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Full text of "Nelly Sachs Collection 1891-1992"

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WESTDEUTSCHER EUND?ül.;^ 
Abt. Schulfunk 



Dieses M>^ .r.sc;ip' ist üfhöbörrediüldi gesrhOtzf. Es dari 
ohne Ge«el;rn{']un': nidi' yormr^dj '^i^ai^n. Insbesondere 
darf es ifid^r Qrvz id^; i[>!?w8i>e o. in ÄüszSgei; 
abgesdhiübei), üoör in soiis-j^e/ Weiss ve^visuäüigi 
werden. Fiir RiiJidiünk^wed^s if^irl doS M(^?yjsknpt Di^r 
mit Genen:^(!cii]nri des Werdsu^sdien Ründiunks Koi^i 
benutzt ;verv5i. 



ÜBER LYRIK 
Nelly Sachs 

Auswahl und Rahmentext : Willi Erfurth 



Sendung am Samstag^ dem 27. Januar I968;, von 9.00 - 9.30 Uhr 
4. Sendewoche 



Sendereihe: ^^ Literatur unserer Zeit" 



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Inhalt : 



Nelly Sachs: die Schornsteine 



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Wenn ich nur wüßte 



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Stimme des Heiligen Landes 



Walter A. Berendson: Zu den *^Späten Gedichten'^ 



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Nelly Sachs: Eine Schöpf ungsminute 



Hilde Domin: Offaier Brief an Nelly Sachs 



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Regie : 



Technik: 



Studio: 



Aufnahme : 



- 1 ■ 



Sprecher: 



Die jüdische Dichterin Nelly Sachs wurde I89I in Berlir. 

geboren. 194o emigrierte sie nach Schweden, wo sie eine 

zweite Heimat fand. 

Die Dichtung von Nelly Sachs wurde einer breiteren 

Öffentlichkeit erst bekannt^ als sie I966 mit dem 

Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. 

Im Mittelpunkt ihrer Lyrik steht der Leidensweg des 

jüdischen Volkes. 



Nelly Sachs; die Schornsteine 



die Schornsteine 

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes, 

Als Israels Leib zor auf.velost in Rauch 

Durch die Luft - 

Als Essenkehrer ihn ein Stern empfing 

Der schwarz wurde 

Oder war es ein Sonnenstrahl? 



die Schornsteine! 

Preiheitswege für Jeremias und Iliobs Staub • 
Wer erdachte euch und baute Stein auf Stein 
Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch? 



die Wohnungen des Todes, 

Einladend hergerichtet 

Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war 

ihr Pinger, 

Die Eingangsschv^elle legend 

Wie ein Messer zwischen Leben und Tod - 



ihr Schornsteine, 

ihr Pinger, 

Und Israels Leib im Rauch durch die Luft! 



- 3 - 

Ilelly Sachs; '7enn Ich nur wüßte 

Wenn ich nur wüßte, 

T/orauf dein letzter Blick ruhte. 

V/ar es ein Stein, der schon viele letzt 

Getrunken hatte, bis sie in Blindheit 

Auf den Blinden fielen? 






Blicke 



Oder war es "Erde, 

Genug, u:n einen Schuh zu füllen, 

Und schon schwarz geworden 

Von soviel Abschied 

Und von soviel Tod bereiten? 

Oder war es dein letzter Weg, 

Der dir das Lebewohl von allen 7/egen brachte 

Die du gegangen warst? 

Eine Wasserlache, ein Stück spiegelndes Metall, 
Vidleicht die Gürtelschnalle deines Feindes, 
Oder irgend ein anderer, kleiner Wahrsager 
Des Himmels? 



Oder sandte dir diese Erde, ^ 

Die keinen ungeliebt von hinnen gehen läßt 
Ein Vogelzeichen durch die Luft, 
Erinnernd deine Seele, daß sie zuckte 
In ihrem qualverbrannten Leib? 



_ 4 - 



Nelly Sacho : Sti iine des Helligen Landes 

meine Kinder, 

Der Tod ist durch eure Herzen gefahren 

V/ie durch einen Weinberg - 

Malte Israel rot an alle Wände der Erde. 

Wo soll die kleine Heiligkeit hin 
Die noch in Txeinera Sande wohnt? 
Durch die Röhren der Abgeschiedenheit 
Sprechen die Stiniinen der Toten: 

Leget auf den Acker die Waffen der Rache 
Damit sie leise werden - 

Denn auch Eisen und Korn sind Geschwister 
Im Schöße der Erde - 



Wo soll denn die kleine Heiligkeit hin 
Die noch in meinem Sande wohnt? 



Das Kind im Schlafe gemordet 

Steht auf; biegt den Baum der Jahrtausende hinab 

Und heftet den weißen, atmenden Stern 

Der einmal Israel hieß 

An seine Krone. 

Schnelle zurück, spricht es 

Dorthin, wo Trinen Ewigkeit bedeuten. 



6 



Walter A. Berendsohn; Z u den "Späten Gedichten" 



Es gibt drei Voraussetzungen für das Verständnis dieser Lyrik. 
Die erste bildet die Erlebniswelt der Lichterin. Sie hat von 
1933-40 ein "Leben unter Bedrohung" im Dritten Reich geführt. 
Ein Äfenn, den sie liebte, ist im Konzentrationslager zu Tode ge- 
martert worden. Liebe Freunde verschwanden. Sie selbst hatte 
schon den Gestellungsbefehl für den Arbeitsdienst in Händen, 
als sie sich mit ihrer alten kranken Mutter im Plugzeug nach 
Schweden rettete. Jahrelang pflegte sie in kärglichen Verhält- 
nissen die Kranke, die in hundert Nächten Zwiesprache führte mit 
geliebten Toten. In Winter 1943/44 beginnt aus diesen Erlebnis- 
sen ihre sprachschöpferische Dichtung aufzublühen. 

Die zweite ist ihre tief innerliche Religiosität, die Mythen, 
Dogmen, Bekenntnisse und traditionelle Vorstellungen auflöst in 
ein unsichtbares Universum, das erfüllt ist von mystischen, ma- 
gischen, seelenhaften Kräften, in dem alle Erscheinungen der 
großen und kleinen Umwelt zu tragfähigen Symbolen werden für 
ihre tief aufgewühlte, leidensfähige, sehnsuchtsvolle Seele. 

Die dritte ist der ?/ille und die Fähigkeit, Gedichte zu lesen, 
ohne sie umzusetzen in die rationale Sprache des Alltags. Man 
kommt dem Verständnis dieser Lyrik näher, wenn man sie vergleicht 
etwa mit den Malereien Paul Klees, die nicht einen Gegenstand 
der Wirklichkeit darstellen, sondern nur wegweisende Zeichen 
sind für die schaffende Phantasie des Betrachters in die unsicht- 
bare Welt hinein. Vielleicht ist es noch besser, an Erlebnisse 
musikalischer Gebilde zu denken, um deren Schilderung sich zwar 
die Dichter oft bemühen, die aber im günstigsten Fall nur in 
bildlicher Sprache anzudeuten, aber auch nicht in die Alltags- 
sprache zu übersetzen sind. Es sind Entdeckungsfahrten hinein 
in eine V/elt, die mit den Sinnen allein nicht zu erfassen ist. 



- 7 - 



Aus den Erlebnissen stammt die tiefe Schwermut dieser Dichtun- 
gen, die Religiosität schafft ihren sinnvollen Zusammenhang, die 
schöpferische Sprachgewalt macht sie zu künstlerischen Gebilden 
von hohem Rang* 

In ihren Späten Gedichten hat Nelly Sachs das 
mächtige Motiv der jüdischen Volkskatastrophe im Dritten Reich 
weit hinter sich gelassen, das sie in Das Leiden 
Israels, In den Wohnungen des To- 
des, Eli und Sternverdunkelung ge- 
staltete. Nur hier und da dringt ein Nachklang ein. Auch in ihren 
späten dramatischen Dichtungen Abram im Salz, 
Nachtwache und Simson fällt durch 
Jahrtausende geht sie von realistischen Szenen aus, 
um sich dann über sie zu erheben in das ihr wesentliche religiös- 
ethische Reich hinein. In einer Anzahl kurzer mimusartiger Szenen 
und Gedichten in den Sammlungen Und niemand weiß 
weite I', Flucht und Verwandlung, 
Fahrt ins Staublose und Noch fei- 
ert Tod das Leben löst die Dichterin sich 
immer weitgehender von der gegenständlichen 7/irklichkeit los und 
wendet sich mehr und mehr dem Seelenleben der Menschen im Kraft- 
feld des unsichtbaren Universums zu. Die Sprache mystischer Re- 
ligiosität ertönt immer schwereloser, reiner und innerlicher. 

