Skip to main content

Full text of "Musologie. Systematische übersicht des entwickelungsganges der sprachen, schriften, drucke, bibliotheken, lehr-anstalten, literaturen, wissenschaften und künste, der bibliographie und des literarhistorischen studiums"

Google 



This is a digital copy of a bix>k lhat was preservcd for gcncralions on library sIil-Ivl-s before il was carcfully scanncd by Google as pari ol'a projeel 

to makc the world's books discovcrable online. 

Il has survived long enough Tor the Copyright lo expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subjeel 

to Copyright or whose legal Copyright terni has expired. Whether a book is in the public domain niay vary country tocountry. Public domain books 

are our gateways to the past. representing a wealth ol'history. eulture and knowledge that 's ol'ten dillicult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this lile - a reminder of this book's long journey from the 

publisher lo a library and linally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries lo digili/e public domain malerials and make ihem widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their cuslodians. Neverlheless. this work is expensive. so in order lo keep providing this resource. we have laken Steps lo 
prevent abuse by commercial parlics. iiicIiiJiiig placmg lechnical reslriclions on aulomatecl querying. 
We alsoasklhat you: 

+ Make non -commercial u.se of the fites We designed Google Book Search for use by individuals. and we reüuesl lhat you usc these files for 
personal, non -commercial purposes. 

+ Refrain from imtomuted qu erring Do not send aulomated üueries of any sorl to Google's System: If you are conducling research on machine 
translation. optical characler recognilion or olher areas where access to a large amounl of lex! is helpful. please contacl us. We encourage the 
use of public domain malerials for these purposes and may bc able to help. 

+ Maintain attribution The Google "walermark" you see on each lile is essential for informing people about this projeel and hclping them lind 
additional malerials ihrough Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use. remember that you are responsable for ensuring lhat what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in ihc United Siatcs. lhat ihc work is also in the public domain for users in other 

counlries. Whelher a book is slill in Copyright varies from counlry lo counlry. and we can'l offer guidance on whelher any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be usec! in any manncr 
anywhere in the world. Copyright infringemenl liability can bc quite severe. 

About Google Book Search 

Google 's mission is lo organize the world's information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover ihc world's books wlulc liclpmg aulliors and publishers rcacli new audiences. You can searcli ihrough llic lull lexl of this book on llic web 
al |_-.:. :.-.-:: / / bööki . qooqle . com/| 



Google 



Über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches. Jas seil Generalionen in Jen Renalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Well online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat Jas Urlieberreclil ühcrdaucrl imJ kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich isi. kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheil und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar. das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren. Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Original band enthalten sind, linden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Niitmngsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichlsdcstoiroiz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sic diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sic keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zcichcncrkcnnung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist. wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google- Markende meinen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sic in jeder Datei linden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuchczu linden. Bitte entfernen Sic das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sic nicht davon aus. dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich isi. auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sic nicht davon aus. dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechlsverlelzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 

Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Wel t zu entdecken, und unlcrs lül/1 Aulmvii und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 
Den gesamten Buchlexl können Sic im Internet unter |htt : '- : / /-■:,■:,<.-: . .j -;.-;. .j _ ^ . .::-;. -y] durchsuchen. 



II 






moFCR n oi 




f t ' / /. 

// " »r/* '77 







A » 



i r 



\ ÜRITAS 



1 



31 



MUSOLOGIE. 



/ 

( 



lUSOLOGEE. 



SYSTEMATISCHE ÜBERSICHT 

DES 

ENTWICKLUNGSGANGES 

DER 

SPRACHEN, SCHRIFTEN, DRÜCKE, BIBLIOTHEKEN, LEHR- 
ANSTALTEN, LITERATUREN, 

WISSENSCHAFTEN UND KÜNSTE, 

DER 

BIBLIOGRAPHIE UND DES LITERARHISTORISCHEN STUDIUMS. 



VON 

KARL FRIEDRICH MERLEKER. 



r ' 



LEIPZIG: 
F. A. BROCKHAUS 

4857. 



#0 9 



STJJfr* -0/& 



Vorrede. 



Die allgemeine oder Culturgeschichte erfasst den 
Mensehen nach allen Lebensrichtungen in Staat und 
Kirche, mithin den physischen und psychischen, und 
letzteres bedeutet hier den politischen, moralischen 
und intellectuellen Menschen. 

Ein wesentlicher Theil der Culturgeschichte ist 
die Musologie, welche den intellectuellen oder 
scientifischen Menschen zum Gegenstande hat. Folglich 
ist Musologie diejenige Wissenschaft, welche in syste- 
matischer Ordnung und historischer Reihenfolge mit 
den literarischen Erzeugnissen und wissenschaftlichen 
Leistungen der Menschen, also mit der Gesammtheit 
der in Sprache, Schrift und Druck vorhandenen Geistes- 
erzeugnisse, bekannt macht, ganz abgesehen von dem 
sachlichen und formellen Unterschied derselben. 

Dieser Unterschied begründet sofort die Unter- 
scheidung zwischen originellen oder ursprünglichen, 
unmittelbar aus der schöpferischen Kraft des mensch- 
lichen Geistes hervorgegangenen und zwischen den 



VI Vorrede. 

secundären oder doctrinären, durch die erstem be- 
dingten und an sie anknüpfenden Geisteserzeugnissen. 
Die erstem lassen sich der Kürze wegen die posi- 
tiven, die letztern dagegen die negativen Lei- 
stungen benennen. 

Daraus folgt, dass die Musologie nach zwei Rich- 
tungen hin ihren Weg einzuschlagen und ihre Aufgabe 
zu lösen hat, indem sie einerseits die Literatur, 
andererseits die durch jene veranlasste Gelehrsam- 
keit so vollständig, als es nur irgend gelingen mag, 
nachweisen muss; da wir unter dieser doppelten Be- 
zeichnung alle diejenigen geistigen Schöpfungen oder 
Werke der Menschen zu verstehen haben , welche durch 
das doppelte Medium der Sprache und der Schrift oder 
des Drucks zur sinnlichen Erscheinung gebracht wor- 
den sind. 

Dieses Doppelgebiet stellt sich in dem vorliegen- 
den Buche dem Auge auch äusserlich dar, als Text 
und Anmerkung, oder als Geschichte und Biblio- 
graphie. 

In gleichmässiger Berechtigung zu dieser Zweithei- 
lung steht, wie es scheint, eine andere Vertheilung 
des ganzen Materials in drei Bücher, unter denen 
das erste, den allgemeinen Theil umfassend, von 
der Vorbereitung und Ausbildung des Menschen 
handelt, oder die Möglichkeit nachweist, einst auf dem 



Vorrede. VII 

Doppelgebiet der Literatur und Gelehrsamkeit sowol 
zu eigenen als auch zur Orientirung über vorangegan- 
gene Leistungen befähigt zu werden. Dieses Buch 
nenne ich daher nach eigener Terminologie und mit 
einer eigentümlich gebildeten vox hybrida , der man 
aber die Bedeutung augenblicklich anhört, Koino- 
doktologie und handle in derselben in fünf Capiteln 
von der Sprache (Phonologie) , der Schrift (Graphologie), 
dem Druck (Typologie), den Büchern und Büchersamm- 
lungen (Bibliologie) und von den Bildungsanstalten 
(Studiologie , Grammatologie , Mathematologie). 

Dieses ganze Buch gehört eigentlich der zweiten 
Hälfte jenes Doppelgebiets an, indem es weniger mit 
der originellen als vielmehr mit der doctrinären Intel- 
lectualität des Menschen zu thun hat, sich daher nicht 
sowol mit der Literatur als vorzugsweise mit der Ge- 
lehrsamkeit beschäftigt. 

Das zweite Buch ist als das mittlere von dreien 
zugleich der eigentliche Kern meiner Arbeit, um des- 
willen auch die beiden andern entstanden sind; sie 
umlagern gleichsam den Stamm wie Sätzlinge, das 
Original als weitverzweigte, aber menschlicher Bil- 
dungsfahigkeit gleichwol zugängliche, auch erreich- 
bare Abdrücke. 

Hier ist die Rede von den Nationalliteraturen 
der culturhistorischen Völker nach gewissem Mass und 



VIII Vorrede. 

mit noth wendiger Beschränkung; denn auf einem so 
umfassenden Gebiete der Cultur und bei so reichhal- 
tigem Stoffe der Leistung kann es bei einem päda- 
gogisch gehaltenen Grundriss natürlich nur auf 
die Darstellung der literarischen Hauptmomente, nur 
der bedeutendsten Volker und deren wichtigste Schrift- 
steller und Schriften abgesehen sein. 

Dieses Buch fuhrt, bei meinem Streben nach 
prägnanter Bezeichnung, die ich vielleicht weniger 
glücklich als manche Franzosen erreicht habe, den Titel 
Ethilodoktologie und gehört seinem Hauptinhalte 
nach der Originalität scientifischer Leistungen, also der 
eigentlichen Literatur, an und sondert sich deshalb mit 
strenger Abscheidung in den literarhistorischen Text 
und die bibliographischen Anmerkungen. Seine drei 
Unterabtheilungen behandeln die Literaturen der Orien- 
talen, der classischen Völker und der Occidentalen ; 
letztere wiederum nach den drei hervortretenden 
Sprachkreisen des romanischen, germanischen und 

slawischen Terra^* 

Das drittö^^B^eh bietet den angewandten 
Theil oder die läigentlich sogenannte Gelehrsam- 
keit, insofern in demselben die scientifischen Lei- 
stungen der Literarkoryphäen für die Wissenschaften 
und die freien Künste abgehandelt werden. Es ist 
gleichsam der Nützlichkeitstheil und deshalb für ihn die 



Vorrede. IX 

Bezeichnung Ohresimodoktologie gewählt. Er ist 
gleichmässig positiv und negativ, eine Vereinigung des 
Schaffens und der Doctrin, ein Complex der Gründer der 
Wissenschaft und Kunst, wie der Förderer derselben. 
Seine beiden Unterabtheilungen ergeben sich von selbst, 
die eine als eigentliche Wissenschaftslehre oder Epi- 
stematologie, die andere als Literatur der Kunst, 
zur Vermeidung des Misverständnisses nicht Kunstlehre, 
sondern Kalotechnologie geheissen. 

Wenn nun aus dem Ganzen und speciell aus dem 
Bestreben, Systeme der Wissenschaften und Künste 
hinzustellen, die historische Festhaltung eines Systems 
deutlich vor die Augen tritt, so wird man den Titel 
des Werks, Musologie, gerechtfertigt finden, da es 
mehr bietet als eine Geschichte der Literatur 
oder Gelehrsamkeit, indem es beide Rich- 
tungen zu vereinigen sucht. 

Eine Eintheilung in Perioden, wie man sie an ge- 
schichtlichen Werken gewohnt ist, war hier unzweck- 
mässig, zumal da jedes Capitel eine eigene Periodisirung 
seines Stoffs in Anspruch nahm. 

Fragt man endlich nach Absicht und Zweck dieser 
Schrift, so ist Beides in wenigen Worten dargelegt. 
Gross ist der Umfang der von mir so genannten positiven 
Gelehrsamkeit und mindestens zehnfach so gross der 
Complex der sogenannten negativen. Gleichwol bleibt 



X Vorrede. 

es wunschenswerth , dass jeder Gebildete, namentlich 
jeder Studirende, sich eine allgemeine Uebersicht des 
menschlichen Wissens zu verschaffen suche, um sich 
auf dem orbis doctrinae richtig zu orientiren. Diese 
Möglichkeit soll das vorliegende Werk vermitteln , und 
ich werde mich freuen , wenn mein Wunsch durch meine 
Leistung einigermassen erfüllt wird. 

Königsberg in Pr., am 29. Decbr. 1856. 



Erklärung der abgekürzten Vornamen. 



A. 

A., August. 

Ab., Abel. 

Abr., Abraham. 

Ad., Adam. 

Adf., Adolf. 

Adlb., Adalbert. 

Adr., Adrian. 

Agst., Augustin. 

Alb. , Albr. , Albert, 

Albrecht. 
Alf., Alfons. 
Alfr., Alfred. 
Alo. , Aloys. 
Alx., Alexander. 
Alxi. , Alexius. 
Amad. , Amadeus. 
Ambr., Ambrosius. 
And., Andreas. 
Ang., Angelus. 
Ans., Anselm. 
Ant. , Anton. 
Ar. , Arthur. 
Arn., Arnold. 
Ath., Athanasius.' 

B. 

Bk., Burkar d. 
Bd., Benedict. 
Bf., Bonifacius. 
Bhd., Bernhard, Bern- 
hardin. 
Bj., Benjamin. 
Bm., Bartholomäus. 
Br., Bruno. 
Bas., Basilius. 
Bt., Baptist. 
Btd., Bartold. 
Bths., Balthasar. 

C. 

Caj., Cajetan. 
Cam., Camillus. 



Ch., Christian. 
Chli. , Christlieb. 
Cl. , Claudius. 
Clm. , Clemens. 
Com., Cornelius. 
Cp., Christoph. 

D. 

D., David. 
Di., Dionys. 
Dm., Dominicus. 
Dn., Daniel. 
Dt., Dietrich. 
Dtl., Detlev. 

E. 

E., Ernst. 
Ebh., Eberhard. 
Ed., Eduard. 
Edm., Edmund. 
Em., Emil. 
Erh., Erhard. 
Eug., Eugen. 
Eust., Eustacbius. 
Ew., Ewald. 

F. 

F., Friedrich. 
Fchtg., Fürchtegott. 
Fd., Ferdinand. 
Fei., Felix. 
Fr., Franz. 

G. 

G., Georg. 
Gbh., Gebhard. 
Gbr., Gabriel. 
Gf., Gottfried. 
Gh., Gerhard. 
Ghf., Gotthelf. 
Ghld., Gotthold. 
GH., Gottlieb. 
Glo., Gottlob. 
Gsch., Gottschalk. 



Gst. , Gustav. 
Gth., Günther. 

H. 

H., Heinrich. 
Hb., Hubert. 
Hg., Hugo. 
Hil. , Hilarius. 
Hippol. , Hippolyt. 
Hm. , .Hermann. 
Hrs., Hieronymus. 
Hs., Hans. 
Htm., Hartmann. 

I. 

Ign., Ignatz. 
Im., Immanuel. 
Inn., Innocenz. 
Is., Isaak. 
Isid., Isidor. 

J. 

J., Johann. 
Jak., Jakob. 
Jer., Jeremias. 
Jes., Jesaias. 
Jo., Joachim. 
Jon., Jonas. 
Jos., Joseph. 
Jth. , Jonathan. 
Jul., Julius. 
Just., Justus. 

K. 

K., Karl. 
Kas., Kasimir. 
Kp., Kaspar. 
Kr., Konrad. 
Kst., Konstantin. 

L. 

L., Ludwig. 
Lb. , Lambert , Lam- 
brecht. 



Xu Erklärung der abgekürzten Vornamen. 



Lbr., Lebrecht. 
Ldf., Ludolf. 
Lhd., Leonhard. 
Lp., Leopold. 
Lr. , Lorenz. 
Luc, Lucas. 

M. 

M., Marcus. 
Mch., Michael. 
Mich., Melchior. 
Mr., Moritz. 
Mt., Martin. 
Mth., Matthäus. 
Mthi., Matthias. 
Mx., Maximilian. 

N. 

N., Nikolaus. 
Nth., Nathanael. 

O. 

O., Otto. 
Oct., Octavius. 
Osw., Oswald. 



P., Paul. 
Ph., Philipp. 
Phb., Philibert. 
Psp., Prosper. 
Pt., Peter. 



Q. 
Q. , Quintus. 

R. 

Rb., Robert. 
Reh., Richard. 
Rdf., Rudolf. 
Rhd., Reinhard. 
Rhld., Reinhold. 
Rmd., Raimund. 
Rpr., Ruprecht. 

S. 

Sal., Salomo. 
Sb., Sebastian. 
Sc, Scipio. 
Sev., Severin. 
Sgfr., Siegfried. 
Sgm., Sigmund. 
Sim., Simon. 
Sm., Samuel. 
St., Stephan. 
Stn. t Stanislaus. 
Sylv., Sylvester. 

T. 

T., Titus. 
Tb., Tobias. 
Th., Thomas. 
Thb., Theobald. 



Thdd., Thaddäus. 
Thdr., Theodor. 
Thds., Theodosius. 
Thph., Theophilus. 
Tim., Timotheus. 
Trg., Traugott. 

U. 

U., Ulrich. 
Urb., Urban. 

V. 

Val., Valentin. 
Vct., Victor. 
Vlkm., Volkmar. 
Vt., Veit. 
Vz., Vinzenz. 

W. 

W., Wilhelm. 
Wfg., Wolfgang. 
Wold., Woldemar. 
Wr., Werner. 
Wth., Walther. 
Wz., Wenzel. 

X. 

X., Xaver. 

Z. 

Z., Zacharias. 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung: Geschichte des literarhistorischen Studiums, §.4 — 4 .... 4 

Erstes Buch: Allgemeiner Theil. Vorbereitung und Ausbildung. 

Koinodoktologie, §. 5 5 

Cap. 4 . Phonologie, §.6 — 44 5 

Cap. 2. Graphologie, §. 42 — 26 8 

Cap. 3. Typologie*, §. 27 — 29 45 

Cap. 4. Bibliologie, §. 30— 35 47 

Cap. 5. Studiologie. Grammatologie. Mathematologie, §. 36 — 56 22 
Zweites Buch: Besonderer Theil. Die Nationalliteraturen. Ethno- 

doktologie, §. 57 46 

Erste' Abtheilung: Orientalische Literaturen, §. 58. 59 46 

Cap. 6. Chinesen, §. 60 — 64 47 

Japanesen , §. 65 50 

Cap. 7. Inder, §. 66 — 76. (Thierfabeln, §. 75.) 54 

Cap. 8. Iranier, §. 77 — 84. (Literatur des Zendvolkes, §. 79.) . . . . 57 
Cap. 9. Perser, §.82 — 95. (Sieben Perioden neupersischer Poesie 

und Literatur, §. 84.) 60 

Cap. 40. Semiten, §.96 — 403. (Syrisch, Chaldäisch, Punisch, Aetjiio- 

pisch, Koptisch, Armenisch, Georgisch.) 67 

Cap. 4 4. Araber, §.404 — 4 44. (Heidnische Zeit, §. 405. Islamitische 

Zeit, §. 406 — 444.) ...; 72 

Cap. 42. Osmanen, §. 445 — 449 84 

Cap. 43. Hebräer, §. 420 — 427. (Die heilige Schrift Alten Testa- 
ments, §. 423.) 84 

Cap. 44. Juden, §. 428—437. (Neun Perioden, §. 428.) 88 

Zweite Abtheilung: Classische Literaturen, §. 438. 439 93 

Cap. 45. Umfang, §. 440. 444 . . . 94 

Cap. 46. Hellenen, §. 442 — 249 96 

I. Die mythische oder vorhomerische Periode, §.446 98 



XIV Inhalt. 

Seite 

II. Die poetische Periode, §. 447 98 

a) Das epische Zeitalter, §. 448 — 409 ' 99 

b) Das lyrische Zeitalter, §. 460. 464 404 

<x) Elegische Dichtart, §. 462 — 469 405 

ß) Iambische Dichtung, §.470 407 

y) Melische Poesie, §. 474 4 07 

III. Attische oder goldene Periode, §. 473 409 

a) Dramatische Poesie, §. 474—486 409 

b) Philosophie, §. 487—499 447 

c) Geschichte, §. 200—204 , 425 

d) Beredtsamkeit, §. 205—207 428 

IV. Alexandrinische Periode, §. 208 — 249 434 

Cap. 47. Römer, §.220—254. (Aelteste und bessere Zeit, §.225 fg.) 437 
Cap. 48. Doppeltes Sprachgebiet unter romischer Herrschaft bis zur 

Zerstörung des weströmischen Kaiserreichs, §. 252 — 

282 454 

Cap. 49. Byzantiner, §. 283—288 473 

Cap. 20. Neugriechen, §.289—292 ! 475 

Cap. 24. Neuere Dichter in classischer Sprache, §.293 — 295 .... 478 

Cap. 22. Das Neue Testament, §. 296 — 299 479 

Cap. 23. Patrologie, §. 300 — 306 484 

Dritte Abtheilung: Occidentalische Literaturen, §. 307. 308 .... 486 

Cap. 24. Occidentalisch- christliches Sprachgebiet, §. 309 — 346 ... 488 

Erster Kreis: Romanische Literaturen, §.347 492 

Cap. 25. Frankreich, §. 348 — 356. (Neun Perioden, §. 349.) ... 492 

Cap. 26. Italien, §. 357 — 373. (Vier Perioden, §. 360.) 245 

Cap. 27. Spanien, §. 374 — 390. (Vier Perioden, §. 378 fg.) ... 226 

Cap. 28. Portugal, §. 394—398. (Vier Perioden, §. 393 fg.) ... 234 

Daco- romanisch, §. 399 238 

Zweiter Kreis: Germanische Literaturen , §. 400 238 

Cap. 29. Grossbritannien, Irland und Nordamerika, §. 404 — 446 239 
Vier Perioden der neuenglischen Literatur, §. 408 — 442. 

Die Bühne, §. 443—445. Prosa, §.446 244 

Cap. 30. Niederland, §. 447—422. (Thierepos, §. 449.) 249 

Cap. 34. Deutschland, §. 423 — 507 253 

A. Aeltere Zeit bis auf die Hohenstaufen, 4452, §. 425— 429 254 

B. Blüte der schwäbischen Mundart unter den Hohenstaufen , 4437 — 

4300, §.430 257 

4 ) Epische Poesie, §. 434 258 

a) Volksepos , §. 432 — 435 258 

b) Epos der Kirche, §. 436 264 



Inhalt. XV 

Seite 

c) Romantisches Epos, §. 437 — 440 264 

d) Historisches Epos, §. 444. 442 264 

2) Lyrische Poesie, §. 443—446 . . . 265 

3) Didaktische Poesie, §.447 267 

4) Prosaliteratur, §. 448 .267 

C. Vom Untergänge der Hohenstaufen bis zur Reformation, 4254 — 

1547 (4300 — 4500), §. 449—455 268 

D. Von Luther bis Opitz, 4500 — 4620, §. 456—464 273 

E. Von Opitz bis Gottsched, 4620—4720, §. 462—467 277 

F. Vom Wiederaufblühen der Sprache bis zu Lessing's Tode und 

Herder's und Goethe's Auftreten, 4720 — 80, §. 468— 

482 282 

Classische Literatur, §. 473 fg. 287 

G. Neueste Zeit, seit 4780' (4770), §. 483 296 

4) Die Friedenszeiten, 4770(4780)— 4790(4794), §.484—495 296 

2) Die Revolution, 4790(4794) — 4844 (4843), §.496 — 504 ... 305 

3) Die Freiheitszeiten seit 4843, §. 502 — 507 308 

Cap. 32. Skandinavien, §. 508—547 344 

4 ) Isländische Literatur, §.609 — 542 344 

2) Dänische Literatur, §. 543—546 • 343 

3) Schwedische Literatur, §. 546. 547 344 

Dritter Kreis: Slawische Literaturen, §. 548. 549 345 

Cap. 33. Böhmen, §. 520 — 626. (Fünf Perioden,. §. 524 fg.) 346 

Cap. 34. Serbien, §. 527 — 634. (Illyrisch. Albanisch.) 349 

Cap. 35. Polen, §.532 — 543. (Sechs Perioden. Galizisch. Krainiscb.) 320 
Cap. 36. Russland, §.544 — 550. (Drei Perioden. Lettisch. Lithauisch. 

Wendisch.) 325 

Cap. 37. Ungarn oder Magyarenland, §.554 — 555. (Zwei Perioden. 

Finnisch.) 330 

Drittes Buch: Angewandter Theil. Chresimodoktologie, §. 556 ... 334 

Erste Abtheilung: Epistematologie, §. 557 334 

Cap. 38. System der Wissenschaft, §.658 — 560 335 

Cap. 39. Theologie, §. 564 —574 337 

Cap. 40. Historik, §. 572—582 346 

Cap. 44. Geographie, §.583 — 585 350 

Cap. 42. Naturwissenschaften, §. 586 — 598 352 

Cap. 43. Heilkunde, §. 599 — 608 359 

Cap. 44. Staatswissenschaften, §. 609 — 64 4 364 

Cap. 45. Kriegs Wissenschaften, §. 645 — 64 7 368 

Cap. 46. Rechtswissenschaft, §. 64 8 — 634 370 

Cap. 47. Philosophie, §. 635 — 637 382 



XVI Inhalt 

Seite 
Cap. 48. Mathematik, §.638 — 643 386 

Cap. 49. Linguistik und Kritik, §. 644—648 388 

Zweite Abtheilung: Kalotechnologie, §. 649 392 

Cap. 50. System der Kunst, §.650 — 653 392 

Cap. 54. Poetik, §. 654—681. [4 ) Lyrik, §.657—662. 2) Didaktik, 
§. 663 — 666. 3) Epik, §. 667—674. 4) Dramatik, 
§.672 — 678. Die deutsche Buhne, §. 678. Schauspiel- 
kunst, §. 679. Tanz, §. 680. Metrik, §. 684.] 395 

Cap. 52. Rhetorik, §.682—686. (Philosophie der Sprache, §.684.) 443 

Cap. 53. Musik, §. 687—689 446 

Cap. 54. Graphik, §. 690 — 692 448 

Cap. 55. Plastik, §. 693 — 696 420 

Cap. 56. Architektonik, §. 697 — 699 424 

Cap. 57. Anhang, §.700 — 703. (Gymnastik und Turnkunst. Fecht- 
kunst. Reitkunst. Gartenkunst. ) 427 

Nachträge 429 

Register 433 



Einleitung. 



Geschichte des literarhistorischen Studiums. 

§. 1. Jeane systematische Bearbeitung der Literatur- 
geschichte kennt weder das Alterthum noch das Mittelalter. 
Beide haben nur Vorarbeiten für eine solche Disciplin durch 
Lebensbeschreibungen (Biographien und Nekrologien) von 
Dichtern, Rednern, Philosophen u. s. w., durch Beurthei- 
lungen und Auszüge ihrer Werke. 

Den ersten Versuch machte zu Anfang des 16. Jahr- 
hunderts Polydorus Vergilius (f 4555), ein gelehrter Theolog 
zu Urbino *. 

Eigentlicher Gründer der Gelehrtengeschichte ist Kr. 
v. Gesner aus Zürich (1516 — 65) 2 . 

Pt. Lambeck (Lambeccius, 1628—80) lehrte seit 1656 
an dem Gymnasium in Hamburg und war der Erste, der 
einen vielumfassenden, chronologisch geordneten Abriss der 
Literaturgeschichte herausgab 3 . 

Anderweitige Bearbeiter der Literaturgeschichte sind 
Thm. Reinesius (1587 — 1667) 4 , G. Morhof (1639— 91) 6 , 
Pierre Bayle (1647 — 1706) 6 , Häderich 7 , Heumann 8 , 
J. Albr. Fabricius (1668— 1736) 9 , J. And. Fabricius 10 . 
Nach Heumann's Plan, der sich durch Keichthum des Stoffs, 
glückliche Auswahl und reifes Urtheil auszeichnete, schrieb 
Bouginö sein ,Handbuch der allgemeinen Literaturgeschichte* 
1789. Ihm war Reimann (1668 — 1743) als Begründer einer 
bessern Methode vorangegangen, indem er zuerst auf den 
Werth und Nutzen der Gelehrtengeschichte und Literatur- 
kenntniss aufmerksam machte, über Methode und Inhalt der 
einzelnen Werke und über die Verdienste ihrer Verfasser 
ein freies und ziemlich scharfes Urtheil abgab n . Dagegen 
behaupteten Jöcher (1694—1758) 12 und Niceron (1685— 
1738) 13 blos den lexikalischen Standpunkt. 

Seit 1 702 wurde Literaturgeschichte auf Universitäten ge- 

MftRLEKKR. ^ 



2 Einleitung. Geschichte des literarhistorischen Studiums. 

lehrt : in Greifswald von Lobetanz , in Halle von Gundling, 
in Jena von Stoll, in Altorf von Zeltner, in Königsberg 
von Neufeld, in Rinteln von Bierling. 

1 De rerum inventoribus lib. III, 4499, das später mit drei Büchern 
De prodigiis vermehrt seit 4614 viele Auflagen erlebte. — k Bibüotheca 
universalis 8. catalogus omnium scriptorum locupletissimus in tribus Unguis, 
graeca, latina et hebraica, exstantium etc., 4545. Vergl. Hanhart, Bio- 
graphie Gesner's , 4824. — a Prodromus hist. literariae, 4659, 2. A. 4720. 
Lambeck's Leben, 4724. — 4 Eponymologicum. — 6 Polyhistor litera- 
rius, philosophicus, practicus, 4688» 4. A. 4747. — 6 Dictionnaire histo- 
rique et critique, neueste A. 4820; deutsch von Gottsched 4744 — 44. Bayle's 
Leben von Desmaizeacx, deutsch von Kohl 4731, Feuerbach 4838. — 
7 Notitia auctorum antiqua et media, 4709. — 8 Conspectus reip. litera- 
riae, 4748. — 9 Lieferte 4705 — 8 seine Bibüotheca graeca in 4 4 Bdn., 
fortgesetzt u. neu aufgelegt von Harless in 42 Bdn., 4790 — 4809. Seine 
Bibüotheca latina 4697, neu herausg. von Ermbsti 4773. Seine Bibüotheca 
mediae et infimae aetatis, 4746 fg. Dazu ein Supplementband von Schöttgen 
4746, neue A. von Mansi 4754. Seine Bibüotheca ecclesiastica, 4748, und 
Bibliographia antiquaria, 4743, neue A. 4760. — 10 Abriss einer all gem. 
Historie der Gelehrsamkeit, 4751 — 64. — u Versuch einer Einleitung in 
die Hist. üteraria insgemein u. die deutsche insbesondere, 4708 — 4 3- Idea 
systematis antiquitatis literariae, 4748. — n Jöcher's Allgem. Gelchrten- 
lexikon, 4750, wurde von Adelung bis J 4784 — 87 und von Rotermund bis 
Rin 4840 — 22 ergänzt. — ia Niceron's Alemoires pour servir a Thistoire 
des hommes illustres dans la repnblique des lettres, 4727 — 41, sind mit 
Anmerkungen u. Zusätzen von Rambach, Baumgarten u. Jani ins Deutsche 
übersetzt, 1749 — 77- 

§. 2. Geistreicher und philosophischer behandelten die 
Geschichte der Literatur die französischen Freunde Goguet 
(1748 — 58) und Fugere * ; ferner der Italiener Denina 
(1731 — 1813) a , ohne jedoch jene Franzosen an Gründlich- 
keit und Selbständigkeit des Urtheils zu erreichen; sodann 
Laharpe (1739 — 1803) 3 , aber nicht ohne Parteilichkeit und 
Ungerechtigkeit. 

Als Theil der Geschichte der menschlichen Cultur wurde 
die Literaturgeschichte behandelt von Iselin (1728 — 82) 4 , 
Ad. Ferguson (1724 — 4816), Henry Home 5 , vorzüglich von 
Herder (1744— 1803) 6 . 

Besondern Ruhm haben sich um die Bearbeitung der 
allgemeinen Literaturgeschichte die Deutschen erworben, 
während andere Nationen mehr mit ihrer Nationalliteratur 
beschäftigt sind. Gross sind die Leistungen von J. F. L. 
Wachler (4767 — 1838) 7 und J. Gf. Eichhorn (1752— 1827) «, 
der zu Jena und Gottingen in öffentlichen Vortragen mehr- 
mals die Geschichte der gesammten Literatur behandelt hatte, 
als er den Plan fasste zur Herausgabe einer Geschichte der 
Künste und Wissenschaften seit der Wiederherstellung der- 



Einleitung. Geschichte des literarhistorischen Studiums. 3 

selben, welche 4796 begann. Neben diesen fuhren wir noch 
an: Meusel (4743—4820) », F. v. Schlegel (4772—4829) 10 
und Heeren (4760— 1842) ". 

Die namhafteste Erscheinung auf diesem Felde in neuester 
Zeit ist das von J. G. Thdr. Grässe 4837 begonnene, aber 
noch nicht vollendete ,Lehrbuch der allgemeinen Literär- 
geschichte aller bekannten Völker der Welt von der ältesten 
bis auf die neueste Zeit 6 , welches sich durch ausserordent- 
liche Belesenheit, Sammlerfleiss und Vollständigkeit aus- 
zeichnet, daneben aber schwerfällig in der Anordnung, 
mangelhaft in der Sichtung und Beurtheilung des Stoffs ist. 
Die , Allgemeine Geschichte der Literatur 6 von J. Scherr 
4851 bildet den sechsten Band der , Neuen Encyklopädie 
für Wissenschafben und Künste 6 . 

1 De l'origine des lois, des arte et des sciences, et de leurs progrfet 
chez les anciens peuples, 4756, auch ins Deutsche u. Englische übersetzt. — 
2 Discorso sopra le vicende della letteratura, 4764; deutsch von Seeber 
4785 — 87. Storia politica e letteraria della Grecia libera, 4781 fg.; deutsch 
von Dan 4783 fg. Guide iitteraire, 4794 fg. — * Lyc£e, ou cours de littet 
rature ancienne et moderne, 4 786 fg. Neueste Ausgabe von Büchon 4830. — 
4 Hirzel, Iselin's Denkmal, 4782. — * Lord Eaimes, 1696—4782; sein 
Leben von Woodhoüsb, 4 807. — 6 Ideen zur Philosophie u. Gesch. der 
Menschheit, 478t — 94. 4. A. mit Ludek's Einleitung, 4841. Wahl, 
Versuch einer allgem. Gesch. der Literatur, 4787. — 7 Lehrte mit vielem 
Beifall an der Universität zu Breslau. Versuch einer allgem. Gesch. der 
Lit., 4793. Handbuch der allgem. Gesch. d. Uterar. Cultur, 4804. Hand- 
buch d. Gesch. d. Lit. , 4804. Lehrbuch d. Liter aturgescb., 4827. — 8 Un- 
vollendet gebliebene Allgem. Gesch. d. Cultur u. Literatur des neuem 
Europa, 4796. Literargeschichte, 4799. Gesch. d. Literatur von ihrem 
Anfange bis auf die neuesten Zeiten, 4805 fg., unbeendigt. — 9 Gelehrtes 
Deutschland, fortges. von Ersch u. Lindner, 4796 fg. Lexikon der von 
4750 — 1800 verstorbenen deutschen Schriftsteller, 4802 fg. Bearbeitung 
von Struve's Bibliotheca historica, 4782 fg. — ,0 Gesch. d. alten u. neuen 
Lit., 4845. — n Gesch. des Studiums d. class. Lit. seit dem Wiederauf- 
leben der Wissenschaften, 4797 — 4802. 

§. 3. Die Biographen und Kritiker (Literarhistoriker) 
des Alterthums beginnen erst mit dem alexandrinischen Zeit- 
alter: Aristoteles und die Peripatetiker, Kallimachos, Strabo, 
Pausanias, Athenäos, Dionysios von Halikarnass, Diogenes 
von Laerte, Philostratos, Plutarch, Eunapios, Ammonios, 
Suidas, Photios; die Romer Varro, Cicero, Cornelius Nepoa* 
der ältere Plinius, Quintilian, Sueton, Gellius. 

Unter den Neuern lieferten Muster guter Biographie, 
abgesehen von den Autobiographen: 4) in Frankreich : 
Flichier, Fontenelle, Racine, Burigny, de Sade, Voltaire, 
Mallet, Boissy d' Anglas, Villemain 1 ; — 2) in England: 

\ % 



4 Einleitung. Geschichte des literarhistorischen Studiums. 

Middleton, Johnson, Murphy, Robertson, Th. Moore, Mar- 
shall, Southey, Wash. Irving 2 ; — 3) in Deutschland: 
Schrockh, Nicolai, Herder, Klein, Garve , Meissner, 
Niemeyer, Heeren, Dippold, Luden, Voigt, Drumann, 
Varnhagen von Ense, Droysen, Pertz u. A. 3 . Der amerika- 
nische Plutarch von Sparks. 

1 Sammlungen von Michacd, 52 Bde., 18 M fg., nebst Supplementen, 
Bd. 53 — 76, 4832 fg., von Rabbe, Vieilh deBoispolin u. Sainte-Preüvb 
4836. — 2 Biographia britannica, 4 747 fg., von Watkins 4825, Longman 
4847 fg. — * Die Specialliteraturen u. Conversations -Lexika (Brockhaus u. 
Pierer), Jöcher, die Nachträge zu Snlzer's Theorie der schönen Künste von 
Dtk, und Schütz, Charakteristik der vornehmsten Dichter aller Nationen, 
4 792 fg. Meiners' Lebensbeschreibungen berühmter Männer. Erhard, Gesch. 
des Wiederanfblühens wissenschaftlicher Bildung u. s. w., 4 827 fg. Ullmakn, 
Reformatoren vor der Reformation u. s.w., 4842* Künstlerlexikon von Meusel 
4778 (neue A. 4808), Fössli 4779 (18 10) u. Nagler 4835 fg. Schröder, 
Lexikon der hamburgischen Schriftsteller, 4854 fg. — Bei den Italienern 
65 Bde. Biografia universale antica e moderna, von Emilio de Tipaldo 4 844. 
Bei den Spaniern von Cardaneas und Pastor Diaz. Bei den Belgiern 
von Pawels db Vis 4 844. Bei den Schweden Biographisk lexicon etc., 
4835. — Wiggers, Ueber die Biographie, 4777. Jenisch, Theorie der 
Lebensbeschreibung, 4802. — Das zu erwartende Gelehrten- und Künstler- 
lexikon von Kesslin. 

§. 4. Die Nekrologien oder Todtenbücher stammen 
aus dem Mittelalter. Eine bedeutende Anzahl derselben ist 
in den Quellensammlungen deutscher Geschichten bei Lan- 
genbeck, Leibnitz, Mencken, Schannat, Schöttgen u. A. und 
in den Schriften mehrer historischer Vereine abgedruckt 1 . 
In neuerer Zeit wählte zuerst Schlichtegroll (1765 — 1822) 3 
den Namen , Nekrolog 4 als Titel für seine Nachrichten von 
dem Leben merkwürdiger verstorbener Deutschen zwischen 
4790 — 1800, denen er den , Nekrolog der Deutschen für das 
49. Jahrhundert' folgen Hess. Daran fügte F. A. Schmidt 
den , Neuen Nekrolog der Deutschen', den seit dessen Tode 
der Verleger Bhd. F. Voigt fortsetzte 3 . 

1 Wedekind, Ueber Nekrologien in s. Noten zu einigen Geschicht- 
schreibern des deutschen Mittelalters, 4823« — 2 22 Bde., 4794 — 4 804, 
nebst Supplementband 4798; Ö Bde., 4802 — 6. — s Ilmenau Bd. 4 — 4 0, 
Weimar 1835—63, mit drei Registerbänden 4823 — 83. 



Ol. 



Erstes Bach. 

Allgemeiner Theil. 



Vorbereitung und Ausbildung. 
Koinodoktologie. 

§. 5. Der Uranfang des Menschengeschlechts, sein Aus- 
tritt aus thierischer Roheit oder kindlicher Unbefangen- 
heit, sein Uebertritt in die Selbsterkenntniss und in die 
Notwendigkeit, von seinen Anlagen Gebrauch zu machen, 
sein erster Fortschritt zu wissenschaftlicher Ausbil- 
dung, liegt jenseits des Anfangs aller Geschichte. 

Blumenbach, De generis humani varietate nativa, 4776. Cuvier, Regne 
animal, 181 7. Boffon, L'homme. Boryde St.- Vincent, L'homme, 2. A. 1836; 
deutsch 4837. Edwards, Des caracteres physiolog. des races humaines, 4829. 
Prichard, Researches into the physical history of mankind, 4837; deutsch von 
Wagner u. Will 4840 — 48. Lawrence, JLectures on physiology etc. of 
man, 4849. Kant, Muthmasslicher Anfang des Menschengeschlechts, Werke, 
Bd. 7. Schiller, Etwas über die erste Menschengeschichte, Werke, Bd. 40. 
Gfrörer, Urgesch. des menschl. Geschlechts, Bd. 2, 4855. Reiche litera- 
rische Nachweisungen in Drumann's Grundriss der Culturge schichte, 4847, 
und Wachsmüth's Allgem. Culturgesch. , 3 Thle., 4 850 — 62. 



Erstes Capitel. 
Phonologie. 

§. 6. Von den Mitteln des Menschen zur Aeusserung 
seiner Vernunftthätigkeit im Gesellschaftsleben ist die 
Sprache das edelste und fruchtbringendste. Sie beruht 
auf der Theilung und Begrenzung der Laute, oder auf der 
Articulation K Das physische Sprachvermögen besitzen 
ausser dem Menschen auch die höhern Thierclassen ; aber 
sie drucken nur Empfindungen aus, der Mensch auch Ge- 
danken. Bei ihm ist Sprechen lautes Denken, wie Denken 
leises Sprechen. Eins kann ohne das Andere nicht bestehen. 



6 Erstes Buch, Koinodoktologie. 

Der Mensch muss sprechen, weil er denkt, nicht blos, weil 
der Verkehr mit Andern es erfodert 2 . 

1 Oliviee, Ueber die Urstoffe der menschl. Spr., 4824. — * Wolf- 
gang ton Kempblen's (1734 — 4 804) Sprachmaschine , 4 778. Ueber Mechanis- 
mus der menschl. Spr., 4794. Die Maschine durch Posch verbessert, 4828. 

§. 7. Die schwierige Frage über den Ursprung und 
Bildungsgang der Sprache hat man, bei der verschiede- 
nen Auffassung dieses dunkelsten Geheimnisses, auch auf 
verschiedenen Wegen zu losen versucht. Der Dogmatis- 
mus * nahm das Wunderwerk der Sprache als eine Offen- 
barung des Schöpfers an ; dagegen wies der Skepticismus 2 
das geistige Bedürfhiss und den Organismus des Menschen 
für die Rede nach. Gleichwol kommt von Gott Sprach- 
vermögen und Sprachbedürfniss 8 . Verunglückt sind die 
Versuche 4 , das Hebräische als Ursprache nachzuweisen. 
Ausgemacht ist, dass alle Völker Sprache nicht nur be- 
sassen und besitzen, sondern auch, dass sie dieses Gut durch 
geistige Kraft entwickelt haben ö . 

1 Sü88milch, Beweis, dass der Ursprung der Sprache von Gott sei, 
4 767. Kruse 4827. — 2 Herdbb, Ueber den Ursprung der Sprache, 
4772 u. 4789. Adelung 4781. Monboddo, On the origin and progress of 
language, 4 775; deutsch von Schmidt 4784. — a Dorsch, Philos. Gesch. 
der Sprache u. Schrift, 4794. — 4 Von Postel 4538, Bochart 4646, Tho- 
masius 4697, Schmitthenner 4826. Ladth, Das vollständige Universal- 
Alphabet auf der physiologisch -histor. Grundlage des hebräischen Systems 
erbaut, 4858. Parrat, Novum specimen, quo probatur iterum linguarum 
Indo - Europaearum origo Semitica, 1855. — 5 Steinthal, Ursprung der 
Sprache im Zusammenhange mit den letzten Fragen alles Wissens ; eine Dar- 
stellung der Ansichten W. v. Humboldt's, verglichen mit denen Herder's u. 
Hamann's, 4 852. Jak. Grimm, Ueber den Ursprung d. Spr., 4 852. Buschmann, 
Ueber den Natarlaut, 4852. Weinholtz, Zur Erklärung des Ursprungs u. der 
Bedeutung des Wortes , 4854. Bruch, Zur Physiologie d. Sprache, 4854. 

§. 8. Ungunst des Himmels *, Mangel geistiger An- 
lagen, Beschränktheit physischer Organe haben hier und 
da nachtheiligen Einfluss auf die Sprachentwickelung geübt ; 
doch macht sich ein Fortschritt der Sprachbildung von Ost 
gen West bemerkbar. Diejenige Sprache ist die vollkom- 
menste, welche nebst dem grossten Reichthum an Wortern 
die meisten Formen besitzt, um alle Modalitäten des Be- 
griffs auszudrücken, und dies gilt von der Sanskrit- und 
griechischen Sprache. Die Declinationen und Conjugationen 
der erstem sind ausgebildeter, reicher und mannichfaltiger 
als die griechischen; und dennoch, um wie viel mehr For- 
men übertrifft die griechische Sprache die übrigen euro- 
päischen; denn für das griechische Verbum gibt es 579, 



Erstes Capitel. Phonologie. 7 

für das lateinische nur 424 und für das deutsche gar nur 
47 Formen! Dem Lateinischen am nächsten kommen die 
romanischen Sprachen; höchst unvollständig sind die ger- 
manischen und unter diesen vorzugsweise die deutsche 2 . 

Der Accent ist allen Sprachen gemein, wenn auch nicht 
alle ein Zeichen dafür haben. Durch ihn gewinnt die Sprache 
Klang und Bedeutsamkeit 3 . 

1 Ueber den klimatischen Einfluss, Falconer 4781 , Stöckhardt 4 826, 
Foissao 4840, Armstrono 4843- Steinthal, Grammatik, Logik u. Psycho- 
logie, ihre Principien u. ihr Verhältniss zu einander, 4855. — 2 Merlekbr, 
Praktische vergleichende Schulgrammatik der griechischen u. lateinischen 
Sprache, 4854. — 3 W. v. Humboldt, Ueber die Eawisprache auf der Insel 
Java, nebst einer Einleitung über die Verschiedenheit des menschlichen Sprach- 
baues u. ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts, 
4836—40, u. in den Abhandlungen der berliner Akademie der W. , 4820, 
4823, 4832, 4833. Bopp, Vergleichendes Accentuationssystem, 1854. 

§. 9. Der Mensch fühlt, ehe er denkt, daher die Ono- 
matopöie l . Später der metaphorische Gebrauch. Das 
Willkürliche für den Ausdruck des Uebersinnlichen und 
Abstracten. Gewisse eigenthümliche Töne können weder 
nachgeahmt noch durch die Schrift festgehalten werden, 
daher gebührt dem Sprachvermögen der Vorzug vor allen 
Künsten der Buchstabenschrift. 

1 Rosenhayn, Ueber die Onomatopöie in N. Jahrb. f. Philol. XIX. , Sup- 
plementbd., 3. H., 373 — 95. Ackermann, Essai sur l'analyse physique des 
langues, 1838. 

§. 4 0. Man zählt an 2000 Sprachen, an 5000 Dialekte 
auf dem Erdboden K Zu den einsilbigen Sprachen mit Be- 
griffsschrift gehört Chinesisch, mit Silbenschrift Tibetanisch ; 
beiden ähnlich, gleichwol von beiden verschieden, ist Japa- 
nisch. Das Türkische gehört zum Stamm der tatarischen 
Sprachen. Die indo -germanischen Sprachen sind die 
eulturhistorischen des Menschengeschlechts 2 . 

1 Prichaed, Researches into the pbysical history of mankind, 4813* 
Deutsch von Wagner u. Will 4 840 — 48. Adeluno, Mithridates oder Allgem. 
Sprachenkunde, fortges. von Vater 4807 — 47, ist ein Hauptwerk über fast 
500 Sprachen und Dialekte. Dazu Berichtigungen und Zusätze über die 
kantabrische und baskische Sprache von W. v. Humboldt, 4 817. Die 
meisterhafte KxEiNSCHMiDT'sche Grammatik der grönländischen Spr. , 4854. 
Kölle, Ueber die Kaurisprache, die Hauptspr. des Reiches Bornu, 485V. 
Helfferioh, Ueber Eintheilung d. Sprachen. Ausland, 4855, Nr. 4 2 fg. — 
Karten : Balbi, Atlas ethnographique du globe, ou Classification des peuples 
d'apres leurs langues, 4826. Hoffmann, Oriental. Lit. Karte , 4829. Bern- 
hardi, Sprachkarte, 4844. Berghaus, Physikal. Atlas, 4845 — 48. Stricker, 
Sprachkarte von Deutschland, 4849. Berghaus u. Rebau, Bibliothek der 
Länder- u. Völkerkunde, 4844. — Merleker, Lehrbuch der historisch - 
comparativen Geographie, Theil III, 4840, §. 32. — l Rapp, Grundrisa 
der Grammatik des indisch -europäischen Sprachstammes, Bd. I, 485i. 



8 Erstes Buch. Koinodoklologie. 

Bbhfey, Skizze des Organismus d. indo-europ.. Sprachen. 4. Art. Kieler 
A. Monatsschrift, Jan. 4 854* 

§. \\. Als wackere Arbeiter auf dem Gebiete der ver- 
gleichenden Sprachkunde zeichnen sich aus Arnauld 
4660, Beauzöe H67, Harris 1 , Sylv. deSacy 2 , Bernhardi 3 , 
Vater 4 , Murray ö , Faber 6 , de Montlivault 7 , Hoffimeister 8 , 
Lehrs 9 , Michelsen 10 . 

Als eigentliche Begründer der vergleichenden Sprach- 
wissenschaft stehen Bopp n , Jak. Grimm ia und Ernst Renan l8 
oben an. 

1 Hermes oder philos. Untersuchung über die allgem. Grammatik, 4754. 
Philolog. Inquiries, 4781. — 2 Prineipes de la grammaire generale, 4803. 
Deutsch von Vater 4804» — 3 Allgem. Sprachlehre, 4804 — 3. Anfangs- 
gründe der Sprachwissenschaft, 4805. — 4 Uebersicht des Neuesten, was 
für Philosophie der Sprache in Deutschland gethan ist, 4779. Versuch einer 
allgem. Sprachlehre, 4801. Lehrbuch einer allgem. Grammatik, 4806. — 
6 Hist. of the European languages, 4823. Deutsch von Wagner 1825. — 
6 Synglosse oder Grundsätze der Sprachforschung, 4826, nebst deren 
Rechtfertigung, 4828. — 7 Gramm, generale et philosopbique, 4 829. — 
8 Erörterung der Grundsätze der Sprachlehre, 4 830. — 9 Die Sprach- 
philosophie der Alten, 4 838 — 44. — 10 Philosophie der Grammatik, 4843. — 

11 Vergleich. Gramm, des Sanskrit, Zend, Griech. , Lat. , Lith., Altslaw., 
Goth. u. Deutschen, 4 833 — 52. Ueber die keltischen Sprachen vom Ge- 
sichtspunkt der vergleich. Sprachforschung, 4 839. Vergleichendes Accentua- 
tionssystem u. s. w. des Sanskrit u. Griech., 4854, u. Ueber die Sprache 
der alten Preussen in ihren verwandtschaftlichen Beziehungen, 48153. — 

12 S. §. 7, 5. — Bindseil, Zur allgem. vergl. Sprachlehre, 4838. Wochbr, 
Allgem. Phonologie oder natürl. Gramm, der menschl. Spr., 4 844. Lepsiüs, 
Allgem. linguistisches Alphabet. Berliner Akademie der Wissensch., Febr. 
4855. Ellissen, Versuch e. Polyglotte der europ. Poesie, 48V6. Müller, 
Philologie comparee des langues Indo-Europeennes dans son rapport avec la 
civilisation primitive du genre humain, gekrönte Preisschrift, 4849. Kühn, 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, 
Griechischen u. Lateinischen, seit 4 850. Höfer, Zeitschrift für die Wissen- 
schaft der Sprache, seit 4850, zugleich mit einer sprachwissenschaftlichen 
Bibliographie. Die Verdienste der Deutschen um das vergleichende Sprach- 
studium im Magazin für die Liter, des Auslandes, 4 855, Nr. 8. — u Sein 
Buch über die semitischen Sprachen sucht in sprachphilosophischer Hinsicht für 
diese Sprachen zu leisten, was Bopp für die indogermanischen geleistet hat. 



Zweites Capitel. 
Graphologie. 

§. 12. Die Schrift, jünger als die Sprache, ist die für 
das Auge durch conventionell eingeführte Zeichen festgehal- 
tene Tonsprache. Gewisse Stufen der Cultur kann ein Volk 
erreichen, ohne zu schreiben l , aber zu einer wissenschaft- 
lichen Bildung gelangt man nur mit Hülfe der Schreibkunst. 



Zweites Capitel. Graphologie. 9 

Als Behelfe vor der Kenntniss des Alphabets dienten für 
die Anschauung die Gemälde- und symbolische Bilderschrift 
(Hieroglyphe), während die Buchstabenschrift dem Begriff 
diente. Zwischen beiden bilden den Uebergang die Keil-, 
Pfeil-, Knoten-, Strick-, Wort- und Silbenschrift in Persien, 
China, Tibet, Peru, Guayana und die Runen des euro- 
päischen Nordens 2 . 

1 Griechenlands Poesie und Kunst ist älter als die Schreibkunst, 
die sich erst um 600 v. Chr. in Griechenland verbreitete und zugleich die 
Erfindung der Prosa vorbereitete (tcc£os Xoyo?, oratio pedestris), deren 
sich der Philosoph Pherekydes von Syros (540) und der Historiker Kadmos 
von Milet zuerst bedient haben sollen. Als älteste Denkmale dieser grie* 
chischen Schreibkunst sind die von Böckh und Osann herausgegebenen und 
kritisch erläuterten Inschriften zu betrachten. S. unten §. 685. — 2 Astlb, 
Origin and progress of writing, 1784 — 1803. Amelang, Von d. Alter- 
thum d. Schreibkunst in d. Welt, 1800. Huo, Erfindung d. Buchstaben- 
schrift, 1801. Weber, Versuch e. Gesch. d. Schreibkunst, 1807. Klaproth, 
Apercu de l'origine des diverses ecritures de l'ancien monde, 1832. W. v. 
Humboldt, Ueber den Zusammenhang d. Schrift mit d. Spr. , in den Ab- 
handlungen der Berliner Akad. 1831, 32. Hitzig, Die Erfindung des Alpha- 
bets, 1840. J. Olshausen in den Kieler Studien, 1841. Büttner, Ver- 
gleichungstafeln. Freret, Reflexiohs sur les principes generaux de l'art 
d'ecrire. 

§. 13. Die Buchstabenschrift kann eine Vereinfachung 
der Bilderschrift sein, und ihr Vaterland ist wahrscheinlich 
in Oßtasien bei den Völkern mit einsilbigen Sprachen zu 
suchen; oder sie ist die Erfindung Mehrer und bei ihrer 
ungemeinen Wichtigkeit mit Recht genannt die Erfindung 
eines göttlichen Wesens, des Hermes Trismegistos , des 
Taaut, des Kadmos. Der toletinische Bischof Eugenius Ju- 
nior x dachte sich die Sache so : 

Primus hebraeas Moyses exaravit literas. 
Mente Fhoenices sagaci condiderunt atticas. 
Quas Latini scriptitamus edidit Nicostrata. 
Abraham syras et idem repperit chaldaicas. 
Isis arte non minore protulit aegyptias. 
Gulphilas promsit Getarum, quas videmus ultimas. 

Die Alphabete entstanden muthmasslich gänzlich unab- 
hängig von einander, und zwar zunächst dreierlei, das in- 
dische im Osten, das semitische (mit dem ägyptischen) 
im Westen, in der Mitte von beiden die Keilschrift. Das 
Bekanntwerden der Buchstabenschrift und ihre gangbare An- 
wendung im gemeinen Leben liegen sicherlich weit aus 
einander. Die Zahlzeichen sind wahrscheinlich älter als 
die Buchstaben. 

1 Bei Petrus Crinitus, De honesta disciplina, XVII, i. 



10 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

§. 4 4. Die Hieroglyphen stellen die Gegenstände, 
welche sie ausdrücken wollen, entweder wirklich im Bilde 
dar, oder sie bezeichnen, was sich nicht wirklich darstellen 
lässt, durch ein entsprechendes symbolisches Zeichen (z. B. 
Lowe für Grossmuth und Starke), oder auch durch phone- 
tische Lautzeichen, wobei man Gegenstande abbildete, deren 
erste Laute die zu bezeichnenden Buchstaben waren (z. B. 
Berg oder Buch für B). 

Nach Herodot und Diodor ist diese Schrift eine doppelte: 
eine heilige (Hieroglyphen), nur den Priestern bekannte 
(hieratische), abgekürzte Bilderschrift, und eine gemeine 
(demotische), einfache, für den gewohnlichen Gebrauch 
eingeführte Buchstabenschrift. Der Alexandriner Clemens 
spricht von einer dreifachen Schreibweise der Aegypter: 
von einer heiligen oder hagiographischen , einer priester- 
lichen oder hieratischen und einer enchorischen (demoti- 
schen, epistolographischen). Die beiden letztern waren 
Buchstabenschrift, und die hieratische entstand nur durch 
Verzierung der Charaktere in der demotischen *. 

Entzifferungsversuche durch Kircher, Pluche 1812, Sick- 
ler, Warburton, Zoega 1797, Young 1823, Jean Franpois 
Champollion 1824, die besonders angeregt und begünstigt 
wurden durch den von Boussard 1 799 bei Rosette gefundenen 
Stein mit einer Inschrift in dreierlei Schriftart und darunter 
auch Griechisch 2 . 

• * Horapollo, Hieroglyphica , beste Ausg. von Leemans 1835. Die 
demo tische Schrift ist tachy graphisch aas der hieratischen entstanden» ein 
Mittelglied zwischen den Hieroglyphen und der Schrift der Kopten, mit 
der demotischen Sprache 4000 Jahre in Gebrauch: 7. Jahrh. v. Chr. bis 
3. Jahrh. n. Chr. Brugsch, Grammaire demotique etc., 4855. Ders., 
Scriptura Aegypt. demotica, 4848. Ders., Memoire sur la reproduction 
imprimee des caracteres de l'ancienne ecriture demotique des o Egyptiens etc., 
4855. — 2 Ueber die Inschrift von Rosette: Sacy 4802, Akerblad 4802, 
Quatremerb 4 808, Spohn 4840, Yoüno 4844, 4823, Drümann 4823. ■ — 
Der Obelisk von Philä und Champollion 4822. Seyffarth 4 826. Kosb- 
oarten gab 4828 eine geordnete Uebersicht des bisher Entdeckten. Dulau- 
rier 4833. Champollion, Gramm, egypt., 4840; Dictionn. egypt., 4842. 
Rosellini, Monnmenti etc., 4832. Gegen Champollion: Klaproth, Lettre 
sur la decouverte d'hierogl., 4827; für ihn: Salvolini 4835, Leemans 4838, 
Lepsius 4837, 4842, Ideler 4844, üngarelli 4 842. — Schwartze, Gesch., 
Mythol. u. Verf. des alten Aegypt., 4844. Saalschütz, Forschungen u. s. w. 
Beilage Hermapion's Obeliskeninschrift, 1848 fg. 

§. 45. Die Keilschrift findet sich auf den alten Bau* 
denkmalen von Persepolis, Babylon, Ninive, der Stadt 4er 
Semiramis am Wansee in Armenien, auch in Aegypten. 



Zweites Capitel. Graphologie. 11 

Abzeichnungen derselben von Le Brun, Niebuhr, Ker Porter, 
Rieh, Schulz, Rawlinson, Westergaard, Botta 1 . 

Entzifferungen (mit Sicherheit wenigstens soweit, dass 
man die Namen Dareios und Xerxes in ihnen findet) von 
Grotefend 1805, Burnouf 1836, Lassen 1836, Westergaard, 
Rawlinson 2 . 

1 Bericht in der Allgem. Ztg., 4843, Nr. 4 74, Beil., und das Prachtwerk 
Monuments de Ninive etc. von Botta et Flandin, 4849 fg. Reisebericht von 
Lavard, Niniveh and its Remains, 4849; deutsch von Meissner, 485 i. Lecture 
litterale des hieroglyphes et des euneiformes par auteur de la Dactylo- 
logie, 4853. Holtzmann, Ueber d. zweite Art d. achämenid. Keilschrift in 
der Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft, VIII, 329. — 2 Im 
Journal of the Royal As. soc, X, 4, 4846 fg. 

§. 16. Bei den Arabern findet sich schon vor Moham- 
med die himjaritische Sprache und Schrift 1 . Es folgte 
die durch die Schule in Kufa bei Bagdad zur Geltung 
gebrachte kufische Schrift, gleichfalls eine der ältesten 
Formen der arabischen Schrift und wahrscheinlich kurz vor 
Mohammed (570 — 632) eingeführt, sehr ähnlich der alt- 
syrischen Schrift oder dem Estranghelo, später nur noch 
als Münzschrift und bei Inschriften gebraucht, während die 
Neschischrift (Nedsche) allgemeine Geltung erlangte-. 
Die Niederschreibung des Koran wurde epochemachend für 
Sprache und Schrift. 

1 Ueber beide Geseniüs und Rödiger, 4841. — a Stlv. de Sacy in 
den Mem. de l'acad. des inscr. , vol. 60. Lindberg, Sur quelques medaillet 
cufiques, 4830. 

§. 17. Die Hebräer kannten Buchstabenschrift schon zu 
Mosis Zeit. Der ältere Schriftcharakter ist aus dem phöni- 
kischen Alphabet, der jüdischen Münzschrift und den samari- 
tanischen Schriftzügen zu erkennen. Er wich nach Esra's Zeit- 
alter (nach 400 v. Chr.) allmälig der noch üblichen babylo- 
nischen Quadratschrift, von welcher die palmyrenische und 
die syrische Abarten sind. Die Finalbuchstaben sowie die 
diakritischen Zeichen sind um mehre Jahrhunderte jünger, die 
Vocale und Accente erst aus dem 6. — 7. Jahrh. n. Chr. 

Wahl, Allgem. Gesch. d. morgenländ. Sprachen, 4 784. Geseniüs, 
Gesch. d. hebr. Sprache u. Schrift, 4815; 2. Aufl. 4 827. Hartmann, Lingui- 
stische Einleitung in das Studium d. Bücher d. A. Test., 4818. ' 

§. 48. Das den Griechen angeblich durch Kadmos 
überbrachte phönikische Alphabet hatte keine Vocale, be- 
stand aus elf Consonanten und vier Hauchzeichen. Darauf 
vermehrten die Orientalen die Zahl ihrer Schriftzüge mit 



12 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

sieben neuen. Aus diesem Zuwachs nahmen die Griechen 
das Y, Z, H, O an. Epicharmos oder Palamedes erfanden 
das $ und X. Simonides von Keos fugte noch E, V, O 
hinzu. Dieses aus 24 Buchstaben bestehende Alphabet 
wurde von den Ionern, und wahrscheinlich zuerst von den 
Samiern, angenommen, daher *ypajJL|jiaTa 'Iovixoc genannt. 
Kallistratos von Samos brachte es nach Athen, wo es erst 
gegen Ende des Peloponnesischen Kriegs (404 v. Chr.) zu 
Inschriften gebraucht wurde. 

§. 19. Dass die Rom er das Alphabet von den Griechen 
schon unter Romulus erhalten, lässt sich nicht bezweifeln. 
Auch scheint die Benennung der Buchstaben der bei den 
Griechen eingeführten gleich gewesen zu sein. Zu den älte- 
sten 16 kamen später das G, wofür ursprünglich das C ge- 
braucht zu sein scheint, das F, entsprechend dem Digamma, 
und H, entsprechend dem Spiritus Asper, ferner V, ent- 
standen aus Y und X für S. Die Einführung des Y und Z 
fällt in die letzten Zeiten der Republik. So bildete sich das 
lateinische Alphabet von 23 Buchstaben, welche sich seit 
dem goldenen Zeitalter der romischen Literatur (78 v. Chr. — 
14 n. Chr.) nachweisen lassen. Aber schon früh trat das C 
an die Stelle des K, welches nur als sogenannte Nota bei Ab- 
kürzungen und in gewissen mit A anfangenden Wortern bei- 
behalten wurde. Die drei von Kaiser Claudius eingeführten 
Buchstaben (das äolische Digamma J , Antisigma OC und ein 
dritter, dessen Figur und Bedeutung unbekannt ist) * kamen 
bald wieder ausser Gebrauch. Erst in das 1 7. Jahrh. fällt die 
Unterscheidung zwischen I und J, sowie zwischen V und U. 

Das Latein wurde über alle andern Schriftarten des 
Abendlandes herrschend 2 . 

Die Capital- oder Uncialschrift ist im Griechischen und 
Lateinischen die ältere. Cursivschrift findet man auf einer 
Urkunde von 104 v. Chr., gebräuchlich seit dem 5. Jahrh. 
n. Chr., erst seit dem 8. Jahrh. auch in Handschriften. 

Die griechischen Accentzeichen von Aristophanes von 
Byzanz 200 v. Chr. 3 . 

1 Zeüne zu Christ' s Abhandlungen über die Literatur, 4 776, S. 101 fg. — 
a Mabillon, De re diplomatica, 1681 u. 4789. Gatterer, Diplomatik, 4 798. 
Schönbmann, Diplomatik, 1 80 1 fg. Kopp, Palaeographia critica, 4847 fg. Ders., 
Bilder und Schrift der Vorzeit, 4819. ■ — 3 Merleker, Die wichtigsten Re- 
geln über die griechischen Accente , 1831. Ueber Aussprache der Buchstaben 
K. L. Schneider. 



Zweites Capitel. Graphologie. 13 

§. 20. Runa bezeichnet Buchstabe, Schrift, Gesang und 
Rede in heimlichem Sinne. Das Runenalphabet zählte 
ursprünglich 16 Zeichen, deren Hauptbestandtheil ein senk- 
rechter Strich ist. Man hat auch deutsche, von nordischen 
abweichende Runenalphabete aus dem 8. — 10. Jahrh. 

Ihre, De runarum patria et origine, 4770. Siöborg, Hist. runarum 
Helsingicarum , 4806. Die helsingischen Runen sind eine neue runische 
Geheimschrift. Bbinjulfsen, Periculum runologicum, 4823. Liljegren, 
Run -Laera, 4832. W.Grimm, TJeber deutsche Runen, 4824. Lappenbero, 
Gesch. Englands, I, 79. Das gothische Runenalphabet von A. Kirchhoff 
(2. Aufl., mit einer Vorrede über Entstehung d. Runen, 485t), beurtheilt von 
Kuhn in der Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, 4 854, 4 . Zacher, 
Das gothische Alphabet Vulfilas u. das Runenalphabet, 4855. 

§. 21. In Deutschland folgte auf die Runen die gothi- 
sche Schrift des Ulfilas (360 — 380 n. Chr.), darauf latei- 
nische und die Vulgärschriftzeichen der Merovinger, Longo- 
barden, Karolinger. Deutsche Schrift erst seit dem 13. 
Jahrh. Die Currentschrift erst seit Ende des 15. Jahrh. 
Aus derselben Zeit stammen Albrecht Dürer's Propor- 
tionen der Buchstaben. Die Interpunction ist seit dem 
8. Jahrh. gebräuchlich. Die Ordnung der Interpunctions- 
zeichen kommt von Aldus Manutius in Venedig zu Anfange 
des 16. Jahrh. 

§. 22. Schreiber sind die tabellarii, scribae publici, 
notarii, Mönche seit dem 5. Jahrh., anfangs besonders im 
Archipel. Bis zum 13. Jahrh. ward besonders von Cister- 
ciensern und Karthäusern schön geschrieben. Die unschöne 
Schrift begann im 14. Jahrh. Schreibmalerei (besonders an 
den Initialen) übten die Modisten in Nürnberg. Auch bei 
den Moslems gab die Kalligraphie einigen Ersatz für die 
verbotene Malerei. 

Payne, Systemat. Anleitung zur Kalligraphie in ihrem ganzen Um- 
fange, 4839. 

§. 23. Schreibweisen: xiovtqSov (Chinesen), ßoucrcpo- 
97)86v (Solon's Gesetze). Diese Stierwendeschrift war bei 
den ältesten Griechen und Kömern im Gebrauch, wovon 
man noch das Wort versus und ähnliche Ausdrücke ab- 
leiten will. ItyatpiqSov und die Spielereien der alexandrini- 
schen Schule (Eischrift u. a.). Feste Volkssitte für Sanskrit 
und die verwandten, namentlich die classischen und occi- 
dentalischen Sprachen von der Linken, für die semitischen 
Sprachen von der Rechten aus. 



14 Erstes Buch. Koinodoklologie. 

§. 24. Schreibmittel: Griffel (ypa9e!ov, stilus), Robr 
(xaXa{j.oc 9 Exod. 2, 3) aus Knidos und vom Nil, das sich 
neben der Feder vom 6. — 10. Jahrh. im Gebrauch erhielt. 
Gänsefeder 636 zuerst erwähnt. Stahlfeder von James Perry 
( 1 756 — 1 82 1 ). Dazu die Feile von Mowers in Braunschweig. 

Rothe und schwarze (sepia) Tinte und Enkaustuni. 

§. 25. Schreibmaterial: Stein, Blei, Erz, Baumrinde, 
Wachs, seit 3. Jahrh. v. Chr. ägyptischer Papyrus, zube- 
reitet durch glutinatores und malleatores, Pergament aus 
Pergamus *, bei den Romern Membrana, charta Augusta, 
Claudia, Baumwollenpapier (charta serica, damascena, Tuch- 
pergament) in China um 150 v. Chr., von den Arabern 704 
in der Bucharei kennen gelernt und im 11. Jahrh. nach 
Spanien verpflanzt, nach Deutschland erst um 1300. Casiri 
nennt die Araber als Erfinder des Leinen- oder Lumpen- 
papiers. Darauf schon 1178 ein Friedensvergleich, 1251 die 
Fueros der Stadt Valencia, in Deutschland die erste Ur- 
kunde 1308. Papiermühle in Nürnberg 1390 2 . 

1 Dessen Seltenheit im Mittelalter die Palimpseste oder Codices rescripti 
veranlasst. Moyens graphiques bei Balbi, Atlas. Mone, De libris palimpsestis 
tarn latinis quam graecis, 4 855. — 2 Wehrs , Vom Papier und den vor Erfin- 
dung desselben üblich gewesenen Schreibmassen, 1789, Suppl. 4790. Ausser- 
ordentlich beträchtlich ist die Zunahme, welche die Papierfabrikation inner- 
halb des Zollvereins während der letzten 20 Jahre erfahren hat. Die Einfuhr 
an Papier, welche sich noch 4834 auf 42,075 Centner belief, war 4852 bereits 
auf 2887 Centner gesunken ; dagegen hatte die Ausfuhr, die im erstgenannten 
Jahre nur 44,668 Centner betragen, sich 4852 auf 40,449 Centner gehoben. 

§. 26. Schreibarten: 1) Tachygraphie: sigla, com- 
pendia scribendi, notae Tironianae, nach Cicero's Frei- 
gelassenem, M. Tullius Tiro, benannt. Ennius soll 1100, 
L. Annäus Seneca 5000 Zeichen für Schnellschrift gehabt 
haben l . Abkürzungen waren seit dem 1 1 . Jahrh. gewöhn- 
lich und fortdauernd zur Misgestaltung der Schrift durch 
das ganze Mittelalter. 

2) Verwandt ist die Stenographie, zugleich ein Be- 
dürfhiss repräsentativer Verfassungen, daher in England 
schon länger als 200 Jahre im Gebrauch, in Frankreich 
1792 angewandt, nach Deutschland 1796 verpflanzt und 
hier seit 1819 von Gabelsberger vervollkommnet. Mavor's 
Idee verfolgte Taylor 1814, Harding 1825. Für Frankreich 
Bartin 1792, für Deutschland Mosengeil 1796, Horstig 1797, 
Leichtlein 1819, Nowack 1830, Gabelsberger 1834 a . 

3) Lithographie seit 1790. Der Erfinder Aloys Senne- 



Drittes Capitel. Typologie. 15 

felder aus Prag (f 1834) schrieb in München 1818 sein , Lehr- 
buch 6 . Veredelung durch Hanfstängl, Piloty und Löhle. 

4) Papyrographie von Sennefelder 1817, Manne in 
Frankreich 1841. 

5) Siderographre in England 1820 durch Heath, in 
Deutschland durch Frommel in Karlsruhe. 

6) Photographie oder Daguerreotypie seit 1814 
und 4838. 

7) Galvanographie und Galvanoplastik von Jak. 
Jacobi 1836 und Werner 1844. Chrysotypie von Her- 
schel 1843. 

8) Kryptographie (Chiffre): Cäsar, in Depeschen (die 
spartanische ocutocXt)) 3 . 

9) Pasigraphie 4 . 

10) Telegraphier Sprachtelegraphen schon zu Dareios I. 
Zeit durch Aufstellung von Postenketten (Angareion, Barid 
der Khalifen). Im Abendlande reicht sie bis über die Mitte 
des 5. Jahrh. , durch Feuerzeichen in China und anderwärts, 
durch Zurufen bei den alten Galliern. Abgesehen von mannich- 
fachen Versuchen in den ältesten Zeiten , wurde die Telegra- 
phie zuerst 1633 durch den Marquis von Worcester und 
1660 durch den Franzosen Amontons begründet. Telegra- 
phisches System von Chappe 1 789. Telegraphisches Gegen- 
sprechen durch den Wiener Ginte. 

1 Kapp, Palaeographia critica, 4827. — 2 Michaelis, Zeitschrift für 
Stenographie, 4855. Anders, Entwurf einer allgem. Gesch. u. Lit der 
Stenographie, 4 855. — 3 Klöbbr, Ueber Kryptographie, 4 809. — 4 Leibnitz, 
De arte combinatoria, 4666. Wilkins 4668. Berger, Plan zu einer allgem. 
Rede- (Pasilalie) und Schriftsprache der Nationen, 4779. Niethammer, 
Ueber Pasigraphie und Ideographie, 4808. Riem, Ueber Schriftsprache u. 
Pasigraphie, 4809. Bonn, Grundzüge einer allgem. Methode zum Sprechen 
und Schreiben aller Sprachen, 4853; beurtheilt von Wagner in der Zeit- 
schrift für das Gymnasial wesen , 4855» Aprilheft. 



Drittes Capitel. 
Typologie. 

§. 27. Xylographie der Chinesen in sehr früher Zeit. 
Die Spielkarten 1 der Araber 2 , in Italien schon 1299. Der 
Kartendrack in Deutschland zwischen 1350 — 60 erfanden. 
In Frankreich Kartenspiel 1361. Verbot gegen dasselbe in 
Spanien durch Johann I. \ 387. 



16 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Verbreitung der Patronen (Muster, verschieden von 
Schablonen) nach Italien (um 1300?) und dem westlichen 
Europa, in den Niederlanden (1312?), in Haarlem 1412 (nicht 
durch Laurens Coster 1430 erfunden), in Antwerpen 1442, 
in mehren Städten des südlichen Deutschland 1400 — 23. 
Verzierung von Handschriften durch Malerei scheint schon 
im 4. Jahrh. n. Chr. vorzukommen 3 . 

Xylographische Denjkmäler: der heilige Christoph in der 
Karthause zu Buxheim 1423, Biblia pauperum 1429. 

Vervollkommnung der Holzschneidekunst durch die frän- 
kische Malerschule: Wohlgemuth, Alb r. Dürer, Scheuffelin, 
Luk. Cranach, Hs. Burgkmair im 16. Jahrh. Das Hell- 
dunkel von Pilgram oder Hg. da Carpi. Seit dem 1 6. Jahrh. 
wurde der Kupferstich vorgezogen, aber seit Ende des 18. 
und im 19. Jahrh. hat sich der Holzschnitt zunächst und 
am meisten in England wieder gehoben. 

Erfindung der Xylotypographie (illustrirte Drucke) 
durch den Engländer Th. Bewick (geb. 1753) 4 . 

1 Das Kartenspiel ist wol indischen Ursprungs? — 2 Naibi oder Naipes, 
d. h. Wahrsagung. — 3 Bastard, Peintures des manuscrits des le 4 me au 
46 me siede, 4835 fg. — 4 Gesch. der Holzschneidekunst von Brulliot, La- 
borde, Heller 1823, Rumohr, Sotzmann (im Histor. Taschenbuch, 483*/), 
Rüd. Weigel, Young. 

§. 28. Die Buchdruckerkunst mit gravirten Tafeln 
war in China schon 600 v. Chr. bekannt. Cicero's Ver- 
muthung von der Möglichkeit beweglicher Lettern (,De nat. 
deor. 4 , II, 37). Streit über die Ehre der Erfindung der 
Buchdruckerkunst zwischen Holland (Laurens Coster 1370 — 
1436 [39] in Haarlem) und Deutschland. Jenes feierte das 
Jubiläum 1823, dieses stets anno 40 jedes Jahrhunderts 
(zuerst in Wittenberg), auch 1840 \ Seit Schaab's Be- 
weisführung 2 ist unbestreitbar Erfinder Henne oder Johann 
Gensfleisch von Fulgeloh, gen. Gudinberg oder Gutenberg, 
aus Mainz (1 397 — 1 468). Die Erfindung wurde in Strasburg 
empfangen, in Mainz geboren. J. Fust 1450. Pt. Schöffer 
von Gernsheiin ist Erfinder der Matrizen 1453. 

Die Kunst hörte auf ein Geheimniss zu sein 1462, als 
Adolf von Nassau den Erzbischof Dietrich von Mainz an- 
griff und die Stadt eroberte, und verbreitete sich nach Italien 
1464, Venedig 1469, Paris 1470, Antwerpen 1470 (Dierik 
Mertenz benutzt deutsche Typen 1472), Basel und London 
(Caxton) 1474, Prag 1478, Stockholm 1483, Lissabon 1489, 



• 

Viertes Capitel. Bibliologie. 17 

Krakau 4 494, Kopenhagen 4493; Mexico 4550, Moskau 4564, 
Lima 4586; Britisch-Nordamerika 4640; Konstantinopel 4726 
(bald untergegangen, restituirt 4783); Aegypten 4822 3 . 

1 Meermann, Orig. typogr., 4765. Kowing, Oorsprong etc. , 4846. — 
2 Gesch. d. Erfindung d. Druckerkunst, 4834. Weller 4836. Labgrde, 
Nouv. rech, sur Torigine de rimprimerie, 4 840. — 3 Schulz, Gutenberg oder 
Gesch. d. Buchdruckerkunst, 4840. Ebenso Falkenstein 4840. Umbreit, 
Erfind, d. Buchdrk., 4843. Bernard, De l'origine et les debuts de rimpri- 
merie en Europe, 4854. Düpont, Histoire de rimprimerie, 4854. Foürnier, 
Traite de la typographie, 4854. Jarosl. Wrtdtko in Wlastimil schreibt den 
Böhmen einen nicht geringen Theil an der Erfindung der Buchdruckerkunst 
zu, weil Gutenberg von Geburt ein Böhme, wenigstens böbm. Abstammung 
gewesen sei, und behauptet, dass sich die typographische Kunst in Böhmen 
zwar mit Eenntnissnahme des deutschen Drucks, aber unabhängig und 
ohne materielle Hülfe der Deutschen im Lande, und zwar schon früh, ent- 
wickelt habe. 

§. 29. Als sich 4 470 die Schriftgiesserei von der Druckerei 
trennte, blieb mit letzterer der Buchhandel in Verbindung. 
Aeltere Buchdrucker: die Familie Manutius 4488 — 4580, 
de Giunti 4 492 — 4592, Etienne, Elzevier 4595 — 4 680; 
neuere: Breitkopf, Baskerville, Didot, Bodoni, Tauchnitz, 
Vieweg, Decker, Brockhaus. Schnellpresse von F. König. 
HilTsche Cylinderpresse. Erleichterung des Setzens durch 
Young und Delcambre. 

Erfindung der Stereotypen durch J. van de Mey in 
Leyden Ende des 47. Jahrh.; ihre Vervollkommnung durch 
J. Müller Anfang des 48. Jahrh., Firmin Didot 4 794, Stan- 
hope 4804, Tauchnitz, Breitkopf u. A. 

We8treenen yan Tiellandt, Kapport sur l'invention de rimprimerie 
stereotype, 4833. — Buchdruckereien wurden 4854 4 639 mit 3405 Pressen 
und 974 Schnellpressen in Deutschland gezählt, wozu noch 4 4 49 Stein- 
und Kupferdruckereien mit Pressen kommen. Die Zahl der Neuigkeiten, 
welche aus diesen Pressen jährlich hervorgehen, wird nach einem fünf- 
jährigen Durchschnitt auf mehr als 40,000 berechnet. 



Viertes Capitel. 
Bibliologie. 

§. 30. Die Bibliographie oder Bibliognosie und Biblio- 
logie ist das Archiv für die Literaturgeschichte. Sie ward 
durch Kr. Gesner im 46. Jahrh. begründet, und Frankreich 
ist ihr Mutterland. 

Ersch, Allgem. Repertorium d. Lit., 4793 — 4809. Ebbrt, Allgem. 
Bibliographie, 4824 — 30. Heinsiüs, Allgem. Bücherlexikon, mit Fort- 
setzungen von Kayser, Schulz und Schiller. Eayser, Allgem. Bücher- 
lexikon, mit Fortsetzung von Zuchold. Quebabd, France littäraire. Enslin's 

Merlbker. *jt ■ 



18 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Kataloge für einzelne Wissenschaften seit 4820. Schriften von Bruhnbt u. Rb- 
nooard. Petzholdt, Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekwissenschaft. 
Ausserdem sind als Zeitschriften zu diesem Zweck zu betrachten : das Nau- 
mann 'sche Serapeum , das pariser Bulletin da bibliophile und Stbrckt, 
Bulletin du bibliophile beige. Allgemeine Bibliographie (Hinrichs), Buch- 
handlerbörsenblatt, leipziger Messkatalog. In Frankreich: Bibliographie 
de la France und Catalogue mensuel des nouveautes de la librairie pari- 
sienne. In Belgien: v. Muquardt, Bibliographie de laBelgique; Hen, Journal 
de l'imprimerie et de la librairie; Vlämische Bibliographie. In England: The 
publisher circular; Longman, Monthly list of new books. In Spanien: 
Boletin bibliografico und Revista bibliografica. In Holland: Bibliographie 
voor Nederland , Liest van nieuw uitgekomen boeken. In Skandinavien : die 
Dansk und Svensk Bibliographi. In Nordamerika: Norton publishers cir- 
cular und liiterary register. Colomb de Batines (|H. Jan. 4855), Dixio- 
nario manuale di bibliogr. Italiana. Bibliographisch -statistische U eber- 
sichten der Literatur des östreichischcn Staats haben wir 4844 von Adf. 
Schmidl, dann von Dr. v. Würzbach, 4854 durch die Buchdruckerei der 
y. Ghalen'schbn Erben erhalten; darin an Encyklopädien und Literatur- 
geschichten in deutsch. Spr. 49, in ital. Spr. 422, in Gesammtöstrelch 248. 

§. 31. Bücherformate: Rollen, pugillares, Codices, 
libri plicatiles, volumina (dt<jrpaXfoxo£, umbilicus); cornua, 
frontes; Folio, Quart, Octav, Sedez, Duodez, Octodez. 
Auf beiden Seiten beschriebene Blätter erst aus dem 5. Jahrh. 
n. Chr. Lederbände erst seit dem 12. Jahrh. 

Schwartz, De ornamentis librorum etc., 4705 u. 475fi. Leüschner, 
ebenso, 4756. 

§. 32. Der Paläotype oder Incunabeln (in cunis 
artis facta) zählt man aus der Zeit zwischen 1440 — 1500 
etwa 15,000 l . Darunter finden sich Nikolaus' V. Ablassbrief 
1454, latein. Bibel 1455, Lactantius 1455, Psalterium 1457, 
griech. Grammatik des Laskaris in Mailand 1 476, Cicero's ,De 
officiis' 1 465 in 4., ,Nideri praeceptorium divinae legis' 1 472 mit 
Signatur, ,Sermo ad populum praedicatorius c 1 470 mit Blatt- 
zahl, ,Officium Mariae virginis 4 1 473 in 32., Antonio da Siena's 
,Monte santo di Dio c 1477 mit Kupferstichen, die Collection 
von Alopa zu Florenz 1494 — 96 mit Capitälchen (6 griech. 
Werke: Anthologie, Apollonios von Rhodos, Euripides, 
Kallimachos, die Gnomiker und Musäos), Editiones prin- 
cipes classicorum, die Aldinen der drei Manutier (zwei 
Aldus und ein Paul). Titelblätter seit 1485. Die Cursiv- 
type Francesco's (Virgil 1501). 

1 Panzer und Maittaire, Annales typographici. Hain, Repertorium 
bibliologicum , 4826 — 38. Rbnouard, Annales de l'imprimerie des Aide, 
ou hist. des trois Manuce, 3. ed., 4834. Ch. F. Harless, Literatur der 
ersten hundert Jahre nach Erfindung der Typographie, 4840. 

, §. 33. Zu den ältesten Bücher Sammlungen gehört 
die des Peisistratos in Athen (Gellius), welche die Perser 



Viertes Capitel. Bibliologie. 19 

entführten und Seleukos Nikator zurücklieferte, und die 
des Aristoteles, welche Theophrast erbte. Dessen Erben 
verweigerten den Verkauf derselben an Konig Ptolemäos 
Philadelphos und verbargen sie auch vor dem Konig von 
Pergamos in einem Keller, wo sie durch Nässe und Würmer 
zum Theil zerstört wurde; endlich kaufte sie Apellikon von 
Teos, mit dessen Bibliothek sie unter Sulla nach Rom kam. 
Hier wurden die Schriften nach einer Copie des Freige- 
lassenen Tyrannion von Andronikos aus Rhodos in Pragma- 
tien geordnet und von neuem durchgesehen. Diese Erzäh- 
lung Strabo's haben Brandis, Kopp und Stahr mit Recht 
bezweifelt. Auch die chinesischen Kaiser sorgten früh für 
Sammlung von Schriften ihrer Vorfahren und über sie. Die 
alexandrinische Bibliothek im Brucheion mit 4 — 700,000 
Rollen verbrannte zum Theil im Alexandrinischen Kriege, 
47 v. Chr., und wurde mit der im Serapeion und der von 
Antonius an Kleopatra geschenkten pergamenischen (20,000 
Rollen) vom Erzbischof Theophilos unter Theodosius d. Gr. 
391 ganz zerstört, sodass der arabische Eroberer Aegyptens, 
Amru, 640 nichts mehr zu zerstören fand 1 . 

In Rom wurden die ersten Bibliotheken durch Aemilius 
Paullus (168) und Lucullus (75) angelegt, die erste öffent- 
liche durch Asinius Pollio (38 v. Chr.) 2 , von Augustus die 
Palatina 3 und Octaviana. Nach P. Victor (im 4. Jahrh. 
n. Chr.) gab es 38 Bibliotheken in Rom 4 . In Konstan- 
tinopel die Bibliothek Konstantin' s d. Gr., erweitert auf 
100,000 Rollen durch Julian und Valens, der sieben Ab- 
schreiber (antiquarii) dabei anstellte, verbrannte 477 unter 
Zeno dem Isaurier und nach ihrer Wiederherstellung noch 
zwei mal, 610 und 731. Die neupersische zu Madain wurde 
651 von den Arabern verbrannt. Die arabischen zu Bagdad, 
Kahira (über 100,000 Bde.), im syrischen Tripolis mit einer 
unglaublich grossen Zahl von Büchern, zu Fez, Cordova, 
überhaupt im arabischen Spanien an 70 Bibliotheken, dar- 
unter die des Khalifen Hakem mit mehr als 600,000 Hand- 
schriften. 

Als Sammler haben sich Verdienste erworben Basilius 
Macedo, die Komnenen, Al-Mamun, Karl d. Gr., Richard 
Aungerville, Petrarca, Boccaccio. Die Bibliotheksannalen 
beginnen erst im 14. Jahrh. Karl V. von Frankreich ver- 
mehrte 1380 seine Bibliothek auf 900 Bde., unter denen 

*,* 



20 Erstes Buch. Koinodoklologie. 

von Classikern nur Ovid und Lucan waren. Die Vaticani- 
sche (Nikolaus' V.) enthielt 1455 nur 5000 Bde. Die kirch- 
lichen Bibliotheken hatten oft nicht über 30 — 40 Bde., welche 
hier und da angekettet und nur gegen Unterpfand ausgeliehen 
wurden. So hatten die Alexandriner für die Autographa der 
drei Tragiker den Athenern elf Talente (gegen 15,000 Thlr.) 
in Versatz gegeben, liessen aber das Geld im Stiche. 

Die Marcusbibliothek in Venedig des Cardinal Bessarion 
ist 1362 gegründet, die Mediceo -Laurentiana in Florenz 1471, 
die Ambrosianische in Mailand von Federico Borromeo 1 609 
(mit 60,000 gedruckten Büchern, 15,000 Handschriften, dar- 
unter viele Palimpseste). Niccolo Niccoli in Florenz im 
1 5. Jahrh. öffnete seine Bibliothek zum allgemeinen Gebrauch. 
Die Magliabecchi'sche in Florenz öffentlich 1747. Die hei- 
delberger 1390 gegründet. Die Pauliner in Leipzig. Die 
Rhediger'sche in Breslau. Die Bodlejanische in Oxford 1 480, 
öffentlich 1612. Die in Ofen (Buda) von Matthias Corvinus 
im 15. Jahrh. Gegenwartig gibt es eine Menge öffentlicher 
und Privatbibliotheken. 

Die statistischen Nachrichten, wie sie in Bezug auf 
Deutschland Bertuch's ,Ephemeriden c geben 6 , haben ge- 
wöhnlich nur für ein Jahr Gültigkeit. Fast jede grössere 
Sammlung hat ihren Geschichtschreiber gefunden. Die 
pariser Nationalbibliothek, für deren Gründer Franz I. gilt, 
ist augenblicklich das'grösste Institut dieser Art in Europa; 
sie enthält 1,200,000 Bde., 100,000 Handschriften, 1 Million 
historischer Documente und Actenstücke, 1 Million Kupfer- 
stiche, 100,000 Medaillen und Gegenstände des Alterthums 6 . 
In München 600,000 Bde. und 18,000 Handschriften, in 
Petersburg 350,000 und 12,000, in Wien 300,000 und 12,000, 
in Berlin 400,000 und 5600, in Oxford 500,000 und 30,000, 
die Bibliothek des Britischen Museum zu London 190,000 
•und 60,000. Bei den Osmanen ist Bücherluxus in Samm- 
lung schön geschriebener Korane und theologischer Schriften 
zu finden, wissenschaftliche Werke werden wenig beachtet 7 . 

Chronologische, topische und wissenschaftliche Kataloge 8 . 

1 RiTSCHL, Die alex. Bibl. , 4838. Naumann, Serapeum, 4840 fg. — 
3 Thorbbeke 4820. — 3 Lursrn 4749. — 4 Lipsius, De bibliothecis, 4 602. 
Poppb, De Rom. bibliothecis, 4826. — 5 Andre, Zahlenstatistik, 4823. — 
6 Le Prince, Histor. Handb. über die Einrichtungen der kaiserl. Bibliothek 
in Paris; neue Auflage durch Louis Paris: Essai historique sur la biblio- 
theque du roi etc. — 7 Ebert, Ueber öffentl. Bibl., 4 844. Prtit-Radel, 
Recherches sur les bibliotheques anciennes et modernes, 4819; ebenso Bailly 



Viertes Capitel. Bibliologie. 21 

4828* Vogel, Literatur früherer and noch bestehender öffentl. und Corpora - 
tionsbibl., 4840. — Für Bibliothekwissenschaft: Schrettinger, 4808 — 29. 
Ebert, Die Bildung des Bibliothekars , 2. Aufl., 4820. Constantin, Biblio- 
thek onomie , 4839. Ders. 4840. Prbuskbr, Ueber öffentl. Bibl., 4839. 
Seizinger, Bibliothekstechnik mit einem Beitrag zum Archivwesen , 4855. — 
8 Franke, Catalog. bibl. Bünaviensis, 4750 — 56. Audiffredi, Alphabet. 
Katalog, d. Casanati'schen Bibl., 4764 — 68. Petzholdt, Urkundliche Nach- 
richten zur Gesch. d. sächsischen Bibliotheken, 4855. Ueber die kaiserl. Bibl. 
in Paris; Catalogue des livres imprimes de la Bibl. imperiale, 4855. 

§. 34. Der Buchhandel war in dem alten Rom ziem- 
lich einträglich; Horaz spricht von einem Buche, ,qui Sosiis 
aera meret c , obgleich die Bücherpreise billig waren. In dem 
Vicus sandalarius in der vierten Region oder der Via sacra 
und in dem Argiletum in der elften Region oder dem Circus 
maximus gab es viele Buchläden (tabernae librariae), welche 
bei den Alten fast ebenso wie die unserigen eingerichtet 
waren. Die Werke waren in Fächern (nidi) aufgestellt, an 
den Thüren und Säulen (pilae) waren die Titel der Bücher 
befestigt; daher sagt Horaz: ,Nulla taberna meos habet neque 
pila libellos 4 J . Die bedeutendsten Buchhändler nach Erfin- 
dung der Druckerkunst sind Fust, Aldus Manutius in Ve- 
nedig, Coburger in Nürnberg. Im Jahre 1854 gab es in 
Deutschland gegen 2000 Buchhändlerfirmen, darunter 400 
Kunst- und Musikalienhandlungen. 

Die Büchermesse in Frankfurt a. M. bestand seit dem 
46. Jahrh., ebenso lange auch die Messkataloge, seit 1608 
in Leipzig (seit dem Auftreten Ferdinand's von Steiermark 
als kaiserl. Commissarius und Schärfung der Censur durch 
die Jesuiten in Frankfurt), in New -York seit 1802 2 . 

Bücherprivilegien: von Bischof Heinrich zu Bamberg 
i 490, venetianisches \ 491 , päpstliches 4 605, franzosisches 1 607, 
deutsch-kaiserliches 1510. Beschluss der deutschen Bundes- 
versammlung gegen den Nachdruck vom 9. Nov. 1 837 3 . 

Antiquare: Elzeviere und Wäbberge zu Leyden und 
Amsterdam, Fritsch, Gleditsch, Weidmann zu Leipzig, 
Bohn in London, Techener in Paris u. A. 

1 Schöttgen, De librariis et bibliopolis antiquorum, 4740. Waoner, 
Grundriss der class. Bibliographie, 4840. Geraüd, Essai sur les livres 
dans l'antiquite particul. chez les Romains, 4840* Peignot, Sur la reliüre 
des livres et snr l'etet de la librairie etc. , 4834. — 2 Schwbtschkb, Mess- 
jahrbücher des deutsch. Buchhandels von 4564 — 4765. Bibliographisches 
Jahrbuch für den deutschen Buch-, Kunst- und Landkartenhandel seit 4853. 
(Hinrichs') Allgemeine Bibliographie für Deutschland. Brqckhaus, Allgem. 
Bibliographie. Monatl. Verzeichniss der -wichtigem neuen Erscheinungen 
der deutschen und ausländischen Literatur. Zusammengestellt von Trömel. 
Kirchhoff, Beiträge zur Gesch. d. deutsch. Buchhandels. Lbmpertz, Bilder- 



22 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

hefte zur Gesch. d. Bücherhandels, 4855. — s Eisenlohr, Das literarisch- 
artistische Eigenthum und Verlagsrecht mit Rücksicht auf die Gesetzge- 
bungen, 4854.- Ders., Sammlung der Gesetze und Verträge zum Schutze 
des literarisch -artistischen Eigenthums in Deutschi., Engl. u. Frankr., 185G. 

§. 35. Mit der Literatur ging die Censur ziemlich glei- 
chen Schritt. Theatercensur in Athen (pi?) ovojjiaöu xüjjlwSsIv) 
durch Lamachos 404 oder erst 388 *. Verbote in Rom gegen 
libelli famosi. Der unter dem Consulat des C. Fannius Strabo 
und M. Valerius Messala gefasste Senatsbeschluss gegen die 
Philosophen und Rhetoren 161 v. Chr. und das 92 y. Chr. 
gegebene Edict der Censoren Cn. Domitius Aenobarbus 
und L. Licinius Crassus 2 . Mit der Monarchie trat. in Rom 
Gedankensperre ein 3 . Die Kirchenversammlung zu Kar- 
thago (400) verbot heidnische Bücher, Konstantin die des 
Arius, die Synode zu London 1408 die des Wicliffe. Die 
Obscurantenuniversität zu Köln hat urkundlich zuerst 1479 
die Censur an einer Druckschrift geübt; den Vorgang hatte 
die pariser in Approbation oder Verdammung von Manu- 
scripten genommen. Erzbischof Berthold von Mainz be- 
stellte 1486 Censoren für Mainz und Erfurt, daraufnahm 
das Papstthum die Sache in die Hand, Alexander VI. 1501, 
das Concil im Lateran 1515. Verzeichniss gefährlicher 
¥ Bücher 1546 zu Löwen. ,Index librorum prohibitorum 4 1557 
und 1559 durch Paul IV. und die Jesuiten, geschlossen 1819. 
Die karlsbader Censurbeschlüsse 1819 für Bücher unter 
20 Bogen. Preussisches Pressverbot vom 5. Juni 1850 und 
Pressgesetz vom 12. Mai 1851. Englische Pressfreiheit 
seit 1694. 

1 Von der Beschränkung der komischen Freiheit durch Volksbeschlüsse, 
s. Wachsmuth, Hellen. Alterthumskunde , I, §. 70 1 Nr. 191 und Beilage 
Nr. 20. — 2 Gblliüs, Noct. Attic, XV, 11. — 3 Grüner, Cremutius 
Cordus oder über Bücherverbote, 1798. Schmidt, Gesch. der Denk- und 
Glaubensfreiheit im ersten Jahrhundert, 1847. 



Fünftes Capitel. 
Studiologie. 

(Grammatologie oder Mathematologie). 

§. 36. Die Wissenschaft des Orients (Asiens und 
Aegyptens) knüpft sich zunächst an die Religion und ist 
darum Alleingut fast nur der Priester geblieben. Daher 
in China der in neun Rangstufen getheilte aristokratische 



Fünftes Capitel. Studiologie. 23 

Gelehrtenstand der Mandarinen, daher die Priesterschulen 
Aegypten3 , Indiens und der Hebräer l . 

1 Ueber diese Hering 4777. Vitbinoa, De synagogis, 1696 u. 4726. 

§. 37. Die Religion der Griechen erfoderte keine In- 
stitute, in welchen der Unterricht darüber tertheilt worden 
wäre. Hier gab es Volksschulen für Lesen, Schreiben und 
Musik (Poesie und Gesang), Philosophen- und Redner- 
schulen für höhere Zweige des Wissens. Waren die griechi- 
schen Knaben zur Schule reif, so wurden sie einem Kaibdy^o^ 
übergeben, der sie zum YpafjifjiaTKjmj^ führte, wo sie die 
Elementarwissenschaften lernten. Das Sprichwort ,ouä$ velv 
ouSe YpapijjtaTa iTcfarac^ai' beweist, dass das Lesen allgemein 
war. Kinder von Stande lernten auch Kithara, Flötenspiel 
und Zeichenkunst. Dies war der primus gradus artium 
liberalium. Dann folgten Grammatik, Rhetorik, Geometrie 
und Arithmetik. Dabei wurde Homer zu Grunde gelegt, 
auch Hesiod, Aesop und die Lyriker gelesen. Dieser Unter- 
richt hiess (xouatxij, und wer nicht ajxouao«; sein wollte, musste 
dies wissen. 

Den zweiten Haupttheil der Jugendbildung machte die 
Gymnastik aus, und die Erhaltung der Gymnasien ge- 
hörte zu den Bürgerpflichten (Liturgien). 

Das Hauptbildungsmittel der attischen Jugend war die 
Eigenthümlichkeit des Lebens selbst. Zuerst ein Volksbuch, 
Homer, dessen Gedichte die höchste Vollendung der Form mit 
allgemeiner Fasslichkeit und allgemeinem Nationalinteresse 
verbinden und nicht blos poetische Dictionen, sondern die 
Thaten einer verwandten Vorwelt darstellen. Dann eine ein- ' 
fache ernste tragische Bühne ohne Spectakeistücke, mit fass- 
licher und daher bildender Musik, und als Parodie des 
Ernstes das Lustspiel, das den Geist über die Schranken 
der Convenienz hinweghebt. Ferner die lebSndige Rede in 
den Gerichtssälen, das lebendige Wort, dessen Einfluss 
Plato im ,Phädros ; weit über den todten Buchstaben er- 
hebt. Endlich die Muster- und Meisterwerke aller bilden- 
den Kunst.. 

Das weibliche Geschlecht, mit Ausnahme der niedern 
Stände., lebte zu eingezogen, als dass es mit den Männern 
in der Bildung gleichen Schritt hätte halten können. Sie 
erschienen blos bei Festen öffentlich und waren sonst ohne 
Sorgfalt erzogen. Deshalb spielen die geistreichen Hetären 



24 Erstes Buch* Koinodoktologie. 

(Aspasia, Leontion, Archianassa, Timandra, Lais) eine 
Rolle in der griech. Geschichte. 

§.38. In Rom unterrichteten anfangs blojs Griechen, 
später auch Romer. Die Schulen waren entweder offene 
Läden (pergulke) oder geräumige Dachstuben (coenacula), 
wie Orbilius (plagosus, Horaz' ,Epist. c , H, 1, 71), der Lehrer 
des Horaz (Suetonius, ,De ill. grammat. 4 , 9), wohnte. Auch 
in den Atrien der Tempel und in den Basiliken gab es ludi 
literarum und auditoria. Der Ausdruck schola bezeichnet 
jeden Sammelplatz (z. B. schola ollarum). Schreiben lernten 
die Kinder auf tabulae ceratae, in welche sie mit dem stilus 
den duetus literarum eindruckten. Rechnen wurde mit 
Zahlpfennigen (calculi) geübt. Tabula oder abacus ist die 
Rechentafel, abacus Pythagoreus das Einmaleins. 

Knaben, die für ein höheres Leben bestimmt waren, 
erhielten Unterricht in griechischer und lateinischer Sprache 
und in der Geschichte, was man zusammen eruditio nannte; 
dann folgte der Unterricht in den artes ingenuae und libe- 
rales (scilicet ingenuas didicisse fideliter artes, emollit mores, 
nee sinit esse feros), Rhetorik, Philosophie, Dialektik, Ma- 
thematik, von denen Cicero (,Pro Archia poeta 4 , 7) mit so 
hoher Begeisterung spricht: ,Haec enim studia adolescentiam 
alunt, senectutem oblectant, seeundas res ornant, adversis 
perfugium et solatium praebent, delectant domi, non impe- 
diunt foris, pernoetant nobiscum, peregrinantur, rusticantur. 
Quodsi ipsi haec neque attingere, neque sensu nostro gustare 
possemus, tarnen ea mirari deberemus, etiam quum in aliis 
videremus 4 . 

Als der Sprachunterricht seit dem zweiten Punischen 
Kriege (Punico bello seeundo Musa pennato gradu intulit 
se in belli co sam Romuli gentem feram) mit dem Griechischen 
begami, wurden Homer, Sophokles, Euripides, Xenophon, 
Thukydides, Menander gelesen (daher bei Horaz: ,Graecia 
capta ferum victorem vicit et artes intulit agresti Latio 4 ), 
dann folgte die lateinische Grammatik und Literatur. Jeder 
junge Romer lernte die 12 Tafeln auswendig, grösstenteils 
auch den Ennius und andere National dichter. Dann folgte 
rhetorischer Unterricht, progymnasmata (primordia) und 
declamationes , mündlich und schriftlich , theils Nachbil- 
dungen, theils eigene Versuche. Von der Philosophie be- 
achtete man nur die praktischen Theile, da man Theorie 



Fünftes Capitel. Studiologie. 25 

und Speculation für ein Geschäft der Müssigen hielt. Von 
schonen Künsten wurde nur die Zeichenkunst für anstandig 
gehalten, nicht Musik, Tanzkunst und Palästrik. Cicero 
(,Pro Murena 4 , 6) sagt: ,Nemo enim fere saltat sobrius, nisi 
forte insanit 4 . Doch auch hierin änderte die griechische Sitte 
Vieles. Vergl. unten §. 270 fg. 

§. 39. Die äussere Einrichtung der Schulen war 
der unserigen ziemlich gleich. Der Lehrer sass auf einer 
cathedra oder einem halbrunden Pulte (hemicyclium), die 
Schüler auf subsellia und schrieben auf den Knien (,Batracho- 
myomachie 4 : ,'Aoi8ij, rp v&v £v SeXroiatv i\Ldi$ iid youvaoi ^Wpca 4 ) 
die dictata magistri (etwa vorgelesene Stellen der Classi- 
ker u. A.) oder declamirten stehend. Die 41. Tafel der Ge- 
mälde von Herculanum stellt eine solche Schule vor: der 
Lehrer mit Mantel und Bart steht, vor ihm sitzen drei 
Jünglinge schreibend, drei andere lehnen als Zuhörer an 
den Säulen, im Hintergrunde wird mit der ferula eine 
Züchtigung vollstreckt (daher: manum ferulae subduxisse, der 
Schule entwachsen sein); schlimmere Vergehen wurden mit 
der aus Ochsen- oder Aalhaut verfertigten scutica bestraft. 
Am Minervenfest im März erhielten die Lehrer Schulgeld 
und Geschenke (Minerval) ,und in den Schulen wurden den 
Aeltern zu Ehren Declamationen gehalten. Vor der Zeit der 
romischen Kaiser wurden die Lehrer wahrscheinlich nicht 
vom Staate besoldet, wiewol Charondas ^:u Katana in seinen 
Gesetzen Staatsbesoldungen für die öffentlichen Lehrer fo- 
derte. Die bessern Philosophen lehrten unentgeltlich , aber die 
Sophisten liessen sich bezahlen, Protagoras für einen Cursus, 
lsokrates für seine Rhetorik 240 Thlr. Erst unter den Kai- 
sern ward die Aufmerksamkeit der Regierung auf den Un- 
terricht gelenkt. Unter August erhielten einzelne Lehrer 
Privilegien (Bürgerrecht und Abgabenfreiheit), desgleichen 
unter Konstantin (,Cod. Theodos. 4 , 13, 3); Vespasian besol- 
dete einige aus dem Fiscus. Quintilian war der erste be- 
soldete Lehrer der Rhetorik in Rom. In einer Verordnung 
des Konstantius und Julian 357 (,Cod. Theodos. 4 , 14, 1) 
heisst es: ,Literaturae, quae omnium virtutum maxima est 4 . 
Vorzüglich wichtig ist die Verordnung der Kaiser Valen- 
tinian L, Valens und Gratian (,Cod. Theodos. 4 , 14, 9). 

Cramer, Geschichte der Erziehung im Alterthum , 4832. Göss, 
Erziehungswissenschaft der Griechen und Römer, 4808. Hochhbimer, 



26 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

System d. griech. Erziehung, 4 785. Kapp, Piaton 's Erziehungsieh re, 4833. 
Ders., Aristotelische Staatspädagogik, 4837. LCbker, Gymnastik der 
Hellenen, 4835. Krause, Theagenes 4835, Olympia 1838, Hellenika 48t4. 
Haase in Ersch und Grubefs Encyklop., III, 9, 3G3 fg. 

§. 40. Zu den höhern Schulen rechnet man zunächst 
Platon's Akademie, deren Name von der Akademie ausser- 
halb Athens herrührt, der Besitzung eines gewissen Akade- 
mos, welche dieser dem Staate zum Behufe eines Gymna- 
siums schenkte. Sie bestand bis 529 n. Chr., als Kaiser 
Justinian I. hier und in andern Städten des Reichs den heid- 
nischen Lehrern die Besoldung entzog. Ihr letzter Lehrer 
Simplicius rettete sich durch die Flucht.- Das Lyceum 
war ursprünglich ein dem Apollo Lykeios geheiligter Ort 
in der nächsten Umgebung von Athen, berühmt durch die 
schattigen Haine und herrlichen Gartenanlagen, besonders 
aber durch daa Gymnasium , worin Aristoteles und die Peri- 
patetiker lehrten und wonach auch die Romer ähnliche 
Anstalten (auf dem Tusculanum des Cicero, in der Villa 
Hadrian's zu Tibur) benannten *. Das Aristotelische Nym- 
phäon zu Stagira. Die Rednerschule des Aeschines auf 
Rhodos. Das alexandrinische Museum Ptolemäos' II. 
Philadelphos (284—246 v. Chr.) in dem Theile des Palastes, 
der zugleich für die Bibliothek bestimmt war. Hier lebte eine 
ausgewählte Gesellschaft von Gelehrten, die auf Staatskosten 
unterhalten wurden (die sprichwörtliche cixrfiiQ Alyu7rrfa als 
gute Kost) , um sich ungestört den wissenschaftlichen Bestre- 
bungen hingeben zu können. Kaiser Claudius fügte ein 
zweites zu gleichem Zweck hinzu und benannte es nach sich. 
Das Museum erlitt unter Kaiser Aurelian (270 — 275 n. Chr.) 
durch den Brand des Brucheion eine bedeutende Erschütte- 
rung und ging 636 n. Chr. ganz ein 2 . Auch die hohe Schule 
zu Antiochia ging in demselben Jahre ein. Die perga- 
menische der Attalen 3 und die zu Apollonia, wo unter 
Andern auch Octavian studirte 4 , hatten gleichfalls hohen Ruf. 
In Rom wurde die Beredtsamkeit als Kunst betrieben seit An- 
kunft der griech. Gesandten (155 v. Chr.) Karneades, Krito- 
laos und Diogenes. Hier stiftete Hadrian (117 — 1 38 n. Chr.) 
nach dem Muster des alexandrinischen Museums das Athe- 
näum auf dem Capitol, welches sich bis ins 5. Jahrh. er- 
hielt, worin theils Unterricht in der Poesie und Rhetorik 
von eigens dazu bestellten Lehrern ertheilt wurde, theils 
Schriftsteller ihre Producte öffentlich vorlasen, wie dies im 



Fünftes Capitel. Studiologie. 27 

Allgemeinen schon seit Augustus Sitte war, seitdem Asinius 
Pollio die recitationes eingeführt hatte, die man wegen ihrer 
Allgemeinheit zu den Stadtplagen rechnete. Konstantin 
d. Gr. stiftete zu Konstantinopel eine hohq Schule in einem 
achteckigen Gebäude, das Georg Kodinos Tetradision 
nennt. Die dortigen ökumenischen Lehrer waren Glossa- 
toren, Technographen und Technologen und standen in 
hohem Ansehen. Leo der Isaurier soll 730 während des 
Bilderstürmens das Oktagon mit der Bibliothek und den 
Gelehrten haben verbrennen lassen. Von demselben Leo 
wurde auch Julian's (361) Auditorium neben der Sophien- 
kirche in Konstantinopel 727 aufgehoben. Die Rechtsschule 
zu Berytos bestand zwischen 234—554. Cäsar Bardas 
gründete 862 eine Akademie für weltliche Wissenschaften 
im Palaste Magnaura und weckte die 425 gestiftete Rechts- 
schule zu Konstantinopel. Antoninus Pius stiftete die so- 
genannten Kaiserschulen. Die alexandrinische Katecheten- 
schule 5 . Lehranstalten gab es auch in Gallien und 
Afrika, zu Massilia, Narbo, Burdigala, Augustodunum, 
Lugdunum, Vesontio, Vienna, Durocortum Remorum, Trier, 
Karthago u. s. w. Ihr Untergang erfolgte mit dem Sturze 
des Westromischen Reichs 6 . 

1 Ueber die spätem Schicksale Athens und seiner BUdungsanstalten : 
Ahrens, De Athenarnm statu etc., 4829. — 2 Manso's Vermischte Schrif- 
ten, 4 804, Bd. 4. Matter, Essai historique sur TeteoJe d'Alexandrie, 4820. 
Ueber das alexandrinische Museum: Schriften von Parthey 4838, Klippel 
4 838, Simon 4 845, Barthelemy de St. Hilaire 4 845, Vacherot 4 846. — 
3 Manso, Ueber die Attalen, 4 84 5. Wegener, De aula Att., 4 836. Van Castellb, 
De regit), et antiquit. Pergamen. , 4842. — 4 Kriegk, De peregrinationibus 
Komanor. academicis, 4704. — 5 Guerike, De schola quae Alex, florui- 
cat., 4824. -r- 6 Wittich, De grammatistarum et grammaticorum apud Rot 
manos scholis, 4844. Schwarz, Erziehungslehre, 4 829. Schlossers Auf- 
satz in seinem und Bercht's Archiv, I, 247 fg. Seine Universalhistor. 
Uebersicht, III, 3, 50 fg. 

§. 41. Wer sich den Wissenschaften widmen wollte, 
hatte grosse Schwierigkeit bei der Anschaflung wissen- 
schaftlicher Werkö. Piaton soll für die Schriften des Pytha- 
goräers Philolaos 100 Minen oder 3 Talente (über 4000 
Thlr.) gegeben haben. Aristoteles kaufte die Schriften 
des Speusippos für 3 Talente. 

Von der Lebensart der röm. Gelehrten gibt der jüngere 
Plinius in seinen ,Episteln 4 ein deutliches Bild. Der ältere 
Plinius stand schon vom 22. Aug. ab so früh auf, dass er 
bei Licht arbeitete und bis tief in die Nacht. Das tag- 



'28 Erstes Buch. Koinodoklologie. 

liehe Leben eines gelehrten Müssiggängers schildert Horaz, 
,Satir. fc , 1,6. 

Zum Bekanntwerden der angehenden Schriftsteller dien- 
ten die Besuche der Buchläden und Bibliotheken, die bis 
auf sieben stiegen, der Vorlesungen, Theater, Odeep, Spazier- 
gänge, Bäder und Porticus. 

§. 42. Neben den römischen und byzantinischen Schulen 
bestanden die der Nestorianer zu Dschondisapur, Ahwaz, 
Nisabur, Edessa (450) und Nisibis und der Juden zu 
Babylon (bis 1040), Kairwan, Fez, Bari, Otranto und in 
Spanien. 

§. 43. Im Orient sind die Hoflager der Dynasten zu- 
gleich die Pflegestätten der Cultur, und deren bietet die 
mohammedanische Welt eine nicht geringe Zahl. 

Bei den Arabern begann unter den Abbassiden 760 die 
Pflege der Wissenschaft, vorzüglich durch Al-Mansor, Harun- 
al-Raschid und Al-Mamun, deren Medresses zu Bagdad, Da- 
mask, Jerusalem, Kahira, Alexandria, Fez, Marokko, Basra, 
Kufa hohen Ruhm erlangt haben. Die Dschami Escher zu 
Kahira und das Haus der Wissenschaften von Hakem. Aehn- 
lich wirken die Omajjaden von Cordova aus. Hier grün- 
deten sie 14 Akademien, darunter Saragossa, Toledo, Va- 
lencia, Granada, in Portugal Coimbra l . Die Araber werden 
Lehrmeister des Occidents 2 . 

Die Schulen der Mongolen zu Samarkand, Bochara, 
Kesch u. s. w. 

Der von den türkischen Sultanen seit Orchan gestif- 
teten Moscheen, Schulen und Medresses ist eine Unzahl: 
in Konstantinopel 1653 Schulen, 515 Medresses. Durchweg 
aber herrscht dabei streng sunnitischer Glaubenseifer vor, 
worauf besonders die Derwischorden eingewirkt haben. Auf 
Mohammed's H. acht Medressen (zu Brusa, Adrianopel, 
Konstantinopel u. s. w.) sollte Exegese-, Ueberlieferungs- 
kunde, Jurisprudenz, (theologische) Metaphysik, Astronomie, 
Geometrie, Logik und Rhetorik gelehrt werden. 

1 Wüstenfeld, Die Akademien der Araber, 4 837. Middbldorpf, 
De institutis literariis in Hispania, 4840* Veth, De institutis etc., 4843. — 
2 Taylor, Hist. of Muhamedanism. , 4834; deutsch 4837. Die Arbeiten 
der neuem franz., engl, und deutsch. Orientalisten in den Notices et 
extraits des manuscrits de la bibl. du roi, im Journal Asiatique, Journal 
des savants, den Researches, Transactions und Journalen der engl. Gesell- 
schaften von 'Kalkutta, Bombay, Madras und der Royal Asiatic societv, 



Fünftes Capitel. Studiologie. 29 

Jos. v. Hammeb'8 Fundgruben des Orients und der Zeitschr. der deutschen 
morgenländ. Gesellschafe. 

§. 44. Die chinesische Erziehung bezweckt nicht die 
Entwicklung der Geisteskräfte zu selbständigem Denken, 
sondern nur das Erlernen Dessen, was die Vorfahren ge- 
wusst und geübt; daher wird auch nur der Verstand und 
die praktische Lebensklugheit geweckt, während Phantasie, 
Poesie und alle höhern Regungen und Gefühle ohne Pflege 
sind. Unter den Freien gibt es nur den Unterschied des 
Ranges, nicht des Standes. In der ersten Classe stehen die 
Gelehrten oder Mandarinen. Wissen und Verdienst ent- 
scheiden allein über die Stellung des Mannes im bürger- 
lichen Leben. Schon die Schulen und öffentlichen Prüfun- 
gen bieten Gelegenheit zur Auszeichnung. Dennoch hindern 
Selbstgenügsamkeit, Dünkel und Mistrauen, besonders gegen 
Fremde, den geistigen Fortschritt. 

Biot, Histoire de l'instruction publique en Chine, 4845. GCtzlaff, 
Gesch. d. chinesischen Reichs (aus d. Engl, von Naumann, 4847). Ritter'» 
Erdkunde, Bd. 4. 

§. 45. Das neuere Schulwesen ruht auf dem Christen- 
thum. Begründer des deutschen Klosterschulwesens 
ward Rhabanus Maurus *, des franzosischen Gerbert 2 . 
Stifts- oder Domschulen zur Bildung der Geistlichen im 
Lesen, Schreiben, Singen und Latein zu Monte -Casino, 
Rom, Bologna, Pavia, Tours, Canterbury, York, Fulda, 
Sevilla, St. -Gallen u. s. w. Interesse der Regenten für das 
Schulwesen, Justinian's L, Karl's d. Gr. und seiner Um- 
gebung (Alcuin, Eginhard, Beda), Alfred's d. Gr. Seit dem 

12. Jahrh. Gründung von Stadtschulen. Papst Alexan- 
ders II. (1159) Befehl, für Lehrer zu sorgen. Die besten 
Schulen finden sich schon im 12. Jahrh. in Frankreich, im 

13. Jahrh. in Italien und wurden daher von Briten und 
Deutschen häufig besucht 3 . 

Gegenstand des Schulunterrichts waren die sieben 
freien Künste: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik, Arith- 
metik, Geometrie und Astronomie, die man in dem Trivium 
und Quadrivium begriff und deren Functionen folgende 
Hexameter angeben: 

Gram loquitur, Dia verba docet, Bhe verba ministrat, 
Mus canit, Ar numerat, Ge ponderat, As colit astra. 

Vorzugsweise aber wirkten auf die Geister des Mittelalters 



30 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Aristoteles und Augustin, indem sie die Speculation der 
Scholastiker über die Kirchenlehre beförderten. Die Dogma- 
tiker Anselm von Canterbury, Albert d. Gr., Thomas von 
Aquino. Die Mystiker Bernhard und Bonaventura; die 
dogmatischen Mystiker Hugo und Richard von St. Victor. 
Die Skeptiker Abälard und Duns Scotus. Die Dialektik 
herrschte vor, Grammatik trat in den Hintergrund ; sie wurde 
besonders in Orleans, Logik in Paris cultivirt. Mathematik 
studirte man bei den Arabern. Die Naturkunde war sehr zurück. 
Dagegen blühte die deutsche Poesie und Baukunst. 

Als Lehrbücher dienten ausser Donat hauptsächlich 
Ebrardus' (1212) ,Graecismus 6 , des Minoriten Alexander de 
villa dei (1 240) ,Doctrinale puerorum' in Leoninischen Versen, 
beibehalten bis in das 16. Jahrh. und oft erläutert, am be- 
sten von J. von Sinthen, Lehrer des Erasmus, in Deventer 
1488. Von Wörterbüchern Hugutio's (1220) jVocabularium 4 , 
J. de Janua's (1286) ,Catholicon c u. s. w. Bleibenden Werth 
hat Gerard v. d. Schueren's ,Teutonista fc , 1 477. Für Mytho- 
logie Nockam (f 1215), Alfricus' (1217) ,Poetarium c , Mure's 
(f 1281) ,Fabularium 4 . 

1 Biographien von Bach 4836 u. Künstmann 4844. — 2 Ueber ihn 
Hock 4837. — 3 Launot, De scholis a Carolo M. et post C. M. instau- 
ratis, 1672. Lorentz, De Carolo M. literarum fautore, 4828. Ders., Leben 
Alkuin's, 4829. 

§. 46. Neue Wege versuchten zunächst drei Italiener: 
Dante, 1265—1321, Petrarca, 1304 — 74, und Boccaccio, 
1313 — 75. Darauf entwickelte sich zunächst in Italien die 
classische Bildung durch J. von Ravenna, 1352 — 14112 
oder 1420, und Em. Chrysoloras, den ersten geborenen 
Griechen, der in Italien seit 1396 lehrte. Auf diese 
folgt eine 'Reihe von Lehrern des Lateinischen und Grie- 
chischen: Guarino, 1370 — 1460, und Vittorino vonFeltre 1 , 
1378 — 1446, Gemisthus Pletho, Marsilius Ficinus, Bessa- 
rion, G. von Trapezunt, Philelphus, Poggius, Laurentius 
Valla, Argyropylus, Landinus, Politianus, Picus von Mi- 
randola. Förderung der Studien durch die kleinen Tyrannen 
Italiens, besonders durch Lorenzo von Medici 2 , der eine 
griechische, und Cosmus von Medici, der die Platonische 
Akademie stiftete, ferner durch die Päpste Nikolaus V. und 
Leo X. 3 

Eine höchst verdienstliche und für Verbreitung der alten 
Literatur äusserst wirksame Umgestaltung des Jugendunter- 



Fünftes Capitel. Studiolog ie. 31 

richte erfolgte in den Niederlanden durch den Karthäuser 
Geert Groote, gewöhnlich Gerhardus Magnus genannt, 
4340 — 87 (?), Stifter der Bruderschaft der Hieronymianer 
4384, und zwar zunächst in seiner Unterrichts- und Er- 
ziehungsanstalt zu Deventer. In demselben Geist wirkten 
Ghd. von Zütphen (f 4398), Florentius Radewin von 
Leerdam, Th. von Kempen (f 4474), J. Wessel, Rdf. 
Agricola (Hausmann), v. Spiegelberg, Alx. Hegius, Rdf. v. 
Lange, Hm. von dem Busch, Erasmus 4467 — 4536. 

Drei südliche Orte waren damals als geistige Concen- 
trationspunkte vorzüglich wichtig : Schlett3tadt (L. Drin- 
genberg 4 450?), Heidelberg und Tübingen; in Heidelberg 
war J. Reuchlin 4 455 — 4522 besonders für das Griechische 
und Hebräische thätig. Kr. Celtes 4459 — 4508. J. v. Dal- 
berg seit 4 482 Bischof von Worms. Schulen in J5woll, 
Utrecht, Münster (König 4824) 4 . 

1 lieber ihn Oeelli 4812. — 2 Roscob, Life of Lör. d. Med., * 795*, 
deutsch von Henke 4806. — 3 Mbeleker, Politik der Gesch. der Päpste, 
4856. — 4 Schöttgen, De statu scholarum ante reformationem , 1747. 
Keüffel, Historia originis et progressus scholarum inter Christianos, 4743. 
Müreay, De Britan. atq. Hibernia sec. VI. — X. literaram domicilio in N*. C. 
Gott., T. II. Burkhard, De variis Germaniae scholarum a Garolo M. usque 
ad reformationem mutationibus, 1845. Ruhkopf, Geschichte des Schul- u. 
Erziehungswesens in Deutschland, 4794. Cbameb, Geschichte der Erzie- 
hung u. des Unterrichts, 4832. Ders., Die Erziehung in den Niederlanden 
während des Mittelalters, 4 843. 

§. 47. Die weitere Verbesserung des Jugendunterricht? 
ist eine der vielen segensreichen Wirkungen der Refor- 
mation (4517), daher am frühesten und reifsten in Deutsch- 
land und Holland sichtbar.- Luther, 1483 — 1546, Melanchthon 
(Schwarzerd), 1497 — 1560, zugleich praeceptor Germaniae . 
(Lehrbücher der Dialektik, Rhetorik, Physik, Ethik, griech. 
u. lat. Gramm.), Zwingli, 1484 — 1531, haben sich um das 
Volksschulwesen sehr verdient gemacht. Ihnen folgten 
Comenius 4631, Locke, Francke 1695, Rousseau, Basedow, 
Pestalozzi, Fellenberg, Falk (Schulen für verwahrloste Kinder 
der Armen 1810), Salzmann, Niemeyer, Dinter, Bell, Lan- 
caster u. A., die mit ungleichem Erfolge neue Methoden 
versuchten oder Musteranstalten gründeten. Die Verbes- 
serung des katholischen Volksschulwesens ging 4770 von 
Mainz und Oestreich aus, während für den hohem Unter- 
richt schon durch die Jesuiten seit 4540 besser gesorgt war. 
Schullehrerseminarien Deutschlands seit 4751 (zu Hannover). v 



32 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Kleinkinderschulen (Diesterweg 4845). Unterricht der Taub- 
stummen (in Leipzig durch Heinicke, schon früher in Paris 
durch Abbe de PEpee) seit 4778 und der Blinden seit 4784 
zu Paris, 4804 zu Wien, Der in Indien kennengelernte 
Bell-Lancaster'sche (4795 oder 4798) wechselseitige Unter- 
richt hat sich seit 4806 über alle Welttheile verbreitet. 

§. 48. Die humanistischen Studien auf den Gymnasien 
in Goldberg unter Trotzendorf 4534, in Ilefeld unter Neander 
4543, auf den sächsischen Fürstenschulen 4543, den würtem- 
bergischen Klosterschulen 4560. Melanchthon, Camerarius, 
Sturm und ihre Schüler. Die preussischen Gymnasien des 
49. Jahrh. l . 

Von Ordensgesellschaften der katholischen Kirche haben 
sich die Barnabiten (4 536) um Sittenverbesserung und Jugend- 
unterricht, um letztern auch die Scholastiker unter den Je- 
suiten besonders verdient gemacht. Ihren Verfolgungen er- 
lag die Gesellschaft von Port-Royal (4639—4709). Die 
Benedictiner von der Congregation des heil. Maurus (4648 — 
4790) zeichneten sich durch musterhaften Fleiss auf dem 
Gebiete der Geschichte und Patristik aus 2 . Die Congre- 
gatio oratorii wurde 464 4 gestiftet. 

Die Real- (Semler gebrauchte 4 738 von seiner Schule diese 
Benennung zuerst) und Specialschulen: die freiberger für 
Bergwerkskunde 4765, die polytechnischen Anstalten in Paris 
und Wien, die Gewerbschule in Berlin 4828. Ueberall ge- 
deihen die Schulen, nur nicht unter hierarchischer Ober- 
leitung 3 . 

1 Mebleker, Wie sind die preuss. Gymnasien zu ihrer gegenwärtigen 
Einrichtung gelangt? 4848, in der berliner Zeitschrift für das Gymnasial- 
wesen. Ders., XJeber die Gymnasien der Zukunft, 4854. Ders. , Vor- 
schläge zur Reorganisation des preuss. Schulwesens, 4848. Schulze, Li- 
teraturgeschichte der Schulen im deutschen Reiche, 4804. F. Thiersch, 
Ueber gelehrte Schulen, 4826. — 2 Mabillon, Annales ordinis S. Bene- 
dicti, 4703. Ziegelhauer, Hist. liter. ord. S. Benedicti. — 3 Beneke, 
Erziehungs- u. Unterrichts] ehre, 4835. K. v. Raumer, Gesch. der Päda- 
gogik, 4843 fg. Hahn, Das Unterrichtswesen in Frankreich, 4848. 

§. 49. Die Universitäten sind seit dem 12. Jahrh. 
ein Hauptforderungsmittel der aufblühenden literarischen 
Cultur. Die Hechtsschule zu Bologna entstand etwa 4110, 
die ärztliche Bildungsanstalt in Salerno 1075, die philo- 
sophisch-theologische Schule Sorbonne zu Paris 1440, 
privilegirt 1200, organisirt 1215 \ Das anfangs freie Lehr- 
recht wurde in Paris seit 1207, in Bologna seit 1219 vom 



Fünftes Capitel. Sludiologie. 33 

Kanzler ertheilt. Als sich in Paris seit 4259 Facultaten ge- 
bildet hatten, erkannten diese, nach vorangegangener Prü- 
fung, das Lehrrecht durch Promotionen zu. Padua seit # 
4222 (und 4262) scheint zuerst mehre Wissenschaften (eine 
universitas studiorum) umfasst zu haben. Die berühmteste 
mohammedanische Medresse ist die von Nizamelmulk zu 
Bagdad 4067 gestiftete Nidhamia. Die erste deutsche Uni- 
versität ward Prag 4347, die erste protestantische Mar- 
burg 4527 a ; in Athen 4837. Seit dem 48. Jahrh. Erwei- 
terung des Umfangs der Unterrichtsgegenstände, Belebung 
wissenschaftlicher Selbsttätigkeit, Sicherstellung der Zucht 
und Vermehrung literarischer Hülfsmittel und Uebungsan- 
stalten 3 . Die Bestätigungsurkunden hatten die Päpste aus- 
gefertigt, bis Kaiser Friedrich II., als erster weltlicher Fürst, 
die Universität Neapel 4224 bestätigte. 

1 Gaupp, De professoribus et medicis, 4827. — 2 Erhard, Gesch. 
des Wiederaufblühens Wissenschaft]. Bildung in Deutschland bis zur Refor- 
mation, \ 830. — 3 Brohm, Alterthum, Gesch. u. Statistik der hohen Schulen, 
\ 783. Meiners , Gesch. d. Entstehung u. Entwicklung der hohen Schulen 
unsers Erdtheils, 4802. Wildberg, Jahrbücher der Universitäten Deutsch- 
lands, 1810 fg. Wuttke, Jahrbücher d. deutschen Universitäten, 4842. Koch, 
Die preuss. Universitäten, 4839 fg. Höber, Die engl. Universitäten, 1839. 

§. 50. Akademien mit dem Zweck der höhern Aus- 
bildung der Wissenschaft und Kunst entstanden zuerst in 
Italien, durch Antonio Beccadelli Panormita zu Neapel 1436, 
Marsiglio Ficini zu Florenz 4 452, Pompon. Latus zu Rom 
4 468. Gegenwärtig gibt es an 350, theils allgemein wissen- 
schaftliche, theils für besondere Fächer bestimmte. Zu den 
erstem gehören unter andern die zu Berlin seit 4700, Bo- 
logna, Dublin, Kopenhagen, Lissabon, München, Paris (Aca- 
d&nie royale des sciences 4666 durch Colbert), Petersburg, 
Stockholm, London (,Philosophical transactions' seit 4660), 
Gottingen. Für Sprachen die Academia della Crusca oder 
furfuratorum zu Florenz 4582, Academie fran^aise in Paris 
4629 (ihr Wörterbuch 4694). Für Alterthumskunde Aca- 
demie des inscriptions zu Paris von Colbert 4 663. Für Me- 
dicin Academia naturae curiosorum in Wien 4652. 

Reüss, Allgem. Real -Repertorium über die Abhandlungen der europ. 
Akademien, 4802 fg. F. Wolf, Ueber Wissenschaft]. Akademien mit be- 
sonderer Beziehung auf die kaiserl. östr eichische, 4866* 

§. 54. Literarische Vereine am Hofe August's, 
KarFs d. Gr., Kaiser Friedrich's IL, Alfons' X. von Casti- 
lien, Robert's und Alfons' von Neapel, Kaiser Karl's IV., 

Merleker. ^ 



34 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

Cosimö's und Lorenzens von Medici, der Este und Fr. Sforza's, 
Papst Nikolaus' V., Matthias Corvinus' von Ungarn, Maxi- 
milian's I. u. s. w. 

Dagegen verdanken die historischen und alterthums- 
forschendenVereine und Gesellschaften ihre Entstehung 
erst den Anregungen der neuern Zeit. Den ersten Anstoss 
gab die auf Veranlassung des preussischen Ministers v. Stein 
4849 begründete Gesellschaft für Deutschlands ältere Ge- 
schichtskunde zu Frankfurt a. M. Durch sie gingen her- 
vor die von Pertz herausgegebenen ,Monumenta Germaniae 
historica'. 

Wioand, Jahrbücher d. Vereine für Gesch. u. Altert humskunde, S 83 1 fg. — 
Pertz, Leben Stein's, 4853 fg. 

§. 52. Seit dem 16. Jahrh. haben sich als Sprach- 
und Alterthumsforscher- besondern Ruf erworben: 

4) Die Italiener: Jul. Cäsar Scaliger, 4484 — 1558. Die 
Manutii: Aldus der Aeltere mit dem Beinamen Romanus, 
1446 — 4546 (28 editiones prineipes). Sein dritter Sohn 
Paulus, 4512 — 74, und dessen Sohn Aldus der Jüngere, 
4547—97. Karl Sigonius, 4524 — 85 \ Odoardo Corsini, 
1702—65 (,Fasti Attici 4 , 4744 — 56). Giacomo Facciolati, 
4682 — 4769 (das gr. lat. Lexikon mit seinem Schüler For- 
cellini seit 4718). Egidio Forcellini, 1688 — 1768 «. Angelo 
Mai, 1784 — 4854, berühmt durch die Prüfung der Codices 
rescripti, hauptsächlich als ambrosianischer (1813) und va- 
ticanischer (1819) Bibliothekar. 

Gewinn aus den Schätzen von Herculanum seit 1720 
und Pompeji seit 1750, besonders durch die sinnreichen 
Erfindungen des Antonio Piaggio und des englischen Che- 
mikers Davy 8 . 

2) Die Deutschen: Kr. Peutinger f ^47 (die tabula 
Peutingeriana). Ph. Melanchthon, 1497 — 1560 (,Loci com- 
munes rerum theologicarum c ) 4 , Der Polyhistor Kr. v. Ges- 
ner, 1516—55. J. Mthi. Gesner, 1691—1761. Bas. Fa- 
ber, 1520 — 76 (,Thesaurus eruditionis scholasticae 4 , 4571). 
F. Sylburg,.4536 — 96 5 . Jan Gruter aus Antwerpen, 4560 — 
4627 6 . J. F. Gronov, 464 4—74. Sein Sohn Jak. Gronov, 
4645 — 4746, gehört den Niederlanden an. Der berühmte 
Polyhistor J. Alb, Fabricius, 4668 — 4736 (Bibliotbeca 
Graeca, Latina, mediae et infimae aetatis, ecclesiastio* 
u. s. w.), Von J. A. Ernesti, 4707 — 84, ging grösste»- 



f Fünftes Capilel. Studio! ogie. 35 

theils die theologische Aufklärung aus, insofern sie sich 
auf Philosophie und richtige grammatische Erklärung grün- 
det. Er ist ein wahrhafter Cicero der Deutschen (,Clavis 
Ciceroniana 4 , 4739 u. 4834) 7 . Heyne, 4729—4812 (,IliasS 
1802) 8 . Reiske, 4716—74 (griech. Redner, 4770— 75) •. 
Reiz, 4733 — 90, Schüler von Ernesti, Lehrer von Gf. Her- 
mann 10 . J. D. Michaelis, 4747 — 94, wirksam für biblische 
Grammatik, Geschichte und sachliche Exegese (,Mosaisches 
Recht 4 , 4770 fg.) n . Winckelmann, 4747 — 68, ein um 
Kritik, Geschichte und Erklärung der classischen Kunst- 
werke, sowie um das Studium der Antike unsterblich ver- 
dienter Gelehrter, der eigentliche Schopfer einer bleibenden 
Kunstgeschichte (des Alterthums, 4 764) 12 . Lessing, 4 729 — 84 , 
ist Reformator der deutschen Nationalliteratur und des 
geistigen Lebens in Deutschland überhaupt (,Laokoon 7 oder 
über die Grenzen der Poesie und Malerei 4 ) 1S . Schütz, 
4747—4832 (seine Schüler F. Jacobs und Creuzer) 14 . Beck, 
4757 — 4832, Literator, Archäolog, Philolog und Histo- 
riker 1 *. F. A. Wolf, 4757—1824 (,Prolegomena in Ho- 
merum 4 ) 16 . Gf. Hermann, 4772 — 4848, nach Goethe der 
meisterhafte Kenner, der das Alte zu erneuern und das 
Abgestorbene zu beleben versteht, auf dessen Denk- und 
Handlungsweise folgende seiner Worte die schönste An- 
wendung finden: ,Ea maxima est et non interitura laus, non 
utilem tan tum, sed etiam bonum virum esse' (,Elementa 
doctrinae metricae 4 , 4846; ,De mythologia Graecorum anti- 
quissima 4 , 4807). J. H. Voss, 4754—4826, Bahnbrecher 
auf dem Gebiete der historischen Geographie und Mytho- 
logie (,Antisymbolik 4 , 4824 — 26), gross als Uebersetzer clas- 
sischer Werke, ausgezeichnet als Dichter lr . K. Otfried Müller, 
4797 — 4840 (,Orchomenos und die Minyer 4 , 1820; ,Dorier 4 , 
4824; ,Etrusker% 4828; , Archäologie 4 , 4830, 4835, 1844) 18 . 
Buttmann, 1764 — 1829 (,Grieehische Grammatik 4 , seit 4792). 
Bthd. G. Niebuhr, 1776—1831 (,Rom. Gesch. 4 , seit 1811; 
,Scriptores hist. Byzantinae 4 , seit 1828) 19 . K. A. Bottiger, 
1760 — 1835 (,Sabina, oder Morgenscenen einer reichen Rö- 
merin 4 , seit 1803; archäologische Schriften) *°. F. Jacobs, 
4764— 4847 ai . Im. B'ekker, 4785, Sammler auf den be- 
deutendsten europäischen Bibliotheken (kritische Ausgaben 
der griechischen Classiker). F. Thiersch, 4784, Begründer der 
philologischen Studien in Baiern (Pindar). P. Creuzer, 4771 



36 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

(,Symbolik u. Mythologie der alten Volker, bes. d. Griechen 4 , 
seit 1810). A. Bockh, 1784 (Pindar, seit 1811; Staatshaus- 
halt der Athener 4 , 1817; ,Attisches Seewesen 4 , 1840; ,Cor- 
pus inscriptionum Graecarum 4 , seit 1824). Ch. A. Lobeck, 
1781, Begründer der philologischen Studien in Ost- und 
Westpreussen (,Aglaophamus 4 , 1829; grammat. Schriften). 
K. Lachmann, 1793 — 1850, deutscher und classischer Phi- 
lolog. Adelungs, 1732—1806, und Vater's, 1771 — 1826, 
Sprachforschungen; des Letztern ^Literatur der Grammatiken, 
Lexika und Wörtersammlungen aller Sprachen der Erde 4 
(1815, 2. Aufl. 1847). 

3) Die Franzosen: Budäus (Bud£), 1467 — 1540 M . 
Lambinus (Lambin), 1516— 72. Muretus, 1526— 85 23 . Rb. 
Stephanus (Rb. Etienne), 1503 — 59 (,Thesaurus linguae La- 
tinae 4 , 1534). Sein Sohn Heinrich, 1528 — 98 (,Thesaurus 
linguae Graecae 4 , 1572) 24 . Just. Scaliger (Sohn von Julius), 
1540 — 1609, Begründer einer verbesserten Chronologie (, De 
emendatione temporum 4 , 1 583) 26 . Casaubonus, 1 559 — 161 4 26 . 
Sein Sohn Mericus f 1671. Petavius, 1 583—1 652 (,De doctrina 
temporum 4 , 1627). Salmasius (Saumaise), 1588 — 1653 (,De 
re militari Rom. 4 , 1657). Faber (Lefevre), 1615—72, Vater 
der berühmten Anna Dacier. Valesius (Valois), 1607 — 76, 
der Erste, der die von Kst. Porphyrogenneta aus dem Poly- 
bius verfertigten Auszüge 1634 bekannt machte, von denen 
Peiresc 1580 — 1637 eine Abschrift aus Griechenland erhal- 
tenhatte. Vaillant, 1632 — 1706, Numismatiker. Montfaucon 
(Montefalconius), 1655 — 1741, für Paläographie. Fröret, 
1688 — 1749, Archäolog und Chronolog 27 . Fourmont, 1683 — 
1745, Orientalist und Sinolog. D'Anville, 1697—1782, 
Geograph und Kartograph. Barthelemy, 1716 — 95 (,Palmy- 
renisches Alphabet 4 , 1758; ,Reise des jungen Anacharsis 4 , 
1788 28 ). Larcher, 1726 — 1812 (,Chronologie des Herodot 4 ). 
Villoison, 1753 — 1805. Brunck, 1729 — 1803. Schweighäu- 
ser, 1746 — 1831 (,Polybios 4 , 1789 — 95) 29 . 

4) Die Niederländer: Erasmus, 1467—1536 (,Collo- 
quia 4 ) 30 . Just. Lipsius, 1547 — 1606 31 . Meursius (de Meurs), 
1579 — 1639 (,Thes. antiq. Graec. 4 S2 ). H. Grotius (de 
Groot), 1583 — 1645 (,De iure belli et pacis 4 , 1625 33 ). 
Ghd. J. Vossius, 1577—1649 34 . Von seinen fünf Söhnen 
Is. Vossius, 1618 — 89. Dn. Heinsius, 1580 — 1655, und sein 
Sohn N, Bfeinsius, 1620—80. Grävius (Gräfe, ein Deutscher), 



Fünftes Capital. Studiologie. 37 

4 632—1 703 (,Thes. antiquit.Rom.S 4 69*— 99) 3 ». Jak. Gronov, 
4 645 — 174 6. Lambertus Bos (Bosius) , 4 670— 1 74 7 (,Ellipses 
Graec.', 4700 36 ). Das berühmte Geschlecht der Burmann: 
Franz, 4628—79, und seine Sohne: Peter, 4668 — 4744 
(und dessen Sohn Kaspar f 4755), Franz, 4674 — 4749, 
Johann, 4706 — 80 (dessen Sohn N. Laurentius 4734 — 93), 
Peter Secundus, 4743 — 78 (ein Schüler von Düker und 
Drakenborch). Düker (ein Deutscher), t670 — 4752. Dra- 
kenborch, 4684—4748 (Livius, 4738 — 46, 4820 — 4828). 
Hemsterhuis, 4685 — 4766 (Lehrer von Buhnken und Valcke- 
naer) 3r . Sein Sohn Franz, 4720 — 90. Wesseling (ein Deut- 
scher), 4692—4764. Valckenaer, 4745— 85 38 . Ruhnken 
(ein Deutscher), 4723—98 (Kritiker) 39 . Wyttenbach (ein 
Schweizer), 4747 — 4849 40 . Seine Gattin Johanna, geb. 
Gallien, erhielt von der philosophischen Facultät in Mar- 
burg die Doctorwürde. 

5) Die Engländer: der Kanzler Heinrich' s VIII. , 
Thomas Morus, 4480 — 4535 41 . H. Dodwell, 4 644—474 4 
(chronologische Schriften); Ed. Dodwell, 4767—4832, be- 
reiste Griechenland 4804— 4806 42 . Reh. Bentley, 4662 — 
4742 (Kritiker, Horaz, 474 4—4723, 4826) 43 . Potter, 4672 — 
4747, Erzbischof von Canterbury und Primas von England. 
Middleton, 4683 — 4760, Theolog und Geschichtschreiber 
(über Cicero 4744, 4790, 4804 44 ). Markland, 4692—4776«. 
Ferguson, 4724 — 4846, Geschichtsforscher und Moralphilo- 
soph (über Rom, 4783 46 ). Gibbon, 4738—94 (über Rom, 
4782 — 88 47 ). Gillies, 4747 — 4836, Historiker. Porson, 
4759 — 4808, nächst Bentley der grösste englische Kritiker. 

6) Die Dänen: Zoega, 4755 — 4809 (über die Obelis- 
ken) 48 . Munter (ein Deutscher), 4764—4830, Bischof von 
Seeland. Koes f 4844. 

• l Ueber ihn Krebs 4 840. — 2 Das Lexikon in neuer Ausgabe von 
Fürlanetto 4 828 , welche der in Deutschland durch Voigtländer und Hertel 
veranstalteten zum Grunde liegt, 1829 — 33. — 3 Ueber dieselben Rosixa 
4793 — 4827, Murr, David, Piranesi, Zahn (Ornamente, seit 4828), Gell 
und Gaüdy, Cooke, Ternite (Wandgemälde mit Erläuterungen von K. O. 
Möller und Welker 4844), Raoül-Rochette 4844. — 4 Die Loci com- 
munes von Detzer 4828. Rotermund, Verzeichniss der Schriften Melanch- 
thon's, 48 1 4. Seine Opera 4541; Peucer's Ausg. 4562 — 64; sein Leben 
von Camerarius u. Matthis 4841. Galle, Versuch einer Charakteristik 
Melanchthon's als Theologen, 4840. Niemeyer, Melanchthon als praeeep- 
tor Germaniae, 4847. Strobel, Versuch einer Literaturgesch. von Me- 
lanchthon's Loci theologici, 4776. — 5 Ueber sein Leben Creuzer in den 
Nova acta societatis Jenensis, Bd. 4. — 6 Sein Leben von Flatder 4628 



38 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

7 Seine Charakteristik von Stallbaum in der Thomasschule zu Leipzig 
4839. — 8 Seine Biographie von Heeren 4843. — 9 Morus, Vita Reiskii, 

4777. — io Gf. Hebhann's Erinnerungen an Reiz in den Verhandlungen 
des dresdner Pbüologenrereins, 4846. Bauer, Denkschrift auf Reiz, 4790. 
Kordes, Plautus u. Reiz. — n Autobiographie, 4793. Das Mosaische 
Recht auch von Saalschutz 4853. — 12 Biographien von Gurlitt und 
Petersen, letztere aus dem Dänischen von Friedrichsen 4829. — 13 Seine 
Schriften von Lachmann 1838 — 40. — 14 Sein Leben von seinem Sohne 
4834. — 15 üeber ihn drei Programme von Nobbe 4834—37. — 16 Ueber 
ihn- Hanhart 4825, Körte 4833, Gotthold 4843. — 17 Ueber ihn Paulus 
4826. — 1B Ueber ihn Lücke 4844. — 19 Ueber ihn Lieber, und ans 
dem Englischen von Thibaut 4837. — 20 Ueber ihn Eicmstädt 4836, u. 
sein Sohn Karl Wilhelm 4837. — 21 Einen treuen Abriss seines Lebens 
gab er in den Personalien, 4840, Bd. 7. der vermischten Schriften. . — 
22 Werke 4557. Sein Leben von Rbgius 4540. — 23 Werke 4727 — 30, 
durch Ruhnken 4789, von Frotscher u. Koch 4834 — 41. — 24 Neueste 
Ausg. ron Hase u. Dindorf, 4 836 fg. Auszug von Scapcla , Lex. Graeco- 
Lat., 4579, zuletzt 4830. Sein Leben von Passow in v. Raumbr's Histor. 
Taschenbuch, 4831. Renouard, Annales de rimprimerie des Etiennes, on 
histoire de la famille des Etiennes et de ses editions, 4 838 u. 4 843. — lö Beste 
Ansg. 4629. Die Geschichte d. Scaliger von Lbcbscher 4695 u. Maizeacx 
4 740. Bernat8, Ueber Jos. Just. Scaliger, 4855. — 26 Casauboniana von 
Wolf 4 740. — 27 Seine Werke 1796 u. von Champollion-Fiobac seit 4825. — 
28 Deutsch von Biester, 4 792 fg. — a9 Dahler , Memoria Schweighaeuseri, 
4830. — 30 Beste Ausg. 4650. Sein Leben von Müller 4828. Werke durch 
Ljsclerc 4703 — 6. — ll Opera 4585, 4637, 4675. Miräxjs, Vita Lipsii, 
4609. — 32 Von Jak. Gronov 4697 — 4702, Werke von Lami 4744— 63. — 

* 8 Von Cooceji «744. Ueber ihn Butler u. Hrs. de Vribs 4827 a4 Werke 

4695 — 1704. Briefe 4690. Toll, Oratio de Vossio grammatico perfecto, 

4778. — 3ö Sein Leben von Burmann 4703. — 36 Ausg. von Schäfer 
4808. — ä7 Ruhnk:en, Elogium Hemsterhusii, 4768 u. 4789; Lindemann 482?. — 

* 8 Opnscula von Erturdt 4808, die Epistolae von Tittmann 4812 * 9 Wtt- 

tenbaoh, Vita Ruhnkenii, 4799; auch von Lindemann 4822 u. Frotscher 
4 846. Rink, Ueber Hemsterhuis u. Ruhnken, 4801. — 40 Mahne, Vita Wyt- 
tenbachii, 4823. — 41 Werke 4559 — 66. De optimo reip. statu deque nova 
insula Utopia, 1546; deutsch von Oefflnger 4846. Sein Leben von Rddhart 
4829, Mackintosh 4830, Prinzessin v. Craon 4833. — 42 Sein Reisewerk 
deutsch von Sichler 4824. ■ — 45 Üeber ihn F. A. Wolf in den literar. 
Analekten, 4816, Bd. 4, u. Monk. — 44 Deutsch von Seidel 4791—93. — 
45 Ueber ihn F. A. Wolf, Bd. 2 der Analekten. — 46 Deutsch von Beck 
4784. — 47 Deutsch von Wenck, Schreiter u. Beck 4 805 fg., Sporschil 4837 
u. 4843. — 48 Ueber ihn Welcker. Hebren, Gesch. d. Studiums d. class. 
Lit. seit dem Wiederaufleben d. Wissenschaften, 4797 — 4804. 

§. 53. Auf die Erforschung der orientalischen Li- 
teratur, namentlich der arabischen, wendete sich die 
Aufmerksamkeit der Gelehrten schon im Mittelalter. Inno- 
cenz IV. (4243 — 54) befahl, auf der Sorbonne 1251 einen. 
Lehrstuhl für das Arabische zu errichten. Unter Clemens V. 
beschloss 1314 die Synode zu Vienne, Lehrer des Arabischen 
und Chaldäischen in Rom, Paris, Oxford, Bologna, Sala- 
manca anzustellen. Reuchlin war durch orientalische Sprach- 
kunde ausgezeichnet. Urban VIII. stiftete in Rom das Col- 
legium pro fide propaganda *. 



Fünftes Capitel. Studiologie. 39 

Die erste asiatische Gesellschaft zur Erforschung der 
Literatur, Geschichte, Geographie, Religion und Sprachen 
des Orients wurde von den Hollandern in Batavia gegrün- 
det, deren Verhandlungen u. s. w. zwischen 4780 — 4837 
fallen. Die Asiatic society of Bengal stiftete der Engländer 
William Jones (1746 — 94) in Kalkutta 1784, deren Asiatic 
researches 4788 — 1833, Journal of the asiatic society of 
Bengal seit 4832, die Arbeiten von Prinsep. Aehnliche Ge- 
sellschaften sind in Bombay, Madras, Benkulen auf Sumatra, 
Malakka und auf Ceylon. Die Societe asiatique in Paris 
seit 4822, ihr , Journal asiatique 4 seit 4823 durch Sylvestre 
de Sacy. Die Royal asiatic society of Great-Britain and 
Ireland von Colebrooke am 49« März 4823 eröffnet. Ihre 
,Transactions 4 4824 — 34 und das , Journal of the asiatic so- 
ciety 4 seit 4833. Damit steht seit 4828 der Oriental trans- 
lation commitee und seit 1842 ein durch den Grafen Munster 
gestifteter Verein in Verbindung zur Herausgabe orienta- 
lischer Texte. Ein asiatisches Museum stand in Petersburg 
seit 4845 unter Frähn. Die ^Zeitschrift für Kunde des Mor- 
genlandes 4 4837 — 42 durch Lassen in Bonn redigirt. Brock- 
haus, ^Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesell- 
schaft 4 seit 4847. 

Die African association durch Banks seit 4788 zur Er- 
forschung des Innern von Afrika und ihre ,Procedings of 
the associations for promoting the discovery of Africa 4 seit 
4790. Aegyptische Gesellschaft in Kairo. 

1 Bohn, De felis stndii linguarum orten talinm inter Europaeos, 4769. 

§. 54. Als besondere Hülfsmittel der Studien sind 
Zeitungen, Zeitschriften und encyklopädische Werke zu 
betrachten. 

Zeitungen (teiding) mengen sich in Alles, sie ver- 
gegenwärtigen täglich die vielfaltigsten Erscheinungen des 
Staaten- und Völkerlebens, das Entfernteste wie das Nächst- 
liegende, das Materiellste und das Geistige. Demnach ist 
in jeglichem Gebiete des Culturlebens ein Platz für sie. 
Wachsmuth, ,Culturgesch. 4 , HI, 87, 33. 

Im Keime findet sich dies Institut schon bei den alten 
Kömern in den schon vor Cäsar aufgekommenen Acta diurna 
oder Publica actorum scriptura, worin die Verhandlungen 
in der Curie und den Tribunalen, Anzeigen der Feste, 
Geburts- und Sterbelisten enthalten waren. Die Annales 



40 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

pontificum horten bald nach der Einnahme von Numantia 
(133 v. Chr.) auf. Die durch Cäsar veranstaltete Veröf- 
fentlichung der Acta senatus wurde unter August suspendirt, 
darauf seit Tiber unter Censur gestellt und bis ins 5. Jahrh» 
fortgesetzt *. 

Nach einer langen Pause findet sich nach der Mitte des 
16. Jahrh. in Italien, und zwar zu Venedig, ein ähnliches 
Veröffentlichungsmittel, Notizie scritte, die für ein Lesegeld 
von einer Scheidemünze, Gazeta, zugänglich waren, daher 
auch der Name dieser Neuigkeitsblätter. Auch in Deutsch- 
land bestehen Zeitungen seit Anfang des 1 6. Jahrh. Gegen- 
wärtig ist ihre Zahl sehr gross; so z. B. werden seit 1. Juli 
1852 in Preussen 1671 Zeitschriften und Zeitungen durch 
die betreffenden Behörden an das Publicum ausgegeben, 
darunter 1163 in deutscher Sprache. 

Die erste englische Zeitung wurde 1 588 unter dem Titel 
,The English Mercurio 4 auf Burleigh's Befehl herausgegeben, 
was jedoch Schlesinger in seinen , Wanderungen % durch 
London 4 (1853, II, 255) bestreitet. Jetzt ist die englische 
Presse die wichtigste und umfangreichste in Europa, wird 
aber gleichwol von der in den Vereinigten nordamerika- 
nischen Staaten noch übertroffen. In Frankreich wurde die 
erste Zeitung 1732 von dem Arzte Renaudot unternommen, 
um seine Patienten mit den Tagesneuigkeiten zu versehen. 
Die holländischen Courants. Russland hatte 1846 bei 70 Mill. 
Einwohnern erst 62 periodische Schriften. In Griechenland 
die ,Nauplia 4 und ,Athena 4 . Seit 1 828 erscheint zu Neuechota 
eine cherokesische Zeitung u. s. w. 

1 Lb Clbrc, Des journaux chez les Romains, 4838. Schlosser, Ueber 
die Quellen der spätem latein. Schriftsteller, bes. über Zeitungen, in dem 
von Bercht u. ihm herausgegebenen Archiv für Gesch. u. Lit. , 1 830. Zell, 
Ueber die Zeitungen d. alten Römer, im Morgenblatt, 4835, N. 446. 

§. 58. Die Zeitschriften haben das Wissen aus der 
Schule in das Leben eingeführt. Man unterscheidet ihrer 
drei Classen: für das grossere Publicum und für einzelne 
Zweige des Wissens bestimmte und kritische. 

In Frankreich wurde das , Journal des savants' am 5. Jan. 
1665 von Denis de Sallo (pseudonym Hedouville) begrün- 
det. Die ,Nouvelles 4 von Bayle seit 1 687. ,Annee litteraire c 
1 754 — 76. ? Journal encyclop^dique 4 1 758 — 91 . , Journal ge- 
neral de la lit. franp. 4 seit 1798. ,Athenaeum franpais. 4 

In England finden wir zunächst die von den Essayisten 



Fünftes Capitel. Studiologic. 41 

geschriebenen und herausgegebenen Zeitschriften für ver- 
mischte Aufsätze : ,Tatler 4 , ,Spectator 4 , , Guardian 4 u. a., nach- 
geahmt durch das ganze 48. Jahrh. Das erste londoner 
Journal wurde 4622 von einem sogenannten Newsman ge- 
gründet, Nathaniel Butter, unter dem Titel ,Weekly News'. 
,The gentleman's magazine 4 seit 4734. ,Critical review 4 4765 
von Smollet. ,Edinburgh review 4 4802 von Jeffreys, Sidney 
Smith und Brougham. ,Quarterly review 4 4 809 von Gifford. 
,Edinburgh philosophical Journal 4 von Brewster u. a. 

In Amerika existirten nach F. v. Raumer's Angabe schon 
4884 8 medicinische, 52 juristische, 420 theologische, 42 
Ackerbau -Zeitschriften und 48 für Mässigkeitsvereine. — 
In Italien Zeno's ,Giornale de' letterati 4 (4668) 4740 — 33. 
Fabroni's in Pisa 4774, Acerbi's 4845, Gironi's 4826. ,Biblio- 
theca italiana 4 in Mailand 4822. ,11 contemporaneo 4 u. a. 

Deutschland erwarb sich .in der Kritik das höchste Ver- 
dienst. In Leipzig Mencke's Acta eruditorum 4682 — 4734 
und Nova acta eruditorum 4732 — 76. Leipziger Neue Zei- 
tung von gelehrten Sachen 4 74 5 — 97. Allgem. deutsche 
Bibliothek von Nicolai 4765 — 4806. Göttingsche Zeitungen 
4739 und Anzeigen 4753 (Michaelis), ßelationes de libris 
novis 4 752 — 55. Helmstedter Ephemerides lit. 4770 — 75, 
Commentarii 4 776 — 84 , Annales 4 772 — 78. Bertuch's Allgem. 
Lit. -Zeitung in Jena 4 785 — 4803, fortgesetzt in Jena *und 
Halle seit 4804. Leipziger Jahrb. d. Lit. 4800 und Neue 
Leipziger Lit. -Zeitung 4 802 — 49, Leipz. Lit. -Zeitung 4 820. 
Heidelberger Jahrbücher 4848. Wiener Jahrbücher d. Lit. 
4818. Hermes in Leipzig 4849. Beck's Repertorium 484 9. 
Berliner Jahrbücher der wissenschaftl. Kritik 4827 J . Prutz, 
Deutsches Museum. Die Grenzboten von Freytag und 
Schmidt. Brockhaus, Blätter für literar. Unterhaltung. Mor- 
genblatt für gebildete Leser. Das Ausland. Journal der 
Literatur des Auslandes. Zarncke, Literar. Centralblatt 
für Deutschland, zugleich mit dem Nachweis anderer Zeit- 
schriften und Journale: 4) für Theologie: Protestantische 
Kirchenzeitung für das evangelische Deutschland vofi Krause; 
Deutsche Zeitschrift für christliche Wissenschaft und christ- 
liches Leben von Schneider ; Zeitschrift für die gesammte lu- 
therische Theologie und Kirche von Rudelbach und Guericke; 
Zeitschrift für Protestantismus und Kirche von Thomasius 
und Hofmann; Protestantische Monatsblätter für innere Zeit- 



42 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

geschichte von Geizer; Evangelisches Gemeindeblatt von 
Weiss; Kirchliche Zeitschrift von Kliefoth und Mejer; Theo- 
logische Jahrbücher von Baur und Zeller; 2) für Rechts- 
kunde: Archiv für deutsches Wechselrecht von Siebenhaar 
und Tauchnitz; Archiv des Criminalrechts von Abegg; Der 
Gerichtssaal von Arnold, v. Hye-Glunek und Schwarze; 
Magazin für Hechts- und Staatswissenschaft von Haimerl; 
Blätter für Rechtspflege in Thüringen und Anhalt von 
Hotzel; Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswis- 
senschaft von Brinkmann, Dornburg, Marquardsen und Pa- 
genstecher; 3) für Staatswissenschaften: Zeitschrift des 
statistischen Bureaus des königl. sächsischen Ministeriums 
des Innern von Engel; ebenso des statistischen Bureaus zu 
Berlin von Dieterici; dazu liefert Helwing Jahresberichte 
über staatswissenschaftliche und cameralistische Literatur; 
tübinger Zeitschrift der gesammten Staatswissenschaften; 
4) für Medicin: Deutsche Klinik von Goschen; Illustrirte 
medicinische Zeitschrift von Rubner; Henke's Zeitschrift 
für die Staatsarzneikunde, fortgesetzt von Behrend; Viertel- 
jahrschrift für gerichtliche und öffentliche Medicin von Casper ; 
Vermischte Abhandlungen aus dem Gebiete der Heilkunde 
(in Petersburg herausgegeben); Zeitschrift der Gesellschaft 
der Aerzte in Wien von Hebra; Schmidt' s Jahrbücher der 
in- 4 und auslandischen gesammten Medicin; Monatsschrift 
für Geburtskunde und Frauenkrankheiten von Busch, Crede, 
Ritgen und v. Siebold; Homöopathische Vierteljahrschrift 
von Müller; Neues Repertorium für Pharmacie von Buch- 
ner; Neues Jahrbuch für Pharmacie und verwandte Fächer 
von Walz und Winckler; Archiv für Pharmacie von Bley; 
Schweizerische Zeitschrift für Medicin, Chirurgie und Ge- 
burtshülfe von Tscharner; Archiv für Pathologie und The- 
rapie von Zimmermann; Journal für Kinderkrankheiten von 
Behrend und Hildebrand; Zeitschrift für wissenschaftliche 
Therapie von Bernhardi; Repertorium der Thierheilkunde 
von Hering; 5) für Naturwissenschaften: Abhandlungen 
der naturforschenden Gesellschaft zu Halle; Zeitschrift für 
die gesammten Naturwissenschaften von Giebel und Heintz; 
Abhandlungen des zoologisch -mineralogischen Vereins in 
Regensburg; Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie 
und Petrefactenkunde von v. Leonhard und Bronn; Bon- 
plandia von Seemann; Mittheilungen der naturforschenden 



Fünftes Capitel. Studiologie. . 43 

Gesellschaft iu Zürich; Journal für praktische Chemie von 
Erdmann und Werther; Annalen der Physik und Chemie 
von Poggendorf ; Annalen der Chemie und Pharmacie von 
Wöhler, Liebig und Kopp; Archiv für die Naturgeschichte 
von Troschel; 6) für Mathematik: Abhandlungen der ma- 
thematisch-physikalischen Classe der konigl. sächsischen Ge- 
sellschaft der Wissenschaften; Archiv für Mathematik und 
Physik von Grunert; Journal für die reine und angewandte 
Mathematik von Crelle; 7) für Geschichte: Zeitschrift 
für Geschichte des Oberrheins von Mone; Archiv der Ge- 
sellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde von Pertz; 
Archiv für schweizerische Geschichte ; Zeitschrift des histo- 
rischen Vereins für Niedersachsen von Blumenbach, Schau- 
mann und Grotefend; Anzeiger für Kunde der deutschen 
Vorzeit von v. u. zu Aufsess, v. Eye und Frommann (Ger- 
manisches Museum); 8) für Literaturgeschichte und 
Sprachkunde: Deutsche Vierteljahrsschrift; Jahrbuch der 
deutschen Literaturgeschichte von Henneberger; Zeitschrift 
für deutsches Alterthum; Zeitschrift für vergleichende Sprach- 
forschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischen und 
Lateinischen von Kuhn; Weimarisches Jahrbuch für deutsche 
Sprache, Literatur und Kunst von Hoffmann v. Fallersieben 
und Schade; Zeitschrift für Stenographie von Michaelis ; In- 
dische Studien von Weber; Berichte über die Verhandlun- 
gen der königl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 
zu Leipzig; Phillips' und Görres' historisch -politische Blät- 
ter für das katholische Deutschland; Literaturblatt; Die 
Natur von Ule und Müller; Zeitschrift für allgemeine Erd- 
kunde von Gumprecht, mit bibliographischen Beilagen von 
Koner; Minerva -(für Geschichte, Politik und Literatur) von 
Bran und Fischer; Mittheilungen aus Justus Perthes' geo- 
graphischer Anstalt von Petermann; Monatsberichte der 
konigl, preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin: 
Zeitschrift für Altertumswissenschaft von Cäsar; Rheinisches 
Museum für Philologie von Welcker und Ritschi ; Archiv für 
wissenschaftliche Kunde von Russland von Erman; 9) für 
Kunst: Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann; 
Weigel's Kunstlager -Katalog; Wigand, Jahrbücher für Wis- 
senschaft und Kirnst; Kunstblatt von Eggers; Illustrirtes Fa- 
milienbuch des ostreichischen Lloyd u. s. w. — Die Anzahl 
sämmtlicher in Deutschland erscheinenden Zeitschriften belief 



44 Erstes Buch. Koinodoktologie. 

sich im Jahre 4854 auf 2025, darunter 403 politische, 4622 
nichtpolitische. 

