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Full text of "Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften."

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AKADEMIE DER 




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MATHEMATiSCH-NATURWISSENSCHAFTLICIIE CLASSE. 



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DREIZEHNTER BAND. 



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MIT XXVIII TAFELN 



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m COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, 

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BUCHHÄNDLEK DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 




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INHALT. 



ABHANDLUNGEN. 



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lABfllEILUM. 



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Abhandlungen vo n Mitgliedern der xikademie 



Seite 



Partsch: über den schwarzen Stein in der Kaaba zu Mekka 
Biesing: Sechzehn Arten von Nematoideen. (Mit IV Tafeln.) 



Unger: Das System der Milchsaftgänge, in Alisma Plantage' (Mit II Tafeln.) 
Reuss: Neue Fischreste aus dem böhmischen Pläner. (Mit III Tafeln.) '. -. 
Ettingshausen C, ßitter v.: Über die Nervation der Blätter bei den Celastri- 

neen. (Mit X Tafeln.) . . 



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II. ABTHEIIUE. 



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Abhandlungen von 'Ni c Iit-Mi t^-li edern. 

Voigt: über die Eichtung der Haare am menschlichen Körper. (Mit II Tafeln.) 
Bafhke: Untersuchungen über die Aortenwurzeln und die von ihnen ausge- 



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henden Arterien der Saurier. (Mit VI Tafeln.) 

: Auflösungsmethode 'für algebraische Buchstabengleic 

einzigen unabhängigen Buchstabengrösse. (Mit I Tafel.) 



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DENKSCHRIFTEN 



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DER 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER 




MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



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DREIZEHNTER BAND. 




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WIEN. 



AUS DER KAISETiLICU-KÖNIGLICIIEN HOF- UND STAATSDIIUCKEREI 

- 1857. 



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INHALT. 



ABHANDLUNGEN. 



l.ABTHElLllNfi. 

Abh andlunicen von Mitgliedern der Akademie. 

^ ^ Seite 

Fartsch: Über den scliwarzen Stein in der Kaaba zu Mekka. . 1 

Biesing: Sechzehn Arten von Nematoideen. (Mit IV Tafeln.) 6 

Uncjer: Das System der Milchsaftgänge in Alisma Plantago. (Mit II Tafeln.) .... 27 

Eeuss: Neue Fischreste aus dem böhmischen Pläner. (Mit III Tafeln.) ...... 33 

Ettingslausen C, Kitter v. : Über die Nervation der Blätter bei den Gclastrineen. 

(Mit X Tafeln, ^ - 43 



ILABTIIEILUM. 



:\bh andlungen von Nicht-Mitßdiedern. 



1 



Voigt: Abhandlung über die lüchtung der Haare am menschlichen Körper. (Mit H Tafeln.) 
Eathke: Untersuchungen über die Aortenwurzeln und die von ihnen ausgehenden Arte- 
rien der Saurier. (Mit VI Tafehi.) 51 

Heger: Auflösungsmethode für algebraische Bachstabengleichungen mit einer einzigen 

unabhängigen Ruclistabengrösse. (Mit I Tafel.) . . ^'^^ 



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Erste Abtheilung. 



Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie 



Mit 19 Tafein. 



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STEIN IN DER KAABA 




MEKKA. 



lllIGETliElLT AUS DEN UlMERLASSEMN SCHRIFTEN DES WIIIKEICIIES MITGLIEDES 



PAUL PAßTSGH, 

VORSTAND DKS K. K. HOF - MINERALIEN - CABINETKS 



VOKGELEGT IN DEK SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM 6. NOVEMBER J856. 

Dass dieser berühmte Stein, der an der Nord-Ost-Ecke der Kaaba eingemauert ist und 



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Moscliee mit der Stirne berülirt und dann geküsst wird, ein Meteor-Stein sei, mutlimasstc schon 
Cliladni (sielie dessen Werk: Über Feuer-Meteore und über die mit denselben lierabgofallenen 
Massen, S. 184); dass er wirklich ein solcher ist, cutnehme ich einer gütigen, _ im Jahre 184:0 
erhaltenen Mittheilung des ehemaligen k. k. österreichischen General-Consuls in Ägypten, Herrn 
Eitter v. Laurin, die ich bei dem hohen Interesse des Gegenstandes der kais. Akademie zur 



Bekanntmachung zu übergeben die Ehre habe. 



Es dürfte nicht überflüssig sein, das Historische dieses Steines vorauszuschicken. Ich 
schöpfe die betreffenden Angaben aus Carsten Niebuhr's Beschreibung von Arabien, 
Kopenhagen 17 72, S. 362, aus der Bibliotheque Orientale von d' Herb elot, T. II, Artikel 
„Ilagiar Alassovad" (älallaye, 1777), aus den Travels of AliBcy inMarocco, Tripoli, Cyprus, 
Egypt, Arabia, Syria and Turkey, Yol. II (London, 1816), v^osclbst auf Tab. LV der schwarze 
Stein, obwohl, wie es scheint, sehr schlecht abgebildet ist, aus der deutschen Übersetzung 
von Burckhardt's Reisen in Arabien (Weimar, 1830), und endlich aus Ritter's Erdkunde, 
13. Band (Erdkunde von Arabien, S. 88 u. folg.). 

Schon lange vor Mohammed 's Auftreten als Religionsstifter ward dieser Stein von 
den heidnischen Bewohnern von Arabien als ein grosses Ilciligthum verehrt; auch Moham- 
med sah denselben als ein solches an. Der Islam bestätigte die Wallfahrten zu diesem 



von den heidnischen Arabern eingeführten Heiligthume. 



Die Legende lässt den schwar- 



zen Stein aus dem Paradiese stammen, wo er ursprünglich ein zur Bewachung Adam's 

als Strafe für den Sündenfall Adam's in den 



bestellter Engel war. Der Engel wurde 



schwarzen Stein verwandelt und dieser von dem Engel Gabriel zum Aufbaue des Hauses, 
das Abraham Gott weihte, überbracht. Der Stein wird, so lautet die Sage weiter, am 



Benkachrirtcn der inathem.-naturw. Cl. XTIU Bd. 



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Auferstcluingstagc wieder in den Engel aus dem Paradiese umgewandelt werden, der dann 
als Zeuge für die frommen Pilgrime, die Mekka besucliten, auftreten wird. 

Vor Mo liamm ed wurde der scliwarze Stein einige Zeit in dem nalic an der Kaaba befind- 
liehen und von der grossen Moschee eingeschlossenen heiligen Brunnen Zanzem^) verborgen 
gehalten. Der Grossvater Mohammcd'Sj A b d-el-Motalleb , zog ihn Avieder hervor und 
Mohammed mauerte ihn selbst an der Ostecke der Kaaba ein. So nennt man bekanntlich das 
kleine steinerne Haus, das die Mitte der grossen Moschee von Mekka einnimmt und das nach 
der Sage der Moslims schon Adam errichtet, der Stammvater der Israeliten, Abraham, aber 
nach der Süudfluth neu erbaut haben soll. 

Im 63. Jahi^e derllegira, als Ibn Zebeyr Mekka belagerte undFeuer die Kaaba beschä- 
digte, war der Stein von der heftigen Hitze in drei Stücke zersprungen, welche nachher wieder 
mit einander verbunden und, mit einem Eeif A^on Silber umgeben, in ihre frühere Lage 
gebracht wurden. Dieser Keif wurde von dem bekannton Clialifen Ilarun-al-Easliid er- 
neuert und verstärkt. Derselbe Chalife oder einer seiner Nachfolger hat ein Fragment des 
Steines nach Bagdad brino^-en und dort in die Schwelle seines Palastes einfügen lassen , was 



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alle Eintretenden verpflichtete, die Schwelle zu küssen, imd dem Chalifen, wie Ilerbclot 
erzählt, grosses Ansehen verschaffte. 

Im Jahre 926 plünderte die häretische Sectc der Karmaten die Stadt Mekka und die 
heilige Moschee. Ihr Anführer, AbuDhaher, schleppte dasgrösste Juwel Mekka's, den schwar- 
zen Stein der Kaaba, hinweg, um für ihn an einem anderen Theile Arabiens einen neuen AVall- 
fahrtsort zu gründen. Nach Ab u Dhaher's Tode wurde derStein, für dessen Wiedererlangung 
früher 5000 Gold-Denare vergebens angeboten worden waren, im Jahre 950 nach Mekka 
zurückgesendet. Zu dieser Zeit bestand er nach Burckhardt's Angabe aus zwei Stücken, 

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indem er durch den Schlag eines Karmaten Avährend der Pliuiderung Mekka's gespalten 
worden war. (Nach einer oben erwähnten Angabe Avar er schon viel früher durch Feuer 
in drei Stücke zersprungen 

Im Jahre 1022 (im 413. derllegira) sendete der tolleKönig vonAgypten, Ilakemb'amr 
Illah, mit der ägyptischen Pilgerkarawane ein Truppencorps nach Mekka, mit dem geheimen 
Auftrage, den dortigen Cultus zu zerstören. Der Anführer zertrümmerte im Befehle seines 
Gebieters mit einer Eisenkeule, die er unter dem Mantel verborgen hatte, den schwarzen Stein 
neuerdings, die vor der Moschee haltenden ägyptischen Beiter konnten den Thäter jedoch nicht 
vor der wüthcndcn Menge schützen, welche ihn ermordete, den Beitern die Beute abnahm und 
sie in die Flucht schlug. Bei der Untersuchung des heiligen Steines fand sich, dass von den 
Schlägen mit der eisernen Keule des Ägypters drei kleine Stücke, jedes von der Grösse eines 
Menschennagels, abgesprungen waren ; diese Avurden zu Pulver gestossen und mit dem Mörtel 
vermengt, mit dem man den Stein wieder zusammenfügte. 

Eine vierte Zertrümmerung drohte dem heiligen Steine durch die fanatische Secte der 
Wahabi (Wahabiten), welche, die Wallfahrten nach Mekka als einen Unfug betrachtend, (im 
Jahre 1803?) die heiligen Orte in Mekka zerstörten. Mehmed Ali, der nachmalige Yicekönig 
von Ägypten, vertrieb sie aus den heiligen Stätten, der alte Cultus lebte wieder auf und dem 
■heiligen Steine werden nun in neuer Fassung wieder die alten Huldigungen dai'gebracht. 



^) Ks ist diess die der Sago nach durch ein Wunder entstandene Quollc; \\elckc Ismael, den verstossenen SoLn Alirahaiu's von 
der Hagar, den Stammvater der Araber, vom Verdürsten rettete. 



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über den schicarzen Stein in der Kaaba zu Mekka. 



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Mehmcd Ali erhielt von dem durcli die Wahabiteiij wie es sclieintj nur tlieilweise zertrüm- 
merten heiligen Steine ein Fragment, das der k. k. General-Consul v. Laurin in Kairo bei ihm 
sah. Dieser hatte die Güte, mir auf meine Bitte den folgenden Auszug aus seinem Journale, 
dd*\ Kairo 13. xVpril 1839, gefälligst mitzutheilen. 

Mehmed Ali fülirte aus einer Zuschrift, die er mit dem Bruchstücke erhalten hatte. Fol- 
gendes an: „Die Wahabitcn behaupten, der schwarze Stein der Kaaba erhalte von den Mosle- 
mins göttliche Verehrung, Aveil er w^ahrend eines Donnerknalles gefallen oder aus den Tiefen 
der Erde heraufgekommen war, und haben ihn in Stücke schlagen wollen. Deine Knechte 
aber haben dieses zum Thcil verhindert und alle Bruchstücke sorgfältig aiTfl:)ewahret und sen- 
den Dir Eines und drei für die Träger des Wortes Gottes dm-ch den Propheten. " 

Mehmed Ali äusserte ferner, der Stein sei von der Grösse eines seiner Divan-Polster 
(etwa 2y2 Fuss lang, IV2 Fuss hoch) und von der Breite, dass zwei Betende zugleich ihre Stirn 
darauflegen können^ 

Als Mehmed Ali sein Bruchstück dem Herrn Lyons, damals englischen Eesidcntcn in 

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Ägypten, gezeigt hatte ; sah es dieser gleich für einen Meteorstein an, bemerkte dem Pascha, 
dass derlei Steine auch anderAvärts sich fänden und dass man dafür halte, sie kämen aus ande- 
ren Weltkörpern auf unsere Erde. Ein Effendi bemerkte, der Stein sei so schwer, dass ilm alle 
Moslims nicht Avürden von der Stelle bringen können und dass die Wahabrs desshalb den Ent- 
schluss gefasst hätten, ihn zu zerbröckeln. Herr Lyons sagte darauf, dass das Ganze im Ver- 
hältnisse zu dem voro-ezeia^ten Bruchstücke wohl von ziemlichem Gewichte sein dürfte, dass 



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der Stein aber wohl durch vier Menschen weo-o-cbracht werden konnte. Der Pascha setzte mit 
Ernst hinzu: „Ja wolil, jedoch müssten die vier Träger Eechtgläubige und keine Wahabfs sein." 

Von aussen ist der Stein pechschwarz, a^ou innen feinkörnig, silbergrau, mit eingespreng- 
ten bouteillengrünen (?) Würfelchen, die Herr Lyons jedoch nicht bestimmen konnte, weil 
man ihm nicht erlauben w^oUte, das Bruchstück näher zu untersuchen oder gar zu berühren. 

Die drei anderen, wie oben erwähnt, für die Träger des Wortes Gottes durch den Pro- 
pheten bestimmten Fragmente des heiligen schwarzen Steines erliicltcn der Gross-Sultan in 
Constantinopel, der Schah von Persien und der Beherrscher A^on Kabul. — So Aveit Herr 



V. Laurin, gegenwärtig Ministerialrath und k. k. Agent in der Waliachei. 

Der spanische Eenegat Ali B cy^), welcher im Jahre 1807 in Mekka war, gibt in seinem 
oben angeführten Werke Bd. II, S. 76, nebst einer Abbildung dos Steines (auf Taf. LV), den 
folgenden Bericht über seine Beschaffenheit: „Der schAvarze Stein, Hhajera el Assouäd, 
oder himmlische Stein in der Kaaba zu M ekka ist 42 Zoll über der Obcrfläclie des 
Bodens erhaben und ist rings A^on einer grossen, etAva 1 Fuss breiten Silberplatte umgeben. 
Jener Theil des Steines, welcher nicht vom Silber bedeckt ist, ist beinahe ein Halbkreis, 6 Zoll 
hoch; an seiner Basis misst er etwa 8 Zoll, 6 Linien." 

„Wir (Moslemin) glauben, dass dieser Avunderthätige Stein ein durchsichtiger Hyazinth 
war, vom Engel Gabriel aus dem Himmel an Abraham überbracht als ein Pfand seiner Gött- 
lichkeit, und dass er, von einem unreinen Weibe beriüirt, schwarz und undurchsichtig wurde." 



^) Uiess stimmt lüclit mit der Angabe von Curckhardt (deutsche tjbers. S. 200), der den Durchmesser dos Stoines auf etwa 7 Zoll 
schätzt. In der Abbildung, die Ali Bey auf der 55. Tafel im zweiten Bande seines angeführten Werkes gibt, ist der längere 

Durclmiesser desselben ^^/^, der kürzere 5*y^ Wietier Zoll. 
2) Er hiess ursprünglich Badig y Leblich und war im Jahre 1767 zu Barcellona geboren; er starb ISIS auf einer zweiten Ueisc 

nach Mekka in Syrien (oder Arabien?). 



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„Dieser Stein ist einBr achstück von vulcanisclicm Basalt ; am Umfange sind Meine, spitzige^ 
farbige Krystalle eingestreut und hin und wieder rother Fcldspath auf einem dunlden Grunde 
wie Kohle, mit Ausnahme eines einzigen Yorsprunges, der röthlich ist." 

„Die fortwährenden Küsse und Berührungen der Gläubigen haben die Oberfläche abge- 
nützt, so dass sie jetzt ein musculöses Aussehen hat. Sie hat ungefähr 15 muskelartige Erhaben- 
heiten und eine tiefe Höhlung." 

„Durch den Vergleich der Eänder des Steines, welche A^om Silber bedeckt und geschützt 

sind, mit dem unbedeckten Theilo fand ich, dass der letztere beinahe 12 Linien von seiner 

Dicke verloren hatte, woher man schliessen kann, dass, wenn zur Zeit des Propheten der Stein 

er in jedem folgenden Jahrhundert eine Linie an Dicke verloren 
haben muss. " 



glatt und eben war, 



Seetzen, der im Jahre 1810 in Mekka war, sagt in einem Briefe aus Mocha über seinen 
Aufenthalt daselbst, in der monatlichen Correspondenz zur Beförderung dcrErd- undllimmels- 
kunde, herausgegeben von Zach^ 27. Band (1813), S. 78: , 



„Siebenmal machte ich die heilige 
Eundc um die Kaaba und küsste den schwarzen Stein mit vieler Ehrfurcht, u. s.w." Sein 
Tagebuch wurde noch nicht bekannt gemacht. Nach Chladni soll Seetzen den schwarzen Stein 
für einen Meteorstein gehalten haben, es ist aber diese Meinung nirgends veröffentlicht worden. 

Nach Burckhardt, der den Stein im Jahre 1814 nach der Beschädigung durch die 
Wahabitcn, also in dem Zustande sah, in welchem er sich noch heute befinden mag, ist derselbe 
ein unregelmässi^-es Oval mit wellenförmia-er Oberfläche und aus etwa einem Dutzend klei- 



nerer Steine von verschiedener Grösse und Form zusammengesetzt, welche mit wenig Mörtel 
gut mit einander verbunden sind; es sieht aus, als wenn das Ganze durch einen heftigen 
Schlag in viele Stücke zerbrochen und dann wieder zusammengesetzt worden wäre. Burck- 
hardt sagt ferner: „Es ist schwer, die Qualität des Steines genau zu bestimmen, der durch 
Millionen von Berührungen und Küssen, welche er erhalten, bis zu seiner gegenwärtigen 



* 



Oberfläche abgenützt ist. Sie schien ihm wie Lava, in der einige fremdartige Theile von einer 
weisslichen und gelblichen Substanz enthalten sind. Seine Earbc soll röthlich-braun sein und 
sich dem Schwarzen nähern (wahrscheinlich zeigt ein Theil des Steines durch Abnützung das 
Innere, das aber an den so vielmals berührten Stellen sicher nicht die ursprüngliche Farbe 
behalten hat, während die den Berührungen weniger zugänglichen Partien die schwarze Kinde 
aufweisen). Burckhardt sagt, dass der Stein anfallen Seiten von einem Bande umgeben sei, 
den er für ein feines Cement von Pech und Kies hielt, von einer ähnlichen, aber doch nicht 
derselben bräunlichen Farbe, wie die Hauptmasse des Steines; dieser Band diene dazu, die 
abgebrochenen Stücke zusammenzuhalten. Li der Abbildung, die in der öfters von mir citirten 
englischen Ausgabe der Reisen des Eencgaten Ali Bey enthalten ist, tritt dieser Band in einer 
Durchschnitts- oder Profil-Zeichnung deutlich hervor und ist in der Ansicht des Steines von 
vorne auch dm-ch die ungleiche, fast porphyrartige Beschaffenheit der Masse deutlich unter- 
schieden. Dieser Band könnte daher wohl aus einer künstlichen Substanz bestehen. Die silberne 
Einfassung hält den Band und den Stein selbst zusammen; sie ist unten breiter als oben und 
an beiden Seiten, und unten, wie Burckhardt oder vielmehr die englische Übersetzung sich 
ausdrückt (denn das englische Original konnte ich mir hier selbst aus der k. k. Hof-Bibliothek 
nicht verschaffen), aufgetrieben, ixls wenn ein Theil des Steines unter ihm verborgen wäre*). 



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^) NachrlclLtcu über den sclnvarzen Stein findet man in B ur ckliardt's Reise S. 200, 2i.l, dann 247™249j wolciiC Uitter benutzte. 




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Der sclmarze Stein in der Kaaba zu Mekka ist dermalen gewiss der verelirteste aller 
Steine des Erdbodens. Im Altertimme dürften ilim an Yerehrmig nur der Meteorstcm, der zu 
Pessinus in Plirygien fiel, für das Ebenbild oder Symbol der Cybele, der Mutter der Götter, 
o-alt und später, zur Zeit des zweiten puniscken Krieges , ungefähr 204 Jalire vor Christus , als 
ein Heili-thum nach Rom gebracht und von den Vestalinnen verehrt wurde, -^ dann der be- 
rühmte Meteorstein, den man als ein Symbol des Sonnengottes in einem Tempel zu Emxsa oder 
Eme.sa in Syrien verehrte und der von seinem Oberpriester Heliogabal nach dessen Erhe- 
buno- zum Kaiser mit dem grössten Pompe nachPom gebraclit wurde, wo dieser ihm emen neuen 
"^ 1 weihte zu vero-leichen sein. Der schwarze Stein von Mekka ist auch der älteste aller 
orhandenen Meteorsteine. Er allein entging, aller Gefahren ungeachtet, der Zerstörung 
durch Menschenhände. Nur jener Meteorstein von der Grösse einer Wagenlast, der zur Zeit 
des peloponnesischen Krieges um das Jahr 465 vor unserer Zeitrechnung am Ziegenflusse 
(Aegos potamos) im thraeischen Chersonnes fieP) und durch Jahrhunderte im Freien liegen 
blieb da er noch zu den Zeiten Plinius des Älteren und Plutarch's gezeigt wurde,_ durfte 
viellJicht, selbst nach Humboldt's Yermuthung^), doch noch, wenn ihn Elementar emflüsse 
verschonten, aufgefunden werden, wenn auch schon in neuerer Zeit durch den bekannten afri- 
kanischen Reisenden Browne vergebens danach gesucht worden ist. 



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) Ungefähr in der Gegend des heutigen Uallipoll und fast Im GeLurtej.ahro des Sokrates. 



2) Kosmos, I, S. 154. 



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SECHZEHN ARTEN VON NEMATOIDEEN 



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VON 



DK- KARL MORITZ DIESING 



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WIRKLICHEM MITGLIEDE DKR KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN, 



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VORGELEGT IN BEß SITZUNG DER MATHEMATISCII-NATURWISSEKSCJrAFTLICnEN CLASSE AM 10. JULI J8ÖG 



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JJie Eundwürmcr (Nemat 
(lurcli einen gestreckten, fast drehrunden elastisclien Körper ausz^eiclinen. Alle besitzen eine am 
Vorderende liegende Mundöffnung und einen cinfaclicn Yerdaunngscanal, welcher bei der 
Mehrzahl derselben die ganze Leibeshöhle durchzieht und gegen das Schwanzende mit einem 
After endiget (Froctuclia) oder bei einigen wenigen sehr kurz und afterlos ist (Ajjrocta), 



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Wanderer (Metoccacea) 



(Aprocta) 



welche in der Bauchhöhle von wirbel- 



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losen Tliieren, zunäclist Insecten in iliren vcrscliiedcncn Verwandlungsstufen, in einem 
gcselilechtslosen Zustande leben, und nachdem sie eine gewisse Grösse erreicht, vor dem Auf- 
hören der Lebensdauer ihres Beherbergers diesen Aufenthalt verlassen, sich in feuchte Erde 
oder in den S.chlamm der Gewässer zurückziehen, sich dort geschlechtlich entwickeln und 
wechselseitig begatten. Die aus den meist in langen Schleimfädcn liegenden Eiern hervor- 
getretene Brut^) sucht eine passende Gelegenheit, mittelst ihres Rüssels und des darum liegen- 
den doppelten Ilakenkranzes durch Einbohren wieder in die Bauchhöhle eines Insectcs als 
ungebetener Gast, einzuwandern, um dort eine gewisseLebenszeit zuzubringen und dann wieder 
denselben Entwickelungsgang durchzumachen. 



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nn auch diese Helminthen den Naturforsehern schon seit Jahrhunderten bekannt 
waren, so gebührt doch Herrn Karl Theodor von Sicbold das Verdienst, zuerst ihre Lebens- 
weise und anderweitige Naturgeschichte aufgeklärt zu haben. 



(Ägamo7tematoidea) 



(Proctuclia) 



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(Gamonematoidea) 



oder sie sind 



über den inneren Bau der Thiere dieser Ordnung mag hier im Allgcineinen noch Nach- 
stehendes erwähnt werden: 



) .über die Form der Brut von Gordius tarhis vergleiche Loidy: in Procccd. Acad. Pliilad. V (1851), ÜO'J u. l>60 und über jene von 
G. aquaticus und G. suhhifurcus Meissner in Zeitschr. f. wissensch. Zool. VII (1855). 57 u. s. f. 






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SecJizeJm Arten von Nematoideen. 



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Das MuskeLsystem bestellt aus einem unter 



der Cutis gelegenen, 



die Leibcshölile 



begrenzenden Muskelschlaucli, welcher bei den afterloscn Eundwürmern eine innen atlasglän- 
zende Rühre bildet nnd bei ihnen ^Yie bei den afterfilhrenden blos aus Längsmuskeln besteht. 
Der durch sie gebildete Schlauch ist nur bei Gordius ununterbrochen und wird bei Mermis 
von zwei seitlichen und einem auf der Bauchlinie laufenden^ bei den mit einem After versehenen 
Rundwürmern jedoch durch zAvei schmale auf der Rücken- und Bauchlinie befindliche und 
durch zwei seitliche breite bandförmige Längsstreifen unterbrochen. 

Zu dem Verdauungsapparate gehört bei den afterführenden RundAvürmen eine am 
Munde beginnende, musculöse, nach hinten meist kolbenförmig erweiterte Schlundröhre und 
ein einfacher, dickAvandiger, drüsiger, meist gleichförmiger und fast gerader Darmcanal mit 
einem kurzen musculösen Mastdarme, welcher mit einem vor dem Schwanzende gelegenen 
After endigt. 

Sehr abAveicliend sind die Verdauungswerkzeuge der afterlosen Rundwürmer. Nach 
Meissner's meisterhafter Untersuchimg dieser Gruppe ist bei Gordius nur eine kurze Speise- 
röhre vorhanden, welche unmittelbar in ein grosses, den ganzen Körper durchsetzendes solides 



Zellenparenchym übergeht, das die ganze Leibeshöhle ausfüllt*). 



Bei Mermis albicans besteht 



der Verdauungsapparat aus einer kurzen Speiseröhre, einer Anzahl eigcnthümlicher diese 



umgebender Organe (Magenhöhlen) iu;id dem sogenannten Fettkörper. Die Speiseröhre bildet 
mit Ausnahme ihres vordersten Endes, avo sie einen Ring darstellt, einellalbrinne. Sie ist von 
einer granulirten scliAvammigen Masse inngeben, die nach aussen von einer sehr zarten, unmit- 
tclbar und eng umliegenden Membran begrenzt wird. Der so gebildete Schlauch ist in seinem 

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Verlaufe perlschnurartig eingeschnürt. Jede der zAvischcn den Einschnürungen liegenden 
Anschwcnungcn enthält eine Magenhöhle, welche durch eine Einstülpung der Anschwellung 
gebildet ist. Der ganze so beschriebene Schlauch mit der Speiseröhre und den Magenhöhlen 
wird von einem zAveiten äusseren Schlauche, der unmittelbar hinter der Mundöffnung beginnt 
und der Form des inneren Schlauches ganz folgt, umgeben. Die Membran des äusseren 
Schlauches erhebt sich über den Öffnungen der Magenhöhlen zu einem Canal, der sich zum 
Schlauche selbst wie ein Seitenast desselben verhält und in den Fettköi^per mündet. Dieser 
Avird von einem dielvAA^andigen Schlauche gebildet, der sich vom Ko23f- bis zum ScliAvanz- 
ende ununterbrochen erstreckt und mit grossen Zellen und Fetttropfen angefüllt ist; er ist 
oben und unten geschlossen. Verdauungsschlauch nnd Fettkörper winden sich um einander 
in einer langgestreckten Spirale"). Ahnlich ist nach Meissner der Ba,u der VerdauungsAverk- 



zeui>-e V 



on Mermis nigrescens 



3 



Zu den Hilfsorganen der Verdauung gehören die bei mehreren afterführenden Rund- 
Avürmern beobachteten zAvei oder Auer von der Kopfspitze neben der Schlundröhre in die 
Leibeshöhle hineinragenden und in die Mundliöhle einmündenden, als Speichelorgane gedeute- 
ten Säckclicn ^), so AAde Avahrscheinlich auch die bei manchen von der Schlundröhrc aus nach 
rückAvärts, oder vom Darmcanale an seiner Verbindungsstelle mit jener nach vorwärts und 
oben laufenden blinddarmähnlichen Verlängerungen. 



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^) Iif Zcitsch. f, wisseiisch, ZooK VII (1855)- 78- 

2) Ebendasolböt V (1853). 236. 

3) Ebendaselbst VII, 28. 

^) Über eine andere Dentung dieser Organe vergleieLe die Gattungen Oheiraca/iiJi^is 
^tusonnis TL 22-k Tnf. XYI. 13. 14. und 22S. Taf. XVIII. 3. 4. 



und Ancyracanthus in den Annalcn des Wiener 



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8 K. M. Diesing. 

Ein Gefä SS System wurde im Allgemeinen nicht nachgewiesen , jedoch ist bei den 
Agamonemen und nur in einem bis jetzt bekannten Falle unter den Gamonematoideen^) ein 
bandförmiges Organ vorhanden, welches Gefässverzweigungen zeigt, die in ihrer Vertheilung 
mit jenen der Lemniscen mancher Acanthocephalcn übereinstimmen. 

A b s n d e r un gs o rg an e kommen sowohl bei den afterführenden als auch bei den after- 
losen Eundwürmern vor. Sie bestehen bei den erstcren aus zwei zu beiden Seiten des Darm- 
canales nach hinten, manchmal ausserdem noch zwei nach vorne gerichteten Schläuchen, 
welclie in eine auf der Bauchseite mehr gegen das Kopfende gelegene, von einem Schliess- 
muskel umgebene Querspalte (porics excretorius) ausmünden und eine homogene farblose 

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Flüssigkeit absondern^). Unter der zweiten Gruppe liegt bei Gordius ein Absonderungsorgan 
in Form eines Schlauches der ^ranzen Län^'o nach oberhalb eines Bauchstran2;*es in einer 



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Höhle des Zellkörpers und mündet nach vorne unterhalb dem Kopfende, nach hinten gegen 
das Schwanzende zu nach aussen. Bei Mermis albicans und nigrescens dienen als Secretions- 
Orö"ane drei a*eschlossene Zellenschläuche, welche den beiden seitlichen und der auf der 
Bauchlinie befindlichen Unterbrechung des Muskelschlauches folgen^). 

Als besondere Athmungsorgane werden von mehreren Helminthologen die bei 
manchen Gamonematoidcen von der inneren Fläche der Cutis zwischen den Muskelfasern hin- 
durch in die Leibeshöhle hineinragenden gestielten Bläschen betrachtet. Zu ehicm gleichen 
"Zwecke scheinen auch äussere tellerförmige, in der Mitte durchbohrte Organe und die von 
diesen nach innen führenden Canäle bestimmt zu sein"^). 

Von den Thieren dieser Ordnung sind nur sehr wenige geschlechtslos, alle übrigen 
getrennten G es chlechtcs. Der männliche Geschlechtsapparat der afterführenden 
Eundwürmer stellt eine lange Eöhre dar, an welcher die einzelnen Organe: Hoden (tcsüculus)^ 
zuführendes Samengefass (vas chferens)^ Samenbläschen (vesicula seminalis) und ausführendes 
Samengefäss (ductus ejaculatorius) mehr oder minder abgegrenzt sind. Das männliche Fort- 
pflanzungsglied (^^em;6^ ist meist fadenförmig , frei oder innerhalb einer röhrenförmigen ein- 
fachen oder doppelten Scheide (vagina penis tuhuliformis^ simplex v. duplex) eingeschlossen; 
die äussere derselben ist meist weit abstehend, oft von anderer Form, glatt oder bestachelt. Ist 
die röhrenförmige Penisscheide auf ihrer Bauchseite der Länge nach bis fast an den Grund ein- 
geschnitten, und dann mehr oder w^cniger ausgebreitet, so erscheint sie als einblätterige 
Penisscheide (vagina penis monopetala)] ist sie aber sow^ohl auf der Bauch- wie Eücken- 
seite bis fast zu ihrem Grunde der Länge nach eingeschnitten, so erscheint sie als zweiblät- 
terige Penisscheide (vagina penis dipetala). Der Penis mündet entweder unterhalb der 
Schwanzspitze (Ilypophalli) oder an der Schwanzspitze (Acroplialll), Bei den afterlosen Eund- 
würmern sind die männlichen Geschlechtsorgane bei Mermis einfach; bei Gordius aber sind 
die in zwei cylindrischen Höhlen des Zellkörpers liegenden Hoden doppelt, vereinigen sich 
aber zu einem gemeinsamen zuführenden Samcngefässe "). Die entwickelten Spermatozoiden 
sind bei den afterlosen Eundwürmern stabförmlg, während bei den afterführenden die unbe- 
weglichen Spermatozoiden meist die Gestalt einer Zelle haben. 



. ^J Bei Ascaris osculala. Siclie Siebold's Lolirbucli d. vergleich. Anat. I. Äbtli. 133. 

2) So bei Stronriylus auricularis, Ascaris brevicaudata und acuminaia , Ascaris dactyluris und paucijmra. Vergleit^Iic Sicbüld a. o. 

a. 0. 140. 

3) Meissner: a. a. O. VII. 86 (GordmsJ und V. 215 ßf. alhwansj und YII. 32 (M. nigrescens). 
^) Bei FUaria horrida. Siehe gegenwärtige Abhandlung Taf. IV. Vig, 1, '2, 5 u. ö. 

*'') Meissner: a. a. 0. V. 245—250 und VII. 103—109. 



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Sechzehn Arten von JS^ematoideen. 



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Die weiblichen Geschlechtsorgane der afterf Uhr enden Eundwürmer bestehen aus dem 



fovarmm s, ovidiictus) 



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der Gebäi'mutter futerits 



(vagina uteri). Die Gebärmutter ist 



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oder sie ist iretheilt und 



dann meist zwcihörnig, selten drei- ^) ja fünflmrnig ^) (iiteriis partitus s. bi~^ tri- v. quinquecor- 



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eineFallop'schc Eöhro mit einem Eicrschlauch, 



Avährend die Tlörner am anderen Ende vereint in die Scheide übergehen. Abweichend von 
der allgemeine]! Form der zweihörnigen Gebärmutter ist jene des Kappenwurmes (Cucul- 
lanus)^ Avo nur das nach vorwärts laufende Hörn an seiner Spitze mit einer Fallop'schen 
Eöhre und einem langen Eierschlauche versehen ist, während diese Organe dem mit seiner 
Spitze nach hinten gerichteten GebärmuttcrhornCj welches blind endiget, fehlen^). Die weib- 
liche Geschlechtsöffnung mündet entweder gegen das Vorderende, oder gegen die Mitte des 
Leibes, oder unterhalb dem Schwanzende. Was die aftcrlosen Nematoidecn betrifft, so sind 
die weiblichen Geschlechtswerkzeuge bei Mennis bis auf die gemeinsame Gebärmutterscheide 
doppelt; bei Gordim durchzieht ein doppelter, in den cylindrischen Flölilen des Zellkörpers 
hegender Eierstockschlauch fast die ganze Länge des Tliicres; jeder derselben geht dann in 

eine Fallop'sche Eöhre über, Avelche beide in eine gemeinsame Gebärmutter münden, und 

Die 



diese öffnet sich ohne eigentliche Scheide nur mit einem verengerten Halse nach aussen, 
weibliche Creschlechtsöffnung liegt bei Mermis etwas hinter der Mitte des Leibes, bei Gordiiis 

am Ilinterende"*). 

Die Eier, die vollkommen entwickelt im Allgemeinen eine ovale Form liaben, liegen vom 
Anfang bis zum Ende der weiblichen Geschlechtsorgane in einer besthnmten Eeihenfolge der 
Entwickelung und im Eiersclilauche entweder frei hinter einander oder gestielt um eine Spindel 
Ehachis) gelagert. Sie sind in der Eegel ohne Anhänge und nur selten mit solclien ver- 
seilen. So hat die äussere Halle des linsenförmigen braunen reifen Eies der Mermis nigrescens 
nach D uj a r d 1 n s '*), S i e b o 1 d's ^) und M e i s s n e r's ^) neuesten Beobachtungen an ihrem Eande 
einander gerade gegenüber zwei durch halbkugelförmige Knöpfe ausgezeichnete Pole, von 
deren Mitte ein dünner Strang ausgeht, welcher sich am Endo in einen dicken Quast sehr 
feiner Fasern auflöst, oder wie vielfach zerspalten ist {Chalazen Siebold). Als Unregelmässig- 
keiten statt den in der Eegcl vorhandenen zwei Chalazen kommen an einem Ei auch wohl drei, 
vier, selbst fünf kleinere vor; und man findet aucliEier, die nur einen Knopf am Pole oder nur 
einen kurzen Strang ohne Faserquast besitzen. Eben so merkwürdig ist eine von Györy an 
den Eiern der Oxynris spirotheca^) gemachte Beobachtung. Nach ihm hat die EihüUe an enicr 
ihrer Längsseiten eine leichte concave Ehibiegung etwas ausser der Queraxe des Eies, wo 
mit einer knopfartigen Anschwolliuig zwei das Ei in entgegengesetzter Eichtung umschlhi- 
gende, oder was bei weitem öfter, ja fast immer der Fall ist, vier paarweise in gleicher 






Bei Ascaris mlcrocei^hala. Siebold a. a. 0. 151. nota 1. 

Bei Filaria lablata. Xatliutius in Wicgmaiin't^ Arcli. 1837. I. 57. 

So bei CiicuUanus eJegans und microcephalus. Siebold a. a. 0. 151. 

Meissner: a. a/O. V. 250—257; VIL 33—38 und 100 — 112. 

In Annal. der sc. nat. XVIU (1842). 129 u. s. f. 

In Wieg-inann's Arch. 1813. 2. 310. 

In Zeitsch. f. wissenscli. Zool. VII. 41 ii. 43. 

Györy: Im Sitzungsb- d. kais. Akad. XXI (1856). 2—8, mit einer Talei. Der Kntdocker dieses Wunuos hat denselben in seiner 

angeführten sehr verdienstvollen und deissigen Abhan-llung zur Gattung OxijhtU ge/älilt. aber mehrere ausgezeichnete Charaktere 



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l^enkschriften der mathom.-iiaturw, CI. XTIT, Bd, 



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7\r. ilf! Die sing. 



Pachtung verlaufende Fäden beginnen ^ welche das Ei mit einer durch ihre Spiralwindungen 
gebildeten cylindrischen, das Ei an Länge übertreffenden Hülse einschliessen. , 

Der Embryo hat meist die Gestalt des erwachsenen Mutterthiers, ist noch geschlechts- 
los , aber Schlundröhre und Darmcanal sind bei den afterführenden Rundwürmern bereits 
vorhanden. 

Ein Nervensystem wurde unter den afterführenden Eundwürmern bis vor kurzem mit 
aller Bestimmtheit nur bei dem Eicsenpallisadcnwurm (Eustrongyhis 'Gigas) als ein 
Bauchnervenstrang nachgewiesen. Ein von dcrLage und Form des vorhergehenden abweichen- 
des Nervensystem wurde neuerlichst von WedP) aus Ascaris Ucuspis^ Ä. dispar^ A. vesicularis, 
A, leptoptera, A.compctr, A. lumbricoides^ Filaria papillosa^ F. attenuata, Vhysaloptera clausa^ 



8plro]^tera sangulnolenta ^ S. megastoma^ Hi 



andropliora und Strongylus nodularis 




beschrieben. Nach ihm besteht dasselbe aus einem Gehirne und einem Schwanz- oder After 
ganglion, welche beide Centralorgane des Nervensystemes durch Ganglienzellenketten, welche 
der Längcnaxe des Wurmes entlang gelagert sind, mit einander verbunden Averden. Unter 
den afterlosen EundAvürmern besteht das Nervensystem nach Meissner bei Mermis albi- 
cans^) aus einem Gehirne, von dem vier grosse Stränge: ein Eückenstrang, zwei seitliche 
und ein Bauchstrang nach dem Schwanzende hinablaufen, welche in ilirem Verlaufe Queräste 
aussenden; die drei erstgenannten derselben verdicken sich am Flinterende zu eben so vielen 
Schwanzganglien. Mermis nigrescens'^) hat ein Gehirn, einen Eücken- und einen Bauchstrang, 
von welchen jeder in einem ScliAvanzganglion endefc; die beiden Scitenstränge fehlen. Bei 
Oordius'^) ist ein Avulstiger Schlundring vorhanden, von dem ein einziger verästelter Bauch- 
strang bis an das Sclnvanzende läuft und sich nicht weit von diesem in zAvei Zweia-e theilt. Ein 
solches Nervensystem war wohl theihveise schon früher bekannt, ist aber von Bojanus und 
x\nderen als Gefässnctz, von Siebold jedoch als netzförmige Quermuskeln gedeutet Avorden. 

Die Mehrzahl der Thiere dieser Ordnung sind BinncnAvürmer, von denen mehrere aber 
auch oft ausserhalb des thierischen Leibes frei vorkommeuj Avälirend einige andere nur süsses 



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\Njrj da der Wurm zuerät unter dem 



berechtigou diesen Hehiiiuihen als Typus einer noiicii Gattung- zu betrachten, welcher ,.,., ,.,.._ .__. ._ ,.._ 

nicht auf ihn anwendbaren Gattungsnamen (liotjuris m die AVissenschaft cingefüJn-t ^vurdc, die Beneniiung rseudonymus beilegen. 
Aus der von Györy gegebenen Beschreibung mit Benutzung seiner Abbildung slellt'sieh der Gattungsc]uu-akter_ et\va so heraus: 
Corpus siohcylindricum anirorsum limJjo lato retroflexo cincfum. OaptU suhrjJohosum anfice plicis (luzn- 
<iue e centro radiantihus. Os in plicarum ccniro. Exiremitas caudalis maris ohiusa onuarone tenninali, 
pene seiiformt infra apicem caiodalem; feminae suhulala; aperiiira genitalis in posiicd tertia corporis 
parte; Uterus öicornisf Ovipara. — In Coleopieromm iniesilno recto endoparasita. 

Pseudonymus si-)irotheca: Corpus dense annulattun anfrorsrim attenuaium, lacteo-aAbum transpa- 
rens. Extremitas caiodalis rtiarls suhrecta ohtusa rotundata, rrtiocrone brevi paruon inflexo , papillae insi- 
dente, tnsiructa sulius pap Uli s sex: duabus maximis infra amim, diialus minimis inter anum ei peiiem 
et dualus xiltirms inter penem ei eaudae oiiucronem, jiixtap osii is; feminae subnlaia recia, apertura 
geniiali bilabiata. Longii. mar. ad ^/s" ; fem. ^.^^1^^" . 

Ilabiiaeulu'in: lly dropiiiUis piceus, in intestino recio int er Leptotiirice^ inseetorum individua 6 — 30^ 
ae State, Vindobonae ffj-g ö ryj. 

ISoiiliae analoiiiicae: Vkargnx et subscudes 5 oesopJ/agi long/ivdinales snbrornei. Oesopiingus subcylindricus. Veniricidiis 
subglohosus. Tracius intestinalis sfrictus subaequalis antice incrassatic,% Anixs maris infra penem, feminae infra partem subulalam 
corpioris. Organon excretorinm sacciforme retro ventriculura situm, poro excreiorh plicato, ventrali. Uterus bicornis? Ovaria dno: 
unnm anirorsum, alieruni reirorsum directum. Ovula evoluia ovaUa, lalere %ino parum excauata nodido instrucia, fda 2 vel 4 lon- 
gissima emilieniia, ooiltecam dense spiralem cglindrieam ovulo longioremformantia. 
In Sitzungsbcr. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften XA^I (IS55). 298—312 mit einer Tafel. 
In Zeitsch. f. wissensoh. Zool. V. 220. 



^) Ebendaselbst A^I. 20. 
'^) Ebendaselbst A- IL. Oa. 



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Sechzehi Arten von Nematoideen, 



11 



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Wasser oder das Meer bewolmen. Sie zeigen eine bedeutende Yersebiedenlieit in der Grosse, 
so dass einige kaum eine Linie lang sind, wahrend andere die Länge mehrerer Zolle ja Fnsse 

erreichen. 

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Die in Natterer's Tagebüchern enthaltenen Bemerkungen über Ort, Zeit und Zahl der 
von ihm während vieler Jalire und in grosser Anzalil mit Erfolg auf Helminthen untersuchten 



o-ehcnden Abhandluim'cn 



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dass das oft häufige 



Thiere wurden auch hiermit derselben Genauigkeit Avie in den vorher 
wiedergegeben, und es stellt sich dadurch die Avichtjge Folgerung herau 
Vorkommen von BinnenAvürmern selbst bei TJiieren in ihren ursprünglichen Lebensverhält- 
nissen nicht als ein abnormer sondern vielmehr imierhalb gewisser Grenzen als Normal- 
zustand zu betrachten ist, der demnach eine Tliierwelt innerhalb der Thierwelt darstellt — 



microcosmus in macrocosino : 



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Or^vana o^enitalia seOTe^^ata, aliorum maseiila, aliorum feminea 






^) Seit dem Erscheinen des zweiten Bandes des Systema Uelminfhum im Jahre 1851 sind noch neu hinzugekommen: 

1. Oxyuris compar Felis Ca^/Leidy: in Frocced. Acad. Pliikid. VIII (1850). 52. 

2. 0:cyvris allodapa Dicholophi Marcgravi Creplin: in Abhandl. d. naturf. Gesellsch. zu nailc lö53. I. 61. 

3. Ojcyarisf dulia Bufonis americani et Salamandrae rulrae Lcidy: I. s. c. VIII. 52. 

4. Oxyuris ornata Tritonis ?^7zez Walter: in Zeitsch. f. wissensch. Zool. VIII (1856). 163 — 201. Tat. V. u. VI. 

5. Oxyuris socialh Acheiae ahhreviaiae Leidy: in Procecd. Acad. Philad. V (1850). 102; nunc Anguülula socialls 
ibid. VIII. 49. 

2* 



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NEMATOIDEA Rudolphi charact. hefoiim 



SüB U lU) : P E C T ü C IIA. 



Tractus cibarlus ano stipatus 



T R I B U S : G A M N E M A T I D E A 



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SECTIO I. HYPOPHALLI. 



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'em haud vaginatus aut vaglna siinpUci v, dupUci instriictus. Vagina 
liformis, vel longitudinaUter fissa (vionopetala) v. bipartäa (dlpetala); 



dupUcls: interna angicsta^ externa ampla ecldnata v. inermis. 






OXYURIS Rudolphi 0. 

Corpus suhcylhiärlcum crassüisciduin^ extremitate caudali acuta. Caput corpore contmimm^ 
epidennide suhglobose inflata pellacida^ v, stricte adnata, Os terminale nudum vel papdlo- 
sum. Extrem itas ccmdaUs inaris mitcronata^ pene fdiformi in vagina tuhidosa] feminae 
Suhldata] apertura genitalis in anteriore corpwris parte] Uterus hicornis, Ovipara. — In 

mammalium intcstino coeco et crasso endoparasita. 



I 



I 



V. 



12 K, M. Die sing. 

Oocyuris obesa. 

Talj. I. Fig. 1 — G. 

Caput conicum apice truncatwn Gpldermide stricte adnata. Os papillis 3 — 4 cinctum. Corpus 
iitrinque valde attenuatum rectum. Extremitas caudaUs maris . . . feminac sabidata recta. 



corpore aeq^uüonga. Longit. S" ~~V J^' ] crasslt. V. 

O.üguris ohesa Dies.; Sytst. Ilclm. 11. 141. 



/". 



II ahlta c ulum : ITy drochoeru s Capybara: in intestino coeco . Februario in Brasilia 

(Natter er). 

Im Blinddärme eines nüinnllclica Cajji/hcfra fand Nattercr diese Art zu Ypancnia aiu IG. Februar 1819 



in einer grösseren Anzali! von Exemplaren 






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ASCARIS LiNNl)^). 

Co r p u s subcylindricum^ sid^aeqiiale.^ utrinque aut antrorsum v. retrorsuiii viagis atten iiatiim^ 
inerme^ rarissime armatmn. Caput subconicuvi^ corpore contiauurn, nudum v. alatura. Os 
terminale trilab iaturn ^ labiis seu valvulis in triangiduvi dispositis clauswn, Extremitas 
caadalis nada v. alata, Fenis filiforinis in vagina bipartita s. di/petala^ pyetalls Unearibus. 
interdum longissvmis] feminae cipertura genitcdis in anteriore v. posteriore corporis parte 
collocata] uterus bi- rarissime tri- vel rpuinguecornis. Ovipara^ rarissime vivipara. Mam- 
maiium et avium rarius amphibiormn et pisciam endoparasita^ in tractii intestinalis raris- 
sime m organis aliis obvia. 



I. GYMK0ASCA1MJ3ES. ^ 



Cour 



US INEKMlv 



1. Ascavis heteroptera* 

T;ib. L Fig. 7- 13. 

Caput alis duabiis angustis i7iaequalibus ^ altera cibbreviata ^ altera in anteriore corporis pjaiie 
flexuose decurrentCj dilatata^ postice rotundata] os labiis rotundatis. Corpus maris retro)'- 



1 



sum magis attenuatum^ curvatuni: feminae utrinque 




Her attenuatum. sidjrectwii v. 



antrorsum incurvaturi] extremitate caudali conica^ maris inflexa, feminae recta. 



Longit. 



mar. idtra 1" ; fem. ^\ 



2"; crassit, % 



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Ascaris keferojiff'va Dies.: Syst. Helm. I. 175. 



Noch nicht aafgcnoranienc oder neu hinzugekoiiuneue Arten tiiul: 

1. Ascaris Felis discoloris Leidy: in Procoed. Äcad. Phüad. V (1851). 155. 

2. Ascaris columnaris Mephitis Ckinyac Leidy: L c. VIII. 51. 

3. Ascaris laevis Arctomydis ■nionacis 1j 0.1 i\\: ibid. 51. 

4. Ascaris similis Phocae s^eciei aniarcilcae Baird: Cat. Entoz. Brit. Muä. 
(■1855). 69. 



19. Tab. I. 1. et in Ann. nat. hist. 2. ser. XV 



;>. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 



Ascaris 
Ascaris 

Ascaris 
Ascaris 
Ascaris 
Ascaris 

Ascaris 
A scaris 
Ascaris 
Ascaris 
Ascaris 
A scaris 



anguliDalöis Jialaenae rosiraiae Crcplin: in Wicguiann's Arch. 1851. 1. 158 — 160. 
p,ero])]iora Dicholophi Marcgravi Creplin: in Abl)andL d. nat. Gesellsch. zu Hallo 1853. 1. CO. 
ischnoptera SlriUhioais Oameli Creplin: in Hertwig u. Gurlt Mag-, f. d. ges. Thlerlicllk. XIX. 205 — 268. 
longa Tantali loculatoris Leidy: 1. c. YHL 51. 

I 

paucipara Tesiudinis graecaa Siebüld: Lclirb. d. vergleich. Anat. Abth. 1. 140. 

entomcXas Jlanae halecina.c Leidy: in Proeecd. Acad. Plülad. V. 206 et VIII. 51. 

nada Qroiall adamantci Leidy: 1. c. YHL 51. 

humilis Tro])idonoti sirtalis Leidy: ibid. VIII. 51. 

neglecia Diodoniis niaculo- striati Leidy: ibid. VIII. 52. 

hicuspis ScyUii CaiuliWcdl: in Sitzungsb- der kais. yVkad. d. Wissensch. XVI (1855). 389 et 359. Taf. III. 29 — 32. 

laevissima . . . Baird: Cat. Entoz. Brit. Mus. 25 et in Ann. nat. hist. 2. ser. XV (1855). 70. 

hifaria . . . Baird: 1. s. c. 26. Tab. L 2. et 1. s. c. 70. 



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I. 71 ud ifr onsj Majo : 



Seclizclin Arten von Nematoideen. 

Ilahltaculum: Ibis alhicoUis: Februario^ Apräi et Augusto. — 

in mtestiniß temubus^ in Brasilia (Natterer), 

Die durch die unsymmetrisclieForm der Kopffliigel so ausgezeichnete und noch immer alleinstehende Art 
lebt im Darmcanale bi-asilianischer Ibis-Arten und wurde von Natter er gefunden: 

im weisshlilsigen Ibis zu Murungaba 2. April 1821 in einem Männchen 2 Exemplare^ frei aus der 

P>auclihü]ilej durch ein Sclmssloch aus dem Darmcanal gekommen; 
zu Ytarare am 17. August 1821 in einem Männchen, endlich 
zu Matogrosso am 23. Februar 1829 in einem Weibchen 1, und in einem andern Weibchen 

4 Exemplare; 
im Guarauna flhis nadifrons) am Eio Parana am IG. Mai 1823 in einem Weibchen I Exemplar. 



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9 



Ascaris ionchoptera. 



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Tal). I. Fig. 14:— 17. 



Caput alis duabus semikmceolatis ; os labiis magnis rotundatis. Corpus maris . . . .; feminae 



antrorsuiii niagis attenuatimi^ extremitate caudali acute conica. — I^ongit, ultra 3" ; crassit. 



3 / III 
4 



Ascaris lonchopera Dies.: Syst. Helm. II. 176 et 5G0. 



4 

Ilabitacalum: Elepltas indicus: in diictibus biliariis, Genevae (Mayor) ihidem et in duodeno 

cum Distomatibus copiose. (Mus. soc. med. Bost.) 

Diese durch ihren Aufenthalt in den Gallcngängen des asiatischen Elephanten so merkwürdige Art fand 
zuerst Mayor in einem zu Genf wegen Tobsucht getödteten asiatischen Elephanten ungefähr im Jahre 1822, 
und theilte davon der kaiserlichen Sammlung ein paar Weibchen mit. Später erAvähnt Jackson in dem 
Bescriypire CataJogue of the anatomical Museum of tlie Boston society for medical imfrovemQnt im Jahre 
1847 einen neuen Fund in demselben Organe und im Zwölffingendarme gleichzeitig mit Distomen. 



^ 



3. Ascaris macrontera* 

r 

Tab. I. Fig. 18—23. 

Gap) ut inflexuin depressmn^ alis duabus magnis semiovatis] os labiis subovalibus. Corpus utrinque 
aequaliter attenuatum sidjrectum v. ciirvatum^ extremitate caudali conica marts inflexa^ 
vaginae penis cruribus s. petalis incurvatis] feminae recta. — Longit. mar. 2 — 5"^ crassit. 



1 



3 / "I 

4: 



, longit. fem. 5V.— 4y/j crassit. y,^—l". 



Äscaris macrojytera Dies.: Syst. Helm. IT. 182. 



Ilabit aculum: Ghampsa nigra: in ventriculo] in Brasilia (Natter er). 

Nur einmal von Nattercr zu Rabo do Bananeira im Jahre 1829 im Magen des Jacare gaaqa n\ 
bedeutender Anzahl gefunden. 



f- 



II. ECHINOASCAEIDES. 



Corpus echinatum. 



4. Ascaris ilystrioc. 

Tab. I. Fig. 24—30. 

Caput nudum inerme; os labiis rotundatis. Corpus utrincpie o^eipialiter attenuatum parum 
curvatum^ ecliinis acioularibus annulatim dense armatum j extremitate caudali acute conica.^ 





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^^^'^iLlj^Tr.'^^afÜlCäc^ ^^ ^^^ ^UäO ^MT^ffR^^ 



14 



_S^. ilf. Die sing. 



inermi^ maris incurvatci] feminae recta, Longit, mar. 






crassü. V,'/"- 



Ascaris Ilystrix Dies.: Syst. Plelra. II. 188. 



liabitaculum: Podocnemls erythrocepliala: 



• crassit. V/' fem. 2'/,'"; 



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intesttno rectOj Apri.li in Ura^lUa 



(Natt 



ere 



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Diese xVrt, welche uxitAsc. ecldnata aus riatydactyltcs guttatus die kleine Abtheilung der Ascaridcn mit 
bcstacheltcm Leibe bildet, fand Natter er in wenigen Exemplaren zu Marabitanas am 21. April 1831 im 
Dickdarme der Tracaja Uira pocca. 



SPIROPTERA RxTDOLPHi ). 



Co7^pus subcylindricuMj utrinciue v. antrorsum v, retrorsum wMgis attenuatuvi^ inerme vel arma- 

tum. Caput nudum v. alatmn, Os terminale orbicidare niidum v.papiUosum, Extr emitas 



caitdalis maris utrinque alata^ laxe spiraliter torta^ pene füiformi vagina monoi^etala llgulae- 



formt excepto] feminae liaud alata reeta] apertura genitaUs retrorsum slta-^ uteriis hicornis. 



.1 



Ovipara^ rarius vivipara, 
endoparasita. 



Mammaliiim et avium ^ rarissime pisciiiin et amplühiorum 




I. GYMNOSPIEOPTEßxiE. 



Corpus inerme. 



1. Spivoptem hamulosa» 



l 



Tal). I. Fig. 31—38. 



Caput continuum liaud alatum] os papillosvm. Corpus strictum suhaeqiiale^ extremitate caudali 
maris spiraläer torta anfractibus 2^ alls linear ihiis ] feminae apice deßexa uncinata. Longit. 



mar. 5 — 6'", crassit, ^/^" ] fem, 12 — 13" ^ crassit, ^l" 

8jp{ro]jtera hamulosa Dies.: Syst. Helm. 11. 217. 



liabitaculum: Pliasianus Gallus in protuberantia carnosa super fieiei ventricull,^ Septerabri^ 
in Brasilia (Natterer). 



^ 



Natterer fand 27 Individuen dieser Würmer zu Cuyaba 1824 in einer fleischigen Erliohung aussen 
auf dem Magen eines Ilaushahncs. 



2. Spiroptera Scrpentulus. 



Tab. II. Fig. 1—7. 



Caput continuum truncatmn^ alis linearibus] os nudum. Corpus utrimpie antrorsum tarnen 



magis attenuatum^ maris semispirale^ feminae laxe spiraliter tortum anfractibus 1 



3; 



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i 



Als neu aufgcführic Arten sind: 

1. Sp?'roj>tera Dideljj/ikh's virginianae Lcidy: in Procccd. Acad. Pliilad. V. 155; nunc rhysalojptera turgida Eud. Leidj 
Vill. 53. 



ibid. 



2. 
3. 



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Spiroptera Scalopis canadensis Leidy : 1. s. c. 155; nune I'hysaloplera Umlala Leidy; 1. c. VIII. 53. 
Spiroptera pachyderma Falconis Aeaalonis Orcplin: in Wicgm. Arcii. 1851. 1. 280 (ohne Beschreibung), 
Spiroptera striata Vodicipedis auriii C replin: 1. s. c. 288 (ohne Beschreibung). 
Spiroptera dacnodes liajae clavatae ei SgiuUi Musteli Creplin: 1. s. c. 308. 



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Sechzehn Arten von Nematoideen. 



15 



extremüate caudall maris ohtusa semisj)irali^ alis angustis iitrinqiie tricostatis] feminae 
depressiuscida ohtuse-conica. — Longü. maris 2 — 3" •, crassit V/" et idtra- feminae 4 — 7'"^ 



crassit. ^^g 



1 / '// 

2 



Siv'rojiiera Reiyeniulus Dies.: Syst. Helm. 11. 221. 



ifives: inter tendines ■pedmn ^ vere. (Mus, Gaes, Vmd.J 



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cac 



hin- 



nansj Octohri. — F, aquiliniis j Octobri. 



F, gracilisj Novembri et Januario, 



jP. m. i l V o i des . Octohri. 



F. m ag n iro s tr is , Januario. 



digitoruvi. - 
(Natterer) 



— ■ F, TJrithuting a^ Aprili. 
F, u n IC in ctiiSj Decemhri: tnter tendines calcis et 
F, nitidus Octohri: inter tendines ad articulationem idnae^ in Brasilia 



F. wielan op s , Januario, 



Die erbten Exemplare dieser Art, welche sclion Ruclolplii in seiner Synopsis S. 28 und 254 als 
8])iro]ytera Falconis bescliricLj ^vnrden am Wiener Museum Im Frühling zwischen den Sehnen der Füsse des 
Abendfalken fF. rtifi^es) gefunden. 

Natterer sammelte sie aus nachstehenden brasilianlsclien Falken: 

Falco milvocdes Nr. 624 zu Registo do Rio Araguay am 28. October 1823 , 2 Exemplare am Ferscn- 
gelcnke eines Weibchens eingekapselt. 

Fulco niti-dns Nr. 62G zu Rio Araguay am 31. October 1823; ein Weibchen mit 4 Spiroptercn im Ellcn- 
bogcngclcnkc des Flügels, zwisclien den Seimen frei. 

Falco gracilis Nr. 627 zu Rio Araguay am 2. November 1823, ein Männchen mit 2 Spiroptercn aus dem 
Ferscngelcnkc und darauf zu Guyaba am 21. Jänner 1825 ein Weibchen mit 4 Exemplaren zwischen den 
Sehnen der rechten AVade. 

Falco cacliäüiaiis Nr. 587 zu Caigara am 24. October 1825, ein Männchen mit 3 Spiroptercn aus beiden 
Fersengelcnkcn. 

Falco magnirostis Nr. 10 zu Caigara am 11. Jänner 1826, Männchen mit 4 Spiroptercn In der Ferse 
zwi8cl»en den Seimen. 

Falco Urulatinga Nr. 505 zu Caigara am 19. April 1826, Weibchen mit 32 Spiroptercn aus beiden 
Fcrseno-cicnken ujid fast In allen Zehen zwisclien den Seimen. 

Falco aqniUnus Nr. 382 zu Matogrosso am 10. October 1826, mit 10 Spiroptercn aus dem Fcrsengelenkc. 

Falco icrucinctios Nr. 698 zu Matogrosso am 16. December 1828, Männchen mit 16 Spiroptercn aus den 
Zehen zwischen den Sehnen. 

Falco 'melano]}s Nr. 025 zu Para am 1. Jänner 1835, Weibchen mit 52 Spiroptercn an den Wurzeln von 



3 Zehen. 



IL ECIITNOSriROPTEEAP]. 



CoitrUS ECHIXATUM. 



3. Spiroptera echinaUu 



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Fab. IL Fig. 8 — IC. 



Caput continuum^ alis Unearihus; os papillis 5 cinctum. Corpus retrorsum magis attenuatum^ 
aculeorum serie simplici in utra(iue linea latercdi^ extremitate caudali maris nuda^ semel 
spircditer torta, alis angustis j feminae recta nuda apice attemtata, Longit, mar. 3 — 57/', 
crassit V^'"; feminae 4 — 5'". crassit V/'- 

Spiroj'f^'-ra echmafa T>ies.: Syst. Holm. IT. 222. 

Jda hitaculum: Mergus Alhcllus: in oesophago, vere. (Mus, Caes, Vind.) 

Von dieser Art befinden sich nui- wenige Exemplare aus dem Elstcrtauchcr ohne Angabe des Finders in 
der kaiserlichen Sammlung. 



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üiiiüiüäühMfiite^ 



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16 



iT. M. Diesing 



PHYSALOPTERA Rudolphi^). 



Corpus suhcylindricum^ antrorsum magis attenuatuin. Caput corpore contiiiiium. Os b Hab tat um ^ 

labiis oppositis protractilibits. Extremitas caudalis maris deflexa vel siibrecta^ utrinriue 

alata alis costatis ^ utplurimuvi limnore Ibnpido targldls:^ pene in vagina bipartlta s, dipetala'^ 

feminae aper iura genitalis antrorsum sita] Uterus bicornis. — Anivialium^ vertebratorum 

endoparasita in oesopltago et ventriculo^ rarius in intestlrus obvia. 



Fhysaioptera ^nucronata 



Tab. IL Fig. 1.7—28. 



Caput continuiim] os labiis rotundatis media emargmatis. Corpus antrorsiim magis attenuatum 
tortuosum ^ extremitate caudall maris subrecta^ alis linearibus incrassatis costis ...: feminae 
recta rotundata] mucrone terminali acute-conico^ apertura genitali annido lato tumido sidco 



mediano transversali percurso cincta. Longit. mar. 10" 



1" ^ crassit. 



1 / /// 



] feminae 1 — 



VI" 




crassit. ^ 



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Physaloptera mucronata Dies. Syst. Helm. Tl. 235. — Leidy: in Procced. Acad. Pliilad. VIII, (185G). 53. 

Habitaculum: Cliampsa nigra: in v entriculo ^ Junio in Brasilia (Natterer). — Cliampsa 
Lucius in eodem organo mmierose in Georgia (Jones). 

Natter er fand zu BorLa am 27. Juni 1830 im Magen eines männliclien Jacare guagic an etwa 400 
grosse und kleine wahrseheinlich junge Individuen dieser Art, sie LeAvegton sicli sehr lebhaft und wai-en nach 
vier Tagen noch fast alle lebend. Seitdem wurde diese Art von Jones in Nordamerika ebenfalls häufig ans 
dem Magen des Mississippi- Alligators gesammelt. 






OPHIOSTOMUM RuDOLPHi 



Corpus subcylindricum antrorsum v. retrorsiim magis attenuat um ^ inerrae v, armatuvi. Caput 
corpore continuum bilabiatum^ labiis prominentibus oppositis^ altera inferiore altera svperiore. 
Os intra labia positum. Extremitas caudcdis maris recta conica] pene...: femuiae aper- 
tura genitalis antrorsum sita^ Uterus ... — Mammalium et piscium endoparasita. 

UniuH solum si)eciei mare noto , genus necjvaqtiara salis stahÜitum. 



Ophiostonmm amphiacauthum char. emendat. 



Tal). II. Flg. 29 — 36. 



Caput labiis aequalibuSj antice emarginatis latiaribus ipuam laugis, nodalis binis paraüelis distan- 
tibus insignitis^ membrana tenuiore junctis. Corpus feminae antrorsum filiforme^ retrar sum 



) 



Neu hinzugekommen c Arten: 

1. Physaloj)tera Ihnbata Scalopis canadensis Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VIII (185G). 53. qiiondaiu !^j>iroptera Sc. 
canadensis Leidy: ibid. V (1851). 155. 

2. Physaloptera ahjecia Fsammo])hidis flagelUformis Leidy: ibid. VIII. 53. 

3. Physalopiera constricia Tropidonoti sipedonis Leidy: ibid. VIII. 53. 

4. Physalopiera contorta Emydis serralae, E. reiiculatae, Gistudinis carolhiae et Kinosterni pennsylranici I^eidy: ibid. A'III, 53. 



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Sechzehn jh'ten von Nematokleen. 



17 



7ja^Je incrassatim , acideis validis retrorsum directis parim curvatls in series simpUces ti-es: 
dorsalem longiorem^ dextram et sinistram laterales hreviores dispositis^ extremitate caudali 



nf( 



inucronato. Mas . . . Longa. 4 — oV/'; crassit. 

Of/dosfoimim am'phiacantlami Dies. Syst. Helm. 11. 246. 



1 , 'II 

• 



Uahitaculum:, Lemmus dasy trlc'kas: in Intestinis temuhiLS ^ in Brasilia (Natter er). 

Zu Ytararc am 1. September 1820 im Dünndärme eines Wcibclienä des llato hid>o vonNattercr 
gefunden. 



TRICHOCEPHALUS Goeze chae. emendat 



Corpus suhcylindricmn crassiusculum ^ maris utplurimum spircditei 



ß 



rectum V. contortum. Collum longissimimi capillare^ retrorsmn sensim increscens. Cap>iit 



filifi 



angusta^ externa ampla 



) 



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hasim] uteriis simplex. Ovipara. -^ Mammalium in intestina coeco aut crasso endoparasita. 

Anmerkung: Eine unriclitige Angabe in der Stellung der doppelten Penissclieide in der klemen 
Gruppe der Tricliotrachelidecn^ nämlicli den Gattungen Trichoce^halus, Sclerotrichum und Onco- 
pJiora, Avclclie mir als an der Scliwanzspitze liegend bezeichnet Avurde, ])at die Veranlassung 
gc^^Qh^n, sie den Acropliallen beizuziilden. Eine wiederliolte Untersuclmng bat jedoch gezeigt, 
dass die doppelte Penissclieide^ ^venigstens bei der Gattung T'rz'c7/oc(?j:)ÄaZ^6S; unterhalb derSclnvanz- 
spitzc liege j und diese Gruppe daher den llypoj^liallen einverleibt werden müsse. Ilire richtige 
Stellunfr ist nunmelir z^viscIlen Trichosoinum und Fdaria. 




Vrichoceplialus suhspirnUs 



Tab. II. Fig. 37—44. 



Collum longissimum capillare. Corpus crassiusculmn subrectam^ extremitate caudali maris in 



ß 
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-yathiformi^ muricata^ interna tubidiß 
crassit. V,;"; longit. corp. ad 4'", crassit. 



1 / >" , 

3 J 



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12 



'■ longit. corp. ad 7'"^ crassit 



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Trirkoceplialufi suhs].iiraUs Dies. Syst. Helm. II. 294. 



I). lori- 




Ilahitacul'um: Dasypus tricinctus^ Octobri. — I). unicinctus ^ Februario. — 

catus^ 'Novembri: in eorum intestina coeco^ in Brasilia (Natterer). 

Natter er sammelte diesen neuen im Blinddarme der Gürtclthiere lebenden Trichoce;phalus zuerst am 
16. Februar 1819 zu Ypancma in mehreren Individuen, als einem männlichen Tatu-Ay {D. imicinctiis Nr. 40), 
sodann zu Cai^'ara am 13. Octobcr 1825 aus zwei Männchen und z^vcl AVeibchcn des Tatu-A][>ar (_Z). tricinc- 
tus Nr. 108), und endlich zu Matogrosso am 26. November 1826 aus einem Männclien einer von ihm neu auf- 
gestellten Art (7). lon'caUcs Nr. 87), vier Exemplare. 



FILARIA MÜLLEK CHAR. REFORM.^). 



Corpusßliforme, utplurimum long issimwn. Caput corpoj-c continuum. O.s terminale liaud labia- 
tum v.labiatum, inerme v. spinuUs s. dentibus (papillis auctorum) armatum. Pmi-s 



^) Neu hinzug-ckommene Arten sind: 

1. P,7aW« iio/«/«/s om Lcidy : in Proccea. Aca.l. riiilad, V (1851). 118 ; nunc K/«.r/^ ™«<?me^^^^^^^ 

3 

Denkschriften dor J^atl^cm.-n:Ltll^^v, CK XIII- Bd. 



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18 



K, M. Die sing. 
ßUformÄs in vagiua monojjetala ligulo^eforml; feminae apertura genitalis in anteriore corporis 



inimalium 



parte- Uterus bicornis rarissirae quin^uecornis. Ovipara. v. vivipara. — 
vertebratorum^ praeprimls marmnalium et avium , rarius ampliibiormn et duhie piscimn 
encloparasita ^ excepto tractu intestinali in organis variis ohvia. 



1. M^iiariu hispinosn. 



Tal). IL Fig. lä-öO. 



()s bilabiMmn^ labiis antrorsum partim dilatatis^ apjice trurtcatis^ spirmla subceiitiali subconica 
recurvata armatis. Corpus longissimum subacquale^ extremitate cauJcdirecta^marisacutius- 



Gula] feminae obtitsa. Longit. mxir. Sy/' et ultra.^ crassit. 

FÜaria Boae conUrictoriPi Lcidy: in Prnceed. Acad. PLilad. A^ (1.851). HS. 
Filarla hispmosa Dies. Syst. Ilclin. IL '278. — Leidy L c. YIII (185G). ."jG. 



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2. 






4. 
5. 

5. 

7. 
8. 
9. 

to. 

U. 
12. 

13. 
1^. 



Nach Dav aine's Untersuchung war der von Mongrand zuUrcst in der Saphena einer Leiche gefundene, von ihm Filaria 
■ra genannte angebliche Hchninth ein fadenförmiges Blutcoagdhim, was Uobin glciclifalhs bestätigt. (Vgi. hierüber Gazette 
de Paris Fevr. 1852 et Compt. rend. de la Soe. de Biologie 1852 (Acut). 

Filaria jpapillosa haematica öanis familiär is Gruby et Delafond in Extr. du 3. nicinoirc sur le vcr Filaire, qui vit dans le 
sang du chien domesti(|ue, lu ä ['Academie des sciences le 5. -Tanvier 1852. Paris 1852. (Extralt de la Gazette des 

Hopitaux.) 1 — 15. 

Filaria imrnitis Oanis famillaris Leidy: 1. c. A'IIL 55, quondam Filaria Ca7iis cordis Leidy: 1. c. Y. 118. 

Diese Art fällt höchst wahrscheinlich mit der vorhergehen 1.1 on zusammen. Solclie Fadenwürmer Avurdon zuerst zu Paris 
von Gruby und Delafond von einer Länge bis 1" , bei einer Dicke von über Va'"? ^^ geronnenem Plute der rechten Herz- 
kammer, und mikroskopisch klein zwischen den Plutkügelchen von Hunden angetroffen. Nach ilmen ist unter20 25 Hunden 
durchschnittlich einer mit diesen ini lUutc lebenden mikroskopischen Filarien behaftet, deren Gesanimtzalil für ein Indivi- 
duum auf 11,000 bis 223, OOO angenommen werden kann. Drei damit beliaftetc und beobachtete Hunde zeigten epileptische 
Anfälle, zwei davon starben, der dritte seinen, seit einem Jahre geheilt zu sein, obwohl fortwährend die AVürmeruienge sich 
als diescll)e zeigte. DasHntersuchuugsblut wurde durch Aderlass gewonnen. Über einen neuerlichen Fund zu Philadelpliia 
theilt Leidy folgende interessante Notiz mit: Mr. John Jones theiite mir neuerlich zwei Hundeherzen mit. In dein einen 
waren im rechten Ventrikel fünf 5 — 10" lange, Vi.^Vo'" dicke Fihuien. Im anderen waren der rechte Vorhof, die rechte Kam- 
mer und die Pulmonar-Arterie in ihren Verzweigungen durch die Lungen buelistäblich mit solchen L^ilarien ausgestopft. Eine 
Portion Blut dieses Hundes , welche mir Vi v. J o n es gab , enthielt eine grosse Zahl junger Filarien. Hinsichtlich der Symp- 
tome, welche die Gegenwart dieser Würmer im Herzen während des Lebens der Hunde begleiteten, gab Mr. Jones nach- 
stehende Auskunft: Das Herz, welches die fünf Fadenwürmer enthielt, stammte von einem männlichen Foinitr dog^ dessen 
Appetit unersättlich war, sodass er, ob\vohl reichlich gefüttert, sehr mager blieb. Herz und Lungen, welche die grosse 

fr 

Zahl von Würmern enthielten, gehörten einem Cur dorj an, der iinme,r so dürr war, dass er einem Skeiet glich, und es mit 

der grössten Freigebigkeit an Futter nicht möglieh wurde, sein Aussehen zu verbessern. Beide Hunde zeichneten sich durcli 

eine rastlose Thätigkeit aus. Sie starben nicht in Folge der Anwesenheit der Filarien, sondern wurden zum Behufe eines 

pliysioiogischen Versuches getödtet. 

Filaria aeihiopica Felis Jubatae A^ al eri ^i ennes in Oonipt. rend. XLIII (1850) et in Institut. Nr. \ L80. 28(3. 

Filaria flexiiosa Cervi Ela;phi AYedl in Sitzungsber. d. kais. Akad. d. AYissenseh. XTX (I85G). 122 — 126. Fig. I — 7. 

Filaria inflexocaudata iJeljihini Phocaenae Siebold: Lehrb. d. vergleich. Anat. I. Abth. 152 nota (solum nomen). 

Filaria CJlava Cohnnhae dooiesticae ^^ (^iil: l. s. c. 12G — 127. Fig. 8. 

f Filaria duhia 'J)iom.edeae exidantis I^eidy: l. c. YIIL 55. 

Filaria solllaria Emydis serratac et Chclonitrae se^yeniinae Leidy: 1. c. YIII. öG. 

Filaria Gisfudiniä carolinae Leidv: I. c. YIIL 5G. 

Filaria nitida lianae •phpieiitis Leidy: l. c. YIIL 5G.' 

Filaria Arnidiiumae meantis Lcidy: l. c. A'IIL 56. 

Filaria ruhra Lalracis Zmea/^' Leid v: 1. c. YIII. 5G. 

Filaria qiiadrituherculata Ari.guillae vulgaris Lei dy: 1. c. YIIL 5G. 

Aus einem nur unerklärlichen Versehen wurden im Systeme der Helminthen bei dieser Gattung Kudolphl's Filaria 
graeilis und F. Mustelarum irriger Weise in die Abthcilung gebrn<dit, in welcher der Mund bewaflhet ist. Professor Molin, 
Avelcher mich zuerst auf dieses Versehen aufmerksam machte, hatte auf mein Ersuchen die Gefälligkeit, von den in der 
kaiserlichen Sannnlung befindlichen Arten der Filarien die von mir aufgeführten einer Revision zu unterziehen, und wird die 
Lh-gebnisse derselben in einer Monographie dieser Gattung nächstens in den Sitzungsberichten der kaifrcrlichen Akademie der 
Wissenschaften veröffentlichen. 




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Sechzehn Arten von Nematoideen, 



19 



Hah itacu lum : Oj) h is 6- a a ro c ep li alii s : in cavo abdominis , Julia, 
p.oecilosto ma: tnter memhranas oesophagi et pidmonumj Junio. — 



Thaniyiohiu^ 
Boa Constrictor: 

in cavo abdominis^ Jimio^ in Brasilia (Natter er)] sah cute speciei idtimae^ Philadelphiae 
(Ij eicly). 

Nattercr sanintelte von dieser Ai*t zu Mato^rosso am 5. Juni 1828 aus einer männliclien Giboia {^Boa 
Constrictor Nr. 51) z^vci lange Individuen frei aus der Bauchhöhle, die sicii beim xVbsterben ausstreckten; d.n 
zu Borba am 2. Juli 1830 aus einem AVeibcIicn der Boijpeva do Mato (O^lds saiirocej)halusJ drei lange und 
drei kurze Filarien, vom llagcn an über den ganzen Darmcanal hin in dessen Häute durchflocliten , und end- 
lich zu Rio Lianna am 26. Juni 1835 im Tltamnohuts poecilostoraa [Cotaher Nr. 174) ein langes Exemplar 
zwischen den Hauten, die die Lunge und den Schlund verbinden. 



an n 



2. JFiiaria liorrida* 



♦ 



Tal». III. Fig. 1—5 et Tab. IV. F\^. 1—25 fanatom.). 

Os hilahiatam^ lcd)iis antrorsum dilatatis apice trnncatis. Ad latera externa lahiorum utrinque 
Spinae geminae conicae^ interjectis spinidis midtis brevioribas. Corpus longissimimi sidj- 
aequcde^ idrinque sensini attenuatum^ extremitate caudali maris inflexa excavata utrinque 
alata j alis quinquecostatis '^ feminae recta ohtusa. Longit, mar. 1\ crassit. ad T" ^ fem, 

F 

ultra 5'; crassit, ultra l^/^" • 

Fllarla horrlda Dies. Svst. Helm. II. 278. 

Ilabitaculum: Bhea americana: in cavo thoracis^ Februario^ Martin ^ Aprili et Decevibri^ 

in Brasdia (Natter er). 

Diese durch ihre besondere Lange, vcrhiiltnissmässigc Dicke und durch Bewaffnung ihrer Mundlippen 
ausgezeichnete iVrt fand Nattcrer zu wiederholten Malen im N h audio- guagu^ und zwar zu: 

Lages am 4. April 1823 in der Brusthöhle eines Weibchens, zAvci Exemplare; eines derselben von 
V lOi/a" Länge, und ebenda in einem Männchen zwei Exemplare, von denen eines 2' OVa" lang war; 

zu Arica am 21. Decembcr 1823 in einem Männchen sieben grosse und sieben kleine Filarien aus der 
Brusthöhle und unter der TLaut des Schenkels, melii-ere zusammen unter einem Iläutchen; 

zu Cuyaba am 26. März 1824 in der Brusthöhle eines Männchens 23 Filarien frei auf den Lippen in zwei 
Gesellschaften auf jeder Seite; 

j 

zu Caig.ara am 11. Februar 182G viele Fadcnwürmor in der Brusthöhle eines Weibchens, an den beiden 
Wänden der Lippen in zwei Luftsäckcu frei unter einander verschlungen. 

Eine im Jalire 1840 gemachte Zergliederung dieses Fadenwurmes mag hier noch Platz finden, da sich 
die Untersuchung von Owen in dessen Lectures on the compo,rative anatormj and fltysiologij of tJie inverte- 



brate Animah^ 1843, p. 74 nur auf Form und Lage derGeschlechtsorgane eines "Weibchens beschränkt, M'elches 
ihm Natter er bei seiner Rückkehr aus Brasilien in London mitthciltc. 

Die äussere Bedeckung des Körpers ist quer gerunzelt, und auf seiner Oberfläche zerstreut erheben sich 
kurz gestielte tellerförmige Oi'gane, mit einer kleinen Öffnung in ihrer Mitte, welche in die Leibeshöhle 
aiündet (.Stigmata). Fig. 1 und 2. 

Zu den inneren Organen gehört zunächst ein Muskclschlauch, der sich an die innei'C Fläche der allge- 
meinen Bedeckung anschliesst imd aus einer Längsmuskelschichte gebildet ist. 

Die Längsmuskeln bilden vier breite Streifen, zwischen welchen an der Rücken- und Bauchünic eine 
schmale Ihiienfönnige, und an den Seiten je eine breite bandförmige Binde herabläuft. 

An der inneren Fläche der Längsmuskelschichte zeigen sich kleine Kreise, welche wahrscheinlich als 
Mündungen jener die Längsmuskelschichte durchsetzenden Canäle zu betrachten sind, welche von den 
gestielten tellerförmigen Organen nach innen führen. (Fig. 5 und 6. 



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E. 



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20 . K. M. Die sing. 

4 

Was den Verdauungsapi^aj'at betrifft^ so nimmt die lange Scldundi-olire fast den siebenten Tlieil der 
Leibeslänge ein; sie beginnt am Munde ziemlicli cng^ erweitert sieli aber allmüliliclj nacli rückwärts und zei^'t 
in ilireni vorderen Theile eine Einsehnurimg. NaeJi hinten ist sie etwas abgerundet und mündet in den Darni- 
canah Die innere Hölile der Scldundröiire ist durch drei Längsfalten^ welclie gegen den Mittelpunkt zusam- 
menkaufen ^ in drei Fächer gethcilt. (Fig. 13. 

Der gerade und viel engere Darmcanal verläuft in gleichem Durchmesser bis gegen das SchwanzendCj 
und endigt daselbst als kurzer enger Mastdarm mit einer Afteröffnung. (Fig. 7 und IL) 

Die innere Fläche des Darmcanals ist genetzt^ die Lücken dieses Netzes sind rautenfö'rmig und man 
sieht diese Auskleidung von aussen durchscheinen. (Fig. 14 — 16.) 

Ein Gefässsystcm fehlt auch hier wie bei allen Gattungen dieser Unterordnung^ und die jetzt herr- 
schende Ansichtj dass die die verschiedenen Organe speisende Eniährungsflüssigkeit ohne Vermittlung eines 
Gefässsystcmes vom Darmcanal in die Leibeshöhle ausschwitzt^ mag dadui'ch gerechtfertigt sein. 

Der Athmungsprocess scheint durch die oben bei der allgemeinen Bedeckung erwUlmten Ilautporen 
stigmatci)^ welche an der inneren Fläche der Längsinuskclschichte münden ^ vermittelt zu werden. Die als 
Respirationsorgane betrachteten gestielten Bläschen j welche bei mehreren Ncmatoideen von der inneren 
Fläche der Cutis in die Leibeshöhle ragen ^ fehlen hier jedoch. 

Die Geschlechtsorgane anlangend ^ bestehen die männlichen m einer liöhrCj welche die ganze Länge 
des Körpers durchläuft^ an ihrem vordersten unterhalb der Schlundröhre gelegenen Theile gespalten^ In ihrem 
ganzen übrigen Verlaufe jedoch fast gleicliförmig ist^ so dass eine scharfe Abgrenzung der einzelnen Tlieile^ 
nämlich Hoden ^ zuführendes SaraongefäsSj Samenbläschen , und ausführendes Samengefäss nicht nachweis- 
bar erscheint. Diese Geschleehtsrölirc Ist etwas schlaff und daher in ihrem Verlaufe mit dem Darmcanal bald 
auf der eineUj bald auf der andern Seite gelegen; Ihre Ausmündung befindet sich etwas vor dem Schwanzende. 



(Fig. 7—10. 



Die weiblichen Geschlechtsorgane ^ welche mit Ausnahme der Gebärnmtterseheide doppelt 



vorhanden sind; bestehen aus den Eierschläuchen , den Fallopischen Röhren, Gebärmutterhörnern und der 
nach aussen mündenden Gebärmuttcrscheidc. Von den langen fadenförmigen, in die Falloj>Ischen Rohren 
mündenden zwei Eierschläuchen entspringt der eine fast seiner ganzen Länge nach, vielfach um den Darm- 
canal gewundene, in der Nähe des Schwänzendes, der andere im vordersten Viertheile des Leibes; von da 
an läuft der letztere den Darmcanal in wenigen sehr schlaffen Windungen begleitend bis beinahe zum Vor- 
derende der Schlundröhre, kehrt dort zurück und behält diese Richtung wälirend seines übrigen Verlaufes. 

(Fig. 11.) 



Die innere Fläche dieser Eierschläuelie ist auf ähidiche Weise genetzt, wie die des Darmcanals, mit 

oder minder auf der Oberfläche durchscheine]]. 



ujiregelmässlg i-autcnförniigen Maschen , die mehr 
(Fig. 17—18. 

Die Fallopischen Röhren ^), in welche die Eierscliläuche einmünden ^ und von denen die eine in 
der Nähe des Vorder-, die andere niclit weit vom Schwanzende sich befindet^ haben eine kolbenförmige 
Gestalt und gehen mit ihren verschmächtigten Enden in die Spitze je eines Gebärmutterhornes über. Die 
zweihörnige Gebärmutter nimmt den grössten Theil der Köi-perlänge ein. Die sehr L'ingen liörner sind 
cylindrisch, übertreffen an Dicke die Eierschläuelie bei weitem und kommen darin fast dem Darmeanale 

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gleich. Das von der gegen das Schwanzende zu gelegenen Fallopischen Röhre ausgehende Ilorn umgibt 
den Darmcanal im letzten Viertheil der LeIbeslüJige mit zahlreic;hen dichten Windungen und läuft dann 
ziemlich gerade nach vorne hin. Das zweite Ilorn ^ das seinen Ursprung nicht weit vom A^orderende 
hatj läuft ungewunden und ziemlich, gerade nach rückwärts, bis ungefähr ^/,^ der Leibeslänge, wo es 
sich j)lötzlich umbiegt und ziemllcli j)arallel mit seiner früheren Richtung und mit dem anderen ITorn 
nach vorne sich begibt. Li der Höhe des Anfanges der vorderen Hälfte der Schlundröhre vereini- 
gen sich beide Hörner und münden als lange, ziendich gleichförmige nur nach vorne hin etwas ei'- 
welterte Muttorseheide fast hinter dem Kopfende mittelst der weiblichen Geschlechtsöffnung aus. (Fig. 11 
und 12.) 









^) li c ri n Oahriol in seiner Inaugural-Dissertation de CucuVani elegantis evoluiionc. Berlin 1853 mit 3 Tafvln; S. S nennt 
dai? hier als I''allopischc Köhrc bezeichnete Organ bur&a seminalis, behauptet, dass innerhalb desselben die Befruchtung vor 
sich g(dic, und erkiai-t den In das dicke Ende der hiirsa cinmümlruden Schlauc]i für die eigentliche Falloi>ischc Köhre. 



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Sechzehn Arten von Nematoideeyi. 



21 



Die iuaere Fläclie der Gebärmuttcrliörncr Ist genetzt^ aber die Maschen stellen nicht Avle jene der Eier- 

^ 

schlauche die Rautenfonu dar, sondern sind fast regelmässige Yiei-echc; diese Structur, welche durch die 
äussere Bcdcclvinig durchscheint^ setzt sich auch in der Gebärmutterscheide fort (Fig- 19 — 23). Die Eier sind 
von der gewöhnlichen ovalen Form und haben weder Fortsätze, noch Anhänge. In jenen aus den Eierschläu- 
chen gegen die Fallopischc liöhrc hin ^ sowie aus dem Anfange der Gebärmutterhörner erscheint noch die 
Dotterntasse ohne Embryo, während in jenen aus den Gebärmutterhörnern gegen die Scheide hin die Dotter- 
massc sclion gänzlich Acrbraucht und der zusanmiengerollte Embryo sichtbar ist (Fig. 12, 24, 25); 

Vom Nervensysteine wurden zwar weder Gehirn noch Schwanzganglicn aufgefunden, dagegen 
scheinen die beiden zwisclien den Längsmuskelschichten auf der Hucken- und Bauchlinie herablaufenden 
Wülste, so wie vielleicht auch die in den breiten seitlichen Binden liegenden Fäden als Nervenstränge gedeutet 
wei'den zu können. 

Sehr entwickelt sind die fast rechtwinkelig mit doi Länfrsmuskclbündcln auf deren innerer Seite sich 
kreuzenden Quernervenblindel. Diese bilden keine geschlossenen Ringe; gegen die seitlichen breiten Binden zu 



enden sie meist miverästelt, ohne je diese Binden zu erreichen; ihre Enden scheinen sich in der Längsmus- 
kelschielite zu verlieren; die anderen gegen einen der schmalen Wülste gerichteten Enden dieser Quernerven- 
bündel verästeln sich mannigfaltig, ihre Verzweigimgen erreichen den Wulst nicht allein, sondern verbin- 
den sich über denselben mit den entgegenkommenden Verästelungen der auf der anderen Seite des Wulstes 
liegenden Querncrvenbündel, so dass die beiden Wülste wie mit einem Netze zarter Fäden umstrickt erscheinen 

(Fig. 3-6). 



SECTIO II. ACHOPHALLI. 



Penis in extremltate caudali terminalls e bursa utpliirimiim longitudinallter costata s. radiata pro- 
tractiUs^ hctud vaguiatus^ aut vcujiva hlpartita s. dipetalct instructus. 



SCLEROSTOMUM Rubolphl 



Corj)u6' ^abcyluidricum ^ utrinque v. antrorsum v. retrorsum magis attenuatmn. Caput subglo- 
hosiim. s t/n-nimale orJjicidare^ Uniho annulari suhcorneo^ dentato v. papiüoso. Extremitas 
caudalis marls Lursa terminali integra vel lohata^ multlradtata^ pene in vagina bipartita 
s. dipetalii] femJnae rectci] aperfurct genitalis in anteriore v, posteriore corporis parte] 
ideriis bicoriiis, — MaramaUum et avium endoparasita^ in intestinis nee non et aliis organis 



obvia. 



1. Scierostoniutn dispar. 

Tab. m. Fig. 6—14. 

Caput subcjlobosuiitj os limbo orbiculari obsolete papilloso. Corpus rectum sidjaequale^ sanguineo- 
rubrum- bursa maris transverse elüpüca antice excisa^ utrinque trir ad lata j extremitate candali 
ninae rotundata cmice mucronata , apertura qenitali in anteriore corporis j) arte. Copula 



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■12" , crassit. 



1 I in 

2 



Sclerosioinum dispar Dies. Syst. Helm. II. 303. 



II ah itaculumr. Felis concolor : in trachea^ Junio^ in Brasilia (Natter er). 

Von dieser durch den Grössenunterschied zwischen beiden Geschlechtern ausgezeichneten Art fand 
Natterer nur einmal zu Registo do Jauru am 29. Juni 1826 in der Luftröhre eines männlichen Ciigtiar 
mehrere Individuen, darunter einige in der Begattung; im lebenden Zustande waren sie blutroth mit durcli- 
scheinenden weissen Oi'iranen. 



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22 



K. M, 1) l e s i n g . 



2. Scierosiomum monostiehum char. emendat. 



Tab. IIl. Fig. 15—24. 



Caput heniispltaericum trimcatwn- oris limho denm dentlculato. Corpus rectum iitrinrjue scnsim 
atteniiatum^ hursa maris ventricosa^ late exdsa , radus dorsaUhus daohus rarals utrlnque 
trlbiis itnäateraUbiis suhliorlzontalihas , radüs lateraUbns externi.s bipartitis^ medianls 
tripartitk] extremüate caiidaU feininae apice suhidata, apertwa qentali mvra caudae avicem. 



Co p lila sub angulo obtuslssimo admlsHCi. Longa, mar. 5 



crassit. 



1 1 III 



7"\ crassit. '/;'■ fem. 8^-10" 



Scleroslomum iuonosiichuui Dies. Svst. Hebn. 11. aOO. 



Ilabltaculum: Tapirus americanus: in intestmo coeco ^ Aprlll et Septemlrl^ in Bra.siUa 

(Natter er). 

Von Natter er in den Blluddärmen von vier Männchen und drei Wcil>clicn des amerlkanisclien Tawirö 
an Iblg-cndcn Orten gefunden: 

Ytarare am 10. August 1820 in eineni Männchen. 



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Barra do Rio de Jaguaricatu am 8. April 1821 In einem Männchen und einem Weibchen , darunter zwei 



Paare in der Begattung. 



Matogrosso im April 1829 in einem Männclien. 

Caclioeira do Bananeira am 1. September 1829 in einem Weibchen; und am 4. September 1829 in einen 
Männchen über dreissig Individuen. 

Forte do Rio branco 1835 in einem Weibchen. 



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Bei Allen in grösserer Anzahl. 



STRONGYLUS Müller chae. reform. 



-fi^^ß: 



corpore continuum iiudum, rariiis alatum. Os terminale orbicidare limbo liaiid corneo^ nudo 
V, papulosa, Extremita s caudalis maris bursa terminaU Integra, excisa v, bi-, tri- aut 



multiloba midtiradiata exappendiculata , 



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fiü^fi 



biparüta s. dipetala; 



apertura genitalis antrorsnm, rarius retrorsum sita; aterus bicornis, Ovi~ 



para v, vivipara. — Mammaliuvi et avium rarius ampldbiorum endoparasita , in intestinis 
nee non et in aliis organis obvia. 



Strongylu^ ionge^uginafus. 



Tab. III. Fig. 25 -at. 



Gajput tnmcato-Gonicum kaud alatum: oris limho papillis 4—6 cincto. Cor 



-fi 



'ifl, 



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'p US suhae- 
'tum; extre- 
liato. radiis 



exiernis simpUciLus^ medianis interdum bipai-titis; vaginae penis petalis longissimis line- 
aribiis, dimidiae fere corporis longitudinis , aurantiacis ^ transverse tenaissimp striatis: 



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SechzeJm Arten von Nematoideen 



23 



feminac ajyice mucronata^ apertara genitall supi^a caudae apiaem, — Viviparun. Longü. 



mar. G^-7"\ crassit. y/";/e??^. ad T\ crassit. 



1 / I" 

3 



Sirongylus longevaghia/u^ Dies. Syst. Helm. It. 317 et 279 CFilarla Hominis hroncldalls). 

diabitaculum: Homo: in pidinomim parencliymate (Jovitsits). 

Dr. Paul JovitsitSj jetzt k.k. Ober-Stabsarzt und Chef- Arzt des Garni.son-Spitals zu Gratz^ fand diesen 
durch die besondere Länge der Penisscheide so merkwürdigen Pallisaden-wunn im Jalire 1845 zu Kh^iiisen- 
burg in Siebenbürgen in der Limgensubstanz der LeicJie eines sechsjährigen^ an einer niclit genannten Krank- 
heit verstorbenen Knaben in vielen Exemplaien , von welchen er sowohl freie als noch im Parenchvm von 
Lungentheilen eingebettete meinem hochverehrten Freunde Rokitansky mittheilte, der sie mir zur Veröffent- 
lichung gefälligst übergal). 



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24 



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TAFEL II. 



Fig. 



-7. 8piro])tera Serxjentulus Falconis melanopis. 1. Münnolicn, 2. Weibchen in natih-licher Grösse; 3. und 4. dio- 

selben 12mal vcrgrüssei-t; 5. Vorderende mit den linieniunnigen Seitenflügeln; G. männliclics lialbspirales Scliwau/.- 

ende mit den beiden Seitenflilgclnj deren jeder drei Kipi^en zeigt; 7. weibliclies stumpfkegeliormiges Schwänzende. 

Fig. 5 — 7 24mal vcrgrössert. 

Fig. 8—16. Spiroptera echinaia Mergi Albclli. 8. M-ännchcnj 9. Weibchen in natürlicher Grösse; 10. und 11. dieselben 

8nial vergrössert. Jcderseits entspringt hinter dem Ende der Seitenflügel eine Reihe einfacher, etwas gekrümmter 
Stacheln, welche sich etwas über die Mitte des Leibes erstreckt. 12. Yordercndc mit den fünf Mundwarzchen von der 
Seite, den beiden linienförmigen Seitenflügeln und den hinter denselben liegenden Anfangen der Stachelreihen. 13.Yorder- 
ende mit den fünf Wärzchen gegen die MiindöfTnung zu gesehen. Fig. 12 und 13 IGmal vergrössert. 14. Ein Stück des 
Leibes mit den beiden Stachclreihen, 32mal vergrössert; 15. männliches eingerolltes Schwänzende mit den schmalen 
Miigeln; 16. weibliches gerades Schwanzende. Fig. 15 und 16 IGnial vergrössert. 
-28. Physaloptera mucronata Ohampsae nigrae. 17. Junges Männchen; 18. junges AVeibchen; 19 und 20. beide 
Geschlechter in erwachsenem Zustande. Fig. 17—20 in natürliclier Grösse. 21 und 22. dieselben 2mal vorgrössert ; 



Fig. 17 



ERKLÄRUNG DER TAFELN. 



TAFEL I. 




Fig. 



1—6. 



\ 



Oxguris olesa Tlydrochoeri Capyharae. 1. und 2. weibliche Individuen in natürlicher Grösse; 3. eines der- 
selben 3mal vergrössert mit den durchscheinenden inneren Organen, unter w^elclien sich namentlich die vielfach gewun- 
denen Eierschläuchc auszeichnen; 4. Smal vergrössertes Yorderende. Am Munde zeigen sich drei AVär/chen von der 
Seite und durch die allgemeine Bedeckung wird die kurze enge Scldundrohre und der Anfang des viel dickeren Darm- 
canals sichtbar; 5. und 6. zwei Ansichten von ICopfendeuj gegen die Mundöflaung zu gesehen, lömal vergrössert. 
An einem sind drei, an dem anderen vier Mundwärzchen sichtbar. 
Fig. 7 — 13. Ascariä lieteroplGra Ihls alblcollis. 7. Männchen, 8. AVeibchen in natürlicher Grösse; 9. Yorderende; man sieht 

an einer Seite den schmalen, kurzen, geraden, an der anderen i\.Q,n langen, nacJi rückwärts zu verbreiterten, hinten abge- 
rundeten, etwas gewundenen Flügel herablaufen; 10. eine Ansicht, auf welcher blos der längere Flügel crbchcint. 
Fig. 9 u. 10 4mal vergrössert. 11. Kopfende, %^'g'i'^ die MundöfTnnng zu gesehen , Smal vergrössert. In der Mitte stehen 
die drei abgerujideten Mundlippen und jederscits sieht man den Anfang eines der Flügel sich herabziehen. 12. männ- 
liches gekrümmtes, 13. weihliches gerades Schwänzende; beide 4mal vergrössert. 
Fig. 14 — 17. Ascaris lonchoptera ElepJtaniis indici. 14. Weibchen in natürlicher Grösse; 15. Yorderende mit den grossen 

abgerundeten Mundlippen in seitlicher Ansicht und den beiden halblanzettförmigen Seitenflügeln ; 16. die drei Mund- 
lippen gegen die Mundöffnung zu gesehen; 17. das spitzkegelformige Schwanzende. Fig. 15 — 17 Smal vergrössert. 
Fig. 18 — 23. Asearis macroptera Cliampsae nigrae. 18. Männchen, 19. WelbcJien, beide in natürliciier Grösse; 20. Yorder- 
ende mit den eiförmigen Mundlippen und den halbciförmigen grossen Flügeln; 21. die Mundlippen gegen die Mund- 
Öffnung zu gesehen; 22. männliches eingebogenes Schwanzende der schwach gekrümmten Penisscheide; 23. weib- 
liches gerades Schwänzende. Fig. 20—23 an Smal vergrössert. 



Fig. 24 



30. 



Asearis llysirix Podoeotemidi s eryihrocephalae. 24. Männchen, 25. Weibchen, beide in natürlicher Grösse; 
26 und 27. dieselben IGmal vergrössert; 28. Vorderende mit den abgerundeten unbewaffneten Mundlippen und dem 
Anfange der Stachelreihen, 32mal vergrössert; 29. ein Stück des Körpers aus der Mitte, um die Anordnung der Stacheln 
ZU zeigen; 64mal vergrössert; 30. männliches gekrümmtes Schwanzende mit der unbewaffneten kegelförmigen Spitze 
und der Penisscheide; G4mal vergrössert. 
Fig. 31 — 38. Spiroptera hamulosa Phasiani Galli. 31. Männchen, 32. Weibchen in natürlicher Grösse; 33 und 34. dieselben 

Smal vergrössert; 35. Yorderende mit den Mundwärzchen in seitlicher Stellung; 36. Kopf ga^Q^n die Mundöfl'nung zu 
gesehen mit den zahlreichen Wärzchen; 37. männliches Schwanzende in eine Spirale von zwei Windungen gedreht mit' 
den linienförmigen Flügeln; 38. das weibliche, gegen die Spitze zu hakenförmig gekrümmte Schwänzende. Fig. 35 — 38 
ISmai vergrössert. 



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Fig. 37 



SechzeJm A7'ten von Nematoideen. 



25 



23. Vorderende mit iien Mundlippen, von der Seite; 24. derselbe Tlieil gegen die MundufTnung hin gesehen mit den 
abgerundeten, in der Mitte ausgcrandeten Lippen; 25. Theil des Leibes eines "Weibchens mit der Geschlcchtsöffmmg. 
JJiese liegt in der Mitte einer Querfurche, welche {Iqm breiton angeschwollenen King, der die Geschlechtsöffnung umgibt, 
in der Mitte durchlauft. 2G und 27. männliches, etwas gebogenes Schv,;iiizrnde mit den Union förmigen verdickten 
Seitenflügeln, an welcJicn keine Rippen zu bemerken sind; 2S. weibliches gerades abgerundetes Schwänzende mit dem 
spitzkegeligen Fortsatze. Fig. 23 — 28 l'2uial vergrössert. 

Fig. 29—30. 0%ihiostomum amphiacanthum Lemoni dasyfrichi. 29. "Weibchen in natürlicher Grösse; 30. dasselbe Ömal 

vergrössert. Man sieht die unweit des Kopfes entspringende und längs der Rückenseite herablaufende lange Stachelreihe, 
so wie eine der beiden seitlichen weiter herab ent'^pringrnden, daher kürzeren Scitenreihen. 31. A^orderende mit dem 
Anfange der Rückenstachelreihe; 32. Schwanzende mit den Ausläufen aller drei Reihen. Fig. 31 und 32 16mal ver- 
grössert. 33. Kopfende mit den beiden durch eine dünne Haut verbundenen Lippen und den darauf sitzenden Knöpfchen 
in Seitenansicht, 12mal vergrössert; 34. Kopfende gegen die MundötTnung zu gesehen. Die gleichen, vorne ausgcran- 
deten, viel breiteren als langenLippen tragen jo zwei in ziemlicher Entfernung; aber in einer Reihe liegendeKnöpfchen. 
35. zweilippiges Schwanzende; die obere Lippe ist verdickt und abgestutzt, die untere llüigcr, flachgedrückt, abgerundet, 
am Ende mit einem stachelförmigen Fortsatze versehen. Fig. 33—35 ()4mal vergrössert. 3G. Theii der Körperhedeckung 
mit zweien der starken, rückwärts gerichteten, etw^as gebogenen Stacheln; 256nial vergrössert. 
-44. TTichoce;phalv.s subspio^alls Ba&ijpodis tricincti. 37. Männchen, 38. AVeibchen, beide in natürlicher Grösse; 
39 und 40. dieselben 2mal vergrössert; 41. Kopf mit dem Anfange des langen haarförmigen Halses, 4mal vergrössert; 
42. Theil eines AVeibchens, um die Lage der weiblichen Geschlcchtsöffnung am Grunde des Halses zu zeigen; 43. männ- 
liches, in eine halbe Spirale gewundenes Schwanzende mit der äusseren becherförmigen gestachclten Penisscheide, aus 
welcher die innere röhrenförmige hervorragt. Fig. 42 und 43 8mal vergrössert. 44. männliches Schwanzende, 12mal 
vergrössert, um die Bestaclielung der äusseren Penisscheide zu zeigen. 

Fig. 45 — 50. FllarUx hlspliiosa Ophidis saurocephali. 45. Männehen, 40. AVeibchen, beide in natürlicher Grösse ; 47. A^order- 

ende mit den vorne abgestu/.ten Lippen, welche in ihrer Mitte je einen kegelförmigen, rückwärts gebogenen Dorn tragen, 
in Seitenansicht ; 48. Yorderende gegen die Mundöffnung hin gesehen, wobei beide Dornen sichtbar werden; 49. männ- 
liches spitzes, 50. weibliches stumpfes Schwanzende. Fig. 47 — 50 an Smal vergrössert. 



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Fig. 6—14. 



TAFEL III. 

Filaria hurrida Hheae americanae. 1. Männchen. 2. AVeibchen, beide in natürlicher Grosse; 3. 4. 5. Vorder- 
enden, 4, 8- und Ifimal vergrössert, mit den zwei nach vorne verbreiterten und am Fnde abgestutzten Lippen und 
jederseits derselben den Paaren kegelförmiger Stacheln, zwischen welchen viel kleinere zerstreut liegen. 
Sclerostomum dispar Felis concoloris. 0. Männchen undAA^eibchcn in der Begattung, unvergrössert; 7. dieselben 
3mal vergrössert; S. ein freies Männchen und 9. ein solches AA'"eibchen, beide Gmal vergrössert, mit durchscheinenden 
inneren Organen; 10 — 12. Ansichten des Vordereudes mit dem durchscheinenden A''erdauungsapparate ; 13. männ- 
liches Hinterendc mit dem quer-elliptischen Schwanzbeutcl, welcher unterhalb ausgeschnitten und jederseits von drei 
Strahlen durchzogen ist. Fig. 10— 13 24mal vergrössert. 14. weibliches abgerundetes Scliwanzende mit dem stachelarti- 
gen Fortsatze, 12mal vergrössert. Man sieht das durchscheinende Ende des Darmcanals und die Öffnung desselben 
nach aussen. Die AVürmer waren im Leben blutroth. 

Fig. 15—24. Sclorosiomum moJiost ichum Tapiri americani. 15. Männchen, 16. AVeibchen, in natürlicher Grösse; 17. und 

18. dieselben 4mal vergrössert. Ersteres zeigt den am Schwanzende liegenden Beutel, letzteres das pfriemenförmige 
Schwanzende mit der nicht weit darüber liegenden Geschlechtsöffnung. 19. A^orderende mit dem dicht gezähnelten Mund- 
rande mehr seitlich gesehen; 20. dasselbe gerade gegen die Alundöffnung hin gesehen; 21. männlicher Schwanzbeutel 
von der Seite; 22. duiüulbc von oben; 23. derselbe von unten gesehen. Fig. 19—23 16mal vergrössert. Der bauchige, 
unterhalb w^eit ausgeschnittene Schwanzbeutel zeigt zwei Rückenstrahlen, von welchen nach jeder Seite hin drei fast 
wagerechte Seitenstrahlen auslaufen, von w^elchen die äusseren in zwei, die beiden mittleren in drei xiste sich spalten. 
Fig. 21 und 23 zeigen auch die langen schmalen Penisscheidon. 24. ein Paar in der Begattung, unvergrössert. 

Fig. 25—31. Stronrji/lics longevaglnatus Hominis. 25. MänncheUj 26. AVeibchen, beide in natürlicher Grösse ; 27. und 28. 

beide Geschlechter an S Mal vergrössert; 29. A^orderende eines Männchens mit den Mundwärzchen und der durchschei- 
nenden Schlundröhre, 32mal vergrössert; 30. männliches Scliwanzende an 48mal vergrössert. Der Beutel ist glocken- 
ähnlich, zw^eilappig, jeder Lappen von drei Strahlen durchzogen, deren äussere einfach, die beiden mittleren aber zwei- 
theilig sind. Die goldgelben Penisscheiden sind von ausserordentlicher Länge, linienförmig und sehr fem quergestreift. 
31. weibliches Schwänzende mit dem spitzen Fortsatze am I^nde und der nicht weit von letzterem gelegenen Geschlechts- 
ÖH'nung. Man sieht die Eier mit den darin befindlichen jungen AA^ürmcrn durchscheinen, an 48mal vergrössert. 



Fig, 



TAFEL IV. 



Anatomie der Filaria horrida. 



X~25. 1. ein Stück der äusseren quergerunzelten Körperbedeckung mit den darauf verLheilten tellerförmigen Organen, an Smal 

•grössert; 2. ein Stück dieser Ilautbedeckung, an 32mal vergrössert,. mit zweien der erwähnten Organe, um die Form 



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derselben deutlicher zu zeigen; 3. ein Tlicii des die Lcibeshölile einschlicssenden MuskelscIdauclieSj aufgcsclmitten und 
ausgebreitet, so dass seine innere Fläclie sichtbar ist. Die Figur zeigt die von zwei schmalenj an der Rücken- und 
Bauchseite gelegenen, so wie von seitlichen breiten Wülsten unterbrochene Ijängsmuskelschiehte. Die beiden drehrunden 
Wülste und vielleicht auch die in den seitlichen Binden liegenden Fäden dürften als Nervenstränge zu betrachten sein. 

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Innerhalb der Längsmuskelschicht mit derselben sich kreuzend sieht man die Quernervenbündel. Die Figur ist an 
2GmaI vergrösscrt. Über jedem der schmalen Wülste sieiit man eine Art von Netz, das durch die Verästelungen der 
beiderseitigen Quernervenbündel gebildet wird. 4. ein Theil des aufgeschnittenen Muskelschlauches mit einem Längs- 
wulstj den beiden jederseits sich erstreckenden Theüen der Längsmuslcelschicht und den darüber liegenden Quernerven- 
bündeln, so wie den die Schiehtentlicile begrenzenden Seitenbinden, an 41mal vergrÖssert. Fig. 3 und 4 pmd von 
einem männlichen Individuum genommen. 5. der zwischen einem Wulst und einer Binde gelegene Theil des MuskeF 
Sackes mit den imverästelten, die Binde nicht erreichenden Quernervenbündeln, an 48mal vergrössert; 6. ein ähnliches, 
aber nicht bis zur Binde reichendes Stück des Muskelsackes, welches die gegen den Wulst hin gerichteten Verzweigungen 
der Qucrnervenbündel zeigt, an G4mal vergrössert. An dieser und der vorhergehenden Figur sind zwischen den Quer- 
nervenbündeln kleine Kreise sichtbar, welche wahrsclieinlich als Mündungen der von den tellerförmigen Organen nach 
innen führenden Canäle zu betrachten sind. Fig. 5 und G sind von einem AVeibchen genommen. 7. ein der Länge nach 
aufgeschnittenes Männchen, um die Lage des Verdauungs- und männlichen Geselilechtsapparates zu zeigen, y^mal ver- 
grössert. An ersterem unterscheidet man die dickere, verhältnissmässig ziemlich lange Schlundröhre und den viel 
dünneren gleichniässigen Darm. Der letztere begleitet die GeschleclitsrÖhre, von ihrem Hervortreten unter der Sclilund- 
röhre an, seiner ganzen Lange nach bald auf dieser, bald auf der anderen Seite hin und her geschlängelt. 8. aufge- 
schnittenes vcrgrösscrtes Vorderende eines Männchens mit der dasselbe in der Mitte durchlaufenden Schlundröhre, unter 
welcher in einiger Entfernung vom Munde die männliche GeschleclitsrÖhre hervortritt, an 3mal vergrössert; 9. ein 
ähnliches, aber kürzeres Vorderende, an Gmal vergrössert. Die SchlundrÖhre ist entfernt worden, um die darunter 
liegenden zwei Aste, in welche sieh der Anfang des Hodens spaltet, zu zeigen. TO. männliches Schwanzende, an welchem 
die Äusmündungen des Darmcanals so wie der darüber liegenden GeschleclitsrÖhre zu sehen sind, an 12mal vergrössert; 
11. ein der Lange nach aufgeschnittenes Weibchen, um die wechselseitige Lage der inneren Organe anschaulich zu 

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machen; die Bauchseite ist nach oben gekehrt; Vamal vergrössert. Die Mitte der Leibeshöhle nimmt der von einem 
Ende zum anderen sich erstreckende Verdauungsapparat ein. Nicht weit vom Schwanzende beginnt der eine faden- 
förmige Eierschlauch und mündet nach vielfältigen, den Darmcanal umfassenden Versclilingungen in die kolbenförmige 
Fallopische Röhre. Letztere geht unmerklich in das Gebärmutterhorn über, welches den hinteren Tlieil des Darmcanals 
in dichten Windungen umgibt, im weiteren Verlaufe aber ziemlich gerade nach vorne sich begibt. Der andere Eier- 
schlauch entspringt im vorderen Theilc des Leibes, läuft nach vorne bis fast zum Alunde, biegt sich dort um und begibt 
sieh in die Fallopische Rohre. Von dieser aus läuft das zweite Hörn nach rückwärts bis ungefähr drei Viertheile der 
Leibeslänge, kehrt dann zurück und geht ziemlich parallel mit seiner früheren Richtung und mit dem anderenllorne nach 
vorne. Oberhalb der vorderen Fallopischen Röhre vereinigen sich beide Gebärmutterhörner in die Seheide, welche als 
Geschlcchtsöffnung unweit des Koi>fendes nach aussen mündet. 12. die Anordnung der inneren Organe am Vorderende; 
die Bauchseite nach oben gewendet; an. Gmal vergrössert. Oberhalb mündet die am Ende verdickte Scheide nach 
aussen, vorne ist die Muudöfihung der unterhalb der Scheide liegenden Schlundröhre, unter welcher der Eierschlaueh 
seine Biegung vollbringt. Man sielit die körnige Dottel-raasse durch die Bedeckung desselben durchscheinen. 13. ein 
Querdurchschnitt der SchlundrÖhre in ihrem hinteren Theile mit den sie in drei Fächer thcÜenden Längsfalten, an 24mal 
vergrössert; 14. ein Stück des Darmcanals aus der Nähe der Ausmündung, an lomal vergrössert; 15. ein Stück 
desselben Organes aus dem letzten Viertheile genommen, von seiner inneren Fläche, an SGmal vergrössert; 16. eiji Stück 
der inneren Auskleidung desselben mit dem deutlieh ausgeprägten Rautennetz, an 98mal vergrössert; 17. ein Stück 
des vorderen Eierschlauehes im Anfange seines A^erlaufes, an 35mal vergrössert; die durchsebeinendc innere Fläche 
ist unregeliuässig genetzt. 18. Ursprung des hinteren Eierschlauehes mit deutlich ausgeprägtem inneren Netze, an 26mal 
vergrössert; 19. ein Stück des vorderen Gebärmutterhorns nicht weit von der Fallopischen Röhre, an Lomal vergrössert; 
20, 21, 22. Theile des vorderen Gebärmutterhorns. aus verschiedenen Stellen seines Verlaufes, in i-mtürlicherRcihenfolge 
von der XJmbiegung gegen die Seheide Irin fortschreitend; 22 nicht mehr weit von der Scheide entfernt, 20 und 22 an 
15mal vergrössert. Das Fragment 21 ist aufgeschnitten, so dass man die gegitterte innere Fläche, welciie bei den (ihrigen 
nur durchscheint, deutlich sehen kann. Man sieht auch zahlreiche, das Hörn erfLUleude Eier. Fig. 21 an 30mal ver- 
grössert. 23.A^crcIingiingsstelle der beiden Gebärmutterhörner und Anfang der Gebärmutterscheide mit durchsclieinendem 
Gitter, an 15mal vergrössert; 24. Eier aus dem Gebärmutterhorn nicht weit von der Fallopischen Röhre, von der Fig. 19 
abgebildeten Stelle, an lOOmal vergrössert; 25. fast entwickelte Eier aus dem Ilorne nahe am Ursprünge der Scheide, 
von dem Fig. 22 dargestellten Orte, mit dem /.usaniruengekrümmten Embryo, an 200nial vergrössert. 




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DAS 



SYSTExl DER MILCHSAiTCÄNGE IN ALI8MA PLANTAGO, 



Von 



1)^ FßANZ üNrrP]R, 

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



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t)lLi/b 2- Safef^tt. 



VORGELEGT IN BEK SITZUNG DER MATHEMATJSCII-NATrRWlSSENSOHAFTI.ICHEN CLASSE AM 16, OCTOBER 3856, 

Mit Recht galt die auf der letzten Tafel der Phytotumie von F. J. F. Meyen gegebene 
IXarstellung des Gefässsytems der Lebenssaft- oder Milchsaftgcfässe im Blatte von Älisma 
i'lantago als die gelungenste, die man bisher von den Michsaftgefässen kannte. Da Meyen 
ȟt freier Hand zeichnete und sich nicht jeuer Hilfsmittel bediente , wodurch wir nunmehr im 
Stande sind , mit Leichtigkeit exacte Bilder von mikroskopischen G-egenständeu zu erlangen, 
so kann man auch nicht erwarten, dass die Grössenverhältnisse darin genau getroffen und 
iiielit manches hinzugekommen oder hinweggelassen wurde, was zur Vollkommenheit 



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-Bildes unuma-äno-lich nothwendi«- ist. Hätte Meyen ferner, wie ich es jetzt mit Vortheil zu 
tliun pflege, den untersucliten Gegenstand mit Wasser iiijicirt und ilni dadurcli durclischeinig 
gemacht, so hätte er zur Erkenntniss jenes Gefässsystcms nicht nöthig gehabt sich des Messers 



ZU bedienen, und er hätte wahrscheinlich so Avie ich auf den ersten Bh'ck gewahrt, dass im 
Blatte von Aliswxi Tlantago nicht ein, sondern zwei über einander liegende Netze von Mikdi- 
saftbehältern vorhanden sind. Plätte endlich Meyen nicht versäumt, mit dem der Fläche 
parallelen Schnitte auch einen auf dieselbe senkrecht geführten zu vergleichen, so würde er 
gesellen haben, dass der Bau dieser Milchsaftgcfässe von dem Baue anderer Milchsaftgcfässe 
^vesentlich abweiche und dadurch ein Bedenken erregt haben,' ob dieselben in der That zu den 

Milchsaftgefässen zu zählen seien. 

Wenn wir o-eo-cnwärtig als Milchsaftgefässe nur solche mit eigenartigen Säften erfüllte 
Canäle bezeichnen, die eine eigene Gcfässhaut besitzen, so gehören die Milchsaft führenden 
Gebilde des Alisma Tlantago nicht hieher, indem Aveder durch das anatomische Messer noch 
durch Anwendung von Atzkali eine Gcfässhaut dargestellt Averden kann. Dagegen findet sich 
im Baue derselben eine überraschende Ähnlichkeit mit dem Baue anderer milchsaftführenden 
Behält 
Nauien der Milchsaftgänge bezeichnete. 



er, namentlich jener von Ulms und MamiUaria, welclie man s 



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Ich gestehe offen, dass ich bis jetzt selbst in dem Irrthume befangen Avar, als gehörten 
die Milchsaft entlialtenden Gebilde des Allsma 7a\ den Milchsaftgefässen, Avill meinen Fehler 
jedoch dadurch gut machen, dass ich mich bestrebe den ganzen Zusammenhang dieser eben 
so schönen als auffallenden gefässartigen Bildungen darzustellen, was mir mit Beihilfe von 
einigen Zeichnungen hoffentlich gelingen wird. 

Durchschneidet man einen solchen Milchsaftbehälter aus was immer für einem Theile des 
Froscldöffels , so wird man denselben aus mehr oder minder zaldreichen, in einem Kreise an 
einander gereihten höchst dünmvandigcn, engen, langgestreckten, also cylindrischen oder pris- 
matischen Zellen gebildet finden, innerhalb dessen Kreises eine ölige, mit andern Bestand- 
theilen zu einer Emulsion vereinigte Flüssigkeit ergossen ist. Diese Beliälter sind nach der 
Anzahl der sie constituirenden Zellen bald enger, bald Avciter. Von C Zellen, welche die eng- 
sten derselben bilden, gehen sie bis zu 40 und mehr, welche die w^eitesten zusammensetzen. 
Alle diese Behälter liaben eine gewisse Längenerstreckung, verzweigen sich und stellen 
auf diese Weise eben solche Gänge dar, wie das andere Ol-, Flarz-, Gummi- u. s. w. 
führende Gänge thun. In der Ecgel vereinigen sich die Z^veige nachbarlicher Gänge unter 
einander und bilden Anastomosen. Solche Anastomosen sind im Wurzelstücke und in den 
Blättern häufiger als im Schafte, den Blattstielen und anderen stielförmigen Körpern, in 
welchen ersteren dadurch ein schönes Netz dieser Gänge hervorgebracht wird. Wo mehrere 
'jweiire zusammentreten, erscheint immer eine Erweiterung, welche ich als Cisterne 



bezeichnen wilL 

Dass diese gefässartigen Organe in der That jeder eigenen Haut, die den Milchsaft- 



o^efässen olnie Ausnahme zukommt, entbehren, w^rd durch Kochen mit Ätzkali bestätigt. Während 
dasselbe wahre Milchsaftgefässe stets aus dem Zusammenhango mit den begleitenden Zellen 
' bringt und deren eigene Wandungen ersichtlich macht, lösen sich hier im Froschlöffel alle 
Zellen, welche den Milchsaftgang umgeben, wobei derselbe aber auch zugleich verschwindet 
und seine Lage nur aus dem vom Kali unveränderten Ole erkennen lässt. 

Betrachten wir nun den Zasammcnhang und die Vertheilung dieser Milchbchäher von 



der AVurzel bis zur Blüthe. 



In den Adventivwurzeln, denn nur diese sind in der erwachsenen Pflanze vorhanden, 
finden sich keine Milchsaftbehälter. Dagegen sind sie im Ehizomc in grosser Anzahl vorhanden, 
verzweigen sich nach allen Bichtungen, hängen unter sich zusammen und bilden so ein Netz 
von Gefässen, das durch alle Theile desselben, jedoch in zahlreicheren Verzweigmigen gegen 
die äusseren Theile, vorhanden ist. Sic begleiten die Gefässbundel nicht oder nur auf kleine 
Strecken und sind daher von denselben ganz und gar unabhängig. 

Ihr Lumen ist bedeutend; die sie bildenden Zellen weichen nur wenig von Parenchym- 
zcUcn des angrenzenden von Luftcanälen durchzogenen Gewebes ab. Wenigstens sind es 
7--12 Zellen, die den Umkreis eines Ganges bilden. Diese ^Milchsaftgänge des Ilhizonfs 
strotzen von einem weissen Safte, der näher betrachtet aus grösseren und kleineren Ol- 
tröpfclieii und einer ungefärbten Flüssigkeit bestellt. Äther allein ist im Staude das Ol zu lösen. 

Fig. 12. 

Im Schafte und in seinen Zweigen finden wir die Milchsaftgänge schon auf das Regel- 

mässigstc vertheilt. Die kleineren derselben sind in dem Kindenkörper zertreut, die grösseren 

begleiten die Gefässbundel, an deren inneren Seite sie sich anlegen. Häufig ist der Inhalt dieser 

Gänge verdickt und nimmt einen kleineren Raum ein als im vollkommen flüssigen Zustande, 



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Das System der Milchsaftgävge in Alisina Flantago. 



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Avesslialb man stellenweise in denselben Luft findet und bei niclit sorgfältiger Untersuchung sie 

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wohl gar mit Luftcanälen verwechseln könnte. 

Fig. 1 gibt einen Querdurchschnitt eines älteren Schaftes an der Stelle, wo er aus dem 
ßliizome hervortritt, Fig. 2 ist ein ähnlicher Schnitt aus einem jüngeren Zweige. Während 
jener ganz von Zellgewebe erfüllt ist, hat sich In diesem bereits eine Luftlücke an der Stelle 
des Markes ausgebildet. Aus der 110 Mal vergrösserten Darstellung eines Randstückos von 
Fig. 2j welches in Fig. 3 dargestellt ist, ersieht man in dem chlorophyllhältigcn Zellgewebe 
>cwei kleinere Milchsaftgänge cc , nach innen zu an der Grenze des Eindenkörpers an den zwei 
kleinsten oberflächlichsten Gefässbündeln^/^ ebenfalls zwei^v, und an dem grösseren Gelass- 
bündel ^ noch einen dritten grossen Milchsaftgang ^^ Ein durch diesen grösseren Gefässbündel 
.-eführter Längenschnitt (Fig. 4) setzt es ausser Zweifel, dass dieses Gebilde kein Luftcanal, 



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'Sondern ein Ol- oder Milchsaftgang ist. 



Wie die Gefässbündel unter sich in Verbindung stehen, eben so sind die dieselben beglei- 
tenden Ölrän^e mit einander verbunden. An den äusseren Milchsaftgängen der Rinde lungegen 



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ist man im Stande, abgesehen davon auch hie und da Anastomosen, welche sie unter einaiider 

in Verbindung setzen, zu gewahren. 

Mit eben so grosser Eegelmässigkeit sind diese Gebilde im Blatte vertheilt. Im Blattstiele, 
der fünf otossc innere und eine grössere Anzahl peripherischer kleinerer Gefässbündel in 



einem äusserst lockeren von Luftcanälen ganz und gar erfüllten Gewebe enthielt (Fig. 5), sind 
die Milchsaftgänge Avieder allenthalben zu finden. Die grösseren begleiten Avieder wie früher 
die Gefässbündel, die kleineren sind allenthalben in den Wänden der Luftcanäle zerstreut, wie 
das aus Fig. 6, welche einen Gefässbündel mit dem angrenzenden Gewebe im Querschnitte 
'larsteilt, deutlich zu ersehen ist. In den kleineren Blättern der ganz jvnigen Pflanzen 
sind die Milchsaftgäncre leicht zu übersehen, in den grösseren ist es kaum mehr möglich. 
Zur Verdeutlichung der Lage dieser Gänge im Gegensatze zur Verthcilung der Gefässbündel 
liabe ich zAvei Blätter einer ganz jungen Pflanze des Frosclilöffels gCAvählt und dieselben 

veroTÖssert in Fio*. 8 und 9 dargestellt. Im linienförmigen Blatte finden sich nur 
drei Milchsaftgänge; einer, Avelcher den mittleren Gefässbündel begleitet, und zAvei andere, 
die nächst dem Rande verlaufen. Sie sind nirgends ausser an der Spitze mit einander 
verbunden. Aus Fig. 9 ergibt sich, dass alle Milchsaftgänge noch peripherisch nächst der 
Oberfläche des Blattstieles verlaufen. Ich zählte an der gewölbten Rückseite sieben, an der 
flachen Vorderseite fünf Milchsaftgänge. Die Gefässbündel sind davon ganz und gar frei. 

Obgleich die 



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zwölf Gänge des Blattstieles geson 



dort parallel mit einander veidiefen, 
so sind sie doch durch einzelne Zweige mit einander verbunden und kommen so in die 

Blattfläche. 

Hier aber erfolgt die grösstmögliche Verzweigung und zwar so, dass das vollkommenste 
efässnetz daraus hervorgeht. Es ist nicht uninteressant, die Art und ^Ycise der VerzAvoigung 
so Avie das Verhältniss derselben zu dem Gefässbündelnetze ctAvas genauer zu verfolgen. Im 
Allgemeinen gilt das Gesetz, dass die Milchsaftgänge des gCAvölbten Theiles des Blattstieles 
die Unterseite der Blattflächc, hingegen jene des flachen Theiles die Oberseite der Lamina 
versorp^en. Alle Milchsafto-äno-e verlaufen unmittelbar unter der Epidermis, so dass ihr dunkler 






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Inhalt, besonders Avcnn die luftführenden Räume mit Wasser injicirt Averden, bei der geringen 
Dicke des Blattes, die Vs'" ii^^ Allgemeinen nicht übersteigt, leicht selbst im unverletzten Blatte 
gesehen AA^erdcn kann. Hierausist man nun im Stande, nicht blos den Verlauf dieser Gänge 



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in ihrem ganzen Zusammenhange zu überblicken, sondern die Durehscheinigkeit erlaubt aucl 
ihr räumliches Verhältniss zu den Spiralgefassbündeln zu erkennen. 

Die fünf liauptgefässbiindel, welche mit Ausnahme des mittleren Bündels bogenförmi 
vom Grunde bis zur Spitze verlaufen , werden auf der Unterseite des Blattes der Art von den 
Milchsaftgängen begleitet, dass stets zwei derselben zu beiden Seiten neben denselben ver- 
laufen, während an der Oberseite die Milchsaftgänge gerade über den Hauptnerven liegen. 
Dagegen werden die Seitennerven an beiden Flächen von Milchsaftgängen , die gerade über 
ihnen liegen , begleitet. Da die Seitennerven zahlreich und mit einander parallel verlaufen, so 
werden die über denselben liegenden Milchsaftgefässe in der Eegel nur durch einfixche, seltener 
durch verzweigte Milchsaftgänge mit einander verbunden. Es entsteht daraus ein vollkom- 
menes, aber lockeres Netz von Milchsaftgängen, wie das theilweise an Fig. 9 zur linken Seite 
ersichtlich gemacht wurde und woraus man sich ein ganz riclitiges Bild des Netzes der Milcli- 
saftgänge nicht blos von dieser, sondern auch von der entgegengesetzten Seite machen kann. 

Von den seitlichen oder Secundärnerven gehen überdies noch zahlreiche Tertiärnerven 

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aus, die unter sich verbunden gleichfalls ein Netz bilden, welches die feinere Nervatur des 
Blattes enthält. Es fragt sich nun, ob auch diese wie die stärkeren Secundärnerven von de 
Milchsaftgängen begleitet werden. Dies ist nicht der Fall. Im Gesfentheile bemerkt man nur 



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zu deutlich, dass beiderlei Netze der Milchsaftgänge ganz unabhängig von dem Netze der 
Spiralgefässe sind, in der Eegel grössere Maschen als diese bilden und nur zutallig in ihren 
Verlaufe dieselben decken, viel häufiger sie schneiden. 

Sucht man sich von einem Stücke des Blattes eine genaue Ansicht der Lage beider Netze 
der Milchsaftgänge mit dem dazwischen liegenden Gefässbündelnetze zu verschaffen, so er- 
staunt man über die Regellosigkeit, mit welcher diese Netze über einander liegen, und überzeugt 
sich nur zu deutlich von der Selbstständigkeit, mit Avelcher jedes derselben seine Ausbildung ver- 
folgte. Dasselbe ist in einem grösseren, d. i. später entwickelten Blatte des Froschlöffels noch 
deutlicher zu bemerken, wesshalb ich es vorzog, von diesem ein Stück von 2*01 Linien Breite 
und 2*61 Linien Länge in einer 40maligen Vergrösserung darzustellen (Taf II, Fig. 1). aa sind 
zwei Seitennerven zwischen den linksseitlichen Hauptnerven , von der Unterseite gesehen; 
bb die über denselben verlaufenden Stämme der Milchsaftgänge der Unterfläche; cc jene der 
Oberfläche, woraus die übrigen Gegenstände sich von selbst ergeben. Zur grösseren Verdeut- 



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lichung des Bildes ist oben links d ein Stück Epidermis mit den Spaltöffnungen angebracht. 

Aus dieser Darstellung ergibt sich, dass die letzten Verzweigungen der Milchsaftgänge in 
der Eegel sehr lockere Maschen bilden und dass es nur sehr selten gescliieht, dass ein oder der 
andere Gang blind im Parenchyme endet. Dieses letztere ist gegen den Blattrand zu viel häu- 
figer der Fall, so dass dort nicht selten aus einer Masche ein oder selbst zwei blind endende 
Zweige von kürzerer oder längerer Erstrec^kung abtreten. Übrigens fällt es sehr auf, dass 
sowohl die Ilauptstämme als die Verzweigungen der Milchsaftgänge durchaus gleich weit 
erscheinen und nur an der Stelle des Zusammentrittes mehrerer derselben beträchtlichere 
Erweiterungen, sogenannte Gisternen , bilden, die jedoch an der Oberseite so wie an der 
Unterseite des Blattes dieselbe Gestalt und xVusdelmung besitzen. 



Um sich eine klare Vorstellung von der Lage dieser Netze der Milchsaftgänge zu dem 
Parenchym des Blattes zu machen, habe ich Fig. 10 ein kleines Stück eines Querschnittes in 
1 7 Omaligcr Vergrösserung beigegeben. Man sieht hier sowohl unter der Epidermis der Ober- 
Seite a als unter jener der Unterseite b die Milchsaftgänge c durchaus von chlorophyllhaltigem 



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Das System der Mächsciftg'änge in AUsina Tlantago. 



31 



Merencliymo cingesclilossen , jedocli stets aus kleinen ungefärbten gestreckten Zellen zusam- 
mengesetzt, während die tertiären Gefässbündcl die Mitte des Blatt diacliyms einnehmen. Ein 
Längenschnitt parallel der Oberfläche zeigt die Construetion der Milchsaftgänge noch deutlicher 

(Kg- 11). 

Einfacher sind die Milchsaftgänge In den Bracteen der Inflorescenz gebildet und ver- 
tlicilt. Sie sind hier eben so einfach und unverzweigt wie die Nerven, mit welchen sie der Art 
wechseln, dass Immer ein Gefässbündel zwischen zwei Milchsaftgängen zu liegen kommt. Das- 
selbe Ist auch der Fall In den Sepalen dosKclcheSj wo mit den sieben parallelen Gefässbündeln 
wechselweise acht Milchsaftgänge verlaufen, die nur unten am Grunde unter einander durch 
emfache Anastomosen in Verbindung stehen (Fig. 12). 

Alle diese Milchsaftgänge haben ein grösseres Lumen als jene der Laubblätter j strotzen 
von Milchsaft und zeigen bei weitem deutlicher als alle übrigen die Zusammensetzung aus ein- 
zelnen in einem Cylinder an einander gerelliten Zellen , welche eben die Absonderung des 
^Klchsaftes in den durch sie gebildeten intercellularen Raum bewerkstelligen und sich somit 

als Avahre Secretionsorgane charakterisiren. 

Schliesslich noch einige Worte über die Bewegung des Milchsaftes in dieser Pflanze. 

SowohlMeyen (Phj^totomie pag. 355) als ich (Die Exantlieme der Pflanze pag. 25) haben 
von der Bewegung des Milchsaftes In Allsma Tlantago gesprochen. Macht man sich Schnitte 
parallel dem Blatte, so gelingt es meistens, die Bewegung des Inhaltes dieser Milchsaftgänge 
aus der verschiedenen Lichtbrechung, welche die Öltropfchen gegen die übrigen Pflanzensäfte 
haben j zu erkennen. Man sieht wie bei den durchschnittenen Mllclisaftgefässen auch hier den 
Milchsaft aus der verletzten Stelle hervortreten und sich im Wasser vertheilen. Mir gelang' es 
sogar in einem bis auf eine kleine Stelle unverletzten, nur am Grunde von der Pflanze getrennten 
Blatte die Bewegung des Milchsaftes durch länger als zwölf Stunden zu beobachten. Was wir 
jetzt über die Bewegung der Milchsäfte wissen, spricht jedoch durchaus audi gegen eine solche 
Bewegung in Alisma. Und in der That, nimmt man eine unverletzte junge Pflanze und entfernt 
die Luft durch Auspumpen unter Wasser aus den Luftcanälen der Blätter, so kann man selbst 
bei gedämpftem Lichte die Mllclisaftgänge sammt Ihrem Inhalte erkennen. Der letztere ist 
jedoch unter diesen Umständen stets ohne Bewegung. Aber ein darüber gelegtes Glas- 



plättehenj ein leiser Druck, ja selbst ohne diesen die Anwendung von Atzkalilösung bringt 
sogleich Bewegungen hervor. Man ist daher im Stande Bewegungen hervorzurufen und zu 
sistlren, so wie es beliebt. Es ergibt sich hieraus, dass auch bei dieser Pflanze von eigenen 
Bewegungen des Milchsaftes nicht die Pedc sein kann. 



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Franz ünger. Das Syntem der Müchsaftgcmge in Alisma Plantago 



ERKLlHüNG DEll TAFELN. 



TAEEL I. 



Fig. 1. 



Fig. 2. 
Fig. 3. 



Fig. d. 



Fig. 5. 



Sämratliche Figuren sind theihveise mit dem Sömmeri ng'schen Spicgolj theilweise mit demZeiohenprisma der Natur getreu in 
3- bis IZOmaliger Yergrösscrung dargestellt. 

Querschnitt des Schaftes \oii Alisma Planfago b. an dessen Urunde, in 3y2maligcr Vergrösseruug. Rinde und Mark bilden 

ein von Luftcanälen erfülltes Zellgewebe. 

Querschnitt eines Astes desselben Schaftes in gleicher Vergrösserung. Die Mitte wird von einer Luftlücke eingenommen. 
Ein Stück aus dem Rande der Fig. 2j LlOmal vergrösscrt. a Epidermis , ^ chlorophyllhaltigcs Rindenparenchymj in welchem 
sich zwei Milchsaftgänge cc befinden. Zwei äusserste Gefässbündel dd mit Milchsaftgängen cc. e ein innerer grösserer Gefäss- 
bündel mit einem grossen Milchsaftgange c" . 

Ein Milchsaftgang desselben Planzentlieiles der Länge nach etwas schief durchschnitten und 170mal vergrössert. Per Milch- 
saftgang a ist theilweise mit geronnenem Milchsafte, tlieilwcise von Luft erfüllt. 

Querschnitt eines grösseren Blattes am unteren Thcile des Stieles, Sy^mal vergrösscrt. In dem von Luftcanälen ganz und gar 
erfüllten Parenchyme bemerkt man die fünf Hauptgefässbündel und nahe der Oberfläche noch mehrere andere kleinere 

Gefässbündel. 
Fig. 6. Einer dieser Hauptgefässbündel mit dem angrenzenden Zellgewebe, 170mal vergrössert. aaa querdurchschnjttenc Luftcanäle. 

bhh Milchsaftgänge. 

Einer dieser Milchsaftgänge in seiner Längenerstrecliung mit den ihn bildenden langgestreckten, dünnwandigen von einem 

ungefärbten Safte erfüllten Parcnchymzellen. 

Blatt einer ganz jungen I*fianze von Alis^na Plantago, 3mal vergrössert, von vorne gesehen. Drei Milchsaftgängej einer über 
den Mittelnervcn, die beiden anderen nächst den Rändern, vereinigen sich nur an der Spitze des Blattes. Vom Hauptnerven 
gehen zu beiden Seiten nur drei Seitennerven ab. 
Fig. 0. Ein etwas älteres Blatt vom Rücken gesehen, 3y2mal vergrössert. Man sieht über der Nervatur das Gefässnetz der Michsaft- 

gänge theilweise ausgeführt. 
Fig. 10. Stück eines Querschnittes von einem grossen Blatte, 170mal vergrössert. a Epidermis der Oberseite, h Epidermis der Unter^ 

seitCj cc die nächst denselben liegenden Milchsaftgänge. Im von Lufthöhlon durchzogenen Parenchyme zwei Gefässbündel dd. 
Fig. 11. Ein Milchsaftgang von der Oberseite des Blattes von innen gesehen, in 170maliger Vergrösserung. a Miichsaftgang, bhh die 

durch die Athemhöhlen sichtbaren Spaltöffnungen der Oberhaut. 
Fig. 12. Zwei Milchsaftgänge im Querschnitte aus dem Rhizome einer alten Pflanze von Alisma. Vergrösserung 170 Mal. Die sie 

bildenden Zellen sind dureliaus frei von jedem festen Inhalte, während die angrenzenden Zellen des Parenchyms Zellenkerne 

und Amylum führen, aaa Luftcanäle. 
Fig. 13. Der Kelch von Alisma von unten gesehen, 5mal vergrössert. Jedes Scpalum hat sieben Nerven und acht mit diesen wechselnde 

sehr starke Milchsaftgänge, welche am Grunde durch Anastomosen mit einander verbunden sind. 



Fig. 7. 



Fig. 8. 






TAFEL II 



Ein 2-01'" breites und 2-Cl'" langes Stück eines ausgebildeten Blattes von Alisma Tlaniago in 40-maliger Vergrösserung 

von unten gesehen. 

aa. Zwei Seitennerven zwischen den iinkseltigen llauptnerven. 

hl. Die über dieselben vorlaufenden Stämme der Milchsaftgänge. 

cc. Die hinter den Nerven (an der Oberseite des Blattes) befindliclicn Milchsaftgänge. 

d. Ein Stück Epidermis der Unterseite mit den Spaltöffnungen. 



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NEUE FISCHRESTE AUS DEM BÖHMISCHEN PLANER. 



VON 



De. a. e. keuss, 



WIRKLICHEM MITGLIEDE DER Kr.ISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



OlüL-t 3 ScX-Fc-Clt'. 



VORGELEGT IN DER S1T2;UNG DER MATIIEMATlSCH-NATUmVlSSENSCHAITLlCnKN CEASSE AM 2. OCTOBER 1856. 