Ihre letzten veröffentlichten Gedichte sind die drei Gruppen 
Glühende Rätsel. Sie sind gegenüber allen vorher- 
gehenden ausgezeichnet durch Kürze infolge Verdichtung. Viele 
von ihnen gehen aus von unscheinbaren Einzelheiten der Wirklich- 
keit. Einige Beispiele: 

Diese Nacht 

ging ich eine dunkle Nebenstraße 

um die Ecke. . . 



Auf und ab gehe ich 
in der Stubenwärme... 



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- 8 - 



Ich wasche raeine Wäsche... 



Sie sind aber nur Anlässe, um rasch vorzustoßen in die innere Welt. 
Zum Beispiel ■■ 

Meine Hände gehören einen f ortt:eraubten Flügelschlag. 

Ich nähe mit ihnen an einem Loch, 

aber sie seufzen an diesem offenen Abgrund. 

Leid und Schmerz, Trauer und Tränen, Abschied und Tai, der ?/eg ^ 
in die Ewigkeit, Sehnsucht und Geheimnis, Auferstehung und Wie- 
dersehen mit den Toten, ganz persönlich erlebt und erlitten, 
sind die Themen, und alles Licht, das ins schwere Dunkel dringt, 
komuit aus dem Jenseits. Mit dem sich auflösenden Ich verschmilzt 
die gesamte unendliche Umwelt in unzähligen phantasievollen, 
Assoziationen. Daraus erwächst die Spannweite und Ausdruckskraft 
einer neugeschaffenen Bildsprache. Ich gebe einige Beispiele, 
die verhältnismäßig einfach sind: 

Mein Schatten, dieses ermüdete Kleidungsstück; Kontrapunkt Tod; 
das Sehnsuchtsseil; Zungenübungen am Ende der Tonorgel; Mitter- 
nacht, das schwarze Auge; steinbeladener Atem; die Erde singt 
Abschied in allen Tonleitern; deine Angst ist ins Leuchten ge- 
raten; die abgeschälte Rinde des Daseins; die Seufzerbrücke un- 
serer Sprache; Ahnungen, wandernde Ähren auf schwarzem Feld; 
Erde, Träne unter den Gestirnen; Tod - sei mir kein Stiefvater 
mehr; Tanz, die verlorene Sternschnuppe; dein Jahrhundert, eine 
Trauerweide, gebückt über Unverständliches; die blaue Flamme 
der Agonie; Lilien am Äquator des Leidens; Prophezeiungen - 
fahle Blitze an der Aschenwand; der Trauermantel Nacht; die Erde, 
ein Fußbreit Jammer unter ihrem Schöpfer, die Elemente reißen 
an ihren Ketten zur Vereinigung; die Geisterschrift der Wolken; 
die Muscheln mit dem Konzert der Tiefsee. 

Aber es gibt viele konpliziertere , die uns tiefer hineinreißen 
in die geheiranisträchtige Jenseitswelt. 



9 - 



Es werden immer häufiger Stimmen laut, nicht nur im deutschen 

Kulturkreis, sondern in vielen Ländern, die Nelly Sachs gerade 

aufgrund dieser späten Gedichte als die mächtigste deutsche 

lyrische Sprachgestalterin unserer Zeit betrachten. Sie steht 

den 
zweifellos in Verbindung mit der vorherrscheiy Kunstströmung m 

aller Welt, die im krassen Gegensatz zur Massenballung und zur 
sozialen Massenproblematik unseres Zeitalters, die nur durch 
lebensbejahende humane ethische Steuerung auf allen Gebieten zu 
lösen und zu bewältigen wären, den Ausweg sucht in einem gestei- 
gerten Individualismus, der den sinnvollen Zusammenhang der 
äußeren Wirklichkeit negiert, alle überlieferten Formen sprengt 
und in der Dichtung eine völlig neue Sprache erstrebt. Nelly 
Sachs gehört dazu, auch wenn bei ihr im letzten Grunde Einheit 
und Sinn bewahrt bleiben durch ihre ethisch-religiöse Haltung. 
Deshalb ist es möglich, vorauszusehen und vorauszusagen, daß 
auch ihre späte Dichtung langsam und stetig in viele Sprachen 
eindringen und von der ganzen literarischen Welt aufgenommen 
werden wird. 



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Sprecher: 



Nach diesem Essay des schv^edlschen Literaturwissen- 
schaftlers V/alter Ao Berendsohn hören Sie das Gedicht 
''Eine Schöpfungsminute im Auge des Baalschem'' von 
Nelly Sachs c 

Baal Sehern Tov war der Begründer des Chassidismus^ 
einer religiösen Bewegung im l8o Jahrhundert^ die das 
Gefühl und die Offenbarung Gottes in der Natur betonte. 
Unsere Sendung schließt mit einem offenen Briefe den die 
deutsche Schriftstellerin Hilde Domin im Sommer I966 
an Nelly Sachs geschrieben hat. 



- 11 - 



Kelly Sachs: Slno Sohöpfungsrainute im Auf:e des Baalschem 

Mitten im Jahrhundert - das Jahr steigt, 

ein Flüchtling-:, in die Luft - Rennorohne Scheuklappen 

schleppend die Kette seiner Tage, alle angezündet von Besessen- 



und mit Peuerhänden betend dorthin wo 

der Landvermesser Krieg noch Platz gelassen 

für die Halluzination einer Grenzübersteigung. 

Denn auf dem Himalaja der Qualen 

bluten auf grünen Kindertraumwiesen 

gemeinsam Sieger und Besiegte damit 

künftige Morgen und Abende ihre Farbe 

nicht vergessen in der großen Sterbeschlacht. 

Wenn auch die alte Frau im Herdrauch blinzelt 

und im kräutersegnenden Mond Kaffee beschwört 

aus verstorbenen Eichelhülsen - 

Und der Borg seine Höhle auftut 

für den Heiligen, der seinen Mantel schürzen muß 

und einige Sterne an den Hut stecken 

im Dunkeln - ehe er die Gebete der Verfolgten 

die vom Fußboden bis zum Himmel aufgebahrt sind 

mit Heimweh beflügeln kann - 



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Und das Jahr in Wehen gekrümmt und in 

lange schon ausgerechneter Geometrie 

rauchend am Schwanz des Kometen 

mit abgehäuteten Tagen hängend 

fast schon nicht mehr wahr im Massengrab des Schlafes. 

Alles Herzklopfen der Versteckten drängt zum Wirt 

der mit seinen hohen Bauernstiefeln oben schnell 

am Himmel schreitet oder 

unten einen Gast bedient. 



- 12 - 



Alles sucht Asyl bei ihm, der sich auftut - wächst und weitet 
nach der Richtung Ewigkeit. 

Und es ist Nacht, die sich geladen hat 

mit Sprengstoff des Erwachens, und aufspringt 

das Geheimnis der Sekunde - entstirnte schon 

in Baalschems ungebrochenem Blick, der zieht 

am Faden der Gnade Leben und T^d 

in Gottversöhnung hoch. 

Und die Farbe Nichts lugt nachtentfärbend 
aus dem Opfertod der Zeiten 

wenn der Heilige tanzend die Gebete weitersagt 
die sie im Geäst der Adern hängen ließen 
oder zur Entzündung einer Martersonne» 



Allen die nur bis zur Grenze glauben 

wo Gestirne noch die Uhren stellen 

schenkt er die Sekunde, die sein Augen-Blick 

für das Unsichtbare vorbereitet - 

im Geburtenbett der Tränen aufgefangen hat. 



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Hilde Domin; Offener Brief an Nelly Sachs 



Liebe Nelly, 

ich schreibe Dir diesen Brief, publice. Ich will öffentlich 
aussprechen, was Du für mich getan hast, denn ich denke, Du 
hast es für viele getan und kannst es für viele tun. Pur alle, 
die in der einen oder andern Weise an dem gleichen Trauma leiden. 
Das will ich feststellen, und danach will^^gS auch zu analysieren 
versuchen, • 

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Bei Kriegsende sah ich zum ersten Mal Bilder aus den Konzentra- ' 
tionslagern. Viele haben sie damals zum ersten Mal gesehen: 
außerhalb Deutschlands und vor allem auch in Deutschland. Auch 
in Deutschland, ich wiederhole dies ausdrücklich, (ich selber 
war weit weg, auf einer Insel im Karibischen Meer). Am schlimm- 
sten waren mir die Leichenhaufen: all diese nackten hilflosen 
Körper, wie ein Lager von verrenkten Puppen übereinander gesta- 
pelt. Ich konnte keine nackten Körper mehr sehen, besonders keinen 
Schlafenden - in den Tropen schläft man ja oft nackt oder fast 
nackt - ohne mich zu ängstigen vor den Leichenpuppen, diesen ' 
hilflosen Objekten von Anderer Tun. Jeder Liegende wurde mir 
sofort zur Leiche, zog Trauben von Leichen an. Das habe ich da- 
■^ mals nie ausgesprochen, das hätte ich niemandem sagen können, mein 
■Entsetzen war nicht mitteilbar. Sollte ich vielleicht sagen: 
"Schlafe nicht. Sofort liegen lauter Leichen da?" 