Die holländische ,Boekzaal van Europe 4 4692, später als 
,Boekzaal der geleerde wereld 4 , der ,Recensent 4 4 790, Müller' s 
,Referent 4 seit 4844. — ,Svensk Literatur-Tidende 4 4844—24, 
4848 — 34 ,Svea 4 zu Upsala von Palmblad. — Dorpater Jahr- 
bücher und Verhandlungen der gelehrten esthnischen Ge- 
sellschaft. Petersburger Kalender u. a. Russische Zeitschrift: 
,Der Polarstern 4 , seit 1855 von Alx. Herzen in London. 

Vereine für Verbreitung guter Volksbücher in Deutsch- 
land, der Schweiz, Frankreich, England, Holland und Nord- 
amerika. Brougham, Stifter der Society for diflusion of 
useful knowledge 4825. Das ,Penny -Magazine 4 . Der ,British 
almanac 4 , ein Muster von Volkskalender. Miss Martineau, 
,Hlustrations of political economy 4 , 4 832 fg. ,Deutsche Volks- 
bücher 4 von Görres 4807, herausgegeben von Marbach 4838. — 
Frankreichs Pamphletliteratur. 

1 Peutz, Gesch. des deutschen Journalismus, 4845. 

§. 56. Encyklopädische Schriften findet man schon 
im Alterthum. Die "Opoi* oder Definitionen des Speusippos, 
eines Schülers und Neffen von Piaton. Des Aristoteles, 
Varro's ,Antiquitates rerum divinarum et humanarum 4 , des 
altern Plinius ,Historia naturalis 4 , des Stobäos ,Anthologie 4 , 
des Suidas ,Lexikon 4 , des Marcianus Capella (460) ,Satirikon 4 , 
Cassiodor's (562), Isidor's von Sevilla (f 636) Schriften, 
die Auszüge des Photios und Kaisers Konstantin. 

Im Mittelalter die ,Summae 4 und ,Specula 4 : Hugo von 
St. -Victor (über ihn Liebner). Der Dominicaner Vincent 
de Beauvais (Bellovacensis, im 43. Jahrh.) lieferte die erste 
Universal -Encyklopädie in dem ,Speculum majus 4 , das wie- 
derum in ein Speculum historiale, naturale und doctrinale 
zerfiel, dem ein Ungenannter noch das ,Speculum morale 4 
hinzufügte \ Ringelberg's , Cyclopaedia 4 , 4544. Scalich's 
,Encyclopaedia s. orbis disciplinarum tum sacrarum tum pro- 
fanarum 4 , 4559. Reisch's ,Margarita philosophica 4 , 4503, und 
4583 als ,Habituum s. disciplinarum perfectissima encyclo- 
paedia 4 . Martini's ,Idea methodicae et brevis encyclopaediae 
s. adumbratio universitatis 4 , 4606. Alsted's ,Encyclopaedia 
VII tomis distincta 4 , 4620. 

Die Bahn für encyklopädisches Wissen aus einem innern 
Princip brach Fr. Bacon von Verulam (f 4626), Xiord- 



Fünftes Capitel. Studiologie. 45 

kanzler König Jakob's I. von England,' durch seine Schriften: 
,De dignitate et augmentis scientiarum 4 , 4605, und ,Novum 
organon scientiarum', 4620. Seitdem mehrten sich die Schrif- 
ten, welche ein umfassendes Wissen in systematischer Ord- 
nung zum Gegenstande haben. Jablonski, ,Allgemeines Lexi- 
kon der Künste und Wissenschaften 4 , 4724. Zedier, ,Grosses 
Universal -Lexikon 6 , 4734. Ersch und Gruber, , Allgemeine 
Encyklopädie 4 , seit 4848. Pierer, ,Universal -Lexikon 4 , 4824. 
Die Conversations -Lexika, besonders von Brockhaus 2 . Die 
,Geschichte der Künste und Wissenschaften seit der Wieder- 
herstellung derselben bis an das Ende des 48. Jahrh. von 
einer Gesellschaft Gelehrter 4 , Bd. 4 — 23, geht von A bis Ky, 
4778 — 4804. Eine ,Neue Encyklopädie der Wissenschaften 
und Künste für die deutsche Nation 4 erscheint seit 4850 in 
Stuttgart. 

In Italien lieferten Coronelli 4696, Pirati 4746; in Eng- 
land Harris 4704, Napier 4788 (,Encyclop. Britannica 4 ) 
und Brewster 4807; in Frankreich Diderot und d'Alembert 
(die sogenannten Encyklopädisten) 4754 Encyklopädien 3 ; 
bei den Arabern Avicenna und Hadschi Khalfa, eigentlich 
Mustafa ben Abdallah, bekannt auch unter dem Namen 
Katib Tschelebi, einer der bedeutendsten Historiker und 
Bibliographen der Türken, mehre Jahre erster Secretar und 
Finanzminister des Sultans Murad IV., gestorben zu Kon- 
stantinopel 4 655. Sein Hauptwerk ist ein grosses biblio- 
graphisches Lexikon: ,Keschs ul tsunum 4 , in arabischer 
Sprache, worin er die Titel von mehr als 48,000 arabischen, 
persischen und türkischen Büchern aufgezählt und kurze 
Notizen über das Leben der Verfasser hinzugefügt, sowie das 
gesammte mohammedanische Wissen nach 307 sogenannten 
Wissenschaften abgetheilt hat 4 . Chinesische Encyklopädie 
von Mantuanlin 4300 n. Chr. 

Zu vergleichen ist das Capitel über Linguistik und 
Kritik. 

1 Erste Ausg. 4473, als Bibliotheca mundi 4624. — 2 Zur Geschichte 
und Charakteristik des Conversations -Lexikons im Nachwort zur 10- Aufl. 
Anzeige in den Blättern für literar. Unterhaltung, 4855, Nr. 32. — 3 Die 
grösste vorhandene soll die Encyclopedie methodique, ou par ordre de 
metiers, par une societe des gens des lettres seit 4800 sein. — 4 Eine Aus- 
gabe des Textes mit lateinischer Uebersetzung (Lexicon bibliographicum et 
encyclopaedicum ) gab Flügel 4836. 



Zweites Buch. 

Besonderer Theil. 



Die Nationalliteraturen, 
Ethnodoktologie. 

§. 57. Auf einem so umfassenden Gebiete der Cultnr 
und bei so reichhaltigem Stoffe der Leistung kann es bei 
einem pädagogisch gehaltenen Grundriss natürlich nur 
auf die Darstellung der literarischen Hauptmomente, 
nur der bedeutendsten Völker und deren wichtigsten Schrift- 
steller und Schriften abgesehen sein. Hiernach behandeln 
wir in drei Abtheilungen die orientalischen, die clas- 
sischen und die occidentalischen Nationalliteraturen. 



Erste Abtheilung. 

Orientalische Literaturen. 

§. 58. „In China zeigen sich die literarischen Wirkun- 
gen einer vorwiegend auf das Verständige und Praktische 
gerichteten Cultur, die, in ihren engen Grenzen beharrend, 
keinen Fortschritt duldet. Dagegen hat in dem alten Indien 
die Phantasie den Körper einer Riesin angenommen, deren 
Gehirn die ungeheuerlichsten Gebilde, deren Lippen die un- 
denkbarsten Märchen neben den lieblichsten Liedern ent- 
quellen und in deren geheimnisstiefen Augen jene quälerische, 
fanatische Mystik brütet, die seither die Runde um die Welt 
gemacht und wie ein Alp auf der Menschheit lastet. Zer- 
splittert sich die indische Phantasie in tausenderlei Gestalten, 
zerfiiesst sie ins Unendliche und Unfassbare, so geht da- 
gegen die hebräische mit starrer Consequenz auf ein Ziel 
los, auf die Schaffung, Verehrung und unbewusste Befehdung 



Sechstes Capitel. Chinesen. 47 

eines Nationalgottes, dessen rachsüchtige Despotie nicht 
Gottliches noch Menschliches neben sich anerkennt oder 
duldet. In Arabien ist die ursprungliche Poesie rein von 
jeder theologischen Färbung, in grossartig einfacher Weise 
die Urzustände eines Jhochsinnigen Kriegervalks darstellend, 
während der später hinzutretende Mohammedanismus zwar 
ihre Kraft schwächt, ihr aber zum Ersatz eine ausserordent- 
liche Vielseitigkeit und Beweglichkeit verleiht. In der per- 
sischen Literatur sehen wir die einzelnen Strahlen orien- 
talischer Phantasie und Bildung wie in einem Brennpunkt 
zusammenfliessen. Die persische Epik beruht wesentlich auf 
dem Dualismus einer Mythologie, welche zur monotheistischen 
hebräischen einen so eigenthümlichen Gegensatz bildet. Die 
persische Didaktik fasst die Ideen morgenländischer Weis- 
heit in die klaren Spruche praktischer Lebensphilosophie. 
In der persischen Lyrik beginnt das menschliche Bewusstsein 
einen lachenden Kampf gegen die theologische Abstraction. 
Von der türkischen Literatur ist nur zu sagen, dass sie 
die Töne der arabischen und persischen mit unselbständigem 
Eklekticismus wiederholt. " 

§. 59. Die Chinesen stehen vereinzelt, mit alleinigem 
Anschluss der Japanesen. Von den Ariern stammen die 
Inder und Iranier und deren Zweig, die mohammedanischen 
Perser. Die Semiten umfassen vorzugsweise die Araber 
und Hebräer, mit Anschluss der jüdischen und osmanischen 
Literatur. 

Eichhorn machte das Werk des Engländers Jones über 
die asiatische Poesie bekannt, unter dem Titel: ,Poeseos Asia- 
ticae comment. libr. VI. cum appendice, auctore Jones 4 , 4 777. 
Goethe's ,Wegtöstlicher Divan 4 mit den Erläuterungen. Die 
an den betreffenden Stellen weiter unten genannten Werke 
englischer, französischer und deutscher Sprachforscher und 
Uebersetzer. 



Sechstes Capitel. 
Chinesen. 

§. 60. Die Sprache bestimmt den wahren geistigen 
Standpunkt. Sie ist einsilbig, ohne inneres organisches 
Leben, ohne Flexionen, die das Gedachte genau wieder« 



48 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

geben, und die grammatischen Verhältnisse werden nur 
durch Partikeln angedeutet *. Der ganze Sprachschatz 
besteht aus 450 einsilbigen Wortern, die vermittelst vier 
verschiedener Betonungen, mit welchen sie ausgesprochen 
werden, auf 4203 Wortlaute steigen. Bei dieser geringen 
Anzahl kann es nicht anders sein, als dass dasselbe Wort, 
genau auf dieselbe Weise ausgesprochen, sehr verschiedene 
Bedeutungen hat, und bei den gebrauchlichsten steigt die 
Zahl der damit ausgedrückten Begriffe auf 30 — 40. Daher 
Schwierigkeit der Erlernung dieses Idioms. Man unter- 
scheidet die Gelehrten- oder Mandarinensprache und die 
Prövinzialdialekte. Begründer des wissenschaftlichen Stu- 
diums der chinesischen Sprache in Europa ist Abel Re- 
musat 2 . 

1 W. v. Humboldt wollte in seiner Schrift : Sur la natnre des forme« 
grammaticales , 4827, nachweisen, dass die chinesische Sprache ein Muster 
logischer Präcision sei. — s Elemens de la gramm. chin., 4822, und 
Essai sur la langue et la litt, chin., 4844. Schott, De indole linguae 
Sin., 4827. Medhurst, Chinese grammar;, 4842. Das beste chinesische 
Wörterbuch Hess Kaiser Kanhi 474 4 in 430 Foliobänden anfertigen, woraus 
Callery 4 842 einen Auszug lieferte. Medhurst , Dictionary of tbe Hokeen 
dialect of the Chinese language, 4832. 

§. 61. Die Schrift ist Worterschrift mit so vielen, 
bestimmte Begriffe ausdrückenden Charakteren (an 80,000), 
als überhaupt Worter sind, und überdies sechs verschiedenen 
Arten (deren am meisten verbreitete Tschingtse heisst), so- 
dass zum blossen Lesenlernen Jahre erfoderlich sind. Es 
dienen jedoch 24 4 Wurzelzeichen, die sogenannten claves 
Sinicae, zur Erklärung der übrigen. 

Rbmusat, Sur l'origine de l'ecrit chin. in den Mem. de llnstitut. 
Acad. des inscr., V, 8. Callery, Systema phoneticum scripturae Sinicae, 
4842. — Ueber ihre hauptsächlich durch paläographische Studien hervor- 
gerufene Schriftveränderung: Hager, Monument de Yü, 4802. 

§. 62. Umfangreiche Literatur: der Katalog der Biblio- 
thek des Kaisers Kianlong soll aus 122 Bänden bestehen. 

Obenan stehen die vier heiligen Bücher oder Kings, 
in denen die Lehren des Confucius niedergelegt sind 
und die er theils selbst verfasst, theils aus altern Werken 
zusammengetragen hat. Sie stammen aus dem 6. Jahrh. 
v. Chr. K Sie heissen: ,Yking c (naturphilosophischen Inhalts), 
,Liking 4 (über Gebräuche und Ceremonien), ,Schiking c (Lie- 
derbuch) 2 , ,Schuking' (das berühmteste von allen, enthal- 
tend Geschichte, Ethik, Metaphysik). Ein fünftes heiliges 



Sechstes Capitel. Chinesen. 49 

Buch, eine Chronik des Reiches Lu, wird ,Tschüntschiu' 
genannt. 

Den Kings im Werthe zunächst stehen die vier ,Sseschu' 
(moralische und politische Lehren) von Confucius (551 — 478 
v. Chr.) und seinen Schülern verfasst und genannt: ,Tahio% 
,Tschungyung c , ,Lunyu c und Schriften des Mengtseu (Mencius, 
f 344 v. Chr.) 3 . Auch gibt es religiöse Werke von Laotse 4 
(604 v.Chr.) und seinem Schüler Tschuangtse, Begründer einer 
Vernunftreligion, und von Tschuhi aus dem \ 3. Jahrh. n. Chr. 

1 Marshman, Works of Confucius, 4809; hieraus von Schott 4828 
ins Deutsche übersetzt, ebenso nach der franz. Uebersetznng des P auf hier 
heransgeg. von Cbameb, 4844. — 2 Latein, von Lacharme n. mit An merk, 
von Mohl, 4830. Nach dieser latein. Version gibt es zwei metrische 
deutsche Nachbildungen: von hückert 4833 und von Cramer 4844. — 3 Ihre 
Herausgeber sind Marshman 4809, Abel Rbmcsat 4817, Julien 4824, 
Pauthier 4837. — 4 Von Julien 4842. — Den chinesischen Katechismus 
der buddhistischen Religion gab Neumann 4830 deutsch heraus. Ueber 
Buddhaismus: v. Bohlen 4827, Burnouf 4844. 

§. 63. Die poetische Literatur ist reich an Gedichten 
mit und ohne Keim und an Romanen. Lyriker aus dem 
Anfange des 8. Jahrh. n. Chr., zugleich Norm- und Formgeber, 
sind Tufu und Lithaipe; Ersterer durch seine Lieder, welche 
den Gesammttitel ,Fu 4 fuhren und in ganz China ausserordent- 
lich populär sind; Letzterer durch seinen ,Tangschi 4 (ß^musat, 
,Nouveaux melanges aslatiques 4 , 1, \ 74 fg.). Das Formelle der 
Poetik besteht darin, dass jeder chinesische Vers einen voll- 
ständigen Sinn einschliessen muss und neben der Silbenmes- 
sung auch der Reim beobachtet wird. In den Romanen ist 
der Hauptheld meistens ein Literat, die Erfindung arm, die 
Verwickelung gekünstelt, die Katastrophe prosaisch \ Ob- 
gleich das Schauspiel den meisten Beifall findet und Peking 
allein sechs Theater hat, zeigt die Bühne doch grosse Mängel : 
keine Illusion, keine Decoration; der Schauspieler bezeichnet 
den Ort der Handlung und wen er darstellt; für weibliche 
Rollen treten Knaben oder Eunuchen ein; Einheit der Zeit ? 
des Orts und der Handlung sind unbekannt 2 . — Das Drei- 
wörterbuch ,Sandszoking 4 von Vangyoheu ist eine versifi- 
cirte Encyklopädie. 

1 Am bekanntesten ist der von Remusat unter dem Titel: Les deux 
consines, 4896, ins Französische übertragene Roman Tukiaoli geworden, 
welcher in der Mitte des 45. Jahrh. geschrieben ist und die Schicksale des 
Dichters und Gelehrten Sseyoup und der Demoiselle Houngju erzählt; deutsch 
zu Stuttgart 4827- — 2 Dramensammlungen von Julien 4832 und Bazin 
4838. — Hier und durchweg vergl. K. Rosenkranz, Die Poesie u. ihre 
Geschichte etc., 4855. Jolowic», Polyglotte der oriental. Poesie, 4853. 

Merleker. 4 



50 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 64. In der Naturkunde und Chemie sind die Chi- 
nesen nicht unerfahren, doch blieb diese Kenntniss ohne 
Einfluss auf die Heilkunde, da sie nicht seciren. Fast ganz 
unbekannt ist ihnen die Chirurgie, mit Ausnahme der Acu- 
punctur. — Werke gibt es über Astronomie oder vielmehr 
Astrologie, Geometrie, Ackerbau, Kriegskunst, Musik und 
alle Zweige der Technik und Mechanik. Der Criminalcodex 
der jetzigen Mandschudynastie seit 4644. 

Bedeutend sind die historischen und geographischen Lei- 
stungen, indem der jedesmalige neue Beherrscher die An- 
nalen seines Vorfahren von Seiten des Staats ausarbeiten und 
amtlich versiegelt der Gruft in Mukden, das 4625 Residenz 
der Mandschufursten wurde, übergeben läset. Die Provinzial- 
statistiken umfassen 260 Bande. Die eigentliche Geschicht- 
schreibung begann schon unter der Dynastie Han, 206 v. Chr. 
Der Reihenfuhrer ist Ssemathsian und sein Werk ,Sseki 4 mit 
den Fortsetzungen (der sogenannten 22 Geschichtschreiber 
oder Nianeulsse) reicht von 2637 v. bis 4643 n. Chr. Chro- 
nologische Abrisse von Thungkiankangmu und von Tschuhi 
aus der Mitte des 43. Jahrh. *. , Geschichte der Gotter 
und Geister.* ,Buch der Berge und Meere. 4 

Lexikalische Arbeiten 2 , auch für die Sprachen der 
Mandschu, Mongolen (ihre Dschangariade) und Tibetaner. 
Encyklopädie von Mantuanlin 4300 n. Chr. Chinesische 
Erfindungen: Papier, Branntwein, Schiesspulver, Buch- 
druckerei, Compass 3 . 

1 Franz. von Maiila, in der Hist. generale de la Chine, 4777 — 83. 
Ideler, Ueber Zeitrechnung der Chinesen, 4837. — 2 Von HtuaciuB 
421 n. Chr.; Peiwenynufu in 486 Bdn.; Phingtselouipien in 2*0 Bdn. — 
8 Klapsotb, Ueber Erfindung der Boussole, 1834- Für die Kenntnis« 
der Zustande Chinas die Besehreibung von Davis (deutseh von WestH- 
feld 4839), Windisohmann und Lay (deutsch von Wilfert 4844). Bazin, 
einer der trefflichsten französ. Sinologen: Recherches sur les institutions 
administratives et municipales de la Chine in dem Journ. Asiat., Novbr. 4854. 
Reichhaltige Büchersammlungen chinesischer Literatur in Paris (Fourmokt's 
Katalog in der Grammatica Sinica , 4742), London, Berlin (Schott's Ver- 
zeichniss 4840), München und Petersburg. W. Schott, Entwurf einer Be- 
schreibung der chinesischen Literatur, gelesen in der Akademie der Wis- 
senschaften zu Berlin am 7. Febr. 4850. 

§. 65. Die Japanesen gehören zu den civilisirtesten 
Nationen Asiens. Ihre Sprache in zwei Redeweisen: Jamato 
oder Gelehrtensprache, mit zwei Dialekten: Naiden und 
Gheden, und die Vulgärsprache. 

Dreierlei Schrift: Firokana, Katakana und chinesische 



Siebentes CapUeL Inder. 51 

Charaktere mit phonetischem Wertin Seit dem 43. Jahrh. 
Buchdruckerei. Auch sie sind durch Abgeschlossenheit 
zurückgeblieben, aber ihre Gelehrten besitzen nicht den 
chinesischen Dünkel. 

Werke über Geschichte, Geographie, Astronomie, Botanik, 
Dichtkunst. In ihren Schauspielen treten auch Frauen auf. 

Grammatik voüRemubat, 4826. — Wörterbücher von Mkdhurst 4830 
und Siebold 4841. — Hodgson, Tatarische Sprachstudien in Derdschiling 
seit 4 852 fg. — Ein grosses lexikalisches Werk ,Die sieben Meere 1 für orientai. 
Sprachen wurde auf Befehl des ersten Königs von Audh (Ghasieddin Beider) 
zusammengestellt 4849. 

Siebentes Capitel. 
Inder. 

§. 66. Die Arier im tibetanischen Hochlande, in den Quell- 
gebieten des Oxus und Jaxartes, sind die Stammältern der 
Iranier oder des Zendvolkes und der Inder (Hindu) oder des 
Sanskritvolke s ! , für dessen Anlagen seine Bildung bürgt, 
in welcher es alle Asiaten übertrifft; und diesen Vorrang ver- 
dankt es nicht allein seiner Phantasie, obgleich fast seine ganze 
Literatur poetisch ist oder doch in metrischer Form erscheint. 

1 Zur Geschichte dieses Volks die Asiatic researches seit 4 788 , Ward 
4 84 4 , Hamilton 4849, Mill 4 84 7 u. 4 845 (deutsch 4 839), Heber 4 828 (deutsch 
4834), Montgomery Martin 4838, Elphinstonb 4843 (2. Aufl.), Heeren, 
Histor. Werke, Bd. 4 2, Ritter, Erdk., Bd. 5, 6, die Schlegel 4808, v. Bohlen 
4 830, Müller, Ostindien, 4 844 , Lassen, Indische Alterthumskunde, 4847 fg. — 
An der Spitze der indischen Ursprachen, Dravida, finden wir als gemeinschaft- 
liche Mutter dasTamul auf der indischen Ostküste, von 4 — 4 4 Mill. gesprochen. 

§. 67. Das Bewunderungswürdigste ist sein altes Idiom, 
das Sanskrit, welches sich durch Wohllaut, Reichthum und 
feinen grammatischen Bau als vollkommenste Sprache darstellt, 
deren Wortbildungen von einer sprachlichen Kunstfertigkeit 
zeugen, .die in Erstaunen setzt. Merkwürdig ist auch die Aehn- 
lichkeit vieler indischer Worter und Wortformen mit denen 
der griechischen, lateinischen $ persischen, gothischen und 
lithauischen Sprache, und diese Aehnlichkeit erstreckt sich fast 
über den ganzen Wurzelschatz und grammatischen Organis- 
mus, daher man auch das Sanskrit für die Grundsprache der 
indogermanischen Idiome hielt und zum Theil noch hält. 

Das Sanskrit erhielt sich noch bis ins 4 1 . Jahrh. n. Chr. 
im Leben, ist aber seitdem nur Sprache der Schulen und 
Gelehrsamkeit. Doch schon zu Alexanders d. Gr. Zeit 
(326 v. Chr.) findet sich auf Denkmälern und Münzen auch 

4* 



1 



52 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

die verweichlichte dialektische Form des Pali und Prakrit. 
Die Sprache der Garrows, eines hinterindischen Volkes, 
Gaura, wird als Gelehrtensprache der heutigen Inder genannt, 
worin viele Sanskritschriften übersetzt sind und fast aller Un- 
terricht ertheilt wird. Das Kawi ist die Sprache der Javanesen. 

Beförderer des Sanskritstudiums sind vorzugsweise Jones, 
der Stifter der Asiatischen Gesellschaft zu Kalkutta 1784, 
Wilson und Colebrooke, der 1816 eine Sammlung von 
Sanskritschriften nach England brachte, unter welchen sich 
21 1 Vedas und Vedacommentare, 1 49 Werke über die Vedanta- 
philosophie, 100 über Dialektik und Logik, 239 heiliger und 
200 profaner Poesie, 57 medicinischen, 67 mathematischen 
und astronomischen, 251 juridischen, 61 lexikalischen und 
136 grammatikalischen Inhalts befanden. 

Indischer Grammatiker Panini 200 v. Chr. (herausg. von 
Böhtlingk 1840). 

G abcin de Tas8y, Hist. de la lit. ind., 4829* Adelung, Lit. der 
Sanskritsprache, (?. Aufl.) 4837. Grammatik von Bopp, 4827 u. 4829, 
und vergleichende Grammatik, 4833. Benfby, Handbuch d. Sanskritspr. 
u. seine Grammatiken, 4853 — 55. Westbroaard, Radices linguae sanscritae, 
4840. — Von Wörterbüchern gab Roth 4847 das Nirukta des Yaska, 
Colebrooke 4808 und Loisbleur des Lorigchamps 4839 das Amara- 
Sinha heraus. Das Hamatschandra erschien 4807, Radhakanta-Deva 4819. 
Wilson, Dictionary of the Sanscrit language, 4832. — Böhtlingk u. Roth, 
Sanskrit -Wörterbuch, 4853 — 55. Burno.uf und Lassem, Essai sur le Pali, 
4826. — Lassen, Institut, ling. Pracriticae, 4816. — Ueber das Kawi: 
W. v. Humboldt, §. 8, 3. 

§. 68. Die Schrift der Hindu war heimische Erfindung, 
Buchstabenschrift mit vollständig ausreichendem Alphabet. 
Vom Gebrauch von Hieroglyphen ist keine Spur. Pali und 
Kawi haben besondere Alphabete, auch nennt manDevanagari- 
Schrift, bengalische, tibetanische, tamulische und malaba- 
rische. Als * Schreibmaterial wurden anfangs Palmenblätter 
gebraucht, die man mit eisernen Griffeln ritzte, nachher 
Seiden- und Baumwollenpapier. 

LEP8IU8, Paläographie als Mittel für die Sprachforschung zunächst 
am Sanskrit nachgewiesen, 4834. 

§. 69. Das wichtigste Werk der indischen Literatur 
sind die Religionsbücher oder Sastras, welche in die zum Theil 
dem 14. Jahrh. v. Chr. angehörenden, angeblich von Vyasas 
verfassten oder geordneten vier Bücher der Vedas (Rig-, 
Sama-, Yajus- und Atharva-Veda) und in die aus dem spätem 
Mittelalter herrührenden 18 Bücher der Puranas zerfallen. 

Die Vedas, Quelle der brahmanischen Religion in der 



Siebentes Capitel. Inder. 53 

Sanskritsprache, enthalten theils Hymnen und Gebete, theils 
Opfervorschriften, theils Lehren und Sprüche und werden 
yon den Brahmanen studirt und ausgelegt. Die indische 
Poesie, aufs innigste verwebt mit Musik und Tanz, die 
jeder Festlust dienten, ist durch und durch religiös; auch 
wo sie in das Menschliche herabsteigt, geschieht dies nur 
mit Maschinerie des Götterthums. 

Die Puranas, Erläuterungen der Vedas, sind die Haupt- 
quelle der reichen und bunten Mythologie. 

Nach den übrigen Schriften, die sich auf Religion und 
Cultus, zugleich aber auch auf profanes Wissen beziehen, 
den Upavedas, Vedangas und Upangas, erscheinen die Inder 
als Erfinder des dem Abendlande erst im 11. Jahrh. durch 
die Araber überkommenen Zehnziffersystems, der Algebra 
und Astronomie, des Schach- und Kartenspiels und der 
Tonleiter von sieben Tonen. 

Ueber die Vedas: Colbbrookb, Jones, Anqüetil-Dcpebeon, M. Möl- 
ler 4849 — 54, Langlois 4848 — 54, Pavie 4854. Ueber Mythen und Re- 
ligion: Cbeuzer, Baür, Görres, Stuhr, v. Bohlen, Lassen, Polier (484 4)* 
Müller, Rhode. M. Müller, On the Veda and Zend-Avesta, 4853. Co- 
lbbrookb, Ind. Algebra, 4847. Baillt, De l'astfon. ind., 4787. Thätig 
für die Vedas sind ausserdem Bbnfby, Roth und Weber. A. Weber, In- 
dische Literaturgeschichte, 4852. Holtzmann, Indische Dichtungen , 4854. 

§. 70. Unter den Rechtsbüchern, den Dharmasastras, 
steht den Vedas zunächst an Ansehen das aus dem 12. oder 
6. Jahrh.' v. Chr. herrührende Gesetz des Menü oder Manu J , 
welches geistliche und bürgerliche Rechtsverordnungen über 
Erziehung, Ehe, Cultus, Regierung, Rechtspflege, Kastenein- 
richtung u. s. w., nebst den meistens sehr harten Strafbestim- 
mungen gegen die Uebertreter enthält, ein Rechtssystem, in 
welchem sich Despotismus und Priesterherrschsucht die Hände 
reichen. Ferner gehören in diese Kategorie: ,Mitakschara', 
,Dayabhaga 4 , ,Dattaka-Mimansa 4 , ,Daya-Krama-Sangraha' a . 

1 Original 4843 u. 4830; deutsch von HüUner, 4797. — 2 Colebbooke, 
Digest of Hindu law, 4804. 

§.74. Waren die Rechts- und die heiligen Bücher 
zunächst für die Brammen oder Priester bestimmt, so soll- 
ten die gleichfalls sehr alten grossen mythisch-epischen 
Darstellungen vorzugsweise den Muth der Ketri oder 
Kriegerkaste beleben, der ,Ramayäna c von Valmiki * und 
der ,Mahabharata 4 , angeblich von Vyasas 2 ^ die anfangs, den 
Homerischen Gesängen vergleichbar, mündlich vorgetragen 
und traditions weise fortgepflanzt wurden. 



54 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Der aus sieben Kamdas oder Büchern, vielen Sargas 
oder Abschnitten und ans 24,000 Slokas oder Doppelversen 
bestehende ,Ramayana & handelt von dem Kampfe und Siege 
des gottlichen Helden Rama über Ravana, den Fürsten der 
Rakschasas oder bösen Genien, um seine geraubte Gattin 
zu befreien, und wie er auf diesem Zuge zugleich die Reli- 
gion nach Süden bis Ceylon verbreitete. 

Der aus 48 Gesangen bestehende ,Mahabharata 4 enthält 
fast alle epischen Sagen der Inder, verflochten in den Kampf 
der Bharatiden, zweier verwandten Geschlechter, der Pan- 
davas oder Pandus und der Kauravas oder Kurus, um den 
Thron von Hastinapura, bis letztere mit Hülfe des Krischna 
besiegt werden. Eine Episode daraus bilden die ,Nalas' 3 
oder die schone Erzählung von Nal und Damajanti. Andere 
Episoden sind: die Reise des Ardschuna zum Himmel 
des Indra (Indralokagananam) , Hidimba's Tod, Brahmanen- 
wehklage, Sundas und Upasundas, Savitri, die Flutsage 4 . 

Spätere epische Dichtungen gibt es vorzugsweise sechs, 
die jedoch fast nur dem Namen nach bisher bekannt sind: 
,Meghaduta ; (Wolkenbote) von Kalidasas A , ,Raghuvansa' 
(Geschlecht des Raghu), die Geburt des Kumaras von Kali- 
dasas, der Tod des Sisupala vonMaghas 6 , ,Nai8hadiyacharita* 
von Sriharscha, ,Kiratarjuniga 4 von Bharavin. 

1 Aasgabe von A. W. Schlegel -1829, Gorrbsio 184*3; Original und 
Uebersetzung von Carey und Marshman, -1806. Uebersetzungen von 
Bruchstücken durch F. u. A. W. Schlegel, Bopp, Höfer, Holtzmann. — 
3 Ausgabe des Originals 1834, Uebersetzungen von Goldstücker 1847 n. 1854 
und F. v. Schuck. — 3 Ausgabe von Bopp 1810; Uebersetzungen von Kose- 
garten 1820, Bopp 1838; freie Nachbildung von Bückert 1828. Mribr, 
Die classischen Dichtungen der Inder, 1847. — 4 Alle verdeutscht von 
Bopp. Den Grundstoff des Mahabharata, seiner Episoden entkleidet, gab 
Holtzmann 1846 in seinem Werke Kuruinge. — 6 Deutsch von Hirzel 
18V5, Müller 1847. — * Deutsch von Schütz 4842. 

§. 72. Als wichtigste Quelle der indischen Philosophie, 
als Lehre von der Unwandelbarkeit des Schopfers, .ein philo- 
sophisches Gespräch zwischen Ardschuna und Krischna, gilt 
,Bhagavadgita c (der gottliche Gesang) K Im Uebrigen zer- 
fällt die indische Philosophie, die sich jedoch unter dem 
Einfluss der Priesterkaste und bei der herrschenden poeti- 
schen Richtung nicht frei entwickeln konnte, obwol sie die 
wichtigsten Aufgaben der forschenden Vernunft erschöpfte, 
in sechs selbständige Systeme 2 . 

1 Den Wittens ins Englische, Parraud ins Französische , Meier (in 
Klaproth's Asiatischem Magazin) ins Deutsche übersetzte', A. W. Schlbgel 



Siebentes Capitel. Inder. 55 

4823 u. 4846 im Original mit latein. Uebersetzung herausgab. Abhandlung 
darüber von W. v. Humboldt, 4826. — s F. Schlegel, Sprache und 
Weisheit der Inder, 4808* Colebrooke, On the philosopby of the Hindous, 
in den Transactions of the Royal Asiatic society, IL Windischmann, San- 
cara (Darsteller des Systems der Yedanta, 4847) 8. de theologumenis Vedan- 
ticorum, 4833. Bibliotheca Tamulica von Graul: Tamulischer Text einer 
Vedantadichtung nebst Uebersetzung. 

§. 73. Das indische Drama soll von einem mythischen 
Konige und Weisen, Bharata, herstammen, der seine Schau- 
spiele von Gandharven und Apsarasen (Genien, die den Hof- 
staat des Gottes Indra bilden) zur Ergötzung Indra's habe 
aufführen lassen. Zur schönsten Blüte gelangte es unter 
dem glücklichen Konige Vikramaditya (56 v. Chr.?), an 
dessen Hofe die Musen geehrt waren. „Hauptgegenstand 
der indischen Dramen ist die Liebe, wahrend die komische 
Seite desselben sich meistens in der Verspottung der Brah- 
manen zeigt. Dieses Gemisch von Komik und Pathos findet 
sich wieder bei Shakspeare und Calderon, wie denn an 
den Erstem auch die dramatische Sitte der indischen Dichter 
erinnert, ihre Personen abwechselnd in Versen und Prosa 
sprechen zu lassen und die untergeordneten ausserdem durch 
den Gebrauch von Dialekt und Patois zu charakterisiren. 
Dem indischen Schauspiel .fehlt der eigentlich dramatische 
Nerv, der Kampf mit dem Schicksal. Dafür gibt es einen 
grossen Keichthum der Naturschilderung, Hoheit und Zart- 
heit der Gesinnung, Buntheit der Scenerie, Innigkeit der 
Herzensäusserung. Ein tragischer Ausgang ist hier nicht ge- 
stattet, sondern die Stücke enden, nachdem sieben, acht, neun 
Acte hindurch geliebelt, gelitten, intriguirt, gelacht und ge- 
klagt worden, mit heller Heiterkeit." .Unsere Bezeichnungen 
Trauerspiel, Lustspiel, Schauspiel hält Scherr nicht passend 
für die Erzeugnisse der indischen Bühne, sondern meint ihr 
Wesen durch Melodramen am richtigsten anzudeuten. 

Obenan stehen die liebliche, blumenreiche Schicksalsfabel 
,Sakuntala oder der Erkennungsring' * und ,Vikramorvasi 
(Vikramas und Urvasi) oder der Held und die Nymphe 42 . 
Beide von Kalidasas, welcher um 56 v. Chr. am Hofe des 
Königs Vikramaditya lebte, der die Gangesländer bis nach 
Kaschmir hinauf beherrschte. 

Eine halb lyrische, halb dramatische Dichtung ist ,Gita- 
goviuda', ein Cyklus glühender Liebeslieder, welche die 
Liebe des in den Hirten Govinda verwandelten Gottes Krischna 



56 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

zur schonen Schäferin Radha besingen, deren Verfasser, 
Jayadeva, noch vor Kalidasas gelebt haben soll s . 

Dramaturgie von Dhananjayas unter dem Titel ,Dasaru- 
paka' aus dem 1 1 . Jahrh. n. Chr. 

1 Die Sakuntala lernte William Jones durch seinen hindostanischen 
Lehrer kennen, Chdzy gab den Originaltext, Böhtlingk Text und Ueber- 
setzung, Jones engl. Uebersetzung 4789, Forster deutsch 4794, Gerhard 
metrisch für die Buhne bearbeitet 4820, deutsch auch Hirzet 4833 und 
Schrader 4837. F. Schlbokl sagt, dass dieses Werk von der indischen 
Dichtkunst den besten Begriff geben könne (Gesch. d. alten u. neuen Lit, 
n. A., S. 436), und Bohlen bemerkt, dass es ungemein wichtig für die 
Sitten, den Glauben und das ganze innere Leben des indischen Volks ist, 
da die Charaktere aus der Natur entlehnt und nicht, wie im Epos, erdichtet 
sind (Altes Indien, II, 398). Gothe's Epigramm: 

Willst du die Blüte des frühen, die Früchte des späteren Jahres. 

"Willst du, was reizt und entzückt, willst du, was sättigt und nährt. 
Willst du den Himmel, die Erde mit einem Namen hegreuen: 

Nenn' ich Sakuntala dir und so ist Alles gesagt I 

2 U ebersetzt im Theater der Hindu, I, 995, theilweise auch in den Wiener 
Jahrbüchern 4829, von Hirzel 4839 und Bottensen 4846. — * Englisch 
von Jones, daraus deutsch von Majer, metrisch von Riemschneider und 
Bückert. Lassen 4837. Wolff, Theater der Hindu, 4828 — 34, aus dem 
Engl, des Wilson 4827. 

§. 74. Die indische Lyrik ist erotisch und didakitsch- 
ascetisch *. ,Mohamudgara 4 (Schlägel der Thorheit) von 
Sankara Acharya (8. Jahrh. n. Chr.) a . Von Kalidasas : ,Srin- 
garatilaka 4 (Stirnmal der Liebe), ,Ritusanhara 4 (Versamm- 
lung der Jahreszeiten) 3 . Die erotischen Epigramme von 
Amaru. Erotische Spruche und Lieder von Bhartrihari, einem 
Zeitgenossen Kalidasas 9 4 . ,Der zerbrochene Krug c von Ghata- 
karpuras ö , der mit Kalidasas am Hofe Vikramaditya's lebte. 

1 Fortx age, Vorlesungen über die Gesch. d. Poesie, 4 839 ; die schönste, 
mit Dichterglut entworfene Schilderung der indischen Poesie. — * Bekannt 
gemacht von Jones, verdeutscht von Bohlen (Altes Indien, II, 476). — 

3 Originaltext von Jones, deutsch von Kosegarten. — 4 Hundert Spruche 
und Lieder von ihm .und fünfzig von Tschauratf), übersetzt von Bohlen 
4833. — 5 Im Original und deutsch 4828, deutsch von Bohlen (Altes 
Indien, II, 384). Höfbb, Indische Gedichte, 4844. 

§. 75. Die Thierfabeln sind ein ursprünglich indisches 
Erzeugniss voll Ironie und Satire, in dialogischer Form, 
polemisirend gegen Frommler, Heuchler und Priester. Von 
Vischnusarman die ,Panchatantra' (fünf Sammlungen oder 
Bücher) aus dem 5. Jahrh. n. Chr. Ein Auszug daraus : 
,Hitopadesa 4 (freundliche Unterweisung) *, in alle Sprachen 
übergegangen, Quelle vieler romantischer Dichtungen des 
Abendlandes und Mittelalters. In der persischen Bearbeitung 
wird als der Verfasser Bidpai angegeben a , welcher Name eine 
Uebersetzung des indischen Vidyapriya (Freund der Wissen- 



Achtes Capüel. tränier. 57 

schaft) sein soll. Man hält Bidpai für eine ebenso fabelhafte 
Person wie Locman und Aesop. In Europa wurden diese 
Fabeln zuerst durch die lateinische Uebersetzung bekannt, 
welche J. von Capua 4262 aus der hebräischen Version des 
Rabbi Joel besorgte. Die erste deutsche Uebersetzung liess 
der würtembergische Herzog Eberhard im Bart \ 480 fertigen. 

Novellensammlungen: von Somadeva die ,Vrihat- 
katha c (grosse Erzählung) 3 , nach Jones eine Art ,Orlando 
furioso', nach Schlegel das Vorbild zu der arabischen Mär- 
chensammlung ,Tausend und eine Nacht 4 . ,Dasakumara- 
charita' (Geschichte der zehn Jünglinge), nach Schlegel das 
Vorbild der Volkshistorie von den sieben weisen Meistern. 

1 Schlegel u. Lassen 4829, deutsch von Müller 4843. — * Wilson, 
Sylyestrb de Sacy, Kosegarten 4846, Ph. Wolf 4837. — * Deutsch 
von Brockhaus 4830 u. 4843. — Weber, Ueber den Zusammenhang in- 
discher Fabeln mit griechischen, 4865. 

§. 76. Die Geschichte im höhern Sinne des Worts 
hat sich in Indien niemals ausgebildet, denn Kritik, Chro- 
nologie und Geographie sind den Braminen unbekannt, eine 
fortlaufende Aera beginnt erst mit der Hedschra 622. Wil- 
ford und Jones haben nach fabelhaften Stammtafeln mit 
monströsen Zahlen eine Reihe von Dynastien mitgetheilt. In 
den Epopöen und Puranas verlieren sich die wenigen That- 
sachen in Dichtung 1 . 

Studien der Botanik, Medicin (ihr Stifter: Dhanvan- 
tari 2 ), Chirurgie (Bhinoplastik, Staaroperation, Pocken- 
impfung), Astronomie, Mathematik: Brahmagupta im 6. 
und Bhaskara im 42. Jahrh. gelten für die berühmtesten 
Verfasser mathematischer Schriften Indiens s . 

Aus den Schulen der Braminen stammt die Bell-Lan- 
caster'sche Unterrichtsmethode. 

1 Hamilton, Genealogies of the Hindoos, 4849. — * The Susruta, 
or System of medicin e, 4835; latein. von Hessler 4844. Rotle, On the 
antiq. of Hindoo- mediane, 4837. — 3 Nesselmann, Versuch einer krit. 
Gesch. der Algebra, 4842. Benfby's Abhandlung über Indien, in Ersch 
u. Gruber's Encyklopadie. 



Achtes Oapitel. 
Iranier. 

§. 77. Zwischen Indus und Tigris, hauptsächlich in Bak- 
trien, findet sich im hohen Alterthum das Zendvolk, aus 



58 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

welchem nacheinander die Meder und Perser hervorgegangen 
sind. Das älteste Sprachidiom dieser Volker ist das Zend, 
in welchem die Religionsbücher Zoroaster's, die ,Zend- 
avesta', verfasst sind, mit einem Alphabet semitischen Ur- 
sprungs. Der Begründer des wissenschaftlichen Studiums 
dieser Sprache wurde Burnouf. 

Dem Zend zunächst steht die Sprache der Keil- 
schriften, welche zur Zeit der altpersischen Achämeniden- 
dynastie (560 — 330 v. Chr.) geredet wurde, aus der sich 
unter den Sassaniden (226 — 654 n. Chr.) das Parsi oder 
Pazend entwickelte, welches sich am reinsten in Firdusi's 
(960 — 1030 n. Chr.) ,Schahnameh 4 erhalten hat. Dieses Idiom 
wurde Geschäftssprache, seitdem Mahmud von Ghasna und 
der Seldschukide Alp Arslan die öffentlichen Schriften in 
persischer Sprache abfassen Hessen. Doch blieb das arabische 
Alphabet bei den Persern üblich. 

Das Pehlewi (Huzvaresch), ursprünglich die Sprache des 
westlichen Persien, gehört den Zeiten der Arsakiden- und 
Sassanidendynastien (256 v. Chr. bis 651 n. Chr.) an. In 
dieser Sprache sind die Commentare zu Zoroaster's Schrif- 
ten, darunter auch das ,Bundehesch% die Reichsgeschichte 
(,Ba8tannameh 4 ) durch Dihkan, und die auf Koshru Nushir- 
wan's (532 — 579) Befehl durch den Arzt Barsuje <aus Indien 
geholten Fabeln des Bidpai verfasst. 

Jones, Grammar of. the Persian langaage, (9. A.) 4828. Spiegel, 
Die pars. Sprache, in Höfer's Zeitschrift für Wissenschaft n. Sprache, 4845, 
H. 4. v. Bohlen, Commentatio de origine ling. Zendicae. Paul a 
St.-Bartholomao, De antiquitate et affinitate ling. Zendicae, Samscruda- 
nicae et Germanicae, 4798. Wörterbücher von Bubhanikati 4848, Hest- 
knlznm 4822. Meninski, Lex. Turc-Arab.-Persicum (neue A. von Jenisch 
u. Klczl, 4780 — 4802). Richardson, Dictionary Persian, Arabic and English 
(vermehrt von Johnson, 4829). 

§. 78. Rask x gibt zwar eine gewisse Verwandtschaft 
der Zendsprache und des Sanskrit zu, aber nur so, dass 
die Volker, die beide gesprochen haben, dennoch ihrer Bil- 
dung nach so unabhängig sein können als Lithauer und 
Hindu. Die Aussprache und ganze äussere Form des Zend 
sei sehr verschieden vom Sanskrit; das Beugungssystem 
stimme zwar im Ganzen auch mit dem Sanskrit, aber bei 
weitem mehr mit den europäischen, dem Sanskrit verwandten 
Sprachen überein. Dagegen bemerkt von Bohlen a , das Zend 
ist noch so sehr Sanskrit, dass ein mittelmassiger Kenner 
dieser Sprache das Original des ,Vendidad fc ziemlich versteht ; 



Achtes Capitel. framer. 58 

zugleich erhellt deutlich, dass das Zend aus dem Sanskrit 
sich entwickelt habe, nicht aber umgekehrt, wie einst Jones 
meinte, noch auch neben dem Sanskrit, wie viele Unkenner 
es haben vorgeben wollen. 

1 Rask, Ueber das Alter u. die Echtheit der Zendsprache u. des 
Zendavest* u. Herstellung des Zendalphabets , nebst einer Uebersicht des 
gesammten Sprachstamms (deutsch von v. d. Hagen 4826). - — 2 Altes 
Indien, II, 464. 

§. 79. Was von der Literatur des Zendvolkes und 
der sich aus demselben entwickelnden Priesterkaste durch 
die Parsen (Gebern) in Indien noch' erhalten war, ist uns 
durch die Bemühungen franzosischer und deutscher Gelehr- 
ten einigermassen zugänglich gemacht. Anquetil-Duperron 
erlernte während seines Aufenthalts in Indien die heilige 
Sprache, in welcher jene Bücher geschrieben sind, brachte 
den Zendavesta in der Ursprache nach Europa 4762 und 
gab 1771 eine französische Uebersetzung desselben. Hierauf 
liess Kleuker eine deutsche Uebersetzung 1776 erschei- 
nen. Hieran schliefen sich die Arbeiten von Burnouf und 
ülshausen. 

Die Parsen erzählen, bis auf den Einbruch Alexan- 
ders d. Gr. in das persische Reich (330 v. Chr.) seien die 
heiligen Schriften des alten Zendvolkes, in 21 grossen Ab- 
schnitten zusammengestellt, vorhanden gewesen. Durch die 
Verwirrungen des griechisch -persischen Kriegs seien diese 
alle verloren gegangen bis auf einen, von den andern hätten 
sich nur Bruchstücke erhalten. Die ganze Sammlung hiess 
,Avesta 4 (gottliches Wort), der eine übriggebliebene Theil 
,Vendidad 4 , das religiöse und politische Gesetzbuch. Eine 
Angabe des Inhalts der 21 Abschnitte oder Nosk des ,Avesta 4 
ist in persischer Sprache erhalten *. Der ,Vendidad 4 ist in 
22 Fargards getheilt. Der Vortrag ist in dialogischer Form, 
und Zoroaster empfangt darin den Unterricht von Ormuzd a . 
Diesen Inhalt des ,Vendidad 4 hat man unmittelbar mit alten 
indischen Lehren in Verbindung gebracht und namentlich 
dafür auch angeführt, die Sprache, in welcher der ,Vendidad c 
geschrieben, sei ein Dialekt des Sanskrit 3 . 

1 Vullbrs hat sie übersetzt und von Noten begleitet mitgetheilt in den 
Fragmenten über die Religion des Zoroaster, 1831- — 2 Ausgabe von Ols- 
hausen 4829, Uebersetzung von Spiegel 4852. — 3 Hölty, Kritisch -histo- 
rische Untersuchung über die beiden ersten Capitel des Vendidad, 4829. — 
Rhode , Die heilige Sage u. das gesammte Religionssystem der alten Baktrer, 
Meder u. Perser oder des Zendvolkes, 4820. 



QO ' Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 80. Ausser dem genannten sind noch folgende Schrift- 
stücke des ,Zendavesta 4 erhalten: ,Jasna c *, eine Sammlung 
von Gebeten, herrührend von mehren Verfassern; ,Vispe- 
red t2 , Lobpreisungen der zu verehrenden Wesen. Diese 
beiden bilden mit dem ,Vendidad c zusammen den ,Vendidad 
Sade fc s . Ferner das Buch ,Siruze 4 , ein liturgischer Ka- 
lender; das Buch ,Jeschts SadeV, eine Sammlung von Ge- 
beten und Bruchstücken aus .verlorengegangenen Schriften 
Zoroaster's. Das Buch ,Bundehesch c ist eine Compilation 
verschiedenartiger Bruchstücke, theils aus alten, theils aus 
Jüngern Büchern. 

1 Darüber Bobnouf 4833. •— * Aasgabe 4843- -— * Von Burnouf 4834. 

§. 81. Von historischen Schriften der persischen Achä- 
menidendynastie erfahren wir durch Ktesias (400 v. Chr.), 
der die Reichsarchive benutzte. Urkunden sind nicht er- 
halten und die Inschriften von Persepolis und andern Städten 
noch nicht vollkommen zugänglich. 

Malcolm, Gesch. von Persien, 4846; deutsch von Becker 4830. 



j Neuntes Oapitel. 

Ferser. 

§. 82. Als die Araber das Sassanidenreich umstürzten 
(651), war in demselben eine üppige Fülle orientalischer 
Cultur. Fürsten, namentlich die beiden Koshru (Nuschir- 
wan, 532—79, und Parwiz, 591—628), und Priester (die 
Mobeds) hatten das Altpersische verjüngt und fortgebildet, 
aus dem Zend waren Schriften in das Pehlewi und Parsi 
übertragen, und die Wissenschaft hatte treffliche Pfleger in 
den Nestorianern, die ßyzanz vertrieb. Omar Hess bei der 
Eroberung die Bibliothek von Madain (aus der Vereinigung 
von Ktesiphon und Seleucia am Tigris entstanden) verbren- 
nen, und auch später suchte der mohammedanische Fanatis- 
mus Schriften zu vernichten, wo er ihrer habhaft wurde. 
Bei dem U ebertritt zum Islam wurden die Perser meistens 
Schiiten und daher von dem mohammedanischen Rigorismus 
weniger erfüllt. Ihr Wesen, dem Franzosischen nicht un- 
ähnlich, musste bald Einfluss auf das von der Heimat ab- 



Neuntes Capitel. Perser. 61 

geloste Leben der Araber gewinnen ; sie wurden bald rüstige 
Arbeiter für arabische Sprache und Literatur und verpflanz- 
ten zugleich ihre Romantik und den magischen Aufputz der- 
selben mit Zauberwesen (Diws und Peris u. s. w.) in die mo- 
hammedanische Welt, aus welcher theils durch die Kreuz- 
züge, theils durch den Verkehr in Spanien die christliche 
Romantik einen Theil ihrer Wunderwesen empfangen hat. 

§. 83. Unter der trefflichen Dynastie der Sassaniden 
(226—651 n. Chr.) wird der Ritter Behramgur als Erfinder 
der gebundenen Rede genannt. Ursache davon war seine 
geliebte Sklavin Dilaram (Herzensruhe), welche die dich- 
terische Anrede ihres Herrn und Geliebten mit gleichge- 
* * messenen und am Ausgang gleichtonenden Worten erwiderte. 
Zu derselben Zeit, als Barsuje die Fabeln des Bidpai bearbei- 
tete, dichtete der Yezier Bisurdschimihr das älteste persische 
Heldengedicht ,Wamik und Asra fc (der Glühende und die 
Blühende), dessen gerettetes Exemplar noch im 2. Jahrb. 
der Hedschra ein Statthalter von Khorassan verbrennen liess. 
Eine Uebersetzung desselben lieferte v. Hammer 1835. 

§. 84. Die neupersische Poesie und Literatur, 
welche eine Fülle reicher Blüten vor der arabischen voraus 
hat, entwickelte sich seit der Staatsverwaltung der Sama- 
niden, 943, und ward von Ghasnewiden seit 975, Seldschu- 
kiden seit 4037 und spätem Geschlechtern gefordert, sodass 
vom 40. bis in das 4 4. Jahrh. die neupersische Dicht- 
kunst in hoher Blüte stand. . Hammer -Purgstall * hat sie 
in sieben Perioden getheilt und jede an einen bedeutenden 
Dichternamen geknüpft. 

1 Gesch. der schönen Redekünste Persiens, mit einer Blütenlese aus 
200 pers. Dichtern, 4848. 

§. 85. In der ersten Periode (943 — 4 406) war Ghasna 
unter Mahmud (f 4030) Heimat der Gelehrten und Dichter. 
Hier blühte Firdüsi (der Paradiesische) aus Tus (960 - 4 030), 
welcher in dem von Dakiki begonnenen und von Essedi 
beendeten Epos ,Schahnameh 4 (Königsbuch) die persische 
Geschichte von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der 
Sassaniden darstellte. Es zerfallt in zwei grosse Hälften, 
deren erstere, mehr poetische, das heroisch -mythische* Zeit- 
alter Alt-Irans mit seinem Hauptheros ßustem (Nackschi- 
Rustem) umfasst, die andere, mehr historische, die geschicht- 
lichen Zeiten und insbesondere die Thaten Iskander's (Alexan- 



Q2 Zweites Buch. Ethnodoktologic. 

der's d. Gr.) behandelt. Man preist es als die persische 
Iliade, doch steht diese hinter der Einfachheit und epischen 
Klarheit der Homerischen weit zurück. Es enthält 60,000 
Doppelverse l . 

Der älteste bekannte Dichter ist Rudegi (952), der auf 
Befehl des samanidischen Fürsten Nasr-ben- Achmed die 
Fabeln des Bidpai in Verse umarbeitete, wofür er 80,000 Gold- 
stücke erhielt, und auch sonst in Mesnewi 2 und Kassiden 3 
sich hervorthat. 

Keikawus, aus der Dynastie der Dilemiden, ist Verfas- 
ser des ,Kabusnameh 4 4 , um 1080, welches in 44 Capiteln 
Moral und Lebensphilosopie enthält und nach des Verfas- 
sers Grossvater, dem Fürsten Kabus, benannt ist. ,Bastan- 
nameh c war eine Sammlung historischer Traditionen des 
persischen Nationallebens in Prosa aus der Zeit Jezded- 
gerd's in., des letzten Sassaniden. Aus diesem Werke 
bearbeitete Anssari (f 1029), auf Mahmud's Befehl, die 
Sage von Suhrab, wurde deshalb zum Dichterkönig ernannt, 
erneuerte das alte Gedicht von ,Wamik und Asra 4 und be- 
sang seinen Gebieter in einer Kasside von 180 Beits (d. h. 
Zelt, Distichen). 

1 Der Originaltext erschien zu Kalkutta 4829 und von Mohl besorgt 
zu Paris 4839. Uebersetzung von Schack 4854. Die vollständigste Ueber- 
sicht verschafft Görrbs, Das Heldenbuch von Iran ans dem Schahnameh, 
4820. Uebersetzungen einzelner Stellen von Ludolf, Wahl und Hammer 
in den Fundgruben des Orients u. in der Gesch. der schonen Redekünste. 
Nachweisungen über den Inhalt von Rosenkranz in der Allgem. Gesch. d. 
Poesie, von Fortlage in der Gesch. d. Poesie. RCckbst gab eine Episode 
in Rüstern und Suhrab, 4838. — * Doppeltgereimtes Gedicht. — 3 Kasside 
ist ein längeres lyrisches Gedicht, dessen zwei erste Verse und dann immer 
die zweitfolgenden in demselben Reim enden. — 4 Der Titel der grössern 
epischen und historischen Werke besteht nämlich immer aus dem Namen 
des Helden und dem angehängten Wort Nameh (Buch), v. Hammer, Gesch. 
d. osman. Dichtkunst, 1, 4 6 fg. Der Kabusnameh, bearbeitet von v. Dietz 4814. 

§. 86. Die zweite Periode (4106 — 1203) scbliesst sich 
an den höfischen und lobpreisenden Dichter Enweri (f zu 
Balkh 4152) und an den fruchtbaren Lyriker und Epiker 
Nisami (f 4180 in seiner Geburtsstadt Gendsche) an, unter 
dessen zahlreichen Werken l am berühmtesten sind der 
sogenannte , Fünfer 4 (Chamsee), eine Reihe erzählender 
Gedichte, worunter ,Khosru und Schirin 42 , ,Leila und 
Medschnun 4 3 , , Iskandernameh 4 4 , , Heft - peiger 4 ö und 
,Nacbeenol-esrar 4 6 . 



Neuntes Capitel. Perser. 63 

Raschid Watwat (f 4 482) schrieb eine Metrik und 
Poetik unter dem Titel ,Hadaikessihr' (Zaubergärten). 

1 Er hinterliess einen Divan (eigentlich Genien Versammlung, d. i. ly- 
rische Gedichtsammlung) von etwa 20,000 Versen. — 2 Wofür er U Grund- 
stücke erhielt, v. Hammer 4809. — s Der Orlando fhrioso der Wüste, 
bearbeitet von Atkinson 4836. — 4 Alexanderbuch, eine sagenhafte Aus- 
schmückung von Alexanders d. Gr. Leben und Thaten. Zum Theil über- 
setzt von Bückert und Charmoy. — 5 Sieben Schönheiten. Ein Theil da- 
von bearbeitet als Behramgur und die russische Fürstentochter von Ebd 
mann 4832 u. 4843. — 6 Kammer der Geheimnisse, eine Sammlung mora- 
lisch-didaktischer Erzählungen, von Bland 4 8 Vi* 

§. 87. Das dritte Zeitalter (4203 — 4300) wird als 
das mystisch -moralische bezeichnet, wo die Beschaulichkeit 
und theosophische Betrachtung vorherrschend war. Ton- 
angeber in dieser Richtung war Ferideddin Attar (erschla- 
gen 4226 zu Shadbah), Verfasser des ,Mantiket-Tair c (Vögel- 
gespräche) und des ,Pendnameh fc (Buch des guten Käthes) 1 . 
Der tiefsinnige Dschelaleddin Rumi (der meistens zu Iko- 
nium oder Konieh am Hofe der seldsohukidischen Sultane 
lebte, auch daselbst 4262 starb) ist der grosste mystische 
Dichter des Orients, die Nachtigall des beschaulichen Lebens, 
Verfasser des ,Mesnewi c , eines berühmten doppeltgereimten 
ascetischen Gedichts, und Stifter der Mewlewi, des berühm- 
testen Ordens mystischer Derwische 2 . Sein Zeitgenosse 
Moslicheddin Saadi (geboren 4 489 zu Schiras, gestorben da- 
selbst 4294), der als Gefangener der Kreuzfahrer nach dem 
Abendlande kam, ist der in Europa bekannteste orientalische 
Dichter. Seine lyrischen und didaktischen Gedichte:" ,Gu- 
listan* (Rosengarten), ,Bostan ; (Fruchtgarten) * und ,Gha- 
selen 6 ?, enthalten eine Fülle morgenländischer Weisheit 6 , 

1 Französische Uebersetzung von Sacy 4849. — 2 Ueher beide Dichter 
die Fundgruben des Orients, JJamäjer's Gesch. d. schonen Redekünste Per- 
siens, Tholuck's Blütensammlung aus der morgenländ. Mystik. Rosenzweig, 
Auswahl ans den Divanen Rumi 's, 4838. — * Beide von Olearius über- 
setzt zur Zeit des -Dreissigjährigen Kriegs; persisch und lateinisch von 
Gentius 4651, seitdem in alle Sprachen übertragen. Die neueste deutsche 
Uebersetzung des Gulistan von Wolf 1841 und Graf 1846; des Bostan von 
v. Schlechta Wssehrd 4853. — 4 Ghasel, das Sonett des Orients, nicht in 
der Reimfolge, sondern nur in der Länge von Easside unterschieden, indem 
es aus nicht weniger als fünf und aus nicht mehr als sieben Distichen be- 
stehen soll. Nachbildner unter den Deutschen ist Graf Platen. — r 5 Seine 
sämmtlichen Werke erschienen zu Kalkutta 4791 — 95. 

§. 88. Der vierte Zeitraum (1300 — 97) umfasst die 
heitere Lyrik und ist zugleich die Glanzperiode dieser 
Dichtungsart bei den Persern. Ihm gehört der Dichterkönig 
Schemseddin Hafis (der Preiswiirdige) an (f in seiner Vater- 



ß( Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Stadt Schiras 4389), dessen Divan wegen der freigeistigen 
Gesinnung verboten wurde K Wassaf, Lobredner des Sul- 
tans Abussaid aus der Familie Dscbingis-Chan's, ist ein 
schwieriger, an Alliterationen, Wortspielen, Allegorien und 
gelehrten Anspielungen reicher Dichter. 

1 Herausgegeben zu Kalkutta 4794 und 4828, Konstantinopel 4840, 
Kairo (mit türkischen Scholien des Suudi) 483V. Deutsch von Hammer 
4842 nnd Daumer 4846. 

§. 89. Der fünfte Zeitraum (1397— U94) wird als 
die Periode des Stillstandes bezeichnet, begrenzt durch 
Pschami, den letzten Dichter erster Grosse (f 1492), der 
jedoch mehr durch Correctheit und Glätte des Stils und 
durch nachahmendes Talent als durch schöpferisches Genie 
ausgezeichnet ist. Dem Nisami nacheifernd, hat auch er die 
Geschichte von Alexander, von Medschnun und Leila *, 
sowie den biblischen Stoff Jussuf und Suleicha (Joseph und 
die Frau des Potiphar) a in einem sogenannten Fünfer (Cham- 
see) romantisch behandelt. Ausserdem dichtete er nach 
Saadi's Vorgange den ,Beharistan' (Frühlingsgarten) s , eine 
Sammlung von Anekdoten, Sittensprüchen, Biographien 
u. 8. w. in Prosa und Versen. 

1 Franzosisch von Chdzy 1805, deutsch von Hartmann 4807. — * Von 
Rosenzwbig 4824. — 3 Persisch und deutsch von Schxechta - Wssehrd 
4846* Bruchstucke daraus liessen Jenisch in der Anthologia Persica, 4778, 
und Wilkem in der Chrestomathia Persica, 4805, abdrucken. 

§. 90. Mit dem sechsten Zeitraum (1494 — 1591) be- 
ginnt die Abnahme der Poesie. Hatifi, der Schwestersohn 
Dschami's, behandelte ebenfalls in einer Chamsee die Sagen 
von Khosru und Schirin, von Leila und Medschnun u. a. 
Feisi (f 1605), am Hofe des Grossmoguls Akbar, ist der 
Verfasser einer mystisch -philosophischen Dichtung, ,Serre 4 
(Sonnenstäubchen), worin die altpersische Lichtreligion dar- 
gestellt wird. Auch hat er die altindische Erzählung von 
Nala und Damajanti in einem kunstvollen Epos (Kalkutta 
1831) bearbeitet. 

§. 91. In die siebente Periode gehören die neuesten 
grossem Gedichte: ,Barsunameh 4 , aus 60,000 Beits be- 
stehend, beschäftigt sich mit der altpersischen Heldensage, 
indem es die Abenteuer Barsu's, des Enkels von Rustaa, 
erzählt; ,Schahinschanameh c (Buch der Konige) erzSHt 
die neueste Geschichte Persiens in Versen; ,Georgenameh 4 



Neunies Capitel. Perser. 65 

von Firos ben Kaus (Bombay 4839) schildert die Eroberung 
Indiens durch die Engländer. 

§. 92. In beiden letzten Perioden ist die persische Poesie 
besonders reich an Sammlungen von Gedichten aller Art, 
von Fabeln, Märchen, Novellen u. s. w. l Dieser Reichthum 
stammt aus Indien und ist durch die Perser zu den Arabern 
und weiter nach dem Occident vermittelt. So die Fabeln des 
Bidpai (die ,Anwari soheili 4 , d. i. die kanopischen Lichter), 
das ,Buch der sieben weisen Meister 4 , woraus im Türkischen 
vierzig Veziere geworden sind, die Erzählungen von pau- 
send und einer Nacht 4 zur Verherrlichung Vicramaditya's 
und des Khalifen Harun al Raschid (800), als deren Ver- 
fasserin "der Literator Fihrist (987) die persische Konigin 
Humai (Herodot's Parysatis), die Tochter Behmen's, nennt, 
wie Hammer-Purgstail in der ,Wiener Zeitschrift 4 , 1 839, Nr. 52, 
berichtet. Doch .mögen sie schon in der Zeit der letzten 
Sassaniden (im 6. u. 7. Jahrh.) vorhanden gewesen sein. Die 
Redaction, in der wir jetzt die Sammlung besitzen, stammt 
aus Aegypten aus der Mitte des 1 5. Jahrh. In Europa wurde 
sie eingeführt durch Galland * und gleich bei ihrem Er- 
scheinen in verschiedene Sprachen übersetzt 3 . Durch Petit 
de la Croix und Lesage erschien die Bearbeitung des arabisch- 
persischen Märchenwerks ,Faradsch b&d el schidda 4 (d. i. 
Freud auf Leid) 4 . 

* Chodzko, Specimens of the populär poetry of Persia, 4842. Ein 
Fragment daraus sind die Abenteuer und Gesänge Körroglu's, deutsch von 
Wolff 4842. — a Les mille et une nuits, 4704. — 9 Die vollständigste 
deutsche ist die von Habicht nnd v. d. Hagen 4824 u. öfter. — * Unter 
dem Titel: Les mille et un jours, 4740; deutsch von v. d. Hagen 4836. 
Bodenstedt, Tausend u. ein Tag im Orient, 4850, als Seitenstück. 

§. 93. Die Perser sind die einzigen Mohammedaner, welche 
auch die dramatische Poesie angebaut haben. Die Stücke 
sollen den Mysteres der altern französischen Literatur zu 
vergleichen und reich an natürlicher, ergreifender Lyrik sein. 
Die Darstellung des Todes der Aliden, Hassan und Hosein, 
soll nur ein religiöses Schaustück sein. 

Chodzko, Sur la litterature dramatique des Persans, 1844. 

§. 94. Die persischen Geschichtschreiber behan- 
deln theils die allgemeine Geschichte der mohammedanischen 
Staaten, theils Specialgeschichten; doch ist im Ganzen nur 
Weniges davon bis jetzt gedruckt. 

Der Sassanide Jezdedgerd Hess eine Reichsgeschichte, 

Mbrleker. 5 



H6 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

den ,Bastannameh', durch Dihkan verfassen. Der Samanide 
Abdurrisak Hess durch seinen Vezier AI Omri die aus der 
Sassanidenzeit erhaltenen Aufzeichnungen sammeln und daraus 
970 eine Reichsgeschichte verfassen. Doch die Vorliebe für 
Poesie stand der Fortbildung der Geschichtschreibung lange 
im Wege und erst in der Zeit der Mongolenherrschaft machte 
die letztere Fortschritte. Alaeddin Dschowaini (1275), Ge- 
schichte Dschingis-Khan's. Raschideddin (1247 — 1320), Ge- 
schichte der Mongolen. Wassaf (1311), Geschichte Dschin- 
gis-Khan's und seiner Nachfolger. Scherefeddin (f 1430), 
Geschichte Timur's. Mirkhond (1432—97), ,Rudhat< (Gar- 
ten der Wonne) oder Universalgeschichte. Auszug daraus 
von seinem Sohne Chondemir. Lari's Universalgeschichte 
bis 1566. Allgemeine Geschichte Indiens von Ferischta 
bis 1619, von Mohammed Haschim bis 1732. Abul Fadhl, 
Geschichte des Grossmoguls Akbar (1556 — 1605). Dieser 
bestellte 44 Gelehrte zur Aufzeichnung der Tagesvorfalle, von 
denen täglich zehn das Amt führten und ihre Notizen Abends 
dem Burgvoigt zur Versiegelung übergaben; ebenso eine Ge- 
sellschaft zur Abfassung einer allgemeinen Weltgeschichte. 

Biographien von Gelehrten und Dichtern schrieben Mestufi 
1329, Dauletschah in seinem Werke ,Teskercteschoara fc (d.i. 
Beschreibung der Dichter), Lutf Ali Beg in seinem Werke 
,Ateschkedeh 4 (Feuertempel) *. Mirza ist Fortsetzer von 
Dauletschah's Werk 2 . 

1 Herausgegeben von Bland 1844. — ' Fräser, Hist. and descript. 
of Pers., 4833. 

• §. 95. Die exacten Wissenschaften fanden den ge- 
deihlichsten Anbau. Der Seldschukide Malek Schah veran- 
lasste 107$ die musterhafte Berechnung des Dschelaleddi- 
nischen Sonnenjahrs. Der Mongole Hulagu legte 1259 die 
Sternwarte Nasireddin's zu Maragha (erbaut 744), der Ti- 
muride Ulugh-Beigh (f 1450) die zu Samarkand an und 
ist selbst Schriftsteller. Nasireddin (1183 — 1273) übersetzte 
den Euklid. Auch gibt es Werke über Geographie, Medicin, 
Ethik, Religion, Rhetorik, Philologie, Uebersetzungen alt- 
indischer und griechischer Schriften (Ptolemäos), gramma- 
tische und lexikalische Arbeiten. 

Stewart, Catalogue of the oriental library of 8he late Tippoo, Sultan 
of Mysore, 1809. Ousely, Catal. of several hundred manuscript works, 1831. 



Zehntes Capitel. Semiten. H7 

Zehntes Capitel. 
Semiten. 

§. 96. Dieser Sprachstamm hat eine weite Verbreitung 
erlangt, denn er umfasst die westwärts von den iranischen 
Zendvölkern über Vorderasien, das nordliche Afrika und 
vermittelst phonikischer Colonien über europäische Inseln 
und Küsten des Mittelmeers verbreiteten Volker der Baby- 
lonier und wahrscheinlich auch Assyrier, Syrer, Kanaaniter, 
Hebräer, Moabiter, Edomiter, Ammoniter, Phoniker, Kar- 
thager, Araber, Armenier, Kappadoker, Lyder und muth- 
masslich auch Aegypter und Aethiopen. 

Wahl, Gesch. d. morgenland. Spr. u. LH., 4784. ▼. Hammbr, Ency- 
klopäd. Uebersicht d. Wissenschaften des Orients, 4840. 

Tafel der semitischen Sprachen. 

Altägyptisch ? 

Aramäisch Eanaanitisch Arabisch 

West- Ost- Hebräisch Phönikisch Im Norden Im Süden 

aramäisch aramäisch *— ^^ — ■- > oder Panisch, die Sprache Himjaritisch. 

oder oder Talmudisch dee Koran, p-^-r- 

Syrisch. Chaldäisch. oder Rabbi- Aethiopwch. 

Dialekte der Sama- aramäischer Beimischung, 
ritaner, Zabier, In- 
schriften von Palmyra. 

§. 97. Die Blüte des Syrischen fällt in das erste Jahr- 
tausend vor Christus, jetzt ist es nur noch Schrift- und Ge- 
lehrtensprache, verderbt in Kurdistan bei den Nestorianern, 
deren Schulen seit 489 n. Chr. besondern Ruf erlangten. 
Die Schrift heisst Estranghelo *. 

Mit dem ersten Jahrhundert nach Christus beginnt eine 
reiche, meist in Uebersetzungen griechischer Werke bestehende 
Literatur für Theologie, Geschichte, Philosophie, Naturwissen- 
schaften (in den medicinischen Schulen zu Nisabur, Ahwaz 
und Dschondisapur), und dies setzte sich fort, nachdem die 
syrischen Nestorianer, 489 von Edessa vertrieben, Freistatten 
im Perserreiche gefunden hatten. Auch gelehrte Monophy- 
siten nahmen Theil daran 2 . Seit dem 5. Jahrh. versuchten 
sich die syrischen Uebersetzer an Profanschriftstellern (Aristo- 
teles und Hippokrates). 

Der Presbyter Alirun zu Alexandrien schrieb 635 medi- 



5* 



68 Zweites Buch. Ethnodoklohgie. 

cinische Pandekten und als Erster über Pocken 3 . Zwei 
Bücher der ,Uias c übersetzte Theophilos im 8 Jahrh. Die 
Peschito 4 oder syrische Uebersetzung der Bibel gehört 
der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. an. Ephraem Syrus im 
4. Jahrh. 6 Gregor Abulfaradsch oder Barhebräus (1226 — 86), 
jakobitischer Weihbischof zu Maragha, schrieb eine Welt- 
chronik 6 . Der Gnostiker Bardesanes , zu Ende des 2. Jahrh. 
in Edessa, ist erster Hymnolog der Syrer 7 . 

1 Syrische Handschriften in Rom, Paris, London (Tattam). Gram- 
matik von Hoffmann. Wörterbuch von Castellcs. Chrestomathien von 
Obebleitheb und Rddigbb. Proben aus Bar Ali und Bar Bahlul bei Ge- 
senius und Bbbnstein. — 2 Sergius übersetzte im 6. Jahrh. griechische 
Aerzte ins Persische. • — 3 Wustenfeld, Gesch. d. arabischen Aerzte u. 
Naturforscher, 4840. — 4 Ausgabe von Lee in London 4823. — ö Ueber 
ihn G. v. Lengebke 1832.* Seine Gedichte von Hahn und Sibffert. — 
6 Ausgabe von Pocockb 4653. — 7 Ueber ihn Hahn 4849. — Assemann, 
Acta martyrum oriental. et Occidental. Wenbich, De auctor. Graecor. 
versionib. Arab. - Armen. , 484?« 

§. 98. Ob der chaldäische oder babylonisch - aramäische 
Dialekt zur Zeit der Unabhängigkeit des Reichs (also vor 
der Eroberung des Landes durch die Chaldäer 747 v. Chr.) 
auch zur Schriftsprache erhoben worden sei, darüber fehlt 
es gänzlich an Nachrichten; doch lassen die Berichte der 
Griechen, namentlich des Herodot und Diodor, über Ninos 
und Semiramis auf eine sagenhaft ausgeschmückte epische 
Poesie schliessen. Vielleicht gehören die in Keilschrift ab- 
gefassten Inschriften auf den Ruinen Babylons diesem Dia- 
lekt an. 

Die aus der babylonischen Gefangenschaft entlassenen 
Juden verpflanzten ihn nach Palästina, wo er seit der Zeit 
der Makkabäer (150 v. Chr.) das Hebräische verdrängte. 
In diesem Dialekt, wie ihn die Juden als Schriftsprache aus- 
gebildet haben, sind uns einige Abschnitte in den kanonischen 
Büchern erhalten *, sowie eine Reihe von Uebersetzun- 
gen alttestamentlicher Bücher, Targumim 2 , die aus sehr 
verschiedenen Zeitaltern herrühren und hinsichtlich ihres 
linguistischen und exegetischen Charakters bedeutend von- 
einander abweichen. Die chaldäischen Originale vieler apo- 
kryphischen Bücher, die wir nur aus griechischen Ueber- 
setzungen kennen, sind verloren gegangen. Auch Josephus 
schrieb sein Werk ,Ueber den jüdischen Krieg 4 zuerst in 
chaldäischer Sprache. 

Die Sprache des Talmud nennt man gewöhnlich auch 



Zehntes CapUcl. Semiten. 69 

chaldäisch, doch muss man zwischen dem altern Theile, der 
Mischna, und der jungem Erklärung, der Gemara, wohl 
unterscheiden. Jene ist in einem an das Hebräische sich 
anschliessenden und nur durch einzelne chaldäische Formen 
entstellten Dialekt geschrieben. Die Diction der Gemara 
trägt allerdings den grammatischen und lexikalischen Grund- 
charakter des Chaldäischen an sich, ist jedoch als ein sehr 
ausgeartetes Chaldäisch zu betrachten 3 . 

Bei den Chaldäern selbst beschränkte sich die Literatur 
wahrscheinlich auf priesterliche Aufzeichnungen für die Tem- 
pelarchive, denn der babylonische Priester Berosos (im alexan- 
drinischen Zeitalter) schöpfte seine griechisch geschriebene 
Geschichte der Chaldäer aus alten Tempelurkunden 4 . 

1 Esra II, 8 — VI, -18 u. VII, 42—26. Daniel II, 4 — VII, 28. Je- 
reinias X, 4 4 . Hirzbl, Ueber den biblischen Chaldaismus, 4 830. — ' Targem 
ist soviel als erklären. — 3 Zur Erlernung des Chaldäischen: Grammatiken 
von Wineb 48tä, Berthe ai] 4843 u. A. Das Wörterbuch Aruch von 
Nathan bar Jachiel aus Rom (f 4 406), mit den Zusätzen von Mussaphia 
(f 4674)) welches Landau als rabbinisch- aramäisch -deutsches 4849 
herausgab. — 4 Von diesem Werke besitzen wir nur noch Bruchstücke 
bei Josephos, Eusebios, Synkellos u. A. Ihre Sammlung von Richter 
in Berosi Chaldaeorum historiae quae supersunt, 4825. Munter, Reli- 
gion der Babylonier, 4827. Ueber die Verbreitung chaldäisch er Astro- 
logie s v Letbonne, Observations sur Tobjet des representations zodia- 
cales etc., 4824. 

§. 99. Punisch nur auf Münzen und Inschriften und 
im ,Pönulus fc des Plautus, V, 1 *. Die Nachrichten von einem 
viralten phönikischen Geschichtschreiber Sanchuniathon sind 
ebenso unsicher, als die angeblich von ihm herrührenden 
Fragmente unecht sind. Ein kleiner Theil seines angeblichen 
Werkes hat sich in der griechischen Uebersetzung von Philo 
aus Byblos erhalten und befindet sich in der ,Praeparatio 
evangelica 4 von Eusebios a . Eine vollständige Uebersetzung, 
die aber als schändliche Mystification sich herausstellte, gab 
in neuerer Zeit Wagenfeld (f 1846) 3 . 

Von karthagischen Schriftstellern werden namentlich 
zwei erwähnt, Hanno und Himilko. Jener unternahm 
550 v. Chr. eine Reise längs der Westküste von Afrika und 
hing nach seiner. Rückkehr, wie es Brauch war, eine Tafel 
mit Nachrichten über sein Unternehmen in dem Tempel des 
Kronos zu Karthago auf. Eine griechische Uebersetzung 
dieser Nachrichten ist unter dem Titel ,Periplus 4 auf die 
Nachwelt gekommen 4 . Himilko's Reisebeschreibung der 



70 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Westküste Europas benutzte noch Avienus (350? n. Chr.) 
in seiner ,Ora maritima' 6 . 

1 Lindemann, De Punicis Planums, 4837. Wbx, Meletemata de Pu- 
nicis Plautinis, 4839. Gesrnius, Script, linguaeq. Phoen. monumenta, 4836. 
Bater, Ueber Sprache u. Schrift der Phöniker, 4 835. Mowers, Phönizer, 
4844. Dietrich, Zwei sidonische Inschriften u. eine altphönizische Königs- 
inschrift, 4855. Hitzig, Urgesch. u. Alter d. Philister, 4845. — 2 Orblli, 
Sanchuniathonis Beryti quae feruntur fragmenta, 4826. — 3 Grotrfrnd, 
I>ie Sanchuniathon'sche Streitfrage nach ungedruckten Briefen gewürdigt, 
4836. Schmidt, Der neuentdeckte Sanchuniathon , 4 838. — 4 Ausgabe von 
Hirscher 4832. — 6 Böttger, Gesch. der Karthager, 1827. Munter, Re- 
ligion der Karthager, (2. A.) 4821. 

§. 100. Das Aethiopische (auch Geez oder Gees ge- 
nannt) mit himjaritischer Schrift und einer kirchlich -histo- 
rischen Literatur seit Einfuhrung des Christenthums im 
4. Jahrh. Uebersetzungen von Apokryphen K Wenig ist 
bis jetzt im Druck erschienen a . Seit dem 1 4. Jahrh. ist die 
äthiopische Sprache durch die amharische verdrängt und 
gehört zu den todten 3 . Dialekt von Tigree in der Gegend 
von Axum. 

1 Buch Henoch: Hoffmann 4838. Ascensio Jesaiae vatis: Lawrence 
4849. — 2 Platt, A catalogue of the Ethiopic biblical manuscripts, 4823. 
Lepsius, Denkmäler aus Aethiopien, 1 8 i 9 - Lacroze, Hist. du Christia- 
nisme d'lSthiopie et d'Armenio etc., 4739. Ludolf, Hist. Aethiop. , 4 684; 
Wörterbuch, 4 699; Grammatik, 4702. — 5 Isenberg, Amhar. Grammatik, 
4 8^2; Lexikon, 1844. 

§. 101. Priesterweisheit und Tempelarchive des alten 
Aegypten. Aus solchen Urkunden schrieb Manetho, Ober- 
priester zu Diospolis, im alexandrinischen Zeitalter, seine 
ägyptische Geschichte, deren Inhalt wir nur noch zum Theil 
aus den von Josephos und Synkellos mitgetheilten Aus- 
zügen kennen. Uralte Bekanntschaft mit der Schreibkunst 
und dem Papier l . 

Die koptische Sprache ist im Wesentlichen die ak- 
jigyptische. Die noch vorhandenen, ziemlich zahlreichen 
koptischen Bücher sind insgesammt aus der Zeit nach der 
Bekehrung der Kopten zum Christenthum, welche im 2. und 
3. Jahrh. durch griechische Colonisten erfolgte. Es sind 
Uebersetzungen biblischer Schriften, Legenden, Homilien, 
Synodalbeschlüsse und Werke der Gnostiker. Auch unter- 
scheidet man im Koptischen die nieder- und oberägyptische 
Mundart 2 . Bios die Priester verstehen noch das Koptische 
als Kirchensprache, Landessprache ist das Arabische. 

1 Bcnsbn, Aegyptens Stelle in d. Weltgeschichte, 1845 fg. Uhlbmann, 



Zehntes Capitel. Semiten. 71 

Thotb oder die Wissenschaften des alten Aegypten etc., 4865. Roth, Die 
Proclamation des Amasis (564 v. Chr.), ein Specimen altpelasgischer, mit 
der ägyptischen verwandter Schrift etc., 4855. — * Der Pentateach von 
Wilkin8 4731. Die Psalmen in Rom 4744. Koptische Grammatik von 
Scholtz 4778 und Tattam 1831- Wörterbuch von Lacrozk 4775- 

§. 4 OS. Die armenische Literatur hat aus der vor- 
christlichen Zeit nur Bruchstücke bei Moses von Chorene 
(f 487). Das Christenthum wurde durch Gregor den Er- 
suchter 349 eingeführt, und seitdem blühte die armenische 
Literatur vom 4. bis in das 4 4. Jahrh. Bei der Vorliebe für 
griechische Literatur gibt es viele Uebersetzungen, ausserdem 
Historiker und Chronisten 1 . Die aus 36 Buchstaben be- 
stehende Schrift führte Mesrob 406 ein, der auch mit seinen 
Söhnen zwischen 444 — 544 die Bibel übersetzte. Die Chronik 
des Eusebios a . Die Reden des Philo 3 . Der bedeutendste 
Historiker ist Moses von Chorene 4 ; aus neuerer Zeit Michael 
Tschanitschean und die Mechitarifcten auf der Insel S.-La- 
zaro bei Venedig K David übersetzte im 5. Jahrh. den Aristo- 
teles. Von Esniki (Joh. Ozniensis) im 8. und Nerses Kla- 
giensis im 12. Jahrh. sind ,Vitae sanctorum calendarii Arme« 
nici 4 6 . Gedichte von demselben Nerses. Fabeln von Mechi- 
tar Kosch (4790) r . Die Sprache zerfallt in die alt- und 
neuarmenische 8 . 

1 Wbwrich, De auotor.' Graecor. versionib. Arab. -Armen. , 48-1*. — 
2 Von Aüchbe 4848. — A Von Auchee 4823. — 4 Von Wistom 4736. — 
5 Ursprünglich in Konstantinopel von Mekhitar (d. i. Tröster) da Petro 
(geb. 1676) 4704 zu dem Zwecke gestiftet) die armenische Nationalliteratur 
su heben und die Kenntnias der altarmenischen Sprache zu verbretten ; seit 
17 '17 auf S.-Lazaro. Bonb, Le convent de St.-Laaare a Venise, ou hifltoire 
succincte de 1'ordre des Mechitaristes armeniens, 4837. Auch in Wien ist 
seif 4841 ein Mechitaristencollegium. — 6 Herausgegeben 4840 — 4*. . — 

7 Somal, Quadro della storia liter. d'Annenia, 4849. Nbümahn, Gesch. 
der armen. Lit. nach den Werken der Mechitaristen bearbeitet, 4830. — 

8 Grammatiken von Schröder 174 4 und Petermann 4837. Lexika des 
Mechitar 4 836, Aucher (armen. -engl.) 4844, Im. Tschaktsohak (ar- 
men. -ital.) 1837. St. -M art im, Mem. hist. et geogr. sur 1'Armenie, 4848. 

§. 103. Die georgische oder grusische Literatur, welche 
seit der Bekehrung von Georgien zum Christenthum (4. Jahrh.) 
entstand, enthält theologische, historische, geographische, 
philologische, legislatorische und poetische Werke, die aber 
noch wenig bekannt sind. Aus dem epischen Gedichte ,Tariel 4 
hat ßrosses Proben mitgetheilt, deren Charakter an die epische 
Poesie der Perser erinnern soll. Die Schrift heisst Mkhedruli. 



72 Zweites Buch. Ethnodoktoloyie. 

Elftes Capitel. 
Araber. 

§. 404. Die arabische Sprache, von ursprünglich 
trefflicher Gestaltung und Bildungsfahigkeit, wortreich und 
von geschmeidigen Formen, hatte schon vor Mohammed sich 
als vorzügliches Organ für Poesie bewährt. Am reinsten 
ward sie hinfort bei den Beduinen gesprochen, wohin sich 
späterhin arabische Sprachforscher begaben, welche ihre 
Sprache in ihrer Reinheit kennen lernen wollten. Zu litera- 
rischem Gebrauch hatte sie sich wol schon bei den Himjariten 
bewährt 1 , in dem letzten Jahrhundert vor Mohammed aber 
hierzu der Dialekt der Koreischiten an der Küste Hedjas, 
namentlich in Mekka, sich emporgebildet. Daselbst war 
auch die dem Estranghelo nachgebildete kufische Schrift 
im Gebrauch, bis sie durch das bequemere Nedsche ver- 
drängt wurde. Die Niederschreibung des Koran wurde epoche- 
machend für Sprache und Schrift ; an ihm bildete sich auch 
die Grammatik aus. 

Schon unter Ali (660) lebte der erste arabische Gram- 
matiker Abul Aswad, und seiner Nachfolger und der Ver-' 
fasser von Wörterbüchern wurde eine grosse Zahl! Ein 
arabischer Gelehrter schätzte die Wörterbücher, die er be- 
sass, zu 60 Kameellasten 2 . Lexikographen sind AI Dschau- 
hari (f 40<X9), AI Firuzabadi (f 1414). AI Farabhdi aus 
Basra ist Metriker, Dschordschami Technograph. Gespräch, 
Sprichwort und Kalligraphie, letztere gleichsam als Ersatz- 
mittel für die verbotene Malerei, gehörten zu den Ergötz- 
lichkeiten des arabischen Lebens. Meidani (f 1124) stellte 
6000 Sprichwörter zusammen 8 . 

Zur Verbreitung der arabischen Sprache trugen religiöses 
Interesse und politische Massregeln (Eroberung, Verpflan- 
zung nach Spanien) bei. Der Omajjade Abduhnalek befahl 
das Arabische in allen geschäftlichen Schriften statt des 
Persischen, ebenso Walid 1. statt des Griechischen zu ge- 
brauchen. 

Die Wiederbelebung des arabischen Studiums erfolgte in 
Frankreich durch Postel 1538, in Deutschland durch Spey, 
seit dem 1 7. Jahrh. in den Niederlanden u. s. w. Sammlun- 
gen arabischer Manuscripte im Escurial, in Rom, Paris, 



Elftes Capitel. Araber. 73 

Leyden, Oxford, London, Gotha, Wien, Berlin, Kopen- 
hagen, Petersburg 4 . 

1 Gbseniüs u. Rödiger, Ueber die himjaritische Sprache u. Schrift, 
4844. — 2 Toderini, Letteratura Turchesca, 4787, deutsch von Haus- 
leutner, 4790. Wüstenfeld, Die Akademien der Araber, 4837. — s Aus- 
gabe von Freytag 4838. — 4 Flügel, Gesch. d. arab. Lit. Zenker, Biblio- 
theca orientalis, 4840* v. Hammer -Pürgst all, Literaturgesch. d. Araber 
von ihrem Beginn bis. zum Ende des 42. Jahrh. der Hedschra, 4850 fg. 
Darüber Wüttke 4854. 

Die heidnische Zeit. 

§. 1 05. Die besten Dichter lebten vor Mohammed und be- 
sangen die Thaten ihrer Stämme (daher Stammsagen und 
Stammlieder) und die Schönheit der Frauen. Zu den drei 
grössten Glücksgütern des Arabers gehört es, wenn ein 
Knabe geboren worden, eine edle Stute ein Füllen geworfen 
und ein Dichter sich Beifall erworben. Die dichterischen 
Wettkämpfe, die alljährlich auf der zahlreich besuchten Messe 
zu Okadh abgehalten wurden, trugen nicht wenig zur Blüte 
der Poesie bei. Das Gedicht, welches den Preis davontrug, 
wurde mit goldenen Buchstaben auf persische Seide ge- 
schrieben und zum ewigen Ruhme am Eingange der Kaaba 
aufgehängt, daher der Name Mo all akat (aufgehangene Ge- 
dichte). Sieben Dichter sind aus dieser Zeit und jener 
Sammlung, drei aus dem 6., vier aus dem 7. Jahrh. n. Chr.: 
Amru, Hareth, Tarafa, Suheir (Zohair), Antara (auch Held), 
Lebid und Amrilkais K 

Dieser Zeit werden auch zugeschrieben die Sprüche der 
Königin von Saba und Lieder zum Lobe der Hamasa (Tapfer- 
keit). Ob und wann der sentenzreiche Lokman gelebt habe, 
bleibt dunkel 2 . 

1 Ueber ihn Rückest 4843. Rosenmüller, Bd. 6 der Nachträge 
zu Sulzer's all gem. Theorie der schonen Künste. Hartmann, Die hellstrah- 
lenden Plejaden am arabischen Dichterhimmel oder die sieben am Tempel 
zu Mekka aufgehangenen arabischen Gedichte, 4802. Kremer, Abu Nuwäs, 
des grössten lyrischen Dichters der Araber, Divan zum ersten mal deutsch 
bearbeitet, 4855. — 2 Ueber ihn Wüstenfeld 4832. Seine Sprüche von 
Erpenius 4645, Bernstein 4847, Frey tag 4830, Schier und Rask 4831, 
übersetzt von Olearius im Persianischen Rosenhain j von Schaller 4826. 
Weil , Poetische Lit. d. Araber vor u. unmittelbar nach Mohammed , 4 837. 

Islamitische Zeit. 

§. 106. Der Koran (al Koran, d. i. Sammlung der Schrif- 
ten), aus 114 Suren bestehend und in rhythmischer Prosa 
verfasst, enthält neben manchen rhetorisch gefärbten Stellen, 



74 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

m 

echt poetische Schilderungen voll Feuer und Phantasie, na- 
mentlich in den Abschnitten, wo die Schrecken des Jüngsten 
Gerichts und die Qualen der Hölle beschrieben werden. 

Weil, Mohammed der Prophet, 4843, u. Uistor. - kritische Einleitung 
in den Koran, 4844. Daumeb, Mohammed u. sein Werk, 4848. Ueber 
seine Entstehung, Form u. Inhalt: Grasse, Allgem. Literaturgesch., I, 308 fg. 
Aelteste deutsche Uebersetzung von Schweigern 4616, neueste von Ulhnann 
4840. Ueber das Verhältniss des Islam zum Juden- und Christenthum 
schrieben Gejer, Mauke, Gerok, Möhler, Döllinger. Der Moslem Scha- 
rastani, deutsch von HaarbrUcker 4854. 

§. 407. Seit Mohammed wurde die Literatur vielseitiger 
und glänzender, aber sie verlor von ihrer ursprünglichen 
Kraft und Originalität. Die Dichter widmeten sich fortan 
dem Dienste der Khalifen und der Religion, und man dichtete 
zwar nach allen Regeln der Metrik und Prosodie, aber ohne 
Begeisterung und Geschmack. Die Fürsten geizten nach Lob 
und umgaben deshalb ihr Hoflager mit Dichtern und Gelehr- 
ten, und die Muse trat in den Dienst des dynastischen Soldes. 
Daher bildet das Lobgedicht eine eigene Gattung in der 
mohammedanischen Welt. Hauptgattungen der lyrischen 
Poesie waren die Kasside, deren Aufgabe Lob, namentlich 
Selbstlob des Dichters, und das Ghasel, kürzer als jenes, 
meist erotischen Inhalts. Zu dieser orientalischen Monotonie 
der immer wiederkehrenden Verherrlichung des Stammes, des 
Rosses, der Geliebten, des fürstlichen Gönners gesellte sich in 
Spanien noch die Galanterie. Mesnewi sind erzählende Ge- 
dichte in doppelgereimten Versen; Makamen eine eigene er- 
zählende Dichtungsart in Prosa und Versen, aufgebracht durch 
Hamadani (f 1007). Romantische Erzählungen von Liebe 
bekamen die Araber erst von den Persern. Die satirischen 
Dichtungen sind unsauber, weil es diesen Orientalen an Zart- 
heit des ästhetischen Urtheils fehlt. Das Drama wurde bei den 
Arabern nicht bearbeitet, doch sehen sie gern Marionetten 
und Ombres chinoises an. Der Reim ist bei den Arabern 
alten Ursprungs, obschon Silbenquantität nicht mangelte. 

Bidpai's Fabeln übersetzte schon Rouzbeh (f 760), ge- 
wöhnlich genannt Abdallah ben Mokaffa, unter dem Titel 
,Kalilah we Dimnah 4 , d. i. der Dumme und der Arglistige 
(Schakal), die sich in dem Buche miteinander unterhalten. 
Die Märchen ,Elf Leila 4 oder ,Tausend und eine Nacht 4 sind 
wol kaum vor 1250 niedergeschrieben l . Die ,Thaten AntarV, 
eine Art ritterlichen Epos, zeichnete Admai auf Harun* 8 



Elftes CapUei Araber. 75 

Geheiss um 800 auf 2 . Der berühmteste Divan (Anthologie) 
entstand durch Abu Temmam (805 — 846) 830 und fuhrt von 
der Ueberschrift seiner ersten Abtheilung den Titel ,Hamasa c 
(Tapferkeit) 3 , auch grosse Hamasa, zum Unterschiede von 
der kleinen des Bokhtari 880. Die erstere zerfallt iü zehn 
Bücher: Heldenlieder, Todtenklagen, Sprüche der feinen 
Sitte, Liebeslieder, Schmählieder, Gast- und Ehrenlieder, 
Beschreibungen, Reise und Ruhm, Scherze, Weiberschmähun- 
gen, und gibt grossere und kleinere Dichtungen von 524 
Dichtern und 56 Dichterinnen, darunter Tomadhir, genannt 
El Chansa, d. i. die Stumpfhase. Für den grössten arabischen 
Dichter gilt Motenebbi aus Kufa (915 — 965) 4 . Doch sind 
seine Gedichte vorzugsweise panegyrisch, seine Muse er- 
mangelt des Adels der Selbständigkeit und sein poetischer 
Charakter ist nicht fleckenlos. Ergötzlich sind die.Makamen 
Hariri's aus Bassora (4054 — 4 424) ö und anmuthig die Lieder 
und Elegien des Veziers Thograi aus Ispahan (f 4424). 
Originell ist der ,Naturmensch 4 (eine Art philosophischen 
Romans) des spanischen Arabers Tophail (+ 4 490 zu Se- 
villa), ein Gedicht, in welchem der Versuch gemacht wird, 
die menschlichen Fähigkeiten von der rohesten Thierheit bis 
zur höchsten Ausbildung historisch durchzuführen. 

Der Verfall der arabischen Poesie, über welche die per- 
sische sich erhob, ward noch eine Zeit lang aufgehalten durch 
die Gunst, welche sie unter den Fatimiden in Aegypten 
fand, aber unausbleiblich seit dem 4 3. Jahrh. 

1 Vorrede zur Ausgabe von Gautirb; deutsch von Habicht 4825 und 

Weil 4838. — 2 Antar, a Bedouean romance by Terbik Hamilton, 4819 

3 Dafür erhielt der Dichter zur Belohnung 50,000 Goldstücke. Uebersetzt 
und erläutert von Rückerl 4846. — 4 Üeber ihn Hammer 4834. — * Ueber 
ihn dk Saoy 48*24, Rüokbrt 4827, 4836 u. 4844. 

§. 408. Die historische Literatur der Araber soll an 
4300 Werke zählen, von denen ein grosser Theil in den 
Bibliotheken begraben liegt. Von den in literarischen Ver- 
kehr gekommenen sind die vorzüglichem: Wakedi's (f 822) 
Kriegsgeschichte; Kotaibah's (f 889) altarabische Geschichte; 
TabarPs (838—923) Chronik *, von der sich in der Biblio- 
thek zu Eahira im 1 0. Jahrh. 4 200 Exemplare befanden ; Mas- 
sudi's aus Bagdad (f 957) zwei historisch -geographische 
Werke 2 ; Otbi's Geschichte Mahmud's von Ghasna ; Emaded- 
din's (4 425 — 4204) Geschichte der persischen Seldschu- 
kiden: Alatir's (1460 — 4233) Leben der Atabeks; Bohaed- 



76 Zweites Buch. Elhnodoklologie. 

din's (*U4— 4235) Leben Saladdin's 8 ; Kemaleddin's (f nach 
4264) Geschichte Haleb's 4 . Abulfaradsch verfasste aus seiner 
Weltchronik einen Auszug in arabischer Sprache (s. oben 
§. 97, 6). Der ägyptische Christ Elmacin (4223 — 73) lieferte 
eine Geschichte der Sarazenen. Alle übertrifft der Fürst 
von Hama, Abulfeda (4273 — 4332), durch seine Geschichte 
der Moslem. Neben ihm hat einen Ehrenplatz der Tune- 
ser Ibn Khaldoun (4334 — 4405), berühmt wegen philo- 
sophischer Ansichten und trefflicher Darstellung und als Ora- 
kel der Staatswissenschaften im Orient geachtet 6 . Perat's 
(f 4 405) Geschichte des 42. — 44. Jahrhunderts. Makrisi's 
aus Kahira (4358 — 4444) Geschichte der Dynastien und 
historische Monographien ". Arabschah's aus Damask (+ 4 450) 
Geschichte Timur's 7 . Sojuti's (aus dem 45. Jahrh.) Ge- 
schichte der Khalifen, u. A. Spanien insbesondere hatte eine 
grosse Zahl Geschichtschreiber (Abul Käsern f 4 439, Tamimi, 
Ibn Khatib u. A.). Der Geist ihrer Werke ist aus Casiri 
und Condp zu erkennen 8 . 

Biographien von Gelehrten lieferten Dschemalleddin Ibn 
Alkefti (ausKoptos in Aegypten, f 4248). Oseiba (4203 — 69) 
ist Biograph mohammedanischer, christlicher und jüdischer 
Aerzte und Naturforscher. Challikan (4344 — 82), Schoba, 
Berichterstatter von Lehranstalten der Schafeiten und ihren 
Lehrern (Wüstenfeld's Gewährsmann). Der hochbegabte 
Osmane Hadschi Khalfa (oben §. 56, 3) 9 . 

1 Von Kosegarten 4831. — 2 Von Sprenger 4841. — 3 Von Schul- 
tbns 4766. — 4 Von Frkytag 4849. — 6 Arri 4844 ; Die Berbergeschichte, 
4842. — 6 Von Quatrbmere 4837. — 7 von Manger 4 767. — 8 Casiri, 
Bibl. Arabo-Hispan., 4760 fg. Condb, Hist. de la dominacion de los Arabes 
en Espänna, 4820; deutsch von Buschmann 4824. History of the Maho- 
metan empire in Spain von Shakbspbar, Hörne u. A. Einleitung zu 
Murphy Arab. antiquities of Spain, 4846. — 9 Aufgedeckte Bücher- u. 
Wissenschaftskunde von Flügel, 4836. 

§. 409. „Die politische Beredtsamkeit konnte in 
einem despotischen Staatswesen, keinen Raum finden*; sonst 
gab es Stoff zum Reden in den Gerichten vor dem Kadi 
und in den höhern Lehranstalten. Die geistliche Beredt- 
samkeit hatte ihre engen Schranken der Stabilität und Mo- 
notonie. Gleichwie zum Ersatz dafür machten Araber, 
Perser und Türken das Briefschreiben zum Gegenstande 
stilistischer Kunstleistung, wozu auch die sorgfältigste Kalli- 
graphie sich gesellte." 



Elftes Capitel. Araber. 77 

§. 140. Die Wissenschaft hatte schon Mohammed ge- 
priesen * und bald kamen die Araber von dem Wahne zurück, 
dass der Koran jedes andere Buch entbehrlich mache. Ihre 
Pflege begann schon unter den Omajjaden mit der Ver- 
legung der Residenz nach Damask 664, noch mehr mit der 
Abbassidendynastie 750. Sie ging aus der altgriechischen 
Literatur hervor, wobei die syrischen Nestorianer (oben §. 97) 
die Vermittler waren und die Brücke dazu die Arzneikunde 
bildete. Schon AI Mansor und Harun al Raschid begünstig- 
ten Uebersetzungen griechischer Schriften, doch erst AI 
Mamun nahm es zur Aufgabe, die griechische Literatur bei 
den Arabern einzufuhren. Er sandte an Kaiser Michael den 
Stammler um Bücher und Gelehrte und bestellte einen Aus- 
schuss, die zusammengebrachten Schriften zu übertragen, 
dessen erster Vorsteher Joh. Meswe, von vorzüglicher Thätig- 
keit aber die Christenfamilie Honain in Bagdad (der Vater 
f 874, der Sohn Isaak) war. Man übertrug zunächst ins 
Syrische, worauf dann die arabische Uebersetzung folgte, 
bald auch unmittelbar ins Arabische. Ueberhaupt wurden 
die syrischen Uebersetzungen, sobald arabische da waren, 
beiseite gesetzt und sind deshalb äusserst selten geworden; 
auch die griechischen Originale soll AI Mamun, nach er- 
folgter Uebersetzung, zu vernichten befohlen haben; daher 
der Verlust manches griechischen Urtextes. Auch Motawakel 
(847 — 864) begünstigte die Uebersetzer, unter denen Korrah 
(835 — 904) gleichfalls zu rühmen ist. 

Dergestalt wurden übersetzt Schriften des Hippokrates, 
Galenos, Dioskorides, Theophrast, Euklides, Archimedes, 
Apollonios von Perga, Heron, Ptolemäos, Aristoteles, Piaton 
(, Staat 6 und , Gesetze 4 ), Alexander Aphrodisiensis, Plotinos, 
Proklos u. A. Unbeachtet aber blieben die griechischen 
Historiker, Redner und Dichter; denn nur auf dem Ge- 
biete der exacten Wissenschaften und der Philo- 
sophie ist die Grösse der Araber zu suchen. Zu den 
Uebersetzungen kamen bald Commentare in Menge. 

Auf Grund solcher Studien schrieben die Araber mit 
echtem Gelehrtenfleiss, woraus eine massenhafte Literatur 
hervorgegangen ist. Sie haben Polygraphen von seltener 
Productivität aufzuweisen, desgleichen die Osmanen: Sojuti 
(f 4505) verfasste 560 Schriften; Asakir's Geschichte von 
Damask ist von gigantischem Volumen; der Türke Ferdussi 



78 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

schrieb unter Bajazet HE. ein Suleimannameh in 360 Folio- 
banden, wovon Bajazet 80 behielt und die übrigen verbren- 
nen liess; Hadschi Khalfa (f 1658) ist schon öfter erwähnt ; 
unter seinen 307 Wissenschaften findet sich freilich auch 
eine Buchstabenspielkunde, eine Kunst Könige zu unterhal- 
ten, Flecke wegzuwaschen, die Lehre von Aphrodisiacis, 
eine Pragmatik der Hofleute u. A. 2 . 

1 v. Hammer, Encyklop. Uebersicht, 4844. — 2 Das Ganze bei Wachs- 
müth, Allgem. Culturgeschichte, I, 543 fg. 

§. 4 4 4. Die Arzneikunde mit ihrem Gefolge von Apo- 
theken und Krankenhausern wanderte von den Griechen am 
frühesten zu den Arabern, AI Mansor berief den Vorsteher 
der Krankenanstalt zu Dschondisapur, Georg Batischua, an 
seinen Hof. Auch AI Mamun hatte zum Arzte einen in der 
genannten Schule gebildeten Christen, Joh. Meswe von Da- 
ma*k (f 857) K 

Batrik (um 820) übertrug zuerst medicinische Schriften 
der Griechen. Der Perser Razi (860 — 932), Aufseher des 
grossen Krankenhauses in Bagdad, der Galen seiner Zeit, 
verfasste 226 Schriften. Die praktische Arzneikunde Zacca- 
ria's, gleichfalls eines Vorstehers des Krankenhauses in 
Bagdad, wurde noch im 1 6. Jahrh. von italienischen Aerzten 
studirt. Die medicinische Schule zu Salerno bediente sich 
eines nach den Vorträgen der arabischen Aerzte entworfenen 
Lehrbuchs. Gesetzgeber für die Heilkunde auf Jahrhun- 
derte ward Ibn Sina (Avicenna) aus Aschema bei Bochara 
(980 — 4039), der Fürst der Aerzte, der in seinem System 
zwar dem Galen folgte, aber zugleich die Aristotelische 
Philosophie auf die Heilkunde in Anwendung brachte. Nach 
ihm gelangten zu hoher Geltimg Zohr aus Sevilla (f 4 460) 
und Ibn Roschd (Averroes) aus Cordova (4 405— 98). Auch 
Juden und Christen hatten ausgedehnte Praxis a . 

Ueber Arzneimittellehre ist Merv 4 4 60 classischer Autor. 
Ueber Diätetik schrieb Jahjah 4070, über Chirurgie Abul- 
kasim aus Cordova (f 4 406). Botaniker war Beitar aus 
Malaga (f 4248). Dschabir (Gaber) ben Hajan (702 — 765) 
schrieb über Alchemie 3 . Hazem in Spanien schrieb um 
4400 über Optik. 

i Wüstenfeld, Gesch. arabischer Aerzte. Sprengel, Gesch. d. Arznei- 
kunde; Gesch. d. Chirurgie tu Botanik. — 2 Isid. Brüeg, De medicis il- 
lustribus Judaeis,qui inter Arabes vixemnt, 4843. — 8 Gmblin, Gesch. d. 
Chemie, 4797. Schxibdeb, Gesch. d. Alchemie, 4832. 



Elftes Capitel. Araber. 79 

§. 442. Die griechischen Mathematiker lernten die 
Araber schon unter Harun kennen *. Mohammed ben Musa 
Alkharezmi (zum Unterschiede von dem Jüngern Geometer 
Mohammed ben Musa ben Schaker, auch Mohamed el Ba- 
tani oder Albategnus, + 929, genannt 2 ) ward Begründer 
der Algebra bei den Arabern und bekannt mit dem indischen 
Zahlensystem und der Dekadik. Albategnus und seine Brüder 
führten in die Trigonometrie manche neue Lehrsätze ein 
(Sinus statt der Chorden), wodurch die Methode der Grie- 
chen vereinfacht wurde. Einen guten Commentar zu Euklid 
schrieb persisch Nasireddin aus Tue. Harun al Raschid'» 
grosser Vezier, der Barmekide Jahja, liess des Ptolemäos 
,Me*Ya\i) auvra£i<; 4 übersetzen. Eine bessere Uebersetzung, 
,Almagest c genannt, fertigten Alhazen und Sergius unter 
AI Mamun; einen Auszug daraus machte El Ferghani 840. 
Von Arabern rühren folgende astronomische Tafeln her : die 
Nasireddinischen zu Maragha, die Ilekkhanischen zu Samar- 
kand, die Toledanischen und Alphonsinischen. Ein nutz- 
bares Werk über Gnomonik schrieb Abul Hassan von Ma- 
rokko im 43. Jahrh. Daselbst schrieb 4 450 Alpetragius 
,Physische Theorie der himmlischen Bewegungen*. 

1 Chasles, Gesch. d. Geometrie; deutsch von Sohnle 1839. — 2 Nes- 
selmann , "Yersuch einer krit. Gesch. d. Algebra, 484-2. 

§. 413. Der Geographie waren die Reiselust, die 
Eroberungen und die Wallfahrten der Araber forderlich. 
Berichte über Wege wurden in Menge niedergeschrieben. 
Sallam's Reise nach dem Nordosten Asiens (Gog und Ma- 
gog) 846. Wahab's und Hasan 's Reisebericht über Indien 
und China 854 und 880. Tajib's (f 899) ,Buch der Wege 
zu den Königreichen 6 . Kordabeh's und Abdallahs ,Buch der 
Reisewege 4 . Fozlan's Bericht von seiner Gesandtschaftsreise 
nach Bulgarien 924 *. Obaid's aus Cordova Bericht über 
Nordafrika. Batuta's aus Tanger (4324 — 53) Bericht 2 . San- 
nah' s Beschreibung Spaniens, 724. Istakhris, ,Sieben Kli- 
mate 4 3 . Massudi's (um 950) historisch- geographische Schrif- 
ten. Haukars (Abul Kasi) aus Mossul Reisebeschreibung, 
978. 4 . Der Fatimid Moez (953—975), Gründer der hohen 
Schule zu Eahira, liess eine Art X*andkarte sticken. Edrisi, 
um 4 453 am Hofe Konig Roger's von Sicilien, beschrieb 
Nordafrika und Spanien 5 . Schehabeddin (f 4229) schrieb 
ein geographisches Wörterbuch; Abdollatif aus Bagdad 



$0 Zweites Buch. Ethnodoktologic 

(1162 — 1231), Arzt bei Saladdin, eine Erdkunde Aegyptens. 
Kaswini (f 4283) ist der Plinius des Orients. Werke von 
Wardi (4269 — 83), Abulfeda (1273—1322), Makrisi (1358 — 
4441), Bakuwi (1403), Abu Rihan, El Hassan ben Mo- 
hammed el Wasan aus Cordova oder Granada, bekannter 
unter dem Namen Leo der Afrikaner, 1546. 

1 Ausg. von Fräse 4823. — 2 Ausg. von Moura 4840. — 3 Ausg. 
von Möllbr 4839. — 4 Ausg. von Uylbnbrock 1822. — 5 Uebersetzung 
von Jaubert 1836.. Tuch, Reise des Sheik Ibrahim, 1850. 

§. 444. Dem Studium der Philosophie waren zwar 
die strengen Dogmatiker des Korans und der Sunna ent- 
gegen x , aber dennoch gilt schon Kindi (f 880) für den 
ersten Aristoteliker, Verfasser von mehr als 200 Schriften. 
Eigentlicher Begründer der arabisch-Aristotelischen Philo- 
sophie ist El Farabi aus Turkestan (f 950), der zweite 
Vernunftlehrer genannt. Avicenna ist hochberühmter Com- 
mentator des Aristoteles. El Gazeli aus Tus ( 4 061 — 1111) 
speculirte über das Verhaltniss der Philosophie zur moham- 
medanischen Glaubenslehre 2 . Ibn Badschah aus Saragossa, 
Arzt am Hofe der Moraviden zu Fez (f 1438), gilt für 
den ältesten der spanischen Philosophen. Tophail aus Se- 
villa (f 4 476) schrieb den philosophischen Roman ,Der 
Naturmensch 6 (oben §. 4 07), den Leibniz gern gelesen haben 
soll. Averroes commentirte den Aristoteles und Platon's 
,Staat 4 , und da seine Ansichten über das Verhaltniss der 
Seele zum Leibe und seine Erklärungen der alten Philo- 
sophen denen des Avicenna entgegengesetzt waren, so theil- 
ten sich die arabischen Gelehrten in Avicennisten und 
Averroeisten, wie die christlichen Scholastiker in Tho- 
misten und Scotisten. Averroes' Schüler Moses ben Maimon 
wurde Vertreter der Lehre seines Lehrers, und von da ab 
bemächtigten die Juden sich der Philosophie und übertrugen 
sie zu den Christen des Abendlandes. 

1 Schmölders , Sur les £coles philos. chez les Arabes , 1 842. — 2 Einen 
Ueberblick über die Literatur der orientalischen Mystiker, welche mit 
Djuneid beginnt und mit Scheich Attar ihr Ende erreicht, gibt Hammer 
Pcrostall in seinem arabischen ,Hohen Lied der Liebe Taijeh', 4 854. 



Zwölftes Capitel. Osmanen. 81 

Zwölftes Capitel. 
Osmanen. 

§. 4 45. Die Türken waren in der Zeit der Sassaniden 
(um 560) hervorgetreten *. Das von ihnen besetzte Land 
im Norden des Oxus ward nun Turkestan genannt. Um 
960 nahm ein Khan der Oghusen mit 2000 Familien den 
Islam an. Diese hiessen seitdem Turkmanen. Darauf hat 
eine nicht geringe Zahl türkischer Dynasten Anspruch auf 
Ehrenplätze in der Reihe muselmanischer Culturpfleger. 
Wachsmuth nennt in seiner Kulturgeschichte 6 (1, 539 fg.) 
folgende: Die Buiden Aded Eddhaula in Bagdad; Seifed- 
daula, den Beherrscher Syriens; die Samaniden, die Ghasna- 
viden (Mahmud Jemineddaula, der 400 Dichter an seinem 
Hofe hatte und das Amt eines Dichterfürsten gründete, 
welches zuerst Ansari erhielt; Beiran- Schah 4452 versam- 
melte gleichfalls Dichter an seinem Hofe), die Seldschuki- 
den (Nizamelmulk f 4094, Gründer der Lehranstalt Nidhamie 
zu Bagdad; Allaheddin Keikobad in Ikonium, f 4237), die 
Ejubiten (Malel-el-Mansur f *249, Modaffer f 4244 und 
sein Enkel Abulfeda), die Mongolen in Persien und Indien 
(Hulagu, Dschowaini, Raschideddin, Timur, sein Sohn Roch 
und Enkel Ulugh Beg, Baber). Am rohesten unter allen 
Türkenstammen erscheinen die Osmanen, deren lange Reihe 
von Sultanen wenig Sinn für Cultur darbietet. Ihre Gesetz- 
sammlung (Kanunname), Fetwas oder Richtersprüche; ihre 
Befehle oder Hattischerifs kommen auf Rechnung christlicher 
Institute; gesammelt von Kudusi 4822, Rahim 4827, Numan 
Effendi 4832. Der Islam hat von seiner Starke verloren und 
sich für die Cultur erschöpft 2 . 

1 de Guignes, Klaproth, v. Hammer, Zinkeisen in den betreffenden 
Schriften, die anderweitig citirt sind. — * Abriss der Glaubenslehre von 
Mohammed Pir -Ali- el-Berkevy, herausgeg. 4802; franz. von Garcin de 
Tassy 4822. Petermann, Beitrage zu einer Geschichte der neuesten Re- 
formen des osman. Reichs, enthaltend den Hattischerif von Gnlhane n. das 
neueste Strafgesetzbuch, türkisch u. deutsch, 4842. 

§. 416. Die türkische Sprache ist tatarischen Ur- 
sprungs und schliesst sich an das Finnische und Unga- 
rische l . Zwei Dialekte : 



Oestliches Türkisch. Westliches Türkisch oder 
*■ Osmanli «. 



Der altere oigurische oder Das Kaptschak in Kasan 
uigurische und dschaga- und Astrachan 8 . 

taische Sprachstamm s . 

Niblsksi. 



83 Zürntet Buch. Elhtwdoklologie. 

Arabisch, in der flüchtigen Schreibweise der Perser, ist die 
gewöhnliche Schrift, auch syrisches Estranghelo. Ausge- 
bildete Kalligraphie, wie bei Arabern und Persern, 

1 Schott, Versuch über die tatar. Sprachen, 4836. Kellgreh, Ueber 
das Verhaltniss des Finnischen zum Türkischen, 4847. — * Klaproth, 
Ueber Sprache u. Schrift der Uiguren, 4820. — * Grammatik von Tbo- 
janski 4824. — 4 Grammatiken von Jaübert 4839, Redhocsb 4846. 
Wörterbuch von Meninskj. Bianchi , Guide de la conversation en Francais 
et en Türe, 4839- — * Hiwdoolu, Türkische Vorschriften nebst zwölferlei 
Scbrißgattungen der Perser, 4838. 

§. 447. Für ihre eigene Sprache haben die Türken wenig 
gethan, desto eifriger aber die arabische und persische 
bearbeitet. Wanknli übersetzte das arabische Wörterbuch 
von Dschauhari *, Asim Effendi den ,Kamus 4 3 , Achmed Emin 
Effendi das persische ,Burhan-i-Käti' 3 . Commentare über 
persische Dichter: Sudi über den ,Gulistan c des Saadi 4 
und über die Gedichte des Hafis 6 , Ismael Hakki über das 
,Pendnameh c des Ferideddin Attar 6 und über das ,Mesnewi c 
des Dschelaleddin Rumi 7 . 

1 Herausgegeben 4803- — 2 Ebenso 4844 u. 4835. — 3 Ebenso 4799 
u. 4836. — 4 Ebenso 4833. — 5 Ebenso 4835. — 6 Ebenso 4834. — 
7 Ebenso 4836. Todbbiju, Lit. turchesca, 4747; deutsch von Haus- 
leutner 4790. Fetin Efbhdi, Teskere-i-Chatime ül Echar, d. i. Denk- 
würdigkeiten der Dichter aus neuerer Zeit, eine türkische Literaturge- 
schichte, 4854. 

§. 448. Reiche Literatur, ohne Originalität, Nachbil- 
dungen arabischer und persischer Muster. Die Poesie ist 
ursprünglich doppelt, dschagataisch und osmanisch, und 
verstummte bei den nicht osmanischen Türken früh: der 
Vezier Mir Alischir beschloss sie zu Anfange des 4 6. Jahrh. 

Bei den Osmanen, deren ältester Dichter Aaschik Pascha 
in die Anfange ihres Staates gehört (f 4332), werden 2200 
Dichter gezählt, davon 40 als die bessern, von diesen sieben 
als vorzüglich und als der erste von allen Baki der Lyriker 
(4526 — 99) gerühmt, v. Hammer, der seinen Divan 4825 
übersetzte, nennt ihn nach Motenebbi und Hafis den dritt- 
grössten lyrischen Dichter des Orients. Seine Gedichte sind 
fast durchgehends Oden zum Lobe des Sultans *. 

Die Lyrik der Osmanen ist häufiger und widerlicher als 
bei Arabern und Persern von Auslassungen der gröbsten 
Sinnlichkeit, besonders dem Preise der Knabenliebe, be- 
fleckt; ihre Panegyrik fuhrt über die Wolken, wahrend der 
lobpreisende Versmacher im Staube kriecht. Hofdichter gab 



Zwölftes CapUtfL Osmanen. 83 

es seit Bajazet II. Sati war der erste in der Reihe. Lami 
ist der grosste und fruchtbarste Dichter der Osmanen (f 4534). 
Von ihm sind prosaische Werke, Uebersetzungen persischer 
Werke des Dschami und vier grosse epische Gedichte: 
,Wamik und Afra' 2 , , Weise und Ramin 4 , ,Absal und Sei- 
man 4 , ,Ferhadnameh c (die Liebe des Khosru und der Schirin 
behandelnd) 3 . Fasli's (f 1563) allegorische Dichtung ,Gül 
und Bülbül 6 (d. i. Rose und Nachtigall) 4 . Uebersetzungen 
der romantischen Epopöen aus dem Persischen: Alexander- 
buch, Fabeln des Bidpai durch Ali Tschelebi (Wassi Alissi 
f 4543) unter dem Titel ,Humajunnameh% die Geschichten 
der 40 Veziere von Scheikh Sade. 

1 y. Hammer, Gesch. d. osman. Dichtkunst, mit einer Blumenlese von 
2200 Dichtern, 4836. — 2 Von v. Hammbr 4833. — 3 Von v. Hammxb 
4842. — 4 Ebenso 4834. 

§. 149. Historische Aufzeichnungen begannen bei 
den Osmanen im 44. Jahrh. Seit Mohammed II. erhielten 
geeignete Manner Auftrag, Geschichte zu schreiben, seit 
Achmed II. wurde ein Beichshistoriograph bestellt. Schwulst, 
Schmeichelei, mönchische Bomirtheit ist das Charakteristische 
ihrer Werke. Der vorzüglichste osmanische Geschichtschrei- 
ber soll Saadeddin (4536 — 99) sein, der ein älteres Werk 
von Edris (f 4523) benutzte und seine Geschichte bis auf 
Murad I. (4590) herabfuhrt K Naima 4594 — 4659 2 . Reschid 
4 660 — 4 72 4 3 . Tschelebisade 4 72 4 — 27 4 . Sami , Schakir 
und Subhi 4730—43 \ Issi 4744—52 6 . Wasif 4752—73 7 . 
Hadschi Khalfa's Compilation über 450 Dynastien und chro- 
nologische Tafeln. 

Biographien von Dichtern, Ulemas u. s. w. von Dschelebi 
(f 4564), Latifi (f 4582), Kinalisade (f 4603) u. A. 

Das vorzüglichste geographische Werk der Osmanen, 
wiewol nicht das einzige, ist Hadschi Khalfa's ,Dschihan- 
nameh'. Reisebericht Evlin Mohammed Effendi's 4664 — 65 8 . 
Seeatlas aus dem Jahre 4520. 




84 Zweites Buch. Bihnodoktologie. 

Dreizehntes Capitel. 
Hebräer. 

§. 420. Aus dem Alten Testament lasst sich der Zustand 
des Hebräischen aus der Zeit von David bis zu den Mak- 
kabäern (4000 — 450 v. Chr.) erkennen. Spuren einer noch 
altern Sprache haben sich nur in Eigennamen und in den 
Buchstabenbenennungen erhalten. Unter den letzten Konigen 
von Juda (seit 600 v. Chr.) nahm die Sprache bereits eine 
aramäische Färbung an; nach Esra's Zeit (seit 400 v. Chr.) 
ward sie allmalig von dem Aramäischen verdrängt, und in 
den drei Jahrhunderten zwischen den Makkabäern und dem 
Hadrianischen Kriege (450 vor bis 450 n. Chr.) starb sie 
ganz aus *. Reuchlin ist der Wiederhersteller des hebräischen 
Sprachstudiums bei den Christen 2 . Ihm folgten Sb. Münster 
(f 4552) und die beiden Buxtorfe (der ältere f 4629, der 
jüngere f 4666), Schultens (f 4750), der auch das Arabische 
benutzte, J. D. Michaelis (4750), Hezel (4777), Vater 
(4820). Gesenius (+ 4842) schlug zuerst den Weg einer 
festen und klaren Methode ein, die noch jetzt ihre ent- 
schiedenen Freunde hat, wenn auch von Andern, nament- 
lich Ewald, eine mehr systematische, auf die Natur der 
Sache selbst gegründete und in sich abgeschlossene Methode 
versucht worden ist 3 . 

1 Gb8bniu8, Gesch. d. hebr. Sprache u. Schrift, 4815. Habtmahic, 
Linguistische Einleitung in das Studium der Bücher des A. T., 4817- — 
1 Seine drei Bücher De rudimentis Hebraicis erschienen 4506. — * Hä- 
yebhick, Einleitung in d. A. T., I, 4 ; Gesch. d. Grundsprachen des A. T. 
Grammatiken von Vatbr , Gbsbmbs , Ewald. Wörterbücher von Castblli, 
Coccbjd8, Simosis, Gbsbhtus (der Thesaurus seit 4829); deutsch - hebräische 
Ton S6HKÖDBR, El wert etc. Ueber den parallelismus membrorum (Eben- 
mass der Satzglieder) der hebr. Sprache s. besond. Hbrdeb, Ueber den 
Geist der hebr. Poesie, 4783. Saalschutz, Gesch. u. Würdigung d. Musik 
bei den Hebräern, 4825- 

§.424. Buchstabenschrift kannten die Hebräer schon zu 
Moses 1 Zeit. Die Finalbuchstaben und diakritischen Zeichen 
sind mehre Jahrhunderte nach JEsra, die Vocale und Accente 
erst im 6. oder 7. Jahrh. n. Chr. entstanden. Der jüngere 
J. Buxtorf stritt mit 1#. Cappellus in Saumur über das Alter 
der Vocalzeichen. 

Hotfmahh, Allgem. Encyklopädie, II, 3. Saalschöts, Archäologie 
der Hebräer, Thl. I, 4855, Abschnitts: Schreibekunst u. Literatur. Ders., 
Zwei Reden über Buchstabenschrift u. ihr ältestes Denkmal 4855. (S. oben 
§. 43 n. 47.) 



Dreizehntes Capitct. Hebräer. 85 

§. 422. Welthistorische Wichtigkeit des Landes *, 
Volkes, der Religion, Sprache, Schrift und Literatur der 
Hebräer a . 

Religiös- patriotischer Geist der Literatur. Die 
Autorität der Offenbarung waltet in den Schriften überall 
durch, dennoch gibt es nach Form und Inhalt Unterschei- 
dungen in Gesetz (Pentateuch), Prophetie (vor 700: 
Arnos, Hosea, Jesaias, Micha; zwischen 630 — 520: Joel, 
Nahum, Zephanja, Habakuk, Jeremias, Obadja, Ezechiel, 
Zacharias, Haggai; aus dem 5. Jahrh. Maleachi), Mythe 
und Geschichte (Genesis, Josua, Richter, Ruth, Sa- 
muel'8 und der Könige Annalen, Bücher Samuel's, Esra, 
Nehemia, Esther, Daniel) ohne philosophische noch welt- 
historische Ansicht, Lyrik mit tiefem religiösen Gefühl und 
reich an schönen Bildern, unter David geregelt (Gesang 
des Moses Exod. 45, der Deborah Jud. 5, Psalmen, Lieder 
der Propheten, Klagelieder und Hohes Lied), Didaktik 
(Jonas, Hiob, Sprüche und Prediger Salomo's) 3 . 

Das von einer klaren Erfassung des Realen und einer 
ruhigen Darstellung wirklicher Begebenheiten unzertrenn- 
liche Drama fand keine Pflege. In der Wissenschaft ge- 
ringe Leistungen, am wenigsten in der speculativen, weil 
die Autorität der Offenbarung das Volk des eigenen Nach- 
denkens überhob, es ihnen sogar zum Verbrechen machte. 

1 Ritters Asien, Bd. 8. — 3 Ewald, Gesch. d. Volkes Israel , 4813, 
und: TJeber Entstehung der israelitischen Lit., I, 4 — 258. Paulus, Ur- 
sprung d. hebr. Lit. durch Samuel's Geist, 1842. Fürst, Cultur- u. Lite- 
raturgesch. d. Juden in Asien, 4849. Saalschutz, Archäologie der He- 
bräer, Bd. 4, 4855* — 3 TJeber die hebräische Literatur die Schriften von 
Lowth (De sacra poesi Hebraeorum, 4758 n. 4845)» Michaelis, Hbzbl, 
Eichhorn, Herder (Geist d. hebr. Poesie, 4783), Hartmann, Bertholdt, 
Jahn, de Wette, Gesenius, Umbreit, Gramberg, Credner, Hengsten- 
berg, Ewald, v. Bohlen, Movers u. A. 

§. 423. Die heilige Schrift alten Testaments (Bibel) 
enthält nach der jetzigen, aus dem 2. Jahrh. v. Chr. herrüh- 
renden Anordnung, wobei die hebräisch geschriebenen ka- 
nonischen von den griechisch verfassten oder ins Grie- 
chische übersetzten apokryphischen Bücher streng unter- 
schieden sind, den Pentateuch, die Propheten und die Ha- 
giographa (Psalmen, Sprichworter, Hiob, Hohes Lied, 
Ruth, Klagelieder des Jeremias, Prediger Salomo, Esther, 
Daniel, Esra, Nehemia, Bücher der Chronik). 

§. 424. Die kanonischen Bücher (Schluss des Kanons 



86 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

430 y. Chr.) zerfallen in historische, poetische und prophe- 
tische Schriften. 

4) Zu den historischen gehören der Pentateuch oder 
die f&nf Bücher Mosis * : Genesis 2 , Exodus, Leviticns, Nu- 
meri, Deuteronomium ; das Buch Josua 8 , das Buch der 
Richter 4 , das Buch Ruth 6 , die zwei Bücher SamueFs und 
die zwei Bücher der Konige 6 , die zwei Bücher der Chronik r , 
die Bücher Esra, Nehemia und Esther 8 . 

2) Zu den poetischen Schriften gehören 9 : das Buch 
Hiob 10 , der Psalter u , die Sprüche Salomo's ia , der nicht 
von Salomo herrührende sogenannte Prediger (Kohelet) Sa- 
lomo's IS , das Hohe Lied Salomo's (Lied der Lieder) 14 . 

3) Prophetische Schriften 15 : aus dem 42 — 9. Jahrh. 
v. Chr.: Elias, Elisa u. a. ohne schriftliche Denkmale; 
zwischen 800 — 700: Joel 16 , Arnos 17 , Hosea 18 , Jesaias lö , 
Micha 20 und Nahum; aus der chaldäischen Periode: Ze- 
phanja, Jeremias 21 , Habakuk* 2 , Ezechiel 28 , Obadja* 4 ; der 
vierten Periode nach der Verbannung gehören an : Jonas aö , 
Haggai 26 , Sacharja (Zacharias), Maleachi, Daniel 27 . 

Die Propheten theilt man auch in die vier grossen (Je- 
saias, Jeremias, Ezechiel und Daniel) und in die zwölf 
kleinen ein. 

1 Vater 4802, v. Bohlen 4835* Hbhgstenberg, Die Echtheit des 
Pentateuch, 4 836 fg. Bbrthrau, Die sieben Gruppen mos. Gesetze, 4 840. — 
2 Schumann, Bohlen, Thiele, Stähelin, Tuch. — 3 Maurer, Hauff. — 
4 Studer. — 5 Maurer. — 6 Maurer,- Thenius. — 7 Gramberg, Mo- 
vbrs. — 8 Winer, Handb. d. Lit. Pelt. — 9 Ewald, Die poet. Bücher 
des A. T., 4839. — ,0 Schultens, Umbrbit, Tholuck, Hirzel, Vaihin- 
obr, Stickel. — n Eine Sammlung von 450 lyrischen und didaktischen 
Gedichten von verschiedenen Verfassern : de Wette , Hitzig , Sachs , v. Len- 
gerke, Hupfeld. — l2 Kleuker, Umbreit, Gramberg, Löwenstein. — 
13 Kaiser, Umbreit, Knobel, Elster. — 14 Herder, Hug, Kaiser, Ewald, 
Umbreit, Döpke, Bhd. Hirzel, Lippert, Blaubach. — 16 Eichhorn, Kno- 
bel, Umbrbit, Rückert, Ewald. Hering, Schulen der Propheten, 4777. — 
16 Credner, E. Meier. — 17 Vater. — 18 Maurer, Stuck, Krabbe, 
de Wette, Simson. — 19 Gesenius, Hitzig, Knobel, Hendewerk, Dress- 
ler, Möller, Kleinert, Hengstenberg, Stähelin, HÄvernick, Caspari. — 
20 Die kleinen Propheten von Thbineb, Ackermann, Hitzig. — S1 Seine 
Klagelieder von Hitzig u. Umbreit. — 22 Baumlein , Delitzsch. — 2S Ro- 

8ENMULLER, HAVERNICK. 24 HENDEWERK. 2ft KR AHMER, JÄGER. 

26 Scheibel. — 27 Bbrtholdt, Havernick, v. Lengerke. 

§. 125. Ueber Anerkenntniss und Gebrauch der apo- 

kryphischen Bücher schwankte die Kirche von jeher. 

Die griechische Kirche schloss sie mit dem Concil zu Lao- 

dicea 360 aus dem eigentlichen Kanon aus; die lateinische 

dagegen behielt sie seit dem zu Karthago 397- in dem Kanon 



Dreizehntes Capitcl. Hebräer. 87 

bei und das Concil zu Trident 4545 setzte ihre Anerkennt- 
niss fest; die evangelische Kirche verwirft sie als nicht zur 
Regel des Glaubens gehörige Bücher. Sie zerfallen in histo- 
rische und didaktische Schriften. 

4) Zu den historischen gehören: Die zwei Bücher der 
Makkabäer, das aller Geschichte und Geographie wider- 
sprechende Buch Judith und die kleinern, dem Daniel'schen 
Sagenkreise angehörenden Erzählungen (Susanna, vom Bei 
und Drachen zu Babel, Gesang im Feuerofen u. a.), die 
aber aller geschichtlichen Glaubwürdigkeit entbehren. 

2) Zu den didaktischen Schriften gehören das Buch 
Tobias, der Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und das Gebet 
Manasse. 

Delitzsch, Gesch. d. jud. Poesie vom Abschlüsse der Schriften des 
Alten Bandes bis auf die neueste Zeit, 4838. Gutmann, Die Apokryphen 
des A. T. etc., 4841. Ueber die Apokryphenfrage Stier, Hengstenberg, 
Keebl 4855. 

§. 426. Die nach dem Exil (538 oder 548) entstandene 
masoretische Schule beschäftigte sich mit der Sammlung 
und Anordnung der heiligen Bücher, die sie nach der Tra- 
dition erklärte. Die sogenannte philosophische Schule 
(Philo) trug misverstandene Philosopheme der Griechen mit 
orientalischen gemischt in die allegorische Erklärung des 
Alten Testaments. 

Gfrörer, Krit. Gesch. d. Urchristenth. od. Philo n. die ftlex. Theo- 
sophie, 4832- Bbmond, Aasbreitang cL Judenthums, 4789. «Tobt, Gesch. 
d. Jaden zur Zeit d. Makkabäer, 1820. Baur, Gesch. aller religiösen Sekten 
der Juden, 1822. Ueber Essener u. Therapeuten: Bellbrmakn 4821» 
Sauer 4829. Grossmann, De philo», etc. Sadti, 4836. Dähnb, Geschieht!. 
Darstellung der jüdisch -alexandrin. Religionsphilosophie, 4834. 

§. 427. Zu den berühmtesten Ausgaben des Alten 
Testaments gehört zunächst die ,Hexapla 4 des Origenes, 
die den Text des Alten Testaments in sechs nebeneinander 
stehenden Columnen gab: hebräisch mit hebräischen Buch- 
staben, hebräisch mit griechischen Lettern, dann die vier ver- 
schiedenen griechischen Uebersetzungen : des Aquila, Sym- 
machos, der sogenannten Siebzig (Septuaginta) und des Theo- 
dotion. Ihre Fragmente hat Montfeucon J699 gesammelt. 

Daran schliessen sich die Polyglotten. Zunächst die 
complutensische (herausgegeben zu Alcala de Henares 
oder Complutum) des Cardinais Ximenes in 6 Foliobänden, 
1544 — 47, welche neben dem hebräischen Text des Alten 
Testaments die altlateinische Uebersetzung (Yulgata) des 



88 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Hieronymus, die griechisch -alexandrinische der Septuaginta, 
nebst einer buchstäblichen lateinischen, endlich eine chal- 
däische Paraphrase, ebenfalls mit einer wortlichen latei- 
nischen Uebersetzung enthalt. Umfangreicher sind .die ant- 
werpner oder königliche Polyglotte (weil Philipp II., 
Konig von Spanien, einen Theil der Kosten trug), die Mon- 
tanas 4569 — 72 herausgab, die pariser, welche der Par- 
lamentsrath Jay 4645 besorgen liess, und die londoner 
Walton'sche von 4657 (mit 2 Supplementbänden von 4669) 
in zehn Sprachen. Die polyglotte Berühmtheit, Cardinal 
Mezzofanti, seit 4849. 



Vierzehntes Capitel. 
Juden. 

§. 428. Die jüdische Literatur, die sich von der 
alttestamentlichen hebräischen unterscheidet, beginnt nach 
der Rückkehr der Juden, wie sie von da an richtiger 
genannt worden, aus dem Babylonischen Exil (seit etwa 
500 v. Chr.). Auf der hebräischen wurzelnd und meist in 
der hebräischen Sprache fortschreitend, nahm diese Li- 
teratur bald persische Religionsbegriffe, griechische Weis- 
heit, romisches Recht, später arabische Poesie und euro- 
päische Wissenschaft in sich auf, Alles jedoch dem väter- 
lichen Glauben unterordnend und nur zur Erklärung der 
Schriften des Alten Testaments verwendend. Seitdem hat 
die jüdische Literatur, obwol ohne äussere Aufmunterung, 
Theil genommen an der Ausbildung des menschlichen Geistes 
und einen noch nicht gebührend erkannten Vorrath der 
mannich&ltigsten Erzeugnisse hervorgebracht. Neun Pe- 
rioden dieses Entwickelungsgangs. 

Delitzsch (oben §. 485, Anm.). Dukes, Zur Kenntniss d. neuhebräischen 
religiösen Poesie, 4812. Zuhz, Ueber die rabbinische Literatur, 4848. 

§. J29. Die erste, durch Esra vorbereitete Periode 
reicht von 444 — 443 v. Chr. und liefert Auslegungen und 
Zusätze zur altern Geschichte (Midraschim), griechische 
Uebersetzungen (Septuaginta unter Ptolemäos iL) % die sa- 
maritani8che Recension des Pentateuchs, den alexandri- 
nischen Codex der Heiligen Schrift (im Britischen Museum 
zu London) und mehre der sogenannten Hagiographa (ein- 



Vierzehntes Capitel. Juden. 89 

zelne Psalmen, Sprüche Salomo's, Koheleth, Chronik, Theile 
von Esra und Nehemia, Esther und Daniel), die Bücher der 
Makkabäer, die Leistungen der grossen Synagoge (der Ge- 
setzgeber von Esra bis auf den Hohenpriester Simeon), Jesus 
Sirach (um 200 v. Chr.), Aristobulos (ein alexandrinischer 
Jude, 175 v. Chr.) 2 . 

1 Fbankel, Historisch -krit. Studien zur Septaaginta, 4844. — * Ueber 
ihn Walkenaar 4806. 

§. *30. Zweite Periode, 443 ▼. Chr. bis 435 n. Chr. Der 
Midrasch oder die Auslegung der heiligen Schriften theilte 
sich in Halacha (Ausbildung 'des Gesetzes zu praktischen 
Resultaten) und Hagada (Inbegriff der religiösen und ge- 
schichtlichen Auslegungen) und für beide entstanden schrift- 
liche Denkmäler. Die Targumim (Erklärungen) zum Pen- 
tateuch, angeblich von Onkelos aus dem 2. Jahrh. n. Chr., 
und zu den Propheten, angeblich von Jonathan ben Usiel. 
Das Trauerspiel des Dichters Ezechiel (,Auszug aus Aegyp- 
ten c ) K Hillel, beide Gamaliel, Akiba (hingerichtet 420 
v. Chr.) sind Begründer der exegetischen Sammlungen zu 
den Buchern des Alten Testaments, die man späterhin mit 
dem Namen Masora bezeichnete, aber erst im 4 4. Jahrh. 
zum Abschluss brachte, und Letzterer wird ausserdem als 
Verfasser des ersten kosmogonischen Buches, ,Jezirah c 2 , ge- 
nannt, der Grundlage der spätem Kabbala, einer Geheim- 
nisslehre, deren Elemente schon in dem persisch -makedo- 
nischen Zeitalter sichtbar werden und deren Grundlage die 
orientalische Emanationslehre bildet 3 . Akiba' s Schüler, Si- 
meon ben Jochai, ist Verfasser des Buches ,Sohar c , welches 
den Pentateuch mystisch deutet. Der Geschichtschreiber 
Josephos (geboren 37 n. Chr. zu Jerusalem, ging nach der 
Eroberung dieser Stadt 70 mit Titus nach Rom) schrieb 
7 Bücher ,Geschichte des jüdischen Kriegs 64 , 20 Bücher 
, Jüdische Alterthümer c , 2 Bücher ,Vom Alterthume des jü- 
dischen Volks 4 gegen Apion, einen alexandrinischen Gram- 
matiker und erklärten Widersacher des jüdischen Volkes 6 . 
Philo's (40 n. Chr.) philosophische Schriften 6 . 

1 Ausgabe von Möbel 1609. — 2 Deutsch von Meyer 4829. — 3 Keuch- 
lin, Knorr v. Rosenroth. Freystadt, De religione cabbalistica, 4832. 
Frakck , Die Kabbala oder Religionsphilosophie d. Hebräer etc. ; deutsch von 
JeUinek 1844. Gesch., Lehren u. Meinungen aller bestandenen u. noch be- 
stehenden religiösen Sekten der Juden u. d. Geheimlehre oder Kabbala, 
-1822- — 4 Mönter, Der jüd. Krieg etc., 182-1. — ö Ausgaben der Werke des 
Josephos vonHAVERCAMP 1726, Oberthör 1782 — 85, Richter 1825—27. — 



90 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

* Aufgaben von Hobel 4623, Mangby 4742, Pfbifbr 4785 — 92, Richter 
in der Bibl. sacra, 4828* Lbvyssohn, De Judaeorum sab Caesaribus con- 
ditione, 4828. 

§. 434. In der dritten Periode, 435—475, Blüte der 
jüdischen Schulen in Galiläa, Syrien, Rom und seit 249 
(bis 4039) in Babylonien. Fast gleichzeitig mit der Kab- 
bala entstand auch der Talmud (Unterweisung). Seine 
Grundlage bilden die vorgeblich von Gott dem Moses eben- 
falls auf dem Sinai mitgetheilten Erläuterungen des mo- 
saischen Gesetzes, welche durch Tradition fortgepflanzt und 
vielfach erweitert und ausgeschmückt wurden, bis sie der 
heilige Rabbi Jehuda (+ 220) 248 unter dem Namen Misch- 
najoth (zweites Gesetz) in ein System brachte. An dieses 
System schlössen sich alsbald eine zahllose Menge von Com- 
mentaren an, sodass sich Rabbi Jochanan ben Elieser (f 279) 
bewogen sah, um Licht und Ordnung in dieses Chaos zu 
bringen, einen Extract aus diesen Commentaren zu fertigen, 
welcher, Gemara (Erklärung) betitelt, mit der Mischna 
den Talmud ausmacht, der etwa seit 360 neben dem alten 
Religionscodex gesetzliche Geltung gewann und später noch 
zahlreichen Ergänzungen und Umarbeitungen unterworfen 
wurde. 

§. 432. Die vierte Periode, 475 — 740, liefert nur eine 
doppelte Recension der Gemara: die palästinische oder jeru- 
salemische und die babylonische aus Sura. 

§. 433. In der fünften Periode, 740 — 4040, leben be- 
rühmte Lehrer und Schriftsteller in Kairwan und Fez, Bari 
und Otranto. Anan, um 750, der erste Schriftsteller der 
Karäer oder Karaiten, die, im Gegensatz zu den Rabbani- 
ten, den Talmud verwerfen. Aelteste Gebetsordnung um 800. 
Erstes talmudisches Wörterbuch. Erste hebräische Sprach- 
lehre von Haggaon um 927. Aelteste erhaltene hebräische 
Codices, Vocalsystem, neuere Prosodie der hebräischen 
Verse und der Reim« 

Zünz, Die synagogale Poesie des Mittelalters, 4855. 

§. 434. Die sechste oder Glanzperiode, 4040 — 4204, 
trat ein, als der Buide Dschelaleddaula die babylonischen 
Lehranstalten der Juden schloss (1 039) und Spanien Haupt- 
sitz jüdischer Studien wurde und bis an das Ende des 
45. Jahrh. blieb. Rabbi Mose war schon 990 Vorsteher der 
jüdischen Lehranstalt zu Cordova. Sein Schüler Rabbi 



V\er%ekfUes Capitel. Juden. 91 

Joseph übersetzte auf des Khalifen Hescham II. Befehl um 
\ 000 den Talmud ins Arabische. Sprachkenner und Dichter 
sind Salomo ben Abirol zu Cordova, um 4050, Jehuda Levi 
(4 OSO — HB0) 1 , Aben Esra ben Meir aus Toledo. Rabbi 
Joel übersetzte die ,Sieben weisen Meister* und Bidpai's 
Fabeln ins Hebräische und hieraus der getaufte Jude Johann 
von Capua (1262 — 78) ins Lateinische. Exegeten sind drei 
Kimchi (der Vater Joseph, 1160, und zwei Sohne Moses und 
David, 1190) und Sal. Jarchi oder Raschi aus Troyes. Der 
grosste Commentator der Mischna, Arzt und Philosoph ist 
Moses ben Maimon oder Maimonides (1139 — 1205) aus 
Cordova, den die Juden nach Moses für das zweitgrösste 
Genie halten, den Ruhm des Orients und das Licht des 
Occidents nennen 2 . Benjamin's von Tudela (f 1173) Be- 
schreibung seiner Reise in den Orient. Das arabische Spa- 
nien bildete hauptsächlich jüdische Aerzte. Diese spanisch- 
jüdische Literaturbildung kam aber auch den Christen und 
dem übrigen Abendland zu gute. 

In dieser Periode erfolgt auch die neuere Gestaltung 
der hebräischen Sprache, welche man häufig die rabbi- 
nische Sprache nennt, obgleich sie im Grammatischen 
wenig von dem alten Hebräischen abweicht, wenngleich 
aramäische Formen vorkommen. Dagegen musste sie im 
Wortvorrathe über das alte Hebräische hinausgehen, weil 
sich der Ideenkreis um ein Bedeutendes erweitert hatte. So 
wurden altern hebräischen Wörtern neue Begriffe unterge- 
legt, wurden Worter von altern abgeleitet und wissenschaft- 
liche Ausdrücke aus dem Arabischen entlehnt 3 . 

1 Sein Divan und seine Biographie von Geiger 4854. — 2 Sein ur- 
sprünglich arabisch geschriebener Commentar zur Mischna erschien in 6 Folio- 
bänden hebräisch und lateinisch zu Amsterdam 4698 — 4703- Mischna deutsch 
von Rabe 4760. Neue Verdeutschung von Fest 4832. Hirschfeld, Geist 
des Talmud, 4840. — 3 Cellarius, Rabbinismus, 4684. Rbland, Analecta 
rabbinica, 4 702. Buxtorf , Lexicon Chaldaicum , Talmudicum et Rabbini- 
cum, 4639. Faber, Anmerkungen zur Erlernung des Talmudischen und 
Rabbinischen, 4770* Reb, Die Sprachverhältnisse der heutigen Juden im 
Interesse der Gegenwart und mit besonderer Beziehung auf Volkserziehung, 
4845. Von der Veränderung des jüdischen Geistes seit dem Exil handeln 
die Schriften von Süringbr 4820 und Boon 4834. # 

§. 135. Mit der siebenten Periode, 4204 — U92, be- 
gann ein neues Stadium der jüdischen Cultur durch 
ihre Theilnahme an den abendländisch- christlichen Litera- 
tursprachen, worin zugleich eine Verflüchtigung ihres 



92 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

orientalischen Charakters liegt. Der Dichter Chavisi 
(Jehuda ben Salomo, + 4235) übersetzte die Makamen Ha- 
riri's und schrieb ein selbständiges Makamenwerk ,Tachke- 
moni c K Nachmanides (Moses ben Nachman, 1494 — 4270) 
ist Commentator des Pentateuch und Gründer einer Synagoge 
in Jerusalem (4267). Hebräische Bücher wurden zuerst zu 
Hijar in Aragonien 4485 und zu Lissabon 1489 gedruckt. 

1 Gedruckt in Konstantinopel, wo die Juden seit 4506 eine Druckerei 
besassen, 4578 und in Amsterdam 4729. Ueber ihn Dukes in den Ehren- 
«aalen, 4837. 

§. 436. In der achten Periode, 4492 — 4755, Vertrei- 
bung aus dem westlichen und südlichen und daher Aus- 
breitung der Juden über ganz Europa. In Italien und 
dem Orient, in Deutschland und Polen und in Holland 
wirkten seitdem judische Schulen, Druckereien und zahl- 
reiche Schriftsteller, die hebräisch, rabbinisch, lateinisch, 
spanisch, portugiesisch, italienisch und jüdisch -deutsch 
schrieben. 

Isaak ben Jehuda Abravanel oder Abarbanel (geb. in 
Lissabon, gest. in Venedig 4508) stand an mehren Höfen 
in Diensten und schrieb exegetisch-theologische Werke. Der 
berühmteste unter seinen drei Söhnen, Jehuda, gab 4502 
,Dialoghi di amore 4 heraus, ein einst vielgelesenes, in ver- 
schiedene Sprachen übersetztes philosophisches Werk in 
Platonischem Geiste. Elia Levi ben Ascher oder Levita, 
zubenannt Bachur (geb. 4 472, gest. in Venedig 4549), schrieb 
4548 eine hebräische Grammatik, 4544 ,Meturgeman c , ein 
Wörterbuch über das Targum, 4538 ,Masoreth Ha-Maso- 
reth 4 *. Asaria de Rossi aus Mantua (4543, starb 4577 in 
Ferrara) ist Begründer der biblischen Kritik. Sein Haupt- 
werk ,Meor-enajim c (4574) beleuchtet Philo und Josephos, 
die aramäischen und griechischen Versionen, den Midrasch, 
die Chronologie u. A. a . Baruch (d. h. Benedict) Spinoza 
aus Amsterdam (4632 — 77), Schleifer optischer Gläser, Philo- 
soph, im Bann der Synagoge wegen der in der Schrift 
,Tractatus theologico-politicus 4 4670 vorgetragenen Ansicht, 
dass Philosophie und Religion zwei heterogene Dinge seien. 
Auch schrieb er ,Cartesii principia philosophiae 6 (4663), 
wozu die ,Cogitata metaphysica' den Anfang bilden 8 . 

1 Deutsch von Semler 4772. Lateinische Uehersetzungen dieser Werke 
lieferten noch zu des Verfassers Lebzeiten Münster und Fagius. — * Sein 



Vierzehntes Capüel. Juden. 93 

Leben von Zunz im Kerem Cheraed, V o. VI, 4844 —43. — 3 Die Oper» 
posthuma gab Meter 4677 heraus, darunter das Hauptwerk Ethica ordine 
geometvico demonstrata. Vollständige Sammlung der Schriften von Paulus 
4802, Gfböber 4830. Ueber sein Leben schrieben Colebüs (holländisch 
4698, französisch 4706, deutsch 4733), Diez 4783, Philippson 4790. 

§. 437. Der neunten Periode, seit 4755, gehören vor- 
zugsweise an Moses Mendelssohn (4729 — 86) *, der Philo- 
soph und Mathematiker Bendavid (4762 — 4832), der Dichter 
Mich. Beer (4800—33) a , der Arzt Mich. Friedländer (4769 — 
4824), der Advocat Gans (geb. 4788), der Geschichtschrei- 
ber der Israeliten, Jost (geb. 4793) 8 , u. v. A. 

1 Seine Schriften gab G. B. Mendelssohn heraus, 4843 — 45. — 

2 Dramen: Der Paria; Stroensee. Seine Werke gab Schenk 4835. — 

3 In 9 Bdn., 4820 — 28. — Die Uebersichten der jüdischen Literatur in 
den Werken von Babtolozzi, Wolf, de Ross betreffen vornehmlich die 
sechste bis achte Periode. 



Zweite Abtheilung. 
Classische Literaturen. 

§. 438. „An die Stelle der ungezügelten Phantasie, des 
Grundtypus der orientalischen Literatur im Ganzen und 
Grossen, setzt Hellas die Schönheit, deren Gesetz und 
Mass seine literarische und artistische Thätigkeit durchweg 
bestimmt. Edler und würdevoller Humanismus ist der Cha- 
rakter des hellenischen Ideals, welcher sich in bewusster 
Freiheit in allen Gattungen der Poesie offenbart. Vom kind- 
lich naiven Epos schreitet Griechenland zu jünglingsfreier 
Lyrik und zum künstlerisch vollendeten Drama fort, in wel- 
chem gleichsam die vereinten Kräfte des Mannesalters sich 
kundgeben, während es auch seine Philosophie, seine Rede- 
kunst und Historik, wie seine Religion, wie sein ganzes 
Leben künstlerisch stellt und rundet. Der Charakter der 
römischen Literatur ist Nachahmung. " 

§. 439. Hellenen und Römer zunächst in gesonderter 
Haltung, sodann das doppelte Sprachgebiet unter römischer 
Herrschaft, die Byzantiner und Neugriechen, moderne Dich- 
ter in classischer Sprache, der christliche Kanon und die 
Patrologie. 




94 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

Fünfzehntes Capitel. 
Umfang. 

§. 440. Der Boden dieser Literatur ist die griechische 
und italische Halbinsel südwärts vom Hämus und den Alpen. 
Classisch hat man sie genannt, weil die meisten ihrer 
Werke den Charakter der Vollkommenheit an sich tragen 
und ihr Studium Jedem unentbehrlich ist, der seinen Ge- 
schmack bilden oder sich den Wissenschaften widmen will. 
Die Zahl ihrer Werke beläuft sich auf etwa 4600, von denen 
drei Viertheile griechisch sind, darunter Meisterwerke für 
alle Zeiten. Die Geschichte der griechischen Literatur um- 
fasst mehr als 27, die der romischen nur 4 2 Jahrhunderte. 

§. 444. Comparative Periodisirung beider Lite- 
raturen. 

In der Geschichte der griechischen Literatur 
nimmt man gewöhnlich sechs Perioden an: 

4) Die mythische Zeit bis 4184 v. Chr. 
Kadmos (Buchstabenschrift) 4556- Phemonoe (erste Spuren der Orakel, 
Erfindung des Hexameter). Eumolpos. Orpheus 4250. Dadalos (Anfänge 
bildender Kunst). Tiresias (Mantik) 4200. 

2) Die poetische Zeit bis 594 ▼. Chr. 

Homeros (Hörnenden). Kykliker. Hesiodos 950. Archilochos 700. Kal- 
linos, Tyrtäos, Terpandros, Alkman. 

620 — 550 die sieben Weisen (Cum A i_ ^> j* /t i_* i_x 

Solone, Thaies, Periander, cum J Auch för die Geschichte 

Cleobulo innguntur Chüo, Pittacns der romischen Literatur 

atque Bias). Mimnermos. Alkäos. ergeben sich sechs Perio- 

Sappho. Arion. Aesopos. 570 — 500 den: 
Susarion (Anfange der Komödie in 

Attika), Stesichoro«, Ibykos, HIp- *) Infantia, 753 —240 r. Chr. 

ponmx, Theognis, Pythagoras, Si- Numa's Bacher? Die Annalen der 

monides, Anakreon, Pindaros, Kad- Ponüfices. Lieder der Salier (axa- 

mos der Milesier (Anfinge der Hi- menta). Atellanen. Fabius Pictor. 
storie), Korinna, Sophron (Mimen). 

3) Die attische Zeit, goldenes Zeitalter, bis 336 v. Chr. 
Herodotos. Polygnotos. Aeschylos. Sophokles. Euripides. Phidias. Gorgias 
(Sophistik). Bakchylides.* Sokratee (geistige Mäeutik). Aristophanes. Hip- 
pokrates (Arzneikunde). Myron. Polykleitos. Piaton. Thukydides. Xe- 
nophon. Ktesi&s. Antiphon (Beredtsamkeit), Andokides, Lysias, Isaos, 
Aeschines, Isokrates, Lykurgos, Hypehdes, Dinarchos, Democdmies. 
Skopas. Apelles. Ephoros (Chronologie). 



Fünfzehntes Capitel. Umfang. 



96 



4) Das alexandrinische Zeitalter 
bis 446 t. Chr. 

Aristoteles. Euklide» (Mathematik). Epi- 
kuros. Zenon. Timäos. Die Siebzig Dol- 
metscher. Theokritos. Zenodotos (Gramma- 
tik). Parische Marmorchronik. Aristarchos. 
Berosos. Manethon. Eratosthenes (mathe- 
matische Geographie). Apoll onios Ton Rho* 
dos. Archimedes (Mechanik). Aristophanes 
von Byzanz (Accente). Polybios (pragma- 
tische Geschichte). Apollodoros (Mythologie). 



2) Adolescentia, 240 — 
78 ▼. Chr. 

Livius Andronicus (erste 
Trauerspiele in Rom). Nä- 
vius. Cato der Censor. En- 
nius. Plautos. Terentins. 

Punico beüo secundo Musa pen- 
nato gradu 

Intulit 86 in bellicosam Romuli 
gentem feram. 



5) Das römische Zeit- 
alter bis 306 n. Chr. 

Pasiteles (Künstler und Ge- 
schichtschreiber der Kunst). 
Dionysios von Halikarnass. 
Diodoros von Sicilien. Dio- 
nysios Periegetes. Strabo 
( Geographie ). Plutarchos. 
Arrianos. Aelianos. Appia- 
nos. Hephästion (Metrik). 
Der Kaiser Marc Aurel. Pto- 
lemäos (Astronomie). Gale- 
nos. Herodianos. Lukianos. 
Athenäos. Dion Kassios. 



6) Das byzantinische 
Zeitalter bis 4453. 

Libanios. Zosimos. Nonnos. 
Kointos von Smyrna. Try- 
phiodoros. Koluthos. Kosmas. 
Georgios Synkellos (Chrono- 
graphie). Konstantinos Por- 
phyrogennetos. Snidas. Das 
grosse Etymologikon. Xiphi- 
linos. Michael Psellos (poli- 
tische Verse). AnnaKomnena. 
Zonaras. Eustathios n. A. 



3) Aetas virilis s. anrea bis 44 n.Chr. 

Graecia capta ferum Tictorem vicit et artta 
Intulit agresti Latio. 

Lncretius. Cicero. Atticus. Catollus. Sal- 
lustius. Cornelius Nepos. Julius Cäsar. Hir- 
tius. Asinius Pollio. Mäcenas (Sint Maecena- 
tes, non derunt, Flacce, Marones). Virgilius. 
Horatins. Ovidius. Tibullus. Propertios. Hy- 
ginus. Livius. Trogus Pompejus. Curtius. 
Vitruvius. Monnmentum Ancyranum. 

4) Senectus imminens s. aetas vegeta 
s. argentea bis 447 n. Chr. 

M. und L. Annaeus Seneca. Vellejus Paterca- 
lus. Yalerius Maximus. Phaedrus. Pompo- 
nius Mela. Columella. Persius. Lucanna. 
Silius Italiens. Juvenalis. Martialis. Teren- 
tianus Maurus. Quintilianus. Tacitus. Sueto- 
nius. Florus. Frontinus. 

ß) Vegeta senectus 8. aetas ferrea 
bis 476. 

Justinus. Gellius. Censorinus. Scriplores 
historiae Augustae. Aurelius Victor. Eutro- 
pius. Ammianus Marcellinus. Sext. Rufus 
Ausonius. Orosius. Die ttinerarien und Gram- 
matiker. Der Theodosianische Codex. 

6) Decrepita senectus bis 800* 

Boethius. Cassiodorus. Priscianus. Jornan- 
des. Isidorus Hispalensis u. A. 



96 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Sechzehntes Capitel. 
Hellenen. 

§. 442. In Griechenland findet man zunächst höhere 
Kräfte und geistigere Bedingungen ihrer Entwicklung als 
in Asien« Die Volker des Orients folgen der Autorität 
oder einem bestimmten Ziel. Das Denken und Wissen der 
Griechen trägt seinen Zweck in sich. Tiefes Gefühl und 
schöpferische Phantasie bewahren die Griechen vor einseitiger 
Verstandescultur. Reger Sinn für das Schone und richtiger 
Geschmack sind ihre charakteristischen Kennzeichen. Der 
schonen Hülle entspricht der edle Geist. Ueberall Harmonie 
zwischen Wissen und Kunst, zwischen Wesen und Form. 

