan-Feste läßt sich hierauf vom Bistrica-Tale gegen die Cviljen-Spitze 
ein dreimaliges Alternieren von mächtigem, weiß bis lichtrosenroten, 
nur bankweise geschichtetem, dichtem Kalkstein mit besagtem Schiefer 
konstatieren und infolge der verschiedenen Widerstandsfähigkeit gegen 



[9] 



Zur Geologie von Nordalbauien. 



93 



die Atmosphärilien kommt dieser geologische Unterschied auch in der 
Topographie insofern ausgezeichnet zur Geltung, als jeder der zirka 
W— streichenden Kalkzüge auf den von der Cviljen-Spitze gegen das 
Bistrica-Tal N — S verlaufenden Bergrücken je eine Rückfallkuppe her- 
vorruft; die Höhe des Cviljen selbst ist gleichfalls aus dem nämlichen 
Kalksteine gebildet (Fig. 1). 

Leider ist die Karte 1 : 200.000 in der nächsten Umgebung 
Prizrens nicht unbedeutend verzeichnet und so ist es nötig, vor 
weiteren geologischen Ausführungen vorauszuschicken, daß Jablanica 
nicht dort liegt, wo es die Karte angibt, sondern dort, wo Lubaceva 
steht, daß ferner an der Stelle, wo die Karte die Häuser von Küstendil 
angibt, ein kleiner Weiler zwar vorhanden ist, der Küstendil ge- 
nannte Ort jedoch südöstlich der Cviljen-Spitze zu liegen kommt (etwa 
dort, wo Lez bezeichnet ist), daß ferner Lubaceva südwestlich des 
rektifizierten Küstendil liegt, der Bach jedoch, an dem diese beiden 

Fig. 2. 



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Jablanica-Sattel. 

K = Kalk. - S = Schiefer. 



soeben genannten Ortschaften liegen, nicht in das Plava-Tal fließt, 
sondern bei Hoca in die Ebene von Prizren mündet. Novoselo und 
Vrbicane sind beide vom richtiggestellten Jablanica aus sichtbar und 
liegen nicht östlich Ljubizda, sondern östlich von Prizren auf dem 
Hodza Balkan beschriebenen Rücken. Der Felskegel von Selce kommt 
infolge eines südwestlichen Ausläufers ungefähr dorthin zu liegen, 
wo das „k" des Wortes Hodza Balkan steht, und auch im Oberlaufe 
des Bistrica-Tales sind die Gemeinden einigermaßen verzeichnet. 

Im folgenden Teile der Wegbeschreibung Prizren Kalkaudele 
sind nunmehr die richtiggestellten Gemeindenamen verwendet. Von 
Prizren bis Jablanica ließ sich also, wie schon erwähnt, ein mehr- 
faches, durch Brüche verursachtes Alternieren von Kalk und Schiefer 
konstatieren und unmittelbar vor Jablanica ließ sich die Auflagerung 
des Kalkes auf dem Schiefer in ganz unzweideutiger Weise erkennen. 
Der Weg, der bisher eingeschlagen wurde, führte dabei jedoch nicht 



94 rh'- Franz Baron Nopcsa. [10] 

nördlich vom „Küstendil" der Karte, sondern stark südlich hiervon, 
so daß er bei Jablanica beinahe die Höhe des Sattels zwischen Jablanica 
und dem wirklichen Küstendil erreichte. (Fig. 2.) Erst von Jablanica 
an wurde der auf der Karte angegebene Weg begangen. Bei Jablanica 
ließ sich ein Aufschluß von grünen, porphyrartigen Gesteinen erkennen, 
darauf folgte wieder Schiefer mit nordöstlichem Fallen, weiterhin 
noch einmal lichtrosenroter, stellenweise rot geäderter Kalk; hierauf 
erschienen zum erstenmal mit 60° nach Nordost fallende kristalline 
Schiefer, die auf solche Weise den Tonschiefer der Prizrener Gegend 
unterteufen. Die kristallinen Schiefer sind hier als faserige, holz- 
schieferartige, grüne, stark gefältelte Sericitschiefer entwickelt und sie 
ließen sich mit gleichem Fallen bis Karaula Guri zi (albanes. „schwarzer 
Stein") verfolgen. Die einzigen Unterschiede, die bemerkbar waren, 
bestanden darin, daß sich das anfangs 60gradige Einfallen gegen Guri zi 
allmählich verflacht, so daß vor Guri zi nur mehr 20gradiges Einfallen 
gemessen wurde und daß stellenweise Chloritschiefer mit zahlreichen 
milchigen Quarzadern erscheinen. 

Karaula Guri zi, auf einer Art Hochplateau gelegen, hat seinen 
Namen von einem südwestlich davon befindlichen, großen, schwärzlich- 
dunkelgrünen, aus granathaltigem Amphibolgneis bestehenden Felsen. 
Dieser Amphibolgneis, der stellenweise mit Chloritschiefer abwechselt, 
läßt sich bis in die Gegend der Kote 1690 verfolgen. Hier jedoch 
lassen sich bereits von der Höhe des Paßüberganges herabgerollte 
Brocken von stark gewalzten und metamorphosierten Konglomeraten 
sowie Stücke eines grauen, kristallinen Kalkschiefers erkennen. Eine 
Weile halten am Untergrund die kristallinen Schiefer noch an, worauf 
bei der Kammhöhe Kalkschiefer mit phyllitischen Zwischenlagen er- 
scheinen. Am Sattel wurde am Kalkschiefer nordwestliches Fallen 
(3C 35°) gemessen. 

Bald jenseits der Wasserscheide, also schon im Flußgebiete des 
Vardar, resp. des Kalkandele-Baches wurde ein schiefriger, dichter, 
grauer N- fallender Kalkschiefer (<£ 25°) mit quarzreichen Phyllit- 
zwischenlagen (im Tagebuch als Tongiimmerschiefer-Einlagerung ver- 
zeichnet) angetroffen. In ungefähr 2000 m Meereshöhe treten die 
Kalke zurück und an ihrer Stelle erscheinen mäßig steil (<£ 30°) 
nördlich fallende Schiefer und ausgewalzte, grüngefärbte, sericitisierte 
Konglomerate. Dies dauert am steilen Abstieg gegen Vesal bis in 
1800 m Meereshöhe an, woselbst im Liegenden der nur mehr mit 15° 
nach Nord einfallenden grünen Schiefern und Konglomeraten eben- 
solche, jedoch auch rot und violett gefärbte metamorphe 'Sedimente 
erscheinen. Wie ein späterer Gang von Fersovic nach Prizren zeigte, 
sind diese bunten metamorphen Schiefer von den Tonschiefern der 
Umgebung von Prizren jedenfalls verschieden und sind in deren 
Liegendem gelegen. Stark gequetscht und gezerrt kann man dieselben 
Schiefer, jedoch mit mehr holzschieferartigen Habitus bei der 
Isohypse 1700 wiedersehen, woselbst sie ebenfalls nördliches Fallen 
zeigen. Nur an einer einzigen Stelle konnte östliches Fallen ge- 
messen werden. Flaches Nordfallen zeigen auch die gleichen, rot. 
violett und grün gefärbten Schichten beim Dorfe VeSal (Fig. 3). 

Knapp vor Brodec stellen sich im Liegenden dieses bis hierher 



[11] 



Zur Geologie von Nordalbanicn. 



bunten Komplexes neuerdings vorwiegend grüne Schiefer ein, welche 
mächtige Lagen von gut geschichteten Kalkbänken enthalten und dabei 
beinahe horizontale Lage zeigen; es läßt sich unschwer feststellen, 
daß die kalkreichsten Lagen das Liegende bilden und offenbar den 
Kalklagern der Sattelhöhe entsprechen. Bei Brodec selbst trifft man 
unter diesen vom Kobilica-Rücken bis hierher verquerten, alten, meta- 
morphen Sedimenten grüne, sericitische Schiefer. Zirka 1 hm südöstlich 
der Kote 981 kann man an Kalklagen enthaltendem Chloritschiefer 
flaches SSW-Fallen, weiter im Südosten bei der Isohypse 700 SW- Fallen 
erkennen. Bei Sipkovica soll, wie mir später in Kalkandele mitgeteilt 
wurde, eine Thermalquelle entspringen. 

An den kristallinen Schiefern der bei Kote 705 gelegenen Teke 
ließ sich mäßig steiles, südliches Fallen (<£ 60°), bei der Kote 578 
zwischen dieser Teke (mohame lanisches Kloster) und der Stadt 



Fig. 3. 




Vesal am Sar. 



Kalkandele steiles ONO -Fallen (< 80 — 90°) erkennen. Hier kann 
nirgends mehr Zweifel herrschen, daß wir es von Brodec an mit 
jüngeren kristallinen Schiefern zu tun haben. (Ich befolge hierbei die 
Methode, die kristallinen Schiefer in zwei Gruppen zu teilen und 
hiervon die noch ohne weiteres als metamorphe Sedimente erkenn- 
baren Bildungen zu trennen.) 

Zusammenfassend zeigt also dieser Sarübergang, daß im Gebiete 
der Tonschiefer von Prizren bis gegen Guri zi ausgesprochen nord- 
östliches Fallen vorherrscht und weiterhin metamorphe Sedimente eine 
zirka Ost — West streichende Synklinale bilden. 

Unter dem Lichte dieser neuen vom geologischen Gesichtspunkte 
aus durchgeführten Sarüberquerung gewinnen Boue s, Gri se ba c h s 
und Viquesnels Notizen der Kobilica-Besteigung wesentlich an 
Bedeutung. 



^)(j Dr. Franz Baron Nopcsa. [12] 

Boue erwähnt: 

Zwischen Kalkandele und Vejice weißen, kristallinen Kalk, Chlorit 
und eisenhaltige Schiefer. Bei Prizren hingegen auf grauen, zum Teil 
jedoch auch roten Tonschiefern gelagerte Kalke und Breccien. Bei 
der Kobilica findet Protogin Erwähnung. 

Nach des Botanikers G r i s e b a c h Angaben wäre zwischen 
Vejice und Kalkandele Glimmerschiefer anzutreffen, auf der Kobilica 
hingegen Kalk, der laut pag. 300 seiner Arbeit mit dem Kalke 
der Ljubeten-Spitze identisch zu sein scheint und gegen unten mit 
Schiefermassen in Wechsellagerung steht. Stellenweise wird er nester- 
förmig von Schiefer umschlossen. Die meisten Angaben über die 
Zusammensetzung der Kobilica hat Viquesnel gegeben und der 
von ihm zurückgelegte Weg von Kalkandele über Selce Vejice zur 
Kobilica-Spitze bildet ein Parallelprofil zu dem von mir zuvor ge- 
gebenen Querschnitt. Unsere Beobachtungen lassen sich auch dem- 
entsprechend recht gut in Übereinstimmung bringen. — Unter Kal- 
kandele erwähnt Vi que sn el grüne Talkschiefer mit Quarzitschiefer, 
bei Selce mit Einlagerungen von rauchgrauem Kalk. Gemessen wurde 
daselbst östliches Fallen. Zwischen Selce und Vejice (1 Stunde, also 
zirka 3 km Luftlinie nördlich dieses Ortes) ist wieder Talkschiefer 
anstehend ; bei Vejice fand er rauchgraue Kalkschiefer, die von bunten 
Schiefern mit N— S, resp. NW— SO-Streichen überlagert werden. Nörd- 
lich Vejice herrscht NW — SO-Streichen vor, noch weiter gegen die 
Kobilica-Spitze findet Viquesnel talkigen Gneis und am Gipfel 
selbst blauschwarzen, stellenweise sehr quarzreichen Kalk, an dem 
NO-Fallen gemessen wurde. Die Schichtfolge : junge kristalline Schiefer, 
metamorphe, auf Kalkschiefer lagernde Sedimente, ältere? kristalline 
Schiefer, läßt sich unschwer wiedererkennen, nur vom Kobilicakalk 
ist es fraglich, ob es statthaft ist, ihn mit den von mir auf der 
Prizren — Kalkandele- Wasserscheide angetroffenen Kalken zu identi- 
fizieren. Eine Abweichung zeigt auch das Streichen, denn auf meinem 
Sarübergange herrschte in Übereinstimmung mit Cvijic seiner Annahme 
einer dinarisch-albanesischen Scharung OW T - Streichen vor, während 
Viquesnel wie ich zum Teil bei Prizren, N— S bis NW — SO 
Streichen konstatierte. Es ist demnach nicht unmöglich, anzunehmen, 
daß die Sarska rjeka wie so viele Quertäler auf Grund einer tek- 
tonischen Linie entstanden ist. Die Angabe, daß bei Sipkovica eine von 
mir allerdings nicht besuchte Therme existieren soll, würde ebenfalls 
eher für als gegen diese Hypothese sprechen. 

Kalkandele— Prsovci. 

Um den Südostabhang des Sar wenigstens provisorisch kennen 
zu lernen, wurde von Kalkandele aus ein Ritt nach Leska und von da 
nach Prsovci (der Name Prifca scheint gebräuchlicher zu sein) unter- 
nommen. 

Auch auf der Strecke Kalkandele — Prsovci läßt die Generalkarte 
1:200.000 einiges zu wünschen übrig. Poroj ist nicht am Steilabhange 
der Sarvorberge, sondern l 1 ^ km weiter OSO am Rande des daselbst 
eingezeichneten Baches gelegen. Das Kloster von Leska (in einer 



[13] Z" r Geologie von Nordalbanien. <)7 

dieses Kloster beschreibenden, 1900 erschienenen Broschüre wird der 
Ort Lesak genannt) liegt nicht am NO-, sondern am SW-Ufer des 
daselbst fließenden Baches, statt Timac hörte ich ausschließlich die 
Bezeichnung Tearza. Außer diesen Kleinigkeiten stört aber beim 
Gebrauche der Karte hauptsächlich der Umstand, daß die auf der 
Karte südlich einer Kalkandele — Nerastin — Leska — Tearza ver- 
bindenden Linie eingezeichneten, gegen den Vardar streichenden, laut 
Karte bis zu 300 m hohen Nebenrücken des Sar vollkommen fehlen. 
Der Sar bricht längs der bereits angegebenen Linie steil gegen die 
Tetovo-Ebene ab und die kleinen, zwischen den einzelnen erwähnten 
Gemeinden befindlichen Unebenheiten werden bloß durch gewaltige, 
aber sehr flache Schuttkegel gebildet. Auf diese Weise gewinnt der 
SO-Fuß des Sar bis Prsovci einen völlig anderen Charakter und der 
große Bruch, der die Tetovo-Ebene gegen Nordwesten begrenzt, tritt 
viel markanter zum Vorschein. Gleich hier sei hinzugefügt, daß längs 
dieses Bruchrandes mehrere, wohl juvenile Mineralwasser dem Erd- 
innern entquellen. Solche konnte ich in Leska und zwischen Slatina 
und Tearza (Timac) konstatieren. 

Die Schuttkegel, die am Fahrwege zwischen Kalkandele und 
Leska überschritten werden, bestehen fast ausschließlich aus kristal- 
linen Schiefern (Chloritschiefer und Amphibolgneis), Quarzgeröllen 
und Spuren von grauem Kalk. Bei Leska wurde zirka 1 / 2 hu nord- 
westlich des Klosters hinter einer kleinen, aus Aragonitsinter be- 
stehenden Kuppe, bei der dortigen Ruine an den kristallinen Schiefern 
SO-Fallen mit 25° gemessen. Grasgrüne Chlorite, Sericitschiefer, Quarz- 
schiefer und Phyllite bilden hier längs des vom Klosterbach aufwärts 
und über den Sar nach Prizren führenden Saumweges gewaltige Felsen. 

Die Sinterkuppe von Leska, ein Produkt der dortigen Mineral- 
quelle, ist genau am Abbruche der Phyllite gegen das Tetovobecken 
den kristallinen Schiefern aufgesetzt und selbst durch treppenförmige 
Abbruche einigermaßen disloziert worden. An der Basis der zirka 
50 m hohen Sinterkuppe ließ sich eine polygene, grobe, durch Quell- 
sinter verkittete Breccie konstatieren. Die außerhalb und unterhalb 
des Klosters aus einer Stufe des Sinters hervortretende Mineralquelle 
zeigt nur wenig Kohlensäure und wird nur in höchst primitiver Weise 
verwendet. Seit Grisebachs Zeiten scheint die jetzt nur schwache 
Quelle eine ziemliche Veränderung erlitten zu haben, denn dieser 
beschreibt bei Leska einen in einem Bassin gefaßten gasreichen 
Sprudel, ferner zwei kohlensäurehältige Quellen, die 85° F und 
89° F zeigten. Außerdem waren damals an mehreren Orten Kohlen- 
säureexhalationen (!) zu erkennen. 

Von allem war anläßlich meines dortigen Besuches nichts mehr 
zu erkennen. Hingegen gelang es mir, zwischen Slatina und Tearca 
auf einem flachen, aber weitausgedehnten Sinterhügel eine zweite viel 
ergiebigere, jedoch derzeit nicht verwendete Mineralquelle zu kon- 
statieren, die im Gegensatze zur Leska-Quelle — wo ich derzeit keine 
Sinterbildung erblickte — noch immer reichlich Kalksinter ablagert. 

Zwischen Prsovci — Tearca führt ein großes wasserreiches Tal 
auf den Rücken des Sar und an der linken Tallehne befindet -sich ein 
scheinbar vielbegaugener Saumweg, auf dem man, wie mir Albanesen 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 13 



\)X Dr. Franz Baron Nopcsa. [14] 

versicherten, „über Bistric, Lalja nach Vjeska und von da nach 
Prizren".' gelangen könne. Bei seiner Mündung wird dieses Tal von 
einer derzeit wenigstens 30 m über der Talsohle liegenden Geröll- 
ablagerung begleitet, die aus kopfgroßen, nicht besonders stark ab- 
gerollten Blöcken besteht, unter denen ich zu meiner großen Über- 
raschung Protoginblöcke entdeckte. — Dasselbe Gestein konnte ich 
später auch in den Alluvien dieses Prsovci-Baches konstatieren. 

Bisher ist, abgesehen von Viquesnels Angabe in neuerer 
Zeit Protogin in dem Sar noch nirgends anstehend gefunden worden 
und nur Boue erwähnt solchen aus dem oberen Teile des Lepenac- 
Tales. Bei aller Ungenauigkeit der in Anbetracht der Umstände 
dennoch fast ans Wunderbare grenzenden Generalkarte 1 : 200.000 
kann man sich auf einen bloßen Blick nun davon überzeugen, daß 
der Prsovci-Bach und die südlichen Nebenbäche des Lepenac am Sar 
aus ungefähr derselben Gegend entspringen, und da gewinnen denn 
diese Notiz Boues und meine Konstatierung der Granititgerölle bei 
Prsovci insofern an Bedeutung, als beide auf dieselbe Ursprungs- 
stelle weisen und wir daher mit größter Wahrscheinlichkeit auf die 
Existenz einer ausgedehnten Protoginintrusion in der Mitte der' Sar- 
kette schließen dürfen. 

Bei Prsovci selbst sind so wie bei Leska Chloritschiefer und 
Quarzitschiefer anstehend, an denen jedoch konstant NO-Fallen (<£ 30°) 
gemessen werden konnte. Zeitmangel hinderte mich, den Ursprung 
des Zentralgneises zu suchen, jedoch dürfte die Existenz des bereits 
erwähnten Saumweges dieses Vorhaben ganz bedeutend erleichtern. 

Am Rückwege von Prsovci nach Kalkandele interessierte mich 
hauptsächlich der Umstand, daß sich auch in diesem Teile des Tetovo 
nirgends jungtertiäre Ablagerungen antreffen l ) lassen, denn für die 
bereits erwähnten, derzeit relativ zirka 50 m hohen Schuttkegel am 
Abhänge des Sar läßt sich unter der Voraussetzung, daß die Schotter- 
terrasse von Prsovci ins Diluvium zu versetzen ist, trotz ihrer Größe 
kein höheres, ja nicht einmal diluviales Alter annehmen; denn 
wie rapid noch heutzutage die Anschüttung im Bereiche dieser Schutt- 
kegel vor sich geht, läßt sich am besten aus Grisebachs Notiz 
entnehmen, der zufolge diese Wildbäche auch heutzutage noch ganze 
Dörfer verwüsten. Die erwähnten Tatsachen, nämlich den Steilabfall 
der Prsovci-Terrasse, die rapide Bildung der Schuttkegel und den Mangel 
an Tertiärhügeln, zusammenstellend, müssen wir den Einbruch des 
Tetovo-Beckens ans Ende des Diluviums verlegen. Das treppen- 
förmige Absinken des Leskasinters (Sprunghöhe bei einer Stufe wenig- 
stens 10 m) sowie andere später zu erwähnende Anzeichen zeigen 
ferner, daß diese Bewegung auch heute noch anhält und vielleicht 
ist die Veränderung der Leska-Quelle auch durch solche Vorgänge 
zu erklären. 

Kalkandele — Üsküb. 

Über eine ausschließlich mit Alluvien bedeckte Ebene führt der 
straßenartige Weg zu einer prächtigen, den Vardar in mehreren 



y ) Dieser Mangel ist bereits O est reich aufgefallen. 



I 1 51 Zur Geologie von Nordalbanity). 99 

Bogen überspannenden steinernen Brücke. Jenseits dieses Objekts 
kann man am Fuße steiler, unmittelbar aus der Ebene aufsteigender 
Kalkhügel die Ortschaft Zelina erblicken. Bald darauf führt der Weg, 
mächtig ansteigend, über einen zirka 520 m hohen talartigen Sattel. 
Die Höhen beiderseits werden von Kalkstein gebildet und zur Linken 
sieht man (gegen das unsichtbare Siricino) eine flache Terrasse, die, 
wie es sich später zeigte, gerade bis zur Höhe des^Sattels .empor- 
steigt. Die Sattelhöhe selbst zwischen der Vardar-Brücke und Hau 
Grupsin wird vom höchsten Punkte bis zirka zur Isohypse 500 von fast 
horizontal liegenden Bänken einer festverkitteten Kalkbreccie gebildet. 
Leider konnte ich trotz eifrigen Suchens keine anderen Bestandteile 
als Kalkbrocken entdecken ; allerdings sind auch keinetiefergehenden 
Entblößungen vorhanden. 

Jenseits der Wasserscheide Vardar — Grupsin, dort, wo sich die 
vom Kaldirim bogaz und von Dobrica herabfließenden Bächlein ver- 
einen, ist eine kleine sanft geböschte Terrasse in 500 und einige 
Meter zu erkennen und diese kleine Terrassenspur ließ sich ostwärts 
mit immer größerer Deutlichkeit bis zu der von estreich bei 
Arnautköj — Semeniste erwähnten Terrasse verfolgen, die'nach est- 
reich in zirka 400 m Meereshöhe'^liegen würde. 

Die Breccien des Kaldirim bogaz mit den Terrassenbildungen 
zusammenstellend, halte ich estr eich s Annahme, daß der Vardar 
vor geologisch nicht langer Zeit über Grupsin nach Üsküb floß, für 
höchst plausibel und die mir in Üsküb gemachte Angabe, daß der nach 
Radusa führende Weg beim Vadar-Knie fortwährend weggeschwemmt 
werde, zeigt vielleicht an, daß auch jetzt noch beim Vardar-Kuie vor- 
wiegend Faktoren der Erosion, nicht aber der Anschüttung wirken. 
Daß diese Laufverlegung des Vardars offenbar mit dem Einbrüche des 
Tetovo zusammenhängt, ist evident und es wäre höchstens noch 
wünschenswert, die Höhe der allerdings schon stark mitgenommenen 
Schotterablagerung bei Prsovci fixieren zu können. 

Zum Ausgangspunkte dieser Abschweifung über die Geschichte 
des Vardars, nämlich zur Beschreibung des Weges zwischen Kalkandele 
und Üsküb zurückkehrend, ließen sich knapp vor Han Grupsin unter 
dem Kalke die gleichen chloritischen Schiefer wie westlich Kalkandele, 
jedoch mit mäßig steilem nördlichen Fallen (<£ 45 — 60°) konstatieren. 
Man kann hier Phyllit und grasgrüne Chloritschiefer mit Kalkein- 
lagerungen konstatieren und dasselbe Gestein bildet, nebenbei bemerkt, 
einen Teil des Karsjak südlich von Üsküb 1 ). Östlich Han Grupsin 
wird dieses Gestein von den bereits zuvor erwähnten bankartig ge- 
schichteten, fast horizontalen Kalkbreccien überlagert, so daß die 
Breccien hier zur Linken eine Terrassenbildung bewirken. 

Nördlich dieser Terrasse erheben sich die Kalkberge des Zeden. 
Nach einer mündlichen Mitteilung von Professor Cvijic sollen am 
Nordabhange des Zeden Rudisten gefunden worden sein und demnach 
würden Kreidekalke an der Zusammensetzung dieses Berges nicht 
unwesentlichen Anteil nehmen. Bei Grupsin ließen sich im Liegenden 



x ) Eine Untersuchung dieses Teiles ergab nebenbei, daß "wir au diesem Berge 
außer den kristallinen Kalken auch jüngere Kalke auszuscheiden haben. 

13* 



|QQ Dr. Franz Baron Nopcsa. [16] 

kristalline Schiefer, darauf eine innige Vermengung von Chloritschiefer 
und kristallinem Kalk konstatieren (Gipollino), worauf gegen oben 
mächtige reine Kalkberge folgten. Auf diese Weise läßt sich denn 
schon jetzt voraussagen, daß zukünftig hier arbeitende Geologen 
höchst wahrscheinlich die schwierige Arbeit erwartet, kristalline Kalke 
und Kreidekalke zu trennen. Westlich Rogle verengt sich das bisher 
im Schiefergebiete weich modellierte Tal und die Kalkmassen des 
Zeden greifen eine Strecke weit auch südlich über die Straße hinüber. 
Hier läßt sich die Natur des festen, weißen, groben, zuckerkörnigen, 
durch Cleavage in parallelepipedische Stücke und Rhomboeder auf- 
gelösten Kalkes gut studieren, auch läßt sich seine Auflagerung auf 
den kristallinen Schiefern leicht konstatieren. Ob Kreidekalk, Trias- 
kalk oder kristalliner Kalk vorliegt, wage ich nicht zu entscheiden. 
Nach dem Kalkdefilee, in das sich Bach und Straße bei der Mühle 
unweit Rogle hineinzwängen, folgt ein kleiner, durch einen Bruch 
bewirkter Aufschluß von nordostfallenden kristallinen Schiefern, hier- 
auf wieder Kalk. 

Fig. 4. 




2 

a. 



Diluvium bei Bojani Hau. 

1 Diluvium. — 2 Tertiär. 



Bei Bojani Hau (der bei dem laut Karte „Kopanica" genannten 
Weiler liegende Straßenhan führt diesen Namen) folgen von tertiären 
Sanden und Tegeln überlagerte jüngere kristalline Schiefer. Die 
Stelle bietet einiges Interesse, weshalb ich sie eingehender beschreibe. 

Das Liegende bilden grüne, glänzende, quarzreiche, sericitische 
Schiefer, worauf ein mit 45-60° gegen NO fallendes, fast aus- 
schließlich aus Kalkgeröllen zusammengesetztes Konglomerat folgt, auf 
das sich gelbe Sandsteine und Tegel lagern. Auch diese fallen mit 
45 — 60° gegen NO. Bedeckt werden kristalline Schiefer, das Kalk- 
grundkonglomerat und die Sandsteine von einer diskordant auflagernden 
Geröllschichte, die hier die Decke einer Terrasse bildet. Ich halte 
dies für diluviale Gerolle. Knapp vor Bojani Han, woselbst man sich 
schon mehr auf tertiärem Untergrunde befindet, kann man an der 
Straßenböschung zur Linken wahrnehmen, daß die Tertiärbildungen 
steiler stehen (<C 60°), sich auch die Unterlage, auf der das Diluviale 
abgesetzt wurde, sowie die Schichten im Schotter selbst nicht unbe- 
deutend gegen ONO neigen, und gleich darauf trifft man auf drei 
Pliocän und Diluvium durchsetzende, staffelförmig angeordnete Brüche 



[171 Zur Geologie von Nordalluinien. 101 

(Fig. 4). An einer der so entstandenen Schollen (jede einige Sehritte 
lang) kann man im diluvialen Schotter einen Fallwinkel von 20° bis 
30° konstatieren. 

Wegen des Emporragens der als „d u bezeichneten Scholle läßt 
sich ferner diese Erscheinung am Rande der Tertiärmulde von Üsküb 
nicht eben als treppenförmiges Nacksacken des Jungtertiärs bezeichnen. 
Von hier an bis nach Husein Sah führt der im Winter elende Weg 
fortwährend über junges Tertiär; rechts wird als höchste Terrasse 
jene von Semeniste-Arnautköj sichtbar, darunter lassen sich jedoch 
bei Bukovic in einer relativen Höhe von zirka 10 und 15 m Spuren 
zweier weiterer, allerdings infolge des weichen Basismaterials schon 
stark erodierter Terrassen erkennen. Die tiefste scheint hiebei jener 
Terrasse zu entsprechen, über die man 1 km westlich von Husein Sah 
zu diesem Orte hinabsteigt. Bei Semeniste wurde in aussichtsloser 
Weise auf Kohle gegraben. Von Husein Sah bis vor die Zitadelle 
von Üsküb lassen sich nur alluviale Bildungen erkennen und v erst vor 
der Üsküber Zitadelle tritt als Hügellandschaft das von Zujovic 
beschriebene Jungtertiär zutage. 

Wieweit die Kalke des Zeden mit den von Oest reich aus 
der Treska-Schlucht beschriebenen Kalken zusammenhängen, ließ sich 
auf diese Weise bis heute noch nicht erkennen ; wohl ließ sich aber 
im Gegensatze zu Cvijic' und Oestreichs geologischen Karten 
feststellen, daß zwischen dem Kaldirim bogaz und dem nordwärts 
fließenden Teile des Vardar im Tetovo kristalline Schiefer vollkommen 
fehlen und die Kalke bis an den Vardar treten. 

Ü. Tourne: Ferizovic — Stimlja — Crnoljeva — Dulje — Suhar- 

j e k a, Ljutoglava — P r i z r e n— Orekovce — Djelograjca? — Savrova ?— 

Budakova— Dl. Neredinj e— F e r i z o v i c. 

Ferizovic— Crnoljeva— Prizren. 

Von Ferizovic führt die Chaussee zuerst längs des Bahngeleises 
in Alluvien, steigt darauf in niederes schotterbedecktes Hügelland 
und führt so bald auf Alluvien, bald auf diluvialem Schotter nord west- 
wärts bis jenseits des Ortes Kosare. Hier wendet sie sich fast gerade 
gegen Osten und bald darauf sind an einem Einschnitte zur Linken 
kristalline Schiefer zu erkennen. In meinem Tagebuche finde ich 
„chloritschieferartige kristalline Schiefer" verzeichnet. Leider konnte 
wegen stark vorgeschrittener Auflösung des Schiehtyerbandes kein 
Fallwinkel abgelesen werden. Dies war erst knapp vor Stimlja möglich, 
woselbst ich „quarzreiche, lichte, chloritische Schiefer und Glimmer- 
schiefer, die mit 80° gegen WSW fallen", notierte. „Knapp am Ost- 
eingange ist den Schiefern ein mächtiges Lager von grauem geschie- 
ferten Kalk auf-, respektive eingelagert, das gleiches Fallen aufweist." 
Jenseits Stimlja bewegt man sich auf einer aus wallnußgroßen Geröll- 
stücken bestehenden Schotterdecke, die eine Tegelschichte überlagert. 
Bei Belinac trifft man wieder auf mit 45° gegen NO fallende kristalline 
Schiefer und weiterhin lassen sich in diesen zum Teil an Amphibol- 
gneis erinnernden Gesteinen mächtige, selbst von Brüchen durchsetzte 
Pegmatitadern erkennen. 



1()2 Dr. Franz Baron Nopcsa. [18] 

Vor dem Orte Crnoljeva erscheint zuerst nach NO, dann nach 
SW fallend weißer Kalk, der anfänglich mit Glimmerschiefer wechsel- 
lagert, später unter Annahme einer grauen Färbung in Kalkschiefer 
übergeht. Im Hangenden konnten im grauen Kalke polygene Geröll- 
einschlüsse angetroffen werden, die bald eine allerdings nicht sehr 
mächtige Konglomeratbank bilden. Hier lassen sich nun auch zum 
erstenmal dunkelgraue Kalktonschiefer und Tonschiefer nachweisen 
und bald darauf folgt bis zum Crnoljeva Han (auf der Generalkarte 
1 : 200 000 als Klisurska Han bezeichnet) Serpentin. Bald jenseits 
dieses Hans beginnt wieder der tonige, dunkelgraue Kalkschiefer, in 
dem sich stellenweise kalkärmere Tonschieferlagen entwickeln. Im 
Tagebuche habe ich „Kalkschiefer, Kalkton und Tonschiefer, licht bis 
dunkelgrau", verzeichnet. Zuerst wurde südwestliches, darauf NO- 
Fallen gemessen und in monotoner Einförmigkeit hält dieses Fallen 
au bis zirka 2 km vor den Öafa Duljit (Sattel von Dulje ; Duljit = 
Genitiv von Dulje). Lokal kann man nordwestliches Fallen konstatieren, 
was sich zirka 1 km vor der Wasserscheide noch einmal wiederholt, 
sonst ist bis zur Sattelhöhe überall ONO- bis NO-Fallen zu konstatieren. 
Vor der Paßhöhe erscheinen nun schnell zweimal hintereinander mit 
den Tonschiefern gleichsinnig einfallende kristalline Schiefer, die hier 
wohl längs Staffelbrüchen an die Oberfläche treten ; bald darauf läßt 
sich eine Konglomeratbank erkennen, worauf sich bald der Talgrund 
ansehnlich erweitert und bald die Höhe des Passes erreicht wird. 

Aus weichen Tonschiefern aufgebaut, zeigt der breite Paß sanfte, 
gerundete Formen. Hier scheint sich der geologische Bau insofern zu 
ändern, als etwas sandige braune, stellenweise von Kalkspatadern 
durchzogene flyschartige Gesteine erscheinen. Sie sind hier ziemlich 
flach gelagert und scheinen bald gegen Südosten, bald gegen Nordosten 
zu fallen. Einen Augenblick zögerte ich, sie, da sie viel weniger 
gepreßt zu sein scheinen als die bisher beobachteten stets härteren 
Tonschiefer, mit diesen zu identifizieren und vielleicht werden spätere 
Forschungen die Richtigkeit dieses Zögerns beweisen; da ich aber 
gleich jenseits des Passes in ihnen ebenfalls feine und gröbere 
Konglomerate mit lokal westnordwestlichem Fallen antraf, glaube ich 
dennoch beide Bildungen identifizieren zu können. Es sei hier neben- 
bei auf Tietzes Angabe verwiesen, derzufolge es in Montenegro oft 
schwer wird, Werfener Schiefer und Eocänflysch zu unterscheiden. 

Jenseits Dulje Han, woselbst noch immer diese flyschartigen 
Gesteine anstehen, die hier allerdings schon wieder ganz den Habitus 
der Kalktone von Crnoljeva erlangten, trifft man wieder auf kristalline 
Schiefer. Bald sind es rötliche, bald lichtgelbe, zahlreiche Quarzknauern 
enthaltende sericitische und chloritische Schiefer, die stellenweise 
stengeliges holzschieferartiges Zerfallen zeigen. Allenthalben wurde an 
ihnen NO-Fallen und NW— SO-Streichen gemessen. Bei der Kote 702 
der Generalkarte steht ein Wachtturm und dieser bezeichnet ungefähr 
den Punkt, bis wohin die kristallinen Schiefer reichen, da jenseits 
wieder tonschieferartige Nordost fallende Gesteine erscheinen, die so 
wie die zuvor beschriebenen Schiefer von Öafa Duljit stellenweise 
vollkommen den aus der Umgebung von Prizren bekannten Schiefern 
gleichen. 



[19] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



103 



Zirka 1 km (Luftlinie) südlich der Karaula Kote 702 erscheinen noch 
einmal Chloritschiefer mit gleichem nordöstlichen Fallen und dort, wo 
der Weg laut Karte die Isohypse 700 schneidet, erscheinen plötzlich 
dichte weiße, graue bis rosenrote Kalke, die zahlreiche weiß bis 
rosenrot gefärbte, durchscheinende Quarzeinlagerungen enthalten und 
steil gestellt nordsüdliches Streichen zeigen. Sie scheinen nur das 
Südende eines größeren Kalkvorkommens darzustellen, das die Höhen 
nördlich von Zaplucane und Samodraza bildet. 

Tiefer unten bezeichnet die Isohypse 600 den oberen Rand einer 
aus Tegel gebildeten und mit jüngerem groben Schotter bedeckten 
Terrasse, in der die Tegel wahrscheinlich jungtertiäres Alter haben. 
Dies ist geologisch als der Rand der Prizren — Ipeker Niederung zu 
bezeichnen. Durch eine tiefe Wasserrinne gut aufgeschlossen, lassen 
sich diese tertiären Ablagerungen bis vor Suharjeka verfolgen. (Vgl. 
Fig. 5.) Hier lagern alluviale und diluviale Schotter und die jung- 
tertiären Bildungen kann man erst südlich dieses Ortes am Weg- 
einschnitte auf der zwischen den Bächen von Suharjeka und Lesana 



4O0> 




Profil über den Dulje-Sattel J ). 

1 Kristalliner Schiefer. — 2 Serpentin. — 3 Kalk. — 4 Paläozoischer Schiefer. 
— 5 Flyschartiger Schiefer. — 6 Kreide. — 7 Tertiär. 



gelegenen Terrasse wieder erkennen. Hier trifft man neben Tegeln 
auch feine gelbe, sanft geneigte Sande. 

Jenseits des Sopinabaches bis Prizren sind nur rezente und 
subrezente Bildungen zu konstatieren. 

Über die Tournee Ferizovic - Suharjeka— Prizren sind von Boue 
einige Angaben gemacht worden. Nach diesem Autor wäre bei Suharjeka 
jungtertiärer Tegel zu konstatieren, während östlich Suharjeka an 
den Tonsandsteinen und tonigkalkigen Schiefern, die von Dulje und 
der Crnoljeva-Quelle gegen Dresnik ziehen, NW-Fallen zu konstatieren 
wäre. Aus zuvor Gesagtem geht deutlich genug hervor, wie weit sich 
Boues und meine Angaben gegenseitig decken. 

Ein dem Profil Stimlja— Suharjeka vollkommen entsprechendes 
Parallelprofil von Pristina nach Decan wurde ebenfalls von Boue 
erwähnt, von Viquesnel gezeichnet und ausführlicher beschrieben. 



*) Dulje Han liegt nicht, wie es die Zeichnung irrtümlicherweise angiht, auf 
kristallinen Schiefern, sondern auf flyschartigon Schiefern. 



104 I)r - Franz Baron Nopcsa. [20] 

Zwischen Dresnik, Iglareva und Mljadan (Mlecan?) steht nach 
Boue kompakter weißer und grauer Kalk an, in dem sich Hippuriten 
und Nummuliten finden. Viquesnel präzisiert diese Angabe insofern, 
als er anführt, daß mau von Dresnik gegen Osten schreitend „zuerst 
rudistenführende, später nummulitenhältige Kalke antrifft, die beide 
gegen SO fallen". Überlagert werden diese Bildungen bei Dresnik 
selbst und dann wieder dort, wo die 1 : 200.000 Karte jetzt das Kloster 
Djevic angibt, von jungtertiären Tegeln. Nach Cvijic befindet sich 
Dresnik, wo Thermen auftreten, an einem Bruchrande. Bei Kijevo 
(Kijeva) ist nach Viquesnel ein Süßwasserdepot zu konstatieren. 
Von Kijevo gegen Pristina trifft man nach Boue die schon erwähnten 
Tonsandsteine, die nach Dulje reichen, hierauf bei Lapusnik Ton- 
schiefer und Quarzkonglomerate, darauf halbkristalline Kalke und 
endlich Serpentin. Weiterhin läßt sich östlich Pristina Quarzitschiefer 
konstatieren. 

Auch dieser Wegabschnitt ist von Viquesnel eingehender 
beschrieben worden, indem er östlich Kijevo sandige, mit Sandstein 
und tonigen, rot und grau gefärbten Kalkschiefern wechsellagernde 



ßresink 



Fig. 6. 

Lapusnik Qolies p r ^ lna 




wfm^r 



Viquesnels Profil über den Laniisnik-Sattel. 

1 Kristalline Schiefer. — 2 Serpentin. — 3 Palaeozoieum. — 4 Nummiüitenkalk. — 
5 Rudistenkalk. 

Schiefer anführt. Der offenbar sehr gut brechende Kalkschiefer wird 
stellenweise zur Dachbedeckung verwendet. Die rote und graue 
Färbung der Tonschiefer wird von Boue auch aus der Crnoljeva- 
Gegend angeführt; leider ist mir auf meiner dreimaligen Überquerung 
des Dulje-Passes diese Eigentümlichkeit entgangen. 

Die Hippuriten- und Nummulitenkalke von Dresnik könnten, 
meint Viquesnel, vielleicht unter diese N— S streichende und ost- 
fallende Kalkton- und Tonschiefermasse fallen. Allerdings gelang es 
ihm nirgends, dies zu konstatieren. Jenseits der Wasserscheide der 
Obilje Planina erwähnt Viquesnel polygene Konglomerate, die, wie 
er hinzufügt, an die zwischen dem oberen und unteren Kalkniveau von 
Decan eingeschalteten Konglomerate erinnern; beide zeigen pudding- 
steinartigen Charakter. Bei Lapusnik Hau ist Serpentin zu konstatieren; 
später lassen sich noch einmal quarzhaltige Tonschiefer, dann rote 
und braune eisenhaltige Sandsteine, dann neuerdings Tonschiefer, 
weiterhin gelber semikristalliner Kalk, darunter körniger, von bläu- 
lichen Adern durchzogener weißer Kalk, in dessen Hangendem quarz- 
reiche Schiefer, weiterhin noch immer ostfallende quarzreiche Glimmer- 



[21 | Zur Geologie von Nordalbauieal 105 

schiefer konstatieren, die den Rücken seiner Goljeskette (auf der 
Generalkarte 1:200.000 Ribarska Planina bezeichnet) bilden. Östlich 
Pristina läßt sich, wie Viquesnel sagt, „zur Goljeskette gehörender" 
ostfallender Talkschiefer und Quarzitschiefer und von Lapusnik Hau 
gegen Pristina angeblich ein Zunehmen der Kristallinität der aufge- 
schlossenen Schiefer konstatieren. Zum Vergleiche mit Fig. 5 ist eine 
Modifikation des Viquesnel sehen Profils in Fig. (> wiedergegeben 
worden. Die Übereinstimmung des Boue-Viquesn eischen Profils 
mit dem Übergange bei Cafa Duljit läßt sich ohne Mühe feststellen. 
Die einzigen Unterschiede der beiden Profile, die von Ost nach West im 
wesentlichen kristalline Schiefer, Kalk, Serpentin, Tonschiefer, darauf 
am Westende gegen die ältere Bildungen einfallende Kalke aufweisen, 
bestehen darin, daß im nördlichen Profil der Zug kristalliner Schiefer, 
der bei Kote 702 nachgewiesen werden konnte, nicht mehr vorkommt 
und daß die im Boue-V iquesnelschen Profil Nord— Süd streichenden 
Tonschiefer bei Dulje — Crnoljeva gegen Südosten schwenken. 

Das folgende Profil Ferizovic — Budakova— Prizren zeigt dieses 
Umschwenken in noch ausgesprochenerer Weise. Cvijic hat auf 
seiner Karte die in diesen Profilen verquerten Schichten als Kreide- 
flysch bezeichnet, das folgende Profil zeigt aber, daß wir es hier 
wohl mit älteren Bildungen zu tun haben. 

Ferizovic— Budakova— Prizren. 

Über diese Gegend ist bisher überhaupt noch nie etwas Geo- 
logisches publiziert worden und die einzigen Angaben, die ich darüber, 
abgesehen von meinen Beobachtungen, erhalten konnte, war eine 
mündliche Mitteilung von Professor Cvijic, daß er, von Gotovusa im 
oberen Lepenac-Tale gegen Ferizovic schreitend, zuerst Flysch mit 
Serpentin, hierauf kristalline Schiefer angetroffen habe. Au das natur- 
historische Museum in Belgrad ist ferner ein Stück Serpentin mit 
der Ortsbezeichnung Nerodinje eingesendet worden. 

Nach Durchwatung des bei der berühmten Bifurkation der 
Nerodimka befindlichen Sumpfes, westlich Ferizovic, werden zu beiden 
Seiten dieses Baches, am Abhänge sanfter Hügel, Weiler sichtbar, 
von denen der südlich gelegene mir als Valateker bezeichnet wurde. 
Er liegt etwas über l 1 ^ km südlich des entlang der Nerodimka 
führenden Fährweges. Weiterhin erreicht man das, nicht, wie auf 
der Karte angegeben, abseits, sondern unmittelbar am Nerodimka- 
Bach gelegene Dorf Dl. Neredinja. Als Ausgangspunkt für den nach 
Jezerce und Budakova führenden Weg ist es von einiger Bedeutung 
und dementsprechend ist sogar ein kleiner Krämerladen vorhanden. 
Im Dorfe wurden große Platten eines lichtgraugrünen bis rötlichen 
Flyschgesteines getroffen. Sie zeigten vorwiegend mergeligen Charakter 
und dürften wahrscheinlich die Fortsetzung jenes „Flysch"-Vorkommens 
bilden, das Cvijic in der Gotovusa- Gegend antraf. Hingegen scheinen 
auf dem Wege Ferizovic — Stimlja diese Flyschgesteine bereits zu fehlen. 

Hinter einer talaufwärts von Dl. Neredinja befindlichen Mühle, 
zirka 1 km westlich des Ortes, hört der Flysch auf und man kann 
statt dessen dunkle Tonschiefer und schwärzlichgraue Kalkschiefer 

Jalubnch (1. k. k. geol. Keichsanstalt, 1905, 55 Bund, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) U 



106 ür- Franz Baron Nopcsa. [22] 

von muscheligem Bruche erkennen, die mit NNW fallen; der Fall- 
winkel beträgt ungefähr 45°. Der Weg wendet sich hierauf etwas 
gegen WSW, wodurch man im Liegenden dieser Tonschiefer, die zum 
Teil an die Crnoljevaschiefer erinnern, dünne, geschieferte, gelbliche, 
chloritische Schiefer antrifft. Mit diesen sind innig feste dunkle, 
quarzreiche Schiefer verbunden, die zahlreiche weiße Quarzlinsen 
enthalten und von gleichen Adern durchsetzt erscheinen. Der Fall- 
winkel der ebenfalls nordwärtsfallenden Schiefer beträgt 80 — 90°. 

In ungeklärtem Verhältnisse zu diesen Schiefern erscheinen 
hierauf massige brecciöse Kalke, worauf weiter gegen Westen, ungefähr 
dort, wo laut Karte die Isohypse 800 den Nerodimka-Bach schneidet, 
weiße bis rosenrote oder graue, gut geschichtete, lokal mit 60° nach 
Ost fallende Kalke auftreten. Weiterhin kann man die Auflagerung 
weißer Kalke auf stark gewalztem und hin- und hergefaltetem quarz- 
aderreichen grünen chloritischen Schiefer konstatieren und es konnte 
wieder östliches Fallen festgestellt werden. Später erscheinen grüne, 

Fig. 7. 




1 
Profil östlich Jezerce. 

1 Glimmerschieferartige kristallinische Schiefer. — 2 Chloritschiefer. — 6 Rote 
und grüne Sericitschiefer. — 4 Prizrener Schiefer. — 5 Tonschiefer und Kalkton- 
schiefer. — 6 Triaskalk. 



schwarze, rote bis lichtbraune Hornsteinschiefer, worauf graue glän- 
zende Dachschiefer mit südwestlichem Fallen (<£ 60°) erscheinen. 
Dies ist ungefähr jenseits des Punktes, wo sich der von Südwest, das 
heißt von Jezerce, und der von Nordwest herabkommende Quellbach 
der Nerodimka vereinen. In diesem Dachschiefer, der keine Fältelung 
aufweist, sind, wie sich beim bald erfolgenden Anstieg auf die Höhe 
von Jezerce herausstellt, Kalkeinlagerungen vorhanden. 

Der Weg ist auf der Karte insofern nicht richtig verzeichnet, 
als er bei besagter Vereinigung der Nerodimka - Quellbäche eine 
Strecke weit entlang des südlichen Zuflusses dahinführt und erst 
nachdem dieser einen kleinen nördlichen Nebengraben empfangen, in 
einer steilen Serpentine gegen Nordwesten emporsteigt. So wie er 
den Kücken, der sich zwischen dem zuletzt erwähnten Nebengraben 
und dem Jezerce-Bache dahinzieht, erreicht hat, trifft man auf die- 
selben starkgefalteten, glänzenden braunen Tonschiefer, wie sie von 
der Prizrener Bistrica-Schlucht bekannt sind, worauf auf diese kon- 
kordant aufgelagert nordwärts fallende (<£ 30°) feste, mergelige Kalk- 



[231 Zur Geologie von Nordalbanien. 107 

schiefer, Kalktonschiefer und Tonschiefer, etwa wie auf der Dulje- 
Höhe, erscheinen. 

Mangel an dynamischer Veränderung in diesen Sedimenten bewog 
mich, an diesem Orte längere Zeit, jedoch leider erfolglos, Fossilien 
zu suchen. Im Liegenden der Prizrenschiefer befinden sich grüne bis 
rote, stark glänzende. Holzschieferstruktur zeigende Schiefer, noch 
tiefer chloritschiefer- und glimmerschieferartige Gesteine. Gekrönt 
werden diese Bildungen (vgl. Fig. 7) von den schon zuvor ange- 
troffenen weißen bis rosenroten Kalken. 

Je nachdem sich der gegen West gerichtete Weg hin- und her- 
krümmt gelangt, man bald in das eine, bald in das andere Glied 
dieser durchschnittlich N bis NNO fallenden Bildung und hat daher 
Gelegenheit und Müsse genug, bis zu der Stelle, wo laut Karte die 
Höhe von zirka 1000 m erreicht wird, von oben nach unten stets 
die Schichtreihe : 

weißer Kalk 

grauer Ton und Kalkton 

braune Tonschiefer 

grüne bis rote gefältelte Schiefer 

Chloritschiefer 

glimmerreiche Schiefer 

zu konstatieren. Die Kalke scheinen sich von Jezerce aus gegen 
Norden zur Nerodimka Planina zu erstrecken und westwärts die 
zwischen Jezerce und Budakova befindlichen Kücken nicht zu er- 
reichen. 

Vor der Paßhöhe von Jezerce verhindert tiefverwitterter Wald- 
boden mit herrlichem Buchenwalde geologische Studien, dann wendet 
sich der Weg etwas nach Süden und erreicht eine ergiebige Quelle, 
deren Wasser in einen südlichen Nebengraben des nordwestlichen 
Nerodimkaquell- Baches hinabfließt. 

Schon hier bei dieser Quelle sind Spuren eines granitartigen 
Gesteines vorhanden, das etwas weiter gegen Westen noch besser 
zutage tritt. Bei der Isohypse 1300 kann man plattige Protogin- 
gesteine (allerdings nur lose umherliegend!) erkennen, die einen 
an die Wasserscheide und auch etwas darüber begleiten. 

Relief und gleichbleibende Vegetation sprechen dafür, daß sich 
auch die südlich gelegene Kuppe 1400 m aus diesem Material aufbaut. 

Wo neuerlich die Isohypse 1300 geschnitten wird, sieht man wieder 
mit Quarzadern durchsetzte Tonphyllite, die mit 45° gegen NNO fallen 
und ziemlich intensive feine Fältelung zeigen. Wo der nach Budakova 
führende Weg laut Karte die Isohypse 1000 schneidet, kann man im 
Liegenden dieser hier wieder weniger gefältelten und mehr tonschiefer- 
artigen Bildungen zuerst gelbbraune Hornsteine und darunter gelbe 
bis grüne holzschieferartige, chloritische Schiefer konstatieren. Von 
Budakova bis zu den zerstreuten Häusern von Bolane (welcher Ort 
ebenfalls bloß als Budakova bezeichnet wurde *), geht man stets wieder 



! ) Der Name findet also oti'enbar nicbt auf einen Weiler, sondern auf die 
ganze Gegend Anwendung. 

14* 



108 Dr- Franz Baron Nopcsa. [^4] 

mehr oder weniger im Streichen der Nordnordost fallenden Schiefer, 
so daß bald Tonschiefer, bald jüngere kristalline Schiefer überschritten 
werden. Nur der Schnittpunkt der Isohypse 700 vor Bolane verdient 
besondere Beachtung, als hier unter den grünen chloritischen Schiefern 
schwarze Lyditschiefer und darunter quarzreiche glimmerhaltige 
kristalline Schiefer erscheinen. Auch hier ließ sich nordnordöstliches 
Fallen konstatieren, das beinahe bis zum Schnittpunkt mit Isohypse 600 
anhielt. Hier erfolgte jedoch eine Überraschung, indem von da an die 
bisher stets nord- oder nordostfallenden Tonschiefer plötzlich, ohne 
daß inzwischen kristalline Schiefer verquert worden wären, Südwest- 
fallen zeigten. Der Weg, längs dem auf diese. Weise eine aus Ton- 
schiefer bestehende, von WNW nach OSO streichende Antiklinale 
verquert wurde, ist leider auf der Karte nicht verzeichnet und konnte 
wegen plötzlichen dichten Herbstnebels nur approximativ festgestellt 
werden. Soviel ließ sich doch feststellen, daß er zirka 1 km vor 
Korstice vom eingezeichneten Wege gegen Südwest abzweigte und 
nach einem steilen Abstiege ein Ost— West fließendes Wasser erreichte. 
Ich halte dies für das südlich von Budakova— Bolane — Korstice in ost- 
westlicher Richtung fließende Gewässer. Knapp vor diesem Bache wurde 
eine aus kantengerundeten Quarzporphyrblöcken gebildete Schotter- 
terrasse überschritten. Von hier an konnte im Nebel kein Aufschluß 
mehr wahrgenommen werden. 

Der Weg führte in einer reich bewässerten, etwas gewellten 
Gegend und die auf der Karte nicht verzeichneten Ortschaften Savrova 
und Djelograjca erschwerten die Orientierung. Immerhin ist nach 
Bussolenablesung das an einem gegen NW fließenden Bache gelegene 
Savrova zirka südöstlich Racana und Djelograjca, an einer gegen West 
fließenden Wasserader gelegen, südwestlich davon zu suchen. Zirka 
3 km weiter westsüdwestlich von Djelograjca wurde noch ein Wasser 
durchritten und dann erreichte ich Grekovce. Nach meinen Beobach- 
tungen ist Djelograjca eine ganz bedeutende mohamedanische Ortschaft. 

Wenn wir das auf Fig. 7 abgebildete Profil mit seinen schwarz- 
grauen Tonschiefern und darunterliegenden kristallinen Schiefern mit 
den bisher beschriebenen Profilen vergleichen, so zeigt es sich, daß 
wir hier wieder dieselben Bildungen vor uns haben. Hier wie dort 
scheinen die massigen weißen bis rosenroten Kalke bald auf chloritischen 
Schiefern (bei Ötimlja und bei Neredinje), bald aber auf Tonschiefern 
(nördlich Jezerce) zu liegen und gleiche Lagerung konnten wir auch 
bei Prizren konstatieren. Spätere Profile werden uns eine Überlagerung 
von Kreidekalken auf Serpentin führende Schiefer zeigen und durch 
Notizen von Boue wissen wir, daß die Kalke des Zijeb bei Ipek in 
eine obere und eine untere durch Schiefer getrennte Gruppe zerfallen. 
Ob aber die rosenroten Kalke von Neredinje sowie die gleichen Kalke 
des Cviljen bei Prizren in die Trias- oder Kreideformation gehören, 
diese Frage soll erst später erörtert werden. Die Kreide- und Eocän- 
kalke, die von Dresnik bis Zaplucane (bei Suharjeka) an die Ton- 
schieferformation und kristallinen Schiefer stoßen, dürften, wie aus den 
bisherigen Profilen hervorgeht, die paläozoischen Tonschiefer von 
Dulje- Lapusnik kaum unterteufen, sondern nur längs einer NW— SO 
streichenden Bruchlinie berühren. 



[25] Zur Geologie von Nordalbaniiii. ]()<) 

Außer bei Dresnik kann man laut Generalkarte auch an der 
Mirusa ein als Badequelle verwendetes (daher wahrscheinlich thermales) 
Mineralwasser bei Banja konstatieren, und da dies gerade ungefähr 
dort liegt, wo der Zapluzane und Iglareva verbindende hypothetische 
Bruch durchziehen würde, so ist dies sowie der nach NW gerichtete 
Oberlauf der Mirusa, der die Berge von Ostrozub von den Crnoljeva- 
bergen scheidet, ebenfalls als Argument für die Existenz dieser Bruch- 
Knie zu betrachten. 

]). Umgebung von Prizren: Ausflug nach Zümbi; Tournee: 
K o r i s a— L j u b i z d a Dolnica— N o v o s e 1 o Pri z r e n— Jablanica— 
L e z — Blac — Zlatina —Brut — Karaula Ouri Dervent -Hoca- 

Prizren. 

Prizren— Zümbi. 

Auch auf dieser Tournee konnten kartographische Korrek- 
turen vorgenommen werden, denn die Lage der nordwestlich Prizren 
bei Kote 404 gelegenen Karaula, ferner dementsprechend der daran 
vorbeiführende Weg, das Drin-Knie bei krajiki, endlich das Relief der 
Höhe 705 bei Zümbi wurden als von der Kartendarstellung abweichend 
befunden. Ebenso wurde festgestellt, daß eine N — S ziehende Kalk- 
hügelkette, die sich zwischen Grazdenik und Vlasna einerseits und 
dem daselbst N— S fließenden Drin anderseits einschiebt, auf der 
Karte überhaupt nicht eingezeichnet wurde, und dasselbe gilt auch 
für die später zu erwähnenden, zwischen dem Scutari-Wege unweit 
Dzuri und dem Drinflusse befindlichen Hügel. 

Der Fahrweg Prizren — Tirana verläuft nicht durch Atmadza, 
sondern wenigstens 1 km nordwestlich von dieser Gemeinde. Die 
Karaula Kote 404 ist zirka li/a km weiter östlich gelegen. Der Weg 
kommt hierauf auf 1 / 2 km westlich an Luhovica heran, dann bleibt er 
mit dem Flusse annähernd parallel verlaufend auf zirka l 1 ^ h™ vom 
Drin entfernt und erreicht auf diese Weise Pirana. Am Drin-Knie bei 
Krajiki ist die Ausbiegung nach Norden viel geringer als es die Karte 
angibt. Infolgedessen fließt der Drin viel weiter südlich von Tirana. 

Geologisches wäre auf dieser Tournee folgendes zu erwähnen : 
Bei der Karaula Kote 404 konnten unter diluvialen Schottern jung- 
tertiäre gelbe Sande festgestellt werden, die völlig an die offenbar 
gleichalten Sande südwestlich Suharjeka gemahnten. Noch besser sind 
diese, Tegellagen enthaltenden Sande nördlich der Karaula erschlossen, 
woselbst sie zur rechten Hand die Basis der hügelartigen Terrassen 
bilden. Am gegenüberliegenden Drin-Ufer kann man bei Krajiki Kalk- 
hügel erkennen. 

Nach Pirana wurde noch zirka ] j 2 km weit nordwestlich geritten, 
hierauf gegenüber jenem Punkte, wo das Drin-Knie seinen nördlichsten 
Punkt aufweist, südwärts gegen den Drin gebogen. Im Drinschotter 
waren hier vorwiegend Dioritgerölle und Kalkstücke, aber auch rote 
Hornsteine vertreten. Mühelos konnte der breite aber seichte Drin 
durchfurtet werden. 

Gleich jenseits des Drin wurde dichter grauer schiefriger, stark 
toniger Kalk mit 30° nördlichem Fallen angetroffen, in dem bankweise 



1 K) Dr. Franz Baron Nopcsa. [26] 

polygonal brechende Plattenkalke, feste massige Schichten von dichtem 
mergeligen Kalk, ja zuweilen geradezu Steinmergel eingelagert waren. 
Die vorherrschende Farbe war lichtkaffeebraun mit einem Stich ins 
Graue. Daß diese Kalke eine ganz bedeutende Mächtigkeit besitzen, 
darauf deuten schon die sogar nördlich von Punkt 705 m auftretenden 
Dolinen. 

Später gegen Zümbi ändert sich das Streichen östlich des er- 
wähnten trigonometrischen Punktes zeigen die Schichten NO-Fallen 
und dieses läßt sich nun konstant bis Zümbi und von da bis Bitüci 
und auch gegen Karadzerzi bis in eine Höhe von 800 m konstatieren. 
In der monotonen Karstlandschaft der flachen (nicht, wie auf der 
Karte angegeben, spitzen) Höhe von Zümbi und des diese Höhe mit 
dem Bastrik verbindenden Rückens gelang es mir nun, bei Bitüci ein 
l — 4 cm dicke schwarze Hornsteinlagen und Hornsteinlinsen ent- 
haltendes Niveau sehr lichten, muschelig brechenden, festen, klingenden 
Kalksteines und in dessen Liegendem gegen Karadzerzi in etwas 
dunkler gefärbtem, gelblich verwitterndem, stark kristalline Struktur 
zeigendem Kalkstein an den angewitterten Flächen Rudistentrümmer 
und andere unbestimmbare organische Reste zu finden. Die Kristall- 
flachen, die man am frischen Bruche sieht, sind offenbar durch 
Echinidenreste u. dgi. zu erklären. Bei Tupec übersetzt dieser Kalk 
den Drin und scheint bis Vlasna zu reichen ; überall ist er durch 
seine lichtkaffeebraune Farbe, gute Schichtung und durch die Ein- 
lagerung weicherer Lagen von fern zu erkennen. Wie sich dieser Kalk 
zu den Cviljenkalken verhält, konnte leider bisher nicht beobachtet 
werden. Es ist dies aber offenbar derselbe kretazische Kalk, den 
Cvijic und estreich ebenfalls Rudisten führend und mit nörd- 
lichem Fallen unweit Kula Gradis am Wege gegen Djakova erwähnen. 

Ich halte es für zweckmäßig, derzeit, um mit dieser bestimmten 
petrographischen Ausbildung einen präzisen Ausdruck zu verbinden, 
diesen Kalk als Bastrikkalk, den rosenroten Kalk der Prizrener 
Umgebung hingegen als Cviljenkalk zu bezeichnen. Anläßlich eines 
Aufenthaltes in Belgrad gelang es mir, am dortigen Museum ein Stück 
Bastrikkalk mit der Etikette „Berg Grohot (Metochia)" sowie ein 
weiteres, „Siroki put östlich Orahovac (Prizrener Gegend)" be- 
schriebenes Stück aufzufinden ; leider gelang es mir aber nicht, diese 
Lokalitäten mit irgendeinem Punkte der Generalkarte zu identifizieren. 
Orahovac scheint aber irgenwo am Rande der Prizrener Niederung 
gelegen zu sein, denn unter derselben Ortsbezeichnung sind im Belgrader 
Museum auch Fossilien der Paludinenschichten vorhanden x ). 

Umgebung von Prizren. 

Die nähere Umgebung von Prizren glaubte ich am besten durch 
einen Abstecher nach Korisa, dann durch eine Begehung des Fußes der 
Pasino Planina sowie durch eine Umgehung des Cviljen kennen zu lernen. 

*) Herr Vizekonsul Le j hanec hatte die Güte, mir nachträglich mitzuteilen, 
daß .Siroki put den Weg Prizren — Crnoljeva bezeichne und Orahovac mit Rahovce 
ident sei. Kür diese wichtigen Angaben möchte ich ihm auch an dieser Stelle noch 
einmal wärmstens danken. 



|271 Zar Geologie von Nordalbauien. 1 | | 

Vorerst soll jedoch der geologischen Beschreibung eine kleine 
geographische Richtigstellung der Karte vorausgeschickt werden. 

Für die nördlich der Bistrica-Schlucht gelegene Gegend wäre 
außer der bereits erwähnten Südwesterstreckung der Pasino Planina 
noch zu bemerken, daß Novoselo ungefähr beim „o" des Wortes 
„Ilodza Balkan" liegt und auch Grcare und Vrbicane unter Beibehaltung 
ihrer relativen Lage zueinander und zu Novoselo südwärts verlegt 
werden müssen. Der auf der Karte Novo.seljane beschriebene Ort 
wurde mir als Dolinca bezeichnet, Skoroviste kommt ferner an die 
Stelle des laut Karte Vrbicane beschriebenen Dorfes zu liegen und 
Kabasi unter Beibehaltung seiner relativen Lage zu Skoroviste findet 
seine richtige Stelle zirka */ 2 Stunde vom Sveti Petar-Kloster entfernt 
wieder. Wo jetzt auf der Karte Skoroviste steht, dort zieht sich der 
eingesattelte Kamm der Pasino Planina gegen Südwesten und jenseits 
(östlich) dieses Sattels ist Srecka gelegen. Südlich der Bistrica und 
südlich des Cviljen sind noch größere kartographische Abweichungen zu 
konstatieren. Daß Jablanica dort liegt, wo Lubaceva geschrieben steht, 
daß Lez ungefähr die Lage von Küstendil bezeichnet, wurde bereits 
erwähnt. Daß 300 m nördlich von Blac Lez eingetragen werden muß 
und Lez hier zu streichen ist, ist eine weitere Korrektur. Die wich- 
tigste topographische Veränderung ist jedoch die, daß Küstendil und 
Lez überhaupt nicht im Plava-Tale liegen, wie denn der Übergang bei 
Jablanica überhaupt nicht in das Plava-Tal führt, sondern das Tal, 
in das er führt, umkreist den Cviljen in einem sanften, gegen Süden 
konvexen Bogen und mündet bei Hoca in die Ebene von 
Prizren. Dort, wo auf der Generalkarte (1:200.000) das „t" des 
Wortes Guri Dervent zu liegen kommt, ist in diesem Tale der Ort 
Lubaceva gelegen. 

Um in das bei Kote 1122 und westlich davon entspringende 
Plava-Tal zu gelangen, muß man vom rektifizierten Lez aus noch eine 
Wasserscheide überschreiten, worauf man über ein Hochplateau hin- 
weg in eine westsüdwestlich verlaufende hochgelegene Ebene gelangt, 
an deren Nordrand von Ost nach West die Orte Blac, Zlatarca und 
Brut liegen, während mir als Namen der am Südrande gelegenen 
Gemeinden in gleicher Richtung Brodosavca, Kukova, Buzes, Kosavca, 
Kapra, Plava angegeben wurden. Diese, wie aus dieser Namenreihe 
hervorgeht, dicht bevölkerte, wohlbebaute und wohlbewässerte Ebene 
nimmt von Ost nach West an Breite ganz bedeutend zu, so daß ihre 
Breite bei Blac zirka 1 km, bei Brut aber 3—4 km betragen dürfte. 

Nun kann an die geologische Beschreibung der auf diese W 7 eise 
determinierten Gegen geschritten werden. 

Bei Korisa steht am nördlichen Talgehänge Serpentin an und 
dieser läßt sich schön auf einem nördlich und oberhalb der Sveti 
Petar-Kirche auf den daselbst markierten Rücken hinaufführenden 
Weg untersuchen. Stellenweise enthält er je 2—3 m mächtige Lagen 
eines geschichteten, glimmerschieferartigen Gesteines, an dem steiles 
Nordost Fallen (< 70—80°) gemessen wurde. Oberhalb der Sveti Petar- 
Kirche kann man dort, wo die Rückenhöhe erreicht wird, zahlreiche 
große und kleine ziegelrote Hornsteingerölle finden, die fast aus- 
schließlich alle rezenten kleinen Wasserfurchen im Serpentin erfüllen. 



112 Dr. Franz Baron Nopcsa. [28] 

so daß kein Zweifel darüber möglieh ist, daß dieses Gestein ganz 
nahe bergauf anstehen dürfte. Außerdem lassen sich einige Kalkgerölle 
erkennen, die einen dichten ungeschichteten Habitus und lichtblau- 
graue bis weiße Farbe zeigen. Da in den besagten kleinen und kleinsten 
Wasserrissen Serpentingerölle fast ganz fehlen, ist die Distanz, in der 
der rote Hornstein anstehen dürfte, ziemlich deutlich ausgeprägt und 
wir dürfen, wenn mir auch ein Vordringen bis an den anstehenden 
Hornstein noch nicht gelang, mit großer Sicherheit behaupten, daß der 
Hornstein das Hangende des Serpentins bildet und daß ihn selbst 
wieder wahrscheinlich lichtgraue bis weiße dichte Kalke überlagern. 
Zwischen Korisa und Ljubizda führte der Weg über Schuttkegel und 
sonstigen alluvialen Boden und erst bei Ljubizda wurden wieder ältere 
Gesteine getroffen. 

In dem von Südosten gegen Ljubizda herabkommenden Tale 
wurde vor allem gegen Südwest fallender brauner Tonschiefer (Prizren- 
schiefer) gefunden. Hierauf wurde etwas in diesem Tale vorgedrungen, 
dann wandte sich der Weg nach Nord, darauf nach Ost und führte, 
sich bald wieder nordwärts wendend, in ungefähr gleicher Richtung 
wie der auf der Karte markierte Weg bis in die Nähe der als Grcare 
bezeichneten Stelle, um sich dann wieder gegen Ostsüdost zu wenden 
und so Dolnica zu erreichen. Vor der Krümmung nach Ost ist dabei 
ein dem Ljubizda-Tale paralleles Tal überschritten worden. Auf dem 
steilen, kahlen und steinigen Rücken, auf dem man zwischen diesem 
Einschnitte und dem Ljubizda-Tale emporsteigt, sind zuerst ebenfalls 
Prizrenschiefer, dann schwarze und rote quarzreiche Schiefer und 
grellrote Hornsteinschiefer angetroffen worden, die einen auch an der 
folgenden ostwärts gerichteten ansteigenden Wegpartie begleiten. 

Weiterhin wurden, ungefähr wo sich der Weg zum zweitenmal 
nach Norden wendet, grüne, zum Teil talkige Schiefer getroffen, die 
mit weicheren Lagen wechsellagern und die ich vorläufig ebenfalls 
noch zu den paläozoischen Schiefern zähle. Auch gelang es hier, 
typische, feingeschichtete Grünschiefer zu kontatieren. 

Weiterhin ließen sich in diesen Schiefern ziemlich bedeutende 
Durchbrüche von Serpentingesteinen erkennen und jenseits dieser 
Stelle war dort, wo sich der Weg endgültig gegen Ostsüdost und 
damit nach Dolnica wendet, eine sehr intensive Verkieselung der 
paläozoischen Schiefer zu erkennen, die dermaßen zunimmt, daß bei 
der Wegkrümmung selbst reiner, weißer, milchiger Quarz ganz gewaltige 
Felsabhänge bildet. In Serpentinen über quarzärmere braune bis 
braungelbe Prizrenschiefern ansteigend, wird endlich Dolnica erreicht. 

Von Dolnica führt der Weg in südsüdwestlicher Richtung zum 
Orte Novoselo. Hier ist die Gegend geologisch recht monoton, indem 
einerseits nur schlechte Aufschlüsse vorkommen und überdies überall 
nur paläozoische südwestfallende Schiefer anstehen. Nur nahe bei 
Dolnica lassen sich in den gelblichen, seidenglänzenden, mäßig weichen, 
gefältelten Tonschiefern graue Kalkschichten konstatieren, die eben- 
falls mit 45° gegen Südwesten fallen. 

Etwas wechselreicher als der Abschnitt Dolnica — Novoselo er- 
scheint die Strecke Novoselo — Prizren, indem hier auf den Schiefern 
Reste einer ehemaligen Kalkdecke erscheinen. 



[29] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



113 



Gleich südwestlich Novoselo lassen sich mit 45° gegen Südwesten 
fallende Schiefer erkennen, auf denen größere und kleinere, oft nur 
einige Schritte lange und manchmal ganz dünne, zirka 1 bis l 1 / 2 »» 
dicke fetzenartige Stücke einer Kalkschichte liegen. Steil bergab 
steigend, gelangt man auf eine weniger geneigte grasige, etwas bebaute 
Fläche, wo vorwiegend Schiefergestein ansteht, worauf man einen 
größeren Kalkflecken antrifft. An dieser Scholle, deren Streichen jedoch 
wahrscheinlich nur von lokaler Bedeutung sein dürfte, konnte 60° 
Nordost-Fallen abgelesen werden. Möglicherweise ist aber das Streichen 
dieser Scholle durch eine Verwerfung zu erklären, während das 
zuvor erwähnte fetzenartige Vorkommen in Anbetracht der Fallwinkel 
und Neigungsverhältnisse des Terrains auf diskordante Auflagerung 
hinweist. Der letzte Teil des Abstieges vom Hodza Balkan gegen 
Prizren erfolgt teilweise über Kalkterrain, weiter unten aber vorwiegend 
über paläozoische Schiefer. Auf diese Weise läßt sich der Kalk der 
Bistrica-Schlucht als gegen Süden abgesunken erkennen, so daß eine 



Fig:. 



Cvitien. 



Dolnica 




Profil durch das Bistrica-Tal. 

1 Schiefer. — 2 Kalk. 



von Novoselo gegen den Cviljen gezogene Linie ungefähr folgendes 
doppelt überhöhtes Idealprofil ergeben würde. (Fig. 8; vgl. auch 
hierzu Fig. 1.) 

Eine südliche Fortsetzung hat dieses Profil in der über Jablanica 
nach Blac ausgeführten Tournee gefunden. 

Die Porphyrgesteine, die, wie schon früher erwähnt, bei Jablanica 
die paläozoischen Schiefer durchbrechen, lassen sich auch jenseits 
des Jablanica — Küstendil-Sattels konstatieren, woselbst sie durch ihre 
Widerstandsfähigkeit im Schieferterrain auch topographisch ziemlich 
gut zur Geltung gelangen. 

Am Jablanica-Sattel ließ sich in den paläozoischen Schiefern 
WNW- Fallen (3C 60°) konstatieren, weiterhin sind statt Prizrenschiefer 
grüne Schiefer und Tonphyllite vorhanden. Vor Lez werden sie zweimal 
von Porphyrgesteinen durchbrochen (Fig. 9), nach Lez steht etwas 
weißer, massiger, bis rosenroter, ungeschichteter Kalk an. Später er- 
scheinen in einem schütteren Eichenwald schwarze, glänzende Phyllite, 

Jahrbuch d. k. k. gcol. Reichsanstalt, 19o5, 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 15 



14 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[30] 



die gegen Südosten fallen und bis an die Wasserscheide des Ljubaeeva- 
und Plava-Tales reichen. 

Wie man auf diese Wasserscheide herauskommt, ändert sich, 
da man sich plötzlich von einer dolinenhaltigen Karstlandschaft um- 
geben sieht, die ganze Gegend. Die Wasserscheide Lez-Blac besteht 
nämlich aus einem offenbar den Kalken der Cviljen-Spitze entsprechenden 
Kalkhochplateau, das gegen das Lubaeeva-Tal steil abbricht, während 
es sich gegen Südosten nur sehr allmählich herabsenkt. Barometer- 
mangel hinderte mich, eine Höhenbestimmung vorzunehmen, doch 
schätze ich es, da es von den umgebenden Höhen nur wenig überragt 
wurde und der Jablanica— Küstendil-Sattel, der laut Karte zirka 900 m 
wäre, eben noch sichtbar war, auf rund 800 m. Die ersten Dolinen 
(20—30 Schritt Durchmesser) erscheinen bereits einige hundert Schritte 









Fig. 


9. 








Plateau 

Ja s 


•»,' 




Brut 


G-jalica. 

p \ 


Brez 


y'a See 

. \ 






ö^äsi 


"~ 



Oberer Teil des Ljubaceva-Tales. 

S = Grüne Schiefer und Tonphyllite. — K = Heller, ungeschichteter Kalkstein. 
P = Porphyr. 
(Statt „Gjalica" ist in der Figur „Koritnik" zu lesen.) 



von dem nördlichen Hange und dies läßt auf die bedeutende Mäch- 
tigkeit des Kalkes an dieser Stelle schließen. Dieses Karstplateau 
ist nicht sehr breit, wird zur Rechten von sanften, kahlen, verkarsteten 
Kalkhügeln begleitet, zieht sich im allgemeinen gegen ONO und wird 
im Süden durch den WSW gerichteten Lauf des Plava-Baches begrenzt. 
Eine nach einer Photographie angefertigte Skizze kann diese 
Plateaulandschaft am besten zum Ausdrucke bringen (Fig. 10). Der 
Kalkstein, der diese Karstlandschaft hervorruft, ist mit dem von 
Cviljen und Novoselo bekannten Kalke vollkommen identisch. Er ist 
massig, dicht, von weißer bis rosenroter Farbe und präsentiert wohl 
nur eine von der Cviljen-Spitze herüberreichende Decke. Ein kleiner 
nach dem nicht sehr tief gelegenen Blac hinabführender nördlicher 
Nebengraben des Plava-Tales ermöglicht, da er an der Grenze vom 



L31] 



Zur Geologie von Norchilbanien. 



I 1.) 



Kalkplateau und der weiter im Südosten erscheinenden Schiefer- 
landschaft des Plava-Baches entlang zieht, einen Einblick in den Unter- 
grund des Cviljenkalkes an dieser Stelle zu erlangen und da läßt 
sich denn wieder feststellen, daß der Kalk auch hier auf paläozoischen 
oder älteren (?) Schiefern lagert. Ich finde, daß ich in meinem Tage- 
buche „Schwarze Phyllite und Tonschiefer paläoz.V" notierte. Bei Blac 
(knapp nördlich dieses Dorfes) habe ich Nordfallen mit 70—80° ge- 
messen. Von Blac wendet sich der von mir eingeschlagene Weg gegen 
WSW und führt in der Ebene von Blac— Plava am Südfuße einer 
steilen, zirka 100 m hohen Kalkwand, unter der die paläozoischen 
Schiefer erscheinen. Später, gegen Zlatarca und Brut, beschränken 
sich die Kalke auf den oberen Teil der die Blac — Plava-Ebene gegen 
Norden abschließenden Hügel, so daß die Kalkschiefergrenze, die vor 
Blac von ONO gegen WSW zog, bei Blac ost-westlichen Verlauf zeigte, 

Fig. 10. 




Übergang von Lez nach Blac. 

K = Heller, ungeschichteter Kalkstein. — S — Grüne Schiefer und Tonphyllite. 



bei Brut WNW— OSO-Richtung einschlägt. Das gleiche läßt sich auch 
für das Streichen der darunterliegenden Schiefer feststellen, da die 
Schiefer zwischen Lez und Blac nach SSO, bei Blac zirka nach N, 
bei Brut ebenso, zwischen Brut und Breznja jedoch bereits gegen 
NO fallen. Der Weg verläuft überall südlich des abwechselnd Hügel- 
und Plateaucharakter aufweisenden Kalkzuges auf den bald phyllit-, 
bald holzschieferartigen, paläozoischen Schiefern. 

Interessant ist die Topographie der Blac— Bruter Ebene, da sich 
hier in der Ebene von Brodosavca an bis nach Plava zwei hoch über- 
einander gelegene fluviatile Terrassen entwickeln ; ob ihr Untergrund 
aber aus jüngeren Tertiärbildungen besteht, läßt sich derzeit noch 
nicht determinieren. Von Brut aus gesehen machte es allerdings den 
Eindruck, als ob der Plava-Bach bei Bolobrad längs einer aus lehmiger (?) 
Masse bestehenden, fast senkrechten Wand dahinfließen würde, während 

15* 



IC) 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[32] 



die paläozoischen Schiefer doch fest genug sind, um bei so steilen 
Abhängen felsige Gehänge zu entwickeln. (Fig. 11.) 

Über eine schwach bewaldete, gut gerundete, aus Schiefergestein 
bestehende Wasserscheide führt der Weg vom Plava-Tale in die zuerst 
von estreich erwähnte Hochebene von Breznja. Nach est- 
reich würde der abflußlose, fast ganz in Kalkterrain gelegene 
Breznja- See einen Karsee repräsentieren. Abgesehen von seiner tiefen, 
kaum 900 m erreichenden Lage, kann ich mich schon wegen des 
völligen Mangels einer zirkusartigen Umgebung und des totalen 
Fehlens von Schuttbildungen nicht für diese Annahme entscheiden und 
möchte mich viel eher der landläufigen Ansicht anschließen, daß dieser 
Fluß einen unterirdischen Abfluß besitzt und seinen Abflußmangel wohl 
einem Karstphänomen verdanken dürfte. In Anbetracht der Verteilung 
von Kalk und Schiefer scheint mir sogar die Annahme, daß die Quelle 

Fig. 11. 




Senke des oberen Plava-Tales. 

T T' = Fluviatile Terrassen. — K = Kalkstein. 
(Statt „Gjalica Ljums" soll „Koritnik" stehen.) 



von Posliste seinen Ausfluß repräsentiert, nicht eben unmöglich. Auch 
mir ist von den mich begleitenden Saptiehs die von Oest reich 
diskreditierte Geschichte der am gefrorenen Breznja-See verunglückten 
Leute wieder erzählt werden, allerdings fand ich keine Gelegenheit, 
die Quelle von Posliste zu besuchen. 

Von Karaula Guri Dervent an wurde der nach Hoca führende 
Weg begangen. Zuerst trifft man noch auf Schiefer, dann gelangt man 
zu einer Quelle, jenseits welcher bis zum Höhenpunkt 779 ein un- 
geschichteter, quarzreicher, feinkristalliner, weißer bis intensiv rosen- 
roter Kalk ansteht. Hier ungefähr ist ein lokaler Aufbruch von paläo- 
zoischen braunen Schiefern und jenseits davon grauer bis rosenroter, 
gut geschieferter Kalk sichtbar, an dem südöstliches, mäßig steiles 
Einfallen (Fallwinkel 30°) gemessen wurde. An dieser Stelle gelang 
es mir als Gerolle mehrere Stücke Quarzporphyr zu finden. Ihre 



[33] 



Zur Geologie von Nordalbanieu. 



117 



Anzahl war zu bedeutend, als daß man annehmen könnte, sie seien 
durch Packpferde hierher verschleppt worden 1 ), weshalb ich eher 
einen benachbarten Porphyrdurchbruch vermute. 

Nach einem neuerlichen lokalen, kaum einige Schritte währenden 
Aufbruche paläozoischer Schiefer wird wieder meist massiger weißer 
bis rosenroter, zum Teil dolomitischer Kalk getroffen, der bis zum 
Höhenpunkt 657 anhält. Dabei konnte am Kalke 70° Nordostfallen 
festgestellt werden. Offenbar haben wir hier die westliche Fort- 
setzung jener Kalkdecke vor uns, die zwischen Lez und Blac ange- 
troffen wurde. 

Beim Abstiege gegen Hoca kann man westlich bei Bitusa die 
Überlagerung des Kalkes über die Schiefer noch einmal sicher fest- 
stellen und so ist denn jeder Zweifel über diese wichtige Tatsache 
vollkommen unmöglich. Nachdem man auf den allenthalben um Hoca 
anstehenden Schiefern selbst fortgeschritten, werden diese von einem 

Fig. 12. 




1 Prizren. 



2 Hoca. 



Talsystem von Hoca. 

3. Lubaceva-TaK — 4 Cviljen. 



5 Sattel bei Jablanica. 



A = Schiefer. 



B = Kalk. 



größeren Stocke Quarzporphyr durchbrochen und erst knapp vor 
Hoca kommen wieder zum Teil schwarze, glänzende, zum Teil braune, 
matte Schiefer zum Vorschein. Knapp beim Porphyrdurchbruche läßt 
sich jede beliebige Streichungsrichtung feststellen, bei Hoca scheint 
aber NO — SW-Streichen mit südöstlichem Einfallen zu dominieren; 
als Fall winkel wurde 10 — 70° getroffen, in der Regel zeigen jedoch 
die Schiefer 30° Fallen. Hiemit war die Ebene von Prizren erreicht 
und die überraschungsreiche Umkreisung des Cviljen vollendet. Von 
einem Hügel vor Hoca kann man neuerdings die Läse des Lubaceva- 



*) Hahn erwähnt, daß die Albanesen die beiderseitigen Lasten auf einem 
Pferde durch Aufladen von Steinen ausgleichen, was unter Umständen unangenehme 
geologische Verwirrungen anrichten könnte. Ich konnte, nebenbei bemerkt, diese 
naheliegende Art des Equilibrierens in Siebenbürgen und Albanien wiederholt 
bemerken und muß gestehen, daß ich sie bei meinen zahlreichen Touren, zumal 
in Siebenbürgen, auch selbst mehr als einmal verwendet habe. 



118 Dr. Franz Barou Nopcsa. |34] 

Tales sowie am Cviljen die Auflagerung des Kalkes auf die paläo- 
zoischen Schiefer erkennen (Fig. 12). 

Das Gesamtresultat läßt sich dahin resümieren, daß scheinbar 
an und für sich sehr komplizierte und durch Dislokationen noch mehr 
verwickelte tektonische Verhältnisse existieren, daß es aber doch 
gelang, ein Niveau paläozoischer Schiefer und ein darauf- 
folgendes Niveau roten und weißen massigen Kalkes 
zu konstatieren. Kaffeebraune geschichtete Kreide- 
kalke, wie solche von Zümbi bekannt sind, wurden 
nirgends getroffen. Die Serpentine bei Korisa waren imstande, 
eine Verquarzung der paläozoischen Schiefer zu bewirken. 



E Tournee: Prizren — Vlasna — Skodza — Han i ri — Han Lacit — 

Kula Ljums — Brut — Ura Vezirit — Fletj — Cafa Malit— Brdeti 

— Han Raps — Puka — Cereti — Karaula Skanje — Gamsice— 

Laci — Kozmaci — Asti — Bacelik — S kutan'. 

Durch die Tournee Prizren— Scutari hoffte ich einen Einblick 
in das, man möchte fast sagen, sagenhafte Grünsteinland Boues und 
Grisebachs zu gewinnen, und in der Tat waren wichtige geolo- 
gische Beobachtungen das Resultat der dreiundeinhalbtägigen Reise. — 
Die Strecke ist von Boue und Grisebach begangen und be- 
schrieben worden, dadurch aber, daß die Rolle der Serpentine und 
Diorite nicht genau präzisiert war und daß ferner so ganz ungeheure 
Massen Hornsteinschiefer („Jaspisschiefer") angeführt wurden, konnte 
die Struktur des zwischen Skutari und Prizren gelegenen Landes 
absolut nicht verstanden und für weitere Arbeiten in keiner Weise 
verwertet werden. Ein Resultat meiner Reise, das gleich hier voraus- 
geschickt werden soll, war die Erkenntnis, daß sämtliche bisher aus 
dem Grünsteinlande angeführten merkwürdigen Bildungen tatsächlich 
existieren und daß Flysch- und Kreidebildungen auf der ganzen 
großen begangenen Strecke von Brut bis Laci, das heißt bis knapp 
an die adriatische Küste vollkommen fehlen. 

Prizren— Brut. 

Bei der Brücke unweit Vlasna wurde dichter weißer Kalk an- 
getroffen, der gegen die Karaula und darüber hinaus anhält. Dort, 
wo (nach der Karte) die Höhenlinie 400 den nach Skodza führenden 
Weg zum zweitenmal seit der Vlasna-Brücke schneidet, habe ich an 
dichten grauen Kalken maßig steiles nordöstliches Fallen gemessen. 
Der Fallwinkel konnte dabei mit 45° fixiert werden. Die Quelle von 
Skodza entspringt noch aus dem Kalke, wo aber westlich dieser 
Quelle auf der Karte die beiden Mühlen angegeben werden, erscheinen 
unter den Kalken stark gefaltete glänzende Tonphyllite, die Lagen 
von dunkelgrauem Kalkschiefer und Tonschiefer enthalten. Eine 
Messung ergab ein rein östliches Fallen (<£ 60°). Am gegenüber- 
liegenden Bastrik zeigte sich, daß die gut geschichteten Kalke an 
seinem Südwestteile fast flache Lagerung zeigen, während sie sich im 
Nordosten steil gegen die Prizrener Ebene neigen. Günstige Schnee- 



[35] ^" r Geologie von Nordalbanien. H<) 

Verhältnisse bewirkten, daß es mit freiem Auge möglich war, die 
härteren zu Felswänden und die weicheren zu Wiesengelände ver- 
witternden Bänke in prächtiger Weise vom Südwestrande dieses ge- 
waltigen Kalkkegels bis zu dessen Nordostabhang fast ohne Unter- 
brechung zu verfolgen, was ich mir im Tagebuche in beiliegender 
Weise notierte (Fig. 13). 

Die Tonschiefer der Mühlen von Skodza lassen sich zirka 2 km 
weit verfolgen, worauf mit 30° gegen Nordwest fallende, dichte, 
sandige, graue Kalke erscheinen, an deren angewitterter Oberfläche 
allerhand organische Reste erschienen. Gleich darauf erblickt man 
lichtgraue Knollenkalke, die gut gebankt, ebenfalls Fossilien enthalten 
und sich mit 30° gegen Südosten neigen; weiterhin ließen sich an 
einer dieser Bänke rudistenartige Querschnitte erkennen und damit 
war das Alter dieser petrographisch ohnehin mit den Kalken bei Zümbi 
identen Bildungen entschieden. Das tiefste Glied der hier sichtbaren 
Serie bilden angewittert gelbe, sandige Kalke und darunter ließ sich 
bei Han i ri das erste Serpentinvorkommen konstatieren. Vor und 
nach Han i ri bildet der stets gut geschichtete und an vielen Stellen 

Fig. 13. 

***"-* Bzainovie Z 




Profil des Bastrik. 

fossilführende Kalk flache, zirka 200 Schritt lange, Synklinale und 
antiklinale Wellen. Etwas vor Han Lacit kommt unter dem Kalke 
schwarzer bis grüner Hornstein zum Vorschein, bei Han 
Lacit erscheint unter dem Hornstein neuerdings Serpentin. In diesen 
Serpentinvorkommen haben wir bereits die ersten Anzeichen des „Grün- 
steinlandes" zu erkennen. Ungefähr dort, wo der nordöstlich Bardovci 
fließende Bach in den Drin mündet, kann man in diesem Gerolle 
eines sehr fossilreichen, lichtkaffeebraunen Kalksteines erkennen, 
während der Drin schon ausschließlich auf Serpentin einherfließt. 

Beim Bach von Cecina-Ljuma erkennt man, daß zwischen dem 
Serpentin und dem fossilführenden Kreidekalke in der Höhe des Weges 
roter ,. Jaspisschiefer", auftritt. Die zur linken Hand befindliche Terrasse 
besteht nämlich aus fast horizontalem Kalk, der Weg führt auf rotem, 
ungeschichtetem Hornstein und der Drin fließt überall auf Serpentin. 
Später verschwindet wieder der Serpentin, dann auch der Hornstein 
gegen unten und der Drin fließt wieder auf Kalk. Es ergibt sich, daß 
man vom Liegenden allmählich wieder in das Hangende schreitet und 
da ließ sich von unten nach oben 1. lichtbrauner, fossilführender 
Kalk, 2. dichter, bankartig abgesonderter, etwas knolliger Kalk, 



120 



Dr. Franz Baron Noncsa. 



[36] 



3. splittriger, gut geschichteter Kalk mit Knollenkalkzwischeiilagen 
erkennen. Im Verlaufe dieses Profils wurde die Ljuma-Brücke erreicht, 
woselbst der Drin eine Beugung macht und durch eine enge, schauerlich 
wilde Kalkschlucht hindurchbraust. Bei der Ljuma-Brücke fallen die 
Schichten mit 60° gegen Norden ein (Fig. 14). 




Brücke bei Kula Ljums. 

(Gut geschichteter Kreidekalk.) 

Bei Brut, knapp jenseits der ersten der beiden Drin-Brücken (sie 
wurde mir als UraCüpri angegeben, was allerdings „Brücken "-Brücke be- 
deuten würde), trifft man wieder auf das fossilführende, gut geschichtete 

¥ig. 15. 




Ura Cüpri. 



Niveau, bei dem ich hier wieder Ostwest-Streichen, aber viel flacheres 
Nordfallen (3C 1-5°) antraf. An dieser Stelle, die Boue „Ura Köprüsi" 
nennt, ist von diesem Autor Nordost-Fallen angegeben worden. 

Wegen des allgemeinen Interesses, das die eigentümliche Bauart 
der imposanten sogenannten Vesirbrücken bieten, sei anbei (Fig. 15), 



[37] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



121 



wenn es auch nicht zur Sache gehört, eine Skizze der „Ura Tjüpri" 
gegeben. Der Name Vesirbrücke darf übrigens eigentlich nur auf die 
weiter flußabwärts gelegene Brücke (Ura Vezirit) angewendet werden. 
Vor Brut Hau, zirka 1 km westlich der Kote 251, hat der Drin die 
Kreidekalke neuerdings durchbrochen und es kommt unter dem Kalke 
wiederum Serpentin mit daraufgelagertem mächtigen roten Hornstein 
zum Vorschein. 

Jenseits des Drin glaubte ich aus der Ferne an dessen Ufer 
blaue Tegel erkennen zu können. 

Da sich dort, wo auf der Karte Küküs angegeben ist, über dem 
Drin-Ufer drei niedere Terrassen übereinander erheben, ist dieser 
Punkt für das Verständnis des Wegabschnittes Brut-Puka von ganz 
eminenter Bedeutung. 

Beim Brut Han kann man erkennen, daß sich der hier ebenfalls 
flach nordwärts fallende Kalk auf das jenseitige Drin-Ufer fortsetzt und 
die Erosion daher bis jetzt die unter dem Kalke liegende Serpentin- 
masse an dieser Stelle eben erst tangierte. — Die massigen 
rosenroten bis weißen Cvil jenkalke wurden nirgends 
gefunden. 

Brut— Puka. 

Wie schon erwähnt, ist der Hau von Brut der letzte Ort, an 
dem man westwärts vordringend Kreidekalk antrifft. Ein dichtes, zu 
Überfällen wie geschaffenes Eichengestrüpp begleitet von hier an bis 
zur Vezir-Brücke den Weg und behindert die Aussicht. Am Wege sind 

Fig. 16. 




Diorit! andschaft westlich der Vesirbrücke. 



zuerst auf Serpentin gelagerter Hornstein, dann Serpentin und später 
Diorit zu erkennen. Damit ist das „Grünsteinland" betreten. Bis 
Vau Spasit läßt sich nichts als ein zu gerundeten Bergformen ver- 
witternder Diorit erkennen (Fig. 16), der daselbst einen ruinen- 
gekrönten, niederen, felsigen Rücken bildet. Grisebach gelang es 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 16 



122 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[38] 



daselbst auch Serpentin und Hornsteinschiefer zu konstatieren. Wie 
wir später sehen werden, sind diese drei Bildungen, nämlich Diorit, 
Serpentin und Hornsteinschiefer, stets zusammen anzutreffen und es 
muß der zukünftigen detaillierten Aufnahme dieser anziehenden Gegend 
überlassen werden, jedes einzelne Serpentin- oder Hornsteinvorkommen 
zur Ausscheidung zu bringen. Bei Vau Spasit konnten neuerdings neben 
dem Drin die diluvialen Terrassen wiedererkannt werden (Fig. 17). 
Bei Vau Spasit wird das Drin-Tal verlassen und der Weg wendet 
sich zuerst nach Südsüdost, führt eiue Weile am rechten Ufer des 
Goska-Baches, übersetzt diesen Bach auf einer elenden hölzernen 
Brücke, wendet sich darauf wieder etwas gegen den Drin, um darauf 
am nördlichen Abhänge des Goska-Baches die Höhen von Sakatit Han 
zu erklimmen. 



Fig. r, 




Tau Spasit. 

d = Diluviale Terrassen. — 8 = Diorit. 



Zuerst trifft man an diesem Aufstiege denselben Diorit wie bisher, 
später stellen sich jedoch feldspatreichere Partieu ein. Es ist dies 
offenbar jener Teil, den Grisebach vor Augen hatte, als er die 
feldspatreicheren Diorite des Prizren-Skutari Weges erwähnte. In einer 
Höhe von zirka 400 m ist der steile Aufstieg beendet und der Weg- 
führt auf einem relativ ebenen, eichenbewaldeten, lehmigen Rücken. 
Wegen der möglicherweise durch Verwitterung des Diorits hervor- 
gegangenen Lehmlage läßt sich hier der Untergrund nicht erkennen 
und man ist daher um so mehr erstaunt, vor Sakatit Han plötzlich in 
einer absoluten Höhe von zirka 500 m grobe Flußschotter anzutreffen, 
die auf diese Weise wenigstens 300 m über dem jetzigen Drin-Mveau, 
daher mehrere hundert Meter über den diluvialen Terrassen von Brut 
und Vau Spasit liegen. Ein Blick gegen Südosten überzeugt sofort, 
daß man sich hier auf einer alten, durch die jetzigen Bäche zu bloßen 
Rücken aufgelösten Terrasse befindet, über welche sich erst die 



[39] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



123 



über 000 m ragenden Höhen südöstlich Semen und die Rugova des 
Bastrik erheben. 

Trotz elender Beleuchtung gelang es mir doch, eine wenn auch 
lichtschwache Photographie dieser Hügelzüge zu erhalten und anbei 
ist eine auf Grund dieser Photographie angefertigte Skizze gegeben 
(Fig. 18). Weit im Hintergrunde kann man in der Mitte des Bildes 
die nebelverhüllte Spitze des Ljuma-Gebirges (Gjalica Ljums) erkennen. 

Über das Alter dieser Terrasse ist es schwer, etwas zu sagen. 
Sie ist jedenfalls viel älter als die oberste der drei bei Brut sicht- 
baren diluvialen Terrassen, da beide ürinflüsse zur Zeit, als sich die 
diluvialen Terrassen bildeten, nur wenig (zirka 60 m) über ihrem 
jetzigen Bette flössen, während diese Terrasse eine wenigstens volle 
150 m (bei Vau Spasit 200 m) höhere Lage aufweist. Wenn man einer 



Fig. 18. 




T T i T „ 



Terrasse von Sakatit Hau. 

Terassenabschnitte. — L = Ljuma-Gebirge. 



südlich Ura Vezirit auf der Karte bei Sbrusa Kolcit eingetragenen 
Höhenkote von 496 m sowie der Topographie der dortigen Gegend 
Vertrauen schenken dürfte, so würde bei genanntem Orte der Steil- 
aufstieg oberhalb der Terrasse schon bei 400 m beginnen und dies 
würde darauf hindeuten, daß sich die „Terrasse von SakatiHan" 
gegen Osten um zirka 100 m erniedrigt, aber gleich östlich davon 
sind Höhenlinien eingezeichnet, welche zwar auch eine Terrasse an- 
deuten,, dieselbe jedoch wieder bis über 500 m emporsteigen lassen, 
wodurch die Barometermessung von SbruSa Kolcit eine ziemliche 
Einbuße erleidet. Jedoch auch abgesehen davon, daß sich die Sakati- 
terrasse gegen Ura Vezirit eventuell hinabsenkt, ist ihre jetzige Höhen- 
lage insofern von Bedeutung, als sie mit der Höhe der Terrasse von 
Zdunje an der Treska und der Höhe des alten Vardar-Bettes bei 
Grupsin übereinstimmt. 

16* 



124 Dr. Franz Baron Nopcsa. [40] 

Von der Vardar-Terrasse und dem Vardar-Bette bei Kaldirim 
bogaz ließ sich nun feststellen, daß selbe wahrscheinlich vor dem Ein- 
brüche des Tetovo existierten, von der Sakatit-Terrasse läßt sich deren 
vordiluviales Alter konstatieren; die Existenz der Felsterrasse beim 
Ausgange der Treska-Schlucht (die Terrasse von Semeniste) zeigt 
ebenfalls, daß der letzte Einbruch des Üsküber Beckens erst nach 
der Bildung dieser Terrasse erfolgte, und so können wir vielleicht 
diese großen Einbrüche auch mit der Tieferlegung des Drin bei 
Vau Spasit synchronisieren. Ein Studium der groben Gerolle, aus denen 
sich die Sakatit-Terrasse zusammensetzt, könnte vielleicht, da westlich 
von Brut kein Kreidekalk vorkommt, die Provenienz dieser Gerolle 
und damit auch die Geschichte der Terrasse einigermaßen auf- 
klären. Selbst konnte ich nur vorwiegend faustgroße weiße Quarz- 
gerölle und Serpentinstücke konstatieren. Aber in Anbetracht der 
Nähe der Kalkberge des Bastrik scheint mir der scheinbare Mangel 
an Kalk nicht ohne jegliche Bedeutung und dies um so mehr, als 
den jetzigen Drin zu beiden Seiten Kalkgebirge begleiten. 
Ebenso wichtig scheint mir, daß Boue am Wege Vau Spasit — Djakovo 
Kalkmangel konstatierte, ferner daß von der 500 m hohen Sakatit- 
Terrasse aus über Vau Spasit, Kizilgök, Popoc, Proni Bitüeit nach 
Djakova eine Depressionslinie existiert, welche laut Karte bei Hildlari 
und Popoc in zirka 500 m Höhe Terrassenbildungen aufweist, zwischen 
1000 m hohen Bergen hindurchführt, selbst die approximative Höhe 
von 500 m nirgends überschreitet und nach Boue am höchsten 
Punkte Plateaucharakter aufweist. Die groben Serpentinschotter der 
Sakatit-Terrasse könnten daher — stets laut Karte — ohne weiteres 
bis an den Rand der Metochia reichen und nach Boues Angaben 
vielleicht sogar von besagter Depressionslinie stammen. Ob diese Vau 
Spasit und die Metochia verbindende Depressionslinie aber wirklich 
ein altes „Drinbett" vorstellt oder nicht, dies können leider bloß 
zukünftige Schotterfunde auf der genannten Verbindungslinie beweisen. 

In diesem Falle würde sich allerdings die ohnehin wahrschein- 
liche Tatsache herausstellen, daß der letzte Einbruch der Metochia, 
und jener der Üsküber Senke gleichzeitig, und zwar noch vor der 
Diluvialzeit erfolgten *). 

l ) Es ist hier am Platze, auf die verschiedenen längs der dalmatinischen 
Küste seit historischer Zeit erfolgten Senkungserscheinungen zu verweisen (Eine 
bibliographische Zusammenstellung in Tanelli, Osserv. geolog. sul isola Tremiti, 
Boll. com. geol. Ital. 1890, pag. 481), ferner auf die Angabe Hecquards, daß 
östlich des Skutarisees vor relativ kurzer Zeit angeblich eine Fusa e proneve be- 
nannte bewohnte und bebaute Gegend existiert haben soll, welche dann später 
unter dem Skutarisee verschwunden wäre. (Hecquard, La hauteAlbanie, Paris 
1858, pag. 6: „Suivant une tradition locale le lac de Scutari n'dtait jadis pas 
aussi grand qu'aujourdhui. Vers la partie Orientale il y avait une piain couvert de 
villages etc. . . . eile s'appelait Fouscia e proneve".) Nach Hassert wäre das jetzt 
bemeikbaro Ansteigen des Skutarisees, daß wiederholt zu Überschwemmungen Anlaß 
gibt, allerdings nicht durch eine Senkungserscheinung, sondern durch ein Verstopfen 
seiner Abflußrinne zu erklären, es ist jedoch zu bedenken, daß das Ereignis, das 
Hecquard meldet, noch vor dem Einbrüche des Drin in die Bojaua stattfand. 
Ferner sind nach Mi zopulos und de Viasi auch auf Zante allerdings an der 
Meeresküste mehrfache Niveauveränderungen, und zwar Senkungen, wahrgenommen 
worden. (Mitzopulos in Petermauns geogr. Mitteilungen 1896.) Die von Cvijic 
beobachtete Schiefstellung der Poljen gehört wohl offenbar ebenfalls iu dieses Kapitel. 



[41] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



12f> 



Bald hinter Sakatit Hau wird, indem der Weg aufwärts steigt, 
diese hochinteressante Terrasse verlassen. Eine Weile kann man noch 
Diorit erkennen, bald führt jedoch ein kurzer Hohlweg durch eine 
kleine in Diorit eingeklemmte, sehr gestörte und gefaltete Scholle 
von rotem bis rotbraunem, stark kieselhaltigem Schiefer. Von Sujaj 
bis Fleti und weiterhin bis jenseits der Öafa Malit ist, wie schon 
Grisebach und Boue erwähnen, nur zum Teil stark verwitterter 
Diorit zu erkennen. Auch der Südhang dieses Passes besteht noch 
eine Weile aus Diorit, darauf trifft man aber bald auf grellrote und 
grasgrüne, anfangs von Dioritgängen durchsetzte Hornsteinschiefer, 
die weiterhin gegen Brdeti auch braune Farbe zeigen. Sie sind in 
ungefähr fingerdicke Lagen geschiefert, zeigen nur an einigen wenigen 
Stellen etwas tonschieferartigen Charakter (ohne jedoch wirkliche Ton- 
schiefer zu bilden), sind sehr stark gefaltet und zeigen bald nördliches, 
bald südliches Fallen, im allgemeinen scheint das nördliche Fallen 

Fig. 19. 




Serpentiulandschaft bei Gamsice. 



zu dominieren. Als Fallwinkel könnten abwechselnd alle Winkel von 
15—90° abgelesen werden. Eine gute Beschreibung dieser Schiefer 
wurde seinerzeit von Grisebach gegeben. 

In der Gegend Fusa Arsit traf ich wieder Diorit und nach Boue 
wäre zwischen Puka und Hau Raps noch ein Jaspisschiefervorkommen 
zu erkennen. Letzteres ist jedoch, wie es scheint, meiner Aufmerk- 
samkeit entgangen. 

Zwischen Puka und Cereti konnte ich in einer Höhe von zirka 
500 m neuerdings feinkörnige fluviatile Schotter konstatieren, die 
hier mit 60° nach Südost fallende Jaspisschiefer überlagern. 

Weit im Südosten von Cereti, ungefähr bei Kcira, waren Kalk- 
felsen zu erblicken und im Cereti-Bache konnte ich ebenfalls Kalk- 
gerölle finden, weshalb man annehmen muß, daß die nördlich des 
Drin vorkommenden Kalkmassen stellenweise bis an die Wasserscheide 
der Trebuni-Berge (Mali Trebunit) reichen. 



126 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[42] 



Westlich von Darza bis zur Kirche Jak Mate (Fig. 19) war auf 
dem elenden Wege nur Serpentin zu erblicken, der hier überall 
steile, aber gerundete Bergformen bildet, dann kamen zirka 1 hm 
westlich der Kirche Schiefer zum Vorschein, die ich als^„ Paläozoikum" 
notierte, die aber, da Boue von da Jaspisschiefer anführt, vielleicht 
auch zur Schieferhornsteinformation gehören. 

Wo der Weg das Gamsice-Tal verläßt, um über einen niedrigen 
Sattel direkt nach Laci zu gelangen, da erblickt man weiche grane 
Tone, Mergel und Sandsteine, die, vollkommen von allen auf der bis- 
herigen Route beschriebenen verschieden, ganz an Wienerwaldflysch 
erinnern; darauf folgt ein Kalkrücken, aus dem Boue Nerineen 
anführt und nachdem dieser überschritten ist, lassen sich die Alluvien 
der Skutari-Ebene erkennen. Beiliegende Skizze (Fig. 20) bringt diese 
Gegend, wo der Küstenkalk das Felsentor von Vaudenjs bildet, gut 

Fig. 20. 




Di-inmünduiig bei Vaudenjs. 

5 = Serpentin. — F == Flyscbgesteine. — Ä = Nerineenführende Kalke. 
All. = Alluvien der Skutariebene. 



zur Geltung. — Die kleinen, zwischen Vaudenjs und Skutari bei Asti 
und Bacelik aus den Alluvien emporragenden Hügel werden aus Flysch- 
gestein gebildet und bei Skutari läßt sich endlich der Triaskalk des 
Rozafa-Berges erblicken. 

Auf das Alter des Grünsteinlandes sowie über seine Ausdehnung 
soll in den folgenden Absätzen näher eingegangen werden. 