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Ic Zalil der Versteinerungen des bölimisclien Pläners ist in der jüngsten Zeit wieder durch 



die Entdeckung zweier Fisclireste vermehrt worden, die bisher in diesen Gesteinschichten nicht 

gefunden worden waren. Sie gehören offenbar selir verschiedenen Abtheilungen der Fische 

a^n. Bei dem einen der in Eede stehenden Fossilreste , der sich durch seinen vortrefflichen 

Erhaltungszustand auszeichnetj lässt sich diese mit Sicherheit bestimmen; der ZAvoite ist dagegen 

sehr fragmentärj indem ausser dem Kopfe alle übrigen und darunter die am meisten charatte- 

ristischen KörpertheilCj z. B. die Flossen, vollkommen fehlen. Hier liess sich nur durch Ver- 

gieichung mit anderen besser erhaltenen und daher vollständiger ei^kannten verAvandten fossilen 

Formen eine Bestimmung mit eini^-er Wahrscheinlichkeit erzielen. Ich lasse die Beschreibung- 
beider Arten hier folgen. 



I. Macropoma speciosum Rss. 

Der Körper des hier zu besprechenden, beinahe vollkommen erhaltenen Fisches ist lang- 
gestreckt, dabei aber ziemlich hoch, von den Seiten zusammengedrückt, karpfenähnlich. Der 
Körperbau ist im Ganzen kräftig, gedrungen. Die Totallänge von der Schnauzenspitze bis zu 
dem Ende der ScliAvanzflosse, so weit dieselbe an unserem Exemplare erhalten ist, beträgt 
19 Zoll, die grösste Höhe des Körpers in der Gegend der vorderen Rückenflosse 4*3 Zoll. 

Der Kopf erscheint im Verhältniss zum ganzen Körper massig gross; seine Länge bis 
^^um Hinterrande des Kiemendeckels misst 4*6 Zoll, beträgt also etAvas Aveniger als den vierten 
Theil der gesammten Körperlänge. übrigens ist er fast dreiseitig, vorne zugespitzt, seitlich 
zusammengedrückt. Seine Höhe beläuft sich am hinteren Ende auf 3'4 Zoll; er ist daher nie- 
driger als der Körper in seiner mittleren Gegend. Die einzelnen Skelettheile des Kopfes sind 
iiur theihvcisc erhalten oder doch noch in ihren Begrenzungen deutlich erkennbar. Andere 
Partien, besonders das vordere Ende und die Augenhöhlengegend, sind sehr zerstört und lassen 
die sie zusammensetzenden Knochen entweder gar nicht mehr oder nur in sehr verschobenen 

r>cnk.scliriftcn der niathcm.-naturw. CI. XHI. Ed. 5 



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A. E. Ben SS, 



Bruchstücken unterscliciden. Den besten Erlialtunö'szustand zeigen noch die Theile der Stlrn- 



und der Kiemengegend. 



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Die oberflächlichen Kopfknochen sind sämmtlich mit sehr gedrängten und beinahe regel- 
mässig runden, ziemlich tiefen, kleinen Gruben bedeckt, was man besonders deutlich an den 
Infraorbitalknochen und am Unterkiefer wahrnimmt. 

Die Stirnknochen (a) sind etwas concav und erheben sich nach hinten zu einem oberhalb 
der Augenhöhle gelegenen stumpfen Höcker. Unser Exemplar bietet nur ihren Abdruck dar. 
Aus dem Querbruche ergibt es sich, dass sie im hinteren Theile beträchtlich an Dicke zunehmen. 
Ebenso haben die anderen Knochen des Ober- und Hinterscliädels nur ihre Abdrücke hinter- 
lassen, deren Grenzen nur theihveise unterschieden werden können. Man erkennt das grosse 

erschoben — 

an das Hinterhauptbein und das Warzenbein (c) stösst. Yon diesen beiden sind aber nur Spuren 
erhalten; der grösste Theil ist, da das Gestein dort weggesprengt ist, verloren gegangen. 

Ebenso fehlen die die Augenhöhle zunächst begrenzenden Knochentheile ganz; es lässt 
sich daher auch die Form der Augenhöhle nicht genau bestimmen. Ihre Lage am hinteren 
Ende des mittleren Drittheils der Kopflänge und fast am oberen Drittheile seiner Höhe lässt 
sieh daher nur sehr annähernd bezeichnen. 

In der mittleren Zone des Kopfes nach hinten fällt zuerst der Kiemendeckel (cZ) durch seine 
sehr bedeutende Grösse in die Augen. AVenn auch seine Substanz selbst nicht erhalten ist, so 
verma^r man doch seine BcoTcnzuna' deutlich zu verfolfren. Er hat eine deltaförmiirc Gestalt 



vierseitige Scheitelbein (b) und dessen zackigen hinteren Eand, mit welchem es 



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mit breitem oberen, stumpf zugespitztem unteren Ende, fast geradem vorderen, bogenförmig 
oferundetcm hinteren Bande. Der obere und hintere Band stossen in einem Cferundeten Winkel 

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zusammen. Seine Höhe beträgt 1*75 Zoll, die grösste Breite am oberen Drittheile 1*25 Zoll. 
Obwohl er nur im Abdrucke erlialten ist, lassen sich darauf doch deutliche Spuren vom oberen 
inneren Ende ausstrahlender Linien erkennen. 

Da das xmtere Ende des Kiemendeckels sammt deminfraopcrculum fehltj so sind dadurch 
die wenig verschobenen, in einer steil vorwärts geneigten Lage befindlichen, sehr starken und 
breiten vier Kicmenbögen (e) blossgelegt. An dem vordersten, am vollkommensten erhaltenen 
ist die bogenförmige Krümmung sehr wohl erkennbar; der dritte erscheint im unteren Theile 
besonders breit. Ein Zerfallen derBoa'cn in gesonderte Stücke ist daireiren nicht wahrzunehmen. 



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Vom Suboperculum ist eben so wenig als vom Infraoperculum eine Spur zu sehen. 

Das Praeoperculum (/) stellt sich als ein langer, sichelförmig gebogener, unten zuge- 
spitzter, oben sich mein- ausbreitender Knochen dar, über dessen äussere Fläche ein fast senk- 
rechter Kiel lierabläuft. Sein hinterer, etwas convexer Band grenzt an den Kiemendeckelj der 
vordere ausgeschAveifte an den Infraorbitalknochen. Er ist nur in tlieilweisem Abdrucke vor- 
handen; es lässt sich desshalb auch nicht entscheiden, ob und was von dem oberen ausgebrei- 
teten Ende einem hinteren Untcraugcnhöhlenknochen angehöre. 

An den vorderen Eand des Praeoperculum legt sich ein flacher dreieckiger Knochen, 
lessen Oberfläche die grubige Structur besonders deutlich zeigt (^). Die Spitze des Dreiecks 
ist nach vorne gekehrt; die kürzeste der beinahe geradlhiigen Seiten bildet den hinteren Eand. 
^Das obere hintere Eck ist beinahe rechtwinklig, schwach zugerundet; die Beschaffenheit dos 
unteren ist wegexi nicht vollkommenen Erhaltcnseins nicht genau zu bestimmen. Die grösste 
Länge von vorne nach hinten misst 1*9 Zoll, die grösste Höhe vor dem hinteren Ende 1*3 Zoll. 
L^uch an Meter opomaMantelU wird dieser Knochen von Agassiz (Poiss. foss. II, Taf. 65 a, Fig. 2; 



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JSfeue Fisclireste aus dem bölimisclien Vl'dner. 



35 



Taf. 65cZ, Fig. 2, 3) abgebildet, aber, wie es sclieint, für einen Theil der Arcade i^terygo-'palatine 
gehalten. Da derselbe aber vermöge seiner vorbezeichneten Oberflächenbeschafi'cnheit /ax den 
äusseren Kopfknochen gehören muss, so kann er nicht wohl für etwas anderes, als für einen * 
Infraorbitalknochen, und zwar für den vorderen angesehen werden. Beispielen einer unge- 
meinen Entwickelung dieses Knochens begegnen wir nicht selten auch unter den Knochen- 
fischen, z. B. bei Ilydrooyon unter den Cliaracinen, bei Calllonymus unter den Gobioideen, bei 
Lethrinus unter den Sparoideen, insbesondere aber bei einer Gruppe von Fischen, die von den 
die Seitenwand des Gesichtes gleich einem Panzer bedeckenden Unteraugenhöhlenknochen 
den Xamen der Panzerwangen (Catapliractl) erhalten haben, z. B. bei Trlgla^ bei welchem der 
kolossale vordere Infraorbitalknochen, wie bei unserem Fische, in der ganzen Ausdehnung 
seines Hinterrandes mit dem Vorderrande des Vordeckels sich verbindet. 

Von den etwa vorhandenen übrigen (hinteren) Infraorbitalstücken ist an unserem Exemplare 
nichts zu entdecken, obwohl das Vorhandensein eines solchen hinteren Unteraugenhöhlen- 
knochens, wie er auch bei Macropoma Mantdli Ag. (1. c. Taf. 65 a) auftritt, wahrscheinlich ist. 

Der schmale gezälvnelteKnoclienrand, der gleich unterhalb des unteren Randes des Unter- 
augenknochens besonders nach vorne hervorragt, dürfte einem der tiefer gelegenen Knochen, 
vielleicht dem Gaumenbeine, angehören. Ob seine Z'ahnelung von Eindrücken wirklicher feiner 
Gaumenzähne herzuleiten sei, ist bei der Undeutlichkcit des Ganzen nicht zu ermitteln. 

Eben so ungewiss muss es bleiben, ob die vor dem Unteraugenhöhlenknochen hervor- 
tretenden Knochentrümmer etwa dem Oberkiefer, dem Zwischenkiefer oder Pflugschaarbein 
angehören. 



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Auch der Unteidciefer 



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ist sehr mangelhaft erhalten und in theilweise verschobener 



-jage. Besonders das vordere und hintere Ende sind beschädigt und der zahntragendo obere 
Kand ist abgebroclien. Auf jeden Fall zoicimet er sich aber durch seine bedeutende Höhe aus, 
die nach rückwärts allmählich abnimmt. Die vordere Ausbuchtung, wie sie der Unterkiefer 
^^^ Macropoma Mantelli Kg. (1. c. Taf. 65 tZ, Fig. 3) darbietet, ist wegen des schlechten Erhal- 
tungszustandes nicht sichtbar. 

Der Scliultcrgürtel ist im Vergleiche zu dem robusten Knochengerüste des ganzen Fisches 



schwach zu nennen. Nur sein oberer Theil ist w^ohlerhalten, wenn auch nur im Abdrucke. 
Man unterscheidet sehr gut das obere Schulterblattstück (^) mit seinen zwei grossen, schwach 
gebogenen Plörnern, deren hinteres grösseres an dem vorliegenden Exemplare etwas nacl 



hinten verschoben ist und hoch hinauf bis an das Hinterhauptbein reicht, das vordere kürzere 
aber sich vorwärts gegen das Warzenbein wendet. Ebenso erkennt man das scljmale Unter- 
schlüsselbein {k). Dagegen sieht man nur Spuren des oberen Schlüsselbeintheiles, während 
die unteren Theile des Schultergürtels mit der Brustflosse ganz fehlen. 

. Ebenso ist nur die Ansatzstelle der hinteren Extremitäten zu erkennen. Die Bauchflossen 
^"^elbst sind nicht überliefert. Sie liegen in der Mitte des Raumes, der zwischen einer vom Hinter- 
rande des Kiemendeckels licrabs-ezoffenen Verticallinie und der Schwanzflosse eiuircschlossen 



ist, der Afterflosse nur wenig näher gerückt als den Brustflossen. Zieht man von den Baueh- 
flossen eine senkrechte Linie zum Oberrande des Körpers, so trifft dieselbe gerade das vordere 
Unde der hinteren Bückenflosse. 

Von der Wirbelsäule, so wie von den Bippen ist an dem untersucliten Exemplare nichts 
zu entdecken; sie werden durch die Schuppen und die versteinerten Weichtheile verdeckt. Nur 
die oberen Dornfortsätze der Wirbel sind in der hinteren Körpcrlfälfte sichtbar. Sie sind dünn 






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36 



A, E. Reuss. 



und schlank, beiläufig unter einem Winkel von 46 Grad geneigt und rciclien aufwärts bis an 
die Rückenfirste. Im Eaume zwischen den Bauchflossen und der Analflossc zählt man — so 



weit eine Zählung zulässig ist 



ihrer über zwanzig. 



Der in Rede stehende Fisch besitzt zwei Rückenflossenj von denen aber nur die vordere 
ziemlich gut erhalten ist. Sie liegt etwa 2*8 Zoll hinter dem Schultergürtel, fast 7 Zoll vor 
dem xVnfange der Schwanzflosse. Man zählt an ihr 6 — 7 starke ungetheilte Flossenstrahlen, 
die an ihren beiden Rändern mit gegen das freie Ende hin gerichteten dornigen Spitzen besetzt 
sind. Die vordersten zwei sind in einer Läng-e von 2*4 Zoll erhalten. Die Flossenbasis ist sehr 
kurz. Man crkenxit überdies noch den ersten Flossenträger, der sehr gross ist. Er stellt eine 
0*6 Zoll breite und, trotzdem dass er an seinem unteren Ende nicht vollkommen erhalten ist, 
1 Zoll lange Platte dar, die selir schräg vorwärts gerichtet ist und mehrere ausstrahlende 
seichte Furchen trägt. 

Die hintere Rückenflosse liegt 2*7 Zoll hinter dem hinteren Rande der vorderen, beinahe 
4 Zoll vor dem Anfange der Schwanzflosse. Ihr vorderer Rand befindet sich etwa 3 Zoll vor 
der Analflosse. Von ihr ist nur die, wie es scheint, beschuppt gewesene Basis erhalten, unter 
welcher man den Rand des ebenfalls grossen ersten Flossenträgers hervorragen sieht. In 
ehiio'cr EntfernunDf über und unter derselben sieht man im Gesteine die zerstreuten dünnen 
Enden einiger Flossenstrahlen, die sich deutlich und gedrängt quei^gegliedert zeigen. 

Die Analflosse ist sehr weit nach rückwärts gerückt; sie liegt nicht viel über 1 Zoll vor 
dem Anfange der Schwanzflosse, 4*5 Zoll hinter den Bauchflossen. Ihre Basis ist nicht sicht- 
bar, Avohl aber ihr weiterer Verlauf. Man zählt daran 15 sehr dünne Strahlen, die gegen das 

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Ende hin ebenfalls sehr fein qucrgegliedert sind. In geringer Entfernung vom Eiule der Flosse 
liegt eine ganze Gruppe solcher kleiner losgelöster Strahlenglicdcr. 

Die grösste und mcrkAvürdigste aller Flossen ist die Schwanzflosse. Wenn sie auch an 
Länge und Höhe hinter jener des M, MantelU (Agassiz, 1. c. Taf. 65a, Fig. 1) zurücksteht, 
besitzt sie doch immer noch eine bedeutende Ausdehnung-. Ihre Länge beträgt an dem vorlie- 



genden Exemplare 4*5 Zoll; sie scheint aber noch bedeutender gewesen zu sein, da die quer- 
gegliederten Enden der Flossenstrahlen noch fehlen. In der Hohe misst sie 4*1 Zoll, also eben 
so viel als die grösste Höhe des Rumpfes. Ihre Gestalt ist fächerförmig und wahrscheinlich 
war sie am Ende zugerundet. Der obere und untere Lappen, die in den Contouren durch 
keinen Einschnitt angedeutet werden, sind gleich. Sie ist dalier vollkommen liomocerk. Auch "ist 
lie Wirbelsäule an ihrem Ende nicht aufwärts £rebo£ren und verlänircrt sich nicht in den oberen 



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Schwanzlappen. Die Flossenstralden sitzen beinahe in ganz gleicher Zahl, Grösse und Form 
am oberen und unteren Rande des vollkommen mittclständigen Endes der Wirbelsäule. Man 
zählt ihrer jederseits beiläufig 20 — 21 längere, vor denen noch 4 — 5 kürzere sitzen, so dass 
jeder Schwanzlappcn 26 umfasst. Sie sind stark, an beiden Rändern gleich jenen der ersten 
Rückenflosse mit schräg rückwärts gerichteten Dornen besetzt und ungetheilt. Gegen das freie 
Ende hin Avaren sie aber ebenfalls gegliedert, denn an einer Stelle sieht man neben dem 
Hinterrande der Flosse noch eine Menge solcher isolirter Querglieder im Gestein abgedrückt. 

Auch die cigenthümliche Befestigungsart der Flossenstrahlen, die Agassiz slti 3Iac7'oj)oma 
MantelU beobachtete, ist an unserer Species, wenn auch nicht deutlich ausgesproclicn, doch 
angedeutet. Der sichtbare Thcil der Strahlen stützt sich. nämlich auf einen davon gesonderten 
kürzeren Knochenstab (Interapophysalknochen) und dieser erst wird A^on dem Dornfortsatze 
der Caudalwirbel getragen. Es steht daher der bei weitem grösste Theil der Schwanzwirbel 



<rm^ 



Neue Fisclireste aus dem höhmisclien Tlaner. 



37 



niit Flossenstralilen in Verbindung, Avodurch sich aucli der grosse Umfang der Schwanzflosse 
erklärt. Ihr vorderer Theil ist in grosser Ausdehnung mit Schuppen bedeckt, so dass an dem 
vorliegenden Exemplare nur etwa 0*8 Zoll der Flossenstrahlen davon frei bleiben. Der 
beschuppte Flossentheil bildet eine dreieckige Fläche mit rückwärts gewendeter Spitze, wie 

4 

^dr dies auch bei dem lebenden Poly])terus sehen. 

Sehr auffallend ist noch der Umstand, den man wenn auch nicht scharf zu erkennen 
vermag, dass die Wii^belsäule, sich verdünnend, bis fast an das Ende der Schwanzflosse fort- 
setzt. Es erinnert dies einigermassen an das, Avas Agassiz besonders hei CoeIaca72tkus hervor- 
hebt. Es Avürde sich daraus ein neuer Grund ergeben, Mac7'opoma den Coelacanthen anzureihen. 

Der ganze Körper ist dicht mit verhältnissmässig grossen Schuppen bedeckt, welche 
selbst die Basis der Flossen überziehen und sich besonders Aveit auf die Schwanzflosse hinaus 
erstrecken, AAde schon oben erAvähnt wurde. Die Anordnung der Schuppen ist ganz analog 
jener der cycloiden und ctenoiden Knochenfische; in der Gestalt stimmen sie mit jenen des 
Macropoma MantclU überein, indem ihr freier Theil einen gerundct-rhomboidalenUmriss besitzt. 
Auch ist derselbe mit cylindrischen oder vielmehr kolbenförmigen Plervorragungcn bedeckt 
gCAA^csen, deren Zahl und Anordnung aber bei unserer Specics eine etwas verschiedene ist. 

In den vorderen zwei Drittheilen zeigt das A^orlicgende Exemplar von M. speciosum nur 
die abgeriebene Aussenfläche der Schuppen an der Vorderseite des Körpers; das hintere 
Drittlieil nebst der After- und Schwanzflosse stellt dagegen den Abdruck der Hinterseite des 
Fisches dar. Man nimmt daher daran auch nur den äusseren Abdruck der Schuppen dieser 
Seite mit allen ihren Sculpturverhältnissen wahr. Während nach der Abbildung der Schuppen 
der Bauchgegend bei Agassiz (1. c. T. 65 6, Fig. 4) in der Mitte einer jeden eine Reihe von 
5 — 7 fast cylindrischen Tuberkeln, die nach hinten an Grösse abnehmen, und daneben jeder- 
seits 6 — 7 Reihen kleinerer und dünnerer Tuberkeln von derselben Form A^orlianden waren, 
weiche von der Mittellinie aus schAvach divergiren und gingen die Seite der Schuppe allmählich 
Hn Grösse abnehmen; trägt jede Schuppe von Macr. speclosum in der Mittellinie eine Reihe von 
nur 3 — 4 solchen cylindrischen Fortsätzen und daneben 4 — 5 Reihen dünnerer und kleinei^er, 
mit der Mittellinie fiist paralleler, die gegen die Seiteju^änder hin ebenfalls kleiner werden. Es 
^A^äre jedoch möglich, dass die Zahl der seitlichen Reihen grösser wäre, dass aber die nach 
aussen gelegenen kleinei-en in dem Gesteine keinen Abdruck hinterlassen hätten. 

An den A^orderen zAvei Drittheilen des Fisches kann man sehr deutlich die Seitenlinie 
verfoliren. Sie steiö't als eine sehr sclnvach ^eboo-ene Linie in etwas scliräirer Richtung' vom 



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Hinterhaupte gegen die Mittellinie desllintertheiles des Körpers herab. Ihre Schuppen scheinen 
keine A^on den übrigen verschiedene Gestalt zu besitzen. Ob ihre Sculpturverhältnisse abAA^ei- 
ehend waren, lässt sich nicht entscheiden, da sie abgerieben sind und keine Spur derselben 
wahrnehmen lassen. Sehr deutlich ist aber auf jeder Schuppe der Canal zu erkennen, der von 
bedeutendem Durchmesser gCAvesen sein muss und sich gegen das Tlinterende der Schuppe 
etAvas A^crbreitcrt. Die Verschiedenheit der Schuppen, AAde Agassiz dieselbe bei M. Maiitelli 
für verschiedene Körperregionen nacliAveist, konnte ich nicht wahrnehmen; es scheint bei 
unserer Specics Adelmehr darin eine ziemliche Gleichförmigkeit zu hexTSchen. 

In der unteren Hälfte des Körpers, beginnend bald hinter der Kiemenhöhle und 
in der Läno-e von fast 7 Zoll nach hinten bis in die GeA'cnd der Afterflosse entblösst, 
erkennt man ein unregelmässig walziges, schlauchförmiges Organ, das äusserlich mit vielen 
seichten, regellosen Eindrücken versehen erscheint. Es stimmt ganz mit dem an manchen 






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38 



A. E. R 



euss. 



M. Mafiti 



Agassiz (1. c. T. 65 c, Fig. 1 und T. 66 d, Fig. 1) die noch innerhalb der LeibeshÖhlc befind- 
lichen Koprolithen gerade dieselbe Lage haben, für den hinteren Theil des Darmcanals gelialten 
werden können. Man glaubt stellenweise von aussen sogar eine sehr seichte, schräg verlaufende 
Spiralfurche — vielleicht von der inneren Spiralklappc herrührend — zu erkennen. 

Zwischen dem eben geschilderten Fische und dem vonAgassiz beschriebenen und ab<)-c- 



Macrovoma Mantelh 



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Wir finden dieselbe Gestaltung des Körpers und des Kopfes, dieselbe Form der vorderen und 
hinteren Stirnbeine, dieselbe grosse Entwickelung des Kieniendeckels und des vorderen Infra- 
orbitalknochens ; ferner die grösste Übereinstimmung in der Zahl, Stellung und dem Baue der 
Flossen. Die Flossenstrahlon sind wie dort einfach, an den Eändern durch dornige Zähne 
gesägt. Die Schwanzflosse ist ebenfalls fächerförmig, vollkommen homocerk , mit weit nach 
rückwärts reichender Beschuppung, und ihre Strahlen scheinen auf ganz analoge Weise durch 
Interapophysalknöchelchen getragen zu werden. Endlich zeigen auch die Schuppen eine ganz 
ähnliche Sculptur auf ihrer emaillirten Oberfläche. 

Trotz dieser grossen Übereinstimmung finden docli zwischen beiden Fischen nicht uner- 
hebliche Verschiedenheiten Statt. Dieselben beziehen sich zuerst auf die Gesammtxjhysiognomie. 
Unser Fossilrest gehört offenbar einem Fische von schlankerer, weniger robuster und plumper 
Gestalt an. Der Kopf und die Schwanzflosse sind im Verhältnisse zur Länge und Höhe des 
ganzen Körpers kleiner. Es ergibt sich dies am besten aus der Vergleichung der relativen 
Maasse^): 

Macropoma MiintclH. Macropoma speciosuin. 



Länge des ganzen Körpers 21*0 Zoll 

Länge des Kopfes 5-5 

Länge der Schwanzflosse 5*5 

Höhe des Eumpfes in der Nähe der vorderen Eückenflosse 



19-0 Zoll 



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Höhe des Kopfes - 4-0 

Höhe der Schwanzflosse 6*2 



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4-1 



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Während der Kopf so wie die Schwanzflosse bei 3L MantelU 0*262 der ganzen Körper- 
lange ausmacht, bildet der Kopf bei if. Ä'pec^b^zm nur 0-242, die Schwanzflosse nur 0-236 
derselben, welche Zahl aber bei vollständiger Erhaltung der Enden der Flossenstrahlen noch 



eine Anderunp* erleiden dürfte. 



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Ausserdem waltet der erste Infraorbitalknochen in seiner Entwickelung bei unserer 
Species noch mehr vor als bei M MantelU, so wie auch die Sculpturverhältnissc der Schuppen 
beider nicht unwesentliche, oben näher bezeichnete Unterschiede darbieten. Auch in der Con- 
formation der übrigen Knochen, so wie in der Zahl der Flossenstralüen dürften sich bei voll- 
ständigerer Erhaltung dieser Theile noch weitere specifische Differenzen ergeben. Ich glaube 



daher den böhmischen Fisch mit vollem Hechte für eine besondere Species der Gattun 
Macropoma ansehen zu dürfen, die ich mit dem Namen M, speciosum belege. 



g 



) Jene des M. speciosum sind dem Onginalexcmplare, jene des M. MantelU, von dem nirgend Messungen angcfülirt werden, de 
Abbildung bei Agassiz 1. c. II, T, 65 a, Fig. 1 entnommen. 



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S^li ^mM ; f mi-M i&Mii^;^^ j 



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Neue Fisclireste aus dem h'ölimisclien Planer. 



39 



M. 



dem Gault von Folkstone (Agassiz 1. c. 11, p. 174) übereinkomme oder sich davon unter- 

da Agassiz von dieser Art nichts anführt, als dass sie 



scheide, muss dahin gestellt bleiben. 



gleichmässiger gebildete Schuppen besitze mid sich überdies durch specielle Abweichungen in 



darüber nichts Weiteres verlautet. 



M. MantelU 



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II, Elopopsis Heckeli Rss. 

He ekel hat in der z^Yeitcn Abtheilung seiner Beiträge zur Kermtniss der fossilen Fische 



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Österreichs (Denkschriften der kais. Akademie der Wissensch. Bd. XI, p. 250 ff. 
Genus ,,Elopopsis'' aus der GrujDpe derEloj)iden in der Familie der Clupeaceen aufgestellt, das 
sich durch eine Eeihe starker spitzkonischer Zähne in den Kiefern und einen starken un 
theilten Strahl in den Brustflossen von Elops unterscheidet. Er beschreibt drei Arten: E.FenzUi 
(1. c. Taf. 13, Fig. 1), E, dentex (1. c. Taf. 13, Fig. 2), und E, microdon Heck. (l.c.Taf. 14), die 
öämmtlich aus den der Kreideformation angehöi-igen schwarzen Kalkschiefern von Comen im 
Karsto-ebirire stammen. 



In der 



Sammlung des hiesigen Museums 



befindet sich ein Bruchstück eines OTossen 



Fisches, welches 1854 im Planer des weissen Bero-es bei Prair S'cfunden und von dem Herrn 



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Hofrathe v. Sacher- Mas och dem Museum geschenkt wurde. Es besteht nur aus demKoi3fe, 
an dem nur noch ein sehr kleiner Theil des Eumpfes sitzt. In geringer Entfern nng hinter der 
Brustflosse ist das Fossil quer abgebrochen. Da die zur Charakterisirung des fossilen Fisches 
unentbehrlichsten Theile, die Flossen, fehlen, kann die Bestimmung immer nur sehr unsicher 
Sern. Der Bau des Kopfes ist aber (^in so ausgezeichneter und in dieser Beziehung die Über- 
einstimmung mit der Gattung Elopopsis so gross, dass es sehr wahrscheinlich sein dürfte, dass 
unser Fisch ebenfalls dieser Gattung angehöre, wenn er auch die bisher bekannt gewordenen 
Arten sehr bedeutend an Grösse übertrifft. Mein verehrter Freund Heckel, dem ich die 
Abbildung des Fossilrestes zur Beurtheilung vorlegte, schliesst sich derselben Ansicht an. Sie 
findet auch darin eine Stütze, dass derselbe ebenfalls aus der Kreideformation stammt, <rleich 
^en von Heckel beschriebenen Arten. Die Gattung Elopopsis ist daher bisher auf die Kreide- 
gebilde beschränkt und scheint für dieselben charakteristisch zu sein. 

Die vorerwähnte Übereinstimmung wird sich aus der nachfolgenden Beschreibung ergeben. 

Nach dem vorliegenden fossilen Exemplare zu urtheilen, muss der in ßedc stehende 
fossile Fisch einen starken, von den Seiten zusammengedrückten, vorne zugespitzten Körper 
^^on hechtartiger Gestalt gehabt haben. Wenn man das gewöhnliche Grösscnverhältniss des 
Kopfes zum ganzen Körper auch hier in Anwendung bringt, muss letzterer beiläufig 25 Zoll 
m der Länge gemessen haben. Unsere Species war daher jedenfalls einer der grösstcn bis 
jetzt bekannten Knochenfische der Kreide. 

Das ganze fossile Fragment ist 10-5 Zoll lang, wovon G-4 Zoll auf den Kopf, von der 

^ehnauzenspitze bis zum Ilinterrande des Kiemendeckels, kommen. Der Kopf ist fast gerad- 

hmg-dreiseitig, vorne zugespitzt. Diellöhe am hinterenPuande beträgt 5-2 Zoll, also etwas mehr 
als • 



seiner Länge, und eben so viel von der Höhe des Eumpfes hinter der Brustflosse 



am 



hinteren Ende des ganzen Fossilrestes. Der Kopf scheint daher im Verhältnisse zum Rumpfe 



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A. E. Beuss. 



in gerader Linie an und bildet mit dem vorderen Ende dos Unterkiefers einen spitzen Winkel. 
Die verhältnissm'ässig grosse Augenliölilej deren Grenzen niclit nach allen Seiten walirnelim- 
bar sind, liegt sehr hocli und ist mit ihrem Vorderrandc beiläufig 2-5 Zoll von dem Mund- 
ende entfernt. 

Die grosse Mundspalte misst 3-5 Zoll in der Länge und reicht bis hinter die Augenhöhle. Der 

obere Mundrand wird nach hinten von dem ziemlich starken und 2*2 Zoll langen Oberkiefer, 
nach vorne von dem stark entwickelten Zwischenkiefer gebildet. Beide tragen Zähne. Der 
Unterkiefer ist 4-1 Zoll lang und stark. In dem vorliegenden Fossilreste ist seine äussere 
Schichte weggebrochen. Unterhalb seines Unterrandes liegt, durch Yerschiebung- 



nach aussen 



— Umschlaö:en 
sichtbar geworden, ein 1*9 Zoll langes vorderes Bruchstück des unpaaren 
Unterzungenknochens, der sich bei allen Elopiden findet. Noch tiefer und weiter im Hinter- 
irrunde sieht man noch Bruchstücke des Unterkiefers der anderen Seite. Beide Mundränder 
sind mit einer ununterbrochenen Reihe starker, schwach gebogener, kegelförmiger Zähne 
besetzt. Sie nehmen nach hinten allmählich an Grösse zu. Die grössten erreichen eine Länge 
von 0-2 Zoll. Alle sind an der Basis etAvas angeschwollen und verschmälern sich ziemlich 
rasch zur etwas rückwärts gekrümmten Spitze. Die Zähne des Zwischenkiefers scheinen 
CTÖsser zu sein als die vordersten des Oberkiefers. 

Von den Untoraugenhöhlenknochen sind nur am hinteren unteren Orbitalrando einige 
Bruchstücke, die drei gesonderten Knochenstücken anzugehören scheinen, siclitbar. Die übrigen 
Theile derselben sind nicht sichtbar, da dort die Hautknochenwand des Schädels fast gänzlich 



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zum Theile der Gaumenbeingruppe blossgelegt. Aber auch sie sind nicirt in ihrer Substanz, 
sondern nur im Abdrucke erhalten. Man bemerkt zuerst das Schläfenbein (temporale Cuv.j. 
Es stellt sich dies als ein fast 2*2 Zoll langes, oben mit dem Schädel verbundenes grosses 
Knochenstück dar, im oberen Theile breit dreieckig, im unteren sich zu einem vom hinteren 
Winkel dieses Dreieckes abgehenden schmalen, schwach gebogenen Fortsatze verlängernd, 
dessen innerer Rand sich mit dem Flügelbeinc verbindet. Nach unten hin bemerkt man das 
sich mit dem hinteren Ende des Unterkiefers verbindende Quadratbein als eine grosse, fast 
vierseitige Knochenplatte, deren Begrenzung aber nicht scharf zu unterscheiden ist. Das beide 
verbindende os symplecticum lässt sich an dem Fossilreste nicht mit Sicherheit erkennen. 

Von vorne schiebt sich in den Ausschnitt des unteren schmalen Theiles des Temporale 
das sich deutlich als vierseitige Platte darstellende Fiügelbein hinein. Von dem Gaumenbeine 
sind noch weiter nach vorne nur Bruchstücke sichtbar. Das Übrige ist durch die oberfläch- 
licheren Knochen dem Anblicke entzogen. Die Oberfläche der eben bezeichneten Knochen- 
theile zeigt ausser einigen starken unregelmässigcn Höckern am obersten Theile des Schläfen- 
beines und sehr seichten und schmalen regellosen Furchen nichts Bem.erkenswerthes. 

Der Vordeckel ist schmal, vorne mit einer schmalen erhabenen Leiste eingefasst und im 
unteren Theile unter einem sehr stumpfen Winkel nach vorne gebogen. Unter ihm sieht man 
im Abdrucke einen Theil der zahlreichen Kicmenhautstrahlen. Man kann ihrer noch 9 zählen; 
von den untersten sind jedoch nur kleine Bruchstücke erhalten. 

Der Kiemendeckel ist ebenfalls nur im Abdrucke vorhanden. Er ist sehr gross, vorne 
mit fast geradem Rande, hinten einen weiten Bogen bildend. Seine grösste Breite beträgt 
2*2 Zoll, die Höhe über 3 Zoll; jedoch lassen diese Dimensionen sich nur sehr annähernd 
bestimmen, da die dünnen Bänder nicht scharf begrenzt sind, sondern allmählich in die 



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Neue Fisclireste aus dem höhvischen riäner. 



41 



Umgebung verfliessen. Die Oberfläche des Abdruckes zeigt stellenweise undeutlielie radiale 
Linien. Die Abgrenzung gegen den, wie es scheint, ebenfalls grossen vierseitigen ünterdeckel 

ist sehr verwischt. 

Von dem anscheinend breiten Schultcrgürtel sind nur nicht näher bestimmbare Theile 
des Abdruckes wahrzunehmen. Die Brustflosse ist quer abgebrochen. Wohl erkennt man aber 
ihre Ansatzstelle und die einzelnen Strahlen haben Vertiefungen hinterlassen. Aus diesen kann 
man schliessen; dass hinter einem grossen dicken Strahl noch 16 — 17 kleinere gesessen sein 
mögen. Von den übrigen Flossen ist, da der mittlere und hintere Theil des Rumpfes ganz 
fehltj keine Spur erhalten. Auf dem Querbruche am hinteren Ende unseres Fossilrestes nimmt 
man endlich die Bruchstücke einio-er Wirbel wahr. Sic deuten auf eine kräftige Wirbelsäule, 



denn sie besitzen bei einer Länge von 0*4 Zoll eine Höhe von 0-5 Zoll. 

Von den Schuppen nimmt man nur die fragmentären xVbdrücke wahr. Der hintere frei(^ 

— die aber offenbar 



Rand derselben ist nirgends erhalten. Es lässt sich daher ihre Gestalt 

eine cycloide war — und ihre Länge nicht genau bestimmen. Die Breite der grössten beträgt 

dagegen 0*42 Zoll. Die Schuppen am oberen Theile des Körpers, besonders der Mittellinie 



zunächst, mussten viel grösser gewesen sein als jene der Bauchseite, deren Breite Ü'25 Zoll 



nicht übersteigt. 



So frao-mentär der eben a-cö-ebenen Beschreibung' gemäss auch der Erhaltungszustand des 



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in Rede stehenden Fisches ist, so liegen doch Gründe genug vor, Avelche die Übereinstimmung 
mit der von He ekel neu aufgestellten Gattung Eloj)oj)sis sehr wahrscheinlich machen. Unter 
denselben muss ich besonders hervorheben: die spitze, dreieckige Gestalt des verhältniss- 
mässig grossen Kopfes, die grosse Mundspalte, die Zusammensetzung des oberen Mundrandes 
aus ZAvischenkiefer und Oberkiefer, das starke Gebiss, das nur auf die Kieferränder beschränkt 
ist, das Vorhandensein eines unpaarigen ünterzungenknochens, die zahlreichen Kiemenstralilen, 
die bedeutende Grösse des Kiemendeckels, die strahlenreichen Brustflossen, deren erster Strahl 
sich durch besondere Stärke hervorthut u. s. w. Die Entdeckung vollständigerer Exemplare 
mit wohlerhaltenen Flossen dürfte in der Folge die dem fossilen Fische vorläufig angewiesene 
Stellung wohl bestätigen. Die specifischen Unterschiede desselben von den durch He ekel 
aufgestellten drei Arten sind so bedeutend und in die Augen fallend, dass eine nähere Ausein- 
andersetzung derselben vollkommen unnöthig wäre. Schon die so auffallende Grösse würde 
allein zur Unterscheidung hinreichen. Ich glaubte dieser Species keinen passenderen Namen 
beilegen zu können, als jenen meines verehrten Freundes, des Begründers der Gattung- i?fo- 
popsis^ durch welche die Fauna der Kreideformation eine so interessante Bereicherung erfährt. 



Beiiksrlvriftcn der m.ithem.-iiatnrw. Cl. xnT. Bd 



42 



A. E, Eeuss. Neue Fisclirestc aus dem h'öhmisclien ric 



aner. 















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ERKLÄRUNG DER TAEELN 









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Fig. 1. Macropoina speciosum Rss. in naiüi'licUcr Grosse. 






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Fig. 



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2. 
3. 



TAFEL II. 

Der Kopr von MacroiJOiua s^jecio^u/zi nur in seinen Contouren daro'cstellt 
Die Abdrücke einiger Schuppen voin Hintcrtlieilr des Körpers vergrössert. 
Ein Stuck der OLerfiäche des Üntcraugenhöklcnknochens vergrössert. 






mit Bezeichnung der einzelnen Knochen. 



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I'Jiopojisis fleckßli. M.'9,s,.. in natfivliclior (Jrösse 



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^) Ich verdanke die Al>)n1dungcn der Giitc det^ Herrn Thil. Dj'. Julius Sachs 



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Jleui's. Xeue FisiTirfltr aus dem böluid.sclicn PläiLei'. 



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Drnksfliriftrii derk AkadilWissonsiIi luatluMri natiinr CLXIII Hd. 1851. 






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Taf.m. 






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liitiiu ^ed.Lcl.lclcilof -u. Sta^a-tsfemclceTei 



ÜenksrhriftPiiflerkAkadtl Wts seil srh. mal lipm naturw. Cl\llII3d.i85i 



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^\- - - ' ^.p^^-^^l^- ■-. .l^^.-^^^^- 



ÜBER 



DIE NEEY.mON DER BLÄTTER BEI DEN 




Von 



FIIOF. D>^- CüNST ANTIN y. ETTINGSHAUSEN 

CORRESP. MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN . 



^ILbb iO Gaj't'rLr m DZidtii'cset^dbhzwcK. 



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VORGELEGT iX DEli SITZUNG DER MATHE^IATISCiJ-NATUinVlSöE-NÖCHAFTLlCilEN CEASSE AM lf>. OCTOBEK 1856. 



Vorliegende Arbeit verfolgt eine zweifaclic Eielitung; fürs Erste soll sie Einsieht Yerscliaffcn in 
die Ncrvationsverlialtnisse einer in dieser Bezieliung noeli nielit nntersucliten Familie ; zweitens 



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die Analogien einer Reilic A^on neuen oder bislier zweifelliaften fossilen Formen mit den jetzt 

lebenden, so weit dieselben naclizuweisen sind, feststellen. 

Bezüglieli des ersten Punktes muss ieli erAvahnen, dass bis jetzt dieünterselieidungsmerk- 

niale für die meisten Arten dieser Familie A^on den Blattern genommen wurden, an AA^elehen 

luan namentlieli nur Form, Textur, Irin und wieder aucb DiuiensiongA^erlialtnisse betraclitete. 

Es ist nielit nöthig lierA^orzuhcben, Avie sebwankend die Begriffe A^on „eiförmig", „elliptiscli 
lanzcttlicli" u. s. ^v. in der Formbezcicbnung , wie willkürlieh die Angaben „dünnliäutig", 
krautartig", „derb", „lederartig" in der Bezciehnung derTextur, und wie A^eränderlieh abso- 

lute Länge und Breite des Blattes sind. 

Es ist auch überdies die Anzahl der untcrschie(hmen Arten hier so gross, dass man bei 

der Bestimmiuig einer Pflanze dureh die blosse Yergleichung derselben mit der Besehreibung 

nieist zu keinem sieheren Resultate ö-elang-en kann und zuletzt die unmittelbare Anschauuna 



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und Vergleichung zu Hilfe nehmen muss, was aber die Benützung eines grösseren Herbariums 
erfordert. 

Ich habe nun bei meinen Untersuchungen über die NerA^ationsA^erhältnisse gefunden, dass 
sich die meisten Arten der Cehastrineen nach der NerA'ation der Blätter Aveit genauer unter- 
scheiden lassen — einige Fälle abgerechnet, wo sich aber Aäelleieht eine Eeduetion der Arten 
herausstellen dürfte — 



, und zwar bieten sieh Merkmale, Avclche A^ollkommen sicher zu ermitteln 



7 



ja meist der Messung zugänglich sind. 



Wenn auch in der A^orliegendcn Abhandlung bei Aveitem nicht alle Bhittformen der Celav 
strineen beschrieben oder aucli nur aufgezählt werden konnten, denn dies liegt ausserhalb der 
Aufgabe dieser Arbeit, Avelche einen Beitrag zur Ivenntniss der Nervationsmorphologie dieser 
umfangreichen Familie liefern soll, so dürften daselbst nicht nur hinreichende Beweise für die 



G^ 



Ä 



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^ ^ ^-. 



44 



Constantin v. Ettingshaitsen, 



eben ausgcsproc4iene Bcliaujjtung festgestellt , sondern aucli die Wege bezeichnet und die 
terminologiselien Hilfsmittel genügend ausfübrlich angegeben sein, um durch deren Benützung 
bei systematischen Bearbeitungen auch die so wichtige Nervation vortheilhaft auszubeuten. 



Die Blätter der Cehistrineen sind meist Schling- oder Netzläufer. Die bogenläufige Ner- 
vation kommt hier bei weitem seltener vor. Gänzlich fehlen dieser Familie die spitz- und die 
strahlläufigc Nervation. Von den Schlingläufcrn wurden 16 Typen unterschieden, von welchen 
5 auch häufig in anderen Familien erscheinen, die übrigen aber den Celastrincen vorzu^^sweise 




ogen- 



zukommen. Die netzläuiige Nervationsform ist in 11 Typen vertreten, worunter 3 auch anderen 

ien, 8 den Celastrineen vorzugsweise angehören. Die Bogenläufer lallen nur 3 Typen zu, 
von denen ein einziger dieser Familie eigenthümlich ist. 

Unter den Arten, welche dem Nervationstypus nach mit Arten anderer Familien des 
Systems übereinstimmen, heben wir folgende hervor. Die Myg Inda- Äxten theilen die bogen- 
läufige Nervation von Cornus sangiunea; Celastrus nutans^ (7. stylosa und (7. scandens die b 
läullge Nervation von Lonicera Xylostemn. Von Schlingläufern zeigen mehrere i?e;an?/me(^6^- Arten 
Maytenus hrasüiensis und eine Dalongia-Krt die Nervation von Friirms Padus' Elacodendron 
imdulatum^ mehrere EvonymuS'kvi(^n, als E. glaher, ammincttus^ pendidus^ Scliottii u. a., ferner 
Fterocelastrus tricuspldatus und Ilartogia capensis den Typus von Senecio nemorensis • Elaco- 
dendron oligocarpum und E, eitdeaeforme den Typus von BelUdiastrum MicliGlu: eini^>-e Ptero- 
c(3lastrus-kri(iVi^ z. B. I\ rostraüts^ ferner Microtropis livalvis^ ritttcrUcläa pyracantha midi 
Evonymus dlchotomus den Typus von Cynoglossum offidnaler^ endlich eine Ilartoqia-kxt den 
charakteristischen Typus der Mysotis-k:\:iQ.\\. 

Unter den Netzläufern bieten Wimmeria discolor^ Ilartogia Thea, Gatlia edulls, Celastrus 



rubra und (7. trigynus den Typus von Salix frag ills', viele Celastrus- kxi^^n^ als z. B. C empleuri,- 
folius^ spatliephylluSj Senegcdensis ^ Krauseanus u.a. den Typus von Davline Mezereum- endlich 
Celastrus ramulosus^ G. refractus^ G. ovatas und Elaeodendron sessiliflorum den Nervationstypus 
von Ileliantlieraum vidgare. 



Die folgenden Typen sind grösstcntlieils den Celastrineen eigenthümlich. 



Von Bogen- 



läufern nur der Typus des Evonymus javanicus ^ charakterisirt durcli die grössere Distanz der 
Secundärncrven und zahlreiche querläufige Tertiärnerven. Von Schlino4äufern ax-hören hieher: 
Der Typus von Celastrus par vif olius, welcher durch sehr spitze Ursprungswinkel derSecundär- 

V,; der Typus von Celastrus lanceolatas ^ der durch die breiten 



nerven und die Distanz 



Secundärschlingen, aber den Mangel von Aussenschlingcn bezeichnet ist; der Typus von 
Elaeodendron glaMcum^ durch den aus der Mitte des Schlingcnbogens in den Einsclmitt zwischen 
den Kerben des ßlattrandes laufenden Tertiärnerv; der Typus von Elaeodendron pubescens 
durch die genäherten, unter auffallend stumpferen Winkeln entspringenden unteren Secundär- 
ncrven; der Typus einer ncuhoUändischen Elaeodendron- k\:t durch die o-enäherten Secundär- 



ncrven, 1 



ihre Ursprungswinkel von 80—90^ und die vom Eande auffallend entfernten, mit 
hervortretenden Aussenschlingcn begrenzten Schlingcnbogen charakterisirt; ferner der Typus 
von Elaeodendron curtipendidum^ durch das reich entwickelte Quatcrnärnetz; der von Elaeo- 
dendron reticulatum^ durch die vorherrschende Entwickelung des Tertiärnetzes; der Typus einer 
Hartogia-krt durch die breiten Secundärschlingen, alle drei aber durcli die stumpfen, mit 
Reihen hervortretender Aussenschlingcn umgebenen Schlingcnsegmentc bezeichnet. Die noch 
zu erwähnenden Typen schliessen sich einerseits den Bogenläuferu, anderseits den Netzläufern 
an. Es sind der Typus von Microtropis coriacea^ durch die spitz vorgezogenen, in Randsclilino-en 









&L_. 



Über' die Nervatlon der Blätter bei den Celastrineen, 



45 



übcrgelicndcu Schlingensegmcnte, der Typus ^^onFterocelastrus tetrapterus durch sehr spärliche, 
nicht hervortretende Tertiärnerven und die verliältnissmässig geringe Distanz der spitz- 
winkligen Secundärnerven charakterisirt. 

Von Netzläufern gehören hieher der Typus von Celastrits cordatus mit unter 90 
unter stumpfen Winkeln entspringenden grundständigen Secundärnerven; der Typus von 

der oberen Secundärnerven charaktc- 







oder 



4 

G acinnhiatus ^ durch die spitzeren Abgangswinkel 
risirt; der Typus von C. üUclnus mit randläufigen Tertiärnerven; der Typus von G. linearis 
mit durcluius sehr spitzen Abgangswinkeln der sehr feinen Secundär- und unvollkommen 
entwickelten Tertiärnerven; der Typus von Elaeodendron capense^ durch zahlreiche,, nicht 
querläufige Tertiärnerven und die gegen die Basis zu auffallend genäherten Secundärnerven; 
der Typus von Elaeodendron spliaerophjllum durch die grosse relative Distanz der Secundär- 
nei^ven bezeichnet; der Typus von Evonymus tingens mit vorherrschend unter rechtem oder 
stumpfem Winkel entspringenden Tertiär- und verhältnissmässig genäherten Secundärnerven; 
der Typus von Maytenus Boaria ^ durch längsläufige Tertiärnerven und die ziendich gleichen 
Winkel der Secundärnerven cliarakterisirt. 

AVas die zweite, Eingangs erwähnte Tendenz dieser Abhandlung betrifft, so muss ich 
hervorheben, dass die Familie der Celastrineen zu jenen gehört, welche für die Flora der Vor- 
welt mit Sicherheit nachgewiesen werden konnten. Es fanden sich an mehreren Localitäten 
von tertiären Pflanzenresten, wie z. B. bei Parscldug, Fohnsdorf und bei Sotzka in Steiermark, 
bei ßilin in Böhmen, bei Sagor in Krain, beiEadoboj in Croatlcn, endlich bei Iläring in Tirol, 
nebst manchen für diese Familie charakteristisclien Blatttypen Theile von Inflorescenzen, 
Blüthen und Früchten vor, welche keinen ZAveifel zulassen, dass sie nur vorweltlich enCeZa^^^TOÄ- 
Arten angehört haben konnten. Schon die Mannigfaltigkeit der bisher aufgefundenen fossilen 
Pfianzcnreste gestattet die Vermuthuiig, dass ausser solchen Pesten, Avelche selbst eine ober- 
flächliche Betrachtung auf den ersten Blick als Celastrinen-Formen erkennen lässt, sich bei 
sorgfältiger Vergleichung der fossilen mit der jetzt lebenden Pflanzemvelt wohl noch andere, 
dieser Familie entsprechende fossile Typen feststellen lassen dürften. Durch die Untersuchung 
des grossen Materials von Pflanzenfossilien aus den österreichischen Kohlenlagern, welches 
das Museum der k. k. ireoloo-isehen ßeichsanstalt enthält, ist mir eine nicht unbedeutende Zahl 
von Celastrineen-Analogien bekannt gCAvorden, von welchen die bemcrkenswertheren unter 
den im speciellen Theile beschriebenen Blatttypen angegeben sind. Späteren, die Pflanzen- 
fossilien selbst behandelnden Arbeiteai ist es vorbehalten, diese Analogien theils zum Behuf e 

der möglichst gründlichen analytisclien Bestimmung zu benützen, theils weiter zu verfolgen. 
Jenen Forschern, Avelche sich mit deii Denkmäler]! früherer Vegetationszuständc unserer Erde 
nicht um Nameii zu schmieden und neue Species aufzustellen, sondern um der Ergründung 
der Wahrheit willen beschäftigen, wird es vielleiclit willkommen sein, mittelst der beifolgenden, 
in Naturselbstdriick dargestellten Tafeln in die Lage gesetzt zu werden, über die im speciellen 
Theile angegebenen Analogien eigene Beobachtungen und Vergleichungen anzustellen. 



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^ 






46 



Constantin v. Ettingsliausen. 



Analytische Übersicht der beschriebenen Nervationsformen. 



I. Mit bogenläufiger Nervation. 

1. Die mittlere Distanz der Secimdärncrvcn beträgt y. derJ^lattlünge. Urspruno^s"v\ankcl derselben 40 50^ 



Tertiärnerven sehr späi'lich. Typus von Gornus sangumea. 



Mjjgvnda latifolia. 



— Mittlere Distanz der Seeundärncrvcn kleiner. Ursprungs winkel derselben meist stumpfer. 2. 

2. Das unterste Paar der Sccnndärncrvcn ist fast grimdständig, die übri,2;en folo-enden sind <^c<^xmi die Basis 



Ö 



zu auffallend entfernt gestellt oder wenigstens derselben niclit genähert. Tertiärnerven vorherrschend 
netzläufig verzweigt. Ein mittleres Sccundärscgment enthält 2—3 axcnständige und 7 — 9 scitenständi^rc 
Tertiärnerven. 

Celastrus stylosa. 
Secundärnerven gleich weit von cinajider entfernt oder gegen die Basis zu allmählich genähert. Tertiär- 
nerven querläufig. 3. 

3. Mittlere Distanz der Secundärnerven '/s — V4- In einem Secundärscgmcnt entspringen 4 5 axenständio-e 

spitzwinklige^ und 5—7 seitenständige Tertiärnerven. Abgangswinkel der Secundärnerven 45 60". 



Ein mittleres Secundärsegmcnt enthält 8 — 20 scitenständige Tertiärnerven. 4. 



Evonymus javanicus. 



4. Ein mittleres Secundärscgmcnt enthält 4 — 6 axcnständige und 15 — 20 sehr feine querläufi^c sciten- 
ständige Tertiärnerven. Mittlere Distanz der Secundä]*nerven Vi; — 



Celastrus scandens. 
Die unteren Secundärnerven gegen die Basis zu allmählich genähert. Ein mittleres Secundärseo-ment 



umfasst 2 — 3 spitzwinklige axcnständige und 8 — 15 seitenständige Tertiärnerven. 



Celastrus nutans. 



II. Mit Schlingläufiger Nervation. 



1. 



Abgangswinkcl der Secundärnerven 20 — 30^*; die mittlere Distanz derselben erreicht i/o 

Viin^^a. Schlingensegment bogig gekrümmt. 2. 

IJrsprungswinkel der Secundärnerven grosser, mittlere Distanz derselben kleiner. 8. 



y, der Blatt- 



2. Tertiärnerven verbindend^ (|uer]äufig. Sclilingensegmcntc mindestens nocli einmal so lano- als breit. 



Tertiärnerven niclit qucrläufig. Schlingenscgmente kürzer. 



Celastrus ^arvifolius. 
Celastrus hetero]}]iylliis. 



3. Schlingensegment mehrmals länger als breit; aus der Mitte des Schhngenbogens geht ein Tertiärnciw 



m den Einschnitt zwischen die Kerben des Randes. 



Schlingenscgmente meist höchstens 1 



Elaeodendron glaucum. 



4 



2 Mal so lang als breit. Randläufigcr Tertiärnerv fehlend. 4. 



Nervationstypus von BelUdiastrum Micheln. Die untersten Schlingen auffallend breit und spitz voro-e- 
zogen, fast die Hälfte der Blattlänge erreichend. Mittlere Distanz dei' Secundärnerven 



\^. o. 



- Die grundständigen Schlingen nicht auffallend vorgezogen. 6. 

5. Schlingenbogen dem Rande bis auf V" genäliert. Ein mittleres Secundärscgmcnt enthält 5—7 axcn- 



ständige Tertiärnerven, 



Elaeodendron oligocar'pum,. 
— Schlingenbogen dem Rande bis auf yV" genähert. Ein mittleres Secundärscgmcnt enthält nur 3 bis 
5 axcnständige Tertiärncrven^ daher die Schlingenscgmente etwas schmäler. 

Elaeodendron eucleaefo7'rae. 

6. Die 2— 3 untersten Secundärnerven auffallend der Basis genähert^ unter stumpfen Winkeln cntspringeiid, 
beinahe straJdläufig gruppirt. Schlingen derselben merklich schmäler als die der mittleren und obcj'cn. 
Distanz dei' Secundärnerven V^— Vs- Tertiärnerven unter dem Winkel von OO** abgehend^ oft verbindend. 

Elaeodendron puhescens. 



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t^6er t//e NerDCitton der Blätter hei den Celastrineen, 



47 



Die untersten Secnnclärneznxn niclit anffallend der Basis genüliert, nocL unter nierklicli stumpferen 

Winkein entspringend als die übrigen. 7. 
7. Die Bogen der Secundärsclilingcn dem Rande parallel und sehr genähert^ dalier fast saiimläufig. Ner- 



vationstypus von Myosotis sylvatica. 



Hartogia sj)- Afr. aicstr. 



8 



SclilingenLogcn stärker gekrümmt als der ßand und demselben niclit auffallend genähert. 8. 
Sclilingensegmentc bogig gekrümmt, die Enden gegen den Rand zu spitz auf^Yärts gezogen. Schlingen- 



9 



bildende Äste der Secundärncrven meist unter spitzen Winkeln divergirend. 9, 

Sclilingensegmentc nicht gekrümmt, die Enden gegen den Rand zu mehr oder weniger stumpf abge- 
rundet. Schlingenbildende Äste der Seeundärnerven meist unter stumpfen Winkeln divergirend. 19. 
Das vorgezogene Ende des Schlingensegmentes geht eine beträchtliche Strecke am Rande nach 
aufwärts und ist dui-ch mehrere rpierlaufende Tertiärnerven oder Anastomosenüste in Randschlingen 
abi2,'etheilt. Die hicher gehörigen Formen bilden Übergänge zur bogenläuiigen Nervationsform. Typus 



10 



von MicrotrOjpis coriacea. 10. 

Schlingensegmcnte schnell zuges23itzt, sogleich am Rande endigend oder nur eine sehr kurze Strecke an 
denselben aufwärts gezogen; das Ende derselben nicht durch querlaufende Nerven abgctlieilt. 11. 
Die oberen Schiingensegmente auffallend weniger gekrümmt als die mittleren und unteren. Mittlere 
Distanz der Seeundärnerven ^g — ^5. Ein mittleres Seeundärsegnient enthält 2 — 3 axenständige, 3 bis 



6 

4 untere und 5^6 obere seitenständige Tertiärnerven. 



Evooiymus Ilamiltomanus. 



i 



Auch die oberen Schlingensegmcnte stark gekrümmt. Mittlere Distanz der Seeundärnerven '^-- 
Ein mittleres Secundärsco-ment mnfasst 1—2 p^rösscre, 6 — 7 feinere axenständige, 4 — 5 stärkere, 



i 



9 feinere seitenständige Tertiärnerven. 



Evonymus fimlrr latus. 



Auch die oberen Sclilino-cnseo-mente stark c:ekrümmt. Mittlere Distanz doi- Seeundärnerven 1 
Ein mittleres Seeundärsegnient umfasst 7~ 



8 



■A- 



10 axenständige und 12^J5 seitenständige Tertiärnerven. 

Microtropis coriacea. 



IL Mittlere Verhältnisszahl der Entfernung der Seeundärnerven '/i^^Vis- Ursprungswinkel derselben 

80 — 90*>, der untersten kürzeren meist 90'^. Schlingcnbogcn vom Rande entfernt, mit hervortretenden 



AussenseliÜJiiren bciiiTenzt. 



Elaeodendron sp. nov. llollandiae. 



Mittlere Distanz der Seeundärnerven grösser. IJrsprungswinkcl derselben meist spitzer. 12. 
12. ]\Iittlere Distanz der Seeundärnerven nur 1/5 — y^. Nervationstypus von Evoityruus euro^aeus. 



Evonymus ohovatas. 



— Mittlcj-e Distanz der Sccundäniervon unter Vr,- 1 



G 



o. 



1 






> ^ 



tVbgangswinkel der Seeundärnerven 75 — 85^, die untersten nicht unter spitzeren W^inkeln entspringend 



als die übrigen. Nervationstypus von Prniius Fadics. 



Dalongia sp. 



— Abgangswinkcl der Seeundärnerven meist spitzer. Die untersten Seeuridärnervcn unter auffallend 

spitzeren Winkeln entspringend als die übrigen. Nervationstypus von Senecio nemorensis . 14. 
14. Tertiärnerven unter spitzen Winkeln abgehend^ fast fjucrläuiig. Mittlere Distanz der Seeundärnerven 



1 



10 



Vs; Ursprungswinkcl derselben 70— 80^*. 



Elaeodendron ufidulatiim. 



w 



15 



Ein mittleres Secundärsegment entliält wenigstens 4—5 axenständige Tertiärnerven. 



Evovmws attenuatus. 



Secundärsegment höchstens 2 — -3 axenständige Tertiärnerven enthaltend. 16. 



16. Tertiärnerven spärlich, nicht hervortretend. Sehlingenbogen ohne Aussenschlingen. 

Evo7iyomis glaher. 

— Tertiärnerven hervortretend, zahlreich. Scldingenbogen mit einigen ansehniieJien Aussenschlingen 



mi'igebcn. 17. 



17. Die obei-en Schlingen so breit als hmg oder breiter. Mittlere Distanz der Seeundärnerven y^ — ^/^. 

Evonynais acuminotus. 






r 



48 



Co nstantin v. Et ting s li a ii s e n. 



Die oberen Schlingen länger als breit. Mittlere Distanz der Sccundärneiven y,„ — '/.j. 18. 



18. Ursprungswinkcl der Seciindärncrvcn 70 — SO^. 
ürsprungswinkcl der Sccnndärnerven 50—60^. 



Evo'mjmiis ijendulus. 
Evonymtis Schottn. 



19. Secundärnerven unter Winkeln von 50^90^ entspringend. Keine oder höcJistens eine Reibe wenig her- 
vortretender Aussenschlingen ;in den Bogen der Schlingenscgmente bemerkbar. 20. 

— Secundärnerven unter Winkeln von 30 — 45^ entspringend. Keine oder höchstens eine Reihe wenig her- 
vortretender Aussenschlingen vorhanden. Nervationstypus von CUjnoglossiim officiiiale. 27. 

fr 

— Zv^ei oder mehrere Reihen hervortretender Aussenschlingen umgeben die Rogen der Sclilingcn- 

segmente. 29. 

20. Secundärnerven unter Winkeln von 60 — 90^ entspringend; ein mittleres Secundärsegment enthält 
wenigstens 3- — 4 axenständige Tertiärnerven. 21, 

Secundärnerven meist unter spitzeren Winkeln entspringend; ein mittleres Secundärsegment enthält 
höchstens 1 — 2 axenständige Tertiärnerven. 22. 

21. Ursprungswinkel der Secundärnerven 75 — 90«>. Nur 2 — 3 seitenständige Tertiärnerven in einem 



Secundärsegment. 



Tlv 71 yrn iis WallicJdL 



— Ursprungswinkel der Secundärnerven GO — Ib^. Ein mittleres Secundärsegment umfasst wenigstens 



5 — 6 seitenständige Tertiärnerven. Typus von Prunus Tadus. 



Maytenus hrasiUensis. 



22. Tertiärnerven sehr spärlich j nicht hervortretend. Mittlere Distanz der Secundärnerven % — Vs- Typus 
von Fterocelastriis tetrcv^terus. 23. 

Tertiärnerven mehr oder weniger hervortretend^ zahlreich; mittlere Distanz der Secundärnerven meist 
geringer. 24. 

23. Ursprungswinkel der Sccundärnerv^en 55 — 65*'. Mittlere Distanz %— 



Pterocelastrus tetra'pteTus . 
Ursprungswinkel der Secundärnerven 50 — 55t>. Mittlere Distanz derselben y^— 

Pterocelastrus steno])teriis. 
24. Die untersten Secundärnerven auffallend verkürzt und unter spitzeren Winkeln entspringend als die 

übrigen. Mittlere Distanz der Secundärnerven ^12— ^^ Schiingensegmente länger als breit. Ncrvations- 

typus von Senecio nemorensis. 25. 
— Die untersten Secundärnerven entspringen nicht unter merklich spitzeren Winkeln als die übrigen. 



Mittlere Distanz der Secundärnerven 



1 



(i 



Vi- Typus von Evonymus verrucosus. 26, 



Mittlere Distanz der Secundärnerven y, — Vs- Schiingensegmente breiter als lang. Die untersten 
Secundärnerven ents])ringen unter spitzeren Winkeln als die iibrigen. Tertiärnerven unter stumpfen 
Winkeln abgehend. 



Celastrus lanceolatus. 



25. Mittlere Distanz der Secundärnerven V? — ye- Schlingenbogen vom Rande V" entfernt. 

Pterocelastrus triciisjjtdatus. 

Mittlere Distanz der Secundärnerven ^vi—'/u^- Schlingenbogen dem Rande bis auf yj" genähert. 

Hartogkc capenszs, 

26. Mittlere Distanz der Seemidärnervcn y,.— y^ ; Tertiärnerven spärlich, unter rechtem Winkel entsprino-cnd. 



Evonymus americanifs. 
Mittlere Distanz der Secundärnerven y^—^/t,\ Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln abgehend. 

Evonymus augKstifolius. 



27. Schiingensegmente breiter als lang; mittlere Distanz der Secundärnerven y 



Schiingensegmente länger als breit. 28. 



Evonymus dichotowiis , 



28. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 2 — 3 axenständige und jcderseits 5 — 7seitenständigeTertiärnerven. 

Pterocelastrus rostratus. 

Ein mittleres Secundärsegment enthält 1 —2 axenständige und jederscits 2 — 4 seltenständigcTcrtiäTnerven. 

r 

Pterocelastrus sp. 



V -r.^-ü-^1^^ := -l- ^Jf 



E^- 



Über die l^ervation der Blatter hei den Celastrineen. 



49 



III. Mit netzläufiger Nervation. 



1. Grundständige Sccundärncrvcn unter rechtem oder stumpfem Winkel^ die mittleren und oberen unter 



Winkeln von 50 — 60» entspringend. Tcrtiarncrven querläufig. 

Die grundständigen Sccundärncrvon unter spitzen Winkeln entspringend. 2. 



Gelastrus cordatus. 



9 



Einige Tertiärnerven endigen in den Zähnen dos Blitttrandcs. Typus von Gelastrus tUicinus. B. 
Keine randläufi^-on Tertiarnerven. 4. 



3. Mittlere Distanz der Secundärnerven * 



1/^. Tertiärnerven fast von der Stärke der Seeundären ^ unter 



verschiedenen stumpfen und spitzen Winkeln entspringend. Ein mittleres Secundärsogment enthält 



1 — 2 axenständige und G — 10 seitenständige Tertiärnerven. 



Gelastrus ilUcinus. 



4 



Mittlere Distanz der Secundärnerven '/^ — i/g. Tertiärnerven unter verschiedenen spitzen imd stumpfen 
Winkeln entspringend. Ein mittleres Seeundärsegmcnt umfasst 6^8 seitenständige Tertiärnerven. 

Gelastrus colUaus. 
Mittlere Distanz der Secundäi'nerven 1/4 — Vp.. Tertiärnerven spärlich j vorherrschend unter spitzen Win- 
keln entspringend. Ein mittleres Secundärsegment umfasst 1 — 2 axenständige und 2 — 4 seitenständige 
Tcrtiarncrven. 

Gelastrus dumetorum. 
Die oberen Secundärnerven entspringen unter spitzeren Winkeln als die mittleren. Typus von Gelastrus 
acuminatus. 5. 



' i 



Inhalt eines Secundärsea'ments 4 — 6 axenständige imd4 — 7 seitenständige^ oft c[uerläufige Tertiärnerven. 



t^ 



. Microtrojpis hivalvis, 

— Die unteren Secundärnerven entspringen unter Winkeln von 25 — 30*>. Ein mittleres Secundärsegment 
umfasst Iiöchstens 1 — 2 axenständige und 2 — 4 rechtwinklig entspringende scitenständige Tertiärnerven. 

Tutterlichia 'pyracantha. 

29. Secundärschlingen fast breiter als lang. Tertiärnerven unter rechtem Winkel entspringend. Die Axen 
der unteren Schlingen bilden mit dem Primärnerv stumpfere Winkel als die der mittleren und oberen. 

Hartogia s]y. 
Secundärschlingen länger als breit. Tertiärnerven vorherrschend unter stumpfen Winkeln entspringend. 
Die Axen der unteren Schlingen bilden mit dem Primärnerv meist spitzere Winkel als die der übrigen. 30. 

30. Quaternärcs Netz vollkommen ausgebildet; eine Tertiärmasche mnfasst zahlreiche quatcrnäre. Typus 
von Elaeodendrooi curtipGndulum. 31. 
Quaternärcs Ketz unvollkommen ent-\vickclt; eine Tertiännasehe schliesst höchstens 6 — 10 quatcrnäre 



Netzmaschen ein. Typus von Elaeodendron reticulatum. 32. 



31, Mittlere Distanz der Secundärnerven ^/^^ — -^ 



9 



Inhalt eines mittleren Secundärscgments 7 



9 axen- 



ständige und 8 — 12 seitenständige Tertiärnerven. 



Elaeodendro7i Orientale. 



Mittlere Distanz der Secundärnerven Vo — y^. Inhalt eines mittleren Secundärscgments 2 — 3 axen- 



ständige und 3—5 scitenständige Tertiärnerven. Schlingenbogen vom Rande bis auf 2 — 3"' entfernt. 



Elaeodendron curti])endulum. 



Mittlere Distanz der Secundärnerven V,. — ^A. 



Inhalt eines mittleren Secundärscgments 2 — 3 axen- 



ständige und o 



9 seitenständige Tertiärnerven. Schlingenfeogen vom Rande bis auf V" genähert. 



Elaeodendron exeels'um. 



32. ürs2:)rungs"\vinkG] der Secundärnerven 70 — 80''. 



Elaeodendron papillosum. 



UrsprungsAvinkel der Secundärnerven 55 — 65". Mittlere Distanz derselben y^ — y^. Tertiärnerven 



nicht verbindend. 



Elaeodendron reticulatum. 



r 

Ursprungs^vinkel der Secundärncj'ven 45— 65*>. Mittlere Distanz derselben yä^y^. Tertiärnei^vcn 

verbindend ^ längsläufig. 

Gelastrus lucidus. 



^ \ 






Ueiikschriften d. mathem.-naturw. CA. XIII. Bd. 



y 



50 Constantin v, Ettingsliausen. 

— Die oLeren Secundärncrven entspringen unter stumpferen Winkeln als die mittleren. 6. 
5. Mittlere Distanz der Secundärncrven Vs— Vt- Tertiärnei^ven sehr fein^ wenig licrvortretcnd^ meist unter 



spitzen Winkeln entspringend. QuatcrnÜres Netz rundmascliig. 

Mittlere Distanz der Sccundarnerven y^. Tertiärnerven niclit hervortretend. 



Celastrus acuminatus . 



Celastrus cassinoides. 



— Tertiärnerven hervortretend , unter wenig spitzem oder nahezu rechtem Winkel entspringend. Quatcr- 
näres Netz aus querovalcn Masehen zusammengesetzt. 

Celastrus rwpestris. 

6. Die untersten Secundärnerven unter auffallend spitzeren Winkeln entspringend als die mittleren und 
oberen, Typus von Daj>hne Mezereum. 7. 

— Die untersten Secundärncrven entspringen nicht unter auffallend spitzeren Winkeln als die übrigen. 10. 

7. Tertiärnerven längsläiiflg. Secundärnei^ven sehr fein. 



Tertiärnerven querläufig. 8. 

Tertiärnerven weder längs- noch querläufig. 9. 



CelaMrus empleurifoUus. 



8. Mittlere Distanz der Secundärnerven 



1 



Mittlere Distanz der Sccundärner^ c 



n 



z 



i 



\ 



k- 



Celastrtts capitatus. 



^^fi. Quatcrnäres Netz aus im Umrisse rundlichen Masclien 



gebildet. 



Mittlere Distanz der Secundärnerven '/^ 



Celastrus spathepltyllus. 



1^5. Quaternäre Nerven fast fehlend. 



• Celastrus senegalensis. 

9. Secundär- und Tertiarnerven sehr fein^ wenig hervortretend. Mittlere Distanz der ersteren Vr>- -Zahl der 



letzteren in einem mittleren SccundärseOTn ent 8 — 10. 



Celastrus Krauseanus. 



Secundär- und Tertiärnerven stark hervortretend. MittlereDistanzdcr ersteren 1/4^1/3 . Zahl der letzteren 
in einem mittleren Secimdärsegmente 3 — 5. 



10. Secundärncrven unter Winkeln von 20 — 35» entspringend. 11. 
— Secundärncrven unter weniger spitzen Winkeln abgehend. 12. 

11. Tertiärnerven kaum entwickelt. Secundärnerven sehr fein^ nicht hervortretend. 



Celastrus cam.j)estris. 



Celastrus linearis. 



1 



3 



— TertiärnervenunterstumpfenWinkelnentspringendj längsläufig, so wie die Seeundären scharf hervortretend. 

Celastrtts sj). nov. IIoll. 
12. Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln entspringend, verbindend^ mit dem Primärnerv fast parallellau- 
fend (längsläufig). Nervationstypus von Maytenus Boaria, 13. 

— Tertiärnerven niclit läni^-släufiir. 14. 
Secundärnei-ven eine kurze Strecke den Rand aufwäi-ts ziehend. Mittlere Distanz derselben y^ — Ye- Ein 
mittleres Secundärsegment enthält 4 — 5 seitenständige Tertiärnerven. 

Ma.ytenus Quarginata. 

Secundärnerven eine kurze Strecke den Eaud aufwärts ziehend. Mittlere Distanz derselben Vß — Vs- Ein 
niittlej'cs Secundärsegment enthält nur 2 — 3 seitenständige Tertiärnerven. 

Maytenus Jjoaria. 
Secundärnerven schon vor dem Rande in das stark hervortretende Blattnetz sich auflösend. Mittlere Distanz 
der Seeundäi-nerv^en 



— y^. Ein mittleres Secundärsegment enthält 4—5 seitenständige Tertiärnerven. 

Celastrus huxifolia. 
14. Tertiärnerven spärlich und nicht hervortretend oder fast fehlend. Netz wenig oder gar nicht entwickelt. 
Typus von Ileliantliemum vulgare. 15. 
Tertiärnerven zahlreich; scharf hervortretend^ meist kaum bedeutend feiner als die sccundären. 16. 



15. IJrsprungswInkcl der Secundärnerven 35— 45'>. 



Winkel der Secundärnei-ven 65 — SO*^. Mittlere Distanz derselben ^ 



Elaeodendron sessiUflojncm. 



7- 



Celastrtts ranmlosus. 



■-*■ 



AH rjm 



\^_V1 A^^ ^X 



r\ 



üöer die Nei^vation der Blattei' hei den Celastrineen. 



51 



Winkel der Secuntläriierveu GQ — 10^. Mittlere Distanz clcrselLen 



1 



6 



I 



Winkel der Secundärnerven 00 — TO^. Mittiere Distanz derselben y^ 



1 






OeloMrus refractits, 

Celastrus ovatiis. 



16. Tertiärnerven tpcriüußg. Secundärnervcn meist stark gesclilängclt. Typus von Salix fr agilis. 17. 



17 



Tertiärnerven nicht (.jucrläuligj vorlierrsclicnd unter reclitcm oder stumpfem Winkel entspringend. 18. 
Mittlere Distanz der Secundärnerven i/« — 1/5. Ein Secundärsegment 2— 3 axenständige und 5 — 9 seiten- 
ständige Tertiärnerven einsclüicssend. 



Celastrus ruber. 



Mittlere Distanz dcrSecundärncrvcn Vn 



Yg. Ein Secundärsegment 2 — 3 axenständige und 20 



25 oder 



mehr scharf hervortretende geschlängclto seitenständige Tertiärnerven enthaltend. 



\ 



Mittlere Distanz der Sccundärnerven Vü— 

nicht geschlängelte scitenständige Tertiärnerven enthaltend. 



Celastrus trigijjucs. 



'ifl. Ein Secundärsegment 3—5 axenständige und 20 



30 feine; 



Wi'tniner'ia dtscolor. 



MittlereDIstanzdcrSecundärnervenyis — Vi5- EinSecundärsegmentl — 3 axenständige und 10- 15 seiten- 
ständige Tertiärnerven enthaltend. 



Mittlere Distanz der Secu]ldärncr^'en y^ 
ständiiTC Tertiärnerven enthaltend. 



llartogia Thea. 



Yy. Ein Secundärsegment 6— 8 axenständige und 20 



30 seiten- 



i^. Mittlere Distanz der Sccundärnerven ^/,^ 
— Mittlere Distanz der Sccundärnerven 1 
die unteren ^0.^(^x1 die Basis zu genähert. 



6 



«4. T 



5- 






CatJia edulis. 
ypus A^on Elaeodendrooi si)liacroj)lnjU-inn. 19. 
icundärncrven unter Winkeln von 40 — 60*^ abgeliend^ 

Elaeodeudron capeuse. 



19 



Mittlere Distanz der Sccundärnerven geringer. Typus von Evonymus tivgens. 20. 



Ein mittleres Secundärsegment umfasst nur 1 
hin und lier gebogen. 



3 seitcjiständige Tertiärnerven. Sccundärnerven stark 



Elaeodciulron athranthum. 



Ein mittleres Secundärsegment umfasst 3 — IseitenständigC; nicJit liervortreten de Tertiärnerven. Secundär- 



ncrven fein^ geschlängelt^ nicht auffallend hin und her gebogen. 



Elaeodeudron sjghaerophyllum. 



Ein mittleres Secundärsegment enthält 4 — 6 hervortretcjide seitenständige Tertiärnerven. Sccundär- 
nerven scharf hervortretend. 

Elaeodeudron ■psilocarpitm. 

20. Sccundärnerven unter verschiedenen ziemlich spitzen Winl-Lcln CJitspringcnd^ die grundständigen genähert^ 
alle scharf hervortretend. Tertiärnerven unter sehrverschicdcncn spitzen und stumpfen Winkeln abgeliend, 
ein unregelmässigcs; aus länglichen Maschen zusammengesetztes, hervortretendes Netz bildend. 

Elaeodendrort australe. 
Tertiärnerven unter stumpfen Winkehi abgehend, entfernt, ziendich scharf hervortretend, einige ver- 



bindend. Mittlere Distanz der Sccundärnerven 1 



ü 



'A- 



Evonymus tingens 



— Die inneren und unteren Tertiärnerven unter stumpfen, die äusseren unter spitzen Winkeln entspringend, 
nicht hervortretend, ein sehr lockeres, aus rundlichen Maschen zusammenfresetztes Netz bildend. Ein 



Secundärsegment 4—6 seitcnständjge Tertiä'rnerven einschliessend. 



Evonymus frlgidus. 



Tertiärnerven unter wenig spitzen Winkeln oder unter rechtem entspringend, meist netzläufig. Ein 

Secundärsegment jederscils 10 — 20 scitenständige Tertiärnerven umfassend. 

Evonymus atrojjurpureus- 






ii 



J 



7* 



52 



Co n s tant in v. Ett ings li a ii seil 






Beschreibung der Nervation dox Blätter. 

nalongia sp. n. (lierL. Mus. Yindob 

Mexiko. 



« 



'// 



Ta£ II, Fig. 1^-3- 

Nervation 8chliiiglau%, Typus von Prunus. Primärnerv gerade, ziemlich liervortretend, 
Yollkommen deutlich bis ans Ende der vorgezogenen Spitze laufend, aus einem kurzen 2—3 
langen Stiele in die Blattfläclie tretend. Secundarnerven aus dem P. unter Winkeln von 75 — 85^ 
abgehend, in der mittleren Distanz y^. Verlauf derselben anfangs gerade, ziemlich scharf her- 
vortretend, dann feine]- und etwas geschlängelt; Schlingen vom. Eande bis auf 1'" entfernt mit 
feineren Aussenschlingen umgeben. Tertiarnerven zerstreut unter versciiiedenen Winkeln 



90 abgeliend. 



entspringend, vom P. fast immer unter 80— 

Durch die verhaltnissmässig mehr hervortretenden Aussenschlingen und die Unregel- 
mässigkeit im ürsprungswinkel der Tertiärnerven vom Przmz^eS'-Typus abweichend. 



Die celastrusartigen Blattfossilicn mit deutlich gezähntem Pand 



b 



e und länger vorgezo- 



gener Spitze, wie solche Formen besonders ausgezeichnet in der Sotzka-Flora erscheinen, dürften 
wohl bei der Gattung Dalongia ilire nächsten Analogien finden. 



Iffygßinüa iatifoiia Öwartz 



West-ludicn. 



Taf. n, Fig. 4 — 5. 



Nervation bogcnläufig, Typus von Co7mus, Primärnerv nur an der Basis stärker hervor- 
tretend, fast gerade, gegen die Spitze zu allmählich verfeinert, aus einem sehr kurzen, kaum V" 
langen Stiel in den Laminartheil tretend. Secundarnerven aus dem P. unter AVinkeln von 
40 — 50^ entspringend, die mittleren verlängert. Mittlere Distanz Yg. Tertiärnerven sehr spärlich. 
Einige der S. zeigen einzelne unter sehr spitzen Winkeln abgehende Aussennerven oder 
einfache Gabelspaltung. 



Eine asiatische, von Baron Ilugel gesammelte My g Inda- Axt ^ Taf. I, Fig. 4, zeigt 
grössere ganzrandige mehr rundliche Blätter, aber in dem Typus der Nervation viele 
Übereinstimmung mit obiger Art. Mit Ausnahme der reichlicheren Entfaltung des Tertiär- 
netzes gelten fast dieselben Angaben. Die T. entspringen unter ziemlich spitzen Winkeln 
und sind querläufig. Die quaternärcn und quinternären Nerven gehen unter fast rechtem 
Winkel ab und begrenzen ein feines, aus länglichen Maschen bestehendes Netz. Ein mittleres 
Secundärsegment enthält 6 — 8 rechtwinklig entspringende 

L 

nerven. Die Tertiärsegmente sind länglich und umfassen einige Tertiär- und mehr als 20 



und 12 — 15 scitenständigc Tertiär- 



quaternäre Maschen. 



* 



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■l X ' k ^=F" 



*L^- r 



^'tfl 



R6er fZ/e Nervation der BlättGi-' hei den Celastrineen. 



53 



Mit den Blättern der genannten Myginda-Krtan zeigen Blattfossilien der Floren von Sago 
und Parsclilug viele Ahnliclikeit. Man kann dieselben nur noclimit Corneen und Malpigliiaceen, 
Avel(*]ie Familien ebenfalls nielirere älniliclie Blatttypen aufweisen ^ vergleiclien. 



i \ 



Eiaeodendron capense Ecki. et Zeyli. 

Cap. 

Taf. 11, Fig. 9. 

Nervation netzläufig, Typus eigentlnimlicli. Primärnerv aus der Basis liervortrctend, 



gegen die Spitze zu allmälilicli verfeinert, aus einem 2 — ?>'" langen Stiele in die Lamina 
zieliend. Secundärnerven unter Winkeln von 40 — 60" abgebend, die unteren gegen die Basis zu. 

^ 

genähert, wenig hervortretend, schon in ziemlicher Entfernung vom Eande gabclspaltig und in; 

r 

das Blattnetz übergehend. Mittlere Verliältnisszahl ihrer Distanz zur Länge des Primärnervs: 
G bis ^/r,. Tertiärnerven unter verschiedenen spitzen und stumpfen Winkeln entspringed, ein^ 
lockeres, unregelmässig entwickeltes Netz bildencL Die Zähne des Blattrandes werden nur von. 
Tertiärnerven und deren Asten versorgt. 

Eine unter den Fossilien der Tertiärschichten nicht selten erscheinende Blattform. 



ir 



;! 



Eiaeodendron paniculatuiu Wght. et Arn. 

h 

L 

Ostiudictt. 

Nervation netzläufig, Typus eigenthümlich. Primärnerv nur an der Basis stärker hervor- 
tretend, gegen die Spitze zu allmählich verfeinert, aus einem 2 — 3" langen Stiele in die 

diend. Secundärnerven unter Winkeln von 40- — 60" entspringend, kaum hervor- 
tretend, etwas schlängelig , in der mittleren Distanz Vs^^Vg- Tertiärnerven spärlich unter ver- 
schiedenen Winkeln abgehend, ein lockeres Blattnetz bildend. 



Etaeodendvon sessiliflonuvn (Syn. Mystroxylon sessiliflorum Eck], et Zcyli.) 

Cap. 




ervation netzläufig , 



Taf. II, Fig. G. 

Typus von IleUanthemiim vidgare. Primärnerv verliältnissmässig 



stark hervortretend, nur unterhalb der Spitze verfeinert, aus einem 1—1 V2'" langen Stiele 
tretend. Secundärnerven spärlich entwickeltj nicht hervortretend, unter AVinkeln von 35 — 45** 
entspringend, sogleich oder nach einigen Gabelspaltungen aufgelöst. Tertiärnerven sehr 
spärlich oder fast fehlend. Blattnetz nicht entwickelt. 



Elaeodendron sphuerophy Hunt (Sjn. lljstroxjlon siAmoTo^lijllum'Eckl. et Zeyh.) 

Cap. 

Tab. II, Fig. 7—8. 

Nervation netzläufig, Typus eigenthümlich. Primärnerv verhältnissmässig stark hervor- 



tretend, bis zur Spitze auslaufend. Secundärnerven unter Winkeln von 50 



6 5*^ entspringendj 



die grundständigen genähert, mehr bogig, unter spitzeren, die oberen mehr geschlängelt unter 



54 



Gons tantin v, Ettingsliausen, 



stumpferen Winkeln abgeliend^ zicmlicli scliarf licrYortrctendy mittlere Distanz y^ — Yg. Tertiär- 
nerven meist unter nahe reclitem Winkel entspringend j oft verbindend, ein loekeres, hervor- 
tretendes Netz bildend. 






B^laeodendron austräte Vent. 

Neuholliind. 



Fig. 1 



Nervation nctzläuflg; Typus von Evonymus tingens, Primärnerv stark hervorfretend^ 

gegen die Spitze zu aber sekncll verfeinert. Secundärncrven unter vcr- 



Fiii:. 1. 




scbiedenen ziemlicli spitzen Winkeln entspringend , die 
genälicrt , alle scliarf liervortretend; mittlere Distanz 



grundständigen 
. Tertiär- 
nerven unter selir verschiedenen spitzen und stumpfen AVinkeln abgehend, 
ein unregelmässiges aus länglichen oder lanzettlichcn Maschen bestehendes 
hervortretendes Netz bildend. 

Ein in Form undNervation völlig übereinstimmendes Fossil fand sich in 
den Tertiärschichten von Sotzka vor, wie überhaupt diese fossile Flora eine 
nicht unbeträchtliche Zahl sehr charakteristischer Celastrinen-Formen aufzu- 



weisen 



1 hat. 



Auch in der fossilen Flora von Häring kamen analoge Blattformen zum 



Elaeodendron atisirale. 



Vorschein. 



Etaeodendron Orientale Jacq. 

Ins. St. Mauritius, Madagaskar. 

Taf. I, Fig. 8. 

Ncrvation schlingläufig, Typus von Elaeodendron curtipendidum, Primärnerv verhältniss- 
mässig stark hervortretend , gegen die Spitze zu allmählich verschmälert, aus einem 2 — 3"' 
langen Stiele abgehend. Secundärncrven unter Winkeln von 50 — 65*^, die grundständigen 

. Schlingen ansehnlich 



meist unter spitzeren entspringend; mittlere Distanz derselben *^ 
breit, ihre Bogen vom Eande ziemlich entfernt und mit zahlreichen Aussenschlingen begrenzt; 
die unteren Schlingenaxen mit der Richtung des Primärnervs Winkel von 40 — 50^ bildend. 
Tertiärnerven unter vorwaltend stumpfen Winkeln entspringend, hervortretend, ein lockeres 
aus rundlichen Maschen bestehendes Netz erzeugend. Quatcrnäres Netz noch ziemlicli stark 
hervortretend, aus rundlichen Maschen gebildet. Ein mittleres Sccundärsegment 1 — 2 hervor- 

jedcrseits aber 8—12 seitenständige Tertiärnerven 



? 



tretende und 7—9 feinere axenständige , 
enthaltend. 

Eine sehr ähnliche Blattform lieferte die an interessanten Fossilien so reiche Localität 
Sagor in Krain. Die Ncrvation des Fossils weicht von der des recenten Blattes nur durch 

4 

etwas stumpfere Ursprungswinkel der Secundärncrven und durch die geringere Anzahl der 
seitenständigen Tertiärnerven in einem mittleren Secundärsegmente ab. 

Auch unter den Pflanzenfossilien von Parschlug in Steiermark ist mir ein Blatt vorge- 
kommen, das der Ncrvation nach mit Elaeodendron Orientale übereinstimmt. 



5 



>^ 



>"^--:-iV - -y'VJl^^i^ri-' ^ 



i-f^ic- 



.1 



Übe?' die Nervation der Blätter hei den Celastrineen. 



55 



Fig. 2. 




Elaeodendron sp. Nov. lioU. 



Elaeodendron sp, notf. 

Neuliolland. 

Taf. I, Fig. 9. 

Nervation sdilingläufjg, Typus eigentliümlicli. Primärnerv 
stark hervortretend j gegen die Blattspitze zu nur wenig ver- 
sclmiälortj aus einem 4— 



r^ III 



V]2. Sclilingen anselmlict 



langen Stiele abgehend. Secundär- 
nerven unter Winkeln A^on 80 — 90^ entspringend; mittlere Ver- 
liältnisszalil ihrer Entfernung Vi5~ 
länglich elliptisch ^ ihre Bogen vom Rande entfernt, mit hervor- 
tretenden Aussenschlingen umgehen; Winkel der Schlingenaxen 
mit der Eichtung des Primärnervs ziemlich gleich j 



die der 



unteren kleineren und schmäleren Schlingen meist 90^ Terti'är- 
nerven unter verschiedenen spitzen Winkeln abgehend , oft 
verbindend, nur unbedeutend schärfer als die zahlreichen, 
stark hervortretenden, ein rundmaschiges Netz bildenden qua- 
ternären Nerven. 



Ein mittleres Sccundärsegment 3 



6 axenständige und 



jederseits 8 — 12 seitenständige Tertiärnerven enthaltend. 

r 

Ein soAvohl in der Blattform als in der Nervation über- 
einstimmendes Fossil kommt in den Mcigelschicfern von Sotzka 
in Untersteiermark nicht selten vor. Das Museum der k.k. geolo- 
gischen Eeichsanstalt besitzt einige sehr wohlerhaltene Exem- 
plai*e desselben, an denen, man selbst die Verästelungen der 



tertiären und qu 



aternären Nerven noch verfolgen kann. 



Ich 



glaube, dass man dieses Fossil vielleicht noch mit Arbutus- oder Clethra- Blättern, niemals aber 
mit Ficus verwechseln darf, wie dies Unger mit einer andern Elaeodendron- Art von Sotzka 
gethan, welche er auch wegen der von Ficus völlig abweichenden Form „Ficus degener" 

benannte. 



MSiaeodeudron unduinfunu 

w 

i 

Cullivirt in dein k. k. Hofirarten zu Scliönbrunn 



Taf. II, Fig. Ki. 



Nervation schlingläufig, Typus von Senecio nemorensis, Primärnerv nur g^^g^i^ die Basis 

* 



, aus einem 2 — -"i"' langen Stiele 



* 

7.\x Stark hervortretend, unter der Spitze bedeutend verfeinert 

abgehend. Secundärnerven unter Winkeln von 70^80*^ entspringend, mittlere Distanz ^_ 
Schlingen länglich, bogig dem Rande zuneigend, demselben bis auf V" genähert, mit einigen 
Aussenschlingen umgeben. Schlingenaxen mit der Eichtung des Primärnervs Winkel von 70 
bis 80", die der etwas spitzeren untersten Schlingen jedoch nur 60 — Go^einschliessend. Tertiär- 
nerven anter spitzen Winkeln abgehend, oft verbindend, fast querläufig, stärker hervortretend 
als das feine, aus rundlichen Maschen zusannnengesetztc Blattnetz. 



u 



.11 



56 



Gonstantiii v, EuAngsliause 



n 



Fig. 3. 




Elaeoäendron %p> Nov. llolL 



Elaeoüendron sp. indetevm,. 

NeahoUand. 

Taf. 11, Fig. 12. 

Nervatlon schlingläufig, Typus von Gynoglossum qfficinah, Primär- 
nerv nur an der Basis etwas hervortretend , gegen die Spitze zu bis zur 
Feinheit der Sccundärnerven verschmälert, aus einem 1 — 2"' lanwn Stiele 
ahgeliend. Sccundärnerven sehr fein, kaum hervortretend, unter Winkeln 
von 45 — 60" entspringend; mittlere Distanz Vt— Vo- Schlingen meist 
unrogelmässig, Bogen dem Bande bis auf 1'" genähert, ohne hervortretende 
Aussenschlingen. Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln entspringend, 
manchmal verbindend, ein lockeres, aus länglichen Maschen zusammen- 
gesetztes Netz begrenzend. 

Ahnlich Blattfossilien von Parschlug und von Sotzka in Steiermark. 
Man kann dieselben wohl auch mit Ericaccen vero-lcichen. 

Beiliegende Figur stellt den Abdruck der oberen Fläche eines Blattes, 
Fig. 12 auf Taf. II einen Abdruck von der unteren Blattfläche dar. 



Fig. 4. 



Eiueodendron glaucum P 

Ost-Indien. 

Taf. II, Fig. 14. 



ers. 




Nervation schlingläufig, Typus eigenthümlich. Primärnerv 
ziemlich stark hervortretend, unter der Blattspitze verfeinert, aus 



einem 4 



6 



/// 



langen Stiele abgoliend. Secundärnerven untei 



ElacodenrJron glaurum 



Winkeln von CO — TO'^ entspringend, mittlere Distanz "derselben \ 
l)is %. Schiingensegment etwas gekrümmt, mehrmals länger als 
breit. Bogen dem Bande genähert; aus der Mitte desselben geht 
ein Tertiärnerv in den Einschnitt zwischen den Kerben des Bandes. 
Die unteren Bogen sind mit einigen Aussenschlingen umgeben, die 
unteren Schlingenaxen bilden kaum stumpfere Wijikel mit dem 
rrimärnerv als die oberen. Tertiärnerven unter Avenig spitzen 
Winkeln abgehend, manchmal verbindend, kaum schärfer hervor- 
tretend als die feinen, ein lockeres Maschennetz zusammensetzen- 
den quaternären Nerven. Secundärsegment 3 — 4 spitzwinklig 
entspringende axenständigc und jcderscits 6 — 9 scitenständige 
Tertiärnerven enthaltend. 



ttllaeodenüron cnriipedidulum Endl 

!ii8el Norfolk. 



Taf. I, Fig. 5. 

Nervation schlingläufig, Typus eigenthümlich. 



Primärnerv von einem 5 — 6'" langen 



Stiele abgehend , stark hervortretend, unter der Blattspitzo verfeinert. Secundärnerven unter 



■jxw II i^iTfff-r. t 



^^^J^^^^^^^^^^j^^^^^^J^^^^^^^/^^^^^JJ^^^^J^^^^j 



Über die Nervatlon der Blätter hei den Celastrineen, 



57 



Winkeln A'on CO — 75^ entspringend, mittlere Distanz derselben y^- — y^. Schlingen längliclij vom 
Rande meist um 2 — 3'" entfernt, fast alle mit Aussensclilingen begrenzt; die unteren Schlingen- 
axen bilden spitzere AVinkcl mit dem Primärnerv als die oberen. Tertiärnerven unter verscliie- 
denen spitzen and stumpfen Winkeln abgebend, selten verbindend, sehr wenig hervortretend. 
Quaternäre Nerven fast so stark als die tertiären, ein zartes, aus quer-ovalen Maschen 
bestehendes Netz erzeugend. 

Ein mittleres Sccundärsegment 2 — 3 axenständigc und jederseits 3 — 5 seitenständige 
Tertiärnervcn einschliessend. 

Dieser Bhxttform steht ein in den Tertiärschichten von Häring in Tirol aufgefundenes 
Blattfossil sehr nahe. 



Fig. 5 



Elaeodtiudron excelsuni. 



Elaeodendrou excelsuni Eckl. ctZcyh. 

Cap. 



Taf. I , Fifv. 1 




Nervation schlingläufig, Typus von Elaeodendrou reticulatum. Primär- 
nerv aus caiem 2—4'" langen Stiele abgehend, stark hervortretend, unter 
der Spitze aber verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 65-^75*^ 
entspringend, mittlere Distanz derselben y^; — Vo* Schlingen breit, in der 
Länge nicht das Doppelte der Breite erreichend. Schlingenbogen dem Eande 



bis auf V" genähert, ihre Äste unter stumpfen AVinkeln divergirend. Mehrere 
hervortretende Aussenschlino'cn vorhanden. Die unterste Schlino-cnaxe mit 
dem Primärnerv einen spitzeren Winkel bildend als die übrigen. Tertiärnerven 
unter vorherrschend stumpfen Winkeln abgeliend, selten verbindend, ziem- 
lich stark hervortretend, verästelt, ein grobmaschiges Netz bildend, das die 
ebenfalls stark licrvortretendcn quaternären Nerven cinschliesst. Ein mitt- 
leres Sccundärsegment 2 — 3 axenständigc und jederseits 6— 9 seitenständige 
Tertiärnerven einschliessend. 



I 



Eiaeodendrfyn oiiffocavpum (Syii.M.\^iroxylon oligocarpnm Eckl. et Zoyli.) 

Cap. 



FJo-. G 



Elaeodeudron oUgo 
carpian. 



Taf. I, Fig. 7 




Nervation schlingläiifig, Typus von BelUdiastriau MiclieUi, Primärnerv 
von einem nur y^ — V" langen Stiele abgehend, hervortretend, gegen die Spitze 
zu etwas verfeinert und geschlängelt. Secundärnerven unter Wiidccln von 40 



bis 50^^ entspringend, mittlere Distanz 



y.. Schlingen sehr breit, in der Länge 



kaum etvas die Breite übertreffend, die grundständigen auffallend lang und 
spitz, fast die Hälfte der Blattlänge erreichend. Schlingenbogen bis auf V" dem 
Bande geiiähcrt, Schlingenäste unter sehr stumpfen Winkeln divergirend. Idervor- 
trctende Aussensclilingen spärlich ; Winkel der unteren Schlingenaxcn mit dem 
Primärnerv kaum spitzer als die der oberen. Tertiärnerven spärlich; unter ver- 
schiedenen Winkeln entspringend, ein lockeres Blattnetz bildend. Quaternäres 



Benkscisriftcn der matlioni -nnturw. C]. XITT, Bd. 



58 



Constantin v. Ettingsliaiisen. 



Netz unvollkommen entwiekelt, aus ovalen oder längliclicn Masclicn zusammengesetzt Ein 
mittleres Secundärscgment 5 — 7 axcnständige und jederseits 3 — 4 seitenstUndige Tertlär- 
ncrven umfassend. 



Eiaeuiieudrou papliios 



IT eil s t, 



Fio-. 7. 



? 



' ''r,. Sclilingcn kaum 



3 



Cap. 

Taf. I, ^ig, G. 

r 

r 

Nervation schlingläufig, Typus von Elaeodendron reticidatum. Primär- 
nerv von einem 2 — ?>'" langen Stiele aligelicnd, selir stark liervortretend 
gegen die Spitze zu allmälilicli vcrsclimälert. Secundärnerven unter Win- 
keln von 70 — 80^' entspringend, mittlere Distanz y^; — 

nocli einmal so lang als breit , Sclilingenäste unter selir stumpfen Win- 
keln divergirend, Bogen dem Eandc fast parallel laufend, demselben bis 
auf V" genähert, mit mehreren hervortretenden Ausscnschlingen umgeben. 
AVinkel der oberen und unteren Schlingenaxen mit dem Primärnerv nahezu 
gleich. Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln abgehend, hervortretend, 
stark verästelt, einige verbindend, ein grobmaschiges Netz bildend. Quater- 
närc Nerven unvollkommen entwickelt. Ein mittleres Secundärsegmcnt 
4 axcnständige und jederseits 5 — 7 seitenständige Tertiärnerven umschliessend. Eine 




Elaeodendron sp. Cap^ 



nahezu übereinstimmende Nervation zeigt das Blatt Fig. 7 einer noch unbestimmten Elaeo- 
dendron-Art vom Cap. 



WllueodendrOM reficmiuium (Svn. Lauridia, rcticulata Eckl. et Zcyli 



Ca]). 

Taf. in, Fig. 4—5. 



Nervatlon 



schlinglänfiir 



T\^ 



o ? 



Typus eigenthümlich. Primärnerv von einem beiläufig 1" 



f 



langen Stiele abgeliend, bis zur Spitze stark hervortretend. Secundärnerven unter Winkeln 
von 55 — 65^ entspringend, mittlere Distanz ^/..—^^/^.. 



Schlingen noch einmal so lang als breit 



oder auch länger. Schlingenäste unter selir stumpfen Winkeln divergirend. Bogen dem Rande 
fast parallel, bis auf Ya'" genähert. Piervortretende Aussenschlingen vorhanden. Winkel der 
unteren Sclilingenaxen mit dem Primärnerv spitzer als die der oberen. Tertiärnerven unter 
stumpfen Winkeln entspringend, fast so stark hervortretend als die secundärenj verästelt. 



nicht verbindend, ehi grobmascliigesTsetz bildend. QuaternäresNetz unvollkommen cntAvickelt. 
Ein mittleres Secundärsegmcnt enthält 2^3 spitzwinklig entspringende axcnständige, und- 

jederseits 4— 



—5 seitenständige Tertiärnerven. 

Diese Form stimmt im Typus der Nervation mit den Blättern von Elaeodendron papä- 
losum und Celastrus lucidus übercin, mit welchen Arten sie insbesondere ein unvollkommen 
entwickeltes quaternäres Netz thcilt. 

Yon ersterer ist dieselbe durch die spitzeren Abgangswinkel der Secundärnerven, von 
letzterer durch die geringere Distanz dieser und durch die Verbindenden meist längsläufigcn 
Tertiärnerven verschieden. 

Eine der Nervation nach sehr ähnliclie Form sammelte ich in den Tertiärschichten von-' 



Sao-or. Dieselbe ist nur noch mit Arten von Sapotaceen zu vergleichen. 



ö 



oH^b«^. 



t-^mt— . 



Übe?' die Nervaüon der Blätter bei, den Celastrineen 



59 



I 



1 






ElaeodendVfßU pnbescens (Syn. Mystroxylon pubesccns Erkl. et Zcy 

Cap. 

Taf. I, Fig. 2—3. 

Nervation schlingläufig , Typus eigentliümlich. Primärnerv von einem %— 1" langen 
Stiele abgehend, stark hervortretend, unter der S^oitze verfeinert. Secundärncrven unter Wiii- 
keln von 40 bb'- entsjDringend , die 2—3 imtersten Secundärncrven unter stumpferen Win- 
keln, auffallend der Basis genälicrt, beinalie straliUäufig gruppirt; mittlere Distanz %— V^. Die 
mittleren und oberen Schlingen fast so breit als lang, die untersten schmäler und doppelt oder 
drcifacli so lang als breit. Schlingenäste unter stampfen Winkeln divergirend. Sclilingenbogen 
dem Eande bis auf IV2'" genähert, mit einigen hervortretenden Aussenschlingcn umgeben. Die 
untersten Schlingenaxen bilden mit dem Primärnerv spitzere Winkel als die übrigen. Tertiär- 
nerven unter dem Winkel von 90"^ entspringend, oft verbindend, ein sehr lockeres Netz bihlend. 
Quaternäre Nerven fast unentwickelt. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 2 — 3 axen- 

L 

Ständige und jederseits 3 — 4 seitenständige Tertiärnerven. 






EUteodendvon athranihum (Syn. Mysü-oxylon adiranthum Eck!. etZcyl 

Taf. II; Fig. 10. 

Nervation netzläufig, Typus von /SaZ^x' re^/c^/Zato. Primärnerv von einem 



V" langen 



Stiele abgehend, etAvas hervortretend, sclnvach geschlängelt, unterhalb der Spitze fast verschwin- 
dend. Secundärncrven unter Winkeln von 50^65" entspringend, stark hin und her gebogen, 
mittlere Distanz 7^— 'A? die mittleren und oberen Sccundärscgmente kaum länger als breit, 
die untersten schmäler und doppelt so lang. Änastomosenäste vmter seln^ stumpfen Winkeln 
:li 



Uivero-irend, Anastomosen dem Piande bis auf 



1 / '/' 



genähert. Hervortretende Aussenschlingcn 



selten. Die Axen der untersten Sccundärsegmente bilden mit dem Primärnerv spitzere Winkel 
als die übrigen. Tertiärnerven sehr spärlich, unter rechtem AYinkel abgehend. Quaternäre 
Nerven fehlend. 



Elneodendron psilocarpu^n (Syn. My^troxylon psllocarpum Eckl. et Zeyli.). 

Cap, 



Taf. II , Fig". 1 1 



Fig. 8. 



Fig. 





Elaeodciidron psilocarpum. 



Ncrvation netzläufig, Typus von Salix reticidata. Primärnerv 
aus einem 1 — V/J" langen Stiele hervorgehend, fein, gegen die 
Spitze zu oft fast verschwindend. Secundärncrven unter Winkeln 
yon 40—50' entspringend, fein, geschlängelt, nicht auffallend hin- 
und her gebogen, mittlere Distanz derselben ^^ — Vs- Sccundär- 
segmente noch einmal so lang als breit, ziemlich stark bogig 
o-ckrümmt, Änastomosenäste der Secundärncrven meist unter spitzen 
Winkeln divergirend, Anastomosen dem Eande bis auf 1'" genähert; 
keine hervortretenden Aussenschlingcn. Die Axen der untersten 

8* 



GO 



Constantin v. Ettin g sliaus en. 



viel sclimlileren Seeundärsegmentc bilden mit dem Primärnerv spitzere Winkel als die oberen 
Tertiärnerven sehr zerstreut, mitcr reclitcm Winkel abgebend, kaum in ein Netz vereinigt 
Quaternäre Nerven feblend. 



JEiaeodendron eucieue forme (Syn. Mystroxjlon cuclcacformc Eck!. ctZcyk). 

Cup. 

Taf. III, Flg. 1—3. 

Nervation scblingläufig, Typus von BelUcUastrum MiclicUi Primärnerv aus einem 



3 / /// 



langen Stiele abgehend, wenig hervortretend, gegen die Spitze zu oft im dicken lederartigen 
Parenchym verborgen. Secundärncrven etwas schlängelio- die untersten unter Winkeln von 



40 — 45*^, die mittleren und oberen unter 50 — 60'^ entspringend, mittlere Distanz y^ Yg. Die 

grundständigen Schlingen vorgezogen, spitz, die übrigen Schlingen kürzer oder kaum so lang 
als breit. Schlingenäste unter rechtem A¥inkelj seltener unter wenig spitzem divergirend. Bo^'en 
dem Eande bis auf y/" genähert, mit einigen hervortretenden Aussenschlingcn umgeben. Die 
Axen der grundständigen Sclilingen bihlen mit dem Primärnerv spitzere AViiikel als die 
übrigen. Tertiärnerven zerstreut, unter verschiedenen, meist wenig spitzen Winkeln abo-chcnd; 
in ein kaum hervortretendes grobmaschiges Netz vereinigt. Ein mittleres Secundärscgment 
3 — 5 axenständigc und jederseits 3 — 4 seitenständige Tertiärnerven umfassend. 



'^Vimmeria discoiov 



Mexico. 



Taf. III, Fig. 10^17. 



ß 



Primärnerv aus einem 2 — 4'" 



langen 



Stiele abgehend, stark hervortretend, gegen die Spitze zu verschmälert, unter derselben oft 

70^ entspringend, sehr fein, kaum 



fast aufgelöst. Secundärnerven unter Winkeln von 45— 

hervortretend, gegen den Pand zu geschlängelt und an demselben eine kurze Strecke hinauf- 



'/ 



1 



10 



. Tertiärnerven querläufig, aus dem Primärnerv unter nahezu 



rechten, aus den secundären unter sehr spitzen Winkeln entspringend, genähert; crstere, oft 
fast von der Stärke der Secundärnerven, verbinden sich mit den nächststehenden unteren 
secundären. Maschen des wenig hervortretenden Tertiärnetzes läno-lieh. Quaternäres Netz nicht 

-30 meist 



5 axenständigc und 20- 



entwickelt. Inhalt eines mittleren Sccundärsegments 3— 
gabelspaltige seitenständige Tertiärnerven. 

Diese interessante Nervationsform stimmt wegen der geschlängeltcn Secundär- und der 
querläufigen Tertiärnerven mit Catlicc eduUs^ Ilartogia Thea^ Gelastnis ruber und C. trigijniis 
überein. Am nächsten stehen derselben die beiden letztgenannten Arten. A^on der Nervation 
des Gelastrics ruber unterscheidet sie sich durch die auffallend mehr genäherten Secundär- und 
die feinen, bei weitem zahlreicheren seitenständigen Tertiärnerven; von der des (7. trighms 
durch die etwas grössere Anzahl der axenständigen Tertiärnerven. Von der ebenfalls ähnlichen 
Nervation der Catlia edaUs ist sie durch die geringere mittlere Distanz der Secundärnerven, 
welche niemals y^ erreicht, leiclit zu trennen. 

Eine sehr ähnliche Blattform lieferte die fossile Flora von Sotzka. 



) 



Über die IServation der Blätter bei den Celastrineen 



Gl 



Fig. 10 





MMartogiu Vhea. 

Cap. 

Taf. in, Fig. 15 — 13. 

Nervation netzläufig j Typus \on Salix fragilis. Primärncrv aus 
einem 1 — V/^" langen Stiele abgeliencl, licrYortretenJ, gegen die Spitze 
zu verfeinert. SecunclärnerYen unter AVinkeln von 40 — 55^ entsprin- 
gendj scharf hervortretend, gegen denliandzu geschlängeltj oft gabel- 



« * 



Hartogia Tkea. 



spaltig j die Astchen, Yersorgon die Zahne des Blattrandos; mittlere 
Distanz der Secimdärnervcn 7^- — y^g. Tertiärnerven meist quorläufig, 
verzweigt, ziemlich scharf hervortretend, ein lockeres, aus rundlichen 
Maschen bestehendes Netz bildend, das ein feineres, wenig entwickeltes 
quaternäres einschliesst. Inhalt eines mittleren Secundarsegments 1 bis 

3 rechtwinklige axenst'andige und 10 — 15 verzweigte seitenständige 
Tertiärnerven. 

Eine Blattform, welche mit manchen Myrica- ähnlichen Blatt- 
fossilien zu verglciclien wäre. 



Hartogia capensis Li an. 

Cap. 

Taf. in, Fig. 14—15. 

r 

Nervation sehlingläufig, Typus von Scnccio nemorensis, Primärnerv aus einem 2 






langen Stiele abgehend, bis zur S23itze hervortretend. Secundärnerven unter Winkeln von 



50 — 65^^ entspringend, mittlere Distanz ''/^.y 



10- Schlingen noch einmal so lang als breit, 



Schlingenbogcn dem Rande bis auf y/' genähert , Äste unter sehr stumpfen Winkeln diver- 
girend. Keine Aussenschlingen voidiandcn; dieAxender grundständigen sclimälercn Schlingen 
bilden spitzere AVhikel mit dem Priraärnerv als die mittleren und oberen. Tertiärnerven sehr 
zerstreut, unter wenig spitzen Winkeln entspringend, selten verbindend, kaum in ein Netz 
vereinigt. Quatcrnärc aSTerven unvollkommen entwickelt. Secundärsegment 1 — 2 spitzwinklige 
axenständige und 3 — 4 seitenständige Tertiärnerven enthaltend. 

Ahnliche Blattformen bieten die fossilen Floren von Parschluo; und von Sotzka. Sie wur- 
den gewöhnlich als Myrica- oder Quercus-Blätter bezeichnet. 



Hartogia sp. n. 6739. Dregc 

Cap. 



Taf. ni; Fig. 9—10. 



x^ 



Nervation schlingläufig, Typus von Myosotis sylvatica. Primärnerv aus einem 



1 



/// 



langen Stiele abgehend, fast durch die ganze Blattlänge scharf hervortretend , nur unter der 
Spitze verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 70 — 80^ entspringend; mittlere Distanz 



derselben ^/-^ — V^. Schlingcnsegmcnte, wenigstens die mittleren, länger als breit. Schlin- 
genbogen dem Bande parallel und demselben bis auf y^'" gcnäliert, daher fast saumläufig 



62 



Gonstantin v. Ettingshaitsen 



ersclicinendj Aste unter sehr stumpfen Winkeln cliTergirend. Keine Aussensclilingen vorlianclen. 
Die Axen der etwas sclimäleren grundständigen Schlingen bilden mit dem Primärnerv kaum 
spitzere Winkel als die übrigen. Tertiärnerven spärliclij nnter sehr stumpfen Winkeln abgehend, 
manchmal verbindend, kaum in ein Netz A'Creinigt. Quaternäre Nerven nicht entwickelt. 
Inhalt eines Sccundärsegments 2 — 4 seitenständige verzweigte Tertiärnerven. 



Fig. 12. 




Hariogia sp. 6740^ Drcgc. 

Taf. ni, Flg. 11. 

Nervation schlingläufig, TyjDus von Doroiiicimi aiistriaciim. Primärnerv 



aus einem 



9 



3"' langen Stiele abgehend, durch die o^^nze Blattlänffe hervor- 



tretend, nur unter der Spitze verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 
65 — 80*^ entspringend, in der mittleren Distanz ^ 



V5. Schlingen, wenigstens 



die mittleren, fast breiter als lang, Schlingenbogen scharf hervortretend, dem 
Eande ziemlich parallel und bis auf V/.^" entfernt, mit zahlreichen Aussen- 
sclilingen in zwei- bis dreifacher Reihe umgeben. Sehlingenäste unter rechtem 
oder stumpfem Winkel divergirend. Die Axen der unteren Schlingen bilden 
mit dem Primärnerv fast stumpfere Winkel als die der oberen. Tertiärnerven 






vorlierrscliend unter rechtem Winkel entspringend, scharf hervortretend, iiicht 
verbindend, sondern nach mehrmals wiederholter Verästelung ein lockeres, 
aus rundlichen Maschen bestehendes Netz erzeugend, das ein feineres (paternärcs einscliliesst. 



llartogia sp. Cap. 



Secundärsegment 1 



2 



hervortretende ästige axenständige und G 



8 seitenständige 



Tertiärnerven enthaltend. Tertiärsegmente von verschiedener Grösse, in der Eegel 5 — 7 cpia- 
ternäre Masehen einschlicssend. 



Pteroceiustpus trietispidalus Walpcry. 

Cap. 

Tar. IV, Flg. 2. 

Nervation schlingläufig, Tj'^u^xon Senecio nemorensis. Primärnerv aus einem beiläufig 2"' 
langen Stiele abgelicnd, die ganze Blattlänge Iiindurch bis zur Spitze hervortretend. Secundär- 
nerven unter Winkeln von 50— G 5' entspringend, in der mittleren Distanz y.— 7^. Schlingen 
nahe noch einmal so lang als breit, Bogen dem Eande bis auf 1''' genähert. Äste unter reclitem 
Winkel oder stumpfem divergirend. Axen der grundständigen Scidingen mit dem Primärnerv 
spitzere AVinkel bildend als die übrigen. Tertiärnerven sehr spärlich, unter meist stumpfen 
Winkeln entspringend, kaum in ein Netz vereinigt. Quaternäre Nerven unvollkommen ent- 



wickelt. Inhalt eines Secundärsegments 1 
3—4 scitenständio-e Tertiärnerven. 






spitzwinklige axenständige und jederseits 



Pteroeeia&'irus' rostrutus Wal per s. 

Cap. 



Taf. ni, Fig. C. 



Nervation schlingläufig, Typus von Q/?20^?06'5zw?z ofjicinale. Primärnerv aus einem 1*/^ 



f. 1 ' / 



> 



langen Stiele abgehend, durch die ganze Blattlänge bis zur Spitze hervortretend. Secundär 



J 



lJbe7^ die Nervatlon der Bl'dtter hei den Celastrineen. 



63 



» 



nerven unter Winkeln Ton 40 — 65^ entspringend, in der mittleren Distanz y^ — '/., Mittlere 
Sclilingen nocli einmal so lang als breit, Bogen dem Eande bis auf 1"' genähert, ohne Aussen- 
schlingen, Aste unter nahezu spitzem Winkel divcrgirend. x\xen der grundständigen Sclilingen 
'Spitzere Winkel mit dem Primärnerv bildend als die der mittleren und oberen. Tertiärnerven 
sehr spärlich, kaum hervortretend, unter stumpfen Winkeln entspringend, nicht verbindend, 
ein lockeres Netz bildend, Avelches ein unvollkommen entwickeltes Quaternärnetz umschliesst. 
Inhalt eines mittleren Secundärsegments 2 — 3 spitzwinklige axenständige und jederseits 5 — 7 
seitenständio*e Tertiärnerven. 



Pteroceiasirns sp. 6727^ Drcgc. 

Cap, 

Taf. in, Fig. 8. 

r 

Nervation schlingläufig, Typus A^on Cynogloss-um ofßcincde, Primärnerv aus einem 1 



9 



/// 



langen Stiele abgehend, etwas hervortretend, unter der Spitze fast aufgelöst. Secundärnerven 
unter Winkeln von 40—65^ entspringend, in der mittleren Distanz '/- — %. Schlingen kaum 
noch einmal so lang, die mittleren manchmal nur unbedeutend länger als breit. Bogen dem 
Pande bis auf 1'" genähert, ohne Aussenschlingen. Aste unter rechtem oder spitzem Winkel 
divergirend. Axen der grundständigen Schlingen viel spitzere Winkel mit dem Primärnerv 
bildend als die mittleren und oberen. Tertiärnerven sehr spärlich, nicht hervortretend, unter 
stumpfen AVinkeln entspringend, ein lockeres Netz bildend, welches ein unvollkommen ausge- 
bildetes quaternäres Netz einschlicsst. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1 — 2 spitz- 
winklige axenständige imd jederseits 2 — 4 ästige scitenständige Tertiärnerven. 



Pterocelastrns tetrapterus Walpers. 

Cap. 

Taf. IV; Fig. 1. 



%—!'" langen Stiele 



abgehend, nur an der Basis hervortretend, gegen die Spitze zu im deichen lederartigen Blatt- 



parencliym aufgelöst. Secundärnerven unter Winkeln 



von 55 



G5" entspringend, in der mitt- 



leren Distanz ^/r^ — V^- Die untersten und obersten Schlingen so lang, die mittleren fast noch 
einmal so lang als breit; Bogen dem Kande fast parallel, bis auf 1''' demselben genähert;' 
Schlingenäste unter stumpfen Winkeln divergirend. Die grundständigen Schliiigenaxen bilden 
stumpfere Winkel mit dem Primärnerv als die der übrigen. Tertiärnerven sehr spärlich, unter, 
i^echtem Winkel entspringend, einige verbindend. Quaternärc Xerven fehlend. Ein mittleres; 
Secundärsegment enthält 2 — 3 axenständige rechtwinklige und jederseits 3 — 5 scitenständige^ 
Tertiärnerven. ' | 

Pterocelastrus stenopterus Walpers. 

Cap, 

Taf. ni, Fi-, 7. ' 

Nervation schlingläufig, Typus von Fteroceladrus tetrapterus. Primärnerv aus einem 
— V" langeii Stiele abgehend, nur an der Basis hervortretend, gegen die Spitze zu im derben; 
Blattgewebe aufgelöst. Secundärnerven unter Winkeln von 50 — 5 5° entspringend, in der mittleren 



64 



Con st antin v. Ettingsliaiisen. 



Distanz 



1 



, — Yy. Schlingen meist unbedeutend länger als breit. Bogen wenig hervortretend, dem 
Eande bis auf ^/.^" gcnäliert. Schlingenäste unter rechtem oder wenig spitzem Winkel diver- 
girend. Axen der grundständigen Schlingen mit dem Primärnerv spitzere Winkel bihlcnd als die 
der mittleren luid oberen. Tertiärnerven sehr spärlich, unter rechtem oder wenig spitzem Winkel 
entspringend, in ein lockeres, nicht hervortretendes Netz vereinigt. Ein mittleres Secundärseg- 
mcnt enthält 1—2 spitzwinklige axenständige und jederscits 3— 4 seitenständige Tertiärnerven. 



Microtropis coriaceaVl nW. 

Ost- Indien, 



Taf. IV, Fig. 12. 



Ncrvation schlingläufig, Typus eigcnthümlich. Primärnerv aus einem 1 — TA 



/// 



langen 



Stiele abgehend, bis zur Spitze scharf hervortretend. Secundärnerven unter AVinkeln von 45 bis 
65*^ entspringend, mittlere Distanz % — Yg- Schlingen nach dem Eande aufwärts gezogen, bogig, 



fast zweimal so lang als breit, Schlingenbogen durcli einige querlaufende Anastomoscnästo 
abgetheilt, welche für den nächst oberen Schlingcnbogen eben so viele Aussenschlingcn bilden, 
endlich den Pand fast tangiren. Schlingenäste unter nahezu spitzen Winkeln divergirend. 
Axen der schmäleren untersten Schlingen spitzere Winkel als die oberen mit dem Primärnerv 
bildend. Tertiärnerven zahlreich, unter spitzen Whikeln entspringend, scharf hervortretend, netz- 
läufig, ein aus lockeren, eckigen, etwas in die Quere gestreckten Maschen bestehendes Netz 
hervorbringend. Quaternäre Nerven nicht hervortretend, ein feines rundmaschio-cs Netz bildend. 



Inhalt eines Sccundärsegmcnts 7 — 10 axenständige und 12 

Tertiärsegment 6 — 10 grosse Maschen, eine Tertiärmasche über 15 quaternäre umschlicssend. 



15 scitenständige Tertiärnerven. 



mcroiropis bivalris WalL 



Fin;. 18 



Pensuig, 

Taf. IV, Fig. n. 




Ncrvation schlingläufig, Typus A^on 




ossum ofßcniah. Primärnerv 



aus einem 1^ 



o 



-2'^' langen Stiele hervorgehend, nur bis zur Mitte scharf her- 



vortretend, gegen die Spitze zu allmäldich sich verlierend. Secundärnerven 



unter Winkeln 



von 30 



45^^ entspringend , in der mittleren Distanz 



1 



bis Yß. Schlingen noch einmal so lang als breit, nicht gekrünnnt. Bogen dem 
Kande bis auf %'" genähert, mit einigen Aussenschlingcn umgeben. Äste 
unter wenig stumpfen Winkeln divergirend. Winkel der Sclilingcnaxen alle 
nahezu gleich. Tertiärnerven sehr fein 



kaum deutlich erkennbar , unter 



spitzen Winkeln abgehend, oft querläufig, ein aus längliclien Maschen beste- 
hendes Netz bildend, welches das feinere, aus quer-ovalen Maschen zusam- 
mengesetzte quaternäre umschliesst. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 
4 — 6 



axenständige schiefwinklige und 4 



— 7 seitenständige Tertiärnervc]). 
Tertiärsegment nur 2 — 3 Maschen, eine Tertiärmasche ein aus zahlreichen 



Microtroj^is hioalvls 



ovalen oder länglichen quaternären Maschen zusamme]}gesctztcs Netz ein- 
schliessend. 

Ahnliche Blattformen findet man unter den Fossilien der Flora von 
Sotzka in Unter st eiermark und von Sa^'or in Krahn 



■^ 



* 4 



Ubcj' die Nervation der Blatter hei den Celastrlneen. 



G5 



Fig. 14. 




Fig. 15. 



Fig, 14; — 16. Maytenus Boaria. 



Maytenus Boaria Mol Ina 

Chili. 

Taf. IV, Fig. 4—6. 



Fig. IG. 



Fig. 17. 




ISTerYation netzläufig, Typi-is eigenthümlicL. 
Primärnery aus einem y^'^' langen Stiele abgeh end, 
bis zur Spitze scliarf liervortretcnd. Secundär- 
ncrvcn unter Winkeln von 35 — G5^ entspringend, 
geschlängelt, gabelspaltig, mit kürzeren unter- 



^ 5. Tertiärnerven 



misclit, mittlere Distanz y^— 

unter stumpfen Winkeln entspringend, fast längs- 



läufig , 



ein unrcgelmässigcs lockeres Masclien- 



netz bildend. Quaternäre Nerven nickt liervor- 
tretcnd , ein kaum deutlicli erkennbares , aus 



Mai/tenics onarginata. rundliclicn Masclicn bestclicndes Netz erzeugend. 



Ein mittleres Secundärsegment entliält 2- — ^3 seitenständige Tertiärnerven. 

Die sehr verwandte Blattform von Maytenus marginata (Taf. IV, Fig. 3) einer ebenfalls in 
Chili einheimischen Art unterscheidet sich nur durch die gleichförmiger unter spitzen Winkeln 
von 30 — 45*^ entspringenden Secundärnerven, die etwas geringere Distanz i^/^— 
und die grössere Zahl der Tertiärnerven. Ahnliche Blätter fanden sich an fast allen tertiären 
Localitäten. 



^ ^^ derselben 



ii 



Wlaytenus hrasiliensis Mart. 

Brasilien. 



Taf. IV. ¥m. 9—10. 



Nervation schlingläufig, Typus A^on Prunus Padiis. 



Primärnerv au^ einem 1 — 2"' langen 



Stiele abgehend, fast die ganze Blattlänge hindurch bis vor der Spitze hervortreteud. Secundär- 
nerven unter Winkeln von 60 — 75^ entspringend, in der mittleren Distanz ^/^—^ /-^ Schlingen- 
Segmente meist noch einmal so lang als breit, nicht oder nur sehr wenig gekriimmt, Bogen 
dem Rande bis auf V" genähert, mit Ausscnschlingen umgeben, Schlingenäste unter wenig 



stumpfen Winkeln divergirend, Winkel der Schlingenaxen einander nahezu gleich. Tertiär- 
nerven unter verschiedenen spitzen und stumpfeu Winkeln entspringend, geschlängelt, (An 
unregelmässiges, aus im Umrisse rundlichen Maschen zusammengesetztes Netz bildend, die 
sehr feinen, kaum hervortretenden, zu quer-ovalen Maschen vereinigten quaternären Nerven 
umschliessend. 

Sehr ähnlich einem Blattfossil aus den Schichten von Sotzka. 



Celastrun scandens L i 



mii. 



Nord-Amerika. 



Taf. IX, Fig. 3. 



Nervation bogenläufig, Typus von Lonlcera Xylosteum. Primärnerv an der Basis hervor- 
tretend, gegen die Spitze zu allmählich verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 50 — 65^ 



Beukschrifteu der matliem.-uatui-w. Cl. XIII. Bd. 



9 



-VAK-^K-. 



^^^ -j-jt- _ _■ ^^xii mbv._i^v 



Ix. 






66 



Constantin v, Ettingshausen, 



entspringend, in der mittleren Distanz ^^ 



G 



5 



. Tertiärnervcn zahlreich, sehr fein, querläufig. 



' Inhalt eines mittleren Secundärsegments 4 — 6 spitzwinklig entspringende axenständige und 
15 — 20 einfache oder gabelspaltig verästelte seitenständige Tertiärnerven. 



Ceiastrus ntttans Roxi 



) 



Ost -Indien. 



Fig. 18. 




Taf. V, Fig. 14—15. 

'm 

Nervation bogenläufig, Typus ^ oi\ Lcmicera Xylosteum. Primär- 
nerv aus einem 2 — 3'" langen Stiele abgehend ^ nur von der Basis 
gegen die Mitte zu hervortretend, unter der Spitze bis zur Haar- 
dünne verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 50-^65^ ent- 

^ 4. Die unteren Secundärnerven 
o-ci^-cn die Basis zu genähert. Tertiärnerven zahlreich, vorherrschend 

ein sehr zartes rundmaschiges quaternäres Netz ein- 



springend, mittlere Distanz % 



ö^ö 



qu 



erläufig , 



Celastrus mitans. 



schliessend. Dieses umfasst ein wenig entwickeltes, nurmitderLoupe 
erkennbares quinternäres Netz. Inhalt eines mittleren Secundär- 
segments 2 — -3 meist spitzwinklig entspringende wenig verzweigte 
axenständige Tertiärnerven und 8^ — ^15 seitenständige. Tertiärmasche 
länglich, zahlreiche quaternäre umschliessend. 






Celastrus stylostis WaiL 

Nepal. 



Taf. V, Fig. 12. 



Nervation bogenläufi.O" 



ö •) 



Typus von Lonicera Xylosteiim, Primärnerv aus einem 2 



3 



// 



langen Stiele abgehend, hervortretend, gegen die Spitze zu allmählich verfeinert. Secundär- 

— y^. Ein Paar fast 



nerven unter Winkeln von 50 — 65^ entspringend, mittlere Distanz 
grundständig, die übrigen folgenden unteren Secundärnerven gegen dieBasis zu fast entfernter 
gestellt oder wenigstens nicht genähert. Tertiärnervcn vorherrschend netzläufig, nur die aus 
den oberen Secundärnerven entspringenden querläufig; Tertiärnetz wenig hervortretend, ein 
sehr zartes rundmaschiges quaternäres umschliessend. Dieses umfasst ein noch deutlich erkenn- 
bares quinternäres Netz. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 2 — 3 rechtwinklig entsprin- 
o-ende stark verzweigte axenständige Tertiärnerven und 7 — 9 scitenständige. Tertiärmaschen 



länglich, jederseits 4 — 6 quaternäre Nerven enthaltend. Quaternäre Maschen beiläufig 7 bis 



9 quinternäre einschliessend. 

Fossile Blätter, welche in Form und Nervation mit beiden oben angegebenen Gelastrus- 
Arten übereinstimmen, fanden sich in den Tertiärlocalitäten von Parschlug, Sotzka und 
Sao-or. Sie wurden bisher meist mit Ehamneen, auch mit Malphighiaceen (Iliraea) ver- 
glichen. Da das quaternäre Netz bei diesen Fossilien nicht mehr erkennbar und selbst das 
Tertiärnetz unvollkommen erhalten ist, so muss die Bestimmung derselben wohl noch zwei- 
felhaft bleiben. 









Tiber die Nervation der Blätter hei den Gelastrineen, 



67 



\ 



Celastrus iiiicinusJjnrch. 



Fig. 19. 



Fig. 20. 





Cap. 

Taf. V, Fig. G — 7. 

Nervation netzläufig', Typus eigen tliümllcli. Primärnerv aus 



euiem 



1" lano'cn Stiele abo-elicnd 



die ganze Blattlänge hin- 



2 o. ^^VJ.x^^vJ.^ ^v.j.^j.K^ ^^r^^-^..^.^^^.j 

durch ziemlich scharf hervortretend. Secundärnerven oft nur bis 
zur Mitte der Blatthälfte einfach, daim Vvdcderholt gabelästig; die 
untersten unter Winkeln von 30 — 40^, die mittleren und obersten 
miter AVlnkeln von 60 — GO'^ entspringend, mittlere Distanz der- 
selben ^A— V.. Die Zähne des Blattrandes werden häufio- von 



Celastrus iUicinus. 



den Gabelästen oder Anastomosenästen der Secundärnerven ver- 
sorgt. Tertiärnerven fast von der Stärke der secundären, unter 
verschiedenen spitzen und stumpfen Winkeln entspringend, stark 
verästelt, ein grobmaschiges hervortretendes Netz erzeugend j ein sehr feines, engmaschiges, 
kaum deutlich abgegrenztes quaternäres Netz einschllcssend. Secundärsegmente von verschie- 
dener Form, ein mittleres enthält 1 — 2 axenständige und 6 — 10, mehr oder weniger hervor- 
tretende seltenständige Tertiärnerven. Tertiärmaschen verschieden geformt, selten mehr als 
5 — 7 quaternäre Maschen umfassend. 

Nahe verwandt mit der beschriebenen Blattform ist die von Celastrus nemorosus (Eckl. 
et Zeyh.) vom Cap (Taf. V, Fig. 13), welche sich nur durch folgende Merkmale unterscheidet. 

# w 

Die Zähne des Blattrandes werden niemals A'on Asten der Secundärnerven versorgt, die weniger 
hervortretenden , mehr zerstreuten Tertiärnerven entspringen vorherrschend unter spitzen 
Winkeln. Das auffallender lockermasc]n*^-e Tertiärnetz schliesst ein unvollkommen auso-ebil- 
detes, aus quer-ovalen oder länglichen Maschen zusammengesetztes quaternäres Netz ein. Die 



Secundärsegmente sind mehr gleichförmig gebildet, meist 2 



3 axenständi^'c und kaum mehr 



als 4 



7 stark verzweigte seitenständige Tcrtlärnerven einschllcssend. 



Celastrus leptojpits Bernh. (Taf. V, Fig. 8) vom Cap unterscheidet sich von beiden obigen 
Arten durch auffallend geschlängelte und unter vorherrschend stumpfen AVlnkeln entspringende 
Tertiärnerven. Das sehr feine quaternäre Netz wird aus rundlichen Maschen gebildet. In den 
übrigen Merkmalen der Blattbiklung nähert sich diese Art dem Celastrus nemorosus. 



Celastrus coliinus EckL etZcyh. 

t 

Cap. 

Taf. VI, Fig. 9-10. 

f 

Nervation netzläufig, Typus von Celastrus illieiniis, Primärnerv aus einem ^/^ — V" langen, 
meist etwas geflügelten Blattstiele entspringend, nur an der Basis hervortretend. Secundär- 
nerven unter Winkeln von 30 — 50*^ entspringend, gabelspaltig, in der mittleren Distanz 

4 

. Die Zweiö'e der Gabeläste laufen manchmal in die Zähnchen oder xiusbuchtun.a^en 



von 



des Eandes aus. Tertiärnerven unter verschiedenen spitzen und stumpfen Winkeln abgehend, 
verästelt, ein lockeres, wenig hervortretendes Netz bildend, das feine, unvollkommen ent- 
wickelte rundmaschigc quaternäre Netz umschliessend. Ein mittleres Secundärscgment enthält 
6 — 8 seitenständige einfache oder gabelspaltige Tertiärnerven. 

9* 



\ 



\ 



\ ! 



\ 



.J 



68 



Constantin v. Ettingsltaitsen. 






CeMastrus dumetorufn Edd. et 

Cap. 




^y 



I 



1 



Taf. V, Fig. 9. 



ISTervation netzläufig ^ Typus von Celastrus ilUcinus, Primärnerv aus einem kaum 



1/ /// 



langen Stiele abgehend, fast bis zur Spitze hervortretend. Sccundärnerven ziemlich stark 
hervortretend, die untersten unter "Winkeln von 25^35^, die mittleren und oberen unter 40 
bis 50^^ entspringend, gabcispaltig, in der mittleren Distanz %— '/g. Tertiärnerven sehr spär- 
lich, vorherrschend unter spitzen Winkeln entspringend, einige in den Zähnen des Eandes 
endigend, in ein lockeres Netz vereinigt. Ein mittleres Secundärsegment enthält 1 
ständige, spitzAvinklig entspringende, und 2 — 4 hervortretende seitenstänclige Tertiärnerven. 
Quaternäro Nerven spärlich entwickelt; eine Tertiärmasche enthält 2 — 5 quaternäre Masclien. 



2 axen- 



% ; 



Fig. 21. 




Fig. 22. 



Celastrus hicxifolms. 



CetastvMS huocifolius L i 



1 n n . 



Cap. 

Taf. V, Fig. 2—5. 

Nervation netzläufig, Typus \on Mai/temcs Boarza. Primärnerv 



aus emem 



1 



/// 




langen Stiele abgehend, bis zur Spitze hervor- 



tretend. Sccundärnerven unter AVinkeln von 35 — 



-55' 



ö 



ö 



%~y. 



entspringend, 



vor 



herr- 



schend unter sehr stumpfen Winkeln entspringend, fast längslänfig, 
eui scharf hervortretendes, aus länglichen Maschen zusammengesetztes 
Tertiärnetz bildend, wclclics ein feines, aus linealen oder Lanzettlichen 
Maschen bestellendes quaternäres Netz einschliesst. Ein mittleres 
Secundärsegment enthält 4—7 hervortretende Tertiärmaschon, 



CelastrtiS spathephyllus Fjekl. et Zcyh. 

Cap. 

Taf. VT, Fig. 2— .3. 

H 

Nervation netzläufig, Typus von DapJine Mezereuvi. Primärnerv aus einem 1^ 
langen Stiele abgehend, nur an der Basis hervortretend. Sccundärnerven sehr fein. 



/// 



■2 



der 



Spitze gabcispaltig, die untersten unter AVinkeln von 20—30', die mittleren und oberen unter 



40—55' entspringend, mittlere Distanz %—%. Tertiärnerven ziemlich zerstreut, die grösseren 
vorherrschend unter spitzen, die kleineren unter rechten Winkeln entspringend, erstere oft 
verbindend oder querläufig, letztere ein sehr feines, kaum deutlich hervortretendes Netz 
bildend, das ein noch feineres rundmaschiges quaternäres umschliesst. 

Celastrus Krauseanus (Taf. VI, Fig. 1) vom Cap kommt in der Feinheit der Sccundär- 
und Tertiärnerven und überhaupt im Blatt-Typus mit obiger Art überein, unterscheidet sich 
jedoch durch die nachfolgenden Merkmale. Die untersten Sccundärnerven entspringen unter 
'weniger spitzen Winkeln , alle sind noch feiner und kaum hervortretend. Die Tertiämcrven 
jedoch erscheinen schärfer, viel zahlreicher und entspringen unter sehr verschiedenen Winkeln, 
ein unregclmässiges, eckiges, zartmaschiges Netz bildend. 



tjbei' die Nervation der Bllltier hei den Celastrineen. 



69 



Ähnliche Blattformen lieferten die Tertiärschichten von Parschlug, Sagor und Sotzka. 
Ob diese jedoch mit den genannten Celastrinecn oder mit anderen in der Nervation ebenfalls 
mehr oder wenio-er übereinstimmenden Arten aus sehr verschiedenen Familien, z. B. den 
Pittosporeen, Ericaceen, Sapindaceen u. s. w. zu vereinbaren sind, muss erst die weitere Unter- 
suchung und Vergleichung lehren, 
werden, "welche diese Fossilien mit den Blatt-Typen der Cclastrineen darbieten. Celastrus 
Krauseamis dürfte wohl einer in den Sotzka- Schichten vorkommenden fossilen Form nahe 
stehen. 



Hier sollen nur die Almlichkeiten in Betracht irczogen 



ö 



Fig. 23. 




Celastrus trigynus BC 

üada^askar. 

Taf. IV; Fig. 8—9. 

Nervation netzläufig, Typus von Salix. Primärnerv aus einem 2 



o 



langen Stiele abgehend, die ganze Blattlänge hindurch bis zur Spitze 



V geschlängelt^ ästig, in der mittleren Distanz y^i — %. Tertiärnerven 



hervortretend. Secundärnerven unter "Winkeln von 45 — 60^ entspringend, 

starl 

* * — 

von der Stärke der sccundärcn Aste, ziemlich scharf hervortretend, vor- 
wiegend unter spitzen AVink ein entspringend, oft verbindend, gabelspaltig, 
ein zierliches, aus rundlichen Maschen zusammengesetztes Netz darstellend. 
Quaternäres Netz sehr fein, kaum deutlich hervortretend, aus länglichen 
Maschen gebildet. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 2 — 3 axen- 
ständlgc und mehr als 20 einfache oder gabelspaltige scitenständige 
Tertiärnerven. Tertiärsegment länglich, 2 — 3 Tertiärmaschen und 6 bis 
11 quer-ovale Quaternärmaschcn enthaltend. 

Sehr ähnlich einem Blattfossil der Flora von Parschlußf. 



Celastrus trigynus. 






Celastrus empleurifolius Eckl. et Zcyh. 

Cap. 

Taf. VI; Fig. G— 8. 

Nervation netzläufig, Typus von Daphne Mezer eum. Primärnerv aus einem y^ — 1'" langen 
Stiele abgehend, an der Basis ziemlich scharf hervortretend, gegen die Spitze zu allmählich 
fast bis zur Haardünne verfeinert. Secundärnerven sehr fein, kaum deutlich ausgesprochen 
die untersten unter Winkeln von 15 — 25*^, die mittleren und oberen unter 35 — 50^ entsprin- 

. Tertiärnerven sehr zerstreut, an der 



gend, etwas geschlängelt, ästig; mittlere Distanz ^ 

oberen Seite der Secundärnerven unter sehr spitzen, an der unteren Seite unter stumpfen 



Winl 



Q 



kaum deutlich entwickelt. Durch die spärlichen, gabelspaltig ästigen, oft längsläufigen Tertiär- 
nerven nähert sich diese Blattform in ihrem Typus den Blättern von Eptgeron canadense^ in 
der Vertheilung der Secundärnerven jedoch zeigt sie den Typus von Dapline Mezei^eum. 

In den Tertiärschichten von Eadoboj , Parschlng und Sagor fanden sich Blattformen, 

j h - 

welche sich mit genannter Celastrus-Form vergleichen lassen. 



} 



70 



Gonstantin v. Ettingshausen. 



Celastrus rubra Wall. 



Nepal. 

Taf. VI, Fig. 15. 

N*ervation netzläufig, Typus von Salix. Primärnerv aus einem 1\ 



— 2'" langen Stiele 

abgehend, durch die ganze Blattlänge ansehnlich hervortretend, gegen die Spitze zu A^erschmä- 
lert. Secundärnerven unter Winkeln von 40 — 55*^, die untersten fast unter noch weniger 
spitzen AVinfceln entspringendj alle hin und her gebogen, verästelt, gegen den Blattrand hinauf 
geschlängelt j mittlere Distanz y^ — ^/^ Tertiärnerven vorherrschend unter wenig spitzen oder 
unter stumpfen AVinkeln abgehend, einige verbindend, die meisten stark verästelt rmd in ein 
grobmaschiges, ziemlich hervortretendes Netz übergehend. Quaternäre Nerven unvollkommen 
entwickelt Secundärsegmente länglich, von verschiedener Form, 2 — 3 hervortretende recht- 
winklige axenständige und 5 — 9 seitenständige Tertiärnerven einschliessend. 



Celastrus senegalensisLam 

Senegambia. 

Taf. V, Fig. 10—11. 