Als ich Deine Gedichte las, im Winter 59/60, also fast 15 Jahre 
• später, da hast Du meine Toten bestattet, all diese fremden 

furchtbaren Teten, die mir ins Zimmer kamen. Sie stiegen auf in 
.einem weißen wirbelnden Schaum, sie verloren diese Puppenhaf tig- 
keit der Menschen, denen nur angetan worden war, dies umgekehrte 
Eobotertum, und gingen ein in das Gedächtnis aller Gestorbenen. 
In Schmerz aber ohne Bitterkeit lösten sie sich ir^einen Worten 
und stiegen auf wie ein milchiger Dunst, ich sah es sich auf- 
lösen, fortziehen. Sie kamen nicht mehr in dieser Form zu mir 
zurück. Ich breche in Tränen aus, wie ich dies schreibe, aber 
ich will es trotzdem aussprechen, und auch öffentlich. 



* * 



- 15 - 



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Diese große ßtharsis, diese Erlösung haben Deine Gedichte 
bewirkt, alle wie ein Gedicht: während doch das Einzelne 
Deiner Gedichte den Leser preßt und nur selten am Endo freigibt - 
DeshalTo also habe ich Deine Gedichte mit Leidenschaft gelesen. 
Ich sehe kein zweites Werk, das diese Toten, diese so besonders 
unglücklichen Toten unter den vielen schlecht gestorbenen, der 
Erinnerung der Menschheit einfügt wie das Deine. Das müssen wir 
alle Dir danken: wir die Überlebenden. Wir, die verschont wur- - 
den als Opfer, und in gleicher Weise die, die überlebt haben auf 
der Seite der Mitschuldigen. Und die junge Generation, die diese 
ganze Last erben muß und für die Du sie leichter gemacht hast. 

Der Dichter trägt mehr zum Weiterleben, zum gemeinsamen Weiter- 
leben bei (um diese fatale "Bewältigung" einmal menschlich zu be- 
nennen) als alle Politiker zusammen. Du hast diesen Toten die 

St imme gegeben. Mit Deinen Worten sind sie - tlagend aber doch - 
gegangen, den Weg, den die Toten gehen. Das konnte nur einer tun, 
der ein Opfer und ein Ausgestoßener war und zugleich ein deut- •" 
scher Dichter. Einer, dem die deutsche Sprache zu eigen ist und ,. 
der also ganz ein Deutscher ist. Und der zugleich ganz zu den 
Opfern gehört. 

Ich kann über all dies mit Unbefangenheit sprechen, mehr als 
jeder andere. Und ich will es auch tun. In der Paulskirche hörte 
man, Du seiest ein jüdischer Dichter. StiLirnt das? Bist Em, 
Nelly Sachs, ein '^jüdischer Dichter"? 

Thematisch gesehen bist Du's. Aber was ist ein Jude? Besonders - 
wenn er nicht den Glauben hätte. Du, Glückliche, du glaubst. -^ 
Aber wenn er nicht den Glauben hätte? Du hast es für uns alle 
definiert; "An uns übt Gott Zerbrechen", hast Du gesagt. '^Ein 
Jude ist genau wie die anderen, nur alles etwas mehr", sagte 
Bernard Shaw sehr witzig, eine Definition ^ die sich ebensogut 
wohl auf die Deutschen anwenden ließe, aber doch nur in Grenzen 
richtig ist. (Die Dichter sind "alles ein wenig mehr als andere", 
zum Beispiel. "Lebendiger", wenn Du willst. Von den Juden läßt 
sich das doch nicht so sagen.) Nur in dem also stimmt es: an uns 
wird etwas mehr "Zerbrechen" geübt als an anderen. Exemplari- 
scher wird es geübt, wieder und wieder, äcDweit das Gedäch^Jüs 
des Abendlandes reicht. 



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Bitte, miiCiverstc.he mich nicht, ich glaube nicht, daß y^ir da 
sind, dcimit dir; conditio huraana auf of^iner Bühne wieder und wie- 
der an uns vollstreckt werde, stellvertretend und ohne Milderung-, 
Lehrbeispiel eines Weltenlenkers, der unser als Demonstrations- 
objekt bedürfte. Die Theologen sehen da manchmal eine Art höheres 
Programm. Ich sehe nur die Tatsache, die sehr irdische, geschieht' 
liehe Tatsache, ich stelle sie fest: und mit Grauen. Wie man vie- 
les mit Grauen ansieht, was geschehen ist und geschieht. Was ein- 
fach "wirklich" ist. Den Juden ist häufiger und krasser die Rol- 
le des Ecce homu zugefallen, aufgedrängt worden, als 
anderen. Historisch war es ihnen einfach nicht vergönnt, sich 
von diesem ihrem Sonderstatus zu befreien. 

Du also, in Deinen Gedichten, sprichst von diesem Prügelknaben 
der Menschheit, von den Juden, und fast nur von ihnen. Und fast- 
nur von diesen, die vernichtet worden sind, vor bald einem Vier- 
teljahrhundert. Und von Dir, dem Dichter, der ihnen nachstirbt. 
Diesen, die ins Äußerste getrieben wurden, an die Grenze des 
Menschseins. Und die für die andern zu einem Probierstein gemacht 
wurden, an dem Nicht-zu-versagen ein Äußerstes an Menschlichkeit 
verlangte. In einem äußersten, in einem extremen Sinne bist Du 
daher die Stimme des Menschen. Und Deine Stimme spricht deutsch.- 
Zu Deutschen. 

Das gute Buch, las ich kürzlich, sei das Buch des Lesers. Das 
schlechte dagegen das Buch seines Autors und nur das. Das Gleiche 
gilt - und in erhöhtem Maße - für das Gedicht. Das gute Gedicht 
gehört seinem Leser, jedem einzelnen Leser, gleichgültig wann 
und wo er es liest oder lesen wird. Es erneuert sich mit jedem 
Loser, wird das Gedicht sehr verschiedener Leser sein, wenn auch 
nicht alle das gleiche lesen werden: sondern jeder nur die fein- 
ste Nuance, die es zu 'feeinem" Gedicht macht. 

In diesem Sinne schon, also grundsätzlich, tritt Deine Person 
hinter Deinem Werk zurück. 7/ie die Person eines jeden Dichters 
hinter dem Werk zurücktritt. Es würde in einem gewissen Maße 
gleichgültig, ob Du ein Jude bist, ein assimilierter oder nicht, 
ob Du eine Frau bist, auch, was Du erlebt hast. ?/ichtig ist nur' 
das '/yerk, und was Du ins Werk getan hast. Und das wäre nur vom ' 
Leser her zu sehen. xMan könnte also den Autor wegdefinieren 



- 17 - 



aus seinem Werk, ihn zum Verschwinden bringen in der dünnen Luft 
der Abstraktion. Hier "konsequent" zu sein, das wäre jedoch ein 
Taschenspielertrick des Intellekts. Vielmehr frißt das ';7erk den 
Autor auf, es nährt sich von seinen Erf ahxrungen , von seiner ganz 
besonderen Begegnung mit der Wirklichkeit, dieser unwiederholbaren 
Verbindung von historischen, sozialen und persönlichen Faktoren. 
Das Gedicht ist die Essenz des Gelebten: exemplarisch und voll- 
ziehbar gemacht. Das Schicksalhafte am Privaten. Suspenlierte 
Zeit, auf einen Punkt gebracht, eingefrorene Augenblicke. Kann 
der Leser sie für sich wieder ins .Fließen bringen? Auch die Augen- 
blicke eines Sonderschickaals wie des Deinen? Denn es ist ein 
Sonderschicksal. Oder das der Lasker-Schuler oder der Kolmar? ■ 
Wozu hier von Frauen reden? Das Gleiche gilt für Heine und die, 
die nach ihm kamen, bis hin zu Celan. Ich rechne nicht nach, wer 
abstammungsmäßig "dazugehört", wir bewegen uns hier in einem gei- 
stigen Raum, es geht um die konkrete R e a 1 i t ä t ', die der 
Dichter zu leben und in Sprache zu verwandeln hat. Das "Sondor- 
schicksal" ist vielleicht der besonderen Erfahrung von Grenzbe- 
wohnern vergleichbar, um nur ein Beispiel zu nennen: je nach den" • 
historischen Gegebenheiten, je nach der Veranlagung, wird beim 
Einzelnen der Anteil der Sondererfahrung am Gesamt seiner Erfah- 
rung variieren (auch auf verscL>iedene Ebenen transponiert wer- 
den), wobei auf jeden Fall auch das Besondere noch ins Schicksal- 
hafte sublimiert wird. Zumindest beim Dichter von Rang. Er 
schreibt für alle. Der Dichter, der ein "Grenzbewohner" wäre, auch 
für die Nichtgrenzbowohner. Niemand weiß ja auch, an welche Gren- 
ze es ihn verschlagen könnte. Das ist etwas Exemplarisches. Alle 
sind wir antastbar. Unter dem einen oder dem andern Vorzeichen. ' 
Daher also schreibst Du für alle. Ganz wie die Droste, ganz wie 
die Lasker. Oder wie Matbert oder wie Trakl oder wer immer. Und na- 
türlich in erster Linie für die, deren Muttersprache deutsch ist. 
Und deren Muttersprache deutsch sein wird (oder die docn deutsch 
wie eine eigene Sprache lesen). Und bist daher ein deutscher 
Dichter und kannst gar nichts anderes sein. Du, die Du von den 
Opfern redest und selber mit knapper Not entkamst. Und die Du 