Von allgemeinem Interesse scheint es mir jedoch zu sein, daß 
sich die kleinen aus Kreide, Eocän und Miocän bestehenden Hügel 
der Niederung von Skutari zu den Alluvien dieser Ebene genau so 
verhalten, wie die von Mrazec aus Rumänien beschriebenen oligocäuen 
Klippen zu deren sarmatischer Decke, und ich glaube daher, daß 
wir in den kleinen Sku tarin er Hügeln nichts anderes 
als rezente „Klippen" zu erblicken haben. Ein Empor- 
wölben und eine Faltung der Skutariner Alluvien würde allein voll- 



[43] Zur Geologie von Nordalbanien. 127 

kommen genügen, um alle die Erscheinungen hervorzurufen, die wir 
aus den Karpathen kennen, und so wie am Außenrande der Karpathen 
könnte man dann am Außenrande der dinarischen Züge von Rijeka 
in Montenegro bis Berat in Albanien, ja vielleicht noch weiterhin 
eine Klippenzone konstatieren. 



II. Bisherige Daten zur Geologie Nordalbaniens. 

Außer den bereits erwähnten geologischen Angaben sind über 
die geologischen Verhältnisse des ehemaligen Sandzak Novibazar und 
Nordalbaniens nur noch folgende Angaben veröffentlicht worden: 

I. Novibazar. 

Südlich des Metalka-Sattels dichter weißer Kalk mit zahlreichen 
Fossilien bis Han Gvozd. Hier ein Aufschluß von paläozoischen (?) 
Schiefern, darauf wieder Kalk bis Plevlje. Bittner erwähnt zwischen 
Boljane und Jezero Han rote Werfener Schiefer, bei Jezero Han Jaspis- 
schiefer, grellgrüne Pietra verde und diabasartiges Gestein. Selbst 
konnte ich Jaspisschiefer 2 km östlich der Militärstation Gotovusa 
erkennen. Plevlje ist in einer Mulde gelegen, in der sich über weißen, 
mächtigen Lignit führenden Mergeln zwei diluviale Terrassen erkennen 
lassen. Durch den Lignitgehalt kann man die Mergel auf Grund von 
Grimm er s Karte über die Kohlenvorkommen Bosniens als gerad- 
linige Fortsetzung der im dinarischen Streichen gelegenen Kohlenvor- 
kommnisse von Prijedor, Banjaluka, Kotor, Zenica, Sarajewo betrachten. 

Gegen Podgostec lassen sich Phyllite, Tonschiefer, Sandsteine 
und schwarze Kiesel enthaltende braune Konglomerate erkennen. 
Letztere erinnern stark an gleiche Bildungen, die sich in Bosnien an 
der Rakite-Brücke südlich des Karolinen-Sattels auf der Chaussee 
Sarajewo— Gorazda finden. Aus den Mergeln von Plevlje sind von 
Bittner Planorben und Congerien(V) angeführt worden und gleiche 
Ablagerungen sind von Bijelobrdo südöstlich Visegrad in Bosnien 
bekannt geworden. 

Von Plevlje gegen Prijepolje stehen zuerst bis Trlce Han Trias- 
kalke an, darauf auf der Wegabkürzung in 1000 m Höhe schwarze 
und rote Hornsteinschiefer. Wo wieder die Chaussee betreten wird, 
ist neuerdings Kalk, am Anstiege auf die Mihajlovic Planina neuerdings 
Schiefer und Hornstein anzutreffen. Letzterer laßt sich bis zum Ab- 
stiege nach Jabuka verfolgen. Gegen Süden scheint dieser Schiefer- 
komplex, der zum Teil auch Konglomerate enthält, bis Vijenac zu 
reichen, nach Norden dürfte er mit dem in der Fortsetzung seines 
Streichens gelegenen Schiefervorkommen bei Gotovusa zusammen- 
hängen. Bei Jabuka treten neuerdings Kalke, darauf diabasartige, 
grüne bis violette Eruptivgesteine zutage. Weiterhin läßt sich bis 
Sudrup Triaskalk nachweisen und von da bis Prijepolje sind schwarze, 
mit Quarzadern durchsetzte, stark gefältelte Phyllite erschlossen. Bei 



128 Dr. Franz Baron Nopcsa. [44] 

Prijpolje sind unten im Lim-Tale diabasartige Gesteine vorhanden, die 
Höhen werden von Kalkbildungen gekrönt. 

Am Wege zwischen Priboj und Prijpolje sind bei Priboj Gabbros 
und dunkle Serpentine, ferner rote Jaspisschiefer vorhanden. Bei 
Banja stehen paläozoische Schiefer an. In der Nähe der Bistrica- 
Mündung sind wieder Jaspisschiefer, am Sokolac Hornblendgesteine 
vorhanden. Bei Prijpolje selbst werden von Boue und Bittner 
Jaspisschiefer erwähnt. 

Zwischen Plevlje und Nefatara an der montenegrinischen Grenze 
kommen bei Vrnagora Gabbro und rotgraue Sandsteine, bei Glibaci 
und Glibackopolje Jaspisschiefer und graue Steinmergel (Kreide?) 
vor. Von Berkovic sind rote und grüne Schiefer bekannt geworden. 
Zwischen Prijepolje und Sjenica wird von Götz von der nördlichen 
Seite des Miloseva-Tales graubrauner, zum Teil geschieferter Kalk, 
von Boue Kreidekalk erwähnt. Weiter im Südosten findet Boue 
NNW — SSO-streichende Jaspisschiefer mit Serpentin und flyschartigen 
Gesteinen, zwischen Berane und Plevlje hat der Lim nach est- 
reich das „Grundgebirge" erschlossen und etwas nördlich Berane 
ist das Flußbett noch in dem Kalke (Trias?) gelegen. Bei Berane 
sind jungtertiäre Flußablagerungen vorhanden. Nach Boue soll sich 
bei Sjenica ein Süßwasserdepot mit charahaltigen, kieseligen Kalk- 
lagen vorfinden. Zwischen Sjenica und Novibazar verquert man nach 
Götz zuerst Konglomeratsandstein (Verrucano?) bis zum Bache 
Stablje (Stavalj). Im Prekostavlia-Bache (Stablje-Tale?) ist Boue 
zufolge Rudistenkreide vorhanden. Kreidekalk ist auch bei Dugo- 
poljana und weiter im Süden bei Glogovik (westlich Novibazar) ver- 
treten und an beiden Orten sind auch durch Boue Süßwasser- 
ablagerungen in zirka 700 m Meereshöhe bekannt geworden. Bei 
Dugopoljana konnte Boue trachytische Eruptivgesteine konstatieren. 
Im Ljudiska-Tale scheint Flysch vorzukommen, der angeblich die 
Gosaubildungen überlagert. — Zwischen Novibazar und Raska sind 
Serpentine, Tonschiefer und Kalke in bunter Wechsellagerung vor- 
handen, die der Schieferhornsteinformation zu entsprechen scheinen, 
und zwischen Rozaj und Sjenica wird ein Karstplateau erwähnt, in 
(respektive wohl unter) dem nach Boue nördlich von Rozaj und bei 
Uglo (Urglo) rote Werfener (?) Schiefer erscheinen sollen. Da auf 
beiliegender Kartenskizze Werfener Schiefer und Paläozoikum nicht 
getrennt wurden, sind diese Vorkommen ebenfalls als Paläozoikum 
ausgeschieden worden. Wiederholt ist die Strecke Novibazar — Mitro- 
vica beschrieben worden. Götz erwähnt, daß südlich von Novibazar 
Kalk, von Krsan Han bis Mitrovica jedoch Serpentin auftritt. Nach 
Oestreich wäre bei Brgjani Han, südöstlich Novibazar und Josevik 
Han, nordwestlich Mitrovica, flyschartiger, rötlicher Schiefer, inzwischen 
aber Serpentin zu erkennen. Zwischen Banjska und Mitrovica ist nach 
Cvijic Serpentin und Chromeisen enthaltender Flysch vorhanden. 
Endlich trifft man von Novibazar nach Ribaric nach Viquesn el bei 
Josanic Kreidekalk, dann Phyllit, weiterhin flyschartigen, auf der 
Wasserscheide von Kalkkappen überlagerten Schiefer. Dieser läßt 
sich bis in das Ibar-Tal konstatieren. Er wurde von Boue mit dem 
Werfener (?) Schiefer von Rozaj identifiziert und zwischen Ribaric und 



[45] Zur Geologie von Nordallianien. 129 

Mitrovica fand estreich bei Vinarce grellrote Schiefer, die er 
ebenfalls als Werfener Schiefer ansprach. Der trachytische Zve5an 
bei Mitrovica bildet nach Cvijic, Zujovic und anderen den Anfang 
jenes Zuges von eruptiven Gesteinen, der sich längs des Ibar nach 
Raska und nach Serbien hineinzieht. 



2. Nördlichstes Albanien. 

Von Ipek nach Rozaj trifft man nach estreich und Boue bei 
Novoselo schwarze Schiefer, dann rote bis grüne oder graue Werfener 
Schiefer, darüber megalodonhaltigen Dachsteinkalk, weiter oben rlysch- 
artige Schiefer, die unter die Zljeb -Kalke zu fallen scheinen; aus 
letzteren sind durch Boue Hippuriten bekannt geworden. Am Abstiege 
nach Rozaj werden wieder Kalke (Trias) verquert; Rozaj selbst liegt, 
wie schon erwähnt wurde, auf Werfener Schiefer. Ein Parallelprofil 
von Ribariö nach Crkolez zeigt nach Viquesnel vorwiegend Ton- 
schiefer und bunte quarzhaltige Konglomerate und Schiefer, die beim 
Cecevo der älteren Karten von dichtem weißen Kalke überlagert 
werden. Bei Istok kann man Triaskalke konstatieren. 

Bei einer Besteigung des Peklen von Decan aus trifft man auf 
dieselben Triaskalke wie bei Istok, darüber findet man die Glieder 
der Schieferhornsteinformation entwickelt, die Spitze des Peklen wird 
aus kompaktem weißen Kalk gebildet (offenbar entspricht dieser dem 
Rudistenkalke des Zljeb). Photographien von Steinmetz läßt sich 
entnehmen, daß Cafa Kolcit und Cafa Merturit aus Kalken bestehen 
und daß gleiche Gesteine die Drin-Schlucht bei Dusmani und Fjerza 
bilden. 

Am Übergange von Rozaj nach Gusinje und von da nach Skutari 
wären nach Viquesnel zuerst rote und gelbe, kieselige Sandsteine 
vorhanden, die westlich Dobrobuk (Buk der Generalkarte V) in Quarzit 
übergehen, die Sattelhöhe vor Rozaj wird von grauschwarzem Kalk 
gebildet (vielleicht entspricht dies den paläozoischen Kalken Ost- 
montenegros), weiterhin ist nach demselben Autor Nord w est bis Süd- 
ost streichender Kalk und Puddingstein sichtbar. Bei Plava und östlich 
hiervon soll talkiger Gneis anstehen (paläozoisch oder gar 
kristallin), der südlich von Gusinje in Kalk übergeht. Die Höhe 
des Gebirges zwischen dem Plava-See und dem Drin wird von Rudisten- 
kalk gebildet, den dann noch weiße Dolomite überlagern. Von diesem 
Sattel lassen sich die Rudistenkalke westwärts bis Skreli und noch 
weiter gegen die Drinebene verfolgen. 



3. Gebiet zwischen der Metohija und dem Kossovopolje. 

Die wenigen beschriebenen Wege, die dieses Gebiet verqueren, 
wurden bereits im ersten Teile dieser Arbeit erörtert, hier wäre 
daher nur die mir gegenüber gemachte mündliche Mitteilung von 
Professor Cvijic zu notieren, daß am Wege zwischen Mitrovica und 
Dresnik „Flysch"gesteine erscheinen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1905, 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 17 



130 Dr - Franz Baron Nopcsa. [46] 

4. Grünsteinland zwischen Djakovo und Alessio. 

Auf dem Wege von Vau Spasit nach Djakovo treten im Gruna-Tale 
bis zur Sattelhöhe Diorite und Serpentine zutage, die Wasserscheide 
wird durch ein Plateau gebildet, das obere Hasi-Tal wird zu beiden 
Seiten von Kreidekalken (Boue nennt die Bastrikkalke noch „Dach- 
steinkalk") umgeben, der Weg selbst führt aber fast bis nach Djakovo 
über Diorit, Serpentin und rote Jaspisschiefer, welche, wie Boue 
sich ausdrückt, auf diese Weise eine bedeutende Terrainbreite vom 
Drin bis Djakovo zwischen den „Dachsteinkalkbergen" (rekte Rudisten- 
kalkbergen) „einnehmen". 

Der Drin scheint seinen Lauf meistens an der Grenze zwischen 
Kalk- und Schieferbergen zu haben, nur zwischen Dusmani und Fjerza 
scheint er nach Hahns Beobachtung und Steinmetz seiner Photo- 
graphie ausschließlich in Kreidekalk zu fließen. Am Wege von Vaudenjs 
nach Orosi sind bis knapp vor Orosi vorwiegend Serpentine zu er- 
kennen. Kalk (offenbar Kreide) läßt sich erst knapp vor Orosi kon- 
statieren und scheint sich in das Gebiet von Lurja zu erstrecken, 
wenigstens ist nach Boue das untere Lurja-Tal in „Dachsteinkalk" 
gelegen, ebenso ist die Enge Ura Djalit durch Flözkalk geschnitten 
und nach Hahns Beobachtung läßt sich am linken Ufer des Schwarzen 
Drin vorwiegend Flözkalk, am rechten hingegen Schiefergesteine 
erkennen. Durch Grisebachs Notiz, daß im „Sar" bei Dibra 
Bleiglanz vorkommt, wird dieses bestätigt, da es hauptsächlich die 
paläozoischen Schiefer sind, welche in Bosnien die mannigfachsten 
Erze liefern. Die isolierten Berge Mnela östlich Orosi sowie die 
Mali Senjt werden nach Photographien ebenfalls aus geschiefertem 
Kalke (Kreidekalk) gebildet (Steinmetz). So ist ungefähr durch 
den Schwarzen Drin die östliche Grenze des Grünsteinlandes gegeben. 
Nach Süden und Südwesten scheint es sich ins Mati-Tal nach Sapusare, 
ferner bis nach Elbassan und noch weiter gegen Süden zu erstrecken. 
In der geographischen Breite von Elbassan scheint sich die serpentin- 
führende Schieferhornsteinformation, nach einer Notiz von Cvijic 
zu schließen, bis an das Westufer des Ohrida-Sees zu erstrecken. 
Die Adria hingegen scheint das Grünsteinland nirgends zu erreichen, 
da sich überall die aus Eocänflysch, Nummulitenkalk und Kreidekalk (?) 
bestehenden Küstenketten zwischen die Schieferhornsteinformation 
und die Meeresküste schieben. 

Nummuliten und Kreidekalke sind durch Boue von Berat und 
dem Bergzuge Ora, ferner von Gabar Balkan bei Elbassan und von 
Lus Hau bekannt geworden, bei Alessio und Valona sind nach dem- 
selben Autor Mte. Bolca-Fische anzutreffen und zwischen Skutari und 
Durazzo wurde auf Nummulitenkalk aufgelagerter Leithakalk gefunden. 
Inkey hebt hervor, daß Alessio auf weißem Kalke gebaut ist, während 
die Höhen von Durazzo ausschließlich aus Tertiär bestehen. 1865 
erwähnt Boue ausdrücklich, daß Flysch nur im nördlichen küsten- 
nahen Teile (Albanie maritime septentrionale) vorkommt. „Ce n' est 
que sur la cöte maritime de l'Albanie", sagt er an einer Stelle, 
„qu' on retrouve la craie inferieur de l'Europe"; und ein anderesmal 
wieder: „Überhaupt wird die ganze niedere Seekette von Durazzo 



[47] Zur Geologie von Nordalbanien. i;;i 

bis Alessio größtenteils zum Eocän gehören." Die große inner- 
albanesische Flysch- und Kreideformation hat daher 
auf diese Weise von den Karten zu verschwinden. 

Mehrere, leider zum Teil jedoch ungenaue Angaben über das 
Innere von Albanien wurden im Jahre 1844 von Dr. J. Müller ge- 
geben. Da diese Schrift ziemlich schwer zugänglich ist, halte ich es 
für angezeigt, daraus kritiklos einige Angaben zu reproduzieren. Der 
Zljeb? besteht nach Müller aus Granit und ebenso wird Granit zwei 
Stunden südlich von Djakovo unweit der Fsajt-Brücke gebrochen (zirka 
die Stelle, wo Oestreich Rudistenkalk vorfand). In Nordmiridita 
soll das Cafa-Gebirge (wohl Cafa Malit) aus Dioritschiefer und Serpentin 
bestehen, das südliche Cafa-Gebirge wird angeblich aus rotem Sand- 
stein und Gipsmergel gebildet. Die Stadt Oberdibra ist auf einem 
Kalkfelsen gelegen. Der Kern des Miriditen- und Dibra-Gebirges wird 
jedoch aus Glimmerschiefer und Chloritschiefer aufgebaut. Interessant 
ist, daß Müller auf seiner Karte die erst von Steinmetz wieder 
hervorgehobene Mnela als den kulminierenden Punkt des Lurja- 
Gebietes zeichnet. 

5. Das zwischen Drin und Tetovo gelegene Gebiet. 

Der von Prizren gegen Südwest verlaufende Weiße Drin und der 
Schwarze Drin bis an die Einmündung der Cajlana einerseits, die 
Tetovo-Niederung anderseits begrenzen ein Gebiet, das sogar geo- 
graphisch nur in seinem nördlichen Teile bekannt, hier einen äußerst 
unregelmäßigen Bau aufweist und, wie schon im er sten Teile erwähnt 
wurde, aus zwei, manchmal durch Querriegel verbundenen Höhenzug en 
besteht. Als nordwestlicher Zug lassen sich Gjalica, Koritnik, Cviljen 
und der Hodza Balkan bis zum Dumlak zusammenfassen, der südliche 
Zug wird vom eigentlichen Sargebirge gebildet. Das wenige, was über 
die Bergriesen dieses Komplexes bekannt ist, wurde bereits gesagt 
und so wäre hier denn nur noch zu erwähnen, daß nach Boue auch 
Gjalica und Koritnik aus „Dachsteinkalk" (Kreide?) bestehen. In 
welchem Verhältnisse aber die Cviljenkalke zu den Bastrikkalken 
stehen, ob sie diese unterteufen oder, was mir wahrscheinlicher er- 
scheint, längs eines Bruchrandes berühren, das konnte bis jetzt noch 
absolut nicht entschieden werden. 

6. Weitere Angaben. 

Außer den erwähnten Angaben konnte ich folgende, zum Teil 
von Laien stammende, nicht publizierte Daten erhalten: 

1. Nördlich von Tirana befindet sich ein ausgedehntes ver- 
karstetes Gebiet. 

2. Bei NerfuSa soll Steinkohle (wohl jungtertiärer Lignit) zu- 
tage treten. 

3. Östlich der Mali Kalmetit, an deren Nord- und Südende mir 
Angaben über das Vorkommen von Massenkalk gemacht wurden, ist 
ein „rötliches Schichtgestein* zu erkennen und bei Delbinist, südlich 
Alessio, soll sich dieses Gestein an eine schmale Flyschzone und 

17* 



132 Vr. Fianz Baron Nopcsa. [48] 

dieser wieder an Kalk schmiegen. Dieselbe Anordnung soll auch nächst 
der „rötli chen Felswand" von Kroja vorkommen. Ich vermute, 
daß wir es hier, da das „rötliche Schichtgestein" felsbildend 
auftritt, mit Jaspisschiefer, Eocänflysch und Kreidekalk zu tun haben. 
Es würde sich auf diese Weise das von Vandenjs bekannte Profil 
einfach bis nach Kroja verfolgen lassen und die Westgrenze des Grün- 
steinlandes, respektive die Ostgrenze der Küstenketten bezeichnen. 

4. Im Gebiete Ochrida de Mati (kirchliche Bezeichnung für das 
Hochlandgebiet des Erzbistums Durazzo) Ton, brüchiger Schiefer, 
Steinkohle, verschiedene Erze, speziell Steinkohle bei „Mali Dalti" 
und „Here". 

5. Die ganze zwischen dem Drin und der montenegrinischen 
Grenze gelegene Gegend besteht aus hellem, oft sehr deutlich ge- 
schichtetem Kalke, so: 

a) das Tal Boga bei Skreli* 

b) Cafa Sahatic 

c) Nikaj-Tal bei Ljum i zi und am Sala-Fluß* 

d) Smutirog 

e) der Korn 

/) der obere Teil des auf der Spezialkarte von Montenegro 

eingezeichneten Tales Limbarja 
g) die Mojan-Alpe 

h) die zwischen Gruda und Suka Gruds gelegene' Gegend* 
i) die Gegend bei der Pfarre Trabojna 
h) Cem Selce 
l) die Schlucht des Cem* 
m) die Selce-Gegend 

n) die Grenze zwischen Öafa Stogut und Boga Skreli 
o) der Aufstieg auf die Cafa Sosit 
p) der obere Teil von Kastrati 
q) die Mokra bei Merturit 
r) das Drintal bei Guri Merturit 
s) die Umgebung des von Boue erwähnten Alpensees Liceni 

Gstars*. 

6. In dem zwischen Ohrida Elbassan und dem südlichen Drin- 
Ufer gelegenen Gebiete herrschen gerundete Hügelformen vor. Kalk- 
berge sind selten. Als Orte, wo Kalk vorkommt, sind zu bezeichnen : 

a) der Berg bei Kroja* 

b) eine kleine Stelle westlich der Mündung des Rubigo-Baches 
in die Fani (bei Bulgari) 

c) das Hochplateau Mali Senjt bei Orosi 

d) talaufwärts des Ortes Orosi werden die überragenden Höhen 
aus Kalk gebildet, talabwärts trifft man auf weicheren Schiefer 

«) die bischöfliche Residenz in Orosi steht auf Kalk 

f) Mali Senjt und Mali Selbünit besteht ebenfalls aus Kalk 



* An den mit einem Sterne (*) bezeichneten Lokalitäten ist eine ausge- 
zeichnete Schichtung des Kalkes zu erkennen. 



[49] Zur Geologie von Nordalbanien. 133 

g) die bei Lurja als Guli kuc beschriebene Gegend 

h) beim Kloster Prozromos am Devol 

i) bei Zrkjan läßt sich auf Schieferterrain mit gerundeten 

Formen eine Kalkdecke erkennen 
k) Kalk kommt ferner vor nördlich Ljabinoti siperme 
l) westlich Nesta 
m) an den Quellen der Mati, südöstlich von Istivic, woselbst er 

ein größeres Gebiet einnimmt 
n) südwestlich von Grajke 

0) bei Dibra 

p) am schwarzen Drin westlich Lukova. 

7. Den Charakter eines aus Schiefern und aus anderer, zu 
gerundeter Bergform verwitternden Materie aufgebauten, zum Teil 
bewaldeten Mittelgebirges zeigen besonders folgende Gegenden: 

a) Kalmeti 

b) die Gegend bei Bulgari 

c) die Landschaft Matja (niedere gerundete Hügel) 

d) Fani-Tal bei Reseni 

e) der Arsen-Bach (hier kommt jedoch auch Felsenbildung vor) 
/) die nordwestlich Perlataj gelegene Gegend 

g) die Mali Seiita 

h) Seiita siperme, die Gegend bei der Kula Matjes 
i) Teile der südlich Guli kuc gelegenen Gegend Lurja 
k) Vockop, nordwestlich von Korica 

1) Kamia (wo auch Konglomeratschichten vorkommen) 

m) die Gegend, wo der Tomor in den Devol mündet (weiche 

Schiefer) 
n) die Gegend bei Driza am Devol 

o) ebenso sind Schiefer in der Gegend des Devol-Knies vorhanden 
p) endlich nordöstlich von Elbassan, zwischen Ljabinoti siperme 

und Orhenja 
q) Cafa Luzjas (westlich Djakovo). 

Obzwar nur äußerst vag und geologisch wenig verwertbar, glaubte 
ich doch obige Angaben vollinhaltlich wiedergeben zu müssen und 
dies deshalb, weil die Kalkvorkommen absolut sichergestellt sind, 
die Gegend sonst total unbekannt ist und es absolut ungewiß ist, 
wann wir über diese Gebiete bessere geologische Daten bekommen. 
Wie ich diese Kalkvorkommen, die in der Regel die höchsten Berg- 
gipfel bilden, deute, ist aus der geologischen Karte zu entnehmen. 
Zu dieser allerdings problematischen Deutung fühle ich mich nämlich 
hauptsächlich durch Steinmetz' Photographie der Mnela, meine 
Beobachtungen am Bastrik und durch Vergleiche von Photographien 
von Orosi mit der Topographie der dortigen Gegenden bewogen. 



134 D r - Franz Baron Nopcsa. [50] 

III. Zusammenfassung. 

(Hierzu die geologische Übersichtskarte Tafel IV.) 

Als tiefstes Glied ließen sich, wie aus beiden vorigen Abschnitten 
hervorgeht, kristalline Schiefer der oberen Gruppe: Phyllite, quarzitische 
Schiefer und Grünschiefer konstatieren. Auf diese folgen die Prizren- 
schiefer, die weniger Metamorphose zeigen, und ein noch höheres 
Glied wird durch die Kalktone der Crnoljevaberge gebildet. Die 
Stellung der bunten Schiefer von Vesal läßt sich noch nicht ganz 
fixieren; in Anbetracht dessen aber, daß im Jezerce — Budakova-Profil 
zwischen den kristallinen Schiefern und den Prizrenschiefern rote bis 
grüne Sericitschiefer sichtbar waren, daß ferner die bunten Schiefer 
von Vesal stärkere Metamorphose zeigen als die Prizren- oder Crno- 
ljevaschiefer, glaube ich, daß sie zwischen die obersten kristallinen 
Schiefer und die Prizrenschiefer gehören. 

Auf die Gruppe alter, jedoch wenig metamorpher Schiefer, die 
sich so wie in Bosnien und Montenegro auch bei Prizren durch das 
Vorkommen von Quarzporphyr auszeichnet, lagern bei Prizren rote 
bis weiße massige Kalke unbekannten Alters. Leider gelang es mir 
vorläufig nirgends selbst das Verhältnis der Cviljenkalke zu dem 
nächst höheren Gliede, zu den Hornsteinschiefern und den sie be- 
gleitenden Serpentinen, zu konstatieren und so sind wir denn bei 
der Altersbestimmung dieser Bildungen nur darauf angewiesen, daß ich 
bei Brut die Jaspisschiefer und Serpentine unter dem Rudistenkalke 
vorfand, und darauf, was andere Geologen aus den angrenzenden 
Gebieten berichten. 

Da die Hornsteinschiefer und die sie begleitenden Gesteine in 
unserem Gebiete eine ganz hervorragende Rolle spielen, ist es trotz 
der wenigen stratigraphischen Anhaltspunkte unerläßlich, sie eingehend 
zu erörtern. 

Stellung der Jaspis und Serpentin führenden flyschartigen Schiefer. 

Serpentin und Jaspisschiefer sind vor allem von Priboj aus der 
Gegend zwischen Mitrovica und Novibazar bekannt geworden. Aus 
dem Ibar-Tale von Mitrovica nach Rudnica wird vonBoue von SSW 
nach NNO nacheinander angeführt: 

1. Kompakter Kohlenkalk (Fallen 10. weiße und gelbe Kalkbreccie 
SO <45°) 11. gebrannter Schiefer (Streichen 

2. Tonschichte NS) 

3. Serpentinbreccie 12. Anthracitschiefer 

4. geschichteter echter grauer 13. gelber Sandstein 
und roter Kalk (Fallen SW) 14. Serpentinbreccie 

5. Serpentin 15. Schiefer 

6. rote und gelbe Schiefer 16. grauer und roter Kalk 

7. gehärteter Schiefer 17. amphibolitische Breccie 

8. Euphoditbreccie 18. Euphodit 

9. Schiefer 19. gebrannter Schiefer 



[51] ^" r Geologie von Nordalbanien. 135 

20. Kalkbreccie 26. gebraunte Schiefer 

21. feldspatige, respektive schal- 27. Schiefer und graue Sandsteine 
steinartige Breccie (wechsellagernd) 

22. Sandstein 28. geschichteter grauer Kalk 

23. roter gebrannter Schiefer 29. Schiefer 

24. grüne glänzende Schiefer 30. Sandstein 

25. Schalstein 31. grauer kristalliner Kalk 

Zwischen Mitrovica und ßanjska tritt nach Cvijic Serpentin 
und Chromeisenerz enthaltender „Flysch" zutage, bei Pristina 
werden Tonschiefer und Jaspisschiefer, bei Janjevo nach Hof mann 
mächtige Serpentinstöcke getroffen, hei Stradza läßt sich wieder nach 
Cvijic der Serpentin im Schieferton und Sandstein, aber auch in 
einem dichten bläulichen Kalke konstatieren. Von dem südlich des 
Sar, zwischen Vardar und Lepenac gelegenem Mittelgebirge erwähnt 
Oestreich nach NNO bis NO fallende Schiefer und feine Kon- 
glomerate, über denen Kalke und Chromeisenerz führende Serpentine 
liegen. Nach Cvijic würden diese serpentinhaltigen Schiefer gegen 
Osten an eine Bruchlinie stoßen. So können wir in Albanien eine 
Schiefergruppe konstatieren, in der massenhaft Serpentinvorkommen 
erscheinen. Aber aus keiner der bisher zitierten Beschreibungen läßt 
sich das Liegende oder das Hangende dieser Schieferformation ent- 
nehmen. 

Der Peklenabhang bei Decan bietet das einzige Profil, wo unten 
rote und gelbe Triaskalke, darauf rötliche Schiefer und Konglomerate, 
zu oberst Rudistenkalke liegen. Leider scheinen aber hier in der 
Schieferlage Jaspise und Serpentine (wenn auch vielleicht nur lokal) 
zu fehlen. 

So sind wir denn bei der Altersbestimmung der albanesischen 
serpentinhaltigen Schiefer völlig auf die Arbeiten P h i 1 i p p s o n s, 
Tietzes und Katzers, Fuchs' Notiz über die Insel Euböa und 
auf Renz seine Notizen gewiesen. Da sich die Serpentinschiefer- 
formation des Drin bis an den Ohrida-See verfolgen läßt und nicht 
weit südlich davon von Philip pson vollkommen gleiche Bildungen 
beschrieben werden, anderseits die serpentinhaltigen Schiefer zwischen 
Kacanik, Mitrovica und Novibazar mit den Serpentinen und Jaspis- 
schiefern des östlichen Bosniens zusammenzuhängen scheinen, glaube 
ich vor allem ihre Gleichaltrigkeit mit den griechischen und bosnischen 
Vorkommen annehmen zu dürfen und dies um so mehr, als ganz 
ungeheure Massen von Serpentin alle diese drei im selben Falten- 
systeme liegende Regionen charakterisieren. 

Das angeblich nachneokome Serpentinvorkommen, das Abel 
aus dem Flysch des Tullner Beckens beschreibt, glaube ich wegen 
seiner sehr weit abseits gelegenen Stellung unberücksichtigt lassen 
zu müssen 1 ). Über den serpentinführenden Flysch Nordostbosniens 
sagt K atz er in seiner die geologischen Kenntnisse Bosniens zusammen- 
fassenden Arbeit, daß der Malm mit der Serpentinzone des älteren 
Flysches in Verbindung steht und daß das Tithon auf den Gesteinen 



') 0. Abel. Jahrb. d. k. k. geol. R.-Ä. Uli. Band, pag. 108. 



136 Dr. Franz Baron Nopcsa. [52] 

der älteren Flyschserie aufliegt. Im geologischen Führer durch Bosnien 
werden die serpentinhaltigen Flyschschiefer auf pag. 19, 26 und 
99 — 106 noch einmal besprochen. 

Auf pag. 19 des letztgenannten Werkes steht folgendes zu 
lesen: „. . . Hier (bei Olovo) werden die (nach einer vorläufigen Be- 
stimmung A. Bittners) anscheinend der karnischen Stufe angehörigen, 
ziemlich fossilreichen, hellen Kalke von einer mächtigen Gesteinsreihe 
unterlagert, bestehen aus Tuffiten, Tuffsandsteinen, Jaspisen u. dgl., 
welche mit diabasischen und melaphyrischen Eruptivgesteinen und 
Serpentin im Verbände stehen. Sie werden von Kalksteinen der 
Muschelkalkserie unterlagert und entsprechen somit annähernd den 
Wengener Schichten Diese Entwicklung des Trias kehrt in Bos- 
nien auch an anderen Orten wieder." Auf pag. 26 wird die Möglichkeit 
betont, daß andere Teile der Serpentine enthaltenden Flyschschiefer 
zur Kreideformation gehören. In der Gegend südlich von Kladanj 
tritt nämlich ein fossilreicher Kreidezug von grobklastischem Habitus, 
der sich gegen Süden an Serpentine, Gabbros, Diabase und Tuffite 
anschließt, die „älter als kretazisch sind und mindestens dem Jura 
angehören. Im Gegensatze zu diesen gewiß nicht kretazischen Tuffen 
und Eruptivgesteinen „muß man jedoch die petrographisch gleichen 
Gesteine Nordbosniens doch so lange zur Kreide zählen, als für die 
mit ihnen engstens verknüpften Sedimente ein anderes Alter nicht 
erwiesen wird. Leider haben die Schichtgesteine bisher keine ent- 
scheidenden Petrefakten geliefert; aber es muß bemerkt werden, daß 
die wenigen, namentlich in den Mergeln und "Sandsteinen gefundenen 
Reste, insbesondere die Fucoiden etc., wirklich auf Kreide zu deuten 
scheinen". Ausführlich wird in der erwähnten Arbeit ferner das Vor- 
kommen von Tuffiten, Jaspisschiefern etc. bei Doboj beschrieben 
und sein voreocänes Alter festgestellt. Kittl meint in der Um- 
gebung von Sarajewo die flyschähnlichen jaspishaltigen Schiefer als 
Jurakreide fixieren, aber auch ein triasisches Jaspisniveau erkennen 
zu können. Über die montenegrinischen Jaspisschiefer, die Tietze 
als Werfener Schiefer erwähnt und die vielleicht eine nördliche Fort- 
setzung der gleichen Bildungen des Miriditenlandes sind, ist weiter 
relativ wenig bekannt geworden und Bukowski hat erwähnt, daß 
gleiche Hornsteine in Süddalmatien das Niveau des Muschelkalkes 
charakterisieren. Vinassa de Regny scheidet auf seiner geologischen 
Karte der betreffenden Gegend eine Formation aus, die er als „paläo- 
zoische Schiefer (zum Teil Eocänfly seh)" bezeichnet. Auch 
über diese sonderliche Nomenklatur geben Bukowskis Arbeiten 
Aufschluß, da aus ihnen hervorgeht, daß der Werfener Schiefer oft 
Flyschcharakter anfweist. Betont soll hier werden, daß in 
den nummulitenführenden eoeänen Kalken und Flysch- 
gesteinen der dalmatinischen Küste Serpentine und 
Jaspisschiefer vollkommen fehlen. 

1895 unterscheidet Philippson in einer gegen Hilber 
gerichteten polemischen Arbeit in Nordgriechenland von oben 
nach unten: 

Nummulitenführenden Eocänflych, eoeän-kretazische Pinduskalke, 
Glieder der Schieferhornsteinfonnation. 



[53] Zur Geologie von Nordalbanien. i;j7 

Letztere wird als aus Tonschiefer, Sandsteinen, tuffartigen Kon- 
glomeraten, bunten Hornsteinen und Gabbros aufgebaut beschrieben. 
Dieselbe Schichtfolge wird 1897 in seinem Buche über Thessalien 
und Epirus ausführlicher besprochen und es wird unter anderem für 
Epirus und Zygos folgende Gliederung gegeben: 

Epirus Zygos 

obere r ) f oberer Oligocän 

unterer J F ^ sch { unterer 

Plattenkalk mit Hornstein Plattenkalkreste 

Schieferhornsteinformation Rudistenkalk I 

mesozoische Kalke unbest. Serpentin, Schiefer, Hornstein | Krei( ie 



Eocän 



Hornstein 
Liaskalk 



Jura 



Im Comptes rendus des internationalen Geologenkongresses von 
1903 wird diese Klassifikation dahin zusammengefaßt, daß in Griechen- 
land auf helle Liaskalke ein aus Hornstein, Tonschiefer, bunten 
silifizierten Sedimenten und Kalk bestehender Komplex folgt, der bis 
an die untere Grenze des Eocäns reicht. 

Nun liegt aber im Peloponnes die Schieferhornsteinformation 
unter den von Philippson mit den Pinduskalken identifizierten 
Olonoskalken, die Renz durch Fossilfunde als tradisch erkannte, 
wodurch sich das triadische Alter der Serpentine im Peloponnes 
feststellt. Die stärkere Störung, die die Hornsteinschiefer auf Euböa 
der Rudistenkreide gegenüber aufweisen, erinnert an dieselben Ver- 
hältnisse in Dalmatien (Bukowski 1896). 

Ich glaube daher — daß trotz der vollkommen gegenteiligen 
Annahmen Martellis für das östliche Montenegro — der Hornstein- 
formation Albaniens mittel- oder altmesozoisches Alter zukommt und 
glaube, um ihre Differenz von dem von großen Serpentin- 
stöcken freien Flysch der Küstenketten und des 
Wiener Waldes klar zum Ausdrucke zu bringen, für sie 
und für die gleichen Bildungen Bosniens den Namen 
„Flysch" aufgeben und wegen Prioritätsgründen den 
von Philipp son 1895 vorgeschlagenen Nam e n Schiefer- 
hornsteingruppe anwenden zu müssen 1 ). 

Wie sich hierzu die großen Serpentin und Jaspis führenden 
„Flysch"-Gebiete des Apennin, die Martelli mit dem Südosten 
Montenegros vergleicht, verhalten, darauf soll an dieser Stelle ab- 
sichtlich nicht näher eingegangen werden. 

Von nachkretazischer Ablagerung wäre der Eocänkalk bei Dresnik 
noch einmal zu erwähnen, sowie daß die noch jüngeren Ablagerungen, 
etwaige Moränen und fluviatile Schotter ausgenommen, jetzt nur in 
den Einbruchbecken liegen. 



l ) Katzers Bezeichnung Tuffit- und Jaspisschicbten datiert vom Jahre 1903. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905. 55. Band, 1. Heft. (Baron Nopcsa.) 18 



138 D r - Franz Baron Nopcsa. [54] 

Auf diese Weise ließen sich für das nordalbanesische Gebirge 
im großen und ganzen folgende Formationen unterscheiden: 

Kristallinische Schiefer. 

Bunte Schiefer (bei Vesal). 

Untere Tonschieferformation (Paläozoikum, Perm, Werfener 

Schiefer). 
Triaskalk. 

Schieferhornsteinformation (Serpentin-Niveau). 
Rudistenkreide. 

Eocän (Nummulitenkalk und Nummulitenflysch). 
Neogen. 

Durch die Feststellung dieser Reihe war eine Koordination der 
verschiedenen Routenbeschreibungen möglich geworden und so konnte 
denn auch der Versuch riskiert werden, eine geologische Karte des 
besprochenen Gebietes zu konstruieren. Wie wenig Anspruch 
auf Genauigkeit jedoch dieser Versuch machen kann, 
geht wohl am besten aus der Betrachtung der geringen 
Anzahl der geologisch beschriebenen Wege hervor, die 
eben deshalb auf der Karte eigens ausgeschieden wurden. 

In einem Hinweise auf die bisherigen Karten kann 
aber dieser wohl fast zu kühne Versuch vielleicht seine 
beste Begründung und Rechtfertigung finden. Zu er- 
wähnen wäre dabei höchstens noch, daß außer den zuvor beschriebenen 
Strecken vom Verfasser selbst noch die Route Metalka — Plevlje— 
Prijepolje begangen wurde, und Verfasser glaubte recht zu tun, die 
von ihm selbst zurückgelegten Wege durch stärkere Bezeichnung noch 
besonders zu markieren. Für die außerhalb Albaniens und des ehe- 
maligen Sandzaks Novibazar liegenden Gebiete wurden fremde Karten 
zu Rate gezogen, und zwar wurde Makedonien nach Cvivjic' Karte 
von 1903, Ostmontenegro nach Vinassa de Regny (1903), der 
übrige Teil nach der „Carte geologique internationale l'Europe (Berlin, 
D. Reimer) gezeichnet. Es schien mir diese Einzeichnung nötig, 
um damit gar manche Ausscheidungen in Albanien selbst zu moti- 
vieren. 

War es schon nur in allergröbsten Umrissen möglich, die geo- 
logische Karte sowie die Stratigraphie von Nordalbanien zu fixieren, 
so läßt sich dies in noch höherem Maße von der Tektonik sagen, 
denn tektonische Studien ohne stratigraphische Grundlage sind ja 
an und für sich ein verfehltes Unternehmen und es wäre mir daher 
überhaupt nie beigekommen, jetzt schon etwas über die Tektonik 
Nordalbaniens zu publizieren, wenn nicht bereits von Professor Cvijiö 
eine „Die dinarisch-albanesische Scharung" betitelte Arbeit vorliegen 
würde. 

Sich auf einige Angaben Boues und Viquesnels, vermutlich 
aber noch mehr auf die in der Generalkarte niedergelegte Topographie 
der Gegend stützend, hat Professor Cvijic die Behauptung auf- 



[55] Zur Geologie von Nordalbanien. ];;<) 

gestellt, daß sich sämtliche aus Bosnien und Südalbanien kommende 
Faltenzüge, die Küstenketten ausgenommen, im Drin-Gebiete gegen 
Südost, respektive Nordost wenden, sich um die Metochia- Gegend 
schmiegen und so scharen. Zu untersuchen, wie weit sich diese Hypo- 
these mit den bisherigen Originalangaben deckt und wie weit sich ein 
Zusammenhang zwischen unserem Gebiete und weiter im Norden oder 
Süden liegenden Gebieten nachweisen läßt, dies ist noch der Zweck 
der folgenden Zeilen. 

Nach Cvijic wäre zwischen Cattaro und Cetinje ein kulissen- 
artiges Umschwenken der Falten nach Nordost zu konstatieren. Ob 
diesem Nordost-Streichen jedoch mehr als lokale Bedeutung zukommt, 
möchte ich bezweifeln. (Vgl. die geologische Karte in Bukowskis 
Arbeit im Jahrb. derk.k. geol.R.-A. 1901.) Nordöstlich Podgorica, also 
nicht weit von der Gegend, wo Vinass a de Regny NW — SO- 
Streichen einzeichnet, soll nach Cvijic ebenfalls NO — SW- 
Streichen vorherrschen ; ebenso wird am Rosafa-Berge NW-, respektive 
SO-Fallen angegeben und gleiches Streichen soll nach Cvijic die 
ganze nordöstlich von Skutari gelegene Gegend zeigen. Zwischen dem 
Skutari-See und der Adria ist hingegen auch nach Cvijic NW — SO- 
Streichen vorhanden. Im Gegensatze zu Vinassa de Regny, der 
überall in der Gegend des Hum und Kom NW— SO-Streichen ein- 
zeichnet und ganz besonders betont, daß nur das orographische 
Streichen SW — NO-Richtung aufweist, findet Cvijic an der Cijevna 
in Montenegro NW-Fallen. Hasse rt erwähnt zwar (auf pag. 17) für 
die paläozoischen Schiefer des östlichen Montenegros vor- 
wiegend südwestlich-nordöstliches Streichen, nach Tietzes Messungen 
würde sich jedoch daselbst vorwiegend (pag. 13, 14, 15, 17, 19 
seiner geologischen Übersicht von Montenegro) NW — SO- oder N — S- 
Streichen zeigen. 

Das Streichen bei Dresnik (NO — SW) genügt Cvijic, um eine 
ONO — WSW streichende Verbindung quer über Nordalbanien herzu- 
stellen. Daß weiter im Osten überall meridionales Streichen vorherrscht, 
ohne daß sich jedoch irgendein Bruch nachweisen ließe (Viquesnels 
Lapusnikprofil !), daß Viquesnel und estreich ferner überein- 
stimmend aus dem Dreiecke Decan — Rozaj — Gusinje vorwiegend NW— 
SO-Streichen anführen, wird nicht beachtet. Messungen, die scheinbar 
für Cvijic sprechen, liegen vom Viquesnel sehen Übergange Novi- 
bazar — Ipek vor, jedoch wird außerdem auch jedes andere beliebige 
Streichen angeführt und ich konnte auf dem Übergange Ferizovic — Prizren 
vorwiegend NW — SO-, respektive WNW— OSO-Streichen konstatieren. 
Bei Prizren konnte ich vorwiegend NW— SO bis 0— W-Streichen 
finden und so läßt sich auch dieses nicht mit Cvijic' Scharung in 
Einklang bringen. Nur zwischen Prizren und Puka (von wo, nebenbei 
bemerkt, Cvijic, als er seine Hypothese aufstellte, keine Angaben 
vorlagen) konnte ich in einem sehr gestörten Gebiete vorwiegend — W- 
Streichen finden. Am Nordostende des Sar (Ljubeten-Gegend) erwähnten 
Cvijic und Petkovic aus dem Lepenac-Defilee NW — SO-Streichen 
und ebenso von Stradza. Von Ljubeten erwähnt Petkovic vorwiegend 
NO— SW-Streichen, aus der Kobilica-Gegend sind durch Viquesnel 
und mich 0— W-, NW— SO-, NO— SW-Streichen bekannt geworden. 

18* 



140 Dn Franz Baron Nopcsa. [56] 

Am Bastrik ist, Skodza ausgenommen, nirgends NO— SW-Streichen 
vorhanden; auch Boue sagt nur: „chene de calcaire courant de NE 
ä SO". Cvijic und ich konnten nur — W-, respektive NW — SO- 
Streichen konstatieren. Südlich der Kalkandele— Grupsin— Üsküb-Senke 
ist 0— W-Streichen, in der Begova von estreich NW — SO- und 
bei Gostivar endlich NO — SW-Streichen nachgewiesen worden, das 
scheinbar bis in die geographische Breite von Monastir anhält. In der 
Rogozna fanden bisher alle Reisenden zirka NW— SO-Streichen und 
südlich unseres Gebietes zeigt die Galicica wieder NW — SO- 
Streichen. 

Die Verhältnisse zwischen Elbassan — Ohrida- und dem Prizren 
— Skutari-Weg sind bis heute unbekannt, die Küstenketten südlich 
Vaudenjs zeigen jedoch mehr oder weniger regelmäßig NNW— SSO 
tektonisches Streichen. Wie man sieht, ist das Schichtstreichen allent- 
halben sehr verschieden. Aus dem Gesagten ist, wie mir scheint, 
jedoch evident, daß bis jetzt vollgültige Beweise einer solchen tektoni- 
schen (nicht orographischen!) dinarisch-albanesischen Einschwenkung 
der Züge, wie sie Cvijic 1901 auf der dem Sitzungsberichte der 
Wiener Akademie beigefügten Karte abbildet, vollkommen fehlen, ja 
daß sogar die spärlichen, bis dato bekannten Daten zum mindesten 
ebensosehr gegen, als für die Existenz einer solchen Scharung 
angeführt werden könnten. Am besten ist dies übrigens auch aus den 
auf der beigefügten geologischen Kartenskizze eingetragenen Fall- 
winkeln zu entnehmen. 

Die Berufung auf die angebliche Verschiedenheit der petro- 
graphischen und daher auch morphologischen Entwicklung der nörd- 
lichen dinarischen und südlichen albanesischen Züge, die Cvijic 
auch als Argument für die Existenz seiner (von der nach K atz er 
in Bosnien bemerkbaren Scharung verschiedenen) dinarisch-albanesischen 
Scharung anführt, ist schon von Philip pson besprochen und so 
ziemlich entkräftet worden. Ich glaube daher die Hypothese einer 
dinarisch-albanesischen Scharung im Sinne von Cvijic, trotzdem ich 
selbst bei Brut und bei Brdeti — W-Streichen gemessen habe, 
zurückweisen zu müssen, und sehe mich genötigt, unsere sichere 
Kenntnis der Tektonik Inneralbaniens durch ein Ignoramus zu 
charakterisieren. 

Wer es aber schon nicht lassen kann, sich tektonischen Speku- 
lationen hinzugeben, der sei auf folgende von Oestreich und 
K atz er und anderen stammenden Angaben gewiesen. Oestreich 
(1902, pag. 93): „Bei dieser Gelegenheit sei des alten von Grise- 
bach stammenden Vergleiches der makedonisch-thrakischen Urgebirgs- 
masse mit dem französischen Zentralplateau gedacht, wo gleichfalls 
zwei alte Faltungsrichtungen, die armorikanische und variscische, sich 
kreuzen, und alsdann ist es leicht zu verstehen, daß auch hier auf 
so engem Räume zwei Richtungen nebeneinander bestehen können, 
die Nordwest— Südostrichtung der Sar — Begowa- Antiklinale und die 
Südwest — Nordost- oder Westsüdwest— Ostnordostrichtung des Kaimak- 
ealan Vielleicht daß beide Richtungen auf eine größere Strecke 

ineinandergreifen." 

In einem mir zur Verfügung gestellten höchst wertvollen Manu- 



[57] Zur Geologie von Nordalbanieu. 141 

skripte Burger Steins 1 ) über die geologischen Verhältnisse des 
makedonischen Beckens und der albanesischen Küstengebiete (Wien 
1884) wird auf pag. 12 angeführt, daß wir in dem zwischen Vardar 
und Adria gelegenen Gebiete „zwei Hauptrichtungen des Schubes zu 
unterscheiden haben. Eine bringt Faltung in der Richtung 
NO— SW hervor und erzeugt NW — SO oder N — S streichende 
Brüche, eine zweite (vielleicht jüngere) Schubrichtung 
richtet die NW — SO oder NNW — SSO streichenden 
Schichten auf und bewirkt NO — SW oder ONO— WSW T streichende 
Brüche". (Gesperrter Druck von mir.) 

K atz er (1904) sagt, vom Bosna-Ufer bei Doboj redend, pag. 105 
folgendes: „Das Streichen der Schichten, welches am rechten Bosna- 
Ufer nordwestlich bis westlich ist (Fallen in NO— N), wendet sich 
hier nach Südwest und das Einfallen, welches unter Susujari nach 
SO gerichtet war, wird beim Straßenkilometer 179.5 kopfständig und 
von da ab gegen Bukovica nordwestlich, um oben am Suhevoda-Plateau 
jedoch abermals nach NW umzuschlagen. Es ist dies ein Beispiel 
jener in ganz Bosnien wiederkehrenden Durchkreuzung 
der nordwestlich streichenden diu arischen mit der 
nach Nordosten streichenden thrakischen oder alba- 
nesischen Faltung, welche letztere jedoch bei Doboj 
nur untergeordnet zur Geltung kommt." (Letzter Satz 
von mir gesperrt.) Ausführlicheres hierüber auf pag. 62 des von 
Katzer verfaßten geologischen Führers durch Bosnien und die 
Herzegowina (Sarajewo 1903), woselbst hervorgehoben wird, daß die 
albanesische Faltung die ältere sei und zumal im Westen 
(in der Herzegowina) von der jüngeren dinarischen 
Faltung verwischt werde Auch K i 1 1 1 vermag in der Umgebung 
von Sarajewo NW — SO und SW — NO Störungslinien unterscheiden 
(Kittl loc. cit. pag. 650). Vielleicht ist es nicht unzweckmäßig, hier 
auf das rein dinarische Streichen der im Westen gelegenen nord- 
albanesischen Küstenketten und das bald dinarische, bald aber alba- 
nesische Streichen des östlich gelegenen Sargebirges zu verweisen. 
Dadurch, daß in Katzers dinarisch-albanesischer 
Scharung ein älteres, im Osten gelegenes Faltensystem 
von einem jüngeren westlichen gekreuzt wird, ist diese 
Scharung von Cvijic seiner dinarisch -albanesischen 
Scharung der Metochia- Gegend, die bloß ein Ostwärts- 
schwenken gleichwertiger Falten darstellt, streng zu 
unterscheiden. 

Auf die K atz ersehe dinarisch-albanesische Scharung ist wohl 
auch jene Angabe Deprats zurückzuführen, daß in Nordeuböa 
pyrenäisches (sie!) NW— SO-, in Südeuböa hingegen hereynisches 
(sie!) NO — SW- Streichen vorherrscht, wie dies aus seiner im Bull. 
Soc. geol. France 1903 publizierten geologischen Karte von Euboea 
hervorgeht. Noch klarer hat sich dies bezüglich Neu mayr geäußert, 
der hervorhebt, daß sich Westgriechenland aus N— S streichenden 



*) Für Überlassung dieser Arbeit fühle ich mich Burgerstein gegenüber 
zu aufrichtigstem Danke verpflichtet. 



142 Dr- Franz Baron Nopcsa. [58] 

Falten aufbaut, während wir in Ostgriechenland ein älteres NO— SW, 
respektive — W streichendes Faltengebirge vor uns haben, das durch 
NNW— SSO, respektive NW— SO streichende Brüche zerstückelt und 
durch einen von Westen kommenden Druck zum Teil sogar umge- 
faltet wurde. 

Was den aus dem Kartenentwurfe sichtbaren Zusammenhang 
unseres Gebietes mit anderen geologisch besser bekannten Teilen 
betrifft, so wäre folgendes zu erwähnen: Im äußersten Westen ist ein 
Kreidekalk und Nummulitenflyschzug zu erkennen, den wir von Cattaro 
nach Antivari, von dort über Vaudenjs bis Elbassan und mit Sicher- 
heit erst wieder in Epirus und Nordgriechenland wiedererkennen 
können. Aus dem über die Schieferhornsteinformation Gesagten geht 
klar hervor, weshalb ich nicht in der Lage bin, Cvijic' „albanesische 
Flyschzone" zu akzeptieren. 

Am äußersten Ostrande des besprochenen Gebietes haben wir 
längs der Linie Novavaros — Mitrovica— Üsküb einen Zug der Hornstein- 
s chief erformation entwickelt, der bei Priboj beginnt, bei Mitrovica 
eine große Entwicklung erreicht, scheinbar auch bei Janjevo vorkommt 
und seine Fortsetzung bei Neredinje und im Räume zwischen Lepenac 
und Vardar findet. 

Das Paläozoikum von Prijepolje, ferner das des Lim-Tales, dann 
der große paläozoische Aufschluß von Andrijevica, die NW— SO 
streichende Crnoljeva-Synklinale, das Paläozoikum zwischen Prizren — 
Blac und dem rechten Ufer des Schwarzen Drin, ferner das Vorkommen 
an der Golesnica Planina sowie südlich der Cerna bilden eine weitere 
fast kontinuierliche Zone, die sich im Süden infolge der eingeschalteten 
kristallinen Schiefern des Sar, der Suha gora und den kristallinen 
Schiefern bei Krusevo in zwei Äste gabelt. In dieser kristallinen 
Mittelzone lassen sich (vorläufig allerdings nur bei Prilip, Krusevo und 
am Sar) granitische Intrusionen erkennen. Es scheint dieser Zug 
kristalliner Schiefer die Zentralzone der dinarischen Falten zu reprä- 
sentieren. Als Fortsetzung der Triaskalke von Plevlje und der Pestera 
sind wahrscheinlich die Kalke bei Ipek — Decan, jene des Cviljen 
sowie jene der Karadzica Planina zu deuten; östlich des Ohrida-Sees 
sowie an den Bergen von Ljuma werden die paläozoischen Schiefer 
und die Hornsteinschiefer von Kreidekalken überlagert, die ihre Fort- 
setzung wohl im Rudistenkalke der Prokletija, des westlichen Monte- 
negros und der Herzegowina finden. Zwischen den Kreidekalken von 
Ohrida und Ljuma einerseits und dem Eocän der kretazischen Küsten- 
ketten anderseits ist das große zur Schieferhornsteinformation gehörige 
Grünsteinland Grisebachs gelegen, welches sowie die Ohrida- 
Rudistenkalke im Pinduskalke selbst wohl seine Fortsetzung in den 
südalbanesisch-epirotisch- griechischen Serpentinmassen findet. Als 
Fortsetzung der ostalbanesisch-rascischen Schieferhornsteinformation 
kann vielleicht die ostbosnische serpentinhaltige „Flyschzone" gedeutet 
werden. 

Wenn Philipp son die Behauptung aufstellt, daß die Flysch- 
zone von Epirus unter der Adria versinke, so glaube ich mich dem, 
wegen der geringen Breite der Flyschzone bei Vaudenjs, ohne weiteres 
anschließen zu müssen. Den von Cvijic betonten Zusammenhang 



[59] Zur Geologie von Nordalbanien. 14;} 

des Skutari- und Metochia-poljes mit der Einbuchtung der Adria sehe 
ich mich, wie aus Gesagtem hervorgeht, jedoch genötigt, in Abrede 
zu stellen. 

Wieso überhaupt das angebliche ostwärts gerichtete Einschwenken 
der Züge östlich des Skutari-Sees den Umriß der Küste beeinflussen 
soll, wo die einschwenkenden Züge doch nach Cvijic selbst von 
der zu beeinflussenden Küste durch einen Riegel NW — 
SO streichender Falten getrennt werden, das wäre mir 
übrigens sogar dann, wenn die nicht vorhandene dinarisch-albanesische 
Scharung tatsächlich existieren würde, vollkommen ein Rätsel. Ob 
aber nicht an dieser Stelle eine durch tektonische Verhältnisse be- 
dingte transversale Depressionslinie existiert, ist eine andere Frage. 

Wenn man, statt eine Scharung anzunehmen, bei Durazzo das 
Ausstreichen der Flyschzüge gegen die Adria vor Augen hält, 
dann findet der stumpfe Winkel der Adria bei Alessio durch einen 
NNO streichenden Bruch ungezwungen seine Erklärung und die 
Kreideberge des Prokletija erscheinen dann, so wie die gleich hohen 
Berge von Ljuma etc., bloß als der Abfall einer Kalkdecke gegen 
das tiefer gelegene Schieferhornsteingebiet von Krajsnik, Dukadjin 
und Merdita. 

Ob nicht etwa durch diesen Abfall, respektive diese Depressions- 
linie auch das alte Drin-Bett von Djakova— Vau Spasit zu erklären 
wäre, darüber sind noch viel eingehendere geologisch-morphologische 
Studien nötig, aber ein Blick auf die beiliegende Karte verlockt aller- 
dings zu dieser Hypothese. 



Dies ist seit 60 Jahren der erste vage Versuch, eine Übersicht 
über die Geologie der westlich der Ibar-, Lepenac-, Vardar-Niederung 
gelegenen Teile des osmanischen Reiches zu geben und als solcher, 
zumal da Verfasser vorläufig nur geringe Teile des besprochenen 
Gebietes aus eigener Anschauung kennen zu lernen vermochte, 
wahrscheinlich mit vielen und groben Irrtümern behaftet. Vielleicht 
ist aber dieser Versuch auch so besser als gar nichts und vielleicht 
wird er späteren Forschern die Basis abgeben, um eine bessere 
und genauere Geologie des herrlichen und hochinteressanten Albanien 
zu entwerfen. 

Möge bald der Tag heranbrechen, wo sich das allgemeine 
Interesse noch mehr als bisher den mir persönlich so sympathischen 
Nachkommen der alten Illyrier und ihrem geologisch so interessanten 
Lande zuwendet und der unverdiente üble Ruf, der dieser Gegend 
anhaftet, durch genauere Bekanntschaft mit Land und Leuten end- 
gültig verschwindet. 



144 Dr- Franz Baron Nopcsa. [60] 

IV. Literatur. 
I. Albanien. 

Barberich. Saggio per una sistemazione orotettonica della regione Albanese. 

Bollet. soc. geogr. Italiana 1904. 
Bittner. Einsendungen aus dem südöstlichen Bosnien. Verband], d. k. k. geol. 

R.-A. Wien 1890. 
Boue. (Reiseberichte über seine zweite Reise; Brief.) Bull. Soc. gdol. France 1837/38. 

— (Mitteilung aus der westlichen Türkei.) N. Jahrhuch f. Mineralogie. 1839. 

— Sur im depot d'eau douce daus la Bosnie (Novibazar). Bull. Soc. g£ol. France 1840. 

— La Turquie d'Europe. Paris 1840. (Eine Übersetzung hiervon erschien 1889 in 
Wien.) 

— Mitteilung über Nummulitenablagerungen. Bericht der Freunde d. Naturwiss. 
Wien 1847, Vol. III. 

— Das Erdbeben in Oberalbanien im Oktober 1851. Sitzungsber. d. kais. Akad. 
d. Wiss. Wien 1851. 

— Straße von Prizren nach Skutari. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1859. 

— Über Hahns Funde von Leithakalk zu Skutari und Durazzo. Bull. Soc. geol. 
France 1863. 

— Der albanesische Drin und die Geologie Albaniens. Sitzungsber. d. kais. Akad. 
d. Wiss. Wien. Vol. 49, 1864. 

— Expose des raisons pourquoi j'ai modifie' mes classements geologique en Turquie. 
Bull. Soc. geol. France 1865. 

— . . . . und die sogenannte Zentralkette in der europäischen Türkei. Sitzungsber. 
d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1866. 

— Mineralogisch-geognostisches Detail über einige meiner Reiserouten in der europä- 
ischen Türkei. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1870. 

Burgerstein. Beitrag zur Kenntnis des Jungtertiärs von Üsküb. Jahrb. d. k. k. 

geol. R.-A. Wien 1877. 
Coquand. Gisements petroliferes dans l'Albanie. Bull. Soc. geol. France 1868. 
Cvijic. Eine Besteigung des Sar Dagb. Bericht über das XVI. Vereinsjahr des 

Vereines d. Geograph, d. Univers. Wien 1891. 

— Briefe über seine Reisen in Makedonien im Jahre 1898. Mitten 1 , d. geogr. Gesellsch. 
Wien 1898. 

— Tektoniscbe Vorgänge in der Rhodopemasse. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. 
Wiss. Wien 1901. 

— Die dinarische albanesische Scharung. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. 
Wien 1901. 

— Geologische Karte von Makedonien und Altserbien. Belgrad 1903. 

D reger. Versteinerungen der Kreide und des Tertiärs von Korea. Jahrb. d. k. k. 

geol. R.-A. 1892. 
Fuchs. Über die Natur des Flysches. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 

1876. 
Götz. Novibazar — Amselfeld und Sar Dagh. Allgemeine Zeitung. München 1893. 
Grisebach. Reise durch Rumelien und nach Brussa in dem Jahre 1839. 

Göttingen 1841. 
Hahn. Reise durch das Gebiet von Drin und Vardar. Denkschr. d. kais. Akad. 

d. Wiss. Wien 1867. 
H asser t. Wanderungen in Nordalbanien. Mitteil. d. geogr. Gesellsch. Wien 1898. 

— Streifzüge in Oberalbanien. Verhandl. d. Gesellsch. f. Erdkunde. Berlin 1897. 
Hecquard. La Haute Albanie Paris 1858? 

Hof mann. Die Ruine Novo Brdo. Mitteil. d. geogr. Gesellsch. Wien 1893. 
Inkey. Földtani uti jegyzetek a Balkanfelszigetröl. Földtani Közlöny. Budapest 

1886. 
Müller. Albanien und Rumelien. Prag 1844. 
Naumann. Makedonien und seine Bahnlinie Saloniki— Monastir. München 1894. 



rßl] Zur Geologie von Nordalbanien. 145 

Oestreich. Keiseeindrücke im Vilajet Kossovo. Verhandl. d. geogr. Gesellsch. 
Wien 1899. 

— Reisen im Vilajet Kossovo. Verhandl. d. Gesellsch. f. Erdkunde. Berlin 1899. 

— Vorläufige Mitteilungen über eine zweite Reise in der europäischen Türkei. 
Mitteil. d. geogr. Gesellsch. Wien 1900. 

— Beiträge zur Geomorphologie von Makedonien. Abhandl. d. geogr. Gesellsch. 
Wien 1902. 

Petkovic M. Mikroskopische Beschreibung der Gesteine des Ljubeten am Sar 

Annal. geolog. peninsule balkan. 1903. (Text nur serbisch, daher für Nichtserben 

unverständlich I) 
Petkovic W. Geologische Verhältnisse von Ljubeten und seiner Basis. Annal. 

geol. peninsule balkan 1903. (Es gilt dasselbe wie für M. Petkovic' Arbeit.) 
Peucker. Cvijic On the Structure of the Balkan. Geogr. Journal. London 1902. 
Phillipson. Neuere Forschungen am westlichen Balkan. Geogr. Zeitschr. Leipzig 

1903. 
Steinmetz. Eine Reise durch die Hochländergaue Oberalbaniens. Zur Kunde der 

Balkanhalbinsel. Heft I. 1903. 
Toula. Geologische Übersichtskarte der Balkanhalbinsel. Petermanns geogr. 

Mitteil. 1882. 

— Materialien zur Geologie der Balkanhalbinsel. Jahrb. d.k. k. geol. R.-A. Wien 1883. 

— Die im Bereiche der Balkanhalbinsel geologisch untersuchten Routen. Mitteil. 
d. geogr. Gesellsch. Wien 1883. 

— Gegenwärtiger Stand der geologischen Erforschung der Balkanhalbinsel und des 
Orients. Compte-rendu IX. Congr. geol. internat. Vienne 1903. 

Viquesnel. Journale d'un voyage dans la Turquie. I. Partie. Mem. Soc. ge'ol. 
France. 1842. 

— Journale d'un voyage dans la Turquie. II. Partie. Mem. Soc. g6ol. France 1844. 

— Sur la Macedonie et l'Albanie. Bull. Soc. ge'ol. France 1842—1843. 

— Remarques relatives an roches cretace"s de Gousinje. Bull. Soc. ge'ol. France 1847. 

II. Nachbargebiete 

(bis an die Ibar— Lepenac — Vardarlinie) 1 ). 
I. Bosnien und Serbien. 

Bittner. Die Herzegowina und das südöstlichste Bosnien. Jahrb. d. k. k. geol. 

R.-A. Wien 1880. 
Götz. Das Kapaonikgebirge in Serbien. Petermanns geogr. Mitteil. 1891. 
Grimmer. Kohlenvorkommen von Bosnien. Wiss. Mitteil, aus Bosnien und der 

Herzegowina. Wien 1901. 
Katzer. Über den heutigen Stand der geologischen Kenntnis Bosniens und der 

Herzegovina. Compte rendu IX. Congr. ge'ol. internat. Vienne 1903. 

— Geologischer Führer durch Bosnien und die Herzegowina. Sarajewo 1903. 

— Lithiotiden in der Herzegowina. Zentralbl. für Min., Geol. u. Paläont. 1904. 
Kispatic". Die kristallinen Gesteine der bosnischen Serpentinzone. Wiss. Mitteil. 

aus Bosnien und der Herzegowina. 1900. 
Kittl. Geologie der Umgebung von Sarajewo. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. Wien 

1904. 
Mojsisovics. Grundlinien der Geologie von Westbosnien. Jahrb. d. k. k. geol. 

R.-A. Wien 1880. 
Radimsky. Bosniens Serpentine. Glasnik. Bosnisches Landesmuseum. Sarajewo 

1889 (serbisch). 
Tietze. Das östliche Bosnien. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. Wien 1880. 
Zujovic. Geologische Übersichtskarte des Königreiches Serbien. Jahrb. d. k. k. 

geol. R.-A. Wien 1886. 

— Contribution a l'etude de la ancienne Serbie. Annal. geolog. peninsule balkan. 
1891. 



1 ) Es wurden nur die für vorliegende Arbeit wichtigsten Werke berück- 
sichtigt; viele im vorigen Absätze erwähnten Werke sind auch für nachfolgende 
Gebiete von Bedeutung. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, l. Heft. (Baron Nopcsa.) 19 



146 Dr. Franz Baron Nopcsa. [62] 

2. Siiddalmatien und Montenegro. 

Bukowski. Einige Beobachtungen in dem Triasgebiete von Siiddalmatien. Verhandl. 
d. k.k. geol. R.-A. Wien 1895. 

— Cephalopoden im Muschelkalk von Braic. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. Wien 1895. 

— Über den geologischen Bau des nördlichen Teiles von Spizza. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. Wien 1896. 

— Werfener Schichten und Muschelkalk in Siiddalmatien. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. Wien 1896. 

— Zur Stratigraphie der süddalmatinischen Trias. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
Wien 1896. 

— Neue Ergebnisse der geologischen Durchforschung von Siiddalmatien. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A. Wien 1899. 

Hassert. Beiträge zur physischen Geographie Montenegros. Petermanns geogr. 

Mitteil., Ergänzungsbd. XXV, Heft 115. 
Martelli. II Muschelkalk di Boljevici. Atti real, accad. d. Lincei. Rendic. 1903. 

— II Flysch di Montenegro S. Oriental. Atti real, accad. d. Lincei. Rendic. 1903. 
Renz. Zur Altersbestimmung des Karbons von Budua. Monatber. d. Deutschen 

geol. Gesellsch. 1903. 
Tietze. Geologische Übersicht von Montenegro. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 

Wien 1884. 
Vinassa de Regny. Osservazioni geologiche sul Montenegro Bollet. Soc. geolog. 

Italiana 1902. 

— Die Geologie Montenegros und des albanesischen Grenzgebietes. Compte-rendu 
IX. Congr. geol. internat. Vienne 1903. 

3. Jonische Inseln. 

Issel. Cenno snlla constitutione geolog. dell Isola di Zante. Boll. comm. geol. 1893. 
Mitzopulos. Das große Erdbeben der Insel Zante. Petermanns geogr. Mitteil. 1893. 

— Eruption der Pechquellen auf Zante. Petermanns geogr. Mitteil. 1896. 

P a r t s c h. Die Insel Leukas. Petermanns geogr. Mitteil., Ergänzungsbd. XXI, Heft 95. 

— Die Insel Korfu. Petermanns geogr. Mitteil., Ergänzungsbd. XXI, Heft 88. 

— Die Cephaleina und Ithaka. Petermanns geogr. Mitteil., Ergänzungsbd. XXI, 
Heft 98. 

— Die Insel Zante. Petermanns geogr. Mitteil. Bd. XXXVII, 1891. 

Renz. Neue Beiträge zur Geologie der Insel Korfu. Monatsber. d. Deutschen geol. 
Gesellsch. 191)3. 

— Neue Vorkommen von Trias in Griechenland und Lias in Albanien. Zentralblatt 
für Min., Geol. u. Paläont. 1904. 

4. Griechenland. 

Deprat. Note preliminaire sur la ge"ologie de l'Eubee. Bull. Soc. geol. France 1903. 

Fuchs. Verbindung von Flysch und Serpentin auf Kumi. Sitzungsber. d. kais. 
Akad. d. Wiss. Wien 1876. 

Hilber. Geologische Reise in Nordgriechenland und Makedonien. I. u. II. Sitzungs- 
bericht d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1876. 

— Reise ih Nordgriechenland und Türkisch-Epirus. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. 
Wiss. Wien 1896. 

— Reise durch Nordgriechenland und Makedonien. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. 
Wiss. Wien 1901. 

Neumayer, Bittner, Teller. Überblick über die geologischen Verhältnisse 

Griechenlands. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1878. 
Phillips on. Zur Pindusgeologie. Verhandl. d. k. k. geol. B.-A. Wien 1895. 

— Thessalien und Epirus. Berlin 1897. 

— Reisen und Forschungen in Nordgriechenland. Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erd- 
kunde. Berlin 1897. 

— Stand der geologischen Kenntnis von Griechenland Compt. rend. IX. Congr. 
geol. internat. Vienne 1903. 

— Der Gebirgsbau der Aegeis. Verhandl. d. internat. geogr. Kongresses. Berlin 1901. 

— Tectonique de 1' Aegeide. Annais de geographie. Paris 1898. 



[63] 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



1 17 



V. Ortsregister. 



(Die Zahlen geben die Seiten der Separ&tabflrücke an, wo der betreffende Ort erwähnt wird, 
fettgedruckte Ziffern bezeichnen genauere Angaben.) 



Adria 1. 46. 55. 58. 59. 


Bukovica 57. 








Albanien 1. 43. 51. 53. 54. 


Bulgari 48. 49. 








Alessio 46. 47. 59. 


BuzeS 27. 








Andrijevica 58. 










Antivari 58. 


(''afa Duljit IS. 21. 








Arnautköj 15. 17. 


„ Kolcit 45. 








Arsen 49. 


„ Luzjas 49. 








Aiti 34. 42. 


„ Malit 34. 41. 47. 








Atmad2a 25. 


„ Merturit 45. 








Avalona (siebe Valona). 


„ Sakatic" 48. 
„ Stogut 48. 








Bacelik 34. 42. 


. r SoSit 4«. 








BaDjska (bei Mitrovica) 44. 51. 


Cajlana 47. 








Banja (bei Kocana) 7. 


Cattaro 55. 58. 
Cecevo 45. 
Öeöina-Ljuma 35. 








Banja (an der Mirusa) 25. 








Banja (bei Priboj) 44. 








Banjaluka 43. 
Bardovci 35 


Cem (Schlucht) 48. 
Cem Selce 48. 
Öereti 34. 41. 

Öerna 58 








Bastrik 26. 34. 39. 40. 46. 49. 55. 58. 








Begova 55. 56. 








Beli 7. 


Cetinje 55. 








Belinac 17. 


Cijevna 55 








Berane 44. 


Crkolez 45. 








Berat 43. 46. 


Crnoljeva 17. IS. 19. 20. 22 


25 


50 


58. 


Berkoviö 44. 


Cviljen 8. 9. 24. 26. 27. 29. 


30. 


31. 


33. 


Berovo 3. 


34. 47. 58. 








Bistric 14 










Bistrica (bei Prizren) 8. 9. 14. 22. 27. 


Dalmatien 53. 








Bistrica (bei Priboj ) 44. 


Darza 42. 








Bitüci 26. 


Deßan 19. 46. 51. 55. 58. 








Bitusa 33. 


Delbinisti 47. 








Bijelobrdo 43. 


Demirkapu 4. 








Blac 25. 27. 29. 30. 31. 33. 58. 


Devol 49. 








Boga(Tal) 48. 


Dibra 46. 47. 49. 








Boga Skreli 48. 


Djakovo 26. 40. 46. 47. 49. 


59. 






Bojana 40. 


Djelograjca 17. 24. 








Bolane 23. 24. 


Djevic 20. 








Boljane 43. 


Dobrica 15. 








Bolobrad 31. 


Doboj 52. 57. 








Bosna 57. 


Dobrobuk 45. 








Bosnien 1. 43. 50. 53. 54. 56. 


Dolnica 25. 27. 28. 








Brdeti 34. 41. 56. 


Dresnik 19. 20. 24. 25. 45. 


53. 


55. 




Bregalnica 6. 


Drin (Albanien) 1. 25. 26. 


36. 


37. 


38 


ßres 4. 


40. 45. 46. 47. 48. 49. 51 


53. 


54 . 


58 


Breznja 32. 


Drin (bei Istib) 5. 








Brodec 7. 10. 11. 


Driza 49. 








Brodosavca 27. 


Drsnik (siehe Dresnik)- 








Brusnik 2. 


Dugapoljana 44. 








Brut (am Drin) 34. 36. 37. 38. 39. 40. 


Diikagjin 59. 








50. 56. 


Dulje 17. 18. 19. 20. 23. 24 








Brut (am Plavabacb) 25. 27. 31. 


Dumlak 47. 








Bucim 5. 


Durazzo 46. 48. 59. 








Budakova 17. 21. 23. 24. 50. 


Dusan (Feste bei Prizren) 8. 








Buk 45. 


Dusmani 45. 46. 








Bukovic 17. 


Dzuri 25. 









19* 



148 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[64] 



Elbassan 46. 48. 49. . r 6. 58. 
Epirus 53. 58. 
Euboea 51. 53. 57. 

Fandi (siehe Fani). 

Fani 48. 49. 

Ferizovic 1. 8. 10. 17. 21. 55. 

Fjerza 45. 46. 

Fleti 34. 41. 

Fu§a Arsit 41. 

Fu§a e proneve 40. 

Gabar Balkan 46. 

Gabres 4. 

Galißiea 56. 

Gamsice 34. 42. 

Garvan 2. 3. 4. 

Gjalica Ljums 39. 47. 

Glibaöi 44. 

Glibackopolje 44. 

Glogovik 44. 

GoleSnica Planina 58. 

Golje§ Berge 21. 

Gorazda 43. 

Goska (Bach) 38. 

Gostivar 1. 55. 

Gotovusa (am Lepenac) 21. 

Gotovuüsa (bei Plevlje) 43. 

Grajke 49. 

Grazdenik 25. 

Gräare 27. 28. 

Grekovce 17. 24. 

Grohot 26. 

Gruda 48. 

Gruma (Tal) 46. 

Grupsin 7. 14. 15. 39. 55. 

Guli kuc" 49. 

Guri Merturit 48. 

Gusinje 45. 55. 

Hau Brgjani 44. 

„ Bojani 16. 

„ Boljane 43. 

„ Brut 37. 

„ Crnoljeva 18. 

„ Dulje 18. 

„ Egrisu 7. 

„ GrupSin 14. 15. 

„ Gvozd 43. 

„ Jezero 43. 

„ JoSevik 44. 

„ Klisurska 18. 

„ Krsan 44. 

„ Lacit 34. 35. 

„ Lus 46. 

„ Raps 34. 41. 

„ i ri 34. 35. 

„ Sakatit 38. 39. 40. 41. 

„. Trlce 43. 

Hasi (Tal) 46. 
Here 48. 
Hercegovina 57. 58. 



Hilari 40. 

Hoca 9. 25. 32. 33. 

Hodza-Balkan 9. 29. 47. 

Hum 55. 

Husein Sah 7. 17. 

Ibar 1. 44. 45. 50. 59. 

Iglareva 20. 25. 

Inova 2. 4. 

Ipek 19. 24. 46. 55. 58. 

Istib 2. 4. 5. 6. 

Istivic 49. 

Istok 45. 

Jablanica 7. 9. 10. 25. 27. 29. 30. 

Jabuka 43. 

Jak Mate 42. 

Janjevo 51. 58. 

Josanica 44. 

Josevik 44. 

Jezerce 21. 22. 23. 24. 50. 

KabaSi 27. 

Kacanik 1. 51. 

Kalaguzli 5. 

Kalanjevo 3. 

Kaldirim bogaz 15. 17. 40. 

Kaimaköalan 56. 

Kalkandele 1. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 

14. 15. 55. 
Kalmeti 49. 
Kamia 49. 
Kapra 27. 
Karadzerzi 26. 
Karad^ica 58. 
Karaormanu 6. 
Karaula Guri Dervent 25. 27. 32. 

„ Guri zi 7. 10. 11. 

„ Skanje 34. 
Karbinci 2. 6. 
Karolinensattel 43. 
Karsjak 15. 
Kastrati 48. 
KCira 41. 

Kijeva (siehe Kijevo). 
Kijevo 20. 
Kizilgök 40. 
Kladanj 52. 
Kobilica 11. 12. 55 
Kocana 2. 6. 7. 
Korn 48. 55. 
Kopanica 16. 
Köprülü 1. 
Korica 49. 

Korisa 25. 26. 27. 28. 34. 
Koritnik 3. 47. 
Korstiße 24. 
Kosare 17. 
Kosavca 27. 
Kosmaci 34. 
Kossovo (Vilajet) 1. 
Kotor 43. 



[651 



Zur Geologie von Nordalbanien. 



149 



Krajiki 25. 


Mlecan (siehe Mljadan). 


Krajsnik 59. 


Mnela 46. 47. 49. 


Kratova 2. 7. 


Mojan (Alpe) 48, 


Krcova 1. 


Mojanci 6. 


Kriva Lakavica 3. 


Mokra Merturit 48. 


Kriva Rjeka 4. 7. 


Monastir 66. 


Krivolak 2. 


Montenegro 1. 43. 48. 50. 53. 54. 55. 58. 


Kroja (siehe Kruja). 
Kru'ja 48. 


Nefertara 44. 


Kru§evo 58. 


Nerfusa 47. 


Kukova 27. 


Nera§tin 13. 


Küküs 37. 


Neredinje 17. 21. 24. 58. 


Kula Gradis 26. 


Nerodinje (siehe Neredinje). 


„ Ljums 34. 


Nerodimka (Bach) 21. 22. 23. 


„ Matjes 49. 


Nesta 49. 


„ Straöin 7. 


Nikaj (Tal) 48. 


Kumanova 1. 2. 7. 


Niviöani 2. 7. 


Küstendil 9. 10. 27. 29. 


Novavaro§ 58. 




Novibazar 43. 44. 50. 51. 54. 55. 


Laci 34. 42. 

Lalja 14. 

Lapusnik 20. 24. 

Lepenac 14. 21. 51. 55. 58. 59. 


Novoseljane 27. 
Novoselo (bei Ipek) 45. 


(bei Istib) 6. 

(bei Prizren) 9. 25. 27. 28. 29. 30. 


Lesak (siehe Leska). 


Obilje Planina 20. 


Lesana 19. 


Ochrida de Mati 48. 


Leska 7. 12. 13. 14. 


Ohrida 1. 46. 48. 56. 58. 


Lez 25. 27. 29. 31. 33. 


Olovo 52. 


Lidern G§tars 48, 


Ora (Berg) 46. 


Lim 44. 58. 


Orahovac (siehe Rahovce). 


Limbarja 48. 


Orhenja 49. 


Lipa 2. 3. 


Orosi 46. 48. 49. 


Lipovik 4. 


Ostrozub 25. 


Ljabinoti siperme 49. 




Ljubeten 8. 12. 55. 


Pasina Planina 26. 27. 


Ljubizda 9. 25. 28. 


Peklen 45. 


Ljudiska (Tal) 44. 


Pelopones 53. 


Ljuma (Brücke) 36. 


Pepeliste 2. 


Ljum i zi 48. 


Perlataj 49. 


Ljutoglava 17. 


Pe§tera 58. 


Lubaceva 9. 27. 30. 33. 


Pesternik 2. 3. 


Lubnica 3. 


Pindus 58. 


Luhovica 25. 


Piperovo (siehe Berovo). 


Lukova 49. 


Pirana 25. 


Lurja 46. 47. 49. 


Plava (bei Gusinje) 45. 




„ (bei Prizren) 9. 27. 30. 31. 32. 


Makedonien 1. 2. 4. 54. 


Plevlje 43. 44. 54. 58. 


Mali Dalti 48. 


Podgorica 55. 


„ Kalmetit 47. 


Podgostec 43. 


„ Selbunit 48. 


Podlag 2. 6. 


„ Seiita 49. 


Popoö 40. 


„ Senjt 46. 48. 


Poroj 12. 


„ Trebunit 41. 


Posliste 32. 


Mati 46. 49. 


Prekostavlja 44. 


Matja 49. 


Priboj 44. 50. 58. 


Metalka (Sattel) 43. 54. 


Prifca 7. 12. 13. 14. 15. 


Metochia 26. 40. 54. 57. 58. 


Prijedor 43. 


Mihajloviö Planina 43. 


Prijepolje 43. 44. 54. 58. 


Miloseva (Tal) 44. 


Prilep 58. 


Merdita 47. 


Pristina 19. 20. 21. 51. 


Mirusa 25. 


Prizren 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 17 


Mitrovica 1. 44. 45. 50. 51. 58. 


19. 21. 24. 25. 26. 28. 29. 34. 38. 50. 


Mljadan 20. 


55. 56. 58. 



150 



Dr. Franz Baron Nopcsa. 



[66] 



Prokletija 58. 


Suhevoda 57. 




Promet 2. 3. 6. 


Sujaj 41. 




Proni Bitücit 40. 


Suka Gruds 48. 




Prozromos 49. 


§u§ujari 57. 




Prsovci (siehe Prifca). 


Sveti Petar (Kloster) 27. 




Puka 34. 31. 41. 55. 


Tearca 13. 




Radoviste 2. 4. 5. 


Teranei 2. 




Radusa 15. 


Tetovo 13. 14. 15. 17. 40. 47. 




Rahovce. 26. 


Thessalien 53. 




Raäka 44. 45. 


Timac (siehe Tearca). 




Recana 24. 


Tirana 25. 47. 




Reseni 49. 


Tomor 49. 




Ribaric" 44. 45. 


Topolnica 2. 




Ribarska Planina 21. 


Trabojna 48. 
Trakana 7. 




Rijeka (in Montenegro) 43. 




Rogle 16. 


Treska 17. 39. 40. 




Rogozna 55. 


Treskovec 2. 4. 




Rozafa (Berg) 42. 55. 


TSirkolaz (siehe Crkolez). 




Rozaj 44. 46. 55. 


Tupec 26. 




Rubigo (Back) 48. 






Rudare Tursko 2. 7. 


Uglo 44. 




Rudnica 50. 


üra Djalit 46. 




Rugova (am BaStrik) 39. 


„ Fsajt 47. 




Sakati 38. 39. 
Sala (Fluß) 48. 
Samodraza 19. 


„ Fsaxi (siehe Fsajt). , 

„ Köprüsi (siehe Ura Cüpri). 

„ Öüpri 36. 37. 

„ Vezirit 34. 37. 39. 




Sapusare 46. 

Sar 7. 12. 13. 14. 46. 47. 51. 55. 56. 58. 


Urglo (siehe Uglo). 

Üsküb 1. 7. 15. 40. 55. 58. 




Sarajevo 43. 52. 57. 






Sarska rjeka 12. 


Valateker 21. 




Savrova 17. 24. 


Valona 46. 




Sbrusa Kolcit 39. 


Vardar 10. 13. 14. 17. 39. 40. 51. 58. 


19 


Selce (am Cem) 48. 


Vaudenjs 42. 46. 48. 56. 58. 




„ (bei Prizren) 9. 12. 


Vau Spasit 37. 38. 40. 46. 59. 




Seiita siperme 49. 


Vejice 12. 




Semeniste 15. 17. 40. 


Vesal 7. 10. 50. 54. 




iSemeri 39. 


Vezir-Brücke (siehe Ura Vezirit). 




Serbien 1. 45. 


Vijenac 43. 




Sipkovica 7. 11. 12. 


Vinarce 45. 




Siricmo 14. 15. 


Vinic'ani Gradsko 4. 




Siroki Put 26. 


Visegrad 43. 




Sjenica 44. 


VjeSka 14. 




Skodza 34. 35. 


Vlasna 25. 26. 34. 




Skoroviste 27. 
gkreli 45. 


Vockop 49. 
Vrastica 4. 




Skutari 1. 25. 34. 38. 40. 42. 45. 46. 55. 


Vrbicane 9. 27. 




56. 58. 


Vrnagora 44. 




Slatina 13. 






Smutirog 48. 


Zaplucane 19. 24. 25. 




Sokolac 44. 


Zdunje 39. 




Sopina Rijeka 19. 


Zeden 15. 16. 17. 




Srecka 27. 


Zelina 15. 




Stabalj (siehe Stavalj). 


Zenica 43. 




Stablje ( „ „ ). 


Zlatarca 27. 31. 




Stavalj 44. 


Zlatina 25. 




Stimlja 17. 19. 24. 


Zletovo 7. 




Stradza 51. 55. 


£]jeb 24. 45. 47. 




Strumiza 4. 


Zrkjan 49. 




Sudrup 43. 


Zümbi 25. 26. 34, 




Suba gora 58. 


Zvecan 45. 




Suharjeka 17. 19. 24. 25. 


Zygos 53. 





[67] Zur Geologie von Nordalbanien. 151 



VI. Verzeichnis der Illustrationen. 



Seite 

Figur I. Dusan-Feste und Bistrica-Tal . . . 92 

„2. Jablanica-Sattel 93 

„3. Ve§al am Sar 95 

„ : 4. Diluvium bei Bojani Han 100 

5. Profil über den Dulje-Sattel 103 

„ 6. Viquesnels Profil über den LapuSnik-Sattel 104 

„ 7. Profil östlicb Jezerce 1U6 

„ 8. Bistrica-Tal-Profil 113 

„ 9, Oberer Teil des Ljubaöeva-Tales 114 

„ 10. Übergang von Lez nacb Blaß 115 

„ 11. Senke des oberen Plava-Tales .... 116 

„ 12. Talsystem von Ho<5a 117 

„ 13. Profil des Bastrik . 119 

„ 14. Brücke bei Kula Ljums 120 

„ 15. Ura Cüpri 120 

„ 16. Dioritlandschaft westlich der Vesir-Brücke 121 

„ 17. Vau Spasit 122 

„ 18. Terasse von Säkatit Han 123 

'„ 19. Serpentinlandschaft bei Gamsiöe . . . 125 

„ 20. Drinmündung bei Vaudenjs 126 

(Mit Ausnahme von Fig. 1, die nach einer von Herrn Dr. K. Steinmetz 
aufgenommenen Photographie angefertigt wurde, sind alle anderen Figuren nach 
Originalphotographien gezeichnet. Herrn Dr. K. Steinmetz möchte ich für die 
gütige Erlaubnis, seine vom geologischen Standpunkte herrliche Photographie 
reproduzieren zu dürfen, noch einmal wärmstens danken.) 



152 Dr. Franz Baron Nopcsa. [68] 



Seite 

Einleitung [1] 85 

I. Reisebeschreibung [2] 86 

Krivolak— Radoviste ;[2] 86 

Radovigte— Istib [5] 89 

Kocana— Kumanova [7] 91 

Prizren— Kalkandele [7] 91 

Kalkandele— Prsovci [12] 96 

Kalkandele— Osküb [14] 98 

Ferizovic— Crnoljeva— Prizren . . [17] 101 

Ferizovic— Budakova — Prizren [21] 105 

Prizren— Zümbi [25] 109 

Umgebung von Prizren [26] 110 

Prizren— Brut [34] 118 

Brut— Puka [37] 121 

II. Bisherige Daten zur Geologie Nordalbaniens [43] 127 

1. Novibazar [43] 127 

2. Nördlichstes Albanien [45] 129 

3. Gebiet zwischen der Metohija und dem Kossovopolje .... [45] 129 

4. Grünsteinland zwischen Djakovo und Alessio [46] 130 

5. Das zwischen Drin und Tetovo gelegene Gebiet [47] 131 

6. Weitere Angaben [47] 131 

III. Zusammenfassung [50] 134 

Stellung der Jaspis und Serpentin führenden flyschartigen 

Schiefer [50] 134 

IV. Literatur [60] 144 

1. Albanien [60] 144 

II. Nachbargebiete [61] 145 

1. Bosnien und Serbien _ . [61] 145 

2. Süddalmatien und Montenegro [62] 146 

3. Jonische Inseln [62] 146 

4. Griechenland [62] 146 

V. Ortsregister , [63] 147 

VI. Verzeichnis der Illustrationen [67] 151 



Dr. Franz Baron Nopcsa: Zur Geologie von Nordalbanien. 




Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band LV, 1905. 
Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, IM., Rasumofskygasse 23. 



Kartogr. Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien. 



Zur Stratigraphie 
des istrisch - norddalmatinischen Mitteleocäns. 



Von R. J. Schubert. 



I. Einleitung. 

In meinen Berichten über die vierjährige Aufnahmstätigkeit in 
Norddalmatien habe ich mich vornehmlich mit dem Aufbaue des Ge- 
bietes beschäftigt. Ich habe daher im folgenden meine dabei ge- 
wonnenen stratigraphischen Ergebnisse über das norddalmatinische 
Eocän zusammengefaßt und dabei auch die in den Nachbargebieten 
vornehmlich durch Dr. von Kerner und Dr. L. Waagen bei der 
Neuaufnahme klargelegten diesbezüglichen Tatsachen benutzt, um ein 
umfassenderes Bild des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns geben 
zu können. Außerdem habe ich eine Parallelisierung mit dem Eocän 
Venetiens und des südlichen Dalmatiens versucht. Bevor ich jedoch 
meine gewonnenen Ergebnisse ausführe, möchte ich kurz die zwei 
wesentlichsten früheren Gliederungsversuche darlegen, die von Stäche 
und Oppenheim. 

G. Stäche gibt in seiner „liburnischen Stufe" 1 ) folgende Glie- 
derung des istro-dalmatinischen Alttertiärs: 

1. Hauptalveolinen- und Nummulitenkalk. 

2. Fazies der Mergelschiefer- und Tonablag e- 
rungen. 

3. Obereocän und Oligocän. 

Bei Besprechung der ersten Stufe kommt Stäche zu dem 
Ergebnis, daß die meisten hier vorkommenden Mollusken (Corbis 
lamellosa, Velates, Ceriihium äff. giganteum) auch in der zweiten Stufe 
noch vorkämen. Auch mit den meisten Seeigelgattungen Conoclypus, 
Echinolampas und Schizaster sei dies der Fall, nur die kleinen 
Scutellinen seien auf die untere Kalkstufe beschränkt. Der istro- 
dalmatinische Hauptalveolinen- und Nummulitenkalk entspräche den 
ersten vier Zonen der Harp e sehen Nummulitenskala, doch hätten auch 
die der sechsten Zone im Hauptnummulitenkalk eine ansehnliche 
regionale Verbreitung. Im wesentlichen liege Untereocän vor, wenn- 
gleich die obere Grenze regional darüber hinausgehen möge (1. c. pag. 66). 



J ) Wien 1889. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. XIII. Bd., Heft 1. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanäfalt, 1905, 55. Band, l. Heft. (R. J. Schubert.) 20 



154 R J- Schubert. [2] 

Bei der zweiten Stufe betont Stäche „die unregelmäßigen 
Schwankungen des Meeresbodens der Küste und die ungleichartig 
unterbrochene Materialzufuhr", das heißt den oft recht raschen 
Wechsel von Mergelzonen mit sandigen, konglomeratischen Nummuliten- 
kalken. Er betont die Verwandtschaft der Fossilien mit Ronca und 
dem Pariser Grobkalke, häufig auch mit Priabona, das Vorkommen 
von Nummulites perforata und sonderbarerweise auch von Fichteli. 
Diese Stufe sei am besten als istro-dalmatinisches Mitteleocän zu 
bezeichnen. 

Staches dritte Stufe: Obereocän und Oligocän ist in Nord- 
und Mitteldalmatien als ein Plattenmergel und Konglomeratkomplex 
(Prominaschichten) entwickelt, im übrigen Gebiete als Flysch aus- 
gebildet. Die Hauptmasse der Prominaschichten wird „beiläufig der 
Gesamtheit der über dem Nummulitenkalke entwickelten Schichten- 
reihe der Flyschgebiete" entsprechend angenommen. Im wesentlichen 
entsprächen die vorhandenen Nummuliten der Zone des N. inter- 
media Fiehteli und der dritten Zone der radialgestreiften Formen 
aus der Verwandtschaft der N. striata. Doch war Stäche bekannt, 
daß in Flyschgebieten bisweilen noch in hohem Niveau Nummuliten- 
faunen mit N. exponens vorkommen. Das Hineinragen der Flyschfazies 
ins untere Miocän sei nicht unwahrscheinlich, obgleich sich schon das 
Oberoligocän paläontologisch nicht mehr nachweisen ließ. Nur im 
Bereiche der Prominaschichten sei eine schärfere Trennung der dieser 
Stufe angehörigen Sedimente von denen der zweiten Stufe möglich. 

Die unter dem Hauptalveolinen- und Nummulitenkalke liegenden 
postkretazischen Schichtglieder — Kosinakalk und „oberer Foramini- 
ferenkalk" — werden als Zwischenstufe zwischen Kreide und Tertiär 
aufgefaßt und als „protocäne oder liburnische Zwischenbildung" 
bezeichnet. 

In seiner Abhandlung „Über einige alttertiäre Faunen der 
österreichisch-ungarischen Monarchie" (Beitr. z. Paläont. Öst.-Ung., 
Wien., XIII. Bd., 1901) unterzieht P. Oppenheim im allgemeinen 
Teile die Stach e sehe Einteilung des istro-dalmatinischen Alttertiärs 
einer Kritik (pag. 188—191). 

Die erste, untere Gruppe wird etwas ungenau als Alveolinen- 
kalk bezeichnet. Ich hebe dies nur deshalb hervor, weil die Stach esche 
Bezeichnung sehr prägnant ist und die Tatsache zum Ausdruck bringt, 
daß in der Kalkstufe des istro-dalmatinischen marinen Alttertiärs 
Alveolinen und Nummuliten fast in gleichen Mengenverhältnissen vor- 
handen sind. 

Wohl mit Recht wird von Oppenheim die Vertretung der 
Schichten mit Nummulites planulata in diesem Kalkkomplex bezweifelt 
und auf die Ungewißheit über Nummulites primaeva hingewiesen. 
Was mir von Nummuliten aus den untersten Zonen dieser marinen 
Kalkstufe unterkam, waren kleine Paronaeen, auch Gümbelien (perforata) 
Assilinen, die keinesfalls für die Zugehörigkeit zum Untereocän sprachen. 

Ferner bemerkt er, daß Schwager die ägyptische Alveolina 
ovulum Stäche der untereoeänen libyschen Stufe mit cfr. versah, daß 
also auf Grund dieser Form keine Schlüsse auf ein untereoeänes 
Alter des dalmatinischen Alveolinenkalkes gezogen werden dürfen. 



[3] Zur Stratigraphie des istrisch-nordilalmatinischcn Mitteleocäns. 1 ' } ^ 

Die von Stäche gebrauchte Bezeichnung Orbitulinen wird als un- 
genügend bezeichnet, da sie den Leser im unklaren lasse, ob 
Orbitoiden oder Orbitolites gemeint sei. Auf Grund eines ziemlich 
reichen Materials kann ich sagen, daß von Stäche Orbitolites com- 
planata 1 ) gemeint ist; Orbitoiden sind in den obersten Zonen des 



>) Orbitolites complanata Lamk. kommt im Eocän der österreichischen 
Küstenländer in drei Niveanx vor: 1. im Hauptalveolinenkalk, 2. in den Kalksand- 
steinen des oberen Mitteleocäns und 3. in den Prominamergeln. Während sich die 
beiden letzten Vorkommen auch in den Größenausmaßen gleichen, unterscheiden 
sich die im Hauptalveolinenkalke vorkommenden durch ihre durchweg geringe 
Größe, etwa 10 mm im Durchmesser, auch weniger, und etwas größere Dicke 
(cf. Carpenter Phil. Trans. 1856). Sonst vermochte ich keine Unterschiede feststellen, 
sie entsprechen der Darstellung in Douvilles „Essai d'une revision des Orbi- 
tolites" (Bull. soc. geol. France 1902, IV. 8er., Tome II, pag. 296). 

Aus dem Alveolinenkalke kenne ich diese Form aus Norddalmatien (Zara, 
Zaravecchia, Vrana, Zaton, Scogl. Lizanj. Insel Pasman, Castelvenier), aus lstrien 
(Carpano, ßuje), Krain (s. o. Pule bei Vrabze, leg. Kossmat), Metkovic, Hum bei 
Mostar (Herzegowina). Außerdem ist sie nach Angaben von Herrn Hofrat Stäche 
im Alveolinenkalk zwischen Monte Obcina und Aurisina bei Triest häutig. 

Auch in den Kalksandsteinen des oberen Mitteleocäns ist diese Form stellen- 
weise sehr reich entwickelt, und zwar in 30—40 mm großen düunen Exemplaren. 
So fand ich sie in Norddalmatien bei Kasiö, Ostrovica, Benkovac (WH. Kozlovac), 
Bribir, sah sie in Gesteinsstücken, die Dr. L. Waagen aus diesem Niveau des 
Bescatales (Veglia) mir zeigte. Es sind dies die großen Orbitulinen von 30 — 50 mm 
bei Stäche, die Oppenheim (Beitr. z. Pal. Ost. XIII, 1901, pag. 189) erwähnt 
und von denen er nicht weiß, was der Autor unter dieser Bezeichnung meine. 
Ebenso sind die cyclolinenartigen, großen, sehr dünnen Foraminiferen auf diese 
Art zu beziehen, die Bittner am Wege von Stolac nach Domanovic (Herzegowina) 
„in grobbankigen, blaugrauen, kalkigsandigen Schichten mit einzelnen Nummuliten, 
Pecten-Schevben, Austern und verkohlten Pflanzenresten" fand, desgleichen südlich 
bei Domanovic „mit zahlreichen Nummuliten vom Typus der N. perforata". (Jahrb. 
d. k. k. geol. R -A. 1880, pag. 409.) Auch in Dalmatien kommt diese flache große 
Form in petrographisch ganz ähnlichen Schichten vor, wie sie Bittner von 
Stolac beschrieb, nur sind stellenweise auch reiche Faunen höher entwickelter 
Fossilien vorhanden, von anderen Foraminiferengattungen vorwiegend Rotaliden, 
Milioliden, Textularien, Polymorphinen, also gleichwie im tieferen Niveau Küsten- 
formen, allerdings zum Teil andere Gattungen. 

Kleine kaum 10 mm im Durchmesser betragende Exemplare fand ich ver- 
einzelt in den obereocänen (vielleicht schon uuteroligocänen) Prominamergeln von 
Novigrad (Norddalmatien), ebensolche sowie große (bis 40 mm) sah ich in einer 
Suite von Versteinerungen aus dem Prominagebiete, die mir Herr Professor 
0. Schmidt (Basel) kürzlich übersandte. Nach dem von Herrn Professor Schmidt 
freundlichst beigefügten Profil stammen diese von Herrn Preiswerk bei Strauik 
bei Bogitid gesammelten und dem Museum der Universität Basel gehörigen Stücke 
aus dem zweiten, also schon höheren Niveau der Prominaschichten. 

Im vicentinischen Tertiär kommt Orbitolites complanata Lam. sowohl in den 
Alveolinenkalken als auch im Ilarioneniveau vor, wo ich ihn mehrfach stellen- 
weise recht häufig fand. In Südtirol (Val di Non) fand ich ihn in einer wahr- 
scheinlich bereits obereocänen grünerdehaltigen Nummuliten- und Orbitoidenbreccie 
(N. complanata — Tschihatcheffi) in seltenen kleinen (4-5 mm) Exemplaren. 

Wie aus vorstehendem wohl klar erhellt, ist Orbitolites complanata Lam. 
keineswegs eine so bezeichnende „Grobkalkform", das heißt für das Parisien be- 
zeichnend, wie dies bisher vielfach geglaubt wurde. Daß diese Form in den zwischen 
Alveolinenkalk und den oberen Kalksandsteinen befindlichen Schichten im Küsten- 
gebiete anscheinend gänzlich fehlt, kann bei den Tiefenverhältnissen, die zu jener 
Zeit herrschten, nicht befremden. Denn auch die rezente Orbitolites nahe verwandte 
und damit vielfach verwechselte Marginopora ist eine ausgesprochene Küstenform. 

Im französischen Eocän kommt diese Form nach Douville (1. c. pag. 297) 
im mittleren Grobkalk vor, auch im Eocän von Bordeaux, wo sie auch ins Ober- 
eocän reichen soll. 

20* 



156 



R. J. Schubert. 



[4] 



Hauptnummulitenkalkes übrigens auch bisweilen recht häufig. Oppen- 
heim kommt pag. 189 zum Schlüsse, daß im istro-dalmatinischen 
Gebiete der Hauptnummulitenkalk entweder nur den Schichten mit 
Nummulites laevigatus entspricht „oder daß, wenn auch der Horizont 
des Nummulites perforatus mitvertreten ist, S t a c h e s Hauptalveolinen- 
kalk stellenweise eine andere Fazies seiner zweiten großen Abteilung 
bildet und mit dieser zeitlich zu identifizieren ist". 

Über die Unanwendbarkeit der Harp eschen Zonen auf das 
dalmatinische Eocän habe ich mich bereits einigemal ausgesprochen, 
hier möchte ich im Anschlüsse an Oppenheims obige Vermutung 
nur betonen, daß Stach es Hauptalveolinen- und Nummulitenkalk 
im istro-dalmatinischen Gebiete zeitlich sicher von den „Mergel- 
schiefer- und Tonablagerungen" unterschieden ist, wie ich im 
weiteren noch ausführlich dartun will. 

Bei Besprechung der zweiten Stacheschen Gruppe, der „Mergel- 
schiefer- und Tonablagerungen", weist Oppenheim darauf hin, daß 
die Faunen derselben anf Mittel- bis Obereocän hinweisen, daß er 
keinerlei Beziehungen zu Formen des Priabonien, noch weniger aber 
zu demjenigen des typischen Oligocäns der Schichten von Sangonini 
und Crosara fand, auch Nummulites Fichteli intermedius nirgends 
beobachtete. Er kommt auf die bereits geäußerte Ansicht zurück, 
daß der Unterschied zwischen dem Hauptnummulitenkalke und den 
oberen mitteleocänen Schichten doch nur fazieller Natur sein könnte, 
wozu ihn vornehmlich das Vorkommen von Cerithium vicentinum Bay., 
„einer Leitform des Monte Postale" in Ostrovica, veranlaßt zu 
haben scheint. 

Von Stach es dritter Abteilung lagen ihm nur Fossilien aus 
der nord- und mitteldalmatinischen Entwicklung — vom Monte Pro- 
mina — vor. Die Süßwasserschichten mit Cyclotopsis exarata und 
Coptochüus imbricatus werden als obereocän, die oberen marinen als 
unteroligocän angesehen. Zusammenfassend gibt er folgende Übersicht : 



I Strien— Dalmatien. 

1. Alveolinenkalk 

2. Mergel und Tone 
von Dubravica etc. 

3. Mergel von Kosavin 



Vene ti en. 
Monte Postale etc. 
S. Giovanni Ilarione 

Roncä 



4. Süßwasserfauna des Süßwasserabsätze von 

Monte Promina Roncä 

Altissimo, Pugnello etc. 

5. Obere marine Fauna Priabona— Laverda — 
des Monte Promina Sangonini 



Stufe. 
Unteres Lutetien 
Oberes Lutetien 

Bartonien 
Oberes Bartonien 

Priabonien— Ligurien 



[5] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 157 



II. Untereocän. 

Was nun das Alter der untersten eocänen Sedimente des 
österreichischen Küstenlandes betrifft, so habe ich mich mit diesen 
vorzugsweise limnischen Gebilden einerseits nicht selbst eingehender 
zu befassen Gelegenheit gehabt, will anderseits auch in keiner Weise 
den diesbezüglichen Mitteilungen des Altmeisters der küstenländischen 
Geologie Stäche vorgreifen, der ja in Bälde den zweiten Teil seiner 
liburnischen Stufe zu veröffentlichen beabsichtigt. 

Soviel scheint mir indes aus meinen Studien über das marine 
Mitteleocän hervorzugehen, daß wenigstens der obere Teil der lim- 
nischen und brackischen Schichten als untereocän bezeichnet werden 
muß. Denn wenn auch im nördlichsten (Krainer) Verbreitungsbezirke 
der liburnischen Schichten der untere Teil derselben mit Rudisten- 
kalken zu wechsellagern und noch zur Kreide zu gehören, in seiner 
Gesamtheit also ein Bindeglied zwischen der marinen Kreide und 
dem marinen Tertiär darzustellen scheint, verhalten sich die nord- 
dalmatinischen Vorkommnisse doch wesentlich anders. Die Kreide ist 
scharf gegen das Tertiär abgegrenzt, in den obersten Lagen erodiert 
und brecciös. Im nördlichsten Dalmatien sind die Kosinakalke, wenn 
sie nicht ganz fehlen, meist kärglich und gut von der Kreide und 
vom überlagernden Alveolinenkalke trennbar. Gegen Mitteldalmatien 
nehmen die Kosinakalke an Mächtigkeit zu und zwischen ihnen und 
den Alveolinenkalken sind wieder Milioliden- und Peneropliskalke ein- 
geschaltet, während dort, wo die Kosinakalke fehlen oder nur wenig 
mächtig sind, die marine Schichtenreihe häufig mit Alveolinenkalken 
beginnt, welche mit an Milioliden und Peneroplis reichen und an 
Alveolinen armen Bänken mehrfach wechseln. Diese letzteren Vor- 
kommen bestimmten mich vor zwei Jahren, diese lediglich mit im- 
perforaten Foraminiferen erfüllten marinen Kalke als Imperforaten- 
kalk zusammenzufassen. Ich erkläre mir diese Verschiedenheit der 
über dem Kosinakalke lagernden Schichten im Hauptverbreitungsgebiete 
der mitteldalmatinischen Kosinaschichten (Miliolidenkalk und darüber 
Alveolinenkalk) von der Ausbildung im nördlichen Dalmatien (Imper- 
foratenkalk) dadurch, daß sich in Mitteldalmatien die Gewässer, in 
denen der Kosinakalk abgesetzt wurde, länger erhielten als in Nord- 
dalmatien, wo sie streckenweise übrigens ganz fehlten, wie ja auch 
die bedeutendere Mächtigkeit der mitteldalmatinischen Kosinakalke 
dies zu beweisen scheint. Das wieder vordringende Eocänmeer fand 
daher in Mitteldalmatien Süßwasserflächen, in Norddalmatien P'estland 
vor. Während daher rein marine Schichten mit Alveolinen als Basis 
der marinen Eocänschichten in Norddalmatien vorhanden sind, würden 
die Milioliden und Peneroplis der „oberen Foraminiferenkalke", der 
zwischen den Kosina- und Alveolinenkalken eingeschalteten Schichten 
Mitteldalmatiens, als brackische Formen aufzufassen sein. Denn diese 
beiden Foraminiferentypen sind zwar im wesentlichen gleich den 
Alveolinen marine Küstentypen, können sich jedoch auch an schwach 
gesalzenes Wasser anpassen, was von den höher organisierten Alveolinen 
bisher nicht bekannt ist. 