Werke zur Kenntniss des griechischen Volkes and Landes: 
Gbonov, Thes. antiq. Graec., 4697. Patjly, Realencyklopadie, 4839. 
Hartmann, Culturgesch. der vornehmsten Volker Griechenlands, 4796. 
F. Schlegel, Die Griechen u. Romer, 4797. Haupt, Allgem. Wissen- 
schaft!. Alterthumskunde, 4839. Mitford, Hist. of Greece, 4784; Gillies 
4786, Thiblwall 4825, Grotb 4845. Potter, Archaeolog. Gr., 4699; 
deutsch u. fortgesetzt von Rambach 4775. Babthelemy, Voyage du jeune 
Anacharsis, 4788; deutsch von Biester 4789. Lrvbsque, Hist. des anciens 
peaples de la Grece, 4844. Heeben's Ideen, III, 4, mit Niebühb's Re- 
cension in dessen philolog. histor. Schriften, I. Wachs muth, Hellen. Alter- 
thumskunde (2. A. 4846). K. F. Hermann, Griech. Antiquitäten, 4836 
u. 4844. tan Limbourg-Brouwer, Hist. de la civilisation etc. des Grecs, 
4833. St. John, The Hellenes etc., 4842 u. 4844. Reisende neuerer Zeit: 
Spon und Wheler 4678, besonders Gell, Dodwell, Leake. Geographie 
vonMANNEBT. Kruse's Hellas, 4824. Hoffmann, Griechenland u. d. Grie- 
chen, 4844. Kiepert's Atlas, 4844 fg. 

§. 443. Die Sprache wurde Musik durch Wohllaut, 
Rhythmus und feine Abstufung der Tone, ohne Verlust an 
Kraft K In dieser Sprache bildeten sich, durch ihre Ge- 
schmeidigkeit und Fügsamkeit begünstigt, vorzugsweise zahl- 
reiche Dialekte aus. Zuerst der epische oder Home- 
rische, ihm verwandt später der ionische. Beide häufig als 
alt- und neuionisch einander entgegengesetzt; letzterer (Hero- 
dot's Sprache) durch Milde und Weichheit und Häufung der 
Vocale ausgezeichnet. Zu derselben Reihe gehört auch der 
attische Dialekt in seinen verschiedenen Zeitaltern; dessen 
Blüte zwischen 500 und 300 v. Chr., das goldene oder Pe- 
rikleische Zeitalter Athens (470 — 430) umfassend. Ihn ver- 
breiteten Alexander d. Gr. und die Römer von den Säulen 
des Herakles bis zu den Ufern des Indus, vom Fusse des 
Hämus bis zu den Katarakten des Nil. Die Schriftsteller 



Sechzehntes Capitel. Hellenen, 97 

dieses Sprachidioms (Aeschylos, Sophokles, Euripides, Aristo- 
phanes, Thukydides, Xenophon, Piaton, Demosthenes u. A.) 
galten stets für Verkündiger echter Humanität, vor Allen 
geeignet, die Finsterniss der Barbarei zu verscheuchen. Der 
äolische Dialekt in Asien (Alkäos und Sappho), dann in 
Böotien (Pindaros) ftir die Lyrik. Der dorische in den 
Colonien (Pythagoräer, Theokritos). Der gemeine, kirch- 
liche (hellenistische des Neuen Testaments) und neu- 
griechische Dialekt. 

F. Jacobs, Ueber einen Vorzug d. griech. Sprache im Gebrauch ihrer 
Mundarten, 4808, in dessen Vermischten Schriften, ITT. Gf. Hebmann, Ob- 
servationes de Graecae ling. dialectis, Opusc. I, 429. Ahbens, De dialectis 
Graec, 4840. Sturz, De dialecto Maced. et Alexandrina, 4808. Salma- 
8ius, De lingua Hellenistica, 464^ 

§. 444. Frühzeitiges Streben nach formalem und syn- 
taktischem Schematismus der Sophisten, Platon's, des 
Aristoteles, der Alexandriner: Arbeiten über Orthographie, 
Orthoepie, Accentlehre, Quantität durch Aristarchos, Krates, 
Apollonios Dyskolos, Herodianos, Moschopulos, Chöro- 
boskos, die byzantinischen Technographen, die Flüchtlinge 
in Italien : Chrysoloras , Laskaris , Theodoros Gaza ; in 
Deutschland seit 4 548 durch Erasmus, Keuchlin, Me- 
lanchthon, die §. 52 genannten Männer fast in allen euro- 
päischen Ländern. 

Grammatiken von Weller, die hallesche seit 4705, Matthiä, Butt- 
mann, F. Thiersch, Hermann, Kuhner, Bernhardt, Rost, KrCger, 
Lobeck. Lexikographie (Lexicon, Glossarium, Etymologicum, Ono- 
masticum, Synonymicum) durch Hestchios, Suidas, Pollux, Orion, Zo- 
naras, Etymologicum magnum, H. Stephanus, Scapula, Hbmstbrhuis, 
Schneider, Passow, Pape, Jacobitz und Seiler; in England durch Bar- 
ker und Valpy ; in Frankreich durch Sinner, Fix u. A. Apollonios über 
Homer, Timäos über Piaton, Harpokration über die zehn Redner. Di© 
Atticisten Phrtnichos, Möris, Philemon. Ammonios' Synonymenlexikon. 
Sammlungen von Bekker, Lachmann u. A. 

§. 4 45. Aus der Liebe zur Freiheit gehen die grossen 
literarischen und künstlerischen Leistungen der Hel- 
lenen hervor, die zwar manche Fertigkeiten und Kenntnisse 
von Fremden empfingen, aber bald alle Völker als Erfinder 
oder Schöpfer der Wissenschaft und schönen Kunst ver- 
dunkelten. Ihr Denken war durchaus originell und national. 
Ihre Bildung schritt gleichmässig nach allen Seiten fort, bis 
der natürliche Kreislauf menschlicher Thätigkeit vollendet 
war. Die neuere Zeit übertrifft sie an Umfang der materiel- 
len Kenntnisse (z. B. in den Naturwissenschaften), in der 

Merlekrr. 7 



96 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Moral das Christenthum; aber sie haben überall den Grund 
gelegt und in der speculativen Wissenschaft jede Art der 
Losung versucht, sodass die Neuern den Bau nur auszu- 
fuhren haben. Unübertrefflich sind sie in der Poesie. Aristo- 
teles ist fast 2000, Ptolemäos 1400 Jahre Lehrmeister der 
Araber und Germanen. 

Werke über die Literatur der Griechen: Fabricii Bibl. Graeca, 
4705, neue A. von Harlrss 4790. F. v. Schlegel, Gesch. d. griech. u. 
rom. Poesie, 4798. Cbeuzer, Epochen d. griech. Literaturgesch. , 4802. 
Gboddbck, Initia hist. Gr. literar., 4824. Scholl, Hist. de la lit. grecque; 
deutsch von Schwarze u. Pinder 4826. Petersen, Handb. d. griech. Li- 
teraturgesch., 4834. Bernhardt, Grnndriss d. griech. Lit., 4836. O. Mül- 
ler, Gesch. d. griech. Lit. bis auf die Zeiten Alexander's, herausgeg. 
von E. Müller 4844. Ueber hellenische Dichtkunst TJlrici 4835 und 
Bodb 4838. 

L Die mythische oder vorhomerische Periode. 

§. 4 46. Sie bringt kein Schriftwerk, nur Namen von 
Dichtern und Sängern, deren Functionen dreifach waren als 
<xoi&o(, Cepeic und (xoevretc mit Ausübung der Poesie, Musik und 
Orchestik (,Odyss. 4 I, 452; XXIII, US; ,Hymn. ad Apoll.' 
U9). Auf Thessaliens und Böotiens Bergen, dem Olympos 
und Helikon, dem Pindos und Parnassos, waren die gehei- 
ligten Orte der Dichtkunst. Dort sind Leier und Harfe er- 
funden; dort sollen Linos , Pamphos, Ölen, Eumolpos, Phi- 
lammon, Thamyris, Amphion, Orpheus (über ihn Bode 1824) 
und Musäos gelebt haben, deren Leistungen Horaz in dem 
Briefe an die Pisonen (,Ars poetica c , 394 fg.) preist. 

Diese lyrisch -religiöse und priesterliche Poesie umfasst 
Xpi)0|io{, reXeral, xaÄapjjiof, TcapaXiiaetc, Spivoi, axeaei<; xal taa- 
{xaxa vocfov, ovofxaaTtxa Scr). Unter den ältesten Sängern 
der Grossthaten des Heldenalters zeichnen sich besonders 
Phemios auf Ithaka und Demodokos bei den Phäaken aus. 
Den Hexameter soll die delphische Priesterin Phemonoe er- 
fanden haben. Dieses Versmass passt vortrefflich zu der 
Ursprache der Griechen, welcher der später sogenannte 
äolische Dialekt am nächsten kam, weil in ihm der Accent 
(apcic) vorzugsweise auf der ersten Silbe ruht. 

IL Die poetische Periode. 

§. 4 47. Sie lässt sich in zwei Zeitalter zerlegen, in 
das epische oder Homerische und in das lyrische. 

Ellissrh, Polyglotte der europ. Poesie, seit 4846. 



Sechzehntes Capilel. Hellenen. 99 

a) Das epische Zeitalter. 

§. 448. Die epische Poesie vereinigt die höchste Frei- 
heit mit der strengsten Regel. Sie ist voll strotzender Fülle 
und doch nicht überschwänglich, kunstvoll ohne eine Spur 
von Anstrengung, wie hingehaucht von einem gottlichen 
Geiste, national und zugleich so rein menschlich, dass sie 
jedes Gemüth ergreift. Sie hat die hellenische Götter- urjd 
Heroenwelt gebildet, und ihren Höhepunkt bezeichnet der 
Name Homeros. 

• 

F. Schlegel, Gesch. der epischen Poesie, Bd. 3. Fbith, Antiquit. 
Homericae, 1677. Tbepstra, Antiq. Hom., 4834- Olatieb, Hist. des 
premiers temps de la Grece, 4822- O. Müller, Orchomenos u. Minyer, 
4820. Helbig, Der sittl. Zustand d. griech. Heldenalters, 4839. Nitzsch, 
Die Heldensage d. Griechen, 4844. 

§. 149. Person, Abstammung und Vaterland dieses Sän- 
gers sind dunkel. Von den vielen Schriften über sein Leben 
sind uns nur zwei erhalten, von einem Herodot und einem 
Plutarch *. Der einer spätem Zeit angehörende Hymnos auf 
Apollo und Thukydides (IQ, 104) nennen ihn einen Blind- 
geborenen, da "Opnqpoc aus [i/rjopoc durch Metathese entstanden 
sei. Aber schon Vellejus Paterculus (I, 5) verlacht diese 
Ansicht: ,Quem si quis coecum genitum putat, omnibus sen- 
sibus orbus est. 4 Eine Nachricht nennt ihn den Sohn des 
lydischen Mäon, daher die Bezeichnung: der Mäonide. Ueber 
sein Vaterland stritten nicht nur im Alterthum die bekann- 
ten sieben Städte (Septem urbea certant de stirpe insignis 
Homeri: Smyrna, Khodus, Colophon, Salamis, Chios, Argos, 
Athenae) und viele Schriftsteller, sondern auch jetzt noch 
neuere Gelehrte. Simonides, Pindar und Thukydides nen- 
nen ihn einen Chier; Rb. Wood 2 und viele seiner Nach- 
folger beweisen, dass er in Ionien, Schubarth 3 , dass er in 
Troja gelebt habe; Bhd. Thiersch 4 , dass er im Pelopon- 
nes geboren sei ; Müller 6 behauptet gegen Heeren und 
Thiersch, dass es unhistorisch sei, anzunehmen, dass die 
Poesie in Altgriechenland entstanden und in ihrer Blüte mit 
den Colonien nach Asien gewandert sei. Herodot (n, 53) 
versteht unter Homer den Verfasser der Gedichte, welche 
bereits sein Zeitalter unter diesem Namen kannte, der beiden 
Epopöen ,Ilias c und ,Odyssee c . 

1 Westermann, Biographi Graeci minores, 4845. — * Essay on the 
original genius and writings of Homer, 4169. — 3 Ideen über Homer u. 



100 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

sein Zeitalter, 4821. — 4 Ueber Zeitalter u. Vaterland des Homer, 4824- — 
* Homer. Vorschule, 4834; 2. A. von Baumoartbn-Crusics 4836- 

§. 450. Die ,Uias 4 umfasst aus dem Trojanischen Kriege 
eine Episode von 54 Tagen, die Entzweiung des Agamemnon 
und Achilleus und den Zorn des Letztern (daher ,MKjviv aci&e, 
S'ea, IFipwjtaSeo J AxtX^o<; c ) bis zur Leichenbestattung Hektor's 
in 24 Rhapsodien: 4) Am ersten Tage wird Chryses in seiner 
Tochter beleidigt, darauf neun Tage durchflogen das Heer 
die Geschosse Apollon's; 2) am zehnten beschimpft Aga- 
memnon den Achill und raubt ihm die Briseis (I, 54) 

3) zwölf Tage nachher, am 22., fleht Thetis um Rache (I, 493) 

4) am 23. liefert Agamemnon eine Schlacht (II — VII, 380) 
•5) am 24. werden die Todten verbrannt (VII, 384—432) 

6) am 25. folgt die Befestigung des Lagers (VII, 433 —465) 

7) am 26. geschieht die zweite Schlacht (VIII, 4 — 488) 

8) am 27. dritte Schlacht und Patroklos' Tod (IX, 4 — 
XVJJLL, 242); 9) am 28. söhnt sich Achill mit Agamemnon 
aus u. s. w. (XIX— XXm, 408); 40) am 29. wird Patroklos' 
Leichnam verbrannt (XXIH, 409 — 225); 4 4) am 30. Leichen- 
spiele (XXJH, 226 bis Ende); 42) am 40. fahrt Priamos zu 
Achill und lost Hektor's Leichnam, der 43) am 50. verbrannt 
und bestattet wird, und 44) am 54. wird ihm das Grabmal 
errichtet. Sonach sind in jenen 51 Tagen nur 14 Tage der 
Handlung eingeschlossen, und dennoch ist die ,Uias' die 
vollendetste Epopöe aller Jahrhunderte und aller Volker. 

Lange , Versuch , die ästhetische Einheit der Uias zu bestimmen , 4 826. 
Arndt, De Iliadis compositione, 4838. Zell, Ueber d. Iliade n. d. Ni- 
belungenlied, 4843* F. A. Wolf 's Vorlesungen zu den vier ersten Ge- 
sängen der Ilias (von Usteri), 4830. Uschold, Gesch. d. Trojan. Krieges, 
4836. Koppen, Erklärende Anmerkungen zur Ilias, % A. 4 820* Aus- 
gaben von Heyne 4802 — 22, Weichert 4849, Spitzner 4833 fg. Gieseke, 
Die ailmäl. Entstehung d. Gesänge d. Ilias, aus Unterschieden im Gebrauch 
d. Präpositionen nachgewiesen, 4853. 

§. 451. Die ,Odyssee c "erzählt ebenfalls in 24 Rhapsodien 
die Abenteuer des nach Trojas Einnahme in sein Vaterland 
heimkehrenden Odysseus, der sich auf Tenedos von Nestor 
trennt, nach Ismaros zu den Kikonen kommt, bei Malea 
und Kythera vom Winde erfasst zu den Lotophagen, den 
Kyklopen (Polyphemos), zwei mal zu Aeolos, nach Lemnos 
zu Antiphates im Lande der Lästrygonen, zur Kirke in 
Aea, zu den Kimmeriern, in die Unterwelt (Asphodelos- 
wiese), wieder zur Kirke, bei den Sirenen und der Skylla 
vorbei nach Thrinakia, in die Charybdis, nach Ogygia zur 



Sechzehntes Capüel. " Hellenen. 101 

Kalypso, nach Scheria zu den Phäaken und von hier nach 
Ithaka gelangt, wo er durch Tapferkeit und Klugheit seine 
Feinde besiegt. Die zu Grunde liegende Handlung dauert 
nur 40 Tage. 

Bhd. Thiebsch, Urgestalt d. Odyssee, 4824. Hertzberg, De genuin» 
Od. forma, 4843. Nitzsch, Erklärende Anm. zur Od., 4826 — 40. Auf- 
gabe von Baumgarten -Crusius 4822 fg. 

§. 152. Die ursprüngliche Einheit dieser beiden grossen 
Gedichte wurde zuerst erschüttert von dem scharfsinnigen 
Philologen F. A. Wolf (,Prolegomena ad Homerum 4 , 4795), 
der die Ansicht aufstellte, dass die Homerischen Gesänge 
nicht von einem einzigen Dichter herrührten, sondern von 
einer ionischen Sängerschule, deren Haupt und grösster Ge- 
nius, Homer, wie ein mythischer Heros mit seinem Namen 
die aller übrigen Sänger verschlungen habe. Die einzelnen 
Gesänge, die, aus demselben Sagenkreise genommen, in 
einem und demselben Sinne von gleichgebildeten Dichtern 
verfasst, einander fortsetzten und ergänzten, seien erst zur 
Zeit des Peisistratos gesammelt und zu den zwei grossen 
Werken vereinigt und in noch späterer Zeit durch Ein- 
schaltungen und Ausscheidungen in ihre heutige Gestalt 
gebracht worden. 

Diese Ansicht machte grosses Aufsehen und fand viele 
Anhänger, aber auch manche Gegner. Die letztern mach- 
ten die Einheit und Gleichförmigkeit in Anlage, Sprache, 
Versbau und Ton geltend; sie bestritten entweder, dass zu 
Homer's Zeit, die sie möglichst spät setzten, die Schreib- 
kunst noch nicht im Gebrauch gewesen, oder sie liessen 
die traditionelle Fortpflanzung bestehen, beschränkten sie 
aber auf das Recitiren einzelner Stücke der bereits als Ganzes 
vorhandenen Dichtungen mit einigen Einschaltungen. 

Eine dritte vermittelnde Ansicht (von Nitzsch, ,De histo- 
ria Homeri 4 , 1830 — 37) macht Homer zum Verfasser der 
beiden grossen Epen mit einem überlegten Plan, doch so, 
dass er wenigstens bei der ,Ilias 4 x ältere Erzählungen zum 
Grunde gelegt und zu einem Ganzen verbunden und um- 
geschaffen habe. Sein Werk sei dann von Rhapsoden 2 
von neuem zerlegt und einzeln vorgetragen und erweitert 
worden 3 ", und diese Rhapsodien habe dann Peisistratos sam- 
meln, aufzeichnen und abermals zu einem Ganzen ordnen 
lassen 4 . Ihre jetzige Gestalt erhielten die Homerischen 



102 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Dichtungen erst in der alexandrinischen Periode, besonders 
durch die Thätigkeit des besonnenen Kritikers Aristarchos 6 . 

1 Bei der die Sparen einer losen Zusammenfügung zahlreicher und 
offenbarer sind als bei der mehr eine künstliche Einheit und Planmässig- 
keit beurkundenden Odyssee, die auch dem ganzen darin dargestellten Zu- 
stande des öffentlichen Lebens nach um mehr als ein Menschenalter später 
zu setzen sein mochte als die Iliade. — 2 Deren Pindar zuerst erwähnt und 
von fonrceiv wStqv oder aoiSify» ableitet. Dresig, De rhapsodis, 4 734. Darauf 
folgten die Arbeiten der sogenannten Diaskeuasten ( über sie Heinrich 4 807 ) 
und Chorizonten. — 3 *E{; ÜtcoXtji|>£(i>c, £x 8ta&oxTfc, i£ vTroßoATJc, otov, 
otcov 6 TtpcoTOc £XT)(jev, £xeÖev ap/eoSat tov £x.0M- £V0V » — 4 Geppert, Ueber 
d. Ursprung der Homer. Gesänge, 4840. Havet, De Homericor. carminum 
origine et unitate, 4843- Friedländer, Die Homerische Kritik von Wolf 
bis Grote, 4853, gibt eine Ueber sieht des ganzen Meinungsstreites. — 
5 Lehrs, De Aristarchi studiis Homericis, 4833* 

§. 453. Seit ihrer Bekanntmachung übten diese Home- 
rischen Gesänge nicht nur auf den griechischen Culturgang, 
sondern auf die künstlerische Bildung der ganzen euro- 
päischen Menschheit den grossten Einfluss, und ihre Sprache, 
die epische , blieb für immer dieser Gattung der Poesie eigen. 

Die älteste Ausgabe des Homer von Demetrios Cüalkondylas 4488, 
spätere von Clarke 4732 — 40, Wolf 4817, Bothe 4833 — 36, Crusius 
4840 — 42, Bekker 1843. Uebersetzungen von ßodmer, Stolberg, 
Bürger, J. H. Voss 4793, zuletzt 4840, u. A. Cammann, Vorschule zu 
Homer, 4829. Helbig, Die sittl. Zustände des griech. Heldenalters zur 
Erläuterung des Homer, 4839. Nägelsbach, Die Homer. Theologie in 
ihrem Zusammenhange, 4840. Völcker, Homer. Geographie u. Weltkunde, 
4830. Damm, Lexicon nov. Hom., 4765, verbessert von Duncan 4827 u. 
Host 4 834. Crusius, Wörterbuch über Homer u. die Homeriden, 4841- 
Spitzner, De versu Graecor. heroico, max., Homerico, 4846. Netto, Biblio- 
theca Hom., 4837. Zeichnungen zu Homer von Tischbein, Flaxman, 
Inghirami u. Genelli. Eine Reihe freier IJebertragungen der Homer. Ge- 
dichte ist verloren gegangen, doch besitzen wir noch ein in Hexametern 
abgefasstes Gedicht: Epitome Iliados Homeri, von einem ungewissen Ver- 
fasser in grosser Einfachheit und Eleganz des Stils. 

i 

§. 154. Die unter dem Titel ,Batrachomyomachie c be- 
kannte Parodie der ,Ilias c entstand wahrscheinlich um 
500 v. Chr. und ist, nach Plütarch und Suidas, das Werk 
eines gewissen Pigres. 

Ausgaben von Klein 4831, Crusius 4839. Paraphrasirt in neugriech. 
Sprache von Demetrios Sinos 4530 u. Ausgaben dieser Paraphrase von 
Lachner u. Mullach 4837. Uebersetzungen von Willamow, Chr. v. Stoi- 
ber g, Seckendorf, Merleker in der Zeitschrift für Philologie u. Pädagogik, 
4834, Supplementband I, Heft 3- Das Geschichtliche der Parodie 
von Moser in Daub's u. Creuzer's Studien, Bd. 6. Derselbe, Parodia- 
rum exempla, 4849. Weland, De praeeipuis parodiar. Homericar. scripto- 
ribus, 4833, u. Peltzer, s. §. 470. 

§. 155. Die dem Homer zugeschriebenen Hymnen — 
nicht Anrufungen und Gebete, sondern epische Schilderun- 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 103 

gen der Eigenschaften, Thaten und Schicksale einer Gott- 
heit — rühren von spätem Dichtern her. 

Scblossbr, Homer u. die H., 4798. Ausgaben von Ilgen 4 796, 
Matthiä 4805, Hermann 4806, Franke 4828. 

§. 156. Nach Homer's Vorgange dichteten die sogenann- 
ten Homeriden (eine auf Chios einheimische Sängerschule) 
und die sogenannten kyklischen Dichter eine Reihe ähn- 
licher Epopöen, denen sie die übrigen mit dem Trojaner- 
krieg verbundenen Heldensagen als Stoffe unterlegten, so- 
dass sie gleichsam einen Cyklus um die ,Hias 4 und ,Odyssee 4 
bildeten, jedoch auch den thebanischen und Herakleischen 
Mythenkreis dazuzogen und in ähnlicher Weise behandelten. 
Der Inhalt dieser verloren gegangenen Dichtungen ist uns 
im Allgemeinen erhalten durch die Chrestomathie* des Pro- 
klos aus dem 5. Jahrh. n. Chr. 

Es sind ,Ku7upia &ctq c von Stasinos aus Kypros *, ,AKri07c£c 4 
des Arktinos von Milet a , ,Kleine Dias 4 des Lesches von Mi- 
tylene 8 , ,'IXfou 7c£p<Ji£ 4 von Arktinos, die ,Noaxot 4 des Au- 
geias, ,Telegonie oder Schicksale des Odysseus nach seiner 
Heimkehr 4 von Eugammon. Die Zeit für die Entstehung dieser 
Gedichte darf man zwischen 950 — 720 v. Chr. ausdehnen 4 . 

1 Die Vorbegebenheiten des Trojanischen Kriegs bis auf den Anfang 
der Homerischen ilias. Henrichsbn, De carminib. Cypr., 1828. — 2 Zug 
und Tod des Memnon. — 3 Waffenstreit des Odysseus und Ajax bis zur 
Bereitung des hölzernen Pferdes. — 4 Schwarz, Diss. de poetis cyclicis 
(neu herausgeg. in dessen Diss. sei., 4778). Wöllner, De cyclo epico 
poetisque cyclicis, 4825. Möller, De cyclo Graeco epico, 4829. Welcker, 
Der epische Cyklus bder die Homer. Dichter, 4 835. Lange, Ueber die 
cykl. Dichter u. den sogen, epischen Cyklus d. Griechen, 4837. Ddntzer, 
Homer u. d. epische Cyklus, 4839. 

§. 457. Hesiodos aus Askra in Böotien, wohin sein 
Vater aus Kyme im äolischen Kleinasien ausgewandert war, 
nennt Vellejus dem Homer ,ut tempore, ita operis auctori- 
tate proximum 4 , Cicero aber ,multis seculig inferiorem 4 . Er 
scheint das Haupt einer neuen Sängerschule, der böo- 
tischen oder pierischen, gewesen zu sein, die man der 
ionischen oder Homerischen entgegensetzte, daher auch die 
Erzählung von seinem Wettstreit mit Homer l zu Chalkis, 
Aulis oder Delos. 

Ihm werden folgende Dichtungen beigelegt: ,Theogonie 4 2 , 
,Werke und Tage 4 3 , ,Katalog der Frauen 4 und die sogenann- 
ten ,Grossen Eöen 44 , , Schild des Herakles 46 . 

1 Der oyoJv, ein Cento aus Homerischen u. Hesiodischen Versen. — 
2 Schon zu Pausanias' Zeit (450 n. Chr.) nicht mehr für das Seinige ge- 



104 Zweites Buch» Ethnodoktologie. 

halten. Aasgaben von F. A. Wolf 4783, Orelli 4837. MÖtzbll, De 
emendatione Theog. Hes., 4833. Güigniaut, De la Tbeog. d'Hes. , 4835. 
Gruppe, Ueber d. Theogonie des Hes. etc., 4844. Kork, De pristina 
Theog. Hes. forma, 4842. — 3 Didaktischen Inhalts. Lehrs, Ueber die 
Interpolationen der Werke und Tage in seinen Quaestiones epicae, 4837. 
Ranke, De Hes. oper. et dieb., 4838. Ausgaben von Brünck in d. Poetae 
gnomici, 478V, yermehrt Ton Schafer 4847 u. Spohn 4849. — 4 Mark- 
scheffel, De cataiogo et Eoeis Hes., 4838. — & Von Heinrich 4802 n. 
Ranke 4840. Ausgaben sämmtlicher Gedichte von Grävius 4667, Lösner 
47"j8, Gaisford in den Poetae minores Graeci, 4 844 u. 4823, L. Dindorf 
4830, Göttling 4834 (2. A. 1844). Die Brachstücke von Markscheffel 
4840- Deutsche metrische Uebersetzung von J. H. Voss 4806- F. Thiersch, 
Ueber d. Gedichte des Hesiod , ihren Ursprung u. Zusammenbang mit denen 
des Homer, 4813* 

§. 158. Zu den herrenlosen Gedichten (ein) aoioTCOTa) 
gehört jMapYfofjc 4 (Eulenspiegel), ein Spottgedicht auf einen 
einfaltigen Menschen; ,Elpeauiv7) c , beim Betteln zu singen. 
Geranomachie, Arachnomachie, Myobatrachomachie, Galeo- 
machie (des Theodoros Prodromos existirt noch), die Xewco- 
YpotpipiaTOi, Genealogien der Götter und Helden, Kosmogonien, 
Titano- und Gigantomachien, ,Argonautika c , ,Dionysiaka c , 
,Thebai8 und Epigonoi c , ,Amazonika 4 , ,Theseis c , ,Oedipo- 
deia 4 u. a. sind nur dem Titel nach bekannt. 

§. 459. In den Kanon für das Heldengedicht nah- 
men die alexandrinischen Grammatiker nur folgende fünf 
Epiker auf: Homer, Hesiod, Peisandros von Kameiros (650), 
Panyasis von Halikarnass (464) x und Antimachos von Ko- 
lophon (aus dem 5. Jahrh. v. Chr.) a . Peisander und Pa- 
nyasis feierten die Thaten des Herakles,' Antimachos die 
Thebais. 

1 Bruchstücke von Tzschirner 4842. Ueber ihn Funke 4837. — 
2 Bruchstücke von Schellenberg 4 786. 



b) Das lyrische Zeitalter. 

§. 1 60. * An den Höfen der kleinen Tyrannen in den 
Städten des Mutterlandes und der Colonien herrschte ein 
heiteres, durch Musik und Poesie gehobenes Leben, daher 
auch Dichter und Sänger daselbst gern gesehen und geehrt 
wurden. Zu den Genüssen und Freuden, denen man hier 
nachstrebte, passte das ernste Heldengedicht nicht, daher 
kam eine leichtere und kürzere Gattung auf, die man Lyrik 
nannte, weil ihr Zweck war, zur Leier (Lyra) gesungen 
zu werden. Sie zerfällt in drei Hauptgattungen: ele- 



Sechzehntes Capiiel. Hellenen. 1U5 

gische, iambische and melische, und in mehre Unter- 
abtheilungen. 

Die Literatur gibt Wachsmuth in d. Culturgesch. I, 463. Ahm., u. 
über die Colonien Raoul-Rochette, Hist. de l'etabliss. des colon. grecques, 
4845* Sohneide win, Delectus poesis Graecor. elegiacae, iambicae, meli- 
cae, 4839* Eine zweite Sammlung von Bergk 4843. 

§. 461. Der alexandrinische Kanon enthielt neun Ly- 
riker: Alkman den Lyder, Alkäos und Sappho von Mity- 
lene, Stesichoros von Himera, Ibykos (den Götterfreund) 
von Rhegion, Anakreon von Teos, Simonides von Keos, 
Pindaros von Theben und Bakchylides von Julis; vier El e- 
giker: Kallinos von Ephesos, Mimnermos von Kolophon, 
Philetas von Kos und Kallimachos von Kyrene ; drei 
Iambographen: Archilochos, Hipponax und Terpandros. 

a) Elegische Dichtart. 

§. 162. Elegie ist mehr Benennung eines Metrums als 
einer eigenen Dichtungsart, sofern dem heroischen Hexa- 
meter sich der Pentameter zugesellt und so das elegische 
Distichon hervorruft, als dessen Erfinder Kallinos genannt 
wird. Die elegische Poesie ist politischer, gnomischer 
und erotischer Art. 

Weber, Die elegischen Dichter der Hellenen, 4826. Cäsar, De car- 
minis Graecor. elegiaci origine et notione, 4837. Schneider, Das eleg. 
Gedicht d. Alten, in Daub'8 u. Creuzer's Studien, IV, 4, 4808. Hertzberg, 
Der Begriff der antiken Elegie etc., in Prutz' Literarhist. Taschenbuch, 
4848, S. 208—398. 

§. 163. Die politischen Lieder des Kallinos von 
Ephesos 1 , Tyrtäos von Athen 2 und Solon von Athen. 

1 Ueber ihn Franke 4846. — 2 M&tq TcoXefUOTiqpta oder ^ßaTTQpta, bes. 
to Kaat6peiov. Matthia, De Tyrtaei carminib., in Vermischte Schriften, 4833- 
Gaisford, Poetae Graeci minores, 4823. Bach 4834 u. 4832. Passow in 
Büsching's u. Kannegiesser' s Pantheon. Seckendorf, Blüten griech. Dichter, 
4800. Braun, Weisen von Hellas, 4822. Bobberg, Hellas u. Rom, 4842. 

§. 164. Die gnomische Poesie ist nach ihrer Ein- 
kleidung epigrammatischer, nach ihrem Inhalte didak- 
tischer Art. Dahin gehören die Denksprüche der Sieben 
Weisen (nach Voss): 

Mass zu halten ist gut (aptotov fxfrpov), dies lehrt Kleobulos aus Lindos. 
Jegliches vorbedacht (jjieX£rn totcoiv), heisst Ephyras Sohn Periander *. 
Wohl erwäge die Zeit (xatpov y^SSt), sagt Pittakos aus Mitylene. 
Mehrere machen es schlimm (ol 7tXetous xocxo() , wie Bias meint, der Priener. 
Bürgschaft bringet dir Leid (^yyua, rcapa 8' anq), so warnt der Milesier 

Thaies. 
Kenne dich selbst (yvotöi aaüxtfv), so befiehlt der Lakedämonier Cheilon. 
Endlich: nimmer zu sehr (jjnqSkv ayav), so gebeut der Kekropier Solon. 



106 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Ferner die Spruche des Theognis aus Megara 2 , des Pho- 
kylides aus Milet oder Chios 3 und die Pythagorischen 
,Xpuaa sto) 6 4 . 

1 Statt seiner nennt Plato im Protagoras den Myson aus Cben in 
Lakonien. Wagner, De Periandro, Corinthior. tyr. , 1828« — a Ausgaben 
von Bekkbr 4845 u. 4827 u. Welcher 4826. Theognis restitutus. The 
personal history of the poet Theognis, deduced from an analysis of his 
existing fragments, 4842. Bergk, Ueber d. Kritik des Theognis, im Rhei- 
nischen Museum für Philologie, 4843 — 44. — 3 Von Nickel 4834. — 
4 Mch. Ne ander, Opus aureum , in quo continentur Pythagorae carmina 
aurea, Phocylidis, Theognidis et alior. poemata etc., 4559. Rhodoman 
4577. Sylbürg 4594. Brunck, Poetae Graec. gnom. , 4784. Schä- 
fer 4847. Rhodb, De vet. poetar. sapientia gnomica, 4840. F. Thiersch, 
De gnom. carm. Graec., in den Act. philol. Monacens., Bd. 3. Gaisford 
4844 — 20 (neu 4823), Orelli 4849 — 24. Sammlung lat. Gnomiker von 
Tschucke 4790 u. Eremsier 4809. 

§. 165. Die Epigramme des Simonides aus Julis auf 
der Insel Keos (554 — 469) 1 , besonders die berühmte In- 
schrift, auf die in Thermopylä Gefallenen : 

*ß gefv', dtYY&Xetv Aoxeäatnovfot«, ort rfjfie 
KeCfx&a, rot; xeCvwv fä\t.aoi TCetSoixevot. 

Sein Neffe Bakchylides versuchte sich auf gleicher Bahn, 
gelangte aber nicht zu dem Ruhme des Oheims 2 . 

Während bei den Griechen die empfindsame Seite her- 
vortritt, erscheint bei den Römern der Witz als überwie- 
gender Bestandtheil des Epigramms, und in dieser Weise 
fasst auch Lessing die Theorie des Epigramms auf in den 
,Vermischten Schriften 6 (Bd. 1) 3 . Herder's ,Zerstreute Blät- 
ter 4 , Jacobs' ,Tempe c und die , Griechische Anthologie 4 ent- 
halten eine Auswahl griechischer Epigramme 4 . 

1 Schneiderin, Simonidis Cei carminum reliquiae, 4 835. Richter, 
Simonides von Keos nach seinem Leben beschrieben u. in seinen poet. Ueber- 
resten übersetzt, 4836. Cürtmann, Simonides et Pythagoras artis mnemo- 
nicae inventores, 4827. — a Ausgabe von Neue 4 822. — 3 Groke, De 
theoria epigrammatis denuo constituenda, 4826. — 4 Welcher, Sylloge 
epigramm. Graecor. ex marmorib. etc., (2. A.) 4828- Jacobs, Leben u. 
Kunst der Alten, 4824. 

§.166. Die didaktische Dichtkunst, welche sowol 
dem Gebiete der Poesie als dem der Philosophie angehört, 
bildete vornehmlich Empedokles von Agrigent (450) aus, 
den wir jedoch mehr aus den Nachahmungen des Romers 
Lucrez (95 — 56 v. Chr.) kennen, als aus den übrig ge- 
bliebenen Fragmenten. 

Stürz, Empedocles Agrig., 180ö. Peyron, Emped. et Parmenidis 
fragm. etc., 4840. Karsten, Emped. Agr. carminum rel.," 4838. Lom- 
matzsch, Die Weisheit des Emped. philos. bearbeitet, 4830. Dombnico 
Soina, Memorie sulla vita et la filosofia di Emped., 4843. 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 107 

§. 167. Zur didaktischen Classe gebort auch die Fabel 
(alvoc, [Jiiföoc, Xoyoc, aTcoXoyoc), als deren Repräsentant Aeso- 
pos (Xoyo7Coioc), ein phrygischer Sklave Jadmon's aus Samos, 
betrachtet wird. Lange erhielten sich seine Fabeln nur 
durch Tradition, dann soll sie Demetrios Phalereus (300) 
gesammelt und Babrios (200 oder 30 v. Chr.) in Choliamben 
umgearbeitet haben. Die gewöhnliche Sammlung derselben 
ist von Maximus Planudes K 

1 Herausgeg. durch Hb. Stephanus 4546- Gbaubrt, De Aes. et 
fabulis Aesop., 4825. 

§. 168. Begründer der erotischen Dichtung ist Mim- 
nermos aus Kolophon (geb. 630 v. Chr.), der den Schmerz 
einer unglücklichen Liebe zur Nanno besang 1 . Seine Nach- 
folger siüd Antimachos und Hermesianax aus Kolophon, 
Alexanders d. Gr. Zeitgenossen. 

1 Ausg. von Bach 4 826. Schönemann, De vita et carminib. Mimn., 4 823. 

§. 169. Eine Nebenform ist das axdXtov clg^ol oder p.sXo£, 
ein bei Gastmahlen von den Gästen selbst zur xftapa oder 
Xupa gesungenes Tafellied, als dessen Erfinder Terpandros 
aus Antissa in Lesbos (670) gilt, zugleich Schopfer der 
griechischen Musik. 

ß) Iambisohe Dichtung. 

§. 470. Als Erfinder derselben gilt Archilochos von Paros 
(700), daher Horaz: ,Archilochum proprio rabies armavit 
iambo. c Die Alten stellten ihn dem Homer an die Seite. In 
Griechenland waren die dramatischen Dichter, besonders in 
der alten Komödie, unter den Romern Horaz in den ,Epoden c 
seine Nachahmer. Der halbe Pentameter, dessen er sich häufig 
bediente, heisst nach ihm der Archilochische Vers *. Hipponax 
aus Ephesos (530), auch Erfinder des Choliamb, der deshalb 
auch Hipponaktischer Vers heisst 2 . Der ältere Simonides aus 
Samos, auch wegen seiner Auswanderung nach der Sporaden- 
insel Amorgos der Amorginer genannt (650), hinterliess in 
iambischen Trimetern ein Spottgedicht auf die Weiber 3 . 

1 Ausg. von Liebel 4812 u. 1849. Uebersetzt von Herder in den 
Zerstreuten Blättern u. von Passow im Pantheon. — 2 Ausg. von Welcher 
4 84 7. Peltzer , De parodica Graecor. poesi et de Hipponactis , Hegemonis, 
Matronis parodiarum fragmentis, 4855. — 3 Ausg. von Welcker 4835. 
Uebersetzt von Jacobs im Tempe u. Falbe in Koch's Eurynome. 

y) Melische Poesie. 

§. 171. Die melische (erotische) Poesie, auch 
Lyrik im engern Sinne, war aufs innigste mit Musik und 



108 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Tanz verbunden. Ihre einzelnen Formen sind upivos, Tuaiav 
(besonders auf Apoll), uTCopxiqfJia (von Pratinas, auf Apoll, 
begleitet von mimischem Tanz), Si^pajxßoc (auf Bakchos), 
9<xXXixa und Kft^aXXixa (an Bakchosfesten), ^pcopiiov, £7ttv£- 
xiov, e7caivoc, u^vatot, YapnqXia, apfiaxeia, &r&aXa|ua, £po- 
nxa, TcatSoca (auf schone Jünglinge), iratyvwt (fröhliche 
Lieder), ^pTJvoc, £7cixiq8eia. 

Als Vater dieser Poesie wird Alkmäon oder mit dorischer 
Endung Alkman der Lyder (640) genannt, zugleich Erfinder 
des nach ihm benannten Alkmanischen Yersmasses. Ebenso 
erhielten andere Versmasse durch Alkäos und Sappho *, Askk- 
piades, Glykon und Phaläkos schon früh ihre Vollendung. 
Ausser der Sappho und Erinna zählte man noch sieben 
lyrische Dichterinnen: Myrtis, Korinna,Telesilla, Praxilla, 
Myro (Moro), Nossis und Anyta. Ibykos aus Rhegion 2 und 
Stesichoros aus Himera 3 besangen die Liebe. Der Töne 
Meister, Arion, aus Methymna auf Lesbos (624), gab dem 
Dithyrambos eine kunstvolle, regelmässige Form 4 . Anakreon 
aus Teos in Ionien (530) ist Erfinder der Tca&yvia. Unter 
seinem Namen sind noch 68 Gedichte übrig, von denen die 
Kritik nur wenige als echt anerkennt *. 

Von dem grössten lyrischen Dichter der Griechen, Pin- 
daros aus Theben (522 — 442), haben wir noch 45 &cc,v£xia 
qcajJiaTa übrig, Preisgesänge auf die in den vier grossen hel- 
lenischen Nationalspielen gekrönten Sieger und auf die Gott- 
heiten, denen diese Feste gewidmet waren, welche Aristo- 
phanes nach dem Orte der Kampfspiele in 14 olympische, 
1 2 pythische, 1 1 nemeische und 8 isthmische Oden eingetheilt 
hat. Horaz, der ihm eine eigene Ode gewidmet hat (IV, 2), 
sagt von ihm: ,Fervet immensusque ruit ore profundo c 6 . 

1 Matthia, Fragmente des Alkäos, 4827. Richter, Sappho u. Erinna 
nach ihrem Leben beschrieben u. in ihren poetischen Ueberresten übersetzt 
u. erläutert, 4833- Wblcker, Sappho von einem herrschenden Vorurtheil 
(Liebe zu Phaon, Sturz vom leukadischen Felsen) befreit, 4846. — 2 Ueber 
ihn Schneidewin 4835. — 3 Ueber ihn Kleine 4828 u. Fritzsche, De pali- 
nodia Stesichori, 4837. — 4 Lütke, De Graecor. dithyr., 4 829. Timkowski, 
De dithyr., in Bekker's Act. semin. philo log., I, 24 G fg. Schmidt, Diatribe 
in dithyr. poetarumque dithyr. reliquias, 4845. Ueber Philoxenos (aus dem 
4. Jahrh.) Berglein 4 843. Bippart, Philoxeni, Timothei, Telestis dithy- 
rambographor. reliquiae, 4843. — 5 Ausg. von Mbhlhorn 4836, Bergk 
4834. Uebersetzungen von Gleim, Götz, Ramler, Degen, Overbeck, Kanne- 
giesser, Jordan, Möbius, ReUig. — 6 Nach der ersten Bekanntmachung 
durch Aldus 4543 wurden seine Oden herausgegeben von Schmidt 4646, 
Heyne 4773 (zuletzt 4824), Böckh 4844—22, F. Thiersch (mit steter 
Opposition gegen Böckh) 4820, Disseh 4830 (2. A. von Schneidewin 4843). 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 109 

Uebersetzungen von Fähse 4804-— 6 u. 1824, Ganten 1844, Mommsen 4846. 
Schneider, Versuch über Pindar's Leben u. Schriften, 4774. Rauchbn- 
stein, Zur Einleit. in Pindar's Siegeslieder, 4842. Gf. Hermann, De dia- 
lecto P. etc., Opusc. I, 245 fg. 

§. 172. Die Frage, ob es bei den Hellenen Volkslieder 
gegeben habe, wird von mehren Seiten bejaht. Vielleicht 
gehorten die Kinädologien und Ethiologien, die bei mimischen 
und pantomimischen Darstellungen gesungen wurden, zu den 
Volksliedern. Fast alle Beschäftigungen des gewohnlichen 
Lebens hatten ihre Lieder, deren Titel und Classen die 
Grammatiker nennen: Pistika, Elinos, Julos, Aletis, Kata- 
baukalesis u. s. w. 

Zell, Ueber die Volkslieder der alten Griechen, 4826. Köster, De 
cantilenis popularibus vet. Graecor. , 4831. Die Reimereien der Spruch- 
sprecher oder Improyisatoren, die im Alterthum besonders in Griechen- 
land, im Mittelalter in Valencia, Minorca und in Italien heimisch waren, 
wo Petrarca die Sitte der improvisirenden Dichter, den Gesang mit der 
Laute zu begleiten, eingeführt zu haben scheint. In Deutschland findet sich 
besonders in Steiermark und Tirol einiges Talent für die Stegreifdichtung. 
Görres, Die deutsch. Volksbücher, 4807. 

III. Die attische oder goldene Periode. 

§. 173. In der Perikleischen Generation, dem golde- 
nen Zeitalter der Griechen (469 — 429), offenbart sich ein 
geistiges Streben und Ringen, eine Genialität und Geschick- 
lichkeit zu Allem, was ergriffen wird, wie es sich in der ganzen 
alten Geschichte nirgends wiederfindet. Dieses attische Zeit- 
alter bringt das Drama, die Philosophie, die Geschicht- 
schreibung und die Beredtsamkeit zur Blüte und Reife. 

Kutzen, Perikles als Staatsmann, 4834. Ders., De Atheniensium im- 
perio etc., 4837. Lorbntzen, De reb. Athen., 4834. Wbndt, Perikles etc., 
4836. Oginski, Pericles et Plato, 4838. Zinkeisen, Gesch. Griechen- 
lands etc., '4 832 — 40. Drotsen, Gesch. d. Hellenismus, 4836 — 44. 

a) Dramatische Poesie. 

§. 474. Aus der epischen und lyrischen ging die dra- 
matische Poesie hervor, indem sie zu dem Chorgesange 
Rede und Handlung hinzufügte. Schlosser beweist *, dass 
das Drama ein eigentlich attisches Institut sei und 
sich an die Verehrung des Dionysos anlehne. 

In Athen gab es mehre Dionysien: die grossen oder 
städtischen, die ländlichen, die Anthesterien und die Lenäen, 
wenn anders diese nicht einerlei sind mit den ländlichen oder 
mit den Anthesterien, worüber gestritten wird. Theatralische 
Vorstellungen wurden nur an den städtischen und an den 



HO Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

• 

ländlichen Dionysien gegeben; dramatische Wettkämpfe aber 
scheinen nur an den städtischen Dionysien stattgefunden zu 
haben 2 ; auf dem Lande begnügte man sich mit einfachen 
lustigen Aufzügen, mit Phallagogien und phallischen Liedern. 
Die Spassmacher und Improvisatoren hiessen in Sicilien Auto- 
kabdalen, in Lakonien Deikelisten; ihre Autoschediasmata ; 
schon im 7. Jahrh. v. Chr. Aristoxenos. 

Aus solchen Chorgesängen und der damit verbundenen 
Erzählung (8pau,a stcsi$68iov) und Darstellung einer Hand- 
lung bildeten sich unmerklich drei völlig abgeschlossene, 
voneinander getrennte Dichtungsarten, die Tragödie, 
die Komödie und das Satyrspiel 3 . 

1 Universalhistor. Uebersicht, II, 102. — 2 Nach Scholl und Kanne- 
giesser, abweichend Ruhnken , Barthelemy und Böckh.. - — 3 Nach Aristoteles 
war Tpay(ji)5(a tö TcaXaiov Svofia xowov xal irp&c ttjv xcoficdSCav O'orepov 8l 
xb (xb xoivov ovo(xa Ccr^ev iq TpaytpfiCa, \$l xwfAttcUa tötov. Bclbngbe, De 
theatro ludisque scenicis, 4603. A. W. Schlegel, Ueber dramat. Kunst u. 
Lit. , 4808. Scholl, De orig. Gr. dramat., 4828. Böckh, Graecae tragoed. 
principium, 4808. Schneider, De originib. tragoediae et comoediae Graec, 
4848. Flögel, Gesch. d. komischen Lit., 4787 fg. Dahlmann, Primordia 
et successus veteris comoed. Athen., 4844. Gbysar, De Doriensium co- 
moedia, 1828, u. De Graecor. trag, circa Demosth. temp., 4830. Casau- 
bonus, De satyrica Graecor. poesi, 4605; neue A. von Rambach 4774. 

§. 175. Die Aufruhrung dramatischer Stücke gehörte zu 
den musischen Wettkämpfen. In älterer Zeit traten die 
Dichter nicht mit einem einzelnen Stucke zum dichterischen 
Wettkampfe auf, sondern mit einer Tetralogie \ die aus drei 
Tragödien bestand und einem Satyrspiel, oder doch wenigstens 
mit einer Trilogie a , dreien Tragödien, welche meistentheils 
durch den fortlaufenden Inhalt zusammenhingen, bis Sophokles 
auch den Wettkampf mit einzelnen Tragödien einführte. 

An Schauspieltagen wurden die Theater schon mit Son- 
nenaufgang geöffnet und man gab vom Morgen bis Abend 
gewöhnlich neun Tragödien und drei Satyrspiele von drei 
um den Preis kämpfenden Dichtern. Die einmal aufgeführ- 
ten Stücke durften nur nach Verlauf eines bestimmten Zeit- 
raums und nach gewissen zweckmässigen Umänderungen zum 
zweiten mal auf die Bühne gebracht werden. Daraus erklärt 
sich der Reichthum der griechischen Literatur an Theater- 
stücken. Die Alten fuhren wenigstens 200 Tragödien vom 
ersten Range an und 500 vom zweiten; Komödien werden 
fast ebenso viele gezählt. Die Auffuhrung wurde meistens 
von dem Dichter selbst geleitet. Ueber den Erfolg der dra- 
matischen Wettkämpfe verfasste man Urkunden, aus denen 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 111 

die 8t5aoxaX(at (kritische Repertorien) hervorgegangen sind. 
Die Aufsicht über die Schauspiele hatten die beiden ersten 
Archonten. Bei ihnen meldeten sich die Dichter und baten 
um den Chor, für welchen die Kosten in den Phylen wechsel- 
ten. Der Chorag und die Choreuten mussten bei den grossen 
Dionysien durchaus attische Bürger sein; an den Lenäen 
wurde diese Liturgie auch den Metoken überlassen. Zu einem 
Stücke gehörten drei Acteurs (seitdem Sophokles den xpt- 
xaywvtcmqc oder tertiarum partium actorem eingeführt hatte, 
daher Horaz: ,Neu quarta loqui persona laboret 6 ), deren jeder 
mehre Rollen spielen konnte. Die Hauptrollen übernahmen 
anfangs die Dichter selbst, denn die Schauspielkunst war 
bei den Griechen nicht so verachtet wie in Rom. Gute Spieler 
erhielten für zwei Vorstellungen ein Talent (1365 Thaler), 
wie Polos zu Demosthenes' Zeit, Aristodemos und der Sän- 
ger AmoBeus. Zu heroischen Rollen wurde der Kothurn 
gebraucht, der aus vier übereinandergelegten Korksohlen 
bestand, dazu eine Haartour, wodurch der Spieler sich der 
Heroenstatur zu nähern suchte. Vor der öffentlichen Auf- 
führung fanden Proben statt in einem Theaterzimmer (jjlsXe- 
nqpiov) vor dem Archon, wobei ein Souffleur (u7coßoXeu<;) zu- 
gelassen wurde und gewöhnlich der Dichter selber als X°P°" 
8i5acJxaXo£ den Chor einübte. Die Vorbereitungen mussten 
sorgfältig sein, besonders auf Gesten und Declamation, 
worin das yj^lxcv (Ausdrucksvolle) liegt, und Cicero sagt: 
,Saepe tota theatra reclamant, si paullum modo offensum est 
aut contractione aut productione.' Deshalb gingen auch die 
Staatsredner bei den Schauspielern in die Schule. Ob Frauen 
an dem Spiel Theil hatten, istjiicht entschieden; sie wurden 
aber zur Feier der Feste gezogen. Der Name des Stücks 
wurde im Theater durch einen Herold angekündigt. Der Preis 
wurde der Pyle ertheilt und bestand blos in dem Ausspruch, 
dass ihr Chor gesiegt habe. Die Dichter erhielten einen Drei- 
fii8S oder Weinschlauch, später auch Geld oder Kränze 3 . 

1 Gf. Hermann, De compositione tetralogiarum tragicarum, 4849, in 
den Opusc. , Bd. II. Scholl , Die Tetralogie d. attischen Tragiker , 4 839- 
Drotsen, Die Tetralogie, in d. Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft, 
4 844. — 2 Welcker, Die Aeschyleische Trilogie, 4824, u. Nachtrag, 4826. 
Franz, Des Aeschylos Oresteia (Agamemnon, Choephoren u. Eumeniden), 
4846. — 3 Ueber die Einrichtung der Theater: Merleker, Kosmogeo- 
graphie, §.523. Geppert, Die altgriech. Bühne, 4843- Genelli, Theater 
zu Athen, 4848. Schneider, Das attische Theaterwesen, 4835. Strack, 
Das altgriech. Theatergebäude, 1 842. Gruppe, Ariadne, die trag. Kunst, 4 834. 



112 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Kannegiesser, Die komische Bühne zu Athen, 1817- Waoner, Die griech. 
Tragödie u. das Theater zu Athen, 4814- 

§. 176. Die Ableitung des Wortes Tragödie ist un- 
gewiss, vielleicht von Tpayos (Bock), welchen die bei der 
Dionysosfeier wetteifernden Sänger zum Siegerlohn erhiel- 
ten, was auch Horaz (,Ars poet. c , 220) annimmt: ,Carmine 
qui tragico vilem certavit ob hircum. c Sie wählte ihren Stoff, 
mit geringen Ausnahmen (, Zerstörung Milets 4 von Phry- 
nichos, ,Perser c des Aeschylos) aus der Mythologie, um 
durch Darstellung der Grossthaten der Vergangenheit das 
jüngere Geschlecht zu belehren und zur Nacheiferung zu 
befeuern. Der Chor, schon in den altern lyrischen Dramen 
der Stützpunkt, ist auch ein wesentlicher Bestandtheil der 
griechischen Tragödie. Er bestand gewöhnlich aus Greisen 
oder Jungfrauen und war in den frühesten Zeiten sehr zahl- 
reich: der tragische zählte 50, der satyrische und komische 
24 Personen. Er theilte sich in zwei Hälfben, jede mit einem 
Sprecher (xopu9<xfo£); an der Spitze des Ganzen stand der 
Chorag. Wenn der Chor in den Dialog eingriff, so sprachen 
der Chorag oder die Koryphäen im Namen der übrigen 
Choreuten. Der eigentlich lyrische Theil wurde von dem 
ganzen Chor zu den Tönen der Flöte gesungen und mit an- 
gemessenen Bewegungen (evfiiXeia) begleitet. Seine feier- 
lichen Tänze führte er in der opx^cJTpa auf; wenn er nicht 
sang, sondern nur theilnehmend der Handlung zuschaute, 
stand er auf einer Erhöhung (^[liX?]) in der Mitte der Or- 
chestra. Die Tragödien waren nicht in gesonderte Acte einge- 
theilt, sondern spielten die Handlung ununterbrochen bis ans 
Ende fort, hatten jedoch gewisse Abschnitte, während welcher 
die Bühne leer geblieben wäre, wenn der Chor nicht die Schau- 
spieler ersetzt hätte. Eigenthümlich sind ihnen noch die soge- 
nannten drei Einheiten, der Zeit, des Orts und der Handlung. 

Erfinder der Tragödie soll Epigenes von Sikyon oder 
Thespis aus Ikaria in Attika gewesen sein, wie auch Horaz 
(,Ars poet. 4 , 275 fg.) annimmt: 

Ignotum tragicae genus invenisse Camoenae 
Dicitnr et plaustris vexisse poemata Thespis, 

Quae canerent agerentque peruncti faecibus ora. 

• 

§. 177. Die Komödie entwickelte sich aus den phal- 
lischen Chören und ist entweder auf attischem oder sici- 
lischem Boden entstanden. Ihr Name wird abgeleitet ent- 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 113 

weder von 6hr\ £v xopiaic (Dorfgesang), oder vom lustigen 
x(5|A0£ (Schmaus) und £8iq (Weingesang, Freudengesang). So 
zog Susarion aus Megara oder, wie Thespis, aus dem attischen 
Flecken Ikaria, zwischen 576 — 560, in Begleitung eines gewis- 
sen Dolon, auf dem Lande Attikas umher und ergötzte von 
einem Wagen herab, der ihm als Theater diente, das rohe Volk 
mit seinen derben Spässen. Bald wurde das Lustspiel Parodie 
der Gegenwart und der öffentlichen Zustande. Erst mit dem 
Sturz der demokratischen Verfassung wurde die alte Komödie 
durch einen Machtspruch ihrer uneingeschränkten Freiheit und 
des Chores beraubt, daher Horaz (,Ars poet. c , 281 fg.): 

Successit vetus his comoedia, non sine multa 
Laude, sed in vitium libertas excidit et vim 
Dignam lege regi; lex est accepta cbornsque 
Turpiter obticoit sublato jure nocendi. 

Syrakosios und Lamachos verboten, jener 415, dieser 404, 
Zeitbegebenheiten auf der Bühne darzustellen, lebende Per- 
sonen namentlich einzufuhren ((jly) ovofxatfri xo(ji<j>Seiv, nach 
Andern ein Gesetz von 388), noch durch Masken kenntlich zu 
machen und sich der. Parabase * zu bedienen. 

Dadurch bildete sich die sogenannte mittlere Komödie, 
welche, die persönliche satirische Richtung aufgebend und 
statt derselben die maskirte und charakteristisch-bezeichnende 
aufnehmend, den Uebergang von der alten zu der mit Phi- 
lemon beginnenden und mit Menandros (342 — 290), einem 
Sohne des attischen Heerführers Diopeithes, culminirenden 
neuen oder moralischen, von den Kömern nachgeahmten 
Komödie, ohne Chor, vorbereitete, deren Hauptstoff die Schil- 
derung des Umgangs junger Athener mit Hetären (Terenz) 
und deren Hauptpersonen lustige Diener und liederliche 
Söhne, allegorische Wesen im Prolog (im ,Trinummus c des 
Plautus) bilden. Die vier Charaktere, welche Menander ge- 
schaffen, hat Ovid in folgendem Distichon zusammengestellt: 

Dum fallax servus, durus pater, improba lena 
Vivent, dum meretri* blanda, Menandros erit 2 . 

1 Worte, die der Chorag im Namen des Dichters an die Zuschauer 
sprach und die ohne nähere Beziehung auf die Handlung des Stücks gewöhn- 
lich nach dem ersten Chorgesange eingeschaltet sind. — s F. Schlegbl, 
Vom künstl. Werth der alten griech. Komödie, 4794; Werke, 4822, IV, 25 ifc. 
Stolle, De comoediae Graecae generib. , 4834* Gbaubrt, De med. Graec. 
comoed. natura (im Rhein. Museum), 4828, H. 4. 

§. 47S. Das Satyrdrama der Grieohen, nach den Sa- 
tyrn benannt, welche die Hauptrolle darin b^ik&kd^ ^«a& 

MlRLEKK». ^ 



114 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

nicht mit der römischen Satire, einem didaktischen Gedichte, 
verwechselt werden, dessen Name von satura abgeleitet 
wird. Die romischen Atellanen hatten mit dem griechischen 
Satyrdrama Aöhnlichkeit, das zugleich der Tragödie und 
Komödie angehörte, jedoch der erstem verwandter war, 
insofern es seinen Stoff aus der Mythologie entlehnte, sich 
aber gleichwol von derselben durch seinen heitern Ausgang 
and die darin vorkommenden Possen des Satyrchors unter- 
schied, in einem eigentümlichen Silbenmass abgefasst und 
kurzer war als die Komödie, denn es war ein kleines Stück, 
das nach der Tragödie zur Erheiterung gegeben wurde. Der 
darin vorkommende Tanz des Chors hiess aocfovY) und aixivvi<; 
von seinem Erfinder Sikinnos. 

Die beiden vorzüglichsten Dichter dieser Gattung waren, 
nach Pausanias' Urtheil, Aeschylos und Aristias. Das einzige 
vollständig erhaltene Satyrdrama ist des Euripides ,Kyklops c K 

1 Darüber Genthe 4836. Ueber das Satyrdrama: Eichstadt 4795 
o. Hermann's Widerlegung dieser Schrift in den Opusc. I., 4827; ferner 
Pikbger 4822. 

§. 179. Die von Epicharmos aus Kos (488 oder 470) 
erfundene sicilische Komödie war eine Mittelgattung 
zwischen dem Satyrspiel und der attischen Komödie. Plau- 
tus hat sich, wie Horaz (,Epist. fc , II, 1, 58) versichert, nach 
Epicharmos gebildet, dessen Bruchstücke Kruseman gesam- 
melt hat (1834). 

§. 180. Verschieden von diesen drei Arten des kunst- 
mässig ausgebildeten Dramas waren die pantomimischen 
Darstellungen lächerlicher Auftritte und die Mimen, dra- 
matische Gemälde des wirklichen Lebens in Gesprächsform, 
als deren Schöpfer Sophron aus Syrakus (420) genannt 
wird. Nachahmung durch Theokritos in den ,Adoniazusen 4 . 

Ein Tarentiner Rhinthon (280) wird Erfinder der EXapo- 
TpayoSfa (tragischen Parodie) und daher ykoa.!; oder cpXuaxo- 
Ypa90£ (Possenreisser), und Timon von Phlius (270) ein 
Sillograph (aiXXoc ist Spottgedicht oder Parodie) genannt K 

KCvaiSoc. 2 oder ttovixoi. Xoyot waren Gedichte von komisch- 
lyrischem Charakter, possenreisserisch-schmuzigem Inhalt, 
von Simos (daher ci\ioho() erfunden, dem Lysis (XuaioSoQ 
folgte; Beide übertraf Sotades (toc SwraSsta). 

1 De sillis Graecorum: Eckermann 1746, Wölke 4820, Paul 4824. 
Böttiger, Ariadne u. Bacchus, eine Pantomime nach Xenophon , in dessen 
Kleinen Schriften, 4838, III. — 2 Vgl. oben §. 472. 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 115 

§. 4SI. In den alexandrinischen Kanon für die Tra- 
gödie waren nur fünf Dichter aufgenommen: Aeschylos, 
Ion von Chios, Achäos von Eretria, Sophokles und Euri- 
pides; als sechster wird von Einigen auch Agathon von 
Athen 1 hinzugefügt. 

Aelter als diese sechs ist Phrynichos a aus Athen, der 
schon 5M den Siegespreis im Trauerspiel gewann und 476 
wiederum als Sieger auf der Bühne erscheint. Wegen seines 
Stücks ,Milets Zerstörung' verfiel er in Strafe, weil er ein- 
heimisches Unglück dargestellt hatte. In diese Kategorie 
gehören auch die ,Perser c des Aeschylos, die aber den Sieg 
der Griechen feiern, und das epische Gedicht des Samiers 
Chörilos auf den persischen Krieg s . 

1 Ritschl, De Agathonis vita, arte et reliquiis, 4829. — * Hott- 
mann, Ueber Phrynichus, in Jahn's Archiv für Philologie und Pädagogik, 
4830. Ott. Müller, De Phryriichi Phoenissis, 4835. — 3 Näkb, De 
Choerilo, 4847. 

§. 482. Aeschylos aus Eleusis in Attika (525 — 456), 
Mitkämpfer in den Schlachten von Marathon und Platäa, 
gestorben bei König Hiero in Syrakus und bei Gela be- 
graben, ist der Vater des höhern Trauerspiels, bei Horaz 

— personae pallaeque repertor honestae, 
Qui docnit magnuinque loqni nitique cothurno, 

nach Quintilian ,sublimis et gravis et grandiloquus saepe 
usque ad vitium, sed rudis in plerisque et incompositus', Be- 
gründer des dramatischen Dialogs durch Einfuhrung des zwei- 
ten Schauspielers (SsuTepayovtaT^c), Verfasser von 70 — 90 Tra- 
gödien, von denen nur noch sieben übrig sind: ,Agamemnon 4 
(seine Heimkehr und Ermordung durch Klytamnestra und 
Aegisthos), ,Choephoren c (Blutrache des Orestes an den 
Mördern seines Vaters), ,Eumeniden c (Verfolgung des Orestes 
durch die Furien und Lossprechung vor dem Areopag), der 
,Gefesselte Prometheus 4 , die ^Perser 6 , die ,Sieben gegen The- 
ben 6 , die ,Schutzflehenden c (Danaos' und seiner 50 Töchter 
Flucht aus Aegypten und Schutz in Argos). 

Ausgaben von Stanley 4663» mit Porson's Verbesserungen 4795 
n. 4806, Schütz 4797 — 4804 (neue A. 4808-— 24), Wellaubr 482&, 
W. Dindorf in den Poetae scenioi Graeci, 4830, Bothb 4831, Gf. Her- 
mann. Uebersetzungen sämmtlicher Tragödien Ton Fähse 4 809 , Voss 4 826, 
Droysen 4832 (2. A. 4844); einzelner von Süvern, W. v. Humboldt, Otf. 
Mütter. Petersen, De Aeschyli Tita et fabulis, 4844. Blömnbr, Ueber 
die Idee des Scbicksals in d. Tragödien des Aesch., 4844. S. oben §.475, 2. 

§. 483. Sophokles aus Kolonos in A&sa (J&fc— ^^ 



116 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

der vorzüglichste unter den drei grossen Tragikern der 
Griechen, zwanzig mal Sieger in poetischen Wettkämpfen, 
Aufsteller des dritten Schauspielers, Verfasser von beinahe 
430 Tragödien, von denen ebenfalls nur noch sieben vollstän- 
dig übrig sind : ,Antigone 4 , die vollendetste, die auch in deut- 
scher Uebersetzung von Böckh und Musikbegleitung * von 
Mendelssohn -Bartholdy 4844 in Berlin und seitdem auch in 
andern Städten mit grossem Beifall aufgeführt worden ist 2 ; 
diese, ,Konig Oedipus 4 und ,Oedipus auf Kolonos 4 geboren 
dem grossen thebanischen Sagenkreise an; der ,Geissel- 
tragende Ajax 4 und ,Philoktet 4 gehören dem Sagenkreise 
des Trojanerkriegs an; ,Elektra 4 (wie die ,Choephoren c des 
Aeschylos) ist ein Theil der Atridensage ; die ,Trachinierin- 
nen 4 behandeln den Untergang des Herakles. 

Ausgaben von Bbünck 4786 fg., Musgravb 4800 fg., Ebfübdt 4802 — 
4844 u. Hermann, Elmslby 1827, Schäfer 4810, Schneider u. Witzschel 
4823 — 44, Wunder 4825, Neue 4831, W. Dindorf 4832 — 36, Ahrens 
4842; einzelner Stücke: Ajax von Lobeck, Antigone von Wex u. Böckh, 
König Oedipus von Elmslby , öedipus auf Kolonos von Reisig u. Elmslby, 
Philoktet von Büttmann; die Fragmente von Bothe 4846. Ellendt, 
Lexicon Soph. , 4834 fg. Wunder, Conspectus metrorum, qaibns S. usus 
est, 4825. Deutsche Uebersetzungen von Ast, Solger, Donner, Thudichum. 
Lessing, Leben des S., heransgeg. von Eschenburg 4790. Scholl, So- 
phokles, sein Leben u. Wirken, 4841- Lübker, Die Sophokleische Theo- 
logie u. Ethik, 4854 n. 4855. 

1 Ciavierauszug 4843. — s Böckh, Tölken u. Förster, Ueber die 
Antigone des S. u. ihre Darstellung auf dem Schlosstheater im Neuen 
Palais bei Sanssouci 4842 und auf dem deutschen Theater 4842. 

§. 484. Euripides aus Salamis (480 — 406), Sohn des 
Mnesarchos und der Xaxavo7CG>XijTpta Kleito, brachte aus dem 
Umgange mit Anaxagoras, Prodikos, Protagoras und So- 
krates die Sprache der Philosophie auf die Bühne und wird 
daher 91X600901; oxyjvucoc genannt, der Liebling seines Zeit- 
alters, Tpa7txtkaT0<;, Benutzer des sogenannten Maschinen- 
gottes und des Prologs, gestorben bei Konig Archelaos in 
Makedonien. Von seinen 75 oder 420 Tragödien besitzen 
wir, ausser dem Satyrdrama ,Kyklops 4 , noch 18, deren 
einige für unecht gehalten werden: ,Hekabe 4 , ,Orestes 4 , 
,Phönissä 4 , ,Medea 4 , /IincoXvTOC ff^av^opoc 4 (gewann 429 
den Sieg über die Stücke des Iophon und Ion), ,Alkestis 4 , 
,Andromache 4 , ,Hiketides 4 (Supplices), ,Iphigenia in Aulis 4 
Iphigenia in Tauris 4 , ,Troades 4 , ^Bakchä 4 , ,Herakliden 4 , 
«Helena 4 , ,Ion c , ,Rasender Herakles 4 , ,Elektra 4 und ,Bhesos 4 . 

Ausgaben von Barnes 1694, Musgravb 4778, Matthia 4843 — 37, 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 117 

Boissohadk 4825 — 3*7, Fix 4840; Handausgaben von L. u. W. Dindobf 

4825 u. 4830» Bothb 4 825 fg.; einzelner Stücke von Pobson, Valokbnabb, 
Bbunck, Mabkland, Elmsley, Monk, Gf. Hbbmann, Sbidlbb, Klotz, 
Lbnting, Pflugk, Bothb. Deutsche Uebersetzungen von Bothe, Donner. 
Schnbithbb, De £. philosopho, 4828. Gbuppb, Ariadne, 4836. Patin, 
£tudes sur les tragiques grecs etc., 4844 — 43* 

§. 485. Der alexandrinische Kanon für die alte 
Komödie, deren es 365 Stücke gab, umfasste die Dichter 
Epicharmos, Kratinos, Piaton, Aristophanes, Pherekrates 
(nach ihm der Pherekratische Vers) und Eupolis; für die 
mittlere, deren es im Ganzen 674 Stücke gab, Antiphanes 
aus Rhodos (380) und Alexis aus Thurii; für die neuere, 
deren 64 Dichter gezählt werden, Philemon aus Soli in 
Kilikien, Philippides, Apollodoros, Diphilos aus Sinope und 
Menandros aus Athen, der allein 405 und darunter acht 
gekrönte Stücke verfasst hat. 

Meineke, Fragmenta comicorum Graecorum, 4839, u. Menandri et Phi- 
lemonis reliquiae, 4823. Curae criticae in comicor. fragmenta ab Athenaeo 
servata, 4845. Commentationes miscellaneae , 4822. Quaestiones scenicae, 

4826 — 30. De Euphorionis Chalcidensis vita et scriptis, 4823. Analeota 
Alexandrina, 4843, in denen die Fragmente der Dichter Euphorion , Rhia- 
nus und Alex. Aetolus gesammelt und erläutert sind. Auch von des Kra- 
tinos 24 Lustspielen, die ihm neun mal den Sieg brachten, besitzen wir 
nur noch Fragmente. Lucas, Cratinus et Eupolis, 4826; Runkbl 4827. 

§. 486. Vollständig erhalten sind uns nur elf Stücke 
von den 54 des Aristophanes, der mit dem attischen Bür- 
gerrecht beschenkt im vierten Jahre des Peloponnesischen 
Kriegs (427) als Dichter auftrat und noch 386 lebte, 
Muster des attischen Dialekts: ,Acharner 4 425, ,Ritter c 424, 
,Wolken 4 423, , Wespen' 422, ,Frieden< 424, ,V6gel 4 444, 
,Lysistrata c , ,Thesmophoriazusen 4 , ,Frösche c 405, ,Ekklesia- 
zusen' (Weiberconvent); in dem ,Plutos c 388 haben wir ein 
Beispiel der mittlem Komödie ; der verloren gegangene ,Ko- 
kalos' 388 gehorte der neuern Komödie an. 

Ausgaben von Bbunck 4784*— 83, Invbbnizi unter Beck's Aufsicht 
begonnen 4794, beendigt durch W. Dindobf 4826, Bekkeb 4829, W. Din- 
dobf 4838; Plutus von Hbmstbbhuis 4744 u, 4844, Wolken von Gf. Her- 
mann 4799 u. 4830 u. Reisig 4820. Uebersetzungen von Voss 4824 u. 
Droysen 4835 — 38, der Wolken von Wolf 4842. Rötschbb, Aristophanei 
u. sein Zeitalter, 4833. 

b) Philosophie. 

§. 187. Die Philosophie entstand in lonien, ging von 
da nach einigen nahegelegenen griechischen Colonien und 
nach Grossgriechenland über, bis sie, auch von hier ver-. 



118 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

scheucht, in Athen einen festen Sitz erhielt, von wo ans 
sich die menschliche Cultur über ganz Griechenland und 
weiterhin verbreitete. 

Brandis, Handb. d. Gesch. d. griech.-rom. Philosophie, 483o-— 44. 
Ritter u. Prellbr, Hist. philosophiae graeco-roman. ex fontium locis 
contexta, 4838. Zbllbr, Die Philosophie d. Griechen, seit 4844; Bd. 4 : 
Die vorsokratische Philosophie, 2. A. 4855. Tennemann, Grundriss d. 
Gesch. d. Philos. vonWendt, 4828, zugleich mit literar. Ci taten. Karsten, 
Philos. graec. vet. reliquiae, 4830. 

§. 188. Die ionische Philosophenschule x (die sogenann- 
ten Physiker) stellte sich die Aufgabe, die Erscheinungen 
in der Natur aus den Kräften und Eigenschaften des Stoffs 
selbst zu erklaren, und schlug dabei einen doppelten Weg 
ein, einen dynamischen und einen mechanischen. Den erstem 
ging Thaies, der das Wasser, Anaximenes (540) und Dio- 
genes von Apollonia (460) 2 , welche die Luft, Herakleitos 
(oxotsivoc, 500) 3 , der das Feuer, und Pherekydes von Syros 
(540) 4 , der den Aether und die Erde als Urprincipe auf- 
stellte. Den andern Weg betraten Anaximander (600), De- 
mokritos von Abdera (450) ft , Leukippos und Anaxagoras e , 
Freund und Lehrer des Perikles, welche die Welt aus einer 
Verbindung einfacher, untheilbarer Grundbestandteile ent- 
stehen lassen, welche die beiden erstem als Atome 7 , die 
letztern als Homoomerien bezeichneten. 

1 Tibdbmanh, Griechenlands erste Philosophen, 4 "780. Ritter, Gesch. 
d. ionischen Philos., 4824. — 2 Schleibbmachbb in d. Vermischten Schrif- 
ten, Bd. 2- Panzebbietbb, De Diogenis etc. scriptis et doctrina, 4830. 
Schork, Anaxagorae et Diog. fragm., 4829. — 3 Seine Bruchstücke (Mnsae) 
von Schleiermacher im Museum der Alterthumswissenschaften, 4 805, in. — 
4 Seine Fragm. von Sturz 4789 (3. A. 4824). — 5 Mullach, Dem. fragm., 
4843. Gbfferb , Quaestiones Dem. , 4829. Burchard, Dem. philos., 4830, 
4834. • — 6 Seine Fragm. von Schaubach 482*7 u. Schorn 4829. Beitrage 
zur Erklärung seiner Lehre von Carus 4797 u. Breier 4840. — 7 Papen- 
cordt, De atomicorum doctrina, 4832* 

§. -189. Die Pythagoraisohe Philosophie rührt ihren 
Grundzügen nach von ihrem Gründer Pythagoras (geboren 
584 auf Samos, Stifter des Bundes zu Kroton in Unteritalien) 
her, der zuerst den Namen aocpoc mit dem eines (piXoaocpoc 
vertauschte; aber die Ausbildung der Lehre gehört seinen 
Jüngern an, deren bekannteste, Philolaos und Archytas, 
Zeitgenossen des Sokrates sind. Sie trugen ihre Lehren in 
mathematischen Formen vor (daher die Mathematiker), weil 
sie in den Zahlenverhältnissen das Wesen der Dinge er- 
kannten, deren Entstehung sie sich wiederum durch Zahlen- 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 119 

Verbindungen erklärten. Eine poetische Ansicht war die 
Lehre von der Harmonie der Sphären. 

Ritter, Gesch. d. Pythagor. Philos. , 4826. Rrinhold, Beitrage zur 
Erläuterung d. Pythagor. Metaphysik, 4827. Bbandis, Ueber die Zahlen- 
lehre der Pythagor. u. Platoniker, im Rhein. Mus., IL Hartenstein, 
De Archytae Tarentini fragm. philos., 4833. Gruppe, Ueber die Fragm. 
des Archytas u. d. altern Pytbagoräer, 4840. 

§. 190. Während die ionische und Pythagoräische Philo- 
sophie das sinnlich Wahrnehmbare aus dem Unsichtbaren 
und Ewigen kommend und in ihm bestehend begriff, er- 
klärte Xenophanes aus Kolophon (536), der Stifter der 
eleatischen Schule (zu Elea in Unteritalien), die Welt 
selbst als das Ewige und Unveränderliche und wurde da- 
durch der Vater des Pantheismus. Er und seine Schüler, 
Parmenides aus Elea (500), Empedokles aus Agrigent (440), 
Zenon aus Elea (450), Hessen nur die menschliche Vernunft 
als Erkenntnissquelle der Wahrheit gelten. 

Bbandis, Commentationes Eleaticae, 4843* Fülleborn, Parmenides* 
Lehrgedicht, 4795. 

§. 494. Das Glück der Perserkriege hatte die Griechen, 
besonders die Athener, verwohnt. Weltklugheit und Lebens- 
genuss wurden als die höchsten Güter angesehen und an 
die Stelle der Religion und des sittlichen Gefühls trat eine 
auf Lug und Trug gegründete Philosophie, deren Urheber 
und Lehrer, Gorgias von Leontini in Sicilien (440), Prota- 
goras aus Abdera, Prodikos aus Iulis auf Kos, Hippias aus 
Elis, Polos, Thrasymachos, Kallikles u. A. , unter dem Namen 
der «Sophisten bekannt sind 1 . 

Gegen sie trat Sokrates aus Alopeke in Attika (469 — 399), 
des Sophroniskos und der Phänarete Sohn, mit seiner geistigen 
Mäeutik auf und weckte das Gefühl für Religion, Sittlich- 
keit und Recht in der Brust seiner Schüler. Daher sagten 
schon die Alten (Cic. ,Tusc.', V, 4), er habe die Weisheit 
vom Himmel auf die Erde gebracht, und das Orakel nannte 
ihn av&pwv ocTcavrov aocptoTauov (Scholien zu Aristophanes' 
,Wolken c , 144) 2 . 

Unter seinen zahlreichen Schülern, den sogenannten So- 
kratikern, haben Piaton 3 und Xenophon 4 seine Lehre am 
treuesten bewahrt, während Antisthenes ö , Aristippos 6 , Eu- 
klides 7 sie durch Folgerungen und Schlüsse entstellten. 

Der alexandrinische Kanon umfasste fünf Philosophen: 



120 Zweites Buch. Ethnodoklologie 

Platon, Xenophon, Aeschines, Aristoteles 8 und Theo- 
phrastos. 

1 Gbel, Hißt. crit. sophistarum, in den Novis actis literar. societatis 
Rheno-Traiecti, 4823* Roller, Die griech. Sophisten, 4832. Baumhauer, 
Quam vim sophistae habuerint etc., 4844. Millhauseb, De sophistis. — 
2 Hermann, De Socratis magistris et disciplina juvenili, 4837. Wiooers, 
Sokr. als Mensch, Bürger u. Philosoph, (2. A.) 484 4. Delbrück, Sokr., 
4 84 6. Schlbiermachrr in seinen philos. u. vermischten Schriften, II. Hegel, 
Gesch. d. Philos., II. Forobhammer, Die Athener u. Sokrates etc., 4827; 
dagegen Bendixbn, Ueber den tiefern Schriftsinn d. revolutionären Sokr. 
u. die gesetzlichen Athener, 4839. — 9 Stifter der akademischen Philo- 
sophenschule. — 4 In seinen Denkwürdigkeiten (' AitO|ivT]}JLOveufiaTa, Memora- 
bilia) des Sokrates. van Hobvell, De Xenoph. philos., 4844. — & Stifter 

der kynischen Schule. — 6 Stifter der kyrenaischen Schule 7 Stifter der 

megarischen Schule. — 8 Stifter der peripatetischen Schule. 

§. 192. Platon, wegen seiner hohen Ideen und der 
vollendeten Kunst der Darstellung in feiner dialogischer 
Form der Göttliche genannt, ward zu Athen 429 geboren, 
der Sohn des Ariston und der Periktione, ursprünglich 
Aristokles genannt, aber wegen seiner breiten Stirn oder 
Brust (von Sokrates?) als Platon bezeichnet, ausserdem ge- 
bildet durch Dionysios, Ariston, Drakon, Kratylos, Eu- 
klides, Theodoros, Archytas und den ägyptischen Priester 
Sechnuphis (?) in allen Zweigen des Wissens und der 
Kunst, starb 348 bei einem Gastmahle an seinem Geburts- 
tage (7. Thargelion *= April) *. 

Der Kern seiner Lehre, in welcher die vier Hauptrich- 
tungen der altern Philosophie wie in ihrem Brennpunkte 
vereinigt sind, besteht darin, dass allein das Seiende, die 
Idee, Dauer und Wahrheit habe, dass das Irdische und 
Werdende nur Schein und Wechsel und das Forschen nach 
der ewigen Wahrheit Zweck des Lebens sei. 

Schleiermacher versuchte in seiner Uebersetzung a die 
Platonischen Schriften als ein grosses systematisches Ganzes 
darzustellen. Den vorahnenden Aufriss des Ganzen sollte 
der Dialog ,Phädros c (über die Schönheit) enthalten. An ihn 
schliessen sich zunächst die elementaren Sokratischen Ge- 
spräche an, die auf die Dialektik, als das Mittel, und die 
Ideen, als den wahren Gegenstand der Philosophie, hin- 
leiten : ,Protagoras c s , ,Parmenides 4 4 , ,Lysis c *, ,Laches 4 (von 
der Tapferkeit), ,Charmides c (von der Besonnenheit), ,Eu- 
typhron c 6 , , Apologie 4 , ,Kriton 4 7 und andere kleinere Ge- 
spräche. 

Eine zweite Reihe sollten die dialektischen oder vermit- 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 131 

telnden Dialoge bilden, welche die Aufgabe haben, den 
Gegensatz zwischen der gemeinen und der philosophischen 
Erkenntniss zu entwickeln und sowol auf die Physik ab 
die Ethik anzuwenden: ,Gorgias 4 (von der Rhetorik), ,Theä- 
tetos 4 (von der Wissenschaft), ,Menon c (von der lernbaren 
Tugend), ,Euthydemos 4 (der Zänker), ,Sophistes 4 (7cepi,T0U 
ovros), ,Politikos c (von der Regierung), ,Phädon' (von der 
Unsterblichkeit der Seele), ,Philebos 4 (von der Wollust). 

In die dritte Reihe stellt Schleiermacher die Schriften 
der höchsten Reife, die eigentlich constructiven, objectiv- 
wissenschaftlichen Darstellungen: ,Timäos c (von der Natur) *, 
,Kritias 4 (von der Insel Atlantis), ,Zehn Bücher vom Staate 4 ?, 
,Zwolf Bücher von den Gesetzen 4 (deren Echtheit bezweifelt 
wird), dazu als Einleitung ,Minos 4 (von dem Gesetze), ,Der 
erste oder ältere Alkibiades 4 (von der menschlichen Natur), 
,Der zweite oder jüngere Alkibiades 4 (vom Gebete), ,Hip- 
parchos 4 (von der Gewinnsucht), ,Die Liebhaber 4 (von der 
Philosophie), ,Theages 4 (von der Weisheit), ,Hippias l. 4 
(vom Schonen), ,Hippias II. 4 (von der Lüge), ,Ion 4 (von 
der poetischen Begeisterung und von der ,üias 4 ), ,Menexe- 
nos 4 (Rede auf gefallene Athener), ,Kleitophon 4 (7cporp£7cn- 
xoc, Ermahnung), ,Das Gastmahl 4 (von der Liebe), ,Kra- 
tylos 4 (über die Natur der Sprache und Beschaffenheit der 
Namen, — vom Weltgeiste). 

Im Gegensatz zu Schleiermacher hat K. F. Hermann 1839 
eine Anordnung versucht, die ein Bild der individuellen all- 
mäligen Ausbildung des Platonischen Gedankenkreises geben 
soll, wie er, anfangs gebunden an die engen Grenzen So- 
matischer Philosophie, nach und nach seine Untersuchungen 
immer weiter erstreckte und vollständiger entwickelte l0 . 

1 Ueber sein Leben schrieben: Hestchios, 536 n. Chr., Olympio- 
doeo8, 550 n. Chr., Tennemann, Ast, Wiggbbs, Delbrück, Sooheb, 
Schleiebmacheb u. A. — 2 Nicht ganz vollendet, seit 4804, neue A. 
4847 — 28. — d Verteidigung der Sokratischen Gesprächsform, mit be- 
sonderer Beziehung auf die Mittheilung des Ethischen. — 4 Der Staats- 
weise ; Ergänzung und Gegenstück des -vorhergehenden Dialogs in Hinsicht 
des philosophischen Forsehens , — Lehre von den Begriffen. — 5 Von der 
Freundschaft, erläuternder Nachtrag zu einer im Phädrus über die Liebe 
ausgesprochenen Behauptung. — 6 Von den Pflichten gegen die Götter, 
u£pl 6olo\) , — schliesst sich mit Bezug auf die Anklage gegen Sokrates als 
dialektische Erörterung über den Begriff der Frömmigkeit an den Prota- 
gons an. — 7 Uep\ rcpaxTOÖ, von den Bürgerpflichten. — 8 Auch der 
Pythagoräische Philosoph Timäos der Lokrer, im 5. Jahrb. v. Chr., hat 
einen gleichnamigen Dialog über die Weltseele geschrieben, den jedoch 
die Kritik als untergeschoben bezeichnet : Gelder \ 836- — 9 Hauptwerk. 



122 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Die ewigen Gesetze der Wahrheit, Vollkommenheit und Harmonie solleu 
auf ähnliche Art im Reiche der sittlichen Freiheit wirken, wie sie der 
Schopfer im Weltall realisirt hat. Sein Staat ist ein ideelles Werk der 
Phantasie. — 10 TJeber das Verhaltniss der Platonischen Philosophie zu 
ihrer Zeit und zur Bildung der Menschheit überhaupt s. Schlosser' s Uni- 
versalhistor. Uebersicht, I, 3, 272 fg. Tennemann, System der Piaton. 
Philos., 4792 — 95. Tibdemann, Argumenta dialogor. P. , im 42. Bde. der 
zweibrücker Ausg. Ast, Platon's Leben u. Schriften, 4846, u. Lexicon 
Plat., 1834 — 39. Socheb, Ueber P.'s Schriften, 4820. van Heusde, Iuitia 
philos. P., 4827 — 36. Suokow, Die wissenschaftl. u. künstlerische Form 
der Piaton. Schriften in ihrer bisher verborgenen Eigenthümlichkeit darge- 
stellt, 4856. Susemihl, Die genetische Entwicklung d. Platonischen Philo- 
sophie, 4855. Ausgaben von H. Stbphanus 4578, mit der lat. Ueber- 
setzung des Ficinus 4602, die «weibruck er 4784 — 87, Bekkeb 4846 — 23, 
4826, Stallbaum 4824—25, Ast 4849—32; einzelner Dialoge im 49. Jahrh. 
von Heindorf, Buttmann, F. A. Wolf, Ast, Stallbaum, Schneider, 
Nitzsch u. A. Uebersetzung der Bücher vom Staate von Schneider 4842. 
Neueste Uebersetzung sämmtlicher Werke von H. Müller, mit Einleitungen 
begleitet von K. Steinhart, Bd. 4—5, 4850—55. 

§. 493« Seine nächsten Schüler und Nachfolger, sein 
Neffe Speusippos, Xenokrates aus Chalkedon (379 — 244) % 
Polemo aus Athen, Krantor aus Soli in Kilikien, hielten 
sich in der Nähe der echten Platonischen Lehre; aber Ar- 
kesilaos aus Pitane in Aeolien (346 — 244) und Karneades 
aus Kyrene (247 oder 432 geboren) wendeten sich einem 
skeptischen Probabilismus zu, der die sogenannte jüngere 
Akademie charakterisirt. 

1 Wtnpbbssb, Diatribe de Xenocrate, 4822. 

§. 494. Sokrates hatte als Zweck seiner aufs praktische 
Leben gerichteten Philosophie die Glückseligkeit und als 
Mittel und Weg ein tugendhaftes Leben und ein Streben 
nach Göttlichkeit hingestellt. Unter den Händen einzelner 
seiner Schüler erfuhr diese Glückseligkeitslehre ver- 
schiedene Gestaltungen. 

Der Welt- und Lebemann Aristipp von Kyrene (380) 
lehrte, dass die angenehmen Empfindungen das höchste Gut 
seien. Sein Grundsatz war, man müsse die Verhältnisse 
sich, nicht sich den Verhältnissen unterwerfen (nach Horaz : 
,Mihi res, non me rebus, submittere conor 4 ) l . 

An ihn lehnt sich Epikuros von Gargettos (344 — 269), 
lehrend in einem Garten bei Athen, daher seine Schüler 
oC ctTcb oder oE £yt töv xrpcov und x^TCoXoyot genannt, dass die 
•JjSov^ oder das physisch- ethische Wohlleben höchstes Gut 
sei, eine Lehre, die einige Jahrhunderte später Lieblings- 
philosophie der höhern Stände Roms wurde (Horaz nennt 
sich ,Epicuri de grege porcus 4 ). Von seinen 300 Schriften 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 123 

oder Büchern haben wir nur Fragmente 9 . Das Gedicht 
des Körners Lucrez und Diogenes von Laerte geben die 
beste Erläuterung des epikuräischen Systems. . 

1 Wbndt, De philos. Cyrenaica, 4835. Wiblahd's Amtipp. — a Gab- 
sendi, De vita, moribus et doctrina Epicuri, 4647, 4684, u. Syntagma 
philos. Epicuri. 

§. 195. Antisthenes aus Athen (geb. 432) behauptete, 
dass Genügsamkeit und Entbehrung das höchste Gut sei. 
Seine Schule nannte man die kynische, von dem Gymna- 
sium Kynosarges, wo er lehrte. Am weitesten ging in der 
Enthaltsamkeit sein Schüler Diogenes vonSinope (geb. 444). 

Auf diesem Grunde erbaute Zeno (362 — 264) aus Kit- 
tion auf der Insel Kypros, Freund des Königs Antigonos 
Gonnatas von Makedonien, sein System der stoischen 
Philosophie, welches seinen Namen von der oroa 7cooc£X?) in 
Athen, woselbst er lehrte, erhalten hat. Die Entbehrung 
und Bekämpfimg der Leidenschaften (d. h. die Tugend) ist 
das höchste Gut nach diesem System. Zeno's Schriften sind 
verloren gegangen, nur seine Anhänger aus spätem Zeiten 
haben uns seine Lehre erhalten: Seneca, Arrian, Marc 
Aurel, Cicero (,De finibus 4 , ,De officiis 4 , ,Tuscul. dispute 
und ,Quaestiones academicae 4 ), Sextus Empiricus, Joh. 
Stobäus, Diogenes Laertius, Plutarch und Simplicius. 

§; 496. Euklides von Megara (f 424) ist Stifter der 
megarischen oder eristischen Schule, die das Gute als das 
Einzige, was in Wahrheit sei, aufstellte und eleatische Be- 
griffe mit der Sokratischen Sittenlehre verschmolz, 

§. 197. Die skeptische Schule gründete Pyrrho (daher 
Pyrrhonismus) aus Elis (350 — 260), dem das oberste Gut 
in dem Aufgeben alles Urtheils (jiioaf4[) und in der Seelen- 
ruhe liegt (rjffu^a), die auf Charakterfestigkeit (arapa^a), 
Leidenschaftslosigkeit (aTCdföeia) und Gleichgültigkeit (aota- 
9op6x) beruht. Um dieses Ziel zu erlangen, stellte Pyrrho 
zehn Mittel oder Weisen der Unentschiedenheit (xpo7coi izo- 
£?]€) auf, deren Zahl nachher auf 45 gebracht wurde. Zu 
seinen Anhängern gehören Aenesidemos (aus der zweiten 
Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr.) 1 und Sextus mit dem Bei- 
namen Empiricus, weil er als Arzt der empirischen Schule 
angehorte. 

1 Schülze's Aenesidemus, 4799, ist eine Bekämpfung von. Kanfc'%. 
Kritik der reinen Vernunft mit den Waffen <tes &ta^tV&ftf&N&* 



124 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 198. Den Gegensatz zu Piaton, den Schöpfer des 
Idealismus, bildet dessen grosster Schüler, Aristoteles, der 
Begründer des Realismus und Stifter der peripatetischen 
Schule, aus Stagira in Makedonien (384 — 324), 20 Jahre 
lang Platon's Schüler, fünf oder acht Jahre lang (seit 342?) 
Alexanders d. Gr. Lehrer, auch Lehrer in den Gängen (£v 
icept7caT0ic) des Lyceums zu Athen vor einem gemischten 
Publicum (exoterisch oder populär) und im engern Kreise 
vor seinen Schülern (esoterisch), Sammler der ersten Biblio- 
thek, gestorben zu Chalkis auf Euboa. 

Sein System ruht auf den beiden Sätzen , dass der Geist 
seine Ideen aus der Erfahrung annehme, und dass die durch 
Erfahrung erkannten Eigenschaften Wahrheit haben, mögen 
sie verborgen oder am Tage liegen. 

Er ist Schopfer der philosophischen Terminologie und 
der meisten noch gangbaren Definitionen, Begründer der 
Logik, Psychologie, Rhetorik und Poetik, Vater der Natur- 
geschichte (Zoologie und vergleichenden Anatomie), Physio- 
gnomik und Metaphysik. Seine Physik ist ein schwacher 
Versuch. Seine Ethik und Politik (in 8 Büchern) erheben 
sich nicht zu den höchsten Principien. Seine Werke sind 
zahlreich. Unter dem Namen ,Organon 4 werden seine Schrif- 
ten logischen Inhalts in \ 4 Büchern begriffen. Viele Schrif- 
ten sind verloren gegangen, darunter die ,Politien 4 {über 
458 alte Staatsverfassungen), andere ihm untergeschoben. 

Seine Philosophie, welche, den Griechen zu trocken, den 
Römern zu speculativ, lange in geringerer Achtung stand, 
gewann neues Ansehen am byzantinischen Hofe und bei 
den Arabern und genoss, von diesen in Europa eingeführt, 
während des Mittelalters einer überspannten Verehrung. 
Descartes (1596 — 1650) stürzte ihr Ansehen, Newton (1642 — 
1727) und Locke (1632 — 1704) hoben es wieder. 

St ahb, Aristo telia, 4830« Michblet, Examen crit. de i'ouvrage 
d'Aristot. etc., 4836* Ravaisson, Essai sur la metaphys. A., 4836. 
Jourdan, Geschichte d. Arist. Schriften im Mittelalter (deutsch von Stahr 
4834). Ausg. sammtlicher Werke von Stlburo 4587, Casaubonüs 4590; 
von der zweibrücker Ausg. durch Buhle erschienen nur 5 Bde., 4794- — 4800. 
Die Akademie der Wissensch. zu Berlin -veranstaltet seit 4834 eine Ausg. 
durch Bbkkbb mit lat. Uebersetz. u. Auszügen aus den alten Commenta- 
toren, die Brandts besorgt hat. Rhetorik von Reiz u. Gabve; Poetik 
von Hermann, Gratbnban u. Rittbb; Ethik von Zell u. Korais; Meta- 
physik von Brandis u. Bonitz; Politik von Schnbidbr, Korais u. Gött- 
limo; Zoologie von Schneider; die Bücher von der Seele von Trendelen <- 
Büro; Meteorologie von Ideler etc. 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 125 

§. 199. Des Aristoteles Nachfolger war Theophrast aus 
Eresos auf Lesbos (392? — 286), zugleich Begründer der 
Pflanzenkunde K Sein vorzüglichstes philosophisches Werk 
sind seine Sittengemälde (,'IRjtxol x«pa>c^psc 4 ) i» 30 Capi- 
teln 2 . ,Thiergeschichte 4 3 . 

1 Ausg. von Stackhouse 4843 u. Sprengel 4822, mit U ebersetz. u. 
Erläuterungen. — 2 Ausg. von Siebenkees 4798, Schneider 4799, Ast 
4846; deutsch von Hottinger 4810. — 3 Ausg/ von Schneider 4784 vl. 
Jacobs 4832. Ausg. des Ganzen von Dan. Heinsius 4643, Schneider 
1848 — 24, Wimmer 4846. 

c) Geschichte. 

§. 200. Die Geschichte nahm bei den Griechen ihren 
Ursprung aus der Sage (ptu^oroxoc f EXXac), daher ihr 
poetisches Gewand. Die Gründungen der Städte (xTfoei£) 
waren der Gegenstand für die Sagenerzähler oder Logo- 
graphen: Kadmos, Dionysios und Hekatäos von Milet, 
Charon von Lampsakos, Xanthos den Lyder, Pherekydes 
von Leros und Hellanikos von Mitylene, deren Werke nur 
noch in Bruchstücken übrig sind. Ausbildung aller 
Hauptformen der Geschichtschreibung schon in der 
Periode der Freiheit durch Herodot, Thukydidte 
und Xenophon für die allgemeine Geschichte, die 
Geschichte der eigenen Zeit und die der eigenen 
Thaten. 

Historicor. Graecor. fragm. von Creuzer 4806 u. Müller 4840. 
Klausen, Hecataei fragm. 4834. Ukebt, Untersuchungen über d. Geogr. 
des Hekatäos, 4844. Fragm. des Pherekydes von Sturz 4789 (3. A. 4824) 
und Matthia in den Vermischten Schriften, 4833- Sturz, Fragm. d. Hella- 
nikos, 4827. Vossius, t)e historicis Graecis, 4654, neue A. von Westeb- 
mann 4838. Merleker, Die histor. Schuldisciplinen, 4834, I, 466 fg. 

§. 201. Mit Herodotos von Halikarnass (484 — 408?) 
hebt der Kanon der Alexandriner für die Geschichte 
an, der ausser den vier grossten Historikern, Herodot, Thu- 
kydides, Xenophon und Polybios, noch sechs andere ent- 
hielt, deren Werke bis auf wenige Fragmente untergegangen 
sind, Theopompos von Chios, Ephoros von Kyme, Anaxi- 
menes von Lampsakos, Kallisthenes von Ölynthos, Hella- 
nikos von Lesbos und Philistos aus Syrakus. 

Herodot's angegriffenes, aber befreites Hellas, verfloch- 
ten in eine allgemeine Geschichte der damaligen Haupt- 
volker, wurde die grosse, allgemein interessante National- 



126 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

angelegenheit und reihte sich würdig an die Homerischen 
Werke an. 

Herodot, auf Reisen in Griechenland, Makedonien, Thra- 
kien, Babylon, Memphis und Libyen gebildet, las Theile 
seines Werks auf den olympischen Spielen 457 und an den 
Panathenäen 446 vor, starb in Thurii in Unteritalien. Sein 
Werk, von den alexandrinischen Grammatikern in neun 
Bücher zerlegt und nach den neun Musen benannt, umfasst 
den Zeitraum von 720 — 479 und ist 'treu und rechtschaffen 
gearbeitet \ 

1 Ausgaben von Aldus 4502, Gronoy 4745, Wesseling u. Valcke- 
naeb 4763, Reiz u. Schäfer 4800 — 22, Schwbiohauser 4806, Gaispord 
4824, Bahb 4830 — 35. Erklärung von Stein, 4855. Uebersetzungen: latein. 
von Laur. Valla 4474, französ. von Larcher 4786, meisterhafte deutsche von 
Lange 4840, Scholl (44 Bde.) 4828 — 32- Schweighäuser, Lexicon Herod., 
4824 n. 4844. Rbknell, The geographica! System of H., 4800 (2. A. 4832; 
deutsch von Bredow 4802). Bobrik, Geogr. d. H., 4838. Dahlmanh, Herodot, 
aus s. Buche s. Leben, 4823* Blum, Herodot a. Ktesias, 4836. Heyse, 
De H. vita et itinerib., 4826* Waardbnburg, De natira simplicitate Her., 
4830* Hofmeister, Sittlich -religiöse Lebensansicht des H., 4832. 

§. 202. Thukydides, des Oloros Sohn aus Athen (474 — 
402?), Befehlshaber in Amphipolis, verbannt, ermordet, schrieb 
die Geschichte des Peloponnesischen Kriegs (431 — 410) mit 
Wahrheitsliebe und Kritik in acht Büchern. Seine Diction 
wird als das vollkommenste Muster des Atticismus betrachtet. 
Seine Fortsetzer sind Xenophon, Kratippos und Theopomp. 

Ausgaben von Wasse u. Düker 4744, Poppo 4824 — 40, Bloomfield 
4842, Koch, mit der meisterhaften latein. Uebersetzung Enenkel's, 4846. 
Deutsche Uebersetz. von Heilmann 4760 (neueste Umarbeitung von Bredotv 
4823), Jacobi 4804—8, Osiander 4826 — 29, Müller, Klein, Kämpf. 
Mabkellinos' griech. Lebensbeschreibung des Thuk. bei Westermann, in 
Biographi graeci minores, 4845. Dodwell, Annales Thuc. , 4702- Creu- 
zer, Herodot u. Thuk. etc., 4798. Roth, Ueber Thuk. u. Tacitus, 4842. 
Krüger, Untersuchungen über des Thuk. Leben, 4832. Wüttke, De 
Thuc. etc., 4839* Röscher, Leben, Werke u. Zeitalter des Thuk., 4842. 

§. 203. Xenophon, des Gryllos Sohn aus Athen (446 — 356), 
in der Schlacht bei Delion 424 von Sokrates gerettet, mit 
den Zehntausend in Asien 404 , aus Athen wegen seines La- 
konismus verbannt, gestorben in Skillus bei Olympia in Elis. 
Seine Werke : ,' Avdißaoic 4 (Zug der Zehntausend gegen Arta- 
xerxes IL Mnemon und Bückzug nach der Schlacht bei Ku- 
naxa 404 und Kyros' d. Jüngern Tod), , f EXXYjvoca« (griechische 
Geschichte als Fortsetzung des Thukydides, 410 — 362), 
JKupov 7cai5eta 4 (Geschichte des altern Kyros, ein historischer 
Roman im Sinne des Orients), ,'A7CO|xviq(*.oveu|jiaTa 2oxpa- 



Sechzehntes Capüel. ' Hellenen. 127 

toucS ,2u[X7u6aiov 4 , /AyeöiXaoi; 4 , ,Olxovo|Ux6€S >Kw*)Y6ti>c6cS 
,TIepl TzdhxdoLS AaxeSaifjiovfov xai 'A^Tjvafav 4 , ,Il6ßoi «!j xspi 
xpo^68ov 4 , ,üspl hzTWxrfi', , f Itfpc»v ( . 

Aasgaben von H. Stephanus 4564, Lbunclaviub 4569 etc., Wklls 
4703, Thiemb 4763, Weiskb 4798 — 4804, Gail, mit franz. Uebersete., 
4804 — 46, Schneider 4825 — 40, Bobnemann 4828 — 44, L. Dindobf 
4839. Anabasis von L. Dindobf 4804, 4825 u. 4829, Krüger 4825, 
Graff 4842; dazu die Erläuterungen von Rennbll 4847 (deutsch von 
Lion 4823) u. Ainsworth 4844. Kyropadie von Poppo 4824, L. Din- 
dobf 4824 n. 4830, Jacobit^ 4843. Hellenika von Mobüs 4778, L. Din- 
dobf 4824 u. 4834. Memorabilien von Ernesti (mit Ruhnken's u. Valcke- 
nabr's Noten, 5. A.) 4772, W. Dindobf 4825, HebRst 4827, L. Dindobf 
4834, Sauppe 4834, Seyffebt 4844. Symposion von Bobnemann 4824, 
Herbst 4830. Hiero von Frotscher 4822, Graff 4842. Agesilaos von 
Heiland 4844. Oekonomikos von Bbeitenbach 4842. De rep. Lacedaem. 
von Haase 4833. De re eqnestri von Courier 4843, F. Jacobs 4825. 
Scripta minora von L. Dindobf 4824. Gastmahl, Hiero u. Agesilaos von 
Hanov 4825 u. Sauppb 4844. Uebersetzungen von einem Verein von Ge- 
lehrten {Walz, Finkh, Tafel, Osi ander) 4827 — 34, Meyer 4827. Ana- 
basis von Becker 4802 u. Halbkart (2. A.) 4822. Kyropadie von Meyer 
4843 u. Neide 4826. Denkwürdigkeiten des Sokrates von Weiske 4794, 
Kunhardt 4802, HoHinger 4849, Froböse 4824. Sturz, Lexicon Xen., 
4804—4. Dodwell, Chronologia Xen., 4700. Cobbt, Prosopographia 
Xenophontea, 4836. Crbtjzeb, De Xen. historico, 4799. Krüger, De 
vita Xen. qnaest. criticae, 4822. 

§. 204. Ktesias war Leibarzt bei Kyros d. Jüngern, bis 
zu dessen Tode 401 , dann bei Konig Artaxerxes II. Mnemon 
von Persien und schrieb aus persischen Beichsannalen eine 
persische, assyrische und indische Geschichte *. 

Theopompos aus Chios (im 4. Jahrh.) schrieb 42 Bücher 
,Hellenika c als Fortsetzung des Thukydides bis 394 und 
58 Bücher ,Philippika< 2 . 

Philistos 3 . Ephoros 4 . Von den Geschichtschreibern 
Alexanders d. Gr. (Kallisthenes 6 , Klitarchos, Hieronymos 
von Kardia, Ptolemäos Lagi u. A.) sagt Quintilian: ,Inge* 
nium probatur, fides infamatur 6 : das Staunen über wunder* 
gleiche Thaten und Naturgestaltungen verderbt die Ge- 
schichte zur Fabelei 6 . 

1 Fragm. von Lion 4823, Bahr 4824. Ueber ihn Rettig 4827 u. 
Blum 4836. — 2 Fragm. von Wiohers 4829, Thbiss 4837, Müller 
(Historicor. Graecor. fragm.) 4844. Ueber ihn Aschbach 4823 n. Pfluok 
1827- — 9 Fragm. über Sicilien bei GÖllbr, De situ et origine Syracusarum, 
4848- — 4 Hauptquelle des Diodor. Fragm. von Mbier-Mbbb 4845. — 
6 Westermann, De Callisthenis vita et scriptis, 4838. — 6 St.-Croix, 
Examen des historiens d'Alex. le grand, 4775. Geier, Alex. M. historla- 
rum scriptores aetate suppares, 4844. Drotben, Alexander d. Gr., 4833. 
Flathe, Gesch. Makedoniens, 4832. Otf. Müller, Ueber d. Wohnsitze 
d. makedon. Volks, 4825. Vaillant, Hist. Ptolemaeor., 4804. Heyne, 
De genio secnli Ptolem., in s. Opnsc. acad., 1785, Bd. 4. Drumann, De 
reb. Ptolem., 4824. 



128 Zweites buch. Ethnodoktologie. 

d) Beredtsamkeit. 

§. 205. Die eigentliche Staatsberedtsamkeit ist blos 
in Athen zu Hause. Man unterscheidet politische, gericht- 
liche und epideiktische Redner oder sogenannte Rhetores 
und Sophisten, wie sie sich in späterer Zeit nennen '. 

Der alexandrinische Kanon enthielt folgende zehn at- 
tische Redner: Antiphon, Isokrates, Andokides, Lysias, 
Isaos, Demosthenes, Aeschines, Hyferides, Lykurgos und 
Dinar chos, die alle zwischen 420 und 320 in Athen blühten 2 . 

1 KÖlbr, Vergleichung d. alten u. neuen Redekunst, 4785. Po am 
Heusde , De antiqua eloquentia cum recentiore comparata , 4 805. Ruhnken, 
Hist. crit. orator. Graec, vor dessen Rutilius de figuris. Belin de Ballu, 
Hist. crit. de l'eloquence chez les Grecs, 4813. Manso, Ueber d. Bildung d. 
Rhetorik unter d. Griechen, in dessen Vermischten Abh. u. Aufs., 4824. 
Westbbmahn, Gesch. der Beredtsamkeit in Griechenland u. Rom, 4833. 
Gros, Stades sur l'ötat de la rhetorique chez les Gr., 4835. Böhwckb, 
Forschungen auf d. Gebiete d. attischen Redner, 4843 fg. — * Sammlungen 
der Oratores Graeci vonREiSKE 4772, Bekkeb 4823, Baitbb u. Sauppe 4842. 

§. 206. Antiphon aus Rhamnus in Attika (480 — 444), 
Lehrer der Beredtsamkeit, der selbst nur ein mal öffentlich 
redete, der Verrätherei angeklagt und hingerichtet. Seine 
Beden zerfallen in SixavocoC, &Yj|jiY)YOpt,xo£ und s'TciSeiXTixoi, 
und ihrer sind noch 47 1 . Auch schrieb er eine ,T«xvjr) 

Andokides der Athener (geb. 467) starb mit Atimie be- 
legt im Exil. Beden: ,IIepi twv [jiuoTijpfajv 4 , ,KaTa'AXxißia8ou 4 , 
Jlept vrfi laircou xo&oSou 4 und ,IIepi rifc rcpos AaxeSatfjiovLouc 
«IpijVTjcS 388 2 . 

Lysias aus Athen (geb. 458), Sohn des Syrakusiers Ke-- 
phalos, ging mit Herodot 444 nach Thurii, unterstützte das 
Unternehmen des Thrasybul gegen die Dreissig Tyrannen, 
ist auch rhetorischer Technograph. Von seinen 200 Beden 
sind noch 44 unvollständig übrig, darunter auch ,Aöyoc hx- 
Toquot 4 auf die mit Iphikrates 389 den Korinthern zu Hülfe 
geschickten, aber gefallenen Athener 8 . 

Isokrates von Athen (436 — 338), Schüler des Prodikos 
und Gorgias, Lehrer der Beredtsamkeit, aus dessen Schule 
die grossten Redner und Schriftsteller hervorgingen, redete 
aus Mangel an Dreistigkeit nie öffentlich oder doch nur 
sehr selten, Hess sich für den Unterricht 4000 Drachmen 
(ä 7 Sgr. 2 Pf. — 240 Thlr.) zahlen und erhielt von Konig 
Nikokles 20 Talente (etwa 27,420 Thlr.) für eine Bede. Noch 



Sechzehntes CapUel. Hellenen. 129 

sind %\ Reden übrig, darunter der ,Panegyriko8 4 , in wel- 
chem die Griechen zur Eintracht gegen die Perser ermun- 
tert werden 4 , und der ,Panathenaikos c , eine Lobrede auf 
Athen, die erste Stelle einnehmen. Er starb eines frei- 
willigen Hungertodes, als er von der Niederlage bei Chä- 
ronea gehört hatte 6 . 

Isäos aus Athen oderChalkis, Lehrer des Demosthenes. 
Noch elf Xö^oi xX^pixot 6 . 

Lykurgos, Lykophron's Sohn, von Athen (408 — 328), 
aus dem Geschlechte* der Eteobutaden, zwölf Jahre lang 
Schatzmeister der öffentlichen Einkünfte. .Von seinen 45 
Reden ist nur noch die eine gegen Leokrates übrig 7 . 

Aeschines von Athen, Sohn eines Freigelassenen, ge- 
wandter Staatsmann, Gesandter im Peloponnes 348 und an 
Philipp mit Demosthenes 344, ^iXimciScw, von Demosthenes 
in dem Processe 7cepl ars^avov 330 besiegt, geht freiwillig 
324 in die Verbannung nach Rhodos, wo er eine Redner- 
schule errichtet und 344 in Samos stirbt. Noch drei mit 
den Namen- der Grazien von den Alexandrinern überschrie- 
bene Reden und zwölf unechte Briefe *. 

Hyperides von Athen, Freund des Demosthenes, den er 
jedoch einmal anklagt, dass er sich habe von Harpalos be- 
stechenlassen, von Antipater hingerichtet 323. Von 52 Reden 
noch eine übrig unter denen des Demosthenes 9 . 

Deinarchos von Korinth (360 — 349), des Theophrast 
Schüler; noch drei Reden 10 . 

Demades von Athen, nicht im Kanon, von niederer Her- 
kunft, im Dienste der makedonischen Konige. Noch ein 
für unecht gehaltenes Fragment einer Rede übrig 11 . 

1 Ausg. von Mätzmbb 4838. — s Ausg. von Sohillbr 4836* Über- 
setzung von Bekker 4832. — * Ausg. von Föbtsch 4829, Fbakz 4834, 
ein« Auswahl von Bbbmi 4826. Hölschbb, De Tita et scriptis Lysiae, 
4837. — 4 Daher der antimedische Hellenist genannt. < — b Ausg. von 
Lange 4803, Korais 4807, W. Dindorf 4825, Bbbmi 4834, Baitbb u. 
Sauppb 4839; des Panegyrikos von Spohn 4847, Pinzgbr 4825, W. Du- 
dobf 4826, Baitbb 4834; des Areopagitikos von Bergmann 4849 u. Bbh- 
sblbb 4832; des Euagoras von Benselbb 4834; De permutatione (avrtöocric) 
von Bbbmi 4844, Obblli 4844. Uehersetzungen : französ. von Auger 4784, ital. 
von Labanti 4842, deutsch von Benseier 4829 — 34, Christian 4833—36; des 
Panegyrikos von Lange 4797 (2. A. 4833) u. Hoffa 4839; An den Demoikos 
von Drescher 4826. Schibach, De vitaetc. Isoeratis, 4765. Pfund, De Isoer. 
vita et scriptis, 4 833. — 6 Ausg. u. Uebersetzung von Schömann 4 830, französ. 
▼on Auger 4783. Liebmann, De Iß. vita et scriptis, 4834. — 7 Ausg. von 
Hbibbich 4824, Becker 4824, Osann 4824, Pinzgrr mit deutschet XJ«*«t- 
setsnng 4824, Blume 4828, Baitbb u. Smotb \^^ ) 1H1avkb& K%Äfc\ *»&**•* 

MßMLKKEM. ^ 



130 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

Uebersetz. von Simon, Niisslin. Die Fragmente der übrigen Reden von 
Kie88ling 4834. Nissbn, De vita et reb. gestis Lycurgi, 4833. Blume, 
Narratio deLyc, 4834. — 8 Ausg. von Bremi 4822 u. deutsche Uebersetz. 
jggg. __ 9 KiBSSLiKG, De Hyperide, 4837. — 10 Ausg. von Schmid 4826, 
Commentar von Wubm 4828. — n Lhardt, De Demade oratore Athe- 
niensi, 4834* 

§. 207. Demosthene8 (üaiavteuc) der Athener (385 — 323), 
Sohn eines Waffenschmieds, Schüler des Piaton, Euklid 
von Megara und Isäos seit 364, der grösste Redner des 
Alterthums und Gegner Philipp's von Makedonien, starb im 
Tempel des Poseidon auf Kalauria an Gift. Auf der in 
Athen ihm errichteten Statue lautete die Inschrift: 

Ovicot' ov 'EÜ^vtov tfo£ev "Aptjs MaxeSoSv l . 

Wir besitzen von ihm 64 Reden und 65 Eingänge und Ent- 
würfe, welche die alten Rhetoren in drei Classen ordnen: 

4) Siebzehn Xoyoi oupißouXsuTLxoC oder Staatsreden: ,IIepi 
cvmiopißv 4 354, ,IIepi cuvro^euc 4 (ob unecht?), ,IIept MsyoXoTCoXi- 
TÖv 4 353, ,IIepl xrfi töv f Po&luv ik&vftsQlau? 350, ,üspi twv 7Cpc$ 
'AX^frxvSpov airÄTjxßv 4 325 oder 324 ; von den zwölf Reden, 
welche sich auf die Streitigkeiten mit Philipp beziehen, 
wurde die erste 354, die zweite, dritte und vierte 348, die 
fünfte 347, die sechste 346, die siebente 345, die achte 344, 
die neunte 343, die zehnte und elfte 342, die zwölfte 344 
gehalten : 4 . und 2. (zwei Theile) ,üpo€ $&wncov Xoyoc icpfiruo^, 
3. 4. 5. ,'OXvtöiaxoi xpelc 4 , 6. ,üepi vrfi stpiqvYjS 4 , 7. ,Ka*ca $1- 
Xiincou Xoyoc 5eurepo<; 4 , 8. ,LIepi xr\<; f AXovqaov 4 , 9. ,IIepl töv sv 
Xe(50ovq0<f» 7cpaY(iaTG>v ^ 8 7cepi Awrceßrouc 4 , 40. ,Kara «PiX&nuou 
X6yo£ Tpttros 4 , 44. ,Kaxa Q>üJxxov Xfyo^ t^raproc 4 , 42. , r Oicpoc 

2) Vierundzwanzig Xoyoi SixavixoC, darunter 4 4 crimina- 
listische : gegen Meidi'as, ,IIepl 7capa7cpeaße£ac 4 gegen Aeschines, 
,üepl ar^avou 4 gegen Aeschines (Ulpian's Anekdote von dem 
jjl^ütoc), gegen Leptines, Androtion, Timokrates, Aristo- 
krates, Aristogeiton, Theokrines, Eubulides' Ausspruch, 
Neära; die übrigen 43 sind bürgerliche Actionen (bUai). 

3) Zwei Xoyoi &ci5sixtlxo£ a . 

1 Ueber ihn Plutaboh und Diohys vom Halikabnass. Lobschriften 
auf ihn von Libahios und Lukianos (Pseudo-Lukianos). Becker, De- 
mo8thenes als Staatsmann u. Redner, 4846 (2. A. 4830), ist die beste 
historisch-kritische Einleitung zu seinen Werken. Jbhisch, Aesthetisch- 
kritische Parallele der beiden grössten Redner des Alterthums, Demosthenes 
u. Cicero, 4804. — s Ausgaben von Aldus 4604, Fbxicianus 4543, Hrs. 
Wolf, mit Ulpian's griech. Commentar u. lat. Uebersets., 4649, 4572, 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 131 

Taylor 4748, 4787, Schaffe 4822—26, W. Dimdobf 4826; Orationes 
selectae von Brbmi 4829, Reuter 4833; De Corona von Dissen 4837; 
In Leptinem von F. A. Wolf (2. A. von Bbemi 4831)? In Midiam von 
Büttmann 4823 (3. A. 4844), Blume 4828, Meter 4832; In Androtioneni 
von Funkhanel 4832; Philippicae von Vömel 4829 — 33, Franke 4842; 
Olynthiacae von Frotscher u. Funkhanel 4834- Deutsche Uebersetz. von 
Reiske 4764—68, F. Jacobs (Staatsreden) 4833; Für die Krone von F. v. 
Baumer 1844; die Philippischen von Becker 4823 — 25; franz. von Auger 
4777 (neue A. von Planche 4849 — 24); engl, von Leland 4756 — 70 
(neueste A. 4844). Westermann, Quaest. Dem., 4830 — 37. Schölten, 
De Dem. eloquentiae charactere, 4835- 

IV. Die alexandrinische Periode. 

§. 208. Die alexandrinische ist die systematisirende, 
kritisirende Periode. Dem Schaffen folgte auch bei den 
Griechen das Sammeln, Lernen, Erklären; dem Erfinden 
die Gelehrsamkeit. Alexandria in Aegypten, schon durch 
seine gunstige Lage zum Sitz der Cultur bestimmt, ward 
von den kunstliebenden Ptolemäern auch zum Sitz der Ge- 
lehrsamkeit gemacht. Mit ihr wetteiferten die Schulen zu 
Rhodos und Pergamos (besonders unter Attalos I. und Eu- 
menes II.) seit 283. Kaiser Claudius stiftete zu Alexandria 
ein neues Museum, und so behielt diese Stadt auch unter 
der Begünstigung der romischen Kaiser ihre Gelehrten- 
schule. 

Drum ann, Gesch. d. Verfalls d. griech. Staaten, 4844, u. De reb. 
Ptolemaeor. , 4824. Champollion-Figeac, Annal. des Lagides, 4849. Le- 
TftONNB, Recherches pour senrir a linst. del'Egypte, 4823, u. Recueil des 
inscript. grecques et latines de VÄgypte, 4843. 

§. 209. Die grosste Bedeutung erlangten die Gramma- 
tiker, worunter man nicht blosse Sprachlehrer oder Sprach- 
forscher, sondern Philologen und Literaturen, die ebenso wol 
Sachen als Worte erklärten, zu verstehen hat, eine Art 
Encyklopädisten. Ihr Verdienst ist, mit vereinter Kraft 
die vorhandenen Denkmäler der Cultur und Literatur ge- 
sammelt, geprüft, beurtheilt (in Kanones redigirt) und. für 
die folgenden Geschlechter aufbewahrt zu haben. Die Ho- 
merischen Gesänge gaben den meisten Stoff zu Untersuchun- 
gen dieser Art. Leider sind die Werke der altern Gram- 
matiker fast alle verloren gegangen,, des Zenodotos l und 
seiner Schüler Aristophanes a von Byzanz und Aristarchos 
von Samothr&ke 3 , des berühmtesten Kritikers des Alterthums. 
. In ihrem Kanon standen in der zweiten Classe der Tra- 
giker sieben aus der alexandrinischen Zeit, die sogenannte 

9* 



132 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

tragische Plejade, von denen keine Schrift mehr existirt, 
und die sogenannte dichterische Plejade: Apollonios von 
Rhodos, Aratos, Lykophron, Nikandros, Theokritos und 
zwei ganz unbekannte: Philiskos und der jüngere Homeros. 

Aristarch's Gegner war Krates von Mallos in Kilikien, 
Stifter der pergamenischen Schule, Gesandter und Forderer 
der griechischen Literatur in Rom (167) 4 . Zoilos ofnqpo- 
jjLaaxt^. Apollonios der Sophist, 30 v. Chr. 6 . Eratosthenes 
von Kyrene (276 — 194) war mehr Astronom und Geograph 
als Philolog •. Philo von Byzanz 7 . Didymos Chalkenteros, 
30 v. Chr. Der Mythograph Apollodoros von Athen, Schüler 
des Aristarch, Panätios und Diogenes (140 v. Chr.) 8 . 

1 Hbfftbb, De Zenodoto eiusque studiis Homericis, 4839« — - * Ein 
noch übriges Fragment des Aristophanes gab Boissonadb 4829 heraus. 
Schmidt, De Callistrato Aristophaneo , 4838. — 3 Lbiibs, De Aristarchi 
studiis Homericis, 4833- — 4 Wbgbnbb, De aula Attalica etc., 4836- — 
6 Fragm. von Villoison 4773 n. Tollius 4788. — 6 Bebnbabdt, Era- 
tosthenica, 4822. Die Katasterismen von Schaubach 4795 n. Matthta 
4847. Wilbbbg, Die Constrnction der allgem. Karten des Eratosthenes, 

4834, u. Das Netz der allgem. Karten des Eratosthenes n. Ptolemaos, 

4835. — 7 Orblli, Philonis Byz. libellns de Septem orbis spectaculis, 
4846. — 8 Ausg. von Heyne 4782 n. 4803, Clayibb, mit franz. Uebersetz., 
4805, Wbstermann, in den Mythographi Graeci, 4842* 

§.210. In der Poesie sollte Kritik das Genie ersetzen, 
daher sind die Alexandriner meist Dichter und Grammatiker 
zugleich ** 

Die Argonautik des Rhodiers Apollonios aus Alexandrien 
oder Naukratis nennt Quintilian ,non contemnendum opus 
aequabili quadam mediocrit&te 4 a . 

Ein verkünstelt dunkles, prophetisch -episches Monodrama 
ist der Monolog von 430 Jamben: , Alexandra' oder ,Kassandra c 
des Lykophron aus Chalkis in Euböa (250) 3 . 

Das Lehrgedicht nahm seinen Stoff aus der Ästrognosie, 
Geographie und Gastronomie. — Archestratos vor Gela, 
Zeitgenosse des Aristoteles, schrieb eine ,raorpoXoyta 4 oder 
,raarpovofi.£a 4 , auch ,AewcvoXoy£a 4 oder ,'OjjoTcoitaS welche En- 
nius unter dem Titel ,Carmina hedypathetica' übersetzt haben 
soll. Bruchstücke finden sich bei Athenäos. — Dikäarchos 
von Messana: /Avaypa^ xat ßtoc t^c 'EXXaSoc 4 , inlamben 4 . — 
Der berühmteste Lehrdichter ist Aratos aus Soli (später 
Pompejopolis) in Kilikien, am Hofe des Antigonos Gona- 
tas (276 — 239): ,$<xiv6fjisva c und ,AioöK)|JL6tai 4 , in Hexametern, 
bewundert von Ovid (,cum sole et luna semper Aratus erit'), 



Sechzehntes Capitel. Hellenen. 133 

übersetzt von Cicero und Cäsar Germanicus (Bruchstücke) 
und Rufus Festus Avienus (vollständig); noch vier Com- 
mentare darüber aus dem Alterthum 6 . — Nikandros (470) 
aus Kolophon: ^Oiqpiaxa 4 (von giftigen Thieren und den 
Heilmitteln gegen ihren Biss) und /AXe^apnaxa 6 (von Heil- 
mitteln gegen vergiftete Speisen und Getränke) 6 . — Skymnos 
von Chios (88 v. Chr.) und Dionysios der Perieget aus 
Charax am arabischen Meerbusen (40 v. Chr. oder gar 
300 n. Chr.) sind Verfasser einer ,nepiTJp)fftC T-ifc okcoujjiivvjs 4 . 
Das letztere Werk commentirte Eustathios und übersetzten 
Avienus und Priscianus ins Lateinische, Bremi ins Deutsche 7 . 

1 Manso, Vermischte Schriften, 4804, Bd. 4. Matter, Essai historiqne 
sur l'ecole d'Alex., 4820. — * Ausg. von Brunck 4780» Sohäfbr 4840 — 43, 
Wbllaüeb 4828. Deutsche Uebersetz. von Willmann 4832. Weichert, 
Ueber d. Leben u. Gedicht d. Apollon., 4824. — a Isaak u. J. Teetzes 
schrieben darüber Commentare. Ausg. von Potteb 4697, 4702, Sbbastiami 
4803» Möller 4844, Bachmann 4830. Nibbühb, Ueber d. Zeitalter Lyko- 
phron's des Dunkeln, in den kl. histor.-philol. Schriften, 4 828. — 4 Fragm. von 
Fuhr 4844. — 6 Ausg. Ton Buhle 4792—4804 , Büttmann 4826, Bbkkbr 
4828. Deutsehe Uebersetz. von Voss 4824, franz. von Halma 4823. — 

* Ausg. von Bajtdini, mit ital. Uebersetz., 4764, Schneider 4792, 4846, 
Lbhrs (mit lat. Uebersetz.) 4845. — 7 Nachgelassene Schriften 4826. 
Ausg. von Passow 4825, in den Geographi minores von Hudson 4703, 
Gail 4828, Bernhardt 4828. Letronnb, Fragments des poemes geogra- 
phiques de S. de Chio etc., 4840. 

§. 2H. Für den vorzüglichsten elegischen Dichter hält 
Quintilian den Eallimachos aus Kyrene (300), des Battos Sohn, 
den Catull und Properz nachahmten und von dem Ovid sagt ; 

Battiades semper toto cantabitur orbe, 
Quamvis ingenio non valet, arte valet. 

Erhalten sind 73 Epigramme, 6 Hymnen und Fragmente. Das 
Gedicht auf das Haupthaar der Berenike, welches Konon unter 
die Sternbilder setzte, kennen wir nur aus Catull' 8 lateinischer 
Uebertragung K Unmittelbar an Kallimachos reihten die alten 
Kunstrichter den Philetas von Kos an, der von so dünner, 
und leichter Gestalt gewesen sein soll, dass er habe Blei 
in den Sohlen tragen müssen^ um nicht vom Winde fort- 
geführt zu werden 2 . Sein Freund und Schüler Hermesianax 
verfasste unter dem Namen seiner Geliebten Leontion drei 
Bücher Elegien erotischen Inhalts 3 . 

1 Ausg. von Grävius 4697, Erwesti 4764, mit Spanheim's gelehrtem 
Commentar, Blomfield 4845. Luzac, Elegiarum fragm., 4799. Deutsche 
Uebersetz. von Ahlwardt 4794 u. Schwende 4824. Schneide win, Delectus 
poeseos Graec elegiacae etc., 4848. — 2 Fragm. von Katser u. Bach. — 

* Ausg. von Rieglbr u. Axt, Gf. Hermann, Bd. 4. der Opusc, Bach, 
Baixby; Weber' 8 Uebersetzung. 



134 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 242. Der grösste bukolische Dichter, zugleich 
Vorbild Virgil's, ist Theokritos von Syrakus (270), von 
welchem wir 30 in veredeltem dorischen Dialekt geschrie- 
bene, hexametrisch eingekleidete ,Et5uXXia 4 und 21 Epigramme 
besitzen 1 . Neben ihm stehen Bion von Smyrna 2 und Mos- 
chos von Syrakus. 

1 Ausg. vonREiSKB 4765, Valckbwabb 4779, Heindobf 4840, Kibss- 
uwg 4849, F. Jacobs 4824, Gbbl, Boisbonadb, Mbineke 4825 u. 4836, 
Ziegler 4848, Prachtausgabe von Warton 4770 u. Schäfbr 4840. Deutsche 
Uebersetz. von Voss 4808 u. 4845, Witter, Naumann. Hebdkb, Ueber 
Theokrit ü. die Idyllenpoesie. Eiohstädt, De carminum Theoer. ad ge- 
nera sua revocatorum indole ac virtutibus, 4793* — 2 Ausg. von Ment- 
kebkb, Heslin, Jacobs, Wakefibld ; übersetzt von Man so. 

§. 213. Die stoische Philosophie wurde 140 v. Chr. 
durch Panätios von Rhodos in Rom bekannt. Poseidonios 
von Apamea kam 52 v. Chr. nach Rom. — Der berühmteste 
Epikuräer zu Cicero's Zeit (60) war Philodemos aus Gadara 
in Colesyrien. — Am berühmtesten wurden die alexandri- 
nischen Neuplatoniker, welche Plato mit orientalischen 
Ansichten in engere Verbindung zu setzen suchten. (Unten 
§. 278.) 

Fichte, De philos. novae Platonicae origine, 4848. Boutbbwbk, 
Philosophorum Alexandrinorum ac neoplatonicorum recensio aecuratior, 4S24. 
Simon, Hist. de l'ecole d' Alex., 4845- Barthblemy St.-Hu.aibb, De 
l'ecole d'Alex., 4845. 

§. 214. Unter den Historikern dieser Zeit steht obenan 
Polybios aus Megalopolis in Arkadien (205 — 123), Sohn 
des Lykortas, Schüler Philopömen's, seit 466 als Geisel in 
Rom im Umgange mit den Scipionen, Augenzeuge der Zer- 
störungen von Karthago und Korinth. Sein Werk in 
40 Büchern umfasst den Zeitraum der allgemeinen Ge- 
schichte von 390 — 446; erhalten sind nur die ersten fünf 
Bücher vollständig l . 

Diodoros aus Argyrion (Sau-Filippo d'Agirone) auf Si- 
cilien, daher Sikelos beigenannt, ein Zeitgenosse Cäsar's und 
August's, schrieb eine allgemeine Geschichte in 40 Büchern 
unter dem Titel: ,BtßXio^xiq CffxopixiqS von den ältesten, Zeiten 
bis 60 v. Chr.; noch vollständig sind Buch 4 — 5 und 44 — 20, 
Fragmente von Buch 6—40 und Auszüge (bei Photios) der 
letzten 20 Bücher von Ang. Mai a . 

Sein Zeitgenosse Dionysioö von Halikarnass lebte seit 
31 v. Chr. 22 Jahre in Rom und schrieb romische Geschichte 
in 22 Büchern von Erbauung der Stadt bis zum ersten Pu- 



Sechzehntes Capitel. Hellenen» 135 

irischen Kriege, doch sind nur die ersten elf Bucher er- 
halten bis 441 v. Chr. 8 

Dionys gehört auch zu den Literaturen durch folgende 
Schriften: ,Ikpl Gwfr&eoc ovo|xaxov 4 4 , 9 T£)(yv) £*)TopiXTq c 5 , 
,Tßv dpxafov xpfai£ c 6 > ,IIepl töv 'Atcixöv fotopov uicopivqiia- 
TtajJiOL*, , ließt tou Oouxu&töou x a P axx *]P C xat ™ v ^ ot7C ^v tou 

1 Ausgaben seiner JIpayiuaTixi} aico&igic von Casaubonus 4609, 
Gronov 4670, Eenesxi 4763, Schweighaüser 4789—95, 4834, Bekkbb 
4844. Die Excerpte von Mai 4827, Geel 4829 u. Lucht 4830. Ueber- 
setzungen: franz. von Tkuülier, mit kriegswissenschaftl. Erläuterungen von 
Folard, 4727; deutsch von Oelsnilz u. Trossel, mit Folard'svi. GwscharVs 
Anm., 4755—69, Seybold 4779 — 83, Benicken, mit bildl. Darstellungen, 
4820, Storch 4828. Lucas, Ueber des P. Darstellung d. Aetoliscben Bundes, 
4827. Merlekbr, Ueber des P. Darstellung d. Achaischen Bundes, 4828, 
in d. Jahrbüchern für Philologie u. Pädagogik, Supplementbd. I, H. 2. Ders., 
Achaicorum libri tres, 4837« Hbusde, De school van P. etc., 4844. Nitzsch, 
Pblybios etc., 4842. Brandstadtbr, Bemerkungen über das Geschichtswerk 
desP., 4843. Ders., Gesch. des ätolischen Landes etc. , 4844. Hb yd, Vita 
P., 4742. van Goudoevbb, De historicis P. laudibus, 4809. — * Neue Ausg. 
von L. Dindorp 4 828. Ausg. von Wrssbling 4 746, L. Dindorf. Uebersetz. 
von Stroth n. Kaltwasser, Wurm. — * 3 Ausg. von Sylbubg, Hudson, 
Reiske 4774 — 77. Deutsche Uebersetz. von Benzler, Schalter. Fragm. von 
Mai (darüber Struvb 4820). Weismann, De Dionys. H. vita et scriptis, 
4837. — 4 Ausg. von Schäfer u. Göller. — 5 Wahrscheinlich unecht, 
von Schott. — 6 Kruger, Dionysii Historiographica, 4823. 

Exacte Wissenschaften. 

§. 215. Mit der Geschichte steht die Geographie in 
engster Verbindung, sowol die politische als die mathema- 
tisch-astronomische, und mit. letzterer wiederum die Chro- 
nologie (Timäos undEphoros); jedoch wurden diese exacten 
Wissenschaften erst in der alexandrinischen Periode angebaut, 
während in altern Zeiten sich vorzugsweise die Philosophen 
der ionischen Schule mit Geographie, Naturforschung und 
Astronomie, die der italischen mit Arithmetik und die 
der akademischen mit Geometrie beschäftigten. 

§. 216. Für die Chronologie ist die parische Mar- 
morchronik wichtig, die 264 v. Chr. verfertigt sein soll. 
Sie wurde 1627 von dem Engländer Petty, der auf Kosten 
des Lord Arundel (daher Marmor Arundelianum, auch Oxo- 
niense, weil sie in Oxford aufbewahrt wird) reiste, auf der 
Insel Paros gefunden. Sie umfasste die Hauptbegebenheiten 
Griechenlands und insbesondere Athens mit Zeitbestimmun- 
gen von Kekrops bis auf den Ar^hon Diognetos, 1582 — 264. 

F. Tbibrsch 4 834. Stbphami (in d. Zeitschr. fü&x Mtet^xowroÄww^Y» 



136 Zweit*» Such. Ethwdukiutogie. 

Rons' Bedien auf den griech. Inseln def Aegäischen Meeres, 1841 — 43, o. 
Inscriptiones Greec&e inuditae, 4842. 

§. 217. Die Werke der Geographen dieser Periode 
sind fast ganz verloren gegangen. Nearchos* Reisebericht 
ist durch Aman erhalten '. Agatharchides. - Der Massiliote 
Pytheas 3 . 

Der bedeutendste unter den griechischen Geographen ist 
Stratum aus Amasca in Kappadokien (geb. um 60 v. Chr.). 
Auf Reisen gebildet, benutzte er die Schriften seiner Vor- 
gänger Hekatäos, Artemidor, Eudoxos, Eratosthenes und 
schrieb eine Geographie in 17 Büchern, von denen das 
siebente sehr lückenhaft ist, zugleich über Sitten und Ver- 
, über Politik und Statistik berichtend *. 



' Ausg. von Visckbt, mit engl. Hebertet*., 1806. Geibii, Alex. 
historiarnm Hcripiorcs eco., 1844. — J Ausg. «ou Fubr 1835, Lblewkl 4836; 
deutsch von Iloffmann 18*8- — ' Heeren, Du fontibni Str»b., 4823. Sib- 
belfs, De Stab, patrin etc., 1828. Ausgaben: die erat« 1B16, von C*- 

8ACBONCS (2. A.) 1620, AlKELOWBBN 4701, SiBBBNMIB, TgBCBtJCKB 11. 

FniEDKMiSN 1796 — 1818, Falconer, Kobam, Kbahbk 1844- Tafel, 
FrBgm. lib. VII. Palatino - Vaticana, 1814. Franz. Uebeneti. von de la Porte 
du Thril, Korai» u. Gon.telin, auf Napoleon's BefeU, 1805 — 19; deutsch 
von Ureter a. Gronkurd. 

§. 318. Mathematiker des 5. und 4. Jahrh. sind Theo- 
doros von Kyrene, Archytas von Tarent, die Kalender- 
verfertiger Meton (433) und Euktemon; Eudoxos von Knidos, 
nach Cicero der Fürst unter den Astronomen. Hipparchdä 
aus Nikäa in Bithynien (160 — 125) ist Gründer der wissen- 
schädlichen Astronomie l . Aristarchos von Samos ■, Aristyl- 
los und Timocharie. Eukleides* ,2xoLY.cLa ( (Elemente) in 
15 oder 13 Büchern, die beiden letzten sind muthmasslich 
von Hypsikles 3 . Archimedes aus Syrakus (287 — 212), 
Gründer der Statik, grÖsster Mechaniker des Alterthums, 
Veri'ertiger des Frachtschiffs Syrakusia 4 . Einer seiner Schü- 
ler war Apollonios von Perga in Pamphylien (246): ,Ko>Mtxä 
öroiY_eia' 6 . Der Arithmetiker Diophantos fl . 

1 Meblekkr, Kosmogeographie , 1848, Cap. 2 u. 9. — ' Ausg. von 
Valla 1488, Wallis 1688- — * Ausg. 1533, mit dem Commentar des 
Proklos xam ersten Buche, von AoorjBT 1826 — 2!), beste von Ghecory 
4103 u. Pbyrard 4844 — 18; dentsch von Lorenz 1781, Hoffmann 1820, 
Dippe 1840; die Dedomena von Wurm 1828; die ihm beigelegten Anfangs- 
gründe der Musik von Pena I5S7. — ' Mbrlekbii, Gesch. d. Geographie, 
1839, S. 114. Ausg. von To belli 1792, erläutert 11. übersetzt von Nizza 
1824. Uebersetzungen einzelner Schriften von Hauber 4798, Hoffmann 
' 1817, Krurjer 1820, Gntenäcker 1828- — s Ausg. von Gregory u. Halls y 
1710, deutsch von lUesteriren 1832 u. Paucker 1837. — 6 Von 13 Büchern 



Siebzehntes Capüel. Römer. 137 

sind die sechs ersten erhalten* Ausg. von Bachet, Fsrmat ; deutsch von 
Schulz; De numeris polygonis übersetzt von Pose lg er 4840. 

§. 249. Auf dem Gebiete der Heilkunde betrachtet 
man Alkmäon, einen Schüler des Pythagoras, als den ersten 
vergleichenden Anatomen. Die Asklepiaden stifteten zwei 
berühmte miteinander wetteifernde Schulen, die empi- 
rische zu Knidos und die philosophische zu Kos, aus 
welcher auch Hippokrates hervorging, der berühmteste Arzt 
des Alterthums und der Begründer der wissenschaftlichen 
Heilkunde; er lebte zwischen 460 und 377 oder 356, in Athen 
zur Zeit der Pest 429 1 . Die alexandrinischen Aerzte er- 
hielten zuerst die Erlaubniss, den menschlichen Korper zu 
zergliedern. Die ersten grossen Anatomen waren unter Pto- 
lemäos Lagi, 300: Herophilos und Erasistratos. Damals 
theilte sich die Heilkunde in drei Zweige: Diätetik, Phar- 
macie und Chirurgie 2 . Der erste griechische Arzt, der sich 
um 219 in l$om niederliess, war Archagathos; später (HO) 
Asklepiades aus Prusa in Bithynien. August' s Leibarzt An- 
toninus Musa. Dioskorides (Pedanius oder Pedacius) aus 
Anazarbos in Kilikien (40 v. oder n. Chr.) schrieb fünf 
Bücher ,lTept 3Xi]C EaTpuojc 4 und war 46 oder 17 Jahrhunderte 
hindurch einzige Quelle für das Studium der Botanik und 
Pharmakologie 2 . 

1 Ausg. von Foes 4595 u. 4657, Chartieb (zugleich mit Galenos) 
4639 — 79, K6hn 4826 n. 4827. Deutsche Uehersetzung von Grimm 4784 — 92. 
Foes, Oeconomia Hippocratis, 4564, 4588 u. 4662. — 2 Marx, Herophi- 
los, 4838. Hibromtmus, Erasistrati et Erasistrateorum historia, 4790. — 
3 Ausg. von Saracenus 4598, Sprengel 4 $29. Commentar von Matthio- 
ld8 4565. 



Siebzehntes Ca-pitel. 
Römer. 

§. 220. Die Sprache der Bewohner von Latium, die sieh 
aus dem ältesten äolischen Dialekt und aus den Sprachen 
der Aboriginer bildete, wurde auch die Schriftsprache der 
Romer. Daher finden sich alle Bezeichnungen des niedrigen 
Lebens eines beschrankten Gesichtskreises als ursprünglich 
äolisch-griechische, während die Ausdrücke des Ideenkreises 
der Herrschaft echt lateinisch sind. Diese auftauende Er- 
scheinung wiederholt sich noch ein mal ia. Ast G^ök\&&ä % 



138 Zweite» Buch. Ethnodoktologie. 

und zwar in England, nach der Eroberung durch die Norman- 
nen 1066, indem hier alle Ausdrücke des Dienstkreises angel- 
sächsischen oder germanischen, die der herrschenden Kreise 
romanischen (französisch -normannischen) Ursprungs sind. 

Jä'ckkl, Der german. Ursprung d. Ist Sprache u, des rflm. Volks, 1830. 
JoHunfHD, Die Lehre d. Ist. Wortbildung, nach Anleitung d. vollkomme- 
nen Bilduugsge setze des Sunskrit genetisch behandelt, ia3Ü- Grotei'ehd, 
Rudiments, linguae Oscae, 1839 , "- Ruilira. ling. Umbrieae ex inseriptionibug 
nuiiijuis <»nodat;i, 183Ö — 38. Kiiji/h« Insi'hrifttii ■.■Inhalten die sieben Eugu- 
biuischeu Tafeln, die man U44 zu Gubbio im Kirchenstaate, dem alten 
.lu^ubiuiii udor Kiiguhiuni in Umbrien, vorfand. Bekannt gemacht durch Bo- 
NiROT* in Df)n]ifi'i-'s Eii'iiriii r^galis, 17ä3, erklärt durch LaxSI, Saggio di 
lingna etnisca, 1789. Otf. Mülleb, Die Etnisker. Lihben, Beiträge zur 
Deutung der Eugubin. Tafeln, 1833- Lepsius, De tab. Eugub., 1833, u. 
Inscript. Uiubriiae et Oscae, I Sil. Mommsün, Die unterital. Dialekte, 1850. 
AOFEBCHT n. Kirchhof?, Die umbrischen Sprachdenkmäler, 1849 — 61. 

§. 231. Fortdauernder Unterschied der lingua urbana 
und nistica '. Die erstere erlitt während der zwölfhundert- 
jährigen Dauer römischer Herrschaft in Italien und fast über 
den ganzen damals bekannten Erdkreis merkliche Verände- 
rungen. Sie hatte ihr goldenes (78 vor bis 14 n. Chr.), 
silbernes (14 — 117 n. Chr.) und ehernes Zeitalter, bis sie im 
6. Jahrh. n. Chr. gänzlich erstarb und mit den Vulgär- 
sprachen vermischt ward, woraus die sogenannten romani- 
schen Sprachen hervorgingen. Seitdem wird das Latein 
als eine todte Sprache erlernt. 

Unter den Römern stehen als nachahmungswerthe Muster 
obenan Cäsar, Cicero, Livins, Horatius, Virgilius, Ovi- 
dius, Phädrus. Doch tragen sie fast in allen ihren Lei- 
stungen nur das Gepräge der Nachahmung griechischer 
Meisterwerke a . 

1 Von dieser Waobsmoth in seinem n. Gilnther'n Athenäum, I, 2. — 
1 Hegewisoh, Zustand der Wisienschsften n. des Gelehrten Studiums bei d. 
Römern (in s. kloinoB Schriften), 1786- 

§. 222. Die wissenschaftliche Behandlung der 
römischen Sprache begann schon unter den Römern 
selbst durch Varro *, ward aber besonders seit dem 15. 
Jahrh. betrieben durch Aldus Mauutius, Melanchthon, Eras- 
mus, VtOla, Scaliger, Ghd. J.Voss, Cellar 3 , Gegner, Rud- 
diman *, Maria de Monte * und in neuerer Zeit 6 . 

1 24 Bächer De lingua Latina, wovon aber nur Buch 4 — 9, also im 
Gänsen 6 Bücher erhalten sind; Ausg. von Sfrngbl 1826 u. Emendatio- 
nea Varronianae, 1830, u. Orr. Müller 1833. — * Gramm. Lati, 1659. — 
* Inlütnt. gramm. Lat. , 1725, n. von STAUBATjU 1823- — * Latinm resti- 
tatam, (730. — 5 Neuere Grammatiken: die hsllesche von Laiige 1707. 



Siebzehntes Capitel. - Römer. 130 

märkische 1748, von Schiller, BrÖdeb» Wbnck, Sbyfbbt 4798—4802, 
Grotefend, Ramshorn, Zümpt, Schul* , Billroth, Madviö. Michblsbh* 
Histor. Uebersicht des Studiums d. lat. Gramm., 4837* Tubsellinus, Ueber 
Partikeln, 4829 — 36. Synonymik von Dödrrlein 4826 — 38, Habicht, 
Schultz. Ueber Stil: Matthiä, Hand, Heinichen, Grysar, Nägblsbach. 
Antibarbarus von Krebs 4843. Lexikographen: Bob. Stephanus, Fabbb, 
Gbsnbr, Facciolati, Forcellini, Schbllbb, Karchbb, Freund. Die spä- 
tere Latinitat ist bearbeitet von Düfrbsnb (Sbigneür du Cangb, 4640 — 88)9 
Glossarium ad scriptores mediae et infimae Lat. , 4 678 n. öfter , von Henschbl 
4840; ebenso Graecitatis, 4688. Cbllarius, De fatis ling. Lat., 4704. Walch, 
Hist. critica ling. Lat., 4746 u. 4764. Bübckhabdt, De ling. Lat. in Ger- 
mania fatis, 4743. Funccius, De ling. Lat. senectute, 4750« Oberlin, De 
ling. Lat. barbarie, 4774. Eine Geschichte des lateinischen Accents erhal- 
ten wir von Weil u. Benlöw, De l'accentuation latine, 4855 fg. 

§. 223. Mit den Wissenschaften befreundete sich Rom 
nicht vor der Zeit seines sittlichen Verfalls 1 , und auch 
dann blieb seine Bildung einseitig. Seit 200 v. Chr. wurden 
griechische Studien von einzelnen Romern betrieben, Cato, 
Aemilius Päullus, Scipio Aemilianus. Krates begann 169 
seine Vorlesungen und griechische Philosophie seitJ55 iü 
Rom. Seitdem besuchten die Romer die hohen Schulen 
Griechenlands 2 . Literarische Hülfsmittel bringen die Heere 
als Beute nach Rom seit 168. Dennoch stellten selbst die 
gebildetsten Männer in Rom die Wissenschaften so tief, dass 
noch Cicero dem Krieger und Staatsmanne den ersten Rang, 
dem Sachwalter den zweiten, dem Rechtskundigen den dritten, 
endlich den letzten dem Gelehrten oder Philosophen zuweist *. 

1 Cicero, De oratore, Ü, 66: ,TJt quisque optime Graece sciret, ita 
esse neqnis8imum,< als Ansicht eines Vorfahren. — * CbllaRius, De«tudiis 
Born, literariis, 4698» in Sallengre's Thes., Iü. Kriegk, De peregrinat, 
Rom. academicis, 4704. — 3 Gbabvii Thes., 4694» mit Nachtragen von 
S allen ore 4746 u. Polenus 4737. Beaufort, La rep. rom., 4766. Rö- 
mische Alterthümer von Adam 4794 (deutsch von Meyer 4794 u. 4847)» 
Creuzer 4824 u. 4829, Ruperti 4844, Becker 4843 (fortgesetzt von Mar- 
quardt). Montesquieu, Consideration sur la grandeur et la decadence 
des Rom., 4734. Gibbon, History of the decline and fall of the Roman 
empire, 4782—88 n. öfter (deutsch von Wenck, Schreitern. Beck 4805—7» 
von Sporschil 4837 u. 4843). Römische Geschichte von- Rollin 4739, 
Ferguson 4783 (deutsch von Beck 4784), Nibbuhr seit 4844, Wachs- 
muth 4849, Fiedler 4824 u; 4839, Blum 4828, Bröoker 4844, Arnold 
4842, Schwegler 4852, Gerlach u. Bachofen 4853, Kortüm, Walter, 
Drum ann, Hock, Reiff, Tillemont 1700 (bis 548), Cbevier 4750 (bis 
Konstantin d. Gr.), Mommsen 4855. Chateaubriand, Hist. de la chute <U 
l'emp. rom., 4824. Naudbt, Des changements de l'emp. rom. sous Dio- 
cletien etc., 4847. Buchhandel u. Bibliotheken bei den Römern, in Beoker's 
Gallus, II, 308 fg.; bei den Griechen, im Oharikles, II, 443 fg. Daselbst 
über griechische Erziehung, II, 4 fg. u. über Gymnasien, U, 464 fg. 

§. 224. Die Bearbeitung der Geschichte der rö- 
mischen Literatur beginnt mit Fabricius 1697. 

Scholl 4824. Bernhardi 4830. Wolf 's Vort«&\s&%«fe<> W%»»%£V 



Zweitat Buch. Ethnodoklologie. 



Aelteste und beseere Zeit. 

§. 225. Der Werth jeder geistigen Thätigkeit 
wird immer mit Rücksicht auf den Staat bestimmt. 
Daher ausgezeichnete Leistungen in der Kriegs- 
kunst und Gesetzgebung, in Beredtsamkeit, Bau- 
kunst und in der Geschichte, sofern sie den rö- 
mischen Staat betrifft Die Dichter geben nur Nach- 
bildungen griechischer Muster und die Philosophie 
war ganz tob den Griechen entlehnt. 

§. 326. Die ersten rohen Versuche der Dichtkunst 
bestanden nur in Liedern, die man theils zum Andenken 
an grosse und verdiente Männer bei Gastmählern, theils 
für religiöse Zwecke bei Opfern an gewissen Festtagen und 
bei Processionen absang. Unter letztern werden besonders 
die der Salier, die von Numa angeordneten carmina Sa- 
liaria, auch Axamenta genannt, erwähnt, in denen die Alten 
selbst die erste Spur lateinischer Verse erkannten. Ein 
kleines unverständliches Fragment hat Varro aufbewahrt. 
Einen schlechtem Inhalt hatten die plumpen und beissenden 
Fescenninen, von der etruakischen Stadt Fescennia be- 
nannt, die bald vom Lande auch in die Hauptstadt kamen 
und hier bei Hochzeiten, Triumphen und zuletzt auch auf 
dem Theater gebraucht wurden. Eine Art Volksdranna 
waren die Atellanen, auch ludi Osci genannt, die aus 
der alten oscischen Stadt Atella in Campanien stammten '. 
Als stehende Charaktermasken erscheinen in denselben der 
Brutus, Maccus und Bucca, ähnlich dem Harlekin oder 
Pulcinello der neuern Burlesken. Atellanendichter sind Fa- 
bius Dorsennus, Q. Novius, L. Pomponms und Mummius*. 
Das Metrum ist der Saturnische Vers 3 : 



Esodia sind vielleicht Zwischenlieder zwischen den einzelnen 
Atellanen, die sehr kurz waren. 

1 lieber Atellanen t Schob», Wbykb, Zell (Ferienschriften), Mchck. — 
5 Bothe, Poetarnm Latinor. scenicor. fragm., 4S34< Ribbbck, Scenicae 
Romanor. goeais fragm., (8GS- — • DBmtsU n. Lkksch, De versa Satur- 
nio , 4838. Weiss, Der Saturn. Vers im l'lautus u. an eich nach dem Zeug, 
nisflo der Grammatiker betrachtet, 1839- 

§. 227. Die Pest in Born (365) und der Ausspruch des 



Siebiehntet CapUel. Römer. 141 

Orakels brachten etruskische histriones dahin. Livius (VII, 2) 
nennt ihre kunstlosen Possen satnras. 

Der Erste aber, der mit einem eigentlichen Drama in 
Rom 239 oder 240 auftrat, war Livius Andronicus, ein 
Grieche von Geburt, ungewiss, ob mit einer Tragödie, 
wie man bisher geglaubt, oder mit einer Komödie, wie 
Osann behauptet K Es waren Uebertragtmgen und Nach- 
bildungen griechischer Stucke a . 

In derselben Weise trat ein geborener Grieche aus Cam- 
panien, Cn. Nävius, 234 mit Tragödien und Komödien auf, 
soll sich auch im Epos (über den Ersten Punischen Krieg 3 ) 
versucht haben. Wegen der Freiheit, mit welcher er rö- 
mische Grosse angriff, musste er naäh Utica entweichen, 
wo er 204 starb 4 . Bekannt ist die Drohung der Meteller 
gegen ihn : ,Dabunt malum Metelli Naevio poetae, 6 und seine 
Grabschrift: ,Mortalis immortalis flere si foret fas, flerent 
divae Camoenae Naevium poetam. 4 

Ihm folgte als Bearbeiter und Nachbildner griechischer 
Dramen Ennius aus Rudiä in Calabrien (geb. 239), der auch 
das Epos (zweiter Punischer Krieg) und den Hexameter 
in Rom einführte. Seine ,Annalen c in 48 Büchern waren 
eine versificirte Chronik 6 . 

Grossem Ruhm auf der römischen Bühne erlangten En- 
nius' Schwestersohn Pacuvius mit seinem ^Orestes 4 * und 
Attius oder Accius mit seinem ,Philoktetes% ,Decius' ,Bru^ 
tus c und seiner ,Medea'; daher Horaz von ihnen sagt: ,Au- 
fert Pacuvius docti famam senis, Attius alti. 4 .» Varius, Vis» 
gil's Freund, schrieb einen ,Thyestes 4 r , Ovid *ine ,MedeaS 
C. Afranius (433) verfasste Nationalspiele: ,Horatius 4 , ,Cur- 
tius', ,Coriolanus ( , ,Manlius Capitolinus'. 

Man darf wol die Tragödie griechischen Inhalts, crepi- 
data, von den römischen Nationalspielen, praetextata, unter- 
scheiden. 

- i Analecta critica, 4 £4 6: De Livii A. vita. — * Fragm. bei Bothb 
ü. DCntzbr. Dollen, De Tita Livii A., 4838. — s Nach Cicero lucu- 
lenter scriptum. — 4 Fragm. von Klussmann 4843. — 5 Fragm. von Co- 
lumha, Hbssbl, Gilbs, Bothb (Bd. 5), Goubnay in den Memoires de 
l'academ. de Caen, 48404 der Annalen von Mbbdla, Spangbnbbbg. Hoch, 
De Ennianor. Annalinm fragm., 4839. — * Stieglitz, De Pacuvii Dolo- 
reste, 4826. — 7 Wbichbbt, De L. Varii et Cassii Parmensis vita et car- 
minibus, 4836. 

§. 228. In der Komödie scheinen die Römer ebenfalls 
nicht Mos griechische Stucke nachgeahmt zu kak^.> %«dämc^ 



143 Zweites Buch. Ethnodoktotogic. 

auch mit eigenen Versuchen selbständig aufgetreten zu sein, 
wie schon der Unterschied zwischen der comoedia palliata 
und togata zeigt. Als Arten der letztern nennt man noch 
comoedia trabeäta (Ritterstück), erfunden von Melissus, 
einem Freigelassenen des Mäcenas, tunicata oder tabernaria 
(Kneipenlustspiel), planipedia oder planipedaria, auch rici- 
niata, mit Bezug auf eine eigene Art von weiblicher rö- 
mischer Kleidung (ricinia), endlich Rhintoniaca (Hilaro- 
tragödie), nach einem Schauspieler Rhinton benannt. In Ab- 
sicht auf die Art des Vortrags unterschied man auch comoe- 
dia motoria, statarä, mixta. Der Gebrauch von Masken ist 
wol erst durch Roscius oder Aesopns um 103 aufgekommen. 

§. 289. Der wahre Vater der römischen Komödie ist 
M. Attius Plautus (f 183) aus Sarsina in Umbrien, der 
etwa 430 Stücke als Nachahmer des Diphilos, Epicharmoa 
und Fhilemon verfasst haben soll, von denen Varro nur 21 
für echt anerkannte, die sogenannten Varronianae, und 
darunter noch 20 übrig : die Tragikomödie ,Ampbitruo' (nach- 
gebildet von Boccaccio, Molifere u. A.), ,Asinaria', ,Aulu- 
laria' (Geldtopf eines geizigen Alten, Moliere's ,Avare'), 
,Captivi', ,Curculio' (Schmarotzer), ,Casina', ,Cistellaria' 
(Kästchen), ,Epidicus', ,Chrysalns oder Bacchides' (zwei 
Buhlerinnen), ,Phasma oder Mostellaria' (Gespenöt, nach- 
geahmt von Reynard, Addison, Destouches u. A.), ,Me-; 
naechini' (Zwillingabrüderpaar, nachgeahmt von Reynard), 
,Miles gloriosus' (Holbein's , Bramarbas'), ,Mereator', ,Pseu- 
dolus', ,Poenulua', ,Persa', ,Rndens', ,Stichus', ,Trinum- 
mus 1 , ,Truculentu8*. 

Ausg. von MsHct* 1472, Lambin 1577, Tacbmakn 1(503 — 31 , Gkonov 
1684 u. Ernesti (760, BoitiE 1809 — 11, 1834 , Riohter, Weise 1837, 
KitSCRL. Für Betonung "ud Yersmass ist das Meiste yelei-tet ton LiNDE- 
mans 18S3ii. 184i, Gp. Hermann, Gefpert, Kitschl. Linge. Quuestio- 
nes Plaut-, 1619t Rost, Coramentatioaea Plaut., hwwugeg. Ton Lipbius 
1836- Deutsche Uebersetiunf; von lyli/ih,' 1810 , Ilufiji IS3M — U, So.st. 
LESBINO, Ueber d. Leben u. die Werke des l'kmtu-, Bd. ii. Beckeh. 
De coinieis Rom. I'abulis, maxiine Plautinis, 1833- Rltschl, Parenra zu 
Plautus iL Terens, 184B- 

§. 230. P. Terentius Afer aus Karthago (192—153), 
Frr ige!* ssener des Senators Terentius Lucanus, Nachaclimer 
des Mcnander, daher von Cäsar dimidiatus Menander ge- 
nannt. Noch seehs Komödien, die, wie die Flautinischen, 
palliatae sind: ,Andria l (16ö aufgeführt), ,Hecyra' (Stief- 
mutter), , Hcautontimoramenos', , Eunuehus ', .Phormio ' 



Siebzehnte* CapUet. Homer. 143 

(Schmarotzer), ,Adelphi'. Horaz sagt-: ,Vincere Caecilius 
(nichts übrig) gravitate, Terentius arte. 4 

Erläuterungen von Abl. Doratto u. Ruhhkbm, Dictata in Terentii 
comoedias, herausgeg. von Schoben 4826. Ausg. von Lindbhbbog 4602, 
Gbonov 4686, Bentlby 4726» 4794, Wbstbbhop 4726, verbessert von 
Stallbaüm 4830, Perlet, Bothb, Kloti, Vollbbhb '4846. Deutsche 
Uebersetz. von Kindervater, Köpfte > Wolper, Benfey. Bearbeitet für das 
franz. Theater von Molibrb, für das deutsche von v. Eihsiedbl 4840. 

§. 231. Die dramatischen Mimen der Romer unter- 
scheiden sich eben dadurch von den griechischen, die nur 
zum Lesen bestimmt waren. Zu Cäsar's Zeit waren in 
dieser Gattung Decimus Laberius und P. Syrus ausgezeich- 
net. Als die Sprache aufhorte, das Wesentliche des Mimus 
zu sein, und an ihre Stelle unter den Kaisern Gesticulation, 
Geberdensprache (saltatio) trat, artete der Mimus in den 
Pantomimus (Ballet) aus, worin unter- August sich Bathyl- 
lo8, Pylades und Hylas hervorthaten. 

.Der von Macbobius mitgetheilte Prologus von Bbcheb 4787 heraus- 
gegeben und von Wieland übersetzt in Horaz' Satiren , 4849, Bd. 4. Zno- 
lbb, De minus Rom., 4789. 

§. 232. Von der dramatischen Satire (satura, poetisches 
Quodlibet) ist die didaktische verschieden, die ihren Ur- 
sprung dem Ennius verdankt, Charakterschilderung und 
Sittengemälde 1 . 

Der romische Bitter C. Lucilius aus Süessa in Campa- 
nien (447 — 402) schrieb 30 Bücher Satiren, hudenen er 
Laster und Gebrechen rügte und sich des Hexameters be- 
diente Ä . 

Als Erneuerer der Lucilischen Satire trat Horaz axd^ 
während sich an die ältere des Ennius M. Terentius Varrö 
anschloss, der mehre Nachfolger hatte, deren Arbeiten aber 
fast alle, bis auf Seneca's /AtcoxoXoxuv^ooc 4 (Verwandelung 
des Kaisers Claudius in einen Kürbis), des Petronius ,Sa- 
tyricon' und des Kaisers Julian ,Miao7coY«v 4 , verloren ge- 
gangen sind. Diese Art nennt man satira Varroniana oder 
auch, nach dem griechischen cynischen Philosophen Me- 
nippos, satira Menippea 8 , auch cynica. Virgil's ,Dirae 4 , 
Ovid's ,Ibis' sind in dieser Weise satirischer Art. 