18 - 



immer wieder davon krank bist. Davon lebt Deine Lyrik, von dieser 
großen Spannung, dieser "Vereinigung des Unvereinbaren", die Poesie 
immer war und heute nur mehr ist, weil die Realität uns äußerste 
Spannungen zu leben gibt. Dies Merkmal moderner Dichtung, das 
Paradox, das in aller Munde ist, das wird ja nicht von irgendwo 
in die Kunstform gebracht, das wird zuerst und vor allem doch 
gelebt , aufs Heikelste gelobt. Da wird einer verstoßen und 
verfolgt, ausgeschlossen von einer Gemeinschaft, und in der Ver- 
zweiflung ergreift er das Wort und erneuert es, macht das V/ort 
lebendig, das Wort, das zugleich das Seine ist und das der Ver- 
folger. Der vor dem Rassenhaß Flüchtende ist nur der Unglücklich- 
ste, der am meisten Verneinte unter den Exildichtern überhaupt. 
Und während er noch flieht und verfolgt wird, vielleicht sogar 
umgebracht, rüstet sich sein Wort schon für den Rückweg, um ein- 
zuziehen in das Lebenszentrum der Verfolger, ihre Sprache. Und so 
erwirbt er ein unverlierbareres Bürgerrecht, als wenn er fried- 
lich hätte zuhause bleiben dürfen und vielleicht sein Wort nicht 
diese lO-aft einer äußersten Erfahrung hätte, die es so stark 
macht (oder auch gar nicht erst entstanden wäre). Und er kann 
nicht anders als die Sprache lieben, durch die er lebt und die 
ihm Leben gibt. In der ihm doch sein Leben beschädigt wurde. 
Das äußerste Vertrauen und die Panik fallen hier zusammen, das , 
Ja und das Nein sind nie mehr zu trennen. Entscheidung ist hier 
vorweggenommen, Versöhnung des ünversöhnbaren generiert sich 
selbst, ein - wenn auch kleiner, gemessen am Ausmaß des Unheils - 
Beweis, ein Abglanz noch von "jener Kraft, die stets das Böse 
will und stets das Gute scha,fft". Wenn daher alle Dichter das ' 
Paradox leben (schon in der zunehmenden Unvereinbarkeit des 
Innen und des Außen, und auf viele Weisen), so leben die deutschen 
Dichter jüdischen Schicksals, um sie so zu nennen, in diesem 
historischen Augenblick, es eben um einige - unwägbare - Grade 
härter. 

Mögen die Gutmeinenden uns kein falsches und sentimentales Eti- 
kett umhängen. Die Stimme wird gehört, weil sie eine deut- 
sche Stimme ist. Wie würde sie sonst die Menschen in diesem 
Lande erregen. 



- 19 - 



Aber wozu bestehe ich ei£:entlich so darauf, da es doch vorent- 
schieden ist, v^ie ich sagte, und also der 7/ille nichts hinzufügen 
und das Sträuben nichts wagnehaen kann? Nicht das eigene und auch 
^ nicht das fremde. Nur durch die physische Ermordung des lebenden 
Worts, nur durch eine neue Bücherverbrennung ließe sich das so 
Vereinte trennen. Und selbst dadurch nicht, denn das Wort hat 
schon gewirkt, fließt schon in anderen Worten weiter. Ich glaube 
aber, daß es notwendig ist, daß der Tatbestand als solcher in 
seiner heiklen Widersprüchlichkeit endlich einmal klar analysiert 
und eingeordnet wird. Sine ira et studio. 
Das versuche ich. Dazu eignet sich diese Feier zu Deinen Ehren vor 
allem andern. 

Es ist auch kein falscher Nationalismus dabei, wenn ich "deutsch" 
sage. Wie klänge er gerade auch in unserem Munde. Die deutschen ' 
Dichter sind keine "Fußballmannschaft", die mit andern in Wettbe- " 
werb träte zu Ehren einer Nationalflagge. Es handelt sich ganz ein- 
fach um Gegebenheiten. Die Sprache ist das Gedächtnis der Mensch- 
heit. Je mehr Sprachen man lernt, umso mehr nimmt man teil an 
der Erinnerung der Menschen, die aus allen Sprachen besteht. Die 
Dichter, vor anderen, halten diese Erinnerung lebendig und bunt. . 
Ich meine: sie erhalten sie virulent, indem sie die Sprache immer 
wieder spitz und verwundend machen, die sich dauernd abschleift 
und entschärft. Das kann jeder nur mit seiner Sprache tun. Die 
unsere ist eben deutsch. Daß der Ausgestoßene überdies ein be- 
sonders waches Verhältnis zum Wort hat, gerade wegen seiner Inti- 
mität mit fremden Sprachen, daß er ganz von selbst zum "Botschaf- 
ter" wird, in die fremden Sprachen die eigene hineintragend, und 
umgekehrt der Muttersprache "Welt" anverwandelnd, ist nur ein 
weiteres der Paradoxe, die sein Leben ausmachen. 

Die Dichter tragen ja auch nicht nur die Pakten hinzu, zu dem Ge- 
dächtnis, wie es die Wissenschaft tut. Sie tragen sie auf eine 
eigentümliche Weise hinzu. Dafür bist Du ein gutes Beispiel: 



20 - 



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Deine Dichtung erhält das Unheil lebendig, denn Du bist die 
Stimme dieser unseligen Toten. Und zugleich erlöst Du von dem 
Unheil. Y/ie die Dichter von jeher und für die Zeiten den Schrek- 
ken und zugleich die Katharsis des Schreckens mit sich brachten. 

Lyrik ist wie ein großes Glocke nläuten: damit alle aufhorchen. 
Damit in einem jeden das aufhorcht, das nicht einem Zweck dient, 
das nicht verfälscht ist durch die Kompromisse* Und das gilt für 
das verzweifelte Gedicht, und noch für das negative und das 
"ärgerliche»» Gedicht: es ist ein Glockenläuten. In Wahrheit gibt 
es kein Gedicht »'gegen", das nicht zugleich, und weit mehr, auch 
ein Gedicht "für'» wäre: Anrufung von Helfern, um gemeinsam etwas 
Uniebbares zu überkommen. Und darin besteht auch die Katharsis: 
in einem letzten Glauben an den Menschen, ohne den Lyrik nicht 
ist. Lyrik wendet sich an die Unschuld eines jeden, an das Beste 
in ihm: seine Freiheit, er selber zu sein. Das kann ^-^^ Elektro- 
nengehirn leisten, kein noch so gut funktionierender Apparat. 
Und auch kein »»funktionierender" Mensch. Nur das Ich kann das 
"Du'» des Nächsten sein und seines Bruders Hüter. Seines Bruders 
Hüter. Dies große Versäumnis! 

Nelly, Du bist so sehr weit weg. Nein, nicht in Schweden. Auf 
dem Wege "wo die Neuentdeckungen für die Seelenfahrer harren»». 
Verzeih, daß ich Dich auf diese Weise rufe. Drehe Dich um und 
sage Deinen jungen Lesern in Deutschland, daß jeder einzelne ge- 
braucht wird, damit Du die Toten nicht umsonst bestattet \\'^ä ; 
im deutschen Wort. Einem Wort der Liebe. Der "Liebe, 
die die Sonne bewegt und die andern Sterne»», wie der Vater aller 
Exildichter sagt . 



Heidelberg, Juli/August I966. 



^ 






WESTDEUTSCHER RUNDFUNK 
- Kulturelles Wort - 



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abgexchriebcn öJsr in sonstiger Weise värvielfältigl 
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mit Genehmigung des Westdeutschen Rundlunks Ko'n 
benutzt werden. 