158 K. J- Schubert. [6] 

Da nun Miliolidenkalke in Mitteldalmatien und Istrien an der 
Basis der eocänen Foraminiferenkalke lagern, scheint es mir sicher, 
daß die norddalmatinischen Imperforatenkalke im wesentlichen den 
südistrischen und mitteldalmatinischen Milioliden- und Alveolinen- 
kalken altersgleich sind. Weniger sicher möchte ist dies für Veglia, 
und das kroatische Festland annehmen, da L. Waagen das obere 
Mitteleocän stellenweise transgredierend auf der Kreide fand 
(Murvenica). 

Wie ich im folgenden näher begründen werde, ist der größte 
Teil des Alveolinenkalkes bereits sicher als mitteleocän aufzufassen. 
Ob man nun die oberen Foraminiferen- (Milioliden- und Peneroplis-) 
kalke und dementsprechend auch die unteren Bänke des Imperforaten- 
kalkes an die Basis des Mitteleocäns stellt oder als oberstes Unter- 
eocän auffaßt, ist im Grunde genommen ja gleich und bisher durch 
Fossilfunde nicht entscheidbar, soviel scheint mir sicher, daß wenigstens 
der nord- und mitteldalmatinische (also obere) Kosinakalk als das 
unmittelbare Liegende der mitteleocänen Schichten, in welche er 
stellenweise allmählich übergeht, unter eocänen Alters ist. 

Ich bin um so mehr davon überzeugt; als ich lediglich aus strati- 
graphischen Gründen zu dieser Ansicht gelangt, fand, daß Sand- 
berger in seinen „Land- und Süßwasserkonchylien der Vorwelt" 
(1870 — 1875) auf Grund paläontologischer Untersuchungen zum gleichen 
Ergebnis gekommen war. Denn pag. 138 heißt es: „Irgendwelche 
Arten, welche sich an die Fauna der obersten Süßwasserbildungen 
der Kreideformation enger anschließen, kommen in den Charenkalken 
nicht vor, dagegen eine Art, Cyrena suborbicularis Desh., welche 
sich im nordfranzösischen Untereocän wiederfindet, eine, welche 
typisch untereocänen äußerst nahe steht, Ihjdrobia chararum St., 
Melanin ductrix St. und asphaltica St., haben nahe Verwandte in anderen 
eocänen Schichten. Es liegt daher kein Grund vor, die Charenkalke 
nicht für untereocän zu halten." 

Daß De Stefani und Martelli vor kurzem (1902) das ge- 
samte Untereocän (Thanetien und Sparnacien) in den unteren Al- 
veolinenkalken vertreten glaubten, beweist gar nichts, da die beiden 
Forscher ihre Auffassung gar nicht begründeten und die Überein- 
stimmung des Eocäns von Metkovic mit dem Eocän des übrigen 
dalmatinisch-herzegowinischen Karstes groß genug scheint, um in 
der auf Seite 184 wiedergegebenen Schichtenfolge nicht das gesamte 
Unter- und Mitteleocän, sondern lediglich den größten Teil des 
Mitteleocäns zu sehen. Der Kosinakalk (Untereocän) fehlt offenbar 
an der von den Autoren studierten Lokalität, obgleich sein Vorkommen, 
als von Sabioncello seit Stäche bekannt sind, nicht befremden würde. 
Die Autoren heben (pag. 116) selbst das Fehlen der Kosinaschichten 
hervor. Auffällig ist jedoch ihre Angabe, daß die Kalke mit Milioliden 
und kleinen Alveolinen konkordant auf die Kreide folgen, wodurch 
allerdings ihre Auffassung vom tiefsteocänen Alter der Milioliden- 
und Alveolinenkalke verständlich wird. 



[7] Zur Stratigrapbie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 159 

III. Das Mitteleocän. 
1. Imperforatenkalk. 

Das konstanteste Schichtglied der eocänen küstenländischen 
Schichtenfolge ist die unterste kalkige Gruppe Stach es, sein Haupt- 
alveolinen- und Nummulitenkalk; selbst dort, wo im stärker 
gefalteten und denudierten Gebiete die jüngeren Eocänschichten 
fehlen, ist dieser Kalkkomplex vielfach noch erhalten und erweist 
sich sehr brauchbar sowohl zur Deutung der stratigraphischen als 
auch der Aufbauverhältnisse. Foraminiferen sind die überwiegenden 
zumeist ausschließlich bestimmbaren Fossilreste, und zwar in den 
tieferen Zonen vorwiegend Alveolinen, in den oberen Nummuliten. 
Daß die ersteren in der Regel auch mit anderen imperforaten 
Gattungen (Miliolina, Spiroloctdina, Peneroplis, Orbitolites) in ver- 
schieden wechselnden Mengen vergesellschaftet sind, wurde bereits 
im vorstehenden erwähnt. Es war dies auch der Grund, der mich 
veranlaßte, für die unteren Kalkschichten dort, wo an der Basis der 
Foraminiferenkalke keine ausscheidbaren Miliolidenkalke vorhanden 
sind, den Ausdruck Imperforatenkalk oder im Gegensatz zu im 
obersten Mitteleocän nochmals erscheinenden Imperforatenschichten 
den Ausdruck Hauptimperfo raten kalk zu gebrauchen. Mir 
schien diese Faunenvergesellschaftung um so hervorhebenswerter, als 
die Mikroforaminiferen, die im Hauptnummulitenkalk und in den 
oberen mittelocänen Nummulitenschichten vergesellschaftet vorkommen, 
ganz überwiegend zu perforaten Gruppen gehören, denen ja auch die 
Nummuliten und Orthophragminen (Orbitoiden) angehören. Ich erwähne 
hier nur kurz die in den Nummulitenschichten von mir bisher fest- 
gestellten Gattungen Lagena, Nodosaria, Marginulina, Cristellaria, 
Bigenerina, Pleurostomella, Uvigerina, Polymorphina, Gaudryina, Tex- 
tidaria, Clavidinia, Truncatulina, Rotalia, Discorbina, Globigerina, 
Siderolina, Dimorphina, Cassidulina, Bulimina, Flabellina. Der Über- 
gang des Hauptalveolinenkalkes in den Hauptnummulitenkalk erfolgt 
zumeist allmählich, aber die Grenzzone zwischen diesen beiden, 
in den extremen Ausbildungsweisen leicht unterscheidbaren Gebilden 
ist zumeist sehr schmal. An manchen Orten sind allerdings den 
tieferen Lagen der Alveolinenkalke schon kleine Nummuliten ein- 
geschaltet (N. planulata fand ich jedoch nie darin), ebenso reichen 
die Alveolinen bisweilen bis in die obersten Lagen des Hauptnummu- 
litenkalkes, ohne daß jedoch die kartographische Trennbarkeit der 
beiden Gebilde wesentlich beeinträchtigt würde. Der Imperforaten- 
kalk ist in dem in Rede stehenden Gebiete fast durchweg mächtiger 
entwickelt als der Nummulitenkalk, in Norddalmatien nimmt er etwa 
zwei Drittel bis drei Viertel der Mächtigkeit der Kalkgruppe ein. 

Das Alter dieser Kalke ist durch die eingeschlossenen Fossilien 
mit ziemlicher Sicherheit festzustellen. Der Hauptnummulitenkalk 
— die obere Gruppe — mit seiner reichen Fauna von Gümbelia 
perforata Lucasana, Paronaea complanata Tchihatcheffi, Assilina spira 
wurde ja recht allgemein als mitteleocän aufgefaßt. Weniger ein- 



160 R- J- Schubert. [8] 

heitlich war bisher die Auffassung des Imperforatenkalkes. Während 
die unteren Bänke, die Miliolidenkalke, noch als protocän aufgefaßt 
wurden, faßte man vielfach den Alveolinenkalk als im wesentlichen 
untereocän auf. Außer den noch nicht abschließend bearbeiteten Alveo- 
linen und den zur näheren Altersbestimmung unbrauchbaren Milioliden 
und Peneroplis ist unter den Foraminiferen der unteren Kalkpartien 
Orbitolites complanata die häufigste Form und infolge ihrer Größe 
sehr auffällig und leicht zu erkennen. Diese Form allein genügt 
schon, um ein untereocänes Alter des Hauptalveolinenkalkes weniger 
wahrscheinlich zu machen. Denn wenngleich diese Form auch ver- 
einzelt ins Obereocän geht, ist doch die Hauptverbreitung derselben 
im Mitteleocän (cf. H. Douville, Essai d'une revision des Orbi- 
tolites, Bull. soc. geol. France 1902, IV. Ser., Tom. II, pag. 296/297). 
Auch in den vicentinischen Alveolinenkalken, die allgemein als mittel- 
eocän gelten, ist diese Art in gleicher Häufigkeit und Ausbildung 
vorhanden. 

Außerdem liegen mir auch Fossilreste höherer Organismen 
aus dem Hauptalveolinenkalke vor, die gleichfalls sämtlich für ein 
mitteleocänes Alter der Alveolinenkalke sprechen. Mein Kollege 
Dr. L. Waagen fand heuer bei Alb o na in Südistrien (SW vom 
45er Schacht des Kohlenwerkes Vines bei Albona) im Hauptalveolinen- 
kalke, in dem auch bereits einige Nummuliten vorhanden waren (auch 
Gümbelia perforata) eine kleine Suite von Fossilien, die er mir in 
dankenswerter Weise zur Durchsicht überließ; ich stellte darin fest: 

Gümbelia perforata 

Orbitolites complanata 

Alveolina sp. sp. 

Velates Schmidelianus Chemn. 

Tecten äff. Venetorum Opp., aber flachere und zahlreichere Rippen. 

Spondylus sp. 

Ranina Marestiana Koen. 

Ferner fand ich im Museum der k. k. geologischen Reichsanstalt 
einige aus einer älteren Einsendung stammende Fossilien aus dem 
istrischen Hauptalveolinenkalke, und zwar vom Nordrande des Bujaner 
Aufbruches : 

Carse tte bei Buje: 
Velates Schmidelianus 
Pleurotomaria sp. 
Pecten äff. Venetorum Opp., ähnlich wie von Albona. 

Sterna bei Buje: 
Terehellum-'Frsigmente vom Habitus der in den jüngeren mittel- 
eocänen Schichten vorkommenden. 

Außerdem fand ich in Norddalmatien (Gorcina im Vranasumpf, 
im tieferen Alveolinenkalk) nebst verdrückten Gastropoden kleine 
Pecünes aus der Verwandtschaft des Pecten Venetorum Opp., was 
Rippenstärke und Form anbelangt, der typischen mitteleocänen Form 
näher als die istrischen Vorkommnisse. 



[9] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischea Mitteleocäns. |f>] 

Auch F. K atz er fand an der Grenze des Milioliden- und Al- 
veolinenkalkes bei Dubravica in der Herzegowina nahe der dalma- 
tinischen Grenze Fossilien (Natica Vulcani Brongn., N. cf. incompleta 
Zitt.), die keineswegs für ein untereoeänes Alter des Alveolinenkalkes 
sprechen (cf. Geologischer Führer durch Bosnien und die Herce- 
govina. Sarajewo 1903, pag. 253), weshalb Katzer auch 1. c. pag. 254 
annimmt, daß die Milioliden- und Alveolinenkalke nicht wesentlich 
unter das Mitteleocän herabgehen dürften. 

Alle diese Tatsachen lassen mit Sicherheit darauf schließen, 
daß der istrisch-dalmatinische (und herzegowinische) Alveolinenkalk 
einen bereits ausgesprochenen mitteleocänen Charakter besitzt. Dies 
scheint mir in Norddalmatien auch für den gesamten Imperforaten- 
kalk zu gelten, da ich bezeichnende Mitteleocäntypen auch schon in 
den unteren Lagen desselben fand. Wenn meine oben dargelegte 
Ansicht von der Gleichaltrigkeit des unteren Imporferatenkalkes und 
des „oberen" Foraminiferen (Milioliden- und Peneroplis)kalkes richtig 
ist, dann liegt kein Grund vor, nicht auch diesen „oberen Forami- 
niferenkalk" noch zum Mitteleocän zu ziehen und an die Basis des- 
selben zu stellen. Und in der Tat sprechen auch die Verhältnisse 
des benachbarten vicentinischen Tertiärs, mit dem ja das istro- 
dalmatinische Tertiär mehrfache Analogien aufweist, für einen solchen 
Vorgang. Munie r-Chalmas gab 1891 (Etüde de tith., cret., ter- 
tiaire du Vic. Paris, pag. 37 u. ff.) folgende Gliederung des vicen- 
tinischen Mitteleocäns: 

II. 1° Cahaire ä Lithothamnium Bolcense Mun: Gh. 

2° Calcaire ä Alveolina Postalensis Mun. Ch. et Sohl. 
3° Calcaire ä Nummulites Pratti Arch. 

III. 1° Couclies ä Nummulites perforata 

2° Couches ä Nummulites Brongniarti. 

Mit ziemlicher Sicherheit sind als Äquivalente von M u n i e r- 
Chalmas' dritter Gruppe S. Giovanni Ilarlone die mergeligsandigen 
Schichten in Istrien und Norddalmatien aufzufassen, vielleicht auch 
der Hauptnummulitenkalk, insofern wenigstens, als in ihm bereits 
Nummulites petforata in üppiger Entfaltung vorhanden ist. Wenn nun 
der istrische Hauptalveolinenkalk mit den vicentinischen Alveolinen- 
kalken gleichaltrig ist — und wenn ich bisher keine sicheren Gründe 
dafür anführen kann, so weiß ich noch weniger, warum dies nicht 
der Fall sein sollte — dann würde dem Lithothamnienkalke an der 
Basis des vizentinischen Mitteleocäns der gleichfalls eine Küsten- 
fazies repräsentierende Milioliden- und Peneropliskalk (der „obere 
Foraminiferenkalk") in Istrien entsprechen; und in diesem Falle 
wäre das mitteleocäne Alter des „oberen Foraminiferenkalkes" er- 
wiesen, da ja im vicentinischen Lithothamnienkalk nach Munier- 
Chalmas (1. c. pag. 39) auch Nummulites atacica Arch. vorkommt. 

Dann ergäbe sich eine Gleichstellung des vicentinischen Unter- 
eoeäns — des Spilecconiveaus — mit wenigstens den oberen Partien 
des Kosinakalkes, die ja, wie oben dargelegt wurde, mit ziemlicher 
Sicherheit als untereoeän aufgefaßt werden können. Durch die An- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanstalt, l ( J05, 55. Band, 1. Heft. (R. J. Schubert.) 21 



162 R- J- Schubert. [10] 

nähme, daß das österreichische Küstengebiet im Untereocän Fest- 
land war, würde sich auch die auffallige Tatsache erklären, daß bisher 
mitteleocäne Nummuliten vielfach aus dem istro-dalmatinischen Eocän 
zitiert wurden, typisch untereocäne jedoch bisher nicht bekannt sind. 
Ich hatte mehrfach Gelegenheit, selbst kleine Nummuliten aus den 
unteren Lagen der Alveolinenkalke zu untersuchen, doch waren 
es durchweg Typen, wie sie auch im Mitteleocän vorkommen, meist 
Paronaeen. Die sichere Bestimmung derselben ist nicht leicht, da die 
Stücke meist fest im harten Kalke eingeschlossen sind, oft auch noch 
der innere Aufbau schlecht zu beobachten ist. Die Schwierigkeit, 
diese kleinen Nummuliten des Alveolinenkalkes zu bestimmen, wurden 
auch kürzlich von De Stefani und Martelli anläßlich ihrer 
Untersuchungen über das Eocän von Metkovic *) hervorgehoben, doch 
sprachen die beiden Forscher die Meinung aus, es sei nicht aus- 
geschlossen, daß es sich bei diesen kleinen Nummuliten um das 
Nummulitenpaar N. elegans — planuluta handle. 

Ob man nun den „oberen Foraminiferenkalk" St ach es, den 
Kalk mit Milioliden und Peneroplis an der Basis des Alveolinenkalkes 
als oberstes Untereocän oder unterstes Mitteleocän auffaßt, in beiden 
Fällen ergibt sich, daß die an Süßwassergastropoden reichen Bänke 
des dalmatinischen und wenigstens teilweise auch des istrischen 
Kosinakalkes untereocän sind und für diese Gebilde kein zwingender 
Grund vorliegt, sie als protocän, als älter denn untereocän, zu 
bezeichnen. Denn im nördlichen Dalmatien (Sebenico) konnte ich mehr- 
fach eine so innige Verknüpfung der Gastropodenkalke mit Milioliden- 
bänken und dieser mit Alveolinenkalken beobachten, daß eine Lücke 
in der Schichtfolge ausgeschlossen war, in dem Sinne nämlich, daß 
nicht der Kosina- und Miliolidenkalk als protocän und der Alveolinen- 
kalk als mitteleocän aufgefaßt werden konnte. 



2. Hauptnummulitenkalk. 

Über den Hauptnummulitenkalk ist wenig zu sagen. Hier be- 
ginnt die Hauptentfaltung der Perforata- Gruppe mit den mannigfaltigen 
Abarten, daneben ist bereits hier streckenweise ebenso reichlich 
Paronaea complanata vertreten, obgleich er an manchen Orten in 
diesem Niveau noch zu fehleu scheint; von Assilinen kommt vornehm- 
lich A. spira vor, daneben oft zahllose Orthophragminen (0. ephip- 
pium und Asterocyclinen). Vereinzelt erscheinen auch Alveolinen. So 
sicher das mitteleocäne Alter dieses Schichtgliedes ist, so wenig- 
reichen die zitierten Fossilien zu einer näheren Parallelisierung mit 
entfernteren Eocänvorkommen aus. Es scheint mir auch gar nicht 
befremdlich, daß ein Versuch, das istrisch-dalmatinische Eocän etwa 
mindern des Pariser Beckens zu parallelisieren, eigentlich über 
annähernde und mehr minder subjecktive Gleichstellungen nicht hin- 
wegkommt. Es wäre im Gegenteil sonderbar, wenn in einem Gebiete, 
wie es das tertiäre Europa war, auf größere Entfernungen die ja 
großenteils auf Fazieswechsel gegründeten Unterabteilungen sich als 



') Roma, Ruiidiconti acc. Line. XI/1I, 1902, pag. 114. 



[11 | Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. [63 

völlig gleichaltrig erweisen und gleichstellen lassen würden. Bei dem 
spärlichen Vorkommen und meist minderen Erhaltungszustande der 
höheren Fossilien im Alveolinen- und Nummulitenkalke und dem 
Umstände, daß dieselben außerdem durch ihre meist weite vertikale 
Verbreitung (Terebellum, Velates Schmideliana, kleine Pectims) zu 
näheren stratigraphischen Detailgliederungen und Parallelisierungen 
wenig brauchbar sind, scheint es mir als das zweckmäßigste, bis nicht 
etwa besonders glückliche Funde es ermöglichen, von einer Paralle- 
lisierung mit dem Pariser Mitteleocän bis zu einem gewissen Grade 
abzusehen 1 ). Die naturgemäße Gliederung des istro-dalmatinischen 
Mitteleocäns ist die Zweiteilung desselben in eine untere kalkige 
und obere sandigmergelige Gruppe, also ähnlich, wie dies 
bereits von Stäche vertreten wurde, jedoch mit den bereits erörterten 
und fernerhin noch darzulegenden Unterschieden in der Altersdeutung. 
Diese Gliederung dürfte im wesentlichen mit der von Munier- 
Chalmas 1891 vom vicentinischen Mitteleocän gegebenen Einteilung 
zusammenfallen, die mitteleocänen Kalke größtenteils seiner zweiten, 
die Mergel und Sandsteine seiner dritten Gruppe entsprechen. Auch 
im Vicentinischen ist die untere Hälfte der mitteleocänen Schichten 
vorwiegend in kalkiger Fazies ausgebildet gleichwie im österreichischen 
Küstenlande. 



3. Mergel und Sandsteine des oberen Mitteleocäns. 

Nach dem Absätze des Hauptnummulitenkalkes trat in Istrien 
und Norddalmatien (soviel bisher nachgewiesen werden konnte) eine 
ausgesprochene Senkung des Meeresbodens ein, wie aus dem Charakter 
der Sedimente zweifellos hervorgeht. Das auf den Hauptnuinmuliten- 
kalk zunächst folgende Schichtglied ist eine zwar wenig mächtige, 
aber anscheinend recht konstante Zone von knollig-wulstartig verwit- 
ternden Mergeln in Norddalmatien nur mit Spuren, in Istrien dagegen 
mit reichlichen Resten von Krabben (Stach es Krabbenschichten), die 
sich vielfach als zur Zementerzeugung recht geeignet erwiesen 2 ). 

Diese Knol len(K rab be n)merge 1 bilden einen Übergang 
der kalkigen in die mergeligsandige Schichtgruppe. Infolge der 
chemischen Zusammensetzung mehr zur oberen Gruppe neigend, 
schließen sie sich anderseits landschaftlich, oft auch petrographisch 
mehr an die untere Gruppe an. Die zumeist nur wenige Schritte be- 
tragende Mächtigkeit, die von einer eigenen Ausscheidung dieser 
schmalen Gesteinszone Abstand nehmen läßt, bedingt auch, daß es 
für das Kartenbild von geringer Bedeutung ist, ob diese Knollen- 



J ) In ihrer vergleichenden Studie „Sur la nomenclature terr. sedim." (Bull, 
soc. geolog. France 1893 pag. 475) stellen Munier-Chalmas und Lapparen t 
ohne nähere Darlegungen die ..Schichten mit Nummulites laevigata Istriens sowie 
die Alveolinenschichten vom Monte Postale und der Umgebung von Triest" ins 
untere Lutetien, alle übrigen Schichten mit Nummulites perforata, complanata und 
Assilina ins mittlere oder obere Lutetien. Der Kosinakalk wird gleichfalls größten- 
teils als untereocän aufgefasst, also im ganzen eine Auffassung, die von derjenigen, 
zu welcher ich gelangte, nicht sehr verschieden ist. 

2 ) Vgl. Kerner, Erläur. z. geol. Karte Sebenico— Trau. Wien 1902, pag. 28. 

21* 



164 R- J- Schubert. [12] 

mergel noch mit den Kalken oder schon mit den Mergeln vereint 
werden. 

Die auf den Knollenmergel folgenden weichen, gelblichen 
bis bl cäu liehen, anscheinend fossilleeren Mergel stellen 
Absätze tiefer Meere vor, stellenweise wie bei Zara und Albona in 
der Fazies von Globigerinenschlick *), stellenweise (Banjevac, Lavsa, 
Zara) mit Clavulina Szaboi Hantken, dieser bis vor kurzem für einen 
obereoeän-unteroligoeänen Schichtenkomplex so bezeichnend gehaltenen 
Foraminiferenart. Die Mergel Südistriens und Norddalmatiens sind 
in ihrer Lagerung zwischen dem Hauptnummulitenkalke und den im 
folgenden zu besprechenden, gleichfalls noch mitteleocänen fossil- 
führenden Kalksandsteinen und sandigen Mergeln sicher mitteleocän 
und es scheint mir beachtenswert, daß diese küstenländische Fazies 
von Tiefseemergeln im Vicentinischen, soviel bisher bekannt ist, erst 
im Obereocän und Unteroligocän auftritt. 

Gegen das Innere Norddalmatiens (gegen das Verbreitungs- 
gebiet der Prominaschichten) zu sind jedoch bereits diese tiefsten 
Mergel sandig, fehlen auch anscheinend im Zermanjabereiche großen- 
teils, so daß sich unschwer erkennen läßt, daß die nach dem Absätze 
des Hauptnummulitenkalkes entstandene Tiefsee sich vorwiegend im 
Absatzbereiche des heutigen norddalmatinischen Küsten- und Insel- 
gebietes, sowie Südistriens befand. 

Die Tiefseemergel gehen nach oben zu in sandige Mergel 
und lockere bis feste Kalksandsteine über und hier stellen 
sich jene ziemlich reichen Faunen ein, die im folgenden Gegenstand 
näherer Ausführungen sein sollen. Ich will zunächst eine von mir selbst 
vor zwei Jahren in Kasic bei Smilcic aufgesammelte Fauna besprechen, 
da diese aus wenigen unmittelbar übereinander folgenden Sandstein- 
bänken stammt, so daß die Fauna sicher einheitlich ist, sodann die 
südöstlich gelegenen Lokalitäten Ostrovica, Dubravica, Vacciane und 
die quarnerischen, kroatischen und istrischen Fossilfundstellen dieses 
Niveaus und zum Schluß die stratigraphischen Verhältnisse des 
Eocäns von Spalato, Metkovic und des benachbarten Teiles der 
Herzegowina streifen. 

Kasic (bei Smilcic). 

Bevor ich auf die Fauna von Kasic näher eingehe, möchte ich 
Herrn Dr. P. Oppenheim für seine Unterstützung danken, die er 
mir bei der Bestimmung der Fossilien dieser Lokalität zuteil werden 
ließ, sowie Herrn Prof. Vinassa de Regny für einige freundliche 
Auskünfte betreffs Area roncana Vin. 

Über die Lagerungsverhältnisse bei Kasic habe ich bereits (Ver- 
handl. d. k. k. geol. R.-A. 1903, pag. 279, 280) mitgeteilt, so viel mir 
bekannt war. In diesem stark gestörten Gebiete 2 ) läßt sich vornehmlich 



*) Vgl. meine diesbezüglichen Ausführungen in Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
1902, pag. 267, 1904, pag, 115, 326, 336 über die Mergel von Banjevac, Zara, 
Lavsa, Albona. 

2 ) Vgl. R. J. Schubert. Das Verbreitungsgebiet der Prominaschichten. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1904, Heft 3—4. 



I 13] Zur Stratigraphie des istrisch-nonldalmatinischen Mitteleocäns. K;, r ) 

durch die Berücksichtigung der stratigraphischen Verhältnisse bei 
Islam sowie südöstlich Benkovac als so gut wie sicher annehmen, daß 
die Fossilien in den oberen Lagen der sandigen Mergel, beziehungs- 
weise Kalksandsteine vorkommen. Die Fundstellen sind an dem von 
Kovacevic (Kasic) — Ko/ul nach Smilcic führenden Fahrwege. 

Folgende sind die hauptsächlichsten von mir dortselbst gefundenen 
Fossilien *) : 

Placopsilina cenomana Orb. 

Orbitölites complanafa Lam. 

Orbitoides (Orthophrägmina) Pratti Mich. 

„ „ epMppium Schlofh. 

„ „ cf. aspera Gümb. 

„ „ dispansa Sow. 

„ „ Stella Gümb. 

Nummulites (Gümbelia) perforata Orb. 
„ „ lucasana Defr. 

„ (Paronaea) complnnafa Lam. 

„ „ striata Orb. 

„ „ contorta Desh. 

„ „ Gizehensis Ehr. 

„ (Assilina) granulosa Arch. 

„ „ mamillata Arch. 

Serpula spirulaea Lam. 
Heliopora Bellardii Haime. ME.— Ol. 
Cyclolites rhomboidcus Oppenh. ME. 
Pattalophyllia äff. dahnatina Opp. ME. 
Rhabdophyllia fallax Oppenh. ME. 

„ granulosa var. pachytheca Oppenh. ME. 

Columnastraea Caillaudi Mich. ME. 
Hydnoph yllia sp. 

Porocidaris Schmiedeli Milnst. R., L, ME., Ol. 
Ostrea cf. supranummuHtica Zittel. ME. — OE. 
Vulseüa elongata Schaur. ME.?, Ol. 

„ deperdita L. var. crispata. ME. 
Avicula äff. trigonata Lam. ME. 
Pecten Venetorum Opp. ME. 

„ sp. nov. äff. Venetorum Opp. 
„ corneus Sow. ME., OE., Ol. 
„ äff. subcorneus Arch. ME.? 
Lithodomus äff. cordatus Lam. ME. 

„ sp. nov. 

Area Ristorii Vinassa de Reg. R., I. 
„ äff. roncana Vin. R. 
„ äff. interposita Desh. ME. 
„ äff. granulosa Desh. ME. 
Cardium gratum Defr. ME. ; OE. 



x ) P. = Monte Postale, I. = Uarione, R. = Ronca, ME. - Mitteleocän, OE. 
Obercocän, Ol. = Oligocän. 



166 R- J- Schubert, [14] 

Lithocardium sp. non. ind. 

Solen cf. proximus Desh. ME., OE. 

Corbula exarata Desh. var. II. 

Velates Schmidelianus Chemn. ME. — Ol. 

Scalaria Lamarcki Desh. ME. 

Natica cepacea Lam. ME. — OE.? 

„ sigaretina Lam. ME. 

„ cf. incompleta Zittel. ME.— OE. 
Diastoma costellatum Lam. ME., Ol. 
Cerithium lamellosum Bvug. R., I., ME., OE. 

„ palaeochroma Baijan. P., ME. 

Terebellum cf. fusiforme Lam. ME., OE. 

„ cf. sopitum Sol. ME., OE. 

Conus semicoronatus Menegh. R. 

Wie aus den Nummuliten bereits erhellt, liegt in der Fauna von 
Kasic eine ausgesprochen mitteleocäne Fauna vor. Die Mollusken 
und übrigen Fossilreste lassen dies gleichfalls erkennen, wenngleich 
ein großer Teil derselben auch aus jüngeren Schichten bekannt ist. 
Allerdings sind mehrfach Beziehungen zu Ronca vorhanden und da 
ja neuerdings diese Lokalität von manchen bereits ins Obereocän 
gestellt wird, könnte man vielleicht auch für Kasic und die übrigen 
istro-dalmatinischen Lokalitäten dieses stratigraphischen Niveaus schon 
ein obereocänes Alter anzunehmen geneigt sein. Mir scheint die ganze 
Faunengesellschaft und vor allen die noch reichlich vorhandenen 
Gümbelien vom Perforata-Typus mit völliger Sicherheit noch für ein 
mitteleocänes Alter der Faunen von Kasic, Ostrovica etc. zu sprechen. 

Ostrovica. 

Bereits im XVIII. Jahrhundert war der Fossilreichtum dieser 
Lokalität dem Abbate Alberto Fortis bekannt, der 1776 zahlreiche 
Pfennigsteine „sowohl von der gemeinen Gattung mit verborgenen 
Windungen (Nummulites s. str.) als von der seltenen mit sichtbaren" 
(Assilina) „einen sehr schönen Chamiten, viel röhrigte Steinkorallen, 
übel zugerichtete afrikanische Echiniten, verschiedene einschalige 
Muscheln, besonders Cochliten und glatte Bucciniten sowie eine fremde 
Gattung von Steinschwämmen" (nach der Beschreibung wahrscheinlich 
Cyclolites) erwähnt. 

Auch Stäche und Oppenheim war dieses Fossilvorkommen 
bekannt, doch erst in neuester Zeit wurde die reiche Korallen-, 
Echiniden- und Molluskenfauna von Ostrovica von Dr. G. Dainelli 
zu Gegenstande eingehenden Studiums gemacht und beschrieben '). 
Auch ich konnte gelegentlich der geologischen Aufnahmen Versteine- 
rungen in der Umgebung von Ostrovica aufsammeln, allerdings keines- 
wegs soviel wie Dainelli. Ich muß mich daher darauf beschränken, 
die reiche von Dainelli veröffentlichte Fauna mit unwesentlichen 



') Rcndiconti acc lincei Roma 1904, XIII, pag. 277 u. ff., und Palaeont. Italica 
1904, pag. 141. 



[15] Zur Stratigraphie des istrisch-uorddalmatinischeu Mitteleocäns. K',7 

Änderungen mitzuteilen *) und derselben eine Liste der häufigsten dort 
von mir gefundenen Orbitoiden und Nummulitiden voranzuschicken. 

Die Schichtfolge ist, abgesehen von lokalen, durch Störungen 
bedingten Ausnahmen, im wesentlichen von oben nach unten folgende: 

1. Konglomerate; 

2. Plattenmergel, in den untersten Lagen vielfach wenig plattig, 
mit Pflanzenresten ; 

3. sandige Mergel mit Orthophragminen oder Korallen und Gastro- 
poden (Velates etc.), auch Lagen, iu denen Orthophragminen, 
Nummulites perforata und complanata sowie Korallen gemischt 
vorkommen ; 

4. blaue und gelbe, knollige, meist verdrückte Mergel mit Num- 
mulites perforata; 

5. weiche Mergel mit härteren Kalksandsteinbänken, auch ver- 
einzelten Gerollen und Fossilien; 

6. Plattenmergel, meist versteinerungslos; 

7. Kalksandsteine, beziehungsweise Breccien; 

8. weiche helle Mergel mit härteren Mergel- und Kalksandstein- 
bänken. 

1. und 2. gehören offenbar bereits dem Komplex der Promina- 
schichten an, 3.- — 8. dagegen dem oberen Mitteleocän. Die Kalkreihe 
des Mitteleocäns tritt bei Ostrovica nicht zutage, erst viel weiter 
südlich in Kerkovic und Vuksic. Schichtgruppe 3 gehören die haupt- 
sächlichsten Fossilfundstellen an, und zwar, soviel mir bekannt ist, 
vornehmlich westlich und südlich der Ortschaft in dem Hügelzuge 
Lisane— Ponti di Bribir. 

Die soeben mitgeteilte Schichtfolge ist infolge der vielfachen 
Störungen und Rutschungen in diesem Mergelterrain zwar nur auf 
Grund mehrfacher Begehungen kombiniert und nicht eine durchweg 
sofort ersichtliche, gleichwohl erscheint es mir völlig sicher, daß 
die Fossilfundstellen dem oberen und obersten Mitteleocän und nicht 
dem tieferen Mitteleocän vom Monte Bolcaalter angehören. Sollten in 
der Fauna der Umgebung von Ostrovica tatsächlich nur aufs untere 
Eocän beschränkte Formen vorkommen, so wäre eher an Ein- 
schwemmung von älteren Typen in den Konglomeraten als an einen 
älteren Kalkaufbruch zu denken. 

Folgende Formen kann ich bisher anführen, die aus dem Mittel- 
eocän von Ostrovica bekannt sind: 

Orthophragmina (Orbitoides) Pratti Mich. 

„ ephippium Schloth. 

„ „ cf. tenella Gümb. 



x ) Da jedoch Herrn Dainelli nicht nur selbstgesammeltes Material vorlag, 
können manche jüngere Typen bereits aus den in der Umgebung von Ostrovica 
anstehenden gleichfalls fossilfübrenden Prominamergeln stammen. Ich weiß aus 
eigener Erfahrung, wie wenig die Umwohner diese beiden Fossiluiveaux aus- 
einanderzuhalten wissen. 



168 R. J. Schubert. [16] 

Orthophragmina (Orbitoides) stellata Arch. 

„ Stella Giimb. 

„ patellaris Schloth. 

variecostata Giimb. 
n „ dispansa £>ow. 

Orbitolites complanata Lam. 
Operculina granulosa Leym. 
Nummulites (Gümbelia) perforata Orb. 

B „ lucasana Defr. 

„ {Paronaed) Tchihatcheffi Arch. 

„ complanata Lam. 

n Gizehensis Ehr. 

„ (Assilina) exponens Sow. 

a B mamillata Arch. 

Heliopora Bellardii Hahne. 
Cyclolites rhomboideus Opp. 

„ Perezi Hahne 
Trochoseris NutJtritliii Dain. 
Cycloser is cfr. Vinassai Opp. 
Turbinoseris dubravicensis Opp. 

„ Pironai Ach. 

Cyathoseris dinarica Opp. 
Pironastraea discoides Ach. 
Siderastraea funesta Brongniart. 
Leptoseris Meneghinii Dam. 
Circophyllia gibba Oppenheim 
Pattalophyllia cijclolitoides Bellardi 
Rhabdophyllia fallax Opp. 
Colpophyllia flexuosa Ach. 

„ cf. Taramellii Ach. 

Heliastraea frhdana Oppenh. 
Trochosmilia Cocchii Ach. 
„ alpina Mich. 

Phyllosmilia calyculata Ach. 
Parasmilia cornnta Hahne 
Stephanosmilia Acltiardii Oppenh.? 
Barysmilia vicentina Ach. 
Columnastraea Gaillaudi Mich. 
Astrocoenia cf. spongilla Oppenh. 
Stylophora distans Leym. 
Trochocyathus Taramellii Ach. 
Millepora cf. dalmatina Oppenh,. 
Porocidaris Schmiedeli Münst. 
Micropsis Stachei Bittn. 
Leiopedina Tallavignesi Gott. 
Schizaster globulus Dames? 
Macropneustes brissoides Leske? 
Trachypatagus Meneghinii Desor 
Euspatangus formosus De Loriol 
Östren cf. supranummulitica Zitt. 



|17] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 1(59 

Anomia tenuistriata Desh. 
Spondylus cf. midtistr latus Desli. 
Eadula Katulici Dain. 
Chlamys Venetorum Oppenh. 

„ cf. plebeia Lam. 

„ dalmatina Dain. 
Septifer Eurydices Bayern. 
Pachyperna Oppenh eimi Dain. 
Area biangula Lam. 
„ cf. Perezi Bell. 
„ Cobellü Vinassa 
„ scabrosa Nyst. 
„ cf. Oottardi Vinassa 
„ cf. filigrana Desh. 
„ granulosa Desh. 
Cardita cfr. Baziniformis Oppenh. 
Grassatella Stachei Dain. 
Chama dissimilis Bronn. 
Axinus cf. Brongniarti Desh. 
Lucina callosa Lam. 

„ illyrica Oppenh. 

„ Escheri Mayer 

„ mutabilis Lam. 

„ gigantea Desh. 

„ elegans Defr. 

„ hermonvillensis Desh. 

„ saxoriwi Lam. 

„ Brusinae Dain. 
Cor bis lamellosa Lam. 
Cardium Röuaulti Bell. 

„ Massalongoi Dain. 

„ gratum Defr. 

„ cf. porulosum Sol. 

„ cf. gigas Defr. 

„ Lanzae Dain. 

„ obliquum Lam. 

„ ostrovicense Dain. 

,, polyptychum Bayan. 

„ Partschi Dain. 

„ Gasperinii Dain. 

„ semistriatum Desh. 

„ rhachitis Desh. 

„ Marchesettii Dain. 

„ Bittneri Dain. 
Cyrena sirena Brong. 
Tellina patellaris Lam. 

„ Martellii Dain. 
Solen plagiaulax Cossm. 
Pholadomya Puschi Gold f. 

„ cf. margaritacea Soir. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (R. J. Schubert.) 22 



170 ' R- J - Schubert. [18] 

Thracia Fortisi Dain. 
Corbula exarata Desh. 
Teredo Tournali Leym. 
Dentalium grande Desh. 

„ cf. sulcatum Lam. 

Pleurotomaria dalmatina Dain. 
Phasianella cf. turbinoides Lam. 
Liotia decipiens Bayan. ? 
Postalia Stefanii Dain. 
Delplrinula cf. scobina Brongn. 
Trochus Radimirii Dain. 
Trochus cf. semilaevigatus Greg. 

„ Zignoi Bayan. 

Nerita pentastoma Desh. 

„ cf. mammaria Lam. 
Velates Schmidelianus Chemn. 
Solarium cf. bistriatum Desh. 
Scalaria cf. Lamarckii Desh. 

„ Visianii Dain. 

„ ostrovicensis Dain. 
Turritella aspernla Brongn. 
Xenophora cf. umbilicaris Sol. 
Natica cepacea Lam. 
„ sigaretina Lam. 
., patulina Mun. Chat. 
„ Vulcani Brongn. 
„ parisiensis Orb. 
„ incomphta Zitt. 
Rissoina [Zebinella) bribirensis Dain. 
] Hastoma costellatum Lam. 
Melanatria vulcanica Schloth.? 
Cerithium Verneuili Reu. 

„ lamellosum Brug. 

„ corvinnm Brongn. 

„ Fontis-Felsinae Oppenh. 

„ gomphoceras Bayan.? 

„ Diaboli Brongn. 

„ Radimskyanum Dain. 

„ Chaperi Bayan. 

„ Lachesis Bayan. 

„ äff. cornucopiae Sow. 

„ Vicentinum Bayan. 

„ Cvijici Dain. 

„ coracinum Oppenh. 

„ vacianense Dain. 

„ pentagonatum Schloth. 

„ Vulcani Brongn. 

„ corrugatum Brongn. 

„ tristriatrum Lam. 

„ lemniscatum Brongn. 



[19] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocän«. 171 

Cerithium Dal Lagonis Oppenh. 

„ Ostrovicense Daln. 

Strombus Tournoneri Bayan. 
Terebellum fusiforme La in. 

„ sopitum Sol. 

„ pliciferum Baijan. 

Rostellaria crucis Bayan. 

Cypraea corbuloides Bell. 

„ Proser pinae Bayan. 

„ elegans Defr. 

Voluta Bezangonii Bayan. 

Dubravica (nördlich Scardona). 

Von dieser Lokalität gab zuerst Oppenheim 1 ) Fossilbe- 
schreibungen, und zwar überwiegend von Korallen. Auch die im 
Museum der k. k. geologischen Reichsanstalt befindlichen von Dubravica 
stammenden Versteinerungen sind zumeist Korallen, so daß ich der 
im folgenden wiedergegebenen Oppenheim sehen Fossilliste lediglich 
drei weitere Nummulitenarten (N. perforata, exponens, mamillata) hinzu- 
fügen kann, die gleichfalls dort stellenweise reichlich vorhanden sind. 

Schon die Nummuliten sprechen für die Zugehörigkeit dieser 
Lokalität zum oberen Mitteleocän und Herr Dr. von Kern er be- 
stätigte mir auch dies. Auch Oppenheim parallelisierte Dubravica 
mit S. Giovanni Ilarione, war aber geneigt, Ostrovica tiefer (Monte 
Postale) zu stellen. Gleichwohl läßt, abgesehen von den im vorste- 
henden erörterten stratigraphischen und faunistischen Gründen, auch 
ein Vergleich der Korallenfaunen von Dubravica und Ostrovica als 
ziemlich sicher annehmen, daß Dubravica ebenso wie Ostrovica und 
Kasic ins obere Mitteleocän gehört. 

Folgende Formen sind bisher aus dem Mitteleocän aus Dubravica 
bekannt : 

Assilina exponens Sow. 

„ mamillata Arch, 

Nummulites perforata Orb. 

Nummulites Lucasana Defr. (nach Oppenheim 
in den korallenführenden Bänken sehr häufig) 
Millepora dalmatina Oppenh. 
Heliopora Bellardii Hahne 
Cyclolites rhomboideus Oppenh. 
Cyathoseris dinarica Oppenh. 
„ cf. formosa Ach. 

Leptoseris (?) raristella Opp. 
Turbinoseris dubravicensis Opp. 
Pironai Ach. 



l ) Über einige alttertiäre Faunen der österreichisch-ungarischen Monarchie. 1901 . 

22* 



172 R- J- Schubert. [20] 

Barysmilia dalmatina Opp. 
Placosmilia lata Ach. 
Phyllosmilia calyculata Ach. 
Circophyllia gibba Opp. 
Pattalophyllia cyclolitoides Bell. 

„ dalmatina Oppenh. 

Astrocoenia Hoernesi Opp. 
Turritella trempina Carez 
Natica incompleta Zitt. 
Cerithium praebidentatum Opp. 
„ coracinum Opp. 

Vacciane. 

Weniger sicher und einheitlich scheinen die wenigen aus 
Vacciane (nordnordwestlich Scardona) bekannt gewordenen Fossilien 
zu sein. Oppenheim beschreibt Pholodomya Puschi Gold/., Thracia 
Hoernesi Opp., Velates Schmidelianus Chemn. ; im Museum der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt liegt nebst anderen verdrückten Fossilresten 
ein sehr guter Steinkern von Solen playiaulax Cossm. Während die 
beiden ersten Formen auf jüngere Mergel hindeuten, scheinen die 
beiden letzteren aus mitteleocänen Schichten zu stammen. Die 
Kern ersehe geologische Spezialkarte (Kistanje — Drnis) läßt bei 
Vacciane obere Nummulitenschichten (oberes Mitteleocän) und Pro- 
minaschichten erkennen. Es wird sich daher mit den als von dieser 
Lokalität stammenden Formen ähnlich verhalten wie bei Ostrovica, 
wo auch mitteleocäne und jüngere (gegen Lisane) Mergel fossilführend 
entwickelt sind, so daß von nichtkundigen Sammlern die verschieden- 
altrigen Fossilien nur als von jener Lokalität stammend weiter- 
verbreitet werden. 

Benkovac. 

Zwischen Ostrovica uud Kasic führen die mergeligen Sandsteine 
des oberen Mitteleocäns an mehreren Stellen Fossilien, allerdings 
meist Steinkerne und noch dazu verdrückt. So südöstlich Benkovac 
an der Straße nach Ponti di Bribir (südlich Podvornice), woselbst ich 
Porocidaris Schmideli, Velates Schmidelianus, Pecten Venetorum Opp., 
Vulsella elongata, außerdem Orbitolites complanata und zahlreiche Num- 
muliten (zumeist Giimbelien) und Orthophragminen nebst verquetschten 
Gastropodensteinkernen fand (cf. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1903, 
pag. 279). 

Islam— Radovin. 

Die Lagerungsverhältnisse dieser Mergel sind besonders in der 
Mulde von Islam — Radovin schön zu beobachten. Ich teile im 
folgenden hier nochmals die zum Teil (1903, 1. c. pag. 279) gegebene 
Schichtfolge mit: 



[21] Zur Stratigrapbie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 173 

(Oben.) 
Mächtige harte, hier fast fossilleere Kalksandsteine 
Nummulitenmergel mit 

Numnmlites perforata Orb. s. h. 

„ lucasana Defr, s. h. 

Assilina exponens Sow. h. 

„ mamülata Arch. h. 
Ortho phragmina cf. tenella Gümb. s. s. 
„ ephippium Schloth. s. 

„ dispansa Sow. s. s. 

„ Stella Gümb. s. s. 

Serpula spirulaea s. 

dünne Konglomeratbänke 

weiche, mit Quartär überdeckte Mergel 

wenig mächtige Bänke von plattigen Kalksandsteinen 

blaue und gelbe, zum Teil griffeiförmig abgesonderte Mergel 

(mit Mikrofauna). 
Knollenmergel und Hauptnummulitenkalk. 
(Unten.) 

Gastropoden, Korallen und Bivalven wie bei Kasic, Ostrovica 
sind hier zwar nur sehr spärlich, doch ist es ziemlich sicher, daß 
diese obersten Kalksandsteine, wenn sie nicht gleichaltrig, so doch 
um sehr wenig älter sind als diejenigen, welche an den oben be- 
sprochenen Lokalitäten die reichen Faunen einschließen. 

Insel Arbe. 

Ganz ähnlich sind diese mitteleocänen Mergel weiter im Nord- 
westen auf der Insel Arbe ausgebildet, wie die neuerlichen Unter- 
suchungen und Aufnahmsarbeiten von Dr. L. Waagen klarlegten. 
In den Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1904, pag. 285 beschreibt Waagen 
die Schichtfolge folgendermaßen: „Den Alveolinen-Nummulitenkalken 
sind zunächst ziemlich bröcklige (weiche) Mergel angelagert, welchen 
häufig dünne Sandsteinbänke (die Kalkmergel Radini skys) eingeschaltet 
werden. Nach oben nehmen diese Sandsteine zu sowohl an Zahl als 
an Mächtigkeit — man sieht Bänke bis zu 1 m Dicke — wodurch 
die Mergel fast vollständig verdrängt werden. Die noch höheren 
Mergel sind nur an wenigen Stellen erhalten." 

Auch hier an den jetzt Arbe aufbauenden Schichten ist also 
eine ausgesprochene Vertiefung des mitteleocänen Meeres nach dem 
Absätze der Hauptnummulitenkalke wahrnehmbar. Denn ich glaube, 
daß eine mikroskopische Untersuchung der tieferen bröckligen, weichen 
Mergel sicher gleichwie in Südistrien und Norddalmatien auch auf 
Arbe eine reiche Mikrofauna erkennen lassen wird. 

Die oberen Sandsteine sind reich an Nummuliten und werden 
an einer Stelle, soviel bisher bekannt ist, von Mergeln mit Kohlen- 
spuren überlagert, die vom Alter und der Fazies der Prominaschichten 
sein dürften (cf. Waagen, 1. c. 1904, pag. 286 und ff.). 



174 R. J. Schubert. [22] 

Insel Veglia. 

Etwas anders liegen die Verhältnisse auf der Insel Veglia. 
Das Eocän dieser Insel gliederte Stäche 1 ) folgendermaßen: 

<x) Nummuliten führ ende Kalkgruppe (untere Schichten- 
gruppe) : 

1. Boreliskalke, 

2. Hauptnummulitenkalk. 

ß) Gruppe der Konglomerate und Sandsteine (obere 
Schichtengruppe) : 

3. Versteinerungsreiche konglomeratische und mergeligsandige 
Schichten. 

4. Versteinerungsarme oder leere Sandsteine und Mergel 
(der eigentliche Flysch oder Macigno und Tassello 2 ). 

Die untere kalkige Schichtengruppe entspricht ganz dem Haupt- 
alveolinen- (bezw. Imperforaten-) und Hauptnummulitenkalke Nord- 
dalmatiens. Auch die Angabe Stach es, daß der erstere etwa 3 / 4 der 
ganzen Mächtigkeit dieses Kalkes betrage, paßt für Norddalmatien. 
Ebenso stimmen noch die unteren Teile der zweiten Schichtengruppe, 
da Stäche bereits (1. c. pag. 262) anführt, daß auf die Kalke zu- 
nächst eine normale Zone von (an makroskopischen 3 ) Versteinerungen 
sehr armen bläulichen tonigsandigen Kalkmergeln folgt und dann 
erst ein Wechsel von bald mehr mergeligen, bald mehr sandigen 
Schichten mit konglomeratischen Bänken und festeren Sandsteinen. 
Diese sind nun auch hier, gleichwie bei Kasic, Ostrovica, Dubravica 
u. a. die Fundstellen zahlloser Nummuliten und stellenweise auch 
höher organisierter Fossilien, namentlich Gastropoden, Bivalven und 
Korallen. Von den ersteren führte bereits L.Waagen 1902 4 ) einige 
Arten an, so von Sv. Duh: 

Nummulites Lucasana var. obsoleta Harp. 
„ perforata var. obesa Leym. 

„ {Assilina) exponens Söw. 

„ „ cf. subexponens Opp. 

und eine nahe verwandte Faunula von „westlich vom Jezero", 
daneben von Orbitoiden Orthophragmina dispansa und ephippium. 

Bei den Nummuliten ist auffallend, daß, obgleich hier typisch 
mitteleocäne Formen vorliegen, dieselben jedoch weitaus nicht so 
großen Typen des Nummulites perforata angehören wie die dalmati- 
nischen Formen im gleichen Niveau, wie ich mich selbst überzeugen 
konnte. Es liegt nahe, das Vorkommen dieser gleichsam eine Hunger- 



J ) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1867, pag. 258, 259. 

2 ) Ibidem pag. 264. 

3 ) Nach meinen Untersuchungen der norddalmatinischen und südistrischen 
faziell gleichen Mergel dieses Niveaus, dürften auch diese Mergel von Veglia reich 
an mikroskopischen Organismen, besonders Foraminiferen sein. 

*) Verhandl. geol. R.-A., pag. 72. 



[23] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 175 

rasse von N. perforata darstellenden, auf Veglia vorkommenden 
Form mit der gleich zu besprechenden faziellen Verschiedenheit eines 
Teiles der oberen Schichtgruppe der Insel Veglia von den gleich- 
altrigen norddalmatinischen Schichten in Verbindung zu bringen. Die 
Schichten der fossilreichsten Lokalität Murvenica (Porto Paschiek 
nach Stäche) liegen zwar, wie L. W a a g e n s Detailaufnahme 
darlegte, transgressiv auf der Kreide, doch kann nach den Fossil- 
vorkommen im ßescatale kein Zweifel darüber herrschen, daß die 
Lokalitäten Murvenica und „Bescatal" als gleichaltrig mit Kasic und 
Ostrovica bezeichnet werden können. Auffallend ist nun die Nr. 4 
der Stach eschen Schichtreihe: Der „eigentliche Flysch", der nach 
Stäche über den fossilreichen Schichten lagert und daher an- 
scheinend obereocän ist. Nach den Neuaufnahmen von L. Waagen 
liegen die Verhältnisse jedoch etwas anders. Wie dieser bereits in 
seinen Reiseberichten über Veglia mitteilte und mir ausführlich dar- 
legte, ist auf Veglia eigentlich kein ausscheidbarer Flyschkomplex 
vorhanden. Denn besonders zwischen Dobrigno und Besca nuova sind 
den Mergeln der Stach eschen Gruppe Nr. 3 in wechselnder Mäch- 
tigkeit und Zahl Flyschbänke eingelagert, d. i. Bänke glimmeriger Sand- 
steine; die im Habitus recht gut mit dem istrischen Flysch überein- 
stimmen. Streckenweise sind die Schichtflächen solcher härterer 
Flyschbänke besonders bei flacherer Lagerung auf größere Entfer- 
nungen bloßgelegt und erwecken dann den Anschein, als wenn es 
sich um einheitlichere Flyschvorkommen handle. In den Schluchten, 
besonders des Bescatales, sieht man jedoch deutlich eine mehr- bis 
vielfache Wechsellagerung von Mergel- und Flyschbänken mit einge- 
streuten Nummuliten, Bivalven und Gastropoden, die deutlich erkennen 
lassen, daß hier dasselbe Niveau wie von Sv. Duh und das vielleicht 
etwas jüngere von Murvenica zu suchen ist. 

Die Flyschbänke der Insel Veglia gehören daher im wesent- 
lichen noch ins obere Mitteleocän und sind zeitlich nicht von den 
versteinerungsreichen Schichten dieser Insel verschieden. 

Von den fossilreichen Lokalitäten dieser Insel ist besonders 
hervorzuheben das ValleMurvenica (östlich Dobrigno, an der Ost- 
küste von Veglia). 

Die Lokalität, von der die folgenden Fossilien stammen, ist die 
gleiche, welche Stäche 1 ) als „Umgebung der Ruine Paschiek und 
des Val Stipana", auch kurz Porto Paschiek bezeichnete. Wie die 
Neuaufnahme der Insel Veglia durch Dr. L. Waagen klarlegte 2 ) 
befindet sich das fossilführende Mitteleocän, von dem Stäche (1. c.) 
die Liste angab, am Südrande des Valle Murvenica und nicht des 
Valle Pasjak, zum geringeren Teil auch des Valle Vodica. An der 
ersteren Lokalität ist eine kleine Partie des oberen Mitteleocäns nach 
Waagens Angaben in eine Mulde der oberen Kreide ein- und 
dieser direkt aufgelagert. 

Die Umänderung des Lokalitätsnamens „Paschiek" in Murvenica, 
wie sie bereits Waagen vorschlug, scheint mir, abgesehen von der 



x ) Jahrb. k. k. geol. R.-A. 1867, pag. 263. 

2 ) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 223. 



176 R- J- Schubert. [24] 

topographischen Richtigstellung, auch insofern erforderlich, als der 
Name Pasjak auf der Spezialkarte (1:75.000) nicht eingetragen und 
nach Waagens Angaben auch im Volke wenig bekannt ist. 

Im folgenden gebe ich eine Liste von für Murvenica bezeich- 
nenden Fossilien. Es sind zum größten Teile solche, die bereits 
Stäche vorlagen und bei seiner Liste vom „Porto Paschiek" benutzt 
wurden. Außerdem sammelte Waagen gelegentlich seiner geolo- 
gischen Aufnahme auf Veglia Fossilien auf, die in der folgenden 
Liste zum Teil mitberücksichtigt sind. Die Bestimmungen, beziehungs- 
weise Revisionen wurden von Kollegen Waagen und mir gemeinsam 
durchgeführt und ich bin ihm dankbar, daß er mir erlaubt, seinen 
beabsichtigten ausführlichen Mitteilungen über Veglia vorzugreifen. 

Ostrea off. Martinsi Arch. 
Spondylus rarispina Desh. 

„ radula Lam. 

Cardita angusticostata Desh. 
Chamo, cf. calcarata Lam. 
Lucina corbarica Leym. 

„ cf. depressa Desh. 

„ äff. Cuvieri Baijan. 
Corbis lamellosa Lamk. 

„ off. lamellosa Lam. 
Corbula exarata Desh. vor. 

„ gallica Desh. 

„ äff. gallicula Desh. 

„ cf. anatina Lam. 
Delphinula lima Lam. 
Turbo? äff. scobina Brong. 
Velates Schmidelianus Chemn. 
Turritella carinifera Desh. 
„ imbricataria Lam. 

var. 
Cassis äff', harpaeformis Lam. 
Cypraea elegans Defr. 
Voluta äff. subspinosa (Bezangoni) 

„ crenulata Lam. 
Cerithium (Campanile) äff. cornucopiae ISoir. 
„ äff', mutabile Lam. 

„ aequist riatum Desh. 

Mit Ausnahme zweier Formen (Ostrea äff. Martinsi und Turbo ? 
scobina), die für oligocäne Ablagerungen bezeichnend scheinen, liegen 
überwiegend mitteleocäne Arten vor, daneben auch solche, die auch 
ins Obereocän hinaufreichen. Und auch von den zwei erstgenannten 
Arten ist die Auster aus der Verwandtschaft der 0. Martinsi schmäler, 
als es sonst diese Form zu sein pflegt, so daß sich diese Form ganz 
gut mit dem mitteleocänen Charakter der übrigen Formen in Einklang 
bringen läßt. Auch die zweite übrigens nicht besonders günstig er- 
haltene Form, die von Brong niart aus Castelgomberto beschrieben 



[25] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäng. 177 

wurde, dürfte auch in älteren Schichten vorkommen, da ja Dainelli 
Delphinula cfr. scobina Brong. aus Ostrovica anführt. 

Auch die übrigen von Stäche (1. c. pag. 2G4) bereits aus der 
"Umgebung von Dobrigno und aus dem Bescatale zitierten Formen 
stimmen großenteils mit der Fauna von Murvenica überein und passen 
recht gut in den Rahmen einer Fauna des oberen Mitteleocäns. 

Die Unterschiede, die zwischen den Faunen von Veglia und 
denen Norddalmatiens herrschen, sind wohl ohne Zwang auf die 
bereits in den Absätzen klar erkenntlichen Verschiedenheiten der 
physikalischen Beschaffenheit während der Zeit des obersten Mittel- 
eocäns zurückführbar. Veglia stellt in dieser Hinsicht einen Übergang 
zwischen dem oberen Mitteleocän Norddalmatiens und dem Flysch- 
bereiche Istriens dar. 

Istrien. 

Vom istrischen Eocän, und zwar von demjenigen der großen 
Doppelmulde von Triest— Pisino gab Stäche bereits 1864 1 ) folgende 
Gliederung: 

a) Untere Schichtengruppe (Gruppe der Kalksteine): 

1 . Cosinaschichten ; 

2. Milioliden- oder Foraminiferenkalke ; 

3. Borelis- oder Alveolinenkalke; 

4. Nummulitenkalke. 

ß) Obere Schichten g nippe (sandigmergelige Gruppe): 

5. Petrefaktenreiche Mergel und Konglomerate: 

a) Krabbenmergel, 

b) lose Mergel mit harten Bänken wechselnd, fossilreich ; 

6. petrefaktenarme Sandsteine und Mergel (Macigno und 

Tassello im engeren Sinne). 

Mit Ausnahme der unteren zwei Schichtglieder finden wir hier 
dieselbe Schichtfolge, wie sie Stäche von Veglia gab. Aus Schichte 3, 
dem Borelis- oder Alveolinenkalke, stammen die Fossilien von Buje 
(Carsette und Sterna), die auf das mitteleocäne Alter des Alveolinen- 
kalkes so eindringlich hinweisen. 

Der Hauptnummulitenkalk ist gleich dem norddalmatinischen 
ausgebildet. Auf ihm lagern bläulichgraue, kalkige, teilweise knollig- 
wulstartig abgesonderte Mergelschiefer, die sich „an manchen Orten 
zu hydraulischem Zement zu eignen scheinen". Wir haben in dieser 
nicht sehr mächtigen Schichte zweifellos das stratigraphische und petro- 
graphische Äquivalent der nord- und mitteldalmatinischen Knollen- 
mergel vor uns. Stäche hebt das konstante xVuftreten von Krabben in 
diesen Schichten hervor, und zwar als am häufigsten Cancer punctidatas. 



*) Dieses Jahrbuch, pag. 69 u. ff. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (R. J. Schubert.) 23 



178 R- J- Schubert. [26] 

In Dalmatien ist diese Zone allerdings zumeist fossilleer, doch konnte 
ich bei Orientierungstouren im Blatte Zara wahrnehmen, daß im 
Gebiete von Zara diese Mergelzone mächtiger ausgebildet ist als im 
übrigen Dalmatien und reich an Krabbenresten zu sein scheint. 

Auch die übrigen Mergel der Gruppe 5 weisen nach Staches 
ausführlichen Beschreibungen eine ziemliche Ähnlichkeit mit den 
norddalmatinischen Mergeln des oberen Mitteleocäns auf. Denn es ist 
„eine Reihe von loseren, mehr sandigen Mergeln, zum Teil mit 
Glaukonitkörnchen, welchen meist zunächst schmälere, bald aber auch 
zum Teil mehrere Klafter mächtige feste Bänke 1 ) von kalkigen kon- 
glomeratischen Schichten zwischengelagert sind. Wie ich an Mergeln 
dieses Niveaus aus der Umgebung von Albona (Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1904, pag. 336) nachweisen konnte, sind diese Gebilde stellen- 
weise reich an Mikroorganismen und stellen namentlich in den tieferen 
Partien Absätze eines tiefen Meeres dar, gleich manchen norddalmati- 
nischen, so daß auch noch diese tieferen Mergel faziell recht gut 
mit denen Norddalmatiens übereinstimmen. 

In den Oberen Lagen kommen die zum Teil reichen Fossilfaunen 
vor, also in derselben Lagerung wie bei Kasic, Ostrovica etc., von 
denen ich im folgenden nach den Stach eschen Aufsammlungen eine 
Liste der bezeichnendsten anführe. Wie ein Vergleich mit den 
zweifellos altersgleichen Fossilfaunen Norddalmatiens dartut, ist der 
Unterschied diesen gegenüber ein recht auffälliger, was wohl damit 
zusammenhängt, daß die Gewässer, in denen sich in der Folgezeit 
(Obereocän und Oligocän) die mächtigen Flyschmassen absetzten, bereits 
im oberen Parisien eine von den norddalmatinischen abweichende 
Beschaffenheit besaßen. Während sich die norddalmatinischen Faunen 
mehr an diejenigen des vicentinischen Eocäns anschließen, sind schon 
aus der im folgenden gegebenen Liste, sowohl was Gattungen als auch 
was Arten anbetrifft, auffällige Beziehungen der istrischen Mitteleocän- 
faunen mit denjenigen des nordalpinen Eocäns wahrzunehmen. 

Auffällig ist der große Reichtum an Echinodermen, der besonders 
von Taramelli und Bittner eingehend studiert wurde. Da diese 
Tierklasse an den norddalmatinischen Fossilfundstellen nur in ganz 
untergeordnetem Maße und überdies zumeist fragmentarisch vertreten 
ist, bringe ich in den folgenden Fossillisten vorwiegend Mollusken. 
Es ist wohl kein Zufall, daß die Seeigel im Spalatiner Miteleocän — 
abermals im Flyschbereiche — wieder eine reiche Entfaltung zeigen, 
während sie im norddalmatinischen Mitteleocän, wo die obereocänen 
und oligocänen Schichten in der Fazies der Prominaschichten aus- 
gebildet sind, so arm vertreten sind. 

Die 6. Gruppe — der Flysch — hat sich bisher so gut wie 
fossilleer erwiesen. Stäche führt zwar 1. c. pag. 79 schlecht erhaltene 
Dikotyledonenblätter und Süßwasserschnecken an, spricht jedoch selbst 
Zweifel an der Zugehörigkeit derselben zu den Eocänschichten aus. 
Gleichwohl läßt die Lagerung des istrischen Flysches in der Doppel- 



*) Die sich allerdings infolge ihrer mehr brecciösen und flyschähnlichen 
petrogranliischui UeschaftVnlieit von den norddalmatinischen unterscheiden. 



127] Zur Strafo'graphie des istrisöh-norddalmatiüisch&i Mitteleocäns. 17<) 

mulde von Triest — Pisino über den fossilreichen Schichten des oberen 
Mitteleocäns mit ziemlicher Sicherheit auf die Zugehörigkeit desselben 
zum Obereocän-Üligocän schließen. 

Die folgende Liste ist im wesentlichen eine von Dr. L. Waagen 
und mir revidierte zusammengefaßte Wiedergabe der bereits von 
Stäche 1864(1. c.) angeführten Mollusken. Außerdem wurden einige 
von Oppenheim (Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch. 1899, 
pag. 48) von Pinguente beschriebenen Arten einbezogen und einige 
wenige neue Angaben hinzugefügt. Am reichsten scheint die Lokalität 
Nugla (Rozzo) bei Pinguente zu sein, doch ist der Erhaltungszustand 
zumeist ein solcher, daß wenig mit den Fossilresten anzufangen ist 1 ). 

Ostrea Brongniarti Bronn. P., G. 
Spondylus bifarius Schafft. N. 

„ „ var. N. 

„ asperulus Münster. Pg. (Oppenh.) 

„ Münsteri Gämb. Pg. (Oppenh.) 

Peclen Tchih atcheffi Ar eh. Pg. (Oppenh.) 
„ tripartitus Lam. G.? 
„ äff. subtripartitus Arch. P., N. 
„ squamiger Schaf h. Pg. (Oppenh.) 
Lithodomus off. Deshayesi Lam. G. 
Neaera pisinensis Stäche MC. 
Crassatella äff. parisiensis Orb. N. 
cf. Anatina rugosa Bell. N. 
Teredo Tournali Leijm. Gh., N., Pis. 

cineta? Desh. MC, P. 
Pleurotomaria Deshayesi Bell. P., Gh., N. 
Velates Schmidelianus. P. 
Scalaria äff. crispa Lam, N., MC. 
Xenophora umbilicaris Sol. Pis. 

„ äff. confusa Desh. P. 

Strombus giganteus Münst. P. 
Morio diadema Desh. (= Cassidaria carinata Lam.). 

N., Gh., MC. 
Cypraea äff. inflata Lam. Gh. 
Voluta crenulata Lam. MC. 
Nautilus umbilicaris Desh, MC. 

„ (Aturia) ziezac Sow. (lingidakis Desh.) MC, N. 

Serpula spirulaea Leym. N., G., Gh. 

„ subparisiensis Greg. (Oppenh.) Pg. 



J ) G. = Galiguana, Gh. = Gherdosella, MC. = Monte Canus, N. = Nugla, P. 
Pedena, Pis. = Pisino, Pg. = Pinguente (Oppenheim). 

23* 



180 



R. J. Schubert. 



[28] 



Außerdem sind besonders Seeigel häufig, die ich jedoch aus dem 
bereits erwähnten Grunde nicht anführe. Der Fossilreichtum ist 
besonders bei Nugla weitaus größer, als aus der obigen Fossilliste 
ersichtlich ist, doch macht der oft sehr schlechte Erhaltungszustand 
der vorliegenden Stücke eine nähere Bestimmung fast unmöglich. 
Auch Oppenheim spricht von einem „im großen und ganzen trost- 
losen Zustande". 



Kosavin (kroatisches Küstenland). 

Auch aus dem kroatischen Küstenlande ist seit 1884 fossilreiches 
Eocän bekannt, und zwar aus der Muldenzone von Novi am Ostrande 
des Canale del Maltempo. Die im vorstehenden angeführte Fauna vom 
Valle della Murvenica stammt vom Westrande derselben Meerenge. 
Da auch die Fossilien der Lokalität Kosavin, wie schon Frau scher 
annahm, dem oberen Mitteleocän angehören, so scheint es befremdlich, 
daß die Fossilien dieser Lokalität so stark von den übrigen küsten- 
ländischen, sowohl von den norddalmatinischen als auch von den 
istrischen, ja selbst von denen von Veglia abweichen. 

In K o s a v i n ist nach Frauschers Angaben *) folgende Schicht- 
folge zu beobachten (linke Reihe): 





Rotes, hartes Konglomerat 


Obereocän vermutlich, Promina- 
konglomerat? 




Hellgraue Sandsteine mit zahlreichen 
Nummuliten 

Dunkelgraue fossilreiche Sandsteine, 
welche aber nach unten nahezu ver- 
steinerungslos werden 

Blaugraue Mergel 


Höhere mitteleocäne Mergel und Sand- 
steine ; auch in Kasic" und Ostrovica 
'nehmen die fossilführenden Schichten 
eine ähnliche Position ein 




Eocänkalk von gelblichweißer 
Farbe 


Hauptalveolinen = und = Nummuliten- 
kalk (unteres Mitteleocän) 




Kreidekalke 


Kreide 



Aus .obiger Parallelisierung ergibt sich also eine recht voll- 
ständige Übereinstimmung des kroatischen und norddalmatinischen 
Focäns. Auch im kroatischen Küstenlande erfolgte nach dem Absätze 
der mitteleocänen Kalke eine ausgesprochene Vertiefung des Meeres 
(blaugrauer Mergel, das ist das Niveau, in dem ich in Norddalmatien 
durchweg reiche Mikrofaunen nachwies), sodann allmähliches Seichter- 
werden. Ob die harten roten Konglomerate tatsächlich Äquivalente der 
Prominaschichten darstellen, müssen weitere Untersuchungen ergeben; 



r ) Verband!, d. k. k. geol. R.-A. 1884, pag. 58. 



[29] Zur Stratigraphie des istriscb-norddalmatinisclien Mitteleocäns. IS! 

unwahrscheinlich ist dies keineswegs, da mergelige Äquivalente der- 
selben ja neuerdings auf Arne wahrscheinlich gemacht wurden J ). 

Kürzlich wurde die Lokalität von de Stefani und Dainelli 

besucht und die Frau seh ersehen (II ir eschen) Angaben über die 
Lagerungsverhältnisse bestätigt 2 ). 

Obgleich nun Kosavin und Kasic gleichaltrig sind, ist doch auf- 
fällig, daß selbst die neue revidierte und erweiterte Fossilliste von 
Dainelli auch nur Velates Schmideliana gemeinsam mit Kasic hat, 
obgleich aus Kosavin bisher 70—80 Arten bekannt sind. Unter den 
etwa 2000 Stücken, die Frauscher untersuchte, waren 1200 Cerithien, 
die sich auf 14 Arten, und 400 Buccinen, die sich auf 5 Arten ver- 
teilen. Die Hauptmasse sind kleine Gastropoden, Bivalven sind spärlich, 
Korallen etwas zahlreicher. Daß diese anscheinend so große Ver- 
schiedenheit der Fauna von Kosavin den übrigen istro-dalmatinischen 
Mitteleocänfaunen gegenüber nicht lediglich durch eine Altersver- 
schiedenheit bedingt sein kann, wie dies Oppenheim in seiner 
vergleichenden Tabelle darstellte, indem er für Dubravica oberes 
Lutetien, für Kosavin Bartonien annahm, scheint mir nach der oben 
gegebenen stratigraphischen Vergleichung sicher zu sein. 

Schon die Nummulitenfauua, welche ganz in den Rahmen der 
sonst aus dem oberen Mitteleocän bekannten Faunen paßt, (Nummu- 
lites lucasana, striata, Assilina exponens, granulosa) spricht, abgesehen 
von den Lagerungsverhältnissen, gegen eine wesentliche Altersver- 
schiedenheit. 

Frau scher nennt die Fauna eine „Litoralfauna von ganz eigen- 
tümlicher Entwicklungsart" (1. c. pag. 61). De Stefani und Dainelli 
sprechen sich (1. c. pag. 156) dahin aus, sie sei „di tipo salmastro" 
also eine Brackwasserfauna. Doch scheint dagegen das Vorkommen 
von zahlreichen Nummuliteu sowie von Korallen und Seeigeln 
(Frau s eher führt zwölf Korallen- und eine Seeigelart an) zu sprechen, 
wenngleich ein Anklang an brackische Faunen nicht geleugnet werden 
kann. Mir scheint daher die von Frauscher ausgesprochene Ansicht 
viel plausibler, daß eine marine Küstenfauna vorliegt. Der von den 
italienischen Forschern hervorgehobene brackische Charakter der Gastro- 
poden scheint mir indessen nicht sowohl durch eine Biemengung von 
süßem Wasser, als vielmehr durch verwesende organische Substanzen 
bedingt. Denn Th. Fuchs hat schon 1872 3 ) daraufhingewiesen, daß 
größere Massen von in Fäulnis übergehenden Tangen oder anderen 
Organismen die Ansiedlung einer Fauna von brackischem Charakter 
bedingen, die nach vollendeter Verwesung der Tange wieder einer 
rein marinen Fauna Platz machen. Und ähnliche Verhältnisse scheinen 
mir auch im Absatzbereiche der fossilführenden Schichten von Kosavin 
geherrscht zu haben. Denn abgesehen von der obenerwähnten Zusammen- 
setzung der Fauna läßt sich auch das Vorkommen der „hellgrauen 



*) S. diese Verhandl. 1904, pag. 287: L. Waagen, Geologischer Bau der 
Insel Arbe. 

2 ) Roma, Rendiconti r. accad. Lincei 1902, I. Sem., pag. 154: De Stefani 
e G. Dainelli, I tsrreni eocenici presso Bribir in Croazia. 

3 ) Verband!, d. k. k. geol. R.-A., pag. 21. 



182 R- J- Schubert. [30] 

Sandsteine mit zahlreichen Nummuliten" über den „dunkelgrauen 
fossilreichen Sandsteinen" viel besser mit meiner obigen Vermutung 
als mit einer Aussüßung in Einklang zu bringen. 



Mit den im vorstehenden besprochenen Fossilfundstellen wäre 
im wesentlichen das istrisch-norddalmatinische Mitteleocän, worüber 
ich neue Angaben oder Gesichtspunkte zu bringen vermochte, erschöpft; 
dennoch möchte ich im folgenden noch einiges über das Mitteleocän 
von Spalato und Metkovic sagen, da diese Gebiete in jüngster Zeit 
Gegenstand von eingehenden Studien waren und ich diese Eocän- 
gebiete mit dem norddalmatinischen Eocän vergleichen möchte. 



Spalato. 

Das Eocän der Umgebung von Spalato war in neuerer Zeit 
mehrfach der Gegenstand von Studien und Erörterungen 1 ). Da ich 
dasselbe aus eigenen näheren Untersuchungen nicht kenne, würde 
ich mich hier nicht näher damit befassen, wenn mich nicht die im 
folgenden dargelegten Gründe dazu veranlassen würden. 

Herr Dr. von Kern er übergab mir nämlich im Vorjahre eine 
Suite Nummuliten und Orbitoiden (Verhandl. 1903, pag. 89) aus den 
tieferen Schichten seiner oberen Flyschzone, als deren Alter ich beim 
Fehlen jeglicher Formen der Per/orata-Gruppe Bartonien oder Ligu- 
rien annahm. Nun führte Dr. A. Martelli (Palaeont. italica 1902, 
VIII. Bd.) aus seiner dritten obersten, vermutlich Kerners oberer 
Flyschzone entsprechenden Schichtengruppe vom Monte Marian 2 ) 
Nummulites perforata und Lucasana in mehreren Varietäten von 
S. Stefano und Botticelle als sehr häufig an, desgleichen eine 
Anzahl von Fossilien, besonders Cuphosoma cribrum Ag., Columnastraea 
Caillaudi Mich., Pecten Bonarelli, Echinolampas Suessi Laube und 
Ranina Marestiana, die mit großer Wahrscheinlichkeit darauf hin- 
deuten, daß Herr Martelli mit der Deutung seiner „Marianschichten" 
als Luteziano superiore (oberes Mitteleocän) recht hat. Auffällig ist 
nun, daß in der mir vorgelegenen Foraminiferenfauna lediglich mittel- 
eocäne Formen fehlen. Es ist nun ja ieicht möglich, daß die Perforata- 
Gruppe zwar bei Botticelle und S. Stefano reich vertreten ist, in den 
wesentlich gleichaltrigen Schichten nördlich davon, woher die von 
mir untersuchten Foraminiferen stammen, fehlen ; denn mit Ausnahme 
der einen kleinen Paronaea, die von mir damals als cfr. Boucheri be- 
zeichnet wurde, kommen ja die übrigen Formen Operculina, Beter ostegina, 
Orthophragmina und Nummiilites ebenso im Mitteleocän wie in den 
jüngeren Schichten vor. 



*) Vgl. F. Kern er und R. Schubert. Kritische Bemerk, zu H. A. Mar- 
t e 1 1 i s Arbeiten über die Geologie von Spalato. (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
1903, pag. 325.) 

2 ) Die Bezeichnung der obersten Schichtengruppe als Schichten vom Monte 
Marian ist deshalb unpassend, weil der Monte Marian, wie K e r n e r (1. c.) nach- 
wies, einen Aufbruch der tiefsten Mitteleocänschichten (Hauptalveolinenkalk) 
darstellt. 



[31] 



Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 



1 83 



Da außerdem Martelli auf Grund von Fossilbestimmungen 
hauptsächlich zu einer Dreigliederung des Spalatiner Eocäns kam, die 
mit der von Kern er festgestellten Dreigliederung recht gut in Ein- 
klang zu bringen ist, möchte ich gegenwärtig, solange nicht sichere 
Anhaltspunkte für ein bartonisch-ligurisches Alter der „oberen Flysch- 
zone" vorliegen, annehmen, daß der Spalatiner Flysch im wesentlichen 
mitteleocän sei, höchstens in seinen oberen Zonen noch ins Ober- 
eocän reiche. 

Die kalkige Gruppe ist nach Kerners Untersuchungen ähnlich 
wie in Norddalmatien entwickelt: A lveol inen kalk, Plaupt- 
n u m m u 1 i t e n k a 1 k (sehr schmal) und darüber, vermutlich im Niveau 
des Knollenmergels, ein Hörnst ein kalk (am Monte Marian). Denn 
„im Küstengebiete von Trau wird der Hauptnummulitenkalk nicht 
von Knollenmergeln, sondern von einem lichten, Hornsteine führenden 
Kalke überlagert, welcher nur spärliche Nummuliten enthält" (Kern er, 
Erläut. zu Blatt Sebenico— Trau, 1902, pag. 29). 

In folgender Tabelle habe ich daher die Gliederung von Kern er 
und von Martelli in Übereinstimmung zu bringen und mit dem 
istrisch-norddalmatinischen Mitteleocän zu vergleichen gesucht. 





Dr. von Kern er 


Dr. A. Martell i 


1 
Norddalmatien— Istrien 




Obere Flyschzone 


- 


Obereocän 




Schichten vom Monte 

Marian 

(oberes Lutetien) 


Faunen von Kasic, 

Ostrovica, Murvenica, 

Pinguente — Pisino, 

Kosavin etc. 


a 
o 

Q) 

CD 

l 

tu 

'S 




Klippenflysch 


Schichten von Spalato 
(Übergangszone) 


Fossilarme Mergel und 
Sandsteine 




Untere Flyschzone 


Schichten von Salona 
(mittleres Lutetien) 


Helle, weiche Mergel mit 

reicher Mikrofauna 

(Banjevac, Zara, Lavsa, 

Albona etc.) 




Hornsteinkalk des 
Monte Marian 


- 


Knollenmergel 
(Krabbeuschichten) 


c 

:cä 

o 

Q 

cd 

i 

CO 

09 

cp 

a 

3 
1 




Hauptnummulitenkalk 


Hauptnummulitenkalk 




Alveolinenkalk 


Hauptalveolinenkalk 



1X4 



R. J. Schubert. 



[32] 



Metkovic. 

C. de Stefani und A. Martclli gaben 1902 ^ als Ergebnis 
ihrer Studien über das Eocän von Metkovic und die Herzegowina 
folgende Gleichstellung : 





Nach meiner 
Auffassung 


ü 
O 

a> 
1 


Oberes Lutetien 


y Kalk mit Nummulites Tchihat- 
cheffi und complanata 


? 
Obere Nummu- 
litenschichten 


Ö 
:& 
U 

o 
<v 


Mittleres Lutetien 
Unteres Lutetien 


Kalk mit mehr Assilinen und 
granulierten Nummuliten 
IT. 

Kalk mit mehr subretikulierten 
Nummuliten 


Haupt- 
nummulitenkalk 


o 
o 

a> 

ö 

p 


Ypresien 


jjy Kalk mit großen Alveolinen 
und kleinen Nummuliten 


Haupt- 
alveolinenkalk 


Sparnacien 


II. Kalk mit großen Alveolinen 


Thanetien 


y Kalk mit kleinen Alveolinen 
und Milioliden 


Oberer Fora- 
miniferenkalk 



Die Verfasser haben in ihrer durch keine Bestimmungen höher 
organisierter Fossilien begründete Gliederung und Parallelisierung 
des Eocäns von Metkovic die Nummulitenkalke als dem ganzen 
Grobkalke entsprechend angenommen. Ich kenne nun die geologischen 
Verhältnisse jener Gegend zwar nicht näher, zweifle aber nicht 
daran, daß auch hier wie im übrigen Dalmatien und der Herzegowina 2 ) 
die Kalke lediglich der unteren Hälfte der mitteleocänen Schicht- 
folge entsprechen und daß die sandigmergelige Gruppe, die das 
obere Mitteleocän repräsentiert, auch in der weiteren Umgebung von 
Metkovic sich auch mit Sicherheit nachweisen lassen. Offenbar sind 



') I terreni eocenici dei intorni di Metcovich in Dalmazia e in Erzegovina. 
Roma, Rendiconti r. acc. Lincei. Vol. XI, pag. 112. 

2 ) Auch hier sind, wie bereits F. Katzers Aufnahms- und P. Oppen- 
heims paläontologiscbe Arbeiten ergaben und ich mich bei meiner vorjährigen 
Studienreise überzeugen konnte, die mitteleocänen Schichten deutlich in eine 
untere kalkige und obere sandigmergelige, lokal (Konjavac, Trebistovo, Dabrica 
etc.) sehr fossilreicbe Gruppe zu trennen. Die eocäne Schichtfolge beginnt in 
der Regel mit Imperforatenkalkrn, doch fehlen stellenweise ausgesprochene Num- 
mulitenkalke, indem auf Kalke, welche Alveolinen und Nummuliten in gleicher 
Häufigkeit enthalten — also anscheinend über dem dalmatinischen Grenzniveau 
zwischen Ilauptalveolinen- und Hauptnnmmulitenkalk — Konglomerate folgen und 
darülier sandigmcrgelige Schichten (z. 13. Hum bei Mostar), so daß dann eine 
Lücke in der Schichtfolge vorzuliegen scheint. 



[33] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinischen Mitteleocäns. 185 

an den von den beiden italienischen Forschern besuchten Lokalitäten 
die jüngeren Schichten infolge tektonischer oder denudierender Vorgänge 
nicht mehr völlig erhalten. Denn diese Nummulitenkalke sind es, die 
in der benachbarten Herzegowina die Basis jener (vielleicht in 
Gruppe V enthaltenen) mergeligen Schichten bilden, welche die so 
typisch oberparisischen Faunen von Konjavac und Trebistovo ein- 
schließen 1 ). Übrigens gehen die Kalke der Gruppe IV nach den An- 
gaben der Verfasser nach oben in Mergel über und wechsellagern 
mit solchen und mit kompakten fossilleeren Kalken, so daß die Mög- 
lichkeit vorhanden ist, daß die obersten Schichten von IV bereits in 
die mergelige Gruppe gehören. Gruppe V. wurde lediglich nach Auf- 
sammlungen von Prof. Gasperini faunistisch (Nummuliten) be- 
schrieben und nur der in der Tabelle gebrauchte Ausdruck „calcari 
nummulitici con N. Tchihatcheffi e complanata" läßt mich daran 
zweifeln, daß die oberen Nummulitenschichten (höheren mittel- 
eocänen Gebilde) damit gemeint sind. In der Beschreibung wird der 
petrographische Charakter nicht näher beschrieben und nur von 
strati nummulitici, le cui nummuliti sono disgregate gesprochen, was 
mit dem von den Autoren angenommenen Alter (oberes Lutetien) 
stimmen würde. Außerdem habe ich an anderer Stelle zu beweisen 
gesucht, daß die Kosinaschichten und keineswegs die Alveolinenkalke 
als untereocän, also als Vertreter des Tanetiano und Sparnaciano 
aufzufassen sind. 

In seinem geologischen Führer durch Bosnien und die Herze- 
gowina 1903 gab Dr. F. K atz er ein Profil durch das Eocän von 
Dubravica. Auf der Kreide lagern „ohne auffällige Diskordanz" gelbe 
Miliolidenkalke, sodann hellgraue Mergelkalke mit zahlreichen 
Milioliden und einzelnen großen Alveolinen und nesterweise 
mit leider zumeist zerpreßten Mollusken mit verkalkten Schalen 
(darunter Natica Vulcani Brongn., N. cf. incompleta Zitt.). Darüber 
ein ziemlich mächtiger Schichtkomplex von Alveolinenkalken (grau- 
grün und schwarzgefleckt und hellgelb). Das Hängendste bilden dort- 
selbst Kalke, mit vereinzelten kleinen, retikulierten Nummuliten. 
Katzer betont, daß alle Schichten miteinander durch Übergänge 
verknüpft sind und unter das Mitteleocän nicht wesentlich herab- 
reichen dürften und nimmt zu der Gliederung und Parallelisierung von 
Stefani-Martelli eine ähnliche Stellung wie ich es im vor- 
stehenden tat. 



IV. Obereocän — Oligocän. 

Was ich an neuen Tatsachen oder Gesichtspunkten, die sich 
aus der Betrachtung und Vergleichung bereits bekannter Tatsachen 
in betreff des älteren Eocäns ergaben, zu bringen vermochte, habe 
ich mitgeteilt. Über die jüngsten Paläogenschichten der österrei- 
chischen Küstengebiete kann ich mich um so kürzer fassen, als unsere 



*) Vgl. Oppenheim. Neues Jahrbuch f. Min. etc. 1899, pag. 105 und 
Beiträge zur Pal. Ost.-Ung., XIII. Bd., 1901, pag. 194 u. ff. 

Jahrbuch der k. k. geol. fieiehsanstalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (R. J. Schubert.) 21 



186 R. J- Schubert. [34] 

diesbezüglichen stratigraphischen Detailkenntnisse keineswegs bis zu 
einer wünschenswerten Klarheit gediehen sind. Der Grund liegt vor- 
nehmlich in dem im ganzen spärlichen Vorkommen der Fossilien, 
dem zumeist sehr ungenügenden Erhaltungszustande derselben, der 
großen Verbreitung von völlig fossilfreien Konglomeraten und wenig- 
stens in der westlichen von mir studierten Hälfte des Verbreitungs- 
gebietes der Prominaschichten in den infolge starker Störungen 
schwer mit Sicherheit erkennbaren Lagerungsverhältnissen. 

Daß die aus den Prominamergeln bekannten Faunen jünger als 
mitteleocän sind, darüber herrscht seit langer Zeit kein Zweifel. 
Neuerdings haben sich mit dem Monte Prominagebiet vor allem 
v. Kerner, Dainelli und Oppenh eim, der erstere vorwiegend in 
tektonisch-kartographischer, die beiden letzten in palaeontologischer 
Hinsicht beschäftigt, und über den westlichen Teil des Verbreitungs- 
gebietes der Prominaschichten habe ich selbst kürzlich eine Arbeit 
in diesem Jahrbuche veröffentlicht. Aus allen bisherigen Ergebnissen 
erhellt, daß das jetzige Norddalmatien im Obereocän größtenteils 
von Süß- und Brackwasser, teilweise auch Flachsee bedeckt und 
Festland war und dann nochmals vom Meere überflutet wurde. Die 
Fossilreste dieses letzten Abschnittes schließen sich fast durchweg 
an oligocäne Typen an, sind jedoch, wie bereits erwähnt wurde, zum 
Teil zu schlecht erhalten, zum Teil weichen sie von den übrigen bekannten 
Formen derart ab, daß bei dem sporadischen Vorkommen derselben 
ein Schluß auf ein genaues Niveau oder eine detaillierte Gliederung 
des jüngsten Mergel- und Konglomeratkomplexes bisher unmöglich war 
und meines Erachtens eine durchgreifende Gliederung in 
absehbarer Zeit kaum wird möglich sein, so sehr dies auch manchem 
wünschenswert sein mag. Ich meine da natürlich nicht bloß die Fest- 
stellung einer ganz detaillierten lokalen Schichtfolge der einzelnen 
Mergel- und Konglomeratbänke, vielleicht sogar ohne genügende 
Berücksichtigung der überkippten oder anderweitig gestörten Lage- 
rungsverhältnisse, sondern eine auf Grund umfassender Fossil- 
aufsammlungen und Bestimmungen durchgeführte Spezialgliederung 
und Verfolgung etwa gewonnener Unterabteilungen über das ganze 
Verbreitungsgebiet der Prominaschichten. Für die gegenwärtig fast 
beendete geologische Aufnahme dieses Verbreitungsgebietes im Maß- 
stabe 1:75.000 schien es Dr. von Kern er im östlichen, mir im 
westlichen Teile genügend, lediglich die Mergel von den Konglo- 
meraten zu trennen. 

Ich nehme davon Abstand, alle bisher aus diesen jüngeren 
Schichten genannten Fossilien anzuführen und möchte hier nur 
hervorheben, daß von den zwei am allgemeinsten verbreiteten Fossil- 
gruppen, den Orbitoiden und Nummulitiden, die ersteren sich nur 
unwesentlich von denjenigen des Mitteleocäns unterscheiden, daß 
hingegen die letzteren auffällig von den älteren Faunen verschieden 
sind. Die großen dicken, so auffälligen Gümbelien N . perforata Lucasana 
sind verschwunden, desgleichen die großen Assilinen (Ä. spira, expo- 
nens, granulosa); von den großen Paronaeen ist lediglich P. Tchihat- 
chej/i häufiger, und zwar zumeist ohne seine mikrosphärische, große 
flache Begleitform P. complanata, sonst bilden kleine Paronaeen den 



[35] Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatiuischen Mitteleociins. ]*7 

Hauptbestandteil der Nummulitenformen in den kalkigen und merge- 
ligen Absätzen. Bezüglich der Mollusken verweise ich vornehmlich 
auf P. Oppenheim (Über einige altertiäre Faunen der österr.-ungar. 
Monarchie [1. c], G. Dainelli II miocene del monte Promina in 
Dalmazia [Pal. italica, VII, 1901] sowie auch auf meine Arbeit in 
diesem Jahrbuch 1904 (Heft 3, 4). 



Zusammenfassung. 

Ich habe im vorstehenden dargelegt, daß die Hauptmasse der 
Eocänschtichten der österreichischen Küstenländer — jedenfalls mehr 
als bisher angenommen wurde — dem Mitteleocän angehört. 

Ich habe auch betont, daß eine genaue und detaillirte Paralle- 
lisierung des küstenländischen Eocäns mit demjenigen Frankreichs 
und Englands mir gegenwärtig untunlich scheint und daß die natur- 
gemäße, überall leicht ersichtliche und durchführbare Gliederung des 
Mitteleocäns eine Zweiteilung in eine untere kalkige und 
obere sandigmergelige Gruppe ergibt. Obgleich nun in der 
unteren Hälfte der kalkigen Gruppe (besonders im Alveolinenkalk) 
eine bisher für den Pariser Grobkalk recht bezeichnend gehaltene 
Form — Orbitolites complanata L. — stellenweise, und dies nicht 
selten, sehr häufig vorhanden ist, halte ich gleichwohl die Imperforaten- 
kalke teilweise für etwas älter als den Grobkalk, als wenigstens teil- 
weise dem Londinien entsprechend. Denn niveaubeständig ist Orbitolites 
complanata doch nicht, wie sein zweifelloses Vorkommen in drei Niveaux 
(Alveolinenkalk, obere Kalksandsteine, Prominamergel) beweist, und 
die Auflagerung des Alveolinen- beziehungsweise Imperforatenkalkes 
auf dem sicher nicht jünger als untereocänen Kosinakalke sowie die 
im vorstehenden angeführten faunistischen Gründe bewogen mich zu 
jener Annahme, die ja übrigens nicht neu ist. 

Durch die zum Teil neuen, zum Teil revidierten und ergänzten 
Fossillisten ist klar ersichtlich, daß der bereits altbekannte fazielle 
und faunistische Unterschied zwischen Norddalmatien und Istrien im 
Obereocän und Oligocän, und zwar besonders der letztere, schon im 
oberen Mitteleocän recht ausgeprägt war. Gleichwohl ist die Über- 
einstimmung noch so weit gewahrt, daß mit Sicherheit auf Grund der 
Schichtfolgen dargetan werden konnte, daß die reichen mitteleocänen 
Faunenlokalitäten der österreichischen Küstengebiete — Nugla, Pin- 
guente, Gherdosella, Pedena, Galignana, Kosavin, Valle Murvenica 
(Paschiek), Kasic, Ostrovica, Dubravica und andere — sämtlich einem 
und demselben stratigraphischen Niveau angehören. Bemerkenswert sind 
hierbei die vielfachen faunistischen Beziehungen der dalmatinischen 
Lokalitäten mit dem vicentinischen sowie der istrischen mit dem nord- 
alpinen Eocän. 

Die kalkige Gruppe (das untere Mitteleocän) ist in auffallend 
analoger Weise entwickelt, desgleichen die untere Hälfte der sandig- 
mergeligen Gruppe. Im unteren Mitteleocän erfolgten die Absätze 

24* 



188 R- J- Schubert. [36] 

des jetzigen norddalmatinisch-istrischen Eocänbereiches in fast gleich- 
artigen Küstenmeeren, auch die Vertiefung der Meeresteile nach dem 
Absätze des Hauptnummulitenkalkes erfolgte in gleicher Weise und 
erst mit dem Wiederseichterwerden während des oberen Mitteleocäns 
begann jene Differenzierung der physikalischen Verhältnisse, die im 
Obereocän und Oligocän ihren Höhepunkt erreichte, die zum Absatz 
von mächtigen Flyschmassen einer- und marinen bis brackisch- 
limnischen Mergeln und Konglomeraten anderseits führte. 



Gesellscliafts-Buehdruekerei Brüder Hollinek, Wien, III., Erdbergstraße 3. 



Vicentiuisches Terti 



Norddalmatien 



Zermanjabereich 
(in Nord- 
dalmatien) 



Veglia 



Istrien (Triest— Pisinn) 



Spalato 



Metkovic 

(nach Stefani und 

Martelli) 



Spilecco 



Unteres 
Mitteleocän 



Kalk mit Lithotha 
bolcense 



Älveolinenkalk (Postale) 



Ilauptimperforatenkalk 



Älveolinenkalk 



Älveolinenkalk 



Älveolinenkalk 



„oberer" Foraminiferen- 
kalk 



Hauptalveolinenkalk 



Hauptalvolinen- 

und Nummuliten- 

kalk 



Oberes 
Mitteleocän 



Oligocän 



Nummulitenkalk 



Hauptnummulitenkalk 



Nummulitenkalk 



Nummulitenkalk 



Hauptnummulitenkalk 



Knollenmergel 



Krabbenschichten 



Globigerinenmergel 



Mergel und Sandsteine 

iu den oberen Lagen mit 

den Faunen von Kasie", 

Ostrovica, Dubravica, 

Benkovac etc. 



Globigerinenmergel 



Mergel und Sand- 
steine 
(„Nummuliten- 
mergel' Radimsky) 



Globigerinenmergel 

Mergel und „Kon- 
glomerate" mit der 
Fauna vom Valle 

Murvenica 

(im Bescatale mit 

Flyschbänken 

wechsellagernd) 



Globigerinenmergel 



Mergel und Sandsteine 

mit den Faunen von 

Nugla, Pisino, Pinguente, 

Pedeua, Galignana, 

Gherdosella etc. 



Blaugraue Mergel 



dunkelgraue Sand- 
steine mit der 
Fauna von Kosavin 



helle Sandsteine 

mit zahlreichen 

Nummuliten 



Lithothamnieukalk 

(oberer Nummulitenkalk) 



Prominamergel 

und 
-Konglomerate 



Plattenmergel mit 
Kohlenschmitzen 
zwischen Arbe und 

S. Elia 
(Süßwasserneogen 
nach Radimsky) 



Rotes, hartes 
Konglomerat 



Fossilarmer — leerer Fly seh 

(Macigno und Tassello 

im engeren Sinne) 



Älveolinenkalk 
(Monte Marian) 



I. Kalk mit kleinen Alve- 
olinen und Miliolinen 

II. Kalk mit großen 

Alveolinen 

III. Kalk mit großen Al- 
veolinen und kleinen 

Nummuliten 



Nummulitenkalk 
(Monte Mariau) 



Hornsteinkalk 
(Monte Marian) 



Kalk mit mehr sub- 

retic. Nummuliten 

IV. Kalk mit mehr Assi- 

linen und großen 

Nummuliteu 



Untere Flyschzone 
Kerners (Schichten vo 
Saloua nach Martelli 



zum Teil IV. und 
V. Kalke? mit Nummulites 
Tchihatcheffi und com- 
planata 



Klippenflysch oder mittlere 

Flyschzone Kerners 

(Schichten von Spalato 

nach Martelli) 



(Martellis Schichten vom 

Monte Marian) 
obere Flyschzone Kerners 



Jahrbuch d. k. k. geol. EeiohsanBtalt, 1905, 55. Band, 1. Heft. (E. J. Schubert.) 



Tafel II. 
Säugetierreste von Wies. 



Erklärung zu Tafel II. 

Fig. 1 — 5. Trochictis cf. hijdrocifon P. Gerv. 

Fig. 1. Schädelfragment mit den Eckzähnen und dem Pr 2 . 

Fig. 2. Vorderansicht des kompletten Unterkiefers mit den Eckzähnen und den 

randlichen Schneidezähnen. 
Fig. 3. Rechtseitiger Unterkieferast mit dem Eckzahn, den Pr 2 -f P f \ und einem 

Fragment des Reißzahnes; von außen. 
Fig. 4. Linkseitiger Unterkieferast mit dem Eckzahn, den Pr 2 -j- Pr s + Pt\; 

von außen. 
Fig. 5. Desgleichen; von innen. 

Alle Abbildungen in natürlicher Größe. 



Sämtliche Originale befinden sich in der Sammlung der Montanistischen Hoch- 
schule in Leoben. 



A. Hofmann, Säugetierreste von Wies. 



Tafel 




^^ Jfy 







Autor phot. 



Lichtdruck v. Max Jaffe, Wi 



Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Bd. LV, 1905. 

Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., RasumolTskyga-se 2 



Tafel III. 

Über einen dem Thunfische verwandten Raubfisch 
der Congerienschichten. 



Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 
Fig. 

Fig. 


4. 
5 
6. 



Erklärung zu Tafel III. 

Fig. 1. Linker Unterkieferast von Pelamycybium („Sphyraenodus") sinus vindo- 
bonensis n. g. et n. sp. von Siebenhirten. 

a) von außen, b) von innen, c) von oben, d) ( 2 /,) ein einzelner Zahn. 
Bruchstück, hinteres Ende des Oberkiefers (Intermaxillare) von der Seite 

und von oben. 
Bruchstück mit Zähnen. 

Fig. 2 und 3 von Siebenhirten. 
Rechter Unterkieferast von außen. 
Rechter Unterkieferast eines anderen Exemplars. 
Oberkiefer von der Außen- und Innenseite. 
Fig. 4—6 von Vösendorf. 
Fig. 7 und 8. Kieferreste mit Zähnen eines anderen Fischrestes der Congerien- 
schichten von Inzersdorf. 
Teile des Zungenbeines des Fisches von Siebenhirten. 
Wirbelsäule von Pelamycybium („Sphyraenodus") sinus vindobonensis von 

Siebenhirten (*/ 2 natürl. Größe). 
Die drei ersten Halswirbel in natürl. Größe. 
Zwei Halswirbel von Leopoldsdorf t 1 /,). 
Wirbel aus der mittleren Partie der Wirbelsäule ('/J. 
Die Schwanzwirbel mit der Hypuralplatte ('/ib 
Abgebrochener unterer Dorn des drittletzten Schwanzwirbels (^J, von 

oben (a) und von unten (b). 
Die Hypuralplatte (^J von der Seite («) und von hinten (&). 
Brustflossenstrahl. 
18 und 19. Teile des Kiemengerüstes ('/j). 
Fig. 20. Eine Gräte (VJ. 
Fig. 21. Eine Schuppe ( 4 /J- 

Die Fischreste von Siebenhirten (Fig, 1—3, 9—11, 13 — 21) befinden sich in der 
Sammlung der Lehrkanzel für Geologie an der k. k. technischen Hochschule in 
Wien, die übrigen Stücke im k. k. naturhistorischen Hofmuseum (Geologisch- 
paläontologische Abteilung). 



Fig. 


9. 


Fig. 


10. 


Fig. 


11. 


Fig. 


12. 


Fig. 


13. 


Fig. 


14. 


Fig. 


15. 


Fig. 


16. 


Fig. 


17. 


Fig. 


18 



Franz Toula :Huubfisrh der Coiiaci-icn.scliiclilen der Wiener Bucht. 






10. J* 







Inhalt. 



1. Heft. 

Geologische Aufnahme des Blattes Bormio— Tonale. (Zone 20, Fol. III 
der österr. Spezialkarte.) Von Dr. W. Hammer. Mit einer Tafel 
(Nr. I) und 4 Profilen im Texte 

Saugetierreste von Wies. Von A. Hof mann. Mit einer Lichtdrucktafel 
(Nr. II) 

Aus dem Devon- und Kulmgehiete östlich von Brunn. Von Dr. Franz 
E. S u e s s. Mit einer Kartenskizze und 4 Figuren im Texte . . 

Über einen dem Thunfische verwandten Kaubfisch der Congerienschichten 
der Wiener Bucht. (Pelamyajhiam [ 9 Sphyt'aenodus' i j sinus vinüo* 
bonensis n. gen. et n. sp.) Von Franz Toula. Mit einer litho- 
graphischen Tafel (Nr. III) und 11 Textillustrationen 

Zur Geologie von Nordalhanieu. Von Dr. Franz Baron Nopcsa. Mit 
einer geologischen Übersichtskarte (Tafel Nr. IV) und 20 Zinko- 
typien im Texte 

Zur Stratigraphie des istrisch-norddalmatinisclien Mitteleocäns. Von R. 
J. Schubert 



NB. Die Autoren allein sind für den Inhalt und die Form 
ihrer Aufsätze verantwortlich. 



■ eeellaciiafrs-liuciulruckerei Brüder liollinek, Wien, 111., Krdbergairafle 8. 



Ausgegeben am 20. Juni 100». 



JAHRBUCH 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 






JAHRGANG 1905. LV. BAND. 

2. Heft. 






Wien, 1905. 
Verlag- der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 



In Kommission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbucbhandlung 
I. Graben 81. 



Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 

Von Prof. Eberhard Fugger in Salzburg. 

Mit 4 Zinkotypien im Text. 



Einleitung. 

Eines der interessantesten Gebiete in bezug auf die geologischen 
Verhältnisse ist unstreitig die Umgebung des Schwarzen Berges 
bei Golling (ich trenne hier absichtlich die beiden gesperrt gedruckten 
Worte, der Berg heißt nämlich im Munde der Bewohner der näheren 
und weiteren Umgebung desselben der „Schwarze Berg") Ich kannte 
einzelne Teile des Gebietes schon seit vielen Jahren ziemlich genau, 
wurde jedoch bei den neuerlichen Begehungen des Jahres 1904 auf 
so viele Details aufmerksam, daß ich mich nicht enthalten konnte, 
eine kleine Monographie dieser Gegend zu schreiben, um so mehr, 
als die Tagebücher meines leider so früh verstorbenen Freundes 
Dr. Alexander B i 1 1 n e r reiches Beobachtungsmaterial von seinen 
Aufnahmen im Jahre 1883 enthalten. Ich habe dieses Material in der 
nachfolgenden Schilderung eingehend benutzt und will seine Beob- 
achtungen dadurch kenntlich machen, daß ich sie zwischen Anführungs- 
zeichen setze und am Schlüsse jeder seiner Angaben den Buchstaben B 
in Klammern anfüge. 

Nachstehend die Literatur über die Geologie einzelner Teile 
des Terrains: 

1873. H. Wolf. Das Gipsvorkommen von Grubach. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
Wien, pag. 47. 

1882. V. Uhlig. Zur Kenntnis der Cephalopoden der Roßfeldschichten. Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A., Bd. XXXII, pag. 373— 39G. 

1883. A. Bittner. Der Untersberg und die nächste Umgebung von Golling. 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 200-204. 

1884. — Aus den Salzburger Kalkalpen. Das Gebiet der unteren Lammer. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., pag. 78—87. 

1885. E. Fugger und K. Kastner. Naturwissenschaftliche Studien und Beob- 
achtungen aus und über Salzburg. Salzburg, bei H. Kerber, pag. 87—97. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905. 55. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 05 



190 Prof. Eberhard Fugger. [2] 

Der Gollinger Schwarze Berg. 

Das Gebiet dieser Berggruppe möchte ich als ein unregelmäßiges 
Viereck auffassen, dessen Grenze im W die Salzach, im N der Kärterer 
Bach, der obere Weitenauer Bach und der Seewaldsee, im der 
Maren- und Aubachgraben und im S die Lämmer bildet. Es ist ein 
in geologischer Beziehung äußerst verworrenes und darum um so 
interessanteres Terrain. 

Die kleine Ebene am rechten Salzachufer gehört teils dem Allu- 
vium, teils dem Diluvium an; die Grenzlinie der Diluvialterrasse zieht 
von der Brücke der Reichsstraße über den Kärterer Bach gegen 400 m 
weit südlich hin, biegt dann gegen die Straße zurück und verläuft 
ungefähr längs derselben bis zum Markte Golling. Der Bahnhof Golling 
sowie die neuen Hotels stehen bereits auf alluvialem Boden. Südlich 
der Gollinger Parkfelsen verläuft die Grenzlinie in einem weit gegen 
ausbauchenden Bogen zur Abzweigung der Abtenauer Straße von der 
Reichsstraße, zieht östlich, aber ziemlich nahe der letzteren bis gegen 
die Duscher Brücke und biegt von hier nordwärts gegen NW ausbauchend 
an die südwestliche Ecke des Haidberges. 

Das gebirgige Terrain ist von vielen Gräben durchschnitten. Der 
Kärterer Bach entspringt am Grabenwaldrücken, etwa nordnord- 
östlich der Spitze des Schwarzen Berges, fließt in der Richtung gegen 
W, wendet sich in der Nähe des Bauernhofes Mooseck gegen N, 
nimmt etwas südlich vom Orte Grubach den Grubbach, der in der 
Nähe des Gutes Aubauer und des Hundekars entspringt, und in der 
Ortschaft Grubach einen von 0, vom Bauerngute Lienbach kommenden 
Seitenbach, den Lienbach, auf. Bei Grubach wendet sich der Kärterer 
Bach wieder gegen W, fließt in tiefer Schlucht abwärts und verläßt 
unterhalb der Grabenmühle sein enges Tal, um am Nordfuße des 
Auerhölzl und schließlich in der offenen Ebene der Salzach 
zuzufließen. 