F- 



Nervation netzläufig, Typus von Baphne Mezereum. Primärnerv aus ehierny^ — V" langen 
Stiele abgehend, bis gegen die Blattmitte zu hervortretend, dann sehr verfeinert und unter der 
Spitze fast verschwindend. Secundärnerven oft stark hin und her gebogen, wenig hervor- 



tretend, die untersten unter Winkeln von 20 — 30^, 



die übria'eu folgenden unter 35 



ö 



50' ent- 



springend ; mittlere Distanz 



G 



5* 



Tertiärnerven vorherrschend unter spitzen Winkeln 



abgehend, meist verbindend, einige querläufig, die meisten nur wenig verästelt, in ein sehr 



lockeres, wenig hervortretendes Netz aufgelöst. Quaternäre Nerven fast fehlend. 

In dem Nervationstypus und in der Verthcilung der sccundären und tertiären Nerven 



stimmt das Blatt einer noch unbestimmten 



; 



von Friedrichsthal in Guatemala £>*esammclten 



Art mit obiger Art überein, unterscheidet sich von selber jedoch durch die stärker hervor- 
tretenden, unter Winkeln von 45 — GO'^ entspringenden Secundärnerven, die reichlicher ent- 
wickelten, unter verschiedenen spitzen und stumpfen Winkeln abgehenden, stark verästelten 
Tertiärnerven und die Ausbildung eines aus eckigen Maschen zusammengesetzten quaternäron 



Netzes. 



Fig. 24. 



Fig. 25. 



Fig. 2G. 





€Jelastrus acuminatus Thunh. 

Cap. 

Taf. VI, Fig. 13—14. 

Nervation netzläufig, Typus eigenthümlich. Primär- 
nerv aus einem 1%— 2'" langen Stiele abgehend, bis zur 
Mitte etwas hervortretend, gegen die Spitze zu verfeinert, 
unter derselben fast haarfein. Secundärnerven sehr fein, 
unter Winkeln von 35— 



Ceiasirus acummatics 




—50'^, die unteren und die obersten 
unter spitzeren als die mittleren entspringend, mittlere 

Tertiärnerven sehr fein , unter voilierr- 



Distanz \^ 



sehend spitzen Winkeln entspringend, einige verbindend, 
die übrigen ein lockeres, wenig hervortretendes Netz 
bildend. Quaternäre Nerven kaum deutlich ausgesprochenj 



^L-l 



* ■ . 

Über die 'Nervation der BlUMer hei den Gelastrineen. 



71 



in ein rundmascliiges Netz vereinigt. Mit dei^ beschriebenen Blattform ist das Blatt einer 
am Cap aufgefmidenen Art (Taf. VIIj Fig. 1) selir älinlicli und nur durcli die unter rechtem 
Winkel entspringenden Tertiärnerven und das minder deutlich hervortretende Tertiärnctz 

A^erschieden. 

Fig. 27. Gelasirus cassinoides L'Her. vom Cap (Taf. VI, Fig. 11 — 12) stimmt eben- 

falls sowohl in der Blattform als in der eigenthümlichen Anordnung der Secun- 
därnerven mit C. acuminatus überein j ist jedoch durch folgende wenige Merk- 
male verschieden. Die mittlere Distanz der Secundärnerven ist etwas grösser 
und erreicht y^ der Blattlänge; die Tertiärnerven treten noch weniger hervor, 
wodurch das Blattnetz noch unvollkommener ausgolnldet erscheint. 

C. Tiipestris Eckl. et Zeyh. vom Gap (Taf. VII, Fig. 2—3), welche Art 
die Blattform und die Verth eilung der Secundärnerven und Tertiärnerven mit 
(7. acuminatus vollkommen theilt, unterscheidet sich durch die verhältnissmässig 
stärker hervortretenden ^ unter weniger spitzen Winkeln entspi^ingenden j oft 
verbindenden Tertiärnerven und das aus quer-ovalen Maschen zusammen- 
gesetzte Netz. 
Mit den genannten Blattformen von Celastrus^ besonders mit (7. acuminatus^ zeigt ein Blatt- 

fossil, welches sich in den Tertiärschichten von Radoboj und Parschlug fand, die grösste Ähn- 
lichkeit, so dass man hier auf die specifische Identität der fossilen Form mit der angegebenen 
jetzt lebenden Art schliessen könnte. 




Gelastrus cassinoides. 



Celastrus covüatus Thunb. 

Cap. 

Taf. VI, Fig. 16. 

1 

Nervation netzläufig, Typus eigenthümlich. Primärnerv aus einem y<. — V" langen Stiele 
abgehend, durch die ganze Blattlänge scharf bis zur Spitze hervortretend. Secundärnerven 
fein, schon von der Mitte der Blatthälfte an verästelt, die grundständigen unter rechtem oder 
nahezu stumpfem AYinkel, die mittleren und oberen unter Winkeln von 50 — 65° entspringend; 
mittlere Distanz Yg — y^. Tertiärnerven sehr fein, unter spitzen Winkeln entspringend, liäufig 






querläufig, ein sehr zartes, aus quer-ovalen Maschen zusammengesetztes Netz bildend. Quater- 
näre Nerven von den sehr feinen tertiären nicht deutlich geschieden, ein wenig hervortretendes 
rundmaschiges Netz erzeugend. 



*: 



Celastrus ratnnlosus Cunn. 

Neu-HoUand. 

Taf. VII, Fig. 14—15. 

Nervation netzläufiir, Typus von Ilelianthemum vulgare. Primärnerv aus einem y 



1/ (II 



langen Stiele abgehend, nur an der Basis etwas hervortretend, im weiteren Verlaufe sehr fein, 
unter der Spitze fast verschwindend. Secundärnerven kaum deutlich ausgeprägt, unter Winkeln 
von65-~80Vntspringend, mittlere Distanz derselben % — y^. Tertiärnerven meist unvollkommen 



Winl 



Quatör 




^^.•jr- -- 



72 



Constantin v. Ettingsliaiisen 



'% 



(Jelastrus linearis Thunb. 

Cap. 



Taf. Vn, Fig. 10 



Ncrvation netzläufig, Typus siox]. Erigeron canadeiise. 



Primärnei-v aus einem V/" lani^en 



Stiele abgeliendj bis über die Mitte der Blattliälfte hervortretend, unter der Spitze jedoch fast 
verschwindend. Secundärnerven unter "Winkeln von 20 — 40^ entsprincvend sehr fein in dem 
lederartigen Blattgewebe sich verlierend. Tertiärneiwen nicht entwickelt. 

Diese Blattform ist wegen der spärlichen charakteristischen Merkmale kaum von den sehr 
ähnlichen linealcn Formen der Proteaccen (bei Grcvillea), Ericaceen, Apocynaceen u. s. w. zu 
unterscheiden. 



i 



Ceiasirus 



sp 



n 



Port Jackson. 

Taf. Vn, Fig. 11-13. 

Ncrvation schlingläufig, Typus von Celastrus linearis. Primärnerv aus einem kaum 



/// 



langen Stiele abgehend, bis gegen die Blattmitte zu hervortretendj von da an gegen die Spitze 
zu sehr verfeinert, unter derselben oft verscliwindend. Secundärnerven unter Winkeln von 
20— 35^ entspringend, gegen denP.and aufwärts ziehend, oft gabelspaltig mit sehr verlängerten, 
in der Blattfläche eine beträchtliche Strecke fortziehenden Ästen* mittlere Distanz ^ 



%• 



Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln entspringend, kaum feiner als die Äste der Sccundär 
nerven, ein hervortretendes, aus linealen oder lanzettlichen Maschen zusammen o-esetztes Netz 
bildend. Quaternäre Nerven wenig entwickelt, von den tertiären kaum deutlich verschieden. 

Eine ähnliche Blattform lieferten die Tertiärschichten von Parschluo- und Saeor. 



Celastrus lanceolatus Eck] 

Cap. 

Taf. VII, Fig. 8-9. 



Nervation schlingläufig, Typus eigenthümlich. Pri 



:imärnerv aus einem 1 



2'" langen 



Stiele abgcliend, bis über die Mitte liinaus scharf hervortretend, gegen die Spitze zu verfeinert 



in der mittleren Distanz 



Winkeln 



1 



8- 



6 5^ entspringend, 
Schiingensegment etwas gekrümmt, breiter als lang; Bogen 

genähert. Schlingenaxen gleiclnvinklip- mit 



3 6 



dem Bande fast parallel, demselben bis auf 

dem Primärnerv. Tertiärnerven spärlich, kaum schwächer ausgeprägt als die SecundärnoAwen 

Quaternäre Nerven 
3 feine, recht- oder stumpf- 



W 

nicht ausgebildet. Inhalt eines mittleren Secundärse^rments 2 

winklig entspringende axenständigc, 3 — 4 seitenständige einfache oder gabelspaltige Tertiär- 



nerven. 



4 

Der Nervationstypus dieser Art schliesst sich an die im Allgemeinen ähnlichen schlino- 
läufigen Typen von Valerianella olitoria und Myosotis sylvatica an. Er unterscheidet sich jedoch 
leicht von Erstercm durch die Eegelmässigkeit in der Schlingenbildung und die o-orino-ere 
Mitteldistanz der Secundärnerven, welche beim Valerianella - Typus ^/^ y^ erreicht- Von 



* 



\- 



t 



<'r --^ .-^'^ "^^^'■^''^Tfl? 




« « 



Über die Nervaüon der Blatte?- bei den Celastrineen. 



73 



Letzterem durch die auffallend kleineren Sclilingenbogen, welche nicht in einem saumläufigen 
Randnerven zusammenfliessen. 



* 



i 



Ceiastrus parr i f olius Eckl. etZeyh: 

Cap. 

Taf. VI, Fig. 4—5. 

Nervation schlingläufig, Typus eigenthümlich. Primärnerv aus einem kaum \ 



11 



' langen 



Stiele entspringend, verhältnissmassig scharf durch die ganze Blattlänge bis zur Spitze hervor- 
tretend. Secundärnerven unter Winkeln von 20 — 30^ entspringend, in der mittleren Distanz 73 
bis y^. Schlingcnsegment stark bogig gekrümmt, mindestens noch einmal so lang als ])reit; 
Bogen dem Eande bis auf ^/i'^ genähert; AVinkel der Schlingenaxen mit dem Primärnerv 
nahezu gleich. Tertiärnerven spärlich, ziemlich scharf hervortretend, meist einfach, verbindend 
oder querläufig. Quatcrnäre Nerven nicht entwickelt. Secundärsegment nur 5 — 
maschen enthaltend. 



10 Tertiär- 



Gelastrus lieteropliyllus Eckl. et Zeyh. Taf. VII, Fig. 4 — 6 stimmt in der Nervation mit 
der angegebenen Art in vieler Beziehung überein und unterscheidet sich nur durch die weniger 
gekrümmten breiteren Schiingensegmente und die noch mehr zerstreuten, niemals querläu- 
figen Tertiärnerven. 

r 

CelnstrtiS capitatus Eckl. et Zeyh. 

Cap. 

Taf. Vn , Fig. 7 . 

Nervation netzläufig , Typus von. Daphie Mezereiim. Pii'märnerv aus einem sehr kurzen 
Stiele abgehend, bis zur Spitze scharf ausgeprägt. Secundärnerven fein, die untersten unter 
Winkeln von 20 

Distanz ^/g /2- 

Quaternäres Netz nicht entwickelt. 

Den Blättern dieser und einiger verwandten Arten sehr ähnliche finden sich nicht selten 
unter den Pflanzenfossilien der Tertiärformation. 



— 30^, die übrigeii unter weniger spitzen entspringend, in der mittleren 
Tertiärnerven spärlich, unter spitzen Winkeln abgehend, meist verbindend. 



i 



Veiastrtis cannpestris Eckl et Zeyh. 

Cap. 

Taf. Mll, Fig. 16. 

Nervation netzläufig, Typus von Dapline Mezer eum. Primärnerv aus einem /^ 



^ ' '" langen 



Stiele abgehend, .durch die ganze Blattlänge scharf liervortretend , nur unter der Spitze sehr 
fein oder aufgelöst. Secundärnerven verhältnissmässig stark hervortretend, fast von der Stärke 
des primären, die untersten unter Winkeln von 20 — 30^, die übrigen unter 40 — 60" entspringend, 



mittlere Distanz 



'/ 



meist breiter als lang. Tertiärnerven scharf ausgeprägt, zerstreut, unter verschiedenen spitzen 



W 



Quaternäre 



Nerven undeutlich ausgeprägt. Secundärsegment 2 — 3 axenständige und meist eben so viele, 



höchstens 5 seitenständige Tertiärnerven einschliessend. 

Denkschriften der inathem.-naturw. Gl. XTII. Bd. 



10 



MNfl^ 



u 



Const antin v, Ettingsliausen, 






Fig. 28. 



Fig. 29. 



Celastrits lucidas. 



Celastrus lucidus Eckl. 



Fig. 30. 




Cap. 

Taf. VII, Fig. 20. 

Nervation schlingläufig, Typus von Elaeodendron 



1 



3 



^ V" langen Stiele 



Gxcelsiim. Primärnerv aus einem 
abgehend; von der Basis an bis über die Mitte scharf 
hervortretend, gegen die Spitze zu beträchtlich verfeinert 
und etwas geschlängelt. Sccundärnerven fast von der 
Stärke des primären, die grundständigen unter Winkeln 
von 45 — 



65*^, die übrigen unter 50 — 60^ entspringend, 



7. 



4' 



Schlingensegniente nicht gekrümmt, mindestens noch einmal so lang als breit, die untersten 
schmäler; Bogen klein, von dem Eande bis auf 1 — 1%'" entfernt, mit einigen hervortretenden 
Aussenschlingen begrenzt. Die untersten Schlingcnaxen bilden mit dem Primärnerv etwas 



Winkel 



als die übrigen. Tertiärnerven scharf hervortretend, ästig, unter vorherr- 
schend stumpfen Winkeln entspringend, oft verbindend oder fast längsläufig, ein sehr lockeres, 
aus grossen, im Umrisse meist ovalen oder länglichen Maschen bestehendes Netz erzeugend. 
Quaternäre Nerven wenig entwickelt. Secundärsegment 2 — 3 rechtwinklige axenständige und 
4 — -5 seitenständige Tertiärnerven einschliessend. Tertiärsegmente "von verschiedener Form, 
5 — 7 quaternäre Maschen enthaltend. 

Einem Blattfossil der Flora von Parschlug sehr ähnlich. 



Celastrus ovatus Eckl. 

Cap. 

Taf. VII, Fig. 17 — 18. 

Nervation netzläufig, Typus yon IleUantlieinum vulgare, Primärnerv fast bis zur Spitze 



stark hervortretend. Sccundärnerven unter Winkeln von CO- 



i 



Distanz 



0" entspringend, in der mittleren 



4' 



O * 



Feine, nicht hervortretende Sclilingenanastomosen bemerkbar. Sccundär- 



segmente gerade, länglich, stumpf, noch einmal so lang als breit. Schlingenbogen dem Eande 



'/a'" genähert. 



Nerven höherer Grade nicht entwickelt. 



Einige Übereinstimmung in den Merkmalen des Primärnervs und der secundären Nerven 
mit der eben beschriebenen Form zeigen die Blätter einer noch nicht bestimmten, von Hügel 
in Asien gesammelten Gelastrus-Art, Taf. VII, Fig. 19. Sic unterscheiden sich von obiger 
Form durch die wenigen ausgebildeten, jedoch nicht in ein Netz vereinigten Tertiärnerven. 
Die mittlere Distanz der Sccundärnerven zur Blattlänge beträgt Yg — ^^ 

noch (7. reß 

Taf. VIT, Fig. 21 



• * 

22 der Form und Nervation der Blätter nach grosse Ähnlichkeit. Dieser 



Art kommen aber bis auf y^ der Blattlänge genäherte Secundärncrven zu. Auch hier sind 
weder Tertiär- noch quaternäre Nerven ausgebildet. 

Mit einem Blattfossil der Flora von Sotzka zu vergleichen. 






h ^o^ 



über die Xervaücju der Blatter hei den Geladrlneen 



75 



! 



F%. 31. 



Catha ediilis. 



Catha eduMs Forst 

Ost -Indien. 



Taf. VIT, Fig. 23. 




Nervation netzläufig, Typus yoxi Salix. Primämcrv aus einem 
ly^ — 3'" langen Stiele abgeliend, stark liervortretcnd, gegen die 
Spitze zu verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln A-on 45 — 65' 
entspringend, gegen den Rand hinauf geschlängelt; mittlere 
Distanz 



— y. Tertiärnerven unter spitzen Winkeln entspringend, 
genähert, fein, die meisten querläufig, ein zartmaschiges Netz dar- 
stellend. Quaternäre Nerven von den Gabelästen der tertiären 
nicht deutlich geschieden. Secundärscgmente ziemlich gleich- 
förmig, bogig gekrümmt, gegen die Spitze zu wellig, allmählich 
verschmälert. Anzahl der einfachen und gab elsp altigen axenstän- 
digcn Tertiärnerven in einem derselben 6 — 8, der seitenständigen 
mehr als 20. Tertiärsegmente länglich-lineal, mehr als 10 spitz- 
winklig abgehende quaternäre Nerven einscliliessend. 

Von der sehr ähnlichen Nervation des Celastrus trlgynus^ 
Avelcher auch wie der beschriebenen zahlreiche schai^f hervortre- 
tende seitenständige Tertiärnerven zukommen, durch die noch 

Anzahl der axenständigen , soAvie durch entfernter 



grossere 



0-estellte Secundärnerven verschieden. 

Mit dieser Form stimmen Blattfossilien der Tertiärschichten 



von Eadoboj , Parschlug und Sagor überein. 



Evonymus tingens Wall 

Ost-Indien. 



Fig. 3 



Fig. 32. 




Nervation netzläufig, Typus eigcnthiimlich. Primärnerv aus einem y^ bis 



2V2'" langen Stiele abgehend, gegen die Spitze zu hervortretend. 



Secundär 



nerven unter Winkeln von 60 



70^ entspringend , gegen den Rand zu 



geschlängelt, in der mittleren Distanz ^ 



9 



Tertiäimerven meist unter 



Evonymuä tingens. 



von mindestens 



stumpfen Winkeln abgehend, entfernt, ziemlich scharf hervortretend, einige 
verbindend. Quaternäre Nerven unvollkommen ausgebildet. 

Dem Typus der Nervation nach, insbesondere wegen der stets genä- 
herten Stellang der Secundär- und der stumpferen Ursprungswinkeln der 
niemals querläufigen Tertiärnerven mit den Blättern von Evonyimis frigldus, 
E. atropurpureus und dann mit Elaeodendron australe übereinstimmend. 
Das angegebene Merkmal der Secundärnerven trennt diese Formen vom Typus 
des Elaeodendron sphaerophjlliim ^ bei welchem die Distanz dieser Nerven 
der Blattlän^-e beträgt, das Merkmal der Tertiärnerven aber dem nahe 



verwandten Salix-Typus, dem spitzwinklig entspringende, querläufige zukommen. 



Die beschriebene Nervation unterscheidet sich von der des Evonymus atropurpureus durch 



die 



geringere 



Zahl der seitenständigen Tertiärnerven. 



10 






___ .— ^.- - ^/^ 



76 



Constantin v. Ettingsliausen 



M^vonymns frigidus Wall 

Ost- Indien. 



Taf. VIII, Fig. 1. 



Nervation netzläufig, Typus von Evonymus tingens, Prim'arnerv von einem 2 



4 



/// 



langen Stiele abgehend, gQgoii die Spitze zu versclimälert Secundärnerven unter Winkeln 
von 30 — 65** entspi-ingend, ästig, gesclilängelt, in der mittleren Distanz Yg — %. Tertiärnerven 
meist unter rechten, stumpfen und unter spitzen Winkeln entspringend, entfernt, nicht hervor- 
tretend oder nur die oberen schärfer, ein sehr lockeres, aus grossen rundlichen Masehen 
zusammengesetztes Netz bildend. Quatcrnäre Nerven zahlreich, ein sehr zartes, aus eckigen 
Maschen bestehendes Netz erzeugend. Secundärsegmente länglich, von verschiedenen Umrissen, 
nur 4 — 6 seitenständige ästige Tertiärnerven enthaltend. 

Eine Form, mit welcher manche der Myrica ähnlichen Blätter von Parschlug, Eadoboj 
und Sagor zu vergleichen sind. Auch müssen einige Pittosporum-Arten ruid selbst Ericaceen 
als sehr ähnliche Blattformcn bietend erwähnt werden. 



i 



) 



E^onyvnus atienafus W all. 

Nepal. 



Taf. X, Fig. 6. 

Nervation schlingläufig, Typus Yon Sejiecio ncmorcnsis. Primämerv aus einem 2 — 4!" langen 
Stiele abgehend, von der Basis an bis zur Spitze scharf hervortretend. Secundärnerven unter 

. Schiingensegmente kaum 
oder nur die untersten ein wenig gekrümmt, die mittleren so lang als breit. Bo^en dem Rande 

spitzere 



Winkeln von 70 — 80^ entspringend, in der mittleren Distanz ^^ 



9 



parallel, bis auf \"' genähert. Die unteren Schlin^enaxen bilden mit dem Primärnerv 



ö 



Winkel als die mittleren und oberen. Tertiärnerven unter rechtem AVinkel entspringend , zahl- 
reich, netzläufig, ein aus feinen unregelmässigen eckigen Masehen zusammengesetztes Netz 
bildend. Quatcrnäre Nerven zahlreich entwickelt, rundmaschige Netze erzeugend. Inhalt 
eines mittleren Secundärsegments 8 — 12 untere, 6 — 8 obere Tertiärnerven, aus den secun- 
dären entspringend; 1 — 2 grössere, 3 — 4 kleinere, aus dem primären; alle in das lockermaschige 



Netz übergehend. 



EvfOnymus giaber Roxi 

Ost -Indien. 

Taf. Vin, Fig. 8; Taf. X, Fig. 5. 



) 



Nervation schlingläufig, Typus von Evonymus verrucosus-. Primärnerv aus einem 2 — 4''' 
langen Stiele abgehend, von der Basis an bis zur Mitte scharf hervortretend, gegen die Spitze 
zu allmählich bis zur Feinheit der Secundärnerven verschmälert, unter derselben oft verschwin- 



Distanz ^/g 
vom Rande 1^ 



^ V Schlingense^mente 2 



Winkeln von 55 — 75'* entspringend, in der mittleren 
~3mal länger als bj-eit, etwas gekrümmt, Bogen klein. 



2 



' entfernt. Winkel der Schlingenaxen ziemlich gleich. Tertiärnerven am 
grünen Blatte kaum deutlich wahrnehmbar, unter spitzen Winkeln abgehend , oft verbindend. 
Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1 grösserer und 1 — 2 kleinere axenständige, 4 bis 
5 seitenständige Tertiärnerven. 



rsESr- 



,.i**^^ 



m 



77 






EJ^onymus JVallichii E 1 1 i n g s h . 

Nepal. 

Taf. VIII, Fig. 5. 



Nervation scMingläufig, Typus eigentliümlicli. 



'/ 



27/" 



langen 



Stiele abdrehend, in seinem ganzen Verlaufe stark hervortretend. Secundärnerven scharf aus- 



geprägt, unter Winkeln von 75 



/ 



8 



, Schiingen- 



segmente meist kaum oder nur um Weniges länger als breit, nicht merklich gekrümmt. Bogen 



r 

ansehnlich, parallel dem Eande, von demselben 1 



1%'" entfernt. Die Axen der unteren 
Schlingen bilden stumpfere AVinkel mit dem Primärnerv als die oberen. Tertiärnerven vor- 
herrschend unter stumpfen oder wenig spitzen Winkeln entspringend, manchmal verbindend. 
Netz locker, aus scharf hervortretenden , unregclmässig geformten Maschen gebildet. Quater- 
näre Nerven unvollkommen entwickelt. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 3—4 recht- 



winklige axenständige, 3 



4 untere und 2—3 obere seitenständige Tertiärnerven. 



MfjVonynkus Hatniiionianus Wall. 

Nepal. 

Taf. X, Fig. 2. 



Nervation schlingläufig , Typus von Micrütropis coriacea. Primärnerv aus einem 2 — -i'" 
langen Stiele abgehend, bis zur Mitte hervortretend, gegen die Spitze zu allmählich verfeinert. 



Secundärnerven unter Winkeln von 50 — 65'^ 



/ 



6' 



Schlingenscgmente stark gel 



Tümmt , die unteren zugespitzt , meist 2 



3mal länger als breit. 



Bogen unansehnlich, vomEande 1—1%'" entfernt. Axen der unteren Schlingen spitzere VVmkei 
mit dem Primärnerv bildend als die der mittleren und oberen. Tertiärnerven sehr fein, nicht 



Willi 



hervortretend; die axenständigen unter rechten, die seitenständigen unter spitzen 
abgehend, oft verbindend. Netz sehr locker, aus länglichen quergestellten Maschen bestehend. 
Quaternäre Nerven sehr zahlreich entwickelt, ein sehr feines rundmaschiges Netz bildend. 
Ein mittleres Secundärsegment 2 — 3 verbindende axenständige gabelspaltige, 3 bis 4 untere 
und 5 — 6 obere seitenständige Tertiärnerven einschliessend. 



M]vonyfnus acuminaius Benth. 

Mexiko. 

Taf. X, Fig. 1. 

Nervation schlingläufig , Typus der vorigen Art. Primärnerv aus einem 2 



4'" langen 



Stiele ents]3rlngend, bis zur Mitte hervortretend, gegen die Spitze zu bis zur Dünne eines 
Secundärnervs verfeinert. Secundärnerven unter Winkeln von 55—70' entspringend, in der 



mittleren Distanz 



1 



'/ 



oder stumpf, die mittleren und oberen kaum länger, die miteren nocli einmal so lang als breit; 
obere Bogen ansehnlicli, vom Eande 1'" entfernt, mit einigen Aussenschlingen begrenzt. Winkel 
der unteren Sclilingenaxen mit dem Primärnerv spitzer als die der oberen. Tertiärnerven unter 
reelitem oder wenig spitzcmWinkcl entspringend, oft verbindend. Netz aus lockeren, längliclien,. 
oft parallel dem Primärnerv gestellten Maseben gebildet. Quaternäre Nerven unvollkommen 



78 



Gonstantin v, Ettingsliausen. 



entwickelt. Inhalt eines Secundärsegments 1 — 2 spitzwinklige axcnständige, 3 — 4 vintere und 
3- — -5 obere seitenständige Tertiärnerven. 



Evonytnus americanus L i n n. 

Yirginien. 

Taf. A^III, Fig. 6—7. 

Nervation sclilingraufig, Typus von Evonymus verrucosus, Primärnerv aus einem 



/// 



langen Stiele abgehend, nur an der Basis scharf hervortretend, gegen die Spitze zu bis zur 
Feinheit der Seeundärnerven verschmälert. Secundärnervcn unter AVinkeln von 55 — 65^ ent- 



springend, in der mittleren Distanz % — Vs- Schlingcnsegmcnte unmerklich gekrümmt^ noch 
einmal so lang als breit; Bogen klein, dem llande bis auf ^/^" genähert. Winkel der Schlingen- 
axen ziemlich gleich. Tertiärnerven spärlich, unter rechtem AVinkel entspringend, oft verbin- 
dend. Quaternäre Nerven nicht entwickelt. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1 
winklige axenständige, 2 — 3 seitenständige Tertiärnerven. 



— 2 spitz- 



E^onymus angustifoUus Pursh. Flor. am. 

Jiord-Amerika. 

u 

Taf. VIII, Fig. 2—4. 



Nervation schlingläufig, Typus von Evonymus verrucosus. Primärnerv aus einem y^ — V" 
langen Stiele abgehend, nur an der Basis scharf hervortretend, gegen die Spitze zu bis zur 
Dünne der socundärcn verfeinert. Seeundärnerven unter AVinkeln von 50—65'^ entspringend, 

. Schiingensegmente unmerklich gekrümmt, kaum noch einmal 



in der mittleren Distanz 



Schlinirenaxen nahezu deich. 



%— 1" genähert. Winl 



Winkel 



dend. Quaternäre Nerven nicht entwickelt. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1—2 recht- 
winklige axenständige, 3—4 verbindende seitenständige Tertiärnerven. 



Evonymus dichofotnus Heyne in RoxL. Flor. Ind. 



Ost-Indien. 



Taf. X, Fig. 3—4, 



Nervation schlingläufig, Typus von Cynoglossum officinale, Primärnerv aus einem 2 — i!" 
langen Stiele abgehend, nur an der Basis hervortretend, gQ,gQ,i\ die Spitze zu verfeinert. Seeun- 
därnerven unter Winkeln von 40 — 45^ entspringend, in der mittleren Distanz Ys — y^. Schiingen- 
segmente nicht gekrümmt, so lang oder meist kürzer als breit. Bogen dem Eande parallel und 
bis auf Ya " genähert. Winkel der untersten Schlingcnaxen mit dem Primärnerv spitzer als die 
der oberen. Tertiärnerven spärlich, unter stumpfen Winkeln abgehend, meist verbindend. 

spitzwinklige 






Quaternäre Nerven unentwickelt. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1— 
axenständige, 2 — 3 verbindende seitenständige Nerven. 

Durch die auffallend spitzen Ursprungswinkel der Seeundärnerven, besonders der unteren 
von fast allen Evonymus-'&^iXiQrn verschieden. 

Eine sehr ähnliche Blattform fand ich unter den Tertiärfossilien von Eadoboj in Cj'oatien. 



^ , , i_-i I ^ . \ j^r^i£iu_| ^_ 



^Mh^^- 



über die Nervation der Blätter bei den Celastrineen. 



79 



Mg. 33. 




Evonymus o6o«?«fti« Nutt. 

Nord -Amerika. 

Nervation sclilingränfig, Typus von Evonymus europaeus. Primärnerv 
aus einem V/^^—2'" langen Stiele abgehend, bis zur Mitte bcrvortretend, 
gegen die Spitze zu scbnell verfeinert. Secundärnei 
von 50—65^ entspringend, in der mittleren Distanz ^^ 
Segmente etwas gekrümmt, stumpf, die mittleren und unteren mindestens 



3r Winkeln 

Scblingcn- 



nocli einmal so lang als breit. Bogen klein, bis auf V" vom Rande entfernt 



? 



gen. Winkel der unteren Scliling 



nerv spitzer als die der mittleren und oberen. Tertiärnerven unter rechtem 



Quater 



entAvickelt. 



Mit Blattformen von Prunus leicht zu verwechseln. 



Einige als Prunus- Arten bestimmte Blattfossilien der Tertiärflora 
scheinen hieher zu gehören. 



\\ 



Evo'iiymu.s obovatiis 



Evonymus fimhrintus AYall 

Ost-Indien. 



Taf. IX, Fig. 1 



9 



/// 



3" 



Nervation sehlingläufig, Typus von Microtropis coriacea. Primärnerv aus einem 2 — 4 
lano-en Stiele abgehend, bis unter die Blattspitze noch ziemlich ansehnlich liervortretend. 
Secundärnerven unter Winkeln von 45 — 60^ entspringend, in der mittleren Distanz ^ ^ 
Schlingensegmento bogig gekrümmt, nach aufwärts verschmälert, die mittleren und unteren 
mindestens noch einmal so lang als breit. Bogen klein, vom Bande bis auf 1 — 2"' entfernt, 
mitAusscnschlingen umgeben. Winkel der unteren Schlingenaxen spitzer. Tertiärnerven zahl- 
eich, unter rechtem Winkel entspringend, meist verbindend. Quaternäre 1^ 



r 



W 



b 



setztes Netz bildend, das in ein' sehr feines rundmaschigcs quinternäres übergeht. Inhalt emes 
mittleren Secundärsegments 1-^2 grössere, 5^7 feinere axenständige , 4 — 5 gTÖssere, 7 — 9 
kleinere seitenständige Tertiär nerven. Tertiärsegment länglich, enthahend 2 — 4 seitenständige 



Quaternärnerven erster, 
näre Maschen umfassend. 



10 zweiter Ordnung. Q 



9 quinter- 



i^ 



Evonymus iSchotfii Ettingsh. 

CultiTirt im k. k. Hofgarten zu Schöubrunn. 

Taf. IX, Fig. G. 



Nervation sehlingläufig, Typus eigenthümlicli. Primärnerv aus einem 2 



Stiele abgehend, bis zur Spitze hervortretend, 
entspringend, in der mittleren Distanz 



Winkeln 



3'" langen 

60*^ 



enxspnngcnu, in uer mniiereu ui-niciu/. /lo — /e- ^'-ij-j-iii^uxiöc^ia 

noch einmal so lang als breit, Bogen klein, vom Eande 1 — ly 



Schiingensegmente etwas gekrümmt, stumpf, 



_ A xrt-r-i 



80 



Gonstantin v. Ettingshausem 



Aussensclilingen begrenzt. Winkel der Schlingenaxen nahezu gleicli. Tertiärnerven zahlreich^ 
stark hervortretendj unter reclitem Winkel entspringend, meist verbindend. Quaternäro Nerven 
ein lockeres rundmascliiges Netz bildend. Inhalt eines mittleren Secundärsegments 1 spitz- 
winklio^er grösserer, 1 — 3 rechtwinklige kleinere axenständige, 3' — 4 verbindende selten- 

— 7 rundliche quaternäre Maschen 



ständige' Tertiärnerven. Tertiärs egmcnte länglich , 5 
umschliessend. 



Evonymus aii'opurpureu» .Tacq. 

Nord-Amerika. 

Taf. VIII, Fig. 9- 10. . 

j 

Nervation netzläufig, Typus von Evonymus tingens, Primärnerv aus einem 3 



5'" langen 



Stiele abgehend, bis über die Blattmitte stark hervortretend , gegen die Spitze zu schnell ver- 
schmälert. Secundärncrven unter Winkeln von 65 — 80^ entspringend, hin und her gebogen, 



'/ 



10 



Tertiärnerven zahl- 



t 



eich, unter wenig spitzen oder fast rechten AVinkeln abgehend, selten verbindend, meist netz- 
läufig. Maschen des Tertiärnetzes von verschiedener Gestalt , des quaternären Netzes quer- 
oval. Inhalt eines Secundärsegments 1 — 2 spitzwinklige kürzere Secundärncrven oder längere 
axenständige Tertiärnerven, 10 — 20 seitenständige untere und eben so viele obere Tertiär- 
nerven, Eine Tertiärmasche umfasst 12 — 15 quaternäre. 



Eä'eonymus Javanicus Blume. 

Java. 

Taf. IX, Fig. 4—5. 

Nervation bogonläufig, Typus cigenthümlich. Primärnerv aus einem 1 — 2'" langen Stiele 
abgehend, bis über die Mitte stark hervortretend, gegen die Spitze zu bedeutend verschmälert 
und daselbst etwas hin und her gebogen. Secundärncrven unter Winkeln von 45 — 60*^ 
entspringend, in der mittleren Distanz y^ — %. Tertiärnerven unter spitzen Winkeln entspringend, 
die der secundären fast querläufig; quaternäre Nerven noch scharf hervortretend, unter rechtem 
Winkel abgehend, ein lockeres rundmaschiges Netz bildend, w^elches die sehr kleinen rund- 
lichenMaschen des quinternären Netzes einschliesst. Inhalt eines Secundärsegments 4 — 5 grössere 
spitzwinklige axenständige und jederseits 5 — 
Tertiärsegment länglieh, beiläufig 6 — 8 quaternäre Maschen umfassend. 



7 verbindende seitenständige Tertiärnerven. 



JEronymu» penduius Wall. 

Ost -Indien. 

b ■ 

w 

Taf. X, Fig. 7—8. 

Nervation schlingläufig, Typus von Senecio ne7norensis. Primärnerv aus einem 2 — 4'" 
langen Stiele abgehend, von der Basis bis gegen die Spitze zu scharf hervortretend. Secundär- 

r 

nerven unter Winkeln von 70 — 80'* entspringend, in der mittleren Distanz y,^ — ^/^, Schiingen- 
segmente schwach gekrümmt , mindestens noch einmal so lang als breit. Bogen dem Kande 
bis auf V" genähert. Die unteren Schlingenaxen bilden mit dem Primärnerv stumpfere Winkel 
als die mittleren und oberen. Tertiärnerven unter stumpfen Winkeln entspringend, entfernt 



■ ■. f-. 



'=*^iWfiU^iii^UiMü 



--■^■^^^Ji,-: f^^ ^.'/-,,,-' .-^--r-^- Jm-^V.^'^-.^ V n. X 



f#- 



^ i ' 



über die Nervation der Blätter hei den Celastrineen. 



81 



gestellt^ meist verbindend. Quaternäre Nerven nicht entwickelt. Inhalt eines mittleren Secundär- 



Segments 4 — 5 untere und 3 



4 obere, meist einfache geschlängeltc Tertiärnerven. 



Ein mit dieser Blattform sehr ähnliches Fossil fand sich in den Tertiärschichten von 



Sotzk 



a vor. 



PutterlicMa pyracanthä Endl. 

Cap der guten Hoffnung. 

Taf. X, Fig. 9--12. 



Fig. 34. 



Nervation schlingläufig, Typus von Gynoglossum officinale, Primärnerv ans 




einem 1 — 3'" langen Stick"; abgehend, bis zur Spitze scharf hervortretend. Secundär- 
nerven fast voii der Stärke des primären, die unteren mit letzterem Wiidcel von 



25 



o aO 



O 







; 



die mittleren und oberen "Winkel von 45 



oQ^ bildend. Schiingen- 



segmente nicht gekrümmt, stumpf, nur unbedeutend länger als breit. Bogen dem 



Eande parallel liaufend, mit einigen Aussensehlhigen umgeben. 



Die Axen der 



untersten Schlingen spitzAvinklig. Tertiärnerven stark hervortretend, unter rechtem 
Winkel entspringend, ein lockeres, aus längliclien Maschen zusammengesetztes 
Netz bildend. Quaternäre Nerven fehlend oder unvollkommen entwickelt. Inhalt 
vntteruciaa vura- ^ ^ mittloreu Secundärsco-ments 2 — 3 untere, 1 — 2 obere, an der Spitze gabel- 

sp al ti ge T ertiär n e r v en . 

Diese Nervationsform schliesst sich den Nervenbildungen von Evonymus dichotomusy 
Tterooelastras rostratiis und Microtropis Uralvis an, welche sich insbesondere durch die unter 
spitzeren AVinkeln (30 — 45*^) entspringenden Secundärnerven und den Mangel der hervor- 
tretenden Aussenschlingen charakterisiren. Sie unterscheidet sich aber von der Nervation 
ersterer Art dm'ch die Form der Secundärsegmente, welche stets stumpfer und meist länger 
als breit sind. Von der Nervation der beiden letzteren Arten w^eieht sie w^escntlich ab durch 
die beträchtlich geringere Zahl der Tertiärnerven in einem mittleren Secundärsegmente, denn 
sowohl rterocelastrus rostratus als Microtropis hivalvis enthalten in einem solchen mindestens 
2 — 4 axenständige und 4^7 scitenständige Tertiärnerven. 

unter den Pflanzenfossilien der Tertiärflora von Parschlug in Steiermark fand sich ein mit 
den Blättern von Putterlichia in Form und Nervation übereinstimmendes Blatt. 



u 



Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. XUI, Bd 



J 



-. \ 



11 
I 



8^ 



Const antin i\ Ettingsliaitsen. 



VEßZEICHNISS DER TAFELN. 



Fig. 1 . 
2- 



n 
» 



4. 
5. 



Taf. I. 



3. 



Elaeodendron excelsum vom Cap. 
„ pubesGcns vom Cap. 

Blatt einer asiatisclien Myginda-Art. 
Elaeodendron curtipenduluni von der Insel Norfolk, 



Fig. 






Taf. II. 



6. 
7. 
8. 
9. 



Elaeodendron paxnllosum vom Cap. 

„ oh'gocarjiitmy Siiflafrika. 

» Orientale von Madagaskar. 

Blatt einer neuholländisohen Elacodendron-Ärt, 



'ig- 


1~^ 


?? 


4— 


J7 


6. 


?7 


7- 


» 


9. 


fl 


10. 



-3. Blätter einer Dalongia-Art aus Mexilco. 

5. Myginda latifolia von Westindien. 

Elaeodendroob seäsilißoruin, vom Cap. 
8. „ sjphaeroj)hyUu'}n, Südafrika, 

„ capense vom Cap. 

„ atliTanthwm vom Cap. 



Fig. 


11 


n 


12 


» 


13 



?T 



14, 



Elaeodendron sjpüocarpum vom Cap. 

Blatt einer neuholländischen Elaeodendron-Art. 

Blatt von Elaeodendron tindulaitcm , cultivirt 

k. k. Hofgarten zu Scliönbrunn. 
Elaeodendron glaucum von Ostindien. 



im 



Fig. 



V 

n 
n 



1- 

4- 
6. 

7. 
8. 



-3. 



0. 



Elaeodendron eucleaeforme vom Cap. 

reticulatum von Südafrika. 



n 



Fierocelasirus rosiraius vom Cap. 

„ stenoj)tertis von ebendaher. 

Blatt einer südafrikanischen Pterocolastrus-Ärt, 



Taf. III. 



Fig. 

n 
n 



9 — 10. Blätter einer südafrikanischen Hartogia-Art. 
11. Blatt einer Hartogia-Art vom Cap. 

12—13. Ilartogla Thea vom Cap. 

;, capensis vom Cap. 
IG — 17. Whmnerm discolor von Mexiko. ■ 



14—15. 



Taf. IV. 



Fig. 



?5 



1. 

2. 
3. 

4—6 



Fteroeelastrus tetraj)teriis vom Cap. 

„ iricusj^ridalus vom Cap 

Mayienus marghiata aus Chile. 
„ Boaria aus Cliile. 



Fig. 


7—8. 


ft 


9—10. 


?J 


11. 


tt 


12. 



Mayienus Iraslliensis aus Brasilien. 
Celastrus trigynus von Madagaskar. 
Microlropis hlvalüis aus Ostindien. 
„ c.oriacea aus Ostindien. 



« 



Taf. V. 



'ig- 


1- 


-2. ' 


Uela 


V 


3- 


-6. 


n 


Tf 


7- 


-8. 


n 


Tf 


9. 




n 



Celastrus leptojpus vom Cap. 

buxzfolms von ebendaher. 
illicinus von ebendaher. 
dumeiorum von Südafrika. 



Fig. 10—11 



n 



12. 

13. 
14—15 



Celastrus Senegal ens?'s, Senegambien. 

stylosus aus Nepal. 
nemoros-Ks vom Cap. 
nutans aus Ostindien. 



n 
n 



'ig- 


1. 




77 


2- 


-3. 


77 


4- 


-5. 


?7 


6- 


-8. 


77 


9- 


-1( 



Celaslrus Kratiseanus "vom Cap. 

8patkoj)kyllus vom Cap. 
parvifolms vom Cap, 
emj)IeurifoIhi3 vom Cap. 
collmus vom Cap. 



n 



?7 



77 



Taf. VI. 



Fig. 

n 



i- 



11 

13 



-12. 

-14. 
15. 
IG. 
17—18. 



Celastrus cassinoides vom Cap. 

„ acmninaius vom Cap. 

„ ruher aus Nepal, 

n cordatus vom Cap. 

Blatt einer Cclastrus-Art von Guatemala 



^ -^ThTti^^-. 



r. 'PinlicaivrrvL^- ■- ^ . ?T. ■" 




Tiber die Nej'vation der Blätter hei den Celastrineen, 



83 



Fig. 1. Blatt einer südafrikanischen Celastrns-Art 

3, Cela^iTus riL])esiris vom Cap. 
6. ^ heterophyllus von ebendaher- 

7. « capitaius von ebendaher. 

lanceolatiis von Südafrika. 






2 
4 



?7 



Taf. VII. 



8—9. ■- 

10. „ linccu'is vom Cap. 

11 — 13. Blätter einer Celastrus-Ärt vom Port Jackson 



Fig. 14- 
16. 



n 
rt 
n 
n 
n 
n 



17- 

19. 
20. 
21- 
23. 



Taf. VIII. 



'15. Gelastrus ramulosus von Neuholland. 

„ cam^estris vom Cap. 

18. j, ovatus vom Cap. 

Blatt einer asiatischen Celastrus-Arl. 

Gelastrus lucidus vom Cap. 
22. „ refracius von ebendaher. 

Oatha edulis, Ostindien. 



I 



1 



'. I 



Fig. 1. EvonymiLä frigklus aus Ostindien. 

2 — 4. „ angiistifolius, Nordamerika. 

5. n WaUiclLu von Xepal. 



rt 



Fig. G— 7. Evonymzis ameHccnus aus Virginien. 



« 8 

n 9 



10. 



11 



rt 



glaber aus Ostindien. 
atroimrjjiii'eiis^ Nordamerika 



Taf. IX. 



Fig. 1 — 2. Evonyiiiua fiinbr latus aus Ostindien. 
3. Oelastrits scandens, Nordamerika. 

4 — 5. Evonymus javanicus, Java. 



5) 



Fig. ü. Blatt von Evonyrmis Schottn, cultivirt im k. k. Hofgarten 

zu Schönhrunn. 



Taf. X. 



■ Fig. 1. 



n 



2. 

3- 



b. 



Evonymus acuminatua aus Mexiko. 

Ilamütonianns Wall., Nepal 
dichotomus aus Ostindien. 



n 

n 



n 



ylalcVj Ostindien. 



%■ 


. 6. 




n 


7- 


-8. 


;) 


9- 


-12 



Evonymus attenuatiis, Nepal. 

„ pendiihis, Ostindien. 

Puiierlichia pyracaniha vom Cap 



j 



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C. y. EtihigshauseTi. 



Über die Nervation der Blätter bei den Celastrineen 



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Fig. 1. 
Fig. 2u. 3. 




Elaeodendron e.ceUum. Fig. 4. 3f,,emZa sp. Ostind. occiäent. 

Elaeodenäron xna>escens, Fig. 5. Elaeodendron cnrUpenduU.n, 

Fig 8 maeodendron Orientale. Fig. 9. ^EZa.oc^.^cZr.^ sp. Ao.. iio// 



Fig. 6. Elaeodendron papülosura. 
Fio-. 7. Elaeodendron oligocarpum 



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Dalongia sp. mexic. 
Fig. 4u. 5. Muginda latifoJla. 

Elacodendron scssilißorum. 
Fio;. 7 u. 8. Elarodendroji f^phaeroxjhyllurn. 



Fig. G. 



Fig. 0. 



Elacodendron caj^ense. 



Fig. 


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Fig. 


11. 


Fig. 


12. 


Fig. 


13. 


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14. 



Elacodendron atkranlhum.. 
Elacodendron psilocarjmm. 
Elaeodendron sp. Nov. Holl. 
Elaeodendron undiUatuni. 
Elacodendron glaucxim. 



Dunlvschriften der mathem.-naturw. Cl. XIII. Bd. 1K57 



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Taf. III. 



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Pterocelasfrvs rosfratus. 
Fierocelaölruä sienoj)terus. 
l^ferocelosirvs S]\ Cnp. 



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Fig. 

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14 u. 15. 

lGu.17. 



JLarto'jia sp. Cap. 
Jlariogia sp. Caj>. 
llario'jki Th-ca. 
Haiiogia caj'^y^'S. 
]Vh)f'>n''7'/'a discolor 




lleitkschriniMi (kr inalhein. -ii;ttur\v. CI. XIII. Bd. ISöu 



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.Pfrrorelasfni,s fctraj^fervs. 
Vlerocclastrus irlcuspidalun. 



Fig. 3. 
Fis;. 4 — G. 





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Fig. 7 u. 8 



Fig. 11. M/crofropis hiralrh. 



Mayfenii.s marginaia. 

Mayieniis Jjoan'a. 

Fi^. 12. Microiropis coriucea. 



Fig. 9u. 10 



Mayiemi.s hrasih'ensis 
CelasiriLs irirjynns. 



Deiikschrirn;!! der mathcm. -naturw. CL Xill. IUI. 1857. 



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Fig. 3 — 6. 



Celasirus leptopus. 

<'eJo.strus huxifolms. Fig. 9. 

Fig. 13. (Jelasirtis nemoi'osus. 



Ficr. 7 u. 8. Oelasirus illicinus. 



Celasirus dumeiorum. 

Fig. 14u. 15 



Fig. lOii.ll 

Fig. 12. 
Oelastrus nvJans. 



Oelastrus Senegal ensis. 
Celasirus siylosus. 



Denkschriften der inathein.-naturw. Cl. XIII. Bd. 1857. 



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Celastms hrauseaiius. 
Celasirus sjyathej-'hy/his. 
Celastrus 'parvifolms. 
Celastrus em^leurifolins. 
Fio". 9 u. 10. Celastrus coUlnus. 



Fig. 


1. 




Fig. 


2 u. 


3 


Fig. 


4 u. 




Fig. 


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Fig. 


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Fig. 


13u. 14. 


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15. 


Fig. 


10. 


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Oelasirus cassinoides 
Celastrus aciiminaiiis. 
Celastrus ruher. 
Celastrus cordatus. 
Celastrus s^. Giiateniala, 






Denkschriften der mathem. -naturw, Gl. XIll. Bd. 1857. 



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Fig. 2u.3. 
Fig. 4—6. 
Fig. 7. 



CelastnAs sji. (Jap. 
Celastrns rupesfris. 
Celasirus Jteiero2)hyUus. 
Celastrns cajyfla/us. 



Fig. 8 u. 9. Celasirus lanccolaius. 

Fig. 10. Celastrns linearis. 

Fig. H — 13. Celastrns sj>- Nov. IIoll. 



Fig. 
Fig. 

Fig. 



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Fig. 14u. 15. Celasincs ramulosus* Fig. 

Fig. "21u.'22. Celastrus refracius. Fig. 53. Caiha ediü.is. 



IG. Celasirus campesfris. 

17 u. 18. Celastrus ovatus. 

19. Celasirus sp, asiai. 

20. Celasiriis lucklus. 



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Dcnkschriilen der mathcm. -naturw. CI. XÜI. Bd. ISöT. 



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den Celastrineen. 



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Fig. 1. Evonyinus frigidus. 

Fig. 2 — 4. Evomjmiis angustifolius. 



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•Fig. 5, Etonymus V^'allichii. 

Fig. 6u. 7. Evonijrims americantis. 




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Fig. S. Evonjjmus glaher. 

Fig. 9u. 10. Ez-onyjnus atropuiyurens 



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Fig. lu.2. Evonymus fimhricUus. 
Fig. M. Celastrus scandens. 



Fio-. 4u.5. Eronyraus javanicus. 

Evonymus Schoiiii. 



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Fig. 6. 




DenkschrU'ten der mathem.-naturw. Cl. Xlll. Bd. 1857. 



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Taf. X. 



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Fig.- 1. 
Fig. 2. 
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Eronymus acumfnatiis. 
EvonyiiLUS Ilamilionianus. 
l-li-onijmus dichoionn'S. 

Fig. — 12 




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Fig. 5. 
Fig. 6. 
Fig. 7 U.S. 



EvonyT'iii.s gl aber. 
Et'onyritus altcuuaiiis 
Evonyrims jirMdulv-S. 



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Deiiksclinita iIlt inaflu'm. -natunv. Ci. \lll. Bd. 1857. 








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Zweite Abtheilung. 



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Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern der Akademie 



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Mit 9 Tafeln. 






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ABHANDLUNG 



ÜBER 



DIE RICHTUNG DER HAARE AM MENSCHLICHEN KÖRPER. 



VON 



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W CHRISTIAN AUGUST VOIGT, 

0. Ö. PHOFESSOI! DEK ANATOMIE AN DER UMVEKSITÄT ZU KR AK AU. 

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^:LEGT in ]n-:R STTZTtNG der MATIIEMATISCH-NATURWISSENSCHAUTLICHI-N CT.ASSE am 24. JULI 1856 



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ÜJ:>.EK DIE RICHTUNG DER HAARE AM MENSCHLICHEN KÖRPER. 

er diesen Gegenstand hat schon Professor Dr. Eschricht in Kopenhagen eine in dänischer 



Sprache geschriebene Abliandlung in den Denkschriften der Kopenhagener Akademie ver- 



öffentlicht , die in der Folge in deutscher Übersetzung in Müller's Arcldv der Anatomie und 
luid Physiologie, Jahrgang 1837, erscliicnen ist. — Meine Untersuchungen liefern zum Theil 
Ergänzungen, zum Theil Berichtigungen seiner Beobachtungen, und wenn Eschricht 
den Grund, die Bedeutung der verschiedenen Haarrichtung nicht anzugeben vermochte, 
sondern blos gewissen Punkten der Oberflilche des Körpers und des Skclets auf die Haar- 
spitzen eine grössere A u z i e h u n g , andern eine grössere A b s t o s s un g zuschrieb und zuletzt 
das ganze Phänomen blos der sich überall in der Natur kundthuenden Regclmässig- 
keit in der räumlichen Anordnung der Theile anreihte, so glaube ich den Grund dieser ver- 
schieden en Anordnung der Haarrichtung gefunden zu haben, indem ich dieses 
l'häiu)men auf das Wachsthumsgesetz der Oberfläche des menschlichen Körpers, auf die Ent- 
^vickelungsgesetze des Hautorgancs selbst, so Avie auch zugleich auf die Gesetze des Wachs- 
tiiums des in der Tiefe liegenden Skelets und der zwischcnliegenden Weichtheile zurückführe 
^Jnd daraus erkläre. Zur Erklärung der Anordnung der Haare in divergirende 
^Vlrbel, aufweiche ich die Ausströmuugspunkte der verschiedenen Haarrichtungen zm^uck- 
fiilu^e, wende ich das für das grosse Reich der Pflanzen bereits mathematisch nachgewiesene 
Gesetz der spiralen und schraubenförmigen Anordnung der Triebe, Aste, Zweige, 



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Blätter, Warzen etc., der Blüthen und Samen auf den Fruchtböden, z. B. auf der Scheibe der 
Sonnenblume und auf den hemisphärischen Anthoklinien an. - Die Giltigkeit dieses Gc^setzes 
liat noch an Ausdehnung gewonnen durcli die erst in der neuesten Zeit hinzugefugten 

Denkschriften der mathom.-natiirw. Cl. XXIX. Bd. Abhandl. v. Nichtmitgl. 

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Christian August Voigt. 






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Beobaditungen, dass sich auch im Bau und Gefüge der Baumstämme die Spirale und Schraube in 
den aussen sichtbaren Windungen der Stämme und in der spiralcn Richtung der Holzfaser 



nachweisen lasse. 



Dieses Gesetz übertrag-e ich nun auf den thierischen Organismus und 



stelle die Behauptung auf, dass sich dasselbe auch in der Bildung des Animalcn wird nachwei- 
sen lassen, und bringe die Beweise bei, dass sich dasselbe zunächst Ider auf die wirbeiförmige 
Anordnung der Haare anwenden lasse. 

In dieser angeführten Abhandlung sagt Eschrichtj Seite 48: „Ich habe versuclit, di(^ Ilicli- 
tung der Haare unter dem Bilde einer Strömung anschaulich zu machen. 

Als Ausströmungspunkte betrachte ich solche Stellen, denen alle Haare ihre AVur- 
zeln zukehren. Unter einem Strom verstehe ich aber eine doppelte Reihe von krummen Bö- 
^■en, die an der einen Seite an einander liegen. Sind es hier die Haarwurzeln, die von beiden 



Seiten an einander geneigt sind, 



so nenne ich den Strom divergirend: sind es die Plaar- 



spitzen, con v ergir en d. Von einem Ausströmungspunktc können also nur divergircnde 



Ströme ausgehen. 



Ein Kreuz nenne ich eine viereckige Stelle , wo zwei diyer gir end e Ströme senk- 
recht aufeinander stossen und verschwinden, während von den anderen beiden Ecken neue 



aber convergircndc Ströme ausgehen 



U berhaupt betrachte ich die divergircnde n 



Ströme als primäre, die con vergirenden als secundäre. 

Die Bedeutung des Ausdrucks Wirbel ist allgemein angenommen." S.57 führt 
sehr merkwürdige Varietät sali ich an einem Fötus. In der Mittelliiiie auf dem Kreuzbein 
fand sich ein AVirbeh Er war aber 



er an: „Eine 



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ihm zu, übrigens drehten sie sich wie sonst bei der Wirbelbildung. 



ein c onv ergir en der. Alle Ilaarspitzen kehrten sicl 

Es ist das der einzige Fall 
eines convergirendon Wirbels, der mir bei keinem Menschen vorgekommen ist." 

Ich behalte die von Eschricht gewählten Beuennmigen, jedoch mit einigen Modificationen, 
bei. Meine Beobaclitungen lehren, dass alle Ausströmungspunkte divergircnde Wirbel 
seien, deren Anzahl nicht immer gleich ist. Sehr selten ist das Gentram des Wirbels ein 
Punkt, viel öfter eine längere oder kürzere Lini e , die manchmal c/o förmio- wkrümmt ist' 



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Wirbeln werden nach 



ferner ist der innere Augenwinkel sammt der AugcnUdspalte, der Eingang in den äusseren 
Gehörgang und der Bock (tmgus) ein solches Gentrum, Die x\.usströmungslinien aus solchen 

kürzerem oder längerem Lauf oder erst am Ende divergirend, und so 
entstehen längere, kürzere oder ganz kurze divergircnde Ströme; nie beginnen die divero-irem 
den Ströme unmittelbar aus dem Gentrum eines divergirendcn Wirbels, sondern immer erst 
nachdem der Wirbel in einem geringeren oder OTÖsscren ümfanire ausp-ebildet i 



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Ausströmungslinien an zu divergircn 



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ist, fangen die 



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Gonvergirende Ströme finde ich überall da, avo die aus dem Gentrum kommenden 
Haarausströniungslinien, sei es nur eines und desselben Wirbels, wie an den Extremitäten oder 
zweier Nachbarwirbel , scliief auf einander stossen; mitlün bilden dieselben in der Eeo-el die 
Grenze zweier Wirbel, oder an den Extrenntäten bezeichnen sie die bald auf- bald abstei 



gen- 



den Scheidelinien, in denen die Ausströmungslinien eines und desselben Wirbels schief auf 
einander stossen. 

Kreuze nenne ich jene viereckigen Stellen in diesen Grenzlinien eines und desselben 
Wirbels oder zAveier Nachbarwirbel, wo zwei divergircnde Ströme na(di längerem oder kür- 
zerem Lauf senkrecht aufeinander stossen, oder avo die Wirbclausströmungslinicn erst durch 
dieses senkrechte Aufclnandorstossen divergirend werden, und wo an den zwei anderen Ecken 



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über die ruchtung der Ilaare am menscUiclien Körper. 



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die nun scliief anf einander treffenden Haarriclituugslinien zwei in entgegengesetzter Eiclitung 



verlaufende convergirende Ströme bilden. 



Mithin lieo-cn die Kreuze entweder in der Mittel- 



Hnio des Körpers in der Grenzlinie zweier gleichnamiger Wirbel, oder an den Seiten des 



oder 



an den E x t r e m i- 



Körpers in der Grenzlinie zweier über einander liegender Wirbel , od 

täten in der Sclieidellnie der Wirbelausströmungen eines und desselben Wirbels. 

Normal vorkommende convergirend e Wirbel habe ich beim Menschen ebenfalls 
mehrere o-efunden, deren Anzahl auch nicht immer dieselbe ist. Auch hier laufen die spiral- 



förmio- o-ewundenen Haarrichtungslinien nicht immer in einem Punkte convergirend 



zusam- 



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nien, sondern endigen manchmal in einer 



o-cwundenen längeren oder kürzereu Linie oder am 



Umfange, z. B. des Nabels, der Haut, welche das männliche Glied umkleidet. Sind die Här- 
chen länger geworden, so erheben sie sich über die Oberfläche und bilden spiralförmig gewun- 
dene Haarspitzen, ähnlich den Haarbüscheln an der Schwanzspitze der Thiere. 

Convergirende Wirbel liegen entweder innerhalb der Grenzlinie der Aus- 
strömungen eines und desselben Wirbels, wie z. B. in der Grenzlinie der Ausströmungen des 
Achselhöhlenwirbels der Ellbogenwirbel liegt, oder an Stellen, wo die Grenzlinien 
^^weier oder dreier Nachbarwirbcl zus ammentr effcm — Da in den Grenzlinien 
immer convergirende Ströme laufen, so endigen in einem convergirend en Wirbel wenigstens 
zwei, aber auch vier und fünf solcher Ströme laufen im Centrum eines solchen Wirbels aus und 
finden ihr Ende allda. - Die divergirenden AVirbel sind primäre, die convergirenden secun- 

däre Bildungen. 

Am menschlichen Körper kommen bei regelmässiger Bildung folgende ausgebildete 

diverg'ir ende Wirbel vor: 

1. ein Kopf- oder Sclieitelwirbel, manclimal ein Doppclwirbcl, 



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od 



2. und 3. zwei Augen- oder Gesichtswirbel 

4. und 5. zwei Ohrwirbel, 

6. und 7. zwei Aeliselhohlcnwirbel, 

8. und 9. zwei Leistenwirbel. 

An der Seite des Körpers zwischen dem Achselhölden- und Leistenwirbel kommen ein 
-er zwei Wirbel eingeschaltet vor. Ich habe auch folgende Anomalie beobachtet: Be, einem 
Embryo von Zwibingen waren an der rechten Seite zwischen dem Achselhöhlen- und Leisten- 
oder Schenkelwirbel zwei, an der linken Seite nur ein AVirbel eingeschoben. 

Unvollkommen entwickelte divergir end e Wirbel komuien am Kücken der 
Hände und Füsse vor. Das Centrum des Handrückenwirbcls liegt am Armspindelrande der 
Hand, da wo in der Tiefe das Gelenk zwischen der Basis des Mittelhandknochens des Daumens 
und dem Os multancjidmn majus zu treffen. Der rudimentäre Fussrückenwirbel war von der 
deutlieh wellenförmig gestalteten Grenze der Haarausströmungsbmen des Leistenwirbcls, 
^velche beide Fusskucrchelfrei liess, durch einen haarlosen Zwischenraum geschieden. 

ero-ir enden Wirbel liegen entweder in der Mittellinie des Körpers oder an 
Jen Seitenhälften.^Tn der Mittellinie liegende convergirend c Wirb el sind bei regebnässi- 
ger Bilduno-: 



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1. der vordere Kopfwirbel am vorderen Ende der Kopfwirbclsäule, 

2. der Steisswirbel am unteren Endo der EückenAvirbelsäule, 

3. der Nabelwirbel, 

4. dei' Penis-WirbeL 






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Christian August 



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Seitlicli liegende eo n vergirende AVirbel: 



5. und 6. zwei Halswirbel; 

7. und 8. zwei EllbogenliöekerwirbeL 

Eine Vcrmelirung der Anzahl der eonvergirenden Wirbel fand ich zweimal: auf dem 
ßücken in der Höhe der unteren Winkel beider Sclmlterblätter war ein convergirender Wirbel 
ausgebildet; sein Centrum lag nicht ganz in der Mittellinie des Rückens; in diesem FaHe 
waren beide divergircnde Leistenwirbel von ihrer Stelle an die Seite der Brustwand hinauf 
o-erückt* die Wirbel waren reclitswcndig und ihre staidcen Ausströmungen bewirkten ein Ab- 
wenden desEückcnstromcs, und die gewundenen P]nden derlTaarrichtungslbiien bildeten einen 

eonvergirenden Wirbel. 

Um einen eonvergirenden Halswirbel weniger zählte ich bei einem Embryo, 



wo statt zweier nur der rechtseitige sich vorfand, der aber der Mittellinie des Halses ganz 
nahe o-eriiekt war. Diese Anomalie war in Verbindung mit dem Abweichen des aus dem Scheitel- 
wirbel kommenden Rückenstromes in der Nackcjigrubengegend nach links. Dieselbe Ano- 
malie, nur modificirt, fand ich bei einem Erwachsenen: der rechte convergirende Halswirbel 
war sehr deutlicli ausgebildet und lag an seiner gewöhnlichen Stelle in der Unterohrgrube, 
der linke fehlte; die in denselben fliessenden und sich einrollenden Endströmo liefen, ohne 
sich einzurollen, über die linke Oberzungenbeingegend, dann über die Mittellinie hinüber, 
spitzten sich zu und endigten im rechten Halswirbel. Ahnliche Anomalie des Halswirbels fand 
ich mehrere Male am Halse der Pferde. 



Bei 



ungestörter Haarentwicklung 



findet man nachfolgende 



regelmässig 



ausgebildete 



Kreuze vor : 



In der Mittellinie des Körpers, in der Grenzlinie zwischen zwei gleichnamigen diver- 



girendcn Wirbeln 



1. das Nasenwurzelkreuz, 



2. 



3. 



das Zungenbeinkreuz, 
das Brustkreuz, 



4. das Bauchkreuz, 

5. das Penis-Krcuz, 

6. das Steisskreuz. 

An der S eite des Körpers in der Grenzlinie zweier über einander liegenden divergirenden 

Wirbel: 

7. und 8. zwei Augenbraukreuze, 
9. und 10. zAvei Nackenkreuze, 
11. und 12. zwei Ob er ohrkreuze, 
13. und 14. zwei Seiten- (Brust-) Kreuze. 

An den Extremitäten in der Scheidelinie der Wirbelausströmungen eines und des- 
selben divergirenden AVirbels : 

15. und 16. zwei Delta- oder Schulterkreuze, 
17. und 18. zwei Ulnar-Kreuze, 



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19. imd 20. zwei Handwurzelkreuze (nicht immer vollkommen ausgebiifU^.t 
21. und 22. zwei Schenkclkreuze. 

Sind zwischen dem Achsel- und Leistenwirbel, auf beiden oder blos auf einer Seite, ein 
oder selbst zwei divergircnde Wirbel eingcsckaltet, so kann die Anzahl der Kreuze um 1, 









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?76er die Eichtung der Ilaare am menschlicJien Klh'per. 



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"2, 3, selbst 4 vermelirt sein. Bei anomal vorkouimcndem convergirenden Wirbel auf dem 
Rücken bildet sich in Folge der Verwerfung der Haarströmungen unterJialb des AVirbels in 
der Mittellinie oder ihr nahe ein abnormes Kreuz aus. Bei anomaler Ausbildung blos eines 
convergirenden Wirbels am Halse habe ich das Zungenbeinkreuz fehlend und bei der damit in 
Verbindung vorkommenden Abweichung am Nacken das eine Nackenkreuz herabgerückt und 
in die Mittellinie auf diö Stachelfortsätze der obersten Brustwirbel versetzt gefunden. 



BESCHREIBUNG DER DIVERGIRENDEN WIRBEL 

BILDUNGEN. 




IHRER SECUNDÄREN 



1. Das Centrum des div crgir enden Kopf- oder Scheitelwirbels ist bald in der Mit- 



einen rechts- als 



telliuie, bald au den Seiten gelagert, seine spiralen Ausströmungen bilden öfte 

Rnkswendio'cu Wirbel, manchmal kommt auch ein unvollkommenes Yerschmelzen zweier Wirbel 



ein Dop p el wir bei 



vor, wo der eine reclits, der andere links gewunden ist, dann trcÜcn 



die gegenseitigen Ausströmungen in der Mittellinie senkrecht auf einander, bilden ein Scheitel- 
kreuz und zwei kurze nach vor- und rückwärts laufende convcrgirende Ströme; hierauf legen 
und drängen sich dicStrömungsbögen an einander, schieben sich auch über einander, und nach 
einem längeren oder kürzeren parallelen Laufe, die einen vor- die andern rückwärts, wenden 
sie sich wieder von einander ab und fliessen auf der Stirn und in demNacken divergent herab. 



Die W i r 1) e 1 a u s s t r 



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nielir oder we- 



niger regelmässig ausgebildet. Der Schcitelwirbel grenzt mit seinen Ausströmungen an beide 
Augenwirbel, an beide Ohrwirbel und an die aufsteigenden Ausströmungen beider Achsel- 
höhlenwirbel und bildet mit ihren Ausströmungen an seinen Grenzen convergirende Strome, 

■Ivreuze und convergirende AVirbel. 

Die nach vorne sich wendenden Ausströmungen dieses Wirbels bilden den mittleren 

und die zwei seitlichen Stirnströme, welche am oberen Augcnhöhlenra))de auf die zwei 
mittleren und die zwei seitlichen Ausströmungen der beiden Augenwirbel treuen. An der Stelle 
<ie8 oberen Augcnhöhlcm-andes, wo in der Tiefe das Formnen supra orhdale, die Nerven und 
Gefässe liegen, treffen diese Ausströmungen des Scheitel- und Augenwirbels senkrecht auf em- 
'Uider und bilden das Augenb raukreu z und von diesem aus die zwei entgegengesetzt ^ver- 
laufende- "" ■ ^"" A ,, .....nKr.austrrime. den inneren und aus scren. Beide 



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n V e r gl r en den Aug e nbr a u s tr ö m e , 



inneren Auffenbrauströmc treffen in der Mittellinie an der Stelle auf einander, wo in der Tiefe 



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^inna nasali, bcannt, wo mithin das vordere Endo der Kopfwirbclsäule liegt; 



hier bilden 



sie mit dem vom Nasenwurzelkreuz aufwärts steigenden convergirenden Strome aus beiden 
Augcnwirbeln und mit der abwärts steigenden ebenfalls convergircnd in eine Spitze zusam- 
menlaufenden Strömung der beiden Hälften des mittleren Stirnstromes den convergiren- 
<ien Kopfwirbel am vorderen Ende der Kopfwirbelsäule. In diesem convergirenden Wirbel 
finden demnach vier convergirende Ströme ihr Ende. Bei grösseren Embryonen verlängern 
sieh die Härchen und bilden eine Spiral gewundene Haarspitze, ähnlich der an der Schwanz- 



spJtzc der Thiere. Die Richtung 



slJjiion des mittleren Stirnstromes sind manchmal stark ge- 
l^nekt/die'Cmivexitid«^ Knickung Hegt nach links, die Concavität nach rechts, welche 
Knickung dann die seitlichen Stirnströme in Unordnung bringt und das Centrum des conver- 
girenden Wirbels, wie ich einmal sah, von der ^littellinic nach rechts vorschiebt. 

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Ch7'istian August Voigt. 



Die seitlichen Ausströmungen des Scheitelwirbcls bilden die beiden Scliläfen 
und liinteren Ohrströnie. Die beiden S cliläfenströme verlaufen zwischen den seit- 
lichen Stirnströmen und den beiden hinteren Ohrströmen abwärts und bilden mit den letzteren 
(Las Oberohrkrc uz, indem sie hier gleich oberhalb der Ohrmuschel senkrecht auf die Aus- 
strömungen des Oiirwdrbels treffen, welche dann ebenfalls aus einander weichen und zwei in 
entö-eL^eni>'esetzter Richtuni>' verlaufende converi>*irende Ströme, den Vorderojir- und den 
Ohrmusclielrand Strom, erzeugen, welche beide die Ausströmungen des Ohrwirbels von 
den sie umgreifenden Ausströmungen des Scheitelwirbcls scheiden. Der S chläfenstr om 
dräno't sicli nun mit seiner Strömung zwischen die Grenzlinien des Olir- und Augcnwirbels ein, 



hält sie aus einander, läuft, sclmiäler geworden, sich rückwärts wendend über den AVinkel des 
Unterkiefers und endet, sich einrollend, in der hinter und unter diesem Winkel gelegenen 
Untcrohrgrube im convergir enden Halswirbel. 

Die hinteren Ohrströme w^enden sich rück- und abwärts; ihre bogenförmigen Strö- 
mungslinien übergehen von der Seitenwand des Kopfes zur liückenfläche der Ohrmuschel; an 
der Übergangsstelle sind sie geknickt und zusammengeschoben, breiten sich dann wieder aus, 
folgen der Einrollung des Ohrmuschelrandcs, treffen hier am Eande auf die Grenze der Aus- 
strömungen des Ohrwdrbels und bilden mit denselben den Ohr mus chelr an dstrom. 

Dieser convergirende Strom zerfällt bei Thieren, w^o die Ohrmuschel in eine Spitze aus- 
geht, in zw^ei convergirende Ströme, welche, den Rändern der Ohrmuschel folgend, an der 
Spitze zusammenlaufen. Hier laufen die Haarrichtungslinien von beiden Flächen der Ohr- 
muschel ebenfalls spitzig zusammen, so wird hier an der Spitze ein convergirender Wirbel 
erzeugt, dessen .Härchen, w^enn sie sich verlängern, eine gewmndenc Haarspitze erzeugen. 

Eine solche Haarspitze habe ich auch bei grösseren menschlichen r]mbryoncn gefunden; 

sie liegt, nacb hinten und oben sehend, in diesem Ohrmuschelrandstrome. Da der Rand der 
Helix beim Menschen nur ausnahmsweise in eine Spitze ausgeht, in der ßegel mehr oder 
weniger abgerundet ist, so ist beim Menschen die Bildung eines convergir en den Ohr- 
wirbels nur angedeutet, nicht ausgebildet. 

Der Rest der Ausströmung des Scheitelwirbels läuft rückwärts über das Hinterhaupt in den 

Nacken und zerfällt in zwei seitliche und eine mattiere Strömung. Die beiden seitlichen Ströme 
kann man untere Olir- o de r s c i tlich e Nack enströme nennen; ihre ßichtungslinioii 
wanden sich, unter dem Ohre verlaufend, nach vorne; sie trennen sicli demnach von der mitt- 

— dem mittleren Nackenstrome. Diese Trennungsstelle liegt zu bei- 



leren Strömung, 



den Seiten der Nackengrube auf den Nackemnuskehvülsten; hier findet man demnach die 
Nackenkreuze, welche gebildet werden, indem diese divergirenden Nackenströme auf die 
aufsteigenden ebenfalls divergirenden, schräg verlaufenden seitlichen Halsströme (welche Aus- 
flüsse der Achselwirbel sind) stossen. Von jedem Nackenkreuze verlaufen in der Grenzlinie 
zwischen dem Scheitel- und Achselwirbel zwei conver<rirendc Ströme in entirea'ena'csetzter 



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Richtung: der eine, der quere seitliche Halsstrom, läuft quer mich vorne, steigtauf 



dem sterno-cleido-mastoldeus etwas abwärts, dann wieder aufwärts und wdndct sich in den con- 
vergirenden Elalswirbel hinein. Der zweite ist der seitliche Rückenstrom, steigt abwärts 
und endet im co n vergir c nd en Steiss wirb el. Die unteren Ohrströmungen verlaufen 
demnach zwischen den liinteren Ohr- und den convergirenden queren seitlichen Haiströmen 
nach vorne, treffen hier auf die aus dem divergirenden Ohrwirbel abw^ärts in den convereriren- 



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len Halswirbel hinein verlaufenden vorderen Ohrströme und bilden mit denselben einen 



tiher die Blalätmg der Ilaare am mensddichen Körper. 



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eouverp-irenden Strom, welclicr mit dem sicli zuspitzenden Ende der uutereiuDlirströmimg eben- 
falls dem Mittelpunkte des convergirenden Halswirbels zuläuft. 

Der mittlere Nackenstrom als letzte Ausströmung des Seh eitel wirbeis wird im Laufe 
abwärts zum mittleren Eückenstrome und verläuft als solcher zwischen den zwei 
K^ckenkreuzen unddenzwei seitlichen convergircndenEückenström en, istoben breiter, wird 
im Laufe immer schmäler und endet im convergirenden Steisswirbel. Das Centrum 
'lieses Wirbels liegt nicht unmittelbar auf der Spitze des Steissbeines, die einwärts gebogen ist, 
sondern ist etwas höher gerückt, ungefähr auf die Verbindung des Kreuz- und Steissbemes. 
Bei grösseren Embryonen findet man auch hier , dass sich die länger gewordenen Härchen 



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winden und eine Haarspitzc bilden , ähidich der auf der Schwanzspitze der Thiere. 
demnach die vordere Ausströmung des Scheitclwirbels am vorderen Ende der Kopfwn^bel- 
säule endet und hier zur Bildung des convergirenden Kopfwirbcls beiträgt, eben so endet die 
Idutcrc Ausströmuuo. desselben am unteren Ende der Eückenwirbelsäule und trägt zur Bildung 

des ebenfalls convergirenden Steisswirbels bei. 

S.u. 4. Als Centrum der paarigen dive rgir en den Augen- oder Gesichtswir- 
belkannman blos den inneren Augenwinkel oder die g anze Augenhdspaltc be- 
trachten. Thut man das erstere, so liegt die Augenlidspalte in der Mittellinie eines vom inneren 
Augenwinkel auslaufenden divergireudcn Stromes; thut mau das letztere, so könnte man die 
Cilien als stärkere Haare, welche das Centrum einfassen, betrachten. Ich ziehe das erstere 



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•or, weil die Augenlidspalte zur Zeit der Haarbildung von einer hautartigen Epidermis-Lage 
geschlossen ist und die von derselben gedeckten Anlagen der Cilien einen divergirenden Strom 
darstellen. Beide Augcnwirbel grenzen mit ihren Ausströmungen in der Mittellmie an enian- 
der, nach oben und an den Seiten an die Ausströmungen des Kopf- oder Scheitclwirbels, und 
nach unten an die Ausströmungen der paarigen Achselwirbel. 

Die von den inneren Augenwinkeln als Mittelpunkten der Augenwirbel in wage- 
i-echter und der Angenlidspalte entgegengesetzter Blchtung verlaufenden Ausströmungen tref- 
fen auf der Nasenwurzel auf einander und bilden hier das Nasenwurzelkreuz. Die auf- 
wärts weichenden Strömungen erzeugen einen aufsteigenden convergirenden Strom, der im 
f-'onvergirenden KopfwirbcF endet. Die abwärts sich wendenden bilden einen convergirenden 
Strom, der in der Mittellinie des Gesichtes über die Nase, die Oberlippe, die Unterlippe, das 
Kinn bis zum Zuno-enbein abwärts verläuft und durch die Mundspalte blos miterbrochen wird. 
Auf dem Zungenbein treffen diese abwärts gerichteten Strömungen aus beulen Augenwirbeln 
anf die in der Mittellinie, von dem Brustkreuze angefangen, aufwärts gerichteten Ausströmun- 
gen beider Achselwirbel, und da sie beim Zungenbein senkrecht auf einander treffen, so bilden 
sie hier das Zungenbeinkreuz, und von diesem aus die zwei convergirenden vor- 
deren queren Halsströme, welche auswärts laufend im convergirenden Halswir- 

b e 1 enden. 

Die von den inneren Augenwinkeln über die Sc i t e n de r Nase, d . e In as enf lu g cl, 

^'erlaufenden Strömungen werden durch die Nasenlöcher und die Seitenhälften der Mnndspalte 
in ihrer Stromrichtung nicht abgeändert, sondern blos unterbrochen; sie hören an einem Eande 
der Öffnung auf und beginnen am entgegengesetzten Eande In derselben Eichtung wieder, 
^'ur die Yibrissic als stärkere Haare sind gegen das Lumen der Nasenöffnungen gekehrt. 

Die nächsten vom inneren Augenwinkel auslaufenden Sa-ömungen wenden sich nach ab- 
«nd rückwärts, laufen über die Backen und Wangen als Backen- un d Wangen st ro nie, 



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Christian August Voigt. 



setzen über den Kaumuskel und den Band des Unterkiefers ihren Lauf fort, Avenden sich rück- 
wärts, vereinigen sich mit denen , die von der Seite der Nase, von der Unterlippe über die 
Seiten des Kinns hei-abkonimen und sieli ilinen anscliliessen. Von diesen letzteren bxufcn die 
der Mittellinie näher liegenden in den convcrgirenden vorderen Ilalsstrom. Die hinteren läng- 
sten, Avelche als die eigentlichen Fortsetzungen des Backenstromes zu betrachten sind, fliessen, 
schmäler gCAvorden sich einrollend, in den convcrgirenden Halswirbel hinein, begrenzt von den 
Strömungen des Schläfen- und des convergirendcn vorderen queren Halsstromes. 

Der in der Augenlidspalte liegende, vom inneren Augenwinkel ebenfalls auslaufende di- 



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vergirende A ugensp al tenstrom hat in erster Eeihe die stärkeren Augenwimpernhaare 
mit welchen dieser divergirende Strom beginnt 5 hierauf folgen die feineren, in enge an einan- 
der gedrückte schräg verlaufende Haarrichtungsbögen geordnet. Die das untere Augenlid 
deckenden schliesscn sich im weiteren Laufe dem Wangenstrome an. Die über das obere 



Augenlid laufenden wenden sicJi auf- und auswärts und legen sich an die letzte Ausströmung 
vom inneren Augenwinkel an, die aufwärts steigt und, wie ich bereits beschrieben habe, am 
Augenbraukreuz in zwei divergirende Hälften sich theilt, von denen die äussere, Avelche 
in ihrer letzten Ausströmung stärkere Härchen treibt, die äussere und untere Hälfte der Augen- 
braue bildet, während die obere und ebenfalls äussere Hälfte der Augenbraue und des Augen- 
braustromes ebenfalls von stärkeren PTärciien der liandströnumo- des seitlichen Stirnstromes 

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gebildet wird. Die innere Hälfte des convergirendcji Augenbraustromes ist nur bei wenigen 
erAvachsenen Menschen mit stärkeren Augenbrauhaaren versehen und ausgebildet. Li einem 
solchen Falle kommen Avie bei denen, Avclehe die (^riechen Synophryes nannten, die inneren 
Enden beider Augenbrauen in der Alittellinie zusammen. 

4. u. 5. Die paarigen di vergircnd en Oh rAvirb el sind, Avie ich beim Scheitelwirbel 
beschrieben habe, zwischen die am oberen Ohrkreuz sich trennenden und unter dem Ohr wieder 
zusammenflicssenden Schläfen- und jiinteren und unteren Ohrströme einp-esclioben: sie sind 
auf einer Hautfläche ausgebildet, die nach oben und an den Seiten abgerundet ist und nur 
nach unten in eine Spitze ausläuft. AmEande oben liegt das Oberohrkreuz, den vorderen 
Rand derselben umsäumt der convergirende vordere Ohrstrom, den hinteren der Ohr- 
muschelrandstrom; der letztere läuft über den Hand des Ohrläppchens nach abAvärts, 
scheidet hier die Spitze der vorderen Ohrströmung vom zugespitzten Ende der unteren Ohr- 
strömung, fliesst mit dem convergirendcn vorderen Ohrstrome in einen Strom zusammen und 
endet im convergirendcn HalsAvirbel. Diese Hautfläche bekleidet mit ihrer hinteren Hälfte die 
ausgehöhlte, trichterförmige, gefaltete Fläche des Ohrmuschelknorpels, mit ihrer vorderen den 
Bock und die Fläche vor dem Ohre, Avelche bei Männern, die selbst einen starken Backenbart 
haben, von demselben frei bleibt. 

Das Centrum dieses divergirenden Ohrwirbels licp't im Einii-ano^e des meatm audito- 



7'ius externus wml der Spitze des Tragus nahe. Dem Centrum zunächst sprossen die Caprones, 
die mit ihren Spitzen gegen die Höhlung des äusseren Gehörganges sehen. Die ebenfalls hier 
beginnenden divergirenden Ausströmungslinien dieses Wirbels liegen dem Centrum zuifächst 



gedrängt und breiten sich dann aus. 



Der aus dem Centrum aufAvärts steigende Strom 



geht über die Gegenwindung und hierauf auch über den umgekrümmten Eand der Windung, 
trifft hier senkrecht auf die Divergenz des Scliläfen- uml hinteren Ohrstromes, bildet mit den- 
selben das Oberoln'kreuz und von diesem aus nach vorne — den (xmvergirenden Vor de r oh r- 
— und nach hinten den Ohrmuschelrandstrom. Die hintere und untere Ausströmung 












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Über die Bichtung der Ilaare am menschUclien Korper. 



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begränzt der Ohrmuscliclrandstrom. Die vordere gelit oben über den Ursprung der Helix und 
breitet sich dann abwärts strömend auf der Fläche vor dem Ohre aus, vereinigt sich mit der in 
der Panne zwischen Tragus und dem Ursprünge der Helix hervorkommenden, so wie aucli mit 
der, welche in der «?267si«'a Äem?imansherausfllesst, und alle drei zusammen bilden die sich 
zuspitzende vordere Ohrströmung, die im convergirenden Halswirbel ihr Ende findet. Hier in 

convero-irenden Halswirbel fliessen demnach, wie ich bereits aufgezählt habe, 



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fünf convcrgirende Ströme zusammen und er liegt in der Unterohrgrube, da wo in der 
friiherenEntwichelungsperiodedesEmbryo die unterste Schlundspalte(Kiemenspalte)liegt. 

6. u. 7. Die paarigen divergirenden Achs elhöhlenwir bei haben ein weites Verbrei- 
tungsgebiet, denn sie bedecken mit ihren Ausströmungen die Brust, den Hals, denliücken und 
clie ganze obere Extremität. Sie grenzen somit nach oben an die Ausströmmigen des Scheitel- 
^virbels und beider Augenwirbel. In der vorderen Mittellinie des Körpers stossen ihre bei- 
derseitigen Stromlinien auf und an einander, nach hinten legen sie sich an den zwischen ihre 
^Vusströmungen eingeschobenen Eückenstrom. Is^ach unten grenzen sie bei regelmässiger 
AusblldunP- an die oberen Ausströmungen des Lcistenwirbels. Ist zwischen beide Wirbel emer 



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gen nicht so tief herab. 



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^vo unter der Haut das Achselnervengeflccht und die Gelasse liegen; es verschiebt sich auch 
nach hinten und ist manchmal in seiner Ausbildung gestört. Die Wirbelströnmng ist nur m 
einem geringen Umfange regelmässig ausgebildet, öfter links- als rechtswendig; nicht weit vom 
Centrum beginnt aus derselben der divergirende, absteigende, seitliche Brust- 
strom, der in geschwungener Richtung verlaufend der Brustwarze sehr nahe kommt, dann fast 
senkrecht abwärts steigend auf den aufwärts steigenden divergirenden seitlichen 
Bauchstrom, der aus dem Lelstenwirbel kommt, trifft und hier mit den Ausströmungen des- 
selben das Seitenkreuz (oder seitliche Thorax-Kreuz) und zwei convcrgirende Ströme er- 
zeugt, Avelche in der Grenze zwischen den Ausströmungen des Achsel- und Leistcnwirbels 
verlaufen. Der nach vorne laufende endet (wenn kein seitlicher divergirender A\irbel 
eingeschaltet und wenn das Gentrum des Leistcnwirbels nicht hhiauf gerückt ist) im conver- 
gii-cnden NabelwirbeL Der hintere umgeht die Seiten wand des Thorax und lauft m 
den seitlichen con vergirenden Eückenstrom hinein. 

Von den aus dem divergirenden ab steigenden seitlich en Bruststrome fliessen- 
den Strömuno-cn laufen die hintere über die seitliche Brustwand, das Schulterblatt und den 
Rücken, legen sich an den Kückenstrom und bilden die Fortsetzung des convergn-enden seit- 



Ziehen Pdickenstromes , die vorderen Strömungen in ihrem Laufe zur Mittelhme überspringen 
die Areola und die Brustwarze, ändern hierdurch ihren Lauf nicht, neigen sich abwärts und 
bilden nn-t den olcichnamigen der anderen Seite einen Theil des Mittelstromes, und zwar den 
^bst ei f>* enden con verc^ir enden Ba u ch ström. 



Die queren Brustströme gehören ebenfalls zu den divergirenden, jedoch breiten 
Ausströmuno-en welche aus den Achselhöhlcnwirbeln kommend wagerecht 1 auf cn, m der 
vorderen Mittellinie auf dem Sternum senkrecht auf einander stossen und hier dasBrust- 
oder Sternal-Kreuz bilden. Die abwärts weichenden schräg gewordenen Strömungen lau- 
fen oberhalb der Brustwarze über die Brust und bilden in der Mittellinie den convergiren- 
'ien abwärts laufenden Bruststrom, der in den absteigenden Bauch ström übergeht. 

i^enksoliriften der nuitlicmat.-uatuvw. OL XIII. Btl. Abhandl. v. Nichtmitgl. 



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Gliristian August Voigt, 



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Die aufwärts weicliendcn Strömimgen beider queren Brustströme nehmen ihren Lauf über die 
Schlüsselbeine; in der Mittellinie bilden sie den aufsteigenden Brust- und Halsstrom, 
der convergirend anfängt, dann laufen die aufwärts steigenden Strömungen parallel, legen 
sich in der Mittellinie blos an einander und auf dem Zungenbeine treffen sie senkrecht auf den 
absteigenden iinttleren Gesichtsstrom und bilden hier das Zungenbeinkreuz. Die von hier 
sich seitlich wendende Strömmig trägt zur Bildung des convergirenden queren Halsstromes 
bei und läuft sich zuspitzend und einrollend in den convergirenden Halswirbel liinein. 
Der nächste Tlieil dieser über die Glavicula aufsteiq-enden Strömung- läuft sc]niii>* über den 
Sterno-deido-mastoideiis^ wird zum div ergir en d en scliräg aufsteigenden sei tlich en llals- 
strome, der im Nackenkreuz senkrecht auf die Divergenz des mittleren und seitlichen Nacken- 
stromes stösst und hier dieses Kreuz und zwei convergirende Ströme bildet, von deneji der 
nach vorne sich wendende der quere seitlich ellalsstro m ist, der hinten laufende abwärts 
gerichtete convergirende Strom ist der seitliche Bückenstrom; er nimmt die anfangs 
quer über die Seiten des Halses, dann absteigend verlaufenden Ausströmungen aus diesem 
divergirenden scitliclien Halsstrome auf. 

Die für die obere Extremität bestimmten, aus dem Achselhöhlen wij'bel stammen- 
den Ausströmungen sind eine vordere, eine hintere uiul enie mittlere, welche die längste 
ist. Sie unterscheiden sich dadurch von den am Stamme vorkommenden, dass sie nach längc- 
rem oder kürzerem Laufe aufeinander stosseu, Kreuze, coiivergirende Ströme und convergi- 
rende Wirbel bilden. 

Die vordere Strömung bildet den vorderen S ch alters trom , der aus dem Achsel- 
liöhlcnwirbel kommend über die vordere Wand der Aclisolhöhle (den unteren Rand des ijectora- 
lis major) sicli herum windet und nun auf- und auswärts sich ausbreitet; der der Mittellinie 
nächste Theil desselben läuft in Bogcnkrümmungen über das Schlüsselbeni, über die Seite des 
Halses in den Nacken und mündet noch in dem. seitlichen Eückenstrome. Die zunächst darauf 
folgenden werden immer mclir divergirend, umgreifen die vordere Fläche der Scludter und 



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wenden sich nach hinten und aussen. Der unterste Theil dieser Strömung läuft quer, fast wage- 



recht um den Delta-Muskel und ist der divergirende 



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e S c h u 1 1 e r s t r m ; er trifft 



auf der äusseren Fläclie desselben auf einen ebenfalls quer laufenden Strom, der zur hinteren 
Strömung gehört (den hinteren queren S cli iiltor s tr o m), beide treffen hier senkrecht 
auf einander und bilden das Delta-Kreuz. Die zwei convergirenden Ströme, die durch das Ab- 
lenken dieser queren Ströme entstehen, sind: Der aufsteigende Schulterstrom, der im 
weiter waagerechten Laufe zum queren Eückcnstrome Avird und sich abwärts wendend 
im seitlichen convergirenden Rtickenstrome verliert. Zu seiner Bildung fliessen die beschrie- 
bene aufsteigende Strömung des vorderen Schulterstromes mit den hinteren ebenfalls aufstei- 
genden und divergirenden Ausflüssen des hinteren Sclndterstromes zusammen, welche die 
hintere Wand der Achselhöhle umgreifen, das Schulterblatt bedecken und dann erst in diesen 
Strom einmünden. Der zweite vom Delta-Kreuz abwärts laufende convero-irende Strom ist 
der absteigende äussere Armstrom; dieser läuft bis zum äusseren Knorren des Humerus 
aussen, wendet sich dann rückwärts und windet sich in den convero-lr en den Ellboo-cn- 
höckerwirbcl hinein. Die aus dem vorderen und hinteren Schulterstrome abwärts sich wen- 
denden Strömungen sind es, Avelehe den Oberarm umgreifend in ihm zusammen laufen, wäh- 
rend die längste Ausströmung aus dem Achsclhöhlejiwirbcl, der inner e Arm sstrom, im 
sulcus internus hicipitis an die beiden anderen Strömungen sich anschliessend, herabläuft, durch 



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übe?' die BicJitung der Ilctare am menscliUclien Körper. 



11 



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Ellbogenbcugc an Avird er zu einem breiten divorgirendcn Strome, der an der inneren Fraeiie 
des unteren Endes des Eadlus lialbkrcisförmig- abgerundet endet. Seine seitlichen Ausflüsse 
laufen in aufsteigenden Bogenkrünmumgen, die vorderen um den Armspindelrand herum 
auf den Rücken "^les Vorderarmes, die hinteren über die innere Fläche der xVntibrachiums. 
I^ie obersten Ausströmungsbögen beider fliessen 



zusammcnlaufeiKl in den coiivergircnden 



EllboP'enhöckerwirbel, die mittleren erheben sich noch stark, die unteren immer weniger und 



bilden längs der ülna den convcrgirenden aufsteigenden Ellbogenstrom, der im Ellbo- 
genhöckerwirbel sich einrollend endet. Oberhalb der unteren Enden beider Vorderarmknoclieu 
laufen die äusseren und inneren Ausströmungen quer, treffen ober dem aapäidum ulnae senk- 
recht auf einander und bilden das Ulnar-Kreuz. Die von hier beginuenden Ströme smd der 
auf- und absteiü-endeEllbogenstrom; beide sind convergircnde. Der abst ei gend c ist 



sein- kurz , die innere Elälfte der in ihn fliossendon Ausströmungsbögen bildet oberhalb de 
Handgelenkes eine halbkreisförmige Grenze, die äussere Hälfte läuft über den Eückcn der 
Handwurzel quer und sclüiesst sich an die ebenfalls queren Ausströmungen des^rucbmentär 
ausgebildeten divergirenden Ilandwirb eis, welche den Metacarpus bis zum Uhiar-Eande 
<ler Hand bedecken; die aus seinem Wirbel- Centrum am Eadial-llande der Hand fliessende 
senkrecht aufsteigende Strömung trifi't auf das Ende der absteigenden des inneren Armstromes 



uul bildet hier ein selten deutlich ausgebildetes Kreuz; die an den Eadiahrwand und nach unten 
gehende Ausströmung endet sehr bald. Bios der Theil der Bückenhaut der Finger, welcher 
«^lie mittleren Abtheilungen der Bhalangen deckt, ist behaart; auch diese Härchen laufen quer 
vom Armspindel zum Ellbogenrande hin; die hi der obersten Reihe in jeder Abtheilung liegen- 
'Icn Härchen haben ihre Spitzen aufwärts und die in der untersten Ecihe gelegenen abwärts 
gerichtet. Diese quere Bichtung des Laufes der Härchen , welche den Bücken der Phalangen 
•lecken, erscheint gleichsam als eine durch die Gelenke und die Spalten zwischen den Fingern 



unterbrochene Fortsetzung der Ausströmung des ILandwirbels. Nur die Härchen ^auf der 
l^ückenfläche des Daumens haben eine entgegengesetzte Bichtung, ihre Spitzen smd dem 
Aruispindelrande zugekehrt; sie sind somit als Fortsetzung der vom Centrum des Handwirbels 



welcher zwdsehen dem 



^um Armspindelrande der Bland gerichteten Ausströmung anzusehen. Diese entgegengesetzte 
l^iehtung der Härchen am Daumen deutet auf einen Gegensatz, 

Haumen und den vier übrigen Fingern besteht. 

S.u. 9. Die paarigen divergirenden Leisten wi rb eh Auch ihr Verbreitungs- 
gebiet ist weit, denn ihre Ausströmungen bedecken den Bauch, den Bücken, das Gesäss, die 
C^enitalien und die ganze untere Extremität. Sie grenzen nach oben, vorne und hinten an die 
^^rcnzlinie des Achsclhöhlenwirbels (wenn kein divergir ender AYirbel eingeschoben ist); nach 
^'onie gerathen ihre beiderseitigen Ausströmungen in der Mittellinie auf und aneinander, 
liach hinten und oben ist zwischen ihre Stromlinien das zuges|)itzte Ende des Bücken- 



Stromes 



eiugesdioben^ nach hinten und unten, wo m 



der Mittellinie die Geschlcclits- 



und Afteröffnung vorkommt, grenzen in den Z^vischenstücken der Mittellinie ihre beiderseitigen 
Strömungen an "einander; nadi unten, wo ihre längsten Ausströmungen die untere Extremi- 
tät eivdiüllen, enden dieselben oberhalb und zwischen dem äusseren und nmeren Fussknochcl. 
Das Centrum des L eist enwirbcls hat eine nicht immer constante Lage es ruckt 
bald mehr nach innen, wo die Schenkclgefässe liegen , bald mehr nach aussen auf den Sarto- 
rius oder selbst aus der Leiste an die Seite der Bauch- oder Brustwand. Die regelmässige 



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12 



Christian Au gast Voigt. 



Wirbel 



trömung ist nur in geringem Umfange des Centrums ausgebildet, Störungen derselben 
kommen sehr oft vor ; sie ist bald rechts, bald links gewunden. Der rechte Leistenwirbel ist gewöhn- 
lich rechts-, der linke links Avendig. Der aus derselben beginnende aufsteigende seit- 
liche Bauchstrom ist die am deutlichsten ausgebildete diA^ergente Ausströmung desselben; 
er hat einen gewundenen Lauf. Aus dem AVirbcl kommend läuft er an der inneren Seite des 



vorderen oberen Dornes 



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dann auf- und etwas einwärts, trifft senkrecht auf den absteigenden s eitlichen Bruststrom, 
macht das Seitenkreuz und einen voi-derenimd hinteren convergircnden Grenzstrom ; der vordere 
mündet in den convergirendcn Nabel wirbel, der hintere in den convergirenden seitlichen 
Kückenstrom. Von den seitlichen divcrgirenden Ausströmungen dieses aufsteigenden Baucli- 
stromes nehmen die oberen aus der nach hinten gerichteten Strömung über den unteren Theil 
der Seiten wand des Thorax ihren Lauf; sie sind anfangs kurz, werden immer länger, tragen 
zur Bildung des convergirenden Seitenstromes, der die Greiize bildet, bei; die mittleren 
strömen über die Weichen und die unteren über den Kamm des Dai^mbeines und den oberen 
Theil der Hüfte; diese haben einen grösstentheils wagerechten Lauf, am Bücken angelangt wen- 
den sich alle schräg abwärts und legen sich an den convei^gircndcn seitlichen Bückenstrom. 
Die untersten über die orista ilei gelaufenen haben sich zusammen gedrängt und fliessen von 
den Selten in den convermrenden Steisswirbel hinein. Die vorderen seitlichen Ausströ- . 
munden des aufstei-^-enden divcrgirenden Bauchstromes laufen einwärts zur Mittellinie , die 
obersten sind die kürzesten, werden hierauf immer länger und bilden mit der vorderen ein- 
Avärts gewandten Strömung des absteigenden seitlichen Bruststromes den convergirenden 
s chrägcn Bauchstrom, der in dem Nabclwirbcl endet. Die mittleren eiuligcn convergi- 
rend am seitlichen Umfange des Centrums des Nabelwirbels, die untersten laufen zur Mittel- 
linie quer, treffen hierin der Mitte zwischen Nabel- und der Schambeinvereinigung senkrecht auf 
einander, bilden das Bauchkreuz, die oberen. Hälften der beiderseitig aufivärts abgelenkten 
Strömimg bilden den convergirenden aufsteigenden Bauchstrom, der am unteren 
Umfange des Centrums des Nabelwirbels endet. Die unteren Hälften, die abwärts ausweichen, 
bilden den convergirenden absteigenden Bau eh ström, der am vorderen Umfange 
des Penis-AVirbels endet. 

Die der vorderen und hinteren Scliulterströmung analogen Ausströmungen der Leisten- 
wirbel sind die Scliam- und Hüftströmung; sie gehören bereits zu den für die untere 






Extremität bestimmten Ausströmungen, unterscheiden sich jedoch dadurch von ihnen, dass die 
oberen und mittleren Ausflüsse noch verwendet werden, um das untere Ende des Stammes zu 
bedecken; diese erreichen auch die Mittellinie des Körpers, blos die mitcrsten Ausflüsse derselben 
umfassen den obersten Theil der unteren Extremitäten und stossen wieder auf einander und 
bilden Ströme und Kreuze. 

Die beidei-seitigen Schamströmungen Avenden sich einwärts, bedecken die Schenkel- 
beuge und den Schamberg, vereinigen sich oben mit dem Beste der vom Bauch herabkommen- 
den, in der Mittellinie begegnen sie sich schief und bilden das Ende des convergirenden abstci- 
ö:enden Bauchstrojnes , umhüllen die Seiten der Haut des Penis an der Wurzel desselben und 
tragen mithin zur Bildung des Penis-Wirbels bei. Die ab- ujuI einwärts gerichteten Theile 
der Schamströmung bilden mit den letzten Ausläufeim des unterstell Theilcs der Hüftströmung, 
nachdem dieselbe das Cesäss und den Schenkel umgriffen und das Scrotum bedeckt hat, 
das obere Pmde des convergirenden aufsteigenden inneren Schenk el ström es. 





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t%er die Pdclitimg der Ilaare am menschliclien Körper. 



13 



Gesclilecttstli eilen endigen die inneren aufsteigenden 



welclier in der Einne zwisclien der inneren Fläelie des Sclienl^els und dem Scrotum sieh einwärts 
wendet, in der Raphe senkrecht auf den der anderen Extremität trifft, aus einander Aveicht und 
das Penis-Kreuz bildet, während die abgelenkten Härchen in der Eaphe des Penis und des 
Scrotums wieder zusammen fliessen. 
An den äusseren weiblichen 
Schenkelströme nicht in der Mittellinie, sondern laufen am oberen Thcile der grossen 
Schamlefzcn aus, scheinen hier sich einzurollen, nehmen die Strömung vom mons venerzs und 
die von lilnten und unten kommende, welche die lahla mqjora bedeckt, auf, welche letztere am 
seitlichen Umfange der Schamspalte sich begrenzt. Der convergirende absteigende Bauchstrom 
fliesst am vorderen oberen Ende der Schamspalte in dieselbe. Am hinteren unteren hört der 

hier viel kürzere convergirende Dammstrom auf. 

Die Hüftausströmungen kommen aussen aus dem Leistenwirbcl, werden divergircnd 
laufen oberhalb und unter dem Troclianter quer, bedecken den grössten Theil der Hüfte und 
des Gesässes mit ihren der hinteren Mittellinie zustrebenden Ausflüssen. Die oberen stossen 
auf dem Steissbein senkrecht auf einander und bilden das Steis skr e uz. Die beiderseitigen 
kurzen nach oben abgelenkten Enden dieser Strömung legen sich in der Mittellinie an eiiian- 
1er und laufen von unten in den Steisswirbel ; wenn diese Härchen länger geworden sind, 

Die abwärts weichenden iheile 

der SMimuiig\egensicirebenfalls in der Mittellinie aufeinander und laufen zum oberen Um- 
fange der Afteröffnung. Dermittlere Theil der Strömung endigt, in der crena clumum ange- 

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in einem nach vörne gerichteten convergirenden Dammstrome. Die beiderseitigen unter- 
sten Ausflüsse laufen um den unteren Pand des Gesässes herum, erheben sich einwärts lau- 
fend, bedecken die Plaut des Dammes des Scrotums mit ihrer Strömung und bilden m der 



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bilde 



n sie mit den übrigen sich einrollend eine Haarspitze. 



angt, g^inl^erge^rdei am ^itKchen Um&nge des Afters, in der Mittellinie des Dammes 



; 



Raphe einen convergirenden Strom, mit dem äusseren Thcile der Strömung fliessen sie in das 

Knde des aufsteigenden inneren Schenkelstromes. 

Die letzten und längsten Ausströmungen des Leistenwirbels sind der äussere, 
innere und vordere Sc h enkel ström; sie bedecken und umgreifen den Ober- und Lnter- 
schcnkeh stossen wieder auf einander und begegnen sich in convergirenden Strömen, die sie 



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selbst bilden. 

Der äussere Schenkelstrom nimmt mit seinen divergirenden Ausflüssen an der äus- 
seren Seite dcsAVirbcls seinen Anfang und wendet sich aus- und abwärts; seineAusflüsse haben 
einen längeren Lauf als die inneren, 



denn sie verbreiten sich über die äussere und hintere 
Fläche des Oberschenkels. Seine oberen Ausflüsse lagern sich an die unterste Strömung 
des Hüftstromes, ihrePogenkriimmungen sind nicht gross, denn sie laufen an der äusseren un^ 
hinteren Oberfläche des Oberschenkels fast quer, neigen sich nur etwas abwärts und erst mit 

ihrem Ende ein- und aufwärts. 

Der innere Schenk eis trom wendet sich mit seinen aus dem Wirbel kommenden Aus- 
strömungen ein- und abwärts. Die oberen Strömungen laufen in wenig gebogenen Krum- 
ttiingeu fast wao-erecht einwärts, an die unteren Ausflüsse der Schamströmung sich anlegend. 



Dio 



io mittlere in einer stärkeren Bogenkrümmung fliessendc Strömung trifft an dem hinteren 



Tvande des Gracilis in der Mitte des Oberschenkels senkrecht auf die ebenfalls mittlere Ausströ 

.nner eben solchen, nur längeren Bogenkrüm- 



mung des äusseren Schenkelstromes , welche in c 



numg fliessend die äussere und hintere Fläche des Oberschenkels umgriffen hat, bildet an 






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14 



Ghristia'n August Voigt, 



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dieser Stelle das Schenkelkreuz und zwei convergirendc Ströme: den auf- und abstei- 
genden inneren S elienkelstr oin. Der aufsteigende Strom nimmt in seinem Laufe 
aufw'ärts die nach oben abgelenkten Endtlicile der mittleren und oberen Ausströmunü'en des 



,^-^ 



inneren und äusseren Sclienkelstromes auf und endet^ auf- und dann einwärts strömend, au 
Penis-Kreu z. 



1 



Der absteigende ebenfalls conyergir ende innere Schenkels trom hält sich 
in seinem Laufe abwärts an den liinteren Rand des Gracilisj dann an den hinteren Eand des Sar- 
torius, umfiiesst die hintere Gegend des inneren Gondylus femorls^ wendet sicli herabsenkend 
vorwärts, gelangt auf die innere Fläche der Tibia und endigt oberhalb und am vorderen Um- 



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fange des malleolus internus mit einer deutlichen Begrenzung. 

Die längsten ein- und abwärts laufenden Ausflüsse der inneren S c h e n k e 1 s t r ö m u n g 
liegen zwischen dem vorderen Schenkelstrome und dem convergirenden absteigenden 
inneren Sclienkehstrome, dem sie zuflicssen; sie bedecken den unteren Theil der inneren Ober- 
fläche des Oberschenkels, die innere Gegend des Kniegelenkes und reichen auf der inneren 
Fläche des üntervschenkehs bis ungefähr zur Mitte über die Tibia hinab; sie legen sicli in ihrem 
ganzen Verlaufe an die innere Abtheilung des vorderen Schenkelstromes. 

Die unterste Ausströnnmg des äusseren Schenkelstromes windet sich ab- und 
rückwärts, dann ein- und vorwärts ; sie ist die längste und breiteste, von der äusseren 
Oberfläche des Oberschenkels fliesst sie in die Kniekehle, dann über die Wade, die innere 
Fläche des Unterschenkels und endigt oberhalb und zwischen den beiden Fussknöcheln mit 
zwei an ihren Enden halbkreisförmig begrenzten Ausläufern, welche auf der Achilles-Sehne 
unander berühren. Alle ihre Ausflüsse, die ein- und vorwärts sich begeben,- fliessen in den 



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convergirenden absteigenden Schcnkelstrom, die äusseren legen sich an die äussere Abthei- 



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lung des vorderen Schenkelstromes. 

Der vordere Schenkclstrom als letzter Ausfluss des Leistenwirbcls verläuft, zwischen 
die äussere und innere Schenkelströmung sich eindrängend, über die vordere Fläche des Ober- 
schenkels ; oberhalb der Kniescheibe trennt er sich in eine äussere, innere und mittlere 
Abtlieilung. Die äussere und innere Abtheilung umgreift die Patella an ihren Kändern und 
unterhalb derselben, auf der ^pmai^/Ä/ae begegnen sie einander wieder und bilden unter sich einen 
kleinen convergirenden Strom, der in den absteigenden inneren Schenkelstrom mündet. Die 
mittlere Abtheilung, welche die kürzeste ist, findet auf der Patella ihr Ende, und wäre das 
Knie so stark beugbar wie das Ellbogengelenk und würde die Kniescheibe so stark vorwärts 
ragen, wie der EUbogenhöckcr rückwärts ragt, so würden die mittlere und die zwei seitlichei 
Abtheilungen auf der Patella convcrgirend zusammenlaufen und es würde sich hier ein con- 
vergirender Wirbel ausbilden wie am Ellbogenhöcker, dessen Llärchen sicli eben so einrollen 
würden. Die äussere Abtlieilung dieses Stromes, welche die längste ist, fliesst zwischen der 
Fibula und der crista tihiae herab auf die äussere Fläche des Uiitcrsclienkels, windet sich ein- 
wärts, unten auch über die crista tihiae hinüber und endigt ebenfalls oberhalb und zwischen 
dem malleolus externus und internus mit zwei Ausläufern, die halbkreisförmig begrenzt sijul und 
das untere Ende der Tibia zwischen sich haben, auf welchem sie sich berühren. 

Auf dem Fussrückcn ist ebenfalls ein Wirbel, nur unvollkommen ausgebildet, dessen Aus- 
strömungen aber von diesen letzten Ausläufern desLcistenAvirbels durch eine haarlose deutliche 
Grenze geschieden sind. Dieser Wirbel windet sich auf dem rechten Fussrücken gewöhnlich 
rechts, auf dem linken links. Die hintere Ausströnmng ist Avenig, die vordere hingegen stärker 






1 



über die Eiclitimg der Haare am menscUiclien Korper. 



15 



4 

ausgebildet und reicht bis auf den Mittclfuss hinüber. Die Härchen auf dem Rücken der mitt- 
leren Abtheilungen der Zehengliedcr sind wie auf dem lUicken der Finger geordnet; alle 
wenden sich mit' ihren Spitzen auswärts , nur die in den hinteren Reihen liegenden sind etwas 
rückwärts, die in den vorderen liegenden vorwärts abgewendet. Diese Richtung der Härchen 
auf dem Rücken der Zehen kann auch als eine, blos durch die Gelenke und Zehenspalten unter- 
brochene Fortsetzung dieses rudimentär ausgebildeten Wirbels angesehen werden. 

Kommt an der Seitenwand der Brust ein divergirender Wirbel vor, so kann dieser 
ein überzähliger sein, der zAyischen dem Achselhöhlen- und Leistenwirbel eingeschaltet ist, 
oder das Centrum des Leistenwirbels ist auf die Seitenwand der Brust hinauf gerückt. Ich habe 
auch an einem Embryo, an der rechten Seite zwei, an der linken blos einen überzähligen Wn- 
bei eino'cschoben gefunden. 







rende absteigende Seitenstrom des Achselhöhlenwirbels und der divergirendc aufsteigende 
ßauchstrom des Leistenwirbels kürzer geworden, das Seitenkreuz mit seinen zwei conver- 
girenden Grenzströmen rückt in die Höhe der Brustwarze mid an der inneren Gegend des 



^^orde 



ren oberen Domes der crüta ilel ist ein neues Kreuz (das D armbeinkrouz) ausgcbil 



det, sein vorderer convergirender Grenzstrom läuft über die Leistengegend ein- und abwäi^ts 
lind endigt in der Mittellinie im convergirenden Penis-AVirbel ; sein hinterer convergn^eiider 
f'n-enzstrom läuft über den Darmbeinskamm dem convergirenden Steisswirbel zm Das Cen- 
trum dieser Seitenwirbcl liegt dann in der Verbindungslinie dieser beiden Kreuze hoher 
oder tiefer , ungefähr auf der Verbindungsstelle der vorderen Eudtheilc der Rippen mit den 
ßippenknorpeln. Ich habe diese Wirbel an der rechten Seite links , und an der Imken rechts 
gewunden gefunden; auch in dem Falle, wo rechts zwei Wirbel eingeschaltet waren, waren 
beide linkswendio-. Aus jedem Seitenwirbel ist in einem solchen Falle ein aufsteigender 



divergirender Seitenbruststrom und 



ein absteigender divergirender 



seitlicher 



'divergirender öeitenDruststrom unci ein a usiuiy t- ji^^^^^ ^..-.-ö- 

Bauchstrom ausgebildet. Alle nach rückwärts sich wendenden Ausflüsse dieser beiden diver- 
gircnden Ströme laufen über die Seiten der Brnstwand und die Weichen quer und flicsscn hin- 
ten in den convergirenden absteigenden seitliclien Rückenstrom. Alle vorderen emwärts^ sich 
wendenden Ausflüsse erreichen die Mittellinie und tragen ober dem Nabel zur Bddung des 
absteigenden Brust- und Bauchstromes bei. Die der Mittellinie unter dem Nabel zuströmenden 



das Bauclikreuz und die convergirenden auf- und absteigenden 



niachen in der Mittellinie 

ßauchströme. 

bj Rückt der Leisten wir bei aus der Leiste an die Seitenwand des Thorax, so hängt es 
^■on der Grösse der Ausbildung seiner divergirenden Ströme ab, ob das Seitenkreuz der Brust- 
warze näher oder entfernter gefunden wird. Das Ceutrum eines solchen divergirenden Wir- 
bels habe ich in der geraden Verbiutlungslinie ■ des Achselhöhlenvirbels mit dem vorderen 
oberen Dorne des Darmbeines an der Seitenwand der Brust auf den Eippen selbst hegend 
gefunden. Die Wijb^clströmung war vom Centrum aus an der rechten und linken Seite rechts 
jewunden und so stark ausgebildet, dass ihre nach rückwärts gewandten Ausflüsse die Conti- 
i^wität des Rückenstromes unterbrachen und den oberen Thcil seiner Strömung links ablenkten. 
Iii der Verbindungslinie beider Winkel des Schulterblattes links von der Mittellmie, ibr jedoch 
nahe, war ein con\'errvirender links eingedrehter Wirbel, und unterhalb desselben m der Mittel- 
linie ein Rückcnkreu/r ausgebildet, wo die sonst abwärts gerichtete convcrgirende Strömung 
in einen aufwärts gerichteten convergirenden Strom umgewandelt war, der m den convergi- 



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16 



Christian August Voigt. 



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rendcn Wirbel hinein lief. Einen solchen converglrenden Ilüekenwirbel liabe ich zweimal 
gefunden. 

Der aus einem solchen an die Scitenwand der Brust versetzten Leistenwirbel beginnende 
abwärts laufende divergirende Strom fliesst bis unterhalb des vorderen oberenDornes 
-des Darmbeines und windet sich oben so, wie der bei regelmässiger Lage des Wirbels in der 
Leiste vorhandene divergirende aufsteigende seitliche Bauchstrom, der in der entgegengesetz- 
ten Richtung läuft. Von hier aus seinem Ende beginnen excentrisch alle sonst aus dem Leisten- 
wirbel fliessenden Ströme. 

Sind zwei Seitenwirbel eingeschaltet, so ist die Verbindungslinie zwischen dem Centrum 
des xleliselhöhlen- und Lcistenwirbels eine auf der Seitenwand des Thorax und des Bauelies 
schlangenförmig hin und her gewundene Stromlinie, in welcher drei Kreuze und sechs divergi- 
rende Ströme vorkommen, von denen je zwei gegen einander laufen. Die Wirbel sind nur in 
einem sehr irerina'cn Umfanofc ausircbildct und alle Ausflüsse der divero'irendcn Ströme von 



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oben nach unten sehr zusammengedrückt, sonst r|uerlaufend. 

Ausser diesen Anomalien in der Wirbelbildung und den Strömen kommen noch manche 
andere vor, einige habe ich schon früher kurz erwähnt, hier will ich nur noch eine notiren. 
Auf den inneren Scitentheilen beider Waden fand ich mitten in der sich über die AVadc win- 
denden Strömung des äusseren Schenhelstromes einen unvollständig ausgebildeten convergi- 
rendcn Wirbel, ein Kreuz und zwei kleine convergirende Strome ausgebildet, welche 



in einer mittleren Spalte dieser Strömung lagen, die beiden seitlichen Theile strömten senkrecht auf 
einander, bildeten mitten in der Spalte ein Kreuz und einen ab- und aufsteigenden Strom; die 
hierdvirch aufwärts abg^elenkte Strömung bihlete am oberen Ende dieses convei-girenden auf- 
steigenden Stromes durch allgemeines Zusammenströmen einen convergirenden Wirbel. 

Die bei Embryonen von circa 8V:> bis ISy^ Zoll Länge (vom Scheitel zur Sohle) sehr 
deutlichen Wirbel und Ilaarrichtungen erhalten sich auch bei Erwachsenen durch' 
Leben; bei stark behaarten Menschen kann man die meisten noch deutlich auffinden, besonders 
bei dunkelhaarigen. An vielen Stellen werden sie weniger deutlich, weil die Härchen entweder 
ausfallen oder durch eine sehr feine Lanugo ersetzt sind , an anderen sind sie durch verschie- 
dene Ursachen aus ihrer ursprünglichen Kichtung gebraclit. 



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ganze 



Selbst bei den behaarten Mutter- 

mälcrn, wo die Härchen stärker ausgebildet sind, erhält sich die ursprüngliche lüclitung 
unverändert. 

über die Richtung der Haare habe ich bei einigen Hausthiercn ebenfalls Beobachtungen 
angestellt und gefunden, dass die verschiedenen 



Haarrichtungcn auch bei den Säuge- 
thieren sich immer auf die Ausbildung von mehreren divergire nden Wirbeln 
zurückführen lassen; es ist jedocli die Anzahl dieser Wirbel, ihre Ausbildung, ihre Lagerung, 
gegenseitige Begrenzung verschieden; ihre diveig'irenden Ströme und mannm'gfachen Ausströ- 
mungen, die in den Wirbelgrenzen vorkommenden Kreuze und convergirenden Ströme, so wie 
die Ausbildung der secundären convergirenden Wirbel unterliegen ebenfalls mannigfachen 
Verschiedenheiten. 

Die Haarrichtung, wie sie an Hunden vorkommt, welche man leicht untersuchen kaim, 
besonders bei den kurzhaarigen, ihre Wirbel, Ströme, Kreuze habe ich genau abgebildet und 
mit den an Pferden und Bindern ausgebildeten verglichen. Aus dieser Vergleichung will ich 



hier Einiges in Kürze skizziren. Der witternde Hund hat cdeich vorn am Rücken der Nase 



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einen divergirenden Wirbel. Die vordere Ausströmung desselben ist sehr kurz , die hintere 



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über die. Biclifimg der Ilaare am menschlichen Körper. 



17 



cell herab und bildet ^vieder mit dem vorwärts laufenden divergircnden Strome des 

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bedeckt den Kopf, beide Angcmvirbel blos umfassend, bedeckt im Aveiteren Laufe rückwärts 
die ganze Wirbelsäule und endet im convergircnden Wirbel auf der Schwanzsx)itzc. 

Beim Ein de rückt der divergirende Wirbel auf dem Kasenruidvcn höher bis unter die 
Verbindunrrslinie beider inneren Au£>-enwinkel : seine vordere divergirende Strömung trifft auf 
eine gleiche zwischen den Nasenlöchern ihr entgegen laufende, welche aus einem rudimentären 
Wirbel, dessen Centrum in der Nähe der Muudspalte auf der Oberlippe liegt, kömmt und 
niacht über den Nasenlöchern das Nasenlircuz ; die seitlichen Ausströmungen umfassen eben- 
falls den Augenwirbel; der aufwärts laufende divergirende Strom trifft auf der Stirne auf einen 
ilini von hinten entgegenströmenden divergircnden Strom des Hinterhauptwirbels und macht 
das Stiru kreuz. Hinter den Hörnern zwischen den Ohren liegt der divergirende Hinter- 
hauptswirbel, dessen vordere divergirende Strömung das Stirnkreuz und den vorne zwischen 
den Hörnern herabhängenden Haarbusch bildet; der hintere divergirende Strom fliesst am 
Kack 

Rückenwirbels ein Nackenkreuz. Dieser divergirende Eiickcn wirbel liegt ung 
^lif der Mitte der Eückenwirbelsäule an der Stelle, wo die längsten Stachelfortsätze sind, 
ist rechts gewunden; sein hinterer divergirender Strom läuft über den Rest des Rückens, 
über den Schweif und endigt an dessen Spitze im Haarbusch des convergirenden Schwanz- 
^virbels. 

Das edle Ross trägt auf der Stirne das Centrum eines divergircnden Wirbels, manch- 
'i^al ist hier ein Doppelwirbel ausgebildet; ein divergirender Strom geht aus demselben in der 
Mittellinie abwärts, in einer Spaltung der seitlichen Strömung liegen die Augenwirbel, der auf- 
^^"ärts gehende Strom bildet oben eine convergirende Haarspitzo, die mit einer ebenfalls con- 
vergirenden sehr kurzen Ausströmung aus dem vorne am Anfange der Mähne gelegenen diver- 
gircnden Hinterhaupts wir bei einen kleinen kurzhaarigen convergirenden Wirbel bildet; 
zu beiden Seiten desselben liegen kleine Kreuze. Die aus dieseiii Wirbel kommende rück- 
wärtige Ausströmung treibt die langen Haare, welche die Mähne bilden, wovon der vorderste 
Tbeil als Haarbüschel vorne zwischen den Ohren auf die Stirne fällt. Dieser rückwärtige 
Mäliuenstrom setzt sich, kurzhaarig- geworden, längs der Wirbelsäule fort und endigt m 
dem langhaarigen convergirenden Schweifwirbel. Die beiden Augenwirbel sind bei diesen 
ieren zwischen die Ausströmungen der in der Mittellinie des Kopfes an verschiedenen Punk- 
ten derselben gelagerten divergirenden Wirbel hineingeschoben, die Abgrenzung ist nnr nach 
^■orue, imien und oben etwas deutlicher; hier stossen die Ausströmungen, die von den Wir- 
boln der Mittellinie kommen, mit denen aus den iuneren Augenwinkeln auf einander und bilden 
ijeim Hunde und Rinde vorne und innen, beim Pferde oben und innen beiderseits ein Kreuz 
"nd zwei convergirende Ströme, nach hinten legen sich die ober- und unterhalb der Augenhd- 
spalte verlaufenden Plälften dieser Strömungen blos an einander. 

Die beiden Ohrwirbelausströmungen bedecken die Höhlung der Ohrmuschel, sie sind in 
demMittelpunkte weniger deutlich, an der Peripherie hingegen viel deutlicher; die oberen 
hier vorderen Ohrkreuze, die conver.o-irenden Randströme und der convergirende Ohrwirbcl 



Tliier 



^"i der Spitze beider Ohrmuscheln sammt den Haarspitzen lassen sich beim Hunde, Rmde und 

l^ferde leicht auffinden. ♦ 

Die convergirenden Halswirbel mit ihren convergirenden Strömungen vom Ohre, von der 
Schläfe, vom Auge und Gesichte, sowie auch vom Halse und die Eindrehungen iii's Centrum 
lassen sich beim Hunde nachweisen , beim Pferde mid Rinde sind sie weniger deutlich und 



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cnlcsclirirteu der maüicmat.-ntiturw. Cl. XIII. Hd. AbJiandl. v. Nichtmitgl. 



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18 



Christian August Voigt. 



beim Pferde habe icli manchmal anstatt zweier seitlichen convcrgirenden Wirbel nur einen 

vorne am Halse gefunden. 

Die paarigen divergir enden Achsolhöhlonwirbel sind bei diesen Tliieren einander 

näher gerückt und aus den Achselhöhlen nach vorne an die Seite der Brust geschoben, wie 
man dieses beim Hunde und Pferde deutlich sieht; beim Hunde habe ich den linken Wirbel 
rechts- und den rechten linksAvendig gefunden. Die (|ueren Brustströme dieser Wirbel, die in 
der Mittellinie senkrecht auf einander treffen, bilden das Brustkreuz, welches beim Hunde und 
Pferde deutlich sichtbar ist. Die rückwärts laufenden Ausströmungen fliessen in den convcr- 
girenden Nabel wirb el, die vorderen Ausströmungen, die aufwärts steigen, treffen zu beiden 
Seiten der Mittellinie beimHunde und Pferde auf Ströme, die vom Halse herabkommen, stossen 
hiemit aufeinander, und aus einander Avcichend bilden sie hier beiderseits ein Kreuz und einen 
aus- und einwärts laufenden convcrgirenden Strom. Da, wo die cimvärts laufenden Ströme in 
der Mittellinie sich begegnen, entsteht durch allgemeines Zusammenströmen ein convergiren- 
der Wirbel. Die Strömungen aus diesen Achsel wirbeln, welche den Humerus umgreifen und 
auf den vorderen Extremitäten abwärts laufen, bilden auf dem Olekranon beim Hunde einen 
deutlichen convcrgirenden EUbogenhöckerwirbcl, welcher beim Pferde und Punde, w^o das 
Olekranon mehr in einer Hautfalte verborgen liegt, nicht ausgebildet ist; beim Hunde habe 
ich den convero-irenden Ulnarstrom ebenfalls deutlich ausgebildet gesehen. 

Die den beiden Leistenwirbcln analoi>-en, für die hinteren Extremitäten bestimmten Wirbel 



sind beim Pferde deutlich auf der Hautfalte ausgebildet zu sehen, die von den Flanken zum 
Knie übergeht. Vom Centrum eines jeden dieser AVirbel geht ein diverglrcnder Strom auf- 
wärts, nach vorne und hinten bogenförmige Ausströmungen aussendend, und trifft oben auf 
den Rückenstrom, wo man ein deutliches Kreuz sieht. Beim Binde und Hunde iiabe ich diese 
Wirbel weniger deutlich ausgebildet gefunden und bei letztcrem rückt er einwärts in die Leiste, 
seine vorderen Ausströmungen fliessen dem Nabelwirbel zu. Ein convergirender Penis-Wirbel 
ist beim Hunde und Kinde ebenfalls deutlich ausgebildet. Beim Hunde kommen noch ausser- 
dem auf beiden Sitzknorren deutliche convergirende eingerollte Wirbel vor, bei kurzhaarigen 
Hiuiden kann man die in dieselben einfliessenden Strömungen deutlich verfolgen, bei lang- 
haarigen machen die eingerollten langen Haare divergirend aussehende Wirbel. _ Die sich ein- 
rollenden Strömungen kommen vom Damme, vom Bücken und von der äusseren Fläche 
der Hüfte und des Oberschenkels. Bei menscidichen Embryonen habe ich nach diesen 
convcrgirenden Wirbeln der Sitzknorren gesucht, sie aber bis dato nicht gefunden. 
Beim Rinde kommen sie schwächer ausgebildet vor, sind aber tiefer und mehr einwärts 

gerückt. 

Es wäre interessant, die Haarwirbel, ihre secundären Bildungen, ihre Anzahl, verschie- 
dene Lai>-erung, Ausbildung in's Detail bei den verschiedenen Tliieren zu verfolgen und durch 



Abbilduno'cn zu erläutern, weil sich daraus (wie ich beim Menschen zeigen werde) Schlüsse 
auf den verschiedenartigen Wachstimm der Oberfläche des Thierkörpers machen lassen, wel- 
cher wieder in der ungemein mannigfaltigen Architektonik, die beim Baue der verschiedenen 
Thierkörper angewendet ist, seine Begründuiig findet. 

Dass die Eichtung der F etlern an der Obcrfläclie der Vögel gleichfalls auf Wirbel sich 
zurückführen lasse, fliesst schon aus meinen bisherigen hierauf bezügliclien Untersuchungen, 
die ich noch nicht habe beendigen können. Für's erste stellt sich heraus, dass die Anzahl 
der divergirenden Wirbel sammt ihren secundären Bildungen , welche zur Bekleidung 



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über die BiclUung der Ilaare am menscUUclien Körper. 



19 



der Oberfläclie der Yögel verAvcndet ist, geringer sei als bei den Säugetliier en, denn es 
dienen zur Umliiillung von Kopf, Hals und Körper des Yogels , die zusammen , den Sclmabel 
^'oran, die Luft beim Fluge zu durchscluieiden bestimmt sind, nur die Ausflüsse von einem 
Wirbel, in dessen Centrum der Sclmabel liegt. Die Augen und Obren liegen nur in Spalten 
von divcrgirendcn Strömen. Der Scbweif ist der convergirende AVirbel dieses Kopf- oder 



Kör 



örperwirbels; dieser convergirende Wirbel ist aber entweder von oben nach unten oder von 



beiden Seiten flacLgedrückt und dabei noch sonst verschiedenartig gestaltet. Zur Bedeckung 
der Flügel dient je ein dem Achselhöhlenwirbel analoger AYirbcl mit seinen Ausflüssen, und 
zur Umhüllung der Füsse wieder jcdcrseits einer, der dem Leistenwirbel entspricht; mithin 
im Ganzen nur fünf diver gir en d c Wirb ol bei den meisten Vögelgattungen, nur bei 



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ir scliön und ptoss auso^cbildct sind. Die ganze Augenlidspalto maclit liier das Centrum und 



der divergirende AVirbel ist rings um das Auge gleichmässig ausgebildet. In der Mittellinie 
Hegen die Peripherien beider Augenwirbel an einander ; weniger deutlich sind die Augen wirbel 
bei den Falken, Adlern, Geiern, nur nach vorne ist der AVirbel deutlicher; vom inneren Augen- 
^iakel läuft ein divergirender Strom vorwärts, mit seinen bogenförmigen Ausströmungen die 
Augenlidspalte umfassend. Das Plattgedrücktsein, welches ich beim convergirenden Schweif- 
^virbel gefunden habe, finde ich an den Ausströmungen der divergirenden AVirbel, welche die 
Flügel bekleiden, wieder, und der convergirende Ellbogenhöcker wirb el ist ebenfalls 
bier plattgedrückt wie die ganze Strömung; auch die zusammengelegten Flügel liegen am 
Körper, demselben gleichsam angedrückt. Zum Beweise, dass sich auch die sec undärcn 
Bildungen der divergirenden Fe der wirbel, als: divergirende Ströme , convergirende 
Ströme mit ihren Kreuzen, und die convergirenden AA^irbel nachweisen lassen, lasse ich hier 
die Beschreibung und den Vergleich der Lagerung der Federn am Flügel der Vögel mit der 
Haarrichtung der oberen Extremität des Menschen, wie ich sie hier gefunden habe, folgen. 
Am vorderen Pwande des Flügels liegen die kleinen Federn in einem divergirenden Strome, 
^velcher dem inneren Armstrome entspricht, und so wie aus diesem Strome sich die Ausflüsse 
in Bogcnkrümmungen auf die innere und Pvückcnfläche begeben, eben so ordnen sich auch die 
vom vorderen Eande kommenden Federn auf der äusseren und inneren Fläche des Flügels. 
I^ie Hauptrichtung der Ilaare ist an der äusseren Fläche des Oberarms schräg ab- und rück- 
^^^ärts, und am Vorderarm die quere vom Armspindel- zum Ellbogenrande hin mit der Neigung 
zum Olekranon; eben so schräg sind auch die grossen Schwungfedern und auch die kleinen 
I'edern auf dem Os bracliä und quer auf dem Radius und der Ulna gelagert und befestigt. In 
derselben queren und schrägen Ilichtung liegen auch die Federn am Metacarpus und auf ^ den 
I'lialangcn-Knochen der A^ögel, und vergleicht man biemit die Ilaarrichtung auf der Mittel- 
baud und die Richtung der° Härchen auf der Eückenfläcbe der mittleren Abtheilungen der 
Fingerglioder, so sieht man, dass sie ebenfalls grösstentheils quer ist, indem die Härchen vom 
Armspindel- zum Ellbogcnrande hin laufen. An der inneren Fläche der Flügel liegen und 
^^geru sich beim Ausbreiten der Flügel die grösseren und kleineren Federn in ähnlicher, theils 
schräger, theils querer Richtung, wie sie an der äusseren geordnet sind. Am Oberarm findet 
ßiau den absteigenden convergirenden äusseren Armstrom und am Vorderarm den convergi- 
i^euden ab- und aufsteigenden ülnarstrom, das ülnarkreuz, und am Oberarm den EUbogcn- 
böckorwirbcl. Analoga für diese Ströme, Kreuze und AVirbel findet man am hinteren 



zugeschärften Rande'dcs Flügels ebenfalls, welcher durch das An- und Aufeinandcrliegen 



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20 



C h r i s f. i an Angii s t Vo ig t. 







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der Fal'inenspitzen sowohl der Federn, Avclclie die Ilückenfläche , als aucli derjenigen ^ Avelclie 
die innere Fläclie bedecken, gebildet wird; denn es neigen sich die Federn, welche den Ober- 
arm aussen und innen decken, mit ihren Spitzen zum Olekranon und repräsentiren den abstei- 
genden äusseren Oberarmstrom. Das Analogen für den aufsteigenden Ulnarstrom findet man 
durch die Fahnenspitzen am hinteren Eande des Vorderarms des Flügels erzeugt, die zum 



Olekranon sich neigen 



so entsteht am Olekranon ein convergirender Federwirbeh In der 



Fortsetzung des hinteren Eandes des Flügels, da avo nach vorne der Carpus liegt, ist im hinte- 
ren eingeknickten Rande das Ulnarkreuz, und das Ende des hinteren Eandes des Flügels, 
von den Federn, welche den Metacarpus und die Phalangen bekleiden, erzeugt, entspricht dem 
absteigenden convergirenden ülnarstrome. 

Ehi ähnlicher Vergleich lässt sich für die unteren Extremitäten aufstellen und en detail 
durchführen. Ich will hier nur erwälmen, dass der aus dem Leistenwürbel kommende divergi- 
rende Strom vorne über die Extremität herabläuft und mit seinen Ausströmungen die äussere 
und innere Fläche des Ober- und Unterschenkels umgreift und bedeckt und hinten wieder 
einen convergirenden Strom bildet. Bei einigen Vögelgattungen hört das G-efieder hier auf, 
bei anderen setzt sicli der Strom über deiiMetatarsus, denselben ebenfalls umhüllend fort, wie 
bei den Adlern, Falken, den Eulen; und man findet an der dem Fersenhöcker entsprechenden 

hervorragt, einen convcrgii:enden Wirbel. 



Erhabenheit, die rückwärts stark hervorragt, einen convcrgii:enden Wirbel. Bei Tetrao tetrix 
und bei Tetrao lagojpus spaltet sich dieser divergirende Strom in seiner Fortsetzung auf die 
Zehen in drei Ströme, welche den Rücken der Phalangen bedecken; es ist jedocli die Befiede- 
rung an den äusseren Zehenrändern länger als an den inneren. Bei einer Spielart der Golumba 
domestica. wo die Befiederung ebenfalls bis auf die Zehen reicht, liegen die hier langen Federn 



auf den Phalangen quer, mit den Spitzen auswärts gerichtet , wie die Härchen auf dem Rücken 
der Zehen des Menschen. 

Betrachtet man bei den übrigen Thierclassen die Anordnung der Analoga für die Flaarc 
der Säugethiere, so sind mir die Stacheln der Echinodermen auf der kugeligen Oberfläche der 
Echinotdea als ebenfalls in Wirbel geordnet aufgefallen, besonders bei einem, den ich bei Pro- 
fessor Oskar Schmidt zu sehen Gelegenheit hatte, dem Schizaster canaliferus aus .Triest, 
dessen Stacheln fein, haarähnlich sind. Sie sind auf denScliihlern der Kugelschale in deutliche 



( 



iivergirende Wirbel geordnet, deren Ausströmungen nicht gleich lang sind; manche dieser Aus- 
strömungen sind zu divergirenden Strömen ausgebildet. Die Forin der Schikler ist verschieden 
und ist aussen durch deutliche Zwischenräume angedeutet; ich habe auf der kugelförmigen 
Oberfläche circa acht divergirende Wirbel gezählt. In den Furchen, welche die Grenzen 
der Wirbel andeuten, findet man convergirende Ströme, und an der Mund- und Afteröffnung 
wird durch allgemeine Convergenz der Stacheln ein convergirender Mund- und Afterwirbel 

erzeugt. 

Ob die verschicdengestalteten Analoga für die Haare der Säugethiere, welche man an 

1er Hautbedeckung der anderen Tliierclassen noch findet, in ihrer Anordnimg auf der Ober- 
fläche dieser Thierc ebenfalls in Wirbel geordnet sind, diese Frage müssen erst weitere 
Untersuchungen entscheiden. 

Wer diese meine Beschreibung und meine Abbilduna'cn über die Anorduunö' der Haare 



( 



in mehrere divera'lrende Wirbel sammt ihren einfachen und divern'irenden Ausströmunöfcn und 



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ilircn secundärcn Bildungen, als: Kreuzen, convergirenden Strömen und convergirenden Wir- 
beln mit der von Professor E schriebt gegebenen Beschreibung und seinen Abbildungen 






l 



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über die Eiclitung der Haare am menschlichen Körper. 



21 



vergleicht, Avird ^-Icich und Iciclit herausfinden, worin ich übereinötimme , worin ich abweiche, 

Berichtio-iuip-en und Ero-änzungen bestehen, und was icli Neues 



fe ^..., .... v^ ^ 



uud mithin , worin meine 
bringe. 



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I 



eine Erldäran<r des Pliänomcns der Yersclücdenen Haarrichtungen au± der 



EEKLÄEI^NG DER VERSCHIEDENEN HAARRICHTUXGEN, DIE DEN 

DIYERGIRENDEN WIRBELN ENTSTRÖMEN. 

Es hat, wie ich in der Einleitung kurz erwähnt habe, bereits Professor Eschricht aucli 

'^ ^ Oberfläche des 

menschlichen Körpers zu geben versucht und es sich, wie er sagt, sehr angelegen sein lassen, 
die Bedeutung dieses Phänomens zu erforschen. Mit den Ausdrücken der Attraction und 
KopulJon, die man gewissen Punkten des Körpers für die Haarspitzen zuschreibt, iässt sich 
allerdings die Richtungsverschiedenheit in ihrem ganzen Detail erklären; es ist aber offenbar 
damit nichts gewonnen, so lauge es sich nicht zugleich nachweisen Iässt, was das eigentlich 
Bestimmende dabei ist. Im Suchen nach einer Erklärung bebt er hervor, „dass die anziehen- 
den Punkte un.l Linien (die convergirenden Ströme bezeichnend) die mehr erhabenen Stellen 
der Oberfläche sind , zumal solche , an denen das Skelet etwas scliärfer hervorsteht (Ellbogen, 
ülna, Tibia, Augenbrauen, Rückgrat), und wo die IRaut von demselben stärker gedrückt wn'd"; 
weiter bemerkt er, „dass mehrere dieser Stellen solche sind, die sich beim Fötus zuletzt ver- 
schliessen {Linea alba mit U^nbäicus, unterer Rand des Penis, Haisbiege, auch noch die Seiten- 
teile des Filtrum auf der Oberlippe)". Er versucht ferner die verschiedenen Haarrichtungen 
mit der Gefässverbreitung in Verbindung zu bringen, steht aber Avieder davon ab, ,weil der 
Typus der llaarströmung überhaupt dem Typus der Gefässverbreitung sonst gar mcht ent- 
spricht" ; auch die Regel der sich später schllessenden Hautstellen verwirft er, weil sie sich 
.vnicht an den Säugethieren bestätigt, was sie doch nothwendig müsste, wenn die Hypothese 
lialtbar wäre«. Er beschlicsst seine Abhandlung mit der nachfolgenden Erklärung: „Man muss 
also meines Erachtens das Phänomen dahin beschränken, dass die Richtungen der Haare am 
Menschen sowohl wie in dem Thicrreiche überhaupt einem ziemlich bestimmten Typus folgen, 
der am Fötus zwar am deutlichsten ist, sich aber zeitlebens nie verliert; dass ferner dieser 
Typus für jede Thierspecies ziemlich verschieden ist, im Ganzen aber wenigstens m so fern 
übereinstimmt, dass an jedem cyiinderförmigen Theile die Haarspitzen den schärferen Hervor- 
ragungen entgegen geneigt sind und dadurch eine einzelne oder doppelte Convergenz bdden 
,ciu oder zwei Ströme), je nachdem ihr Umfang kleiner (Unterarm und Anticrus, Hals) oder 
grösser (Truncus, Schenkel, Schulter) ist. Ich rechne das Ganze nur zu der sich überall m der 
^■atur kundthuenden Regelmässigkeit in der räumlichen Anordnung der Theile". 

Ich habe, wie aus meiner Beschreibung der verschiedenen Jlaarrichtungen hervoi^-eht 
vorerst die verschiedenen Haarrichtungen auf die Anordnung in mehrere divergirende \\ irbei 
reducirt und die convergirenden Ströme , Kreuze und convergirenden Wirbel m die \Virbei- 
grenzen verlegt. Zur Erklärung der Ausströmungen aus den divergirenden \\ irbe in 
s^Jwohl der einfachen als auch der div ergirendcn Ströme benütze ich nun folgende 
I>ata der Entwickoluno-so-esetze des Hautorgans selbst und der Entwickelungsgesetze des m 



Tiefe liegenden Skelets und der zwischenliegenden AVeichtheile. 