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NELLY SACHS 
Ein Portrait von Erich K 






Sendung: UKW -West, am 16. August 1959 von 18.45 - 19.00 Uhr 



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'' '-tl^i.^' 



- 1 - 






• Wenn du dir deine ifaide neu aufricliteet - 
Deinen ^rd, Schlaf statte Tluch und Stuhl - 
Häni^e nicht deine frtteime an sie, die dahingegangen t 
Die nicht mehr mit dir wohner. werden 
An den Ptein, ' — 



Blüht an das H0I2, 

E« weint eonat in deinen Schlaf hinein, 

Den kurzen, 4en du ncch tun auSt» 



•>;- 



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Seufze nlcl t, wenn du dein Laken bettest, 



^ 

Oi 



£e mischen eich 00ns t deine Träume 



^:cbi^eiß der Toten. 



Ach, es sind die tSnde md die Geröte 
Wie die Windharfen empfänglich 
Und wie ein Äcker, darin dein -"eid wSchat, 
Und sparen das taubverirandte in dir* 



ß 




Baue, wenn die . tundenuhr rieeelt^ 
Aber weine nicht die Minuten fort 
Mit dem r>taub zusaia^^^en. 
Der dae Licht verdeckt. ^ 



kn Bande des Stidviertela der Stadt Stockholm, dort, wo die glatten 
Staraeen der auf viele Pelaineeln verteilten Stadt wieder eiMMil vor 
einer ^asser^litzern Bucht enlen, wohnt im dritten Itockv.erk des 
Mietahausee Bergaundatrand 23 eine ungefähr siebEig jährige ?rau,derfjr| 
eigentliche Heimat Deutschland ist. Ca« anae.^mliche Voratadthaua 
in der langen liaueerÄeile entepric .t de» «chwedischen I^urchöchnitt 
und fällt nicht weiter auf. und doch iat ea für eine * eihe von Sin- 
wohnern Fluchtburg und Ruheort nach entaetslicher anderachaft. 
Olierlebendo alnd hier aus allen Richtun en der ffindroae susaioaen^e* 






- 2 - 

r 

wirb«lt worden, und ait d«n dunklen Hrlnnerungen überfällt eie ihr 
Basein von 2eit su Zelt wl« ein bitteres Wtind«r, denn wen die penlbl 
Bürokratie Ihrer zahlreichen öäfachyr noch beseer funktioniert hätte, 
als eie es ohnehin tat, durften sie gar nicht mehr existieren. Auch 
ßie war n für dia Ofan, den Strick, für dia SrachieSungalager be- 
BÜffiKt, euch sie sollten eich wie ihr ganzes Volk in Rauch auf- 
lösen, ghepartner und Kinder, Freunde und Verwandts blieben im 
Maihl«er- der Xodesi^aachinerle zurück, und eo begleiten Tote ihr Wa- 
ohan und Schlafen, ihre Xräuiae und Tränen, ihr »ohnen und "Siederan- 
fan^en. Die Hand einer selts-^men Pügung susasaien »It BeneGhllcheia 
Helferalnn inmitten unmenechlicher 2eit hat eie an Jen Strand der 
Äleren nd an den riand der ec^wediecben iiaup atadt versetzt. Sia 
»Ind berlebonde, auf den Fala geapUlt, und wann auch die Steine 
fremd und hart sind, sd bieten ele doch Sicherheit. Sie "bauen" 
und "wohnen", aber mit der Erinnerung wachet auo alten 'cchr ;cken daa 
«lesen von ihrer ai^ienen Staubrerfailenheit. Ea iet merkniirdlft . zu 
überleben. 





"Verlowß Menschenmasaj ich bin die Einaaakeit 
Ma ihr «eachwister sucht auf dieser ?elt - 
C Israel, von aeintsr Füeae Leid 
Bin Ich ein 'cho, das zum Äiaanel gellt." 

Die siebzigjährige Frau im dritten Stockwerk Be*ir»und8trand dreiuna- 
zwanzig, eine aierlic'.e, freundliche und scheue Peraoa, halset Kelly 
5acha. Kelly äJache ist eine von den wenigen, die öer dea ganzen 
l8rm«litl5chan Volk zu^^edechten Vernichtung entkamen und in ihr sind 
Israels Leihen »'>tliBcie reworden . 8«» Ihr Leben verdankt eie Sc weden, 
genauer ausgedruckt, einer Frau, die bei uns Je d ersann kennt I SelHsa 
La- erldf und nächst ihr einem Mitglied des äch^edisühen Könlf shauses, 
Achtze'mhunderteinunjneunzlg in Berlin geboren und aus wohlhabandan 
Battaa etamraand, kam sie zu Hitlert Zelt gleich vielen G.jfährten unt» 




- 3 - 





die vSclrecken de» orgenlaierten Antlsemltiemus. Acht Jahre - von 
1933 - 1944 - hielt sie eich in Berlin verborgen, fiacht fUr Hacht 
•nmrtete sie mit ihy^rer kranken Kutter das ÄuSerste, uea Tranüport 
m eines der Schomsteinlaßer v-.n ^aidanek, Treblinka, Auechwita ode; 
Ber£en-Belßen. Kelly Sache wurde <^eUf e eines furo tbaren ScLicksala 
an einen: geliebten ^enecheni elnaal etand si« unerkannt in hlicheter 
Angst uniformierten Verfol-fsrn ge enüber, erst nnch fUnf Ta^ en fand 
eie die Sprache wieder, öc^.on die *»fnfzehn4ährige hatte ihre ä'arc'en 

■ . - - - 

mx r^eloa La^^erlöf geschickt; darsu» entstend ein Briefwechsel, und 
er urde die Rettung. Eine deutsche )*'rtiundin, die kurzfristig nach 
Schweden kam, machte ^en Boten • Sic: s^childerte, in elcher Gefahr 
Mutter und Xochter schwebten. Ala Kelly S^ch^ in letzter IH. nute mit 



ihrer Äutter chweden erreichte, traf ßie die Lagerlöf nicht mehr 
labend an. Eine feihe von Gedichten entstanden in den Ki^iChtwachen sm 
Krankenbett, denn die Todesfurcht vvich nicht von :^er Mutter, und 
bald Bahnl^ der Tod Kelly Sachs den letzten M -nachen, der ihr g^blie^ 
ren wari 



o 




* Ab^-ewandt warte ich auf dich 

^eit fort von den Lebenden weilet du 

oder naht 



Abgewandt nfti^t» ich auf dioh 

^%nr4 nicht dürfen Freigelaösaene 

mit ;'chl Ingen der ehnsucVt 

eingefangen werden 

noclt ^.akrönt 

mit der Krone aui3 Plane tens taub - 



-n» 



Die Lit-be ist eine Sandpflanae, die den i'euer dient 

und nicht verzehrt i^lrd - 

Abgewandt 

wartet «ie auf dich -•• 




- 4 - 



# 






Lyrische nchilderun^en der Fünfzehnjährigen gaben Sin rücke der 
Landschaft wieder; aart und einfach, besaßen sie ©ine ^awisse 
Veiwandtschaft mit Keller und Mörike. Wie steht ee ®it den Versen der 
Secheig- und Biebsigjährigen? Die Zartheit paarte eich mit dem 
Grauer., die larheit ait der Verzvö-flung und die Sinfachheit mit 
der Hoffnung; das Genrie aber verschwand. "Mein Leben ist so in 
Schmerz zerrissen, d«8 ich jedösael ins Feuer tauche , um mir die 
forte «u holen. Mich überfällt da© Zagen, dann komiLen die »echte, 
und ich wa^.e ee.** Diese Sorte schrieb Selly Sachs is Jahre 1946 
an den Strindbergforecher irofessor Berendsohn. Ihre in den Jahren 
1947, ig49f 57 und 59 erschienenen Gedichtbände zeigen das l^achstum 
der Sprache und eine steitende Kraft der Bilder. * In Windeaelkie da 
Samenkorn jgtgjend, bevor ^s wieder Licht ward«, geben ihre bis «um 
Äußersten verdichteten Verse - mit Hilkee ? ort n - "die Sndsuiamen, 
nicht die Einzel posten» wiedör. Sie sind der getreue RückstAnd eines 
Leidens, dfs nicht graasveratört auf den beharrt, was es verlor, 
©ndern das sich grenzünlos auf^etan hüt, um sich verwandeln zu 
lassen. Alle Formen solcher ärfahrun^^, Flucht, Verfolgung, Preinde, 
Tod, bedeuten Verwandlung und Aufbruch : "Der Himmel übt an dir 
Zerbrtdlsen, du bist In äor 0Mide", hei3t es im letzten üedichtband 



von Kelly Sache, und an anderer Stellet " Hier ist Axaen äu Mgen - 
diese Krönung: der »orte - die ins Verborgene zieht - und Frieden - 
du groSes Au£snlid - dai; alle Cnruht- verschließt - mit deinem himm- 
lischen fimpernkrauz - Du leisiste aller acburten." Der Himmel ist 
1», «er Zerbrechen übt, und die ^^chmerzen der S9«le sind es, die Ihn 
i;eblf«i helfen. Die fast Siebzig jRVrige an der Liljeholmebuoht in 
Stockholm wecheelt nie t mehr den "ohnort, und mit aecht schreckt 
sie vor der «iederbcgegnung mit einem Lande zurück, da« ihr das 
ÄMlerste aniutun versuchte, indessen aahlt sie seiner Bosheit mit 