1 Casaübonus, De satirica poesi Graec. et Rom. (verbesserte Ausg. von 
Rambach 4774). Chbbbulibz, Essai sur la satire lat. , 4829. Paldamu*» 
Ueber Ursprung u. Begriff, d. Satire, 4834. — ' Fragm. von Dousa, Vab- 
obs 4836. Hbusdb, Studia critica in Lucilium poetam, 4849« nebst Epist, 
deLucilio, 4844. öbblach, Lucil. u. d. rom. Satura» 4844. — * OittAi 
Varronis saturarum Menippeamm reliquiae, 4844.- 



144 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

§. 233. In die Kaiserzeit lallen die beiden Hauptsatiriker 
der Römer, A. Persios Flaccue * aas Volaterrä in Etrurien 
(34 — 62 n. Chr.) und Decimus Junius Juvenalis a aus Aqui- 
num (geb. i"> oder 42 n. Chr.), die nicht mehr, wie Horaz, 
in heiterer Laune und mit humoristischem Witz, Thorheiten 
aufdecken, sondern mit herbem Ernst und bitterer Strenge 
die Laster ihrer Zeit tadeln. 

< Ausg. tod Casacbom;s, PVbsow 4809, zaglaich mit deutscher Ueber- 
setsung, Wbbib, Pldm, Dobnbh, Oret.li in den Eclogae poetar. Latinor-, 
4833, Jaub, Hbiwbicb, Dübtxeb. Deutsche Uebersetznng von Donner, 
Weber, Teuffei. — * Dessen Satiren theilten schon die alten Grammatiker 
in fünf Bücher. Ausg. von Henhinics 4685, Repsbti 18IM, Heinrich. 
Schmidt, Delectus satiramm, 4835. Deutsche Ueberaetz. von Havgtvitz, 
Donner, Weber. Fbabobb, De vita Jnvenalis, 48S0 — 27- Eine Samm- 
lung seiner alten Comm entstören und Seholiasten von Gramer 4 823- 

§. 234. T. Lucretius Carus (95—56 v. Chr., todtete 
sich durch einen Liebestrank) hinterlieaa ein in 6 Bücher 
abgetheiltes Lehrgedicht: ,De rerum natura', Darstellung 
der epikuräischen Philosophie. 

Ausg. von Lambin, Havehcamp, Wakefield, Foruiger 48S8, Lncn- 
kanh 4848. Deutsche Uebereetz. von Knebel. SutBELis, Quaest. Lucre- 
tianae, 4844- Des Cardinals Melchior v. Pglignac (46GI — 4744) Anli- 
Linriliris I. de deo et natura, 4747 Paris, 1748 Leipzig. 

§. 235. Die Werke der altern römischen Epiker (Nä- 
vius, Ennius) sind bis auf unbedeutende Bruchstücke ver- 
loren gegangen. Allen voran glänzt P. Vergilius Maro aus 
Andes be"i Mantua, am 15. Oct. 70 v. Chr. geboren, von 
Augustus und dessen Freunden hochgeschätzt, gestorben 
am 22. Sept. 18 v. Chr. in Brundisium. Seine Gebeine 
kamen nach Neapel und wurden an der Via Puteulana 
beigesetzt, wo man noch jetzt das Grabmal zeigt. Seine 
Grab schrift : 



Seine Werke sind ein grosses episches Gedicht in zwölf 
Gesängen, ,Aeneis', das jedoch der letzten Feile entbehrt, 
daher der Dichter selbst noch in seinen letzten Stunden die 
Vernichtung desselben angeordnet haben soll; gleichwol er- 
scheint sie als das vollkommenste Epos der römischen Poesie 
und als die geschmackvollste Nachbildung der Homerischen 
Gesänge. Sie schildert die Irrfahrten des Aeneas bis zu 
seiner Ankunft in Latium und seinem Siege über Turnus. 
Ferner ein didaktisches Gedicht, ,Georgica', über deu Land- 



f 



Siebzehnte* Capitd. R&mer. 145 

bau in 4 Büchern, und zehn, bukolische Gedichte, die von 
den alten Grammatikern mit dem Namen ,EklogenV be- 
zeichnet sind. 

Ausserdem werden ihm noch einige andere Poesien bei- 
gelegt: ein scherzhaftes Gedicht, ,Culex', in 443 Hexa- 
metern, worin der Schatten einer getrotteten Mucke auftritt 
und um Beerdigung bittet; ,Ciris 4 , in 540 Versen, eine Be- 
handlung des Mythus von Nisus und Scylla; es wird von 
Einigen dem Freunde VirgiTs, Cornelius Gallus, zuge- 
schrieben; ,Copa% in 38 Versen, eine lockende Einladung 
zur Einkehr; ,Moretum 4 , in 4 33 Versen, worin die Beschäf- 
tigungen in den Morgenstunden des Tages angegeben werden; 
44 kleinere Gedichte, die sogenannten ,Catalecta 4 , darunter 
auch die ,Dirae 4 . 

Die alten Grammatiker, Tib. Claudius Donatus, Servius 
und Philargyrius, beschäftigten sich mit dem Dichter und 
seinen Werken, deren Verse man im Mittelalter zu prophe- 
tischen Zwecken als sortes Virgilianae benutzte. 

SiEBEKHAAR, De fabulis, qnae media aetate de Virgilio circumfereban- 
tur, 4837. Ausg. (die erste) von de la Cebda 4608, Bubmann 4746, 
Heyne 4767 (3. A. 4803), wovon Ph, Wagner eine nene Bearbeitung 
geliefert bat, 4830 — 44, f>n>OT, Bodoni 4793, die mitital., span., franz., 
engl. n. deutscher Uebersefes. 4826, der Prachtabdruok der Heyne -Wagneb 1 - 
schen Ausg. mit 200 Kupfern u. Vignetten; die 50 BUder zur Aeneide mjt 
franz. u. deutscher Erklärung von Fbommel 4830; gute Hand- u. Schul- 
ausgaben von WuNMtBLicH xl. Ruhkopf, Jahn, Fobbigbb, Wagneb. Die 
(Jeorgica mit deutscher Uebersetz. u. Erklär, von Voss 4800, ebenso die 
Belogen, die Aeneide von Thiel, Pebrikamp, Gossbau; deutsche Ueber- 
setzong von Voss, Neuffer, Oslander. TJbsinxjs, Virg. cum Graeeis scri- 
ptoribus comparatur (edirft von Valckenabb 4745}* Eiohbotv, Etudw 
grecques sur V., 4825. Tissot, Etudes sur V. compare avec tous lee 
poetes etc., 4826. Wedbweb: Homer, Virgil, Tasso, 4843. Cbubiub, 
Lat. -deutsches Wörterbuch za Virgü, 4846. Antiqnitates Virgilianae ad 
vitam populi Rom. deecriptae, 4843. 

§• 236« Wie die spätem griechischen Epiker allesammt 
Homer, so haben die spätem romischen durchweg Virgil 
nachgeahmt. Unter ihnen nimmt Lucanus aus Corduba in 
Spanien (38 — 65 n. Chr., durch Nero zum Tode verurtheüt) 
die ehrenvollste Stelle, ein, dessen nicht ganz vollendetes 
Hauptwerk in 40 Büchern, ,Pharsalia c , den Krieg zwischen 
Cäsar und Pompejus besingt V 

Valerius Flaccus (f 89 n. Chr.) hinterüess ein unvollendetes 
Gedicht, ,Argonautica', in 8 Büchern, Nachbildung des 
Werkes von Apollonios Rhodios*. 

Silius Italicus (Consul 68, starb 400 n. Chr. einft* (t^ 
Mirj.bxxii. \^ 



146 ZwtitM Buch. Ethnodoktolagie 

willigen Todes, um sich von einem unheilbaren Körperleiden 
ku befreien) hinterliess ,Punica s. de bello Punico secundo', 
nach des jungem Plinius Urtheil ,majore cum quam ingenio' 
vertagst *. 

Des F. Papinins Statins aus Neapel (64—96 n, Chr.) 
epische Gedichte, ,Thebais' in 1 2 Gesängen und unvollendete 
,AchilleIs' in x Büohern; S Bücher ,Silvae' (vermischte Ge- 
dichte), darunter ein ,Propemptikon' * an den in den par- 
thischen Krieg ziehenden Asinius Pollio *. 

1 Aug. (die erste) 4469, von OIidbndobv, Bcbmabn, Wbbbk, Weise. 
Denttebe UebarMts. von Ami. Lkloop, De poeai epica et Pbarsalia Lu- 
caui, 4838- Kästner, Quaeet. in Luc. Phari., 4836 — 28. — ' Ausg. 
(erste) 1474, von Heinbldb, Bühmahn, Hablbbs, Wadkbr, Wsbeb im 
Oorp. poet L*t., 18J3, du aobM Buch tob Wbichbrt. Deutsche IJeber- 
setonng von Wunderlich 1803. Wbiohhrt, Epist. critic. de Flace. Argon., 
18(2. — J Ausg. von Deakbnborch, Ernebti, IIüpertj. — * Wie das 
des Helvius Cinna des 1 . Jahrb. v. Chr. — • Ansg. von Gnowov, Barth, 
Dübkbr; der Silvae von Mahklanti 47J8 (wieder von Sillio 4827), Hamd 
4817. Grqnov, Diatribc in Statu silvas, 4637 (von Hand 4844). Wei- 
chert, Poetar. Lat. reliquiae, 1830. 

§. 237. P. Ovidius Naso aus Sukno im Lande der Pe- 
ligner (geb. am 20. März iS v. Chr.), gestorben in der Ver- 
bannung zu Tomi M n. Chr. Die Ursache seiner durch 
August verhängten Verbannung gibt er nicht au, bezeichnet 

sie nur von fern in dem Verse: 

Cur aliquid vidi, cur tiojüa lumina feci. 

Versucht hat er sich in den meisten Gattungen der Poesie, 
in der erzählenden, didaktischen, lyrischen und elegischen. 
Sein Hauptwerk sind ä^e 45 Bacher , Metamorphoseon', eine 
Verbindung von, SSO Fabeln, die mit dem Chaos beginnen 
und bis auf Gäsar's Tod reichen; voll Maximus Planudes 
im 14. Jahrb. ins Griechische übersetzt'. In den ,Fasti' 
oder dem Festkalender der ersten sechs Monate, daher in 
6 Büchern, werden an die merkwürdigsten Tage und Feste 
des römischen Kalenders Erzählungen aus der romischen 
Mythologie und Geschichte angeknüpft 2 . ,Amores' in 
3 Büchern, ,Ars amandi' in 3 Büchern 3 . ,Remedia amo- 
ris', zugleich ein Beitrag zur Kenntniss des sittlich verderb- 
ten ZuBtandes der damaligen römischen Welt. ,Hcroides l 
oder 81 IÄebeebriefe der Heroinen*. ,Medicamina faciei 4 - 
,Tri3tia' in 5 Büchern *. ,Bpistolae ex Ponte' in 4 Buchern. 
,Halieuticon* \ Das Schmähgedicht ,Ibw'. ,Nux'. Das 
Trauerspiel ,Medea' ist verloren gegangen. Kleinere Ge- 



Siebzehntes Capitel. Römer. _ 147 

dichte, z. B. JElegia ad Liviam Auguetam* und die sogenann- 
ten *Cataleota 4 , werden ihm mit Unrecht beigelegt 7 . Von 
seinem Dichtertalent sagt er selbst: 

Sponte sus carmen muntres veniebat ad aptos, 
Et quod tentabam dicere, versus erat. 

1 Ausg. von Gibbio (3* A. von Jahn 4934— 83), Baümoabtbh.Cbb- 
8iü8, Bach, Peldbaüsch, Lobs. Uebersetz. von Rode, Pfitz, ausgewählte 
Verwandelungen von Voss, freie Nachbildung von Abb. Voss. Unten 
§.877—884. — * Ausg. von Cohbab, deutsch von Geil u. Mettger. *- 

3 Uebersetz. von Strombeck, Tomey, eine Nachbildung von Adleb 4843» ■*- 

4 Ausg. von Tbbp8tba u. LÖB8. — 5 Ausg. von Jahh, Merkel; deutsch 
von Strombeck. — 6 Wie Oppian 'AXeomxi nnd KuvtjycTtxdt schrieb, auch 
Ovid's Zeitgenosse Gratins Faliscus. — 7 Ausg. aller Werke (die erste 4474) 
von Dam. u. Nio. Hbinsius, Bvbmakh, Am ab, Jahh. 

§. 238. Die Elegiker ». C. Valerius Catullus aus Sir- 
miö im Veronesischen (geb. 87 t. Chr.), Freund des Cicero, 
hat 446 Gedichte hinterlassen, die zu Anfange des 44. Jahrb. 
durch Benvenuto di Camposani zu Verona aufgefunden 
wurden, darunter von eigentümlichem Charakter ,Atys' und 
das ^Epithalamium Pelei et Thetidos c V 

Albius übullus, in der Begleitung seines Gönners Afes- 
sala erkrankt in Corcyra, stirbt jung 4 d oder 20 t. Chr. 
Von ihm 37 Gedichte in elegischem Versmass und in 4 Bücher 
getheilt, wovon das dritte Buch Heyne und J. IL Voss? 
einem gewissen Lygdamus 4 , das vierte zum grossen Theil 
•einer gewissen Sulpicia* zugeschrieben haben 6 « 

Sext. Aurelius Pröpertius (zwischen 50 — 44) v. Chr.) aus 
Mevania oder Hispellum in Umbrien, Günstling des Mäcenas, 
nahm zum Muster den Alexandriner Kallimaphos für seine 
Elegien in 4 Büchern 7 . 

1 Gbüppb, Die römische Elegie, 4838^ — * Ausg. Ton LBns, Gübliw, 
Obblli in den Eelog. poet. Lat., 4833. Ausg. des Ganzen von Sillio, 
Lachmann, Döbiho. Uehersetz.. von Ramler u. Schvoenck. — 3 -Musen- 
almanach, 4786, u. "in der Vorrede zur Uebersetzung des Tibull 4 $40- — 
4 Eichstadt, De Lygd. carminib., 4889 — 34. — 6 Nicht der angeblichen 
Verfasserin De edicto Domitiani, quo philosophos exegtt oder Satira de 
eormpto reip. statu. Wbbhsdobb in den Poet. Lat. minores« Bd. 3 , bear- 
beitet von Güblitt u. Mahnabd. — 6 Ausg. von Volpius, Bbobbhüyzbk, 
Heyne (4- A. von Wundbbxich u. Pwsbn 4849)» J. H< -Voss* Bach, 
Hgsobkb, GoiaiBT, Lachmann, Dissbn. Deutsehe Uehersets. von Vots, 
Strombeck, Günther, Richter, Nürnberger, — 7 Ausg. von Bboekhuyzbn, 
Vülpiüs, Bubmahh u. Sahtbh, Paidamvs, Hbbtzbbbo. Deutsche. Ueber- 
setsung von Knebel, Strombeck, Voss, Hertzberg. 

§.239. Der grösste romische Lyriker und Pindar*f 
glücklicher Nachahmer ist Q. Horatius Flaccus aus Yenusia 
(daher cygaus Venusinus) auf der Grenze A^\&fc\v^ \s^ 



148 Zweit«* Buch. tCthnodoktologie. 

Lncaniens, Freund und Günstling des Mäcenas und Au- 
gnstus, geb. 8. Dec. 66, gest. 26. Nov. 9 v. Chr. Seine 
,Carmina' bestehen aua 4 Büchern ,Oden', nebst dem ,Car- 
raen seculare', und einem fünften Buche ,Epoden', in welchen 
er Vieles aus den besten griechischen Lyrikern (Archilochos, 
AlkäoB, Sappho, Alkman, Steeichoros, Pindaros u. A.) ent- 
lehnt hat '. Ferner 4 Bücher ,Sermones', nämlich 2 Bücher 
,Satiren' * und 2 Bücher ,Episteln' 3 . ,Ars poetica' oder 
,Epistola ad Pisones' *. 

' Ausg. von Jaiii, Mitbcbbklich, Vamdkbboerg, Pbeblkahf. Deutsche 
Ueheraau, Ton /. H. Vos», Hamier, Scheiter, Günther, v. d. Decken, U. 
die Sammlung von gereimten Uebersetzuagen n. Nachbildungen von Itosen- 
heyn. — * Ausg. von Heridore (verbesserte A. von Wüstemasn 1 843 ) 
n. Kibohhee; meisterhafte TTebersetzung von Wieland. — * Ansg. von 
Schmic, OBBAaiCH u. Sohmid, Dcntzeb. Uebersetz. von Wieland, Günther, 
Patsow. — 4 Ausg. von Hlrd u. ans d. Bagnschei] von ligchenburg (77S. 
Ausg. des Ganzen (älteste 1170) von Lahbin , Beutlet 17H (zuletzt 18S6), 
Cumninoiiah, Fea (neu von Bothr), Döring, Orelli. Scbulausg. von 
Jahn, Zell, Mbimbe , Dillbkburger. Aeltere Erklärer: Akron, Por- 
FiiVRioN u. der Seholiast des Cruquius. Sebtos, Vita Horatii. Teuffbl, 
Charakteristik des Horaz, 1841, u. Horaz, eine literarhistorische Ueber. 
sieht, 4843' Weber, Horaz als Mensch u. Dichter, 1844. Hobkbl 1853. 

§. 240. M. Valerius Martialis aus Bilbilis in Spanien 
(40 — 100 n.Chr.) ist der ei^entlidicSdiöpfer des neuem oder 
witzigen Epigramme. Seinen Rnhm begründen 14 Bücher 
Epigramme (s. oben §. 165), 

Ausg. von Radbb, ScnKEVBl, Lemaire, Sohneipewih; Auszog von 
Ramlbb. Deutsch von Willmann. Dibstlibg, SO Epigr., 4835. 

§. 241. Petronius aus Masailia, Consul in Rom, Pro- 
consul in Bithynien, Festgenosse und Festrathgeber des Nero,' 
daher auch Arbiter beigenannt, entleibt sich aus Furcht vor 
Strafe 67 n. Chr. Von ihm soll eine Art Roman, ,Saty- 
ricon' (oben §. 232) herrühren, dessen Verfasser aber Niebuhr 
uud "Weicher! in eine weit spätere Zeit (2. oder 3. Jahrh.) 
versetzen. 

Stbdeb, Ueber d. Zeitalter des F., im Rhein. Museum, 1842, I. Be- 
kannt gemacht wurde dieses Werk 1439- Erst 1662 fand man zu Traun 
in üalmation das sogenannte Gastmahl des Trimah'hjo , welches FhamhottI 
herausgab. Das Ganze gaben Bcbmask 1709 u. Autos 1781- Die in 
Belgrad gefundeneu und von Fr. Nodot veröffentlichten und die aus der 
Bibliothek zu St.-Gallen von Marcbeha herausgegebenen Fragmente be- 
ruhen auf einem literarischen Betrüge. Ueberseiz. von tteinte n. CrHninger, 

§. 242. Unter dem Namen des Phädrus oder Phäder, 
der von Geburt ein Thrazier und Freigelassener des Augustus 
gewesen Bein soll, besitzen wir eine Sammlung von 90 
in 5 Bücher abgetheilten Fabeln. Da aber Phädrus von 



Siebzehntes CapileL Römer. 149 

keinem der alten Schriftsteller als Verfasser dieser Fabeln 
genannt wird und die Römer in der Gattung der Aesopischen 
Fabel, nach der Behauptung des Philosophen Seneca, sich 
überhaupt nie versucht haben, so hat man seit J. F. Christ 
(den Schopfer der eigentlichen Archäologie in Deutschland, 
4701 — 56), der das Ganze für ein Machwerk des Erzbischofs 
Perotti (1430—80) hielt, vielfach an der Echtheit derselben 
gezweifelt 1 . Das sechste Buch . mit 32 Fabeln wurde 4727 
zu Parma aufgefunden, aber wegen Unleserlichkeit und 
Lückenhaftigkeit von Burmann unbeachtet gelassen,, bis e» 
Cassitti und Janelli 4809, Orelli 4834 bekannt machten. 

1 Ausg. von Bubmann, Schwabe, Obblli, Dbesslbb. Brauchbare 
Schulausg. von Bbohm, Pauflbb, Beck, Zell, Hoffmann. Ueberseti. 
von Schwarz,, Vogelsang , Heinzelmann. Kbblbb , Rom. Fabeldichter, 4 838. 

§. 243. Die Geschichtschreibung begann in Rom mit 
den dürren Registern über, merkwürdige Vorfalle, die bis 
auf P. Mucius (430 v. Chr.) von dem Pontifex Maximus ge- 
fuhrt wurden und Annales maximi oder pontificum hiessen. 
Daran schlössen sich die ,Fasti magistratuum 4 , ,Libri lintei 6 , 
,Laudationes fiinebres', die versificirten Chroniken des Nävius 
und Ennius und die Annalisten, deren Livius erwähnt, Fabius 
Pictor, Cincius Alimentus, Valerius Antias, Piso 1 . 

Die ,Origines* de» altern Cato (M. Porcius Gato Cen- 
soiius, 234 oder 239—448) in 7 Büchern, worin die Ge- 
schichte Roms von den ältesten Zeiten bis auf seine letzten 
Lebensverhältnisse oder bis auf den Zug des Serv. Stilpi- 
cius Galba nach Lusitanien abgehandelt war, sind verloren 
gegangen 2 . Auch die historischen Schriften des gelehr- 
testen Romers, M. Terentius Varro (geb. 4 46),' sind unter- 
gegangen s . 

1 Krause, Historicor. Graecor. fragm., 4833' — * Sein Werk: De 
re rnstica von Gbsnbb u. Schneides 4794, in den Scriptores rei rusticae. 
Seine Beden, deren Cicero noch 450 las, in Meybb's Oratonun Kom. 
fragm., 4842. — 3 Fbaäckbn, Fragm. Yarronis, quae inveninntnr in libris 
Augustini, 4836. Dbvit, Sententdae Yarron. etc., 4843. De re rnstica 
libri m von Schnbidbb 4794. Papb, Diss. tiistorico-literaria de Yarr.» 1835. 

§. 244. Grosse Muster in der Geschichtschrei- 
bung erhielt Rom erst mit der griechischen Cultur. 
Seitdem war es vorzugsweise die Geschichte und 
Beredtsamkeit,. worin, auch hier Ausgezeichnetes 
geleistet ist. 

Ulrici, Charakteristik der antiken Historiogw^iv^ K^&V* 



160 ZVHtU* Buch. EthHQdoktologie. 

§. iii. Die Reihe der grossen, noch vorhandenen Histo- 
riker eröfihet C. Julitu Cäsar (400—44 v. Chr.), dessen 
thatenreiches Leben Sueton und Plntaroh ausführlich be- 
schrieben haben. Die früher dem Jul. Celsus beigelegte 
,Vita J. Caesaris' gab Schneider 4837 heraus und erklärte 
sie für ein Werk des Petrarca. TacituB sagt von ihm: 
jSummus anetorum divns Julius.' Seine ,Commentarii de 
bello Gsllico 1 in 7 Büchern (das achte von Aulus Hirtius? 
der 43 bei Mutina fiel) und ,De bello civili' in 3 Büchern. 
Ungewiss sind die Verfasser der Bücher De bello Alezan- 
drino, Afrioano und Hispanico. 

Ausg. (erste 1469) tod ClabkB (742, GsÄvits Oddbndobf, DIhhi, 
MObicb, Hereog, Baümbtabk, Süuskidbb 4840. Erläuterungen der Geo- 
graphie Gallienn von FiBülbe nnd Hefmbr. Wörterbuch von Cncsics. 
Dänische Uebersata. ron Haut, Wagner , Schaumaiin , Vollmer, Baum- 
Mark. Sein Leben vorzugsweise von Dan mahn im 3. Bde. der Geschichte 
Borna «te., 4837. 

§. 2i6. Cornelius NepoB aus Hoatilia oder Verona, Freund 
des Cicero, noch unter Augria tue ani Leben, hinterliess histo- 
rische und geographische "Werke, die verloren gegangen sind. 
Unter seinem Namen besitzen wir ein dem Altertbum un- 
bekanntes Werk ,Vitae excellentium imperatorum', kurze 
Biographien von M griechischen Feldherren (Miltiades, The- 
mistokles, Aristides, Pausanias, Cimon, Lysander, Alci- 
biades, Thrasybul, Conon, Dion, Iphicrates, Chabrias, Ti- 
motheus, Datames, Epaminondas, Pelopidas, Agesilaus, 
Eumenes, Phocion, Timoleon), eine Nomenclatur ,De regi- 
bus', griechischer und persischer Könige, nebst dem Leben 
des Hamilcar und Hannibal und zwei grössere Lebensbe- 
schreibungen des Cato und Atticus, als deren Verfasser 
Aemilius Probus (380 a. Chr.) genannt wird. 

Ausg. von Stavebeh il'H (neu von Babdili (820), Bbemi, Paoflbb, 
Günther, Feldbacbch, Daune, Roth , Bknecke. Ucbersatz. von Dcllinger, 
Kolk. WÖrterb. von Billebbeck n. Cedbicb. Huck, Saggio di un esBine 
etc., 1818 (deutsoh von Hermann 1839). De vitu et seriptis Com. Nep. 
von Ranke, Walicki, LieberkBhs-Pohliuann, Lctebhcb, Nissen, Hibalt, 

WlCHRBB, FHEUDENBERO. 

§. 247. C. Sallustius (oder Salustius, von salus, nach 
Gerlach) Crispus aus Amiternuuiim Sabinerlande , römischer 
Senator, durch die Censoren Appius Claudius Puleher und 
L. Piso (50 v. Chr.) senatu motus, von Cäsar restituier, und 
zum Statthalter von Numidien gemacht, starb 35 v. Chr. 




Siebzehntes CapM. Römer.. 15) 

Vollständig erhalten sind noch seilt ,Bellum Cfttüuwriujn' 
und ^Bellum Jugurthinum 6 . 

Aueg» (<3ret©H70) von Wassb, Couth, EUvaeoamf, Gbbi^cb, Krits, 
Ja um ann, Fabbi, Hbrzoo, Dietsob-, Linker \ 855. Deutsch von Schlüter, Wolt- 
mann, Strombeck, Hock. Wörterb. von Palm u. Cbusiw. Orelli, Oratlones 
et epistolae ex hiitoriarum libris deperditU, 4834* Kbbybsid, Commentat. 
de Sali, fragm., 4835« Otf. tyßLwsR, Histor. krit, Untersuchungen d. Nach- 
richten über Sah, 4847. Löbbll, Zur Beurtheilung ä% SaL, 4848. Bbossbs, 
Hist. de la »ep. Korn, daas le cours du septieme siecle par Sal., 4777» 

§. 248. JDer berühmteste romische Geschichtschreiber ist 
T. Livius aus Padua (Patavium, 59 v. Chr. bis 47 n. Chr.), 
Günstling des Augustus, Erzieher des Kaisers Claudius. Er 
hinterliess ein grosses historisches Werk, *,Annales*, welches 
die Geschichte der Romer von der Ankunft des Aeneas bis auf 
den Tod des Drusus (40 v f Chr.) in 448 Büphern umfasste, 
deren wir nur 35 (die zehn ersten yon Erbauung der Stadt 
bis 293, dann 24 — 45 von 248—468 v. Chr.) vollständig, 
nach Decaden abgetheilt, besitzen , dagegen von den übrigen 
nur Epitomae, welche Florus verfesst haben soll, und Sup- 
plementa von Freinsheim 4654; auch Einiges aus dem 94. und 
120. Buc&e und das 33. Buch aus einer bamberger Hand- 
schrift (Kreyssig 4839). 

Ausg. (erste 4469) von Gbonqv, Clbbicus, Drakenboboh (von Al- 
scbbvski 4844), Ebnbsti (von KBBtatio 4823—97), Stotb u. Döring, 
Rupbbti, BAUMaABTBN-CBuaicSi JUiCHje. Deutsqh: von UeuMinger u. 
Oertel. Kruse, De fide Liyii recte »estiinanda, 4842. F. Lachmann, De 
fonübus histoiriar. Livii, 4822 — 281 Soltl, Liv. in s. Gesch., 4832. 

§. 249. In die Zeit des Augustus gehört Pompejus Trogus, 
der ein Werk in 44 Buchern: ,Hisioriae Fhilippicae (weil 
die macedonische Geschichte den Hauptinhalt bildete) et 
totius mundi origines et terrae situs', hinterliess, welches 
die Geschichte von Ninus bis 5 v, Chr. umfasste. Daraus 
besitzen wir nur einen um 460 n. Chr. gefertigten Auszug 
von M. Junianus Justinns oder M. Justinus Frontinus *. 

Verloren sind die Schriften des Asinius Pollio (geb. 
75 v. Chr.)*, des M. Tullius Tiro, Freigelassenen des Ci- 
cero, August'* 8 , des M. Yipsanius Agrippa Memoiren. 

Das , Monument um Ancyranum 4 verherrlicht August's 
Thaten und wurde 4553 durch Busbecq copirt 4 . 

1 Ansg. (erste 447Ö) von Grävius, Gronov, Fbotschbb, DCbner, 
MBtzbll. Deutsch von Kolbe, Schmumann, Schwarz. — 2 Tborbbcke, 
De C.'Asin. Poll. stadüs doctrinae, 4820. — 3 Wbiohbbt, De Aug. scriptis, 
4836. — 4 Mbblebeb, Kosmogeograpqie, §. 444. 

§. 250. Die Berpdttamkeit war in Rom schon früh 



159 Zweite» Buch. Ethnodoktologie. 

ein Staatsbedürmiss : sie lenkte den Sinn des Volks, die 
Berathung des Senats und das Urtheil der Gerichte; sie gab 
Emfluss im Staat« und führte zu Würden und Ehren '. 

Cicero 's Vorgänger waren in Rom : M. Cornelius Cethe- 
gus (suadae medulla), M. Porcius Cato, der jüngere Scipio 
Africanus, Serg. Sulpicins Galba, C. Gracchus, M. Anto- 
nius, L. Licinius Crassus; seine Zeitgenossen: Q- Horten- 
sius Hortalus u. C. Julius Cäsar 9 . 

V ' Wutimuii, Qeach. d. röm. Bereduamkeit, 4836- Ellbfdt, Pro- 
legomena hiatoriam eloqnentlaa Rom. nsqae ad Caesarea adnmbrautia , rar 
desaea Ausgabe von Cicero'i Brutus, (S. A.) iSÜ. — * Metbk, Orato- 
rum Bom. fircgm., (S. A.) (84!. 

§. 20). Der grösste Redner Roms ist M. Tullius Cicero 
aus Arpinum im Marserlande (3. Jan. 105 — 42 v. Chr.), 
dessen Leben sein Freigelassener Tiro und Cornel. Nepos 
in verloren gegangenen Schriften schilderten; noch erhalten 
sind die Biographien von Plutarch und Aurel. Victor '. Ge- 
bildet durch den Dichter Archias, die Redner Ijicin. Cras- 
sus, M. Antonius, Aemil. Scauras, die Rechtagelehrtcn 
Q. Mucius Scävola Augur und Q. Mucius Scävola Pontifex, 
den Epikuräer Phädrus, die Akademiker Philo von Larissa 
und Antiockos, den Stoiker Diodotos, den Rhetor Molo 
von Rhodos und Demetrios , durch den berühmten Poseido- 
nios und in Athen; Quästor 75, Statthalter in Sicilien 74, 
Aedil 69, Prätor 65, Consul (homo novus) 62, pater patriae, 
imperator togatus, nach August's Urtheil ein grosser Mann, 
der es mit Rom gut meinte, ermordet auf Antonius' Geheiss 
durch Popilius. Sein Stil ist Muster der Latinität. 

Seine erhaltenen Schriften zerfallen in rhetorische, 
in Reden, Briefe und in philosophische. 

1) Die rhetorischen Schriften sind: ,Lihri IV'rhe- 
toricorum' (über deren Verfasser Un gewissheit herrscht). 
,Rhetorica s. de inventione libri duo', 87 2 . ,Dc oratore 
libri tres', 54 a . ,Brutus s. de claris oratoribus', 45 4 . ,Orator 
s. de optimo genere dicendi' *. ,Topica ad C. Trebatium', 43. 
,De partitione oratoria'. ,De optimo genere oratorum' *. 

2) Die Reden: ,Pro Quinctio', Sept. 80; ,Pro Sexto 
Roscio Amerino', 79; ,Pro Q. RoScio comoedo 1 , 75; ,In 
Caecilinm s. divinatio in Caecilium', 69; ,In Verrem' (eine 
Reihe von Reden in zwei Theileo, actiones) '; ,Pro M. Pon- 
te/o', 68; ,Pro Caecina', ,Pro lege ■Manilia', 68; ,Pro A. Cluen- 



m 






Siebxehntes Capüel. Römer. 153 



tio Avito 4 , 65; ,De lege agraria in Servilium Rtülum ora- 
tiones tres c , 62^ ,Pro C. Rabirio perduellionis reo 4 , 63; 
,Quatuor orationes in Catilinam c , 62 (darüber Cludius 4826, 
Hagen 4854 und in seinem ,Catilina c 4854); ,Pro L. Murena', 
62; ,Pro L. Valerio Flacco% 58; ,Pro C. Cornelio Sulla 4 , 
,Pro A. Licinio Archia poeta 4 , 60; ,Post reditum ad Qui- 
rites 4 , ,In senatu 4 , ,Pro domo 8ua ad pontifices 4 , ,De haruspi- 
cum responsis 4 , 56 — 55; ,Pro P. Sextio 4 , 55; ,In Vatinium 4 , 
,Pro M. Coelio Rufo 4 , 55; ,De provinciis consularibus 4 , 55; 
,Pro L. Cornelio Balbo 4 , 55; ,In L. Calpurnium Piaonem, 4 
54; ,Pro Cn. Plancio 4 , 53; ,Pro L. Rabirio Posthumo 4 , 53; 
,Pro T. Annio Milone 4 , 54; ,Pro M. Marcello 4 , 46; ,Pro 
Ligario 4 , 46; ,Pro Dejotaro 4 , 45; ,Orationes XIV inM, An- 
tonium 4 , 2. Sept. 43 bis 24. Mai 42 *. Die Bruchstucke -ver- 
dankt man den Kachforschungen von Ang. Mai, Peyron und 
Niebuhr 9 . Unter den alten Erklärern der Reden Cicero's 
steht oben an Q. Asconius Pedianus (f 44 n. Chr.) 10 . 

3) Die Briefe werden gewöhnlich in vier Abtheilungen 
zerlegt: ,Ad diversos libri XVI 4 ; ,Ad T. Pomponium Atticum 
libri XVI 4 ; ,Ad Qüintum fratrem libri tres' 11 ; ,Ad Brutum 
über 412 . 

4) Seine Verdienste um Einführung und Verbreitung der 
griechischen Philosophie in Rom schildern Kühner 18 und 
Brandis 14 . Er ist Eklektiker ohne ein bestimmtes System : 
>Pe republica libri sex 4 , 53 lö v ,De legibus libri tres 4 , 52 lß . 
,Academica 4 , 44 ir . ,De finibus bonorum et malorum libri 
quinque 4 , 44 l8 . ,Tusculanarum disputationum libri quin- 
que 4 , 43 19 . ,De natura deorum libri tres 4 , 43 20 . ,De di- 
vinatione libri duo 4 , 43 ai . ,De fatö 4 , 43 » ,Cato maior 
s. de senectute 4 2 *. ^Laelius s. de amicitia 4 **. ,De officiis 
libri tres 4 , 43 26 . ,Paradoxa stoioorum sex 426 . 

1 Middleton, Gesch. Roms, Cicero's Zeitalter umfassend, verbunden 
mit dessen Lebensgesch., 4744 (deutsch von Seidel 4794 — 93). Schiblitz, 
Vorschule zum Cicero, .4837. Dbumann, Gesch. Roms etc., 4834 — 44, 
Bd. 5 u. 6. Cicero. Brückner, Leben Cicero's (Bd. 4.), 4853. -- * Von 
Lindemann 4828. — 3 Von Pearce, Müller, Hekriohsbn, Küniss, 
Ellbndt 4840. — •'* Von Ellbndt, Stern, Meter. — » Von Meter, 
Gölleb u. Peter. — * Erste Ausg. 4485, bei Aldus 4544, von Schutz 
1804—8. — 7 Von Zumpt 4834. — 8 Von Wernsdorf 4824 u. 4825. — 
9 Ihre Ausg. von Beier 4825. — ,0 Ausg. (erste 4444) von MAnutius, 
Grävics, Klotz 4835. Ausgewählte Reden von Möbius 4842, Mattbiä, 
Racter, Steinmetz, Benecke, SCpflb; Wolff's deutsche Uebersetzang 
auserwählter Reden 4806 — 49 ü. neue Sammlung 4 823 fg. — " THe zweite 
u. dritte Classe von Manütics 457&, Grävics \fcYl , &«*fc** AWfc — W— - 



154 Zxoeüu Buch. Ethnoiioktoiogic. 

17 Eine Auswahl von Matthiä, Pvlabi, SCfvlb. Uebenetz. von H-icfand 
(fortgesetzt von Gräter 4808 — 24 n. 484!). Abeken, Cicero in s. Brie- 
fen, 483S. — " Ciceronis in philo«, einsqne partes merita, 4885- — 
'* Handb. d. griech. n. röm. Philosophie, 1835 — 14- — "> Von Bbrmardi 
4798; von Mai in einem Palimpsest im Kloster zu Bobbio gefanden und 
edirt 1822, später von Hrikricb, Stkinacker, Leuner, Moser. — " Von 
Dayimcs, GBrbkz, Hosbb u. Ceruiku. — " Minder richtig Aoademlcae 

quaestion*a oder disputationes , von D Avium», GSrems, Orblli 1B Von 

Davisidb, Göbkui , Otto. — " Von Orblli, KBhhrr, Klotz, Moser. — 
20 Von Hkikdorf, Creczer, Mober. — " Von Hottinqer, Moses, Gibse. — 
" Von Brehi. — " Von Gbrhkard, Otto, Klotz, Hütte» n. Geldes. — 
" Von Beibb, Klotz. — * J Von Hbobibobr n. Zumpt, Gbrnbard, Beirr, 
StCrenberq; übersetzt von Game, llottinger. — " Gesammtsnsgabea 
(erste 4(981 Ton Victoribb, P. Mahotids, Lambin, Grokov, Vebboro, 
Erkebti, Olitbt, Faoctqlati, Qaratoni, SchBtz, Bbbtivogho, Orblli, 
Nobbe. Unter den Chrestomathien ist die beste von Olivet, Hottikoer 
n. Ochsicbr, Ciceronft Eclogae. Deutsche Uebersetz. von Strombeck, Jacobs, 
Droysen, Zumpt, Wettermann n. Klon. — Lexika in Cic. von Nizolws, 
Facciolati; Cla-vis Ton Erkebti n. SchEti; Ononuuticnni Tuliianum von 
Orblli n. Baitbr, 4836—38. 



Achtzehntes Gapitel. 

Doppeltes Sprachgebiet unter römischer Herrschaft, 

bis zur Zerstörung des weströmischen Kaiserreichs, 

476 n. Chr. 

§. 252. Das Römische ist Staatasprache, das Griechische 
Cultursprache : Cicero, ,Pro Archia', 1 : ,Graeea legiintur in 
omnibus fere gentibus; Latina suis finibus, exiguis sane, 
continentur.' Die Zeit vieler Schriftsteller ist ungewiss. 

Frauke, Zur Gesch. Trajan's u. seiner Zeitgenossen, 1837. 

§. 253. Unter den Schriftstellern dieser Zeit be- 
haupten vorzugsweise die Historiker, und zwar 
Griechen sowol wie Römer, den ersten Rang. 

1) Griechen. 
§. 254. Plutarchos aus Chäronea in BÖotien (50 — 420 
oder 130 n. Chr.), Lehrer des Kaisers Hadrian und durch 
ihn procurator Graeciae, zuletzt in seiner Heimat Archont 
ivnd Apollopriester. Von seinen etwa 300 philosophischen 
und historischen Schriften besitzen wir noch 125 mit Ein- 
Bchluss der unechten, darunter ,Ethica' oder ,Moralia' (Er- 
läuterungen Platonischer Philosophie) und 16 ,Bioi rcapäX- 
itpioi 1 , im Ganzen aber 50 Lebensbeschreibungen: 1) ,The- 



Achtzehntes Capitet. Doppeltes Sprachgebiet wUer röro. Herrschaft. 165 

seus und Romult» 4 , 2) ,Lykurgus und Numa', 3) ,Solon und 
Valer. Poplicola', 4) ,Themistokles und Camillus', 5) ,Perikles 
und Q. Fabius Maximus 4 , 6) ,Alkibiades und Coriolanus', 
7) ,Timoleon und Aemilius Paulus 4 , 8) ,Pelopidas und Mar- 
cellus', 9) ,Aristides und Cato Censorius 4 , 40) ^Philopomen 
und Flamininus', 41) ,Pyrrhos und Marina', 42) ,Lysander 
und Sulla 4 , 43) ,Kimon und Lucullus 4 , 44) ,Mikias und 
Crassus*, 45) ,Eumenes und Sertorius 4 , 46) ,Agesilao8 und 
PompejusV Vf) •> Alexander d. Gr. u. Cäsar 4 , 48) ,Phokion 
und Cato Uticensis 4 , 49) ,Agis, Eleomenes und die. beiden 
Gracchen', 20) ,Demosthenes und Cicero 4 , 24) ,Demetrios 
Poliorketes und M. Antonius 4 , 22) ,Dion und M. Brutus 4 ; 
ohne Parallele stehen ,Artaxerxes Mnemon 4 , ,Aratos 4 , r Galba 4 
und ,Otho 4 . . 

Nach dem Muster dieser Biographien hat man in neuerer 
Zeit in mehren Ländern Sammlungen vaterländischer Bio- 
graphien unter dem Titel Plutarch veranstaltet, darunter der 
deutsche Plutarch von Niemeyer. 

Gesammtausg, von H. Stkphaxvs, Beiske, Hütten. Die Moraha von 
Xtlandbr u. Wyttenbagb:, DCbäbr (mit lat. Uebersetz.), Winckeimanr. 
Die Vitae ron Beta* n. Möbeb üb Soul, Kobais, Schafes, Sintbkib. 
Hebben, De fontib. et auctoritate vitaxum paraLPlut., 4820. K. F. Hbb- 
mawn, De fontib, vitar. Plut., 4836. Beck, De placitia philosophor., 4787. 
Wyttbnbaöh, De sera numinis vindicta, 4772. Ubteri, Consolatio ad 
Apolloniwn, 4830. Wwckblmahh, Eroticus, 4836. BbbdowIs Philopomen, 
beide Gracchen n. Brutus. Schneideb'b Alexander n. Cäsar. Fabbici'b 
Timoleon, Gracchen u. Brutus. Bahb'b Philopomen, Flaminin, Pyrrhus u. 
AJkibiades. Hbxd's Aemil. Paulus u. Timoleon. Sumatra* u. Gottschick's 
Themistokles. Vööelih's Brutus. Sintbnis' Perikles. Sohömakh'b Agis 
u. Kleomenes. Krameb's Phokion. Westbbmann's Solon. Ekkbb's Ki- 
mon. — Uebersets. der moralischen Schriften von Bahr, der Lebensbe- 
Schreibungen von Schirach, Kleiber; beider von Kaltwasser.. 

§. 255. Flavius Arrianos aus Kikomedien in Bithynien, 
durch Hadrian praefectus Cappadociae, Historiker, Geo- 
graph, Philosoph und Taktiker. Seine /Ioropfoct, avaßaceoc 
'AXe£av5po\> c in 7 Büchern und attischem Dialekt J , /IvSocq' 
in ionischem Dialekt a . Für die alte Geographie wichtig ist 
Arrian's Schreiben an Hadrian über die Umschiffimg (Pe- 
riplus) des Pontos Euxinos und des Kothen Meeres 3 . Lehr- 
buch der Taktik und die Schlachtordnung gegen die Alanen' 4 . 
,Kynegetikos c *. Auch gab er als Schüfer Epiktet's (geb. 
um 50 n. Chr., Sklave des Epaphroditos in Rom, eines Frei- 
gelassenen des Nero), dessen Handbuch (,Encheiridion c ) der 
Moral (stoische Philosophie) heraus \hnJl ^&te&% ^önk*»* 



redungen* in 8 Büchern, von denen wir nur die ersten vier 
besitzen a . 

1 Aug. Tun Scbmbdbb, Ellbndt, K»Cqbb. Deutsch von DBrner. 
tab dbb Chts, Commentar. geogr. In Än-inn., 1828, nebit Karte. — * Ausg. 
von ScHMfiDBB. — * Ansg. von HtiDBOtr n. Gail in den Geogr. Grase, 
min. — * Von Scheffeb n. Blancard. — > Von Howrim, in Xenophon'a 
Opnsc. polit. von /..mi n. Saepfe. — * Schweiohäesbb , Philo». Epict. 
uionumant», 1799, u. Kobat 1827. 

§. 256. Appianos aus Älexandrien (98 — 160 n. Chr.), 
kaiserlicher Procurator. Seine Römische Geschichte' in 
24 Büchern ist nur ungefähr zur Hälfte erhalten und um- 
fasst die Zeit bis auf August nach ethnographischer Ein- 
theilung. 

Wiederh erstell er n. Heratiageber iit SoHWBioHicsBB 1185, Uebersetzer 
IXllenius n. Zeiss. 

§. 357. Dion Kasaios Kokkeianoe aus Nikäa in Bithy- 
nien, im Consulat Amtsgenosse des Kaisers Alexander Sc- 
verua 222, schrieb 80 Bücher römischer Geschichte von 
754 t. bis 229 n. Chr. Von den ersten 35 Büchern nur 
Bruchstücke, ein Theil des 36., 37 — 54 fast ganz erhalten, 
55 mit Lücken, 56 — 60 vollständig, von 61 an nur Fragmente, 
von 35 — 80 ein Auszug des Mönchs J. Xiphilinos (11. Jahrh.) 
auf Befehl des Kaisers Mich. Dukas- 

Die Fragni. von Valbsich, Pbihbbcil's n. Ubbiheb. Mai, Scriptor. 
vet. nova eollectio. Aneg. von Fabmcicb q. Reimaecb, Stöbe. Uebersetz. 
von Wagner, Penxel, Lorenli, Tafel. Wilmans, De fontib. et anetoritate 
Dion. Cass-, 1835- 

§. 258. Herodianos (170 — 240 n. Chr.) schrieb römische 
Geschichte von 180 — 238 *. 

Klaudios Aelianos, der Sophist, aus Präneste, aus dem 
3. Jahrh. n. Chr., schrieb ,LTou«Xai feropfoi' (eine geschicht- 
liche Compilation) a und , lieber die Natur der Thiere' 3 . 
Nach Einigen gehören beide Werke verschiedenen Verfas- 
sern an. 

Der Taktiker Aelianpa (98—138 n. Chr.) 4 . 
Fragmente der Spätem B . Ensebios ist Kirchenhistoriker 
(10 Bücher), Biograph (Leben Konstantins d. Gr.) und 
Chronist *. 

1 Anag. von Aldos, Ibmisch, F. A. Wolf, Weber, Lahor, Bbkker. 
L»t. Deberiatt. von Politianus. Deutsch von Cunrad. — ' Aneg. von 
Gcokot, KBbb, Eobat. — ' Von Scbhbidbb n. Jacobs. — * Ausg. von 
Abobbids. Deutsch in Baomaäbtheb's Samml. aller Krlegsschriftsteller (1. 
Griechen, 1779. — * Von Dav. Höscbkl 1603 "■ Pn. LabbÄos, Pro- 
trepticon de Byi. htstoriae scriptorib. , 1648. — B 'üeber seine Glftnbwürdig- 
keit Mölisb, D«n, Kbitb», Rhitkudaih., Ribwbiba. S. unten §. 303-. 



Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet mter rOm. Herrschaft. 157 

2) Romer. 

§. 259. C. Vellejus Paterculus (18 v. bis 34 n. Chr.) 
hinterliess ,Historiae Rom. libri 11% deren Anfang fehlt und 
die nach I, 8 eine Lücke enthält, einen Abriss einer all- 
gemeinen Geschichte von Trojas Zerstörung bis 30 n. Chr. 
Dieses Werk machte zuerst Beatus Rhenanus aus einer ein- 
zigen Handschrift des Klosters Murbach im Elsass 4520 
bekannt, die später aber spurlos verschwand, bis 4835 durch 
Orelli eine angebliche Abschrift dieses Codex herauskam, 
welche Bonifaz Amerbach zu Anfang des 4 6. Jahrh. zu Basel 
gemacht hatte. 

Fechter, Die Amerhach'sche Abschrift des Vellej. u. ihr Verhältnis* 
zum mnrbacher Codex u. zur editio princeps, 4844* Ausg. von Lipsics, 
Hbinsiu», Hudson, Burmann, Orelli, Kreyssig, Bothe, Kritz. TJebersetz. 
von Jacobs, Strombeck, Gö'tte. Ueber Vellejus, sein Werk und seine Glaub- 
würdigkeit: Hbrbl 4794, MORGENSTERN 4798 (auch in den Ausg. von 
Krau8b u. Frotscher), Sauppb im Schweizer Museum für histor. Wis- 
senschaft, 4837. 

§, 260. Valerius Maximus (unter Tiberius) schrieb ,Facto- 
nun dictorumque memorabilium lib. X c '. 

L. Annäus Florus (von unbekannter Zeit und Herkunft) : 
,Epitome de gestis Rom. 4 oder ,Rerum Born. lib. IV 4 a . 

Q. Curtius Rufus (von ungewisser Zeit) : ,De rebus gestis 

Alexandri M. lib. X 4 7 wovon die beiden ersten fehlenden 

Bücher Bruno, Freinsheim und Cellarius zu ergänzen 

suchten 8 . 

1 Ausg. vonLiP8iü8, Thymus, Torbbnius, Hasb, Calbmbero, Kampf 
4854. Deutsch von Uoflmann. — * Ausg. von Grate, Düker, Fisobbk, 
Titsb. Deutsch von Schallgrüber. Titib, De epitomes cefc vero auetore, 
4804* Gossbau, De Flori qua vixerit aetate, 4837. — 3 Ausg. von Sna- 
kbnbubg 4724, Zompt, Baumstark, Mützell 4844. Deutsch von Oster- 
tag. Ueber sein Leben und Zeitalter Pinzger in Seebode's Archiv, 4824, 
Bd. 4, Hibt 4820 u. Buttmahh's Gegenschrift 4820, Nibbuh* in den 
Denkschriften der berliner Akademie 4823« 

§. 264. C. Cornelius Tacitus, wahrscheinlich aus In- 
teramna, consul suffectus 97 n. Chr., schrieb ,Vita Agrico- 
lae 4 *, seines Schwiegervaters, ,De situ, moribus populisque 
Germaniae 4 zur Zeit Trajan's 2 , ,Annalium lib. XVI c vom 
Tode August's bis zum Ausgange des Cäsarischen Ge- 
schlechts durch Nero's Tod (U — 68) 3 , ,Historiarum lib. V 4 
von 68 — 96 4 , ,Dialogus de oratoribus s. de causis corruptae 
eloquentiae c 5 . Ueber historische Kunst sagt er selbst: 
,Praecipuum munus annalium reor^ tä . -roSrotafe «öä^*»^ 



158 ZvMiui Buch. EtUnodoklologk. 

utque pravis dictisque factisque ex posteritate et infam ia 
metus sit •.' 

1 Awg. vo* Bahm, Dbowkb, Klbdt, Hiim, Pbeilkamp, Wai.cu 
(mit dadHhw Cebersecc n. Comimentai), Roth. — * Ausg. von Bbrdow, 

PaSBOW, DlLTHBT, EBB*, KlBSBLIXO, J. OsiHM, KlTTEK , WkIIBACPT. 

* Davon fehlt ein Thell de« fünften Boche». Diese S Bücher fand Leo 's X. 
Schatzmeister, Angelo Aromnboldo , Anfing de* i8. Jahrh. im Kloster zu 
Korvey, und Pb. Bbboalddb machte sie 1515 bekannt. Dann fehlen 

das 7 40- nebst Anfang des 11- und der Schiusa des 4 6. Buchs, also die 

.ganee Regiemngigcacbicliie des Caugnla und die der ersten Jahre des 
Claudius. — * Ausg. von Schlüter; franz. Ueberse& von Burnouf u. 
Panekoucke. — * Ausg. von Dbohkb, Obilli, BSttichbb (auch Lexlcon 
Tadtenm, 4830), Pafst. Deutsch von Hübsch. — ' AUgem. Ausg. von 
Bau. Ehehahcb, Lnrania, Gbonov, Ebnes»! n. Obeklih, Bekbkä, Wal- 
TtoiB, Bach, Rittbii, Ecpebti, DGbhbb, 181B. Deutsche Uebersetz. von 
Wollmann, Slrombeck, Mckleffs, Gutmann, ßötlicher. Ueber seinen Kunst- 
charekter SUvbm in d. Abhandlungen d. berliner Akademie d. Wissensch., 
482t n. 4823, n. Hoffmann, Die Weltanschauung des Tacit., 4834. 

§. 262. C. SuetoniuB Tranquillus, unter H&drian magister 
epistolarum : ^Lebensbeschreibungen der ersten zwölf Kaiser, 
von Jul. Cäsar bis Domitian' *. 

Die Sammlung der ,Scriptores historiae Augustae' ' ent- 
hält von sechs verschiedenen Verfassern (Ael. Spartianus. 
Vulcatius Gallicanus, Trebellius Pollio, Flavius Vopiscus, 
Ael. Lampridius, Jul. Capitolinus) eine Reihe von Bio- 
graphien römischer Kaiser von Hadrian bis Carus (147 — s85) 
und kanD als Fortsetzung des Sueton betrachtet werden 2 . 

Ausserdem sind noch drei Epitomatoren des i. Jahrh- 
zu nennen : Aurelius Victor s , Eutropiua 4 und Sextus Rufus. 

Ammianus MarcellinuB, ein Grieche von Geburt, im Ge- 
folge des Kaisers Julian viel auf Reisen und hochgebildet, 
schrieb in Rom eine ,Geschichte' in 3t Büchern von 96 — 378, 
von der die 13 ersten Bücher (96—352) fehlen*. 

Der spanische Presbyter ürosius (420) schrieb auf den 
Rath des heil. Augustin 7 Bücher ,Geschichtc gegen die 
Heiden', auch ,HormeBta' genannt, von Erschaffung der 
Welt bis 417 n. Chr.*. 

Aus Cassiodor's ,Historia Gothorum' besitzen wir einen 
Auszug von Joruandes oder Jordanea '. 

1 Ansg. von Toksentibs, Cabauboncb, ObSvius, Bukmank, Üuden- 
iiobp, Erhbsti, F. A. Wol? (mit d. Coramentar von Canauboniis), Baim- 
gabtkk-Cbubidb mit einet Clavis Suet. Deutsch von Eichhoff, Schenk, 
Strotribedc. Kbaubb, De Soet. fontib. et auetoritate, 1834. — ' Ausg. 
von Ca B ABB onus, Salhabkb, Pcttmans. — ■ Ausg. von Schott, Arentzek, 
Gbcnbu, Scbb&ter. — * Ausg. von Havebkamp, Ximeuiokb, Hbbmann, 
Zell, Rambuobk. Die grieeh. Uebersetz. des Paanius von Kaltirnsser. — ■ 
s Aosg. von Wagsbr u. Ekfitrdt, mit Commcntar von (Jeonov. Deutsch 



Achtzehntes Capitei. Doppeltet Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 150 

von Wagner. — 6 Ausg. von Schösslbb u. Havbbkamp. M&bnbb, De 
Orosii Tita etc., 4844. — 7 Ausg. von Gabst. — Ueber die Quellen der 
Geschientschreiber unter den romischen Kaisern handeln Peutz, De fonti- 
bus etc., 4838; Hibzbl, Comparatio eto., 4854; Sibtbbs, Tacitmt u. Tiber, 
ein Programm des hambnrger Johannenms, 4854; Lcdw. Schillbb in der 
Zeitschrift für das Gymnasial wesen, 4853» H. 3. 

§. 263. An die Historiker schliefen «ich zunächst 
diejenigen Männer an, welche über Länder- und 
Volkerkunde, über Zeitrechnung und das Verhält- 
nis« der Erde zur Sonne und zu den übrigen Pla- 
neten geschrieben haben. 

Mbblbkbb, Gesch. d. Geographie, 4839» «• Kosniogeographie, 4848, 
Cap. 3. u. 9. 

§. 264. Pausanias (nach früherer Annahme aus Cäsarea 
in Kappadokien), ein Lyder (460 n. Chr.): ^Jh^arpfii^ xtfi 
f EXXo5oc c (Reise durch Griechenland) in 40 Büchern 1 . 

Der einzige römische Geograph ist Pomponius Mela 
aus Tingentera in Hispania Bätica (40 n. Chr.): ,De situ 
orbis libri HI 1 a . 

Klaud. Ptolemäo«, Geograph, Astronom, Chronolog und 
Mathematiker, nach der gewöhnlichen, doch unbegründeten 
Annahme aus Pelusion in Aegypten (450 n. Chr.), hinter- 
liess ^sGrypaqwei) v^pi ^ 6 *** ® Büchern 8 , ,np6x«tpot xaw- 
vs^ 4 (astronomische Tafeln), ,MeyaXi) ouvro&c 4 in 43 Büchern 
(enthaltend das sogenannte Ptolemäische Weltsystem) 4 , 
,Kocvov pxaCkew» L (ein chronologisches Verzeichnis« von 55 Re- 
gierungen). 

Stephanos von Byzanz (Ende des 5. Jahrb.): ,'E£rvot# 
oder ,IIepi rcoXeov 4 , ein geographisches Wörterbuch, nur noch 
in Bruchstücken; das Uebrige im Auszuge des Hermolaos 
(aus dem 6. Jahrh.) *. 

,Periphis 4 des Markianos von Heraklea (410). 

Solinus (3. Jahrh.): ,Collectanea 4 oder Polyhistor 4 , auch 
,De situ et ndrabilibus orbis' genannt . 

Rufus Festus Avienns aus Volsinii in Etrurien (350?) 
gab in 705 Jamben eine ,Ora maritima* (Schilderung der 
Küste von Gades bis Massilia) r . 

Ausonius (309 — 392): ,Mosella 4 (unten §. 980). 

Cl. Rutilius Numatianus (447): geographisches Gedicht 
,De reditu 4 (Reise von Rom nach Gallien) •. 

Sextus Rufus : ,De regionibus urbis Romae 4 und ,Libellus 
provinciarum Rom. 4 . 



160 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

P. Victor: ,De regionibus urbis Romae'. 

Vibius Sequester (Ende des 4. Jahrh.): Gedicht ,De 
fluminibus, fontibus, gentibus etc. 4 

Die Itinerarien und die ,Tabula Peutingeriana' (220 n. Chr. 
oder aus dem 4. Jahrh.), benannt nach dem nürnberger Raths- 
herrn Kr. Peutinger, der sie von Kr. Celtes zur Heraus- 
gabe erhielt, als dieser sie im Kloster zu Tegernsee auf- 
gefunden hatte 9 . 

1 Ausg. von Müsübus, Faoiüs, Clavier, Sibbblis, Bekkeb, Schubabt 
u. Wals. Deutsche Uebersetz. von Goldhagen, Wiedasch, Siebeiis. König, 
De Paus, fide etc., 4833* Mbblbkbb, Ein Wort über Pausan. , in Seebode's 
Archiv etc., 4832 } Supplementbd. I, H. 2. — * Ausg. von Is. Voss, Jak. 
Gbonov, Abb. Gbonov, Tzschuckb, Titzb, Wbichbrt. Deutsch von 
Dietze. — * Ausg. von Wilbebg u. Grashof, Nobbe. Deutsch von Georgi 
in 8. Alten Geogr., Bd. 4. Heeren, De fontibus geographicor. Ptoiem., 4828. 
Wilbebg, Das Netz der allgem. Karten des Eratosthenes u. Ptoiem., 4834- — 
4 Uebersetzt 827 ins Arabische durch AI Hazen ben Jussuf u. Sergius als 
Thir al magesthi, daher Abnagest, 4230 ins Lateinische durch Aegidius 27- 
buldi. G riech. Text u. franz. Uebersetz. von Halma 4843 — 28. — 6 Ausg. 
von Bbbkel, W. Dindobj, Westebmann, Meineke. — 6 So genannt in der 
ersten Ausg. 4473, später von Grasser, Götz. Salmasids: Exercitationes 
Plinianae in Solini polyhistora. — 7 Ausg. von Mettaibe, Webnsdobf, 
Hudson, Bbbnhabdy in d. Samml. d. kl. Geogr. u. lat. Dichter, einzeln 
von Fbibsemann 4786. — 8 Ausg. von Kapp, Gbdbeb, Webnsdobf, Zcmpt: 

Observationes in R. N. Carmen, 4837 9 M. Wblsbb gab sie 4594 heraus; 

474 4 fand man sie unter Peutinger's Handschriften; durch Prinz Eugen kam sie 
an die Bibliothek nach Wien, wo man in neuester Zeit noch ein Blatt auffand. 
Ausg. von Sobbtb 4 753, in Katancsich's Orbis antiq., 4 825, v. Mannebt \ 824. 

§. 265, Chronographen: Phlegon von Tralles in Ly- 
dien (daher Traüianus) schrieb , Wunderbare Geschichten', 
,De macrobiis' und /OXu|j.7uiovoc<5v xat XP 0VIX ^ V cway«^', 
•wovon nur noch die 477. Olympiade übrig ist, in deren 
drittem Jahre Virgil geboren ist \ 

Sextus Julius Africanus aus Emmaus in Palästina oder aus 
Libyen (3. Jahrh. n. Chr.): ,IIevTaßißXov xpovoXoyixövS von 
Erschaffung der Welt (nach ihm 5499 v. Chr.) bis 221 n. Chr. 
reichend. Nur Bruchstücke bei spätem Chronisten. 

Cen8orinus (238 n. Chr.) : ,De die natali c (urbis Romae) 2 . 

Des Eusebios ^navTpSowri] CcjTopfa 4 und ,Xpovoco£ xavwv c 3 , 
fortgesetzt von dem heil. Hieronymus; dieser von Idatius. 

Georgios, von seiner kirchlichen Würde Synkellos bei- 
genannt (um 800): 9 , ExXo'pj xp° v0 TP a 9^ c * Durchweg nur 
Fragmente. 

1 Ausg. von Franz n. Westebmann in den Paradoxographi s. scripto- 
res rerum mirabiliom Graeci, 4830- — * Ausg. von Lindenbrog, Haver- 
camp, Gbdbeb. — s In einer armenischen Uebersetz. von Zohrab n. Mai 
4848, u. in einer latein. von Aucher 484S. 



Achtzehnte» CapiteL Doppeltes Sprachgebiet unter rikn. Herrschaft. J61 

§. 266. Mathematiker, Feldmesser (Gromatici), 
Taktiker. P. Nigidius Figulus, Cicero's gelehrter Zeit- 
genosse. Baumeister M. Vitruvius Pollio aus Verona (?) 
im Zeitalter des August und Tiber, schrieb ,De archi- 
tectura lib. X 4 , aufgefunden von dem Florentiner Poggi in 
St-Gallen \ 

Sextus Julius Frontinus, curator aquarum unter Nerva, 
Feldherr, Rechtsgelehrter und Redner (f um 405 n. Chr.): 
,Strategematicon' (von Kriegslisten) in 4 Büchern 2 und 
,De aquaeductibus urbis Romae' 9 . Das Buch ,De re agra- 
ria, limitibus et coloniis' wurde ihm ehemals falschlich 
beigelegt 4 . 

L. Junius Moderatus Columella aus Cadix hinterliess 
42 Bücher ,De re rustica' (das zehnte ,De cultu hortorum' 
in Versen), Anhang ,De arboribus 4 6 . Palladius: 4 4 Bücher 
,De re rustica' (das letzte in Distichen). Die ,Geoponika* 
des Kassianos Bassos (zwischen 780^—799) in 20 Büchern, 
Auszüge aus alten Schriftstellern. 

Taktiker: Philo von Byzanz (450 v. Chr.) schrieb ausser- 
dem ,IIspi wv ftcra ^aupiaTor/ 6 . Aeneas: ,2TpanfjYtxa, toxti- 
xbv xat 7cokopxT|Ttxov c r . Onosandros (etwa 50 n. Chr.) : ,2rpa- 
nqytxoc Xo^oc* 8 . Kaiser Hadrian: j'ETtiTTJoxvjJia 4 . Arrian: 
"ExTaac xaxa 'AXavöv 4 und ,Aoyoc raxTtxbc $ t^vit] toxtix^ c . 
Aelian's ,TaxTtxa c . Polyänos (450 n. Chr.): ,STpaTTf)Y7][Jia- 
nxdt c 9 . Flavius Vegetius Renatus (um 380 n. Chr.): ,Epi- 
tome institutionum rei militaris 4 in 5 Büchern I0 . 

1 Ausg. von Rode (auch Kupfer), Schneider, Stratico (mit Kupfern 
u. einem Lexicon Vitruvianum), Mabini. Deutsch von Rode. Italienisch 
von Viviani u. einem Dizzionario universale d'architettura , 4830. Gbnblli, 
Exeget. Briefe über Vitruv's Baukunst. Stieglitz, Archäolog. Unterhal- 
tungen, 4820. — * Ausg. von Oudendorp, Sohwebel, Wiegmann. — 
* Ausg. von Adler, Dederich, von demselben auch deutsch. — 4 Göes, 
Rei agrariae auctores. Schneider, Scriptores rei rusticae, 4797. Die so- 
genannten Gromatici schrieben über Feldinesskunst. — 6 Deutsch von Cur- 
tius. — 6 Ausg. von Orelli 4846. — 7 Ausg. von Orelli 4848. — 
8 Ausg. von Sohwebel u. Korais. Deutsch nebst Planen u. Zeichnungen 
von Bavmgärtner. — 9 Ausg. von Casaubonüs, Mübsinna, Korais. Deutsch 
von Seybold, Blume. — ,0 Ausg. von Scriver, Sohwebel. Deutsch von 
Meinecke u. Lipowski. 

§. 267. Die von den Griechen vernachlässigten Natur- 
wissenschaften fanden an zwei Romern wackere Bearbeiter: 
L. Annäus Seneca der Philosoph (f 65 n. Chr.): ,Quaestio- 
num naturalium libri VIT 4 '. C. Plinius Secundus Ma\or 

MlRLEKRK. W 




162 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

aus Verona oder Comum (23 — 79 n. Chr.): encyklopädisches 
Werk in 37 Büchern, ,Historia naturalis', Excerpte aus mehr 
als 2000 griechischen Werken 2 . 

1 Ausg. von KÖler, deutsch von Ruhkopf. Fickert machte Gronovii 
notae in Senecae quaestiones naturales bekannt, 4846* — a Ausg. von 
Hardouin, Franz, Sillio, Panckoucke. Deutsch von Crosse, Fritsch, 
Kulk, Strack 4855. Französ. von Graudsagnt, mit latein. Text u. Anm. 
von Cuvierj Letronneu.A., 4829 fg. Hbtvb, fixcerpta ex Plin. Hist. nat., 
quae ad artes spcctant, 4790 (neue A. von WGstemann 4824). Gbsheb, 
Chrestomathia Pliniana, 4776. 

§. 268. Mediciner: Cornelius Celsus (30 n. Chr.), 
8 Bücher ,De medicina' '. P. Vegetius Veterinarius : ,Ars 
veterinaria 8. mulomedicina 4 , eine elende Uebersetzung der 
JlTnuiaTpix^S die ein bornirter Mönch des 12. oder 43. Jahrh. 
gemacht zu haben scheint 2 . Klaudios Galenos aus Perga- 
mus (434 — 200), nach Hippokrates der berühmteste Arzt 
des Alterthums, Autorität in der alten Welt bis auf Para- 
celsus (4493—4541), Verfasser von über 340 Werken 3 . 

1 Ausg. von Krause u. Targa. — * Bei Schneider, Bd. 4. der Scripto- 
res rei rusticae. — 3 Ausg. von Chartier mit lat. Uehersetz., Kuhn. Deutsch 
von Sprengel u. Nöldecke. 

§. 269. Die Epistolographie bildete sich zu einem 
eigenen Zweige der Literatur erst nach August's Zeit aus. 
L. Annäus Seneca's 124 Briefe an seinen Freund Lucilius ] . 
Der jüngere C. Plinius Cäcilius Secundus aus Comum 
(62—410 n.Chr.), Neffe des altern Plinius, durch Trajan 
Consul und dann Proconsul in Bithynien und Pontos: 
40 Bücher Briefe 2 und Panegyricus auf Trajan 3 . Von 
M. Cornelius Fronto, einem berühmten Lehrer der Beredt- 
samkeit unter Hadrian (seine Schüler Frontonianer), aus* 
Cirta in Numidien, der zu den höchsten Staatswürden <re- 
langte und um 470 n. Chr. starb, kannte man bis 1815 nur 
Fragmente seiner grammatischen Schriften (,De differentiis 
vocabulorum 4 ) ; Ang. Mai entdeckte in der Ambrosianischen 
Bibliothek zu Mailand eine grosse Anzahl von Briefen 4 . 
Q. Aurelius Symmachus (Ende des 4. Jahrh.), berühmter 
Redner und Vertheidiger des Heidenthums 6 : 40 Bücher 
Briefe 6 . 

1 Ausg. von Schweighäuser, deutsch von Olshausen. — 2 Ausg. von 
Gibbio, Time, Döring; ein Delectus von Herbst. — 3 Ausg. von Wiegand, 
Hoffa. Beide Schriften (2 u. 3) von Schott. Gesammtausg. von Gesnkr 
u. Schäfer, Gierig, Gros. lieber Plinius und seine Schriften Gierig 4798, 
D 4833. — * Ausg. durch Niebuhr 484 C, neue Sammlung 4832. Roth, 



Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter rbm. Herrschaft. 163 

Ueber die Schriften des Fronto, 1847. — & Bruchstücke von acht Hedeo 
durch Mai 4815. — 6 Ausg. von Jcretus, Lcctiüs, Scioppiüs, Pareüs. 

§• 270. Der Name der Sophisten war seit Sokrate* 
mit dem der Philosophen vertauscht worden und selbst in 
Verachtung gefallen. In der Kaiserzeit gelangte er wieder 
zu Ansehen, behielt aber nicht seine ehemalige Bedeutung, 
sondern bezeichnete Diejenigen, welche die praktische 
Uebung der Redekunst übernahmen, während die 
theoretische Ausübung den sogenannten Rhetoren über- 
lassen blieb. Nur die Poesie gehörte nicht in den Kreis 
der Sophistik, und die eigentliche Gelehrsamkeit behielt fort- 
dauernd ihren Namen Grammatik. 

Bonwell, De mutete eloquentiae Rom. conditione, 4836. 

Die Reden selbst theilte man in etwa acht Classen ein: 
Melete (ausgearbeitete Rede über einen fingirten Gegen- 
stand) , Systasis (Empfehlungsrede von geringerm Umfange), 
Logos (wichtige Rede), Protreptikos (Ermunterungsrede), 
Lalia (Höflichkeitsformeln), Schedion oder Schediasma (Rede 
ohne Vorbereitung), Dialexis (Abhandlung), Epideixis 
(Prunkrede). 

§. 274. Dio Chrysostomos aus Prusa in Bithynien (50 
n. Chr.), am Hofe Trajan's: 80 Declamationen l . Kaiser 
Hadrian trat oft in Wettstreit mit Dichtern, Philosophen 
und Rednern. Antonius Polemo (420 n. Chr.), Stifter einer 
Rhetoren- und Sophistenschule zu Smyrna: noch zwei Lob- 
reden auf Kynägeiros und Kaüimachos 2 . Hermogenes aus 
Tarsus in Kilikien (160 n. Chr.): 5 Bücher Redekunst*. 
Lesbonax aus Lesbos (1. Jahrh. n. Chr.): zwei Reden 4 . 
Tiberius Claudius Herodes , mit dem Beinamen Attikos, aus 
Marathon (Anfang des 2. Jahrh. n. Chr.), 143 n. Chr. Consul 
in Athen, starb 480 n. Chr. 6 . Aelios Aristeides aus Mysien 
(geb. 147 oder 429): 55 Reden und eine theoretische Schrift 
über Beredtsamkeit 6 . 

Lukianos (6 &cixXY]?rsi<; ßXaG^jJioc) aus Samosata in der 
syrischen Provinz Kommagene (geb. um 425 n. Chr.). Seine 
meisten Schriften haben die Form des Dialogs r . Sein Zeit- 
genosse Maximos Tyrios: 44 philosophisch -rhetorische Ab- 
handlungen 8 . Flavios Philostratos aus Lemnos (um 200 
n. Chr.): Lebensbeschreibung des Apollonios von Tyana 
(verfasst auf Verlangen der Kaiserin Julia, Gemahlin des 



164 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Septimius Severus), jHeroika 4 , 2 Bücher ,Vitae sophista- 
rum 4 , ,Imagines c 9 . Athenaos aus Naukratis (Ende des 
2. Jahrh.): \b Bücher ,AsucvoG09itfra£ c (Gastmahl von Ge- 
lehrten) l0 . Aphthonios (300?); bekannt ist die ,Chria 
Aphthoniana' n . Der jüngere Plinius und die fast 200 Jahre 
spatern ,Duodecim panegyrici veteres 4 12 . Ennodius, Bischof 
zu Pavia 545 n. Chr.: Briefe und Panegyricus auf Theo- 
dorich 18 . 

Themistios Euphrades aus Paphlagonien (4. Jahrh.): 
33 Reden l4 . Sein Schüler Libanios aus Antiochia am Oron- 
tes (3U oder 345 — 393), der Voltaire seiner Zeit lö . Hi- 
merios aus Prusias in Bithynien (geb. 345): 24 Reden l6 . 
Kaiser Julianos Apostata: Reden, Satiren, Briefe ir . Syne- 
sios, seit 410 Bischof von Ptolemais: Reden, Briefe und 
Hymnen 18 . Georgios aus Kypros (1282): Theologische 
Schriften und Lobreden auf die Kaiser Michael und An- 
dronikos Paläologos. 

1 Ausg. von Mobell u. Erhebt. Christine Reiske 4784, Emperius 
4844. — * Ausg. von Orelli 4849. — 8 Walz in den Rhetores Graec. 
Buch 5: Progymnasmata von Weesbnmbyrr 4842. — 4 Ausg. von Orelli 
4820. — 5 Fiorillo, Herod. Attic. quae supersunt (eine Rede), 4804. 
Auf ihn gehen die sogenannten triopischen Inschriften des Dichters 
Marcellus Sidetes, deren Originale sich im Louvre zu Paris befinden : von 
Vicomti, Eichstadt erläutert, von F. Jacobs übersetzt in Leben u. Kunst 
der Alten, I, 2. — 6 Ausg. von W. Dindorf, zwei hinzugekommene von 
Grauert. — 7 Ausg. 4496, von Reitz, mit Anm. von Hemsterhuis u. 
lat. Uebersetz. von Gesnbr 4743 — 46, wozu noch ein Lexicon Luc. kam, 
von Schmied er, Lehmann, Jacobitz u. W. Dindorf. Die Göttergespräche 
von Poppo u. Fritzsche. Die Todtengesprache von Voigtländer u. Klotz ; 
beide zusammen von Koch. Toxaris von Jacob u. Jacobitz. Charon von 
Koch. Wie man Geschichte schreiben müsse von Hermann. Timon von 
Jacobitz. Traum, Anacbarsis, Demonax, Timon, Doppelte Anklage u. 
Wahre Geschichte von Schöne. Auserwählte Geschichten von Geist, 
Eysell u. Weismann, Seyfpbbt. Deutsch von Wieland, Minckwitz, Pauly. 
Jacob, Charakteristik Luc, 4832. Wetzlar, De aetate, vita scriptisq. 
Luc, 4834. — 8 Ausg. von Reiske. — 9 Ausg. von Kaiser, Heroika von 
Boissonade, Imagines, zugleich mit des Kallistratos 44 Staturae, von Jacobs 
u. Wbl€KER (bei Goethe, Bd. 39). Deutsch von Jacobs u. Lindau. Der 
jüngere Philostratos (•(■ 264 n. Chr.) fügte noch 48 Imagines zu denen seines 
Oheims. Ueber diesen Rehfues 4799. — 10 Ausg. von Casaubonus, 
Sobtwbighaüser, W. Dindorf. Meineke, Philologicae exercitationes in 
Athenaeum, 4843. — n Besondere Ausg. von Petzholdt 4839* — 12 Ausg. 
von Jäobr u. Arntzen. — 13 In Manso's Gesch. d. ostgoth. Reichs , 4824. 
Die Elogee der Franzosen sind dem Panegyricus ähnlich, so auch das 
BHogium der Neulateiner seit Ernesji, z. B. Rghnken's Eloginm Hemster- 
husii. Thomas, Essais sur les eloges. — 14 Ausg. von Mai 4846 u. 
W. Dindorf 4832. — 15 Reden u. Declamationen von Reiske 4794- — 97. 
Briefe von J. C. Wolf 4738. Siebenkeeb, Anecd. Graec, 4798. Bois- 
sonade, Anecd. Graec, 4829. Petersen, Commentationes de Lib., 4827. — 
16 Ausg. von Wernsdorf 4790. — l7 Ausg. von Spanheim 4696. Die 



Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 165 

Satire Caesarea von Hablvss 4785. Die Satire Antiochikos oder Myso- 
pogon. Verloren Bind seine Gedichte und Geschichte seiner Feldlüge gegen 
die Germanen. — 18 Ausg. von Pbtav 4634, 4640. Einzelne Schriften von 
Krabinger 4825, mit deutscher Uebersetz. Hymnen mit franz. Uebersetz. 
von Gre'goire u. Collombat 4836. Clausen, De Synesio philosopho, 4834. 

§. 272. Die Ehetoren oder Kunstrichter halten die 
Mitte zwischen den Sophisten und Philologen. Hierher 
gehören Dionys von Halikarnass (oben §. 244), M. Annäus 
Seneca, auch der Rhetor genannt *, zum Unterschiede von 
seinem Sohne Lucius, dem Philosophen. Sein zweiter Sohn 
Annäus Mela ist Vater des Dichters Lucan. Rutilius Lupus : 
2 Bücher ,De figuris sententiarum et elocutionis c 2 . M. Fabius 
Quintilianus (oder Quinctilianus) aus Calagurris in Spanien, 
erster vom Staate besoldeter Lehrer der Beredtsamkeit in 
Rom, lebte zwischen 42 und HS n. Chr. Domitian verlieh 
ihm ornamenta consularia. Seine ,Duodecim libri institu- 
tionis oratoriae' sind in ihrem zehnten Buche besonders 
interessant für Literaturgeschichte. Auch legt man ihm 
1 9 grossere und 1 45 kleinere ,Declamationes^ und den Dialog 
,De oratoribus 4 oder ,De causis corruptae eloquentiae' (auch 
dem Tacitus und dem Jüngern Plinius) bei 3 . Dionysios 
Kassios Longinos, Minister der Konigin Zenobia in Pal- 
myra, durch Aurelian 273 zum Tode verurtheilt: ,llepi \tyouc 4 
(vom Erhabenen) 4 . 

1 Von seinen Controversiarum lib. X. sind nur 5 Bucher vollständig. 
Auch sein Suasoriarum liber ist verstümmelt. Ausg. von Gbonov. — 
2 Ausg. von Ruhnken, Feot8Cher, Jacob. Koch's Observationum ap 
pendix, 4844. — * Ausg. von Spalding, Buttmann u. Zumpt. Bonnell, 
Lex. Quint., 4834. Handausg. von Meter. Deutsch von Henke als Lehr- 
buch d. schönen Wissensch. in Prqsa, 4775 — 77. Buch 40 von Herbst; 
deutsch von Reuscher u. Herzog. Die Declamationes von Burmann 4720. — 
4 Ausg. von Toup mit Ruhnken's Anmerk., Weiske, Egger. Deutsch von 
Schlosser. Französ. von Boileau. Echtheit bezweifelt von Knox , Remarks 
on the supposed Dionys. Long., 4826. 

§. 273. Auch die romischen und byzantinischen 
Kaiser waren, wie ehemals die Ptolemaer, Pfleger 
der Philologie oder des Studiums der Grammatik. 
rpapifJiaTtxof sind die Gelehrten, ypa[jijJtaTiGra£ die 
Lehrer der Elemente der Sprachkunde. Jene thei- 
len 3ich in Technographen, Scholiasten und Lexiko- 
graphen. Die nützlichsten Erzeugnisse dieser Pe- 
riode sind Lexika (Xe'^eov dwaLyuryaLt) und Glossarien. 

§. 274. Didymos Chalkenteros (Zeitgenosse Cäsar's) soll 
4000 Bände verfasst haben, wovon wut nodk ^«kv%^^^^t 



166 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

mente. Apollonios der Sophist aus Alexandria (zu August's 
Zeit) : ^Lexikon Homerischer Worter 4 *. Apollonios Dysko- 
los (Murrkopf) aus Alexandria (2. Jahrh.): ,Ueber das Pro- 
nomen 4 2 , JJeber die Conjunctionen und Adverbien 4 3 , ,Ueber 
Redetheile 4 4 . Sein Sohn Aelios Herodianos (480 n. Chr.) 5 . 
Timäos der Sophist (2. Jahrh. n. Chr.): ,Ae£ei£ HXaTomxaf 4 6 . 
Jul. Pollux (Polydeukes) aus Naukratis (175): 40 Bücher 
,'Ovo[i.aaTtx6v 4 7 . Phrynichos, mit dem Beinamen Arabios, aus 
Bithynien (480): ,'ExXo^tj aroxöv fr^drcm xai. ovo[xaTov 4 b . 
Die erste ^Tix^l ypajJifjiaTix^ 4 schrieb Dionysios der Thraker 
(440 n. Chr.), zugleich das Normalbuch. Georgios Choro- 
boskos (4. oder 5. Jahrh.). Philemon (5. oder 40. Jahrh.): 
^Technologisches Lexikon 49 . Manuel Moschopulos (4390?). 
Viele grammatische Werke aus dieser Zeit liegen ungedruckt 
in den Bibliotheken. Eustathios (seit 4 460 Erzbischof von 
Thessalonich) : ,IIapexßoXa( 4 (Commentare zu Homer und 
Dionys Periegetes) 10 . Möris Atticista (unter Hadrian?) ll . 
Harpokration : ,As$ixbv töv 5&ca frrjTcpwv 4 (4. Jahrh.) 12 . 
Orion Thebanus (ein Aegypter, 5. Jahrh.): über griechische 
Etymologien 1S . Ammonios (4. Jahrh.): ,nspt t<5v cjjiouov 
Hai 8ia9opov X^eov 4 14 . Des Hesychios (aus dem 4. oder 
6. Jahrh.) Glossar bleibt eine der wichtigsten Quellen für 
unsere Kenntniss der griechischen Sprache lö . Das Wörter- 
buch des Suidas (ob er existirte?) 16 . Das jEtujjloXo^ixcv 
liiya 4 (40. Jahrh.?) ir . Joh. Philoponos (680): über Dia- 
lekte und Accente. Thomas Magister (4340?): ,Verzeich- 
niss attischer Wörter 4 . Sein Zeitgenosse Georg Lekapenos : 
^Alphabetische Grammatik 4 . 

1 Ausg. von Villoison, Tollics. — 2 Bekker 4817, Skrzeczka 
4347. __ 3 Bekker, Anecd. Graec, Bd. 2. — 4 Skrzeczka 4833 u. 1855. — 

6 Ueber ihn WetTin 4842. Ausg. in den Anecd. Graec. von Bekker, 
Crameb, Bachmann, Villoison, in der Ausg. des Möris 'von Koch, bei 
Hermann, De emendanda ratione grammaticae Graecae, 4804, n. in dessen 
Appendix ad Dracon. Straton., 4844. Lehrs, Herodiani scripta tria emen- 
datiora etc., 4848. — 6 Rubnken. Koch, Observationes etc., 4833. — 

7 Hemsterbuis, W. Dindorf, Bekker. Ranke, Pollux et Lucianus , 4831. 
Von einem christlichen Schriftsteller gleiches Namens eine Historia physica 
oder sacra; Ausg. von Bianconi ü. Hardt. — 8 Ausg. von Pauw u. Lo- 
beck. — 9 Von Burney u. OsANN. — 10 Mit Devarius' Registern 4825 — 28. 
Proömium zum Pindarischen Commentar von Scbneidewin 4837. Seine 
theologischen Aufsätze u. Briefe von Tafel 4 832. — 1 1 Von Koch u. A. — 
12 Von Dindorf u. A. — la Von Sturz. Ritscbl, De Oro et Orione, 
4834. — 14 Von Scbäfer. — 15 Von Albbrti u. Rühnken 4746 — 66, 
mit Ergänzungen von Schön 4792. Ranke, Pe lexici Hes. vera origine 
et genuina, forma, 4834. — 16 Von Bernhardt 4834. Toup, Emendatio- 



Achtzehntes CapiteL Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 167 

Des in Suidam, 4760 — 67» u. Curae novissimae, 4775 (neue A. von Pob- 
son 1790). — 17 Von Schäfer, u. Etymol. Gudianum von Stürz. Richter, 
De Aeschyli, Sophoclis, Euripidis interpretibus Graecis, 4839. 

§. 275. Q. Asconius Pedianus (1. Jahrh. n. Chr.), vor- 
nehmster Erklärer der Reden des Cicero *. Ein Schüler von 
Fronto und Sulpicius Apollinaris ist Aulus Gellius (Agel- 
lius): 20 Bücher ,Noctes Atticae 4 (das achte fehlt) 2 . Aelius 
Donatus (354 in Rom): ,De literis, syllabis, pedibus et 
tonis', ferner ,De octo partibus orationis, de barbarismo et 
soloecismö, schematibus et tropis' 3 . Von T. Claudius Do- 
natus eine Biographie VirgiTs und Fragment eines Com- 
mentars 4 . In den Anfang de3 5. Jahrh. werden gesetzt: 
Flavius Sosipater Charisius (,Institutiones grammaticae*) 
und Diomedes (,De oratione, partibus orationis et vario 
rhetorum genere lib. III ad Athanasium 4 ). Sextus Pompejus 
Festus (von unbestimmter Zeit) machte in 20 Büchern einen 
Auszug aus des Verrius Flaccus (f U n. Chr.) Werk 
,De verborum significatione 4 5 . Maurus Honpratus Servius 
(4. Jahrh.): Commentar zu Virgil 6 und ,Centimetrum 4 7 . 
Priscianus Cäsariensis , von seiner Vaterstadt Cäsarea 
(6. Jahrh.), lehrte in Konstantinopel: 18 Bücher ,lnstitutiones 
grammaticae 4 oder ,Commentarii grammatici 4 . Die 16 ersten 
Bücher behandeln die einzelnen Redetheile, die beiden letzten 
die Syntax (,De constructione libri duo 4 ) ö . 

1 Ueber ihn Madyiö 4828, Orelli 4833. — 2 Ausg. von Bbroaldus, 
beiden Gronov u. Lion. — 3 Von Lindemann im Corpus grammaticor. 
Lat. , Bd. 4. Sotzmann, Gesch. der Xylographie, in Raumer' s Histor. 
Taschenbuch, 4837. Schwbtschkk, De Donati minoris fragm., 4839- 
Von seinen Commentariis in Terentii comoedias ist noch ein Auszug zu 
fünf Komödien (in Klotz' Ausg. des Terenz, 4838 — 40). — 4 In Heyne'» 
Virgil, Bd. 4. — ö Von K. Otf. Möller 4839. — 6 Von Bürmann, u. mit 
Philargyrius u. Probus von Lion. — 7 Ars de pedibus versuum s. centum 
metris von Santrn 4788 u. Klein 4824. — 8 Ausg. von Krehl u. Linde- 
mann. Sammlungen der lat ein. Grammatiker von Gotbofredcs u. Püt- 
acHius. Surin gab, Hist. crit. scholiastarum (über die latein. Scholiasten), 
4835. Sammlungen der Scholiasten von Zacharias, Kaliergi, Mdsdrus 
u. Laskaris. 

§. 276. Metriker und Verskünstler: Hephästion's 
aus Alexandria (Mitte 2. Jahrh.) metrisches ^E^x^P^tov 4 '. 
Terentianus Maurus (100 n. Chr.): 4 Bücher ,De literis, 
syllabis, pedibus, metris 42 . Drakon's Werk über Metrik ist 
erhalten. Aristeides Kointilianos : 3 Bücher ,llepl jjtouawijc 4 . 
J. Tzetzes (12. Jahrh.): Scholien zu Homer 3 , ,'Da.axa 4 
(aua 1665 Hexametern), ,T& rcpo f O|njpou 4 , ,Ta f O^QQu 4 ua& 



168 Zweites Buch. Ethnodoktotogie. 

,Ta {isV "Ofjnrjpov 4 4 , ,Xüaa5e^ 4 (in politischen Iamben my- 
thische Gedichte) 6 . 

1 Von Gajsford. — 2 Von Lennbp u. Lachmahn. — 3 Von Hermann 
mit Drakon Stratonicensis 4842. — 4 Von Jacobs n. Bekker. — b Von 
Kibssling 4826. 

§. 277. Zum Anschluss an obige Gelehrte eignen 
sich: Antoninns Liberalis (447) mit seinen ,Metamorphosen' ! . 
C. Julius Hyginus 2 : ,Fabularum liber' (244 Fabeln) und 
4 Bücher ,Poeticön astronomicon 4 3 . Konon (aus Cäsar's 
oder August' s Zeit) : 50 Fabeln 4 . Paläphatos (3. oder 
h. Jahrh., ob wirkliche Person?): ,De incredibilibus 4 ö . Jul. 
Obsequens (2. oder 4. Jahrh.): nach Livius' Vorgange ,Pro- 
digiorum liber 4 6 . Joh. Lydus : ,De ostentis 4 . 

Marcianus Capella aus Madaura in Afrika (470 in Rom) : 
9 Bücher ,Satyricon 4 , die beiden ersten ,De nuptiis philo- 
logiae et Mercurii 4 , die sieben folgenden von den sieben 
Wissenschaften : Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, 
Astrologie, Arithmetik und Musik (mit Poesie) 7 . 

Der Patriarch Photios (f 892): ^Lexikon 4 8 , ,Myriobiblon 4 
(Encyklopädie) 9 , ,Nomokanon 4 10 , ,De consolatione 4 ll . 

Maximos Planudes (Gesandter des altern Andronikos in 
Venedig \ 327): ^Biographie des Aesop 4 12 , Epigramme, Briefe, 
Reden 13 , Uebereetzung der , Metamorphosen c Ovid's in 
Prosa 14 , der Gedichte des Boethius 16 , des Ciceronischen 
,Somnium Scipionis 4 16 und eines Fragments der Schrift ,Ad 
Herennium 4 ir . 

1 Koch, Westermann, Mythographi Graeci, 4842. — 2 Der Eine in 
Aagust's Zeit und Vorsteher der palatinischen Bibliothek, der Andere aus 
der Zeit der Antonine oder des Theodosius. — 3 Ausg. von van Staveren 
4742 n. Mai, Bd. 3 der Classici auctor. e Vatican. codd. edit., 4834. — 
4 Ansg. von Kanne, Bekker, Westermann. — s Ausg. von Fischer, 
Ernesti, Wb8termann; deutsch von Bückling n. Grosse. — 6 Ausg. von 
ScnEFFBR, Oüdendorp, Kapp. — 7 Ansg. von Kopp 4836. Vergl. oben 
§. 244 . — 8 Ansg. von Gf. Hermann u. Porson. — 9 Ausg. von Schott, 
zugleich mit lat. TJebersetz., Bekker. — 10 Ansg. von Justellus. Völlvs, 
Bibl. juris canonici vet., 4664. Briefe, 4654. — n Ausg. von Rittbrs- 
hcsics 4604. Sammlung bei Mai, Scriptor. veter. nova collectio e Vatican. 
cod., 4825 — 27. — 12 Von R. Stbphanus. — 13 Bachmann, Bd. 2 der 
Anecdota Graec., 4828. — 14 Boissonade 4822. — lö Weber 4833. — 
16 Hess 4833. — ,7 Matthiä 4840. 

§. 278. Zur Geschichte der Philosophie. Diogenes 
von Laerte in Kilikien (230): 40 Bücher über Leben und 
Meinungen berühmter Männer '. Ihm folgten Eunapios von 
Sardea (L. oder 5. Jahrh.) und Hesychios Illustris von Milet 



Achtzehntes Capitei Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 169 

(525) 2 . Die Auszüge aus etwa 500 Dichtern und Schrift- 
stellern, welche J. von Stobi in Makedonien (5. oder 
6. Jahrh.) fertigte, werden seit lange in zwei Theile zerlegt: 
, Anthologie 4 , auch ,Sermones 4 3 , und ,Eklogen 4 (physische 
und ethische) 4 . 

Stoiker: Epiktetos aus Hieropolis in Phrygien (geb. 
50 n. Chr., s. oben §. 255): 4 Bücher ,Encheiridion 4 6 . Die 
Schrift des Kaisers Marc Aurel Antoninus Philos. ,TIpi<j 
£ocutov 4 6 ist in die meisten lebenden Sprachen übersetzt 7 . 
Demonax und Simplikios; doch rechnet man Letztern auch 
zu den Peripatetikern, deren Lehrgebäude eigentlich 
wiederherstellte Alexander von Aphrodisias in Karien (200): 
Commentare, über Willensfreiheit und Selbstbestimmung, 
Fragen aus der Physik (4536), über das Schicksal und die 
Seele 8 . Die Neupythagoräer gehören zu den Enthu- 
siasten: Apollonios von Tyana in Kappadokien (50 n. Chr.) 9 . 

Platoniker: Philo von Larissa (aus Cicero's Zeit), der 
Geschichtschreiber Plutarch (in seinen ,Moralia 4 ), der Jude 
Philo aus Alexandria (40 n. Chr.) und der Christenfeind 
Celsus (438) 10 . Für den aus Aegypten stammenden Syn- 
kretismus wirkten besonders die Neuplatoniker: Am- 
monios Sakkas aus Alexandria, wo er 244 starb: speculative 
Abhandlungen n . Sein Schüler Plotin aus Lykopolis in 
Aegypten (geb. 205), und dessen Schüler Porphyrios aus 
Batanea in Syrien (233—305) ia . Iamblichos aus Chalkis 
in Kolesyrien (4. Jahrh.) 13 . Proklos aus Konstantinopel 
(442 — 485) 14 . Sein Schüler Ammonios Hermeiu ist einer 
der besten Erklärer des Aristoteles. Hierokles (5. Jahrh.) 16 . 
Der Skeptiker Sextos Empirikos (oben §. 497) 16 . 

Den Uebergang von den Philosophen zu den Dichtern 
vermittelt L. Annans Seneca der Philosoph, den wir als 
Epistolographen und Naturhistoriker schon oben erwähnten. 
Als Philosoph ist er Eklektiker ir . Dagegen werden ihm 
von Vielen die neun Trauerspiele abgesprochen: ,Rasender 
Hercules 4 , ,Oetäischer Hercules 4 , ,Thyestes 4 , ,Phönicierin- 
nen 4 , ,Hippolytus 4 , ,Oedipus 4 , ,Troerinnen 4 , ,Medea 4 und ,Aga 
memnon 4 ; ,Octavia 4 gehört ihm nicht 18 . 

Anicius Manlius Torquatus Severinus Boethius aus Kom 
(geboren zwischen 470 — 475, hingerichtet 524 oder 526 auf 
Theodorich's Befehl), Consul 510: 5 Bücher ,De consola- 
tione philosophiae 4 , in dialogischer Form 19 . GemYfclVva^V^fctfsfc. 



170 Zweites Buch. Ethnodokiologie. 

aus Konstantinopel (f i 454 ) schrieb ,Ueber den Unterschied 
der Platonischen und Aristotelischen Philosophie^ ,Ueber das 
Schicksal 4 20 , ,Ueber die vier Cardinaltugenden 4 21 , ,Scholien 
zum Thukydides', ^Geschichte Griechenlands seit der Schlacht 
von Mantinea 4 2a . 

1 Hübner mit latein. Uebersetzung des Ambrosius 4829, deutsch von 
Snell. — a Ausg. von Meursius u. Orelli. — 3 Gaisford u. W. Dindorf. — 
4 Heeren. Lectiones Stobenses von Jacobs 1827 u. Halm 4841. Das Ganze 
von Meineke 1855. — ö Schweighäuser mit Epicteteae philosph. monum., 
4799; deutsch von Schulz. — 6 Kobais. — 7 Ins Deutsche von Schulz, ins 
Persische von Hammer. — 8 Orelli 4824. — 9 Baue, Apollon. von Tyana 
u. Christus etc., 4832. Philostratos , Leben des Apollon. von Tyana. — 
io Gegen ihn Origenes. — 1J Latein, von Marsilius Ficinus (Creüzer 4835), 
deutsch von Engelhardt. — la Ausser mehren grammat. u. philosoph. Schriften 
ein Leben des Pythagoras (von Holstein , u. mit Jamblichos von Küstner 
u. Kiessling) , De abstinentia ab esu animalium (vonRHOER, französ. von 
Burigny), De antro nymphar. (Göns). — 13 Ueber ägyptische Mysterien 
(Gale), Leben des Pythagoras u. Ermahnung zur Philosophie (von Kiess- 
ling). — 14 Seine Schriften von Cousin u. Creuzer. — 15 Comnientar 
zu den goldenen Spruchen des Pythagoras (Warren, deutsch von Schult- 
heis) u. 'Aarefa (e passhafte Erzählungen, von Schier u. Korais, deutsch 
von Bamler). Gesammtausg. von Pbarson u. Needham. — 16 Ausg. von 
Fabricius, Mund, Bekker, latein. von Stephatius u. Hervet, deutsch von 
Niethammer u. Buhle. — 17 De ira, drei De consolatione ad Helviara, 
Polybium u. Marciam, De Providentia, De animi tranquillitate, De con- 
stantia sapientis, De dementia, De brevitate vitae, De vita beata u. De 
beneficiis lib. VII. Ausg. von Vogel, Fickert u. A. Werner, De Sene- 
oae philos., 4824. Klomsoh, L. A. Seneca, 4799 — 4802. Reinhardt, 
De Sen. vita et scriptis, 4846. — 18 Ausg. von Bothe u. A. Deutsch 
von Swoboda u. Sommer. — 19 Ausg. von Bert, Vulpius, Helfrecht; 
deutsch mit Anm. von Freytäg. Uebertragen in die meisten neuern Spra- 
chen, ins Angelsächsische von König Alfred (? gedruckt 4678 u. 4835), 
Althochdeutsche im 41. Jahrb.. (von Grafp). Heyne, Censura Boethii etc., 
in dessen Opusc. acad., Bd. 6. Seine übrigen Schriften von Mai in den 
Classici auctores e Vatic. codd., 4834, Bd. 3. — 20 Von Reimarus. — 
21 Von Ooco. — * 2 Von Reichabd. 

§. 279. Griechische Üichter: Oppianos aus Ana- 
zarba in Kilikien (Ende des 2. Jahrh.): ,Kynegetika 4 und 
,Halieutika' K Die neuere Kritik unterscheidet einen altern 
Oppian für die ,Halieutik* und einen Jüngern aus Apamea 
in Syrien für die ,Kynegetik c . 

Kointos Smyrnaos oder Kalaber (Mitte des 4. Jahrh.): 
M Bücher ,TA fxe^r' "OfjiYjßov' oder ,IIapaX&i7ü6[ji&va f O(jtffjpou 4 , 
als Fortsetzung der ,Ilias c bis zur Rückkehr der Griechen z . 

Musäos (5. oder 6. Jahrh.) : ,Ta xo£r' f Hpw xat Ae'av5pov c 3 . 

Koluthos aus Lykopolis inAegypten: , f EX6nr)£ apTuaYT] 4 4 . 

Tryphiodoros, ein Aegypter (5. Jahrh.): 700 Verse ,'Da'ou 

aktoaitf Ä . Nonnos aus Panopolis in Aegypten (Anfang oder 

Ende des 5. Jahrh.), nach Gf. Hermann der Wiederher- 



Achtzehntes Capitel. Doppeltes Sprachgebiet unter röm. Herrschaft. 171 

steller des Hexameters: 48 Bücher ,Aiowaaxa 6 oder ,Baa- 
capixa 4 6 und Paraphrase des Evangeliums Johannis 7 . 

1 Ausg. von Schneider 4776 n. 4813. — s Ausg. von Rhodomahn, 
Pauw, Tychsrn, Lehbs in der Ausg. des Hesiod, 4840. Probe deutscher 
Uebersetz. von Pfarrius u. Platz. — 3 Bearbeitung von Schiller. Ausg. 
von Schrader u. Schafer , Heinrich, Passow mit deutscher Uebersetz., 
Möbius, Borberg in Hellas u. Rom, 4842, Bd. 4. — 4 Ausg. von Lennbp 
u. Schäfer , Bekkbr , Julien ; deutsch von Passow. — 6 Ausg. von Scha- 
fer u. Wernicke. Cüntz, Tryphiodorea, 4845. — 6 Ausg. von Gräfe; 
Buch 8 — 43 von Moser, mit mytholog. Commentar. — 7 Ausg. von 
Passow. Weichert, De Nonno, 4840. Uwarow, Nonnos von Panopolis, 
4847, u. Sur les Dionysiaques in den Etudes de philologie et de cri- 
tique, 4843. 

§. 280. Komische Dichter: C Claudianus aus Alexan- 
dria (Ende des 4. Jahrh.): ,Raub der Proserpina 4 , ,Gigan- 
tomachie', kleine Gedichte (zum Lobe des Honorius) K 

T. Junius Calpurnius Siculus (3. Jahrh.?): Elf Eklogen 
oder Idyllen 3 .- M. Aurelius Olympius Nemesianus, ein Kar- 
thager (3. Jahrh.?): ,Halieutika c , ,Kynegetika c und ,Nautika 4 , 
,De aucupio 4 , ,Laus Herculis 4 3 . Decimus Magnus Ausonius aus 
Burdegala (Bordeaux, 309 — 392), Sohn des Leibarztes des 
Kaisers Valentinian I., Erzieher des Kaisers Gratian, Consul 
in Gallien 379 : Eklogen, Epigramme, Briefe in Versen, 20 so- 
genannte Idyllen (,Mosella 4 , ,Cento nuptialis 4 ), Panegyricus 
auf Gratian 4 . Cölius: ,De arte coquinaria s. de opsoniis et 
condimentis 4 6 . Das Gedicht: ,DeAnastasii laude 46 und die 
,Periegese 4 des Dionys lateinisch 7 * 

1 Ausg. v. Burmann, König, Doullay. — 2 Ausg. von Beck, mit 
Virgil von Graüff; deutsch von Adeluny, Wiss u. Klausen. In den Samm- 
lungen von Maittaire, Burmann, Wernsdorf. Weber, Corp. poetar. 
Lat., 4833. — 3 Ausg. von Haupt 4838> Müller 4834, mit deutscher 
Uebersetz. , u. in den Sammlungen der kleinen latein. Dichter von Werns- 
dorf u. Weber. — 4 Ausg. von Scaliger, Tollius, Soüchay; der Mo- 
seila mit deutscher Uebersetz. von Tross u. Böcking; französ. von Jau- 
bert. — b Ausg. von Leister , Almeloween, Bernhold. Dierbach, Flora 
Apiciana, 4834. — 6 Ausg. von Endlicher, — 7 Bei Wernsdorf in Bd. 5 
der Poet. Lat. minor. 

§. 284. Der Roman ist eigentümliches Erzeugniss 
dieser Periode. Man unterscheidet die milesischen oder 
magischen Geschichten *, die romanhaften oder ersonnenen 
Reisen, die eigentlichen Romane oder Liebesgeschichten und 
Briefe von Liebenden. 

Parthenios aus Nikäa in Bithynien (zur Zeit Cäsar's und 
August's): 36 Liebesgeschichten 2 . Xenophon's aus Ephesos 
,Ephesiaka c in 5 Büchern 3 . Heliodoros aus Eta&sa» ybl8t$ , äk*> 



172 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

(390) : 1 Bücher , Aethiopika' 4 . Achilleus Tatios aus Alexan- 
dria (Anfang des 4. oder Mitte des 5. Jahrh.): 8 Bücher 
, Geschichten der Leukippe und des Kleitophon' ö . Chariton 
aus Aphrodisias in Karien (4. oder 5. Jahrh.): Liebes- 
abenteuer des Chareas und der Kalirrhoe 4 6 . Longos: ,Schä- 
ferroman von Daphnis und Chloe 4 . Alkiphron (2. oder 
5. Jahrh.): 3 Bücher von 416 Briefen 7 . Aristänetos (f 358 
bei dem Erdbeben von Nikomedien) : 2 Bücher 50 erotischer 
Briefe 8 . 

Der Romer A. Lucius Appulejus (falschlich Apulejus) 
aus Madaura in Afrika (aus der Zeit der Antonine): ,Meta- 
morphoseon s. de Asino aureo lib. XI', darin die Episode 
von Amor und Psyche, die Herder den zartesten Roman 
nennt 9 . 

1 So genannt nach Aristeides' Milesiaka. Ovid, Tristien, II, 44 2 u. 443. — 
1 Heyne. Passow, Corpus scriptor. eroticor. Graec., 4824 fg. Wester- 
mann, Mythographi Graec. , 4843. — 3 Peeblkamp, Passow. Deutsch von 
Bürger u. Krabinger. — 4 Mitscherlich, Scriptores erotici Graec. , 4792, 
Kor ais; deutsch von GöttUng u: F. Jacobs. — 5 Salmasius, F. Jacobs"; 
deutsch von Ast u. Gütdenapfel. — 6 Von Beck, mit latein. Uebersetz. von 
Reiske; deutsch von Heyne u. Schmied ei' . — 7 Wagneb; deutsch von 
Herel. — 8 Abrbsoh, auch Lectiones Aristaeneteae, 4749, Boissonade ; 
deutsch von Herel. Manso, Ueber den griech. Roman, 480-1 , in Vermischte 
Schriften, Bd. 2. Stbuve, Ueber die Romane der Griechen, 4822, in 
dessen Abhandlungen u. Reden. — 9 Oudendorp u. Ruhnken, vollendet 
von Bosscha, Hildebrand; deutsch von Rode. Ueber ihn Stahb u. Gre- 

GOBOVIU8. 

§. 282. Für die Nachwelt ist die Gesetzgebung der 
Römer, soweit sie das Privatrecht betrifft, von der grössten 
Wichtigkeit. Die gebildetsten Volker haben das römische 
,Corpus juris c benutzt. Es ist die Errungenschaft von Jahr- 
hunderten, nicht das Werk eines einzelnen Gesetzgebers, 
hervorgegangen aus dem Bedürfhiss der Gegenwart und 
daher auf Erfahrung gegründet, nicht auf eine unsichere 
Theorie, ausgezeichnet durch praktischen Geist, scharfe Be- 
grenzung der Rechtsbegriffe und durch eine einfache, männ- 
liche und bedeutungsvolle Sprache K 

Die vier Bücher der Institutionen' des Gajus (117 — 161) 
entdeckte Niebuhr 1816 2 . Ulpian's (unter den Severen, 
um 200) Fragmente 3 . ,Codex Justinianeus' seit 529 (ver- 
loren), dann 534 4 . Die 60 Bücher der ^Basiliken', begon- 
nen unter Kaiser Basilius Macedo (f 886) und geschlossen 
unter Leo dem Weisen 6 . Scholiast derselben ist Theodor 
von Hermopolis. 



Neunzehntes Capitel. Byzantiner. 173 

Den Grund zum kanonischen Recht legte Johannes Scho- 

lastikos im 6. Jahrh. 

1 Dirksen, Uebersicht der bisherigen Versuche zur Kritik n. Her- 
stellung der Zwölftafelfragmente, 4824. — 2 Herausgeg. von Bekker, 
Göschen u. Bethmann -Hollweg 4820, Blume 4825, Heffter 4830, 
Lachmann u. Böcking 4844. Gans, Scholien zum Gajus, 4824. — 3 Von 
Huoo u. Endlicher. — 4 Ausg. von Beck, Gebr. Kriegel , Hbrm. Osbn- 
brüqgen, Schrader; deutsch von Otto, Schilling u. Sintenis. — 5 Heim- 
bach 4833 — 42. Haubold, Manuale Basilicorum, 4849. Goguet, De 
l'origine des lois, des arts et des sciences, 4758. Pastoret, Hist. de la 
legislation, 4847 — 37. Meter, Esprit, origine et progres des institutions 
judiciaires des principaux peuples de lTSurope, 4849 — 23- 



Neunzehntes Capitel. 
Byzantiner. 

§. 283. Ein etwa tausendjähriger Zeitraum (395 — 1453) 
mit mehr oder weniger Vorwalten sittlicher Rohheit. Zu- 
flucht der vernachlässigten Literatur in die Kloster, obgleich 
ihr einzelne Kaiser (die Makedoner, 867 — 1056, Komnenen, 
1057—1185, Paläologen, 1259—1453) Schutz und Forde- 
rung angedeihen lassen. 

Das Latein hatte als officielle Sprache schon vor und 
unter Justinian (527 — 565) das Griechische zur Seite und 
wich diesem gänzlich unter Mauritius (582 — 602) oder He- 
raklios (610 — 641), nur einzelne Reste davon wurden in 
der Staatssprache beibehalten *. 

Konstantinopel, als Hauptstadt und Residenz, wurde der 
Concentrationspunkt der Gelehrsamkeit, die hier durch die 
ökumenischen Lehrer zu einem abgeschlossenen System ge- 
langte. Das Wissen gilt mehr als das Denken. Einzelne 
Technographen, Scholiasten, Lexikographen, Anthologen und 
Sophisten sind schon im vorigen Capitel erwähnt, weil ihre 
Zeitbestimmung im Allgemeinen unsicher und schwierig ist. 

1 Z. B. der Zuruf: ,Multos annos victorem te faciat Deus ( , wie vom 
Franzosischen in der Staatssprache Englands bei der Sanction der Gesetze : 
,Soit fait comme il est desire.' 

§. 284. Hauptrichtung war die Historiographie, 
daher nennt man Byzantiner vorzugsweise diejenigen grie- 
chischen Schriftsteller, welche die Geschichte des byzanti- 
nischen Kaiserreichs behandelt haben J . Nur wenige dieser 
Schriftsteller zeichnen sich durch reinen Stil und ^gawäasBÄftk^ 



174 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

volle Darstellung aus; fast alle compiliren ohne Plan; Partei- 
lichkeit macht ihre Arbeiten unglaubwürdig. Die bedeu- 
tendsten sind Zosimos und Prokopios. Die übrigen theilt 
man in vier Classen: in eigentliche Historiker, in Chronisten, 
in Biographen und in Solche, die über Verfassung, Alter- 
thümer und verschiedene statistische Gegenstände geschrie- 
ben haben 2 . 

1 Labbe, De Byz. hist. scriptorib., 1648. Hanke, De Byz. rerum 
scriptorib. Graec., 4677. Byzantiner auch in der Münzkunde: Sca*ly, 
Essai de Classification des suites monetaires byz., 4836, mit Atlas. — 
2 Ausgaben von Labbe, Fabrotti, Dufbesne u. A. , 42 Bde., 4 654 — 4711, 
auf Ludwig's XIV. Veranlassung, u. von Niebuiir in Verbindung mit 
Bekkeb, L. u.W. Dindobf, Schopen, Meineke , Lachmann u. A. seit 4 828. 
Muralt, Essai de Chronographie byzantine etc., 4855. 

§. 285. Zosimos (430 und 590): ,Geschichte von August 
bis auf den jungem Theodosius* (30 v. Chr. bis 408 n. Chr.) ! . 
Prokopios aus Cäsarea in Palästina (527, 22 Jahre im Ge- 
folge Belisar's) : , Geschichte seiner Zeit', ,Persika', ,Gothika c , 
/Av£x5otoc 4 2 . Die ^ncykljopädie' des Kaisers Konstantinos 
Porphyrogennetos (912 — 959) in 53 Theilen, Auszüge aus 
classischen Historikern. Noch 3 Bücher übrig: ,TIepl Tupsa- 
ßeu5v c , ,IIspt otfteiftjc xat xax&xc 4 und ,üepi yvü[jlwv 4 , aufgenom- 
men in die Ausgaben der betreffenden Schriftsteller. 

1 Ausg. von Bekkeb; deutsch von Seybold u. Heyler. — '*■ Ausg. von 
W. Dindobf u. Obblli; deutsch von Kannegiesser. 

§. 286. Die ,Christliche Topographie' des Kosmas Indo- 
pleustes oder Ihdikopleustes (550?) in 12 Büchern, zugleich 
mit den ,Inschriften des Thrones und der Tafel von Adule 4 . 

Montfaucon, Nova collectio patrum Graec. , 4707, Bd. 2. Thevenot, 
Relation« de divers, voyages curieux, 4666, Bd. 4. Büttmann's Museum 
der Alterthums Wissenschaft, Bd. 2. 

§. 287. Anthologien von Meleager aus Gadara in Sy- 
rien (60 v.'Ohr.), Philippos von Thessalonike (100), Dio- 
geniano» von Heraklea, Strato aus Sardes (120), Konstan- 
tinos Kephalas (9. — 10. Jahrh.), Maximos Planudes. 

Passow, De vestigiis coronarum Meleagri et Philippi in Anthologia 
Graeca, 4827. Die Poesien von Manso 4798 u. Gräfe 1844. Sammler 
und Herausgeber in den sogenannten Anekdota sind: Brünck, Jacobs, 
Welcker. Uebersetz. von Sonntag, Stolberg, Voss, Conz, Herder, Ja- 
cobs (Leben u. Kunst d. Alten, 4824). Latein. Anthologien von Scaliger, 
Pitthöus, Burmann, Meter, Wernsdorf. 

§. 288. Dichter, darunter besonders Epigrammatisten : 
Agathias Scholastikos aus Myrina in Aetolien (6. Jahrh.), 
auch Bechtegelehrter und Historiker. Seine Anthologie 



Zwanzigstes Capitel. Neugriechen. 175 

(,KuxXo£ c ) ist verloren gegangen. Die palindromischen Verse 
(,Kapxlvoi c ) des Kaisers Leo des Philosophen (886 — 94 4). 
Die politischen Verse des Michael Psellos (4 4, Jahrh.) und 
des Philes *. Die carmina figurata des Dosiades r O ßofio«;. 
Theodoros Prodromos Hilarion (42. Jahrh.): ,Galeomyo- 
machie c und Roman ,Dosikles und Rhodante 4 . Die unter 
dem Namen des Orpheus erhaltenen Dichterwerke: , c/ Y[jlvoi 
TsXeTaC, /ApyovaimxaS ^AtSxxa 4 u. a. 2 

1 Ueber ihn Thorlacius 1813. Seine Epigramme von Wernsdorf. 
Hknrichsen, Ueber die polit. Verse; deutsch von Friedrichsen 1839. — 
2 6p. Hermann, Orphica, 1805. Lobeck's Sammlung im Aglaophamos, 
1829. Bode, Orpheus poetar. Graec. antiquissimus , 1838. 

S 



Zwanzigstes Capitel. 
Neugriechen. 

§. 289. Von den Griechen des europäischen Continents, 
insbesondere denen des heutigen Königreichs Griechenland, 
ist es historisch nachgewiesen, dass sie aus einer Ver- 
mischung altgriechischer Ureinwohner, fcder vielmehr by- 
zantinischer Griechen, mit einer Mehrzahl slawischer und 
später albanischer Eindringlinge, die nach und nach gräci- 
sirt wurden, entstanden sind, wenn schon die Behauptung 
Fallmerayer's *, dass das altgriechische Element in Morea 
und dem eigentlichen Hellas in der Zeit der Slawenembrüche 
vom 6. — 10. Jahrh. gänzlich vernichtet worden sei, für eine 
hyperbolische gehalten werden muss 2 . 

Der Unterschied der neugriechischen Sprache von dem 
Altgriechischen besteht theils in den fremden Zusätzen, theils 
in der veränderten Bedeutung mancher Worte», theils in der 
Verminderung der alten reichen Formen der J)eclination 
(Verlust des Dativs) und Conjugation; auch offenbart sich 
in der Syntax ein bedeutender Unterschied. 

Die Aussprache des Neugriechischen ist in der Haupt- 
sache die unter der Reuchlinischen bekannte 3 . 

Das Interesse für das Studium des Neugriechischen wurde 
durch F. Thiersch angeregt, gefordert durch Friedmann, 
Poppo, Gf. Hermann und durch die Universitäten Berlin, 
Leipzig, Breslau, Königsberg, München, Korfu (seit J824 
durch Lord Guilford), Athen (seit 4837)^ dusch. ^'^^ 



176 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

bücher und Grammatiken von Schmidt, Anselm, Kind, 
Jul. David 4 , Russiadis. 

1 Gesch. d. Halbinsel Morea während des Mittelalters, 4830 — 36, u. 
Welchen Einfinss hatte die Besetzung Griechenlands durch die Slawen auf 
das Schicksal der Stadt Athen? 4835. — * Zinkeisen, Gesch. Griechen- 
lands, Thl. I, 4832, im Anhange S. 837: Bemerkungen zu Fallmerayer's 
Gesch. von Morea. — ' Darüber Hesbicdsen 4839. Folgende Home- 
rische Stelle: 

A&Täp iictl xardöu Xa|ticp6v cpococ ^tXioto, 
Ol |Uv xaxxcfovTtc Ißav ofxovfit Ixctaroc, 
r Hi/i cxoEtrctp 8ü>(xa xcptxXuTAc 'Ajx^ijUTjti« 
"H^aiaxo? noCija' ctöu(i)9t itpatcföc aatv , 

lautet nach der uns ungewöhnlichen Reuchlinischen Aussprache: 

Aftar epi katedi lampron pbaos täliio, 
Hi men kakkiontes eoan ikonde hekastos, 
Hichi hekasto doraa periklilos Amphigiiis 
Hiphaestos püs' idiisi prapidessin. 

Merlekbr, Praktische vergleichende Schulgrammatik der griech. u. latein. 
Sprache, 4854, S. 40. — 4 Zum Beispiel: Svvoirrtxo? TCapaXXTjXtafxo; rijs 
feXXTjvuaj; xal ypatxixijc tq dt7tXocXXir)VLxijc yXcSaoi)?, 4820; deutsch 4827. 

§. 290. Ueber neugriechische Literatur : Villeinains 
,Laskaris 4 , 4825; Iken's, Leukothea 4 , 4 825, und ,Eunomia c , 4827; 
Risos Nerulos, ,Cours de litterat. grecque moderne', 1827; 
Brandis, ,Mittheüungen über Griechenland 4 , 4842; Schmidt- 
Phiseldeck, /EMoqvtxoc üapvaaadcS 4827, , f O 'ApiapavToc {rrot 
to ßo&a vffi dvayswiQ^retö'qc'EXXaSo^ 4 , 1843; Thdr. Kind, Neu- 
griechische Anthologie', 4845, und ^Beiträge zur bessern 
Kenntniss des neuern Griechenland 4 , 4834; Ellissen, ^er- 
such einer Polyglotte der europäischen Poesie 4 , 1846; San- 
ders, ,Das Volksleben der Neugriechen 4 , 4844; Leake^ ,Re- 
searches in Greece 4 , 4844. 

§. 294. Die neugriechische Poesie zerfallt in Volks- und 
Kunstpoesie. Zur erstem gehören namentlich die Klephthen- 
lieder. " 

Romantisches Epos ,Rhotokrifos 4 von Wizenzos Kornaros 
(46. Jahrh.). Von Allatios (4638) Schilderung der althel- 
lenischen Herrlichkeit und ihres Untergangs. Schäferdich- 
tung von Drymitikos (47. Jahrh.). ,Bosporomachia 4 (aus 
dem 48. Jahrh.). Konstantinos Rhigas aus Velestini in Thes- 
salien (geb. 4753): Kriegs- und Freiheitshymnen. Der um 
Literatur und Staat der Neugriechen hochverdiente Ada- 
mantios Korais (4748 — 4833). 

Seit 4824 sangen Christopulos (der neue Anakreon), die 
beiden Sutsos, von denen sich Alexander fast in allen Gat- 
tungen der Poesie versuchte, im Epos (, f O 7repurXav<.S|Jievo<; 4 ), 



Zwanzigstes Capitel. Neugriechen. 177 

in Satiren (,IIav6pa{jia irrfi f EXXa8o£ 4 , 1833), im politischen 
Roman (, f O 'E^optoros tou 1831 erovc 4 , deutsch 1837), und 
Panagos Sutsos auch im lyrischen Drama (, Wanderer 4 ) und 
im Roman (,Leandros 4 ). Ferner Lyriker: Rhisos Nerulos, 
Tantalidis, Alex. Ypsilanti (1792 — 1828), Orphanidis, Ka- 
rasutsas u. A. 

Dramatiker: Sabelios (,Timoleon 4 , ,Konstantin Paläo- 
logos c , ,Rhigas 4 ), Pikkolos (,Demosthenes c ), Rhisos Nerulos 
(,Polyxena 4 , ,Aspasia 4 , und komisches Epos: ,Raub der 
Truthenne 4 ), Rhangawis (Tragödien: ,Phrosyne 4 imd ,Der 
Vorabend 4 ). 

Trikupis' romantisches Gedicht: ,Dimos 4 , 1821. Rhan- 
gawis' episches Gedicht: , f O XaorcXavos 4 (der Volksver- 
fuhrer). 

§.292. Wissenschaften. Theologen: Theoklitos Phar- 
makidis und Konst. Oikonomos 1 835 fg. 

Selbständige Behandlung der Philosophie, Rhetorik und 
Mathematik : Dan. Philippidis , Stephan und Neophytos 
Dukas u. A. 

Geographie : Dan. Philippidis, auch Historiker (,Geschichte 
Rumuniens, d. i. Walachei, Moldau und Bessarabien 4 , 1816); 
Surmelis' ,Geschichte Athens 4 ; Philemon (,Die Hetarie 4 ); 
Germanos' Freiheitskrieg 4 ; Schinas' ,Geschichte der alten 
Nationen 4 , 1845. Gegen Fallmerayer schrieben Paparrigo- 
pulos und Levkias. 

Paläologos (Staatsökonomie). Trikupis (politische Reden). 
Alex. Maurokordatos (Anatomie, 1 836). Olympios (Chirurgie). 
Maurogannis (,Klima von Athen 4 , 1842). 

Archäologen: Sakellarios, 1796; Pittakis, 1835; Rhan- 
gawis, 1842. Philologen: Korais, Neophytos Dukas, Aso- 
pios und Wamwas (Syntax); Zenobis Pop (Metrik); Kon- 
togonis (Mythologie); Skarlatos Byzantios (Alt- und neu- 
griechisches Wörterbuch). Literarhistoriker: Gasis, Alexan- 
dridis, Kanellos, Rhisos Nerulos, Pappadopulos (/EXXTqvix?) 
ßißXioypacpfa 4 , 1845). 

Wissenschaftliche Zeitschrift in Athen seit 4840: ,Eupu- 
7catxoc 'Epavitfmfc 4 . Neugriechische Literatur in den ,Blattern 
für literarische Unterhaltung 4 , 1855, Nr. 32. Marino Vreto, 
,Contes et poemes de la Grece moderne 4 , 1855, mit einer 
Einleitung von dem Franzosen M&im^e. 

Mkrlkur. \^t 



178 Zweite* Buch. Ethnodoktologie. 

Einundzwanzigstes Capitel. 
Neuere Dichter in damischer Sprache. 

§. 393, Lateinische Poesie seit Auflösung des West- 
romischen Reichs in ihren bedeutendsten Repräsentanten. 

Lbyseb, Hist poetarum et poematum med. aeri, 4724. Bodik, Leben 
und Wirken der vorzüglichsten lateinischen Dichter des 45. — 48. Jahrh., 
4827. BIhr, Gesch. der römischen Literatur im karolingischen Zeitalter, 
4840» Jak. Grimm, Lateinische Gedichte des 40. u. 4 4. Jahrh. Aosbn- 
kbamz, Gesch. der Poesie, S. 540 fg. Cholbvius 1, 308 fg. Pbbrault, 
Parallele des anciens et des modernes, 4688 — 96. 

§. 294. Im 6. Jahrh. in Italien, Frankreich, Spanien und 
Afrika: Boethius, Avitus, Ennodius, Eugenius, Fortunatus. — 
Armuth des 7. und 8. Jahrh. — Im 9. Jahrh. Theodulphus, 
Walafried Strabo, Rhabanus Maurus. — Im 40. Jahrh. 
Hroswitha oder Helena von Rossow, Gerbert und sein 
Schüler Konig Robert. Die versus Leonini von Papst 
Leo IV. oder einem Leo des 42. Jahrh. — Im 11. Jahrh. 
Wippo, Bernard von Fleury, Kirchenlieder des Hermann 
Contractu«, Adhemar von Puy, Romulus (? älteste prosaische 
Uebersetzung Aesöpischer Fabeln). — Im 42L Jahrh. England 
und Frankreich reich: Simon Gapraaurea, Bernardin, Clugny 
und Chartres, Alanus ab Isulis, Joh. Parvus von Salisbury, 
Pindarus Thebanus, Gnaher Mapes (,Mihi est proposi- 
tum c ). In Italien Henricus von Settimello. Der Deutsche 
Günther. 

Im 43. Jahrh. Frangipani, Jacoponus de Benedictes 
(,Stabat mater c ), Henricus von Middelburg. — Im 44. und 
45. Jahrh. fast aussobfiessUoh Italiener: Petrarca, Boccaccio, 
Balthasar Costa (Papst Johann XXII.), Campanus, Anton 
Urceus Codrus (Erganzer der Plautinischen ,Aulularia 4 ), 
Kr. Cehes (4459— 4 MO). — Im 46. Jahrh. Italiener: Cotta, 
Sannazaro, Bembo, Hrs. Vida aus Cremona (f 4566, auch 
,De ludo scacchorum 4 ), Palearms; Deutsche: Erasmus, Ulrich 
v. Hütten, Melanchthon, Camerarius, Sabinus, Lotichius; 
Niederlander: EverardSecundus, Dousa; Franzosen: H. Ste- 
phaaus,. Muret, Scaliger; der Schotte Buchanan; der Eng- 
lander Owen. — Im 47. Jahrh. Hugo Grotius, Heinse, Sar- 
biewski, Bälde, Gianetasio, Ceva, Rapin. — Im 48. und 
49. Jahrh. Melchior de Polignac (f 4744 : ,Anti-Lucretius', 
oben §. 234, Anm.), Christ, Platner, Klotz, Reiz, Döring, 



Zweiundzwanzigstes Capilel. Das Neue Testament. 179 

Mitscherlich, Spalding, Gf. Hermann, Fuss, Lobeck, K.Mül- 
ler, Hooft, Santen, v. Bosch u. A. 

§. 295. In griechischer Sprache: Rhodomann, Sca- 
liger, Stephanus, Neander, Crusius, Heinse, Reiz, Gf. Hex- 
mann, Reh. Porson u. A. 



Zweiund zwanzigstes Capitel. 
Das Neue Testament. 

§. 296. Die Schriften des Neuen Testaments treten als 
Geschichte , Lehre und Weissagung auf und bieten insofern 
eine Analogie dar mit dem Alten Testament, in welchem 
man auch historische, prophetische und didaktische Bücher 
unterscheidet. Der Kanon des Neuen Testaments schloss 
sich allmälig vom 2. — 4. Jahrh. ab. Schon im 2. Jahrh. theilte 
man das Neue Testament in EüayyeXiov (Matthäus, Markus, 
Lukas und Johannes; die drei ersten auch Synoptiker ge- 
nannt) und 'AkqctqIo<z (die Apostelgeschichte des Lukas und 
die apostolischen Briefe). Die Echtheit der fünf historischen 
Bücher, der Paulinischen Briefe, des ersten Briefes Petri 
und des ersten Briefes Johannis war im 3. Jahrh. allgemein 
anerkannt, daher sie Eusebios in seiner Kirchengeschichte 
(325) opioXoYoujixva nennt, die übrigen Schriften dagegen 
avTiXeYop.eva. Die Apokryphen des Neuen Testaments stam- 
men aus den drei ersten Jahrhunderten der Kirche her *. 
Die Grundsprache des Neuen Testaments ist das Grie- 
chische, nicht, wie Bolten und Bertholdt wollten, das Ara- 
mäische. Zweifel in Betreff der ursprünglichen Gestalt des 
Matthäus *. 

1 Gesammelt von Fabricius 4749. Thilo, Codex apocrypbui N. T., 
4832. — 2 Sieffest, Urgestalt des Matthäus. 

Neutestamentliche Grammatiker: Sal. Glassius (f 4656) in 
Jena, Kp. Wyss in Zürich (+ 4659), G. Pasor in Franeker (f 4637), 
Wiher 4822 n. 4844. Wörterbücher von Schöttgbn, Schleusnbb, 
Wahl, Bretschneider. Einleitungen in das N. T. von Hänlbik, 
Schmidt, Eichhorn, Hüo, de Wette, Bertholdt, Gdericke, Schott, 
Fbilmoser, Schneckenburgbr, Credner, Neüdecker, Retjss. Ausgaben 
des N. T. von Knapp, Schott, Tittmann, Vater, Hahn, Lacrmamb;, 
Nabe, Göschen, Theile, Tischbndorf. 

§. £97. Commentare zum Neuen Testament von 
Rosenmüller, Paulus, Olshausen, De Wette, Meyer, Theile. 



180 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Zu den historischen Büchern (Evangelien und Apostel- 
geschichte) von Künöl, Fritzsche. 

Synopsen von Griesbach (von Rodiger <841), De Wette 
und Lücke. 

Matthaus von Baumgarten -Crusius (von Otto 4844), 
Mayer, Gratz, Sieffert, Kleinert, Olshausen, Arnoldi. 

Markus von Saunier, Knobel, Wilke. 

Lukas von Bornemann, Schleiermacher, Planck. 

Johannes von Lücke, Tholuck, Baumgarten- Crusius, 
Bretschneider, Strauss, Weisse, Lützelberger, Br. Bauer, 
Wegscheider, Hemsen, Usteri, Frommann, Schweizer. 

Apostelgeschichte von Heinrichs, Robinson, De Wette, 
Sohneckenburger. 

Paulinische Briefe (und Brief an die Hebräer) von Calvin, 
Koppe (und Ammon), Schott und Winzer, Bisping. 

Brief an die Romer von Tholuck, Flatt, Rückert, Reiche, 
Glockler, Kolner, Stewart, Nielsen, Klee, Stengel (von 
Beck 4836), Fritzsche. 

Briefe an die Korinther von Krause, Monis, Flatt (von 
Hoflinann 4827), Billroth, Heydenreich, Jäger, Scharling. 

Brief an die Galater von Borger, Winer, Flatt (mit 
Epheser), Paulus, Usteri, Matthies, Rückert, Schott (mit 
Thessalonicher), Moller (danisch), Windischmann. 

Brief an die Epheser von Harless, Meier, Matthies, Rückert. 

Brief an die Philipper von Rheinwald, Matthies, van Hen- 
gel, Holemann. 

Brief an die Kolosser von Bahr, Böhmer, Steiger, Huther, 
Mayerhoff. 

Briefe an die Thessalonicher von Schott und Pelt. 

Die Pastoralbriefe von Heydenreich, Flatt, Matthies, Leo, 
Mack, Eichhorn, Schleiermacher, Planck, Wegscheider, Baur, 
Baumgarten, Bottger. 

An Philemon von Schmid und Hagenbach. 

Brief an die Hebräer von Morus, Storr, D. Schulz, 
Böhme, Bleek, Künöl, Paulus, Tholuck, Klee, Stein, 
Stanglein. 

Katholische Briefe und Apokalypse von Augusti, Pott, 
Jachmann. 

Briefe Petri von Steiger, Mayerhoff, Windischmann, 
UUmann. 

Briefe Johannis von Lücke, Paulus, Rickli. 



Dreiundzwanzig sles Capitel. Patrologie. 181 

Briefe Jakobi und Judä von Herder und Scharling. 

Jakobus und 4. Petri von Hottinger. 

Jakobus von Schulthess, Gebser, Schneckenburger, Theile, 
Kern, Bhd. Jacobi- 

Judä von Hänlein. 

Apokalypse von Bengel, Herder (,MocpavoÄaS 1779), 
Ewald, Lücke, Züllich, Böhmer (auch zur biblischen Typik). 
Dazu Wörterbücher von Braun, Oertel und Tinius. 

Apokalypse und Buch Daniel von Auberlen. 

§. 298. Die Beschreibung des Lebens Jesu begann 
mit der äusserlichen Zusammenfugung der Quellen und setzte 
sich in der Art bis auf Bengel (1687 — 1752) fort; seitdem 
von Herder, Hess, Reinhard, Vermehren, Hacker, Greiling, 
Paulus, Hase, Strauss, Neander, Krabbe, Kuhn, Hartmann, 
Francke, Weisse, Theile, Sepp, Lange, Kbrard, Riegler, 
Friedlieb, Lichtenstein, Wichelhaus. 

§. 299. Das Leben der Apostel und die Gründung der 
Kirche von Hess., Lücke, Planck, Neander, Rothe, Gfrörer. . 

Das Leben des Apostel Paulus insbesondere von Schrader, 
Hemsen, Schott. 



Dreiundzwanzigstes Capitel. 

Fatrologie. 

§. 300. Die Patristik oder Patrologie beschäftigt sich 
zunächst mit der Geschichte der Schüler der Apostel, die 
man gewöhnlich Apostolische Väter nennt. Dazu gehören 
im eigentlichen, kirchlichen Sinne Barnabas, Clemens von 
Rom, Ignatios, Polykarpos und Papias; im uneigentlichen 
Sinne auch Hermas und Dionysios Areopagita. 

Eine Collectivausgabe der Schriften dieser Männer von Cotblibr \ 672 
u. Clericus 4724 u. danach Handausgaben von Frey 4742 u. Hefblb 4839. 
Kritzlbr, Die Heldenzeiten des Christenthums , 4856. 

§. 304. Brief des Barnabas (eigentlich Joses, f 64). 
Clemens von Rom (Romanus), angeblich erwähnt Philip- 
per IV, 3, gestorben 102 als Bischof der römischen Ge- 
meinde: ,Zwei Briefe an die Korinther 4 *, , Apostolische Ka- 
nonen und Constitutionen 6 2 , ,Clementinen fc 3 . Ignatios 4 , 
Bischof in Antiochia, 49 — 407 oder 4 46: ,Briefe c 6 . Poly- 
karpos, Bischof in Smyrna (| 469}-. ,>T&T\efo£*. T*st ^äxe^ 



183 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

des Hermas (Rom. XVI, 44) nur noch in lateinischer Ueber- 
setzung 7 . Dionysios Areopagita, angeblich erster Bischof 
zu Athen *. 

1 U ebersetzt von Wocher 4830. — * Drei Untersuchungen darüber, 
4832- Mkrlbker, Die Politik der römischen Päpste, 4856. Alle Consti- 
tutionen vor der Zeit des Siricius sind untergeschoben. — ^49 griechische 
Homilien u. in der lat. Uebersetzung des Runnus als Recognitiones Cle- 
mentis, bei Gersdobp, Biblioth. patr. eccles. Lat. sei., 4837, Bd. 4. Kest- 
nbr's Agape, 4849. — 4 Angeblich das Kind, welches Jesus seinen Jün- 
gern als Muster hinstellte: Matth. XVIII, 2. Mark. IX, 36. — 5 Ausg. 
von J. Voss 4646 u. 4680, mit denen des Barnabas; übersetzt von Wocher 
4829- — 6 Uebersetz. von Wocher 4830, mit denen des Clemens. — 7 Ausg. 
von Jachmann 4835. — 8 Uebersetz. seiner Schriften von Engelhardt 4823; 
Untersuchungen darüber von Vogt 4836. 

§. 302. Kirchenväter heissen im engern Sinne die 
Lehrer und Schriftsteller der alten Kirche vom 2. — 6. Jahrh., 
im weitern alle bis zu den Scholastikern (im 41. Jahrh.) 
herab. Die eigentlichen Kirchenväter theilen sich in solche^ 
die griechisch, und in solche, die lateinisch geschrieben 
haben. Ihre Werke beschäftigen sich mit Philosophemen 
und gnostischen Auffassungen des Christenthums \ mit Ortho- 
doxie und Härese (besonders seit 325), mit Apologetik und 
Polemik, mit Kritik und Exegetik, mit der Geschichte der 
christlichen Kirche und mit dem Unterricht und der Er- 
bauung des Volks. 

1 Löffler, Vom Platonismus der Kirchenväter, 4792. Keil, Opus- 
cula, 4824. — Die erste Zusammenstellung des patristischen Materials ist 
von Hieronymus (f 420) * De viris illustribus s. de scriptoribus ecclesiasti- 
d8, worauf bis in das 47. Jabrh. mehre Forderer des patristischen Studiums 
folgten. Magna bibl. vett. patrum (de la Bigne), 4664 — 72. Maxiraa 
bibl. vett. patrum, 4677- Gallandii Bibl. Graeco-Latina vet. patr., 
4765 — gj. Fabricics, Poetar. vet. eccles. opera, 4564. Arevalo, Poetae 
Christ., 4788. Rosler, Bibliothek d. Kirchenväter in Uebersetz. u. Aus- 
zügen etc., 4776 — 86, von Augusti 4842, Royaards 4834, Sinner 4842. 
Einleitende Schriften von Walch 4770 (Danz 4834), Schönemann, Wi- 
wbr, Engelhardt. Goldv? itzbr , Bibliographie der Kirchenväter u. Kir- 
chenlehrer vom 4. — 43. Jahrh., 4828. Danz, Initia doctrinae patristicae. 
Mo hl er u. Reitelmayer 4839. Böhringer, Die Kirche Christi etc., seit 
4842, will sein Werk bis Schleiermacher fortführen. Kirchliche u. theolog. 
Literargeschichte von Flügge, Stäudlin, Busse. Zur theolog. Bücher- 
kenntniss die Schriften von Walch, Nösselt, Niemeyer, Fuhrmann, 
Wiser, Deegen u. Zimmermann. Villemain, Tableau de Teloquence 
chretienne an TV mc siecle; deutsch von Köhler 4855- 

1) Griechen. 

§. 303. T. Flavius Clemens aus Athen, in Alexandria 
490 Presbyter und Katechet (daher Alexandrinus) : drei ein 



Di'eiundzwanzigstes Capitei Patrologie 183 

Hauptwerk bildende Bücher: ,Protreptikos 4 , ,Pädagogos 4 und 
jStromata' (,Stromateis c ) *. 

Sein Schüler Origenes Adamantios aus Alexandria 
(185 — 254): von seinen angeblichen 6000 Werken ist die 
Schrift ,De principiis 4 nur noch in einer lateinischen Ueber- 
setzung des Rufin in Bruchstücken vorhanden 2 . 

Eusebios Pamphili aus Cäsarea in Palästina (270 — 340), 
daselbst Bischof 314: 40 Bücher ,Kirchengeschichte c bis 324 
(oben §. 258) 3 , ,Chronikon' (oben §. 265), 45 Bücher ,Prae- 
paratio evangelica 44 , 20 Bücher Remonstratio evangelica' 5 , 
,Leben Konstantin' s d. Gr. 4 6 . Athanasios aus Alexandria 
(296 — 373) 7 . Joh. Chrysostomos aus Antiochien (347 — 
44. Sept. 407), Bischof in Konstantinopel 397, von der sechsten 
ökumenischen Synode 680 Chrysostomos beigenannt 8 . 

Justinos der Märtyrer aus Sichern oder Flavia Neapölis 
in Samarien (f 465 in Rom): zwei Apologien an beide 
Antonine, ,Dialogus cum Tryphone Judaeo 4 9 . Irenäos, 
Schüler des Polykarpos in Smyrna, 477 Bischof von Lyon, 
wo er 202 starb 10 . Basilius d. Gr. aus Cäsarea in Kappa- 
dokien (329 — 379), Bischof 370, Stammvater der morgen- 
ländischen Ordensgeistlichen n . 

Epiphanios aus Besanduke in Palästina, Bischof von 
Constantia (früher Salamis) auf Cypern, 367 — 403 ia . Gregor 
von Nazianz (328 — 390), Bischof zu Sasima 371, Patriarch 
in Konstantinopel 380 — 384 1S . Gregor von Nyssa (f nach 
394), jüngerer Bruder Basilius' d. Gr. 14 . Der Thaumaturg 
Gregor (Theodoros aus Neocäsarea), 244 Bischof, Schüler 
des Origenes ,6 . 

1 Verloren sind die Hypotyposeis. Hymnus auf den Erlöser von Piper 
4835. Ausg. von Potter 4745. Quis dives salutem con sequi possit, von 
Segaar 4846. Etlert, Clem. v. Alex, als Philosoph u. Dichter, 4832. — 
2 Ausg. von Redepenning u. Schnitzer. Ermahnung zum'Märtyrerthum 
von Wetstein. Gegen Celsus, deutsch von Mosheim. Gesammtausgabe 
von de la Rue u. Lommatzsch. Die Hexapla oben §. 427. Ueber ihn 
und seine Lehre Thomasius 4837 u. Redepenning 4844. — 8 Fortgesetzt 
von Sokrates , Sozomenos u. Theodoretos ; frei latein. von Rdfin u. bia 
395 fortgeführt. Ausg. von Valois, Reading, Heinichen; deutsch von 
Stroth. — 4 Ausg. von Viger 4628. — 5 Ausg. von Montaigu 4628; nur 
noch 40 Bücher unvollkommen erhalten. — 6 Ausg. von Heinichen 4830. 
Manso, Leben Konstantin^ d. Gr., 4847* — 7 Das Athanasianum symbo- 
lum. Seine Schriften von Montfaücon 4698 u. von dems. in Bd. 2 der 
Bibl. patrum, 4706; über ihn Möhler 4827 u. 4839. — 8 Seine Werk« 
griech. u. latein. von Montfaücon 4748 — 38 (2. A. 4834—40). D© »»- 
cerdotio von Leo 4834. Homiliae in Matthaeum von Field 4839 (üb«r- 
setzt von Cvamer u. A.). Ueber ihn Neander 4821 (£♦ *" <A3AY -— ■ 



184 Zweites Buch. Eilinodoklologie. 

' tficbt Ton ihm Epistel» ad Diognetum. Ausg. von Mabahds u. Otto. 
Sein Leben Ton Otto o. Semisch. — "> MABHnET'sche Ausg. seiner Werke. 
Contra haereticos nur in latein. Uebersetz. von Pfaff. Cbrietologie von 
DnnciKB 1844. — " Sein Leben n. seine Lehre von Klose 4836; seine 
Schriften von Garhieb 1131 — 30 n. den Benedictinem. — » Seine Schrif- 
ten von Petav 1622, darunter Panarion oder Verzeichniss aller (80) 
Ketzereien, über Masse u. Gewichte u, Sermo de fide. Epiphaniua Scho- 
lastkus (6. Jahrb.) compilirto mit Cassiodor aus Sokratee, Sozomenos und 
Theodore! die Historia tripartita, das kirchengeschichtliche Handbuch des 
Mittelalters. — " Seine Werke von Mobellieb 4 630, sein Leben von 
Ullmamk 1825. — " Seine Werke von Morbllibs 1651 , sein Leben o. 
seine Meinungen von Rupp 1834. — ls Seine Schriften grieeb. u. latein. 
von G. Voss 4604. 

2) Lateiner. 

§. 304. Tertullianus aus Karthago ,(t 220) ». Sein Schuler 
Cyprianus (200— 14. Sept. 258), 248 Bischof in seiner Vater- 
stadt Karthago* Ambrosius (340—397), Bischof in Mai- 
land. 374 s . Augustinus aus Tagaste in Afrika (13. Nov. 354 
bis +4. oder 28. Aug. 430), Bischof zu Hippo (jetzt Bona) 
.395*. Hieronymus aus Stridon in Dalmatien (331 oder 
342—41.9 oder i'äO), starb in einem Kloster bei Bethlehem ft . 
Lactantius (+ um 330), der christliche Cicero 6 . Arnobius 
der Aeltere (300), Lehrer der Beredtsamkeit zu Sicca ia 
Numidien, daher der.; Afrikaner 7 . Der jüngere Arnobius 
(5.. Jahrb.), Bischof: in Gallien 8 . Gregor, Bischof von 
Tours 573 (t 17. .Nov. 394) V Isidorus Pelusiota aus Alexan- 
dria (f iSO) l °> Isidorus Hispalensis aus Cartagena in Murcia, 
Bischof von Sevilla (Hispalis), f 636 ". Pelagius, britischer 
Mönch, in Born 409, stirbt in Jerusalem 420 l2 . Ulfilas 
(geb. 318), Bischof der Gothen 348, Umbildner der ger- 
manischen Runenschrift durch Benutzung des griechischen 
Alphabets für seine Bibelübersetzung; damit zugleich Be- 
ginn der deutschen Literaturgeschichte 1S . Leo I-, d. Gr., 
Papst 440—461 ". Gregor I., d. Gr. (540—604), PapBt 
590—604 18 - 

1 Seine Schriften (darunter Apologeticns bei Gelegenheit der Christen- 
verfolgung unter Severos, 1 94 - — 211) von Rhehanub, Kiqaltiub, Leopold 
in der Bibl. patr. Lat. sei., 1839 — 41. Neasdbb, Antignosticua, Geist des 
Tertullianus n. Einleitung in seine Schriften, 1823- — '' 83 Epistolae, De 
unitate ecclesiae (von Stephani) ; Ansg. von Rigaltius, Ealczzi -, deutsch 
1818- Dodwbll'b Diasertationes Cjprianicae, 1684. Sein Leben ti. seine 
Lehre von Rettberg 1831 u. Hothbb 1839. — 9 Seine Schriften von den 
Benedictinem 1686 — 90. Der Ambrosianische Lobgesang (Te Denm lau- 
damus) wahrscheinlich ein Jahrhundert jünger. Der Ambrosianische Kitns 
des Kirchengesangs (darüber Maiiucc belli u. Fumaoalli). Der Com- 
mentar zu den Pauliniscben Briefen (wahrscheinlich von Hilarius) des Am- 



Dreiundzwanzigstes CapiCel. Patrologie. 185 

brosiaster. — 4 Sein lieben erzählt er in den Confessiones (von A. Neander 
4 823, K. v. Raumes 4 856). Seine Schriften durch die Benedictiner 4 835 — 39 ; 
De civitate Dei 4 825 (deutsch von Silbert). Seine Lehre von der gratia irresisti- 
bilis brachte ihn in Streit mit Pelagius. Ueber ihn Bindemann 4 844 ; über 
ihn u. Pelagius Wiggers. — 5 Seine Uebersetzungen des A. u. N. T. liegen 
der Vulgata zum Grunde. Seine Werke von Erasmus u. Yallabsi. — 
6 Institutiones divinae (von Davisiüs), Carmen de Phoenice (von Mar- 
tini). Sämmtliche Werke von Fritzsche, in Gersdorfs Bibl. % patrum, 
Bd. 40, 4842 — 44. — 7 7 Bücher Adversus gentes (von Orelli). — 
8 Commentar über die Psalmen. Praedestinatus ? — 9 40 Bücher Gesch. 
der Franken, 7 Bücher Miraculorum, ein Buch Vitae patrum. Ausg. von 
Ruinart. Ueber ihn Löbell 4839. — 10 Zahlreiche Briefe (edirt 4638). 
Ueber ihn Niemeyer 4 825. — J 1 Seine Schriften von Arevalo 4 797 — 4 803, 
darunter Gesch. der Gothen zwischen 476 — 628 (von Rösler 4803). Die 
pseudoisidorischen Decretalen (vom 9. Jahrh. an gesammelt) erhielten den 
Namen von einem Isidorus Mercator oder Peccator. Merleker, Politik 
der rom. Päpste, 4856. — 12 Darstellung seiner Lehre von Wiggers u. 
Lentzen { 4833. — ld Codex argenteus aus der Abtei Werden im 46. Jahrb., 
nach Prag u. 4648 nach Upsala, herausgeg. 4665 von Fr. Junius. Den 
Codex Carolinus fand. Kittel in einem Palimpsest in Wolfenbüttel (von 
Zahn 4805). Die übrigen Bruchstücke von Mai u. Castiglioni 4849 — 39, 
von Massmann 4834. Gesammtausg. von Gabelentz u. Lobe 4836 — 47. 
Ueber sein Leben u. Lehre von Waitz 4840, Gabelentz u. Lobe 4855. — 
14 Ueber ihn Arendt 4835 u. Perthel 4843. Seine Werke zu Venedig 
4755 — 57. — 1& Werke: Moralia s. expositiones in Iobum u. Dialogi s. 
de vita et miraculis patrum Italicorum, von Wiggers 4838. 

§. 305. Einer der ältesten Apologeten ist Athenagoras 
(177) K Minxicius Felix (3; Jahrh.): Apologie ,Octavius c K 
Tatianos 3 . Die Spöttschrift des Hermias (200) gegen die 
heidnischen Philosophen 4 . Theodor von Mopsuestia (f 429) 6 . 
Hilarius der Heilige , Bischof von Pictävium (Poitiers) , hae- 
reticorum malleus et flagellum genannt, f 13. Jan. 368 6 . 
Die Kirchenhistoriker: Soki-aties aus Konstantinopel 
(geb. 380) % Sozomenos aus Bethelia bei Gaza (geb. um 
400) 8 , Theodoretos 420 Bischof von Kyros am Euphrat 9 . 

Apollinaris der Jüngere, 362 Bischof in Laodicea in Sy- 
rien, Gründer des sogenannten Apollinarismus : dichterische 
Umschreibung der Psalmen. Juvencus (f 331 ) : Umschrei- 
bung der Genesis und Geschichte Jesu in Hexametern 10 . 
Prudentius 1J . Colius Sedulius (5. Jahrh.): ,Mirabilium di- 
vinorum s. operis paschalis lib. V, enthält in Hexametern 
die Geschichte Jesu 12 . 

1 Legatio pro Christianis von Lindner. Ueber Auferstehung d. Todten 
(4544). • — 2 Ausg. von Müralto 4836, deutsch von Lübkert. Ueber ihn 
Meier 4824. — 3 Ueber ihn Daniel 4837. — 4 Ausg. von Worth u. 
Dommerich, deutsch von Thienemann. — 5 Ueber ihn Fritzsche 4837. 
Seine Werke von v. Wegnern 4834. — 6 Seine Werke von Oberthör 
4784 — 88. — 7 7 Bücher von 306 — 439 (von Reading). — 8 9 Bücher 
zwischen 323 — 439 (von Valesius). — 9 Zwischen 322— 429. Ausg. von 
Sirmond u. Garnier, Schulze u. Nösselt. — l0 Kxjä^. ^«^ Qjibmji^ 



186 Zweites Buch. Ethnodoktoloyie. 

4827. — n Gedichte von Obbarics edirt. — * a Andere Gedichte: Col- 
latio Vet. et Not. Test.; Hymnus de incarnatione verbi, ans Virgilischen 
Versen zusammengesetzt; Hymnus acrostichus , in iambischen Dimetern u. 
alphabetischer Reihenfolge der Verse. Ausg. von Cellarius, Grüner, 
Arnteen u. Arbval. 

§. 306. Den Anfang der Legenden macht Ennodius' 
,Leben des heiligen Epiphanios 4 . Musterwerk seiner Art 
wurde die ,Goldene Legende' Jacob's a Voragine (f 1298), 
s. unten §. 668. 

Acta 8anctorum, 4643. 



Dritte Abtbeilung. 

Occidentalische Literaturen. 

§. 307. „Die Basis der modernen Literatur im wei- 
testen Sinne ist die christ- katholische Glaubenslehre. Ihre 
Tochter, die Romantik, wurde die Muse der Dichtung des 
Mittelalters und schlug zuerst in Frankreich ihren Wohn- 
sitz auf. Von hier aus beherrschten ihre Inspirationen die 
Literatur sämmtlicher west- und südeuropäischer Nationen. 
Am wenigsten unbedingt war ihr die italische Literatur 
unterworfen, weil in Italien der romantische Einfluss von 
vornherein in der wieder angebahnten Bekanntschaft mit dem 
antiken ein Gegengewicht fand, was aber für die Ent- 
wickelung der italischen Poesie eben kein Glück war, indem 
die classische Reminiscenz dieselbe schon in ihren Anfängen 
zu einer unvolksthümlich gelehrten machte. Am reinsten, 
reichsten und volksmässigsten erblühte die romantische Dich- 
tung auf der Pyrenäischen Halbinsel, und Spanien 
kann sich vor allen Nationen Europas rühmen, eine zugleich 
grossartige und nationale Literatur zu besitzen. Mit ihr 
wetteifert die englische, welche ebenfalls auf dem Funda- 
ment der Volkspoesie den Triumph der Kunstdichtung, ein 
treffliches und nationales Drama, aufgebaut hat. 

Die mittelalterlich- romantische Dichtung Deutschlands 
zeichnet sich vor der anderer Volker durch einen Zug seelen- 
voller Innigkeit aus , und diesen Zug wussten die Deutschen 
nicht nur in eigentlich romantische Stoffe, sondern auch in 
ihre altnationaie , romantisch umgebildete Heldensage zu 



Dritte Abtheilung. Occidentalische Literaturen. 187 

> 

legen, wodurch freilich die Ursprünglichkeit derselben stark 
beeinträchtigt wurde. Mit Italien und Frankreich theilt 
Deutschland den Mangel eines nationalen Theaters. 

Unberührt von romantischen Einflüssen entfaltet sich in 
der Poesie des alten Nordens eine Riesenhaftigkeit der 
Phantasie, welche an die des alten Indien erinnert, nur dass 
hier Alles weich und verschwommen, dort Alles schroff 
und zackig ist. 

Auch die altslawische Volkspoesie hat sich unabhängig 
von der Romantik entwickelt und zeigt die Eigentümlich- 
keit einer vorwiegend historischen Färbung." 

§. 308. „Vom 46." Jahrh. an webt sich unter der Ein- 
wirkung classischer Studien allmälig ein Band der Wechsel- 
wirkung zwischen den europäischen Literaturen. Im \ 7. Jahrh. 
gibt die italische und spanische, im 48. die französische, 
im 49. endlich die englische und deutsche den Ton an. 
Nach dem Vorgang Italiens stellt Frankreich in der ge- 
lehrten Hofdichtung die classischen Muster auf, wie es hin- 
wieder später durch seine revolutionäre Literatur das Signal 
zur Befreiung der Geister gibt. Dann kommt England an 
die Reihe, um mit den gesunden Elementen seiner altern 
und neuern Dichtung, vor allem mit Shakspeare'schen, die 
deutsche Classik zu befruchten, und von dieser, wie von 
der ihr nachtretenden Neuromantik, gehen darauf leuch- 
tende und zündende Strahlen in alle europäischen Länder 
aus. In Frankreich, Italien und Spanien wird die Pseudo- 
classik gestürzt, und diese Länder, dann mit glänzendstem 
Erfolg England, die skandinavischen und slawischen Länder, 
selbst Ungarn und Neugriechenland, mit grosserm oder ge- 
ringerm Glück, bedienen sich der romantisch-nationalen 
Principien als eines Verjüngungsmittels ihres Schriftenthums. 
Da und dort hat der junge Baum modern -nationaler Poesie 
prachtvolle Blüten getrieben. Die neueste Zeit aber zeigt 
einen auffallenden Stillstand der literarischen Bewegung." 

Für Sprache und Literatur des europ. Abendlandes : Bouterwbk, 
Gesch. d. Poesie u. Beredtsamkeit, 4804 fg. Thdr. Mündt, Gesch. d. Lit. 
d. Gegenwart von 4789 an, (2. A.) 4853. 



188 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

Vierundzwanzigstes Capitel. 
Occidentalisch- christliches Sprachgebiet. 

§. 309. Als allgemeines Kennzeichen, das die germa- 
nischen Sprachen von den urverwandten (oben §. 10 u. 14) 
unterscheidet * und unter ihren eigenen einzelnen Zweigen 
eine wesentliche Verschiedenheit begründet, hat Jak. Grimm 
die Lautverschiebung 2 nachgewiesen. 

1 Vor allen andern Sprachen ausgezeichnet und durch die gebildetsten 
Nationen repräsentirt sind die indisch -europäischen und unter diesen 
wiederum die indisch -germanischen Sprachidiome: Sanskrit, die medischen, 
semitischen, griechischen und lateinische oder römische, die reingerma- 
nischen, romanischen und slawischen Sprachen. — * Dies ist der Wechsel 
der Muten. Es sind nämlich in identisch un entlehnten Wörtern die stum- 
men Consonanten von der ursprünglichen Stufe geruckt. Aus ursprung- 
licher Tennis ist im Gothischen Aspirata, aus ursprünglicher Media ist 
Tennis, aus ursprünglicher Aspirata ist Media geworden. So entspricht 

2. B. dem griechischen k das gothische f , dem griechischen ß das gothische p, 
dem griechischen 9 das gothische b. Die Lautverschiebung innerhalb der 
germanischen Sprachen zeigt sieh im Hochdeutschen, d. h. hier in den 
oberdeutschen Mundarten. Während nämlich in den übrigen deutschen 
Sprachen die stummen Consonanten auf -der Stufe geblieben sind, die sie 
im Gothischen eingenommen haben, sind eie im. Hochdeutschen nochmals 
verrückt worden. Für das Althochdeutsche stellt sich das strenge Gesetz 
so dar , dass gothische Aspirata althochdeutscher Media , gothische Tenuis 
althochdeutscher Aspirata, gothische Media althochdeutscher Tenuis ent- 
spricht. Die etwaigen- Störungen dieser Consequenz innerhalb der alt-, 
mittel- und neuhochdeutschen Mundarten beeinträchtigen die Wahrheit dieser 
grammatischen Entdeckung nicht. Derselbe Trieb der Lautverschiebung 
zeigt sich noch jetzt' in ober- und. mitteldeutschen Mundarten, in der Ver- 
wechselung der sogenannten weichen und harten Buchstaben. Das Sprach- 
gebiet der deutschen Hauptmundarten 8. bei Grimm, Deutsche Grammatik, 

3. A., I, 2 fg. Vbnbdby, Gesch. des deutschen Volks, 4856. 

§. 340. Die gothischen Sprachdenkmäler des Ul- 
filas (4. Jahrh.) geben das älteste Zeugniss von der ur- 
sprünglichen Beschaffenheit der germanischen Sprachen *. 

Die Sprachdenkmäler der Angelsachsen reichen bis in 
das 7. Jahrh. 2 in dem Gedichte Caedmon's (f 680) 3 . Aus 
der angelsächsischen Sprache ging durch Zutritt eines 
romanischen Elements, das die Normannen 4066 zubrachten, 
die englische Sprache hervor, die sich der Zeit nach in 
das Altenglische und seit dem \ 4. Jahrh. in das Neuenglische 
scheidet. „Wie mächtig das germanische Element im 
Englischen sei, hat jüngst Macaulay in seinem Stil 
aufs herrlichste dargethan." 

Für die altnordische Sprache Skandinaviens zeugen die 



Vierundzwanzig stet Capitel. Occidentalisch-christliches Sprachgebiet. 189 

weit altern, wenn auch erst im II. Jahrh. aufgezeichneten 
Lieder der altern ,Edda c . Aus dieser noch in Island er- 
haltenen Form (Norraena tunga) entwickelte sich das 
Dänische in Dänemark und Norwegen und das Schwe- 
dische 4 . 

Gering sind die Spuren des Longobardischen und Burgun- 
dischen. Die Mundart der Friesen horte mit dem 14. Jahrh. 
als eigentliche Schriftsprache auf 6 . Sie bildet den Ueber- 
gang vom Dänischen ins Sächsische. Das fast einzige Denk- 
mal der altsächsischen Sprache ist der ,Heljand c des 9. Jahrh. 
(Uebersetz. von Kapp, 1 856). Seitdem war bis in das 4 6. Jahrh. 
Niederdeutsch die Schriftsprache 6 . Ihr folgte Hoch- 
deutsch, während jenes Idiom auch durch Plattdeutsch be- 
zeichnet ward. 

Aus der Mundart der Niederfranken erstand im 1 3. Jahrh. 
als Schriftsprache die niederländische und seit dem 
1 5. Jahrh. die neuniederländische Sprache 7 . 

1 Gabblentz u. Lobe, Gothisches Glossar. — 2 Th. Wbight, Bio 
graphia Britannica literar., 4842. — 3 Ausg. von Boutbb'wbk 4849' Hickes, 
Thes. linguar. sept., 4744. Türner, Hist. of the Anglosaxons. Leo, Alt- 
sächsische u. angelsächsische Sprachproben , 4838. — 4 Rask, Undersögelse 
u. s. w. , 4848, u. Veiledning u. s. w., 4832; deutsch von Wienbarg 4839* 
Petersen, Det danske, norske og swenske Sprogs Historie, 4829 fg. — 
6 Wiabda, Gesch. d. altfries. Sprache, 4784. — 6 Kindebling, Gesch. d. 
niedersächs. Sprache, 4808. — 7 Willems, Nederduitsche Taal - en Letter- 
konde, 4849. Mone, Uebersetz. d. niederländ. Volkslit. alt. Zeit, 4838. 
Vgl. unten §. 447. 

§. 311. Drei Zeiträume des Hochdeutschen, der 
eigentlichen deutschen Literatursprache. 

1) Zum Althochdeutschen, von dem unsere Kenntniss 
bis zum 7. Jahrh. reicht, fuhrt keine Brücke vom Gothischen. 
Innerhalb desselben herrschen drei Mundarten, die aleman- 
nische, fränkische und bairische *. 

2) Es geht im 12. Jahrh. über in das Mittelhoch- 
deutsche, das im 13. Jahrh. in der Poesie zu seiner höchsten 
Blüte gelangt. Seine Mundarten sind dieselben, wie im 
Althochdeutschen, fuhren aber die Namen der schwä- 
bischen, bairisch- ostreichischen und fränkischen, deren 
Einfluss sich über den Mittelrhein, Hessen und Thüringen 
erstreckte * 2 . 

3) Das Neuhochdeutsche beginnt im 16. Jahrh. mit 
Luther und ist seitdem herrschende Schriftsprache 3 . 

Auf die Frage : wo das beste Deutsch gesprochen. wetd&? 



190 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

entschied Adelung für Meissen. Daher die Elbe in Schil- 
lert Flüssen': 

Alle ihr andern, ihr sprecht nur ein Kauderwelsch; unter den Flüssen 
Deutschlands rede nur ich , und auch in Meissen nur deutsch ! 