L Die Haarkeime für die AVoUhaare erscheinen am Ende des dritten und zu Anfang des 
vierten Monats beim menschlichen Embryo. Diese keg elf örmigen Haaranlagen stehen 



vL^-: 



22 



Christian August Voigt, 



+ 

im Anfange der Bildung senkrecht auf der Hautfläclie und sind von einer ziem- 
licli dicken und festen Epidermis -S cliiclite bedeckt. Diese Epidermis-Scliiekte löst 
sich durch Fäulniss los und kann als glciclimässiges Epidcrmoidal-IIäutcLen abgelöst werden, 
was icli öfter gesehen und gctkan liabe; unter demselben liegen erst die Haarkeime. Esch- 
richt berichtet, dass Ybsen diesen häutigen Überzug, den er durchaus zusammenhängend 
abziehen konnte, für eine Fortsetzung des Amnion und mithin als eine eigene ausserepidernia- 
tische Schichte ausserhalb der Haare halte, die später im Fötus-Leben verschwindet. 

2. Während des Wachsthums dieser Haaranlagen, wo dieselben sich verlän- 
gern und mehr zuspitzen, können dieselben nicht mehr senkrecht auf der Haut stehen 
bleiben, sondern müssen sich immer mehr neigen und mit ihren Spitzen jener Eichtung 
folgen, in welclier die Haut, ihren eigenen Wachsthumsgesetzen, den AVachsthumsgesetzen der 
Oberfläche und der unterliegenden Theile folgend, stärker gedehnt wird, und in welcher Eich- 
tung hin sie wachsen und sich vergrössern muss. 

3. Die Haarspitzen aber müssen dieser Eichtung folgen, weil ihre Spitzen von 
dieser ziemlieh dicken und festen Epidermis-Schiehte bedeckt sind und nicht frei auf der Ober- 
fläche stehend ihre senkrechte Eichtung behaupten können und weil die Haut an ihre Unterlao-e 
nicht gleichmässig locker, sondern versclüeden fest angeheftet ist. 

4. Die Eichtungslinien des "Wachsthums der Oberfläche des menschlichen 
Körpers werden keine geraden, sondern müssen krumme, mannigfach ges chwu'no-ene 
Linien sein, Aveil dieselben die Ecsultirenden aus einem sehr comj^licirtenAYachsthumo sind 
und zwar: aus dem AVaclisthume in die Länge, Breite und Tiefe der Theile, die unterhalb der 
Haut und in der Tiefe liegen und zugleich aus dem Waclisthume der Haut selbst, welche auf 
der mannigfaltig gewölbten , gehöhlten und sonstig gekrümmten Oberfläche des menschlichen 
Körpers liegend nicht blos in zwei , sondern auch in drei Dimensionen gedehnt wächst. Dar- 
aus lassen sich nun die geschwungenen Haarrichtungslinien erklären. 



5. Aus diesem Bedeckt- und Finge wachsensein der Haarkeime lassen sich noch 
folgende Bil düng s Vorgänge derselben erklären, nämlich: das geringe Hinabrücken der 
HaarpapiUen der AVollhaare in die Haut und das starke Hinabsinken der Haarwarze der grös- 
seren Haare. Denn dadurch, dass die eingewachsenen Haarspitzen nicht herausrücken können, 
wird der durch Nachwuchs immer stärker werdende Haarschaft nach der Stärke der Haare 
die Haarwarze immer tiefer in die Haut hineindrücken, und bei den grossen Haaren wird die 
Haarpapille durch die ganze Dicke der Lederhaut bis in die Schweissdrüsenschicht hinein- 
gedrückt Dasselbe ümwachsensein und Festwachsen des Nagels mit der frühcrenEpidermislage 
dient zur Ausbildung des Nagel-Follikels , indem die Nagelwurzel sich ebenfalls in die Haut 
hineindrückt; bei den Krallen, Klauen und den Hufen findet dasselbe Statt. 

6. Auf die Eichtung, in welcher die Haut vor dem Ersclieinen der Haarkeime (mithin bis 
Anfang des vierten Monats) wächst, muss man bei der Erklärung der Haarrichtungen ebenfalls 
Eüeksicht nehmen, weil viele der Normen, die dabei gewaltet laaben, noch wälu-end der Haar- 
bildungsperiode fortwirken. 

Betrachten wir vorerst noch die Stellen, auf welchen die divergirenden AVirbel 

ausgebildet sind , und hierauf diejenigen, auf welchen die convergirenden Wirbel vor- 
kommen. 

Die Hautstellen, auf welchen divcrgiren de AAMrbel sich ausbilden, sind Stellen, 
die während des AVaclisthums der übri 



gen Haut verhältni ssmässig am ruhi 



1 g s t e n 



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über die Bichtimg der Ilaare am menscldicheu Körper. 



23 



bleiben (me z. B. der Sclicitel)^ oder wenn sie sicli auch etwas versclüeben (Avie z. B. die 
beiden inneren Augenwinkel j die beiden Eingänge in den äusseren Geliörgang, die beiden 
Acbselliölilen und die Leisten), so ist iln^ Verscliiebcn jedenfalls sehr gering im Yergieiche zu 

dem der anderen Ilautstellen. 

Die liautstellcn hingegen, aufweichen convergircnde Wir b el ausgebildet vor- 



kommen, sind entAveder Stellen, die in der früheren Entwickelungsperiode ganz offen 
waren oder noch einen Canal cinschlicssen (wie z. B. der Penis, der Nabel, die Stelle des 
seitlichen Halswirbels in der ünterohrgrube, wo früher eine Schlundspalte war, auch die 



Stelle des vorderen Kopfwirbels war früher offen) oder es sind Stollen, die hervor- 
ragende Knochen (Knorpel) decken, die stark wachsen: Steissbcin, Ellbogenhöcker 
(bei Thiercn die Spitze des Ohrknorpels), mithin alles Stelle n, zu welchen hin zur 

der Haut noch stattfindet oder früher 



Zeit der Haarbildung 
statt hatte. 



eine Dehnung 



Die Grenzlinien zwischen den einzelnen divergir enden Wirbeln , in wel- 
chen die Kreuze sich bilden und die convergirendcn Ströme laufen, bezeichnen lauter 
solche lineare Hautstellen, gegen Avclche die Haut ebenfalls gedehnt wird 
und wächst. Ein Theil der Grenzlinien der paarigen, über einander liegenden, divcrgiren- 
den Wirbel fällt in die Mittellinie des Körpers, welche vom vorderen Ende der Kopfwirbch 
Säule anfängt und bis zum unteren Endo der Ixückenwirbelsäule reicht und welche in der 
frühesten Entwickelungsperiode offen Avar. Der andere Theil läuft längst den Seitcntheilen der 
Ptückemvirbelsäule. Die horizontalen Cn-enzlinien der über einander liegenden divergircnden 
Wirbel scheiden vorne den Kopf vom Gesichte (liegen in den Augenbrauen) und dcnGesiclits- 
theil des Kopfes vom Halse (laufen längs des Zungenbeines), hinten den Kopf vom Nacken 
und unten die obere Körperhälfto von der unteren. Die Grenzlinie um die paarigen Ohr- 
wirbel läuft längs der Peripherie des natürlichen Hörrohres, und an den Extremitäten bezeich- 
nen die Grenzlinien die Pichtungslinicn, gegen welche die Dehnung und das Wachsen der 

Plaut stattfindet. 

Die Hautstellen in den Grenzlinien, auf welchen Kreuze sich ausbilden, sind ver- 
hältnissmässig ruhende Stellen, während die linearen Hautstellen, auf welchen convergi- 



rcnde Ströme ausgebildet vorkommen, während des Wachsthums gedehnt werden. 

Das Entstehen der Kreuze in den Grenzlinien der divergircnden Wirbel wird aus dem 
Auseinander weichen der Zuglinien an diesen Stellen leicht erklärt, welches Auscinanderwei- 
chcn w^icdcr in einer Verlängerung der Stücke dieser Grenzlinien, in welchen diese Kreuze 
vorkommen, mit Ptücksichtnahmc des AYachsthums der unterhalb dieser Hautstellen liegenden 
Weichgebilde und der Knochen seine Begründung findet. Das Einschalten eines anderen 
divergircnden Wirbels in die Spalte einer Strömung eines anderen Wirbels, auch das Sichhin- 



die Strömung eines 



zweiten AVirbels erzeugt 



eindrängen eines divergircnden Stromes in 

Kreuze. 

Die Anw^endiing des Gesagten auf die einzelnen divergircnden Wirbel zxir Erklärung 
ihrer einfachen Ausströmunü'cn und ihrer divergircnden Ströme, ihrer Kreuze und convergi- 



rendcn Ströme lasse ich hier nachfolo-en. 



Am Kopf oder Scheitelwirbel Avird die Haut cxccntrisch gedehnt und Avächst 
eben so vom ruliendcn Scheitel ringsum abw4irts, und zwar: nach vorne gegen die bestimmte, 

ch abwärts weichende Grenze der Augenbrauen; an den Seiten vor und hinter dem 



wenn au 



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24 



Christian Äugtest Voigt. 



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Ohre und hinten in den Nacken gegen die Grenzlinie zwisclien Kopf und EückeuAvirbelsäuIe 
so wie längs derselben abwärts. Diesem Zuge folgen die liaarspitzcn und es bilden sieb naeb 
vorne der mittlere und die zwei seitliebcn Stirnströme aus ^ deren Scbcidegrenze durcb das 
Breiterwerdon der Stirne entstellt 5 dureb dieses Breiterwerden entsteht auch in der Augen- 
braue das Augenbrau kreuz, und durcb das Ilmzicbcu der liaarspitzcn in der Grenze zur Mittel- 
linie und naeb aussen bilden sicli seine zwei convergirenden Ströme und der converf^'ircnde 
vordere Kopfwirbel. Die seitliclien Ausströmungen werden beiderseits durcb das Einschalten 
des divcrgirenden Ohrwirbels in die Strömung getrennt. An der Trennungsstclle bildet sich 
das Oberohrkreuz. Der vordere Thcil der Strömung wird als Schläfenstrom vor dem Ohre 
abwärts bis in den convergirenden Halswirbel hineingezogen. Die hintere Abtheilung, welche 
als hinterer Ohrstrom die hintere Fläche des Ohrknorpels bedeckt, wird mit seinem AVachs- 
thume bis an seinen Kand gezogen, wodurch der convergirende Olirmuschelrandstrom sich 
ausbildet. Zwischen den Eest der Ausströmung: den unteren Ohr- und mittleren Xackcnstrom, 
welcher im weiteren Laufe zum Rückenstrome wird, drängt sich der divcrgirende, schräo- auf- 
steigende, seitliche Tlalsstrom hinein und bildet dadurch das Nackenkrouz und seine zwei 
convergirenden Ströme, während der untere Ohrstrom in den convergirenden Ilals-, und der 
Eückenstrom in den convergirenden Steisswirbel gezogen wird. 

Bei den paarigen Augenwirbcln übersteigt die Dehnung und der Wachsthum ab- 
und auswärts jenen auf- und einwärts, weil das Centrum des Wirbels, der innere Au o^enwinkel 
von der Mittellinie und der Augcnbraulinic nur wenig wegrückt, die Grenzen ab- und aus- 
wärts aber weiter sicli entfernen und in den convergirenden Halswirbel hinein o-ezoo-en werden. 
Dessbalb sind diese Wirbel excentrisch. Durch das BrciterAverden des Stirnbeines und das 



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und trägt zur Bildung der Augenbraue, des Augcnbraukreuzes und seiner beiden convergii-en- 
den Augenbrauströme nebst dem convergirenden vorderen Kopfwirbel bei. Auf der Nasen- 
wurzel entstellt wieder eine Spaltung der zweiten Ausströmung des Augenwirbels und es bildet 
sich hier das Nasenwurzelkreuz und seine zwei convergirenden Ströme, weil diepar.y ?iasalis 
ossisfrontis länger wird imd die ossa nasaUa abwärts wachsen und die Haut sammt den Haaren 
diesem Zno'e folfft. J3er in 



der Augenlidspalte liegende 



divergirendc Augcnspaltenstrom 



verlängert sich ^ wie die Augenlidspalte nach auswärts. Die Haut, auf welcher die Wangen-, 
Backen- und seitlichen Nasenströme ausgebildet sind, wird zum convergirendenHalswirbel am 
stärksten gezogen, desshalb laufen diese Ströme schräg und sind die längsten. Der AVachsthum 



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unü Zug der Haut über die Nase, die Ober- und Unterlippe, so wie über das Kinn zum Zun- 
genbeine abwärts zu beiden Seiten der Mittellinie bedingt das Läugerwerden des convergi- 
renden Gesichtsstromes, das Aneinanderlegen seiner Haarrichtungen im Laufe abwärts. 



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das überspringen der Nasenöffnungen und der Mundspalte. Das Breiterwerden des Halses 
zwischen beiden convergirenden Halswirbeln bewirkt den Zug auswärts, durch welelien das 



Zungenbendvreuz und seine beiden convergirenden 
werden. 



vorderen queren Halsströme gebildet 



Die beiden Ohrwirbel sind gleichfalls excentrisch, weil der, wenn auch gefaltete Ohr- 
knorpel rück- und aufwärts stärker wächst als nach vorne und unten, und weil die Haut, welche 
die gefaltete Trichterfläche desselben überkleidet, sammt ihren Haaren diesem Wachsthume 
und Zuge folgend, zur Periplicrie Irin sich vergrössert. Das Weichen beider Mittelpunkte 
der Ohrwirbel durch das WachstJium der Schädelknocben nach aussen hat auf die Ausdehnuno' 









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über die liiclitmq der Ilaare am menschliclien Korper. 



25 



der Ausströmung-en der Olirwirbcl nur nach vorne Einfluss, Das stärkere AVaolistLum des Ohr- 
knorpels und seiner Haut aufwärts macht, dass sich aus dem meatus audltorius externm ein auf- 
wärts steio-ender Strom bildet, der oben über dcnEand der TIcllx strömt, hier durch dcnAYachs- 
thumszug-'^der Haut nach vor- und rückAvärts sich spaltet, die zweite Hälfte des Obcrohrkreuzcs 
und dcn°convergirenden vorderen Ohr- und den Ohrmuschelrandstrom bilden hilft. Auf der Haut 
vor dem Anfange der Windung und vor dem Bock bildet sich aus den vorderen Ausflüssen des 
Ohrwirbcls die vordere Ohrströnnmg, ^veil die Haut durch das Breiter- und Längerwerden des 
Gesichtes hier stärker nach vor- und abwärts gezogen wird. Durch das Ausbilden und Länger- 
werden des AVinkels des Unterkiefers und durch den Zug der ihn bedeckenden Haut zum con- 
vergirenden Halswirbel, wo einst die Schlundspalte war, bildet sich die Spitze dieser vorderen 
Ohrströmung, welche dem convergirenden HalsAvirbel zufliesst. 

Complicirter ist der Vorgang bei den Extremi tätswirbcln. Die Theile ihrer Haut, 
welche zur Bedeckung und Einhüllung des Stammes dienen, sind in der Medianhnie vorne 
und unten verwachsen und welchen nicht; hinten haben sie mittelst der Hautpartie, auf 
welcher der Eückenstrom des Scheitelwirbels ausgebildet ist, andcnSeiten der Rückenwirbelsäule 
ebenfalls eine feste, wenig weichende Grenze, mid da der Thorax während der Haarentwick- 
luugsperiode durch die stärkere Entwickeluug beider Lungen aus der embryonalen Cylinder- 
form immer mehr in die eines verschmolzenen Doppelcylindcrs übergeht uud auch der Bauch 
und das Becken durch dieEntwickelung der Bauch- und Beckenorgane seitlich breiter werden, 
so wird die Seltenlinie des Stammes von der Mittellinie desselben immer weiter auswärts 
gedrückt, mithin wird die Haut von jeder Seitenlinie aus nach einwärts sowohl an der Vorder- 
seite, als auch auf der Rückenfläche des Stannnes gedehnt und wächst zur Mittellinie, welcher 
sich 'demnach auch die Haarspitzen der Ausströmungen der Achselhöhlen, Leisten- und der 
etwaigen eingeschalteten Seitenwirbel zuneigen werden. 

Li jeder dieser Seitenlinien des Stanmies wird die Haut durch die Verlängerung des 
Stammes beim Wachsthume vom Achselwirbel abwärts und vom Leistenwirbel aufwärts 
gedehnt; dieses Dehnen ist die Veranlassung, dass aus dem Achselhöhlen wirbcl ein absteigender 

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divcro-ircnclcr scitliclier Bruststroni 



und aus 'dem Leistenwirbol ein aufsteigender seitliehcT 



Bauchstrom, und da, wo diese beiden Ströme auf einander treffen, ein Seitenkreuz mit schien 
zwei convergirenden Grenzströmen sich ausbilden. Ist zwischen diesen beiden AVirbeln ein 
divergirender, oder sind sogar zwei divergirende Wirbcl eingeschaltet, so entsteht aus jedem 
Centnim dieser Wirbel durch den Wachsthumszug nach auf- und abwärts ein auf- und ein 
absteigender divergirender Strom und da, wo diese divergirenden Ströme auf ehiander stossen, 
auch ein oder zwei Seitenkreuze. Die nach rückwärts gezogenen seitlichen Ausström^ungen 
aus diesen divero-ircnden Strömen bilden, mit ihren Haarspitzen sich abwärts neigend 



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die eine 



Hälfte des absteigenden convergirenden seitlichen Rückenstromes. Die nach vorne durch den 
Zug zur Mittellinie sich wendenden überspringen den Brustwarzenliof und da der Stamm auch 
in die Länge wächst, so werden sie aus dem (lueren Laufe auch abwärts gezogen und bilden 
in der Mittellinie aus derselben Ursache durch gemeinschaftliches Zusammenströmen um den 
Nabel den converffirenden Nabelwirbel und die in ihn einmündenden convergirenden Strome, 
die ebenfalls ihm zuströmend in die Länge wachsen. Diese sind: der absteigende Brust- und 
Bauchstrom und in der Regel zwei seitliche, schräg abwärts gerichtete Wirbelgrenzstrome 
nebst dem aufsteigenden convergirenden Bauchstrome. Unterhalb desselben hegt das Bauch- 
k)-euz, dessen Bildung hier in der Mitte zwischen Nabel- und Schambemverenngung ebenfalls 

DcnkMln-iftuu der .nathvm.-natm■^T, Cl. XIII. Bd. Abl.an.n. v. Kichuaitgl. 



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26 



Ch r l stia n A ug u s i Vo ig t. 



aus der durch das AVaclistlium bewirkten Dehnung der j\rittel]inic sich erklärt. In dieser Deh- 
nung findet die Ausbildung des vom Bauchkreuz abwärts laufenden absteigenden Bauch- 
stromes, Avelchcr dem Penis-Wirbel zufiicsstj gleichfalls ihre Begründung. 

Demzufolge werden ans beiden Achselhöhlen wirbeln ausser den beschriebenen 
absteigenden divergirenden seitlichen Brustströmen, mit diesen iedoch noch in Yerbinduncr 
die breiten qu eren Brustströme , in der Zug- und Verbindungslinie beider Achselliölden 
sich ausbilden, und da wo dieselben in der Mittellinie auf einander treffen, entsteht das Brust- 
kreuz; die abwärts gezogenen Ausflüsse dieser queren Strömung bilden den vom Brustki-euz 
■abwärts laufenden absteigenden eonvergirenden Bruststrom. 

J)ieirautparde, welche den Hals rechts und links vorne, an den Seiten und hinten umhüllt, 
ist in der Median-Linie verwachsen, nach oben auf dem Zungenbein, und an den Seitentheilen 
des Nackens mit der Haut des Gesichts- und Scheitelwirbels verschmolzen. Da die lialswirbel- 
säule und die Weichgebilde vorne durch das Wachsthum sich verlängern, so wird dielTaut übei' 
das Schlüsselbein aufwärts zum Zujigcnbcine, zum eonvergirenden Halswirbel und zu den 
Seitentheilen des Nackens auf- und auswärts, nur hinten abwärts gezogen. Diesem Zuge fob'eud 
wenden sich die oberen Ausflüsse des queren Bruststromes über das Schlüsselbein 
aufwärts, ihre Haarsj3itzen convergiren anfangs in der Mittellinie, legen sieh dann an einander, 
bilden den eonvergirenden, vomBrustkreuz aufsteigenden Brust- und Halsstrom, 
und am Zungenbeine angelangt werden sie durch das Breiterwerden des Halses von der Mittel- 
linie abgelenkt; so entsteht hier das Zungenbeinkreuz und seine zwei eonvergirenden 
Ströme, welche nebst der aus- und aufwärts in die ünterohrgrube hin sicJi noch verläno-ernden 
und einrollenden aufsteigenden Strömung im eonvergirenden Halswirbel ihr Ende finden. Die 
nächste, schräg über den sterno-cleido-mastoideits aufätoigenäcStrönmiig bildet sich zum diver- 
girenden seitlichen Halsstrome aus, dessen Spitzesich zwischen den Bücken- und 
Unterohrstrom des Scheitel wirbeis eindrängt, und auf den Seitenwülsten des Nackens das 
Naekenkreuz bildet. Die Spitzen der oberen Ausflüsse aus diesem divergirenden Strome 
werden von dem quer um die obere Seite des Halses laufenden unteren Ohrsü^ome abgelenkt 
und laufen nun als convergirender querer seitlicher Halsstrom in den eonvergirenden Halswirbel 
hinein, während die unteren Ausflüsse, dem Seitenrande des Bückenstromes angelegt, abwärts 

gebogen werden und so den oberen Thcil des eonvergirenden seitlichen Bücavcnstromes 
bilden. 

Die Haut, welche die obere Extremität einhüllt, wird beim vorwaltenden AVachsthume 
der Extremitäten in die Länge, auch vorwaltend in die Länge gedehnt und wächst dem ent- 
sprechend in dieser Btichtung. An der Schulter jedoch waltet der durch das Breiterwerden des 
Thorax und dieEntwickelung der Schulter bedingte quere Zug vor, der sich zu dem am Halse 
vorwaltenden Zuge auf- und auswärts hinzugesellt; daraus lassen sich nun die Eichtungen der 
ferneren Ausströmungen des Achselhöhlenwirbels erklären, und zwar: die der divergirenden 
V r d e r e n u n d h i n t e r e n S c h u 1 1 e r s t r ö m u n g , welche sich nach auf- und auswiü-ts wen- 
den und die Schulter vorne und hinten umströmen; ferner die des vorderen und hinteren 
queren Schulterstromes, welche den Delta-Muskel quer umfassen und aussen, da wo sie 
wieder aufeinander stossen, das Delta- oder Schulterkreuz und den aufsteigenden 
eonvergirenden Schulterstrom bilden, der hinten durch den dort überwiegenden Zug 
zum queren Eückenstrome wird und dann abwärts gezogen in dem seitlichen Eücken- 
stronie endet. 






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tJber die Biclitimg der Ilaare am menschUclien Körper. 



27 



Zur Erklärung der letzten Ausflüsse des AcliselliöLlenwirbels und semer seeundarcn Bil- 
dungen, als: des convergirenden Ellbogenhöckerwirbels, des Ulnar- und Eadialkreuzes und der 
eon^ergirenden Ströme muss man nebst dem vorwaltenden ^Yaebstkumszuge der Hau m die 
Längeluck die Modificationen desselben an den einzelnen Abtkelku.gen ^ler «beren Extrenntat 
durcl das Waeksthum der Tkeile in der Tiefe in Eecknung bringen. Alle Eokrenknocken 



waeksen von dem zuerst verknöckernden :M;ttelstück zu 



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beiden Endtkeilen kin; die lan- 



gen Muskeln der Extremitäten eben so von der Mitte, wo dieGefässe undlserven emtreten zu 
den Endtkeilen hin, die befestigt sind. Demgemäss wird daker auck das vorwa tende ^^ acks- 
tkum der Haut in die Länge so modificirt, dass die Haut, welcke die mittleren Ikede der em- 
zelnen Abtkeilungen der oberen Extremität deckt, auck zu den beiden Endtkeilen km gezogen 
wird und wäckst. Daraus lassen sick nun die Haarricktungen auf der Haut des Ober- und 
Vorderarmes und der Hand erklären. Die zu beiden Seiten den inneren Armstrom begleiten- 
den Ausströmungen vereinigen sick mit den abwärts sick wendenden Ausflüssen des vorderen 
und kinteren queren Sckulterstromes , umgreifen von innen aus den Oberarm vorn und kinten 
und bilden an der äusseren Fläcke desselben den äusseren kerabsteigenden convergi- 
renden Armstrom. Das Ende dieses Stromes und die Enden dieser Strömungen wenden sick 
mit demWackstkume des unteren Endes des Oberarmes zumEllbogcngelenk kin, demE Ibogcn- 
köcker zu , convergiren und winden sick in den convergirenden Ellbogenköckerwirbel kinein. 
Die seitlicken Ausflüsse des diverglrcnden inneren Armstromes, der am \ordcrarm m der 
Armspindelf arcke kerabläuft, küllen den Vorderarm ein; die vorderen gelangen über den 
Eadialrand des Vorderarmes an die Eückenfläcke , wäkrend die kinteren die innere Flacke 
desselben bedecken ; sie umfassen so den breiten Vorderarm in Bogenkrümnmngen kommen 
am Ulnarrande wieder zusammen und werden durck das AVackstkum des oberen Endes des 
Vorderarmes zum Ellbogengelenke kin aufwärts in den Ellbogenköckerwirbel gezogen und 
bilden nebstbei den aufsteigenden ülnarstrom, der ebenftüls in diesem AVirbel endet; so wird 
am Ellbogenköcker durck den allgemeinen convergirenden Zug der Ellb ogenko cker- 

wirb cl ausgebildet. -, . -, \ hm •^^ 

Am Ulnarrande des Vorderarmes, da wo in der Tiefe die nock weicken unteren ikeile 
der Vorderarmknochen und der Handwurzel Hegen, werden durch das AVachstkum der 1 keile 
abwärts die untersten, kier bereits querlaufenden Ausflüsse des inneren Armstromes auf der 
llücken- und an der inneren Fläcke des Vorderarmes abwärts gezogen; so entsteken liier kinten 
dasUlnarkreuz und der absteigende convergiren de Ülnarstrom, wäkrend vorne 
das Auseinanderweicken des Endes des inneren Armstromes zur Bildung des kier manclmial 
ausgebildeten Eadialkreuzes beiträgt. Dieses wird vervollständigt, indeni aus dem Oen- 
trum des unterkalb liegenden, rudimentär ausgebildeten divergir enden Handwirbels 
eine kurze aufsteigende Ausströmung entgegen kommt, auf dieselbe trifl^t und ebenfalls aus- 
einander gezogen wird. Die Hauptausströnmng dieses Handwirbels deckt dm Mittelkand leg 
sick an dfe aut dem Ackselköklenwirbel, wird so wie diese durcli das Breiterwerden der Hand 
zum Ellbogenrande derselben gezogen. Die auf den mittleren Abtkeilungen der Haut,_ der 
Eückenfläcke der Pkalangen, der Finger vorkommenden Härchen folgen demselben Entwicke- 



lungszugc und sind mit ikren Spitzen ebenfalls dem 



Ulnarrande zugewendet. Li jeder 



Abtkeilung sind aber die Spitzen der in der obersten und untersten Eeike kegenden Harcke., 
durck den stärkeren AYackstkumszug der Haut an den Enden der Pkalang^en auf- und abwärts 

Die Ausströmungen dieses AVirbels, welcke auf der Eückenfläcke des Daumens 



abgelenkt. 



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28 



Chr iötian August Voigt. 



sicli vorfinden, sind die kürzesten, die Härclien in denselben wenden sich mit ihren Spitzen 



dem Eadialrande zu. 



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einem excentrischen Wirbel, die Lage des Centrums in der Scheidelinie, welche den Daumen 
von den vier übrigen Fingern trennt und durch das Eadialkrcuz geht , der Gegensatz in der 
Eichtung der Härchen, welche den Daumen, mid denen, welche die übrigen vier Finger be- 







— dvTixetß) und den 



vier übrigen Fingern besteht, begründet und ist als der durch diellaarriehtung sichtbar gemachte 
Ecflcx dieses Gegensatzes anzusehen. Auch der Fussrückenwirbel ist excentrisch, sein Mittel- 
punkt hegt auf dem Eist des Fussrückens in der Scheidelinie, welche die grosse Zehe von den 
vier kleinen Zehen trennt. Der Gegensatz in den Ausströmungen ist etwas weniger markirt. 
■ Dass die obersten Ausströmungen beider divergirenden L e i s t e n w i r b e h die divcr oiren- 



den aufsteigenden seitlichen Bauchströme mit ihren vorderen und hüiteren Ausflüssen che 
miterc Hälfte des Stammes bedecken und durch das Wachsthum desselben in die Länge, auf- 
wärts und durcli das in die Breite an der vorderen und hinteren Fläche einwärts gezogen wer- 
den und in der vorderen Mittellinie denNabclwirbel, die ab- und aufstciijenden convero-irenden 
Ströme und das Bauchkreuz bilden, habe ich bereits auseinandero-esctzt. 

Von den ferneren, für die untere Extremität bestimmten Ausströmungen eines jeden Leisten- 
wirbels werden die divergirenden Scliam- un d Hüftausströmungcn noch zur MitteL 
linie gezogen, um das unterste Ende des Stammesund die Gesclilcchtstheile einzuhüllen. Da 
auch am u n t c r e n E n d e d e s S t a m m e s durch die Ent wickclung der Hüften- und der Becken- 



organe das Wachsthum in die Breite vorwaltet 



so werden diese divergirenden Scliam- 



und Hüftausströmungen aus dem vorne und mehr aussen gelagerten Leistenwirbel ein- und 
abwärts gezogen. Die oberen Theile der Schamströmung bedecken die vordere Fläche und die 
oberen Theile der Hüftausströmung, die äussere und hintere Fläclie des Beckens. Die ersteren 
kommen in der Mittellinie im absteigenden Bauchstromo zusammen und endigen oben und an 
der Seite im convergirendcn Peniswirbel. Die letzteren treffen hinten in der Mittellinie wie- 
der zusammen und tragen mit einem Theile ilircrz 



Vusflüsse zur Vollendung des convergircnden 



Steisswirbels bei, mit dem anderen kommen sie oberhalb des Afters in der Mittellinie zusam- 
men, werden durch die Verlängerung der Distanz zwisclien After und Centrum des Steiss- 
wirbels durch das Wachsthum, gerade von der Mitte, nach auf- und abwärts abgelenkt; liier bihlet 
sich das Steisskreuz. Die obere convergirende Strömung desselben flicsst in den Steiss- 
wirbel, die unteren convergiren ebenfalls, legen sich dann an einander und umsäumen mit den 
nächst darauffolgenden Ausflüssen die Afterö ff nung. Vor derselben kommen sie wieder im 
convergircnden Dammstrome zusammen, der sich in der Eaphe des Scrotums fortsetzt und am 
Peniskreuzc endet. Erst die unteren, schräg abwärts laufenden Theile der Scham- und Hüft- 
Strömung umfassen den breitesten Theil des Oberschenkels und kommen auf der iraieren Fläche 
des Gracilis im aufsteigenden convergirendcn inneren Schenkelstrome zusammen, nachdem die 
dem Hüftstrom angehörenden das Gesäss, den Damm und das Scrotum bedeckt haben. Li 
diesem convergircnden inneren Sclienkelstrome werden die Haarspitzen aufwärts gezogen und 
fliessen dann der Mittellinie (der Eaphe) zu, wo sie etwas aus einander weichen und das Penis- 
kreuz bilden. Die letzten Ausläufer der Sehamströmung convergiren und fliessen in d 



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convergircnden Peniswirbel, die Enden der Hüftströmung fliessen aufs Scrotum. 

Li den letzten Ausströmungen des Leisten wirb eis : dem äusseren, inneren und 
vorderen Schenkelstrome, waltet durch das vorherrschende Wachsthum auch der untern 









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über die Elchtimg der Ilaare am menscUiclien Körper. 



29 



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Extremitäten In die Länge, die Längsrichtung in diesen Ausströmungen vor, die Haarspitzen 
werden abwärts gezogen, weil die Haut ebenfalls vorwaltend in die Länge gezogen wird. Der 
schräge, oben fast quere Lauf der Ausströmungen des äusseren und inneren Schcnkelstromes 
erklärt sich aus dem Diclcerwerden des oberen Endes des Oberschenkels durch die starke Ent- 
wickelung der ihn umhüllenden Muskeln, mithin durch die fast allgemeine Dehnung der Haut in 
die Quere. Die Bogenkriimmungcn dieser Ausflüsse , die Ausbildung des Schenkelkreuzes aiif 
der Inneren Eläche^des Gracilis in der Mitte des Oberschenkels und die von Ihm aus beginnen- 
den auf- und absteigenden inneren Schcnkelströme sind die Eesultircnden aus diesen Zugrich- 
tungen und der Berticksichtigung des Wachsthumes des Oberschenkelbeines. Dem mittleren, 
mehr ruhenden, verknöcherten Theile entspricht das Schenkelkreuz, den auf- und abwärts 
wachsenden Enden folgen die Härchen In den Strönumgszügen, bilden die Bogenkrümmungen, 
die o-cschwuno-enen Linien und enden aufwärts sich wendei^d Im aufsteigenden, und abwärts 



geneigt Im absteigenden Inneren Schenkclstrome. 

Der vordere, vorwiegend gerade abwärts strömende Schenkelstrom wird durch die 
wenio- hervorragende Patclla In eine äussere und Innere, die Kniescheibe umfsxssende, und eine 
mittlere auf derselben endigende Abtheilung geschieden. Unter der Knieschelbe neigen sich 
die aus einander geschobenen Abtheilungen dieses Stromes wieder einander zu, bilden auf der 
sjnna und cri.sta Uhlae einen sccundären convergirenden Strom, der In den absteigenden con- 
vergirenden Inneren Schenkelstrom mündet. AVäre die untere Extremität als Stütze für den 
Stamm beim aufrechten Gange nicht In ihrem Baue modificirt worden, würde die Kniescheibe 
noch mehr hervorragen, so würde sich auch hier ein convergirender Wirbel ausgebildet haben 

wie am EUbogenliöcker. 

Der Unterschenkel wird vorherrschend von den längsten und breitesten Ausflüssen des 
äusseren Schenkelstromes bedeckt, welche von der äusseren Fläche des Oberschenkels In die 
Kniekehle hinab sich winden und von hier aus, nachdem sie die Wade zu beiden Selten umfasst 
haben, sich nach vorne und abwärts wenden, hier In der Fortsetzung des absteigenden con- 
vergirenden Inneren Schenkelstromes sich wieder begegnen und denselben bilden. Unter der 
KuLchelbe schiebt sich das zugespitzte Ende des vorderen und inneren Schenkelstromes 
, ein und bedeckt das obere Ende der TIbIa vorne. Das Köpfchen des AVadenbelnes und sein 
äusserer Land bewirkt eine Divergenz In dieser Strömung. Die ITaargrenze der Ausstrahlung 
des Leistenwirbels Ist oberhalb der Fussknöchel und zwischen denselben deutlich sichtbar 
imd mit vier Halbmonden begrenzt, welche die beiden Knöchel, die Achilles-Sehne und das 
vordere Ende der TIbia frei lassen. Das Ausbilden der beim Menschen am stärksten entwickel- 
ten Wadenmuskeln und der Muskeln an der vorderen äusseren Fläche des Unterschenkels 
wird dieses AVInden und Spalten der Strömung, so wie auch das Vorwärtswenden des unteren 
Endes des absteigenden innei-en Schenkelstromes bedingen, welcher vor dem Inneren Knöchel 

endet. 

Die Ausströmungen des unvollkommen entwickelten Fussrückenwirbels sind durch^ einen 

deutlich haarlosen Zwischenraum von den letzten Ausläufern des Leistenwirbels geschieden ; 
nach hinten sind die Ausströmungen am kürzesten, nach vorne am längsten , well sie mit dem 
stärkeren Wachsthume der Metatarsus-Knochen vorwärts gezogen werden. Ihre Hauptströmung 
Ist zum äusseren Fussrande hin gerichtet. Die Spitzen der Härchen auf den mittleren Abthel- 
luno-en der Eückenfläche der Zehenglieder sind gleichfalls auswärts gerichtet. Die Ablenkung 

die am vorderen und 



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der Spitzen der Härchen In jeder Abtheilung nach vorne und hinten 



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30 



Christian August Voigt, 



hinteren Eande jeder Abtlieilung liegen ^ wird wie bei den Fingergliedern aus dem st'ärkei-en 
Wachsthume beider Endtlieile der einzelnen Zehenknochen erklärt. 

Diese Erklärung der Richtung der verschiedenen Ströme und Ausflüsse der divergirenden 
Wirbel der Haare und der secundären Bildungen dieser Wirbel, als: der com^ergirenden Wir- 
bel, Kreuze und convergirenden Ströme der Haut des Menschen, lässt sich leicht auf die Haar- 



wirbel der Säugethiere und ihre secundären Bildungen übertragen. Die Anordnung der Federn 
auf dem Körper der Vögel in mehrere divergirende Wirbel erlaubt die von mir aufgestellten 
Gründe ebenfalls zu ihrer Erklärung anzuwenden, selbst auf die Stellung und Ordnuno- der 
Staclieln des Scliizaster tuhuliferus (Schmidt) auf seiner sphärischen Oberfläche in melirere Wir- 
bel werden sich, wie ich glaube, diese Erklärungsgründe anwenden lassen; denn die Haare der 
Säugethiere sind bei der Entwickelung eben so in die frühere Epidermis-Hüllo eingewaclisen 
und von ihr bedockt. Der Flaum der Vögel-Embryonen ist ebcnhills von der alten Epidermis 
umhüllt, selbst die Stacheln diO.?^ Scliizaster tuhuliferus sind w^ahrt 
Entwickelungsperiode von einer Epidermoidal-HüUe gedeckt. 



" ^'urZeit ihrer 



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ERKLÄRUNG DER AXORÜXUNG DER HAARE IN DIVERGIRENDE WIRBEL 

ERFORSCHUNG DER GESETZE UND DER GRÜNDE FÜR DIESELBE. 

Nachdem ich die verscliiedenen Ilaarriclitungen an der Obcrfläclie des mcnsclilichen 
Körpers auf die Anordnung derselben in melirere divergirende Wirbel /Airiickgefülirt habe, bin 
ich zur Erklärung der verschiedenartigen Ausströmungen jedes einzelnen dieser Wirbel über- 
gegangen, habe dieselben in allen ihren Einzelnheitcn aus den von mir angeführten Daten der 
Entwickelungsgesetze des Ilautorganes selbst und der Entwickelungsgesetze des in der Tiefe 
liegenden Skelettes und der zwischenlicgenden Weichgebilde naturgeniäss erklären können. 
Jetzt will ich hier in Nachfolgendem eine Erklärung der Anordnung der Haare in divergirende 
Wirbel zu geben versuchen und die Ergebnisse meiner Erforschung der Gesetze und Gründe 
der ITaarwirbelbildung mitthcilen. 

Bei der Beschreibung der einzelnen divergirenden Haarwirbel habe ich erwähnt, dass der 
Umfang, in welchem die Wirbelwindungen regelmässig ausgebildet o-efunden 



werden, nicht gross und bei einigen grösser, bei den anderen kleiner sei, je nach der 
Art der krummen Fläche , auf welcher sich die Wirbel ausgebildet haben. Die grösste 
Ausdehnung in seiner regelmässigen Ausbildung erlangt der Scheitelwirbel auf der gewölbten 
Fläche des Schädeldaches, die man mit einer Halbkugel vergleichen kann; bei den anderen 
Wirbeln ist die gewölbte oder gehöhlte Fläche, auf welcher sie vorkommen, nur in einem sehr 
kleinen Umfeinge regelmässig gestaltet, ändert sich dann bald und mit ihrerÄnderung begimien 
die Ablenkungen in den Ausströmungen. 

Betrachtet man die Stellung der Haare in den verschiedenen divergirend en Wir- 
beln, verfolgt man dieRichtung, in welcher die einz einen Haare vom Centrum aus auf 
einander folgen, so sieht man, dass die Haare vom Mittelpunkte aus in krummen Reihen 
Avurzcln und dass die sichtbaren Härchen oder Haare in krummen Linien gelagert sind • 
selbst die Riehtungslinien, in welchen die Härchen der divergirenden Augcnwirbel vom inneren 
Augenwinkel als Centrum aus geordnet vorkommen, sind keine geraden, sondern ebenfalls 
krumme, nur weniger gebogene Linien. Schon der blosse Anblick dieser krummen 
Linien lehrt, dass dieselben zu den Spirallinien gehören. Ferner habe ich bei der 






Vber die Ilichtung der Haare a7n menscUichen Körper. 



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um denselben beginnen; diese krumme Linie ist oft cy". förmig 



Beschreibung der einzelnen divergirenden Wirbel ebenfalls darauf aufmerksam gemaclit, dass 
die Spiralen Windungen, was man am Sclieitelwirbel am leichtesten sehen kaim, 
nicht von einem gemeinsamen Mittelpunkte, sondern von einer kurzen krummen Linie in 

der Nähe desselben oder 

gekrümmt und diese on förmige Krümmung ist bei manchen Scheitelwirbeln ziemlich lang. 
Forscht man nach der Xatur dieser Spiralen und berücksichtigt die oben angeführte 
Beobachtung, dass sie nicht in einem gemeinsamen Mittelpunkte beginnen oder endigen, 
sondern in dessen Xähe, zieht man ferner die Form und dieEntfernung der einzelnen 
Windungen einer jeden dieser Spiralen in Betracht, so kann man schon aus diesem die Ver- 
muthung aussprechen, dass es logarithmisch e Spiralen sein werden. 

Die Spiralen sind in einem AVirbel rechts, im anderen links gewunden und mithin auch 
die divergirenden Wirbel theils rechts-, theils 1 inks wendig; rechts gewundene 
kommen öfter vor. Bei den paarigen, zu beiden Seiten der Mittellinie ausgebildeten divergi- 
renden Wirbeln kommen gewöhnlich an der rechten Körperscite links wendige, und 
an der linken rechtswendige AVirbel vor. Der unpaarige Scheitel wir bei ist öfter 
rechts als links c-ewunden. Die zwischen den Achselhöhlen- und Leistenwirbel eingescho- 



benen divergirenden Seitenwirbel sind an der rechten Seitenwand gewöhnlich ebenfalls 
links wendig. Ausnahmen, wo das Umgekehrte an einem oder dem anderen AVirbel gefun- 
den wird, habeich ebenfalls angetroffen. Ich habe bei dem Ilinaufrück eu des Centrums 
der Leistenwirb el an die Seitenwand des Thorax einen ganz deutlich und in ziemlich 
grossem Umfange ausgebildeten rechtswendigen divergirenden AVirbel ander rechten 
Seiten wand der Brust, und einen linkswendigen an der linken gefunden. Machen die Spiralen 
in der Nähe des Centrums um dasselbe viele AVindungen , so sind solche AVirbel auch in 
ihren weiteren Ausströmungen stärker wie gewöhnlich entwickelt, und dieses gibt Veranlassung, 



dass dann Verwerfungen der regelmässigen Ilaarrichtungen sich ausbilden, w^elches in dem 
eben angeführten Falle vorgefunden wurde, wo mit der starken Ausbildung der AVirbclwin- 
dungen dieser Leistenwirbel an den Seiten des Thorax ein Ablenken des mittleren Rücken- 
stromes nach links und ein Ausbilden eines anomalen convergircnden AVirbels auf dem Bücken 
der AVirbelsäule verbunden w*-ar. 

r 

Störuno-en in der AA^irbelbildung und unvollkommene Ausbildung der diver- 



girenden AVirbel in der Nähe des Centrums habe ich am öftesten an den Leisten- 
wirbeln, weniger oft an den Aehselhöhlenwirbeln gefunden. Sind zwischen dieAchselhöhlen- 
und Leistenwirbel zwei divergirende AA'irbel eingeschoben, so sind beide in ihrer Ausbildung 
o-estört drücken einer den andern mit ihren Ausströmungen und die AA^indungen um das 
Centrum sind höchst unvollkommen ausgebildet. 

Bei Erwachsenen sind die Wirbelwindungen in der nächsten Nähe des 
Cent rums, mit Ausnahme des Scheitelwirbels an den übrigen divergirenden AA'irboIn, fast 
nicht mehr oder nur undeutlich und verdrückt, wie z. B. an den Haaren des Achsclhöhlen- 
wirbels zu sehen, während die verschiedenen Ausströmungsrichtuugen dieser AVirbel an den 

erkennen sind. Das Kahlwerden am 

Scheitel beginnt am öftesten gleichfalls in der Nähe des Centrums des Scheitelwirbels. 

Auch "an den convergircnden Haarwirbeln kann man die spiralen AA^mdungen 
der Bichtungslinlen, in welchen die Haare eingepflanzt sind, von der Periplierie zum Mittel- 
punkte oder in dessen Nähe hin verfolgen. Sind bei Embryonen die Härchen und bei den 



verschieden grossen Härchen noch immer deutlicli zu 



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32 



Christian August Voigt. 



Tliieren die Haare lang geworden, so setzt sich die spirale Eindreliung über die Oberfläche in 
eine spiral gewundene Ilaarspitze oder in die spirale Windung der langen Ilaare fort. Bei 
langhaarigen Hunden sieht man z. B. an den convergirenden Wirbeln auf dem Sitzkaorren, am 
Ellbogenhöcker und an der Schwanzspitze , wie die spiral gewundenen Haare , nachdem sie 
den Mittelpunkt erreicht und um denselben sich gelagert und gedreht haben, dann noch langer 
geworden sieh von demselben wieder immer mehr entfernen und einen divergircndcn Haar- 
wirbel zu bilden scheinen, so dass man in einem solchen Falle ohne genaue Untersuchung beim 
ersten Anblick einen divergirenden Wirbel vor sich zu haben glaubt. 

Will man von dem Gesagten sich überzeugen und die spiralen AVindungen der divergiren- 
den und convergirenden Wirbel sehen und studiren, so muss man bei erwachsenen Menschen 
den divergirenden Wirbel am Scheitel und den convergirenden Halswirbel in der ünterohr- 
grube in den hier bei manchen recht deutlich sichtbaren Eindrehungen des Backenbartes unter- 
suchen, oder aber man nimmt seine Zuflucht zu den divergirenden und converp'irenden Wir- 



te 



beln der Säugethierej z. B. der Hausthiere, die ich beschrieben habe. Noch deutlicher und 
genauer kann man dieselben an Embryonen soAvohl des Menschen als der Säugethiere und 
Vögel sehen und an denselben in den verschiedenen Entwickelungsperioden der Haar- uud 
Wirbelbildung die ganze Entwickelungsgeschichte derselben studiren, Messungen vornehmen 
nnd, wie ich später zeigen werde, auch die Gesetze der Haar wirbelbildung erforschen. 

Wenn man nun diese PbCgolmässigkeit und das Constante in der Anordnung der Haare 
in den Spiralen Windungen der divergirenden und convergirenden AVirbel vom und zum Mittel- 
punkte und die Form der spiralen Windungen selbst betrachtet, wenn man ferner die ßegel- 
mässigkcit der verschiedenartigen Ausströmungen der divergirenden AVirbel, ihre Ablenkuiigen 
und secundären Bildungen, als: Kreuze und convergirende Ströme, die Anzahl und die 
Vertheilung der divergirenden Wirbel auf der Oberfläche des menschliehen und thierischen 



Körpers in Erwägung zieht, so drängt sich einem von selbst die Frage auf: AVorin ist dieses 
Alles begründet? Nach welchen Gesetzen findet die Bildung, diese Anordnung statt? Kommt 
nicht vielleicht in einer anderen Reihe des Organischen etwas Ähnliches vor? Sind dort nicht 
bereits Gesetze erforscht, die auch hier Anwenduni»- finden? 



Beim Nachdenken über diese mir gestellten Fragen verfiel ich darauf, ob die Idee der 
Spiralen Blattstellung der Pflanzen und ihre bereits mathematisch nachgewiesenen Gesetze 
sich nicht auch auf den thierischen Organismus und den Menschen und hier in Specio auf die 
verschiedenen Haarwirbel und ihre Ausströmungen anwenden 
auf das Animale übertragen lassen. 

Diese Idee der spiralen Blattstellung der Pflanzen hatte bereits Bonnet undAndere aus- 
gesprochen; sie wurde von denBotanikern eifrig verfolgt, besonders waren es Karl S chimp er 
und Alexander Braun'), welche zu ihrer BeoTündmiir die Mathematik in Anwendung* 



und mithin vom Veo*etativen 



b 



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1 



) Karl 8chimper in Geigcr's Magazin der Pharmac^ie, 18.^0. 

Alexander Braun in den Yerliandlungcn der kaiserlich Leopoldlniseli-CaroHnisclien Akademie der Xaturforsclier. U. \\l, 
1831, sowie in der AJJgnmoinen hotanisclien Zeitung 1835^ Nr. 10— 12.- 

L. et A. Bravais (Memoircs sur la dispositioa g<'M)uictrirj;ue des feuilles et inüorescenses. Paris 1858). 

r 

Diitrochet in „Nouvclles annales du Mnsöuiu d'liistolrc naturelle". Toni. 111, Paris 183-1. 

Kunth in der Berliner Akademie der Wisseriscljaften. (L'lnstitut 1844, p. 78.) 

Dr. Karl Friedrich Naumann, zuerst in PoggendoriTs Aunalen der Physik und Chemie im Bande ÖG, ÖS, GO, später in seiner 
Ahhandlung über Qulncuiix als Grundgesetz, der Blattstellung yieler Pflanzen, mit einer Steindrucktafel. Dresden, Arnold, 184ö. 

Bernhard Ohlert. "über die Gesetze der Blattstellung. In Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie. Band 93, Jahr- 
gang 1854, Nr. 10 und 11, Seite 2G0 und 349; Band 95, Jaiirgang 1855, Nr. 5, Seite 139. 



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tjber die Ulolitung der Ilaare am menscliUchen Körper, 



33 






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bracliteii. ScLimper liat, auf Yiclfältige Untcrsucliungen gestützt, die nacli ihm bcnaiiDten 
Reihen der B latt stellungsgesetzo aufgefunden und A. Braun ist es gelungen, die 
scheinbar so verwickelten Gesetze auf einen fast für das ganze Pflanzenreich giltigen arith- 
metisch-geometrischen Kanon der Blattstellung zurückzuführen. Die Gebrüder L. und 
A. Bravais und Dutrochet haben über denselben Gegenstand gearbeitet und ihre Abhand- 
lungen darüber veröffentlicht; auch Kunth schrieb über die Blattstellung. Dr. C. F. Naumann 
suchte die Gesetze der Blattstcllung vieler Pflanzen auf den parallelr eihigen und conccn- 
tri sehen Quincunx zurückzuführen j mithin trachtete er, wie er selbst sagt, „das Gebiet der 
schönen Entdeckungen Schimper's und Braun's von einem etwas verschiedenen Gesichts- 
punkteaus einer etwas allgemeineren raath e matischen Auffassung zu unterwerfen^- ; 
er glaubt, dass der Quincunx als das Grundgesetz der Blattstcllung der meisten 
Pflanzen zu betrachten sei. In der neuesten Zeit A' ersucht Bernhard Ohlert die einfachen 
und eleganten Gesetze der Blattstellung aus einem noch hölieren und allgemeineren Standpunkte 
darzustellen und die Frage nach dem inneren Grunde dieser Gesetze zu beantworten. 

In den letzteren Jahren hat die Giltigkeit des Spiralgesetzes noch an Ausdehnung 
gewonnen, durch die in dieser Zeit von F. Schnir ch, Wichura, A. Braun und Dr. F. Cohn 
hinzugefügten Beobachtungen und gewonnene Überzeugung, dass sich auch im Bau und 
Gefüge der Baumstämme die Spirale und Sehraube in den aussen sichtbaren Win- 
duncren der Stämme und in der Spiralen Richtung der Holzfaser nachweisen lasse. 

Diese Anordnung der Blätter in Spiralen und die Gesetze für dieselbe ist niclit blos 



^) 



d) 



giltig, 



und nicht blos für die Blätter, 



a) für den ( 

rosette, und c 

der einen beliebigen Rotationskörper darstellt, 
sondern auch für die Triebe, Äste, Zweige und die Analoga der Blätter, die Warzen, 
Schilder und Narben der gerippten Cacteen, der Mamillarien und Sigillarien, der Syrin- 
godendra und Lepidodendra. Auch die Schuppen der Zapfen der Coniferen sind in Spira- 
len gestellt und gelagert. Die hemisphärischen und scheibenförmigen Anthokli- 
nien und Periklinien der Syngenesisten (wie z. B. die Scheibe der Sonnenblume), die 
Kätzchen der Amentaceen und die Ähren vieler Gramineen zeigen gleichfalls in der Stellung 
ihrer Blümchen oder Samen- und Kelchblätter eine bcAvunderungswürdige Regelmässigkeit 
und befolgen dieselben Gesetze; selbst die Blätter in der Knospe sind spiralig gewunden. 

Um nun die Frage beantAvortcn zu können, welche von den für die Blattstellung der 
Pflanzen eruirten Gesetze auf die Stellung und Lagerung der Ilaare in Spiralen und auf die 
Wirbclbildung selbst ihre Anwendung finden, und um ferner die Gründe angebeii zu können, 
welclie für die Übertragung dieser Gesetze auf diellaarwirbelbildung sprechen, Avill icliausder 
Abhandlung B. Ohlcrt's früher im Auszuge dasjenige vorausscliicken , was meiner Uberzeu- 
p'uno' nach seine wolilbegriindete Anwendung hier finden wird. Denn dass überhaupt die 



Anordnung der Ilaare in divergircnde und convcrgirende Wirbel und ilme Ausströmungen. 



1 



) F. Sclmircii, k. k. Eisenbalm-Obcr-Inpportor, in dei' Zeitschrift des österr. Ingenieur- Vereins Xr. 3,. im März IS-U); m seniem 

Aufsatze über Eloktricität und elektrische Telegrapluc, Seite 39. 
W'ichura in der Abhandlung über schraubenförmig gewundene Baumstämme. Jahresbesicht der schlesicheii Geselisciiaft, lS5t. 
A. Braun in der Münatsclirift der Berliner Akademie, August 1851.; über die spirale Kichtung der Holzfaser. 
Dr. Ferd. Cohn. Über die Einwirkung des Blitzes auf Bäume. Jahresbericht der sclile^ischen GescUschaft, 1854, p. 280; 

und in Froriep-s Notizen aus dem Gebiete der Natur- und Keilkundc, Jahrgang 1S5G, 1- Band, Kr. 21. tjbcr die Drehung 

der Baumstämme. 



Denkochrirteii «lei- luathem.-natm-w. Cl- XUI, lid. Abliaiidl. v Nicimnir-1. 







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34 



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Ch r is t ia n A u cj u s t Vo ig t. 



so wie die AVirbclbildung selbst eine matliematlscbc Behandlung wie eben die Blattstellung 
der Pflanzen zulasse, dafür spriclit niclit nur das, dass das ganze Phänomen nieht blos dem 
Sehsinne allein, sondern auch dem Tastsiime zugänglich ist, und dass man die meisten Beob- 
achtungen, die darauf Bezug haben, selbst mit unbcAvaffhetem Auge machen und Messungen 
mittelst Instrumenten in Anwendung ziehen kann; dass mitliin die Basis, von welcher man 
ausgeht und auf Avelcher man seine Beobachtungen und Untersuchungen macht und worauf 
man seine Peflcxionen stützt und woraus man seine Schlüsse zieht, so sicher und leicht zugäng- 
lich sei. Wird man in der Folge näher an der Quelle mit den matJiematischen Untersuchungen 
beginnen können, so werden die Resultate noch eine höhere Begründujig finden und einen 



noch grösseren Werth haben können als jetzt, wo man eben luu' von den letzten, 



gleichsam 



fixirten oder verhornten Besultaten des animalen Lebens, den aussen sichtbaren Haaren und 
ihren Wirbeln nämlich, ausgelien kann. 

B. Ohlert, im Forschen nach dem inneren Grunde der Blattstellungsgesetzc, sagt: 



(Seite 2G1) „Wie eiufach und elegant diese Gesetze auch sein mögen, wie deutlich ein 
innerer Zusammenhangs derselben auch in die Augen springt, ja eben dessAvegen fühlt man 
um so mehr, dass sie nicht genügen, dass sie nicht der letzte und einfachste Ausdruck des den 
Erscheinungen zum Grunde liegenden Princips sein können. Wenn Avir, auf unzählige Beob- 
achtungen gestützt, die Thatsaclie zugeben müssen, dass der Baum, wenn er in üppiger 
Fülle Blatt auf Blatt treibt, in der vollsten Kraftäusscrung überquellenden Lebens die 
Näherungswerthe eines Kettenbruches bei der Stellung seiner Blätter beobaclitet; 
so fühlen wir, dass wir uns dabei nicht beruhigen können, dass es Aufgabe der Wissenschaft 
ist, den Grrund dieser merkwürdigen Ersc])einung zu erforsciien.'^ 

Diesen inneren Grund formulirt er so (275): „Es wird diejenige Stellung der Blätter 



die günstigste sein, bei welcher das dem Anfangsblatte am nächsten kommende 
Blatt möglichst weit von ihm eutfornt ist", mithin werden die Blätter sich so gegen 
einander stellen, dass ihnen zu ihrer Entwickelung möglichst viel Raum bleibe, und gerade im 
ersten Anfange der Blattbildung, wo sich die Keime mehrerer Blätter des so enö'cn Baumes 



wegen zusammendrängen werden, kann man sich noch vorstellen, dass dieses Eaumbcdürfniss 
bestimmend auf die Stellung der nocli im Werden beg]-iffenen Blätter einwirke. 

Diesen inneren Grund kann man auf dicAnordnung der Ilaare in Spiralen und auf die 
Wirbclbildung selbst übertragen und so lauten lassen: Jene Stellung der Haare wird 
die günstigste sein, bei welcher das dem z uerst k eimenden Piaare zunächst 

* 

nachfolgende auf dem engen Baume, wo die Ausbildung geschieht, möglichst 
weit von ihm sich entfernen kann, damit zu iiirer Entwickelung möglichst 
viel Baum verbleibe. 



x\us dem aufgestellten Principe entwickelt nun Olilert: 

1. Die Gesetze für die gleichmässige Blattvertlieilung, und zwar: 

A. für den cylindrischen Stengel, 



; 



B. für den scheibenförmigen oder die Blattrosette 

C. für den kegelförmigen Stengel, und 

D. für den kugelförmigen Stengel oder den Stengel, der ein beliebiger Botationskörpcr ist. 
2. Die Gesetze der uijgleichmässigen Blattvertheilung. 

Aus den Gesetzen der gicichmässigen Blattvei-thcilung notirc ich das A beim cylindrischen 

Steno-el Giltio-e: f2G2) ,AVie das zweite Blatt p-ea^en das erste steht, so nuiss sich auch das dritte 



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>.^,. 



über die Illcldinnj der Ilaare am ineiischUdten Körper. 







o-eo-en das zAveite u. s.f. stellen". (263) ,,Es mfi^.^on dalicr die aufeinander folgenden Blattiaser 



tioucn cincsthcil: 



hircl 



s Unrcn eine gieiclie per;[)l!erisc]ie Differenz von einander getrennt sein, ( 



I. h. 



die durcli die Axe inid die anf einander folgenden Insertion?pnnkte gelegten Ebenen müssen 
gleiclic Winkel , Tvelclie mau Diverg en zAvinkel lieisst, mit einander bilden; anderentlieils 
muss sicli aucb das dritte Blatt über das zweite eben so Loeb erbeben, wie das zweite über 
das erste u. s. f. Der Winkel, dnrcb weleben diese Erbebung gemessen wird, heisst Ascen- 
sionsAvinkeL Alle Insertio nspunkte müssen sieb demnacb durcb eine den Stengel mn- 
kreisende Spirale nmfassen lassen." „Der die relative Lage Qcgan die Axe angebende 
soo-cnannte Divero-cnzwinkel der auf einander folgenden Blätter ist beim cjbndrisclien so wie 
bei allen Stengeln, Avelclic Rotationskörper darstellen, stets derselbe." 

Die urspnmo-liolie Spirale kann entweder rechtswendig oder iinkswendig sein. 



Spirale 



nvong 



leielierlviclituno-Iicisscn ho m o drom. von entgegengesetzter anti dro m (S. 2C5 



Auch die Spiralen der Haarwirbel sind, wie ich bereits beschrieben habe, rechts- 



und links wendige und die Bcnennun 
Haarwirbel gleichfalls anwenden. 



o* homodrom und antidroni kaini man für die 



Aus der auf diese Prämissen gegründeten mathematischen Dcduction leitet er ab, dass 

sich die'Blatter spiralförmig an einander reihen müssen. 

,, Hie Beobachtung hat gezeigt, dass nur Spiralen mit gewissen bestimmten 



( 



2io 



Diverfvenzen in der Natur vorkommen, ja dass Pflanzen der früheren geologischen 



Perioden eben diese Divcrg 



enzen bei der Stellung ihrer Blatter eingehalten haben." Der innere 
Grund dieser Beobacbtung liegt in dem angegebenen Principe, und mau kann von diesem aus- 
o-ebend die Divergenzen bestimmen, welcbe der im oben ausgesproelienen Principe cntbaltenen 
Forderungen Genüge leisten; ist dieses gesclieben, so wird sieb zeigen, dass es dieselben sind, 
welcbe eine böcbst sorgfältige Untersucbung empiriscb als in der Natur vorkomnnend fest- 
gestellt bat. 

Nacbdem Oblert diese Divergenzen niatbematiscb bestimmt bat, formulirt er das Resultat 



2 SO): „Damit also das dem Anfangsblatte znnäcbstkommende mögliebst weit von ibm ent- 
fernt sei. müssen die Divergenzen der ursprünglieben Spirale Brücbe von folgender Form sein: 



4 



1 



2 + 1 



3 + 1 



4 



* * 



1 



n 



1 + 1 



1 + 



1 + 1 



1 + 



) + 1 



1 + 



1 + 1 



1 + 



+ 1 



+ 1 



+ t 



+ 1 



1 + 1 



1 + 1 



1 + l 



1 + 1 



2 



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Man erhahalso, je nachdem man dem Kettenbruche mehr oder weniger Glieder gibt, 



folgende Reihen von Divergenzen: 



I. 



I 



o 



v. 



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•n 



•2 ' 5 ■ 8 ' nj ' 21 



n. 



1 

3 



3 



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13 ■ 21 



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' 11 ' lö ' 29 ' 4i 



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34 

80 
34 

123 



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9 



8 



13 



21 34 



4 ' 9 



14 ' 23 ' 37 ' 00 ' "'^ ' 



97 



157 



„Dies sind in der That die Divergenzen, die fast ausscliliesslich in der Natur sich vorfin- 
den ; bei weitem am häufigsten aber kommen die der ersten Peilie entnommenen vor, und auch 









*^ -tr^f—j^/^^f—.v 



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9. 



36 



Ca r /s ^ / a n Aug u s t Vo ig t. 



dafür gibt unser Princip uns den Grund an." Unter diesen Gründen zählt er nieln^cre auf; icii 
liebe nur den zweiten bervor (284): „Dass das Intervall, innerhalb dessen die Divergeiiz am gün- 
stigsten ist, in der ersten Eeibc grösser ist als iu den anderen, wessbalb denn auch in ihr die 
grösste Entfernung, welche das nächste Blatt bei fortwachsendem Ascensionswinkel erreicht, 
ein Maximum ist." Später bemerkt er (355): „Nach meiner Theorie sind die Yerschicdenen 
Divergenzen die uothwendigc Folge der verschiedenen Grösse desAscensIonswinkels während 
des frühesten Stadiums der Blattbildune-." 

Das Avas Olilert unter 7? für den sclieibenförmlgeu Stengel oder die Blatrrosette herleitet, 
lässt sich für die meisten Haarwirbel, welche auf einer flachgewölbten oder gehöhlten Flache 
sich ausbilden, anwenden. 

358) „Die Blattrosette, definirt er, wird diejenige Anordnimg der Insertionen genaniit, wo 
sie in einer kreisförmigen Ebene spiralförmig gestellt sind." „Die Erfahrung lehrt, fügt er hinzu, 
dass in diesem Falle die aufeinander folgenden Insertionen ebenfalls in gewissen Spiralen ange- 
ordnet sind, mit stets gleicliblcibendcr DiY<n^gej)z. Es fragt sich, nach wehdicm Gesetze hier 
die Ansteigung der Spirale erfolgen werde? Suchen wir es nach dem als naturgemäss erkann- 
ten Principe, dass nämlich j e d es folgende Blatt gegen das vorhergehende sich so 
stelle, wie dieses gegen das ihm Yorhcrgehende zu bestimmen." Aus der hierauf 
basirten geometrischen Deduction zieht er den Schluss, „dass die Mas sc der radii vectores 
der Spirale eine ge o metris che Reihe bilden, während die Winkel, unter wel- 
chen die Spirale die radll vectores schneidet, stets gleich bleiben. Die Spi- 
rale, Vv^elch c sämmtlich e Insertio nen umf asst 



? 



ist also eine logarithmische 



Spirale", welche auch die Eigenschaft hat, dass sie den Mittelpunkt nie vollkommen erreicht. 
0hl ert bestiniint auch für die Blattrosette mathematisch die giinstif^stcn Stelluno'sverhältnisse 
der Blätter und schliesst mit dem Satz (361): „Dass auch bei einer Blattrosette das o-ünstio-sto 



Stelluni^^svcrliältniss des Blattes stattfindet, wenn die Divcr< 



>'enz von der Form ist: 



2 + 1 



1 + 1 



+ 1 



Auch hier können für gewisse Ascensionswinkel dieselben Modificationen wie beim cvlin- 



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drischen Stengel Platz greifen.'' 

Auf das, was hier Ohlert für die Blattrosette deducirt Iiat, wollen wir etwas nähe 

fehen. Betrachtet man nämlich die Einpflanzung der Haare in den einzelnen Spirallinien de_ 
Haarwirbel, misst man die Entfernungen der eiuz ein en Haare in diesen Spiral- 
linien, Befindet man, dass alle dies e Ab stände auf der flachgekrümmten Fläche, worauf 
der Haarwirbel regelmässig ausgebildet ist, gleich sind; mithin sind auch die Haare 
durch eine gleiche peripherische Divergenz von einander getrennt und ihre Diver- 
genz winkel sind ebenfalls alle gleich, welche von zwei Ebenen, die durch den Mittel- 
punkt der krunmien Fläche, worauf der Haarwirbel vorkonnut, Und durch je zwei neben einan- 
der liegende Einpflanzungspunkte der Haare der Spiralen Biclitungslinicu gehen. Da auch liier 
jedes folgende Haar gegen das vorhergehende sich eben so stellt, Avie dieses gegen das vor- 
hergegangene, so wird die Ansteigung der Spirale wie bei der Blattrosette dieselbe 






-'^f ^V^ '.^ 



über die Bichtiing der Ilaare am menschlichen Körper 



37 



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sein und die Masse der radll vectores der Spirale werden eine geomctrisclie Reibe bilden, 
wäbrend die Winkeb nutcr welcbcn die radll vectores und die Spirale einander sebneiden. stets 
gleich bleiben; mitbin wird die Spirale, in welcher die Ilaare eingepflanzt sind, eine 
lo o-aritbmiscbe sein. Die fernere Eigenscbaft der logaritbmiscbcn Spirale, dass sie nie den 
Mittelpunkt vollkommen erreicbt, ist ebenfalls vorbanden, denn ich babe schon in der Bescbrei- 
bung der Haarwirbel darauf aufmerksam gemacht, dass die Spirallinien der Haarwirbel nicht 
vom Mittelpunkte, sondern von einer krummen, oft cr^ förmig gestalteten Linie in der Nähe 
oder um denselben beginnen. Eben so wird das günstigste Stellungsverhähniss für die Ilaare 
dann stattfinden, wenn die Divergenz ein Kettenbruch von derselben Form wie bei der Blattrosette 
ist. Eine Arbeit die hier zu machen wäre, bestünde nun darin, die Entfernung der Haare in 

r 

den Haarwirbeln sowohl bei erwachsenen Menschen und Thicren, als auch bei Embryonen zur 
Zeit der Bildungsperiode der Haarwirbel zu messen^ die Zahlenwerthe zu finden und die Reiben 
der Divergenzen zu bestimmen, wie es in der Botanik bereits gesclichen ist. Die Erfahrung, 
dass nur Spiralen mit gewissen bestimmten Divergenz en in der Natur vorkommen, 
Avird sich bei den Haarwirbeln ebenfalls bestätigen. 

Auch das, was unter D für den Stengel der einen beliebigen Rotationskörper darstellt, 
von Ohlert deducirt wird, und Avas er für den besonderen Fall, dass der Rotationskörper eine 
Kuo-el ist, findet, lässt sich auf den Haarwirbel am Scheitel anwenden, wenn man die gewölbte 
Fläche des SchädeJgewölbes der gekrümmten Fläche eines Rotationskörpers oder einer Halb- 

kua'el aleich setzt. 

Er sagt (368), dass, auch wenn der Stengel ein Rotationskörper ist, „die Divergenzen 

derauf einander folgenden Blätter, welche durch die Wiiikel gemessen werden, welche die 
durch dieselben o-elco^ten Meridian-Ebenen mit einander machen, einander gleich sein 



müssen. 



Ci 



?? 



DerAscensions-Winkel derSpiralen auf der Oberfläche der Rotationskörper 
wird AYährend ihres Verlaufes ein unveränderlicher sein. Ohlert deducirt nun eine 
Formel für den Fall, dass der Rotationskörper eine Kugel ist, und sagt (371) : „Die Curve 
nähert sich also den Polen, oline sie jemals zu erreichen, welche Eigenychaft der 
Curve der Blattinsertionen in der Xatur ihre vollkommene Bestätigung findet." Seine mathema- 
tische Deduction für den kugelförmigen Stengel bcschliesst er mit nachfolgenden Worten (379): 
Man erhält also auch beim kugelförmigen Stengel dieselben Divergenzen als die günstigsten, 
dem aufgestellten Principe entsprechenden, Avie bei den vorher behandelten Stengelformen." 

Yon den Gesetzen der ungleichmässigen Blattvertheilung, die Ohlert aufstellt, können 
cinio-e aup-ewcndet werden, um die Haarstellung in den verscliiedenen Ablenkungen der Haar- 
wirbelausströmungcn zu erklären. Eine regelmässige Ausbildung der Wirbelwindungen kommt, 
wie aus meiner Beschreibung der verschiedenen Haarwirbel zu entnehmen ist, nur ni einem 
geringen Umfange des Wirbelcentrums vor, weil die regelmässig gekrümmte Fläche, auf 
welcher sich die Wirbel ausbilden, klein ist, und weil dieselbe sich so bald ändert, desshalb 
werden auf der vielgestaltigen Oberfläche des menschlichen Körpeiv^ und der der Thiere mehr 
Modificationen in den Ablenkungen der Ilaarwirbelspiralen vorkommen als bei den Pflanzen. 

Ohlert sao-t (Bd. 95, S. 139): „Selten herrscht in allen Theilen einer Pflanze 



dieselbe Divergenz, was als eine notliwendigc Folge der verschiedenen Gestaltung des 
Stengels in seinen Theilen anzusehen ist. Die HerrenBraun und Schimper haben durch 
Beobachtungen liierüber folgende Gesetze gefunden: Bei sich ändernder Divergenz 
aehen meistens die auf einan d crf o 1 o- en d en Glieder einerReihe in einander 



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über. Seltener folg-en (lerselbcii Reihe entnommene Divergenzen ^ die clureh ein oder mehrere 
Glieder getrennt sind, auf einander. Noeli seltener folgen Divergenzen vcrscliiedonerEeihen auf 
einandei'/' „Der Grund dafiir, dass überhaupt die Divergenzen an einem Stcngelstück sich andern, 
liegt in der von mir nachgewiesenen Abhängigkeit der Divergenz vom Ascensionswinkel und es 
ergibt sicli dabei im Allgemeinen das durch Beobaclitung vollkommen bestätigte Gesetz, dass bei 
zunelimender Bhittentwiekelnng, wenn also der As censio n s winkel kleiner wird, spätere 
Glieder der Di verg cn zreihen Platz greifen." Weiter (144) sagt er: „Wenn zweiSpi- 
]'alen aufeinander folgen, deren Divergenzen derselben Reihe entnommen und entAveder succes- 
sive oder nur durch eine Stelle getrennte Glieder derselben sind, so ist ersiclitlicli, dass die 



Entfernungen der sicli am nächsten kommen d en B 1 ätter aus den verschie- 
denen Spiralen fast dieselben sind, als die derjenigen Insertionen, die innerhalb einer 
und derselben Spii-ale sich an:i ifächsten kommen." Ferner fügt er hinzu (145) : „Aus denBeobach- 
tungen der Herren Braun und Schimper ergibt sich, dass beim Übergänge verschiedener Spi- 
rnlen in einander die Natur eine Einriclitung getroffen hat. welche a-ecimet ist, den eben von 
mir hervorgehobenen Ubelstand, dass näudicli die benachbarten Blätter der verschiedenen Spi- 
ralen eine der Entwdckelung ungünstige Stellung erhalten, zu beseitigen. I^ i e v o r h e r g c h e n d e 



Stellung gellt nämlich nicht plötzlicliin die nach f o 1 gendc üb er 



7 



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sondern 



durch einen oder mehrere Ve rmittlungss cliritte , bei denen die Divergenz einen 
Mittel werüh zwischen den Divergenzen der verschiedenen Spiralen hat.". 

Bei der Stellung der Ilaare in den spiralen Windungen der Haarwirbel herrsclit eben- 
falls im ganzen Verbreitungsgebiete der Ausströmungen eines divergirenden Wirbels nicht 

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dieselbe Divergenz; es sind nämlich die Härchen oder Haare in den xAusströmungcn, 
die den Wirbelgrenzen näher liegen, weiter von einander entfernt, als dem Centrum 
]iäher, was eine nothwendige Folge des verschiedenen Zuges, Avelchen die Haut bei ihrer Ent- 
Avickelungvonden in der Tiefe liegenden Gebilden erleiden musste, ist, und dieses ist auch die 
ürsaclie, dass die spiralen Windungen ihre Richtung ändern, abbiegen, wobei der Ascen- 
sionswinkel und nnt demselben die Divergenz sich ändert. Ferner sieht man und kann 
es messen., dass, wenn die Spirale ablenkt, die Entfernungen der zunäclist auf einan- 



der folgenden Haare fast dieselben sind; 



mithin geht auch hier Avie bei der Pflanze die 

1 



vorhergehendeEinpflanzungsart der Haare in die nächstfolgeiide nicht plötzlich^ sondern durcl 

einen oder mehrere Vermittlungsschritte über; erst im weiteren Verlaufe wird das Grösser- 

werden derEntfernung zwischen den einzelnen Haaren sichtbar und messbar. DurcliMessungen 



wäre auch hier zu bestimmen, welche Glieder einer Reihe oder der auf einander folgenden 
Reihen bei sich ändernder Divergenz auf einander folgen. 

Der spiralen Eindrehung der krausen Haare will ich hier noch Erwähnung thun ; es wäre 
gewiss von Interesse, den Grund dieser Ilaarbildung zu erforschen; eben so interessant wäre 
es, die Ursache der Gruppirung der krausen Haare zu einer llaarflocke nachzuforschen, wie 
man sie auf der Haut der Pudels und an dem Fliess verschiedener Thiere findet; die versclne- 
denc Form der Krümmung der Haare in den Flaarfl^ocken niüsste man ebenfalls zu eruiren 
trachten. Da sich die Haare Im Centrum eines eonvergirendcn Haarwirbels zu einer Haarspitze 



oder einem Haarbüschel eindrehen, so wäre zu bestimmen, ob nicht jede llaarflocke ein eon- 
vergircnder Wirbel sei? wäre dieses der Fall, so müssten in den Zwischenräumen zwischen 
lenselben die Centra von divergirenden Wirbeln liegen. Es könnte auch jede llaarflocke der 



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Summe der sph-al eingedrehten Haare ehies divergirenden AVirbels entsprechen? dann müsste 









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über die VilcliUing der Haare am vienscUicIten Korper. 



39 



orfirul 



(Mi: ocier 



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im Mittelpunkte der Ilaarflockc das Centruiu Jos diverglreiHlcn AVirbels sich ■ 

endlicli wäre zu ermitteln, Avelclicr sonst andere Grund die Anordnung und Oruj)pirung der 



Ilaare zu dieser Form bedinge? 

Forscht man nacli dem inneren 



G r u n d e der 11 a a r w i r b e 1 b i 1 d u n g wcitei- . so imiss 



man suchen folgcude Frag-cu zu beantworten: Was bedingt diese Anordnung der Haare in 
Spiralen? Was\edingt ferner die Wirbelbilduug und die Lagerung der ^Yirbel-Centra gerade 
an den Stellen, wo sie vorkounnen? Von was liangt das Yerscliieben der Wirbclmittelpuidcte, 



das Einschalten von einem oder melireren Wirbeln ab? AVas bewirkt das Yerschmelzen zweier 
Wirbel in einen, das Verwerfen in der Bildung der Wirbel-Centra und das Ablenken bei den 
verscliiedencn Anomalien der Wirbelausströmungen und ihrer secundären Bildungen? 

Ich wdll liier zuerst darauf aufmerksam mache)!, dass das TIaar eine Bildung der Ilaar- 
papille sei, dass in derselben zahlreiche Blutgefässe und Nervenendigungen vorkommen, welche 
bei der Bildung der Ilaare betheiligt sind, dass mithin in der in gleichen Absfämlen und spiral 
auftretenden Aufeinanderfolge der Anlage und Ausbildung der Ilaarpapillen eher das Bestim- 
mende der Stellung der Ilaare in Spirallinien zu suchen sei, und dass diese wieder in einer, in 
bestimmter Zeitfolge auftretenden Vermehrung und in einer in gleicher Entfernung von einan- 
der spiral vor sich gehenden Lagerung der Xervenrührchen, welche in den Papillen endigen, 
und in dem ebeiifalls in gleichen Zwischenräumen und nach Verlauf von bestimmten gleichen 
Zeitabschnitten auftretenden Vermehren und Emporxvachscn der Blutgefässe eher begründet 
sei: dass mithin in den Bi 1 d u ng s - u nd E n t wi ckclungsge setz en der Nerven und 



der Gefässe der innere Grund die s es Phänomens zu suchen sei, unter welchem ein 
Vermehi-en der Nervenröhrchcn und der Blutgefässe, mithin der Ilaarpapillen vor sich gehe, 
während die Ilaare selbst nur als der Reflex und dasProduct dieser stattgefundenen Entwicke- 
lung anzuseheiL sind. 



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_______ ^ ^ 

Sucht man nun nach, wo im Baue des menschlichen und^liierkörpcrs, an welchen Organen 
analoge, in Spirallinien auftretende Lagerung und Endigung von Nervenfasern vorkomme 
und bereits bekannt sei, so ist es der Bau des im Labyrinthe des Gehürorgancs vorkommenden 
Schneckengehäuses, welches gleich und zuerst auffällt. Hier an demselben fallt einem Jeden 
die Spiralc'^auf, welche, wenn Messungen vorgenonunen worden, sich ebenfalls als logarith- 
raische Spirale erweisen wdrd, da es bereits erwiesen ist, dass die mannigfach verschiedenen 
Schnecken'^ehäuse der Conchylien nach logarithmischen Spiralen geformt sind, so dass Nau- 

mann in seiner 



Abliandlung über den Quincunx vorgesclilagcn hat, die logaritlnnische Spi'ra,le 

die Concho-Spiralc zu nennen. 

Gewiss Avärc es von höehstem Interesse, Aveim an den so schönen und vollkommen natur- 
i>-etreuen Präpnraten über den Bau der Gehörschnecke sowohl des Menschen, als auch der 
^ - ~ ' ^ ^ -- - - Ilvrtl mit ungemein 



Pr( 



)iessor liA 



Bcpräsentanten aller Ordnungen der Säugethlere. Avelehe II 

grossem Aufwände von Geschicklichkeit, Mühe, Kosten und Zeit dargestellt hat und besitzt, 
welche auch in der darüber veröffentlichten Abhandlung') abgebildet sind, Messungen ange- 
stellt würden, um mathematisch die Zahlenverhältnisse der mannigfach modificu-ten Spiral- 
winduno-cn der Schnecke bei den verschiedenen Ordnungen der Säugethiere zu finden und m 
Eelhen^zu ordnen. Schon am knüchernen Spiralblatte, wo man die Ansteigung der AA mdung 
so deutlich sieht und messen kann, bemerkt man die Binnen und Canäle, wo die Nerven und 



^) Josei'li I.lyrtL l'bcr das innere 



•e Oehürorgau des Menschen und der SHugctliiere, mit Kui>iertaleln. Prag 16-15. 4 



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Ch r i Sita n A u g u s t Vo i g t. 



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Gefässe eingelagert sind und verlaufen. Noch interessanter wäre freilicli die Erforschung der 
Verbreitung und Lagerung der Nervenröliren des Gehörnervcns auf dem häutigen SpiralWatte, 
die mathematische Bestimmung der Entfernung der einzelnen Nervenröhrehen von einander 
während ihres Verlaufes und ihrer Endigungen an der Peripherie. Schon aus dem Gesagten 
folgt, und die matliematischen Bestimmungen werden es zur Gewissheit erheben, dass sowohl 
im Baue des knöchernen Gehäuses für die Ausbreitung des Gehörnervens, als auch in der Ver- 
breitung und in der Lagerung der Endigungen seiner Fasern am Spiralblatte die logarith- 
mische Spirale sich wird nachweisen lassen. 

Von gleich hohem Interesse wäre gewiss die Ergründung der Anordnung der Seimerven- 
fasern sowohl während ihres Verlaufes, als auch die ßeihenfolge in der Lagerung ilirer Endi- 
gungen auf der Kugclfläche der Eetina. Auch hier müsste man die Eichtung-slinien der Lao-e- 
rung der letzten Nervenenden des Nervus opticus zu bestimmen suchen, ob sie nicht ebenfalls, 
wie ich vermuthe, in Spirallinien geordnet liegen , und zwar in logarltlnnischcn Spiralen , und 
ob sich der gelbe Fleck nicht als Centrum eines Wirbels für die Spirallinien herausstellen 
würde. Man könnte dann die Lagerung der letzten Enden des Sehnervens mit der Lairerune 
der Samen auf der Scheibe der Sonnenblume in gewisser Hinsicht vero-leichen. 

Forscht man weiter nach, ob für dieses spirale Auftreten in der Bildung der ILaarpapülen 



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nicht vielleicht Thatsachen und Beobachtungen an den Tastpapillen der Haut selbst oder an den 
Papillen anderer Epidermoidal-Gebilde sprechen, so kann ich aus meinen langjährigen Unter- 
suchungen über die Haut und die verschiedenen Epidermoidal-Gebilde des Menschen und der 
Thiere folgende von mir gemachte Entdeckung anführen, welche hiefür spricht. Bei der Unter- 
suchung der Hörner nändicli habe icli nicht blos die Verschiedenheit des mikroskopischenBaues, 
sondern auch den Grund der verschiedenen Form der Hörner zu cruiren n-ctrachtet- 

grossen Papillen 
an der Spitze der K]iochenkegel, des Auswuchses des Stirnbeines, welcher mit einer Fort- 
setzung der Haut überkleidet ist, es sind, welche die in der Spitze und dem Centrum des festen 
Theiles der Hörner vorkommenden dicken, mit blossen Augen schon deutlich sichtbaren Horn- 
■ röhren bauen. Von der verschiedenen Anordnung und Stellung dieser Papillen, von der ver- 
schiedenen Eeihenfolge in der Vermehrung und Wucherung derselben und von der Menge 

des von ihren Blutgefässen gelieferten Hornmaterials hängt die verschiedenartige KrümnuiL 
der Llörner ab. 



hiebei habe ich die Entdeckung gemacht, dass die verhältuissmässie- uuffemein <> 

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So habe ich gefunden, 



dass an der Spitze des Hörn es des E indes nur eine solche 
verhältnissmässig riesige Papille, und mithin nur ein centraler, nicht immer gleich dicker Horn- 
canal vorkommt und dass von der stärkeren oder schwächeren Wucherung seiner Papille die 
geringe spirale Windung des soliden Theiles des Eindshorues abhängt. Bei dem einfach nach 
hinten gekrümmten Home der Gemse ist während der verschiedenen Perioden der Ent- 
wickelung des soliden Theiles des Hornes die Anzahl der grossen Papillen, und mitJiIn auch 



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1er dicken Hornröhren und die Anzahl der Eeilien, in welche sie gestellt sind, verschieden 
gross. Anfangs sind nur wenige Papillen , die nach und nach blos eine Eeiho bilden ; vorne 
in der Eedie entstehen immer die neu emporwachsenden Papillen, hierauf vermehren sich die 



Eeihc] 



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1er Papillen auf zwei, drei, selbst mehr. Durch die stärkere Wucherung und das 



Emporkeimen neuer Papillen vorne in den Eeihen wird im vorderen Umfange des Hornes 
mehrHornzeUenmaterial geliefert und die Spitze des Hornes nach und nach immer mehr nach 
hinten gedrückt und endlich umgebogen. Beim spiral gewundenen Home des Schafes 






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Über die Richtung der Haare am vienscMlchen Körper. 



41 



findet man an der etwas breiteren, abgerundeten Spitze desKnoclienkegels einen ganzen Büseliel 
von solelien grossen HautpapiUcn. Anfangs ist aucb liier die Anzahl dieser Papillen gering 
und vergrössert sich immer mehr ; sie sind in eine Spiralreihc gestellt. Die Reihenfolge, m 
welcher die AVueherung in diesen so geordneten grossen Papillen und das Emporwachsen 
neuer auftritt, befolgt somit auch eine Spirallinie. Es wird mithin an der Stelle des Umfanges 
des Ilornes, wo eben dieGefässe der Papillen wuchern und neue sich bilden, Yiel mehr Zellen- 
material gebildet als an den übrigen Stellen, welches, wenn es verhornt, das Hern langsam 
auf die entgegengesetzte Seite drückt und biegt, und so wird durch dieses Fortschreiten der 
Wucherung in chier Spirallinie der spiral gewundene solide Theil des Schafhornes gebildet, 
während der übrige hohle , auf dem ebenfalls spiral gewundenen Knochenkegel aufsitzende 



Theil des Hernes^ der Spiralen Krümmung des Knochens folgen muss. Von der Länge der 
Dauer dieser spiral auftretenden Wucherung in jeder dieser Papillen, von der Schnelligkeit, 
mit welcher die AVueherung die Spiralreihe durchläuft, wird die Menge des um und auf jeder 
Papille abgelagerten Ilornmaterials abhängen, und mithin auch die Form der Spiralwindung des 
Horiies selbst, ob nämlich die Spirale ausgezogen ~- lang oder zusammengeschoben — kurz sich 
ausbildet, bedingt sein. Ich habe Präparate angefertigt, welche diese Vorgänge deutlich nach- 
weisen und werde in meiner Abhandlung über diesen Gegenstand ausführlicher darüber 

*i h li 1 T1 ( i o n 

Diese in Spirallinien auftretende Keimung und Wucherung dieser HaarpapiUen muss von 
einer ebenfalls eine Spirale beschreibenden Verthcilung und Ordnung der Nervenfasern und 
Fäserchcn herrühren. Man kann demnach auch hier aus den erstarrten Pro ducten des ammalen 
Lebens auf den Bau und die Bildungsvorgänge Schlüsse ziehen und die Mathematik zur 
genaueren Begründung und Formulirung der Bildungsgesetze anwenden. 

Benütze ich das bisher Gesagte, so glaube ich die gewiss nicht unbegründete Vermuthung 
noch aussprechen zu können, ob nicht vielleicht auch in der Anordnung der TastpapiUen der 
Haut selbst die Spirale in mannigfacher Modification sich Avird nachweisen lassen , sei es nur 
an kleineren oder grösseren Abtlieilungen der Hautoberfläche des menschlichen Körpers oder 

in ihrer gesammten Ausdehnung. 

AVie sind nun die TastpapiUen auf der verschieden grossen und verschieden geformten 
Fläche der Web er'schen Gefühlskreise geordnet? Stehen sie auf diesen Flächen vielleicht 



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zweigungen 



.benfalls in Spiralreihen geordnet und wären somit als dem Verästelungsgebiet jeder einzelnen 
Nervenfaser angehörig zu betrachten, w^clche mit ihren ebenfalls spiral geordneten Endver- 

die Papillen versieht? AVie verhält sich eine Summe von Nervenfasern, ein 
Nervenblindcl zu einer grösseren Gruppe von Gefühlskreiscn? Lässt sich vielleicht ein Dolden 
(umhella) oder einer Doldentraube (corymhus) ähnliches Auseinandergehen der Nervenfasern 
aus dorn Nervenbündel nachweisen? Dann wäre das mehr oder weniger Nervenästcheu ent- 
haltende Verästelungsgebiet jeder einzelnen Nervenfaser mit einer Nebendoldc oder einem 
Döldchen (umhellula), welches mehr oder weniger Blüthelien trägt und die Nervenfeser 
selbst mit der Nebenaxe oder einem Strahl einer zusammeno-esetzten Dolde (. 



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A^ertheilungsart einer Nerven- 



faser, dass sie allein mit ihren Ncrvenverästelungen und Endigungen eine zusammengesetzte 

Dolde nachahmt? 

Unter den verschiedenen möglichen Arten der A^ertheilung und Endigung der Nerven- 
fasern und Fäserchen in den Hautpapillen wollte ich auf diese hier aufmerksam machen; ob 



Denkschriften der mathem.-naturw. CI. XIII. Bd. Ablumdl. von Nichtmitgl. 



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42 



Christian August Voigt. 



sich nun eine derartige Art der Vcrtlieilung und Endigung der Nervenfasern nur an einzelnen 
grösseren oder kleineren Abtlieilungen der Haut oder in ihrem gcsammten Gebiete wird nacli- 
weisen lassen, müssen üntersuclamgen erst lehren. 



Der Ausbildung der Haarwirbcl-Centra gerade an den Stellen, wo sie vor- 
kommen, muss ein noch höherer Grund der Architektonik im Baue des menschliclien und 
Tliierkörpers zu Grunde liegen, denn ich habe schon aus den wenigen Untersuchunffen, die 
ich bis dato zu machen Gelegenheit hatte, gefunden, dass z. B. mit der stärkeren Ausbildung 
einzelner Sinne auch eine stärkere Ausbildung der divcrgirenden Haar- oder Federwirbel im 
äusseren Bereiche derselben oder das Auftreten sogar neuer, bei den übrigen Säugetliieren 
und dem Menschen nicht vorkommenden Wirbel sich nachweisen lasse. Beim Menschen, wo 
der Sehsinn gegen den Geruch- und Geschmacksinn im Gesichte verhältnissmässig am stärk- 
sten ausgebildet ist, bedeckt der divergirende Augen wirbel mit seinen Ausströmumi'en die 
ganze Gesichtsliälfte, denn die Nasenöffnungen und die Mundspalte bewirken keine Ablenkung 
der Richtung der Ausströmungen ; sie werden blos übersprungen. Bei den meisten Vcigeln 
habe icli keine eigenen Augenwirbcl gefunden, die Augenlidspalte und die Augenlider liegen 
in einer Spalte der Ausströmungen von dem Wirbelcentrum, in welchem der Schnabel lieo-t 



Bei den Geiern und Falken aber, wo der Blick so scharf ist, habe ich schon einen eio-cnen 



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iivergirenden Augenwirbel, besonders im vorderen Umfange gegen den Schnabel zu deutlich 
ausgebildet gefunden; nocli schöner und gleichmässiger habe ich den Augcnwirbel bei den 
Eulen, besonders scliön bei der Schleiereule ausgebildet gesehen, wo die Peripherien der fast 
kreisrund begrenzten, gleichmassig breiten Ausströmungen der beiden Augcnwirbel in der 
Mittellinie einander berühren. Der mit dem starken Geruchsorgane begabte Hund träo-t in der 
Mittellinie der Nase das Centrum eines divcrgirenden Nasenwirbels, dessen hinterste und 
längste Ausströmung den Kopf bedeckt und über den Eücken bis zur Schwanzspitze sich fort- 
setzt. Bei den Ziegen, Gemsen und dem Steinbock, wo das Geruchsor^-an so uno-cmcin kräftio- 
ausgebildet ist und wo die Nasenschlcimhaut, welche das Labyrintli der Nasenmuscheln deckt, 
eine so ungemein grosse Fläche einnimmt, bildet jedes Nasenloch das Centrum eines 
eigenen divcrgirenden Nasen wirb eis, so dass die AusströmunP-en desselben 
vom Umfange jedes Nasenloches beginnen. Mitten auf der Unterlippe dieser Thiere kommt 
ein excentrischer divergirender Wirbel auch vor. Beim Lama j)eruana alba finde ich dasselbe. 
Beim Lama huanaco aber liegt die Mundspaltc zwischen drei dlverglreuden excentrischcn 
Wirbeln, von denen einer ebenfalls mitten auf der Unterlippe, und die zwei anderen nahe der 
Mittellinie auf jeder Hälfte der Oberlippe gelagert sind. 



rino'sum 

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Oberlippe, gleich oberhalb der Mundspalte. Die Mundspalte bildet blos eine Unterbrechung 
der ab- und rückwärts laufenden Ausströmung dieses Wirbels, so dass die Ausströmungslinien 



on der Oberlippe die Mundspalte überspringend auf der Unterlippe weiter laufen, was ich 



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(Tarandas rangifer) 



den Nasenlöchern aufsteigende und sich ausbreitende Aussti-Ömung dieses Wirbels reicht beim 
Elendthiere, avo diese Ausbildung ebenfalls vorkommt, am höchsten hinauf. Bei denjcjiigen 
Ruminantien aber, bei welchen die Haut zwisclien und um die Nasenlöcher nackt und feucht 
ist, sieht man von dieser Ausströmung nur einen Theil oberhalb der Nasenlöcher aufsteigen; 
das Wirbelcentrum ist da nicht mehr sichtbar.. Das muthige Pferd liat, wie ich bereits früher 
beschrieben habe, auf der Stirne seinen divcrgirenden einfachen oder Doppelwirbel. 










übe)' die Richtung der Ilaare am menscMichen Körper. 



43 



Um die übrigen früher aufgestellten Fragen, welche das Versehieben der Wirbelmittcl- 
punlvte, das Einschalten Yon neuen Wirbeln, das Verschmelzen zweier Wirbel in einen, das 



Verwerfen in der Bildung 



der Wirbel-Ceiitra und die Bildung verschiedener Anomalien der 




Wirbelausströmungen und ihrer secundären Bildungen betreffen, beantworten zu können, 
liegen bis dato noch zu wenig Beobachtungen vor und wir Avisscn auch noch zu wenig darüber. 

um Schlüsse möchte ich zu diesen Fragen noch eine hinzufügen: Steht die Anordnung 
der Haare, der Haarpapillen und der Nervenendigungen in denselben in Spirallinien luid die 
Bildung von Wirbeln mit dem Ein- und Ausströmen und den Bcwegungsgesctzen der ver- 
schiedenen Dynamiden aus dem Mikrokosmus in den Makrokosmus und umgekehrt in einer 
ursächlichen Verbhidung oder nicht, und in welcher? Dieses zu beantworten muss man der 

Zukunft überlassen. 

Einen Nachtrag zu dieser Arbeit: Über dieEntwickelungsgeschichte der Haarwirbel näm- 
lich, die Abbildungen über die von mir beobachteten Anomalien der Haarwirbelj ihre Aus- 
strömungen und secundären Bildungen, die vergleichenden Beobachtungen und Zeichnungen 
über die Haarwirbel der Thiere bcabsiclitige ich in der Folge nachzuliefern. 









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Ch?' i'itian Aii.(j u>it Vo igt. 



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EEKLARÜNG DER TAFELN. 



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Die Richtung der Haare am menschlichen Körper ist hier an einem Embryo in natürlicher Grösse, welclier Yora Scheitel zur 
Sohle ISy^ W. Zoll misst, dargestellt. Die di v ergircndcn AYirbcl als primäre Bildungen sammt ihren einfachen Ausströmungen 
sind leicht aufzufinden, ihre di vergi renden Ströme, welche näher oder entfernter vom 'Wirbelcentrum durch die Divergenz der 
Wirbelausströmungen entstehen, so wie auch die Scheidelinien der einfachen Ausströmungen, die erst an den Wirbelgrenzen diver- 
girend werden und zur Bildung der Kreuze Veranlassung geben, sind roth bezeichnet. Die Wirb el g renzen nebst den in denselben 
vorkommenden secundären Bildungen, als Kreuzen und den von ihnen aus in entgegengesetzter Kichtung verlaufenden convergi- 
renden Strömen, -welche in den oonverg Iren den AVirbeln ihr Ende finden, sind durch blaue Linien kenntlich gemacht. 



TAPEL L ^ 

Flg. 1. Front-Ansicht des Embryo. 

Am Kopf sieht man die paarigen divcrgi re u den Augen- oder Ges ichts wirb el am deutlichsten sammt ihren Aus- 
strömungen und Grenzen, die Begrenzung der zwischen die Ausströmungen des Scheitelwirbcls hineingeschobenen paarigen divcr- 
gi renden Ohrwirbel ist deutlich, die Ausströmungen derselben hingegen wegen der schiefen Lage der Ohrmuschel nur undeutlich 
sichtbar. Yom S c lie i tcl wirbel sieht mau blos den m ittleren sammt den zwei seitlichen S tirn- und Schläfen strömen 
und das Ende der sich einrollenden -U n t e r o h r s t r ö m u n g e n. 

In den Augenbrauen liegen die Auge nbraukreuzc und die inneren und äusseren c onvergirendcn Auge n brau- 
ströme; die äusseren übergehen in die converg Iren den Schläfengesi cli tss t r öme, welche in den convergir ende n 
Halswirbeln endigen. In der Mittellinie trifft man das Nascnwurz elkr euz und den absteigenden convergircnde n 
Gesichtsstrom, der die Mundspalte überspringt und am Zungenbeinkreuz endet; der aufsteigende convergirende 
Ge sichts str om ist sehr kurz und endet mit den beiden inneren Augenbrauströmen im con vergirenden vorderen Kopf- 
wirbcl; in denselben hiessen der sich zuspitzende mittlere Stirnstrom und die von beiden inneren Augenwinkeln aufsteigenden Strö- 
mungen. Die länger gewordeucn Härchen dieses convergirenden Wirbels rollen sieli, wie man hier sieht, in eine Haarspitze ein. Vom 
Z ungenb einkreuz aus laufen in entgegengesetzter Richtung die convergirenden vorderen queren Hals ströme, 
welche in dem convergirenden Halswirbel sich einrollen und endigen; hier linden noch folgende con\ergirende Ströme ihr 
Ende : der Schläfe ngesichtsstrom, der vom b e r o h r k r e u z aaslaufende vordere Ohr- und der h r m u s c h e l r a n d s t r o m 
und das Ende des vom Nackenkreuz herkommenden seitlichen queren Ilalsstromes, mithin fünf Ströme, die mit blauen 

Ijin i en bezeichnet sind. 

* 

Von den Ausströmungen der paarigen divergircnden Augenwirbcl, die vom inneren Augenwinkel als Centrum auslaufen, sind 
die Nasenwurzel- und Augenbrauströmungen roth bezeichnet. Der divergirende Auge n spaltenstrom hat in erster 
Jjinie die hier noch kurzen Augenwimperhaare als erste Ausströmung, seine übrigen Ausströmungen bedecken das obere und untere 
Augenlid; die Wangen-, Backen- und Seitennasenströmungen sind leicht zu unterscheiden. 

Am Halse findet man in der Mittellinie den vom Brustkrcuz beginnenden aufste igen den convergirenden Brust- und 
Halsstrom, der am Zungenbeinkreuz divergirend geworden endet, durch den blauen Strich kenntlich. Die rothen Linien an 
der Seite des Halses bezeichnen den Anfang des seil rag aufsteigenden div ergir enden seitlichen Halsstromcs. 

Auf der Brust und am Bauche liegen um den Nabel die Strömungen, welche zur Bildung des convergirenden 
Nabel wirb eis beitragen. In der Mittellinie sieht man den vom Brustkreuz beginnenden absteigenden convergi- 
renden Brust- und Bauchstrom im Nabelwirbel auslaufen. Der vom Bauchkre'uz beginnende aufsteigende con- 
vergirende Bauchstrom endet ebenfalls im Nabelwirbel. Der absteigende Bauchstrom hingegen fiicsst in den Penis- 
-wirb el. An der rechten Scitenwand des Tliorax; und des Bauches sieht man zwischen dem divergir enden Achsel- 
höhlen- und Leistenwirbel einen divergircnden Seiten wirbel eingesclioben. An der linken Seite ist dies nicht 
der Fall desshalb sind die mit rothen Linien bezeichneten divergircnden Ströme und die durch blaue Striche kenntlich gemachten 
convergirenden Grenzströme dieser Wirbel verschieden geordnet. Der absteigende divergirende s ei tliche ,Brus t- 
strom des Achsclhöldcnwirbcls und der aufsteigende seitliche Bauchstrom des Lcistenwirbels sind beide rechts kürzer, 
links länger. An der linken Seite ist nur ein Seitenkreuz mit seinen zwei convergirenden Grenzströmen, wovon der vordere 
als schräg absteigender Bauchstrom im Nabelwlrbcl mündet. An der rechten Seite sind zwei Seitenkreuze; das 
obere ist höher gerückt, sein vorderer convcrgirender Strom als schräger Brust- und Bauchstrom läuft der Mittellinie zu und 
fällt in den absteigenden Brust- und Bauchstrom. Das untere ist das Darmbeinkreuz, sein vorderer convcrgirender Strom 
läuft als schräg absteigender Leistenstrom dem Beniswirbel zu, der hintere läuft um die Hüfte. Aus dem divergircnden 
Seitenwirbel an der rechten Seitenwand läuft ein aufsteigender divergircnder Seit.enbruststrom zum oberen Seiten- 









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■ X-lO — I L\ \A ■ \ ^^\ \~ X^ ^-^ 



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über die Bichtung der Ilaare am menscUichen Körper. 



45 



kreuz, und ein absteigender divergircnder seitlicher Bauchstrom zum Darmbeinkreuz. In der ^vagcrcchten Linie, 
^velch.e beide Ächselhöiilen verbindet, verlaufen die aus dem Achselhöhlemvirbel kommenden breiten (jueren Brustströme, durch 
rothe Linien kenntlich gemacht; ^vo sie auf einander treffen, ist das Brustkreuz ausgebildet. Hier will ich bemerken, dass die Lage 
des Brustkreuzes an der verhältnissmässig ruingen Stelle de. Stcrnums von der Lage der Basis des Herzens in der Brusthöhle, welche 
derselben entspricht, bedingt wird. Ihre schräg abwärts sich wendenden Ausflüsse laufen der Mittellinie zu, in den absteigenden con- 
vergircnden Brust- und Bauchstrom hinein. Die aufwärts abgelenkten Ausströmungen nehmen ihren Lauf über das Schlüsselbein, 
wenden sich dann auswärts, fliessen L in den convcrgirenden vorderen queren Halsstrom, winden sich 2. in den convergircnden Hals- 
wirbel hinein und w^erden 8. im Laufe über den sterno-cleido-raastoideus zum s chräg aufsteigenden seitlichen Halsstrome. 

Von den für die ob eren Ex tremitäten bestimmten Ausströmungen des Achselhöhlenwirbels ist die Kichtung des vor- 
deren queren Schulter Stromes durch eine rothe Linie beiderseits bezeichnet; wo diese Ausströmungen an der äusseren Fläche 
der Schulter divcrgirend werden, liegt das Deltakreuz. Die zwischen diesem Strome und den letzten Ausflüssen des queren Brust- 
stromes liegenden di vergirenden Ausströmungen, welche aufsteigend die vordere Fläche des Delta-Muskels bedecken, bilden 
den vorderen Schultcrstrom. Die aus dem queren Schultcrstrome abwärts sich wendende Strömung im Vereine mit dem inne- 
ren Armstrome umhüllen die obere Extremität. Der im sulcus hic^äis internus herabfliessende innere Armstrom läuft durch 
Aieplica cubäim den sulcus radialis und schickt, wie man an der recliten Hand des Embryo sieht, bogenförmige Ausflüsse über den 
Armspindelrand auf die Rückenflächc des Vorderarmes. Das unterste Ende des inneren Armstromes wird divcrgirend und stösst auf eine 
divergirende Ausströmung des rudimentär entwickelten divergirenden Hand^v-irbcls und bildet mit derselben das Radial- 
kreuz. Die längste Ausströmung des Ilandwirbels legt sich auf der Rückenflächc der Handwurzel an das Ende des inneren Arm- 
stromes und läuft quer zum EUbogcnrande der Hand hin. Die quer gelagerten Härchen auf den mittleren Abtheilungen der Rücken- 
flächc dcrFingcrgiiedcr, welche ebenfalls mit ihren Spitzen dcmUhiarrande zusehen, können als Fortsetzungen der querenAusströmung 
dieses Handwlrbtls angesehen werden, während die Härchen auf der Rückenflächc des Daumens mit ihren Haarspitzen dem Radial- 
randc zusehen, mithin in entgegengesetzter Richtung gelagert sind und als Fortsetzung der Ausströmung angesehen werden können, 
welche vom Centrum abwärts zum Radialrandc hin gerichtet ist. Zwischen der Strömung am Daumen und an den vier übrigen Fin- 
gern besteht demnach eine Divergenz. An der linken Hand sieht man aus dem TJlnarrande des inneren Armstromes ebenfalls 
bogenförmige Ausflüsse, die anfangs quer laufen und dann stark aufsteigen, um den aufsteigenden convergircnden Ulnar- 
strom und den convergircnden Ellbogenhöckerwirbcl, welche man bei dieser Lage des Vorderarmes nicht sieht, zu bilden. 
Der quer verlaufende ro^he Strich, welcher am Ulnarrande divcrgirend wird und am Ulnarkreuz endet, bezeichnet die 
Scheidelinien dieser queren Ausströmungen. Der unter dieser rothen Linie liegende kleine Theil dieser Ausströmung wendet sich am 
Ulnarrande abwärts und erzeugt die innere Hälfte des absteigenden convergircnden Ulnarstromcs. 

Die paarigen diver^g-irenden Lcistenwirbcl sind blos in geringem Umfange regelmässig ausgebildet; der rechte ist 
rechtswendig, der linke Iin\s gewundem Der aufsteigende divergirende seitliche Bauchstrom ist an der rechten 
Seite dieses Embryo kurz und endigt am Darmbeinkreuz; an der linken hingegen lang, läuft gewunden und endet am Seiten- 
kreuz. Die ferneren Ausströmungen des Leistenwirbels sind: die Scham- und Hüftströmung sammt den äusseren, inneren 
und vorderen S ch enkelströmcn; sie umhüllen die untere Extremität vorne, aussen und hinten, gerathen an der inneren Fläche 
wieder auf einander und hilden in der Mitte des Oberschenkels auf der inneren Fläche des Gracilis das S eben kelkreuz und zwei 
convergirendc Ströme: den auf- und absteigenden Inneren Schenkelstrom, durch blaue Linien in der Abbildung hervor- 
gehobem Der mittlere Thcil des in starker üogenkrümmung fliessenden inneren Schenkelstromes ist mit einem rothen 
Strich bezeichnet; er trifft senkrecht auf den mittleren Thcil des äusseren Schenkelstromcs, Ayelcher in einer noch grös- 
seren Bogenkriiminung die äussere und hintere l-lächc des Oberschenkels umgriffen hat. Die auf- und abwärts aus einander weichenden 
Strömungen bilden dls Schenkelkreuz. Der aufsteigende inner e Schenk clstrom wendet sich oben nach einwärts und 
endigt am Pcniskrcuz in der raphe scroti. In denselben flicsst hier von vorne der obere Thcil des inneren Schenkelstromcs und 
die untere Hälfte der Schamströmung, während die obere Hälfte der Schamströmung convcrgirend geworden zur Bildung des Pcnis- 
wirbels beiträgt. Das Scrotum ist von dem Ende des untersten Theiles der Hüftströmung bedeckt, welche um die Hüften gelaufen 
mit dem Ende des oberen Theiles des äusseren Schenkelstromes von hinten kommend im aufsteigenden convergircnden 
inneren Schenkclstrome einmündet. In den absteigenden convergircnden inneren S chenk clstrom, w^elcher sich 
windend abwärts läuft und vor dem malleohts internus endet, fliessen die längsten Ausflüsse des inneren Schenkelstromcs und die 
unterste Ausströmung des äusseren Schenkelstromes hinein, welche nach einem gewundenen Laufe, nachdem sie die hintere Fläche des 
Oberschenkels, die Kniekehle und die AVade eingehüllt haben, in demselben enden. 

An der rechten unteren Extremität sieht man die Hüftausströmung und den äusseren Schenkelstrom aus 
dem äusseren Umfange des Leistenwirbels beginnen und an die äussere Fläche und abwärts sich begeben. Über die Fibula Avindet 
sich dann die äussere Hälfte des äusseren Schenkelstromes ab- und vorwärts, gelangt auch über die crista üblm und trifft hier 
auf die Ausflüsse der inneren Hälfte, welche, nachdem sie die AVade umflossen haben, sich vorwärts wenden und mit denselben das 
Ende des convergircnden inneren S chcnkclstromes bilden. Oberhalb und zwischen den Fussknöcheln hören diese beiden 
Hälften der Ausströmungen des äusseren Schenkelstromes mit vier halbkreisförmigen, deutlich begrenzten Ausläufern auf, welche beide 
Fussknöchcl, die Achilles-Sehne und das untere Ende der Tibia vorne frei lassen. Die Richtungslinie des vorderen Schenkel- 
stromes ist durch eine rothe Linie angedeutet. An der rechten unteren Extremität sieht man, wie sich dieser Strom in eine 
äussere, innere und mittlere Strömung theilt. Die mittlere, .vclche die kürzeste ist, endet auf der Fatella, während die beiden 
anderen an den Seltenrändern der Kniescheibe sich etwas zusammendrängen, dieselbe umgreifen und unterhalb derselben auf der s^^ma 
//^.-^ sich schräg begegnen und einen kurzen secundären convergircnden Strom bilden, der im absteigenden inneren 

Schenkclstrome sein Ende findet. 

Die Fussrückcn Wirbel sind unvollkommen ausgebildet. Die hintere Ausströmung ist sehr kurz, die vordere und seitliche 
lang. Die äusseren Ausflüsse verlaufen quer zum äusseren Fussrande hin. Die Härchen auf der Rückenfläche der mittleren Abtheilung 



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Cliristian August Voigt. 



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der Zehcnglieder der vier kleinen Zehen liegen in Reihen, ^Yelehe quer Yom äusseren zum inneren Fussrande hin verlaufen, und können 
als Fortsetzungen der queren Ausströmungen des Fussrückenwirhcls angesehen werden, welche durch die Gelenke und Zehenspalten 
unterbrochen sind. Die Härchen auf der Knckenfiäche der grossen Zehe folgen einer entgegengesetzten Richtung und sind mit ihren 
Haarspitzen dem inneren Fussrande zugewendet. Auf den Zehen hndet man demnach ebenfalls eine Divergenz zwisclien den Härchen 
der grossen Zehe und denen der kleinen Zehen wie an den Fingern der Hand. In jeder dieser Abtheilungen sieht man, dass die Härchen 
in den hintersten Reihen mit den Spitzen rückwärts sehen und in den vordersten Reihen vorwärts abgelenkt sind wie an den Finger- 
gliedern der Hände. 

Fig. 2. Eine Ergänzungszeichnung, um die Haarrichtungen, welche das Gesäss, die Dammgegend und die 
äusseren männlichen Uenitaticn bedecken, anschaulich zu machen. 

Hier sieht man deutlich, wie der aufsteigende convergir ende innere Schenkelstrom am Sclienkelk re uz beginnt 
und am Peniskreuz endet, indem er in der Rinne zwisclien der inneren Fläche des Schenkels und dem Scrotum zur Raplie verläuft. 
Dieser convergirendc Strom wird iuer divcrgirend und trifft auf den gleicJien der anderen Extremität. Die abgelenkten Strihnungen 
beider Seiten bilden in der Raphc des Penis und Scrotums zwei kurze convergirende Ströme, von welchen der in der Raphe der Haut 
des Penis liegende im Peniswirbcl endet. Der conv ergiren de Damm ström beginnt an der Afteröffiiung, läuft in der Raphe des 
Dammes und geht in die Raphe des Scrotums über. In der Mitte der Raphe des Scrotums begegnet er dem vom Peniskreuze kommen- 
den kurzen convergircndcn Strome und legt sich an denselben, ohne ein neues Kreuz zu bilden. 

Von den Ausströmungen des linken Leistenwirbels sieht man die obere Abtheilung der Schamströmung dem 
Peniswirbcl zufliessem Die untere Abtheilung desselben sammt der oberen und zum Theil mittleren des inneren Schenkel- 
stromes läuft in schwachen BogonkKimmungen in den aufsteigenden S chenkelstrom hinein. Die rothe bogenförmige Linie aus 
dem Leistemvirbcl kommend bezeichnet die Scheidelinie der mittleren Abtheilung des inneren S chcnkelstro meS; welche divcrgi- 
rend wird, da wo sich das Schenkel kreuz befindet. Ihr entgegen sieht das divergirende Ende der mittleren Abtheilung des äusse- 
ren S ehenkelstro m es. Der aufwärts weichende Theil dieser Strömung legt sich an das Ende der oberen Abtheilung desselben 
Stromes und diese an das Ende der untersten Abtheilung der langen Hüftströmung, welche, nachdem sie die Hfifte umfloss^en und das 
Gesäss bedeckt hat, die Dammgegend und die Hälfte des Scrotums mit ilirer Strömung bekleidet Die aufsteigenden Pogenkrümmungen 
aller dieser Zuflüsse bilden die hintere Hälfte des convergircndcn aufsteigenden inneren Sclienkclstromes. lui convergirenden Strome 
des Dammes und Scrotums finden die zur Mittellinie laufenden Pogenkrümmungen der untersten Abtheilung des Hüftstromes ihr Ende. 
Fig. 3. Eine ähnliche Ergänzungszeichnung, um die llaarrichtungen, welche das Gesäss , die Dammgegend und die 
äusseren weiblichen Genitalien bedecken, darzustellen. 

Der vom Schenkelkreuz beginnende aufsteigende convergirende innere Schenkelstrom gelangt an den äusseren 
weiblichen Gesehleehtsthcilen niciit zur Mittellinie, sondern endet jodorscits am oberen Thcile der grossen Schamlefzen, indem er sich 
einzurollen scheint; er nimmt hier den vom moyis veyierk konnnendcn Theil der Schamströmung auf, der übrige Theil der Scham- 
strömung messt mit den Ausflüssen des inneren Schenkelstromes wie beim männlichen Euibryo von vorne in den^convergirenden auf- 
steigenden inneren Schenkebtrom hinein. Die über das Gesäss und die Dammgegend in Pogenkrümmungen verlaufende Endausströmung 
der untersten Abtheilung des Hüftstromes bedeckt die loMa majora und begrenzt sich am seitlichen Umfange der Schamspalte. Am 
hinteren Umfange derselben hört der hier viel kürzere convergirende Dammstrom auf und der der Mittellinie näher lie-ende Theil 
dieser Strömung, während die obere und mittlere Abtheilung des äusseren Schenkelstromes an diese sich anschliessend von hinten 
her in den convergirenden aufsteigenden inneren Scheukclstrom einströmt. Am vorderen Ende der Schamspalte endet der abstei- 
gende convergirende Bauchstrom und der vom Darmbeinkreuz beginnende, schräg ab- und einwärts laufende convergi- 
rende Leistenstrom, wenn er vorhanden ist, wie in diesem Falle liier. 

Fig. 4. Die Rückenfläehe dieses Embryo. 

Den Kopf bedecken die spiral gewundenen Wirbelausströmungen des divergirenden Scheitel wirb eis. Das Centrum 
dieses Wirbels liegt hier nicht in der Mittellinie, sondern rechts; es ist kein Punkt, sondern eine kurz e ges chwu ngen e Linie 
Die längste Ausströmung dieses Wirbels ist der von zwei rothen Scheidelinien begrenzte mittlere Nackenstrom, der im Verlaufe 
über die Rückenwirbelsäule zum mittleren Rückenstrome wird; im Laufe abwärts immer schmäler werdend endet derselbe am 
unteren Ende der Rüelcenwirbelsäule im convergirenden Steis s wirb ei, dessen Härchen, wenn sie länger geworden sind, wie 
bei diesem Embryo, in eine liaarspitze sich einrollen, welche dem an der Schwanzspitze der Thiere vorkommenden convem-irenden 
Haarwirbel vollkommen analog ist. Die an der äusserenSeite dieser rothen Scheidelinien liegenden Ausströmungen sind die seitlichen 
Nacken- oder Unterohrströme. Auf den Muskelwülsten des Nackens, wo sie von dem mittleren Naekenstrome ablenken, 
liegen beiderseits die Nackenkreuze; sie laufen in querer Richtung unter dem Öhre vorwärts und rollen sich in den convergi- 
renden Halswirbel ein. Auf diese Ausströmungen folgen die hinteren Ohrströme, welche mit ihren geschwungenen 
Strömungslinien die hintere Fläche der Ohrmuscheln bedecken und am Rande der Helix zur Bildung des convergirenden "ohr- 
muschelrandstromes sich einrollen. Nach aussen und oben sieht man von den Härch.n eine Haarspitze gebildet, welche an den 
an der spitzigen Ohrmuschel der Thiere vorkommenden convergirenden Ohrwirbel erinnert. Oberhalb der Ohrmuschel, wo sicli die 
hinteren OhrstrÖme von den SchläfcnstrÖmen trennen, liegen beiderseits die Oberohrkreuze. 

Die Grenzströme, welche d.Qn Seh eitel wir bei und seine Ausströmungen an der Rückenfläehe von den übrigen scheiden, sind 
die zwei vonjedem Nackenkreuz beginnenden convergirenden Ströme. Dereine, der quere seitliehe Halsstrom, verläuft 
in^c/5 förmiger Krüm.mung zwischen dem Unterohrstrome und den abgelenkten oberen Ausflüssen des schräg aufsteigenden divergirenden 
seitlichen Halsstromes und flicsst in den convergirenden Halswirbel, wo er endet. Der andere, der absteigende seitliche 

Rückenstrom, läuft an der Seite dos mittleren Rückenstromes denselben begrenzend abwärts in den convergirenden Steiss- 
wirbel hinein. 

Am Nacken und Rücken des Stammes Hegen seine Zuflüsse aus dem divergirenden Achselhöhlen- und Leistenwirbel, 
nndistzwischcnbeide ein oder sind selbst zwei divergirende Seitenwirbel eingeschaltet, so strömen die hinteren Ausflüsse 



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über die Ilicldiing der Ilaare am menscMlchen Korper 



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derselben auch ihm zu. Am Nacken bezeichnen die rothen Linien, ^velche schräg aufsteigen und am Nackenkreuz divergircnd werden, 
den Lauf des seitlichen di vergirenden Halsstromes; seine unteren, bogenförmig verlaufenden Ausflüsse fiiessen von den 
Seiten in den absteigenden convergirenden seitliclicnliückenstrom. In demselben sieht man auch den vom Dcltakreuz beginnenden 
aufsteigenden c on vergiren den Schulterstrom sein Ende finden, der in seinem \Yagerechten Laufe über die Schulter zum 
queren Uückenstrome wird, sich abwärts neigt und dann erst einmündet. Dieser nimmt oben noch Ausflüsse des aufsteigenden 
seitlichen llalsstromes und der vorderen SchultcrstrÖmung auf. Von unten ergiesst sich in denselben die vom divergirenden 
Achselhöhlemvirbel — hier aus der Achselfalte — kommende divcrgirende hintere Schulterströmung. Unterlialb derselben 
strömen dem seitlichen Rückenstrome die hinteren Ausflüsse des absteigenden divergirenden seitliehen Bruststromes 
über die Seitenwand des Thorax und das Schulterblatt kommend zu. Diese Zuflüsse sind links breiter als rechts, weil an diesem Embryo 
an der rechten Seitenwand des Thorax ein divergirender Seitenwirbel eingeschoben ist. Alle hi nteren Ausströmungen dieses 
eingeschalteten "Wirbels,, sowohl die aus seinem aufsteigenden divergirenden S ei te nbr usts tro me, als aucli die aus dem 
absteigenden seitlichen Bauchstrorae gelangen über die Scitenwand theils der Brust thcils des Bauches und der Hüfte 
hieher von den zwei con v ergirenden Grenzströmen, welche vom Seiten- und Darmbeinkreuze beginnen, eingcfasst 
und fiiessen samrat denselben von der Seite in das Endstück des seitlichen convergircnden Rückenstromes. An der linken Seite 
sieht man blos einen convergircnden (Jrenzstrom vom Seitenkreuz kommend iu den seitliehen Rückenstrom münden; unterhalb 
desselben verlaufen über die Scitenwand des Bauches und der Hüfte die hinteren Aiisllüsse des aufsteigenden divergirenden 
seitlichen Bauchstromes aus dem ]jeistenwirbel, welche ebenfalls im seitlichen Rückenstrorae dieser Seite ilir Ende finden. 

An der Rückenfläche der obe rcn Extremitäten bemerkt man aus der Achselhöhle die hinteren queren Schulter- 
ströme hervorkommen. Die rotlie Linie, welche am Deltakreuz divergirend wird, ist die Richtungslinic ihres Laufes. Die 
abwärts abgelenkte Strömung des hinteren queren Schenkelstromes flieset dem vom Dcltakrcuz beginnenden absteigenden 
convergircnden äusss eren Arms tro me zu , welcher im convergircnden Ellbogenhöckerwirbel sich einrollend endigt. Am 
EUbogenrande des reclitcn Vorderarmes sieht man deutlich das ITlnarkreuz und die zwei von ihm auslaufenden convergircnden 
Ströme. Der obere, der aufsteigende ITlnarstrom, nimmt die bogenförmigen seitlichen Ausströmungen des inneren Armstromes, 
welche die Rücken- und innere Fläche des Vorderarmes bedecken, auf und fiiesst mit denselben in den convergircnden Ellbogen- 
höckerwirbel hinein. Sind die Härchen länger, so findet man liier eine eingerollte Haarspitze. Der untere, der absteigende 
Ulnarstronij ist kurz und nimmt die abwärts abgelenkten, hier bereits quer verlaufenden Ausströmungen von der inneren und 
äusseren Fläche auf. Die rothen divergirend werdenden Linien bezeiclmcn die Scheidelinien dieser Ströme. 

An der Rückenfläche der linken Hand bemerkt man auch das Radial kreuz und unteriialb desselben den unvollständig aus- 
gebildeten divergirenden Handwurbel, dessen aufsteigender divergirender Strom am Radialkreuz aus einander weicht ; 
seine breiteste Ausströmung begibt sich auf den Rücken der Hand, läuft quer zum Ellbogenrande hin und legt sich an die auf die 
Rückenfläche des Vorderarmes gelangte Endströmung des inneren Armstronies. A.\\i' den mittleren Abthcilnngen der Rückenflächc der 
Fingcrglicder sieht man hier deutiicli die quere Richtung der Härchen, die ebenfalls mit ihren Haarspitzen dem Ulnarran.de zusehen. 
ur die Härchen der Rückenfläche des Daumens haben eine entgegengesetzte Riclitung, so dass zwischen Daumen und den vier übrigen 
Fingern eine Divergenz in der Haarrichtung waltet. In jeder Abtheilung sind die Spitzen der Härchen in der obersten Reihe aufwärts, 
und in der untersten Reihe abwärts abgelenkt. 

Die Hüftausströmungen aus beiden Leisten wirbeln winden sich oberhalb und unter dem irockanter major auf die 
hintere Fläche des Beckens und des Gfesässcs ; die obersten Abtheilungen dieser Hüftausströmungen fliessen von den Seiten noch in 
den convergircnden Steisswirbel hinein und werden, nachdem sie die Alittellinie erreicht haben, auf dem Steissbein divergirend 
und bilden hier das Steisskveuz. Das aufwärts abgelenkte Ende dieser Strömung fiiesst von unten in den convergircnden Steiss- 
wirbel. Der abwärts sich wendende Theil bildet einen kurzen convergircnden Strom, welcher am hinteren Umfange der Afteröffnung 
sich begrenzt; an diese scliUesst sich das Ende der mittleren Ilüftströmung an, welche mit einem Theile in die crena clunium sich 
begibt und am seitlichen Umfange der Afteröffnung endigt; der andere Theil erreicht die Mittellinie und bildet den convergircnden 
Dammstrom. Die untersten Abtheiluugcn der liüftausströmuiigen laufen über dnxi unteren Rand desGesässes, erheben sich, 
laufen über die Dammgegend, bedecken das Scrotum und gelangen bis zum Penis kreuz. In der Mittellinie bilden die beiderseitigen 
sieh begegnenden Endströmungen den couverglrenden Strom in der rajjlte scroti; ihre äusseren Ausflüsse münden in das Ende des auf- 
steigenden inneren Schenkelstromes. 

An beiden unteren Extremitäten sieht man die Schenkelkreuze und ihre auf- und absteigenden convergircnden 
inneren S chenk elströme deutlich. 

"Wie breit und mächtig der äussere S chcnkels trom ist, sielit man an den unteren Extremitäten dieses Embryo, denn er 
bedeckt mit seinen Ausströmungen die äussere und hintere Fläche des Ober- und Unterschenkels. Die rothen bogenförmigen 
Striche, die an den Schenkelkreuzen divergirend werden, bezeichnen die StrÜmungslinie der mittleren Abtheüung des äusseren 
Schenkelstromcs. Die obere Abtheilung und ein Theil der mittleren dieses Stromes, nachdem sie die äussere und hintere Fläche 
des Oberschenkels bedeckt haben, fliessen sich erhebend von hinten in den aufsteigenden inneren Seh cnkelstrom. Die untere 
Hälfte der mittleren Abtheilung wird abwärts gezogen und fliesst schon in den absteigenden convergircnden inneren Schenkelstrom. 
Die unterste längste und breiteste Abtheil ung dieses äusseren Schenkelstromes wandet sicli von der äusseren Fläche in die Knie- 
kehle und auf die Wade, und von hier aus w^endct sieh die äussere und innere Hälfte dieser letzten Ausströmung vorwärts, um im End- 
stücke des absteigenden inneren Schenkelstromcs zu münden. Die Spaltung in die äussere und innere Hälfte dieser Strömung geschielit 

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auf der Fibula, wie man dieses am linken Unterschenkel dieses abgebildeten Embryo sieht. Die Tlicilung jeder dieser zwei Hälften 
wieder in zwei Endausläufer, die halbkreisförmig begrenzt oberhalb und zwischen den Fussknöcheln endigen, so dass die Fussknöehel 
und die Achilles-Sehne frei bleiben, ist in der Abbildung Iciclit zu unterscheiden. 

Fig. 5. Eine Ergänzungszeichnung, welche ein unvollkommenes Verschmelzen zweier divergirender Wirbel in einen 
Doppclwirbel am Scheitel versinnücht. 



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Christian August Voigt. 



Die AYirbel-Centra liegen zu beiden Seiten der Mittellinie. Die Mittelpunkte der Wirbel sind keine einfaehen Punkte, 
sondern kurze o) förmige Linien. Der rechte AVirbcl ist linkswendig, der linke rechts gewunden. Die AYirbelausstrÖuningen sind 
vom Centrum aus in einem massigen Umfange regelmässig ausgebildet und stellen eine Summe von Spirallinien dar, deren jede liöchst 
wahrsclaeinlich eine logarlthuiische Spirale ist, welche mithin nicht im Mittelpunkte, sondern in dessen Nahe aus dieser O) förmigen 
Linie beginnen. Diese Spiralen Ausströmungen, welche an den Seiten des Schädelgewölbes verschieden abgelenkt werden, gerathen 
in der Mittellinie auf und an einander. Die in dcrVerbindungslinie beider Mittelpunkte auf einander treffenden Ausströmungen weichen 
nach vorne und hinten aus ; dadurch entsteht liier ein. Scheitelk reuz und zwei von demselben ausgehende convergirende Ströme, 
von welchen sich einer nach vorne, der andere nach rückwärts wendet. Im weiteren Laufe legen sicli die Ausströmungen an einander, 
laufen eine Strecke fast parallel und die Haare an diesen Stellen schieben sich auch über einander; hierauf wenden sie sich von der 
Mittellinie ab und fliessen über die Stirn und das Hinterhaupt hinab. 



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Zwei Seitenansichten desselben Embryo zur YervoUständigung des Dildcs. 

Fig. 1. Die ganze rechte Seite des Embryo, der rechte Arm erhoben, um die Achselhöhle und die innere Fläche des Oberarms 

sehen zu können. 

Die Seitenwand des Kopfes ist von den Ausströmungen des S clici telwlrb eis bedeckt. Aus dem nach rechts verschobenen 
Mittelpunkte dieses divergirenden Wirbels sieht man, wie die Ausströmungen in Spiralen Windungen auslaufen und dann abbiegen. 
Der mittlere Stirnstrom ist nach links geknickt. Der äussere Stirnstrom endet, die obere Hälfte der Augenbrauen bildend, 
im convergirenden äusseren Augenbraustromc. Eine rothc Scheidelinie bezeiclmet die Grenze zwischen dem Schläfen- und 
hinteren Ohrstrome. Oberhalb der Ohrmuschel werden diese Strömungen divergircnd, weil zwischen dieselben und den seitlichen 
Nacken- oder unteren Oiirstrom der divergirende Olirwirbcl eingeschoben ist und von ilmen umfasst wird. An der Stelle des 
Auseinanderweichcns liegt das Oberolirkreuz. Yon diesem aus laufen zwei convergircjnle Grenzströme, der vordere Ohr- und 
der Ohrmusclielrandstrom, welche beide auf dem AYinlcel des Unterkiefers zusammenmünden und in den convergirenden 
HalsAvirbel einströmen. Der Sehläfcnstr om ist zwischen den vorderen Ohr- und den convergirenden Schläfengesichts- 
Strom, die Fortsetzung des äusseren Augenbraustromes, eingeschoben; sein zugespitztes Ende rollt sich im convergirenden Halswirbel 
ein, wohin sich auch der untere Ohrstrom sannut seinem Grenzstroine, dem convergirenden queren seitlichen Halsstrome, begibt. Die 
Ausströmungen des divergirenden Ohrwirbels sieht man in dieser Ansicht am deutlichsten; sein Centrum liegt im äusseren 
Geliörgange, dem Tragus nahe. Seine aufsteigende Strömung fliesst über den Kand der Hciix und wird am Oberohrkreuze diver- 
gircnd; zu dem nach vorne abgelenkten Theile gesellen sich die Ausflüsse, wclclie oberhalb und unterhalb des Bockes hervorströmen. 
Aus diesen drei Abtheilungen entsteht die abwärts fliessende, sicIi zuspitzende vordere Ohrströmung, welche bei erwachsenen 
Männern die hinter dem Backenbarte und vor dem Ohre liegende kleine Fläche , auf der nur kleine Härchen vorkommen, bedeckt. 
Die liintercn und unteren Ausströmungen des OhrwJrbels fliessen dem Ohrniuschelran dstrome zu und tragen mit ihren 
längsten Härchen zur Bildung der am hinteren und oberen Kande der Windung sich ausbildenden Haarspitze bei. Die Form der Fläche, 
welche der excentrischc Augen- oder esichtswirb el mit seinen divergirenden Ausströmungen bedeckt, nebst seinen Grenz- 
strömen und Kreuzen sieht man in dieser Seitenansicht deutlich. 

Der divergirende Achselhöhlen wirbel ist nur in einem kleinen Umfange regelmässig ausgebildet; die aus den abge- 
lenkten Ausströmungen hervorgehenden divergirenden Ströme sind roth bezeichnet. Der absteigende seitliche Brust- 
strom begibt sich, in einer gesobwungenen Linie nach vorne gebogen, abwärts und endigt am Seitenkreuz. Mit ihm läuft eine 
Strecke gemeinschaftlich der quere Bruststrom zu seinem in der Mittellinie gelegenen Brust kreuze. Der vordere und 
hintere quere Schulterstrom umgreift von der Achselhöhle aus die Schulter und endigt am Dcltakreuz. Zwischen beiden, im 
siilcus internus hicipitis rinnt der innere Armstrom, welcher durch die _pZ^ca crt/,'/;'/ in den s?t7c?ts ratZ/cf//s gelangt. Yon den con- 
vergirenden Strömen, in welchen die Ausflüsse des inneren Armstromes, nachdem sie den Ober- und Yorderarm umgriffen haben, sich 
begegnen, sieht man an dem erhobenen Arme die vom Ulnarkrcuze auslaufenden ab- ^und aufsteigenden UlnarstrÖmc. 
Der letztere mündet sammt dem Ende des absteigenden äusseren Armstromes im convergirenden Ellbogenliö cker- 
wirbel. Unterhalb der rothen Striche, welche den Lauf des vorderen und hinteren queren Schulterstromes bezeichnen, verlaufen die 
vorderen und hinteren divergirenden Schulterströmungen aufwärts. An diese schlicssen sich vorne die aus dem breiten 
queren Bruststrome kommenden Ausflüsse an, welche über das Schliisselbeiji aufwärts zum Halse sich begeben und am Zungen- 
bein- und Nackenlüreuze und in den sie verbindenden Grenzströmen, sowie auch im convergirenden Halswirbel ihr Ende flnden. 
D'iQi schräg abwärts laufenden Ausflüsse des queren Bruststromos überspringen die Brustwarze und den AYarzenhof und münden nebst 
der vorderen Ausströmung des absteigenden divergirenden seitlichen Bruststromes in den vom Seitenkre uz auslau- 
fenden schräg absteigenden convergirenden Grenzstrom, sowie auch in den vom Brustkreuz beginnenden abstei- 
genden convergirenden Brust- und Bauclistrom, der im convergirenden Nal>elwirbel ausläuft. Yom Brustkreuz 
aufwärts zum Zungenbeinkreuz läuft in der Mittellinie der aufsteigende convergirende Brust- und Halsstrom. Die hinteren 
Ausströmungen des absteigenden divergirenden seitlichen Bruststromos begeben sich unterhalb der divergirenden 
hinteren Schultcrstr ömung in Bogenkrümmungcn über die Seltenwand des Thorax und den Winkel des Schulterblattes, steigen 
dann abwärts und fliessen in den convergirenden seitlichen liücken ström hinein. 

Die Scitenwand der Brust und dos Ba uches bedecken die Ausströmungen des an dieser Seite eingeschobenen 
divergirenden Seiten wi rbels; sein ganzes Yerbrcitungsgebiet und alle seine Grenzströme sind sichtbar. Die Wirbelströmung 
ist links gewunden; aus derselben beginnen zwei divergirende mit rothen Linien bezeichnete Ströme: der aufsteigende seit- 
liche Bruststrom endet am Seitenkreuz, der absteigende seitliche Bauchs trom am Darmbein kreuz. Der vordere 












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über die BicUung der Haare am menscldlclien Körper. 



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Aom Seitenkreuz beginnende oonYergirende Grenzstrom mündet im absteigenden convcrgirenden Brust- und Bauoh- 
strome, der hintere läuft quer über die Scitenwand des Tliorax, steigt abwärts und erreicht den seitlichen Kückens tro.n. 
Von den vomDarmbcinkreuz auslaufenden eonvergirenden Grenzströmen endet der vordere schräg absteigende Leisten- 
strom im eonvergirenden Peniswirbcl, der hintere umfliesst den obersten Tlieil der Hüfte und fällt in den eonvergi- 
renden Steis^ wirb cl. Die vorderen Ausflüsse aas dem divergirenden Seitenwirbel und seinen auf- und absteigenden divcrgi- 
renden Strömen bedecken die Brust, den Bauch vonie und ergiessen sich in den eonvergirenden Nabelwirbel, in den 
eonvergirenden absteigenden Brust- und Bauchstrom, ferner in die zwei vom Bauehkreuz auslaufenden auf- und 
absteigenden eonvergirenden Bauchströme, von denen der obere im eonvergirenden Nabel-, der untere im eonvergirenden 
Peniswirbel sein Ende findet. Die rückwärts laufenden Ausflüsse umhüllen unten den Thorax, die Weichen und den 

obersten Theil der Hüfte und fliessen dem eonvergirenden seitlichen Rückenstrome zu. 

Über die rechte Hüfte und das Gesäss sieht man die vom Leistenwirbel kommenden drei Abtheilungen der Huit- 

strömung oberhalb des Trochanters, über dem Trochanter und unter demselben fast quer verlaufen und zum Theil im eonvergirenden 
Steisswirbcl, am Steissbeinkreuz und im auf- und absteigenden Steiss- und Dammstrome endigen. 

Die äussere Fläche des Ober- und Unterschenkels ist von der oberen, mittleren und längsten unteren Abtheilung der 
Ausströmungen des äusseren Schenkelstromes bedeckt. Die rothe bogenförmige Linie deutet die Seheidelinie der mitt- 
leren Abtheilung an, welche an der inneren i-läche am Schenkclkreuz divergirend wird. Am Unterschenkel sieht man die äussere 
Hälfte der untersten und längsten Ausströmung längs der hervorragenden Fibula in zwei Auslä ufer sich spalten, von 
denen der hintere die Wade unAüllt und abwärts zwischen der Achilles-Sehne und dem äusseren Fussknöchel halbkreisförmig 
begrenzt endigt Der vordere läuft über die vordere äussere Fläche des Unterschenkels und hört ebenfalls halbkreisförmig begrenzt 
zwischen dem unteren Ende der Tibia und dem äusseren Fussknöehol auf. Die langen Ausströmungen der äusseren Abtheiluag des 
vorderen Schenkelstromes schieben sich am äusseren Eandc der Patella zusammen und wenden sich unter derselben vorwärts, bi den 
auf der crista ühice mit dem Ende der inneren Abtheilung einen kurzen eonvergirenden Nebenstrom. Die kürzeste mittlere Abtheilung 

endet auf der Knies clieibe. 

Vom unvollkommen entwickelten divergirenden Fussrücken wir bei sieht man blos die äusseren längeren und quer 

:elagerten Ausströmungen und die quere Lage der Härchen auf den mittleren Abtheilungen der Rückcnfiäche der Zehenghedcr der 

vier kleineren Zelicn. 

Fig. 2. Die rechte Seite eines Embryo. .Die rechte obere Extremität liegt herabliängrMid an der Seite des Stammes, um die ausse ru 
Fläche der Schulter; des Ober- und Vorderarms, so^vie auch die Kückenfläche der Hand sehen zu knuncm Die 
rechte Hälfte des Beckens sammt der ganzen rechten untern Extremität ist durch einen senkrechten Schnitt in der Mittellinie und 
durch elnezl horizontalen Schnitt entfernt um die ganze innere i^näehe der linken unteren Extremität sammt den mannhohen 

äusseren Geschlechts-Organen darstellen zu können. 

Von den Ausströmungen des divergirenden Scheitehvirbels sieht man in dieser Darstellung deutlicher, ^vie der hintere 
Ohrstrom von der Seitenwand des Kopfes in gedrängten zusannnengeschobenen bogenförmigen Strö.nungslinien zur hinteren Flache 
der nach vorne gebogenen Ohrmuschel gelangt, dieselbe ganz bedeckt und am Rande der Helix mit seinen längsten ITar.hen die hiutere 
Hälffo der Olir-Haarsin'tze bildet, ^vährend die anderen im Ohrmuschel-Randstrome endigen; ferner ist hier der ganze A crlaul des 
seitlichen Nacken- oder untern Ohr stromes und sein eingerolltes Endo., die Trennungsstelle desselben vom mittleren Nackcnstronm, 
der zu.n mittleren Rückenstrome ^vird und am eonvergirenden Steisswirbel cudiget, viel deutlicher sichtbar. An dieser Trennungsstelle 
liegt das Nackenkreuz; von diesem abwärts läuft der seitliche convergirende Rückenstrom dem eonvergirenden Steisswhel 
zu und in einer ^förmigen Krümmung vorwärts der seitliche convergirende (lucre llalsstrom, welcher sammt dem Ende des 
vorderen eonvergirenden Ohrstromes als Grenzströme die untere Ohrströmung begleiten und gemeinscliaftlich im conver- 
j-irenden Halswh-bel endigen. Der divergirende Augenwbel, seine Ausstömungen, seine eonvergirenden Grenzslrömc und 

Kreuze sind wie in der vorigen Figur ganz gleich dargestellt. 

Von den divergirenden Ausströmungen des Ach selhöhlenwirb eis, die mit rothcn Linien bezeichnet sind, ist m dieser 

Figur der absteigende divergirend e seitliche Bruststrom länger und trifft am Seitenkreuz auf den aufsteigenden divergi- 
renden seitlichen Bauchstrom, der aus dem Leisten^Yirbel kommt, weil hier der Fall abgebildet ist; wo kein divergir ender 
Seitenwirbel eingeschaltet ist.MitdemSeitenkrcuz sind auch diezwcivon ilnn ausgehenden eonvergirenden Grenzströme herabgerückt 

Der breite quere Bruststrom, der vordere und hintere quere Schulter ström , alle drei roth markirt, das Brust- imd 
Deltakreuz, so wie auch das Centrum des divergirenden Achselh ü hlenwirbcls liegen in einer horizontalen Li nie. i:»er 



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aus den oberen Ausflüssen des queren Bruststroms hervorkommende, über das Schlüsselbein und den sterno-cle^do^masto^deus 
schräg aufwärts steigende divergirende seitliche Hals ström ist ebenfalls roth bezeichnet, er endiget am Naekenkreuz; seine 
oberen Ausflüsse biegen sicli um, um in den convcrgirenrlen seitlichen queren Halsstrom zu gelangen, seine unteren Ausströmungen 
laufen bogenförmig anfangs quer, dann abwärts und münden in den eonvergirenden seitlichen Rückenstrom. 