VerMt» zurück, di« «uai ochönsten gehöran, was e^« in unserer Sprache 

Je 



/ 



- 5 - 






^ 



• 






geschrieben wurde. ISelly Sr?ch8 hat In Schweden ihr Aayl aufgeechiagei 
Ihr lichten und Sagen aber \sandert asylloa und eehnsUchtig i$ Unend- 
licher., Und sc weht kosaische Luft in ihren Gedichten der Jahre 1947 
1949» 57 und 59. ßie» die ibrea Volk und eeinem Sterben ergreifende 
Totenkla^e f««un.^en hf^t, be^jleitet Im fernen Äxil als alte Frau den 
neuen Anfant Israels in seiner Wüötenheiisat, leraels, dae eeine ver- 
i^einten Kinder von allen Enden der Srde heimholte und "Davide pBalmei 
atu in den Sand 8C> reibt." Itt es vörwunderlicb, daß sich der Bichte- 
ring die . roSen Sternbilder jüdlscTier LeidenafiBChichte und JüdisCei 
Kenigatums tief in die t'eele gebrannt haben, Biob, Abraham, Jakob, 
Daniel, Saul, der Seli«r des Sohar und die ChaBoiden? Kein, das ist 
nicht verwund erlichi Kelly Sechs eintet die Väter ihres Glaubene, daa 
geschlagene und erwählte Israel, denn seit Job 8«der Asche sa3 und 
Abrahams Messer auf de Moriaberge blitzte, gibt ea nur noch ein 
^üdiscbea Schicksal. Eie, die ihre Jotenkle^e "in die Luft s.^hrieb", 
30 wie Greiee, Kinder» Bräute und Mütter, IL nner und Frauen aus den 
Kaminen der Verbrer nun slager durch die Luft heimfuhren, keine Türen 
■ihr brau eher d, «ie hat die verlassene und durchbohrte fiNNitur aller 
Vvelt an ihr Hers genomtcen: auch die Verfir^starung des Tiechanlslerten 
Todes. *• Von der J^orgenwache bia zur Sacht hofft iBrael auf den Herrn" 
spricht der Spalm» km Itreeundstrand in Stockholm h&t «Ine Jer kluger 



Jungfrauen 

»»achter, 

lÄchter 



laispe anö ?e#näter gtitellti 



sage delnec Herrn: 

ee ißt durc litten ..• 



und 



Seit den Scheiterhaufen mnzuzllnö^n 

der morgen alngt 

und nach tgf rönnen Biut 

ta Hahnenschrei 



- 6 - 



< 





soll flie3en ..•• 

Äo auch die S^^raohe kein fuetee Haus mehr bietet, wo sie iaimür 
neue . ch^ellen Ubersc reitet und vom m^stiechen Sterben in frach— 
sende© i»öben kündet, da ist wohl der Verschluß an eelnem Platz s 
•An Stelle von ^eim^it -- halte ich die Vernrandlungen - der elt^ *^ 
So ^i^ es ihr Gedicht sa^t: 

"Von Bgoht gi?»teinigt, 
hob u!i oll Schlaf 

in L^nds flucht weit h inaus 

Grenz linien 

, , . . . * ' 

die Geburt an meiner ■»t ge2:ogen einst 

verlöschte Tod 

mit einer Mand Musik 

Erlöste 3:-iebe 



mmmmmm mmmmmmmmmmmmm 



eich ihr ötfer-blld 

Ik aiö Freiheit schrieb * 



m 




Kelly Seche v^urdi- spät ^;orettet, spät entdeckt und epät au© gro^^er 
Ämut ^reloltt und erst ßiuSte ihr di^ achnediöchu Akademie für 
Sprache und Dichtung einen Frhrenaold amtMfÜieri, u?:e die deutsche 
auf ale aufm? rksaiB wurde* Die heutf^ 



äam Feleeneiland mm 



L IJeholmeviken und I*» Ittrand der Molaren skandinavia«ll# byrik 
Ina Deut sehe überträgt, ^Ir haben allen ö^rund, ihr dichterisch a 
Schaffen kennen und lieben a> lernen* Die triprache baut uns eine 
Brücke, und nur derjenige, der ihren i^und «um frenden etempjbeln 
mili, fehl nicht hinUb.r* ftir ^rlXBen eine e^^Be Dichterin unserer 
iprache am 3trand der Mälarent 



Q ^^^'rr>'^^-^^'^^^ I hiOL^yyy> 







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Abfüllung:. .Ml^..^?.elles.W^^^ Ri 1 1 ^ .r.ma.]xn 

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Reih«: Autor: 



Sendetog: 



2.1c1966 



lo Programm 



SENDER FREIES BERLIN 
Manuskript produktionsreif 



Di«M Manmkrlpt Itf urh«b«rr«chtlich gttchiHzt; «in« Verwertung olin« Genetimigung des Autors ist nictit gestattet. Insbesondere darf das Manu- 
skript weder ganz noch teilwetoe abgeschrieben oder in sonstiger Weise vervielfältigt werden. Eine Verbreitung Im Rundfunic oder Fernsehen bedarf 
der Zustimmung des Senders Freies Berlin. 



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Seit der Zeit des ersten Tempels zu Jerusalem sind die Psalmen 
Gebets- und Liedgut des Gottesvolkes „ Lob und Dank, Prophetie, 
Vertrauen, Reue und Jubel zu dem einen unsichtbaren Gott, dem 
Gott des Bundes, all das hat sich in den 150 überlieferten Lie- 
dern des Psalters erhalten» Teilweise wirken sie frisch und neu, 
wie in den Tagen Davids, dem viele der Psalmdichtungen zuge- 
schrieben werden» 

Psalmen - diese Art der Dichtung hat nur die hebräische Litera- 
tur aufzuweisen, nur Israel konnte aus seiner Gotteserkenntnis 
heraus diese Gebete und Lieder hervorbringen c 

Gewiß, die Psalmen stehen in einer Tradition, sie sind ein Pro- 
dukt des antiken Orients , und auch in anderen Kulturen können 
psalmahnliche Dichtungen nachgewiesen werden, aber trotz aller 
möglicherweise vorhandenen Parallelen der Form kami gesagt wer- 
den, daß Israels Psalter an dichterischer und geistlicher Kraft 
einmal isto 

Weit in die vorchristliche Zeitrechnung reichen die Psalmdich- 
tungen zurück. Es wird vermutet, daß der gesamte Psalter, so, 
wie er uns überliefert ist, schon im 2o Jahrhundert vor Christus 
vollständig vorgelegen hat. Unter den Handschriftenfunden von 



/(^ 



/ 



- 2 - 



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Qumran befand sich eine Auslegung des 3?. Psalms. Ein Hinweis 
darauf, daß der Psalter bei den Anhängern der Qumran-Sekte 
- etwa um das Jahr 1oo vor Christus - als Heilige Schrift an- 
erkannt war, denn warum sonst hätte man einem Psalm eine be- 
sondere Auslegung widmen sollen? 

Zu allen Zeiten beschäftigten sich die Gläubigen - Juden und 
Christen - mit dem Psalter. Es ist ja kein Zufall, daß Martin 
Luther in den Jahren 1515 bis 1516 als Professor in Wittenberg 
Vorlesungen über den gesamten Psalter gehalten hat, und ebenso- 
wenig kann es zufällig sein, daß mit der Auslegung der sieben 
Bußpsalmen Luthers erste größere Schrift in deutscher Sprache 
vorgelegt wurde. Das war im März 1517- Noch ahnte niemand, was 
aus dem Bruder Martinus, Augustiner in Wittenberg, werden wirde. 
Wenige Monate später aber verbreitete sich die Nachricht von den 
95 Thesen des Mönchs in Windeseile durch Deutschland und Europa. 