Ein Flußlauf, der von der Mitte des Gebietes gegen W zieht, 
ist der Kellauer- oder Mitterbach. Er entspringt am West- 
gehänge des Schwarzen Berges, fließt in ziemlich gerader Richtung gegen 
W und nimmt in seinem oberen Laufe an seinem rechten Ufer mehrere 
Nebenbäche auf, während er von den Hügeln an seinem linken Ufer 
nicht einen nennenswerten Zufluß erhält. Beim Kellgut verläßt er 
den Graben und ergießt sich nach einem Laufe von 2 km durch die 
Ebene nördlich von Golling in die Salzach. 

Ein ziemlich bedeutender Fluß ist die Lamm er, welche die 
Südgrenze unseres Gebietes bildet. Sie entspringt oberhalb Lungötz 
an der Südseite des Tännengebirges, umfließt dasselbe entlang seiner 
ganzen Ost- und Nordseite und mündet in der Nähe des Nordendes 
des Gollinger Tunnels in die Salzach. Bei Strubreit betritt sie unser 
Gebiet, zwängt sich in enger Klamm unter mancherlei Windungen 
zwischen den Gehängen des Schwarzen Berges einerseits und des 
Strubberges anderseits bis Engelharter, hier erweitert sich das Tal 
etwas, aber erst unterhalb des Dorfes Scheffau treten die Höhen am 
rechten Ufer zurück, während die Lämmer an ihrem linken Ufer bis 
nahe ihrer Mündung den Fuß des Tännengebirges bespült. 



[3] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. \[)\ 

Die Lammer erhält an ihrem rechten Ufer mehrere Zuflüsse von 
geringer Bedeutung zwischen dem Haidberg und Sonnberg; wichtiger 
und tiefer eingerissen ins Terrain ist der Glassergraben, der 
zwischen Lehngriesalpe und Rabenstein entspringt und den Sonnberg 
vom Haarberg trennt. Zwischen Engelharter und dem Veitsbrückl 
stürzen ebenfalls ein paar kleine Bäche in die Lammerschlucht. Der 
Wallingbach entspringt in der Nähe der Wallingalpe, ostsüdöstlich 
der Spitze des Schwarzen Berges, fließt in einem ziemlich tiefen Graben 
anfangs nach 0, dann nach SSO und mündet bei dem Bauerngute 
Elzen östlich vom Veitsbrückl. Der bedeutendste Zufluß der Lammer 
im Gebiete der Schwarzen Berggruppe ist jedoch der Aubach mit 
seinen Nebenbächen, dem Marchbach und Weitenauer Bach. 

Der Aubach entspringt nordöstlich vom Labenberg und tritt 
anderthalb Kilometer oberhalb Bichl an die Grenze unseres Gebietes ; 
hier nimmt er den von N kommenden Maren graben auf, dessen 
Quellen am Dürrenstein und Trattberg liegen, und bei Bichl selbst den 
Weitenauer Bach. Unterhalb Bichl bildet er in einer schönen 
Schlucht den hübschen Aubachfall und mündet gegenüber Strubreit in 
die Lämmer. In der Nordostecke unseres Gebietes befindet sich der 
reizend gelegene Seewaldsee in 1078 m Meereshöhe, ein kleiner 
See, direkt in Fels gebettet, dem ein paar kleine Bäche ihr Wasser 
zuführen. Er ist 420 m lang, seine Breite beträgt 136 m, in der 
Mitte jedoch wird er bis zur geringen Breite von 40 m eingeschnürt; 
seine größte Tiefe ist lim. Die durch die Einschnürung entstehenden 
Hälften sind in ihrer Größe nicht viel voneinander verschieden 1 ). 
Sein Abfluß geschieht nach ONO und ergießt sich nach einem Laufe 
von wenig mehr als 1 km Länge in den Marchgraben, der, tief in 
Dolomit eingerissen, in streng südlicher Richtung dem Aubache zufließt. 

Der Weitenauer Bach endlich entspringt in dem Sumpfe 
westlich des Seebachsees, fließt anfangs nach W, biegt dann beim 
Putzerbauer in einem scharfen Bogen um einen niedrigen Hügelzug 
herum, um beim Bauernhof Lienbach die direkte Richtung nach 
einzuschlagen; aus dieser Richtung biegt er jedoch bald wieder ab 
gegen SO und behält dieselbe — abgesehen von verschiedenen größeren 
Krümmungen — bei bis zur Kloiber Alpe ; hier vertieft sich sein 
Bett, das in östlicher Richtung weiterzieht, stellenweise schluchtartig 
und mündet bei Bichl in den Aubach. Der Weg, den der Weitenauer 
Bach von seinem Ursprünge bis zur Mündung zurücklegt, beträgt 
mindestens 14 km, während Ursprung und Mündung kaum 5 km von- 
einander entfernt sind. 

Die höchste Erhebung des Gebietes ist der Schwarze Berg, 
1583 w, dessen Hauptkamm in schroffen Felswänden von W nach 
zieht. Gegen N fällt er verhältnismäßig weniger steil und weniger ge- 
gliedert ab, nach allen übrigen Richtungen sendet er verschiedene 
Arme und Kämme aus, die besonders gegen Golling hin in eine Reihe 
von Hügeln auslaufen, während nördlich davon das Voreck einen 
von S nach N verlaufenden Höhenzug von mehr als 900 m Meeres- 



J ) Fugger. Salzburgs Seen. Mitteil. d. Gesellsch. für Salzburger Landes- 
kunde. 1893. Bd. XXXIII, pag. 28. 

25* 



192 Pro f - Eberhard Fugger. [4] 

höhe bildet. Eine zweite selbständige Berggruppe kulminiert im NO 
des Gebietes im Klingelberg, 1366 m, eingeschlossen vom See- 
waldsee, dem Weitenauer Bache und dem Marchgraben. 

Die Hügel der Ebene. 

In der Salzachebene erheben sich einige isolierte Hügel zwischen 
Kärterer Bach und Mitterbach ; der nördlichste derselben, das bereits 
erwähnte Au erhölzl am linken Ufer des Kärterer Baches zwischen 
dem Wirtshause „zum Schwan" und der Kellau, besteht aus Roßfelder 
Sandstein, der südlichste, der Karst ein, in der Generalstabskarte mit 
der Höhenangabe 495 m bezeichnet, mit seinem kleinen Vorhügel an 
der Mayer hofer Ötz, gehört den Hallstätter Schichten an. Es 
sind graue feinkörnige, fast dichte, massige Kalke, die in einem ehe- 
maligen Steinbruche an der Südseite des Hügels aufgeschlossen sind ; 
„an der nördlichen Spitze ist das klotzige Hallstätter Gestein typisch 
entwickelt, aber fossilleer" (B). 

Der Kärterer Bach. 

Am Ostrande der Ebene liegt das Wirtshaus „zum Schwan" in 
der Strubau. Hier treten die ersten Kalkplatten auf, und zwar 
Oberalmer Kalke mit Hornsteinknollen ; in den kleinen Steinbrüchen 
daselbst ist die Lagerung etwas verworren, aber im allgemeinen in 
h 9 mit flachem Einfallen nach NO ; etwas weiter bergeinwärts, bei 
der Schmiede, stehen sie steil und fallen nach SSW. Bald nachdem 
die Fahrstraße von Kuchl her auf das linke Ufer des Kärterer Baches 
übersetzt, etwa 400 Schritte oberhalb der Schmiede, stehen direkt 
am rechten Ufer dünnschichtige graue Mergel an, flach liegend in 
gebogenen Schichten, welche bereits den Schrammbachmergeln an- 
gehören „und einige Ammoniten führen" (B). Die Überlagerung des 
Jura ist daher hier entschieden nicht regelmäßig; vielleicht zieht 
schon an dieser Stelle eine der vielen Bruchlinien des Gebietes durch. 
Wenige, etwa 20 bis 30 Schritte weiter oben trifft man ebenfalls am 
rechten Ufer schwarze zerknitterte Mergelkalke mit weißen Adern. 
„Von dieser Stelle bis hinauf nach Grubach beobachtet man an beiden 
Bachufern mächtige Massen von Neokomgestein, das vorherrschend 
bachauswärts, etwa nach WSW fällt und von der Grabenmühle an 
größtenteils den zementmergelartigen Habitus der Schrammbach- 
schichten besitzt. Aptychen sind in den Mergeln nicht gerade selten" (B). 
Aber auch Kalke treten in diesen Schichten auf. 

Unmittelbar hinter, das heißt oberhalb der Grabenmühle 
stehen am rechten Ufer die Kalke an, dicht, grau bis gelblich mit 
weißen Adern, partienweise mit Hornsteinknollen, häufig zerdrückt und 
zerquetscht, hie und da mit ganz dünnen Zwischenlagen eines schwarzen 
Mergelschiefers, aber auch mit einzelnen kompakten Bänken, deren 
Mächtigkeit mehr als 1 m beträgt. In 555 m Meereshöhe beobachtet 
man am linken Ufer etwa 100 Schritte vom Bache entfernt eine Fels- 
wand, deren Gestein ebenfalls aus den dunkelgrauen Mergelkalken 
mit weißen Adern besteht. Bei der kleinen Mühle unmittelbar ober- 



[5] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 193 

halb der Grabenmühle zieht eine massige Kalkbank von 3 bis 4 m 
Dicke durch. In zirka 600 m Höhe steht eine verfallene Mühle ; hier 
ist an der Fahrstraße am linken Ufer ein dünnblättriger Kalk, 
eigentlich ein Mergelschiefer mit weißen Kalkspatzwischenlagen ent- 
blößt; im Bache selbst jedoch lagern Bänke von 10 bis 60 cm Mäch- 
tigkeit. Etwa 10 m höher stürzt der Bach über eine mächtige klotzige 
Kalkbank als Wasserfall in die Tiefe. Der Kalk ist körnig, bräunlich- 
grau mit blauen und grünen Punkten, hin und wieder mit roten 
Hornsteinknollen sowie durchzogen von hellen und dunklen dünnen 
Adern ; am Wege (linkes Ufer) dagegen steht wieder der dünnbankige, 
dunkelgraue bis schwarze, zerknitterte Mergelkalk mit weißen Kalk- 
spatadern und einzelnen Eisenkiespünktchen an. Bei 630 m führt eine 
Brücke, die erste im Graben, ans rechte Ufer; hier läßt sich die 
Lagerung der Mergelkalke bestimmen in h 8, 10° mit 34° Einfallen 
nach SW\ 

Die Straße zieht den Bach entlang aufwärts etwa in der Richtung 
von W nach oder WSW nach ONO ; die Schichten der Schrammbach- 
mergel und Mergelkalke sind derart gebogen, daß die Straße von 
den jüngeren Schichten immer tiefer in die älteren eintaucht, dann 
aber wieder aus den älteren in die jüngeren aufsteigt. In 650 m Höhe 
trifft man reingrauen, ziemlich dunklen Kalk ; bei 670 m oberhalb 
der zweiten Brücke stehen am linken Ufer Roßfeldschichten an ; 
man befindet sich hier überhaupt in den jüngeren Kalken, welche 
besonders in 695 m Höhe mit den dichten, bräunlichgrauen, hellen 
Kalken mit weißen Adern und partienweisen Einlagerungen von Horn- 
steinknollen, wie sie hinter der Grabenmühle auftreten, vollkommen 
übereinstimmen. Ihre Lagerung ist hier in h 8, 5° mit 5° Einfallen 
gegen SW. Am linken Ufer beobachtet man an dieser Stelle hellgraue, 
dünnschichtige Mergelschiefer in der Mächtigkeit von mindestens 8 m. 

In 710 m Höhe überschreitet man die vierte Brücke; gleich 
oberhalb derselben stehen geschichtete Schrammbachmergelkalke an, 
dicht, grau, stellenweise mit dicken, weißen Kalkspatadern, an den 
Schichtflächen rein mergelig, in Platten von 3—5 cm Mächtigkeit und 
darüber. 10 m höher befindet sich die fünfte Brücke, sie leitet den 
Weg aufs rechte Ufer hinüber; die Schichten der Kalkmergel und 
Mergelschiefer sind hier stark gebogen und die Wände erreichen 
am linken Ufer eine Höhe von 80—100 m, am rechten sogar eine 
solche von 120 — 150 m. Wenig weiter oben ist am rechten Ufer ein 
ehemaliger Steinbruch, der aber heute als solcher kaum mehr kenntlich 
ist; es sind dünnplattige Mergelschiefer, hell- oder dunkelgrau, mit 
weißen Spatadern, sie enthalten ziemlich viel Aptychen und Fucoiden, 
auch schlecht erhaltene Ammoniten sowie einen Brachiopoden, der 
wohl Terebratula dipliija Colon sein dürfte. 

In 725 m Höhe zwischen der sechsten und siebenten Brücke 
sieht man am linken Ufer wieder dünnplattige Roßfelder Mergelschiefer 
und sandige Mergel, in 750 m Höhe endlich befindet man sich auf 
der Höhe von Grubach, im sogenannten Grubachboden. Dieser 
ist hügelig und mit Vegetation bedeckt, die Bäche, der Härterer Bach 
mit seinen Zuflüssen, dem Lienbach und Grubbach, sind nicht tief 
ins Terrain eingeschnitten; dennoch entblößt der erstere an seinem 



194 Prof. Eberhard Fugger. [6] 

linken Ufer die Fläche eines Gipslagers, das weißen Gips durch- 
zogen von schwarzen Tonadern und hie und da Durchschnitte einer 
Schnecke enthält, welche lebhaft an Rissoa alpina erinnern. Die 
neokomen Mergel fallen hier durchaus nach SO, sie fallen also unter 
den Gips ein, „der doch jedenfalls den Werfener Schiefern angehört, 
dessen Schichten annähernd oder ganz dasselbe Einfallen zu haben 
scheinen" (B). 

Geht man am Lienbach aufwärts, so findet man Spuren von 
Salzgebirge im Bache, während höher am rechten Ufer sich hie und 
da Schrammbachschichten bemerkbar machen ; in weiterer Entfernung 
vom linken Ufer scheinen Werfener Schiefer anzustehen. An diesem 
unteren Bachlaufe ist der Fundort der berühmten Blauquarze. 
Diese Quarze sind, wenn sie vollständig entwickelte Kristalle bilden, 
entweder farblos oder von nur schwach lichtblauer Farbe, die un- 
deutlich kristallisierten oder derben Stücke dagegen sind indigo- bis 
berlinerblau gefärbt und stets von erdigem oder faserigen Kroky- 
dolith begleitet, welcher von mattem Glänze, lichtblau, offenbar dem 
Quarze die Farbe gibt. Andere begleitende Mineralien sind Braun- 
eisenerz, Kalkspat, Dolomit und Speckstein. Die Blauquarze und 
Krokydolithe finden sich hier nicht anstehend, sondern sind lose im 
Schutt enthalten ; der Ort, wo sie anstehen, ist nicht bekannt. Sie 
entstammen aber höchstwahrscheinlich den Werfener Schiefern, die 
ja am Lienbach entlang an verschiedenen Stellen anstehen. Im Auf- 
wärtsschreiten trifft man am rechten Bachufer eine Wand von Gips 
von etwa 25 m Höhe, unterhalb lagert grauer Gipsmergel. In 797 m 
Meereshöhe beobachtet man im Gipsterrain am linken Ufer ein vier- 
eckiges Loch von dem Aussehen eines zusammengewachsenen Stollens, 
jedoch ohne jede Spur von Zimmerung; aus dem Loche fließt eine 
Quelle. Es liegt die Vermutung nahe, daß hier ein alter Stollenbau 
vielleicht auf Brauneisenstein bestand, aus welchem auch die Blau- 
quarze stammen könnten. Weiter oben steht abermals eine hohe 
Gipswand am Wege (rechtes Ufer) und hier findet man im Bache 
(800 m ü. d. M.) auf eine längere Strecke aufwärts zahlreiche, ziemlich 
große Trümmer eines dunkelgrünen, melaphyrartigen Gesteines, welches 
jedenfalls aus nächster Nähe dieses Auftretens stammen muß; den 
Ort selbst habe ich nicht gefunden und er dürfte auch in dem 
vielfach verstürzten Terrain schwer zu finden sein. Weiterhin ist der 
Bach auf 10 m durch eine Rutschung verschüttet, das Wasser fließt 
durch den Gips unterirdisch hindurch und kommt dann aus einem 
Loche wieder zum Vorschein. Auf dem Abgerutschten stehen Bäume 
in fast normaler Stellung. Bei dieser Stelle steht am Wege eine hohe 
Wand von Schrammbachschichten und kaum 100 Schritte weiter oben 
(845 m) wieder eine Gipswand von etwa 30 m Höhe. An den Quellen 
des Baches kommen hie und da die Roßfeldschichten zutage. 

Ostsüdöstlich von Grubach befindet sich der große Gips- 
bruch 1 ), etwa 810 m ü. d. M., er besitzt eine Länge von mehr als 
150 m. Sein Gips ist ziemlich rein, stellenweise vollkommener Ala- 
baster, und auf seinen Lager- und Kluftflächen findet sich häufig 



Siehe H. Wolf, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1873. pag. 47. 



[7] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 195 

reiner kristallinischer Schwefel ausgeschieden. Durch die Wände des 
Steinbruches sind viele sehr schöne Schlote ausgewaschen sowie 
viele Wasserrinnen mit fein ziselierten Kerbungen. n An einer Stelle 
sah ich eine kleine Menge umbraartigen Gesteines. Überall am oberen 
Rande der Wände sieht man den Gips direkt von Humus und Vege- 
tation überdeckt. Das Gipsterrain dieser Gegend, dessen Größe mehr 
als 1 km 2 beträgt, zeigt alle jene nur denkbaren Formen, welche 
durch Auslaugung so weichen Gesteines in langer Zeit sich ergeben. 
Der Grubachwald ist ein fortwährender Wechsel von runden Hügeln 
und runden, oft tiefen Trichtern, die sich in den Gips eingefressen 
haben, welcher ohne jede andere Decke als die des Humus und der 
darauf befindlichen Vegetation an die Oberfläche tritt. „Auch dieser 
große Gipsbruch wird gegen SO abermals scheinbar von Roßfeld- 
schichten, die nach NW fallen, unterlagert, welche auch hier zahl- 
reiche schlecht erhaltene, verkieste Ammoniten und eine diphya- 
artige Terebratel enthalten. Östlich davon breitet sich ein weites, 
flaches, zum Teil sumpfiges Alpengebiet aus" (B). 

Von Grubach führt ein Weg den Grubbach graben entlang 
zum Bachgut; am rechten Ufer steht meist Gips an, der hier wieder 
in mehreren ziemlich großen Steinbrüchen gewonnen wird, am linken 
Ufer oberes Neokom. Aber auch auf dem rechten Ufer finden sich 
an manchen Stellen Roßfeldschichten direkt am Gips, und zwar 
wieder denselben unterteufend. Die Roßfelder Mergel bilden Platten 
von 15—30 cm Mächtigkeit und enthalten zahlreiche sehr kleine 
Aptychen ; sie liegen in h 4, 8° und fallen unter 45° nach NNW. 
Am oberen Ende des Grabens, gerade unter dem Bachgute, steht ein 
glaziales Konglomerat an ; auf der Höhe daselbst liegt wieder Gips 
und auch hier fallen die neokomen Schichten unter denselben ein. 
„Vom Bachgute gegen den Schwarzen Berg hin erheben sich einzelne 
Hügel mit hornsteinführenden Kalken, ähnlich denjenigen, welche 
an den Roßfeldabstürzen gegen die Trockentannalpe auftreten und 
trotz ihrer auffallenden Ähnlichkeit mit den Oberalmer Kalken den 
Roßfeldschichten zugezählt werden müssen" (B). 

Wandert man von Grubach aus am Kärterer Bach auf dem 
Fahrwege aufwärts, der allmählich teils durch waldiges, teils durch 
feuchtes und sumpfiges Terrain ansteigt, so errreicht man in 780 m 
Höhe eine kleine ebene Fläche am rechten Bachufer, in deren 
Hintergrund sich eine Felswand von 40 — 50 m Höhe erhebt, deren 
Gestein ziemlich reiner Gips mit Einlagen von einzelnen größeren 
Tonklumpen ist. Wenige Meter über dieser Stelle schneidet die Straße, 
welche am rechten Bachufer hinführt und hier steil ansteigt, grauen 
Gipston an und etwas weiter oben treten Tonschiefer mit Lingula 
tenuissima Br. zutage. Bei 860 m ist ein scheckiger Gips aufgeschlossen, 
in mehr oder weniger weißem Gips finden sich zahlreiche Punkte 
und Adern von schwarzem Ton. Etwa 20 m höher stehen an beiden 
Ufern graue Roßfelder Sandmergel an in h 3, 8° mit 50° Einfallen 
nach NW, also ebenfalls wieder unter den Gips dringend. W T eiter 
oben sind den Sandmergeln wiederholt metermächtige Bänke von 
dunklem festen Sandstein mit weißen Adern eingelagert. 

Bei Mo os eck befindet man sich an einer Biegung des Baches; 



196 Prof. Eberhard Fugger. [8] 

während der Lauf desselben zwischen Mooseck und Grubach die 
Richtung von S nach N hat, fließt der Oberlauf von nach W. Hier 
(875 m) steht wieder ein junges Konglomerat an; die Gegend rings- 
herum ist hügelig, die Hügel gehören den Roßfeldschichten an; am 
Bache selbst ist Sumpf, dessen Unterlage, nach den einzelnen Find- 
lingen und kleinen Aufschlüssen zu schließen, die Werfener Schiefer 
bilden. Der isolierte Hügel unmittelbar südöstlich von Mooseck ist 
mit zahlreichen Gesteinstrümmern verschiedener Provenienz bedeckt, 
seine Unterlage dürfte wohl schon dem Ramsaudolomit, der in seiner 
Nachbarschaft auftritt, angehören, „während der Höhenzug, welcher 
das rechtseitige Gehänge des oberen Kärterer Baches bildet, östlich 
vom Bachrainergut wieder anstehendes Gipsgebirge, überlagert von 
einer unbedeutenden Dolomitmasse, zeigt. Vom Bachrainer dehnen 
sich gegen SW und W Alpenwiesen aus, deren steiler Südabfall von 
den vorher erwähnten knolligen, hornsteinführenden, dunklen Kalk- 
mergeln der Trockentannalpe gebildet wird" (B). 

In der Meereshöhe von beiläufig 880 m verläßt man im oberen 
Kärterer Graben das Terrain der Werfener Schiefer und tritt am 
linken Ufer direkt an den Fuß des Schwarzen Berges, das sogenannte 
G s e n g , und hier steht Rarasaudolomit an, an welchem man durch 
eine Strecke von zirka 250 m hinwandert, während am rechten Ufer 
sehr spärlich Roßfeldgesteine zutage treten. Weiterhin ist das Gehänge 
mit Schutt überdeckt; aber in der Höhe von 900 m findet man nicht 
ein einziges Stück Dolomit mehr, dagegen helle und graue Dachstein- 
kalke, Lithodendronkalke, rote Liaskalke mit Crinoiden und Belemniten 
als Trümmergestein. Bei 920 m erhält der Bach von links einen 
Zufluß und nun führt der Weg, der schon lange aufgehört hat, ein 
Fahrweg zu sein, zwischen den beiden Bächen auf glazialem Schutt 
aufwärts bis zur Höhe von 945 m, zur Quelle des linkseitigen Baches. 
Bei 950 m steht man an der Quelle des Kärterer Baches am Fuße einer 
Felswand eines hellen, rötlichgelben Kalkes ohne Versteinerungen. 

Der Graben zieht noch in der gleichen Richtung eine Strecke 
aufwärts und in 965 m liegt die Wasserscheide zwischen dein Kärterer 
und Weitenauer Bache. Dieser Punkt bietet einen guten Überblick 
über die obere Weitenau und deren östlichen Hintergrund, den Klingel- 
berg mit dem Ameseck. Die Felswände des Schwarzen Berges zeigen 
hier den eben beschriebenen hellen Kalk. Beim Abstiege in das 
Weitenauer Tal sind dann an vielen Stellen die sandigen Mergelschiefer 
der Roßfeldschichten aufgeschlossen. 

Der Mitterbach 

hat, wie schon eingangs erwähnt, seine Quellen am Westgehänge des 
Schwarzen Berges im Dachsteinkalk und Hauptdolomit. Beiläufig in 
der Meereshöhe von 900 m dürfte hier die Grenze zwischen Haupt- 
und Ramsaudolomit liegen und erst in dieser Höhenlage entwickelt 
sich der eigentliche Graben. Die Talwände zu beiden Seiten, besonders 
an der rechten, sind ziemlich steil, doch sind einzelne Einschnitte 
vorhanden, durch welche Wege auf den Grabenrand hinaufführen ; so 
zieht sich ein Weg an der linken Talseite hinauf zur Lehngriesalpe 



[9] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 1 97 

durchaus über Ramsaudolomit, ein zweiter Weg in einem Seitengraben 
auf derselben Seite zur Einsattelung zwischen dem Südwestausläufer 
des Schwarzen Berges und dem Haidberge ; es ist dies jener Berg, 
welcher in der Generalstabskarte als Haarberg unmittelbar südlich 
von Hinter-Kellau bezeichnet wird. Es existiert aber noch ein zweiter 
Haarberg mit der Kuppenhöhe 1115 m östlich von diesem und darum 
ist es besser, bei der alten Bezeichnung Haidberg für die westliche 
Kuppe mit der Höhenangabe 673 m zu bleiben. 

Dieser letztere Weg, welcher zum Bauernhause Haarötz (eigent- 
lich Haidötz), 720 m, nahe unterhalb der Wasserscheide gegen das 
Lammertal hinaufführt, scheint der Hauptsache nach über Werfener 
Schiefer zu gehen, denn an verschiedenen Stellen von der Talsohle 
bis oben findet man einzelne grüne und rote Schiefer und die Mulde 
von Haarötz sowie die Eintiefung des Abstieges gegen Scheffau ist 
sicher dem Werfener Schiefer und Gipsterrain angehörig. In 675 m 
Höhe ist an diesem Wege im Mitterbachgraben Ramsaudolomit an- 
stehend; weiter unten — bei 600 m — zeigen sich Reste einer 
Moräne mit gekritzten Steinen. 

Am rechten Ufer des Mitterbaches führt ein Weg hinauf zum 
Haarecker Bauer ; auch an diesem Wege ist der Ramsaudolomit viel- 
fach aufgerissen und treten die Werfener Schiefer, sehr steil gestellt, 
rot und sandig, dann grau in Verbindung mit Gips mehrfach zutage. 

So wie man den eigentlichen Talboden (520 m) betritt, hat man 
die kleine Ebene der Hinter-Kellau vor sich, durch welche sich der 
Bach langsam hinwindet; die Ränder des Tales lassen vielfach die 
Werfener Schiefer in einzelnen Fundstücken zutage treten, während 
die Mitte des Tales von jüngeren Schottern bedeckt ist und rechts 
und links die Ramsaudolomite emporragen. Nach einer Strecke von 
700 bis 800 m verengt sich wieder das Tal und der Bach fällt in 
kleinen Kaskaden zwischen Oberalmer Kalken, welche von nach W 
streichen und steil nach N fallen, abwärts in die Ebene der Vorder- 
Kellau. Unmittelbar oberhalb der Bachschlucht führt ein Graben am 
linken Ufer hinauf nach St. Anton; hier auf der Einsattelung zwischen 
Haidberg und Rabenstein tritt ebenfalls wieder vom Tal bis zur Höhe 
Werfener Schiefer auf zwischen dem Ramsaudolomit des Haidberges 
und den Oberalmer Schichten der südöstlichen Partie des Rabenstein. 
Dieser Aufriß bis auf das Gipsgebirge zieht sich hier ebenso wie 
jener der Haarötz auf die jenseitige Berglehne hinüber und an der- 
selben hinab. 

Die Ebene unterhalb der Schlucht des Mitterbaches, also gewisser- 
maßen seine unterste Talstufe, bildet ein Rechteck von etwa 400 m 
Länge längs der Bachrichtung und über 300 m Breite ; ihr Boden 
gehört dem Alluvium an. Am unteren Rande der Bachschlucht beob- 
achtet man noch auf eine kurze Strecke hin gegen N die Oberalmer 
Kalke, aber schon 100 Schritte vom Bach entfernt tritt ein massiger 
Fels auf von hellem, sehr dichten, klingenden Kalk, den ich mit 
Bittner als den Hallstätter Schichten angehörend bezeichnen möchte. 
Am Fuße dieses Felsens lagert eine Moräne mit gekritzten Steinen. 
„Zwischen den Oberalmer Kalken und den hellen Hallstätter Kalken 
reicht quer eine Spur von Gipston hinein, welche ; wie es scheint, 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 26 



198 Prof. Eberhard Fugger. [10] 

direkt von bröckligem, hellen Ramsaudolomit überlagert ist" (B). Die 
Nordostseite der Ebene begrenzt ein steiles grasiges Gehänge, an 
welchem hie und da die typischen grauen Roßfelder Sandsteine zutage 
treten, „größtenteils flach liegend, an manchen Stellen Ammoniten 
führend" (B). Die Südseite wird von den Hallstatter Kalken des 
Rabenstein begrenzt; die Begrenzung der Ebene an der Westseite 
geschieht durch ein kurzes, schmales und niedriges Band von Ober- 
almer Kalken, welches zwischen die Hallstatter Kalke des Rabenstein 
und die Roßfelder Sandsteine des Voreckes eingeschaltet ist. 

Nachdem der Bach diese Oberalmer Kalke durchschnitten hat, 
tritt er in die diluviale Ebene des Salzachtales ein. Er fließt noch 
eine Strecke am Fuße des Rabenstein hin, „dessen Felsmasse hier 
typisch entwickelter Hallstatter Kalk ist. Man findet in demselben 
zahlreiche Ammonitenbrut sowie einige größere Arcesten ; die Farben 
des Gesteines sind so schön und bunt wie bei Hallein und Hallstatt" (B). 
Weiterhin wendet sich der Bach gegen NW, fließt an dem Hallstatter 
Kalke des Karstein vorüber und tritt jenseits der Reichsstraße in 
das Alluvialgebiet ein, um nach kurzem Laufe in die Salzach zu 
münden. 

Die Lammer 

tritt unterhalb Voglau bei der Bichler Brücke in das Gebiet des 
Schwarzen Berges und bildet dessen südliche Grenze. Die Straße von 
Abtenau nach Golling führt von hier ab am Lammerufer entlang, und 
zwar in der Schlucht an deren linkem Ufer, nachdem sie dieselbe 
verlassen hat, am rechten. Die Schlucht, welche einerseits vom Haar- 
berg und dessen östlichen Ausläufern, den Höhen des Wallingwinkels, 
anderseits von den Gehängen des vorderen und hinteren Strubberges 
eingeschlossen wird, besitzt eine Länge von 35 km und bietet manche 
Partie von ganz besonderer landschaftlicher Schönheit. 

Gleich unterhalb der Bichler Brücke beginnt die Klamm in 
dünn- und dickbankigem dunklen Muschelkalk, welcher zum Teil 
dolomitisch ist; seine Schichten sind etwas hin und her gebogen, aber 
konstant nach NO oder NNO fallend, eine ansehnliche Masse, zunächst 
nur von Schutt überlagert. Prächtige Kesselbildungen zeigen sich an 
den Ufern, welche von dem schön grünen, klaren Wasser des Flußes 
bespült werden, das stellenweise sogar tief smaragdgrüne Färbung zeigt. 
Eine fahrbare Brücke führt alsbald über den Bach, dann folgt am 
rechten Ufer die Mündung des Aubaches, welcher etwa 1 km oberhalb 
derselben einen schönen Wasserfall bildet. 

Bald erweitert sich die Schlucht und Moränenmaterial und Schutt 
bedecken den Boden ; während an dem rechtseitigen Gehänge meist 
der Muschelkalk in Wänden steht, ist er an der linken Talseite nur 
hie und da zu sehen. Dann folgt am linken Ufer eine Stelle von etwa 
2 in Länge voll grünen und roten zerreiblichen Gipsmergels, darauf 
wieder dunkler, weiter auswärts zum Teil breccien- oder rauhwacken- 
artiger Muschelkalk, stellenweise von Moräne überdeckt. Ein schmaler 
Steg führt über die Lammer. Nicht weit unterhalb desselben biegt 
der Muschelkalk, welcher fast stets nach NO fällt, an einer Stelle 



|11| Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 199 

nach SW um, um bald darauf seine ursprüngliche Lage mit Nordost.- 
fallen wieder einzunehmen. Von dem Bache, welcher das Tal zwischen 
Vorder- und Hinter-Strubberg bewässert, auswärts folgt ein ausge- 
dehntes „Werfener Schiefergebiet mit einem der außerordentlichsten 
Profile, die man im Werfener Schiefer haben kann. Das Hangende 
sind dunkle kalkige Lagen, auf deren Schichtflächen sich glimmerige 
Auflagen befinden. Sie enthalten Naticella costata, Myophoria costata 
und andere Versteinerungen ; dann folgen mehr glimmerige, sandige 
und weniger kalkige Schichten, grau und grünlich, vorherrschend 
dunkel gefärbt, mit zahlreichen von Petrefakten erfüllten Bänken. 
Endlich folgen die roten Schiefer, steil nach NO fallend, welche das 
Nordostgehänge des Vorder-Strubberges bilden" (B). 

Weiterhin ist das Gehänge wieder mit Moräne bedeckt, unter- 
halb der Mündung des Wallingwinkelbaches tritt abermals der Muschel- 
kalk auf, teilweise von jungem Konglomerat überdeckt. Die Straße 
steigt nun ziemlich steil an „zwischen Kalkwänden von dunkelgrauer 
bis rötlichgrauer Farbe ; die Kalke zeigen den Typus der Hallstätter 
Kalke. In herabgestürzten großen Blöcken fand Bittner Monotis 
saUnaria. Weiterhin stehen diese Kalke steil aufgerichtet, sind dünner 
geschichtet und zum Teil knollig, etwas an Pötschenkalk erinnernd. 
Am rechten Ufer jenseits des Veitsbrückeis sind die Kalke etwas 
heller und ebenfalls petrefaktenführencP' (Bl. In diesem Hallstätter 
Zuge sind die Lamm er Öfen ausgewaschen, eine sehr tiefe, enge, 
stellenweise nur 1 m weite Schlucht, durch welche ein schmaler Steig 
hindurchführt. Weiter aufwärts gegen die Sattelhöhe der Straße tritt 
wieder Muschelkalk auf, schwarzes, rutschiges, zum Teil sehr zer- 
trümmertes Gestein. „Auf der Sattelhöhe selbst ist eine Moorwiese 
mit Tonunterlage voll Cijclas sowie zerfetzten Werfener Schiefern in 
Brocken. Weiter abwärts lagert heller Ramsaudolomit, unter welchen 
wieder dunkle rutschige Schiefer und Kalke, welche hie und da dünn- 
plattig und voll Kieselnadeln sind, in sehr gequälter Stellung gegen 
NO einfallen. Unmittelbar oberhalb der großen Lammerbrücke bei 
der Dampfsäge steht am linken Ufer konglomerierter Flußschotter 
voll fremdartiger, auch kristallinischer Gesteine, lebhaft an das Salz- 
burger Konglomerat erinnernd" (B). Diese Bank erreicht eine Höhe 
bis zu 20 m. 

Umstehendes Profil (Fig. 1) dürfte die Lagerung der Schichten 
an der Lammerstraße versinnlichen. 

Am rechten Lammerufer jenseits der Brücke steht eine Dampf- 
säge und eine Restauration auf Alluvialboden. Die Straße, welche an 
diesem Ufer weiterführt, schneidet zuerst hellen Ramsaudolomit an, 
dann folgt auf kurze Strecke dunkler Dolomit, hierauf wieder etwa 
200 Schritte heller Ramsaudolomit. Dann trifft man auf anstehenden 
kalkigen W T erfener Schiefer und darüber dolomitischen Muschelkalk. 
Dieser kleine Aufschluß befindet sich etwa 100 bis 150 Schritte inner- 
halb km 65. Der ganze Aufschluß ist vielleicht 100 Schritte lang 
sichtbar, die Schichten liegen flach nach N fallend. 

Weiter aufwärts ist nun auf eine lange Strecke der Ramsau- 
dolomit des Haarberges anstehend, „welcher stellenweise ziemlich 
große Daktyloporen enthält" (B). Am Fuße des Sonnberges lagert 



200 Pr <> f - Eberhard Fugger. [12] 

vorerst eine Diluvialterrasse, dann tritt wieder der Ramsaudolomit 
auf. Weiterhin ist der Fuß der Berge abermals von Diluvium über- 
deckt. Von der Kirche Scheffau hinauf bis Haarötz und jenseits 
hinab in den Mitterbachgraben zieht sich ein Aufbruch von Werfener 
Schiefer, allerdings meist mit Vegetation bedeckt; aber in der Höhe 
von 525 m und wieder in 560 m befinden sich an diesem Gehänge 
lammerseits, also 44, beziehungsweise 79 m über der Talsohle, zwei 
Gipsbrüche, von denen der obere gegenwärtig (1904) in Betrieb ist. 
In diesem Gips findet man mitunter recht hübsche und große Tafeln 
von Fraueneis. 

Bei hm 2*5 außerhalb Scheffau steht am Fuße des Haidberges 
wieder Ramsaudolomit an; dann folgt dort, wo die Straße direkt an 
die Lammer tritt, 175 Schritte innerhalb hm 2*0, der anstehende Diorit- 
fels, dessen Aufschluß nur etwa 5 — 6 m lang und 3 m hoch ist, der 
aber deshalb unser Interesse erregt, weil er das einzige vulkanische 
Gestein ist, das in weitem Umkreise bisher anstehend getroffen wurde. 



Fig. 1. 

Hinter- Strubberg- Vorder- Lammer- 

strubberg. graben. strubberg. brücke. 




mJv tu //r/o w c 

Idealprofil der Lammerschlucht. 

c = Junges Konglomerat. — Ick *= Hallstätter Kalk. — mk = Muschelkalk. 
w = Werfener Schiefer. 






Anschließend an den Diorit folgt wieder Ramsaudolomit, dann reicht 
das nasse Gehänge an die Straße, in welchem wir einzelne Stücke 
Werfener Schiefer finden. An der Südwestecke des Haidberges, 
dessen Gestein, soweit es Felsen zeigt, dem Ramsaudolomit angehört, 
verläßt die Straße die Lammer, steigt zur Diluvialterrasse auf, welche 
sich südlich vom Rabenstein zur Lammer hinzieht, und überschreitet 
dieselbe, um jenseits auf den Alluvialboden hinabzusteigen, wo sie 
sich mit der Reichsstraße Salzburg — Pongau vereinigt. Die Lammer, 
deren linkes Ufer von der großen Brücke bei der Dampfsäge an bis 
nahe an die Duscher Brücke entweder von jungen Ablagerungen oder 
von Muschelkalk gebildet wird, zeigt bei der Duscher Brücke am linken 
Ufer einen Aufschluß im Lias, am rechten ein diluviales, horizontal 
geschichtetes Konglomerat. Jenseits der Brücke fließt sie in alluvialem 
Boden der Salzach zu. 

Von den rechtseitigen Zuflüssen der Lammer kommt vor allen 
der untere Aubach mit dem Marchgraben und dem Weitenauer Bache 
in Betracht. 



[131 Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 201 

Der Aubach 

mündet etwa 750 m unterhalb der Bichler Brücke in die Lammer. 
Er fließt durch und über Muschelkalk. Einige hundert Meter ober- 
halb seiner Mündung bildet er einen sehr hübschen, sehenswerten 
Wasserfall (Bichl- oder Aubachfall) über Kalkplatten, welche in h 8 
streichen und mit 22° gegen NO fallen. Oberhalb des Falles bildet 
der Muschelkalk auf eine lange Strecke bis zur Brücke nächst der 
großen Aubachmühle am rechten Ufer einen schönen und mäch- 
tigen, natürlichen Taloud. Weiter oben wird der Muschelkalk auf 
eine kurze Strecke von diluvialen Schottern überdeckt, welche sich 
am linken Ufer weiter hinziehen als am rechten. 

Von der Bichler Brücke am oberen Ende der Lammerschlucht 
führt eine Straße durch Muschelkalk am rechten Ufer der Lammer 
gegen N aufwärts und mündet nach Überwindung eines kleinen Hügels 
in die großherzogliche Jagdstraße. Der Kalk ist hier schwarz, aber 
von zahlreichen dünnen, weißen Kalkspatadern durchzogen. Die Jagd- 
straße führt über diluvialen Boden aufwärts, der gegen hin von 
vielen kleinen Gräben durchfurcht ist, die in ihrem Untergrunde hie 
und da Werfener Schiefer entblößen. Auch der kleine Graben, welcher 
bei der Bichler Kapelle die Straße überquert, zeigt stellenweise die 
roten Schiefer. Unmittelbar oberhalb der Kapelle steht am Wege 
eine Moräne mit gekritzten Steinen an. Nachdem die Hauptsteigung 
überwunden ist, tritt die Straße ans linke Aubachufer, anfangs im W 
wieder an Muschelkalk vorüber, während sich östlich noch immer 
das Diluvium ausbreitet, bald aber ist das Diluvium abermals zu 
beiden Seiten der Straße, welche mit geringer Steigung im Walde 
hinführt, vorhanden. Schließlich treten Felswände zu beiden Seiten 
direkt an den Bach und der Raum für die Straße ist nur durch 
Absprengung derselben gewonnen. Das Gestein derselben ist schön 
geschichteter Hauptdolomit. 

Der Marchgraben. 

Nachdem man etwa 1 km in diesem Gesteine gewandert ist, 
mündet von N her der Marchgraben in den Aubachgraben, etwa 
615 m ü. d. M. ; eine Brücke führt ans rechte Ufer. Man verläßt 
die Jagdstraße, welche den Aubach entlang weiter gegen führt, 
und wandert auf einem guten Reitwege im Marchgraben aufwärts. 
Die Bänke des Hauptdolomits streichen in h 9 und fallen unter 25° 
nach SW. 

Der Weg führt anfangs am linken Ufer hin, aber schon nach 
beiläufig 900 Schritten überschreitet man den Bach auf einer Brücke ; 
oberhalb derselben ist der Dolomit so dicht und massig, daß in ihm 
kleine Wassertümpel ausgewaschen sind von vollkommen runden 
Formen und glatten Flächen, fast genau so, wie man sie im 
Hochgebirge auf massigem Gneisgranit oder sehr dichtem Quarz- 
phyllit findet. Nun geht es den Bach entlang ziemlich steil aufwärts 
bis zur zweiten Brücke (635 m ü. d. M.). Unterhalb derselben sehen 
wir einen Wasserfall von 4—5 m Höhe. Der Dolomit ist geschichtet 



202 Prof. Eberhard Fugger. [14] 

und bildet Bänke von 5—40 cm und darüber ; sein Streichen ist nun 
ziemlich von nach W mit flachem Einfallen (15°) nach N. 

Eine kurze Strecke oberhalb der zweiten Brücke wird die 
Steigung wieder eine sehr geringe und man wandert in der engen, 
prächtigen Dolomitschlucht immer am Bache, meist nur wenige Meter 
über demselben, noch wenigstens 3 km hin. Nur hie und da erweitert 
sich die Schlucht ein wenig, dann findet man stets am Wege Moränen- 
reste mit gekritzten Steinen und einem Bindematerial, welches, vom 
Regen abgeschwemmt, auf dem Wege selbst unter Wasser zu einer 
so festen Masse erhärtet, daß sie sogar die Eindrücke der Nägel der 
Bergschuhe nur sehr schwer annimmt. An einer Stelle steht eine 
Dolomitbank von 60 — 70 cm Mächtigkeit an, welche vollkommen dünn- 
gebänderte Struktur zeigt. Je weiter wir vordringen, desto steiler 
wird der Dolomit; unterhalb der Mündung des vom Seebachsee herab- 
kommenden Seebaches in der Nähe der Jägerhütte, 780 m, stehen 
die Schichten senkrecht bei gleichbleibendem Ostweststreichen, weiter 
drinnen fallen sie steil nach N. In 795 m Höhe mündet rechts der aus der 
Einsenkung zwischen Trattberg und Frunst herabkommende Schwarzen- 
eckbach, eine dritte Brücke führt wieder an das rechte Ufer des 
Marchgrabenbaches. Unmittelbar oberhalb derselben fallen die Schichten 
des Hauptdolomits sehr steil nach N, sie stehen nahezu senkrecht. 

Der Weg steigt nun stark aufwärts, so daß man nach kurzer 
Strecke den Bach etwa 80 — 100 m tief in engster Schlucht neben 
sich hat. In 870 m Höhe steht bereits dichtkörniger Dachsteinkalk 
an, 10 m höher am Wege trifft man die ersten Durchschnitte von 
Megalodonten; das Streichen ist ungefähr dasselbe geblieben (h 5), 
dagegen das Einfallen steil (80°) nach S. Immer an demselben Ge- 
steine hin mit steil gestellten Schichten geht es aufwärts in der Schlucht, 
in ( J95 m Höhe stehen die Schichten wieder sehr steil nach N geneigt 
— Streichen in h 6 — die Mächtigkeit der Kalkbänke schwankt 
zwischen 10 und 40 cm, Lithodendren, Megalodonten und andere Ver- 
steinerungen treten hie und da, im allgemeinen aber nicht sehr häufig 
in den Kalken auf. Bei 1025 m steht die letzte Bank von Dachstein- 
kalk in h 6, 5° mit sehr steilem Einfallen nach S an ; noch 120 Schritte 
weiter auswärts beobachtet man am W'ege in dem Gesteine einen 
Megalodon und eine Chenmitzia. Unmittelbar an der letzten Kalkbank 
schließt ein Alpengatter den Weg ab. Hinter dem Gatter tritt das 
Terrain weiter auseinander, der Felsboden, welcher bisher meist 
nackt und in steilen Wänden an den Weg trat, weicht einem sanften, 
mit Gras bewachsenen Gehänge, nur unmittelbar hinter der steilen 
Kalkbank sieht man am Wege hin in zahlreichen Biegungen hornstein- 
haltige Kalke in Bänken von 5 — 20 cm Mächtigkeit, an denen sich 
-der Weg aufwärts zieht. Es sind Oberalmer Kalke. In der Meeres- 
' höhe von 1070 m, etwa 150 m von dem Alpengatter entfernt, gehen 
die gebogenen Schichten allmählich in fast horizontal gelagerte Bänke 
! über, welche an dem -ersten Seitenbache der rechten Talseite, 1090 m, 
in h 4 streichen und sehr flach nach NNW fallen; ja stellenweise 
Hieben die Schichten fast ganz horizontal. Diese flach gelagerten Ober- 
almer Kalke reichen zurück 1 '.bis an >den^ 'Beginn . des Tales und auf 



[151 



Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 



203 



Beim Alpengatter stehen wir daher an einer Bruchlinie, wie sie 
schöner nur selten aufgeschlossen sein dürfte. In der Terrainzeichnung 
der Generalstabskarte im Maßstabe 1 : 25.000 kommt dieselbe deutlich 
zum Ausdruck. Die unter den Oberalmer Schichten jedenfalls vor- 
handenen Hornsteinkalke, Liasschichten und Kössener Mergel kann 
man vom Wege aus nicht wahrnehmen, doch dürften sie unten in der 
Tiefe der Schlucht, die allerdings schwer zugänglich ist, sichtbar werden, 
denn weiter unten im Bache, wo man in denselben einsteigen kann, 
beobachtet man einzelne Rollsteine, die den obengenannten Forma- 
tionen angehören. Sehr bedeutend kann übrigens der Aufschluß in 
diesen Formationen nicht sein. 

Die nachstehende Figur 2 dürfte ein richtiges Profil längs der 
Bachrichtung beim Alpengatter geben. 

Der bereits erwähnte rechtseitige Zufluß des Marchgrabens, 
der Schwär zeneckbach, fließt, soweit er dem Gebiete des 



Fig. 2. 



Alpengatter 




Profil der Bruchstelle am Alpengatter der Wiesler Alpe im Marchgraben. 

Lias. — K Kössener 



== Oheralmer Kalk. — H = 
Schichten 



Hornsteinjura. — L = 
— D = Dachsteinkalk. 



Schwarzen Berges angehört, in seiner oberen Partie durch Lithoden- 
dronkalk und etwa von 870 m Meereshöhe ab in Hauptdolomit. Er 
mündet bei der ehemaligen Mar ch grab enalpe in den Marchgrabenbach. 
Von größerem Interesse ist der Seebach. Dieser entspringt 
in dem Sumpfe westlich vom Seewaldsee und ergießt sich in letzteren 
nach einem Laufe von etwa 800 Schritten. Am Nordostende desselben 
fließt er aus dem See und mündet nach einem Laufe von etwas mehr 
als 1*5 hm unterhalb der Marchgrabenalpe in den Marchgrabenbach. 
Der Seewaldsee liegt in 1078 m, die Mündung in den Marchgraben- 
bach ungefähr 775 in, so daß die Höhendifferenz rund 300 m beträgt, 
woraus sich ein Gefälle von fast 20 Prozent ergibt. „Die Höhen 
nördlich und südlich des Seewaldsees sind dieselben Lithodendron- 
kalke, wie sie im Marchgraben und Schwarzeneckgraben anstehen, 
in mächtiger Entwicklung mit Einfallen nach NW; darüber liegen 
knapp vor dem See mehr dünngeschichtete, dunkle, zum Teil flecken- 



204 Prof. Eberhard Fngger. [16] 

mergelartige Kalke, teilweise von Petrefaktendurchschnitten erfüllt, 
ohne Zweifel Kössener Mergel, untermischt mit dicken Bänken, die 
zum Teil Lithodendron führen. Diese Schichten streichen am südlichen 
Seerande, beziehungsweise am Nordabhange des Klingelberges hin" (B). 
Unmittelbar am Südostrande des Sees und beim Ausflusse stehen 
jedoch Schrammbachschichten; die Kössener Mergel ziehen sich hinter 
diesen noch eine Strecke den Seeabfluß entlang gegen NO. Bald 
jedoch sendet der Bach seine zahlreichen Wasserfälle über Lithoden- 
dronkalke und tiefer unten über den Hauptdolomit. „Am Nordwest- 
rande des Sees, südlich unterhalb der Trattberggruppe, legt sich 
teilweise deutlich steil nach S fallend, der helle Schrammbachmergel 
an die Lithodendronkalke, welche die Wände bilden ; ebenso zieht 
sich vom Südwestrande des Sees ein Band dieser Schrammbachmergel 
gegen SW in die Weitenau, wo sie von den die verschiedenen un- 
bedeutenden Höhenzüge bildenden Roßfeldschichten normal überlagert 
werden" (B). 

Die Weitenau. 

Nur durch eine ganz unbedeutende Wasserscheide (1095 m) 
werden die Quellen des Weitenauer Baches von jenen des Seebaches 
getrennt; während letzterer im der Wasserscheide seinen Ursprung 
hat, entspringt ersterer an ihrer Westseite. Ganz nahe dem Ursprünge 
der Quelle trifft man noch im Sumpfterrain (1090 m) plattige Schramm- 
bachmergel anstehend, welche flach nach SW fallen. 

Am linken Ufer des Oberlaufes des Weitenauer Baches lagern 
Roßfeldschichten, am rechten Schrammbachmergel, welche von den 
Lithodendronkalkwänden des südlichen Abhanges der Trattberggruppe 
und der Fagerwand überragt werden. In der östlichen Partie zeigen 
sie eine wellenförmig gebogene Schichtung (Fig. 3), weiter gegen W 
wird ihre Lagerung sehr eigentümlich. „Die von der Ferne einheitlich 
und kompakt aussehende Kalkmasse erscheint durch eine große Anzahl 
etwa in östlicher Richtung sehr schief in die Abhänge hinein ver- 
laufender Brüche in zahlreiche dünne Streifen zerlegt, deren Schichten 
gegen im allgemeinen nach N bis NW fallen, sich gegen W aber 
ganz übereinstimmend in sonderbarer Weise windschief krümmen und 
drehen, so daß ihr Fallen aus dem nordwestlichen allmälich in ein süd- 
westliches übergeht. Man hat daher hier ebensoviele Wiederholungen 
der Schichten vom See bis gegen St. Wilhelm und kommt, trotzdem 
man eine riesig mächtige Schichtfolge zu durchschreiten scheint, doch 
aus einer und derselben Gruppe nicht heraus. Es bestehen die Ab- 
hänge tatsächlich aus Lithodendronkalk, wie abgestürzte Blöcke in 
dem Trümmermeere unterhalb der Fagerwand bei St. Wilhelm be- 
weisen. Im allgemeinen aber sind petrefaktenführende Blöcke hier 
sehr selten" (B). Die Wände und Gehänge, welche zwischen St. Wilhelm 
und dem Zimmereck unter den Schrammbachmergeln aufsteigen, ge- 
hören ebenfalls dem Lithodendronkalke an. 

Bei dem Bauernhause, südöstlich von St. Wilhelm fließt der 
Bach durch Moränenlehm, weiterhin bildet er dann einen tiefen 
Graben, bis er bei der Kapelle (830 m) die bisherige westliche 



[17] 



Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 



205 



Richtung verläßt. „Dieses plötzliche Umbiegen des Weitenauer Baches 
gegen Osten an einer Stelle, die durch nahezu keine bemerkbare 
Höhe getrennt ist von dem viel tieferen Einrisse, welchen der Lien- 
bach in seiner Richtung gegen SW, gegen Grubach hin erzeugt, ist 
höchst sonderbar. Der Nordrand dieser Höhe bei der Kapelle ist 
noch sandiger Neokommergel, jenseits derselben lagert sofort Gips in 
großen Massen" (B). 

Südlich vom Bauernhöfe Lienbach zieht sich an der rechten 
Seite des Weitenauer Baches, der von der Kapelle ab über Weide- 
und Wiesengrund hinfließt, der Grabenwaldrücken hin, an dessen 
Südwestgehänge der Grubbach und Kärterer Bach entspringen. Sowohl 
dieses als das Nordostgehänge zeigen wenig Aufschlüsse, nur hie und 
da treten die Mergel und Sandsteine der Roßfeldschichten, manchmal 



Fig. :$. 




Die Fagerwand. 

Aufgenommen vom Wege zum Seewaldsee in 1080 m Meereshöhe. 



auch mit Ammonitenbruchstücken zutage. Oberhalb Aschau befindet 
sich im Tale ein kleines Torflager. Bei Schönleiten und noch etwas 
südlicher beobachtet man wieder Roßfeldschichten, und zwar steil 
gegen S fallend, während sie am südlichen Teile des Grabenwald- 
rückens jenseits der Quellen des Kärterer Baches schon nach NW 
oder N einfallen. 

Unterhalb der Ortschaft Seebach reicht vom Seewaldsee her 
ein Streifen Schrammbachschichten bis an die Diluvialebene, welche 
der Weitenauer Bach hier in etwa 7G0 m Meereshöhe durchfließt. An 
einzelnen Stellen tritt Lehm zutage, der von einer Torfschicht 
bedeckt ist, über welcher Schotter lagert; an anderen Punkten der 
Ebene sind Moränen mit deutlich gekritzten Steinen bloßgelegt. Am 
Nordostrande dieser Fläche treten die Schrammbachschichten auf 
und südöstlich an diese anschließend die Lithodendronkalke des Kiingel- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 27 



206 Prof. Eberhard Fugger. [18] 

berges. Daran stoßen im S wieder die Schrammbachmergel, welche 
sich in einem schmalen Bande nach Greinwald hinauf und jenseits 
der Höhe angelagert an die Dachsteinkalke hinabziehen bis ungefähr 
zu dem Punkte, wo der Weitenauer Bach aus seiner südöstlichen 
Richtung in die rein östliche umbiegt. Der Abhang gegen den Bach 
legt an vielen Stellen die Roßfelder Mergel und Sandsteine bloß. 
Schon beim Aufstiege von Punkt 751 der Generalstabskarte zur Grein- 
waldhöhe trifft man zwar unten noch viel glazialen Schotter, weiter 
oben jedoch treten die dünnschichtigen hellgrauen Sandmergel direkt 
am Wege auf. 

Von der Greinwaldhöhe, 820 m, genießt man einen herrlichen 
Ausblick auf Bischofsmütze, Dachstein und Dachsteingletscher, den 
Hinter- und Vorder-Strubberg und die zahlreichen Kämme und Kare 
des Tännengebirges. Bei der nächsten Häusergruppe gegen SO, 
Kloiber, noch auf der Höhe, trifft man wieder eine Schottergrube, 
dann führt der Weg hoch über der Schlucht des Weitenauer Baches 
an den Schrammbachkalken, die mit zahlreichen Blöcken von Lithoden- 
dronkalk bedeckt sind, abwärts zu Tal. 

Wandert man von Punkt 751 statt über die Greinwaldhöhe am 
Bache selbst fort, so sieht man die Roßfeldschichten direkt ans linke 
Bachufer treten, während am rechten Ufer noch durch eine lange 
Strecke nur Schotter und Schutt den Boden bilden. Im Bachbette 
selbst sind die Neokommergel aufgeschlossen, und zwar in h 7 mit 
50° nördlichem Einfallen. Der Bach fließt mit geringem Gefälle hin 
und zeigt an seinen Ufern allerlei Glazialgesteine, unter denen ins- 
besondere glattgescheuerte und gekritzte Blöcke von Gosaukonglomerat 
auffallen. Die in einiger Entfernung vom rechten Ufer abfallenden 
Wände bestehen aus Lithodendronkalk. 

Bei der ersten Mühle unterhalb des Greinwaldlehens, etwa 740 m 
über dem Meere, stürzt der Bach in einem schönen Wasserfall in 
die Tiefe ; es beginnt hier eine enge Schlucht, welche wiederholt auf 
längere Strecken nicht gangbar ist. Am oberen Ende der Schlucht 
oberhalb des Wasserfalles steht Schrammbachkalk an, in welchen der 
Bach prächtige Karrenrinnen gewaschen hat. Am linken Ufer sieht 
man an mehreren Stellen die Roßfelder Mergel bloßgelegt, welche die 
Schrammbachschichten überlagern. Tiefer unten, bei 710 m, ist eine 
Holztriftklause; unmittelbar hinter derselben bildet der Bach wieder 
zwei Wasserfälle, welche mächtige Riesenkessel ausgewaschen haben. 
Das Gestein oberhalb der Klause ist gelblicher Schrammbachkalk, 
welcher hier beide Ufer bildet; unterhalb der Klause steht Guten- 
steiner Kalk an. Die beiden Ufer treten hier zwar etwas auseinander 
und sind bewachsen, zeichnen sich aber immerhin noch durch be- 
deutende Steilheit aus. Bei der Isohypse 700 m beginnt die Schlucht 
wieder eng zu werden; vor der Einengung führt ein Steg über den 
Bach und unmittelbar neben demselben liegt eine Moräne aufgedeckt. 

In der Schlucht selbst steht anfangs am linken Ufer noch gelb- 
licher Schrammbachkalk und nur am rechten Muschelkalk an, bei 
690 m tritt der letztere auch an das linke Ufer über, um von nun 
an das einzige herrschende Gestein zu bilden. An dieser Stelle ist der 
Kalk zwar schwarz mit weißen Kalkspatadern, jedoch außerordentlich 



N9| Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 207 

dünnplattig. Weiterhin ist die Schlucht der häufig auftretenden Wasser- 
falle wegen nicht mehr passierbar, man ist genötigt, dieselbe zu ver- 
lassen und den am linken Ufer hoch oben liegenden Weg aufzusuchen. 
Dieser führt dann über kultivierten Boden, der keine Aufschlüsse bietet, 
hinab zur großen Aubachmühle an der Stelle, wo der Weitenauer 
Bach in den Aubach mündet. 

Kleine Seitenbäche der Lammer. 

Der Wallingbach entspringt im Hauptdolomit der Südost- 
seite des Schwarzen Berges unterhalb des sogenannten Schober und 
fließt noch eine kurze Strecke über die Lithodendronkalke, welche den 
Ostfuß des Schober bilden. Oberhalb der Wallingalpe tritt Muschel- 
kalk an das rechte Ufer, während am linken diluvialer Boden die 
weiter gegen anstehenden Lithodendronkalke bedeckt. „Erst unter- 
halb der Alpe bildet der sehr steil einfallende schwarze dickbankige 
Kalk beide Ufer und in zirka 700 m beginnt der Werfener Schiefer, 
welcher bis zur Mündung in die Lämmer hinabreicht" (B). 

Im der Haarbergalpe entspringt ein Bach im Werfener 
Schiefer, der sich von NO her bis an die Lammer verfolgen läßt. 
Die Kuppe unmittelbar östlich der Haarbergalpe besteht aus Hall- 
stätter Kalk, in welchem sichere Monotis- Spuren nachgewiesen wurden. 
Dieser Hallstätter Kalk reicht von hier hinab bis zum Veitsbrückl und 
ist in seinen der Lammer näher gelegenen Partien zu beiden Seiten, 
in NO und SW, von einem schmalen Bande von Muschelkalk begleitet. 

Die weiter gegen W von der Höhe kommenden Gräben bis in 
die Nähe der Kirche von Scheffau sind durchaus in Ramsaudolomit 
eingerissen, nur der Bach, welcher von Haarötz am W T estgehänge 
des Haidecks herabkommt, fließt anfangs über Ramsaudolomit und in 
seinen tieferen Partien über Werfener Schiefer und Gipsterrain. 

Golling. 

„Ganz unerwartet liegen die Verhältnisse in und um Golling. 
Der Raben stein und das ganze Nordgehänge dieses Zuges bis in 
den Markt Golling gehört den Hallstätter Kalken an, ebenso die 
Mehrzahl der Kuppen des Gollinger Parkes und die Umgebung 
des Egelsees. Am Wege oberhalb des Marktes zwischen dem Fried- 
hofe und der Wilhelmshöhe trifft man große globose Ammoniten, bei 
der oberen Kapelle im Norden des Parkes findet man in einer der 
obersten Bänke Halobien und in der untersten Bank an der Straße 
am südwestlichen Fuße des Schloßberges Monotis salinaria ß>\ An 
der Nord- und besonders deutlich an der Nordwestseite des Park- 
hügels sieht man sehr wechselfarbige, zum Teil rein dolomitische, 
zum Teil mergeligdolomitische, grauliche oder grünlichgraue Kalke, 
flach nach S fallend, die Hallstätter Kalke unterlagern. Diese letzteren 
sind entweder weiß oder grau, auch rötlich" (B). 

Zwischen dem Egelsee und den ersten Häusern des Marktes 
lagert am Nordgehänge des Parkhügels wiederholt aufgeschlossen 
Moräne. 

27* 



208 Prof- Eberhard Fugger. [20] 

„Unmittelbar und ganz unvermittelt stoßen im S an die Hall- 
stätter Schichten Oberalmer Kalke mit dem typischen braunen Horn- 
steine in Schnüren und Putzen. Der Hügel, auf dem die Kirche steht, 
und die östlich davon gelegenen Höhen, wie das Südgehänge des 
Parkes und des Ilabenstein, gehören diesen Schichten an ; im S an 
der Straße fällt er ziemlich flach nach N, im Friedhofe sehr steil nach 
N, in dem nördlicher liegenden sogenannten alten Steinbruche im 
Park dagegen sehr steil nach S, so daß das Einfallen hier im Mittel 
senkrecht genannt werden kann" (B). Im Friedhofe fand Bittner 
ein Fragment eines Periphinctes, auf der östlichen Höhe einen Aptychus. 
Bei der Manhartquelle am Südwestgehänge des Rabenstein steht ein 
glaziales Konglomerat an. Der Höhenzug südlich davon, welcher un- 
mittelbar am Rande der Gollinger Diluvialterrasse auftritt, besteht aus 
Ramsaudolomit, ebenso die einzelnen hinter diesem Zuge liegenden 
Hügel. Die Mulde östlich davon bis zum Haidberg und die Umgebung 
des Ziegelofens dürften jedoch, nach einzelnen Findlingen und der 
roten Erdfarbe zu schließen, den Werfener Schiefern angehören. Ebenso 
dürfte der Boden, auf welchem die Restauration St. Anton steht, 
Werfener Schiefer sein, während die Gehänge des Rabenstein überall 
in der Einsenkung die charakteristischen Oberalmer Kalke und die 
Gehänge des Haidberges den Ramsaudolomit bloßlegen. 

Der Schwarze Berg. 

Ungefähr in der Mitte des Gebietes erhebt sich der Schwarze 
Berg, dessen Höhe einen Kamm bildet, der von W nach zieht und 
insbesondere gegen S in prallen Wänden abfällt. Der westliche Gipfel 
ist der eigentliche Schwarze Berg (1583 m), der östliche niedrigere 
wird als Schober bezeichnet. Durch die Hinterkellau führt ein Weg 
teilweise über Werfener Schiefer, dann über Ramsaudolomit hinauf 
nach Haarötz. Von hier steigt man zur Haideckhöhe an; „anfangs 
bemerkt man noch östlich vom Wege etwas Gipsmergel, bald aber 
beginnt der Ramsaudolomit wieder, welcher in etwa 1100 m vom 
Hauptdolomit überlagert wird. Beide Dolomite zeigen keine wesent- 
lichen Verschiedenheiten. Bis zur Lehngriesalpe (zirka 1250 m) wandert 
man auf Hauptdolomit, hinter der Alpe erheben sich die Steilwände 
des Dachsteinkalkes. Zwischen dem Dolomit und dem Kaikabsturze 
zieht sich ein grüner, grasiger Streifen hin, der jedoch nicht durch- 
gehends scharf ausgesprochen ist. Die Basis der Kalkwände ist gegen 
W ebenfalls Kalk, gegen dagegen Dolomit. Die Dolomite der Alpe 
fallen nach WSW oder rein W, am östlichen Ende des Rückens 
dagegen entschieden gegen N. Ebenso sieht man von der Alpe aus 
deutlich, daß die Ramsaudolomite des Sonnberges (Sennberg der 
Generalstabskarte) nach N einfallen. Ein Raibler Niveau wurde am 
Südgehänge vergebens gesucht. Bei der Quelle östlich unterhalb der 
Lehngriesalpe, bei der Wegbiegung gegen die Wallingalpe ; lagert in 
mindestens 1200»/ Meereshöhe erratischer Schutt aus den buntesten 
Elementen zusammengesetzt, darunter petrefaktenführende Gosau- 
gesteine und auch einzelne sichere kristallinische Gerolle. 

„Beim Anstiege von der Lehngriesalpe zum Gipfel in der 



[21] 



Die Gruppe des Gollinger »Schwarzen Berges. 



209 



Richtung gegen W fallen sofort rote Blöcke in den Halden auf, hie 
und da mit eckigen Einschlüssen weißer Kalke, andere mit Crinoiden 
(flierlatzkalke). Sie mehren sich gegen oben und müssen offenbar in 
der Nähe anstehen. Der Kalk der Wände selbst ist vorherrschend 
grau und petrefaktenreich, besonders an Lithodendron und anderen 
ausgewitterten Korallen sowie an Gastropoden; er erinnert weniger 
an eigentlichen Dachsteinkalk als an den weißen Plateaukalk des 
Untersberges. Das korallenführende Gestein ist oft etwas mergelig. 
An der Kante oben erscheint in engster Verbindung mit dem Dach- 
steinkalke der rote Lias, zum Teil, wie es scheint, in Spalten und 
Taschen — daher die petrefaktenleeren, grellroten, an Terra rossa 
erinnernden Stücke mit eckigen Einschlüssen des hellen Kalkes — 
zum Teil den Dachsteinkalk offenbar überlagernd. Von herumliegenden 
Liasstücken trifft man nur einzelne Blöcke mit Crinoidenanhäufungen. 
Die Kante gegen hin ist mit dichtem Latschengestrüpp bedeckt, 



Fig. 4. 




Der Schober, gesehen vom Schwarzen Berge. 

Nach Dr. A. Bittners Tagebuch. 
D = Dachsteinkalk. — H = Hauptdolomit. 



eine tiefe Scharte trennt den Ostgipfel (Schober) vom Schwarzen Berg. 
Der Südabhang des Schober zeigt die regelmäßige Überlagerung 
eines tieferen, dunkel verwitternden dolomitischen Kalkes durch den 
nach N fallenden, nicht dolomitischen Gipfelkalk (Fig. 4). 

„An der Nordseite des Schober ziehen wüste Kalkflächen hinab 
zur Schwarzenbergalpe. Von dieser westwärts erreicht man am Fuß- 
wege auf dem sehr steilen Abhänge bald wieder die höheren Kalk- 
massen und viel Lias, der in ganzen zusammenhängenden Partien hie 
und da ansteht. Man findet hier neben den roten Kalken mit und 
ohne Crinoiden auch graue dichte Crinoidenkalke, dann das graue 
Zerreibseigestein, wie es von der Gratzalpe des Hagengebirges be- 
kannt ist, ferner rötlichgraue Kalke mit viel roten Crinoiden, rotes, 
porphyrartiges Crinoiclengestein mit grünlichen Einschlüssen, das man 
wiederholt anschlägt, um sich zu überzeugen, daß man hier wirklich 
Crinoiden vor sich hat; auch hellrote Kalke mit großen Gastropoden 
und undeutlichen Ammoniten kommen vor. 



210 Prof. Eberhard Fugger. [22] 

„Abstürze und Wände des Dichsteinkalkes bilden die Nordseite 
des Schwarzen Berges mit Streichen nach oder ONO ; dabei hängt 
das Gestein in deutlich sichtbaren Platten sehr steil gegen NW herab 
und zwischen den einzelnen Absitzern kleben auf den Terrassen die 
rötlichen Liasgesteine. Unten liegen viel Lithodendronkalke umher, 
darunter große hellrötliche Platten mit grauen Korallen wie am Göll, 
auch knolliges, gelblichgraues Gestein mit verschiedenartigen Korallen, 
Schnecken und Brachiopoden, welche an die rhätischen Einlagerungen 
des Wilden Freithofes am Göll erinnern. Das Einfallen der Schichten 
an diesem ganzen Abhänge geschieht nach NW — WNW oder rein W" (B). 

Ostwärts, unterhalb der Schwarzenbergalpe , befindet sich an 
den Kalkwänden die Stelle, wo im Jahre 1857 der Fabrikbesitzer von 
Oberalm J. Robert auf Braunstein schürfte. Der Braunstein *) wurde 
als sehr reichhaltig bezeichnet, leider stellte es sich bald heraus, daß 
derselbe nur ein großer Manganputzen im Kalkstein war, der zwar 
vollständig abgebaut wurde, aber rasch sein Ende erreichte. 



Geologische Horizonte. 
Werfener Schiefer. 

Die geologischen Verhältnisse des Gebietes des Schwarzen Berges 
sind nach dem eben Besprochenen äußerst komplizierte, die heterogensten 
Formationsglieder finden sich häufig nebeneinander vor und hie und 
da scheinen die jungen Schichten unter die älteren einzutauchen. 
Den tiefsten Horizont bilden die Werfener Schichten, welche als 
Schiefer, Sandsteine oder Gipsgebirge an verschiedenen Stellen auf- 
treten. Sie bedecken einen großen Teil des Grubachbodens bis hin 
gegen die eigentümliche Biegung des Weitenauer Baches nächst dem 
Bauerngute Lienbach, sie treten am Westfuße der unteren Dolomite 
bei Mooseck und Schreck auf und ziehen sich von da hinunter in 
den Mitterbachgraben und die Hinterkellau. Aus dem Mitterbach- 
graben ziehen sie einerseits über St. Anton gegen Golling in der 
Mulde beim Ziegelofen, anderseits über die Höhe von Haarötz nach 
Vorder -Scheftau, wo wie im Grubachboden an mehreren Punkten 
Gips gewonnen wird. Ein kleiner Aufschluß befindet sich an der Straße 
in Ober-Scheft'au bei km6-ö; eine größere zusammenhängende Masse 
von Werfener Schiefern zieht von der Mitte der Lammeröfen in einem 
immer schmäler werdenden Streifen über die Haarbergalpe gegen 
NW bis in die Nähe der Lehngriesalpe und wendet sich, breiter 
werdend, gegen SO an die Lämmer, von welcher sie von unterhalb 
des Einströmens des Aubaches bis unterhalb der Mündung des Walling- 
winkelbaches bespült wird. 

Die Gesteine der Werfener Schichten sind meist dünnschichtig 
oder schiefrig; die hangenden Lagen sind vorherrschend dunkelgrau 
bis schwarz, kalkreich und tragen auf den Schichtflächen glimmerige 
Ablagerungen. Darunter folgen weniger kalkige, mehr glimmerige und 



J ) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1857, VIII., pag. 763. 



[23] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 211 

sandige Lagen, grau und grünlich, meist dunkel gefärbt; die tiefsten 
Schichten endlich sind vorherrschend rot, sandig und gliminerig. 
An bestimmbaren Versteinerungen wurden bisher gefunden : 

Lingula tenuissima Br. am Kärterer Bach ; 
Gervillia sp. in der Lammerschlucht ; 
Myophoria costata Zenk. ebenda; 
Naticella costata Wissm. ebenda. 

Muschelkalk 

oder Gutensteiner Schichten, ein schwarzer Kalk mit weißen Adern, 
der in den oberen Partien dolomitisch und zugleich heller gefärbt 
erscheint, ist an der Lammer, und zwar in der Lammerschlucht und 
in der Oberscheffau bei km frb als Überlagerung der Werfener Schiefer 
aufgeschlossen. Ein schmaler Streifen zieht am Nordostrande der 
Werfener Schiefer von der Mitte der Lammeröfen gegen die Haarberg- 
alpe und ein anderer Streifen am Südwestrande der Werfener Schichten 
vom Veitsbrückl gegen die genannte Alpe. Ein breiter Streifen Muschel- 
kalkes reicht vom Rabenstein südlich des Schober l ) den Wallingbach 
entlang über den oberen Wallingwinkel, und im N bis gegen und selbst 
an den Weitenauer Bach vorgeschoben, unterhalb Bucheck herab zur 
Lammer. Ebenso durchfließt der Aubach von Bichl ab dieses Gestein. 
Die unmittelbare Überlagerung der Werfener Schiefer durch den 
Muschelkalk ist wiederholt aufgeschlossen. 

Petrefakten wurden in dem Gesteine bisher nicht aufgefunden. 

Ramsaudolomit. 

Die kleinen Hügel südlich von Golling, dann die Felswände des 
Haidecks, der Haideckhöhe, des Sonnberges und Haarberges gehören 
dem unteren oder Ramsaudolomit an ; welcher von der Haideck- 
höhe einen Zweig in den Mitterbachgraben westwärts und durch den- 
selben hindurch am Westfuße des Schwarzen Berges hin bis in den 
obersten Kärterer Graben sendet. Der Dolomit ist meist von heller 
Farbe und breccienartig und enthält am Haarberg stellenweise ziemlich 
große Daktyloporen. 

Carditaschichten. 

Von den Raibler oder Carditaschichten, deren Vorhandensein 
an der Basis des Hauptdolomits zu vermuten wäre, ist weder am 
Schwarzen Berg noch im Aubachgraben eine Spur zu finden. 

Der Hallstätter Kalk 

tritt in typischer Entwicklung am Schloßberg, im Park und am Raben- 
stein bei Golling auf, auch mit den typischen Farben, weiß und bunt; 
am Karstein findet man neben dem typischen dichten auch den grauen 
körnigen Hallstätter Kalk. Vom Veitsbrückl am Beginn der Lammer- 



J ) Nicht zu verwechseln mit dem Rabenstein bei Golling. 



212 Prof. Eberhard Fngger. [24] 

Öfen ziehen Hallstätter Schichten in nordwestlicher Richtung gegen 
die Haarbergalpe; der Kalk ist zwar dicht, von flachmuscheligem Bruche 
wie die typische Form, jedoch von so dunkler, fast schwarzgrauer 
Farbe, daß man ihn bei oberflächlicher Betrachtung leicht mit Muschel- 
kalk verwechseln könnte. Das Liegende der Hallstätter Schichten ist 
nur am Nordwestfuße des Gollinger Parkes und zu beideu Seiten des 
Zuges Veitsbriickl— Haarbergalpe aufgeschlossen; am ersteren Punkte 
ist es ein Dolomit, wohl Ramsaudolomit, an den zuletzt genannten 
Stellen Muschelkalk. 

Aus unserem Gebiete sind bisher nachstehende Hallstätter Ver- 
steinerungen bekannt: 

Monotis salinaria Br. Gollinger Schloßberg. 

„ spec. Hügel bei der Haarbergalpe. 
Halobia cf. plicosa Mojs. Veitsbriickl. 

„ spec. Gollinger Park. 
Halorella pedata Br. Veitsbriickl. 
Arcestes spec. Rabenstein bei Golling. 
Globose Ammoniten. Golling. 
Ammonitenbrut. Rabenstein bei Golling. 

Hauptdolorait. 

Auch der Hauptdolomit tritt, allerdings in bedeutender Mächtig- 
keit, an zwei Stellen auf; er bildet die Basis des Kammes des 
Schwarzen Berges an dessen Südseite und ist das Liegendgestein des 
Aubachgrabens oberhalb Bichl und des Marchgrabens. Während der 
Ramsaudolomit meist eine ungeschichtete Masse bildet, ist der Haupt- 
dolomit fast durchaus schön und deutlich geschichtet, häufig ziemlich 
dicht von Struktur und führt stellenweise einzelne Schichten eines 
fast magnesiafreien Kalkes. Er ist vollkommen petrefaktenleer. 

Dachsteinkalk. 

Die südlichen Steilwände des Schwarzen Berges und des Schober 
sowie das ganze nördliche Gehänge derselben bestehen aus Litho- 
dendronkalken, welche entweder sehr hell, fast weiß wie die Dach- 
steinkalke des Untersberges oder von grauer Farbe und ziemlich 
dichter oder auch körniger Struktur sind. Häufig von größerer Härte 
und Dichte, aber ebenfalls entweder hell oder grau sind die Kalke, 
welche an der Ostseite des Schober lagern, im oberen Marchgraben 
und im Klingelbergzuge das unmittelbare Hangende des Hauptdolomits 
bilden und den Südabhang des Trattberges und der Fagerwand längs 
des Seewaldsees und des Oberlaufes des Weitenauer Baches zu- 
sammensetzen. Alle diese Kalke führen Lithodendren, Megalodonteu, 
Chemnitzien und andere Versteinerungen. 

Kössener Schichten. 

Kössener Mergelkalke scheinen sich an dem Nordabhange des 
Schwarzen Berges hinzuziehen, wenigstens wurden am Fuße hierher 



[25] Die Gruppe des Gollinger Schwarzen Beiges. 213 

gehörende Gesteine gefunden. Ein zweiter schmaler Zug tritt am 
Südrande des Seewaldsees auf und reicht von da noch eine kurze 
Strecke gegen NO. Ebenso scheinen Kössener Mergel an der Bruch- 
linie im Marchgraben vorhanden zu sein. 

Lias. 

Auf der Höhe uud den hochgelegenen Abhängen des Schwarzen 
Berges steht Lias als roter und grauer Hierlatzkalk an und ist daselbst 
reich an Crinoiden ; auch ein ßelemnit wurde gefunden. An der Bruch- 
linie im Marchgraben dürfte, nach Findlingen im Bache zu urteilen, 
ebenfalls Liasgestein anstehen. 

Jurassische Hoinsteinschichten 

werden wohl mit Sicherheit als das Liegende der Oberalmer Kalke 
bei der nun schon wiederholt erwähnten Bruchlinie im Marchgraben 
anzunehmen sein ; an einer anderen Stelle des Gebietes wurden sie 
bisher noch nicht gefunden. 

Oberalmer Kalke 

bräunlichgraue, dichte, plattige Kalke von splittrigem oder musche- 
ligen Bruche, welche häufig Konkretionen oder förmliche Lagen eines 
braungrauen Hornsteines führen, sind im Gebiete mit Ausnahme des 
oberen Marchgrabens, wo sie das Hangende oberhalb der großen 
Bruchlinie bilden, nur spärlich vertreten. In den untersten Partien 
des Kärterer Baches, wo sie am rechten Ufer entwickelt sind, treten 
sie kaum ans linke Ufer über; dagegen können wir ein schmales 
Band der Oberalmer Kalke verfolgen, welches von der Kirche von 
Golling am Südabhang des Parkes und des Rabenstein über St. Anton 
in die Kellau zieht, einerseits den Hallstätter Kalken, anderseits den 
Werfener Schiefern und dem Ramsaudolomit an- oder auflagert. Sie 
streichen in der Nähe des Kellgutes unter die Roßfelder Sandsteine 
hinein. Im Friedhofe von Golling fand Dr. Bittner ein Fragment 
eines Pen'sphinctes, auf dem Parkhügel einen Aptychus. 

Schraimiibachschichten. 

Die neokomen Kreideschichten sind im Gebiete mächtig ent- 
wickelt. Ihre untere Etage, die Schrammbachschichten, lassen sich am 
rechten Ufer des Kärterer Baches schon von unterhalb der Grabenmühle, 
am linken Ufer von der genannten Mühle an als ein ununterbrochener 
Zug verfolgen, welcher bis auf den Grubachboden und von hier in 
wenig veränderter Richtung am rechten Ufer des Oberlaufes des 
Weitenauer Baches bis an den Seewaldsee reicht. Von da biegt derselbe 
am Fuße des Klingelberges zuerst nach SW und dann nach SO und 
vereinigt sich oberhalb Bichl mit den in der Schlucht des Weitenauer 
Baches hauptsächlich am rechten Ufer hervortretenden Schrammbach- 
schichten. Sie bilden überall, wo sie in unserem Gebiete auftreten, 
die Unterlage der Roßfeldschichten und treten gewissermaßen an 
deren Rändern unter denselben hervor. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 28 



214 Prof. Elterhard Fugger. [26] 

Die Gesteine der Schrammbachschichten sind entweder Mergel- 
schiefer oder mergelige, vorherrschend lichtgraue, dichte und feste 
Kalke mit eigentümlichen, fleckenmergelartigen, verschwommenen Zeich- 
nungen oder es sind helle Kalke mit schwarzen Mergellagen oder 
graue, von weißen Kalkspatadern durchzogen. An Versteinerungen 
wurden nicht selten Aptychen, hie und da Ammoniten und eine 
Diphya- artige Terebretula gefunden. 

Rossfeldschichteii. 

Während die Schrammbachschichten die jüngeren neokomen 
Schichten nur umrahmen, bilden diese, die Roßfeldschichten, eine 
zusammenhängende Decke über den nördlichen Teil des Gebietes vom 
Westfuße des Voreck bis in die untere Weitenau. Diese Decke ist 
im Grubachboden und bei Mooseck durch die in die Höhe gedrungenen 
Werfener Schiefer und das Gipsgebirge, welche hier auftreten, auf- 
gebrochen, und zwar derart, daß die Roßfeldschichten unter die 
älteren Gesteine einzutauchen scheinen. Das Auerhölzl, welches sich 
in der Ebene am linken Ufer des Kärterer Baches erhebt, gehört 
ebenfalls den Roßfeldschichten an. 

Die Gesteine der oberen Neokomgebilde unseres Gebietes sind 
teils braun verwitternde Mergel oder sandige Mergelschiefer, in den 
hangenden Partien sind es dunkelgraue, feinkörnige, feste Sandsteine, 
selten helle, konglomeratähnliche Kalke. 

In den grauen Mergelschiefern wurden bisher gefunden : 

Terebratida diphya Colon (?) 
Li/toceras quadrisulcatum Orb. 

„ subßmbriatam Orb. (?) 

Olcostrphanus Astier ianus Orb. 
Hoplifes cf. o n/justicostatus Orb. und 
Aptychen ; 

in den kalkigen Mergeln: 

Lijtocera» lepidum Math. 
„ recticostatum Orb. 

Haploceras Trajani Tietze 
„ diffieile Ori>. und 

„ nov. spec. äff. Cltarrierianum Orb.; 

endlich in den Sandsteinen: 

Phylloceras Thetys Orb. 

Eruptivgesteine. 

An der Lammerstraße zwischen km 20 und 2*5 steht eine un- 
bedeutende Masse eines grünen Eruptivgesteines, Diorit, an und im 
Lienbachgraben tritt ein dunkelgrüner Melaphyr auf. 



[27] D' e Gruppe des Gollinger Schwarzen Berges. 215 

Quarternäre Bildungen. 

Diluviale Schotter sind in dem Gebiete nicht selten; sie 
finden sich im Salzachtale sowohl nördlich als südlich von Golling, 
im Lammertale am Südostgehänge des Haidberges, am Aubach bei 
Bichl, auf der Walling- und Kloiber Alpe, bei Greinwald und im 
Weitenauer Tale. 

Auch Moränen sind hie und da erhalten. Erratische Ge- 
schiebe traf Bit tu er auch noch auf der Lehngriesalpe in ungefähr 
1200 m Meereshöhe. 

Konglomerate sah ich nur im Gollinger Park, dann nahe 
der Lammermündung bei der Duscher Brücke und in der Umgebung 
des Bachgutes und von Mooseck. 

Alluviale Bildungen trifft man außer im Salzach- und 
Lammertale noch an der Quelle des Weitenauer Baches. 



Tektonik. 

Das Gebiet des Schwarzen Berges ist von der nördlich vor- 
liegenden Tauglgruppe durch eine Bruchlinie getrennt, welche von 
dem Almgatter der Wiesleralpe im Marcligraben, entlang dem Südfuße 
des Trattberges und der Fagerwand bis St. Wilhelm, von nach W 
hinzieht und die Lithodendronkalke, welche nach S fallen, scharf von 
den fast horizontal lagernden Oberalmer Kalken der Tauglgruppe ab- 
schneidet. „Zwischen den Kreideschichten längs des Kärterer Baches 
vom Zimmereck bis zur Grabenmühle hinab und den nördlich vor- 
gelagerten Oberalmer Kalken dürfte vielleicht ebenfalls ein Längs- 
bruch in der Richtung von ONO nach WSW durchgehen" (B). Aber 
auch am Nordfuße des Tannen gebirges zieht sich eine Brachlinie hin, 
so daß also unser Gebiet von zwei großen Längsbrüchen begrenzt wird. 
Nördlich der nördlichen Bruchlinie liegen die Oberalmer Kalke des 
Tauglgebietes fast ungestört horizontal, südlich der südlichen Bruch- 
linie fallen die Dachsteinkalke des Tännengebirges außerordentlich 
gleichmäßig und regelmäßig nach N. 

„Den Wänden von Dachsteinkalk und Hauptdolomit, welche das 
Westgehänge des Schwarzen Berges zusammensetzen, ist eine an- 
sehnliche Masse hellen Ramsaudolomits vorgelagert, die sowohl an 
der linken Talseite oberhalb Bachrainer, von Gips unterlagert, ansteht 
als auch offenbar über die Höhen nach S in den oberen Mitterbach- 
graben (oder Kellaugraben) zieht, wo er die rechtseitigen Wände 
bildet. Man muß hier wohl wieder einen Querbruch annehmen und 
es fragt sich, ob dies nicht etwa derselbe ist, der das plötzliche 
westliche Abbrechen der Fagerwand bei St. Wilhelm, das Vortreten 
des Sonnberges nach S gegen die Scheffauerstraße und vielleicht 
auch noch einige Unregelmäßigkeiten jenseits der Lammer am Nord- 
fuße des Tännengebirges bewirkt? Der Verlauf dieser mutmaßlichen 
Querbruchlinie wäre dann von N nach S mit einer geringen Abbiegung 
nach 0. Für den Westabhang des Schwarzen Berges ist wegen der 
eigentümlichen Lagerung des Hauptdolomits der Lehngriesalpe und 

28* 



216 Prof. Eberhard Fugger. [28] 

des Dachsteinkalkes an der Nordseite des Berges die Annahme einer 
Querbruchlinie ganz und gar nicht zu umgehen" (B). 

Ganz eigentümliche Verwerfungen treten aber, wie immer, in 
der Nähe des Salzgebirges auf, das an vielen Stellen der Westhälfte 
unseres Gebietes zutage tritt. Es wurde schon erwähnt, daß bei 
Grubach die Neokomschichten an der Nordwestseite der Werfener 
Schiefer nach SW unter diese einzufallen scheinen, während sie im 
SO derselben nach NW ebenfalls unter die Gipsgebirge eintauchen. 

„Die Haarecker Wiese nördlich oberhalb der Kellau streckt 
einen sumpfigen Zweig in NO hoch gegen die Ramsaudolomite hinauf, 
die Schroten nördlich davon sind noch jene eigentümlichen Fels- 
massen bildenden konglomeratähnlichen Neokommergelkalke mit Horn- 
steinen, wie sie auf dem Roßfelde auftreten. In der Wiese selbst 
beobachtet man Rutschungen im Gipsmergel. Im Graben, der südlich 
davon herabgeht, ist rechts roter Werfener Schiefer und links der 
helle untere Dolomit aufgeschlossen, scheinbar unter die Werfen er 
Schiefer fallend. Tiefer bricht der Graben durch den Dolomit, an 
dem die untere rein östliche Partie der Haarecker Wiese scharf ab- 
zustoßen scheint" (B). Die Lagerungsverhältnisse dieses Terrains sind 
sohin gewiß äußerst verworren und in hohem Grade unregelmäßig. 

Wir haben also im Gebiete einen mächtigen Längsbruch im N, 
der die horizontal gelagerten Oberalmer Schichten abschneidet; und 
einen ebensolchen im S, welcher die Dachsteinkalke des Tannen - 
gebirges unter den Muschelkalk der Lammer scheinbar eintauchen 
Läßt, dazu einen Querbruch längs der Westseite des Schwarzen Berges ; 
überdies zahlreiche Dislokationen, welche mit dem Aufblähen und 
Empordringen des Gipsgebirges der Werfener Schiefer im Zusammen- 
hange stehen. Auch das Vorkommen von Eruptivgesteinen im S an 
der Lammer und im N am Lienbach ist von Interesse für die vor- 
handenen Störungen. 



Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch- 
schlesischen Grenze. 

Erwiderung an Herrn Dr. W. Petrascheck von Dr. A. Seh m idt 
J. H e r b i n g und K. Flegel. 

Herr W. Petra sc heck hat in seinem Aufsatze: „Zur neuesten 
Literatur über das böhmisch-schlesische Grenzgebiet" x ) die Erläute- 
rungen des Herru E. Dathe 2 ) zu den Blättern Rudolfswaldau, Langen- 
bielau, Neurode und Wünschelburg nur referiert, die gleichzeitig er- 
schienenen Arbeiten 3 ) von Dr. A. Schmidt, Herbin g und Flegel 
hingegen einer scharfen kritischen Beleuchtung unterzogen. In diesen 
Zeilen möchten die Verfasser an die kritische Beleuchtung, die ihren 
Arbeiten widerfahren ist, einige Bemerkungen und Berichtigungen 
knüpfen. 

A. Neurode — Braunau. 
Von Dr. Axel Schmidt, Breslau. 

Gemäß der Anordnung der Arbeiten in der Festschrift erwidere 
ich auf die Bemerkungen, die Herr Dr. W. Petras check zu meiner 
Arbeit 4 ): „Oberkarbon und Rotliegendes in Braunauer Ländchen und 
der nördlichen Grafschaft Glatz' k gemacht hat, zuerst. 

Eine Einigung mit Herrn Dr. W. Petrascheck ist für mich 
umso leichter zu erzielen, als Herr Dr. W. Petrascheck mir zur 
Klarstellung einiger strittiger Punkte selbst sein Material an Zwei- 
schalern aus diesem Gebiete zur Verfügung gestellt hat. Ihm sei an 
dieser Stelle nochmals mein besonderer Dank für diese Liebenswürdig- 
keit gesagt. 

1. Die Zweifel, die Herr Dr. Petras che ck an der Richtigkeit 
meiner Altersbestimmung des Mittelsteiner Karbonvorkommens als 
Reichhennersdorfer Schichten hegt, sind hinfällig. Jeder aufmerksame 
Leser wird finden, daß ich von Mittelsteine sowohl typische Ver- 
treter der Flora der su de tischen Stufe (Waldenburger Liegend- 
zug: [Sphenopteris divavicata Gppt. und Adiantites oblongifolius Gppt.j 



x ) Jahrb. d. k. k, geol. R.-A. 1904, Bd. 54, Heft 3 u. 4, pag. 511—540. 
2 ) Erläuterungen zur geol. Karte von Preußen. Lieferung 115. 
a ) Zur Geologie des böhmisch -sclilesischen Grenzgebirges. Festschrift der 
schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur. Breslau 1904. 
4 ) Festschrift, pag. 1—35. 
Jahrbuch d.k. k. geol.Keichsanst., 1905,55. Bd., 2. II Ct. (Schmidt, Herbingu. Flegel.) 



218 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [2] 

+ Reichhennersdorfer Schichten (= oberschlesischer Sattelflözhorizont 
= Weißsteiner Schichten Dathe: [Neuropteris Schlehani Stur]) als auch 
Pflanzen der Saarbrück er Stufe (Waldenburger Hangendzug) 
zitiert habe. Auf Grund dieser Mischflora war der Schluß unab- 
weisbar, daß Mittelsteine zum Sattelf lözhorizont (= Reichhenners- 
dorf) zu zählen sei. Herr E. Dathe, der nur vier Pflanzen von Mittel- 
steine zitiert, spricht sich über das Alter des Vorkommens nur sehr 
vorsichtig aus. Da überdies das für diesen Mischflorahorizont nach 
Potonie charakteristische Leitfossil Neuropteris Schlehani Stur von 
mir dort nachgewiesen ist, konnte meine Altersbestimmung, Mittel- 
steine zu den Reichhennersdorfer Schichten zu zählen, keinem Zweifel 
unterliegen. 

2. Für die mit aller Vorsicht ausgesprochene Behauptung, daß 
im Liegenden des böhmischen Flügels (im Xaveristollen) Ge- 
steine unterkarbonischen Alters angetroffen seien, habe ich 
Herrn Irr mann als Gewährsmann angegeben. Ich selbst konnte eine 
solche Behauptung gar nicht aussprechen, da mir die betreffenden 
Gesteinsproben gar nicht vorlagen. Der mir gemachte Vorwurf, daß 
ich die Literatur nicht kenne, ist auch hinfällig. Denn der von 
Dathe zitierte Petryschacht bei Markausch ist eine andere, aller- 
dings zu derselben Verwaltung zählende Grubenanlage, als der von 
mir genannte Xaveristollen bei Klein - Schwadowitz. Beide Anlagen 
liegen zirka 5 km voneinander entfernt. Eine Identität besteht also nicht. 

3. Die schärfste Kritik übte Herr Petra seh eck an meiner 
Einteilung des Rotliegenden und den Erörterungen über die Tektonik 
der Gegend zwischen Neurode und Wünschelburg aus. 

Zunächst möchte ich hinsichtlich der Altersstellung nochmals auf 
den Fund des Reptils, des Datheosaurus macrourus Schroed., eingehen. 
Petrascheck gibt zwar zu, daß die nächsten Verwandten dieses 
Reptils, wie die Reptilien überhaupt, erst im Mittelrotliegenden auf- 
treten. Trotzdem nennt er den Schluß, den ich gezogen habe, nämlich 
daß durch das Reptil das Alter der Schichten als ein mittelrotliegendes 
charakterisiert sei, einen nicht glücklichen. Dieser Schluß ist voll- 
kommen aufrecht zu erhalten. Solange nicht in Schichten, die auf Grund 
stratigraphischer und sonstiger paläontologischer Ergebnisse un- 
zweideutig als Unterrotliegendes anzusprechen sind, Reptilien nach- 
gewiesen werden, solange wird man immer aus dem Auftreten der 
Reptilien auf mindestens mittelrotliegendes Alter zu schließen haben. 
Es kommt hinzu, daß der Schluß Dathes, diese Schichten seien 
unterrotliegenden Alters, dadurch hervorgerufen wurde, daß Dathe 
Amphibien und Reptilien unter dem nicht zoologischen Sammel- 
namen „Saurier" zusammenfaßte und so zu einem falschen Schlüsse 
kommen mußte. 

Die „Anthracosicn "-Frage hält W. Petrascheck selbst für noch 
nicht gelöst und ist über die Altersstellung der strittigen Schichten noch 
zu keinem abschließenden Urteile gelangt. Herr Dr. Petrascheck 
hat mir, wie schon erwähnt, sein diesbezügliches Material zur Ver- 
fügung gestellt. Das Ergebnis der Untersuchungen ist von mir soeben 
im „Neuen Jahrbuch für Mineralogie" (1905, Bd. I, Heft 2, pag. 44—59) 
niedergelegt worden, so daß ich hier nur zu rekapitulieren brauche : 



|3] Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch-schlesischen Grenze. 219 

„Die Zweischaler des typischen Unterrotliegenden sind Formen, 
die von Muscheln des höheren Rotliegenden sicher verschieden sind. 
Dieselben Species der Antliracosia gehen aus dem Karbon ins Unter- 
rotliegende, aber nicht höher hinauf." 

„Wenn paläontologische Beweise überhaupt gelten, so ist die 
Zugehörigkeit der tiefsten Dyas der Neuroder Gegend zum Mittel- 
rotliegenden sicher. Denn die dort gefundenen Zweischalerarten sind 
bisher nur aus den sicher horizontierten Mittelrotliegendschichten 
nachgewiesen worden : 

«) aus der Löwenberger Mulde ; 

b) aus dem kleinen nordböhmischen Vorkommen; 

c) aus Nordamerika (Kansas City, Nebraska) ; 

d) aus dem östlichen Rußland (diese Vorkommen könnten eventuell 
schon oberrotliegenden Alters sein).'' 

Soweit die Altersstellung des Neuroder Rotliegenden. Was die 
Tektonik der Gegend nun anlangt, so geht aus der letzten Ver- 
öffentlichung P e tr a s c h e c k s J ) hervor, daß er sich jetzt meiner früher 
von ihm abgelehnten Ansicht hinsichtlich des Auftretens und der 
Verbreitung der Verwerfungen völlig angeschlossen hat. Denn er 
zeichnet auf der dieser Arbeit beigegebenen tektonischen Karte nicht 
nur die früher in Abrede gestellten Verwerfungen bei Mittelsteine, 
sondern sogar den Steinetalsprung ein. Die dritte Verwerfung von 
Rathen — Tuntschendorf wurde ja schon in der Kritik nicht angezweilt, 
zumal die erwähnten Kontakterscheiunngen auf der Westseite des 
Porphyrganges entschieden für einen Gang und nicht für einen Tuff 
sprechen. 

Das Porphyrgestein als Eruptivgestein und nicht als Tuff anzu- 
sprechen, war ich durchaus berechtigt, da Roth in seinen „Erläute- 
rungen" (pag. 344) dieses Vorkommen unter den Eruptivgesteinen des 
Rotliegenden anführt und mir diese Ansicht Roths von Herrn Pro- 
fessor Milch nach makroskopischer Untersuchung bestätigt wurde. 

Wenn aber die drei von mir angenommenen Staffelbrüche das 
Rotliegende der Neuroder Gegend in parallele Schollen zerlegen, so 
sind nicht die 17 Stufen, die Dathe annimmt, vorhanden, sondern 
die viel geringere Anzahl, die Beyrich und meine Darstellung 
anführt. 

Die Beyrich sehe Auffassung des tiefsten Horizonts als Unter- 
rotliegendes bildet nur einen scheinbaren Gegensatz gegen meine 
Annahme, da die schärfere paläontologische Scheidung von Weiß 
erst später durchgeführt ist. 

Die Bemerkungen, die Herr Dr. G. Berg 2 ) über die Kalk- 
einlagerungen des Rotliegenden macht, dürften noch besonders auf 
das Alterverhältnis des „Ottendorf er" und „Braunauer Kalkes" zu 
prüfen sein. Denn die an mehreren Stellen in Böhmeu nachgewiesene 



*) W. Petrascheck. Bruchgebiet des böhmischen Anteils der Mittel- 
sudeten westlich des Neißegrabens. Monatsberichte d. Deutsch, geol. Gesellschaft. 
1904, Heft Nr. 11. 

2 ) Georg Berg. Zur Geologie des Braunauer Landes und der angrenzenden 
Teile Preußens. Monatsberichte d. Deutsch, geol. Gesellschaft. 1904, Heft Nr. 11. 



220 D r- A. Schmidt, J. Heilung und K. Flegel. [4] 

horizontale l ) und die damit zusammenhangende wellenförmige Lagerung 
beeinflußt die Schichtenfolge natürlich, so daß das Bild ein anderes 
wird, als wenn man eine gleichförmige gegen SW einfallende Schichten- 
folge annimmt, die nur durch einen, den „Tuntschendorfer" Sattel 
kompliziert wird. 

Ob die Hauptmannsdorfer von den petrographisch ähnlichen 
Braunauer Kalken sich stratigraphisch trennen lassen, habe ich un- 
entschieden gelassen, da ich zwischen den Hauptgewinnungspunkten 
beider Kalkzüge, Heinzendorf— Ölberg und Dittersbach— Hauptmanns- 
dorf, gleichfalls horizontal lagernde Schichten fand. 

Die Stellung des Trautliebersdorfer Kalkes ist von mir im 
übrigen richtig erkannt worden. 

Schließlich noch die Bemerkung, daß nicht ich, sondern Herr 
K. Flegel die Karte redigiert hat. 



B. Landeshut — Schatzlar — Schwadowitz. 
Von Johannes Herbing, Berlin. 

Die Angriffe, welche Petrascheck in seiner kritischen 
Beleuchtung „Zur neuesten Literatur des böhmisch-schlesischen Grenz- 
gebirges" 2 ) gegen meine Angaben und Untersuchungen 3 ) richtet, be- 
dürfen in einigen Beziehungen einer Richtigstellung. 

Der Kardinalpunkt der Petrascheck sehen Entgegnung scheint 
meine Bemerkungen über die Stratigraphie des obersten Karbon und 
Rotliegenden, hauptsächlich die Schichtenfolgen bei Albendorf, Bezirk 
Liegnitz, zu betreffen. 

1. Der pag. 21 gerügte Versuch, Eruptivgesteine zur strati- 
graphischen Einteilung und Parallelisierung heranzuziehen, steht, wie 
Petrascheck offenbar übersieht, durchaus im Einklänge mit der 
berechtigten und immer wieder als sachgemäß erprobten Praxis der 
königl. preußischen geologischen Landesanstalt. Die Gliederung des 
thüringischen Rotliegenden nach Beyschlag und seinen Mitarbeitern 
teilt die Stockheimer, Gehrener und Manebacher Schichten großen- 
teils nach dem Vorhandensein und der Beschaffenheit der Eruptiv- 
gesteine. Ihren schärfsten Ausdruck aber findet die Verwendung der 
Eruptivgesteine in der klassischen Gliederung der Saar— Rheingebietes. 
„Maßgebend für die Abgrenzung von Unter- und Ober- 
rotliegendem", sagt Ernst Weiß 4 ), „ist das Aufhören der 



1 ) Die auf der Karte auch eingetragen sind. 

2 ) Referierender Aufsatz im Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1901, pag. 514 — 532. 

3 ) Herbing. Über eine Erweiterung des Gebietes der produktiven Stein- 
kohlenformation bei Landeshut in Schlesien. Zentralb], f. Min. etc. 1904, pag. 403— 405. 
Über Karbon und Rotliegendes bei Landeshut, Schatzlar und Schwadowitz. Als 
II. Teil erschienen in „Zur Geologie des böhmisch-schlesischen Grenzgebirges". 
Festschrift zur Tagung der Deutschen geol. Ges. in Breslau 1904. 

4 ) E. Weiß. Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen und 
den thüringischen Staaten. XXXIII. Lieferung. Blatt Lebach. Berlin 1889, pag. 3 
und au mehreren anderen Stellen ähnlich. 



[5] Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch-schlesischen Grenze. 221 

Eruptionen, nach welchen man erst die letztere Abteilung beginnen 
zu lassen pflegt." Es bildete sicli so der Begriff des „Grendager 
nielaphyrs" oder „Grenzinelaphyrs", der auf Blatt Lebach fast immer 
das obere Rotliegende direkt unterteuft. (Söterner Schichten 5. Stufe 
des unteren Rotliegenden.) Dieser „Grenzlagermelaphyr", das heil.it 
also dasjenige Eruptivlager, mit welchem nicht nur im Westen, sondern 
in ganz Mitteldeutschland die Vulkanausbrüche (im allgemeinen) ihr 
Ende erreichen, bildet den oberen Abschluß des Mittelrotliegenden '). 
Es ist unmöglich, die Bedeutung der Eruptivstufen des Rotliegenden 
schärfer zu charakterisieren, als es durch die Einführung dieser jetzt 
allgemein angenommenen Niveaubezeichnung geschehen ist. Wer von 
uns beiden die Stratigraphie des Rotliegenden richtig aufgefaßt bat, 
läßt sich nach dem Gesagten leicht entscheiden. 

2. Wenn Petrascheck mir nun bei dem Versuche einer Heran- 
ziehung der Semiler Ablagerungen Inkonsequenz vorzuwerfen sucht, 
zitiere ich die Schlußworte meines Abschnittes von pag. 100 [67 der 
Dissertation] 2 ): „Die Richtigkeit der Bestimmung obiger 
Pflanzen (von K a t z e r angeführte Namen) vorausgesetzt, sind 
wir der Lösung der Altersfrage vielleicht einen Schritt nähergerückt, 
aber die endgültige Entscheidung ist erst von einer Neuaufnahme der 
Gegend zu erwarten." Ferner bemerke ich, daß die mir pag. 10 ent- 
gegengehaltenen Bestimmungen, wie Petrascheck selbst zugibt, mir 
nicht bekannt sein konnten. 

Es handelt sich also lediglich um den Hinweis auf eine unklare 
Gliederung, die hoffentlich durch die Neuaufnahme der Gegend geklärt 
wird. Der Versuch, auf Grund der vorhandenen Literatur einen 
solchen Vergleich zu wagen, der zudem in so vorsichtiger Weise aus- 
klingt, entspricht durchaus nicht der von Petra seh eck angewendeten 
Ausdrucksweise: „Her hing fühlt sich berufen " 

Außerdem scheint es Petrascheck gänzlich entgangen zu sein, 
daß ich die Semiler Ablagerungen lediglich aus dem pag. 90 [57] 
Anm. angeführten Grunde herangezogen habe, um die K atz er sehe 
Annahme, es sei noch lange nicht ausgemacht, ob die Radowenzer 
Schichten ins Karbon zu stellen seien, zurückzuweisen 3 ). 

3. Petrascheck wirft mir weiter vor, ich hätte seine Arbeit 
„Über die Mineralquellen etc." 4 ) nicht berücksichtigt. Meine Arbeit 
war jedoch schon im Druck, als der Petras check sehe Aufsatz in 
Breslau eintraf. Dieser konnte daher nicht mehr von mir, sondern nur 
von dem dritten Mitarbeiter, Flegel, berücksichtigt werden, dessen 
Darlegungen sich noch nicht in der Druckerei befanden. 

Bezüglich des Wernersdorf er Kupfererzvorkommens ist hervor- 
zuheben, daß die Forschungen über sulfidische Erzimprägnationen 



*) Bezw. Unterrotliegenden, je nachdem dieses das Mittelrotliegende mit- 
amfaßt oder als getrennte Stufe ausgeschieden ist. 

2 ) Die Seitenzahlen meiner iuaugural-Dissertation sind in eckigen Klammem 
hinter die Paginierung der Festschrift gesetzt. 

3 ) Auch Petrascheck teilt die allgemeine Ansicht, daß die Radowenzer 
Schichten Oberkarbon sind. 

4 ) Petrascheck. Über die Mineralquellen der Gegend von Nachod und 
Cudowa. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1904; hier in Frage kommend pag. 471. 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanst., 1905, 55. Bd., 1. Hft. (Schmidt, Herbingu. Flegel.) 29 



222 Dr. A. Schmidt, J. Herhing und K. Flegel. [ß] 

noch nicht weit genug fortgeschritten sind, um zu entscheiden, ob es 
sich um Syngenese oder Epigenese handelt. Jedenfalls wird man, selbst 
wenn es sich im vorliegenden Falle um Epigenese ! ) handeln sollte, 
nach der Gü rieh sehen Beschreibung 2 ) von einem flözförmigen Vor- 
kommen reden dürfen, wie auch Petra seh eck tut (siehe Anm. 1), 
wie ja auch niemand daran denken wird, die Bezeichnung „Mansfelder 
Kupferschieferflöz" fallen zulassen, selbst wenn sieh die neuerdings 
für Mansfeld ausgesprochene Theorie einer epigenetischen Bildungs- 
weise bewahrheiten sollte. Tatsächlich handelt es sich also in der 
von Petrascheck angeregten Frage nur um einen Streit um Worte. 
Denn die auf dem Profil nach Gürich von mir pag. 102 [69] wieder- 
gegebene Lagerung wird dadurch gar nicht geändert. Der Begriff 
„Flöz" spricht an sich nicht für das eine oder andere: für syngenetische 
oder epigenetische Auffassungsweise. 