Die Ausströmungen des Achselhökienwirhcls , welche die obere Extremität bedecken, kommen^ von innen, ''"'|'^^j^*^^^'^^ 
Schulter und den Oberarm vorne und hinten und treffen aussen wieder zusammen. Wo der vordere undhintcre quer^e ^^ c u ei- 
strom senkrecht auf einander treffen, liegt das Delta- oder Schulterkreuz. Die aufsteigende Abtheilung dmser ™J^— ' 
der divergirenden vorderen und hinteren aufsteigenden Schulterst i'ö mung begegnen sich im aufsteigen en "^"^''^ ^^^^'^ 
girenden Schulterstrome wieder, der vom D cltakreuz beginnt, aufsteigt, dann wagrecht läuft, zum queren Ruc c ens 
wird, sich herabsenkt und im seitlichen eonvergirenden Rückenstrome endigt. Die absteigenden '^^'^'''^''^^^^^ 
und liinteren queren Sclmlterstromes sammt den seitlichen Ausflüssen des inneren Armstromes kommen im as eigen en eon- 
vergirenden äusseren Armstrome wieder zusammen, der amDeltakreuz beginnt und in dem eonvergirenden EUbogenhockcr- 
wirbel sich einrollend endiget. Am Ellbogenrande des Vorderarms sieht man das Ein arkre uz und von demselben aus den abstei- 
genden und aufsteigenden eonvergirenden Ulnarstrom beginnen, welcher letztere die aus dem m.ieren Armstrome 

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Dciiksrhriften der mathem.-naturw. Ol. XTTT. Bd. Abhandl. v. Mchtmitgl. 



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GliJ^istian August Voigt, über die Eiclitung der Haare etc. 



hervorkommenden Ausflüsse; und zwar sowoLI diejenigen, ^velchc die äussere, als auch diejenigen, welche die innere Flaclic des 
Vorderarms mit ihren Bogcnkrümmungen hedecken, aufnimmt und dem convergirenden Ellhogcnhöckerwirbcl zuführt. Der Kest der 
Ausströmungen des inneren Armstromes, welcher unterhalb der rothen Scheidelinien, welche am Ulnarkreuz diyergirend werden. 
liegt, läuft quer, hüllt die äussere und innere Fläche des untersten Thciles des Yorderanucs und der Handwurzel ein und fliesst am 
Ellbogcnrande in dem absteigenden convergirenden Ulnarstrome zusammen. AYo am Radialrandc das unterste Ya\^(^. des inneren 
Armstromes aus einander weicht, liegt das Radialkreuz, und unterhalb desselben fmdct man das' Centrum des unvollkommen entwickelten 
divergirenden Handwirbels. Seine aufsteigende Strömung wird am Kadialkreuz divergirend. An der Rückenfläche der Mittelhand 
sieht man seine breiteste Ausströmung, welche sich an die End- Ausströmung des inneren Armstromes anlegt und am Ulnarrande der 
Hand frei endigt. Nach abwärts und dem Radialrande zu wendet sich der Rest seiner Ausströmungen. Die an der Rückenfläche des 
Daumens quer gelagerten Härchen gehören zu dem TJicile seiner Ausströmung, welche dem Radialrande zufliesst, w^eil die S^jitzen der 
Härchen ihm zusehen, während die auf der mittleren Abtheilung der Rückenfiächc der übrigen Finger in querer Richtiino- mit den 
Haarspitzen dem Ulnarrande zu gelagerten Härchen der viel stärkeren äusseren Ausströmung angehören, welche hier durch die Gelenke 
und Spalten der Finger unterbrochen ist. Die Härchen in der obersten Reihe jeder dieser mittleren Abtheilungen sind aufwärts, die in 
der untersten Reihe abwärts abgelenkt.. 

An der inneren Fläche der linken untern Extremität bemerkt man in der Abbildung am Rande des Beckcndurch- 
schnittes hinten die Haarspitze des convergirenden Steisswirbels, unter demselben das Steisskreuz sammt seinen auf- und 
absteigenden convergirenden Steissströmen. Der absteigende Steissstrom endiget am hinteren Umfange der Afteröifnung, 
am vorderen beginnt der con vergirende Dammstrom, der in der raphe scroti vorwärts läult und am Peniskreuz endio-et. 
An der sclnnalen Hautpartie des Gesässcs, welche in die cy^ena cluniv/in sieht und in der Mittellinie cndio-ct, sieht man die oberste 
Abtheilung der Hüftströmung im convergirenden Steisswirbel am Steisskreuz und in seinen convergirenden Strömen endigen. Die 
mittlere begrenzt sich am seitlichen Umfange der Afteröifnung und fliesst in den convergirenden Dammstrom. Die unterste 
bedeckt das Scrotum mit ihrem Endausläufer. 

Ander inneren Fläche des Oberschenkels am hinteren Rande des Gracilis in der Mitte des Oberschenkels liegt das 
Schenkeikreuz. Von demselben beginnt der aufsteigende convergirende innere Schenkelstrom, der am Peniskreuz 
endiget. Der absteigende convergirende innere Schenkclstrom windet sich vom Schenkelkreuz abwärts und läuft vor dem Innern 
Fussknöchel aus. Die rothen bogenförmigen Linien, die am Schenkelkreuz divergirend endigen, bezeichnen die Richtung der mitt- 
leren Abtheilung des inneren und äusseren Schenkclstromes. In den aufsteigenden inneren Schenkclstrom münden: die abgelenkte 
obere Partie dieser mittleren Abtheilung und die ganze obere Abtheilung des inneren und äusseren Schcnkelstromes, welclie am Ober- 
schenkel fast quer verlaufen. In den absteigenden inneren Schenkclstrom flicsscn: die untere Hälfte dieser mittleren Abtheilung und 
die längsten untersten Ausströmungen des iuneren und äusseren Schenkclstromes. Die innere Hälfte des äusseren Schcnkelstromes 
sieht man um dicAVade vor und abwärts sich winden, und zwischen der Achillcs-Sclme und dem inneren Fussknöchel mit einem halb- 
kreisförmigen deutlich begrenzten Ausläufer endigen. Der Rest der äusseren Hälfte läuft über den vorderen Schienbeinsrand noch 
hinüber und endiget ebenfalls mit einem halbkreisförmig begrenzten Ausläufer vor dem inneren Fussknöchel. Die innere Abtheilung 
des vorderen Schcnkelstromes schiebt sich am ijmeren Seitenrande der Kniescheibe zusammen imd wendet sich unterhalb 
derselben ab- und vorwärts, wo sie mit der äusseren Abtiieilung einen convergircuden Nebenstrom bildet. Die kürzeste mittlere 
Abtheilung des vorderen Schenkelstromcs endigt auf der Kniescheibe. 

Am Fussrücken ist der divergirende Fussrückenwir b el nur rudimentär ausgebildet; seine hinterste Austromung ist 
sehr kurz, seine vorderste die längste, seine innere ist mit den Haarspitzen einwärts gerichtet; zu der letzteren geboren die Härclien 
auf der Rfickcnfläche der grossen Zehe, die mit iliron Spitzen ebenfalls einw\ärts sehen. 



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LitUu^eAid.fc'k Ibf-a Stdat:idru;j:er^i 




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51 



untersuchunctEN übeii die aortenwübzeln 



UND 



DIE VON IHNEN AUSGEHENDEN ARTERIEN DER SAURIER. 



Von 



D«- HEINRICH EATHKI 



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D]Uib 6 Safefil/. 



VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCII-NATURWISSENSCIIAFTLICHEN CLA8SE AM (i. NOVKJIBER lööG. 



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VORWORT. 




Is ich micli eine längere Zeit mit Untersucliungen über den Ban nncl die Entwickelung der 

Krokodile beschäftigt hatte, Avünschte ich zn ermitteln, welche morphologische Bedeutmigen 
den drei Arterien beizulegen sein dürften , die bei diesen Thieren durch die Höhle des Halses 

An den Embryonen von Krokodilen, welche ich zu zergliedern Gelegenheit" 



hindurchgehen. 



hatte, konnte ich darüber keinen Aufschluss gewinnen, weil selbst bei den jüngsten von ihnen 
die Stämme der erwähnten Gefässe schon völlig ausgebihlet waren mid auch eben solche 
Verbinduuo'cn und Lagerungen, wie bei jungen und halberwachsenen Krokodilen zeigten. 
Ich unterwarf daher verschiedene andere Saurier, namentlich verschiedene Schuppenechsen, 
f'^hier Zero-licderuno-, um zu erfahren, ob nicht bei elnio-cn von ihnen die Halsarterien in ihre ' 



Anordnuno- eine solche Annäheruno- an die Verhältnisse der Halsarterien der Krokodile zeigen 
würden, die auf die Deutung dieser Gefässe der Krokodile hinführen könnte. Dabei nun aber 
fand ich an den Aorten wurzeln derselben und den von ihnen ausgehenden Arterien mancherlei 
Verhältnisse, die noch nicht bekannt waren und deren Bekanntmachung, wie es mir schien, 
doch für die Lehre von dem Bau der Wirbeltliicrc von einigem Nutzen sein könnte. Ich unter- 
suchte deshalb noch mehrere Schnppenechsen, wie ausserdem auch einige Kingclcchsen auf 



die ano-eführte Abtheilung ihres arteriellen Systems, 



und o-cbe nun in der vorliegenden 



s eine Beschreibung von der Anordnung, welche diese Abtheilung des 
arteriellen Svstems bei den Sauriern erhalten hat, theils auch eine Deutung der vorzüglichsten 



Abhandlung theil 



Abschnitte derselben. 



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Ileinrioli Batlike 



Von den Arterien der Eino^eleclisen ist meines Wissens bisher noch keine Besclireibnnir 
erschienen. Was Cuvier in seinen zootomischen Vorlesungen über die Arterien einiger 
Schuppeneehsen^ namentlich der eigentlichen Eidechsen und des Leguans ge'äussert hat^ ist im 
Ganzen nur sehr unvollständig und in Betreff der Carotiden dieser Thiere zum Theil selbst 



unverständlich. Meckel hat in seinem System der vergleichenden Anatomie^ sowie Carus 
in seinem Lehrbuche der vergleichenden Zootomic nur der Aorteuwurzeln, sonst aber keiner 
anderen Arterien der Schuppenechsen Erwähnung gethan. Stannius hat in'seincm Lehr- 
buche der vergleichenden Anatomie der Wirbeltliiero zwar einige, doch nur Aveiiige Bemer- 
kungen über die Arterien der Schuppcncchscn gegeben. Von Barkow sind in einer Schrift, 



die den Titel: „Zootomische Bemerkungen'' führt, 



einige Mittheilungen über das arterielle 



System desPseudopus serpentinus(Pallasii) gemacht worden: so Aveit dieselben aber diejenigen 
Arterien betreffen, welche bei diesem Saurier durch den Hals nach vorne gehen, sind sie nur 
sehr kurz gcfasst, erstrecken sich niclit auf deren Verzweigungen, und geben auch deren Zald 



nicht ganz vollständig an. Sehr ausführlicli und allem Anschein nach auch sehr genau ist 
dagegen die Beschreibung, welche Corti in seiner Schrift: „De systcmate vasorum Psammo- 
sauri grisei" von dem arteriellen System dieses Thieres gegeben hat. Etwas ausführlichere 
Mittheilungen, als über die Arterien der Schu]3penechsen mit Ausnahme des Psammosaurus 
griseus, sind zwar von einigen Anatomen, namentlich und besonders von Cuvier, Meckel, 
Owen und llyrtl über die Panzerechsen oder Krokodile gemacht w^orden; jedoch betreffen 
die Angaben, welche die beiden ersteren über die zum Kopfe gehenden Arterien dieser Saurier 

• * 

gemacht haben, nur allein die Stämme, nicht aber auch die Aste und Zw^eige derselben. Zudem 
ist die Zahl derselben von verschiedenen Anatomen verschiedentlich gross angegeben, obschon 
sich, wie ich nach meinen an zwölf Arten von Krokodilen gemachten Walirnehnaungen glauben 
muss, mit ziemlicher GcAvissheit annehmen lässt, dass sie bei allen Arten dieser Thiergruppe 
adeich oToss ist. 

Eine ziemlich grosse Anzald von Abbiklungen der Arterien des Psammosaurus griseus 
hat Corti seiner gelialtreichen Schrift über diesen Saurier beigefügt. Eine schöne und natur- 
getreue Abbildung von dem arteid eilen System des Leguans hat Carus in dem sechsten Hefte 
seiner Erläuterungstafeln zur vergleichenden Anatomie gegebej) ; jedoch haben in dieser 
Abbildung, weil durch sie das Thier auf dem Pückcn liegend dargestellt Avorden ist und in 



ihr ausser verschiedenen Arterien auch die Jugularvenen angegeben worden sind, von den 

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Arterien des Halses nur diejenigen dargestellt werden können, w^elchc ich in dem beschrei- 
benden Theil der vorliegenden Abhandlung die Carotidenbogen und die Keldzungenäste 
genannt habe. Das arterielle System von Lacerta ocellata hat Mi Ine Edwards in dem 
zoologischen Theil des „Cours elementaire d'histoire naturelle" (Paris 18-il, p. 78) durch 
einen sauber ausgeführten Holzschnitt veranschaulicht. Das LIerz, der Anfang der Aorta und 
die Anfänge der Carotiden des Pseudopus serpentinus sind auf einer lithographirten Tafel 
dargestellt, welche Barkow seinen „Zootomischen Bemerkungen" (Breslau 1851) beigegeben 
hat. Abbildungen von dem Herzen und einigen Arterien zweier Krokodile haben Cuvier 

4 

und Bisch off gegeben, und zwar der erstere in der älteren Ausgabe seiner Vorlesungen über 
vergleichende Anatomie (auf Tafel 45), der letztere in J. Müllcr's Archiv für i\natomie und 
Physiologie (Jahrgang 183G). Die Arterien, welche bei den Krokodilen zur Seite und ober- 
halb der Speiserühre durch den Ilals hindurchlaufen, wie auch einige Zw^eige dieser Gefässe 
sind auf zwei von den Abbildungen angegeben, durch welche Owen seine in den „Philo- 



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Untersuchungen übe?- die Aortenwurzeln der Saurier. 



53 



sopliicalTransactions" (Ja]irgangl850,Tlieilir) bekannt gomaclite ausgezeiclmcteBescliroibung 
Yon rleni Gcliörapparat der Krokodile erläutert liat. Ausser diesen angefükrten Abbildungen 
aber sind mir keine Aveiter bekannt, die sicli auf das arterielle System der Saurier bezögen. 



Yorliegenden Abhandlung mehrere 



:Vbbildungen beige- 



fügt, 



Zur Erläuterung habe ich der 
durch welche die von den Aortenwurzcln ausgelicnden Arterien einiger Eingeleehsen, 

Schuppeneclisen und Panzercclisen dargestellt sind. Diejenigen von ihnen, durch welche ich 
einige Präparate von Panzerechsen skizzenartig dargestellt Iiabe, sind unvollständige Copien 
von%öIlig ausgeführten Zeiclmungcn, die ich mit noch anderen später einmal in einem beson- 
derenWerke über den Bau und die Entwickelung dieser Thiere bekannt zu machen gedenke. 






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I. ABSCHNITT. 

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BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE AOIlTENWUßZELN UND DIE VON IHNEN AUSGEHENDEN 

ARTEKIEN DER SAURIER. 

Nacli Beobachtungen, welche bei vielen und verschiedenen Sauriern über die 
Anordnung ihres arteriellen Systems gemacht worden shid, lässt es sich wohl als gewiss 
annehmen, dass die Aorta bei keinem Saurier einfach, wie bei den Vögeln und Säugethieren, 
sondern bei allen diesen Reptilien eben so, wie bei den Scldangen und Schildkröten, mit zAvei 
auf beide Seitenhälften des Körpers vertheilten WurzeLi aus dem Herzen hervorgeht. Beide 
Wurzeln aber scheinen von ihrem Ursprünge beinahe bis zu der Stelle, wo sie aus der Höhle des 
Herzbeutels hervordrino-en, mit einander und mit derLungenarteric gleichsam verschmolzen zu 



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sein, indem hier zwischen ihnen und dieser Arterie keine von Bindegewebe ausgefüllten merk- 
baren Zwischenräume vorkommen, sondern die aus elastischem Gewebe bestehenden äusseren 
Theile der Wandungen von ihnen und derLungenarteric sich gegenseitig berühren und unter sich 
in einem unmittelbaren Zusammenhange stehen. Dabei sind sie nebst der Lungcnarterie , 
weit sie durch den Herzbeutel verlaufen, von dem inneren Blatte dieses Beutels überzogen 
und etwas spiralförmig godrelit. Überhaupt aber gewähren sie zusammen mit der Lungen- 
arte]-ic, so weit sie mit derselben noch in dem Herzbeutel eingeschlossen sind, das Aussehen 
eines Stranges, bei dessen äusserer Betrachtung man bisweilen die drei Canälc, weicherer 
einhält, nicht ihrer ganzen Länge nach recht deutlich von einander unterscheiden kann, vieL 
mehr durch ihre innige A^erbindung mitunter so getäuscht Averden kann, dass man memen 
könnte, es entspränge die Aorta einfach aus dem Herzen und theile sich in einiger Entfernung 
von ihrem Ursprünge unter einem spitzen Winkel in zwei Schenkel. Eine solche Täuschung 
lieo-t denn auch wahrscheinlich der von Bar kow gemachten Angabe zum Grunde, dass^ bei 

der Aortenstamm einfacli (aus dem LIcrzcn) entspringe 



Pseudopus serpentlnus (sive PaUasii 



und. 



sich erst in einio-cr Entfernung von seinem Ursprünge zertliede ). 



Jedenfalls aboi 



entspricht diese Angabe nicht der Wirklichkeit: .lenn als ich bei zwei Exemplaren von 



Pseudopus PaUasii, die ungefähr 3 Fuss lang wai-en, den \ 



orhin erwähnten Gefässstrang mit 



^) Zootuuüselic Bemerkungen i Breslau ISöI),. Seite 2'2 



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einer Schere dicht an der Ilerzkamincr quer durchschnitten hatte, konnte ich an den erhaltenen 
Schnittflächen auf das Deutlichste erkennen, dass auch bei der genannten Thierart, wie bei 



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anderen Sauriern, drei starke Arterien unmittelbar von dem Herzen ausgehen, näm'liel 
Lungenarterie und zwei Aortenwurzeln. 

Die linke Aortenwurzel der Saurier gibt entweder keine oder einen bis vier Äste ab, die 
für einen Theil des Darmcanals bestimmt und in der ßegel unbedeutend sind. Die rechte 
aber sendet ausser einer oder zwei Kranzarterien des Herzens entweder zwei oder mehrere 
Aste aus, die sich in sehr verschiedenartigen Körpertheilen verzweigen und zusammenge- 
nommen eine weite Ausbreitung haben. Theils desshalb, theils auch weil die Äste der letzteren 
Aortcnwurzel bei den verschiedenen Arten der Saurier viele und grosse Verschiedenheiten 

vorzüglich sein, von denen diese Schrift 
handeln wird. 

Die Abtheilung des arteriellen Systems, welche bei den Sauriern aus den beiden Aorten- 
wurzeln und den von ihnen ausgesendeten Arterien besteht, zeigt in einer jeden von den drei 
Unterordnungen, in welche man die Ordnung dieser Thiere zu theilen pflegt, Formverhältnisse, 
die in ihrer Gcsammthcit von denen der beiden anderen Unterordnungen erheblich abweichen.' 
Es wird daher am zweckmässigsten sein, die Verschiedenheiten, die sie darbietet, in einer 
solchen Eeihcnfolge abzuhandeln , welche der Eintheilung der Saurier in (I) Eingelechson, 
(II) Schuppenechsen und (III) Panzerechsen entspricht. 



in 



ihrer Verzweigung darbieten, werden sie es 



I. Riiigelcclisen (Sanri aiinulati). 

§. 2. Kach den Wahrnehmungen, welche ich an Amphisbacna alba, Amph. fuliginosa, 
Amph. vermicularis undLepidosternon microccphalum gemacht habe, liegt das Herz bei diesen 
Thieren etwas hinter dem ersten Viertel des Leibes, also weit nach hinten'). 

Die beiden von ihm ausgesendeten Aortenwurzeln, die bei ihrem Aufsteigen nach dem 
Rücken die Luftröhre und die Speiseröhre von unten umfassen, sind an Dicke, Länge und 
Krümmung einander sehr ungleich. Die linke ist viel dicker, als die rechte, und geht nach 
ihrem Austritte aus dem Herzbeutel so in die Höhe, dass sie nur einen sehr schwachen nach 



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vorn gekehrten Bogen bildet und mit der anderen schon nach kurzem Verlauf zu einer 
Vereinigung gelangt (Taf. I, Fig, l,d und Fig. 2,/). Die rechte geht hingegen, wie bei einigen 
Schlangen^), jiel weiter als die linke, und überhaupt eine ziemlich lange Strecke nach vorn, 
bildet zur Seite der Speiseröhre einen starken nach vorn gekehrten Bogen, gelangt unter der 
Eückenwand des Leibes in die Mittelebene desselben, und verläuft darauf noch eine massig 
lange Strecke unter der Wirbelsäule nach hinten, um sich mit der linken Aortenwurzel 
vereinigen zu können (Taf. I, Fig. l,e und Fig. 2,g). Die A^erbJndung beider zu dem Stamme 
der xiorta findet schon gegenüber dem vorderen Ende des Herzens Statt. 

Die linke Aortenwurzel entsendet keine Äste; die rechte schickt dagegen mehrere Äste 
aus, obgleich sie bei ihrem Austritte aus dem Herzbeutel ungefähr um ein Drittel dünnei-, als 
jene ist, und weiterhin noch eine geringere Dicke hat. 



*) Bei einer Ampliisbaena fuliginosa, die 13 Zoll 3 Linien lane- war Ino- A^^ Hnr? ^ 7a\\ i T ;r>,v iw-,; / ■ . \ i • j ■ 

>=> ^ -^•li.iwi ittiig WM, 1,1g; (las i:ierz 6 z-oil l i^mie, bei einer Amph. vennieularis von 

23 Zoll Ö Linien Länge 4 Zoll 4 Linien von dem yoixlcrendc des Kopfes entfernt. 
•^) Bei manchen anderen Schlangen geht die rechte Aortenworzel nur wenig weiter nach vorn, als dto linke, so z. B. hei Pytlion 
Tigris, Xenodon severus, Rhinohothrinm macrorhinuin. 



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Unter suclntngen über die Aorteniour.zeln der Saurier. 



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A. Nachdem die rechte Aortcn^vurzel an das Ilerz zwei Kranzarterien abgegeben hat 
und aus dem Herzbeutel hervorgedrungen ist, sendet sie dicht vor diesem einen ziemlich 
dickenj aber nur sehr kurzen Arterienstamm aus^), der unter der Luftröhre gerade nach vorn 
geht und sich unter einem spitzen Winkel in zwei lange symmetrische Äste spaltet, die für 
gleichbedeutend mit denCarotidenstämmen (Carotides communes) der Säugcthiere ausgegeben 
werden können (Taf. I, Fig. 1,/,/). Anfangs verlaufen sie divergirencl unter der Luftröhre, 
dann aber kreuzen sie sich mit dieser und gehen zu beiden Seiten derselben dicht unter der 
Speiseröhre nach dem Kopfe hin. Auf ihrem Wege an der Speiseröhre sind sie von den Nervi 
Vagi und Vena? jugulares, die dicht über ihnen liegen, begleitet. In geringer Entfernung von 
ihrem Ursprünge sendet eine jede gemeinschaftliche Carotis einen kleinen Zweig an die massig 
grosse Thymusdrüse ab, die dicht vor dem Herzbeutel unter der Luftröhre ihre Lage hat^ und 
etwas weiter nach vorne einen oder einige zarte Zweige an die Speiseröhre mid Luftröln-e. 
Viel weiter A^on ihrem Ursprünge, nämlich zwischen dem Kopfe und einem kleinen walzen- 
förmigen, vor den Eippen liegenden und zwischen verschiedenen Muskeln eingeschlossenen 
Knochen (Taf. I, Fig. 3, c^), der für eine Andeutung von einem Schultcrblatte ausgegeben 
werden kann"), sendet dann jede gemeinschaftliche Carotis, und zwar sehr nahe vor dem 
angeführten Knochen, einen massig dicken Ast nach vorne und oben hin, der sich in den seit- 
lichen und oberen Halsmuskeln verbreitet und allem Anschein nach auch einen Zweiir ab<^ibt 



O 



; 



der als ein Eamus spinalis zwischen zwei Halswirbeln in den Canal der Wirbelsäule überireht. 
(Taf. I, Fig. 3, 2). Vor diesem Aste aber und nur in einer massig grossen Entfernung von 
demselben entsendet jede gemeinschaftliche Carotis zwei starke Äste, die gewöhnlich einander 
gegenüber entspringen. Der eine von ihnen (Taf. I, Fig. 3,3) läuft nach oben und vorn, dringt 
zwischen die seitlichen Muskeln des Halses ein, begibt sich zwischen denselben, nachdem er 
einige Zweige an sie abgegeben hat, zur Gelenkverbindung des Atlas mit dem Hinterhaupt- 
beine und geht dann zwischen diesen Theilen des Skelets liindurch , um sich den Arterien der 
Schädelhöhlc anschliesscn zu kömien. Der andere Ast ist etwas dicker, als jener erstere (Taf. T, 
^%- 3, 4), geht unter einem spitzen AVinkel von seinem Stamme ab, läuft hinter dem Bogen 
des Nervus hypoglossus nach vorne und etwas nach unten zu dem Zungenbein hin, wobei er 
zwischen der Speiseröhre und einer massig breiten länglichen Muskclschicht, die dem Muse, 
omohyoideus anderer Saurier ents^^richt^), hindurchgeht, gibt etliche zarte Zweige an diesen 
Muskel, den vorderen Theil der Speiseröhre^ den gleiclien Theil der Luftröhre und wahr- 
scheinlich auch an den Kehlkoj)f ab.. Hieraufgeht er in einiger Entfernung von dem Zungen- 
beinkörper über dem nur kurzen Zungenbeinhorn seiner Seite weiter nach vorne und verbreitet 
sich zuletzt theils in dem Musculus apertor oris (dem Äquivalent des M. digastricus höherer 
Thiere) und den verschiedenen Muskeln, welche zwischen dem Zungenbeine und dem Kinn- 
winkel ihre Lage haben^ theils auch wahrscheinlich in der Haut der Zunge. 



^) Bei dem 13 Zoll 3 Linien hingen Exemplar von Amphisbaena fuliginosa hatte dieser Arterienstamm nur eine Länge von 2 Linien. 

) Licses Knochenpaar bildet zwei schwache Bogen, die vor <\(in vordersten Rippen liegen, eine etwas scliräge Richtung von oben 
nach unten und Junten liaben und verschiedenen Muskeln, namentlich aucli zweien Zungenmnskcln zur Anheftung dienen. An ihren 
unteren Endcn^ die ziemlich weit von einander abstehenj sind sie durch eine nur dünnej aber recht feste Schicht fibrösen Gewebes, 
die in der Mitte viel breiter, als an den Enden ist, mit einander verbunden. Ausführlicli habe ich diese Knochen beschrieben in 
einem Programm über den Bau und die Entwlckelung des Brustbeins der Saurier (Königsberg 1853), Seite 1 und 2. 

J Es geht dieser Muskel von dem oben angeführten Knoclxen ab, der ein Schulterblatt vorstellt, und läuft in einer ziemlich schrägen 
Richtung von hinten nach vorne und unten zu dem Zinunnibein hin. 



w 



56 



Heinrich Ilathke. 



• * 

Naclidcm die gemeinscliaftliche Carotis die besclirlebcnen Aste abgegeben hat, biegt sie 
sich ein wenig nach oben auf (Taf. I, Fig. 3, 5) und kommt dicht unter der Säule des Gehör- 
knöchelchens zu liegen, welche Säule j beiläufig bemerkt, eine länglich-dreieckige Platte 
darstellt und bei dem INIangel einer Trommelhöhle von aussen und unten durch Muskeln ganz 
■verdeckt ist. Dicht vor diesem Knöchclchen aber theilt sie sich unter einem etwas spitzen 
Winkel in zwei an Dicke ungleiche Äste. Der eine davon geht nach vorne und innen, dringt 
nach einem sehr kurzen Yerlaufe in den breiten und dicken Körper des Keilbeins, jedoch 
nicht von unten her, sondern seitwärts von aussen^ läuft durch einen ziemlich langen in dem 
Keilbeinkörper befindlichen und schräg nach vorne und innen gerichteten Canalis caroticus 
hindurch, und gelangt endlich an dem hinteren Theil der Sattelgrube in die Schädelhöhle. 
Der andere x\st, der Avenigstcns zweimal dicker, als der erstere ist und als eine gerade Fortsetzung 
der o-emeinschaftlichen Carotis erscheint, gelit alsbald nach seinem Ursprünge, indem er etwas 
schräo- nach vorne aufsteigt, zwischen der Hirnschale und dem oberen TJicile des Quadrat- 
beins hindurch und gelangt vor diesem Knochen in die langgestreckte Schläfenhöhle. Sehr 
nahe seinem Ursprünge und ehe er an dem Quadratbein vorübergeht, sendet er, wie ich bei 
zwei Exemplaren von Amphisbaena fuhginosa gesehen habe, einen ziemlich starken Zweig 
nach hinten und oben zu den Nackcnmuskcln hin. Diesem Zweige aber beinahe gegem'iber 
sendet er einen viel dünneren Zweig nach vorne aus, der sich in demjenigen Theil der JMund- 
Schleimhaut verbreitet, welcher die untere Fläche des Keilbeinkörpers und des Flügelbeins 
bekleidet. Im Übrigen habe ich die Verzweigungen der Kopfarterien nicht verfolgen können, 
weil bei keiner von mir untersuchten Ivingelechse die Injectionsmasse dazu Aveit genug in diese 

Arterien eingedrungen war. 

B, An der Stelle, an welcher die rechte Wurzel der Aorta zu der Wirbelsäule hingelangt, 
sendet sie dicht neben einander zwei lange symmetrische Äste aus, die dünner, als die gemein- 
schaftlichen Carotiden sind, anfänglicli etwas auseinandcrfahron, dann aber einander parallel 
geraden Weges nach vorn gehen (Taf. I, Fig. 2, h, li). In ihrem Verlaufe liegen sie neben 



Wirb 



Hals darstellenden Viertel des Leibes angehören, sind durch zwei starke und wulstartige 
paarige Muskeln, die den Mm. longi colli der Säugethiere entsprechen, von unten her verdeckt 
und befinden sich zum grössten Theilc ihrer Länge zwischen diesen und den kurzen, schräg 
nach aussen und hinten gerichteten Muskeln, Avelche von den erwähnten Wirbelbeinen zu den 
damit verbundenen Eippcn gehen, eingeschlossen. Auf ihrem Wege geben sie nach aussen 
eine Menge von quergehenden und jederseits in einer Ecilie aufeinanderfolgenden Zweigen 
ab, die alle angeführten Muskeln mit Blut versorgen, auch Seitenzweige nacli oben zu den 
Nackenmuskeln aussenden und sich überhaupt in ihrem Verlaufe und ihrer Ausbreitung grade 
so, wie die von dem Aortenstamme ausgesendeten Artcriae intcrcostales verhalteji. Bis zu dem 
Kopf gelangen diese Aortenäste, die ich mit dem Namen der Aa. vertebrales belegen will, 
nicht hin sondern enden sehr verdünnt in geringer Entfernung von demselben. 



(7. Hinter den so eben beschriebenen beiden Ästen sendet die rechte Wurzel der Aorta, 
die nunmehr kaum eine halb so grosse Dicke als vor der Abgabe derselben hat, noch zwei bis 
drei Paar dünne Arteriae intcrcostales aus. 



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\ 



Untersucliungen über die xiortenwurzeln der Saurier. 



57 



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II, Schnppeiiechseo (Sanri squamati) 

Aus der Gruppe dieser Eeptilieu habe ieli auf die vorderste 



1 



ibtlieilung ihres 



arteriellen Systems 39 Arten untersucht, namentlich: Acontias Meleagris, Oxjliisaurus ventralis, 
Anguis fragilis, Pseudopus Pallasii, Chamaesaura anguina, Euprcpis Merrcmü, Zonurus 
cordylus, Cyclodus nigro-luteus, Gongylus ocellatus , Platydactylus guttatus , Plat. ajgyptius, 
Polychrus niarmoratus, Anolis carolinensis , Basiliscus mitratus , Iguana tuberculata, Draco 
viridis, Istiurus amboinensis, Lyrioceplialus margaritaceus, Lophyrus giganteus, Calotes pictus, 
Plirynosoma Ilarlauü, Moloch horridus, Agama coloiiorum, 



Ag. mutahilis 



Grammatophora 

barbata, Plirynocephalus caudlvolvülus , Uromastix spinipcs, Lacerta ocellata, Lac. agilis, 
^Vmelva vulgaris, Tojus Teguixin, Chamaeleo vulgaris, Ch.puniilus, Ch. verrucosus, Ch. tigris, 



Ch. planiceps. Varanus ornatus, Vax. bivittatus und Var. niloticus. 



1. Lage des Herzens. 



§. 4. Das Herz befindet sich bei den meisten Schupponechsen sehr nalic dem Halse und 

hat bei denjenigen, welche ein ausgebildeteres Brustbein besitzen, dessen grössere Abtheilung 

entweder eine ungefähr rautenförmige oder eine fünfeckige PLatte darstellt^ seineLage in der Eegel 

auf der vorderen grösseren Hälfte dieser Platte. Bei manchen, wie z.B. bei Draco viridis, Moloch 

horridus und Chamaesaura anguina, grenzt es sogar dicht an die Kehle an und liegt theils auf 

der erwähnten Platte des Brustbeins, theils auch A^or derselben auf der kleineren Abtheilung 

des Brustbeins, die mit dem Namen des Episternalknochcns belegt worden ist und bei 

manchen Schuppenechsen die Form eines Kreuzes hat. Dagegen liegt es bei den Varaniden 

in der Eumpf höhle ungewöhnlich weit nach hinten, namentlich bei Varanus ornatus, Var. 

niloticus und Var. bivittatus dicht hinter den sehr kurzen Hörnern, in welche bei dieseu 

und befindet sicli über 



Sauriern die schildförmige Platte des Brustbeins nach hinten ausgeht. 



dem Zwischenräume zwischen den knorpeligen unteren Segmenten der beiden letzten wahren 



Ei 



ippen, die an die Enden der erwähnten Brustbeinhöriier angeheftet sind. Nach einer 



Messung, die icli an einem Exemplar von Varanus ornatus anstellte, verhielt sich bei ihm die 
Entfernung des Herzens von dem vorderen Ende der Rumpfhöhlc zu der ganzen Länge dieser 
Höhle wie 0-203 :1, statt dass sich das Verhältniss von jener zu dieser bei einem ungel'älir 
eben so grossen Exemplar von Tejus Teguixin = 0-037 : 1 herausstellte. 

AYie bei den Yaranidcn hat zwar auch bei Anguis fragilis, Pseudopus Pallasii und Ophi- 
saurus ventralis das Herz seine Lage völlig und dicht hinter dem Brustbein, nicht jedoch. 



weil es sich bei ihnen ebenfalls, wie bei jenen, wider die Pegel ungewöhnlich weit nach hinten 
befände, denn bei ihnen liegt es ähnlichermassen, wie bei den meisten Schuppenechsen, m der 
Nähe des Halses, sondern Aveil ihr Brustbein 



an dem übrigens keine Spur von Hörnern vor- 



kommt, im Verhältniss zu der Länge des Pumpfes ungemein kurz ist. AVeiter nach hmte]i hat 
das Herz bei einer anderen schlangcnförmigen Schuppenechse, bei Acontias Meleagns, senie 



I nur 



Lage und befindet sich bei ihr sogar in einer zienüich grossen Entfernung von demfredicl 

höchst winzlo-en Brustbein, das, beiläufig bemerkt, nur aus zwei neben einander liegenden 

■'10 Zoll Länge 

kamn ein Viertel von einer Pariser Linie zum grösstcn Durchmesser hat. Doch ist es gleich- 



eUiptischen Knochcntäf eichen besteht, deren jedes bei Exemplaren von 9'/, bis 



falls beiAcontias lange nicht so weit nach hinten gelagert, wie bei den Varaniden. Li welchem 
Grade nun aber bei diesen verschiedenen schlangcnförmigen Schuppenechsen 



las H 



Denkschriften der miithcm.-naturw. Ol. XIII. Bd. Abliandl. v. Nichtmitgl. 



das iierz vom 



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58 



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Halse entfernt liegt, wird man aus dem Ergebniss von ^Messungen ersehen können, die ieli an 
ihnen angestellt habe, und nach denen sicli die Entfernung des Herzens von dem vordci'enEnde 



der ßumpfliöhle zu der ganzen Länge dieser Höhle 



bei Pseudopus Pallasii 
bei Anguis fragilis 
bei Ophisaurus ventralls 
bei x\contias meleagris 



0-032 : 1 
0-03G : 1 
0*050 : 1 



3^ 0-081 : 1 verhielt*). 



/ 



2. Lage, Verlauf, Verbindung und Weite der Aorten wu rzcJn. 

4 

. 5. Die beiden Aortemvurzeln bilden bei den Schuppeneehsen, indem sie von dem 
Herzen nach demKUcken aufsteigen, um sich unter diesem zu vereinigen, neben der von ihnen 



unten und seitwärts umfassten Speiseröhre zwei mit ihrer AVöIbung nacii vorn gekehrte Bogen, 

r ^^^ 

die eine ziemlich gleiche Länge und Krümmung liaben (Taf. I, Fig. 4, i; i), also zu einander 
in einem anderen Yerhältniss stehen, als bei den Eingeleclisen, bei denen, wie vorhin gezeigt 
worden, die rechte Aortenwurzel eine viel grössere Länge und stärkere Krümmung, als die 
linke hat. Fast immer steigen sie vor den Lungen und dcnLuftrölirenästen in einiger Entfernung 
von denselben auf, Avas seinen Grund darin hat, dass bei fast allen Schuppeneehsen das Herz 
in der Eumpfhöhle weit nach vorn liegt, die Äste der Luftröhre, Avenn sie niclit sogar fehlen, 
was im Allgemeinen bei den Geckotiden und den schlangenförmigen Schuppenechsen der Fall 
ist, nur sehr kurz sind, und die Lungen über das Ende der Äste oder des Stammes der Luft- 
röhre nach vorn entweder nur sehr wenig oder gar nicht ausgewölbt sind. Bei den Varaniden 
aber, bei denen das LTerz weit nach hinten liegt, die Luffcröhrenäste beträchtlich lang sind und 
die Lungen über die Enden der Luftrölirenäste nach vorn weit vorspringen, schlagen sich die 
Aortenwurzeln in einem starken Bogen um die Luftrölirenäste herum und gehen zwischen 
ihnen und den vorspringenden vorderen Theilen der Lungen hindurch, um sich unter dem 

Kücken vereinigen zu können. 

Die am meisten nach vorn liegenden Theile der beiden Bogen , die von den Aortenwurzeln 

gebildet w-erden, befinden sich bei einigen Schuppeneehsen sehr nahe dem Halse oder auch 
in dem Eingange der Eumpfhöhle selbst; bei anderen, wie z. B. bei Lacerta agilis, Lac. 

Ag. mutabilis, Phrynocephalus eaudi- 

volvulus, Draco viridis, Lyriocephalus margaritaeeus und Lopliyrus gigantcus, bei denen 

dem 



ocellata, Chamaesaura anguina, Agama colonorum 



diese Bogen über die Schlüsselbeine und Schulterblätter etAvas hinausgehen , 



A^or 



Eingange der Eumpfhöhle (Taf. II, Fig. 4), und bei noch anderen, jedoch nur bei sei 



jr 



Avenigen , 



namentlicl 



1 



bei Acontias Meleagris und den Varaniden, gegentheils ziemlieh 



weit hinter ihm. Nach hinten gehen sie zu dem Stamme der Aorta meistens unter dem 
fünften EumpfAvirbcl, selten eine kurze Strecke vor oder hinter demselben zusammen. 
Ihren Vereiniö:ungsAvinkel fand ich nämlich bei Agama colonorum und Draco Adridis auf der 



Crrenze des dritten und vierten EiimpfAvirbels, bei Chamaesaura anguina, Lophyrus giganteus 
und Lyriocephalus magaritaceus unter dem hinteren Theil des vierten, bei Lacerta agilis. 



] 



Das vordere Ende der Kumpfhölde habe icli bei den drei crstercn von den oben geii<anntrn Sauriern ;in der Stelle angenommen, 
an wciclicr sich bei ibnen die unteren, nach vorn gerichteten und von dem Brustbein abgewendeten Enden der Schlu^syel- 
beine befinden, bei Acontias aber, bei dem weder Schlüsselbeine noch Hackenscldüsselbcine vorkommen, die Gegend zwischen 
den etwas weiter nach vorne, als das Brustbein, gelegenen unteren Enden von zwei langgestreckten , schmalen, platten und nur 
kleinen Knochenstücken, die eine ähnliclie Lage und iUchtung haben, wie die frülier erwähnten walzenfönuigon Knochen der 
Amphiöhacncn, zur Insertion der Mm. omohyoidci und noch anderer Muskeln dienen und ahs Schulterblätter zu deuten sind. 



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-i*-w>-^ 



Untersuchungen über die Äortemourzeln der Saurier. 



59 



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Ameiva vulgaris , Polychrus marmoratus, Agama mutaHlis , Calotes piotus, Grammatophora 
barbata, Plirynosoma Ilaiianii, Zonurus cordylus, Euprepis Merremii, Platydactylus acgyptlus 
und Yerscliiedenen Arten von Chamaeleo unter dem fünften Pv,umpf^Yirbel, bei Anguis fragihs 
und Lacerta ocellata unter der Geleniiverbindung dieses AVirbels mit dem nächstfolgenden, bei 
Pseudopus Pallasii , Cyclodus nigroluteus , Amelva vulgaris und Anolis carolincnsis unter dem 
sechsten, beilguana tuberculata, Basillscus mitratus, Platydactylus guttatus und Gongylus ocellatus 
auf der Grenze des sechsten und siebenten Eumpfwirbels. Mitunter aber, ^venngloich nur selten, 
verbinden sich bei den Schuppenechsen die Aortcnwurzeln unter einem ^veiter nach hinten gele- 
genen AVirbel, so namentlich bei Istiurus amboinensis und Pejus Tegulxin unter dem achten, bei 
Ophisaurus ventralis unter dem neunten, bei Varanus ornatus, Yar. niloticus und Var. bivittatus 
unter dem zehnten, und bei Acontias Mclcagris sogar unter dem vierzeluiten Wirbel des Pvumpfcs ') . 
Demnach befindet sich bei deu Schuppenechsen in der Regel auch die Verbindung der Wurzeln 
zu dem Stamme der Aorta innerlialb der Eumpfhöhle verhältnissmässig weit oder doch ziemlich 
weit nach vorn, dabei denjenigen Schuppenechsen, welche vier Beine besitzen, die Zahl der 
Pumpfwirbcl, je nach den Arten derselben, ungefähr 19 (Draco viridis) bis 40 (Gongylus ocel- 
latus) beträgt und bei den fussloson schlangenförmigen die Zahl dieser AVirbelbeiiie sogar von 
53 (Pseudopus Pallasii) bis 75 (Acontias Meleagris) aufsteigt. Die bedeutendste Ausnahme von 
dieser Reo-el aber zeiffen dieYaraniden, da namentlich bei Yarauus ornatus, Yar. niloticus und 
Yar. bivittatus die Wurzeln der Aorta zu dem Stamme derselben erst unter dem zelniten Rumpf- 
wirbel zusammengehen und bei ihnen die ganze Zahl dieser Wirbel nur 25 beträgt, bei ihnen also, 
hienach zu urth eilen, die Yereinigung der AVurzeln zu dem Stamme der Aorta erst ziemlich weit 
nach hinten in der Rumpfhöh] c erfolgen kann. Angestellte Messungen ergaben denn auch, dass 
sich bei Yar. ornatus die Enfernung des Yereinigungs^Yinkels seiner Aortenwurzeln von dem 
vorderen Ende der Rumpfhöhle zu der ganzen Länge dieser Höhle = 0-il : 1 verhielt, jener 
AVinkel also nicht gar fern von der Mitte der Rumpfhölile lag. 

Die Länge der Aortenwurzeln richtet sich hauptsächlich danach , wie weit nach hinten 
sich ihre Yerbinduug zu dem Stamme der Aorta befindet und wie weit die von ihnen gebildeten 
Bogen nach vorn reichen. Li Hinsicht auf die verschiedenen Arten der Schuppenechsen will ich 
darüber nur anführen, dass ich sie im Yerliältniss zu der Länge der Rumpf höhle bei Pseudopus 
Pallasii, Chamaesaura anguina und Agama colonorum am kürzesten, hingegen bei den Yaranen 

am länjTsten gefunden habe. 

Auf dem Wege, welchen die Aortcnwurzeln, nachdem sie von dem Herzen zu der Rücken- 
wand der Eumpfhöhle gelangt sind, zwischen dieser AVandung und der Speiseröhre zurück- 
leo-en, verlaufen sie in der Regel grösstentheils dicht unter zwei Muskeln, die theils den 
Mm. longi colli, theils auch den Mm. recti capitis antici majores der Säugcthiere entsprecnen 
und mit ihrem zugespitzten liinteren Ende gewöhnlich an den fünften AVirbel des Rumpfes 
befestigt sind, selten weiter nach vorn, wie z. B. bei Clianiaesaura anguina, Anolis carobnensis, 
Lophyrus giganteus, Lyriocephalus margaritaceus an den vierten, oder gegentheils weiter 
nach hinten, wie namentlich bei Agama colonorum, Ag. mutabilis und Pejus Teguixin an den 



') 



Die Angaben, die ich in dem Obigen genuaclit habe, werden ^vohl nicht für alle IC.e.nplare je einer von den genannten Arten der 
Seliuppeneelisen Giltigkeit haben; denn nach Wahrnelnnungen an Lacerta agllis vereinigen sich bei dieser I.ideclise die Aoitcn- 
^vurzeIn meistens unter de.n fünften Eunipfwirbel, bisweilen aber erst unter den, vorderen Theil des nächstfolgenden. Jedoch 
^verden die Selnvanhungcn in Betreff der Stelle, an «elcher bei versekicdeacn Exemplaren einer und derselben Art von bchuppen- 
cclisen die Aortenwurzeln zusannuengchen, wahrscheinlich nur gering sein. 



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60 



Hg in T i c li 11 a tli h e. 



sechsten, oder wie bei Opliisaurus ventralis an den siebenten oder sogar, wie bei Acontias Melc- 
agris, an den dreizehnten Wirbel des Rumpfes^). Bei den Yaraniden aber, bei denen die Aorten- 
wurzcln weit nach hinten gerückt sind, liegen sie gänzlich hinter den angeführten Muskehi nnd 
gehen durch einen besonderen sie unterstützenden Strang hindurch, der aus sehr langen und 
neben einander verlaufenden Bündeln von glatten longitudinellen Muskelfasern zusammengesetzt 



4 W 



ist^). Es beginnt dieser Strang, von dem ich nichts Ahnliches bei anderen Sauriern bemerkthabe, 
dünn und zugespitzt zwischen den Mm. longi colli bei Varanus bivittatus unter dem Körper des 
dritten bei Var. ornatus und Var. nüoticus unter dem Körper des vierten Eianpfwirbels ^ geht 
dann dicht unter der Wirbelsäule, indem er immer dicker Avird, nach hinten ein Avenig über die 
Mitte der Eumpfhöhlc hinaus, verlässt nunmehr die llückenwand des Leibes, dringt in das Gekröse 

h 

ein und theilt sich zwischen den beiden Blättern desselben^ nachdem er eine etwas grössere Dicke, 

# • 

als der Stamm der Aorta an seinem Anfange besitzt, erlangt hat, in zAvei oder drei Aste, die stark 
auscinanderfahren und sich in ihrem Verlauf nach dem Dünndarm und Dickdarm, auf die sie 
übcr^-^-ehen, allmählich immer mehr verzweigen (Taf. III, Fig. 4, a, a und Tig. 5, h^ Ic). An den 
dritten oder vierten und die zwei nächstfolgenden Bückcnwirbel ist dieser Strang sehr fest, an 
einio-e andere auf sie folgende Wirbel nur locker oder doch Adel Aveniger fest angeheftet. AVo er 
nun aber mit der Wirbelsäule nur locker verbunden ist, dringen durch ihn sehr schräg von vorne 
und unten nach liinten und oben die AortenAvurzeln hindurch, und zAvar die rechte ungefähr in 
der Mitte j die linke erst ganz an dem Ende ihres absteigenden Theiles, Avorauf sich beide 
zAvischen ihm und der AVirbelsäulc zu dem Stamm der Aorta vereinigen (Taf. III, Yig. 4). 

§. 6. In Hinsicht der Länge und Krümmung sind bei den Sehuppenechsen die beiden 
Wurzeln der Aorta, wie schon bemerkt Avorden, einander ziemlich gleich. Ihr Verlauf aber 
ist etAvas verschieden, indem sich der absteigende Thcil der rechten Wurzel früher und stärker 
der Mittelebene des Körpers nähert, als der ihm entsprechende Tlieil der linken, und zuletzt 
ein Avenig über sie hinübergeht. Dadurch kommt übrigens der Winkel, unter dem sich beide 
Wurzeln zu dem Stamm der Aorta vereinigen ^ links neben der Mittelcbene des Körpers zu 
liegen, Avelche Lage dann auch der Stamm bis gegen das Ende der Bumpf höhle beibehält. 
An Dicke sind insbesondere die absteigenden Theile der beiden AortenAvurzeln häufig einander 
gleich. Mitunter aber ist die rechte Wurzel nach ihrer Umbiegung etAvas dünner, als die linke, 
Avie namentlich bei Tejus Teguixin, Basiliscus mitratus, Agama colonorum, Ag. mutabilis, 
Phrynocephalus caudivolvulus , Calotes pictus, Polychrus marmoratus, Euprepis Merremii, 
Chamaeleo verrucosus und Chamaeleo vulgaris, oder, Avenngleich freilich nur höchst selten, 
so namentlich bei Acontias Mclcagris^ beinahe nur halb so dick, als die linke. Dagegen ist sie 
nach ihrer Umbiegung etwas dicker, als die linke, bei Ophisaurus ventralis, Anguis fragilis, 
Pseudopus Pallasii, Iguana tuberculata, Varanus biAÜttatus, Var. ornatus und Var. nilotieus. 



3. Aste der linken A o rtcn würze]. 

§. 7. Die linke AorteuAvurzel sendet bei einigen Schuppenechsen gar keiucji, bei anderen 
aber für die Speiseröhre einen massig starken Ast oder einige Avenige dünnere Aste aus. Xur 



) 



Vorn sind die ;ui"-onilirten Leiden Muskeln tlieils, wie die Mm. loiigi colli des Aiei^sclKui, uu den Atlas, tlicils mit zwei massig weit 
aus einander liegenden Spltzcuj mit denen sie öick endigen, wie die Alm. rccti capitis antici majores des Alenschen an das IJasilar- 
stück des ninterliaux^tbeines befestigt. Die Fasern eines jeden aber sind so dicht zusammengedrängt, dass sie nicht eine Schei- 



dung in zwei besondere Muskeln annehmen lassen. 



2) Corti hat in seiner Abhandlung „De systcmate Yasonnn Psammosauri grisei" (VindoboiuT 1847) eines solchen Muskelstranges 
nicht Erwähnung gethan; wahrscheinlich aber i'chlt er auch bei diesem A'arauidcn niclit. 



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Unter suclmn gen über die Aortenwurzeln der Saurier, 



61 



einen für die SiDeiseröln^e Lestimmton Ast sali icli Yon ihr abgehen bei Ophisaurus ventralis, 
Polyehrus marmoratuSj Istiurus amboinensis, Basiliscus mitratus , Draco viridis, Agama muta- 
bilis, Moloch horridus und Euprepis Merremii , zwei bei Pseudopus Pallasii , Platydactylus 
a^gyptias und Plat guttatus , drei in einer Peihe hinter einander bei Lophyrus giganteus, 
Phrynocex)haIus caudivoivulus, Gongylus ocellatus mid Grammatophora barbata, vier in einer 
Keihe hinter einander bei Agama colonorum. Die Zahl dieser Äste wechselt jedoch bei 
manchen Arten der Schuppenechsen nach den^ Exemplaren derselben. So fand ich bei einem 
Exemplar von Anguis fragilis, von Chamaeleo vulgaris und von Phrynosoma B[arlanii nur 
einen solchen Ast, bei einem zweiten Exemplar von Anguis fragilis zwei, von Chamaeleo 
vulgaris und Phrynosoma Harlanii drei, und bei einem dritten Exemplar der zuletzt genannten 
Thierart vier Äste. Auch zeigen diese Äste individuelle Yerschiedenheiten in Hinsicht ihres 
Ursprunges aus der linken Aortcnwurzel, indem sie in der Pegel von ihr erst hinter einer 
Anastomose ausgesendet werden, durch die mit der bezeiclnieten Aortenwurzel die linke 

^. x±j, ausnalunsw^eise aber ein solcher 
Ast bisweilen kurz vor dieser Anastomose entspringt. Einen Fall der Art fand ich bei einer 



\ 



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emeinschaftliche Carotis in Verbindung gesetzt ist (§. 11 



Ano'uis fraörilis und einem Phrvnosoma Harlanii, bei denen jedoch die linke Aortcnwurzel 
auch weiter nach hinten einen Ast für die Speiseröhre abgegeben hatte. 

Zu dem Magen, dem Darm, der Leber, der Milz und der Bauchspeicheldrüse wird bei 
den Schuppcneehsen das ihnen nötliige Blut in der Pegel eben so, wie bei den Schlangen, nur 
allein durch Äste des Aortenstammes hingeleitet, deren Zahl jedoch bei den verschiedenen 
Arten der Schuppenechsen verschieden ist. Von dieser Pegel aber kommt eine bedeutende 
und merkwürdige Ausnahme nach einer Entdeckung von Corti bei Psammosaurus griseus, 
und nach den Wahrnehmungen, welche ich an drei Arten der Gattung Varanus gemacht habe, 
auch bei ihnen, also wolil überliaupt bei allen Varaniden vor. Dieselbe besteht darin, dass 
zwar dem Magen, der Leber, der Milz und der Bauchspeicheldrüse das Blut durch einen der 
Art. coeliaca höherer Thiere entsprechenden Ast des Aortenstammes zugeführt wird, welcher 
Ast bei den verschiedenen Arten der Varaniden verscliiedcntlich weit entfernt von der Ver- 
bindung der Aortenwurzeln entspringt (Taf. HI, Fig. 4, la und Fig. 5, z) , der Darm jedoch 
durch einen Arterienast mit Blut versori:>"t Avird, der aus der linken Aortenwurzel, also schon 



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vor jenem aus der Aorta entspringt. Diese Darmarterie geht von der linken Aortenwurzel 
kurz vor der Stelle ab, wo sich dieselbe mit der anderen zu dem Stamm der Aorta vereinigt, 
besitzt eine ziemlich beträclitliche Dicke, verläuft nach hinten und unten, und spaltet sich in 
einiger Entfernung von ihrem Ursprünge unter einem sehr spitzen Winkel in zwei Aste, die 
sich in dem Gekröse des Dünn- und Dickdarmes, diu-ch das sie hindurchgehen, weiter ver- 
zweigen und sich endlich einestheils am ganzen Dünndarm, anderentheils am Dickdarm bis 
über dessen Mitte hinaus verbreiten. Bei allen Exemplaren der Gattung Varanus, welche ich 
untersuchte (sechs an der Zahl), ging sie von der linken Aortenwurzel da ab, wo diese durch 
den früher beschriebenen Muskelstrang (§. 5) hindurchlief. Von ihrem Ursprünge aber bis 
dahin, wo ihre Zweige den Dann erreichten, war sie von jenem ebenfalls verzweigten Muskcl- 
strange völlig und in der Art eingeschlossen, dass er um sie und alle ihre einzelnen Zweige 
ähnliche, jedoch verhältnissmassig dickere Scheiden bildete, wie bei den Säugethieren die 
fibröse Haut der Milz innerhalb dieses Organs um die Verzweigungen der Arterie desselben 
(Taf. HI, Fig. 5, h). Ich glaube dalier annehmen zu können, dass der erwähnte Muskelstrang, 
der wahrscheinlich auch bei Psammosaurus griseus vorkommt, abgesehen von dessen 



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Heinrich Itatlihe. 



vorderstem Theile, durch den die Aortenwurzeln liindurcligelien, liauptsäclilicli zur Unter- 
stützung* und Sicherung der hei den Varaniden verh'ältnissmässig sehr hangen Darmarterie 
dient. Ausser den Asten für den Darm sendet die Darmarterie, und zwar an ihrem Anfange, 
bei Psammosaurus griseusj Varanus niloticus und Var. ornatus noch einen ziemlich starken 
Ast nach unten und Yorne ah, der durch das vom Bauchfell A*ehIldeteI-Ialtuna-sband desMai^-cns 

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und des hinteren Theiles der Speiseröhre hindurchgeht, ohne jedoch von Fasern des mehrmals 
erwähnten Muskclstranges cingescheidet zu sein (Taf. III, Fig. 5, li). Bei Varanus bivittatus 
aber sah ich ihn dicht hinter dem Ursprünge der langen Darmartcric von der linken Aorten- 
wurzel ausgesendet (Taf. III, Fig. 4, 12). Bei dem Psammosaurus soll er nach einer von 
Corti gemachten Angabe zu dem hinteren Theil der Speiseröhre gelien, an dieser dann nach 
vorn laufen und sich nur allein an ihr verzweigen. Bei allen Varanen aber, welche ich unter- 
suchte, ging er zu dem vorderen Drittel des Magens, verbreitete sich auf diesem Theil des 
Magens und sendete nur einen massig langen Zweig nach vorn zu der Speiseröhre hin, der 
sich dann auf dem hinteren Theil derselben verbreitete. 



4. Aste der rechten A ort enwurzel. 

. 8. Die rechte Aortenwurzel (Taf. I, Fig. 4 und 5, 1, Taf. II, Fig. 1, 2, 3, 9 und 10, c) 
sendet gleich nach ihrem Ursprünge zwei Arteriae coronariae cordis aus , weiterhin aber alle 
diejenigen Arterien, welche den Kopf, den Hals und die Vorderbeine mit Blut versorgen, wie 
auch bei dem Vorhandensein eines ausgebildeteren Brustbeines diejenigen Arterien^ welche 
der vorderen Hälfte der unteren EumpfwandungBlut zuführen. Desgleichen sendet sie häufig 
einen Ast oder einige Aste für die hintere Hälfte der Speiseröhre aus, so wie nicht selten 
ausserdem noch als besondere Aste eini^'c wenie-e Aa. intercostales. 



Die Arterien, welche bei den Schuppenechsen dem Halse und Kopfe das ihnen nöthige 
Blut zuführen, bilden immer zwei paarige Aste, die sich mit den gemeinschaftlichen Carotiden 
(Carotides communes) vieler anderen "Wirbelthiere vergleichen lassen. Mit ihnen sind jedoch, 
nach den bisherigen Erfahrungen zu schliessen, wohl niemals bei den Schuppenechsen die 
Arterien, w^elche die Vorderbeine mit Blut versorgen und zwei Aa. subclaviae darstellen, zu 
zw^ei besonderen Stämmen oder Aa. anonymae vereinigt. Vichnchr entspringen bei denselben 
die Aa. subclaviae geschieden von den Carotiden und viel weiter nach hinten ^ als jene. Für 
, sich allein betrachtet zeigen aber soavoIiI jene, als diese, bei verschiedenen Arten der Schuppen- 
echsen in so fern ein verschiedenes Verhalten, als sie bei einigen neben einander, bei anderen 
hinireiren mittelst eines mehr oder wenifrer lana-en eemeinschaftlichen Stammes aus der bezeicli- 



neten Aortcnwurzel hervorgehen. 



A. CAROTIDEN. 



§. 9. Die beiden paarigen Arterien der Schuppenechsen j Avclchc den Carotidenstämmen 



oder gemeinschaftlichen Carotiden der Sängethiere und noch mancher andern Wirbelthiere 
entsprechen, werden von der rechten Aortenwurzel entweder kurz vorher, ehe sie aus dem 
Herzbeutel hervordringt, oder gleich nachdem sie aus demselben hervorgedrungen ist, ent- 
sendet. Auch ist ihr Ursprung, wie bereits erwähnt worden, in so fern A^erschicdcn, als sie 
entweder dicht neben einander oder mittelst eines besonderen Stammes von der rechten 

Aortenwurzel abgehen. Bei einigen Schuppenechsen ist dieser Stamm, der mit dem Namen 



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Untersuchungen iiber die Aortemoiirzeln der Saurier. 



63 



der Carotis primaria bezeichnet werden könnte, so überaus kurz^ dass er leicht übersehen 
werden kann, wie z. B, bei Tejus Teguixin, Lophyrus giganteus, Phatydactylus guttatus, 
Lacerta agilisj Lac. oceUata, Chamaesaura anguina, Pseudopus Pallasii (Taf. I^ Fig. 4), Ophi- 
saurus ventralis und Acontias Mclcagris. Etwas länger ist er bei Anguis fragilis (V/" bei einem 
fast 12" langen Exemplar), am längsten aber bei den Varaniden , namentlich bei Varanus 
ornatus, Var. niloticus und Yar. bivittatus ziemlich genau so lang, wie die rautenförmige Platte 
des Brustbeines, über deren vorderem Eande (und unter dem Theilungswinkel der Luftröhre) er 
sich in die beiden Carotides commnnes spaltet. 

§. 40. Abgesehen davon, ob die gemeinschaftlichen Garotiden bei den Schuppenechsen 
]ieben einander oder vereint mit einander aus der rechten Aortcnwurzel hervorgehen, zeigen 
sie in der Gruppe dieser Thiere nach den bis jetzt gcmacliten Erfahrungen drei typische 
Verschiedenheiten, Die eine davon kommt vor bei denVaraniden, die zweite bei den Chamä- 
Jeoniden, die dritte bei den übrigen Schuppenechsen. Es wird daher zweckmässig sein, von 
den angeführten Gefässstämmen und ihren VerzAveigungen nach diesen Verschiedenheiten 
gesonderte Beschreibungen zu geben. 



AA. CAHOTHJEN DER MEISTEN SCHÜPPEXECHSEIS". 



§.11. Von der Stelle aus, an welcher diese Arterien von der rechten Aortenwurzel; sei 



es neben einander oder mittelst eines kurzen Stämmchens abgehen, fahren sie star] 



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einander und verthcilcn sich auf die beiden Seitenhälften des Körpers in der Art, dass sie die 
Luftröhre und die gewöhnlich sehr weite Speiseröhre von unten umfassen (Taf. 1, Fig. 4, 2, 2), 
An der letzteren steigen sie mit cijier Krümmung, die einige Ähnlichkeit mit einem grossen 
römischen S hat, und in einer melir oder weniger schräge}i Richtung nach vorne auf (Taf. I, 
Fig. 5, 2, Taf. II, Fig. 1 und 2, e, Fig. 3, rZ, Fig. 4, c). Bei den verschiedenen Arten von 
Scliuppenechsen aber steigen sie verscliicdentlich hoch hinauf, bei Acontias Meleagris nur sehr 
wenig, bei anderen Schuppenechsen etwas über die halbe Höhe der Seitenwandungen der 
Speiseröhre hhiaus (Taf. I, Fig. 4, 2), und bei noch anderen bis zu der oberen Wandung der 
Speiseröhre, wie z.B. bei Euprepis Merremii, Gongylus ocellatus, Chamaesaura ano-nina, 
Lophyrus giganteus, Agama mutabilis, Grammatophora barbata, Platydactylus guttatus. Dann 
aber theilt sich eine jede A^on diesen Arterien in zwei einander abgekehrte Äste, von denen der 
eine nach vorn zu dem Hinterkopfe geht und sich in dem Kopfe verzweigt (Taf. I, Fig. 5^ 5, 
Taf. II, Fig. 1, 2 und 3, </, Fig.' 4, e, und Fig. 8, cZ) , der andere sich mit einer schwachen 



Krümmung nach hinten wendet und in den absteigenden Theil der Aortenwurzel seiner Seite 
übergeht (Taf. I, Fig. 5, a, Taf. II, Fig. 1, Ä, Fig. 2, c, und Fig. 8,/). Der letztere Ast stellt 
also zwischen seinem Stamme und der entsprechenden Aortenwurzol eine Anastomose dar, 
durch die ein Theil der Blutmasse, Avelche in den Stamm gelangt ist, in den absteigenden Theil 



der hinter ihm liegenden Aortcnwurzel übei^gehcn muss. 

Derjenige Abschnitt einer jeden Carotis, welcher von dem Ursprünge derselben bis zu 
der erwähnten Anastomose reicht, bildet zusammen mit dieser einen unregelmässig geformten. 
Bogen, dessen eine aus der Anastomose bestehende Hälfte als sein absteigender, dessen andere 
Hälfte aber, die jedenfalls viel länger und stärker gekrümmt ist, als sein aufsteigender Schenkel 
betrachtet werden kann. Vorläufig will ich diese Bogen, um mich in verschiedenen Angaben 
über das Verhalten ihrer beiden Hälften kurz fassen zu können, die Gar otidenbogen 



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64 



Heinrich Ratlike. 



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nennen, über die morpliologlsclic Bedeutung ihrer beiden Hälften werde ich mich erst 
weiterhin (§. 45 und 46) äussern. 

. 12. Die beiden Carotidcnbogen haben in jedem einzelnen Falle eine ziemlich gleiche 
Lage, Form und Grösse. Gewöhnlich sind sie nur flach oder im Ganzen nur so schwach 
gekrümmt, dass ihre längeren aufsteigenden Schenkel weit mehr nach aussen und oben, als 
nach vorn gehen. Selten erscheinen sie gcgenthcils im Ganzen so stark gekrümmt, dass sie 
eine ähnliche Form, wie massig lange Darmsclilingen, und ihre aufsteigenden Schenkel eine 
sehr schräge Eichtung nach vorne haben. Dies ist der Fall bei Acontias Mcleagris, Ophisaurus 
ventralis, Anguis fragilis, Cyclodus nigroluteus, Calotes pictus, Lyriocephalus margaritaceus 
und Draco viridis. 

Da bei denjenigen Schuppenechsen, welche Carotidenbogen besitzen, das Herz mit höchst 
seltenen Ausnahmen (Acontias) in der Eumpf höhle selir weit nach vorn liegt, so gehen bei 
ihnen diese Bogen, wenn sie nur eine massig starke Krümmung haben, häufig über die 
Schlüsselbeine und Schulterblätter nacli vorn hinaus und ra^-en ein Aveiiio- oder auch massig' 
weit in den Hals hinein, wie z. B. bei Agama colonorum, Grammatophora barbata, Gongylus 
ocellatus, Moloch horridus, Laccrta ocellata, Lac. agilis (Taf. H, Fig. 4) und Tejus Teguixin. 
Wenn sie aber eine grössere Länge und stärkere Krümmung haben, reichen sie von der Rumpf- 
höhle aus beinahe bis zur Mitte des Halses, so namcjifHch bei Anguis fragilis, Pseudopus 
Pallasii, Chamaesaura anguina, Cyclodus nigroluteus, Phrynosoma Harlanii, Agama nmtabilis, 
Lophyrus gigantcus und Draco viridis, oder reichen sogar über die Mitte des Halses nach 
vorn etwas hinaus, wie z. B. bei Lyriocephalus margaritaceus und Phrynoccphalus caudivoL 
vulus. Dagegen liegen sie bei Acontias Melcagris, obgleich sie auch bei dieser Schuppenechse 
eine starke Krümmung und ansehnlich grosse Länge haben, ziemlich weit hinter den Schulter- 
blättern, weil bei ihr das Herz viel weiter nach hinten liegt, als bei irgend einer anderen mit 
Garotidenbogen versehenen Schuppenechse ^). 



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In ihrem Verlauf befinden sich diese Bogen anfangs auf einer massig grossen Strecke 
dicht vor den Aortenwurzeln, mögen sie nun sehr flacii sein oder hingegen eine starke Krüm- 
mung haben, entfernen sich dann aber von denselben mehr oder weniger, in Fol^'o wovon 
zwischen einem jeden Carotidenbogen und der Aortenwuirzel seiner Seite ein mehr oder 
weniger grosser und unregelmässig dreiseitiger Zwischenraum übrig gelassen wird , der nach 
dem Bücken durch den absteigenden Schenkel des genannten Bogens wie durch eine schwach 
gekrümmte Linie begrenzt ist. Li diesem Zwischenräume, oder auch an der äusseren Seite 
des Carotidenbogens, ungefähr da, avo sich dessen Mitte befindet, liegt das Stammganglion des 
Nervus vagus. 




. 13. Je nach den verschiedenen Gattungen und Arten derjenigen Schuppenechsen, 
welche Carotidenbogen besitzen, sendet ein jeder solcher Bogen drei oder vier Äste aus, von 
denen immer einer über dem anderen entspringt. Der stärkste von ihnen, der nach dem 
Hinterkopfe geht, ist eigentlich als die Fortsetzung des Arterienstammes zu betrachten, Avelcher 
den aufsteigenden oder längeren Schenkel des Carotidenbogens darstellt, und wird daher von 
diesem Bogen immer da entsendet werden müssen, wo dessen aufsteigender Schenkel in den 
absteigenden übergeht, also mehr oder weniger hoch nach oben an einer Seitenwand der 



^) Bei einem Exemplar von Acontias Mclcagrlsj bei dem die Entfernung des Afters von dem vorderen Ende des Kopfes 7 Zoll 
9 Linien betrug, lagen die (carotidenbogen 5 Linien hinter den Soliulterblättern. 






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Unter sucliungen über die Aorteniourzeln der Saurier. 



65 



Speiseröhre. Ein zweiter Ast gelit hinter ihm, ein dritter nahe vor ihm von dem Bogen ab, 
und diese drei Äste kommen, wie ich annehmen muss, bei allen denjenigen Sehuppenechsen, 
bei welchen Carotidenbogen gefunden w^erden, mit Ausnahme von Acontias (§. 18), beständig 
vor. Ein vierter Ast entspringt aus einem solchen Bogen näher dem Herzen, ist aber, wie es 
allen Anschein hat, nicht häufig vorhanden. Auch ist er in der Eegel der kleinste von allen 
und gewöhnlicli nur allein für die Thymusdrüse bestimmt. 



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mus clrüsG n- Ast des Gar otidenb ogens. 



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. 14. Bei den beschuppten Sauriern befindet sich im hintersten Theil des Halses unter 
der Luftröhre eine kleine Gcfässdrüse, die in der Eegel unvollständig in zw^ei Seitenhälften 

ist, mit ihrem grössten Durchmesser eine quero Lage hat und als Thymus gedeutet 
werden kann*). Bei denjenigen von diesen Reptilien, welche Carotidenbogen besitzen, liegt 
sie dicht oder doch sehr nahe vor den aufsteigenden Schenkeln derselben (Taf. I, Fig. 4, l), 

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Zu ihr nun sendet der aufsteigende Schenkel eines jeden solchen Bogens mitunter einen kurzen 
und sehr dünnen Ast hin, der sieh fast immer nur allein in ihr verzweigt, höchst selten, so nament- 
lich beiAgama mutabilis, auch denMm.sternohyoideus und omohyoideus, oder, wie ich bei einem 
anderen Exemplar derselben Eeptilienart gesehen habe, ausserdem auch noch der Speiseröhre 
und dem M. deltoideus dünne Zweige zusendet. Einen solchen Ast habe ich gefunden bei 
Acontias Meleagris, Pseudopus Pallasii, Anguis fragilis, Draco viridis, Agama mutabilis, Lyrio- 
cephalus margaritaceus, Istiurus amboinensis und Grammatophora barbata. Doch mag er auch 
bei einigen anderen Schuppenechsen, die ich früher, als die so eben genannten untersuchte, 
vorhanden gewesen, aber von mir wegen seiner Zartheit übersehen Avorden sein. Was seinen 
Ursprung anbelangt, so geht er bei Anguis fragilis, Istiurua amboinensis und Grammatophora 
barbata dicht neben dem nächstfolgenden Aste, bei Acontias Meleagris, Pseudopus Pallasii, Lyrio- 
cephalus margaritaceus (Taf. H, Fig. 3, ?) und Agama mutabilis ziemlicli weit vor demselben 



von dem Carotidenbogen ab. 



h. Kchl-Zungcnast des Carotidenb ogcns. 

5. 15. Dieser Ast ist in den Fällen, in welchen der vorige fehlt, der von dem Carotidcn- 
bogen zuerst ausgesandte. In der Eegel entspringt er aus dem Bogen dicht oder kurz vor 
demjenigen Aste desselben, welcher zum Hinterkopfe geht (Taf. II, Fig. 1,/und Fig. 8, c), 



selten in einer massig grossen Entfernung von ihm. 



unter denen ich übrigens diesen Ast von dem 



Das Letztere ist der Fall bei Pseudopus 
Pallasii (Taf. I, Fig. 5, g), Ameiva vulgaris (Taf. I, Fig. 6), Chamaesaura anguina, Gongylus 
ocelJatus, Cyclodus nigroluteus, Iguana tuberculata, Istiurus amboinensis, Phrynocephalus 
caudivolvulus, Lacerta ocellata und Lac. agilis , 
nächstfolgenden bei Lac. agilis am weitesten abstehend gefmiden habe (Taf. II, Fig. 4, rZ). 
Jedenfalls aber geht er aus dem Carotidenbogen ziemlich weit von dem Anfange desselben 
hervor. An Dicke übertrifft er den bereits beschriebenen Ast um ein Bedeutendes, stellt aber 
darin dem nächstfolgenden, der zum Hinterkopfe geht, mehr oder weniger nach, indem er, 
je nach den verschiedenen Arten von Schuppenechsen, ungefähr um ein Drittel bis um die 



1) Bei Acontias MeleagTis stellt die Oriisc ausii;iliins\vcisc einen oblongen Körper mit abgerundeten Ecken dar, dessen Längonachse 
in der Mittelebene des Leibes liegt. 

Denkschriften der mathem.-natnrw. CL XTII, Bei. AbhandL v. Niohtmitgh ^ 



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Ileinrloli Ratlike. 



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Hälfte dünnerj als der letztere ist. Sein Verbreitungsbezirk ist ansclmlicli gross , denn dm-cli 
ihn und den ihm gleichen Ast der anderen Seitenliälfte des Körpers werden mit Blut versorgt 
sämmtlicho Muskeln des Zungenbeines, die Zunge, der Kehlkopf, die vordere Hälfte der Luft- 
röhre und auch fast immer die Thymus , ferner grossentheils die im Halse gelegene vordere 

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Hälfte der Speiseröhre, der vordere Thcil der Mm. sternomastoidei, der M. eucullai^is, der 
M. latissimus colli*), dessgleichen zum Theil die Mm. pterygoidei externi und ausserdem nicht 
selten oder vielleicht gewöhnlich auch ein paar rängliche Muskeln, die von dem hinteren 
Thcil der Hirnschale zu den nach hinten über die Tviefergelenkc vorspringenden Ecken des 
Unterkiefers gehen, den häufig nur einbäuchigen Mm. digastrici derSäugefchicrc zu entsprechen 
scheinen und zum Offnen des Mundes dienen, wesshalb ich sie die Mm. apertores oris benennen 



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Auch geht von diesem Ast mitunter ein Zweig nach hinten zu dem M. deltoideus und 
M. supraspinatus. 

Der in Rede stehende Ast entspringt (abgesehen von Acontias, bei dem die Carotiden- 
bogcn hinter dem Schultergerüste und dem Brustbeine liegen) entweder zwischen demM. sterno- 
hyoideus und der Speiseröhre oder (wenn jener Muskel im Verhältniss zu der Breite des 
Halses nur massig breit ist, wie z. B. in den Gattungen Phrynosoma und Moloch) zwischen 
dem M. omohyoideus und der Speiseröhre. Von seiner ürsprungsstello geht er nach vorn 
und ein wenig nach oben, bis er an das Ende des nach oben weit hinaufreichenden zweiten 
Zungenbeinhornes gelangt (Taf. I, Fig. 4, 3 und Fig. 5, g) und in einem dreieckigen Zwischen- 
raum zu liegen kommt, der sich zwischen dem obersten Theil dieses immer langen Zungen- 
beinhornes, dem M. omohyoideus und dem M. sternomastoidcus befindet und dem Trigonum 



cervicale der Säu^rethiere entspricht. Darauf schlägt er sich um 



den obersten Tlicil des 



erwähnten Zungenbeinhornes herum, indem er gewöhnlich an der äusseren Seite, selten, wie 
namentlich bei Acontias Meleagris, Anguis fragilis, Pseudopus Pallasii (Taf. I, Fig. 4 und 5), 
Tejus Teguixin, Polychrus mai^moratus, Agama mutabilis, Ag. colonorum undG-rammatophoi^a 
barbata, an der inneren Seite desselben vorbeigeht, und begibt sich dann, indem er noch weiter 
nach vorn läuft und sich dabei der Mittelebene des Kopfes zuwendet, zu der Zunge hin. Auf 
seinem Wege zu dem Zungenbeinhorne, auf dem er sich dicht' an der Seitenwand der Speise- 



röhre hält, sendet er ausser einigen kleineren und unbeständigen Zweigen für die Speiseröhre 
und die Mm. stcrnohyoideus, omohyoideus und sternomastoidcus folgende aus: 

rz) gowölmlich einen oder einige kurze, wie überhaupt nur kleine ZAveigc nach unten für 
die entsprechende Scitenhälfto derThymusdrüse, welche Zweige nur in einigen von denjenigen 
Fällen fehlen, in welchen der Carotidenbogen für diese Drüse einen besonderen kleinen Ast 
ausgesendet hat, so namentlich bei Anguis fragilis und Agama mutabilis; 



') Unter diesem Namen verstelle ich bei den ScluippuiiecLäcn eine zunäclist der Haufbedeckiiug Liegende und öieli von dem Kinn- 
winkel entweder bis an das Ende des Halses oder beinahe bis dahin erstreckende Muskelschichtj deren Fasern im Allgemeinen 
quer verlaufen und deren vordere Hälfte an den Unterkiefer, deren hintere grössere Hälfte aber durch ein Paar Aponcurosen an 
die oberen Dornfortsätzc der Halswirbel und einiger Kückenwirbel angeheftet ist. Corti hat sie in seiner Schrift über den 
Psammosaurus unter dem Namen des Muse subcutaneus colli aufgeführt. Von anderen Anatomen ist sie Muse, mylohyoideus 
genannt worden. Allein eines Theüs erstrecli:t sie sich viel weiter nach hinteuj als der M. mydohyoideus der Säugethiore, andorrn 
Theils sind nur bei wenigen Scliuppencclisen, so naincntliclL bei denen der Gattung Platydactylus, einige ihrer Fasern an das 
Zungenbein angeheftet; denn in der Regel steht sie mit demselben in gar keiner innigen Yerbindung. Sie kann desslialb und weil 
iiire Fasern säanntlicli quer verlaufen das Zungenbein nicht nacli vorn ziehen, wie der erwähnte Muskel der Säugetliicre, sondern 
wird vielmelir dasselbe heben, wie überhaupt die Unterldefergogend uml den Hals, wenn sie durch Luft oder durch aufgcnonnneno 
Nahrungsmittel ausgedehnt worden waren, wieder verengern können. 



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Untersuchungen übe?- die Aorttnwui^zeln der Saurier 



67 



ß) bei einigen Scliuppenechscn einen zicmlicli langen Ast nach hinten, der zwischen dem 
Schlüsselbein und dem Schulterblatt nebst dem Ilackenschlüsselbein hindurchgeht und sich in 
den Mm. deltoideus und supraspinatus verbreitet, so z.B.beiPhrynosoma Harlanii und Ameiva 

Aailgaris (Taf. I, Fig. 6, e); 

Y) einen ziemlich oder auch beträchtlich starken Zweig zu dem Halsstück der Speise- 
röhre, der an diesem, Theil des Darmcanals einen schrägen Verlauf nach unten und vorn gegen 
den Körper des Zungenbeines macht, sich in der seitlichen und unteren Wandung der Speise- 
röhre mehr oder Aveniger ausbreitet, je nachdem entweder andere, aber kleinere und unbe- 
ständige Zweige für jene Wandungen der Speiseröhre fehlen oder vorhanden sind, und nicht 
selten bis an den vorderen Theil der Luftröhre , an dem er sich dann ebenfalls ausbreitet, 
verfolgt werden kann' (Taf. I, Fig. 4); 

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o) einen ziemlich starken Zweig, der sich auf der Mitte des Halses oder vor derselben 
um den äussci-en Rand des M. sternohyoideus iierumschlägt, zwischen diesem Muskel und dem 



M. omohyoidcus, begleitet von einem Zweige des absteigenden Astes des Nervus hypoglossus, 



quer nach innen (gegen die Mittellinie der unteren Halsseite) verläuft und sich in diesen 
beiden Muskeln ausbreitet (Taf. I, Fig. 4 und 5); 

noch weiter nach vorne in demTrigonum cervicale einen oder zAvei bis drei nach aussen 
a'eliende Zweia'o, die sich theils in den das Dreieck bcOTenzenden Muskeln, thcils in dem 
M. cucullaris, dem M. latissimus colli, dem M. apertor oris, der seitlichen Hautbedeckung des 
Halses und bisweilen, so namentlich bei Anguis fragilis und Polychrus marmoratus, auch an 
dem M. pterygoideus externus und dem M.. geniohyoideus ausbreiten. 



Die Zweige a, /?, y und o bieten in dem Abgange von ihrem Aste bei verschiedenen Arten 
der Schuppenechsen oder selbst bei verschiedenen Exemplaren einer und derselben Art 
mancherlei Verschiedenheiten dar. Entweder entspringen sie aus ihrem Aste in derselben 
Reihenfolge, in welcher sie oben aufgeführt worden sind^ und in massig grossen Entfernungen 

so z. B. bei Pseudopus Pallasii und Anguis 
weiter nach hinten, als d. Ferner bilden bisAveilen zwei oder drei von 
diesen Zweigen zusammen einen grösseren Zweig, der von dem Aste entweder sehr nahe dem 
Carotidenbogen, oder ziemlich weit davoii entfernt abgeht. So fand ich z. B. bei Phrynoce- 
phalus caudivolvulus und Tejus Teguixin a und /?, bei Gongylus ocellatus a, y und ^, bei 



von einander, oder in einer aiideren Reihenfolge 
frai^'ilis der Zweier 



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Cyclodus nigroluteus y und d^ bei Lophyrus giganteus a und d in beiden Seitenhälften 
des Körpers, und bei einem von drei Exemplaren des Phrynosoma Harlanii in der einen 
Seitenhälfte a und /9, in dei* anderen aber a, ß und ;- zu einem besonderen Zweige vereinigt. 
Selten bilden eiuiif'e von diesen Zweio-en einen besonderen Ast des Carotidenboö'ens, der 



von diesem dicht vor dem Hauptaste abgeht. Einen Fall der Art fand ich bei einem Exemplar 
von Phrynosoma Harlanii in der rechten (nicht auch in der linken) Seitenhälfte, indem bei ihm 
die oben angeführten Zweige oc, ß und y einen kleinen abgesonderten Ast zusammensetzten. 
Bei Basiliscus mitratus aber sah ich vor dem Kehlzungcnaste einen viel kleineren beson- 
deren Ast von dem Carotidenbogen abgehen, der sich in der Thymusdrüse und in dem 
hintersten Theil der Mm. sternoliyoidous, omohyoidcus und sternomastoideus verbreitete. 
Noch eine andere Abweichung von der Regel fand ich bei einem von drei Exemplaren 
des Draco viridis in beiden Scitenhälften des Körpers, und diese bestand darin, dass der 
für die Speiseröhre bestimmte ZAveig des Kchlzungenastes kurz vor diesem als ein beson- 
derer Ast, der jenem an Dicke nur wenig nachstand, von dem Carotidenbogen abging. 



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(Bei den beiden anderen Exemjilaren war eine solclie Abiveichung von der Eegel nicht 
vorhanden.) 



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hörn vorbeigegangen 



. 16. Nachdem der Kehlzungenast des Carotidenbogens an dem zweiten Zungenbein- 

ist, spaltet er sich entweder dicht vor diesem Hörn, oder in einiger 
Entfernung von demselben auf dem hinteren Theil des Muse, geniohyoideus^) gewöhnlich in 
zwei an Dicke ungleiche Endzweige. 

C) Der eine von ihnen, der meistens stärker, mitunter aber, z. B. bei Iguana tuberculata, 
etwas schwächer^ als der andere ist, verläuft auf dcniM. geniohyoideus und unter dem hintersten 
Theil des M. hyoglossus nahe oder dicht vor dem zweiten Zungenbeinhorn nach vorne und 
innen, gibt einige kleine Scitenzweige an die genannten Muskeln und den Muse, latissimus 
colli ab, biegt sich darauf in einiger Entfernung von dem Kehlkopfe, der von ihm einen oder 
einige Seitenzweige erhält, nach hinten um, geht über das zweite Zungenbeinhorn hinweg, 
verläuft eine mehr oder weniger grosse Strecke nach hinten und etwas nach aussen seitwärts 
von der Luftröhre an der unteren Seite der Speiseröhre, an welche beide Canäle er mehrere 
kleine Seitenzweige abgibt, und vereinigt sich endlich mit demjenigen Zweige des Kehlzungen- 
astes (;-), welchen dieser Ast zwischen dem Schultergcrüste und dem zweiten Zungenbeinhorn 
für die Speiseröhre xmd Luftröhre abgegeben hat. Einige andere kleine Scitenzweige, die in 
einer Eeihc auf einander folgen und über dem zweiten ZunP*cnbeinhorn nach hinten e-elien. 



werden von dem beschriebenen liauptzweige vor der erwähnten Umbiegung an die Speise- 



röhre ausgesendet. 



7j) Der andere Endzweig (Taf. I, Fig. 4, 4 und Fig. 5, 7), den man als Art. lingualis 
bezeichnen kann, begibt sich über dem M. geniohyoideus, begleitet von dem Zungenaste des 
Nervus hypoglossus, in einer sehr schrägen Richtung nach vorne und innen zur Zunge, indem 
er eine ziemlich lange Strecke an dem äusseren Kande des mehr oder weniger abgeplatteten 
und mit der einen Seite nach oben, mit der anderen nach unten gekehrten Muse, hyoglossus 
hinläuft, ehe er an der äusseren Seite des Muse, genioglossus weiter in die Zuno-e cindrino-t. 



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Auf seinem Wege schickt er neben dem M. pterygoideus extcrnus einen Zweig der Mundhaut 
zu, sendet ferner in dem Fall, dass nicht schon früher der Ast, von w^elchem er abi>-cht, einen 



^weig an den M. apertor oris und M. pterygoideus externus abgegeben hatte, wie z. B. bei 
Pseudopus Pallasii (Taf. I, Fig. 4 und 5), auch diesem Muskel einen oder einige Seitenzweige 
zu, und gibt verschiedene an Zahl und Grösse wechselnde Seitcnzweiffc, von denen einio-e bis 
zu der Hautbedeckung vordringen, an die Mm. geniohyoideus, hyoglossus und latissimus colli 
ab. Bisweilen jedoch kommt statt einiger solchen kleinen Seitenzweige ein viel grösserer vor, 
der sich theils in den Mm. geniohyoideus und latissimus colli , theils auch in der Haut- 
bedeckung der ünterkiefergegend verbreitet und eine Art. subungualis darstellt. In der Zunge 
geht die Art. lingualis nach innen von dem Seitenrande derselben, indem sie zwischen der 
verhältnissmässig recht dicken Schleimhaut dieses Oro-ans 



und dem M. gcnioglossus nebst 



einem Theil des M. hyoglossus ihren Verlauf macht, bis zu dem vorderen Ende der- 



selben hin. 



3 



) Dieser Muskel hat Iici den Schuppeneclisen eine ansehnliche Bi^eiLe, entspringt bei ihnen von der vorderen HiiU'te des Unterkiefers, 
doch mein' oder weniger weit vom Kinnwinkcl entfernt, und setzt sich liinten bei den meisten nur allein an das zweite Zinir,-cü- 
heinhorn an, hei einigen ahcr, hei denen er in zwei ungleiche Schenkel gespalten ist, mit dem längeren, breiteren und oberiln'cli- 
liclieren an das zweite, mit dem kfiiveren an das erste Zungeubein]i.orn (Taf. I, Fjo-. 4 g und (/*)• 



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Untersucliungen über die Aorteniourzeln der Saurier. 



69 



c. Kopfast des Ca rotiden bogen s. 



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§. 17. Dieser stärkste von den Asten, welclie ein jeder Carotidenbogen entsendet j nimmt 
seinen Weg nacli dem hinteren Tlieil des Schädels, an dem er sich in zwei Endzweigc spaltet, 
von denen der eine durch das Foramen caroticum seiner Seite in die Schädelhöhle eindringt, 
der andere sich in dem Kopfe ausserhalb der Schädelhöhle ausbreitet. Von seinem Ursprünge 
bis zum Kopfe läuft er dicht an der Speiseröhre entlang, wobei er mit dem Kehlzungenaste, 
der sich unter ihm befindet, je nach den verschiedenen Arten der Schuppenechsen mehr oder 
weniger divergirt (Taf. I, Fig. 6, 5, Taf. II, Fig. 1, ^, Fig. 2, g^ Fig. 3,/, Fig. 4, e und Fig. 7, g). 
Dagegen kommt er in seinem Verlaufe dem gleichen Aste der anderen Seitenhälfte allmählich 
etwas näher. In der Regel liegt er anfangs , wo er von dem Carotidenbogen abgegangen ist, 



seitwärts von der Speiseröhre, wenngleich ziemlich weit nach oben an derselben, schlägt sich 
dann aber so um sie herum, dass er früher oder später auf ihr zu liegen kommt. Bei denjenigen 
Schuppenechsen jedoch, bei welchen der aufsteigende Schenkel des Carotidenbogens bis zu 
der oberen Wandung der Speiseröhre hinaufreicht, bei denen also der in Kede stehende 
Arterienast neben der Speiseröhre möglichst hoch oben entspringt, wie namentlich bei Euprcpis 
Merrcmii, Gongylus ocellatas, Calotcs pictus, Agama mutabilis und Grammatophora barbata, 
liegt dieser Ast nach seiner ganzen Länge auf der Speiseröhre. Begleitet wird er in seinem 
ganzen Vorlaufe von der Vena jugularis und dem Nervus vagus, von denen der letztere 



zwischen ihm und der ^Tfcnannten Vene eingeschlossen ist. 



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Gewöhnlich hat der Nerv hinten 



über ihm, weiter nach vorn neben ihm seine Lage. Dasselbe gilt auch von der Vene, falls sie 
nicht übermässig mit Blut angefüllt ist, in welchem Fall sie ihn auch hinten von aussen deckt. 
Wenn er aber ungewöhnlich hoch nach oben entspringt, weil der aufsteigende Theil des 
Carotidenbogens bis zu der oberen Wandung der Speiseröhre hinaufreicht, liegen die Vena 
jugularis und der Nervus vagus, so weit sie ihn begleiten, nach aussen von ihm ^). Ungeachtet 
seines ziemlich lano-cn Verlaufes durch den Hals sendet dennoch dieser stärkste Ast des Caru- 
tidenbogens in der Eegel keinen Zweig aus. Bei einer Ameiva vulgaris aber sah ich von 
demselben in der Nähe des Kopfes zwei verschieden grosse, doch überhaupt nur dünne Seiten- 
zweige abgehen, von denen der eine auf den anderen folgte. Der kleinere (Taf. I, Fig. 6, m 
verbreitete sich in der vorderen Hälfte des Halses liauptsächlich an dem M. levator scapulae. 
Der grössere, der vor jenem entsprang (Taf. I, Fig. 6, /), verlief in einer schrägen Bichtung 
nach vorn, innen und oben (besonders 



nach vorn), ging zwischen denjenigen Nacken- 



muskeln hindui^h, welche den Mm. splenius capitis und complexus cervicis des Menschen 
entsprechen, verbreitete sich mit einigen seitwärts nach verschiedenen Bichtungen ausgesen- 
deten Beisern an diesen und etlichen ihnen benachbarten Nackenmuskeln, namentlich auch an 
dem vordersten Theil des M. levator scapulae, drang, ungefähr bis auf die Hälfte seiner Dicke 
vermindert, als ein Eamus spinalis zwischen dem Atlas und dem Hinterhauptbeine in die 
Schädelhöhle ein und ging dann in die Art. basilaris über. Bei anderen mit Carotidenbogen 
versehenen Schuppenechsen, selbst bei solchen, bei denen die Injection ihrer Arterien im 
Ganzen gut gelungen war, habe ich an den Kopfästen der Carotidenbogen hinter den Thei- 
lungswinkeln derselben nach solchen Scitcnzweigen ver^-ebens ü-esuclit. 



1) Verfolgt man die V. jugularis und den N. vagus vo)i vorn nach lilulcnj so findet mau, dass sich die erstere in deai vorderen Theil 
der Rumpf höhle so herabsenkt, dass sie sich mit dem letzteren und dorn absteigenden Schenkel der Aortenwurzel ihrer Seiten- 
hälfte kreuzt uml lici^Ie an einer Stelle von aussen bedeckt. 



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Ileinrtcli Batlike. 



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Naclidcm der Kopfast eines Carotidenbogens zu dem Kopfe gelangt ist, theilt er sich 
hinter dem oberen Ende des Quadratbeines bald mcbr, bald weniger nahe demselben unter 
einem spitzen Winkel in zwei untergeordnete Äste. 

aa. Der eine von diesen (Taf. IV, Fig. 3, 3 und Fig. 4, 2), den ich Arteria facialis 
nennen will^ läuft zunächst in einer schrägen Eichtung und mehr oder weniger geschläno-elt 
nach Yorne und oben zu der Schläfenhöhle hin, wobei er über der häutigen Auskleidung der 
Paukenhöhle und an der inneren Seite des Quadratbeines zwischen einem starken Querfort- 
satze des Hinterhauptbeines und dem Gehörknöchelchen, das unter diesem Fortsatze liegt, 
hindurchgeht. Darauf verläuft er an der äusseren Seite des starken Beissmuskcls, der den 
Mm. temporalis und masscter der Säugethiere entspricht, in einer schrägen Eichtung entweder 
etwas geschlängelt, oder ziemlich gerade nach vorne und oben zu dem Processus orbitalis des 
Scheitelbeines und dem an diesen Fortsatz angehefteten Knochen hin, welcher von Cuvier 
den Namen des hinteren Stirnbeines erhalten hat (Taf. IV, Fig. 1, 2, Fig. 2, 2, Fio-. 3^ 5 und 
Fig. 4, 4). Dicht unter dem Processus orbitalis des Scheitelbeines biegt er sich alsdann nach 
unten um und geht in die Augenhöhle über, begibt sich darauf, indem er einen massig starken 
Bogen bildet und sich dem zweiten Aste des Nervus trigcminus beigesellt^ unter dem unteren 
Augenlide zwischen dem Joclibogen und der Sclcrotica des Auges zu dem Oberkiefer, und 
läuft endlich, eine Art. dojitalis superior darstellend, an der inneren Seite dieses Knochen- 
stückes zu dem äusseren Nasenlochc hin. Die Zweige, die er aussendet, habe ich am besten 
bei zwei grösseren Exemplaren von Iguana tuberculata erkennen und verfolgen können, 
wesshalb ich in dem Nachstehenden nur angeben will, wie er sich in seiner Verzweip'uno- bei 
dieser Schuppenechsc verhält. 

a. In der Paukenhöhle entspringt aus dem in Eede stehenden Aste oder der x\rt. facialis 



ein nur massig dicker Zweig, der an der inneren Seite des Quadratb 



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in den Mm. pterygoidei verbreitet. 

ß. Gleich nachdem die Art. facialis die Paukenhöhle verlassen hat, sendet sie einen 
ziemlieh starken Eamus cervicalis aus, der dicht über dem Querfortsatze des Plinterhaupt- 
bemes und an der inneren Seite des mit demselben zusammenstossenden Processus occipitalis 
des Scheitelbeines den Nackenmuskeln zugeht, zwischen den Mm. complexus und trachelo- 
mastoideus bis über die Mitte des Halses nach hinten läuft (Taf. IV, Fig. 3, 4) und sich theils 
in diesen beiden Muskeln, theils auch in den Mm. splonius capitis und trapezius (Fig. 1 und 2) 
verbreitet. Ausserdem aber schickt dieser Eamus cervicalis hinter dem 



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Hinterhauptbeines einen Zweig über die äussere Seite des M. trachelomastoidous nach unten 
hin (Fig. 3), der als ein Eamus spinalis zwischen dem Atlas und dem Hinterhauptbeine nach 
innen dringt und sich der Art. basilaris der Schädclhöhle anschliesst, nachdem er vorher erst 
etliche Eeiser an die benachbarten Nackenmuskeln abgegeben hat ^ 

y. Ungefähr dem eben beschriebenen Zweige gegenüber entsendet die Art. facialis ihren 
stärksten Zweig (Fig. 3, und Fig. 4, 3), der sogar noch eine etwas grössere Dicke hat, als 
dieses Gefäss in seinem weiteren Verlaufe. Derselbe stellt die Art. dentalis inferior dar, ver- 
läuft in dem vorhin erwähnten starken Beissmuskel ganz nahe der inneren Seite dieses Muskels 



^) Da ich eben so wenig, wie bei dem. Leguan, auch bei fast allen anderen mit Carotidenbogen versehenen Schuppencchäen, welche 
ich auf ihre Arterien untersucht habe, einen Eamus spinalis finden konnte, der von dem Kopfaste eines Carotidenbogens hinter 
dessen Theilungswinkel abgegangen wäre, so vermuthe ich, dass bei den meisten von denjenigen Schuppenechsen, welche Caro- 
tidenbogen besitzen, eine seitliche Spinalarterie, wie bei dem Leguan, von einem Kanms cervicalis der Art. facialis alx-elit. 



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Untersuchungen Hier die Aortenwiirzeln der Saurier. 



71 



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schräg nacli unten und vorn, trifft in einiger Entfernung von seinem Ursprünge mit dem 
dritten Aste des Nervus trige minus zusammen, dringt mit ihm in den Canal des Unterkiefers 
ein und erstreckt sich in diesem Canal bis zu dem KhmwinkeL Ehe er in den Unterkiefer 
eindrinp-t, mht er zwei nach vorne und unten gewendete ziemlich starke Zweige ah, von denen 



der eine (Fig. 1) über die äussere Seite des Beissmuskels , der andere, der dicker als jener ist 
und weiter nach unten entspringt (Fig. 3), in der Substanz desselben Muskels verläuft. In dem 
Unterkiefer aber sendet er einen massig starken ZAveig oder zwei solche Zweige nach innen 
und fünf bis sechs in einer Eeihe auf einander folgende viel dünnere Zweige nach aussen ab, 
die durch eben so viele kleine Löcher dieses Skeletstückes hindurchdringen, und von denen 
sich neben demselben die ersteren in der Schleimhaut der Mundhöhle , die letzteren in der 

Hautbcdeckung verbreiten. 

d. Unter dem Processus orbitalis des Scheitelbeines entspringt aus der Art. facialis eine 
massig starke Art. orbitalis supcrior (Fig. 3), die sich nach vorne und oben begibt, dicht miter 
dem Dache der Augenhöhle in dem einen von den beiden schmalen fibröshäutigen und mit 
dem Stirnbein verbundenen paarigen Blättern, in welche die Scheidewand der beiden Augen- 



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einen 



höhlen lioch oben der Länge nach gespalten ist, nach vorn läuft (Fig. 4, 5 und 
unbedeutenden Nebenzweig an das obere Augenlid (Fig. 1 und 2) so wie einige andere 
Nebenzweio'c an die Thränendrüse, den oberen schiefen Augenmuskel und das Bindegewebe 
der Auo-enhöhle abgibt, und endlich an der vorderen Wandung dieser Höhle in eine von unten 
ihr entgegenkommende Arterie übergeht. 

£. Ein wenio' Aveiter nach unten entspringt aus der Art. facialis eine noch etwas dickere 
Art. orbitalis inferior. Dieselbe theilt sich alsbald in zwei Aa. palpebrales (Fig. 1 und 3) . 
und einen stärkeren Zweig (Fig. 4, e) , der zAvischen der hinteren Wandung der x^ugenhöhle 
und demAuo-e unter einem Bogen herabsteigt, zwischen dem oberen und dem äusseren geraden 



Auo-enmuskel nach dem Sehnerven weiter vordringt, und an der äusseren Seite dieses Nerven 
unter einem Bogen in die Art. ophthalmica übergeht. 

f. Wo die Art. facialis unter dem unteren Augenlide verläuft, sendet sie für dasselbe 
einige in einer Eeihe auf einander folgende kleine Zweige nach oben bin. 

tj. Ihre an der inneren Seite des Oberkieferbeines sich hinziehende Fortsetzung oder die 
Art. dentalis supcrior, die zwischen dieser Knochentafel und der äusseren theils häutigen, 
theils knorpeligen Wandung der Nasenhöhle liegt (Fig. 3,7), entsendet ausser den sehr kleinen 
Zweigen, welche sie nach unten an die Zähne des Oberkiefer- und des Zwischenkieferbeines 
abgibt, vier bis fünf stärkere Zweige, die durch eben so viele in einer Eeihe auf einander 
folgende Löcherchen des ersteren Knochenstückes nach aussen hervordringen und sich in der 
Hautbcdeckung des Oberkiefers verbreiten, dessgleichen einige auf einander folgende nocl 



stärkere Zweige nacli innen und unten, die sich nach aussen von dem langgestreckten und 
weiten inneren Nasenloche in der Schleimhaut des Gaumengewölbes, zumal in einer von dieser 
Haut gebildeten und den oberen Zähnen anliegenden schmalen Falte verbreiten. Das Ende 
der Arterle aber dringt vor dem Oberkieferbein nach aussen vor und spaltet sich gabelförmig 
in zAvei Zweige, die das äussere Nasenloch umfassen und sich in den es umgebenden häutigen 
Theilen ausbreiten (Fig. 3). Auch sendet der eine von diesen Zweigen, der bogenförmig hinter 
und über dem äusseren Nasenloche verläuft, einen starken Scitenzweig nach hinten aus, der 
nach innen von dem Oberkieferbein an der SeitenAvandung der Nasenhölile zwischen zwei von 
einem Knorpelblatte dieser Wandung gebildeten starken Ausbuclitungen schräg nach hinten 



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72 



Heinrich Bathke. 



und oben verläuft (Taf. IV, Fig. 5, 3), durch das erwähnte Blatt, das von dem Knorpel der 
Nasenscheidewand hoch oben abgeht, eine Reihe von Ileisern nach innen sendet und sich in 
der ziemlich grossen Eiechmuschel, überhaupt aber durch den grösseren Thcil der Riechhaut 
seiner Seitenhälfte verbreitet. 

hh. Der andere untergeordnete Ast des von dem Carotidenbogen abgehenden Kopfastes 
ist etwas dünner, als der erstere, und entspricht in Hinsicht seiner Verbreitung zum Theil der 
Carotis ccrebralis anderer Wirbelthiere. Es verläuft derselbe unter dem Gehörknöchelchen 
durch die Paukenhöhle nach unten, vorne und innen, gelangt darauf an die untere Seite des 
Keilbeinkörpers und bildet im Ganzen einen massig starken Bogen, der mit seiner convexen 
Seite nach unten und etwas nach hinten gekehrt ist (Taf. IV, Fig. 1, Fig. 3, 2 und Fig. 4, d). Bei 
Iguana tuborculata, vermuthlich aber auch bei anderen mit Carotidenbogen versehenen 



Schuppeneehsen, theilt er sich unter dem Keilbeinkörper in einen ausserhalb der Schädelhöhle 
verbleibenden und einen in die Schädelhöhle übergehenden Zweig, von denen der letztere 
etwas dünner, als der erstere ist. 

a. Der erstere Zweig, der Art. palatino-nasalis genannt werden kann, geht gerade nach 
vorn , dringt durch eine massig grosse Lücke hindurch , die sich zwischen einem seitliciien 
Fortsatze des Keilbeinkörpers, dem Flügelbein und einem schräg nach unten und aussen 
gerichteten blattartigen Fortsätze des Schläfenbeines befindet, zieht darauf an der inneren 
Seite der Columella vorüber,, verläuft dann auf dem Gaumenbein und der Pflugschar schwach 
geschlängelt zur vorderen Wandung der Augenhöhle (Fig. 4, 10), steigt nuimiehr an dieser 
ganz nahe der Scheidewand der Augenhöhlen auf und geht endlich in die Art. orbitalis superior 
so über, dass er mit dieser zusammen gleichsam eine Schlinge bildet, die eine vcrhältnissmässig- 
ansehnliche Grösse hat (Fig. 4, s). Dicht vor der Columella entsendet er einen ziemlich dicken 
Zweig, der sich in dem vorderen unteren Theil des grossen Beissmuskels und an dem Mund- 
winkel verbreitet, so wie auch einen etwas dünneren Zwcio^ nach aussen und unten der sich 
dicht vor dem nach aussen gerichteten Querfortsatze des Gaumenbeines zu der Schleimhaut 
des Gaumengewölbes begibt' (Fig. 4 und Fig. 3). Weiter nach vorne aber entlässt er einen 
kleinen Zweig, der sich in dem unteren schiefen Augenmuskel verbreitet. Die Schlim>-e 
von ihm und der A. orbitalis superior gebildet wird, sendet aus ihrem vorderen Theile 



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der vorderen Wandung der Augenhöhle dicht anliegt, zwei Zweige nach hinten, die sich 
hauptsächlich in der vorderen Hälfte der Augenlider und den beiden schiefen Augenmuskeln 
verbreiten (Fig. 1, 3 und 4). Nach vorne aber sendet sie etliche Zweige in die Nasenhöhle 
ihrer Seite hinein, die sich hauptsächlich an der NasenscheidcAvand, doch zum Theil auch an 
der Seitenwandung der Nasenhöhle in derRiochhaut ausbreiten. 

ß. Der andere oder dünnere von den beiden zuletzt angeführten Zweigen des Kopfastes 
gelangt durch einen kurzen und engen Canal, der sich in dem Keilbeinkörper befindet, in den 
hinteren Theil der Sattelgrube und stellt für sicJi eine Carotis cerebralis dar. Diese Arterie 
theilt sich gleich nach ihrem Eintritte in dieSchädclhöhle in einen vorderen und einen liinteren 
'^weig. Der vordere Zweig (Taf. IV, Fig. 6 und Fig. 7, 2) verläuft an der unteren Seite des 
grossen Gehirns, bildet an derselben zwei starke nach aussen und oben gekehrte Biegungen, 



wo dieser Nerv in die Nasenhöhle übergeht. 



geht dann auf die äussere Seite des Riechnerven über und endet allem Anschein nach da, 

Bald nach seinem Ursprünge sendet er einen im 
Verhältniss zu ihm beträchtlich starken Zweig nach oben aus, der sich in derVierhügclmasse, 
an der hinteren Seite des grossen Gehirns und in den Plexus choroidei der dritten und der 



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Unter sucluin gen über die Äortemourzeln der Saurier. 



73 



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einen seitlichen Hirnliöhle , so wie aucli ausserdem nocli au dem kleinen Gehirn verbreitet. 
AVeiterliin entsendet der vordere Hauptzweig der Ilirn-Carotis mehrere in einer Eeihe auf 
einander folgende kleine Seitenzweige nach oben, die sich an der 'äusseren, der oberen und 
wahrscheinlich auch an der inneren Seite der entsprechenden Hemisphäre des grossen Gehirns 
verbreiten, diesen gegenüber aber ungefähr aus seiner Mitte einen ziemlich starken Seiten- 
zweig, der an der unteren Seite des grossen Gehirns schräg nach vorne und innen geht, sich 
an derselben und dem Chiasma der Sehnerven verbreitet und diclit vor dem Clüasma eine 
massig starke Art. ophthalmlca abgibt (Fig. 6, 3), die mit dem Sehnerven aus der Schädelhöhle 
hervortritt, nachdem sie von der oberen auf die äussere Seite desselben übergegangen ist. 
Der hintere Zweig einer jeden Carotis cerebralis (Taf. lY, Fig. 6, 4. und Fig. 7, 3), der etwas 
dünner als der vordere ist, vereinigt sich bald nach seinem Ursprünge und nicht weit hinter 

Hirntrichter mit dem gleichen Zweige der anderen Seitenhälfte, mit dem er unter einem 



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etw^as spitzen "Winkel zusammentritt, zu einer Art. basilaris (Fig. 6, 5 und Fig. 7, 4 



Diese 



aber sendet einen Zweig oder vielmehr wohl einige Zweige für die MeduUa oblongata und 
eine ziemlich starke Art. auditiva interna aus, ninmit an dem Ende der Schädelhöhle eine Art. 
spinalis lateralis auf und setzt sich geraden AVeges in eine unpaarige Art. spinalis inferior fort, 
die nirgends in ihrem Yerlaufe Maschen bildet, sondei^n ganz einfach bleibt. Eine besondere 



A. spinalis superior scheint bei 
zu fehlen. 



dem Leguan (oder überhaupt bei den Schuppenechsen?' 



Die Art. ophthalmica vereinigt sich in der Augenhöhle an der äusseren Seite des Sch- 

. bereits erwähnten und auf Taf. IV in Fig. 4, r. 



nerven unter einem Boge]i mit einem (unter aa. c 



angegebenen) Zweige der Art., facialis, der mit ihr ungefähr eine gleiche Dicke hat. Aus 
diesem Bogen aber entspringen einige Aa. ciliares, so wie auch einige Aa. mnsculares für die 
geraden Augenmuskeln und den nur schwachen M. retractor oculi. 



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d, Miiskelast des Carotidcnb oi>:enä 



§. 18. Diesen Ast sendet der Carotidenbogcn aus seinem absteigenden Schenkel , also 
hinter dem vorigen Aste aus. In der Regel entspringt er in einer massig grossen Entfernung 
von jenem (Taf. I, Fig. 5, 4 und Fig. 6, n^ Taf. II, Fig. 2, li und Fig. 4, /), ausnahmsweise 
aber bei Cyclodus nigroluteus, Lacerta ocellata, Iguana tuberculata, Basiliscus mitratus (Taf.II, 
Fig. 8, e) und Tejus Tcguixin diclit hinter demselben ganz am Anfange des absteigenden 
Schenkels des Carotidenbogens, dagegen bei Lyriocephalus margaritaceus (Taf. II, Fig. 3, li) 
und Draco viridis weit von jenem Aste entfernt beinahe an dem Ende des erwähnten Bogens. 

An Dicke stellt er niclit blos dem Kopfaste, sondern fast immer auch dem Kehlzungen- 
aste sehr nach und übertrifft darin, Avenn bei einer Schuppenechse auch ein besonderer Ast 
der Carotis für die Thymusdrüse vorhanden ist, nur allein diesen. _ Bei Anguis fragilis aber 
und bei Gongylus ocellatus ist er beinahe so dick, wie der Kehlzungenast. 

Von seiner Ursprungsstelle geht er nach aussen und etwas nach vorn , schlägt sich in 

einem Bogen um die innere und obere. Seite der Vena 
jugularis und des Nervus vagus derselben Seitenhälfte herum, gelangt demnächst zu dem Muse. 
levator scapulae und breitet sich nunmehr mit etlichen Zweigen theils an diesem Muskel aus, 
an dem er sich nicht selten bis in die Nähe des Kopfes verfolgen lässt, theils an den Mm. 
scalenus und sternomastoideus, die dem erstgenannten Muskel benachbart sind (Taf.I,Fig. 5,4)- 

Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. XTTI. Bd. Abliandh v. Nichfmitsl. 



f^eincm Verlauf gleich anfangs in 



74 



lieinricJi Hatlihe. 



Tn seltenen Fällen ^ wie namentlich bei Cyclodus nigroluteus^ Gongylus ocellatus und Anguis 
fragilisj verbreitet er sich ausserdem auch an dem M. longus colli ^ dessgleichen mit einigen 
neben den Halswirbeln aufsteigenden Zweigen zwischen und in den tieferen Nackenmuskeln. 
Wahrscheinlich sendet er überdies gewöhnlich einen oder einige dünne Zweige, die zwischen 
dem M. levator scapulae und dem M. sternomastoideus hindurchgehen, zu den Mm. latissimus 
colli und cucullaris hin; denn bei mehreren Schuppenechsen habe ich einen seiner Zweige bis 
zu diesen Muskeln verfolö:en können. 

Zuweilen, doch wohl nur höchst selten, steht der Maskelast durch eine kurze Anastomose 
mit dem vorderen Thcil des Kopfastes, ehe sich dieser in seine beiden Endäste theilt, in einem 
Zusammenhange. Einen Fall der Art fand ich bei einem Polychrus marmoratus. 

Als eine Abweichung von der Regel kommen bisweilen,' doch nur sehr selten, in der 
einen Seitenhälfte des Körpers zwei solche Muskeläste vor, haben dann aber einzeln betrachtet 
eine geringere Dicke und Verbreitung, als der entsprechende einfache Ast der anderen Seiten- 
hälfte. Einen Fall der Art fand ich bei einem Lophyrus 

Schenkel des rechten Carotidenbogens zwei Muskeläste aussendete, einen zAveiten Fall bei 
einer Chamaesaura anguina, bei der rechterseits dicht hinter dem Carotidenbogcn die Aorten- 
wurzel einen zweiten Ast für den M. levator scapulae und einige diesem benachbarte 
Muskeln abgab. 

Den beschriebenen Muskelast des Carotidenbogens fand ich bei allen untersuchten 
Schuppenechsen, welche dergleichen Gefässbogcn besitzen, mit der einzigen Ausnahme von 
Acontias Meleagris, bei dem in jeder Seitenhälfte ein solcher Ast fehlt, was seinen Grund 
wohl darin hat, dass bei diesem Saurier die Carotidcnbogen ziemlich weit hinter den Schulter- 
blättern und dem Brustbein liegen. Ersetzt aber wird derselbe bei Acontias durch einen 
Zweig des Kchlzungcnastes , welcher Zweig von seinem Aste gegenüber dem hinteren Ende 
des M. levator scapulae abgeht und sich theils an diesem IMuskcl, theils auch an dem M. scalenus 
ausbreitet. (Ein M. sternomastoideus fehlt bei Acontias.) 



giganteus , bei dem der absteigende 



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e. Al)steigendcr Schenkel des Carotidenbogens oder Verbindungsast zwischen der 



Carotis und der Aortca. 

. 19. Die absteigenden Schenkel der Carotidenbogcn 



— welcLe Sclienkel liinter den 
Stellen, wo sie ihre Muskeläste ausgesendet haben, als ein paar Anastomosen zwischen den 
Garotiden und den Aortenwurzeln betrachtet werden können — haben bei den verschiedenen 
Schuppenechsen, bei welchen sie vorkommen, im Yerhältuiss zu den aufsteigenden Schenkeln 
oder auch zu den Kopfästen der genannten Bogen eine sehr verschiedene Dicke. Im Ver- 
gleich mit den Kopf ästen der Carotidcnbogen, also im Vergleich mit den stärksten Ästen dieser 
Bogen, habe ich sie gefunden: a. viel dicker, als jene Äste, bei Acontias Meleagris (Taf. IT, 
Fig. 1, h), Anguis fragilis und Chamaesaura anguina; h. etwas dicker bei Lacerta ocellata. 



Ameiva vulgaris (Taf. I, Fig. 6, c) und Draco viridis : c. ungefähr eben so dick bei Lacerta 
agilis (Taf. II, Fig. 4), Lophyrus giganteus, Agama mutabilis, Phrynosoma Harlanii, üromastix 
spinipes, Euprepis Merremii, Gongylus ocellatus, Cyclodus nigroluteus und Platydactylus 
acgyptius ; d. etwas dünner bei Ophisaurus ventralis (Taf II, Fig. 2, i) , Pseudopus Pallasii 
(Taf. I, Fig. .5, 3), Iguana tuberculata, Lyriocephalus margaritaceus (Taf. II, Fig. 3), Agama 
colonorum, Grammatophora barbata, Zonurus cordylus und Platydactylus guttatus; e. sehr 
viel dünner bei Istiurus amboinensis. Pejus Teguixin und Basiliscus mitratus (Taf II,Fig. 8/). 



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Unter sucJiungen über die Aortenwurzeln der Saurier. 



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Bei dem IstiuruSj von dem ich ein ansehnlich grosses Exemplar nntcrsuchte, fand ich die 
absteigenden Schenkel der Carotidenbogen nach Abgabe ihrer Muskeläste nicht völlig halb so 
dick als die Kopfäste dieser Bogen. Dasselbe war der Fall bei ehiem 2 Fuss mid 6 Linien langen 
Exemplar von Tejus Teguixin , bei dem sie nach Abgabe ihrer Muskeläste an Dicke den 
Kehlzungcnästen der Carotidenbogen gleich kamen. Am dünnsten aber fand ich sie bei einem 
3' 2'" lano'cn Exemplar von Basiliscus mitratus, bei dem sie beinahe ihrer ganzen Länge nach 
— nämlich mit Ausnahme ihres vordersten Theiles, aus dem ein jeder den vorhin beschriebenen 
Muskelast aussendete -— nur als sehr dünne Fäden erschienen (Taf. II, Fig. 8,/), so wie auf 
Querdurchschnitten selbst unter einer Loupe nur einen kleinen Punkt als ihr Lumen und m 
den Aortenwarzeln nur eine sehr enge Mündung bemerken Hessen. 

Nach dem Befunde, dass bei ansehnlich grossen Exemplaren einiger Arten von Schuppen- 
echsen die absteigenden Schenkel der Carotidenbogen nur eine verhältnissmässig sehr geringe 
Dicke haben, lässt sich vermuthen, dass sie bei diesen Arten von Schuppenechsen im Lauf 
des Lebens immer dünner Averden und in einem späten Lebensalter hinter den Stellen, an 
welchen sie ihre Muskeläste ausgesendet haben, zuletzt durch eine Verwachsung ihre Höhlen 
gänzlich verlieren. Auch will in der That einer der vorzüglichsten Beobachter, Brücke, 
bei einem injicirten Weingeist-Exemplar von Podincma (Tejus) Teguixin gefunden haben, 
dass bei demselben auf beiden Seiten der Verbindungsast zwischen Carotis und Aorta obhtcnrt 
war^). Indess wäre bei der Angabe dieser Wahrnehmung noch zu wünschen geivesen, dass 
mein verehrter Freund sich auch darüber erklärt hätte, ob von ihm durch jene Verbindungs- 

äste Querdurehsclmitte ^ 
einigen von denjenigen Schnppeneclisen, welche nocli nacli der Beendigung des Fruclitlcbens 
die beschriebenen Anastomosen besitzen, diese in einem späten Lebensalter obliteriren, so wird 
las wahrscheinlich nur bei solchen der Fall sein, bei welchen sie schon gegen das Ende des 



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Pruchtlcbens in ihrer Entwickelung so zurückgeblieben sind, dass sie selbst in frühester Jugend 
nur eine verhältnissmässig geringe Dicke haben. Für eine solche Wahrscheinlichkeit spricht 
der Umstand, dass ich bei einem 8" 3"' langen Tejus Teguixin, der an dem Bauche noch eine 
Narbe von einer Nabelöffnung zeigte, also seinen Austritt aus dem Ei nicht lange überlebt 
haben konnte, die Anastomosen zwischen den Carotiden und Aorten wurzeln verhältniss- 
mässig kaum etwas dicker fand, als bei einem mehr als 2' langen Exemplar derselben 
Reptilien-Art. 

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BB. CAROTIDEN PER CHAM ÄLEONIDEN. 

§. 20. Aus der Familie dieser Schuppenechsen habe ich auf ihre Arterien untersucht drei 
erwachsene Exemplare von Chamaeleo vulgaris, ein 9" 3''' langes Exemplar von Ch.planiceps, 
ein 1" 9"' langes Exemplar von Ch. verrucosus, ein 5" langes Exemplar von Ch. pumilus und 
ein 4" T' langes Exemplar von Ch. tigris. Alle aber bis auf eins Hessen nicht die mindeste 
Spur von einer Anastomose zAvischen je einer Carotis und einer Aortemvurzel erkennen, 
obgleich ich auf das Aufsuchen einer solchen die möglichste Sorgfalt verwendete, und obgleich 
bei einigen die Injection der Arterien sehr gut gelungen war. Nur allein bei demCh.plamcepswar 
jederseits zwischen den erwähnten Arterien eine Anastomose vorhanden , jedoch hatte sie eine 



t , 



Beiträge zur vergl. Anatomie und Physiologie in dem 3. Bande der Benk Schriften der 
der kais. Academic der Wissenschaften in Wien 1852 (Seite IG eines Scparatabdrucks). 



matliematisch-iutturwissenschaftl. Clause 



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II einricli liathke 



so geringe Dicke, class sie selbst unter einer stark vergrössernden Loupe nur als ein selir 
zarter FadeUj und die Tnjectionsmasse, mit der sie angefüllt Avar, nur als ein sehr feiner Strieli 
erscliien (Taf. IT, Fig. 9, o). Vor ihrer Mitte sendete übrigens diese Anastomose einen sehr 



zarten Zweig ab (Taf. II, Fig. 9, f^), 



J 



der zwar in Hinsicht seines Ursprunges und seines Ver- 
laufes mit derjenigen Arterie anderer Schuppenechsen übereinstimmte, welche ich in einem 
der vorigen Paragraphen den Muskelast des Garotidenbogens genannt habe, jedoch nicht zu 
dem Levator scapulae oder einem anderen Ilalsmuskel hinzugehen, sondern sich auf der 
V. jugularis und in dem diese Vene umgebenden Bindegewebe zu verlieren schien. Sonst 
aber habe ich nur noch einmal, wie ich glaube, einen solchen Zweig bei einem Chamäleon 
bemerkt, und zwar bei einem Ch. vulgaris, bei dem die Injcction nielit besonders gut gelungen 
war; denn bei diesem Exemplar ging von der Carotis da, wo sich dieselbe in zwei Äste theilte, 
ein. zarter wcisslichcr und etwas verzweigter Faden nach aussen gegen den Levator scapulae 
hin, der sich, als ich ihn mit der Carotis ausgeschnitten und unter das Mikroskop gebracht 
liatte, deutlich als ein von der Carotis abgehendes Gefäss erwies. 

Ob Ch. planiceps und noch andere Arten von Chamaeleo, die ich nicht Gelegenheit 
gehabt habe zergliedern zu können, im erwachsenen Zustande immer noch Anastomosen, 
wenngleich nur sehr schwache, zwischen den Carotidcn und den Aortenwurzeln besitzen, dar- 
über würde eine nähere Auskunft sehr zu wünschen sein. Vorläufig aber dürfte anzunehmen 
sein, dass bei den geschlechtsreifen Chamäleoniden in der Regel zwischen den Aortenwurzeln 
und den Carotidcn keine Spuren von Anastomosen vorhanden sind und dass bei ihnen auch 
keine besonderen Arterienäste vorkommen, die sich an den Mm. levatores scapularum und 
scaleni verbreiteten, sondern für diese Muskeln nur_ untergeordnete Zweige der Carotidcn 
bestimmt sind. 

§. 21. Die Carotidenstämme der Chamäleoniden (Taf. II, Fig. 9, d und Fig. 10, e), deren 
Herz, Avie bei anderen Schuppenechsen, in dem vordersten Theil der Eumpfhöhle liegt und 
deren Aortcnwurzeln nach vorne ein wenig über die Schulterblätter hinausragen, entspringen 
dicht vor dem Herzbeutel und anter der Luftröhre aus der rechten Aortenwurzel neben 
einander. Axrfangs verlaufen sie eine Strecke dicht vor den Bogen der Aortenwurzeln, verlassen 
dann aber dieselben, indem sie weiter nach vorn gehen und neben der Speiseröhre beinahe 
bis zur obere]! Wandung dieser Eöhre aufsteigen, und theilen sich darauf in zwei ziemlich stark 
divergircnde Äste, von denen der eine etwas dicker als der andere ist. Der Winkel ihrer 
Theilung liegt bei Ch. planiceps hinter der Mitte, bei den übrigen Arten der Gattung 
Chamaeleo, welche ich liabe untersuchen können, ungefähr auf der Mitte des sehr kurzen 
Halses. Diese Verschiedenheit hat darin ihren Grund, dass sich die Carotidenstämme mit 
ihrem oberen Ende bei der ersteren Art, bei welcher die vorhin erwähnten Anastomosen 
verbleiben, nur massig weit von den Aortenwurzeln haben entfernen können, bei den letzteren 
Arten aber, bei denen jene Anastomosen vergehen, sich mit ihrem oberen Ende ziemlich weit 
von den Aortcnwurzeln entfernt und nach vorn bei>-eben haben. 

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Der dickere Ast einer jeden Carotis, der von einer V. jugularis und einem N. vagus 
begleitet wird und dem Kopfastc anderer Schiippenechsen entspricht (Taf. II, Fig. 9, m und 
Fig- 10,/), geht neben der Speiseröhre nach vorne und oben zum Hinterkopfe, gibt unterwegs 
keine Zweige ab und spaltet sich hinter dem Quadratbein in einer massig grossen Entfernung von 
demselben in zwei ziemlich stark divergircnde Endäste, die eine sehr ungleiche Dicke haben. 
Der eine von diesen dringt durch die Schädelgrundfläche in die Schädelhöhle ein. Der andere 






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UntGi'sucliungen übei- die Aortenioiüröeln der Saurier. 



11 



sendet in seinem Verlaufe mehrere Zweige aus , 



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aber, der drei- bis viermal dicker als jener ist und nach aussen von demselben liegt, gibt hinter 
dem Quadratbein einen Zweig ab, der sieb in dem starken Muse, apertor oris verbreitet, geht 
darauf an der inneren Seite des Quadratbeines nahe dem oberen Ende desselben vorbei und 

die für verschiedene nach aussen von der 
Hirnschale gelegene Körpertheile bestimmt sind. Einer von ihnen, der ziemlich stark und lang 
ist, geht dicht vor der Gelenkverbindung des Quadratbeines mit dem Paukenbein nach oben^ 
um sich in den sehr starken Mm. temporalis und masseter zu verbreiten. Ein anderer, aber 
etwas weniger dicker Zweig geht an der inneren Seite des Quadratbeines nach unten und 
dringt in den Unterkiefer ein. Die übrigen Zweige habe ich nicht gehörig erkennen und ver- 
folgen können. Ein Zweig, der als ein Ramus spinalis betrachtet werden könnte, wird allem 
Anschein nach weder von dem beschriebenen Aste selbst, noch von einem seiner beiden 
Endäste in den Canal der Wirbelsäule oder in die Schädelliöhle hineingesendet; denn 
ungeachtet vieler Mühe habe ich nach einem solchen bei Ch. vulgaris und Cli. planiceps 
vergeblich gesucht. 

Der dünnere Ast der Carotis (Taf. II, Fig. 9, e — l und Fig. 10, g — o), der den Thymus- 
drüsenast, den Ivchlzungenast und den Muskelast anderer Schuppenechsen vertritt, geht neben 
der Speiseröhre nach vorne und unten zu dem Zungenbein und der Zunge hin. Gleich nach 
seinem Ursprünge oder — wie es ausnahmsweise bei einem Exemplar von Ch. vulgaris der 
Fall 



war 



— erst in der jSFähe seiner Mitte sendet er einen starken Zweig ab, der sich in einige 
untergeordnete Zweige theilt. Der eine von diesen (Taf. II, Fig. 9, e und Fig. 10, o) verläuft 
uach hinten, unten und aussen und verbreitet sich in dem sehr starken M. levator scapulae, 
nachdem er sich zunächst zu dessen hinterem Ende begeben hat, ferner in dem M. scalenus, 
der hinteren Hälfte des sehr dünnen M. omohyoidcus, dem nur sehr massig breiten M. sterno- 
naastoideus und dem M. deltoidcus. Ein zAveiter Nebenzweig geht nach unten und aussen^ um 
sieh in dem M. omohyoidcus, hauj)tsächlich aber in dem sehr grossen und nicht, wie bei 
anderen Schuppenechsen, über jenem, sondern neben demselben gelegenen M. sternohyoideus 
^^u verbreiten. Ein dritter Nebenzweig (Taf. IT, Eig. 9, g und P'ig. 10 
der Thymus, für die er nur allein bestimmt ist. Ein vierter endlich (Taf. II, Fig. 9, h und 
Fig. 10, ^), den ich bei Ch. planiceps und Ch. pumilus ziemlich lang, bei Ch. vulgaris aber 



, m) geht nach unten zu 



^del kürzer gefunden habe, geht an der Seitenwandung der Speiseröhre nach vorn, verbreitet 
sieh theils an dieser Wandung, thells an der unteren "Wandung der Speiseröhre und schickt 
Wahrscheinlich auch der Luftröhre einige Heiser zu. 

Nachdem der dünnere Ast der Carotis communis den beschriebenen starken Zweig abge- 
geben hat, sendet er dicht hinter dem zweiten Zungcnbeinhorn einen langen und dünnen 
Zweig nach vorne und oben aus (Taf. II, Fig. 9, h und Fig. 10, Ä), der sich an dem M. ptery- 
goideus externus, dem M. apertor oris und der hinteren Hälfte desM. latissimus colli ausbreitet. 
Darauf geht dieser Ast an der inneren Seite des obersten Theiles des starken zweiten Zimgen- 



beiul 



lorns Aveiter nach vorn 



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schlägt sich vor demselben um die nach aussen und innen 



gekehrte Seite eines Muskels herum, der massig breit am üiiterkiefer entspringt und sich 
verschmälert nach hinten zu dem äusseren Ende des erwähnten Zungenbeinhorns begibt^), 
läuft nunmehr, indem er von dem Nervus hypoglossus begleitet wird^ über dem M. genio- 
hyoideus und neben der vorderen Hälfte eines häutigen Sackes, der bei den Chamäleoniden 



) \ u.-U(.'iclil eutäpriclit dieser Muskel dem vorderen Bauche des ]\I. dii^'ustrieus des MensclieiJ. 



78 



Heinrich Rathke, 



zwisclaen dem Kehlkopfe und der Luftrolire einen grossen Kropf bildet ■) , eine massig grosse 
Strecke schräg nach vorne und innen und theilt sich zuletzt in vier verschiedene Zweige. Der 
eine von diesen geht nach hinten und oben zu dem äusseren (oberen) Ende des zweiten Zungen- 
beinhorns und verbreitet sich in dem hinteren Theil des M. geniohyoideus, dem gleichen Theil 
des schon erwähnten Muskels, welcher sich vom Unterkiefer zu dem äusseren Ende des zweiten , 
Zungenbeinhorns begibt, wie auch in einem kurzen und dicken Muskel, der sich über dem 
M. geniohyoideus von dem äusseren Ende des zweiten Zungenbeinhorns zu dem hinteren 
Ende des Zungenbeinkörpers begibt. Der zweite Endzweig des Astes hat eine Kichtung nach 
hinten und innen gegen das hintere Ende des ZungenbeinkörperSj an dem er in denM. sterno- 
hyoideus übergeht. Der dritte Zweig, der viel stärker als die beiden ersten und auch ziemlich 
lang ist, verläuft nach vorne und oben zu dem Kehlkopfe und breitet sich theils in diesem 
Organ, theils auch an dem Kröpfe oder Luftsacke und der vordersten Partie der Speiseröhre 
aus. Der vierte Zweig geht über dem Zungenbeinkörper in die Zunge über. 



CG. CAUOTIDEN DER VARANIDEN. 



§. 22. Wie bei Psammosaurus griscus nach den von Corti gemachten Angaben, sendet 



auch bei Varanus bivittatus, Var. niloticus und Var. ornatus 



von deren jedem ich zwei 



injicirte Exemplare untersucht habe — die rechte Aortenwurzel, indem sie aus demE[erzbcutel, 
der in der Eumpfhöhle weit nach hinten liegt (§. 4), hervortritt, für die Carotiden einen 
Arterienstamm aus, der um sehr Vieles länger ist, als ich ihn bei irgend einer anderen 
Schuppenechse gesehen habe (Taf. III, Fig. 1, 2), .Bei einem Var. niloticus, dessen Eumpf- 
höhle 4!' 11''' lang war, betrug seine Länge OVa"'? und ähnlich verhielt sich seine Länge zu der 
Länge der ßumpfhöhle auch bei Var. bivittatus und Var. ornatus. Von seinem Ursprünge 
aus läuft dieser Stamm auf der rautenförmigen Platte des Brustbeines ziemlich gerade nach 
vorne, worauf er sich gegenüber dem vorderen Rande der erwähnten Platte und um ein 
Grerinöfcs vor dem Theilun^^swinkel der Luftröhre oder auch schon unterhalb desselben unter 



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einem spitzen Winkel in zwei symmetrische Carotides communes spaltet. 

Ganz nahe seinem Ursprünge gibt der angeführte Arterienstamm bei den Varanen in der 
Pegel, wie bei Psammosaurus griseus, einen kurzen sich in zwei Aa. mammariae internae thei- 
lenden Ast ab, statt dass bei anderen Schuppenechsen, welche dergleichen Gefässe besitzen, 
dieselben geschieden von einander aus den Aa. subclaviae entspringen (§. 29, c). Bei einem 
Exemplar von Var. niloticus aber fand ich eine erhebliche Ausnahme von dieser Pegel, indem 
bei ihm die linke A. mammaria interna aus der Carotis primaria dicht hinter deren Thei- 
lungswinkel, die rechte etwas vor demselben aus der Carotis communis dextra entsprang. 

§. 23. Die gemeinschaftlichen Carotiden haben bei den Varaniden, deren Hals im Ver- 
gleich mit den übrigen Schuppenechsen beträchtlich lang ist, ebenfalls eine ansehnliche Länge 
(Taf. III, Fig. 1, 3, 3, und Fig. 2, 1). Von ihrem Ursprünge verlaufen sie divcrgircnd, ohne eine 
Sförmige Krümmung zu bilden oder sich zu schlängeln, erst unter der Luftröhre und Speise- 
röhre , dann weiter nach vorn neben der letzteren und immer mehr sich von der ersteren 
entfernend zum Kopfe hin, wobei sie ungefähr auf der Mitte des Halses an der inneren Seite 



*) Den erwähnten Sack, der von Ch. vulgans liingst bekannt ist, liabe ich auch hei Ch. planiceps, Oi. verrucosus, Ch. pumilus und 
Ch. tigris gefunden. 






Untersuchungen über die Aortemoiirzeln der Saurier. 



79 



der selir langen Zungenbeinhörn er 



des zweiten oder hinteren Paares vorbeigehen 



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welche 



Hörner eine sehr schräge Richtung nach hinten und aussen haben und nebst dem Zungenbein- 
körper im Verhältniss zu der ganzen Länge des Halses viel weiter nach hinten liegen, als bei 
den übrigen Schuppenechsen. Doch gehen sie nicht unmittelbar an der inneren Seite dieser 
Hörner vorbei, sondern sind von denselben durch die Mm. sternomastoidei, die übrigens bei 
den Yaraniden mit den Mm. trapczli völlig verschmolzen sind, geschieden und zunächst 

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bedeckt. Vor dem hinteren Zungenbeinhorn und nur in einer massig grossen Entfernung- von 
ihm theilt sich dann jede Carotis communis bei den Varanus-Arten gleicherweise, wie bei dem 
Psammosaurus griseus, unter einem spitzen Winkel in zwei Äste, die in Hinsicht ihrer Verbrei- 
tung denjenigen Asten der mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen entsprechen, welche 

ich den Kopfast und den Kehlzungenast genannt habe. In ihrem Verlauf wird übrigens eine 
jede Carotis communis und ihr Kopfast A^on einer Vena jugularis und einem Nervus vagus, 
die sich an der äusseren Seite derselben hinziehen, begleitet. 

§. 24. Bevor sich bei den Varanen die Carotis communis gabelförmig in die beiden 
erwähnten Äste theilt, sendet sie einige an Grösse sehr A^erschiedene Seitenäste aus. 

a. Noch innerhalb der Eumpfhöhle gibt sie einen zwar nur wenig dicken, doch ziemlich 
weit vei'breiteten Ast ab (Taf HI, Fig. 1, 4 und Fig. 2). Denn ausserdem, dass sich derselbe 
an dem hintersten Theil des Luftröhrenstammes und einem ebenfalls nur kleinen Theil der 
Speiseröhre A^erbreitet, sendet er zAvei grössere Zweige aus, A^on denen der eine neben dem 
N. vagus eine ziemlich grosse Strecke nach hinten läuft und durch mehrere Reiser den Luft- 
röhrenast seiner Seite mit Blut versorgt, der andere sich nach unten und aussen begibt und 
sich in einem langen strangförmigen Muskel verbreitet, der seiner Lage nach dem M. triangu- 
laris sterni des Menschen entspricht, aber theils A^on demBrustbeinhorne seiner Seite und dem 
vorderen Ende der beiden mit diesem Hörne verbundenen Kippen, theils auch A^on der rauten- 
förmigen Platte des Brustbeines entspringt mid sich vorne an die innere Seite des breiten 
Hackenschlüsselbeines ansetzt. 

h. Gleich nach ihrem Austritte aus der ßumpf höhle entsendet die Carotis communis einen 
ansehnlich starken nach unten und aussen gellenden Ast, der sich in mehrere ZAveige theilt, 
^vennglcich bei verschiedenen Exemplaren der Varanen in verschiedener Weise (Taf ni,Fig. 2,4). 
Her kleinste von ihnen geht zu einer verhältnissmässig nur kleinen Blutdrüse, die in dem 
hintersten Theil des Halses dicht vor dem vorderen Stück des Brustbeines (dem Episternal- 
knochen) neben und unter der Luftröhre liegt, einen fast nierenförmigen und massig dicken 
Körper darstellt, mit ihrem grössten Durchmesser quer gerichtet ist und der Thymusdrüse 
anderer Schuppcnccliscn entspricht (Fig. 1 und 2). Ein anderer ziemlich grosser ZAveig A'cr- 
breitet sich an dem mittleren Theil der Speiseröhre. Ein dritter läuft neben der Luftröhre 
nach vorne bis zu dem Zungenbeinkörper, auf Avelcliem Wege er etliche Eeiser in einer Eeihe 
i^ach einander an die Luftröhre absendet (Fig. 1, 8 und Fig. 2, 5). Bei einem Exemplar von 
^ar. niloticus aber, bei dem dieser Ast nur Avenig Injectionsmasse aufgenommen hatte, schien 
niir ein besonderer neben der Luftröhre A^erlaufender ZAveig zu fehlen und für den mittleren 
Theil dieser Eöhre mehrere Eeiser desjenigen ZAveiges, der auf dem mittleren Theil der 



Speiseröhre ausgebreitet ist, bestimmt zu sein. Ei 



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'ierter und fünfter ZAveii? schlagen 



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sich 



Von entgegengesetzten Seiten um den M. sternohyoidcus (Fig. 1, o) herum, dringen zwischen 
diesem Muskel und dem dicht unter ihm liegenden M. omohyoideus (Fig. 1, n) ein und ver- 
sor^-en beide mit Blut. Ein sechster ZAveig endlich, der zwischen den Mm. omohyoideus. 



80 



IleinriGh Batlike. 



sternoliyoideus und stcrnomastoidcus (Fig. l,?2j o und_p) nacli aussen liindiirclidringt (Fig. 1;-^)? 
versorgt tlieils diese Muskeln, theils auch den M. latissimus colli mit Blut. 

c. Ein dritter Ast, der ebenfalls ansclinlich starlv ist, entspringt aus der Carotis communis 
entweder ein klein wenig weiter nach vorn, als der vorige, oder dicht nehen demselben, oder 
auch, wie ich bei einem Exemplar Yon Yar. bivittatus gesehen habe, mit ihm zu einem sehr 
kurzen Stämmchen Ycrbundcn. Es schlägt sich dieser Ast — 



— der demjenigen Arterienaste des 

Psammosaurus zu entsprechen scheint, welchen Gorti einen Eamus muscularis der Carotis 
communis genannt und in der vierten Abbildung seiner Schrift mit Nr. 2 bezeichnet hat — 



Yon innen nach aussen um die obere Seite der Y. jugularis herum, gelangt zur inneren Seite 
des starken M. levator scapulae und thcilt sich in etliclic Z^vcige, die sich an der hinteren 
grösseren Hälfte dieses Muskels , wie auch an dem verhältnissmässig nur kleinen M. scalcnus 
und der hinteren Hälfte des mit demTrapczius yerschmolzcnen M. sternomastoideus ausbreiten 
(Fig. 2, 2 und 3). Es verhält sich also dieser Ast in seinem Yerlaufe und seiner Ausbreitung 
ähnlich, wie bei den mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen derjenige Ast dieser 
Bogen, welchen ich den Muskelast derselben genannt habe. Sein Ursprung aber ist ein 
anderer, als der Ursprung des ervvähnten Muskelastcs jener Schupponechsen, wie sich weiter- 
hin (§. 48) ergeben wird. 



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Ein wenig vor dem Ursprünge der beiden zuletzt beschriebenen Aste liegt ein ähnlicJios 
Stammganglion des N. vagus, als bei den mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen da 
vorkommt, wo sich ungefähr die Mitte eines solchen Bogens befindet (§. 12). 

d. Weiter nach vorn sendet die Carotis, communis nach aussen und oben einen oder 
zwei viel kleinere Aste aus, die zwischen den Mm. levator scapulae und sternomastoideus ein- 
dringen und sich zwischen denselben ausbreiten (Fig. 2). 