1 Gbaff, Althochdeutscher Sprachschatz, 1834 fg. Richthofen, Alt- 
friesisches Wörterbuch. — 2 Babthel, Grundriss d. mittelhochdeutschen 
Formenlehre für Anfanger, 1854. Pfeiffer, Beiträge zur Gesch. d. mittel- 
deutschen Sprache u. Lit., 1854. Möller u. Zarncke, Mittelhochdeutsches 
Wörterb. etc., seit 1854. — 3 Adelung, Gesch. d. deutschen Sprache, 1781. 
Jak. Grimm, Deutsche Grammatik, 1822, u. Gesch. d. deutschen Sprache, 
1848. Wocher, Entwickel. d. deutschen Sprache, 1843. Jak. u. W. Grimm, 
Deutsches Wörterbuch, seit 1852. Prdtz, Zur deutschen Lit.- u. Cultur- 
geseb., 1854. Schötensack, Grundriss d. neuhochdeutschen Sprache, 1856. 
Die Literatur der Dialekte bei Vater, Lit/ d. Grammatik. Firmenich, 
Deutsche Sprachproben in Germanien« Völkerstimmen, seit 1846. Deutsch- 
lands Mundarten , eine Monatsschrift für Dichtung, Forschung u. Kritik von 
Pangkofer, fortgesetzt von Frommann, 1854 u. 1855. Schweminski, Ma- 
terialien zur Gesch. d. deutschen Mundarten (Herrig, Archiv, 13, 1 — 19). 

§. 312. Das Romanzo und die daraus hervorgegangenen 
romanischen Mundarten entstanden aus der Vermischung 
des Germanischen mit der linguä Romana rustica oder dem 
8ermo vulgaris seit dem 6. Jahrh. : Italienisch, Spanisch, 
Portugiesisch, Provenzalisch, Französisch, Daco -Romanisch 
oder Walachisch, Ladin im Engadinthal , Mundart in Grau- 
bündten. 

Bei allen wesentlichen Abweichungen soll die innere Ver- 
wandtschaft dieser Dialekte lange anerkannt sein, wie* man 
aus Rambaut's (f 1207) ,Descort 4 (Klage) schliessen zu 
können meint, worin auf eine provenzalische Strophe eine 
italienische, franzosische, gascognische und catalonische folgt.. 

Planta, Gesch. d. roman. Sprachen, 1776. Sismondi, De la litter. 
etc., 1813; deutsch von Hain 1816. Diefbnbach, Ueber d. roman. Schrift- 
sprachen, 1831.. Heilmaibr, Entstehung der roman. Sprachen, 1834- 
Conradi, Prakt. deutsch -roman. Grammatik, 1820, u. Dictionar. etc., 1823- 
Diez, Gramm, der roman. Sprachen, 1836 — 43. Wörterbuch der roman. 
Sprachen , 1 853 , mit etymolog. Ergänzungen von Mahn. Fuchs , Ueber die 
sogenannten un rege! massigen Zeitworter in den roman. Sprachen , nebst An- 
deutungen über die wichtigsten roman. Mundarten, 1840. Mahn, Etymolog. 
Untersuchungen auf dem Gebiet d. roman. Sprachen , Spec. 1 — 4,1 854 u. 
4855. Bopp, Ueber das Albanesische, 4855- 

§. 313. Die slawische Kirchensprache kam durch die 
Bruder Cyrill und Method (860) mit dem CyrilTschen Alpha- 
bet und dem Christenthum von Griechenland her K Aus der 
Volkssprache finden sich Anklänge in Liedern aus dem 
slawischen Heidenthum. 

Dobrowski nimmt zwei Ordnungen an: 1) den südöst- 
lichen Zweig (meist griechisch-katholische Slawen) mit 



Vierundzwanzigstes Capitel. Occidentalisch-christlickes Sprachgebiet. 191 

eigenem Alphabet, Kirilica, noch jetzt in den religiösen 
Schriften herrschend und bis ins \ 7. Jahrh. auch Amtsschrift, 
woraus sich die glagolitische, russische und serbische 
Schrift bildete, umfassend Bussen, Bulgaren, Serben, 
Dalmater, Kroaten und Winden oder Slowenen in Steier- 
mark, Kärnten und Krain. 

2) Nordwestlicher Zweig (katholische Slawen) mit 
lateinischer Schrift, umfassend Polen, Böhmen, Slo- 
waken und Sorben -Wenden 2 . 

1 Dobrowski, Cyrill u. Method, 4823. — * Ders., Grammatik. Schaf- 
farik, Gesch. d. slaw. Sprache u. Lit. nach allen Mundarten, 4826, u. 
Slawische Alterthümer (deutsch 4843). Kaulfuss, Die Slawen, 484-2. 

§. 314. Celten wird ein einst weit verbreiteter Volks- 
stamm genannt, der jetzt nur noch in den westlichen Thei- 
len Europas, in der franzosischen Kleinbretagne, in Hoch- 
schottland, Wales, auf der Insel Man und in Irland sich er- 
halten und seine Sprache, die in Cornwallis seit etwa 70 Jah- 
ren erloschen ist, bewahrt hat. Die aus dem Griechischen ent- 
standene Buchstabenschrift war von den Druiden verbreitet. 

Rostrenen, Wörterbuch d. altbreton. Sprache, 4732. Mähe, Anti- 
quites duMorbihan, 4829. Courson, Essai sur linst., la langue etc. de la 
Bretagne armoricaine, 4840. Legonidec, Gramm, celto-bretonne, 4807 u. 
4838. Kardanet, Hist. de la lang, des Bret. , 4824. Macpherson, On the 
origine of the anc. Caled., 4768. Mackenzib, Rapport of the committee etc., 
4805. Schöpflin, Vindiciae Celtioae. Radlof, Neue Untersuchungen des 
Celtenthums> 4822. L. Diefenbach, Celtica, 4839. Bopp, Ueber d. cel- 
tische Sprache etc., 4839. Zeuss, Die Deutschen u. die Nachbarstämme, 
4837. Grammatica Celtica, 4853. Muller, Die Marken des Vaterlandes, 
4837. Leo, Die Malbergische Glosse, ein Rest altcelt. Sprache u. Rechts- 
auffassung, 4842. Edwards, Recherches sur les langues celtiques, 4844. 
Holtzmann, Celten u. Germanen, 4855 (unten §. 404), u. Ueber das Ver- 
halten d. Malberger Glosse zur Lex SaJica, 4853. 

§. 345. Ob die über Ungarn verbreitete Sprache der 
Magyaren mit der lappländischen und finnischen 1 oder 
mit den sogenannten orientalischen 2 verwandt sei, darüber 
gehen die Gelehrten auseinander. Beimischungen des La- 
teinischen sind unverkennbar 3 . 

1 Nach Rudbeck, Eccard, Ihre, Hell, Sajnovits, Gatterer, Schlözer, 
Büsching, Hagen, Gyarmathi. — 2 Nach Otrokotsi, Oertel, Kalmar, Ver- 
segi, Beregszaszi. — 3 Müller, Der uigrische Volksstamm , 4837. Grubeb, 
Hist. linguae Hungaricae, 4830. Sprachlehre u. Wörterbuch von Bloch 
4846, u. A. 

§.316. In der grossen Trias des Germanischen, Roma- 
nischen und Slawischen erscheinen die beiden erstem als die 
Organe der Production und Mittheilung, das letztere nebst 



192 ' Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

den geringen Massen des Celtischen, Turanischen u. s. w. 
als Organe der Empfängniss und Nachbildung. 

Eine culturhistorische Schilderung dieser VölkerfamiJien bei Wachs- 
muth, Cultargesch. , m, 34 — 44. Engelmann, Bibliographie der neuern 
Sprachen, 4842. 



Erster Kreis. 

Romanische Literaturen. 

§. 347. Das älteste Schriftdenkmal neugebildeter roma- 
nischer Sprache ist ein Gedicht über die Gefangenschaft des 
Boethius, ferner ein Siegeslied der Franken unter Chlotar II. 
(Alleinherrscher 613—622), der Eid von Strasburg 842, 
den Ludwig der Deutsche seinem Bruder Karl dem Kahlen 
leistete, worin die Grundzüge des Nordfranzösischen erkenn- 
bar sind. Der Vertrag von Koblenz 860 ist die nächst- 
folgende französisch- romanische Sprachprobe. Das Sieges- 
lied auf Ludwig's III. Sieg über die Normannen bei Sau- 
court in Vimeu 881. Das älteste rhythmische Denkmal in 
nordfranzösischem Romanzo die Prosa (Kirchenlied) von der 
heiligen Eulalia aus dem 9. Jahrh. 

Dibz, Altroman. Sprachdenkmale, 4846. Hoffmann u. Willems , Elno- 
nensia, 4837. 



Pünfundzwanzigstes Capitel. 

Frankreich. 

§. 318. Die französische Sprache schied sich etwa 
seit der Thronbesteigung der Capetinger (987), nach und 
nach mit schärferer Bestimmtheit, in zwei Hauptdialekte, 
den wallonischen im Norden und den limosinischen 
im Süden. Der Unterschied wurde nach dem Bejahungs- 
ausdrucke bezeichnet: die südliche Sprache hiess langue 
d'oc (die occitanische, limosinische, roman proven$al, nach 
der römischen provincia Narbonnensis im südlichen Gallien) J , 
die nördliche langue d'oil oder d'oui (die nordfranzösische 
oder roman wallon). 

Die nördliche trat durch kirchliche Begünstigung a früher 
in das öffentliche Leben ein 3 ; dagegen gelangte die süd- 



Fünfundzwanzigstes CapüeL Frankreich. 193 

liehe, die am frühesten ausgebildete Sprache des 
romanischen Kreises, zuerst zu reiferer Kunstausbildung. 
Aus dem zwischen beiden in der Mitte stehenden Dialekt 
an der Seine ist seit dem 13. Jahrh. die heutige franzö- 
sische Schriftsprache hervorgegangen 4 . 

1 Omnes de Burgundia et Alvernia et Vasconia et Gothia Provin- 
ciales appellabantur. — 2 Kirchenversammlungen zu Tours 813, zu Mousson 
995. — 3 Gesänge und Legenden, Predigten von Norbert in Belgien ^9 
und Vital in Rheims 4420* — 4 Arnauld u. Lancelot, Gramm, de Port- 
Roy al, 4803. Pouoens, Tresor des origines etc. de la langue fr., 4849. 
Roquefort, GJoss. de la langue romane, 4808 — 20. Von den Dialekten 
(Coqcebert de Montbret) Melange« etc., 4834. Die altern Sprachproben 
des Provenzalischen bei Mary -Lafon, Tableau hist. et litter. de la langue 
parlee dans le midi de la France et connue sous le nom de langue pro- 
vencale, 4842. Millin, Essai sur la langue et la litt. prov. , 4844. A. W. 
Schlegel, Observat. etc. , 4848. Mandet, Hist. de la langue prov., 4840. 

§. 349. Die franzosische Literatur umfasst im Gan- 
zen neun Perioden, von denen die drei ersten dem Mittel- 
alter angehören, und zwar so, dass innerhalb der beiden 
ersten Perioden, d. i. bis zum Ende des 13. Jahrh., nord- und 
südfranzösische Literatur getrennt stehen und erst mit Beginn 
der dritten Periode zu einer Nationalliteratur miteinander 
verschmelzen. 

Henry , Hist. de la litt. fr. , 4844. Ampere , Hist. de la formation 
de la litt, fr., 4844.' Sismondi, Dela litt, du midi de lTSurope, Tom. I, II. 
Villemain, Cours de litt, franc., 4828- — 30. Ideler, Gesch. d. altfranzös. 
Nationalst., 4842. Mager, Gesch. d. französ. Nationallit. neuerer u. 
neuester Zeit, 4837. Kretssig, Gesch. d. französ. Lit. , 4848. Desgl. von 
Villekain, Ni8ard, Haar, Pbuckbe 4852. Boutbrwbk, Geseh. d. Poesie 
u. Beredtsamkeit seit Ende des 43. Jahrh., 4804, Bd. 5 — 6, u. allgemei- 
nere Arbeiten von Rosenkranz, Grasse, den beiden Sohlegel, Mundt, 
Fortlage, Scherr u. A. De Castres, Grundriss der französ. Lit. von 
ihrem Entstehen bis zum Sturze Ludw. Philipp's, 4854. Nettement, Gesch. 
d. Restaurationsliteratur, 4854, u. Gesch. d. französ. Lit. während d. Juli- 
regierung, 4855- Blick auf d. französ. Lit. im 46. Jahrh. bei Ranke, Gesch. 
Frankreichs, I, 377 — 386; dieselbe unter Ludwig XIV., III, 345 — 368. 

§. 320. Vorzeit. Verwandtschaft der Sprache und 
Sage, der Religion und Sitte neben Ueberlieferungen von 
Wanderungen aus Osten weisen auf einen gemeinschaftlichen 
Urstamm der germanischen Volker im kaukasischen Asien 
hin. Durchweg körperliche Tüchtigkeit, reine Sitte, Achtung 
des Weibes, Monogamie. Runenschrift. Historische Lieder 
als Lobgesänge auf Wodan, Tuisko, Man und die Helden 
(Armin). Zaubersprüche. Kampf- und Kriegslieder, Die 
Volkslieder der Druiden und Barden leben in der Bre- 
tagne fort J . Barden heissen bei den Celten und Galen die 
Dichter und Rhapsoden, die zu Casar's Zeit aus der Gegend 

Mkrleker. 1 3 



194 Zwtkes Bmek. Etkmoäoktoiogie. 

der Rhone und Gmronne nach England, Irland, Schottland 
und den umliegenden Inseln wanderten. Nach E. Wil- 
liams * war Tydain Stifter des Bardenthums, den besonders 
Ossian verherrlicht hat (unten §. 404). Seit Klopstock ist es 
Sitte, auch die ältesten Sanger der Germanen Barden zu 
benennen. Er nannte seine drei Hennannsdramen ^Hermanns- 
schlacht 4 , ,Hermann und die Fürsten* und Jlermann's Tod c ) 
Bardiet» welches Denis und Gerstenberg in lyrischer, Kretsch- 
OMinn in epischer Form behandelten. 

1 De la ViLUMABQCt, Banms-Breii. Charts popnlaires de la Bretagne, 
4S40 (4. Ausg. 4S4S); demftsesi too A'oifer n. tob r. Seckendorf 4844. 
Der*,, Poem« de« bardes bratons dm VI* «ecle, 4850. — * Ueber die 
wmiiser u. britische» Barden, 48*8. Das geistige Altertham tob Wales von 
Johbs, Williams b. Ovna, «ntar d. Titel: The MTTTriaa archaeology of 
Wales, 1801—7. 

§. 321. Die erste Periode reicht von der Errichtung 
der neueuropäischen Staaten nach dem durch die Völker- 
wanderung herbeigeführten Sturze des Westromischen Reichs 
(476) bis zum Ende des 41. Jahrh. oder bis auf die Zieit 
der Kreuzzüge. Es ist die Entwickelungsperiode der 
Keime des neuen Lebens unter dem Schutte der alten Welt. 

Seit dem Beginn der Völkerwanderung (375) machten 
die Germanen Bekanntschaft mit griechischen und römischen 
Sagen, und daher entstanden neue germanische Sagen (vom 
Fuchs, Wolf, Baren) und Sagenkreise, die sich grössten- 
teils an die Geschichte anlehnten, ohne jedoch Zeit und 
Baum zu sondern. Daraus entstand, im Gegensatz der das- 
sischen, die romantische Poesie, die hauptsachlich in 
den Ländern, wo die romanischen Sprachen über die ger- 
manischen der eingewanderten Völker den Sieg davontrugen, 
Wurzel fasste J . 

Zunächst religiös -kirchliche Tendenz der Literatur 
in Erklärungen der heiligen Schriften, Predigten und Hei- 
ligenlegenden, noch bis zum 9. Jahrh. nur in lateinischer 
Sprache, die erst seit Anfang des 9. Jahrh. der selbständigen 
Ausbildung der beiden romanischen Hauptmundarten Frank- 
reichs weichen musste. Diese Sprachbildnng in sich ward 
dann aber so bedeutend, dass schon die Grossgräfin Mathilde 
von Toscana (4075) das Französische liebte und dass es im 
43. Jahrh. .als Umgangssprache weit und breit galt. Dante's 
Lehrer, Brunetto Latini, nennt es eine langue delitable. 

1 Hvbem, Vit romantische Poesie in Frankreich, 4S3«. Augustin 



Fünfundzwanzigstes Capitel. Frankreich. 195 

Thieeby, Erzählungen aus den merovingischen Zeiten, mit einleitenden Be- 
trachtungen über d. Gesch. Frankreichs, deutsch 4855. 

§. 322. Die zweite Periode umfasst das 12. und 13. 
Jahrh., die Blütezeit der eigentlichen mittelalterlichen Na- 
tionalliteraturen. Einfluss des Lehnsstaats, des Ritterwesens 
mit seiner Courtoisie, Galanterie und Chevalerie. Litera- 
risches Doppelgebiet der Provenzalen und Nord- 
franzosen. 

1) Die Provenzalen. 

§. 323. Die Troubadourpoesie des 1 1 . und 1 2. Jahrh. 
ist die älteste neueuropäische Kunstlyrik, die ihre Aus- 
bildung erlangte unter dem Einfluss der kirchlichen Hym- 
nodie, des chevalereskcn Geistes zu Ende des 11. und An- 
fang des 12. Jahrh., der adeligen Gesellschaft, der Hofe der 
Grossen und der Minne. 

Als Konig Alfons IV. von Castilien mit Hülfe fran- 
zösischer Ritter den Mauren die Stadt Toledo (Ende des 
11. Jahrh.) entrissen hatte, lernte man dort die geistige 
und gesellige Bildung, besonders aber die Gesänge und 
Dichtungen der Besiegten kennen und brachte die Keime 
dieser fröhlichen Wissenschaft (gaya scienza) in die 
Heimat zurück. Seitdem wurde die Provence der vor^ 
nehmste Sitz der fröhlichen Dichtkunst, deren arabische 
Grundlage sich schon dadurch verräth, dass ihr, wie der 
arabischen Poesie, das Epos und Drama fremd bleibt und 
sie fast ausschliesslich in dem lyrie<&en Kreise des Liebes- 
liedes, in der Romanze, der Didaktik und Satire $ioh bewegt. 

Bald verbanden sich mit den ritterlichen Uebungen des 
Turniers die anmuthigeq Spiele der Liebeshöfe oder Minue- 
geriohte (corts d'amor) K Die Hofe der Grafen von Tou- 
louse, von Provence und Barcelona und der Könige von 
Aragon waren die Centralpunkte für die Kunst des 
Findeps (art de trobar), deren Ausüber sich Trouba- 
dours (trobador, trobajre, Finder, Erfinder, wie Tzovt\xal 
von rcoielv, Producenten) nannten. Einen niedrigem Rang, 
obgleich von früher jn Ursprünge 2 als sie, nahmen die 
Jongleurs (joculatore$, ßpielleute) ein, welche aus Ge- 
sang , Musik und Erzählung ein Gewerbe machten und 
vielfach zur Gaukelei und Possenreisgerei herabsanken. Ein 
Troubadour, welcher die Gabe, seine Lieder singend vor- 
zutragen, nicht besass, pflegte einen Jongleur (ya^M^ i»xa. 



196 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Begleiter anzunehmen und von diesem seine Gedichte vor- 
tragen zu lassen. 

1 Erst später in ihrer Entartung Colleges de la gaye science genannt. 
Ueber sie Arbtih 4803. — * Nach dem von Diez in der Poesie der Trou- 
badours, S. 24, angeführten Zeugniss des Troubadour Guiraut Riquier, 
4250—94. 

§. 324. Anfangs hiess alle poetische Aeusserung schlecht- 
weg Vers (vers), erst später kam die Bezeichnung Lied 
(canzo, canzoneta) auf. Fröhliche Gesänge nannte man 
Soulas, klagende Lais, Morgenlieder Albas, Abendständchen 
Serenas. Sonett hiess ein mit Instrumenten, Ballade ein 
mit Tanz begleitetes Lied. Hauptgegenstand dieser Kunst 
blieb das Minnelied. Daneben aber findet sich auch die 
Legende, die Fabel, die Novelle (novas), die Erzählung 
(contes), die Tenzone (Streitgedicht, von tenzos = Streit) 
und das Sirventes (Dienstgedicht, Lob- und Kügelied). 
Letztere vornehmlich gegen Rom und die. Pfaff heit gerichtet, 
wodurch jene Sänger gewissermassen Lenker des politischen 
und socialen Lebens ihres Landes wurden. 

Matznbb, Altfranzös. Lieder etc., 4853. 

§. 325. Die Blütezeit der provenzalischen Poesie 
ist der Zeitraum von 1070 — 1294. Dann zerfiel sie mit dem 
Ritterthum und selbst ihre Sprache wurde infolge der Albi- 
genserkriege verfolgt. 

Die bedeutendsten provenzalischen Troubadours 
waren: Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien und Graf von 
Poitiers, 10^1 — 1127, zugleich der älteste und erste ; sodann 
Jaufre Rudel, Prinz von Blaya, 1140 — 70; Graf Rambaut III. 
von Orange (regierte 1 150 — 73); Konig Alfons II. von Aragon 
(regierte 1162 — 96): Konig Richard Löwenherz von Eng- 
land und Graf von Poitiers (regierte 1189 — 99); Robertl., 
Dauphin von Auvergne (regierte 1169—1234); Peire Vidal, 
1175—1215; Bertran von Born, 1180—95; Araut Daniel, 
1180 — 1200, wahrscheinlich Erfinder der Sestine; Peire 
Cardinal, 1210 — 30; Guiraut Riquier, 1250 — 94; Johann 
von Brienne; Thibaut IV. von Champagne und König von 
Navarra (La Ravelliere 1742); Heinrich III., Herzog von 
Brabant; Peter von Dreux, Graf von Bretagne; Karl von 
Anjou, König von Neapel, u. A. 

Die spätem Versuche des phantastischen provenzalischen 
Königs Ren£, 1408 — 80, die Poesie seines Landes wieder 



Fünfundzwanzigstes Capilel. Frankreich. 197 

zu erwecken, waren ohne Erfolg (Schiller'» , Jungfrau von 
Orleans 4 , I, 2). 

Als neuere Troubadours werden Godolin und Jasmin 
genannt. 

Raynoüard, Choix des poesies des Troub., 4816 — 24, u. Lexique 
roman, 4 838 fg. Diez, Die Poesie d. Troub., 4826, u. Leben u. Werke 
der Troub., 4829. Brinckmeier, Die provenzal. Troub., 4844, u. Rüge- 
lieder der Troub., 4846. Rochegude, Paruasse occitanien. Mahn, Die Werke 
der Troub., 4846; von demselben mehre Untersuchungen über dieselben, 
seit 4 853. Schere gibt eine Zusammenstellung der dichterischen Leistungen 
der Troubadours in deutschen Uebersetzungen in seinem Bildersaal der Welt- 
literatur, S. 477 — 490. Bartsch, Provenzalisches Lesebuch, 4855. Fau- 
riel, Hist. de la poesie provencale, 4840* Cabrib, Le troubadour mo- 
derne, 4844. 

§. 326. Von dieser Kunstdichtung war die Volkspoesie, 
in Volksliedern (Noels) und Färsen (Farsas) bestehend, 
gänzlich getrennt. 

Pierqcin db Gbmblocx, Hist. lit. philologique et bibliographique des 
patois, 4844. Günther, lieber die südfranzös. Volkspoesie, 4844. 

2) Die Nordfranzosen. 

§. 327. Im Norden Einfluss der Kloster, Stiftsschulen, 
gelehrter Bischöfe und Könige. Zurücktreten der Lyrik, 
Blüte der epischen Historien und scholastischen Didaktik. 
Helden- und Geschlechtssagen (chansons de geste), halb- 
mythische Reimchroniken und abenteuerliche Mären (lais, 
romans d'aventure). Verbindung mit der Volkspoesie. 

Hier hiessen die Gestalter dieser poetischen Stoffe Trou- 
veres (von trouver = finden, Clercs und Maistres) und 
wurden von den Menestriers (Menestrels) , welche ihre 
Gedichte vortrugen, und von den Jongleurs, welche dich- 
terischen Vortrag mit Gesang und Instnimentalmusik .. be- 
gleiteten, unterstützt. Die Erfinder der Ritterromane heissen 
Fabliers oder Fableors. 

Stoffeintheilung: Kirchliche Dichtungen, Nationalepen 
des fränkisch -karolingischen, des bretonischen und des nor- 
mannischen Sagenkreises und antike oder orientalische Stoffe. 

Form- und Vortragseintheilung: gesagte und ge- 
sungene (chansons de geste), gesagte oder gelesene (fabliaux 
und contes) Dichtungen. 

Roquefort, De letat de la poesie francaise dans le XII e et XIlL e 
sieele, 4821. Um, and, Ueber das altfranzös. Epos, in den Musen, 48f2. 
Fd. Wolf, Ueber die altfranzös. Heldengedichte, 4833. Kelleb's Rom- 
vart, 4 843. Leroüx de Linct, Recueil de chants historiques francais, 4844. 

§. 328. Die Quellen der kirchlichen Dichtungen sind 



198 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

die Bibel, Acta martyrum oder sanctorum: , Judas Mak- 
kabäus 4 , ,Barlaam und Josaphat 4 , ,Voyage de St.-Bran- 
don au paradis terrestre 4 (4121), Paraphrase der Bibel von 
Berengiers oder Beranger, ,Heraklius 4 von Vautier d'Arras 
(1218, Massmann 1842), ,Vie de Ste. -Elisabeth 4 von Rute- 
beuf u. A. 

§. 329. Die fränkisch-karolingischen Nationalepen 
in tirades monorimes, zum theilweisen Absingen (in caisses 
oder Rhapsodien) bestimmt, umfassen: 

1) Umgestaltung der germanischen Helden- und Ge- 
schlechtssagen zu franzosischen Nationalepen, um die Zeit 
der ersten Cape tinger, 987 — 1180; 

2) die durch die Kreuzzuge entzündete Begeisterung bis 
in die Mitte des 13. Jahrh. : Pseudo-Turpin's* Chronik 
(11. Jahrh.), eine Biographie KarPs d. Gr. (in Romanzen 
bearbeitet von F. Schlegel, , Werke 4 I), die Legende von 
KarTs d. Gr. Zuge nach Konstantinopel und Jerusalem, 
Roman von Berta mit dem grossen' Fusse (von Adenez), 
Roman von Flos und Blancflos, Garin le Loherain oder 
Lohengrin (Paris 1833 - 46), Rolandslied (Roland's Tod im 
Thale Ronceval) von Turold (Mitte des 12. Jahrh.) 1 ; 

3) Verbindung der Helden mit den Feen Avalons, die 
Zauberer Malegis und Merlin, Haimonskinder, Riesen und 
Zwerge, Zauberhörner und Magnetberge. 

Localisirung dieser Epen in die kerlingischen (fran- 
cigenischen, d. i. aus dem Lande zwischen Seine und Loire, 
Duch£ de France), aquitanischen, provenzalischen, burgun- 
disch-arelatischen, lotharingischen und belgischen. 

Heldengeschlechter (gestes): das burgundische Girat 
de Roussillon, das lotharingisch -belgische der Lotherains, das 
karolingische Königsgeschlecht, das austrasisch- deutsche des 
Doolin von Mayence (,Doolin von Mainz 4 von Alxinger) und 
das aquitanisch-provenzalische des Guerin de Montglaive *. 

1 Sammlung Romans des douze pairs de France, 4832 — 42. Michel, 
La chanson de Roland ou de Roncevanx, 4837. Monin's Dissertation, 4832. 
S. unten §. 454, 4. — 3 Charlemagne, an Anglo* Norman poem, 4836. 

§. 330. Die Elemente des bretonischen Sagenkreises 
sind druidische Mythen, mythisch -märchenhafte Erzählun- 
gen der Barden von Wales, Verherrlichung des Kitter- und 
Christenthums , hauptsächlich durch die Tristans- und 
Gra]ahge. 



Fünfundzwanzig stes CapUel. Frankreich. 199 

Der heilige Gral (sanctus cruor, sang real, san gr^al, Gral) 
oder das heilige Blut, durch den Lanzenstich des Longinus 
aus der Seite Christi hervorgelockt, durch Joseph von Ari- 
mathia in einer Demantschüssel aufgefangen, nach England 
gebracht, ist hier den Rittern der Massenie (Templeisen) 
zur Hut anvertraut. Die betreffenden Romane sind: ,Merlin c , 
,De sang-real 4 , ,Perceval 4 , begonnen 1190 von Chrestien de 
Troyes (über ihn Holland 1854), vollendet von Gautier de 
Denet und Manessier um 1210. Der Roman ,Lancelot du lac 4 
(Liebe des Lancelot zu Genevre oder Ginievra, Gemahlin des 
Königs Artus) von Chrestien de Troyes 1190 angefangen und 
nach dessen Tode von Godefroi de Leingni (Ligny) beendigt, 
ein Prosaroman von Walter Map. Der Roman ,Tristan und 
Isolt 4 von Luces de Gast, in Reime gebracht von Chrestien von 
Troyes K ,Erec 4 und ,Iwein c (,Chevalier au lion 4 ) von Chrestien 
von Troyes 2 . Der ,Vigalois 4 oder ,Guy Gallois 4 , d. i. Vitus 
Gallensis. Die nach dem Lateinischen des Galfried von 
Monmouth bearbeitete ,Reimchronik' oder ,Brut 4 des anglo- 
normandischen Trouvere Richard Wace (f 1184) enthält 
die Ritterepen von König Artus und den Rittern der runden 
Tafel (romans d'aventure de la table ronde). Die Lais 
der Marie de France (Roquefort 1820). Prosaromane der 
Clercs und Maistres unter den englischen Königen aus dem 
Hause Anjou seit 1154. 

1 Herausgeg. von Frahcisqitb Michel 4835. — ' Lady Charlotte 
Gubst, Mabinogion (d.i. Jagendunterhaltung), 4838. Th. db la Ville- 
marque, Contes populaires des anciens Bretons, Bd. 2, 4842. San Marte 
(A. Schulz) in seiner Artursage u. den Märehen des rothen Buchs von 
Hergest, 4847. Ritson, Ancient English metrical romances, Bd. 4, 4802. 
A. Keller, Li romans dou chevalier au leon, 4844, u. in seiner Romvart, 4 844. 

§. 331. Der normannische Sagenkreis, unter dem 
Einfluss der Hofe von Rouen und London, umfasst alt- 
nordische Mythen, Nordseesagen, Geschicke undThaten der 
Herzoge und Könige und einzelner Ritter. Hauptdichter ist 
Richard Wace (Leroux de Lincy 1836—38). ,Lai d'Have- 
lok le Danois' (Madden 1828, Michel 1833). ,Roman de 
Robert le diable 4 (Trebutien 1837). ,Roman d'JEustache le 
moine, pirate fameux' (Michel 1834). ,Roman du chevalier 
au Lyon', vielleicht von Gace Brulez. 

Luz arche, Adam. Drame anglo - normand du XII e siecle etc., 4854, 
wichtiger Beitrag zur Literatur des anglo -normannischen Dialekts. 

§. 332. Locale und gemischte Sagen in den Roma- 



900 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

nen von Partenopeus de Blois (Crapelet 1834), Denis Piramus 
im 43. Jahrb. (Robert 1834), Comte de Poitiers (Michel 4831), 
Castellan von Coucy (Unlandes Bearbeitung). Die Fabliaux 
von Barbazan und Meon. 

§. 333. Antik -gelehrte Stoffe: Trojanischer Krieg, 
die Sagen der Cykliker, römische Kaisergeschichte, Alexan- 
der d. Gr. Die Trouveres sind B^noit de St.-More, 1455, 
Alexander de Paris und Lambert li Cors, 1184, Ayme de 
Varennes, 1488. Roman von dem Erzzauberer Virgil, auch 
in dem Roman ,Cleomades' von Adenez le Roi. 

§. 334. Epische Behandlung der Zeitgeschichte: 
, Roman du Chevalier au cygne 4 (Eroberung Jerusalems 
durch Gottfried von Bouillon). ,Chronique rimee c des Phi- 
lipp Mouskes (f 4282; Reiffenberg 4836). ,Ystoire de li 
Normand' und ,Chronique de Robert Viscart* von Ayme 
ans dem 42. Jahrh. (Champollion-Figeac 4835). Die Me- 
moiren des Marschalls der Champagne Villehardouin (f 1248; 
Paris 4838) und des Jean Sire de Joinville (f 4345; Pe- 
titot 4849). 

§. 335. Die Mitte zwischen Epik und Didaktik halten 
die Contes (conter = erzählen), Contes devots und Mi- 
racles, Fabliaux (fabler, spanisch hablar = sprechen), 
merkwürdig durch levitas Gallica und esprit railleur. Rutebeui 
(1 230 — 80) * ist Prototyp von Villon, Lafontaine und Voltaire. 

1 Jubinal 4839 — 42 u. in modernisirenden Auszügen von Legrand 
d'Aussy 4829. 

§. 336. Reichthum der didaktischen Poesie. Phi- 
lippe de Thaun (Anfang des 12. Jahrh.): ,Livre des cr'ea- 
tures 4 und ,Bestiaire 4 *. Beclus de Molien : ,Miserere c und 
,Roman de charit^ 4 . Die ,Ysopets 4 der Marie de France 2 . 
Nachbildungen des Bidpai und des Romans der Sieben 
weisen Meister (,De sept sages de Rome 4 ) von Herbert 
um 1260 3 . ,Disciplina clericalis 4 von Petrus Alfonsi. Ro- 
mans du Renard 6 aus dem Anfang des 13. Jahrh. in einzelnen 
Branches von verschiedenen Dichtern: Pierre de St.-Cloud, 
Richard de Lison, Marie de France, Jaquemars Gielee 4 . 

1 Wright, Populär treatises on science written dnring the middle ages, 
4844. — 2 Robert, Fables etc., 4825. — 3 Ausg. von Keller 4836. — 
4 Von Meon 4826 u. Chabaille 4835. 

§. 337. Satire und Allegorie: Dits, Complaintes, Bibles 
(Guiot von Provins, Hugo von Bersil), Disputaisons und 



Fünf und zwanzigstes Capilel. Frankreich. 201 

Batailles (Henry d'Andeli), Songes, Voyages d'enfer und 
de paradis (,La voye ou le songe d'enfer 4 von Raoul de 
Houdan 1190), ,L'art d'aimer 4 (,Roman de la rose 4 von 
Guillaume de Lorris, f um 1260, und Jean de Meung, 
1279 — 1318? *). Walther von Metz (Mitte des 13. Jahrh.): 
,Image du monde 4 . ,Proverbes et dictons populaires 4 2 . 

1 Herausgegeben von Mbon 4813. — 3 Cbapelet 4834, Leboux de 
Lincy 4842. 

§. 338. Die Kunstlyrik des Nordens bildete sich erst 
unter Philipp August's (1180 — 1223) Nachfolgern, unter 
dem Frauenregimente der Konigin Blanche, der Gräfinnen 
von Flandern und Champagne. Einfluss der Troubadour- 
poesie. Mehr als 136. Liederdichter im 12. und 43. Jahrh. 
Lais lyriques, Ballades, Pastourelles,,Romances 9 Riotes. 

L aborde, Essai sur la musique. Jüdin aL, Jongleurs et Trouveres, 
4835. Paris, Romancero franc., 4833. Roquefort, vgl. §. 327. 

§. 339. Anfänge des nordfranzösischen Dramas. 
Epltres farcies: Mysteres (Darstellungen aus der biblischen 
Geschichte), .Miracles, Jeux. ,La resurrection du sauveur 4 , 
,De Theophile 4 von Rutebeuf; ,De St. -Nicolas 6 von Jean 
Bodel d'Arras 1250. ,Li Gieus de Robin et de Marion 4 
von Adam de la Halle (f 1286). Die Moralites (allego- 
rische Stücke). 

Sammlung im Theätre francais an moyen äge von Monmergüe und 
Michel 4839. 

Verschmelzen der nord- und südfranzösischen 

Poesie. 

§. 340. Dritte Periode vom Ende des 13. bis Anfang 
des 16. Jahrh. Die Gegensätze: Kirchen- und Ritterthum 
erliegen dem Konig- und Bürgerthum. Begründung des 
Absolutismus durch Ludwig XI. (1461 — 83). Zurücktreten 
des Idealen vor dem Reellen. Herrschaft des Verstandes 
-über die Phantasie. Die Poesie wird zünftig. Capitouls 
von Toulouse. Die Jeux floraux. Flors del gay saber oder 
Leys d'amors K Grammatik aus dem 1 3. Jahrh. 2 . 

Absterben der Epik. Die Dits. Prosaromane (Roman 
von Perceforest). Die Amadisromane. Volksbücher (,Die 
schöne Magelone 4 , ,Melusine 4 , ,Paris und Vienne 4 ). Liebes- 
romane: Anton de Lasalle (1459): ,Roman de Petit Jehan de 
Saintre 4 3 . ,Les cent nouvelles 4 4 . Des Trouvere Caveliec 



202 Zweites Buch, Ethnodoktologie. 

,Chronique de Bertrand du Guesclin' 6 . Jean Froissart 
(f 1401). Philippe des Comines (f 1509): Memoiren. 

Die Didaktik sich fortbewegend in Allegorie und Satire. 
Die moralisirend oder satirisirend allegorischen Dichtungen 
in der Form der Songes, Doctrinaux, Debats, Nefs, Danses, 
Blasons. Raoul de Presle, Guillaume de Guilleville, Pierre 
Michault, Martin Franc. Martial d'Auvergne (, Danses ma- 
cabres 6 und ,Arrets d'amour'), Guillaume Coquillart. 

Die Lyrik voll von Gegensätzen und Uebergängen, leb- 
loser Förmlichkeit und spielender Künstelei. Herzog Karl 
von Orleans (1 391 — 1 466) und seine Hofdichter 6 . Die Rhe- 
toriciens und Gelegenheitsdichter in ihren Puis de palinods 
für ihre Servantois et sottes chansons, Chants royaux, Bal- 
lades, Lays, Virelays, Rondaux mit neuen formes et patrons. 
Alain Chartier (geb. 1386), Franz Villon 7 (geb. 1431), sein 
Nachahmer Marot, Clotilde de Vallon-Chalys (1405— 95) 8 . 
Volksdichter Oliver Basselin (1350 — 1418) aus Val de Vire 
in der Normandie, daher seine Chansons genannt ,Vaux de 
Vire 4 (Vaudeville) 9 ; sein Nachfolger Jean Lehoux. 

Die Producte der dramatischen Poesie werden eigentliche 
Volksschauspiele. Die Confr&ie de la passion, 1398, von 
Karl VI. 1 402 privilegirt 10 . Die Mystferes (in Spanien Autos 
sacramentales und Comedias sagradas): Le grand mystere 
und Miracles ". Die Enfants sans souci unter Karl VII. 
zur Geisselung der sottise (Narrenfeste). Die Sotties oder 
Sottises (Farcen mit satirischer Tendenz) ä la halle. Pierre 
Griegore. Les clercs de la Bazoche (Gerichtshalle) zu Anfang 
des 15. Jahrh.: Moralites, Farces (komische Scenen aus dem 
Volksleben). Pierre Blanchet ia . 

1 Gratibii d'Arnodlt 4844- — a Ausg. von Gubssard 4840. — 
3 Beste Ausg. Paris 4843. — 4 Lbrocx de Lincy 4844. — ö Charriere 
4839. — 6 S. Gedichte von Guichard u. Champollion-Figeac 4842. — 
7 Ausg. von Prampsault 4832. — 8 Fr. v. Gaudt 4837. — 9 Travers 
4833. — 10 Taillakdieb 4834. — n Jubinal 4837, Auszüge von 
Leroy 4837. — 12 Sammlungen von Simeon Garon 4798 — 4806, Lbroux 
de Lincy 4837. Gesch. des französ. Theaters von Parfait, Beauchamps, 
Lavallierr, Suard, Magwih 4838 (Ders., Hist, des marionettes en Europe, 
4852), Onesime Leroy 4844. 

§. 341. Vierte Periode von Franz I. bis Ludwig XIV. 
(1545 — 4643). Zeit der Gährung und des Kampfes in Po- 
litik und Literatur. Förderung des Studiums der classischen 
Literatur durch Franzi, (daher le pere des lettres), den 
Stifter des Königlichen Collegiums, Sully, Richelieu (Aka- 



Fünfundzwanzig st es Capüel. Frankreich. 303 

demie 1635); durch W. Bud4 (Budäus, 1467— 1540) be- 
gründet und verbreitet durch Jacq. Le&vre d'Etaples (Faber 
Stapulensis, f 1537), die gelehrten Buchdrucker Rb. Etienne 
(Stephanus, f 1559) und seinen Sohn Heinrich (f 1598), 
Muretus, 1526 — 85, Cujacius, 1520 — 90, Jos. Scaliger, 
1540—1609, Jos. Casaubonus aus Genf, 1559—1614, den 
grossen Mathematiker und Philosophen Descartes (Carte- 
sius), 1596—1650, Benedict Spinoza, 1632—77, den Histo- 
riker de Thou (Thuanus), 1544 — 1607. 

Durch Franz L (1515 — 47) wurde die an der Seine ent- 
standene Sprache vor Gericht und in öffentlichen Verhand- 
lungen, sowie im Leben gangbar. Seit der Stiftung der 
Akademie duroh Richelieu 1635 wurde sie stationär. Sprach- 
bildner: Pascal, 1623 — 62, Larochefoucauld, Bossuet, Fe- 
n&on, Massillon, Corneille, Racine, Molifere, Voltaire, Rous- 
seau, Mirabeau, Chateaubriand, Mad. de Stael, Courier, die 
romantische Schule gegen das cela ne se dit pas.- Das 
,Dictionnaire 4 der Akademie 1694 nach den Vorarbeiten von 
Rb. Etienne 1540, J. Nicot 1606 und Ph. Monet 1628. Mit 
dem Nimweger Frieden 1678 trat die französische Sprache 
an Stelle des Latein als diplomatische Sprache ein und 
wurde seitdem auch zur gesellschaftlichen Universal- und 
Hofsprache erhoben. Einfluss der Revolution auf Wort- 
erzeugniss und Bedeutungsänderung. 

Alloü, Eßsai sur l'univefealltä de la langue franc., 4828. Mbboibr, 
Neologie, ou . vocabulaire de mots nouveaux, 4804» Hrnby, Hist. de la 
langue franc., 4 844 u. 4842. Ampere, Hist. de la reformation de la lang, 
franc., 4844. Grosse Zahl von Wörterbüchern: Riohblet 4680, Furetibbb 
4690, Boistb 4800, Thibaüt 4820, Raymond 4838, Landaib 4834, Mozin 
u. Prsohier. Etymologien: Menage 4694, Roquefort 4829, Noel und 
Carpentier 4834. Synonymik: Girard, Beauzee, Raubaud u. Guizot 4809. 
Nodieb, Examen critique des dictionnaires de la langue franc., 4828. Gram- 
matiker: Etienne u. Garnier 4589, Desmarais 4705, Millt (20. A. 4829). 
Vanier ist Begründer einer neuen grammatischen Schule: Sohifflin; 
Stadler, Maoer. Scbnakenbürg, Tab. synoptiq. et compar. des idiomes 
populaires ou patois de la France, 4840. Bearbeitungen der französischen 
Literatur des 46. Jahrb. von Girardin u. Chaslbs 4829, Baron 4844. 

§. 342. Streben der Poesie nach freigebiger Gönnerschaft, 
nach der Gunst des Publicums, besonders des Hofes und der 
vornehmen Welt. Clement Marot ( 1 495 — 1554), erster Hof- 
dichter im Liede, in der Erzählung, Epistel und Elegie, Ueber- 
setzer der Psalmen (le style marotique), Margarethe von Valois 
(1492 — 1569), Franz' L Schwester, schrieb nach Boccaccio's 
Muster hundert Novellen: ,Heptameron 4 . Maria Stwax*».* 



204 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

Karl IX., Heinrich IV. (, Charmante Gabrielle 4 ) beschäftig- 
ten sich mit Poesie. Nachahmung der Alten und der dife 
Alten nachahmenden Ausländer, besonders durch das fran- 
zösische Siebengestirn 1 (la pleiade franpaise): voran Ron- 
sard (1524 — 85), der sogenannte franzosische Homer und 
Petrarca, Prince des poetes fran$ais; sein Epos ,La Fran- 
ciade 4 und seine ,Les Amours 4 . Sein Gegner d'Aubigne 
(1550—1630): ,Les tragiques 4 . Malherbe (1556— 1628) ist 
Schopfer der französischen Lyrik (der Alexandriner -Vers), 
Jodelle (1532 — 73), Begründer des neuern französischen 
Dramas (,Cl£opätre captive 4 , ,Didon', ,Abb6 Eugene, ou la 
rencontre') , Regnier (1573 — 1613) der Satire , Barclay 
(1583 — 1621) des politischen, Rabelais (1483—1553) des 
satirischen Romans (,Gargantua und Pantagruel 4 ; seine Werke 
1711 und 1823, deutsch von Regis 1832), Balzac (f 1655) 
des Briefes. Nachahmer des Virgil in der Idylle ist Segrais 
(f 1624). Schäferroman durch Honore d'Urfe aus Mar- 
seille (geb. 1567: ,Astre 4 und ,Der schmachtende Seladon 4 ) 2 . 

1 Mayer, Das französ. Siebengestirn (Ronsard, du BelJay, Jodelle, 
de Baif, Thyard, Belleau, Daurat), in PruM Literarhist. Taschenb. , II, 
4844. — s Goüjet, Bibliotheque francaise, 4748—56, 48 Vol. 

§. 343. Memoirenschreiber: Brantome, 1527 — 1614, 
Margarethe (Heinriche IV. Gemahlin), Sully, Cardinal Retz, 
Beza (,Hist. des ^glises r£form£es c ). Didaktiker: Mon- 
taigne, 1533^-92, Charron, f 1603; Jean Bodin (1529 oder 
1530 — 96) ist Begründer der wissenschaftlichen Politik, 
J. Calvin (Caulvin oder Chauvin, 1509 — 64; sein Leben 
von Paul Henry 1835 — 38; die vollständigste Ausgabe seiner 
Werke zu Amsterdam 1667; Hundeshagen, Ueber den Ein- 
fluss des Calvinismus auf die Ideen von Staat und staats- 
bürgerlicher Freiheit, 1842). 

Gerichtliche und parlamentarische Redner: I/Höpital, 
1505 — 73, Seguier, 1504 — 80 (gegen die Inquisition), du 
Vair, 4556 — 1621. 

§. 344. Fünfte Periode. Zeitalter Ludwig's XIV., 
1643 — 1715. Goldenes Zeitalter der franzosischen Lite- 
ratur, indem der Ruhm der Thaten dieses Fürsten, der 
Glanz seines Hofes und seine Freigebigkeit die schon be- 
gonnene Blüte der Kunst und Wissenschaft vollends ent- 
falteten. Versäumnisse Mazarin's, 1643 — 61, Thätigkeit Col- 
bert's, 1661 — 83: Akademie der Inschriften und schönen 



Fünfundzwanzig stes Capitel. Frankreich. 205 

Wissenschaften 1663, für Malerei und Sculptur 1664, für 
mathematische und Naturwissenschaften, für Musik und Bau- 
kunst, , Journal des savants 4 . 

Correctheit und Glätte wurden vorzugsweise gefodert, 
die ganze Literatur ward formell und conventionell, der 
Hof war der Parnass und die franzosische Akademie decre- 
tirte Unsterblichkeit oder Verdammung. Aesthetisches Grund- 
gesetz der Dichter: Etudiez la cour et connaissez la ville. 
Vergleich mit dem Zeitalter des Perikles, der Ptolemäer, 
des Augustus, der Mediceer, Friedrich's d. Gr. 

Diese conventioneile Geschmacksrichtung wird vorzugs- 
weise repräsentirt durch Boileau Despreaux (1636 — 1711), 
den geschickten Nachahmer des Horaz durch Episteln, Sa- 
tiren und eine ,Art poetique 4 , den sogenannten legislateur 
du göut. Auch sein komisches Epos ,Le lutrin 4 (,Das Chor- 
pult 4 ) steht bei seinen Landsleuten noch jetzt in Ansehen. Doch 
übte er eine beschränkte, der Erkenntniss wahrer Poesie er- 
mangelnde Kritik aus. Seine Werke erschienen zu Paris 1 809. 

§. 345. Die dramatische Poesie, vorzüglich geeignet, 
Hofteste glänzend zu verschönern, gewann in diesem Zeit- 
alter das Uebergewicht. 

Für den Schopfer des franzosischen Trauerspiels gilt 
seit 1635 Pierre Corneille aus Rouen (1606 — 85), auch 
le grand Corneille genannt, der aber mit Lustspielen schon 
1629 begann, unter denen ein späteres, ,Der Lügner 4 , von 
1642 (,Le menteur 4 , nach Pedro de Roxas), am höchsten 
gestellt wird. Sein erstes Trauerspiel ,Med£e 4 , 1635, ist nach 
Seneca's Vorgange gearbeitet, das zweite soll ein ungeschick- 
tes Plagiat des spanischen Dramas ,Las mocedades del Cid 4 
von Guillen de Castro sein *. Für Meisterwerke gelten der 
französischen Kritik die ,Horaces 4 , ,Cinna 4 und ,Polyeucte 4 
von 1639 und ,Rodogune 4 von 1646. Im Ganzen lieferte er 
33 Stücke 2 . Sein Bruder Thomas Corneille ist auch Drama- 
tiker (sein ,Graf Essex 4 , Laube 1855). 

Jean Racine aus Ferte-Milon (21. Dec. 1639 — 22. April 
1699), der grösste Tragiker der Franzosen, der französische 
Sophokles, begann 1664 mit der ,Thebaxde 4 ; es folgten 
,Alexandre 4 1665, ,Andromache 4 1667, ,Britannicus 4 1669, 
,Berenice 4 1670, ,Bajazet 4 1672, ,Mithridat 4 1673, ,Iphigenie 4 
1674, ,Phädra 4 1677, ,Esther 4 1689 und ,Athalia 4 1692, beide 
mit Chören, letzteres das Meisterwerk. Sein Zweck war 



206 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Rührung der Zuhörer durch Leidenschaftsmalerei. Sein ein- 
ziges Lustspiel ,Les plaideurs', 1 668 , ist eine Nachahmung 
der , Wespen 4 des Aristophanes. Ausserdem schrieb er 
Oden, Epigramme, Briefe, eine Lobrede auf Corneille, 
,Hist. du Port-Eoyal 4 , ,Lettres ä Pauteur des heresies ima- 
ginaires 4 , \ 666 3 . 

Von den übrigen Tragödiendichtern jener Periode ist der 
ältere Cröbillon (4674 — 1764) der bedeutendste, genannt 
le terrible oder der französische Aeschylos. 

Jean Baptiste Poquelin, berühmt unter dem Namen Mo- 
lifere, aus Paris (45. Jan, 4622 — 17. Febr. 4673), ist nicht 
nur der ausgezeichnetste aller französischen Lustspieldichter, 
sondern überhaupt an der Spitze aller neuern komischen 
Dichter. Von seinen 32 Stücken sind als vortrefflich zu be- 
zeichnen: ,L'ecole des maris% ,Le manage force 4 , ,Le misan- 
thrope 4 , ,Tartuffe 4 , t664 (aufgeführt 4669, K. Gutzkow's Ur- 
bild des Tartuffe 4 ), ,Layare% ,Le bourgeois gentilbomjne 4 4 . 

Unter seinen Mitbewerbern im Lustspiel ist der talent- 
vollste Regnard (4647 — 4709: sein , Spieler 4 = ,Lejoueur 4 ). 
Ausserdem: d'Ancourt, 4664 — 4786, Dufresny, f 4 724, Le- 
grand, f 4728 (sein ,König von Schlaraffenland 4 : ,Le roi de 
Cocagne 4 ), Baron, f * 7 *9. 

Die Schubladenstücke (pifeces fe tiroir) von Boursault, 
4638 — 4704. Possen von Lesage und Scarron. Die Markt- 
theater (th^&tres de la foire) für die komische Oper und das 
Vaudeville, besonders seit 4697 (Lesage und Dorneval 1 724). 

Die heroische Oper bildete sich durch des Florentiners 
Lulli (4633—87) Musik und Quinault's (4634-88) Texte 
(,Kadmus 4 , ,Ariadne 4 ). 

1 Nach Schaok's Analyse in der Gtarah. der dramat. Lit. u. Kunst in 
Spanien, II, 430—442, a f Schere, Allgem. Literaturgesch. , I, 425. Dazu 
die Sentiments de l'aeademie franc. sur la tragicomedie du Cid von Chape- 
lain auf Richelieu's Befehl. — * Ausg. von, Voltaire 4764 u. Renouard 
4847. Victobin Fabre, Eloge de Com., 4807. T acher au, Hist. de la 
vie et des ouvrages de Com., 4829. Ueber ihn A. W. Sohlegel in den 
Vorlesungen über dramat. Kunst u. Lit., VI, 82, u. Lessing, VII, 454. — 
3 Unter vielen Ausgaben seiner Werke die von Tibsot 4826. Seine Dra- 
men deutsch von Viehoff 4842 — 46. — 4 Unter vielen Ausgaben die von 
Martin 4 845 fg. Ueberset«. von Braunfels , Demmler, Duller, Wolffu. A. 
4837 u. 4838. Cailhava, Etudes sur Mol., 4802. Taciierau, Hist. de 
la vie et des ouvrages de Mol., 4828 u. 4828. Cbamfort's Lobrede. Cha- 
rakteristiken des Dichters von Schlegel u. Jacobs (Nachträge zu Sulzer 's 
Theorie d. schonen Künste, I, 4). 

§. 346. In der versificirten Erzählung steht Jean de La- 



Fünfundxwanzigstes Capüel. Frankreich. 207 

fontaine (le bon homme, 1621 — 95) als unübertroffener Fa- 
bulist obenan. Seine Werke in 6 Bänden zu Paris 1848. 

Mislingen des Epos: Chapelain (,Die Jungfrau von 
Orleans 6 ), Scuddry + 1667 (,Alaric c ), Lemoine f 4672 
(,Der heilige Ludwig 6 ). Erzbischof Fen&on von Cambray 
(4 651 — 1715): ,Les aventures de T&emaque 4 , eigentlich ein 
didaktischer Roman. Durch seine komischen Romane, in 
welchen er seine spanischen Vorbilder (Guevara und Men- 
doza) zum Theil übertraf, zeichnete sich Lesage (1668 — 4747) 
aus; seine Hauptwerke sind der ,Hinkende Teufel 6 und die 
,Geschichte des Gil Blas von Santillana 4 » Erfinder der Feen- 
märchen, als Gegner der antikisirenden Literatur, ist Per- 
rault (4633 — 1703): ^Erzählungen meiner Mutter Gans 6 . Ihm 
folgten die Nachbildner der arabischen Märchensammlung 
, Tausend und eine Nacht 6 , darunter besonders Hamilton, 
f 4720, in der persischen von ,Tausend und ein Tag 6 , 

§. 347. Die lyrische Poesie jener Zeit erhob sich 
selten über Lieder, Sonette, Rondeaux und Madrigale, in 
welchen bald zierliche Galanterie und Witz , bald fröhlicher, 
oft frivoler Leichtsinn herrscht, wie in den Gedichten 
Luillier's (1639 — 1720). Auch die Oden Jean Bapt. Rous- 
seau^ (1669 — 1741) zeichnen sich mehr durch Adel und 
Eleganz der Sprache aus, als durch lyrischen Schwung. 
Greeourt (1 684 ~~ 1 743) nennen die Franzosen ihren Anakreon. 

§• 348. Zu den ersten Prosaikern dieses Zeitalters ge- 
hört der Herzog von Larochefoucauld (4613—80) durch 
seine treffenden, aber gemüthlosen Reflexionen und Maximen, 
der Bischof Bossuet( 1627— 1704) von Meaux als geistlichem 
Redner und Verfasser einer Weltgeschichte, Labruyfere 
(1639 — 96) durch seine mit scharfer Beobachtungsgabe und 
in der elegantesten Sprache abgefassten Charaktere, und 
die schon genannten Romandichter. Als Briefschreiberinnen 
werden genannt: Babet, die geistreiche Geliebte Boursault's, 
die Marquise de Maintenon (1635 — 1719), die Marquis* 
von Sevigne (1626—96) und die Comtesse de ßtael (1693 — 
1750). Durch Beredtsamkeit sind ausgezeichnet: Bossuet, 
F<melon, Bourdaloue, 1632—1704, Ma&sülon, 1665— 1742, 
Flechier, 1632— 1710, Saurin, 4677— 4730, Paul Pelisson 
(f 4693), Olivier Patru (f 1693) und der Philosoph und 
akademische Redner Fontenelle (1657 — 1757). Historische 
Kunstwerke brachte Frankreich damals nicht hervor.* es veis 



306 Zweites Buch. Ethnodoktologic. 

mehrte nur die Zahl der Memoiren. Rollin (1664 — 1744): 
,Hist. ancienne 4 und ,Hist. romaine 4 . Bossuet , ,Discours sur 
Phist. universelle 4 . Bayle's (1647 — 1706) historisch -kri- 
tisches ,Dictionnaire 4 . 

§^349. Sechste Periode, das 18. Jahrhundert, le si&cle 
philosophique. In der Philosophie Materialismus und Atheis- 
mus , in der Moral Egoismus , in der Religion Gottlosigkeit, 
in der Politik Misstimmung und Verachtung, in der Litera- 
tur Skepticismus (Fontenelle und Lamothe gegen die Alten). 
Wichtigkeit der Salons: Mad. Geoffrin, de TEspinasse, Du- 
Deffant, Baron Holbach (, Systeme de la nature, ou des lois 
du monde physique et moral 4 ). 

Begründung der Frivolität vornehmlich durch Francis 
Marie Arouet aus Chatenay bei Paris, der unter dem Namen 
Voltaire (1694—1778) zu welthistorischer Bedeutung ge- 
langte, der Kopf des Genius seiner Zeit, dessen Ein- 
fluss um so verderblicher sein musste, je grosser sein Witz 
und seine Sprachgewandtheit und die Vielseitigkeit war, mit 
welcher er sich auf allen Gebieten der Poesie nicht ohne 
Erfolg versuchte, obgleich alle seine Dichtungen weit mehr 
reformistische Manifeste als reine Kunstwerke sind. Siebzehn- 
jährig dichtete er das Trauerspiel ,Oedipus 4 ; es folgten 
,Brutus 4 , ,Cäsar's Tod 4 , ,Catilina 4 , ,Das Triumvirat 4 , ,Orest 4 , 
,Merope 4 , alle in classischem Geschmack; dagegen ,Zaire 4 , 
,Alzire 4 , ,Mahomet 4 , ,Semiramis 4 , ,Tancred 4 , ,Die chinesische 
Waise 4 , zugleich seine dramatischen Meisterwerke, in christ- 
lich - ritterlich - romantischem Geiste. Seine oppositionelle 
Tendenz zeigt sich in seinen Epigrammen, Episteln und 
Oden (,Sur les malheurs du temps 4 , ,La chambre de la 
justice 4 gegen den Staat, in der Epistel an Uranie von 1722 
,Le pour et le contre 4 gegen Religion und Kirche). Sein 
Epos ,Henriade 4 ist ein rhetorisches Machwerk zwischen 
1726 — 29, ohne Feuer und Leben. Das komische Helden- 
gedicht ,Pucelle d'Orleans 4 , in 21 Gesängen, wurde zwischen 
1730 — 62 gearbeitet. Seine philosophischen Schriften (Cle- 
ments de la philosophie de Newton 4 , ,Dictionnäire philos. 4 , 
,Philos. de Thist. 4 , ,Bible comment^e 4 , ,Hist. de Petablisse- 
ment du christianisme 4 u. a.) sind flach, aber anziehend ge- 
schrieben. Unter seinen vielen Tendenzromanen stehen ,Zadig 4 
und ,Candide, oder die beste Welt 4 obenan. Als historischen 
Schriftsteller stellt ihn Schlosser ziemlich hoch und nennt 



Fünfundztvanzig8tes Capitel. Frankreich. 909 

den ,Essai sur les moeurs et sur Tesprit des nations depuis 
Charlemagne 6 die erste philosophische Universalgeschichte. 
Dahin gehören die Arbeiten über Karl Xu., Ludwig XTV., 
über Russland unter Peter L, Geschichte des pariser Par- 
laments, die ,Annales de TEmpire 4 u. a. Am Hofe Frie- 
drich^ d. Gr. lebte Voltaire 4750 — 53. Seine Werke sind 
seit 1815 öfter aufgelegt, voran sein Leben von Condorcet. 
Ueber seine politischen Gedichte Ellissen (,Epigonen c , IV, 
3 — 94). 

§. 350. Die Unzufriedenheit mit dem Vorhandenen wurde 
auch durch Rousseau, Montesquieu und die sogenannten 
Encyklopädisten (Diderot und d'Alembert) genährt. 

Jacques Rousseau aus Genf (1712t — 78), der Idealist, das 
Herz des Genius seiner Zeit. Seine bedeutendsten Schrif- 
ten sind ,Die neue Heloise 6 (, Julie, ou la nouvelle H&oise 4 ), 
1759, ,Ueber die Erziehung 6 oder ,fimile, ou de Peducation 4 , 
1762, und ,Ueber den gesellschaftlichen Grundvertrag 4 (,Con- 
trat social 4 ), 1762. Seine Selbstbiographie ist bis gegen 
das Ende von 1 765 fortgeführt *. 

Montesquieu (1689 — 1755) griff in seinem Roman ,Lettres 
persanes 4 , 1721 (deutsch von Michaelis 1803), die kirch- 
lichen, socialen und politischen Institute Europas und be- 
sonders Frankreichs an, schrieb 1734 ,Consid£rations sur 
les causes de la grandeur et de la decadence des Romains 6 
(deutsch von Hacke 1828) und 1748 ,Esprit des lois 42 . 

Unter den sogenannten neuen oder Modephilosophen 
Frankreichs steht Diderot (1713 — 84) obenan, der sich im 
Roman, als Dramaturg und dramatischer Dichter versuchte, 
ein talentvoller, vielseitig gebildeter, aber gegen alles Her- 
kömmliche sich auflehnender Mann, der seine Ansichten 
namentlich durch die von ihm und dem berühmten Mathe- 
matiker d'Alembert (1717—83) seit 1751 herausgegebene 
und bis 1 765 fortgesetzte grosse ,Encyklopädie der Wissen- 
schaften, Künste und Gewerbe 4 (,Encyclopedie, ou diction- 
naire raisonn^ des sciences, des arts et des metiers, par 
une soci^te de gens de lettres') verbreitete. 

1 Ausg. seiner Schriften in 24 Bdn. von Lbquien 4824 u. 4822, in 
einem Bde. 4826. Ueber seinen Charakter als Mensch u. Schriftsteller Frau 
y. Stael 4789 u. Musset -Pathay 4822. Dass seine Schriften, besonders 
sein Discours sur l'origine et les fondements de l'inegalite parmi les hommes, 
als Auflösung der Preisfrage der dijoner Akademie, die communistischen 
und socialistischen Lehren und Theorien Babeufs, St.-Simon's«, Foxän«*^ 

Merlekbb. \ \ 



210 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Cabet's u. A. vorzugsweise angeregt haben, wird als bekannte Thatsacbe 
vorausgesetzt. — * Auf ihn Eloge von Villemain 1816, von der Akademie 
gekrönt. 

§. 351. Das komische Heldengedicht von Gresset (1709 — 
1777), ,Vert-Vert 4 , und der unsittliche Roman von Marmon- 
tel, 1723—99, Florian (1755—94: ,Numa Pompilius 4 , ,Gon- 
salvo de Cordova 4 , ,Wilhelm Teil 6 ), von dein jungem Cre- 
billon, 1707 — 77, Bretonne (1734 — 1805: ,La vie de mon 
pere 4 , ,Le paysan perverti 4 , ,Les contemporaines c ), Louvet 
de Couvray (1760 — 97: ,Faublas 4 ). Englands Einfluss auf 
Charakterromane bei Prevot d'Exiles (1697 — 1763: ,Hist. 
du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut 4 ) und Saint- 
Pierre (1737—1814: ,Paul et Virginie 4 , ,La chaumiere in- 
dienne 4 ; darüber Humboldt im ,Kosmos 4 , H, 67; seine Werke 
Paris 1830 u. 1831). Schopfer der Ballade ist Moncrif 
(f 1770), Colardeau führte die Heroide ein. In der Ko- 
mödie sind die Leistungen Marivaux' (1688 — 4763: Mari- 
vaudage), in der Oper Beaumarchais' (+ 1799) zu erwähnen 
{, Barbier von Sevilla 4 , ,Hochzeit des Figaro 4 ). 

§. 352. Die geistliche Beredtsamkeit ohne Gedeihen, da- 
gegen Triumph der akademischen durch d'Alembert, Bailly, 
Graf Guilbert u. A., der gerichtlichen und parlamentarischen 
durch d'Aguesseau, 1667—1751, u. A. l . 

Geschichtschreibung: Condorcet (Civilisationsgeschichte), 
Mably, 1709— 77, Goguet, Barth&emy, 4716—95 (,Voyage 
du jeune Anacharsis 4 ; deutsch von Biester), Raynal, 
1711—96, Friedrich d. Gr., Gaillard, 1726 — 1806, Ruiniere, 
f 4791, Millot. Memoiren (Spiegelbilder): von Duclos, 
1704 — 72, Mercier, 1740—1819. 

Zahlreiche Uebersetzungen der classischen Werke des 
Alterthums und Auslandes. 

1 Foübnel, Hist. des avocats au parlement, 4843. Pinabd, Le bar- 
reau fran$ais, 4843. 

§. 353. Siebente Periode: Revolutionszeit. Die Li- 
teratur der Journale und Pamphlets. Die parlamentarische 
Beredtsamkeit in Blüte. Die ,Poösies nationales de la re- 
volution francaise 4 von ephemerem Werthe. 

Redner : Mirabeau, monstre d'esprit, de talens et de vices 
(über ihn Pipitz 1851 und Lewitz 1852 u. A.). Für consti- 
tutionelles Konigthum: Sieyes (,Qu'est ce que le tiers-etat 4 , 
4789), Lafayette, Bailly, Larochefoucauld-Liancourt, Lally- 



Fünfundtwanzigstes Capitel. Frankreich. 211 

Tollendal, Noailles, Maury, Cazales, Necker, Mounier, 
Volney, Barnave u. A. Für Republik: Condorcet (der Phi- 
losoph der Revolution : ,Esquisse d'un tableau historique des 
progres de Pesprit humain 4 ), Brissot, Buzot, P&ion, Ro- 
land und seine Gattin, geb. Manoh Phlipon (ihre Memoiren 
eroffnen die ^Bibliothek ausgewählter Memoiren des 4 8. und 
49. Jahrh. 4 von Pipitz und Fink, 4844 fg.)} Vergniaud > Gen- 
sonne, Bischof Gregoire, Danton, Marat, Carnot, Robes- 
pierre u. A. *. 

Lyriker: Lebrun (4 729 — 4807), der französische Pindar, 
Rouget de l'Isle (4760—4835: die ,Marseillaise 4 , 4792), 
Andr£ Cti&iier (4762 — 94), der beste Idylliker Frankreichs 
(,La jeune captive 4 , zu Ehren der Demoiselle de Coigny). 

Tragiker: Laharpe, 4739 — 4803, Marie Joseph Ch&rier 
(4764—4844: ,Karl IX. 4 , ,Jean Calas 4 , ,Gracchus 4 , ,Timo- 
leon 4 u. s. w.), Fabre d'Eglantine u. A. 

Komiker: Collot d'Herbois. 

1 Roux n. Buchbz, Hist parlementaire de la Evolution fran<?., 4833—40. 

§. 354. Achte Periode. Erste Kaiserzeit. Napoleon*« 
Gunst nur für die sciences exactes und Unterdrückung des 
freien Wortes. Trägerin der neuen Ideen ist Mad. de Stael 
(4766 — 4847), Tochter des berühmten Necker, durch ihre 
Schriften: ,De FAllemagne 4 ; ,De la litt^rature, consider^e 
dans ses rapports avec les institutions sociales'; ,Reflexions 
sur le procfes de la reine 4 ; ,Consid£rations sur les princi- 
paux evenements de la r^volut. fram?. 4 ; Romane: ,Delphine 4 
und ,Corinne, ou Fltalie 4 . (Werke 4820 zu Paris.) 

Der Lyriker Parny (4 753 — 484 4), der franzosische Tibull, 
zugleich Epiker (,La guerre des dieux anciens et moder- 
nes 4 ). Tragiker: Arnault (4766 — 4834), nahm seine Stoffe 
aus der heroischen RSmerzeit (,Marius in Minturnä 4 ); Jouy 
(geb. 4769); von ihm unter Anderm ,Belisar 4 und die Opern- 
texte ,Vestalin 4 und ,Cortez 4 (Compositionen SpontmTs); 
Lemercier's (geb. 4773) Tragikomödie ,Dame Censure 4 . 

Als Redner zeichnete sich Napoleon aus. Timon (Cor- 
menin): ,Livre des orateurs 4 , 4843. 

Die grossen Thaten gaben der Geschichtschreibung reich- 
lichen Stoff: Molleville, Necker, Stael, Bailleul, Dulaure, 
Lameth, Tissot, Thibeaudeau, Norvins, Lacre teile, Mignet 
(geb. 4796), Thiers (geb. 4797). Ueber Napoleon: Segur, 
Thiers, Bignon, Lefebre, Gourgaud u. A. 



212 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 355. Neunte Periode. Restauration und Julirevo- 
lution, Republik und neues Kaiserthum. Neuromantische 
Literatur der Franzosen. Repräsentanten: Victor Hugo 
aus Besan^on (geb. 1802), Charles Nodier (4783 — 1845), 
Robert de Lamennais (geb. 4782). Die Tendenzpoesie 
seit der Julirevolution: Mad. Dudevant. 

Den christlich -religiösen Geist in die Gesellschaft und Li- 
teratur zurückzuführen übernahm Chateaubriand aus St.-Malo 
in der Bretagne (geb. 4769) durch sein Buch ,Genie du 
christianisme etc. 4 , in seinen Poesien sich anlehnend an 
Rousseau und St. -Pierre: ,Les martyres 4 , ,Atala 4 , ,Rene 4 , 
,Les Natchez 4 , ,Les aventures du dernier Abencerrage 4 . 
Für den Katholicismus stritten Bonald (geb. 4762) und Jos. 
de Maistre (4753—4824). 

Lyriker: Lamartine (geb. 4 790) im Anschluss an Cha- 
teaubriand's Christlichkeit 1 ; Delavigne (4794 — 4846); Be- 
ranger (geb. 49. Aug. 4780), Frankreichs nationalster und 
populärster Dichter (seine Lieder deutsch von Seeger 4839); 
Victor Hugo, Ste.-Beuve, Musset, Lebrun, Alfred de Vigny 
(geb. 4 798). Volksdichter : der Bäcker Reboul und der Schrift- 
setzer Moreau. Dichterinnen: Desbordes-Valmore, Tastu, Gi- 
rardin. Satiriker: August Barbier (geb. um 4840) durch seine 
,Jambes' (deutsch von L. G. Forster). Satirisch -politische 
Epistel von Barth&emy (geb. 4796) und Mery (geb. 4794). 
Didaktiker : Esmenard, Michaud, Daru, Fabre, Legouve. Fabel : 
Viennet. — Grosse Zahl verunglückter Epopöen (Quinet). 

In der dramatischen Literatur Zwiespalt zwischen dem 
Classicismus und Romanticismus : Laharpe, Arnault, Le- 
gouve, Raynouard, Lemercier, Alex. Dumas, Vict. Hugo, 
de Vigny; realistische Schule: Vitet, M&rimee. Die Schau- 
spielerin Rachel. Die Proverbes dramatiques, Scenes popu- 
laires, Vaudevilles, Melodrames: Scribe. Sammlungen: ,Le 
magazin th^ätral 4 und ,La France dramatique au XIX e siecle 4 . 
Brazier, ,Chroniques des petits theätres de Paris 4 , 1837. 

Grosse Zahl der Romanscribenten: de Genlis, Krü- 
dener, Cottin, de Souza, Herzogin von Duras. Sittenroman; 
Balzac, Eug. Sue (,My stferes de Paris 4 ), Pigault- Lebrun, 
Paul de Kock. Historischer Roman: Vict. Hugo (,Notre- 
Dame de Paris 4 ), de Vigny (,Cinq-Mars 4 ), Lecroix, Soulie, 
d'Arlincourt, Georges Sand (Aurora Marquise Dudevant, 
Tochter Dupin's, eines Sohnes des Marschalls von Sachsen, 



Fünfundzwanzigstes Capitel. Frankreich. 213 

geb. 1804), eine ausserordentlich fruchtbare Schriftstellerin 
in Rousseau's Stil; seit 1832 erschienen 36 Romane in un- 
unterbrochener Folge, kleinere Journalarbeiten und ihre 
Memoiren. Sittenmaler und Pamphletisten : Jouy , Courier 
(1773 — 1825), Grandville; ,Charivari 4 und andere Journale; 
der Konig des Feuilletons : Jules Janin. Reiseschilderungen : 
Marmier. — Zur Geschichte der Volksschriften : Nisard, ,Hist. 
des livres populaires, ou de la litterature du colportage, de- 
puis le XV e siecle jusqu'ä l'etablissement de la commission 
cTexamen des livres du colportage 30. Nov. 1852 4 , 1855. 

Beredtsamkeit: der Publicist Benj. Constant de Re- 
becque (1767—1830), Foy, Manuel, Chateaubriand, Villele, 
Guizot, Thiers, Odilon -Barrot, die Brüder Dupin, Cormenin. 

Geschichtschreibung: die systematische oder ratio- 
nelle Schule: Guizot; die descriptive: Barante, Thierry, 
Capefigue; die fatalistische: Mignet, Thiers; die vermit- 
telnde : Michelet. Allgemeine Weltgeschichte : Anquetil, 
Segur, Letronne, Koch, Scholl, Simonde de Sismondi, Pey- 
ronnet, Montlosier, Depping, Ste.- Aulaire, Thibaudeau. Me- 
moires: Napoleon's, von Bourrienne, Las Cases, Mad. Cam- 
pan, Fain, Herzogin von Abrantes, Salvandy, Louis Blanc. 
Culturgeschichte : Guizot, Matter. Literafurgeschichte : Ray- 
nouard, Fauriel, Ampere. Archäologie und Kunstgeschichte : 
Miliin, Dulaure, Lenoix, Laborde, Quatremere de Quincy, 
Seroux d^Agincourt, Raoul-Rochette, Schweighäuser. Ge- 
schichte der Musik : Fetis. Die grossen biographischen Werke : 
,Biographie universelle 6 in 60 Bänden, 1811 — 27, und der 
Zeitgenossen. 

1 Seine Unterhaltungen über die Lit. aller Zeiten, in monatlichen Hef- 
ten seit 4856. 

§. 356. Das gelehrte Frankreich. Als Universalgenie 
obenan der Deutsche Alex. v. Humboldt (über ihn Ewald 1 854). 

Mathematik: Ramus, Descartes, Pascal, Fermat, de 
THöpital, d'Alembert, Condorcet, Lagrange, Bougainville, 
Monge, Legendre, Lacroix. — Mechanik: Vaucanson, Ber- 
thoud, Mariotte. — Statik: Montgolfier, Charles, Pilätre de 
Rozier. — Wasserbau: Belidor. — Festungsbau und Belage- 
rungskunst: Vauban, Moritz von Sachsen, Carnot. — Nautik: 
Bouguer. — Astronomie: Gassendi, Richer, Cassini, La- 
caille, Bailly, Lalande, Delambre, Laplace, Biot, Arago. 

Physik und Chemie: Deluc, Am\&Ye.>'ÖÄ\3^ Ö^n^X^^- 



314 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

graphie), Lavoisier, Fourcroy, Morveau, Berthollet, Vau- 
quelin, Chaptal. — Geognosie, Geologie, Mineralogie, 
Petrefactenkunde : Buffon, Saussure, Deluc, Dolomieu, Cu- 
vier, Brongniart. — Zoologie: Buffon, Reaumur, Adauson, 
Lacepede, Cuvier, Geoffroy St.-Hilaire, Lamark, Audouin, 
Dejean. Die Erdumsegler Duperrey, Dumont d'Urville, 
Freycinet. — Botanik: DecandoUe, Redoute, Labillardiere, 
Delessert. — Medicin und Chirurgie: Pare (f 4592), de 
la Peyronie, Stifter der chirurgischen Akademie in Paris, 
1734, Ecole de Chirurgie, 4774, Tronchin, + 1784, Desault, 
f 4795, Dupuytren, f'835, Larrey, f 4842, Pinel (f 4826, 
Psychiatrie), Broussais, f 4838, Tissot, Orfila (Toxikologie). 

Staatswissenschaften: Bodin, f 4596, Voltaire, Rous- 
seau, Montesquieu, Mably, Raynal, die Encyklopädisten, 
Maistre, Bonald. — Nationalökonomie: Colbert (Mercantil- 
system), Quesnay (f 4774, physiokratisches System), Turgot, 
f 4784, Say, Comte, Ganilh. — Geographie und Karto- 
graphie: Delisle, d'Anville, Cassini, Boccage, Maltebrun, 
f 4826. — Statistik: Franpois de Neufchateau. 

Jurisprudenz: Cujacius, Pothier, f 4772, Pastoret, 
Comte, Lerminier. 

Theologie: Calvin, Beza, Bossuet, Massillon, Flechier, 
Bourdaloue, Charron, Pascal, Arnaüld, Huet, Fen&on, Cha- 
teaubriand, Benj. Constant, Lamennais, Frayssinous. 

Philologie: Budäus, C. Scaliger, Stephanus, Muretus, 
Turnebus, Lambinus, Hotomannus, Pithous, J. Scaliger, 
Casaubonus, Vigerus, Salmasius, Palmerius, Faber, Du- 
fresne, Bossuet und Huet (Ausgaben in usum Delphini), 
Anne Dacier, Hardouin, Sanadon, Vaillant, Fröret, d'Anville, 
Montfaucon, Caylus, de Brosses, Villoison, Larcher, Brunck, 
Oberlin, Schweighäus^r, Barth&emy, Volney, Courier, Le- 
tronne, Founnont, Remusat, Chfey, Champoüion, Langles, 
Quatremere de Quincy, Burnouf. 

Philosophie: Abälard (Wilkens 4855), Thomas von 
Aquino, Montaigne, Charron, Bodin, Descartes, Pascal, Male- 
branche, Huet, Gassendi, Lamothe-le-Vayer, Fenölon, Bossuet, 
St.-Evremont, Larochefoucauld, Fontenelle, Bayle, Voltaire, 
Condillac, Diderot, d'Alembert, Helvötius, Duclos, Marmontel, 
Condorcet, Raynal, Holbach, Lamettrie, Rousseau, Buffon, 
Bonnet, Montesquieu, Volney, Garat, St.-Martin, Maistre, 
Lamennais, Bonald, Royer-Collard, Cousin, Constant, Droz, 



oechsundzwanzigstes Capitei. Hut:.... 210 

Leroux (der St.-Simonismus), Fourier, Michelet, Quinet, Ler- 
minier. Einfuhrung der deutschen Philosophie. — Für Rheto- 
rik, Poetik, Aesthetik: Palissot, Segur, Nodier, Ste.-Beuveu. A. 

Franz. Buchhändlerblatt, früher Journal de la librairie, jetzt Courrier 
de la librairie, erscheint jeden Sonnabend in Paris. Umfang des franzö- 
sischen Buchhandels: 4388 Buchhändler, 4032 Buchdrucker, 4460 Litho- 
graphen, 428 Kupferdrucker. 



Sechsundzwanzigstes Capitei. 

Italien. 

§• 357. Hier erhielt sich nicht nur das Latein länger 
im Munde der Gebildeten als in den übrigen romanischen 
Ländern, sondern auch das Romanzo zersplitterte sich von 
den Alpen bis abwärts nach Sicilien in unzählige Dialekte 1 , 
die sich jedoch in drei Gruppen bringen lassen. Im Norden 
des Landes behaupteten die germanischen Eroberer vor- 
wiegenden sprachlichen Einfluss, der sich noch heutzutage 
in der Kraft und Rauheit der Dialekte Piemonts, der Lom- 
bardei und der Romagna kundgibt. In der Weichheit und dem 
melodischen Flusse der Rede Roms und Toscanas dagegen 
macht sich mehr die Nachwirkung der Glätte und Eleganz 
von Cicero's Sprache fühlbar. Endlich lassen sich griechische 
und arabische Sprachelemente aus dem calabrischen und sici- 
lischen Dialekt noch jetzt deutlich heraushören 2 . 

1 Biondelli, Saggio sui dialetti gallo -italici, 4853, mit einer grossen 
Sprachkarte, zählt 20 lombardische, 23 emilianische und 23 piemontesische 
Dialekte. — * Ansichten über die Ausbildung der in Italien herrschenden 
Dialekte als Provinzialsprachen der Römerzeit von Leonardo Brüni 
(15. Jahrh.), Cardinal Bembo, dem Vater der italienischen Kritik, durch 
sein Buch: Della volgar lingua, Qcadrio und Maffki: Verona illustrata. 
Dagegen behaupten Muratobi (Italia antiqua) und Raynouard (Grammaire 
comparee etc., 4824), dass das Italienische ein Erzeugniss der Völkerwan- 
derung sei. Die Umwandlungen erfolgten bis in das 43- Jahrh. und man 
unterschied drei Sprachen, die auf der Grabschrift Gregorys V. (999) stehen: 
Francigena, vulgari (auch Romanisch) et voce Latina instituit populos. Weh- 
trüp, Beiträge zur Kenntniss der neapolitanischen Mundart, 4855. 

§. 358. Das Italienische, als vom Latein verschieden 
und aus der lingua rustica sich hervorbildend, ist schon im 
10. Jahrh. erkennbar, blieb aber gegen das Provenzalische, 
das auch in Italien sehr beliebt war, weit zurück und trat 
erst gegen Ende des 4£. Jahrh. in die Literatur ein, und 
zwar von allen seinen Dialekten zuerst der sicilianische, 
dessen Anfange Dante (,Vita nuova 4 ) z.Nm<iYkfeTk KW — ^ 



216 Zweites Buch. Ethnodoktologte. 

setzt, mit dem Dichter Ciullo d'Alcamo, 1487—94, zugleich 
über ganz Italien sich ausbreitend seit Kaiser Friedrich^ EL 
Herrschaft (124 2 — 50). Dante (,De vulgari eloquentia') 
nennt das Bücher -Italienisch volgare illustre und die ita- 
lienische Sprache, soweit sie als Gesammteigenthum aller 
Italiener erscheint, Latinum. In der Urkundenprosa kämpfte 
noch im 1 2. Jahrh. das Notarienlatein mit dem neuen volgare 
um den Platz. 

Das Toscanische (Tuscum) organisirte sich als volgare 
illustre erst im 43. Jahrh. mit Ricordano Malespini's ,Chronik c 
und Brunetto Latini's ,Cento novelle antiche' (Ende des 
43. Jahrh., von verschiedenen Dichtern). Diese toscanische 
oder florentinische wurde die Hof-, Cardinal- und Prunk- 
sprache, illustre, commune, aulica, cortigiana, cardinale, 
solenne, und noch besonders durch Dante, Petrarca und 
Boccaccio gehoben. 

Von den übrigen Dialekten Italiens wurden erst später 
einige in die Literatur eingeführt. 

§. 359. Die christliche Kirche ward auch hier sehr 
bald der Concentrationspunkt aller geistigen Interessen und 
Bestrebungen, doch ging hier die Bekanntschaft mit den 
classischen Werken nie ganz verloren. 

G. Giesebrboht, De literar. studiis apud Italos primis medii aevi se- 
culis, 4845. Wachsmuth, Colt Urgeschichte, II, 369 fg. Schon zu Lothar's I. 
Zeit (843) hohe Schulen zu Cremona, Fermo, Florenz, Pavia, Turin, 
Verona, Benevent; die Benedictiner auf Monte -Casino. Rechtsschulen im 
4 4. Jahrh. zu Ravenna und Bologna (Pepo, Irnerius im 42. Jahrh., die 
vier Doctoren [Glossatoren]: Bulgarus, Martinus Gosia, Hugo de Porta 
Ravennate und Jacobus; auf sie das Distichon, angeblich von Irnerius: 

Bulgarus os aurernn, Martinus copia legum, 
Mens legum est Hugo, Jacobus id quod ego. 

Gratianus und sein Decretum, 4450), Mailand, Mantua, Modenau. 8. w. Die 
salernitanische Schule der Medicin. Auch im 42. und 43. Jahrh. geht alle 
geistige Entwicklung von der Kirche aus. Arnold von Brescia 4 1 39 gegen 
den Papst. Innocenz in., Bonifaz VIII., Gregor IX. und Raimund von 
Pennaforte. Sammlungen des Rechts. Mbrleker, Politik der rom. Päpste, 
4856. Giovanni von Vicenza 4233. Thomas von Aquino und Bonaventura 
als aristotelische Philosophen. Der Chronist Gottfried von Viterbo. Mat- 
teo Spinello, 4247 — 68. Fibonacci führt die arabischen Ziffern ein. Marco 
Polo 4270 — £5 auf Reisen in Asien. Der Reisende Odorico von Pordenone 
4330. Erfindung der Brillen durch einen Florentiner. Dagomari im 44. Jahrh., 
Verfertiger astronomischer Instrumente. Petrus de Crescentiis über den 
Ackerbau. Der Geograph Uberti (Dittamonde). Petro d'Albano (Conci- 
liatore: Bekanntschaft mit Averrhoes). Astrologie und Alchyroie. Rai- 
mundus Lullus. Politische und kirchliche Parteien und Sekten : Ghibellinen 
und Guelfen; Beguinen, Waldenser und AÄigenser, Brüder und Schwestern 
des freien Geistes; Franciscaner und Dominicaner. — Einfluss solcher Ele 
menle auf Dantes Divina commedia, Petrarca 's Canzionere, Boccaccio's 



Sechsundzwanzigstes Capitel. Italien. 217 

Decamerone. Einfluss dieser Männer auf Uebung der Geister, Erweiterung 
und Verbreitung des Wissens und die Literatur der Landessprache. — Erster 
griechischer Lehrstuhl in Florenz \ 348 für Pilato , den Lehrer Boccaccio's. 

§. 360. Die italienische Literatur zählt vier Pe- 
rioden. 

Cre8cimbeni (4663 — 4728), Storia della volgar poesia. Tiraboschi 
(4 734 — 94), Storia della letteratura ital. (neue A. 4822). Ginguenk 
(4 748 — 4846), Hist. litteraire dltalie, 4844 (beendigt von Salfi). Si- 
monde de Sismondi, De la litt erat ure du midi de l'Europe. Bouterwek, 
Gesch. der Poesie u. Beredtsamkeit seit Ende des 43. Jahrh., Bd. 4 u. 2. 
Goethe, Neueste ital. Lit., in seinen Werken, Bd. 38, S. 243. Ranke, Zur 
Gesch. der ital. Poesie, 4837- Reumont, Die poet. Lit. der Italiener im 
49. Jahrh., 4844. Ruth, Gesch. der ital. Poesie, 4844 — 47. Aehnliche 
Werke wie das von Tiraboschi schrieben Corniani 4848, fortgesetzt von 
Tioozi 4832, Maffei 4834, Ugoni 4820 (deutsch 4825—30), Ambro so Li 
4834 — 33, Levati 4834. Ad. Ebert, Handb. der italienischen National- 
literatur, 4 853* K. Schmitt , Handb. d. Italien. Lit., 4 854. Gründliche Kenner 
der italienischen Literatur: Reumont, Witte und König Johann von Sachsen. 

§. 361/ Die erste Periode reicht bis ans Ende des 
14. Jahrh. An den angeblich ältesten Dichter Italiens, Ciullo 
d'Alcamo, schliessen sich Friedrich EL, seine Sohne Manfred 
und Enzio und seine Trovatoren (Guido delle Colonne, No- 
tajo, Mazzeo Ricco und die Dichterin Nina) an seinem Hofe 
in Palermo an. Von hier zog sich die Poesie nach Bo- 
logna, wo Guido Cavalcanti (f 1300) den toscanischen Stil 
geltend machte. Es folgen die berühmten Schriftsteller des 
13. Jahrh., die sogenannten Trecentisten. 

Es betrachten die Italiener erst Dante Allighieri (1265 — 
1321) aus Florenz als den Schopfer ihrer poetischen Sprache 
und den Vater ihrer Poesie. Die Terzine erscheint zuerst 
bei ihm in einer Vollkommenheit, weshalb man ihn irriger- 
weise für deren Erfinder hält. Seine ,Commedia 4 erhielt von 
der Verehrung der spätem Geschlechter den Beisatz divina *. 

Francesco Petrarca aus Arezzo (1304 — 74) verdankt, 
ausser seiner Wirksamkeit für die classische Literatur 2 , die 
allgemeine Achtung, welche ihm die Nachwelt zollt, seinen 
italienischen Gedichten, namentlich denen aus der Zeit von 
1327 — 54, in welcher er eine schone Frau, Laura, feierte, 
zu der er von der glühendsten Liebe entbrannt war, die 
aber ihrer Keuschheit und Würde nie etwas vergab. Sein 
Lehrer im Griechischen war Barlaam 8 . 

Sein Freund und Schüler Giovanni Boccaccio aus Paris 
(1313—75) schrieb über Dante 4 und Mehres in lateinischer 
Sprache 5 . Seine ,Teseide 4 ist der erste Versuch einer ita- 
lienischen Epopöe in Ottave geschrieben^ ftvr dÄWCi^SiAsÄK* 



218 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

er gilt. Seinen Ruhm verdankt er seinem ,Decamerone 4 , 
einer Sammlung von hundert, zum Theil aus provenzalischen 
Dichtern entlehnten Novellen 6 . Hierin sind seine Nach- 
folger Sacchetti (geb. 1335) und Ser Giovanni im ,11 pe- 
corone' (d. i. Tölpel). 

1 Etwa 60 Ausgaben seit 4472, darunter die besten von Lombardi 
1794 u. 4845 — 47, die mailändische 4809 und die florentiner 4847. Von 
grossem Einfluss auf die Textesanordnung war die Bekanntmachung der 
von Boccaccio herstammenden Handschrift (Rovato 4820) und die von 
Qcirico Viviaki besorgte Ausgabe : Giusta la lezione del cod. Bartoliniano, 
4 823 — 28 , sowie die Ausgabe der als beste gerühmten Erklärung : L'ottimo 
commento della Divina commedia, 4827 — 29. Die Literatur über dieses 
Gedicht ist ungeheuer gross. Zahllose Commentare behandeln bald den 
ästhetischen Werth des Gedichts, bald die darin befindliche Theologie und 
Philosophie, bald die geschichtlichen Thatsachen, bald die offenbaren oder 
geheimen, politischen oder religiösen Tendenzen des Dichters. Viele Com- 
mentare sind zu einzelnen Versen erschienen, oder über einzelne Allegorien 
und Anspielungen , so mehre über das Veltro. Besonders zu 'erwähnen sind 
die Commentare von Abrivabene 4830 u. Foscolo 4825 u. der neueste: 
Ruth, Studien über Dante, ein Beitrag zum Verständniss der göttlichen 
Komödie, 4853. Uebersetzungen von Bachenschwanz, Kannegiesser, Streck- 
fuss, Philalethes (Prinz (jetzt König] Johann von Sachsen), Kopiach. Die 
lyrischen Gedichte deutsch von Kannegiesser u. Witte , seine Vita nuova von 
Oeynhausen u. Förster. Flaxman's Zeichnungen zur Göttlichen Komödie 
sind gestochen von Pistrucci (nachPiroli) in dem Atlante Dantesco. Sein 
Leben von Boccaccio, Balbo. Missbbini, Dell'amore di Dante e del ritratto 
di Beatr. Portinari, (3- A.) 4832. Colomb de Batines, Bibliografia Dan- 
tesca, 4853. Schlosser, Ueber Dante, 4824. — 2 Er fand Cicero's Briefe 
Ad familiäres, schrieb De remediis utriusque fortunae, ein Gedicht: Africa, 
worin er seinen Lieblingshelden feierte und wofür er zu Born auf dem Ca- 
pitol am ersten Osterfeiertage 4 344 den poetischen Lorberkranz unter grossen 
Feierlichkeiten empfing, De viris illustribus, Historia Julii Caesaris (Ausg. von 
Schneider 4827). — 5 Ueber 200 Ausgaben seiner Werke. ^ Die vollstän- 
digste seiner Rime mit Tassoni's u. A. Erklärungen 4827 — 29. Uebersetz. 
von Gries, A. W. Schlegel, Daniel, Förster, Kekule, Biegeleben u. Kriger. 
Biographien des Dichters von Abbe de Sade, einem Nachkommen der an- 
gebeteten Laura, Tiraboschi, Baldelli, Fbbnow, Wismayr u. Ugo Foscolo. 
Mabsand's 900 Bde. Bibliotheca Petrarchesca zur Geschichte des Dichters 
kaufte Karl X. von Frankreich 4 829. — 4 Origine , vita e costumi di Dante 
u. Commento sopra la commedia di Dante, reichend bis zum 47. Gesänge der 
Hölle. — b Göttergenealogie, De montium, silvarum, lacuum etc. nominibus, 
De casibus virorum et feminarum illustrium, De claris mnlieribus, 46 Eklogen, 
Briefe etc. — 6 Ausg. von Foscolo 4825, Uebersetz. von Witte. Seine 
Opere complete von Moutier 4827. Ueber sein Leben Manetti, Manni, 
Tiraboschi u. A. 

§. 362. Zweite Periode, das fünfzehnte und sech- 
zehnte Jahrhundert umfassend, Italiens cihqueceato, 
buon secolo. Aufblühen der italienischen Kunst durch 
Michel Angelo, Leonardo da Vinci, Tizian, Rafael, Cor- 
reggio, Bramante und der eleganten Hofsitte, wie sie Ca- 
stiglione in seinem ,Cortegiano c schildert. Kampf gegen 



Sechsundzwanzig stes Capitel. Italien. 219 

das Papstthum 1 . Sinken des Handels und der Seemacht 
(Columbus). Zeit der Fürstenherrschaft 2 . 

1 N. v. Cusa 4432, Justinianus, f 4455, Sanzio, Mantuanus, Ab- 
stemio, Panormitamus , San - Georgio , Aeneas Sylvius Piccolomini ; für 
dasselbe die Dominicaner und einige Concilien, Job. de Turrecremata , Ca- 
jetan (gegen ihn Jac. Almain). — 2 Pflege der Philologie an den 
Höfen der Visconti, Sforza, Este, Montf errat, Medici und Königs Alfons 
von Neapel. Philosophische Stadien and Kampfe, besonders der Augustiner- 
mönche: Paul, doctor profundissimus (Savonarola's Lehrer), Pelacane, doctor 
famosissimus, Fava, philosopbor. sui seculi praestantissimus. Ankunft der 
Griechen in Italien seit 4453* Die Humanisten und die Buchdrucker- 
kunst. Gelehrte Gesellschaften für die amene lettere : Alegretti's 4 380 , der 
Augustiner von San-Spirito in Florenz, des Cosmus von Medici (Ficinus, 
Pico von Mirandola, Landini, Cavalcanti, Alberti), des Bernardo Ruceliai 
(Platonische Akademie), des Bessarion Akademie in Rom, des Pomponio 
Leto, die Accademia de Pontano zu Neapel (Panormitano, Valla), des 
Aldus Manntius in Venedig (Musuro, Bembo, Sanuto) und seiner Familie, 
4447 — 4597. Lehrer des Lateinischen und Griechischen: Giovanni 
da Ravenna (Zögling des Petrarca), Manuel Chry soloras in Florenz 4398, 
Guarino, 4436 60, Georg von Trapezunt, f 4484, Joh. Argyropulos, 
t U86, Tbeod. Gaza, f 4478, Bessarion, f 4472, Gemist. Pletho, Aurispa, 
Gasparino von Bargizza, Traversari, Bruno, Filelfo, Laurent. Valla, Pe- 
rotto, Poggio, Beroaldo, Angelo Poliziano, Ciriaco von Ancona (Itinerario, 
4433—35), Flavio, Leto, Maffei, Fulvio. 

§. 363, Verfallen der italienischen Sprache mit 
dem Aufblühen der sogenannten humanistischen Studien. 
Kampf der Latinisten l gegen die Verehrer der Vulgär- 
sprache 2 . Zwist der Florentiner (mit Berufung auf die 
Trecentisten) und Sienesen mit den übrigen Italienern um 
die Ehre, Italien mit seiner Gemeinsprache beschenkt zu 
haben. Diesem Streite lag, mit Verwerfung des Particular- 
interesses, die Idee einer italienischen Gesammtnationalitat 
zum Grunde 3 . Auch die Volksdichter traten aus antinatio- 
nalen Absichten als Vertheidiger des florentinischeh Vor- 
rechts auf. 

1 Romolo Amasbo 4529, Carlo Sioomo, De lat. linguae usu reti- 
nendo. — s Bembo's Prosa, 4525. Fobtcnio's Regole grammaticali della 
volgare lingua, 4526. In demselben Sinne die grammatischen Schriften von 
Libcbnio und Flaminio. — » Für Florenz Dolcb 4550, Tolommbi 4555, 
Vabchi 4570, Salviati 4584. Für Gesammtitalien Castelvetro 4572 u. 
Muzio 4582. Giambüllabi's II Gello (über die florentin. Sprache), 4547. 
Vocabularien von Minbrbi 4535, Ldna 4536, Alünno 4543, der Crusca 
4642 (wiederholt 4623, 4694, 4729 — 38). Ausgaben der Testi di lingua 
(Musterschriftsteller). Dati's Prose fiorentine, 4 664. Abmatori's Raccolta 
degli autori del ben parlar, 4683. Die Accademia della Crusca oder Fur- 
furatorum zu Florenz 4582 für die Trecentisten und gegen Tasso. Bbm's 
Anti crusca, 4642. Bartolo's II torto e il diritto del Non si puö, 4655, 
u. Ortografia ital., 4670. 

§. 364. Die Dramatik lieferte vom Anfaule d»» V&. XÄsSfc- 



320 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

bis Ende des 45. Jahrh. hier nur die sogenannten Myste- 
rien und Moralitäten (Figure, Vangelii, Esempli, Istorie 
oder Commedie spirituali), deren älteste erhaltene von Dati 
und Belcari um 4445 entstanden. Es folgten die Komödien 
des Plautus und Terenz und Nachahmungen derselben, die 
sogenannte Commedia erudita, die erste unter dem Titel 
,Calendaria c vom Cardinal Bibbiena, eigentlich Bernardo Do- 
vizi (geb. 4 470), zu Rom durch Pomponio Leto (j* 4498). 
Dahin gehören die vier Lustspiele Ariosto's (,Cassaria 6 , ,1 sup- 
positi 4 , ,Lena c , ,11 negromante') und Macchiavelli's ,Man- 
dragola 4 . Im Gegensatz zu dieser die Volkskomödie, die 
sogenannte Commedia delT arte, mit stehenden Masken 
und Charakteren: Dottore (oder Graziano) aus Bologna, 
Pantalone aus Venedig, Arlechino aus Bergamo (in Neapel 
Policinello, Pulcinello), Scaramuzzo oder Spavineto (miles 
gloriosus), stotternder Tartaglia, Colombina (auch SmeraJ- 
dina), ArlechhWs Geliebte, römischer Stutzer Gelsomino, mai- 
ländischer Querkopf Baltrame, Gelegenheitsmacher Brighella 
aus Ferrara und zwei calabresische Lümmel Giangurgulo 
und Coriello. Als Dichter dieser Gattung werden genannt 
Pietro Aretino (4 492 — 4557: ,Marescälco c , ,Cortigiana fc , ,Ipo- 
crito% ,Talanta 4 , ,11 filosofo ; ), Lodovico Dolce, Giordano 
Bruno (verbrannt zu Kom 4600: ,H candelajo 4 ) u. A. 

Die Tragödie blieb Sache der Gelehrten. Der ^rfeo' 
des Angelo Poliziano wurde 4472 zu Mantua am Hofe der 
Gonzaga aufgeführt. Als die besten Tragödien werden die 
,Sofonisbe 4 des Trissino in versi sciolti (dem tragischen Vers- 
mass) 4545 und der ,Orest 4 und die ,Rosmunda ( des Rucellai 
( 4 475 — 4 525) bezeichnet. Es folgten die Dichter Cintio, Orti, 
Manfredi, Speroni, Tasso (im ,Torrismondo c ) und Aretino (in 
der ,Orazia c ) und die Uebersetzer und Modernisirer antiker 
Tragödien: Alamanni, Giustiniano, Anguillara und Dolce. 

Das Schäferspiel ging aus Sannazaro's (geb. 4 458) 
Roman ,Arcadia c hervor, und das erste regelmässige Spiel 
dieser Gattung war BeccarTs ,Sacrificio c 4554 zu Ferrara, 
Rinuccini's ,Daphne c zu Florenz 1594, Torquato Tasso's 
,Aniinta< 4572, Guarini's (4537—4642) ,Pastor fido* (deutsch 
von H. Müller) u. A. 

Colomb db Batines, Bibliographie aller im 45. u. 46. Jahrh. gedruck- 
ten religiösen u. weltlichen Theaterstücke Italiens (Rappiesentazioni), 4 853. 
Flöge l, Gesch. des Groteskkomischen, 4788. 



Sechsundzwanzigstes Capilel. Italien. 221 

§. 365. Pflege der Lyrik in den vielen Akademien: ar- 
denti in Bologna, informi, ombrosi, selvaggi in Ravenna, 
riformati in Cesena, smarriti in Faenza, rinvigoriti in Fo- 
ligno, scossi, unisoni, insensati in Perugia, ottusi in Spo- 
leto, assorditi in Urbino, rozzi in Siena, della crusca in 
Florenz. Dichter: Pietro Bembo, 1470 — 1547; Castiglione, 
f 4529; Fracastoro, f 4518; Erzbischof Giovanni della Casa, 
f 1556 (Zotenreisser); Caro; Baldi; Tolommei; Alamanni; 
Vittoria Colonna (1490 — 1547), die Gattin des tapfern Feld- 
hauptmanns Pescara; Veronica da Gambara, 4485 — 1500; 
Gaspara Stampa (1524 — 54), Italiens Sappho; Torquato 
Tasso's ,Canzionere 4 (Sonette, Canzonen, Madrigale; ,Rime 4 , 
mit Auswahl deutsch von K. Förster). 

Didaktik: Rucellai's ,Bienenzucht 4 (,Le api 4 ), Ala- 
manni's ,Landbau 4 (,Coltivazione 4 oder ,DelF agricoltura 4 ). 

§. 366. Die italienische Epik ist reines Kunstproduct, 
weder national noch naiv. Der fränkisch -karolingische Sagen- 
kreis wurde schon im 14. Jahrh. in einem Roman bearbeitet: 
,Reali di Francia etc. 6 (Franciae regales, die fränkischen 
Königskinder) , von Konstantin's d. Gr. Taufe bis auf 
Karl's d. Gr. Römerzug reichend. Daran schliessen sich 
drei in Ottaven abgefasste Rittergedichte : ,Buovo d' Antona 4 
aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh., ,La Spagna 4 von Za- 
nobi aus Florenz (der Chronik des Turpin folgend), ,La 
regina Ancroja 4 . Darauf folgte Luca Pulci's ,Ciriflfo Calva- 
neo 4 , Luigi Pulci's (1432 — 87) ,11 Morgante maggiore 4 , Sa- 
vonarola's ,Libro d'arme e d'amore nomato Mambriano 4 in 
45 Gesängen (späterer Zweig der Karlssage, die Geschichte 
der Haimonskinder), BehVs ,Mambriano 4 , Bojardo's (Gra- 
fen von Scandiano, 1430 — 94), ,Orlando innamorato 4 in 50 
langen Gesängen *, Lodovico Ariosto's aus Reggio (4 474 — 
4533) ,Orlando furioso 4 2 in 46 Gesängen, Alamanni's (f 4556) 
,Avarchide 4 (eine possirliche und geschmacklose Romanti- 
sirung der ,llias 4 ), Bernardo Tasso's (f 1569) ,L'Amadigi' 8 . 

Francesco Berni (f 1536) travestirte den ,Orlando inna- 
morato 4 und begründete durch seine Manier das Bernesco 
oder die poesia Bernesca, deren Nebengattung die poesia 
maccaronica des Folengo (1491 — 1544) in seinem ,Macca- 
ronicon 4 und ,Orlandino 4 wurde 4 . 

Der. Florentiner Jacopo Carlo romantisirte die ,Ilias 4 
1491 in seinem Gedicht ,11 Trojano 4 , Dolce dis, jOtast ^«^ 



222 Zweites Buch. Ethnodokloloyie. 

,Aeneis 4 , Trissino schrieb in 27 Gesangen und in versi 
sciolti die ,Italia liberata dai Goti c . Daneben die lateinischen 
Epiker: Sannazaro, Vida (Schachspiel), Bartolini u. A. 

Das grösste und bedeutendste italienische Epos ist Tor- 
quato Tasso's aus Sorrento bei Neapel (4544 — 95) ,Geru- 
saleinme liberata 6 in 20 Gesängen 6 . Seine übrigen Haupt- 
werke sind: ,11 Rinaldo', ^L'Aminta 4 (deutsch von Walter 
4794), über tausend ,Sonetti e Canzoni 4 (deutsch von 
Förster), über 300 Madrigale, ,H Torrismondo 4 , ,La Gerusa- 
leinme conquistata 4 (eine verfehlte Umarbeitung des ^Befreiten 
Jerusalem 4 ), ,Le sette giornate del mondo creato etc. 4 *. Sein 
Nachahmer Guarini, 4537 — 4642. Seine Zeitgenossen Chiabrera 
(4552 — 4637), Nachahmer des Pindar (fünf epische Gedichte: 
^Befreites Italien 4 , ,Florenz 4 , ,Gothiade 4 , ,Amadeide 4 , ^Eloger 4 ), 
undTassoni (4 565 — 4 635: komisches Gedicht: ^Der Eimerraub 4 , 
deutsch von Kritz), Bracciolini (f 4645: ,Das wiedereroberte 
Kreuz 4 und die epische , Verspottung der Gotter 4 ), Testi 
( 4 593 — 4 646), Nachahmer des Horaz, Lorenzo Lippi : ,Wieder- 
eroberung von Malmantile 4 oder der Tischtuchsburg. 

1 Ausg. 4495. Deutsch von Gries 4835 u. Regis 4840. — - * Erschien 
4546. Deutsch von Gries 4804, Streckfuss 4848, Kurist 4844. — 3 Val. 
Schmidt, Ueber die ital. Heldengedichte aus dem Sagenkreise KarTs d. Gr., 
4820. — 4 Genthb, Gesch. der maccaronischen Poesie, 4836. — * Erste 
Ausg. 4584, beste Mantua 4584. Deutsch von Gries 4800 (6. A. 4844), 
Streckfuss 4822, Duttenhof er 4840. — 6 Die vollständigste Ausgabe aller 
Werke in 30 Bdn. von Rosini 4820 fg. Sein Leben von Ebbet 4849 u. A. 

§. 367. Novellendichter: Massuccio ausSalerno: ,No- 
vellino 4 von 50 Erzählungen, voll Satire gegen die Geist- 
lichkeit. Erzbischof Bandello's (4480 — 4562) unzüchtige, 
schmutzige und zotige Novellen (Uebersetzung von Adrian 
4848). Firenzuola 4548, Luigi Pulci, Niccolo Macchiavelli, 
Aus Luigi da Porto's Erzählung schöpfte Shakspeare den 
Stoff zu seiner Tragödie ,Romeo und Julia 4 . Straparola's 
,Piacevoli notti 4 . Grazzini aus Florenz (f 4583), genannt 
II Lasca, lieferte das beste Novellenbuch jener Zeit (deutsch, 
Leipzig 4788). — Satiriker Pietro Nelli. 

Keller, Ital. Novellenschatz, ausgewählt u. übersetzt, 4854- 

§.368. Prosaische Kunstwerke : Macchiavelli's (4469 — 
4537) ,Principe 4 und Geschichte seiner Vaterstadt Florenz 
zwischen 4245 — 4492 ( die florentinische Ausgabe seiner 
Werke 4782), Guicciardini's (4482—4540) Geschichte Ita- 
lien* zwischen 4 493 — 4532 *, Paolo Sarpi's (4552—4 623) 



Sechsundzwanzigstes Capitel. Italien, 233 

Geschichte des Tridenter Concils, Davila's (1576 — 1634) 
Geschichte der bürgerlichen Kriege in Frankreich. 

1 Sein Leben von Remigio Fiorentino u. von Manni in d. Ausg. seiner 
Gesch. von 1640 u. 4738. 

§. 369. Aufschwung der Wissenschaften: Gre- 
gor's XIII. Kalenderverbesserung 1582. Galilei (1564 — 
1642), Entdecker der Theorie der Planetenbewegung, Ver- 
vollkommner des vom Glasschleifer Johnson in Middelburg 
1 590 erfundenen Teleskops, Vertheidiger des Kopernicanischen 
Weltsystems. Sein Schüler Evangelista Torricelli (f 1644), 
Erfinder des Barometers. Anatom Vasal 1543, Ornitholog 
Aldrovandi, 1522 — 1605, Hrs. Cardanus, 1501—75, Gior- 
dano Bruno und Th. Campanella (1568 — 1639) Philosophen 
(Vereinigung der Mystik und Naturwissenschaft). 

§.370. Dritte Periode: siebzehntes und achtzehn- 
tes Jahrhundert, Seicento, daher Seicentisten. 

Zu den Trecentisten und Nationalisten traten die Pro- 
vinzialisten als dritte Partei hinzu, welche es auf Bearbei- 
tung der Provinzialdialekte absahen, seitdem Muratori (1 672— 
1 750) darauf aufmerksam gemacht *. Die vierte Partei bil- 
deten die Universalisten. So war der Weg für den Ein- 
bruch der französischen Revolution auch im literarischen 
Italien gebahnt*. Als Ausbeute dieser Richtung ergaben 
sich reichhaltigere lexikalische Arbeiten 3 . 

1 G ali am, Del dialetto neapolitano; Pipino für den piemontesischen 
4783, Pasqualino für den sicilianischen, in seinem Vocabulario etimo- 
logico, 4795. Die Akademie der Filopatridi in Neapel 4760. — * Die 
Stürmer gegen die florentinische Sprachherrschaft und die Anbetung der 
Trecentisten: Monti (Proposita di alcune correzioni) und Perticari (Scrit- 
tori del trecento e loro imitatori). — 3 Grammatiken und Wörterbücher, 
der italienischen Schriftsprache sind in solcher Menge geliefert worden, das* 
Antolini 4825 in seiner Schrift La lessicomania esaminata (2. A. 4836) 
darüber spöttelte. Casaccia's genuesisches Wörterbuch, 4844; Cheru- 
bini's mailändisches , 4844, u. pavesisches, 4827; Boerio's yenetianisches, 
4826; Nannini's ferrarisches; Mblchiorri's brescianisches , u. a. Gute lexi- 
kalische Arbeiten von Viviani u. Tuzzi 4834, Lessoni 4835, Tommasbo 
(neu bearbeitet von Yibusseux 4839). Castiglia, Studj sulla lingua, 4826. 

§. 371. Auf der Grenze des vorigen und dieses Zeit- 
alters war die Poesie in Verfall gerathen durch witzelnde 
und phantastische Geschmacklosigkeit des talentvollen Giam- 
battista Marini oder Marino aus Neapel (4569 — 1625), be- 
sonders durch seinen ,Adonis 4 in 20 Gesängen, der kaum 
einer Dichtungsgattung eingereiht werden kann. Das ko- 
mische Epos ,Ricciardetto 6 in 30 Gesängen da& ^c*\äs^s«sv 



224 Zweiten Buch. Ethnodoklologie. 

(1674—1735; deutsch von Gries). Dann folgte zwar eine 
gedeihlichere, jedoch von franzosischem Einfluss abhängige 
Pflege der Poesie. 

Als Lyriker sind zu nennen Chiabrera, 1552 — 1637, 
Testi, 1593 — 1646, Guidi, 1650-1712, Frugoni, 1692 — 
1768, und vor Allen Vincenzo da Filicaja aus Florenz, 
1642 — 1707, Zappi, 1667 — 1719, und seine Gattin, die 
schone Faustina Maratti. Seit 1650 blühte die Volkspoesie 
nur noch in Sicilien, wo Giovanni Meli (deutsch von Fd. Gre- 
gorovius, 1856) ihr vornehmster Repräsentant ist. 

Die Oper entstand zu Anfange des 17. Jahrh. und theilte 
sich in opera seria und opera buffa (in Venedig 4624). Ita- 
lienische Oper in Paris 1646. Apostolo Zeno, 1669—4750, 
und Pietro Metastasio , 1698—1782, sind Operndichter , 
Letzterer zugleich Vollender der tragischen oder ernsten Oper. 

Eine Reform des Lustspiels beabsichtigte der frucht- 
bare, aber oberflächliche Goldoni, 1707—93, aber nicht 
er, sondern sein genialer Nebenbuhler, Graf Carlo Gozzi 
(1718 — 1802), führte sie durch. Trauerspieldichter: 
Graf Alfieri, 1 749 — 1 803, Giovanni Pindemonte, 1 751 — 1 81 2, 
Vincenzo Monti, 1754-1828. 

Die Lebensweise der Vornehmen schilderte als Satiriker 
Giuseppe Parini (1729 — 99) in seinem Gedicht ,11 giorno 4 
(wie etwa Martial). Satiriker sind auch der berühmte Maler 
Salvator Rosa, 1615 — 75, und Graf Gasparo Gozzi, 1713 — 86. 

Der ,Pentamerone 4 (Novellensammlung) Giambattista Ba- 
sile's in neapolitanischem Dialekt stammt aus dem Anfange 
des 17. Jahrh. (deutsch von Liebrecht 1846). Roman (, Briefe 
zweier Liebenden 4 und umgearbeitet als ,Letzte Briefe des 
Jacopo Ortis') von Ugo Foscolo, 1773 — 1827. 

Ossian's Uebersetzer ist Cesarotti, 1730—1808. 

§. 372. Die Historiker: Muratori, Pietro Giannone 
(geb. 1676), Tiraboschi (1731 —94: ,Storia della letteratura 
italiana'), Cicognara und Botta (,Storia d'Italia dal 1789*— 
4 814'). Stiftung der Akademie der Arkadier zu Rom 1690 
durch Crescimbeni und dessen ,Istoria della volgar poesia c 
(Venedig 1731). Bearbeiter der Staatswissenschaften: 
Vico, 1669-1744, Filangieri, 1 752 — 88, Beccaria, 1735 — 93. 

Ausgezeichnete Leistungen in den medicinischen, 
mathematischen und Naturwissenschaften: Malpighi 
(f 1694) gehört zu den grössten neuern Anatomen. Cassini 



Sechsundzwanzigstes Capitel. Italien. 225 

(1625 — 1712) bereicherte die Astronomie durch wichtige 
Entdeckungen, Piazzi durch Entdeckung der Ceres 180i. 
Astronom und Mathematiker Frisi, 1727 — 84. GalvanTs 
(f 1799) thierische Elektricität, Volta's (1745 — 1827) gal- 
vanische Batterie. 

Saluzzo's Akademie seit 1783 zur Erforschung des 
Alterthums: Corsini, Morelli, Fabroni, Bandini, Audiffredi, 
Maffei, Lanzi, Rosini, Fea, Ignarra, Ficcoroni, Manni, 
Sestini u. A. Winckelmann's Leistungen. 

§. 373. Vierte Periode: Neunzehntes Jahrhundert. 
Politische Bewegungen und Handlungen als Vorläufer der 
franzosischen Revolution. Verkündigung der republikani- 
schen und philanthropischen Ideen, welche mit der franzo- 
sischen Literatur in Italien eindrangen, von Beccaria im 
Norden, von Filangieri im Süden von Italien. Aufhebung 
des Jesuitenordens 1774. Kaiser Joseph's IL, Grossherzog 
Leopold's von Toscana, Tanucci's und Sambuca's Reformen 
in Neapel. Parini's Verspottung des Adels. Verri gegen 
die Akademien. Cesarotti's, Monti's, Foscolo's, Spedalieri's, 
Pellico's Freiheitsruf. 

Mailand Italiens Athen seit 1805. Foscolo, Gesetz- 
geber auf dem Gebiet der ästhetischen Kritik. Seine Tu- 
gendschule. Die classische und romantische Schule 
voll Eifers für das Erziehungswesen. Der Romanticismus 
Manzoni's (geb. 1784), Gioja's und Grossi's in dem ,Con- 
ciliatore 6 gegen den Classicismus der von Monti, Acerbi, 
Breislakund Giordani 1816 gegründeten ,Bibliotheca italiana 4 . 
Graf Perro in Mailand, Mäcen der Romantiker. Pellico's 
,Le mie prigioni 4 . Philolog und vielgepriesener Lyriker ist 
Graf Leöpardi (1798—1837: ,Canti c , 1831 ; deutsch von Kanne- 
giesser). Hymnopoeten: Manzoni, Borghi, Arici, Emiliani, 
Montinari, Costa, Muzzarelli, Vittorelli u. A. Geistlicher 
Redner Barbieri. 

Stürmende Romantiker: Guerazzi, Guarlandi. Vereini- 
gungsversuche der classischen und romantischen Schule 
durch Niccolini (geb. 1786): Tragödien: ,Polissena ; , ,Ino 
e Temisto 4 , ,Medea c und ,Edipo c , ,Antonio Foscarini 4 , Gio- 
vanni da Procida 4 , ,Arnoldo da Brescia 4 , ,Lodovico il Moro 4 , 
,Filippo Strozzi 4 . 

Uebersetzungen aus dem Französischen, Englischen und 
Deutschen (Cesare Cantü: ,Biblioteca scelta 4 ). 

ME ALEXE R. \^> 



226 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Mittelmässigkeit der Romandichter. Gute historische 
Romane Guerazzi's. Sittenromane des Neapolitaners Ranieri. 

Geschichtschreiber: Compagnoni, Ramboldi, Serva, 
Manno, Litta, Varese, Garzetti, Morbio, Coppi, Cantü, 
Muletti, Coletta, Pagano, Ranieri, Cassetta, Moise u. A. 

Philosophen: Romagnosi (geb. 1761), Borelli, BozzeUi, 
Galluppi, Rosmini (Orden der christlichen Liebe seit 4828, 
bestätigt 1839). Seine Schüler Tarditi, Tommaseo und de 
Cavours (,Fragm. philos.', 1841). Sein Gegner Gioberti. 

Der gegenwärtige politische Zustand Italiens erschwert 
die Studien und macht den Schriftstellern das literarische 
Leben ausserordentlich sauer. 



Siebenundzwanzigstes Capitel. 

Spanien. 

§. 374. Neben der römischen Schriftsprache (sermo ur- 
banus) bildete sich auch hier eine Umgangs* und Volks- 
sprache (lingua Romana rustica), welche die Westgothen 
nach ihrem Uebertritt zum Katholicismus (unter Reccared 
um 600) so sehr zu ihrer eigenen machten, dass sie aus 
ihrer Muttersprache nur jene Worter beibehielten und dem 
spanischen Romanzo einbürgerten, die sie zur Bezeichnung 
der ihnen eigenthümlichen Staats- und Kriegsinstitutionen 
nöthig hatten. Einen neuen Zusatz, besonders in Bezug auf 
die Ausdrucke der Industrie, Wissenschaft und des Handels, 
brachten seit 711 die Araber. Beimischungen aus dem Phöni- 
kischen, Griechischen und Hebräischen. Doch erstreckt sich 
der fremde Einfluss nur auf Lautlehre und Wortgehalt; 
Wortbildung und Biegung sind in dieser hochtönenden 
Mundart echt romanisch geblieben und näher dem Latein 
als selbst in der italienischen. 

§. 375. Die ältesten schriftlich aufgezeichneten Spuren 
des Spanischen finden sich im 7. Jahrh. in Isidor's ,Origines'. 
Zur Schriftsprache ausgebildet erscheint am frühesten die 
castilische Mundart (lengua castellana) in der Reim- 
chronik (1130? abgeschrieben 1207) von den Thaten des 
Cid Rodrigo Diaz de Vivar el Campeador (f 1099), in dem 
westgothischen Gesetzbuche aus dem 13. Jahrh.: Forum judi- 



Siebenundzwanzigstes Capitel. Spanien. 227 

cum (Fuero juzgo, Ausgabe der Akademie 1815). Konig 
Alfons X., der Weise (geb. 1221, f 1284), erhob die casti- 
lische Sprache zu öffentlicher Gültigkeit im Geschäftsleben, 
doch wurde sie erst gegen die Mitte des 16. Jahrh. durch 
die ganze spanische Monarchie die herrschende im eigent- 
lichsten Sinne des Worts. 

Daneben dauerte die mit der provenzalischen und limou- 
sinischen verschmolzene c ataionische Poesie bis in das 
15. Jahrh. fort, wie die Gedichte Peter's HL von Aragon 
(f 1285), Friedrich's von Sicilien (f 1326), Heinrich's von 
Villena (f 1434), Ausias Marcha Valencia (f 1450) und 
der Roman ,Tirante des Martorell 4 (1435) bezeugen. 

Die galicische Mundart bildet den Uebergang zum 
Portugiesischen, die catalonisch-valencianische oder limou- 
sinische zum Französischen l . Daneben in der Provinz Bis- 
caya die Sprache der alten Cantabrer, die jetzt Baskisch 
oder Vaskisch heisst 2 . 

1 Aldrete , Origen de la lcngua castellana, 4606 und 4682. 
N. Antonii, Bibl. Hispan., 4696; cur. Bayert, 4 788* Mayans y Zisoab, 
Origines de la lengua esp., 4 737. — 2 W. v. Humboldt, Prüfung der Unter- 
suchungen über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der baskischen 
Sprache, 4824, und einige Spanier: Zarramendi 4729 u. 4745, Astartoa 4803, 
Iztueta 4824. Eine Sammlung baskischer Nationallieder 4826. 

§. 376. Grammatisch und lexikalisch behandelte das 
Spanische zuerst Anton de Labrija 1492. Gesetzgebend 
wurde für dasselbe die Grammatik und das Wörterbuch der 
spanischen Akademie (zuerst 1771), später bereichert durch 
Salva. 

Grammatiken von Franceson, Keil und Fuchs. Handlexika von 
Feanceson und Seckendorf. Etymologisches Wörterbuch von Covarru- 
bias 4674, Cabrera 4837* Etymologische Beiträge von Caballero 4 834- 
Synonymik von Huerta und March. Für Orthographie ein Tratado der 
Akademie (Normal ausgäbe 4845). 

§. 377. Zur Literatur. 

Vela8qüez , Origines de la poesia castellana , 4 754 ; bearbeitet von Dieze, 
4 796. Sarmiento , Memoria para la historia de la poesia y poetas espanoles. 
Mobbdano , Hist. literaria de Espana. Martinez de la Rosa , Sobre la poesia 
epica espanola. Ochoa , Noticia de todos los poetas espanoles. Quinitana, 
Annalisti dei principali poemi epici spagnuoli. Argota de Molina, Discurso 
sobre la poesia castellana. Viardot, Etudes de l'Espagne; deutsch bearbeitet 
von Thdr. Hell, 4836. Ticknor, Hist. of the Span. lit. , 4 849; deutsch von 
Julius, 4852. Wolf, Beiträge zur Geschichte der castil. Nationalliteratur. 
Brinckmbier, Abriss einer documentirten Geschichte der span. National- 
literatur von den frühesten Zeiten bis Anfang des 4 7. Jahrh., 4844. Clarüs, 
Darstellung der span. Literatur im Mittelalter, 4846. v. Schack, Geschichte 
der dramat. Kunst und Literatur in Spanien, 4 845; 2. Aufl. 4 855. Di« 
Werke von Boutbrwek, Bd. 3 (spanisch von Gomez de Corlma ^ 



828 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

Hugalde y Molinedo, 4829) and Sismoxdi, Bd. 2, and die bezüglichen 
Abschnitte in den literarhistor. Werken von Schlegel, Wachler, Grässr, 
Rosbnkrakz, Mumdt, Scherr n. A. Lbmcke , Handbuch der span. Lite- 
ratur in 3 Bdn., 4855 fg. Sammelwerke von Sedaro, Camp an y, Mendibil 
t Silvela, Qcihtaha: Poesias selectas castellanas und Musa epica esp., 
4830 — 33; Bohl de Feber, Ochoa und Macrt : Espagne poetique, 4 826; 
Püibüsqüe, Hist. comparee des litt. esp. et franc., 4843; Buenaybntura 
Carlos Arid au, Biblioteca de autores esp., desde la formacion del len- 
guaje hasta nuestras dias, 1846 fg. 

§. 378. Die beiden ersten Perioden der spanischen 
Nationalliteratur gehören dem Mittelalter an, während wel- 
cher Zeit eine ununterbrochene Neutralisation des abend- 
ländisch-christlichen Wesens mit dem sarazenischen (711 — 
4492) stattfand. Unaufhörliche Kreuzzüge und Streben nach 
Reinheit des Geblüts und des Glaubens trotz aller Liebes- 
und Verwandtschaftsbande zwischen Christen und Mauren. 
Bei dem ausserordentlichen Reichthum, der hier nebst den 
tapfersten Rittern zusammenströmte, entwickelte sich ein 
eigentümlich schönes Leben in ritterlicher Thätigkeit und 
Galanterie und in Pflege ländlicher Cultur, überall begleitet 
von Liedern und von Interessen romantischer Liebe. 

§. 379. Romanzen (Romances) nannte man die Poesie 
überhaupt. Dann verband man damit eine dreifache Bedeu- 
tung: die Vulgärsprache, die lyrisch -epische Dichtung (can- 
tares, decires) und eine Versart, bestehend aus acht- und 
sechssilbigen Versen mit trochäischem Rhythmus (versos de 
redondilla mayor y menor), in den epischen Dichtungen ohne 
Strophenabtheilungen, in den lyrischen in Stanzen (estancias) 
oder Couplets (coplas) getheilt. Erfinder dieser Dichtungs- 
gattung soll der Araber Mocdem ben Maaref (im 10. Jahrh.), 
Meister darin Ebadet Alcazzaz sein. 

§. 380. Die erste Periode reicht von den ersten künst- 
lichen Schöpfungen in castilischem Romanzo bis auf die 
Zeiten Johann's II. von Castilien, 1406 — 54. Vorherr- 
schen der epischen und didaktischen Richtungen. 

,Poema del Cid' eines unbekannten Verfassers zwischen 
1135 — 57 K Bernardo del Carpio. Fernan Gonzalez, erster 
Graf von Castilien. Reine Epen konnten die Spanier 
als Mischvolk nicht haben. Die kirchlich -ritterlichen 
Poesien (Legenden) : Gonzalo von Berceo , 1 1 98 — 1 268. 
Die Trobadores (Dichter) und Jogiares (Sänger) der Ritter- 
romanzen: Juan Lorenzo Segura aus Astorga (Mitte des 
13. Jahrh.) in dem ,Poema de Alejandro Magno 42 . 



* Siebenundzwanzigstes Capitel. Spanien. 229 

Aus der Ritterromanze ging der Ritterroman hervor, 
und zwar die Amadisromane, von Vasco de Lobeira aus 
Oporto (f 1325 oder 1403) in portugiesischer Sprache; seine 
spanische Bearbeitung erhielt er durch Garzia Ordonnez de 
Montalvo (Ende des 15. Jahrh.). S. unten §. 454, 5. 

Alfons X. ist Förderer der Wissenschaften, Gönner der 
Gelehrten und Dichter, Schöpfer der spanischen Prosa; seine 
Gesetzsammlungen 3 , sein didaktisches Gedicht ,Libro del 
tesoro 6 del candado 6 ; sein Beispiel wirkte auch auf seine 
Nachfolger günstig, auf Sancho IV., Ferdinand IV., Al- 
fons XI. (, Allgemeine Chronik' in Redondilien). Der bedeu- 
tendste Dichter des 14. Jahrh. ist Juan Ruiz, Erzpriester von 
Hita (f 1351), als Satiriker und Erotiker. Lopez de Ayala 
(1332 — 1407): ,Rimado de palacio c . Der Jude Rabbi Santo: 
,Consejos y documentos al rey Don Pedro' (den Grausamen). 

Chroniken von Ayala, Juan Nunez de Villason. Reise- 
beschreibung des Ruy Gonzalez de Clavijo, 1403 — 6, der 
als Gesandter an Timur nach Samarkand ging. 

1 Das Original in Schübert's Bibl. castellana, portuguez y provenzal, 
4809. Inhalt im Auszuge bei Clarus, I, 490 — 211. Uebersetzungen der 
Cidromanzen von Herder, Dutlenhofer, Begis (das Liederbuch vom Cid, 
4842), der seiner Arbeit das von Keller vollständig publicirte Romancero 
del Cid, 4840, zu Grunde legte. Mönnich, Herder's Cid und die span. 
Cidromanzen, 4855, unten §. 485. — 2 Ihre Sammlung erfolgte erst im 
45. und 46. Jahrb.: Cancionero general, 4544; Cancionero de romances, 
4555; Romancero general, 4604; Romancero y cancionero, 4832; Roman- 
cero castellano, 4844. Uebersetzungen von Herder, Jariges, Wolf, Geibel, 
Clarus, Arenlsschildt u. A. Sanchez, Coleccion de poesias castell. ante- 
riores al siglo XV., 4842. — 3 Herausgeg. v. d. Akademie d. Gesch., 4836. 

§. 381. Zweite Periode, das 15. Jahrhundert, 1406 — 
1546. Lyrische Poesie, hofische Kunstlyrik nach dem 
Muster der Troubadourpoesie: der spanische Ennius Juan 
de Mena, 1412 — 56; Inigo Lopez de Mendoza, Marques 
von Santillana oder Santa Juliana , 1398 — 4458; drei Manri- 
ques (Rodrigo, Gomez und Jorge, 1470), Juan de la En- 
zina (1500) K 

Anfänge des Dramas: Villena, 1412 (auch Poetik: la 
gaya ciencia), das Schäfergespräch ,Mingo ßebulgo' (1450) 
und Rojas' ,Celestina c (vor 1500, deutsch von Bülow, 1843) 
bestimmten den Ton für das Lustspiel. Hauptbestandtheil 
der Dramatik Spaniens ist die Komödie, wie jedes in drei 
Acten oder Tageszeiten (Jornadas) getheilte, in Versen ver- 
fasste Schauspiel hiess, das die Mitte zwischen den tragi- 
schen und komischen Elementen hielt. Awcta Väet ^^% ^»* 



230 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Drama zunächst aus den geistlichen Mysterien hervor. Es 
folgten die Autos sacramentales (Fronleichnamsstucke) , Autos 
al nacimiento, Comedias divinas und De santos, Comedias 
de ruido, De capa y espada, Loas (Lobgedichte als Vor- 
spiele), Pasos, Farsas, Entretneses (Zwischenspiele), Sai- 
netes (Divertissements), Comedias de figuron. 

Geschichtsstil des Hernando del Pulgar und Mendoza 2 . 

1 Ihre Cancioneros von Baena und Fernando del Castillo, \'d\\. — 
2 Coleccion de cronicas jener Zeit, 4779 — 87. 

§. 382. Dritte Periode, 1546-1700, goldenes Zeit- 
alter der Literatur der Philippe. Die Autos da F£ hindern 
nicht den Aufschwung zum Schönen. In dem spanischen 
Reiche geht die Sonne nicht unter. Seine Ausdehnung über 
Neapel (durch den zweiten Cid, Gonsalvo Fernandez de Cor- 
dova, el gran capitano), Mailand, die Niederlande, Mexico 
und Peru. Castilien und Aragonien vereinigt unter den 
Habsburgern. Einfluss italienischer Literatur. Die mauri- 
schen oder moresken und die Schäferromanzen; deren Samm- 
lungen in ,Silvas 4 und ,Rosas 4 von Juan de Timoneda, 157$, 
Miguel de Madrigal , 1 605 K 

1 Neuere Romanzen von J. Grimm 4815, Depping 4847, Wolf 4846. 

§. 383. Unter vielen aus dem Klerus und Adel hervor- 
gegangenen Dichtern sind Tonangeber und Stellvertreter des 
Nationalgeschmacks, mit Nachbildung italienischer Muster: 
Boscan (1492 — 1542: ,Hero und Leander 4 nach Musäos, 
,Reich der Liebe 6 ; seine Werke 1543), Garcilaso de la Vega 
(1503 — 36: Eklogen, Elegien, Canzonen, Sonette, Oden, 
Episteln, Lieder; durchweg vortrefflich; seine Werke 1580). 
Ihm folgten zwei Portugiesen: Saa de Miranda, 1495 — 1558, 
und Montemayor (1520 — 61 : Schäferroman ,Diana 4 ). Ferner: 
Gil Polo (,Diana enamorada 4 , 1564), Mendoza aus Granada 
(1500 — 75: ,Lazarillo de Tormes 4 , 1586, ein echtspanischer 
Schelmenroman ; deutsch von Keil 1810). Die grossen Lyriker 
Herrera (f 1578: ,Oden 4 ) und Ponce de Leon, 1527—91 *. 

Die Epik beschäftigte sich vorzugsweise mit Verherr- 
lichung Karl's V. in den sogenannten ,Caroleas 4 und mit 
den Kriegs- und Seezügen der Spanier. Rufo's , Austriade 4 , 
Virues' ,Monserrate 4 und Ercilla's (geb. 1533; ,Araucana 4 
(deutsch von Winterling, 1831) bezeichnet Cervantes als die 
trefflichsten epischen Werke in castilianischer Sprache. 

1 Hoffmann's Blüten span. Poesie liefern eine Auswahl von Gedichten 
der eben Genannten. 



Siebe nundzw an zig sLes Capitel. Spanien. 231 

§. 384. Miguel de Cervantes Saavedra aus Alcala de 
Henares (1547 — 1616) wollte durch seinen ,Don Quijote* 
eine Reform des Geschmacks und der Denkart bei seinen 
Landsleuten hervorbringen und jenem abenteuerlichen Helden- 
geiste mit allen seinen ebenso lächerlichen als Übeln Folgen, 
deren Quelle die Ritterromane waren, ein Ende machen 1 . 
Zugleich ist er der erste Spanier, der Novellen schrieb. 

1 Ins Deutsche übertragen von Bertuch, Tieck, Soltau, Keller u. A. 
Sämmtliche Romane und Novellen von Keller und Notter , \ 840 — 42. 
Gesammtausgabe seiner Werke: zu Madrid 1803 — 5 (ohne die Komödien) 
und 4829 (ohne die Reise nach dem Parnass), Baudby in der Coleccion 
de los mejores autores espanoles, 4840 fg. 

§. 385. Die glänzendste Periode des spanischen Dra- 
mas reicht vom Ausgang des 46. bis gegen Ende des 17. 
Jahrh., und die zahlreichen Bühnendichter jener Zeit ge- 
stalten sich in zwei grosse Gruppen, als deren Mittelpunkte 
Lope de Vega und Calderon de la Barca glänzen. 

Ueber die Schauspielerbanden, deren er acht Gat- 
tungen aufzählt, handelt die ,Unterhaltende Reise 6 des Rojas, 
1603, und über das spanische Drama F. Wolf in seiner Re- 
cension des Schack'schen Werks (,Geschichte des spanischen 
Dramas c ) in den ,Blättern für literar. Unterhaltung 4 , 1846 — 49. 

Wellmann, Die vier ältesten spanischen Dramatiker, in Prutz Literar- 
historischem Taschenbuch, 4843, 203 — 250- 

§. 386. Der genialste dramatische Dichter Spaniens ist 
Lope Felix de Vega Carpio aus Madrid, 1562 — 1635, dessen 
geistige Fruchtbarkeit zum Sprichwort geworden und mit 
Recht allgemein bewundert ist. Man hat von ihm zwei 
Epopöen: ,Angelica c und ,La Jerusalen conquistada 4 , fünf 
mythologische Gedichte: ,Circe 4 , ,Andromeda% ,Philomela 4 , 
,Orfeo c und ,Proserpina 4 , vier grossere historische Gedichte : 
,San-Isidor 6 , ,La Dragontea c , ,*La Corona tragica 6 und ,La 
virgen de la Almudena', ein komisches Heldengedicht unter 
dem Namen des Tome de Burguillos: ,La Gatomaquia 6 , 
mehre beschreibende und didaktische Gedichte, wie ,La 
descripcion de la Tapada', ,E1 laurel de Apolo c , ,La Mada- 
lena 4 , ,E1 nuevo arte de hacer comedias' (eine Art Poetik 
oder Dramaturgie), eine Unzahl von Sonetten, Romanzen, 
Oden, Elegien, Episteln etc., mehre Werke theils in Versen, 
theils in Prosa, acht Novellen in Prosa. Sein Hauptruhm 
besteht in seinen Komödien, deren bis 1632, wo er auf- 
hörte für die Bühne zu schreiben, über 1500 fertig vra»\Ä\s^ 



332 Zweite* Buch. EÜmodoktologie. 

doch sind nur 320 in der Sammlung seiner ,Comedias c , 
4604 — 47, im Druck erschienen. In jeder Stoff- und Stil- 
gattung des Dramas hat er Ausgezeichnetes geleistet. Er 
soll 21,346,000 Verse geschrieben haben. Für seine Komö- 
dien soll er 80,000 und für seine Autos 6000 Dukaten Ho- 
norar erhalten haben. 

Uebersetzungen einiger Dramen von Malsburg, Soden, Dohrn, Sehack. 
Analysen von 24 Stücken gab Enk in seinen Stadien über Vega, 4839, und 
Richard Uebersetzungen seiner Romane und Novellen in: Lope's romantischen 
Dichtungen, 4824—27. Seine Werke Madrid, 4 776 fg., 2Quartbde., ohne 
die dramatischen Werke, die noch nicht alle gedruckt sind. Sein Schüler 
Mohtalyah: Fama posthuma a la vida y muerte de Lope de Y. , 4636. 
Lord Holland: Some account of tbe life and writings of L. d. V., 4806. 

§. 387. Calderon de la Barca aus Madrid (1601—87), 
das grosste poetische Genie, welches der Katholicismus 
hervorgebracht, der katholische Dichter par excellence *. 
Im Ganzen sind von ihm 428 Dramen, heroische Komödien, 
historische Schauspiele, romantische Tragödien (obenan: 
,Der standhafte Prinz 4 ), Intriguenstücke, 95 Autos sacra- 
mentales, 200 Loas, 400 Sainetes 2 . 

1 Urtheile über ihn von Schlegel, Vol. Schmidt (Wiener Jahrb. d. Lit., 
4822, XVII fg.), Sehack, J. Schmidt (Gesch. d. Romantik), Zimmermann 
(Zur Gesch. d. Poesie, 4847), F. v. Baumer (Hist. Taschenb., Neue Folge, 
3. Jahrg.), Immermann (Deutsche Pandora, Bd. 3). — * Vollständigste 
Ausg. d. Schauspiele zu Madrid 4683 — 89, de Apuntes 4760 — 63, Keil 
4 820 fg. Meisterhafte Uebersetzungen einzelner Stücke von A. W. Schlegel 
in seinem Span. Theater, Gries, Malsburg. Auf die deutsehe Bühne brachten 
ihn Goethe und Schlegel. Von Eichendobff, Zur Gesch. des Dramas, 4854. 

§. 388. Zwei Hauptrichtungen der Prosa: Streben 
nach Concision und Eleganz der Form, den antiken Mustern 
entsprechend, und Entwickelung des Nationalstils nach Men- 
doza's Vorgange. 

Treffliche Leistungen für die Novelle und den Roman 
(Flut von Ritterromanen): Timoneda (,Patranos 4 , 4576), 
Aleman (f nach 4600), Guevara, 1574 — 4646, u. A. Histo- 
rischer Roman: Hita, Vega. Religiöser Roman der Nonne 
Agreda (f 1675). 

Didaktiker: Guevara (f 1544), Oliva (f J533), Mexia 
(f 4552), Las Casas (4 474 — 1566: Sklavenhandel), Ant. 
Perez (f 4641), Diego de Saavedra (f 4648), Gracian 
(+ 4652: Gongorismus). 

Historiker: Avila (Feldzüge KarFs V.), Ocampo 
(f 4576? Urgeschichte Spaniens) und seine Nachfolger 
Morales , 1 5 4 3 — 9 , und Molina. Zurita (4542 — 80: , Anales 
de la corona de Aragon c ) und sein Fortsetzer Argensola 



Siebenundzw einzigstes Capitel. Spanien. 233 

(auch die Eroberung der Molukken). Garilay (f 1600?) 
und Sylva, Graf von Portalegre , beachteten den Zusammen- 
hang der spanischen und portugiesischen Geschichte. Coloma 
(Geschichte der Kriege in den Niederlanden, 1588 — 99). 
Moncada (1586 — 1635: Expedition gegen die Türken und 
Griechen). Mariana (1537 — 1623: allgemeine Geschichte 
Spaniens ). Herrera ( 1 549 — 1 625 : Westindien ). Xeres 
(,Hist. de la conquista del Peru 4 ; deutsch von Külb) und 
sein Fortsetzer Zarate. Castillo (,Hist. verdadera de la con- 
quista de la nueva Espafia 4 ; deutsch von Rehfues) und sein 
Fortsetzer Gomara, Torquemada, Clavigero, Ant. de Solis 
(1610 — 86: ,Hist. de la conquista de Mexico 4 , 1684; deutsch 
von Förster). Melo (,Hist. de los movimientos, separacion 
y guerra de Cataluna en tiempo de Felipe IV. 4 , 1621 — 65). 

§. 389. Vierte Periode. Die letzten 150 Jahre. 
Eindringen der modernen, besonders französischen Bildung 
in Spanien mit der Thronbesteigung des Hauses Anjou *. 
Den französischen Kunstton forderte Luzan (seine ,Poetik 4 , 
1737, f 1754), 'dagegen war Vertreter der Nationalliteratur 
Garcia de la Huerta (f nach 1787). Gemässigte Reforma- 
toren: Moratin, Cadahalso, Iriarte (f 1794), Cienfuegos, 
Gunitana. Zamora's ,Don Juan 4 , 1722. 

Neuer Aufschwung durch die französische Invasion; neue 
Productionsepochen 1812, 1820, 1834: Martinez de la Rosa, 
Angel de Saavedra, Breton de los Herreros; die Neuesten: 
Tapia, Maury, Hartzenbusch u. A. 2 . 

Wiederbearbeitung der Romanzen- und Sagenpoesie durch 
Saavedra, Mora, Zorilla u. A. Im Drama Nachahmung fran- 
zösischer, britischer und deutscher Muster: Moratin (f 1828) 
u. A. ,Galeria dramatica 4 und ,Teatro moderno 4 3 . 

Ausgezeichnete Prosaisten auf den Gebieten der histo- 
rischen* Disciplinen, der Geographie und Statistik. Marques 
de San-Felipe (f 1726: Geschichte des Successionskriegs), 
Isla, f 1781, Clavijo, 1726 — 1806, Campomanes, 1725— 1803, 
Munoz (1745 — 99: beste Geschichte der Entdeckung und 
Eroberung Amerikas), Conde (1770 — 1820: Geschichte der 
arabischen Invasion), Llorente (1757 — 1823: Geschichte 
der spanischen Inquisition in französischer Sprache), Tapia 
(Culturgeschichte Spaniens seit 711, 1840); Toreno, Ar- 
guelles und Maldonado schrieben die Geschichte des Unab- 
hängigkeitskriegs, 1835 — 37. Gunitana: .>Vidia& dst fe^^- 



234 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

les celebres. 4 Navarrete: ,Coleccion de los viages y descu- 
brimientos. c 

1 Der Spanier Mora schildert das Verderben jener Zeit. Blätter zur 
Kritik d. Lit. d. Auslandes, 4840. — 2 Ochoa, Apuntes para una biblio- 
teca de escritores espanoles contemporaneos, 4840 fg. Brinckmbier, Natio- 
nallit. d. Spanier im 49. Jahrh., 4850. — 3 Ueber einige spanisch - ameri- 
kanische Dichter: Heredia, f 4839, lrujillo, Alpuche, f 4844, Milanes, 
den Mulatten PI aciclo, f 4844, finden sich im Juliheft der Blätter für lit. 
Unterhaltung, 4850, Nachrichten; Thaies Bernard im Athenaeum francais 
und Magazin für die Lit. des Auslandes, 4855» Nr. 55* 

§. 390. Die wissenschaftliche Literatur hat sich m 
Spanien weniger glänzend entwickelt als die National- 
literatur; geistlicher und weltlicher Druck haben besonders 
den Aufschwung der Philosophie gehindert. Der Dia- 
lektiker Raimundus Lullus aus Palma auf Majorca, 1234 — 
1315 *; in neuester Zeit der Philosoph Jahne Bahnes. 

Auch die wissenschaftliche Theologie erlag der Inqui- 
sition und dem Jesuitismus: Isidorus Hispalensis aus Carla- 
gena, geb. 636 2 ; in neuester Zeit Bibelübersetzung von 
Torres Amat, Felipe Scio de San -Miguel und Gonzalez 
Carvajal; Villanueva 1834, Romo 1843. 

Die Rechtswissenschaft und Politik sind gleichfalls 
erst in neuester Zeit angebaut 3 : Donoso, Cabarrus, Cang-a- 
Arguelles, Florez Estrada. 

Verdiente Mediciner erhielt Spanien erst im 18. Jahrh. 
Botaniker: Cavanilles, f 1804, Ruiz, Rojas demente, Azara, 
Lagasca und Ruiz y Pavon. Zahlreiche Mineralogen. Königl. 
Akademie der mathematischen und Naturwissenschaften zu 
Madrid, 1847. Mathematiker: Navarrete, Lista u. A. Unter- 
geordnete Stellung der Philologie: Salva. 

Scientifische Journale und Encyklopädien seit 1842 in 
Madrid und Barcelona. Juan Penalver: ,Panlexicon ; , 1842. 

1 S. Werke von Salzinobr, 4724—42, in 40 Bdn. — 2 S. Werke 
von Faustus Aeevalo, 4797 — 4803, 7 Bde. — 3 Coleccion de Cortes 
de Leon y Castilla von der Akademie d. Gesch. , 4 836 — 43. 



Achtundzwanzigstes Capitel. 

Portugal. 

§. 391. Sprachlich gehört zu Portugal die ganze Nord- 
westküste der Pyrenäischen Halbinsel. Im Vergleich mit 
dem Castilianischen enthält das Portugiesische eine grössere 
Beimischung des Französischen aus den Zeiten Heinrich's 



Achtundzwanzigstes Capitel. Portugal 235 

von Burgund (1 1 09), geringere des Arabischen J . Die älteste 
rein portugiesische Urkunde ist mit era 1230 = 1492 ge- 
zeichnet 2 . Die Mundarten von Galicia, Minho und Beira. 

1 Untersuchungen von Franc, de Santo -Luiz, -1827, und JoÄo db 
Sousa, 4830- Nünez de Leon, Del origen de la lengua portuguesca, 
4 606. Thätigkeit der Akademie der Wissenschaften zu Lissabon für Gesch. 
d. portugies. Sprache. — 2 Ribeiro's Urkundensammlung, 4798. Santa- 
Rosa de Viteebo, Elucidario, 4798. Das beste Wörterbuch von dem 
Brasilianer Antonio de Moraes Silva, 4789- Solano Constancio, 
Kritisch -etymolog. Wörterbuch, 4836, und Sprachlehre, 4831. Die beste 
Grammatik von Barboza, 4830, für Deutsche die von Aldoni, 4843* 
Roquette, Dict. portugais - franc. , 4853. 

§. 392. Die Verschiedenheit in dem Charakter und der 
Literatur der beiden stammverwandten Hauptvölker der Pyre- 
näischen Halbinsel ist theils in den geographischen, theils 
in ihren Mischungsverhältnissen mit fremden Nationalitäten 
begründet. Im Vergleich mit der spanischen entbehrt die 
portugiesische Literatur fast ganz und gar der Ori- 
ginalität, und man kann ihre Entwickelungsperioden vor- 
zugsweise nach den sie bestimmenden fremden Einflüssen 
eintheilen. So bildete sie sich in der ersten Periode bis 
zum 14. Jahrh. unter dem Einfluss der provenzalischen 
Kunstpoesie; in der zweiten bis zum Anfang des 16. Jahrh. 
unter dem spanischen Einfluss; in der dritten bis in die 
Mitte des 18. Jahrh. nach classischen, italienischen und 
spanischen Mustern; endlich in der vierten Periode nach 
dem Vorbilde der classisch- französischen, der englischen 
und der modern -europäischen Literatur überhaupt. Die 
charakteristischen Grundzüge der indigenen portu- 
giesischen Poesie sind süssliche Weichheit, melan- 
cholische Vagheit, elegische Sentimentalität, wie 
der Nationalcharakter. 

Quellen zur Literaturgesch. sind Machado's Bibl. lusitana historica, 
critica e chronologica, 4744 — 52; Cejo's commentirte Bibl. historica de 
Portugal, 4804; der akademische Catalogo dos livros, 4799; die Memorias 
de lit. portugueza der lissaboner Akademie d. Wiss. Literaturgesch. von 
Garrett durch seine historisch -kritische Einleitung zu dem Parnaso lusi- 
tano, 4826. Bouterwek, Bd. 4; Sismonöi, Cap. 36 — 40. Denis, Resume 
de l'hist. littäraire du Portugal, 4826, and Chefs - d'oeuvre du theätre portug., 
4823. Bellermann, Die alten Liederbücher der Portugiesen, 4840. 

§. 393. Erste Periode: bis zum 14. Jahrh. Volks- 
poesie, später in Liederbüchern (Cancioneiros) gesammelt, 
bis in das 8. Jahrh. hinaufreichend: ,Trovas dos Figueiredos c , 
deren Sprache jedoch dem 15. Jahrh. anzugehören scheint: 
Coelho's (?) Lied auf den portugiesischen Cid., <iwsv&ö"Äffit- 



236 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

miguez (1480); 260 Lieder in den ,Fragmentos de hum 
cancioneiro inedito 4 , 1823; des weisen Alfons X. geistliche 
Romanzen in altportugiesischer oder galicischer Sprache; 
Lieder des Königs Denis (Dionys des Gerechten, 1279 — 
1325; herausgegeben 1846). Die provenzalische Kunst- 
poesie zog mit Heinrich von Burgund und seinen südfran- 
zosischen Rittern 1109 ein. 

§. 394. Zweite PerioMe: 14. und 15. Jahrhundert. 
Der Hof bleibt Centrum der poetischen Bildung Portugals 
und die portugiesische Literatur ist fast nur Abdruck der 
spanischen Redondilhas, Cantigas, Vilhancicos. Die Konige 
von Alfons IV. bis Emanuel d. Gr. (1325—1521) sind 
Dichter und Sänger. Macias der Verliebte (o namorado) 
wird der berühmteste Liederdichter des 15. Jahrh. genannt. 
Garcia de Resende gab in seinem ,Cancioneiro general 4 
1516 Lieder von 150 Dichtern, als deren letzter und bedeu- 
tendster Ribeiro (1515) betrachtet wird, der Eklogen und 
den ersten portugiesischen Roman (,MeninaeMo£a c ) schrieb 
und die Glanzperiode der Literatur Portugals einleitete. 

Anfang der Prosa durch Chroniken und den ,Amadis 
de Gaula' (oben §. 380). 

§. 395. Dritte Periode, 1500 — 1750. Zu der den Ita- 
lienern nachgeahmten Schäferpoesie (Miranda, geb. 1495, 
und Montemayor) kam die Ritterromantik durch Moraes, 
(erpaordet 1572: ,Chronica de Palmeria de Inglaterra 4 ). Fer- 
reira (1528 — 69) ist Haupt der regelmässigen Kunstschule 
und lieferte in seiner ,Inez de Castro 4 die erste portu- 
giesische Tragödie in classischem Geschmack. 

Luis de Camoens (1529 — 79) lieferte in den ,Lusiaden' 
(08 Lusiadas, d. i. Lusitanen, deutsch von Booch-Arkossy, 1 85 4) 
das erste neuere Nationalepos, eine glanzvolle Verherr- 
lichung des besonders in Ostindien erworbenen portugiesischen 
Heldenruhms, angeblich zum grossen Theil gedichtet in einer 
Grotte bei Macao K Ausserdem schrieb er Sonette, Canzonen, 
Sestinen, Oden, Elegien, Eklogen, Stanzen, Redondilien, Epi- 
gramme, Satiren und drei Komödien (,Amphitruo c nach Plau- 
tus, ,König Seleucus 4 und ,Liebe des Philodem 4 ) 2 . A. v. Hum- 
boldt nennt Camoens im eigentlichen Sinne des Worts einen 
grossen Seemaler (Kosmos, n, 59). 

1 Ausgabe von Souza Botelho und in fast alle Sprachen übersetzt: 
ins Spanische von Gomes de Tapia, Garsos und Gil; ins Französische 



Achtundzwanzigstes Capitel. Portugal 237 

von Millie"; ins Italienische von Nervi und Briccolani; ins Englische von 
Mickle und Musgrave; ins Polnische von Przybylski; ins Deutsche von 
Donner. — 2 Obras completas von Barre to Fbio und Monteiro, 4834. 
Biographien von Magnin, 4844 ; Adamson, Memoirs of the life and writings 
of Luis Camoens, 4820. Camoens ist zum Gegenstande eines epischen 
Gedichts genommen (Camoes poema, 4825) von Almeida Garret. 

§. 396. Unter spanischer Herrschaft (1580 — 1640) auch 
Abhängigkeit von spanischer Literatur. Vasconcellos 
(f 1582): Lustspiele. Andrade Caminha (f 1589). Diego 
Bernardes (f 1596). Auch nach der Befreiung von spani- 
scher Herrschaft schreibt Mande Feria (f 1649) hauptsäch- 
lich castilisch. Lobo (Mitte des 16. Jahrh.) ist Dichter und 
besonders berühmter Prosaist, der den Ciceronianischen Pe- 
riodenbau einführte durch sein Werk ,Ueber das Benehmen 
eines Weltmanns 4 , 1619. Barcellar ( 1 61 — 63) ist schmach- 
tender Elegiker. 

Die Prosa gestaltete sich in Novellen und Romanen 
und erreichte ihre Vollendung in Joäo de Barros' (1496 — 
1570) trefflicher Beschreibung der Thaten der Portugiesen 
in Ostindien. Denselben Gegenstand bearbeitete gleichzeitig 
Castanheda. Alfons von Albuquerque (f nach 1576) feierte 
biographisch die grossen Thaten seines Vaters, ßrito ( 1 569 — 
1617): älteste Geschichte Portugals bis 1109. Andrada 
(f 1657): ,Vita de D. Joäo de Castro 4 , 1651. 

§. 397. Vierte Periode: Franzosischer Einfluss. Pom- 
bal's aufgeklärter Despotismus im Kampfe mit dem alten 
Obscurantismus. Menezes, Graf Ericeyra, 1673 — 1741, ist 
der erste Nachahmer der Franzosen in seiner ,Henriqueida c 
(Stiftung des portugiesischen Staats). Academia portugueza, 
1714, gestiftet nach dem Muster der französischen; Dichter- 
gesellschaft der Arkadier nach dem Muster der römischen. 
Der portugiesische Horaz Correo Garpäo. Komischer Sitten- 
maler Antonio Dinys da Cruz e Silva, 1 732 — 1 800. Dramatiker 
Gomez (,Inez de Castro 4 ; deutsch von Wittich). Der Bra- 
silianer Claudio Manoel da Costa, 1768. Francisco Manoel 
do Nascimento (1734 — 1819), Repräsentant des strengen 
classischen Stils , Lyriker und Prosaist. Manoel Maria Bar- 
bosa da Bocage (1766 — 1805) ist der berühmteste und volks- 
tümlichste unter allen neuern portugiesischen Dichtern; sein 
Gongorismus oder Elmanismus. Elegiker Castilho (geb. 1 800). 
Garret: ,Parnaso lusitano', 1826, und ,Satyricos portuguezes 4 , 
1834. — Constancio's Geschichte Brasiliens., \&£&* 



238 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

§. 398. Die Wissenschaften behielten in Portugal bis 
in die neuesten Zeiten einen scholastischen Zuschnitt, ob- 
gleich Nunez ein ausgezeichneter Mathematiker war und 
Magellan als Reisender und Entdecker (1519 — 21) europäi- 
schen Ruf hat. Der freiere Aufschwung begann erst durch 
die 1779 gestiftete Akademie der Wissenschaften. — Ferreira: 
,Magnum lexicon novissimum Lat. et Lusitan. 4 , 1843. 



§. 399. Das alte Dacien zwischen der Theiss, Donau, 
dem obern Dniestr und den Karpaten, also das ostliche 
Ungarn, Siebenbürgen, die Walachei, Moldau und Buko- 
wina umfassend, wurde von Trajan, 101 — 1 06, dem romischen 
Reiche einverleibt und mit romischen Colonisten bevölkert, 
welche die Stammväter der jetzigen Moldauer und Walachen 
in der Walachei, Siebenbürgen, Ungarn, im Banat und in 
der Bukowina geworden sind, wo die moldo-walachische 
oder daco-romanische Sprache geredet wird, die dem 
Lateinischen treuer geblieben zu sein scheint als die übrigen 
romanischen Sprachen, z. B. 

Lat.: iugnm, Daco-roman.: iuga, Ital.: giogo, Span.: yugo, Franz. rjoug 

— -locus, — — locu, — luogo, — lugär, — lieu 

— piper, — : — P*pe r > — P©pe> — pepe> — poivre. 

Körnbach, Studien über daco-roman. Sprache und Literatur, 4850. 
Scherr, Literaturgeschichte, S. 284. 

Die Romanen in Siebenbürgen führten 1643 statt der bis 
dahin herrschenden slawischen die romanische Sprache in 
die Liturgie ein*, und seitdem wurden in diesem Idiom Le- 
genden, Predigten und Kirchenlieder geschrieben. Neuere 
Lyriker sind: Assaky, Rossetti, Negri, Sion. Didaktiker: 
Alexandresku. Humorist: Negruzzi. Satiriker: Alexandri. 

Die Geschichte des türkischen Reichs von dem Hospodar 
der Moldau Demeter Kantemir (1673 — 1723) ist lateinisch 
geschrieben. 

Zweiter Kreis. 

Germanische Literaturen« 

§. 400. Drei Sprach- und Literaturgebiete sind es vor- 
zugsweise, die den grossten Einfluss auf die Civilisation 
der neuern Volker ausüben. Zwei davon gehören dem ger- 
manischen, eines dem romanischen Literaturkreise an. Die 
deutsche Literatur ist vor allen berufen, die von Goethe 



Neunundzwanzigstes Capitel. Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 239 

proclamirte Weltliteratur zu vermitteln, da sie unter allen 
Literaturen am wenigsten an nationaler Engherzigkeit leidet 
und das allgemein Menschliche am allseitigsten und rein- 
sten vertritt. Dennoch steht die Verbreitung der deutschen 
Sprache jener der französischen und englischen nach. Eng- 
land ist der Sitz einer stolzen Aristokratie, Frankreich hat 
die erbliche Aristokratie vernichtet; aber in ganz divergi- 
render Richtung ist die französische Sprache im weltmän- 
nischen Gebiet vornehmer Stände herrschend geblieben, wäh- 
rend die englische zur Völkersprache im Weltverkehr wird. 

Asson, De l'universalite de la langue franc., 1828- Mabggraff, 
Deutsche Literatur, Wissenschaft und Kunst im Auslande, in Bd. 42 der 
Brockhaus' sehen Gegenwart, 4856. 



Neunundzwanzigstes Capitel. 
Grossbritannien, Irland und Nordamerika. 

§. 401. Grossbritannien ist nicht nur ein europäisches, 
sondern in der That ein Weltreich, die Stifterin eines Welt- 
staatensystems, die hauptsächlichste Gründerin christlich- 
europäischer Cultur ausserhalb Europas. Wachsmuth, ,Cul- 
turgesch. 4 , III, 41—68. 

§. 402. Alphabet und Buchstaben dieser Sprache datiren 
aus römischer Zeit. In der Sprache selbst sind Urbestand- 
theile des Altbritischen, Celtischen oder Galischen. Ein- 
flu8S der Römer seit 50 v. Chr., der Angelsachsen seit 449 
n. Chr., des Christentums seit Ende des 6. Jahrh., der 
Dänen seit 780, der Normanno -Franzosen seit 1066. Hof- 
und Staatssprache wurde das Englische seit Eduard III., 
1 327 — 77. Ihre festere Begründung als Schriftsprache er- 
folgte durch die Uebersetzung der Bibel, 1535, und mehrer 
Werke des classischen Alterthums. 

Durch diesen Process wurde die englische eine der reich- 
sten Sprachen und durch Dichter und Redner, durch Schrift- 
steller und Künstler zngleich eine der gebildetsten und durch 
die Energie des englischen Nationalsinns eine der kräftigsten. 
Die reinsten Mundarten in London und Dublin. Die Volks- 
patois. Das nordamerikanische Englisch. 

Walkbb, Pronouncing dictionary, (33. A.) 1839. Flügel, Vollst, 
engl.-deut. Wörterbuch, (3. A.) 4844. Spobsohil, Deutsch -engl. Wörter- 
buch, (2. A.) 4838. Sprachlehren von Waoner 4823, Flügel 4824, 
Lloyd 4844, Schmitz (3. A.) 48ö3. Ueber die ItL^^vet^T^OftKo. \w 



240 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Nord- und Südamerika: Ludwig, The literature of American aboriginal 
linguistics, seit 1852. 

§. 403. Zur Literatur. 

Warton, History ofEngl.poetry, 1775 — 84 u. 1824, vom 14.— 16. Jahrh. 
reichend. Johnson, Lives of the most eminent Engl, poets, (neue A.) 4 846* 
Isaak d Israeli, Curiosities of literature. Hazlitt, Literary remains, 1836- 
Montgombrt, Lectures on poetry and general literature, 4 833. Collier, The 
bist, of Engl, dramatic poetry, 4834. Cünningham, Hist. of Engl. lit. from 
Johnson to Scott, 4 833. Stanhopb Bcsby , Lecture on the Engl, poetry to the 
time of Milton. Chambers , Cyclopaedia of Engl, lit., a hist. crit. and biogr. 
of British autors, 4844. Wright, Essays on the lit., populär superstitions and 
hist. of England in the middle ages, 4846. Hallam, The hist. of middle ages 
und Introduction of the lit. of Europa in the 4ö th Century, 4837. Craik, 
Sketches of the hist. of lit. and learning in England , 4 844. Ellis , Speci - 
mens of the early Engl, poets, (5. A.) 4845. Der Italiener Pecchio : Storia 
della poes. ingl., 4837. Der Franzose Chateaubriand und die Revues. 
Eschenburg's Auszug aus Warton als Bd. 3 der Nachträge zu Sulzer. 
Ferner die öfter genannten Literaturwerke, auch Herder in seinen Stimmen 
der Volker in Liedern. Talvj , Geschichtl. Charakteristik der Volkslieder 
german. Nationen (über engl. Volkslieder S. 473 — 644), 4840. Fiedler, 
Gesch. der volksthüml. schottischen Liederdichtung, 4846. Ellissen, Poly- 
glotte der europ. Poesie. Die englischen Reviews, die deutschen Blätter 
zur Kunde der Literatur des Auslandes seit 4836. Magazin für Literatur 
des Auslandes. Herrig und Viehoff, Archiv für das Studium neuerer 
Sprachen und Literaturen. Bensch, Gesch. d. engl. Spr. u. Lit. von den 
ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst, 4853. W. Spal- 
ding , Gesch. d. engl. Lit. nebst Proben aus den bedeutendem Schriftstellern 
und einer Entwickelungsgeschichte der engl. Spr., deutsch 4 854. Büchner, 
Gesch. d. engl. Poesie von der Mitte des 4 4. bis zur Mitte des 49. Jahrh. , i 855. 
Durr's Collection of Standard American authors, seit 4855, enthält: Bjrd, 
Bryant, Cooper, Curtis, Emerson, Franklin, Harlakd, Hawthoriste, 
Longfellow (dessen Hiawatha die bedeutendste Dichtung in engl. Sprache, 
die seit Jahren erschienen ist; deutsch von Böttger), Marvel, Poe , Prescott, 
Sparks. Die deut. Uebertragungen, welche bei Kollmann erscheinen, wurden 
eine massige Bibliothek füllen. Hettner, Literaturgesch. des 4 8. Jahrh., 4 856 : 
Tbl. 4 : Gesch. d. engl. Lit. v. 4660—4770; Tbl. 2: franz., Thl. 3: deut. Lit. 
Trübner, Bibliographical guide to American literature etc., 4855. London- 
catalogue of books published in Great-Britain from 4834 — 55- 

.§. 404. Bei den celtischen Völkerschaften, deren Reste 
die Iren und Galen sind, waren die mit dem Druidenthum 
zusammenhängenden Barden die Träger der geistigen Cultur. 
Der Stifter ihres Ordens wird Merlin genannt (oben §. 320). 