Ob Petrascheck berechtigt ist, gerade den Altmeister 
Stelz n er und den Dolmetsch seiner Anschauungen Bergeat eines 
Fehlers zu zeihen, steht dahin. Eine Nachprüfung der Wernersdorfer 
Lagerstätte ist leider, wie ich bereits pag. 101 [68] in meiner Arbeit 
sagte, infolge Zubruchegehens der Baue fürs erste ausgeschlossen. 

4. Zur Benennung meiner „Potschendorfer" und „Teichwasser" 
Schichten bei Albendorf, Bezirk Liegnitz, sei zunächst nur folgendes 
bemerkt. Diese Neubenennung, deren ausführlicher Bearbeitung und 
Begründung ich später nochmals nähertreten will, konnte ich nicht 
umgehen, weil nirgends in der Literatur ein gleiches Vorkommen 
nutzbarer Mineralien in Verbindung mit Kalk und Kohle im Gebiete 
des unteren Rotliegenden zu finden war. Direkt unverständlich ist die 
Angabe Petraschecks, daß sich über den Kadowenzer Schichten 
bei Albendorf die „unteren Kuseler Schichten" wiedererkennen lassen; 
vornehmlich die „Neuroder Bausandsteine", die wegen der vielen 
vorhandenen Steinbrüche sofort ins Auge fallen müssen, sind gerade 
dasjenige Schichtenglied, dessen Zurechnung zum Mittelrotliegenden 
durch A. Schmidt auf Grund stratigraphischer und besonders 
paläontologischer 3 ) Ergebnisse erfolgen mußte. Die Potschendorfer 
und Teichwasser Schichten mit den tiefen Kalken, tiefen Kupfererzen, 
mit Kohlenfiözchen und Eisenerzen sind auf dem Nordostfiügel des 
Beckens bei Neurode nicht entwickelt. Gerade aus diesem Grunde 
glaubte ich dieses freilich ganz lokale Vorkommen neu benennen zu 
müssen und es ist offenbar Pe trasche ck entgangen, daß eben, um 



*) Beck. Lehre von den Erslagerstätten. Leipzig 1903, pag. 510. Auch 
Petrascheck hält dessen Auffassung in seiner vorzitierten Abhandlang für 
richtig, wenn er schreibt: „Bei Radowenz imprägnierten sie — i. e. Kupfer- 
erze — ein schwaches Konglomerat flöz des Unterrotliegenden und reichern sich 
infolge Adsorption an den Grenzen gegen die das Hangende und Liegende 
desselben bildende Lette an. :< 

*) Gürich. Die Kupfererzlagerstätte vou Wernersdorf etc. Zeitschr. für 
prakt. Geol. 1893, pag. 370—371. 

3 ) Vgl. neben A. Schmidt, „Oberkarbon und RotJiegendes im Braunauer 
Ländchen und der nördlichen Grafschaft Glatz" desselben Autors eben im Neuen 
Jalirb. f. Min. etc. 1905 erschienenen Aufsatz: „Zweischaler des niederschlesischen 
und böhmischen Rotliegenden". 



I 7] Über das jüngere Paläozoicum an der höhmisch-schlesischen Grenze. 223 

einer Verwirrung vorzubeugen, die entstehen würde, wenn Ungleich- 
artiges l ) unter einen Hut gebracht wurde, daß eben darum die Namen 
„Potschcndorfer" und „Teichwasser Schichten" aufrecht zu erhalten 
sind. Selbstverständlich gebührt diesen Namen keine allgemein gültige 
Bedeutung, denn die Bezeichnungen sind Lokalnamen, die nur das 
bisher einzigartige lokale Vorkommen von Kupfer- und Eisenerz in 
Verbindung mit Kalk und Kohle in dem tiefsten Horizont des unteren 
Rotliegenden charakterisieren sollen. 

Die Ergebnisse (pag. 20 — 21) der Petras che ck sehen Kartie- 
rungen bei Qualisch, Bezirk Trautenau, lassen sich kartographisch 
wegen zu geringer Mächtigkeit der Schichten (20 m, 20—30 m und 
50 m) auf einer Karte 1 : 75.000 wohl kaum durchführen. 

5. Die obere Begrenzung der Radowenzer Schichten möchte 
Petrascheck über das „Walchienflöz", also auch über den ganzen 
dort entwickelten Flözzug gelegt wissen, während ich mich genötigt 
sehe, mitten in den Flözzug den Einschnitt zu legen. Petrascheck 
bringt so wieder die noch strittige Frage, wo das Rotliegende zu 
beginnen habe, zur Anregung. Wie wenig diese Frage geklärt ist, sagt 
Leppla überaus treffend 2 ) : „In regelmäßiger Reihenfolge legen sich 
auf die Oberkarbonschichten diejenigen des Rotliegenden. Im Hin- 
blicke auf diesen Umstand erscheint bei der großen äußerlichen 
Ähnlichkeit in den Gesteinen zwischen den Ottweiler Schichten und 
dem unteren Rotliegenden eine Trennung der beiden Schichtenfolgen 
nicht so vollkommen gerechtfertigt, wie etwa die Scheide gegen das 
Holzer Konglomerat bildet." Versucht hat man schon öfter, eine Grenze 
zu legen. Leppla sagt weiter: „Von bergmännischer und anderer 
Seite (Kliver) sind auch Versuche gemacht worden, die Schichten 
über dem Holzer Konglomerat, also die oberen Saarbrücken die Ott- 
weiler Schichten und das untere Rotliegende in eine Gruppe zusammen- 
zufassen und als unteres Rotliegendes zu bezeichnen." Petrascheck 
scheint etwas ähnliches in entgegengesetzter Weise vorzunehmen 
geneigt zu sein und will einen Streifen des unteren Rotliegenden, 
wie ich weiter unten zeigen werde, ins Karbon verweisen und als 
Radowenzer Schichten mitbezeichnen. Das Richtigste dürfte wahr- 
scheinlich in der Mitte liegen. Wenn man das Auftreten gewisser 
charakteristischer Pflanzen ohne ausschließliche Betonung des kaum 
verschiedenen petrographischen Charakters zum leitenden Gesichts- 
punkt nimmt, hat man die Grenze dorthin zu legen, wo Walchia piri- 
formis in Verbindung mit anderen Rotliegendpfianzen auftritt. Gerade 
über die Altersbestimmung der Gattung Walchia schwanken die An- 
sichten noch hin und her. Zeil ler 3 ) sagt sehr richtig: „Ce genre 
apparait vers le sommet du Stephanien et se montre tres abondant 
dans le Permien." Deutsche Forscher urteilen wie folgt: „Walchia 

') Polschendorfer und Teichwasser Schichten des Unterrotliegenden — 
Nenroder Bansandsteine des Mittelrotliegenden. 

2 ) Leppla. Geologische Skizze des Saarbrücker Steinkohlengebirges. Pag. 45 
des Sonderabdtuckes aus der Festschrift zum IV. allgemeinen deutseben Berg- 
naannstag. Berlin 1904. 

3 ) Zeil ler. Elements de paleobotanique. Paris 1900, pag. 262. 

29* 



224 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [8] 

piniformis .... wegen ihrer allgemeinen Verbreitung als wahre 
Leitpflanze des Rotliegenden zu betrachten." 1 ) Sterz el 
sagt: „Rotliegendtypen .... wie Walchia." 2 ) Weithofer 3 ) 
endlich schreibt noch genauer: „. . . . stets aber in Verbindung mit 
einer t y p i,s c h en P e r m f 1 o r a, mit Callipter i s, Walch i a, C a l a- 
mites gigas etc." Toto nie 4 ) bemerkte, daß viele Arten des Karbons 
ins Rotliegende hinüberreichen, daß also floristisch kein scharfer Ein- 
schnitt zu machen sei. Aber er sagt wörtlich in dem gleichen Absätze : 
„Es bleibt daher nichts weiter übrig, als floristisch das Rotliegende 
mit dem Auftreten einiger für die letztgenannte Formation charak- 
teristischen neuen Gattungen, respektive Arten beginnen zu lassen, 
das sind insbesondere Callipteris, Üallipteridium gigas, Sphenophyllum 
Thoni, Stylocalamites gigas, Gomphostrobus, Walchia . . . ." Zwei dieser 
Gattungen konnte ich im „Walchienflöz" nachweisen. Unter sieben 
Pflanzenarten finden sich zwei Rotliegendtypen: Callipteridium gigas 
und Walchia piniformis. Auf Grund dieser Tatsache ist das „Walchien- 
flöz" ins Rotliegende zu stellen. Es kennzeichnen sich also meine 
„Teichwasser Schichten" als derjenige Horizont des Unterrotliegenden, 
welcher infolge eines wohl abbauwürdigen Flöz Vorkommens am meisten 
nach dem Karbon hinneigt. Sollten nun einwandfreie Pflanzenfunde 
aus den tieferen Flözen Albendorfs obige oder andere Rotliegendtypen 
ergeben, so müßte man konsequenterweise auch diese als Kohlenflöze 
des Rotliegenden ansprechen, wie ich bereits pag. 97 [64] hervorhob 
und Petra seh eck pag. 10 sehr richtig betont. Es würde sich dadurch 
nur eine Änderung des Kartenbildes ergeben im Sinne Katzers, 
der bekanntlich dazu neigt, die Radowenzer Schichten als Rotliegendes 
anzusehen, dabei aber unbedingt zu weit geht. 

Die Grenzlegung ist also noch Gegenstand wissenschaftlicher 
Kontroverse. Petrascheck verhält sich zu ihr im allgemeinen noch 
abwartend, wie er pag. 12 anführt. Er hält es wegen der geringeren 
Bekanntschaft mit den Floren der Radowenzer Schichten und des 
unteren Rotliegenden noch nicht für „opportun", eine Grenze zu legen. 
Für eine Abscheidun< D des Walchienflözes spricht aber noch der 
Umstand, den Petrascheck pag. 10 selbst zugeben muß, daß das 
hängendste Flöz des ganzen Zuges nur lokal entwickelt ist. Über den 
sieben Flözen meiner Tabelle pag. 96 [63] folgen aber, wie ich 
pag. 104 [71] angab, noch zwei Kohlenflözchen, das untere von frag- 
licher Bauwürdigkeit und das andere ein kleiner Kohlenbesteg, beide 
bisher nur im Streichen nördlich von Albendorf bei Teichwasser und 
im Potschendorfer Kalkstollen bekannt geworden. Beide liegen in 
einem Horizont, der allseits als unteres Rotliegendes anerkannt ist. 
Sie scheiden daher bei der Frage der Grenzbestimmung zwischen 
Oberkarbon und Rotliegendem von vornherein aus. 

6. Konkordant werden die eben behandelten Radowenzer Schichten 



] ) Göppert. Palaeontographica XU. 18G4— 1865, pag. 23G. 
'-) Paläobotaniscber Cbarakter etc. (Referat). Neues Jahrb. f. Min. etc. 1903, 
pag. 4G7. 

3 ) Weithofer. Verhandl. d. Ick. geol. R.-A. 1897, pag. 319. 

4 ) Potonie. Lehrbuch der Pflanzenpaläontologie. Berlin 1899, pag. 37G. 



[9] Über das jüngere; Paliiozoicum an der böhmisch-schlesischen Grenze. 22;") 

von den Hexensteinarkosen unterlagert 1 ). Weithof er hat in seiner 
Arbeit 2 ) die im Bereiche des Kotliegenden auftretenden Arkosen nicht 
anders benannt als die in der Ottweiler Stufe auftretenden Hexen- 
steinarkosen. Wenn ich darin Weithof er gefolgt bin, so habe ich 
beide damit nicht „zusammenwerfen" wollen, wie mir Petr asche ck 
vorhält, noch weniger aber habe ich meine Teilung der Arkosen in 
zwei Zonen damit begründen wollen. Es fußt diese lediglich auf den 
Angaben Weit hofers, namentlich pag. 402—403 und anderwärts. 

7. Das von Petra Scheck anWeithofer und der Exkursions- 
karte getadelte Fehlen einer Begrenzung der Schatzlarer und Xaveri- 
stollenschichten ist lediglich auf das Fehlen von im Gelände ge- 
fundenen Pflanzen zurückzuführen, da die petrographischen Ver- 
schiedenheiten meines Erachtens zu geringfügig sind, um aus ihnen 
allein mit Sicherheit eine Grenze abzuleiten. Wenn Petrascheck 
in diesem Sinne eine andere Grenze zu geben imstande ist, so wird 
dadurch ein deutlicheres Bild von den Ablagerungen gewonnen. Ich 
habe auf Grund einer Nachprüfung der Weithof ersehen Annahme 
zunächst dessen Grenze beibehalten und lege sie etwa in das Niveau 
des Litschebaches. 

8. Ich muß mich wegen eines lapsus calami korrigieren. Weit- 
hof er läßt die Xaveristollenschichten nicht „bis Zbecnik" durch- 
streichen, wie ich unrichtig schrieb, sondern zwischen Bohdaschin 
und Zbecnik auskeilen. Die Exkursionskarte zeigt dieses deutlich. 
Auch textlich kann durch ein eingeschobenes „gegen" der Irrtum 
beseitigt werden. Es handelt sich hier lediglich um einen unscharfen 
Ausdruck. Über die von Petrascheck angeführten, auch von mir 
angetroffenen grauen Konglomerate nördlich Zbecnik und ihre Zu- 
teilung zu einer Schichtengruppe kann ich mich nicht äußern aus 
Gründen der Vorsicht, da ihre Stellung mir nach wie vor noch nicht 
klar geworden ist. 

9. Auf einen bloßen Korrekturfehler ist es zurückzuführen, was 
Petrascheck pag. 8 berichtigt. Der Trautenbacher Melaphyr hängt 
nicht mit dem Stachelbergporphyr zusammen, da im zwischenliegenden 
Tale Schatzlarer Konglomerate anstehen. Die Exkursionskarte hätte 
also dort einen schmalen Streifen Blaugrau zeigen müssen. 

10. Was Reichhennersdorf anlangt, so war ich infolge des 
Infristenliegens der dortigen Gruben lediglich auf persönliche Er- 



: ) Petrascheck hat infolge unaufmerksamen Lesens hier in seinem Referat 
einen Fehler gemacht. Ich sagte pag. 90 [57] : „Eine stratigraphische Abgrenzung 
gegen das Unterrotliegende zu ziehen, soll der Zweck nachstehender Zeilen sein. 
Es sollen deshalb zunächst die gesamten Sedimente zwischen 
Kreide und Hexensteinarkosen zusammen betrachtet werden." 
Diese einführende Bemerkung hat Petrascheck übersehen, sonst könnte er mich 
nicht pag. 9 korrigieren. „Überlagert und infolgedessen gegen begrenzt werden 
die Radowenzer Schichten vom Rotliegenden, nicht von der Kreide, wie Her hing 
schreibt." Ich schrieb in dem auf obige Bemerkung folgenden Absätze: „Gegen 
Westen bildet der Hexensteinzug die nicht immer scharfe Grenze, die östliche (in 
der Arbeit steht infolge eines Korrekturfehlers „westliche") Begrenzung bildet die 
obere Kreide etc." 

2 ) Weithofer. Der Schatzlar— Schwadowitzer Muldenfliigel des nieder- 
schlesisch-böhmischen Steinkohlenbeckens. Jahrb. d. k. k. jreol. R.-A. 1897. 



226 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [10] 

mittlungen angewiesen, da die von mir zu Rate gezogene Literatur *) 
so gut wie gar keine Auskunft gab. 

Meine Angaben über die Lage der Bohrlöcher und die in dem 
Reichhennersdorfer Grubenkomplex ausgeführten Arbeiten fußen auf 
den mündlichen und schriftlichen Angaben des Herrn ßerginspektors 
Böhnisch auf Gottmitunsgrube in Mittel-Lazisk 0. S., des früheren 
Berginspektors in Reichhennersdorf. Als Betriebsleiter unter dem 
verstorbenen Direktor Her mann erschien er wie kein anderer zu- 
verlässig. Wo seine Aufzeichnungen versagten, mußte ich mir bei 
Herren aus Landeshut Rat holen, namentlich bei dem in meiner Arbeit 
wiederholt erwähnten Rentner Thomas, der seinerzeit viel zu den 
interessanten Arbeiten hinausgewandert war, also auch bei seinem 
vorzüglichen Ortssinn noch gut Bescheid wissen konnte. Das amt- 
liche Material des kgl. Oberbergamtes Breslau und die Rißsammlung 
des Bergreviers West-Waldenburg, deren Einsichtnahme mir gestattet 
worden war, boten in geologischer Hinsicht gar keinen Anhalt, wie ich 
Anm. 1 auf pag. 53 [21] hervorhob. 

Wenn die geologische Reichsanstalt weitere Angaben besitzt, 
so ist deren Mitteilung nur zu begrüßen, denn über längst aufgelassene 
Baue, die in der Literatur gar keine Berücksichtigung gefunden haben, 
kann nur auf Grund zugänglichen Materials abgehandelt werden. 

Petrascheck sagt aber pag. 4: „Von den Ergebnissen ist 

Herbing einiges zugänglich gewesen. Vieles scheint, nach seinen 
Angaben zu schließen, verschollen zu sein." Pag. 5 Anm. fügt er 
hinzu: „Es liegen hieramts Briefe mit Profilen, Karten und an Ort 
und Stelle gemachten Notizen Sturs, die hier zu Rate gezogen 
wurden." Diese Tatsache erfuhr ich erst durch Herrn Dr. Petra- 
scheck, der mir brieflich freundlicherweise Oktober vorigen Jahres 
mitteilte, daß sieben oder acht Laden mit Belegstücken, Karten etc. 
Ergänzungen zu meinen Angaben bringen würden. Ich beabsichtigte 
daraufhin, dieses Material einzusehen und durchzuarbeiten, kann 
aber um so lieber darauf verzichten, da „deren fachmännische Be- 
arbeitung gesichert zu sein scheint". 

Mag immerhin die Bearbeitung des Wiener Materials hinsichtlich 
der Lage zweier Bohrlöcher 2 ) eine Berichtigung bringen, so bleiben 
meine Angaben im wesentlichen sicher zu Recht bestehen. Vor allem 
sind meine Mitteilungen die ersten zusammenhängenden Nachrichten 



') Pag. 53, Anm. 2 [pag. 21, Anm. 2]. Es fehlt in dieser Angabe noch der 
von mir ebenfalls benutzte, in Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1875, pag. 207 — 208 
stehende Bericht Sturs üher seinen Besuch in Landeshut und Reichhennersdorf 
vom 31. Juli 1875. 

2 ) Das auf dem Kärtchen pag. 55 [23] verzeichnete Bohrloch XIII konnte 
ich im Gelände nicht finden, indes wurde mir mit großer Bestimmtheit angegeben: 
hier war das tiefe Bethlehemer Bohrloch XIII. Wohl aber fand ich „ein weiteres 
Bohrloch etwa 400 m südlich von diesem" (vgl. pag. 54 [22]). Petrascheck 
meint offenbar diese Bohrung, wenn er pag. 5 schreibt: „Bohrloch XIII liegt 
400 in südöstlich von der in der Kartenskizze angegebenen Stelle." Es zeigt sich 
also lediglich eine Nummervertauschung, was bei dem Viertelhundert Bohrungen 
seitens meines Gewährmannes leicht möglich war. Jedenfalls bin ich HerrD P e tra- 
sche ck für die mir unbekannt gebliebene Angabe der Lage des Bohrloches XXIV, 
dessen Tiefenangabe allerdings nichts Neues bringt, sowie für die Berichtigung der 
Lage der Bohrung Xllf überaus verbunden. 



I ! 1 I Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch- schlesischen Grenze. 227 

über diesen einstigen Bergbau, dessen Verschwinden in der Literatur 
aus den von mir gekennzeichneten Gründen sich erklärt. 

11. Auf pag. 5 wirft mir Pe trasche ck vor, daß ich die zahl- 
reichen Verwerfungen bei Reichhennersdorf nicht beachtet hätte. 
In meiner Schrift sagte ich pag. 58 [26] aber Schütze zitierend: 
„Die unbauwürdigen Flöze sind in der Richtung vom Liegenden 
nach dem Hangenden zu durch mehrfach wiederholte strei- 
chende Sprünge in Tiefen versetzt, wo ein lohnender Abbau 
nicht mehr geführt werden kann." Noch auf derselben Seite unten 
steht: „Auf Grund der wie in Schatzlar oft jäh und plötzlich 
eintretenden Störungen glaubte Hermann seine bauwürdigen 
zehn Flöze als Schatzlarer ansprechen zu müssen." Ferner bringt 
pag. 77 [44] nochmals einen Hinweis auf die eben interpretierte 
Stelle: „Auch sonst sind lokale Störungen, Ver werf un gen, Sprünge 
und Verdrückungen ebenso wie im Reichhennersdorf— Liebauer Revier 
zahlreich vertreten, eine Tatsache, auf Grund deren Hermann . . . .". 

Ebenso wie bei Landeshut (s. u.) urteilt Petrascheck auch 
hier scharf und absprechend über eine Arbeit, die er nur oberflächlich 
gelesen haben kann. Petrascheck spricht von zahlreichen Ver- 
werfungen bei Reichhennersdorf und wirft mir Übersehen derselben 
vor. Ich habe mit den oben durch Sperrdruck gekennzeichneten 
Ausdrücken genau dasselbe gesagt. Um zu dem Vorwurfe zu 
gelangen, ich hätte die zahlreichen Verwerfungen übersehen, hat 
Petrascheck nicht weniger als drei Stellen nicht be- 
achtet. Ja noch mehr. In der kurzen Zusammenstellung der Haupt- 
ergebnisse pag. 118 [85] betonte ich sub 3 nochmals ausdrücklich: 

„Bei Reichhennersdorf sind die Flöze .... stark 

verworfen." Also nicht einmal die Ergebnisse hat Petrascheck 
genauer durchgelesen. 

Mit der Frage der Verwerfungen hängt es unzweifelhaft zu- 
sammen, wenn Petrascheck mir pag. 5 vorwirft, „weil es den ver- 
wickeiteren tektonischen Verhältnissen nicht im geringsten Rechnung 
trägt, ist das Profil, das Herbin g auf seiner Tafel gibt, falsch". 
Klar und deutlich steht aber auf dieser zu lesen: „Nach einem Profil 
von Schütze in der Bergschule Waldenburg" und pag. 52 [20] findet 
sich die Anmerkung, daß durch die liebenswürdige Hilfe mehrerer 
dort genannter Herren die verloren geglaubten Profile Schützes 1 ) 
aufgefunden wurden. Das meiner Arbeit beigegebene Profil ist lediglich 
eine maßstäblich veränderte Kopie eines derselben, wie es Schütze 
hat seinerzeit anfertigen lassen. Seine Richtigkeit oder Unrichtigkeit 
zu ermitteln, war nicht möglich, da, wie in meiner Arbeit mehrfach 
betont, die Baue längst aufgelassen und die Kerne der Bohrungen 
ungeheuer lückenhaft sind. 



1 ) Die Möglichkeit der Nachforschung wurde mir durch einen Brief 
Schützes an Weiß vom 29. März 1879 (Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. 1879, 
Verhandl. pag. 430—435) gegeben, in dem er unter anderem schreibt, daß er von 
den einzelnen Gruben je nach ihrer Größe ein oder mehrere Profile habe an- 
fertigen lassen. (Von den Reichhennersdorfer Gruben beiläufig drei. Zwei derselben, 
Bohrloch XIII und die Tafel habe ich in meine Schrift übernommen.) 



228 Dr. A. Schmidt, ,T. Herbing und K. Flegel. [12] 

12 Wenn Petrascheck pag. 5 noch rügt, daß die von mir 
aufgefundene Grenzverschiebung zwischen Ober- und Unterkarbon 
bei Landeshut und Liebau auf der Erkursionskarte fehlt, so ist dem 
entgegenzuhalten, daß die bedeutendste Grenzverschiebung 
(4 — 5 km) außerhalb des Bereiches der Exkursionskarte 
liegt und daß meines Erachtens etwa bei Liebau die neue Grenze 
wieder mit der der älteren Karten zusammenfällt. Da bisher die 
Fossilfunde noch spärlich blieben und eine petrographische Scheidung 
nach den um Landeshut vorhandenen Aufschlüssen mir auch bis zur 
Zeit noch nicht möglich war, verzichtete ich auf eine kartographische 
Darstellung. Drittens aber, und das war der Hauptgrund, wollte ich 
den Aufnahmen der kgl. preußischen geologischen Landesanstalt, die 
demnächst in dieses Gebiet fortschreiten, nicht vorgreifen, wie mehr- 
fach betont, sondern nur die gemachten Pflanzenfunde veröffentlichen. 

Es ist infolgedessen für die Auffassung des jüngeren Paläo- 
zoicums völlig unzutreffend, wenn Petrascheck pag. 2 den Vorwurf 
erhebt, die Festschrift hätte bloß den Zweck gehabt, „den beider- 
seitigen gerade in diesen Gebieten umgehenden Landesaufnahmen 
zuvorzukommen". 

Außer den beiden zu akzeptierenden Berichtigungen bezüglich 
der Numerierung und Lage zweier Bohrlöcher und dem Herausfinden 
eines unpräzisen Ausdruckes und zweier Druckfehler im Text und 
auf der Karte kann Petrascheck seine Einwände gegen die 
Arbeit nicht aufrechterhalten. Vor allem bleiben die Hauptergebnisse 
pag. 118 [85] zu Recht bestehen. Der späteren Forschung mag es über- 
lassen bleiben, zu beurteilen, ob meine Arbeit eine „ganz ephemere 
Erscheinung" ist. 



C. Die Kreide an der böhmisch-schlesischen Grenze. 

Entgegnung von Kurt Flegel. 

Die am 31. August 1004 erschienenen, handschriftlich 1 ) vom 
Juli 11)04 datierten Bemerkungen Petraschecks 2 ) über meine vor- 
läufige Mitteilung 3 ) sind stratigraphisch zwar zum Teil durch die von 
Petrascheck kürzlich befürwortete Gleichstellung 4 ) der Chlomeker 
Schichten mit dem sächsischen Überquader bereits erledigt. Außer- 
dem bringt meine eigene inzwischen erschienene ausführliche Dar- 
stellung 5 ) des auf der Grenze von Preußen und Österreich gelegenen 



1 ) In dem mir vom Verfasser Ende Oktober 1904 freundlichst übersandten 
Korrekturbogen. 

2 ) Dr. W. Petras eh eck. Bemerkungen zur Arbeit K. Flegels über das 
Alter der oberen Quader des Heuscheuer Gebirges. Verbandl. d. k. k. geol. R.-A. 
1904, Nr. .12, pag. 280-282. 

3 ) Über das Alter der oberen Quader des Heuscheuer Gebirges. Zentralbl. f. 
Min. etc. 1904, pag. 395. 

4 ) Über die jüngsten Schiebten der Kreide Sachsens. Abhandl. d. naturw. 
Ges. „Isis", Dresden 1904, Heft 1. 

5 ) Heuscheuer und Adersbach-Weckelsdorf. Eine Studie über die obere Kreide 
im böhmisch-schlesischen Gebirge. Festschr. zur Tagung d. Deutschen geol. Ges. in 
Breslau September 1904, III. Teil. 



[13] Über das jüngere Paläozoicuni an der bühmisch-schlesischen Grenze. 229 

Adersbacher und Heuscheuer Gebirges eine Klarlegung meiner von 
ihm bestrittenen Ausführungen. Doch erheischen einige unrichtige 
Angaben Petraschecks eine Berichtigung. 

1. Wenn ich einen Vergleich des Heuscheuer Gebirges mit den 
Ablagerungen von Kieslingswalde als naheliegend bezeichnete, 
so geschah dies mit Recht, weil die nur zirka 25 km entfernten 
Kieslingswalder Ablagerungen einerseits mit dem Heuscheuer Gebirge 
in direkter Verbindung stehen, anderseits durch Sturm 1 ) eine genaue 
und sichere Bearbeitung erfahren haben. Denn Petrascheck gibt 
ja selbst zu 2 ), daß „durch einen Vergleich mit der Schichtenfolge des 
Isergebirges in Böhmen für die Altersbestimmung nicht viel geholfen 
ist, denn die Stellung der Sandsteine der Iserschichten ist noch 
kontrovers." 

Das Fehlen der Pflanzen und Konglomerate im Heuscheuer 
Quader ist noch kein Beweis gegen dessen Gleichaltrigkeit mit den 
Kieslingswalder Sandsteinen. Die Heuscheuer Quader können ja in ihren 
obersten Lagen ebenfalls konglomeratisch gewesen sein, nur sind sie 
infolge ihrer höheren Lage (900 m über dem Meeresspiegel) der 
Erosion und Denudation leichter zum Opfer gefallen als die -Kon- 
glomerate von Kieslingswalde, die sich als mächtige Anhäufung auch 
nur in den obersten Lagen (Hirtensteine) erhalten haben. Das massen- 
hafte Auftreten der Blattreste ist, wie die Untersuchung der Kieslings- 
walder und der Neu-Waltersdorfer Steinbrüche ergibt, an feinkörnige 
und vor allem tonige Gesteinslagen geknüpft. Wo solche tonige oder 
feinsandige Schichten fehlen, wie in den groben, rein quarzigen 
Ablagerungen des Heuscheuer Quaders, da mußte jedes hereingewehte 
Blatt durch die Bewegung zerrieben werden. Es ist also lediglich 
ein Gegensatz der Fazies, nicht eine Verschiedenheit 
des str atigraphis ch e n Horizonts, der zwischen Heuscheuer 
Quader auf der einen und zwischen dem Kieslingswalder und Chlomeker 
Quader auf der anderen Seite nachweisbar ist. Ein Fazieswechsel ist 
nach Sturm, Petrascheck und nach meinen eigenen Beobach- 
tungen in der Grafschaft Glatz häufig zu finden. 

Angesichts dieses überall beobachteten Fazieswechsels erscheint 
die paläontologische Übereinstimmung des Heu- 
scheuer Quaders einerseits und der Kieslingswalder- 
Chlomeker Ablagerungen anderseits ganz besonders wichtig 
und bemerkenswert. 

2. Wenn Petrascheck erwähnt, daß Cardiaster Ananchytis 
Leske bereits im Turon vorkommt, so besitzt doch dieser Seeigel seine 
Hauptverbreitung im Emscher und Senon und ist stratigraphisch nicht 
ganz unwichtig 3 ). 



') Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. 
Jahrb. d. k. preuß. geol. Landesanst. f. 1900. 

2 ) Zur Geologie des Heuscheuer Gebirges. Verband), d. k. k. geol. R.-A. 1903, 
Nr. 13, pag. 262 ff. 

3 ) Es sind hier die genauen Angaben in meiner Arbeit , .Heuscheuer und 
Adersbach-Weckelsdorf auf pag. 147 zu vergleichen, die Petrasekeck bei seiner 
vorläufigen Entgegnung nicht vorgelegen hat. 

Jahrbuch d.k. k.geol.Reichsaiist.,1905,55.Bd.,l. Hft. (Schmidt, Herbingu. Flegel.) 30 



230 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [14] 

3. Der von mir in der vorläufigen Mitteilung angeführte Ino- 
ceramus Cuvieri Sotr. entspricht der Abbildung von Sturm, dessen 
Meinung ich mich anfänglich angeschlossen hatte, nicht der typischen 
Form. In meiner ausführlichen Arbeit, die ja Petrascheck noch 
nicht vorlag, bin ich nach einem genaueren Studium der Gattung 
Inoceramus zu der Ansicht gekommen, daß diese Stücke vielleicht als 
neue Art, mindestens jedoch als Varietät des typischen Inoceramus 
Cuvieri aufzufassen sind. Ihre Ähnlichkeit mit Inoceramus Geinitzianus, 
den Sturm mit Inoceramus Cuvieri vereinigt, gab die Veranlassung 
zu dem Namen Inoceramus Cuvieri Sow. var. Geinitziana. Exemplare 
dieser Varietät aus Kieslingswalde stimmen mit solchen aus dem Heu- 
scheuer Quader und nach Fries Abbildung mit Inoceramus Geinitzianus 
aus den böhmischen Chlomeker Schichten überein und sind mir von 
anderen Fundorten auch bekannt. Die geologische Landesanstalt Berlin 
besitzt mehrere von Herrn Landesgeologen Dr. Schröder auf dem 
Spiegelberge bei Halberstadt gesammelte Exemplare dieser Art, die eben- 
falls aus dem Emscher stammen. Die Gleichaltrigkeit der Kieslingswalder 
Sandsteine, der Chlomeker Schichten, der Sande vom Löhofsberge bei 
Quedlinburg und der Spiegelberge bei Halberstadt mit dem sächsischen 
Überquader ist von Petrascheck selbst in seiner neuesten (bereits 
zitierten) Arbeit ausdrücklich hervorgehoben worden. Daher sind auch 
diese Stücke für die Altersbestimmung von Bedeutung. 

4. Ferner setzt Petra seh eck in das Vorkommen des Leit- 
fossils Inoceramus percostatus G. Müller Zweifel, und zwar aus folgendem 
Grunde: Petrascheck hat ein gutes Exemplar eines Inoceramus 
als Inoceramus percostatus G. Müller zu erkennen geglaubt, es aber, 
„um sicher zu gehen", an Herrn Landesgeologen Dr. G. Müller 
gesandt. Herr G.Müller hat die Bestimmung nach Petraschecks 
eigenen Worten nicht bestätigt, sondern hervorgehoben, daß dieses 
Stück an eine noch nicht beschriebene Art des Scaphitenpläners 
erinnere. Meine Bestimmung des Inoceramus percostatus beruht auf 
dem direkten Vergleiche mehrerer Heuscheuer Stücke mit den Original- 
exemplaren G. Müllers aus dem Göttinger Museum 1 ). Die Richtig- 
keit der Bestimmung wurde mir durch Herrn Prof. Dr. Frech und 
Herrn Privatdozenten Dr. Scupin (Halle) in dankenswerter Weise 
bestätigt. 

Der Zweifel, den Petrascheck über das Vorkommen dieses 
Leitfossils äußert, ist also unbegründet, da Petras c he ck- weder 
meinen Inoceramus percostatus noch die Originalexemplare, sondern 
nach der Angabe des Herrn G. Müller eine ganz andere Inoceramus- 
Spezies vor Augen gehabt hat. 

5. Daß „neue Arten für eine Altersbestimmung wertlos" sind, 
ist allgemein bekannt und anerkannt. Wenn ich jedoch imstande bin, 
eine neue Art an zwei für die Altersbestimmung wichtigen Fundorten, 
zum Beispiel dem Heuscheuer Quader und den Kieslingswalder Sand- 
steinen, deren Alter genau bekannt ist, nachzuweisen, so ist die neue 



J ) Herr üeheimrat Dr. v. Koenen stellte mir dieselben in liebenswürdiger 
Weise zur Verfügung. Auch an dieser Stelle sei ihm nochmals gedankt. 



[151 Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch-schlesischen Grenze. 231 

Art für die Horizontbestimmung genau so wichtig wie ein bekanntes 
Leitfossil. Dies gilt für den Inoceramus Ouvieri rar. Geinitziana und 
den Inoceramus Frechi nov. spec. Letzterer ist bereits in den unter- 
senonen Hockenauer 1 ) Schichten nachgewiesen worden. 

Von der von mir erwähnten Fauna des Heuscheuer Quaders ist 
bis jetzt nur eine neue Art, der Inoceramus Glatziae. nov. spec. aus dem 
Heuscheuer Quader allein bekannt und scheidet somit bei der Alters- 
bestimmung naturgemäß aus. Die übrigen sechs Arten kommen außer 
an anderen in meiner zweiten Arbeit angeführten Orten fünf im 
Kieslings walder Sandstein und eine im untersenonen Hockenauer Quader 
vor. Ein paläontologischer Zweifel an der Altersstellung 
der Heuscheuer Quader ist somit ausgeschlossen 2 ). 

Stratigraphisch lassen sich die oberturonen Kieslings wal der 
Tone, das Liegende der Kieslingswald er Sandsteine, auf der Lep pia- 
sehen 3 ) Karte von Kieslingwalde aus nach Nordwesten in ihrer Streich- 
richtung ununterbrochen weiter verfolgen und gehen in die Karls- 
berg er PI an er über, sind also gleichaltrig mit ihnen. 
Die Heuscheuer Quader sind daher auch aus diesem Grunde mit den 
Kieslingswalder Sandsteinen ident. Petrascheck selbst gibt zu, 
daß „diese Annahme naheliegend ist" und sogar „gewisse Wahr- 
scheinlichkeit" hat. Deshalb ist sie auch von ihm bei und nach Ab- 
fassung seines Aufnahmeberichtes über das Heuscheuer Gebirge „lebhaft 
in Erwägung gezogen" worden. 

Solange sich nicht durch positive Beobachtungen nachweisen läßt, 
daß der stratigraphisch nach unten scharf abgegrenzte Heuscheuer 
Quader ein Äquivalent des Scaphitenpläners ist, bleibt er aus paläonto- 
logischen und stratigraphischen Gründen ein Äquivalent des Kieslings 
walder Sandsteines (Emscher). 

6. Bestärkt wurde ich in dieser Ansicht durch die typisch ober- 
turone Fauna des Karlsberger Pläners 4 ), gegen die Petrascheck, 
wie ich aus seinem Schweigen schließen zu können glaube, nichts 
einzuwenden hat, außer dem gleich noch zu erwähnenden Inoceramus 
labiatus Schloth. 

7. Die Schwierigkeit, die zwei Funde von Inoceramus labiatus 
Schloth. im Karlsberger Pläner bereiten, habe ich nicht dadurch zu 
„überwinden" gesucht, daß ich den Inoceramus sublabiatus Müller als 
eine Mutation von I. labiatus Schloth. hinstellte, sondern ich habe 



*) Für die freundliche Übersendung des Exemplars aus Hockenau sowie für 
die liebenswürdige Angabe, daß diese Schichten gegenwärtig für Untersenon gelten, 
sage ich Herrn Dr. G. Müller hiermit meinen besten Dank. 

2 ) Inzwischen st es mir gelungen, noch ein Fossil aus dem Heuscheuer 
Quader zu erhalten, das geeignet ist, meinen paläontologischen Beweis bezüglich 
der Altersstellung der Heuscheuer Quader zu erhärten. Es ist dies eine gut erhaltene 
Pholadonuja elliptica Münster, welche ebenfalls ihre Hauptverbreitung im Unter- 
senon besitzt. 

3 ) A. Leppla. Geologiscb-hydrographische Beschreibung des Niederschlags- 
gebietes der Glatzer Neißp. Abhandl. d. kgl. preuß. geol. Landesanst. Neue Folge, 
Heft 32. 

4 ) Eine Aufzählung an dieser Stelle erübrigt sieb. Es genügt ein Hinweis 
auf meine hereits zitierte genauere Arbeit: Heuscheuer und Adersbach-Weckelsdorf. 

30* 



232 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [16] 

nachgewiesen *), daß I.labiatus Schloth. nach Wollemann im Brongniarti- 
Pläner von Wolfenbüttel, im Scaphitenpläner von Strehlen bei Dresden 
und Oppeln, nach französischen Autoren (teste Leonh ard) im gleichen 
Horizont des Pariser Beckens vorkommt. Inoceramus labiatus Schloth. 
spricht also nicht gegen das oberturone Alter des Karlsberger Pläners 
und ist in der Tat kein Leitfossil für die nach ihm benannte unter- 
turone Zone mehr, trotz der Ansicht Petraschecks, daß „die Be- 
deutung dieser Art als Leitfossil für die Schichtenfolge im Heuscheuer 
Gebirge auch durch das , Manöver' Flegels kaum geschmälert werden 
könnte. /. süblabiatus Müller kommt im Scaphitenpläner von Strehlen 
bei Dresden wirklich 2 ) neben 1. labiatus Schloth. vor und kann jeder- 
zeit im geologischen Museum Breslau eingesehen werden. Wenn ich 
ihn als Mutation von /. labiatus bezeichnete, so geschah es haupt- 
sächlich, um seine nahe Verwandtschaft mit /. labiatus darzulegen, 
Der Unterschiede, welche beide Formen aufweisen, bin ich mir wohl 
bewußt und habe auch nicht gesagt, daß 1. süblabiatus Müller ein- 
gezogen werden soll. 

8. Mit Recht nimmt Petrascheck an, daß die Karbonscholle 
von Straußenei sich unter der Kreide noch einige Kilonieter weit 
nach Osten fortsetzt. Ich habe diese Tatsache in meiner Hauptarbeit, 
die ja Petrascheck bei der Abfassung seiner Bemerkungen noch 
nicht kannte, nicht mehr bestritten. Die an der Heuschauer Chaussee 
an der Schwarzen Koppe anstehenden Arkosen sind mir bei der 
Aufnahme nicht entgangen und werden auch von Frech 3 ) erwähnt. 
Dieser schmale Streifen von Karbon ist entweder in die Reinerzer 
Quellenspalte eingeklemmt, wie Frech annimmt, oder er ist als 
stehengebliebener Rest der an genannter Verwerfung mit den Kreide- 
ablagerungen in die Tiefe gesunkenen Steinkohlenformation aufzu- 
fassen. 

9. Die Richtigkeit der von mir konstatierten und kartographisch 4 ) 
festgelegten Dislokationskluft Straußenei — Reinerz (Reinerzquellen- 
palte) 5 ) erkennt Petrascheck an, behauptet aber, sie bereits „an- 
bedeutet" zuhaben. Die Andeutung, auf welche Petrascheck sich 
hier bezieht, lautet wörtlich: „Bei Jakobowitz grenzt der Cudowaer 
Granit wohl infolge eines Verwurfes unmittelbar an den Pläner." 
Petrascheck hat also die in Frage stehende Verwerfung nur an 
einem einzigen Punkte vermutet („wohl"), sie aber weder als sicher 
vorhanden angenommen, noch in ihrer Ausdehnung verfolgt. Wem 
daher das Autorenrecht für diese Dislokation zukommt, überlasse ich 
dem Urteile des Lesers. 



') Siehe Heiischeuer und Adersbach- Weckelsdorf, pag. 144 und 145. 

2 ) Die Richtigkeit der Bestimmung wurde mir vou Herrn Prof. Dr. Frech 
und Herrn Dr. Scupin freundlichst bestätigt. Die Bestimmung erfolgte an der 
Hand des Originals aus Göttingen. Leider ist das Strehleuer Stück nicht gut 
erhalten. 

3 ) Reinerz, das Zentrum der Glatzer Mineralquellen. Reinerz 1904, pag. 10. 

4 ) Die Publikation wird in einer späteren Arbeit erfolgen. 

5 ) Wohl besser als „Reiuerzer Randbruch" zu bezeichnen, weil die Reinerzer 
Quellen auf einem ganzen System von Brüchen aufsitzen. 



["171 Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch-schlesischen Grenze. 2 '3 3 



Nachtrag. 

Während diese Zeilen in den Druck kommen, erscheint eine 
neue Arbeit Petraschecks *), in welcher der Verfasser, um seine 
eigenen Worte zu gebrauchen, drei wissenschaftliche Arbeiten als 
„ganz ephemere Erscheinungen" bezeichnet. Hier soll diese jüngste 
Schrift Petraschecks nur in den Teilen besprochen werden, die 
sich mit meiner eigenen Arbeit 2 ) „Heuscheuer und Adersbach-Weckels- 
dorf, eine Studie über die obere Kreide im böhmisch-schlesischen 
Grenzgebiete", befassen. 

Die Art und Weise, wie Petra seh eck meinen Arbeiten in 
der oberen Kreide des böhmisch-schlesischen Grenzgebietes entgegen- 
tritt, zeigt deutlich, daß es ihm nicht allein darauf ankommt, „Irrtümer" 
zu berichtigen. Vielmehr sucht er durch übertriebene Hervorhebung 
unerheblicher Einwürfe, wie man sie jeder Arbeit 3 ) machen kann, 
seinen Hauptirrtum, nämlich die unrichtige Horizontierung des oberen 
Heuscheuer Quaders 4 ), in den Hintergrund zu rücken; denn nur so 
läßt es sich verstehen, daß eine sorgfältig ausgeführte wissenschaft- 
liche Arbeit als „ephemere Erscheinung" bezeichnet wird. 

Petrascheck hat den Zweck meiner Arbeiten nicht richtig 
aufgefaßt. Es konnte unmöglich meine Aufgabe sein, eine genaue 
kartographische Aufnahme und Beschreibung des zirka acht Quadrat- 
meilen großen in Frage stehenden Gebietes zu geben. Dann hätte man 
mir mit Recht den Vorwurf machen können, daß ich den „beider- 
seitigen in diesen Gegenden umgehenden Landesaufnahmen zuvorzu- 
kommen" suchte. Steht man auf diesem Standpunkte, so dürfte in den 
Ländern, die ein amtliches Institut zur geologischen Landesaufnahme 
besitzen, überhaupt kein Geologe außer den von der Regierung dazu 
berufenen Beamten sich mit der Aufnahme und Stratigraphie einer 
Gegend befassen. In meiner Heimatsprovinz Schlesien sind Aufnahms- 
gebiete, in denen man nicht früher oder später mit der amtlichen 
Landesaufnahme in Berührung kommen müßte, dank der regen Tätig- 
keit der kgl. preußischen geologischen Landesanstalt so gut wie gar 
nicht mehr zu finden. Daß durch diese genauen Arbeiten noch viele 
interessante und für die Gesamtautfassung wichtige Tatsachen bekannt 
werden, ist selbstverständlich. Meine Aufgabe war es, wie schon der 



J ) Zar neuesten Literatur über das böhmiscb-schlesische Grenzgebiet. Jahrb. 
d. k. k. geol. R.-A. 1904, Bd. 54, Heft 3 und 4. 

2 ) Dargebracht der Deutschen geologischen Gesellschaft zu ihrer Tagung in 
Breslau, September 1904. III. Teil. 

3 ) So hat Petrascheck küizlich selbst in seiner Doktorarbeit (Studien 
über Faziesbildungen im Gebiete der sächsischen Kreideformation, Dresden 1899) 
eine Korrektur vorgenommen, indem er die „Spinosus-Wäner von Strehlen— Weinböhla 
und oberen Brongniarti- Quader der Sächsischen Schweiz" jetzt (Über die jüngsten 
Schichten der Kreide Sachsens. Abband!, d. naturw. Ges. „Isis" in Dresden, Jahrg. 
1904, Heft 1) höher hinaufrückt und mit Hecht in die Scaphitenzone („Stufe" 
Petr.) einreiht. Michaels geologische Karte zeigt von der für die Gegend von 
Hronov— Straußenei äußerst wichtigen Kreidetransgression bei Zdarek nichts, ohne 
daß Petrascheck dieses Umstandes auch nur mit einem Worte Erwähnung „täte. 

*) Deren Alter er auf Grund einer ..zur Orientierung unternommeneu Über- 
sichtstour" (Verbaudi. d. k. k. geol. R.-A. 1903, Nr. 13, pag. 262) festgestellt hat. 



234 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [18] 

Titel der Arbeit sagt, das Alter der Oberkante der Adersbach- 
Weckelsdorfer Kreidemulde und des Heuscheuer Gebirges festzulegen. 
Und diese Aufgabe ist durch meine Arbeit unzweifelhaft gelöst 
worden, trotzdem Petrascheck anderer Ansicht ist. Bis jetzt hat 
Petratscheck noch nicht eine einzige positive paläontologische oder 
stratigraphische Tatsache anführen können, die gegen meine Alters- 
bestimmung spricht, während ich nachgewiesen habe, daß seine Ein- 
reihung des oberen Heuscheuer Sandsteines in die Scaphitenzone, die 
Petrascheck selbst als „unsicher" 1 ) bezeichnet, aus stratigraphischen 
und paläontologischen Gründen nicht aufrecht zu halten ist. 

Demgemäß ist auch die der Festschrift beigegebene geologische 
„Exkursionskarte" 2 ) tatsächlich „im wesentlichen nur als eine 
Wiedergabe der älteren Karten" aufzufassen, ohne daß man ihr einen 
Vorwurf daraus machen kann. Die zahlreichen in der Arbeit vorkom- 
menden geographischen Namen bedürfen einer bildlichen Darstellung, 
da die Beyrichsche und Weit hof ersehe Karte nicht immer zur 
Hand ist. Leider konnten wegen der allzuspäten Fertigstellung der 
besagten Karte einige Fehler, die auf ungenaue Reduktion der Auf- 
nahme im Maßstabe 1 : 25.000 auf 1 : 75.000 zurückzuführen sind, nicht 
mehr richtiggestellt werden, so daß zum Beispiel die äußerst kom- 
plizierte Gegend um Straußenei ein anderes Angesicht erhalten hat, 
als es meiner Aufnahme entspricht. Mein Aufnahmsblatt stimmt mit 
der Skizze Petraschecks, wie er sie kürzlich 3 ) für die Gegend 
von Hronow und Straußenei entworfen hat, im wesentlichen überein 4 ). 
Außerdem stand mir als Ausländer für den österreichischen Teil 
meines Gebietes nur die Generalstabskarte im Maßstabe 1 : 75.000 zur 
Verfügung, wodurch eine genaue, alle Details wiedergebende Aufnahme 
von vornherein ausgeschlossen war. 

In starker Übertreibung spricht Petrascheck ferner über die 
Exkursionskarte: „Verhältnismäßig wenige Abweichungen (von den 
Karten Beyrichs und Weithofe rs) sind zu konstatieren und diese 
sind unglücklicherweise meist zum Nachteile der neuen Karte aus- 
gefallen." Die für ihre Zeit bahnbrechende Karte'B ey ri chs ist für 
Exkursionszwecke nicht mehr brauchbar. Denn einmal fehlen auf ihr 
die Eisenbahnen ; die erst in neuerer Zeit entstandenen Eisenbahn- 
aufschlüsse konnten also nicht berücksichtigt werden. Ferner enthält 
die Beyri cli sehe Karte keine Bruchlinien. Die Einführung dieser 
Signatur ist eines der hervorragendsten späteren Verdienste Beyrichs 
selbst. Die Eintragung der, wenn auch teilweise schon bekannten, für 
die Tektonik der Gegend so wichtigen Verwerfungen in die Exkursions- 
karte ist also eine Verbesserung der Karte. Die von Petrascheck 
über das Vorhandensein der eingetragenen Brüche ausgesprochenen 
Zweifel sind teils noch Gegenstand wissenschaftlicher Kontroverse 



x ) Verband!, d. lc. k. geol. R.-A. 1903, Nr. 13, pag. 265. 

2 ) Sie wurde deshalb auch nur in 200 Exemplaren als Übersichtskarte für 
die an der Tagung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Breslau teilnehmenden 
Herren gedruckt. 

3 ) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1904, Bd. 54, Heft 3 und 4, pag. 537, Fig. 2. 

4 ) Herr Dr. Petrascheck konnte sich teilweise selbst davon überzeugen. 



[19] Über das jüngere Paläozoicum an der bökmisch-schlesischen Grenze. 235 

(Steinetal), teils widersprechen sie den Tatsachen (Hronower Bruch), 
wie später dargelegt werden wird. 

Im folgenden werden die von Petras check an meiner Arbeit 
gemachten Ausstände im einzelnen beleuchtet. 

Im ersten Teile meiner Arbeit: „Stand der Kenntnis der Kreide- 
ablagerungen in der Adersbach-Weckelsdorfer Mulde und dem Ileu- 
scheuer Gebirge" ist Jokelys nicht Erwähnung geschehen, weil mir 
seine Arbeit und seine Karte leider entgangen ist. Desfo angenehmer 
ist es mir, durch Petrascheck zu erfahren, daß mein Querprofil 
durch die Adersbacher Kreidemulde mit demjenigen Jokelys ganz 
gut übereinstimmt. Jedenfalls ist das Profil von mir selbständig und 
unabhängig von dem Jokelys entworfen worden und wenn es mit 
den von Jokely zur Darstellung gebrachten Anschauungen überein- 
stimmt, so kann ich das nur mit Freuden konstatieren und es fällt 
mir nicht ein, es als meine Entdeckung in Anspruch zu nehmen, 
sondern will das Autorenrecht dafür gern Jokely überlassen. 

Der Vorwurf Petraschecks, daß ich „der Erwähnung der 
Resultate anderer nicht genügend Rechnung" trüge, kann mich nicht 
treffen, wenn man unter den von mir gesperrt gedruckten „Ergebnissen" 
folgendes versteht, nämlich eine Zusammenstellung der Resultate, die 
für den Exkursionsteilnehmer zur Orientierung notwendig sind. Daß 
die Ergebnisse nur so aufzufassen waren, geht zum Beispiel daraus 
hervor, daß ich unter 4. den tafelartigen Aufbau des Heuscheuer 
Gebirges und seine Bedingtheit durch den Wechsel von Quader- 
sandstein und Pläner erwähne, ohne an dieser Stelle einen Autor 
hinzuzusetzen, was jedoch in den Ausführungen ausführlich (Festschrift, 
pag. 149) geschehen ist. Ebenso ist das dritte Ergebnis, daß die Kreide- 
ablagerung von Adersbach und Wekelsdorf eine Synklinale ohne Bruch- 
bildung ist, eine allgemein bekannte und fast von allen Autoren er- 
wähnte Tatsache. Auch die von G e i n i t z und die von Petrascheck 1 ) 
selbst vor dem Erscheinen meiner Arbeit ausreichend betonte Tat- 
sache, daß Exogyra columba kein Leitfossil für das Cenoman ist, 
habe ich als allgemein bekannt vorausgesetzt und nicht für mich in 
Anspruch nehmen wollen. Wollte man in den Ergebnissen alle Be- 
gründungen mit allen Autoren rekapitulieren, so würden die Ergebnisse 
auf einen zweiten wenig veränderten Abdruck der Arbeit heraus- 
kommen und so dem Zwecke der Zusammenfassung widersprechen. 

Welche Schwierigkeiten die Identifizierung der zahlreichen von 
Krejci und Fric in die Literatur der böhmischen oberen Kreide 
eingeführten Lokalnamen mit der allgemein als gut anerkannten 
Schlüterschen Zonengliederung bereitet, erhellt am besten daraus, 
daß die Identifizierung bei verschiedenen Autoren auch verschieden 
ausgefallen ist. Die von mir dem historischen Teile angefügte ver- 
gleichende Tabelle ist der Sturm sehen Arbeit entlehnt' 2 ). Wenn 
Petra seh eck daher behauptet, daß ich für die Cuuieri-Stufe die 



J ) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1903, Nr. 13, pag. 265. Petrascheck 
nennt an dieser Stelle auch keinen Autor. Der Vorwurf fällt also auf Petrascheck 
zurück. 

-) Jahrb. d. kgl. preuß. geol. Laudesanst. für 1900. 



236 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [20] 

Kreibitzer Schichten erfunden habe, um eine Lücke auszufüllen, 
so zeigt er damit nur, daß er die Sturm sehe Arbeit nicht genügend 
genau studiert hat, sonst müßten ihm die Kreibitzer Schichten schon 
früher aufgefallen sein und sein Mißfallen erregt haben. 

Das Hauptergebnis meiner Arbeit, die Gleichstellung 
des oberen Quaders der Heuscheuer mit dem Kieslingswalder Sand- 
steine, wird dadurch, daß Rominger 1847 dasselbe bereits ver- 
mutet hat, iiT seiner Wichtigkeit nicht im mindesten beeinträchtigt. 
Denn abgesehen davon, daß die Emscher Stufe von Schlüter erst 
20 Jahre später aufgestellt worden ist, würde es entschieden zu weit 
führen, wenn man alle von früheren Autoren einmal ausgesprochenen 
Vermutungen zitieren und kritisch beleuchten wollte. 

Petrascheck ist in der Altersbestimmung, die auf Grund 
derselben Fossilien ] ) gemacht wurde, zu einem von dem meinigen 
verschiedenen Resultat gelangt und aus dieser Verschiedenheit schließt 
er, daß die Frage noch nicht gelöst ist. Doch beweist die Ver- 
schiedenheit der Altersbestimmung nur ihre Schwierig- 
keit, nicht aber ihre Unsicherheit. Die abweichende Meinung 
Petraschecks beruht teilweise auf der Bestimmung der Inoceramen, 
doch fühlte sich Petrascheck hier anscheinend nicht kompetent. 
Denn er hat sein Material Herrn Landesgeologen Dr. G. Müller 
nach Berlin zur Bestimmung, „um sicher zu gehen", übersandt 2 ). 

Vollkommen unrichtig ist die Behauptung Petraschecks, daß 
mein Grenz qua der ein Teil des Plänersandsteines sein soll. Der 
blaugraue, tonige, nur lokal entwickelte Sandstein ist nach oben und 
unten sehr scharf abgegrenzt. Er bildet einen nur 4 — 5 m mächtigen 
Horizont, welcher den Plänersandstein unter lagert. 

Wenn ich den Plänersandstein mit den Labiahis-Fl'imeni ver- 
einigte, so geschah es # wegen der gleichartigen Fazies beider Gesteine, 
die durch zahlreiche Übergänge eng miteinander verbunden sind, und 
wegen der paläontologischen Verwandtschaft beider. Denn Michael 
hat nachgewiesen, daß unter den 24 Arten, die er aus dem Pläner- 
sandsteine kennt, bereits 10 von Fric auch aus den turonen Weißen- 
berger und Malnitzer Schichten aufgeführt werden 3 ). 

Die von Michael in der Kreidescholle von Cudowa als Leit- 
horizont verfolgte Glaukonitbank war mir bekannt. Ich betrachtete 
es jedoch nicht als meine Aufgabe, diesen Horizont in dem großen 



') Ob Petrascheck in der Tat dasselbe Material vorlag wie mir, entzieht 
sich meinem Urteile. 

-) Verbaudi. d. k. k. geol. R.-A. 1904, Nr. 12, pag. 281. 

3 ) Kürzlich gelang es mir, im Plänersandstein zwischen Lewin und Reinerz 
ein zwar nur als Bruchstück erhaltenes, aber deutlich und zweifellos zu bestimmendes 
Stück von Inoceramus labiatus Schloth. zu finden. Es ist dieser Fund ein neuer 
Beweis dafür, daß der Plänersandstein in der Tat an die Grenze von Cenoman und 
Turon zu stellen ist. Da wir es hier mit einer kontinuierlichen Ablagerung zn tun 
haben und jede Trennung künstlich ist, kann es keine scharfe Grenze zwischen 
dem Cenoman und dem Turon geben. Es ist also lediglich ein Ausfluß subjektiven 
Empfindens, ob man den Plänersandstein zum obersten Cenoman (Michael) oder 
zum untersten Turon (Verfasser) oder an die Grenze von beiden (Petrascheck) 
rücken will. Alle drei Ansichten haben ihre Berechtigung. 



[21] Über das jüngere Paläozoicum an der böhrnisch-schlesis<hen Grenze. 237 

Gebiete genau festzulegen *) und kann nur immer wieder betonen, 
daß ich keine Spezialaufnahme geben wollte, um der Landes- 
aufnahme nicht vorzugreifen. Ich wollte nur die oben präzisierten 
Aufgaben lösen und einen kurzen „guide" für den Exkursionsteil- 
nehmer liefern. 

Der Vorwurf Petraschecks, daß bei meinem Versuche, den 
Brongniarti'-PYäJL.er vom Scaphitenpläner des Karlsberger Plateaus zu 
scheiden, die Isohypsen der Karte eine „wichtige Rolle gespielt 
zu haben scheinen", erledigt sich von selbst. Es ist eine unwider- 
sprochene Tatsache, daß, wo die Lagerung eine flache ist, die Isohypsen 
mit den geologischen Grenzen beinahe zusammenfallen. Die von mir 
gezogene Grenze ist durch das tiefe Erosionstal, in dem Machau 
liegt, an der Hand der Isohypsen gegeben. Ob die Karlsberger Planer 
sich an anderen Orten kartographisch von den Brongniarti-¥\&\\en\ 
werden trennen lassen, muß der Spezialaufnahme überlassen bleiben, 
wie ich schon in meiner Arbeit hervorgehoben habe 2 ). Das Auftreten 
der Karlsberger Pläner nordwestlich von dem Erosionstale ist mir 
trotz der gegenteiligen Ansicht Petraschecks nicht entgangen, 
wenn ich auch in der Arbeit nicht ausdrücklich darüber gesprochen 
habe. Ein wohlwollender Leser wird diese Tatsache zwischen den 
Zeilen lesen können. Denn ich habe dargelegt 3 ), daß am Südwestrande 
der Adersbach-Weckelsdorfer Kreidemulde die Mächtigkeit des Pläners 
auf Fazieswechsel beruht und daß die Mächtigkeit, je weiter man 
nach Süden kommt, immer größer wird. Es ist doch selbstverständlich 
damit gemeint, daß sich immer jüngere Glieder auflagern, also auch 
der Karlsberger Pläner, der sich petrographisch vom Brongnim -^-Planer 
nicht unterscheiden läßt. 

Die geologische Exkursionskarte zeigt infolge eines in der 
Druckerei begangenen Irrtumes bei der Farbenwahl, die aus dem an- 
geführten Grunde nicht mehr geändert werden konnte, bei Straußenei den 
Quader der Wünschelburger Lehne, der in Wirklichkeit zum Cenoman 
gehört. Daß hier in der Tat nur ein Druckfehler und nicht ein Fehler 
meinerseits vorliegt, geht unmittelbar aus den Worten des Textes 4 ) her- 
vor: „Das Fehlen des Sandsteines der Wünschelberger Lehne auf der 
Südwestseite der Heuscheuer ist durch Fazieswechsel zu erklären." 

Petrascheck zweifelt ferner meine Altersbestimmung der 
Quader in der Adersbach-Weckelsdorfer Muide an und sagt, daß ich 
denselben Fehler gemacht hätte wie Jokely. Zunächst kann von 
einem „Fehler" nicht die Rede sein, da Petrascheck mir noch 
nicht beweisen kann, daß meine Ansicht falsch ist. Auch vergißt 
Petrascheck vollkommen, daß ich es in meiner Arbeit unent- 
schieden gelassen habe, ob der von Fric angenommene Zwischen- 
pläner 5 ) vorhanden ist oder nicht und daß sein Vorhandensein eine 
einfache Erklärung durch Fazieswechsel findet. 

x ) Zumal mir bei der Aufnahme nur die Karte im Maßstabe 1 : 75.000 zur 
Verfügung stand. 

2 ) Festschrift, pag. 145. 
s ) Festschrift, pag. 140. 
4 ) Festschrift, pag. 138. 

b ) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1904, Bd. 54, Heft 3 und 4, pag. 535. 
Jahrbuch d.k. k.geol.Keichsanst, 1905, 55. Bd., 1. Hft. (Schmidt, Herbingu. Flegel.) 31 



238 Dr - A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [22] 

Interessant ist eine bei dieser Gelegenheit erwähnte Auffindung 
von Fossilien, durch welche Petrascheck seiner früheren Alters- 
bestimmung l ) selbst den Todesstoß versetzt. Die Unklarheit im Aus- 
drucke erheischt ein wörtliches Zitat der Stelle von Petrascheck: 
„Ich (Petrascheck) erwarb aus den den angeblichen Mittelquader 
unterteufenden Plänerschichten Fossilien, die auf die Teplitzer Schichten 
(Scaphitenpläner) schließen lassen, was wohl eine Vertretung 
des Heuscheuer Quaders wahrscheinlich machen könnte." 2 ) 
Beachtenswert ist zunächst, daß er in der den angeblichen Mittelquader 
unter teufenden Pläner stufe auf T e p 1 i t z e r Schichten 
(Scaphitenpläner) schließt, während er früher in der Plänerstnfe 
des Heuscheuer Gebirges kein jüngeres Niveau als das des 
Brongniarti-Yliiners (Malnitzer Schichten) suchen zu 
dürfen glaubte. Um eine Zone nach oben hat also Petrascheck 
in der Altersbestimmung schon nachgegeben. Unklar ist, was Petra- 
scheck unter „Vertretung des Heuscheuer Quaders" meint. Soll man 
darunter eine fazielle Vertretung des oberen Heuscheuer Quaders durch 
die den angeblichen Mittelquader unterteufenden Plänerschichten ver- 
stehen, so wäre der angebliche Mittelquader jünger als der 
obere Heuscheuer Quader. Hat Petrascheck eine fazielle 
Vertretung der Quader der Wünschelburger Lehne damit gemeint, so 
ist der angebliche Mittelquader jünger als die Quader 
der Wünschelburger Lehne und die letzteren sind dann der 
Scaphitenzone zuzurechnen. Hat Petrascheck sagen wollen, daß 
der Heuscheuer Quader (unter welchem Namen ich immer den oberen 
Quader verstehe im Gegensatze zum Quader der Wünschelburger 
Lehne) mit dem angeblichen Mittelquader ident ist, dann hat er den 
Ausdruck „Vertretung des Heuscheuer Quaders" vollkommen falsch 
angewendet. Eine derartige Unklarheit im Ausdrucke, die ein 
Verstehen des Sinnes sehr erschwert, steht in Petraschecks Arbeit, 
wie noch gezeigt werden wird, keineswegs vereinzelt da. 

Das Gebiet im SW des'Parschnitz — Hronower Bruches war nicht 
mehr Gegenstand der Aufnahme. Daher winden die dort anstehenden 
Gesteine auf der Exkursionskarte nur durch einen verwaschenen Strich 
in der für die einzelnen Formationen konventionell festgelegten Farbe 
angegeben. Nun ist durch ein Versehen des Lithographen bei Zdarek 
dieser grüne Strich ohne scharfe Begrenzung, der nur andeuten sollte, 
daß hier Kreide ansteht, etwas zu hell geraten. Petrascheck 
schließt daraus, daß ich hier den Einscher-Heuscheuer Quader einge- 
zeichnet hätte, obgleich erstens Michael bereits unzweifelhaft nach- 
gewiesen hat, daß die Quader zum Cenoman gehören, und obgleich 
ich zweitens im Text 3 ) selbst ausdrücklich erwähne, daß dort Cenoman- 



1 ) Bezeichnend ist auch, daß Petrascheck bei fast allen Versuchen von 
Altersbestimmungen sich immer unbestimmter Ausdrücke, wie „könnte, dürfte, 
möchte" bedient. 

2 ) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1903, Nr. 13, pag. 264. 

3 ) Festschrift, pag. 152: Die bei Zdarek anstehenden Cenomanquader usw. 
Diese Quader fallen übrigens nördlich Kote 501 nicht nach NNO, wie Petraschecks 
Skizze zeigt, sondern, wie bereits in meiner Arbeit pag. 152 angegeben ist, unter 
30° nach WSW. Petrascheck hat sich also in den Himmelsrichtungen geirrt. 



[23] Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch-schlosischen Grenze. 239 

quader ansteht. Petras check hätte also meine Arbeit gründ- 
licher durchlesen sollen, ehe er einen unbegründeten Vorwurf gegen 
mich erhob. 

Ein genaueres Eingehen auf Einzelheiten erfordert die von 
A. Schmidt und mir in der Wilhelminagrube konstatierte (in meiner 
Arbeit Straußen ei er Sprung genannte) Verwerfung. Sie wurde 
im dritten Flöz tonnlägig 250 m vom Ausgange des Wilhelminaschachtes 
entfernt angefahren. Die Verwerfungskluft selbst zeigt ein Einfallen 
von 84° nach SSW. Hinter der Kluft stand ein weißer Sandstein an. 
A. Schmidts Aufnahmsnotizen enthalten noch die Bemerkung „nicht 
Arkose". Leider ist der Betrieb auf der Wilhelminagrube seit dem 
Sommer 1903 eingestellt worden und daher eine Revision der Angaben 
zurzeit nicht möglich. Man hat im Wilhelminaschacht die Wasser 
aufgehen lassen, weil der Abbau der über 30% Asche gebenden 
Kohle im Verhältnis zu den hohen Betriebskosten nicht mehr lohnend 
genug war 1 ). 

Ganz unzweifelhaft ist der von mir unter Tage nachgewiesene 
Straußeneier Sprung mit der von Petrascheck in der Skizze auf 
pag. 537 nördlich des Wilhelminaschachtes eingezeichneten Verwerfung 
ident, wie aus einer mir vorliegenden Kopie des Grubenrisses der 
Wilhelminagrube hervorgeht. Über Tage habe ich mich durch die 
Transversalschieferung des Pläners in den kleinen Aufschlüssen bei 
Zlicko zu der Annahme einer größeren Ausdehnung des Straußeneier 
Sprunges verleiten lassen, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht 
entspricht, und stehe nicht an, diesen, wie Petrascheck selbst 
sagt, „verzeihlichen" Irrtum ohne weiteres zuzugeben. 

P e t r a s c h e c k läßt infolge dieser Verwerfung Schätzbarer 
Schichten an Schwadowitzer Schichten angrenzen. Dies ist jedoch nach 
unseren Aufnahmen nicht möglich, da die Schwadowitzer Schichten, 
wie Weithofe r angibt, mit Ausnahme der Arkosen nur in roter 
Farbe als Sandsteine untergeordnet auch als Schiefer entwickelt sind. 
Daß eine Verwechslung der roten Schwadowitzer Schichten mit den 
weißen cenomanen Sandsteinen vorliegt, ist doch wohl kaum anzu- 
nehmen. Petrascheck nimmt allerdings eine Verwechslung oder 
falsche Bestimmung der Gesteine unserseits an. Er bezieht sich 
dabei auf eine Bemerkung A. Schmidts, „daß die von Weithof er 
bei Zdarek als Karbon kartierte Insel durch mich als Cenoman er- 
wiesen" sein soll. In meiner Arbeit wird jedoch Petrascheck 
vergeblich eine derartige Bemerkung suchen. Mein Aufnahmeblatt zeigt 
sehr wohl in dem von Zdarek nach Sedmakowitz führenden kleinen 
Tälchen die roten glimmerhaltigen Sandsteine der Schwadowitzer 
Schichten, auf die sich auf der rechten Seite die cenomanen Sand- 
steine und auf der linken nach einer nur wenig mächtigen Quader- 
schicht die Plänersandsteine auflegen. Im Maßstabe 1:75.000 würde 
dieser Karbonaufbruch einen Streifen von 1 7*2 mm Breite und 10 mm 

*) Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Dr. Schmidt beabsichtigt Seine 
Durchlaucht Prinz "Wilhelm von Schaumburg-Lippe, in diesem Frühjahre den Betrieb 
auf der markscheidenden preußischen Klemensgrube, die mit der Wilhelminagrube 
durchschlägig ist, wieder zu eröffnen und die Wässer zu sümpfen, so daß weitere 
Aufschlüsse unter Tage zu erwarten sind. 

31* 



240 Dr. A. Schmidt, ,T. Herbmg und K. Flegel. [24] 

Länge ausgemacht haben. Ich habe ihn daher absichtlich auf der 
„Exkursionskarte" nicht zum Ausdrucke gebracht. 

Der Straußeneier Sprung existiert also, da Petraschecks 
Angaben mit meinen Angaben übereinstimmen. Ob sein Ansmaß jedoch 
nur so gering ist, daß, wie Petrascheck angibt, die Schatzlarer 
Schichten an die Schwadowitzer anstoßen, oder ob sein Ausmaß so 
groß ist, daß nach Schmidts Aufzeichnungen die Schatzlarer Schichten 
an die weißen cenomanen Sandsteine angrenzen, kann nur durch eine 
Revision nach der bevorstehenden Wiedereröffnung der Gruben ent- 
schieden werden. 

Es bildet also zwar nicht die ganze Karbon seh olle 
von Hronow — Straußenei, sondern nur das Steinkohlen- 
vorkommen von Straußenei einen Längshorst, der von 
zwei streichenden, widersinnig einfallenden Brüchen 
begrenzt wird. Von diesen ist der eine der soeben erwähnte 
Straußeneier Sprung, der andere die von Michael nachgewiesene 
Fortsetzung des Parschnitz— Hronower Bruches, wie im folgenden 
dargelegt werden soll. 

Durch Petraschecks neueste Arbeit ist die Tektonik der 
Gegend zwischen Hronow und Straußenei meines Erachtens noch nicht 
genügend geklärt. Er stellt sich bezüglich des Parschnitz — Hronower 
Bruches in einen bewußten Gegensatz zu Michael und Weithofe r, 
ohne deren Ansicht widerlegen zu können. Michael 1 ) hat nach- 
gewiesen, daß „830 m vom Eingangsstollen der Wilhelminagrube ent- 
fernt etwa 70 m unter Tage — oberflächlich streicht an der Stelle 
Plänersandstein aus — eine große N 50 W streichende Kluft ange- 
fahren wurde, welche mit einem Winkel von 29° westlich einfällt. 
Ein fester, grober, roter Sandstein, mit 60° betragender Neigung östlich 
einfallend, ist durch eine 2 — 5 cm mächtige, schwarze, feste Letten- 
schicht von einem westlich sich verflächenden schwarzen, groben Sand- 
stein getrennt". Dieser Sandstein gehört den untersten Lagen des 
Cenomanquaders, der unteren Zone des groben, kalkigen Sandsteines 
von Cudowa Michaels, an. „Eine große Verwerfung trennt also 
scharf die Kreideablagerungen von denen der Karbonformation, die 
Schwadowitzer Dislokationskluft findet bis hierher ihre südöstliche 
Fortsetzung." 

Die Angaben Michaels sind so präzis und bestimmt, daß man 
keinen Grund hat, irgendwelche Zweifel zu äußern 2 ). Dennoch ver- 
mutet Petrascheck, daß Michael „in der Angabe des Ortes ein 
Irrtum untergelaufen" sei und beruft sich dabei auf mündliche Mit- 
teilungen des Herrn Markscheider Ifmann. Weit hofer 3 ) beruft 
sich bei der entgegengesetzten Ansicht, der Annahme einer Über- 
schiebung, ebenfalls auf den eben genannten Herrn Markscheider und 
Herrn Ingenieur Nowak. Petrascheck zeichnet auf seiner Skizze 



*) Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. 1893, pag. 215. 

2 ) Auch hat mir Herr Dr. Michael persönlich liebenswürdigerweise mit- 
geteilt, daß seine Angaben auf von ihm selbst unter Tage gemachten Beobachtungen 
basieren. 

3 ) Jahrb. d. k. k. gool. R.-A. 1897, Bd. 47, pag. 470. 



[25] Über das jüngere Paläozoicum an der böhmisch schlesischen Grenze. 241 

der Gegend von Hronow und Straußenei *) zirka 200 m westlich von 
dem Wilhelminaschachte eine Verwerfung im Karbon, die wohl der 
Michael sehen entsprechen soll, im Text ist sie nicht erwähnt. Es ist 
jedoch unmöglich, daß beide ident sind. Die Michael sehe Verwerfung 
streicht N50 W und grenzt an Kreideschichten, die Petrasch ecksche 
streicht N 10 W und liegt im Karbon (Schatzlarer Schichten), kann 
also auch nur ein geringes Ausmaß haben. Ebenso divergierend sind 
die Angaben der Entfernung von dem Eingangsstollen der Wilhelmina- 
grube, bei Michael 850 m, auf Petraschecks Skizze 200 m. 
Ebenso unmöglich ist die Annahme Petraschecks, daß Michael 
südlich mit westlich vertauscht habe. Westlich von dem Wilhelmina- 
schachte (also ungefähr im Streichen des Karbons) kann bei 850 m 
Entfernung nie Kreide angefahren werden, noch dazu 70 m unter Tage. 
Die von Petrascheck ohne Angabe des abgesunkenen Teiles ge- 
zeichnete Verwerfung ist also, wenn sie überhaupt vorhanden ist (im 
Text ist zu ihrer Begründung nicht ein Wort angeführt), etwas Neues. 
Jedenfalls ist die von Michael nach Petra Schecks eigenen 
Worten zweifellos beobachtete Verwerfungskluft auf der Skizze von 
Petrascheck nicht zur Darstellung gebracht, letztere ist also zum 
mindesten unvollkommen. 

Am Schlüsse seiner neuesten Mitteilung (pag. 539) versucht 
Petrasch eck eine tektonische Erklärung des Cudowaer Grabens 
zu geben. Dieselbe enthält jedoch so viel Unklarheiten in sich selbst, 
daß ich eine wörtliche Wiedergabe für notwendig halte. Petrascheck 
schreibt : 

„Der breite Graben von Cudowa biegt bei Hronow jäh aus einer 
NS-Richtung in eine erst fast westliche" (muß heißen östliche), „dann 
mehr nordwestliche" (muß heißen südöstliche) „um und läßt sich, 
zwischen Hronow und Kosteletz stark verschmälert, allmählich breiter 
werdend, weithin verfolgen. Wo er am engsten ist, wird er südwärts" 
(muß heißen in seiner Nordwestecke) „von Karbon überschoben. Inner- 
halb kann man hier keine flach gelagerten Schichten nachweisen und 
scheint man somit Berechtigung zu haben, denselben auch als eine eng 
zusammengepreßte Mulde aufzufassen, die der nach S überschobenen 
Falte des Karbonzuges vorgelagert ist." (Unklar.) „Die über Tag zu 
beobachtende Schichtfolge und ebenso die mir (Petrascheck) von 
der Schatzlarer Bergverwaltung freundlichst zur Verfügung gestellten 
Ergebnisse der daselbst vorgenommenen Schürfungen und Bohrungen 
geben aber keinerlei Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer 
Überstürzung der tiefsten daselbst aufgeschlossenen Karbonschichten. ■ 
(Direkter Widerspruch gegen die beiden vorangehenden Sätze.) Ich 
kann diese Ausführungen Petraschecks nicht besser charakterisieren 
als dadurch, daß ich seine eigenen Worte 2 ) zitiere, die er ungerecht- 
fertigterweise meiner Arbeit zum Vorwurf gemacht hat und die daher 
doppelt schwer auf ihn selbst zurückfallen ; 

„Wiederholt ist in dieser Arbeit Ost und W T est in sinnstörender 
Weise vertauscht worden." 



') Jahrh. d. k. k. geol. R.-A. 1905, Bd. 54, Heft 3 und 4, pag. 537. 
2 ) Pag. 528, Fußnote 1. 



242 Dr. A. Schmidt, J. Herbing und K. Flegel. [26] 

Im Gegensatze zu meioer Annahme, daß der Parschnitz-Hronower 
Bruch, abgesehen von den vorkarbonischen gebirgsbildenden Bewegungen, 
die Auslösung einer einzigen postcretacischen Bewegung ist, behauptet 
Petrascheck, daß man „auf dieser Linie gezwungen ist, die gebirgs- 
bildende Bewegung, abgesehen von den vorkarbonischen, auf zwei 
Phasen 1 ) zurückzuführen, eine postpermische, aber vorcretacische, und 
eine postcretacische". Sind die Profile Weit ho fers richtig, so kann 
man unmöglich an dieser Störungslinie eine nach der Rotliegend- und 
vor der Kreidezeit erfolgte tektonische Bewegung annehmen, sonst 
könnten die Kreideschichten den Rotliegendschichten auf dem ab- 
gesunkenen Flügel nicht gleichförmig (natürlich unter Bildung einer 
Erosionsdiskordanz) auflagern. Die Annahme einer postdyadischen und 
präcretacischen Phase der Bruchbildung von Seiten Petraschecks 
bedeutet also ein völliges Mißverstehen der Weithof ersehen Profile 
oder man wäre zu der bis jetzt durch nichts begründeten Annahme 
gezwungen, daß sämtliche Profile Weit hofers falsch sind. 

Eine kurze Zusammenstellung der ausführlich erläuterten Tat- 
sachen gibt also folgendes Resultat: 

Petrascheck zweifelt das Hauptergebnis meiner Arbeit, die 
Altersbestimmung der Heuscheuer Quader als Emscher und der Aders- 
bach- Weckelsdorfer Sandsteine als Mittelturon, zwar an, kann jedoch 
den gegenteiligen Beweis nicht erbringen. Auch die richtige Bestimmung 
meiner Fossilien wird von Petra seh eck in Zweifel gezogen, aber 
ohne Beweis. Die von Petrascheck an der geologischen Karte 
erhobenen Ausstände erledigen sich bei der richtigen Auffassung der- 
selben als „Exkursionskarte", wie auch ihr Titel lautet ; zum größten 
Teile von selbst. 

Es mag nach dieser kurzen Zusammenstellung dem Urteile des 
Lesers überlassen bleiben, ob Petrascheck berechtigt war, von 
meiner Arbeit als von einer „ephemeren Erscheinung" zu sprechen. 



*) Die Möglichkeit einer Bildung in zwei Phasen, jedoch einer intrakarbonischen 
und der postkreta?ischen, ist in meiner Arbeit bereits in Betracht gezogen worden. 



Geologische Exkursionen im Gebiete des Liesing- 
und des Mödlingbaches. 

(Vorarbeiten für eine in Vorbereitung befindliche geologische 
Karte im Maßstabe 1 : 25.000.) 

Von Franz Toula. 

Mit einer Tafel (Nr. V) uud 34 TextiJlustrationen. 

Wenn ich im nachfolgenden Mitteilung mache über meine im 
Gebiete des Liesing- und Mödlingbaches ausgeführten Begehungen, 
so könnte dies ganz wohl als voreilig und verfrüht angesehen werden, 
da das bis nun zur Ausführung Gebrachte noch lange nicht hinreicht, 
um den von mir ausgesprochenen Plan, eine Karte im Maßstabe von 
1 : 25.000 herzustellen, zur Ausführung zu bringen. Ein Unfall, den 
ich im vorigen Sommer erlitten habe, brachte mich an den Rand des 
Grabes und es wären meine Aufzeichnungen, die zum Teil dreißig und 
mehr Jahre zurückreichen, verloren gewesen, da sich kaum jemand die 
Mühe hätte nehmen können, meine Notizbücher zu bearbeiten, schon 
aus dem an mir gewiß sehr tadelnswerten Grunde, weil meine Schrift 
eine überaus schwer lesbare ist. 

Es wäre jedoch vielleicht doch schade gewesen um die von mir 
aufgewendete Arbeit im Felde, da sie zum mindesten gar manche neue 
Tatsache erbracht hat und zu zeigen geeignet erscheint, daß das 
genannte Gebiet, ganz abgesehen von dem Reize, der ihm eigen ist 
und der allein schon dem geologischen Wanderer seine Mühe reichlich 
lohnt, auch einer hingehenderen Arbeit erfreuliche Ergebnisse liefert. 
Diese Hingebung ist aber schon aus dem Grunde dringend nötig, weil 
das Gebiet ein weithin — man muß in anderer Beziehung sagen gottlob 
— gut und dicht bewaldetes ist, und wenn es auch an zahlreichen guten 
Aufschlüssen nicht fehlt, gerade der Bewaldung wegen, der Lösung 
tektonischer Fragen viele Schwierigkeiten entgegensetzt. — Ich 
habe für meine Person auf Grund meiner gesammelten Erfahrungen 
recht wohl erkannt, welche Partien noch weiterer Durcharbeitung 
unterzogen werden müssen, um das angestrebte Ziel zu erreichen, und 
wenn es mir die Verhältnisse erlauben, werde ich nicht unterlassen, mich 
zu bemühen, diese Arbeit zu leisten, wozu mich schon die Liebe treibt, 
die ich für dieses wahrhaft liebenswürdige Stückchen unseres schönen 
Vaterlandes von Jugend auf empfinde, eine Liebe, die mit den Jahren 
durch das, was ich in entlegenen Gebieten zu sehen und zu bearbeiten 

Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 



244 Franz Toula. [2] 

Gelegenheit hatte, nicht nur nicht gemindert, sondern nur gesteigert 
worden ist. Ich gebe mich auch der Hoffnung hin, daß der eine und 
andere der geologischen Fachgenossen angeregt werden wird, in diesen 
Teil des niederösterreichischen Waldlandes hinauszuwandern. Vor allem 
hoffe ich meinen Freund Kustos Ernst Kittl zu bewegen, seine viel- 
faltigen in diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen darzulegen. Ihm 
wird es vielleicht möglich sein, manches mir fraglich Gebliebene klar 
zu machen, Zweifel zu beseitigen und eine Fülle neuer Erkenntnisse 
beizubringen. Weiter hoffe ich, daß auch Alexander Bit tue rs, des 
leider so viel zu früh Dahingeschiedenen, Aufzeichnungen — er hat 
gewiß gar viele Wege auch in diesem Teile der Ostalpen durchmessen 
— von den dazu Berufenen werden hervorgesucht und veröffentlicht 
werden. Zweifellos würde sich auch in den D. Stur sehen Notiz- 
büchern viel des Interessanten finden und wäre eine Durchsicht der- 
selben besonders aus dem Grunde sehr erwünscht, weil man daraus 
entnehmen könnte, wo seine Kartenwerke (1860, 1894) auf tat- 
sächlich Beobachtetem und wo sie auf Annahmen und Kombinationen 
begründet sind. 

Es ist selbstverständlich, daß ich meine vorliegende Arbeit damit 
beginne, daß ich die auf das Blatt Mödling bezugnehmenden Arbeiten 
und Notizen, soweit sie veröffentlicht sind, zusammenstelle, und es 
scheint mir nicht unnütz, daß ich diese Literaturüberschau meinen 
Beschreibungen voranstelle, schon aus dem Grunde, weil der wissen- 
schaftlich Arbeitende die Arbeit der Vorgänger kennen und benützen 
soll, weil er dadurch erfahren kann, wo die eigene Arbeit einzusetzen 
hat. — Ich habe mich daher bemüht, bei den Berichten über Auf- 
nahmen im Felde eine kurze Angabe des Inhaltes zu geben. 

Herr Kustos E. Kittl hat sich bereit erklärt, sein karto- 
graphisches Material für die seinerzeitige Herstellung der Karte zur 
Verfügung zu stellen, die in diesem Falle unsere beiden Namen 
tragen wird. Ich habe bis nun nur meine eigenen Beobachtungen und 
Erfahrungen benutzt, um die Stur sehe Karte zu berichtigen. Als 
Grundlage für meine geplante geologische Karte habe ich die von 
G. F r e y t a g herausgegebene Touristenkarte der Umgebung von 
Mödling im Maßstabe von 1 : 25.000 gewählt, da sie, in der Schichten- 
linienmethode ausgeführt, für die Eintragung der Farben besonders 
wohlgeeignet erscheint. Zunächst stellte ich eine genaue Kopie der 
Stur sehen Originalkarte (1:25.000) her und trug Schritt für Schritt 
die Änderungen auf Grund meiner Wahrnehmungen ein. Hoffentlich wird 
es mir möglich sein, im Jahre 1905 alle jene Begehungen auszuführen, 
welche mir nach meinem bisherigen Beobachtungsnetze noch nötig 
erscheinen, um zu einem befriedigenden Abschlüsse zu gelangen. Dann 
wird sich auch — so hoffe ich — die Tektonik des interessanten 
Gebietes mit größerer Sicherheit entwickeln und auf tatsächliche 
Beobachtungen begründen lassen. 



[3] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 245 

I. Literaturübersicht, 

das auf der Karte zur Darstellung gebrachte Gebiet betreffend. 

1817. J. Sarenk. Geschichte und Topographie des landesfürstlichen Marktes 
Mödling und seiner Umgebungen. Wien 1817. Enthält (S. 169) ein Profil 
des Mineralbadbrunnens,, woraus hervorgeht, daß er hauptsächlich Tegel 
durchfährt. Das Vorkommen von Pecten-Sch&]en in der Tiefe wird angegeben. 

1831. R. J. Murchison. The Eastern Alps. Transact. of the London, geol. soc. 
2. Ser., III, PI. XXXV. Durchschnitt des Beckens von Wien, vorn Leitha- 
gebirge über den Eichkogel bis zum Alpenkalk (PI. XXXVI). 

1843. P. Partsch. Geognostische Karte des Beckens von Wien und der Gebirge, 
die dasselbe umgeben, oder erster Entwurf einer geognostischen Karte von 
Österreich unter der Enns mit Teilen von Steiermark, Ungarn, Böhmen, 
Mähren und Osterreich ob der Enns. Wien. Fol. 1843. 

Die „erläuternden Bemerkungen zur geognostischen Karte des Beckens 
von Wien und der umgebenden Gebirge" erschienen Wien 1844. 8°. Hof- und 
Staatsdruckerei. 
1846. G. Graf zu Münster. Über die in der Tertiärformation des Wiener Beckens 
vorkommenden Fischüberreste. 

Beitr. zur Petrefaktenkunde, VII, Bayreuth 1846, S. 1—31. 

Funde von Enzersdorf. 

1846. A. d'O r b i gn y. Foramiuiferes fossiles du bassin tertiaire de Vienne. Paris 1846. 

1847. Fr. v.Hauer. Petrefakten aus dem Alpenkalke am Südabhange des Anninger 
am Wege vom Eichkogelsattel zum Richardshof („Schuberthaus"). 

Haidingers Berichte, I, S. 34. 

Lithodendron, Crinoidenstielglieder, Terebratula, Ostrea in Blöcken 
„deuten unzweifelhaft auf Jurabildungen". Erste Mitteilung über das Rhät 
des Anningergebietes. — Rote Kalke. 

Die Fossilien gehören einer der tieferen Etagen der Juraformation 
(Unter-Oolith) an, die roten Kalke sind jünger. 

Haidingers Berichte, VI 1850, S. 20-22. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. I, 1850, S. 40. 

1847. M. Hoernes. Überblick über die fossilen Säugetiere des Wiener Beckens. 

Haidingers Berichte, I, 1847, S. 50—55. 

Erwähnt wird ein Zahn von Dinotherium von Enzersdorf bei Mödling 
(S. 52) und Zähne von Equits fossilis aus der Sulz bei Kaltenleutgeben (S. 53). 
Ersterer wurde von H. v. Meyer als Dinotherium gigantmm bestimmt. 

Leonhard und Bronn, Neues Jahrb. 1847, S. 578. 

1847. A. v. Morlot. Erläuterungen zur geologischen Übersichtskarte der nord- 
östlichen Alpen. Wien 1847. 

S. 80. Das Vorkommen von Süßwasserkalk am Eichkogel bei Mödling 
mit vielen „Land- und Süßwasserschnecken". 

S. 88 wird nach Boue erwähnt, daß der Wiener Sandstein bei Kalten- 
leutgeben „mit der Kohle" auf dem Kalke liege und durch Wechsellagerung 
in denselben übergehe. 

S. 92. Der Wiener Sandstein teils eocän, teils Grünsand, teils Lias-Trias. 

A. Boue hat (Haidingers Berichte, 1847, II, S. 466) gegen die 
Zusammenfassung so verschiedener Formationen im Wiener Sandstein 
energisch Stellung genommen und den Wiener Sandstein mit dem Gurnigler 
Sandsteine Studers in Parallele gestellt. 

Fr. v. Hauer hat (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. I, 1850, S. 48—51) 
Keuper, Neokom und Eocän im Wiener Sandstein vereinigt betrachtet. 

1847. A. E. Reuss. Die fossilen Polyparien des Wiener Beckens. 

Haidingers Abhandl., 1847, S. 1 — 109 mit 11 Tafeln. 
S. 4. Der Tegel von Brunn: Congerientegel. 

Ich finde kein einziges Fundstück aus unserem Kartengebiete ver- 
zeichnet. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 32 



246 Franz Toula. [4] 

1848. Semianovsky. Analyse des Mineralwassers zu Mödling. 
Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss., V, 1848. 

1848. V. Streffleur. Lagerungsverhältnisse des Sandsteines und Kalkes im 
Wienerwaldgebirge. 

Haidingers Berichte, III, 1848, S. 332-334. 

Die zwei Kalksteinzüge: Anninger— Schneeberg und Gaisberg— Klein- 
Mariazell. Der „Sand" (Sandstein) fällt unter den Kalk ein. Die Sandstein- 
rücken ziehen unter dem Kalksteine fort, sind davon nur „überkrustet". 

1849. J. Czjzek. Geognostische Karte der Umgebung von Wien. Wien 1849 
(1:96.000). 

Haidingers Berichte. III, 1848, S. 163—172. 

Mit 16 Ausscheidungen, darunter von stratigrapbischen Einheiten 
Diluvium, Süßwasserkalk, Geröll- und Sandlagen, Konglomerate, Leithakalk 
Sand- und Tegellagen mit Geröllschichten, Cerithienkalk und -Sandstein 
Tegel mit verhärteten Sandlagen, Alpenkalk, Wiener Sandstein. „Schwarz 
kohle im Wiener Sandstein." 

Erläuterungen zur geognostischen Karte der Umgebung von Wien mit 
7 Anhängen. Wien 1849. 104 Seiten und Verzeichnis der Fossilreste des 
Tertiärbeckens von Wien von M. Ho er n es, 43 Seiten. 

Von Fundorten unseres Gebietes werden angeführt : Brunn am Gebirge, 
Eichkogel und Maria-Enzersdorf bei Mödling. 

In den Erläuterungen wird S. 72 der Übergang der hangenden dolo- 
mitischen Kalke in dichte Kalke („mit unbestimmten Grenzen") in der Gegend 
von Mödling erwähnt. S. 74 wird das Vorkommen von schwarzen, weiß- 
aderigen Kalken von Weißenbach bei Mödling angeführt, von wo auch rote 
Breccienkalke erwähnt werden, sowie auch die „Rauchwacke" von Kalks- 
• bürg. Ihre „Entdolomitisierung" wird mit der Gipsbildung in einen Zusammen- 
hang gebracht (S. 75 und S. 91). Die Trias-(Lunzer-)Sandsteine mit Pflanzen - 
führung werden noch dem Wiener Sandsteine („Lias und Keuper") zugerechnet 
(S. 85), ebenso auch die Gosausandsteine von kretazischem Alter (S. 89), 
welche „manchmal vom Wiener Sandsteine nicht zu unterscheiden sind". 
Der rote Sandstein (Werfener Schiefer) desgleichen (S. 88); er enthält „zu- 
weilen wie jener in der Brühl Spuren von Steinsalz". 

1849. J. Czjzek. Über die Umgebung des Eichkogels bei Mödling. 
Haidingers Berichte, V, 1849, S. 183-188. 

Nulliporenkalk auf dem gegen den Maaberg führenden Weg. Auch 
Cerithienkalk und tertiäre Konglomerate; solche auch am Ausgange des 
Windtales; Dolomite des Maaberges. Ein Kalkofen, in dem bituminöse, 
dunkle Kalke vom Hundskogel gebrannt werden. 

1849. A.E. Reuss. Die fossilen Entomostraken des österreichischen Tertiärbeckens. 

Haidingers Abhandl., III, 1849, S. 41—92 mit 4 Tafeln. 

Abgebildet werden von Brunn: Cijtherina heterostegina (VIII, 23), 
C. setigera (IX, 1), Cypridina lacunosa (IX, 27), C. reniformis (IX, 29), C. 
folliculosa (IX, 33), C. brunnensis (X, 3), C. granifcra (X, 4), C. bituhcrcti- 
lata (X, 11). 

1849. A. E. Reuss. Neue Foraminiferen aus den Schichten des österreichischen 
Tertiärbeckens. 

Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss., I, 1849. 

1851. J. C z j z e k. Gipsbrüche in Niederösterreich und den angrenzenden Landesteilen. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1851, a, S. 27—31. 

An ein bestimmtes Gestein gebunden (oberes Glied des Bunten Sand- 
steines). In der Brühl bei Mödling (S. 28). Graue, dolomitische Kalke ragen 
in dem großen gemauerten Schachte zwischen Gips hervor. Westlich davon 
kommen graue und rötliche Sandsteine und gegen Weißenbach, zu beiden 
Seiten, schwarze bituminöse Kalke vor. 

1851. Fr. Foetterle. Über eine Höhle am NO-Abhange des Gaisberges, ober der 
Kirche von Kaltenleutgeben. Nahe dem Gipfel. 
Haidingers Berichte, VII, 1851, S. 186. 



[[>] Geol. Exkursionen im Gebiete des Licsing- und des Mödlingbaohos. 211 

1851. M. Hoernes. Die fossilen Mollusken des Tertiärbeckens von Wien. Fund- 
orteangaben. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. II, 1851, <I, S. 93. 

Brunn am Gebirge (S. 118). Ziegelei im Congerientegel (am Kröten- 
Pöllengrabenbache). 13 Arten werden genannt. Eichkogel (S. 122): Süß- 
wasserkalk über glimmerreichem Sand. 

1852. J. Czjzek. Aptychenschiefer in Niederösterreich. 

Jahrb. d. k. k. geol. K.-A. 1852, c, S. 1-7. 

Der Bergzug südlich von Kaltenleutgeben bis in die Nähe von Gicß- 
hübel enthält Lagen von weißem Aptychenkalk mit Hornstein, roten Crinoiden- 
kalken (Oxford) benachbart, welche über Wildegg und llohreck bis in die 
Nähe von Grub reichen und sich weiter gegen SW über Alland und Alten- 
markt verfolgen lassen. 

1852. J. Czjzek. Aufnahmsbericht. 

Jahrb. d. k. k. geol. K.-A. III, 1852, «, S. 90—99. 

1. Alpenkalkzug: Schneeberg — Hohe Wand (S. 95 ff ). 2. Zug: Anninger, 
Lindkogel, Schwarzkogel bei Mariazell (schwarze Kalke des Bunten Sand- 
steines, Dachsteinkalk, Lias- und Oxfordkalke, Liassandsteine. Gosau in 
kleinen Partien). 3. Zug: Mödling— Brühl, Eisernes Tor, Gutenstein. Dolomite, 
schwarze Kalke, „mitten durchgehender Bunter Sandstein". 4. Zug: Kalks- 
burg— Rodaun— Alland— Unterberg (Bunter Sandstein, schwarze Kalke, Muschel- 
kalk und Lias [Mergel, Kalke, kohlenführende Sandsteine], Oxford- und 
Crinoidenkalke [bei Gießhübe]]). 

(Man vgl. auch ebenda IV, S. 179 : Geologische Zusammensetzung der 
Kalkalpen zwischen Wien und Gutenstein.) 

1853. Fr. v. Hauer. Über die Gliederung der Trias-, Lias- und Juragebilde in 
den nordöstlichen Alpen. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. IV, 1853, S. 715-784. 

Die Züge des Werfener Schiefers (= Bunter Sandstein) werden ver- 
zeichnet. Der nördlichste ist der aus der Brühl bis Sparbach ziehende „Brühl— 
Windischgarstner Zug". Gutensteiner Kalk darüber. Bei Sittendorf von 
Gosau- und Tertiärschotter verdeckt. Dann folgt oberer Muschelkalk („Hall- 
stätter Kalk") und Wengener Schiefer, Dolomit, Dachsteinkalk mit den 
Starhemberg- und Kössener Schichten (früher als Unter-Oolith bezeichnet, 
nun zum unteren Lias gestellt), Grestener Schichten „nur nördlich vom 
Werfener Schieferzuge". Außerdem werden Hierlatz- und Adnether Schichten, 
Klausschichten und Aptychenschichten des Jura unterschieden. 

1854. K. Peters. Die Aptychen der österreichischen Neokomien- und oberen 
Juraschichten. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. V, 1854, S. 439—444. 

Die neokomen weißen und die jurassischen grauen Aptychenkalke 
werden bestimmt unterschieden. Aus unserem Gebiete werden keine Funde 
namhaft gemacht. 
1854. A. E. Re uss. Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichten in den Ostalpen. 

Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. VII, 1854. 

1854. Ed. Suess. Über die Brachiopoden der Kössener Schichten. 

Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. VII, 1854, 37 S. mit 4 Tafeln. 

1855. K. v. Hauer. Über die Kalksteine am Hundskogel in der hinteren Brühl. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1855, S. 157 und 202, 1858, S. 103. 
(„Gehören den Kössener Schichten an.") Analysen. 
1856—1870. M. Hoernes. Die fossilen Mollusken des Tertiärbeckens von Wien. 
Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. IV, 1856-1870, 2 Bde. 

1857. A. Bauer und P. Weselsky. Analyse der kürzlich aufgefundenen Mineral- 
quelle bei Gumpoldskirchen. 

Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. XXIII, 1857, S. 178. 

1858. F. Karr er. Eine geologische Skizze des Eichkogels bei Mödling. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. IX, 1858, Verhandl. S. 160. 

Über den Cerithienschichten eiue Lage Tegel mit Pflanzenresten, analog 
jenen des Pliocäns von Öningeu in der Schweiz (Phragmites oeningensis und 
(ilyptostrobus europaeus). 

32* 



248 Franz Toula. [6] 

Ausführliche Darstellung ebenda, X, 1859, S. 25-29. Mit 2 Profilen. 
Rolle habe im Siißwasserkalke Spuren eines kleinen Säugetieres gefunden. 
Glimmerreicher Sand überdeckt den Süßwasserkalk gegen West. Dasselbe 
müßte gegen N hin nach dem Profil 2 (N— S) auch für den Tegel und Sand 
der Congerienschichten angenommen werden (!). 

Man vgl. auch D. Stur: Flora des Süßwasserkalkes usw. (Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A. XVII, 1867, S. 99—100). Die pflanzenführende Schicht 
dürfte dem Kohlenletten von Moosbrunn entsprechen, der unter dem Siiß- 
wasserkalke liegt und damit teilweise wechsellagert. 
1859. A. Boue. Über die wahre geognostische Lage gewisser als Reibsand ge- 
brauchter dolomitischer Brecciensande. 

Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. XXXVII, 1859, S. 356—365. 

1859, K. M. Paul. Ein geologisches Profil aus dem Randgebirge des Wiener 
Beckens. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. X, 1859, S. 257—262 mit Profilen im 
Liesinggebiete und von der Hinterbrühl über den Hundskogel (Gutensteiner 
Kalk) und Gießhübel (Werfener Schiefer!). 

Der Zugberg bei Rodaun wird für Lias erklärt. Bei Kalksburg wird 
das Vorkommen von Cardinia angeführt. (Es ist dies wohl das Vorkommen 
gegenüber der Ausmündung des Gütenbachtales.) Im Kaltenleutgebener Tale 
wird die Überlagerung der „grauen Kalksteine" durch dünngeschichtete 
Aptychenkalke angeführt, (Es ist wohl das Vorkommen gleich oberhalb 
Rodaun am Eingange in den Öden Saugraben gemeint). Östlich davon wird 
eine Leithakalkbildung mit Gosaumergeleinschlüssen angeführt (Actaeonellen 
führend). 

1859. H. Wolf. Über eine Brunnengrabung in Perchtoldsdorf (Haus Nr. 255). 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. X, 1859, Verband]. S. 31-33. 
Diluvium (Löß), Congerienschichten mit Melanopsis Martiniana, Sande 
und Tegel der mediterranen Stufe mit vielen Fossilien. 

1860. K, M. Paul. Ein geologisches Profil durch den Anninger bei Baden im 
Randgebirge des Wiener Beckens. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XI, 1860, S. 12—16. 

Ein Profil vom Gießhübel nach Rauheneck bei Baden. Am Gießhübel 
Werfener Schiefer (Gosausandstein !), gegen Hinterbrühl darüber Guten- 
steiner Kalk, Hallstätter Kalk, Dolomit, brauner Liaskalk, Lithodendronkalk. 
Dieser soll im braunen Liaskalk mit Megalodon triqueter eingelagert sein. 
Ein unmögliches Idealprofil (S. 15). Das Vorkommen von Aonschiefern 
über dem Kalke wird nachgewiesen (S. 13). In diesen Schiefern fand der 
Autor kleine „schwarze Zeichnungen", in welchen er Reste von nackten 
Cephalopoden vermutete. 

1860. D. Stur. Geologische Karte der Umgebung von Wien. 

Wien, Artaria, 1860. 

Bemerkungen darüber. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XI, 1860, Ver- 
handl. S. 101—124. 

35 verschiedene Ausscheidungen gegen im ganzen 18 der Czjziek sehen 
Karte vom Jahre 1849. Der „ Alpenkalk'' erscheint in acht Stufen gegliedert: 
Werfener Schiefer, Gutensteiner Kalk, Aonschiefer und Hallstätter Kalk, 
unterer und oberer Liaskalk, gelber sandiger Kalk (brauner Jura), Klaus- 
schichten, Jura, neokomer Aptychenkalk mit Hornstein. 

1861. M. H. Michelin. Monographie des Clypeastres fossiles. 

M6m. soc. geol. de Fr., Paris 1861. 

Wichtig für die Bestimmung der Kalksburger Vorkommnisse. (Man 
vgl. auch G. Laube. Die Echinoiden der österreichisch-ungarischen oberen 
Tertiärablagerungen. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. V, 1871.) 
1861. A. Oppel. Über die Brachiopoden des unteren Lias. (Auch über jene des 
Hierlatzkalkes.) 

Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., 1861, S. 529-550 mit 4 Taf. 
1863. C. v. Et tings hause n. Die fossilen Algen des Wiener und des Karpathen- 
sandsteines. 

Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. XLVIII, 1863, mit 2 Tafeln. 



[7] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 249 

1863. Felix Karr er. Über die Lagerung der Tertiärschiebten am Rande des 
Wiener Beckens bei Mödling. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A, XIII, 1863, S. 30-32. 
Zwei Brunnenprofile. 

1863. Ed. Suess. Über die Verschiedenheit und die Aufeinanderfolge der tertiären 
Landfaunen in der Niederung von Wien. 

Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. W 7 iss. XLVII, 1863, 26 S. 
Gliederung in sechs Entwicklungsphasen des Gebietes, von der Zeit 
der Entstehung des Wiener Beckens, bis in das Diluvium. 

Drei Faunen : Mastodon angustidens — Mastodott longirostris — FAephas 
primigettitts. 

1863. Ed. Suess. Bericht über die Arbeiten der Wasserversorgungskommission 
im Gemeinderate der Stadt Wien. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XIII, 1863, S. 524-529. 

Handelt nur von den Tiefquellen. 83 verschiedene Beobachtungspunkte. 

1864. Ed. Suess. Bericht über die Erhebungen der Wasserversorgungskommission 
des Gemeinderates der Stadt Wien. 

Wi^n 1864, 295 S. mit 21 Karten und Plänen. 

Man vgl. auch Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1864, XIV, S. 417-435. 

Aus der Einleitung geht hervor, daß im November 1862 die Tief- 
quellen des Steinfeldes nächst Wr.-Neustadt in Aussicht genommen worden 
waren, nachdem schon 1861 (15. Oktober) ausgesprochen worden war, es 
sei „einem aus den Gebirgen herleitbaren Wasser jenem aus der Donau der 
Vorzug" zu geben. Ed. Suess wurde am 9. Oktober 1863 in die Kommission 
gewählt. Im Mai 1864 wurde der Bericht erstattet. Nur zwei Messungen der 
Ergiebigkeit des Kaiserbrunnens werden angeführt. (10. Okt. 1863 und April 
1864.) Jahrb. XIV, S. 422 wird angegeben, das Minimum der Kaiserbrunnen- 
ergiebigkeit sei niemals unter 650.000, jenes der Stixensteinerquelle unter 
500.000 Eimer herabgegangen. 8. 103 werden die Quellen zwischen Gumpolds- 
kirchen und Perchtoldsdorf erwähnt, sowie jene in der Hinterbrühl. S. 228 
findet sich die Bemerkung, daß die Messung der kleinen Quellen des Anninger 
gegen die Hinterbrühl eine Gesamtmenge von nur 8700 Eimer ergeben habe. 

1864. K. M. Paul. Ein Beitrag zur Kenntnis der tertiären Randbildungen des 
Wiener Beckens. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1864, XIV, S. 391—395. 
Aufschluß am Beckenrande an der goldenen Stiege bei Mödling: 
Dolomitgrus führender Tegel, Leithakalk und bläulicher Tegel über dem mit 
50° südwärts fallenden Dolomit. 

1864. D. Stur. Über die neogenen Ablagerungen im Gebiete der Mürz und Mur 
in Obersteiermark. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1864, XIV, S. 218-252. 

S. 243—245. Über das Gaadener Tertiärbecken. 

Zu unterst Tegel, darüber Schotter, die an den Rändern als Konglo- 
merate entwickelt sind. Im Schotter Gerolle mit Balanen und Austern (auf 
dem Wege nach Heiligenkreuz, sowie zwischen Gaaden und Sittendorf, auch 
Pecten solariutn und Pectunculus). Der Tegel sei Süßwassertegel, der Schotter 
marin. Verbindung des Beckens oder der Bucht von Gaaden mit der Wiener 
Bucht durch die Brühl. 