§. 25. Yon den beiden Asten ^ in die sich die Carotis communis zwischen dem hinteren 
und vorderen Zungenbeinhorn unter einem spitzen Winkel spaltet, ist der eine beinahe zweimal 
so dick, als der andere. Der dünnere Ast (Taf. HI, Fig. 1, 9, Fig. 2, g und Fig. 3, 3) geht 
zwischen den beiden Zungenbeinhörnern seiner Seite schräg nach unten und vorn, wobei er 
auf einer ziemlich grossen Strecke seines Weges von dem Zungenaste des Nervus hypoglossus 
begleitet wird, und dringt bald nach seinem Ursprünge zwischen den Muse, keratoglossus und 
M. genioglossus ein, von denen der erstere, der zwischen dcm'vorderen und hinteren Zungen- 
beinhorn ausgespannt ist, nur in einer kleinen Muskelschicht besteht (Taf. HI, Fig. 2, Z) , der 
letztere, der jenen von unten lier völlig vordeckt, seinem grösseren Theilo nach eine ansehnlich 
lange und beträchtlich breite, unter dem vorderen Zungenbeinhorn hinweggehende und an das 
ganze hintere Zungenbeinhorn angeheftete Muskclschicht darstellt (Taf. HI, Fig. 1,/,/). In 
einiger Entfernung von seinem Ursprünge sendet dieser Ast einen ziemlich starken Zweig ab, 
der sich an dem M. sternomastoideus und der unteren Seite des M. geniohyoidcus verbreitet 
Fig. 1, 6). Weiterhin, wo er schon zwischen den Mm. geniohyoidcus und keratohyoideus zu 
liegen gekommen ist, entsendet er ausser einigen kleinen Zweigen für diese beiden Muskeln 
einen zwar nur dünnen, jedoch ziemlich langen Zweig, der unter dem zweiten Segment des 
vorderen Zungenbeinhorns nach vorne geht und sich theils an dem M. sternomastoideus, theils 
auch an dem M. pterygoideus externus verbreitet (Taf. HI, Fig. 2). Nachdem aber der Ast 
die angeführten Seitenzweige abgegeben hat, theilt er sich zwischen den beiden Zungenbein- 
hörnern in zwei Endzweiire. Der eine von diesen boi>-ibt sich soo-leich zu dem lani>-en stran^-- 



förmigen M. hyogiossus und läuft an demselben, begleitet von einem Zweige des N. hypo- 



*f 



Untersuchungen über die Aortenicurzeln der Saurier. 



81 



glosBus, grösstentlieils nach vorn gegen die Zunge hin (Taf. III, Fig. 1, lo, Fig. 2 und Fig. 3). 
Der andere Endzweig, der meistens dicker als der erstere ist, dringt durcli den M. keratoliyoi- 
deus nach oben hindurch (Fig. 2), verläuft darauf schräg nach unten und vorn, erst zwischen 
dem so eben genannten Muskel und der Si^eiseröhre, dann zwischen dem ersten oder nach 
vorne und aussen gerichteten Segment des vorderen Zungenbeinhorus und der Speiseröhre 
(Fig. 3), und verbreitet sich zuletzt an dem vorderen Theil der Luftröhre, der über dem Zungen- 
beinkörper liegt, und an dem Kehlkopfe. Sehr wahrscheinlich dringt der erstere von den 
beschriebenen beiden Endzweigen auch in die Zunge ein, doch habe ich ihn niemals bis in sie 
hinein verfolgen können. Auch bin ich überhaupt ausser Stande angeben zu können, durchweiche 
Zweige der Carotiden bei den Varanus-Arten die Zunge hauptsächlich mit Blut versorgt wird. 
Bei Psammosaurus griseus, bei dem sich auch die Verzweigung der beiden Endäste der Carotis 
communis sehr ähnlich verhält, wie bei den Yaranus- Arten, soll nach einer Angabc von Corti, 
die ich jedoch bezweifeln möchte, die Zunge ihr Blut hauptsächlich aus zwei paarigen Arterien 
erhalten, welche, nachdem sie ähnlichermassen, wie die Aa. alveolares inferiores der Säuge- 
thicre, durch die Scitcnhälften des Unterkiefers eine Strecke hindurchgegangen sind, aus den- 
selben hervortreten, auf die Zunge übergehen und sich in ihr verbreiten. 

§. 26. Der andere oder dickere Endast der Carotis communis, der dem Kopfaste der mit 
Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen entspricht, erscheint als eine gerade Fortsetzung 
seines Stammes, verläuft ziemlich geradlinig nach vorne und etwas nach oben neben dem 
vordersten Theile der Speiseröhre, wird von dem Nervus vagus begleitet und begibt sich zu 
dem Hinterkopfe (Taf. III, Fig. 2, 6 und Fig. 3, 2). Auf dem Wege, den er zurücklegt, sendet 
er etliche Seitenzweige aus und thcilt sich darauf in einer geringen Entfernung von dem 
Quadratbeine zwischen dem vordersten Theile der Speiseröhre und dem M.apertor oris in zwei 

Endzweige. 

a. Von den Seitenzweigen , die er abgibt, gehen vier in einer Reihenfolge nach aussen 

und oben, dringen zwischen die Muskeln des Nackens ein und verhalten sich in Hinsicht ihrer 
Grösse dermassen, dass der hinterste von ihnen am längsten, der vorderste am kürzesten zu 
sein pflegt. Der hinterste läuft, zunächst bedeckt von denMm.sternomastoideus und trapezius, 
an der äusseren Seite der Mm. levator scapulae und coinplcxus ccrvicis nach dem M. splenius 
capitis hin, verbreitet sich an allen diesen Muskeln und sendet wahrscheinlich auch zu den 
tiefer liegenden Nackenmuskeln Eciser hin (Fig. 2 und 3). Der zweite verläuft zwischen den- 
selben Muskeln, wie der erste, und gibt auch einen zarten Nebenzweig ab, der neben dem dritten 
Nervus spinalis zur Wirbelsäule geht und vielleicht in den Canal der Wirbelsäule eindringt 
(Fig. 2 und 3). Die beiden vordersten sind zwar nur wenig lang, doch ziemlich dick, ver- 



laufen neben dem zweiten und ersten Nervus spinalis nach innen und dringen alsEami spinales 



in den Canal der Wirbelsäule und in die Schädelhöhle ein, geben aber auch einige Eeiser an 
dieienicen Halsmuskeln ab, zwischen denen sie hindurchgehen. Der vorderste von ihnen ent- 
spricht seiner Lage und seinem Verlaufe nach dem Eamus spinalis des Kopfastes der Ameiva 



^^ulgaris. (Bei dem Psammosaurus griseus geht nach Corti's Angabe von dem Kopfaste einer 
jeden Carotis communis ein besonderer Zweig als ein Eamus cervicalis ab , der zwei i\ami 

spinales aussendet.) 

h. Zwei andere Seitenzweige sendet der Kopfast der Carotis communis nach unten und 
vorne ab (Fig. 2 und 3). Der hintere grössere verbreitet sich hauptsächlich, an der Speiseröhre 
und einer kleinen besonderen Abtheilung des M. geniohyoideus , deren hinteres Ende an das 



Denkschriften der matlicm.-natnrw. Ol, XIII. P>d. Aübandl. v. Nichtmitgl. 



I 



82 



ITeinricIi licbtltke. 



^ 






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S 



zweite Segment des vorderen Zungenbeinhorns angeheftet ist (Fig. l,/*,/'*^'"). Der vordere 
kleinere Seitenzweig verbreitet sich theils ebenfalls an der Speiseröhre, theils auch an dem 
M. pterygoideus externus und dem unteren Ende des M. apertor oris. 

Die beiden Endästc, in die sich der Kopfast der Carotis communis sehr nahe dem Trommel- 
felle und dem Quadratbeine theilt^ gehen unter einem sehr spitzen AVinkel aus einander und 
haben eine ungleiche Dicke (Fig. 3). Der dünnere dringt durch ein kleines Loch (Foramen 
caroticum), das sich in der unteren Wandung der Hirnschale befindet, in die Schädelhöhle ein, 
der etwas dickere aber, der nach aussen von jenem liegt, begibt sich dicht über dem Gehör- 
knöchelchen und hoch oben an dem Quadratbeinc zu der inneren Seite des letzteren Knochens, 
um sich darauf an Theilcn des Kopfes, welche ausserhalb der Sciiädelhöhle liegen, zu ver- 
breiten. Ihre Verzweigungen habe ich nicht gehörig untersuchen können, weil in dieselben 
dieinjectionsmasse entweder gar niclit oder nur sehr wenig eingedrungen war; wahrscheinlich 
aber werden sie sich ähnlich verhalten, wie bei dem Psammosaurus griseus, bei dem es Gorti 
möglich gewesen ist, sie ausführlich beschreiben zu können. Nur so viel vermag ich anzu- 
ebcn, dass der dickere oder äussere Endast gleich nach seinem Ursprünge einen massig 
starken Zweig nach hinten zu den Nackenmuskeln sendet. 

Vergleicht man die Beschreibungen und Abbildungen, welche Gorti von den Kopf- 
arterien des Psammosaurus griseus und ich von denen der Iguana tuberculata a-eL>'eben haben, 
mit einander, so wird man finden, dass die starke Arterie, welche bei diesen beiden Thierarten 
mit zwei an Dicke ungleiclien Endästen nacb innen von dem Quadratbeine in den Kopf ein- 
dringt, in ihrem Verlaufe und ihrer Verbreitung sich bei der einen wesentlich eben so verhält, 
wie bei der andern. Der stärkere von den beiden Endästen dieser Arterie, der über dem 
Gehörknöchelchen nach vorne und oben geht (die Carotis externa nach Corti), läuft nämlich 
bei den beiden genannten Sauriern erst über die äussere Seite des Beissmuskels, dann aber 
\mter dem Auge hinweg, gelangt darauf zum Oberkiefer und erstreckt sich, indem er auf dem 
letzten Drittel seiner Bahn eine Art. dentalis superior darstellt, bis an das Ende der Schnauze 
hin. In einiger Entfernung von seinem Ursprünge aber entsendet er einen starken Zweig, der 
als eine Art. dentalis inferior in den Unterkiefer eindringt, weiterhin einen zweiten starken 
Zweig, der sieh unter dem Dache der Augenhöhle zu der vorderen Wandung dieser Höhle 
begibt, an ihr herabsteigt und ein Paar Seitenzweige nach vorne zu der Schleimhaut der Nasen- 
höhle abschickt, und noch etwas weiter nach vorne einen schAvächeren dritten Zweig, der tief 
„in die Augenhöhle eindringt und sich an der äusseren Seite des Sehnerven zu dem Auge begibt. 
Der andere oder dünnere Endast der angeführten Kopfarterie (die Carotis interna nach Corti), 
der nach vorne und unten zu derSchädelgrundflächc geht, theilt sich bei den beiden genannten 
Sauriern an dem Foramen caroticum externum in zwei Zweige. Von diesen dringt alsdann der 
eine als Carotis cerebralis in die Schädelhöhlo ein, verbreitet sich in dem Gehirn und dessen 
Gefässhaut, und sendet auch eine Art. ophthalmica aus, die mit dem Sehnerven in die Augen- 
höhle übergeht und sich hinter dem Auge mit demjenigen Zweige des anderen Astes, welcher 
sich ebenfalls zum Auge begeben hatte, unter einem Bogen vereinigt. Der andere Zweig des 
letzteren Astes aber, welcher Zweig von Corti als eine Art. infraorbitalis aufgeführt, von mir 
wegen der Lage und Verbreitung, welche er bei dem Leguan zeigt, als eine Art. palatino- 
nasalis bezeichnet worden ist, verläuft bei dem Psammosaurus eben so, wie bei der le-uana, 
auf der aus Häuten und dem Flügelbein zusammengesetzten unteren Wandung der Augen- 
höhle und verbreitet sich zum Tlieil in dem Reissmuskeh Im Übrip-en scheint zwar dieser 






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UntersucJuuigen über die Aorteuwurzehi de?' Saurier. 



83 



letztere Zweig nach den Angaben, Avclclie Corti und ich über ihn gemacht haben, sich bei 
dem einen von den beiden genannten Sauriern nicht so, wie bei dem anderen, zu verhalten; 
da jedoch die anderen Kopfarterien keine erheblichen Yerschiedcnho'^en zeigen 



dürft 



e es 



noch fraglich sein, ob nicht dieser letztere Zweig auch bei dem Psammosaurus, wie es bei dem 
LcP-uan der Fall ist, an der vorderen Wandung der Augenhöhle in den über dem Auge ver- 



b 

laufenden Zweig des anderen Astes übergebt. 



% 



E. ARTERIAE SUBCLAVIAE. 



.. 27. Dergleichen Blutgefässe konnnen auch bei euiigcn solchen Schuppenechsen vor, 
welche keine Vorderbeine besitzen, namentlich auch bei Anguis fragilis, Ophisaurus ventralis 
und Pscudopus Pallasii, sind jedoch bei ihnen nur sehr dünn und breiten sich ausserhalb der 
ßumpfhöhle nur in zwei kleinen Muskehi aus, die sich mit den Mm. serrati antici majores der 
Säuo'cthiere verüdeichen lassen, so wie nach aussen von denselben in einem Theil der Haut- 
bodeckung. Bei Acontias Meleagris aber ist von diesen Gefässen eben so wenig, als bei den 
Eingcleclisen und Sclilaugen, irgend eine Andeutung vorbanden. 

Nach den bisherigen Erfahrungen gehen bei den Schuppeneehsen die Aa. subelaviae 
niemals vereint mit den gemeinschaftlichen Carotiden, sondern immer getrennt von denselben 
aus der Aorta hervor , und es besitzen also diese Thiere keine Aa. anonymae. Näher ange- 
geben entspringen sie ziemlich weit entfernt von den Carotiden dicht unter der Eückcnwand 
des Eumpfes aus dem absteigenden Schenkel der rechten Aortenwurzel, jedoch bald mehr, 
bald weniger weit nach hinten. Nur nne massig grosse Strecke hinter seinem Anfange sendet 
derselbe sie aus bei denChamäleonen, vor seiner Mitte beilguana tuberculata und denVaranen, 
ungefähr auf seiner Mitte bei Tejus Teguixin, hinter seiner Mitte' bei Basiliseus mitratus, 
Lophyrus giganteus, Anolis carolinensis, Phrynosoma Ilarlanii, Polychrus marmoratus, Calotes 
pictus, Gongylus ocellatus und Ophisaurus ventralis, kurz vor seinem Ende oder doch nur in 
einer sehr massig grossen Entfernung von demselben bei Anguis fragilis , Pseudopus Pallasii, 
Lacerta agilis , Lac. ocellata'), Grammatophora barbata , Agama colonorum, Ag. mutabilis, 
Ameiva vulgaris, Lyriocephalus margaritaceus, Platydactylus guttatus, Plat. aegyptius, Euprepis 
Merremii, Zonurus cordylus und Chaniaesaura anguina, völlig aus seinem Ende bei Draco 



(a) 



W 



Wurzel hervorgehen. 



a. Der erstere Fall ist der am öftersten vorkommende, und in ihm entspringen beide 
Arterien entweder neben einander, oder einander gegenüber, oder auch, wie ich dies bei 
Iguana tuberculata, Ameiva vulgaris, Tejus Teguixin, Lyriocephalus margaritaceus^ Gongylus 



ocellatus, Chamacsaura anguina, Platydactylus aegyptius, 
planiceps und bei einem Exemplar von Lacerta agilis fand, 
anderen. 



Chamaeleo vulgaris, Cham, 
die eine etwas hinter der 



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V,, 



1 



Bei zwei Exemplaren von Lacerta ocellata, die ich untersuchte, gingen die Aa. subelaviae, wie bei anderen Schupi->onechsen, unmittel- 
bar von der rechten Aortemvurzcl ab. Icli muss daher vermtitlien, dass eine von Joh. Müller gemachte Äusserung, nach welcher 
bei diesem Thiere eine jede Aortenwurzel eine A. subclavia abgeben soll (Zeitschrift für Physiologie von Tiedcraann und Tre- 
viranus, Bd. IV, S. 231), auf einer Täuschung beruht hat, die dadurch hervorgcbraclit war, dass bei Lac. ocellata, wie bei den 
meisten Schuppenechsen, die linke A. subclavia über die linke Aortonwurzel hinweggeht. 



1 



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84 



1 



Heinrich Bathhe. 



1 



b. Der andere Fall ist bei Lacerta oeellata, Lopliyrus giganteug, Grammatopliora barbata, 
Phrynosoma Harlanii'), Anguis fragilis, Pscudopus Pallasii, Opliisaurus ventralis und den 
Varaniden bemerkt worden. Bei den vier zuerst genannten Sauriern hat der für beide Aa. 
subclaviae bestimmte Stamm nur eine selir geringe Länge ; ziemlicli lang aber ist er bei Anguis 
fragilis und Pseudopus Pallasii , bei denen er unter dem fünften und vierten Rückenwirbel 
verläuft, dessgleiclien bei Opliisaurus ventralis, Yaranus niloticus, V. bivittatus und V. ornatus, 
bei denen er sich vom siebenten Pückenwirbel, unter dem er entspringt, bis zu dem fünften 
Rückenwirbel erstreckt. Die Verschiedenheit in seiner Länge hängt einestheils davon ah , ob 
er näher oder entfernter von dem Ende der rechten Aorten wurzel entspringt, anderenthcils 
aber davon, wie weit nach hinten in dem Rumpfe die Aortenwurzeln sich vereinigen. Ausser- 
dem sind auch die Lage mxd Richtung des in Rede stehenden Gefässstammes bei verschiedenen 
Sehuppcnochsen etwas verschieden. Bei Ophisaurus, Anguis und Pseudopus verläuft er in der 
Mittelebene 



des Körpers gerade 



von hinten nach vorne und liegt zwischen zwei Muskeln 



beiden Aste , die Aa. subclaviae, theilt. 



eingeschlossen, die den Mm. longi colli nebst den Mm. recti capitis antici majores des Men- 
schen entsprechen. Bei den Varanen aber, bei denen er aus der rechten Aortenwurzel kurz 
vorher entspringt, ehe diese durch einen schon oben (§. 5) beschriebenen Muskelstrang liin- 
durchgeht, wendet er sich von seiner ürsprungsstelle , die reclits von der Mittelebene des 
Körpers liegt , in seinem Verlaufe nach vorne etwas nach der linken Seite hin , um zu der 
Mittelebene des Körpers zu gelangen, in der er sich dicht hinter den Mm. lou<;i colli in seine 

Ahnlich verhält er sich in seinem Verlaufe auch bei 
dem Psammosaurus griseus, bei dem er sich nach Corti ebenfalls erst etwas links hinwendet 
und darauf bis zu dem Theilungswinkel der Luftröhre nach vorn geht. 

§. 28. Meistens verlaufen die Aa. subclaviae nach den Achseln beinahe quer durch die 
Rumpf höhle, nämlich nur wenig oder doch nur massig nach vorn, sehr selten (Tejus Teguixin 
gegenthcils etwas nach hinten gewendet. Bei den Varaniden aber haben sie eine so schräge 
Richtung nach vorne und aussen, dass sie mehr dorthin als hierhin gewendet erscheinen. Ferner 
geht in der Regel die linke A. subclavia über der Aorten wurzel ihrer Seite hinweg, indem sie 
mit derselben sich kreuzt. Bei den Varaniden aber geht sie thcils wegen ihres Ursprunges 
mit der rechten A. subclavia aus einem besonderen , von der rechten Aortenwurzel ausgesen- 
deten, nach vorn verlaufenden und ziemlich langen Stamme, theils auch wegen ihrer sehr 
schrägen Richtung nach vorne und aussen vor der linken Aortenwurzel, wie die rechte vor 
der rechten Aortenwurzel vorbei. In der Regel auch sind diese Arterien auf ihrem Wege zu 
den Achseln zum Theil von unten her durch die Mm. longi colli be<leckt, indem sie gleich 
nach ihrem Ursprünge über denselben hinweggehen. Ausnalimsweise aber gehen sie bei 
Ophisaurus ventralis, Anguis fragilis, Pseudopus Pallasii, Ameiva vulgaris, Iguana tu bereu] ata, 
Gongylus ocellatus, Anolis carolincnsis, Ghamaesaura anguina, Platydactylus aegyptius, Platyd. 
guttatus, Chamaeleo vulgaris, Cham, verrucosus und Cham, planiccps nicht über, sondern 
unter jenen Muskeln nach aussen hin. Von der Dicke der genannten Muskeln ist diese Ver- 
schiedenheit ihres Verlaufes nicht abhängig: denn bei mehreren Sclmppcnechsen gehen die 
Aa. subclaviae unter den Mm. longi colli an Stellen hinweg, an denen die genannten Muskeln 
eine beträchtliche Dicke haben, dagegen bei Basiliscus mitratus über jenen Muskeln an Stellen, 
wo dieselben nur sehr dünn und überhaupt am dünnsten sind, nämlich über den sehnigen 



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1) Unter drei Exempbiren von l-'Jirynosoiiia k;iiri jodo(:h dieser Fall nur bei zwtMci 



I vor. 



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Untersuchungen über die Aortemoiirzeln der Saurier, 



85 



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hinteren Enden derselben. Zudem sah ich bei einem Tejus Teguixin, dass die rechte A. subclavia 
unter, die linke über dem M.longus colli ihrer Seite hinwegging, obwohl diese beiden Muskeln 
an den Stellen, wo sich die genannten Arterien mit ihnen kreuzten, gleich dick waren. Eine 

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andere Ausnahme von der Eegel machen die Aa. subclaviac in Hinsicht ihres Lagerungsver- 
hältnisses zu den Mm. longi colli bei den Varaniden, indem sie namentlich bei Varanus bivit- 
tatus, V. ornatus und V. niloticus von ihrem Ursprünge, der sich dicht hinter jenen Muskeln 
befindet, auf einer ziemlich langen Strecke zu den Seiten derselben verlaufen. 

Wenn die angeführten beiden Arterien über den Mm. longi colli hinweggehen, schliessen 
sie sich bald nach ihrem Ursprünge den Nerven an, welche die Plexus brachiales zusammen- 
setzen, um sich mit denselben zu den Achseln zu begeben; wenn sie aber unter jenen Muskeln 
hinweggehen, so sind sie auf einer Strecke ihres Weges durch dieselben von den Nerven der 
Plexus brachiales getrennt, weil diese jedenfalls über jenen nach aussen gehen. 

§. 29. Mit den Plexus brachiales dringen die Aa.subclaviae aus der Eumpfhöhle zwischen 
den Hackenschlüsselbeinen und den vorderen das Brustbein nicht erreichenden Pi];)penpaaren 
hervor, indem sie unter dem hintersten Theil der Mm. scaleni hinweggehen. In ihrem Ver- 
laufe nun aber bis dahin, wo sie über die Mm. scaleni hinausgelangt sind, senden diese Gefäss- 

m « 

Stämme bei verschiedenen Schuppenechsen eine verschiedentlich grosse Zahl von Asten aus. 

a. Bei einigen Arten geben sie sehr nahe ihrem Ursprünge ein Paar Äste ab, die über 
den Mm. longi colli nach vorn gehen und mit dem Namen der x\a. vertebralcs belegt werden 
können. Bei anderen aber wird die eine von diesen Arterien oder Averden beide unmittelbar 
von der rechten Aortenwurzel ausgesendet. Ich werde desshalb über sie erst weiterhin (§.30) 

ein Näheres angeben. 

b. AVeiter nach aussen und unten sendet jede A. subclavia einen Ast oder einige wenige 
an Zahl und Grösse sehr wechselnde Äste aus, die sich in dem M. scalenus, M. subscapularis 
und M. deltoideus vei-breiten. 

c. In der Gegend, wo die A. subclavia aus der Rumpf höhle nach aussen hervordringt, 
gibt sie bei denjenigen Schuppenechsen, welche ein ausgebildetercs Brustbein besitzen, einen 
nach hinten gerichteten Ast ab, der gleich nach seinem Ursprünge seitwärts von der rauten- 
förmigen Platte des Brustbeines zwischen den Muse, triangularis Storni, den er wohl jedenfalls 
mit Blut versorgt, und die Knorpel der wahren Eippen eindringt. Man kann ihn als entspre- 
chend der Art. mammaria interna der Säugctliiere ansehen, obwohl er nicht jedenfalls über 
das Brustbein nach hinten hinausgeht. Seine Länge nämlich und mit derselben auch seine 
Dicke ist bei verschierlenen Arten der Schuppenechsen gar sehr verschieden. Bei Lacerta 
agilis z. B. erstreckt er sich nicht über den Raum zwischen den Knorpeln der zweiten und 
dritten w^ahren Rippe hinaus und verbreitet sich nur in dem Muse, triangularis sterni und den- 
jenigen Intercostalmuskeln, welche sich zwischen den drei vorderen wahren Rippen befinden. 
Bei Platydactylus guttatus, Lophyrus giganteus und Lyriocephalus margaritaceus reicht er bis 
zu dem Knorpel der dritten, beiAnolis carolinensis und Iguana tuberculata bis zu dem Knorpel 
der vierten wahren Rippe. Bei Tejus Teguixin, Ameiva vulgaris, Basiliscus raitratus, Gramma- 
tophora barbata, Agama mutabilis, Phrynocephalus caudivolvulus, Chamaeleo vulgaris, Cham, 
planiceps und wahrscheinlich auch bei den übrigen Chamäleon-Arten läuft er neben der rauten- 
förmigen Platte des Brustbeines über denlvnorpeln aller wahren Rippen, und bei denjenigen von 
diescnSchuppencchsen, bei welchen das Brustbein nach hinten in zwei stark divergirende Hörner 
ausgeht, auch über dem Brustbeinhorn seiner Seite hinweg. Jedenfalls aber gibt er bei denselben 



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86 



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Heinrich Bathke. 



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einige Heine Seitenzweige an den Muse, triangularis sterni und einige grössere an alle die- 
jenigen Intercostalmuskeln ab, an welchen er vorübergeht, dringt darauf zwischen die 
Bauchmuskeln ein und geht zuletzt in dem geraden Bauchmuskel in den ihm entffeffcn- 
kommenden Bamus epigastricus der Art. eruralis über. 

Auch bei den Varanidcn kommen zwei in Hinsieht ihrer Lage und ihres Verlaufes den 
Aa. mammariae internae der Säugethicre entsprochende Arterienäste vor. Merkwürdigerweise 
aber entspringen sie sowohl bei Psammosaurus griseus , als auch bei Varanus bivittatus, 
V. ornatus und V. niloticus nicht aus den Aa. subclaviae , sondern meistens gemeinschaftlich 



) 



mittelst eines kurzen Stämmchens, das nach unten und vorn gerichtet ist, in geringer Entfer- 
nung von dem Herzbeutel aus der Carotis primaria, selten, wie ich bei einem Exemplar von 
Var. niloticus gesehen habe , getrennt von einander aus der Carotis primaria und der Carotis 
communis dextra (§. 22). Sehr bald nach ihrem Abgange von dem erwähnten Stämmchen 
oder den anderen so eben genannten grösseren Gefässen gelangen sie zu dem hinteren Ende 
der rautenförmigen Platte des Brustbeines , geben hier ein Paar Zweige ab, die neben den 
Seitenrändern dieser Platte nach vorn gehen, biegen sich darauf nach hinten um, laufen über 
den Knorpeln des letzten Paares der wahren Eippen nach den Bauchmuskeln hin und gehen 
in diesen in die Ptami epigastrici der Aa. cruralcs über. 

d. Bei denjenigen Schuppenechsen, welche Vorderbeine besitzen, liegt neben dem Brust- 
beine an der äusseren Seite der wahren Eippen und den zwischen diesen befindlichen Inter- 
costalmuskeln, bedeckt von dem Muse, pectoralis major und zum Theil auch von dem Muse. 
serratus anticus major, eine Arteria thoracica, von der die genannton verschiedenen Muskeln 
Zweige erhalten und die in der Kegel von dem obersten Theil der A. axillaris abgeht, 
nahmsweise aber, wie ich bei Grammatophora barbata gesehen habe, gemeinschaftlich mit der 
A. mammaria interna aus der A. subclavia entspringt. Bei denjenigen beschuppten Sauriern, 
bei welchen die A. mammaria interna stark entwickelt ist, geht sie in den oben genannten 
verschiedenen Muskeln völlig auf; wenn aber jene Arterie nur schwach entwickelt ist, hat sie 
dagegen eine stärkere Ausbildung erhalten und sendet nicht blos starke Pami intercostales aus, 
die sieh strauchartig ausbreiten, sondern dringt auch in die Bauchmuskeln ein und geht in den 
Bamus epigastricus der Art. eruralis über. Eine so stark ausgebildete Schlagader, die man mit 



aus- 



dem Namen der Art. thoracico-abdominalis belegen könnte. 



F 

habe ich bemerkt bei li^uana 



tuberculata, Lacerta agilis, Lophyrus giganteus, Anolis carollnensis, Phrynosoma Harlanii und 
Platydactylus guttatus. IhrVerlauf ist jedoch nicht in allen Fällen ihres Vorkommens ein und 
derselbe. Bei Lacerta agilis, Anolis carollnensis und Platydactylus guttatus, deren massig 



dass 



sie 



lange Brustbeinhörner in das hinterste Paar der wahren Bippen so übergehen, 
mit denselben zwei Bogen zusammensetzen, läuft sie in einiger Entfernung von dem ent- 
sprechenden Brustbcinhornc an der äusseren Seite der letzten wahren und der nächstfolgen- 
den falschen Kippe nach hinten, worauf sie an der unteren Seite des geraden Bauchmuskels 
sich noch weiter nach hinten begibt. Bei Iguana tuberculata, deren Brustbeinhörner ebenfalls 
mit den beiden letzten wahren Bippen zwei Bogen bilden, dringt sie zwischen der letzten und 
vorletzten wahren Kippe gegen die Kumpfhöhle vor, indem sie die zwischen beiden befind- 
lichen Intercostalmuskeln durchbohrt, und läuft dann über der letzten wahren und nächstfol- 
genden falschen Kippe hinweg, um zu dem geraden Bauchmuskel zu gelangen. Bei Phryno- 
soma Harlanii und Lophyrus giganteus, die verhältnissmässig bedeutend lange und nicht mit 
einem Paar Kippen zu Bogen vereinigte, sondern sich frei endigende Brustbeinhörner besitzen. 



Untersuchung cm über die Aortemcurzeln der Saurier. 



87 



dringt die Art. tlioracico-abdominalis zwar gleichfalls nacli innen gegen die Rumpfliölile vor, 
jedocli nicht vor der letzten wahren Kippe, sondern dicht vor dem Brustbeinhorn ihrer Seite, 
geht darauf über demselben weiter nach hinten fort und tritt gleich hinter ihm in den Muse. 
rectus abdominis hinein. Dicht vor dem Brustbeinhorn geht übrigens bei Lophyrus giganteus 
die viel dünnere und kürzere A. mammaria interna in sie so über, dass beide dort mit einander 
gleichsam verschmolzen erscheinen. 



C. AIITERIAE VERTEBRALES. 



. 30. Wie bei den Bingelechsen kommen auch bei den meisten Schupp enechsen zwei Arte- 
rien vor, die zwischen den Mm. longi colli und der Wirbelsäule verlaufen und mit .dem Namen 
der Aa. vertebrales belegt Averden können. InHinsicht ihi^es Ursprunges aber bieten sie mancher- 
lei Verschiedenheiten dar. Auch findet man bei einigen schlangenförmigen Schuppenechsen 
einen allmählichen Übergang A^on ihnen zu der nur unpaarigen Art. vertebralis der Schlangen. 

a. In der Eegel entspringen diese Arterien getrennt von einander aus den Aa. subclaviae 
ganz nahe dem Anfange derselben, verlaufen zu beiden Seiten der Mittelebene des Leibes 
getrennt durch die Dornfortsätzc einiger Wirbelbeine, wenn dergleichen Fortsätze vorkommen 
— zwischen der Wirbelsäule und den Mm. longi colli ziemlich gerade und fast parallel nach 
vorne, und lassen sich, wenn sie mit einer Injectionsmasse vollständig angefüllt sind, bis zu 
dem Atlas verfolgen. Bis zu dem Kopfe habe ich sie niemals hingehen, sie also auch nicht 
etwa durch das Hinterhauptloch in die Schädelhöhle eindringen sehen. Auf der Strecke, auf 
welcher sie durch den vordersten Theil des Rumpfes verlaufen, entsenden sie für die Eippen- 
zwischenräume, welche ihnen zur Seite liegen, eben so viele Aa. intercostales, in dem Halse 
aber einige dünnere Zweige, die entsprechend den Rami dorsales jener ersteren zwischen den 
Querfortsätzen einiger Wirbelbeine nach oben zu den Muskeln des Nackens gehen. Von diesen 
verschiedenen Zweigen, die sämmtlich auch den Mm. longi colli Blut zuführen, sendet wahr- 
scheinlich ein jeder einen Seitenzweig durch ein Foramen intervertebrale zu dem Rückenmark 
an dem sich dann derselbe mit einer von vorn nach hinten laufenden einfachen und in der Mittel- 
ebene des Körpers liegenden Arterie verbindet, die der Art. spinalis anterior des Menschen 
entspricht. Einzelne solche Rami spinales habe ich oftmals an ihnen gewahr werden können. 

b. Bei Varanus bivittatus, Var. ornatus und Var. niloticus entspringen die Aa. vertebrales 
zwar getrennt von einander aus den beiden Aa. subclaviae, jedoch nicht der Regel gemäss ganz 
am Anfange derselben, sondern Aveit davon entfernt, nämlich nach aussen von den Mm. longi 



; 



colli in der Nähe der Stellen, an welchen diese Gefässstämme aus der Rumpf höhle hervor- 
dringen. Durch diesen ihren Ursprung ist denn auch in ihrem Verlaufe eine derartige Abwei- 
chung von der Regel bedingt worden, dass sie von den Aa. subclaviae aus erst an der inneren 
Seite der Mm. scaleni und unter den zwei vordersten, das Brustbein nicht erreichenden Rippen, 
dann aber über den Afm. longi colli in einer schrägen Richtung nach vorne und innen gehen, 
ehe sie zwischen den zuletzt genannten Muskeln und den Halswirbeln, geschieden von einander 
durch die unteren Dornfortsätze dieser Wirbelbeine, in der gewöhnlichen Weise i>-erade nacl 



; 



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1 



auch bei Psammosaurus otIscus 



vorn verlaufen. Ob sie übrigens ein ähnliches Verhalten 

zeigen, geht aus Corti's Schrift über dieses Reptil nicht deutlich hervor. 

c. Nicht selten zeigen die Aa. vertebrales in ihrem Ursprünge noch andere Abweichungen 
von der Regel, verlaufen aber und verzweigen sich der Regel gemäss. So sah ich ausgesendet: 



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— n 1-^ ■ ^ in ^ L-_i\ -^ t\ j -j ^ j^ xlT L^ ^^-Cm—tj T 



88 



Heinrich Bathke, 



a) die eine hinter der andern unmittelbar Yon der rechten Aorten würze! bei Gongylus ocellatiiS; 
ß) die linke unmittelbar von der rechten Aortenwurzel j die rechte von der A. subclavia ihrer 
Seite bei Tejus Teguixin und Lyrioccphalus margarifcaceus , ;^) beide neben einander von der 
rechten A. subclavia bei einem von zwei Exemplaren der Ameiva vulgaris, o) beide mittelst 
eines sehr kurzen besonderen Stammes von der rechton A. subclavia bei Lacorta ocellata und 
Cyclodus nigroluteus, e) beide mittelst eines ebenfalls nur sehr kurzen Stammes unmittelbar 
von der rechten Aortenwurzel dicht oder beinahe dicht vor den Ursprungsstellen der Aa. sub- 
claviae bei Lacorta agilis, Iguana tubcrculata, Lophyrus giganteus, Draco viridis, Polychrus 
marmoratus, Istiurus amboinensis, Agama colonorum, Euprepis Merremii und einem von drei 
Exemplaren desPhrynosomaliarlanii. Indess deutet der Umstand, dass eine dieser Ausnahmen 
von der angegebenen Regel nur bei einem von zwei untersuchten Exemplaren der Ameiva 



vulgaris, eine andere nur bei einem von drei Exemplaren dos Phrynosoma ECarlanii gefunden 

r 

war, darauf hin, dass auch noch andere von den hier angeführton Ausnahmen nicht spccifische, 
sondern nur individuelle öfowcsen sein möcren. 



d. Der Befund, dass bei manchen Schuppenechsen die beiden Aa. vertebrales mit einem 
kurzen besonderen Stämmehen aus der rechten AortenAvurzel entspringen, lässt schon einen, 
obgleich nur schwachen Übergang von der paarigen oder doppelten A. vertebralis dieser 
Thiere zu der unpaarigen der Schlangen erkennen. Weit stärkere Übergänge zu der letzteren 
aber kommen bei etlichen anderen, und zwar solchen Sclmpponechsen vor, die ihrer ganzen 
Bildung nach den Schlangen am nächsten stehen. Bei Pseudopus Pallasii entspringt aus der 
rechten Aortenwurzel nicht weit von deren Ende eine massig starke Arterie, die unter zwei 
"Wirbelbeinen zwischen den hinteren Theilen der Mm. longi colli gerade nach vorn läuft, auf 
diesem Wege ein Paar Aa. intercostales aussendet und sich darauf in die Aa. subclaviae theilt: 
eine jede A. subclavia aber gibt nahe ihrem Ursprünge einen Zweig ab, der anfänglich an der 
inneren und darauf an der oberen Seite des M. longi colli derselben Körperhälfte nach vorn 

r 

geht, für diesen und noch andere Muskeln des Halses etliche Seitenzweige aussendet und sich 
überhaupt wie eine A. vertebralis anderer Schuppenechsen verhält. Bei Anguis fragilis , bei 
dem die Aa. subclaviae ebenfalls mit einem massig langen besonderen Stamme entspringen, 
setzt sich dieser über jene seine Äste, die übrigens im Vergleich zu ihm nur eine sehr geringe 
Dicke haben, nach vorne in ^-erader Eichtunir zwischen den Mm. loimi colli noch eine massig 



1 



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grosse Strecke weiter fort und theilt sich dann, nachdem er vorher ein Paar quergehende zarte 
Seitenzweige für die vordersten Intercostalmuskcln und verschiedene Nackenmuskeln ausge- 
sendet hat, unter einem sehr spitzen Winkel in zAvei Endäste, die in Hinsicht ihrer Lagerung 
und Verbreitung den Aa. vertebrales anderer Schuppenechsen entsprechen. Ein ähnlicher, 
aber verhältnissmässig längerer Arterienstamm kommt bei Ophisaurus ventralis vor, bei dem 
ich ihn von seinem Ursprünge, der sich unter dem achten Rückenwirbel befindet, unter dem 
siebenten, sechsten und fünften Rückenwirbel nach vorn verlaufen sah , ehe er sich in zwei 
zwischen den Halswirbeln und den Mm. longi colli liegende Endäste theilte. Die Aa. sub- 
claviae, die im Verhältnisse zu ihm nur sehr dünn waren, gab er bald nach seinem Ur- 
sprünge ab. Einen verhältnissmässig noch längeren und dickeren Arterienstamm der Art 
besitzt AcontiasMeleagrIs, bei dem ich ihn von seinem Ursprünge, der sich unter dem zAvölften 
Rückenwirbel in einer nur massig grossen Entfernimg von dem Ende der rechten Aortenwurzel 
befand, nach vorn zwischen den Mm. longi colli bis unter dem fünften Rückenwirbel ver- 
folgen konnte, wo er so zart gCAvorden war, dass er zwischen jenen einander dicht anliegenden 



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Untersuchungen ilher die Aortemourzeln der Saurier. 



89 



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Muskeln ganz verschwand und nicht weiter blossgelegt werden konnte. Es liess sich daher 
auch nicht erfahren, ob er sieh in zwei noch weiter nach vorn gehende Endzweigo theilte. 
In seinem Verkaufe sendete er sieben Paar Intercostahirterien , aber keine Aa. subclaviae aus, 
und verhielt sich überhaupt, so weit er übersehen werden konnte, in seiner Verzweigung und 
Lagerung ganz so, wie derjenige unpaarige Ast der rechten Aortenwurzel der Schlangen, 
welcher von Cuvier unter dem Namen der Art. vertebraJis aufgeführt, von Seh] emm aber 
Art. collaris benannt worden ist. 



D. AIITEPJAE INTEr.COSTALES. 



§.31. Diejenigen Intercostalarterien, welche bei den Schuppenechsen vor dem Ver- 
einigungswinkel der Aortenwurzeln entspringen, gehen (a) entweder aus verschiedenen Asten 



der rechton Aorten Wurzel, namentlich aus den Aa. subclaviae und vertebrales, oder (5) unmittel- 

bar aus ihr selbst hervor. 

a. Entspringen die Aa. subclaviae mit einem besonderen Stämmchen, so gibt dasselbe je 
nach seiner Länge für die Eippenzwischenräume, an denen es vorbeigeht, ein bis zwei Paar 
Aa. Intcrcostales ab. Ein Paar fand ich z. B. bei Anguis fragilis, Pseudopus Pallasii und 
Grammatophora barbata, zwei Paar bei Varanus ornatus und V. bivittatus. Höchst selten 
geben auch die Aa. subclaviae selbst dergleichen Zweige ab; dies aber ist nur der Fall, wenn 
sie innerhalb der Pumpfhöhle einen sehr schrägen Verkauf von hinten nach vorne und aussen 
machen, wie namentlich bei Varanus ornatus und V. bivittatus, bei denen ich von ihnen hinter 
den Aa. vertebrales, die sie ziemlich weit von ihrem Ursprünge ausgesendet hatten, drei Paar 
Aa. intcrcostales abgehen sah. Die vor den Aa. subclaviae liegenden Aa. vertebrales oder 
auch das Stämmchen, mittelst dessen sie bisweilen entspringen, senden bei vielen Schuppen- 
echsen ein Paar oder einige Paar Litercostalarterien aus. 

b. Noch andere, aber weiter nach hinten gelegene Lrtercostalarterien Averden bei einigen 
Schuppenechsen unmittelbar von der rechten Aortenwurzel, und zwar von dem hintersten 
Thcil derselben ausgesendet. Dies ist bei solchen Schuppenechsen der Fall, bei denen die 
Aa. vertebrales, sei es für sich mit einem besonderen Stämmchen, oder durch Vermittelung der 
Aa. subclaviae, aus der rechten Aortenwurzcl in einer massig oder ziemlich grossen Entfer- 
nung von dem Ende derselben hervorgelien. Ein Paar Litercostalarterien von solchem Ursprünge 
fand ich bei Pseudopus Pallasii, Gongylus occllatus, Euprepis Merremii, Lophyrus giganteus, 
Anieiva vulgaris, Draco viridis und Polychrus marmoratus, zAvei Paar bei Ophisaurus ventralis, 

Irei Paar bei Iguana tuberculata, Chamacleo vulgaris und Cham, planiceps , fünf Paar bei 

-verschiedenen Ai'ten der Gattung Varanus (Taf. II, Fig. 4, Nr. 5—9). 



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E. ARTERIAE OESOPIIAGExVE. 



§. 32. Ausser den schon beschriebenen Ästen sendet bei einigen Schuppenechsen die 
i'ochte Aortenwurzel nach ihrer Umbiegung bald mehr, bald weniger weit von ihrem Ende 
noch eine massig starke Arterie oder zwei bis drei dünnere Arterien aus, die sich auf der 
Speiseröhre, und zwar gewöhnlich auf dem in der ßumpfhöhle gelegenen Theil derselben 
verbreiten. Dergleichen besondere Äste der rechten Aortenwurzel fand ich bei Pseudopus 
Pallasii, PhrynosomaLIarlanii, Moloch horridus, Polychiuis marmoratus, Lyriocephalus niarga- 



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90 



Heinrich Batlike. 



ritaceus, Lophyrus giganteus, Agama mutabilis, Ag. colonorum, Grammatophora barbata^ Draco 
viridis und vier verschiedenen Arten der Gattung GhamaeleOj also auch bei mehreren von 
denjenigen Sehuppenechsen, bei welchen der hintere Theil der Speiseröhre schon einen beson- 



deren Ast oder einige solche Aste von der linken Aortenwurzel (§. 7) erhalten hatte. Bei den 
untersuchten Arten von Chamaeleo , bei denen wenigstens ein solcher Ast von der rechten 
Aortenwurzel ausgesendet war, hatte dieser eine verhältnissmässig grössere Stärke, als bei 
anderen Schuppenechsen, drang nach vorne aus derEumpfhöhle hervor, verlief an der rechten 
Wandung der Speiseröhre ziemlich gerade imd ziemlich weit nach vorne,' und entsprach theils 
in Hinsicht seiner Stärke, theils auch in Hinsicht seines Verlaufes einem anderen Arterienaste 



; 



Wandung 




Wolil 



nur 



höchst selten gibt die rechte Aortenwurzel noch mehr, als drei Äste an die Speise- 
röhre ab. Einen Fall der Art fand ich bei einem Pln-ynocephalus caudivolvulus, bei dem sie 
in einer Ileihe hinter einandei* fünf kleine Äste der Speiseröhre zuo'csendet hatte. Da^rco-en 
schien bei einigen anderen Schuppcnechscn die Speiseröhre nur allein durch Zweige derCaro- 



tiden mit Blut versorgt worden zu sein. 



\ 



III. Panzerechsen, (Sauri loricati.) 

. 33. Wie bei den Varaniden unter den Schuppenechsen, liegt auch bei denPanzerechsen 
das Herz in der Ilumpf höhle weit nach hinten. Denn bei zwölf Arten aus den drei Gattungen, 
in welche man die Gruppe dieser Reptilien getheilt hat, nämlich bei Alligator lucius, Alhscle- 
rops, All. palpcbrosus, AU. trigonatus, Alh cynocephalusj All. punctulatus, Crocodilus vulgaris, 
Croc. biporcatus, Croc, rhombifer, Croc. acutus, GavialisgangeticusundGav. Schlegelii, fand ich 



das Herz zum grössten Theil zwischen den beiden Hörnern, in welche das verhältnissmässig seh 



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auf den Bau_chmuskeln ö-clairert. Sein Abstand 



lange Brustbein derselben nach hinten ausgeht' 

von dem vorderen Ende der Eumpfhöhle — 

Endes der Hackenschlüssclbeine angenommen 

Höhle bei einem Alligator cynocephalus von 3' 4" Länge wie 0*31 : 1^ bei einem 2' 4" langen 

Allig. palpcbrosus wie 0-26 : 1, bei einem 1' 9'^ 10"' langen Crocodilus vulgaris Avie 0*26 : 1, 

und bei einem 1' ^" W langen Gavialis ö-anireticus wie 0-24 : 1. 



dasselbe an dem vorderen Eande des unteren 
— verhielt sich zu der ganzen Länge dieser 



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. 34. Die zAvei Aor tenAvurz ein, die auch bei denPanzerechsen, wie bei den übrigen 
Eeptilien vorkommen (Taf. V, Fig. 4, 2, 2 und Fig. 8, c, c), steigen bei ihnen vor den Lrmgcn- 
wurzehi nach dem Pälcken auf, bilden zwei Bogen, deren vorderste Theile von dem vorderen 
Ende derllumpfhöhlc meistens so weit, Avie der sechste Paunpfwirbel entfernt liegen, und ver- 
einigen sich zu dem Stamm der Aorta gCAvöhnlich unter dem zehnten, sehr selten unter dem 
eilften Eumpfwirbel. 

Die linke Aort enwurzel, die etAvas dünner, als die rechte ist, entsendet gcAvölmlich 
nur eine einzige, aber im Verhältniss zu ihr sehr starke Arterie, und zAvar miAveit von iljrem 
Ende. Nach einem kurzen Verlauf zertheilt sich diese in einige für den Magen, die Leber, 
die Milz, die Bauchspeicheldrüse und das Duodenum bestimmte Zv/eige, von denen derjenige, 
Avclcher mit der Milz zusammenhängt, durch dieselbe hindurchdringt und darauf zum Dick- 
darm geht, um auch ihn und ausserdem das Ende des Dünndarms mit Blut zu versor;0'cn. Tln-er 



^) H. Uatlike. Über den Bau. und die Entwickelung- des Brustbeines der Saurier. Königsberg 1853; Seite 20 und 21. 



5 



Untersuchungen übe}' die Aorteniowzeln der Saurier. 91 

Ausbreitung nach entspricht also diese Arterie theils der Art. coeliaca , theils auch der Art. 
mesenterica posterior mancher anderen Wirbelthiere. Weniger häufig kommen statt derselben 
zwei Arterien Yor, von denen dann die eine dicht hinter der anderen entspringt. Hinter dem 
Ursprünge dieser einen oder dieser zwei Arterlen hat die linke Aortenwurzel bei solchen 
Krokodilen, welche schon vor einer längeren Zeit das Ei verlassen haben, im Yerhältniss zu 



ihrem vorderen sehr viel längeren Theil nur eine sehr geringe Dicke. Bei Embryonen aber, 
die noch nicht die Mitte des Eruchtlebens erreicht haben, ist die linke Aortenwurzel allent- 
halben beinahe gleich dick. 

Die rechte Aortenwurzel sendet noch innerhalb des Herzbeutels zwei Artcrlcnstämme 

aus, die den beiden Aa. anonymae der Vögel und einiger Säugethiere entsprechen (Taf. V, 
Fig. 4, 3, 3 und Fig. 8, e, e). Dieselben steigen nach vorne und oben auf, umfassen von unten 
her die Luftröhre und Speiseröhre und zerspalten sich in dem vordersten Theil der Rumpf- 
höhle hinter den Ilackenschlüsselbeinen. Die linke A. anonyma habe ich bei den verschiedenen 
Arten der Panzerechsen nach der Beendigung des Fruchtlebcns jedenfalls in drei, die rechte 
in der Regel nur in zwei Äste getheilt gefunden. Bei zwei Embryonen aber (einem sehr 
jungen Embryo von Alligator sclerops und einem reifen Embryo von Ci-ocodilus acutus) sah 
ich auch die rechte in drei Äste getheilt, obgleich bei anderen Embryonen derselben Arten 
dieser Gefassstamm, wie bei älteren Exemplaren, nur in zwei Äste ausging. 

Der eine Ast einer jeden Art. anonyma (Fig. 4, 5, ö und Fig. 8, h, li) entspricht ui semem 
Verlaufe und seiner Verzweigung der Art. subclavia anderer Wirbelthiere. Der zweite, der in 
der Regel dünner, als jener ist (Fig. 4, 9 und Fig. 8, g, g), verläuft neben der Speiseröhre nach 
vorne und sendet mehrere Zweige aus, die sich an der Speiseröhre, der Luftrohre und Ver- 
schiedenen unter und nach aussen von diesen Körpertheilen gelegenen Muskeln des Halses 



verbreiten. Der dritte Ast der linken i 



/) 



sehr starken Arterie, die sich gleich nach ihrem Ursprünge linkerseits um die Speiserohre 
nach oben und vorne herumwindet, unter dem ersten oder zweiten Rumpfwirbel die Mittel- 
ebene des Körpers erreicht und sich unter den Halswirbeln in gerader Richtung nach dem 



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dritten aussendet, so "ist dieser nur sehr kurz, windet sich rechterseits um die Speiseröhre 
herum, geht In den zuletzt angegebenen oder stärksten Ast der linken A. anonyma über und 
bildet för denselben gleichsam eine zweite Wurzel. Es gehen also durch den Hals der Panzer- 
eelisen ausserhalb des Skelets jedenfalls drei Arterien hindurch, nämlich eine in der Mittel- 
ebene desselben gelegene unpaarige und zwei seitliche paarige. 

§.35. Von den angeführten Arterien des Halses läuft ■■ 

1. die unpaarige und stärkste , die Ich die Art. sub vertcbralis colli nenne, zuvör- 
derst zwischen den Mm. longi colli, darauf zwischen zwei nach Innen von jenen gelegenen 
und wenio-er stark entwickelten Mm. recti capitis anteriores, durch die letzteren zum Theil ver- 



b 



orgen, nach vorne hin (Taf. V, Fig. 3, i, i) und spaltet sich unter dem vordersten, selten schon 



die 



unter dem zweiten HalsAvirbcl in zwei kurze und stark divergirende symmetrische Aste 
sich auf die beiden Seitenhälften des Kopfes vertheilcn und als Aa. carotides communes 
gedeutet werden können. Vor ihrer Mitte aber sendet diese Arterie einen kurzen und massig 
dicken Ast nach oben hin, der sich durch zwei kurze paarige Zweige mit den beiden Aa. ver- 
tebrales des Halses verbindet und sich mittelst eines dritten Zweiges In den oben erwähnten 
Muskeln verbreitet. Auch gibt sie für jcneMuskcln noch einige kleinere Äste welter nach vorne ab. 



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92 



Heinrich Ilatlike. 



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Die Aa. carotides communes (Taf. V^ Fig. 1, 2^ 2 und Fig. 3 



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begeben sicli iu 



einer schrägen Eichturig nach vorne, aussen und oben zu dem Hinterkopfe, wobei sie die 



Mm. rccti capitis anteriores von unten halb umfassen, und geben einige sehr kleine Äste für 
diese Muskeln, die vorderen Theile der Mm. sternomastoidei und den Selilundkopf ab. An dem 
Hinterkopfe tlieilt sieli dann jede von ihnen etwas nach unten und innen von einem massig 
^•rossen Loche (Foramen caroticum), das seitwärts von dem Körper des Hinterhauptbeines 



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vorkommt, in vier verschiedentlich dicke Aste, die ich in dem Nachstehenden unter den Namen 
der Aa. inframaxillaris , maxillaris interna, tcmporalis und carotis interna beschreiben werde 
(Taf. V, Fig. 1 und Fig. 5). Die Thcilung der gemeinschaftlichen Carotiden in diese ihre 
Aste ist jedoch verschieden bei verschiedenen Exemplaren von Krokodilen, ja selbst mitunter 
bei einem und demselben Exemplar In den beiden Seitenhälfton (Fig. 1). Denn nur die Carotis 
interna entspring-t Avahrscheinlich jedenfalls unmittelbar aus der Car. communis, von der sie 
als eine gerade Fortsetzung erscheint. Dagegen entspringen aus derselben die Aa. infra- 
maxillaris und maxillaris interna entweder mittelst eines massig langen gemeinschaftlichen 
Stämmchens, oder mittelst eines kaum erkennbaren Stämmchens, oder unmittelbaj' und geschie- 
den, obgleich ganz dicht neben einander. Die A. temporalis aber geht entweder unmittelbar 
aus der Car. communis hervor, und zwar in dem Winkel zwischen der Car. interna und dem 
Stämmchen für die Aa. inframaxillaris und maxillaris internaj oder aus der A. maxillaris interna 
nahe dem Ursprünge dieser Arterie. In noch anderen Fäilcn gehen die erwähnten vier Arterien, 
wie sich aus einer Angabe, die von Hyrtl gemacht worden ist und ein Hechtkrokodil betrifft'), 
entnehmen lässt, und wie auch ich bei einem Krokodil von dieser Art gefunden habe, sämmtlich 
unmittelbar und nach einander von der Car. communis ab. Nach dem Anireführten lässt sich 
also für die Krokodile angeben, dass bei ihnen eine Car. externa entweder nur schwach ange- 
deutet, oder in zwei bis drei unmittelbar aus der Car. communis entspringende Arterlen gleich- 
sam zerfallen ist. 

1. Die Art. inframaxillaris (Taf. V, Fig. 1, a, 3, Fig. 3, 4, 4, Fig. 4, lo und Fig. 5, e) 
bildet zuvörderst einen sehr stark gekrümmten und mit seiner Convexitäfc nach unten und 
hinten gekehrten Bogen, der neben dem Sehlundkopfe dicht vor dem Bogen des Nervus hypo- 



glossus liegt. Der obere oder nach hinten gehende Theil desselben sendet einen oder einige 



Zweige aus, die sich in dem Schhindkopfe und der vorderen Hälfte der Mm. pterygoidei ver 



breiten. 



Der andere oder untere Theil desselben, der bedeutend länger als jener erstere ist, 



Zunge zicmlieli 



läuft mit dem M. hypoglossus dicht über dem Zungenbeine (Fig. 4) zur Zunge hin und entsendet 
einige Zweige für den Schlundkopf, den Kehlkopf, das Zungenbein, das Gaumensegel, die 
Mm. pterygoidei und einen Theil des M. latissimus colli. Nachdem aber die Arterie ihren 
Bogen gebildet hat, verläuft sie als A. lin^nialis an der unteren Seite der 
gerade nach vorn (P'ig. 4, ti 

2. Die Art. maxillaris interna (Taf. V, Fig. 1, 5, 5 und Fig. 5,d') begibt sich anfäng- 
lich in einer schrägen Eichtung nach aussen, vorne und oben zu dem oberen Theil des hin- 
teren Bandes des Quadratbeines. Dann aber wendet sie sich nach unten und hinten, läuft 
schräg über die vordere oder vielmehr untere Seite des Quadi-atbeines nach dem Gelenk des 
Unterkiefers, und theilt sich an demselben in eine A. dentalis superior und eine A. dentalis 
inferior. 



^) Medioinisclie Jahrbiiclier dos östei'reicliischen Staates. fM. ;J8 (Wien 1842). Seite 258 und 259. 



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Unter stiel mngen über die Aortenwurzeln der Saurier. 



93 



A, Die Art. deiitalis superior verläuft an clor inneren Seite des Jochbeines und des liin- 
terstenTheiles von dem Oberkieferbeine ziemlicli gerade nach vorn, gibt einige in einer Eeilio 
aufeinander folgende Zweige an die liintere und vordere Portion des Scldäfenmuslcels ab^), 
sendet aucb den hintersten Zähnen des Oberkiefers ein Paar Zweige zu und geht darauf durch 
eine ziemlich weite Öffnung in den Zahncanal des Oberkiefer- und Zwischenkieferbeines über. 

_B. Die Art. dentalis inferior bildet an der inneren Seite des Unterkiefers, ehe sie in den 
Zahneanal desselben übergeht, einen vor dem ünterkiefergclcnkstück gelegenen und stark 
gekrümmten Bogen, der mit seiner Convexität nach unten gerichtet und grösstentheils in der 
Substanz der Mm. pterygoidei eingeschlossen ist. Von diesem Bogen gehen mehrere Zweige 
ab, die sich in den erwähnten Muskeln und dem Schläfenmuskel verbreiten. 

3. Die Art. temporalis (Taf. V, Fig. 1, 7, 7 und Fig. 5, c), die etwas dünner ist, als die 
A. maxillaris, steigt dicht an der hinteren Seite der Hirnschale nach innen von zwei Löchern, die 
als Foramen caroticum cxternum und For. jugulare bezeichnet werden können , eine ziemlich 
grosse Strecke nach oben auf, krümmt sich dann unter einem Bogen nach aussen um, verläuft 
dicht unter den Insertionen der Mm. complexus, trachelomastoideus und sternomastoideus quer 
nach aussen, und geht darauf durch ein Loch, das sich zwischen dem oberen Ende des Quadrat- 
beines, dem Seitentheile des Hinterhauptbeines und dem Felsenbeine befindet, in einen für sie 
bestimmten und nach der Paukenhöhle führenden Knochencanal über. Auf dem angegebenen 



Wege entsendet sie ausser einigen ganz unbedeutenden Muskelz^Ycigen zwei stärkere Zweige. 

A, Wo sie nämlich an dem Foramen jugulare vorübergeht, sendet sie einen ziemlich 
stai-kenEamus ccrvicalis nach hinten aus, der zwischen dcnMuskeln des Nackens ungefähr bis 
auf die Mitte des Halses nach hinten läuft und sich in denselben verbreitet. Mehrere von 
seinen ZAvcigen sind mit einander zu einem weitmaschigen Netzwerk verbunden. 

B. Einen zweiten Pamus ccrvicalis entsendet die Schläfenarterie, wo sie sich nach aussen 
wendet, um den vorhin erwähnten Bogen zu bilden. Derselbe gelit zwischen den Nacken- 
muskeln ungefähr so Aveit nacli liinten, Avie der vorige, und bildet ebenfalls zum Theil ein Aveit- 

niaschiges Netzwerk. 

An dem Eino'an*^e des erwähnten Knochencanals hängt sie durch eine ziemlich starke 
Anastomose, die von ihr dicht hinter dem Quadratbeine bis in die Nähe des Kicfergelenkcs! 
geht, mit der A. maxillaris zusammen (Taf. V, Fig. 1, o, g). Durch jenen Canal aber, der ziemlicli 
gerade, massig weit und schräg von hinten nach vorn und oben gerichtet ist, begibt sie sich 
z;ur Paukenhöhle und verläuft dann an der hinteren und oberen Wandung dieser Höhle nahe 
dem Paukenfelle unter einem Bogen Aveiter nach vorne (Taf. V, Fig. 2, 3)^). Hierauf dringt sie 
durch einen anderen Knochencanal hindurch, der sich zAvIschen dem Paukenbeine (Mastoidicn 
nach Cuvier) und dem Felsenbeine befindet, nur kurz, aber ziemlich Aveit ist und in eine 
Lücke führt, die an der oberen Seite der Hirnschale zAvischen dem Paukenbeine, dem Scheitel- 
beine und dem die Augenhöhle hinten begrenzenden Knochen (Os orbitale oder Frontale 



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posterieur nach Cuvier) vorkommt. In dieser Lücke setzt sie nunmehr, nachdem sie bei 



M Der Scliläfeumuskcl der Krokodile ist in zwei i\-n-tionen geUieiltj von denen die eine in der Scliläfenhölile , die andere 
unter dem Auge in der Augenliöide liegt. 

^) Den Durchgang der Art. terpporalis durch den oben angefiihrten Canal und durch die Paukenhöhle liat schon Owen — von 
dem aber diese Arterie als Carotis interna bezeichnet worden ist — in seiner Abhandlung über den Gchorapparat der Kro- 
kodile nicht nur beschrieben, sondern auch in einer von den Abbildungen angegeben, die zu dieser Abhandlung gohören 
(Philos. Transactions vom Jahre 1850; Theil U. Tafel 40, Fig. 2). 



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94 



Heinrich. Eatkke. 



ihrem Durchgänge durch die Paukenhöhle einige kleine Zweige für die Haut dieser Höhle, 
das Paukenfell und die Ohrklappe abgegeben hat, durch Theilung und Wiedervereinigung 
eine ziemlich grosse Masche zusammen, aus der einige Zweige für die hintere Portion des 
Schläfenmuskels entspringen^). Dann aber geht sie unter dem Os orbitale in die Augenhöhle 
über, verläuft in derselben hinter dem Auge, indem sie um die vordere Seite der hinteren 
Portion des Schläfenmuskels sich herum windet, eine ziemlich lange Strecke von oben und 
aussen nach unten und innen, dringt zwischen dem äusseren und unteren geraden Augenmus- 
kel weiter nach unten vor, und geht endlich in ein Wundernetz über, das ZAvischen den 
geraden Augenmuskeln neben dem Sehnerven liegt (Ta£ V, Fig. 2, s und Fig. 7, /). Auf 
dieser letzten Strecke ihres Weges entsendet sie hoch oben einen ziemlich starken z4eig, der 
unter dem Dache der Augenhölde nach vorn läuft (Fig. 2, 4), wie auch weiter unten einige 
kleinere Zweige für die hintere Portion des Schläfenmuskels. 

. 4. Die Carotis interna (Taf V, Fig. 1, 9, o und Fig. 5, h) steigt nach ihrem Ursprünge 
aus der gemeinschaftlichen Carotis eine kurze Strecke nach oben, aussen und vorne auf und 
begibt sich alsdann in einen nur allein für sie bestimmten massig weiten , beträchtlich langen 
und stark geschlängolten Canal, dessen Eingang an dem Seitenrande der hinteren Fläche der 
Hirnschale und unter einer noch etwas grösseren Öffnung, durch welche die Nn. vagus und 
glossopharyngeus hindurchgehen, seine Lage hat. Der angeführte carotische Canal befindet 
sich zum grösseren Theile in der unteren Hälfte des Felsenbeines nahe der äusseren Fläche 



desselben, zum kleineren Theile in dem Körper des hinteren Keilbeines, und mündet siel 



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las hintere Ende der Sattelgrub c"). In seinem Verlaufe bildet er zwei Bogen, indem er uno-e- 

Sein liinterer Boffcn liegt in dem Felsen- 



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fälir die Form eines grossen römisclien S bescheibt. 

beine, hat eine starke Krümmung nnd ist mit der Convexitlit nacli oben und aussen gekehrt^ 
sein vorderer Bogen befindet sich in rlemKörper des hinteren Keilbeines, hat eine schwächere 
Krümmung, als der erstere, und ist mit der Convcxität nach unten und innen gewendet. Ent- 
sprechend dem Verlaufe dieses Canals bildet also auch die innere Carotis zwei Biegungen, 
ehe sie zu der Sattolgrube gelangt (Taf. V, Fig. 2, i und Fig. 6). An dem hintere'L E^Jide 
dieser Grube theilt sicli dieselbe in zwei Äste, von denen der eine neben dem Hirnanhange 
nach oben und vorn geht (Fig. 6, h), dicht vor der Sattellehne — unter und hinter welcirer 
der Hirnanhang liegt — sich zum Gehirn begibt und die Carotis cerebralis darstellt, der 
andere, der etwas dicker als jener ist (Fig. 6, c), dicht unter der harten Hirnhaut durch den 



mittleren Theil der Sattels-rubc 
bestehenden Boden hat 



der keinen knöchernen, sondern nur einen aus Bindegewebe 



— nach vorn läuft. Der letztere Ast geht darauf durch eine ziemlich 
grosse Spaltöffnung, die sich zwischen dem Körper des vorderen Keilbeines und dem 
ansehnlich grossen Flügel des hinteren Keilbeines befindet, seitwärts in die Augenhöhle über. 



A, Der letztere Ast, den ich die Art. orbitalis nenne 



dringt sehr bald nach seinem Aus- 



tritte aus der erwähnten Spaltöffnung der Hirnschale zwischen dem unteren und dem äusseren 
geraden Augenmuskel hindurch (Fig. 7, Ä), begibt sich zu der äusseren Seite des Sehnerven, 
und bildet an demselben ein ansehnliches Wundernetz, in das auch die A. ophthalmica, die 
nur eine überaus geringe Dicke hat, und die an ihrem Ende noch ziemlich dicke A. temporalis 



^) Abgebildet ist diese Masche von Owen am angeführten Orte auf Taf. 40 
2) Von KoestUn ist derjenige Theü des Felsenbeines, durch welchen der 
einen hinteren Schläfenflügcl (Keilbcinllügel) ausgegeben worden. 



Fig. a. 

carotische Canal 



hindurchgeht, mit Unrecht für 



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Unter suclmn gen über die AortoriKiirzeln der Saurier. 



95 



übergelien (Fig. 7). Aus diesem Wiindcrnetze aber entspringen a) die Aa. ciliares posteriores^ 
V) einige dünne Zweige für den Muse, retractor oculi, die geraden Augenmuskeln und den 
Muskel der Nickhaut, c) ein etwas stärkerer Zweig für einen Muskel, der das untere Augenlid 
hcrabzielien kann, und d) ein nocli stärkerer rücklaufcnder Z^veig , der sicli in einem beson- 

■ ■ 

deren Knochcncanal nacli der Öffnung der Hirnscliale , durcli Avelclie der Nervus trigeminus 
hervordringt, in einei' sclirägen Riclitung von vorne und unten nacli hinten und oben hin- 
begibt (Fig. 2j 2 und Fig. 7, g) und sich von da aus hauptsächlich in der vorderen Portion des 
Schläfenmuskels verbreitet. ♦ 

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jB. Die Carotis cerebralis geht zur Seite des Ilirntrichters eine kurze Strecke in die Flöhe 
und theilt sich nahe der Basis desselben, wie bei den Schuppenechsen, in einen vorderen und 
einen hinteren Ast, von denen der erstere beinahe noch einmal so dick, als der letztere ist. 

a. Der vordere Ast, der als eine gerade Fortsetzung- scmes Stammes erscheint und haupt- 
sächlich für das grosse Gehirn und das Geruchsorgan bestimmt ist, steigt an der hinteren 
Seite des grossen Gehirns auf, biegt sich dann nach vorne um, verläuft nunmehr an der oberen 
Seite des Gehirns dicht neben der Scissura longitudinalis cerebri bis zu den Riechnerven, und 
vereinigt sich, wo diese Nerven entspringen, unter einem äusserst spitzen Winkel mit dem 
gleicJien Aste der anderen Seitenhälfte zu einer unpaarigen Arterie, die sich zu dem Geruchs- 
organ begibt und mit dem Namen der A. ethmoidalis communis belegt w^erden kann. 

a. Nicht fern von seinem Ursprünge entsendet er, wie bei den Schuj)penechsen, einen 
ziemlich langen Zw^eig, der an der unteren Seite der entsprechenden Flemisphäre des grossen 
Gehirns nach vorn läuft und sich an dieser, dessglcichcn an der äusseren und zum Thcil auch 
an der inneren Seite der Hemisphäre vei^breitet. Vor dem Cliiasma der Sehnerven gibt er 
eine ungemein dünne A. ophthalmica ab, die auf dem Sehnerven derselben Seitenhälfte aus 
der Schädclhölilc heraustritt und in das erwähnte Wundernetz der Augenhohle übergeht. Doch 
habe ich einen solchen aus der Schädelhohle austretenden Nebenz^vcig nur erst einmal deut- 
lich erkennen können. 



/? 



7 



die sich an der hin- 



teren und oberen Seite der entsprechenden Ilemispliäre des grossen Gehirns verbreiten, auch 
einen massig dicken Zweig, der für die Plexus choroidei der Scitenhohlc dieser Hemisphäre 
und der dritten Hirnhöhlc bestimmt ist. 

;-. Die A. ethmoidalis communis geht zwischen den Riechnerven nach unten zu dem vor- 
dersten Theil der Schädelgrundfläclie, verläuft eine kurze Strecke auf derselben nach vorne 
und spaltet sich nahe dem vorderen Grunde der Schädelhöhle \\\ eine A. ethmoidalis dextra 
et sinistra. Ein jeder A^on diesen Asten theilt sich dann, nachdem er nur ehien sehr kurzen 
Verlauf gemacht hat, noch innerhalb der Schädelhöhle in zwei ziemlich gleich dicke Zweige. 
Der eine von beiden ZAvcigen (A. nasalis interna) geht als eine gei^ade Fortsetzung seines Astes 
unter dem Riechnerven dei'selben Seitenhälfte auf die Riechhaut über, verbreitet sich darin bis 
zu dem äusseren Nasenloche und ist allein für sie bestimmt. Der andere Zweig (A. nasalis 
externa) geht zuvörderst unter dem Stamm des Riechnerven eine kurze Strecke nacli aussen 
und vorn, sendet demnächst einen Nebenzweig nach der Augenhöhle hin, der sich in den 
schiefen Augenmuskeln, der Harder'schen Drüse, der Nickhaut und den beiden anderen Augen- 
lidern verbreitet, bie^'t sich darauf nach vorne um und verläuft alsdann, bedeckt von verschic- 



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denen Knochen des Antlitzes , auf der 



oberen Seite der theils häutigen 



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theils knorpeligen 



nächsten ümfrebunö* der Nasenhöhle bis zu dem äusseren Nasenloche. 



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Ilei^zrzch Bathke. 



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b. Der hintere oder dünnere Ast der Carotis cerebralis vereinigt sich bald nach seinem 
Ursprünge, nämlich schon beinahe dicht hinter dem Hirntrichter , mit dem gleichen Aste der 
anderen Seitenhälfte zu einer A. basilaris. Vorher aber sendet er einen imVerhältniss zu ihm 
beträchtlich starken Zweig nach oben hin, der sich über die eine ganze Seitenhälfte des Vier- 
hügcls und des kleinen Gehirns verbreitet. Die A. basilaris setzt sich, wie bei den SchujDpen- 
echsen, geraden AVeges in die massig dicke A. spinalis inferior fort, die bis an das Ende des 
Eückenmarkes verfolgt werden kann und nirgends Maschen bildet. Ehe sie aber in diese 
übergeht, sendet sie unter ziemlich rechten Winkeln mehrere dünne Zweige aus, die sich in 
dem verlängerten Marke verbreiten, ferner zwei Aa. auditivae intcrnae, die jene an Dicke weit 
übertreffen, und hinter denselben sehr nahe dem Hinterhauptsloche noch zwei andere Zweige, 
die sich um das verlängerte Mark nach oben herumschlagen und sich zu einer A. spinalis 
superior vereinigen. Die letztgenannte Arterie ist dünner, als die untere Eückenmarksarterie, 
lässt sich aber ebenfalls weit nach liintcn verfolgen und bildet übrigens so wenig, wie jene, 
eine Eeihe von Maschen, sondern hat nach ihrer ganzen Länge die Form eines einfachen 
Canals. 

IL Die zAvei dünneren paarigen Arterien des Halses, die ich Aa. collaterales colli 
nenne, verlaufen ziemlich gerade und in Begleitung der Nervi vagi und der Venae jugulares 
internae^) neben der Speiseröhre so weit nach vorn, bis sie in die Nälie des Zmigenbcines 
kommen, wo sie dann in die am weitesten nach hinten gelegenen Theile der Bogen übergehen, 
welche von den Aa. inframaxillares gebildet werden (Taf. V, Fig. 1, 4, 4, Fig. 3, 5, 5, Fig. 4, 9, 
^'^S' 5)/^-ii'id Fig. 8, g^ g). Von unten sind sie grösstentlieils durch die sehr starken Mm. sterno- 



1 



in der Nähe des Zungen- 



hyoidei, die zugleich die fehlenden Mm. sternothyreoidei vertreten 
beines aber zum Theil durch die Mm. omohyoidei verdeckt. Li ihrem Verlaufe geben sie 
einige Zw^eige ab , die sich an diesen verschiedenen Muskeln, wie aucli an den Mm. sterno- 
mastoidej und levatores scapularum verbreiten. Ferner senden sie mehrere Zweige zu der 
Luftröhre und Speiseröhre hin. Ausserdem aber sendet eine jede vorne einen Zweig nach 
aussen und oben,, der sich in dem M.'sternomastoideus , der hinteren Hälfte der Mm. ptery- 
goidei und dem M. latissimus colli verbreitet. Von hinten nach vorn werden sie allmählich 
dünner, haben aber im Verhältniss zu der Dicke des Halses bei verschiedenen Krokodilen 
eine sehr verschiedene Stärke, obAvohl sie darin der Carotis subvertebralis jedenfalls bedeutend 
nachstehen. Nicht selten sind sie vorn 

dick oder doch beinahe so dick, wie diese, mitunter aber um Vieles dünner. So fand ich sie 
namentlich bei einem xVllIg. palpebrosus, der 2' 4" lang war, vorn kaum zum vierten Theil 
so dick, wie die Aa. inframaxillares, wo diese ihre Bop-en bildeten. 



; 



wo sie in die Aa. inframaxillares übergehen, eben so 



§. 36. Die Artcriae subclaviae steigen von den Aa. anonymae nach oben und vorne 
auf, um dicht hinter den Hackcnschlüsselbcinen die Rumpfhöhle zu verlassen und sieh unter 
starken Bogen nach aussen zu wenden. In ihrem Verlaufe winden sie sich um die untere Seite 



1 vorne 



der Lungen herum, welche Organe sich ein wenig über die ILxckenschlüsselbeine nacl 

* 

hinaus erstrecken. Kurz nach ihrem Ursprünge sendet jede von diesen Arterien eine Art. 
mammaria interna aus (Taf. V, Fig. 4, 6, r> und Fig. 8, /, ?), die ähnlich, wie bei den Säuge- 
thieren, neben dem Brustbein nach hinten läuft und mehrere in einer Reihe auf einander 
folgende Seitenzweige abgibt^ die sich mit den Intercostalarterien zu Bogen vereinigen. 



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^) Ausser den oben uiigofübrtcn Drosselvcncn komaicn hal ihm Krukodilen auch noeh zwei äussere vor. 



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Untersuchungen üher die Ao7iemüu?'zeln de?" Saurier, 



97 



Weiter nacli aussen und kurz vorlier, clie die Art. subclavia aus der ßumx^fliölilc liervor- 
dringt, sendet sie einen langen und starken Ast aus, den man die A. vertebralis communis 
benennen kann (Taf. V, Fig. 4, 7, 7 und Fig. 8, Je, k). Dieser läuft zuvörderst ziemlich weit 
nacL unten lierab, indem er etwas schräg nach unten und hinten über die innere Seite des 
Körpers der zweiten und d ritten Brustrippe hinweggeht 
dritten Brustrippe 



biegt sich dann aber hinter der 
selten an der inneren Seite derselben) nach oben um und steigt nunmehr 
in dem dritten Interstitium intercostale nach oben auf. Neben der Wirbelsäule theilt er sich 
endhch in zAvei untergeordnete Äste, von denen sich der eine nach vorn, der andere nach 
hinten begibt. Der erstere, der eine etwas grössere Dicke, als der letztere hat und wegen seiner 

A. vertebralis anterior genannt werden kann, entspricht der A. vertebralis 



Richtung die 
profunda der Vögel 
den Schenkeln 



und Säugethiere. Derselbe läuft neben der Wirbelsäule zwischen 
Wm^zeln) der drei vordersten Brustrippen und der sechs hinteren 
Halsrij)pen hindurch, steht mit den bereits erwähnten Zweigen, welche die starke Art. 



subvertebralis in ihrem Verlaufe nach 



oben ausgesendet hat, in Verbindung, 



wird in 



dem vorderen Theile des Halses sehr dünn und endet an dem Atlas in den Muskeln des 
Halses, dringt also eben so w^enig, wie die ihm entsprechende Arterie der Vögel, in die Schädel- 

die beiden vordersten Aa. intercostales 



höhle hinein. Auf dem angegebenen Wege sendet er 



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seiner Seite und in dem Halse verscliiedene kleine Zweige für die Naekcnrauskeln, den jeder- 
seits nur in einfaclier Zald vorkommenden M. scalenus und den M. levator scapulae aus. Der 
andere oder nach hinten gelieüde Ast der A. vertebralis commiuiis, der die A. vertebralis 
posterior lieissen mag, dringt zwischen den Schenkeln der vierten Brustrippe hinduj-ch, läuft 
dann neben dem Körper des fünften bis neunten Brustwirbels unter den Querfortsätzen dieser 
Wirbclbeine hinweg und geht darauf dicht hinter dem Vercinigungswinkcl der Aortenwurzcln 
in den Stamm der Aorta über. In seinem Verlaufe sendet er die dritte bis neunte A. intcr- 
costalis seiner Seite aus, wogegen 



die füllenden oder hintersten Intcrcostalarterien (gewöhn- 



lich drei an der Zahl) aus dem Stamme der Aorta entspringen. 

Eine auslulu-licliere Bc«cIu-eibuno- von <lcr Verzweigung der Arterien, ^velclIe durch deu Hals der Kro- 
kodile gehen, werde ich in einem besonderen Werke über den Bau und die Entwickelung dieser Thiere geben. 
Aucli werde ich darin die von den meinigen abwcichen.lon Angaben, welelie Meckel, Cuvier, Biselioff, 
Byrtl, Owen und van der Iloeven über die Halsartericn der Krokodile gemacht haben, beleuchten. liier 
will ich nur noch anfüln-cn, dass ich bei keinem Exemplar von Krokodilen, obgleicli ich ungefähr vierzig 
(Embryonen, Junge und halberwachsene Exemplare) zergliederte, ausser den Spinalarterien und vorderen 
Vertebralartei-ien mehr oder gcgentheils weniger, als drei Arteiien habe durch den Hals hindurchgehen 

sehen. 



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Benksdirifteu der mathcm.-naturw. Cl. XllT. Bd. Abh^inrll. v. \i<-htmitg]. 



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TTeinricli Raihke, 



II. ABSCHNITT. 

DEUTUNG DER BEI DEN SAURIERN VON DER RECHTEN AORTENWURZEL AUSGEHENDEN 

ARTERIEN. 

.37. Nach Beobachtungen, die an einigen Säugethieren , dem Haushuhn, der gemeinen 
nordeuropäischen Eidechse, der Natter und einigen Gräthenfischen gemacht worden sind, bilden 
sich bei allen diesen Wirbclthieren, ungeachtet der grossen Verschiedenheit in dem Bau 
derselben, bald darauf, nachdem bei ihnen das Herz entstanden ist, gleich hinter dem Munde in 
den Scitcnwandungen der Leibeshöhlc zwei Reihen von Geiassbogen, die als einfache Zweige 
von einem kurzen aus dem Herzen kommenden' Arterienstamme (Taf. VI, Fig. 6, a) und zweien 
nach vorn gerichteten Ästen dieses Stammes ih, h) abgehen , in den erwähnten Wandungen 
der Leibeshöhle aufsteigen und sich unter der Eückcnwandung der genannten Höhle so ver- 
einigen, dass sie für den Stamm der Aorta gleichsam zwei verzweigte Wurzeln darstellen. Je 
zwei Bogen einer solchen Eeihe sind nämlich an ihrem oberen Ende durch eine von vorn 
nach hinten gerichtete Anastomose mit einander verbunden: alle Anastomosen je einer Eellic 
aber setzen für sich allein betrachtet einen geschlängelten Canal zusammen, der sich über den 



letzten Gefässbogen seiner Seite noch eine Strecke nach hinten fortsetzt (Taf. VT, Fig. 6, c), 
um sich mit dem gleichen Canal der anderen Seitenhälfte unter einem mehr oder wenio-er 
spitzen Winkel zu dem Stamme der Aorta {d) zu vereinigen. Die Zahl der angeführten Gefäss- 
bogen beträgt bei den Säugethieren, Vögeln, Eidechsen und Schlangen in jeder Seitenhälfte 
des Körpers fünf, wogegen sie bei den Fischen oder doch bei einigen von denselben eine 
grössere ist. Die zwei hinteren Paare entspringen bei den erstgenannten Tliiercn unmittelbar 
und miter ziemlich rechten Winkeln aus jenem kurzen Gefässstamme, der von dem Herzen in 
der Mittelebene des Körpers gerade nach vorn geht, und den ich zum Unterschiede von 
anderen Abschnitten des Blutgefässsystems den Truncus arteriosus communis oder 
schlechtweg den Truncus arter iosus nennen werde. Die Gefässbogen der drei vorderen 
Paare aber gehen unter ziemlich rechten Winkeln von den beiden Ästen jenes Gefässstammes 
ab, und zwar das dritte Paar von vorne nur in einer sehr geringen Entfernung von dem 
Ursprünge dieser Aste (Taf. VI, Fig. G). 

Die Übergänge der crwalmtcn Gefässbogen einer jeden Seitenhiilfte in einander tenncn nur uncigentlicli 
Anastomosen genannt werden, weil sie nicht späteren Ursprungs, als diese Gefässbogen selbst sind! Denn 
anfänglich stellen die bcidcnÄste des Truncus arteriosus zwei gnnz einfache Gefässschlingen dar, die sich nach 
hinten und oben zu dem Stamme der Aorta vereinigen; alhiiäldich aber entstehen in einer jeden solclicn 
Schlinge nach einander der zweite und dritte Gefässbogen, die von dem einen zu dem andern Schenkel der- 
selben übergehen, so wie noch etwas si)äter zwischen dem Trancus arteriosus und dem absteigenden Sclionkel 
der Schlinge ein vierterund fünfter Gefässbogen, die von jenem zu diesem übergehen. 






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Untej^sucliungen über die Aoi'teniüurzeln der Saurier. 99 

Nach dem Angeführten hat also bei überaus verschiedenartigen Wirbclthieren eine umfang- 
reiche Abtheikuig des arteriellen Systems, die in der vorderen Körperhälfte gelegen ist^ zu 
einer sehr frühen Entwickelungszeit im Wesentlichen eine gleiche Form. Diese ihre Grund- 
form nmr aber Avird bei den verschiedenen oben genannten Wirbelthieren im Verlaufe der 
Entwickelung theils durch eine vorschreitende ^ theils durch eine rückschreitende Metamor- 
phose so mannigfaltig umgeändert, dass daraus viele und gar verschiedene andere Formen 
hervorgehen, von denen übrigens die meisten mit der ursprünglichen keine Ähnlichkeit mehr 

haben. 

§. 38. Von den erwähnten Gefässbogen, von denen^ wie bereits bemerkt, sich bei den 

Schlangen, Eidechsen, Vögehi und Säugethieren nur fünf Paare bilden und von denen die des 
vordersten Paares zuerst, die des hintersten zuletzt entstehen, vergeht schonbaldin jeder Seiten- 
hälfte der erste und zweite völlig, der erste sogar früher, als der fünfte entstanden ist (Taf. VI, 
Fig. 1, 5 und 7 bis 10). Auch vergeht bei den Schlangen, Vögeln und Säugethieren die Ana- 
stomose, durch welche der dritte und vierte einer jeden Scitenhälfte oben mit einander ver- 
bunden sind (Taf. VI, Fig. 1, 7, 9 mid 10). Die Theilo aber, welche dann bei diesen Thieren 
von den beiden nach vorn gehenden Ästen des Truncus arteriosus übrig geblieben sind, ent- 
wickeln sich, wie ich weiterhin (§.42) noch nälu?r angebe]^ werde, zu den Carotiden derselben 
(Taf. VI, Fig. 7, 9 und 10, a, h und c). Gleichfalls erfahren bei den" Schlangen, Eidechsen, 
Vöo-eln und Säugethieren die Gefässbogen des fünften Paares durch eine theilweise oder ganz- 
liclie Eesorption eine Veränderung. Und eben dasselbe gilt für die Vögel und Saugetliiere 
au eil von dem einfaclien Endstücke der einen von ibren Aortenwurzeln (Taf. VI, Fig. 9 und 10). 
Es werden also die sehr zusammengesetzten Aortenwurzeln, die bei allen oben genannten 
Wirbeltbiercn in einer sebr frühen Zeit des Fruchtlebcns vorkommen und als primitive 
Aortenwurzcln bezeichnet werden können, nachher wieder immer mehr vereinfacht. Dies 



aber geschieht je nach den Arten derselben auf verschiedene AVeise und in sehr verschiedenen 
Graden. In den höheren Graden der Vereinfachung ihrer Form werden jene primitiven Aorten- 
wurzcln dermassen aufgelöst und überhaupt verAvandclt, dass sie völlig verloren zu gehen 
scheinen und der ursprüngliche Stamm der Aorta mit dem Herzen in eine ganz einfache Ver- 
bindung P-elano-t. In den niederen Graden ihrer Vereinfachung aber werden sie nur in so Aveit 
aufgelöst, dass der Stamm der Aorta, wie dies bei den Eeptilien der Fall ist, immer noch durch 
ein oder zwei Paar Gefässbogen mit dem Herzen in Verbindung bleibt. Zum Untersclncdo 
von jenen znsammengesetztcn frülieren Aortenwurzeln werde ich diese einfacheren spateren 
Aortenwurzeln der Ecptilien, die nur aus einem oder zwei Paar Gefässbogen bestellen, in dem 
Folgenden unter dem Namen der secundären AortenAvurzcIn aufführen. 

Eine andere bedeutende Veränderung, die in dem arteriellen System derjenigen Wirbel- 
tliiere, welche über den Batrachiern stehen, zu einer frühen Zeit des Fruchtlebens vor sich 
geht, betrifft den Truncus arteriosus derselben. Dieser spaltet sich nämlich der ganzen Länge 
nach bei den Ophidiern und Sauriern in drei, bei den Vögeln und Säugethieren in zwei Canäle, 
die in die Gefässbogen des ursprünglich vierten und fünften Paares übergehen^). Bei den 
Schlangen und Eidechsen geschieht die Spaltung dos erwähnten Stammes in drei neben ein- 
ander lieo-cndc Canäle in einer solchen Richtung, dass nach ihrer Beendigung der ursprünglich 



^) iJber den Vorgang der Spaltung des Truncus arteriosus habe ich ein ^'alleres angegeben in meiner, Ent^vickelungsgeschichte 
der Kattcr (S, IG-i— IGG) und in Müllcr's Archiv (Jahrgang 1843; S. 278—280). 

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vierte Gefässbogen der recliten Selteiahälfte als eine Fortsetzung* des einen ^ der linke vierte 
Gefässbogcn als eine Fortsetzung des zweiten, und die Gefässbogen des fünften Paares als 
Fortsetzungen oder Aste des dritten von diesen Canälen ersclieincn (Taf. VI, Fig. 7 und 8). Die 
gemeinschaftliclien Carotiden aber erscheinen dann bei den Schlangen als zwei sehr kurze 
Gefässstännne, die dicht neben einander da entspringen, wo sich der eine von den angeführten 
Canälen mit dem rechten vierten Gefässbogen vereinigt hat und in ihn übergeht. Bei rlen 
Vögeln und Säugethieren gerathcn die beiden Canäle, in welche sich bei ihnen der Truncus 
artcriosus spaltet, mit den vier hintersten Gefässbogen in eine solche Vei-bindung, dass die des 
vierten Paares als Äste des einen , die des fünften Paares als Äste des anderen von diesen 
Canälen erscljcinen (Taf. VI, Fig. 9 und 10). Die beiden gemeinschaftlichen Carotiden aber 
gehen bei ihnen dann in einiger Entfernung von einander nicht, wie es bei den Schlangen und 
Eidechsen der Fall ist, von dem einen, sondern von den beiden vorletzten Gefässbogen ab. 



§. 39. Etwas früher, als sich bei den verschiedenen oben genannten Thieren an 



dem 



zweige 



Truncus artcriosus auch äusserlich eineThcilung bemerkbar macht, gelangt bei ihnen entAveder 
nur der eine fünfte oder ein jeder fünfte Gefässbogen mit den Lungen in eine Gefässverbindung. 
Nach Untersuchungen, die ich an der Natter, der gemeinen Eidechse, dem Ilaushuhne, 
dem Schweine, dem Schafe und dem Hasen über die Entwickelunp- der LunGfcnarterien anii'C- 
stellt habe, sendet bei den Schlangen der rechte, bei den Säugethieren der linke fünfte Gefäss- 
bogen in einer sehr frühen Zeit des Fruchtlebens ungefähr aus seiner Mitte einen kleinen Ast 
aus, der für die beiden Lungen bestimmt und hinter seiner Ursprungsstelle in zwei Zweige 
getheilt ist (Taf. VI, Fig. 1,/ Fig. 7, ä, U und Fig. 10, on). Sehr bald aber verkürzt sich dieser 
Ast dermassen, dass seine Zweige unmittelbar und dicht neben einander von dem angeführten 
Gefässbogen abgehen. Ist dies geschehen, so nehmen bei den Säugethieren beide 
beinahe gleichmässig , bei den Schlangen aber besonders der rechte, der für die stärker siel 
vergrössernde rechte Lunge bestimmt ist, immer mehr an Länge und Weite zu und entwickeln 
sich zu den Asten der Arteria pulnionalis. In noch viel grösserem Masse aber erweitert sich 
sowohl die nach unten und innen von diesen Zweigen gelegene Hälfte des einen fünften Gefäss- 
bogens, welchem sie angehören, als auch derjenige durch die Spaltung des Truncus artcriosus 
entstandene Canal, welclicr in das fünfte Paar der Gefässbogen übergeht, und es entwickeln 
sich nun beide zusammen zu dem Stamme der Arteria pulmonalis. Die obere Hälfte desselben 
fünften Gcfässbogens nimmt zwar einige Zeit, während sie nur massig sich verlängert, eben- 
falls beträchtlich an "Weite zu, spätcrliin jedoch viel weniger, als die untere, und Avird nunmehr 
zu einem Ductus Botalli (Taf. VI, Fig. 7, i und Fig. 10, n), der übrigens bei den Schlangen 
nach Beendigung des Fruchtlebens völlig vergeht, bei den Säugethieren aber, ivcnn sie geboren 
sind, sich nur scldiesst und dünner wirdM. Der andere fünfte Gefässbogen, also bei den 



* 



') Bei Schafsembryonen, di^ vom Sclioitcl bis zur Schwanzwurzel in gerader Linie gemessen eine Länge von 12 bis 14 Linien 
hatten, ^var der ursprünglich fünfte Gefässbogen der linken Seitenhälftc beträchtlich und noch allenthalben ziemlich p-leich 
dick; die beiden Aste der Art. pulmonalis aber, die Yon der hinteren Seite desselbeii dicht neben elnaiulcr abgingen, waren 
im Verliältniss zu ihm noch sehr dünn. Bei Embryonen des Schweines und des Hasen, die mit jenen Schafsembryonen unge- 
fähr eine gleiche Länge hatten, war diejenige Hälfte des linken fünften Gcfässbogens, Avclchc den Buctus Botalli bilden 
sollte, etwas dünner als die andere, dagegen waren die beiden Äste der Art. pulmonalis im Verhältuiss zu der stärkeren 
Hälfte des Bogcns, besonders bei den Embryonen des Hasen, schon dicker als bei denen des Schafes. tJbrigens zeigte sicli 
bei allen diesen Embryonen, nls ich ihren linken fünften Gefässbogen der Länge nach aufgeschnitten hatte, an der inneren 
Fläche desselben, da wo die beiden Äste der Art. pulmonalis von ihm abgingen, eine kleine Vertiefung oder Ausbuchtung, 
in deren Grunde die Eingänge in diese Aste als ein Paar sehr kleine Öffnungen dicht neben einander lagen. 



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4 



Unters acliungeu über die Aortemourzeln der Saurier, 



101 



Schlangen der linke, bei den Säiigetliieren dagegen der reclite, vergeht nach seiner ganzen 
L'ängej ohne eine Spur von sich zurückzulassen (Taf. VI, Fig. 3, o, Fig. 7 und Fig. 10). Bei 



den Saugethicren geschieht dies nicht gar lange nachher, als sich ihrTruncus arteriosus getheilt 

hat, bei den Sclilangen aber erst viel später. 

Bei den Eidechsen und Vögeln sendet ein jeder fünfte Gefässbogen ungefähr aus seiner 
Mitte einen Zweig aus, der für die Lunge derselben Seitenhälftc bestimmt ist (Taf. II, Fig. 5, h 
und Fig. 7, c, Taf. VI, Fig. 5, Z, Fig. 8 und 9, ^; ^). Dieser Zweig und die unter ihm gelegene 
Hälfte des Bogens, aus welchem er entsprungen ist, entwickeln sich darauf unter allmählicher 
Vergrösserung zu einem Aste der Art. pulmonalis, indess sich zu dem Stamme dieses Gefässes 
nur allein derjenige von den aus dem Truncus arteriosus entstandenen Canälen ausbildet, 
welcher sich an die Gcfässbop-en des fünften Paares angeschlossen hat'). Während aber der 



angefidirte Zweig eines jeden fünften Gefässbogens und die unter ihm gelegene Hälfte desselben 
Bogens weiter werden, bleibt die andere oder obere Hälfte eines jeden von diesen Bogen, 
obgleich auch sie noch immer grösser wird, doch hinter jener in ihrer Erweiterung zurück 
mid gewinnt die Bedeutung eines Ductus Botalli (Taf. VI, Fig. 8 und 9, yfc, k). Es erhalten 
also die Eidechsen imd Vögel zwei Ductus Botalli, statt dass sich bei den Schlangen und Sauge- 
thicren nur ein solcher Gang ausbildet. Nach Beendigung des Fruchtlebens aber schwinden 
bei den Eidechsen und Vögeln die Ductus Botalli dermassen, dass sie spurlos vergehen und 
dadurch auch bei diesen Tliieren, wie es bei den Schlangen der Fall ist, die Verbindung 
zwischen der Art. pulmonalis und denjenigen anderen Theilen der primitiven Aoj'tenwurzeln, 
welche ebenfalls bestehen bleiben, voUständi.a* aufgeliobcn wird. 



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Wie bei den Eidechsen, habe ich auch bei älteren Embryonen uud Jungen verschiedener Krokodile und 
einiger Schiklkrötcn zwei Ductus Botalh gefunden, die von den beiden Ästen der Lungcnartcrie zu den beiden 
seeundären oder schon einfacher gewordenen Aortemvurzcln liingingcn. Es ist daher wohl hücLst wahrschein- 
lich, dass sich bei allen Sauriern und Schildkröten die beiden Äste der Lungenarterie, wie bei den Eidechsen 
und Vögeln, aus den beiden hintersten Gefässbogen des Halses entwickehi. Bei den Eidechsen, Krokodilen 
nnd Schildkröten haben die Ductus Botalli, so lange sie bestehen, eine ziemlich gleiche Länge. Bei den Vögeln 
aber erscheint der Ihdcc (Taf VI, F'ig, 9, Je und /) sehr viel länger, als der rechte, was seinen Grund darin hat, 
dass er nicht blos aus einem solchen morphologischen Element (der einen Hälfte eines fünften Gefässbogens) 
wie der rechte, sondern auch noch aus einem anderen gebildet wird. Es vergeht nämlich bei den Vögeln 
einige Zeit später, als der hnke fünfte Gefässbogen aus seiner Mitte einen Zweig für die Lunge derselben 
Seitenhälftc ausgesendet hat, die Anastomose, durch wclclic der vierte und fünfte Gefässbogen dieser Scitcn- 
hälfte mit einander in Verbindung standen, was hingegen bei den Sauriei'n nicht der Fall ist, bei denen vlel- 
nichr derjenige Abschnitt des arteriellen Systems, welcher jener Anastomose entspriclit, bestehen bleibt und 
einen Theil der seeundären linken Aortcnwurzcl bildet. Naclidem nun aber bei den Vögeln die angeführten 
Abschnitte des arteriellen Systems vergangen sind, setzen bei ihnen die obere Hälfte des linken fünften Gefäss- 
bogens und das einen einfachen Canal darstellende Ende der primitiven linken Aortenwurzcl einen ziemlich 
lano'on und bo^'-enförmia' o-ckrümmton Gefässcanal zusammen, der nach hinten in den Stamm der Aorta über- 
geht den linken Ast der Lungenarterie mit der Aorta verbindet, also einen Ductus Botalli darstellt, und in 
Hinsiclit seiner La<^erung und Verbindung der hinteren Hälfte der linken seeundären Aortenwurzel der Saurier 
und Chelonier entspricht. ÜKerreste der beiden Ductus Botalli findet man namentlich bei Hühnern und Sper- 
lingen noch so lange, bis diese Vögel flügge geworden sind. 



^) Nach V. Bär's Angaben (Zur EntwickclLingsgeschiclite der Thiere, BcoLaclitung und Kcfiexion, Theü I, S. 101. und lOG) 
sollen bei dem Hülmclien YOn dem vierten linken und von dem fünften rechten Gefässbogen Zweige für die beiden Lungen 
ausgesendet werden, dagegen soll der fünfte liukc spurlos vergelicn. Ich gb-iube mich aber völlig vergewissert zu haben, 
dass bei dem Iliihnchen nicht der vierte, sondern der fünfte linke Gefässbogen einen Zweig zur linken Lunge abgibt. 



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102 



II e inricli Rat li h e 



40. Obschon die Eideclisen und Vögel darin übereinstimmen , dass bei ihnen die 
Lungenarteric aus gieiclien morpliologisclien Elementen und in gleich er Weise gebildet wird, 
so weichen sie doch in der Entwickelung ihrer secundären oder derjenigen Aorta, welche bei 
ihnen nach der Zeit vorkommt, da die Ductus Botalli schon unwegsam geworden sind, bedeu- 
tend You einander ab. Die Entwickelung dieser Arterie geht nämlich bei den Eidechsen oder 
wohl überhaupt bei den Sauriern im AA^esentlichen nach demselben Plane vor sich, wie bei den 
Ophidiern, bei den Vögeln aber und eben so auch bei den Säugetliiercn nach einem ganz 
anderen, wenngleich für jede von diesen beiden Thierclassen besonderen Plane. 

Näher angegeben kommt die sccundäre oder einfachere Aorta bei den Säugethieren 
dadurch zu Stande, dass bei ihnen derjenige von den beiden durch die Spaltung des Truneus 
arteriosus entstandenen Canälcn , welcher sich an die Gefässbogen des vierten Paares ange- 
schlossen hat, ferner der linke vierte Geiassbogen, die Anastomose, durch welche dieser Bog^cn 
mit dem linken fünfton Gefässbogen in Verbindung steht, das einen einfachen Canal darstel- 
lende Endstück der linken Aortenwurzel und der ursprüngliche Stamm der Aorta theils an 
Länge, theils auch an AVeitc bedeutend zunehmen (Taf. VI, Fig. 10, d, e und/), während die 



Anastomosen, welche sich zwischen den Gefässbogen dos vierten und des dritten Paares 
befinden, der rechte fünfte Gefässbogen und das Endstück der rechten Aortenwurzel völlig 
vergehen, der rechte vierte Gefässbogen und die Anastomose, welche ihn mit dem rechten 
fünften Gefässbogen verbindet, in der Zunahme an Weite hinter den gleichen Theilen der 
linken Aortenwurzel so zurückbleiben , dass sie später nur Abschnitte eines Astes der Aorta, 
nämlich einen Truneus anonymus nebst dem Anfange der rechten Art. subclavia darstellen 
(Taf. VI, Eig. 3, g, Fig. 4, c und g und Fig. 10, «), und der linke fünfte Gefässbogen sich zu 
einem Theil der Art. pulmonalis und dem Ductus Botalli entwickelt. In Folge aller dieser 
Vorgänge in dem arteriellen System der Säugethiere stellt denn bei ilnien die Aorta einige 
Zeit später, als sich ein solches System zu bilden begonnen hat, an und für sich nur ein ein- 
faches Bohr dar, das an einer Stelle stark zusammengekrümmt ist und die Form eines Hebers 
mit sehr ungleich langen Schenkeln hat. Entwickelt aber hat sich von den einzelnen Abschnitten, 
die an dieser secundären Aorta der Säugethiere unterschieden werden können: 1. der aufstei- 
gende Theil aus dem einen der beiden Canäle, in die sich der Truneus arteriosus gespalten 
hatte; 2. der Bogen aus dem linken vierten Gefässbogen des Halse 



s, der zwischen diesem und 



dem hmter ihm liegenden Gefässbogen befindlichen Anastomose und dem Endstücke der linken 
Wurzel der primitiven Aorta; 3. der absteigende Theil aus demStamm der primitiven Aorta. 
Bei den Vögeln , deren secundäre Aorta ebenfalls, wie bei den Säugethieren, nur ein ein- 
faches Bohr darstellt, entwickelt sich der aufsteigende Theil dieser Arterie aus einem eben 
solchen durch die Spaltung des Truneus arteriosus entstandenen Canal, wie bei jenen Thieren, 
und der absteigende Theil dcssgleichen , wie bei jenen, aus dem Stamm der primitiven Aorta! 
Der Bogen dieser Arterie aber entwickelt sich zwar aus eben so vielen imd gleichnamigen 
morphologischen I']lomenten, wie bei den Säugethieren, doch in so fern aus verschiedenen, °als 
dieselben nicht der linken, sondern der rechten Körperhälfte angehören (Taf. VI, Fig. 9, e, e). 
Es findet daher in dem Lagerungsverhältnisse des Aortenbogens bei den Säugethieren und den 
Vögeln, obschon bei ihnen allen die secundäre Aorta nach einem und demselben Schema 
gebildet wird, die sehr merkwürdige Verschiedenheit Statt, dass dieser Bogen in seinem Verlaufe 
von dem aufsteigenden zu dem absteigenden Theile des genannten Gefassstammes bei den 
ersteren Thieren eine Richtung links hin, bei den letzteren dagegen eine Bichtung rechts hin hat. 






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Vntersuclmngen über die Aortemoitrzeln der Saurier. 103 

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Bei den Sclilangcn, deren secimdäre Aorta niclit, wie bei den Säugcthieren und Vögeln, 
ein einfaches , sondern ein nach Yorn gabelförmig in zwei Schenkel ausgehendes Rohr dar- 
stellt, beruht die Bildung dieser ihrer Form darauf, dass bei ihnen cinesthcils der Truneus 
artcriosus sich nicht in zwei, sondern in drei Canäle spaltet, von denen dann zwei, also einer 
mehr, als bei den Säugethieren und Vögeln, Avcscntlich zur Zusammensetzung der sccundären 
Aorta beitragen, anderenthcils eine grössere Anzahl von Abschnitten der primitiven Aorten- 
wurzeln zur Zusammensetzung dieser grössten Arterie des Körpers verwendet wird. Denn 
von den drciGefässcanälen, in welche sich bei den Schlangen der Truneus arteriosus gespalten 
hat, nehmen ausser demjenigen, w^elcher sich zu dem Stamm der Lungensclilagadcr entAvickelt, 
auch die beiden anderen oder diejenigen, welche in die Gefässbogen des vierten Paares über- 
gegangen sind, immerfort an Länge und Weite zu. Ein Gleiches gilt von diesen beiden Gefäss- 
bogen selbst, so wie auch von den Anastomosen, durch die sie mit den Gefässbogen des fünften 
Paares verbunden sind, und von den einfachen Endstücken der primitiven Aortenwurzeln 
(Taf. VI, Fig. 7, d^ cZ, d und/,/,/). Zusammen genommen aber bilden alle diese Abschnitte 
des arteriellen Systems — indem sie allmählich sich verlängern und erweitei-n, dagegen die 
Anastomosen, welche sich zwischen den Gefässbogen des vierten und denen des dritten Paares 
befinden, und später auch die aus den Gefässbogen des fünften Paares entstandenen Botallischen 
Gänge vergehen — - zwei grössere bogenförmige Canäle und entwickeln sich überhaupt zu 
den beiden Schenkeln oder einfach geformten Wurzeln der sccundären Aorta. Der Stamm der 
primitiven Aorta nimmt während dessen ebenfalls, wie ciju'geTheile seiner Wurzeln, an Länge, 

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Weite und Dicke seiner Wandung zu und entspricht nach Beendigung der Veränderungen, die 
an seinen Wurzeln vor sich gehen, in morphologischer Hinsicht dem absteigenden Theile der 

sccundären Aorta der Vö^-el und Säu^-ethiere. 

Bei den Eidechsen bilden sich der Stamm und diejenigen Theile ihrer sccundären Aorta, 
welche den Wurzeln der sccundären Aorta der Sclilangcn entsprechen, aus eben solchen mor- 
phologischen Elementen, wie bei jenen Eeptilien, also namentlich die Wurzeln der genannten 
Arterie aus zwei von den drei Canälcn, in welche sich auch bei ihnen der Truneus arteriosus 
getheilt hat, dem vierten Paar der embryonalen Gefässbogen, den Anastomosen, durcli welche 
diese Bogen mit denen des fünften Paares verbunden sh:id, und den einfachen Endstücken der 
primitiven Aortenwurzeln (Taf. VI, Fig. 8, e, e und Ä, li). Ganz dasselbe ist ohne Zweifel 
auch der Fall bei den übrigen Sauriern, die in ihrem erwachsenen Zustande ebenfalls zwei 
Aortenwurzeln besitzen. Jedoch findet zwischen den Schlangen und den Eidechsen nebst 

fr 

Vielen anderen Sauriern in der Entwickelung ihres arteriellen Systems die nicht unerhebliche 
Verschiedenheit Statt, dass die Anastomosen, welche in einer früheren Zeit des Fruc])tlebens 
zwischen den Gefässbogen des dritten und vierten Paares vorkommen, bei den Sehlangen 
spurlos verschwinden(Taf.VI, Fig. 7), hingegen bei den Eidechsen und den übrigen Schuppen- 
echsen mit Ausnahme der Varauiden und einigen (oder den meisten?) Chamäleonidcn ver- 
bleiben (Taf. VI, Fig. 8, c?, d)^ sich vergrössern und diejenigen Abschnitte des arteriellen 
Systems derselben darstellen, w^elche ich im erstercn Theile dieser Schrift die absteigenden 
Schenkel der Carotidenbogen genannt habe ^). überhaupt aber werden unter den höheren 

^) Da durch die absteigenden Schenkel der Lei den meisten Schuppcnechscn vorhandenen Carutidcnbogcn ein Theil von dem 
Blute, Avelches in diese Bogen gelangt ist, aus denselben nach dem Stamme der Aorta hingeführt wird, so dürfte dieses 
Umstandes wegen auch angegeben werden können, dass die meisten Schup|jencchscn in iln-em erwachsenen Zustande nicht, 
wie die Ox^hidier und noch viele andere Reptilien, nur einrÖhrige oder einfache, sondern doppelröhrige oder aus je zwei in 
einander Übergehenden Artcrienbogcn zusammengesetzte Äortenwurzeln besitzen. 



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104 



Heinrich liathke. 



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oderdenjenigenAVirbelthieren, welche zur Zeit des Fruclitlebens eine AUantois und ein Amuioiij 
dagegen niemals Kiemen besitzen, bei den Sauriern, mit Ausnalime derVaraniden und einiger 
Chamäleoniden, die "Wurzeln der primitiven Aorta am wenigsten aufgelöst und ihre morpho- 
logischen Elemente der Zahl nach am wenigsten vermindert. 

§. 41. Nicht wenig auffallend und merkwürdig ist es, dass bei den meisten Scliuppen- 
echsen die Anastomosen, welche sich zwischen den dritten und vierten Gefässbogen der primi- 
tiven Aortemvurzeln befinden, zeitlebens verbleiben, da doch die ihnen entsprechenden Ana- 
stomosen nicht nur bei den Panzerechsen, Schildkröten, Vögeln und Säugethieren, sondern 
auch bei den Eingeleehsen und Schlangen, die offenbar auf einer niedrigeren Stufe der Orga- 
nisation, als die Schuppenechsen stehen, spurlos verschwinden. Was nun aber der Grund 
ihres Verbleibens bei den meisten Schuppenechsen ist, dürfte wohl schwer zu bestimmen sein. 
Zwar könnte man auf die Vermuthung kommen, es liege derselbe darin, dass bei denjenigen 
Schuppcnechscnj bei welchen Carotidenbogen vorkommen, bei denen also jene Anastomosen 
verbleiben j der lials nur eine sehr geringe Länge erhält. Eine solche Vermuthung würde 
jedoch um dcsshalb fallen gelassen werden müssen, weil bei verschiedenen Chamäleonen und 
selbst bei den ungeschwänzten Batrachiern, deren Hals ebenfalls nur überaus kurz ist, die 
erwähnten Anastomosen entweder gänzlich oder bis auf sehr geringe Spuren verschwinden^ 
auch überdies bei den verschiedenen Arten derjenigen Schuppenechsen, welche Carotiden- 
bogen besitzen, die absteigenden Schenkel dieser Bogen, also jene übrig gebliebenen und im 
Verlaufe des Lebens melir und mehr verlängerten Anastomosen, eine im Verhältniss zu ihrer 
Länge gar sehr verschiedene Dicke haben. 



Was 



die sich namentlich 



bei den Schlangen, Vögeln und Säugethieren jederseits hinter der Mundöffnung bilden, so hat 
der erste in der Eeihe nur eine kurze Dauer; denn schon früh schwindet und vergeht er 
wieder, nachdem vorher die Anastomose, durch die er oben mit dem nächstfolgenden Gefäss- 
bogen zusammenhängt, nach vorne in einer fast geraden Eichtung einen kleinen Zweig ausge- 
sendet hat, der sieh durch die Basis der Hirnschale zu dem Gehirn und dessen Gefässhaut 
begibt. Dieser Zweig und die angeführte Anastomose stellen dann zusammeugenommen eine 
kleine Arterie dar, die als eine über der ersten Kiemenspalte (oder vielmehr Schlundspalte) 



nach vorn laufende Fortsetzung des 



';woiten Gefässbogens erscheint. Ein wenig später 



vc^rgelit der zweite Gefässbogen bis zu der Anastomose, welche sich zwischen ihm und dem 
dritten Bogen befindet, in Folge wovon jetzt diese seine Anastomose zusammen mit jener zu 
dem Gehirn hinlaufenden Arterie ein massig langes Gefäss darstellt, das von dem oberen Ende 
des dritten Gefässbogens ausgeht oder 



vielmeln- als eine Fortsetzung desselben erscheint 



Taf. VI, Fig. 5, k, Fig 7, 9 und 10, a). Weiterhin, doch bei den Schlangen erst viel später, 
als bei den Vögeln und Säugethieren, verschwindet diejenige Anastomose, welche sich zwi- 
schen dem dritten und vierten Gefässbogen befindet, worauf nunmehr der dritte Gefässbogen 
als die hintere Hälfte eines von ihm und jener zu dem Gehirn gehenden Arterie zusammen- 
^•esetztcn OTösseren Blutgefässes erscheint. 



Das ganze auf die angegebene Weise entstandene 



Gefäss hat eine geschwungene Form, die aber bei den verschiedenen oben genannten AVirbel- 
thieren verschieden ist, und gibt sich durch seinen Verlauf^ seine Lagcrungsverhältnisse und 

^) Als schwache Spuren der erwähnten Anastomosen sind hei Uana esculenta ein Paar selir zarte und dichte Fäden zu betrach- 
ten, die nach Burow's Untersuchungen von denjenigen Arterien dieses Thieres, welche als Carotidcu zu hetracliten üind, 
zu den Aortonwurzeln hinübergehen. (Dissert. inaug. de vasis sanguil'eris ranarum [itegimontii 185 1] pag. 10.) 






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Unter sucliung eil über die Aorteniourzeln der Saurier. 105 

seine Ausbreitung in der Scliädelliölile schon deutlieli als die Carotis interna zu erkennen 
(Taf. VT, Fig. 1, d, Fig. 2,/ Fig. 3, h, Fig. 4, e, e und Fig. 7, 9 und 10, a, a). 

Wie die Anastomosen, welche sich zwischen den Gefässhogen der drei vorderen Paare 
befinden , bleiben bei den Schlangen , Vögeln und Säugetliiercn auch die beiden Aste übrig, 
in die sich bei ihnen der Truncus arteriosus nach vorn fortgesetzt hatte und aus denen alle 
jene drei Paar Gefässbogen liervorgewachsen waren. Es erscheint daher die vordere längere 



Hälfte eines jeden von diesen Ästen, wenn die zAvei vorderen Paar Gefässbogen verschwunden 
sind, als eine kleine Arterie, die mit dem unteren Ende des ursprünglich dritten Gefässbogens, 
also jetzt mit dem unteren Ende der Carotis interna derselben Seite zusammenhängt und nach 
vorn gegen die im Entstehen begriffene Zunge gerichtet ist (Taf. VI, F]g. 1, c?--, Fig./,/---'-, 
Fig. 3, i, Fig. 4, Fig. 5, «und Fig. 7, 9 und 10, J, h). Aus diesem kleinen Blutgefässe, das 
seiner Laffe und Eichtung nach zu urtheilen anfänglich nichts weiter als eine Artcria lingualis 



,^V^ UiiVL J-VJ.V.^i^^.^ij-, 



zu sein scheint, entwickelt sich s^Däter durch eine Aussendung verschiedener Zweige eine 
meistens ansehnlich grosso Arterie, die sich besonders bei den Säugethicren weit ausbreitet 
nud bei ihnen den Namen der Carotis externa führt. Was aber die viel kürzere hintere 
Hälfte eines jeden von den angeführten beiden Ästen des Truncus arteriosus anbelangt, von 
welcher Hälfte nunmehr die Andeutungen einer Carotis interna und einer Carotis externa als 
zwei divergirende Zweige ausgehen, so wird sie bei den Schlangen, Vögeln und Säugethicren, 
während sich der Hals verlängert und das Herz sich weiter nach hinten begibt , mehr und 



Fig. 4, d, d und Fig. 7, 9 und 10, c, c). 

Wenn die Entwickclun^r der vorhin ^-cnanntcn Wirb 



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dass bei ihnen die Carotiden schon als besondere Gefässe angedeutet sind, so gehen bei ihnen 
je nach den Classen, denen sie angehören, die Stämme dieser Gefässe (die Carotides communes' 
von verschiedenen anderen Abschnitten des arteriellen Systems ab. Diese Verschiedenheit in 
ihrer Verbhidung aber hängt von der Art und Weise ab , wie sieh der Truncus arteriosus 
spaltet. Bei den Schlangen, bei denen er sich in drei Canäle theilt, von denen sich einer an 



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den einen, ein zweiter an den anderen vierten Gefässbogen anschliesst, erfolgt die Theilung 
gegen sein vorderes Ende, von dem jene Bogen seitwärts abgehen, in einer solchen Art oder 
vielmehr in einer solchen Eichtung, dass sich derjenige von den erwähnten drei Canälen, 
^velcher den aufsteigenden Theil der linken secundären Aortenwurzel bilden soll, hinter den 
t>eiden in der Umwandlung zu den Carotiden begriffenen Ästen des Truncus arteriosus dem 
imken vierten Gefässbogen anschliesst, derjenige von jenen Canälen aber, welcher den auf- 
steigenden Theil der rechten secundären Aortenwurzel bilden soll, sich ganz am vorderen 
Endo des Truncus arteriosus in den rechten vierten Gefässbogen fortsetzt. In Folge davon 
kommt bei den Schlangen der letzterwähnte Canal mit den beiden Asten des Iruneus arte- 
riosus, also mit den beiden in der Entwickelung begriffenen Carotiden, an der Stelle, wo er m 
f^Gu rechten vierten Gefässbogen — der den mittleren Theil der rechten secundären Aorten- 
wurzel darstellen soll — in einen solchen Zusamnncnhang, dass nunmehr diese beiden Arterien 
^'on ilim und dem rechten vierten Gefässbogen oder überhäufst von der rechten secundären 
Aortenwurzel abgehen (Taf. VI, Fig. 7, c, c und d, d). Bei den Vögeln und Säugethieren aber, 
bei denen sich der Truncus arteriosus nur in zwei Canäle spaltet und bei denen sich der eine 
von diesen, der den aufsteio-enden Theil der secundären Aorta bilden soll, in die beiden vierten 
Gefässbogen fortsetzt, müssen nach vollendeter Spaltung des Truncus arteriosus die zwei Aste 



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Denkschriftun dtr matliem.-iiaturw. CI. Xlll. ild. Abliandl. v. Nichtmitgl. 







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Heinrich Eathke, 



desselben, also die in der Entwickekmg: begriffenen Carotiden, von den beiden Gefässbogen 
des vierten Paares abgeben, und zwar zu beiden Seiten der Stelle, wo sieb der erwäbnteCanal 
mit diesen Gefässbogen vereinigt (Taf. VI, Fig. 9 und 10). 

■. 43. Obschon die gemeinschaftlichen Carotiden bei den Schlangen, Vögeln und Säuge- 
thieren anfanglich in jeder Hinsiclit eine grosse Üborcinstimmuni>' mit einander zeigen, so 
erfahren sie doch weiterhin bei den verschiedenen Arten dieser Thiere £»-ar sehr verschiedene 



Veränderungen, in Folge wovon sie bei denselben nach vollendeter Entwickelung hinsichtlich 
ihrer Zahl, Ursprungsweise, Lagerung und Verästelung sehr bedeutende Abweichungen von 
einander wahrnehmen lassen. Von den bereits beobachteten Verwandlungen nun aber, die an 
ihnen bei den genannten Thieren vor sieh gehen, mögen hier nur diejenigen angeführt sein, 
welche bei der Deutung einiger Abschnitte des arteriellen Systems der Saurier in Betracht zu 
ziehen sein dürften, zumal da aus der vielgestaltigen Ordnung dieser Eeijtilien bis jetzt erst 
eine einzige Art, die Lacerta agilis, oinigermassen auf die Entwickelung ihres arteriellen 
Systems untersucht worden ist. 



1. Nach Wahrnehmungen an der Natter gehen bei dieser Schlange die beiden gemein- 
schaftlichen Carotiden, wie schon angeführt worden, von der rechten secundären Aorten wurzel 
anfänglich dicht neben einander ab. Indem aber bei derselben das Herz erheblich weit nach 
hinten wandert, weichen sie und die rechte Aortenwurzel etwas aus einander, wobei sie denn 
aus dieser sich einen ihnen beiden gemeinsamen Stamm ausspinnen. Während darauf der so 
entstandene neue Arterionstamm, den man als eine Carotis primaria bezeichnen kann, bei dem 
vorherrschenden Wachsthum der Natter-Embryonen in die Länge ebenfalls an Länge gewinnt, 
verlängern sich die anfangs nur sehr kurzen gemeinschaftlichen Carotiden noch um Vieles 



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Dagegen ninniit die rechte mit Ausnahme ihres hintersten Theiles, der zwischen der mittleren 
und der rechten von drei dicht vor dem Herzbeutel entstandenen Blutdrüsen seine Lage hat, 
späterhin an Weite nicht sowohl zu , als vielmehr in einem solchen Grade ab , dass sie bei 
älteren Exemplaren der Natter kaum noch zu erkennen ist. Bevor sie jedoch verkümmert, bildet 
sich ganz vorne auf der Grenze des Halses und Kopfes zwischen der rechten und der 'linken 
Carotis interna eine Anastomose, durch die nachher die Carotis interna und externa der rechten 
Scitenhälfte, die nicht verkümmern, sondern sieh in einer ähnlichen Weise, wie die gleich- 
namigxin^ Arterien der linken Seitenhälfte, weiter entwickeln, von der linken Carotis communis 

:espeist werden. Zu Wege gebracht wird diese Anastomose, indem eine jede 
Car. interna einen als eine Art. spinalis zu bezeichnenden Ast aussendet, der zwischen dem 



aus mit Blut g 



itlas und dem LLnterhaupte in die Schädelhohle eindringt und sich unter dem verlängerten 
Marke mit dem gleichen Aste der anderen Seitenhälfte vereinigt'). 

Allem Ansclioin nach nehmen nur bei wenigen Selilangcn die beiden gomelnscliaftliclion Carotiden 
immer ziemli'cli gleiclimässig an Dicke zu, so namentlich bei Typhlops retlcuhitus, Ilysia scytalo, Cylindrophis 
rufus, Uropcltis ccylanicus, Eryx Johuü und Ilydrophis schistosus. Dagegen bleibt bei vielen die rechte in 
ihrem Wachsthumc in die Dicke hinter der Unken mehr oder weniger zurück. Bei noch anderen verkümmert 
die rechte in hohem Grade oder geht sogar zum grossten Theü verloren, und wieder bei anderen, namcnth'ch 
bei den Boaeiden, ninuut die linke viel weniger, als die rechte, anDickezu. EinNäheres über die verschiedenen 



1) In raeiner Entwickelungsgescliichte der Natter sind (Seite 1Ü9) die oben emvähnten Äste unter dem, ^vie icl. jetzt einsehe; 
nicht für sie passenden Namen der Aa. vertebralcs aufgeführt worden. 






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Uatersuclmnrjen ilher die Aorteniöiirzeln der Baurier. 



10 






Verhältnisse; In wclclicn sich die gemeinschaftlichen Carotidcn Lei versclilcclenen Arten von Schlangen befin- 
dcn^ habe ich in einer besonderen Abhandlung über die Carotidcn der Schlangen (s.diescDonkscliriftenBd.XI) 
angegeben. 

2. Bei den Embryonen des Ilaushulines nclimen die gemcinscdiaftliclien Carotidenj wäh- 
rend sich der Hals Ycrlängert, ebenfalls wie bei der Xatter ansehnlich an Länge zu. Dabei 
aber behalten sie niclitj wie bei den Schlangen und Sängethieren im Allgemeinen, einen geraden 
Verlauf Yon hinten iiach vorn neben den her umschAveif enden Nerven und den Drosselvcncn, 
sondern biegen sich, wie ich gefunden habe, allmählich gegen die Kückseite des Halses aus, 
kommen mit ihrem mittleren Theilc einander immer näher und liegen schon am cilftcn Tage 
der Bebrütuug zwischen den Halswirbeln und der Spöiseröhre auf einer zionJich grossen 
Strecke dicht neben einander. Gleichzeitig mit dieser Änderung des A^erlaufes sendet eine 
jede Gemeinschaftliche Carotis aus ihrem hinteren Theilc einen Zweier aus, der irerade nach 



vorn gerichtet ist und dicht neben dem herumschweifenden Nerven seiner Seite verläuft. 



Schon am achten Tage der Bebrütung konnte ich ihn erkennen, docl 

Strecke weit nach vorn verfolgen. Am neunten Tage der Bebrütung aber sah ich nach einer 



1 nur eine massig grosse 



angestellten Injection des Hühnchens neben dem Nervus vagus eine ziemlich lange Arterie, 
die sich von dem hintersten Theile der Carotis communis ihrer Seite bis zu dem Kopf erstreckte, 
und zAvar um Vieles dünner, als jener Gefässstamm, doch im Verhältniss zu demselben im 
Ganzen dicker war, als es bei erwachsenen Hühnern der Fall ist. Eben so verhielt sich die 
erwähnte Arterie auch bei injicirten Hühnchen vom zehnten und eilften Tage der Bebrütung. 
Bei allen diesen Embryonen aber erschien sie eben so w^cnig, wie bei erwachsenen Hühnern, 
^^on ihrem hinteren nach ihrem vorderen Ende immer mehr verjüngt, sondern war, wie bei 
crAvaehsenen Hühnern, in ihrer Mitte dünner, als an ihren Enden. Es ist daher höchst waln- 
scheinlich, dass sie aus einem vorderen und einem hinteren Zweige der Carotis, die einander 
entgegen wachsen und endlich in einander übergehen, zusammengesetzt wird. Eine solche 



Entstehuna'sweise dieser Arterie haben allem Anschein nach auch Bauer ^ 



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und Barko Av 



7 



^Is sie die Arterien mehrerer Vogelarten beschrieben, angenommen, da derErstere die vordere 
Hälfte dieses Blut^'cfässes — 



— das übrigens bei dem Huhne vorn mit der Art. occipitalis, einem 
Aste der Carotis externa, zusammenhängt — Art cervicalis descendens , die hintere Hälfte 
A. cervicalis adscendens , der Letztere aber die vordere Hälfte dieses Blutgefässes A. cutanea 
colli descendens, die hintere Hälfte A. cutanea colli adscendens benannte. Am passendsten 
scheint mir für dieses ganze Blutgefäss die Benennung Art. coUateralis colli zu sein, welche 
Benennung ich clesshalb in dem Folgenden für dap^olbe auch gebrauchen w^erde. 



3. Nachuntersuchungen, die ich an Embryonen des Schweines, Schafes und Eindes 



angestellt habe 



, gehen bei diesen Tln'eren die a"emeinschaftlichei 



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Carotidcn von den beideii 



^^'sprünglich vierten Gefässbogen etwas später, als sie sich zu bilden angefangen haben, in 
cnicr ziemlicli grossen Entfernung von einander ab (Taf. VI, Fig. 4). Nachher aber verkürzt 
sich bei dem Schweine von dem linken vierten Gcfässbosren, der zu dem Arcus aortae wird 
(Taf. VI, Fig. 4, 6), der zAAUschen dem Ursprünge dieses Bogcns und dem Ursprünge der 
buken Carotis communis befindliche Theil immer mehr und mehr, bis die linke Car. communis 
ganz dicht an den rechten vierten Gefässboa-en herano^erückt ist, von welchem letzteren Bogen 



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) l^isquisiiiones circa nonnullaruni avium sj^stema arteriosum. Diss. inauguraliSj Beroiini 1825. 

■^) HeckeTs Arcliiv für Anatomie uikI riiysiologic. Jalirgaug 1S29. 







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108 



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derjenige Theil, der sich zwischen dem Ursprünge desselben und dem üivsprunge der rechten 
Carotis communis befindet, jetzt einen kurzen Arterienstamm darstellt^ Avelcher der Art. ano- 
nyma mancher anderen Säugethiere und namentlich auch des Menschen entspricht (Taf. VI, 
Fig. 3,^ und Fig. 4, c). Ist dies geschehen, so gehen die linke Carotis communis und die 
Art. anonyma dicht neben einander von dem Ende der Aorta adscendens ab. Bald darauf aber 
werden sie von der Aorta adscendens entfernt, während und weil sich das Herz allmählich 
weiter nach hinten begibt, und spinnen aus ihr einen ihnen beiden gemeinschaftlichen Stamm 
aus. Demnächst verkürzt sich, während dieser Stamm an Länge gewannt, die Art. anonyma 
in dem Maasse, dass sie ganz verschwindet und die hintere}i Enden der beiden gemeinschaft- 
lichen Carotiden dicht neben einander und der rechten Art. subclavia zu liecfcn kommen. Noch 
später aber spinnen die beiden gemeinschaftlichen Carotiden aus dem erwähnten für sie und 
die rechte Art. subclavia bestimmten Stamme einen dünneren und kürzeren, nur für sie bestimm- 
ten Stamm aus, der als eine Carotis primaria zu bezeichnen ist und von dessen Ende sie dann 
unter einem spitzen Winkel dicht bei einander abgehen. Man findet daher bei dem Schweine, 
nachdem die angeführten Entwickelungsvorgänge beendigt sind, an dem vorderen bogen- 
förmig gekrümmten Theile der Aoi'ta ausser der linken Art. subclavia einen sehr starken 
Arterienstamm, der sich in die rechte Art. subclavia und in eine Carotis primaria theilt, von 






Avelcher letzteren die beiden o-emeinschaftlichen Carotiden als Äste abö'ehcn. 



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lieselben 



Veränderungen, wie die so eben beschriebenen bei demScliAveine, ereignen sich auch bei dem 
Schafe und Einde. Ausserdem aber rückt bei diesen Wiederkäuern, ehe ihre linke Carotis 
communis und Art. anonyma zusammentreffen, die linke Art. subclavia — die bei ihnen, wie 
überhaupt bei den Säugethieren, aus dem Ende der zwischen dem vierten und fünften linken 
Gefässbogen befindlichen Anastomose hervorgewachsen ist — 



— immer näher nach der linken 
Carotis communis hin, indem sich schon früh auch zwnschen ilu- und dieser Arterie der Aorten- 
bogen mehr und mehr verkürzt , bis sie mit derselben zuletzt zusammenfällt und gleichsam 
verschmilzt. Das endliche Ergcbniss aller erwähnten Vorgänge besteht dann bei dem Schafe 
und Einde darin, dass bei ihnen aus dem vorderen Theile der Aorta, nachdem drei zu einer 
gewissen Zeit von ihm abgehende Arterienstämme (Art. anonyma. Carotis communis sinistra 



a 



Ursprungsstellen verschmol- 



und Art. subclavia sinistra) dicht zusanunengerückt und an ih. 

zcn sind, ein bedeutender und ihnen allen gemeinschaftlicJier Stamm hervorAväehst, nämlich 

die sogenannte vordere Aorta der Wiedci^käucr^ 



Nach einer iVngabc von Stannius fehlen bei Delphiniis Phocaemi^ bei dem und den übrigen fleisch- 
fressenden Cetaceen imter den Säugethieren der Hals am kürzesten ist^ die gcmeinschaftllclicn Carotiden 
günzUch und es entspringt bei ihnen sowohl die innere, als auch die äussere Carotis unmittelbar aus einer Art. 



anonyma (Mü 11 er's Archiv, Jahrgang 1841^ S. 379, und Lehrbuch der vcrgl. Anatomie der Wirbelthiere^ 



Berlin 1846^ S. 437). Diese Angabe, die einer von Rapp und von Mcckel gemachton entgegensteht^ von 
Barkow aber bestätigt worden ist (Anatomische Abhandlungen, Breslau 1851, S. 95), kann auch ich bestä- 
tigen. Bei dem genannten Delphin gehen von dem Bogen der Aorta in einer ziemlich grossen Entfcrnun 






von einander zwei massig lange Aa. anonymac ab, aus deren jeder dicht neben einander eine Carotis interna. 
Carotis externa und Art. subclavia entspringen. Es lässt sich indess mit ziemlicher Gewissheit annehmen, dass 
dem allgemeinen Plane gemäss, nach welchem sich bei den höheren Wirbelthieren das System der Carotiden 



"") Ra,thke über die Entwickelung der Artericiij welche bei den S.'iug-etliieren von dem Bogen der Aorta aurigelien. §.0 luid iO 
(J. Müller's Arcliiv. Jahrgang 184.% Seite 27G.) . 



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TJnter siicliungcn über die Aortemourzeln der Saitrier. 



109 



eiihvickelt , auch bei Delpli. Pliocacna in einer frühen Zeit des Fruchtlebens z\\(A^ obwohl nur kurze 
gemeinschaftliche Caroticlcn vorkommen. Wenn das aber der Fall istj so werden diese Gcfässstümmc 
höchst wahrscheinlich nachher allmählich immer mehr verkürzt oder In die ursprünglich vierten Gefäss- 
bogen der primitiven Aortcnwurzeln , von denen sie abgehen , gleichsaui hineingezogen ^ bis jederseits 
die in der Entwickelung begriffene äussere und innere Carotis dicht neben einander von einem dieser 
Bogen abgehen. 

§. 44. Auclr bei den Eidechsen gehen in denjenigen Tlieilen einer jeden primitiven Aortcn- 
wurzel, welche sich vor dem ursprünglich dritten Gefasshogen derselben befinden, zu einer 
sehr frühen Zeit des Fruchtlebens eben solche Veränderungen vor sich, wie bei den Schlangen, 
Vögeln und Säugethieren. Es vergehen also auch bei ihnen die beiden vordersten Paar Gefäss- 
bogen völlig. Nachdem dies aber geschehen ist, findet man bei ihnen in jeder Seitenliälftc des 
Körpers, Avie bei jenen anderen Wirbelthieren, zwei Heine von dem urspi-ünglich dritten 
Gefässbogen derselben Seitenhälfte nach A^oi'ne auslaufende und etwas divergirende Arterien, 
von denen die eine von dem oberen Ende dieses Bogens abgeht und durch die Grundfläche 
der Hinischale dringt, um sich an dem Gehirn und dessen Gefässhaut zu verbreiten (Taf. II, 
Fig. 5 — 7, ^ und Taf. VI, Fig. 8, a, a), die andere , die viel kürzer und viel dünner ist, unter 
jener und massig weit entfernt von derselben entspringt, schräg nach vorn und unten verläuft 
und sich nach der Unterldcfergegend , wo die Zunge im Entstehei 



1 begriffen ist, hinbegibt 



(Taf.IIjFig. 5— 7,/undTaf.VI, Fig. 8,Z^,i). Ein anderes Verhalten aber, als bei den Schlangen, 
Vögeln und Säugethieren, zeigen bei den Eidechsen im Verlaufe der Entwickelung die hinteren 
Hälften ihrer primitiven Aortenwurzeln. Denn abgesehen von einigen weiterhin noch anzu- 
führenden Veränderungen, die sich an denselben zutragen, bleiben bei den Eidechsen die beiden 
Anastomosen, welche sich zwischen den oberen Enden der Gefässbogen des diitten und vierten 



Paares befinden, lebenslang bestehen (Taf. VI, Fig. 8, c?, c?), statt dass sie bei den Schlangen, 
Vögeln und Säugethieren gegentlieils verschwinden, ohne eine Spur von ihrem Dasein zurück- 
zulassen. Es bleiben also bei den Eidechsen die Gefässbogen des dritten Paares an ihren 
oberen Enden mit denen des vierten Paares immer im Zusammenhange, statt dass sie sich bei 
vielen anderen Wirbelthieren und selbst auch bei den Schlangen, wie vorhin gezeigt worden, 
von den oberen Enden dieser zunächst hinter ihnen liegenden Gefässbogen ablösen und darauf 
die hinteren Hälften der soge]:tannten inneren Carotidcn darstellen. 

Nachdem bei den Eidechsen die Gefässbogen des ersten und zAveiten Paares vergangen 
sind, theilt sich bei ilmen einige Zeit später der Truncus arteriosus eben so, wie bei den 
Sehlangen, in drei besondere Canäle, von denen zwei in die Gefässbogen des vierten Paares 
tibergehen und mit diesen die aufsteigenden Thcile und die Bogen der secundären Aorten- 

i 

wurzeln bilden (Taf. VI, Fig. 8, e, e und Ä, li), Dessgleichen kommen bei den Eidechsen, wie 
bei den Schlangen, die Gefässbogen des dritten Paares (oder überhaupt die beiden Aste, die 
der Truncus arteriosus nach voi.'ue ausgesendet hatte) mit dem rechten vierten Gefässbogen 
und dorn einen von den drei aus dem Truncus arteriosus entstehenden Canäien an der Stelle, 
wo jener Gefässbogen und dieser Canal zusammcnfliessen, in eine solche Verbindung, dass sie 



von der bezeichneten Stelle, also überhaupt von der in ihrer Bildung bcg!*iffenen rechten 
secundären Aortenwiu'zel, neben einander abgehen (Taf. VI, Fig. 8). Bald darauf aber entfernen 
Sie sich Q^ivi wenig von dieser Aortenwurzcl und spinnen aus ihr, wie bei den Schlangen, einen 
C^anal aus, der für sie einen gemeinschaftlichen kurzen Stamm darstellt und sich in dem wei- 
teren Verlaufe der Entwickelung nur unbedeutend verlängei^t. 



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110 



Heinrich Batlike, 



Älmliclie Formen , äliiiliclic Lagerungsverlialtnisse 



Wenn bei den Embryonen der Eidechsen von den YcrscbicdenenTli eilen der beiden 
Aste ihres Trmicus artcriosus die beiden vordersten Paar Gefassbogen Yersehwunden sind, 
auch der genannte Gefässstamm sich bereits in drei besondere Canäle gespalten hat, setzen die 
übrig gebliebenen Theile seiner beiden Äste zwei grössere Bogen zusammen, die mitenvonder 
rechten secundären Aortenwnrzel ausgehen, oben aber in die beiden secundären Aorten- 
wurzeln übergehen, und von denen ein jeder zwei divergirend nach vorn verlaufende Arterien 
entsendet (Taf. II, Fig. 6 und 7, d — -g). 

und ganz dieselben Verbindungen zeigen aber aucli bei den erwacIisenenEideelisen und vielen 
anderen Scliuppenccbsen die Carotidcnbogen mit iliren beiden grösseren Ästen , die ieb den 
Kopfast u.nd den Kelilzungenast genannt babe. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, 
dass bei den Eidechsen, wie überhaupt bei den mit Carotidcnbogen versehenen Schuppenechsen, 
diese Bogen und ihre beiden erwähnten Ilauptäste nichts anderes sind, als jene übrig geblie- 
benen und weiter ausgebildeten Theile der beiden Äste des Truncus artcriosus. Nun aber 
verhalten sich bei den Embryonen der Eidechsen, wenn bei ihnen die zwei vordersten Paar 
Gefassbogen verschwunden sind, der Truncus artcriosus aber noch nicht gespalten ist, die 
beiden Äste dieses Gefässstammes in ihren Yerbindungcn, Formen und Lagcrungsverhältuissen 
gerade so, wie bei den Embryonen der Schlangen, Vögel und Säugethicre die vor den Geföss- 
bogen des vierten Paares befindlichen Theile des arteriellen Systems, wenn bei ihnen zwar 
bereits die Gefassbogen der zwei vorderen Paare vergangen, doch zwischen den Gefassbogen 
des dritten und vierten Paares noch Anastomosen vorhanden sind. Unter solchen Umständen 
wird man daher, wenn man bei den erwachsenen Exemplaren derjenigen Schuppenechsen, 
welche Carotidcnbogen besitzen, die einzelnen übrig gebliebenen Theile der beiden Äste ihres 

auf die höher stehenden Wirbelthiere deuten will, besonders 
Eücksicht darauf zu nehmen haben, welche Abschnitte des Gefässsystems sich bei diesen 
höheren Tliieren aus den übrig bleibenden Theilen der beiden Äste ihres Truncus artcriosus 
entwickeln. Es entwickeln sich nun aber bei den Säugethieren, deren Körperbau besonders 
zur Eichtschnur genommen wird , wenn man bei anderen AVirbelthiercn die morphologische 
Bedeutung ihrer verschiedenen Körpertheilo bestimmen will, aus den übrig bleibenden 
Theilen der beiden Äste ihres Truncus artcriosus folgende Abschnitte des arteriellen Systems. 

1. Der hinterste oder derjenige Theil eines jeden Astes des Truncus artcriosus, von wel- 
chem zu der Zeit, da die beiden vordersten Paar Gefassbogen bereits verschwunden sind, der 
dritte Gefassbogen derselben Seitenliälfte und eine kleine sich nacli der Unterkiefergegend 
begebende Arterie als Zweige abgehen, bildet sich zu einer Carotis communis aus. 

2. Die erwähnte kleine, nach der Unterkiefergegend hingewendete Arterie eines jeden 
solchen Astes entwickelt sicli zu einer Carotis externa. 



3. Ein jeder 



Ursprung!: 



lieh dritte Gefassbogen stellt nach seiner Ablösung von dem 



.Y 



oberen Ende des auf ihn folgenden Gefässbogens die hintere Hälfte einer Carotis interna dar. 

4. Zu der vorderen Hälfte einer Carotis interna entwickelt sich in jeder Scitcnhälfte des 
Körpers die kleine, sich nach dem Gehirn begebende Arterie, welche unmittelbar nach dem 
Verschwinden des ersten und zweiten Gefässbogens von dem oberen Ende des dritten Gefäss- 
bogens abgeht, bald darauf abcj-, wenn auch die Anastomose zwischen dem dritten und vierten 
Gefassbogen vergangen ist, als eine Fortsetzung des dritten Gefässbogens erscheint. 

Demnach wird bei den mit Carotidcnbogen verselicnen Schuppenechsen die Ai-terie, 
welche ich im ersteren Theile dieser Schrift den Kchlzungcnast nannte, mit der äusseren Carotis, 



! 



V TT ^^ 



Untersuchungen über die Aortemoitrzehi der Saurier. 