Die Gesänge Ossian's durch Macpherson (4738 — 96) gesammelt, 
deutsch von Denis, Ahlwardt, Böttger; die Unechtheit der Lieder Ossian's 
von der Talvj, 4840. Rosenkranz, Gesch. der Poesie, S. 276 fg. Proben 
von echten alten irischen Volksballaden und Bardenliedern bei 
Walker: Historical memoirs of the Irish bards und in der Miss Brooks: 
Relicks of Irish poetry, darunter die Ballade von König Finn's Jagd 
(Original und Verdeutschung bei Ellissen, I, 4 8 fg.). Der blinde Ire Turlough 
O'Karolan, 4670 — 4738, der Gäle Robert Mackay, genannt der Blaue Bob, 
4744 — 78, sind die letzten Volksdichter celtischen Stammes (oben §. 34 4). 
San Martb, Die Sagen von Merlin, 4853. Mittheilungen über den, Outlaw 
Robin Hood und die Robin -Hood- Balladen von Güth, Hunter, Etienne 
in der Revue des deux mondes, 4. Oct. 4854. 



Neunundzwanzigstes Capitel. Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 241 

§. 405. Kymrische Bardengesänge in Wales und 

Cornwallis. 

In den Sammlungen von Jones, Williams nnd Owen: Myvyrian 
archaiology, 1804 ; Evans, Specimens of the ancient Welsh poetry, 4764. 
Die Hen Chwedlau (alte Geschichten) und die Mabinogion (Jugendunter- 
haltungen) von Charlotte Guest enthalten walisische Dichtungen in Prosa, 
meistens aus den Sagen von Artus und seiner Tafelrunde. 

§. 406. Literatur unter den Angelsachsen, 449 — 1066. 
Caedmon's (f 630) ,Lobgesang auf Gott 4 , dichterische Be- 
arbeitung mehrer Stücke des Alten Testaments und des neu- 
testamentlichen Mythus von der Ueberwältigung der Holle 
durch Christus (Ausgabe von Bouterwek 1849). Bruch- 
stück von ,Judith und Holofernes 4 . Heiligenlegenden des 
Abtes Cynewulf im 10. und 11. Jahrh. Das ,Lied von 
Beowulf 4 ist das älteste germanische Heldengedicht (von 
Ettmüller 1840). 

Die Volksballadendichtung sammelte Percy (4765, 4807 u. 4839). 
Uebersetzungen von Herder, Talvj, Wolff. Bkda's, Düncan's und König 
Alfred's (874 — 904 ) Schriften. Die angelsächsische Chronik. Wulf- 
stan's Reisebericht (oben §. 340). 

§. 407. In der normannischen Periode, 1066 — 1328, 
Hof- und Volkspoesie; bei Hofe die Trouvfcres und Jongleurs, 
im Volke die Minstrels. Rb. von Gloucester dichtete 1280 
die Reimchronik von England. Das aus 14,696 Halbversen 
ohne Reim, aber mit Assonanzen, bestehende mystisch- 
satirische Gedicht des Mönchs Langland (1370?). Ein 
allegorisch -moralisches Gedicht von Gower, 1323 — 1408. 

Sammlungen von Ritsen 4802, Evans 4840, Ellis 4844 , Percy 4842. 

Vier Perioden der neuenglischen Literatur. 

§. 408. Die erste Periode, 1328 — 1558, beginnt mit 
Geoffrey Chaucer (1328 — 1400) aus London, dem Vater 
der englischen Nationalpoesie; doch ist sein Verdienst mehr 
ein technisches als schöpferisches. Sein ,The romaunt of 
the rose 4 ist eine englische Uebersetzung des berühmten 
altfranzösischen Romans von der Rose. Auch seine übri- 
gen Arbeiten (darunter ,Troilus and Cressida 4 ) sind mehr 
oder weniger Nachbildungen der Alten und der Ita- 
liener, besonders Ovid's und Boccaccio's. Seine ,Canter- 
bury-tales 4 (deutsch von Kannegiesser 182.9 und Fiedler 
1844) sind in dem sogenannten heroischen Versmass ge- 
schrieben, bestehend aus funffüssigen gereimten Iamben^ 

Merleker. N^ 



242 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

abwechselnd mit Prosa. Seine Nachahmer sind kaum der 
Erwähnung werth. 

§. 409. Schottlands engere Verbindung mit Eng- 
land («050, 4291 , vereint 1603 und 1706) erklärt die Ueber- 
einstimmung der Landessprachen und die Gleichmässigkeit 
der Entwickelung und Ausbildung der Nationalliteratur, 
welche seit Anfang des 13. Jahrh. reich an Balladen und 
Liedern ist. 

Th. Lermont, 4283 — 1307: Epos ,Tristram 4 . John 
Barbour, 1316 — 96, besang die Thaten des Eb. Bruce 
(4306 — 21); Harry, 1361—1446, das Heldenleben Wal- 
lachs. Winton's (f 1420) Chronik. Konig Jakob's I. (geb. 
4393, regierte seit 1424, ermordet 4 438) Lieder. Dunbar 
(4465 — 4530), Verfasser von drei allegorischen Dichtungen, 
ist der grösste schottische Dichter jener Zeit. 

Späterhin gänzliches Aufgehen Schottlands in die gesell- 
schaftliche und literarische Bildung Englands; nur die ge- 
lehrten Unterrichtsanstalten Schottlands haben sich den 
Foderungen der neuern Zeit entsprechender entwickelt als 
die englischen. 

Reuss, Das gelehrte England, 1791; Nachtrag, 1804- Hebrjg, Hand- 
buch der franzos. und engl. Nationalliteratur, 1856. 

§. 440. Zweite Periode, 4558 — 4702, darunter das 
berühmte Elizabethan age, 4558 — 4603. Beginn der welt- 
historischen Bedeutung Englands. 

Lieder und Balladen von Wyat, 4503 — 42. ,Songs and 
Sonnets 4 des Grafen Surrey (enthauptet 4547) und Ueber- 
setzung einiger Stellen der Aeneide in ungereimten funf- 
fussigen Iamben (Blankverse) , fortan Hauptmetrum der 
englischen Poesie. Sidney's (4554 — 86) Eklogenpoesie 
wurde fortgesetzt durch den ,Schäferkalender 4 Spenser's 
(4553 — 99). Sein allegorisches Epos: ,Die Feenkönigin' 
(,The fairy queen'), in neunzeiligen iambischen Strophen 
(Spenserian stanza). Sein Fortsetzer Drayton, 4 563 — 4 634 . 
Sonstige Dichter jener Zeit: Walter Raleigh, Nash, Taylor, 
Donne, Hall, Lily, der Schotte Lindsay (f 4567?), Waller, 
4605 — 87. Cowley's (4648 — 67) ,Davideis c . John Milton 
aus London (4608 — 74): Ödes, Sonnets, Songs, Psalms, 
Miscellanies ; ,The paradise lost' in 42 Gesängen reimloser 
Iamben, 4655 — 65 (eine Art von Gottlicher Komödie, aber 
eine protestantische); ,The paradise regained 4 , 4 Bücher *. 



Neunundzwanzigstes Capitel. Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 243 

Butler's (1642 — 80) komisches Epos ,Hudibras 4 , 4665». 
Das Drama und William Shakspeare, 4564 — 4646. 

1 Deutsche Uebersetzung der Werke von Böttger seit 4 843. Sein 
Leben von Hayley 4746 und Ivimey 4833. Ueber ihn Macaulay, Essays, 
II, 256 fg. — 2 Deutsch von Soltau 4798 und Eiselein 4846. 

§.411. Dritte Periode, 1702-60. Um die Zeit der 
Königin Anna (1702 — 14) erfuhr Englands schone Literatur 
eine zum Theil aus dem ernsten Charakter der Nation und 
aus der Berücksichtigung der franzosischen Literatur hervor- 
gegangene Umgestaltung, welche Witz, Verständigkeit und 
Correctheit an die Stelle dichterischer Genialitat setzte« 

Der Dichter Dryden (4631—4701) ist Begründer der 
englischen Kritik. Sein Dialog ,Ueber die dramatische 
Dichtkunst', seine ,Fables ancient and modern 4 , 4700, 
darunter die berühmteste Ode der englischen Literatur, 
das ,Alexanderfest 4 (Musik von Händel). Alx. Pope's aus 
London (1688 — 4744) Uebersetzung der Homerischen ,Hias 4 
und komisches Epos ,Rape of the lock', 4742* 1 . Thomson's 
(1700 — 48) Jahreszeiten 4 , 1726 a . Young's (1681—1765) 
,Nachtgedanken 4 , 4741 8 . Cowper's (4731 — 1800) Lehr- 
gedicht ,The task 4 (,Die Aufgabe 4 ) 4 . Addison's (1672 — 
1749) und Steele's (1675 — 1729) Wochenblätter. Gay's 
Fabeln. Congreve's (4672—4729) Lustspiele. Swift's 
(1667—4745) Satiren und komischer Reiseroman ,GuUiver's 
travels 4 , 4727 6 . Sein Freund Arbuthnot (f 4735) schrieb 
einen Commentar zu jGulliver's Reisen 4 und gab den Roman 
,John Bull 4 heraus. Macpherson's Ossiatiische Gedichte. 
Defoe's (1663 — 1731) ,Robinson Crusoe 4 , 1719 (Fata eines 
schottischen Matrosen, Alx. Selkirk). Erweiterung der Ro- 
manliteratur, indem Richardson (1689 — 4761) und Gold- 
smith (1729 — 74) den moralischen Familienroman, Fielding 
(4707 — 54) den komischen, Sterne (1713 — 68) den humo- 
ristischen einführten. 

1 Seine Werke englisch 4806, deutsch von Böttger und Oelkers 4 842- — 
2 Deutsch von Schmitthenner 4822. — 3 Deutsch von Benzel-Sternau 
4825. — 4 Darüber Kannegiesser in den Blättern zur Kunde der Literatur 
d. Ausl., 4840, S. 493 — 528. — 6 Seine Werke in London 4755, Edin- 
burg 4844; deutsch von Kottenkamp 4837. Regis, Swiftbüchlein, 4847. 

§. 412. Vierte Periode, seit 1760. Burns (1759 — 96) 
erhob die schottische Volksdichtung zur höchsten Vollen- 
dung und trug dadurch wesentlich bei zur Verjüngung der 
Nationalliteratur Grossbritanniens und zur Bereicherung der 



244 Zweites Buch. Ethnodoldologie. 

Weltliteratur 1 . Durch ihn angeregt traten an die hundert 
Volksdichter auf, darunter Joanna Baillie (f 1851), Walter 
Scott's Freundin, James Hogg (4772 — 4835), gewohnlich der 
Ettrickschäfer genannt, Tannahill (4774 — 1810), Cunningham 
(1784 — 4842), Motherwell (1797 - 1835), Nicoll (1814 - 37). 

Unter den neuesten Romandichtern erwarben sich euro- 
päische Berühmtheit Scott, Byron, Bulwer, Cooper, Moore, 
Marryat und Boz, und die Dichter gruppiren sich in Ro- 
mantiker (Byron, Moore, Shelley u. A.) und in Sentimen- 
tale (Wordsworth, Coleridge, Southey, Wilson u. A.). 

Walter Scott aus Edinburg (45. Oct. 4774 bis 21. Sept. 
4832) fand in Schottlands Natur, sowie in den Traditionen 
der schottischen und englischen Geschichte einen Quell 
unversieglicher Inspiration, und seine ganze poetische Thä- 
tigkeit bildet gleichsam eine unendliche, aber nie ermüdende 
Variation des Themas der Vaterlandsliebe. Er übersetzte 
Bürger's Balladen und Göthe's ,Götz 4 , schrieb dann Balla- 
den und Dramen, seit 484 4 die Waverley- Novellen, so- 
dass 1831 74 Bande historischer Novellen (,Das Herz von 
Mid-Lothian 4 , ,Die Schwärmer 4 , ,Die Braut von Lammer- 
moor 4 , ,Die Legende von Montrose 4 , ,Ivanhoe 4 , ,Kenilworth 4 , 
,Quentin Durward 4 , ,Woodstock 4 u. s. w.) fertig waren. Unkri- 
tisch ist sein ,Leben NapoleonV, 4 827. Geschichte Schott- 
lands und literarhistorische Arbeiten. Seine Werke wurden 
nicht nur in fast alle gebildeten Sprachen oft zehn- und mehr- 
fach übersetzt, sondern auch vielfach nachgedruckt. Sein 
Leben von seinem Schwiegersohn Lockhart in 40 Bdn., 4839; 
deutsch im Auszuge von Brühl 4839. 

Beschreibende Didaktiker: «Crabbe, 4 754 — 4 832. Words- 
worth (1770 — 1850) gilt gewöhnlich für das Haupt der so- 
genannten Seeschule (Lake-school), deren Dichter (Lakers) 
Seescenen zu schildern pflegen. Coleridge (4775 — 1834): 
Romanze ,Genevieve 4 (deutsch von Plonnies), Autobiograph, 
1817. Southey (geb. 1774), Hofpoet seit 1813, auch Hi- 
storiker. Wilson, geb. 4789. 

Von der Didaktik zur Romantik gingen über Rogers, 
4765 — 4832, und Campbell (geb. 4777). Ferner Th. Moore 
aus Dublin ( geb. 4 780 ) , Anakreontiker und Satiriker : 
,Lalla Rookh, an Oriental romance 4 , bestehend aus vier poe- 
tischen Erzählungen (,Der verschleierte Prophet von Kho- 
rassan 4 , ,Das Paradies und die Peri 4 , ,Die Feueranbeter 4 , 



Neunundzwanzigstes Capitel. Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 245 

,Das Licht des Harems 4 ), um welche sich eine kurze, in 
Prosa geschriebene Liebesgeschichte als anmuthiger Rahmen 
legt (seine poetischen Werke deutsch von Oelkers, 1839). 
Sein Buch über Byron, 1830, gibt nur schwächen Ersatz 
für das durch ihn vernichtete Manuscript von Byron's Denk-. 
Würdigkeiten. 

George Byron -Gordon aus London (oder Dover, oder 
Schottland? 1788 — 1824) seit 1798 Lord und Peer, in misan- 
thropischer Stimmung durch das Misgeschick eines Klump- 
fusses, 1809 — 11 im Orient: ,Childe Harold's. pilgrimage 4 , 
1811 — 17; poetische Erzählungen: ,The giaour 4 , ,The bride 
of Abydos 4 , ,The corsair 4 , ,Hebrew melodies 4 , ,The siege 
of Corinth 4 , ,Parisina 4 ; komische Erzählung ,Beppo 4 ; Epos 
,Don Juan 4 u. A. a . Sein Freund Shelley (geb. 1792, er- 
trank im Mittelmeer 1822) ist der letzte der bedeutendem 
Poeten Englands. Felicia Hemans, 1794 — 1835, und Eliza- 
beth Landon, 1804 — 38. 

Der Amerikaner James Fenimore Cooper (geb. 1789 zu 
Burlington am Delaware) ist gross in der Schilderung des 
Indianer- und Ansiedlerlebens, in der Beschreibung der 
primitiven Sitten und Bräuche seines Landes, in der Dar- 
Stellung amerikanischer Naturscenen (,The last of the Mohi- 
cans 4 , ,The prairie 4 ); auch ist er Schopfer des modernen See- 
romans (,The pilot 4 u. A.). Der Seenovellist Marryat. Lady 
Morgan schildert Irlands Sitten, Reisewerke. Der Humorist 
Charles Dickens, genannt Boz (geb. 1812): ,Sketches of 
London 4 und ,Pickwick-papers 4 . Washington Irving aus 
Neuyork (geb. 1783), Humorist (,Sketch-book 4 , ,Brace- 
bridge-Hall 4 , ,Tales of a traveller 4 , ,The Alhambra 4 ) und 
Historiker (,Leben des Columbus 4 u. A.). Geographische 
und ethnographische Romane der neuesten englischen Lite- 
ratur. Bulwer's (geb. 1803) antiquarische und historische 
Romane (, Eugen Aram 4 , ,Rienzi 4 , ,Die letzten Tage von 
Pompeji 4 , , Athen 4 ). 

1 Ueber ihn Walter Scott's Schwiegersohn Lockhabt: The life of 
Rob. Bums, 4828, und Fiedler in seiner Gesch. d. schott. Liederdichtung, 
I, 438 — 255- Seine poet. Arbeiten sind in vielen Ausgaben erschienen und 
ins Deutsche übertragen von Gerhard, Kaufmann, Hockelmann , Heintze, 
Freiligrath und Fiedler. — 2 Ueber sein Leben Hunt und Moore, Med- 
wins, Salvo, Lady Blessington, Müller in den Zeitgenossen, 4847, 
Willkomm's biogr. Roman Lord Byron. Uebersetzung des Childe Harold 
von Zedlitz, der Dramen und lyr. Gedichte von P(vUer , ^ä^^ässSx^^^ 



246 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

Giaur von Wischer, sammtlicher Werke in der zwickauer, frankfurter 
(redigirt von Adrian), Stuttgarter und leipziger (von Böttger) Ausgabe. 
Die beste Originalausgabe 4842. Das grosse belletristisch -realistische 
Dioskurenpaar Englands ist Dickbks und Thackbray. 

§. 413. Die Bühne (zu Holywell 4570, Drurylane, 
Lincolns -Inn-Fields, Coventgarden) und das Drama (Ger- 
vinus, 1844 fg., und Ulrici, I, 1 — 100) geht, wie in an- 
dern Ländern, aus dem Katholicismus hervor: Mirakel- 
spiele (Miracles oder Plays of miracles), moralische Spiele 
(Morals oder Moral plays). John Heywood's Zwischenspiele 
(Interludes) seit 1525. Heinrich's VIII. Parlamentsacte 1543 
gegen Schauspiele, aufgehoben durch Eduard VI. 1547, er- 
neuert durch Maria 1553 und 1556 Aufhebung aller dra- 
matischen Vorstellungen. Elisabeth^ Reformen: erster Frei- 
brief, 1 0. Mai 1 575 , für Leicester's Schauspieler. Blüte des 
englischen Dramas zwischen 1580 und 1620. 

Das romantische oder historische Drama (History 
oder Chronicle history): UdalTs (f 1557) ,Kalph Royster 
Doyster 4 (Schilderung der Liebesmisgeschicke eines lon- 
doner Gecken), 1550; ,Romeo and Juliet 4 , 1560; Norton's 
,Ferrex and Porrex 4 , 4561 ; Hughe's ,The misfortunes of Ar- 
thur 4 , 4587; Gosson: ,School of abuse 4 , 1579; Lily, 4554 — 98; 
Lodge, 1556 — 1646; Peele, f 1598; Greene, f * 592 > K Y d: 
,The Spanish tragedie 4 , 1599; Marlowe (f 1593): ,Tragical 
history of the life and death of Doctor Faustus 4 (deutsch 
von Müller, 1818). 

§. 414. William Shakspeare aus Stratford am Avon 
in der Grafschaft Warwickshire (1564 — 1616) übertraf alle 
Vorgänger und blieb den Nachfolgern unerreichbar; der 
dramatische Homer; seit 1589 Theilhaber am Globus- und 
Blackfriars- Theater; seine Blütezeit 4597 — 1606. Unter 
seinen Stücken sind die fünf Trauerspiele ,Macbeth 4 
(die Tragödie des Ehrgeizes; seit Aeschylos' ,Eumeniden 4 
die furchtbarste), ,König Lear 4 (die des Mitleids), ,Othello 4 
(die der Eifersucht), ,Hamlet 4 (hier bildet der Gegensatz 
der Charakterschwäche zur erfoderten Thatkraft das Tra- 
gische) und ,Romeo und Julie 4 (nach Lessing das einzige 
Stück, das die Liebe dictirt hat) die berühmtesten und durch 
meisterhafte Schilderung der Leidenschaften ausgezeichnet- 
sten. Unter den Lustspielen gehören drei ganz der Phan- 
tasiewelt an: der ,Sommernachtstraum 4 , der ,Sturm 4 und 
das ,Wintermärchen 4 . Seine übrigen Lustspiele sind meist 



Neunundzwanzigstes Capitel. Grossbritannien, Irland u. Nordamerika. 247 

aus Novellen entlehnt, darunter die beliebtesten der Kauf- 
mann von Venedig 4 und ,Mass für Mass; ,Die beiden Edel- 
leute von Verona', ,Die Irrungen 4 , ,Die gezähmte Keiferin 4 , 
, Verlorene Liebesmühe 4 , ,Ende gut, Alles gut 4 , ,Viel Lärm 
um nichts 4 , ,Wie es euch gefällt 4 , ,Was ihr wollt 4 , ,Die 
lustigen Weiber von Windsor 4 ; ,Cymbeline 4 , ,Timon von 
Athen 4 , ,Troilus und Cressida 4 . Es folgen 13 geschicht- 
liche Schauspiele: drei aus der römischen Geschichte 
nach Plutarch : ,Coriolan 4 , , Julius Cäsar 4 (das eigent- 
lich Brutus heissen sollte und den ersten Rang einnimmt), 
,Antonius und Cleopatra'. Die zehn aus der englischen 
Geschichte geschöpften nennt Schlegel nur Ein Werk, ein 
historisches Heldengedicht in dramatischer Form. Acht 
unter ihnen, von Richard II. bis Richard III. (1377 oder 
1399 — 1485), umfassen die Zeit der Rosenkriege; diesen geht 
König Johann (1199 — 1216) voran und Heinrich VHI. (1509 
— 47) folgt als Epilog. Ausserdem haben wir von ihm zwei 
erzählende Gedichte: ,Venus und Adonis 4 , 1593, und , Raub 
der Lucretia 4 , 1594; lyrische Gedichte 1599 und Sonette 1609. 

Ausgabe seiner Werke von Steevens und Johnson 4803, Collier 4843- 
Deutsche Uebersetzungen von Wieland, Eschenburg, A. W. Schlegel, Tieck, 
Benda, Voss und seinen Söhnen , 7m/. Körner, Böttger, Fischer, Simrock, 
Ortlepp, Bapp und Keller. Zur Kritik des grossen Dichters Knight 4849, 
Ulrici 4847, Gervinus 4849, Schlegel, Tieck, Rötscher, Delius seit 
4854 (Hamlet, Othello, Lear), Eckardt in Bern seit 4854 u. A. Die deutsche 
Bühne eröffnete ihm Schröder. 

§. 415. Nach ihm zerfallen die Dramatiker in zwei 
Kategorien: in volksthümliche : Munday, Chettle, Hey- 
wood, Dekker, Chapman, Middleton; und in gelehrte: 
Ben Jonson, 1573 — 1637; Beaumont, 1586—1616; Fletcher, 
1576 — 1625; Ford, 1586 — 1650, u. A. 

Einer spätem Periode gehören an: Dryden, 1631 — 
1701; Davenant (1605 — 68), mit dramatischen Opern 1 ; 
Otway, 1651—85; Lee, 1657 — 93; Rowe, 1673 — 1718; 
Herzog von Buckingham (f 1721); Shadwell (1640-92: 
,Libertine c ist die Geschichte des Don Juan); Cibber, 1671 — 
1757; Congreve, 1670 — 1729; Farquhar, 1678 — 1707 *; 
Garrick, 1716.-79; Sheridan (1752 — 1816: ,The school for 
scandal 4 , 1777). 

Aus neuester Zeit: Coleridge, Scott, Byron, Bulwer, 
Knowles, Milman u. A. 

1 Hogarth, Memoirs of the musical drama, 4838. — * Hawkins, 
The origin of the Englieh drama, 4773. 



248 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

§. 446. Die Prosa in späterer Ausbildung, seit 
Mitte des 46. Jahrh. Die Geschichtschreiber Daniel und 
Walter Raleigh sind die ersten Prosaisten. Milton's ,De- 
fensio pro populo Anglicano 4 , 4649. Algernon Sidney 
(4622 — 83): ,Theorie des Staatsrechts 4 . Hobbes, 1588 — 
4679. Baco von Verulam, 4560 — 4626, Englands Stolz. 
Neper (f 46 17): Logarithmen. Harriot (f 4624): Algebra. 
Gilbert (f 4603): Magnetismus. Harvey: Kreislauf des 
Bluts, 4649. 

Meisterwerke historischer Kunst sind Hume's (4 74 4 — 
76) ,Geschichte von England 4 (bis 4688), Robertsons (4724 

— 93) ,Geschichte Kaiser KarPs V. 4 , Gibbon's (1737 — 94) 
,Geschichte des Verfalls und Untergangs des romischen 
Reichs 4 , Macaulay's ,Geschichte Englands 4 . 

Die politische Beredtsamkeit, durch die Verfassung des 
Landes gefordert, gelangte zu gediegener Entwickelung, 
besonders durch den altern Pitt (Chatham, 1708 — 78), den 
Jüngern Pitt, 4 759 — 4 806 , Burke, 4 730 — 97 , Canning, f 4 827, 
Peel, Russell u. A. 

Forderung der Studien des classischen Alterthums, 
dem sich seit Ende des 48. Jahrh. eine fruchtbare Beschäfti- 
gung mit der Sanskritliteratur anschloss, durch Bentley, 
4662—4742, und Porson, 4759 — 1808. 

Die durchaus praktische Richtung des englischen Natio- 
nalcharakters gibt sich am meisten kund in der Bearbeitung 
der Philosophie: Alcuin, Erigena Scotus (geb. um 833, 
in Oxford unter Alfred d. Gr., 877) *, Anselm von Canter- 
bury, 4033 — 4409 a , Alexander von Haies (f 4245), Doqtor 
irrefragabilis, Duns Scotus (4245 — 4308), Doctor subtilis, 
Occam (f 1343 oder 4347), Doctor singularis et invincibilis, 
Buridan (f nach 1358, sein Esel), Bacon, Locke, 4632 — 
1704, Hume, Shaftesbury, 4670 — 4713, Adam Smith, 1723 

— 90 , Ferguson, 1 724 — 1814. Der Mathematiker Isaak 
Newton, 1 642 — 1 727. Der Astronom Herschel, 1 740 — 1 820." 
Die Physiker Cavendish, 4733-1810, und Pristley, 1733 — 
4804. In der Medicin wurde Brown (f 1788) Schopfer eines 
neuen (des Erregungs-) Systems. Forderung der Geogra- 
phie durch Reisen, Entdeckungen und Gesellschaften. 

Die öffentlichen und Privatvereine zur Forderung der 
Künste und Wissenschaften. Royal society in London. 
Zeitschriften und Vorlesungen. ,The annual register' und 



Dreissiystes Capitel. Niederland. 249 

,The new annual register 4 . Tytler und Napier: ,Encyclo- 
pedia Britannica 4 (31 Bde., 1771 —1842). 

1 "üeber ihn Stüdbnmaybb 4834. — 2 Ueber ihn Frank 4842. 



Dreissigstes Capitel. 
Niederland. 

Ohne Artikel, nach Niebuhr, Nachgelassene Schriften nicht philolo- 
gischen Inhalts, S. 384. 

§. 417. Gegenwärtig kann man in dem Gesammtgebiet 
der Niederlande zwischen den Dünen der Nordsee und den 
Stromgebieten des Rhein, der Scheide, Maas, Yssel und 
Ems fünf wesentlich verschiedene Mundarten der 
niederdeutschen Sprache annehmen: 1) das eigentlich Hol- 
ländische, schon seit dem 15. Jahrh. Büchersprache der 
nordlichen Provinzen (oben §. 310); 2) das Friesische; 
3) die geldernsche oder sogenannte niederrheinische; 4) die 
gröningi8che Mundart, wozu auch die oberysselsche gehört, 
und 5) die vlämische Mundart, oder die deutsch -belgische 
in Flandern und Brabant, während die romanisch -belgische 
oder wallonische Sprache sich im Hennegau, Namur, Lüt- 
tich und einem Theil von Limburg und endlich bei den 
höhern Ständen oder den Gebildeten in Belgien die fran- 
zösische Sprache zur Geltung gebracht hat. 

Ypey, Beknopte geschiedenis der nederlandsche taal, 4842. 

§. 418. Einwirkung Frankreichs auf die niederländische 
Kunstpoesie, Deutschlands auf die Volksdichtung. Von 
diesem Invloed handeln die Schriften von W. de Clercq, 
1825 l , und van Capelle, 1821 a . 

Seit dem 13. Jahrh. begann die eigentümliche Aus- 
bildung der nun von ihrer Schwester sich bestimmter unter- 
scheidenden Landessprache. Die ältesten Denkmäler be- 
stehen in Stadtrechten und Chroniken, besonders in Nach- 
bildungen ausländischer romantischer Dichtungen 3 . Bibel- 
übersetzungen (die zu Delft 1477). Bekämpfung des La- 
tein, dessen sich die Gelehrten zu bedienen pflegten, durch 
Plantin, 1573, und Stevin. Die Kammer der Rhetoriker zu 
Amsterdam und ihre Grammatik, 1584 4 . 

1 Beantwoording der vrage: welken invloed heeft vreemde letter- 
kunde etc. gehad op de nederlandsche taal en tettetkÄU-te %vofc» \ä\» \äs£s^ 



250 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

der 45. eeuw tot op onze (lagen? — * Over den invloed der hol- 
landsche letterkunde op de hoogdnitsche in de 47- eeuw. — 3 Willems 
aas Antwerpen : Verhandeling over de niederduytsche taal en letter- 
kunde etc., 4849 — 24. Van Capellb, Bydragen tot de geschiedenis der 
wetenschappen en letteren in Nederland, 4821. Lebbocqüy, Precis de 
linst, litt, de Pays-Bas, 4827- Snellaebt, Hist. de la litt, flamande. 
Bo wring, Sketch of the language and literature of Holland, 4 829- Visscher, 
Bloemlezing uit den beste Schriften der nederlandsche dichters van de 43. tot 
en met de 48. eeuw, 4820. Hoffmann, Horae Belgicae, 4 830 fg., 4 4 Theile 
bis 4855. Mome, Uebersicht der niederländ. Volksliteratur alt. Zeit, 4838. 
P. F. L. v. Eich8torff, Deutsche Blumenlese aus niederländ. Dichtern, 4826. 
Maüvillon, Aaswahl niederländ. Gedichte (ins Deutsche übertragen), 
4839 — 44- — 4 Kate's Grammatik, 4722; Hüydecoper's 4730. Mblis 
Stokb's Stil für die Prosa, 4772; Siegenbeek für Orthographie, Kinkbb 
für Prosodie. Wörterbücher von Kilian (| 4507), Weiland 4799. 
Sbbbcre gibt soeben eine Geschichte der niederländ. u. französ. Literatur 
unter folgendem Titel: Geschiedenis der nederlandsche en fransche letter- 
kunde in het gra&chap Vlandern, van de vroegste tyden tot aen het einde 
der regering van het huis van Burgondie, 4 855. — Hendbick Conscibnce, 
ein belgischer (vlämischer) Schriftsteller. 

§. 419. Das Haupterzeugniss niederländischer Volks- 
dichtung ist das Thierepos von Reinhart dem Fuchs, 
welches , hinweisend auf die Ursitze der germanischen 
Stamme in Asien, wo in der altindischen Literatur die 
Thiersage gleichfalls ein wichtiges Element ist, zugleich 
als die letzte eigentümliche poetische Gestaltung der alt- 
deutschen Thiersage zu betrachten ist, über deren Wesen, 
Alter und Geschichte, sowie über die aus ihr erwachsenen 
Dichtungen insbesondere Jak. Grimm in seiner trefflichen Ein- 
leitung zu ,Reinhart Fuchs 4 , 4834, Aufschluss gegeben hat *. 

Die Haupthelden des deutschen Thierepos sind der Fuchs 
Ragnihart, d. i. der kluge Rathgeber, woraus Reinhart und 
das niedersächsische Deminutiv Reineke entstanden sind, der 
Wolf Isengrimm und der Bär Bruno , d. i. der Braune , an 
dessen Stelle als Thierkonig dann der Lowe trat, der im 
ältesten hierher gehörigen lateinischen Gedichte Rufanus, 
im ältesten deutschen Vrevel, dann franzosisch Noble heisst. 
Ein Geistlicher in Südflandern zu Anfang des 12. Jahrh. 
behandelte in lateinischen Distichen zwei Geschichten vom 
Wolf im ,Isengrimus 4 . Dieselben Geschichten mit zehn an- 
dern erzählte auch in lateinischen Distichen ein Magister 
Nivardus, vielleicht ein nordflandrischer Benedictiner, etwa 
50 Jahre später in dem ,Reinardus vulpes 4 2 . Etwa um die- 
selbe Zeit (Mitte des 12. Jahrh.) fällt auch die erste uns 
bekannte deutsche dichterische Bearbeitung dieses Gegen- 
standes durch Heinrich den Glichesäre, d. i. Gleissner, 



Dreissigstes Capitel. Niederland. 251 

einen Elsasser, der nach einem franzosischen (uns verlorenen) 
Gedichte seinen ,Reinhart Fuchs 4 dichtete, von dem in der 
ursprünglichen Gestalt nur etwa ein Drittel in Bruchstücken 
erhalten ist 3 . Dagegen hat sich bis auf ein Geringes eine 
Umarbeitung des Gedichts aus dem Anfang des 13. Jahrh. 
erhalten 4 . Die franzosischen Dichtungen der Thiersage 6 
reichen kaum über den Anfang des 13. Jahrh. hinauf. 
Keine von ihnen hat dem niederländischen, wahrscheinlich 
flandrischen Dichter zum Vorbild gedient, der um die Mitte 
des 4 3. Jahrh., nach Willems schon um 4170, selbständig 
den ,Reinaert de vos c behandelte. Ihm wahrscheinlich kommt 
der Name Willem zu, nicht dem Unbekannten, der etwa 
4 00 Jahre später das Gedicht überarbeitete und fortsetzte, 
aus welcher Umarbeitung die Auflosung in Prosa entstand 6 . 
Dieselbe Umarbeitung ist auch das Original des nieder- 
sächsischen ,Reineke Vos c 7 , dessen Verfasser nicht mit völ- 
liger Sicherheit zu ermitteln ist. Man stimmt mehr für den 
Westfalen Nikolaus Baumann, der in Lübeck und Rostock 
lebte und 1526 starb, als für den Holländer Heinrich von 
Alkmaar (Lübeck 1498). 

1 Gervinus, Gesch. d. deut. Nationallit. , 3. Ausg., I, 422 — 464. — 
2 Von Monb 4 832. — 3 Herausgeg. v. Jak. Grimm in seinem Sendschreiben 
an K. Lachrnann über Reinhart Fuchs, 4 840. — 4 Mailath's und Köffin- 
ger's koloczacr Codex 4 848 und Jak. Grimm 4834. — 5 Meon, Le roman 
du Renart 4826 und Supplemente von Chabaille 4835. — 6 Gouda 4 479, 
Delft 4485, Lübeck 4783. — 7 Lübeck 4 498, Rostock 4547, hochdeut. 
Uebersetzung v. Beuther 4544, in latein. Versen v. Schopper 4567. Aus- 
gabe v. Haremann 4744, Gottsched 4752. In hochdeut. Hexametern 
v. Goethe 4794, Brbdow 4798, Scheller 4825, Hoffmann v. Fallers- 
leben 4834. Uebersetzung in kurzen iambischen Reinpaaren v. Soltau 4803 
und Simrock 4845. Hartmann, Reineke Fuchs, frei dem Originale nach- 
gebildet mit 36 Stahlstichen und Originalzeichnungen v. Leutemann , 4855. 

§. 420. Gegen dieses Erzeugniss treten die niederlän- 
dischen Kunstdichter fast ganz in den Hintergrund, als 
deren Vater man Jak. van Maerlant (1235 — 1 300) be- 
trachtet, dessen Reimbibel oder Reimchronik fortsetzten oder 
nachahmten Velthem, Heelu, Clerk, Stoke. Das ,Dietsche 
Doctrinale c , 1 345. Religiöse Mysterien und weltliche Morali- 
täten. Die ersten Meistersänger oder Rederyker (Rhetoriker) 
in Dixmuiden, 1394, und Antwerpen, 1400. Aus der amster- 
damer Dichterschule, der in Liebe blühenden (in liefde 
bloeijende), 1517, gingen die ersten Musterdichter hervor: 
Coornhert, 1522-90, Marnix, 1538—98, Spiegel, 1549— 1612, 
Vissher (f 1625) und seine Töchter Maria. \m& ksHQa^^&a^ 



252 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

(1581 — 1647), der eigentliche Schopfer der holländischen 
Sprache. 

Vollendung der Poesie durch den Lyriker, Satiriker und 
Trauerspieldichter Joost van den Vondel aus Köln, 1587 — 
1 679. Lieblingsdichter seines Volks wurde Jak. Cats ( 1 577 
— 1660) durch seine didaktischen und beschreibenden Ge- 
dichte (,Vater Cats' Buch'). Brederode (f 1618) ist Schöpfer 
der Komödie, Sm. Coster der Tragödie. 

Verfall der holländischen Literatur mit dem Ende des 
1 7. Jahrh. Macht des französischen Einflusses. Gegen die 
französische Classik machte Lennep (geb. 1802) die Ro- 
mantik geltend. 

Hem8bn, Da« holländ. Theater, im Deutschen Museum, 4855, Nr. 28. 

§. 421. Die Prosa, im 16. und 17. Jahrh. durch Marnix, 
Hooft und Brandt (1626 — 85) ausgebildet, sank und machte 
Rückschritte bis auf Justus van Effen (f 1735). Seine zu 
Utrecht herausgegebenen Wochenschriften ,De misanthrope' 
und ,De spectator'. Seit Ende des 18. Jahrh. ist Stijl Be- 
gründer einer neuen Aera. Kluit, Meermann, Stuart, Schel- 
tema, Kantelaar, van der Palm, Hennert, van dem Bosch, 
Siegenbenk. Bilderdijk ist Muster in allen Gattungen des 
Stils. 

§. 422. In dem Gesammtwirken ihrer wissenschaft- 
lichen Bestrebungen muss den Niederländern ein sehr 
bedeutender Einfluss auf allgemeine literarische Cultur zu- 
gestanden werden, namentlich haben sie grosse Verdienste 
durch ihre Unterrichtsanstalten (Deventer 1370, Löwen 1 426, 
Leyden 1575, Athenäen zu Brüssel, Lüttich, Gent, Brügge), 
um Philologie (Thomas a Kempis, Gansvoort, die Agricola, 
Erasmus, Lipsius, Voss, Scaliger, Spanheim, Heinsius, 
Gronov, Burmann, Drakenborch, Wesseling, Hemsterhuis, 
Valckenaer, Ruhnken, Wyttenbach), um Theologie und Juris- 
prudenz (Hugo Grotius, 1583 — 1645), vaterländische Ge- 
schichte (Wagenaer 1709 — 73), Mathematik (Huyghens), 
Philosophie (Spinoza), Naturwissenschaften (Camper), Me- 
dicin (Boerhaave) und besonders um Anatomie (Camper). 
Oben §. 46 und 52, 4. 



Einunddrei ssig st es Capitel. Deutschland. 253 

Einunddreissigstes Capitel. 
Deutschland. 

§. 423. Hauptmomente in Betreff der Aus- und 
Fortbildung der deutschen Sprache. Innerhalb des 
fränkischen, mit Karl d. Gr. beginnenden Zeitraums 
(768 - 1136) ist zunächst Karl selbst mit seinen Gelehrten 
(Eginhard, Alcuin), dann unter den sächsischen Kaisern 
(919 — 1024) Notker's Einfluss von Bedeutung, unter den 
fränkischen Kaisern (1024 — 1125) das ,Loblied auf den Erz- 
bischof Hanno von Köln 4 , 1075, Hauptsprachprobe. Den 
schwäbischen Zeitraum (1136 — 1254) erfüllen die Minne- 
sänger. Darauf beginnt die Sprachdepravation hauptsächlich 
durch die Meistersänger. Es folgt Luther's Kirchen- und 
Sprachreformation, seine Bibelübersetzung, 1518—45. Durch 
Ch. Wolf wird die deutsche Sprache auch Wissenschafts- 
sprache. Sprachforderung durch Opitz, Lohenstein, Hagedorn 
und die Gesellschaften seit dem 17. Jahrh.: Palmenorden, 
Fruchtbringende Gesellschaft zu Weimar 1617, Aufrichtige 
Tannengesellschaft zu Strasburg 1 61 7, Deutschgesinnte Gesell- 
schaft zu Hamburg 1646, Blumenorden der Schäfer an der Peg- 
nitz zu Nürnberg 1 644, Schwanenorden an der Elbe 1 660, Deut- 
sche Gesellschaft zu Leipzig 1697. Franz osis eher Einfluss 
seit Ende des 1 7. Jahrh. K Sprachmengerei. Purismus Gott- 
scheds seit 1727. Einfluss Klopstock's, Lessing's, Wieland's, 
Engel's. Leistungen der Gegenwart für die wissenschaftliche 
und besonders historische Erforschung der deutschen Sprache. 
Epoche macht Jak. Grimm's ,Deutsche Grammatik', 1822. 
Studium der altdeutschen Literatur seit Beginn des 1 9. Jahrh. 
Die romantische Schule. Bopp, Vergleichende Grammatik 6 , 
1833 — 42. Popp, Etymologische Forschungen, 1833 — 36. 
Sprachlehren von Heyse, Götzinger, Becker, Herling. Leit- 
fäden zum Unterricht im Altdeutschen von Wackernagel, 
Ziemann u. A. Lexikographen: Graff (, Althochdeutscher 
Sprachschatz 4 , 1834 — 43), Ziemann, Benecke und Müller 
(, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch 4 , 1837 und 1854); für 
die neuhochdeutsche Sprache: Adelung, Campe, Heinsius; 
das Wörterbuch der Gebrüder Jak. und W. Grimm seit 1 852. 
Grammatische und historische Behandlung lebender Mund- 
arten: ,Bairisches Wörterbuch 4 , 1827 — 37, ,Baierns Mund- 
arten, 1821; Tobler, ,Appenzellischer SprachsckataS WSTU 




254 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Der Charakter der deutschen Sprache ist Bildsam- 
keit, Reichthum und Universalität 2 . 

1 Radlof, Frankreichs Sprach- und Geistestyrannei über Europa seit dem 
Rastadter Frieden, 47J4. — 2 Kolbr, Ueber den Wortreichthum der deut- 
schen und franzosischen Sprache und beider Anlagen 2ur Poesie, 4 84 8 — 20. 

§. 424. Allgemeine Hülfsmittel zur Literatur von 
Koch 1790, Nasser 1758 — 1800, Jordens 1806—11, Müller 
1807, F. H. v. d. Hagen und Büsching 1812, Hörn 1822 fg., 
Manso (als Nachtrag zu Sulzer's ,Theorie der schonen Künste', 
Bd. 8), Mone 1830, Wachler (2. A.) 1842, Kannegiesser 
1836, K. Rosenkranz 1820 und 1836, Götzinger 1837—44, 
Gervinus (4. A.) 1852, Kehrein 1840, Zimmermann 4846, 
Gumposch 1846, Herzog 1837, Laube 1837—39, Rinne 1842, 
Bohtz 1832, Vilmar (4. A.) 1850, Geizer (2. A.) 1847, 
Koster 1846, Ettmüller 1847, Biese 1846 — 48, Prutz 1845, 
4 847 und 1 854, Gutzkow 1 836, Wienbarg 1 836, Marggraff 4 839, 
Kühne 4843, Weber (2. A.) 1849, Heibig (3. A.) 4847, 
Scholl 1850, Rüge, Wackernagel 1851 , Hillebrand 1850 — 5<, 
Koberstein (4. A.) 1855, Cholevius 1854, Julian Schmidt 
(2. A.) 1855, Gottschall 1855. Sammelwerke von Erlach, 
Wolff, Soltau, Rochholz, Uhland, Firmenich, Müller und For- 
ster, Wackernagel, Künzel, Pischon, Kurz, Schwab, Echter- 
meyer, Frommann und Häusser, Godecke 1 849, Lassberg* u. A. 
Hub, Die deutsche komische und humoristische Dichtung und 
die Prosaisten seit Beginn des 16. Jahrh., 1855 fg. Soltau, 
Deutsche historische Volkslieder, herausgegeben von Hilde- 
brand, 1855 fg. Eitner, Synchronistische Tabellen zur deut- 
schen Literaturgeschichte u. s. w. , 1 856. 

A. Die ältere Zeit, bis auf die Hohenstaufen , 1152. 

§. 425. Die Germanen oder Deutschen * hatten nach 
Tacitus (,Germ. c , 2 und 3, und ,Annal. c , H, 86) Kampf- 
und Kriegslieder (Barditus), sangen bei Gelagen und Be- 
gräbnissen und liebten überhaupt den Gesang. Den Stoff 
bot die Mythologie und Heroologie dar, die Sagen von 
Tuisco, Mannus, Armin, vom hörnernen Siegfried und vom 
Wolf Isengrimm und Fuchs Reinhart 2 . 

1 Jak. Grimm, Deutsche Gramm., 3. A., I, 40 fg. Haupt, Zeitschrift 
für deutsch. Alterthum, \ 845, S. 54 4. — 2 Jak. Gbimm, Deutsche Mythologie. 
W. Grimm, Deutsche Heldensage. Schwenk, Mythol. d. Germanen. Monb, 
Untersuchungen zur Gesch. d. deutsch. Heldensage. Grässe , Erörterung d. 
Sagenkreise des Mittelalters in dessen Allgem. Literargeschichte. Gödecke, 
Deutsche Dichtung im Mittelalter , \ 854 , zugleich mit Angabe der allgemeinen 

speziellen Quellen und Hülfsmittel. 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 255 

§. 426. Seit dem Beginn der Volkerwanderung (375) 
mischte sich der altnationale Heldengesang der Germanen 
mit griechischen und romischen Sagen, und so entstanden 
neue germanische Sagen und Sagenkreise, die sich grössten- 
theils an die Geschichte anlehnten, ohne jedoch Zeit und 
Raum zu sondern. 

i. Der ostgothische Sagenkreis beschäftigt sich mit 
den Konigen der Ostgothen aus dem Geschlechte der Amaler, 
daher Amelungen genannt, Ermanrich und dessen Neffen 
Theodorich d. Gr., oder, wie er in der Sage heisst, Dietrich 
von Bern (Verona, daher auch Dietrichsage), mit seinen 
Dienstmannen, den Wölfingen, worunter der alte Waffen- 
meister Hildebrand hervorragt. 

2. Der burgundisch-niederrheinische oder fran- 
kische (beide verschmolzen ineinander) Sagenkreis enthält 
die burgundischen Konige Günther, Gernot und Giselher 
mit ihrer Mutter Ute, ihrer Schwester Chriemhield, ihren 
Mannen Hagen, Dankwart und Volker, mit Gunther's Ge- 
mahlin Brunhild und deren früherm Verlobten, dem nieder- 
rheinischen Helden Siegfried. 

3. In den hunnischen Sagenkreis gehört der Hunnen- 
könig Attila (Etzel in der Sage) und die Helden Walther 
von Aquitanien, Rüdiger von Pechlaren, Irnfried von Thü- 
ringen u. A. 

4. Den friesisch -dänisch -normannischen Sagen- 
kreis bilden der Friesen- oder Hegelingenkönig Hettel mit 
seiner Tochter Gudrun, der Normannen- oder Dänenkönig 
Horand mit seinem ungeheuerlichen Oheim Wate, welchen die 
Normannenkönige Ludwig und Hartmuth gegenüberstehen. 

5. Der nordische Sagenkreis führt uns den Jütenkönig 
Beowulf vor und die skandinavischen Helden Wittich und 
Wieland mit ihrer mythischen Umgebung. 

Verwandtschaft der Sprache und Sage der Ger- 
manen mit den nordischen oder skandinavischen 
Völkern. 

G. In den lombardischen Sagenkreis gehören die lom- 
bardischen Könige und Helden Rother, Otnit, Hugdietrich 
und Wolfdietrich. 

§. 427. Zugleich trat durch die Wanderung eine Ver- 
änderung der Sprache ein : Gothisch , Althochdeutsch 
(Fränkisch-Alemannisch), Altniederdeutsch. (Jki\^^«w^ 



256 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

und Angelsächsisch. In den Gedichten der ältesten Zeit 
und bis ins 9. Jahrh. findet sich der Stabreim oder die 
Alliteration, dann folgt der Endreim. Die älteste Vers- 
strophe besteht aus zwei Langzeilen. Künstliche Masse und 
Liederstrophen kamen erst zur Zeit des Minnegesangs auf 1 . 

Schon frühzeitig gab es fahrende Sänger und Spielleute, 
und selbst Konige und Helden übten Gesang und Saiten- 
spiel, wie der alte Konig Beowulf, Volker in den Nibe- 
lungen und Horand in der ,Gudrun 4 . 

Gegen diese Volkspoesie eiferte der Fanatismus der 
christlichen Pfaffheit seit Bonifaz, 748 — 845; darum ist 
im Ganzen so wenig aus jener Zeit erhalten, und wir be- 
sitzen von alten Gedichten in alter Fassung (aus dem 8. 
oder 9. Jahrh.) nur noch drei: 

\ ) den in angelsächsischer Sprache gedichteten ,Beowulf ' 
(oben §. 406), 2) das ,Lied von Hildebrand und seinem 
Sohne Hadubraud' (Hildebrandslied) a , 3) den , Walther 
von Aquitanien' 8 , dessen Gegenstück, ,Buodlieb c (Anfang 
des 44. Jahrh.), von tegernseer Mönchen, auch nur fragmen- 
tarisch in lateinischen Versen erhalten ist 4 . 

1 Lachmann , Veber althochdeutsche Betonung und Verskunst. — 
2 Als Tbeil der Dietrichsage in althochdeutscher alliterirender Fassung 
nur noch fragmentarisch, bearbeitet von Kaspar von dbb Robn am Ende 
des 45. Jahrh. Gebrüder Grimm, Die beiden ältesten deutschen Gedichte etc., 
4842; W. Grimm 4830; Lachmann in den Schriften der berliner Akad. 
*d. Wiss., 4833. — 3 Nur noch in latein. Hexametern des St. -galler Mönchs 
Eckehard d. Aelt. , f 973 , oder dessen Zeitgenossen Geraldus , heransgeg. 
von Jak. Grimm u. Sohmeller, neudeutsch von Simrock. — 4 Bei Jak. Grimm 
und Schmeller, wo sich auch die latein. abgefassten Gestaltungen der deutsch. 
Thiersage finden: Ecbasis captivi, Isengrimus und Reinardus vulpes. 

§. 428. Mit der Christianisirung Deutschlands und des 
Nordens durch Karl d. Gr. trat an die Stelle des altnatio- 
nalen Heldengesangs die geistlich-christliche Dich- 
tung. Alcuin's Schüler Hrabanus Maurus (776 — 856) 
wurde der eigentliche Begründer mönchischer Gelehrsam- 
keit in Deutschland und die von ihm zu Fulda 804 einge- 
richtete Klosterschule Muster für die übrigen. 

In althochdeutscher (oder oberdeutscher) Mundart: "das 
,Ludwigslied 4 des Mönchs Hucbald (f 930) zu St. -Am and 
sur FElnon (oben §. 317); das Lied auf Athelstan's Sieg 
über die Dänen bei Brunanburgh, 937; Evangelienhar- 
monien: Tatian's, Otfried's, eines Mönchs von Weissenburg 
im Elsass, 870, ,Krist 4 genannt, in gereimten Versen 1 . 






Einunddreissigstes Capüel. Deutschland. 857 

In niederdeutscher Mundart die Evangelienharmonie ,He- 
liand 4 (Heiland), angeblich von einem sächsischen Bauer im 
Auftrage Ludwig's des Frommen verfasst 2 . Das ,Wesso- 
brunner* Gebet'. ,Muspilli c oder Gedicht vom Jüngsten 
Gericht. Die Schriften des Königs Alfred. 

1 Ausgabe von 6 baff i 830. — 2 Ausgabe und Benennung von Schmbllbr 
1830; neudentsch von Kannegiesser 1847 und Rapp 4856- 

§. 429. Unter den Prosawerken steht die Bibelüber- 
setzung des Ulfilas oben an, 348 — 88, als ältestes Denk- 
mal deutscher Sprache (oben §. 304). 

Aus den Zeiten der sächsischen Kaiser (949—1024) ist 
das wichtigste Sprachdenkmal die Uebersetzung der Psalmen 
von Notker Labeo (952—1022), Mönch in St. -Gallen. 
Unter den Ottonen wurde durch den Verkehr mit Italien 
die classische Literatur in Deutschland heimisch. Die 
Aebtissin Hroswitha von Gandersheim dichtete in lateini- 
scher Sprache religiöse Dramen x , um den frivolen Terenz 
zu verdrängen, auch fing man an, Volksgesänge (§. 427) 
in lateinische Verse zu kleiden und aus Homer und Virgü 
Zuthaten und Reminiscenzen einzuschalten. So entwickelte 
sich in dem nächsten Zeitraum die christlich-romantische 
Dichtung (oben §. 307, 321). 

Aus den Zeiten der fränkischen Kaiser (1024 — 1125) 
ist die Uebersetzung und Erklärung des Hohen Liedes 
von Williram (f 1085), Abt zu Ebersberg in Baiern. Die 
augsburger Schenkungsurkunde ist die erste in deutscher 
Sprache, 1070. 

Lateinisch schrieben die berühmten Chronisten: Witte- 
kind von Korvey, f 1004, Dietmar von Merseburg, f 1011, 
und Lambert von Aschaffenburg, f 1077. 

1 Uebersetzt und erläutert von Bendixen. Gesammtabenteuer. Hundert alt- 
deutsche Erzählungen: Ritter- und Pfaffenmären, Stadt- und Dorfgeschichten, 
Schwanke , Wundersagen und Legenden , meist zum ersten mal gedruckt und 
herausgeg. von F. H. v. d. Hagen, 4855. Kürz, Gesch. d. deutsch. LH., I, J853- 

B. Die Blüte der schwäbischen Mundart unter den 

Hohenstaufen , 1137 — 1300. 

§. 430. Literatur des hohenstaufischen oder schwäbi- 
schen Zeitalters , 1150 — 1350, 12. und 1 3. Jahrhundert. Süd- 
deutsche oder mittelhochdeutsche Mundart. Romantische 
Poesie im Gegensatz der classischen. Daa Z\xfc*mm^&^&s^ 

Merlbkbr. VI 



358 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

yer8chiedenartiger Elemente bringt eine Bewegung des gei- 
stigen Lebens der abendländischen Völker hervor, die nach 
allen Seiten in That und Wort sich kundgibt: Kampf der 
weltlichen und geistlichen Macht, Ritterthum, Bürgerthum, 
Universitäten, scholastische Philosophie, Mönch thum, Kreuz- 
züge. Ausgehende Bewegung von Spanien und Südfrankreich. 
Die Hohenstaufen (41 37 — 1254) sind Pfleger der ritterlichen 
Poesie, ebenso Leopold von Oestreich, 1498 — 1230, Land- 
graf Hermann von Franken und Thüringen, 4 490 — 4245. 
Süddeutschland ist der Sitz der hofischen Bildung und Poesie. 
Volks- und Kunstpoesie, letztere wiederum getheilt in 
die romantische Ritterepopöe und in den Minnegesang. 

4. Epische Poesie. 

§. 434. Die Epopöe behandelt theils einheimische, 
theils ausländische Sagenstoffe. Zu den einheimischen ge- 
hören zunächst alle deutschen Heldensagen, die dem Nibe- 
lungenliede zum Grunde liegen: die fränkisch -burgundische 
Siegfriedsage (Sigurdsage bei den Skandinaviern), welche 
dem ersten Theil, und die gothische Dietrichsage, die der 
zweiten Hälfte jenes Nationalepos zum Grunde liegt; ferner 
das Lied von Walther von Aquitanien und die Thiersage. 
Zu den ausländischen Stoffen gehört die Karls-, Artus- 
und Graalsage, Titurel und Parzival. Auch zerfällt die 
Epopöe in das Volksepos, das Epos der Kirche, das ro- 
mantische und historische Epos. 

a) Volksepos. 

§. 432. Das ,Heldenbuch c ist eine Sammlung von epi- 
schen Gedichten, deren Mittelpunkt Siegfried und Dietrich 
sind, enthaltend den ,Otnit c , , Wolfdietrich 4 , den , Grossen 
Rosengarten 4 und den ,Laurin c oder sogenannten ,fQeinen 
Kosengarten 4 . 

Dieselben Gedichte (zwischen 4490 — 4590 mehrmals gedruckt), ausser- 
dem das. Eckenlied (Ecke's Ausfahrt, bezüglich auf Dietrich's Jugend), die 
Gedichte vom Riesen Sigenot, von Dietrich's Drachenkämpfen, von Etzel's 
Hofhaltung , das jüngere Hildebrandslied und ausserdem zwei nicht zu 
diesem Kreis« gehörige Gedichte, das Meerwunder und eine Bearbeitung 
der Sage vom Herzog Ernst, vereinigte in einer geistlosen, sprachlich 
verwilderten Ueberarbeitung Kaspar von Roen (Röhn) aus Münnerstadt in 
Franken U72. F. H. v. d. Haobn und Pbimissbb, Heldenbuch, 4820, und 
F. H. v. d. Hage* 4865. 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 359 

§. 433. Die beiden grossen Volksepen der Deutschen 
sind das Nibelungenlied, gleichsam die deutsche ,Ilias 4 , und 
,Gudrun c , die deutsche ,Odyssee c . 

Das Nibelungenlied, eigentlich ,Der Nibelunge Not', 
ist das grossartigste und bedeutendste unter den Denkmälern 
der mittelhochdeutschen epischen Volkspoesie. Seine me- 
trische Form ist die vierzeilige Strophe, die sogenannte 
Nibelungen- oder Heldenstrophe, deren Zeilen paarweise 
stumpf reimen und durch Cäsur in Halbzeilen zerfallen. 
Dem Inhalt nach zerfallt das Gedicht in drei jHaupttheile: 

4. Siegfried's Thaten bis zu seinem Tode. Nachdem 
Siegfried die Nibelungen unterworfen, zieht er nach Worms 
und wirbt um Chriemhield, die sich bei ihrer Mutter Ute 
und bei ihren Brüdern (Günther, Gernot und Giselher) 
aufhält. Er hilft Günther die Brunhild erwerben. Streit 
der Frauen. Brunhildens Rache durch Hagen; Siegfried's 
Tod. 

2. Chriemhieldens Rache. Sie heirathet Etzel, den 
Hunnenkönig, um Mittel zur Sättigung ihrer Rache zu 
erlangen. Nach sieben Jahren ladet sie die Burgunder an 
ihren Hof (Hagen und Volker, Rüdiger und Dietrich von 
Bern). Chriemhield tödtet Hagen und wird selbst von 
Hildebrand getödtet. 

3. Die Klage. Etzel, Dietrich und Hildebrand, die 
einzig übriggebliebenen Helden, stimmen die Klage über 
die Gefallenen an, und das Leben und die Thaten' jedes 
Einzelnen werden erzählt. 

Die Frage nach dem Verfasser des Gedichts , für 
den z. B. Schlegel (im ^Deutschen Museum 4 , Bd. 4 ) Ofter- 
dingen oder Klinsor annahm, hat Lachmann l dahin beant- 
wortet, dass aus der Zusammensetzung von 20 noch er- 
kennbaren epischen Volksliedern, die vorher einzeln ge- 
sungen wurden und deren letzte Fassung gegen das Ende 
des 42. Jahrh. fallt, um das Jahr 1240 das Gedicht durch 
die Hand eines unbekannten Ordners in der Form des 
Textes hervorging, den die münchner (sonst zweite hohen- 
emser) Handschrift darbietet. Noch vor 4225 erfuhr das 
Gedicht zwei neue Ueberarbeitungen, die in der sanct- 
galler und ersten hohenemser Handschrift erhalten sind. 
Die Klage ist wahrscheinlich eine schon zu Ende des 4£. 
Jahrh. verfasste Umdichtung eines altern Gedichts. 

VI* 



200 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

1 Ueber die ursprüngliche Gestalt des Gedichts von der Nibelange 
Not, 4846, and: Anmerkungen zu den Nibelungen and zur Klage, 4836. 
Ausgabe von Bodmbr 4757, MCller 4782, v. d. Haobh seit 4840 mehr- 
mals, Zeukb 4845, Lach harr 4826, 4844, Vollmer 4843. Neudeutsche 
Uebersetzungen von Hagen und Büsching 4845, Sünrock 4825 und 4840. 
Mislungene Modernisirungen von Heinsberg (5. A.) 4840 und Rebenstock 4 835. 
Schriften darüber: v. d. Hageh, Die Nibelungen und ihre Bedeutung, 
4849, und: Anmerk. zu der Nibelange Not, 4824. Mohb, Einleitung in 
das Nibelungenlied, 4848. Göttlihg, Ueber das Geschichtliche im Nibe- 
lungenlied, 4844, und: Nibelungen und Ghibellinen, 4846. F. R8ckbrt, 
Oberon von Mons und die Pipine von Nivella, 4836. W. Grimm's Unter- 
suchungen in der deutschen Heldensage, 4 829. K. Lach harn, Kritik der Sage 
yon den Nibelungen , im Rhein. Museum , 4 830* Altdeutsche and altnordi- 
sche Heldensagen, übersetzt durch F. II v. d. Ilagen; auch unter dem 
Titel: Wilkina- und Nifliuga-Sage oder Dietrich von Bern und die Nibe- 
lungen (2. A.) 4855- Zarmckb, Zur Nibelungenfrage, 4854. Mülxbrhoff, 
Zur Gesch. der Nibelange Not, 4855, und in Allgem. Monatsschrift für 
Wissenschaft und Lit., 4854, S. 877, und Holtzmahk, ebendaselbst, S. 943. 
Derselbe, Kampf um der Nibelange Hort gegen Lachmann's Nachtreter, 4855. 
LCbbbh, Glossar zu den Nibelungen, 4854. Nabbbt, Der Nibelungen 
Liet, 4855. 

§. 434. Das aus dem 13. Jahrh. stammende Gedicht 
,Gudrun c (Kütrün) behandelt einen Kreis von Sagen der 
Nord- und Ostseeküste und zerfallt in drei Theile: Hagen, 
Hilde und Gudrun, aber nur auf den ersten und zweiten 
Theil der Sage finden sich in altnordischen und altdeutschen 
Quellen Anspielungen, die W. Grimm in der ^Deutschen 
Heldensage 6 gesammelt hat. Auch beruft sich das Gedicht 
auf ein Buch als Quelle. Die Umarbeitung scheint von 
einem ostreichischen Dichter herzurühren. Gudrun, Tochter 
HetteFs, wird mit Herbig von Seeland verlobt, aber Hart- 
muth von der Normandie, ein abgewiesener Freier, todtet 
Hettel und fuhrt die Grudrun gefangen. Sieben Jahre muss 
sie bei ihm die niedrigsten Arbeiten verrichten. Endlich 
befreit sie Herbig. Das Ganze endigt in Freude. 

EttmCller machte einen Versuch, die ursprunglichen Lieder zu son- 
dern, 4844. Abdruck in v. d. Haobn's Heldenbuch, 4820. Zibmanm's 
krit. Ausg. 4835. Uebersetzungen von San Matte 4839, Kelter 4 840, 
die beste von Simrock 4843. Ausgabe und Uebersetz. von Plönnies, mit 
einer systemat. Darstellung der mittelhochdeut. Verskunst von Riegbb, 4853. 
Niendorf, Das Gudrunlied (Umdichtung), 4855. 

§. 435. ,K6nig Rother 4 *, eine lombardische Sage, ent- 
halt die Geschichte dieses Königs, der durch List und Muth 
eine Tochter des Kaisers von Konstantinopel entfuhrt. 

Die Sagen von Otnit, Hug- und Wolfdietrich sind des- 
halb wichtig, weil in ihnen zum ersten mal das Christen- 
thum im Gegensatz zum Nicht- Christenthum auftritt. 

1 Theil der Wilkinasage, wird auch zu den geistlichen Epen gerechnet. 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 261 

b) Epos der Kirche. 

§. 436. Dieses Epos geht nicht aus dem Gemüth des 
Volkes, sondern aus der frommen Bestrebung des. priester- 
lichen Standes hervor, darzustellen die christliche Lehre 
im siegreichen Kampfe mit andern Religionen. 

Bei dem Vorherrschen dieser religiösen und specifisch- 
christlichen Tendenz bleiben zunächst (wenigstens noch 
bis 1075) vorzugsweise die Geistlichen Pfleger der 
Literatur. So entstehen Bearbeitungen biblischer Ge- 
schichten, Heiligenlitaneien, Legenden. Man findet darin 
willkürliches Durcheinandermengen der Geschichte und 
Mythe, des Einheimischen und Ausländischen, die Wunder- 
geographie des Alterthums mit den orientalischen Mär- 
chen u. s. w. Derselbe Charakter ist jedoch auch dem 
historischen Epos eigen. 

1. ,Barlaam und Josaphat', von dem Schweizer Ru- 
dolf von Ems oder Hohenems , Dienstmann des Grafen von 
Montfort. Der indische Königssohn Josaphat wird von 
Barlaam zum Christenthum bekehrt 1 . 

2. In der ,Legende vom heil. Sylvester 4 von Konrad 
von Würzburg (f 1287 zu Freiburg im Breisgau) wird 
der Sieg der christlichen Lehre über das Judenthum dar- 
gestellt a . 

3. ,Der heil. Georg 4 enthält die Märtyrergeschichte des 
Grafen Georg von Palästina, der, vom Kaiser Dacian ein- 
gekerkert, die unsäglichsten Leiden erduldet und die grössten 
Wunder thut. 

1 Köpkb 4818. Pfeiffer 4843. — 2 W. Grimm 4844. 

c) Romantisches Epos. 

§. 437. Es ging aus der Verschmelzung des Volks- und 
des kirchlichen Epos hervor und spaltet sich in drei Haupt- 
theile: \ ) Darstellung des Gegensatzes des Königs und seiner 
Vasallen und des Gegensatzes der christlichen und moham- 
medanischen Religion; Mittelpunkt desselben ist Karl d. Gr. 

2) Darstellung des weltlichen und geistlichen Ritterthums. 

3) Darstellung der Wirklichkeit in idealer Form, 

§. 438. Die Gesänge von Karl d. Gr. oder die Karls - 
sage: i) Karl und seine Vasallen: Haimon und seine Söhne; 
Reinhold; der Zauberer Malegis. 2) Das Jfcta&4s&s& 



362 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

oder Roland und die Roncevaller Schlacht, verfasst von 
dem Pfaffen Konrad, im Dienste Heinrich's des Löwen, 
nach einer franzosischen Darstellung (oben §. 329, 2) um 
11 75 *. 3) Auch gehört der Karlssage an der weitverbreitete, 
in allen Sprachen bearbeitete provenzalische Roman ,Flore 
und Blancheflur' (Flos, Sohn des Heidenkonigs Feinix von 
Spanien und die geraubte Blankflos) von Konrad Flecke. 

1 Aasgabe von W. Grimm, 4838. Die neue Bearbeitimg ans der 
ersten Hälfte des 43. Jahrh. von Stricker in Schilter's Thesaurus. Ueber 
die Verbreitung dieser Sage durch den ganzen europäischen Westen, selbst 
nach Dänemark und Island, s. Tn. Rodd, Hist. of Charles the Great 
etc., 4812. ♦ 

§. 439. Dem weltlichen Ritterthum gehört die Artus - 
sage und die von der Tafelrunde an, welche aus der 
bretonischen Poesie nach Deutschland kam (oben §. 330). 
Die bedeutendsten hierhergehorigen Sagen sind: 1 ) ,Iwein c *, 
der Ritter mit dem Löwen, von Hartmann von Aue, einem 
schwäbischen Ritter und Dienstmann der Herren von Aue, 
der sich wahrscheinlich 1197 der Kreuzfahrt anschloss. 
2) ,Erec* a , von demselben Verfasser. 3) ,Lancelot * vom 
See 4 , von Ulrich von Zatzikhoven. 4) ,Wigalois 4 oder der 
Ritter mit dem Rade 4 , von dem fränkischen Bitter Wirnt 
von Grafenberg, 1212. 5) ,Die Krone 4 Heinrich's von Tür- 
lein, fe) ,Daniel von Blumenthal 4 des Stricker 5 . 7) ,Gauriel 
von Murtaval 4 Meisters Kunhart vom Stoffel. Mit diesen 
Sagen steht die gleichfalls bretonische von Tristan und 
der schonen Isolde 6 , die an Eilhart von Obergen im 42. 
(um 1170) und an Gottfried von Strasburg und seinen 
Fortsetzern im 13. Jahrh. Bearbeiter fand, in einem nur 
losen Zusammenhange, wahrend Wolfram von Eschenbach's 
,Parzival 4 und ,Titurel 47 , an die dann auch der ,Lohen- 
grin 4 8 angeknüpft ist, auf der doppelten Grundlage der 
Artus- und der Graalsage ruhen. 

1 Auggabe von Benecke und Lachmann 4827 u. 4843; Wörterbuch 
von Benbckb 4833. — 2 Ausgabe von Haupt 4839* Von Hart mahn 
von Aue besitzen "wir I Jeder, Briefe und vier erzählende Gedichte, unter 
denen der Erec am frühesten (schon vor 1197), der Iwein am spätesten 
(doch vor 4205) gedichtet sind. Dem erstem steht dem Alter nach der 
Gregor (von Gbbith im Spicilegium Vaticanum, 4838, und von Lach- 
mann 4838), der aus der geistlichen Legende geschöpft ist, dem letztern 
der Arme Heinrich näher (Gebruder Grimm 4845, Lachmann 4820, 
Wackern agel 4835 u. 4839 und für den Gebrauch in Vorlesungen 4855, 
Müller und Haupt 4842, neudeutsch von Simrock 4830). — 3 Die 
Bearbeitung vermuthlich zu Anfange des 43. Jahrh. Ausgabe von Hahn 
4845. — 4 Ausgabe von Benecke 4849,.£chönhüth 4846, Pfeiffer 4847. 



Einunddreissigstes Capüel. Deutschland. 2ö3 

Eine prosaische Auflösung dieses Gedichts erschien 4472 von einem Un- 
genannten ; sie wurde als Volksbuch öfter und auch in Fbyerabrnd's Buch 
der Liebe, 4587, aufgenommen. — 5 Der Stricker heisst ein mittelhoch- 
deutscher Dichter aus Oestreich, der zwischen 4236 — 44 gestorben ist 
und zwei grossere epische Gedichte hinterliess : Daniel von Blumenthal und 
Karl, eine neue Bearbeitung des Rolandsliedes (Schilter's Thes., Bd. 2.). 
Weit vorzüglicher erscheint der Dichter in seinem Pfaffen Amis (von 
Beneckb, 4832, Bd. 2-)> dessen Schwanke später zum Theil auf Tyll Eulen- 
spiegel übertragen wurden. Stricker's kleinere Gedichte von Hahn, 4 839. — 
6 Diese Sage fand ihren Weg in die mittelalterliche Literatur der meisten 
Völker Europas, und so auch in die skandinavische. Von Eilhart's Ge- 
dicht sind nur wenige Bruchstücke im ersten Bande von Hoffmann's Fund- 
gruben gedruckt. Dagegen ist Eilhart's prosaische Bearbeitung schon 4 484, 
dann 4 498 und öfter, auch in Feyerabend's Buch der Liebe, 4587, ans 
dem sie Büsching und v. d. Haoen in ihre Sammlungen (4 809) aufnahmen, 
gedruckt worden, auch bei Simrock in seiner Sammlung deutscher Volksbücher. 
Ein anderes französ. Gedicht (von Thomas" von Britania, nicht zu ver- 
wechseln .mit dem fabelhaften brit. Thomas von Erceldbune, auf den sich 
der von Walter Scott herausgeg. altengl. Tristan beruft) legte Gottfried 
vom Strasburg (um 4207) seinem nicht von ihm beendeten Tristan (er starb 
darüber, nachdem er fast 20,000 Verse fertig hatte) zu Grunde. Erdich- 
tete noch bei Lebzeiten Hartmann's von Aue, den er als den besten der 
deutschen Erzähler feiert, und nachdem Wolfram von Eschenbach den 
Anfang seines Parzival bekannt gemacht hatte, auf dessen Prolog er an- 
spielt und dessen Manier er verwirft. Gottfried's Gedicht fand zwei Fort- 
setzer, in dem schwäbischen Ritter Ulrich von TCrheim (um 4240, der 
auch Wolfram's Willehalm umarbeitete, was auch Ulrich von Turlein that) 
und in Heinrich von Freiberg (Anfang des 44. Jahrh.). Unbeendigt blieb 
auch die neue Bearbeitung dieser alten Liedersage von Immermann. Aus- 
gabe von Gebote 4824, v. d. Hagen 4823, Massmann 4843. Neudeutsch 
(mit Schlnss) von H. Kurlz 4844 und K. Simrock 4855. — 7 Wolfram 
von Eschenbach, ein armer Ritter ans Franken, kam 4204 an den Hof 
4es Landgrafen Hermann von Thüringen, wo er unter den Dichtern des 
sogenannten Wartburgkrieges glänzte; er starb zwischen 4249 — 25. Der 
aus 24,840 kurzen Reimzeilen bestehende Parzival, das bedeutendste unter 
den mittelhochdeutschen Kunstepen, ist noch vor 4242 beendet. Der Titurel 
ist nur in zwei Bruchstücken von 470 vierzeiligen Strophen erhalten und 
darf nicht verwechselt werden mit dem Jüngern Titurel Albrecht's von 
Scharfbnberg , 4270, in welchem noch die Beziehung auf den Priesterkönig 
Johann hinzugekommen ist. Dessen Handschrift von Hahn 4842. Wolf- 
ram's Wilhelm von Orange. Erste krit. Ausgabe aller Werke Wolfram's 
von Lachmann , 4 833* Uebersetznngen von San Marte (A. Schulz) 4 836 — 44 
und in der Arthursage, 4842, Simrock 4842. Ueber des Dichters Leben 
v. d. Hagen in den Minnesängern, Bd. 4* — 8 Gebildet aus dem Namen 
des Helden eines franz. zum kerlingischen Sagenkreis gehörigen Gedichts, 
Garin le Loherain (oben §. 329, 2), in zehnzeiligen Strophen, gegen Ende 
des 43. Jahrh. oder 4356 von, wie es scheint, zwei unbekannten Dichtern ver- 
fasst. Gebrüder Grimm in den Deutsch. Sagen, 4 84 8, Bd. 2, und Görres 484 3. 
Wagnbb'b Oper. 

§. 440. Dem geistlichen Ritterthum gehören die Ge- 
dichte vom heiligen Graal an (oben §. 330). Der Pro- 
venzale Guiot, der vermuthlich zwischen 1160 und 1180 die 
Graalsage mit der von Titurel und Parzival verschmolzen in 
einem nordfranzösischen Gedichte erzählte, führte als seine 



384 Zweites Buch. Etknodokiologie. 

Quellen eine wahrscheinlich arabische Schrift eines Mauren 
Flegetanis, die er zu Toledo gefunden, und eine lateinische 
Chronik von Anjou an. Nach ihm verbanden Chretien von 
Troyes u. a. nordfranzosische Trouvferes mit der Graalsage 
theils die Sagen von Artus und seiner Tafelrunde, theils 
die Legende von dem ritterlichen Celtenapostel Joseph von 
Arimathia. Diese Epen wurden durch die deutschen ritter- 
lichen Dichter des 12. und 13. Jahrh. theils in enger sich 
anschliessenden Nachbildungen nach Deutschland verpflanzt, 
theils boten sie ihnen den Stoff zu freiem selbständigen 
Dichtungen (oben §. 439). 

Zu Ende des 45. Jahrh.. nahm Ulrich Fctebeb in seine weitläufige 
Dichtung: Bach der Abenteuer, aus welcher Hofstättbr in seinen Altdeut- 
schen Gedichten aus den Zeiten der Tafelrunde, 484 4 , Auszüge gegeben hat, 
auch die Geschichten von den Helden der Tafelrunde auf. In derselben 
Zeit entstanden durch prosaische Bearbeitung der Gedichte Wirnt's und 
Eilhart'b die Volksbücher von Wigalois und von Tristan und Isolde. 
B8tCHi5G, Der heil. Graal und seine Hüter, im Altdeutsch. Museum, 4809- 
Boisseree, Ueber die Beschreibung des Tempels des heil. Graal, 4834- 
Sah Martb, Der Mythus vom heil. Graal/ in den Mittheilungen des 
thüringisch -sächsischen Vereins, 4837, Bd. 3- 

d) Historisches Epos. 

§. 441. Die Periode des hofischen Kunst- und Minne- 
gesangs beginnt mit der zwischen 1175 — 1190 gedichteten 
JSneit' Heinrich's von Veldeke *, der VirgiPs yA.eneis c nur 
in einer franzosischen Bearbeitung kannte. Das ^Alexander- 
lied 4 des 'Pfaffen Lamprecht 2 . Einen ^Alexander 4 lieferte 
auch Rudolf von Ems, 1240 8 . Zwischen diesem und der 
,Eneit c steht das ,Liet von Troye 4 (Trojanischer Krieg) 
des Herbort von Fritzlar, um 1200 — 10, der die im Mittel- 
alter vielgelesenen lateinischen Erzählungen des Dares und 
Diktys von diesem Kriege gekannt zu haben scheint, wenn 
er gleich nach einem wälschen Vorbilde arbeitete, das ihm 
durch die Vermittelung des Landgrafen Hermann von Thü- 
ringen zukam. Auch Konrad von Würzburg dichtete den 
Trojanischen Krieg 4 . ,Herzog Ernst', ,Oswald c , ,Salomon c 
oder ,Salman c , ,Morolf c und andere Epen gehören gleichfalls 
in diesen Kreis. 

1 Mcller'8 Sammlung deutscher Gedichte, 4 782 fg., Bd. 4 . — 2 Weiss- 
mahh 4850. Choleviu8, Gesch. der deutschen Poesie nach ihren antiken 
Elementen , Bd. 4 , 4 854. — 3 Ein anderes Epos von ihm ist Wilhelm 
von Orlens (Gesch. Wilhelm/s des Eroberers). Sein Guter Gerhard (bald 
nach 4229) erinnert an Hartmann's Armen Heinrich (Ausgabe von Haupt 
4840)* Seine dem Kaiser Konrad IV. gewidmete Weltchronik blieb un- 



Einunddreissigsles Capitel. Deutschland. 265 

vollendet; Ausgabe von 6. ScHÖTze 4779 — 84, Vilmar 4839. — 4 In 
Muller'8 Sammlang, Bd. 3. Ferner sind von ihm: Engelhard (von Haupt 
4844), Otte mit dem Bart (von Hahn 4838), Der Welt Lohn (eine alle- 
gorische Erzählung , deren Held der Dichter Wirnt von Grafenberg ist, 
von Roth 4843), Die goldene Schmiede (von W. Grimm 4840), Alexius 
(von Massmann 4843 und Haupt 4843). 

§. 442. Als erste Anfange der Geschichtschreibung sind 
zu betrachten die aus 16,000 Versen bestehende ,Kaiser- 
chronik' und der damit verwandte ,Lobgesang auf den 
heiligen Hanno 6 (f 1075), Erzbischof von Köln (Aus- 
gabe von Goldmann). 

2. Lyrische Poesie. 

§. 443. Die ritterliche Lyrik heisst nach ihrem Grund- 
ton, der Minne 1 , Minnegesang und die Dichter des- 
selben werden Minnesinger oder Minnesänger genannt. Die 
Manessische Sammlung 2 nennt 130 Minnesänger, unter 
denen der älteste sein soll Heinrich von Veldeke 3 , als 
die vorzüglichsten aber folgende sechs genannt werden: 
Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue, Reinmar der 
Alte, Wolfram von Eschenbach 4 , Neidhart oder Nit- 
hart 6 und alle überragend Walther von der Vogelweide 
(1160 — 1230?). Es folgen Graf Otto von Bodenlauben 6 , 
Ulrich von Singenberg, der Tanhäuser 7 ; um die Mitte des 

13. Jahrh. : Christian von Hameln, Gottfried von Neifen, 
Ulrich \on Lichtenstein 8 , Schenk Ulrich von Winterstetten, 
Reinmar von Zweter, Konrad von Würzburg, der Marner, 
der Meissner; aus dem Ende des 13. und Anfang des 

14. Jahrh.: Konrad Schenk von Landeck, Herzog Hein- 
rich IV. von Breslau, Markgraf Otto mit dem Pfeil von 
Brandenburg, Raumsland, Meister Johann Hadlaub 9 , Hein- 
rich von Meissen, genannt Frauenlob 10 , der Schmied Regen- 
bogen. 

1 Freude, Lust, Liebe, Andenken. Minnen ist gedenken, meinen, 
mahnen, erinnern; wie im Altnordischen minni und minna, daher Minne 
trinken. — 2 So genannt , weil man seit Bodmer annahm , dass der Bürger- 
meister von Zürich, Rüdiger von Manesse, und dessen Sohn sie haben 
schreiben lassen; aber Lachmann hat in der Vorrede zu seiner Ausgabe 
Walther 's von der Vogelweide darauf aufmerksam gemacht, dass diese 
Annahme in der Stelle in Hadlaub's Gedichten, auf welche sie sich beruft, 
keine Begründung findet, daher nennt er die Handschrift von ihrem Aufent- 
haltsorte die pariser. — 8 Von dem Gottfried von Strasburg sagt: Er 
inphete daz erste ris in tiutescher zungen. Seine Lieder sind noch vor 1490 
abgefasst; vor ihm noch Dietmar von Eist, neben ihm Friedrich von 
Hausen. — 4 Tage- oder Wächterlieder. — »Aus Oestreich, zu Anfasse 



266 Zweüe* Buch. Ethnoduktologie. 

des 43. Jahrh., besang vorzüglich das Leben, die Hoffart, Prunksucht 
ond die derbere Lebensweise der Bauern (Dörper, d. i. Dörferer, daher 
Tölpel). So ist er Erfinder der höfischen Dorfjwesie, 4220 — 30. Sein« 
Lieder gab Benecke. — * Bichstbih 4845. — 7 Die merkwürdig© Oper 
von Waoweb seit 4853. — * 4499 oder 4200 — 75 oder 4276. Frauen- 
dienst von Tibck 4842, Frauenbach (4257) Ton Lacbmamh, mit histor. Anm. 
von Th. v. Kabajan 4844. — 9 EttmCllbb 4840. — 10 Geb. 4260, 
gründete in Mainz 4344 eine Sängerschule, starb 4348. Ausgabe von Err- 
mGllbb als 46. Theil der Bibl. der gesammten deutsch. Nationallit., 4843. 
Vollständigste Sammlung, zugleich mit Lebensbeschreibungen der einzelneu 
Dichter, in v. d. Hagbn'8 Minnesinger, 4838- Tibck's Minnelieder aus 
dem schwäb. Zeitalter, 4803. 

§. 444. Walther von der Vogelweide, aus der Schweiz, 
oder Franken (Wackernagel), oder Schwaben (W. Grimm), 
oder Oestreich (Lachmann), lernte am Hofe von Wien 
bei Herzog Friedrich singen und sagen , seit 4 4 98 am 
Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen, geboren 
zwischen 4 465 — 70, begann zu singen 4 487, seine besten 
Lieder fallen zwischen 4498 — 4227, erhielt durch Kaiser 
Friedrich IL ein Reichslehn 4220. W. Grimm vennuthet, 
dass er an dem Kreuzzuge Friedrich's II. (4228 — 29) Theil 
genommen und in dieser Zeit das Spruchgedicht ,Freidank' 
verfasst habe l . Er starb in Würzburg a . 

1 Freidank oder Vridank nennt sich der Dichter eines mittelhochdeutsch, 
didaktischen Gedichts, das den Titel Bescheidenheit (verständige Einsicht 
und richtige Beurtheilung der Dinge) führt. Ausgabe von W. Gbimm 4834. 
Erster Nachtrag 4850, zweiter 4855 von W. Gbimm. Erweiterte Umarbei- 
tung dnrch Sbb. Brandt 4508. — 2 Ausgabe von Lachmavk \Wl u. 484-3. 
Uebersetzung von Simrock mit Erläuterungen von diesem und Wackernagel 
4833. Ueber ihn Ublahd, 4822. 

§. 445. Dass die besten Minnesänger der schwäbischen 
Zeit, wie man nach Bodmer's Vorgang sich ausdruckt, mit 
den spätesten handwerksmässigen sogenannten Meistersängern 
geschichtlich und durch ein inneres Band zusammenhängen, 
hat Jak. Grimm l zuerst nachgewiesen und gezeigt, wie Das- 
jenige, was den Meistergesang als solchen charakterisirt, 
in einer bestimmten Grundform des Strophenbaus liege, 
die mit dem ersten Entstehen lyrischer Kunstpoesie im deut- 
schen Mittelalter zugleich im 12. Jahrh. sich bildete, sich 
als ihr Gesetz die Zeit ihrer Blüte hindurch erhielt und 
die auch, als diese Blüte nach der Mitte des 43. Jahrh. 
allmälig verwelkte und endlich im 14. Jahrh. schwand, noch 
lange als die Form einer bestimmten Gesangsübung fort- 
dauerte a . 

Die Troubadourpoesie der Provenzalen hat weder auf 
die Entstehung noch die Ausbildung des Minnegesangs 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 267 

wesentlich eingewirkt, und nur von einem der vielen Dichter, 
Rudolf von Neuenburg, lässt sich nachweisen, dass er einem 
Troubadour, Folquet von Marseille, nachgeahmt habe. 

1 Ueber den deutschen Meistergesang, 4844. — * Lachmann, Ueber dU 
Leiche der deutsch. Dichter des 42. u. 43. Jahrh., im Rhein. Museum, 4829« 
Heft 3. Fd. Wolf, Ueber die Lais, Squenzen und Leiche, 4844. 

§. 446. Wartburgskrieg oder Sängerkrieg auf Wart- 
burg nennt man den Wettstreit, der um 1207 an dem Hofe 
des Landgrafen Hermann von Thüringen zwischen daselbst 
anwesenden Dichtern: Heinrich von Ofterdingen (wahr- 
scheinlich erdichteter Name), Walther von der Vogelweide, 
Wolfram von Eschenbach und Klinsor von Ungarland (wahr- 
scheinlich erdichteter Name), stattgefunden haben soll, und 
ebenso nennt man ein aus zwei Theilen bestehendes Ge- 
dicht, das ihn darstellt. Heinrich von Ofterdingen erhebt 
seinen Gönner Leopold von Oestreich, während Walther 
von der Vogelweide das Lob Heinrich's von Thüringen 
singt. Wolfram holt endlich zur Entscheidung den fabel- 
haften Klinsor herbei. 

Ausgabe von Zeune 4848, Ettmüller 4830. Ueber das Gedicht 
Kobersteiw 4823, Lucas 4838, Plötz. Bechstein, Wartburg-Bibliothek, 
4855, auch unter dem Titel: Das grosse thüringische Mysterium, oder das 
geistl. Spiel von den zehn Jungfrauen. 

§. 447. Der didaktischen Poesie dieser Periode 
gehören theils Lehrgedichte, theils Fabeln an. So der 
,Windsbecke fc und die ,Windsbeckin c aus dem 43. Jahrh. 
von einem unbekannten Verfasser, der schon erwähnte 
,Freidank fc von "Walther von der Vogelweide, 1230, und 
der ,Edelstein c des Bonerius. 

§. 448. Die Prosaliteratur bietet den Reichstags- 
abschied von Mainz (1236) von Kaiser Friedrich II., die 
ergreifenden Buss- und Sittenpredigten des Francispaners 
(Minoriten) Berthold in Regensburg (f J272) 1 , den 
Sachsenspiegel 4 und den ^Schwabenspiegel' von 4230 und 
'4280 2 . 

1 Kling 4824. — * Den erstem veranstaltete nach der gewöhnlichen 
Annahme ein sächsischer Edelmann, Eike von Repkow, als gräflich 
falkensteinischer Gerichtsschöppe, 4245. Das Werk ist in altsächsischer 
Mundart abgefasst und zerfällt in das Land- und das Lehnrecht, wozu 
im 4 4. Jahrb. noch der Richtsteig (Anleitung zum Verfahren vor Gericht) 
durch einen märkischen Edeln, Johann von Buch, kam. Ausgabe 4474, 
von Gärtner 4732, Weiske 4844, des Landrechts nach einer berliner 
Handschrift von 4769 von Hombyer 4827 u. 4835. Unten §. 627- Die 
sogenannte Repkow'sche Chronik, oder, nach Wackernagel, die sächsische 
Weltchronik ist das älteste Denkmal, in welchem deutsche Prosa tax GtaKhtafcft** 



268 Zweites Buch. Elhnodoklologie. 

erzähl ung angewandt ward; von Pfeiffer 4854. Der Schwabenspiegel oder 
Kaiserrecht wurde im 43. Jahrh. jenem nachgebildet. Ausgabe 4 482, von 
Mbicusker 4506, Lassbbbg (nach einer Recension Ton 4287) 4840 and 
Wackirhagel (in der älteaten Gestalt) 4840* Unten §. 627. 

C. Vom Untergange der Hohenstaufen bis zur Refor- 
mation, 1254 — 1517 (1300 — 1500). 

§. 449. Deutschland wird durch das Interregnum zer 
splittert, der Adel verarmt und sinkt von seiner poetisch- 
ritterlichen Hohe durch das Raubleben und das Faustrecht 
Dagegen erblüht der Handel und die Reichsstädte werden 
mächtig und reich. Das materielle Interesse wird allgemein 
vorherrschend. In der Poesie tritt an die Stelle der Phan- 
tasie und Begeisterung Berechnung und kaltes Formen- 
wesen. In den Städten bilden sich Gesangschulen, deren 
Mitglieder Meistersänger heissen. Die Wissenschaften 
werden zwar durch Stiftung von Universitäten (Prag 1348) 
gefordert, aber dadurch zugleich die Gelehrten von dem 
Volke abgezogen. Vorzugsweise Ausbildung der theologisch- 
rhetorischen Prosa. Die Erfindung der Buchdruckerkunst und 
des Lumpenpapiers trägt viel zur Verbreitung literarischer 
Producte bei. 

§. 450. Mit der Achtung vor dem.Ritterstande schwindet 
auch die Theilnahme an den Helden- und Rittersagen, und 
Vers und Reim der Ritterdichtung begannen sieb vom 
15. Jahrh. an in die Prosa (Romane und Chroniken) auf- 
zulösen. Allegorische Einkleidung wird in dieser phantasie- 
armen Zeit sehr beliebt. Der ,Theuerdank c , entworfen von 
Kaiser Maximilian I. (1493 — 1519) und in seinem Auftrage 
weiter ausgeführt von seinem Geheimscnreiber und Rath 
Melchior Pfinzing (1481 — 1 535) , enthält die Brautfahrt 
Maximilian^ zu Maria von Burgund 1 . Die Umarbeitungen 
Kaspar's von der Röhn und Ulrich Füterer's sind schon 
oben erwähnt (§. 432 und 440). 

1 Umarbeitungen von Burkhard Waldis 4553 und Schultes 4697, 
Ausgabe von Haltaus 4836. 

§. 451. Der Meistergesang begann mit dem 15. Jahrh., 
als auf die ritterliche Phantastik die bürgerliche Verständig- 
keit folgte, als Pflege und Genuss des geistigen Lebens aus 
den Schlossern der Fürsten und den Burgen des Adels in 
die Ringmauern frisch und fröhlich-aufblühender Städte über- 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 269 

gegangen war. Die Zünfte der Meistersänger öder, wie sie 
sich aus Bescheidenheit gern nannten, der Liebhaber des 
deutschen Meistergesangs, vorzugsweise in Mainz, Stras- 
burg, Nürnberg, Augsburg und Frankfurt a. M., bestanden 
bis in das 47., nur wenige, wie die nürnberger, erhielten 
eich bis in das 48. Jahrh., in Ulm sogar bis in das 49. Jahrh. 
Daselbst gab es noch 4830 zwölf Meistersänger; 4839, als 
nur noch zwei existirten, übergaben diese ihr sängerisches 
Eigenthum dem Liederkranze zu Ulm. Die Vorschriften 
über die Abfassung und den Vortrag der Gesänge enthielten 
die Tabulatoren (z. ß. die strasburger von 4 493). Den 
Gesang selbst nannten sie Bar, ihre Versarten Gebäude. 
Durch Erfindung neuer Tone (Strophencömpositionen) be- 
währte sich der Meister. Die besten Meister waren: 
Heinrich von Mügeln, Muscatblut, Peter der Suchenwirt und 
Hans Rosenblut, genannt der Schnepperer (d. i. Schwätzer), 
der zwischen 4 434 — 60 dichtete. Der berühmteste unter den 
spätem deutschen Meistersängern und einer der vortreff- 
lichsten Dichter seiner Zeit ist Hans Sachs aus Nürnberg 
(4 495 — 4 576), seines Handwerks ein Schuhmacher, der 454 4 
zu München öein erstes Meisterlied sang, sodann aber in 
allen damals üblichen Dichtgattungen sich versuchte: Gnomen, 
Fabeln, Beispielen, Kirchenliedern, Allegorien, biblischen Er- 
zählungen (2140), Erzählungen aus der Geschichte und My- 
thologie (über 480), Anekdoten, Gesprächen, Sittenpredigt, 
Schwänken (286), Psalmen, Dramen (56 Tragödien, 68 Ko- 
mödien, 62 Fastnachtspiele) und in 52 Jahren (bis 4566) 
6048 Dichtungen zu Stande brachte, darunter auch die 
,Wittenbergi8ch Nachtigall, die man jetzt höret überall 6 , 
4 524 K 

1 Seine Werke in fünf Foliobänden zn Nürnberg 4574 — 79. Sein 
Leben von Ranisch 4765, Fübchau 4820 und J. L. Hoffmann 4847. 
Ueber den Meistergesang Pdschmann, ein Schüler von Hans Sachs, 4584, 
Wagenseil hinter seinem Buche: De civitate Noribergensi, 4697, und 
Jak. Grimm 4844. W. Grimm, Thierfabeln bei den Meistersängern, 4855. 

§. 452. Auch das deutsche Drama hat seinen Anfang 
in den Mysterien *, einer Art geistlicher Schauspiele, 
deren älteste Spuren in italienischen und britischen Denk- 
malern bis in das 43. Jahrh. hinaufreichen. Oster- und 
Pfingstspiele. Pie Darstellungen der göttlichen Geheim- 
nisse hiessen Misteries, die der Wunder der Heiligen Mi- 
racles und die der moralisch lehrhaften Abschnitte, *»a> isst. 



270 Zweites Bück. Eümodoktologie. 

biblischen Geschichte Moralities*. Das weltliche Element, 
welches schon mitunter in den Mysterien vorkam, verband 
sich später mit den Mummereien, die in den letzten Tagen 
und Nächten vor Anfang der Feste gebräuchlich waren, 
und gab zu den Fastnachtsspielen Anlass, welche sich 
zu einer selbständigen Dichtung in den süddeutschen Reichs- 
städten erhoben, in Memmingen, Augsburg und namentlich 
in Nürnberg, wo seit 4550 sogar ein eigenes Theater dafür 
bestand. 

Die ersten geschriebenen Fastnachtsspiele verdanken wir 
Hans Bosenblut, 1434 — 60 s . Eine vollständigere Gestalt 
erhielten sie durch den Barbier Hans Folz oder Volz ans 
Worms, deren wir noch vier besitzen, gedruckt zu Nürn- 
berg 1549 — 24. Am höchsten erhob sich das Fastnachtsspiel 
durch Nikiaus Manuel aus Bern, 452z 4 , und den frucht- 
baren Hans Sachs (Schulkomödie), neben welchem im 46. 
Jahrh. Jak. Ayrer (ein Band Werke 4648) steht, von 
dem fünf Stücke Tieck in sein ^Deutsches Theater 4 (Bd. 4 ) 
aufgenommen hat, zugleich erster Singspieldichter, f 4648. 

Geistliche Dramen verbreitete Paul Rebhun, 4535 Rector 
in Zwickau und Plauen, 4543 Pfarrer in Oelsnitz: ,Susanna & , 
4536, ,Hochzeit zu Kana 4 , 4538, ,Klag' des armen Mannes 4 , 
4540. 

1 Ueber die heidnischen Mysterien St.-Croix, Recherche« bistori- 
qnes et critiqnes sur les mysteres da paganisme, 4784, neme Aufl. von 
Silt. de Sact 4847; deutsch von Lenz 4790. Mbihbrs in den Ver- 
mischten philos. Schriften, 4776. Lobeck im Aglaophamus, 4829. — 
* Die geistlichen Dramen Deutschlands bis zur zweiten Hälfte des 45. Jahrh. 
waren sämmtlich latein. abgefasst und wurden von Geistlichen aufgeführt 
Das Drama Babst Jutta, 4480* — 3 Gottsched, Nothwendiger Vorratb zur 
Gesch. der deutsch, dramat. Dichtkunst, 4765. Keller, Fastnachtsspiele am 
dem 45. Jahrh., 424 Stücke, 3 Thle., 4853. — 4 Ueber ihn Gbönbisbh 4837- 
Rosekkbahz , Encyklop. und theolog. Wissenschaften, 4845. 

§. 453. Der berühmteste Satiriker des 45. Jahrh. war 
Sebastian Brandt aus Strasburg ( 4 458 — 4 521 ). Sein Haupt- 
werk, das ,Narrenschiff c , 4494, ist eine Schilderung der 
Laster und Thorheiten der Welt in 413 Capiteln. Unter 
Narrheit versteht Brandt die sittliche Entartung, und seine 
Schilderungen sind weniger satirisch als moralisirend. Die 
Sprache ist der harte Dialekt des Elsasses, der an spötti- 
schen Beziehungen besonders reich ist. Der Versbau leitet 
zu den sogenannten Knittelversen des 4 6. Jahrh. über 1 . 
Thomas Murner aus Strasburg (4475—4536?), ein heftiger 



Einunddr rissigstes Capitel. Deutschland. 271 

Gegner Luther's, hat in seiner ,Narrenbeschwörung c und 
,Schelmenzunft c , 1542, die moralisirende Didaktik Brandt's 
in Satire umgewandelt, die aber meistens noch im Allge- 
meinen gegen Stände und Richtungen sich hält und trotz 
aller Vertiefungen in Niedrigkeiten und Derbheiten den sitt- 
lichen Hintergrund niemals verhüllt 2 . Ulrich von Huttcn's 
aus Steckelberg in Kurhessen (1488 — 1523) ,Klag' und 
Vermahnung 4 3 . Der niederdeutsche ,Reineke de Vos c (oben 
§. 449), das grosste satirische Epos jener Zeit. Die Pre- 
digten von Geiler von Kaisersberg (4445 — 4 540), seit 4 478 
Domprediger in Strasburg, besonders über Brandt's ,Narren- 
schiff 44 . Der um 4 300 vollendete ,Renner c (weil er durch 
alle Länder rennen sollte) enthält gleichfalls Sittenpredigten 
mit Fabeln des Hugo von Trimberg, einem Dorfe im Würz- 
burgischen , wahrscheinlich seinem Geburtsorte 5 . Die mysti- 
schen Predigten des Johann Tauler von Strasburg (4294 — 
4 364), genannt Doctor sublimis, auch illuminatus 6 . Eine 
besondere Gattung satirischer Gedichte aus dieser Zeit sind 
die sogenannten Priameln. 

1 Kritische Aasgabe von Strobel 4839, mit Geileb's Predigten in 
Scheible's Volksprediger, 4845. — 2 üeber ihn Waldau 4775. — 3 Er 
studirte in Frankfurt a. d. O. , dann in Wittenberg. 4542 ging er nach 
Italien, studirte in Parma und verfasste latein. Gedichte. 4547 wurde er 
von Kaiser Maximilian I. als Dichter gekrönt. Seine satirischen Briefe 
brachten den Papst so auf, dass er seine Auslieferung verlangte. Hütten 
verbarg sich bei Franz von Sickingen, und nach dessen Tode floh er, 
von seinen Freunden verlassen, von der Geistlichkeit verfolgt, nach der 
Schweiz und starb auf der Insel Ufenau im Zürichersee. Eine Samm- 
lung seiner Schriften (an Zahl 45 und einige ungewisse) besorgte Münoh 
4824 — 27, der auch seine Jugenddiehtungen ins Deutsche übersetzte, 4838. 
Ueber ihn Panzer 4768, Mohnikb 4846, Wagenseil 4823. — 4 Im 
Ganzen darüber 442 Predigten, latein. 4544, deutsch von Pauli 4520. 
Ueber ihn von Ammon 4826 und Weick 4829- — 5 Herausgegeben aus 
einer 4347 verfertigten Handschrift vom bamberger histor. Verein 4833 — 36, 
mit Willkür bearbeitet von Sb. Brandt 4549- — 6 Gedruckt 4498, 
4524, 4826; seine gesammelten Werke von Casseder 4823 fg* Ueber 
ihn K. Schmidt 4842. 

§•454« Die Volksbücher oder Volksromane sindtheils 
tragischen, theils komischen, theils sentimentalen Inhalts. 

Zu den tragischen gehören: ,Fortunat und seine Söhne 
Ampedo und Andalosio 4 , worin die Grundidee das Unglück 
des rein materiellen Besitzes ist. In dem ,Ewigen Juden 4 
werden die Qualen der Unsterblichkeit geschildert, die vom 
Frieden Gottes entblösst ist. Die Sage von ,Doctor Faust 4 
schildert die Freiheit im Bösen. 

Komischen Inhalts sind die ,Sohwanke de% T^lY^wkefc.- 



372 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

Spiegel' l aus Kneitlingen im Braunschweigischen (f um 1 350 
zu Mölln bei Lübeck). ,Die Bürger von Schiida 6 . 

Zu den sentimentalen gehört das ,Buch der Liebe', 
eine Sammlung aller Sagen, herausgegeben vom Buchdrucker 
Peyerabend 1587. Darin sind enthalten: ,Ritter Staufenberg 
und die Meerfee', ,Kaiser Octavianus', die ,Schöne Melu- 
sine 4 2 und ,Magelone c 3 , die ,Haimonskinder c 4 , , Ama- 
cüs* 6 u. A. Die berühmteste Novelle ist das Buch ,Von 
den sieben weisen Meistern 4 , welches sowol in prosaischen 
als poetischen Umarbeitungen ein vielgelesenes Volksbuch 
des Mittelalters war (oben §. 75 und öfter). 

1 Dieses ursprünglich in plattdeutscher Sprache verfasste Volksbuch 
wurde um 4483 durch den Franciscaner Th. Murner ins Hochdeutsche 
übertragen (erste Ausg. 4519) und ging dann in fast alle Sprachen Europas 
über. Reichard, Bibl. der Romane, Bd. 2 u. 4. Flöobl, Gesch. der 
Hofnarren. Görres, Die deutsch. Volksbücher, 4 807, oben §. 439, 5. Deutsche 
Volksbücher, herausgeg. von Marbach 4838. • — 2 Aus den Sagen über sie 
bildete Jean d'Arras um 4390 ein Gedicht, das später in prosaischer Auf- 
lösung zum Volksbuch wurde; zum deutschen durch Thüring von Rigol- 
tingen aus Bern, der es 4 456 übersetzte (gedruckt 4474, in Feyerabend's 
Buch der Liebe, 4587)« — 3 Die Maguelonne zeichnete zuerst Bernard de 
Tbbviers um 4 478 auf in einem provenzal. Gedicht, woraus ein franz. 
Prosaroman wurde, 4 457, und durch Veit Wabbeck, 4535, ein deutscher. 
In Mabbach's und Simrock's deutsch. Volksbüchern, Tieck in Lebrecht's 
Volksmärchen, Morgenroth 4829. — 4 Diese Erzählung des karolingischen 
Sagenkreises wurde um 4200 von Hüon de Villeneuve in dem Gedichte 
Regnaul t de Montauban (so hiess der jüngste der vier Brüder) bearbeitet. 
Eine andere altfranz. Bearbeitung machte Im. Bekker 4829 in der Ein- 
leitung zu seiner Ausgabe des provenzal. Fierabras bekannt. In Prosa auf- 
gelöst wurde auch dieses Gedicht Volksbuch und 4 493 gedruckt. Eine deutsche 
Uebersetzung erschien 4 535 , eine niederländische 4649, eine englische 4 554, 
eine spanische 4536. — 5 Amadis ist ein in der Ritterpoesie berühmter Name. 
Es werden im Ganzen ihrer vier gezählt: Amadis von Gallien (nach den 
Forschungen von Clemencin in seinem Commentar zum Don Quixote 4833, 
verfasst in portugies. Sprache von dem Ritter Vasco de Lobeira aus Oporto, 
der 4352 oder 4403 starb, zwischen 4342 — 67), sein Urenkel von Griechen- 
land und dessen beide Urenkel vom Gestirn und von Trapezunt; s. oben 
§. 380. In fast alle europ. Sprachen übersetzt und theils in Komödien, 
theils in epischen Gedichten (von Stewart Rose 4803 und De Lassbr 4843) 
verarbeitet. Wieland's Neuer Amadis, 4774. 

§. 455. Die geschichtliche Prosa ist vertreten durch 
die limburgische und elsassische Chronik, letztere von Jak. 
von Königshofen, durch die ,Burgundischen Kriege 4 von Die- 
pold Schilling, durch Reisebeschreibungen l und durch den 
,Weisskuhig c , der in prosaischer Erzählung, aber mit alle- 
gorischer Namenverstellung, die Thaten Kaiser Friedrich's HL 
und Maximilian^ I. enthalt und nach des Letztern Entwurf 
von dessen Geheimschreiber Marx Treizsaurwein von Ehren- 
treiz 4514 abgefasst ist 2 . 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 273 

1 Von Maundevile, Sohiltberger, Marco Polo ital. 4496, bei 
Ramusio in seinen Navigazioni e viaggi, 4559, von Baldelli Boni, 
Yiaggi di Marco P., 1827, deutsch 4802, französisch 4824; über ihn 
Zürla 4848 fg., Merlkker 4839 und Löwenberg 4840, Geschichte der 
Geographie. Mbrleker, Kosmogeographie , 4848, §. 362. — 2 Ausgabe 
mit Holzschnitten Hs. Bürgkmair's zu Wien, 4775* 

D. Von Luther bis Opitz, 1500 — 1620. 

§. 456. Zur Reformationszeit war Deutschland in 
geistiger Beziehung zerfallen. Durch die theologischen 
Streitigkeiten wurde die Poesie in den Hintergrund ge- 
drängt und alle geistige Kraft auf klare Darstellung ver- 
wendet. Die Prosa wurde besonders durch Luther aus- 
gebildet und das neue Hochdeutsch allgemeine Schrift- 
sprache. Einfuhrung des deutschen Kirchengesangs. Den 
grössten und wohlthätigsten Einfluss übte die Reformation 
auf die Schulen aus (oben §. 47). Einfluss der classi- 
schen Studien, für deren Aufnahme in Deutschland zu- 
nächst der von Gert Groote (f 1384) zu Deventer gestiftete 
Verein der Bruder des gemeinsamen Lebens Sorge trug (oben 
§. 46), dann Agricola, Lange, Celles, Reuchlin, Erasmus, 
Melanchthon, die Universitäten (Prag 1348, Leipzig 1409, 
Wittenberg 1502), Uebersetzungen classischer Autoren. 

§. 457. Mt. Luther, zu Eisleben geboren 10. Nov. 
1483 und gestorben ebendaselbst 18. Febr. 1546, war klar 
und kräftig in seiner Sprache, welche er zum Werkzeug 
seiner Begeisterung und Herzlichkeit ausbildete. Sein 
Hauptwerk ist die Uebersetzung der Heiligen Schrift, 
zugleich das wichtigste Werk für die ganze Literatur der 
neuhochdeutschen Sprache. Das Neue Testament erschien 
1522, die ganze Bibel 1534 *. Ausserdem dichtete er zwi- 
schen 1523 — 43: 37 Kirchenlieder, schrieb ,An den Adel 
deutscher Nation', über Schulen, Katechismus, Trost- 
schriften und Briefe. 

Neben Luther steht der grosse Schweizerreformator 
U. Zwingli (1484 — 1531), dessen Sprache zwar rauh, 
aber gedankenvoll und kräftig ist; besonders viel gelesen 
waren seine Predigten und Briefe 3 , 

1 In alle Sprachen der Welt übersetzt. Empfehlenswerthe Ausgabe 
von 4544. Teller, Vollständige Darstellung und Beurtheilung der deut- 
schen Sprache in Luther's Bibelübersetzung, 4794. Panzer, Gesch. der 
deutschen Bibelübersetzung Luther's von 4547 — 84, 4783. Götze, Kritik 
und Historie der Bibelübersetzung Luther's, 4768. Ueber die altern Bio- 
graphien s. Schröckh, Leben Luther's, 4778, ebenso Pfizer 4836- S^ve^ 

Merlekkr. \% 



274 Zweites Buch. Ethnodoklologie. 

Schriften erschienen gesammelt zu Jena 4556 — 58 (am vollständigsten), 
Altenburg 4664—64, Leipzig 4729 — 40, von Walch 4734 — 53 in 24 Quart- 
banden, beste Ausgabe. Schon 4343 hatte Mthi. von Behaim eine Ueber- 
setsung der Bibel aus der Vulgata geliefert, die auf der Universitäts- 
bibliothek in Leipzig aufbewahrt wird. Derselben Familie gehörte der 
gefeierte Meistersänger Mch. Behaim und der grosse Kosmograph Mt. 
Behaim (4430 — 4507) an; über ihn Murr 4778 u. 4804 und Alx. von 
Humboldt in seinen Kritischen Untersuchungen über die Entdeckung der 
Neuen Welt etc. Deutsch von Ideler, Bd. 4, 4836. — * Seine Schriften in 
Einem Bande 4545, in 4 Bdn. 4584; einen Auszug besorgten Ustbri und 
Vögblin 4849; den gesammten schriftl. Nachlass gaben Schdlbr und Schült- 
hess 4828. Ueber sein Leben Rotermund 4848 und Sigwart 4855. 

§. 458. Ohne das Volkslied hätte das 46. Jahrh. eine 
weltliche Lyrik gar nicht aufzuweisen, überhaupt kaum eine 
Lyrik, da das Kirchenlied sich dem Charakter des Didakti- 
schen mehr nähert, der das ganze Jahrhundert beherrscht. 
Theils historische, theils geistliche, theils weltlich -lyrische 
Gesänge des Volkes sind uns in fliegenden Blättern, gelegent- 
lichen Einschaltungen oder besondern Sammelwerken auf- 
bewahrt worden. In der heidelberger Handschrift 109 vom 
Jahre 4516. Liederbuch 1578. 

Bösching und t. d. Hagen, Sammlung deutscher Volkslieder, 4807- 
Erk und Iämbb, Die deutsohen Volkslieder mit ihren Singweisen, 4838 — 40. 
Andere Ausgabe von Hoffmann ton Fallbeslebkn 4844» Uhland (das 
Vorzüglichste Werk über diesen Gegenstand) 4844. Abdruck durch den 
Stuttgarter literarischen Verein des (ambraser) Liederbuchs von 4582 im 
Marc 4846. Ueber das deutsche Volkslied: Wolff 4830» ▼• Soltau 4836, 
Körner 4840, Uhland 4844 — 45, Simrock4854, Mbnzbl4854, Schrrer 
4854, Weller 4855, Mittler 4855, Meier 4855. 

§. 459. Das Kirchenlied des 16. Jahrh. ging aus dem 
Volksliede hervor, indem Behandlungsweise, strophischer 
Bau und Melodie von demselben entlehnt wurden. Das 
Kirchenlied ist entweder katholisch oder nichtkatholisch, 
hochdeutsch oder niedersächsisch l . 

Unter den Dichtem steht Luther mit seinen 37 Kirchen- 
liedern obenan | sodann Hs. Sachs, Erh. Hegenwalt in Wit- 
tenberg, 1524, L. Heilmann, P. Speratus (von Spretten), 
1484 — 4554, Just. Jonas, 1493—1555, Lazarus Spengler, 
1476—1534, J. Kohlros, 1530 in Basel, Konigin Maria von 
Ungarn, Gemahlin des 1526 bei Mohacz gefallenen Königs 
Ludwig, Schwester Karl's V., 1505—58, W%. Dachstein, 
Wfg. Meusslin (Musculus, Mosel, Mosel), 1497—1563, 
Mch. Veh, 1537 in Halle, J. Gramann (Graumann, Po- 
liander), 1487—1541, N. Decius, f *S44, Sbld. Heyd, 
f 1561, Mch. Weisse (Uebersetzer aus der böhmischen 
Sprache, 1531), J. Schneesing, f 4567, Bk. Waldis, 1553% 



Einunddreissigstes CapUel. Deutschland. 275 

N. Hermann, f 4564, Era. Albenis, f 4553, J. Matthesius,. 
4504—65, Mt. Schalling, 4532 — 4608, L. Helmbold, 4532 
— 98, Bm. Ringwaldt, 4530, Ph. Nicolai, 4556—4608. 

Heermann, 4585 — 4647, Lobwasser, f 4585, und H. Al- 
bert, 4604 — 48 (^Poetisch -musikalisches Lustwäldchen 4 ), 
zu Königsberg, P. Gerhardt, 4606—76 3 , Franck, 4648—77, 
Neumark, 4 624 — 84; das Lied ,Jesus meine Zuversicht 4 
von Luise Henriette, Gemahlin des Grossen Kurfürsten, 
Friedrich Wilhelm, Sim. Dach in Königsberg, 4605 — 59 4 , 
der brandenburgische Bath Rb. Roberthin, 4600 — 48 6 . 

Volks-, Gesellschafts- und geistliche Lieder von Ph. 
Freiherrn von Winnenberg, f 4649, P. Melissus Schede, 
1539 — 4 602, Pt. Denaisius, 4560 — 4640, J. Doman, 
G. Rdf. Weckherlin aus Würtemberg, 4584 — 4654 % 
J. Val. Andrea, 4586 — 4654 7 , J. Pappus, 4549 — 4640, 
J. Arndt, Com. Becker, 4554 — 4604, Val. Herberger, 
4562—4627, dem Jesuiten F. von Spee, 4592—4635 (bemer- 
kenswerth auch als Bekampfer der Hexenprocesse), Jul. 
W. Zinkgref aus Heidelberg , 4 594 — 4 635. Die Sinngedichte 
(Epigramme) des Schlesiers F. von Logau, 4604 — 55 8 . 
Poetische Bearbeitungen der Psalmen. 

1 Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied etc., 4844 , hat alle übrigen 
Schriften darüber entbehrlich gemacht. Ders. , Bibliographie zur Geschichte 
des deutschen Kirchenliedes, 4855. Wbtzbl, Lebensbesehreibungen der 
berühmtesten Liederdichter, 4748. Herrwagrn, Literaturgeschichte der 
evangel. Kirchenlieder, 4792. K. v. Raumer, Sammlung geistlicher Lieder, 
4 830 , 4 846. Rambach , Anthologie christl. Gesänge ,4846 — 33. Vom deut- 
schen Kirchenlied, wie's unsere Väter sangen, und vom musikal. Theil des 
protest. Cultus überhaupt, nebst einem Anhang alter Singweisen, 4844. 
Stromberger, Geistl. Lieder evangel. Frauen des 46., 47., 48. Jahrh., 4854. 
MCtzell, Geistl. Lieder der evangel. Kirche aus dem 46. Jahrh., 4855. 
Erk, Deutscher Liederhort, 4855. Bachmann, Zur Gesch. der berliner Ge- 
sangbücher, ein hymnologischer Beitrag, 4856. Bittelmeyer, Die evangel. 
Kirchenlieder des Elsasses etc., 4855. — * Ueber sein Leben Gödeke 4853, 
und Mittler, Herzog Heinrich 's von Braunschweig Klagelied. Mit einem 
Nachworte über das Leben und die Dichtungen des B. W., 4855. — 
3 Diakonus an der Nikolaikirche in Berlin , 4 667 abgesetzt und flüchtig, 
dann Prediger in der Lausitz. Von ihm die Lieder : Befiehl du deine Wege, 
und: O Haupt voll Blut und Wunden. Ueber ihn Roth 4832 und Lang- 
becker 4844. — 4 Professor der Dichtkunst. Seine Anke von Tharaw in 
preuss. Volksdialekt; über ihn Gebauer 4828. — 5 MCller's Bibl. deut- 
scher Dichter des 47. Jahrh., 4823. — 6 Ueber sein Leben und seine Schriften 
Conz 4803. Sein Trauergedicht auf Gustav Adolf. — 7 Ueber ihn Hoss- 
bach 4830. — 8 Seine Gedichte von Ramler und Lessing 4759 u. 4794. 

§. 460. Fabeln, Schwanke, Sprichwörter: Era. AL- 
berus, 1534, Bk. Waldis 1 , Agricola, f ^66, Sb. Frank, 
f 4545, Eucharius Eyring, 4 520 — 97. 



276 Zwettes Buch. Elkmcdoktologie. 

Lehrdichter: J. Freiherr von Schwarzenberg, 1463— 
4528% Bm. Ringwaldt, 1530—98 oder 1600% Mthi. Holz- 
wart (im Eisaas 4560 — 80). 

Dramatische Versnche von Heyneccius , Dedekind, 
Rinkhart, Stricker, Ringwaldt, Mauricias. 

Streit- und Schmähschriften auf kirchlichem Gebiete; 
Verfall der Sprache in der wissenschaftlichen und redneri- 
schen Prosa, zwischen 1550 — 1620. 

Der Mystiker Jak. Böhme (Schuhmacher in Görlitz, 
1575 — 1624); seine , Aurora, oder Morgenrothe im Aufgang 4 
(1612) sollte ein Licht anzünden für Die, welche erkennen 
wollen 4 . J. Arnd, 1555—1624, der Fenelon der prote- 
stantischen Kirche: ,Paradie8gartlein', ,Postille% 1616 5 . Der 
Theolog Andrea, 1586—1654. 

Das satirisch-didaktische Gemälde der Welt von 
G. Rollenhagen (1542 — 1609) in seinem ,Froschmäusler c , 
1 595 6 . Satiriker und zugleich der genialste Schriftsteller 
dieser Zeit ist J. Fischart, genannt Mentzer, 4545 oder 
1550 — 89, sein berühmtestes Werk der satirische Roman 
,Gargantua und . Pantagruel oder Affenteuerliche und Ver- 
geheuerliche Geschichtklitterung 4 u. 8. w., 1552 (in ver- 
änderter Sprache 1575), welchem das erste Buch des Rabe- 
lais'schen Romans zu Grunde liegt (oben §. 342). Im Ganzen 
werden 79 Schriften von ihm angeführt 7 . 

1 Kblch, Liefland. Gesch. Ho rr manu v. Fallbbslbbbh, Polit. Gedichte 
aus der deutschen Vorzeit, 4843. — 2 Sein Leben von Stbobbx 4773. — 
3 Sein Leben von Wippbl 4751. Hopfmann v. Fa£lbr8LBBBn, Ringwaldt 
und Bj. Schmolke, 4833, und Spenden zur deutschen Literatargesch. , 4845- 
Rihgwaldt'b didaktisches Gedicht: Die lautere Wahrheit. — 4 Seine übrigen 
Werke erschienen seit 4 64 9. TJeber ihn Foüqub 4 834 * Wollen 4 836 n. 4 838- 
Seine Lehre bei L. Fbübbbach, Gesch. der neuern Philosophie, Bd. 4, 
4833. — * Sein Wahres Christenthum ist fast in aUe gebildeten Sprachen 
übersetzt worden, 45. Aufl. von Franckb 4830; neueste 4840. Er hat 
Arnold und Spener trefflich Torgearbeitet und grossen Antheil an der 
Wiedergeburt der evangelischen Kirche, die an die Stelle des todten Buch- 
stabens ein lebendiges Christenthum setzte. — 6 Das von ihm vermuthlich 
schon vor 4570 verfasste, aber erst 4595 zu Magdeburg unter dem Namen 
Marcus Hupfinsholz von Mäusebach, der jungen Frosche Vorsinger und 
Calmenser im alten Mäscbenwigk herausgegebene allegorisch - satirische 
Thierepos: Der Froschmäuseier oder der Frosch und Mäuse wunderbare 
Hofhaltungen, ist in der Anlage zunächst der Batrachomyomachie, zum 
Theil anch dem Reineke Fuchs nachgebildet und gehört zu den besten 
poetischen Erzeugnissen des 4 6. Jahrh. Ausgabe des Originals 4 596, 4 600, 
durch Gst. Schwab 4847. Eine Nachbildung versuchte Stenzel in dem 
Neuen Froscbmäuseler, 4796. Im Auszug bearbeitete es Lappe 4846. — 
7 Sein Gluckhaft Schiff ist ein Ehrengedicht auf das Schützenfest, 
welches 4576 in Strasburg gefeiert wurde und bei welchem die Züricher 



Einunddr rissigstes CapiteL Deutschland. 277 

Bürger sich vermassen, die viertägige Wasserfahrt nach Strasburg in einem 
Tage zu machen und einen in Zürich gekochten Hirsebrei noch warm zu 
überbringen, zum Beweise, dass sie ihren Freunden in der Noth beistehen 
konnten. . Ausgabe von Hallino mit einem Beitrage über die Geschichte 
der Freischiessen von Uhland 4828. Flohhatz und WAbertratz von 
Huldrich Elloposcleron (zuerst ohne Jahr, dann 4577) ist ein über- 
müthig ausgelassenes Reimgedicht. Aller Praktik Grossmutter, 4574* 
Podagrammisch Trostbüchlein, 4577. Philosophisches Ehzuchtbüchlein, 
4578. Bienenkorb des heiligen Römischen Imenschwarms u. s. w. durch 
Jesu walt Pickhart, 4579, eine derbe Züchtigung des sittenlosen Le- 
bens der Geistlichkeit. In seinem Gargantua finden sich auch einige 
gereimte und in ihrem Bau sehr willkürliche Hexameter, die früher falsch- 
lich für die ersten Hexameter in deutscher Sprache gehalten wurden. 
Hub, Die deutsche komische und humoristische Dichtung seit dem Beginn 
des 46. Jahrh., 4854. 

§. 461. Der trefflichste Historiker dieser Zeit ist 
J. Thurmayr von Abensberg (Aventinum), daher Aven- 
tinus genannt, 1466 — 1 534 : Bairische Chronik i . Kantzow's 
(f 4542) Chronik von Pommern. Aegidius Tschudi's 
Chronik der Schweiz. Luc. David's (Hofgerichtsrath in 
Königsberg, aus Allenstein, 4503 — 83) preussische Chro- 
nik 2 . Sb. Münster's (des Strabo der neuern Zeit, f 4552) 
,Kosmographie c , 4 543. Albr. Dürer's (4474—4528) ,Vier 
Bücher von menschlicher Proportion 6 8 . % 

1 Annales Boiorum, von Gundling 4740. Chronicon Bavariae, 4522- 
Rudimenta grammaticae Latinae, 4542* — * Toppen, Gesch. der preuss. 
Historiographie etc., 4853, S. 226. — 3 Seine Werke von Heller 4834. 
Sein Lehen von Roth 4794. Campe, Reliquien von Dürer, 4828- 

E. Von Opitz bis Gottsched, 1620 — 1720. 

§. 462. Der Dreissigjährige Krieg (4648—48), der 
die deutschen Staaten fremden Einwirkungen preisgab, be- 
gründete auch in der Literatur die . Herrschaft des Ausr 
landes. Die deutsche Sprache verlor den kräftigen und 
einfachen Charakter, den ihr Luther. verliehen, und wurde 
entstellt durch eine Menge von Fremdwörtern aus den alten 
und den romanischen Sprachen. Dem wissenschaftlichen 
Studium mangelte der Sinn für das Allgemeine. In der ge- 
lehrten Prosa blieb die lateinische Sprache herrschend, und 
die gelehrten Dichter schlössen sich an die lateinisohen 
Muster an. Man hat die Zeit von 4620 — 80 die der Er- 
schlaffung genannt. Grossen Einiluss auf die Reinerhal- 
tung der deutschen Sprache übten die Sprachgesell- 
schaften jener Zeit (oben §. 423), vor allen die Frucht- 
bringende Gesellschaft oder der Palmenarden, gestiftet 
161 7 vom Fürsten Ludwig von Anhalt auf d«a.V«ösRfci»% 



378 Zw€tUt Buch. Etkmodoktoloii*. 

Kp.'s von Teutleben, die bis 4680 bestand, und deren 
Mitglieder Namen aus dem Pflanzenreiche trogen, was zu 
Affeetation und lacherlichen Spielereien führte. Rempkr 
yon Löwenthal ist Stifter der Tannengesellschaft zu 
Strasburg 4633. Die Deutschgesinnte Gesellschaft, 
gestiftet 4643 von Ph. von Zesen (der den historischen 
Heldenroman [, Ibrahim s und Isabella's Wundergeschichte 4 ] 
in die Literatur einführte) zu Hamburg, liess sich in ihrem 
Eifer für Sprachreinheit zu unsinniger Verdeutschung der 
Fremdworter verleiten. Durch sie ward Hamburg Haupt- 
sitz der Poesie in Norddeutschland. Die nürnberger 
Dichter8chule oder die Pegnitzschäfer (weil die Mit- 
glieder Hirtennamen führten) wurde gestiftet durch Hars- 
dorffer (4607—58) und Clajus (Klaie, 4646—56) unter dem 
Namen des Gekrönten Blumenordens *, oder der Gesellschaft 
der Hirten an der Pegnitz, 4644. Den Schwanenorden 
an der Elbe stiftete 4656 J. Rist (4607 — 67), Mencke 
die Deutsche Gesellschaft in Leipzig 4727. 

Zu Vorbildern nahmen die Dichter dieses Zeitraums be- 
sonders den schwülstigen Italiener Marini (oben §• 374} und 
die glatten französischen Schriftsteller, von denen sie den 
schleppenden Alexandriner und die Regeln der Sprach- und 
Dichtkunst entlehnten. Selbst das Studium der claseiacYien 
Literatur war für dieses Zeitalter unheilvoll, indem man 
nur ihre Formen und Kunstregeln nachahmte, aber für den 
hohen Geist derselben keinen Sinn hatte. Kraft, Freiheit 
und Selbstgefühl gehen den Dichtern dieser Periode ganz ab. 
In der Poesie herrscht dem Inhalte nach das Reli- 
giöse und in der Form die Lyrik vor. Der Hauptsitz 
derselben ist nicht mehr, wie früher, der Süden, sondern 
der protestantische Norden, und zwar Hamburg. 

1 Darüber Hbbdbgbb 4744. Wbllbb, Lieder des Dreissigjähr. Kriegs 
mit einer Einleitung von Wackbbhagel, 4854* Wbhl, Hamburgs Literatur- 
leben im 48. Jahrb., 4856. 

§• 463. Erste schlesische Dichterschule. Mt. 
Opitz, 4597 zu Bunzlau in Schlesien geboren, studirte in 
Frankfurt und wurde von Kaiser Ferdinand II. als Dichter 
gekrönt und 4628 als Mt. Opitz von Boberfeld geadelt; 
4636 ging er als polnischer Historiograph nach Danzig, 
wo er 1639 an der Pest starb. Durch ihn und seine An- 
hänger, welche die erste schlesische Schule bilden, trat eine 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 279 

Reform der Sprache und Metrik ein (Messung nach dem 
Accent). Opitz verfasste Gelegenheit^- und eine Reihe 
lyrischer (weltlicher und geistlicher) Gedichte, Lehr- und 
beschreibende Gedichte, und länger als ein Jahrhundert 
hindurch hat er Vater der Dichtkunst geheissen *. 

Der begabteste aller schlesiscben Dichter, zugleich der 
Hauptdramatiker dieser Zeit, ist And. Gryphius, 4616 — 64, 
von dem wir treffliche lyrische Gedichte, namentlich Sonette, 
poetische Satiren und Tragödien besitzen, deren Würde er 
zuerst erkannte; auch ist er der selbständigste Dichter dieser 
Literaturperiode a . 

Sachsen war das Vaterland des grossteh Lyrikers dieser 
Zeit, P. Fleming's (Flemming schreiben die Nachdrucker) 
aus Hartenstein, 4609 — 40. Er schrieb 646 Gedichte, von 
denen 464 verloren gegangen sind 8 . 

1 Trostgedicht in Widerwärtigkeiten des Krieges, 4624; Zlatna, oder 
von der Buhe des Gemüths, 4622; Vielgut, oder ▼om wahren Glück, 4624; 
Büchlein von der deutschen Poeterei; Vesuv. Ueber sein Leben und seine 
Schriften Lindner 4740, Strehlke 4855. — * Karl Stuart, Der sterbende 
Papinian u. a.; die Lustspiele: Peter Squenz und Horribilicribrifax. Ueber 
ihn Stosch 4665, Lbu bscheb 4702, G. G. Bbbdow 4823. — 3 Ueber ihn 
Vabnhagen ton En8b in den Biographischen Denkmalen, 4827» Bd. 4, 
Wangenheim 4842, Boas, Deutsche Dichter, 4837. 

§. 464. Zweite schlesische Dichterschule, gestiftet 
von Hoffmann von Hoffinannswaldau (Rathsherr in Breslau, 
4648 — 79) und Dn. Kp. von Lohenstein (Syndicus in Bres- 
lau, 4635 — 83), bezeichnet den tiefsten Verfall der deut- 
schen Literatur; unsittliche Zügellosigkeit, Schwulst, Bilder- 
prunk sind ihr Charakter, doch wurde die äussere Form der 
Opitz'schen Schule beibehalten. Für die nähere Kenntniss 
der Periode sind zwei Sammelschriften von Werth: die von 
Neukirch veranstaltete Sammlung jener Gedichte: ,Der schle- 
sische Helikon', 4699 fg., und Weichmann's ,Poesie der 
Niedersachsen c , 472*— 38. 

Hoffinannswaldau hinterliess Sinngedichte, Heldenbriefe 
und Oden, Lohenstein lyrische Gedichte, Trauerspiele 
(,Sophonisbe c , ,Agrippina c , ,Kleopatra', ,Ibrahim Bassa 4 ) 
und den Heldenroman ,Arminius und Thusnelda 4 , zugleich 
das beste unter allen gleichzeitigen historischen Prosawerken. 

Die meisten Anhänger zählte die zweite schlesische Schule 
(von Ziegler); der Opitz'schen Manier näherten sich Weise, 
4642—4708, Morhof, 4639 — 61 (in seinem ,Unterricht von 
der deutschen Sprache und Poesie', 4682^ Zsii\ifcVL^S«s*M* 



280 Zweites Buch. Elknodoktologie. 

Manieren entwickelte sich offene Polemik; am schärfsten 
durch Wernicke (Warneke) aus Preussen, 4660 — 4 740 (in 
seinem satirischen Heldengedicht ,Hans Sachs', 4703). Sehr 
lebhaft ward das Interesse für die Oper. Nachahmer der 
Franzosen ist L. Freiherr von Canitz, 4654 — 99 K Der 
letzte schlesische Dichter ist der talentvolle, aber durch 
Ausschweifungen zerrüttete Ch. Günther, 4695 — 4723. 

1 Sein Leben von Kösig in der von diesem besorgten Aasgabe, 472", 
4760, 4765. 

§. 465. Nach dem Muster des Zesen'schen und I/ohen- 
stein'schen Romans schrieb Sm. Greifenson von Hirsch- 
feld 4669 seinen ,Simplicius Simplicissimus', in welchem 
das Leben und Treiben jener Zeit mit Witz und Laune 
dargestellt ist. Ihm folgte die ^Asiatische Banise, oder 
blutiges, doch muthiges Pegu 4 von Ans. von Ziegler und 
Klipphausen; Romane, die lange berühmt waren, bis sie zu 
Anfange des 18. Jahrb. durch die Robinsonaden und Aben- 
teuergeschichten nach dem Vorbilde des Engländers Defoe 
▼erdrangt wurden (oben §. 414). Durch Satiren zeichnete 
sich Mch. Moscherosch (1600 — 69) aus, dessen Hauptwerk 
„Wunderseltsame Geschichte Philander's von Sitte wald" in 
der Form von Visionen und Träumen die Gebrechen sei- 
ner Zeit darstellt. Geistliche Lyrik von Bj. Schmolke, 
4672—1737, Neumeister, 1671 — 1756, Graf von Zinzendorf , 
4700— 60 *. 

1 Herrnhutergemeinde. Sein Leben von Spakgbhbbbg 4772 — 75, 
daraus Auszüge von Reichel 4790 und Duveenois 4793; Schilderungen 
Ton J. 6. MCllbr nnd Vakkhagbn von Ersb. Seine geistl. Gedichte 
von Khapp 4845. 

§. 466. Der Geschichtswerke in deutscher Sprache 
ist eine grosse Zahl. Birken' s ,Oestr eichi scher Bhrenspiegel 4 >, 
1668, Ph.'s von. Chemnitz , Geschichte des schwedischen, 
in Deutschland geführten Kriegs 6 , 4648. Sagittarius, 4643 
— 94. J. Mascov, 4689 — 4764 (,Geschichte der Deutschen'). 
Graf H. von Bünau, 4697 — 4762. Sammler von Quellen- 
schriften und Urkunden ist J. Schilter, 4 632 — 4 705 (, Thesau- 
rus antiquitatum Teutonicarum', von Scherz herausgegeben). 
Am verderbtesten zeigt sich die Geschichtsprosa in den Zeit- 
chroniken, dem ,Theatrum Europaeum 4 , 4635, in Kheven- 
hüller's , Annales Ferdinande^, 4640 fg., u. s. w. Kirchen- 
geschichte von Arnold. Das Studium der Staatswissen- 
schaften hob Sm. Freiherr von Pufendorf (4632 — 94) 



Einunddr rissigstes CapUel. Deutschland. 281 

aus dem Bereich der Schule auf einen höhern philosophisch- 
politischen Standpunkt. 

1 Schweigerd, Austria felix. Oestreichs Helden und Heerführer von 
Max I. bis jetzt, in Biographien etc., 4856« 

§. 467. Als Zeit d^r Erhebung wird die Periode von 
1680 — 1740 bezeichnet. Begründer der deutschen Philoso- 
phie und eines neuen wissenschaftlichen Verfahrens über- 
haupt durch Vernichtung des Formelwesens ward Gf. W. 
Freiherr von Leibniz, 1646 — 1716, einer der vielseitig- 
sten Gelehrten und scharfsinnigsten Denker aller Zeiten. 
Sein Hauptwerk ist die ,Theodicee c * (Beweis, dass die 
jetzige Welt die beste sei). Ch. Thomasius, 1655— 1728 2 , 
aus Leipzig durch Neid und Hass vertrieben, erhielt von 
Friedrich III. von Brandenburg die Erlaubniss, auf der in 
Halle 1694 gestifteten Universität Vorlesungen zu halten. 
Er wagte zuerst den Kampf gegen verjährte Vorurtheilc, 
indem er die Vorlesungen in der Muttersprache hielt und 
die erste deutsche Zeitschrift herausgab. Auf seine Ver- 
anlassung horten auch die schmachvollen Hexenprocesse und 
die Anwendung der Folter auf. Was Luther dem deutschen 
Volke zu verleihen gesucht, Kenntniss und Anwendung seiner 
Sprache, Gebrauch seiner Vernunft und eine Religion des 
Herzens, das suchte Thomasius verbunden mit Spener 3 und 
Francke 4 demselben zu sichern. Ch. Freiherr von Wolf, 
1679 — 1754, ein Schüler von Leibniz, Professor der Mathe- 
matik und Philosophie in Halle, wurde von Friedrich Wil- 
helm I. 1723 aus Preussen vertrieben, von Friedrich d. Gr. 
aber 1740 zurückgerufen und war der Erste, der deutsche 
Lehrbücher der Philosophie verfasste ft . Theologen: Keinbeck, 
1682 — 1741, Lr. von Mosheim, 1694—1755, U.Megerle, 1642 
— 1709, genannt Abraham a Sancta Clara, Augustinermonch 
und Hofprediger zu Wien, hat sich einen bleibenden, aber 
keineswegs beneidenswerthen Ruhm erworben durch seine 
Schriften und Predigten, die mit Schnurren, Anekdoten, Possen 
und andern drolligen Zuthaten ausgestattet sind. Unter seinen 
Werken ist , Judas der Erzschelm 4 am bekanntesten. Seine 
Manier ist in Schillert Kapuzinerpredigt nachgebildet. 

1 Ueber sein Leben Fontenelle 4746, Bailly 4769, J. G. v. Eccard 
1779, Jaucourt 4757, Kästner 4769, Guhrauer 4842. Sammlung seiner 
Briefe von Kortholt 4734 — 42, Grüber 4745, Michaelis 4755, Veesen- 
meyer 4788, Feder 4845, Cousin im Journal des savants, 4844. Seine 
Werke von Dutbhs 4768- Deutsche Schriften von Guhrauer 4838 — 4A. 
Philosophische. Schriften von Erdmahn 4 840. ¥o\scOT& ü* ^kr&w> -> XäN&xss» 



282 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

et opuscules ineüit* de Leibniz etc., 4854. — ' Ein Sohn Ton Jak. Thoma- 
sius, 4622 — 84, dem Lehrer ?on Leibniz. Sein Leben von Lüde m 4805* — 
3 Ph. Jak. Spknkb in Frankfurt a. M., 4635 — 4705; über ihn Hoss- 
bach 4828. — 4 A. Hm. Francke in Halle, 4663 — 4727, Stifter des 
Waisenhauses. Seine Stiftungen von Schulze, Knapp und Nimmst», 
4792 — 96. Sein Leben von Gubrickb 4827. Sein Denkmal von Hbsekjel 
1830. — 5 Seine Autobiographie gab Wüttke 4844, eine Historie seiner 
Philosophie Ludovjci 4737. 

F. Vom Wiederaufbliihen der Sprache bis zu Lessing's 
Tode und Herder's und Goethe's Auftreten, 1 720 — 80. 

§. 468. Die Sprache gewinnt eine immer höhere Rein- 
heit, grössere Bildsamkeit und als die einzige Ursprache 
allmälig den Vorrang vor allen übrigen Sprachen Europas. 
Der Geschmack wird gebildet durch Wiedererweckung der 
Poesie des Mittelalters, durch Anschliessen an Shakspeare 
und durch Eindringen in den Geist des classischen Alter- 
thums. Die Kritik wird durch Lessing auf den Höhepunkt 
ihrer Blüte geführt. Literaturzeitungen vermitteln die Be- 
kanntschaft der verschiedenen Männer miteinander und des 
Volkes mit ihnen. So entwickelt sich, auch ohne Mittel- 
punkt, ohne den Schutz eines bestimmten Hofes, ein grosses 
geistiges Leben, in welchem das Losreissen der deutschen 
Poesie von dem Fremdländischen endlich erreicht wird. 

§. 469. Die erste Morgenrothe des Bessern zeigte sich 
in den Poesien von Haller und Hagedorn. 

Alb. von Haller aus Bern (1708 — 77), Professor der 
Medicin in Gottingen, gestorben als Director der Salz- 
werke in Bex, einer der grossten Gelehrten aller Zeiten 
und berühmt als wissenschaftlicher Schriftsteller, Roman- 
schreiber und Dichter, daher auch eine Fülle ihm zu Theil 
gewordener Auszeichnungen 1 . Kraft und Gewandtheit wohnt 
seiner Sprache bei. Betrachtender Verstand beherrscht seine 
Einbildungskraft. Sein berühmtestes Werk ist das Lehr- 
gedicht ,Die Alpen 4 . Sein religiöses Gedicht ,Vom Ur- 
sprünge des Uebels c kann als Vorläufer der Messiade be- 
trachtet werden. 

F. von Hagedorn, 1708 — 54, in Hamburg, ist Mei- 
ster in der leichtern Poesie der Grazien und schrieb 
Fabeln, poetische Erzählungen und Lieder 2 . Brockes in 
Hamburg, 1680 — 1747 3 . 

1 Sein Leben von Zimmermann 4755. Seine Gedichte wurden in 
fast alle lebenden Sprachen übetaetzt. — * Stm* poetischen Werke von 



Einunddreissigstes CapUel. Deut$chldnd. 383 

Eschenbürg 4800. — a Seine Selbstbiographie von Lappenbbkg in der 
Zeitschrift des Vereins für hamburg. Geschichte, II, 2, 467 — 229. 

§. 470. Kampf der Leipziger und Schweizer. In 
der ersten Hälfte des 4 8. Jahrh. übte im nordlichen Deutsch- 
land ein Mann von höchst untergeordneten Talenten grosse 
Gewalt über Literatur und Geschmack aus, J. Cp. Gott- 
sched (1700 — 66) aus dem Dorfe Juditten bei Königs- 
berg in Ostpreussen. Er musste den preussischen Werbern 
entfliehen und wurde dann 4730 Professor in Leipzig, von 
wo aus er die halbe literarische Welt beherrschte. Als Ver- 
ehrer von Opitz hatte er dessen Anhänger auf seiner Seite, 
als Lehrer der Poesie seine Schüler, die ihn überall priesen. 
Die Anhänger von Leibniz und Wolf gewann er durch 
seine ,Kritische Dichtkunst 4 , die er nach ihrem System 
entworfen hatte. Durch Uebersetzungen franzosischer 
Dichter, die er mit seiner Gattin, Luise Adelgunde, geb. 
Culmus, herausgab, gewann er die vornehme Welt. Er 
stellte strenge Regeln für die Poesie auf und erlaubte kein 
freies Wachsthum derselben. Den Harlekin verbannte er 
mit Hülfe der Schauspielerin Friederike Karoline Neuber 
feierlich von der leipziger Bühne und stellte selbst eine 
Mustertragödie auf in dem ,Sterbenden Cato 4 , welche zehn 
Auflagen erlebte *. 

Gegen seine Gesetze traten zwei Schweizer auf in der 
Wochenschrift ,Die Discourse der Maler 4 : J. Bodmer 
aus Zürich , 4 698 — 1 783 , ein gewandter Schriftsteller 
von vielen, wenn^tuch nicht tiefen Kenntnissen; er suchte 
Gottsched's Einfluss durch Herausgabe der Minnesänger, 
des ,Parcival 4 von Eschenbach, der Nibelungen und des 
,Paradise lost 4 von Milton zu bekämpfen. Sein Haupt- 
werk ist das Epos ,Noachide 4a . Seine Kampfgenossen 
waren J. Breitinger, 4704 — 76, in Zürich, Drollin- 
ger, 4688 — 4742, Stifter der Deutschen Gesellschaft 
zu Basel, und der Prosasatiriker Liscov, 4701 — 60, in 
Schwerin. Ihr Streben gelang, Gottsched erlitt eine voll- 
ständige Niederlage, überlebte gänzlich seinen Ruhm, und 
sogar seine wirklichen Verdienste um die deutsche Sprache, 
deren Verbreitung und Veredlung er nach Kräften gefordert, 
wurden in Zweifel gestellt. 

1 Seine Zeitschriften: Die vernünftigen Tadlerinnen, 4725', Kritisch 
Beiträge, 4734 —44; Beiträge zur krit. Historie der d^Ä^Tk^TWiXÄ^w^ 



284 Zweites Buch. Elhnodoktologie. 

und Beredsamkeit, 4732 — 44; Grundlegung der deutschen Sprachkunst, 4748; 
Nothiger Vorrath zur Gesch. der deutschen Dramatik von 4 450 an, 4 757 —65. — 
3 Ueber ihn Lbonhabd Meister, 4783* 

§. 474. Die sächsische Dichterschule. Nun wen- 
deten sich Gottsched's begabteste Schüler von dem Mei- 
ster ab und gründeten eine eigene Zeitschrift: ^Beitrage 
zum Vergnügen des Verstandes und Witzes', die von 
dem Druckorte ,Brenfer Beiträge 4 seit 4744 genannt 
und von K. Ch. Gärtner (4742 — 94) l geleitet wurden. 
Die bedeutendsten Männer dieses Dichtervereins waren: 
Ch. Fchtg. Geliert aus Hainichen, 4745 — 69, schon 
auf der Schule zu Meissen mit Rabener bekannt, auf der 
Universität in Leipzig Student und Professor der Philo- 
sophie, als akademischer Lehrer von der grössten Wirk- 
samkeit, gleich hoch verehrt von Fürsten und dem Volke, 
sanften, liebenswürdigen und frommen Charakters. Seine 
Poesien sind Oden, Lieder, Fabeln, unbedeutende drama- 
tische Leistungen (das rührende Lustspiel), seine Prosa 
moralische Vorlesungen und der Roman: ,Leben der schwe- 
dischen Gräfin G. 4 Seine Briefe, das Orakel ihrer Zeit, 
sind fast nur in stilistischer Hinsicht von Bedeutung- * 
Gli. W. Rabener, 4 74 4 — 74, studirte in Leipzig und 
war später Steuerrevisor in Dresden; hoher zu achten als 
wackerer Mann und redlicher Beamter, denn als Dichter, 
da seine Satiren, ohne Kühnheit und Schärfe, an der lang- 
weiligen Alltäglichkeit des bürgerlichen Lebens haften *. 
Abr. Ghf. Kästner, 4749 — 4800, in Leipzig geboren 
und gebildet, seit 4 760 Professor der Mathematik in Göt- 
tingen, als Dichter nur durch Sinngedichte berühmt 4 . 
J. F. Freiherr von Cronegk aus Ansbach, 4734—58, 
studirte in Halle und Leipzig, erwarb sich grosses Ver- 
dienst dadurch, dass er einer der Ersten war, welche in 
Deutschland auf die reichen Schätze der spanischen Lite- 
ratur aufmerksam machten. Sein Preistrauerspiel ,Kodrus 4 , 
1758, Lustspiel ,Der Mistrauische 4 , Gedicht ,Die Einsam- 
keiten 4 6 . Die Gebrüder Schlegel: J. El. Schlegel aus Meissen, 
4748 — 49, studirte in Leipzig, Secretär in Kopenhagen, 
Professor an der Ritterakademie in Soroe, eigentlich der 
erste deutsche dramatische Schriftsteller des 48. Jahrh., 
der genannt zu werden verdient: schrieb schon in Schul- 
e nach Euripides ,Die Trojanerinnen 4 , 4736, und ,Die 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 285 

Geschwister in Taurien 4 , 1737, die er später unter dem 
Titel ,Orest und Pylades 4 umarbeitete ; Trauerspiele : 
,Kanut 4 und ,Hermann c ; Lustspiele: /Triumph der guten 
Frauen 4 und ,Stumme Schönheit 4 6 . J. Adf. Schlegel aus 
Meissen, 1721 — 93, Consistorialrath in Hannover: lyrische 
Gedichte, Fabeln und Erzählungen. J. H. Schlegel 
gleichfalls aus Meissen, 1724 — 80, glücklicher Uebersetzer 
aus dem Englischen. J. And. Cramer aus Jöhstadt 
im sächsischen Erzgebirge, 1723 — 88, berühmter Kanzel- 
redner, zuletzt Kanzler und Curator der Universität Kiel, 
Dichter edler und kräftiger Lieder und Oden (,An Luther 4 ) 7 . 
J. Arn. Ebert aus Hamburg, 1723 — 95, Professor am 
Carolinum in Braunschweig, übersetzte aus dem Engli- 
schen und dichtete leichte Lieder in gewandter Sprache ö . 
F. W. Zachariä aus Frankenhausen, 1726 — 77, gleichfalls 
zuletzt Professor am braunschweiger Carolinum, ist Ver- 
fasser mehrer komischer Heldengedichte, die zwar arm an 
Erfindung sind, aber gleichwol eine Menge Nachahmungen 
hervorgerufen haben: ,Der Renommist 4 , ,Phaeton 4 , ,Murner 
in der Holle 4 u. a. 9 . 

1 Arbeitete anfangs unter Gottsched 's Aufsicht an einer Uebersetzung 
des Bayle'schen Wörterbuchs, 4744 — 44, übersetzte auch einige Bände 
von Rollin's Gesch., 4738 — 48, trennte sich dann von Gottsched und 
verband sich mit Cramer, Schlegel und Rabener, denen später noch Ebert, 
Giseke, 4724—65, Zachariä, Geliert, K. A. Schmid, 4746 — 89, Klop- 
stock u. A. beitraten. Seine Dramen: Geprüfte Treue, 4768, und Schone 
Rosette, 4782. Ausgabe von Giseke's Poetischen Werken 4767. — 2 Seine 
Werke in 40 Bdn. 4784, 4840 — 44. Sein Leben von J. And. Cramer 4774 
und Döring 4833. Sein Bild von Graff, lithographirt von Zöllner, 4834. — 
3 Kurze Biographie von C. F. Weisse 4772 und Ausgabe seiner Schrif- 
ten 4777, neueste A. 4840. — 4 Gesammelte poetische und prosaische 
schonwissenschaftliche Werke 4844. Elogium von Heyne 4804. Anfangs- 
gründe der Mathematik, 4758 — 69 (6. A. 4800); Geschichte der Mathe- 
matik, 4796 — 4800. — 5 Seine binterlassenen Schriften gab Uz 4760 
(3. A. 4774) heraus. Dem Kodrus zur Seite steht v. Braye's (4738 — 58) 
Brutus und v. Gbrstenbbrg's (4737 — 4823) Ugolino, 4768. — 6 Seine 
Werke gab sein Bruder J. H. Sohlegel 4764 — 70 heraus. — 7 Sämmtliche 
Gedichte 4782 — 83. Hinterlassene Gedichte von seinem Sohne K. F. Cramer 
4794 herausgegeben. Biographie Geliert's, 4774. Uebersetzung von Bos- 
suet's Weltgeschichte, 4757 — 63. Poetische Bearbeitung der Psalmen, 
4762 — 64. — 8 Episteln und vermischte Gedichte, 4789, nach seinem Tode 
von Eschenburg noch ein Band, 4795. Kxopstock's weissagende Ode an 
ihn. — 9 Vollständige Sammlung seiner poetischen Schriften 4763 — 65, 
4772. Hinterlassene Schriften von Eschenburg 4784 herausgegeben mit 
Z.'s Lebensbeschreibung. Z. gab die nach seinem Tode von Eschenburg 
fortgesetzte Sammlung: Auserlesene Stücke der besten deutschen Dichter 
von Opitz bis auf gegenwärtige Zeiten, 4766 — 74, heraus. 

§. 472. Die Zeit von 1740 — 70 hat man die Periode 



286 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

des Aufschwungs genannt, indem, ausser dem genannten 
Dichterverein, auch Friedrich d. Gr., die grossen Zeitereig- 
nisse, die Kritikerfehden und die deutsche Musik als be- 
sondere Fordernisse der Nationalliteratur und besonders der 
Poesie betrachtet werden. 

Abt. Gli. Baumgarten aus Wolmirstadt, 1714 — 62, 
scharfsinniger und klarer Denker aus Wolfs Schule, seit 
1740 Professor der Philosophie zu Frankfurt a. d. O., ist 
Gründer der Aesthetik als einer systematischen Wissenschaft 
des Schonen 1 . Aus seinen Dictaten entstanden Meier" s 
, Anfangsgründe aller schonen Wissenschaften 4 , 1748 — 50. 
Mit Beiden vereint wirkte Jak. Im. Pyra aus Kottbus, 
4715 — 44, Conrector am kollnischen Gymnasium zu Berlin, 
besonders durch seinen ,Erweis, dass die Gottsched'sche 
Schule den Geschmack verderbe 4 , 1743 a . 

Die vier grossen Componisten: G. F. Händel 
aus Halle a. d. S., 1685-1759 (sein , Messias 4 , 1741, 
nach Herder eine christliche Epopöe in Tonen) 8 ; der 
grösste deutsche Cantor, J. Sb. Bach aus Eisenach, 
1685 — 1750 (48 Fugen, Vater von 11 Söhnen, die fast 
alle kunstgeschichtliche Bedeutung haben) 4 ; J. Adf. Hasse 
aus Bergedorf bei Hamburg, 1699 — 1783 (il caro Sas- 
sone) 5 ; K. H. Graun aus Wahrenbrück in Sachsen, 
1701—59 (Ramler's Passionsoratorium ,Der Tod Jesu 4 ) 6 , 
Kapellmeister Friedrichs d. Gr. 

1 Sein Leben von Meier 4763. — ' Seine Poesien gab Bodmer 
4745) vermehrt 4749« Sein Freund Pastor Lange in Laublingen ist eben- 
falls Dichter. — 3 Seine Opern: Almira, Florinde ,• Nero , Rodrigo, Agrip- 
pina, Oratorium La resurrezione, Serenade Acide e Galatea, Oper Rinaldo, 
Te Deum auf den Frieden von Utrecht, Opern Amadis, 4745, Theseus, 
II pastor fido, Radamisio, Mucius Scävola, Ariadne, 4733, Alexandersfest, 
4736, Faramond, Alexander Belus, Messias, 4744, Oratorien Samson, Judas 
Makkabäus, Josua, Jephtha. Engl. Ausgabe seiner Werke in 36 Foliobänden. 
Hdller's Verdienst ist es, Händel wieder ins Leben eingeführt zu haben. — 
4 Sammlungen seiner Klavier- und Orgelsachen durch Peters in Leipzig, 
Ha88linger in Wien und durch seinen Sohn K. Ph. Im. Baoh und 
Kirkberger und Becker 4843* Sein Denkmal an der Thomasschule in 
Leipzig auf Mendelssohn -B arthol dy 's Veranstaltung 4842. — 6 Hat so 
viel geschrieben, dass er manches seiner Werke nicht wiederzuerkennen 
selbst eingestand. Die vollständigste Sammlung seiner kirchlichen Compo- 
sitionen findet sich im Archiv der königl. Kapelle in Dresden. — 6 Die 
Zahl seiner Werke ist sehr gross, darunter gegen 30 Opern. Sein Leben 
beschrieb der Kapellmeister Hiller, starb 4804, zugleich Componist für 
Wbissb's Singspiele und komische Opern. 






Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 287 

Classische Literatur. 

Der Umfang des Stoffs, die Grossartigkeit des Inter- 
esses und die Macht des Einflusses der Personen und ihrer 
Leistungen erheischen eine vorsichtige Oekonomie in der 
Anordnung des Ganzen und in der Auswahl, die allerdings 
mit Schwierigkeiten verknüpft sind, wie jede Einrichtung 
und Wahl, aber andererseits darin ihre Erleichterung finden, 
dass deutsche Literaturgeschichte ein Unterrichtszweig in 
den Schulen desjenigen Publicums ist, für welches ich meine 
Schrift zunächst bestimmt habe. 

§. 473. F. Gli. Klopstock aus Quedlinburg (2. Juli 
4724 bis 4 4. März 4803), 4740 in Schulpforte, 4745 auf 
der Universität Jena (Entwurf der ersten Gesänge seines 
,Messias 4 ), 4 746 in Leipzig, in Verbindung mit Cramer, 
Schlegel, Rabener, Zachariä u. A., 4749 in Langensalza 
(Liebe zu Fanny Schmidt), 1750 mit Sulzer bei Bodmer 
in Zürich, 4 754 in Kopenhagen, 4754 vermählt mit Marga- 
retha (Meta, Cidli) Moller, die schon 4758 starb, 4759 — 63 
abwechselnd in Braunschweig, Quedlinburg und Blankenburg, 
4763 in Kopenhagen, seit 4 774 in Hamburg mit dem Titel 
eines dänischen Legationsraths , 4803 mit königlichen Ehren 
begraben zu Ottensen bei Altona. Sein Hauptwerk ist der 
,Messias 4 , ein Epos in 20 Gesängen, von denen die ersten 
zehn den letzten an Wahrheit, Reinheit und Tiefe überlegen 
sind. Es erschien in grossen Zwischenräumen 1748 — 72: 
Gesang 4—4, 4754; 5—40, 4756; 44—45, 4759; 46— 20, 
4768. Seine Hauptmängel sind, dass es in fortwährender 
Erhabenheit gehalten dadurch den Leser in steter Spannung 
und Empfindung hält, ohne ein Ausruhen zu vergönnen, 
ferner dass die geschilderten Gegenstände (Gott, Engel, 
Himmel und Hölle) für die menschliche Phantasie zu hoch 
sind, endlich dass es mehr lyrisch als episch ist, darum, 
bei zu geringer Handlung, Reden und Schilderungen den 
Hauptinhalt bilden. Als begeisterter Freund der Freiheit 
strafte er in seinen herrlichen ,Oden 4 streng die Schmeichler 
der Regenten und nahm lebhaftes Interesse für die Franzosi- 
sche Revolution bis 4792, weshalb er auch das französische 
Bürgerrecht empfing. An die Oden reihen sich die Ele- 
gien und geistlichen Lieder. Seine dramatischen Werke 
(drei biblische Stücke: ,Adam's Tod 6 , ,Salomo c und ,David c , 



288 Zweites Buch. Elhnodoklologie. 

und die sogenannten Bardiete zur Verherrlichung Hermann's) 
zeugen gleichfalls von tiefer Religiosität und echt deutschein 
Patriotismus, sind aber nicht hoch anzuschlagen. Auch durch 
seine grammatischen Schriften erwarb er sich ein grosses 
Verdienst. Wie mit Luther eine neue Epoche der 
deutschen Sprache überhaupt beginnt, so beginnt 
mit Klopstock eine neue Epoche der deutschen 
poetischen Sprache. Er befreite Deutschland von der 
Alleinherrschaft des Alexandriners, dem er den Hexameter 
entgegensetzte, wie von einer hohlen, auf blosse Correct- 
heit und leeren Klang abzielenden Reimerei, welcher er in 
seinen Oden durch geschickten Anbau antiker Versmaasse 
und Erfindung neuer ein heilsames Gegengewicht hielt. 

Seine Werke in 12 Octavbanden 4799 — 4817, in 9 Bänden 4839, 
und gleichzeitig eine Prachtausgabe; Ergänzungen dazu von Schmidlin 4839. 
lieber ihn Crameb 4782—93, Klameb Schmidt 4840, Döring 4825, 
Grüber (in der Ausgabe der Oden) 4834« Der Messiade setzte Gottsched's 
pedantische Schule einen beharrlichen, wiewol vergeblichen Widerstand 
und sogar in des Freiherrn von Schönaich Heldengedicht, Hermann oder 
das befreite Deutschland, eine traurige Concurrenz entgegen. Erläute- 
rungen zu den deutschen Classikern erscheinen seit 4854 in Jena 
bei Hochhausen: Ddntzer in Köln hat Goetbe's und Wieland's, Eckabdt 
in Bern Schiller's (auch Shakspeace's), Zimmermann in Worms Klopstock's, 
Hölscher in Herford Lessing's Werke übernommen u. s. w. 

§• 474. In einem scharfen Gegensatz zu Klopstock steht 
der zweite Reformator der deutschen Nationalliteratur und 
des geistigen Lebens in Deutschland überhaupt, Ghld. 
Ephr. Lessing aus Kamenz in der Lausitz (22. Jan. 1 729 bis 
15. Febr. 1781), 1741 auf der Fürstenschule zu Meissen, 
1746 auf der Universität Leipzig, in Verbindung mit dem 
Neuber'schen Theater (sein , Junger Gelehrter 4 aufgeführt), 
in Freundschaft mit Ch. Fei. Weisse, Anakreontische Lieder in 
Kamenz, 1750 in Berlin mit Mylius, Nicolai, Mendelssohn, 
Kleist, der erste Band seiner Gedichte (, Kleinigkeiten 4 ), 
1751 in Wittenberg (Kritik und lateinische Uebersetzung 
der Messiade), 1753 abermals in Berlin (,Kleine Schriften 4 ), 
1755 in Potsdam ,Miss Sara Sampson 4 *, 1760 in Berlin 
mit Nicolai und Mendelssohn die ,Bibliothek der schö- 
nen Wissenschaften 4 und die ,Literaturbriefe 4 , ,Fabeln 4 , 
die erst 1772 als ,Emilie Galotti 4 vollendete , Virginia 4 , 
Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften, 
1760 — 65 in Breslau als Secretär des Generals von Tauen- 
zien, ,Minna von Barnhelm 42 , 1766 ,Laokoon, oder über 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 289 

die Grenzen der Poesie und Malerei 6 s , \ 767 in Hamburg 
Theaterdichter und Kritiker, \ 768 ,Hamburger Dramaturgie 6 4 , 
4769 ,Wie die Alten den Tod gebildet 60 , 4770 Bibliothekar 
in Wolfenbüttel (Schrift des Berengar von Tours), 1774 
und \ 778 , Wolfenbütteische Fragmente eines Ungenannten 6 6 , 
4 775 in Wien, 1777 in Manheim, 4 778 ,Ernst und Falk, 
Gespräche über die Freimaurerei 6 , 4 780 ,Nathan der Weise 6 7 
und die ,Erziehung des Menschengeschlechts 6 8 . 

Unermüdlicher Forschungstrieb und Ringen nach der 
Wahrheit sind die Grundzüge seines männlichen Charakters. 
Er gehört zu den ersten Grössen deutscher Literatur, deren 
hohe Blüte durch seine anregende Thätigkeit ganz beson- 
ders befördert wurde. Seine Virtuosität in Sprache und Stil 
erscheint am vollendetsten in seinen theologischen und anti- 
quarischen Streitschriften, in seinen philosophischen Abhand- 
lungen und im ,Laokoon 6 . Reformator in Sachen des Ge- 
schmacks und des ästhetischen Kunsturtheils wurde er im 
Epigramm, in der Fabel und im Drama. Da bei ihm Ver- 
stand und Urtheilskraft über die Phantasie gingen, so be- 
schränkte er sich auf solche Dichtungsgattungen, die weder 
hohen Flug der Begeisterung noch tragisches Feuer erfodern. 