1864. K. Zittek Die Bivalven der Gosaugebilde in den nordöstlichen Alpen. 

Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. XXIV, 1864, XXV (1866). 

1865. M. V. Lipoid. Das Kohlengebiet in den nordöstlichen Alpen. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1865, XV, S. 1—164. 

Baue in der Umgebung von Baden. Lunzer Schichten im Tale der 
Liesing (S. 64—65). Fragliche Kohlenausbisse oberhalb des Kalksburger 
Jesuitenkollegiums (r. IL), im Wienergraben (1. IL), beim Schöny -Bauern- 
hause, wo auch Corbis Mellingi (Raibler Schichten) im Hangenden angefahren 
wurden, und oberhalb der Kaltenleutgebener Kirche. 
1867. E. Schwarz. Chemische Analyse des Mineralwassers in Mödling. 

Sitzungsber. d. Wiener Ak. d. Wiss. LV, 1867, 2. Abt. 



250 Franz Toula. [8] 

1868. Th. Fuchs. Terebratula gregaria Suess bei Kalksburg. 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1868, S. 170. 

Im dritten auf der linken Seite des Kalksburger Tales gelegenen Kalk- 
bruche (muß wohl heißen rechten Seite) eine Mergelbank mit Terebratula 
gregaria, Mytilus etc. über Lithodendronkalk. 

1868. Fr. v. Hauer. Geologische Übersichtskarte der österreichischen Monarchie. 
Bl. VI. Östliche Alpenländer. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XVIII, 1868, S. 1 ff. 
1863. F. Karr er. Über die Tertiärbildungen in der Bucht von Perchtoldsdorf 
bei Wien. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1868, XVIII, S. 569—584. Mit einer bild- 
lichen Darstellung der Bucht. Genaue Angabe des Aufschlusses in den Kon- 
glomeraten mit den „abgescheuerten Actaeonellen". GaiD.fab.rner Mergel und 
Tegel darüber. Brunnenprofile. Fosailienlisten. 

Man vgl. auch 1. c. S. 273—276 über das Verhältnis der Congerien- 
schichten zur sarmatischen Stufe bei Liesing. 

1869. Th. Fuchs. Der Steinbruch im marinen Konglomerat bei Kalksburg und 
seine Fauna. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1869, XIX, S. 189-195. Mit einer Profil- 
darstellung dieses nun zur Hälfte verbauten hochinteressanten Aufschlusses, 
welcher zu jenen Punkten gehören würde, deren Erhaltung staatlich ge- 
schützt werden sollte. 

Berühmte Fundstelle von Clypeaster Partschi, Cl. altus, Scutella Vindo- 
bonensis etc., zahlreicher Muscheln und Schnecken, Treibholz mit Bohr- 
wurmgängen, Coniferenzapfen in Abformungen usw. 

1870. Th. Fuchs. Über ein neuartiges Vorkommen von Congerienschichten bei 
Gumpoldskirchen. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1870, XX, S. 128—130. Mit Profildarstellung: 
Eichkogel— Richardshof bis zum Baytal. 

Steinbruch in feinkörnigem Konglomerat auf der Terrasse nahe dem 
Rande gegen das Baytal mit Congeria und Melanopsis Martiniana etc. 
Dieses fällt daher den Congerienschichten zu, welche somit zuhöchst auf die 
Tertiärterrasse hinaufreichen. Näher dem Rande dieser schönen Terrasse 
fand H. Wolf (schon 1860) in Spalten des ,.Dolomits" (es sind Lithoden- 
dronkalke) Steinkerne, welche später von D. Stur als Congerien erkannt 
worden sind. 
1870. Th. Fuchs. Geologische Untersuchungen im Tertiärbecken von Wien. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1870, S. 250-254. 

In einer Ziegelgrube bei Brunn Congeria Partschi und C. triangularis 
über Congeria subglobosa und C. spathulata (S. 252). Terrainbewegungen 
brachten bei Perchtoldsdorf mergelige Schichten des Leithakonglomerats 
über Diluvialschichten (S. 253). 

1870. F. Karr er. Brunnen in der sarmatischen Stufe in Brunn am Walde bei 
Mödliug. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XX, 1870, S. 137-139. 
Wasserführung der sarmatischen Stufe. 

1871. D. Stur. Geologie der Steiermark. 

Graz 1871. 

Enthält manche auf unser Gebiet bezügliche Stellen. 

S. 217. Im großen Waldmühlesteinbruch am linken Ufer des Kalten- 
leutgebener Tales Muschelkalk, Brachiopoden und Entrochiten. Am rechten 
Ufer (oberhalb der Waldmühle) knotig höckerige Kalke und Tonmergel mit 
Ann». Shideri, Spirifetina Mentzelii, Terebratula vulgaris, Rhynchonella cf. 
semiplecta, Entrochus cf. liliifonnis etc. („Reiflinger Kalk"), darüber Lunzer 
Sandstein. 

S. 235. „Wengener Schiefer" in der Hinterbrübl. 

S. 284. Opponitzer Kalk, Äquivalente im Dolomit des Zugbergstein- 
bruches mit Mergelzwischenlagen. 

S. 385 — 387. Dachsteinkalk und Kössener Schichten bei Gumpolds- 
kirchen. „Der fast gänzliche Mangel des Anningers an Aufschlüssen liißt 



|ll| Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 251 

eine genaue Untersuchung der Beschaffenheit der Kössener Schichten nicht 
zu, auch nicht einmal die Schützling der Mächtigkeit derselben. Dennoch 
dürften die Kössener Schichten des Anningers eine Mächtigkeit von 200—300 
Vuß besitzen." 

S. 388. Aufschluß der Kössener Schichten im Kaltenleutgebener Tale 
südlich vom Zugberge, hoch oben am Hange und bei einer Quellfassung. 
Auch Lithodendronkalk daselbst. Fossilienverzeichnis. Am Wege zu der 
Lokalität „im Öden Saugraben". (Gumpoldskirchen— Anninger, S. 39(i.) 

1871. Fr. Toula. Beiträge zur Kenntnis des Randgebirges der Wiener Bucht bei 
Kalksburg und Rodaun. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XXI, 1871, S. 437—450. 

Aufschlüsse im Tale der reichen Liesing bei Kalksburg beim Jesuiten- 
garten: Grestener Schichten: Cardinia Listen, Pecten «ctfttalis, Ostrea rugata. 
Gryphaea arcuata und Amm. sp. — Zone der Avicula contorta damit un- 
mittelbar verbunden (7 Artet), keine Brachionoden). 

Aufschluß weiter oberhalb (stimmt mit jenem von Th. Fuchs [1868] 
irrtümlichei weise auf das linke Ufer verlegtem Aufschlüsse überein). Neu war 
hier der Nachweis des Vorkommens von Mergeln mit Baetryllium striölatum 
(zuerst von Gouvers aufgefunden.) — Die Aufschlüsse iin Kaltenleutgebener 
Tale (dürre Liesing). Zone der Avicula contorta: Bei der Quellfassung vor 
dem oberen Steinbruche (Klauslokalität „im Öden Saugraben" ; dieser Name 
ist unrichtig aber gebräuchlich). 17 verschiedene Arten. Das Klausvorkommen 
mittlerer Dogger (Zone des Ammonites fuscus) ist auf eine wenig mächtige 
Schicht eines dunkelrot gefärbten, zum Teil groboolithischen Kalkes be- 
schränkt, der zwischen dem oberen Rhät und den Jurahornsteinkalken mit 
Aptychen eingeklemmt erscheint. 

Im Rhät viele Versteinerungen, 11 Arten, auch Brachiopoden. — 
Oberhalb des großen Steinbruches (am linken Ufer, gegenüber der Wald- 
mühle) im Wienergraben auf alten Halden (man vgl. Lipoid [1865]), 
Mergel mit Corbis Mellingi, Plagiostoma, Pecten, Myophoria („Raibler 
Schichten" = oberer Muschelkalk). Im Flösselgraben am Abhänge des 
kleinen Flössel wurden auf einer alten Halde in dunklem Schieferton 
Eqaisetum sp. und Pterophyllum longifolium gefunden (L.unzer Sandstein). 

1872. Fr. v. Hauer. Übersicht der Formations- und Zonennamen. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1872, XXII, S. 150 ff. 

1873. A. Boue*. Über die dolomitische Breccie der Alpen und besonders über die 
zu Gainfahrn in Niederösterreich. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1873, S. 316. 

Zweierlei Breccien, jene des Hauptdolomits und eine hauptsächlich 
daraus entstandene des Leithakalkniveaus. 
1873. C. W. G ü m b e 1. Mikroskopische Untersuchung alpiner Triaskalke und Dolomite. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1873, S. 141 — 144. 

Recoarokalk mit Spirifer Mentzeli vom großen Steinbruch bei der 
Waldmühle im Kaltenleutgebener Tale (3. 142). Zahlreiche Ostracoden, 
kleine Schnecken, Crinoidenstielglieder (Dadocrinus gracüis ähnlich). 

Reiflinger Kalk mit Amm. Studeri vom Kaltenleutgebener Graben 
(S. 142). Eine wahre Lumachelle von kleinen Muschelschalen und Foramini- 
feren, einzelne große Ostracoden etc. 
1873. F. Karr er. Ein geologisches Profil aus der Bucht von Berchtoldsdorf. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XXIII, 1873, S. 117-132. 

Hauptsächlich Brunnenprofile (117—129). Steinbrüche im Leitha- 
konglomerat über dem dolomitischen Grundgebirge. 
1873. D. Stur. Neogenpetrefakten aus dem neuen Steinbruche in Kalksburg. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1873, S. 91. 

20 verschiedene Arten. Es ist offenbar der weiter abwärts gelegene 
Aufschluß gemeint. 

Aus diesem Steinbruche stammen auch Fossilreste, welche von J. W i e s- 
baur besprochen worden sind. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1874, S. 157—165. 

Von Pflanzenresten ein über 2 m langer Stamm mit Teredo („die 
Palme von Kalksburg" [!]), verschiedene Früchte. Von tierischen Resten ver- 
schiedene Zähne, Knochen und Schaltierreste. 



252 Franz Toula. [10] 

1873. E. Suess. Die Erdbeben Niederösterreichs. 

Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. XXXIII, 1873. 
1873. E. Tietze. Über ein neues Gipsvorkommen am Randgebirge des Wiener 
Beckens. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1873, S. 184—185. 
Gipsvorkommen am Gießhübe] an der Straße von Brunn nach Hoch- 
leiten. Löß, Gosausandstein, grüne Konglomerate, Kalk, Dolomit, Rauch- 
wacke (Trias). In 10 Klafter Tiefe beginnt der Gips. Werfener Schiefer? 
1875. R. Hoernes. Zur Leithakalkfrage. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1875, XXV, S. 7-17. 
Behandelt besonders die Leithakalkvorkommnisse am Hange des Eich- 
kogels gegen Möllersdorf. Zungenförmiges Hineinragen in den mediterranenTegel. 
1875. F. Neminar. Über die Entstehungsweise der Zellenkalke und verwandter 
Gebilde. 

Tschermaks Mineralog. Mitteil. (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1875), 
S. 251—282. 

Zellenkalk- („Rauchwacke"-)Bildungen von Kalksburg und Kaltenleut- 
geben (S. 252-266). 

1875. Fr. Toula. Aufschlüsse in den Schichten mit Congeria spathulata und 
Cardinm plicatum (sarmatische Stufe) am Westabhange des Eichkogels 
zwischen Mödling und Gumpoldskirchen. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1875, XXV, S. 1-7. 

1876. G. Haberland t. Über Testudo praeceps, die erste fossile Landschildkröte 
des Wiener Beckens. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XXVI, 1876, S. 243—248 mit Taf. 
Aus dem oberen alten Kalksburger Steinbruche im Leithakonglomerat. 
Eine hochgewölbte neue Art. 

(Man vgl. auch Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1875, S. 288 und 289.) 

1877. Th. Fuchs. Geologische Übersicht der jüngeren Tertiärbildungen des Wiener 
Beckens etc. 

Führer zu den Exkursionen der Deutschen geol. Ges. Wien 1877, 
S. 39—120, mit ausführlicher Literaturzusammenstellung. 

Man vgl. auch die Darstellung: Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, 
S. 653 ff. 

1877. F. Karr er. Geologie der Kaiser Franz Josefs - Hochquellenwasserleitung. 

Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. IX, 1877, 420 S., Fol., mit 20 Tafeln 
und Karten und vielen Tabellen. Ausführliches Literaturverzeichnis. 

Das Randgebiet zwischen Gumpoldskirchen und Liesing behandeln 
die Kapitel XI— XIV, S. 230-307. 

Am Randgebirge bei Gumpoldskirchen (S. 247) viele Rhätfossilien, 
Rhät und Jura (mit Belemniten) im Bay- und Buttergraben. 

Am Maaberg (Frauenstein) marine Konglomerate. Maaberg und Jeny- 
berg Dolomite und dolomitische Kalke des Rhät. 

Mödlinger Mineralquelle (S. 271 u. 272) mit Analysen. 

Der dolomitische Kalk am Hirschkogel bei Maria-Enzersdorf repräsentiert 
„eventuell Gutensteiuer Schichten". 

Alle beim Bau der Wasserleitung vorgenommenen Aufgrabungen wurden 
geologisch koloriert zur Darstellung gebracht. 

(Man vgl. auch F. Karr er im: P'ührer für die Exkursionen der 
Deutschen geol. Ges. Wien 1877, S. 25-27.) 
1879. F. Kunz. Eine Studie über Mauer bei Wien. 

Jahrb. d. Österr. Touristenklubs 1879, S. 143. (Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1879, S. 153.) 

Fossile Knochen aus dem Win kl er sehen Steinbruch in Perchtolds- 
dorf und aus dem Sarmat zwischen Liesing und dem Rosenhügel. 
1 879. Fr. Toula. Kleine Beiträge zur Kenntnis des Randgebirges der Wiener Bucht. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1879, S. 275—280. 

Fund von Pecten cf. Margher itae v. Hauer im Steinbruche oberhalb der 
Waldmühle. Am rechten Ufer des Zaintalgrabens, also etwas unterhalb des 
Kalksteinbruches, wird in mergeligen Schiefern das Vorkommen von Halobien 



[11] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 253 

und Bactryllien nachgewiesen. Weiden mit den Wengener Schichten der 
Ilinterbrühl in nahe Verbindung gebracht, da auch hier die Lunzer Sand- 
steine darüber folgen. Das Vorkommen eines Kohlenschmitzchens in den 
Lunzer Sandsteinen der Hinterbrühl wird angeführt. Im oberen Teile von 
Kaltenleiitgeben wird am rechten Ufer beim obersten Kalkofen das Auf- 
treten von älteren uutertriadiscken mergeligen Kalken beschrieben. In dein 
Rhät oberhalb Kalksburg ist auch die echte schwäbische Fazies der Kössener 
Schichten nachgewiesen worden. 

1882. Alex, ßittner. Die geologischen Verhältnisse von Hernstein in Nieder- 
österreich und der weiteren Umgebung. Mit einer geologischen Karte und 
geologischen Profilen. 

Wien 1882. 309 Seiten. Man vgl. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1882, 
S. 319-322. 

Die geologische Karte reicht bis Heiligenkreuz, Gaaden und den 
Richardshof und somit in unser Gebiet. Bietet die trefflichste allgemeine 
Orientierung über die Gliederung der mesozoischen Formationen der Nord- 
ostalpen. 

S. 49. Der Brühl— Windischgarstner Zug des Werfener Schiefers. 

S. 192. Rhät des Anningers. 
1882. Fr. Toula. Kleine Exkursionsergebnisse. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1882, S. 191 — 198. 

Das Vorkommen von Orbitolinenschichten in der Nähe von Wien 
(S. 194—196). Breccienkalk (Findlingsblock) am Waldesraude der großen 
Wiese oberhalb des Gasthofes „Zu den zwei Raben" in der Brühl mit 
Orbitolina concava. In den Breccienkalken südwestlich von Perchtoldsdorf 
gegen Hochleiten vergebens gesucht. 

Hierlatzschichten am Nordostabhange des Anningers. Block mit 13 
verschiedenen Formen südwestlich vom Richardshof (Brachiopoden ; haupt- 
sächlich Bhynchonella, Spiriferina, Waldheimia). 

1884. V. Uhlig. Neue Einsendungen aus den Kalkalpen zwischen Mödling und 
Kaltenleutgeben. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1884, S. 346—349. 

E. Eben führ er s Funde vom Johannesstein bei Sparbach: Crinoiden- 
kalke (Hierlatzkalke : Belemnites, Terebratula, Waldheimia, Spiriferina). 

Rote ammonitenführende mergelige Neokomkalke neben Crinoiden- 
kalken am Nackten Sattel oberhalb Gießhübel (Lytoceras, Haploceras, Hoplites, 
Crioceras Quenstedti, Aptychus). Rote Hornsteine. Aptyckenkalke neben grauen 
muschelig brechenden Kalken gegen den Höllenstein zu. — Bei der Zement- 
fabrik Aptychus, ähnlich Aptychus Seranouis oder Apt. noricus. — Beim 
Wassergesprenge gleichfalls Aptychen. 
1S84. M. Vacek. Über einen Unterkiefer von Aceratherium cf. minututn Kaup. 
aus den Congerienschichten von Brunn am Gebirge. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1884, S. 356—358. 

Gefunden von E. Ebenführer (Lehrer in Gumpoldskirchen) im 
Karnerschen Steinbruche bei Brunn, „1 lern von der Kirche", wo über dem 
Sarmat noch ein Rest von Congerienschichten aufliegt. (Eine genaue Profil- 
angabe Ebenführers.) Stammt aus einem kleinkörnigen Konglomerat mit 
Congeria triangularis und Melanopsis. 

1886. Fr. Toula. Mittelneokom am Nordabhauge des großen Flösselberges bei 
Kaltenleutgeben. Vom Flösselgraben aus zu erreichen. Graue, schiefrige 
Fleckenmergel mit Hoplites cryptocei-as, H. neocomiensis, Crioceras Duvali, 
Olcostephamis Astierianus, Lytoceras, Baculina und Aptychus. 

1887. E. Kittl. Der geologische Bau der Umgebung von Wien. 

Österr. Touristenzeitung 1887, Nr. 21, S. 241—246. 
Diese Abhandlung brachte das anschauliche Bild der Meeresbedeckuug 
des „Wiener Beckens". (Man vgl. das Ref. E. Tietzes [Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1887, S. 332].) 
1890. AI. Bittner. Über die Brachiopoden der alpinen Trias. 

Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. XIV, 325 S. mit 41 Taf. 
Wichtiges Bestimmungswerk. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 33 



254 Franz Tonla. [12] 

1890. E. Kittl. Über die miociinen Ablagerungen der Bucht von Gaaden. 

Ann. des k. k. naturh. Hofmus. IV, 4, 1890, 3 S. 

In dem von Obergaaden gegen Süden führenden Hohlwege hellgefärbte 
Sande und Mergel mit reicher Fossilienführung: Dentalium Badense, Ancil- 
laria glandiformis, Turrüella Archimedis, T. turris, Trochus patulus, Natica 
millepunctata, Solenomya Doderleini, Venus, Area, Cardita, Cytherea, 
Lucina, Pecten aduneus, Nueula Mayeri, Ostrea, Anomia. Erinnert 
an die sublitoralen Ablagerungen des Wiener Beckens. An dem von Siegen- 
feld gegen Heiligenkreuz hinziehenden Waldrande typischer Leithakalk mit 
Lithotkamnien und Amphistegiuen, großen Austern und Pecten. In einer 
dünnen Mergelbank Perna Soldanii, Pecten aduneus, P. Bessert, P. substriatus, 
Ostrea lamellosa, Balanen. Auch Ostrea crassissima. Ähnlichkeit der Fauna 
mit jener der Horner Schichten. 

Sicheren mioeänen Süßwassertegel (Sturs Angabe) hat Kittl nicht 
gefunden. Die Tegel zwischen Obergaaden und Sittendorf scheinen ihm viel 
jünger zu sein. Die Breccien am Westfuße des Anningers „mögen post- 
mioeän sein". 

1893. AI. Bittner. Partnachschichten mit Koninckina Leonhardi im Tale von 
Kaltenleutgeben nächst Wien. 

Verhandl. d. k. k geol. R.-A. 1893, S. 161—164. 

In den Bactryllien-Halobienmergelu oberhalb der Waldmühle (F. Toula 
1879, Bittner 1886). Über dem Reiflingerkalke. Vorkommen von Turbo 
rectecostatus, Naticella (?) costata und Myacites (?) fassaensis am südlichen 
Übergange nach Weißenbach in gelblichgrauem, sandigglimmerigem Werfener 
Schiefer. 

1894. F. Karr er. Geologische Studien in den tertiären und jüngeren Bildungen 
des Wiener Beckens. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1893, S. 377—381. 

Der Bahneinschnitt der elektrischen Eisenbahn in Mödling vor der 
Station „Klausen". Tegel und Lithothamnienkalk in einer gebogenen und 
vielfach gebrochenen zungenförmigen Einlagerung, die gegen Osten auskeilt. 
Mehrere „Schnüre von Bergmilch" übereinander. 
1894. ü. Stur. Geologische Spezialkarte der Umgebung von Wien. 

Wien 1894 (k. k. geol. R.-A.). 6 Blätter (Kol. XIV, XV, XVI, Zone 
12, 13). 1:75.000. Mit Erklärungen. 59 S. 

Mit den St urschen Manuskript-Originalkarten (1 : 25.000) im Karten- 
archiv der k. k. geol. R.-A. an vielen Punkten nicht vollkommen überein- 
stimmend. 
1897. A. Bittner. Über die Auffindung der Fauna des Reichenhaller Kalkes im 
Gutensteiner Kalke bei Gutenstein. 

Verband], d. k. k. geol. R.-A. 1897, S. 201 und 202. 

Erwähnt auch die Toulaschen Funde „der ärmlichen Reichenhaller 
Kalke", der Schichten mit Natica Stanensis Pichler am Liechtenstein bei Mödling. 
1897. A. Bittner. Über das Vorkommen kretazischer Ablagerungen mit Orbi- 
tolina coneava Lam. bei Lilienfeld in Niederösterreich. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1897, S. 216—219. 

Beziehung zu dem von Toula in der Brühl gemachten Funde (1882). 
Gleichfalls in einer dolomitischen Breccie. Erwähnung des weiteren Vor- 
kommens zwischen Alland und Groisbach im Schwechatgebiete. 

In den Verband], d. k. k. geol. R.-A. 1899, S. 253—255 wird (S. 254—255) 
dasVorkommen von „Gosauorbitulitensandstein" nördlich vonSittendorf (Sturs 
geologische Karte 1894) behandelt. Die Einzeichnung Sturs sei irrig, dagegen 
fand Bittner nördlich davon am Feldwege anstehende Ohitolinengesteine. 
Westlich davon Lithodendronkalk (Rhät). Auch östlich von der Wildeggcr 
Schluchtausmündung treten bunte Orbitolinengesteine auf. 
1897. AI. Bittner. Über die stratigraphische Stellung des Lunzer Sandsteines in 
der Triasformation. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1897, S. 429—454. 

Vergleichende Tabelle mit der Gliederung der Trias in den Nord- 
und Südalpen (S. 446 und 447). Aonschiefer und Lunzer Schichten = Letten- 
keuper = Kaibier Schichten, der hangende Ostreenkalk („Raibler Schichten") 
entspricht mit dein Opponitzer Kalke dem Gipskeuper. 



[13] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödliugbaches. 255 

1897. Franz Toula. Bemerkungen über den Lias der Umgebung von Wien. 

Neues Jahrb. f. Min. etc. 1897, I, S. 216—218 (Verband], d. k. k. 
geol. R.-A. 1897, 8. 197). 

Vorkommen der Planqrbis-Schiohten. bei Kalksburg in dem mehrfach 
erwähnten Aufschluß hinter dem Jesuitengarten. Aegoceras (Psiloceras") 
Johnstoni neben Cardinia depressa etc. Auch Pentacrinus cf. psilonoti. 

1898. K. M. Paul. Der Wiener Wald. 

Ein Beitrag zur Kenntnis der nordalpinen Flyschbildungen. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1898, S. 53—178 mit Karte (1:200.000) 
und 4 Tafeln. 

1899. Th. Fuchs. Der Gießhübler Sandstein und die Flyschgrenze bei Wien. 

Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. CVIII, 1899, S. 612—616. 

Die beim Wassergesprenge auftretenden mergeligen Sandsteine und 
Mergelkalke mit schiefrigen weichen Zwischenmitteln mit Fucoiden, Helmin- 
thoiden und Hieroglyphen müssen dem Flysch zugezählt werden und wahr- 
scheinlich auch die ganze Masse des Gießhübler Sandsteines. Die Konglomerate 
würden die Strandkonglomerate des Flyschmeeres darstellen. Der Rand der 
Kalkalpenzone dürfte erst südlich davon liegen. Die Kalksteinzone Rodaun— 
Hainfeld stellt einen Klippeuzug dar. Eine Klippe an der Straße von der 
Weißenbacher Kirche nach Gießhübel umhüllt von Konglomeraten und 
Breccien. 

1900. A. B i 1 1 n e r. Die Grenze zwischen der Flyschzone und den Kalkalpen bei Wien. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1900, S. 51—58. 

Kritik der Th. Fuchs sehen Annahmen (1899). Die früher stets an- 
genommene Flyschgrenze bleibt bestehen. Der äußerste Kalkalpenzug besitzt 
gar nichts Klippenartiges, er ist ein integrierender Teil der Kalkalpen. 

1900. M. Vacek. Über einige Säugetierreste vom Eichkogel bei Mödling. 

Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1900, S. 189—191. 

Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1900, S. 169—186 mit 2 Taf. 

Fundort auf der westlichen Seite des Eichkogel s. Aus einem unreinen 
Tegel der Congerienstufe über Sarmat. 

Mastodon Pentelici, Dinotherium laevius, Aceratherium Goldfussi, Hip- 
parion gracile, Hystrix primigenia, HeIladotherium(?), Tragoceras (?). 

1901. AI. Bittner (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1901, S. 153 — 168) hat darauf 
aufmerksam gemacht, daß die Transversalstörung von Lilienfeld, die sich in 
der Richtung auf Schwarzau fortsetzt, durch Gosauablagerungen maskiert 
und daß auch das Cenoman mit Orbitolina coneava an diese Transversal- 
linie gebunden sei. Die Taltiefe von Lilienfeld sei zwischen zwei parallelen 
Querbrüchen eingesenkt (Vergleich mit der östlichen Fortsetzung). 

1901. A. Grund: Die Veränderungen der Topographie im Wienerwalde und 
Wipnpr "Rpokpn 

A. Penc'ks Geogr. Abhandl., VIII, 1, 1901, 240 S. mit 20 Textillustr. 

Enthält (S. 7—37) eine Darstellung über „Bau und Oberflächenform", 
hauptsächlich gestützt auf Darstellungen Bittners, doch werden auch 
Th. Fuchs, Geyer, Karrer, Stur, Suess und andere benutzt. Die 
Strandlinie des mioeänen Meeres am Alpenrande „läßt sich heute noch 
in Höhen von 350 bis über 400 m nachweisen". 

1904. Fr. Toula. Über eine neue Krabbe (Cancer Bittneri n. sp.) aus dem mioeänen 
Sandstein von Kalksburg bei Wien. 

Jahrb. d. k. Je. geol. R.-A. 1904.. S. 161-168. 

1905. P. Stepb. Richarz S. V. D. Die Neokombildungen bei Kaltenleutgeben. 

Jahrb. d. k. k. geol. R-A. LIV, 1904, 3. Heft (1905), S. 343-358 
mit Kartenskizze im Texte (S. 355) und 1 Taf. 

Fossilien aus dem Steinbruche I. am Großen Flössel, II. von der Wald- 
mühle. Auch die Aufsammlungen von F. Toula (Samml. d. k. k. techn. 
Hochschule Wien) und von E. Kittl (k. k. naturh. Hofmuseum Wien, geol.- 
paläont. Abtlg.) standen zur Verfügung. 

I. Phylloceras Thetys d'Orb., Lytoceras subfimbriatum d'Orb., Schloen- 
bachia Kittli n. sp., Rolcostephanus (Astieria) Astieri d'Orb., H. (Ast.) Sayni 
KU., H. Jeannoti d'Orb., H. incertus d'Orb., Hoplites neocomiensis d'Orb., 
Hopl. angidicostatus d'Orb., Crioceras Quenstedti Ooster, Crioc. Duvulii Ldv., 
Cr. cf. Kiliani Simionescu, Aptychns Didayi Coq., Apt. Seranonis Coq , Belem- 

33* 



256 Franz Toula. [U] 

nites sp., Rhynchonella sp., Pycnodns Couloni Ag. — Hopl. neocomiensis ist 
eine Valangform, Holcost. Jeannoti ist aus der Grenzregion von Valang und 
Hauterive bekannt. Alle übrigen Formen sprechen für die Hauterivestufe 
oder sind indifferent. Hopl. neocomiensis ist nur nach „schlecht erhaltenem 
Material" beiläufig bestimmt (S. 346). Auch Holcost. Jeannoti zeigt „einzelne 
bedeutende Unterschiede" (S. 345). 

II. Phylloceras infundibulum d'Orb, Lytoceras subfimbriatum d'Orb., 
Hopl. angulicostatus d' Orb., Crioceras Emmerici L4v., Cr. (Ancyloceras) Tabarelli 
Ast. und Desmoceras cf. cassidoides Uhl., Belemnites (Duvalia). Vier Arten 
sind aus der Barremestufe bekannt. In der ersten Fauna fehlt Hoplites 
cryptoceras meiner ersten Funde (1886 nach Uhligs Bestimmung „in 
mehreren gut bestimmbaren Exemplaren"). Auch ein großes Exemplar aus 
der Gruppe des Lytoceras subfimbriatum fand sich unter meinen Fundstücken 
vom Steinbruche am Großen Flössel. — Die Darstellung der Lagerungsver- 
hältnisse (Profil S. 353) ist vielfach hypothetisch. Auch die Karte zeigt, daß 
der Autor das Gebiet etwas zu wenig begangen hat, er hätte sonst die 
östliche Fortsetzung am Nordhange des Bierhäuselberges gefunden. Eine 
zusammenhängende Zone von Hierlatzkalken, wie sie der Autor auf seiner 
Karte darstellt, ist nicht nachgewiesen; da stimmt der Text „fast ununter- 
brochen" (S. 354) schon etwas besser. Auch für die Kössener Schichten ist 
ein „lückenloser Zug" noch nicht nachgewiesen, wie schon ein Blick auf des 
Autors Karte erkennen läßt. Das Hinweggehen des Neokom „über Lunzer 
Sandstein und Reiflinger Kalk" bei der Waldmühle ist gleichfalls eine bloße 
Annahme. Daß von der Ruine Kammerstein ,, weiter" nur noch Tithou zu 
finden sei, desgleichen. Auf das Vorkommen des Neokom auf der linken 
Talseite habe ich im Gespräche den Herrn Autor aufmerksam gemacht, dem 
es zur Zeit der Besprechung noch nicht bekannt war. Auf die Spekulationen, 
ob „Grabenversenkung", ob „Transgression" anzunehmen sei (für die letztere 
Annahme glaubt der Autor vollständig zuverlässige Beweise anführen zu 
können), jetzt schon einzugeben, scheint mir verfrüht. Die Kartenskizze läßt 
zu viel zu wünschen übrig. Den Hauptbeweis, eine Klippe von Kössener 
Schichten im Neokom, auf der Linie: Kleiner Flössel (491 m)— Kammerstein 
(15 hm) hat der Autor in die Skizze einzuzeichnen vergessen. Wie gerade diese 
Klippe zeigen soll, „daß die Trias auch unter dem Neokom regelmäßig 
fortstreicht", ist unerfindlich. Daß das Neokom nicht in der Luft hängen kann, 
sondern auf älterem Gebirge aufliegen wird, ist ja auch ohne diese Klippe klar. 

Die Phantasie des Autors ist eine etwas zu rege, er sieht förmlich 
alle Phasen. Man kann sich sehr verschiedene Arten des Vorganges denken, 
aber niederschreiben sollte man es doch erst, wenn man ausreichende 
Erkenntnisse zur Verfügung hat. Von Antiklinalen zum Beispiel soll man 
wohl erst sprechen, wenn man ihr Vorhandensein nachgewiesen hat. 
1905. H. Hassinger. Geomorphologische Studien aus dem inneralpinen Wiener 
Becken und seinem Randgebirge. 

A. Pencks Geogr. Abhandl., VIII. 3, 1905, 205 S. mit 11 Textillustr. 
und 1 Taf. 

Die Strand- und Uferlinien an den Rändern der Wiener Bucht. 

Viele Literaturangaben. Das inneralpine Wiener Becken (S. 74 — 193). 
Angaben über vermutete frühere Bachläufe quer über die Kammlinien; zum 
Beispiel (S. 115) jene über eine Einmündung des Kaltenleutgebener Baches 
in die Reiche Liesing bei Kalksburg erscheint' recht fraglich. Wenn es 
(S. 124) heißt, „zwischen dem Kirchberg (Kalenderberg) und dem Hunds- 
kogel . . . sind die Gosauschichten fast ganz ausgeräumt und der Werfener 
Schiefer tritt zutage", so dürfte zum Teil wenigstens ein Mißverständnis 
vorliegen, da hier, im östlichen Teile, kaum jemals Gosaubildungen sich 
befunden haben. Die Bi übler Linie wird als „voi kretazisch bezeichnet; es 
ist dies einer der kühnen Aussprüche, an welchen die große Arbeit reich 
sein dürfte, wie eine flüchtige Durchsicht vermuten läßt. Die Klause wird 
(S. 128) als ein „Anzapfungsdurchbruch'' bezeichnet; „anders würde sich 
die Talklanim . . . kaum erklären lassen". (S. 146 wird dies als Erkenntnis 
ausgesprochen.) Bedauerlich ist auf jeden Fall der Abgang kartographischer 
Beilagen und die zehnfach überhöhte Darstellung der Profile. 



[15] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 257 



II. Schilderung der Beobachtungen. 
1. Das Talgebiet der reichen Liesing. 

Die Kalke oberhalb des Gütenbachgrabens sind von einer 
geringen Breite. Wenn man gegenüber der Badeanstalt von Kalksburg 
den Graben auf der linken Talseite hinangeht, so kommt man gleich 
oberhalb des Teiches auf die Fleckenmergel und auf Mergelkalke der 
Flyschzone von teils heller, teils dunkler Färbung. 

Die Anhöhe (Kote 344) besteht aus rötlichgrauem und dunkel- 
grauem, weißaderigem Kalk. Ein wirklich als Hauptdolomit anzu- 
sprechendes Gestein konnte ich hier nicht finden, derselbe tritt erst 
im Gütenbachtale auf, besonders oberhalb des alten Kalksburger 
Friedhofes auf der linken Talseite, wo er in einem größeren Stein- 
bruche aufgeschlossen ist. 



Fig. 1. 




S ? g 
Aufschluss hinter dem Bau ersehen Gasthause in Kalksburj 



Das Gestein des unteren Steinbruches ist gleichfalls stark 
dolomitisch. Die Kössener Schichten treten nur am unteren Ende des 
Berghanges an der Straßenecke hinter dem ersten Hause auf, wo ich 
vor allem Anomia alpina häufig in den dunklen, mergeligen Kalken 
fand, die zwischen Schiefern liegen, welche an die Bactryllienmergel 
der rechten Talseite erinnern, aber überaus stark druckschiefrig aus- 
gebildet sind. Auch Avivula contorta wurde gesammelt. 

Ein hübscher Aufschluß in den Kalken dieser Scholle findet 
sich hinter dem neuen Saalbau des Bauerschen Wirtshauses neben 
der Kalksburger Kirche. 

Die Gesteine daselbst bilden eine Art von Gewölbe (Fig. 1), 
welches wohl auf Terrainverschiebung zurückzuführen sein dürfte. Im 
westlichen Teile treten kurzklüftige Dolomite (1) auf. Darunter liegen 
rote und gelblich gefärbte Mergel (2) und schwarze Kalke (4), welche 
weiterhin (6, 8) mit derartigen Mergeln (5, 7) mehrfach wechsellagern. 



258 



Franz Toni 



[16] 



Irgendwie deutbare Fossilien konnte ich nicht finden. Man könnte 
dabei an übergekippte Rhätbildungen denken, ähnlich jenen am Aus- 
gange des Gütenbachtales — wo sie gleichfalls unter die dolomitischen 
Kalke und Dolomite einfallen — , um so mehr, als man sicheres Rliät 
(Kössener Schichten) nahebei mit Fossilien antrifft. 

An dem Wege, der oberhalb der Kirche zum Friedhof führt, 
liegen zwei größere Aufschlüsse. Der erste aufgelassene zeigt an 
seiner westlichen Seite eine recht deutliche Schichtfolge (Fig. 2). 
Mergelige Gesteine (1) spielen in dünnplattiger Ausbildung eine Haupt- 
rolle und treten auch zu unterst im mittleren Teile des Steinbruches 
hervor. Sie erinnern an die Bactryllienmergel auf der rechten Talseite 
der reichen Liesing. Fossilien konnte ich darin, außer an Fucoiden 
erinnernden Dingen, nicht finden. Im oberen Teile (2) treten zwischen 
den Mergeln graue, weißaderige Kalke auf, mit spärlichen aber sicheren 
Kössener Fossilien, welche in den hangenden, wohlgebankten Kalken (4) 

Fig. 2. 




Alter Steinbruch oberhalb der Kirche toii Kalksburg-. 



etwas häufiger werden. Die Schichten streichen W — und verflachen 
mit 45° gegen S. 3. zerbrochene Bänke von dolomitischem Kalk. 

In dem nächsten Steinbruche treten an der Ostseite (Fig. 3) 
dünnplattige, W — streichende und steil (75°) nach S einfallende, 
zum Teile gefältelte dunkelgraue Kalke auf mit dünnen Mergelschiefer- 
zwischenlagen. Sie erinnern wohl petrographisch einigermaßen an die 
Muschelkalkbänke in dem alten Schotterbruche oberhalb der Waldmühle, 
werden aber wohl als Rhät-Liasbänke aufzufassen sein. Die Kalke 
enden oberhalb des Kreuzes vor dem neuen Friedhofe und beginnen 
hier die grobkörnigen, wohlgeschichteten marinen Strandkonglomerate. 
Ich möchte diese Bildungen für eine östliche Fortsetzung der am 
rechten Ufer der Liesing auftretenden Rhätkalke und Bactryllienmergel 
halten ; erst glückliche Funde können Überzeugung bringen, ob nicht 
auch jüngere Bildungen anstehend in dieser recht klompliziert gebauten, 
beziehungsweise mehrfach gestörten Scholle auftreten. Petrographisch 
sind die Mergelschiefer, auch jene in Fig. 1 (2, 5, 7), noch ähnlicher 



[17] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 259 

jenen, welche „beim Jesuitengarten" anstehen und durch das Vor- 
kommen von Cardinien und von Ammonites Johnstoni als unterster Lias 
bestimmt werden konnten (1897). Wenn sieh dies hier gleichfalls 
nachweisen ließe, so wäre in dem aufgelassenen Steinbruche eine 
Überkippung der ganzen Scholle anzunehmen 1 ). 



Fig. 3. 







^^■^K 



b£^ SMuttialde 



<~3 



Ostseite des im Abbau befindlichen Steinbruches oberhalb der Kirche von 
Kalksburg-. 



2. Das Talgebiet der dürren Liesing. 

In dem ersten untersten Steinbruche auf der linken Talseite, 
am Zugberge, streichen die splittrig brechenden, dolomitischen 
Kalke der Wand von W — und verflachen steil nach Süd. Vereinzelt 
treten mergelige Bänke auf. Im Hangenden lagern gegen das Tal 
dunkelgraue dichte Kalke und lichtgraue, etwas dolomitische, weiß- 
aderige Kalke, die vielleicht schon dem Dachsteinkalkhorizont der 
rechten Talseite entsprechen könnten. 

Unten, wo an der neuen Fahrstraße über den Sonnberg zu den 
Parapluibergen und weiter gegen Westen der Fußweg durch den öden 
Saugraben abzweigt, fand Herr Pauly Aptychus punctatus, was auf 
ein tithones Alter der betreffenden Mergelkalke hinweisen würde, 



1 ) Erst nachdem ich meine hier recht dürftigen "Wahrnehmungen in Druck 
gegeben hatte, erfuhr ich von Herrn Kustos E. Kittl, daß er tatsächlich Cardinien 
in diesen Mergeln aufgefunden hat, und auch Herr A. Pauly, einer unserer Schüler, 
hat solche gesammelt, und zwar sowohl in den erwähnten Steinbrüchen, als auch 
hinter dem Bauerschen Gasthause. Ich überzeugte mich bei einem jüngst vorge- 
nommenen Besuche dieser Lokalitäten von dem Vorkommen von Cardinien und 
Bactryllien. Letztere neben recht häufigen Stücken von Plicatula intusstriata Emmr. 
Petrographisch sind die Cardinien- und Bactryllienmergel nicht zu unterscheiden. 
Im Bauerschen Aufschlüsse gelang es mir, an der Ostseite, in einem möglicherweise aus 
Schichte -6 oder 8 stammenden Bruchstücke ein ansehnliches Stück von Psiloceras 
Johnstoni Sow. aufzufinden. Mein lieber Freund und Kollege Prof. Dr. Wähner hat 
meine Annahme bestätigt. Über diese Funde werde ich in einer späteren Mitteilung 
ausführlicher berichten. Rhät und unterster Lias stehen zweifellos in diesen Auf- 
schlüssen in innigem Verbände. 



260 



Franz Toula. 



[18] 



welche sich auch petrographisch etwas von den Zementmergeln mit 
Apfychus Seranonis unterscheiden, wie es ja kaum zu bezweifeln ist, 
daß in den Aptychenzonen des ganzen Gebietes neben, beziehungsweise 
unterhalb der typischen Neokommergel auch tithonische Bildungen 
hie und da auftreten könnten, welche teilweise durch die Hornstein- 
mergelkalke vertreten sein dürften (man vgl. Paul 1859). 

Die Gesteine am Eingange in den öden Saugraben erinnern etwas 
an jene im oberen Teile von Kaltenleutgeben (Dr. Em m eis Park) auf 
der rechten und im oberen Teile des Wienergrabens, auf der linken 
Talseite, auftretenden Gesteine. Die Aufschlüsse an dieser Stelle sind 
lange bekannt und liefern bei jedem Besuche lamellose und punktierte 
Aptychen, auch Formen der Gruppe des Aptychus laevis; spärlich 



Fig. 4. 




X 






CD """f ' JtfLuJthaZde 




Alter Steinbruch gegenüber (unterhalb) der Bergmühle. (Dürre Liesing, r. U.) 

1. Dolomitische Kalke. — 2. Kössener Schichten (schwäbische Fazies). 



sind dagegen die Funde von Belemniten in schlechter Erhaltung. Die 
Sonnbergdolomite und Zellendolomite bilden hier das Liegende der 
Aptychenmergel. 

In dem alten Steinbruche am rechten Ufer des Kaltenleutgebener 
Baches, unterhalb der Brücke über den Bach (gegenüber der Berg- 
mühle), zunächst dem großen im Abbau befindlichen Steinbruche 
streichen Kalkbänke hora 1, also W— 0, und verflachen gegen S. 

Dieselben sind als dolomitische Kalke des Dachsteinkalkhorizonts 
aufzufassen, über welchen Kössener Schichten lagern. Die letzteren 
sind als graue, weißaderige, sandigkörnige Kalke entwickelt und bank- 
weise überaus reich an Fossilien. Ich sammelte hier: Anomia alpina 
Winkl., Pecten cf. bavaricus Winhl. (eine radial gestreifte Form, auch 
ein sehr großes Individuum mit zarter Anwachsstreifung), Gervillia 
praecursor Quenst., Gervillia sp., Leda alpina Winkl., Mytilus cf. 
minutus Goldf., Schizodus cloacinus Quenst., Cardita austriaca v. H. 

Einzelne von den Platten der Hangendkalke sind auf den Schicht- 
flächen mit den Fossilien dicht bedeckt (Fig. 4). 



[19] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 261 

In dem östlich darangrenzenden zweiten alten Aufschlüsse (Fig. ö) 
treten auch sandigschiefrige Einlagerungen auf (1). Herrschend sind 
dolomitische Kalke (2). Auf der Schutt-Blockhalde finden sich gleich- 
falls Blöcke der Kössener Schichten (schwäbische Fazies), und zwar 
in Menge vor. Sie stammen von höher gelegenen Stellen des Hanges 
her. Hier sammelte ich bei meinem letzten Besuche: Anomia alpinä 
Winkt., Mytilus minutus (IUI)'., Gefvillia cf. praecursor Quenst., Pinna, 
(Schalenbruchstücke), Cardita austriaca r. //., Pleuromya-SLrtige Schalen. 
Auch eine auffallend große Ganoid-Schn^e, ähnlich der von Q neu- 
ste dt (Jura, Taf. II, Fig. 62) als Lepidotus abgebildeten Form. 

Am Hange oberhalb des geschilderten alten Steinbruches liegt 
ein kleiner längst aufgelassener Aufschluß, hinter und oberhalb des 
Rebschulgartens, an dessen Brustwand, steil gegen Nord fallend, licht 
rötlichgraue Kalke und rötliche Kalke mit Eisenoxydoolith anstehen, 
in welchem sich hin und wieder kleine Belemniten finden. Es sind 

Fig. 5. 




Alter Steinbruch am r. Liesiusrufer unterhalb der Bei'srmühle. 



Juraschichten, wahrscheinlich dem mittleren Dogger angehörig, welche 
sonach hier wie an dem bekannten Klausschichtenfundorte, weiter 
im Westen, am Nordhange des Bierhäuselberges, gleichfalls hinter 
den Kössener Schichten auftreten. Zwei unter rechten Winkeln sich 
kreuzende Absonderungstiächen durchsetzen das Gestein. 

In dem bekannten Aufschlüsse am Bierhäuselberg, gleich oberhalb 
Rodaun, reichen die Dolomite und Brecciendolomite an der neuen 
Straße bis an den Eingang des „Öden Saugrabens" und schiebt sich 
eine Dolomitscholle auch zwischen die Aptychenmergel der östlichen 
Seite des Aufschlusses hinein. Das Streichen der wohlgeschichteten 
Dolomite an der westlichen Seite ist nach hora 8 (gegen OSO), das 
Verflachen gegen Süd gerichtet. 

Oberhalb des bekannten, von mir genau beschriebenen alten 
Steinbruches am Nordhange des Bierhäuselberges (nach dem 
Einstiege aus dem „Öden Saugraben" bezeichnet — Jahrb. 1871) 
wurde in letzter Zeit am Hange, bis zu dem oberen Promenadewege, 



Jahrbuch d. k.' k. geol. Beichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 



34 



262 Franz Toula. [20] 

etwa 40 m über dem Steinbruche und Längs dieses Weges, vielfach 
geschürft und allenthalben wurden Kalkmergel angetroffen, in welchen 
man Aptychen findet, und zwar Formen, die als Äptychus Seranonis 
angesprochen werden können. Sie halten gegen Westen an, bis an 
den steilhangigen Graben, welcher sich weiter unten mit dem vom 
Kammerstein herabkommenden vereinigt. 

Hier, an einer förmlichen Kante des Bierhäuselberges, stehen 
graue körnige, weißaderige Kalke an, welche NNW — SSO streichen 
und mit 35° gegen 0, also gegen den Bierhäuselberg verflachen und 
einen Felsgrat bilden, der sich gegen die Spitze des Berges hinauf 
fortsetzt. (Ein verschobenes Gebirgstrum.) Sie enthalten bankweise 
eine Unmasse von Bivalven, so daß sie eine förmliche Lumachelle 
bilden. Leider ließ sich nicht viel Deutliches herausbringen, doch 
erhielt ich eine glatte Pectenschale, bei der man an Pecten filosus 
erinnert wird. Auch eine Modiola ist häufiger, bei der man an Modiola 
Paronal Bittn. von Ceratello in der Lombardei erinnert wird (Lamellibr. 
St. Cassian, Taf. V, Fig. 14). Ich möchte aber doch annehmen, daß 
man es dabei mit Kössener Gesteinen zu tun habe. Darüber treten 
lichtrötlichgraue, mergelige Kalke auf (Kössener Schichten?), welche 
ONO— WSW streichen, förmlich auf dem Kopfe stehen oder steil 
gegen Süd einfallen. 

Etwa 25 m höher bilden helle, mergelige Kalke einen größeren 
Fels, worauf dann dolomitische Kalke und Dolomite herrschend werden, 
bis zur Spitze hinauf, wo ein grauer, feinkörniger Dolomit ansteht, 
der N — S streicht und steil nach einfällt. 

Die Ruine Kammerstein liegt auf Dolomit und Breccien- 
dolomit. Am Kamme, der von der Ruine nach Süden zieht (grün- 
markierter Weg), halten die dolomitischen Gesteine eine Strecke weit, 
bis 30 m über Kammerstein, an. Dann folgen graue, weißaderige Kalke, 
hie und da mit Spuren von Fossilien, die wohl dem Dachstein- 
kalkhorizont angehören dürften. Weiterhin treten NO streichende 
(hora 3 — 4) und nach Süd einfallende Mergelkalke auf (Tithon oder 
Neokom). 

Im weiteren Verlaufe des Weges kommt man, bereits am Kalten 
Waidberg, auf eine ebene, wiesige Fläche, welche an den Rändern 
von Felsköpfen begrenzt wird. An der Südwestecke stehen rötliche 
Kalke an, die dem Jura (Dogger) entsprechen dürften, an welche 
gegen den Kröpf graben die Neokommergel angrenzen. Gegen NW 
erheben sich mauerartig aufragende Kalkbänke aus dunkelgrauen, sehr 
feinkörnigen bis dichten Kalken, mit weißen Spatadern, welche viele 
undeutliche Fossilien enthalten. Auch graue, kurzklüftige Kalke mit 
Crinoiden finden sich. Die Bänke streichen hora 5—6 (ONO) und ver- 
flachen mit 80° gegen Süd, während die Jurakalke hora 8—9 (OSO) 
streichen und gegen NO einfallen. Auf der Höhe der Kuppe, genau 
westlich von der Höhe des Bierhäuselberges, stehen hellgraue Dolo- 
mite (Hauptdolomit) an. 

Im Kröpfgraben treten zunächst die lichten Mergelkalke auf 
mit gelblichen mergeligen Schichtflächen. Eine kleine Kuppe auf der 
Südseite besteht aus grauen dolomitischen Kalken, an welche nach 
abwärts wieder die Mergelkalke angrenzen. Streichen hora 7 (0 — W) 



[21] fieol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 26.3 

mit südlichem Verflachen. Dann folgen etwa 20 m tiefer die Dolomite, 
welche bis zur Perchtoldsdorfer Waldstraße anhalten, bis weit hinab 
zu dem großen Steinbruche mit den tiefen Ausgrabungen an den 
wüsten Hängen. In Grus zerfallende Dolomite und Dolomitbremen 
werden hier seit langem ausgebeutet. Aber auch in einer weiter 
abwärts auf der linken Seite des Grabens befindlichen Grube stehen 
noch die dolomitischen Gesteine an, welche bis an die obersten Häuser 
von Perchtoldsdorf anhalten, wo sie noch in der Sonnbergstraße an- 
der rechten Seite aufgeschlossen sind. 

In dem Graben, der auf der r e c h t e n T a 1 s e i t e u n t e r- 
halb des großen Waldmühlbruches ausmündet, und zwar 
unterhalb des „Hochgrabens", und zum Vorderen Föhrenberg hinan- 
führt, trifft man zu unterst dunkle, weißaderige Kalke vom Aussehen 
jener des unteren Muschelkalkes, die auch die Kuppe auf der linken 
Grabenseite zusammensetzen. Auch Zellenkalke. 

Etwa 35 m höher stellen sich (immer am linken Hange) typische 
Neokommergel ein, während auf der anderen Seite noch graue, etwas 
dolomitische Kalke vorkommen. Das Neokom hält auf der linken 
Grabenseite weit hinauf an, doch dürften auf der Höhe dieses Hanges 
noch graue Kalke anstehen. Nach oben zu werden die Neokomfindlinge 
seltener und herrschen bald Dolomitgerölle und große Hauptdolomit- 
blöcke vor, welche von der obersten Kammhöhe (Vorderer Föhrenberg— 
Parapluiberg) herabkommen. 

An einer Stelle konnte auch der Nachweis des Vorkommens von 
sicheren Rhätschichten in diesem Graben erbracht werden, da sich 
Stücke fanden einerseits mit Fischschuppen (rhombisch mit Schmelz- 
falten) von Gyrolepis, anderseits wahre Muschelkalklagen mit zahlreichen 
kleinen Bivalven (Modiola sp. ind., Avicula concorta, Cardita spec). Der 
Fund stammt von einer Stelle etwa 50 m über der Bahnlinie. Hier 
wurde gleich daneben auch Neokommergel mit einem trefflichen 
Exemplar von Crioceras aufgefunden, so daß auch hier das Neokom 
unmittelbar an das Rhät grenzen dürfte wie im Flösselgraben am 
kleinen Flösselberg. 

Auch in 150 m Höhe wurden noch Neokomplatten angetroffen, 
welche nahe an dem zum Vorderen Föhrenberg führenden Wege (gelbe 
Markierung), und zwar zu Anfang desselben anstehen und bis zirka 
170 m über der Bahn anhalten dürften. Stücke, welche auf das Vor- 
kommen von Jura in diesem Graben deuten würden — ich folgte 
dem Hauptgrabenzuge fast genau südwärts — , habe ich nicht finden 
können, dagegen stehen, wie schon erwähnt wurde, Jurakalke von 
roter Färbung neben grauen Kalken auf dem parkähnlichen flachen 
und breiten Kamme an, der zum Bierhäuselberg hinüberführt („Kalter 
Waidberg"). Der letzte steile Anstieg zum Vorderen Föhrenberg besteht 
aus typischem Hauptdolomit, mit den damit verbundenen Dolomit- 
breccien. An einer Stelle unterhalb der Spitze des Parapluiberges bei 
den künstlichen Höhlen scheinen die Dolomitbänke in schwebender 
Lagerung anzustehen. 

An der Straße, welche in der Einsattelung zwischen Parapluiberg 
und dem Vorderen Föhrenberg verläuft, stehen (bei der Höhenkote 470) 
zweifellose Gosaukonglomerate an, dort, wo der rot markierte Weg 

3i* 



264 Franz Toula. [22] 

zur Josefs warte (575 m) abzweigt. Da der Abhang des Hinteren 
Föhrenberges wieder aus Dolomit besteht, liegt sonach die Gosau 
hier nur in der Hochmulde. 

Das Zaintal ist im oberen Teile in Dolomit eingeschnitten. 
Derselbe hält weit hinab an. Auf der rechten Talseite etwas ober- 
halb der „Quelle" stehen rote körnige Liaskalke an, echte Crinoiden- 
kalke mit Crinoiden, CVY/r/m-Staeheln, vielen Terebrateln und Iihyn- 
chonellen, so daß eine gewisse Übereinstimmung mit den Verhältnissen 
im Flösselgraben besteht, wo dieselben roten Lias- („Crinoiden"-) 
kalke die neokomen Zementmergel flankieren. 

Das Planum des Zementmergelsteinbruches im Zaintale liegt 
etwa 23 m über der Quelle. Das Streichen der Zementmergel im 
Steinbruche, und zwar in einem Versuchsgraben mitten im Planum, 
ließ sich bestimmen mit N 30° 0, mit westlichem Verflachen (60°) ; an 
den Steinbruchwänden erkennt man übrigens sehr deutlich die weit- 
gehenden Störungen und Verdrückungen des Gesteines. — 

Auch auf der linken Talseite des Kaltenleutgebener Tales wurden 
unterhalb des großen Waldmühlbruches, gegenüber dem 
Ausgange des in vorstehendem geschilderten Grabens, unweit der 
Ausmündung des Kälberhaltgrabens vor einiger Zeit gleich 
oberhalb der Straße einige Versuchsgruben aufgemacht, welche neuer- 
lichst etwas weiter aufwärts am Hange in vermehrter Anzahl eröffnet 
worden sind. Sie wurden beiläufig 1'5 m tief gegraben und haben 
durchweg gelbliche plattige Mergel, ganz von dem Aussehen der am 
Flösselberg oder der im Zaintal, aufgeschlossen. Es ist zumeist nur 
bröckeliges Schuttmaterial. Fossilreste : Belemniten, Aptychen, darunter 
solche von sicher neokomen Typus, finden sich nicht eben häufig, auch 
an Baculiten erinnernde gerade gestreckte Formen, sowie Ammoniten, 
und zwar sowohl glatte als auch gerippte Stücke sind gefunden worden. 
Von dieser Stelle liegen mir zum Beispiel vor: Aptychus Didayl und 
Aptychus angulicostatus. Einer der Belemniten hat einen abgerundet 
rechteckigen Querschnitt mit einer leichten Furche auf einer der 
Schmalseiten, so daß er wohl in die Gruppe des Belemnites latus zu 
stellen sein dürfte. Es kann sonach keinem Zweifel unterliegen, daß 
man es mit echtem Neokom zu tun habe. Das Auftreten ist auffallend 
genug und einigermaßen schwierig zu deuten. Da es der Ausmündung 
des geschilderten Grabens gegenüberliegt, habe ich zuerst — wie ich 
gestehe — an einen alten Bergschlipf gedacht, von dem etwa auch 
in jenem Graben selbst Massen zurückgeblieben sein könnten, was 
die auffallend weite Erstreckung der Neokomfunde in diesem Graben 
erklären würde, wo sie viel weiter oben anstehen. 

In dem jetzt aufgelassenen wohlbekannten Steinbruche (Schotter- 
bruche) oberhalb der Waldmühle folgen über dem dünnbankigen 
Muschelkalke (Fig. 6, 1 — 4) mit Brachiopoden (Terebrateln, Khyncho- 
nellen und Spiriferen) dünnplattig schiefrige Mergel mit Mergelknauern 
(5 und 7). Fossilien sind darin selten, doch konnten in eingelagerten 
Kalklinsen im Hangenden Pecten cf. Margheritae v. H. und in dem 
östlichen Teile des Aufschlusses Östlich vom Zaintalgraben Halobien 
und Bactryllien nachgewiesen werden (Toula 1882). A. Bittner 
fand (1893) in denselben Schichten die für die Partnachschichten 



[23] Geol. P^xkursionen im (Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaclx 



265 



bezeichnende Konmcläna Leonhardi. Darüber folgen dann die Lunzer 
Sandsteine, Opponitzer Kalk und llauptdolomit. Der ganze Schichten- 
komplex ist steil aufgerichtet und fällt gegen Süd ein. 

In einem meiner alten Notizbücher (1879) finde ich die bei- 
stehende Profildarstellung (Fig. 6) über die Verhältnisse bei der 
Waldmühle. Auf der Nordseite war .die westliche Kalkmasse noch 
vorhanden, die heute bis auf wenige, als Strebepfeiler übriggelassene 
Partien abgebaut ist, bis an eine alte Bruchfläche, an der die Kalk- 
scholle des Muschelkalkes an die dahinter auftretenden, zum Teil 
aufgelösten Gesteinsschuttmassen angepreßt wurde. Auch am rechten 
Ufer waren damals die Kalke der unteren Trias noch recht wohlerhalten 
(1 — 4). Die Hangendbank von 3 war damals besonders reich an den 
wohlbekannten Muschelkalkfossilien: Terebratula vulgaris, Bhynchonella 
decurtata und Spiriferina Mentzell und andere. In den mergelig- 
schiefrigen dunkelfarbigen Lagen 5 und 7 finde ich das Vorkommen 



Fisr. 6. 




Profil durch die Steinbrüche bei der Waldmiihle (1S79). 



von Halobien und Bactryllien angemerkt. Über diese Verhältnisse 
vergleiche man meine Angaben in den Verhandlungen vom Jahre 1879 
(pag. 275—280). — 

Oberhalb der Wolfsmühle, am linken Ufer gegenüber der Zement- 
fabrik, an einer weiter oben im Haupttale gelegenen Stelle, treten 
zu unterst Kalkbänke (Muschelkalk) und darüber steil aufgerichtete 
Mergelbänke auf, die undeutliche Gardien des oberen Muschelkalk- 
horizonts aufweisen. — 

An der Hochstraße (der Straße vom Großen Sattel nach Rodaun) 
tritt, rechts beim St ein man dl („Ellablick" und „W T aldandacht"), der 
Hauptdolomit, nahe an der Straße, mit einem petrographischen Aussehen 
ganz wie beim Predigerstuhl auf, in der Form von Dolomitbreccien, 
Felszacken bildend. Gleich darauf erreicht die Straße den Dolomit 
der „Josefswarte". 

Auch der Einstieg in den Graben zur „Fi seh er wiese" liegt 
im Dolomit, doch kommt man beim Buchbrunnen wieder auf Gosau- 
konglomerat und auf grünliche Kreidesandsteine. 00 m unter dem 



266 Fr anz Toiila. [24] 

Einstiege traf ich einen Findlingsblock aus Actaeonellengestein gleich 
dem erwähnten Vorkommen SO vom Kleinen Flösselberg. Etwa 120 m 
unter dem Einstiege kommt man auf eine größere isolierte Kalkstein- 
felsmasse ; aus hellrotem Crinoidenkalk bestehend, erhebt sie sich im 
Talwege als ein wahrer Talriegel, der wohl 25 m mächtig aufragt und 
von der Talrinne durchzogen ist, welche, tief eingeschnitten, im ersten 
Frühjahre und bei Regengüssen Wasserfälle bildet. Die Felsmasse 
zeigt nur wenig deutliche Bankung. (Streichen SO — NW, Verflachen 
gegen NO; an einer anderen Stelle ist das Streichen fast N — S mit 
östlichem Verflachen.) Darunter kommt man bald auf die Neokom- 
mergel, so daß diese auch hier, wie an so vielen Punkten, an das 
LiaskalkrifF anzugrenzen scheinen, während die Nordgrenze Trias- 
gesteine bilden, und zwar im Norden der Mergel vor dem Fischer- 
wiesensteinbruche hellgrauweiße, dolomitische Kalke. — 

Im Flösselgraben liegt am linken Hange, oberhalb des letzten 
Hauses auf dieser Seite, ein alter aufgelassener Steinbruch. Es stehen 
graue, stark zerklüftete Kalke an, mit weißen Spatadern und mit 
spärlichen winzigen Einschlüssen, welche ihrer spätigen Natur nach 
als Crinoiden gedeutet werden müssen. Hier fand ich auf der Halde 
auf einem der Kalkbrocken ein kleines rundliches Emailzähnchen, 
welches an Sargodon erinnern könnte. Im Hangenden treten in diesem 
Steinbruche auch gelblich gefärbte, mergelige, dünnplattige Kalke auf. 

Der Hang talaufwärts, an der linken Talseite, ist mit Kalkstein- 
brocken, -Blöcken und -Schollen bedeckt, die zum Teil grau und halb- 
kristallinisch, zum Teil rötlichgrau und feinkörnig bis dicht sind. 
Gar nicht selten finden sich Brocken, welche eine förmliche Lumachelle 
vorstellen, indem sie nur aus Steinkernen und Abdrücken meist kleiner 
Muscheln bestehen, wie sie die Kössener Schichten der schwäbischen 
Fazies charakterisieren. Es fanden sich aber auch Stücke mit Cidaris- 
Stacheln und deutlichen Korallenauswitterungen. Auch eine Gyrolepis- 
Schuppe stammt von hier. Ebenso ein Stück mit einer hochgewundenen 
Gastropodenschale (im Durchschnitt). In gelblichen, etwas mergeligen 
Kalken fand sich auch die Waldheimia gregaria. Diese Brocken be- 
decken den Hang des Vorberges des Großen Flössel (Kote 489) und 
deuten an, daß das Rhät von der Höhe des Kleinen Flössel den 
Graben übersetzt und sich bis gegen die genannte Vorhöhe fortsetzt. 

Bei der Übersetzung des Grabenweges durch die Schienenanlage 
am Bremsberg des großen Zementmergelsteinbruches am Großen 
Flösselberge, stehen auf der rechten Grabenseite im Hange des 
Kleinen Flösselberges Kalke an, welche ganz derselben Art 
sind wie am linken Hange, Kalke, welche in Felsen aufragen und 
nach den Fundstücken zweifellos Rhätkalke sind. Es finden sich 
typische Lithodendronkalke , aber auch die Muschelbreccien. Die 
Muscheln sind schlecht erhalten und lassen sich nur schwer heraus- 
bringen, doch konnte zum Beispiel die Leda alpina Winkl. in vielen 
Stücken erkannt werden. Diese Kalke setzen sich, Felsmauern im 
Walde bildend, bis zum Gipfel des Kleinen Flösselberges hinauf fort. 
Die Wände bilden zugleich die südliche Grenze des Rhät. Davon 
kann man sich schon überzeugen, wenn man der Steinriese nach auf- 
wärts folgt bis zu der Einsattelung zwischen der Höhe des Kleinen 



["251 Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaclies. 267 

Flösselberges einer- und der größeren Höhe im SSO davon (Kote 551) 
anderseits. Allenthalben verrät sich schon in der Hangmulde der 
angrenzende Neokommergel mit Aptychus. In dem Hangschutt auf der 
Seite des Kleinen Flössel sammelte ich, von den Wandfelsen stammend, 
neben Dolomit und Üolomitbreccien Stücke mit CWam-Stacheln, mit 
Pecten (einer zweigabelig-rippigen Form), mit Bruchstücken von Ostrea sp., 
mit Pinna und Plicatula intusstriata. Aber auch typische Lithodendron- 
und Brachiopodenkalke finden sich vor. 

Auf der anderen Seite der Mulde fehlt das Rhättrümmerwerk ; 
hier findet man dagegen graue Mergelkalke mit Aptychen, rote und graue 
Hornsteinkalke (besonders in dem kleinen Schwarzföhrenbestande). 
Gegen den Sattel hinauf endet die Schuttbedeckung. Zuletzt trifft man 
noch etwa 40 m unter der Sattelhöhe auf eine größere Felsmasse, 
offenbar eine abgesunkene Scholle, welche geschichtet ist und die 
beiläufig 100 m über dem Geleise der Förderbahn liegt. Von hier an 
trifft man im humusreichen, tonigen Waldboden nur mehr die Mergel- 
kalke, hie und da mit Hornstein, welche von der Einsattelung gegen 
den Kleinen Flössel hinan anhalten bis zur Felsmauer. Am Gipfel 
des Kleinen Flössel stehen echte rhätische Terebratelkalke an. Ich 
fand: Terebratida gregaria sowohl, als auch ganz glatte Terebrateln 
ohne jede Einfaltung am Stirnrande, recht häufig. Außerdem sammelte 
ich eine kleine zierliche Mi/oplioria, ähnlich der Myophoria inflata 
Emm. (Winkler, Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. 1861, pag. 476, 
Taf. VII, Fig. 7) oder der Trigonia postera Quenstedt (Jura, pag. 28, 
Tai'. I, Fig. 2 u. 3). 

Die Kalke der Wand sind vielfach von Klüften durchsetzt, 
scheinen aber hora 3 zu streichen und mit 50° gegen N einzufallen. 
Die Rhätkalke sind dem Hauptdolomit aufgelagert. In der Schneise 
gegen WNW, also gegen das Kaltenleutgebener Tal hin, findet man 
nur Dolomitblöcke und solche aus Brecciendolomit. — 

Vom Sattel zieht sich der Durchhau (Schneise) die steilgeböschte 
Höhe zur Kote 551 hinan. Was man dabei von Gestein antrifft, ist 
durchweg dolomitischer Natur: Dolomit, Brecciendolomit und dolomi- 
tischer Kalk, bis zum Gipfel hinauf. 

Folgt man nun dem Durchhau am Kamm fort weiter gegen SO, 
so kommt man zunächst über Dolomit, dann aber sofort auf fein- 
körnige Gosausandsteine und Konglomerate, und, an einer kleinen Kuppe 
im Walde, auf dunkle Gesteine mit einer Unmasse von Actaeonellen. 
Dieselben erscheinen ganz in ähnlicher Weise durch Pressung deformiert 
oder abgescheuert und kurzabgerieben, wie man sie in dem bekannten 
Perchtoldsdorfer Leithakonglomeratvorkommen (nahe der Ausmündung 
des Tales der Dürren Liesing) angetroffen hat. 

Auch außen hellfarbige, kalkige Gesteine treten etwas unterhalb 
auf, welche gleichfalls Actaeonellen führen und zum Teil wie gebändert 
aussehen; sie sind im Innern dunkelfarbig und riechen beim Zer- 
schlagen stark bituminös. Die Gosaugesteine halten nun in der Schneise 
an bis zur Hochstraße, sie haben somit hier eine etwas weitere Aus- 
dehnung, als auf Sturs Karte angegeben wird. Es sind rote Kon- 
glomerate, zum Teil sehr großkörnig, mit blutrotem Bindemittel. Bei 
der Abzweigung zur „Fröhlichquelle", dem „Schanzbrunnen", zeigen sie 



268 Franz Toula. [26] 

deutliche Bankung. Streichen NNW und Verflachen mit 45° gegen 0. 
Im Hangenden rote Sandsteine und rote krümelige Mergel. — 

Doch kehren wir in den Flösselgraben zurück. Von der 
Geleiseübersetzung aufwärts folgte ich zunächst dem Hauptgraben und 
ging dann gegen SW in dem Graben zwischen dem Großen Flössel 
und der Kote 503 zum Großen Flösselberg-Zementkalk- 
mergelbruche hinan, auf einem rotmarkierten Wege. Im Walde 
ragt eine spitze Kuppe auf, von der graue Kalke herabkommen. An 
Hauptdolomit kann man dabei nicht denken, vielleicht ist es Opponitzer 
Kalk. Unweit der kleinen Quellfassung fand ich einen feinkörnigen, 
grauen, sandigen Kalk mit einem sicheren Aptychen von der Art der 
Rippung, wie sie Äptychus Seranonis zeigt. Auch ein treffliches Stück 
von Aptychus angulicostatus wurde hier gefunden. Längs des Weges 
sind nun fort und fort Kalkmergel und dichte Mergelkalke anstehend 
(Streichen horä 11 und Verflachen gegen 0), welche mehrfach ver- 
schoben zu sein scheinen. Auch rote Mergel und graugrüne Kalksand- 
steine treten auf, welche an Gosaugesteine erinnern. 

Die untere Steinbruchetage (bei der Kantine) liegt zirka 140 m 
über dem Eingange des Flösselgrabens. Der Betrieb des Abbaues ist 
ein sehr lebhafter; er erfolgt in zwei Etagen und reicht mit seiner Ober- 
kante bis hoch gegen den Kamm hinan, zwischen dem Großen Flössel 
und der Höhe mit der Kote 549. Im nördlichen Teile streichen die 
Kalkmergelbänke hora 11—12, also aus SSO gegen NNW und fallen 
gegen ONO ein. Von hier stammen die von mir schon 1886 namhaft 
gemachten Fossilien des mittleren Neokom. (Hauterive Stufe. Man 
vgl. Fig. 7.) 

Die Kalkmergel reichen im Süden bis nahe an einen Felsgrat, 
der sich gegen SW nach aufwärts zieht und aus typischem Lias- 
Crinoidenkalk besteht. Hier fand ich: Spiriferina alpina Opp. und 
Spiriferina cf. angulata Opp., Terebratula Eichwaldi Opp., Rhynchonella 
cf. retusifrons Opp. mit drei Rippen in der Schalenmitte, Rynchonella cf. 
polyptycha Opp. mit tiefer Furche in der Stirnregion der kleiuen 
Klappe, etwas größer als das von Oppel abgebildete Exemplar, ein 
kleines, stark aufgeblähtes Stück. Auch Terebratula sinemuriensis Opp., 
Pentacrinites sp. und Belemnites sp. Daß sich die Neokommergel auch 
noch eine Strecke weit über den oberen Steinbruchrand fort erstrecken, 
ist durch Schürfarbeiten an dem infolge des Fortschreitens des Ab- 
baues nach aufwärts verlegten Waldwege nachgewiesen, wo man bald 
die bezeichnenden Fossilreste auffindet: Ammoniten, Baculiten und 
Aptychen. 

Folgt man diesem Waldwege oberhalb des Steinbruches weiter 
gegen die Höhe 549 hinan, so kommt man auf graue, sandigkörnige 
Kalke (wieder kein „Opponitzer Dolomit") mit dunklen Hornstein- 
einschlüssen und undeutlichen Fossilspuren und gegen die Höhe 569 
hinauf über Konglomerate und Sandsteine, welche ganz das Aussehen 
der Gosaugesteine an sich tragen und auf der Kammhöhe weitver- 
breitet scheinen. In der Schneise, welche genau in der Richtung gegen 
den Julienturm verläuft und oberhalb der Hochstraße ganz nahe dort 
endet, wo der Weg zur Vereinsquelle abzweigt, kommt man über 
weiße Mergelkalke und oberhalb der Straße an den typischen Lias- 



[27] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- and des Mödlingbaches. 269 




Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 



1. rieft. (F. Toula.) 



35 



270 



Franz Toula. 



[28] 



Crinoidenkalk, der im Walde eine Felsaufragung bildet. Es wird 
Aufgabe weiterer Begehung sein, das Verhältnis dieses südlichen Lias- 
vorkommens zu jenem im Norden der Kammlinie festzustellen. — 

Auf dem Wege über die Vereinsquelle nach Kalten- 
leutgeben kommt man zuerst über das Neokoin. Kalkmergel und 
Mergelkalke, zum Teil als Fleckenmergel entwickelt und reich an 
ockerigen Einschlüssen, wie in den Hauterivemergein am Flösselberge 
und auf der Fischerwiese. Die Schichten streichen zuerst gegen 
NNO schräg über den Weg mit westlichem Verflachen, weiterhin 
etwa 10 m tiefer nach hora 3 mit SO-Verflächen, so daß hier wohl 
eine etwas verschobene Schichtenmulde anzunehmen ist. 20 m tiefer 



Fig. 8. 




Hauptdolomitfels unterhalb der Vereinsquelle, vom Jurafeh 

blickend. 



aus gegen NW 



ändert sich der Gesteinscharakter und stellen sich graue Kalke ein J ), 
auf welche dann der Jurakalkfels links vom Wege folgt, der seiner- 
seits talabwärts an Hauptdolomit angrenzt, der die spitz und steil 
aufragende Felszinke (Fig. 8 u. 9) bildet, welche, vom Wege aus ge- 
sehen, wie ein Riesenfinger aufragt, während sie dem Jurafels ihre 
obere Breitseite zuwendet. Der Jura tritt, vom Buschwerke versteckt, 
in der Form von lichtrötlichen und roten Kalken auf, welche Fossilien 
umschließen. Crinoidenstielglieder sind am häufigsten zu finden, doch 
sammelte ich auch einige Ammonitensteinkerne, Belemniten in Quer- 



') Bei der Vereinsqaelle sammelte ich (1893) Lithodendronkalk. der vom 
Großen Flössel stammen dürfte. 



[29] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 27 1 

und Längsbrüchen, eine Peden- Schale und dergleichen. Der best- 
erhaltene Ammonit darf wohl als zur Gruppe des Plu/lloceras medi- 
terraneum Neum. gehörig angesprochen werden; der Nabel ist eng, 
die Einschnürungen ziemlich deutlich. Ähnlich ist Phylloceras Capitanei 
Puscli. Ein zweites Stück fällt durch die Zweiteilung des ersten Seiten- 
lobus auf. Die Pecten-Schale, eine flache, leicht gewölbte linke Klappe, 
zeigt eine wohlausgeprägte, konzentrische Runzelung. Die Ohren sind 
nicht scharf abgesetzt, wodurch das Stück sich an Peden (Camptonectes) 
lensSoic. (Goldf., Petr. germ., Taf.XCI, Fig. 3, II, S. 46 des Giebelschen 
Textes) anschließt. Die Ammoniten entnahm ich dem Gipfelfelsen selbst. 



Fig. 9. 







Hauptdolomitfels unterhalb der Vereinsquelle, vom Waldwege aus. 

Die Jurakalke sind undeutlich bankig geschichtet. Das Juravorkommen 
streicht nicht quer über den Weg, wie es auf der Stur sehen Karte 
(1:75.000) gezeichnet wurde, sondern tritt, wie auf der Sturschen 
Originalkarte richtig angegeben ist, nur auf der Südseite auf, 
während ich auf der rechten nördlichen Seite, am Westhange des 
Großen Flösselberges, zunächst nur graue Kalke vorfand, welche dem 
Rhät entsprechen dürften, wie mitvorkommende spärliche Fundstücke 
mit Kössener Fossilien andeuten, welche an die Kalke des Kleinen 
Flössel erinnern, oder an die neue Fundstelle an der Hochstraße 
(Höllensteinstraße) weiter in WSW. Bis zur Einmündung des Weges 
in die Gaisbergstraße traf ich nur noch Hauptdolomit. 

35* 



272 Franz Toula. [30] 

Oberhalb des Juravorkommens im Graben der Vereinsquelle 
führt ein alter, jetzt „verbotener" Fahrweg in einer flachen Talmulde 
gegen den Steinbruch am Großen Flössel zuerst nach 0, dann 
gegen NO etwa 60 m hoch hinan. Am Beginne dieses Weges treten 
graue, dichte, weißaderige Kalke (Rhätkalke) auf, und zwar bei dem 
steinernen Kreuz im Walde. In der Mulde selbst mit weichem, ton- 
reichem Waldboden, treten mergelige Gesteine zutage, wie dies schon 
die Stur sehe Karte angibt. Auch ein grauschwarzer, weißaderiger 
Hornstein wurde gefunden. Geht man vom Sattel im Walddurchschlage 
gegen die Spitze des Großen Flösseis hinan, so kommt man 
etwa 10 m unter der Höhe, am Steilhange des Berges, auf hellgraue, 
dichte Lithodendronkalke, welche sich durch das Vorkommen von 
gelblichgrauen Kalken mit Terebratula gregaria als dem Kössener 
Horizont entsprechend zu erkennen geben. Am Gipfel selbst finden 
sich helle dolomitische Kalke: Hauptdolomit. Das Neokom reicht bis 
an den Fuß der obersten steileren Böschung des Großen Flössel. An 
dem neuen, höher gelegten Waldfahrwege stehen, wie erwähnt, noch 
die Neokommergel an und sind immer sehr reich an den typischen 
Neokom-Aptychen. Diese Mergel reichen ostwärts bis an die gleichfalls 
schon erwähnten Lias-Crinoidenkalke am alten Fahrwege, etwa 40 m 
unterhalb der Gipfelhöhe des Großen Flössel (578 m). Auf dem Wald- 
wege östlich von dem Fahrwege, vor dem rotmarkierten Wege (auf 
Freytags Karte nicht bezeichnet), kommt man auf die roten Gosau- 
sandsteine mit kalkigem Bindemittel, sowie auf Gosaukonglomerate, 
die bis zur Kuppe (554 m) anhalten, und bis zum „Großen Sattel". Am 
Wege zur Kugel wiese fand sich ein Findling von Lias-Crinoidenkalk. 
Die Kuppe (503 m) genau östlich vom Großen Flössel besteht aus 
Dolomit und Brecciendolomit. — 

Aus dem mittleren Stücke des Flösselgrabens zieht ein 
Seitengraben gegen SO hinauf (zwischen Kote 503 und 551). Oberhalb 
desselben stehen, noch im Flösselgraben, und zwar an seinem rechten 
Hange, typische Neokommergel an, in welchen sich Aptychen und 
Ammoniten finden, welche an jenen Seitengraben hinanreichen, bis zu 
einer kleinen steilwandigen Klamm, welche in rote Jura-(Dogger)-Kalke 
und dahinter anstehende Lias-Crinoidenkalke eingeschnitten ist. 

Diese Klamm wird durch eine Felsmasse gebildet, die ganz 
ähnlich jener am Jurafels im Fischerwiesengraben auftritt. Sie zieht 
sich nach NO bis zur Höhe von 70 m über ihrem Eingange hinauf, 
gegen den Kleinen Flössel hin. Die Bänke scheinen nach hora 4 zu 
streichen und fallen gegen NW. In den zunächst dem Eingange an 
der linken Seite auftretenden roten Kalken fanden sich kleine wohl- 
erhaltene Steinkerne von Seeigeln, die sich als Disaster (Collyrites) 
<•/'. ovalis Leske bestimmen lassen. Sie gleichen recht gut den von 
Quenstedt (Echinodermen, Taf. 84, Fig. 14—19) und von G. Laube 
(Die Echinodermen von Baiin, pag. 5, Taf. I, Fig. 3) abgebildeten Stücken. 
Disaster ellipticus Quenst. (Jura, Taf. 62, Fig. 16) aus dem braune Jura 
ist gleichfalls eine ähnliche Form. Auch eine gefurchte Belemniten- 
keule fand sich, die an Belemnites fusiformis oder canaliculatus erinnert. 

Dahinter fanden sich in roten dichten Kalken undeutliche Bivalven 
und ein zur Gruppe des Ammonites Humpliriesianus gehöriger Ammonit. 



[31 1 Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 273 

Auch größere Terebrateln sammelte ich, ähnlich der Terebratula pero- 
valis, sowie Rhynchonellen, von welchen ein Stück der Rhynclwnella 
inversa Opp. (1. c. Taf. XIII, Fig. 5), ein anderes der Rhynchonella 
varlans Quensi. (Jura, Taf. 38, Fig. 82), ein drittes der Rhynchonella 
Ehingensis Quenst. (Brachiopoden, Taf. 39, Fig. 15) nahe steht. Außer- 
dem wurden große runde und niedrige Crinoidenstielglieder gesammelt. 

In den liegenden Lias-Crinoidenkalken fand sich eine kleine 
zierliche Terebratel mit vertiefter kleiner Klappe, welche der Form 
nach am besten zu Terebratula BeyricM Opp. (1861, Tal XI, Fig. 3) 
zu stellen ist, sowie eine große Rhynchonella aus der Gruppe der 
Rhynchonella belemnitica Quenst. 

Rechts oberhalb des Steilhanges, ober den obersten Jurafelseu 
kommt nur Dolomit herab. Dann folgen, dem Sattel am Kleinen Flössel- 
berge zu, die roten Hornsteinmergel, und helle graue Mergel mit kleinen 
Aptychen aus der Gruppe des Aptychus Seranonis, welche bis gegen 
die Rhätfelsmassen hinanreichen, auch in der vom Sattel gegen ONO 
hinabziehenden Versuchsrösche anstehen und ganz das Aussehen der 
typischen Zementmergel haben. — 

Westlich vom Ausgange des Flösselgrabens liegt ein kleiner Auf- 
schluß, in welchem gelbliche plattige Kalke unter dolomitischen Kalken 
anstehen, welche wohl dem Wengener Horizont entsprechen dürften. — 

Der alte Steinbruch (Fig. 10) auf der rechten Seite des 
Kaltenleutgebener Tales, unterhalb der Zementfabrik (an der Bahnlinie), 
zeigt zu unterst die eigenartigen Knollenkalke, welche sich eine Strecke 
weit unmittelbar an der Bahnlinie nach abwärts verfolgen lassen, wo 

Fig. 10. 




Alter Steinbruch unterhalb der „Zementfabrik 4 ' neben dem Bahngeleise. 

1. Knollenkalk. — 2. Terebratelkalk und hellgraue, weißaderige Kalke. — 3. Mergel - 

schiefer mit dichten Mergelkonkretionen. — 4. Sandige, schiefrige Masse (oberer 

Muschelkalk und Lunzer Sandstein). 



sie weitentblößte Schichtoberflächen darbieten. Im Steinbruche liegen 
sie im Hangenden von typischen Muschelkalkbänken, hellgrauen, weiß- 
aderigen Kalken, die bankweise ziemlich reich sind an Terebratula und 
Spiriferina und an kleinen runden Stielgliedern, denselben Formen, 



274 Franz Tonla. [32] 

wie sie in den mittlerweile fast ganz abgebauten Terebratelbänke 
führenden Muschelkalken oberhalb der Waldmühle auftraten. Mehr- 
fache Verwürfe zerstücken die Gesteine, und im oberen (westlichen) 
Teile erscheinen die Muschelkalkbänke, an einer Kluft, an Mergel- 
schiefer mit dichten Konkretionen hinangepreßt. Lunzer Sandstein 
reicht von oben herein. — 

Von der Wiese am Huberram am grünmarkierten Wege 
zur Gaisbergwi e se. Auf der ersteren Wiese, wie schon erwähnt, 
ein Rhätfindling. Im W T alde hinan kommt man zunächst über graue, 
mergelige, dichte und netzaderige Kalke (Rhät ?). Auf der ebenen 
Wegstrecke treten neokome Mergelkalke hervor. Man geht über W — 
streichende Schichtköpfe derselben. Das Neokom grenzt hier gegen 
Nord an dickbankig wohlgeschichtete, stark zerklüftete Kalke, deren 
Altersbestimmung, ob Rhät, wie ich meinen möchte, ob Opponitzer 
Kalk, ich dermalen offen lassen muß. Fossilien sind freilich selten, 
doch fanden sich vor dem steilen Abstiege Terebrateln. Streichen 
hora 5 (ONO) und Verflachen mit 45° gegen SSO. — 

Auch an dem Gaisbergfahrwege, von der Meierei 
gegen den Kamm, treten graue netzaderige Kalke mit mergelig- 
schiefrigen Zwischenmitteln auf. Undeutliche Fossilienspuren sind 
nur sehr selten zu finden. Die Schichten streichen hora 4 (fast genau 
NO) und verflachen gegen NW. Gegen den Brecciendolomit zu werden 
die Bänke der netzaderigen Kalke dünnbankig. — 

Auf der Win ternitzstraße nach Kalte nie utgeb en 
kommt man über dolomitische Kalke (Hauptdolomit), welche bis zum 
Vereinsquellenweg anhalten. 

Unterhalb kommt man dann an graue dichte, in Felsen auf- 
ragende Kalke mit runden Crinoidenstielgliedern. Dann folgen Lunzer 
Sandsteine. Dort, wo der „Jubiläumsweg" abzweigt, treten wieder, und 
zwar hier in typischer Entwicklung, Kalke mit runden Crinoidenstiel- 
gliedern auf. Dann folgt der Straßeneinschnitt im Lunzer Sandsteine. 
Auch das mergeligkrümelige Material tritt hier, wie oberhalb der Wald- 
mühle, auf. Gleich nach der großen Straßenkrümmung gegen SW (gegen 
das Kreuz zu) stehen dann dieselben dünnplattigen und vielgefalteten 
mergeligen Kalke an, wie auf dem steilen Zickzackwege oberhalb der 
Emmelschen Heilanstalt und unten im Enimelschen Parke. Vielleicht 
ist es oberer Jura oder Tithon. Sehr ähnlich sind auch die roten 
Gesteine im obersten Steinbruche auf der linken Talseite der Dürren 
Liesing, zu oberst im Wienergraben. 

Weiter unten kommt man am Fußwege auf dunkle, weißaderige 
Kalke, welche den Gutensteiner Kalken gleichen. Im Walde gegen 
den Kalkofen zu trifft man dann den typischen, aderreichen Muschel- 
kalk mit vielen kleinen Kügelchen, aber auch mit großen Kieselkalk- 
konkretionen. Der Muschelkalk und die mittlere Trias überhaupt 
scheinen hier eine größere Verbreitung zu haben, doch sind die Ver- 
hältnisse etwas stark gestört und werden noch mehrfache Begehungen 
notwendig sein, um die eine oder andere bessere Aufschlüsse ge- 
währende Stelle aufzufinden. — 

Von der Gaisbergfahrstraße kommt man am unteren Wiesenrande, 
wo graue, weißaderige Kalke anstehen, an dem (grünmarkierten) 



|33] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbacbes. 275 

Fußwege durch den Waldgraben. Auf demselben findet man rötlich- 
graue, weißaderige Kalke mit gelblichen mergeligen, dünnplattigen 
Lagen („Wengener" Horizont). Auch Zellenkalke finden sich und 40 m 
tiefer graue, weißaderige Kalke, die auf der rechten Grabenseite Felsen 
bildend anstehen und dem „Reiflinger Kalk" entsprechen dürften. — 

Von der Gaisb ergmeierei gegen W und dann in den Graben 
östlich vom Brandel nach 0, zum Steilwege, und in den Em meischen 
Park hinab. 

Zunächst im Walde über dolomitische Kalke. Am Rande des 
Waldes gegen die Wiese (zirka 30 m tiefer) stehen graue, dichte 
Kalke an mit Spuren von Fossilien (auch Crinoiden): Muschelkalk. 

Auf der Westseite der Wiese erhebt sich eine Steinwand. Im 
Walde daneben, anstehende rötliche Kalke. Fossilien wurden nicht 
aufgefunden. Weiter aufwärts im Graben in einem Bruche ein P'els- 
kopf aus steil aufgerichteten, dunkelgrauen, dolomitischen Kalken. 

Der Wandfels unten, etwa 60 m unter der Meierei, ragt 40 m 
hoch empor und erstreckt sich von N nach S, ganz ähnlich den Jura- 
kalkriffen im Fischerwiesengraben. 

Am rechten Grabenrande, etwa 15 m unter dem Fuße der Fels- 
wand, stehen graue, wohlgeschichtete Kalke an, mit gelblich mergeligen 
Schichtflächen. Sie enthalten Cidaritenstacheln und Crinoiden, auch 
kleine Pentacriniten, ähnlich jenen wie im Muschelkalke am Hunds- 
kogel. Sie streichen hier W — Ü und verflachen gegen N mit 35°. Die 
Bänke sind sehr dünn mit plattiger Absonderung (2 — 3 cm mächtig). 

Im Walde gegen Süd hinan kommt man wieder auf rötliche, zum 
Teil breccienartige, zum Teil dichte Kalke, die das auf der St urschen 
Karte angegebene Juravorkommen oberhalb der Dr. Emmelschen 
Heilanstalt bezeichnen. Auch Felsköpfe aus dolomitischem Kalke im 
Walde. Gegen den Promenadeweg hinab kommt man vorübergehend 
auch über anstehende grauschwarze, weißaderige Kalke. Auch graue 
Kalke mit Schädelnahtschichtung finden sich. 

Vom unteren Ende der Gaisbergwiese, wo der Zickzackweg zum 
Emmelschen Parke beginnt, der über einen sehr steilen Hang hinab- 
führt, trifft man auf dessen ganzem Verlaufe steil aufgerichtete, fein- 
gefaltete, dünnplattige bis schiefrige, graue und rote Kalke, die bis 
hinab in den Park anhalten. Am Steilhange streichen sie hora 2 und 
verflachen steil gegen West oder stehen sogar am Kopfe. Diese Ge- 
steine gleichen jenen schon erwähnten im obersten Steinbruche im 
Wienergraben an der nördlichen Seite des Kaltenleutgebener Tales 
(oberer Jura?). — 

Auf dem Wege, der vom Jägerhaus oberhalb Kaltenleutgeben 
über die Wallner-, Stier- und Siegelwiese zum Kreuz- 
sattel hinaufführt. Nach Sturs Karte war von der Wallnerwiese 
ab, bis wohin sich die Flyschzone erstrecken soll, nur mehr Gestein 
der oberen Trias zu erwarten. Daß die weitausgedehnten Wiesen das 
anstehende Gestein verhüllen würden, war vorauszusehen. In der Tat 
reicht das Flyschgestein meiner Auffassung nach viel weiter nach 
aufwärts. Erst auf der Stierwiese traf ich hie und da Dolomitbrocken 
neben dunklen hornsteinreichen Kalken, welche plattigschiefrig sind 
und von weißen Kalkspatadern durchsetzt werden. Dieselben fanden sich 



276 Franz Toula. [34] 

auch noch an der Südecke der Stierwiese neben mergeligen Schiefern. 
Typischen Lunzer Sandstein traf ich erst 180 m über dem Jägerhause, 
im Walde unterhalb der Siegelwiese, neben Kalken mit undeutlichen 
Crinoiden. Am unteren Waldrande treten dichte Mergelkalke auf mit 
dunklen Flecken : Fleckenmergelkalke. 

Eine Angabe über Lagerungsverhältnisse läßt sich bis zum Kreuz- 
sattel hinauf nicht machen. 

Da der im vorhergehenden besprochene Kreuzsattelweg keinerlei 
Aufschlüsse bot, versuchte ich es solche auf dem nach Osten hin zu- 
nächst gelegenen Wege zum Vorderen Langenberg zu erhalten, 
wenngleich auch hier der Vegetationscharakter nicht viel erwarten 
ließ. Sichere Flyschgesteine reichen bis über 70 m hoch über den 
Eingang aus dem Liesingtale hinan, also etwas weiter, als nach Sturs 
Karte zu erwarten war. Dann folgen Funde von Fleckenmergel und 
braune glimmerige Sandsteine. Am oberen Rande der Stierwiese, etwa 
100 m über dem Grabeneingange, traf ich im Walde abermals Flecken- 
mergel und dichte, plattig brechende Mergelkalke mit Chondrites intri- 
catus(l). Erst bei 180 m Höhe über der Liesing steht sicher Dolomit 
und Brecciendolomit an, aus welchen die Hänge bis zum kaum 25 m 
höher gelegenen Sattel des Langenberges bestehen. Zwischen dem 
Beginne des Dolomits und jenen Chondrites-Mergeln fand ich nur die 
uns am Kreuzsattelanstiege bekannt gewordenen dunklen, weißaderigen 
Kalke mit schwarzem Hornstein, Gesteine, deren genaueres geologisches 
Alter ich bisnun nicht anzugeben vermag. Nach Sturs Karte wäre 
auf dieser Wegstrecke Lunzer Sandstein anzunehmen. Nach dem, was 
ich auf den beiden Wegen zu sehen Gelegenheit hatte, finde ich die 
Angabe auf Czjzeks erster Karte vom Jahre 1849 sehr begreiflich, 
auf welcher dem „Wiener Sandstein" am rechten Ufer des Liesing- 
baches eine viel weiter gehende Verbreitung gegeben wird, als auf 
Sturs Karte vom Jahre 1860. Freilich wird auch noch der Kamm 
des Langenberges mit einbezogen ; das oberste Vorkommen der Flysch- 
gesteine bilden, wie mir scheinen will, sicher die erwähnten Chondrites- 
Mergel in 110»» Hanghöhe. 

Die Besprechung der schmalen Kalksteinzone am linken Ufer 
der Dürren Liesing, die etwas oberhalb der Dr. Winternitzschen 
Wasserheilanstalt beginnt und an den Flysch angrenzt, werde ich 
einem späteren Zeitpunkte vorbehalten. Einstweilen nur einige An- 
gaben über den Wien er graben. 

Im Wienergraben, auf der linken Talseite des Kaltenleutgebener 
Tales, oberhalb der Waldmühie, worüber schon M. V. Lipoid (1865) 
und der Autor (1871) Mitteilungen gemacht haben, fand ich, gleich 
oberhalb der alten Halde mit den dunklen „Partnachschichten" und 
Lunzer Sandstein, schon 1894 auch Tonschiefer und Kalke mit 
kleinen hochgewundenen Gastropoden, welche an die von Gümbel 
als Eissoa (dp/na bezeichneten Formen erinnern. Die Verhältnisse in 
der schmalen Zone, durch welche sich der Graben hinabzieht, sind 
ungemein verworren: zerstückte und verschobene Schollentrümmer. 
In dem unteren Steinbruche treten dicht neben dem gestörten Lunzer 
Sandsteine Brecciendolomite über hellgrauen, dunkelfleckigen, ver- 



[35 1 CtcoI. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaclies. 277 

wittert gelblich umgefärbten Mergeln auf. In dem großen Schotterbruche 
weiter oben, nahe an der Grenze des Flyschgebirges, treten hellgelbe 
und rote mergelige, im Liegenden gefältelte und dünnplattige Gesteine 
auf, welche an oberen Jura oder Tithon denken lassen und an die 
Gesteine am Zickzackwege vom Emmelpark gegen die Gaiswiese hinan 
erinnern, so daß an eine schräge Überquerung des Kaltenleutgebener 
Tales gedacht werden könnte. 

In einem aufgeschlossenen Steinbruche, etwa 65 m über dem 
Eingange des Wienergrabens, wurden früher dolomitische Kalke, zur 
Zellendolomitbildung geneigt, abgebaut. Geht man von dem Schotter- 
bruche auf dem Förderwege, an der Steinbrechmaschinenanlage vor- 
über gegen Ost, so kommt man an dolomitischen Kalken im Liegenden 
von gelblichen, plattig schiefrigen Sandsteinen vorüber, westlich ober- 
halb der Kalköfen, gegenüber dem seinerzeit an ßrachiopoden reichen 
Waldmühlbruche (am Zaintaleingang), an einen Aufschluß im Liegenden 
von typischem Lunzer Sandstein, in dem wohlgeschichtete, Hornstein- 
knauern umschließende Kalke anstehen, welche gegen NNO streichen 
und westlich verflachen (45°), Kalke, in welchen sich spärliche Fossilien, 
Crinoiden und Terebrateln, finden (Muschelkalk). 

Auf dem Wege zum Wienergraben, am linken Talhange gegen 
die Endstation der Bahn, kommt man dann über helle, gegen den Berg 
fallende dolomitische Kalke, und Zellenkalke und über Lunzer Sand- 
stein, von dem man Verwitterungskerne findet. Bei dem Hause vor 
der Einmündung des über die Wiese oberhalb der Bahnlinie (nahe der 
Endstation) führenden Weges gegen die Hauptstraße, liegt ein Auf- 
schluß, welcher die unter dem Lunzer Sandsteine lagernden Muschel- 
kalkschichten recht gut beobachten läßt. Helle, dolomitisch aussehende 
Kalke, zu oberst (unter dem Lunzer Sandsteine), und dünnbankige 
Kalke, die den „Reiflinger Kalken" gleichen, zu unterst, in etwas 
steilerer Stellung als die oberen, in übereinstimmender Lagerung auf- 
tretenden Schichten. Gelblich mergelige, schiefrige Lagen sind nach 
oben zu eingeschaltet. Mir gelang es nicht, Fossilreste zu finden, doch 
erinnere ich mich, daß F. Karr er, vor Jahren in den gelben Mergel- 
kalkschiefern Cardita- artige Abdrücke aufgefunden hat. 



3. Giesshübel West und Nord. 

Den Gemeindekogel nördlich bei Gießhübel bezeichnet 
Stur als Hierlatzkalk. In der Tat spielt Crinoidenkalk bei seiner 
Zusammensetzung eine wichtige Rolle. Am Gemeindekogel fand ich 
jedoch nur Trümmergestein, und zwar nicht nur am Hange ober- 
flächlich, sondern auch die kleinen Wände in dem kurzen schlucht- 
artigen Graben zwischen Gemeindekogel und dem Inzersdorfer W T ald- 
berge bestehen aus einer Breccie aus Hornstein- und Crinoidenkalk 
mit Kalkspat in den Klüften. In den Kalken der Wand finden sich 
hie und da, recht spärlich, Belenmiten. 

In der Breccie treten große Brocken von Crinoidenkalk auf, 
rings von Hornsteinbruchstücken wie ummauert. 

Auf der Höhe des Gemeindekogels finden sich vereinzelt auch 

Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 36 



278 Franz Toula. [36] 

plattige Sandsteine der Gosau und graue dichte Kalke, welche an die 
Opponitzer Kalke und an den Kalk der Kössener Schichten erinnern. 
Im Graben selbst fand sich ein Block als Findling, der Muschelreste 
umschließt, darunter ein zweifelhaftes Stück von Ävicula contorta. 
Auch Anomia ßssicostata dürfte, nach Bruchstücken zu schließen, vor- 
kommen. Dieser Findling stammt wohl vom Inzersdorfer Waldberge 
her. Die Annahme, daß der Gemeindekogel aus Liasgesteinen bestehe, 
scheint mir nicht sicher begründet zu sein, man hat es dabei wohl 
mit einer Blockbreccienanhäufung zu tun, die jurassischen oder kretazi- 
schen Alters sein könnte. 

Am unteren Ausgange des kleinen Grabens am Gemeindekogel 
befindet sich ein neuer großer Steinbruch (Fig. 11), der behufs Schotter- 
gewinnung angelegt wurde, am äußersten Vorsprunge des Inzersdorfer 
Waldberges. Das jetzt im Abbau begriffene, von vielen Klüften durch- 
zogene Gestein ist ein hellfarbiger, graublauer oder rötlicher Hornstein- 
kalk ohne deutliche Schichtung, mit Neigung zur Breccienbildung. 



Fiar. 11. 




1. Sehr grobe Blockbreccie. — 2. Rote, tonigkonglomeratische Zwischenlage. 
3. Hornsteinkalk (Schottermaterial). 



Eine Hauptkluft scheint diese feste Masse von aufgelockertem, reich 
zerklüftetem, mürbem Material, von dem den Hang zusammensetzenden 
Gestein zu trennen, welches abgeräumt und fortgeschafft wird. Dieses 
Material dürfte mit dem gegen Süden am Gemeindekogel auftretenden 
„Liasgestein" übereinstimmen (1). Zwischen diesen beiden Gesteins- 
partien scharen sich Klüfte und in ihrem Bereiche tritt ein blutrotes, 
tonigkonglomeratisches Gebilde auf, bei dem man an Gosaukonglomerate 
mit reichlichem, tonigmergeligem Zwischenmittel denken könnte. Der- 
artige tonige, rote Partien treten auch in dem nördlicher gelegenen 
neuen Aufschlüsse, an den Brustwänden, zutage. Man wäre versucht, 
an eine Überschiebung der Hangendpartie gegenüber dem liegenden 
hornsteinreichen Hauptschottermaterial zu denken. — 

Zwischen dem Inzersdorfer u n d V ö s e n d o r f e r W a 1 d- 
berge wurde neuestens eine Straße angelegt, welche zu einem neu- 
aufgeschlossenen Steinbruche führt. Derselbe liegt dort, wo der Weg 
über den Sattel zwischen Vösendorfer Wald und dem Kleinen Sattel- 
berge nach Süden herabkommt. 



[37] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesin g- und dos Modlingbacb.es. 279 

Hier steht typischer, lichtrötlicher Lias-Crinoidenkalk an, der 
klippenartig aufragt und sich nach NW hin gegen die Höhe des 
Kleinen Sattelberges hinanzieht. Es ist echter Hierlatzkalk, fast nur 
aus Crinoidenstielgiiedern bestehend, vollkommen übereinstimmend mit 
dem Crinoidenkalke auf der Gießhübler Viehweide gegen den Nackten 
Sattel hin. Terebrateln und Rhynchonellen finden sich hier wie dort. 
Eine der Terebrateln erinnert an Terebratula sinemuriensis Oppel (1861). 
Eine kleine PJii/nchonella mit sieben mittleren Rippen auf der kleinen 
Klappe dürfte zu EJnjnchonella polyptijcha Oppel (1. c. 1861, Taf. XII, 
Fig. 4) zu stellen sein. Eine glatte ideine Pecten-Sdmle erinnert an 
Pecten strionatus Quenst. (Jura, Taf. XVIII, Fig. 21), doch lassen die 
Ohren keine Streifung erkennen, wogegen die beiden Seitenränder 
etwas furchig eingedrückt erscheinen. Man könnte auch an Pecten 
liasinus Nyst-Oppel denken. 

An der kleinen Waldstraße zwischen dem Inzersdorfer und 
Vösendorfer Walde finden sich Gosausandsteine und Hornsteinbreccien. 
Bis zur Kammhöhe hinauf halten die roten (Lias-) Kalke an. Am 
Nordhange, bis weit hinab ist das Gestein unter einer Humusdecke 
verborgen, ähnlich wie am Inzersdorfer Waldberghange. Die Findlinge 
sind durchweg rote und rötliche Crinoidenkalke. Weiter unten finden 
sich wieder solche aus grauem Hornsteinkalke auf der sanften Böschung. 
Die mergeligen Aptychenkalke des nahe im Osten liegenden Zement- 
bruches reichen etwa bis zur Höhe von 400 m in den Graben hinauf. 
Im Zementsteinbruche sind die Schichten, wie es in dieser 
Gesteinsart gewöhnlich ist, vielfach gestört. Auf der nördlichen Seite 
scheinen sie N— S zu streichen bei westlichem Verflachen. Weiter im 
Süden streichen sie W — und verflachen nach Süd. 

Auf S t u r s Karte ist der Vösendorfer Wald als Opponitzer 
Dolomit eingezeichnet, was auf meinem Wege durchaus nicht stimmt; 
gerade im Vösendorfer Walde erreichen die Liaskalke wohl ihre 
bedeutendste Entwicklung. — 

Der Dolomit des Sonnberges reicht hinan bis an den Vorderen 
Föhren- und den Parapluiberg. An der Straße unterhalb der Wald- 
schenke treten neokome Mergelkalke auf, welche ähnlich so wie am 
Goldbühel oberhalb Perchtoldsdorf an die Gosausandsteine und Gosau- 
konglomerate angrenzen. In den Konglomeraten unterhalb der Wal d- 
schenke treten rote Hornsteine auf. Etwas weiter hinab stellen sich 
die Dolomite und dolomitischen Kalke ein, welche anhalten bis über 
den Einstieg in den Graben, der zur Fischerwiese hinabführt, und noch 
etwas darüber hinaus. 

Von der Einmündung des blaumarkierten Weges der nach Perch- 
toldsdorf führt, in der Nähe des „Steinmandl", stieg ich gegen Süd 
in den Kardinalwaldgraben hinab, über humosem Waldboden, in dem 
sich nur Dolomit und Dolomitbreccienmaterial findet, ohne daß man 
an dem ganzen Steilhange anstehendes Gestein anträfe. Im Graben 
aufwärts fanden sich Brocken von rötlichgrauen und grauen, weiß- 
aderigen Kalken, die sowohl vom Hange im Per chtold sdorf er 
Kardinalwalde, als auch von den nördlichen Hängen herstammen. 
Auch auf dem westlich von der Kote 465 m gelegenen, ganz flachen 

3G* 



280 Franz Toula. [38] 

Sattel fand sich, bis zu dem Wege zwischen dem genanuten Rücken 
und dem Vösendorf er Wal de, nichts anderes. Neokom konnte ich 
nicht auffinden. Weiter unten, auf dem oberen Wege gegen den 
Zementsteinbruch hinab, fanden sich dagegen anstehend graue horn- 
steinführende Kalke und Hornsteinbreccien, sowie rötlichgraue Kalk- 
breccien mit gelbbräunlichem Bindemittel. Auch dolomitische Kalke 
fanden sich in Findlingen. Anstehende Dolomite, wie sie Stur angibt, 
habe ich auf meinem Wege nicht angetroffen. Im Graben selbst treten 
etwa 20 m über dem Steinbruchplanum zuerst etwas dunkelfarbige 
sandige Mergelschiefer und dann lichtgelblichgraue, dichte Mergelkalke 
mit lichtfarbigem Hornstein auf. Die ersteren enthalten auch graugrüne 
Sandsteine mit reichlichem mergeligen Bindemittel. Dieses nimmt 
überhand und enthält die Limonitflecken. Ein unbestimmbarer Ammonit 
und Apti/chus cf. Seranonis wurden aufgefunden. Auch ein Stück eines 
Belemniten, Stücke von Aptychus angulicostatus und Aptychus cf. Mor- 
tilleti Pict. und Camp, (mit nach rückwärts auslaufenden Linien) wurden 
gesammelt. 

Am Südhange des Kleinen Sattelberges, genau NW von 
der Höhe des Inzersdorfer Berges, stehen unten rötliche und grünlich- 
graue, zum Teil dickbankige, zum Teil schiefrigplattige Hornstein- 
kalke an, welche von SW nach NO streichen und gegen NW verflachen. 
Sie reichen etwa 30 m hoch am Abhänge hinan, dann folgen etwa 
40 m mächtig die typischen Crinoidenkalke, während auf der Spitze 
und bis etwa 15 m unter dieselbe reichend licht- und dunkelfarbige, 
rötliche mergelige Kalke mit rotem Hornstein auftreten. 

Ganz ähnliche Hornsteinbreccien treten auch in dem erwähnten 
unteren Steinbruche neben der Fahrstraße zum Kleinen Sattel auf. 