Noch eines kann gesagt werden, nämlich daß Luther auch durch 
die Psalmen zu seinem ganz persönlichen Glauben käme In den 
Bußpsalmen fand der spätere Reformator ein Menschenbild, das 
seinen Vorstellungen entsprach. Die Heiligen Gottes waren kei- 
nesfalls "heilig", wie es die Kirche gern gesehen hätte, sie 
waren menschlich und sündhaft, sie sahen keinen Ausweg vor dem 

* 

Gericht Gottes, sie bekannten ilire Schuld, sie verheimlichten 
nichts. Gerade diese Haltung und die gläubige Hinwendung zum 
Schqpfer sind es, die Luther als Voraussetzung für ein gott- 
gefälliges Leben betrachtet. Weg von der Selbstgefälligkeit, 
weg von der Werkgerechtigkeit hin zu dem Worts "Allein durch 
den Glauben." 



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- 3 



Im Jahr der 450o Wiederkehr des Reformationstages ist es sicher 
gut, an diesen Aspekt in Luthers Leben zu erinnern.. 
Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde immer wieder versucht, 
das Wort Gottes neu in die deutsche Sprache zu übertragen^ 
Besonders - und das interessiert uns ja im Zusammenhang mit der 
heute beginnenden Reihe - die Psalmen wurden immer wieder ver- 
deutscht. Greifen wir nur drei jüdische Gelehrte heraus; 
Moses Menselssohn, Heinrich Graetzund Martin Buber. Die Psalmen, 
übersetzt von Moses Mendelssohn in den achtziger Jahren des 
18. Jahrhunderts, erschienen bei Friedrich Maurer in Berlin« 
Der Autor schrieb damals in seiner Vorrede an die Lesers 
"Ich bin so wenig in Neuerungen verliebt gewesen, daß ich mich 
sogar, was die Sprache betrifft, genauer an Dr. Luther gehalten, 
als an spätere Übersetzer. V/o dieser richtig übersetzt hat ^ 
scheint er mir auch glücklich verdeutscht zu habens und ich 
habe selbst die hebräischen Redensarten nicht gescheut, die 
er einmal in die Sprache aufgenommen, ob sie gleich nicht 
echtes Deutsch sein mögen. Da sie der Gebrauch nun einmal 
der Sprache gleichsam einverleibt, und der Andacht geweihet 
hat; so verlieret der Übersetzer viel, der sie durchaus ver- 
melden will. Ich glaube also von jeder meiner Abweichung 
Rechenschaft geben zu können, und wo ich dem Texte untreu 
geworden bin, da liegt der Fehler in meiner Einsicht, nicht 
in meinem Willen«" 



Soweit ein Auszug aus dem Vorwort zur zweiten, verbesserten 
Auflage der Psalmen, übersetzt von Moses Mendelssohn, er- 
schienen 1788 in Berlin. 



- 4 - 



em 



Knapp hundert Jahre später gab der in Fachkreisen berühmte 
Breslauer Historiker Heinrich Graetz einen zweibändigen 
"KritischenCommentar zu den Psalmen nebst Text und Übersetzung" 
heraus. In diesem Werk - das für den Psalmleser, auch wenn er 
nicht der hebräischen Sprache mächtig ist, sehr viele interessan^ 
te Aspekte eröffnet - klingt ein neuer Ton an, 
Graetz schreibt in seinem Vorwort: "Für solche, welche nicht 
um ein Jota von dem rezipierten Texte abgewichen wissen wollen, 
ist dieses Buch, Übersetzung und Erklärung der Psalmen nach 
kritischer Methode nicht geschrieben. Denn wie es solche wenig 
kümmert, daß ihre Behandlung der heiligei>6chrif t der Logik und 
poetischen Aesthetik geradezu Hohn spricht, weil sie in d 
Sinn- und Geschmackswidrigen das Wahrzeichen der rechtgläubigen 
Religiosität erblicken - so kümmert es sie eben so wenig, dai3 
unter den Gebildeten die Zahl der Verächter der Religion, welche 
doch ihre Wurzel in der heiligen Schrift hat, sich stetig ver- 
mehrt, weil diese sich von dem öfter Trivialen und Kindischen 
der Diction abgestoßen fühlen." 

Trotz des Vorwortes, in dem - anders als bei Moses Mendelssohn ~ 
Luther nicht erwähnt wird, fühlt sich der Kommentator und Über- 
setzer - bewußt oder unbewußt - dem lutherdeutsch verpflichtete 
Die erwähnte poetische Ästhetik freilich ist bei Luther mehr 
gewahrt, als bei Professor Graetz o Nimmt man beispielsweise 
den bekannten 2J> , Psalm, dessen erster Vers bei Luther lautet 2 
"Der Herr ist mein Hirte , mir wird nichts mangeln« o" dann heißt 
die gleiche Stelle bei Graetz: "Der Herr ist mein Hirt, so wird 
mir nichts abgehen. . . " 



- 5 



"Mir wird nichts mangeln" oder "so wird mir nichts abgehen" ^^ 
wenn ein Leser vor diese Textalternativen gestellt wird, so 
wird die Entscheidung sicher immer für den fast vierhundert 
Jahre älteren Text ausfallen. Bei Martin Buber, dem Psalm- 
Übersetzer, dem Verdeutscher des hebräischen Textes, der in 
unserer Zeit mit großer Treue ans Werk ging, lautet die gleiche 
Stelle; "Er ist mein Hirt, mir mangelts nichto" Knapp, nüchtern, 
maßvoll - und trotzdem dem Luthertext ähnliche 

Doch damit genug der Anmerkungen zu den verschiedenen deutschen 
Übersetzungen des Psalters; sie gehören zwar dazu, aber über 
der heute beginnenden Reihe soll nicht umsonst das Wort aus 
dem 44. Psalm stehen: "Gott, wir haben' s mit unseren Ohren 
gehört, unsere Väter haben *s uns erzählt, was Du getan hast 
zu ihren Zeiten vor alters« •* 

Können wir die Worte dem Psalmisten glaubwürdig nachsprechen? 
Haben wir es wirklich mit unseren Ohren gehört, haben wir es 
aufgenommen in unser Gedächtnis, was Gott getan hat? Ist uns 
der Psalter nicht fremd geworden, manchmal herabgewürdigt 
zum gern benutzten Zitatenschatz? Wer von den Zeitgenossen 
hat einen Psalm, der für sein Leben eine besondere Bedeutung 
hat, wer fühlt sich einem Psalm besonders verbunden? Sei es 



wegen seiner sprachlichen Schönheit, sei es wegen des Inhalts o 
Bei wem weckt ein bestimmter Psalm Erinnerungen c An freudige 
oder schmerzliche Ereignisse? 



Diese Fragen standen am Anfang der Überlegungen, die dann 
schließlich zur Sendereihe "Mein Psalm" führten. Kein all- 
tägliches Unternehmen, keine Frage, die jeder auf Anhieb 
beantworten kann und deshalb ist es besonders zu begrüßen. 



6 - 



daß sich einige Autoren gefunden haben, die an dieser Reihe 
mitarbeiten wollen. Schon allein der Briefwechsel mit möglichen 
Mitarbeitern war aufs chlußre ich» Viele mußten absagen, weil 
sie keine Beziehung zu den Psalmen hatten. Bei einer eventuellen 
Umfrage würden sich die Stimmen mehren, die die Präge nach 
einem Lieblingspsalm verneinten. Quer durch alle Schichten der 



Bevölkerung, quer durch die jüdischen Gemeinden ebenso 



, wie 



durch die katholischen oder evangelischen Gemeinden, bei denen 
Ja der Psalter auch zu den Heiligen Büchern gehört,, Gerade des- 
halb ist die Reihe - so meine ich - notwendig, sie könnte den 
Hörer wieder hinführen zu den Schönheiten der jahrtaussende- 
alten Dichtung der Psalmen. Das jedenfalls ist beabsichtigt.. 

Die nun folgende erste Sendung in der Reihe "Mein Psalm" 



ist Nelly Sachs gewidmet, die vor wenigen V/ochen mit de 
Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. 



m 



- 7 



Spr ' in 



Wohin wohin 

du Weltall der Sehnsucht 

das in der Raupe schon dunkel verzaubert 

die Flügel spannt, 

mit den Flossen der Fische 

immer den Anfang beschreibt 

in Wassertiefen, die 

ein einziges Herz 

ausmessen kann mit dem Senkblei 



der Trauer. 



Wohin wohin 

du Weltall der Sehnsucht 

mit der Träume verlorenen Erdreichen 

und der gesprengten Blutbahn des Leibes; 

während die Seele zusammengefaltet wartet 

auf ihre Neugeburt 

unter dem Eis der Todesmaske« 



Spr o : 



Ein Psalm, ein Klagelied aus unserer Zeit, geschrieben von 
einer Frau, die in ihrer Seele das Leid eines ganzen Volkes 
trägt: Nelly Sachs, Die Leidensgeschichte Israels im Herzen 
einer einzelnen, sprachgewaltigen Prau, die von sich selber 
sagte, sie habe geschrieben, um zu überleben. Eingehüllt in 
die ewigen Werte des Gottesvolkes, wie in einen Gebetsmantel, 
lebt die 1891 in Berlin geborene Dichterin in Stockholm» 
Hiob und die Propheten sind ihr ebenso Weggefährten wie Jakob 
Böhme und Meister Ekkehard . Kein einzelner Psalm, von dem sie 
sagen könnte, er bedeute ihr mehr als alle anderen. Doch dem 
Leser, der sich in die Worte der Dichterin vertieft, wird die 



8 - 



Spr' in: 



geheimnisvolle Übereinkunft ihrer Sprache mit der Sprache de 
biblischen Psalters in großer Klarheit deutliche 

du weinendes Herz der Welt! 