1 Damit führte er nicht nur das bürgerliche Drama in Deutschland ein, 
sondern wies auch dem deutschen, bisher von franz. Mustern ganz abhän- 
gigen Drama eine ganz neue Bahn an. Hier und in Emilie Galotti sind 
besonders sittliche, in Minna von Barnhelm vaterländische, im Nathan 
religiöse Grundgedanken wirksam. Diese vier Dramen beweisen zugleich, 
dass Lessing in dieser Poesie weit über seinen Zeitgenossen stand. — 
* Nach Goethe's Urtheil die erste aus dem bedeutenden Leben gegriffene 
Theaterproduction von specifisch temporärem Gehalt, die deswegen auch 
eine nie zu berechnende Wirkung tbat. — 3 Dieses Werk hat bis auf den 
heutigen Tag den nachhaltigsten Einfluss auf die Kritik sowol der redenden 
als der bildenden Künste, ja auf Geist und Richtung der gesammten Alter- 
tumswissenschaft geübt. — 4 That ausserordentliche Wirkung in dem 
Kampfe gegen die französ. und für die engl. Schaubühne. — 5 Dieses 
Werk führte etwas später seinen Streit mit dem ebenso eiteln und anmass- 
lichen als ungründlichen Philologen Klotz herbei, der mit des Letztern 
wissenschaftlicher Vernichtung endete. — 6 Als deren Verfasser erst 
später Hm. Sm. Reimarus (1694 — 4768, Professor in Hamburg) bekannt 
wurde. Dadurch gerieth er auf den Boden theologischer Kämpfe, beson- 
ders mit dem orthodoxen Pastor Joh. Melch. Götze, die seinen Antigötze 
veranlassten. — 7 Enthält Lessing's Glaubensbekenntniss in vollendeter 
poetischer Form. — 8 Enthält den Keim zu Hebder's und allen spätem 
Werken über Philosophie der Geschichte. Kritisch und philosophisch er- 
örtert von Gdhraüeb 4842. Sein Leben und literar. Nachlass von seinem 
Bruder K. Ghf. Lessing 4793. Ueber ihn F. Schlegel 4804 und in den 
Charakteristiken und Kritiken, Bd. 4, 4804, Schink 4825, Danzel 4850, 
Guhrauer 4 853 — 54 , Bohtz 4 854 , K. Schwarz 4 854. Sämmtliche Schriften 
in 30 Bdn. 4774—94, 22 Bdn. 4825 — 28; von K. Lachmann, 43 Bde., 
4838 — 40; neueste Aufl., 40 Bde. (nicht alle Werke), 4842. 

Mbrlbkir. V^ 



390 Zweite* Buch. Elknodoktologis. 

§. 475. Cp. ML Wieland, aas dem würtembergi- 

schen Dorfe Oberholzheim bei Biberach (5. Sept. 1733 bis 
20. Jan. 484 3), schon im 4 2. Jahre Verfertiger deutscher 
und lateinischer Verse, seit dem 44. Lebensjahre auf der 
Schule zu Klosterbergen bei Magdeburg mit den alten Class- 
kern, mit englischer und französischer Literatur beschäftigt 
4750 durch die Liebe zu Sophie von Guttennann (später 
Sophie von Laroche) zu dem Lehrgedicht 9 Ueber die Natur 
der Dinge, oder die vollkommenste Welt 4 veranlasst, auf 
der Universität Tubingen, 4754 Verfasser ,Zehn moralischer 
Briefe 4 an Sophie, 4752 der ,Empfindungen des Christen' und 
des Entwurfs zw dem Epos ,Arminiu8 4 , in Zürich bei Bödmet, 
Breitinger, Gessner u. A., Abhandlung über die Schönheiten 
der ,Noachide', 4753 ,Briefe von Verstorbenen an hinter- 
lassene Freunde', der ,Geprüfte Abraham 1 (Epos in drei Ge- 
sängen), 4757 durch Friedrich' 8 d. Gr. Thaten zu dem Epos 
,Cyrus' begeistert, unglückliche dramatische Versuche (,Lady 
Johanna Gray' und ,Clementine von Porretta 4 ), die Episode 
,Araspes und Panthea' aus Xenophon's ,Cyropadie 6 kündigte 
den Dichter der Liebe an, 4760 Kanzleidirector in Biberach, 
4762 — 66 Uebersetzung des Shakspeare; seit 1763 beginnt 
er die naturwahre Sinnlichkeit des Griechenthams mit der 
raffinirten französischen Genusssucht zu einer eigenthüm- 
lichen graziösen Lebensphilosophie zu verschmelzen-, ^a- 
dine', 4764 die ,Abenteuer des Don Silvio von Rosalva, oder 
Sieg der Natur über die Schwärmerei', 4766 ^Geschichte 
des Agathon', der seinen Ruhm zunächst begründen half, 
4768 ,Idris und Zenide', ,Musarion, oder Philosophie der 
Grazien', 4 769 Professor der Philosophie an der Universität 
zu Erfurt, 4 770 ,Der verklagte Amor', ,Dialoge des Dio- 
genes von Sinope', ,Kombabus', gegen Rousseau's Paradoxen: 
,Kox Kox und Kikequetzel', ,Beiträge zur geheimen Ge- 
schichte des menschlichen Verstandes und Herzens aus den 
Archiven der Natur', 4 774 der ,Neue Amadis' (Triumph der 
geistigen Schönheit über die körperliche, welches Thema später 
nochmals in ,Krates und Hipparchia'), 4 772 der ,Goldene Spie- 
gel, oder die Könige von Seschian' (summarischer Auszug des 
Nützlichsten, was die Grossen und Edeln einer gesitteten Na- 
tion aus der Geschichte der Menschheit zu lernen haben). 

Seit 4 772 in Weimar Prinzenerzieher, im Verkehr mit 
Einsiedel, von Knebel, von Voigt, Bertuch u. A., 4773 das 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 291 

Singspiel ,Die Wahl des Hercules 4 , das lyrische Drama 
,Alceste 6 , der ,Deutsche Mercur 6 (gegen ihn Goethe in der 
Satire ,Götter, Helden und Wieland 4 ), ,Geschichte der Abde- 
riten 6 , Erzählungen und Märchen, 1780 das romantische 
Epos ,Oberon 4 , 1782 ,Horaz' Briefe 4 , 4786 ,Horaz' Sa- 
tiren 4 , 1788 Uebersetzung des Lucian, 1791 ,Peregrinus 
Proteus 4 , ,Agathodämon 4 , 1800 ,Aristipp 4 , 1796 — 1804 ,Atti- 
sches Museum 4 , 1805 — 9 ,Neues Attisches Museum 4 (mit 
Hottinger und Jacobs), 1798—4803 auf seinem Gute Os- 
mannstädt bei Weimar, Uebersetzung von Cicero's ,Briefen 4 . 

Wieland war weder ein reformatorischer Geist, wie Klop- 
stock und Lessing, noch reicht er an Goethe's und Schill er's 
Dichtergrosse. Doch gab er der deutschen Dichtkunst die 
ihr noch ganz fehlende Anmuth und den Wohllaut des Worts 
und des Verses. Ausserdem hat er durch seine Ueber- 
setzungen und seine Nachahmungen viele nachhaltige Rich- 
tungen zuerst angeregt. 

Eine Gesammtausgabe seiner Schriften bis 4802 in 36 Bdn. mit sechs 
Supplementbänden (neue Auflage mit des Dichters Leben, 53 Bde., 4828, 
und 36 Bde., 4839) veranstaltete der Buchhändler Göschen. Seine Bio- 
graphie durch Gbuber, 4827 f., Bd. 50 — 53 seiner Werke. Oberon von 
Duntzer 4854. 

§. 476. Die halleschen und preussisch^n Dichter. 
Friedriche IE. Thaten weckten manches Dichtertalent (oben 
§. 472), und das Studium der Alten und die Xiectüre fran- 
zosischer und englischer Schriftsteller bildeten die Dichter aus. 
Das Lied zeugte von classischem und französischem Ge- 
schmack, die Ode von classischer Gelehrsamkeit« Drei dieser 
Dichter sind in Halle beisammen, die übrigen schliessen sich 
ihnen zum Theil an. 

J. W. Gleim, aus Ermsleben bei Halberstadt (2. April 
4749 bis 48. Febr. 4803), studirte 4738—40 die Rechte 
m Halle und bildete daselbst einen Dichterverein mit 
Uz und Götz, treuer Freund von Kleist; später Kano- 
niker in Halberstadt, war sein Haus der Sammelplatz der 
berühmtesten Schriftsteller, mit denen er auch brieflichen 
Verkehr unterhielt. Klopstock's Ode, die seinen Namen 
trägt, hat ihn seiner Persönlichkeit nach treu und unver- 
gesslich gezeichnet. Als Menschenfreund im edelsten Sinne 
des Worts sang er ,Halladat, oder das rothe Buch 6 , 
4774, ,Kriegslieder eines Grenadiers 6 , 4778, Anakreontische 



292 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

Lieder von geringerm Werthe. Die übrigen Gedichte sind 
fast ganz vergessen 1 . 

J. Pt. Uz aus Ansbach (3. Oct. 1720 bis 42. Mai 
4796), 4746 mit Götz Uebersetzung des Anakreon, 4749 
,Lyrisehe Gedichte 4 , 4753 ,Theodicee', 4760 ,Die Kunst, 
stets fröhlich zu sein 4 u. A., starb als Geheimer Justizrath 
und Landrichter zu Ansbach 2 . 

J. N. Götz aus Worms (9. Juli 4 724 bis 4. Nov. 
4781), zuletzt baden -durlachscher Superintendent: scherz- 
hafte Lieder, Oden, Elegien, Idyllen, poetische Erzählungen 
und Sinngedichte 3 . 

1 Karte, Gleim's Leben ans seinen Briefen und Schriften, 4841* 
Sämmtliche Werke, 4811— 43; Ergänzungsband der Zeitgedichte von 
4789 — 1803 > 4844. — ' Ch. Fkl. Weisse gab seine poet. Schriften, 4804, 
neue Aufl. 4824* In Ansbach wurde ihm 4825 ein Denkmal errichtet, 
wozu Hbidkloff die kolossale Büste verfertigte. — * Ausgabe von 
Ramlkr 4785. Voss, Krit. Briefe über Götz und Ramler, 4 809. 

§. 477. Ew. Ch. von Kleist aus Zeblin bei Köslin 
(3. März 1715 bis 24. Aug. 1759 nach einer Verwundung in 
der Schlacht bei Kunersdorf), 1731 auf der Universität 
Königsberg, zuletzt Major bei dem Hausen' sehen Regimente, 
befreundet mit Gleim 1746, Geliert und Weisse 4757; 
Dichter des ,Frühling', von Elegien, Idyllen und einem 
Epos ,Cissi|ies und Paehes' 1 . 

K. W. Ramler aus Kolberg (15. Febr. 1725 bis \\. 
April 1798), studirte in Halle, 1748—90 Professor der 
schonen Wissenschaften bei dem Cadettencorps in Berlin, 
1787 — 96 Mitdirector des Nationaltheaters in Berlin, seit 
1796 Privatmann: Oden nach Horaz, Oratorien (, Tod Jesu', 
componirt von Graun) a . 

Ch. Fei. Weisse aus Annaberg (8. Febr. 4 726 bis 
16. Dec. 1804), 1745 auf der Universität Leipzig, befreundet 
mit Lessing, seit 1762 in Leipzig Kreissteuereinnehmer; 
4758 ,Scherzhafte Lieder 6 , 1760 dramatische Arbeiten (Tra- 
gödien: ,Richard HL', ,Romeo und Julie', ,Jean Calas'; 
komische Opern: die ,Jagd', der ,Erntekranz c , ,Der Teufel 
ist los', der ,Dorfbarbier'), ,Bibliothek der schonen Wissen- 
schaften und freien Künste', 1761 , Amazonenlieder', 4 775%. 
der ,Kinderfreund' 3 . 

J. G. Jacobi aus Düsseldorf (2. Dec. 1740 bis 
4. Jan. 1814), 1758 in Gottingen und dann in Helmstedt, 
Professor der Philosophie und Beredtsamkeit in Halle, seit 



Einunddr rissigstes Capitel. Deutschland. 293 

4 784 in Freiburg im Breisgau, seit 1766 befreundet mit 
Gleim: Oden, Anakreontische Lieder, Taschenbuch , Iris 6 4 . 

J. Gli. Willamow aus Mohrungen (45. Jan. 4736 bis 
21. Mai 1777), studirte in Königsberg, 1758 Professor in 
Thorn: Dithyramben, Oden und Fabeln . 

Anna Luise Karsch, 1720 — 91 6 . 

1 Ramler's Ausg. 4760, Köbte's 4803 (2. A. 1825). — * Göckingk's 
Ausg. 4800 fg. Heinsius, Versuch einer biogr. Skizze Ramler's, 4798- — 

3 Selbstbiographie, herausgeg. von Ch. E. Wbissb und Frisch 4806. — 

4 Ausg. 4 807 — 4 3. Neueste Aufl. 4 825. Biographie von Ittbr 4 825. — 

5 Ausg. 4779 und vollständiger in Wien 4793. — 6 Eine vollständige 
Ausgabe ihrer Gedichte besorgte ihre Tochter Luise von Klenke. Die 
erste brachte 2000 Thlr. 

§. 478. Volkspoesie; populärer Stil im Didaktischen 
und Komischen; Fabeldichter: Lichtwer, 1719 — 83, Pfeffel, 
1736 — 1809; v. Thümmel, 1738 — 4817: komisches Helden- 
gedicht in Prosa (, Wilhelmine, oder der vermählte Pe- 
dant'). — Schäferwesen in dem Liede und der Idylle: 
Salomon Gessner, 1730 — 87, voll Süsslichkeit und matter 
Sentimentalität. — Denis: lyrische Gedichte, Uebersetzung 
des Ossian. Kretschmann (f 4809): lyrische Gedichte. 
Lavater's (4 7£4 — 4804 ) ,Scfrweizerlieder c und Physiognomik, 
verspottet von Wieland (,Endymion c ) und Lichtenberg 
(,Timorus c ). 

§. 479. Die Romanschreiber dieser Zeit verfolgen 
zwei verschiedene Richtungen : die Einen huldigen der 
Wissenschaft und suchen ihre Werke durch Hinneigung 
zur Sinnlichkeit anziehend zu machen; die Andern bedienen 
sich einer breiten, ruhigen Darstellung und suchen Rührung 
zu erregen. Die Erstem nehmen zu ihrem Vorbilde Wie- 
land, die Letztern den Engländer Richardson, welcher durch 
seine Romane ,Clarissa', ,Grandison c und ,Pamela 4 be- 
rühmt geworden war. Durch ihn und seine Nachfolger kam 
die Sentimentalität in die Literatur. 

Zu den Anhängern Wieland's gehören: W. Heinse 
aus Thüringen, 4746 — 4803: ,Ardinghello, oder die glück- 
lichen Inseln 6 , worin er das Studium der Natur über das 
der Antike stellt, zugleich Ansichten über Kunst, Wissen- 
schaft und Staat; ,Hildegard von Hohenthal 4 (Ansichten 
über Musik). J. A. Musäus aus Jena (1735 — 87) starb 
als Professor in Weimar: der ,Deutsche Grandison 4 (Ver- 
spottung der Empfindsamkeit), ,PhysiognomUche Bä\sä\sS 



294 Zweites Bück. Ethnodoktologie. 

(Satire auf die Physiognomik), , Volksmärchen der Den 
sehen 4 , 1786 ,Frcund Ilein's Erscheinungen in Holbein 
Manier', 1787 ,Strnussfedern c (Erzählungen). 

Ein Anhanger ltichardson's ist J. Tim. Hermes, 4738- 
1821, Geistlicher in Breslau: ^Geschichte der Miss Fani 
AVilkos 4 und ,Sophieii8 Reise von Memel nach Sachse 
(über deutsche Sitten und hübsche Lieder); sein Stil i 
edel und blühend. 

§. 480. Die Historiker dieser Zeit zeichnen sich vi 
ihren Vorgängern durch Klarheit aus, doch -wird ihr Sl 
oft schleppend und breit. Allen voran geht J. J 
Winckehnann aus Stendal (9. Dec. 1747 bis 8. Juni 1768 
In armlichen Verhältnissen geboren, konnte er nur durt 
fremde Mildthätigkeit unterstützt die lateinische Schule 8« 
ner Vaterstadt besuchen, 1735 in dem kölnischen Gymn 
8ium zu Berlin, 1738 auf der Universität Halle, 4744 in Jen 
kam bei Beschauung der dresdener antiken Kunstwerke zu 
Bewusstsein seiner Bestimmung: der Welt die Grosse m 
Bedeutsamkeit der alten Kunst zu erschliessen. Durch sc 
nen Uebertritt zum Katholicismus verschaffte er sich d 
Mittel zu einer Reise nach Rom, wo er zuerst Bibliotheki 
des Cardinais Albani war, dann Aufseher aller Alterthüme 
in und um Rom. In Triest wurde er von Fr. Arcaugel 
ermordet. In Schilderung der Kunstwerke und in Darsle 
lung der Grundidee ist er Meister. Seine Schreibart ist de 
Alten nachgebildet und durchaus gedankenreich, oft bege 
stert und dichterisch blühend. Unter seinen Werken i 
das bedeutendste die ,Geschichte der Kunst des Alte 
* thums c , 4764. 

1 Die genaueste Auskunft über Winckelmann's Leben und Schriften g 

Gürlitt'8 Biographische und literarische Notiz von Winckelmann , 47! 
nebst zwei Nachträgen, 4820 — 24 , mit Berichtigungen und Zusätzen wie« 
abgedruckt in dessen Archäologischen Schriften, herausgeg. von C. MGlli 
4834, und die treffliche Biographie Winckelmann's von Petersen in < 
All gem. Einleitung in das Studium der Archäologie, aus dem Däniscl 
von Friedrichsen , 4829. Ausserdem schrieben über ihn: Rosetti (i 
einer Vorrede von Böttiobr) 4848, Heyne 4778, Morgenstern 48< 
Goethe 4805, Jahn 4844, Schömann 4844. Kunstkenner Ch. JL. v 
Hagedorn, 4742 — 80; Maler Mengs, 4728 — 79. 

§. 481. Just. Moser, 4 720 — 94 (Advocat in Osn 
brück), zeigte in seiner ,Osnabrückischen Geschichte 4 , tv 
man nur durch Erforschung und Würdigung der einhc 
mischen Lebensverhältnisse, Sitten und Einrichtungen s 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 295 

k einer wahren Volks- und Landesgeschichte gelangen könne. 

li J. Jak. Moser, 4704 — 85, und sein Sohn F. K. v. Moser, 
4 733 — 98: ,Staatsgrammatik 4 , ,Herr und Diener 4 , ,Patrioti- 

l< sehe Briefe', patriotisches Archiv 4 , ,Vom deutschen National- 

| geist 4 , geistliche Dichtung (, Daniel in der Löwengrube 4 ). 

l| Gatterer, 4727 — 99. Achenwall, 4749 — 72 (Begründer 

il der Statistik). Büsching, 4724 — 93 (Erdbeschreibung). 
Iselin, 4728 — 82 (, Geschichte der Menschheit 4 ). Kirchen- 
geschichte: Walch, f 4 784, Michaelis, f 4794, Semler, 

|j f 4794. 

§. 482. Popularphilosophen: J. Sulzer, 4 749 — 

. 79, zu Winterthur geboren und zu Berlin als Professor 
gestorben: , Allgemeine Theorie der schönen Wissenschaften 

i und Künste 4 . Moses Mendelssohn, 4729 — 86, Freund Les- 
sing's, Mitarbeiter an der ^Deutschen Bibliothek 4 : ,Briefe 
über die Empfindungen 4 , ,Moses Mendelssohn an die Freunde 
LessingV (eine Vertheidigung Lessing's gegen seine An- 
kläger, die ihn des Spinozismus beschuldigten), Jerusalem, 
oder über religiöse Macht und Judenthum 4 , ,Morgenstunden 4 , 
,Phädon, oder über die Unsterblichkeit der Seele 4 (nach 
Plato). J. G. Hamann aus Königsberg in Preussen, 
1730 — 88, der Magus aus Norden (seine Schriften weniger 
durch innern Werth als durch ihren Einfluss auf Herder 
berühmt, von Roth 4824 — 43). J. Jak. Engel aus Par- 
chim in Mecklenburg (4 4. Sept. 4744 bis 28. Juni 4802), 
Lehrer Friedrich Wilhelm' s HI.: ^Philosoph für die Welt 4 , 
,Fürstenspiegel 4 , ,Ideen zur Mimik 4 , ,Poetik 4 , ,Traum des 
Galilei 4 , Schauspiele, Roman ,Lorenz Stark 4 . Thomas Abbt 
aus Ulm, 4738—66: ,Vom Tod fürs Vaterland 4 , , Vom Ver- 
dienst 4 , ,Literaturbriefe 4 , J. G. Ritter von Zimmermann 
aus Brugg, 4728 — 95: ,Ueber die Einsamkeit 4 , Schriften 
über Friedrich d. Gr. (Wichmann, ,Z.'s Krankengeschichte 4 ). 
F. Ch. Nikolai, 4733 — 484 4, Lessing's ältester Ge- 
nosse und bis auf einen gewissen Grad auch Geistes- 
verwandter, eigentlicher Heros der Aufklärung und Ge- 
schmacklosigkeit im letzten Viertel des vorigen Jahrhun- 
derts: ,Sebaldus Nothanker 4 , ,Sempronius Gundibert 4 , ,Ge- 
schichte eines dicken Mannes 4 ; die Grundsätze seiner Alltags- 
weisheit und Geschmacklosigkeit hat er 30 Jahre lang in 
der ,Allgemeinen deutschen Bibliothek 4 gepredigt. 

Kanzelberedtsamkeit: Sack, 4703 — 86, Jerusalem^ 



296 ZuxiU* BudL Et km$ ä * ktobgir . 

1709—89 (Stifter des Carolinums in Braunschweig), Sptt 
ding, 1711 — 1804, Cramer, Sturm, 1740 — 86. 

G. Die neueste Zeit, seit 4780 (1770). 

§. 483. Der Deutsehe hat die Nationaüitentnr errungen 
uud geniesst endlich selbst die Anerkennung des Auslandes. 
Deutsche Werke werden gesucht und übersetzt. Wetteifer 
der deutschen Staaten, aber Weimar bleibt lange Zeh der 
Mittelpunkt für die Literatur. Die politischen Bewegungen 
fordern den Gang derselben. Die deutsche Nation hat den 
Keim der Vollkommenheit gefunden, vergöttert kein fremdes 
Wesen mehr, laset sich durch keine fremde Unterdrückung 
mehr niederbeugen, das Freiheitsgefuhl bricht die Ketten. 
Die Philosophie, welche die Entwicklung des Geistes un- 
mittelbar darstellt, geht mit Riesenschritten vorwärts durch 
Kant, Fichte, Schelling und Hegel. Literaturzeitungen, 
Musenalmanache und Dichtervereine beweisen das gewaltige 
Streben, die aufwachsenden Gedanken in Sprache zu kleiden. 
Der hochdeutsche Dialekt wird durch die geschichtlichen 
Forschungen der alleinherrschende; nur der alemannische 
findet noch in Hebel (1760 — 1828) einen Vertreter. Drei- 
theilung dieser Periode. 

1. Die Friedenszeiten 1770 (1780) — 4 790 (H94). 

§. 48i. Seit dem Siebenjährigen Kriege Aufschwung der 
Jüngern Generation, Vemerfung des franzosischen Wesens, 
Enthusiasmus für Shakspeare, Sturm- und Drang-, Genie- 
periode. Morgenroth vollendeter Poesie mit Herder und 
Goethe, zweien Geistern, die aus philosophischer Tiefe ihre 
blühend poetischen Anschauungen schöpfen. Der Göttinger 
Dichterverein, Schiller, einzelne Nachahmer. Goethe und 
Schiller stehen noch getrennt, doch beginnt zwischen Beiden 
ein Briefwechsel. Die Zeitschrift ,Horen 4 gibt das beste 
Zeugniss von dem stürmischen Ringen nach Höherm. 
Goethe's ,G6tz 4 und Schiller's ,Räuber 4 sind der anschau- 
lichste Beleg. Goethe selbst charakterisirt diese Zeit in 
folgenden Worten: „Sie ist unruhig, frech, ausgebreitet, 
leichtfertig, redlich, Achtung verschmähend und versäumend, 
die Form muthwillig zerstörend und besonnen, sie wiederher- 
zustellen. " Dieses ist gerade an Goethe am meisten sichtbar. 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 297 

§. 485. J. Gf. Herder aus Mohrungen in Ost- 
preussen (25. Aug. 4744 bis 18. Dec. 1803), 1762 in 
Königsberg in Bekanntschaft mit Kant und Hamann, 1764 
in Riga, 1767 in Frankreich, in Strasburg mit Goethe be- 
freundet, ,Fragmente über die neuere deutsche Literatur 4 , 
1 769 , Kritische Wälder 4 , 1771 Consistorialrath in Bückeburg, 
4775 berufen als Professor der Theologie nach Gottingen 
und fast gleichzeitig als Hofprediger, Generalsuperintendent 
und Oberconsistorialrath nach Weimar, dem deutschen Athen, 
4793 daselbst Vicepräsident, 4804 Präsident des Oberconsi- 
storiums, geadelt von dem Kurfürsten von Baiern. Seine 
Schriften zerfallen ihrer Vielseitigkeit wegen in drei Classen: 
zur Religion und Theologie (,Geist der hebräischen Poesie 4 , 
4782), zur Literatur und Kunst (für orientalische in den 
,Palmblättern c , griechische in den ,Paramythien 4 und romi- 
sche Poesie, für Shakspeare, Ossian und die spanischen 
Romanzen vom Cid) und zur Philosophie und Geschichte 
(, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 4 , 
4784 — 94), Legenden, Parabeln. Der ganze Culturzustand 
Deutschlands hat von ihm einen mächtigen, weithin sich ver- 
breitenden Impuls erhalten, und an warmer, tiefer Begei- 
sterung für alles echt Menschliche, Würdige, Grosse hat 
ihn Keiner überragt. 

Ausgabe seiner Schriften in 45 Bdn. 1806 — 20. Taschenausgabe, 
60 Bde., 1827 — 30. Von seiner Witwe Mar. Karol., geb. Flachsland 
(4750 — 4845), Erinnerungen aus H'.s Leben, die J. 6. Müller 4820 heraus- 
gab. Döring, Herder's Leben, 4823. Mönnich, Herder's Cid und die 
spanischen Cidromanzen , 4855; oben §. 380. 

§. 486. J. Wfg. Goethe aus Frankfurt a. M. (28. 
Aug. 1749 bis 22. März 1832), der klarste Spiegel der 
ganzen Zeit, in welcher er lebte, was zugleich für seine 
Empfänglichkeit für alle Eindrücke und von seiner grossen 
Beobachtungsgabe zeugt. Von 1765— 68 in Leipzig bei Ernesti, 
Geliert und den Verfassern der ,Bremer Beiträge 4 , Bewun- 
derer Klopstock's , Verfasser der ,Laune des Verliebten 4 und 
der ,Mitschuldigen c , durch Oeser und Anschauung der dres- 
dener Eunstschätze für ernsteres Studium der Kunst und 
Kunstgeschichte gewonnen, 1768 — 70 im älterlichen Hause 
mit dem Studium von allerlei mystisch-chemisch-alchemischen 
Werken beschäftigt, 1770 in Strasburg, statt der Jurispru- 
denz obzuliegen, mit Chemie und Anatomie beschäftigt, 
vertraut mit Herder und für Shakspeare, Natur ^ dftwtawkfe 



298 Zvtüei Buch. Ethnodoktolofie. 

Literatur und Baukunst gewonnen, 1774 promcrvirt, in 

Wetzlar. 

Drei Perioden seines äussern und Dichterlebens: i) Die 
sentimentale Kraftperiode bis zur italienischen Reise, 1766 
— 88: ,Götz von Berlichingen 4 , 4773; ,Werther% 4774; 
,Clavigo c , 4774; ^Jahrmarkt zu Plundersweilern% 4774; in 
Weimar 4775 durch Karl August (Herzogin-Mutter Anna 
Amalia, 4739 — 4807), Geheimer Legationsrath, und ^Stella', 
4 776; Lieder, Balladen, Oden; Wirklicher Geheimrath 4779; 
,Triumph der Empfindsamkeit 6 , 4780; Kammerpräsident und 
geadelt 4782; Bekanntschaft mit J. H. Meyer, dem Kunst- 
kritiker, in Rom, 4786 — 88. 2) Die ideale Periode bis zu 
seiner nähern Bekanntschaft mit Schiller, 4794: ^Iphigena 
auf Tauris', ,Torquato Tasso 4 und ,Egmont', 4788; Feldzag 
in der Champagne 4792; ,lleineke Fuchs', 4793. 3) Die 
auf das lehrhaft Bedeutsame gerichtete Periode: , Wilhelm 
Meistens Lehrjahre 4 , 4794 — 96; die , Hören 4 , 4794; ,Xenien', 
1796; ,IIcrmann und Dorothea 4 , 4797 *; die Propyläen', 
4798 — 4800; ,Tancred 4 und ,Mahomet 4 Voltaire's, Natür- 
liche Tochter 4 , 4804; vermählt (Vulpius) 4806; ,Fanst<, 4807; 
Wahlverwandtschaften 4 , 4809; Rücktritt aus dem Staats- 
dienst 4809; ,ldeen zur Farbenlehre 4 , 4840; , Wahrheit und 
Dichtung 4 , 4844; erster Staatsminister 4845; ,West6stlicher 
Di van 4 , 4849; , Wilhelm Meister's Wanderjahre 4 , 48$l; der 
zweite Theil des ,Faust 4 , 4834. Der dämonische Mann ist 
in seiner Jugend Apollon, in seinem Alter olympischer Zeus. 
Ihn kennt und verehrt die ganze civilisirte Welt! — Uner- 
messliche Literatur über ihn und seine Werke. 

Unter den Schriften, welche über sein Innerstes den gründlichsten 
Aufschluss geben, gehören zu den werthvollsten seine gesammelten Briefe, 
die Schriften von Eckermann, Falk, Carus, F. v. Müller, Riemer, 
Niooloviüs, Pfeiffer, Döring, Schübarth, Gutzkow, Zaopbr, Vajm- 
haoen v. Ensb, DOntzer, Gervinus, Rosenkranz 1847, Spibss 4855. 
Ausgabe seiner Werke in 40 Bdn. 1840; Nachträge von Boas 4844; 
Puodezausgabe, 55 Bde. — J Mit histor. Treue entlehnt aus: Ausführliche 
Historie der Emigranten oder vertriebenen Lutheraner aus dem Erzbisthume 
Salzburg, 4732. 

§. 487, Der Göttinger Dichterverein um Boje 
(4744 — 1806) S der Hainbund seit 4772*. Der von 
Gotter (4746 — 97) 3 und Boje gegründete ,Musenalmanach', 

4770. 

Gf. A. Bürger, 4748 — 94, der Volksdichter im reinsten 
Sinne des Worts: Balladen: ,Lenore 4 , ,Lenardo und Blan- 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 299 

dine 4 , ,Des Pfarrers Tochter zu Taubenhayn 4 , der , Wilde 
Jäger 4 , ,Frau Magdalis 4 . Schillert hartes Urtheil über ihn 4 . 
L. H. Cp. Holty, 1748 — 76: Lyriker: Elegien, Lieder, Oden, 
Idyllen 6 . Lp. F. Gth. v. Gtöckingk ,1748—1828, Freund und 
Landsmann Bürger's: poetische Episteln 6 . J. Ant. Leisewitz, 
1752 — 1806 (Trauerspiel: ,Julius von Tarent 4 , 1776). Die 
beiden Grafen zu Stolberg: Christian, 1748 — 1831 (lyrische 
Gedichte, ,Schauspiele mit Choren 4 , Uebersetzung des So- 
phokles), und Friedrich Leopold, 1750 — 1819 (Gedichte, 
,Schauspiele mit Chören 4 , Uebersetzung der ,Ilias 4 , Roman 
,Die Insel 4 , ,Geschichte der Religion Jesu Christi 4 ) r . Mthi. 
Claudius, 1740 — 1815, Asmus oder der Wandsbecker Bote, 
mit dem entschiedensten Talent für Volksdichtung 8 . J. Miller, 
1 750 — 1 81 4 (Roman : ,Siegwart, eine Klostergeschichte 4 , 1 776, 
die sprichwortliche Siegwart'sche Sentimentalität; Gedichte, 
Predigten). K. F. Cramer (Sohn von J. And., §. 471), 
1752 — 1807 9 . J. H. Voss aus Sommersdorf bei Waren im 
Mecklenburgischen (20. Febr. 1751 bis 29. März 1826), 
geistreicher Erklärer und Forscher des Alterthums, ge- 
schmackvoller Uebersetzer, Kritiker und Dichter; Heyne's 
Schüler, Rector in Eutin, Professor in Heidelberg; im 
Streite mit Heyne, Lichtenberg, F. zu Stolberg, Creuzer; 
Verfasser von Oden, Liedern, Elegien, Idyllen (,Luise 4 , ,Der 
70. Geburtstag 4 ); Uebersetzer des Homer, Aratus, Theo- 
krit, Virgil, Horaz, Aristophanes u. s. w. , des Shakspeare 
(mit seinen Söhnen Heinrich und Abraham); ,Mythologische 
Briefe 4 , ,Antisymbolik 4 , Begründer des Studiums der alten 
Geographie 10 . 

i Begründer des Deutschen Museum, 4778, und des Neuen deutschen 
Museum, 4789. Gedichte 4770. — 2 Peutz, Der göttinger Dichterbund, 
4844. — 3 Gedichte 4787 u. 4802, Sing- und Schauspiele. Medea durch 
Benda's Musik berühmt, — 4 Biographie von Althqff 4798« Gesammt» 
ausgäbe von Bohtz 4835. Seine bedeutendsten Balladen sind in fast alle 
Sprachen der civilisirten Welt übersetzt. Illustrationen von Retzbch und 
Rühl. — & Ausgabe von Voss und Stolbebg 4783; von Voss mit einer 
Biographie 4804 u. 4835. Voigts, Hölty, ein Roman, 4844. — 6 An Fritz 
und An meinen Bedienten. Sinngedichte. Lieder zweier Liebenden. Ramler'g 
Poetische Werke, 4847. Nicolai's Leben und liter. Nachlass, 4820. — 
7 Werke der Brüder Stolberg, 22 Bde., 4824 — 26. Schott, Voss und 
Stolberg, oder der Kampf des Zeitalters etc., 4820. Nicolovius, F. Lp. 
Graf zu Stolberg, 4846. — 8 Asmus omnia sua secum portans, oder 
Sämmtliche Werke des Wandsbecker Boten, 8 Bde., 4774—4842/, neue 
Aufl. 4838. — 9 Klopstock's Ode: An Cramer den Franken. Klopstock. 
Er und über ihn, 5 Bde., 4779 — 92. Klopstock in Fragmenten; aus 
Briefen von Tellow an Elisa, 2 Bde., 4777. — I0 Paulus, Lebens- und 
Todeskunden von J. H. Voss, 4826. Poetische Werke, \%h&* 



300 Ztrttto B*ek. Etknod o kt oio gie. 

§. 488. Lyriker und Didaktiker: Tiedge, .4752- 
4811 (, Urania', 4804, und , Wanderungen durch den Markt 
des Lebens 4 , 1833, JSlegien 4 , Lebensbeschreibung der 
,Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von Kurland', 4823) 1 . 
Usteri, 4763 — 4827 (norellenartige Erzählungen in schwei- 
zerischer Mundart, hochdeutsche Dichtungen) *. O verbeck, 
1755 — 4821. F. v. Matthisson, 4764 — 4834 *. J. Gaudeni, 
Freiherr von Salis- See wis, 4762—4834* Schubart, 4739- 
94 (auf dem Hohenasperg 4777; die ^Fürstengruft' und 
Jlymnus auf Friedrich d. Gr. 4 ) *. Kosegarten, 4758—4818 
( , Jucunde' ) •. Neander, 4723 — 4802. Munter, 4735-93 
(geistliche Lieder, 4773 und 4774). 

1 Ebbuubd, Gesammelte Werke, 1823—29, und Blicke in Tiedge'i 
and in Elisas (Frau tod der Recke) Leben, 4844. Faucmstbik , Tiedge'i 
Leben und Nachlass, 1841. — * Hiss, Dichtungen in Versen und ia 
Prosa, 1831. — * Scboch, Literarischer Nachlass, nebst einer Auswahl 
Ton Briefen setner Freunde, 183*. — 4 Seine Gedichte 4793 n. 4835. - 
» Gesammelte Schriften und Schicksale, 8 Bde., 4839 fg. — * Ausgabe 
der Dichtungen von seinem Sohne, 12 Bde., 1823 — 35. Monroes gab die 
Reden und kleinen prosaischen Schriften, 3 Bde., 4834 fjg. 

§. 489. Dramatiker: Lenz, 4750 — 92 K F. Mx. v. 
Klinger, 4753—4834 (,Der Weltmann und der Dichter 4 , 
,Faust's Leben, Thaten und Höllenfahrt 4 , 4794)» F. Müller 
(der Maler), 4750—4825 (,Niobe 4 , 4778, ,Faust% 4778, 
,Genoveva 4 ; die Trilogie: ,Adonis, die klagende Venus und 
Venus Urania 4 u. A.) *. Schröder (Director des hamburger 
Theaters), 4744 — 4816 (Conversationsstücke und Charakter- 
gemälde) 4 , lffland (darstellender Künstler, Theaterdichter 
und Dramaturg), 4759 — 18 U (, Jäger 4 , ,Dienstpflicht% ,Ad- 
vocaten 4 , ,Mündel 4 , ,Hagestolzen 4 ) 5 : A. v. Kotzebue, 4761 
— 4819 (ermordet von Sand): ,Menschenhass und Reue 4 und 
die ,Indianer in England 4 , 4 789, erwarben ihm den grössten 
Beifall 6 . Lustspieldichter Bretzner, 4748 — 4807 (der ,Arg- 
wöbnische Liebhaber 4 , 1783, das ,Räuschchen c , 4786, der 
^heprocurator 4 ) r und Jünger, 4759 — 97 8 . Dramatische 
Musik: Gluck, 4700—87 (,Iphigenia in Tauris 4 , 4773, ,Echo 
und Narcissus 4 ) 9 . Mozart, 1756 — 91 (,Pigaro 4 , 4785, ,Don 
Juan 4 , 1787, ,Zauberflote 4 , 1791 , u. s. w.) 10 . 

1 Gesammelte Schriften mit Einleitung von Tieck 4828. Stöbbb, 
Der Dichter Lenz and Friederike von Sesenheim ( Goethe*» Friederike), 
4842. — 2 Sammlung »einer Werke, 4 2 Bde., 4 809 fg. Ausgewählte Werke, 
42 Bde. , 4842. — 3 Gesammelte Werke, 3 Bde., 4814 u. 4825. — * Bülow, 
Schröder'» dramatische Werke mit einer Einleitung von Tieck, 4 Bde., 4834- 
Mkykr , F. L. Schröder, ein Beitrag zur Kunde des Menschen und Kunst- 



Einunddreissigstes Capüel. Deutschland. 301 

lers, 1849. — 5 Dramatische Werke mit einer Selbstbiographie, 46 Bde., 
.1798 — ^ ao2. Neue dramatische Werke, 2 Bde. , 4 807 — 9. Fünck , Erinne- 
rungen aus dem Leben zweier Schauspieler, A. W. Iffland's und L. Devrient's, 
4838. — 6 98 Schauspiele. Sämmtliche dramatische Werke in 28 Bdn., 
4797_4823, und in 44 Bdn., 4827 — 29. Sein Leben von Cramer 4849 
und Döring 4829. — 7 Das Singspiel Belmont und Constanze, oder die 
Entführung aus dem Serail, 4788, von Mozart componirt. Die Schau- 
spiele 4792 — 96 u. 4820, die Singspiele 4796. Sein Roman: Leben eines 
Liederlichen, ein moralisch -satirisches Gemälde nach Hogarth und Chodo- 
wiecki, 4787 — 88«. 4790. — 8 Romane, darunter der vielgelesene Fritz, 
4796 — 97. Lustspiele, 4785 — 90; Komisches Theater, 4792 — 9ö; Theatra- 
lischer Nachlass, 4803 — 4. Eck gab die Gedichte, 4824. — 9 Kampf der 
Gluckisten Rousseau, Arnaud und Suard gegen die Piccinisten Marmontel 
und Laharpe, gesammelt in den Memoires pour servir a lTiistoire de la 
revolution operee dans la musique par M. Gluck, 4784. — 10 Nissen, 
Biographie Mozart's (herausgeg. von dessen Witwe 4828). Alx. Odli- 
bishew, Vie de Mozart, 4844. Holmes, Life of Mozart, 4845. Sein 
Denkmal in Salzburg errichtet 4840. 

§. 490. Wieland's Nachahmer im romantischen 
Epos, im Roman und der Satire: J. Bt. ^. Alxinger, 
4755 — 97 (,Gedichte% 1780; ,Doolin von Mainz 6 , 1787; 
,Bliomberis% 1791) K Pyrker von Felso-Eor, 1772 — 1847 
(epische Dichtungen: ,Perlen der heiligen Vorzeit 4 , ,Tuni- 
sias c , ,Kudolfias c ). L. H. Freiherr v. Nicolay, 1737—1820 
(Fabeln, Erzählungen, Elegien, Episteln, Rittergedichte) 2 . 
Alo. Blumauer, burlesker Dichter, 1755 — 98 (travestirte 
Aeneide, 1784) 3 . Schilderungen üppiger Sinnlichkeit von 
Heinse und von Thümmel (§. 478 und 479), Schummel, 
i 748 — 4 84 3, J. Gtwth. Müller von Itzehoe, 1744 — 1828 
(Romane: ,Siegrried von Lindenberg 4 , 1779; ,Komische Ro- 
mane aus den Papieren des braunen Mannes 4 , 8 Bde., 1784 
— 91 ) 4 . Thdr. Gli. v. Hippel, 1 741 —96 (Humorist: ,Ueber 
die Ehe 4 , 1774; ,Ueber die bürgerliche Verbesserung der 
Weiber 4 , 1792; ,Ueber weibliche Bildung 4 , 1801; Lebens- 
läufe nach aufsteigender Linie, nebst Beilage A. B. C. 4 , 
1778 — 81; ,Kreuz- und Querzüge des Ritters A. bis Z. 4 , 
1793— 94) 6 . Lichtenberg, 1742 — 99, gelehrter Physiker 
und witziger Schriftsteller, Streit mit Voss über die Aus- 
sprache des Griechischen 1782; ,Ausführliche Erklärung 
der Hogarth'schen Kupferstiche mit Copien derselben von 
Riepenhausen 4 6 . 

Herstellung einer strengen Form im Epischen und Dra- 
matischen durch Voss und Goethe und die Stolberg. 

1 Sämmtliche Schriften in 40 Bdn. 4840. — 2 Vermischte Gedichte 
und prosaische Schriften, 8 Bde., 4792 — 4840, durch Ramler vielfach 
corrigirt. Theatralische Werke 4 84 4 . Gebschau , Aus dem Leben Nicolay 's, 



302 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

4834. — » Ausgabe seiner Werke, 8 Bde., 4804—3; 4832; von Ristii- 
KBor.it 1827 ii. 1830; 1839—40; in einem Bande 4840. — 4 Bohbödb. 
Müller nach seinem Leben und seinen Werken, 4843. — 6 Sämmtikbc 
Schriften, 14 Bde., 4828 — 34. — * Seine satirischen und schenhtfta 
Aufsätze sind gesammelt in den Vermischten Schriften, 9 Bde., 4800—5, 
und 6 Bde., 4 8 Vi — 45. 

§. 491. J. Cp. F. Schiller aus Marbach am Neckar in 
Würtemberg (11. Nov. 4759 bis 9. Mai 1805), 4773 indem 
militärischen Institut auf der Solitude zu Ludwigsburg 
(nachherigen Karlsschule in Stuttgart), Jurist, 4775 Medi- 
aner, beschäftigt mit Homer, Virgil, Klopstock, ,GotzY<m 
Berlichingen 4 , Lessing, Shakspeare, ,Ugolino 4 , , Julius tou 
Tarent 4 , angeregt durch Schubart, 4780 Regimentsarzt. 

Drei Perioden seines Dichterlebens, wie bei Goethe: 
4) Die erste Periode der machtig, aber regellos aufstreben- 
den Kraft: 1781 die ,Rauber 4 (Freiherr von Dalberg Director 
des Theaters in Manheim), 4 782 bei Frau von Wolzog» 
in Bauerbach bei Meiningen, 4783 ,Fiesco% 4784 ,Cabale 
und Liebe 4 , Theaterdichter in Manheim, ,Thalia 4 bis 4793. 
2) Zweite Periode bis zu Goethe' s näherer Bekanntschaft, 
4794, Ueberwältigung aller jugendlichen Unklarheit und 
Schwärmerei durch ernste Studien: 4785 in Leipzig, ,Lied 
an die Freude 4 , 1783—87 ,Don Carlos 4 , 4787 in Weimar 
bei Herder und Wieland, Zusammentreffen in Rudolsta&i 
mit seiner nachherigen Gattin Charlotte von Lengefeld, 
4 788 erstes Zusammentreffen mit Goethe, »Geisterseher 4 , 
,Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande 4 , 4789 
Professor der Geschichte in Jena, 1790 — 93 ,Geschichte 
des Dreissigjährigen Kriegs 4 , 1790 Verheirathung und mei- 
ningischer Hofrath, 4792 — 4802 ,Kleine prosaische Schrifter 
infolge der Bekanntschaft mit der Kant'schen Philosophie, 
französischer Bürger, 1793 in seiner Heimat, ^Briefe über 
ästhetische Erziehung 4 , 1794 Beginn der , Hören 4 . 3) Dritte, 
herrliche Periode seit 1794, gezeitigt durch Goethe'« Freund- 
schaft: seit 4795 die schönsten seiner lyrischen Gedichte, 
1796 ,Mu8enalmanach 4 , der Spaziergang 4 , die ,Glocke 4 , 
,Xenien 4 , 1797 Romanzen und Balladen, 1799 , Wallenstein 4 
(Trilogie), in Weimar, 1800 ,Maria Stuart 4 , 1804 , Jungfrau 
von Orleans 4 , 1802 durch Kaiser Franz H. geadelt, 1803 
,Braut von Messina 4 (Einführung des Chors), 4804 ,Wü- 
helm Teil 4 , ,Demetrius 4 (ausgeführt von v. Maltitz), Hul- 
digung der Künste 4 , Bearbeitung fremder Dramen (, Macbeth 4 , 



{ 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 303 

,Turandot 4 , ,Phädra 4 , ,Neffe als Onkel 6 , ,Parasit 4 , ,Iphigenie 
in Aulis 4 u. A.). 

Er ist der ideale Dichter, der Herold der Freiheit auf 
geistigem, sittlichem, religiösem und politischem Gebiete, 
bewundert und verehrt, doch vorzugsweise geliebt. 

Ueber sein Leben Cablyle (englisch) 4825, Frau v. Wolzogbn, Hopf- 
meister, Gst. Schwab. Schillert Denkwürdigkeiten und Bekenntnisse über 
sein Leben, seinen Charakter and seine Schriften, geschrieben von ihm selbst, 
geordnet von Diezmann, 4854. Boas, Schiller's Jugendjahre, herausgeg. von 
Maltzahn, 4856. Ausgabe seiner Werke \ 84 8 — 20; Ergänzungen von Dö- 
ring, Boas, Hoffmeister; englische Uebersetzung des Schotten Thm. Carlyle. 

§. 492. Prosa. — Popularphilosophen und Päda- 
gogen, wissenschaftliche Fortbildung der Theologie: Eber- 
hard, 1739 — 1809 (Philosoph nach Wolf sehen Grundsätzen: 
,Neue Apologie des Sokrates 4 , ,AUgemeine Theorie des Den- 
kens und Empfindens 4 , ,Sittenlehre der Vernunft 4 , ,Theorie 
der schönen Künste und Wissenschaften 4 , ,Allgemeine Ge- 
schichte der Philosophie 4 , ,Geist des Urchristenthums 4 , Sy- 
nonymik 4 und , Synonymisches Handwörterbuch der deutschen 
Sprache 4 ). Garve, 1742 — 98 (Lebensphilosoph im edlern 
Sinne des Worts, Uebersetzer, ,Ueber die Verbindung der 
Moral mit der Politik 4 , ,Ueber Gesellschaft und Einsamkeit 4 ). 
E. Platner , 1 74 4 — 1 81 8 (Arzt und Anthropolog). K. Thdr. 
Reichsfreiherr von Dalberg, 1744 — 1817, Kämmerer von 
Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Erzkanzler des 
Deutschen Reichs, später Fürst Primas des Rheinbundes und 
Grossherzog von Frankfurt, Erzbischof zu Regensburg und 
Bischof zu Worms und Konstanz, im Umgange mit Herder, 
Goethe, Wieland, Schiller u. A,; seine Schriften betreffen 
meist Gegenstände der angewandten Moral und Aesthetik, 
empfehlen sich durch Gründlichkeit der Forschung und 
durch eine gewinnende Beredtsamkeit *. Der um die vater- 
ländische Literatur und Sprache hochverdiente Adelung, 
1734 — 1806 (, Wörterbuch 4 , ^Mithridates 4 U.A.). Basedow, 
1723 — 90 (Musterschule und Lehrerseminar in Dessau, 
Philanthropinismus ) 2 . Campe , 1746 — 1818, durch Kinder- 
und Jugendschriften und durch lexikographische Arbeiten 
ausgezeichnet (,Robinson der Jüngere 4 , ,Theophron> oder 
der erfahrene Rathgeber für die unerfahrene Jugend 4 , beide 
wol in alle europäische Sprachen übersetzt). Die Theo- 
logen: Schröckh, 1733 — 1808 (, Christliche Kirchenge- 
schichte 4 in 35 Bänden) 3 . J. Gf. Eichhorn, 475Ä-**« 



304 Zweite* Buch. Ethmodoktologie. 

(Einleitungen in die Bibel, , Allgemeine Geschichte der 
Cultiir und Literatur des neuern Europa', ^Geschichte der 
Literatur von ihrem Anfange bis auf die neuesten Zehen* 
u. v. A.). Doderlein, 4745 — 92 (Dogmatiker mit Abwei- 
chung von dem altern Lehrsystem). Griesbach, 1745 — 1812 
(Exeget und biblischer Kritiker) *. H. Ph. Kr. Hecke. 
I75i — 1809 (, Kirchengeschichte'). G1L Jak. Planck, «751 

— 1K33 (, Geschichte der Entstehung, Veränderungen und 
Bildung des protestantischen Lehrbegriib' u. s. w. , 6 Bde, 
4781 — 1800). Zollikofer, 1730 — 88 (besonders Predigten) 5 . 

i Krämer, K. Thdr. v. Dalberg, 4824. — * Mxybb, Leben, Chanber 
uod Schriften Basedows, 4791—92. — * TxscmBHxa gab eine arfkr- 
lieh« Beschreibung seines Lebens und Charakters in der Kirchengeflcfckfee 
seit der Reformation, Bd. 10. — * Sein Leben beschrieben Kokths 481!. 
At(itHTi 1812, Kicuhtädt 4815. — b Gaxyb, Ueber den Charakter Zoffi- 
kofer'», 4788. 

§. 493. Historische Forschung und Kunst: McL 
Ign. Schmidt (1736 — 94) zog in seiner ,Geschichte der 
Deutschen 4 zuerst das Culturleben der Nation in die Dar- 
stellung (Fortsetzung von Dresch). A. L. v. Schlözer, 4735 

— 4805 (, Allgemeine nordische Geschichte', Uebersetzung 
des russischen Chronisten Nestor, Verdienste um die Sta- 
tistik, geadelt 4804 von Kaiser Alexander von Russland). 
J. v.Müller, 4 732 —4 809 (,Vierundzwanzig Bücher allgemeiner 
Geschichte', ,Schweizergeschichte c ) *. L. Tim. Freiherr v. 
Spittler, 4752—4810, Geschichtschreiber und Publicist* 
J. W. Baron v. Archenholz, 4745 — 4812 .(, Geschichte des 
Siebenjährigen Kriegs 4 u. s. w.), politischer Journalist in 

* der ,Minerva 6 seit 4792. — Länder- und Reisebe- 
schreibungen: Sturz, 4736—79, Begleiter Konig Chri- 
stian's VII. auf einer Reise nach England , daher die ^Briefe 
eines Reisenden 4 , 4 777. J. G. Forster, 4754 — 94 (,Reise 
um die Welt 4 , 4772— 75) 3 . Sm. Gli. Gmelin, 1744—74 
(gleisen durch Russland 4 , 4770). Pallas, 4744 — 484 4 , russi- 
scher Reisender, 1793 — 94, und Naturforscher. Klarsten Nie- 
buhr, 4733 — 4845 (Forschungen über Arabien u. s. w,), U.A. 

1 Fortsetzung seiner Schweizergeschichte von Glutz-Blotzhbim 4846, 
Hottingbr 4825—29. Sämmtliche Werke, 40 Bde., 4834 — 35. Ueber 
sein Leben Heeren 4809, Wachlbr 4809, Woltmann 4840, Roth 4844. — 
3 Gesammtau sgabe von seinem Schwiegersohn E. Wächter, 45 Bde., 
4827 — 37. Sein Leben von Heeren 4842. — s Seine gewesene Gattin 
Therese Hdbbr gab seinen Briefwechsel nebst Nachrichten von seinem 
ben, 4828 — 29, und seine Tochter seine Sämmtlichen Schriften mit 
er Charakteristik des Verfassers von Geryinus, 4843 fg. 



^^Xel 



Einunddreissigstcs Capitel. Deutschland. 905 

§. 494. Begründer der kritischen Philosophie ist 
Im. Kant aus Königsberg in Preussen (22. April 4724 bis 
42. Febr. 4804), auf dem Friedrichscollegium und seit 4740 
auf der königsberger Universität gebildet, 4755 auf letzterer 
Docent für Logik, Metaphysik, Physik und Mathematik, 
4770 ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik, 
Abhandlungen und Schriften naturwissenschaftlichen und 
philosophischen Inhalts; 4770 ,De mundi sensibilis et in- 
telligibilis forma et principiis 4 , gleichsam das Programm 
der ,Kritik der reinen Vernunft 4 , 4784; ,Prolegomena zu 
einer jeden künftigen Metaphysik 4 , 4783; , Grundlegung 
der Metaphysik der Sitten 4 , 4785; ^Metaphysische Anfangs- 
gründe der Naturwissenschaft 4 , 4786; ,Kritik der prakti- 
schen Vernunft 4 , 4788; ,Kritik der Urtheilskraft 4 , 4790; 
^Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft 4 , 
4 793 ; ,Metaphy8ische Anfangsgründe der Tugendlehre 4 , 4 797 ; 
,Rechtslehre 4 , , Anthropologie in pragmatischer Hinsicht 4 , 4798. 

Vollständige Sammlangen seiner Werke von Hartenstein, 40 Bde., 
4838 — 39; Rosenkranz und Schubert, 42 Bde., 4838 — 44 (Bd. 44: 
Biographie von Schubert); sonst über sein Leben: Borowski 4804, 
Wasianski 4804, Jachmann 4804. Die Physische Geographie gaben 
Hink 4 $02 und Vollmer 4804 — 5 heraus. 

§. 495. Allgemeine Herrschaft der Kant'schen Philoso- 
phie seit 4 790 , wozu noch besonders die Polemik P. H. Ja- 
cobi's (4743 — 4849) 1 und die ,Briefe über die Kant'sche Phi- 
losophie* K. Lhd. Reinhold's (4758— 4823) a im deutschen 
Mercur' beitrugen. Die grosste Bedeutung dieser Philosophie 
besteht in der Anregung der geistigen Thätigkeit, in der 
wissenschaftlichen Gründlichkeit und in dem sittlichen Ernste. 

1 Schlichtbgroll , Weiller und Thiersch, F. H. Jacobi nach seinem 
Leben, Lehren und Wirken, 4849. Kuhn, Jacobi und die Philosophie 
seiner Zeit, 4834. — * Sein Leben und literar. Wirken von seinem Sohne 
E. Reinhold geschildert, 4825. 

2. Die Revolution 4 790 (4 794) — 4 84 4 (4 84 3). 

§. 496. Beginn schöner Hoffnungen, Steigerung der 
Theilnahme der Gelehrten an dem öffentlichen Leben. Druck 
der Fremdherrschaft. Die Masse der literarischen Erzeug- 
nisse wird unübersehbar. Steigerung der Lese- und Schreib- 
lust. Die Leihbibliotheken. Unzahl der Tagesblätter. Goethe's 
und Schillert (vereinigter) Einfluss seit 4794 K Höhestand 
des Dramas. Die Romantiker oder die Schlegel -Tieck'sche 
Schule (darüber Rosenkranz in den Studien, 1, 4839). 
Stiftung der Universität zu Berlin, 4840. 

Merleub. *n 



3QQ ZweUet Buch. Elk m o d ok t o i ojie- 

■ Wilhelm Neistor's Lrhrjabre, 4794—9«. Dw llaiiB. 1794: 

479fi. Hermann und Dorothea, 1797. Die Pieyslmm. I7*ft — «** 
H<hili.bV" llomanien und Ilalladen, WaHensteia (TriIog»*% 1799- Jfaä 
fltuart, 4M00, Jungfrau von Orleans, 1801, Braot von Mcmö». IM. Tel. lü«. 
(loKtHKN Natürlich« Tuch-irr, 4X»i, Faust, 1807, WsJOTqrs ri m ftiAitB! 
4 Hilft, M«***n zur Farbenlehre, IM10, Wahrheit und Dichtem*;* Uli. 

§. i07. IMiiloHophie: Kantianer. Rechtsphilosophie: 
Aiih. von Feuerhacli (berühmter Criminalint), 1775 — 1*33 J - 
Friftfl, 1773— 1H43 (, Philosophische Uechtalehre, oder Kraft 
all«T poHitiveii (Irsetzgebung 4 , 4803). Hugo, 1764 — l&M 
(dir historiMrlic KcchtHtschule durch ihn, Haubold, Schleyer 
und v. Savigny iM'griindet). F. K. v. Sarignjr (geb. '***) : 
,K<eht d<?H HrnitzcH' und ^Geschichte des römischen Btcfe 
im Mittelalter*. — Fichte (1762 — 4814): ,Veranch eaer 
Kritik aller Offenbarung 4 , 1792; ,WissenachafUlehreS «"**• 
F. W. Jos. v. Schelling (1775 bis 20. Aug. 1854): Identhi* 
hy stein, Naturphilosophie *. Reinhard, 1753 — 1812. Schleier- 
marher, 47GH— 4834 ». Hegel, 1770 — 1831*, und seine 
Schüler: Marhciueke, Daub, Gabler, Hinrichs, Michelet 
Gans, Ilotho, Rosenkranz, Goschel, Br. Bauer, Walke U.A. 
II erhart, 4776— 184 1 5 , und seine Schüler: Drobisch, Roer, 
Hartenstein, Taute, Strümpell U.A. — Naturphiloaophen: 
Oken ( 1779 — 4851 ) : ,Lehrbuch der NaturpUZosopluV, 
^Allgemeine Naturgeschichte 4 , Begründer der ,IsisS 4846. 
H. v. Schubert (geb. 1780). Steffens, 1773—45. Alx. v. 
Humboldt (geb. 1769: ,Kosmos 4 seit 4845). Werner, 4750- 
4817. Treviranus, 4776 — 1837. Olbers, 4758 — 4840. Gauss, 
1777—1853. Brandes, 4777 — 1834. 

1 Er hinterliess fünf Söhne: Anselm, Karl Wilhelm, Eduard Aogwt, 
Ludwig Andreas, Friedrich Heinrich, die rühmlich in des Vaters Fan* 
tapfen traten und jeder in besonderer Richtung durch Stadium and schrift- 
stellerische Thätigkeit sich hervorthaten; Ludwig Andreas ist Philosoph. — 
1 Seine Anhänger: Steffens, Oken, Fr. v. Baader, Windischmann, H. '• 
Schubert, Schelvers, Nasse, Kieser u. v. A. Ueber ihn und seine Philo- 
sophie Fbal'bmstädt 4842, Paulus 4843, Alxi. Schmidt 4843, Bosi* 
kbahz 4843, Michblet 4843, Salat 4837. Seine Schriften gibt Com 
heraus, 4856 fg. — 9 Sämmtliche Werke seit 4835: zur Theologie, Pre- 
digten und cur Philosophie. Zabel, Literarischer Nachlas« Bchleiermachtt't, 
4835. — 4 Sein Leben von K. Rosenkranz 4844; Werke 4832—41 
H. Leo gegen die Junghegelianer, Hegelinge, ebenso Schelling, Wbiso, 
der jüngere Fichte, Trerdblekbubo, Exner, Ott, Hegel et la philoflo- 
phie allemande, 4844. — 6 Ueber sein Leben Hartenstein und Voigdt. 
Stbömpbll, Die Pädagogik der Philosophen Kant, Fichte, Herbart, 4843- 

§. 498. Pädagogen: Pestalozzi, 4746—1827 (zu Yver- 
dun) 1 . Niemeyer, 1754 — 4828 2 . Schwarz, 4766 — 1836. 
Dinter, 4760—4831 8 . K. v. Raumer: ,Geschichte der Päd* 



Einunddreissigstes Capitel. Deutschland. 307 

gogik 4 . — Kauzelberedtsamkeit: Bernhard, 4753 — 4812, 
v. AmmoQ, 4766 — 4851, Schleiermacher, Dräseke, 4774 — ■• 
4849. — Mythologie des Alterthums: Wagner, Görres, 
Creuzer, Voss, Lobeck. — Aesthetik und. Kritik, Liter 
ratur- und Kunststudium; W.V.Humboldt, 4767— 4835 4 , 
A. W. v. Schlegel, 4767—4845, F. v. Schlegel, .4772—4829, 

F. A. Wolf, 4757 — 4824, Solger, 4780 — 4849, Tieck, 4773 
— 4853, Gries, 4775 — 4842, Achim v. Arnim, 4784—4834, 
Brentano, 4777—4842, Görres, F. H.v.d. Hagen, 4780— 4856. 
Forster (Uebersetzung der ,Sakuntala 4 , 4794). Ad. Müller, 
4779—4829. Bottiger, 4760—4835. Hirt, 4759—4837. Stieg- 
litz, 4756— 4836. Wackenroder, 4772—98. Literaturgeschichte 
von Eichhorn, Wachler, Bouterwek (4766 — 4828). — Die 
neuere Musik Weber's, f 4826, und Beethovens, f 4827. 

1 Ueber ihn Biber 4 827 , Bloohmann 4 846 , Christoffbi. 4 846. — 
2 Ueber ihn Jacobs und Grüber 4834. — 3 Sein Lebon von ihm selbst, 
4829; 3. A., 4830. — 4 Sein Leben von Ewald und Haym, 4856. 

§. 499. Romanliteratur. Philosophischer und humo- 
ristischer Roman: von Klinger und Jacobi. Deutschlands 
grosster Humorist ist J. P. F. Richter (gewöhnlich Jean 
Paul) aus Wunsiedel (81. März 4763 bis 44. Nov. 4825); 
,Hesperus 4 , 4795; ,Titan 4 , 4800 — 3; ,Levana, oder Erzie- 
hungslehreS 4 807, u. A. K Wagner, 4 768— 4 84 2. v. Bentzel- 
Sternau , 4 767 4 849. F. de la Motte Fouque , 4777—4 843. 
Seume's (4763 — 4840) Spaziergang nach Syrakus 4 . 

1 Sämmtliche Werke, 60 Bde., 4826 — 2£. Biographie von Spazier, 
4833, 5 Bde. 

§. 500. L. Tieck (über ihn J. L. Hoflmann 4856 und 
Kopke 4855) und die Romantiker 1 . Tieck's ,Peter 
Lebrecht's Volksmärchen*, 4797 (, Blaubart 6 , ,Der gestie- 
felte Kater 4 u. s. w.), Uebersetzung des ,Don Quixote 4 , 
Dramen (,Genoveva 4 , ,Octavian 4 , ,Fortunatus 4 , 4849), No- 
vellen seit 4821. Novalis (F. v. Hardenberg), 4772 — 4804. 
Schelling , die beiden Schlegel. Trinius , 4 773 — 4849. 

G. Ph. Schmidt, 4766—4849. Jos. v. Eichendorff, 4 788. 
Luise Brachmann, 4777 — 4822. Helmine von Chezy, 4783. 
Im Anschluss an Schiller: Mahlmann, 4774—4826, und 
Jens Baggesen, 4764 — 4826 (Däne). Für die antike Ode: 
Hölderlin, 4770—4843. — Didaktik er: Neubeck, 4765— 
4827 (,Die Gesundbrunnen 4 , 4734), Krummacher, 4768—4845 
(,Parabeln 4 , 4805;. ,Paramythien 4 , 4809). Epigrammatiker: 
Haug, 4764—4829. — Idyllisches Epos von Amalie v. Hell- 



906 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

vig, 1776 — 4831 (, Schwestern von Lesbos 4 ), und Baggesen 
*(,Parthenais, oder die Alpenreise 4 ). — Drama: Z. Werner 
aus Königsberg in Preussen (4768 — 4823): ,Söhne des 
Thals 4 , 1803; ,Martin Luther, oder die Weihe der Kraft 4 , 
4807 (über ihn Schutz 4854). Apel, 4774—4846. v. Collin, 
4772—184 4. H. v. Kleist, 4776—484 4 (,Käthchen von Heil- 
bronn, oder die Feuerprobe 4 , 4840). Oehlenschlager, 4779 — 
4*50 (Dane). 

1 Joliah Schmidt, Gesch. d. deutsch. Nationallit. im 49. Jahrb., $ Bde., 
4853. Gottschall, Gesch. d. deutsch. Nationallit. in der ersten Hälfte 
des 49. Jahrb., 4855. 

§. 504. Historische Forschung, Politik des Tages, vater- 
ländischer Sinn in den Jahren der Fremdherrschaft 4803 — 43. 
Moser. F. v. Gentz, 4764 — 4832. Rehberg, 4757 — 4836. 
Fichte (,Reden an die deutsche Nation 4 , 4 808). Arndt's ( 4 769) 
,Geist der Zeit 4 , 4806—48. Jahn's ,Deutsches Volksthum 4 , 
4809 (über ihn Prohle 4856). Sammlungen zur Zeitge- 
schichte von v. Archenholz, Fosselt, 4763 — 4804 (Redacteur 
von Cotta's ,Allgemeiner Zeitung 4 , 4799 fg.). Allgemeine Ge- 
schichte von Heeren, 4760 — 4842. Bredow, 4773—4844. 
Eichhornes (4784) ,Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte 4 , 
4 808. Niebuhr's ( 4 777 — 4 834 ) ,Romische Geschichte'. Kruse, 
4753—4827 (Tabellen). Politz. Becker. Woltmann, 4770 — 
4847. Wilken's (4777— 1844), ,Geschichte der Kreuzzüge 4 , 
4807 — 32. Manso's ,Sparta 4 , 4800. — Geographen: 
K. Ritter, 4779 (, Erdkunde im Verhältniss zur Natur und 
Geschichte des Menschen 4 , 4847; neue Bearbeitung 4822fg.), 
Stein, Guts Muths. Wissenschaftliche Reisen Alx. v. Hum- 
boldts in Amerika 4799 — 4804; Lichtenstein's im südlichen 
Afrika 4803—6, u. s. w. 

3. Die Freiheitszeiten seit 4 84 3. 

Die Romantik im Kampfe mit der Kritik. Universalismus in 

Poesie und Wissenschaft. 

§. 502. Der Befreiungskrieg und die patriotische 
Erhebung. Stiftung der Universität zu Bonn 4848. Die 
Sanger: Thdr. Körner, 4794—4843 (f im Gefechte bei 
Gadebusch): JLeier und Schwert 4 , 484 4; ,Das Volk steht auf, 
der Sturm bricht los 4 u. s. w. Arndt (,Was ist des Deut- 
schen Vaterland? 4 ). Wetzel, 4 779 — 484 9. F. ßuckert, 4 789 
(^Geharnischte Sonette 4 , Spottlieder und Hymnen). Fouque's 



Einunddreissigstes CapHeL- Deutschland. 309 

Kriegslieder. Max v. Schenkendorf, 1784 — 4817. F. A. 
v. Stägemann, 1763 — 1840. Die Brüder Stolberg. Plug- 
schriften, Reden an die Nation (politische und politisch- 
religiöse Beredtsamkeit) : Dräseke, Schuderoff, Hanstein, 
£. Zimmermann. 

§. 503. Die Lyrik (episch-lyrisch). Orientalismus 
und Didaktik. Eberhard, 1769—1845 (,Hannchen und die 
Küchlein 4 u. A. ). E. Schulze , 1 789 — 1 8 1 7 ( ,Cäcilie 4 , 4814; 
,Die bezauberte Rose 4 , 1816; seine Biographie von Bouterwek 
4819 und Hm. Marggraff 4855). Simrock, 4802 (Bearbei- 
tung altdeutscher Epen; eigene: , Wieland der Schmied 4 , 4835, 
, Amelungenlied 4 , 4843). — Romanzen und Balladen: die 
Dichter Schwabens: Uhland, 4787, Schwab, 4792 — 4850, 
Kerner, 4786, Mayer, 4786, Morike, 4804, Zimmermann, 4807. 
Aus dem Elsass die Brüder Stober (August 4808, Adolf 
4840). — Volksmässige Lyrik: W. Müller, 4794 — 4827 
(, Griechenlieder 4 , 4822 — 25; seine Biographie von Schwab 
4830), Hoflimann v. Fallersleben, 4798, Wackernagel, 4806, 
Reinick aus Danzig, 4805 — 52, Kopisch, 4799 — 4853. — 
Sentimentale Lyrik: Heine, 1799 — 1856, Zedlitz, 4790, 
N. Lenau (N. Niembsch, Edler von Strehlenau, 4802 

— 50, seit 4844 im Wahnsinn), Anast. Grün (Ant. 
Alx. Graf v. Auersperg), 4806. — Orientalische Lyrik 
seit 4849: Rückert (auch Dramatiker), Graf v. Platen- 
Hallermünde, 4796 — 4835 (Oden, Festgesänge, die ,Abba- 
siden 4 in neun Gesängen, 4835), Adlb. v. Chamisso, 
4784 — 4838, Freiligrath, 4840, Geibel, 4845, Kinkel, Ro- 
quette, Bottger, Bbdenstedt, Redwitz. Herwegh. Hartmann 
(, Kelch und Schwert 4 ), -r Didaktik: Schefer, 4784 (,Laien- 
brevier 4 ), Fröhlich, 4796, Hey, 4 799, Pfizer, 4807. — Geist- 
liches Lied: Arndt, Garve, 4763— 4844, v. Albertini, 4769 

— 4834, Knapp, 4796, Theremin (, Abendstunden 4 , 4833), 
Spitta, 4804 u. A. 

§. 504. Dramatische Poesie (im Verfall): Uhland 
(, Ernst von Schwaben 4 , 4847; ,Ludwig der Baier 4 , 4849), 
Oehlenschläger's ,Correggio 4 , 4846, v. Houwaid's ,Bild 4 , 
4821. Schicksalstragödien Müllner's (4774—4829: ,Der 29. 
Februar 4 , ,Die Schuld 4 , 4845), Grillparzer's, 4790 (, Ahnfrau 4 , 
4847). Grabbe, 4804—26, v. Zedlitz, v. Eichendorff. Immer- 
mann, 4796 — 4840. Platen (,Die verhängnissvolle Gabel 4 , 
4826, gegen die Schicksalstragödien). J. v. Auffenberg^ 4798x 



310 Zweitet Buch. Ethnodoktologie. 

Mch. Beer, 4800 — 33. Raupach, 4784 — 1852 (Hohenstaufen- 
cyklus). (Lustspiel: Raupach, v.Elsholtz, Bauernfeld, Bene- 
dix (,Doctor Wespe', fetter 4 u. v. a.), Prinzessin Amalie Ton 
Sachsen. Mosen, 4803, Gutzkow, 1811, Hebbel, 484 3, Prutz, 
4816, Gottschall. 

§.505. Romane und Novellen: Hoffinann,,1776 — 1822, 
Scott in Uebersetzungen seit 1846, van der Velde, 4779— 
4824, Spindler, geb. 1795, f 45. Juli 4855 (,Jude c , Jesuit 4 ), 
Häring (pseudonym Wilibald Alexis), v. Rehfues, •(• 4842, 
Immermann (, Epigonen 4 , 4836 und 4854, ,Münchhausen c , 
4838). — Novellen von Tieck, Hauff, 4802—27, Jacobs, 
Zschokke, Steffens, Schefer, Stifter, Auerbach, 484 2. — 
Bearbeitungen von Volkssagen und Märchen durch die 
Bruder Grimm, Arndt u. A. 

Paldamcb, DenUche Dichter und Prosaisten von der Mitte des 45. Jahrb. 
bis auf untere Zeit, 4866. 

§. 506. Historische Wissenschaften: Mensel, v. Ga- 
gern, Luden, 4780 — 4847, F. v. Raumer, 1784, Stenzel, 4792 

— 4854, Voigt. Fr. Jacobs, Bockh, Otfr. Müller, Wachs- 
muth, Schlosser, Drumann. II. Leo, Schäfer, Lappenberg, 
Dahlmann, v. Hammer, Ranke. Varnhagen v. Ense, Droy- 
sen, Forster, Preuss, Pertz. Kunstgeschichte: Otfr. Müller, 
Kugler, Passavant, Waagen. Weisse (,System der Aesthetik^. 
Vischer (^Aesthetik, oder Wissenschaft des Schonen 1 ). Bear- 
beiter fremder Literaturerzeugnisse : des classischen Alterthums 
Donner und Droysen; des Orients v. Hammer, Bopp, Schack 
und Rückert; der modernen Literatur des europäischen Sü- 
dens und Westens Gries, v. Malsburg, 4786 — 4824, Streck- 
fuss, 4779 — 4844, Kannegiesser, König Johann von Sachsen, 
Kopisch, Gervinus seit 4848. Studium des Altdeutschen 
durch Jak. Grimm, Lachmann, Simrock, Gervinus, 4 805, u. v. A. 
Die Ausgaben der deutschen Classiker in Gotha, Hildburg- 
hausen und Neuyork und daselbst die Encyklopädie der 
neuern deutschen Classiker seit 48x7. Geschichte der Phi- 
losophie von H. Ritter, E. Reinhold, A. Brandis u. A. 
Kirchengeschichte von Neander, 4789 — 4850, Gieseler, 4792 

— 1854, Hase, 4800. 

§.507. Theologie: Bretschneider, 4776 — 4 8 48, De Wette, 
4780 — 4849, Marheineke, 4780— 4846, Tholuck, 1799, u. A. — 
Rechtswissenschaft: Jak. Grimm's ,Deutsche Rechts- 
alterthümer* (Weisthümer), 4828. Gans, 4798 — 4839. — 



Zweiunddreissigstes Capitel. Skandinavien. 311 

K. L. v. Haller's ,Restauration der Staats Wissenschaften 4 , 1846; 
Dahlmann, W. Schubert. 

Die parlamentarischen Koryphäen der Jahre 1848 und 1849, 
besonders in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. Laube, 
Biedermann: ^Erinnerungen aus der Paulskirche 4 , 1849. 
Bucher, ,Der Parlamentarismus 4 , 1855. 

Erzählungen aus dem Volke und für das Volk von Hofer, 
1852 — 54, Hartmann, 1853 — 54, Künstler, 1855, Trautmann, 
1855, Caspari, 1855, ,Allgemeine deutsche Volksbibliothek 4 
seit 1847; ,Volkslieder c von Erk, 1855. 



Zweiunddreissigstes Capitel. 

Skandinavien. 

§. 508. Zweitheilung dieses Sprachgebiets seit dem 14. 
Jahrh., in das altnordische oder norränische, auch islän- 
dische, und in das neunordische, woraus sich die dänische 
und schwedische Sprache entwickelt haben (oben §. 310). 

Verdienste um das Studium des skandinavischen Sprach- 
schatzes haben sich erworben Legis, Suhm, Thorlacius, 
Pinn Magnusen, Rask, Rafn, Nyerup, Werlauff, Molbech, 
Rahbeck, Liljengren, Schröder, Geijer, Afzelius, Gräter. 

Jak. Grimm, Deutsche Grammatik, 4822, und Geschichte der deut- 
schen Sprache, 4848- 

1. Isländische Literatur. 
§. 509. Island (norwegische Colonie seit 875 und Frei- 
staat bis 1261) ist die eigentliche Pflanzstätte für skandina- 
vische Sprache und Literatur 1 . Runenschrift bis 1057, als 
Bischof Isleif von Skalholt die lateinische Schrift einführte. 
Erhaltung des Volksthiimlichen auch nach der Unterwerfung 
unter' Norwegen (1261) bis auf die Gegenwart. 

i P. E. Müller, Sagabibliothek, 4846 — 48. Köppbn's literarische 
Einleitung in die nordische Mythologie. Ettmüller's Bericht über die 
altnordische Literatur in seiner deutschen Literaturgeschichte, S. 46 — 449* 
Boas' Nordlichter geben eine Skizze der neuem und neuesten skandinavi- 
schen Literatur. Dietrich, Altnordisches Lesebuch mit einer skandina- 
vischen Literaturgeschichte und Grammatik, 4843« 

§. 510. Die altnordische Dichtung ist vorwiegend episch 
und nimmt ihren Stoff aus der Mythologie und dem Helden- 
thum. Der Hauptversarten sind zwei. Die altere ist der 
Fornyrdhalag (Fornyrdhi ist Altrede, Lag ist Gesetz) und 
Liodahattr. Die jüngere, von den Skalden erfundene ist 



313 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

Drottquadi oder Drottmal (Alliteration). Doch zahlt man 
der Versarten, deren sich die Skalden (d. i. Sänger) be- 
dienten, 436. Den Endreim führte der Skalde Einar Sku- 
lason 4 450 ein. 

Rask, Die Verslehre der Islander; deutsch von Mohnike, 1830- 

§. 54 4. Zwei Hauptgattungen der Poesie: Volkspoesie 
(priesterliche Gesänge und Heldensagen) und Kunstdichtung 
(Skaldenlieder). 

Die Lieder der Gotter- und Heldensage bis zum 9. Jahrh. 
enthalt ein Sammelwerk, die ältere ,Edda c (Aeltermutter, 
ratio, scientia, sapientia) des Saemund Sigfusson Frode 
(t 4 433) 1 . 

Die mythologischen Gesänge dieser Edda behandeln 
entweder die ganze Asenlehre, wie die ,V61usp& c , d. h. Weis- 
sagung der Wala oder Seherin *, oder einzelne Göttermythen, 
wie das tragische Geschick Baldur's, die Thaten Thor's. 

Die Heldenlieder dieser Edda beschäftigen sich theils 
mit der Helgisage , theils mit dem Sagenkreis der Nibelungen 
Ton Sigurd oder Siegfried 3 , theils mit dem kunstreichen 
Schmied Volund (Wieland) 4 . 

Die jüngere ,Edda' des Snorri Sturluson (erschlagen 
4244), verfasst zur Unterweisung angehender Skalden, zer- 
fällt in drei Hauptabschnitte, deren erster zwei Sammlungen 
Ton Mythen, der zweite eine Skaldenpoetik, der dritte Regeln 
der Schreib- und Redekunst enthält*. 

Die kunstmässige Skaldenpoesie begann mit dem 
9. Jahrh., hatte im 40. Jahrh. ihre Blüte, verfiel mit dem 
Ende des 4 4. Jahrb., mit Einfuhrung des Christenthums, 
und erstarb im 43. Jahrh. Der älteste Skalde soll Bragi 
der Alte gewesen sein 6 . 

Christlich-geistliche Poesie von Eystein Asgrimsson 
in der Mitte des 44. Jahrh. 

Vom 4 4. — 46. Jahrh. ergeht sich die skandinavische 
Poesie in Volksliedern, deren älteste die sogenannten 
Kämpeviser (Kämpferweisen) sind 7 . 

1 Ausgabe mit Commentar und lateinischer Uehersetzung 4787 — 4828. 
Gebrüder Grimm, Lieder der altern Edda, 4845. Uehersetzung und Anmerk. 
von Studach 4829. Simrock, Die ältere und jüngere Edda nebst den 
mythischen Erzählungen der Skalda übersetzt und erläutert, 4854. — 
a Von Ettmöllbb 4830. — 9 Deutsch von v. d. Hagen 4844 und Ettmiiüer 
4837. — 4 Simbook, Heldenbuch , IV, 4 — 204. — 6 Von Röhs 4842, Rask 
4848. — 6 Ueber ihre Leistungen Ettm&lleb's Handbuch der deutschen 
Literaturgeschichte, S. 84—92. — 7 Ueber diese Poesie Abbahamsoic, 



Zwtiunddreiisigstes Capitel. Skandinavien. 313 

Nyerüp und Bahbbok 4843, Gbijbr und Afzblius 4844 — 46, Abvidson 
4834. W. Grimm, Altdänische Heldenlieder etc., 4844. Mohnikb, Volks- 
lieder der Schweden, 4830, und Altschwedische Balladen etc., 4836. Talyj 
(Frau Robinson, geh. von Jakob), Charakteristik der germanischen Volks- 
lieder, 4840, S. 454 — 340. 

§. 51 2. Die Prosa beginnt in Island zu Anfang des 
42. Jahrh. und beschäftigt sich mit der Geschichte Skandi- 
naviens, Islands, der Faröer- und Orkneyinseln und Grön- 
lands. Snorri Sturluson schrieb eine Geschichte der Konige 
von Norwegen, bis 4176 reichend, die nach den Anfangs- 
worten gewöhnlich ,Heimskringla c (Weltkreis) genannt wird l . 
Die Sagas: von den Wolsungen*, von König Lodbrok 
und seinen Söhnen, die ,Frithiofssaga c s . Lateinische Prosa 
des dänischen Priesters Saxo Grammaticus (f 4204) in seiner 
,Historiae Danicae lib. XVI C4 . 

1 Das Original in der Historia regum Norvegicorum etc. , 4 777 — 4 820. 
Uebersetzung mit Anmerk. von Wächter 4 835- fg. — * Deutsch von 
v. d. Hagen in seinen Nordischen Heldenromanen, 4825. — s Bearbeitet 
von Tegner. — * Ueber die isländische Historiographie Dahlmann und 
P. £. Müller. 

2. Dänische Literatur. 

§. 513. Die jetzige dänische Sprache hat sich durch 
Verschwisterung mit den germanischen und besonders der 
angelsächsischen Mundart selbständig ausgebildet und ist 
gegenwärtig die cultivirte Schrift- und Staatssprache der 
gesammten Bewohner der beiden Reiche Dänemark und 
Norwegen, während sich die schwedische Sprache etwas 
abweichend entwickelte, jedoch so, dass die Bewohner 
Skandinaviens ohne bedeutende Schwierigkeit sich gegen- 
seitig verstehen und verständigen können. Dänische Literar- 
historiker sind Nyerup und Rahbeck K Bibelübersetzungen 
4550 und 4647. Die erste dänische Sprachlehre von Erich 
Pontoppidan 4668, von Bloch 4848. Wörterbuch von 
Molbech 4833. 

1 Fürst, Briefe über die dänische Literatur, 4846. Einzelnes bei 
Steffens (Was ich erlebte) und Öhlenschläger (Meine Lebenserinne- 
rungen). Gf. v. Ghemen ist Schopfer der dänischen Presse, 4546. 

§. 514. Grossere dichterische Thätigkeit regte sich erst 
im 47. Jahrh. Begründer der Nationalliteratur wurde der 
als Lustspieldichter und Satiriker gleich ausgezeichnete 
Holberg, 4684 — 4754 *. Ewald (4743—84) ist Meister in 
der Lyrik und im Drama. Heiberg (4758) und Thaarup 
(4749 — 4824) sind Dramatiker. Baggesen (4764 — 4826) 
bildete die Prosa und schrieb Lieder, Episteln und komi- 



314 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

sehe Erzählungen. Oehlenschläger (1779 — 48 49), wie Bag- 
gesen auch deutscher Dichter, war Haupt der romantischen 
Schule in Dänemark und sehr verdient um Geschmacksbil- 
dung, trefflicher Lyriker und Dramatiker *. Ingemann, 4789. 
Grundtvig, 4783. Hauch, 4794. Andersen, 4805. Blicher. Boye. 

» Werke von Rahbeck, 4804— 44, in 24 Bdn. — * Charakteristik 
von Wolfsohn im Deutschen Museum, 4854, Heft 4* 

§. 545. In der Wissenschaft ausgezeichnet, als Medi- 
ciner und Physiologen: Bartholin, Borrich, Callisen; als 
Astronomen: Tycho de Brahe und Longomontan; als Mathe- 
matiker und Physiker: Olaf Romer; als Alterthumsforscher: 
Zoega, 4755 — 4809. Oersted's Theorie vom elektro- chemi- 
schen Magnetismus. Historische Quellensammler: Thorke- 
lin, Thorlacius, Werlauff, Müller, Magnussen, Rask, Rafh. 
Theologen: Grundtvig, Mynster, Munter, Hertz, Lindberg. 
Rechtsgelehrte : Oersted, Ussing. Naturforscher: Horne- 
mann, Oersted, Schouw. Astronom Schumacher. Philo- 
sophen: Treschow, Sibbern, Heilberg. Philologen: Rask, 
Magnussen, Petersen, Madvig, Bröndsted. Historiker: Baden. 
Geograph: Schouw. 

3. Schwedische Literatur. 

§. 516. Die schwedische Sprache zeichnet sich durch 
Kraft und Wohlklang vor der dänischen aus, von der sie 
sonst meist nur durch die Aussprache verschieden ist *. 
Die schwedische Schriftsprache beginnt mit der durch An- 
drea und die Brüder Petri besorgten Bibelübersetzung 4 526 
und 4544. Hohes Interesse der Regenten aus dem Hause 
Wasa und Oxenstierna's für Schwedens Cultur. Der ältere 
Olaf Rudbeck (f 4 704) ist Vater der schwedischen Dichtkunst 

1 Für schwedische Literaturgeschichte Hammarsköld (in der 2. Aufl. 
von Sonden), Stibbnhelm 4849, Mariaknb v. Ehrenström 4826, Wiesel- 
gren, Lenström, Atterbom 4843, Sturzenbecher 4850. Claäus über 
dramatische Poesie Schwedens in seinem Buch: Schweden sonst und jetzt, 
I, 252 — 344. Palmblad's Biographisches Lexikon denkwürdiger schwe- 
discher Männer. Bömbr's Geschichte der schwedischen Poesie, 4 853. 

§. 547. Als eigentlicher Reformator der schonen Lite- 
ratur Schwedens ist Dalin (4 708 — 63) zu betrachten, zu- 
gleich Historiker, wie Lagerbring, 4707 — 87. Lyriker und 
Satiriker KeDgren, 4754—95, Lyriker Bellman, 4745—95. 
Grosser in der Poesie Tegnir, 4782— 4846 *, in der Ge- 
schichte Hallenberg und Geijer. Der berühmte Botaniker 
Linne (4707—78) und der Chemiker Berzehua (.4779—4848) 



Zweiunddreissigstes Capitel. Skandinavien. 315 

sind Lehrer Europas. Mathematiker Celsius, f 4 744. Geologen 
und Botaniker: Wahlenberg, Fries, Agardh. Zoologe Nilsson. 
Physiker Rudberg. 

Der Aurorabund zu Upsala 1809 im Kampfe gegen die 
alte Schule. Der Gothenbund. Atterbom. Afzelius. Franz^n. 
Besköw. Fahlcrantz. Sjöberg. Nicander. Stagnelius. Crusen- 
stolpe. Frederike Bremer. Flygare- Carlen. 

1 Seine Dichtungen deutsch von Mohnike. Ueber ihn Lösch im Album 
des literarischen Vereins in Nürnberg) 4850, S. 24 — 76. 



Dritter Kreis. 

Slawische Literaturen. 

§. 518. Auch ihrer sind, wie der romanischen und ger- 
manischen, vorzugsweise vier, die böhmische, serbische, 
polnische und russische, obgleich zu den slawischen Stäm- 
men noch gehören: die Mähren, Kassuben, Donischen und 
sibirischen Kosacken, Russinen oder Ruthenen, Sorben, Wen- 
den, Slawonen, Slowenzen, Slowaken, Kroaten, Dalmaten, 
Bosniaken, Montenegriner, Bulgaren, die zwar alle eine Volks- 
poesie, aber keine Literatur besitzen. Ihr Name stammt von 
slowo, das Wort, oder slawa, der Ruhm; ihr Ländergebiet 
reicht von der Elbe und dem Böhmerwalde bis zur Wolga 
und zum Ural, vom Baltischen und Eismeer bis zum Mittel-, 
Schwarzen und Kaspischen Meere. 

Dobbowski, Institutionen linguae Slav., 4822 (2. A. 4852). Schaf arik, 
Ueber die Abkunft der Slawen, 4828, Slawische Alterthümer (deutsch 
von Wuttke), 4842, und Geschichte der slawischen Sprache und Literatur, 
4826. Talyj, Hist. view of the slavic. languages (deutsch von Olberg), 4834; 
neue Ausg. 4850 (deutsch von Brühl, .4852). Mickebwicz, Vorlesungen 
über slawische Literatur und Zustände (deutsch von Siegfried), 4843 — 45. 
Fb. Ladislaw Czelaskowbky, 4797 — 4852, Professor der slawischen Spra- 
chen in Breslau, dann in Prag: mehre böhmische und slawische Lehrbücher; 
Vergleichende Grammatik der slawischen Sprachen ; Slawische Sprichwörter 
und Volkslieder, 4822 — 27. Wenzig, Slawische Volkslieder, 4830. Kapper, 
Slawische Melodien , 4844 (oben §. 343). Miklosich, Vergleichende Gram- 
matik der slawischen Sprachen, Bd. 4*. Lautlehre, 4852. Bahn, Blüten 
slawischer Poesie in Uebersetzungen , seit 4855. 

§. 549. Die Verderbniss der Kirchensprache durch die 
Volksdialekte begann mit dem 13. Jahrh. Die Ostslawen 
haben Jahrhunderte lang keine Stammesliteratur, während 
die dem romischen Ritus ergebenen Westslawen schon im 
43. und 44. Jahrh. (Czechen) und im 16. Jahrh. (Polen) 
glänzende Literaturen aufzuweisen haben. Die Südslawen 
wurden durch kirchlichen Zwist getrennt; es entwickelte 



316 Zweites Buch. Elhnodoktoiogie. 

sich eine separate serbische Sprache und Literatur. Da- 
gegen war für die katholischen Südwestslawen durch ein 
Jahrhundert hin (4350 — 4 450) Ragusa der Centralpunkt 
aller literarischen Leistungen und das wahre slawische Athen. 
Hier zählte der Dominicaner P. Serafino Cerra (f 4 759) in seinen 
Unterlassenen Biographien berühmter Ragusaner 437 Namen 
auf. Darauf folgte Austilgung aller Spuren der Civilisation 
durch drei Jahrhunderte bis gegen Ende des 48. Jahrh. Doch 
jetzt ist Dalmatien reich an Gelehrten, Dichtern und Schrift- 
stellern. Magazin der Literatur des Auslandes, 4855, Nr. 84. 

L. Gaj 4835. Engel, Geschichte von Ragusa, 4807. 



Dreiunddreissigstes Capitel. 

Böhmen. 

§. 520. Die böhmische (czechische) Sprache wird auch 
in Mähren und mit unbedeutender Abweichung unter den 
Slowaken in Ungarn gesprochen. Sie wird jetzt mit latei- 
nischen, früher gewöhnlich mit deutschen Buchstaben ge- 
schrieben, deren Anzahl, wenn man die accentuirten Vöcale 
und punktirten Laute besonders auffuhrt, auf 43 heraus- 
kommt. Mit den classischen Sprachen hat sie das Vorwalten 
des Zeitmasses gegen das Tonmass gemein. Dagegen fehlt 
ihr eine eigene Form für das passive Zeitwort. Sie hat, 
wie die griechische Sprache, auch den Dual und, wie die 
polnische, auch den Localis und Instrumentalis oder Sociativ 
unter den Casus. Complicirte Grammatik. Orthographie von 
J. Huss zu Anfang des 15. Jahrh. 

Grammatiken von Negedly, Hanka, Jos. Dobbowski. Buriah, Aus- 
führliches Lehrbuch der böhm. Sprache für Deutsche, 4840* Konbczsy's 
Anleitung zur Erlernung der czechisch- slawischen Sprache, 4842. Wörter- 
bücher von Tranta-Schumowski 4843, Hahka, Jungmann 4834 — 39, 
Celaskowsky. Hnewkowsky, Ueber die böhmische Prosodie. Zu Nach- 
ahmungen antiker Versmasse eignet sich unter den europäischen Sprachen 
die böhmische am besten nächst der ungarischen. Schaf arik, Anfangs- 
gründe der böhmischen Dichtkunst, 4848. Wenzig, Blicke über das böh- 
mische Volk, seine Geschichte und Literatur mit einer reichen Auswahl 
von Literaturproben, 4855. 

§. 521. Die böhmische ist die älteste slawische Literatur 
und reicht bis ins 13. Jahrh. hinauf. In ihrer Reinheit er- 
hielt sie sich bis zu den Einwanderungen Deutscher nach 
Böhmen im 13. Jahrh«, wo sich viele lateinische und deutsche 
Wörter einschlichen. Fünf Perioden der Literatur. 



Dreiunddreis8ig8tes Capitel. Böhmen. 317 

Dobrowski, Geschichte der böhmischen Sprache und altern Literatur, 
4792 u. 4848. Derselbe, Slowanka 4844 fg. Jungmann, Geschichte der 
böhmischen Literatur, 4825. Ders., Böhmische Chrestomathie, 4830. 
Graf Thun, Ueber den gegenwärtigen Zustand der böhmischen Literatur 
und ihre Bedeutung, 4842. Wocbl, Böhmische Alterthumskunde , 4845. 
Schaf arik und Palacky , Die ältesten Denkmäler der böhmischen Sprache, 
4840. Biographien böhmischer Gelehrten von Pelzel. 

§. 522. Für das älteste Denkmal slawischer Volkspoesie 
und, mit Ausnahme der liturgischen Bücher, auch für das 
älteste Schriftdenkmal der Slawen gilt das Bruchstück eines 
czechischen Gedichts, das unter dem Namen ,Libussa's 
Gericht 41 bekannt ist, aus dem 9. oder 4 4. Jahrh. Die 
böhmische Poesie der frühern Zeit lernen wir durch die 
Königinhof er Handschrift kennen, eine Sammlung lyrischer 
und epischer Gedichte, die wahrscheinlich zwischen 4290 
und 4 310 gemacht wurde, deren Inhalt aber wol noch älter 
ist. Hanka entdeckte sie 4847 in dem Eirchthurme der 
böhmischen Stadt Königinhof und gab sie 4849 im Original 
heraus: ,Rukopis kralodworsky 4 2 , worin sich unter andern 
ein Gedicht findet, das den Kampf der Czechen gegen 
Ludwig (den Deutschen?) schildert. Eine Chronik in 
Versen von Dalimil, 1314. Schtitny, ,Lehrbuch für seine 
Kinder 4 , 4376. Smil von Pardubitz (43S4): ,Der Rath 
der Thiere 4 , eine Dichtung, in welcher nebst dem Löwen 
44 Thiere redend auftreten (deutsch von Jos. Wenzig 4855, 
der überhaupt thätig ist für Uebertragung böhmischer Poe- 
sien). Duba, 4402. Flaschka, 4403. Uebersetzungen. 

1 Deutsch von Hanka. — * Deutsch von Swoboda 4829. Ida von 
Döringsfeld, Böhmische Rosen (czechische Volkslieder), 4854. 

§. 523. Die Zeit zwischen 4409 — 4526. Einfluss Huss', 
Hynek Podiebrad's (Sohnes von König Georg Podiebrad) 
und der prager Universität. Ziska. Reiseberichte von 
Postupic 4464, Roszmital 4465, Kabatnik 4494, Lobkowicz 
4493. Politische Schriften von Ctibor v. Cimbury und 
Tobitschau (f 4494) und Corn. v. Wschehrd (f 4520) K 
Verlegung der Residenz aus Böhmen 4490. 

1 In der neuböhmischen Bibel 4842* Palacky, Scriptores rernm 
Bohemicarum , 4829, und Geschichte von Böhmen, Würdigung der alt- 
böhmischen Geschichtsschrift, 4830* 

§. 524. Goldene Zeit der böhmischen Literatur, 
4526—4620. Gunst Kaiser Rudolfs II. (4576— 4642). Blü- 
hendes Schulwesen. Prager Sternwarte (Tycho de Brahe, 
Kepler). Dichter: Streyc und Lomnicki v. Budecz; der 
pohlische Dichter Kochanowski. Beredtsamkeit. Briefstil: 



318 Zweite* Buch. Ethnodoktologie. 

K.y.Zerotin, 4594— 4 64 4. Historiker: Bartosch, 4544, Sixt 
v. Ottersdorf, f 4583, Blahoslaw, f 4574 , Ad. v. Weleslawin, 
f 4599, Brzezan (Anfang des 47. Jahrb.), Dacicky, 4540— 
4629, Hagek, f 4553. Die acht gelehrten Uebersetzer der 
Kralicer Bibel bei J. v. Zerotin, 4579 — 93. Hodiskow, 
f 4546. J. Aiigus ta, f 4572. Baworowski, 4560. Koldin, 
f 4 589. Beneschowski, 4 587. Ginterrod, f 4 609. Budowec 
y. Budowa, f 4624. Zamrski, f 4592. Zalanski, 4 620. 

§. 525. Mit dem Dreissigjährigen Kriege tiefes Herab- 
sinken in Barbarei, moralische Vernichtung der Nationalität 
Verbrennung der zwischen 4444 — 4635 verfassten Bücher. 
Slawata (+ 4652): Geschichte seiner Zeit. P. Skala v. Z'hor: 
Kirchengeschichte. Commenius (4592 — 4674), letzter Bi- 
schof der böhmischen Brüderunitat, letzter glänzender Stern 
der böhmischen Literatur, die zu den protestantischen Slo- 
waken Ungarns übersiedelt. Rosa's Versuche in böhmischen 
Hexametern. Die kaiserlichen Decrete vom 6. Dec. 4774 
und 4784 unterdrücken die böhmische Sprache und Literatur 
gänzlich. 

§. 526. Böhmens Regeneratoren: Pelzel, 4775, Kinski, 
4774, Prochazka, 4777—4804, Kramerius, seit 4783 (f 4808), 
Parizek, f 4 823, Dobrowski (4754—4 829) der grossie Sprach- 
forscher der Slawen. Lehrstuhl für böhmische Sprache auf 
der wiener Universität 4776. Seit 4848 wird die böhmische 
Sprache auch in den böhmischen Gymnasien erlernt und die 
in Böhmen anzustellenden Civilbeamten müssen der böhmi- 
schen Sprache mächtig sein. Wissenschaftliche Pflege der 
böhmischen Sprache und Literatur in dem 4822 zu Prag 
durch den Oberstburggrafen Kolowrat gegründeten böhmi- 
schen Nationalmuseum, mit vermehrten Fonds seit 4834. 

Dichter: Celaskowsky, 4799, Kollar (Sonette), 4793, 
Hanka, 4794, Stepnicka, 4785—4832, Kamaryt, 4797, Puch- 
mayer, seit 4795 (f 4820), der als Vater der neuern böh- 
mischen Dichtkunst gilt, Agnell Schneider, 4766 — 4835 
(Balladen), Rautenberg, f 4848, Jungmann (geb. 4773), seit 
4808, Ziegler, 4783, Palacky, 4798, Klicpera, 4792, Langer, 
4806, Machaczek, 4799 (die ,Freier c ), Stiepanek (4 783), 
Schopfer der neuen böhmischen Bühne, Tylc, 4808 (Novel- 
len), Zahradnik, 4790 — 4836 (Fabeln), Schafarik, 4 795. 

Philosophie und Mathematik: Marek, 4785, Palacky, 
Schafarik. Naturwissenschaften: Presl. Geschichte, Astro- 



Vierunddreissigstes Capitel. Serbien. 319 

nomie, Physik: Smetana, 1842. Geographie und Physik: 

Schadek, Sedlacek. Reisebeschreibungen: Tomicek, Pichl, 

Stur. Geschichte: Hybl, Pelzel, PaJacky. Uebersetzungen: 

Jungmann, Negedly, Schafarik, Hanka, Chmela, Krame- 

rius, f 1808, Marek, Wlcek (Homer's ,Hias c ). Zeitschriften 

(1843, in Prag 12). 

Wenzig, Blüten der neuböhmischen Poesie, 4833. Schere in seinem 
Bildersaal der Weltliteratur (S. 4423 — 30) hat Proben aus Wocel's Laby- 
rinth des Kahms und aus Jablonski's Salomo nach Wenzig' s handschrift- 
licher Uebersetzung mitgetheilt. 



Vierunddreissigstes Capitel. 

Serbien. 

§. 527. Die serbische Sprache bildet mit der kroatischen 
und windischen eine Hauptmundart des slawischen Sprachen- 
kreises, die illyrische, und ist mit der russischen näher 
verwandt als mit den andern slawischen Sprachen. Einfluss 
des Italienischen, Griechischen und Türkischen auf dieses 
Sprachidiom. Wuk Stephanowitsch Karadschitsch (geb. 1 787) 
nimmt drei Unterarten der serbischen Sprache an: das Herze- 
gowische in Bosnien und der Herzegowina, das Kazawische 
und das Syrmische in Syrmien und Slawonien. Die Serben 
haben das Cyrillische Alphabet, die Kroaten und Winden 

das lateinische. 

Grammatiken von Wujanowski 4773» Stephanowitsch 4844 (deutsch 
von Jak. Grimm 4824), von Dems. Wörterbuch, 4848. Lexicon Serbico- 
Germanicum, 4852* Schafarik, Serbische Lesekörner, oder historisch- 
kritische Beleuchtung der serbischen Mundart, 4833. 

§. 528. t)ie Serben, seit 650 in den Ländern zwischen 
Illyrien und dem Schwarzen Meere ausgebreitet, 1389 von 
den Türken unterjocht, haben in ihrer reinen, milden und 
volltönenden Sprache viele lyrische Lieder und epische 
Heldenballaden, von welchen die ältesten dem 13. Jahrh. 
angehören K Aelteste serbische Schriftsteller sind Konig 
Stephan, f 1228, und sein Bruder Erzbischof Sava, f 1237. 
Die Geschlechtsregister des Erzbischofs Daniel (Rodoslaw), 
1272 — 1336, das menschenfreundliche Gesetzbuch des Für- 
sten Duschan d. Gr. (1336—56) von 1359. G. Brankowitsch 
(1645 — 1711): ,Geschichte Serbiens vom Ursprünge des 
Volks bis auf Kaiser Leopold I. c (1657—1705). 

1 Knjioa, Serbische Volkslieder, 4823. Sübbotio, Einige Grundzüge 
aus der serbischen Literatur, 4860. Wuk Stbphano witsch Karadschitsch, 



320 ZweUei Buch. Btknodoktologie. 

Sammlung serbischer Lieder (Narodne srpske pjetme), 4823 fg. Den, 
Volksmärchen der Serben, 4855. Milutiho witsch, Volkslieder der montene- 
griner und herzegowiner Serben, 4837. Talvj, Volkslieder der Serbei 
(*. A.) 4835; neue Aufl. 4853. Gbbhaed, Wila, Serbische Volkslieder, 
4828. Rarki, Geschichte der serbischen Revolution, darin eine Charakte- 
ristik der serbischen Volkspoesie, S. 34 — 44. Kappir, Die Gesänge der 
Serben, 4852. Gobthe's treffliche Charakteristik der serbischen Lieder, 
Werke, XL VI, 306—323. 

§. 529. Eine neue Periode der serbischen Literatur be- 
ginnt mit dem Streben, das Kirchenslawische und die ser- 
bische Volkssprache zu scheiden. Raitsch, 4726 — 1804 
(, Geschichte der Slawen', 4792—95). Obradowitsch (1793 

— 4811) erhob die serbische Volkssprache zur Schrift- 
sprache und war Erzieher der Kinder G. Czerny's. Ihm 
folgten Dawidowitsch in seiner ^Geschichte Serbiens', 1814 

— 22, Stephanowitsch. Dichter und Literator Milutinowitsch 
(geb. 1791): ,Serbianka c , 1826. Erzbischof Muschicki von 
Karlowitz. 

Pesth und Neusatz sind Hauptsitze der angarisch -serbischen Literatur, 
Belgrad Sitz des politischen und geistigen Lebens der Serben. 

§. 530. Die junge illyrische Literatur begann im 
19. Jahrh. Dramatiker Demeter und Saktschinski (,Jurom 
und Sophia 4 ), Lyriker Wukatino witsch, 1838, Romandichter 
Casotti (^Milanko und Dobilla 6 ). Vraz und Korytko sind 
Sammler von Volksliedern. Catallinich, ^Geschichte von 
Dalmatien'. Swear, ,Allgemeine Geschichte von SLyrien c . 
Ljudewit Gaj, ,Illyrische Nationalzeitung 4 . 

Grammatiken von Babükic 4839, auch Ilirska slovnica, 4854« nnd 
Bbrlic 4854. 

§. 531. Ob die albanische Sprache eine indogerma- 
nische sei, beantwortet G. Stier mit Ja in der ^Monats- 
schrift 4 von Harms u. 8. w., 1854, Novemberheft. Dasselbe 
behauptet Fr. Bopp auf Grund des Materials, welches v. Hahn 
in seinen ,Albanesischen Studien 4 veröffentlichte. 



Fünfunddreissigstes Oapitel. 

Polen. 

§. 532. Die polnische Sprache hat den Instrumentalis 
und Localis mit der böhmischen gemein, und über die 
Wahl der Formen entscheidet hier, wie im Russischen, die 
Dauer der Handlung. Ausserdem sind ihr eigentümlich 
das gestrichene 1, das accentuirte n, der Gebrauch von y 
und i, das c in gewissen Stellungen und das gehakte e und o. 



Fünfunddreissigstes Capitel. Polen. 321 

Wortaccent. Vermischung mit deutschen Wörtern schon 
seit dem 14. Jahrh., Büchersprache seit dem 46. Jahrb., 
Zutritt franzosischer Worter im 18. Jahrh. Dialekte sind: 
der grosspolnische in Posen, der masurische in Masovien, 
der kleinpolnische und wohlklingendste in Gralizien, der 
lithauische (von Mickiewicz auch als Schriftsprache benutzt), 
der durch Germanismen entstellte preussische und schlesische. 

Kaulfuss, Ueber den Geist der polnischen Sprache, 4804« Kroli- 
kowski, Prozodya polska, 4824. Sprachlehren: von Kopczynski, -f- 4847, 
Mbomooyics, Vater, Bandtke, Mrozinski, Poplinski, Linde, Mucz- 
kowski 4845. Szreniawa, Wortstellungslehre der polnischen Sprache 
(deutsch 4842). Wörterbücher: -von Cnap, Trotz (polnisch -französisch- 
deutsch), Schwarz, Kondkatowitsch (polnisch-russisch), Linde, Bandtke, 
Mrongo vius (neueste Aufl. von Wtsomierski), Trojanski 4835 — 46, 
Liebkind (deutsch -polnisch) 4855. 

§. 533. Der Grundcharakter der polnischen Literatur 
wird als ein religiös christkatholischer und demokratischer 
bezeichnet. Die polnisch-lithauische Volkslyrik hält man 
für die zarteste der slawischen Stämme. Sechs Perioden 
der Literatur. 

Bentkowski, Historya literatury polskiej, 484 4* Ossolinski, Wia- 
domosci historyczno-krit. do dziej6w literatury polskiej, 4849 — 24. Münnioh, 
Geschichte der polnischen Literatur, 4823. Iusztnski, Dykczonarz poetöw 
polskich. Chodznickl, Dykczonarz uczonych polaköw, 4 833. Wiszniewski 
(Professor in Krakau), Historya literatury polskiej , 4840 — 46, ebenso 4 855, 
auch Sieminski und Ltszkowski. Die Gazeta Warszawska bringt jährlich 
Nachrichten über die polnische Literatur. 

§. 534. Die Anfänge der Literatur in Sprichwörtern, 
Volksliedern und Volkssagen reichen bis in die vorchrist- 
liche Zeit hinauf. Sammlungen derselben erst seit 1833 von 
Waclaw, Poll, Wojcieki. Der Krakowiak. Die religiöse 
Kriegshymne (,Boga rodzica') von dfem heiligen Woitjech 
(Adalbert) gehört wol erst dem 44. oder 15. Jahrh. an. 

§. 535. Seit dem 10. Jahrh. Christenthum und latei- 
nische Cultur, daher bis zum 16. Jahrh. nur lateinisch 
geschriebene Chroniken: Mt. Gallus (Kurek, 1110 — 35), 
Kadlubek, Boguphal, f 1253, Strz^bski oder Polonus, f *279 
(,Chronicon summorum pontificum et imperator. Rom. c ), 
Jan Dlugosz (genannt Longinus), 1415 — 80 (,Hist. Polon. 4 , 
lib. XIII), in Mizlew's Sammlung, 4761. Kasimir's III. 
Gesetzbuch von Wislica, 4347, und Universität zu Krakau. 
Jan Laski's Sammlung von Gesetzen. Studium der Mathe- 
matik: J. Glogoviensis, f 1507, Brudzewski (Lehrer des 
Kopernicus), f 1497. Psalterium der Königin Margarethe 
(von Borkowski 1834). 

Mkrlbker. ^L\ 



322 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 536. Das 16. Jahrhundert, die glorreiche Zeit der 
beiden ersten Sigismunde aus Jagello's Stamm, 4506 — 4632, 
wird das goldene Zeitalter der polnischen Literatur ge- 
nannt. Sigismund's I. Begünstigung der Lehrer der krakauor 
Akademie 1535, Stephan Bäthori's Akademie in Wilna 4580, 
Jan Zamojski's Akademie in Zamosc 4594. Aufnahme der 
Reformation. Lateinische Lyrik Sarbiewski's (4595 — 4640), 
des polnischen Horaz, und des Szymonowicz (Simonides, 
f 1629), des polnischen Pindar. N. Rej (4545 — 68) wird 
der Vater polnischer Dichtkunst. Die beiden Kochanowaki 
(besonders Jan, 4530 — 84). Die Nachahmer und Neben- 
buhler: Jan Rybinski, 4589, Skarzynski, f 4584, Miaskowski, 
4610, Grochowski, f 4642, Klonowicz (genannt Acernus), 
4554 — 4608. Kirchliche Gesänge und Bibelübersetzungen 
seit 4554 : Jan Leopolita, 4564, Jak. Wujek, 4540— 97, Skargi, 
f 4642. Chroniken von Marcin (f 4576) und Jo. Bielski, 
Stryikowski (genannt Osostowicz), 4547 — 82, Görnicki, 4535 
— 94, Paprocki, f 4644. Naturforscher Syrerins, 4590, Arzt 
Petrycy. 

§. 537. Jesuitenherrschaft und Verfall der Literatur 
zwischen 4624 — 4750. Wiedereinführung des Latein: Hosius 
in Braunsberg, 4566, Cromer, Erzbischof von Ermeland, 
f 1589, und Orzecho wski (, Annales Poloniae 4 ). ZamojskTs 
Wackerheit. Kochowski, 4683, Twardowski, f^^ö, Opa- 
linski, f 4 685. Viele Uebersetzungen. Historiker: Piasecki 
(Pasek: Denkschriften aus den Zeiten Johann Kasimir's, Mch. 
Korybut's und Johann's III., herausgegeben 4 836). WijukKo- 
jatowicz (f * 677) ist einer der besten Historiker jener Periode. 

§. 538. Bis in das 49, Jahrh. hinein franzosischer 
Einfluss (4750 — 4806). Bei fortdauernder und nur mit 
dem Untergange des Staats (4795) endender innerer, leiden- 
schaftlich gehässiger Zwietracht erwachte unter Stanislaus 
August (4764) Liebe zur Literatur und Kunst Mehre kennt- 
nissreiche Grosse (Zaluski, 4704 — 74, Rzewuski, 4705 — 79, 
Ad. Czartoryski, 4733 — 4823, die Potocki u. A.) Hessen sich 
Pflege und Ermunterung derselben angelegen sein. Vervoll- 
kommnung der Piaristenschulen durch Konarski (4700 — 73) 
aus Opposition gegen die Jesuiten, wobei ihn der erste pol- 
nische Grammatiker Kopczynski und die Historiker Piramo- 
wicz und der polnische Tacitus Ad. Naruszewicz (47513 — 96) 
unterstutzten. Eröffnung der warschauer Bibliothek 4745 



Fünfunddreissigstes Capitel. Polen. 323 

mit 200,000 (darunter 20,000 polnischen) Werken, die 1795 
nach Petersburg abgeführt wurden. Der Held der polni- 
schen Literatur jener Zelt ist Krasicki (4735 — 1801), Erz- 
bischof von Warschau. Dichter: Chrosienski, f 4737, Kar- 
pinski, 4745—4825, Trembecki, f 4842, Molski, 4754—4822, 
Gurski, der classische Volkssänger und Kampfgefährte 
Kosciuszko's, Julian Niemcewicz (geb. 4757 — 4844). 

§. 539. Polens Wiederherstellung und Knech- 
tung. Die Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften in 
Warschau, 4804 — 32, gestiftet durch Czacki, Dmöchowski 
und Albertrandy. Seit 4845 Kampf zwischen Romanticismüs 
und Classicismu8. Die Romantiker in Wilna unter der Fahne 
des Ad. Mickiewicz (4798 — 4855), des grössten slawischen 
Dichters 1 : Brodzinski, 4794 — 4835, Koznian, Krajewski* 
Tomaszewski, Zablocki, Odyniec, Goszczynski, Korsaku. A. 
An der Spitze der Classiker stand Osinski, f 4838. Ueber- 
Setzungen von Krasicki, Karpinski, Dmöchowski, f 4808, 
Przybylski, Libicki, Korytynski u. A. Geschichtschreiber: 
Niemcewicz, 4849, Kwiatowski, 4823, Ign. Potocki, 4750 — 
4840, Kolontay, 4752—4842, Dmöchowski, Stn. Potocki, 
4759 — 4824, Stascyk, f 4826, Ossolinski, 1746 — 4826, 
Oginski, Maciejowski, Bandtke, Raczynski, Plater, Jo. 
Lelewel, 4786 — 4850, Mochnacki. Historische Romane von 
Bronikowski. Philolog und Literarhistoriker Grodeck. 

1 Seine Balladen , Romanzen und Sonette deutsch von K. v. Blankensee 
4836. In dramatischer Form: Dziady, oder die Todtenfeier. Drei Epen: 
Kr. v. Wallenrod (deutsch von Kannegiesser), Grazyna (deutsch von 
Nabielak nnd Werner), Pan Tadeusz (deutsch von Spazier 4834). 

§. 540. Das auswärtige Polen in Lithauen, Podolien, 
in der Ukraine (Zaleski, Malczewski, Goszczynski, Padura, 
Grabowski, Czajkowski), in Krakau (Wiszuiewski, Tro- 
janski, Muczkowski), in Posen (Raczynski), in Frankreich 
(seit 4835 polnische Druckerei und Buchhandlung durch 
Alx. Jelowicki und Eust. Januszkiewicz), in England (lite- 
rarischer Verein der Freunde Polens in London). Samm- 
lung altnationaler Poesien durch Maciejowski, Wbycicki, 
Bandtke, Kucharski. . ' x 

In dem eigentlichen Polen Hemmung jeder Regung für 
Literatur und Wissenschaft, die Schulen seit 4833 in russi- 
scher Einrichtung, die Kenntniss der russischen Sprache 
seit 4 837 Bedingung zum Eintritt in den Staatsdienst. 
Fernhaltung der Schriften der Emigranten. 



324 Zweites Buch. Etknodoktologie. 

Uebersicht der Literaturzweige. 

§. 541. Poesie. 

4. Epos und epische Gedichte: Tomaszewski, Krasicki, 
Woronicz, Mickiewicz, Malczewski. 

9. Poetische Erzählung: Slowacki, Malczewski, Fredro. 

3. Romane: Niemcewicz, Mar. Czartoryska, Skarbek, 
Gaschynski, Bernatowicz, Slowacki, Kraszewski, Massalski, 
Grabowski, Czajkowski, Bennato wskL — Novellen von Sie- 
mianski und Kraszewski (über ihn J. N. Fritz). — Sagen 
gesammelt von Grabowski und Woycicki. 

4. Lyriker: Rej, Kochanowski, Rybinski, Szarzynski, 
f 4584, Miaskowski, Grochowski, f 4649, Szymonowicz 
(genannt Simonides), f 4629, geistliche Lieder von Arto- 
mius im 46. Jahrh. gesammelt Trembecki (f 4842) ist 
Schopfer einer neuen poetischen Sprache. Karpinski, Gurski, 
Niemcewicz, Mickiewicz, Kniaznin, W^gierski, Godebski, 
Starzynski, Morawski, Tymowski, Slowacki, Chodzko, 
Brudzinski, Odyniec, Korsak, Zaleski, Malczewski, Gosz- 
czynski, Padura (in rusniakischer Sprache der ukrainischen 
Kosaken), Grabowski, Pol und Kondratowicz (pseudonym 
Wladislaw Syrokomla). 

5. Romanzen und Balladen: Niemcewicz, Farys, Mickie- 
wicz. — IdyDen: Szymonowicz, Gurski, Brodzynski. 

6. Didaktik: Krasicki, Niemcewicz, Morawski, Gorecki, 
Kochanowski, Klonowicz (Acernus), Tomaszewski, Trem- 
becki, Wezyk. 

7. Drama: Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu 
im 4 5. Jahrh. Wiszniewski's , Wunderbare Hochzeit c . Latei- 
nische Dramen, Fastnachtsspiele. Kochanowski. Seit 4661 
französische Dramen und italienische Opern. Konarski wird 
Vater des polnischen (nationalen) Dramas genannt. Ursula 
Radziwill wählte die Engländer als Muster. Bohomelec, 
Rzewuski, Czartoryski, Zablocki, Krasicki, Wybicki, Bogus- 
lawski, Osinski, Jasinski, Felinski, Wezyk, Mickiewicz, 
Slowacki, Krasinski, Fredro, Tomaszewski, Godebski u. A. 

§. 542. Prosa. 

4. Unter allen Fächern der Wissenschaften haben sich 
die Polen am meisten mit den historischen beschäftigt, 
und zwar vorzuglich mit der Geschichte ihres Volkes und 
der stammverwandten Volker. Die lateinischen Chronisten 



Sechsunddretssigstes Capitel. Russland. 325 

(Gallus, Longinus, Boguphalus u. A.) sind abgedruckt in 
Mizlew's ,Sammlung 4 , 4761. In polnischer Sprache schrieben 
J. Bielski, Gornicki, Stryikowski, Naruscewicz, Niemcewicz, 
Wiszniewski, Grabowski, Bandtke, Lelewel, Maciejowski, 
Zagota- Pauli, Kucharski, Raczynski, Lukaszewicz, Lubie- 
niecki, Wegierski, Mochnacki, Gnorowski. Biographien 
von Zaluski, f 4774, BaJinski, Jelowicki. Kolontaj, f 4842, 
kritische Untersuchungen über die Grundsätze der Geschichte 
des Menschengeschlechts. Literargeschichte von Starowolski, 
Kojalowicz, Wiszniewski, Muczkowski. 

2. Philologen: Wannowski, Groddek, Mecherzynski, 
Kopczynski, Trojanski, Poplinski, Muczkowski. 

3. Redner: Potocki, Skarga, Siaczynski, Blachowicz, 
Woronicz. 

4. Jn der Philosophie Unselbständigkeit: Szaniewski ist 
Kantianer, Gulochowski Schellingianer, Cieszkowski und 
Trentowski sind Hegelianer. Jankowski's Logik, 4822. 

Sammelwerke, Conversationslexikon, Taschenbücher, Zeit- 
schriften u. 8. w. 

§. 543. Waclaw, ,Galizische Volkslieder 4 , 4833. Grün, 
,Volkslieder aus Krain c , 4850. 



Sechsunddreissigstes Gapitel. 

Sussland. 

§. 544. Das russische Alphabet besteht aus 36 Zeichen. 
Darunter sind 43 Vocale, 2 Halbvocale (eigentlich diakri- 
tische Zeichen) und 24 Consonanten. Alle Buchstaben werden 
in harte und weiche eingetheilt. Diphthonge werden aus allen 
Vocalen durch Ansetzung von i gebildet. Die Lehre vom 
Accent ist sehr schwierig. Die Consonanten werden stark 
und bestimmt, die Vocale scharf und kurz gesprochen. 
Reinster Dialekt um Moskau, abweichend der susdalsche 
im Gouvernement Wladimir und der olonezkische mit finni- 
scher Beimischung. Einfachheit und Natürlichkeit dieser 
Sprache, obwol Zumischung mongolischer, polnischer, 
deutscher, franzosischer und holländischer Sprachelemente. 
Mangel aller Hülfsverba. Etymologischer Reiehthum. Ob- 
gleich sie erst seit Peter d. Gr. Schriftsprache wurde, er- 
reichte sie doch schon früh einen hohen Grad der Aus- 
bildimg, daher auch der überraschende Formen- und Wort- 



326 Zweites Buch. Ethnodöklologie. 

reichthum und die hohe Bedeutung, welche das Volkslied 
hier gewonnen hat. Drei Literaturperioden. 

Sprachlehren: älteste von Ludoli» 4696, Lomonossow 4755, Koddb 
4773, Hagen 4790, der petersburger Akademie 4804, Heym 4804» Vatm 
4808 u. 4844, Tappe 4810 u. 4827, Pcchmayeb 4820, Grbtsch 4823 n. 
4834, Oldbkop 4843. Nikolitsch, Rassische Syntax mit der deutsch«» 
rerglichen, 4853. Wörterbücher: von Woltbobkow 4755 — 78, Höltm- 
hof 4778, das nach dem Wörterbuch der französ. Akademie gearbeitete 
4780 — 86, Nobdstbdl 4780 — 84, Roddb 4784, der Petersburger Aka- 
demie 4789 — 98, neue Aufl. von Sohiiobkow 4806 — 22, danach dai 
russisch-franzosisch-deutsche 4799 — 4802, Oldbkop 4824, Rbiff (rnssisch- 
etymologisch) 4835. * 

§. 545. Erst um die Mitte des 9. Jahrh. wurde durch 
Einfuhrung des Cyrillischen Alphabets die Schrift bekannt, 
die ähnlich den griechischen Uncialbuchstaben ist. Das 
Altslawische des Cyrill'schen Sprachzweiges (oben 
§. 313) ist in biblischen Schriften erhalten: im ostromir- 
schen * und rheimser 2 Evangelium, in der Inschrift von 
Tmutorokan vom Jahre 4068, in den ältesten Sborniks 3 , 
in dem Mstislaw'schen Evangelium von 4 425 (in Moskau), 
in der Dotationsurkunde des nowgoroder Juriklosters von 
4130, in dem Evangelium der Synodalbibliothek in Moskau 
von 4 4 43, in mehren alten Inschriften und Tractateh 4 , in 
Volksliedern 6 und in drei vollständigen Bibelbandschriften « 
Doch blieben alle diese Schriften dem Volke durchaus fremd. 
Nach CyrilTs Tode sind Kirchenscribenten : die Bischöfe 
Jan Clemens und Konstantin, der Geistliche Gregor und 
der Mönch Doksow oder Duksow zwischen 892 — 927. 
Vater der russischen Geschichte ist Nestor, 4056 — 4 4 44 7 . 
Befreiung von der Mongolenherrschaft durch Iwan I., 4477; 
durch Iwan II. (1533 — 84) Schulen, erste Druckerei in 
Moskau 4564; durch Alexei Michailowitsch und seinen 
Minister Matwiejew 4644 Sammlung russischer Gesetze, 
Akademie zu Moskau. Makarius, f 4564. Zizania's Sla- 
wische Grammatik 4 , 4596. 

1 Dieses Evangelium ist von einem Diakon Gregor für den nowgoroder 
Posadnik Ostromir 4 056 auf Pergament geschrieben und in der petersburger 
Bibliothek aufbewahrt. — 2 Das Evangelium zu Kheims in Frankreich 
besteht aus zwei Theilen, einem glagolitischen (Kopitar, Glagolita- 
Clozianus etc., 4836; Dobrowski, Glagolitica, 4807 u. 4845) von' 4395 
und einem Cyrill'schen, vom heil. Prokop (f 4053) mit eigener Hand 
geschrieben (Stlvbstre. Strojew. Jastrebski). — 3 Sbornik ist eine 
Sammlung kirchlicher Schriften, in Moskau von 4073, in Petersburg von 
4076. — 4 Der rigaer und nowgoroder Vertrag von 4229. Die Tractate 
der Fürsten Oleg und Igor mit den Griechen, 942 n. 945? Aus Jaros- 
law's Zeit (um 4020), der in Nowgorod eine Lehranstalt gründete , stammt 
die Prawda ruskaja (oder von 4280?), herausgegeben von Schlözbr 4767 



Sechsunddr einigstes Capitel. Russland. 327 

und Rako wiecki 4 820. — 5 Fürst Wladimir , der Stifter des russischen 
Reichs, steht ähnlich dem frankischen Karl und englischen Arthur. Er 
und seine Tafelrunde von Rumjanzow 4819. Igor's Zug gegen die Polow- 
zer (4200), 4795 dnroh den Grafen Muss in -Puschkin entdeckt und 480(X 
veröffentlicht, deutsch von Sederholm, Hanka48%i> Wolf söhn, ßotaH854, 
neu-russisch von A. Weltmann. Sammlungen in Ostologow's Wörterbuch 
der alten und neuen Dichtkunst, 4844. Auch die Märchen sind Sagen mit 
histor. Hintergrunde. Sammlungen derselben in Petersburg 4 832 n. 1 833 durch 
den Pseudonymen Eosacken Wlad. Luganski (Dahl). — 6 Die Genadini- 
sche von 4499, eine zweite von 4588, eine dritte ohne Jahreszahl. — 
7 Seine Chronik reicht von 862 — 4140; deutsch von Schlözer 4 802. Simon's 
des Heiligen (f 4226) Jahrbücher. Cyprian's (f 4406) Stufenbuch. Sophien- 
chronik von 862 — 4 534. Kaladjowitsch Panjatnicki , Denkmäler der russi- 
schen Literatur, 4824. Storch und Adeluno, Systematische Uebersicht 
der Literatur in Russland, 4804 — 5. Gretsch, Handbuch der russischen 
Literatur, 4824. Otto, Lehrbuch der russischen Literatur, 4837- König, 
Literarische Bilder ans Russland, 4838 (von dem Russen Melgunow ent- 
worfen). Jobdan, Geschichte der russischen Literatur nach russischen 
Quellen, 4846. Uebersicht der Entwickelung der russischen Literatur in 
den Blättern zur Kunde der Literatur des Auslandes , 4 839 , von Schewirew, 
ebenso in der Deutschen Monatsschrift, 4854, Januar bis Mai, von Alx. 
Herzen (?). Von der Boro, Poetische Erzeugnisse der Russen , 4820 — 23. 
Von Götze, Stimmen des russischen Volks in Liedern, 4828. Wolfsohn 
(Maien), Die schönwissenschaftl. Literatur der Russen, eine Anthologie etc., 
4 843 fg. Tschülkow, Russische Liedersammlung, 4788. Maximo witsch, Klein- 
russische Volkslieder. Sacharow, Russische Volkslieder, 4 838. Bodenstedt, 
Die poetische Ukraine, kleinrussische Volkslieder, 4845. Wjasemski, Das 
Leben Wisin's (Schilderung der Literatnrperiode unter Katharina IL). Efoenii, 
Lexikon der russischen Schriftsteller weltlichen Standes , herausgegeben und 
vervollständigt von Sujaoirew. Polewoi , Skizzen über russische Literatur. 

§. 546. Nach den Reformbestrebungeii des Patriarchen 
Nikon seit 1654 * erhob Peter d. Gr. die russische Sprache 
mit Anfang des 48. Jahrh. zur allgemeinen Geschäfts- und 
Schriftsprache und liess Uebersetzungen anfertigen. Die 
russische Druckschrift seit 4704. Eröffnung der Akademie 
der Wissenschafben zu Petersburg 4725; Gymnasium da- 
selbst, seit 4762 Universität genannt Vollendung der Bibel- 
revision 1754. Arbeiten von Dobrowski, Kopitar, Wosto- 
kow und Schischkow. 

1 Daher die Sekte Raskolniki. 

§. 547. Die wahre Entwickelung russischer Cultur 
begann erst unter Elisabeth und Katharina IL Jene stiftete 
1755 die Universität zu Moskau und 4 758 die Akademie 
der Künste. Unter Katharina erhob sich 1 783 die Aka- 
demie der Wissenschaften durch Mitglieder wie Pallas, 
Gmelin, Guldens tedt, Rumowski. Die Akademie der Künste 
wurde erweitert, 4 772 das Bergwerksinstitut und 4783 die 
Akademie für Sprache und Geschichte gestiftet. Eindringen 
des Auslandes. Katharina's Vorliebe für das Drama. Alexan- 



328 Zweto* Bmtk. Elkm*do*-Ufi*. 

der's Enthusiasmus für die Aufklärung seines Volke«: 7 Uni- 
versitäten, 4 theologische Akademien, 36 Seminarien, Gos- 
vernements- und Kreisschulen, gelehrte Vereine. Die Mini- 
ster Rumjanzow und Tolstoi sind Geholfen des Kaiseis in 
Forderung der Aufklarung. Zwischen 4553 — 1823 snd 
13,249 Werke in slawischer und russischer Sprache in Bnav 
land gedruckt. Seit 4825 Selbständigkeit der russische! 
Literatur. Unterricht in der russischen Sprache auf Schalen 
und Universitäten auf Befehl des Kaisers Nikolaus, aber 
geringe Fortbildung der wissenschaftlichen Sprache. Arbeiten 
von Puschkin, Lermontow, Baratynski, f 4844, Benediktow, 
Ustrialow, Mersljakow, Gretsch, Schawirew, Maximowit&ch, 
Fürst Wjasemski u. A. Alexanders IL Humanität und Sorge 
für geistige Hebung seines Volks. 

Uebersicht der Literaturfacher. 

§. 548. Die neuere russische poetische Literatur 
beginnt mit dem Naturdichter und Kosacken Klimowaki, 4 725. 
Der französirend conventionellen Dichtkunst bahnte der aus 
der Moldau stammende Fürst Kantemir (4708 — 44) durch 
seine Satiren den Weg nach Russland. Seine Prosodie war 
gebildet nach Smotriski, 4619, und Trediakowsky, #703 — 69. 
Spätere Metriker sind Rizski, 484 4, und Wostokow, 4841 
und 4847. Gnäditsch führte durch seine Uebersetzung des 
Homer den Hexameter ein. 

4. Epos: Cheraskow (,Rossiade ( ), Russlands Homer, 
Lomonossow, 474 4 — 65, Der schawin, 4743 — 4846, Petrow, 
Poleschejew. Satirisches Epos (,Die gesäuberten Pelze 4 ) 
vom Fürsten Schachowskoi. Nationalepos von Puschkin, 
Baron Rosen, 4830, Sokolowski, 4832. 

2. Lyriker: Lomonossow, Cheraskow, Bobrow, Petrow 
(auf Katharina' s Siege), Sumarakow, Derschawin, Kap- 
nist, f 1813, Dmitriew, Glinka, Maledinski-Meletzki, Bat- 
juschkow (Gründer der neuen Kunstschule), Karamsin, 
Shukowskij, Koslow, Puschkin, Delwig, f 4834, Polescha- 
jew, Jasykow, Wjasemski, Baratynski, Podolinski, Bene- 
diktow, Climosejew, Jakuböwitsch. Naturdichter sind die 
Bauern Siepuschkin, Suchanow, Alipanow, Kolzow. Gedicht- 
sammlungen heissen Stichotworenja. 

3. Elegie: Sumarakow, Batjuschkow, Baläjuschkow, 
Baratynski, Shukowskij. 



Sechsunddreissigstes Capitel. Russland. 329 

4. Satire: Kantemir, Wizin, Wjasemski, Marin, Mila- 
now, 1792—1821. 

5. Episteln: Kantemir, Sumarakow, Cheraskow,Dolgoruki, 
1764 — 1 823. Lehrgedicht : Lomonossow, Cheraskow, Wojaj- 
kow. Fabel: Lomonossow, Sumarakow, Dmitriew, Krylow. 

6. Romantische Poesie: Balladen von Shukowskij und 
Murawiew, ,Duschenka c von Bogdano witsch, 1743 — 1803. 
Romanzen von Maledinski-Meletzki. Idyllen von Gnäditsch, 
f 1833. Poetische Erzählung: Puschkin, Rosen, Radiwa- 
nowski, Bathurin, Podolinski. Roman: Bulgarin, Bestu- 
schew, Karamsin, Shukowskij, Benizki, Glinka, Gretsch, 
Puschkin, Koslow, Orlow, Schischkow, A. Weltmann, Mar- 
koW. Skizzen: Sagoskin, Wlad. Woit, 1844. 

7. Das Drama war noch im 17. Jahrh. auf geistliche 
Stoffe beschränkt, deren Polozki (f 1680) mehre für den 
Hof in Moskau und Tuptalo (f 1 709) für das Studententheater 
in Kiew bearbeiteten. Ein italienisches Hoftheater entstand 
1730, ein deutsches 1738. Die russische Nationalbühne be- 
gründete Wolkow (f 1763) in Jaroslaw 1746. Sie wurde 
1752 nach Petersburg verpflanzt. Nachdem die Kaiserin 
Elisabeth 30. Aug. 1756 die Einrichtung russischer Theater 
verfugt hatte, wurde das zu Moskau von Wolkow 1759 er- 
öffnet. Dramatiker: Lomonossow, Sumarakow, 1718 — 77, 
Dmitrewski, 1736 — 1821, Maikow, 1728—78, Jelagin, Che- 
raskow, Bogdanowitsch, Kraylow (Krylow), Wizin, 1 745 — 92, 
Kniaznin, 1742—91, Oserow, 1770 — 1816, Schachowskoi 
(mehr als 50 Stücke aller Art). Die Oper kam 1764 durch 
Sumarakow auf das russische Theater. 

Bowrino, Specimens of the Russian poets, 4 824 • Dupre de St.-Maube, 
Anthologie rosse, 4823. Erster Almanach (Polarstern) von Bestuschew 
und Rclajew, 4823. Delwing, Nordische Blumen, 4825* Seit 4832 er- 
scheinen mehre Musenalmanache in Moskau. Petersburg, Charkow, von 
Rosen, Örtel und Glebow etc. 

§. 549. Die Prosa erhielt ihre Kunstgestalt von Lomo- 
nossow, Jelagin, Bogdanowitsch, Wizin, durch die Redner 
Lewanda, 1736—4814, und Plat. Lewschin, 4737 — 4842, 
und wurde vollendet durch Karamsin, 4765 — 1826. Grosser 
Reichthum an historischen und didaktischen Werken: 
Murawiew, 4 757— 4 807, Bentschkij, 4 780— 1 809, Schischkow, 
Uwarow, Bestuschew, Apostol, Bulgarin. Reisebeschrei- 
bungen von Krusenstern, Golownin, O.v.Kotzebue, Lasarew, 
Bellingshausen und Wasiljew, Wrangel, Rosen. Ustrialow, 



330 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

,Geschichte Rosslands 4 (deutsch 4840). Uebersetzungen seit 
Peter' s d. Gr. Förderung. Knorring, ^Russische Bibliothek 
für Deutsche' (Reval 4834). 

§. 550. Ueber lettische Sprache: Zimmermann, ,Ge- 
schichte der Literatur der Letten 4 , 4842. Kirchliche Schriften 
seit 1 586, Volkslieder gesammelt von Bergmann und Wahr 4 809, 
Zeitung seit 4822. Stender, Lieder und Volksschriften 4766, 
Grammatik und Lexikon 4 767, vollständiges Wörterbuch 4 789. 
Lieder der Letten undEsthen inDaumer's ,Hafis% S.229 — 286. 
Kohl, Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, 4844. 

Lithauische Grammatik und Lexika von Mielke, Rhesa, 
Nesselmann 4850, Schleicher 4856. Czeczot, ,Lithauische 
Lieder 4 , 4838. Rhesa, ,Dainos, oder lithauische Volkslieder 4 
(Originale und Uebersetzungen), 4825, 2. Aufl. von Jordan, 
4845, vollständiger von Nesselmann 4853. Die , Jahreszeiten 4 
(ein episches Gedicht in Hexametern) von Donaleitis oder 
Donalitius (deutsch in Hexametern von Rhesa). 

Die Wenden (Obotriten, Wilzen, Ukern, Heveller, 
Rhe tarier, Lusitzer, Sorben) in der Ober- und Nieder- 
lausitz haben ihre Sprache seit dem 46. Jahrh. als Schrift- 
sprache angewendet, die sich durch Kraft und Melodie 
empfiehlt. Haupt und Schmaler, ,Volkslieder der Wenden' 
(Originale und Uebersetzungen), 4844. Schneider, , Grammatik 
der wendischen Sprache 4 , 4853. Bopp, ,Ueber die Sprache 
der alten Preussen 4 u. 8. w., 4853, ebenso Vater 4824. 



Siebenunddreissigstes Capitel. 
Ungarn oder Magyarenland. 

§. 551* Die Sprache dieses Volks steht in Europa iso- 
lirt und ist unter den occidentalisch- christlichen Sprachen 
diejenige, welche die Spuren ihrer asiatischen Abkunft noch 
am treuesten bewahrt hat. Ihre Beziehung zu der finni- 
schen auf der einen, der türkischen auf der andern Seite 
hat zuerst Gyarmathi überzeugend dargethan , während 
Beregszaszi's Vergleichung mit dem semitischen Sprach- 
stamm weniger glücklich unternommen zu sein scheint (oben 
§. 315). Ihr Lautsystem ist einfach und regelmässig. Sie 
zählt sieben Vocale, die entweder unbetont und kurz, oder 
betont und lang sein können. Dadurch wird sie besonders 
geschickt zur Nachahmung antiker Versmasse. Der Con- 



Siebenunddreissigsles Capilel. Ungarn oder Magyarenland. 331 

sonanten sind 24. ^anfache Declination, das Genus wird 
nicht bezeichnet, der Dual fehlt. Der Nominativ wird durch 
keine besondere Endung, alle andern Verhältnisse durch 
Postpositionen bezeichnet. Besonderer Keichthum in den 
Verbalformen, z. B. doppelte Coffjugation des Activs, je 
nachdem das Object der Handlung ein bestimmtes oder 
ein unbestimmtes ist. Die Verbalcopula wird ausgelassen, 
während sie mit dem Dativ das Zeitwort ,haben' ausdrückt 
u. s. w. Diese reiche und wohlklingende Sprache hat keine 
Mundart, sondern wird gleichmässig von dem geläutertsten 
Schriftsteller und vollendetsten Redner wie von dem ge- 
meinen Manne geschrieben und gesprochen. 

Sprachlehren von Pannoniüs 4465, zu Debreczin 4795, von Gyar- 
mathi 4795, N. Rbvai 4809, Bloch 4846. Wörterbücher von Veban- 
tius, Fabbicius, Molnab, Papai, Richter, Dankowski, Fogabassy, 
Bloch. 

§. 552. Zwei Hauptelemente beherrschen die ganze gei- 
stige Entwickelung Ungarns, das Christenthum und die 
romische Civilisation, Sprache und Gelehrsamkeit. Das 
Latein war Schrift- und Gelehrtensprache (Flacius, Bosco- 
vich u. v. A.) seit Mthi. Corvinus (1458 — 90) bis in das 
46. Jahrh. und abermals zwischen 1702 — 80, wobei die 
Nationalliteratur wesentlich litt. An Sorge für Institute 
und Anstalten zu wissenschaftlicher Bildung hat es seit 
dem 41. Jahrh. nicht gefehlt. Erstes Studium generale zu 
Veszprim zu Anfange des 43. Jahrh., erneuert 1287, zu 
Fünfkirchen 1367, Ofen 1388, Istropolitanische Akademie 
zu Presburg 1467, die Donaugesellschaft von Kr. Celtes 
1 497, Vermehrung gelehrter Stiftungen im 1 6. und 1 7. Jahrh., 
gelehrte Gesellschaft 1 830 , verbunden mit einer Akademie 
der Künste seit 1842. Zwei Literaturperioden. 

Beiträge zur Geschichte der ungarischen Literatur gaben 
in ungarischer Sprache Sp angab 4738, Bod 4766, Sandob, Tot; in latei- 
nischer Rotavides 4745, Schmeitzbl, Belnai, Tibold ; in deutscher 
Windisch, Seiyebt, Fessleb, Milleb, Schbdius u. A. G. Stettneb 
und Fb. Schedel , Handbuch der ungarischen Poesie oder Auswahl chrono- 
logisch geordneter Stücke aus ungarischen Dichtern von Tinodi (4540) an. 
Ueber Sprache und Literatur das Ausland, 4846, Bd. 4 u. 2. Steinackeb, 
Pannonia, 4840. Graf Mailath, Magyarische Gedichte, übersetzt und mit 
einer Uebersicht der Geschichte der magyarischen Poesie eingeleitet, 4825. 
Toldt, Blumenlese aus ungarischen Dichtern mit einer einleitenden Ge- 
schichte der ungarischen Poesie, 4828. Ders., Gescnichte der ungari- 
schen Literatur , Bd. 4 — 3 , 4 850 — 53. Zur ungarischen Volkspoesie : 
Erdely, Sammlung ungarischer Volkslieder (Originale), 4846. Verdeut- 
schungen: Grkgusk, Ungarische Volkslieder, 4846, und Kebtbeny, Aus- 
gewählte ungarische Volkslieder, 4854. 



333 Zweites Buch. Ethnodoktologie. 

§. 553. Der Gesang ward schon zu Attila's und spater 
zu der Arpaden Zeiten durch die sogenannten Joculatoren 
oder Truffatoren geübt, doch ist aus jenen Zehen nichts auf- 
gezeichnet. Es waren vorzugsweise Helden- und Kriegs- 
lieder aus den Türkenkriegen, Liebeslieder hörte man selten. 
Der höhere Schwung begann mit der Regierung des Hauses 
Anjou zu Anfange des 4 4. Jahrh. Die ältesten Urkunden der 
Literatur sind die ungarische Eidesformel, Uebersetzungen 
der Bibel von Bathori 4450 und Bartalan 4508, der 
,Hymnus an König Ladislaus' und das ,Lied an die Jung- 
frau Maria 4 aus dem 45. Jahrh. Eine günstigere Periode 
begann mit dem 46. Jahrh., als man sich beeiferte, das Volk 
in seiner eigenen Sprache zu belehren. Es erschienen Chro- 
niken, Uebersetzungen der Bibel, geistvolle Beden, geist- 
liche Lieder (Fabricius, Molnar), Volkslieder (Tinodi 4540, 
Valkai 4572, Szöllösi 1580), epische Gedichte (die ,Zrinyiade 4 
von N. Zrinyi, 1652, Pasko 4663, Kohary 4699, Gyöngyösi 
4664—4734), lyrische Gedichte (Rimai, Balassa, Benitzki), 
Dramen (Karadf 8 ,Balassa Meyhart' und Bornemisza's ,Kly- 
tamnestra'). Das lateinische Gesetzbuch des St. Verböczy 
übersetzten Veres, Heltai, Okolitsanyi in die Nationalsprache. 
J. Tsere (Apatzai) gab 4653 eine Encyklopädie der Wissen- 
schaften, 4656 eine Logik heraus. Historiker: Sxekely 4559, 
Temesvari 1 569, Heltai 4 572, Zrinyi 4 660, Bartha 4 664. Philo- 
logen: Pesti (,Nomenclatura 4 ), Fabricius, Molnar, Verantius, 
Parizpapai (,Dictionarium 4 , 4 708, nach Tsetsi's Orthographie). 

§. 554. Die Unterdrückung der Nationalliteratur 
begann mit dem 48. Jahrh. Joseph' s H. Sorge für den 
öffentlichen Unterricht, aber Nichtachtung der ungarischen 
Constitution und Absicht, das Land zu germanisiren, wecken 
die magyarische Nationalitat. So beginnt 4780 «He neue 
Periode der ungarischen Literatur. Mthi. Rath begründet 
4784 die erste ungarische Zeitung in Presburg. Die Be- 
schlüsse der Reichstage und Comitatscongregationen. Unga- 
rische Theater in Ofen und Pesth; 4790 entstand die erste 
ungarische , 4 792 die erste siebenbürgische wohlorgani- 
sirte Schauspielergesellschaft. Zeitschriften (Molnar's 4783, 
Szacsvay's 4787, Kazincy's, Baroti's und Bacsanyfs 4788, 
Peczeli's 4789, Sandor's 4794, Karmen's und Pajor's 4794, 
Horvath's 4816 u. A.). Preisaufgaben. Grammatik, Prosa 
und Poesie fanden ihre Bearbeiter in einer Menge geist- 



Siebenunddreissigstes Capitel. Ungarn oder Magyarenland. 333 

reicher Männer. Mit K. Kisfaludy (geb. 4790) beginnt die 
Aera des jetzigen ungarischen Theaters. Der volksthümliche 
Lyriker Alx. Petöfi (geb. 4. Jan. 4823) K Epiker Arany 
(geb. 1847). Historische Romane von Josika, Novellen von 
Eötvös. Die Geschichtschreiber Graf Mailath und Fejer*. 
Der grosste ungarische Dichter, Mch. Vorosmarty, geboren 
4. Dec. 4800, starb am 49. Nov. 4855. 

Der Aufstand seit 4849 und die Niederwerfung Ungarns 
haben dort auch die Musen vielleicht auf lange Zeit zum 
Schweigen gebracht. 

1 Seine Gedichte aus dem Ungarischen durch Dux 4846 und Kert- 
beny 4849. — 2 Sammlungen ungarischer Geschichtswerke von Bongar- 
8iu8 4600, Zwittinger 4744, Bbl 4 738 — 46, Schwandtner 4766 — 68, 
Kovachich 4798 — 99. Ueber ungarische Geschichte: Desbricus 4748 
— 60, Pbat 4763 — 97, Horani 4775 — 77, Seybrini 4778, Gebhardi 
4778 — 82, Katona 4778 u. 4779—4847, De Sagt 4780, Keza 4782, 
Windisch 4784, Palma 4785, Horyath 4786, Novotby 4798 — 4800, 
y. Engel 4804, Fessler 4840 — 25, v. Mailath 4828 — 30. Historische 
Magazine von Windisch, 4784 — 87, neues 4792 — 94, Dankowsky 4840. 
Öttinger, Historisches Archiv, 4844. Ungarische Poesie von Dux 4854; 
Dichtungen von Gabay übersetzt von Kerlbeny 4854; Lieder aus Ungarn 
von Schröter 4854* Auch ist für Uebertragung ungarischer (danubischer) 
Poesien ins Deutsche Kolbenhey er thätig. Der pesther Lloyd liefert Rückblicke 
auf die ungarische Literatur, so unter andern über die Jahre 4854 u. 4855. 
Zur magyarischen Philologie die Zeitschrift Magyar Nyelveszet. 



§. 555. Finnland' 8 Volkspoesie beschäftigt sich mit 
Mythen und Zauberweisen x (Zauberepos ,Kalewala 4 ) und mit 
Personificirung der Naturkräfte. Der Dichter Runeberg 2 . 

1 Kleuker, Magicon, 4784. Tiedemann, De artium magicarum ori- 
gine, 4787. Horst, Zauberbibliothek, 6 Bde., 4820 — 26, und Von der 
alten und neuen Magie Ursprung, Idee, Umfang und Geschichte, 4820. 
Grasse, Bibliographie der wichtigsten, in das Gebiet des Zauber-, Wunder-, 
Geister- und sonstigen Aberglaubens einschlagenden Werke, 4843- Soldan, 
Geschichte der Hexenprocesse, 4843. Wachsmuth, Ueber die Zauberkunst 
der Griechen und Römer in dessen und Gunther's Athenaeum, Bd. 2 (Ma- 
gicae quaestiones, 4850). — 2 Lönnroth gab Kanteletar (alte lyrische Ge- 
sänge des finnischen Volks) in 3 Bdn., 4835, Tangström eine Anthologie der 
finnischen Volkspoesie , Kellgren , Tangstrom und Tigerstedt ein vater- 
ländisches Album für finnische Literatur. Schröter, Finnische Runen (finnisch 
und deutsch), 4849. Altmann, Runen finnischer Volkspoesie, 4856. Jak. 
Grimm über das finnische Epos in Höfer' 8 Zeitschrift für die Wissenschaft 
der Sprache, 4846, I, 43 — 55. Eine Skizze der neuern finnischen Literatur 
findet sich im 9. Bande der Wiener Jahrbücher. Boller, Die finnischen 
Sprachen, 4853. Die Samesprache in Lappland ist ein schwesterliches Idiom 
der Suomisprache in Finnland. Erman , Archiv für wissenschaftliche Kunde 
Russlands, Bd. 7, S. -133 fg., 488 fg., über Eskimo - und Unalaschkasprache. 
Figcrin (f 4854), Jakutisch -russisches Wöterbuch; Lukjanow ist Kenner 
des Jakutischen. Der Ungar Hunsalvy gab 4854 eine Vergleichung des 
Türkischen, Magyarischen und Finnischen. 



Drittes Bach. 

Angewandter T h e i 1 



Die Gelehrsamkeit 
Chresimodoktologie. 

§. 556. Den Gegenstand bildet der Mensch in drei- 
facher Beziehung: 



zu dem Ueber 
sinnlichen, f 



znr Sinnenwelt, 

- A 



zu sich selbst, 



. ■ ->— ^ der Vergangen- der Gegen- nach dem 

Theologie. heit, wart: Erkenntnis*-, Bestrebung*- u. Gefuhls- 

( « *— ^ Exacte 

Historik. Wissen- 



vermogen. 



I 



schaffen Philosophie Rhetorik. Poetik. 



u. Mathe- 



zur Natur, zu den Geschöpfen matik. 

seiner Gattung 
faturwisseh- A 

schaften. Staats-, Kriegs- 
u. Rechtswissen- 
schaften. 

1 



Schöne "Wissenschaften 
im Verein der schönen 

Künste: 
Kalotechnologie. 



Epistematologie. 



Linguistik u. Kritik. 



Erste Abtheilung. 
Epistematologie. 

§. 557. Aus dem Streben nach einem allen Wissen- 
schaften zu Grunde liegenden Princip, worauf eine Classi- 
fication derselben sich begründen Hesse, sind diejenigen 
Wissenschaften hervorgegangen, welche man unter den 
Namen der Hodegetik, Methodik und Methodologie, 
der Systematik und allgemeinen Encyklopädie l be- 



Achtunddr Rissigstes Capitel. System der Wissenschaft. 335 

greift a . Als die Gymnasiallehrer im Erzstift Köln (Mitte 
des 46. Jahrh.) encyclopaediam quandam omnium discipli- 
narum in den Unterricht aufnahmen, beschloss eine unter 
Adolf III. gehaltene Provinzialsynode ein Verbot dagegen, 
1549, als gegen eine Einrichtung, welche die Oberflächlich- 
keit befördere 3 ; — aber jeder Gebildete, namentlich 
jeder Studirende, sollte sich eine allgemeine Ueber- 
sicht des menschlichen Wissens zu verschaffen 
suchen, um sich auf dem orbis doctrinae richtig zu 
orientiren 4 . 

1 'EyxuxXtos TOXiäeia, in zusammengezogener Form £peuxXoicat5e(a, 
vielleicht zuerst bei Galen (f 204 n. Chr.). Padly, Realencyklopädie des 
classischen Alterthums; Art. Educatio, S. 39. — 8 Sbmler, Versuch über 
die combinatorische Methode, ein Beitrag zur angewandten Logik, 4822. 
Schbllino, Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums, 
(3. A.) 4832. Beneke, Einleitung in das akademische Studium, 4826. 
Fbibdemann, Faränesen, 4837 — 44. Scheidleb, Grundriss der Hodegetik, 
4832* Kirchner, Akademische Propädeutik , 4847* Denselben Zweck ver- 
folgen die Werke von Hetdenrbich 4804, Mussmann 4832, Tittmann 4833, 
Fritz 4833, Leutbechfr 4834- — 9 Statuta provincialium synodorum 
sanctae ecclesiae Coloniensis, p. 427. — 4 Krug, TJeber den Zusammen- 
hang der Wissenschaften unter sich und mit den höchsten Zwecken der 
Vernunft , 4 795. Konopak , TJeber den Begriff und Zweck einer Encyklopädie 
im Allgemeinen etc., (2. A.) 4 806. Schaller , Encyklopädie und Methodologie 
der Wissenschaften, 4842. Die Wissenschaften im 49- Jahrb., ihr Stand- 
punkt und die Resultate ihrer Forschung, 4856, redigirt von Romberg. 



Achtunddreissigstes Capitel. 
System der Wissenschaft. 

§. 558. Die Frage nach einem gemeinsamen Princip für 
alle Wissenschaften ist bis jetzt noch nicht genügend beant- 
wortet und hat namentlich zur Trennung der philosophischen 
Systeme, welche ganz eigentlich die Aufgabe haben, alle 
Principienfragen zu entscheiden, wesentlich beigetragen. 

§. 559. Die Wissenschaften als ein geschlossenes Ganzes 
darzustellen begannen erst Ernesti * und Sulzer. Doch blieb 
man schwankend zwischen theoretischen und praktischen, 
nominalen und realen, empirischen und rationalen, freien 
oder natürlichen, gebundenen oder positiven und gemischten 
Wissenschaften. Krug 2 rechnet 1 ) zu den freien Wissen- 
schaften als empirische: die Philologie und Geschichte; 
als rationale: die Mathematik und Philosophie; als empirisch- 
rationale: die Anthropologie und Physik; 2) zu den galHUk- 



336 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

denen Wissenschaften: die Theologie und Jurisprudenz; 
3) zu den gemischten, d. h. theoretisch -freien, aber praktisch- 
gebundenen Wissenschaften: die Cameralia und die Medicm'. 
Die neuesten Systeme des Wissens stellten Mager 4 , K. Rosen- 
kranz * und Helfferich * auf. 

1 Initia doctrinae solidioris, 4736; 7. Aufl. 4783. — * In seinem 4805 n 
ZuUichau erschienenen Versach einer neuen Eintheilung der Wissenschaften.— 
1 Kscbbsbcbo, Lehrbuch der Wissenschaftskunde, (3. A.) 4809. Bcädacb, 
Organismus menschlicher Wissenschaft nnd Kunst, 4809* Sraoi, Tabella- 
rische Uebersicht der Wissenschaften, 4840. Frische, Einleitung zu einer 
Architektonik der Wissenschaften, 4846. ▼. Babb, Blicke auf die Entwicke- 
lung der Wissenschaften, 4835. Meybbk, Hinterlassene kleine Schriften, 
herausgeg. von Fbvchtbbslbbbh , 4 842 ; Bd. 4 n. 2 : Stufenfolge der Wissen- 
schaften. — 4 System des Wissens , 4 847. — b System der Wissenschaften, 
ein philosophisches Encheiridion , 4850. — 6 Der Organismus der Wissen- 
schaft und die Philosophie der Geschichte, 4856. 

§. 560. Eine ziemlich alte Ansicht hält Apollo für den Con- 
centrationspunkt aller Kunst und Wissenschaft; darum weist 
ihm auch Ausonius (Idylle 20) seinen Platz unter den Musen an: 

In medio residens complectitur omnia Phoebus. 

Substituiren wir statt jenes mythischen Gottes den Men- 
schen, so ergibt sich aus der dreifachen Beziehung des- 
selben das Princip meiner Wissenschaftslehre und des 
angewandten Theils meiner Musologie. „Denn von dem 
fernen Lichtnebel bis zum ausgebildeten Sonnensystem, 
von der einfachen organischen Zelle bis zum Menschen 
aufwärts ist nur eine Entwickelungsreihe, gibt es nur ein 
Gesetz, und Beides spiegelt sich in der Hirnthätigkeit des 
Menschen/ 6 Daher auch die Unmöglichkeit völliger 
Abgrenzung. Jene Beziehungen sind: 1) zu dem Ueber- 
sinnlichen, Metaphysischen, Gottlichen, woraus die Theo- 
logie ihren Ursprung nimmt; 2) zu der Sinnenwelt, und 
zwar a) der Vergangenheit, womit sich die Historik (Ge- 
schichte) beschäftigt; b) der Gegenwart, woraus die exacten 
Wissenschaften l hervorgehen, und zwar wiederum: a) zur 
Natur: Naturwissenschaften mit Biologie und Astro- 
nomie; ß) zu den Menschen oder den Wesen seiner Gat- 
tung 2 : Staats-, Kriegs- und Rechtswissenschaft; 
3) zu sich selbst (TUpoc saurov, wie Antonin der Philosoph 
dies nannte), und zwar wiederum: a) nach dem Erkenntniss- 
vermögen: Philosophie und Mathematik; b) nach dem 
Gefuhlsvermögen: Poetik (Poesie); c) nach dem Bestre- 
bungsvermögen: Rhetorik (Redekunst), zugleich im Ueber- 
gange von der Poesie (Drama) zur Geschichte, sowie den 



Neununddr eissigstes Capitel. Theologie. 3?7 

Uebergang von der Geschichte zu den Naturwissenschaften 
die (vergleichende) Geographie bildet. Mit den schonen 
Wissenschaften hängen die schonen Künste eng zusammen. 
Die Linguistik (Philologie) gehört dem Begriff des Menschen 
par excellence zu; an sie schliesst sich die Kritik als Reprä- 
sentantin des Ausdrucks aller menschlichen Seelenvermögen. 

1 Poggendorff, Lebenslinien znr Geschichte der exacten Wissenschaften, 
seit Wiederherstellung derselben, 4853« — * Millar, The distinction of 
ranks in the society, 4774; deutsch 4772. J. J. Rousseau, Discoars snr 
l'inegalite parmi les hommes, 4753, nnd für Europa: Meinebs, Ueber 
Ungleichheit der Stände, 4792. 



Neununddreissigstes Capitel. 

Theologie. 

§.561. Die Religion ist natürliche oder Vernunftreligion, 
übernatürliche oder geoffenbarte, positive oder Autoritäts- 
religion; Deismus oder Theismus (nach Kant's Unterschei- 
dung) und Pantheismus; ersterer: Polytheismus, Dualismus, 
Monotheismus l . 

Der Pantheismus des Orients, des Parmenides, der 
Stoiker und Neuplatoniker (Plotin, Proklos, Jamblichos), 
der Gnostiker, des Erigena und Jak. Böhme, Giordano Bruno, 
Spinoza, der neuern Idealisten 2 . 

Die Deisten des 47. und 18. Jahrh., Vorläufer des 
Rationalismus, waren meist Engländer: Bterbert von Cher- 
bury (geb. 1581), Blount (geb. 1654), Toland (geb. 4670) 3 , 
Graf von Shaftesbury, Woolston, Tindal 4 , Bolingbroke u. A. 6 . 

1 Lindemann, Geschichte der Meinungen älterer nnd neuerer Völker, 
im Stande der Roheit und Cultur, von Gott, Religion nnd Priesterthnm, 
4 784 — 95. Meiners , Allgemeine krit. Geschichte der Religionen, 4 806—7. 
J. E. F. Schlegel, Ueber den Geist der Religiosität aller Zeiten nnd 
Völker, .4849. Haupt, Abriss der vorzüglichsten Religionen der jetzigen 
Erdbewohner, 4824. Monb, Geschichte des Heidenthums. Tzschirneb, 
Fall des Heidenthums, 4829. Beugnot, Hist. de la destruction da paga- 
nisme en occident, 4833. • — 2 Jäsohb, Der Pantheismus nach seinen 
Hauptformen, 4827. Ritter, Die Halbkantianer und der Pantheismus, 
4827. — 9 Christianity not mysterious, 4702. — 4 Christianity as old 
as the creation: or the gospel a •republication of the religion of nature, 
4730. — b Lechler, Geschichte des englischen Deismus, 4844., 

§. 562. Das Wort Theologie ging aus dem heidni- 
schen Sprachgebrauch auf den christlichen über. Theologen 
hiessen bei den Alten Die, welche über das Wesen und 
die Geschichte der Gotter Auskunft zu geben wussten. 

Merlkker. %% 



338 Drittes Buch. Chre*imodoktolo$i0. 

Pherekydes aus Syros und Epimenides von Kreta (der die 
Ky Ionische Blutschuld in Athen sühnte) zu Anfang des 
7. Jahrb. v. Chr. heissen Theologen *. Im 3. und 4. Jährt 
n. Chr. wurde der Ausdruck Theologie zuerst von Denen 
gebraucht, welche die Gottheit des Logos und das im 
4. Jahrb. ausgeprägte Dogma von der Dreieinigkeit ver- 
teidigten. Auf die Religionswissenschaft überhaupt wen- 
dete das Wort zuerst im 14. Jahrh. Abälard in seiner 
,Theologia christiana' an. 

) Cicero, De nat. deor., III, 24, und die Lexik». 

§. 5G3. Schon bei Johannes und Paulus und dem Ver- 
fasser des ,Brief an die Hebräer 4 finden sich die Anfange 
einer Theologie, doch nicht als Lehrvorschrift, sondern ab 
ihr subjectives Bekenntniss, und die Kirchenväter Tertullian, 
Irenäus und Origenes unterscheiden durchaus den Glauben 
(rcfaTtc) von der Speculation (^vöofic) und erklären beide 
zwar för etwas Notwendiges, aber nur den erstem für 
etwas allgemein Verbindliches, letztere aber (auch £Kiovf/p.T\ 
genannt) für etwas Freies und daher der individuellen Ueber- 
zeugung Unterworfenes *. Durch die Erhebung des Chri- 
stenthums zur Staatsreligion entstand auf dem Nicanischen 
Concil (325) die positive oder Kirchentheologie, welche 
insofern eine Wissenschaft zu sein aufhorte, als sie, zu- 
nächst für die katholische, später, durch die Symbolischen 
Bucher (vollendet 4580), auch für die evangelische Kirche, 
die Natur einer positiven Gesetzgebung annahm *. 

1 Walch, Historie der Ketzereien, 4762. Nb ander, Gnostfoche Sy- 
steme, 4848* Lswald, Doctr. Gnost., 4848. Matte», flist. crit. du 
gnosticisme, 4828. Fd. Ch. Baur, Christliche Gnosis, 4835« Bbausobbb, 
Hißt, de Maniehee etc., 4734* Rbichlin-Mbldbgg, Theologie der Mani- 
chäer, 4825. Baur, Maniohaisches Religionssystem, 4834. — * Pottnbe, 
Resume de linst, da christianisme depuis Jesus jusqu'a nos jours, 4856. 