Am Osthange des Nackten Sattelberges (526 m) kommt 
man zuerst über Neokommergel, dann über sandige Kalke (mit jenen 
am Kleinen Sattel übereinstimmend). Auch feinkörnige Gosaubreccien 
treten auf. — Der ganze Nordhang ist wieder mit dicker Humus- 
schichte bedeckt. Auf dem Abstiege, entlang der Schneise im Walde, 
fand sich auch nicht ein Stein. Unten am grünmarkiertem Wege liegen 
dann wieder die Gosaubreccie, neben Fleckenmergeln und typischem 
feinkörnigen Gosausandstein. Es fand sich auch Neokomkalk wie am 
Flösselberge, und zwar mit einem kleinen Belemniten. 

Den Großen Sattelberg (560m) stieg ich an seinem Ost- 
hange an der Schneise hinan. Hier stehen nur typische Neokomkalke 
mit Belemniten und Aptychen an, bis zu etwa 40 m Höhe, in Felsriffen 
vorragend. 

Darüber folgen, an dem kleinen Waldwege, der in der Isohypse 
verläuft, rote Mergel mit Hornstein, undeutliche Fossilien führend. 
Dann kommt man gegen den Gipfel, auf einer kleinen Vorstufe, auf 
hellgrauen, weißaderigen Kalk ohne Fossilien und zu oberst auf Kalk, 
in dem sich an einer Stelle auf der Kammhöhe hochgewundene kleine 
Gastropoden fanden. Von eigentlichem Opponitzer Dolomit (Sturs 
Karte) auf meinem Wege keine Spur! 

Erst südwestlich von der Spitze treten dolomitische Breccien 
auf, darüber graue und rötliche Kalke (vielleicht obere Trias), SW — NO 
streichend und nach S einfallend. 



[39] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des MödHngbaches. 281 

Gegen die Straße über den Großen Sattel liegt ein alter ver- 
lassener Aufschluß in den grauen (Trias-) Kalken. 

Auf der Fahrstraße zum Predigerstuhl (gelbe Markierung) rechts 
Doloniitbreccien. Die Straße ist in dieselben eingeschnitten. Darüber 
rote Gosaukonglomerate und rote Mergelschiefer. Der Prediger- 
stuhl besteht aus festem, zur Breccienbildung geneigten Triasdolomit. 
Auch an der Gießhüblerstraße, unterhalb der Serpentine, stehen 
Dolomit und Dolomitbreccien an, zum Teil von Mergelschutt überdeckt, 
bis zum grünmarkierten Wege reichend. — 

Von Gießhübl aus besuchte ich auch den Tenneberg. Zunächst 
fielen mir die anstehenden Felsen unterhalb der großen Straßenbiegung 
der Sattelstraße (SW davon) auf. 

Es sind Dolomitbreccien, welche in Bänken auftreten, ganz so, 
wie dies im Gebiete des Hauptdolomits der Fall ist. 

Beim Aufstiege zur Plateauhöhe des Tenneberges fand ich sie 
fort und fort bis auf die kleine Vorstufe der Höhe, etwa 40 m über 
dem unteren Vorkommen. Gegen N, den steileren Hang hinauf, kommt 
man über graue dichte Kalke und weiterhin am Westrande auf graue, 
feinkörnige, sandige Kalke unbestimmbaren Alters. (Sollten diese Kalke 
von Stur als Dogger genommen worden sein?) Hie und da finden 
sich wohl Rollsteine von Hornsteinkalken, welche aber erst oben auf 
der Höhe anstehen, wo sich auch ein Aptychus fand. Die Verhältnisse 
liegen somit hier ganz anders, als nach der St urschen Karte anzu- 
nehmen wäre. Die roten Lias-Crinoidenkalke stehen nur in dem Stein- 
bruche an und halten nur bis an den Waldrand an, bilden sonach hier 
nur ein räumlich beschränktes Vorkommen. Sicher als Dogger zu 
deutende Gesteine konnte ich nicht finden, wohl aber offenbar diskor- 
dant über den Lias- und vielleicht Triaskalken („graue dichte Kalke") 
oberjurassische oder neokome rote Aptychen-Hornsteinkalke. Die 
letzteren bilden zu oberst Bänke, welche gegen den Sattel hin kleine 
Wände im Walde bilden (Fig. 12). Auf der Plateauhöhe fanden sich 
gegen den Westhang zu, der steil gegen den Finsteren Gang ab- 
fällt, hie und da feinkörnige plattige Gesteine; die auf Gosau schließen 
lassen. Bekannt sind die Steilhänge des Westhanges, welche eine ziem- 
liche Strecke weit steile Mauern bilden, als wäre eine Scholle von 
Nordwesten her an die jüngeren Gesteine des Plateauberges angepreßt. 
Hier zeichnet Stur Dogger ein. Mir schien es, als wären es ober- 
triassische Riffkalke und dolomitische Kalke. Sie sind hellgrau, dicht, 
teilweise aber auch halbkristallinisch. Hinter der Wand, und zwar 
nahe dem unteren Ende, aber am Rande oben, fand ich einen Block 
des lichtgrauen Kalkes, welcher einige Fossilien, darunter Korallen, 
umschließt. Es ist ein dichter Kalk mit vielen rundlichen, großoolithi- 
schen Einschlüssen. Ich konnte dabei, wie gesagt, nur an gewisse 
obertriassische Riffkalke denken, wie solche zum Beispiel Bittner 
(Hernstein, pag. 135) am Hirnflitzstein gegen die Hohe Wand hin an- 
getroffen hat, die von ihm dem Alter und der Fazies nach als „Hall- 
stätter Kalk" bezeichnet worden sind, während Fr. v. Hauer solche 
„Riesenoolithe" als in die Stufe der Wettersteinkalke gehörig ange- 
sehen hat (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1872, pag. 209). 

Ein recht ähnliches hellgraues, großoolithisches Gestein liegt 



282 



Franz Toula. 



[40] 



im Innsbrucker Universitätsmuseum vom Stanerjoch mit Gyroporella 

aequalis" aus den „Chemnitzienschichten" ; freilich konnte ich daran 
die Gyroporellenstruktur nicht erkennen. 

Eine undeutliche kreiseiförmige Schnecke aus dem erwähnten 
Findlinge hinter den Riffen könnte als Trochus oder Turbo gedeutet 
werden. 

Im südlichen Teile des Tennebergs stehen dolomitische Kalke 
an. Auf der Vorhöhe im SW (Kote 473) graue Kalke, westlich davon, 
gegen die Wände hin, finden sich wieder Breccien mit rotem Horn- 
stein, Gesteine, welche an jene in dem Steinbruche am Osthange des 
Inzersdorfer Waldes erinnern. Auf der Kammhöhe des Tenneberges 
fand ich auch graue dichte Mergel, die wie Neokommergel aussehen. 



Fig. 12. 




Querschnitt durch den nördlichen Teil des Tenneherges. 

1. Wandkalk (Trias). — Iß. Findling von großoolithiscnem Kalke mit Korallen. 
2. Grauer Kalk. — 3. Roter Hornsteinkalk. 



Gerade dieser Teil der Karte (der Tenneberg und die Sattel- 
berge) wird noch weitere Begehungen erfordern, um die verwickelten 
Verhältnisse klarzulegen und obwaltende Zweifel zu beseitigen. 

Auf dem Wege in den Finsteren Gang oberhalb des Jäger- 
hauses, nach der Abzweigung des Fußweges nach Gießhübel, erhebt 
sich, am linken Hange, rechts vom Wege, ein scharfer Grat, mit 
Wände bildenden Felsen aus Mergelkalken, welche spärliche Aptychen 
enthalten und das Aussehen von neokomen Fleckenmergeln besitzen. 
Hier fand ich, neben Aptychen, auch in einem etwas feinsandigen 
Mergelkalke ein kleines Bruchstück eines Ammoniten, der mit ein- 
fachen, an der Externseite verdickten und leicht nach vorn gezogenen 
Rippen versehen ist. Auch ein geradegestreckter Steinkern (Baculites) 
hat sich vorgefunden. Etwas oberhalb traf ich helle, hornsteinführende 
Kalke. Am sanfter geböschten Hange des Mitterberges tritt 
ein Kalksandstein der Gosauformation (Inoceramenbruchstücke um- 
schließend), weiter aufwärts im Tale aber treten auch graue fleckige 



[41 I Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Modlingbaches. 283 

Kalke mit undeutlichen Spuren von Fossilien auf. Eine Altersbestimmung 
der letzteren vorzunehmen, gelang mir hier nicht. — 

Vor der nächsten Talgabelung treten rechts vom Wege nach 
Kaltenleutgeben (grüne Markierung) Wände auf: eine groüe Scholle 
aus rötlichgrauem Kalke mit winzigen spätigen Einschlüssen und mit 
weißen Calcitadern ; viele Rutschflächen. Diese Kalke bezeichnete 
Stur als Dogger. Mir gelang es nicht, irgend etwas Bestimmbares zu 
finden. Dagegen fand ich gleich darauf, noch im Bereiche dieser Fels- 
massen, sichere Lias - Crinoidenkalke mit Avicula inaequivalvis mit 
kleinen glatten, und größeren gerippten Pec^w-Schalen und mit 
kleinen und größeren Rhynehonellen. Es ist zweifellos ganz dasselbe 
Gestein wie an der Sattelstraße oberhalb Gießhübel auf der Viehhalde. 
An der nächsten Talgabelung beginnt der eigentliche Finstere Gang. 
Am rechten Hange des Einganges stehen, an dem Kaltenleutgebener 
Wege, und zwar rechts (östlich), hydraulische Mergel und graue dichte 
Mergelkalke mit spärlichen, aber sicheren Aptychen an, welche behufs 
Schottergewinnur.g für den Waldweg aufgeschlossen wurden, Gesteine, 
welche ganz jenen des Neokom- Aptychenkalkes am Flösselberge 
gleichen. Sie dürften hora 10 streichen und verflachen gegen NO. 

Bald beginnen auf der linken Talseite des Finsteren Ganges die 
Kalkwände, von welchen wieder wie weiter unten die typischen Lias- 
gesteine (Crinoidenkalke) und die rötlichgrauen, weißaderigen Kalke 
herabkommen. Bald stellen sich rote Hornsteinkalke ein, worauf dann 
bis zur Sattelhöhe Mergelkalke mit sehr spärlichen Spuren von Aptychen 
anhalten, die am linken Talhange in niederen Felspartien anstehen 
und stellenweise ungemein reich, förmlich netzartig von Calcitadern 
durchschwärmt sind. An einer Stelle am linken Grabenhange, etwa 
70 m über der letzten Talgabelung, stehen graue und rötliche sandige 
Kalke mit Hornstein an, bei welchen man an Jura denken könnte. 
Die stratigraphischen Verhältnisse sind sonach etwas anders, als nach 
der St urschen Karte zu erwarten gewesen wäre. Der Finstere Graben 
mündet oben in die Sattelstraße aus, und zwar dort, wo sich das 
durch Ebenführer bekannt gewordene Neokomvorkommen befindet. 

Auf der Sattelstraße (Hochstraße) von Gießhübel 
bis an den Tiergarten von S p a r b a c h. 

Zunächst verläuft die Straße im Bereiche der Gosausandsteine mit 
mergeligsandigen Zwischenlagen, welche im oberen Teile des Dorfes 
Gießhübel unmittelbar unter den Häusern anstehen. Sie streichen hier 
westöstlich und verflachen gegen Süd in geringer Neigung, bis zu 15°. 
An der ersten Straßenwendung auf der „Viehhalde" stehen Gosaubreccien 
an, welche zumeist aus Dolomitbrocken bestehen. Nur vereinzelt finden 
sich auch dunkle Hornsteineinschlüsse. Der Lias-Crinoidenkalk ist 
links von der Straße in einem größeren Steinbruche aufgeschlossen 
und reicht den Hang hinauf bis an die Waldgrenze. Die Sattelstraße 
erreicht er nicht. 

Die beiden Steinbrüche auf der Gießh übler Viehweide 
sind in ganz verschiedenen Gesteinen angelegt. 

Der untere zeigt von oben nach unten : Zu oberst eine jüngere 
Schuttmasse als Decke, darunter eine mächtige Masse von Dolomit- 



284 Franz Toula. [42] 

breccien, von einer hora 8 ziehenden Verschiebungskluft durchsetzt. 
Zu unterst treten im nördlichen Teile des Aufschlusses hornstein- 
führende Kalke auf. 

Im oberen Steinbruche stehen die Crinoidenkalke des Lias 
(„Hierlatzschichten") an. An einer N— S streichenden und steil mit 
65° gegen verflachenden Kluft erkennt man recht wohl die Schichtung 
des Kalkes: Streichen W 10° N — O10°S. Zwischen dieser und einer 
zweiten nördlicher liegenden Kluft ist die Liaskalkscholle abgesunken. 
Eine zweite Hauptkluft setzt im nördlichen Teile des Aufschlusses 
nach hora 2 hindurch. — 

An der Straße am Nackten Sattel stehen die eigentlichen Crinoiden- 
kalke nicht an. Dagegen sieht man an einem Straßenanschnitte rechts 
in kurzer Erstreckung braunrote Kalke (Jura) und Breccien aufge- 
schlossen, worauf am Sattel selbst Hornsteinkalke mit westlichem Ein- 
fallen und darüber die von E. Ebenführer aufgefundenen und von 
Uhlig (1884) besprochenen ammonitenführenden, schiefrigen Neokom- 
mergelkalke und Kalkmergel folgen, welche stellenweise breccien- 
artig werden und mit grünlichen und rötlichen Mergeln wechsellagern. 
Sie halten an bis gegen den grünmarkierten, nach Perchtoldsdorf 
führenden Weg, wo sie an Dolomitbreccien angrenzen. Brecciendolomit 
und Dolomit hält nun gegen den Predigerstuhl eine Strecke weit 
an und wurde durch hohe Abgrabungen auf der Nordseite der Straße 
aufgeschlossen, woraus hervorgeht, daß die Ausdehnung der Gosau- 
konglomerate auf der St urschen Karte etwas einzuengen ist. 

Der Hauptdolomit des Predig er Stuhles steht offenbar zu 
den Dolomiten an der Sattelstraße in einer Beziehung und anderseits 
zu jenen des Zuges, der über den Julienturm und, nach kurzer Unter- 
brechung, zu den Föhrenbergen sich erstreckt. Er reicht bis gegen 
das Rote Brünnl hinab. Vom Roten Brünnl gegen SSW Gosau- 
konglomerat, welches auch gegen NNW den Hang hinan anhält, wo 
ich es bis zirka 50 m über das Brünnl hinauf angetroffen habe. 

Bei der Einmündung der Straße über den Großen Sattel 
stehen helle Kalke an, welche auch gegenüber und gegen den Eis- 
graben auftieten. Am Wagneracker schnitt man beim Straßenbau die 
typischen hydraulischen Mergel mit den ockerigen Einschlüssen an, 
welche das Gebiet der ganzen großen Wiese im Eisgraben einnehmen 
und anhalten bis zur Abzweigung des Weges zur Gaisbergmeierei, 
wo Dolomite anstehen. Im Hangschutte verrät sich die Nähe von 
anstehenden Kössener Schichten. Die große Wiese zwischen dem Gais- 
berge und dem nördlichen Mitterberge liegt jedoch gleichfalls auf den 
Neokommergeln. — 

Auf dem Wege über den südlichen Mitterberg gegen das 
Was serge spreng mögen meine Wahrnehmungen mit den Angaben 
der St urschen Karte übereinstimmen. Am Mitterberge findet sich im 
Walde weithin kein Stein ; was sich gegen Süden und Südwest findet, 
spricht für die Stur sehe Annahme, daß man sich im Gebiete der 
Gosausandsteine bewege. 



[43] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesiug- und des Mödliiigbaches. 285 



4. Vorderbrühl — Liechtenstein. 

Oberhalb der „Klausen", die in ihrer Gänze nur in Opponitzer 
oder Hauptdolomit eingeschnitten ist — eine Trennung in zwei 
Dolomithorizonte ist, wie schon Bittner in den Erklärungen zu 
Sturs Karte (1894) hervorgehoben hat, einfach unmöglich — schiebt 
sich am linken Ufer des Mödliiigbaches zwischen den Hängen an der 
Westseite der Dolomite und dem Grillenbühel ein niederer Quer- 
rücken vor (280 m), der auf Sturs Karte (1894) als aus Guten- 
steiner Kalk bestehend bezeichnet ist. Durch denselben ist der Stollen 
zu dem Gipsstocke dahinter getrieben. An seinem Westhange stehen 
zweifellos Werfener Schiefer au, von rötlicher und grünlicher Färbung, 
mit glimmerigen Schichtflächen und mit spärlichen Abdrücken von 
Pleuromyd-a.vtigen Schalen. Auch kleine an Posidonomya aurita er- 
inernde Abdrücke habe ich gesehen, mit konzentrischen Linien und 
Iladiaistreifen am Stirnrande. 

Daß schwarze und weißaderige Kalke (Gutensteiner Kalk) damit 
im Zusammenhang stehen, scheint mir zweifellos zu sein; ich fand 
links vom Promenadewege gegen die Urlauberkapelle mehrfach 
Schollen und Trümmer davon, mit höckerigen Oberflächen (wie bei 
den Plattenkalken von Weißenbach) und mit tonigen Überzügen. An 
der Südostseite aber fand ich wiederholt plattige Stücke und auch 
Blöcke, ganz erfüllt von flachen und glatten Pecten-Schalen, die alle 
in paralleler Stellung auftreten und hie und da die für Pecten ßlosus 
so bezeichnende Zickzackstreifung erkennen lassen. Es sind zumeist 
kleinere Individuen bis zu 3 cm Durchmesser, von schön symmetrischem 
Bau und mit gleichgroßen Ohren (meist linke Klappen). Am südlichen 
Steilhange stehen rötlichgraue lichte Kalke mit Kalkspatadern an und 
darüber scheinen die Hauptdolomite zu lagern. Das Streichen der 
Kalke ist W— mit südlichem Verflachen (60—70°). 

Weiter im Norden, gegen die Sandgrube hin, steht auf der 
östlichen Seite ein lichtgrauer Kalk mit weißen Kalkspatadern an, 
der eine Menge von undeutlichen Fossilien enthält (Bivalven und 
Brachiopoden). Auf dem Ptücken selbst liegt Blockwerk verschiedener 
Art herum; so in dem kleinen Föhrenwäldchen rötlichgraue, weißaderige 
Kalke mit Hornsteineinschlüssen, an gewisse noch zu erwähnende 
Anningerrhätgesteine erinnernd. 

Zu den Werfener Schiefergesteinen gehören offenbar auch gewisse 
Kalke mit Fossilien; so Kalkschiefer mit glimmerigen Schichtflächen 
und vereinzelten Crinoidenstielgliedern, solche mit Gastropoden (viel- 
leicht Naticella costata) und mit ziemlich großen Myophorien (vielleicht 
Myoplioria cardissoides). Die letzteren finden sich in graugrünlichen, 
feinkörnigen Kalken mit vielen Glimmerschüppchen. Auch rötlichgraue 
Kalke mit Pleuromyen (Pleuromyafassaensis oder Plearomya musculoides) 
fanden sich. Auf einem grauen, feinsandigen, fast dicht zu nennenden 
Kalke fand sich ein Körperchen, welches mich an Accrodus Gadlardoti 
Ag. erinnerte, wenngleich die Ornamentierung der Oberfläche etwas 
gröber ist. Ein dichter grauer Kalk mit gelbgefärbten, walzlichen Ein- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 66. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 37 



286 Franz Toula. [44] 

Schlüssen von elliptischen (vielleicht durch Pressung deformierten) 
Querschnitten fand sich gleichfalls. 

Der besagte Rücken dürfte sonach aus Werfener Schiefer und 
den Kalken in seinen Hangendpartien, aus Gutensteiner Kalk und aus 
Opponitzer Kalk und -Dolomit bestehen, sonach von komplizierterem 
Baue sein, als man nach Sturs Karte annehmen müßte. Wenn sich 
auch sichere Wengener Schichten oder Lunzer Sandsteine gefunden 
hätten — ich fand nur einen feinkörnigen Kalkschiefer, der an Cardita 
erinnernde, schlecht erhaltene Muschelreste lieferte — so wäre kaum 
zu bezweifeln, daß dieser Rücken als die Fortsetzung der unteren 
Trias am Nordfuße des Kleinen Anninger aufzufassen sei, was bis 
nun nur als eine Vermutung angedeutet werden kann. Vielleicht gelingt 
es bei neueren Aufschlüssen, eine vollkommene Aufklärung zu gewinnen. 

Das Gripsvorkommen, nur von Schuttmassen überdeckt, 
scheint hora 3—4 zu streichen und nach S einzufallen (im großen 
alten Schachte). Es ist von roten und grünen Schiefern und Letten 
begleitet. (Aus einem älteren Notizbuche.) 

Die kleine Anhöhe beim Stollen zum Gips des Wagnerkogels 
(Kote 280) ist jetzt durch eine neu angelegte Straße, die zum Hotel 
Radetzky hinaufführt, aufgeschlossen. Am Beginne dieser Straße stehen 
helle dolomitische Kalke an, ganz ähnlich jenen am Westhange des 
Kalender- oder Kirchberges ; unter denselben lagern dünnplattige, 
etwas mergelige Kalke (Streichen NO — SW mit SO-Verflächen unter 
40°), mit der Lumachelle der Opponitzer Kalke von hellrötlichgrauer 
Färbung, mit Ostreen, Pccten filosus v. H. und unbestimmbaren Myacites- 
artigen Bivalven. Hier fand sich ein Findling mit scharfkantigen Penta- 
crinitenstielgliedern, deren Seitenfurchen tief eingreifen, wodurch sie 
sich von Pentacrinus bavaricus Winkl. ganz bestimmt unterscheiden 
und jenen Stielgliedem ähnlich werden, welche ich beim Weißen Kreuz 
am Hundskogel in den dortigen Reiflinger Kalken aufgefunden habe. 

Weiter hinauf sind die dunkelklüftigen dolomitischen Kalke in 
einem Straßeneinschnitte tief aufgeschlossen. Auch förmliche Breccien- 
kalke treten wohlgeschichtet auf. Nach der Einsattelung des schmalen 
Rückens stehen im Föhrenwalde, gegen das genannte Hotel hin, dichte 
lichtrötlichgraue Kalke an, welche eine Menge kleiner Fossilien ent- 
halten, darunter auch eine biplikate kleine lerebratala, die ich als 
Waldheimia gregaria Suess ansprechen möchte. 

Auf der Stur sehen Karte wird in der Senke zwischen dem 
Wagnerkogel und dem Kalenderberge „Gosau" eingezeichnet. Ich 
muß gestehen, daß es mir nicht gelungen ist, neben den Brocken ver- 
schiedenen Alters, anstehendes Gestein aufzufinden. Man hat es dabei 
offenbar mit Schuttanhäufungen jüngeren Alters zu tun, ein Material, 
welches aus aufgelösten Konglomeraten herstammen mag, wie diese 
an dem vom Hotel Radetzky nach dem Liechtenstein führenden 
W T ege und gegen das „Urlauberkreuz" hin, sowie in den be- 
kannten Aufschlüssen an der Ostseite des Grillenbühels anstehen. Es 
sind ausgesprochene Breccien von feinerem und gröberem Korne, in 
mächtigen, horizontal lagernden Bänken geschichtet und von Saiger- 
klüften durchsetzt. Die dolomitischen Brocken sind vielfach zellig- 
löcherig ausgewittert. Von Fossilresten keine Spur. Altersbestimmung 



[451 Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- and des Mödlingbaches. 287 

daher unmöglich. Das petrographische Aussehen und die Zusammen- 
setzung dieser Massen gleicht auffallend den Congerienbreccien, wie 
sie hinter dem Richardshofe, freilich in etwas größerer Seehöhe, auf- 
treten; auf jeden Fall ist diese Ähnlichkeit größer als jene mit den 
Konglomeraten und Breccien des Leithakalkhorizonts. Am Nordrande 
des Grillenbühels fand ich nur Kalksteinschutt und die jung- 
tertiäre Breccie. 



Fi sr. 13. 




1. Braunrote, zum Teil auch grünliche Schiefer (Werfener Schiefer) und Schiefer- 
letten mit spiegelnden Druck- und Schubflächen. — 1 a. Grünlicher, glimmeriger, 
schiefriger Sandstein. — 2. Quarzitsandstein (Quarzit) von weißer Farbe. — 
3. Dünnschiefrig, mergeliglettiges Gestein von gelbbräunlicher Färbung mit Kohlen- 
schmitzchen. — 4. Schutt. 



An der Gießhüblerstraße, oberhalb des Urlauberkreuzes, stehen 
am Straßeneinschnitte, nahe dem Waldrande, typische Werfener Schiefer 
an, und zwar an der östlichen Seite, während Rauchwacken an der 
westlichen Seite auftreten. Die Schichten fallen gegen NO ein, und 
zwar so, daß die Werfener Schiefer unter die Rauchwackenkalke 
einfallen. — 

An dem alten Gehwege aus der Brühl nach Gießhübel, der am 

37* 



288 Franz Toula. [46] 

Grillenbühel westlich vorüberführt, fand ich Quarzitsandstein anstehend 
ganz ähnlich jenem weiter oben am Grillenbühel selbst anstehenden. 

Hinter dem Hause Nr. 103 sah ich (schon 1873) einen Auf- 
schluß dieses Quarzitsandsteines, in welchem ein dünnschiefriger, 
mergeliger Sandstein mit kleinen Kohlenschmitzchen auftritt, eine 
überaus eigenartige Erscheinung, weshalb ich eine Ansicht dieses Auf- 
schlusses, wie ich sie (1873) gezeichnet habe, beifügen will (Fig. 13). 

In Bittners Hernsteinwerk (1882, pag. 52) wird aus dem Be- 
reiche des im Südwesten angrenzenden Gebietes nach einer Angabe 
von Czjzek (1851) eines grauen quarzreichen Sandsteines aus dem 
Gipsvorkommen von Groisbach, SW von Alland, Erwähnung getan. 
Das Gestein des Aufschlusses am Grillenbühel ist aber petrographisch 
als ein quarzitartiger, massiger Sandstein oder geradezu als Quarzit 
zu bezeichnen. Noch auffallender ist das Auftreten der Kohlen- 
schmitzchen. Dasselbe könnte an die Lunzer Sandsteine erinnern. Aber 
auch die Lunzer Sandsteine haben ein ganz anderes Aussehen. Nun 
ist aber im ganzen Bereiche der mesozoischen Zone ein derartiges 
Vorkommen meines Wissens nie beobachtet worden. 

Der Aufschluß ist noch jetzt sichtbar, wenn er auch verbaut 
und schwer zugänglich geworden ist. Der Steilhang des Nachbar- 
hauses (Gießhüblerstraße Nr. 4, alt 192) wurde 1904 frisch abgegraben 
und besteht aus grellroten und frisch grünlich gefärbten typischen 
Werfener Schiefern. 

Ich habe bei meinem letzten Besuche dieser Lokalität eine 
kleine Menge der mulmigkohligen Substanz mitgenommen und die- 
selbe im Laboratorium meines Freundes und Kollegen B. v. Jüptner 
untersuchen lassen. Das Untersuchungsergebnis war das folgende : 

Gas . . . 2L-14°/ 

Koks . . . 78-85% 

Asche . . 58-68°/ und zwar Fe 2 3 + Al 9 3 .... 16-6% 

CaO 6-1 °/ 

MqO 1-36% 

Hest (Si0 2 ) . . 24-62°/ 

Von der Gesamtmenge der mitgenommenen Probe entfielen also 
nur 41-4°/ auf Kohle. — 

An der Nordwestseite des Grillenbühels, am Abhänge gegen den 
Halterkogel, stehen dunkelgraue, weißaderige, plattige Kalke an, 
welche durch eine unbedeutende Einsenkung von der Kuppe geschieden 
sind. Sie werden als Plattenkalke des Gutensteiner Horizonts zu 
betrachten sein, mit tonigmergeligen, sehr dünnen Zwischenmitteln. 
Unter der Villa auf der Höhe des Bühels steht, wie erwähnt wurde, 
ein quarzitischsandiges Gestein an. Zwischen der Villa und dem östlich 
davon liegenden Neogenkonglomerat liegt ein Aufschluß in grauem, 
gelbfleckigem, zu Schutt zerfallendem Dolomit. Östlich davon liegt 
gegen das „Urlauberkreuz" hin ein kleiner Lappen von neogenem 
Konglomerat. 

Es ist in der obersten Lage ein Blockwerk, hauptsächlich aus 
dolomitischem Material bestehend, aber auch Gutensteiner Kalkblöcke 



[47] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 2H9 

und Rollsteine mit Neigung zur Zellenkalkbildung liegen darin. Es 
wurde schon erwähnt, daß ich dabei an Ort und Stelle an die Con- 
gerienkonglomerate erinnert wurde. Fossilreste konnte ich 
jedoch nicht auffinden. 

An der Westgrenze des Dolomits des Kalenderberges (beim 
Gasthofe „zum Feldmarschall Radetzky") zeigt sich der feingrusige 
Zerfall des Dolomits sehr hübsch (Reib- und Bausandgrube, auch Weg- 
schottergewinnung). Die aufgelockerten Schichten (sie streichen hora 5) 
zeigen am Hange die Umbiegung im Sinne des Hanges. 

Die „Drei Steine" („Drei Stoan") im Westen des Hühnerkogels, 
an der Straße von Gießhübel nach der Vorderbrühl, klippenförmig auf- 
ragende Felsschollen, erscheinen an die Gosausanclsteine angepreßt. 
Ein alter Aufschluß im Westen, ganz nahe der Straße, läßt die Lage- 
rungsverhältnisse recht gut erkennen. Die Kalke sind rauchgrau, dicht 
und etwas löcherigzellig. In einzelnen Bänken finden sich in den 
Kalken ganz eigenartige, winzige, hie und da gabelig- bis sternförmig 
gruppierte, auf den Oberflächen linealisch verlaufende Hohlräume. 
Die Schichten streichen W — (hora 5—6) und verflachen etwa mit 
25° gegen S. Es sind zweifellos Gutensteiner Kalke, die im Liegenden 
auf etwas dolomitischen Breccien lagern. Von Fossilresten fand ich 
nichts als Andeutungen des Vorkommens von Myalina-a,vtigen Ab- 
drücken in Steinkernen. — 

Der Große Rauchkogel (305 m) besteht aus typischen Reichen- 
haller oder Gutensteiner Kalken. Auf der Höhe, bei dem Gemäuer, 
und zwar an den Steilwänden, streichen die Schichten hora 9 und 
verflachen steil (mit 60 — 70°) gegen N. Es finden sich hier zwischen 
dickeren Bänken, ganz ähnlich wie bei der Feste Liechtenstein, dünn- 
plattige Lagen und diese sind es, welche reich sind an den bezeich- 
nenden Fossilien. Kleine Muschelreste herrschen vor, Natica Stanensis 
findet sich jedoch gleichfalls. Auf der West- und Nordseite erkennt 
man die Überlagerung durch Gosausandsteine sehr deutlich. — 

Das kleine Riff des Kleinen Rauchkogels, welches das 
Gemäuer einer künstlichen Ruine trägt, besteht aus dunkelgrauen, 
weißaderigen, dolomitischen Kalken, die dem Gutensteiner Horizont 
zuzuweisen sind. Dieselben sind zum Teil dünnplattig, mit höckerigen 
Schichtflächen, ganz ähnlich jenen im Hinterbrühler Vorkommen (gegen 
Weißenbach). Es fanden sich nur undeutliche Muschelspuren (vielleicht 
von Pleuromyen). Die dünnen Zwischenmittel sind gelbbräunlich gefärbt. 
Das Gestein ist nach drei Richtungen zerklüftet, mit Rutschflächen, 
so daß sich die Streichungsrichtung nicht sicher feststellen läßt. — 

Nach D. Sturs älterer Karte (1860) wurde der Burgfelsen des 
Liechtenstein als Dolomit bezeichnet, nach der neuen Karte vom 
Jahre 1894 aber als Reiflinger Kalk (Plattenkalk). Felix Karrer 
hat in seinem großen Wasserleitungswerke (1877) das Stollenprofil 
des Wasserleitungsstollens durch den Hirschkogel (pag. 276 und 277) 
sehr genau zur Darstellung gebracht. Derselbe durchfährt von SO 
nach NW zuerst nach SO fallenden „dolomitischen Kalk" und weiterhin 
genau unter der Berghöhe „Tongips", der etwa 100 m weit anhält, 
worauf dann abermals dolomitischer Kalk und Rauchwacke (zusammen 
etwa 20 m weit anhaltend) folgen. Einfallen nach NW und von einem 



290 Franz Toula. [48] 

etwa 2 m mächtigen Quarzit (!) und von Werfener Schiefer überlagert. 
Es sind dies Verhältnisse, welche sich nur schwierig deuten lassen, 
besonders die Auflagerung des Werfener Schiefers ist auffallend. 
Stur verlegt den Gips ganz in den Bereich des Werfener Schiefers 
und die Scholle von dolomitischem Kalke im N ist fortgelassen. 
Karrer schildert an der angeführten Stelle das zertrümmerte 
Gebirge recht zutreffend und betrachtet die Kalke als Gutensteiner 
Kalk. Warum Stur diese Deutung nicht angenommen hat, ist mir 
unbekannt. Ich habe schon im Jahre 1881 am Westende des Burg- 
felsens von Liechtenstein in den etwa hora 5 streichenden und 
ziemlich steil (bis 70°) gegen N einfallenden, wohlgeschichteten 
Kalken das Vorkommen kleiner Gastropoden und Bivalven nachge- 
wiesen. Bei den ersteren glaubte ich zwei Formen unterscheiden zu 
können : eine stark bauchig gedrungene und eine etwas schlankere 
Form; die erstere verglich ich damals mit der Natica Gaillardoti 
Defr. (Benecke, Über einige Muschelkalkablagerungen der Alpen, 
Taf. I, Fig. 19), letztere mit Natica gregaria Schloth. (ebenda, Taf. I, 
Fig. 9). Alex. Bittner hat die Formen vom Liechtenstein als Natica 
Stanensis Pichler bestimmt, eine Art, von welcher nur eine Beschrei- 
bung Pichlers (Neues Jahrb. f. Min. etc. 1875, pag. 273) vorliegt. 
Sie wird mit 10 mm Höhe und 9 mm Breite angegeben, während 
die Formen vom Liechtenstein viel kleiner sind. Noch häufiger als 
die kleinen Gastropoden finden sich kleine Zweischaler, welche wohl 
als Gervüleia mytiloides Schi. sp. angesprochen werden dürfen. Ganz die- 
selben Geroilleia-aYÜ^en Schäl chen sammelte ich auch an den Hängen 
ober der Brühler Kirche am „Halterkogel" und in den typischen 
Gutensteiner Kalken von Weißenbach — Hinterbrühl. Außerdem fand ich 
an dem Burgfelsen noch ein etwa 25 mm langes Knöchelchen von 
brauner Farbe, und zwar in einem etwas lichter graugefärbten Kalke. 
Dasselbe hat elliptischen Querschnitt und ließ eine leichte Längs- 
streif ung erkennen. 

Prof. Dr. Jos. Blaas war so freundlich, mir die von Ad. Pichler 
am Stanerjoche (Lebenberg) gesammelten Stücke mit Natica Stanensis 
Pichl., Mgophoria costata Zenk. sp., Gervüleia mytiloides Schi. sp. zum 
Vergleiche zu übersenden. Die Übereinstimmung sowohl des Gesteines 
als auch der Einschlüsse organischer Natur ist eine geradezu über- 
raschende, so daß, wie schon AI. Bittner erkannt hat, an der strati- 
graphischen Gleichheit nicht gezweifelt werden kann. Besonders die 
Stücke aus der Hinterbrühl sind in jeder Beziehung übereinstimmend. 
Am Liechtenstein ist da£ fossilienführende Gestein ausgesprochen 
plattig und von etwas hellerer Färbung, die Fossilreste stehen jedoch 
in vollkommenster Übereinstimmung, nur die Myophoria costata Zenk. sp. 
scheint noch seltener zu sein als am Stanerjoche. Die so bezeichnende 
typische, an der feinen Streifung des stark bauchigen letzten Umganges 
sofort zu erkennende Natica Stanensis Pichl. fand ich am Liechtenstein 
übrigens nur selten in mittlerer Größe, zumeist sind es, wie gesagt, 
hier und am großen Rauchkogel sehr kleine Individuen. 

Die Kalkschollen in der Bruchzone vom Liechtenstein und Hirsch- 
kogel über die Drei Steine, den Grillenbühel, die Römerwand, den 
Hundskogel und die Felsen am Weißenbachkogel zeigen sehr ver- 



[49] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 291 

schiedene Lagerungsverhältnisse. Während die Bänke am Liechtenstein 
hora 4—5 streichen und nach N verflachen (78°), ist das Verflachen 
bei den Drei Steinen gegen S gerichtet (50°). An der Römerwand 
(Halterkogel), oberhalb der Brühler Kirche, beobachtet man beinahe 
N — S- Streichen (hora 11 — 2) und östliches Verflachen (45°). Am 
Hundskogel ist das Hauptstreichen nach hora 4 — 5 mit südlichem 
Verflachen. Am Weißenbachkogel, nördlich vom Werfener Schiefer, 
streichen die Kalkbänke hora 4 — 5 und stehen auf dem Kopfe. Am 
großen Rauchkogel aber streichen die Bänke hora 9 und verflachen 
gegen N mit (30 — 70°. 

Alle diese Schollen liegen, wenn auch von den Gosausandsteinen 
vielfach einseitig oder allseitig umhüllt, im Bereiche der Werfener 
Schieferzone. Daß der Werfener Schiefer unter der Gosaudecke durch- 
zieht, hat ja das Gipsvorkommen unterhalb Hochleiten (Tietze 1873) 
auf das schönste bewiesen. 



Was die Berge bei Perchtoldsdorf anbelangt (Leopolds- 
berg-Hochberg), so haben wir es dabei mit Dolomitschollen zu 
tun, welche die beiden genannten Kuppen zusammensetzen, während 
zwischen ihnen (Haidbergrücken) eine Zone von neokomen Mergel- 
kalken bis an die Grenze des Tertiärs nach Osten reicht, also bis an 
den großen Bruchrand. In dem Graben, der südlich neben der Kirche 
von Perchtoldsdorf ausmündet (Unterer Saugraben), befindet man sich 
an der Südgrenze der dolomitischen Kalke des Leopoldsberges und 
der Mergelkalke, welch letztere aber etwas weiter gegen West reichen, 
als dies die Stur sehe Karte angibt, und zwar noch eine Strecke 
über die zu den G oldbühel- Steinbrüchen hinaufführende Fahr- 
straße hinweg. Dort, wo die neuen Föhrenaufforstungen am Nordhange 
des Haidberges sich befinden, etwas unterhalb jener Steinbruchstraße, 
also ein gutes Stück über die Stur sehe Westgrenze hinaus, ragen 
einige Felsköpfchen auf. Hier stehen typische gelblichgraue Aptychen- 
mergel an, mit spärlichen, aber sicheren Aptychen aus der Formengruppe 
des Aptychus Seranonis. Diese Mergel reichen etwas weiter abwärts 
auch auf das linke Ufer des Unteren Saugrabens („Kirchgrabens") 
hinüber, und stehen auch in den kleinen Aufschlüssen an, welche sich 
im Westen der Umlegungsstelle jener Straße an den flachen Hängen 
finden. Sie stehen auch außerhalb der großen Villa (OSO von der 
Kote 300) an der Kaiserin Elisabethstraße an, und reichen am Nord- 
hange des Goldbühels hinan, bis über den alten Steinbruchfahrweg, 
wo ich gelegentlich auch einen Aptychus aufgefunden habe. Es sind 
schiefrige, zum Teil griffeiförmig zerfallende Mergel, mit vielen Ocker- 
flecken, ganz ähnlich jenen typischen Neokommergeln in den Zement- 
mergelbrüche. Aber auch dünnplattige Mergelkalke, hellfarbig und mit 
mergeligen Zwischenmitteln finden sich vor. Am Goldbühel grenzen 
sie unmittelbar an die Gosaugebilde. Zunächst scheinen feinkörnige 
Breccien anzustehen, mit Inoceramenbruchstücken, ähnlich wie sie 
auch an der Westseite des Hochberges auftreten. 

Wenn man die Schiegengrabenstraße nach aufwärts verfolgt, so 
kommt man an der Westseite des Kunigundenberges auf eine 



292 Franz Toula. [50] 

neu angelegte Strai3e, welche in die von der Perchtoldsdorf-Brunner- 
straße zum Tirolerhof und zu der „Zementfabrik" führenden Straße 
einmündet. Hier findet man gute Aufschlüsse an der östlichen Seite 
jener Verbindungsstraße: nach hora 4 streichende und mit 30° gegen 
S verflächende, dünnplattig zerfallende, flyschartige Sandsteine, mürbe ; 
blutrote Mergelschiefer und vereinzelt feste, bis einen Meter mächtig 
werdende Sandsteinbänke. Gröberkörnige Gesteine, wie man nach der 
St urschen Karte vermuten sollte, sah ich hier nicht. 

Die Ilauptgesteine des großen aufgelassenen, eine tiefe weite 
Grube vorstellenden Goldbühel- Steinbruches sind ungemein fest 
gebundene Breccien mit kleineren und größeren Einschlüssen eines 
dunklen Hornsteines, und zum Teil mit Calzit als Bindemittel. 

Auf der Höhe des Goldbühels (365 m) stehen fest gebundene 
graue, zumeist sehr feinkörnige Breccienkalke an, deren Lagerungs- 
verhältnisse sich nicht sicher bestimmen lassen. 

Südlich von der Kote 315 finden sich Mergel, in welchen ich 
Aptychus Seranonis, einen undeutlichen Ammonitenabdruck und einen 
Belemniten Querschnitt von abgerundet rechteckiger Form auffand. 
Ob hier anstehend, bleibt etwas fraglich. Am Abstieg gegen NO kommt 
man über Gosaukonglomerate und -Breccien. Unter den Roll- 
steinen finden sich auch Hornsteinmergelkalke, wie sie am Anfange 
des Kirchgrabens, bei dem kleinen Brückchen anstehen, im Ver- 
bände mit den Aptychenmergeln weiter oberhalb. 

Gut aufgeschlossen findet man die Aptychenmergel auch in 
Perchtoldsdorf selbst, an dem zwischen den alten Häusern (Nr. 4 u. 6) 
der Elisabethstraße zum Kirchgraben hinüberführenden Wege. Es 
sind helle, dichte Mergelkalke, welche NO — SW streichen und mit 40° 
gegen S fallen. Kleine Aptychen sind in einer der Bänke zu finden. — 

Wenn man von Rodaun von der Sonnbergstraße aus gegen den 
Sonnberg geht, kommt man über die bekannten Aufschlüsse in den 
neogenen Randbildungen : Leithakalk und -breccien. Über dem Rande 
des dolomitischen Grundgebirges finden sich Konglomeratlagen, 
welche ich dem Neogen zurechnen möchte, wie Paul (1859) und 
Karr er (1868), während sie von Stur in der Form einer schmalen 
Zone von Gosaukonglomerat zwischen dem Dolomit und dem Neogen 
eingezeichnet wurden. Der Dolomit des Sonnberges ist breccienartig, 
so in dem kleinen Steinbruche (S von der Kote 304 m) nahe dem 
Fahrwege ; am Rande ist er grusig verwittert. Ein zweiter Aufschluß 
oberhalb der Kröpfgasseausmündung zeigt schollenförmige Zerstückung 
des Brecciendolomits an Saigerklüften. 

Zwischen Kröpfgraben und Saugraben befindet sich ein Aufschluß 
in einem feinkörnigen, gelben Sande mit Schotterlagen, die ganz leicht 
(unter 7°) gegen einfallen (Fig. 14). 

Unter der Humusschichte (1) liegt röscher, aus scharfkantigen 
Körnchen bestehender Quarzsand (2), darunter Schotter mit einer Sand- 
einlagerung (3), feinkörniger, gelblicher Sand (4), eine feine Schotter- 
lage (5) und in der Tiefe wieder gelber Sand. Von Fossilresten leider 
keine Spur, so daß die genauere Altersbestimmung dieser wohl jung- 
neogenen Ablagerungen offen bleiben muß. — 



[51] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Modlingbaehes. 293 

In einem alten Notizbuche aus dem Jahre 1871 finde ich einige 
Angaben über das Gebiet der „Gosauformation". 

1. Auf dem Wege vomPerlhof nach Per eh tolds dorf, an 
der „Gestatte", neben dem typischen Gosausandsteine in verschiedenen 
Korngrößen, auch Rollsteine aus dichten, bläulichgrauen, stark ange- 
witterten, rhätischen Kalken (!) mit vielen Fossilien, auf den ver- 
witterten Flächen: Korallen, Pinna u. dgl. Auch ein breccienartiges 



Fig. 14. 




Konglomerat mit Kieselkalkbindemittel, wie es am Gemeindekogel 
vorkommt. In der ersten Sandsteinplattengrube stehen glimmerige 
Gosausandsteine an, welche hora 3 streichen und flach (mit 13°) 
gegen N einfallen. Dicke Bänke wechseln mit ganz dünnplattigen, frisch 
graublauen, verwittert gelblichen, zumeist feinkörnigen. In der nahen 
zweiten Grube — es wurden aus diesen Gruben die Sandsteinplatten 
herausgenommen — liegen zu unterst grobkörnige, rötlichgraue Kon- 
glomerate, mit viel rötlichgrauem und graublauem Kalk uud Dolomit 



Fig. 15. 




unter den Einschlüssen. Letztere geben dem Gesteine stellenweise ein 
an die „Rauchwacken" erinnerndes Aussehen. Auch spärliche Quarz- 
körner, schwarze Kalkkörner und grünlichgraue, mürbe Mergel finden 
sich als Einschlüsse. Darüber folgen feinkörnige Konglomerate, zu 
oberst aber feinkörnige, typische, grünlichgraue Gosausandsteine. Ver- 
werfungsklüfte in den schwebend lagernden, sehr mächtig werdenden 
Bänken. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 



38 



296 



Franz Toula. 



[54] 



grau, mit nur spärlichem Geäder, stellenweise in dichter Ausbildung: 
oberer alpiner Muschelkalk; c = Mergelschiefer mit vereinzelten dünnen 
Lagen und Linsen von rötlichgrauem, dichtem Kalk mit Posidonomyen 
und Trachyceraten; d = aufgelöste Lunzer Sandsteine; e = obertriadische 
Kalke ; in diesem Horizonte an einer westlicher gelegenen Stelle Corbis 
Mellingi und kleine gefaltete Ostreen : die echten typischen Opponitzer 
Kalke und dolomitischen Kalke im Liegenden des Hauptdolomits. 

Gegenüber der „Villa Elisabeth" in der Hinterbrühl vor der 
Abzweigung des Weges in das Kiental und östlich davon, liegen ober- 
halb der Gaadener Straße die lange bekannten Aufschlüsse in der Trias 
des nördlichen Anningerhanges. Zu unterst stehen graue, weißfleckige 
und weißaderige Kalke an (W- — streichend und mit 50° gegen S ein- 
fallend), darüber lagert ein lichtrötlichgrauer Kalk, dann folgt der 
Aonschiefer, und Lunzer Sandstein mit Spuren von Pflanzenresten ; 
zu oberst trifft man graue, dichte, zum Teil dünnbankige Kalke in 
geringer Mächtigkeit (besonders im westlichsten der vielen Aufschlüsse). 




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Auf den Schichtflächen dieses Kalkes findet man Abdrücke von Ostrea 
montis caprilis und hie und da auch Corbis Mellingi. Es sind sonach die 
Opponitzer Kalke, welche man früher gewöhnlich als die „Raibler 
Schichten" bezeichnete. In den Aonschiefern, welche bekanntlich zumeist 
ganz auffallend dünnschiefrig zerfallen, findet man im unteren Teile vor- 
waltend die Posidonomya Wengensis, auf manchen Platten in Unmasse, und 
darüber auch die plattgedrückten Ammoniten. Frisch sind diese Mergel- 
schiefer von dunkelgrauer Farbe, beim Verwittern werden sie lichtbraun. 

Ob diese Schichtfolge in der Tat bis zur Königswiese bei den 
„Zwei Raben" reicht, wie es Stur gezeichnet hat, wage ich nicht zu 
behaupten. Es fehlt im westlichen Teile des Hanges des Kleinen 
Anninger an guten Aufschlüssen. (Man vgl. oben.) 

Am häufigsten sind in den Aonschiefern Abdrücke der Schale 
von der Innenseite, ganz so wie ein solcher von E. v. Mojsisovics 
(Ceph d. medit. Triasprovinz, Taf. XXI, Fig. 37) aus den Fisch- 
schiefern von Raibl zur Abbildung gebracht worden ist. (Tracfajceras 
Aon.) Die knotigen Außenflächen finden sich seltener. — 



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("551 Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 297 

Am Eingange in dasKiental, auf der linken Talseite zwischen 
der ersten Höhe und dem Schwarzkogel tritt Lunzer Sandstein zutage 
(oberhalb des bekannten Vorkommens nahe an der Gaadener Straße). 
Darüber folgt sofort Brecciendolomit, der südlich vom Schwarzkogel hora 7 
streicht und mit 55° gegen S verflächt. Auf der rechten Kientalseite 
am Fußwege zum „Hexensitz" streichen die Dolomitbänke hora 6 und 
verflachen mit 40° gegen S. Sie erscheinen hier wie gebändert und 
riechen beim Schlagen in den hangenden Bänken stark bituminös. 
Auf der linken Talseite halten die Dolomite nach Süden weithin an 
(Vorder-Otter), bis in den Eschenbrunnengraben, etwa 120 m unter- 
halb des Eschenbrunnens, wo bei einer großen Buche und einem 
Wegweiser die oberen Kalke beginnen, die hie und da, besonders 
an einer Stelle etwa 40 m unterhalb des Eschenbrunnens, viele un- 
deutliche Rhätfossilien enthalten. Auch gute helle Lithodendronkalke 
kommen bankweise vor. 

Hier will ich einige vorläufige Mitteilungen über mehrere der 
Anningerwege anfügen. 

Wohlbekannt ist das Vorkommen des Dachsteinkalkes mit im 
Hangenden desselben auftretenden, mergeligen Einlagerungen von 
Kössener Schichten mit ziemlich reichlicher Fossilienführung am Ost- 
hange des Anningers in der Gegend von Gumpoldskirchen. F. v. Hauer 
(1847, pag. 20), Felix Karr er (1877, pag. 247) und AI. Bittner (1882, 
pag. 192 ff.) haben davon gesprochen und D. Stur hat (1871, pag. 385, 
398, 399) die ihm bekannt gewordenen Arten namhaft gemacht, während 
schon v. Hauer eine viel größere Anzahl von Formen aufzählte. 
In den Schutthängen des Weingebirges kann man bei einiger Aus- 
dauer manches finden. Die besten Aufschlüsse aber liegen in der 
Baytalschlucht oberhalb Gumpoldskirchen. Hier liegen große Stein- 
brüche im Dachsteinkalke, in welchem Straßenschotter und Material 
für Weißkalk gebrochen wird. Gelegentlich fand ich hier graue Kalke 
mit Korallen. Oberhalb der Kalkofenanlage befindet sich ein alter 
Steinbruch auf der rechten Seite der Schlucht, welcher die gestörte 
Schichtenlagerung schön erkennen läßt. Da die von F. Karr er (1877, 
pag. 248) gegebene Ansicht, welche auch Bittner (1882, pag. 193) 
anführt, die Verhältnisse nur recht beiläufig und unzulänglich andeutet, 
habe ich bei einem meiner letzten Besuche dieser Stelle durch einen 
meiner Begleiter (Herrn Ewald Bing) eine photographische Aufnahme 
machen lassen, welche diese Verhältnisse etwas besser zu ersehen 
gestattet (man vgl. die „Taf. V"). Das Bild zeigt den größten Teil 
des Aufschlusses und setzen sich die Schichten nach oben und unten 
(links und rechts aufgeschlossen) nicht mehr weit fort. Rechts liegt 
eine der Stellen, wo mergelige Kössener Schichten auftreten, nahe 
der Stelle, wo der kleine Graben (bei F. Karr er „Buttergraben" 
genannt) seitlich abzweigt. Mehrere weitere Stellen mit solchen Ein- 
schaltungen liegen etwas weiter aufwärts im Baytale selbst, am linken 
(östlichen) Hange, an dem die Straße zum Richardshofe und zu der 
bekannten Lokalität von Congerienbreccien hinaufführt (Th. Fuchs, 
1870), also am Steilhange der plateauartig ausgeebneten, jungneogenen 
Terrasse der rhätischen Kalke. Auch weiter oben im Baytale, und 



300 Franz Toula. [58] 

genaueren Untersuchung zu unterziehen sein. (Spongitenkalk des 
Anningerplateaus.) 

Auf dem rotmarkierten Wege vom Ann in gerhause über 
das Wetter kreuz und das Rote Kreuz zur R h ä t k a 1 k- 
sehlucht oberhalb Gumpoldskirch en. Zunächst halten bis 
zum Wetterkreuz die weißaderigen Rhät-(Dachstein-)Kalke an. 
Vor dem Kreuze fand ich auch einen hellrötlichgrauen Mergelkalk 
mit weißen Spatadern, der Terebrateln enthielt. Kurz vor dem Kreuze 
tritt eine Änderung des Gesteinscharakters ein, das Gestein wird 
dolomitisch, kurzklüftig und zum Teil brecciQnähnlich. 

Bei der Einmündung des Kreuzweges steht typischer Haupt- 
dolomit an, welcher aus WNW— OSO streicht und flach gegen S einfällt. 
Beim Roten Kreuz stehen hellgrauweiße, kurzklüftige, dolomitische 
Kalke an. Nun kommt man auf die Weinbergterrasse, an derem Rande 
feste Strandkoiiglomerate anstehen, welche in mächtigen Bänken in 
horizontaler Schichtung auftreten und sich als Congerienkonglo- 
merate erkennen lassen. 



An dem rechten Talhange des Mödlingbaches unweit des Kalk- 
ofens, vor der Einmündung des Weißenbaches in den 
Mödlingbach, befindet sich die Stelle, wo die Lunzer Sandsteine ein 
kleines Kohlenschmitzchen umschließen. Es liegt über einem grauen, 
weißaderigen Kalke, der wohlgeschichtet bis dünnplattig ist und etwas 
wellig gebogene Schichtflächen besitzt, also ganz das Aussehen der 
Reiflinger Kalke dieses Gebietes an sich trägt. Er streicht nahezu 
W— und verflächt gegen S (45°). Ob in seinem Liegenden dunkel- 
grauer, weißaderiger Kalk ansteht, ist fraglich, es finden sich nur beim 
Kalkofen Brocken davon und zum Teil auch solche von Rauchwacken 
(Zellenkalk). Im Schutt trifft man auch den Wengener Schiefer. Die 
Lagerungsverhältnisse sind im Lunzer Sandstein und unter demselben 
sehr gestört, wie dies auch gegen 0, am Fuße des Kleinen Anninger 
allenthalben der Fall ist. 

Der alte Steinbruch beim aufgelassenen Kalkofen an der Gaadener 
Straße (Fig. 19), am rechten Hange des Mödlingbaches, zeigt die viel- 
fachen Störungen, die in dieser Zone auftreten, mit sehr deutlichen 
Verschiebungen und Verwürfen, mit klaffenden, schutterfüllten Spalten, 
mit sackartigen Einsenkungen des hangenden Lunzer Sandsteines (LS) 
in den dünngeschichteten, gefalteten und zertrümmerten Muschelkalk. 
Im westlichen Teile des Steinbruches erscheint der Lunzer Sandstein 
förmlich eingefaltet. — 

An der neuen Fahrstraße aus der Hinterbrühl nach 
Weißenbach (am Weißenbach aufwärts) ist der linke Talhang in 
letzter Zeit beim Straßenbau recht wohl aufgeschlossen worden. Zu 
unterst (Terrainanschnitt an der Straße) liegt Schutt mit vielen Blöcken 
des dolomitischen Kalkes (Hauptdolomit). 

Beim alten aufgelassenen Steinbruche treten flach gegen SSW 
fallende dünngeschichtete Kalksteinbänke auf. Gleich darauf folgt ein 



[59] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 



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Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 



39 



302 



Franz Toula. 



[60] 



neuer Aufschluß (Fig. 20). Hier treten in ein Gewölbe zusammen- 
gepreßte dünngeschichtete Sandsteine (Lunzer Sandsteine) auf, über 
welchen die Kalke in mächtigen Bänken lagern, deren Alter durch 
Fossilreste nicht näher bestimmt werden kann. Rechts am Ein- 
gange streichen diese Kalke W— und verflachen gegen S. Das 
Gewölbe scheint nach aufwärts bewegt zu sein. 

Weiter nach oben, gegen West, sind an der Straße die Lunzer 
Sandsteine auf eine weitere Strecke aufgeschlossen. Dieselben ver- 
flachen gegen SW mit 28° und erscheinen in zwei Vorkommnissen, 
zwischen welchen graue Kalke auftreten. Die nordwestliche Partie der 
Lunzer Sandsteine enthält Kohlenschmitzchen. Gegen die Mulde des 
Werfener Schiefers, zwischen dem Weißenbacher und dem Gaumann- 
müller Kogel (360 m), scheinen graue Kalke (wie Muschelkalk) auf 



Fig. 20. 




Neuer Steinbruch au der Weissenbacher Strasse. 



die Lunzer Sandsteine hinaufgeschoben zu sein. Auf der Höhe des 
letztgenannten Kogels liegt ein alter, längst aufgelassener Steinbruch 
in dolomitischem Kalk, der die weitgehenden Störungen an den zahl- 
reichen Verwerfungsflächen (zum Teil mit Harnischen) erkennen läßt. 
Übrigens fand ich in einem älteren Notizbuch e (1881) über den 
Kogel (360 m) zwischen der Gaadener Straße und dem Sattel im Bunten 
Sandstein (Werfener Schiefer) zwischen der Hinterbrühl und Weißen- 
bach eine Schichtfolge verzeichnet, in welcher die über dem Lunzer 
Sandsteine lagernden Kalke und die im Liegenden derselben und auf 
der Kogelhöhe auftretenden grauen, weißaderigen Kalke erwähnt sind. 
Bei diesen letzteren wird das Auftreten von Hornsteineinschlüssen 
angeführt, scheinbar darunter waren mir schon damals braune ver- 
witterte Sandsteine aufgefallen, die jedoch so unvollkommen aufge- 



[61] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Modlingbaches. 303 

schlössen waren, daß es fraglich blieb, ob man es dabei wirklich mit 
anstehenden Schichten zu tun habe. Heute ist diese Frage nicht mehr 
offen. Die betreffenden Kalke erscheinen in den Lunzer Sandsteinen 
förmlich eingelagert. Man hat es dabei wohl mit ähnlichen weitgehenden 
Störungen zu tun, wie man sie im Osten in dem vorhin erwähnten 
Steinbruche auf der rechten Mödlingbachseite bei dem alten Kalkofen 
zu beobachten Gelegenheit hat. Gerade hier, so nahe dem großen 
Werfener Schieferaufbruche, sind die Störungsvorgänge offenbar sehr 
weitgehende und ist die Zone der Triasgesteine : Reiflinger Kalke, 
Aonschiefer, Lunzer Sandsteine usw. nicht so schematisch einfach 
einzuzeichnen, wie es auf der Karte erscheint, trotz der scheinbar 
sehr regelmäßigen Übereinanderfolge, die ich an dem Straßenanschnitte 
an der Weißenbacher Straße in folgender Weise skizzierte (Fig. 21), 
wobei das Verflachen als gegen SW gerichtet (mit zirka 30°) abgelesen 
wurde. — 

Im Jahre 1898 wurden, auf einer Exkursion mit meinen Zuhörern, 
auf dem roten Wege aus der Hinterbrühl nach Weißenbach, im 




Strassenansehnitt an der Weissenbacher Fahrstrasse. 

1. Aufgelöste Bänke von Lunzer Sandstein mit einem Kohlenschmitzchen. — 2. Kalk- 
bänke („Reiflinger Kalk" ? Überschiebung?). — 3. Lunzer Sandstein (Verflachen 
gegen SW mit zirka 30°). 



roten Werfener Schiefer, mehrere recht auffallend gestaltete, ansehnlich 
große Bivalven gesammelt, welche bei der Seltenheit von Funden in 
den Werfener Schiefern eine Erwähnung finden müssen, wenngleich 
der Erhaltungszustand ein nichts weniger als guter genannt werden kann. 
Es dürften vier verschiedene Arten vorliegen. Am besten erhalten 
ist ein ziemlich großer, gleichklappiger, hochgewölbter, länglich vier- 
eckiger Steinkern mit spitz nach vorn gezogenem Wirbel. Der Schloß- 
rand ist etwas schief nach rückwärts verlängert. Es ist eine Form, 
welche beim ersten Anblicke lebhaft an gewisse Congerien erinnert 
(zum Beispiel an Congeria Partschi). Eine schmale, aber ebene Band- 
fläche ist zum mindesten angedeutet. Von Ligamentfurchen ist leider 
nichts zu erkennen. Ein diagonal verlaufender, scharf ausgeprägter 
Kiel zieht vom Wirbel aus zur hinteren Ecke. 

W T enn man vor allem die zuletzt von Alexander Bittner be- 
arbeiteten Bivalven der unteren Trias des Bakonyer Waldes (Resultate 
der wissensch. Erforschung des Balaton-(Platten-)Sees, I. 1., Budapest 
1901) und jene des Süd-Ussurigebietes, in der ostsibirischen Küsten- 

39* 



304 Franz Toula. [62] 

provinz (Mem. du Com. Geol. St. Petersburg 1899, VII 4) durchsieht, 
so findet man ähnliche Formen besonders aus dem letzteren Gebiete 
als Myalina Schamarae Bittn. beschrieben und abgebildet (1. c. pag. 19, 
Taf. IV, Fig. 20—25). Bittn er erwähnt, daß die linke Klappe etwas 
weniger hoch gewölbt gewesen sein dürfte. An dem einen meiner 
Stücke, welches beide Klappen im Verbände zeigt, ist dies ausge- 
sprochen der Fall. Die Stücke von Weißenbach sind etwas größer als 
jene vom Flusse Schamara des Ussurigolfes, es möge als Myalina (?) 
Bittneri n. sp. bezeichnet werden (Fig. 22). Die zweite Form von 
Weißenbach zeigt einen weniger scharfen Kiel, einen kürzeren Schloß- 
rand und nähert sich mehr der von Bittn er (1. c. pag. 17, Taf. IV, 
Fig. 17 — 19) als Myalina vetusta Benecke bezeichneten Art (= Mytilus 
vetustus Gldf. Petr." germ., Taf. CXVIII Fig, 7). Die Weißenbacher 
Exemplare sind noch etwas größer als die größte der von Bittn er 
abgebildeten Formen von der Insel Putjatin. Die dritte Form erinnert 
an Myoconcha, läßt sich aber ebensowenig sicher bestimmen als eine 



Fig. 22. 





Myalina Bittneri n. sp. 

vierte sehr schlecht erhaltene, bei welcher man an eine Gervilleia 
denken konnte. 

Als Findlinge traf ich (1881) neben den roten Schiefern und 
Sandsteinen auch weiße Sandsteine, welche den weißen Quarzsand- 
steinen der vorderen Brühl (man vgl. pag. 287 — 288) sehr ähnlich sind. 

In dem Kalksteinbruche an dem Hochwege nach Weißen- 
bach, nördlich vom „Roten Hohlwege", stehen die typischen grau- 
grauschwarz gefärbten, etwas bituminösen Gutensteiner oder Reichen- 
haller Kalke an. Sie streichen NO— SW (hora 5— 4) und stehen förmlich 
auf dem Kopfe (man vgl. Fig. 23). 

Über den westlichen Abschluß des Brühler Beckens finde ich in 
einem Notizbuche aus dem Jahre 1881 viele Angaben. 

So über die Werfener Schiefer im Süden der hochaufragenden 
Gutensteiner Kalke am Weißenbachkogel. Hier fand ich damals in dem 
Roten Hohlwege : rote und grünliche, auch graue glimmerige, schieferige 
Sandsteine mit Myöphoria cf. costata und damit im Verbände eine 
graue mergelige Kalkbank mit Naticella sp. (N. cf. costata). 



[63] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 305 

Im Süden grenzen sie an lichtgraue Kalke, welche ein ähnliches 
Streichen zeigen wie die dunklen Gutensteiner Kalke am Weißen- 
bachkogel. 

Fig. 23. 





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Schottersteinbruch in der grossen Gutensteiner-(Beichenhaller-)Kalkscholle 
am Hoclnvege nach Weissenbach. 

1. Grauschwarzer, weißaderiger Kalk. — \a. Grauschwarzer Kalk mit Fossilien 
(Gervilleia-a,rtige Schalenabdrücke und Steinkerne). — 2. Dünnplattige Kalke mit 
höckerigen Schichtflächen und grünlichem, spärlichen Zwischeumittel mit den- 
selben Gervüleia-a,rtigeu Schälchen. — 3. Graue dolomitische Kalke, zerfallen 
beim Verwittern zum Theil mehlig. — 4. Rot- und grüngefärbte Gosaukonglo- 
merate mit ebenso gefärbten Zwischenmitteln an einer Harnischfläche; an den, an 
der Grenze besonders reichklüftigen, grauschwarzen Kalk angepreßt. 

Ein Profil aus jener Zeit folgt mit neueren Eintragungen (Fig. 24). 
Es zeigt die zahlreichen Verwerfungsklüfte, an welchen die Anein- 
anderpressungen und Verschiebungen erfolgten. 



Weisse mbaJi Kogel 
560 m. 



Fig. 24. 

(tauermann ?nüller 

Jfoye! 

S6o »* Weissenbach 



Seh weixerlezy 



Mödlin^r 
Back 




Westlicher Talabschluss derfö 



ncerbrühl 



1. Werfener Schiefer. — 2. Gutensteiner-(Reichenhaller-)Kalk. — 3. Reiflinger 

Kalk (?). — 4. Lunzer Saudstein. — 5. Opponitzer Kalk (?). — 6. Dolomitische 

Kalke und Dolomitbreccien. 



306 



Franz Toula. 



[64] 



Wenn man vom Mödlingbach, nördlich von der Höldrichs- 
mühle, nordwärts gegen den Hundskogel geht, so kommt man 
zunächst über die Gosausandsteine, welche flach gegen N einfallen. 
In einem meiner Notizbücher aus dem Jahre 1881 finde ich eine 
Skizze (Fig. 25), welche die Grenze der Hundskogelkalke gegen die 
Kreidekonglomerate und Breccien zur Darstellung bringt. 

Diese Kugelkalke sind ganz ähnlich jenen, wie man sie in dem 
Steinbruche rechts vor dem Eingange nach Gutenstein, also im typi- 
schen Gutensteiner Kalk antrifft (man vgl. A. Bittner, „Hernstein", 
pag. 59). Gegen SO werden die Kalke besonders dünnplattig und 



Fig. 25. 



» Amm 







Quarz der Gosaukonglomerate und der untertri assischen Kalke rom Hunds- 
kogel. 

1. Rote Konglomerate. — 1«. Rote Konglomerate und Breccien. — 2. Feinkörnige 

bis grobsandige Konglomerate. — 3. Graue, zerklüftete Kalke mit kleinen, kugeligen 

Konkretionen („Kugelkalk" = unterer alpiner Muscbelkalk). 



zeigen leichte Verbiegungen, sie sind sehr ähnlich jenen des oben 
besprochenen Kalkes an der Gaadener Straße (Fig. 18). 

An der geschilderten Stelle erkennt man sonach die Anpressung 
des Triaskalkes an die Konglomerate, welche ich für der Gosau an- 
gehörig bezeichnen möchte. 

Diese Konglomerate dürften an den typischen, fast horizontal 
lagernden Gosausandsteinen gleichfalls abstoßen, da keine Übergänge 
in dieselben zu beobachten sind. Die Konglomeratmassen bestehen 
vornehmlich aus Kalkrollsteinen, welche mit einem roten und grün- 
lichen, lettigen Bindemittel verbunden werden, also jenen ähnlich 
sind, welche weiter westwärts am Pachuerkogel so mächtig werden. 



[65] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 307 

Näher der Kalkgrenze sind sie am Hundskogel (W), zum Teil breceien- 
ähnlich. 

Die große Kalkscholle des Hundskogels wird durch eine enge 
Erosionsschlucht in zwei Teile geteilt, welche oberhalb im Gosau- 
sandsteingebiete in ein weiteres und nach oben muldiges Tal über- 
geht. Die westliche Schollenpartie endet an der Schlucht in dem 
Felsen mit dem weißen Kreuz (386 m). In der Nähe desselben stehen 
heller graugefärbte, von Kalkspatadern durchschwärmte Kalke an, in 
welchen ich an stark abgewitterten Felsflächen die kleinen Kugelkon- 
kretionen und seltene Encriniten- und kleine Pentacrinitenstielglieder 
gefunden habe. Ganz dieselben Kalke findet man auch in der gegen- 
überliegenden Hundskogelhauptmasse, in welcher die großen Stein- 
brüche für die Hinterbrühler Kalköfen liegen. Im Jahre 1881 waren 
noch zwei voneinander getrennte Steinbrüche im Betriebe, welche die 
flach gegen SW einfallenden, durch viele Verwerfungen zerstückten 
Kalke und zum Teil sehr schöne Schichtung erkennen ließen, und in 
den Liegendpartien (im östlichen Bruche) an einer Stelle als förmliche 
Bänderkalke auftraten, während (im westlichen Bruche) dunkelgraue, 
etwas knollige Kalke, im östlichen Teile, zu unterst liegen (mit zirka 
40° einfallend), wogegen im westlichsten Teile eines der Trümmer, 
zwischen Saigerbrüchen, horizontale Schichtung aufwies. Hie und da 
ist auch Brecciencharakter ausgebildet. 

Beim Abstiege vom Hundskogel gegen den aus ähnlichen grauen, 
weißaderigen Kalken bestehenden Kreimholderberg (348 m) fand ich, 
schon 40 m unter der Spitze (431 m), die ersten Gosaufindlinge. — 

Auf der linken Talseite des Mödlingbaches vonderHöldrichs- 
m ü h 1 e aufwärts bis zur „Lackfabrik " und über die Lange 
Wiese auf den Sattel- und Schweizerberg, und auf den 
Gaumannmüllerkogel. 

Gegenüber dem Eingange in die Kaltbadeanstalt in der Hinter- 
brühl sieht man im Bachbette gefaltete Muschelkalkbänke querüber 
streichen. Bei der Gipsmühle liegt ein Steinbruch im Hauptdolomit 
(dolomitischem Kalk), welcher NW — SO streicht und mit zirka 50° 
gegen SW verflächt. Dasselbe Gestein steht auch am Hange des Mitter- 
waldberges, oberhalb des kleinen Stauteiches auf der „Langen Wiese" 
an. Auf dem W T ege von der Langen Wiese zum Sattel zwischen Sattel- 
und Schweizerberg stehen typische Werfener Schiefer an, und zwar 
grünlichgraue und grellrote, sandige Schiefer, die bis zur Sattelhöhe 
anhalten. In Findlingen viel grauer, netzaderiger Kalk („Reiflinger-" 
oder Muschelkalk). Am Ost hange des Sattelberges fand ich 
nur plattige Gosausandsteine und nichts, was mich an tertiäre Konglo- 
merate denken ließe. 

Vom Sattel gegen SO zur Höhe des Schweizerberges: über 
Werfener Schiefer die grauen, netzaderigen Muschelkalke, offenbar 
von Lunzer Sandstein überlagert, ohne daß dieser deutlicher auf- 
geschlossen wäre. 

Die Muschelkalke stellenweise mit den bezeichnenden, kugeligen, 
kleinen Kieselkalkkonkretionen. Auf der Sattelhöhe Brecciendolomite 



308 



Franz Toula. 



[66] 



und Hauptdolomit, der den ganzen östlichen Teil des Berges und den 
östlichen Steilhang zusammensetzt, bis zum Anningerhof hinab. — 

Das Kalkvorkommen rechts vom Wege, der aus der 
Hinterbrühl ins Wasser gespreng führt, ist eine Scholle, die 
man, nach dem neuen Sprachgebrauche, als „wurzellos" bezeichnen 
könnte, da sie sich nicht in die Tiefe fortsetzt, sondern auf einem 
aufgelösten tonigerdigen Material aufliegt, dessen Bestimmung, ob 
Gosau oder Werfener Gestein, mir nicht gelaug. Es sind dunkelgraue, 
weißaderige Kalke, die ganz wohl als der unteren Trias entsprechend 
aufgefaßt werden können. Im südlichen Teile sind es plattige, im 
nördlichen Teile mehr massige Bänke, welche an Konglomerate und 
Breccien mit rotem tonigen Zwischenmittel angepreßt erscheinen, 
an Gesteine, welche ich als der Gosauformation zugehörig deuten 
möchte, da sie ganz jenen Gesteinen gleichen, wie sie auch hinter 
der bekannten Weißenbachkogel-, Gutensteinerkalk-Scholle und auch 
sonst im zweifellosen Gosaugebiete auftreten. Eine ähnliche kleinere 
Scholle tritt auch weiter im Westen auf, bei den hochgelegenen 
Häusern von Weißenbach, an der Gießhüblerstraße. Diese Schollen 



Fig. 26. 




Gehüngeanscliiiitt am Fusse des Pachnerkogels. 

a = Aufgelöster Brecciendolomit. — b = Feinkörniger Sandstein und lichte, 

schiefrige Mergel mit vereinzelten Hornsteineinschlüssen. — c = Neokomgestein. — 

d = Brecciensandstein (Orbitolinengestein). 



haben die größte Ähnlichkeit mit jenen der „Drei Steine" nördlich 
vom Grillenbühel, wo auch die Gosaubildungen dahinter auftreten. 

Vor dem tiefeingeschnittenen Graben beginnen Konglomerate 
aus Dolomitrollsteinen mit kalkigem Bindemittel, auch Kalksandsteine 
treten auf. Es sind zerklüftete Massen ohne deutliche Schichtung, 
welche Stur als tertiäre Konglomerate eingezeichnet hat, welche ich 
jedoch als der Gosau zugehörig betrachten möchte. Eine neue Wald- 
straße war im vorigen Jahre oberhalb des erwähnten Weges im Bau. 
Die Arbeiten entblößten nur typische Gosausandsteine, die dann auch 
von dem Sattel abwärts anhalten. 

An der Straße von Weißenbach zum Wassergespreng, 
nach den hintersten Häusern, tritt am Fuße des Pachnerkogels 
zunächst (Fig. 26) schiefrig sandiges Schuttmaterial auf, das an einer 
ebenen Fläche an einen feinkörnigen Brecciendolomit angeschoben 
erscheint, der, durch viele Klüfte zerstückt, eine Strecke weit anhält, 
worauf dann in diskordanter Anlagerung feinkörnige Sandsteine und 
lichte, schiefrig mergelige Gesteine mit vereinzelten Hornsteinein- 
schlüssen folgen (Streichen N— S und verflachen mit 50° gegen Ost). 



[67] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesiug- und des Mödlingbaches. 309 

Sie stoßen an einer Kluft ab, gegen eine Schichtfolge von recht ver- 
schiedenen Charakteren : eine feste Bank eines weißaderigen, fein- 
körnigen Kalkes, dann grünliche, glimmerigsandige Gesteine mit 
größeren, eckigen Einschlüssen, grobkörnige, graue Sandsteine, mit 
vielen undeutlichen Fossilien (an die Orbitolinengesteine erinnernd). 

Eine kurze Strecke weiter aufwärts folgen die großen Aufschlüsse 
in der großkörnigen Gosaubreccie, deren Hauptmaterial aus Haupt- 
dolomit, dolomitischem Kalk und dichtem Kalk neben grünfarbigen 
Schiefern besteht. Bankig. Streichen hora 23, Verflachen gegen Ost. 
Gesteine, welche ich sicher als Neogen ansprechen könnte, wie es 
auf der St urschen Karte angegeben wird, habe ich nicht gesehen. 

Weiterhin folgen im Straßenanschnitte die typischen Gosau- 
sandsteine und die roten und hellfarbigen Mergel der Gosauformation. 
Gleich oberhalb des Wirtshauses im Wassergesprenggraben ging ich 
am rechten Talhange einen steilen Waldgraben hinan, auf der Suche 
nach dem auf Sturs Karte hier angegebenen Vorkommen von Lias- 
Crinoidenkalk, konnte jedoch nichts davon auffinden, nicht einmal 
lose Brocken, welche früher ab und zu hier zu finden waren. Der 
Graben weist zuerst Findlinge von Gosausandstein im Waldboden auf; 
etwa 60 m hoch über dem Wirtshause traf ich dann Findlinge von 
Brecciendolomit und am W T aldrande, gegen die vom Tiergarten herüber- 
ziehende Wiese (zirka 90 m über dem Wirtshause) einen großen 
scharfkantigen Block aus grauem, dichten Actaeonellengestein, 
mit mittelgroßen Actaeonellen. Beim Eintritte in den Wald, von der 
Westecke der Wiese aus, fand ich wieder Blöcke von typischem 
Gosaukonglomerat. 

Das erwähnte, auf der Stur sehen Karte im Wa sser gespreng- 
graben oberhalb des Jägerhauses, am rechten Talhange angegebene 
Liasvorkommen ist offenbar nur auf Findlinge begründet worden, 
welche vom Einbetten berge herabgekommen sein dürften. An- 
stehend trifft man nur Kreidegesteine, und zwar Mergelschiefer, die 
dem Neokommergel ähnlich sind, und Gosausandsteine. An der Fahr- 
straße nach Weißenbach stehen unterhalb des Jägerhauses die 
besonders am rechten Talhange schön aufgeschlossenen Gosaugesteine 
an, welche zuletzt von Theodor Fuchs (1899) ausführlicher besprochen 
worden sind. Es ist eine Schichtenreihe mit westöstlichem Streichen 
und südlichem Verflachen. 

Zunächst feste, wohlgeschichtete Sandsteine, darüber mürbe, 
graue, sandige Mergel , welche in griffeiförmige Stücke zerfallen, 
überlagert von einer Reihe von sandigen und konglomeratischen 
Bänken im Hangenden, glimmerig mit kohligen Spuren, wodurch die 
Ähnlichkeit mit den Kreideflyschgesteinen in der Tat eine über- 
raschende wird. Mächtige grobkörnige Konglomerate und Dolomit- 
breccien und darüber schiefrigsandige Kalkmergel treten vor Weißen- 
bach, den Pachnerkogel zusammensetzend, auf, Gesteine, welche 
D. Stur, w 4 .e im vorstehenden erwähnt, als „Leithakalkkonglomerat" 
ausgeschieden hat. Ich möchte diese Bildungen in Übereinstimmung 
mit Th. Fuchs den Gosaukonglomeraten zurechnen. 

Über die Verhältnisse im Gaadener Tertia rbecken finde 
ich in einem der Notizbücher über die mit meinen Hörern im Jahre 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 40 



310 



Franz" Toula. 



[68] 



1891 (9. Mai) unternommene Exkursion einige Angaben. So heißt es: 
Der Ölberg (zwischen Mittel- und Obergaaden) besteht aus einem 
jung aussehenden Schotter. Das Schottervorkommen der St urschen 
Karte ist weitgehend zu verkleinern. Ganz nahe, rechts vom Fahr- 
wege nach Obergaaden, treten an der Sohle eines alten Kellers 
sandige, schlierartige Tegel im Liegenden des Schotters zutage. Auch 
in dem Hohlwege gegen Obergaaden treten sie auf, hier mit Fossilien- 
führung. An den Uferbrüchen des Mödlingbaches fanden sich rezente 
Schalen von Unionen, Planorben, Limnaeen und Helix. Südlich von 
Mittelgaaden, bei der Kote 342, finden sich die tertiären, sandigen 
Tegel mit den von Kittl (1890) namhaft gemachten Fossilien. Der 
Untergrund des Schlösselwaldrückens und der Ileisetwiesen besteht in 
der Tat aus tertiären Sanden, welche weiter gegen Westen anhalten, 



Fi sr. 27 




bis nahe an den Steinbruch bei Kote 386 und 3S7, aber auch bis an 
den Waldrand nördlich von Siegenfeld. An dem Wege, der von Siegen- 
feld zu dem erwähnten Steinbruche führt, fanden wir in diesen Sanden 
bei der Kote 372 unweit der kleinen Kapelle und weiter westlich große 
Austern und Balanen. In dem Steinbruche stellten sich damals die 
Verhältnisse folgendermaßen dar (man vgl. Fig. 27) : 

1. Löcheriger, grober Kalksandstein mit Einschlüssen von älteren 
Sandsteinen und Mergeln. 

2. Kalkknollenbank mit braunem lettigen Zwischenmittel, gegen 
NNO auskeilend (1 und 2), fast horizontal liegend. 

3. Eine ähnliche Kalkknollenbank mit wenig Letten. 

4. Massige, etwas sandige Kalkbänke, ohne deutliche Schichtung, 
mit großen Austern und Balanen. 



[69] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 311 

5. Eine sandigtonige Schichte mit kleinen Austern und wohl- 
erhaltenen Balanen. Im W fand sich eine Pernabank (I J ), welche an 
jene von Eggenburg erinnert. Viele große Exemplare mit den Schalen 
und dem Schlosse wohlerhalten. 

6. Feste Kalkbänke (mit vielen Serpuhi-Röhrchew, so daß man 
stellenweise von einem Serpula-KaXke sprechen könnte, was auch für 
die Liegendpartie von ,4 l gilt). 

Fi«. 28. 



J5ÄSÄ4§ij 







im. m^ 



Ansicht des Kalksteinbruches. 

Nach einer Skizze: von A. Rosiwal, 9. Mai 1894. 



Herr Chefgeologe Ingenieur A. Rosiwal, damals Assistent 
meiner Lehrkanzel, hat unsere Beobachtungen aufgezeichnet und 
auch einige Skizzen entworfen, von welchen noch die Fig. 28 ange- 
fügt werden soll. 

Das nahe gelegene Heutal verkauft bereits im Hauptdolomit. 
Westlich von Siegenfeld fanden wir in einem tieferen Entwässerungs- 
graben schwarze Erde aufgeschlossen, in welcher sich Helix- und 
Succinea- Schalen und auch Limnaeen in großer Zahl fanden. 

40* 



312 Franz Toula. [70] 



6. Der Sparbacher Tiergarten ! ) und Umgebung. 

Beim unteren Teiche stehen am rechten Hange an der Straße 
typische Gosausanclsteine an, welche — W streichen (hora 6) und 
mit 80° gegen S einfallen. Sandsteinbänke wechseln mit schiefrigen, 
mergeligen Sandsteinen, welche zum Teil in krümelig zerfallende 
Mergelschiefer übergehen. Bald darauf treten dieselben Gesteine 
wieder deutlich zutage, am Waldrande nach der Teichwiese, und 
zwar bei demselben Streichen mit nördlichem (65°) Einfallen. Beim 
oberen Teiche finden sich feinkörnige, dünnplattige Sandsteine. Diese 
Gesteine halten an bis an die Felsmauern unterhalb der großen Weg- 
krümmung, wo sich die Parkstraße gegen wendet, während die 
W r aldstraße zum Kreuzsattel im Tale aufwärts zieht. 

Am linken Talhange sind dieselben Gesteine Un einem kleinen 
Steinbruche unmittelbar hinter dem Parkzaune, beim unteren Teiche, 
aufgeschlossen. Auch hier streichen die Schichten ONO (hora 5) und 
verflachen mit 80° gegen S. Es sind dickbankige, graublaue, glimmer- 
reiche Sandsteine mit spärlichen kohligen Spuren auf den Schicht- 
flächen. Dünnplattige Sandsteine wechseln mit den dickeren Bänken. 
Gegen den Hang zu erscheinen die Sandsteine durchweg dünnplattig 
aufgelöst und vielfach zerklüftet und verbrochen, während gegen den 
Berg zu die Festigkeit der Bänke zu-, die Zahl der Kluftflächen aber 
abnimmt. 

Hier ist eine Stelle, wo es kaum möglich wäre, den „Gosau-" 
vom Flyschsandsteine in petrographischer Beziehung zu unter- 
scheiden. 

Nahe der erwähnten Straßenkrümmung beginnt erst der Zug von 
Lias-Crinoidenkalken, welche sich von der Felsmauer auf der linken 
Talseite jenseits des Sparbachdurchrisses, über die Ruine Johannstein, 
zu dem hoch oben liegenden Gemäuer („Köhlerhütte", 567 m) und 
weiter gegen NO fortsetzt. Auf der Stur sehen Karte (1:75.000) ist 
dieser Zug gegen S gerückt, während er auf Sturs Aufnahmskarte 
(1 : 25.000) an richtiger Stelle eingezeichnet ist. Auf der rechten Tal- 
seite erhebt sich, wie gesagt, ein gegen den Sparbach mit Felswänden 
abstürzender, auch sonst steilgeböschter Berg, der an seiner Südseite 
aus Dolomit und Dolomitbreccien besteht, an welche sich die Lias- 
Crinoidenkalke anlehnen, welche bei der Wegkrümmung die Wände 
bilden. Für die Nachbarschaft noch jüngerer Gesteine spricht das 
Vorkommen von dichten hellen Mergelkalken (Aptychen führend) und 
von roten Hornsteinkalkmergeln. 

Anstehend trifft man sie auf dem Waldwege, der sich gegen den 
Höppelberg hinzieht. Auf demselben gelangt man an eine neu angelegte 
Fahrstraße, die in einen dichten Grasteppich umgewandelt wurde und 



*) Von Seiten der fürstlich Liechtensteinschen Hofkanzlei war mir die Erlaubnis 
geworden, auch alle „verbotenen Wege" betreten zu dürfen, wofür ich meinen besten 
Dank ausspreche. 



[71] treol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 313 

am Stidhange des Ausläufers des Hoppe 1 berge s hinaufführt, unter- 
halb der Höhe mit der Kote 504 bis zu der nordwestlichen Park- 
türe. Da die Straße in den ziemlich steilen Hang eingeschnitten wurde, 
ergaben sich mehrfache recht gute Aufschlüsse des Gesteines. Zunächst 
halten hellgraue, schiefrige Aptychen-Mergelkalke an, bis etwa 60 m über 
den Sparbach; dann folgen unmittelbar darüber graue, gelbbräunlich 
verwitternde, am Hange ganz verbrochene sandigkalkige Breccien, 
welche reich sind an Fossilien, vor allem an riesig groß werdenden 
Patellinen (Orbitolinaconcava Lam.). Dieselben finden sich in solcher 
Menge, daß einzelne der als Verwitterungskerne beim Herstellen der 
Straße gewonnenen, sehr fest gebundenen Blöcke das Aussehen der 
„Orbitulitensandsteine" der Gosau annehmen, indem Schale an Schale 
lagert. Form und Größe der flachkegeltellerförmigen Patellinen sowohl, 
als auch die Gesteinsbeschaffenheit stimmen auf das beste überein mit 
jenem Findlinge, den ich seinerzeit als losen Block auf der Meierei- 
wiese in der Vorderbrühl aufgefunden habe (Verhandl. d. k k. geol. 
R.-A. 1882, pag. 194); aber auch die von Bit tn er (ebenda 1897, pag. 216) 
bei Markl unweit Lilienfeld angetroffenen Orbitolinengesteine scheinen 
nach der gegebenen Darstellung ganz ähnlich zu sein. Auch bei Lilien- 
feld hat Bittner sehr große Individuen aufgefunden, welche, was 
ihre Größe anbelangt, von einzelnen der Sparbacher Stücke noch 
weit übertroffen werden. 

Interessant ist auch die Übereinstimmung des Auftretens hier 
und dort insoweit, als diese cenomanen Orbitolinen-(Patellinen)- 
Gesteine mit den typischen Gosaugesteinen nichts zu tun zu haben 
scheinen. In Lilienfeld sind sie, wie Bittner anführt, im S von 
Liasfleckenmergeln begrenzt, hier bei Sparbach liegen sie über Kalk- 
mergeln mit Neokomaptychen, Kalkmergel, welche petrographisch, wie 
ich an manchen Punkten zu sehen Gelegenheit hatte, geradezu als 
Fleckenmergel bezeichnet werden müssen. Es sei hier schon ange- 
führt, daß das Aussehen der Orbitolinengesteine nächst Sittendorf 
ein ganz abweichendes ist, indem bei Sittendorf, wo ich derartige 
Gesteine besonders am Kalkfelde in vielen Findlingen, aber immer 
nur in Findlingen, angetroffen habe, das Gestein das Aussehen gewisser 
feinkörniger „Gosaubreccien" von dunkler Färbung annimmt. 

Die Aptychenmergel und die Orbitolinengesteine streichen an 
der wiesigen Tiergartenstraße von NW gegen SO und verflachen (flach 
bis 40°) gegen NO. 

Von dieser Waldstraße aus verfolgte ich einen Waldweg gegen 
S und SO gegen den Hegenberg hin, wo sich weithin kein anstehendes 
Gestein fand. Gelegentliche Findlingsbrocken deuten auf dolomitische 
Gesteine hin. 

Auf dem um ,504' herumführenden Wege, und schließlich am 
Nordhange, steil gegen den Sparbach hinab, bewegt man sich fort 
und fort im Gebiete der mit den hydraulischen Mergeln am Flössel- 
berge übereinstimmenden Kalkmergel, welche hie und da Neokom- 
aptychen und Ammoniten, immer aber die hellgelbbräunlichen Limonit- 
flecken und -röhren aufweisen. Deutliche Schichtung kann man erst 
nahe an der erwähnten Kalksteinwand, bei der Straßenbiegung gegen- 



314 Franz Toula. [72] 

über von Johannstein, wahrnehmen (Fig. 29), an welche sich das 
Neokom innig anschmiegt. Während aber die rötlichgrauen, unter 
dem typischen Lias-Crinoidenkalk lagernden Kalke und die Crinoiden- 
kalke W— streichen und mit 40° gegen N fallen, streichen die auf 
zirka 50 m weit schön aufgeschlossenen neokomen Mergelkalke von 
SW— NO und verflachen mit 45 — 60° gegen NW. Zwischen den 
Crinoidenkalken und den typischen hydraulischen Mergeln liegen rote 
Kalke mit Hornsteinlinsen und -Knauern. 

Am linken Talhange des Sparbaches, unterhalb der Burgruine 
Johann stein, erheben sich die rötlichen Lias-Crinoidenkalke in 
Wanden. 

Auf dem zur Ruine hinaufführenden Fußwege oberhalb einer kleinen 
Quelle stehen Dolomitbreccien an, welche steil gegen NW unter die 



Fig. 29. 






friß, - 







Ausschluss bei der Umbiegung der Fahrstrasse gegenüber von Johaiiiistein am 
rechten Talhange. 

1. Rötlichgraue Kalke. — 1«. Rötlichgraue Kalke mit Andeutung von Breccien- 

struktur. — 2. Lias-Crinoidenkalk. - 3. Roter Hornsteinkalk. — 4. Neokomer 

Aptychenkalkmergel. 

Burgfelsen einfallen. Sie halten bis an die Wände vor der Graben- 
brücke am Johannstein an, welche sich gegen NO den Kamm hinan ver- 
folgen lassen. Die Wand am Johannstein besteht zunächst der Burg 
aus rötlichgrauen Kalken, auch hier zum Teil mit ausgesprochener 
Breccienstruktur, und aus Crinoidenkalk. Schichtung sehr undeutlich. 
Auf dem Fahrwege gegen dieselben Dolomitbreccien wie bei der 
Quelle am Fußwege, dann Gosausandstein und feinkörnige, feste Gosau- 
breccien. Die Gosau reicht an der Südseite dicht an die Crinoiden- 
kalke hinan, doch treten dazwischen die Dolomite und Dolomitbreccien 
auf. Auf dem Waldwege gegen die hohe Tanne mit dem St. Hubertus- 
bilde: Dolomit und Dolomitbreccien, dann folgen wieder die Gosau- 
sandsteine : gelbbraun, verwittert und glimmerreich. Sie scheinen 
nordwärts gegen den Heuberg einzufallen. Auch dickbankige Breccien- 
saudsteine mit Fossilienspuren stehen (nach der kleinen Quellmulde) 



[73] Geol. Exkursionen' im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 315 

an. Auf dem Fahrwege, der zur oberen (künstlichen) Ruine (landes- 
üblich als „Köhlerhütte" bezeichnet) führt, kommt man fort und fort 
über Dolomit und Brecciendolomit, der an der Straße mehrfach auf- 
geschlossen ist. Erst ganz oben findet man in dem in niederen Fels- 
wänden aufragenden Crinoidenkalke, auf dem das Gemäuer steht, die 
Fortsetzung des Crinoidenwandkalkes von Johannstein. Der Dolomit 
hält auch im S und SO des Köhler-(„ Keller "-)hüttenberges an bis hinab 
nach Johannstein. 

Ein kleines, riffartig aufragendes Hügelchen mit einem Doppel- 
bogengemäuer („Dianatempel", soll heißen Triumphbogen, der Diana- 
tempel stand im SW nahe der Kehre der Heubergstraße) inmitten des 
großen Wiesenzuges, der sich nach NO hin durch den „Kaninchen- 
garten" und nach kurzer Unterbrechung weiter bis gegen den Wasser- 
gesprenggraben hinzieht, besteht gleichfalls aus Dolomit und Breccien- 
dolomit, welcher wie eine Klippe aus den umgebenden Kreidesandsteinen 
aufragt. Die Bänke verflachen gegen SW mit 50°. Auch der östliche 
Heubergabhang besteht vom Waldrande aufwärts aus Dolomit und 
hellen dolomitischen Kalken, welche zur Zellenkalkbildung geneigt sind. 

Die dermalige Frey tag sehe Karte läßt, was die Parkfahrwege 
anbelangt, manches zu wünschen übrig, wird jedoch auf Grundlage 
der fürstlichen Forstkarte richtiggestellt werden. Folgt man der Park- 
straße von dem erwähnten Waldwege aus, wo sie sich etwas nach 
abwärts gegen die Lehnwiese hinsenkt, so kommt man, nahe am West- 
ende der genannten Wiese, auf typische Neokommergel, Mergelkalke 
mit Ammonites cf. cryptoceras, über welchen feinkörnige Breccien lagern, 
ganz vom Aussehen der Orbitolinengesteine bei Sittendorf, am Kalk- 
felde. Darüber liegen feinkörnige, grünlichgraue Gosausandsteine. 
Streichen hora 2 (N 15° 0), Verflachen gegen und weiterhin gegen 
W, so daß hier eine flache Antiklinale zu vermuten ist. Eine Strecke 
weiter, am oberen Rande der unteren und oberen Wiese im SSO des 
Triumphbogens befindet sich eine rinnen förmige Aufgrabung im Walde, 
in welcher in der ganzen Erstreckung gegen NO eine Menge von 
losen Crinoidenkalkschollen mit scharfen Kanten und Ecken zutage 
treten. Es sind Reste einer abgebrochenen Parkmauer. Dort, wo die 
Straße nach der ersten (westlichen) Kehre gegen die Mauer, das heißt 
gegen NO hinaufführt, kommt man zunächst wieder auf dolomitische 
Breccien. Gegen die Mauer hin liegt dann darüber ein wohl charak- 
terisiertes Gosaukonglomerat und über diesem ein ganz prächtiges 
Vorkommen von Actaeonellenkalk, eine förmliche Anhäufung von 
Actaeonellen, vergleichbar jenen beim Scharrergraben im Piestingtale. 
Dieselben halten über die östliche Kehre und eine Strecke weit an 
der zum Heubergsattel hinaufführenden Wegstrecke an, wo sie dann 
wieder an Brecciendolomit und Dolomit grenzen. Dieses Vorkommen 
scheint eine größere Verbreitung gegen ONO zu besitzen, da ich später, 
wie oben erwähnt wurde, genau nordöstlich von der Kote 505, westlich 
vom oberen 'Wirtshause im Wassergesprenge, einen scharfkantigen 
größeren Block von ganz demselben Aussehen, wie nahe der östlichen 
Parkmauer, aufgefunden habe. Diese Actaeonellenkalke, im Parke 
sicher anstehend, waren meines Wissens die ersten Funde anstehender 
Vorkommnisse im Randgebirge und erweckten die Hoffnung, daß es doch 



316 



Franz Toula. 



[74] 



noch gelingen werde, die Herkunft jener seit langem bekannten Gosau- 
actaeonelleneinschlüsse im Leithakonglomerat am Nordosthange des 
Sonnberges in der Perchtoldsdorfer Gegend feststellen zu können. 
(K.M. Paul 1859, F. Karrer 1868.) Eine Vermutung, die sich, wie 
an anderer Stelle angeführt wurde, bald darauf bewahrheitete. 

Die in Schleifen angelegte Straße zum Sattel im W der obersten 
Heubergkuppe (587 m) wendet sich schließlich gegen NO wieder der 
Parkmauer zu. Kurz vor der Sattelhöhe trifft man rötlichen Kalk über 
hellen, weißaderigen Kalken, welche an gewisse Ausbildungen der 



Fig. 30. 




°^ 



Kalke der oberen Trias erinnern, und am Nordhange des Heuberg- 
zuges eine Strecke weit anhalten, wie es scheint, überlagert von einem 
rötlichgrauen, sehr feinkörnigen Oolith mit Spuren von Fossilien, 
welche mit den den Lias begleitenden rötlichgrauen Kalken (Jura?) 
im Johannsteinzuge in näherem Verhältnisse stehen dürften. 

Von der obenerwähnten Straßenwendung im Parke unterhalb 
der Ruine Johannstein führt der Weg zum Kreuzsattel. — 
Gleich oberhalb der Crinoidenkalkf eisen von Johannstein beginnen die 
hydraulischen Mergel, welche weit talaufwärts anhalten und entlang 



[751 Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 317 

der neuen Fahrstraße am linken Talhange auf weite Strecken schön 
aufgeschlossen sind. Oberhalb der Umfassungsmauer streichen sie 
nach hora 5 und verflachen mit 40° gegen N. Es sind frisch blaugraue 
Kalkmergel mit gelben Ockerflecken, ganz jenen gleichend, wie sie 
im Zementkalkbruche im Flösselgraben auftreten. Sie dürften auch 
stellenweise dieselben Ammoniten und Aptychen, und zwar recht 
häufig enthalten, wovon ich mich mehrfach zu überzeugen Gelegenheit 
hatte. Die Aufschlüsse sind bis an die Stelle zu verfolgen, wo bei 
der Kote 420 m das Seitental gegen NO hinaufführt. Ich verfolgte 
den dichtbewaldeten Graben gegen NNW zum Kreuzsattel. In diesem 
tief eingeschnittenen, nach oben sehr eng werdenden und zuletzt sehr 
steil ansteigenden Graben mit mehreren auffallenden Gefällsbrüchen 
und terrassenartigen Talstufen, einem natürlichen Verbaue gleichend, 
finden sich nur Rollblöcke dolomitischer Natur, welche von den beider- 
seitigen Höhen stammen. Dort, wo der Steilanstieg beginnt, etwa 100 m 
über der Sparbacher Kirche (10 Einheiten des Aneroides), stellen sich 
hellgraue Kalke ein, die vom Osthange stammen, während der West- 
hang immer noch aus Hauptdolomit besteht. Weitere 45 m höher 
kommt man am Osthange an eine klippenartig aufragende Kalkstein- 
felsmauer, ähnlich jener unterhalb des Johannsteinfelsens. Sie besteht 
unten aus rötlichen dichten Kalken, über welchen ausgesprochene 
körnige Crinoidenkalke auftreten, gleichfalls von rötlicher Farbe und 
petrographisch mit den Johannstein-Crinoidenkalken vollkommen über- 
einstimmend (Fig. 30). 

Der anstellende Fels liegt mehrere Meter oberhalb des Graben- 
weges an einem mit lockeren Felssturzmassen überdeckten Hange. 
Der südliche Teil, in mächtige Blöcke aufgelöst, hängt zum Sturze 
bereit an der Wand. Auffallend schien mir, daß sich hier nur rund- 
gliedrige Crinoiden finden ließen, während am Johannstein der Kalk 
geradezu als Pentacrinitenkalk bezeichnet werden könnte. Die rötlichen 
Kalke erinnern an die am Vereinsquellenwege auftretenden (man vgl. 
an der betreffenden Stelle pag. 270). Die Schichten scheinen W— zu 
streichen und steil (bis 80°) gegen N einzufallen. 

Gleich oberhalb liegt das sogenannte Jakobsbründl an einem 
Steilhange, wo grauschwarze, sehr feinkörnige, fes.t gebundene Kalke 
vorkommen, das einzige Anzeichen von Bildungen, welche etwa den 
Horizont des Wengener Schichtenkomplexes, der nach Stur hier auf- 
treten soll, andeuten könnte. 

Von S p a r b a c h über den Hegen- und Höppelberg 
nach Neuweg z u m E s s i g m a n d e 1 und über das Rote Kreuz 
und Wild egg nach Sittendorf. Es sind dies Wege, welche 
zumeist durch dichtbewaldete Gelände führen, wo sich nur recht wenig 
bessere Aufschlüsse finden. 

Zunächst kommt man vom Sparbacher Friedhofe aus über mit 
Wiesen bedeckte, durch Regenrisse hie und da aufgeschlossene Gosau- 
sandsteine und Konglomerate. Die ersteren zum Teil grellrot gefärbt, 
die letzteren mit Einschlüssen von Lias-Crinoidenkalk. Etwa 60 m 
über dein Friedhofe kommt man im W T alde über Kalkmergel, welche 
den neokomen Aptychenmergeln ähnlich sind. Ein alter kleiner Stein- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Eeichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 41 



318 



Franz Toula. 



[76] 



bruch rechts vom Wege an einer Kuppe im Walde zeigt genau nach 
NW verflächende (25°) Gosaukonglomerate, dahinter treten an einem 
Steilanstiege abermals, hier sicher anstehende, gelbliche Mergelkalke 
mit Aptychus cf. Seranonis auf, die an Dolomit und Dolomitbreccien an- 
grenzen (90 m über dem Friedhofe). Etwas höher tritt der Neokom- 
mergel nochmals hervor und fand ich hier (100 m über dem Friedhofe) 
ein Ammonitenbruchstück mit ungemein zarter Streifung (Lytoceras?). 
Auf der Wegstrecke an der 0-, NO- und N-Seite des Höppelberges 
steht Dolomit an ; auch am Hange gegen den Sparbachgraben hinab. 
Dort, wo der Weg hinabführt gegen die Kote 485 m, kommt man 
wieder auf die Mergelkalke und hydraulische Mergel des Neokom, 
welche in einem kleinen Steinbruche an einer Kuppe im Walde rechts 
vom Wege, kurz vor dem Sattel (Wildegg —Neuweg) schön aufge- 

Fig. 31. 




Aufschluss an der Klippe im Walde vor dein Neiiweg 1 — Wildeggsattel. 

1. Graue Kalkmergel mit, undeutlichen Ammoniten. — 2. und 3. Rötlichbraun gefärbter 
Mergelkalk. — 4. Dünnplattige, lichtrötliche, feste Mergelkalke mit Belemniten 
(schlank und spitz mit elliptischen Querschnitten). — 5. Hellrötlichgraue Mergel- 
kalkbänke mit kleinen Ockerflecken (Bruchstück von Lytoceras sp., Belemniten- 
durchschnitte und Aptychen. Auch runde Crinoidenstielglieder). — 6. Dunkelbraun- 
rote Mergelkalke mit vielen kleinen Aptychen. Feingestreifte Formen. Aptychus cf. 
Seranonis oder Aptychus Beyrichi Gemm. (Viell. Tithon). 



schlössen sind. Die Schichten streichen hora 7 (W— 0) und verflachen 
mit 53° gegen N (Fig. 31). 

Am Fahrwege (neu angelegt) zum Neuwegwirtshause, am SO- 
Abhange des Hausberges, zunächst 1. grauschwarze, weißaderige Kalke 
mit kleinen Crinoidenstielgliedern und kleinen Rhynchonellen ; weiter- 
hin 2. dunkelgraue, dichte, mergelige Kalke mit Terebratula sp., einer 
großen Schneckenschale (im Durchschnitte mit gerundeten Umgängen 
und gerundeter Spitze) und einem glatten Pecten ; 3. hellgraurötliche, 
dichte, weißaderige Kalke mit Korallendurchschnitten (Lithodendron- 
kalk) mit Avicula cf. contorta und an Holopella alpina erinnernden 
kleinen Gastropoden; 4. grauschwarze, weiß verwitternde Kalke mit 
Waldheimia und Pentacriniten. Auch auf dem oberen Waldwege sind 
diese, wie ich meine, dem Rhät zuzurechnenden Kalke (2—4) zu 



[77] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbacbes. $19 

finden, neben hellen Brecciendolomiten des Hausberges. Die unter 1. 
verzeichneten Kalke könnten auch etwas älter sein. 

An dem gelbmarkierten Wege, über die wiesigen Hänge zwischen 
dem Haus- und dem Sulzerberge hinan, gibt es nur Findlingsbrocken von 
einem dunkelfarbigen, sandigen, weißaderigen und braun verwitternden 
Kalke, wie vorher nahe dem Sattel (1). 

Am Waldrande, wo der rotmarkierte Weg den gelben über- 
quert, fand ich hellen dolomitischen Kalk, feinkörnigen Dolomit und 
graubräunlichen, sehr feinkörnigen Crinoidenkalk (wie 1). 

Am grünmarkierten Waldwege fand sich ein grauer Lumachellen 
kalk mit zahlreichen undeutbaren Schalen. Weithin bis zur Essigmandel- 
wiese findet sich leider kein Stein im lehmigen Waldboden. Am Wiesen- 
rande sandigschiefrige Flyschbrocken. Dort, wo der grünmarkierte 
Weg zum Roten Kreuz hinabführt, liegen viele Gruben und Halden 
in grauem, weißaderigen, zum Teil zinnoberrot geflecktem Dolomit, der 
sich gegen Wild egg hinab erstreckt. 

Das Neokom traf ich nur am Schloßbergfelsen in der Form von 
roten, weißaderigen Mergeln und Mergelkalken (Streichen hora 11, 
Verflachen gegen 0). Im östlichen Teile der Hänge sind die Gesteine 
Aptychen führend. Aber auch roter Kalk mit Crinoiden tritt auf, der 
den Jurakalken gleicht. 

Bei Sitte n dorf beging ich die Südränder der Kalkfelshänge 
des Allee- und Höppelberges, das Hochfeld und Kalkfeld, um 
das Vorkommen der Ürbitolinengesteine aufzusuchen, ohne daß es 
mir gelungen wäre, dieselben an diesen beiden Randzonen anstehend 
beobachteu zu können. Erst später fand ich sie auf dem Wege gegen 
Sparbach. Die Findlinge, von denen schon Bittner (Verhandl. 1899) 
gesprochen hat, wurden bald gefunden und zwar besonders am 
Nordrande des Kalkfeldes in großer Menge, weniger häufig am Rande 
des Hochfeldes, wo ich unter den Findlingen auch Kalke, einen Sand- 
stein mit Bruchstücken einer faserigen Schale (Inoceramengestein), 
Gosaukonglomerate und einen größeren Brocken eines schönen Biotit- 
granits auffand. 

Am nordwestlichen Rande des Hochfeldes fand ich, in einem 
kleinen Buchenwäldchen, einen anstehenden Kalksteinfelsen, als steilen 
Südrand einer kleinen wiesigen Terrasse, der sich als ein geradezu 
prächtiges Vorkommen von rhätischem Lithodendronkalke ergab. Man 
hat hier früher einmal Steine gebrochen und an den Abbruchswänden, 
die stark abgewittert erscheinen, zeigen sich, besonders im östlichen 
Teile des Aufschlusses, die Lithodendronäste in schönster Ausbildung 
(Fig. 32). Seltener fand ich Terebrateln ( Waldheimia gregaria), Spiri- 
ferina uncinata, eine schlecht erhaltene Schale von Cardium cf. 
ausfriacum, (Man vgl. Bittner, 1897. Es sind offenbar die von 
Bittner erwähnten Rhätfelsen.) 

Am Nordrande des Kalkfeldes führt eine Waldfahrstraße gegen den 
Hegenberg hinauf und von dem Sattel nach Sparbach. Im Schotter 
dieser Straße liegen die Orbitolinenbreccien mit kleinen schwarzen 
Hornsteinbrocken in Menge herum. Der Gesteinscharakter ist ein von 
dem Vorkommen im Tiergarten verschiedener, der überraschend ähnlich 
ist jenem gewisser, in der „Gosauformation" oberhalb Perchtoldsdorf 

41* 



320 



Franz Toula. 