111 






diejenige ArteriOj welche icli unter dem Namen des Kopfastes besehrieben habe, mit der vorderen 
Hälfte der inneren Carotis, derjenige Theil je eines Carotidenbogens, ivelclier sicli zwischen den 
Ursprmigsstellen dieser beiden Arterien befindet, mit der hinteren Hälfte der inneren Carotis imd 
derjenige Theil je eines Carotidenbogens, welcher sich nnterhalb des Kehlzungenastes (zwischen 



diesem und dem Anfange d 



er rechten Aortenwurzel) befindet, mit der gemeinschaftlichen 
Carotis der Säugethiere für gleichbedeutend zu halten sein. Derjenige Theil je eines bei einer 
Schuppenechse vorkommenden Carotidenbogens aber, welcher zwischen dem Kopfaste und 
dem hinteren Thcile der Aortenwurzel seiner Seite liegt, also die aus dem Fruchtlcbcn übrig 
gebliebene Anastomose zwischen dem di-ittcn und vierten Gefässbogen einer jeden primitiven 
Aortenwurzel, wird als ein Abschnitt des arteriellen Systems zu betrachten sein, der weder 
mit einem Thcile der CarotideUj noch auch mit irgend einem anderen T]aeile des arteriellen 
Systems erwachsener Säugethiere eine gleiche morphologische Bedeutung hat. 

§.46. Gegen die Annahme, dass bei den mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen 
die Kehlzungenäste dieser Bogen den äusseren Carotiden, dicKopfästc derselben den vorderen 
Hälften der inneren Carotiden der Säugethiere entsprechen j könnte angeführt werden, dass 
die beiden ersteren Aste nur der Zunge, der Unterkiefergegend; den Mm. pterygoidei externi 
und den Mm. apcrtores oris Zweige zusenden, also an dem Kopfe lange nicht eine solche Aus- 
breitung haben, wie die äusseren Carotiden namentlich des Menschen, und dass sich gegentheils 
die beiden anderen Arterien jener Saurier, welche ich die Kopfasle nannte, an mehreren 
solclien ausserhalb der Schädelhühlo liegenden Theilen des Kopfes verbreiten, deren Analoga 
t»ei dem Menschen keine Zweige von den inneren Carotiden erhalten. Allein obgleich nach 
den bisherigen Erfahrungen vorausgesetzt werden darf, dass bei allen über den Batrachicrn 
stehenden Wirbelthieren zu der Zeit, da bei ihnen jederseits die zwei vordersten Gefässbogen 
^'crschwunden sind, von dem dritten Gefässbogen zwei Arterien nach gleichen Gegenden des 
Kopfes hingehen, so entwickeln sich doch diese Arterien mit Inbegriff jenes Gefässbogens bei 
den verschiedenartigen holieren Wirbelthieren, wie sich aus iliren Formverhältnissen und ihren 
Verbindungen mit anderen Korpertheilen nach vollendeter Ausbildung schliessen lässt, in sehr 
"verschiedener Weise. 

Schon in der Classe der Säugethiere findet man mancherlei Abweichungen von der Ver- 
breitungsweise, Avelche die innere und die äussere Carotis bei dem Menschen bemerken lassen, 
^vie überhaupt viele und bedeutende Verschiedenheiten in der Verästelung der gemeinschaft- 
lichen Carotiden. Um nur einige Beispiele davon anzuführen, so geht die Art. maxillaris 
Externa bei der Katze und dem Rinde, die Art. aiiricularis posterior bei der Katze, dem Hunde 
und dem Htis von der Carotis communis ab, wogegen diese Gefässe bei dem Menschen Äste 



der Carotis externa sind. Ferner ist die Art. auricularis posterior bei dem Tiger, die Art. 
oceipitalis bei dem Maulwürfe, dem Igel, dem Bären, der Fischotter und noch einigen anderen 
Säugethieren nicht, wie bei dem Menschen, ein Ast der Carotis externa, sondern ein Ast der 
Carotis interna. Und eben dasselbe ist der Fall mit der Art. maxillaris interna der Fleder- 

Bei vielen Arten von Säua'cthieren 



uiäuse 



vieler Nagethiere und mehrerer Insectenfressei 



kann daher auch nicht, Avic bei dem Menschen, der ganzen Carotis interna, sondern nur 



f(! 



j Otto in den Nov. act. Academiae Caes. Lcop. Carol. Vol. 
smn arteriarum mannnalium (Lipsiae 1839). Barkow in 
Leidens d'anatoinie comp. Tom. VI. 



XIII. Pars 1; Barkow I)isf[iiisitioncs circa originem et decnr- 
XoY. act. Acad. Caes. Loop. Gar. Vol. XXj V. 2, und Cuvier 



112 



lleinricli Ilatlike. 



einem Aste derselben der Namen einer Carotis cerebralis beigelegt werden. Eben so grosse 
oder selbst noch grössere Verschiedcnbeiten, als die Säugetliiere, zeigen in der Verästelung der 
gemeinsehaftlielien Carotis an dem Kopfe und obersten Theilc des Halses die Vögel. Denn 
bei ihnen kommen nicht nur viele und bedeutende Modificationen in der Verbreituno^ der 

* ö 

mneren und der äusseren Carotis vor, sondern es theilt sich auch bei manchen von ihnen, Avie 
z.B. bei der Gans, demEciher und der Krähe, die gemeinschaftliche Carotis ohne Bifurcation 
nur in untergeordnete Aste, welche Tlieilung- dann wieder, je nacli den Arten der Vögel, bei 
denen sie vorkommt, in sehr verscliiedener Weise stattfindet. Bei einigen von diesen letzteren, 
wie namentlich bei Anser cinereus, scheinen sich sogar diejenigen Abtheilungen der Aorten- 
wurzeln, welche sich bei den Säugcthieren im Allgemeinen zu den äusseren Carotiden ent- 
wickeln, nur zu den beiden Zungenarterien auszubilden 

die Carotis communis, die entgegen früheren Angaben bei vielen von diesen Thieren lebens- 
lang zweifach vorhanden ist, in ihrer Verbreitung an dem Kopfe und vordersten Theile des 
Halses bedeutend von dem gleichnamigen Gefässstamme des ]\Icnschen und der ihm zunächst 
stehenden Säugethiere ab, obschon sie selbst und die beiden Äste, in welche sie nach vorn 
getheilt erscheint, eine gleiche Entstehung wie bei den Säugethieren im Alli>-cmeinen haben. 



] 



Auch bei den Schlaugen weicht 



Denn der eine von ihren beiden Asten, den Schlemm in seiner Beschreibung der Bbitffefässe 
der Schlangen die Art. inframaxillaris genannt hat, und der, wie meine Untersuchungen über 
die Entwickelung der Natter ergeben haben, in genetischer Hinsicht völlig der Carotis externa 
der Säugethiere entspricht, hat namentlich in dem Kopfe einen sehr viel kleineren, daffeffen 
der andere, der aus der primitiven Aortenwurzel in derselben Weise, wie die Carotis interna 
der Säugethiere entsteht, einen sehr viel grösseren Verbreitungsbezirk, als bei jenen Thieren, 
indem, abgesehen von dem Halse, der ersterc Ast sich nur allein in denjenigen Theilen des 
Kopfes verzweigt, welche zwischen den Seitenhälften des Unterkiefers liegen, der letztere aber 
in allen übrigen Theilen des Kopfes. 

Nach dem Angeführten wird daher die morphologische Bedeutung, welche ich bei den 
mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen den Ilaup tasten dieser Bogen beigelegt habe, 
um desshalb nicht als eine unpassende betrachtet werden können, weil bei ihnen die für o-lcich- 
bedeutend mit den äusseren Carotiden ausgegebenen Kehlzungenäste über einen viel kleineren, 
dagegen die für gleichbedeutend mit den vorderen Hälften der inneren Carotiden ausa-ea-obenen 



b^ö 



Kopfäste über einen viel grösseren Bezirk verbreitet sind, als jene Arterien bei dem Menschen 
und vielen anderen Mammalien. 

Gegen die oben gegebene Deutung der bei vielen Schuppenechsen vorkommenden Caro- 
tidenbogen imd der Hauptäste derselben könnte möglicherweise auch noch bemerkt werden, 
dass bei diesen Sauriern derjenige Theil je eines solchen Bogens, welcher sich zwischen den 
ürsprungsstellen des Kopfastes und des Kehlzungenastes befindet, aus dem Grunde nicht eine 
gleiche Bedeutung mit der hinteren, durch Erweiterung und Verlängerung eines ursprünglich 
dritten Gefässbogens entstandenen Hälfte der inneren Carotis höherer Wirbelthiere haben 
könne, weil er bei einigen Schuppenechsen im Vergleich mit der Länge des ganzen Caro- 
tidenbogens nur sehr kurz ist und bei anderen, wie z. B. bei dem Basiliscus mitratus, bei wel- 
chem die genannten Arterienäste dicht bei einander entspringen, sogar völlig vcrmisst wird. 
Allein es gehen bei Lacerta agilis der Kopfast und der Kehlzungenast von dem Carotiden- 



1) J'>;iuer um aiigcf. Orte und Barkow in Meckel's Archiv, Jahri^any- 1829. 



t 



i 






i 



Untcrsuc]iiutijc.]t ilher die Aortoiwurzeln der Saurier. 



113 



bogen, oder von dem ursprünglich di^itten Gcfässbogen der primitiven Aorten würz el nicht blos 
in sp'äterer Lebenzeit , sondern schon in einer frülien Zeit des Fruchtlebens ziemlich weit 
entfernt von einander ab (Taf. II; Fig. 4 — 7), zeigen also in ihrem Ursprünge schon sehr früh 
ein ähnliches Verhältniss, wie die beiden Arterien, die bei anderen Wirbclthicren zu einer 
gewissen Zeit des Fruchtlebens von jedem ursprünglich dritten Gefassbogen abgehen und von 
denen sich die eine zu der äusseren Carotis, die andere zu der vorderen Hälfte der Inneren 
Carotis entAvickelt. Daraus aber darf der Analogie nach gefolgert werden, dass ein solches 
Verhältniss nicht nur bei der Eidechse, sondern auch bei allen übrigen mit Carotidenbogen 
versehenen Schuppenechsen in früher Zeit des Lebens vorkommt, und dass bei denjenigen von 
diesen Thieren, bei Avelchen nach vollendeter Ausbildung die angeführten Arterienäste nahe 
oder dicht bei einander von dem Carotidenbogen abgehen, dieses letztere Verhältniss erst ein 
späteres und dadurch hervorgebracht worden ist, dass sich im Verlauf des Fruchtlebens der 
ursprünglich dritte Gefassbogen zwischen den Ursprungsstellen jener Aste, wie nach cmigen 
von mir gemachten Beobachtungen bei dem Schweine und den Wiederkäuern ein jeder vierte 
Gefassbogen dieser Säugethiere, allmählich mehr und mehr verkürzt. 

Wenn nun aber bei den Schuppenechsen, welche Carotidenbogen besitzen, in morpho- 
logischer Hinsicht die Kehlzungenäste den äusseren Carotidcn, und die Kopfäste nebst den- 
jenigen Abschnitten der genannten Gcfässbogen, welche zwischen den Ursprungsstellen dieser 
und jener Äste liegen, den inneren Carotiden der Säugethiere entsprechen, so werden die- 
jenigen Abschnitte der Carotidenbogen, welche sich von dem Ursprünge derselben aus der 
rechten Aortemvurzel bis zu den Kehlzungenästen erstrecken, imr für gleichbedeutend mit den 
gemeinschaftlichen Carotidcn der Säuo^ethicre und anderer Wirbelthiero ausgegeben werden 



ö 



B « 



können. Der Umstand, dass sie im Verhältniss zu den angeführten Asten nur eine geringe 
oder doch nur massig grosse Länge haben, kann dieser Deutung keinen Eintrag thun, da selbst 
bei einigen solchen Säugcthieren , welche wie die meisten Schuppenechsen nur einen sehr 
Ivurzen Hals besitzen, ein ähnliches Verhältniss zwischen den gemeinschaftlichen Carotiden 
und denjenigen Ästen derselben, welche mit den Namen der äusseren und inneren Carotidcn 
bezeichnet werden, gefunden wird. Auch kann hier eben so wenig der Umstand in Betracht 
kommen, dass die Carotidenbogen bei einigen Schuppenechsen von der rechten secundären 
Aortenw^urzcl neben einander, bei anderen aber mit einem besonderen ihnen beiden gemein- 
samen Stamme abgehen, da diese Gcfässbogen nach Beobachtungen an Eidechsen auch in dem 
letzteren Falle von der angeführten Aortenwurzel anfangs neben einander abgehen, dann 



re, z. B. bei denen der Natter und des Schweines, dicht zusammenrücken, sich von 



aber, wie die gemeinschaftlichen Carotiden bei den Embryonen mancher anderen Wirbel- 
thie 

^er iVorta entfernen und aus ihr einen ihnen gemeinsamen Stamm (eine Carotis primaria.) 
^us spinnen. 

§. -17. Was die morphologische Bcd^eutung derjenigen Arterien anbelangt, welche bei 
vielen mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen neben den Kopfästen und Kchlzungen- 
ästen aus diesen Bogen entspringen, so lassen sich die beiden kleinen Äste, welche von den- 
selben zu den .Thymusdrüsen hingehen, als entsprechend denjenigen Arterien der Vögel 



ansehen, welche sich bei diesen Thieren von den gemeinschaftlichen Carotiden zu zwei ganz 



hinten in dem Halse liegenden Blutdrüsen begeben. Die beiden grösseren Arterien aber, 
■welche ich die Muskelästc der Carotidenbogen genannt habe, scheinen mir eine Eigenthüm- 
lichkeit vieler Schuppenechsen zu sein. 



Durch die absteigenden Theile der Carotidenbogen 



J-">enksclirifteii der m;itliein.-natiirw 



(U. XllT. IM. Abhandl. v. Niclitmitgl 



P 



114 



Heiner ich liatkke. 



stehen sie nämlich mit Abschnitten des arteriellen Systems, welche den inneren Carotiden 
anderer Wirbelthiere entsprechen, in einem solchen Zusammenhange, dass sie als Zweige der- 
selben erscheinen; bei keinem andern Wirbelthiere aber, als nur bei verschiedenen Arten von 
Schupponechsen, kommen meines Wissens solche von den inneren Carotiden ausgehende 
Zweige vor, die insbesondere die Mm. levatores scapularum, Mm. scaleni und verschiedene 
Muskeln des Nackens mit Blut zu versorgen hätten. 

§. 48. Obgleich sich nach dem Obigen bei solchen Schuppenechsen, welche Carotiden- 

* * 

bogen besitzen, in jedem von diesen Bogen und seinen beiden grösseren iVsten die wesent- 
lichsten Abschnitte einer regelmässig und vollständig ausgebildeten Carotis, nämlich ein Stamm 
und zwei als äussere und innere Carotis zu bezeichnende Aste erkennen lassen, so sind doch 
bei denselben dergleichen Gcfässc auch nach vollendeter Entwickelung des Körpers in so fern 
nur erst angedeutet, als sie bei ihnen selbst in späteren Lebenszeiten nicht zu einer solchen 
Freiheit und Selbstständigkeit, wie bei manchen anderen Reptilien, den Vögeln und denSäugo- 
thieren gelangt, sondern durch ein paar Anastomosen mit den secundären Aorten wurzeln in 
einem derartigen Verhältniss geblieben sind, Avie es z. B. bei den Schlangen und Schildkröten 
nur in einer sehr frühen Zeit des Fruclitlebens vorkommt, wenn sich bei diesen Eeptilien die 
Carotiden erst zu entwickeln angefangen haben. Einen Übergang aber zu höheren Entwicke- 
lungsstufcn und zu einer gewissen Selbstständigkeit zeigen die Carotiden unter den Schuppen- 
echsen bei den Chamäleonen, indem sie bei einigen Arten derselben, wie namentlich bei 
Chamaeleo planiceps, noch durch ein paar sehr dünne Anastomosen, die aus der frühesten 
eit des Fruchtlebens herstammen, mit den beiden secundären Aortonwurzcln wahrscheinlich 
fortwährend im Zusammenhange bleiben, bei anderen Arten aber, wie z. B. bei Ch. vulgaris, 
Ch. verrucosus, Ch. tigris und Ch.pumilus, diese Anastomose]! völlig verlieren. Doch gewinnen 




* 4 



1 



auch bei den letzteren Arten die Stämme der Carotiden im Yerhältniss zu den beiden Asten 
in die sie nach vorne ausgehen, nur o^liKi sehr massig grosse Länge und bleiben bei ihnen 
fortwährend in einer ähnlichen Weise gekrümmt, wie bei den mit Carotidcnbogen versehenen 
Schuppenechsen diejenigen Abschnitte dieser Bogen, welche sich von dem Aiifange derselben 
bis zu den AbgangsstcUen der Kchlzungenäste erstrecken. Eine ähnlich hohe Entwickelung, 
wie namentlich und insbesondere bei den Säugethieren, gewinnen die Carotiden in der Gruppe 
der Schuppenechsen nur erst und nur allein bei den Varanidcn , bei denen ihre Stämme, wie 



der 



ganze Hals, eine ansehnliche Länge erhalten und 



b 



einen ziendich geraden Verlauf 



annehmen. 



• * 



Von den beiden Asten, i]i die bei denjenigen Chamäleonen, welche schon sclbstständiger 
gewordene Carotiden besitzen, die Stämme dieser Arterien nach vorne ausgehen, entspricht 
der eine offenbar dem Kehlzungenaste der mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen, 
der andere dem Kopfastc und dem mittleren Tlieile eines solchen Bogcns, der erstere also der 
Carotis externa, der letztere der Car. interna höherer Wirbelthiere. Alniliche Lagerungsver- 
hältnisse, ähnliche Verbindungen mit anderen Körperth eilen und ähnliche Formen, wie die 
angeführten Carotidcnäste jener Chamäleonen, zeigen aber auch die beiden Aste, in Avelche 
eine jede Carotis communis bei den Varaniden nacli vorne ausläuft. Demnach werden auch 
bei den Varanidcn diese Aste der Carotis communis so zu deuten sein, dass derjenige von ihnen, 
welcher mit dem Nervus vagus gerade nach vorn geht, der Car. interna, der andere, welcher 
sich zwischen den beiden Zungenbeinhörnern seiner Seite schräg nach unten und vorn zu der 
Zunge begibt, der Car. externa anderer AVirbelthiere entspricht. 



Unter suclmnaen über die Äorteiiiourzeln der Saurier. 



115 






Anbelangend die Scitcnästej welclie bei den Yaraniden die Carotis communis j während 
sicli der Hals und aucli sie selber zicmlicli stark Ycrlängerten, ausgesendet hat, so lässt sich 
derjenige j -wclclier einen kleinen Zweig zu der im hinteren Theil des Halses liegenden Blut- 
drüse sendet (Taf. III, Fig. 2 — 4), in Hinsicht seines Ursprungs, wenngleich nicht auch in 
Hinsicht seiner Verbreitung, allenfalls als entsprechend derjenigen Arterie ansehen, welche bei 
manchen mit Carotidenbogen versehenen Schuppenechsen von jedem solchen Bogen unterhalb 
des Kehlzungenastes abgeht. Der ziemlieh grosse Ast aber, welcher den M. scalenus, so wie 



die hintere Hälfte der Mm. levator scapulae und stcrnomastoideus mit Blut versorgt (Taf. III, 
Fig. 2, 2), hat zwar eine ähnliche Verbreitung, wie der bei vielen anderen Schuppenechsen von 
einem 'Carotidenbogen abgehende Muskclast, nicht jedoch auch einen ähnlichen Ursprung und 
eine gleiche morphologische Bedeutung: denn anstatt dass jener Muskelast anderer Schuppen- 
echsen seine Entstellung aus dem absteigenden Theile eines Carotidcnbogens genommen liat, 
ist dieser Muskelast der Varaniden aus einem Abschnitte des arteriellen Systems hervor- 
gewachsen, der ursprünglich in seinem Verhalten dem aufsteigenden Theile eines Carotidcn- 
bogens anderer Schuppenechsen entsprochen hat. 

§. 49. Bei den Eingclcchsen zeigen die Carotiden im Wesentlichen eine solche Bildung, 
^vic bei den Varaniden und denjenigen Schlangen, welche zeitlebens zwei gemeinschaftliche 
Carotiden von gleicher oder ziemlich gleicher Dicke besitzen. Denn auch bei ihnen besteht 
eine jede von diesen Arterien aus einem ansehnlich langen Stamme und zAvci Endästen, von 
denen, wie bei jenen Reptilien, der eine unter dem vordersten Thcil der Speiseröhre und 
zwischen den Seitenhälften des Unterkiefers schräg nach vorne und innen zu dem Kinnwinkcl 
geht, der andere, der als eine gerade Fortsetzung des Stammes ersclieint, sich mit dem Nervus 
^agus nach dem Hinterkopfe begibt. Auch bei deii Pungelechsen wird daher der orstere Ast 
des Carotidenstammes oder der Carotis communis als Car. externa, der letztere als Car. interna 

5^u deuten sein. 

d der inneren Carotiden in dem 



§. 50. Was die Verbreitung der äusseren un 



dieselbe bei den liingelechsen und Schunnenechsen im 






Kopfe anbetrifft, so bleibt sich 

Wesentlichen ziemlich gleich, auch verliält sie sich bei ihnen sehr ähnlich, wie bei den 

Schlanii'en. 

Die äusseren Carotiden haben bei allen diesen Eeptilien in dem Kopfe nur einen geringen 

Verbreitungsbezirk, doch bei den Eingclcchsen und Sclmppenechsen einen etwas grösseren, 
als bei den Schlangen. Abgesehen nämlich von dcnZAveigen, die von ihnen bei den genannten 
Reptilien für verschiedene Theile des Halses ausgesendet werden und nach den Arten der- 
selben erhebliche Verschiedenheiten zeigen, verbreiten sie sich bei den Schlangen nur in 



denjcnio-en Theilen des Kopfes, Avelche zwischen den beiden Seitenhälften des Unterkiefers 
liegen. Bei den meisten Schuppenechsen aber senden sie ausserdem, dass sie sich in allen 
^^^^dse]len den Unterkieferhälften gelegenen Körpertheilen verbreiten, auch noch ein Paar oder 
mehrere Zweige an die Mm. pterygoidei extern! und die den Mm. digastrici der Säugethiere 
entsprechenden Apcrtores oris. Ebeji dasselbe gilt wahrscheinlich auch für dielüngelechsen, 
bei denen ich zAvar keine von den äusseren Carotiden zu den Mm. pterygoidei externi gehenden 

1 jedoch nur desshalb nicht, weil bei ihnen die 
Kopfarterien nicht vollständig injicirt waren. Noch etwas weiter, als bei der Mehrzahl der 
Schuppenechsen, sind die äusseren Carotiden bei dem Psammosaurus griseus verbreitet, bei 
dem sie nach Corti — 



Zweige habe bemerken können, vcrnnitlilic] 



der sie übrigens als Eami trachclici der o-cmeinschaftlichen Carotiden 



p 



* 



116 



II ein 7' ich Batlike. 



aufgeführt hat — auch ein Paar Zweige aussenden^ von denen sich ein jeder in zwei Aa, coro- 
nariae für die Lippen theilt. 

Die inneren Carotiden verbreiten sich bei den Schlangen j Eingeleehsen und Schuj)pen- 
echsen in allen Theilcn des Kopfes , die nicht von den äusseren Carotiden Zweige erhalten 
haben, wie ausserdem auch in den Mm. pterygoidei externi, selbst wenn diese Muskeln, wie 
namentlich bei den Schuppenechsen, schon von den letztgenannten Artericnasten Zweige 
erhalten haben. Eine jede innere Carotis aber theilt sich, nach den bisher gemachten Wahr- 
nehmungen zu schlicssen, bei allen oben genannten Thieren in zwei an Stärke sehr ungleiche 
Aste, von denen der schwächere entweder ganz und gar (die meisten Schlangen) oder nach 
Abgabe eines mitunter nur sehr unbedeutenden Zweiges (einige Schlangen und die Schuppen- 
echsen) durch den hinteren Theil der Grundfläche der Hirnschale in die Schädclhöhle ein- 
dringt, um sich an dem Gehirn, der Gefässhaut des Gehirns und wohl in der Kegel zum Theil 
auch in verschiedenen innerhalb der Augenhöhle befindlichen Gebilden zu verzweigen^), der 



stärkere sich in dem Nacken und in allen denjenigen ausserhalb der Hirnschale befindlichen 
Theilen des Kopfes verbreitet, welche nicht schon von dem ersteren und der Car. externa 
Zweige erhalten haben. Ausserdem aber sendet die innere Carotis bei den Schlangen und 
einigen Schuppenechsen (Ameiva vulgaris und den Varaniden) , ehe sie sich in jene beiden 

* * _ --J 

Aste theilt, einen Zweig aus, der als ein Eamus spinalis zwischen dem Atlas und dem Hinter- 
hauptbeine nach innen vordringt und sich mit dem Ende der Art. basilaris vereinigt, wogegen 
bei den Eingeleehsen ein ihm entsprechender Zweig schon von der gemeinschaftlichen Carotis 
ausgesendet wird. Es fragt sich nun, wie die angeführten beiden Aste, in Avelche bei allen 
diesen Eeptilien die Carotis interna ausläuft, mit Eücksieht auf die höheren Wirbelthiere zu 
deuten seien? Bei den meisten, obgleich nicht bei allen Säugethieren geht die Carotis communis 

« ■ 

nach vorn nur in zwei Aste aus, die als Car. externa und Car. interna bezeichnet werden, 
unter diesen Säugethieren dringt nun die Car. interna bei einigen, wie namentlich bei dem 
Menschen, durch die Grundfläche der Hirnschale in die Schädelhöhle ein, ohne ausserhalb 
derselben Zweige ausgesendet zu haben; bei anderen aber, wie z. B. bei den Fledermäusen, 
mehreren Insectenfressern und vielen Nagethieren, theilt sie sich ausserhalb der Schädelhöhle 

« V 

in zwei Aste, von denen der eine, der den Namen der Car. ccrebralis erhalten hat, in diese 
Höhle eindringt und in derselben einen Circulas AVillisii zusammensetzen hilft, der andere in 
dem Kopfe sich entweder nur allein oder doch hauptsächlich ausserhalb der Schädelhöhle 
verbreitet und aus dem Grunde, weil seine Verbreitung eine mehr oder weniger grosse Ähn- 
lichkeit mit derjenigen der Art. maxillaris interna des Menschen hat, von einigen Zootomen 
auch unter demselben Namen aufgeführt wird. Gleichfalls theilt sich auch unter den Vögeln 
bei vielen oder wohl den meisten die Car. communis nach dem Kopfe hin in zwei Aste, die in 
ihrem Verlaufe der Car. externa and Car. interna der Säugethierc entsprechen. Unter diesen 



Vögeln aber theilt sich wieder die Car„ fnterna, wie bei manchen Säugethieren, in zwei Aste, 
von denen der eine in die Schädelhöhle eindringt, um sich in dem Gehirn und der Gcfässliaut 
lesselben zu verzweigen, wesshalb derselbe denn den Namen der Car. ccrebralis erhalten hat, 



( 



( 



1er andere, der bis jetzt noch keinen besonderen Namen erhalten hat, sich in dem Kopfe 
ausserhalb der Schädelhöhle mehr oder weniger weit verbreitet, mindestens aber sich in den 



I 



^) Vermisst wird eine A. ophtli.ilmica an demjenigen Asto der inneren Carotis, welcher in der Schädclhöiilo ausgebreitet ist, 
namentliuli ])ei vielen Solilangen nach Beendigung des Fruchtlchcns derselben. 



*^ 



TJntersucl Hingen über- die Aortenwurzeln der Saurier. 



117 



( 



innerhalb der Augcnliölilc liegenden Gebilden verzweigt. Es verhält sich also auch bei man- 
chen Säugethieren und vielen Vögeln die Gar. interna im Allgemeinen 'ähnlich, wie bei den 
Schuppenechsen, Ringelcchsen und Schlangen. Ihren einen Ast wird man daher bei diesen 
Keptilien als gleichbedeutend mit der Car. cerebralis jener höheren Wirbeltliiere anzusehen 
haben. Auch wird man ihn wegen seiner Verbreitung in dem Gehirn und dessen Gefässhaut 



am passendsten mit dem Namen derselben belegen können. Dem anderen Aste aber wird bei 
den letzteren Thieren zwar in Hinsicht auf seine Lage dieselbe Bedeutung, wie bei den ersteren, 
zugesprochen werden müssen, doch düj-fte für ihn bei den letzteren ^ weil er bei ilmen eine 
verhältnissmässig sehr viel grössere Verbreitung in dem Antlitztheil des Kopfes, als bei den 
ersteren erlangt hat, nicht sowohl der Namen der Art.maxillaris interna, den er bei den Säuge- 
thieren führt, als vielmehr der Namen' der Art. facialis oder der Carotis facialis der passende 
sein. Beiläufig will ich noch bemerken, dass Corti bei demPsammosaurus griseus die Arterie, 
welche nach meinem Dafürhalten als Carotis interna zu deuten ist, für den vordersten Thcil 
der Carotis communis angesehen und denjenigen Ast derselben, welcher durch die Grundfläche 
der Hirnschale in die Schädelhöhle eindringt, für eine Carotis interna, den anderen aber für 
eine Carotis externa gehalten hat. 

h 

Nach den Abbildungen und Bcschreibungenj welche Bojanus m seinem Werke: Anatome tcstudinis 
enropacae (Vilnac 1819) von dem Baue dieses Reptils gegeben hat; sind die gcmcinschaftliclien Garotidcn bei 
den Scliildkröten im Wcscntliclien nacli demselben Typus verästelt^ ^Yie bei den Sclüangcn, Ilino^elechsen 
und Scliuppenechscn. 

Hulfte des Halses keine Zweige aus^ ^yic namentlich bei den ebenfalls mit einem langen Ilalsc versehenen 
Varaniden; aber niclit fern von dem Kopfe (zwischen dem Iiiutern und vordem llorn des Zuno-enbeins) theilt 
sich em jedor^ nachdem er einen ßanius splnalis ausgesendet hat^ zunächst in eine Gar. externa und Car. interna. 
Die erstcrc; die^ wie bei andern Reptilien^ der letztern an Dicke nachsteht^ nur als ein ScitenzweJg des Stammes 
erscheint^ und von Bojanus als Art. hngaalis bezeichnet worden Ist, verbreitet sich dann in dem vorder- 
sten Theii der Speiseröhre und Luftröhre^ dem Kehlkopfe^ den Muskeln des Zungenbeins und der Zune-e. Die 
'^-ar. mterna aber stellt sich, wie bei den Schlangen^ Ringelechsen und Varaniden, als eine Fortsetznno- des 
Stammes dar und theilt sich nach einem kurzen Ycrlaufc^ wie bei jenen Reptihen und den Scliuppenechscn 
im Allgemeinen, unter ehicm spitzen Winkel iw zwei ungleich dicke untergeordnete Aste^ von denen der 
dünnere als Gar. cerebralis in die Schädelhöhle eindringt und vorn eine Art. opIidiahTiica aussendet der 
dickere sicli beinahe in allen ausserhalb der Hirnschale gelegenen Theüen des Kopfes verzweio-t. Namenthch 
^'Gibreitcn sich seine Zweige in den Nackenmuskeln, dem Schläfcnmuskel, dem Flüo^elbcinmuskcl der 
hränendrüsc, der Riechhaut, der Haut des Gaumongewölbcs, dem Oberkiefer inid dem Unterkiefer. 

. 51. Ansser den Caroticlcn befindet sieh, wie bei de]i Schlangen, so anch bei den 



Zwar senden diese langgestreckten Gcfässstämme der Schildkröten in der hintern 



Tl 



Schuppenechsen vor dem Herzen eine besondere Abtheilung des arteriellen Systems, welche 
hauptsächlich für mehrere der ßückenwand des Leibes angehörige Muskeln bestimmt ist, in 
ihrem Verlauf sich an die Wirbelsäule hält, und im Allgemeinen die Vertebralabthei- 



^^ng des arteriellen Systems benannt werden kaim. Bei den verschiedenen Arten 
der Schlangen bleibt sich dieselbe in ihrem Ursprünge, ihrer Lao^erunp- und ihrer Form odcich. 
■L'eiHi nach Beobachtungen, die ich an einer ziemlich grossen Zahl von diesen Thieren ge- 
macht habe, besteht sie bei ihnen in einem unpaarigen Gefässstamme (Art. vertebralis nach 
Cuvier) der von dem absteigenden Theil der rechten Aorten wurzel abgeht, sich gleich nach 
semcm Ursprünge der Mittelebene des Körpers zuwendet, zwischen den Mm. longi colli unter- 
iialb der vordem AVirbelbeiue des Eückgj-athes geradeaus nach vorn läuft, in einiger Entfer- 
nung von dem Kopfe sich unter einem spitzen Winkel in zwei sehr kurze und dünne Äste 



118 



Ileinricli Batlike, 



\ 



tlieilt, die jedocli den Kopf niclit crrciclicn 



? 



und nach beiden Seiten eine Menge von Zweia^en^ 



aussendet, die sicli in ihrem Verlaufe und ihrer Ausbreitung älmlicli, wie die von dem Stamme 

In der Gruppe der Schuppcncchsen 



der Aorta aba-chendcn Aa. intercostales verhalten, 
aber zeigt diese Abtheilung des arteriellen Systems sowolil in Hinsicht ihrer Form und 
Verzweigung, als auch in Hinsicht ihres Ursprungs einige nicht unbedeutende Verschie- 
denheiten. 

Bei Aeontias Meleagris erscheint sie eben so, wie bei den Schlangen, als eine von dem 

absteigenden Theil der rechten Aortenwurzel abgehende , ziemlich lange und zwischen den 
Mm. lonöi colli nach vorn verlaufende Artci'le, die seitwärts mehrere Eami intercostales aus- 



« * 



sendet und sich vermuthlich vorn in ein paar sehr kurze und dünne Aste theilt. Bei manchen 
anderen Schuppenechsen besteht dieselbe zwar ebenfalls in einer zwischen die Mm. longi colli 
eindringenden Arterie, theilt sich jedoch schon früher ^ als bei den Schlangen, unter einem 



spitzen Winkel in zwei mehr oder weniger lange Aste, von denen dann ein jeder zwischen' 
einem der erwähnten Muskeln und der Wirbelsäule weiter nach vorn bis in die Nähe des 
Kopfes verläuft und nach einer Seite, wie sein Stamm nach beiden Seiten, unter ziemlich 
rechten Winkeln Zweige aussendet. Im Verhältniss zu seinen beiden Endästen ist dieser Arterien- 
stamm bei Ophisaurus ventralis, Anguis fragilis und Pseudopus Pallasii noch ziemlich lang: 
dagegen ist er nur selir kurz bei einer grossem Zahl von anderen Schupp enechsen (§. 30).— 



noch anderen, und zwar 



Bei 



wie es allen Anschein hat, bei den meisten Arten der Schuppenechsen 
kommen statt eines solchen gabelförmig in zwei Aste gespaltenen GefässstammeSj zAvei von 
einander völlia' gesonderte Arterien vor, die entweder unmittelbar aus der rechten Aorten- 
Wurzel, oder aus den beiden Aa. subclaviae entspringen und gewöhnlich, wie die beiden 
Endäste jenes unpaarigen Gefässstammes anderer Schuppenechsen, ihrer ganzen Länge nach 
zwischen der Wirbelsäule und den Mm. longi colli verlaufen. Es lässt sich daher annehmen, 
dass bei den Sehuppenechsen das Vorkommen von zwei völlig getrennten Aa. vertebrales den 
Typus bezeichnet, nach welchem sich in der Gruppe dieser Thierc die Vertebral-xVbtheilung 
des arteriellen Systems cntAvickeln sollte, und dass diejenigen Arten dieser Tliiere , Avelche 
nur eine einzige und gabelförmig in zwei Aste auslaufende A. vertebralis besitzen, deren 
Stamm früher j als ihre beiden Endäste entstanden war, eine Eeilic übergangstufen von der 
unpaarigen und noch einfachem A. vertebralis der Schlangen zu jener für die Schuppenechsen 
typischen Bildung darbieten. Ob übrigens aber bei manchen von denjenigen Schuppenechsen, 
bei welchen nur eine einzige solche Arterie gefunden wird, deren Stamm im Verhältniss zu 
den Ästen nur eine sehr geringe Länge hat, der ersterc spätem Ursprungs, als die letzteren, 
und durch ein Ausspinnen aus dem Gefässe, von welchem er abgelit (der rechten Aorten- 
wurzel oder einer A. subclavia)^ entstanden ist, lässt sich freilich noch nicht entscheiden. 

Nach einer andern. Seite zeigen die beiden paarigen Vertebralarterien, welche bei der 
Mehrzahl der Schuppenechsen vorkommen, wie auch die ihnen in Hinsicht der Lagerung, 
der Verbreitung und des Ursprungs aus dem absteigenden Theil der rechten Aortenwurzel 
sehr älmlichen Vertebralarterien der EieiQfelechsen eine Annäherung an die glcicl 



ö 



uianngen 



Arterien der Vögel, bei denen sie ebenfalls nicht, wie die ihnen entsprechenden Blutgefässe 
der meisten Säugothicre, in die Schädelhöhle eindrhigen ^). Denn von den Vertebralarterien 



1 




I 



^) Xacli Barkow's AValirncluumigcn gclit bei den VÖgclu von der X. vertebralis höchstens ein öcliwiichor K;inni^ sj^iinalis 
zwischen dem Hinterhairptheine und dem Atlas y.nm liückenniarke. 



;«^ 



I^B qu _ 



Unier suclamgen ilher die Aortenwurzeln der Saurier, 



119 



der Vögel sind sie im Wesentlielien nur insofern Ycrscliiedcn, als sie aus ihrer hintern Hälfte 
seitwärts einige Intercostalarterien als Zweige aussenden und weiter nach vorn nicht durch 
besondere in den Querfortsätzen der Halswirbel befindliche Löcher hindurchgehen, sondern 
unter den Querfortsätzen dieser Wirbel verlaufen. Die letztere und bedeutendere Yerschie- 
denhcit aber hat darin ihren Grund, dass bei den Schuppenechsen und Eingelechsen die 
Querfortsätze der Halswirbel einfacher gebildet sind, als bei den Vögeln, nämlich nicht 
aus zwei an ihren äussern Enden verwachsenen Abtheilungen, wie bei diesen Thieren und 
den Säugethieren bestehen, also auch nicht die Vertebralarterien in sich haben aufnehmen 
können *). 



; 



Was die Panzerechsen anbelangt, so kommen bei ihnen zwei getrennt von einander aus 
den Aa. subclaviae entspringende Vertebralarterien vor, die zuvörderst, wie bei andern 
Sauriern, einige Aa. hitercostales aussenden, dann aber neben den Körpern der Halswirbel 
durch ein Paar Canäle, die von dem Skelet gebildet sind und den Vertebralcanälen der 
Vögel mid Säugethiere entsprechen, hindurch gehen und sich endlich in dem vordersten 
Theil des Halses verlieren. Es haben also bei den Panzerechsen die Vertebralarterien in ihrer 
Anordnung eine nocii weit grössere Ähnliciikeit mit denen der Vögel im Allgemeinen, als bei 
den Ringelechsen und den meisten Schuppeneciisen. Ausserdem aber stimmen sie mit den 
gleichnamigen Arterien einiger Arten von Vögeln ") ,* namentlich mit denen des schwarzen 
Storches und der gemeinen Ente (A]ias Boschas) auch nocli darin überehi, dass jede von ihnen 
einen starken Ast ausgesendet hat, der zwischen den Schenkeln einiger Kippen und den Quer- 



fortsätzen einiger Wirbel des Rumpfes nach hinten läuft und auf seinem Wege etliche Inter- 



costalarterien als Zweiii'c abgibt 



§• 36). 



Obwohl die Vertebralabtlieilung des arteriellen Systems bei den Rej)ti]lc]i in Hinsicht 
ihrer Form grosse Verschiedenheiten zeigt, bleibt sie bei denselben doch insofern sich gleich, 
^Is sie nicht, wie bei den Säugethieren , in die Sehädelhöhle eindringt und sich in dieser 
Höhle den Hirncarotiden anschliesst. 

§. 52. Durch den Hals der Panzerechsen oder Krokodile gehen im Ganzen sieben Arterien 
hindurch. Zwei davon sind, wie bereits gezeigt worden, gleichbedeutend mit den beiden 
Vertebralarterien anderer Wirbclthierc : zwei andere sind die A^ordercn Thcile einer A. spinalis 
longitudinalis superior und inferior. Welche Bedeutung aber die drei iibrio-en haben 



wäre 



lummclu' noch zu erörtern. 

In Hinsicht ihrer Lagerung stinjmen die fraglichen Aa^terien der Krokodile mit den drei 
Halsarterien mancher Schlangen überein, indem zwei von ihnen, die in ihrer Verbreitung" 
einander gleich und auf die beiden Scitenhälften des Körpers vertheilt sind, sich in ähnlicher 
Weise, wie die beiden gemeinschaftlichen Carotidcn einiger Schlana-en, neben den Nervi 



; 



ö 



J 



^^agi und Venae jugnlares Innziehen, die dritte aber grösstcnthcils in der Mittelcbenc des 



') 



') 



Wie von mir vor längerer Zeit gcmaclite Bcobaclitungcn ergeben haben, bestellt bei den Sliugctliieren ein jeder mit einem 
Foramen transversarium rcrschenc Querfortsatz der Hals wir)) ol ursx-)rnnglich aus z^vci fast parallelen Fortsätzen oder Abthei- 
lungen, die alliuählich an ihren äusseren Enden zusaiumemvaehscn und zwischeen denen schon früher, als sie zusammen- 
gewachsen sind, eine Art. vertcbralis liindurchgeht (Müller's Archiv, Jalirgang 1843; S. 288). Dasselbe ist auch, wie ich 
später gefunden habe, bei den Vögeln der Fall; dagegen scheint bei den Schuppenechsen, Kingelcchscn und Schlangen je 
ein Querfortsatz eines Halswirbels nur der oberou von den beiden Abthcilungcn zu entsprechen, aus denen je ein mit einem 
Foramen transversarium versehener Querfortsatz der Halswirbel bei den erstgenannten Thieren zusammengesetzt ist. 
Barkow in Meckel's Archiv, Jahrgang 1829, S. 368 und 179. Bauer, Dis^pisitiones circa nonnullaruru avium systeuia 
arteriosum, Berollni 1025, pag. 8. 



120 



II ein rieh Rathlce. 



Körpers unter der Wirbelsäule verläuft. Dessenungcaclatet wird man sie niclit etwa mit den 
Halsartericn derjenigen Sclilangen, welclie drei solche Gefässe besitzen, für gleiclibedcutend 
eraeliten können, also die beiden paarigen niclit etwa für gemeinscliaftliclie Carotiden und 
die^unpaarige nicht für eine Yertebralartcrie halten können, da sie eine ganz andere Ver- 
breitung haben und auch in einer andern Eeihenfolge entspringen, als die angeführten Gefässe 
jener Schlangen. Denn anstatt dass bei jenen Reptilien die beiden paarigen Ilalsarterien 



bei den Sclilangen liingeg-cn recliterseits von 



^' ^ 



auf den Kopf übergehen und allen Theilen desselben Zweige zusenden , erstrecken sich bei 
den Krokodilen die ihnen der Lage nach entsprechenden nur bis in die Nähe des Kopfes. 
Dagegen verbreitet sich bei den Krokodilen der erwähnte unpaarige Arterienstamm, nachdem 
er mehrere Zweige an die obere Wandung des Halses abgegeben hat, durch alle Theile des 
Kopfes , anstatt dass bei den Schlangen der ihm der Lage nach entsprechende nicht auf den 
Kopf übergeht , sondern sich nur in der AVaudung des Halses und des vordem Theiles des 
Eumpfes ausbreitet. Was aber die Reihenfolge anbelangt, in welcher die drei in Rede stehenden 
Arterienstämme von der rechten Aortenwurzcl abgehen, so entspringt der unpaarige bei den Kro- 
kodilen linkerseits von den beiden übrigen — und zwar in Gemeinschaft mit dem linken von 
ihnen und der linken Schlüsselbeinarterio 
denselben. 

In einem weit höhern Grade , als mit den Halsarterien mancher Schlangen , haben die 
drei in Rede stehenden Blutgefässe der Krokodile noch anderer Verhältnisse, als nur der Lage 
wegen eine Ähnlichkeit mit einigen Halsartericn vieler Vögel. Bei vielen Vögeln nämlich kommen 
m dem Halse ebenfalls, wie bei den Krokodilen, ausser- den Spinalarterien und den Vertebral- 
arterien drei Arterien vor , von denen die eine grösstentheils in der Mittelebene des Körpers 
unter der Wirbelsäule, die beiden andern aber, vertheilt auf die beiden Seiteuhälften des 
Körpers , neben den Nervi vagi und Venae jugulares verlaufen. Von diesen drei Arterien nun 
entspringt die unpaarige beinahe jedenfalls, wie bei den Krokodilen, zusammen mit der linken 
Art. subclavia aus einem Aortenaste , den man als eine linke Art. anonyma bezeichnen kann '). 
Auch theilt sie sich, wie bei den Krokodilen, nachdem sie mehrere Zweige an verschie- 
den Halswirbeln verbundene Muskeln abgegeben hat, nahe dem Kopfe in zwei 
starke symmetrische Äste, deren Zweige sich hauptsächlich in demselben ausbreiten und 



denc mit 



die gewöhnlich unter dem 



Kam 



en 



de 



Dessgleichen entspringt bei solchen Vögeln, welche 



>-emeinschaftlichen Carotiden aufgeführt werden. 



eine von der linken Art. anonyma 



abgehende unpaarige Halsartcrie besitzen, die linke von den beiden erwähnten paarigen 
Halsarterien eben so, wie bei den Krokodilen, in der Nähe der Art. subclavia ihrer Seite 
aus jener unpaarigen Arterie , die rechte in Gemeinschaft mit der Art. subclavia derselben 
Seitenhälfto aus einem Aortenaste, welchen man besonders aus einem Grunde, den ich 
weiterhin (§. 54) angeben werde, als eine rechte Art. anonyma betrachten kann. Und 
ausserdem entsendet von diesen paarigen Halsarterien, die übrigens immer jeuer unpaarigen 
an Dicke nachstehen , eine jede bei den Vögeln , wie bei den Krokodilen , etliche Zweige 
an die Speiseröhre, die Luftröhre und verschiedene an der untern Seite des Halses gele- 
gene Muskeln. Nach Abgabe dieser Zweige aber verbindet sich eine jede in der Nähe des 



^) Nur bei Plioenicopterus ruber und (nach einer Angabo vor, Kud. Wagner) bei dem Pelelcan liat man bis jetzt die ange- 
fiilirte Arterie voii der Aoi-ta zusammen mit der reclitcn Art. subclavia abgclion gesellen (System d. vorgl. Anatomie von 
Meekel, Tli. V, S. 277 und Lehrbuch der Zootoiuie von R. Wagner. Zweite Auflage, S. l'fi). 






I 

I 



I ^ ^ ^''J- 



Unter siicliungen ilber die Äortemoiirseln der Saurier. 



121 



I 



Kopfes mit einem von den beiden Endästen, der unpaarigen Halsarterie, und zAvar entAveder 
unmittelbar mit demselben, oder, glcicliwie bei den Krokodilen, durcli Vermittclung eines 
ZAvelgcs von ihm. Es sind dalier liinreicbende Gj'ünde vorhanden, annehmen zu dürfen, dass 
die drei in Eede stehenden Arterien der Krokodile eine gleiche Bedeutung mit denjenigen 
baben, Avelche ausser den Spinalarterien und Yertebralarterien in derselben Zald bei vielen 
Vögeln durch den Hals liindurcligchen. Nun aber haben bei diesen Vögeln die beiden dünnen 
Arterien des Halses, Avelche neben den Nervi vagi und Vcnae jugularcs verlaufen, nicht 
etwa die Bedeutung von gemeinschaftlichen Carotiden, wofür man sie auf den ersten Anblick 
■wegen ihres Verlaufes dicht neben den genannten Nerven und Venen halten könnte. Denn sie 
kommen auch bei solchen Vögeln vor, welche ein Paar grosscntheils dicht neben einander unter 
den Halswirbeln liegende Arterienstämme besitzen, die man Avegen ihrer Ausbreitung durch 
den Kopf und mit Hinsicht auf die Art ihrer Entstehung (§. 43, No. 2,) für entsprechend den 



gemeinschaftlichen Carotiden der Säugethiere anzusehen hat. Die unpaarige xnid stärkere 
Arterie aber, Avelche bei vielen Vögeln grösstcntheils in der Mittelebene des Körpers unter den 
HalsAvirbeln A^erläuft und A^orn in zAvei Aste ausgeht, die in Hinsicht ihrer Lage und ihrer 
Ausbreitmig den A^ordersten Abschnitten der gemeinschaftlichen Carotiden anderer Vögel ent- 
sprechen, vertritt die Stelle des grössern Theils der beiden bei andern Vögeln ihrer ganzen 
Läna"e nach geti'cnnten gemeinschaftlichen Carotiden und ist desshalb, Avie auch und mehr noch 



Ö 



ö 



in Beziehung darauf, dass sie einen gemeinsamen Stamm ZAvcier anscheinend sehr verkürzten 

gemeinschaftlichen Carotiden darstellt, von BarkoAv mit dem Namen der Carotis primaria 

belegt worden. Demnach Averden denn bei den Krokodilen der unpaarige Artcrienstamm ihres 

Halses als eine Carotis primaria in dem Sinne von BarkoAV und einigen andern Zootomen, 

die beiden Endäste dieses Arterienstammes als Carotides communcs tuid diejenigen zAvei 

Arterien des Halses, welche neben den NerA-f vagi und Venae jugularcs verlaufen, gleichAvie 

bei den Vögeln im Allgemeinen, als Aa. collaterales colli (§. 43, No. 2) bezeichnet Averden 
'•können. 

* 

Nach Beobaclitung-eu, Jle von Mockcl i), Nitscli -), Barkow ^') und A^on mir gemacLt worden smcl, 
bietet in der Famihc der Papageien die Anordnung der Carotidenstäninic so viele inid so bedeutende Verschie- 
^enhcitcn dar, \vie in keiner anderen Familie dcrV()gcl. Einige Arten von Papageien besitzen eine linkerseits 
^us einer Art. anony^na entspringende und grösstenthcils an der unteren Seite der HalsAvIrbel verlaufende 
Karotis primaria, die sich voi-ne in zAvei kurze gemeinschaftliche Carotiden thoiltj so namentlich Psittacus gale- 
iJtUä und Ps. sulphureus. Andere besitzen zwei lange und von einander getrennt entspringende gemeinschaft- 
^chc Carotiden, die zum grösseren Theil dicht neben einander unter den Plalswirbeln verlaufen^ so z. B. Ps. 
P^^sscrlnus, Ps. pullarius, Ps. scapulatus, Ps. grandis, Ps. barbatuhis, Ps. haematodus^ Ps. frenatus, Ps. sinensis 
^iid Py. imdulatus. Bei noch anderen Arten aber, die ebenfalls mit zavci langen und von einander getrennt 
cntspnagcnden gemeinschaftlichen Carotiden verschon sind, verläuft von diesen Arterien mu' die reclite, indem 
sie einen Bogen bihlet, zum Theil unter den Halswirbeln, die hnkc hingegen in ziemhch gerader Richtung 
^eben der Vena jugulaiis und dem Nervus vagus ihrer Seite, so namentlich bei Ps. ochrocephalus, Ps. leuco- 
'^•cpiiakis, Ps. mitratus, Ps. pulverulentus, Ps. rufirostris, Ps. erythacus, Ps. canicularlsj Ps. amazonicuSj Ps. auri- 
^'^puluä und Ps. Macawuanna. Abhängig von dieser Verschiedenheit in der Anordnung der Carotiden findet 
^au mm bei den Papageien auch eine Verschiedenheit in der Zahl ihrer Aa. collaterales colli. Besitzt nämlich 
Gin Papagei eine Carotis priraaj'ia^ so kommen bei ihm, Avic ich bei Ps. sulphureus bemerkt habe^ der Regel 



') 
') 
') 



U;ilau 1829 



System der vergl. Anatomie. Thoil A", S. 279.^ 
Observationcs de avium arteria carotidc communi. 
MeokeTs Archiv. Jahrgang 1829, S. 4G3. 

l^ciitsclirifteu dermathcm.-iiaturw. Gl. XII!. I.;d. AlihandJ, y. NichtmittrI. 



J 



122 



Ileinricli Batlike, 



gemäss j welche für, die Vögel im Allgemeinen Geltung hat^ zwei Aa. collatorales colli vor. Dasselbe ist aiicli 
der Fallj wenn bei ihm zwei von einander getrennt entspringende gemeinschaftliche Carotiden zumTlieil dicht 
neben einander unter den Halswirbeln verlaufen, wie ich namentlich bei Ps. pullarius, Ps. frenatus^ Ps. sinensis 
und Ps. undulatus gesehen habe. AVcnn aber bei ihm von zwei getrennt entspringenden gemeinschaftlichen 
Carotiden die linke ziemlich geraden Weges neben einer Vena jugidaris und einem Nervus vagus verläuft^ so 
fehlt ihm an derselben Seite, wie ich bei Ps. crythacus und Ps. amazonieus bemerkt liabe^ eine A. coUate- 
ralis colli. 



§. 53. Gegen die oben gegebene Deutung der beiden neben den Nn. vagi und Vv. jugu- 
larcs verlaufenden Halsartcrien der Krokodile könnte eingewendet werden, dass dieselben im 
Verliältniss zu der unpaarigen viel dünner, als die ihnen der Lage nach entspreclienden der 
Vögel sind, und dass sie von hinten nacli vorne allmählicb dünner werden, anstatt dass die 
erwähnten Gefässe derYögel, so viel bis jetzt bekannt, in ihrer Mitte am dünnsten erseheinen. 
Auf einen solclien Einwand aber wäre zu erwiedern: 1. dass die angeführten Arterien der 
Krokodile zwar meistens, doch nicht jedenfalls, namentlich nicht in ihrem vorderen Drittel 
oder Viertel, eine verhältnissmässig viel grössere Dicke, als die Aa. collaterales colli der Vögel 
haben; 2. dass ihre im Allgemeinen viel grössere Dicke höchst wahrscheinlich davon abhängig 
ist, dass bei den Krokodilen der Hals im Ganzen eine verliältnissmässig viel grössere Dicke^ 
als bei den Vögeln hat und dass sie daher den Theilen des Halses, an welchen sie sich ver- 
breiten, eine verhältnissmässig grössere Menge von Blut zufülu-en naüssen, als die Aa. coUate- 
rales colli der Vögel den Theilen, an welche sie ihre Zweige hingesendet haben; 3. (.lass sie 
bei dem jüngsten von den Krokodil-Embryonen, welche ich untersucht habe (einem 2" 2'" 
langen Embryo von Alligator lucius), in ihrer Mitte ein wenig dünner zu sein schienen, als 
selbst an ihrem vorderen Ende , und 4. dass es noch fraglich ist, ob bei den erwachsenen 
Vöö'eln die Aa. collaterales colli auch jedenfalls in ilirer Mitte am dünnsten sind. 

§. 54. Auf welche Weise bei den Krokodilen und bei vielen Vögeln die sogenannte Carotis 
primaria gebildet wird, ist noch völlig unbekannt. Wohl ohne Zweifel aber kommen auch bei 
diesen verschiedenen Geschöpfen gemäss dem Bildungstypus, welcher für die höheren Wirbel- 
thiere im Allgemeinen Geltung hat, anfänglich zwei gemeinschaftliche Carotiden vor. Als 

4 

möglich Hesse es sich nun denken, dass bei ihnen etwas später, wenn die genannten Gefäss- 
stämme schon eine massig grosse Länge gewonnen hätten und in ihrer Mitte, wie bei dem 
Hühnchen, sich nach oben und innen ausbeugend unter der Wirbelsäule einander nahe gekommen 

zwischen diesen Gcfässstämmen eine kurze Anastomose entstände, worauf dann olnie 






waren 



? 



weiteres hinter derselben der eine von ihnen durch eine Eesorption zum Verschwinden 
ebraclit würde. W^ahrscheinlichcr ist es jedoch, dass, nachdem zwischen den beiden Gefäss- 



g 



Stämmen eine solche Anastomose entstanden ist, diese sich immer mehr verkürzt, bis jene 
Gefässstämme an einer Stelle in einander selbst übergelien und mit einander in eine unmittel- 
bare Tlöhlengemeinschaft gelangen, dass darauf die Stelle, an welcher sie in eine solche innige 
Verbindung geratlien sind, während der Verlängerung des ganzen Halses zu einem mehr oder 
wcni<^er langen einftxchen Canal ausgesponnen wird, und dass dann schliesslich der hinter 
diesem Canal befindliche Theil des einen Gcfässstammes durch eine Eesorption verloren geht. 
Auf (iu\Q. solche Bildungsweise der Cai'otis primaria deutet namentlich der Umstand hin, dass 
ich diesen Arterienstamm bei zwei Embryonen von verschiedenartigen Krokodilen^) gleichsam 



^) Ks gehörten diese Enihryonen zu Alligator sclerops und Crocodilus aeutus. Bei anderen von mir zergliederten Embryonen 
und älteren Exemplaren Leider Spccies ging die unpaarige Arterie des Halses einfaeli von der linken Art. anoiiyuia ab. 



^■ 



■ L ^ 1. 1-^ 



Unter sucliungen ilher die Aortemvurzeln der Saurier. 



123 



mit zwei Wurzeln, die im Verliältniss zu ilini nur eine geringe Länge liatten, von 
den beiden Aa. anonymae liabe abgehen sehen — von welchen Wurzeln übrigens die rechtej 
die sonst bei den Krokodilen fehlt, in dem einen Falle dänner, in dem andern hingegen 
dicker als die linke Avar — und dass auch bei zwei Arten von Vögeln , nämlich bei Ardea 
stellaris und beiPsittacus sulphureus, jedoch ebenfalls nicht beständig, ein solches Verhältniss 
der Carotis primaria zu den Aa. anonymae bemerkt worden ist. 

Das angeführte Verhältniss der Carotis primaria ist zweimal von M eck el (Archiv für Anatomie and 
Physiologie^ Jahrgang 1826^ S. 157) und viermal auch von mir bei Ardea stellaris gefunden worden. In dem 



einen Fall machte ich an diesem Arterienstamme mittelst einer Schere eine Menge von Querdurchschnitten 
und überzeugte mich dabei vollständige dass er ein durchaus einfacher Canal Avar^ also nicht etwa aus zwei 
dicht neben einander liegenden und von einer gemeinsamen Bindegewebsschcide eingeschlossenen Arterien- 
stücken bestand. Dagegen sah Barkow bei zwei Exemjilarcn dieses Yogcis statt einer Gar. primaria zwei 
nii'gends mit einander innig vereinigte, obgleich gTösstcnthells diclit neben einander verlaufende gemeinschaft- 
liche Carotiden (Meckcl's Archiv^ Jalirgang 1829^ S. 378 und 461j. Auch bei Psittacus sulphureus fand 
Meckel eine mit zwei AYurzcln von den Aa. anonymae ausgehende Carotis primarlaj von welchen Wurzeln 
übrigens die rechte nur sehr klein (sehr dünn?) war (System d. vergl. Anatomie, Th. Y, S. 279). Dagegen 
konnte ich bei einem Exemplar derselben Yogclart keine der rechten Seitenhälftc des Körpers angchörige 
Wurzel dieses Artericnstamnics gewahr werden. Gelegentlich will idi hier noch anführen, dass ich bei Ardea 
minuta nicht, wie bei Ardea stelWIs, eine mit zwei Wurzeln versehene Carotis primaria^ die Nitsch bei diesem 
Vogel vermuthcte; sondern zwei ihrer ganzen Länge nach geschiedene j wenngleich diclit neben einander 
liegende gemeinschaftliche Carotiden gefunden habe. 

Gewöhnlich nimmt man bei denjenigen Yögeln^ bei welchen eine sogenannte Carotis primaria vorkommt, 
nur in derjenigen Seitenlüilftc des Körpers^ in welcher dieses Blutgefäss entspringt^ eine Art. anonyma an und 
belegt den neben der letzteren von der Aorta abgehenden Arterlenstanim mit dem Namen der Art. subclavia. 
Da indcss wohl ohne Z^vcifel auch bei diesen Yögeln in einer frühen Zeit des Fruchtlebens zwei ihrer ganzen 
Länge nach geschiedene gemeinschaftliche Carotiden vorkommen, von denen in der Regel eine jede aus ihrem 
hinteren Theilc einen zur Zusammensetzung einer Art. collateralis colli bestimmten Zweig aussendet, später- 
hin abei- die eine gemeinschaftliche Carotis vor der Ursprungsstelle dieses Zweiges auf einer massig grossen 
Strecke resorbirt wird, so dürfte es^ wie es mir scheint^ nicht unpassend sein, auch den zweiten von der Aorta 
nach vorne abgehenden Arterienstamm, und zwar von seinem Ursprünge bis zu der Stelle, wo mit ihm die 
Art. collateralis colli seiner Seite zusammenhängt, als eine Art. anonyma zu bezeichnen. 

. 55. Mit dem Namen der Carotis primaria hat man einen bei vielen Sängetliieren 
"^vorkommenden Arterienstamm belegt, der sich in die beiden gcmeinscliaftlichen Carotiden 
tlicilt. Icli habe daher diesen Namen aueli einem älmliehon Arterienstamme beigelegt, der bei 
iTiancLen Op)liidicrn nnd Saui^icrn gefmiden ^\'ird. Unter demselben Namen ist aber auch, nnd 
2war zuerst von Barkow^ der lange Arterienstamm aufgeführt worden, welcher bei vielen 
Vögeln grösstenthcils in der Mittelebcnc des Halses unter der Wirbelsäule verläuft und sich 
m der Nabe des Kopfes in zwei Aste, die gemeinscbaftlichen Carotiden, tlieilt. Dieser Arterien- 
stamm der Yügcl hat jcdocli eine ganz andere Entstehung, als jener bei verschiedenen Säugc- 
thieren, Opliidiern und Sauriern vorkommende, und demgcmäss aucb eine andere morpholo- 

cdenfalls dadurch 



gische 



Bedeutung. Der erstere wird mit ziemlicher Gewissheit wohl j 



gebildet, dass ihn die beiden gemeinschaftlichen Carotiden aus einem andern Abschnitte des 



^U'teriellen Systems gleichsam ausspinnen, wogegen der letztere höchst Avahrschcinlich dadurch 
hervorgebracht wird, dass zwei gemeinschaftliche Carotiden in ihrer Mitte mit einander gleich- 
sam verschmelzen, worauf nunmehr der hintere Theil der einen durch Eesorption verloren 

Es werden desshalb die angeführten, auf verschiedene Weise entstandenen Arterion- 



geht. 



* 



124 



Ileinr ich Ttatlihe, 



Stämme auch unter vcrscliicdcnen Namen aufgeführt werden müssen. Nun ist derjenige, welcher 
bei manchen Säugethieren , Schhmgcn und Sauriern vorkommt, in so fern, als er auf dem 
Wege einer vorschreitenden, dagegen der bei vielen Vögeln vorkommende auf dem Wege einer 



rückschreitenden Metamorphose seine Entstehung erhält, als der bedeutsamere oder vorneh- 
mere zu betrachten. Aus diesem Grunde würde ihm daher der Name einer Carotis pri- 
maria bekssen werden können. Eine andere Benennung aber würde für den erwähnten 
unpaarigen Gefässstamm mancher Vögel zu wählen sein. Und als solche schlage ich iw ihn, 
so wie auch für den gleichen unpaarigen Gefässstamm der Krokodile die Benennung* Carotis 
subvertebralis vor. Die beiden Aste, in w^elehe er sich vorn theilt, würden den Namen 
der Carotides communes behalten können. 

§. 56. Bei den Schildkröten, Schlangen, lUngelechsen und Schuppenechsen spaltet sich 
die Carotis cummunis — w^enn man nämlich bei denjenigen Schuppenechsen, welche Carotiden- 
bogen besitzen, von den absteigenden Theilen dieser Bogen absieht -— wahrscheinlich ohne 
Ausnahme gabelförmig in eine Car. externa und Car. interna, die letztere aber wieder p-abel- 
förmig in eine Gar. cerebralis und Art. (Carotis) facialis. Dagegen zeigt die Car. communis 
bei den Krokodilen, wie bei den Vögeln mid Säugethieren, in ihrer Theilung nach dem Kopfe 
liin erhebliche Verschiedenheiten. Zwar theilt sie sich wahrscheinlich bei allen Krokodilen 

unter den 



* » 



in vier Aste, welche Aste ich in dem erstem Abschnitte dieser Abhandlung- TS. 35 



j 



ö Ib^ 



Namen der Aa. inframaxillaris, maxillaris interna , temporalis und carotis interna aufgeführt 
habe, doch nicht bei allen in derselben Weise. Denn bei einem entspringen aus ihr dieselben 
einzeln in einer Beihe nach einander, bei einem anderen die Aa. inframaxillaris und maxiUaris 



interna zusammen mittelst eines kurzen besonderen Stämmchens, die A. temporalis aber in 
dem Winkel zwischen diesem Stämmchen und der Car. interna, bei noch einem anderen die 
beiden ersteren Arterien ebenfalls mit einem kurzen besonderen Stämrachen, die A. temporalis 



aber aus der Art. maxillaris interna, 
schaftlichen Carotis der 



Es fragt sich nun : 1 



• « 



wie diese Aste der gemein- 



und der Säugethiere zu 



Krokodile im Vergleich mit den Arterien der übrigen Eeptdien 
deuten seien, und 2) wie sich die Verschiedenheiten, welche bei 



den ersteren Beptilien die gemeinschaftliche Carotis in ihrer Verästelung zeigt, erldä 



lassen. 



xrcn 



1. Die Arteria infrainaxillaris der Krokodile hat denselben Verlauf und im Wesentlichen 
auch einen solchen Verbreitungsbezirk, wie bei den übrigen Beptilien die Car. externa, die aber 
bei diesen Thiercn nach vorhin gemachten Bemerkungen in dem Kopfe eine viel geringere 
Verbreitung erlangt hat, als bei den Säugethieren im Allgemeinen. Sie wird daher für gleich- 



bedeutend mit der für den Kopf nur schwach entwickelten Car. externa der übrigen Eeptilien 
zu erachten sein. Diejenige Arterie der Krokodile aber, welche ich unter dem Namen der 
Car. interna beschrieben habe, stimmt mit derjenigen Arterie der übrigen Pvcptilien, welche in 
genetischer Hinsicht der Car. interna der Säugethiere entspricht und desswegen auch für eine 
solche auszugeben ist, zwar darin übercin, dass sie einen Ast durch die Grundfläche der Hirn- 
schale zu dem Gehirn sendet, ist jedoch viel weniger Aveit verbreitet, als bei den übrigen Rep- 
tilien, da sie ausser dem Gehirn und der weichen Hirnhaut fast nur allein dem Auge und dessen 
Muskeln Blut zuführt. Um daher die übrigen Partieen des Kopfes, bis in Avelche sich jene 
beiden Arterien nicht verbreiten, so wie auch ausserdem zum Theil die Muskeln des Nackens 
mit Blut zu versorgen, haben sich bei den Krokodilen zur Ergänzung jener Gefässe die Aa. 
temporalis und maxillaris interna gebildet. Gesehen nun auf die Körpertheile, in welchen 






Unter sucliim gen ilher die Aoj-temcurzeln der Saurier, 



125 



sich diese beiden Arterien verbreiten, so vertritt die erstcre von ilmen liauptsäclilieh die Stelle 
des Eanuis cerviealis und der Eami orbitales, die letztere aber die Stelle der Eanii dentales 
der Art. faeialis der Scliuppenecli&en. Demnach vertreten beide die Stelle von verscliiedenen 
Zweigen des einen von den beiden Ästen, in welche bei den Sclmppencchsen die Car. interna 
ausgeht. Und ebenfalls ergibt sich auch bei einem Vergleich der Krokodile mit den ßingel- 
cchsen, Schhangen und Schildkröten, dass die Aa.temporalis und maxillaris interna der ersteren 
zusammengenommen die Stelle von verschiedenen ausserhalb der Schädelhöhle e-elea^enen 
Zweigen der Car. interna der letzteren Eeptilien vertreten. 



fe 



2. Wie sclion vorhin (§. 42) bemerkt worden, bilden sich bei den höheren Wirbelthieren 
aus den primitiven Aortenwurzeln für den Kopf zuvörderst zwei Paar sehr einfache Arterien, 
von denen das eine zunächst für das Gehirn und die Augen, das andere zunächst für die Zuno^e 
bestnnmt ist, und die sich als die ersten Anlagen der inneren und der äusseren Carotiden 
betrachten lassen. Für oinzchie andere in dor Entwiekelung begriffene Gebikle des Kopfes, 
wie ausserdem für einzelne Gebilde des Halses wachsen dann, je nach den verschiedenen 
Arten der höheren Wirbclthiere, entweder aus dem einen oder aus dem anderen Paar von 
diesen Arterien besondere Äste und Zweige hervor, in Folge wovon nunmehr bei einer Art 
die inneren, bei einer anderen Art die äusseren Carotiden eine grössere Verbreitung gewinnen. 
Auch wachsen mitunter, wenngleich nur selten, und zwar namentlich bei uianchen Vögeln und 
Krokodilen für eii^zelne Gebikle des Kopfes oder des Halses, die bei anderen höheren Wirbel- 
thieren von den äusseren oder inneren Carotiden Äste erhalten, solclie zwischen oder neben 
diesen aus den in der Entwiekelung begriffenen gemeinschaftlichen Carotiden hervor. Einen 
sein- hohen Grad von räumlicher Entwiekelung, ja vielleicht den höchsten unter allen Wirbel- 
thieren, erreichen nun diejenigen beiden Arterien, welche anfangs nur dem Hirn, der weichen 
Hirnliaut uud den Augen Blut zuführen, also die inneren Carotiden, bei den Schildkröten, 
Schlangen, Eingelochsen und Schuppenechsen, da sie bei denselben sich allmähhch durch alle 
-Tlicilc des Kopfes mit Ausnahme der in der Unter kiefergegend gelegenen, so wie auch überdies 
noch in dem Nacken verbreiten. Dagegen erreichen sie bei den Krokodilen nur einen gerino^en 
Grad von räumlicher Entwiekelung, indem sie bei denselben sich nur in dem Hirn, der weichen 
Hirnhaut, den Nasenhölilen, den Augen, einigen Augenmuskeln und kaum merklich in den 
Bcissmuskeln verbreiten. Dafür aber gewinnen in der Familie dieser Eeptilien die beiden 
anderen von den vier primitiven Arterien des Kopfes, diejenigen nämlich, welche zunächst 



für die Zunge bestiumit sind 



, also die äusseren Carotiden, mitunter eine desto grössere x\us- 
l^reitung, dadurch aber ein bedeutendes und äluilich grosses Übergewicht über die inneren 
Carotiden, wie bei vielen Vögeln uud Säugethieren. Dies ist besonders bei solchen Krokodilen 
der Fall, bei denen nach Beendigung des Fruchtlebens eine jede gemeinschaftliche Carotis 
nur in zwei xVste gespalten erscheint, von denen sieh der eine in die Aa. inframaxillaris, maxil- 
laris interna und temporalis theilt; denn dieser Ast kann für nichts anderes, als für eine äussere 
Carotis ausgegeben werden, deren zuerst entstandener Theil, nämlicb die A. inframaxillaris, 
^lie beiden anderen genannten Zweige ausgesendet hat. Bei solchen Krokodilen haben sich 
nnthin die äusseren und die inneren Carotiden nach einem Typus entwickelt, der auch bei 
^'lolcn \ögeln und Säugethieren zur Geltung gekommeii , und bei dem J\renschen und den 
meisten oder allen?) Affen, bei denen sich diese Arterien durch den Kopf und Hals am wei- 
testen verbreitet haben, am vollkommensten ausgeprägt ist, von demjenigen Typus aber, 
^velelier der Entwickehnig dieser Arterien bei den Schildkröten, Schlangen, lüngelechscn und 



126 



Ileinricli Batlihe. 



Scliuppenechsen im Allgemeinen zum Grunde liegt^ so bedeutend abweiclit, dass er für einen 
durchaus andern und jenem gleielisam entgegengesetzten angenommen Averden kann. Nicht 
bei allen Krokodilen haben jedoch die äusseren Carotidcn eine so betrachtlich grosse Aus- 
breitung ircwonnen, wie bei eiiup: en derselben. Vielmehr haben sie bei manchen sich nur etwas 



weiter und bei noch anderen gar nicht weiter in dem Kopfe ausgebreitet^ als bei den zu anderen 
Familien gehörigen Sauriern, den Schlangen und den Schildkröten. In diesen Fallen aber 
haben die inneren Carotidcn dennoch keine weitere Ausbreitung, als bei jenen ersteren Kro- 
kodilen gewonnen, sondern es sind dann zwischen je einer inneren und äusseren Carotis zur 
Ere-änzunir der letzteren entweder ein besonderer Ast (bestehend aus den vereinigten Aa. 
maxillaris interna und temporalis) oder zAvci besondere Äste (eine A. maxillaris interna und 
eine A. temporalis) aus einer gemeinschaftlichen Carotis hervorgcwaclisen. Nach dem Ange- 
führten werden daher die Verschiedenheiten, welche bei den Krokodilen die gemeinschaft- 
lichen Carotidcn in ihrer Verästelung zeigen, als einige Ubcrgangsbil düngen von dem Typus^, 
nach welchem diese Arterien bei den übrigen Eeptilicn gebildet sind , zu einem andern 
Typus, der bei dem Menschen und den Affen am stärksten imd schärfsten ausgedrückt ist, zu 
erklären sein. 

. 57. Die Arteriae subclaviae zeigen in der Ordnung der Saurier, wie überhaupt 
bei den höheren Wirbelthicren, nachdem dieselben über ihre ersten Entwickelungsstadien hin- 
ausirclanp't sind, in ihren Verbindunrrcn mit anderen Abschnitten des arteriellen Systems bedeu- 
tende Verschiedenheiten. Es fragt sich daher, ob diese Verschiedenheiten ihren Grund darin 
haben, dass die Schlüsselbeinarterien je nach den Classen und Ordnungen der höheren AVirbel- 
thiere nach verschiedenen Planen angelegt, oder ob sie nur die Folgen späterer Entwickelungs- 

vorgänge sind? 

Untersuchunofcn, die ich über die EntAvickeluno- einio-er o^-rösseren Arterien bei dem 



^...^ , v^.w ^^j^ ^^/v.i. v^-L^ _..^xx^ ..^v^.v^v.^^..^ . .....^v... ^ 



Schweine, dem Schafe und dem Rinde angestellt habe, ergaben in Betreff der Schlüsselbein- 
Arterien Folgendes. In der linken Seitenhälfte wächst bei diesen Thieren hinter der Carotis 
communis, jedoch nicht weit von ihr entfernt, aus dem Ende der Anastomose, welche den vor- 
letzten mit dem letzten Gefässbogcn der linken primitiven Aortenwurzel verbindet und sich 
nachher zur äusseren (oder linken) Hälfte des Aortenbogens entwickelt, ein Blutgefäss hervor, 
das sich zu der ganzen linken Schlüssclbeinarterie ausbildet (Taf. VI, Fig. 2, ^, Fig. 4, ^ und k 
und Fig. 10, g und h). In der rechten Seitenhälfte wäclist an einer entsprechenden Stelle der 
anderen primitiven Aortcnwurzel zwar ebenfalls ein Blutgefäss hervor, doch entwickelt sich 
dasselbe nur zu einem Ast der rechten Schlüssclbeinarterie, nämlich zu einer Art. vertebralis 
(Taf. VI, Fig. 3, /, Fig. 4, h und Fig. 10, k). Ungefähr gleichzeitig oder niclit um Vieles 
später wächst etwas weiter nach hinten aus dem einfach canalförmigen Endstück der rechten 
primitiven Aortenwurzel ein anderes Blutgefäss hervor , das als eine Art. axillaris geraden 
Weges in das rechte Vorderbein übergeht (Taf. VI, Fig. 3, m und Fig. 10,/). Ist dies geschehen, 
so vergeht sowohl die hinter dem so eben angeführten Blutgefäss befindliche Hälfte des canal- 

als auch der ganze letzte Gefässbogcn dieser 
Aortenwurzel, und es bilden dann die vordere Hälfte jenes Endstückes der rechten Aortcn- 
wurzel, das von demselben ausgesendete Blutgefäss, die Anastomose zwischen dem letzten und 
vorletzten rechten Gefässbogcn und die von demselben ausgesendete Art. vertebralis zusammen- 
o-enommcn die rechte Art. subclavia. Diese aber und die reclite Carotis communis erscheinen 
nunmehr als Äste eines kurzen Gefässstanmies, der eine Art. anonyma darstellt und der stärker 



förmigen Endstückes der rechten Aortenwurzel 



7 



\ 



\ 



Uoitersiiclmngen über die Aortenwurzeln der Saurier, 



127 



\ 



erweiterte vorletzte oder ursi3runo-licli vierte Gefässbogen einer früher vorlianden gewesenen 
rechten Aortenwurzcl ist. Überliaupt aber gewährt nunmclir bei dem Sclnveine, dem Schafe 
und dem Einde der in der Brusthöhle gelegene Thcil des arteriellen Systems ein oben solches 
Aussehen, wie bei dem Menschen in der Eegel der ihm entsprechende Thcil, nachdem er über 
die ersten Stadien seiner Entwdckelung hinaus gelangt ist, das ganze Leben hindurch. Nament- 
lich findet man bei ihnen jetzt einen Aortenbogen, von dem, wae gewöhnlich bei dem Menschen, 
in einer Eeihenfolgc von links nach rechts eine Art. subclavia, eine Carotis communis und 
eine Art. anonyma ausgehen. Nach einiger Zeit aber verändert sich bei den verschiedenen 
Thierartcn, welche oben genannt worden sind, das angegebene Yerhältniss dieser Arterien zu 
der Aorta und zu einander selbst, indem sie theils inFolge einer Verkürzung des Aortenbogens 
zusammenrücken, theils auch einige von ihnen (Sch^vcin) oder alle (Schaf und Emd), wo sie 
von dem Aortenbogen abgehen, verschmelzen und aus demselben einen neuen, ihnen gemein- 
samen Arterienstamm ausspinnen'). Es lässt sich demnach mit grosser Wahrscheinlichkeit 
annehmen dass bei den Säugethieren im Allgemeinen die Schlüsselbeinarterien, wie die Caro- 
tiden nach einem und demselben Plane angelegt Averden, dass aber w^ährend der individuellen 
Entwickcluno' der genannten Thierc je nach den verschiedenen Arten derselben dieser Plan 
in einer sehr verschiedenen Weise abgeändert Avird. 

Wo und wie sich die Schlüsselbeinarterien bei den Vögeln bilden, habe ich zwar an 
Embryonen des Ilaushuhns zu ermitteln gcsuclit, doch darüber nichts Befriedigendes erfahren 
können. Nach einer Abbildung, die v. Baer gegeben hat, sollen sie bei dem Hühnchen aus 
den beiden ursprünglich dritten Gefässbogen der (primitiven) Aortenwau-zeln da hervor- 
Avachsen, avo von diesen Bogen in einer frühen Zeit des Eruchtlebens hoch oben zAvei paarige 
Anastomosen nach hinten abgehen, um dieselben mit den beiden nächstfolgenden Gefässbogen 
zu verbinden'). Allein Avenn dies der Fall Aväre, so Avürden bei dem Huhn die Aa. subclaviae 
nicht zusannnen mit den gemeinschaftlichen Carotiden als Äste zAveier Aa. anonymae erscheinen 
können, sondern Avürden von den inneren Carotiden abgehen müssen, da nach meinen Beob- 
achtungen bei dem Plühnchen der ursprünglich dritte Gefässbogen einer jeden Aortenwurzel, 
Avie bei den Schlangen und den Säugethieren, zu dem hinteren Thcile einer Carotis interna 
v/ird. Demnach müssen sie bei dem Hühnchen oder überhaupt den Vögeln an anderen Stellen 
der Aortenwurzeln entstehen, als an welchen sie nach v. Baer s Ansicht sich zu bilden beginnen 
sollen, und zAvar hinter dem dritten Paar Gefässbogen. Hinter diesen nun aber vergehen bei 
dem Hühnchen die Anastomosen, welche sie mit den beiden nächstfolgenden verbinden, und 
entAvickeln sich die Gefässbogen des fünften Paares theils zu den beiden Asten der Lungen- 



arteric theils zusammen mit dem Endstück der linken Aortenwurzcl zu zAvei an Länge sehr 
uno-leichen Botallischen Gängen, w^elche Gänge ebenfalls, wie jene Anastomosen, späterhin ver- 
o-ehcn (S. 39). Es kann also auch aus keinem von diesen Abschnitten oder Elementen der 
AorteuAvurzeln eine Art. subclaAua ihre Entstehung nehmen. Sieht man nun auf die übrigen 
hinter den Gefässbogen des dritten Paares liegenden Abschnitte der Aortenwurzeln, so ent- 
wickeln sich bei dem Hühnchen von der rechten AortenAvurzel , Avic bei den Säugethieren von 
der linken, der vierte Gefässbogen, die ihn mit dem fünften vereinigende Anastomose und das 



\ 



iMii Näheres liljcr die Entwickclung der Arterien, welche bei den ohcn genannten 
abgehen, habe ich angegeben in Müiler's Archiv. Jahrgang 1Ö43. S. 276—302. 
Die Physiologie als Erlahrungswissenschaft von K. F. Burdaeli. Bd. II, Taf. IV, 



Säugethieren 



von dem Bogen der Aorta 



Fig. 3. 



128 



Ileinrich Hatlihe. 



einfacli geformte Endstück zu dem Bogen der Aorta (Taf. VI, Fig. 9, e, e), derjenige Abschnitt 
der rcclitcn Aortenwurzel aber, durcli welchen der dritte und vierte rechte Gefässbogen an 



1 



ihrem unteren Ende verbunden sind, zu (uncm langen Goiassstamm, dessen Ac{ulvalcnt bei 
den Säuö^ethieren die rechte Carotis communis ist. Es wird daher bei dem Hühnchen die rechte 
Art. subclavia nur entweder aus einem von jenen Abschnitten der rechten Aorten Avurzel, die 
sich zusammengenommen zu dem Bogen der Aorta entwickeln, oder aus demjenigen Abschnitte, 
der sich zu einem langen Arterienstamm ausbildet, ihre Entstehung nehmen können, und zwar 
in der Art dass sie als ein Scitenzwcig daraus hervorwächst, worauf dann, wenn das Letztere 
der Fall wäre der hinterste Theil des erwähnten Arterienstammes als eine Art. anonyma, der 
übrige oder längere als eine Carotis communis erscheinen würde. Aus Gründen der Analogie 
aber, welche in der Entwickelung der Vögel und Säugethiere stattfindet, dürfte nicht sowolil 
das Letztere j als vielmehr das Erstere der Fall sein. Mit ziemlicher WaJirschcinlichkcit Avird 
daher anzunehmen sein, dass bei den:i Flühnchen oder überhaupt den Vögeln die rechte Art. 
subclavia, wie bei den Säugethicrcn die linke, zwischen dem vierten und fünften Gefässbogen 
ihrer Seite aus der Anastomose, welche diese Gefässbogen verbindet und später einen Theil 
des Aortenbogens darstellt, seitlich hervorwächst (Taf.VI, Fig. 9,/), dass darauf die zwischen 
den Ursprungsstellen der so entstandenen neuen Arterie und der gemeinschaftlichen Carotis 
derselben Seite befindliche vordere Hälfte des Aortenbogens, wie bei manchen Säugethicrcn, 



nicht weiter an Länge zunimmt, sondern sich gegentheils immer mehr verkürzt, bis endlieh 
diese beiden Arterienäste an ihren Ursprüngen zusammentreffen, und dass, Avenn solches 
geschehen, die beiden genannten Arterienäste aus der Aorta eine Art. anonyma als einen ihnen 
gemeinsamen Stamm ausspinnen. Die Imke Art. subclavia wird bei dem Hülnichen oder über- 
haupt den Vögeln nach den oben gemachten Bemerkungen nur entweder aus dem vierten 
Gefässbogen der linken Aortenwurzel oder aus demselben und der Anastomose, welche ihn mit 
dem fünften Gefässbopfcn derselben Seitenhälfte vereinigt, entstehen können. Wenn sie nun 



dass 



sich nur allein aus dem vierten Gefässbogen bildete, so würde dies dadurch geschehen können, 

sich derselbe theils erweiterte und verlängerte, theils aus seinem oberen Ende für den 
linken Flügel eine xirterie als eine Fortsetzung von sich aussendete. In dem anderen Falle 
würde sie dadurch gebildet werden können, dass die Anastomose, die von jenem Gefässbogen 
zu dem folgenden hingeht, einen SeitenzAveig zu dem linken Flügel hinsendete und sich 
zusammen mit jenem Bogen erweiterte und verlängerte (l'af. VT, Fig. 9, Ä, li). In dem cnien 
ie in dem anderen Falle aber würden die Art. subclavia und die Carotis communis der linken 



z 



w 



Seitenhälfte anfänglich dicht neben einander von der Aorta abgehen, also zu einander sich in 
einem solchen Vefhältniss befinden, dass sie ohne Weiteres aus der Aorta eine Arteria ano- 
nyma für sich ausspinnen könnten. Dass indess niclit der erstere, sondern der letztere Fall 
Statt findet, dürfte mit Wahrscheinlichkeit auf Grund der Analogie in der EntAvickelung der 
Vö-^'-el und Säugethiere anzunehmen sein, indem bei den Säugethieren an der Bihhmg der- 



jenigen Art. subclavia, welche der anderen Seitenhälfte, als der Aortenbogen angehört, nicht 
nur der vierte Gefässbogen dieser Seitenhälfte, sondern auch seine nach liinten gehende Ana- 
stomose einen Anthcil nimmt (Taf. VI, Fig. 3 und Fig. 10). Völlig in derselben Weise, wie die 
linke Art. subclavia der Säugethiere, würde sich freilich die ilu' in Hinsicht der Lage zu dem 
Aortenbogen entsprechende rechte Art. subclavia der Vögel selbst in dem letzteren Fall nicht 
bilden können, sondern nur in einer ähnlichen, da sich bei den Säugethieren an der Darstellung 
der dem Aortenbogen gegenüber liegenden Art. subclavia auch das Endstück der Aortenwurzcl 









JJntersucltungen über die Aortenicurzeln der Saurier. 



129 



derselben ScMteiiliälfte betlieiligt, bei den Vögeln aber dies nicJit gesclielien kann , weil bei 
ihnen das Endstück derjenigen Aortcnwurzel , aus welcher sich 



gegenüberliegende Art. subclavia 



die dem Aortenbogen 
entwickelt, zu der hinteren grösseren Hälfte des einen 



Botallischen Ganges Avird (Taf. VI, Fig. 9, Z). 



Zu den über die linke Schlüsselbeinarterie der Vögel gemachten Äusserungen muss ich 
noch bemerken, dass ich bei dem Hühnchen an dem sechsten, besonders aber an dem sieben- 
ten Tage der Bebrütring linkerseits den ursprünglich vierten Gefässbogen im Verhältniss zu 
dem dritten und fünften dünner fand, als an dem vierten und fünften Tage, und dass er an 
dem siebenten Tage den Anschein gewährte, als wolle er vergehen. Ich vermuthe jedoch, 
dass er nicht wirklich in der Auflösung begriffen, sondern nur weiter von der Oberfläche 
des Körpers entfernt zu liegen gekommen und in Folge davon iiicht mehr so deutlich, wie 
früher, zu erkennen war. 

Bei den Krokodilen verhalten sich die iVa. subclaviae hinsichtlich ihres Ursprunges aus 
der rechten secundären Aortenwurzel, die in Betreff ihrer Lagerung und ihres Verlaufes dem 
Aortenbogen der A^ögcl entspricht, ähnlich wie bei denjenigen Vögeln, bei Avelchen eine 
an der linken Seite der Speiseröhre vorbeigehende Carotis subvcrtcbralis vorkonnnt. Denn 
Avie bei diesen Vögeln der Aortenbogen, sendet bei dcji Krokodilen die rechte Wurzel der 
Aorta in einiger Entfernung von ihrem Ursprünge aus dem Herzen und ehe sie nacli hinten 
sich umbiegt zwei Aste aus, von denen der rechte in eine Art. subclavia und eine Art. colla- 
teralis colli, der linke in zAvei eben solche Arterien und die Carotis subvertebralis ausgeht. 
Dessenungeachtet kann bei den Krokodilen möglicherweise nur die rechte, nicht aber aucli 
die linke Schlüsselbeinarterie an einer ähnliclien Stelle und in einer älmlichen Weise aus der 
primitiven AortenAvurzel ihrer Seite entstellen, wie nach den oben gemachten Erörterungen 
v^ahrschcinlich bei den Vögeln, weil sich bei jenen Beptilien der vierte linke Gefässbogen 
und die von ihm nach hinten gehende Anastomose, Avie bei den Eidechsen oder überhaupt den 
Schuppenechsen, zu der hinteren Hälfte der linken secundären AortenAvurzel entAvickcln. 

Ungeachtet der in'cht unerheblichen Verschiedenlieiten, AA^elclie die Schlüsselbeinarterien 
bei den Säugethicren, Vögeln und Krokodilen nach erlangter Ausbildung in Hinsicht ihres 



Ursprunges bemeiken lassen, stimmen sie doch bei allen diesen Thieren darin überein , dass 
sie bei denselben zu beiden Seiten des Systems der Carotiden (einer Carotis subvertebralis 
oder zAveier Carotides communes) entspringen. Bei den Schuppenechsen aber zeigen die 
Sclilüsselbcinarterien von den gleichnamigen Gefässcn dieser höher stehenden Wirbclthiero 

Abweichung, indem sie bei denselben 



in der ano*ef(ihrten Hinsicht eine bedeutend grosse 



sei es 



nur zur rechten Seite des Systems der Carotiden entspringen, nämlich beide — 
getrennt von einander, oder mittelst eines ilnien gemeinsamen Stammes — aus der rechten 
secundären Aortcnwurzel hinter der Stelle, avo von iln^ die beiden gemeinschaftliclien Caroti- 
den abgelic]!. 

Der Plan, nach welchem bei den Schuppenechsen die Schlüsselbeinarterien angelegt 

Averden, kann also nicht ein solcher sein, als Avonach die gleichnamigen Blutgc'fässc bei den 
Säugethieren , oder den Vögeln, oder den Krokodilen gebildet Avcrdcn, sondern ist davon 

ganz A^erschieden. 

In Betreff der Stelle, an Avelcher bei den Schuppenechsen die Sehlüsselbeinartericn 

entstehen, kann ich anführen, dass sie aus dem einfachen Endstück der rechten pi-imitive]i 

AortenAvurzel hinter dem fünften Gefässbogen dieser AortenAvurzel hervorAvachsen. Denn bei 

Denkschriften der matliem. -natura. Tl. \"ITT. V,i\ Aiihandl. v. Nichimitgl. r 



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130 



Ileinricli BatJike. 



selir jungen Exemplaren von Tejus Teguixin und Laecrta agilis, wie aucli bei einigen fast 



reifen Embryonen eines Scineiden (wahrsclieinlieh einer Euprepis) sab icii die genannten 
Arterien ziemlicb weit binter dem rccbten Ductus Botalh* und in der Nabe des bintern Endes 
der rccbten secundären Aortcnwurzel von dieser abgclien. 

§. 58. Bei der Abfassung des zweiten Tbeiles dieser Scln^ift ging meine Absiebt baupt- 
säcblicb dabin, zu ermittebi und anzugeben, Aveldie morpbologiscbe Bedeutungen den grös- 
sern Hals- und Kopfartcricn der vcrscbicdcnartigen Saurier beizulegen sein dürften. Indem 
ich aber bei der Ausfübrung meines Vorbabens diese Gefässe der Saurier sowobl mit den aus- 
gebildeten, als ancb mit den in der Entwickelung begriffenen Hals- und Kopfarterien anderer 
böheren Wirbel tili er e verglicb, babe icb gelegentlicb noch Manches angeführt, was zwar 
für den Zweck, den ich verfolgte, nicht gerade nöthig war, doch zur Gewinnung einer Ein- 
sicht in die allgemeinen und besonderen Plane, nach denen bei den böbei-en Wirbelthieren die 
Arterien ihrer vorderen Körperhälfte gebildet worden sind, Etwas beitragen könnte. 

F 

Die Bemerkungen nun, welche in dieser Abhandlung die Plane betreffen, nach denen 
bei den höheren Wirbelthieren einige von ihren grösseren Arterien gebildet worden sind, will 



ich jetzt noch schliesslich einer leichteren Übersicht ^YQg(i\\ in den nachstehenden Sätzen kurz 
zusammenfassen. 

1. Wie der Körper der Wirbelthicre im Ganzen, so wird auch deren arterielles System 
insbesondere nach einem allgemeinen, für alle diese Thiere geltenden Plane angelegt. Denn 
nach den bisherigen Erfahrungen zu urtheilen, bestellt dasselbe bei ihnen allen zu einer 
gewissen , und zwar sehr frühen Zeit des Fruchtlebens aus einem kurzen von dem Herzen 
ausgelienden Stamm (dem Truncus arteriosus communis), einem viel läugeren in dem Pumpfe 
unter der Eückenseite gelegenen zweiten Stamm (dem Stamm der Aorta) und zwei Reihen 
hinter dem Munde befindlicher, auf beide Seitenhälften des Körpers paarweise vertheilter 
und mit der Axe desselben sich kreuzender bogenförmiger Gefässe, in die der erstere 
Stamm ausgeht und die nach hinten in den letzteren Stamm übergehen, für den sie, jeder- 
seits mit einander wieder vereinigt, gleichsam zwei besondere Wurzeln darstellen. 



9 



Aus diesen beiden primitiven Aortenwurzeln und dem Truncus arteriosus communis 
entwickeln sich darauf theils unter einer vorschreitenden, theils unter einer rückschreitenden 
Metamorphose einige anders gestaltete Abtheilungen des arteriellen Systems, deren Zahl und 
Form aber bei den verschiedenen Arten der Wirbelthiere verschieden ausfällt. Bei den höheren 
(über den Batrachiern stehenden) Wirbelthieren bilden sich daraus namentlich eine entweder 
enifache oder doppelte vordere Abtheilung der Aorta, eine Liingenartcrie, ein System von 
Carotidcn, eine einfache oder doppelte Yertebralarterie und meistens auch ein Paar Sclilüs- 
selbeinarterien. 

3. Der Truncus arteriosus communis theilt sich der Länge nach entweder ia zwei oder 
in drei Canäle. In dem erstcrcn Fall (Säugethiere und Vögel) setzt sich der eine von ibnen in 
die beiden Gefässbogen des vierten von den fünf Paaren solcher Bogen fort, die bei allen 
höheren Wirbelthieren die primitiven Aortenwurzcln darstellen helfen; in dem letzteren Fall 
aber (Peptilien) setzt sich einer von jenen Canälen in den rechten, der andere in den linken 
vierten Gefässbogen fort. Darauf vergeht in dem erstcren Fall der eine vierte Gefässbogen, 
indess sich der andere und der Canal, von dem er als eine Fortsetzung crscbeiiit. 
Bogen und einem aufsteigenden Theil der Aorta entwickeln; in dem letztern Falle aber 
nehmen die beiden Gefässbogen des vierten Paares nebst den zwei Canälen, als deren 



zu einem 



_/ 






Untersuchungen über die Aorteniourzeln der Saurier. 



131 



Fortsetzungen sie erscheinen , 
Paar Bogen und aufsteigenden 



immer mehr an Grösse zu imd entwickeln sich zu einem 
Theilen der Aorta oder den sogenannten secundären Aorten- 



IV 



urzel 



n. 



4. Der andere oder der dritte von den CanäleUj in wek-he sich der Truncus arteriosus 
thcih, setzt sich in das fünfte Paar Gefässbogen fort. Von diesen Bogen aber sendet entweder 
ein jeder (Saurier und Vögel) einen Zweig zu der Lunge seiner Seite hin und es entwickeln 
sich darauf dieselben nebst ihren Zweigen und jenem Canal zu der Lungenarterie, oder es 
sendet nur einer von ihnen (Schlangen und Säugethiere) einen Zweig aus, der sich gabelförmig 



theilend auf beide Lungen übergeht, 



und entwickelt sich darauf mit diesem Zweige und 
jenem erst erwähnten Canal zu der Lungenarterie, indcss der andere fünfte Gefässbogen 

vergeht. 

5. Das System der Carotiden entwdckelt sich bei den höheren Wirbeltliieren aus denjeni- 
gen Absclmitten der primitiven Aortenwurzeln, welche vor dem vierten Paar Gefässbogen 
entstanden waren, und ward bei ihnen allen nach einem und demselben Plane angelegt. 
Dieser ist von der Art, dass das genannte System von Arterien im AVcsentlichcn zwei aus der 
Aorta geschieden von einander entspringende, auf beide Seitenhälften des Körpers vertheilte 
und neben den Nervi vagi verlaufende symmetrische Arterienstämme (Aa. carotides communes 
darstellen sollte, von denen ein jeder in zw^ei freie, nicht ^an andere grössere Arterien gebun- 
dene Endäste (A. Carotis externa und A. carotis interna) ausliefe. 

6. Bei den meisten Schuppenechsen wird jedoch dieser Plan nicht vollständig zur Aus- 
führuno- ü-cbracht, sondern es bleibt bei ihnen die Car, interna durch eme Anastomose, die 
ein Theil von einer primitiven Aortenwurzel ist und bei den übrigen höheren Wirbeltliieren 
nur in der frühesten Zeit des Fruchtlcbens bemerkt wdrd, für immer mit der Aorta verbunden. 
Die Ursache von diesem Stehenbleiben der Car. interna auf einer niederen Entwickelungsstufe 
lieo't, wenn auch nicht allein, so doch zum grossen Theil darin , dass sich bei den meisten 
Schuppenechsen der Hals nur wenig verlängert und das Herz sich von demselben nicht 



erheblich nach iiinten entfernt. Dass dem so ist, ergibt sich besonders bei einem Vergleich de 
schlano-enförmio-en Schuppenechsen mit den Schlangen und mit den ihnen in der Gestalt eben 



r 



falls sehr ähnlichen Eingelechsen. 



7. Bei vielen von denjenigen höheren Wirbeltliieren, bei w^elchcn der Plan, nach dem sich 
das Carotidensystem gestalten soll, vollständig zur Ausführung gebracht wird, erhält jedoch 
derselbe Avährend der weiteren Entwickelung des Körpers mancherlei bedeutende Abände- 

^^b*^esehen davon, dass die Stämme dieses Systems, oder die gemeinschaftlichen Caro- 



rungen. x 



tiden bei verschiedenen Arten von höheren Wirbeltliieren eine verschiedene relative Länge 

7 

<Tcwinnen und dabei nicht selten für mehrere Theile des Halses Seitenzweige von verscLle- 

dcner Stärke aussenden, so bleibt 

J. bei vielen Schlangen die rechte gemeinschaftliche Carotis in der Zunalime an Weite 
dermassen hinter der Knken zurück, dass sie dieser nachher an Weite um Vieles nacli- 
steht, und wird bei noch anderen Schlangen in ihrem mittleren grössten Theil sogar völlig 

aufgelöst. 

B. Bei einio-cn Papageien trennt sich die rechte gemeinschaftliche Carotis in ihrem mitt- 
leren grössten Theil von dem Nervus vagus ihrer Seite, biegt sich nach oben und innen gegen 
die HalsAvirbel aus und kommt zum Theil unter denselben zu liegen, indess die linke ihren 



ursprünglichen Verlauf für immer beibehält. 



.. 'M 



■ * 



132 Ilelnr lall llatltke. 

C. Bei vielen audcren Vögeln biegen sieli beide gemeinsebaftliehe Carotiden in derselben 
Weise j Avio bei manctien Papageien nur die reebtc^ naeli oben und innen aus und konmieu 
unter den Halswirbedn auf einer längeren oder kürzeren Streekc ihres A^erlaufes dielit neben 

einander zu liegen. 

D. Bei noeli anderen Vögeln verändern beide genieinseliaftliehe Carotiden nicht mir in 

derselben Weise^ wie bei jenen^ ihren ursprünglichen Vcrhiuf und Lage, sondern verschmelzen 
auch, mit einander in ihrer Mitte zu einem einfachen Stamm, worauf dann in der Regel der 
innter der Verschmelzungsstelh^ gelegene Theil der recliten durch eine Eesorption vollständig 
verloren o-(dit. Eben dasselbe ist wahrscheinlich auch der Fall bei den Krokodilen im 

Alli>-emeinen. 

E. Unter den >Schlangen und Schuppenochsen, bei denen die gemeinschaftlichen Caro- 
tiden anfänf^-lich dicht neben einander von der rechten secundären Aortenwurzel abgehen^ 

F 

spinnen bei vielen Arten die beiden ersteren, indem sie und die letztere allmählich ausein- 
anderweichen, aus dieser einen mehr oder weniger langen, ihnen beiden gemeinschaftliehen 
Stamm oder eiiio Carotis primaria aus. Wahrscheinlich auf dieselbe AVeise wird auch die 
Carotis primaria der Pungelechsen gebildet. 

E Unter den Säugethleren., bei denen anfänglicli wohl jedenfalls die rechte gemein- 
schaftliche Carotis für sich allein, die linke in Gemeinschaft mit der Schlüsselbeinarterie ihrer 
Seite mittelst einer Art. anonyma von dem Bogen der Aorta abgeht, rücken bei einigen 



Arten die beiden gemeinschaftlichen Carotiden nebst der linken Schlüsselbeinarterie, indem 

und der links von ihr gelegene Theil des Aortenbogens bis zum 



die Arteria anonyma 



Versehwinden verkürzt Avorden, dicht zusammen, worauf sie mit der linken Scldüsselbein- 
artcrie sich aus dem Aortenbogen einen mehr oder weniger langen gemeinsamen Stanun 

ausspinnen. 

6r. Bei Delphinus Phocaena, bei dem wohl ohne Zweifel in einer frühen Zeit des Frucht- 
lebens wie bei anderen höheren Wirbelthieren, ein Paar gemeinschaftliche Carotiden vorhanden 
oder doch angedeutet sind, gehen dieselben nachher durch eine Verkürzung völlig verloren; 
ist dies geschehen, so gehen bei ihm die innere und äussere Carotis einer jeden Seitenhälfte 

neben einander von einer Art. anonyma ab. 

8. Eine noch viel grössere Mannigfaltigkeit in ihrem Verhalten, als die gemeinschaftlichen 
Carotiden, gewinnen in der Gruppe der höheren Wirbelthiere während der EntAvickelung der- 
selben die beiden Endäste, in die ein jeder von diesen Arterienstämmen ausgeht, also die innere 
und die äussere Carotis. Denn bei den verschiedenen Arten der höheren Wirbelthiere sendet 
nicht nur der eine wie 'der andere ehie verschiedentlich grosse Zahl von untergeordneten 
Ästen ausj die sieb wieder verschiedentlich verbreiten, sondern es geht auch bei denselben, je 
nach deren Arten, zu manchen Gebilden des Kopfes bald ein Ast von dem einen, bald ein Ast 
von dem anderen hin. Ursprünglich sind 

A, die äusseren Carotiden, wie es allen Anschein hat, nur für die Zunge und die Ecgio 
submaxillaris bestimmt. Dieser Bestimmung aber bleiben sie nur bei einigen Vögeln treu. 
Meistens breiten sich dieselben auch nach verschiedenen Thellen des Halses und häufig auch 
nacli anderen Theilen des Kopfes, als nach denen der Eegio submaxillaris und nach der Zunge 
aus doch in einem Falle mehr, in einem anderen weniger. Verhältnissmässig am weitesten ver- 
breiten sie sich bei dem Menschen und einigen ihm zunächst stehenden Säugethieren, indem 
sie bei denselben einerseits verschiedenen Theilen des Halses, andererseits fast allen ausserhalb 



j ■ B^k« H-A E ^a-^-lll-n. 



It 



?; 



Untersucliungen nher die Aorteniourzehi der Saurier. 



133 



r 

der Hiniscliale gclogcncn Tlieilcn des Kopfes und selbst der harten Haut des Hirns Zweige 
zusenden. Dai>'eg*en bleiben 

B. die inneren Carotidei] nur bei wenigen höheren Wirbcltliieren, so namentlieh bei dem 



Menselien und einigen ihm zunächst stehenden Säugethieren, fast nur allein für das Gehirn, 
die weiche Haut desselben und die der Scliädelluilde zunächst gelegenen SinnesAverkzcuge 
bestimmt'), sondern verbreiten sich bei den meisten auch an manchen anderen, doch je nach 
den Arten dieser Thierc der Zahl und Lage nach gar seln^ verschiedenen Theilcn des Kopfes, 
ja bei einigen, Avie namentlich bei manchen Sauriern, Vögeln und Säiigethieren (Maulwurf, 



Igel , 



Ibis, Bär, Rieber, Springmaus) selbst an etlichen Muskeln des Hinterkopfes vmd 



Nackens, 



9. Beschränkt wird bei vielen Säugethieren und einigen Vögeln die Ausbreitung der 



äusseren 



bei manchen anderen von diesen Tliieren die Ausbreitung der inneren Carotiden, in 



Folge davon aber die Mannigfaltigkeit in der Anordnung der Kopfarterien bei den höheren Wir- 
belthiercn im Allgemeinen noch mehr vergrössert durch den Umstand, dass bei ihnen die 
gemeinschaftlichen Carotiden vor ihrer Spaltung in jene Endästc besondere Seitenäste an 
Thcile des Kopfes senden, die bei anderen solche von dem einen Paar jener Endäste erhalten. 
Als dero'leiclicn Seitenästc der gemeinschaftlichen Carotiden erscheinen z. B. die Aa. thyreoi- 
deae supcriorcs bei vielen Säugethieren und dem Keiher, die Aa. occipitales bei der Katze, 
dem Hunde, Pferde, Einde, Schafe, Hasen, Beiher und der Elster, die Aa. auricularcs postc- 
iores bei der Katze, dem Hunde, litis und Pferde, die Aa. maxillares internae bei dem Hunde, 



Htis, Hasen und MecrschAveinclien. 

10. Hie Arterien der vorderen Gliedmassen werden bei den verschiedenen höheren Wirbel- 
tliieren nach zwei verschiedenen Planen angelegt. Zwar bildet sich für diese Gliedmassen 
jedenfalls nur ein Paar besondere Artcricnstämme, die sich allmählich bis zu den Enden der- 
selben ausbreiten; bei einigen aber, namentlich bei den Schuppenechsen, wachsen beide 

hervor, anstatt dass bei den übrigen. 



Stännne aus der rechten primitiven AortenAvurzel 

wenn sie vordere Gliedmassen erhalten, wahrscheinlich olnie Ausnahme der eine Stanm 

aus der recliten, der andere aus der 



1 



linken primitiven Aortenwurzel seine Entstehung 



ninnnt. 



11. Dessgleichen werden die Vertebralarterien bei den verschiedenen höheren Wirbel- 



thieren nach verschiedenen Planen angelegt. Denn 



^ 



nur eine 



A. bei den Schlangen und atypischen oder schlangenartigcn Schuppenechsen bildet sicli 

solche Arterie, die sich jedoch mehr oder w^eniger weit von ihrem Ursprünge 



m z 



^.Avoi auf beide Seitenhälften des Körpers vertheilte synmietrische Aste spaltet, wogegen 



sich bei den meisten typischen Schuppenechsen, den Eingelechsen, Panzerechsen, Schild- 
kröten Vöo-elnund Säuo-ethiercn zwei auf beide Seitenhälften des Körpers vertheilte Vertebral- 
Arterien bilden für die aber bei manchen typischen Schuppenechsen wahrscheinlich nach- 
her noch aus dem Boden, aus Avelchcm sie hervorgesprossen waren, ein kurzer ilmen gemein- 
schaftlicher Stamm nachwächst. Aiicli ist bei den höheren AVirbelthieren der Plan für die 
Bildumi der Vertebralarterien noch insofern verschieden, als 



J) Die Aa. auditivao internae cntsprin-on zwar gewöhnlich aus der unpaarigen Art. basilaris; diese aber hat sich ent^veder 
nur allchi oder doch grossentheils aus zweien von den Aa. carotides internae ausgesendeten Ästen entwickelt. 



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134 



, Heinrich Ratlike. 



B. 



unter denjenigen , welclie zwei dergleiclien Blutgefässe erhalten, dieselben, wie die 
beiden für die vorderen Gliedmassen bestimmten Arterienstämme, bei einigen, namentlich bei 
den Sclmppcneclisen und den Eingelechsen, nur aus der rechten primitiven Aortenwurzel, 
bei anderen hingegen gesondert aus beiden primitiven Aortenwurzeln hcrvorwaehsen. 



_ 1 





Nachträgliche Bemerkungen. 

4 

Nachdem diese Abhandlung bereits der Akademie vorgelegt worden war, bot sich mir 
eine Gelegenheit dar, ein Exemplar von Psammosaurus griseus (das eine Länge von 22 Zoll 
hatte) injiciren und zergliedern zu können. Auch bei ihm fand ich nun unter der EUckenwand 
des Rumpfes einen solchen aus longitudinellcn Bündeln glatter Muskelfasern zusammengesetzten 
Strang, wie ich früher bei den Varanen gesehen und in dieser Abhandlung (§. 5) beschrieben 
hatte. Derselbe begann unter dem Körper des vierten Eumpfwirbels, Hess an ähnlichen Stellen, 
wie bei den Varanen, die Aortenwurzcln durch sich hindurchgehen und bildete gleichfalls, wie 
bei jenen, grösstcntheils eine Scheide für die aus der linken Aorten wurzcl entsprungene Arterie 
des Darmcanals und deren verschiedene Äste mit Ausnahme von einem. Dieser nicht von einem 

den die erwähnte Arterie, wie bei Varanus 



Theil dos Muskelstranges 



eingescheidetc Ast 



. niloticus, gleich nach ihrem Ursprünge aus dem Ende der linken Aortenwurzel entsendet 
hatte, war aber nicht, wie Corti angegeben hat, nur allein für den hinteren Theil der 
Speiseröhre bestimmt, sondern verliielt sich in seiner Verzweigung gerade so, wie bei den 
Varanen (§. 7), spaltete sich nämlich in zwei an Dicke sehr ungleiche Zweige, von denen 

sich der schwächere auf der Speiseröhre, der stärkere auf dorn vorderen Drittel des Magens 
verbreitete. 

Ein anderes System von glatten Muskelfasern, das bei dem Psammosaurus griseus in 
besonderen Duplicaturen des Bauchfelles vorkommt, ist vor einigen Jahren — wie ich erst vor 
kurzer Zeit erfahren habe ~ von Brücke entdeckt worden. Eine Beschreibung von der Lage 
und Verbreitung dieses Systems ist in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissen- 
schaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien (Bd. VII, Seite 246 
und 247) gegeben worden. Dasselbe befindet sich in zwei in einander übergehenden Dupli- 
caturen des Bauchfells, von denen die eine die Leber mit dem Magen, die sehr viel längere , 
andere die Leber mit der Bauchwand des Rumpfes verbindet, beginnt an den Schambehien, 
verläuft von ilmen, einen massig dicken Strang darstellend, zu der Leber und verzweigt sich 
weiter nach vorne in den erwähnten beiden Duplicaturen des Bauchfells. Von dem vorhin 
angeführten System glatter Muskelfasern , das von der Rückenwand des Rumpfes abgeht und 
sieh in dem Gekröse verbreitet, ist es durch den Darmcanal geschieden, steht also mit ihm in 
keinem unmittelbaren Zusammenhange. Ein ähnliches System von Muskelfasern aber, wie 
dieses bei dem Psammosaurus griseus v. Brücke entdeckte, liabo ich unlängst auch bei Varanus 
niloticus, Var. bivittatus und mehreren anderen Schuppcnechscn, bei denen ich danach suchte, 
namentlich selbst bei etlichen schlangenförmigen gefunden, wesshalb sieh denn mit Wahr- 
scheinlichkeit annehmoii lassen dürfte, dass ein solches System von glatten Muskelfasern — 



4 



^ 



Unter suclmngen üher die Aortenwurzeln der Saurier, 



135 



das übrigens eine auf der Baucliwand von dem hintersten Theil der Rumpfliölile zu der Leber 
gehende Vene (die V. abdominalis) scheidenartig einschliesst — bei allen Schuppenechsen, 
wenngleich unter verschiedenen Modificationen, vorkommt. Ausserdem au(di habe ich jetzt bei 
ziemlich vielen Schuppeneciisen, die zu anderen Familien als zu der Familie der Varaniden 
gehören, in der grossen Falte des Bauchfelles, welche bei ihnen den lu'nteren Theil der Speise- 
röhre, den Magen und den Darm an die Eückenwand des Eumpfes befestigt, glatte Muskel- 
fasern ü-efunden. Doch waren diese bei ihnen in einer ganz anderen Weise geordnet, als bei 

den Varaniden. 

Ein N'äheres über die verschiedenen Systeme von glatten Muskelfasern, die bei den 
Schupp eneclisen in den angeführten und noch anderen Duplicaturen des Bauclrfelles vorkom- 
men, gedeidve ich später einmal bekannt zu machen. 

Koenigsberg am 1. Februar 1857. 



Eathke. 



4 



136 



II e i n /' i c Ji Rat k k c. 






ERKLÄRUNG DER TAEELiN. 



TAFEL I. 



i 



Fig. 1. Einige Eingeweide und Ülutgelassc einer Ampliisbacna alba, iWa um die Hälfte ilireö Umfangcö vergrösbcrt abgebildet 
sind; von der untern Seite angesehen: a. die Kammer des Herzens; h^ h. die Vorkammern deyyolben ; c. der Anfang der 
Lungensclilagader ; d^ d. die linke Aortenwurzel ; e, e. die rechte Aortenwurzel; /,/• die gemcinschal'tliciicn Carotidcn ; 
g. ein Thcil der Luftröhre ; h^lt. die vorderen Hohlyenen ; i. die hintere Hohlvene; li. ein Theil der linken Lunge. 

Fig. 2. Dasselbe Präparat von oben angesehen: a, a. ein Theil der Speiseröhre; h. ein Theil der Luftröhre; c. ein Tlioil der 
linken Lunge; d, die sehr kleine reohte Luuge ; e, e, der Staiuiu der Aorta; /. die Unke Aortcnwurzel; g. die reehte 
Aortenwurzel; li^ h. die aus dem absteigenden Theil der rechten Aortenwurzel entspringenden und auf den (hier nicht 
abgebildeten) Musculi longi colli verlaufenden Arteriae vertebralcsj die zur Seite gebogen dargestellt worden sind; {. die 
linke vordere Hohlvene; h. die rechte vordere Hohlvenc; L der Stamm der beiden Venae vertebrales; ni. die linke 
Yorkannner; n. die rechte Yorkanauer ; o. die Kammer des Herzens; ]). die hintere Hohlvenc. 

Fig. 3. Ein Präparat von dem Kopfe und Halse einer Ampliisbaena ve rmicul ar i Sj um rlie Hälfte vergrössert und von der 
rechten. Seite angesehen. Der dreieckige und fast rächerförmige Muse, sternomastoideus und einige an der P)auchseite 
befindliche Muskeln sind entfernt worden, a. Unterkiefer; h. Quadratbein; c. Hörn des Zungenbeins; d. ein kleiner 
KnocheUj der dem Schulterblatt anderer Saurier entspricht; -':'. Muse, geniohyoideus ; /. Muse, omohyoideusj von dem 
Schulterblatt abgetrennt und davon nach unten entfernt; g. Muse, temporalis ; h. Muse, apertor oris ; i,i. eine lange und 
dünne Muskelschicht, die von einer Faseie des Rückens nach unten gelit und sich an die Hautbedeckung ansetzt; 
h, h. Muse, trachelomastoideusj von dem vorigen zum Theil bedeckt; /. ein Muskel; der von den Haiswirhein zu einigen 
der vordersten Kippen geht und den Mm. scaleni anderer Wirbelthierc zu entsprechen scheint; m, m. Muse, longus colli; 
n,n. Speiseröhre; o. Luftröhre; 1. Carotis communis; 2. Ramus cervicalis der Car. communis; 3. Uamus spinalls der 
Gar. communis; 4. Carotis interna; b. Carotis externa. 

Fig. 4. Kopf, Hals und vorderster Theil des Rumpfes von Pseudopus Pallasii, in natürlicher Grösse. Ausser der Haut- 
bedeckung sind entfernt worden der Muse, latissimus colli, das ganze Schultcrgerüst nebst dem Brustbein, linkerseits der 
Muse, omohyoideus und rechterscits die oberflächliche grössere und an das zweite Zungenbeinhorn angelrcftete Partie des 
M. geniohyoideus, wie auch der M. omohyoideus und der M. sternoliyoideus. Ausserdem sind die Bauchwandung des 
Rumpfes und ein Theil der Seitcnvvandungen desselben abgeschnitten worden, a. Oberkiefer; b, h. Hnterlviefer ; c, c. vordere 
und d, d. hintere Hörner des Zungenbeins; e, e, die Mm. genioglossi; /. Mm. hyoglossi; g. die tiefere Schicht des rechten 

r 

M. geniohyoideus; g^\ die oberilächliche Schiclit des linken M. geniohyoideus; h, k. die Mm. pterygoidei externi ; ü 'lic 
Speiseröhre; h. die Luftröhre, die linkerseits ein wenig von dem M. sternohyoideus der linken Seitenhälfte bedeckt ist; 
l. die Thymusdrüse; m. der linke M. sternohyoideus; n, n. Mm. sternomastoidei; o. der rechte M. Icvator seapulae. 
(Von den Muskeln m, n und o sind nur die vorderen Hälften abgebildet.) p, jk die Vorkammern des Herzens; q. die 
Kammer desselben. — 1, 1. die Aortcnwurzeln ; 2, 2. die Carotidenbogcn ; 3. der Keld-Zungenast der rechten Seitenhälfte, 
von dem in der Abbildung zwei Äste angegeben sind, nämlich ein sich an der Speiserölire, und ein sich grossentheils 
an dem M. ptcrygoideus externus verbreitender Ast; 4. die Fortsetzung des rechten Kehl-Zungenastes zur Zunge; 5. ein 
Zweig des linken Kehl-Zungenastes, welcher Zweig zwischen dem M. sternohyoideus und dem unter diesem liegenden, 
aber nicht abgebildeten M. omohyoideus verläuft. 

Fig. 5. Dasselbe Präparat von Pseudopus Pallasii von der rechten Seite abgebildet: a. Eingang zum Ohr, 5. Muse, apertor oris, 
(das Analogen vom hinteren Bauche des M. digastricus des Menschen) ; c. M. sternomastoideus ; d. M. levator seapulae ; e. ober- 
flächlichcj und/, tiefe Schicht des M. geniohyoideus; g. M. ptcrygoideus externus; h. erstes und i. zweites Zungenbeinhorn; 
Je. Speiseröhre; l, l. Luftröhre; m. rechte Vorkammer des Herzens; n. Kammer desselben ; o. rechte vordere Hohlvene; p. hintere 
Hohlvenc. — 1. rechte Aortenwurzel j 2. aufsteigender und 3. absteigender Schenkel des rechten Carotidenbogens; 4. der 
Muskelast des Carotidenbogens; 5. der Kopfast und (>. der Kehl-Zungcnast des Carotidenbogens; 7. die .Fortsetzung des 
letzteren Astes zur Zunge; 8. der absteigende und in den Aortenstamm übergehende Tiieil der rechten Aortenwur/.el; 9. der 
Stamm der Aorta. 

Fig. 0. Eine Abtheiluiig des arteriellen Systems von Ameiva vulgaris, zweimal vergrössert dargestellt: a. der Anfang der rechten 

Aortenwurzel; /;. der Anfang des rechten Carotidenbogens; c. der aufsteigende Theil des linken Carotidenbogens; d bis g. 
Zweige des Kehl-Zungenastes (der Zweig d. geht zu der Thymusdrüse; die drei Zweige, aufweiche e hinweist, verbreiten sich 
an dem M. deltoideus, M. supraspinatus, M. omoliyoidcus, M. sternoliyoideus und der Speiseröhre; der Zweig/, verbreitet sich 
an dem M. geniohyoideus, M. hyoglossus, M. latissimus colli, dem vordersten Theile der Speiseröhre und dem Kehlkopfe; g. 



3 

7 



-i-^ v^nL ir _ \^__l JT 



Untersuchimgen über die Aorteniourzeln der Saurier. 



1 '""> 7 



begibt sich zur Zunge); h. der Kopfast des Carotidenbogens; i. der Zweig dieses Astes, welcher sich in den äusseren Theilen 
des Kopfes verbreitet; ^. der Zweig desselben Astes, ^velcIier durch das Foramen caroticuai iu die SchädcUiöhle eindringt; 
l. derjenige Zweig des Kopfastes, Avelcher sich in verschiedenen Nackenmuskeln verbreitet und als ein Kamus spinalis z-\vischen 
Atlas und Hirnsclialc in die SchädelhöLle eindringt; w. ein nur sehr kleiner Zwxig des Kopfastes, der sich in einigen \acken- 
muskeln verbreitet; n. der MuskcJast des Carotidenbogens; o. der absteigende Theii dieses Gefässbogens; j?. der aufsteigende 
Theil, und q. der absteigende Theil des linken Aortenbogens; r. das Ende des rechten Aortenbogens; s. der vorderste Theil des 
Aortenstammes. 

TAFEL II 

Fig. 1. Die rechte Aortenwurzel mit ihren Asten von Acontias Meleagris, zweimal vergrössert: a. vorderster Theil des Aorten- 
starames; h. ein kleiner TJieil der linken Aortenwurzel; c. die rechte AortciiN\ urzel; d. ein kleiner Theil des linken Carotiden- 
bogens; e. der aufsteigende Schenkel des rechten Carotidenbogens; /. der Kehl-Zungenast; g. der. Kopfagt, und h. der abstei- 
gende Schenkel des rechten Carotidenbogens; /. die Art. vcrtebrulis; h. ein kleiner 4st der rechten Aortenwurzel, der sich 
zwischen den Musculi longi colli in zwei Intercostalarterien thcilt. 

Fig. 2. Die zweimal vergrösserte rechte Aortenwurzel mit ihren Asten von Opliisaurus ventralis: a bis g, wie in der vorigen 
Figur; h. der Muskelast des rechten Carotidenbogens; ?. der absteigende Schenkel dieses Bogens; k. die Art. vertebralis; l. und 
m. die beiden Aa. subciaviae. 

Fig. .^. Eine ähnliche Abtheilung des arteriellen Systems von Lyrio eephaius margaritaceus, zweimal vergrössert: a. der 

Stamm der Aorta; b, ein kleiner Theil der linken Aortenwurzel; c, c. die rechte Aortenwurzel; d. der rechte Carotidenbogen ; 
e. ein kleiner Ast für die Thymusdrüse; /. Kchl-Zungcnast; g. Kopfast; li. Muskelast des rechten Carotidenbogens; /. ein zur 
Speiserühre gehender Ast der rechten Aortenwurzcl; k. und l. Arteriae subciaviae. 

Fig. 4. Eine Abtheilung des arteriellen Systems aus einer erwachsenen Lacerta agilis vergrössert dargestellt: a und h. die rechte 
Aortenwurzcl; c. der rechte Carotidenbogen; d. Kehl-Zungenast; e. Kopfast; /. Muskelast desselben Bogens; * Andeutung der 
Lage des Schlüsselbeins zu jenen Theilen. 

1 

Fig. 5. Kopfj Hals und vordere Hälfte des Rumpfes von einem noch sehr jungen Embryo der Lacerta agilis, sechsmal vergrössert: 

a. der Stamm der Aorta; h. ein zu der rechten Lunge gehender Zweig des letzten oder ursprünglicli fünften Gefässbogens der 
rechten Seitenhälfte; c. der nachherige Kopfast und d. der nachherige Kehl-Zungenast des rechten Carotidenbogens; e, /und 
g. die durch die Bauchwandung hindurchscheinende linke Vorkammer des Herzens, Kammer des Herzens und Leber; k. das 
rechte Vorderbein. 

Fig. 6. Ein dem in der vorigen Figur abgebildeten ähnlicher Absclmitt von einem viel älteren Embryo der Lacerta agilis, dreimal 
vergrössert: «. der Stamm der Aorta ; ^. die drei noch vorhandenen Gefässbogen der rechten Seiteuhälfte nebst den beiden 
Hauptästen des vordersten von diesen Bogen. Von dem unteren Aste (dem Kehl-Zungcnaste) war bei dem Embryo nur ein 
kleiner Theil sichtbar; von dem oberen (dem Kopfaste) aber liess sich ausser dem in der Abbildung angegebenen Theil auch 
die Verzweigung auf dem Gehirn erkennen; c. äusseres Ohr; * rechtes Schlüsselbein, das hier als nach aussen hindurch- 
schimmernd angegeben ist. 

Fig. 7. Die drei Gefässbogen and der Canal, durch den sie in den Stamm dur Aorta übergehen, aus dem in Fig, 6 abgebildeten 

Eidechsen-Embryo, stark vergrössert, um ihre Krümmungen naturgetreuer darstellen zu können: a. der oben erwähnte 
Canal; b. der hinterste oder ursprünglich fünfte Gefässbogen; e. ein Zweig,- den dieser Bogen zu der rechten Lunge hinge- 
sendet hatte; d. der ursprünglich vierte, und e. der iil;^prüngIich dritte Gefässbogen; /. der Kehl-Zungenast; g. der Kopfast des 
ursprünglich dritten Gefässbogens ; * der Strich, auf welchen dieses Zeichen hinweist, deutet das Lagerungsverhältniss des 
Schlüsselbeins zu jenen Theilen des Gefässsystems an. 

Fig. 8. Eine kleine Abtheilung des arteriellen Systems aus einem Basiliscus mitratus in natürlicher Grösse: a. aufsteigender 
Schenkel des rechten Carotidenbogens; h. Kehl-Zungenast; c. ein Zurig dieses Astes; d. Kojjfast; e. Muskelast de.s Carotiden- 
bogens; /. sein- düimcr absteigender Schenkel dieses Bogens. 

Fig. 9. Eine AbtheiUmg des arteriellen Systems von Chamaeleo planieeps, zweimal vergrössert: a. der Stamm der Aorta; b. ein 
kleiner Theil der linken Aortenwurzcl ; li. die rechte Carotis communis, oder aufsteigender Schenkel eines Carotidenbogens; 
e bis h. Verzweigung des Kehl-Zungenastes. (Von den Zweigen dieses Astes verbreitet sich e. an den Mm. omohyoideus, sterno- 
hyoideus, sternomastoideus, levator scapulae und deltoideus, /. ebenfalls in den -Mm. omohyoideus und sternohyoideus, g. m 
dem Thymus, A. an der Speiseröhre, l. an dem Kehlkopfe, dem Zungenbein und in der Zunge, k. in dem Muse, pterygoideus 
externus); /. der stärkste von den Zweigen des Kehl-Zungenastes; m. der Kopfast der Carotis; n. der Muskelast der Carotis; 
o. eine sehr dünne Anastomose zwischen der Carotis communis und der Aortenwurzel, von der jener Zweig n. ausgesendet ist 
und die dem absteigenden Schenkel des Carotidenbogens vieler anderen Schuppenechsen entspricht; p und q. die Aa. sub- 

claviae. 
Fig. 10. Ein Theil der Aorta und die rechte Carotis communis von Chamaeleo vulgaris, zweimal vergrössert: a. der vordere 
Theil des Aortenstammes; b. ein Theil der linken Aortenwurzel; c c. die rechte Aortenwuv/.el; d. ein kleiner Theil der linken 
gemeinschaftlichen Carotis; e. die rechte gemeinschaftliche Carotis; /. derjenige Ast derselben, welcher nur für den Kopf 
bestimmt ist; g. der andere Äst derselben, der die Zunge und verschiedene Theile des Halses mit Blut versorgt und von dem 
insbesondere folgende Zweige abgehen; h. ein Zweig für den Muse, pterygoideus externus; i. ein Zweig für die Zunge, das 
Zungenbein und den Kehlkopf; h. ein Zweig für die Speiseröhre; l. ein Zweig für die Thymusdrüse; m. ein Zweig für den 
Muse, sternohyoideus; n. Qin Zweig für die Mm. omohyoideus, sternomastoideus, levator scapulae und dcltuideus; o. die rechte 
undp. die linke Arteria subclavia; q. ein Zweig, der von der linken Art. subclavia zur Speiseröhre geht. 

Q 

Denkschriften der m.athem.-naturw. Cl. XIII. IJd. Abliandl. v. Niciitmitgl. 



l 



138 



Heinrich Bathke, 



I 



TAEEL III. 

Fig. l. Die vordere Korperhälfte eines Varanus Livittatus bei einer Rückenlage in natürliclicr Grösse abgebildet Am Unterkiefer 
ist ein Tbeil der Hautbedeckung übrig gelassen. Ausser dem Muse, latissimus colli sind an der linken Seite des Kopfes und 
Halses der M. geiiiohyoideus, der M. omohyoideus und zum Tbeil aucb die mit einander verscbmol/enen Mm. sternomastoideus 
und trapczius entfernt worden. Dessgleielien sind die ganze linke Wandung und ein Tlieil der rechten Wandung der Rumpfhöhle 
abgetrennt und entfernt worden. Die Zungenbeinhörner sind seitwärts ausgebreitet: a, a. Unterkiefer; h, l. Mm. genioglossi; 
6'. M. byoglossus; d. M. ptcrygoideus externus; e, e. M. apertor oris ; /. M. geniohyoideus, der au die beiden Segmente des 
hinteren Zungenbeinborns angeheftet ist;/*,/* ein besonderes kleines Muskelbündel, das mit dem einen Ende an die Apo- 
neurose des M. ptcrygoideus externus, mit dem anderen an das zweite Segment des vorderen Zungenbeinhorns angeheftet ist 
und als ein accessorischer/rheii des M. geniohyoideus betrachtet werden kann; g, g. äusseres Ohr; h. erstes und i. zweites 
Segment des ^'ordern Zungeubeinhorns; /l-. Zungenbeinkürprr; ?. erstes Segment des zweiten oder hinteren Zungenbeinhorns; 
7ß. M.USC. keratohyoidcus, eine kleine Muslcelschioht, die von dem zweiten Segment des vorderen zu dem ersten Segment des 
hinteren Zungenbeinhorns geht und beide verbindet; n. M. omohyoideus mit einer queren Inscriptio tendinea; o, o. Mm. 
sternohyoidei, von denen in der Abbildung der linke vollständig sichtbar ist, der rechte aber nur zum kleineren Tbeile gescben 
werden kann, weil er von unten noch fast gänzHcli durch den IM. omoliyoideus verdeckt ist; x>:lhP- ^^^ mit einander verschmol- 
zenen Mm. sternomastoideus und trapczius, rechterseits in natürlicher Lage, linkerseits, wo ein Theil von ihnen abgeschnitten 
und entfernt ist, so zurückgelegt, dass ihre irmerc Seite und die Schnittfläche gesehen werden können; q. M. levator scapulae; 
r, r. M. pectoralis major; s, s, s. Speiseröhre; /, i. Luftröhre; u. ein Paar kleine unter der Luftröhre gelegene Blutdrüsen, 
welche die Bedeutung von einer Thymusdrüse zu haben sclicinen; v, v. die Lungen; w. die Leber; x. das Herz; y, y. die hin- 
teren Theile der beiden vorderen Hohlvenen. 1; 1. die beiden Aortenwurzeln; 2. die Carotis primaria (der von ihr ausgesendete 
Zweig, der sicli in die Aa. mammariae internae theilt, ist aus Mangel an Raum nicht angegeben worden); 3; 3. Caroiides 
communes; 4. ein kleiner, aber ziemUch weit verbreiteter Ast, den die Carotis communis noch innerlialb der Rumpfhölilc aus- 
sendet; 5. ein sich an den Mm. omohyoideus und sternomastoideus verbreitender Zweig des einen Hauptastes der rechten Carotis 
communis; G, ein sich an dem M. geniohyoideus verbreitender Zweig der rechten Carotis externa; 7. ein zwisclien den Mm. 
omohyoideus und Stern ohyoidcus ausgebreiteter Zweig des einen Hauptastes der linken Carotis communis; 8. ein neben der 
Luftröhre verlaufender Zweig desselben Astes; 9. die Carotis externa der linken Seitenhälfte; 10. die Stelle, an welcher diese 
Carotis externa durch den linken M. Keratohyoideus hindurchgeht. 
Fig. 2. Hals undKopf von einem Varanus bivittatus in natürlicher Grösse von der linken Seite abgebildet, nachdem die Haut- 
bedeckung des Halses und des grösseren Theiles des Kopfes, so wie auch die Mm. latissimus colli, geniohyoideus, omohyoi- 
deus und stcrnohyoideus gänzlich entfernt worden sind: a. blo.^.sgclcgtcr Unterkiefer; l>. M. ptcrygoideus externus; c. M. tem- 
poralis; c^. M. apertor oris; e. Trommelfell; /. Körper des Zungenbeins; g. erstes und h. zweites Segment des vorderen 
Zungenbeinhorns; z", ?. hinteres Zungenheinhorn, dessen erstes Segment etwas nach unten gezogen, dessen zweites Segment 
aber etwas nach vorn gezogen und aus seiner natürlichen Lage gebracht worden ist; k.M.. liyoglossus ; /. M. Iteratoglossus; 
m, m. Luftröhre; n. Thymusdrüse; o, o. Speiserohre; p. M. levator scapulae; p^ das Ende einer weiter nach hinten entsprin- 
genden und versteckter liegenden zweiten Portion desselben Muskels; (/, g. ein übrig gelassener Theil von den durchschnittenen 
Mm. sternomastoideus und trapczius. 1. Carotis communis; 2. der zu dem M. levator scapulae und noch anderen Nacken- 
luuskeln gesendete eine Hauptast dieses Carotidenstammes; 3. ein kleiner Zweig desselben Astes; 4. der zweite Hauptast des 
Carotidenstammcs, der sich au dem hintersten Theile des M. sternomastoideus, den Mm. omohyoideus und stcrnohyoideus, der 
Thymusdrüse, der Luftröhre und der Speiseröhre verbreitet; 5. der neben der Luftröhre verlaufende Zweig dieses Astes; C die 
Carotis interna; 7. die Carotis externa. 
Fig. 3. Die vordere Plälfte desselben Präparates, nachdem aucb das Trommelfell, der M. apertor oris und der M. keratohyoideus entfernt 
worden sind: a, Z- und e. wie in Fig. 2 ; d, das zweite und c, e. das erste Segment des vorderen Zungenbeinhorns; /.der 
Zungenbeinkörper; g. das erste Segment des hinteren Zungenbeinhorns; h. M. byoglossus; i. Luftröhre; h, h. Spciderolirc; 
l. Quadratbein; w. M. splenius capitis; n.M. complcxus cervicis; o. M. levator scapulae. 1. Carotis communis; 2. Carotis 
interna; 3. Carotis externa, 
Fig. 4. Ein Theil der Aortcnwurzeln, des Aortenstammes und des Mnskelstranges, durch welchen die Aortcnwurzeln liindurchgehen, aus 
einem Varanus bivittatus von der unteren Seite angeschen und in natürlicher Grösse dargestellt: a, a. der angeführte 
Muskelstrang, der ein wenig nach der linken Seite geschoben ist. 1. rechte Aortenwurzcl; 2. linke Aortenwurzcl; 3. Aorten- 
stamm; 4. ein Ast der rechten Aortenwurzel, der sich in die Aa. mammariae internae thellt; 5 bis 11. Aa. intercostales; 
12. eine zum vorderen Theile des Magens gehende Arterie; 13. eine für den mittleren und hinteren Theil des Magens, die Leber, 
die Milz und die Bauchspeicheldrüse bestimmte Arterie (Art. coeliaca)'. 
Fig. 5. Der Darmcanal und einige Arterien eines Varanus niloticus in natürlicher Grösse; a. hinterer Theil der Speiseröhre; 

h. Magen ; c. Dünndarm; /. ein sein: kleiner Theil der linken Aortenwurzcl ; g, g- Stamm der Aorta ; h. eine kleine, zu dem vorderen 
Theile des Magens gehende Arterie; '/. die Art. coeliaca, deren zur Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse gehende Zweige in der 
Abbiblung nicht angegeben worden sind; h, h. der Muskelstrang, durch den die beiden Aortenwurzeln hindurchgehen und der 
sich gegen den Darm hin in ctliclie Äste und Zweige spaltet. Die starke Darraarterie, die in diesem Muskclstrange eingeschlos- 
sen ist, und deren Zweige auf den Dünndarm und Dickdarm übergehen, hat in der Abbildung nur schwach angedeutet werden 
köunem Die Intercostalarterien, die von der rechten Aortenwurzcl luul dem Aortcnstamrae entspringen, sind in der Abbildung 

r 

nicht angegeben worden. 



V 



■ ^ ^V X 



TJnter suchungen ilber die Aortemoiirzeln der Saurier, 



139 



TAFEL IV. 

Alle auf der vierten Tafel befmdliclien Abbildungen sind nach Präparaten von einer Tguana tuberculata gemacht und durrli 

sie diese Präparate um die Hälfte vergrösscrt dargestellt worden. Für die Knochen des Kopfes sind die von Cuvier ihnen beigelegten 

Namen beibehalten. 

Fig. 1. Der Kopf und ein Theil des Halses von der linken Seite angesehen. An der vorderen Hälfte des Kopfes ist die Hautbedeckung 
übrig gelassen, von der hinteren llälfte des Kopfes sind die Hautbcdeckung, das PaukenfeU und die Mm. pterygoidei entfernt 
worden, a. Musculus orbicularis palpebrarum; h. der scheibenförmig runde Tarsus des unteren Augenlides; c. das Jochbein; 
d. die untere Hälfte des Schläfenmuäkels und der mit ihr verwachsene Masseter; e. der Processus orbitalis des Scheitelbeins; 
f. das hintere Stirnbein; y. die obere Hälfte des Schläfenmuskels; h. das Temporal; /. Processus occipitalis des Scheitelbeins; 
k. Muse, splcnius capitis; l. M. complexus; m. M. trachelomastoidcus; n. M. cervicalis adscendens (?); o. M. levator scapulae; 
I?. M. longus colli; ^. das äussere Ende eines von dem Seitentheile des Hinterhauptbeins ausgehenden Querfortsatzes; r. das 
äussere Ende des Gehürknöchelchens; s. das Quadratbein (Os tympaniquc); i. Unterkiefer. 1. Kopfast (Carotis interna) desCaro- 
tidenbogens, welcher Äst sich hinter dem Gehörknöchelchen in zwei untergeordnete Äste spaltet, wovon ich den oberen 2-, unter 
dem Xamen der Art facialis boschrieben liabe. 

Fig. 2. Der Kopf und ein Theil des Halses, von der oberen Seite angeselien. Die nicht schattirte Hälfte des Kopfes ist noch mit der 
Hauthedeckung bekleidet. Die Mm. pterygoidei, apertores oris und trapczii sind entfernt worden; auch ist an der rechten 
Seitenhälfte des Halses der M. splenius capitis fortgenommen; a, a. die äusseren Nasenlöcher; h, h. die oberen Augenlider ; c, c. die 
imteren Augenlider; d, die mit einander verwachsenen Scheitelbeine; e, e. die hinteren Stirnbeine; /, /. die Schläfenmuskeln; 
g,g. die Processus occipitales der Scheitelbeine; /^/^ die von Cuvier mit dem Xaracn der Temporales belegten Knochenstdcke; 
2, i. kleine in der Umgebung der Paukenfelle übriggelassene Thcile der Hautbedeckung; h, h. die hinteren von einer Schh I ■aut 
gebildeten "Wandungen der Paukenhöhlen; l, l. die hinteren Enden des Unterkiefers; m. M. splenius capitis; n, n. Mm. levatores 
scapularum; o. M. complexus; j). M. trachelomastoidcus. 1, 1. die Kopfäste der Carotidenbogen; 2, 2. die Aa. faciales. Anden 
Nackenmuskeln sind Zweige von den Rami cervicales der Aa. faciales zu sehen. 

Fig. 3. Der Kopf und ein Theil des Halses, von der linken Seite angesehen. Ein Theil des Oberkieferbeins ist weggeschnitten. Das 
Jochbein, das hintere Stirnbein, das Temporal, das PaukenfeU, die Elügelbeinmu-kcin und der M. si^lenius capitis sind entfernt 
worden. Die untere Hälfte des (aus dem Schläfenmuskel und rlom Masseter bestehenden) grossen Beissmuskels ist bis auf eine 
dünne, an die Schleimhaut der Mundhöhle angrenzende Lage von Fascrbündeln abgetrennt worden; a. Zwischenkieferbein; 
5. häutige Umgebung des äusseren Nasenloches; c. Nasenbein; d, d, Oberkieferbein; e. eine massig dicke, zwischen dem Ober- 
kieferbeine und der PuccLhaut gelegene fibröse Hautschicht; /. Thränenbein; </. vorderes Stirnbein; h. Processus orbitalis des 
Schläfenbeins; i. obere Hälfte des Beissmuskels; L Processus occipitalis des Scheitelbeins; l. äusseres Ende von dem Querfort- 
satzo des Hinterhauptbeins; ?m. M. complexus; «. M. trachelomastoidcus; t). M. cervicalis adscendens. _p. M. levator scapulao; 
q. M. longus colli; r. eine tiefe Grube in dem Körper und Seitentheil des Hinterhauptbeins; s. eine Schicht von Fascrbündeln 
des Beissmuskels; /. dritter Ast des Nervus trigeminus; m. zweiter Ast desselben Nerven; t\ ein Theil von der Schleimhaut der 
Mundhöhle. 1. der Kopfast des Carotidenbogens, ^velchcr Ast der Carotis interna der Säugethiere entspricht; 2. der untere und 
zum Theil die Hirncarotis vorstellende Hauptzweig des ICopfastes; 3. der andere HaupLzweig desselben Astes oder die Art. facia- 
li^;; 4. der Ramus cervicalis dieser Arterie; 5. der an dem Beissmuskel hinweggehende Theil derselben Arterie; 6. Art. dentahs 

inferior ; 7. Art. dentalis superior. 