§. 564. Die vom heidnischen Boden herubergepflanzte 
Philosophie (des Plato und Aristoteles) übte von jeher Ein- 
fluss auf die Gestaltung der christlichen Dogmen, und das 
Streben, Theologie und Philosophie, Glauben und Wissen, 
Positives und Selbstgedachtes , Offenbarung und Vernunft 
ins Gleichgewicht zu setzen, gab sich vornehmlich in der 
Scholastik zu erkennen *. Die Philosophie trat ganz in 
den Dienst der Theologie*, die wiederum in den Fesseln 
einer von aussen ihr aufgedrungenen Dialektik lag. Aristo- 
teles beherrschte die Bibel. Exegetische und Geschichte- 



Neununddreissigstes Capitel. Theologie. 339 

Studien traten gegen die systematisirende Thätigkeit zurück 
(von Peter dem Lombarden bis auf Thomas von Aquino) 
im 12. und 43. Jahrh. Gegen diesen dialektischen Skepti- 
cismus traten die Mystiker 8 im 14. Jahrh. auf. Der 
Humanismus stellte im 15. Jahrh. wiederum die Philo- 
logie, Kritik und Geschichte in den Vordergrund. 

So entstand die Religionsphilosophie 4 oder kriti- 
sche Theologie, und in Betreff des Gebrauchs und der 
Erklärung der Heiligen Schrift erzeugten sich im Laufe der 
Zeit die verschiedenen Schattirungen der neuern Theo- 
logie, welche in die supranaturalistische 6 , rationalistische 6 
und philosophisch -allegorisirende Theologie 7 zerfallt. 

Die supranaturalistische Theologie theilt sich in die 
Schattirungen des absoluten 8 , relativen 9 und kritischen J0 
Supranaturalismus , die nacheinander ins Leben traten. Gegen 
diese Orthodoxie oder Paläologie traten gleichsam als He- 
terodoxie oder Neologie auf: der Pietismus (Spener's, 
Francke's u. A.) einerseits und der Rationalismus oder, 
wie er in Frankreich heisst, Naturalismus (Semler's, Loff- 
ler's, Henke's, Eckermann's, Röhr's, Wegscheider's) anderer- 
seits. Die Leibniz- Wolf sehe Philosophie wurde Veran- 
lassung der philosophisch-allegorisirenden oder sym- 
bolisirenden Theologie (Baumgarten's, Carpzov's uüd 
Reinbeck's), während Kant 11 Urheber der Heuern philo- 
sophisch -symbolisir enden Theologie wurde, welche durch 
Schelling, Hegel und Schleiermacher zu besonderer Geltung 
gelangte. Staudlin, J. E. Ch. Schmidt, Tieftrunk, Ammon 
u. A. brachten die Kant'sche Philosophie, Daub das Schel- 
ling'sche, Marheineke das HegePsche System auf die christ- 
liche Theologie in Anwendung; Jacobi machte den Gefühls- 
glauben geltend. 

1 Scotus Erigena im 9. Jahrh. erklärte wahre Philosophie und wahre 
Religion für Eins; ebenso Abälard und Anselm im \\. Jahrh. Remusat, 
Tableau de la vie etc. de Saint Anselnie de Canterbury, 4854- — 2 Ueber 
das Verhältniss der Theologie zur Philosophie: F. E. Schulz, Fischer, 
Gengler, Gabler, H. Schmidt (in der Oppositionsschrift, Bd. \ , Hft. 1), 
Im. Hm. Fichte. — 3 Ueber Mysticismus, Pietismus etc.: Spaltung, Vater, 
Ewald, Borger, y. Cölln, Matthäi, Fritzsche, Mad. de Stael, Liebneb, 
y. Wessenberg, Bretschneider, Binder, Merklin. — 4 Kant, Fichte, 
Schelling, Jacobi, Schleiermaoheb, Clodius, Eschenmayer, Koppen, 
Krug, Hinrichs, Boutebwek, Rcst, Bj. Constant, de Wette, Suabb- 
dissen, Fries, Göschel, Conradi, Ohlert, H. Ritter, Hetjel, Steffens, 
Fischer. Zur Moralphilosophie: Kant, Schmid, Tieftrtjnk, Fichte, 
Eschenmayer, Krug, Gerlach, Salat, Schlbierm acher, Elvenich. - 



340 Drille« Buch. Ckretmodok l ologie. 

& Zu Gornten def Sapranaturalismus: Tittmavv, Harms, Z5li.ich, Exsum, 
STBrrsirs, Sabtobil-8, Hbriho, Hahm, Voiotlähdbr, Stbiobb. — * Zi 
Gamteo det Rationalifinaf : Röhb, Schclthess, Böhms, Clbmbm, Paulus, 
Gublitt, SchbOtbb. — 7 V ermittelnde Versuche, und zwar Tom Stand- 
punkt de« Rationalismus: Schcdbboff, Tsschibbbb, Böhm*, Bbbtschhbidu, 
Thbilb, t. Colli« und Schclx; rom fapranataraüstisclien Standpunkt: 
Schott, K. L. Nitxsch, HOppbl, Rcthbhus; rom speculatiren Stand- 
punkt: Bocksbammbb, Db Wbttb, Kählbb, Ullmahb, Scbwsisbb, Wb- 
oers, Gibbeb. StIüdlim, Geschichte dea Rationalismus und Sapranatim- 
liimut, vornehmlich in Beziehung aof das Chrutenthnm , 4826- — 8 Der 
Reformatoren Infpirationilehre oder Theopneuräe. — * Acoommodatioa, 
avYXorraßaotc, condescenaio , demissio Reinhard'» in seinen Qgfltinrtniieft, 
4840, Stobb'b, Dödbblbib's, Mobcs*. — >• Die Offenbarung al* göttliche 
und wundersame Promulgation der religiösen Ideen: K. L. Nitzsch, Brbt- 
schbbidbb in seiner Religiösen Glaubenslehre , Ammox in seiner Fortbildung 
des Christentums zur Weltreligion. — n Durch seine Schrift: Die Religion 
innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft, 4793, und durch seine mora- 
lische Auslegung der Bibel. Bbbtschbbidbb, Systematische Entwickeln«*; 
aller in der Dogmatik vorkommenden Begriffe, 4844. 

§. 565. Eintheilung der positiven Theologie in 
die theoretische (Lehre vom Logos, Dogmatik) und prak- 
tische (Moral). Gewöhnlicher ist die Dreitheilung in 
historische (mit der exegetischen), systematische (Glaubens- 
und Sittenlehre) und praktische Theologie. Doch lassen 
sich, nach Absonderung der exegetischen, am zweckmassig- 
sten vier Hauptgebiete construiren. 

§, 566. Exegetische oder biblische (nach Pelt u. A.) 
Theologie: Philologia sacra (oben Cap. 4 4 und 45, beson- 
ders §. 424; Cap. 23 und 24, besonders §. 297). — Kritik: 
Semler, Griesbach, Heringa (aus dem Hollindischen von 
Beckhaus), Hitzig, Schleiermacher, Drechsler, Hauff. — 
Hermeneutik: Ernesti, Monis, Bretschneider, Keil, Gries- 
bach, Lücke, Gerner, Olshausen, Stier, Hopfher, Matthai, 
Schleiermacher, Klausen, Wilcke, Rosenmüller, G. W. Meyer, 
Seyffarth. — Isagogik oder Kanonik (obenCap. Uu.23). — 
Archäologie 1 : Bellermann, Jahn, Rosenmüller, Winer, 
Löhn, Haupt, Ackermann, Saalschütz. — Alterthümer der 
Hebräer: Warnekros, Bauer, De Wette, Pernau, Scholz, 
Löhnis. Heilige (kirchlich -religiöse) Alterthümer ins- 
besondere: Bauer, Bahr, George, v. Lengerke. Biblische 
Geographie: Rosenmüller, Klöden, Röhr, Löwisohn, Ges- 
sert, Möller, Melos, Behrends, Bräm, K. v. Raumer, Ro- 
binson, K. Ritter. Topographisches: Olshausen, Meier, 
Keil. Karten 9 : Berghaus , Klöden , Grimm , Kiepert. 
Biblische Naturgeschichte: Scheuchzer, Harris, Bo- 
chart, Celsius, Mead, Rosenmüller. Staatsverfassung: 



NeunUnddreissigstes Capitel. Theologie. • 341 

Michaelis und Saalschütz (Mosaisches Recht), Hüllmann. 
Häusliches Leben: Winer 3 , Hartmann 4 . Poesie und 
Musik: Lowth, Herder, Pfeiffer, Saalschütz, Schneider. 

Eine anschauliche Darstellung der neutestamentlichen Zeit 
gewährt die fingirte Reise: ,Helon's Wallfahrt nach Jerusa- 
lem 109 Jahre vor der Geburt des Herrn 4 , vom Verfasser 
der ,Glockentone 4 (Ghd. F. Abr. Strauss), 4820 fg., eine 
Nachahmung von ,Voyage du jeune Anacharsis en Grece 4 . 

1 Hand- und Lehrbücher von Aügusti, Schöne, Rhein wald, Lochebeb, 
Böhmer, Pellxoia, Bintebim, Staudbmaier, Siegel. — * Handatlas von 
Ackermann, Weiland. — 3 Handbuch der theolog. Literatur etc., 1, 444 fg. — 
4 Die Hebräerin am Putztische und als Braut, 4809 — 40. Ein Gegenstück zu 
Böttiger'8 Sabina. 

§. 567. Historische Theologie: Geschichte der 
Bibel: Niemeyer 1 ; des Volks Israel: Hess, Kühnol, Bauer, 
De Wette, Leo, Jost, Bertheau, Ewald, v. Lengerke (,Ke- 
naan c ), Engelstoff, Tiele, Feldhoff, Planck, Koster, Knobel, 
Schneidler; des Lebens Jesu und der Apostel, zugleich 
mit der Geschichte der Gründung der Kirche (oben §. 298 u. 299). 

Kirchengeschichte: ihr Werth und ihre Bedeutung: 
Jortin, J.G.Müller, A. Hm. Niemeyer , Ullmann, Tittmann, 
Gieseler, Schleiermacher. — Die Geschichte selbst: Hege- 
sippos, 150, Eusebios, 324, Sokrateö, Sozomenos, Theo- 
doretos und die Arianer Philostorgios (5. Jahrh.), Theo- 
doros und Evagrios (6. Jahrh.) 2 ; in der lateinischen Barche: 
Kufin's XJebersetzung des Eusebius, Sulpicius Severus (Anfang 
des 6. Jahrh.), Cassiodor und Epiphanius (,Historia tripartita') 
in der Mitte, Gregor von Tours gegen Ende des 6. Jahrh. 
Im Mittelalter heben sich neben den Byzantinern Synkellos, 
Theophanes*, Nikephoros Kallistos (im 4 4. Jahrh.) die 
abendländischen Chronisten heraus: Beda der Ehrwürdige, 
f 735, Paul. Warnefried, f 799, Haymo von Halberstadt, 
f 853, Anastasius, f 886, Hm. Contractus, f 4054, Lam- 
bert von Aschaffenburg, f 4077, Sigebert von Gemblours 
(Gemblacensis), f 4442, Adam von Bremen (f um 4076) 
u. A. ; dazu die ' zahlreichen Martyrologen und* Legenden* 
Schreiber. Nach dem Augsburger Religionsfrieden (4555) 
unternahm eine Anzahl lutherischer Theologen zu Magde- 
burg, unter Leitung von Mthi. Flacius 3 , eine weitläufige 
und zugleich nach Rubriken geordnete Bearbeitung der 
Kirchengeschichte mach Jahrhunderten, die sogenannten 
,Magdeburger Conturien% 4559 — 74. Ihnen gegenüber et- 



342 • Drittel Buch Ckresimodoktologie. 

schienen vom römischen Standpunkt ans die ^Annalen 4 des 
Cäsar Baronius, 1588 — 1607. 

Lutheraner: Kortholt, Ittig, Cyprian, Boddens, P&£ 
Keformirte: Hospinian, Tnrretin, Jak. Hottniger, Jablonsb 
Katholiken: Natalis (Noel), Alezander, Fleury, Bossnet, 
Tillemont. Mystiker: Arnold , Mosheim , 6. Walch und Fr. 
Walch, Semler. Pragmatische Geschichtschreibung: 
Planck, Spittler, Schrockh, Henke, Schmidt, Danz, Gieseler 
(fortgesetzt von Redepenning 1855), Neander, Hase, Schkier- 
macher, Katerkamp, Ritter, Locherer, DoDinger, Annegarn, 
Alzog u. y. A. 

Dogmengeschichte: ihr Werth: Ernesti, Wächter, 
De Wette, Ilgen, Augusti, Ziegler, Kliefoth. Sie ist erst 
seit Ernesti und Semler (1759) als besondere Wissenschaft 
behandelt: Münscher, Augusti, Bertholdt, Rupert!, Lentz, 
Baumgarten -Crusius, Engelhardt, K. Meier, Hagenbach, der 
Katholik Klee. Patristik (oben Cap. 24). — Symbolik: 
Augustin, ,De fide et symbolo', 393; doch erst die Refor- 
mation erzeugte ein klares Bewusstsein kirchlicher Gegen- 
satze. Einleitungen in die symbolischen Bücher seit Carpzov, 
f 4657, Walch, Semler, Feuerlin, Planck. Alisgaben der 
Symbolischen Bücher: der lutherischen Kirche: Tittmann, 
Hase; der reformirten: Augusti, Mess, Niemeyer; der 
römisch- katholischen: Danz, Streitwolf und Kiener, Smets; 
der griechischen Kirche: Kimmel. Comparative und kriti- 
sche Darstellungen kirchlicher Systeme: Planck, Marhei- 
neke, Marsch, Winer, Möhler, Baur, Nitzsch, Kollner, 
Guericke, Göbel, Rudelbach. — Statistik: Staudlin, 
Wiggers. Yer&8sung8ge8chichte : Planck, Rothe. Sitten- 
geschichte: Tyge, Rothe, Marheineke, Wachsmuth. 
Kirchliche Reisen: Niemeyer, Fleck, Fliedner, Kiiiewel. 
Zeitschriften und Zeitungen. 

1 Charakteristik der Bibel, 4775—96; neue A. 4830. — * Sie alle 
in der Readihg-Valesischeh Ausgabe, 4720. — 3 Illymcts; über ihn 
Twisten, 4844. 

§. 568. Die Dogmatik ist das geistige Band zur Ver- 
knüpfung des exegetischen, historischen und dogmatischen 
Studiums. Ihre Literatur: Döderlein, Monis, Tieftrunk, 
Eckermann, Henke, Storr, Schmidt, Staudlin, Reinhard, 
Ammon, Daub, Augusti, Schott, Wegscheider, Klein, Bret 
Schneider, De Wette, Marheineke, Schleiermacher, Twesten, 



Neununddr eis s igst es Capitel. Theologie. 343 

Hase, Knapp* Hahn, Tzschirner, Baumgarten -Crusius, 
Gelbke, Steudel, Lange, Mynster, Strauss, Chenevifere, 
Böhmer, Schmidt, Schweizer. Katholische Lehrbücher von 
Brenner, Thanner, Hermes, Baader, Klee, Staudenmaier. 
Biblische Dogmatik: Ammon, G.Lr. Bauer, Bretschneider, 
Cludius, Kaiser, De Wette, Baumgarten -Crusius, Colin, 
Watke, Br. Bauer. Christliche Dogmatik: Einleitungen 
in dieses Studium von Baumgarten -Crusius, Fischer, Mynster, 
Rust, Kling, Alihn. Schleiermacher, der die Dogmatik in der 
historischen Theologie unterbringt, hat gleichwol ein eigenes 
Gebiet der philosophischen Theologie aufgestellt, das 
ihm in der Apologetik und Polemik aufgeht. Zur Apologetik: 
Heubner in Ersoh und Grubcr's ^Allgemeiner Encyklopädie 4 , 
Schmid, Lechler, Hirzel, Nösselt, Less, Jerusalem, Haller, 
Kleuker, Paley, Hensler, Franke, Planck, Stein, Erskine, 
Sack, Steudel, Stirn) Drey. Ihre Geschichte von Tzschirner. 
Zur Polemik und Irenik: Planck, Marheineke, Sack. 

Lehrbegriff einzelner biblischer Personen und 
Schriftsteller: Hengstenberg's ,Chri$tologie 4 , Böhme' 8 
,Religion Jesu 4 , Kleuker's , Johannes, Petrus und Paulus 6 , 
Schmid, ,De theologia Johannis 4 , Köstlin, ,Lehrbegriff und 
Briefe Johannis 4 , Frommann, ,Johanneischer Lehrbegriff 4 , 
Usteri und Dehne, ,Paulinischer Lehrbegriff 4 , Weiss, ,Petri- 
nischer Lehrbegriff 4 . 

Mayer, ,Historia diaboü 4 , 4780. Flügge, ^Geschichte des 
Glaubens an Unsterblichkeit 4 , 1794. Simon, , Geschichte 
des Glaubens nichtchristlicher Völker an eine Fortdauer 4 , 
1803. Wiessner, ,Lehre der vorchristlichen Welt von der 
Seelenfortdauer 4 , 1824. Simon, ,Das Gebet alter und neuer 
Völker 4 , 1799. Staudlin, ,Geschichte der Vorstellungen und 
Lehren von dem Gebet 4 , 1824. Andrea, ,Die Todtengebräuche 
der verschiedenen Völker 4 , 1845. 

§. 569. Die Sittenlehre ist viel weniger Veränderungen 
unterworfen gewesen als die Glaubenslehre, denn die Pflichten- 
lehre im Einzelnen blieb fast immer dieselbe und nur die An- 
sichten über die sittlichen Anlagen des Menschen, die Heili- 
gung und die Mittel dazu, sowie der allgemeine Satz, aus 
welchem man philosophisch die einzelnen Pflichten abzuleiten 
suchte, gestalteten sich zu verschiedenen Zeiten anders; jene 
hauptsächlich nach dem Princip der herrschenden Dogmatik, 
diese nach der Philosophie *. 



344 Drittes Bmck. CkntmQdM*l9§ie. 

Die Scholastiker seh dem 12. Jahrh. bearbeiteten die Moni 
zuerst wissenschaftlich: Petrus Lombardu», Alz. t. Haies, 
Tb, t. Aquino, Boiunrentura; aber erst Lb. Donins uad 
G. Calixtas erhoben sie seit 1634 zu einer W innen nchtft; 
seitdem Reinhard, Schmid, Amnion, StandUn, De Wette, 
Schwarz, Flatt, Banmgarten-Crnsins, Brach, Sartorins, 
Kahler, Harless, Merz, Schleiermacher. Populäre Werke tob 
De Wette und Geizer. Katholiken: Sauer, Schreiber, Hirscher. 
Ueber christliche Erziehung: Schwarz, Hemroth. 

Die Ascetik der Stoiker, Essener, Therapeuten mi 
einiger gnoscischen Sekten, des Apostels Paolos, der ersten 
Christen, des Mönchswesens, der Protestanten (Togead- 
übung). Melanchthon's Ethik, 4550. Die Theorie von der 
Erbsünde und der Gnade (Angnstin und Pelagios). Die 
disciplinarischen Gesetze, die Pönitenzen und der Ahl«««- 

Ausbildung der Casoistik (nach Kant: Dialektik des 
Gewissens) im Interesse des Klerus durch Raym. de Penna- 
forte (,Summa Raymundiana'), den Franciscaner Astesanns 
(,Summa Astesana'), den Dominicaner Bm. de St.-Con- 
cordia in Pisa (, Summa Bartholina 4 ), die Jesuiten Escobar, 
Sanchez und Busembaum (Probabilismus) und die Mystiker. 

1 Vater, Du Verhältnis der philosophischen rar chrvdiefrea Sitten- 
lehre, 4830. Schrbibbe, Das Princip der Moral in philosophischer, theo- 
logischer, christlicher und kirchlicher Bedeutung, 4827. DBxmsca, System 
der biblischen Psychologie, 4855. 

§. 570. Ueber das Verhaltniss der praktischen Theo- 
logie zur wissenschaftlichen und ihre Eintheilong: Baur, 
K. Im. Nitzsch, Schweizer: A) Theorie des Kirchenregiments; 
B) Theorie des Kirchendienstes: 4) Theorie des Cultus: 
Liturgik und Homiletik; 2) Pastoraltheologie (Seelsorge), 
und zwar pfarramtliche und freie; 3) Halieutik (Theorie 
der gewinnenden Thätigkeit): Katechetik und Theorie des 
Missionswesens. 

Beistb, Die bedeutendsten Kanzelredner der altern lutherischen Kirche 
in Biographien etc., 4. u. 2. Lief., 4856. 

Anweisungen zur Führung des geistlichen Amtes 
finden sich schon in den Pastoralbriefen des Neuen Testa- 
ments und bei den apostolischen Vätern; ferner bei Nie- 
meyer, Gräffe, Schlegel, Schwarz, Kaiser, Hüffell, Danz, 
Koster, Harms, Haas, Marheineke, Kromm, Graf. Liturgik: 
Ehrenfeuchter, Scheibler, Kahler, Gass, Horst, Fritsch, 
Funk, Fessler, Kapp, Vogelin, Höfling, Vetter, Klopper, 



Neununddr rissigstes Capitel. Theologie. 345 

Seisen, Ebrard. Homiletik: Dittenberger, Schott, Ammon, 
Tittmann, Marheineke, Dahl, Theremin, Kaiser, Grotefend, 
Chenevifere, A. G. Schmidt, Sickel, Stier, Brand, Zerbl, 
Ale, Palmer. Katechetik: Rütenick, Gräffe, Dinter, Daub, 
Schwarz, Thierbach, Stern, Hirscher. Pastoral theologie 1 : 
Schweizer, Karsten, Hüffell, Hupfeld, Dittenberger, Rothe, 
Wyss, Zyro, Nitzsch, Krunitz, Kindervater, Mirow, Jacobi, 
Strauss (,Glockentone c ), Tobler, Sailer, Planck, Schroter, 
Häglsperger, Hofimann, Rüeff, Burk* Pädagogik: Nie- 
meyer, Schwarz, Krummacher, Denzel, Thilo, Heinroth, 
"Wilmsen, Harnisch, Diesterweg. Pastoralmedicin: Krause, 
Mezler, Vering, Schreger, Bluff, de Valenti, Macher, Posner. 
Armenwesen: Degerando, Villeneuve-Bargemont, Duchatel 
undNaville, Wohlfahrt. Landökonomie der Geistlichen: 
Oemler, Schwabe, Krunitz. Theologisches Kirchenrecht: 
Pfaffi, Plorke, Böhmer, Mosheim, Wiese, Schuderoff, Schmalz, 
Walter, Stephani, Eschenmayer, Krug, Pahl, Eichhorn, Bickell, 
Rettig, Grolman, Klee, Stahl, Puchta, Richter, Bluntschli, 
Mejer; für die preussische Kirche: Bork; furdieschweizerisch- 
reformirte Kirche: Meyer, Zyro, Bluntschli, Hundeshagen. 

1 Höllmann, Jus pontificium Rom., 4837* 

§. 574. Den Namen der Encyklopädie führte Mur- 
sinna (f 1795) in die Theologie ein, während ihn Juristen 
(Pütter) und Mediciner (Boerhaave) bereits für ihre Wissen- 
schaften zu brauchen angefangen hatten. Chrysostomos, ,IIepi 
tspoGuvT]^, Augustin, ,De doctrina christiana', Ambrosius, 
,De offieiis ministroruntf, Cassiodor, ,De institutione divi- 
narum literarum 4 , Rhabanus Maurus , ,De clericorum institu- 
tione 4 , Gerson, ,De reformatione theologiae c , N. von Cle- 
mange, ,De studio theologico c , Erasmus, ,Ratio s. methodus 
compendio perveniendi ad veram theologiam 4 (vor der 2. Aufl. 
des Neuen Testaments, 4519), Melanchthon, ,Brevis ratio 
discendae theologiae 4 . A. Hm. Francke, 1708 — 23 (über ihn 
Guericke, 1827), Mosheim, Semler, Herder, Nösselt, Planck, 
Kleuker, Daub, Schleiermacher, Berthold, G. S. Franke, 
Staudlin, Danz, Rosenkranz, Harless, Lange, Pelt, Ciarisse, 
Kienlen, Bickersthal, Schaden, Hagenbach. Katholiken: 
Denina, Gerbert, Braun, Brandmeyer, Rautenstrauch, Ober- 
thür, Drey, Klee, Staudenmaier. 

Schwarz , Zur Geschichte der neuesten Theologie , \ 866 ; dazu 
K. Rosenkranz im Deutschen Museum, 4856, Kr. 35. 



Mtf ÜrüU* Buch. CkresimodoktoUgie. 

Vierzigstes Capitel. 
Historie 



§. 57?. Diesem Gebiete geboren eigentlich sämmthclre 
Wissenschaften an, da es ausser Gott nur Geschiebte gibt 
Das Wort Geschichte braucht man zunächst von Allen, 
was geschehen ist, also von allen Begebenheiten 9 die sich 
im Baume und in der Zeit zugetragen. Ihr Gegenstand ist 
die Natur und innerhalb derselben vorzugsweise der Mensch. 
Die Geschichte des Menschen, worauf dieser Begriff zunächst 
beschrankt zu werden pflegt, zerfallt in Biographie, Special- 
oder Particular- und in allgemeine Geschichte, und letztere 
wiederum, nach einem äussern Eintheilungsgrunde, in die 
der Vergangenheit (Geschichte im engern Wortsinn) und 
der Gegenwart (Staatenkunde, auch wol Statistik genannt); 
oder, nach einem innern Eintheilungsgrunde, in -die Ge- 
schichte der verschiedenen Arten, wie die menschliche Tä- 
tigkeit sich äussert, oder worauf sie sich richtet: mechanisch 
oder Geschichte der Erfindungen (Beckmann, Busch, Poppe), 
politisch oder Staats-, Kriegs- und Rechtsgeschichte, cültur- 
historisch oder ästhetisch, scientifisch (Meusel), religiös und 
moralisch. 

Bühs, Entwurf einer Propädeutik des historischen Studiums, 4844. 
Bbck , Anleitung zur genauen Kenntniss der allgemeinen Welt- und Völker- 
geschichte, Torzuglich für Studirende, 4788 — 4843. Wacblu, Geschichte 
der historischen Forschung und Kunst seit Wiederherstellung der literari- 
schen Cultur in Europa, 4842. Ders., Von der sittlichen Wirksamkeit 
des Studiums der Geschichte, vor der vierten Ausgabe des Lehrbuchs der 
Geschichte, 4828. Tittmahh, Ueber Erkenntniss und Kunst in der Ge- 
schichte, 4847. Waohsmuth, Entwurf einer Theorie der Geschichte, 4820. 
W. y. Humboldt, Ueber die Aufgabe des Geschichtsforschers, 4822. 
Gbbvinus, Grundzüge der Historik, 4837. Vibtz, Das Studium der all- 
gemeinen Geschichte, 4844. Meelbker, Die historischen Schuldisciplinen 
etc., 4834 — 35. Ders., Leitfaden zu Vorträgen über die allgemeine Welt- 
geschichte, 4 835 u. 4840. Ders., Klio, 4848. 

§. 573. Historische Hilfswissenschaften: Sprach- 
kunde (Adelung, Vater, de Sacy). Philosophie (Kant). 
Staatswissenschaften (allgemeine Statistik, Politik: allge- 
meines Staatsrecht, Justiz und Polizei, Diplomatie, Kriegs- 
wesen). 

Historische Grund- oder Elementarwissen-^ 
Schäften: Chronologie (mathematische und historische), 
Geographie (reine und historisch -politische), Ethnologie, 



Vierzigstes Capilel. Uistorik. 347* 

Genealogie, Heraldik und Numismatik, Epigraphik und 
Diplomatik, Schriftstellerkunde (was versteht man unter 
Quellen der Geschichte, und in welche ^angelassen werden 
sie getheilt?). 

Historische Kunst (Lukianos: ,II5£ 8sl toropfoev wyYpa- 
98tv c , Ghd. J. Voss, G. F. Creuzer). Historische Wahrheit; 
eine Geschichte ohne sie vergleicht Polybios (I, 44) mit 
einem Thier ohne Augen. ,Prima est historiae lex, ne quid 
falsi dicere audeat, deinde, ne quid veri non audeat', und 
nach Tacitus: ,Praecipuum annalium münus reor, ne virtu- 
tes sileantur, utque pravis dictisque factisque ex posteritkte 
et infamia metus sit. c Methoden historischer Darstellung: 
ethnographisch ,* geographisch , synchronistisch , chronolo- 
gisch, die pragmatische des Polybios (TrpaYixauxYJs foropiac 

dbuo8et&c)- 

§. 574, Die Geschichte geht aus der Tradition hervor 
und hängt als Geschichtschreibung vorzugsweise von 
der Staatsverfassung ab, darum gedeiht sie in despotischen 
Staaten nicht. Bei den Griechen wurde sie schon in der 
Periode der Freiheit durch Herodot (allgemeine Geschichte), 
Thukydides (Geschichte seiner Zeit) und Xenophon (Ge- 
schichte eigener Thaten und Biographie) nach allen Haupt- 
formen ausgebildet und hat deshalb keine weitern Fortschritte 
machen können K Die Leistungen der einzelnen Volker in 
der Historiographie sind im zweiten Buch nachgewiesen. 

1 Creuzer, Historische Kunst der Griechen, 4803 n. 4845. Ulrici, 
Charakteristik- der antiken Historiographie. Vossius, De hist. Graecis, 4654 ; 
neue Aufl. von Westrrmann 4838. 

§. 575. Eine Culturgeschichte kannte das Alterthum 
nicht, wenn auch mehre Aristoteliker, namentlich Theophrast, 
Dikäarch, das sittliche Leben der Volker zum Augenmerk 
nahmen. J. Vico wurde 4 725 der Bahnbrecher für die cultur- 
historische Auffassung der Geschichte K Seitdem arbeiteten 
für dieses und auf diesem Gebiet: Voltaire, 4753 und 1756 
(ein mystisches Gegenstück dazu von Molitor, 4827), Goguet, 
4758, Vierthaler, 4787, Majer, 4798, Gruber, 4806, Guizot, 
1828, Adelung, 4802, Gotsch, 4803, Wachsmuth, 4831, 
4850—52, Drumaim, 4847, Klemm, 4847. Als Geschichte 
der Menschheit bearbeitet von Deutschen, theilweise auch 
von Engländern und Franzosen: Iselin, 4764, Herder, 4785, 
Meiners, 4786, Eggers, 4786, Jenisch, 4801, Carus^ <8Q^ 



'348 Drittes Buch. Chretimodoktologie. 

Kolb, 4843, Apelt, 4845; Ferguson, 4766, Home, 4774, 
Dunbar, 4780, Walckenaer, 4798. Verwandter Tendenz: 
Weishaupt, 4788, Condorcet, 4795. Als Philosophie der 
Geschichte besonders von Deutschen: Koster, 4775, Lea- 
sing, 4785, Kant, 4784 (und die Frage: ob das Menschen- 
geschlecht in bestandigem Fortschreiten zum Bessern be- 
griffen sei? 4798), Pölitz, 4795, Ancillon, 4796, Buchholz 
(,Darstellung eines neuen Gravitationsgesetzes für die mora- 
lische Welt 4 , 4802), Fichte, 4806 (dazu als Caricatur Stute- 
mann, 4808), Windischmann, 4827, F. t. Schlegel, 4829, 
Hegel, 4837, v. Cieszkowski, 4838, K. Hermann, 4849, 
Eisenhart (, Philosophie des Staats 6 ), 4843. 

1 In seinen Principj di ans scienza naova intofuo all» nathra delle 
nazioni; deutsch von Weber 4822. Zur französischen Cnlturgeacnichte 
Mabcb und Mahoh 4855. 

§. 576. Die historische Chronologie führte Ephoros 
in die Geschichte ein. Scaliger, ,De emendatione tempo- 
rum 4 , 4 583 , nennt die Chronologie die Seele der Geschichte. 
Petavius, 4583 — 4652. Larcher, 4726—4843. Gatterer, 4727 
— 99. Volney's , Chronologie des Herodot 4 , 4808. Lalande, 
4759—4806. Hegewisch, 4740 — 4842. Ideler, 4825—26. 

Die Chronologen sind speciell nachgewiesen von Mbrleker: Die histo- 
rischen Schuldisciplinen , Cap. 2; Lehrbuch der historisch -comjparati>en 
Geographie, Cap. 5; Kosmogeographie, Cap. 3. 

§. 577. Die Genealogie wurde in Frankreich durch 
Duchesne, in England durch Dugdale, in Deutschland 
durch Rittershusius (f 4670) in Altorf und Spener (f 4730) 
in Wittenberg bearbeitet, zur Wissenschaft durch Gatterer 
4788 erhoben. Es folgten Pütter, Koch, Voigtel, Dou- 
glas, Betham, Gordon. Der ,Gothaische genealogische Hof- 
kalender 4 seit 4787, Gottschalk's ,Genealogisches Taschen- 
buch 4 seit 4832. 

§. 578. Die Heraldik (Heroldskunst) wurde in Frank- 
reich seit der Mitte des 47. Jahrh. von Gelliot, Pelliot und 
Menestrier, 4662, zuerst wissenschaftlich behandelt; in 
Deutschland erschien 4527 Rüxner's ,Turnierbuch 4 , 4690 
Spener' s ,Insignium theoria 4 . Ueber Münz-, Siegel- und 
Wappenkunde: Schmeizel, 4723, Gatterer, 4773 und 4792, 
Siebmacher, 4605 und 1772— 4806, Dorst, 4843—47, Bernd, 
4830—44, Könne, 4844—42. 

§. 579. Zur Sphragistik: Heineccius, ,De siglis ve- 
terum 4 , 4709, und Manni, ,Sopra i sigilli antichi 4 , 4 739. 



Vierzigstes Capitel. Historik. 349 

Das Werk von Köhne: ,Münz-, Siegel- und Wappen- 
kunde 4 , 1841. 

§. 580. Die erste Anleitung zur Numismatik oder 
vielmehr zum Münzsammeln gab 1577 der Spanier Ant. 
Agostino in seinen fast in alle Sprachen übersetzten ,Dialogen c . 
Jacobo Strada und Octavio Strada regten in Italien für das 
Sammeln an. Wfg. Lazius (Leibarzt bei Kaiser Ferdinand I. 
um 1560) machte zuerst Anwendung von den romischen 
Münzen zur Erläuterung der Geschichte. Hb. Goltz beach- 
tete zuerst auch die griechischen Münzen. Forschungen von 
Vaillant , Spanheim , Pellerin , Eckhel , Sestini , Mionnet, 
Fr ahn, Mader, Lelewel. 

ScHLiCHTffGROLL , Geschieht e des Studiums der alten Münzkunde, 4844. 
Gerhard'8 Archäologische Zeitung. Wurm, De ponderum, nummorum et 
mensurarum ratio nibus apud Rom. et Graec. , 4824. Böckh, Metrologische 
Untersuchungen über Gewichte, Münzfüsse und Masse des Alterthums, 4838. 
Ueber byzantinische Münzen Saulcy und Friedländer; über asiatische 
(mohammedanische) Dorn und Saweljew in Petersburg. Zur Geschichte 
der Metallurgie W. Jones, Inquiry into the precious metalls, 4834. 

§1 581. Sammlungen für die Epigraphik begannen 
schon im 17. Jahrb.: Ferreti, Falconer, Smet, Gruter, 
Reinesius, Fleetwood, Gori, Gudius, Muratori, Chishull, 
Pococke, Mazocchi, Chandler, Paciaudi, Biagi, Marini, 
Torremuzza. Inschriften des Alterthums von Osann, 1822, 
Böckh und Franz, 1828 fg., Welcker, Orelli, Franke, 
Richter. 

Kopp, Palaeographia critica, 4847 — 29. Franz, Elements epigra- 
phices Graec, 4840. 

§. 582. Für Diplomatik (verschieden von Diplomatie): 
Leuber, Conring, Papebroek in Antwerpen, 1675, Mabil- 
lon, 1681, Maffei, 1727, Heumann von Teutschenbrunn, 
1745— 5a, Toustain und Tassin, 1750 — 65 (deutsch von 
Adelung und Rudolph, 1759—69), Gatterer, 1798, Schone- 
mann, 1800 fg. Die Grundsätze über die zweckmässigste 
Anordnung der Archive sind erst in neuerer Zeit, nament- 
lich von Oegg, 1804, und Oesterreicher, 1806, ab Archiv- 
wissenschaft besonders behandelt worden. 

Zeitschrift für Archivkunde, Diplomatik und Geschichte von Höfer, 
Erhard und Medem seit 4833. Ghillant, Diplomatisches Handbuch etc.. 
1886. 



350 Drittes Ruch. Ckmimodoktotogic. 

Einundvierzigstes Capitel. 
Geographie. 

§. 583. Geographie und Geschichte sind so eng ver- 
geh wistert, dass man jene die Fackel der Geschichte, diese 
das Auge der Geographie genannt hat. Die Entdeckungen 
der einen erweitern die Grenzen der andern. Zugleich leitet 
die Geographie, nach der Auffassung E. Ritter's, von der 
Geschichte zu den Naturwissenschaften über. Eintheilung 
in die allgemeine oder reine (mathematisch-astronomische 
und physische) und in die historisch-politische Geographie. 
Meine ,Kosmogeographie 4 (1848) enthält folgende Unterabthei- 
lungen: 4) Kosmologie (Kosmogonie und Eosmographie 
oder Astronomie); 2) Geologie: a) Atmosphärologie (Eli- 
matographie, Phytogeographie, Therogeographie, Meteoro- 
logie); b) Hydrologie (Hydro- und Oceanographie, Potamo- 
graphie, Limnographie); c) Geistik (Thetik, Magnetologie, 
Oro- und Planologie, Nesogeographie) ; 3) Topik oder 
Chorographie ; 4) Ethnologie und Ethnographie *; 5) hi- 
storisch-politische Geographie (Uebergang zur Stati- 
stik und Staatenkunde). Die Geschichte der Geogra- 
phie ist zugleich eine Geschichte der geographischen Ent- 
deckungen, der Schiffahrt, des Handels und der Colonien*. 

1 v. Zimmermann, Geographische Geschichte der Menschen, 4778, und: 
Die Erde und ihre Bewohner, 48-10. Berghaus, Allgemeine Länder- and 
Völkerkunde, 4 84 6 fg., und: Die Völker des Erdballs, 4845 — 47. — * Beck- 
ham, Literatur der Reisebeschreibungen, 4807 — 40. Bbrghaus, Geschichte 
der Schiffahrt, 4792. Geschichte des Handels von Anderson 4763 
(deutsch 4773), von Hoffmann 4844, HCllmann (der Griechen, 4839). 
Ambilhou, Hist. du commerce etc. sous le regne des Ptolem., 4766. 
Sprengel, Geschichte der wichtigsten geographischen Entdeckungen (bis 
4542), 2. Aufl., 4792, Malte -Bbun 4842, Zbunb 4844. Mbrlbmjbr, Lehr- 
buch der historisch - comparativen Geographie, 4839 — 43; Buch I: Geschichte 
der Geographie, 4839. Löwbnbbrg, Geschichte der Geographie, 4840. 

§. 584. Obgleich die Geographie in ihren drei Haupt- 
theilen durchaus von andern Wissenschaften abhangig ist, 
in dem mathematischen Theile von der Astronomie, in 
dem physikalischen von den Naturwissenschaften, endlich 
in dem historisch -politischen Theile von der Geschichte 
und Staatskunde, so hat dennoch K. Ritter in der compa- 
rativen oder vergleichenden Geographie eine eigene 
Wissenschaft hervorgerufen, welche die grossen Gebiete 



Einundvierzigstes Capitel. Geographie. 351 

der Historie, Staatskunde und tellurischen Physik umfasst. 
Seine Nachfolger sind Reichard, Kärcher, Schirlitz, Biller- 
beck und Sickler, Berghaus, Selten, Hochstetter, Zeune, 
Vogel, Reuscher, Voigt, Schuch, Rougemont, Denaix, 
Volger, Merleker. Unter seinen Vorgängern war Ptolemäos 
durch 1 4 Jahrhunderte der Lehrmeister der Araber und Ger 
manen; Vadianus begründete 4518 die geschichtliche Bear- 
beitung der Geographie; Seb. Münster erwarb sich durch 
seine ,Cosmographia c 1544 den Beinamen des neuern Strabo. 
Kopernicus' Werk ,De revolutionibus corporum coelestium 4 
erschien 1543, Kepler's ,Astronomia c 1609, seine ,Harmo- 
nices mundi lib. V 4 1619. Cp. Cellarius wurde 1686 mit 
seiner ,Geographia antiqua' der eigentliche Bahnbrecher in 
der Bearbeitung der Geographie des Alterthums; ihm folg*- 
ten d'Anville, 1782, Dureau de Malle, Delille, Voss, 1780 
(,Ortygia c ), Mannert, 1788, Gosselin, 1790, Heeren, Ukert 
u. A. Junker's ,Anleitung zur Geographie der mittlem 
Zeiten 4 , 1712. Büsching ist 1754 Begründer der wissen- 
schaftlichen neuern Geographie. Auch die vergleichende 
Geographie fand schon 1781 in M enteile einen Bearbeiter. 
Gatterer strebte. 1793 nach naturgemässer Bearbeitung der 
Geographie, Kant's ,Physische Geographie 4 , 1 802: Zeune's 
,Gäa 4 , 1808. Seitdem Linne (1707 — 78) und Buffon (1707 
— 88) das Studium der Natur mit philosophischem Geiste 
erfasst, Werner (1750 — 1817) und Lp. v. Buch das Stu- 
dium der Geologie,, Blumenbach (1752 — 1838) die Verbrei- 
tung des Menschen nach localen Bedingungen, Zimmermann 
(1743 — 1815) die geographische Verbreitung der Thiere, 
Alx. v. Humboldt und Schouw die geographische Verbrei- 
tung der Pflanzen in das Gebiet der Geographie einzuführen 
wussten, ist die Literatur der physikalischen Geographie, 
deren Begründer der Franzose Buache, 1745, und der 
Schwede Bergmann, 1773, sind, zu einer überraschenden 
Fülle angewachsen: Hoflxnann, Kämptz, Berghaus, K. v. 
Raumer u. A. Für mathematische Geographie : Bode, 
Schmidt, Littrow, Mädler. Das aus 23 Bänden bestehende, 
bei keiner Nation in gleichem Umfange anzutreffende geo- 
graphische Werk von Hassel, Guths Muthg, Cannabich, 
Ukert, Gaspari u. A. Geographische Gesellschaften zu Paris 
1819, Berlin 1828, London (Royal geogr. Society) 1830. 

Petermann, Mittheilungen aus der geogr. Anstalt von Perthes, 



352 Drittes Buch. Chresimodoktotogie. 

§. 583. Die Kartographie weist Landkarten nach seit 
Anaximander (600 v. Chr.). Der xcLkwovs ic£va£ des Ari- 
stagoras soll eine Arbeit des Hekataos von Milet gewesen 
sein. Globen hat man seit Archimedes (220 v. Chr.) und 
Poseidonios. Die Benennung Atlas ist durch den Erfinder 
einer verbesserten Projectionsmethode Gh. Kaufmann (Mer- 
cator), 4580, eingeführt. Seekarten des Spaniers Nunez 
(f 1 577) und % Wright's. Karten von Giovanni Domenico Cassini 
und J. ßapt. Homann, 4 731 — 60 K Die brauchbarsten Atlanten 
der neuesten Zeit sind: für die Kosmologie der Himmels- 
atlas von Bode (nebst denen von Littrow, Madler und 
Rieding), für die Geologie der physikalische von Berghaas 
und der chorographische von v. Lichtenstern , für die 
historisch-politische Geographie die von v. Spruncpr, Lowen- 
berg, Stieler, Kiepert, Reichard, Kruse, Arrow-Smith, 
Ruhle v. Lilienstern, Worl, Reymann, Grimm, Sohr u. A. a . 
Die Reliefkarten. 

1 Santarbm, Essai sur l'hist. de la cosmogr. et de la cartographie etc., 
4849- Lblbwbl, Geogr. du monde a 48Ö4 . — * Bobbstädt, AUgemeine 
geogr. und Statist. Verhältnisse in graphischer Darstellung, 4846. 



Zweiundvierzigstes Oapitel. 
Naturwissenschaften. 

§. 586. Je nach der Art der Stoffe, ihrer Verbindungen 
und Wirkungsweisen, die als Object der Untersuchung dienen, 
hat man das Studium der Natur in einzelne Doctrinen ge- 
sondert, die aber allseitig ineinander greifen und in Wahr- 
heit nur ein Ganzes bilden. Alx. v. Humboldt's ^Kosmos' 
strebt danach, diese Disciplinen im allgemeinen Zusammen- 
hange zu zeigen, die Astronomie, Geognosie und Geologie, 
Mineralogie, Physik, Chemie, Phytologie, Zoologie, Anthro- 
pologie, Biologie. 

Cotta und Schallee, Briefe über den Kosmos, 4848 — 52. Klbnckb, 
Naturbilder aus dem Leben der Menschheit , in Briefen an Alx. v. Humboldt 
Brown, Geschichte der Natur. Burmeisteb, Geschichte der Schöpfung. 
ÖR8TBD, Geist in der Natur. Volger, Schule der Naturgeschichte, 4854* 
Lacepede, Vue generale des progres des sciences nat., 4822* Cuvibr, 
Hist. des sciences nat. depuis leur origine , 4 844 , neue Ausg. von St.-Aot, 
4 845. Zur Geschichte der Erfindungen : Beckmann, Busch und Dorndobf. 
Engelmann, Bibl. mechanico-technologica, medico-chirurgica, pharmaceuto- 
chemica, 4834 fg. L. Ross, Bibl. physico-medica für die Zeit von 4824 an. 
Fr auen städt, Die Naturwissenschaft in ihrem Einfluss auf Poesie, Religion, 
Moral und Philosophie, 4855. 



Zweiundvierzigstes Capitel. Naturwissenschaften. 353 

§. 587. Die Astronomie zerfallt in die sphärische, 
physische, theoretische oder praktische (Uranoskopie), in 
die geographische und nautische. Ihrem Gebiet gehören 
auch die astronomische oder mathematische Chronologie, 
die Geodäsie und Gnomonik an. Sie beruht auf der Mathe- 
matik, Mechanik, Optik und Physik und wurde nicht un- 
passend Physik des Himmels heissen dürfen, wie Laplace 
sie Mechanik des Himmels genannt hat *. Eine wissen- 
schaftliche Bearbeitung der Astronomie ging erst aus der 
alexandrinischen Schule hervor 2 . Der eigentliche Vater 
der Astronomie und grosste Astronom des Alterthums ist 
Hipparchos aus Nikäa (f 425 v. Chr.), zugleich Urheber 
der stereographischen Projection. Sammler und Bearbeiter 
der gesammten Astronomie des Alterthums ist Ptolemäos 
(460 n. Chr.), nach welchem auch das System der Planeten- 
bewegungen benannt ist, dessen Verworrenheit Konig Al- 
fons X. (der Weise) von Castilien (4252 — 82) so charak- 
terisirt: si a principio creationis dei altissimi consilio inter- 
fuisset, nonnulla melius ordinatiusque condita fuisse. Die 
Reformen dieses Systems erfolgten durch Kopernicus (4 472 
— 4543), Kepler (4574—4630), Galilei (4564 — 4642) und 
Newton (4642 — 4727) in seinen ,Principia mathematica phi- 
losophiae naturalis 4 . Damit war die Gesetzgebung des Him- 
mels beendigt, und die spätem Astronomen haben nur die 
Beweise liefern dürfen: Herschel, Bessel, Laplacev (,Meca- 
nique Celeste 4 ), Gauss (, Theoria motus corporum coele- 
stium 4 ) u. A. 

1 Ihre Geschichte von Weidlbb 4744, Bailly 4775, Delambre 4847, 
Laplace. Lehr- und Handbücher von Biot, Lalandb, Schubert, De- 
lambre, Woodhousr, Brandes, Littrow, Piazzi (deutsch von Westphal), 
Mädler. — 2 Schaubach, Geschichte der griechischen Astronomie bis 
Eratosthenes , 4802. 

§. 588. Die engverschwisterten Wissenschaften der 
Geognosie und Geologie verdanken erst der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrji. ihren Ursprung 1 . Werner (4750 — 
1817) ist Schopfer der Geognosie. Seine Ansicht des 
Neptunismus vertraten Saussure (4740 — 99 ) 2 , Charpentier, 
Kühn, Voigt. Dagegen wurde durch Hutton, Breislak, 
Elie de Beaumont, Lp. v. Buch u. A. der sogenannte 
Plutonismus geltend gemacht 3 . Die Oryktologie* oder 
Petrographie , einen Theil der Geognosie, forderten Oeyn- 
hausen, v. Dechen, Naumann, Bronn 4 , Alx. Brongniart n 

Merlrker. %^ » 



354 Drittes Buch. Chresimodoktotogiä. 

Beudant, Dufrenoy, Murebison, Buckland*, Conybcare, 
M'Culloch, Sedgwick, Scrope. Die Gletschertheorie von 
Agassiz, Hugi und Petzholdt. Für die Flora der Urwelt: 
Sternberg, Brongniart, Göppert und Cotta. Für Knochen 
höherer Thiere: Cuvier, Kaup und Jäger, Koch 6 . Für 
Fische: Agassiz. Für Conchylien u. s. w.: Sowerby, Brocchi 
Deshayes, Goldfuss, Bronn, Y.Buch, Graf Münster (dessen 
reiche Sammlung in München). Für besondere Gegend» 
und Gebirge: Saussure für die Alpen (auf dem Montblanc, 
4787); Fusch für Polen; v. Zieten für Würtemberg; ßomer 
für Norddeutschland; v. Buch für die Canarischen Inseln; 
derselbe und Hausmann für Norwegen und Schweden; 
Wahlenberg für die Karpaten u. s. w. 

1 Lehrbücher von Lbonhard, Lyell (deutsch von Hartmann), Bhd. 
Cotta, Mantell. Ccvieb, Disc. sur les revol. de' la surface du globe, 
6. A., 4830 (deutsch von Nöggeralh 4830). ▼. Hoff, Geschichte der 
darch Ueberlieferang nachgewiesenen Veränderungen der Erdoberfläche, 48& 
Link, Urwelt und Alterthum, 4824 u. 4834. Wagkeb, Geschichte der 
Urweit, 4844. F. Hoffmann, Geschichte der Geognosie , 4838. — 2 Seine 
Voyages dans les Alpes, 4 Bde., 1779 — 96* — 3 Systeme von Kefbestefn, Boci, 
Alx. v. Humboldt u. A. — 4 Geschichte der Natur und Lethaea geogno- 
stica, 4 834 — 38- — 5 Reliquiae diluvianae, 4823. Bopp, Diluvium, 4829- 
Geinitz, Versteinerungslehre, 4846. — 6 Die Riesenthiere der Urwelt, 4843. 

§. 589. Die ersten Versuche wissenschaftlicher Behand- 
lung der Mineralogie machte G. Agricola im 46. Jahrb. 
Systeme der Schweden Wallerius, 4772, und Cronsted, H5S. 
Werner's empirische Methode der Mineralbeschreibung. 
Hauy's Untersuchungen über die Krystallformen. Die natur- 
historische Methode von Mohs, Jameson, Allan, Heidinger, 
Breithaupt. Die chemische Classification von Berzelius, 
y. Kobell und Blum. .Der Isomorphismus von Leonhard, 
Beudant, Weiss, Naumann. Für Krystallographie: 
Weiss, Rose, Naumann. 

Hoffmann, Handbuch der Mineralogie, 4844 — 48. 

§. 590. Die Physik oder Naturlehre wird eingetheilt 
in die mechanische, in die Lehre von den Imponderabilien, 
in die Meteorologie, Experimental - und mathematische 
Physik. Ihre Geschichte von Murhard, 1798, Fischer, 4804. 
Gehler's physikalisches Wörterbuch 4 . Das ,Handwörterbueh 
der Chemie und Physik 4 von August, Barentm, Dove u. A. 
Poggendorf s (früher Gilbert's) ,Annalen 4 , Fechner's ,Reper- 
torium 4 und das durch Dove und andere berliner Physiker 
seit 1837 besorgte. 



Zweiundvierzigstes Capüel. Naturwissenschaften. 355 

Lehrbücher von- Baumgartneb, Biot (bearbeitet von Fechnbr), 
Brandes, Pouillet (bearbeitet von Möller), Möller, Götz, Buff, 
Scholz, Fischer (bearbeitet von August). Annales de chimie et de 
physique. 

§. 594. Die physischen Philosophen der Griechen, des 
Pythagoras Monaden, die atomistischen Ansichten dete Leu- 
kippos und Demokritos, die naturhistorischen Schriften des 
Aristoteles und Theophrast, Lucrez' Gedicht ,De reruni 
natura 4 , Seneca's ,Quaestiones naturales 4 , Pünius' ,Historia 
naturalis 4 . Die Araber als Pfleger der Naturwissenschaften. 
Roger Baco, f 4294. Bäco von Verulam, f 1626. Galilei 
(Gesetze des Falls und des Pendels). Torricelli (Baro- 
meter). Kepler (elliptische Planetenbahnen). Otto von 
Guericke (Luftpumpe). Descartes stürzt die scholastisch- 
Aristotelische Physik. 

§. 592. Für Experimentalphysik in England Boyle 
und Hook, in Italien Borelli und Grimaldi, in Frankreich 
Pascal, Mariotte und Picard. Die londoner Societät, 4 650 
(Wallis, Wren, Huyghens), pariser Akademie, florentiner 
Accademia del cimento. Newton's Gravitationslehre. Ther- 
mometer. Entdeckung der Gasarten , Lehre von der Elektri- 
cität, Erfindung der Blitzableiter und des Galvanismus, Pola- 
risation des Lichts, Verwandtschaft der Elektricität und des 
Magnetismus u. s. w. Franklin, f 4790, Priestley, f 1804, 
Black, f 1799, Galvani, f 478a, Lichtenberg, f 1799,' 
Richter, f 4808, Ritter, f 1810, Cavendish, f 1812, Malus,, 
f 1812, Volta, f *827, Davy, f 1829, Ampfcre, f 1836, 
Oersted, f 1851, Biot, Faraday, Brewster, Gay-Lussac, 
Wöhler, Deville, Fechner, Pfaff, Dove, Seebeck, deLarive, 
Arago, Schweigger, Regnault, Gauss, Weber, Poggendorf, 
Neumann. Der mineralische 1 , thierische 2 und tellurische 
Magnetismus. Die magnetischen Vereine durch Alx. v. 
Humboldt, Dove, Gauss, Weber, und ihre Berichte. Den 
Diamagnetismus fand Faraday 1846, den Elektromagne- 
tismus Oersted 1 820 , den Thermomagnetismus Seebeck. 
Die Elektricität des Bernsteins (Thaies, Theophrast). 
Gilberts Verzeichniss der durch Reiben elektrisch werdenden 
Körper, 1600. Guericke's Schwefelkugel als erste Elektrisir- 
maschine. Hausen's Maschine, £750. Kleist's Leydener 
Flasche, 1745. Franklins unitarische Theorie, 1750, Sym- 
merV dualistische, 1759. Volta, Galvani (Darstellung des 
Galvanismus und Magnetismus als tellurische Grundkräfte). 



356 Drillet Buch. Chresimodoktologie. 

Oersted, Seebeck, Davy, Fechner, Ohm, Faraday, de Lame, 
Becquerel, Daniell, Poggendorf, Jacobi, Pfaff u. A. Zar 
Akustik: Baco, Galilei, Newton, Lagrange, Euler, Lä- 
place, Chladni, Savart, Cagniard de Latour, Trevelyan, 
Leslic, Faraday, Marx, Wheatstone, Willis, W. Weber, 
Pelliso w, Ampere, Strehlke, Müttrich. Zar Meteoro- 
logie: Kämptz, Alx. v. Humboldt, Lp. v. Buch, Franklin, 
Saussure, Deluc. Torricellfs Barometer, 4643. DrebbeTs 
Thermometer, 1638. Meteorologische Societat in Manheim 
durch den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz und ihre 
,Ephenieriden'. Zur Atmosphärologie : Deluc s und Dove's 
Gesetz der Stürme. 

1 Becker 4829. — 2 Kluge 4814, Stiegliti und Humlahd 4846.- 
* Recberches sur les raodifications de latmosphere, 4772; deutsch tob 
Gehler 4776 — 78. 

§. 593. Die ersten Spuren einer wissenschaftlichen Me- 
chanik finden sich in den Werken des Aristoteles, doch 
ist Gründer der theoretischen Mechanik erst Archimedes. 
Unter den Alexandrinern Ktesibios, Anthemios, die beiden 
Heron. Seit 1577 Guido Ubaldi, der Marchese del Monte, 
Benadette, Tartalea. Sim. Stevinus stellte ein System der 
Statik und Hydrostatik auf und Valerius bildete die Lehre vom 
Schwerpunkt aus. Galilei, Torricelli, Huyghenfl, JBorelü, Ko- 
berval, Descartes, Mersenne, Wallis, Wren, Newton, J.Ber- 
noulli und Dn. Bernoulli, Mariotte, L'Hopital, Euler, d*Alem- 
bert, Lambert, d'Arcy, Lagrange (,Mecanique analyüque c ). 
Schriften von Poisson, Bezout, Francoeur, Prony, Robinson, 
Gregory, Playfair, Whewell, Karsten, Kästner, Eytelwein, 
v. Baader, Langsdorff. Die Statik zerfallt in Geostatik, 
Hydrostatik, Aerostatik; Statik der Gewölbe, des Land- 
baus: v. Wulffen, 1830, Hlubek, 1841. Ihr Gegensatz ist 
die Dynamik, worauf für die Musik Nägeli eine eigene 
Lehre gründete. 

Poppe, Mechanik des 48- und 49. Jahrh., 4807, und Geschichte der 
Technologie, 4807 fg., und die reiche Literatur über die Technologie 
unten §. 614- 

§. 594. Das unter dem Namen des Euklid auf uns ge- 
kommene Werk über Optik behandelt nur die scheinbare 
Grösse. Im Mittelalter schrieben über Optik: Peckham, 
Roger Baco, Maurolycus, Aquilonius, Porta, in neuester 
Zeit Herschel und Brewster. Ueber Dioptrik und Kat- 
optrik: Alhazen, 1150, Peckham, Baco, Maurolycus, 4500, 



Zweiundvierzigstes Capitel. Naturwissenschaften. 357 

Porta, 1600, Baco von Verulam, 1620. Erfindung der Brillen 
zu Anfange des 14. Jahrh., des Fernrohrs 1590 (1610?), 
des Mikroskops zu Anfange des 17. Jahrh. Kepler, Richer, 
Scheiner, Snellius, Descartes (,Dioptrique c , 1639), Newton 
(,Optics 4 , f704), Bayle, Huyghens, Gregori, Barrow, 
1/ahire, Mariotte, Grimaldi und Hooke, Dollond, Euler 
(,Dioptrica c , 1769 — 71), Clairaut, d'Alembert, Bcjuguer und 
Lambert *. Die Photometrie hat Bouguer zuerst wissen- 
schaftlich behandelt, vollständiger Lambert, 1760. Die 
mathematische oder Linearperspective durch Albr. Dürer 
und Leonardo da Vinci ausgebildet. Gründer der Farben- 
oder Luftperspective ist Jan van Eyck; in Italien gilt 
dafür Paolo Uccello in Florenz zu Anfange des 15. 
Jahrh. 2 . 

1 Klügel, Analytische Dioptrik, 4778. Littrow, Dioptrik, oder 
Anleitung zur Verfertigung von Fernröhren, 4830. Preohtl, Praktische 
Dioptrik, 4828. — 2 Valenciennes Praktische Anleitung zur Linear- 
und Luftperspective (deutsch 4803). Jakobi, Praktische Anleitung zur 
Perspective, 4824. 

§. 595. Die Chemie wird eingetheilt in die theoretische 
und praktische und letztere in die analytische und technische, 
die gerichtliche und polizeiliche. Ihre Geschichte von Wieg- 
leb, 1796, Gmelin, 1797, Dumas (deutsch von Rammeisberg), 
Tromsdorff, 1800, Thomson, 1830, Höfer, 1842, Kopp, 1843. 
Das phlogistische System von Stahl und Becher zu Ende 
des 17. Jahrh. Das antiphlogistische durch Black, Marg- 
graf, Scheele, Priestley, CavendishundLavoisier, 1764 — 94. 
Klaproth, Tennant, Wollaston, Davy, Fourcroy, Vauquelin, 
Wenzel, Richter, Bergmann, Berthollet, Dalton, Proust, 
Berzelius, Rose, Mitscherlich, Gmelin, Stromeyer, Dobe- 
reiner, Brunner, Karsten, Gay-Lussac, Thenard, Persoz, 
Regnault, Peligot, Turner, Graham, Chevreuil, Pelletier? 
Liebig, Zeise, Bunsen, Erdmann, Kane, Mulder u. s. w. 

Lehr- nnd Handbücher von Berzelius, Gmelin, Liebig, Graham, 
Mitscherlich, Dumas (deutsch von Engelhardt). Das Wörterbuch von 
Liebig, Wöhler und Poggendorf. Die Jahresberichte von Berzelius 
(deutsch von Wöhler). Bischof, Lehrbuch der Stochiometrie, 4849. 
Rammelsberg, Stochiometrie, 4842. Karsten, Philosophie der Chemie; 
ebenso Dumas (deutsch von Rammelsberg 4839). Rose über analytische 
Chemie. Schubarth für technische Chemie. Zeitschriften: Poggendorf's 
Annalen, Liebig's und Wöhler's Annalen der Öhemie und Pharmacie, 
Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Chemie, Annales de 
chimie et de physiqne und Journal de chimie et de pharmacie. Fechner, 
Pharmaceutisches Centralblatt, 4 830 — 34 , von Weinlio 4 835 — 43 ; s. unten 
§. 608. Die Geschichte der Alchemie (Alchymie) von ScwsÄwra*. Vfc&t- 



358 Dritten Buch. Chraimodoktoiogie. 

§. 596. Phyto lt>gie: Botanik, Phytonomie, Phytotomie, 
Morphologie, Organologie, Phytophysiologie, Phytochemie, 
Terminologie oder Horismologie, Toxonomie, Phytographie 
und Phytogrographie, Phytopathologie, Phytotherapie, Phyto- 
geologie. Theophrast, Dioskorides. Die ersten Spuren eines 
botanischen Gartens 1309 zu Salerno. O. Brunfels, -f- 4534. 
Hrs. Bock, 1498 — 1554. Kr. Gesuer. Jo. Camerarius. 
Mthi. de L'Obel, 1538 — 1616. Kp. Bauhin, 4 560—1624. 
Morison, 1620 — 83. Kay, 1628 — 1705. Linne, 4 760, Jas- 
sieu (natürliches System, 1789), Brown, Decandolle, Mar- 
tius, Endlicher, Link, Meyer, Schieiden. 

Sprengel, Geschichte der Botanik, 1817 fg. E. Metbb, Geschichte 
der Botanik, 1854 fg. Bischoff, Lehrbach der Botanik, 4834—41. 
Mb Yen, System der Pdanzenphysiologie, 1837 fg. Schleidbn, Grundriss 
einer wissenschaftlichen Botanik, 1841 — 43- Ders., Die Pflanze, iSiS- 
Endlicher und Unger, Handbuch der Botanik, 4843. Ajlx. t. Humboldt, 
Ideen zu einer Geographie der Pflanzen, 1805* 

§. 597. Für Zoologie: Aristoteles, Plinius , Aelian. 
Belonius, Rondelet und Gesner. G. Marggraf, Hernandez. 
Linne, 1735; sein Gegner Buffon. Cuvier. Oken. Kei- 
chenbach. 

Van Hoeven, De aueta et emendata zoologia post Linnaei tempore, 4813- 
Wiegmann, Handbuch der Zoologie, 1843. Cüvibb (deutsch ron Voigt 
1831 — 43).. Oken, Allgemeine Naturgeschichte, 1833 — 38. Reichenbach, 
Vollständigste Naturgeschichte , 4845. Schinz, Systematisches Veneichniss 
aller bis jetzt bekannten Säugethiere, 1844- Für Ornithologie: Vatllaät, 
Vibillot, Temmink, Audubon, Golld, Lesson u. A. Gray, The genera 
of birds etc., 1844 (etwa 350 Tafeln). Meter und Wolf, Taschenbuch 
der deutschen Vögelkunde, 1831. Naumann, Naturgeschichte der Vögel 
Deutschlands, 1822—47. Zur Herpetologie: Dumbril und Bibbon, 
1834 — 42. Zur Ichthyologie: Ccvier , Valenciennes , Agassiz, 
J. Müller, Henle, Yarrell u. A. Aeltere Ichthyologen sind Lacepede 
und Bloch (Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands, 4782)- 
Tscheiner, Der wohlerfahrene Fi&chmeister, 4821. Niemann, Abriss des 
Fischwesens, 1804, und Vollständiges Fischbuch, 1825. Burmeisters 
Handbuch der Entomologie, 1832. Kirby und Spenoe, Entomologie 
(deutsch von Oken 1823). Martini und Chemnitz, Neues systematisches 
Conchyliencabinet, 1769 — 95. Reewes, Kiener, Fercssac und Ross- 
massler, Ikonographie der europäischen Land- und Süsswassermollusken, 
1836. Ueber Anneliden: Saviony, Milne Edwards, Audouin, Ledkardt. 
Ueber Zoophyten: Schweigger, Blainville, Ehrenberg, Milne Edwards, 
Johnston, van Beneden. Ueber Entozoen: Zeder, Götze, Rudolphi, 
Bremser, Nitzsch, Creplin, Tschudi, Leuckardt, Diesing, J. Mulles, 
Siebold, Blainville, Owen, Delongchamps, Cloquet. Rafp, Ueber 
Polypen im Allgemeinen und die Aktinien insbesondere, 1829. 

§. 598. Theile der Anthropologie: Somatologie, Ana- 
tomie , Physiologie , Psychologie , Dynamik. Hartmann, 
Steffens, Heinroth, Berger, Hillebrand, Schulze', v. Baer, 



Dreiundvierzigstes Capitel. Heilkunde, 359 

Burdach, Reichlin- Meldegg. Kant's , Anthropologie'. Carus, 
,Symbolik der menschlichen Gestalt 4 , 1853. * 



Dreiundvierzigstes Capitel. 

Heilkunde. 

§. 599. Biologie gleichfalls eine Disciplin der Natur- 
wissenschaften, daher wol eigentlich Heilkunst richtiger 
als Heilkunde; sie steht, wie Pädagogik und Kriegskunst, 
entre deux und erregt Zweifel in Betreff der Classification. 

Treviranüs, Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur, 4802—22, 
und Gesetze und Erscheinungen des organischen Lebens, 4834 fg. Hufe- 
land's Makrobiotik. Moser, Die Gesetze der Lebensdauer, 1839- Krause, 
Tractatus longam ho.minum antediluvianorum vitam a dubiis vindicans, 4797. 
Sprengel, Geschichte der Medicin, 4792 u. 4824; neue Aufl. von Rosen- 
baum 4844. Choulant, Tafeln zur Geschichte der Medicin, 4822. Prosch 
und Ploss, Medicinisch- chirurgische Encyklopädie für praktische Aerzte, 
4853 — 56. 

§. 600. Die alten Therapeuten und Chirurgen: 
Asklepios, Podaleirios und Machaon; Philoxenos, Gorgias, 
Sostratos, Heron, Apollonios, Ammonios, Tryphon, Megas,- 
Philogrios; Celsus, Galenos, Antius, Paul von Aegina, Oriba- 
sius, Archagathos. — Die Araber Abulkasis, Rhazes, Ali- 
ben-Abbas, Avicenna, Ibn Sohar. — Baderzunft in Frank- 
reich, als 1096 Erzbischof Wilhelm zu ßoueü das Tragen 
der Barte verbot. Collegium der Chirurgen zu Paris, 4271, 
Eintritt Lanfranc's, 1295. Seitdem in Frankreich: Gay v. 
Chauliac, 1363, Ambroise Pare , 1509—90, Guillemeau, 1550 
— 1612, Garengeot, 1688 — 1759, de la Motte, 1655—1703, 
Morand, 1697—1773, Quesnay, 1694 — 1774, A. Louis, 
1723 — 92, Petit, Ledran u. A. Fr. de la Peyonie ist Stifter 
der Academie de Chirurgie, 1731, Desault, 1744, Schöpfer 
der chirurgischen Anatomie. Sabatier, Percy, Boy er, Del- 
pech, Larrey, Dupuytren. — In Italien: W. v. Saliceto, 
1470, Pt. de la Cerlata, 1480; im 16. Jahrh.: J. de Vigo, 
Beniveni, Maggi, J. de Romani, Ferri, Vido Vidius, Della 
Croce, Tagliacozzi, Fabricius ab Aquapendente; im 17. Jahrh.: 
Severinus; im 18. Jahrh.: Molinelli, 1702 — 64, die beiden 
Nannoni in Florenz, Palluci, Bertrandi, 1723 — 65, Flajani 
in Rom, 1786, Paletta in Mailand, 1790, Assalini, 1792, 
Vacca Berlinghieri , Scarpa, 1750—1814. — In England: 
Wiseman, das College of surgeons; im 18. Jahrh.: Cheseldetu, 



360 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

4688—1752, Sharp, Monro, Percival, Pott, William Hunter 
und John Hunter, Bj. Bell, Alanson, Keate, Pearson, Earle, 
John Abernethy,Lattou. s.w.; im49.Jahrh.: Home, Lawrence, 
Hey, Ch. Bell, Hodgson, Travers, Howship, Sm. Cooper 
und Astley Cooper. — In Schweden und Dänemark: 
Acrel und Callisen. — In Holland im 47. Jahrh.: Bar- 
bette, Palfyx, Blancard, C. van Solingen, van Hörne, Nuck; 
im 48. Jahrh.: Gesscher, Camper, Sandifort, Bonn, van Wy, 
Balthazar u. A. — In Deutschland: Hrs. Brunswig, Para- 
celsus, Gersdorf, Fabr. Hildanus, Purmann; der erste Uni- 
versitätslehrer der Chirurgie war Lr. Heister (4683 — 4758) 
in Helmstedt, darauf Platner und Günz in Leipzig, Mau- 
chert in Tübingen, Kaltschmidt in Jena, Siebold in Würz- 
burg u. A. G. Richter in Gottingen. 

Zur Chirurgie: Portal, Hist. de l'anatomie et de la Chirurgie, 
4760 — 73. Albr. v. Haller, Bibliotheca chirurgica, 4774- Duj ardin, Hist 
de la Chirurgie, 4774. Sprengel, St. Hrs. de Vigiliis a Kreuzenfeld Biblio- 
theca chirurgica, 4784; Geschichte der Chirurgie, 4805 — 49. Bbrnsteih, 
Geschichte der Chirurgie, 4822, und Bibliotheca chirurgica, 4829. Richter, 
Anfangsgründe der Wundarzneikunst, 4825. Boter', Traite dea maladies 
chirurgicales , 4844 — 22 (deutsch von Textor 4836 — 44). Langenbeck, 
Nosologie und Therapie der chirurgischen Krankheiten, 4822 — 34. Cooper, 
Lectures on the principles and practice of surgery, 4824« — 34 (deutsch 
4825 — 28 und von Schütte 4836 — 38). Rost, Handbuch der Chirurgie. 
Zur Akiurgie: Sghrbgbr, Grundriss der chirurgischen Operationen, (3. A.) 
4825 fg. Zang, Darstellung blutiger heilkünstlerischer Operationen, (3. A.) 
4832. Grossheim, Lehrbuch der operativen Chirurgie, 4830 — 35. Blastos, 
Handbuch der Akiurgie, (2. A.) 4839 — 42, und Akiurgisohe Abbildungen, 
(2. A.) 4844. Valpeau, Nouveaux elemcnts de medicine operatoire, 4832. 
Colombat de l'Isere , Dictionnaire historique et iconographique de toutes 
les Operations et des instruments, bandages et appareils de la Chirurgie 
ancienne et moderne, 4836. 

§. 601. Die Medicin besteht in der Kenntniss des 
regelmässigen und unregelmässigen Zustandes des mensch- 
lichen Korpers und Geistes, sowie in der Kenntniss und 
Kunst, den unregelmässigen Zustand durch die von der 
Natur gebotenen Mittel zur Regelmässigkeit zurückzuführen. 
Letzteres geschah hauptsächlich auf drei Wegen, durch den 
Empirismus, Dogmatismus und den vermittelnden Rationa- 
lismus. Hippokrates, Galenos, Paracelsus. Das iatroche- 
mische System Helmont's und Sylvius'. Die Iatromathe- 
matiker seit Harvey's Entdeckung des Blutumlaufs. Systeme 
von F. Hoffmann, Stahl, Brown, Hahnemann (Homöopathie), 
Broiissais und Rasori, Kieser (abhängig von Schelling's 
naturphilosophischem System). K. Reh. Hoffmann's ,Ver- 
gleichende Idealpathologie 4 , 1834. 



Dreiundvierzigstes Capitel. Heilkunde. 361 

Sprengel, Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneikunde, 
(3. A.) 4821 — 28- Hecker, Geschichte der Heilkunde, 4823 — 29. 
Friedlander , Vorlesungen über Geschichte der Heilkunde , \ 838 fg. 
Choulant, Tafeln zur Geschichte der Mediein, 4822. 

§. 602. Theile der Anatomie: Osteologie und Chon- 
drologie, Syndesmologie, Myologie, Angiologie und Ade- 
nologie, Neurologie, Splanchnologie. 

Ueber Anatomie für die bildenden Künste : Evrard, 
Genga , 1691, Salvage , 1812, Mascagni , 1815. 

Ueber chirurgische Anatomie 1 : Rosenthal, 1817, Blan- 
din, 1826, Valpeau, 1826 — 37. — Herophilos aus Chal- 
kedon und Erasistratos aus Keos um 300 v. Chr. Mondini 
da Luzzi in Bologna schrieb 1315 das erste Lehrbuch der 
Anatomie. Sturz der Autorität Galen's im 16. Jahrh. durch 
Vesal, Falppio, Eustachi, Colomb, Varoli u. A. ; im 17. 
Jahrh. Harvey und das Mikroskop. J)ie Milch- und Lymph- 
gefässe eutdeckten Aselli, Pacquet, Bartholin und Olaus 
Rudbeck. Wharton über die drüsigen Organe. Malpighi, 
Swammerdam, Ruysch (Einspritzungen der Gefasse); im 
18. Jahrh. besonders italienische Anatomen: Pacchioni, 
Valsalva, Morgagni, Mascagni, Cotunni; in Frankreich: 
Winslow, Lieutaud, Vicq d'Azyr und Bichat; in England: 
Cowper, Cheselden, Hunter, Cruikshank, Monro und Bell; 
in den Niederlanden: Ruysch, Boerhaave, Albin, Camper, 
Sandifort, Bonn; in Deutschland: Haller und die beiden 
"altern Meckel, Sommerring, Loder, Blumenbach, Hildebrand, 
Reil, Tiedemann, Seiler. 

Begründer der pathologischen Anatomie ist Morgagni; 
Lieutaud, Hunter, 'Baillie; ihre wissenschaftliche Form er- 
hielt sie von dem Jüngern Meckel. Bearbeitung dieser 
Wissenschaft für Aerzte durch Bichat und die Schüler 
Broussais' in Frankreich: Lennec, Cruveilhier, Gendrie, 
Bayle, Louis, Andral, Lobstein; in England: Farre, How- 
ship, Bright, Abercromby, Armstrong, Carswell, Mayo, 
Hope, Craigie; in Italien: Palletta, Folchi, Scarpa, Fan- 
zago; in den Niederlanden: Sandifort, Bleuland, Schröder, 
van der Kolk und Sebastian; in Deutschland: Albers, 
Cerutti, Froriep, Hasse, Rokitansky und Jul. Vogel. 

Für vergleichende Anatomie: Cuvier, Meckel, Blumen- 
bach, Tiedemann, Home, Blainville, Geoflroy St.-Hilaire, 
Carus und Oken. 

1 Hecker, Ueber die Bedeutung der chirurgischen Anatamifts WA- 



362 Dritte* Buch. Chresimodoktologie. 

• 

§. 603. Zur Technik der Anatomie schon bei Grälen 
Winke; Schriften von N. Habicot, Lyser, Bartholin, Fa- 
bricius, Cassebohin, Pole-Fischer, Ch. Bell, Hesselbacb, 
Maygrier, Bock, Shaw, Weber und South. 

Anatomische Museen von Ruysch, Bau, Loder, Walter, 
Hunter, Meckel, Sömm erring und Dupuytren L . 

Anatomische Kupferwerke von Vesal, Eustachi, Bidloo, 
Haller, Vicq d'Azyr, Loder, Caldani, Mascagni, Langen- 
beck, Arnold; zum gewöhnlichen Gebrauch: Cloquet, Oester- 
reicher, Weber; für pathologische Anatomie: Meckel, Cru- 
veilhier, Froriep und Albers; für vergleichende Anatomie: 
Carus und Wagner. 

1 Wichelhausen , Ideen über die beste Anwendung der Wachsbildnerei, 
nebst Nachrichten von den anatomischen Wachspräparaten in Florenz, 4798- 
Auzou, Notice sur les preparations artificielles, 4825* 

§. 604. Für Physiologie: Hippokrates, Galenos, Para- 
celsus, Helmont, Sylvius, Harvey, Stahl, Haller (Irrita- 
bilität), F. H. Jacobi. In neuester Zeit: in Frankreich: 
Bichat, L. Dumas, Richerand, Fodere, Chaussier, Coutier, 
Broussais, Dupuytren, Fourcroy, Vauquelin, Magendie, 
Prevost u. A.; in England: Abernethy, Lawrence, Home, 
Brewster, Bell, Nicolls, Brodie, Cooper, Westrumb, Shaw 
u. A.; der Amerikaner Marshall; in Deutschland: Blu- 
menbach, Hildebrand, die Gebrüder Treviranus, Rudolplai, 
Sömmerring, Weisberg, Alx. v. Humboldt, v. Walther , Dol- 
linger, die Gebrüder Weber, Carus, Ehrenberg,, v. Baer, 
Wagner, Burdach, Rathke, Tiedemann, Gmelin, Purkinje, 
J. Müller, Valentin, Helmholtz u. A. Pathologie, TheTapie. 
Das kalte Wasser als Heilmittel seit Anfang des 18. Jahrh.; 
Uebertreibungen von Oertel und Priessnitz. Steinbacher's 
Hydriatik im Dianenbade zu München. 

Pierer, Anatomisch -physiologisches Realwörterbuch , 4846 — 29. Bub- 
dach, Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft, 4826 — 40- J. Möller, 
Handbuch der Physiologie des Menschen, (3- A.) 4837 — 40. Stark, 
Allgemeine Pathologie, oder Naturlehre der Krankheit, (2. A.) 4844 fg. 
Die Zahl der Lehrbücher über Therapie ist sehr gross. Sinogowitz, Die 
Wirkungen des kalten Wassers auf den menschl. Körper, 4840. Hirschel, 
Begründung der Wasserheilkunde, 4840. Für magnetische Heilkunde: 
Mesmer im 48. Jahrh., Villers, Gmelin, Lavatbr, Ennemoser, Trbvi- 

BAHCS, NA88E, KlBSER, KERNER, E8CHENMAYER. 

§. 605. Die Psychiatrie beginnt erst mit Pinel und 
dem Ende des 18. Jahrh. Chiarugi in Italien; Arnold und 
Crichton in England; Weickard, Hoffbauer und Reil in 



Dreiundvierzigstes Capitel. Heilkunde., 363 

Deutschland. Forderer dieser Wissenschaft: Cox, Haslam, 
Wright und Combe in England ; Esquirol , Pariset und 
Georget in Frankreich ; Hörn , Langermann , Heinroth, 
Nasse, Jacobi, Amelung, Bird und Friedreich in Deutsch- 
land; Gualandi in Italien. 

Reil und Hoffbaxjer, Beiträge zu einer Curmethode auf psychischem 
Wege, 4808 — 40. Vering, Psychische Heilkunde, 4847 — 24. Werke 
von Heinroth, Platner, Friedreich. Lexjpoldt, Ueber den Entwicke- 
lungsgang der Psychiatrie, 4833. Schubert, Die Krankheiten und Stö- 
rungen der menschlichen Seele, 4845. Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie 
von Damerow, Flemming und Roller, 4855. 

§. 606. Schriften über Geburtshülfe von Hippokrates," 
Celsus, Galenos, Moschion (im 3. Jahrh.), der sich nach 
Soranos richtete und das erste uns bekannte Hebammenbuch 
verfasste. Das erste gedruckte geburtshülfliche Lehrbuch 
erschien 1513 von Euchar. Rösslin, dann von Ruff in Zü- 
rich, 1553, und Reiff in Strasburg, 1561. H. v. Deventer 
legte durch sein Buch ,Das neue Hebammenlicht 4 (1 701), 1 775, 
den ersten Grund zur wissenschaftlichen Fortbildung der 
Geburtshülfe. Die Zange im Gebrauch Chamberlen's und 
neu construirt von Palfyn in Gent, 1723. 

Osiander, Geschichte der Entbindungskunst, 4799. Siebold, Versuch 
einer Geschichte der Geburtshülfe, 4839. 

§. 607. Die Staatsarzneikunde (medicina publica 
oder politico-forensis) theilt sich in gerichtliche Medicin 
(med. forensis) und medicinische Polizei (politia medica). 
Ambr. Pare (Ende des 16. Jahrh.) ist erster eigentlicher 
gerichtsärztlicher Schriftsteller. Für gerichtliche Me- 
dicin: Henke, Metzger, Wildberg, Klose, Berat, Masius, 
Mende u. A. Für medicinische Polizei: J. Pt. Frank. 

Siebenhaar, Encyklopädisches Handbuch der gerichtlichen Arzneikunde, 
4838 — 40. Most, Ausführliche Encyklopädie der gesammten Staatsarznei- 
kunde, 4838 — 40. Henke's Zeitschrift der Staatsarzneikunde. 

§. 608. Pharmakologie, Pharmacie. Mantias, ein 
Schüler des Herophilos in Alexandrien, soll die erste 
Pharmakopoe geschrieben haben. Heras aus Kappadokien 
schrieb 50 v. Chr. in Rom das erste pharmaceutische Werk. 
Andromachos, Leibarzt des Nero, ist Erfinder des Theriak. 
Almansor's erste Apotheke in Bagdad. Das erste Dispen- 
satorium soll Sabor Sahel (Mitte des 9. Jahrb.) geliefert 
haben; im 12. Jahrh. von Abul Hassan ein solches. Da& 
im 12. Jahrh. bekannte ,Antidotarium c von N. Präpositus. 
aus Salerno. - 



364 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

Das beste Handbuch der Pharmacie von Geiger (Bd. 4 von Libbig, 
Bd. 2 von Esbnbeck, Dibrbach und Mabqüart). Ddflos, Handbuch 
der pharmaceutisch - chemischen Praxis, 4838. Soübbiban, Pharmacie 
(deutsch von Schödler). Archiv der Pharmacie von Brandes seit 4823, 
für Pharmakologie von Mitschbblich, Sossenheim u. A. 



Vierundvierzigstes Capitel. 
Staats Wissenschaften. 

§. 609. Divergirende Ansichten über die Entstehung 
des Staats *. Staatstheorien von Hobbes, Filmer, Algernon 
Sidney, John Locke, der Independenten, von Rousseau, 
v. Haller. 

1 Cicero (De rep., I, 32) meint: Civitas juris societas. Vico, Principi 
di nuove scienze etc. , 4725- Montesquieu, Esprit etc., 4749. Ferguson, 
Essay on the history of civil society, 4767. Pagawo, Saggi de* principi 
della societa, 4800. Hüllmann, Urgeschichte des Staats, 4847. 

§. 610. Die Staatswissenschaften finden ihre Ver- 
einigung in dem Grundbegriff, dass sie sich auf die Er- 
reichung der Zwecke des Staats beziehen. Bülau classi- 
ficirt sie in zwei Gruppen. 

1) Für das innere Staatsleben: allgemeine Staatslehre, 
Geschichte des europäischen Staats, Verfassung und 
Verwaltung der europäischen Staaten, Statistik, Politik. 
2) Für das äussere Staatsleben: philosophisches Staaten- 
recht, Geschichte des europäischen Staatensystems, prak- 
tisches europäisches Völkerrecht, positives Staatenrecht, 
Staatenpolitik. Staatspraxis. Dahlmann's ,Politik c , S. 182. 

Weitzel, Geschichte der Staatswissenschaften, 4834 — 33« Mohl, 
Literarisch - historische Uebersicht über die Encyklopädie der Staatswissen- 
schaften in der Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft, 4845* 
Ders. , Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften, in Monographien 
dargestellt, seit 4855. Jacob, Einleitung in die Staatswissenschäft, 4849- 
Encyklopädien: Pölitz, v. Lamprecht, Bülau, 2. A. 4 855; für Kameral- 
wissenschaften: Walther, Schmalz, Fulda, Rau. Haoen, Von der Staats- 
lehre und von der Vorbereitung zum Dienste in der Staatsverwaltung , 4 839« 

§. 611. Das Gesammtgebiet der Staatswissenschaften 
benannten die Griechen mit dem Ausdruck Politia oder 
Politik, als die Lehre von den Mitteln zur Lösung der 
Aufgaben des Staats. Dessen Aufgaben bestehen in dem 
Schutz der Rechte und Freiheit jedes Einzelnen, in der Be- 
gründung der Stärke und- Sicherheit des Staats, in der 
Beförderung des allgemeinen Wohlstandes. 



Vierundvterzigsles Capitel. Staatswissenschaften. 365 

Ein Verzeichniss der zahlreichen griechischen Schriftsteller über* Politik, 
unter denen Plato und Aristoteles die wichtigsten und auch diejenigen sind, 
von welchen ganze Werke oder doch bedeutende Bruchstücke erhalten sind, 
gibt Wachsmuth, Hellenische Alterthumskunde, II, 4, 438. Neuere: 
Bodinus, De rep., 4584; Macchiavelli, Buch vom Fürsten (über ihn Fichtb 
in den nachgelassenen Schriften, II, 407). Friedrich's d. Gr. Antimacchiavell 
gehört nicht zu den leitenden Gedanken, die der Konig späterhin befolgte. 
Wolf , Vernünftige Gedanken von dem geselligen Leben der Menschen etc., 
(ö. A.) 4740. Montesquieu ist durch sein Werk: Esprit des lois, 4748, 
Vater der neuern Politik geworden. Filangieri, La scienza della legis- 
lazione, 4783 — 86. Luden, Handbuch der Staatsweisheit oder Politik, 4844. 
Koppen, Politik nach piaton. Grundsätzen, 4848- v. Haller, Restauration 
der Staatswissenschaft , 4846 — 24 . Pölitz , Die Staatswissenschaft im Lichte 
unserer Zeit betrachtet, 4823 fg. Schlözer, Systema politices, 4774. 
Spittler, Vorlesungen über die Politik, 4828. Dahlmann, Die Politik 
auf den Grund und das Mass der gegebenen Zustände zurückgeführt, 4835. 
Zacharia, Vierzig Bücher vom Staate, 4820 fg. Heeren's Ideen etc. 
v. Rotteck und Welcker, Staatslexikon, oder Encyklopädie sämmtlicher 
Staatswissenschaften, 4845 — 48; 3. A. 4856fg. — Verfassungspolitik: 
Jefferson, Handbuch des Parlamentsrechts etc. (deutsch mit Anmerkungen von ~ 
L. v. Henning 4849). Krug, Das Repräsentativsystem, 4846- Brendel, Ge- 
schichte, Wesen und Werth der Nationalrepräsentation, 4847. Pölitz, Das 
constitutionelle Leben, 4834. Bj. Constant, Cours de politique constitutio- 
nelle, 4848 fg. Aristoteles' Politien und Parekbasen 

Monarchie. Aristokratie. Demokratie. Despotie. Oligarchie. Ochlokratie. 

(Timokratie, 
Plutokratie.) 

Zur Geschichte der europäischen Staatsformen: Kortum, Zur 
Geschichte hellen. Staatsverfassung, 4824. Tittmann, Griechische Staats- 
verfassung, 4822. Robertson, Mably, Moser, v.* Gagern, Hullmann, 
Vollgraff u. A. — Staatsverfassungen: Pölitz, Die Staatensysteme 
Europas und Amerikas seit 4783, 4826. Schubert, Die Verfassungen etc., 
4848 fg. Heeren, Handbuch der Geschichte des europäischen Staaten- 
systems und seiner Kolonien, 4809 (5. A., 4830), mit reicher Literatur. — 
V er w al tu ngs politik: Malchus 4823 fg. Bölau, Die Behörden in 
Staat und Gemeinde, 4836. v. Vincke, Verwaltung Grossbritanniens. — 
Rechtspolitik: Beccaria, Filangibri, Bentham, Zacharia, Mittermaier, 
Krug, Dikäopolitik, 4824. Richter, Das philosophische Strafrecht, 4829. — 
Militärpolitik (über stehende Heere, Nationalmiliz, Landwehr, Volks- 
bewaffnung oder Landsturm): Rotteck, Liebenstein, Cancrin, Krug, 
Gersdorf, Sporschil. Schulz -Bodmer, Militärpolitik, 4855- Liechten- 
stern, Ueber den Begriff der Diplomatie, 4844, und: Was hat die 
Diplomatie als Wissenschaft zu umfassen? 4820. Kölle, Betrachtungen 
über Diplomatie, 4838. Aehnliche Arbeiten von Wicquefort 4764, 
Garden 4833, Winter 4830, K. v. Martens 4822 (2. A., 4832). Samm- 
lungen von G. F. und K. v. Martens, Koch, Scholl, Kluber, v. Meyer. 
Flassan, Hist. de la diplomatie franc., 4844. Diplomatische Werke von 
Cussy, Martens, Mensch, Wheaton 4855. Neumann, O es tr eich s Staats- 
verträge, 4856. 

§. 612. In neuerer Zeit sind durch J. Jo. Becher und 
durch das Rescript König Friedrich Wilhelm's I. von Preussen 
voni 24. Jan. 1727 (wegen Einführung von Professuren der 
Oekonomie und Kameralwissenschaften zu Halle und m 



366 Drittes Buch. Chresimodoktolotjie. 

Frankfurt a. d. O.) zwei Capitel der Politik in dem Masse 
erweitert worden, dass sie sich zu selbständigen Wissen- 
schaften erhoben haben, die Polizeiwissenschaften und 
die Staatswirth schaft oder politische Oekonomie. 

Polizei Wissenschaft (Rechts-, Sicherheits-, Wohlfahrts-, Press- und 
geheime Polizei): Heubach und Binder, De politia Rom., 4794; Jcsti, 
Sonnenfels, Lotz, Emmermann, Graf v. Soden, Harl, v. Jacob, Grund- 
sätze der Polizeigesetzgebung und der Polizeiaustalten, 4809; Rb.'y. Mohl, 
Polizeiwissenschaft nach den Grundsätzen des Staatsrechts, (2. A.) 4844; 
Zimmermann, Die deutsche Polizei im 49* Jahrh., 4845. — Den theore- 
tischen Theil der politischen Oekonomie bildet die Lehre vom 
National reich thum oder von der Nationalökonomie oder von der Volks- 
wirtschaft, den praktischen dagegen eine Theorie der staatswirth- 
schaft liehen Gesetzgebung (Grundsätze der Volkswirthschaftspflege) 
und die Lehre von der Regierungswirthschaft (Finanzwissenschaft, d. i. 
finatio, finesse; financia = Abgabe, oder finänees = Staatsschatz; darüber 
v.Jacob, v. Malchüs, Weber 4849 und Rau 4823 u. 4825). Dreitheilung 
in reine, in angewandte Nationalökonomie und in Finanzwissenschaft. 
Oberndörfer, System der Nationalökonomie, 4832. Harl, Vollständiges 
theoretisch -praktisches Handbuch der gesammten Steuerregulirung, oder die 
allgemeine und besondere Steuerwissenschaft, 4827. — Das Vermögen 
behandeln die alten Schriftsteller entweder als Gegenstand der Privat- 
ökonomie, oder auch als ein für die Erhaltung des Gleichgewichts in der 
Verfassung wichtiges Moment. Hagen, Observationes oeconomico-politicae 
in Aeschinis dialogum Eryxias, 4822. Xenophon und Aristoteles (als 
staatswirthschaftliche Schriftsteller) in Rau 's Ansichten der Volkswirthschaft. 
Hildebrandt, Xenophontis et Aristotelis de oeconomia publica doctrina 
illustrata, 4847. Böckh, Staatshaushalt der Athener. Ueber römische 
Finanzen: Hegewisch, Bosse, Bürmann, De vectigalibus, 4694; Kraut, 
De argentariis, 4826; v. Savigny, Die römische Steuer Verfassung unter 
den Kaisern ,• 4 822. Ueber staatsökonomische Grundsätze des Alterthums: 
Blanqui, Hist. de l'economie politique en Europe depuis les anciens jnsqu'ä 
nos jours, 4837 fg. (deutsch von Buss 4840); Reynier, De l'economie 
publ. et rurale des Grecs, 4825; Roügier de laBergerie, Hist. de Tagri- 
culture anc. des Grecs, 4830; Papst, De agricultura ap. Germanos, 4794; 
Jacob, De reb. rusticis vet. Germ., 4833. Anton, Geschichte der deut- 
schen Landwirthschaft, 4799. — Das Mercantilsystem Colbert's und das 
physiokratische Qdesnay's. Ad. Smith (Inquiry into the nature and causes 
pf the wealth of nations, 4794 u. 4845, deutsch von Garve, 3. A., 4840) 
begründete 4776 das wahre, auf Erkenntniss der Naturgesetze und des 
Güterlebens wurzelnde System der Nationalökonomie. Unter seinen An- 
hängern sind: in England: Ricardo (Die Grundsätze der politischen 
Oekonomie, oder die Staats wirthschaft und die Besteuerung, deutsch von 
Schmidt 4824 und Baumstark, mit Anmerkungen, 4837 fg.), Will, 
M'Cülloch und Malthus, Chalmers (Historical view of the domestic 
economy etc., 4842); in Frankreich: Say (Traite d'economie politique, 
O.A., 4828), Ganilh, Droz, Blanqui und Dünoyer; in Deutschland: 
v. Jacob (Grundsätze der Nationalökonomie, oder Theorie des National- 
reichthums, 3. A., 4825), Sartorius, Kraus, Lotz, Graf v. Soden, 
v. Storch, Rau (Lehrbuch der politischen Oekonomie, die beste Schrift 
in diesem Fache), v. Malchus (Handbuch der Finanz Wissenschaft und 
Finanzverwaltung, 4830), Zachariä, Bölau (Handbuch der Staatswirth- 
schaftslehre , 4835), Hagen, Hermann, Küdler, Eiselen, Schütz, 
v. L ave rgne -Pegüilhen (Grundzüge der Gesellschaftswirthschaft , 4838 
— 44),, List (Das nationale System der politischen Oekonomie seit 4844), 



Vierundvierzigstes Capitel. Staatswissenschaflen. 367 

Hildebrand (Die Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft, 4848). 
Custodi gab die italienische Nationalökonomie in 50 Bdn., 4807 fg. 
Pecchio, Storia della economia publica in Italia , (2. A.) 4832. Cibrario, 
Dell' economia publica del medio evo, (2. A.) 4844. Der Socialismus 
und Communismus eines Owen, Saint -Simon und Foürier. Weitling, 
Garantien der Harmonie und Freiheit, 4842. Becker, Die Volksphilosophie 
unserer Tage, 4843. Zur volkswirtschaftlichen Literatur: Röscher 4854, 
Reichenbach 4854, Royer de Behr 4854, Hirsch 4854, Böhmbrt 4854, 
Weiss 4855. Glaser, Anfänge der ökonomisch -politischen Wissenschaften 
in Deutschland, in der Zeitschrift für die gesammten Staatswissenschaften, 
4 854, Heft 3 u. 4- Diese Zeitschrift enthält zugleich eine staatswissenschaft- 
liche Bücherschau. 

§. 613. Die Statistik oder Staatskunde basirt auf 
Geschichte und Naturwissenschaften (auch Geographie) und 
handelt von der Grundmacht, Cultur, Verfassung und Ver- 
waltung der Staaten. Schnitzler definirt sie als die wissen- 
schaftliche Erläuterung der verschiedenen Interessen jeder 
in dem politischen Leben wohlorganisirten Volksmasse. 
Napoleon errichtete als Consul das erste allgemeine stati- 
stische Bureau in Europa und nannte Statistik die Wissen- 
schaft, welche unter dem Gesichtspunkte der Wahrheit eine 
angemessene Beurtheilung, richtige Entscheidung und ein 
entsprechendes Budget für alle Staatsverhältnisse fassen 
lässt. 

Statistische Nachrichten liefern fast alle Historiker und 
Geographen von Herodot an, besonders Xenophon und 
Aristoteles, die ,Notitia dignitatum utriusque imperii 4 *, die 
venetianischen Gesandtschaftsberichte seit Ende des 1 3. 
Jahrh. 2 . Als erster statistischer Schriftsteller wird der 
Venetianer Marino Sanudo (1485) genannt. Durch San- 
sovino, 1567, und Botero, 1592, wurde die Statistik zu' 
einer besondern Wissenschaft erhoben. Es folgten d^Avity, 
Conring, Oldenburger, Böse, Gastel, Zech (von Franken- 
berg), die Holländer (de Luca und Everh. Otto), Achen- 
wall, 1749, Walch, Reinhard, Toze, Crome, Büsching, 
Schlözer, 1737 — 1809, Meusel, Mannert, Hassel, Schubert 
seit 1835, Franzi u. A. Angriffe auf die Statistik von Lühder 
und Wachsmuth, Verteidigung von Engelstoffl. 

1 Darüber Böcking 4834. — 2 Ranke, Fürsten und Völker von 
Südeuropa, 4827 fg. Wörl, Erläuterung zur Theorie der Statistik in 
näherer Rücksicht für Staatszwecke, 4844. Muller, Statistisches Jahr- 
buch seit 4845. Zeitschriften von Berghaus, Lodde, Mahlmann, Ballois, 
Deferriere, de Ferussac, Graberg de Hemsö. Statistische Bureaus 
und Vereine: der älteste war die schwedische Tabellencommission 4750; 
in Berlin besonders thätig Hoffmann und Dieter ici. Brachelli , Deutsche 
Staatenkunde, 4856- 



368 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

§. 614. Der ausgebreiteten Literatur auf dem Gebiete 
der Technologie entspricht die Vermehrung gewerblicher 
Vereine und Lehranstalten aller Art, sodass es an Mitteln, 
sich technische Kenntnisse zu erwerben, nicht fehlt. Cp. 
Bernoulli (geb. 4782) gehört zu den fleissigsten Schrift- 
stellern in Bearbeitung der rationellen Technologie und 
seine Schriften bilden den Uebergang von der altern Behand- 
lungsweise dieser Wissenschaft zu der neuern rationellen 
Methode. Karmarsch (geb. 1803) führte die allgemeine 
Technologie in die Lehranstalten ein. 

y. Gulich, Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe und 
des Ackerbaus, 4830- Bernoulli's Handbuch, 4833 — 34 u. 4840; 
Poppe'8 (geb. 4776) 4806 — 40; Geschichte der 'Technologie, 4807 — 44; 
Technologisches Lexikon, 4845 — 20; Lehrbuch, 4849; Technologie in 
ihrem ganzen Umfange, 4 829 ; Universalhandbuch, 4 837 fg. ; Lehrbuch der spe- 
cialen Technologie, 4838- Engelmann, Bibliotheca technologica, (2. A.) 4844- 
Pbechtl, Technologische Encyklopädie , 44 Bde., 4830 — 46. Karmarsch, 
Grundriss der mechanischen Technologie , 4 837 — 44 . Rbbs , Encyclopaedia. 
Dictionnaire technologique. Hebert, Engineers and mechanics encyclop., 
4 835- Urb , Technisches Handwörterbuch. Ueberfluss an technischen Zeit- 
schriften. V..PRBCHTL, Technologische Encyklopädie, 20 Bde., 4830 — 55. 
Wolff, Handbuch der höhern Kunstindustrie, 4856. Die Krunitzscbe 
Encyklopädie, ein ökonomisch -technologisches Handbuch, seit 4773, besteht 
jetzt aus 234 Bänden und reicht bis zum Artikel Wassersucht. Bernoulli, 
Handbuch der Dampfmaschinenlehre. Herfort , Allgemeines Waaren- 
lexikon, 4856. 



Fünf und vi erzigst es Capitel. 
Kriegswissenschaften. 

§. 615. Zu diesen gehören vorzugsweise die Waffenlehre, 
mit Einschluss der Taktik, die Befestigungskunst, Terrain- 
lehre und die Kriegsgeschichte, welche zugleich die viel- 
fachen Veränderungen der Strategie umfasst. 

Rumpf, Allgemeine Literatur der Kriegs Wissenschaften, 4 824- Eaüsler, 
Kriegsgeschichte aller Völker, 4 825- Baumgärtnbr, Sammlung aller Kriegs- 
schriftsteller der Griechen, 4779- Rüstow, Geschichte des griechischen 
Kriegswesens, 4854. Ders., Heerwesen und Kriegführung Cäsar's, 4855. 
Ders., Der Krieg und seine Mittel u. s. w., 4856. Carion Nisas, Hist. de 
l'art de guerre, 4824, und: Essai sur l'hist. gen. de l'art militaire etc., 4824* 
J. Gp. v. Hoyer, Geschichte der Kriegskunst, 4797 — 4800. Die Literatur 
zur Kriegsgeschichte seit der Revolution findet sich in der Geschichte der 
Kriege etc., Leipzig, 4827 fg. 

§. 616. Das Hauptwerk über das Geschichtliche der 
Waffen ist Meyrick's ,Critical inquiry into ancient armour 
and weapons of war 4 , 4824. Ueber Taktik oder die Lehre 



Fünfundvierzigstes Capitel. Kriegswissenschaften. 369 

von dem Verhalten der Truppen auf dem Marsche, im Lager 
und beim Gefecht: Brandt, , Grundzüge der Taktik', in der 
^Handbibliothek für Offiziere', VI, * , 4833. Decker, ,Die 
Taktik der drei Waffen (Infanterie, Cavalerie und Artillerie) 
einzeln und verbunden 4 , (2. A.) 1833. Xylander, ,Lehrbuch 
der Taktik 6 , (2. A.) 4834. Clerk, ,Essai on naval tactics c , 
4781 und 1804. lieber Festungsbau schrieben Blondel, 
Sturm, Herlyn, Glaser, Belidor, Dufay, Jombert, Fellois, 
Filey, La Chiche, de Bodt, Naumann, Pirscher, Trincano, 
Stälswerd, Flevigny, Keveroni, Böhm, Struensee, Bous- 
mard , Hacquet , Virgin , Blesson , Choumara , Zastrow, 
Fürst Ernst von Aremberg und Dufour. Sir John May, 
^Betrachtungen über die beschleunigten Festungsangriffe 4 
(deutsch von Bormann 4822). Die Strategie oder die 
militärische Verwendung des Heeres ist ein Theil der 
Feldherrnkunst, welche ausserdem noch auf diplomatischen, 
politischen und finanziellen Kenntnissen basirt. Die Stra- 
tegie ist ebenso wenig zu erlernen wie die Poesie, daher: 
Imperator et poeta non fiunt, sed nascuntur. Der Frieden 
erzeugt keinen Feldherrn. Erzherzog Karl , , Grundzüge der 
Strategie, erläutert durch den Feldzug von 4796 in Deutsch- 
land 4 , 4844. Valentini, ,Die Lehre vom Kriege 4 , 4824 — 23. 
C. v. W. (Müffling), ,Zur Kriegsgeschichte der Jahre 484 3 
und 4814 4 ; ,Die Feldzüge der schlesischen Armee unter dem 
Feldmarschall Blücher 4 , 4824. Clausewitz, ,Hinterlassene 
Werke über Krieg und Kriegführung 4 , 4832 — 37; sein Fort- 
setzer in gewisser Art: Ponitz, ,Briefe eines Verstorbenen 4 . 
§. 617. Die Kriegsgeschichte ist ein Theil der all- 
gemeinen Geschichte und in Verbindung mit der Staaten- 
geschichte diejenige Wissenschaft, welche man gewöhnlich 
mit dem Ausdruck Geschichte zu bezeichnen pflegt, die 
sogenannte politische Geschichte, zum Unterschiede von 
den übrigen Zweigen der historischen Wissenschaften. 

Köpke, Kriegswissenschaft der Griechen im heroischen Zeitalter, 4807. 
Nast, Einleitung in die griechischen Kriegsalter thümer, 4780- Guischard, 
Mem. milit. sur les Grecs et les Rom., 4758. Lipsius, De militia Rom., 4596. 
Salmasius, De milit. Rom., 4657. Nast und Rösch, Römische Kriegs- 
alterthümer, 4782. Habicht, De re milit. Rom., 4829. Kapp, De re 
navali Atheniensium. Möller, Seewissenscbaft , 4794. Schriftsteller des 
classischen Alterthums: Aeneas der Taktiker, Onosandros, Kaiser Hadrian, 

AbRIAN,P0LYÄN0S,Kn8T.P0RPHYR0GENNBT0S, NlKEPHOR08PHOKAg,963— 969. 

Die Kriegskunst nach den Erfahrungen des classischen Alterthums ist von 
Macchiavelli , 4524 , bearbeitet; die Artillerie von dem Mathematiker 
Tartaglia, 4537; der Festungsbau von Francesco deMarchi, 4599; das 

Merleker. %\ 



370 Drilles Buch. Chmimodoktologi*. 

gesammte Kriegswesen seiner Zeit anschaulich geschildert von Lad. Fbois- 
pbboeb, 4555. Im 47. Jahrh. standen die Lehrbücher der Spanier in 
grossem Ansehen. Durch die Niederländer Snell und Stevin wurde der 
Festungsbau vervollkommnet. Wesentliche Veränderungen in der Kriegs- 
kunst durch König Gustav Adolf, dessen System die meisten grossen Feld- 
herren befolgten. Schriftsteller: Moktbcüculi, Moritz, Marschall von Sachsen, 
4696 — 4 750, Rimpleb, t 4683, Vaüban, 4688, Bilfikgeb, 4733, Bblidoi, 
4729, Robims, Euler, 4745, J. de Beaubam, f 4774, Friedrich d. Gr., 
Lloyd, 4767, Guibbbt, 4770, Tielkb, 4775, v. Tbmpblhof, 4783, Saldbbs, 
4784, v. Berbnhorst, 4798, P. Gr. d'Arcy, Jean le Blond, Montalbmbert, 
4776; im 49. Jahrh.: Carhot, Sohabnhorst, H. v. Bülow, Jomiri, 
Valbntini, Napoleon, Erzherzog Karl, Claüsewitz u. A. Chambrat, 
Veränderungen der Kriegskunst von 4700—4845 (deutsch 4830). Crbast, 
The fifteen decisive battles of tbe world , 4 854 , und danach gearbeitet 
v. Bern eck, Das Buch der Schlachten , 4856* ▼. Wicebdb, Vergleichende 
Charakteristik der östreichiscben , preussischen , englischen und französischen 
Landarmee, 4856. Schmarda und Mörderler , Vollständige Anleitung zur 
Feldbefestigungskunst, 4856. Jobdam, Geschichte der brandenbnrgisch- 
preussischen Kriegsmarine, 4856. 



Sechsundvierziggtes Oapitel. 
Rechtswissenschaft. 

§. 618. Was ist von der Behauptung ▼. Kirchmann's 
(4847) zu halten, dass die Jurisprudenz keine Wissenschaft 
sei? Encyklopädien (seit Pütter, 1767) und Methodologien 
von Hufeland, Mühlenbruch, Thibaut, Palck, WeJcker, 
Warnkönig (1853), Ahrens (seit 4855) u. A. 

Tittmann , Handbuch für angehende Juristen ( neue Aufl. von Pfotbä- 
nAUER), 4846. Stahl, Philosophie des Rechts nach geschichtlicher Ansicht, 
4830—37 u. 4845 — 46. Ersch, Literatur der Jurisprudenz und Politik, 
(2. A.) 4823. Die Literatur der Gesetze gibt Mittermaikr in seinem 
Privatrecht, (7. A.) 4847. — Quellen der Rechtswissenschaft: 
Dabelow , Geschichte sämmtlicher Quellen des gemeinen deutschen positiven 
Rechts, 4797. — Zur Rechtsgeschichte: Filangieri, Scienza delia 
legislazione, 4780 fg. Gogobt, De l'origine des lois, des arte et des 
sciences, 4758. Pastorbt, Hist. de la legislation, 4847 — 37. Mrybr, 
Esprit, origine et progres des insütutions judiciaires des principaux peuples 
de l'Eürope, 4849 — 23. Gams, Das Erbrecht in weltgeschichtlicher Ent- 
wicklung , 4824 — 35. Esmabch, Romische Rechtsgeschichte, 4855. — 
Zur Specialrechtsgeschichte: für griechisches (attisches) Recht: 
Pbtitüs, Wesseling, Salmasius, Hrraldus, Bcnsen, Pastorbt, Schö- 
mamn (Antiquitates jur. public. Graec, 4838), Mbibb, Platneb (Notiones 
juris etc., 4849), Hbfftbb, de Boor, Zacharia v. Linqbnthal (Geschichte 
des griechisch - romischen Rechts ); für französisches: Silberrad 
und Fleurt, Bernabdi (De l'origine et des progres de la legislation 
franc., 4846), Warnkönig, Schaffner; für englisches: Halb (History 
of the common law of England, 4660 n. 4794), Rbmvbs (Hist. of the 
English law, 4844 — 29), Crabb, Stephen; Philipp (Geschichte des angel- 
sächsischen Rechts, 4825), Sohmid (Die Gesetze der Angelsachsen, 4832). 
Anhee, Dänische Rechtsgeschichte (in seinen gesammelten Schriften), 4807, 
Koldebup-Rosenvinoe, Grundriss der dänischen Rechtsgeschichte (deutsch 
von Homeytr 4825). Ewers, Das älteste Recht der Russen in seiner 



Sechsundvierzigstes Capitel. Rechtswissenschaft. 371 

^geschichtlichen Entwickelang, 4826. — Zur Rechtsdogmatik: Mbrlin, 
Repertoire universel. Vineb, General abridgement, 4744. Müller, Promtua- 
ri um juris, 4792 — 97, und Bayer's dazu gehöriges Supplementum , 4800 fg. 
Dalloe gab seit 4 825 ein Repertorium der Rechtswissenschaft heraus und ver- 
anstaltet jetzt eine neue Auflage: Jurisprudence generale, ou repertoire metho- 
dique et alphabetique de doctrine, de jurisprudence et de legislation etc., 4855. 

§. 619. Rcchtstheile: 4) Oeffentliches Recht 1 . 

a) Staatsrecht 3 , b) Regierungsrecht, c) Kameral- und 
Finanzrecht 8 , d) Volkerrecht. 2) Privatrecht 4 , a) Civil- 
recht 6 (Personen-, Sachen- 6 und Obligationenrecht). 

b) Kirchenrecht. c) Polizeirecht 7 . d) Criminalrecht. 
e) Processrecht. 

Dem sogenannten speciellen Privatrechte gehören an: 
das Privatfurstenrecht, Kriegs- oder Soldatenrecht, Lehn- 
recht, Handels-, Wechsel- 8 , Assecuranz- und Seerecht 9 , 
Deichrecht. 

1 Maurenbrecher, Die deutschen regierenden Fürsten und die Sou- 
veränetat, 4839, mit Stahl's Recension in Richter's Kritischen Jahr- 
büchern, IX, 97 fg. — 3 Bearbeitet seit Arümaus, f 4637, Cocobji 4695, 
Moser, f 4785, Mütter, f 4807, Aretin, f 4824. Rotteck, Staatsrecht 
der constitutionellen Monarchie, 4824. Heffter, Beitrage zum deutschen 
Staats- und Fürstenrechte, 4829. Hopfens ack, Staatsrecht der Unterthanen 
der Romer, 4829* Rönne, Staatsrecht der preussischen Monarchie, 4856. 
Zöpfl, Grundsätze des Staatsrechts (4. A.). — 3 Das Wort camera kommt 
schon im 9> Jahrh. in der Bedeutung von Schatzkammer oder fürstliches Ver- 
mögen vor. — 4 Unterholzner, Ueber die Classification der Privatrechte, 
in dessen Abhandlungen, 4840. Gerber, Das wissenschaftliche Princip des 
gemeinen deutschen Privatrechts, 4846. Kraut, Grundriss der Vorlesungen 
über das deutsche Privatrecht, 4830. — 5 Heise, Grundriss eines Systems 
des gemeinen Civilrechts, 4849. — 6 v. Savigny, Das Recht des Besitzes, 
(6. A.) 4837. — ; 7 Lotz, Ueber den Begriff der Polizei, 4807, und 
Kurze Geschichte der Polizeigesetzgebung in Deutschland. Jacob, Grund- 
sätze der Polizeigesetzgebung, 4809« Henrici, Theorie der Polizeiwissen- 
schaft, 4808 u. 4840. Rosshirt, Ueber Begriff und eigentliche Bestimmung 
der Staatspolizei, 4847. Mohl, Die Polizeiwissenschaft nach den Grund- 
sätzen des Rechtsstaates, (2. A.) 4844- Ueber das Untersuchungs - und 
Bestrafungsrecht der Polizeibehörden, im Neuen Archiv des Criminalrechts, 
S. 273 — 289. — 8 Püttmann, herausgeg. von Martens 4805» Treitscbke 
4830, Meissner 4836, Einert 4839. Arenz, Ueber Ursprung und Ent- 
wickelung des Wechsels und des Wechselrechts, 4855. — 9 Lex Rhodia 
de jactu im Cod. IV, Tit. 60. Barcelona^ Consolato del mare. Wisby's 
Waterrecht im 43- Jahrh. Pardbssus, Coli, des lois maritimes anterieures 
au 48 me siecle, 4828. Wissenschaftliche Bearbeitungen: in England von Ro- 
binson, Ward, Howard, Wheaton; in Frankreich von Aüdouin, Rayneval, 
Boücher und Boülav-Paty, Cours de droit commercial maritime, 4824; 
in Italien von Galiani, Azuni, Systema univers. dei principj del diritto, 
marit., 4759; Plantanida, Della giurisprudenza maritima, 4806; in Deutsch- 
land von v. Martens, Gildbmeister , Busch, Jacobson, Englisches See- 
recht, 4805; Seerecht des Friedens und Krieges, 4845. Sammlung von 
Handelsgesetzen von Maiseau, Repertoire universel du commerce et de la 
navigation, 4 824 — 27- Lehrbücher von v. Martens 4 820, Bender 4 824 -*- 28, 
Pohls 4828 — 34, ▼. Kaltbnborn 4852 — 53. Härder, Das Schiffs- und 
Seerecht, 4855. 



372 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

§. 620. Das Naturrecht erscheint in den Schriften- 
des Alterthums noch nicht von der Moral abgesondert 1 . 
Als Grunder des Naturrechts kann Hg. Grotius angesehen 
werden, dessen Werk ,De jure belli et pacis', J6$5 a , zu- 
nächst nur völkerrechtliche Verhältnisse zum Gegenstande 
hat, aber durch seinen grossen Einfluss auf Philosophen 
und Rechtsgelehrte 8 die darauf folgende Bearbeitung der 
Wissenschaft entschied. Der erste Lehrstuhl des Natur- 
und Volkerrechts wurde -4661 in Heidelberg für Sm. Pufen- 
dorf errichtet, dessen ,Naturrecht c 4 672 erschien 4 . Die 
Geschichte der Wissenschaft und der verschiedenen natur- 
rechtlichen Systeme geben: Oersted, 4798, Henri ci, 4840 
und 4822, Hinrichs, 4829, Lintz, 4846. Kritische Unter- 
suchungen enthalten: Feuerbach, 4796, Schleiermacher, 4803, 
Hoffbauer, 4846, Stahl 6 , Hegel , Gärtner 7 , F. v. Raumer 8 , 
Hufeland, Schmid, Fichte, Koppen, Gros, Hoffbauer, Bauer, 
Droste- Hülshoff, Reinhold, Fries*. Ueber positives gott- 
liches Recht: Hg. Grotius 10 . Ueber Mosaisches Recht: 
Michaelis, 4770—75, und Saalschütz, 4846". 

* Stephan, Ueber das Verhältnis« des Natnrrechts zur Ethik und 
cum positiven Rechte, 4845. — * Beste Aasgabe von S." v. Cocgbji, 
französisch von Barbeyrac, 4724 u. 4786. — * Herbart, Analytische 
Beleuchtung des Natnrrechts und der Moral, 4836, S. 55 fg. — 4 Fran- 
zosisch yon Barbeyrac, 4742. — * Philosophie des Rechts, wie vor ihm 
Ludovici, Glafbt und Meister. — 6 Werke, I, 323- — 7 De summo 
juris naturalis problemate, 4838. — 8 Ueber die geschichtliche Entwicke- 
lung der Begriffe von Recht, Politik und Staat, (2. A.) 4830. — * Politik 
oder philosophische Staatslehre, herausgeg. von Apel, 4848. — 10 Jus 
belli et pacis, I, 4, §. 45. Schümann, Handbuch des Civilrechts, 4806, 
II, 32—42. Hamm8en, De nonexistentia legum divinarum positivarnm 
universalium , in Opuscul., 4755, p. 57 — 200. — u Zur Kenntniss der 
bürgerlichen Verfassung der Juden in den neuern Staaten dienen die 
Schriften von Dohm, 4784 , Fischer, 4763, unl v. Löwenberg (oder Tren- 
delenburg), 4768. Lips, Ueber die künftige/Stellung der Juden in den deut- 
schen Bundesstaaten, 4849'. Ueber die juristische Literatur der Juden: Hommel 
in seiner Bibliotheca, 4762. Tornauw, Das moslemische Recht , 4855. 

§. 624. Das romische jus civile 1 in drei Perioden: 
4) die leges regiae unter den Königen 2 ; 2) zur Zeit der 
Republik die senatusconsulta, leges co.nturiatae und curiatae, 
plebiscita , edicta praetorum , responsa prudentum , leges 
decemvirales s. XII tabularum 3 ; 3) unter den Kaisern die 
constitutiones und rescripta imperatorum s. principum und 
die opeja lctorum 4 . Jus Flavianum und Aelianum. Juri- 
stische Schriftsteller : Q. Fab. Pictor , Serv. Sulp. Rufus », 
ein Zeitgenosse Cicero's, Gajus, Papinian, Ulpian, Paulus, 
Modestinus *. Die Sabinianer und Proculejaner 7 . 



Sechsundvierzigstes Capitel. Rechtswissenschaft. 373 

1 Sigokid8, De antiquo jure Rom., 4560 u. 4745. Nibbuhr, Römische 
Geschichte, Bd. 4 u. 2, 4844 u. 4842 (3. A., 4828 a. 4830), Bd. 3, 4832. 
Dessen Vorträge über römische Geschichte herausgeg. von Islbr, 4846 — 48. 
Wach8Muth, Die ältere Geschichte des romischen Staats, 4849. Bach, 
Hist. jurisprudentiae Rom., (6. A.) 4807. Gibbon, Historische Uebersicht 
des römischen Rechts mit Anmerk.; deutsch von Hugo, 4789. Hugo, 
Lehrbuch der Geschichte des römischen Rechts, (44. A.) 1832, womit zu 
verbinden sind die Arbeiten von Schilling, Zacharia, Schweppe, Zimmern, 
Bcrchardi, Walter, Christiansen, Thibaut, Klimrath. Hufeland, 
Uebcr den eigentümlichen Geist des römischen Rechts, 4845. Nägele, 
Ueber altitalisches und römischea Staats- und Rechtsleben, 4849. Rubino, 
Untersuchungen über römische Verfassung und Geschichte, 4839. Göttling, 
Geschichte der römischen Staatsverfassung, 4840. Peter, Epochen der 
Verfassungsgeschichte der Stadt Rom, 4844. — a Gesammelt von Merüla 
und Hoffmann. Gravina, De ortu et progressu juris civilis, cum notis 
Mascovii, 4747. Heineccii Antiquitates Rom., 4748 u. 4840. Haubold, 
Institutiones juris Rom. privati historico - dogmaticae , 4844. Dirksbn, 
Uebersicht der Versuche zur Kritik und Herstellung von den Ueberbleibseln 
der Gesetze der römischen Könige, in dessen Versuchen zur Kritik und 
Auslegung der Quellen des römischen Rechts, 4823. — s Die Literatur gibt 
Haubold, Institutiones juris Rom. literariae, 4808* Haubold -Spangenberg, 
Antiquitatis Rom. monnmenta, 4830. Dirksbn, Uebersicht der bisherigen 
Versuche zur Kritik und Herstellung des Textes der Zwölftafelgesetze , 4 824. 
Francke, De edicto praetoris urbani, praesertim edicto perpetuo, 4830. 
Rosshirt, Ueber die Tendenz des prätorischen Edicts und das Verhältniss 
desselben zum Civilrecht, 4842. ▼. Wbyhe, Libri tres edicti, s. de origine 
fatisqne jurisprudentiae, praesertim edictorum praetoris ac de forma edicti 
perpetni, 4824. Kretssig, De auctorum et commentatorum verbis in 
Digestorum interpretatione distinguendis obser vationes , 4847« Conradi, 
De praetore peregrino, in Parerga, 4740. Einige Abhandlungen von 
Dirksbn, in den Vermischten Schriften. — 4 Abbog, De jurisprudentia 
apud Romanos sub primis imperatoribus , 4827. Garzetti, Della condizione 
d'Italia sotto il governo degli imperatori romani, 4836. — b Ueber ihn 
Schneider, 4834. — 6 Dirksbn, Ueber die Spuren historischer Kritik 
und antiquarischer Forschung in den Schriften der römischen Juristen, in 
dessen Versuchen zur Kritik und Auslegung der Quellen des. römischen 
Rechts. — 7 Dirksbn, Ueber die Schulen der römischen Juristen, in 
dessen Beiträgen zur Kunde des römischen Rechts, 4825. v. Löhr, Ueber- 
sicht der das Privatrecht betreffenden Constitutionen der römischen Kaiser von 
Konstantin bis Theodosius II., 4844, und von Theodosius bis Justinian, 4842. 
Rhoer, De effectu relig. Christ, in jurisprudentiam Rom., 4776. Troplong, 
De l'influence du christianisme sur le droit civil des Rom., 4843. 

§. 622. Justinian liess 528 durchweinen Magister offi- 
ciorum Tribonian eine Sammlung früherer Gesetze veran- 
stalten, welche 529 als Codex primus oder vetus zu Stande 
kam. Hierauf erhielt Tribonian mit \ 6 Gehülfen den Auf- 
trag, die Schriften der alten Rechtsgelehrten zu excerpiren 
und zu ordnen. Es waren 2000 Schriften mit tricies centena 
millia versus. Daraus entstanden die ,Pandekten 4 oder 
^Digesten 4 , deren Widersprüche Justinian durch 50 deci- 
siones entschied ] . Darauf liess Justinian für Schulen durch 
Tribonian, Dorotheus und Theophilus ein Elementarbuch 
entwerfen , welches ,Institutiones' genannt wsA am ^\ .^w ^ 



374 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

sowie die Pandekten am i 6. Dec. 533 publicirt wurden *. Die 
neue Bearbeitung des Codex durch Tribonian, 534, erhielt 
den Titel ,Codex repetitae praelectionis'. Spatere Verord- 
nungen Justinian's kamen in die Sammlung der ,Novellae 
leges 4 oder ,Neapat SiaTa^etcS deren griechisches Original 
erst 4534 durch Haloander bekannt wurde. Ein Auszug aus 
den ,Novellen c erfolgte durch Julian 570. Die Novellen 
heissen auch Authentiken nach einer Benennung der Glos- 
satoren, die ihre Auszuge mit dem Zusatz ,ex authentica' 
bezeichneten. Die ,Authenticae Fridericianae c sind 43 Ver- 
ordnungen der deutschen Kaiser Friedrich's I. und Fried- 
rich^ II. mit Gesetzeskraft. 

1 Commentar von Edm. Merillus. Ueber Pandekten: Glück, Mühlbk- 
bbuch, Thibaut, Göschen, Püchta, Wanobrow. — a Lehrbücher über 
Institutionen von Wbstbnberq , Höpfnbr, Zacharia, Hofacker, Hugo, 
Kokopak, Makeldey, Rosshirt, Warnkönig, Puchta, Lang, Marezoll. 
Tydemann, De juris civilis apud Romanos docendi discendiqne via, 4837. 
Schmidt, Methode der Auslegung der Justinianischen Rechtsbücber und 
Prüfung der bisher befolgten Methoden, 4855. 

§. 623. Anhänge zum Corpus juris Romani: \ ) dreizehn 
Edicte Justinian's in griechischer Sprache (lateinisch von 
Agyläus); 2) einige Verordnungen Justinian's, Justin's II., 
Tiberius' DL.; 3) Verordnungen Kaiser Leo's des Philosophen, 
886 — 894; 4) die Constitutionen des Heraklius, Nicephorus, 
Constantinus Porphyrogennetus U.A.; 5) das longobardische 
Lehn- oder Feudalrecht, gesammelt zwischen 4 458 — 68 aus 
Gerardus Niger und Obertus ab Orto, und dem Corpus 
juris angehängt durch Hugolinus a Presbyteris unter Fried- 
rich II. als Libri feudorum. Dazu fugte Jacobus de Ardizone 
im 43. Jahrh. noch Capitula extraordüiaria. 

§. 624. Die Kaiser Basilius Macedo und sein Sohn Leo 
veranstalteten in griechischer Sprache ein neues Gesetzbuch, 
dessen neue Ausgabt 942 Constantinus Porphyrogennetus 
besorgen liess und unter dem Titel ,Basilica 4 oder ,Libri 
Basilicorum 4 (Uebersetzungen der Institutionen, Pandekten, 
des Codex und der Novellen Justinian's) herausgab K 

1 Ausgabe von Fabrot, 1647, und Mebbmann. Herbmann, Hist. corp. 
iuris Just., 4734. Montreuil, Hist. du droit byz., 4843. Bibnbr, Ge- 
schichte der Novellen, 4824. 

§• 625. Im 4 2. Jahrh. wurde das Corpus juris zu einem 
geschlossenen Ganzen vereinigt: die Institutionen, Pandekten, 
der Codex, die Novellen und die Lehnrechtssammlungen. In 
demselben Jahrhundert begannt *&<& <Uä Glossatoren ihre 



Sechsundvier %igstes Capitel. Rechtswissenschaft, 375 

Arbeit. Irneriua (Werner) zu Bologna war der erste Lehrer 
des römischen Rechts im Mittelalter und erster Glossator; 
ihm folgten seine Schüler Bulgarus, Martinus, Placentius, 
Pileus und Azzo. Alle diese Glossen sammelte im Anfange 
des 43. Jahrh. Accursius und gab das ,Corpus juris glos- 
satum' heraus K Spätere Rechtslehrer: Haloander (Hoff- 
mann), f 1534, Augustinus, f 4585, Cujacius (Cujas), f 4 590, 
Gothofredus (Godefroi), f 4652, Schulung, f 4734, Hei- 
neccius (Heinecke), f 4744, Haubold, f 4824, Göschen, 
+ 4837, u.A. Die historische (Savigny, Puchta, Dirksen) 
und die nichthistorische (Thibaut, Gans) Schule. Bach, 
Mühlenbruch, Hugo, Schilling, Schweppe, Gründler, Zim- 
mern, Klenze, Walter, Rein, Danz, Pernice, Burchardi u. A. 
Sammler des vorjus^inianischen Rechts: Haubold, Span- 
genberg, Schulung und Ayrer, Schilling, Hugo, Böcking; der 
Institutionen: Haloander, Cujacius, Biener, Schrader, Klenze, 
Böcking; der Digesten: Haloander, Taurell; des Constitu- 
tionen-Codex: Haloander, Contius; der Novellen: Haloander. 

Gesammtansgaben von Miräüs, Niveliüs, Rcmardcs, Contius, Pa- 
oius, Gothofbedüs, 4598 fg., Bandoza, 4593 fg., die amsterdamer 4664, 
Beck, 4825 — 36, den Gebrüdern Kriegel und nach deren Tode Herrmann 
und Osbnbröggen, 4 828 — 44 , Schrader, seit 4 832. Deutsche Uebersetzungen 
von Otto, Schilling und Sintenis, 4830 — 33; 2. Aufl., 4839. 

§. 626. Das kanonische Recht floss theils aus den 
Kirchenordnungen (xavovec), theils aus den kaiserlichen 
Gesetzen (vöpioi), welchen, insoweit sie die erstem auf- 
hoben, im 6. Jahrh. der Vorzug zugestanden wurde. Unter 
den kirchlichen Beschlüssen galten vornehmlich die auch 
von Justinian als Quellen des kirchlichen Rechts ausdrück- 
lich anerkannten der vier grossen Kirchenversammlungen 
zu Nicäa, Konstantinopel, Ephesus I. und Chalcedon. Von 
den zahlreichen kirchlichen Sammlungen gilt die des J. Scho- 
lasticus (565 — 575) in 87 Abschnitten (,Nopiuca x«9^Xata 4 ), 
aus den Justinianischen Novellen gezogen, als die älteste. 
Der ,Nomokanon 4 des Photios ist in den östlichen Ländern 
am stärksten benutzt und, seitdem (45. Jahrh.) er sich auch 
in den westlichen verbreitete, zur Vervollständigung des 
Justinianischen Codex (zuerst von Contius) angewendet 
worden. Thdr. Balsamon, 4 466 — 77, Mth. Blastares, 4330. 

Das abendländische Kirchenrecht erwuchs nach den 
nach oströmischen Mustern angelegten Sammlungen, kaiser- 
lichen Verordnungen und kirchlichen Synodalbeschlü&&e»~ 



376 Drittes Buch. Chresimodoktologie. 

Die älteste Sammlung ist ,Pri8Qa c . Eine vollständigere machte 
Dionysius Exiguus in Rom, 527, worin die Constitutionen 
und Ausschreiben der romischen Bischöfe chronologisch 
geordnet sind. Eine Sammlung veranstaltete auch Isidorus 
von Hispalis, 630. Die ,Pseudoisidorischen Decretalen* wer- 
den zuerst von Papst Nikolaus I. angeführt. Vorlesungen 
über kanonisches Recht wurden schon 4152 zu Bologna 
gehalten, nach Gratianus (f 4 458) ,Concordantia discor- 
dantium canonum' oder ,Corpus decretorum 4 , später ,Decre- 
tum Gratiani c genannt. Dazu kam im 4 3. Jahrh. die Samm- 
lung späterer päpstlicher Entscheidungen oder Decretalen 
in fünf Büchern, welche auf Befehl Gregor' s IX. durch 
Raimund von Pennaforte 4234 zusammengestellt und vom 
Papste den Universitäten zu Bologna und Paris geschenkt, 
aber schon für etwas Aeusseres, Hinzugekommenes und 
daher mit dem Ausdruck Extra bezeichnet und citirt wurden. 
Dann liess Bonifaz VIII. dieser Sammlung ein sechstes Buch 
4298 hinzufugen. Durch Clemens V. kamen 4 34 3 die Schlüsse 
der Kirchenversammlung von Vienne von 434 4 als siebentes 
Buch der Decretalen oder Clementinen hinzu, und hiermit 
war das Corpus juris canonici geschlossen. Einen Anhang er- 
hielt es in der Folge durch die ,Extravaganten 4 Johann 's XXII., 
Eugen's IV., Paul's EL und Sixtus' IV. Unter den Glossa- 
toren zeichnen sich aus: Hugucio, f 4242, J. Teutonicus 
(Azzo's Schüler), f 4243, Bartholomäus de Brescia, f 4258, 
W. Durantis, f 4 296, J. Andrea, f 4 348, And. Barbatius, f * 460, 
Ant. de Rosellis in Padua, f 4 467, der Spanier J. de Turre- 
cremata, f 4 468. Seit dem 4 6. Jahrh. waren für das kano- 
nische Recht thätig: die Gebrüder Pithou, + 4596 und 4607, 
Canisius, f 4669, Paolo Sarpi, Sicher, f 4634, die Spanier 
Augustinus und Macarez, 4 744, Hontheim, f 4794, Jeger, 
Baron von Espen, f 4 728, Sauter, 4805, Brendal, 4823 K 

Das protestantische Kirchenrecht ist in Ermange- 
lung einer kirchlichen Verfassungsurkunde und fester Grund- 
sätze über das Verhältniss des Staats zur Kirche a , über 
welches seit Hg. Grotius, 4647, gestritten wird, zur wissen- 
schaftlichen Bearbeitung wenig geeignet. Sammler sind: 
J. H. und G. B. Böhmer, Pf äff, 4753, Schmalz, Walter, 
Eichhorn, Richter, 4842, U.A. 

1 Glück, Praecognita uberiora jurisprudentiae ecclesiasticäe , 4786. 
Wmbbb, Ueber das Corpus juris canonici, im ersten Anhange zu Höpfnbrs 



Sechsundvierzigstes CapUel. RecMswismnschafl. 377 

Commentar. Die neueste Ausgabe von Richter, 4833 — 39; deutsche 
Uebersetzungen von Br. Schilling und Sintenis , 4835 — 39. Weis», 
Corpus juris ecclesiastici Catholicorum hodierni, 4833. — 2 Gengler in 
der tübinger theologischen Quartalschrift, 4832, Heft 3; Hänel, 4835, 
Gladstone, 4842* 

§. 627. Das deutsche Recht blieb bis zur Völkerwan- 
derung ein traditionelles *. Seitdem entstand jedoch ein Be- 
dürfniss nach Aufzeichnung, hervorgerufen im Allgemeinen 
durch die infolge der Eroberung auf romischem Gebiete 
und der Annahme des Christenthums veränderten Lebens- 
verhältnisse der Germanen 2 . In der Kegel werden die 
Rechtsdenkmäler vom 5. — 9. Jahrh. als Leges barbarorum 
s. populorum bezeichnet; in Deutschland ist auch der Aus- 
druck Volksrecht für dieselben gebräuchlich. Die erste 
Sammlung von Rechtsformeln von Marculf in der Mitte des 
7. Jahrh., der karolingischen Capitularien 827 von Anse- 
gisus und 845 von Benedictus (Levita). 

Vom Anfange des 9. bis zum Anfange des 45. Jahrh. 
entwickelte sich ziemlich ungestört das deutsche Recht und 
sprach sich in mannichfachen Organen aus: in UrtheUen, 
auto nomischen Satzungen von Corporationen (Statuten), 
in Weisthümern 3 u. s. w. Das Dienst- und Hofrecht, als ein 
ritterliches und bäuerliches , und ersteres wiederum als Lehn- 
recht (jus feudale) für die Vasallen und als Dienstmannenrecht 
für die Ministerialen. Die Stadt- oder Weichbildrechte 4 . 
An die Stelle der Capitularien traten die Constitutionen der 
deutschen Könige 6 . 

Eine eigentliche Rechtsliteratur entstand in Deutschland 
nicht vor dem 4 3. Jahrh. Sie beginnt mit einem trefflichen, 
in deutscher Sprache geschriebenen Werke, das sich selbst 
^Sachsenspiegel', sächsisches Landrecht, auch Landrecht 
schlechthin nennt und das Recht der freien Bewohner Sach- 
sens darstellt, dessen wesentliche Grundlage aber eine dem 
ganzen deutschen Volke gemeinschaftliche war. Weiske und 
Reyscher nahmen 4 4 70 als Jahr der Abfassung des Sachsen- 
spiegel 4 an, Luden ein Jahrhundert später, nach der ge- 
wöhnlichen Annahme zwischen 4245 — 35, nach Sachse 4226. 
Als Verfasser wird ein anhalter Ritter und Schöffe (Eicke) 
Eckhardt von Repgow erwähnt °. Bald folgte das Kaiser- 
recht, oder Spiegel kaiserlichen und gemeinen Landrechts, 
oder, wie es seit dem 47. Jahrh. genannt zu werden pflegt, 
der ,Schwabenspiegel', mit der Tendenz .> da« vcl sg>s"* 



378 Dritte* Buch. Ckretimodoklologie. 

Deutschland geltende Recht darzustellen. Die Zeit seiner 
Abfassung ist zwischen 4276 — 87 7 . 

In das 4 4. und 45. Jahrh. gehören die Glossen des 
,Sachsenspiegel 4 (die älteste von v. Buch, 4 340, die magde- 
burger Schöffenglosse), das sächsische Weichbild, das Land- 
recht des Furstenthums Breslau. An den ,Schwabenspiegel' 
lehnt sich das Rechtsbuch Ruprecht's von Freisingen aus 
der .ersten Hälfte des 44. Jahrb.; das sogenannte kleine 
(lüttele) Kaiserrecht. Im 45. Jahrh. wurden die in Sachsen 
entstandenen Rechtsbücher in alphabetischer Ordnung unter 
der Benennung A. B. C, Diarien, Register, Remissorien, Slotel 
oder Schlüssel mehrfach bearbeitet. Rechtsbuch Kaiser Lud* 
wig'8 von Baien». Das sogenannte östreichische Landrecht. 
Die Rechtsbücher der sieben friesischen Seelande (darunter 
das ,Asegabuch c ). Einfuhrung des romischen Rechts, das im 
Reichskammergericht (seit 4 495) bald das entschiedenste 
Uebergewicht erlangte. Zugleich Einfahrung der longobar- 
dischen Lehnrechtssammlung (Feudorum liber). Formular- 
bücher. 

Wissenschaftlicher behandelt wurde das deutsche Recht 
zuerst gegen Anfang des 46. Jahrh. in dem ,Ritterlichen 
Klagspiegel c (unbekannter Verfasser) und in dem ,Laien- 
spiegel' (von U. Templer; beide von Seb. Brandt). Die 
Land- und Stadtrechte sind vollständig zusammengestellt 
von Mittermaier und Maurenbrecher 8 . Das deutsche Recht 
wurde durch das römische immer mehr zurückgedrängt, bis 
sich in der zweiten Hälfte des 47. Jahrh., angeregt durch 
Conring, Schilter, Thomasius u. A., eine gelehrte Opposition 
gegen das romische Recht entwickelte. Ch. Beyer hielt 4 707 
zu Wittenberg die erste Vorlesung über deutsches Recht in 
Deutschland und schrieb das älteste Lehrbuch darüber 4748. 
Jedoch ist das deutsche Privatrecht erst seit Ende des vorigen 
Jahrhunderts, seit den literarischen Bestrebungen von Just. 
Moser, Just. F. Runde und C. L. Runde und K. F. Eichhorn, 
.wissenschaftlicher begründet und dem romischen Recht ein 
ebenbürtiger und gefahrlicher Nebenbuhler geworden °. Die 
bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete des deutschen Rechts 
in unserm Jahrhundert sind Mittermaier, Maurenbrecher, 
Wilda, Reyscher, Albrecht, Weiske, Beseler u. 8. w. 

1 Die Geschichte desselben von Heinecciüs, Eichhorn, v. Lindbloff, 
f. Low, Zöpfl, Philipp, Waitz. — * Roao^ lieber cUm Gerichtswesen 



Sechsundvierzigstes (ktpitel. Rechtswissenschaft. 379 

der Germanen. — * Sammlung von Jak. Grimm. — 4 Gaupp, 4824. — 
6 Ueber deutsches Privatrecht Mittermaier , Ortloff , Kraut. — 
* Span gehberg, Beitrage zur Kunde deutscher Rechtsalterthümer, 4824* 
Ho meteb, Ausgabe des Sachsenspiegels. — 7 Ausgabe von Lassberg und 
Wackernagel, 4840. Oben §. 448- — 8 Grundler, Uebersicht der in 
den deutschen Bundesstaaten geltenden Land- und Lehnrechte, 4832. — 
9 Hillebrand , Lehrbuch des heutigen gemeinen deutschen Privatrechts mit 
Einschlug» des Handels- und Lehnrechts, 4849. Wilda und Betscher sind 
die Begründer der Zeitschrift für deutsche Rechtswissenschaft, 4839 — 42* 
Ebertt, Zeitschrift für volkstümliches Recht und nationale Gesetzgebung, 
4844. Besbler, System des gemeinen deutschen Privatrechts, 4855. 

§. 628. Die gesetzlichen Herkömmlichkeiten über Lehns- 
verhältnisse wurden zuerst in Italien zusammengestellt. Das 
,Longobardische Lehnrecht 4 , Buch I (gültig nach 1460), 
wurde von dem mailändischen Consul Gerhard (vor 4 436) 
gesammelt. Von den vier Anhängen gehört ihm nur der 
letzte. Titel 4 — 4 4 des zweiten Buches sind von dem mai- 
ländischen Consul Obert, 1458 — 78, die übrigen Anhänge 
von verschiedenen Verfassern, 4 460 — 76, mit mehren zum 
Theil spätem Einschaltungen. Diese beiden Bücher bildeten 
1475 ein Ganzes. Die letzten 34 Titel sind Collectaneen: 
Titel 52 — 58 wurde von Doctoren in Bologna mit dem 
Liber feudorum vereint und dieses in das Volumen parvum 
aufgenommen und glossirt. Der erste Glossator war Pileus. 
Die glossa ordinaria sammelte Accursius. Hugolinus (4255) 
veranstaltete eine neue , viel veränderte Recension des Lehn- 
rechts. Von den zwei Extravagantensammlungen (,Capitula 
extraordinaria 4 ) ist die erste von mailänder Schöffen (vor 4 220), 
die zweite von Jacobus de Ardizone, 4 220 — 33. Friedrich's IL 
Gesetzgebung (4234) für Neapel und Sicilien. Das rein 
geschichtliche Lehnrecht konnte jedoch selbst durch viele 
Ordner und Sammler (Schilter, 4 695) wissenschaftlich nur 
wenig gewinnen. 

Dieck, Literaturgeschichte des lombardischen Lehnrechts bis zum 44. 
Jahrh., 4828. Das Corpus feudorum ist herausgegeben von Lömig 4727, 
Schilter 4728, ▼. Senkbnbbbg 4772« 

§. 629. Sammlungen der Reichsgesetze: 

Durch Böhmer von 900 — 4400, 4832. Pertz, Monumente Germa- 
niae historica, 4837, enthalten die Reichsgesetze von 946 — 4343. Das letzte 
Reichsgesetz wurde 4654 erlassen. Senkenberg, Sammlung der Reichs* 
abschiede sammt den wichtigsten Reichsschlüssen, 4747. Einen Auszug 
daraus gibt Emminghaus : Corpus juris Germanici tarn publici quam privati 
academicum , 4 824 , zugleich mit den neuern , Deutschland betreffenden 
Friedensschlüssen, Staatsvertragen und Beschlüssen der Bundesversammlung. 

§. 630. Die wissenschaftliche Bearbeitung des deutschen 
Staatsrechts beginnt in der Mitte des U. J«hd^ wbe*s&^ 



380 Brille* Buch. Chresimodoklologie. 

mit den durch die Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser 

hervorgerufenen Schriften* des Marsilius von Padua und 

Leupold von Bebenburg. Arumäus machte es in Jena bald 

nach 1600 zum Gegenstand eines eigenen Vortrags, und 

Dn. Otto lieferte 16J6 das erste Compendium. 

* 

PCttbb, Literatur des deutschen Staatsrechts, v. Lancizollb, Ueber- 
sicht der deutschen Reichsstandschafts- und Territorialverhältaisse etc., 4830. 
Haberljn, Handbuch des deutschen Staatsrechts, 4799. Lehrbücher von 
List, Klcber, Gönner. Moser, Grosses deutsches Staatsrecht in 50 Quart- 
bänden, 4766 — 82. Winkopf , Die rheinische Conföderation , 4808. 
Klcber, Staatsrecht des Rheinbundes, 4808. Frankfurter Abdruck der 
Bnndesacte, 4846. Klöbrr, Uebersicht der diplomatischen Verhandlungen 
des Wiener Congresses etc., 4846. Elwers, Die Hauptquellen des deut- 
schen Bundesstaatsrechts , 4824. Lehrbücher von Kl über, Drbsch, Rüd- 
bart, Zachariä. Gärtner, Ueber die Behandlung des deutschen Staats- 
rechts, 4839* HÜllmann, Staatsrecht des Alterthums. 

§. 631. In dem wenig bearbeiteten Criminalrecht * 
macht das kirchlich angeordnete peinliche Verfahren gegen 
Hexerei und Zauberei Epoche. Des Dominicaners Henri- 
cus Institor in Salzburg und Jak. Sprenger in Köln (f nach 
4 494) ,Malleus maleficarum 4 (Lyon 4484, Köln 4582). 
Die bambergische Halsgerichtsordnung von 4507 a , zu- 
gleich Quelle der ,Constitutio criminalis Carolina' Kaiser 
Karl's V. von 4532 3 . Ihr blieben altere Praktiker, wie 
Carpzov, 1635 (f 4666), treu; spätere, wie Meister, 4755, 
suchten mildere Theorien geltend zu machen, welche bald in 
die Praxis übergingen. Feuerbach's strenge Theorie, 4799. 
In Gerichten behauptete sich die mildernde Praxis und 
wirkte auf die Schule zurück: Stübel, 4795, Grolmau, 
4775 — 4829, Littmann, 4806, Henke, 4809, Martin, 4820, ' 
Abegg, Oersted, Rosshirt. Das erste systematische Lehr- 
buch stammt von Kemmerich, 4731. Für Gesetzverbesserung 
schon Hommel, 4770, Beccaria, 4780. Ueber Criminal- 
process: Mittermaier, Stübel, Martin, Abegg, Bauer und 
Morstedt, Klenze, Müller 4 . 

1 Wächter, Abegg, Feuerbaoh, Kleinschrod. Ueber die soge- 
nannten Theorien des Strafrechts: Bauer, Hebb, Abeoo. — * Ausgabe 
von Zöpfl. — 3 Die Geschichte derselben von Malblank, 4783- Aus- 
gabe von Ivo Schöpfer, 4633, wieder abgedruckt von Koch, 4824, und 
als Anhang zu Meister's Principia juris criminalis mit der Bambergensis 
und Brandenburgica, 4826. Die lateinischen Uebersetzungen von Gobier, 4543, 
und Remus, 4594 (beide in der neuen Ausgabe von Abegg 4837), und 
von Zieritz, 4622. Commentatoren : Eress, 4724, und Böhmer, 4770. — 
4 Haberlim , Grundsätze des Criminalrechts nach den neuen deutschen Straf- 
gesetzbüchern , 4844 — 49* Ueber romisches Criminalrecht: Rein, 4844. 
Abeoo, Untersuchungen auf dem Qebtet &et &tt%&*tta^«&wchäft, 4830. 



Sechsundvierzigstes Capitel Rechtswissenschaft. 381 

Dieck, Historischer Versuch über das Criminalrecht der Romer, 4822* 
Besserer, De indole juris crim. Rom., 4827. Platner, De crim. jur. 
antiqui Rom., 4836. Schmiedicke, Hist. process. crim., 4827* Gbick, 
Geschichte des romischen Criminalprocesses. Ueber censorisches Straf- 
recht der Romer: Jarcke, 4824, Navers, 4824, Keseberg, 4829, Geblach, 
4834. Kamen, De patria potest., 4834. 

§. 632. Die Literatur des gemeinen deutschen Pro- 
cesses gaben: 

J.Andrea, (f 4348), Processus juris. Martin, Specimen hist. studio- 
rum et meritorum in theoria ordinis judiciorum priratorum etc., 4823* 
Bergmann, Corpus juris judiciarii Germ, academicum , 4849. Wunderlich, 
Anecdota, qnae processum civilem spectant, 4844, und: J. Andreae sum- 
mula de processu judicii, 4840* Böhmer, De fatis processus civilis, oder 
die Vorrede zu seiner Doctrina de actionibus, 4734. Lehrbücher von 
Schmidt und Martin, Puchta, Bethmann- Hollweg. Schmid, Handbuch, 
4843 — 45. Für romischen Process: Brisson, De formulis etc., 4583. 

§. 633. Das Volkerrecht (jus gentium, internationale, 
droit des gens, law of nations, international law) ehemals 
ein äusseres und inneres (letzteres mit Rücksicht auf die im 
Reichsverbande stehenden deutschen Staaten), ein europäi- 
sches, ein theoretisches und praktisches. Die Theorie des- 
selben begründete Hg. Grotius in seinem berühmten Werke 
,De jure belli et pacis 4 , 4647. 

Schmauss, Corp. jur. gent. acad., 4730. Vattel, Droit des gens, 4758. 
Rb. Ward, Inquiry into the foundation and history of the law of nations, 
4795. Moser, Martens, Klüber, Koch, Marl y; Tittmann, Amphiktyonen- 
bund, 4842. Roth, De re municipali Rom. , 4804« Wachsmuth, Jus gent. 
etc., 4822. Heffter, De antiquo jure gent., 4824. Vollgraf, System 
der praktischen Politik im Abendlande, 4828. Madvig, De jure et con- 
ditione coloniarum pop. Rom., 4832, in dessen Opusc, 4834. Osenbrüggen, 
De jure belli et pacis, 4836. Pdtter, Beiträge zur Völkerrechtsgeschichte 
und Wissenschaft, 4843. Gagern, Kritik des Völkerrechts. Wheaton, 
Hist. des progres du droit des gens, (2. A.) 4846. Römer, Völkerrecht 
der Deutschen, 4789. v. Martens, Versuch über die Existenz eines posi- 
tiven europäischen Völkerrechts und den Nutzen dieser Wissenschaft, 4787. 
Schmalz, Europäisches Völkerrecht, 4 847. Die Literatur bei Ompteda, 4 785, 
und Ersoh , Nr. 4 307 — 9 , über die Dauer der Völkerverträge. Die wichtig- 
sten Verträge bei Schmauss, de Martens und Cüssy zwischen 4760 — 
4846. Völkerseerecht: Ersch, Literatur der Jurisprudenz (2. A.), 
Nr. 4348 — 35, und Manuel diplomatique etc., 484 4. Neueste Handbücher 
von Heffter, 4844, Oppenheim, 4845. Kaltenborn y. Stachau, Kritik 
des Völkerrechts, 4847. Mirüs, Europäisches Gesandtschaftsrecht, Bd. 2: 
Bücherkunde. ^ ' 

§. 634. Die neuern Gesetzbücher bieten aus Mangel 
an speciellen geschichtlichen Quellen keine wissenschaftliche 
Seite dar. Landrechte, Landesverordnungen und Polizei- 
ordnungen hat Wachsmuth in der Kulturgeschichte 4 , III, 193, 
verzeichnet. 

Juristische Lexikographie: Dirksen, 4834, und sein Manuale, 4 837. 
Brissonics, 4557, Heineccius, 4743; darüber Dirksen's Bemexfcva.sy^ ^ 



383 Dritte* Buch. Chretimodoktoiogi*. 

Rheinischen Musetim, II, 42. — Rechttalterthümer: Hbinbooius, Anti- 
quitates Rom., 4774 (mit Kannegibmrr's Anmerk., 4777, Haubold, 4828, 
MOhlenbbuch, 4844) und Antiquitates German., 4772 fg. Grimm, Deutsche 
Recbtsalterthümer, 4828. Reyscher, Symbolik des germanischen Rechts, 4833. 
Förth, Die Ministerialen, 4836. Thibaot, Ueber das Stndinm der römi- 
schen Rechtsgeschichte, in den Heidelberger Jahrbüchern der Literatur für 
Jurisprudenz und Staatswissenschaften, 4808* — Ueber juristische Her- 
meneutik: Gutbt, Hufeland, Falck, Eckhardt (neue Aufl. von Walch), 
Thibaut, Clo8sius. Ueber Kritik: besonders Hotoman, Lauge, Versuch 
einer Begründungslehre des Rechts, 4824. — Juristische Bücherkunde: 
Zilbtti , Lipenius (dazu die Supplemente von Schott, Srkkbnberg, 
Madisen), Struvb (8. A. von Bcder), Ersch (2. A. von Koppe), 
Zacharia, Hugo, Schüre, Richter, HJLnrl; für Naturrecht Meister; 
für Kirchenrecht Riegler; für Criminalrecht Böhmer, Kapp leb; für deut- 
sches Staatsrecht Putter mit Fortsetzung von Kluber; für Völkerrecht 
Ompteda mit Fortsetzung von v. Kamptz; für römisches Recht v. Sa- 
yigmt. Martin, Juristische Literaturgeschichte im Grundriss, wissenschaft- 
lich geordnet und mit Nachweisungen versehen, 4824- — Juristische 
Praxis: Kind , Ueber die Bildung juristischer Staatsdiener, 4 84 8. Puttbr, 
Gbnsler, Bischoff (Lehrbuch des deutschen Kanzleistils und der Kanzlei- 
geschäfte, 4795 u. 4798), Puchta, Kuppermann (Vollständige Notariats- 
kunst, 4806). Zacharia, Anleitung zur gerichtlichen Beredtsamkeit, 4840. 
Mittermai kr, Anleitung zur Vertheidigungskunst im deutschen Criminal- 
process, (3. A.) 4828. Bauer, Anleitung zur Criminalpraxis , 4837- 
Fredbrsdorf, v. Ma8Sow, Bergmann, Martin, Anleitung zum Referiren 
in Rechtssachen, (2. A.) 4848. Reusch, Reuter, 4853 — 54» Zacharia, 
Die Wissenschaft der Gesetzgebung, als Einleitung zu einem allgemeinen 
Gesetzbuch, 4806. Mag zugleich als Antwort dienen auf die zu Anfange 
des §. 648 gestellte Frage. Kuntze, Der Wendepunkt der Rechtswissen- 
schaft, 4856. 



Sieben und vierzigstes Capitel. 

Philosophie. 

§. 635. Zur Geschichte der Philosophie: 

Brücker, Hist. critica philos., 4742 — 44 n. 4766 — 67. Tiedbmann, 
Geist der speculativen Philosophie, 4794 — 97. Buhle, Lehrbuch der Ge- 
schichte der Philosophie, 4796— • 4804, und Geschichte der neuern Philoso- 
5 hie seit der Epoche der Wiederherstellung der Wissenschaften, 4800 — 5. 
'ennemann, Geschichte der Philosophie, 4798 — 4849, und Grundriss der 
Geschichte der Philosophie, 4842 (5. A. von Wendt, 4829). Ritter, 
Geschichte der Philosophie, 4829 — 34. Reinhold, Handbuch der allge- 
meinen Geschichte der Philosophie, 4 828 — 30-^ Cousin, Cours de Thist. 
de la philosophie, 4829. Mussmann, Grundriss d5r allgemeinen Geschichte 
der * christlichen Philosophie mit besonderer Rucksicht auf die christliche 
Theologie, 4830. Preller (und Ritter), Hist. phil. Graeco-Rom. ex fon- 
tium locis contexta, ' 4 838. Siegwart , Geschichte der Philosophie vom allge- 
meinen wissenschaftlichen und geschichtlichen Standpunkt, 4844; neue Aufl. 
4855. Degerakdo, Hist. comparee des systemes de la philosophie (deutsch 
von Tennemann), 4806. Furtmair und Uschold, Philosophisches Real- 
lexikon, 4855. Weigelt, Zur Geschichte der neuern Philosophie, 4855. 
K. Fischer, Geschichte der neuern Philosophie (W. Leibniz und seine 
Schule), 4 855 9 und der deutschen Philosophie, 4856. 



Siebenundvierzigste» Capitel. Philosophie. 383 

§. 636. Die Philosopheme der Inder, Chinesen, Perser 
und Aegypter zeigen zum Theil ein entschiedenes Ueber- 
gewicht phantastischer Anschauungen über das reflectirende 
Denken und haben auf den Entwicklungsgang der Philo- 
sophie bei den Culturvölkern des Occidents keinen wesent- 
lichen Einfluss gehabt l . 

Griechische Philosophie in drei Perioden: 4) Von 
Thaies bis zu den Sophisten, 600 — 400 v. Chr. Die ionische 
Schule oder die altern Physiologen: Thaies, Anaximander, 
Anaximenes, Herakleitos. Die eleatische Schule des Xeno- 
phanes. Die sogenannten jungem Physiologen: Empedokles, 
Anaxagoras, Diogenes von Apollonia. Die Atomisten: Leu- 
kippos und Demokritos. Die Pythagoräische oder italische 
Schule. Die Sophisten: Gorgias, Hippias, Polos, Prota- 
goras u, A. 2 . 2) Von 400 — 200: Sokrates und seine Schüler. 
3) Zeit des Verfalls seit 300 v. Chr. Die epikuräische und 
stoische Schule und die jüngere Akademie (Arfcesilaos und 
Karneades). Der alexandrinisch- römische Eclekticismus. 
Cicero, Lucrez, Seneca, Kaiser Marc Aurel. Die neu- 
pythagoraische und neuplatonische (Plotinos) Schule in 
Reaction gegen das Christenthum. Aenesidemos und Sext. 
Empiricus 3 . 

Das Christenthum mit seinem Dogmatismus 4 . Ter- 
tullian und Gregor d. Grr. Feinde aller Wissenschaft und 
Kunst (scientia secularis). Alcuin im 8., J. Scotus Erigena 
im 9. Jahrh. Die Schulen KarFs und Alfred's d. Gr. Seit 
dem 40. und 14. Jahrh. beginnt die Philosophie des Mittel- 
alters oder die Dialektik, und seit dem 43. Jahrh. die 
Scholastik (ein Gemisch von heidnischer Philosophie und 
christlicher Dogmatik), herrschend bis in das 46. Jahrh. 
über die nach und nach entstehenden Universitäten und 
beherrscht von der Kirche (philosophia theologiae ancilla): 
dialektische Verarbeitung der Dogmen. Berengar von Tours, 
f 4 088, Lanfranc, Erzbischof von Canterbury, f 4 089, 
Anselm von Canterbury, f 4 409. Einfluss der Araber, die 
vom 9. bis 4 3. Jahrh. die reichsten Depositare der Gelehr- 
samkeit waren 6 . J. Roscellinus (Rousselin aus der Bretagne), 
in der Mitte des 42. Jahrh., Begründer des Nominalismus, 
dagegen W. von Champeaux (de Campeliis, + 4 420), Be- 
dründer des Realismus, der im 42. und 43. Jahrh. herr- 
schenden Denkart. Pt. Abälard im 4 2. Jahrh. GilWv, <Xä 



384 Drütes Buch. Chresimodoktologie. 

la Porree (+ 4154 als erster Rector der pariser Universität), 
Alanus (doctor universalis) ab Insuljs, f 4203, Bb. Fo- 
lioth, f 1473, Pts. Lombardus (magister sententiarum), 
Alx. von Haies (doctor irrefragabilis), f 1245. Die He- 
roen der Scholastik: Albert d. Gr., Thm. von Aquino 
(doctor angelicus), Dons Scotus (doctor subtilissimus), 
W. Durand aus St-Pour^ain (doctor resolutissimus), Fr. 
von Mayronis im 14. Jahrb. und sein , Actus Sorbonnicus 4 
(doctor illuminatus) 6 . 

Die Mystik des apostolischen Vaters Dionysius Areo- 
pagita (,De theologia mystica c , etwa im 5. Jahrh.); im 42. 
Jahrh. das Kloster zu St. -Victor in Paris (Hugo, -j- 14 40, 
Richard, f 4 473) und der heilige Bernhard von Clairvaux; 
im 43. Jahrh. Bonaventura, f 4274; im 44. Jahrh. J. Tauler 
und Thm. von Kempen 7 ; im 4 5. Jahrh. Gerson. W. Occam, 
f 4347, J. Buridan, Pt. d'Ailly (Petrus de Alliaco, f 4425), 
Biel, f 4 495. Gegner der Scholastik: Valla, Erasmus, 
Agricola, Ramus, die restauratio literarum und die Folgen 
derselben (Buchdruckerkunst, Galilei, Torricelli, Kopernicus, 
Kepler, Columbus, Luther). Platonische Philosophie unter 
dem Schutze der Mediceer. Wiederhersteller der peripateti- 
schen Lehre waren Papst Nikolaus V., Georg von Trapezunt, 
Ph. Melanchthon. 

Die neuere Philosophie beginnt mit dem 46. Jahrh. 
und ist bedingt durch die Emancipation von hergebrachten 
Autoritäten. Bacon von Verulam. Descartes (Cartesius). 
Spinoza. Newton. Hg. Grotius. Hobbes. Pufendorf. Tho- 
masius. Gassendi. Gale. Moore. Cudworth. • Bayle. • John 
Locke. Hartley. Voltaire. Helvetius. Holbach. Bonnet 
Hume. Leibniz 8 . Wolf. Kant. Fichte. Schelling. Jacobi. 
Herbart. Hegel. Rosenkranz. Krug. Fries. Steffens. Oken. 
v.Schubert. Fr. v. Baader. Eschenmayer. Koppen. E. Schulze. 
Ed. Schmidt. Beneke. Schleiermacher. Wagner. Krause. 
Weisse. Der jüngere Fichte. Braniss. Reinhold. Trendelen- 
burg. H. Ritter. Günther u. A. 

1 Wimdisohmann, Die Philosophie im Fortgange der Weltgeschichte, 
4827 — 32. — * Zeller, Die Philosophie der Griechen, 4844, u. s. w.; 
oben §.487 — 499. — 3 Brandis, Handbuch der Geschichte der griechisch- 
römischen Philosophie, 4835 — 44; oben §. 243, 234, 254, 4; 278. — 
4 Weisse, Philosophische Dogmatik oder Philosophie des Christentums, 
4855. — 5 Schmölder, Essai sur les ecoles philosophiqaes ehez les 
Arabes, 4843. Ritter, Ueber unsere Kenntniss der arabischen Philoso- 
Me, 48U', oben §. 444. — 6 S. oben §. 564. — 7 Mooren, Ueber 



Siebenundvierzigstes Capitel. Philosophie. 385 

Thomas a Kempis, 4855. — 8 Wachsmüth, Leibniz im Verhältniss zum 
deutschen Reich und Volk seiner Zeit, in den Schriften der königl. sächs. 
Gesellschaft der Wissenschaft, 4847. 

§. 637. Gliederung in eine Mehrheit philosophi- 
scher Wissenschaften: Logik, Metaphysik, Psychologie, 
Natur- und Religionsphilosophie, Aesthetik, Ethik, Natur- 
recht, Politik, Pädagogik u. s. w. Die principiellen Gegen- 
sätze des Empirismus, Rationalismus, Idealismus, Realismus, 
Materialismus, Sensualismus, Spiritualismus, Dogmatismus, 
Kriticismus, Skepticismus , Pantheismus, Theismus u. s. w. 

Logik der Eleaten, Sophisten, Megariker. Platon's Dialektik. Ihr 
Begründer ist Aristoteles (Analysis). Seitdem hat sie; nach Kant's 
Aeusserung, keinen Schritt vorwärts, aher auch keinen rückwärts thun 
können. Schriften darüber im 48. Jahrh. von Tschirnhausen, Lambert,. 
Leibniz , Ploucquet , Reimarus , Wolf ; im 4 9. Jahrh. von Krug , Fries, 
Braniss, Bachmann, Herbart, Twesten, Drobisch, Trendelenburg, 
Lotze. Prantl , Geschichte der Logik im Abendlande. Eine Ver- 
bindung der Metaphysik mit der Religions- und Naturphilosophie, 
mit der Psychologie und Mathematik. Für Psychologie Aristoteles, 
die Stoiker, Descartes ( Occasionalismus , Determinismus), Malebranche, * 
Locke, Condillac, Leibniz (Monadologie), Eberhard (Theorie des 
menschlichen 'Empfindens und Denkens, 4776), Wolf, Kant (Fries), 
Fichte, Herbabt , Beneke (Die neue Psychologie, 4845). Sammel- 
schriften über Seelenkunde von Moritz