[78] 



auftretender, feinkörniger Breccien. Die Angabe der Leute, der Schotter 
sei der großen Schottermasse an der Ausmündung des Engtales unter- 
halb Wildegg entnommen, konnte ich nicht zutreffend finden, da das 
Material der großen Grube auch nicht ein Stück mit Orbitolina er- 
kennen ließ. 

Im Walde nördlich vom Kalkfelde stehen die Rhätkalke gleich- 
falls an. Sie bilden bei einer Wildfutterstelle einen großen Fels, der 
an seiner Nordseite in einem alten Steinbruche aufgeschlossen ist. 
Es sind lichtgraue, dichte Kalke mit weißen Adern, welche im oberen 
Teile deutliche Schichtung erkennen lassen (Streichen hora 2). Hier 
finden sich Lithodendronkalke von ganz ähnlichem Aussehen wie im 
Norden des Hochfeldes. Dahinter, gegen den Hegenberg zu, treten 



Fig. 32 




Lithodendronkalkfels am Nordwestrande des Hochfeldes bei Sittendorf. 

Zirka 4 m hoch. 



dann Dolomite und Brecciendolomite auf, so daß den Rhätkalken auch 
hier keine sehr große Ausdehnung zukommen dürfte. 

Im östlichen Teile des Kalkfeldes erhebt sich inmitten der Flur 
eine kleine Kuppe, welche an ihrem südlichen Hange aufgeschlossen ist. 

Der Gesteinscharakter ähnelt recht sehr jenem der Blockbreccien 
am Gemeine! ekogel nächst Gießhübel, nur treten am Kalkfelde auch 
weniger großkörnige Gesteine auf. Hier wie dort finden sich Hornsteine 
vor. Das Material der Breccien besteht aus Kalkbrocken, darunter solchen 
oolithischer Natur, mit vielen undeutlichen Fossilien. Vorherrschend 
scheinen rhätische Gesteine (Kössener Schichten) zu sein, doch finden 
sich auch rötlichgraue Kalke mit schlanken Belemniten, die wohl als 
Juragesteine angesprochen werden dürften. Auch Orbitolinen führende 
Gesteinsbrocken wurden, wenn auch selten, angetroffen. In einer 
dunklen feinkörnigen Breccie fanden sich sowohl runde Crinoiden- 



[79] (icol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 321 

stielglieder als auch Cidaritenstacheln. Auch eine Deckelklappe einer 
kleinen Exogyra habe ich hier gesammelt. In mehreren Stücken fand 
ich kleine Seeigel, und zwar ein Stück von Nucleolites cf. Olfiersi, ganz 
ähnlich jenem von Escragnole (Quenstedt, Echinodermen, Tat'. 78, 
Fig. 30) mit tiefer Analfurche, Galerites subuculus wie im Grünsande 
von Essen (Quenstedt, 1. c. Taf. 76, Fig. 37) und Galerites cf. rotula 
(Quenstedt, 1. c. Taf. 7(5, Fig. 45 von Escragnole). Auch eine Schale 
von Pecten (glatt mit konzentrischen, scharf ausgeprägten Anwachs- 
linien) sowie ein Stück von Janira quadricostata liegen mir vor (Zittel, 
Gosaubivalven, Taf XVIII, Fig. 4) sowie endlich ein anderes mit 
Schalentrümmern von Trichites. — 

Von hier ging ich über die wiesigen Kuppen (Kote 442 und 455) 
zum Waldwege und nach Sparbach zurück. 

Auf der steil geböschten Wiese sind Findlinge und Lesesteine 
aufgehäuft aus feinkörnigen Konglomeraten und festgebundenen Sand- 
steinen mit Exogyren. Auch typisches Orbitolinengestein findet sich 
darunter. 

Auf dem Wege vom Sparbacher Friedhofe nord- 
westwärts zum Sattel im Norden der Kote 455 kommt 
man über Gosausandsteine auf feinkörnige rote, weißfleckige und graue 
Mergel und rote Sandsteine. Auch rote Konglomerate stehen an 
(Streichen hora 2, am Kopfe stehend). In grauen Quarzsandsteinen mit 
reichlichem kalkigen Bindemittel, in Wasserrissen aufgeschlossen, 
treten auch kleine Orbitolinen (Orbitolina concava) auf. Schwarze 
Quarzeinschlüsse sind nicht selten. An dieser Stelle liegt sonach 
ein anstehendes Vorkommen der Orbitolin enge steine. 
(Etwa 60 in über dem Friedhofe.) — Am Rande des Waldes stehen die 
roten und grauen Mergelschiefer an und halten an bis zu der schönen 
Waldwiese. Auf dem Wildegger Wege folgen dann im Walde graue, 
weißaderige Mergelkalke mit gelben Ockerflecken, das typische hydrau- 
lische Neokomgestein. Auch feinkörnige gelblichgraue Breccien mit 
Serpula, Ostrea uud Orbitolinen finden sich an der Grenze gegen die 
Ehätkalke am Nordrande des Kalkfeldes. 

Die Findlinge, die man in der Nähe des Sparbacher Friedhofes 
hin und wieder findet, stammen offenbar von oben her, denn bei der 
Tiergartenmauer oberhalb des Schlosses stehen sichere Gosausaudsteine 
an, welche hora 5 streichen und mit 80° gegen N einfallen. — 

Vom Heubergsattel auf der Fahrstraße um den 
Höllenstein zum Kreuzbergsattel, und auf dem Tiergartenwege 
von der Jakobsquelle nach Sparbach. Die Straße ist auch 
auf der Generalstabskarte (1:25.000) nicht ganz richtig eingezeichnet, 
Die Krümmung am Sattel liegt kaum 200 Schritte östlich von der 
„Köhlerhütte" (fälschlich als „Ruine Kammerstein" auf der General- 
stabskarte ; nach einem Führer für die Umgebung von Kaltenleutgeben 
[1895] soll hier die Burg „Schuepfenstein" gestanden haben). Gleich 
links von der Straßenkehre gegen die Köhlerhütte, an der Kuppe, 
liegen alte Steinbrüche in typischem Lias-Crinoidenkalk, in welchen 
zerklüftete Massen mit undeutlicher Bankung anstehen. An dem Birsch- 



322 Franz Toula. [80] 

fahrwege von der Köhlerhütte gegen NNO treten über den typischen 
Crinoidenkalken lichtrötliche, feinkörnige bis dichte Jurakalke auf, 
welche seltene Belemniten und Ammoniten umschließen. Nur ein 
Exemplar der letzteren läßt, obwohl wenig gut erhalten, die Form als 
zur Gruppe des Ammonites (Perisphinctes) convolutus Schloth. (Quenst.) 
gehörig zum mindesten vermuten. Die Einschnürungen sind sehr tief- 
gehend. Auch Perisphinctes curvicosta Opp. (Neumay r, Cephalopoden 
von Baiin. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., V., pag. 34, Taf. XII, Fig. 2) 
hat einige Ähnlichkeit, eine Form, welche auch in den Klausschichten 
von Svinica im Banat vorkommt. — An einer Stelle lassen sich die 
Lagerungsverhältnisse gut feststellen : Streichen hora 4, Verflachen 
mit 50° gegen NW. 

An der Fahrstraße selbst sind am Nordhange der Heubergkuppe 
sehr schöne feinkörnige graue Kalkoolithe mit undeutlichen Spuren 
von Fossilien angeschnitten, deren Alter ich nicht sicherzustellen 
vermochte. Sie folgen auf jeden Fall über den Hauptdolomiten des 
Südhanges. Die hellen grauen Kalke, in welchen ich Dachsteinkalk 
vermutete, scheinen das Liegende zu bilden, die rötlichgrauen Jura- 
kalke das Hangende. Die Lias-Crinoidenkalke erscheinen an der 
Straßenkehre nicht angeschnitten, sie liegen etwas nördlicher und sind 
sowohl beim Tore der Tiergartenmauer innerhalb des Parkes als auch 
außerhalb, vor der kleinen Wald wiese („Fockwiese") links (nördlich) 
von der Straße, gut aufgeschlossen, während auf der rechten Straßen- 
seite, im Parke und außerhalb des Tores, wieder dolomitische Kalke 
und Dolomitbreccien angeschnitten wurden, die auch nach der Fock- 
wiese rechts im Walde anstehen und von Lias-Crinoidenkalken über- 
lagert werden, welche sich bis über den Ein bette nberg, und zwar 
bis über die Kote 606 m hinaus verfolgen lassen. Hier sammelte ich 
am Fuße nahe der Straße : Avicula inaequivalvis, Pecten sp. (glatt), 
Lima cf. densicosta Quenst., Terebratula, Rhynchonella, Spirifer cf. alpinus 
Opp., Pentacrinites usw. 

An der Straße vor der großen Schneise gegen den Einbetten- 
berg sind rote (frisch graugrünliche) Hornsteinkalke aufgeschlossen, 
welche an die Liashänge angrenzen und in mürbe, rote, schiefrige 
Mergel mit Konkretionen eingelagert erscheinen. Diese Schichten 
streichen hora 3 und verflachen leicht geneigt gegen NW. Gegen 
Norden treten krümelig zerfallende Mergelschiefer und im Hangenden 
die gelblichgrauen Mergelkalke und Kalkmergel auf, welche ganz und 
gar den hydraulischen Neokommergeln im Flösselgraben gleichen. 

In der Schneise, und zwar auf dem nördlichen Waldrande hinauf 
zur Einsattelung des Einbettenberges (südlich von der Kote 606 in) 
kommt man zunächst über die hellen Neokom-Aptychenmergel und 
etwa 20 m höher auf die rötlichen Mergel und auf hornsteinführende 
graue und rote Mergelkalke. 

Am Sattel stehen graue dolomitische Kalke an. Im Walde nördlich 
von der Kuppe (606 m) kommt man an Lias-Crinoidenkalkfeisen. Auf 
der Vorhöhe des Einbettenberges (Kote 606 m) sammelte ich zahlreiche 
Exemplare von Rhynchonella variabilis Schloth. Darunter findet sich 
ein Stück mit nur einer Rippe im Sinus (Geyer, Brachiopoden der 



[811 Oeo\. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mörtlingbaches. 323 

Hierlatzschichten. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., XV, Taf. IV, Fig. 16) 
und eines mit drei Sinusrippen (Geyer, 1. c. Taf. IV, Fig. 19). Eine 
auffallend große, schön gewölbte Lima, mit glatter, ungerippter Schale 
und spitzem Wirbel, wird wohl als Lima gigantea (Quenstedt, Jura, 
S. 77) anzusprechen sein. Am Ohre und am Rande lassen sich zarte 
konzentrische Anwachslinien erkennen. Die hellgrauen, dichten bis 
fein kristallinischkörnigen Kalke der Einsattelung enthalten eine Un- 
menge von organischen Einschlüssen, wie an den Abwitterungsflächen 
zu erkennen ist. Bestimmbares konnte ich leider nicht finden. Auf der 
Vorhöhe liegen die lichtrötlichen, dichten Kalke darüber (JuraV). Am 
südlichen Waldrande der Schneise treten unter den Lias-Crinoiden- 
kalken des Einbettenberges gelbliche, sandige Mergel und sehr fein- 
körnige Sandsteine auf (mit Säure nicht brausend), welche verwittert 
feinporöse Hornsteinkerne enthalten. 

Auf dem Sattel zwischen Einbettenberg und dem Höllenstein 
stehen an der Fahrstraße die gelblich ockerfleckigen und gelblich 
verwitternden Mergelkalke des Neokom (den hydraulischen Mergeln 
des Flösselbergsteinbruches ähnlich) an, mit spärlichen Fossilien: 
Aptychen, und zwar meist kleine Exemplare, darunter solche mit 
nach rückwärts auslaufenden Lamellen, ähnlich wie bei Aptychus 
Mortilleti Pict. et Camp. Auch rote Aptychenmergel finden sich. In 
einem grauen Mergel fand sich an dieser Stelle eine Rhynchonella 
mit tiefem Sinus auf der großen Klappe, ähnlich der lihi/nclionella 
Moutoniana. Dem Sinus entspricht auf der kleinen Klappe ein scharf- 
kantiges Dach. Auch eine feingestreifte, flachgedrückte Rhijnchonella 
wurde aufgefunden. 

Das Neokom fällt gegen eine Überschiebungsfläche ein, an welcher 
dolomitische Triaskalke angrenzen. Weiterhin folgen nun die grauen 
Hauptdolomite der Höllen stein masse, welche anhalten bis an 
die Straßenbiegung, wo einerseits der Fußweg ins Wassergespreng 
und anderseits der Kammweg zum Kreuzsattel die Straße über- 
queren. 

Auf der linken Seite des Wassergesprengweges, etwas 
unterhalb der Einmündung in die Straße, steht ein Felsriff an, welches 
aus gegen SW verflächenden, lichtrötlichen und im Norden ausge- 
sprochen rotgefärbten Kalken besteht. Fossilreste sind recht selten, 
doch fand ich Spuren von Crinoiden, Aptychen, ein Ammonitenbruch- 
stück, ein Bruchstück eines Haifischzahnes (vielleicht Oxijrliina). 

Das Gestein gleicht ganz jenem des Jura unterhalb der Vereins- 
quelle, anderseits jenem am Felsen bei der Jakobsquelle. Die Schichten 
scheinen gegen hora 17 (WSW) steil einzufallen. Die Fahrstraße selbst 
verläuft zunächst der großen Wegkrümmung, gegen den Vorderen 
langen Berg zu, in neokomen Mergelkalken, bis zu dem Wege, der 
zur Stierwiese führt. Nach diesem Wege ist die Straße im Walde vor 
der Wiese am Huberram in rhätische Gesteine eingeschnitten. Die 
Schichten streichen schräg über die Straße von NW gegen SO (hora 
10) und fallen steil gegen NO ein. 

Es sind graue, dichte, mergelige Kalke und enthalten in einzelnen 
Bänken eine Unmasse von Fossilien, besonders im westlichen Teile 



324 Franz Toula. [82] 

des kurzen Aufschlusses (1, Fig. 33), mergelige Bänke (2), netzaderige 
Kalke (3) und dickbankige, weißaderige Kalke (4) folgen darüber. 
Besonders viele Lithodendren finden sich neben Plicatula Intusstriata 
und zahlreichen Exemplaren von Waldhehnia gregaria. Es sind sonach 
echte Kössener Schichten. Auf der Hoch wiese am Huberram findet 
sich kein Aufschluß. Ein Rhätfindling. Nach der Wiese, an ihrem Ost- 
rande, wurden (Fig. 34) kurzklüftige, hellgraue Kalke (2) angeschniten, 
welche zwischen dolomitischen Kalken (1, 3) auftreten, hora 23 streichen 
und gegen einfallen. Die Hangendbänke sind feinlöcherig (4) und 
gehen in förmliche Zellenkalke über (5). 



Fig. 33. 

Am südlichen Steilhange der Straße, nach der genannten Wiese, 
gegen den Wassergesprenggraben, erheben sich ein paar Felsköpfe 
aus steil stehendem grauen Kalk mit feinen, netzartig verzweigten 
Erosionsrinnen auf den verwitternden Überflächen. Ein Verhalten, wie 
es die Dolomite nicht zeigen, wohl aber manche dichte Kalke. Am 
W T estrande derselben Wiese wurden Dolomite mit eiuer Einlagerung 
von hellgrauem Kalke angeschnitten. Die Hangendpartien des 
Dolomits sind in zum Teil sehr feinlöcherige Zellendolomite umge- 
wandelt. Hier streichen die flach liegenden Bänke von NNW— SSO, 
mit östlichem Verflachen. 

Dann folgen, von der großen Wiese zwischen Gaisberg und 
Mitterberg an, kurzklüftige Kalke, welche hora 7 — 8 streichen und steil 
gegen S einfallen (RhätVj und petrographisch den Kalken der vorher 
erwähnten Felsklippen gleichen. — 

Fig. 34. 



Auf dem grünmarkierten Wege von der Höllensteinhochstraße 
zum Kreuzsattel treten die hellfarbigen mergeligen Kalke und 
Kalkniergel des Neokom auf. Sie streichen hora 3, verflachen mit 
50° gegen N, und sind an dem neuen Fahrwege recht schön aufge- 
schlossen. Hier fand ich einen ansehnlich großen, schlanken Belemniten 
mit stumpfer Spitze und schlankem Phragmoconus. Der Querschnitt 
ist elliptisch, die Anwachsttächen des Rostrums verlaufen an der Spitze 
schön gerundet. Eine sichere Bestimmung kann ich nicht vornehmen. 
Furche ist keine wahrzunehmen. Dürfte in die Gruppe des Belemnites 
semicanalicidatus Bl. aus dem Neokom gehören. Die Verhältnisse an 
der Spitze des Rostrums erinnern an jene bei Belemnites minimus List. 



[83] Geol. Exkursionen im Gebiete des Liesing- und des Mödlingbaches. 325 

Vor dem Kreuzsattel führt der Gehweg schräg über die Schichtenköpfe 
der Neokommergel. — 

Auf dem Wege, der vom Kreuzsattel in den Tiergarten 
(siehe oben) führt, trifft man unter dem Neokom auf dunkle, schiefrig- 
klastische Gesteine, welche hora 3 streichen und mit 40° gegen N 
einfallen, also ganz ähnlich gelagert sind wie das Neokom an der 
vorhin erwähnten großen Biegung der Hochstraße. Auch Neokommergel 
treten noch auf. — 

Vom Kreuzsattel (am rotmarkierten Wege) gegen Nord- 
west bis an die große Wiese auf der Ostseite des Sulzberges, an 
der von D. Stur als Hauptdolomit bezeichneten Strecke, trifft man nur 
an einer Stelle anstehenden rötlichgrauen, hornsteinführender Kalk. 
Sonst nur der weiche Waldboden. Nahe dem Kreuzsattel fand ich 
einen Findling aus grauem Sandstein mit kalkigem Bindemittel. — 

Vom Kreuzsattel gegen den Höllenstein (auf dem 
gelbmarkierten Wege). Über neokome Mergelkalke hinauf. (Streichen 
hora 5.) Etwa 25 m über dem Kreuzsattel, dort, wo der Weg in der 
Isohypse verläuft, finden sich hellweiße obertriadische Kalke. Etwa 
40 m über dem Kreuzsattel beginnen die dickbankigen Dolomite und 
Brecciendolomite. Die Kuppe besteht daraus. (Höhlenreich). Verflachen 
an einer Felswand (am rotmarkierten W r ege) WNW mit 38°. — Beim 
Anstieg zum Höllenstein, nach der Einmündung des gelbmarkierten 
Weges, stehen dunkelgraue, von vielen weißen Spatadern durch- 
schwärmte Kalke an. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (F. Toula.) 42 



326 Fianz Toula. [84] 



Inhaltsangabe. 



Seite 
Einleitung 243 

I. Literaturübersicht 1817-1904 245 

II. Schilderung- der Beobachtungen 257 

1. Talgebiet der reichen Liesing 257 

2. Talgebiet der dürren Liesing 259 

Aufschlüsse am Zugberge (259), am Bierhäuselberge (261), Kammer- 
stein (262), Graben unterhalb der Waldmühle (263), im Zaintale (264), 

bei der Waldmühle (265), Fischerwiesengraben (265), Flösselgraben (266), 
Kleiner Flössel (266), Vereinsquellengraben (270), Großer Flössel (272), 
Kaltenleutgeben (273), Gaisherg (274), Wallner-, Stier- und Siegelwiese 
(275), Wienergraben (276). 

3. Gießhübel West und Nord 277 

Gemeindekogel (277), Iuzersdorfer und Vösendorfer Wald (278), Perch- 
toldsdorfer Kardinalwald (279), Kleiner Sattelberg (280), Nackter Sattel- 
berg (280), Großer Sattelberg (280), Tenneberg (281), P'instererGang (281), 
Sattelstraße Gießhübel— Sparbach (283). 

4. Vorderbrühl— Liechtenstein— Perchtoldsdorf 285 

(Oberhalb der „Klausen" (285), Wagnerkogel (286), [Grillenbühel (287), 

die „drei Steine" (289), der Große Rauchkogel (289), der Kleine Rauch- 
kogel (289), Liechtensteinfels (289). Hügel hei Perchtoldsdorf (291). 

5. Hinterbrühl und Anninger 294 

Anningerforst (294), Kiental (296), Anninger, Osthang (297), Baytal (298), 
Anningerhöhe (299), Anninger— Buchberg— Gumpoldskirchen (300), Hinter- 
brühl— Weißenbach (302), Hundskogel (306), Hinterbrühl— Schweizer- 
berg (307), Hinterbrühl — Wassergespreng (308), Gaadener Tertiär- 
becken (309). 

6. Sparbacher Tiergarten und Umgebung 312 

Im Tiergarten (312), Patellinenschichten anstehend (313), Actaeonellen- 
kalk (315), Weg zum Kreuzsattel (316), Sparbach— Neuweg— Wildegg— 
Sittendorf (317), Hochfeld und Kalkfeld (319), anstehendes Patellinen- 
gestein (321), Heubergsattel, Höllenstein, Kreuzbergsattel Sparbach (321), 
Lias am Einbettenberge (322), Jurariff am Einstige in den Wasser- 
gesprenggraben (323), Kössener Schichten an der Hochstraße der Huber- 
ram (324), Kreuzsattel wege (324). 



Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 

Von K. A. Redlich in Leoben. 

Mit 2 Tafeln (Nr. VI und VII) und 3 Zinkotypien im Texte. 

Nordöstlich von Klagenfurt, am Fuße der Saualpe, dort, wo die 
Görtschitz in die Gurk mündet, und letztere die als Krappfeld be- 
kannte Talausweitung bildet, liegt auf einer archäisch -paläozoischen 
Unterlage eine isolierte Scholle mesozoisch -känozoischer Gesteine, 
welche die nördlichsten Absätze der einzelnen von Süden kommenden 
Meeresphasen jener Zeitabschnitte kennzeichnet und durch ihre Mannig- 
faltigkeit schon des öfteren das Interesse der geologischen Forschung 
wachgerufen hat. Während uns jedoch mehrere Schichtglieder ein- 
gehend beschrieben wurden, so zum Beispiel die Trias von Bittner, 
das Eocän von Pen ecke und Oppenheim und das erratische 
Diluvium von Höfer, fehlte bis jetzt eine zusammenfassende Spezial- 
aufnahme, welche nicht nur der Stratigraphie, sondern vor allem der 
Tektonik des Gebietes gerecht werden sollte. 

Die geologischen Exkursionen, welche meine Vorgänger und ich 
durch mehrere Jahre mit den Hörern der k. k. montanistischen Hoch- 
schule in Leoben in jene Gegend unternahmen, stapelte vor allem 
ein reiches paläontologisches Material auf und bildete die Veranlassung, 
die Ferienmonate 1899 und 1900 zur Spezialaufnahme des östlichen 
Teiles des Blattes Hüttenberg— -Eberstein der österreichischen Spezial- 
karte, Zone 18, Col. XI, zu verwenden. 



Literatur. 



1880. H. Höfer. Die Erdbeben Kärntens und deren Stoßlinien. Denkschr. der 

kaiserl. Akad. d. Wissenscb., math.-nat. Klasse, XL1I. Bd. (I). 
1884. K. A. Penecke. Das Eocän des Krappfeldes in Kärnten. Sitzuugsber. der 

kaiserl. Akad. d. Wissenscb., matb.-nat. Klasse, XC. Bd., I. Abteil. November- 

beft. In dieser Arbeit fludet sieb aucb die ältere Literatur verzeicbnet (II). 
1886. F. Toula. Der Bergrücken von Althofen in Kärnten. Verhandl. d. k. k. 

geol. R.-A. 1886, pag. 48 ([II). 
1869. A. Bittner. Die Trias von Eberstein und Pölling in Kärnten. Jabrb. d. 

k. k. geoi' R.-A., 49. Bd., pag. 483 (IV). 
1890. A. Bittner. Bracbiopoden der alpinen Trias. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., 

Bd. XIV. (V). 
1894. H. Höfer. Die geologischen Verbältnisse der St. Pauler Berge in Kärnten. 

Sitzungsber. der kaiserl. Akad. d. Wissenscb., CHI. Bd., I. Abteil., pag. 467 

(VI). 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (K. A. Redlich.) 42* 



328 K - A - Redlich. [2] 

1894. H. Höfer. Das Ostende des diluvialen Draugletscher in Kärnten. Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A., 44. Bd., pag. 533 (VII). 

1900. K. A. Redlich. Die Kreide des Görtschitz- und Gurktales. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1899, 49. Bd., pag. 653 (VIII). 

1901. P. Oppenheim. Über einige alttertiäre Faunen der österreichisch-ungarischen 
Monarchie. Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und 
des Orients, XIII. Bd., Heft III und IV (IX). 

1901. R. Canaval. Das Erzvorkommen am Kulmberg bei St. Veit an der Glan. 
Carinthia II. Klagenfurt (X). 

1902. B. Baumgärtl. Der Erzberg bei Hüttenberg in Kärnten. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A., 52. Bd., pag. 219 (XI). 

1903. K. A. Redlich. Der Braunkohlenbergbau Sonnberg in Kärnten. Mineral- 
kohlen Österreichs, herausgeg. vom Komitee des allg. Bergmannstages Wien 
1903 (XII). 

1904. A. Rzehak A. und Pre ver, P. L. Über einige Nummuliten und Orbitoiden 
von österreichischen Fundorten. Verhandlungen des naturforschenden Ver- 
eines in Brunn, XLII. Bd., 1903, pag. 190 (XIII). 



Das Grundgebirge. 

Im Osten und Norden wird unser Gebiet umrahmt von archäischen 
Schichten, welche zum größten Teile den Fuß der Saualpe bilden. Es 
sind vor allem Granatglimmerschiefer und Gneise, dazwischen schieben 
sich Lagen und Stöcke von Hornblendeschiefer, Eklogit, Kalk und 
seltener Serpentin ein. Eine nähere Beschreibung dieser Gesteine 
erscheint mir nicht zweckmäßig, da sie nur bei einer monographischen 
Bearbeitung der Saualpe durch ihre richtige Deutung einen bleibenden 
Wert haben könnte. 

Auch die nächsten paläozoischen Glieder sind ja nur kleine 
Ausläufer eines großen Zuges, der von nach W Kärnten durchzieht. 
Aus dem gleichen Grunde werden daher auch diese nur so weit be- 
schrieben, als sie zum Verständnis unseres Gebietes notwendig sind. 

Diskordant über dem Archaikum folgt eine Gruppe von paläo- 
zoischen Schiefern und Kalken. An der Basis sind die ersteren quarz- 
und feldspatreicher und werden dadurch mehr gneisähnlich ; dies sieht 
man zum Beispiel gut im Westen an der Gipfelpartie des Osselitzen- 
zuges oder in den Seitengräben des nördlichen Görtschitztales. Die 
Hangendpartien sind echte Phyllite, welche großenteils aus Tonschiefern 
entstanden sind und nur dort, wo sie hornblendereicher werden, ur- 
sprüngliche Tuffe gewesen sein dürften. Dies gilt namentlich von der 
Partie östlich von Wieting im Görtschitztal. An vielen Stellen wechsel- 
lagern die Phyllite mit Kalken, welche durch ihre schwarzgrauen, 
gelben und weißen Farbentöne als Bänderkalke bezeichnet werden 
können. Solche Kalke treffen wir vor allem oberhalb St. Johann am 
Brückl gegen den Grabuschgupf zu und am Kriebl in der Nähe von 
Kreug. Hier führen sie Ankerit, Zinkblende und silberhaltigen Blei- 
glanz, welch letzterer des öfteren Gegenstand bergmännischer Tätig- 
keit war l ). Das Alter dieser Schichten muß, wenn wir die analogen 
Gesteine in Steiermark zum Vergleich heranziehen, als präkarbonisch 
angesprochen werden. 



R. Canaval. Das Erzvorkommen am Kulmberg. Literaturverzeichnis X. 



[3] Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 329 

Im Hangenden der Phvllitkalkgruppe liegen Diabastuffe, welche 
mit echten Tonschiefern wechsellagern. Es sind die letzten Aus- 
läufer jener Diabaseruptionen, welche im Magdalensberg, bei Miklauz- 
hof und im Ebriachtal bei Eisenkappel ihr Zentrum haben. 

Die namentlich rot und graugrün gefärbten Tonschiefer unter- 
scheiden sich leicht durch ihre matte Färbung von den tiefer liegenden 
Phylliten; da sie mit den Tuffen wechsellagern, mußten beide Glieder 
zusammengefaßt ausgeschieden werden. Über das Alter der Diabastuffe 
sagt schon Höfer 1 ): „Nachdem in den verschiedenen Gegenden 
Kärntens, zum Beispiel in Bleiburg, im Gebiete des Eisenhutes und 
bei Eisenkappel, die Diabaseruptionen durchweg in die Karbonzeit 
fallen, wie dies die in den einschließenden Sedimentgesteinen vor- 
kommenden Versteinerungen ganz bestimmt beweisen, so muß ich sie 
auch hier als Karbon und wahrscheinlich Oberkarbon ansprechen." 
Phyllite und Diabase lassen sich rund im Kreise in unserem Karten- 
blatte verfolgen und bilden so die Schale für das in sich abgeschlossene 
Gebiet mesozoischer und känozoischer Gesteine. 



Perm und Trias 2 ). 

Grödener Sandstein und Werfener Schiefer. 

Diese beiden Schichtglieder gehen vollständig ineinander über 
und konnten deshalb bei der Kartierung nicht getrennt werden. Die 
unteren Partien bestehen aus einem roten oder weißen Konglomerat, 
welches häufig zum Sandstein herabsinkt. Schiefer von grünlichgrauer, 
roter und gelbbrauner Farbe schalten sich namentlich nach oben zu 
ein und nehmen durch einen Glimmerbesteg den Charakter der echten 
Werfener Schiefer an. 

Gelbe Rauhwacke ist in dem Hangenden des Komplexes nichts 
seltenes, zum Beispiel im nördlichen Florianigraben. Aus den Werfener 
Schichten (irrtümlich Carditaschichten) sind nach Brunl echner 3 ) 
bei Eberstein vor Jahren Salzquellen ausgetreten, welche jedoch vom 
Finanzärar verschlagen wurden. 

Kalkstufe. 

Unmittelbar über den Werfener Schichten folgt ein schwarzer, 
weißgeäderter Kalk, der petrographisch vollständig dem Gutensteiner 
Kalke der Nordalpen gleicht. Da er nur 1—2 m stark ist, wird er in 
dem reich kultivierten Terrain nur selten beobachtet; ich fand ihn nur 
südlich von Eberstein oberhalb dem ersten Bahnwächterhause, ferner 

') H. Höfer. Die geologischen Verhältnisse der St. Pauler Berge. Literatur- 
verzeichnis VI. 

2 ) Die stratigraphische Einteilung der Trias unseres Kartenblattes wurde 
1889 von A. Bic'tner gegeben. Da in diesen Beobachtungen mit Ausnahme einiger 
kleiner Ergänzungen sich nichts geändert hat, bin ich gezwungen, im Text das 
meiste jener Arbeit zu entnehmen. Höfer hat im Jahre 1894, die im SO nächst- 
gelegene Triasscholle von St. Paul (1. c.) beschrieben, welche eine vollständige 
Übereinstimmung mit dem Nachbargebiete zeigt. 

3 ) Steinsalzquellen in Kärnten. Cxrinthia 1893, pag. 137. 



330 K. A. Redlich. [4] 

in einem Steinbruche oberhalb Aich, von wo ihn auch schon Toula 1 ) 
erwähnt. Es folgen nun graue dolomitische, fossilere Kalke von geringer 
Mächtigkeit, die das Übergangsglied bilden zu der 

unteren Dolomitstufe. 

Der Dolomit ist zuckerig, porös, lichtgrau und zerfällt leicht zu 
Grus. Sehr interessant ist es, daß er an der Nordlehne des Floriani- 
grabens einen grünen Tuff birgt, der den vulkanogenen Gebilden Idrias 
vollständig gleicht. Dieser Tuff würde auf das Niveau der Wengener 
Schichten hinweisen. Bitt n er fand au der oberen Grenze dieser Stufe, 
südwestlich beimGoltschnigg, in einem kleinen Aufschluß plattige, etwas 
dolomitischmergelige Lagen mit Daonella cf. parthanensis Schafft. Auch 
Höfer erwähnt aus diesem Höhenniveau der St. Pauler Berge blau- 
graue Plattenkalke und vergleicht sie mit den gleichnamigen Schichten 
an der Basis der Raibler Schichten. 

Mergelschieferniveau. 

Grünlichgrauer oder schwarzer Mergelschiefer, der an der Ober- 
fläche in stengelige und scharfkantige Scherben zerfällt, hie und da 
mit sandigen Bänken wechsellagert und eisenschüssige Linsen führt. 
Er bildet einen von NO nach SW streichenden kontinuierlichen Zug, 
welcher bei Eberstein beginnt und am Fuße des Odvinskogel südlich 
von St. Georgen am Längsee endet. Der Boden dieses Untergrundes 
zeichnet sich durch große Sterilität aus, ist gewöhnlich von Graswuchs 
fast ganz entblößt, so daß er schon durch seine Farbe, ferner aber 
durch die Neigung, Terrassen innerhalb des festen Hangend- und 
Liegendgesteines zu bilden, ein gut ausscheidbares Glied wird. Nicht 
selten finden sich in ihm Halobienreste, welche Bittner als Halobia 
rugosa Gümb. bestimmte. Gegen oben stellt sich in diesem Mergel- 
schiefer in einzelnen Lagen festeres kalkiges Gestein ein, welches reiche 
Petrefaktenführung aufweist. Bittner sagt darüber: „Man findet 
solche Lagen am Wege von Eberstein über Gutschen gegen Göseling, 
teilweise in losen Stücken, teilweise aber auch anstehend und eine 
dem Markte Eberstein zunächstliegende Stelle jenes Weges ist es, 
an welcher Prof. A. Hof mann zuerst größere Mengen allerdings 
zumeist äußerst schlecht erhaltener Petrefakten aufsammelte. 
Von diesen ließen sich folgende Arten bestimmen: 

Lima äff. subpunctata d'Orb. 

Pecten cf. filosus Hauer 

Gervillia Bouei Hauer 
„ angusta Goldf. 

Hoernesia Joannis Austritte Ktipst. 

Myoconcha oder Modiola 

Myophoria Whatelleyae Buch. 

Corbis Mellingi Hauer 

Solen caudatus Hauer 

Macroch H us sp.? 

: ) F. Toula. Der Bergrücken von Althofen in Kärnten. Literaturverzeichnis III. 



[ö] Die Geologie des Garg- und Görtschitztales. 351 

In rauhflächig abwitternden, wulstigen, dunklen Kalkplatten fanden 
sich neben einzelnen Korallen auch Brachiopoden, und zwar Spirigera sp. 
und Amphiclina sp. Diese Gesteine gehen endlich in zähe schwarze, 
von Petrefaktentrümmern ganz erfüllte, teilweise groboolithische Lagen 
über, welche von den sehr bekannten Carditagesteinen der Nordalpen 
und der Karawanken nicht zu unterscheiden sind. Cidaritenstacheln 
und Crinoidenstielglieder lassen sich häufiger auf der angewitterten 
Oberfläche erkennen, alles übrige sind undeutliche Reste ; durch 
Anschlagen der Stücke erhält man keine besseren Petrefakten ; nur 
ein mit zirka 26 runden knopfförmigen Pflasterzähnchen besetztes 
Gaumenstück eines pycnodontenartigen Fisches wäre zu erwähnen. 

Ein zweiter Fundort liegt bei Göseling, am Wege von Watscher- 
kogel gegen den Bauern Garzern. Von dort nennt Bittner aus den 
Plattenkalken: 

Spiriferina gregaria Suess 
„ Lipoldi Bittn. 

Amphiclina saginata Bittn. 

Schließlich liegt eine reiche Fundstelle bei Pölling. An dem vom 
Gasseihof zum Zoppelgupf führenden Fußwege findet man, teils im losen 
Gestein (schwarze zähe Kalke), teils in den mergeligen Plattenkalken, 
unter dem Gipfel des vorgenannten Berges zahlreiche Fossilien, von 
welchen sich folgende bestimmen ließen: 

Spiriferina Lipoldi Bittn. 
Beeten alternans Münst. 
Avicula aspera Pichl. 
Myophoria cf. Misanii Tom. 
Nucula Telleri Wöhrm. 

In der Nähe fand auch Bittner Gervillia angusta Goldf. Die 
hangenden Carditaoolithe findet man auch hier und kann sie weit nach 
NO verfolgen. 

Hauptdolomit. 

Als das landschaftlich auffallendste Glied der Trias muß jener 
hellgraue dolomitische Kalk und Dolomit bezeichnet werden, welcher 
bei Eberstein selbst vom Taleinschnitte durchbrochen wird und der 
von hier aus in den felsigen Kamm des Gutschenberges, Golikogels, 
Pleschitzberges, Zoppelgupfes und der Weißen Wand weiterzieht, 
schließlich in Form einzelner Kogel aus der Ebene des Krappfeldes 
sichtbar wird. An der Basis dieser Dolomite fand Hofrat Höfer süd- 
lich von Pölling in den Kalksteinbrüchen eine Brachiopodenfauna, 
welche später A. Hof mann ausbeutete und Bittner folgendermaßen 
bestimmte : ' 

Waldheimia äff. Damesi Bittn. 
. Aulacothyris sp. 

Spirigera Hofmanni Bittn. 

Amphiclina intermedia Bittn. 



332 



K. A. Redlich. 



[6] 



In den höheren Partien sind Diploporen, Cidaritenkeulen und 
Brachiopodenreste nichts seltenes. 

Eine Zusammenstellung der einzelnen Schichtglieder findet sich 
in der nebenstehenden Tabelle: 



Obere 
Trias 



Norisch 
(nach Bittner) 



Karnisch 



Dolomit mit Gyroporellen, 
Cidarisstacheln etc. 

Dolomit mit Brachiopoden, 
Spirigera Hofmanni etc. 



Hauptdolomit 



Oolithische Kalke 

Mergelkalke mit Cardita 
crenata etc. 

Graugrüne und schwarze 

Mergelschiefer mit Halobia 

rugosa 

Plattenkalke mit Daouella sp. 



Carditaschichten 



Raibler Schichten 



Plattenkalke 



Ladiuisch 



Dolomit 

Grüne Tuffe 

Dolomit 



Wengener 
Schichten 



Mittlere 
Trias 



Anisisch 



Dolomitischer Kalk 

Schwarzer Kalk mit weißen 
Adern 



Gutensteiner Kalk 



Untere 
Trias 



Skytisch 



Gelbe Rauhwacke 

Graugrüne und rote Schiefer 

Feinkörniger Sandstein 



Werfener 
Schichten 



Perm 



Grödener Sandstein 



Die Kreide. 

Die Kalkmergel und Sandsteine der Kreidefonnation überlagern 
diskordant die älteren Schichtglieder. Sie setzen den Höhenzug westlich 
vom Görtschitztal, nördlich von der Gutschen, hier den Triaskalk 
überlagernd, bis zum Schölmberg bei Mosel zusammen, wo unter ihnen 
die paläozoischen Phyllite auftauchen. Ferner tritt die Kreide am öst- 
lichen Gehänge des Görtschitztales am Horenberg auf, hier dem Trias- 
kalke aufgelagert, und zieht sich in einem dünnen Streifen mit geringen 
Unterbrechungen bis Ober-Wieting, dort teils die Phyllite, teils die 



V) 



Die Geologie des Gurk- und Görtsohitztalei 



333 



Gneise der Saualpe überlagernd. Sie setzt den Dachberg nördlich 
Silberegg zusammen und reicht bis fast an die Straße von Althofen 
nach Guttaring, wo sie unter das Eocän taucht. Als die östliche Fort- 
setzung dieser Partie können die Gehänge von Althofen, bis zum 
Weinsdorfer Wald reichend, angesehen werden, während im S die als 
Inseln aus dem Diluvialschutte auftauchenden Höhen der Goritzen 
und die Hügel bei Kappel die direkte Verlängerung des Dachberges 
bilden. Aus dem Diluvium des Gurktales ragen noch einzelne kleine 
Erhebungen, wie zum Beispiel der Stammerkogel ect. hervor, welche 
jedoch keine weitere stratigraphische Bedeutung haben. Die große 
Masse ist durch das Eocän und das Diluvium in einzelne Teile aufgelöst. 
Wenn wir im N mit unserer Betrachtung beginnen, so ist es 
vor allem jene Scholle, welche die Gehänge von Althofen bildet und 
durch ihren Fossilreichtum unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. 
Die Kreide reicht herauf bis in den Weinsdorfer Wald und besteht 



Weinsdorfer 
Wald. 



Figr. l. 



Kapelle am 
Kalvarienberg. 



Kote 613 auf der 
Straße von Frei- 
bach zum alten 
Markt. 




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WM r 

Maßstab : 1 : 6700. 



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hier in ihren Liegendpartien aus Mergelkalken, die jedoch bald aus- 
keilen, so daß die nächsthöheren Schichten, das sind ungeschichtete 
Kalke, direkt auf dem älteren Gebirge lagern. Diese Kalke haben oft 
Stücke ihrer Unterlage in sich aufgenommen, so daß man Brocken 
von Werfener Schiefer, Phillite und Triaskalke in ihnen findet, welche 
oft eine breccienartige Natur der Kalke bedingen. Sie sind nur eine 
fazielle Entwicklung, da sie schon auf kurze Strecken verschwinden 
und von Sandsteinen mit Mergelkalken abgelöst werden. 

Wenn wir das in Fig. 1 gegebene Profil, welches von der Lehne 
des Weinsdorfer Waldes im N direkt nach Althofen im S gezogen 
wurde, ins Auge fassen, so sehen wir, daß die Kreide auf den 
Phylliten, die in steiler Stellung ein Verflachen nach zirka 10 h zeigen, 
ruht. Sie besteht aus Mergelkalken von der Mächtigkeit einiger 
20 m mit südlichem Fallen von 75—80°, darüber folgen die Kalke, 
welche oft breccienartige und konglomeratische Struktur annehmen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (K. A. Redlich.) 43 



334 K. A. Redlich. [8] 

In ihnen fanden sich an der Lehne des Weinsdorfer Waldes NW 
vom Fercher, auf dem breiten Waldwege, der zu der Kapelle des 
Kalvarienberges führt : 

Hippurites carintJiiacus n. sp. 

„ cf. Archiaci Mun. Chalm. 

„ colliciatus Woodward 

Spliaeridites angeoides Lap. 
Pecten laevis Nils. 

Auf diesen Kalken folgen Mergelkalkbänke mit Sandsteinein- 
lagerungen, welche, abgesehen von kleinen lokalen Faltungen, in ihrer 
ersten Hälfte immer ein südliches Verflachen zeigen, dann aber 
nach N umbiegen, so daß wir in den Gegenflügel einer Synklinale 
treten. Daß dies richtig ist, sehen wir bald an dem abermaligen 
Auftreten der Hippuritenkalke. Auf ihnen steht die Kapelle des Kal- 
varienberges, nach zu sind sie wenige Schritte weiter in einem 
alten Steinbruche beim Fercher aufgeschlossen. Es war dies bis jetzt 
der einzige bekannte Fundort von Kreidefossilien und schon Pen ecke 
zählt eine Reihe derselben *) auf: 

Cliona Duvernai Nart. 

Cyclolites macrostoma Reuss. P. u. Rd. 

Thamnastraea agaricites E. & H. P. u. Rd. 

Montlivoltia sp. 

Rhabdophyllia cf. tenuicosta Reuss 

Isastraea sp. 

Latimaeandra sp. 

Cladocera sp. 

Gyrosmilia Edwarsi Reuss 

Asterocoenia sp. 

Cidaris cf. vesicidosa Goldf. P. u. Rd. 

Serpida sp. 

Area sp. (Steinkern, wahrscheinlich Cucullaea 

chiemiensis Gümb.) 
Trigonia sp. 

Plagioptychus sp. (cf. Aguilloni d'Orb.) P. u. Rd. 
Hippurites carintläaeus Redl. 

„ gosaviensis Douv. 

Sphaerulites angeoides Lap. P. u. Rd. 

„ cf. styriacus Zitt. P. u. Rd. 

Pleurotomaria sp. 
Nerinea Bucht Keferst. P. u. Rd. 
Actaeonella gigantea d'Orb. 

Neu kommen noch zu dieser Fossilliste: 
Hippurites sulcatus Defr. 
Placosmilia irregidaris Reuss 
Leptoria Konincki Reuss 
Gryphaea vesicularis Law,. 

J ) Diejenigen Fossilien, welche schon Penecke kannte und von mir am 
gleichen Fundort gesammelt wurden, sind mit P. und Rd. bezeichnet. 



[9] Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 335 

Unmittelbar unter den Hippuritenkalken, in dem Hohlwege, stoßen 
wir auf schiefrigsandige Gesteine und graphitische Phyllite paläo- 
zoischen Alters, die in zahlreiche enge Falten geknetet sind. Es 
fehlen also die Liegendmergel der Kreide, welche wir im Weins- 
dorfer Wald angetroffen haben. Weiter das Profil nach S verfolgend, 
treffen wir rote Tone, die dem Eocän angehören und in der ganzen 
Gegend als das Liegendste desselben bekannt sind. Es sind fluviatile 
Tone, die zum größten Teile wohl aus der Zersetzung der Werfener 
Schiefer, der roten Grödener Sandsteine und der Phyllite entstanden 
sind. Die roten Tone lassen sich bis zu der ersten Kapelle des Kal- 
varienberges verfolgen und bilden auch den Untergrund der westlich 
davon gelegenen Wiesen. 

Wenden wir uns von unserem Profil weiter nach dem Westen, 
so sehen wir, daß sich die Verhältnisse wesentlich zu komplizieren 
beginnen. Schon unterhalb der Kapelle des Kalvarienberges schieben 
sich mürbe, schwarze Kalkschiefer ein. Diese werden gegen Aich 
immer mächtiger, außerdem treten hier schwarze Kalke und rote 
Schiefer auf, Gesteine, die schon Toula 1 ) im Jahre 1886 richtig als 
triadisch erkannt hat. Es ist eine durch zwei N — S und 0— W 
streichende Verwerfungen abgeschnittene Triasscholle. 

Im Süden schließt sich an diese eben beschriebenen Schichten 
abermals die Kreide an. Sie ist in ihren tieferen Teilen aus weissen 
Kalken zusammengesetzt, in denen sich schlechte Reste von Rudisten 
fanden. Auf ihnen steht der Markt Althofen. Darüber folgen gebankte 
Mergel, Mergelsandsteine und Mergelkalke mit einem südlichen Ver- 
flachen. Inoceramus Cripsi var. regularis Zittel wnrde in diesem Zuge 
auf der Straße nach Silberegg gefunden. 

Die Kreideformation hält nun so lange an, bis sie unter das 
Diluvium des Gurktales sinkt. 

Nach Osten erweitert sich die Kreidesynklinale und nimmt das 
Eocän des Sonnberges in sich auf. Es sind fast durchgehends diinn- 
gebankte Sandsteine und Mergelkalke, die hier die Kreide zusammen- 
setzen. Einzelne Fragmente von Inoceramus Cripsi var. typica Zittel 
wurden in den Lesesteinen auf dem Wege zur Wallfahrtskirche 
Mariahilf, zwei Hippuriten (H. carinthiacus n. sp. und H. colliciatus 
Woodward) in den Feldern unterhalb des Mariahilferberges gesammelt. 

Der wichtigste Fund wurde auf dem Mariahilferberge selbst ge- 
macht; er besteht in einem Pachydiscus neubergicus Hauer und wurde 
in den mergeligen Kalken unterhalb der Kirche gefunden. Da die 
Hippuriten viel tiefer, wenn auch als Lesesteine, vorkamen, die 
Schichten aber ein Fallen nach 11 — 12 h haben, so können wir mit 
Recht annehmen, daß der Hippuritenhorizont unter dem des Pachy- 
discus neubergicus ruht. 

Vom Mariahilferberg biegen die Schichten gegen das Görtschitz- 
tal immer mehr um, bis sie endlich nahe bei Wieting und beim 
Pemberger Riegel ein fast rein westliches Fallen zeigen. Hier sind 
die Mergelkalke, welche in einzelnen Bänken einen G'aG'Og-Gehalt von 



J ) Toula. Der Bergrücken von Althofen in Kärnten. Verhandl. d. k. k. 
geol og. R.-A. 1886, pag. 48. 

43* 



336 K. A. Redlich. [10] 

78 Prozent besitzen, infolge reger Zementfabrikation aufgeschlossen. 
Es würde sich wohl noch an vielen Stellen des Görtschitztales lohnen, 
diesem Industriezweige nachzugehen, da hier fast überall die Kreide- 
mergelkalke in derselben guten Qualität vorhanden sind. Auf der 
Bahnstrecke unter dem Pemberger Riegel bei Klein-St. Paul fanden 
sich in den Mergellagen eine Astarte laticostata Desli. und als Lese- 
steine nicht näher bestimmbare Hippuritenreste und weiter nördlich, 
300 Schritte N von der Haltestelle Wieting, an der Waldesgrenze ein 
Inoceramus Cripsi var. typica. 

Ebenso wie im Norden zeigen auch die Fundpunkte des Südens, 
daß die ganze Kreidescholle gleichalterig ist. Bei St. Florian finden 
wir dieselbe Lagerung, die wir schon N von Althofen hervorgehoben 
haben. Auf triadischen Kalken liegen nach N fallende Mergelkalke. 
Diese werdeu von weißen, ungeschichteten Kalken überlagert, welche 
hinter der Kirche von St. Florian infolge ihrer größeren Widerstands- 
kraft gegen die Erosion und Abrasion einen steil abfallenden Felsen 
bilden. Zahlreiche Radioliten konnten hier aufgesammelt werden, leider 
nur ein Hippuritenfragment, das nach seiner äußeren Schalenstruktur 
dem Hippurites colliciatus angehören dürfte. Überlagert sind diese 
Kalke wieder von Mergelsandsteinen und Mergelkalken. Einige Kilo- 
meter weiter westlich, beim Eigenbauer in der Gemeinde St. Martin 
am Krappfeld, wurde in nach N fallendem Gestein abermals Hippurites 
colliciatus Woodward und in einer höher gelegenen Sandsteinbank 
Inoceramus Cripsi var. typica Zittel gefunden. Überdies erliegt im Klagen- 
furter Landesmuseum ein Bruchstück eines Hippuriten von demselben 
Fundorte, bei welchem leider nur die Schloßfalte erhalten ist. Diese 
und die äußere Ornamentierung deuten auf den im Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A. 1899 (VIII) beschriebenen Hippurites cf. Archiaci Mun. Chahn. hin. 

Nicht unerwähnt möchte ich einen Fundort lassen, den ich 
zwar nicht selbst besucht habe, von welchen mir aber ein Hippuriten- 
fragment, ein Inoceramus Cripsi Mant. und ein Inceramus cf. Cuvieri 
Soir. vorliegt. Er liegt am Schloßweg von Eberstein nach Sittenberg, 
genau an der Formationsgrenze der Trias und der Kreide bei einem 
alten Steinbruche. 

Wie schon in der Einleitung erwähnt wurde, zieht sich auch 
an den Gehängen des linken Ufers der Görtschitz ein dünner Streifen 
Kreide hin, der seinen Anfang am Horenberg nimmt. Dieser bildet 
eine Kette von Hügeln, welche von nach W streichen. Sie bieten 
schon aus dem Grunde ein größeres geologisches Interesse, da auf 
einem so kleinen Räume fast sämtliche Schichtsysteme unseres Karten 
blattes vertreten sind. Die östlichsten Ausläufer bei dem Bauer Zaunar 
bestehen aus archäischem Glimmerschiefer. Darüber folgen dünne 
Streifen Phyllite und Grödener Sandstein. Dolomitische Kalke der 
Trias bilden die höchsten Gipfel des Horenberges. An sie und an die 
Grödener Sandstene legen sich erzt die Kreideschichten, welche, 
in mehrere Sättel und Mulden gefaltet, bis in das Görtschitztal 
reichen. 

Hippuritenkalke, die direkt die triadischen Kalke überlagern, 
ragen westlich vom Bauer Kramer in einer Reihe von Felsen in dem 
Taleinschnitte aus den weicheren, hangenden Mergelkalken und Sand- 



[11] Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 337 

steinen empor. Sie sind reich an Rudisten und anderen Fossilien, die 
folgenden Spezies angehören: 

Hippurites colliciatus Woodward 

„ sulcatus Defr. 

„ sp. cf. sulcatoides Douv. 

Sphaerulites angeoides Lam. 

Nerinea Buchi Keferst. 

Weiters fanden sich an der südlichen Lehne des Horenberges 
beim Bauer Leimgraber in den Feldern als Lesesteine zahlreiche 
Hippuriten und andere Petrefakten, die ebenfalls leicht als : 

Hippurites carinthiacus n. sp. 

„ colliciatus Woodward 

„ sulcatus Defr. 

Nautilus sp. 
Lithothamnium turonicum Rothpl. 

bestimmt werden konnten. 

Sie scheinen alle aus einer Bank herausgewittert zu sein, da 
sich hier nirgends massige Kalke finden, vielmehr allgemein eine 
deutlich Schichtung das Gestein durchsetzt, das überdies hier nur 
aus Sandstein und Mergelkalken zu bestehen scheint. Auch sonst 
findet man an zahlreichen Stellen in den Feldern und Steinhaufen 
Rudistenfragmente, ohne daß in der Umgebung die ja leicht ins 
Auge fallenden massigen Kalke anstehen würden. 

Zum Schluß wären noch der Vollständigkeit halber die Fund- 
orte anzuführen, von welchen Pen ecke einzelne Fossilien kannte. 
Es sind die Kalkmergel auf der Goritzen dei Silberegg, aus welchen 
er ziemlich gut erhaltene Inoceramus Cripsi Mant. erwähnt. Beim 
Bauer Pemperger fand er eine stark abgerollte Schale von Sphaerulites 
angeoides Lam. An einigen Orten bei Mariahilf, bei Weindorf und auf 
der Guggitz führt der Quarzsandstein wenige, aber ziemlich gut er- 
haltene Fossilien: 

Isastraea sp. 

Thamnastraea sp. 

Bacliolites Mortoni Mant. 

Sphaerulites angeoides Lam. 

Die unter dem Namen Chondrites Targionii Brongn. angeführte 
Alge von Fundorten südlich vom Neubauer, nördlich vom Hansl, 
südlich vom Vogelbauer etc.. ist eine äußerst häufige Erscheinung in 
den Mergelsandsteinen. Genaue Fundorte für sie anzugeben, ist nach 
meiner Aussicht nutzlos, da sie erstens auf keinen bestimmten Horizont 
beschränkt ist, vielmehr überall dort, wo die Schichten mehr gebankt 
und sandiger sind, auftritt, und zweitens durch die neueren Unter- 
suchungen von Fuchs es sich herausgestellt hat, daß diese angebliche 
Alge nichts arideres als eine Kriechspur ist. 

In den Hangendsandsteinen findet man sehr häufig Orbitoiden — 
ich erwähne nur als Fundpunkt den unteren Kirchwaldberg — welche 
Herr Dr. Schubert in Wien mit der Spezies media Arch. aus dem 



33g K. A. Redlich. [12] 

Dordonien vergleicht und als Unterschied nur die Größendimensionen 
angibt. 

Was den lithologischen Charakter der Gesteine der Kreide- 
formation anbelangt, so hat ihn schon Pen ecke beschrieben und 
ich kann nur wenig Neues hinzufügen. Die überwiegende Haupt- 
masse ist ein gelblichweißer, dünnschichtiger, ebenflächiger Kalk- 
mergel, kalkiger Mergelschiefer oder dickbankiger Mergelkalk, in 
denen häufig Inoceramen auftreten. In einem Steinbruche am rechten 
Talgehänge von Wieting bemerkt man nach Pen ecke im Mergel 
kleine Kohlenpartikelchen, wie sie vielfach im Flysch der Alpen auf- 
treten. Ebenso hat derselbe Autor Feuersteinknollen, ganz vom Aus- 
sehen der nordischen Kreide, beim Pemberger und schließlich bei 
St. Getraud, unweit Guttaring, wulstige Limonitkonkretionen in den 
Kreideschichten beobachtet. 

Die übrigen Gesteinssorten der Kreideformation treten nur als 
Lagen und Bänke in den Mergeln, namentlich in den tieferen Teilen 
auf. Es sind Kalkbreccien von kleinen bis kirschgroßen eckigen Kalk- 
stückchen, verkittet von einem mergeligkalkigen Bindemittel, welche 
vorzüglich im Süden, wo die Kreide den Triaskalk als Liegendes hat, 
auftreten. Ferner finden wir weiße bis gelbe massige Kalke, die 
manchmal breccienartige Struktur annehmen und zahlreiche Rudisten 
und Korallen führen. Die Hippuriten erscheinen an der Westlehne 
des Horenberges an den Triaskalken unmitteldar befestigt. Schließlich 
gibt es namentlich im Hangenden grob- bis feinkörnige Sandsteine, 
von welchen die ersteren faziell oft die Hippuritenkalke zu ersetzen 
scheinen, dann grobkörnig dickgebankt sind und oft bis faustgroße 
Stücke der älteren Gesteine eingeschlossen haben. Feinkörnige mer- 
gelige Saudsteine sind allenthalben, als Bänke eingeschaltet, zu 
finden. 

Für die nähere Altersbestimmung der Kreide ist vor allem 
Pachjdiscus neubergicus Hauer wichtig, da dieser Ammonit allenthalben 
aus dem oberen Kampanien bekannt ist, weshalb die tieferen Partien 
der gleichen Etage zugerechnet werden können. Die Hangendsandsteine 
mit Orbitoides media würden in das Dordonien zu stellen sein. Die 
Hippuriten, die unter dem vorerwähnten Sandsteine liegen und welche 
nach Douville in eine seiner drei Alterniveaux (1. H. gosaviensis, 
2. H. cornuvaccinum und 3. //. colliciatus) zu stellen wären, geben 
bis jetzt nur geringe Anhaltspunkte für eine eventuelle Horizontierung. 
Es stammen zwar IL colliciatus und H. sulcatus aus dem dritten Niveau, 
das auch durch die Anwesenheit des Pachydiscus neubergicus charak- 
terisiert ist, welche Tatsache ich schon in meiner Arbeit des Gurk- 
und Görschitztales (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1899, pag. G77) hervor- 
gehoben habe, neuere Untersuchungen jedoch ergaben, daß Hippurites 
gosaviensis in Gesellschaft der vorerwähnten Spezies sich findet, so daß 
gerade eines der Hauptleitfossilien (7/. gosaviensis) durch alle drei 
Horizonte gehen müßte. Diese Tatsache fand ich auch in Grünbach 
bei Wiener-Neustadt bestätigt, wo in einer Bank unter der W T and 
Hippurites Oppeli, IL gosaviensis und Ba,tolites tirolicus, also Formen 
aus dem ersten (gosaviensis) und aus dem dritten Niveau (H. Oppeii, 
B. tirolicus) beisammenliegen. 



[13] Die Geologie des Gnrk- und Görtschitztales. :;;','. i 

Unsere Kalke, Sandsteine und Mergel sind eine Küstenbüdung 
des südlichen Meeres, Sedimente, die in einer Bucht zwischen den 
bereits bestehenden Küsten des alpinen Festlandes abgelagert wurden. 
Wir treffen nur mehr das höchste Senon, während wir, gegen Süden 
vordringend, in immer ältere Schichten kommen, bis wir in Istrien 
und im Karst auf die tiefste Kreide stoßen. Im Norden liegen Strand- 
bildungen, im Süden die Ablagerungen des tiefen Meeres. Wir sehen 
also das Meer zur Kreidezeit immer weitere Flächen bedecken, bis 
es endlich zur Zeit des Senons bis tief in die Alpen eindringt. 



Das Eocän. 

Das Eocän liegt am rechten Ufer des Görtschitzbaches, überlagert 
zum größten Teile die Kreide und transgrediert nur nach dem Norden 
über die paläozoischen Schiefer. Es läßt sich in zwei räumlich ge- 
sonderte Becken teilen, das nördliche des Sonnberges und das südliche, 
welches von dem Fuchsofen bis zum Kleinkogel reicht. Es sind dies 
die letzten Erosionsreste einer einst weit nach dem Süden reichenden 
Bedeckung und die zwischen beiden gelegene Scholle Numulitenkalk 
bei dem Vogelbauer deutet die einst vorhandene Verbindung an. In 
der Beschreibung der Schichtfolge war die von Penecke 1 ) gegebene 
und von Oppenheim 2 ) teilweise korrigierte Einteilung maßgebend, 
nur das Flözgebirge ließ sich nach den neuesten Aufschlüssen 
detaillierter fassen. 

I. Rote, gelbe und weiße Liegendtone (1 und 2 des Profils). 

Das Liegende ist gebildet von einem eisenschüssigen, fluviatilen 
Ton oder Lehm, von meistens roter bis gelber, seltener weißer (im 
Bergbau aufgeschlossen) Farbe und eingelagerten, teilweise kon- 
glomerierten Bänken. Die Geschiebe sind größtenteils Phyllit- und 
Quarzbrocken, dem nördlichen Grundgebirge entstammend. Dieser 
Lehm, dessen Verbreitung auf das nördliche Gebiet beschränkt ist 
und in der südlichen Hälfte fehlt, findet als minderwertiges Ziegel- 
material Verwendung. Südlich von Weindorf wurden gelegentlich 
einer Bohrung auf Kohle im Jahre 1889 die roten Tone nach wenigen 
Metern angefahren. 

II. Das Flözgebirge 8 ]. 

Das Flözgebirge teilt sich in einen bituminösen Ton, der elf 
Schmitzen führt (3) — Kohlenflöz I, dessen Maximalmächtigkeit 2*8 m 
ist, sich auf wenige Millimeter verdrückt und im Durchschnitte mit 



a ) A. Penecke. Das Eocän des Krappfeldes. Literaturverzeichnis II. 

2 ) Oppenheim. Über einige alttertiäre Faunen. Literaturverzeichnis IX. 

3 ) In den mun folgenden Fossilverzeichnissen sollen die im Laufe der Jahre 
gelegentlich der Exkursionen der Hörer der montanistischen Hochschule von diesen 
und ihren Führern gesammelten und von Oppenheim in Berlin bestimmten 
Fossilien mit 0, die von Penecke beschriebenen dagegen mit P bezeichnet 
werden. Leider konnte ich die Originale Peneckes nicht durchsehen, weshalb 
icb die Bestimmungen aus seiner Arbeit nur referierend wiedergeben kann. 



340 



K. A. Redlich. 



[14] 



1-4 m angenommen werden kann (4) — Sandstein, welcher üder dem 
Flöz manchmal konglomeriert erscheint, in den höheren Lagen weich 
wird, ja sogar in Schwimmsand übergeht (5) — Mergel (Peneckes 
Modiolamergel) mit folgenden Fossilien: Ostraea sp. (P.) Modiola cf. 
creneJla Desh. (P.) und Conyeria euchroma Opp. (0.) (6) — Kohlenflöz LT, 
Durchschnitt 1 w, mit Brandschiefern, aus welchen Pen ecke und 
Oppenheim eine Brackwasserfauna beschrieben haben: 

Melanatria Peneckei Opp. (0.) 

„ undosa Brong. (P. u. 0.) 

Cerithium corrugatum Brong. P. 
Cytherea Lamberti Desh. P. 



Fig. 



Göppelschacht an der Straße 
nach Guttaring. 



Ostabhang des 
Sonnberges. 




i paläozoische Flujlhtc, 

'-.'-j fluviatür. roten, weiße 
ToruJK) 



X^ilhiohlmgcbirge. (3 -9) 



Jialk.l 10-11) 



Profil nach der Lage und den Aufschlüssen des jetzigen Bergbaues westlich 
von Guttaring. 

(Maßstab: 1:5000.) 



Auf den Spalten der Kohle findet sich häufig ein Harz, das 
Höfer 1 ) als Rosthornit beschrieb (7) — Mergel, ein Kohlenschmitz 
Flöz III, (alte Berichte nennen 4 Flöze) von 4 an führend (8) — 
Gastropodenmergel (9) : kiesreiche feste Mergelsteine, die sehr leicht 
über Tag verwittern und bei diesem Prozeß bis kopfgroße Konkretionen 
zurücklassen. Sowohl in der Verwitterungsmasse als auch in den harten 
kieselreichen Konkretionen findet sich eine reiche Fauna, welche nach 
Penecke-Oppenheim aus folgenden Spezies besteht: 



') H. Höfer. Studien aus Kärnten. I. Rosthornit, ein neues fossiles Harz. 
Neues Jahrb. für Min. etc. 1871, pag. 561. 



I 15] Die Geologie des Gfork- und Görtschitztales. 341 

Nummulifes contorta ') Desh. P. 
Astraea sp. 1\ 

tierpula (Rotidaria) pseudospirulaea Opp. (0.) 
Ostraea roncana Bartsch (0.) 
„ flabellula Lam. (0.) 
„ Canavali Pen. P. 
Modiola crenella Desh. P. 
Area Rosthorni Pen. P. 
Cardita angusti costata Desh. P. 
Lucina Menardi Desh. P. 

„ subeircularis Desh. P. 
Cyrena Veronensis Bau. P. 
( 'ytherea elegantida Desh. ? P. 

„ tranquilla Desh. P. 
Corbicla Lamarcki Desh. P. 
„ semiradiata Pen. P. 
Glycimeri cf. intermedia Desh. P. 
Psammobia Hoeferi Opp. 0. 
Cultellus grignonensis Desh. P. 
Dentalkim nitidnm Desh. P. 
Scalaria cf. striatularis Desh. P. 
Turritella Fuchsi Pen. P. 
Keilostoma Rosthorni Pen. P. 
Melanatria Peneckei Opp. 0. 
„ undosa Brong. 0. 

Odostomia Gravesi Desh. P. 
J5m?/« sulcatina Desh. P. 

„ cylindroides Desh. P. 
Solarium bistriatum Norb. P. 

„ r/. bimarginatum Desh. P. 
„ plicatiim Desh. P. 
Nerita tricarinata Desh. P. u. 0. 
Natica Vtdcani Brong. P. 

„ perusta Brong. P. u. 0. 
„ f/. Hamiltonensis Desh. P. 
Naticina Ottiliae Pen. P. u. 0. 
Natica Schafhäuteli Opp. 0. 
„ incompleta Zitt. 0. 
„ hybrida Lam. 0. 
Cerithium Canavali Pen. P. 
„ mutabile Desh. P. 
,, subcanaliculatum Desh. P. 

„ pidcherrimum Desh. P. 
„ tricarinatum Lam. P. 
Firnis longa evus Desh. P. 



J ) Praver (Literaturverzeichnis XIII) beschreibt von Guttaring Nummalites 
contorta, atacica, Ramondi, subvamondi, mamilla, Leymerici und placentula, Ortho- 
phragmina jira/ti, nummulitica und dispania. Seine Foraminiferenliste deckt sich 
nur zum kleinsten Teil mit der von Oppenheim und Pen ecke. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (K. A. Redlich.) 44 



342 K. A. Redlich. [Iß] 

Ancillaria buccinoides Desh. P. 
Voluta crenulata Lam. P. 
Krabbenreste. P. 

Ebenso wie der rote fluviatile Ton fehlt in dem südlichen Becken 
das tiefere Flöz ; es ist nur eines vorhanden, das auf einem weichen 
Sandstein ruht (vielleicht mit Nr. 5 zu vergleichen) und überlagert 
wird von dem Gastropodenmergel. 

III. Nummulitenmergel (10) und Kalk (11). 

An der Basis der Nummulitenkalke liegen Nummulitenmergel 
mit folgender Fauna: 

Orthophragmina Pratti Michelin. 0. 
Operculina Karren Pen. P. 
Orbitoides complanata Lam. P. u. 0. 
Nummulites perforata d'Orb. P. 

„ Lucasana d'Orb. P. u. 0. 

,. contorta Desh. P. 

„ exponens Sow. P. 

., laevigata Lam. 0. 

„ Guettardi d'Arch. 0. 

„ atacica Leym = biarritzensis d'Arch. 0. 

„ granulosa d'Arch. 0. 

Cidaris cf. mespilum Desh. P. 
Natica Vulcani Brong. P. 
Cerithium Canavali Pen. P. 
Nautilus Seelandi Pen. P. 

Diese Mergel sind sehr gut im Norden des Fuchsofen bei dem 
Bauerngute Pemberger aufgeschlossen. In seinen obersten Partien findet 
sich eine Sandschichte, welche namentlich Echiniden führt: 

Echinanthus tumidus Ag. P. 
Linthia scaraboides Laube P. 

sp. 0. 
Echinolampas sp. 0. 

Die Nummulitenkalke, welche nun folgen, sind anfangs nur Bänke, 
werden aber bald massige ungeschichtete Kalke, die namentlich im 
Süden in den Mergeln auf dem Fuchsofen Kleinkogel durch ihre 
steil abfallenden weißen Wände auffallend wirken. Sie bergen folgende 
Fauna: 

Alveolina longa Cz. P. u. 0. 
Orbitolies complanata Lam. P. 
Nummulites complanata Lam. P. u. 0. 
„ perforata d'Orb. P. 

„ contorta Desh. 0. 

„ atacica = biarritzensis d'Arch. 0. 

„ Lamarckii d'Arch. 0. 

„ Murchisoni Brunn 0. 

„ exponens Sow. P. 



[17] Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 343 

Maeandrina cf. filigrana Lernt. P. 
Trochosmilia sp. P. 
Gyphosoma sp. P. 
Conoclypeus conoideus Lam. P. 
„ anachoreta Ag. 0. 

llarionia sp. 0. 
Pyrina sp. P. 

Echinolampas Suessi Laube P. u. 0. 
Pygorhynchus Mayeri Lov. P. 
Linthia sp. 0. 

Macropneustes Deshayesi Ag. P. 
Serpula (Rotularia) pseudospirulaea Opp. 0. 
Terebratula Hoeferi Opp. 0. 
Ostraea rarilamella Desh. P. 
Spöndylus asiaücus d'Arch. P. u. 0. 
Pecten sp. P. 
Lima sp. P. 

Pectunculus pulvinatus Lam P. u. 0. 
Crassatella cf. scutellaria Desh. P. 
lsocardia sp. P. 
Cardium gratum Defr. 0. 
Teredo (Kuphus) giganteus Lam. P. 
Clavllithes longaevus Lam. 0. 
Natica sp. 

Velates Schmideliana CJiem. P. u. 0. 
Ovula gigantea Münst. P. 

Anschließend an die Beschreibung der alttertiären Ablagerungen 
möge auch mit wenigen Worten des Kohlenbergbaues am Sonnberg 
nächst Guttaring gedacht werden. 

Das Hauptstreichen der Flötze ist Ost — West, das Verflachen in 
den höheren Horizonten 35°, gegen die Tiefe wird es immer flacher, 
im fünfzigsten Meter der Tonlage liegt es zirka 20 m fast flach, senkt 
sich jedoch nochmals auf eine kurze Strecke mit 25° und erreicht 
erst dann das Muldentiefste. Eigentümliche Auswaschungen und Ver- 
schneidungen charakterisieren dasselbe. Gegen Westen nähern sich 
die beiden Hauptflöze und stellen sich in dem Südflügel steil auf. 
Die Synklinale des Osten nimmt im Nordwest eine Antiklinale auf ; 
die sich durch ein lappenförmiges Eingreifen der roten Tone schon 
in der Natur kenntlich macht. 

Der Bergbau datiert vom Jahre 1773; bis 1839 wurde namentlich 
Alaun und Vitriol erzeugt. Die längste Zeit ging er im Westen um und 
erst seit zirka 40 Jahren wurde er auf den östlichen Platz verlegt. 

Der Sonnberg besitzt zwei Doppelmaße und 27 Ferdinandäische 
Grubenmaße. Der Haupteinbau ist der Richardstollen mit einer Länge 
von 360 m. ' 

Durch einen 55 m langen Querschlag in das Liegende wurde 
vom Richardstollen aus das zweite Flöz angefahren und 130 m, 
bis es sich an einer Querverwerfung (Hauptverwurf) verdrückte, 
streichend ausgerichtet. 

44* 



344 K - A. Redlich. [18] 

Der Abbau ist ein Pfeilerbau; die vorgerichteten Pfeiler werden 
teils schwebend, teils streichend verhaut. Die leeren Räume werden 
entweder versetzt oder zu Bruche gelassen. 

Die Wetterführung ist eine natürliche. 

Die Kohle wird übertags mit einem Schüttelrätter im Hand- 
betrieb sortiert. 

Der Personalstand Ende 1902 war 25 Mann und 1 Betriebsleiter. 

Die Förderung betrug im Jahre: 1900: 21.686 q, 1901 : 32.391 p, 
1902: 32.184 q. 

Der Sortenfall belief sich auf 10 Prozent Stückkohle, 20 Prozent 
Würfelkohle, 25 Prozent Nuß- und Grobgrieß, 15 Prozent Feingrieß I 
und 30 Prozent Feingrieß II und Lösche. 

Die von dem kais. kön. Technologischen Gewerbemuseum aus- 
geführte Analyse ergab in lufttrockener Kohle folgendes Resultat: 

Prozent 

Wasser 1334 

Wasserstoff .... 3-94 

Kohlenstoff 50-22 

Gesamter Schwefel . . . 4-26 

Asche 15-94 

Sauerstoff und Stickstoff . 12-30 

Der Wärmeeffekt beträgt im lufttrockenen Zustande 4657 Kalorien, 
im getrockneten Zustande 5469 Kalorien. 

Pen ecke scheidet auf der Spitze des Sonnberges als jüngstes 
Eocän Variolariussandstein mit N. variolarius Lam aus. Wegen des 
kleinen Umfanges dieses Vorkommens — es umfaßt nur wenige Schritte 
im Durchmesser — und wegen der Unsicherheit der Bestimmung 
wurde es auf der Karte nicht zum Ausdruck gebracht. 

Sehr intertssant ist das Vorkommen der Nummulitenkalke beim 
Vogelbauer, einer Stelle, die in der Mitte zwischen Sonnberg und 
Fuchsofen-Kleinkogel sich befindet. Ein kleiner Erosionsrest liegt hier 
direkt auf der Kreide und beweist, daß das Meer zur Zeit der Ab- 
lagerung der Kalke über das ältere Eocän transgredierte. Daraus 
erklären sich auch die Mißerfolge der Schurfversuche im südlichen 
Teile des Kleinkogels, da an dieser Stelle eben nur der oberste Teil 
des Eocäns entwickelt ist, das Flöz aber nur gegen die Mitte der 
Mulde zu treffen ist. Penecke vergleicht die Fauna von Guttaring 
mit der von Roncä und hält beide für gleichalterig. Oppenheim sagt 
dazu folgendes 1 ): „Dies wäre nicht unmöglich, denn die faunistischen 
Beziehungen sind allerdings sehr ausgesprochen. Wenn man indessen 
ins Auge faßt, daß sich Formen wie Nummulites laevigatus und atacicus 
noch in den oberen Nummulitenkalken des Kleinkogels finden neben 
dem in der Schweiz in tieferen Nummulitenhorizonten auftretenden 
Conoclypeus anachoreta Ag., daß zudem die unteren Modiolamergel 
am Sonnberg eine so überraschende faunistische und petrographische 

') P- Oppenheim. Über einige alttertiäre P'aunen (Lit.-Verz. IX), pag. 156. 



M9] Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 345 

Analogie mit denjenigen des Mt. Pulli 1 ) zeigen, so wird man wohl 
nicht fehlgehen, wenn man in der Nummulitenformation von Guttaring 
auch die unteren Horizonte des Vicentino ausschließlich der Spileceo- 
stufe mit vertreten sieht. 

Wir hätten es also hier mit den oberen Horizonten des Unter- 
eocäns und einem Teile des Mitteleocäns zu tun. 



Das Diluvium. 

Die jüngsten Ablagerungen sind diluviale Tone und Schotter, 
welche namentlich die weite Ebene des Krappfeldes bedecken. Das 
eigentliche Erraticum besteht aus den letzten Moränenzungen des 
vom Norden kommenden Mur- und des vom Süden herabziehenden 
Draugletschers. Der erstere ist vertreten durch kleine Reste un- 
geschichteter Schotter in der Nähe des Gurkdurchbruches bei Hirt 
und gleichartiger Blöcke auf Kote 900 des Deinsberges. Das Ende 
des Draugletschers, das nur zum kleinsten Teile in unser Aufnahmsblatt 
fällt, wurde seinerzeit von Höfer 2 ) beschrieben. Die Einzeichnung 
der Grenzen entstammt dieser Arbeit. Alle übrigen Schottermassen 
wurden wegen ihrer Schichtung von mir als fluviatil angenommen, 
eine weitere Gliederung war in dem beschränkten Gebiete nicht 
möglich. 

Mächtige Schuttmassen bedecken nicht nur das ganze Krappfeld, 
sondern reichen auch in ansehnliche Höhen hinauf; ich erwähne nur 
den Dachberg (Kote 690), Dobranberg (Ko4e 808). Eine auffallende 
Erscheinung ist das häufige Auftreten von rotem Raibler Porphyr und 
Melaphyr neben den Gerollen der Zentralalpen und den umliegenden 
Bergen. Nach Pen ecke befinden sich im Kärntner Landesmuseum 
vom Krappfeld ein Backenzahn von Elephas primigenius und eine 
unförmige, sehr große und dicke Knochenplatte, die als einem Cetaceen 
zugehörig gedeutet wurde. Weiters berichtet derselbe Autor von 
jungmiocänen kohlenführenden Süßwasserschichten und vergleicht sie 
mit den Ablagerungen von Keutschach und Liescha in Kärnten. Ich 
möchte diese blaugrauen Tone, welche keine Flöze, wohl aber ligni- 
tisierte Baumstämme führen, eher für eine interglaziale Ablagerung 
als für Jungtertiär halten. Sie liegen stets unter dem diluvialen Schutte 
und führen manchmal Schotterbänke. Namentlich der innige Zusammen- 
hang der Hangend- und Liegendschichten, ferner aber der Umstand, 
daß die in nächster Nähe befindlichen tertiären Ablagerungen des 
Lavanttales eine ganz andere Zusammensetzung zeigen, läßt mich ver- 
muten, daß wir es mit jüngeren Sedimenten zu tun haben. Aufgeschlossen 
sind diese Lehme zwischen Stobersdorf und Dirnfeld, einerseits durch 
einen Ziegelbruch, anderseits durch das Bett der Gurk, ferner bei 
Silberegg, östlich im Walde und nördlich am Dachberg; an diesen 
Orten lagern wegen der daselbst gefundenen lignitisierten Baumstämme 
hoffnungslose Ereischürfe. Schließlich erwähnt P en e ck e im Görtschitz- 



') P. Oppenheim. Die eocäne Fauna des Mt. Pulli bei Valdagno in 
Vicentino. Zeitsch. d. Deutsch, geol. Gesellschaft 1894, pag. 309. 

2 ) H. Höfer. Das Ostende des Draugletschers, 1. c. Lit.-Verz. VII. 



346 K- A. Redlich. [20] 

tal in der Nähe von Klein -St. Paul einen weiteren Fundpunkt, von 

welchem er eine Helix registriert. Da diese Tone überall von 

Schotter üderlagert werden, konnten sie in der Karte nicht zur Aus- 
scheidung gelangen. 



Der Aufbau des Gebietes. 

Wie schon in der Einleitung hervorgehoben wurde, ruht mulden- 
artig auf einer paläozoischen Unterlage eine Scholle mesozoischer und 
känozoischer Gesteine. Ein Blick auf das durch das ganze Gebiet 
gegebene Profil lehrt uns, daß wir es mit einer großen Synklinale 
zu tun haben, deren Sedimente in einem sehr alten paläozoischen 
Senkungsgebiete ruhen. Im Osten wird diese Bucht durch den Fuß der 
Saualpe, oder besser gesagt, durch den großen N— S streichenden, 
von Höfer nach dem Görtschitztal benannten Verwurf, begrenzt. Daß 
hier eine Störung vorliegt, sieht man schon daraus, daß der Ostflügel 
fast ausschließlich aus archäischen Gesteinen besteht und nur in der 
Tiefe sich jüngere Sedimente anlagern, während das Westtrum am 
anderen Ufer Trias, Kreide und Eocän trägt. Verfolgen wir das Tal 
von Süd nach Nord, so können wir vor allem südlich von Eberstein 
Verwerfer und verworfenes Trum direkt beobachten. Es stoßen die 
Werfener Schichten und unteren Dolomite (untere Trias) an die 
Halobienschiefer und oberen Dolomite (obere Trias). Nach N gegen 
den Horenberg komplizieren sich die Verhältnisse, die Verwerfung 
geht von Eberstein nach*NO gegen die Schmelzöfen — in der Natur 
schon durch die Talsenke und das Fehlen jüngerer Gesteine am jen- 
seitigen Ufer ausgedrückt — und dürfte wahrscheinlich von hier über 
den Rücken in das nächste Quertal gegen Klein-St. Paul streichen, so 
von der Geraden abweichend und ein kleines Stück des linken Ufer 
mitnehmend. Die plötzliche Verschmälerung des Diabastuffes und 
Grödener Sandsteines östlich vom Horenberg deutet wahrscheinlich 
den Verlauf der tektonischen Störung an. Daß die Verbindungsstrecke 
Eberstein— Klein-St. Paul im Tale selbst einer Störung entspricht, 
ist wahrscheinlich, läßt sich jedoch im Felde nicht entscheiden, 
da obere Trias und Kreide auf das jenseitige Ufer gleichmäßig 
fortstreichen. Zwischen St. Paul und Wieting sehen wir im Süden 
die unteren Dolomite an die paläozoischen Phyllite sich anlegen, 
es fehlen hier die Grödener Sandsteine und Werfener Schiefer, im 
Norden, am anderen Ufer finden wir Phyllite und Kreide in unmittel- 
barer Nachbarschaft. Über Mosel hinaus läßt sich die Störung nicht 
verfolgen, da an beiden Ufern gleichalterige Gesteine liegen. 

Der Norden, Westen und Südrand unseres Gebietes wird be- 
grenzt von den paläozoischen Phylliten und Diabasen. Perm und Trias 
bilden auf dieser Basis einen geschlossenen Kranz, der nur durch die 
überlagernden jüngeren Sedimente ein wenig verwischt wird, trotz- 
dem lassen sich beide Glieder im Kreise ringsum verfolgen, wenn sie 
auch im Norden bedeutend schmäler zu sein scheinen, wie in dem 
breiten, südlichen permotriadischen Gürtel. Während der Jura und 
unteren Kreidezeit scheint unsere Bucht trocken gelegen zu sein, es 



[21] 



Die Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 



347 



folgen sofort diskordant die Küstenbildungen der oberen Kreide. Bis 
hierher herrscht eine vollständige Übereinstimmung mit den westlich 
gelegenen, von Höf er beschriebenen St. Pauler Bergen, der strati- 
graphische Unterschied beginnt mit dem Eocän. Während die Erosions- 
reste desselben als die nördlichst vorgeschobensten Punkte der süd- 
alpinen Ablagerungen dieser Zeit sich in unserem Gebiete vorfinden, 
im Osten dagegen fehlen, sehen wir umgekehrt zur Mioeänzeit das 
Lavanttal vom Meere ergriffen werden, ohne daß dasselbe das Görtschitz- 
und Gurktal erreicht hätte. 

Bei der Begrenzung der Sedimentärscholle haben wir bereits die 
Hauptstörungslinie, den von N nach S gehenden Görtschitztalverwurf 
beschrieben. (Siehe Fig. 3.) Außer diesem können wir noch folgende 
Verwerfungen beobachten. Im Süden liegt das stark gestörte Gebiet 




Tig. 3. 



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des Watscher Kogels und Zoppelgupfes. Nördlich von Göseling streicht 
eine Verwerfung SW — NO gegen die Spitze des Watscher Kogels, hier 
mit einer zweiten NW — SO gehenden scharend. Der durch diese beiden 
Schnittlinien entstandene Zwickel zeigt eine Verschiebung nach 0, 
was man am besten an dem Grödener Sandsteine bei dem Bauern 
Garzern im Florianigraben sehen kann. 

In zwei Staffeln sinken nun Halobienschiefer und obere Dolomite 
gegen den Zoppelgupf zu. Die eine Störung dürfte in die Diluvialebene 
in der Richtung des Schlosses Hoch-Osterwitz weiter streichen, als 
sicher kann dies von jener gelten, welche unterhalb des Gipfels des 
Zoppelgupfes aufsetzt und durch die Wände der Weißen Wand charak- 
terisiert ist. 



348 K. A. Redlich. [22] 

Auf dieser Linie stehen fast senkrecht erstens die zwei Zwickel- 
verwerfungen am südlichen Fuße des Odvinskogel, welche zur Folge 
gehabt haben, daß der Grödener Sandstein in Dreieckform stehen 
geblieben ist, zweitens eine Verwerfung, welche durch den Gurk- 
durchbruch zwischen Pölling und Windischberg einerseits und Weiße 
Wand — Unterpassering anderseits in ihrer Richtung bestimmt und 
durch das Auftreten der Halobienschiefer bei Unterpassering bezeugt 
wird, und schließlich die dritte am SO-Fuße des Zoppelgupfes nach 
21 h 5' streichend und in die Diluvialebene hinausreichend. 

Wenn wir die zwei letzteren durch eine Gerade mit jenen Zwickel- 
verwerfungen verbinden, welche bei Althofen den kleinen Horst von 
Werfener Schiefer und unteren Triaskalken gebildet haben, so finden 
wir einen Anhaltspunkt für die Wahrscheinlichkeit eines Krappfeld- 
verwurfes, dessen weitere Folge die Ausfüllung der Senke mit jüngsten 
Sedimenten gewesen wäre. 

Eine Zusammenstellung der Störungen unseres Gebietes und des 
von H ö f e r studierten westlichen Nachbarterrains (Fig. 3) ergibt, daß 
der größte Teil von N nach S streicht, fast senkrecht stehend auf der 
Linie Klagenfurt — Bleiburg. Ergänzt wird diese Beobachtung durch 
die von Höfer in seinen „Erdbeben Kärntens" aufgestellte St. Veiter 
Bebenlinie. 



Dr. K. A. Redlich: Zur Geologie des Gurk- und Görtschitztales. 






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Profil durch die Berge der Westlehne des Görtschitztales. 



Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. Band LV. 1905. 

Verlag der k. k. geologischen Reicksanstalt, Wien, III., Rasumofskygasse 23. 



K. A. Redlieh, Geologie des Gurk- und Göttschitztales 



Kristalline Schiefer 



Ramsan-Dolomit 



Halobienschiefer 

I I 

Hauptdolomit 




wi'rmi&umTv 



M.-ilssmli l-TäUOO 



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aooo 3000 inooo Schritte 



K.u.k. militar-jeojraphisches Institut. 

VeruielfSItiJun^ vorbehalten 

Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band LV, 1905. 
Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, HJ., Rasomoffskygasse 



^'-« 



Rote flnviatile Tone 



Flötzgebirge 



Nummulitenkalk 



DUuvimn 
fluviatil, 2 erratisch 



Fallrichtungen 



Über einige Erzlagerstätten in der Umgebung 
der Stangalpe. 

Von W. A. Hnmplirey aus York, England. 

Mit zwei Tafeln (Nr. VIII und IX) und einer Zinkotypie im Text. 



Literatur. 

Hacquet. Reise durch die norischen Alpen. Nürnberg 1791. 

G. Tunner. Geognostische Beschreibung der Gegend von Gmünd in Oberkärnten. 

1829. 
Ami Boue. Apercu sur la Constitution geologique des provinces illyriennes. Me"m. 

de la societe ge*ologique de France. 1835. T. II, Part 1. 
Unger. Über ein Lager vorweltlicher Pflanzen auf der Stangalpe in Steiermark. 

Steierische Zeitschrift 1840. 

— Verzeichnis der Pflanzenreste der Stangalpe. Ebenda 1841. 

J. Senitza. Über den südlichen Eisensteinzug der Alpen. Mont. Jahrbuch 1841, 100. 
Merian. Über das Vorkommen älterer Formationen in den östlichen Alpen. Mont. 

Jahrbuch 1844. 
F. Rolle. Ergebnisse der geognostischen Untersuchung des südwestlichen Teiles 

von Obersteiermark (dritter Teil). Jahrbuch d. k. k. geol R.-A. 1834, 363. 
K. Peters. Bericht über die geologische Aufnahme in Kärnten. Jahrbuch d. k. k. 

geol. R.-A. 1855, 523, 883 und 907. 

— Die kristallinischen Gebirge der Umgebung von Villach, Radenthein und Krems- 

alpe. Jahrbuch d. k. k. geol. R.-A. 1855, 175. 

Vinzenz Pichler. Die Umgebung von Turrach in Obersteiermark in geognostischer 
Beziehung mit besonderer Berücksichtigung der Stangalpener Anthrazitformation. 
Jahrbuch d. k. k. geol. R.-A. 1858, 185. 

K. R. von Hauer. Über das Verhältnis der Brennwerte der fossilen Kohlen in 
der österreichischen Monarchie zu ihrem Formationsalter. Jahrbuch d. k. k. 
geol. R.-A. 1863. 

Graf C. Sternberg. Flora der Vorwelt. Band II, Tab. XXII, Fig. 2. 

A. v. Morlots. Geologische Übersichtskarte der nordöstlichen Alpen und die Er- 
läuterungen dazu. 

Verfasser unbekannt. Fragment zur mineralogischen und botauischen Ge- 
schichte Steiermarks und Kärntens (Klagenfurt u. Laibach 1783. Krstes Stück). 

Hörhager. Über titanhaltiges Holzkohlenroheisen von Turrach in Obersteiermark. 
Österr. Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 1904, Nr. 43. 

Höfer. Die Mineralien Kärntens. 

Brunle ebner. Die Mineralien des Herzogtums Kärnten. 1884. 

E. Hatle. Mineralien des Herzogtums Steiermark. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 55. Band, 2. Heft. (W. A. Humphrey.) 45 



350 W. A. Humphrey. [2] 



Einleitung. 

Durch das freundliche Entgegenkommen von Herrn Oberbergrat 
Dr. R. Canaval in Klagenfurt wurde ich auf eine Reihe 
interessanter Erzvorkommnisse in der an der Grenze von Steier- 
mark, Salzburg und Kärnten liegenden Stangalp e aufmerksam 
gemacht, welche sich um den Königstuhl (Karlnock) gruppieren. 
Von diesen Vorkommnissen ist allerdings nur noch das auf dem 
steirischen Anteile liegende Gebiet von Turrach in Betrieb, während 
jene im oberen Bund schuh tal, im Schönfe ld auf der Salzburger 
Seite seit etwa einem Jahre auflässig sind und jene von Innerkrems 
in Oberkärnten schon eine größere Reihe von Jahren ruhen. (Siehe 
Übersichtskarte Taf. Nr. VIII.) 

Der erste Bericht über dieses Gebiet ist von Hacquet ge- 
schrieben, der dasselbe bereiste und im Jahre 1791 in seiner Reise 
durch die Norischen Alpen beschrieben hat. Eine handschriftliche 
Skizze von G. Tunner über die Gegend vom Jahre 1829 wurde 
mir von Herrn Oberbergrat Canaval freundlichst zur Verfügung 
gestellt. Dieser Bericht umfaßt eine geognostische Beschreibung der 
Gegend und eine kurze Notiz über die Bergwerke zu Innerkrems. 

Der erste, welcher das Gebiet ausführlich und wissenschaftlich 
untersucht hat, war Ami Boue, der im Jahre 1835 einen geologischen 
Bericht darüber: „Apercu sur la Constitution geologique des provinces 
illyriennes" veröffentlichte. 

Unger setzte die Arbeit Boues fort, indem er sich haupt- 
sächlich mit den Pflanzenresten der Anthrazitformation der Stangalpe 
beschäftigte. 1840 erschien sein Bericht über ein Lager vorweltlicher 
Pflanzen auf der Stangalpe in Steiermark und ein Verzeichnis der 
Pflanzenreste der Stangalpe. 1841 schrieb Senitza über den südlichen 
Eisensteinzug der Alpen, wo die Bergwerke zu Innerkrems beschrieben 
wurden. 

Erst 1853—1854 wurde das Gebiet im Auftrage der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt geologisch aufgenommen, und zwar die süd- 
westlichen Teile Steiermark s von F. Rolle und D. Stur, die 
auch den südöstlichen Teil Salzburgs aufnahmen, während Ober- 
kärnten von K. Peters bearbeitet wurde. Rolles Ergebnisse der 
geognostischen Untersuchung des südwestlichen Teiles von Ober- 
steiermark, dessen dritter Teil sich hauptsächlich mit der Umgebung 
von Turrach beschäftigt, erschienen im folgenden Jahre. Im Jahre 
1855 kam dann der Bericht über die geologische Aufnahme Kärntens 
von Peters. Diese beiden bilden die Grundlage für alle späteren 
Arbeiten in der Gegend. 

„Die Umgebung von Turrach" etc. von Vinzenz Pichler, eine 
Fortsetzung der Berichte Rolles und Peters' erschien 1858. 

Außer diesen in der Hauptsache an die Öffentlichkeit gelangten 
Studien lagen mir eine Reihe handschriftlicher Berichte vor über die 
Gruben im Schönfeld und die Gesteine der Gegend sowohl wie der- 
jenigen von Turrach von Josef Hör hager, welche zwischen 
1870—1876 niedergeschrieben und mir von dessen Neffen, Herrn 



[3] Über einige Erzlagerstätten in der Umgebung der Stangalpe. 351 

Ingenieur Josef Hörhager jun. in Turrach, freundlichst zur Ver- 
fügung gestellt wurden. Neueres über dieses Gebiet ist mir nicht 
bekannt geworden, außer einer Arbeit. „Über titanhaltiges Holzkohlen- 
roheisen von Turrach in Obersteiermark" von Josef Hörhager jun., 
welche 1904 erschienen ist. 

Die mikroskopische Untersuchung der Gesteine wurde in München 
im petrographischen Seminar der Universität ausgeführt, wo die Ge- 
steine und Dünnschliffe niedergelegt sind. 



Geologische Übersicht. 

Den besten Überblick über die topographischen Verhältnisse 
des Gebietes bietet der Königstuhl, der die Ecke zwischen Steier- 
mark, Salzburg und Kärnten bildet. An seinen mächtigen Ab- 
hängen entspringen die Bäche, die sich in den Haupttälern unseres 
Gebietes zu Flüssen sammeln, und zwar in nordöstlicher Richtung 
der Nesselgraben mit den Turracher Eisenerzen, gegen Norden 
der Bundschuh graben, welche beide in das Murtal münden. 
Vom Königstuhl westwärts ziehen sich der Kremsbach und der 
Leobenbach, die sich in die reißende Lies er ergießen. In bezug 
auf die Ausdehnung des zu beschreibenden Gebietes sei bemerkt, 
daß dasselbe sich in einer Länge von zirka 30 km von Turrach 
im Nesselgraben aus in westsüdwestlicher Richtung zur Mündung 
des R a d 1 g r a b e n s in das L i e s e r t a 1 südlich von Gmünd erstreckt. 
Die größte Breite des Gebietes stellt die zirka 10 hm betragende 
Entfernung von Innerkrems bis zu den Bockalpen dar. 

Weitaus das hauptsächlichste anstehende Gestein des Gebietes 
ist Glimmerschiefer von sehr wechselnder Beschaffenheit; sein 
Fallen ist im allgemeinen 25 — 35° nach Süden. Granitische In- 
jektionsgänge sind an mehreren Stellen im Glimmerschiefer zu 
beobachten und letzterer wechselt auch mit Gneis ab, dessen 
Mächtigkeit aber gegen den Glimmerschiefer zurücktritt. Kalke und 
Dolomite überlagern diese Gesteine an mehreren Stellen, bald in 
vereinzelten Bänken, bald in lang aushaltenden und teilweise recht 
mächtigen Zügen. Direkt über dem Kalke findet sich wieder Glimmer- 
schiefer, welcher dem unteren Schiefer von Vinzenz P ichler 
entspricht. Manchmal fehlt dieser Schiefer und dann ist der Kalk 
direkt von einem mächtigen Konglomerat überlagert, welches die 
Hauptmasse des Königstuhles und der nebenliegenden Gebirge 
bildet und dann sich allmählich gegen Südost und Südwest in langen 
Zungen auskeilt. Im Hangenden des Konglomerates findet man noch- 
mals Schiefer von ähnlicher Beschaffenheit wie diejenigen im Liegenden 
desselben. Petrographisch sind die beiden nicht von einander zu unter- 
scheiden und, beim Fehlen des Konglomerats weiter südöstlich ist es 
unmöglich, die Grenze zwischen ihnen zu ziehen. Die Profilskizze 
Tafel VIII, #< Fig. 2 vom Rinsennock nördlich bis zum Geigernock 
wird die Übersicht erleichtern. Das Profil schneidet quer durch das 
auskeilende Konglomerat. 

45* 



352 W. A. Humphrey. [4] 

Petrographische Beschaffenheit der Gesteine. 
Gneis. 

Der Gneis, welcher mit dem Glimmerschiefer wechsel- 
lagert, pflegt im allgemeinen sehr quarzreich sein und zeigt eine 
ausgesprochen gebänderte Struktur, oft mit starker Verbiegung nnd 
Faltung. Ein typischer Augengneis, allerdings mit kleinen Feld- 
spataugen, steht auf dem Abhänge des oberen Kremsgrabens an. 
Er besteht aus einem feinkörnigen, etwas kataklastischen Quarz- 
aggregat, mit deutlich ausgeprägter Augenstruktur, wobei die Augen 
größtenteils aus einer perthitischen Durch Waschung von Orthoklas 
und Plagioklas zusammengesetzt sind. Albit in klar durchsichtigen 
Körnern zusammen mit Oligoklas, welcher im allgemeinen sehr 
viel Glimmereinschlüsse enthält, kommt in selbständigen Individuen vor. 
Bänder von Muskovitlam eilen mit kleinen Biotitindividuen 
durchziehen das Gestein, während größere Kristalle von Biotit, oft 
mit Muskovit verwachsen, vereinzelt in beliebiger Lage vorkommen. 
Dazu kommen stark rissige Granaten, zum Teil in Menge zusam- 
mengehäuft, etwas Apatit und Titanit sowie Rostflecken, wohl 
durch ausgewitterten Schwefelkies entstanden. In nicht geringer 
Menge trifft man Rutil und Zirkon, auch Partien von Mikro- 
pegmatit, Chlo ritm embranen etc. Andere Varietäten zeigen 
besser ausgesprochene Bänderstruktur. 

Eine besonders bemerkenswerte Ausbildung ist die Einlagerung 
von Gneis an der Straße Leoben -Kremsbruck, zumal hier 
alle Übergänge zum Glimmerschiefer zu beobachten sind. Das Ge- 
stein besteht aus herrschendem Quarz mit wasserklarem Albit, 
der von massenhaften Mu sko vi tblättchen durchsetzt ist, neben 
Oligoklas und Orthoklas, wobei vorherrschend aus Quarz be- 
stehende Bänder durch Muskovitmembranen von solchen aus Feldspat 
abgetrennt werden. Das Gestein ist ungemein stark kataklastisch. 

Glimmerschiefer. 

Wie erwähnt, bildet das Liegende der gesamten Serie ein 
glänzender Glimmerschiefer, welcher in Farbe und Beschaffenheit 
ein sehr wechselndes Bild darbietet. Die Farbe variiert von grünlich- 
weiß durch alle Nuancen bis dunkelgrün, so daß die Gesteine manch- 
mal einem Chlorits Chief er ähnlich sehen. Oder er erscheint braun 
durch reicheren Bi o titgeh al t. Mit der Zunahme des Quarzes 
wird das Gestein gueisartig und die Wechsellagerung von Glimme r- 
s chief er, welcher überall mehr oder weniger von Quarz ad ern 
durchsetzt ist, und Gneis ist eine charakteristische Eigentümlichkeit 
des Gebietes. 

Der Glimmerschiefer führt lokal bedeutende granitische 
Einlagerungen, im allgemeinen parallel der Schichtung angeordnet 
und von sehr wechselnder Mächtigkeit. An der Landstraße von Gmünd 
nach Kremsbruck trifft man mehrere solcher Bänder, von welchen 



[5] Über einige Erzlagerstätten in der Umgehung der Stangalpe. 353 

dasjenige kurz oberhalb Ei sentrattens links ein charakteristisches 
Beispiel bildet. Diese Einlagerung ist ziemlich mächtig und erscheint 
makroskopisch granitisch mit untergeordneter Parallelstruktur. U. d. 
M. fällt vor allem auf, daß die Struktur sehr undeutlich und ungemein 
kataklastisch ist. Quarz, Orthoklas und Biotit, letzterer manch- 
mal verwachsen mit Muskovit, sind die Hauptgemengteile. Der 
Biotit enthält Einschlüsse von Granat, Epidot und Kalkspat in wech- 
selnder Menge und zeigt etwas parallele Anordnung. Dazu kommen 
reichlich große Kristalle von Granat, von Zirkon- und Quarzein- 
schlüssen erfüllt. Kleine Individuen von Zoisit, Zirkon, Titanit, 
Magnet eisen und etwas Apatit sind auch vorhanden. Am Kontakt 
dieses in der Hauptsache granitischen Gesteines mit dem Glimmer- 
schiefer ist letzterer von Quarzadern durchsetzt; schmale Bänder von 
Quarz und Glimmer wechseln rasch miteinander und lassen das Ge- 
stein oft recht gneisartig erscheinen. 

Der Glimmerschiefer zeigt u. d. M. eine wechselnde Be- 
schaffenheit, namentlich in den Verhältnissen der Hauptbestandteile. 
Ein Gestein zum Beispiel von Dornbach bei Gmünd besteht vor- 
herrschend aus ungemein intensiv kataklastischen Bändern von 
Quarz, welche durch feinschuppige Membranen von Muskovit mit 
etwas Chlorit abgetrennt sind. Magneteisen, Zirkon, große 
Kristalle von Apatit, sehr viel Rutil und etwas Titanit sind neben 
einem konstanten Gehalt an Tur malin die Nebengemengteile, zu 
denen in wechselnder Menge Körner und Kristalle rhomboedrischer, 
wenig lammeliierter Karbonate treten. Partien derselben enthalten 
massenhafte Quarzeinschlüsse. Der Hauptbestandteil des Gesteines 
bleibt immer der Quarz, dazu tritt noch manchmal Feldspat. 

Gerade oberhalb Kremsbruck, auf dem Wege nach Inner- 
krems, bevor man die zweite Brücke über den Kremsbach erreicht, 
steht eine Felswand, weiche aus etwas abweichendem Granat- 
glimmerschiefer besteht. Hier ist das Gestein vorherrschend aus 
einem schuppigen Aggregat von Muskovit und Biotit zusammen- 
gesetzt, wobei die parallele Struktur wenig deutlich ist und die Größe 
der Schuppen sehr stark wechselt. Stellenweise ist fast nur Glimmer 
vorhanden, manchmal aber tritt dazu etwas Quarz in unregelmäßigen 
Körnern, welcher fast nicht kataklastisch ist. Neben dem farblosen 
Muskovit und dem dunkelbraunen Biotit sind größere Partien von 
Chlorit mit pleochroitischen Höfen um Zirkon zu beobachten. 
Zahlreiche große, ungemein rissige Granat en, teilweise chloritisiert, 
enthalten massenhaft Einschlüsse von kleinen schwarzen Täfelchen, 
welche Graphit sein dürften und die auch sonst das ganze Gestein 
imprägnieren. Außerdem trifft man größere schwarze, offenbar zum 
Titaneisen gehörige Individuen, welche stellenweise Leukoxen- 
bildung zeigen, ferner Titanit, ziemlich viel Zirkon in kleinen 
Kristallenen, Magneteisen und etwas Rutil. Im Radi graben 
kommt ein Schiefer vor, in welchem Kalkspat eine ziemlich be- 
deutende Rolle spielt. Das Gestein besteht vorherrschend aus Quarz- 
körnern, zwischen denen der Kalkspat als Bindemittel vortritt, 
ferner kommt dieser in großen Haufen durcheinandergewachsener 
Individuen zwischen den Quarzpartien und endlich als feiner Staub 



354 W. A. Humphrey. [6] 

vor, der das Ganze überdeckt. In größerer Anzahl trifft man auch 
Nester von augenartigem Querschnitt, die aber auch zu eigentlichen 
Bändern werden und vorherrschend aus Kalkspat und Glimmer 
bestehen. Die braungrünlichen oder farblosen Glimmer bilden ab- 
getrennte Lagen, in denen sich massenhaft Epidot, ferner Rutil, 
Titaneisen und Schwefelkies finden. In dem Quarzaggregat ist 
auch Feldspat in einigen Körnern vorhanden. 

Eine andere Varietät, von Vinzenz Pichler als kristallinischer 
Tonschiefer bezeichnet, findet sich bei Turrach zwischen dem 
großen Kalkzug und dem Gneis und läßt sich ziemlich weit nach 
Osten verfolgen. Er gehört zu dem untersten Glimmerschiefer 
und besteht u. d. M. aus wenig kataklastischen gerundeten Quarz- 
körnern, welche von Sericit umgeben sind und das Bild einer 
echten Sandsteinstruktur zeigen. Der Sericit ist oft durch 
verwitterten Seh wefe lkies rostig oder von einem graphitähnlichen 
Staube erfüllt. Daneben finden sich größere Musko vi tb lättchen, 
welche vereinzelt und auch in Bändern angeordnet sind. Rutil findet 
sich in Menge; ferner erkennt man Zirkon, Apatit und einige 
Individuen von grünlichgrauem Turmalin. 

Verfolgt man den Radi grab en aufwärts, so kommt man, etwa 
zwei Stunden von der Mündung entfernt, auf einen kleinen Wiesen- 
boden, wo am linken Ufer des Baches der Steinbruch graben 
die hohe Felswand durchbricht. Diesen Riß in dem Abhänge verfolgt 
man bis über die Baumgrenze, wendet sich dann aus dein Graben 
links und kommt, dem rotmarkierten Wege folgend in etwa einer 
halben Stunde an eine schroffe Wand, an welcher der Kontakt zwischen 
schmalen Granitgängen mit einein Serpentin stock auf- 
geschlossen ist. Der Serpentin ist normaler Antigoritserpentin 
mit etwas Magneteisen, Karbonat und Talk. Wenn man von 
dem Serpentin aus gegen den Granit geht, folgen sich auf- 
einander fast schwarzer Glimmerschiefer, dann Chlo rit- 
schiefer, welcher allmählich durch Zunahme an Strahls te in in 
ein Strahlstein aggregat übergeht, und Talk schiefer mit 
Übergängen in Glimmerschiefer. Schließlich kommen die 
granitischen Gänge und der Gneis. Gerade vor der Felswand 
auf dem Boden fand ich einige pegmatitartige Gesteine, 
welche größere Biotitblättchen von mehreren Zentimetern 
Durchmesser aufwiesen. Von demselben Orte stammen einige Spalt- 
blättchen von Biotit von fast einem Dezimeter Durchmesser, die ich 
in der Sammlung eines Försters sah; leider habe ich dieselben an- 
stehend nicht finden können. 

Erwähnungswert ist ferner noch ein dunkelgrüner Schiefer aus 
dem Leobengraben, der in schmalen Bändern wechsellagernd 
mit Gneis auftritt und in dem makroskopisch parallel angeordnete 
Feldspatkristalle und Biotitblättchen zu erkennen sind 
und der u. d. M. den normalen Typus zentralalpiner Grün- 
schiefer aufweist. Es hat den Charakter eines metamorphischen 
basischen Eruptivgesteines. 



[7] Über einige Erzlagerstätten in der Umgebung der Stangalpe. 355 

Phyllit. 

Der Hauptzug des Kalkes wird wieder von Phylliten kon- 
kordant überlagert, dem „unteren Schiefer" von V. Pich ler, 
über dem sehr wechselnd aussehende Konglomerate die Masse 
der Stangalpe bilden. Stellenweise fehlt der Schiefer und das 
Konglomerat liegt dann direkt auf dem Kalke. Über das Kon- 
glomerat folgt dann wieder ein dem Liegenden ä