Fig. 4. Ein Theil des Kopfes von der linken Seite angesehen. Der grössere Theil des Jochbeins, das hintere Stirnbein, das Temporal, 
das Quadratbein, der Unterlüefer, die untere Hälfte des Beissmuskels, die Flügclbcinmuskeln und das Auge nebst seinen Muskeln 
sind entfernt worden, a. äusseres Ende von dem Querfortsatze des Hinterhauptbeins; h. Processus occipitalis des Scheitelbeins; 
c Beissmuskel; d. Processus orbitalis des Scheitelbeins; e. ein fibröshäutiger Theil von der hinteren AYandung der Augenhöhle; 
/. der Sehnerv: g. eine Knorpelplatte in der Scheidewand der Augenhöhlen; h. fibrösartiger Theil derselben Scheidewand; 
i. fibrösartiger Theil der oberen AA'andung der Augenhöhle; k. cinThcil von dem Körper des Hintcriiauptbeins; I. ein flüg eiförmiger 
Fortsatz des Schläfenbeins; m. die innere Hälfte von den der Länge nach durschnittenen fiilgelförmigcn Querfortsätzen dos Hin- 
terhauptkörpers und Keilbeinkörpers; n. die Columella; o. eine kleine Hautpartie, die zum Theil auä einem Stück ö er Mund- 
schleimhaut besteht; p. ein fihrösartiger Theil von der hinteren AYandung der Augcnhölilr ; -7 und r. Theil e des Flügelbems. 
1. Kopfast des Carotidenbogens oder Carotis interna; 2. der obere Ast der Car. interna oder die Art. facialis; 3. Art. dentalis 
inferior; 4. Fortsetzung der A. facialis; 5 und G. A. orbitalis superior; 7. A. orbitalis inferior; 8. eine au der vorderen Wandung 
der Augenhöhle befindliche Anastomose zwischen der A. orbitalis superior und der A. palatino-nasalis; 0. der untere Ast der 
Car. interna ; 10. der äussere Zweig dieses Astes oder die Art. palatino-nasalis. 

Fig. 5. Ein Stück des Kopfes, an dem die knorplige und fibröshäutige Begrenzung der rechten Nasenhöhle blossgelegt worden ist. 
a. Processus dentalis des ^Oberkieferbeins ; L und c. andere übrig gelassene Theile des Oberkieferbeins und ein übrig gelas- 
sener Theil des Thränenbeins, von denen ihre äussere Platte weggeschnitten ist; d. Zwischenkieferbein; e. ein fibröshäutiges 
Blatt, das in der unteren Hälfte der Nasenhöhle das Oberkieferbein und die Riechhaut, die mit ihm innig verbunden ist, von ein- 
ander scheidet, und dessen oberer Rand einen schmalen faltenartigen Yorsprung oder Saum darstellt; / und ^. zwei starke Aus- 
buchtungen eines dünnen, zunächst nach aussen von der Ricchhaut liegenden Knorpelblattes, das als ein seitlicher Fortsatz des 
Knorpels der Nasenscheidewand erscheint; /^ und ^* zwei kleinere Ausbuchtungen desselben Knorpelblattes, die nur durch 
seichte Furchen gegen jene erstcren abgegrenzt sind und gleichkam als Anhänge von douFclben orschcinen. Zwischen den beiden 
grösseren und den mit ihnen zusammenhängenden kleineren Ausbuchtungen des Knorpelblattes bildet dieses Blatt eine gegen die 

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II e i n ricli IlafJi k e. 

Nasenhöhle vorspringende EInfaltung, die den festem Thcil einer Eiechmuschcl darstellt, t. Art. dentalis superior; 2. zwei das 
äussere Kasenloch umfassende Zweige; in welche die genannte Arterie Yorn ausgeht; 3. die aus dem hintern von diesen Zweigen 
entspringende, an der Rieclnnuschcl verlaufende und von ihr sich in die Kiechhaut weit ausbreitende A. nasalis anterior. 

Fig. 6. Das Gehirn von der rechten Seite angesehen ; a. Riechnerv; 5. Hemisphäre des grossen Gehirns ; e. Vierhügel ; d. kleines Gehirn ; 
e. Sehnerv ; /. Hirntrlcliter ; tj. verlängertes Mark ; //. Rückenmark. 1. Carotis eerebralis ; 2. vorderer Ast derselben ; 3. Art. ophthal- 
mica; 4. hinterer Ast der Car. eerebralis; 5. Art. basilaris; 6. A. spinalis inferior. 

Fig. 7. Das Gehirn von der unterenSeite angesehen; a,«. Riechnerven; l, ^.Hemisphären des grossen Gehirns; CjC. Sehnerven ; (^, (^. Hirn- 
trichter; e, e. Nervi trigemini; /. verlängertes Mark; g. Rückenmarl^, 1, 1. Hirncarotiden; '•!, 2. vordere Äste derselben; 3, 3. hin- 
tere Äste derselben; 4. Art. basilaris. 



TAFEL V. 

Die auf dieser Tafel befindlichen Abbildungen haben säramtlich Bezug auf das arterielle System der Krokodile. 

i 

Fiff. 1. Hintere Seite des Schädels von einem Crocodiius rhombifer, nebst verschiedenen an ihr befindlichen Arterien, a. eine 
flache Grube an der obern Hälfte der hintern Seite der Hirnschale, die von mit einander verbundenen Theilen des Paukenbeins, 
Schläfenbeins undHinterhauptbeins gebildet ist; h, h. C^uadratbcine; c, c. Foramina jugularia; d, d. Flügelbeine, von denen aber das 
rechte nur zum Thcil angedeutet worden ist. e. Inscrtionsflächen des Muse. temporaUs, /. des M. ptcrygoideus extcrnus, g. des 
M. ptcrygoideus internus; h. des M. splenius capitis, i. des M. compiexus, k. des M. trachelomastoideus und l. des M. sterno- 
mastoidcus. 1. Carotis subverlcLralis; 2, 2. Carotidcs eommnnes; 3, 3. Aa. inframaxillares ; 4; 4. Aa. eoUaterales colli 5; 5. Aa. 
maxillares; 6, 6. Aa. temporales; 1, 7. Anastomosen zwischen den Aa. maxillares und Aa. temporales; 8, 8- Ranii eervicales 
superiores artcriarum temporalium; 9, 1). Carotidcs internae bis zu iJi rem Eintritt in die für sie bestimmten Knocliencanäle. Natur- 
getreu ist in der Abbildung die Angabe ; dass die Aa. inframaxillaris und maxillaris in der recliten Scitenhälfte getrennt von 
einander, in der linken hingegen mittelst eines sehr kurzen, eine Carotis externa andeutenden Stämmchens aus der Car. com- 
mujiis entsprangen. Die A. temporalis der linken Seitenhälfte ist aus dem Grunde, dass die eine Carotis interna von ihrem Ur- 
sprünge bis zu ihrem Eintritte in den für sie bestimmten Canal ganz übersehen werden könnte, so abgebildet worden, als wäre 
sie in der Nähe ihres Ursprungs nach aussen etwas zur Seite gebogen. Rechterseits ist in der Abbildung der Verlauf, den diese 
Arterie hinter der Carotis interna macht, der Natur entsprechend angegeben worden. 

Fig. 2. Ein Theil des Kopfes von demselben Krokodil von der linken Seite angeschen. Das Jochbein und der hinterste Theil des 
Oberkieferbeins sind entfernt worden, nachdem diese Knochen unter dem vorderen Ende der Augenhöhle durchgesägt worden 
waren. Ferner sind die Augenlider, ein Muskel, der zum Herabziehen des unteren Augenlides dient, der untere schiefe Augen- 
muskel, die vordere Portion des Schläfenmuskcls, der grösste Tiieil der hinteren Portion desselben Muskels und das Os orbitale 
posterius (hinteres Stirnbein nach Cuvier) entfernt worden. Das Paukenbein und Quadratbein sind gleich nach aussen von dem 
Paukenfell in einer senkrechten Richtung durchgesägt und diejenigen Theile dieser Knochen, welche nach aussen von der Schnitt- 
fläclie lagen, ebenfalls, wie auch das Paukenfell selbst entfernt worden. Dessgleichen ist die äussere Hälfte des breiten Flügel- 
beins; nachdem dieser Knochen seiner Länge nach durchgesägt worden war, fortgenommen. Der Canalis caroticus ist seiner 
ganzen Länge nach aufgebrochen, um den Verlauf, den die Carotis interna durch das Schläfenbein und Keilbein macht, übersehen 
zu lassen. Auch ist der in dorn Keilbein beiindUche Canal, durch welchen ein Zweig der Carotis interna von der Augenhöhle 
nach dem für den Durchgang des Nervus trigeminus bestimmten Loche hindurclidringt, seiner ganzen Länge nach aufgebrochen. 
a. Durchschnittsfläche des Jochbeins und Oberkieferbeins; b. eine Masse vor dem Auge bcÜndiichen BindegCAvebes; c. eine 
Masse hinter dem Auge liegenden Bindegewebes ; d. Flügel des Keilbeins ; e, e. Durchsclmittsfläche des Paukenbeins ; /. ein kleiner 
Theil von der hinteren Portion des Schläfenmuskels; g. die Paukenhöhle, oder vielmelir eine äussere Abtheilung dieser Höhle; 
h. Durchschnittsfläche des Quadratbeins; i. ein kleiner Sack, der in dem obersten Theile des Quadratbeins liegt und das erwei- 
terte blinde Ende von einem ausgestülpten röiircnförmigen Theile der Sehleimhaut der Paukenhöhle ist; h,h. Schläfenbein; 
l. Gelenkkopf des Hinterhauptbeins ; 9n. Körper des hinteren Keilbeins ; n. Körper des vorderenKeilbeins ; o. ein Theil des Flügel- 
beins ; p. Gaumenbein; q. drittof Ast des Nervus trigemh-ius; r. zweiter Ast desselben Nerven (der erste Ast dieses Nerven ist 
nicht zu sehen, weil er anfangs durch einen Ivnocheneanal hindurchläuft); s. äusserer gerader Augenmuskel; t. unterer gerader 
Augenmuskel; u. Muse, suspcnsorius oder retractor oculi; e?. der in die Augenhöhle etwas vorspringende hinterste Theil einer 
knorpeligen Nasenmusehel. 1. Carotis interna; 2. der rücklaufende Zweig dieser Arterie, der zu dem für den Durchgang zweier 
Äste des N. trigeminus bestimmten Loche geht; 3. Art. temporalis; 4. Zweig dieser Arterie, der sich nach innen von dem Auge 
und über diesem unter dem Dache der Augeidiöhle verbreitet; 5. ein zweiter Zweig (ein Ramus communicans) derselben Arterie, 
der sich der mit Art. orbitalis (einem Zweige der Carotis interna) verbindet. 
Fig. 3. Kopf; Hals und ein Theil des Rumpfes von einem Crocodiius vulgaris, auf der Rückseite liegend dargestellt. Zunge, Kehl- 
kopf, Luftröhre, Speiseröhre; Lungen und Herz sind nebst den unter ihnen liegenden Muskeln, Knochen^ und Hautpartieen 
entfernt worden: a, a. Unterkiefer; b, b. Oberkiefer; c, Gaumengewölbe; d, d, d. Gaumensegel; c. hintere Ölfnung der Nasen- 
höhlen; /,/. Theile derFlugelbcIne; g. mittlere oder gemeinschaftliche Mündung der beiden in den Knochen der Hirnschale 
liegenden Eustachischen RöJn-en; h, h. Mm. pterygoidei externi; Je, h. aus einander gelegte Scitentheile einer halbringförmigen 
Muskelschicht, welche die Speiseröhre und Luftröhre umfasst; I, L Mm. longi colli; m, m. Mm. recti capitis antici majores; 
n, «.Mm. sternomastoidei ; o, o. Mm. levatores scapularum; p, p. Mm. scaleni. 1, 1. Carotis subvertebralis; 2, 2. Carotides 
communes; 3,3. und 4, 4. die Bogen, welche von den Aa. inframaxillares gebildet werden; 5, 5. vordere Theile der Aa. collate- 
rales colli, die in diese Bogen übergehen. 



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i 



-J-i-i-il-_ -^ »* _ TL- 



ZJntersuclatngen Hier die Aortenwurzeln der Saurier. 



141 



Fig. 4. Kopf, Hals und ehiige Eingeweide der Rumpfhöhle Ton einem Oavialis gangeticus, bei einer Rückenlage abgebildet. Der 

M. latissimus colli ist gänzlich entfernt worden; auch sind von der linken Seitenhlilfte noch einige andere Halsmuskeln entfernt 
worden: a,a,a. der Unterkiefer; h,h. die Augen, bedeckt von ilircn Lidern; c. Zungenbeinkörper; d. linkes Zungenbeinhorn 
e,e. äussere Schenkel der Mm. geniohyoidei (die inneren Schenkel, die eine noch viel geringere Breite als jene haben, dicht 
neben einander verlaufen und unter den Mm. hyoglossi liegen, sind nicht abgebildet); /, /. Mm. hyoglossi; g. vorderer Schenkel 
des rechte» M. myloliyoideus anterior; h. hinterer Schenkel desselben Muskels; i. M. mylohyoideus posterior; lc,h. Mm. ptery- 
goideicxterni; ^. M. sternohyoideus, der vorne in zwei Köpfe m. und oi. gctheilt ist, von denen der eine durch eine Sehne 
mit dem hinteren Schenkel des M. mylohyoideus anterior zusammenhängt; o, o. M. omohyoideus; p. M. stemomastoideus ; 
q. M. cucuUaris; r,r. Mm. longi colli; s,s. Speiseröhre; i,t. Stamm der Luftröhre; «. rechter Ast der Luftröhre; v,v. Lungen; 
M!. reckte Vorkammer und cp. rechte Kammer des Herzens, das eine so ungewöhnliche Lage hatte, dass jene Vorkammer und 
Kammer nach unten (nach dem Brustbein) gekehrt waren; ij, y. Leber. 1. linke vordere Hohlvcne (die rechte vordere Hohlvcne 
ist entfernt worden); 2, 2. Aortcnwurzeln ; 3, 3. Aa. anonymae; 4. Anfang der Carotis subvertebralis ; 5, 5. Aa. subclaviae; 
6, 6. Aa. mammariaeinternae; 7, 7. Aa. vertebralcs communes; 8, 8. Aa. cervicales; 9, 9. Aa. coUaterales colli; 10; 10. Aa. 
inframaxillares ; 11, 11. Aa. linguales oder die Enden der Aa. inframaxillares. 

Fig. 5. Die Verästelung der Carotis communis von einem Alligator palpebrosus. a, Car. communis; h. Car. interna; e. Art. 
temporalis ; d. Art. maxillaris int. ; e. Art. inframaxiilaris ; /. Art. collateralis colli. 

Fig. 6. Die Carotis interna desselben Alligator palpebrosus, die ich zu dem Zwecke abgebildet habe, um die Stelle angeben zu 
können, an welcher von ihr die Car. cerebralis abgeht. Ihre Krümmungen, die icli möglichst naturgetreu dargestellt habe, waren 
etwas stärker als diejenigen, welche dieses Gefäss in dem unter Fig. 2 abgebildeten Kopfe eines Crocodilus rhombifer machte. 

a. Carotis interna; h. Car. cerebralis; c. Art. orbitalis. 
Fig. 7. Linkes Auge von einem Crocodilus rhombifer, nebst dem zu ihm gehörigen Wundernetze und einigen anderen Gebilden. 
a. ein kleiner Theil dos äusseren geraden Augenmuskels; l. ein Theil des ersten Astes vom >fervus trigeminus ; c. der innere, 
gerade Augenmuskel: d. der grössere Theil des unteren geraden Augenmuskels; e. ein Theil des Sehnerven; /. der absteigende 
Theil der Art. temporalis; g, der rücklaufende Zweig der Art. orbitalis; h. die Art. orbitalis selbst. Der Muse, retractor oculi 
ist nebst der nach aussen von -ihm gelegenen imd in Fig. 2 dieser Tafel angegebenen Scldinge des Wundernetzes entfernt 
worden, um den tiefer gelegenen grösseren Theil dieses Netzes und die meisten aus ihm entspringenden Aa. ciliares sehen zu 
lassen. 



Fig. 8. 



Das Herz und einige Theile des Blutgefässsystems von einem Crocodilus vulgaris, a. Kammer des Herzens, von der unteren 
Seite angesehen; l, l. Vorkammer desselben; c, c. nach vorn gehende Theile der beiden Aortcnwurzeln; d. ein Sinus der 
rechten Aortenwurzel oder ein sehr kurzer Stamm, mit dem die beiden Aa. anonymae aus dieser Aortenwurzel entspringen; 
e,e. Aa. anonymae;/. Carotis subvertebralis; g.,g. Aa. coUaterales colli ; h,h. Aa. subclaviae; i,L Aa. mammariae internae; 
hjh. Aa. vertebrales communes; 1,1. vordere Hohlvenen. 






TAFEL VI 



Die vier ersten Figuren sind nur in Umrissen gegebene Copiecn von ausgeführten Abbildungen, die ich früher in J. MüUer's 
Archiv für Anatomie und rhysiologie (Jahrgang 1843) mitgetheilt habe. 

Fig. L Vordere Körperhälfte eines selir jungen Schafs-Embryo, viermal vergrössert. Ein Theil der Leibeswand ist entfernt 
worden, um verschiedene Eingeweide sehen zu lassen; a, Unke Herzkammer; 5. linke Vorkammer; c. Truncus arteriosus 
communis; d. Carotis interna, mit der t/-^ die Carotis externa zusammenhängt; e. ursprünglich vierter Gefiissbogcn der 
linken Seitenhälfte, der zu dem Arcus aortae wird;/ ein von dem ursprünglich fünften Gefässbogen der linken Seiten- 
hälfte zu den Lungen gehender Zweig; g. das Ende der linken Aortenwurzel; h. Ductus Cuvieri; «.Leber; \h. Magen und 
Anfang des Darmes; l. linkes Vorderbein; m, vordere Hälfte des linken Woiff'schen Körpers. 
Fig. 2. Ein Präparat von einem sehr jungen S chweins-Embryo, dreimal vergrössert: a. linke Herzkammer; h. linke Vorkammer; 
c. Arcus aortae; d. Aorta descendens; e. der ursprünglich fünfte Gefässbogen, der sich zu dem Stamm der Lungenarterie 
und dem Ductus arteriosus Botalli entwickelt; / Carotis) communis; /* Carotis interna; /*=-^ Carotis externa; g. die Art. 
subclavia sinistra nebst der von ihr abgehenden A. vertebralis profunda; li. linke Lunge; i. Wolffscher Körper; 
h. Leber; l. ein Theil des Herzbeutels und Zwergfells. 
Fig. 3. Das Herz und einige Blutgefässe desselben Embryo von der rechten Seite' angesehen: a. hintere Hohlvene^ (die vordere 

Hohlvene ist ganz entfernt worden; h. Vorkammer; c. Herzkammer; d. der Conus arteriosus des Herzens mit dem Stamm 
der Lungenarterie; e. Aorta adscendens; /. Arcus aortae; g. Art. anonyma; h. Carotis interna; h. Carotis communis; 
?. Art. vertebralis profunda dextra ; m. Art. axillaris dextra ; n. Überrest von dem einfachen Ende der rechten Aortenwurzel ; 
o. ursprünglich fünfter Gefässbogen oder Ductus arteriosus Botalli der rechten Scitenhälfte. 
Fig. 4. Dasselbe Herz mit verschiedenen Blutgefässen von der unteren Seite angesehen: ö. Aorta adscendens; 5. Arcus aortae; 
c. Art. anonyma; d, d. Carotides communes; e, e. Carotides internae; / Carotides externae; g, Art. subclavia dextra; 
.^ Ä. Art. vertebralis dextra; ^. Art. vertebralis sinistra; /.. Art. subclavia sinistra; l. Stamm der Art. pulmonalis; m. Stamm 

der Aorta. 
Fig. 5. Die vordere Körperhälfte eines Hühnchens vom fünften Tage der Bebrütung: a,a,a. Gehirn; h. erste Andeutung der 
linken Nasenliöhle ; c. linker Oberkiefer mit seiner Hautbedeckung; d. Unterkiefer und Kehlgegend; e. linker Flügel; 
/ linke Vorkammer des Herzens; g. die noch einfache Herzkammer; h. der Truncus arteriosus communis. In der Hals- 









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142 



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einricli Bathke. Unter suclmngen ilher die Aortenwurzeln der Saurier 



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gegcnd sieht man den i^rsprüngiich dritten, yicrtcn und fünften GefässLogcn der linken Seitenhälfte, die noch sämmtlich 
nach dem K-acken hin durch Anastomosen unter einander zusammenli.angon. Die kleine Arterie z, welche mit dem untersten 
Theile des vorderen von diesen .ßogen in Verbindung steht, ist die Anlage zu der Carotis externa. Der vordere Bogen 
selbst und die nach der Gegend des Auges und rlem Gehirn laufende Arterie, in die er übergeht, h, Ic. entwickeln s'ich 
zu der Carotis interna. Ton dem Idntcren Bogen geht ein kleiner Zweig /. zu der linken Lunge. 
Fig. G. Schematischc Abbildung der primitiven Aortenwurzcln höherer (über den Batrachiern stehender) Wirbeltluerc. Dieselben 
sind so dargestellt, als wären sie auf einer eheneu Fläche ausgebreitet worden, a. Truncus arteriosus communis; h,h. die 
beiden Äste desselben; c, c. die beiden einfachen Endstücke der Aortcnwurzoln; d. vorderster Theil des Stammes der 
Aorta. 1 bis 5. die fünf Paar Gefässbogen der Aortcnwurzoln. 

Die Figuren 7 bis 10 sind schematische Abbildungen von solchen Arterien verschiedener AViihelthiere, welche sich aus 
dem Truncus arteriosus und den primitiven Aortenwurzeln entwickeln. Diejenigen Theile dieser Aortenwurzeln, weldie 
allmählich vergehen, sind in den Abbildungen niclit illuminirt worden. Die Canäle, in die sich der Truncus arteriosus spaltet, 
sind der Deutlichkeit wegen so dargestellt, als wären sie zum grösseren Theil aus einander gezogen worden. Übrigens sind 
die in diesen Figuren angegebenen Theile so dargestellt, als wären sie auf einer ebenen Fläche ausgebreitet und von der 
Bauchseite der Thiere, auf welche sie sich beziehen, angesehen worden. 
Fig. 7. Arterien der Schlangen. «,». innere Carotiden; h,h. äussere Carotidon; c,c. gemeinschaftliche Carotiden; d,d,d rechte 
secundäre Aortenwurzcl; e. hinterer Theil der Art. vertebralis; /,/,/. linke secundäre Aortenwurzcl; g. Stamm' der Aorta; 
h,h. Lungenarterie; i. Botailischer Gang. 

Fig. 8. Arterien der Eidechsen, a, a. innere Carotiden; h,h. äussere Carotiden; c,c. gemeinschaftliche Carotiden; d, d. Anasto- 
mosen zwischen den inneren Carotiden und den secundärcn Aortenwurzeln; 6^, ö. rechte secundäre AortenwL. zel; /, /. Schlüs- 
selbeinartericn (die von den Schlüssclbeinarterien abgehenden Vertebralarterien sind nicht angegeben worden); '</. Stamm 
'der Aorta; kJi. linke secund.äre Aortenwurzel; i,i,i. Lungenscldagader; k,h. Botallische Gänge. 

Fig. 9. Arterien der A^ögcl, insbesondere des Haushuhnes. a,a. innere Carotiden; h,b. äussere Carotiden; c, c. gemeinschaftliche 

Carotiden; d. aufsteigende Aorta; e. Bogen der Aorta;/, rechte Schlüssclbeinarterie, deren Ursprung au. der Anastomose 
welche den vierten und fünften Gefässbogen der rechten primitiven Aortenwurzcl mit einander verbindet, jedoch nur ver- 
muthet ist; g. Stamm der Aorta; /.,/.. linke Schlüsselbeinarterie, die liier in Betreff ihres Ursprungs ehe', falls, so wie die 
rechte, nur nach einer Yermuthung angegeben ist (die Vertebralarterien sind nicht angedeutet worden); i, i, L Lungen^ 
Schlagader; /i). rechter Botailischer Ga^g; 1,1. linker Botailischer Gang. 

Fig. 10. Arterien der Säugethiere. a,a. innere Carotiden; h,b. äussere Carotiden; c, c. gemeinschaftliche Carotiden; d. aufstei- 
gende Aorta; e. Bogen der Aorta; /. Stamm der Aorta; g und k. Unke Schlüssclbeinarterie mit ihrer \^ertebrahirterie; 
i und l. rechte Schlüssclbeinarterie nebst der zu ihr gehörigen und mit h, bezeichneten A^ertebrakarterie ;m. Lungenschiagader; 
n. Botanischer Gang. 



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AIIFLÖSUNGSMETHODE 



FÜR 



ALCtEBRÄISCHE BUCHSTABENGLEICHÜN6EN 



MIT EINEE EINZIGEN MABnÄNGIGEN BUCHSTABENGEÖSSE. 



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Du. IGNAZ HEGER 



DTlU i GafeP. 



VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWlSSENSCIlArTLICHEN CLASSE AM 26. JUNI 1856. 



Untersuchungen über die ITnstätigkeit der Genüge leistenden Functionen. 

I. Bestimmung jener speciellen Wertlie a, für welche die Entwictelung der Wurzeln 
in Form einer nacli Potenzen von a — a aufsteigend geordneten ReiLe vermittelst der 

Mac-Laurin'sclien Formel nicht bewerkstelligt werden kann. 



§• 1- 



JOekanntlicIi lässt sich jede Function einer einzigen Variablen a in eine Eeilie entwiclicln 



von der folgenden Gestalt: 



1 



/(« 




a 



f 



a 



a 



«) + t/" («) • ' « 



a 



* * 



Diese Reihe ist unter dem Namen der Mac-Eaurin'schen bekannt. Sie bildet ein sehr 
wirksames Mittel, um beliebige explicite oder implicitc Functionen darzustellen. Sie kann 
auch dazu verwendet werden, die Wurzeln einer liöheren algebraischen Bachstabengleichiinc: 
zu entwickeln. Der hierbei einzuschlagende Weg wäre folgender: 



P 







sei die gegebene Gleichung, in der die zwei Buchstabcngrössen x und a erscheinen, also P 
eine Function dieser zwei Grössen. Man denke sich nun anstatt x die Genüge leistende Func- 
tion (p{a^ substituirt und dadurch Pin eine Function der einzigen Grösse a verwandelt, die 
jedoch identisch Null ist; so ist es verstattet, P beliebig oft nach der Grösse a zu diffe- 
rentiiren und auf solche Weise eine beliebige Anzahl neuer, gleichfalls identisclier Gleichungen 



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144 



Jgnaz Heger. 



daraus abzuleiten. Man erhält ^ von folgender bequemeren Bezeichnungswelse Gebrauch 



machend 

(2) 
(3) 



d'P 

dx 



P', 



dP 

da 



P 



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dx 
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dx'>' d^a^ 



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die ßeilie identisclier Gleiclaunffen : 







P 



(4) 



P'x" +P"x 









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2P'x'4-P 



P' x"'+3 {P"x 4- P;) x" + P"'x" + ?>P;'x" -r 3P,>' + P,„ 

P' x'^ + 4(P"£c' + P;) x"'-|- 3P"ci:"^ + 6 (P"'x'^ + 2 P;'»;' + P,/)://' -V 



+ p^^x'* + 4P;"x'^ + %p;;x'' + 4P,>' + p^v 



wobei aber stets unter x, x', x",.,, die Genüge leistende Function (p{a) und ihre successiven 

Differentialquotienten zu verstehen sind. 

Will man die Entwickelung von x vornehmen, aufsteigend geordnet nach Potenzen der 
Grösse a — a^ unter a einen ganz beliebigen Zahlwcrth verstanden, so können diese Gleichun- 
:>'en zur Bestimmung der Cocfficientcn dienen, die darin erscheinen. Bczeicluiet man nämhch 
mit X, x', x",... P, F, P^, F', P;, P,,... dasjenige, was durch die Substitution a = a aus 
X, x\ x%,..P\ P', P„ P"',Pn P. hervorgeht, avo also x, x', x%..., P, F, P ,... bestimmte 
Zahlen bedeuten, weil a eine solche ist; so hat man einerseits zufolge der Mac-Laurin'schen 

Formel: 



(5) 
andererseits aber: 



X 



X + x'(a — o) - 



r 



x^(a 



a 



2 



= P 







Fx' 4P 



(6) 



=: P'x" + P"X'^ + 2P;x' + P 

= 
= 



H 



P'x'" -^3(F'x' + P;)x" +P'"x'^ 
F x^^ + 4(P" x' 4 P;) x'" + 3 P" x"^ 



II ^J% 



3P.'x'4-P 



'^ -2P"x'4-P' 



6(F" 



X 



/ 



// 



X 



// 



4- P^ x'* + 4P;" x'« + 6P,;' x'- + 4F „,x' + Piy 



denn die Glei(3liungcn (4) sind für jedes a, also auch für a = a crMlt. Diese letzteren 
Gleichungen (4) sind identisch erfüllt, wenn man sich anstatt x die Genüge leistende Func- 
tion (fi^a) gesetzt denkt. Sie können aber auch als Bcstimmungsglcichungen für die in den- 
selben und in der (5) erscheinenden Grössen x, x', x", x'",... benützt werden, wenn man 
X unberührt lässt und die an ihr vorzunehmende Substitution a = a. nur anzeigt, durch Ver- 
wandeln von X, X', x",... in x, x', x",.-- Fio erste derselben, die P = nämlich, enthält 
dann eine einzige Unbekannte x und liefert für dieselbe entsprechende Zahlwerthe, und zwar 
deren mehrere, weil sie von höherem Grade ist. Jeden dieser Werthe kann man als erstes 
Glied von x erwählen und dazu die Folgcglieder suchen. Diese Folgcglieder ergeben sich aus 
den übrigen Gleichungen, indem diese die Grössen x', x", .•• bestimmen. Da der Zahlwerth 






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Aiiflosimgsmrdliode für algehraiHclie Txitclistahemjlelchiingen etc. 



145 



von X durch die erste Gleicliung bestimmt ist, so kann man sicli durch SuLstitutlon dieses 
Wcrtlies anstatt x die Grössen P', P^, P'\ P/, P,,.-- ^^ Zahlen verwandele denken. Die 
grsveite Gleich mig dient nun zur Bestimmung von x' und liefert einen einzigen Werth für diese 
Grösse. Diesen Werth kann man nun in die dritte G-leichung setzen und verwandelt sie 
dadurch in eine Gleichung des ersten Grades nach x" mit vollkommen bestimmten Cocfficicnten. 
Sie liefert daher einen und zwar einen einzigen Werth für x". Auf gleiche Weise erhält man 
aus der vierten Gleichung den Werth von x", aus der fünften jenen von x^"^ u.s.w. Substituirt 
man diese gefundenen und zusammengehörigen AVerthe von x, x', x''j... 



in die Formel f o 



so 



ergibt sich x in der verlangten Gestalt. Weil nur die erste der Gleichungen (G) von höherem 
Grade ist und für x mehrere von einander verschiedene Werthe liefert^ während die folgenden 
Gleichungen, alle dem ersten Grade angehörig, zu einem bestimmten x nur eine einzige Reihe 

, x" liefern, so ist es ersichtlich, dass diese Entwickehmofs- 



\v X , X 



zugehöriger Werthe fü 

weise zu allen Wurzeln der Gleichung führen könne, wenn man der Reihe nach alle verschie- 
denen Werthe von X erschöpft und zu jedem derselben die zugehörigen x, x", x'", . . . sucht. 

Dieser Entwickelungsgang findet meistentheils in solcher Weise Statt. Es gibt jedoch 
Fälle, d. h. specielle Werthe von a, für welche diese EntAvickelung zu eigenthündiehen 

Erscheinungen führt: 

Erstens kann es sich treffen, dass die Gleichung P=0 nicht die genügende Anzahl 
von Worthen für x liefert, sondern deren weniger. Die unmittelbare Folge hievon ist,, dass 
nicht alle, sondern nur einige der Genüge leistenden Functionen (p {a) erhalten wenden. 

Zweitens. Es kann sich ereignen, dass iro-cnd eine der darauffolgenden Gleichungen 



ö 



? 



ö 



i gleichfalls die Anzahl 



in (6), w^elche zur Bestimmung der Grössen x , x", . . . dienen sollen, diesen Zweck niclit 

erfüllt,' sondern im Gegentheile einen AViderspruch aufweist, Avodurcl 

der brauchbaren Werthe x und mit diesen die Anzahl der Wurzeln verringert wird. 

Diesem Verluste einer oder mehrerer Wurzeln lässt sieh zwar stets durch eine geeignete 

weil die erAvälmten Erscheinunp^en imr für ganz bestimmte und 



Wahl von a vorbeugen, 



specielle Zahlwerthe eintreten können; allein für unseren Zweck haben vorzugsweise eben 
nur diese speciellen Werthe a praktische Bedeutung, weil sie über wichtige Eigenschaften 
der Genüge leistenden Functionen Aufschkiss geben, während die aufsteigende Reihenent- 
wickelung für alle anderen Werthe von a von uns niemals ehigeloitet w^ird, da sie keine 
Durchsichtigkeit gewährt. Es ist demnach jene bekannte aufsteigende Reihenentwickelung, wie 



sie vermi 



ittelst der Mac-Laurin'schen Formel bewerkstelligt werden kann, vollkommen unbrauch- 



bar für unsere Zwecke, und ,^ie gewinnt erst dann eine praktische Bedeutung, Avenn die- Mac- 



Dies ist auch der Grund, warum Avir die 



Laurin'sehe Formel ihre Wirksamkeit verliert. 

aufsteigende Reihenentwiekelung von einem viel allgemeineren Gesichtspunkte aus abgeleitet, 

die Exponenten von a — a in den einzehien EntAAdckeluno-Rodiedern nicht auf die ganzen 



Ö 'O 



positiven Werthe: 0, 1, 2, 3, 4, beschränkt, Avie dies bei der Mac-Laurin sehen Formel 

in der Tliat geschieht, sondern, ohne über ihre möglichen Werthe irgend eine Annahme zu 
machen, dieselben vielmehr erst gesucht haben. 

Die vermittelst der Mac-Laurin schon Formel eingeleitete Entwickelung liaben wn^ hier 
nur desshalb in ihren Grumlziigen angedeutet, Aveil Avir dadurch Gelegenheit finden Averden, 
jene für uns Avichtigen speciellen Werthe a zu ermitteln. Wir av ollen daher den EntA\dcke- 
hnuvsxrana- nochmals aufmerksam durcligehcn und die Bedingungen erörtern, unter welchen 
auf die eine oder andere Weise eine oder mehrere Wurzeln verloren gehen. 

Bcnkscliriften der mathcm.-jiuturw. Gl. Xlll. IJd. Abhanül. v. Nichtmitgl. 






l 

'I 



V 



-■ 



146 



Ignaz liegen 



9 



Eiclitcn wir zuvörderst unsere Aufmerksamkeit auf die erste der Gleichungen (G), auf 
die P:=:0 nämlieh. Für die bisher untersuchte Gattung algebraischer Gleiclumgen, die in der 

F 



orm : 



8[IIa''x'\ 







oder in der: 

(7) 



.4^33» + A»-i .-»""' + -^A,X + A, = {) 



erscheinen, besitzt diese Gleiehung die specielle Gestalt: 



S [IIa' x»-] 



A_ 



iv^ X 



m 



+ A_, x"-^ + ....+ A, X + A 







0. 



Wir wollen nun die Frage auf werfen: In welchen Fällen, d. h. für welclie speciellen 
Werthe a liefert diese Gleichung weniger als 7n von einander verschiedene und endliche 
Werthe für x. Diese Frage beantwortet sich, mit Leichtigkeit. Die Anzahl m der Auflösungen x 
kann auf eine zw^eifache Weise vermindert werden: 

Erstens dadurch, dass A^ und vielleicht auch A 
enten der höchsten Potenzen von x zufällig den Werth Null bekommen, und 

zwei oder melirere gleiche 



m — 1 ? 



A^_.j, .... nämlich die Coeffici- 



Zweitens dadurch, dass unter den Wurzel Avex-then x 



vorkommen. 

Die Werthe a, welche eine Verminderung der Anzahl m der von einander verschiedenen 
X herbeiführen, lassen sich demnach in zwei Classen theilen. Die erstcrcn veranlassen das 
NuUwerden A'On A^ nnd viellciclit auch von einigen der unmittelbar nachfolgenden Coefficien- 



ten A,,„_i, A„^_2, .... und vermindei'n auf diese Weise die Gradzahl der Gleichung und mit 



ihr die Anzahl der Wurzeln x. Die andern aber belassen zAvar die Gradzahl m dei' Gleicliuni»- 
unberührt, vermindern aber die Anzahl der von einander verschiedenen Werthe von x durch 
das Herbeiführen wiederholter Wurzeln. Ausser den erwähnten zwei Gattungen speciellei' 
Werthe a bestehen keine mehr, die eine Verminderung der Anzalil der Werthe x herbei- 
führen könnten. Wir werden nun jede dieser beiden Gattungen einer genaueren Prüfung 
unterziehen in Bezug auf ihren Einfluss auf die aufsteigende Reihenentwickelung vermittelst 
der Mac-Laurin'schcn Formel. 

Die zur ersten Gattumr P-ehörliren Werthe a findet man durqh Nullsetzen von A.,, und 



ö ö 



Auflösung der so erhaltenen Zahlengleichung: 




A 



m 



0. 



Ist der Coeffieient A.^ der höchsten Potenz von x ein a enthaltender Ausdruck, so kann 
man dieser Gleichung Genüge leisten und die derselben entsprechenden Wurzeln sind die 
gesuchten Werthe a der ersten Gattung. Nur wenn A^, eine bestimmte Zahl ist und gar kein 
a enthält, so ist es nicht möglich ihr Genüge zu leisten, und dann bestehen auch gar keine 
Werthe a der ersten Gattung. 

Die auf solche Weise gew^onnenen speciellen Werthe von a denke man sich nun in die 

Cocfficienten yl,^, J.,„_i, 

Zahlen: 0, A;,^_i , .... A^, Ay. In der Regel wird A,^_^ von Null verschieden sein; es kann 

sich jedoch auch ereignen, dass mit A,„, auch A^,^_^ und wohl noch einige der nächstfolgenden 



. . . . A^j ^0 substituirt. Sie verwandeln sich dadin-ch in bestimmte 



- ^ 



~4 









Auflösiingsmetliodefür algehraisclie Bucltstahengleicliungen etc. 



147 



m- 



X 



m — 



m~1 



X 



m- 



Coefficienten für a^^a verseil winden. Durcli diese Substitution gewinnt man die Glcieliuno' 
P=0 in der Gestalt: 

(9) 
oder in der: 

■ (10) 



A 



' + A 



A,x + A 











i\.^ X -[- ii.,. |X -\- .... -}-■ iV-j 



X 



A 







0. 



Diese Gleichungen liefern die Werthe von x. Da sie aber niclit vom Grade ??^, sondei-n von 

— 1 , oder T 



niedrigerem : m 



1, oder r sind, so erhalt man aus ilmen anstatt m, nur m 



Werthe für x. Es sind also dadurch, dass eben jener spccielle Werth a erwäldt wurde, ein 

* 

oder mehrere Werthe x verloren o*e^ano-en. Wendet man sich nun zu ^i^w fölircndcn Gleiehnn- 



b'^b 



Q^Q>\x der (6), die zur Bestimmung von x', x", .... dienen, so sielit man, dass sie zu einem 
jeden Werthe x nur eine einzige Ecilie zugehöriger x', x", . . . . liefern, und es unterliegt 
imn Avolil keinem Zweifel mehr, dass die vermittelst der Mae-Laurin sehen Formel einge- 
leitete aufsteigende Entwickelung von x in diesem Falle nicht alle m WurzeLi, sondern nur 
einige von ihnen zu liefern geeignet sei. Leitet man hingegen diese Entwickelung nach der 
allgemeineren Methode ein, die in einer früheren Abliandlung exponirt wurde, so findet 
man alle m Wurzeln. Unter diesen finden sich Jone, welche die Mae-Laurin'sche Formel 

r- 

lieferte, in genau derselben Gestalt wieder, aber auch die übrigen die sie verAveigerte. Es 
zeigt sich, dass diese Wurzeln nicht mit einem von a — a freien Anfaiigsgliedc x, sondern 
mit einem Gliede beginnen, welches einen negativen Exponenten trägt, also mit einem Glicde 



von der Form l}^{a — -«)"''' im d nun ist der eigentliche Grund, warum die Mac -Laurin sehe 
Formel dieselben nicht liefern konnte, unmittelbar ersichtlich. Die verlorenen Wurzeln x 
besitzen nämlich (a — aY ini Nenner und lassen sich demnach nicht mittelst der Mac- 
Laurin'schen Formel aufsteigend in der Form (5) entwickeln, wenn man nicht zu micndlichcn 
Werthen der Grossen x, x', x", . . . . seine Zuflucht nehmen wollte. 
Wir schliessen hieraus, dass die Auflösung der Gleichung 



A 



m 







die Nenner der Genüge leistenden Functionen (p 



a 



zu liefern geeignet sei, und zAvar durcli 



ein sehr einfaches Verfahren. Hat man nämlicli alle Wurzeln a dieser Gleichung ermittelt, so 
braucht man nur für jeden solchen Werth a die aufsteigend nach Potenzen von a = a — a 
geordnete KeihenentAvickelung und nam6ntlich nur die Bestimmung der mit negativen Expo- 
nenten Co versehenen Anfangsglieder einzuleiten, um alsogleich Aufschluss zu erhalten über 
die Art und Weise des Vorkommens eines solchen Nenners. Es wdrd sich dabei zeigen, ob die 
Grösse a^a oder eine Potenz derselben als Nenner von <p (et) erseheint, ferner, ob dieser 
Nenner nur in einer oder in mehreren Wurzeln vorkommt. 



§• 3. 



hör 



Schreiten wir nun zur Untersuchung der Werthe r/, welche der zweiten Gattung ange- 

lierbeiführen. Die Bedingung gleicher 



d. h. Avelche gleiche Wurzeln x in der 



Wurzeln ist analytisch ausgedrückt, wenn man zur (7) noch die durch einmaliges Differentiiren 



nach X abgeleitete Gleichung: 



(11) 



P =:mA 



7n 



X 



m- 



^ + (^— l)^.-a 



X 



m—2 



A, 







f' 



^^4 



■ ■ r a—xn ■_\^v ■■ 



148 



Ignaz Heger. 



f 



^ , 



W 



1 ; 



liinzufügt. Durcli diese Bedingung" ist gleiclifalls mcistcnthcils der Werth von a bestimmt, 
denn es liegen nun zur Bestimmung der zwei Grossen x und a zwei Gleielmngen vor. Die 
aus diesem Systeme von zwei Gleichungen gezogenen "Werthe von a sind eben die Wertlic a 
der zweiten Gattung. Ausnahmsweise kann es sich wohl treffen , dass diese zwei Gleichungen 
den Werth von a nicht als' eine bestimmte Zahl feststellen, weil es geschehen kann, dass ein 
a und X enthaltender Factor in beiden gemeinschaftlich erscheint. Es würde dann genügen, 
diesen gemeinschaftlichen Factor der Nulle gleichzusetzen, um beide Gleichungen zu erfüllen, 
und es gäbe dann unendlich viele Werthe a^ welche gleiche Wurzeln hei'beifüln-en. Zufolge 
der Ableitiingsweise der zweiten Gleichung jedoch kann ein solcher gemeinschaftlicher Factor 
nur dann erscheinen, wenn derselbe in der (7) zweimal existirt, also nur dann, wenn die 
gegebene Grleichung F^=r.O gleiche Wurzeln x besitzt, und es darf daher nicht Wunder neh- 
men, dass gelegentlich für ganz beliebige Werthe « gleiche Wm^zchi x bestehen. Nach- 
dem nun gezeigt wurde, wie die Werthe ry. der zweiten Gattung durch Auflösung eines 



Systems von zwei Zahlcnglcichungcn gewonnen Averden, wollen wir jetzt den Gang der 
Eechnung verfolgen, wie er sich bei der aufsteigenden Entwickelung nach einer solchen 
Grösse a = a— 



a vermittelst der Mac-Laurin'schen Formel ergibt. 



Die Ermittelung von x aus der 



P 



bietet nichts Anstössiges, denn wenn gieicl 



nicht 771 von einander verschiedene Werthe dafür gefunden werden, so sind den- 
noch gewissermassen alle m Auflösungen x repräsentii't und es ist bis jetzt wenigstens nocl 



h 



immer möglich, dass wirklicl 



i m 



aufstcii}*end ß-corduete Eeilicn für x erhalten werden. 

lieilie nacl 




)), die sonst der 



Wenden wir uns nu.n zu den nachfolgenden Gleichungen der 

die zu X gehörigen Werthe von x, x", . . . geliefert haben. Zufolge der Kelation; P 

wandeln sie sich in folgende neue Gleichungen: 



1 



/ 



ver- 



^ 1 



? ' 



12 



::^ P" x'^ + 2 P; X' + P„ 

= 3 [!"' x' + p;] x" -f P'" x'=' + 3 p; x'^ + 3 p,; x' + p„ 

= 4 [P" x' + P;] x'" + 3 P" x'" + 6 [P'" x'^ + 2 P; x' + P,;] x" ~\- 



P'Vx"+4P;"x'^ + 6P 



// 



"x- + 4Pjx'+P, 



V 



Wir bemerken, dass alle diese Gleichungen ihre Eollcn wechseln, indem jede derselben 
nun nicht mehr dieselbe Grösse bestinnnt, wie früher, sondern dieses Amt an die nächstfolgende 
überträgt. So z. B. bestimmt die zweite der (6) nun nicht mehr den Werth von x', wie dies 
früher der Fall war, sondern die darauffolgende dritte. Diese wieder hat aufgehört, x ' zu liefern, 
und dasselbe ist nunmehr aus der nächstfolgenden zu ziehen u. s. av. Man bemerkt ferner, 
dass die zweite der (12) nunmehr nach x' vom zweiten Grade ist, Avährend die dritte nach 
x" schon wieder dem ersten Grade angehört. Gleiches gilt von den darauffolgenden, die x"', 
x^^, ... zu bestimmen haben. Auch diese neue Erscheinung hat nichts Befremdendes, denn da 
zwei gleiche Werthe x bestehen, so steht zu erwarten, dass liiezu zwei Werthe x gehören, die 
wohl meistcntheils verschieden sein werden. Zu einem jeden solchen Werthe x wird daher 
nur eine einzige Keihe x", x''' ... gehören. Dies würde also ganz gut zusammenpassen, wenn 
nur die erste der Gleichungen (12) nicht noch übrig wäre, und die keine wählbare Grösse 



v._ 



^; 



Auflösung smetliode fllr algebralsclie BuclistabengleicJiungen etc. 



149 



r 

mehr cntliält, wenn man sich x und a schon ihrem Zahhverthe nach dm-ch die (7) und (11) 
bestimmt denkt. Diese Gleichung kami dalier nur entweder zufälligerweise erfüllt sein 
oder nicht. Ist sie nicht erfüllt, so besteht ein Widerspruch, der durch keine im endlichen 
Bereiche getroffene Wahl von x, x", x"', ... mehr behoben werden kann, und der besagt, dass 
keine Eeihe von der angenommenen Form (5) bestehe , welche eben dieses erwählte An- 

daher auf dieselbe Verzicht leisten müssen und dadurch 
so viele Wurzeln x einbüssen, als gleiche Wurzeln x vorhanden waren. Ist hingegen die 



fangsglied x besitzt. Man wird 



Gleichimg: 



P 







I 



zufälligerweise erfüllt, so unterliegt die wirkliche Entwiekclung in der Ecgel keiner 
Schwierigkeit. 

Man ersieht hieraus, dass die durch Auflösung der zwei Gleichungen (7) und (11) 
gewonnenen Werthe a nicht nothwendigerweise eine Störung in der vermittelst der Mac- 
Laurin'schen Formel eingeleiteten Eeihenentwickelung herbeiführen werden, sondern dass 
zur Entscheidung der Frage, ob eine solche Störung eintreten wird oder nicht, der Zahlwerth 
P^ berücksichtigt werden müsse. Ist P^ von Null verschieden, so ist der Widerspruch und mit 
ihm die Störung- der Reihenentwickelunö' offen daro-ethan. Ist aber P 



0, so bleibt die Frage 

vor der Hand noch unbeantwortet. Fragt man nach dem eigentlichen Grunde dieser Störung, 
welche durch das Nichtnullsein von P^ herbeigeführt wird, so mass man sich zu der von einem 
allgemeineren Gesichtspunkte ausgehenden und stets zum Ziele führenden Reihenentwückelung 
wenden, wie sie früher ß;*ezciü-t wurde. Dieselbe liefei^t nun auch die hier verloren p'ciran- 
genen Wurzeln x und es zeigt sich, dass sie wurklich mit jenem Anfangsgliede x beginnen, 
welches als wiedeidiolte AVurzel der (7) auftrat; das unmittelbar darauffolgende Glied ent- 
hält jedoch a — a erhoben zu einem gebrochenen Exponenten y? t? y? • • • Es ist auch nunmehr 
klar, dass die Mac-Laurin'sche Formel diese Werthe x zu vex'schweigen genöthigt war, weil 
sie in dieser Form mit endlichen Werthen von x , x" ... nicht darstellbar sind. 

Wenden Avir uns nun zu dem anderen Falle, wo P, = ist, w^o es also noch unentschieden 
bleibt, ob alle 7?^- Wurzeln erhalten av erden oder nicht, und richten wir zuA^örderst die Aufmerk- 
samkeit auf die zAveite der Gleichungen (12), auf die: 



(13) 



p. 



X 



>9. 



2P' 



X 



L P 



// 



o. 



Diese Gleichung Avird in derEegel zAvci endliche und von einander verschiedene Werthe 



X 



liefern und zu jedem dieser Werthe Avird dann eine zugehörige Peihe von x", x''\ x^^, aus 

den nachfolgenden Gleichungen des ersten Grades gcAvonnen Averden, so zAvar, dass dann das 
Aufti'ctcn von zAvei gleichen Wurzeln x keinen Verlust an Genüge leistenden Reihen ver-- 



anlassen AAÜrd. 



Sobald aber diese Gleichunq- des zweiten Grades weniger als zwei endliche 



ö 



und von einander verschiedene Wurzeln für x' liefert, ist ein solcher Verlust eine noth wendige 



oder doch Avenigstens mögliche Folge. 



Die Gleichung (13) kann in diesen Ausnahmsfall auf zAveierlei Art gerathen: 
Erstens: Avenn sie vom niedrigeren Grade als A^om zAveiten Ist. 
Zweitens: AA^enn sie gleiche Wurzeln besitzt. 
Das Erstere findet Statt: 
a) Avenn P" = 0, P/ aber von Null verschieden ist. 



Vj/ J ^ ^- ■'■ " ■"- 1 ' ^" ^'t^ ^"^ ^"^^^ JJ*M 



v.x,9Hi0jZ^-a 



ttfiäi^Ai 



■■'■>. -^ *■ ■ 



HÜxiA^rT-xl-^^-' 



150 



Ignaz Heger, 



5 ^ 
J 1 



J 






\ff 



und P: 



0, P; = und P 



0, P aber von Null verschieden Ist; 



// 



ist. 



d) 



Das Zweite, wenn: 

ist. 
Wir wollen diese vier Fälle nun der Keilie naeli berücksichtigen. 



a) Es sei P" =: 0, P/ aber von Null verscliiedcn. 

Die Gleichung (7) hat in einem solchen Falle mindestens drei gleiche Wurzeln x. Die 
aufsteigende EntAvickelung vermittelst der Mac-Laurin'schen Formel würde daher nur dann 
keiner Störung unterliegen, wenn sie dazu wirklich drei verscliicdene Reihen lieferte. Die 



Gleichungen 




sind in diesem Falle folgende: 



= 2P'x 



P 



// 



(14) 



= 3 p; x" 

= 4P'x"' 



'3 



P"'x 



6 (P'" x'^ 



3 P " x'' 



3P x' + P 



/// 



2 p; x' + p,;) + p^^ x'-^ + 4P;" x'^ + 6 P',,x'^ + 4 P',, x' + p 



lY 



und man ersieht aus ihnen unmittelbar, dass nur eine einzige Eeihe vonWcrthen x, x", x"', . .. 
gewonnen werden könne. Die Mac-Laurin'sche Formel liefert demnach statt dreier Wurzeln x* 
nur eine einzige. Es unterliegt in diesem Falle die Entwickelung stets einer Störung, und alle 
übrigen Wurzeln, welche durch das Anfangsglied x bezeichnet sind, enthalten eine Irrational- 

o-rösse VäT welche denselben die Entwickelbarkeit vermittelst der Mac- Laurin sehen Formel 
benimmt. 



b) Ist P" 



0, p; = 



w 



der Gleiclmngen (6) unmittelbar am Tage. Es ist dann keine der durch x bezeichneten 



We 



?; IstP" 



o,p; 



0, P^^r=0, so verwandeln sich die Gleichungen (6) in:. 



(15) 



o=P"'x'^+3P;'x 



'2 



3P>' + P, 



// 







6 [P" x"^ 



2p;'x' + p;] x" + F^x'* + 4 p;"x'^ + 6 p,;' x'^ + 4P,,;x' + p„ 



Die erste derselben ist meistcntheils vom dritten Grade, liefert daher drei Werthe für x'; 
die folgenden sind alle dem ersten Grade angehörig; man gewinnt daher zu jedem Werthe x' 
eine Reihe von Werthen x", x'", ... So oft daher die erste dieser Gleiclmngen wirklieh drei 
Ycrschiedcne und endliche ^¥erthe für x' liefert, unterliegt die 'ßeihenentwickelung keinerlei 

Gehen aber von diesen drei Werthen ein ^ 
der Gradzahl der Gleichung oder durch xiuftrctcn gleicher AYurzeln, so kann eine Störung der 
Reihenentwickelung eintreten. Die Untersuchung der hiebei möglichen Fälle zersplittert sich 
in mehrere Theile. Sie lässt sich jedoch ohne Schwierigkeit durchführen, wenn man die eben 

r 

geführten Untersuchungen als Muster benützt. 



d) Besitzt die Gleichung (13) gleiche Wurzeln x', ist also P"x'+P;:=0, so gestalten 



sich die Gleichungen (6) folgendermassen : 



Ö = P'" x'^ + 3 P; x'^ + 3 P,; x' + P,, 



(16) 







3 P" x'"^ + 6 (P'" x'^ + 2 P;' x' + P,;) x" + 

+ F^x'* + 4P;"x''' + 6P",x'^ + 4F,„x' + Piv 






'jri ■^n-\ -^1 \-.\ --^^^\ V. - ■- I — . >rv f> i< ->_"vnJ-_ _ 




Aiiflosiingsmetliodefur algchi'aisclie Tjuclistahengle lehmigen etc. 



151 



Von diesen Gleichungen ist die erste keine Bestimmnngsgleicliung mehr, denn sie enthält 
nur Grössen, die bereits ihrem Werthe nach bestimmt sind. Sic spi*icht eine Bedingung aus 
der nicht mehr durch schickliche Wahl gCAvisser Grössen entsprochen werden kann, und sie 
kann daher nur zufälligerweise, wird aber in der Eegel jedoch nicht erfüllt sein. Das zufällige 
Erfüllt- oder Nichterfülltsein derselben wird darüber entscheideuj ob die aus den Gleichungen 
(7) und (13) gewonnenen Werthe x und x' brauchbar sind oder nicht. Ist sie nicht erfüllt, 
so ist der Widerspruch offen am Tage und die Mac- Laurin'sche Formel versagt ihre Wirk- 
samkeit bei der Entwickelung dieser zwei Wurzeln. Sucht man sich durch die andere allge- 
meine aufsteigende Entwickelung für diesen specicllcn Werth a die Wurzeln x zu verschaffen, 
so gOAvinnt man durch dieselbe wieder alle Wurzeln, und ZAvel derselben besitzen die zwei 
Anfangsglieder x + x' (a — a) gemeinschaftlich, welche die Gleichungen (7) und (13) geliefert 
haben, aber die darauffolgenden Glieder der Entwickelung passen nicht mehr in die Form (5), 
denn sie weisen ein Glied von der Form /^a' auf. Es ist nun auch klar, warum die Mae- 
Laurin'sche Formel diese zAvei Wurzeln zu liefern ausser Stande ist mul Avarmir gerade vom 
dritten Entwickelungsglicde angefangen ein Widerspruch in den Gleichungen (6) auftritt. 
Man gewinnt zugleich die Überzeugung, dass der specielle Werth a, der aus den zwei Glei- 
chungen fliesst, unter diesen Bedingungen auf eine in zwei Wurzehi erscheinende Irrational- 



grösse Va 



Va 



a den volUcommen strengen Schluss verstattet. 



Ist aber die erste der Gleichungen (IG 



z 



'zufälligerweise erfüllt, so werden die übrigen 



Gleichungen in der Eegel Werthe für x", x", . . . liefern , und zAvar deren zAvei. Die zweite 
Gleichung in (16) ist nämlich nach x" dem zweiten Grade angehörig und liefert zwei in der 
Regel verschiedene Werthe für diese Grösse. 



Die nächstfolgenden Gleichungen dienen dann 



wirklich zur Bestimmung der Grössen x'", x^^, . . . und sind alle dem ersten Grade angehörig. 
Nur Avenn die ZAveite der Gleichungen (IG) für x" Aveniger als zwei endliche und A^erschiedene 
Werthe liefert, findet Avieder eine Veränderung Statt, die auf die Zu- oder Unzulässigkeit der 
Reihenent Wickelung Einfluss hat. 

Wir erachten es nicht für nötliig, den Gang dieser Untersuchungen weiter fortzusp innen ; 
das hier Gesagte orAveist zur Genüge den Charakter derselben und den eigenthümlichen 
Zusammenhang zAvischen den Gleichungen (IG). 



« 



. 4. 



Fassen Avir das Ergebniss dieserUntersuchungen kurz zusammen, so gewinnen wir folgende 



Avichtige Lehrsätze: 



1. Die Wurzeln einer algebraischen Gleichung besitzen, Avie jede andere Function, die 



Eigenschaft, sich A' ermittelst der Mac-Laurin'schen Formel nach einer Grösse a 
eine aufsteiß-ende Eeihe: 



a 



a 111 



X 



X 



'/ 



X [a 



a 



(a 



a 



o 




entwickeln zu lassen, und verlieren diese Eigenschaft nur für ganz specielle Werthe a, indem 
Aveniger als m Wurzeln der Gleichung erhalten werden. 

2. Diese speciellen Werthe von a sind von zAveierlei Gattung und Averden auch durcli 
zwei a-etrennte E^ntersuchuni'-en ireAvonnen. Die der ersten Gattung' beigezälilten Werthe a 



¥ 



jv- ---ir. 



- \, 



r. - — 



* 



152 



Ignaz Heger. 



liefern weniger als mWerthe x^ indem die dazu dienende Bestimmnngsgleichung von niedri- 
gerem Grade ist. Man gewinnt sie durch Nullsetzon des Coöfficientcn der liöclisten Potenz von 
X und durch Auflösung der so erhaltenen Grleichung: 



A^--=Q. 



Auf diese Weise können Werthe x und mit ihnen auch die AVurzeln x sowold. einzeln als auch 

r 

gruppenweise verloren gehen. Der Grund dieses Verlustes ist die Anwesenheit eines Divisors a 
oder a^ in den verloren gegangenen Wurzeln, so zwar, dass die Bestimmung der Werthe o, der 
ersten Gattung den Sclilüssel bietet zur Auffindung aller in den Wurzeln erscheinenden Nenner. 
Die speciellen Werthe a der zweiten Gattung bedingen den Verlust an Wurzeln x 
nicht bei der Bestimmung des Anfangsgliedes x, sondern erst bei einem gCAvissen Folgegliode. 
Sie bieten zur Bestimmung des Werthes von x eine Gleichung des m*°'' Grades^ aber versehen 
mit gleichen Wurzeln. Dieselben veranlassen niemals den Verlust einer einzigen Wurzel, 
sondern immer einer Gruppe von zweien oder mehreren solchen. Die zu einer solchen Gruppe 
gehörigen Wurzeln stimmen in einer Anzahl von Anfangsgliedern vollkommen überein bis zu 
jenem Glicde, bei dessen Bestimmung der Widerspruch auftaucht, ausgesprochen durch eine 
überschüssige, nicht erfüllbare Bedingungsgleiclmng. Diese AVerthe «haben nebst der Bedingung 
gleicher Wurzeln x noch andere Bedingungen zu erfüllen. Man erhält sie durch Auflösung 
eines Systems zweier Gleichungen: 



P^O 



? 



d ,L- 



7^0 



4 



; 



i 






f 

1 
i 



j F 



allein nicht alle auf solche Weise gewonnenen AVerthe von a sind wirklich Werthe a der 
zweiten Gattung, sondern man liat noch eine bald längere^ bald kürzere üntex*suchung nach- 
folgen zu lassen, die die Bestimmung der Folge-Coefficienten x, x ', . • • ^^i^^ Gegenstande luit, 
eine Untersuchung, die mit der Ermittelung der mehrfachen Punkte bei einer ebenen Gurve 
und der Bestimmung der dort stattfindenden Berührungsordnung zwischen den verschiedenen 

Curvenästen congruent ist. Die Ursache des für solche AVcrthe a eintretenden Verlustes an 

p. 

Wurzeln x ist das Vorhandensein gewisser Irrationalgrössen Va = 



p — 
Via 



a) in denselben. Die 



Bestimmung der Werthe a der zweiten Gattung bildet den Scldüssel zur Ermittelung alhu- in 
den AVurzeln der Gleichung erscheinenden Irrationalgrössen. 

Wir haben im Vorhergehenden nicht blos von den Störungen gesprochen, auf welche man 
bei der aufsteigenden Entwickclung der Wurzeln einer algebraischen Gleichung mit rationalen 
Coefficicntcn stossen kann, wenn man hierzu die Mac - Laurin'sche Formel verwendet, also 
eine Methode gebraucht, welche bisher die einzige bekannte war; sondern wir haben auch an 
den bezüglichen Stellen die Erwähnung gethan, dass die von uns angegebene und von einem 
allgemeineren Gesiclitspuidcte abgeleitete aufsteigende Entwickolungsmethode keinen solchen 
Zufälligkeiten und Störungen unterworfen sei, ja dass sie eben jene Bestandtheile liefere, welche 
die Unzulässigkeit der Mac- Laurin'schen Entwickelungsweise bedingen. Es wurde zAvar 
bisher diese Entwickclung nicht wirklich vollführt, sondern nur das Resultat derselben ange- 
geben und dieselbe auf später verschoben, wo von der Bestinmmng der in den Wurzeln 
erscheinenden Nenner und Irrationalgrössen gehandelt Averden soll. Der eigentliche Grund, 
warum die von uns angegebene aufsteigeiule Entwickelungsweise stets zu allen Wiu'zeln der 
Gleichung und in Form von lieihcn mit endlichen Coefficicntcn in den Gliedern führt, wälirojid 







■ - ■- — ^J-l- ^^^^ _\ ^^^ J 






■ n Lui_ 



Auflosinigsmethodefür algebrai.sclie Buclistabengleicliungcn etc. 



153 



die Mac-Laurin'sclie Formel für gewisse Werthc a dies nicht tlmt, sondern entweder gewisse 
Wnrzcln gar niclit liefert, oder, falls man dieselben sicli erzwingen w^ollte, zu unendlichen Cocffi- 
cienten führt, liegt darin, dass der Mac-Laurin'schen Formel die Voraussetzung der Form (5) 
ZU Grunde liegt, mit lauter positiven und ganzen Exponenten von a in den Gliedern, während 
unsere Entwickelungsweise auf keiner solchen Voraussetzung beruht, sondern im Gegentheile 



die Bestimmung der Exponenten in sich begreift. Da Avir also von einer viel allgemeineren 
Form ausgehen, in der die (5) als ein sehr speci eller Fall enthalten ist, so besitzt diese 
Methode allgemeine Giltigkeit und führt selbst dann noch zu brauchbaren Formen, Avcnn 
die Mac- Laurin'scho Formel ungiltig wird. Gerade diese allgemeine Giltigkeit uiiserer 
^Methode für ganz beliebige a verschafft ihr den hohen praktischen AVerth , Aveil sie dadurch 
Aufschluss zu ertheilen befähigt ist über gewisse Avichtigo Eigenschaften der Wnrzcln, Avährend 
die auf die Grenzen der Stetigkeit beschränkte Entwickelung vermittelst der Mac-Laurin'schen 
Formel fast ganz ohne Werth bleibt. 



IL Bestimmung der in den Wurzeln der Gleichung erscheinenden Nenner. 



§. 5. 

Ln Vorhergehenden AAnnxle bemerkt, dass die speciellen Werthe a der ersten Gattung 
den ScMüssel abo-eben zur Ermittlung aller in den Wurzeln erscheinenden Nenner. 
Es Avurde daselbst gezeigt, dass man durch Auflösung einer Zahlengleichung, die durch Null- 
setzen des Cocfficienten der höchsten im Gleichungspolynome erscheinenden Potenz von x 
hervorgeht, jene speciellen AVerthc a finde, Avolche eine Störung der vermittelst der Mac- 
Laurin'schen Formel eingeleiteten aufsteigenden Eeihenentwickelung bedingen, indem sie für 
das Anfangsglicd x Aveniger Werthe liefert, als zufolge der Gradzald m zu erAvarten stehen. 
Es Avurde dort auch die Bemerkun<i hinzuR'cfüixt, dass die von uns gelehrte aufstei.2:ende 



o"? 



ö 



EeihenentAvickclung diesem Übelstande nicht unterliege, sondern alle m Auflösungen durch m 
Anfangsgliedcr markire. Unter diesen Anfangsgliedern erscheinen nämlich genau dieselben x. 



Avelche die Mac-Laurin'sc)ie Entwickelungsweise liefert, aber überdies noch jene anderen, die 
dabei verloren gingen. Diese Letzteren besitzen die Gestalt /^^a^^, enthalten also a, erhoben zu 
einer Potenz mit einem negativen Exponenten, und es ist nunmehr vollkommen klar, Avarum 
die Mac-Laurin'sche Formel diese Auflösungen verseil weigen mussto. Da nämlich der Mac- 
Laurin'schen Formel die Voraussetzung zu Grunde liegt, dass die Eeihe nur Glieder mit posi- 
tiven Exponenten von a enthält, so konnten vermittelst derselben offenbar nur jene Auflösujigen 
gewonnen Averden, bei denen diese Voraussetzung AA^rklich erfüllt Avar; hingegen alle übrigen 
mussten verloren gehen, bei welchen Glieder mit negativen Exponenten vorkommcji. Die von 
uns gelehrte EntAAdckelungsmethode, der keine solche beschränkende Voraussetzung zu Grunde 
lieo't, ist daher o-eeio-net, eben jene verlorenen Auflösungen zu liefern und dadurch über die 
Ursaelic, warum die Mac-Laurin'sche Formel zu einem Verluste von Auflösungen führt, lielles 
Licht zu verbreiten. Diese Eigenschaften unserer allgemeinen EntAviekelnngsmethodc Avurden 
dort ohne alle Begründung angeführt, Aveil AAur schon damals die Absicht hatten , dieselbe 

folgen zu lassen. 

Hier soll nun die Entwiekelujig nach unserer Methode für die speciellen Werthe a der 

al)en 



ersten Gattuno- AAurklich ein£>-eleitet werden. Wir werden aber nicht nur Geloiifejdicit 



1 



. f 



Denkschriften der matlicm.-naturw. Cl. Abhandl. v. Nk-htiuitgl. XUI. Bd. 



U 



\ 



f % 



1 > 



t 






154 



Ignaz Heger. 



die friilier gemachten Bemerkungen ausser Zweifel zu stellen und darzutliun, dass diese 
Methode wirklich vor der Mac~Laurin'schen den Vorzug verdiene^ weil sie alle Wurzeln der 
Gleichung liefert, sondern werden auch aus der Form der neu gCAvonnenen Anfangsglieder 
einerseits Aufschluss erhalten über den wahren Grund, warum die Mac-Laurin'sche Formel zu 
einem mangelhaften Eesultate führt, andererseits aber auch die für uns viel wichtigere Kenntniss 
aller in den Wurzeln erscheinenden Nenner erreichen. 

Wir werden zuerst die Cocfficicnten A der gegebenen Gleichung: 



(17) 



P 



J±^x 



Ttl ' 



-^J-W— 1 -^ 



m — 1 



+■.... +A^ + ^ 











aufsteigend nach Potenzen der Grösse a:^a 
gleichung 



a entwickeln, wobei o. eine Wurzel der Zahlen- 



(18) 



A 



■in 







bedeutet. Dies bewerkstelligt man durch die Substitution: 



(19) 



a 



a 



a 



in den einzelnen Coefficienten. Das Resultat dieser Substitution sei 



A 
A 



A'^a + A';,a' 



A 






• » 



m — 1 



A 



m — 1 




A_; a + A" 



m — 1 



a 



A ^_-^ a 



3 



«4t 



(20) 



A. 



A 







Aj + A> + A"i a^ + A", a^ + 

Ao+Ao'a + A"oa'^ + A 



«4t 






« t 



Die hier aufgestellte Form der Coefficienten A ist unter allen die häufigste; es entspricht 
nämlich meistentheils dem ersten Coefficienten nur ein einziger Factor a, während alle übrigen 
keinen solchen besitzen. So lange also der gewöhnliche Fall stattfindet, a nur eine einfaclie 
Wurzel der Gleichung (18) ist und für diesen speciellen AVerth a^=:ia alle übrigen Coeffici- 



enten A 



4 



^ . . . A 



2} 



A-^j Aq Yon Null verschieden ausfallen, sind die Gleichungen 



20 



um. Platze. Es kann sich jedoch treffen, dass entweder a eine Aviederholte AVurzel der Glei- 
chung ^^ = und demnach das erste von Null verschiedene Glied von A^ in (20) A"„^a^ 
oder noch ein späteres ist, oder dass für a=:za gleichzeitig mit A^^ auch ^^_i, und vielleicht 
auch A^^2i • • ' ' verschwinden. Alle diese verschiedenen Fälle werden Einfluss nehmen auf 
die Gestalt der Anfangsglicdcr der nach a geordneten Coefficienten (20) und Wurzeln x. 
Es kann aber ferner noch sich ereignen, dass einzelne der Coefficienten A überhaupt nicht 
mehr in der Form (20) nach aufsteigenden Potenzen von a mit ganzen und positiven Expo- 
nenten cntwickelbar sind, da sie wohl auch Irrationalgrössen oder Nenner bergen, überhaupt 
für a i^ <z unstetig werden können. Daher ist es nötlu'g, alle diese verschiedenen Fälle geson- 
dert der näheren Betrachtung zu unterwerfen, und für einen jeden einzelnen unter ihnen die 
Form der Anfangsglieder von x zu bestimmen. Diese im Anfange vielleiclit minutiös erschei- 
nende Untersuchung wird zu einer allgemeinen und sehr einfachen Regel, führen, welche in 
Betreff der in den Wurzeln erscheinenden Nenner die gewünschten Aufschlüsse ertheilt. 



§ 



6. 



1. Beginnen wir mit dem gewöhnlichsten Falle, wo A^, und A„,_t in den Ausdrücken 
(20) von Null verschiedene Werthc besitzen und entwickeln wir unter dieser Voraussetzung 



^^^■■^j-^^v^ ^j- -.y^^ rv^j-j-^ 



Auflösungsmctliodeßlr algebraisclie Buchstabengleicliungen etc. 



155 



X aufsteigend nach a. Die mit der niedricrsten Potenz von a versehenen Glieder der successiven 



b 



Coefficienten weisen die Exponenten: 1, 0,... auf. Die dabei in Betra(3ht kommenden 
Quotienten sind demnach : , 



1 




1 




1 


1 


•} 


2 




? 


3 




; 



j 



? 



m 







■m 



und wir erhalten daher zwei AVerthe von f^ nämlich: 



21 







1 und f, 











Die zur Bestimmung' der Coefficienten \ dienenden Gleichungen sind: 



für ^^ 
für ^, 



1 , a;vh--a_,V'-^ = o 







9 







* # 



k,h 







Ao-0 



(22) 
(23) 

Die erste liefert einen einzigen von Null verschiedenen Werth von^o, die zweite aber 
deren m~~l an der Zahl, so lange Ä^ von Null verschieden ist. Wir gewinnen also m Anfangs- 
glieder : eines von der Form : 



(24) 



Ao^ ^ 



Am— 1 
Am a 



welches a = a — a im Nenner besitzt, und m — 1 andere die kein a enthalten. 

Hätte man vermittelst der Mac-Laurin'schen Formel diese Entwickelung einzuleiten ver- 

suchtj so wäre die Gleichung: 



P 







r 

aufzulösen o-ewesen. Dieselbe besitzt in dem hier vorausgesetzten Falle die Gestalt: 



P 



und ist daher von der 



-^m— 1 ^ 



771 — 1 




A 



m—2^ 



m—2 



+ ....+ AiX 4- A 











2 




ni 



icht verschieden, welche die zu c 







gehörigen Coefficienten- 



werthe ha zu geben bestimmt ist. 



'0 



Vergleicht man diese beiden Eesultate, so zeigt sich, dass die Mac-Laurin'sche Formel 



nur m 



1 Auflösuno-en, die vollkommenere Entwickelimgsmethode aber alle m Wurzeln 



liefert. In den m— 1 Anfangsgliedern, die dem a^ proportional sind, stimmen beide Methoden 
vollkommen überein, und der Unterschied besteht nur in dem einzigen Anfangsgliede (24) 
welches dem a"' proportional ausfällt. Man bemerkt ferner, dass in diesem Falle eine einzige 



Wurzel mit dem Nenner a 



a 



a versehen erscheint. Die iVnwesenheit dieses Nenners 



bildet den eigentlichen Grund, warum die für diesen speciellcn Werth von a mittelst der Mac- 
Laurin'schen Formel eingeleitete EeihcncntAvickclung einen Verlust einer Wurzel x und somit 
auch den einer Auflösung x aufweist, so lange man sich auf endliche Werthe von x beschränkt; 
denn diese Wurzel x, so wie alle ihre Differentialquotienten werden für a = a unendli(di und 



sind demnach vermittelst der Mac-Laurin'schen Formel nicht entwickelbar. 

Man p-elano-t also zu dem Schlüsse, dass bei dem Vorhandensein eines 

einzigen Factors a 



nom 



a — a im ersten Coefficienten A^,, des Gleichungspoly- 
es, und dem Fehlen desselben im zweiten Coefficienten A,^_^ eine ein- 

— a — a versehen sei. Dies gilt auch dann noch, 



zige AVurzel mit dem Nenner a 



wenn einige der nachfolgenden Coefficienten A,,_.^, . . . A,, den zweiten A^_, ausgenommen 



11 



Ä 






n 



r 



"" I '^ -<i-^ V-j-TTt. 



iMm^ 



X 
y 




156 



Ignaz Heger, 



einen oder wiederliolte solche Factoren aufweisen würden, denn dadui'cli könnten höchstens zu 
dem sonst bestehenden zweiten "Werthe ^^ ^ noch positive und von Null verschiedene 
Werthe von Co treten; aber die diesen entsprechenden Auflösungen sind mittelst der Mac- 
Laurin'schen Formel ohne Anstand entwickelbar. 



2. Es sei a eine wiederholte Wurzel der Gleichung A 



m 



0, also a 



a 



a zwei- oder 



mehrmal z. B. r — mal Factor von -4„,, hingegen -4,,,„i ohne einen solchen Factor. Die Form 



der aufsteigend nach a geordneten Coefficienten des Gleichimgspolynomes ist dann wegen: 



(2.' 



5 



A 



7JZ 



A ' 



A (r-1) 







folgende 



(26) 



A 



rrt 



A/^a" 4- AJ'+-'^V'+' 



^m-i — ^m.-~i + A^_^ a 4- A^_i a' 



Dieselben weisen die niedrigsten Exponenten von a 



r 



auf und liefern für ^^^ die zwei Werthe: 



5 











(27 







r un 



d 



Die Bestimmungsgleichungcn für li^ sind: 



^ 

Cu 



.0 



(28) 
(29 



für ^ 

für I, 














, A^_Ji 



m — 1 











A Ä ^''~^ 



* 4 



1 



\..k 







A 











Man ersieht hieraus, dass wieder nur eine einzige Wurzel den Nenner aufweist. Ihr 



Anfangsglied ist: 



(30) 



Am— 1 



Alle übrigen Wurzeln m — 1 an der Zahl beginnen mit einem von a völlig freien Gliede. 



Selbst wenn zufälligerweise A^ gleich Null ausfallen, also A^ einen Factor a = a — a ein- oder 
mehrere Male aufweisen oder sogar eine Gruppe der letzten Coefficienten mit Factoren a ver- 
sehen sein sollte, würde dies nur insoferno eine Änderung bewirken, dass eine oder mehrere 
derjenigen Auflösungen, die hier mit einem von a freien Gliede beginnen, dann ein Anfangs- 
glied mit einem positiven und von Null verschiedenen ^^ erhalten würden. Der Nenner a 
erscheint aber stets nur in einer einzigen Wurzel und zwar zur r*'" Potenz erhoben. 

Wollte man die Mac-Laurin'sche Formel hier anwenden, so würde man zur Bestimmung 
von X die Gleichung:: 






p 



A ^ ^^~'^ 



A ^^"-2 



. . . + AjX + A 











aufzulösen haben, die mit der (29) vollkommen übereinstimmt. Diese Entwiekelungsweise 
würde also nur m — 1 Wurzeln durch ihre Anfangsgiiedcr markircn; die unter allen wichtigste, 
mit dem Nenner a'' versehene jedoch gänzlich verschweigen. Der Grund hievon liegt klar am 
Tage, denn die der Mac-Laurin'schcn Formel zu Grunde liegende Voraussetzung schliesst sie 
aus dem Bereiche der Entwickelung, so lange von endlichen Werthen von x gesprochen wird. 



■ 



■a* 




\^ 



Aufrösungsmetliodefür algehraisclie Buclistabcnglelclmngen etc. 



157 



Erselieint also a 



a 



n - 

a im ersten Coeffici ent en A^^ als Factor r Mal, im 



zweiten A 



m 



W 



den Nenner a"" besitzt, alle übrigen aber keinen solchen Nenner aufweisen. 



3. Es sei a 



a 



a niclit blos im ersten Goefficientcn A^. sondern aucli in den unnüt- 



■m 5 



telbar nächstfolgenden Goefficientcn: ^,^_i, ^^,_2, . • • -4^_,+i als Factor enthalten, so zwar 
dass A„ , der erste , von diesem Factor freie 



? 



Coefficient des Gleichungspolynomes ist; es sei 



ferner bezüglich: 



1 ? 



n ? 



' 3 ; • • * * 'ä 



, 






die Anzahl der Factoren a, wie sie in den Goefficientcn: 



A.^ , ^,,_, , A 



m 



m- 



? 



A A 



m — s 



vorkommen. Die Gestalt der aufsteigend nach a entwickelten Goefficientcn ist dann folgende 



A 



m 






A,/'^a"' + A/^+'^a'-^+'+ . . 

j 

^m—2 "^^ ^ ^m-2 ''' \ 






A 
A 



in — ^-^-l 



m— s 



A 1"'^ a'- + A 



771 S-\- 



A 



(r.+i^rs+l 



m — s-\-l 



a 



+ 



771 — S 



^- A',._. a + 



Zur Bestimmung- der Werthe von fo liegen folgende Eeihen von Quotienten vor 



Tn — r 



? 



ro—r- 



rs — r- 



4**4* 



? 



r 



8 



? 



(31) 



r, 



? 



r6^'\ 



« 4 « fi 



J 



r.'. 



8- 



? 



Ts — Tä 



? 



^^-1 



? 



?'a 



7 



Quotienten 



telbar ersichtlich, dass diese Wcrthc von c^ sämmtlich negativ sein werden, weil in jeder Reihe 



'6 



Quot 



Diese AVerthe von f^ und über- 



haupt die dadurch bestimmten Anfangsglieder sind genau dieselben, welche aus der Gleichung : 



4. 






A„^'a"'x-^ 






A ^^^^ 



a'"^ x^-' + . . . . 






A 



m — s 







hervorgehen würden. Diese Gleichung ist vom s^^^ Grade und wird daher s Auflösungen, also 
auch 6^ Anfangsgiieder besitzen. Es ist also ausser allem Zweifel, dass 6- Anfangsgliedcr mit 



negativen Exponenten c^? also s Auflösungen mit Nennern a versehen sein werden. Gesetzt 
die Werthe von c, in diesen Anfangsgliedern wären: 



k, 



? 



/V9 * • # . • 



k 



^ _ * ^ UE«-_^X 



158 



Ifjnaz Heger. 



so gellt daraus hervor, dass diese Auflösungen^ 6* an der Zahl, die Nenner: 



a 



a)^' 



j 



a 



a 



h 



1 • 



« » 



a 



a 



k. 



besitzen. 



^ 



Geht man in der Bestimmung der Werthe von f^ weiter, so hat man so zu verfahren, als 



ob die Gleichung: 



33) 



A 



m — s 



X 



m — $ 



"T~ -^^m— ß— 1 ^ 



m—s—1 



-L . . . -f Ai X + A 











vorliegen würde. Es wird sich nur der AVerth f, 







ergeben, der m — s Auflösungen ange- 



hört. Selbst das Nullwerden von A(y oder einer Gruppe der letzten Coefficienten kann 
keine andere Veränderung herbeiführen, als dass nebst dem Werthe f q ^ noch positive 



d 



und. von 

freien Auflösungen ist stets gleich 



Werthe von f^ auftauchen. Die' Anzahl der vom Nenner a 



771 



s. Unter den hier vorausa'esetzten Umständen 



erhält man also s Auflösungen mit Nennern, die bestimmte Potenzen von a sind^ versehen 



und 



s Auflösungen, die keine solchen Nenner besitzen. 



m— 

Die Mac-Laurin\sche Entwickclungsweise führt in diesem Falle zur Gleichung: 



P 



A 



m—s 



X 



m — s 



-fA 



m — s — 1 



X 



m — s 



■' + .... + A^x + A 











^ 

und liefert daher nur m — s Werthe x, also genau dieselben Anfangsglieder, wie die allgemein 
giltige Entwickelungsmethode, aber nur für jene Wurzeln, die keinen Nenner a besitzen. Die 



übrigen mit Nennern a versehenen Wurzeln s an der Zahl verschweigt sie gänzlich aus dem 

bekannten Grunde. 

Wenn daher im Gleichungspolynome eine Reihe von Coefficienten der 
höchsten Potenzen von x einen Factor a gemeinschaftlich besitzen, so gibt 
die Anzahl derselben zugleich die Zahl der Wurzeln an, in welchen a, zu 
gewissen Potenzen er hoben, als Nenner vorkommt. Die Exponenten k dieser 
als Nenner fungirenden Potenzen von a ergeben sich aus den Zahlen: r^., 
r2 , . . . ?%, 0, welche angeben, wie oft a in den C oefficienten 4,„, Ar.-n • • • - ^ms-i-i j 
-4^_5 als Factor enthalten ist, wenn man auf dieselben die bekannte, zur 
Ermittelung von f^ fti^ ^^^ aufst ei.ö; ende Ent Aviekelun^ dienende Regel in 
Anwendung bringt. 



. 7. 

Aus diesen Untersuchungen ergibt sich eine sehr einfache Regel, um bei einer gegebenen 
Buchstabengleichung die in ihren AVurzeln erscheinenden einfachen Nenner und die Art ihres 



Vorkommens zu erfahren: 

H 

Man betrachte den Coefficienten ^^ der höchsten Potenz von x. Ist der 
selbe ein a enthaltend er Ausdruck; so kann man hieraus mit Gewissheit 



au 



f 



die Existenz von Nennern schliess cn. Ist derselbe hingegen eine bestimmte 
Zahl und von a völlig unabhängig, so bestehen gar keine Nenner in den 
Wurzeln der Gleichung. Nun setzte man A,,^ (vorausgesetzt, dass es a in sich 

enthält) < 
chung: Ä 



b 



Wurzeln dieser Zahleng 



W 



= 0. Man gewinnt so alle AVerthe a der ersten Gattung. Einem jeden 



eine Grösse 



a 



6{r=i:a, die in A^ ein- oder mehrere 









I 



Auflösung smetliodG für algebraische Buclistabengleichungen etc. 



159 



Male als Factor, in Einer oder mehreren der Genüge leistenden Functionen 
der Buclistabengleicliung aber als Nenner ersclieint. Der näcbste Schritt 
bezweckt nun, genaueren Aufschluss zu ertheilen über die Art des Vorkommens 
dieser Nenner. Man hat desshalb jeden durch Auflösung der Zahlengleichung 



gewonnenen einfachen Factor a 



a 



a einer eigenen Untersuchung zu 



unterwerfen und folgende zwei Fragen zu beantworten: Erstens, in wie vielen 
Wurzeln x erscheint die Grösse a als Nenner? Zweitens, zu welcher Potenz 
ist sie in diesem Nenner erhoben? 

Eigentlich erheischt die Beantwortung dieser beiden Fragen die Einleitung der aufsteigend 
nach Potenzen einer solchen Grösse a = a — a geordneten Eeihenentwickehmg von x, und 
es würden dann namentlich jene Anfangsglieder, welche negative Werthe des Exponenten 






ü 



aufweisen, die gewünschten Aufschlüsse geben. 



Die aufsteiiiT.nde ßeihenentwickelung 



ö 



aber erfordert im Grunde immer, dass das Gleichungspolynom durch eine vorhergehende 



r 



a^-a geordnet Averde. In jenen Fällen abei 



? 



Transformation nach Potenzen der Grösse a 
wo nur das Vorkommen der Nenner genauer untersucht werden soll, reicht es hin, die Werthe 
von fo 2U ermitteln, und hiezu kann man die Transformation der Gleichung umgehen und 
nach der nachfolgenden Pegel verfahren : 



Um die erste dieser beiden Fragen zu beantworten, untersucht man 



? 



in wie vielen der Anfangscocfficienten der Gleichung der Factor 



a^a. 



a 



erscheint. Die Anzahl dieser Anfangscocfficienten ist zugleich die gesuchte 
Anzahl der Wurzeln, welche diesen Nenner besitzen. Sind 5 Anfangscoefficienten: 

A A A 

A 



,., A.~-s+i niit dem Factor {a—a) versehen, hingegen der nächstfolgende 



m—s 



davon frei; so erscheint in s Wurzeln der Gleichung ein Nenner von der Form 



af 



Die Beantwortung der zweiten Frage besteht in der Angabe des Wer thes von 
k in diesen s Wurzeln. Man hat zu diesem Ende die Anzahlen derFactoren 
a — a in der Gruppe von Anfangscocfficienten: 



\' 



■^1 



* 



t 



A'm j ^m— 1 7 ^m— 2 ? ■ • • * ^i 



m^s-\- 



.,Ä 



m — s 



der ßeihe nach aufzuschreiben 



sie mögen folgende sein 



^1 7 ^2 ; ^3 ? • • ' * ^« ? ^-^ 



I 



— und auf diese Reihe von Zahlen die bekannte Regel in AnAvendung zu 
bringen, welche den Werth des Exponenten ^^ im Anfangsglicde der nach auf- 



steigenden Potenzen von a 



a geordneten 



Ent Wickelung von 



X liefert. Man 



gewinnt aus ihnen eine Reihe von negativen Werthcn für Co? und diese mit ent 



gegengesetzten Vorzeichen genommen, 

W 



stellen die W 



von k für diese s 



zeln vor. 

Wir wollen nun an einem Beispiele die Anwendung dieser Regel zeigen: 



[4 ai' 



I 



9 a' 



a 



9 a— 5]x*+[— 12 a 



47 a 






84 a 



2 a« 



2 aJ' 



2a^ 



a 



+ [Qa' + 16a^+ 22 a* 



13a 



3 



51a' + 89 a + 37]x^ + 

— 33a+ 6]cc4- 




[— 24 a*— lGa' + 36a 



9 



4] 



24 a 







47 a + lQ]x 






I^^ L^ Vr,;^^-^ ^^3^ l^»K^ 



iaL^-^^.«jiüln%LV KrH-TK^"'^'^«' 



^/J^^^^i>- 



JTd'f^—E^COi^^j^ F 



160 



Igriaz Heger. 



sei die gegebene Gleichung. Man setze den ersten Coefficienten derselben gleich Null und 
löse die so erhaltene Glleichung 



4 a 



9a 



3 



a 



9a 



5 







nach a auf. Diese Gleichung; liefert nur drei verschiedene AVerthe 



a 



1 , 



a 



1 , 



a 






und der zweite dieser Werthe ist eine doppelte Auflösung , denn er erfüllt auch die derivirte 
Gleichung 16a^ + 27a^ + 2a — 9 = 0. Diesen drei Werthen entsprechen die drei einfachen 
Factoren : 



a 



1 , a -\- 1 j 4 a + 5. 



Um nun über die Nenner der Genüge leistenden Functionen Aufschluss zu erhalten, muss 
für jeden dieser Factoren eine Untersuchung eingeleitet werden: 

Erste Untersuchung betreffend den Factor a — 1: 

In den fünf Coefficienten der ^re^'ebcnen Gleichung erscheinen folgende Anzalilen von 



ö^ö 



Factoren a 



1: 



1,0,0 



,0,0 



folR-lich ist eine einzige Wurzel x mit a — 1 im Nenner versehen und zwar mit der ersten 
Potenz dieser Grösse, denn diese Koihc von Zahlen liefert die Quotientenreihe: 



! 



2 



5 



? 



von denen der erste 



1 den kleinsten Werth besitzt. Das Anfangsglied von x ist dem- 



nach von der Form h 







a- 



1)'^ 



h 







a—1 



1. 



Zweite Untersuchung betreffend den Factor a 

Die Anzahl der Factoren a+ 1 in den fünf Coefficienten der Gleichung ist bezielmngs weise : 



2,0,0,0,0 



somit eine einzige Wurzel mit a-pl im Ncimer versehen. Die Quotientenreihe, abgeleitet aus 



diesen Anzahlen, ist: 



2 



2 



) 



7 



: 



\ 



und unter ihnen der erste am kleinsten und gleich: — 2. Folglich ist (a 
einzigen Wurzel. 

D ritte Untersuchung b c treffend den Factor 4 a + '^• 



ly-^ der Nenner einer 



Die Anzahl der Factoren 4 a + 6 in den fünf Coefficienten der Gleichiuig ist: 



1,1,0,0,0. 

Da hier zwei Anfangscoefficienten den Factor 4a + 5 besitzen, so erscheint au(^h in zwei 
Wurzeln ein Neimer (4a + 5)^ Die Quotientenreihe ist: 







1 



7 



2 



J 



3 



7 



und unter ihnen der zweite 



am 



kleinsten. Es ersclxeinen somit zwei Wurzeln, mit 



(4a -\- 5)i im Nenner. 



l 



u-j-\ --X -J--- 



l 



» 



Auflösimgsmetliodeflu' algehraisclie Buchstahengleichungen etc. 



161 



In diesem Beispiele gelingt mit Hilfe dieser Untcrsiicliung der Nenner sogar die comjjlcte 
Auflösung der Gleichung in gescHossener Form. Beginnen wir mit der aufsteigenden Ent- 
wickelung, geordnet nach Potenzen von a — 1, derjenigen Wurzel, welclie diese Grösse im 
Nenner besitzt. Man niuss zu diesem Ende die Gleichung umformen und ihre Cocfficienten 
nach Potenzen der Grösse a — 1 aufsteigend ordnen. Dies erreicht man vermittelst der Sub- 



stitution : a 



a + 1 und erhält so die transformirtc Gleichung : 



t 



52a'+ 25a^+ 4a-']x-^+ [—180 — 401a— 297 a^ — OSa-' 



[3Ga 

[+180 + 192a + 28a^ 
[__20 + 84a+ 319 a' 



47 a^ 



38 a* 



14 a° 



- 2 a«] x" + 
355 a^* + 192 a^ + 52 a' + 6 a«] x + 



+ [+20— 108a 



192 a' 



112a^ 



24 a*] 



0. 



Diese liefert für x einen geschlossenen AVerth: 



X 



^ 1 ^ 


3 « -h 2 


a 


a—X 



12a'J«^ 



l 



und die nbrio-en drei Wurzeln in Form von unendlichen Ecihen. 

Man erhält noch einen zweiten Genüge leistenden AVerth von jc, wenn man die aufstei- 
gende Rcihenentwickelung nach Potenzen von a + 1 ordnet. Es ist aber hiezu notli wendig 
früher durch die Substitution a = a — 



1 die transformirtc Gleichung : 



[— 2a^ 



7a^ + 4a"]x* + [+8 + 28 



a 



15 a^ 



a* 



12 a*] 



X 



4 



4 a 



38 a' 



17 a'— 18 a 



1 



10 a^ 



2 a'' 



[+40 
[—20 



68a*4- 77 a- 



Gla 



3 



32 a' 



20a'^+ Q>ii']x 



84a 



96 a- + 80 a' — 24 a*] 







f 



abzuleiten, deren Goefticieuten nach Potenzen von a 



a 



1 aufsteigend geordnet sind. Der 



gescblossene AA^erth von x bei dieser Gleichung ist ein einziger: 



r 



X 



a' 



a~ + 2a + l 



Hs unterliegt nun keiner ScliwieriR-keit mehr, aueh die beiden anderen Wurzeln in ^esclilus- 



fe 



sener Form zu finden. Dividirt man nämlicli das Gleichungspolynom der ursprünglich gege- 
benen Gleichurio: durch das Product der beiden gefundenen Wurzelfactoren: 



( 



a 



l\x 



6 a 



2 und (a^ + 2a+ l)x — 4, 



so geht die quadratische Gleichung: 



hervor, deren Wurzeln sind: 



(4a 



b)x 



^d 




X 






un 



d 



X 



4a -+ 5 



3 







V2 0.^—3 
4a + 5 



Man gelangt also hier ohne Schwierigkeit und auf einem geregelten Wege zu den vier 
Genüge leistenden Functionen der vorgelegten Gleichung in geschlossener Form: 



3aH-2 



a 



\ ' ff'^ + 2« + l ' 




2a^*— 3 
4« + ö 



? 




^a -1-5 



Denkschriften dor mathem.-naturw. Cl. XIII. Bd. Abhaudl. v. Nichtmitgl. 



Ai 



f 



162 



Ignaz Heg er. 



Hier findet man Gelcgenlicitj sicli dureli den unmittelbaren Anblick von der Wahrheit der 
früheren Ergebnisse zu überzeugen; ja noch mehr, man sieht mit leichter Mühe ein, dass hier 
gerade die Untersuchung der Nenner auch für das Auffinden geschlossener Formen von 
Nutzen war, indem nur die nach Potenzen der Grössen a — 1 und aA-\ geordneten Entwicke- 
lungen geschlossene Formen für je eine Wurzel zu liefern im Stande sind. In unserer Absicht 
liegt es jedoch hier nicht, diesen Punkt vollkommen zu erledigen und die Pegeln vollständig 
zu entAvickeln, um geschlossene Formen der Wurzeln überall, wo es nur möglich ist, zu erhal- 
ten; nur so viel wollen wir bemerken, dass die hier eingeleiteten Untersuchungen dazu unent- 
behrlich wären. Auch die von Lagrange gelehrte Entwickelungsweise der Genüge leistenden 
Functionen in Form von Kettenbrüchen wäre ein geeignetes Mittel, um die in Form eines 
algebraischen Bruches mit geschlossenen Polynomen im Zähler und Nenner erscheinenden 
Genüge leistenden Functionen darzustellen. Mehr ins Detail dieser Aufgabe einzugehen, liegt 
hier nicht in unserem Plane. 

Bei der Untersuchung: der Nenner kann aber noch eine andere Fra^-e auftauchen, näm- 



b 



J 



lieh: ob zwei verschiedene Nenner 



a 



a,f\ 



a 



«2)^- in einer und derselben oder in verschie- 

<p(a) 



denen Wurzeln x erscheinen; mit anderen Worten: ob eine Wurzel in der Form: 
oder zwei Wurzeln in der Form: 



(p^(a) 



[a — <^i)^^i 



oder 



^21« 



, bestehen. Diese Fraö;e hat allerdinp-s eine 



■ 9^2 



vollkommen bestimmte Bedeutung und lässt sich auch stets beantworten, allein die hier gege- 
benen Pegeln, welche nur die Anfangsglieder der aufsteigenden Entwickelung in Berücksich- 
tigung ziehen, reichen dazu nicht hin. Man muss dazu die sämmtlichen Wurzeln in mehreren 
Gliedern entwickeln und falls nicht die Form von ^(a) oder (p^ (a), ^-.^ (a) zufällig eine geschlos- 
sene ist, das Ergä.nzungsglied der unendlichen Peihe mit in Betrachtung ziehen, Avie am 
Schlüsse dieser Abhandlung gezeigt Avird. In jedem Falle nämlich muss man, geometrisch 
gesprochen, den Curvenast, dem der Nenner (a — ry.^y^ angehört, so weit verfolgen, bis man in 
den Bereich des Werthes a::=a2go\ixi}gtj wo sich dann die Frage ohne Schwierigkeit entscheidet. 



Anhang*. 



Einen nicht unwichtigen Aufschluss gewährt es, die in den Genüge leistenden Functionen 

erscheinenden einfachen Factoren kennen zu lernen. Dazu ist gleichfalls die aufsteigende Ent- 

dnet 



Wickelung dienlich, wenn man die Grösse a 



a. nach deren Potenzen die Peihe L>-eor 



) 



ö 



wird, entsprechend wählt. Man gelangt nämlich dann zu Anfangsglicdcrn von der Form 







a 



— 0)^% wo 1^0 einen positiven Werth besitzt, und gewinnt dadurch die Überzeugung, dass 
{a — fif^ ein Factor der Genüge leistenden Function ist. Dies ereignet sich immer dann, w^enn 
für a=^o, der Coefficient A^^ der nie drigsten Potenz von x verschwindet, d. h. wenn a eine 
Wurzel der Zahlengleichung ^^^ = ist. Die vermittelst der Mac-Laurin scheu Formel einge- 
leitete Entwickelung würde in der Gleichung P^:::::0 eine oder mehrere Wurzeln Null liefern, 
weil Aq identisch gleich Null ist. 

leistenden Functionen einer Buchstabenglcichung lässt siel 
wie zur Bestimmung der Nenner: 



Für das Aufsuchen der einfachen Factoren der Genüge 

eine ähnliche Peirel aufstellen, 



Man zerlege den letzten Coefficienten ^,,, der mit der niedrigsten Potenz von x. multipli- 



cirt ist, in seine einfachen Factoren a—a vermittelst Auflösung der Gleichung A^ 



=0 und leite 



, j 



_i_\n^ 



J ^ TJ AVI. 



-'^*-.'>z^ -^^H^^J-- 



£^ 



'■- -^ - ^ ■ ■ -^ 



■a"- 1^4'iK-|^'-"**"r 



diSiittyiyiiäyätaiiiiiäiüifäfaaäiäfiiUiidiiätt&aii^^^ 



liiiiiiiifiiiiiittüUiiiiiiääiiWtiaiHttUiu 



■i:t^^/So\L^i;^i--^^^ iSr"V^I">^X ■^'-VC^ C I^I^L^Ih 



U^üUfe- 



w^l 



p_^ iTJZ-K^'-*. _ 



■t 
■^i 



Aiiflösioir/smethode fllr algehraisclie BucIistahengleicJmngen etc. 



163 



nun für jeden solchen Factor a — a , die aufsteigend nacli Potenzen desselben geordnete lieihen- 



entwickelung x ein nach der bekannten Re^'oL 



ö 



III. Bestinimuni>' der Irrationa] ^^r össcn^ Avolclie In Jen Wurzeln der Gleichung vorkom 



m 



en und eine ünterbrecli un a- der Steti^-keit li erbclfülircn. 



§• 8. 

In S. 4 xresehah Erwähnuno- g-ewisser specieller AYerthc von a, für welche die nach der 
= (2 — a aufsteigend geordnete Eeihenentwickelung einer eigenthümlichen Stcirun 



S 



Grösse a = 

I 

unterliei^t, wenn man hiezu die Mac-Laurin'sche Formel benützen will. Es geschieht nämlich, 
dass bei der Bestimmung eines gewissen späteren Entwickelungsgliedes ein AViderspruch in 
den Bedingungsgleichungen auftritt, wodurch man bcmüssigt wird , zwei oder mehrere AVur- 
zeln ganz und gar aufzugeben, weil es unmöglich ist, durch endliche AVerthe der Cocffici- 

enten Genüge zu ieistcn. 

Dieser AViderspruch tritt nicht bei dem Anfangsgliedc der Entwickelung , sondern erst 

m Foh^-eadiede auf, o-ibt sich also nicht anfangs, sondern erst im weiteren Verlaufe 



bei 



ei enie 



<^ 



der Entwickelung kund. Diese Störung kann aber nur dann Platz greifen, wenn zwei oder 
mehrere verschiedene AA^urzehi in den Anfangsgliedern übereinstimmen und ist an spccielle 



AVerthe von a gebunden, die wir dort der zweiten Gattung zugezählt haben. Es wurde auch 
dort 0-esao-t. AvicAvohl niclit erwiesen, dass die von uns gezeigte EeihenentAvickelung keinem 




'o^ J 



solchen Übelstande unterliegen könne; dass sie vielmehr Aufschluss erfcheile über den eigent- 
lichen Grund dieser Störung, indem sie anfangs genau dieselben Entwickelungsglieder wie 
die Mac-Lam^Insche Formel liefert, aber dort, wo eben die Störung eintritt, ein Glied folgen 
lässt, welches a zu einer Potenz mit gebrochenem Exponenten erhoben aufweist, so zwar, dass 

olclie Störung stets einer Irrationalgrösse zu verdanken hat, w^elche unter dem 

— a — a besitzt. Sie gibt nicht nur darüber Aufschluss, sondern 



man eme s 



AA^urzelzcichen den Factor a = a — 

bezeichnet auch eine Anzahl AVurzeln, in welchen diese Irrationalgrösse je in ihren verschie- 

denen Bedeutungen erscheint. 

In diesem Paragraphe soll einerseits diese früher gemachte Behauptung erwiesen und 
ferner noch das Wichtigste über die Bestimmung der in den AVurzeln der Gleichung erschei- 
nenden Irrationalgrössen abgeliandelt werden. 

AA^ir erwählen daher einen AA^ertli a der zweiten Gattung, d. h. eine Auflösung a der zwei 



Gleichungen 
36 



I 



und 



dP 

d X 







und bewerkstelligen nun die aufsteigende Entwickelung nach der Grösse 

der von uns g 
Gleichung: 



a 



a 



a \ 



.'ermittelst 



clchrten Entwickolungsmethode. Zu diesem Zwecke sind die Coefficienten der 



37 



/ 



A^.^x- + A 



m—1 



X 



m— 



— j— .... — i~ jCi.^X -p -^0 







aufsteigend nach der Grösse a zu ordnen. Dieselben seien in dieser Gestalt folgende 



(38 



A 



m — J 



A,„ + AJ a -^ A,;' a^ 

A,„_i+-A_;a + A 



m—\ * 






* 



I 






rJ 



t 



164 



A, 

A 



Ignaz Heger. 

= A, + Ao'a + A;'a^ + 



Es ist hier stilLscliweigcnd die Voraussetzung gemacht, dass A^, K^-^, . . . . A^, A^ von 
Null yerschicden sind, eine Voraussetzung, die avoIiI in der Regel erfüllt sein wird. Nichts 
desto weniger gelten unsere unter dieser Voraussetzuno- P^ezoircnen Folp^erun^ren mit den 
betreffenden Änderungen auch für jene Fälle, wo einige dieser Grössen gleich Null ausfallen. 
"Wir gehen vor der Hand über diese Fälle hinaus, und wollen sie später zur Sprache bringen. 

Da in allen Goofficienten die niedrigste Gradzahl von a Null ist, so wird ein einziger Werth, 
nämlich : Cu = 



gefolgert werden. Diesem Werthc entspricht die Bestimmungsgleichung: 



(39 



A^ h^ -Y A^_ ^ li 



m — 3 







• # > < 



A,h 







A 







0. 



Die Anfangsglieder sämmtlicher Wurzeln x sind demnach von a frei und constante 
Zahlen, nämlich die für h^ heiworgehenden Werthe. 

Unter diesen werden hier zwei oder mehrere gleiche erscheinen, weil, der getroffenen 
Wahl des Werthes a entsprechend j die beiden Gleichungen (36) erfüllt sind. Die Auflösuno- 
dieser beiden Gleichungen besteht nämlich, Avie bekannt, im Grunde darin, zuvörderst a der- 

massen zu wählen, dass für den speciellen Zahlwei-th a = tt die beiden Polynome P und ~- 

dx 

einen ;r enthaltenden Factor gemeinschaftlich besitzen, der daher für einen entsprechenden 



Werth von x Null werden kann, wobei dann P und — gleichzeitig^- verschwinden. Dieser 

dx ^ 

gemeinschaftliche Factor ist nun wohl in der Ecgel nur vom ersten Grade , so zwar, dass man 
beim Nullsetzen desselben nur eine einzige Wurzel x gewinnt. Darm erscheint aber dieser 
Factor in 



dP 

dx 



nur einmal, in P hingegen zweimal, und der gewonnene Werth von x ist daher 
eine doppehe Wurzel der Gleichung (37) für a=a oder, was dasselbe ist, der Gleichung (39). 



Gelegentlich aber kann dieser für a 



a in P und 



--— gemeinschaftlich erscheinende Factor 
nach X einem höheren Grade angehören und wird sich dann in mehrere einfache Wurz(d- 
factoren zerlegen lassen, entweder in lauter von einander verschiedene, oder in gleiche. Jeder 
solche Wurzelfactor x — Ti^ wird aber dann stets in P um einmal öfter erscheinen, als in —. 

dx 

Aus dem Gesagten geht daher hervor, dass man im. Allgemeinen nur zwei gleiche Wurzeln \ 
mit Sicherheit erwarten könne, sich aber gelegentlich treffen wird, dass in Folge zufällig statt- 
findender Eelationcn drei und noch mehrere gleiche Wurzeln Ä^, Avohl auch mehrere verschiedene 



Gruppen von solchen auftreten. Alle diese verschiedenen Fälle nehmen Einfluss auf die gegen- 
wärtige Untersuchung und wir Averden desshalb all' diese verschiedenen Fälle gesondert zu 
rmtersuchen haben. 



§.9. 

1. Der gewöhnlichste von allen ist derjenige, wo die Gleichung (39) zwei gleiche AVurzeln 
Ä^ aufweist, wo also für diesen speciellen Werth \ 



39 



A Ä "' -k A T) 



m — 1 



# * # 



kjl 



Ü 



A 











und 



(40 



m A^ h*~' 



m- 



i:)K_ji 



m—2 







. . . . + A, = 



._^r^^ ^- ■"■ 



^'' I 



^\ 



Auflösimgsmethodefür algebraische Baclistabenglelclnmgen etc. 



165 



ist, aber 



(41) 



m m 



l)Khr' ^- (^-l)(»^-2)A_,7^,' 



m—Z 



. . + 2A 



2 



von Null verscliiedcn ausfällt. 

Schreiten wir zur Bestimmung der Folgeglieder, die zu diesem Anfangsgliede Ä^ gehören 
Das auf Aq folgende Glied wird hier, wie bekannt ^ nicht aus einer Gleichung des ersten, son- 
dern aus einer des zweiten Grades geAvonnen. Diese Gleichung ist folgende: 



i'J 



) 



^Poa^" + |)o'a''»'xi + |.&o"a 






0, 



"WO 



a^» 



^0 



ausfällt, so lange 






m A,; Äo 



m VI' 



\ I L m—1 



-m 



;h 







-|- .... + Ai Aq 4" A(j J 



a 



m—\ 



4(/»-l)A_//C-'+ .... +A/]a 




i\kjir' 



m-—i){m-^2)A^_,h,"'-^ ' 







• ■ • • 4" " AgJ 



43 



A,;/C + A_/V"-' i- ....+ A/Ao + Ao' 



von Null verschieden bleibt. AYendet man auf diese Gleichung die bekannte EeR'cl zurBestim 



to 



niung der Anfangsglieder von x^ an, so findet man dieselben in der doppelten Gestalt: 



44 



X- 




2^ 







W' 



a2 



# * • * 



7 



cc 




2^& 







*o^' 



a^ 



Vergleichen wir dieses Ergebniss mit demjenigen, welches die Mac-Laurin'sche Formel 
geliefert hätte, so sehen wir, dass dort die Gleichung 



P 







mit der 



o 




9) identisch ist imd daher 



die Anfangsglieder x mit den h 







vollkommen überein- 



stimmen, die zweite der Gleichungen (G). die : 



45 



F.x +Pi = oder P 



1 







spricht einen Widerspruch aus, wenn man initer x eben jenen speciellen hier betrachteten 
Werth Z^t. versteht, der als doppelte Wurzel der (39) erscheint, und zwingt dahei^, auf diese 
zwei Auflösungen x Verzicht zu leisteii, Avährend unsere Methode ohne alle Schwierigkeit zu den 

Folgegliedern führt. In denselben erscheint aber die Trrationalgrösse vä=Va — a und es ist 
auf diese Weise unmittclbaj- ersichtlich, dass die Mac-Laurin'sche Entwickclung hier auf einen 
AViderspruch stossen musste, da sie nur ganze Werthe der Exponenten von a voraussetzt. 



Es ist auch überflüssig, die Entwickclung weiter foitzuführcn, um über das Vorkommen der 



Irrationalgrösscn , die 



a 



a unter dem Wurzelzeichen besitzen , Aufschluss zu erhalten 



; 



denn da mit der Bestimmung der zweiten Entwickelungsgliedcr (44) die mit dem gemein- 
schaftlichen Anfangsgliede h^) versehenen zAvei Wurzeln x isolirt sind, so ergeben sich die 
übrio-cn Glieder durch eine blosse Division und es kann daher keine neue Irrationalö^rösse 



Ö 



mehr in ihnen auftauchen. 



2. Es sei Jiq eine doppelte Wurzel der (39), also auch die (40) erfüllt, der Ausdruck (41 



aber von Null verschieden; ferner sei 



(46 



Ajh;' + A^JJi 



i 




a; k 



\ ' — 



% 






_■_ j X >yi_\M 



:^ 



166 



Ignaz Heger. 
In diesem Falle geht die Bestimmung der zweiten Entwickclungsglieder in einer anderen 



"Weise vor sich. Es ist nämlich dann: 



■ I ^ 



(47) 



Öo« 



5in-. 



[k:ii 



m 







A 



// 7 ^— 1 

m—1 '^0 



. ... -+A/'Äo+ A;']a% 



Fi i 



während f)o'5^"^^' und |)oa"''^"" die früheren AVerthe fortbchalten. Die Gleichung (42) liefert nun 
für x^ Anfangsglieder von der Form: /z^a. 

Die zur Bestimmung ^on h, dienende Gleichung- 



A 



// 



„ K^ + K-l'K^' +••••+ KK + K + 



(48) 




[ 



m A„' Äo 



m—1 



TU' 



1)A_/Ä 



m—2 







. . . . ■-p xVj /^j' 




m(m— 1) A,„Ao'"-'+ (m— l)(m— 2)A_,/C-' + . . . . + 2K]li, 



^mJ 







l 



ist vom zAvciten Grade. Sie liefert in der Regel zwei verschiedene AVerthe dafür, kann jedocl 
auch gleiche Wurzeln aufweisen. Findet das Erstere Statt, so erfolgt mit der Bestimmung des 
ZAveiten Entwickelungsgliedes die Trennung der noch nicht getrennten zwei Wurzeln und die 
weitere Entwickelung kann zu keinen Irrationalgrössen mehr führen, weil alle Folgeglieder 
durch Auflösung von Gleichungen des ersten Grades j also durch Division hervorgehen. Sind 
aber zwei gleiche Werthe von hi erlialten worden, also die zwei AVurzeln x in den zwei 
ersten EntAvickelungsgliedern vollkommen übereinstimmend, so ist Aveder die Trennung der 



Wur 



Man 



wird daher zur Bestimmung der dritten Entwickelungsgliedcr k^a^' schreiten. Da dieselben 
gleichfalls aus einer quadratischen Gleichung gezogen werden, deren Coefficienten meisten- 
theils die Factoren a^, a^, a^ aufweisen, so Avird gewöhnlich der Werth: 



(49) 



e; 



1^ 



hervorgehen, womit das Erscheinen der Irrationalgrösse v a 



v\ 



V 



a 



a in den beiden Wm^zel 



"zeni 



X erwiesen ist. Die dritten EntAAdckelungsglicdcr unterscheiden sich in einem solchen Falle 
nur durch das Zeichen von einander. Da daim gleichfalls die Trennung der Wurzeln erfolgt 
ist;, so erscheint eine Aveitcre EntAvickelung für den hier beabsichtigten ZavccIv unnütz. Bis- 
weilen ist aber die Anordnung der Coefficienten der quadratischen Gleichung eine andere, und 
es erscheinen in ihren Coefficienten die Factoren a*^, a^, a'^, woraus der Wertli: 



e 



2 



hervorgeht. Dann ist aber eine gewisse Relationsgleichung erfüllt und tritt wieder die Form 



X 



^0 + ^1^ + K^^ 



I 



in Giltigkeit. In der Regel gCAvinnt man zwei verschiedene Werthe von h^, Avomit dann die 
Trennung der AVurzeln bewerkstelligt und der BcAveis geliefert ist, dass keine solche Irrational- 



' * 



grosse 



V 



a 



Wurzeln 



Bisweilen aber stimmen die beiden "Wur 



zeln auch in diesem dritten Entwickelungsgliede überein. Es ist dann dies als BcAveis anzu- 
sehen, dass die Entwickelung noch nicht Aveit genug geführt ist, um zu entscheiden, ob eine 

Irrationalgrösse Va — a Avirklich vorhanden ist oder nicht. Man wird in derselben Weise, 
Avie bisher^ vorgehen und Glied für Glied entAvickeln, so lange, bis die Trennung der Wurzeln 



?Tr- 



Aufl'ösiingsmetliodefllr algebraisclie Buclistabengleiclmngen etc. 



167 



./ 



crfob't. Sobald diese eintritt, liegt die Irrationalgrösse am Tage; wo niclitj so ist ihre Nicht- 



existenz ausser Zweifel gestellt. 



Wenn der Leser glciclilaufend mit der liier eingeleiteten Untersuchung, jene andere auf 
die Mac-Laurin sehe Formel gestützte EntwickelungsweisCj wie sie in §. 3 gezeigt w^urde, ver- 
folgt, so wird er sich mit leichter Mühe überzeugen, dass, so lange die Entwickelungsglieder 

die Foi^m: 

li^ + /^i a + ^2 d? 



einhalten, beide ^Methoden vollkommen übereinstimmen, und dass sie erst bei dem Auftreten 

der Irrationalgrösse V a — a A^on einander differiren. Unsere Methode liefert dieses Glied 
ohne Anstand, die Mac-Laurin'sche aber zeigt nur durch eine widersprechende Bedingungs- 
gleichung, dass die ilir zu Grunde liegende Voraussetzung nicht mehr giltig sei. 

Wir gew^innen hieraus die Eegel, dass beim Auftreten von nur zwei gleichen AVurzebi li^ 



der (39) in 



V 



a erscheinen 



könne. Um zu unterscheiden, ob dies wirklich geschehe oder nicht, hat man die zwei Werthe x 
aufsteigend nach der Grösse a = a — a äu entwickeln, bis die Trennung derselben 
erfolo-t. Diese EntwickelunP* kann dann entweder vermittelst der Mac-Laurin'schen Formel 
oder unserer Methode eingeleitet werden; für die Beantwortung dieser Frage sind beide 
Methoden gleich gut, ja völlig congruent. Unsere Methode besitzt den einzigen Vortheil, dass 
sie das isolirende Entwickelungsglied immer liefert, auch dann, wenn es irrational ist, während 
die Mac-Laurin'sche Formel nur die rationalen Entwickelungsglieder gibt, und das irrationale 
Entwickelungsglied durch einen auftauchenden Widerspruch anmeldet. 



§• 10. 



3. hl sei eine dreifaclic AYurzel der (39), also: 



^50 
51 



A,„ h- + K-. K'-' + 



. . . + Ai^o + A 











m K K~' 



m 



1 ) A_, li 



m—2 







A, 







52) 



m (m~ 1 ) A„ h,"'-' + (m— 1 



m 



2) A,,_i h. 



m—B 



J • * « « 



2A. 







und 







m{m—r)(ni—2) KAj""^ + f^" 



1 \ (m 



9 




m 



"3)A_iÄ 



m — 4, 







\- .... -\- b A3 



von Xull verschieden. 

Die Bestimmung des Folgeglicdes h^a^' hangt 
einer Gleichung des dritten Grades, nämlich der: 



hiei' bekanntcrmassen von der Auflösun.ür 



t> 



; 



54 



^0 a"«» -f |)o' a^"' X, -f 4 f)o" a««" x,^ + I SX' a'^v- ^^ ^ 



^ ^1 



ab. Gewöhnlich ist: 



OD 



(56 



57 



f5S 



£)o ^ 



'^21.' 



% 



[K h 



m 







A_/ h 



m — 1 1 







. . . . + A/7io + Ao'] a 



C)o'a 







:>i)o ^ 



%" 



[^^ \n K 



m — 1 




m 



1)A_/Ä„' 



m—2 



4 * 



G '^ 



"^^ 



m a: k 

[(7) KM 



m-1 



2 ) ^m-l K 



m— 3 



V^A 



m- 



j^ 



m — 4 







+ A/] a 
• + A; ] a 



+ ■■■■+ A3] 



;/■ 



"■ ^'^■- 



*■^^.^■.^ ^^ ^ 



" -H" I.- ^l \ \- '^ .^.:^^-^. ■■^- ^^ 



.U^-UIdlL^^ CALaO> # Ol^ili 



h L^A:ai.A?All ^-^JOH H OkA C-^:^ AklC^b^ d 



.mhiL*fcmJ>JmJjpr.^^JA ^curi ■ - ,*= a-c>^^ .^ »J^ kx^ _. . .-^ .^ .v- -^^ ■ ^ .-■ 



■ Ü^.L^^^-^-»^.. 



■^■^^■■■* ..^ 



.. ^v.^->..^...^-0..^. --> ■■ V -... .^.' ..-■.. -■ ■■. .-.y..^^. ■ ^^^ -■ 



^^L^ •- x^niaj^ 



168 



Ignaz Heger. 



Die Coeffici eilten der (54) weisen daher bezüglich die Factoren 



a, a, a, a" auf und man 



gewinnt den Werth : 

(59) 



f. 



und zur Bestimmung von h 



1 



die binomische Gleichung des dritten Grades : 



(60) 



■^m "-o"^ 4" -^m—1 h 



m—1 







* « 



+ {^)KJi 



m — 3 







( 



V)A 



m 



ji 



m — 4 







A/ Äo + Ao' + 

. . . . -f- A3J Aj 







Man erhält also, wenn der Ausdruck (55) nicht Null ist, drei von einander verscliiedene 
Werthc für \a^'^ enthalten in der Form: 



(61) 



3 







. a 



\ 



V 



wenn man diese dritte Wurzel der ßeilie nach in ihren drei verschiedenen Bedeutungen nimmt. 
Jedes solche Glied öfehört einer einzi^ren AVurzel x und es ist somit die Trennung' der drei 



ö 



b 



3, 

Wurzeln erfolgt und gleichzeitig die Anwesenheit der Irrationalgrösse V a-^a in ihnen nach- 
gewiesen. Dies ist auch die einzige in ihnen erscheinende Irrationalgrösse dieser Gattung, 



denn die ferneren Entwickelun^sß-lieder drehen aus Gleichuncren des ersten Grades hervor 



ö'"ö 



1 



und können daher keine neuen Wurzelgrössen beherbergen. 

Wäre jedoch der Ausdruck (55) zufälliger Weise Null, so wird: 






■^x 



^ 
1 



(62) 



§)o*^ 



91 







[k: k 



Ä "h 



m — 1 







. . . . + A/' \ + Ao"] X 



; 



6 



während ^'^a^V, -^^^' a^^' und 

birgt in ihren Coefficientcn dann 
für Zy^ nämlich: 




III ^M '" 







a\ ihre früheren Werthe behalten. Die Gleichung (54) 
die Factoren: a% a, a, a^ und liefert jetzt zwei Werthe 



?. 



1 und f 



1 



1 
2 



Die Bestimmungsgleichungen für Ti^ sind bezüglich: 



(63) 



(64) 






+ [mAjh,r' + {m~l)A^Jh 



m~2 







* « * 






m 



1 ) K-^ Ä 



w 



Ü 




4 * ■ * 



3 ; A^ h--' + (-^) A„_, Ä 



^ — 4 







' t * * # p 



A'' 



A/] Ä, 

Ae] Ä/ = 











Die erste derselben liefert einen einzigen, die zweite aber zwei von einander und von 



Null verschiedene Werthe von li^. Man findet 
Trennung der Wurzeln ist wieder bewerkstelligt. 



dermassen drei Folgeglieder Ti^ ci^i^ und die 
Die erste derselben besteht in der Form : 



\ ^ 



*t- 



h 







Äi a + Äo a^ 4" 



die beiden anderen aber enthalten die IrrationalöTÖsse V a 



a 



und erscheinen in folgender 



Gestalt : 
(65) 



li^ + Ä^ af + \ a 



K^ 



h 



a 






/2'2 cl 



Hiermit ist Avieder die Untersuchung beendigt, Aveil durch die Trennung der Wurzeln das 
Hinzutreten einer neuen Irrationalgrösse bei fortgeführter EntAvickelung unmöglich wird. 



u^J-t 




Außoswngsmetlioclefdr algehraisclie BuclidabengleicJiungen etc. 



169 



Es kann aber auch, gleichzeitig der Ausdruck (55) und (56) ISTull werden, und dadurch 



-?)(,a"o und |)o'«'"o' iii <iei' Gleichung (54) die neuen AVerthe erhalten: 



(60 

(67 



^0« 



«0 



|)o'« 



31o' 



[ 



m 



m A,;' h. 



! ^-^m 
n 1 m — 1 



A // 7^ m—1 



/' Ji 







» « 



A/'Äo + Ao"]a^ 



+ (to-~1)A_/'A 



//t— 2 I 







. . . + A/'] a^ 



wälirend |)o"t^'^"" iind |)o"'^^^"" ^l^ci iliren alten AVcrtlicn (57) und (58) belassen Averden. Die 
Cücfficienten der Gleichung (54) weisen dann bezüglich die Factoren: 



o 2 

a 5 a 



. a . a 







auf, und ihnen ontspriclit ein einziger AVcrth: 



''68 



5 

^0 



Die Bestimmungsgieichung in h^ ist eine binomische: 



(69) 



AJ' h 



m 



m '^0 



[{t)KK 



J: 



m~Z 



A„_/'Ao™-^+ ... ^KK-\-K + 



f( 



"VM A 



m- 



ji 



m—'-i 







• • • ~r -^sj '^1 







und liefert daher stets drei verschiedene AVerthe für Ä . Das Folgeglicd ist daher Folgendes 



3 _. 



70) 



h^a^ 




k^n'h 



Om 



+ Ä„i-l"V"-l -f- ■ ...+A."Ao-i-Ä 



n 







(-)A,«A,— 3 + ( 



>n-l 



3 )Aw- 



^^^ra-AJ^ . . . . + A 



. a» 



Avobei die dritte AVurzel in ihren drei verschiedenen Bedeutungen genommen werden muss. 
Es erfolgt also in diesem Falle die Trennung der Wurzeln im zw^eiten Entwickelungsgliede, 



Va 



a aufweist. 



Endlich Icönnen alle drei Ausdrücke (55), (56), (6G) gleichzeitig N'ull sein, und daher die 
Coefficienten der Gleichung (54) die Werthe erhalten: 



71 

(72) 

(73) 






91 







-^0 









^+ . . . +ArAo+A;"]a 



■m ' "0 



m- 



i)A_;'Äo 



m—2 




|);'a'V'_[g)A:A 



■m 



m 







-^\ A ' h 



m — 3 



• ■ ■ + At 



a 



^} 



. . . — j— xx.> cl 



74 



2 . 3 



^o" « 



%'" 



[( 



"^1 A h 



»i— 3 



+ ( 



3 



A^_i ß 



m — 4 



Ü 




. . H- A 

I 



Die Coefficienten weisen dann die Factoren: 



: 



a , a" 5 a , a 



Ü 



auf und liefern demnach den Werth: 



c. = l 



nnd für h die Bestimmunp'sdeichung 



io'-iD 



AJ" h 



m 'h 



m \ 



A_/" h-' -f- . . . + A/" h, + a;" + 



75 



[0 



m — 1 







m 



i)A^_;'Ä 



m—2 







+ 



;;mA,;z 



M '^0 



wi— '^ 



(-')A'_,/c-H 



• 4 



-f[ 



m 



3 y ^^m '^0 



771 



+ CV)A_,Ä 



?n— 4 







* * 



+a;']a, 
+ a; j /./ + 



A 



3 



Ä,^ 



0. 



Die Wurzeln besitzen also die zwei Anfangsglieder 



X 



K + K a + 



Denkschrifii'i) der mafluMn.-Haturw. CI. XIII. Bd. Abhandl. v. Nichtmitgl. 



W 



iW^i 



tj 



170 



Ignaz Heger. 



und wir befinden uns jetzt wieder am Ausgangspunkt ähnlicher Distinctioncn, wie beim Anfangs- 
gliedc /i„. Sind nämlich alle drei Wurzeln li, der Gleichung (75) von einander verschie- 
den, so ist die Trennung der Wurzeln erfolgt, ohne alles Auftreten einer Irrationalgrösse, und 



es ist nunmehr ausser allem Zweifel, dass für a 



a die Stetigkeit dieser drei Wurzeln nicht 



unterbrochen ist und dass sie vermittelst der Mae-Laurin'schen Formel entwickelbar sind. 
Finden sich aber unter den Wurzeln der Gleichmig (70) gleiche vor, so können es wieder 
entweder doppelte oder dreifeicho sein. Sind zwei Wurzeln gleich, die dritte aber 
verschieden, so ist, nur eine einzige Wurzel x vollkommen isolirt und folglich auch erwie- 
senermassen von einer Irrationalgrösse von der betrachteten Gestalt frei, die beiden anderen 
stimmen aber in den aufgesuchten zwei ersten Entwickelungsgliedern überein und können 



daher nur die Irrationalgrösse V a 



-a bergen, oder auch nicht. Man hat zur Entscheidung 



dieser Frage die Entwickclung dieser zwei Wurzeln noch weiter zu führen , so lange bis die 
Trennung derselben erfolgt. Sind endlich alle drei Wurzeln der (75) gleich, so hat man alle 
drei Werthe x weiter zu entwickeln und kann dann eben sowohl zur Irrationalgrösse V 



a 



a. 



in zweien dcrsclbenj oder zur anderen V a 
beiden gelangen. 



a in allen dreien, oder endlicli zu keiner von 



Wir erachten es niclit für nötliig, dies wirklich durchzuführen: die vorherG-eranö-enen 



Untersuchungen erläutern es zur Genüge. Eben so wenig wollen wir jene anderen Fälle einer 
eigenen Betrachtung unterwerfen, wo die Gleichung (39 



vier, fünf und allgemein r gleiche 



AVurzcln Ji^ liefert. Diese Untersuchungen würden schon um Vieles complicirtcr ausfallen, 
im. AVesentlichen aber doch nichts IsTeues bieten. Es würde sich zeigen^ dass beim Auftreten 



von r gleichen Wurzeln h^. 



.grossen V 



a 



7 



a 



a 



Va 



a. oder auch 



keine von ihnen auftritt. Es können entweder nur eine einzige, oder auch zwei oder noch 
mehrere derselben sich ergeben; Letzteres aber nur dann, wenn die Zahl r oder die unter ihr 
liegenden in zwei oder mehrere Faetoren zerlegbar sind. So z. B. können bei G gleichen 



Wurzeln ^^ , die Irrationalgrössen V a 



a 



V 



a 



kommen , aber au 



1^ 



a 



a un 



V 



a^ Va 



a 



1 



\^ 



a 



a im 



V 



a 



a einzeln vor- 



a 



a beide zugleich erscheinen. Die Irrationalgrösse 



e rschein t immer in so vielen Wurzeln x, als ihr verschiedene Bedeutungen zukommen, also 



Va 



a immer in r Wurzeln. Diese Wurzeln stimmen in allen vorhergehenden Entwickelun^s- 



gliedern überein, und unterscheiden sich erst 'm dem mit der Irrationalgrösse behafteten Ent- 
wickclungsglicde von einander. Alle diese Erscheinungen lassen sich ohne alle Schwierigkeit 
für jede Anzahl r gleicher Wurzeln ableiten, nur sieht man sich, wenn man dies allgemein 
thun will, in eine Unzahl von Distinctioncn verwickelt. Vergleicht man dabei den Entwicke- 
lungsgang mit jenem, der sich auf die Mac-Laurin'sche Formel stützt, so bemerkt man die 
vollkommenste Übereinstimmung zwischen beiden, solange in den Entwickelungsgliedern a mit 
ganzen und positiven Exponenten verschen ist; sobald aber ein gebrochener Werth des Expo- 
nenten auftaucht, tritt der Unterschied der beiden Methoden ans Tageslicht. Unsere Methode 
erweist sich fortan als brauchbar, während die andere durch eine widersprechende Bedingungs- 
gleichung zu erkennen gibt, dass der Bereich ihrer Giltigkeit überschritten sei. 



f 



Jl 



^-Hb 



y-^ 



Auß'ösungsmetliode für algebraische Buchstalengleiclmngen etc 



171 



§. 11. 



i 



Fassen Avir nun die Ergebnisse dieser üntersucliungcn zusammen, so gelangen wir zur 
folgenden Eegel, um die Irrationalgrössen kennen zu lernen, die in den Wurzeln einer gege- 
benen algebraisclien Gleichung mit rationalen Coeffieienten ersclieinen. 



noeli die durcli einmaliges 



Erstens: Man füge zu der gegebenen Gleichung P 
Differentiiren partiell nacli o^ abgeleitete andere: — = hinzu und löse dieses System von 
zwei Gleichunii'en mit den zwei Unbekannten a und x nach a auf und notire alle so erhaltenen 

Wertlie als a. der zweiten Gattung. 

Zweitens: Man unterwerfe nun jeden dieser Wertlie a einer eigenen Untersuchung, 
welche die Frage zu beantworten hat, oh demselben eine Irrationalgrösse in den Wurzeln x 

Man leitet desshalb die aufsteigende Entwiekelung nach Potenzen von 



a 



entspricht oder nicht. 

a ein, aber führt dieselbe nur so weit durch, bis jede Wurzel x vollkommen isolirt ist. 

Bei der Bestimmung der Aufaugsglicder erhält man unter ilmcn gleiche, und zwar bald nur 
eine einzige Gruppe, bald aber auch mehrere. Nach der Bestimmung der Anfangsglieder 
schreitet man zur Entwiekelung der Folgcglieder, vollführt diese aber nur bei jenen Wurzelu, 

also an jenen Anfangsgliedern, 



die durch die Anfangsglicdcr noch nicht isolirt erscheinen, 
die zweien oder mehreren Wurzeln gemeinschaftlich zukommen , und bestimmt nur so viele 
Folgcglieder, bis die Trennung der Wurzeln erfolgt ist. Auf diese Weise erhält man eine 
jede Wurzel in einer Anzahl von Anfangsgliedcrn entwickelt; in so vielen, als zu ihrer 
vollständigen Isolirung von allen übrigen hinreicht. Findet sich unter diesen Gliedern eines, 
und zwar meistcntheils das letzte mit einem gebrochenen Exponenten von a versehen, so 
liegt es am Tage, dass die betreffende Wurzel x eine Irrationalgrösse beherbergt, wo 
a als Factor unter dem AYurzelz eichen erscheint. Der Nenner des gebrochenen Expo- 
Ist hingegen unter den entwickelten 



a 

nenten ist zugleich der Index dieses Wurzelzeichens. 



Gliedern keines mit einem gebrochejien Exponenten versehen , so ist es auch ausser allem 
Zweifel, dass diese Wurzel keine solche Irrationalgrösse mit a — a als Factor unter deniAVurzel- 
zeichen beherbere-e. Da diese Lmtcrsuchung der Reihe nach an allen Werthen a vorgenommen 

= 



wird, die durch Auflösung des oberw'ähnten Systems von zwei Gleichungen P=== 0, — 
erhalten wurden so o-clano-t man zu allen einfachen Factoren . aus w^clchen die Irrational- 
OTössen in den "Wurzeln bestehen. 



Wir müssen noch einio-e wichtige Bemerkungen folgen lassen, die vsich auf specielle Fäll 



beziehen, von denen bisher keine Erwähnung geschah. 



Diese Fälle sind fob'cnde zwei: 



( 



j 



1. Es kann o-eschehen, dass das System von zwei Gleichungen, das zu demW'erthe a der 
zweiten Gattuno- führen soll, einen Werth der ersten Gattung liefert, d. h. einen solchen, der 



w 



r 

2. dass die zwei Gleichungen einen gemeinschaftlichen Factor aufweisen und folglich für 
jeden beliebigen W^erth von a erfüllbar sind. Geschieht das Letztere, so ist der Beweis her- 
gestellt, dass die gegebene Gleichung P= gleiche Wurzeln x besitzt. 



■« 



- :}: 



172 



Ignaz Heger. 



In dem erstcrcn dieser beiden Fälle benimmt man sich auf ganz gleiche Weise, wie sonst. 
Da der Werth a gleichzeitig der ersten und zweiten Gattung angehört, so werden nur unter 
den Anfangsgliedern auch solche mit negativem Werthe von ^„ erscheinen. Auf die weitere 
Entwickelung hat dies aber keinen Einfluss, sondern man entwickelt jede Wurzel x so weit, 
bis sie isolirt erscheint. 

Der zweite dieser beiden Fälle aber bedarf einer ganz anderen Behandlung, denn da nun 
erwiesen ist, dass die gegebene Gleichung P = gleiche Wurzeln besitzt, so wird es niemals 
gelingen, alle Wurzeln bis zur vollständigen Isolirung entwickeln zu können; die gleichen 
Wurzeln werden fortan in den Entwich elungsgliedern übereinstimmen. Andererseits aber ist 
auch die Angabe der AVerthe a der zweiten Gattung noch mangelhaft, und es können in den 
gleichen Wurzeln Irrationalgrössen erseheinen , deren Werthe a unter den aufgesuchten nicht 
vorfindig sind. Man kann in diesem Falle wohl verschiedene AVege einschlagen , die alle zum 



o 



Ziele führen; am einfachsten ist es aber jedenfalls, den in P und — gemeinschaftlich erschei- 

d.r. ^ 

nenden Factor auf bekannte Weise zu suchen. Derselbe kann im Allgemeinen eine Function 
beider Buchstabcngrössen x, a sein. Setzt man ihn nun gleich Null, so liegt eine Partial- 
gleichung vor, die jedenfalls weit einfacher ist, als die ursprünglich gegebene P=0. Durch 
Auflösung derselben wird man gewisse Werthe von x finden, die auch die P=0 erfüllen und 
namentlich in derselben als wiederholte Wurzeln erscheinen. Jedenfalls wird man aus dieser 
neuen Partialgleichung mit viel geringerer Mühe alle auf diese gleichen AVurzeln x Bezug 
habenden Fragen beantworten, also auch die in ihnen erscheinenden Irrationalgrössen ermitteln 
können, denn in ihr erscheint jede wiederholteAVurzel der Gleichung P= um einmal minder 
oft. Die doppelten AVurzeln der P=0 erscheinen hier als einfache und lassen sich daher 
jedenfalls isoliren. Wiederholte AVurzeln können in ihr nur erscheinen, wenn r=0 dreifache, 
vierfache AVurzeln u. s. w. besass , und selbst in diesem Falle kann man immer zu einer ein- 
facheren Gleichung gelangen, welche diese wiederholten Wurzeln nur einmal besitzt, und bei 
der demnach die Isolirung derselben und folglich auch jede auf Irrationalgrössen Bezug 



habende Untersuchung ohne Schwierigkeit ausgeführt werden kann. Der Fall, wo P 







wiederholte AVurzeln besitzt, ist überhaupt stets viel günstiger als derjenige, wo dies nicht der 
Fall ist, denn in den meisten Fällen gelingt es, diese wiederholten AVurzeln in geschlos- 
sener Form zu finden, und man ist dadurch alsogleich vieler mühsamen Untersuchungen 
überhoben. 

In den bisherigen Untersuchungen wurde in der ursprünglich gegebenen Gleichung P=0 
das Gleichungspolynom P als ganzes und rationales vorausgesetzt. Nichts desto weniger gilt 
alles bisher Gesagte ebenfalls für die anderen Fälle, wo im Gleichungspolynomc Pr=S[IIa'x' 
auch gebrochene oder negative Exponenten a und ^ erscheinen. Es ist zwar Sitte jede irra- 
tionale oder gebrochene Gleichung in eine rationale und ganze zu verwandeln, allein diese 
Transformation ist keine nothwendigc und nur in gewissen Fällen von Vortheil. Uns ist hier 
nicht der Raum gestattet, näher darauf einzugehen. AVir wollen nur die Bemerkung machen, 
dass bei Gleichungen, die nach x ganz und rational sind, also in der Form : 






Ä 



m 



x"^ -\- A 



m — 1 



X 



m—i 



A 



m — 2 



X 



m- 



o 



I ■ • # ~| .jCI o J^ 



A,x 4- A 











crsclieinen, bei welchen aber die Coefficienten A irrationale Elemente in sich bero-cn, dieselben 
auch im Allgemeinen in einer oder mehreren Wurzeln vorkommen. Die genauen Angaben 



AuflösitngsmethodefUr algebraische Buclistabengleiclitingen etc. 



173 



über das Erscheinen dieser Irrationalgrösscn liefert aucli hier die genügend weit fortgesetzte 
aufsteio^ende Entwickclunir der Wurzel x nach Potenzen einer schicklich P:ewählten Grösse 



a 



a\ hier aber reicht es nicht hin, die Entwickelung nur bis zur Isolirung der einzelnen 
Wurzeln fortzusetzen, weil diese in den Coefficienten der Gleichung erscheinenden Irrational- 
grösscn gelegentlich nur einer einzigen AVurzel x zukommen und erst in den späteren Ent- 
Wickelungsgliedern auftreten können. Man ist desshalb verhalten, entweder sich in einer 
anderen Weise die Überzeuo-uni}' zu verschaffen, dass die beliebig weit fortgesetzte EntAvicke- 



lung kein neues irrationales Element mehr bringen könne oder aber zur entsprechenden Glei- 
chung überzugehen, bei der die irrationalen Elemente immer in einer Gruppe von Wurzeln x 
gleichzeitig erscheinen und an ihr die Entwickelung bis zur vollständigen Isolirung der Wur- 
zeln vorzunehmen. 

Das Aufsuchen der irrationalen Elemente in den Wurzeln x hat im Grunde nur eine 
untergeordnete Bedeutung, da sie nicht wie die absteigende Entwickelung und die Bestimmung 
der Nenner über eine Haupteigenschaft der Genüge leistenden Functionen Aufschluss ertheilt. 
Diese beiden letztgenannten Untersuchungen führen nämlich zu allen Asymptoten der Curve, 
deren Gleichung P=:0 ist und gerade die Kenntniss der Curven in ihrem unendlichen Ver- 
laufe ist für den mathematischen Forscher meistentheils die wichtigere. Die Bestimmung der 
in den Wurzeln erscheinenden irrationalen Elemente hat aber einen anderen Nutzen; sie macht 
es nämlich gar nicht selten möglich, die Wurzeln einer Gleichung höheren Grades in ge- 
schlossener Form zu finden, indem sie die nöthigen Andeutungen gibt, ob eine solche 
erwartet werden, und den Weg bezeichnet, auf dem man zu derselben gelangen könne. Die 
nachfolgenden Beisiaiele werden über diesen Punkt einige Aufklärung geben. In unserer 
Absicht liegt es aber keineswegs diesen CxCgenstand vollständig zu erschöpfen. Die Entscheidung 
der Frage, ob geschlossene Formen der Genüge leistenden Functionen bei einer vorgelegten 
Buchstabeno-leichunP- wirklich vorhanden seien und wie mau die wirklich bestehenden durch 
ein geregeltes analytisches Verfahren und ohne Probiren gewinnen könne, bildet vielmehr eni 
Problem, das bisher, so zu sagen, noch nicht im Entferntesten seiner Lösung entgegen sieht. 
Die hier freo-ebenen Andeutun<ren ^reiten nur für die einfachsten Fälle. 



to^'ö 



ö 



b 



. 13. 



AYir wollen nun hier einige Beispiele zur Erläuterung folgen lassen. 



Erstes Beispiel: 



x 



2a'x^ 



+ [ 



a 



a 



l]x\+[4:a' + a^-o]x' + [ 



2 a 



2 a' + 10 d 



2a 



2]x + 



+ [«•' 



5 a' 



a' + G a 



5] 



0, 



fügen wir zu dieser gegebenen Buchstabengleichung ihre Derivirte hinzu: 



5x 



8a^a;=' + 3[ 



a 



a 






1 , X 



l]x- + 2[4a^ + a— 5].r+[— 2 a* — 2a=+10a' + 2a