Zwiespältiges Samenkorn 

aus Leben und Todo 

Von dir wollte Gott gefunden werden 

Keimblatt der Liebe. 



3 



Bist du verborgen in einer Waise, 

die am Geländer des Lebens 

schwer sich stützend weitergeht? 

Wohnst du bei ihr, dort 

wo der Stern sein sicherstes Versteck hat? 



du weinendes Herz der Welti' 

Auch du wirst auffahren 

wenn die Zeit erfüllt ist. 

Denn nicht häuslich darf die Sehnsucht bleiben 

die brückenbauende 

von Stern zu Stern! 



Spr o 5 



So lautet ein Gedicht, das dem im Suhrkamp Verlag, Prankfurt, 
erschienen Band "Fahrt in Staublose « Die Gedichte der 
Nelly Sachs" entnommen ist. Der Dichter des 137. Psalms 



dagegen schrieb 



2. Spr. 



An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an 
Zion gedachten« Unsere Harfen hingen wir an die Weiden; die 
daselbst sind. 

Denn dort hießen uns singen, die uns gefangen hielten, und in 
unserem Heulen fröhlich seins 



9 - 



1 . Spr. : 



"Singet uns ein Lied von Zion!" 

Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremden Landen? 

Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessene 

Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wo ich dein nicht ge- 
denke ; 
wo ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Preude sein« 

Psalmwort, jahrtausendealt, - Liohterwort, geschrieben in 
unserer Zeit. Verbunden durch den gleichen Herzschlag, durch 
die gleichen Gedanken, so, wie es an den nachfolgenden Ge- 
dichten und Psalmen, die im Wechsel gelesen werden, ebenfalls 
deutlich werden wird« Manchmal jedoch stehen sich Psalm und 
Gedicht geradezu kontrapunktisch gegenüber. 



Spr' m: 



Wer aber leerte den Sand aus euren Schuhen, 

Als ihr zum Sterben aufstehen mußtet? 

Den Sand, den Israel heimholte, 

Seinen Wandersand? 

Brennenden Sinaisand, 

mit den Kehlen von Nachtigallen vermischt, 

mit den Flügeln des Schmetterlings vermischt, 

mit dem Sehnsuchtsstaub der Schlangen vermischt 



m 



it allem was abfiel von der Weisheit Salomos vermischt, 



mit dem Bitteren aus des Wermuts Geheimnis vermischt 



ihr Pinger, 

die ihr den Sand aus den Totenschuhen leertet, 

Morgen schon werdet ihr Staub sein 

in den Schuhen Kommender! 



1o 



2o Spr.: 



Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, sc werden 

wir sein wie die Träumendeno 

Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens 

seinu 

Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen 

getan! 

Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. 

Herr, bringe wieder unsre Gefangenen, wie du die Bäche wieder-- 

bringt im Mittagslande o 

Die mit Tränen säen, werden mit Preuden ernten« 

Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit 

Freuden und bringen ihre Garben« 



Spr 'ins 



Land Israel, 

Deine Weite, ausgemessen einst 

von deinen, den Horizont übersteigenden Heiligen» 

Deine Morgenluft besprochen von den Erstlingen Gottes, 

deine Berge, deine Büsche 

aufgegangen im Flammenatem 

des furchtbar nahegerückten Geheimnisses • 



Land Israel, 

erwählte Sternenstätte 



für den himmlischen Kuß! 



Land Israel, 

nun wo dein vom Sterben angebranntes Volk 

einzieht in deine Täler 

und alle Echos den Erzvätersegen rufen 

für die Rückkehrer, 

ihnen kündend, wo im schattenlosen Licht 

Elia mit dem Landmanne ging zusammen am Pflug, 



- 11 ~ 



der Ysop im Garten wuchs 

und schon an der Mauer des Paradieses - 

wo die schmale Gasse gelaufen zwischen Hier und Dort 

da, wo Er gab und nahm als Nachbar 

und der Tod keines Erntewagens bedurfte • 



Land Israel, 

nun, wo dein Volk 

aus den Weltenecken verweint heimkommt 



um 



die Psalmen Davids neu zu schreiben in deinen Sand 



und das Peierabendwort Vollbracht 
am Abend seiner Ernte singt - 



steht vielleicht schon eine neue Ruth 

in Armut ihre Lese haltend 

am Scheidewege ihrer Wanderschaft« 



2. Spr.j 



Da Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk, 

da ward Juda sein Heiligtum, Israel seine Herrschaft« 

Das Meer sah es und floh; der Jordan wandte sich zurück; 

die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe 

Was war dir, du Meer, daß du flohest, und du, Jordan, daß du 

dich zurückwandtest, 

ihr Berfie, daß ihr hüpftet wie die Lämmer, ihr Hügel wie die 

jungen Schafe? 

Vor dem Herrn bebte die Erde, vor dem Gott Jakobs, 

der den Fels wandelte in einen Wassersee und die Steine in 

Wasserbrunnene 



Spr' m: 



Aus dem. Wüstensand holst du deine Wohnstatt wieder heimo 
Aus den Jahrtausenden, die liegen in Goldsand verwandelte 



12 - 



Aus dem Wüstensand treibst du deine BäurD,e wieder hoch 
die nehmen die Quellen hin zu den Sternen - 

Aus dem Wüstensand in den soviel Schlaf einging 
vom Volke Israel 



ziehst du der Schafe Schlummerwolle an den Tag» 
Mit der Erinnerung als Rutengänger 

gräbst du die versteckten Blitze der Gottesgewitter aus, 
wälzt die Steine zum Bethaus 

Steine, die fester Schlaf um die magische Nacht 
von Beth - El sind, 

und gefrorene Zeichen um der Heimwehleitern Gesproßo 
Am Abend aber, wenn die Erde ihre letzte Melodie 

am Horizont spielt und die Brunnen dunkle Rahelaugen sind 
öffnet Abraham den blauen Himmelsschrein 

darin die funkelnde Tiara des Tierkreises ruht, 
Israels ewige Siegestrophäe 

an die schlafenden Völker der Welt. 



2, Spro i 



Gott Zebaoth, tröste uns, laß leuchten dein Antlitz; sc genesen 

wiro 

Du hast einen Weinstock aus Ägypten geholt und hast vertrieben 

die Heide und denselben ge- 
pflanzt« 

Du hast vor ihm die Bahn gemacht und hast ihn lassen einwurzeln, 

daß er das Land erfüllt hat» 

Berge sind mit seinem Schatten bedeckt und mit seinen Reben 

die Zedern Gottes. 



13 






1 o Spr 



O P 



Du hast sein Gewächs ausgebreitet bis an das Meer und sei 

Zweige bis an den Strome. 

Warum hast du denn seinen Z&un zerbrochen, daß ihn zerre ii3t 

alles I» was vorübergeht? 

Es haben ihn zerwühlt die wilden Säue und die wilden Tiere 

haben ihn verderbt o 

Gott Zebaoth, wende dich doch, schaue vom Himmel und siehe an 

und suche heim diesen Weinstock 

§ 

und halt ihn im Bau, den deine Rechte gepflanzt hat und den 

du dir fest erwählt hasto 

Siehe drein und schilt, daß des Brennens und Reißens ein Ende 

werde « 

Deine Hand schütze das Volk deiner Rechten und die Leute, die 

du dir fest erwählt hast|, 

so wollen wir nicht von dir weichen. Laß uns leben, so wollen 

wir Deinen Namen anrufen o 

Herr, Gott Zebaoth, tröste uns, laß dein Antlitz leuchten; 

so genesen wir« 

Dichtung, Jahrtausendealte, den meisten von uns geläiJifig 
in der Übersetzung Martin Luthers, der die gewaltigen Worte 
aus der Sprache des alten Bundes hinübertrug zu allen^ die 
sich der deutschen Sprache bedienten« 
Dichterwort aus unserer Zeit» Den meisten von uns geheimnis-- 



voll dunkele Gesprochen von einer Frau, die aus den Quellen 
Israels schöpfte und in der Sprache der Menschen schreibt y 
von denen viele schuldig geworden an dem Volk, aus dem. der 
Psalter überliefert« 



Spr ^ in 



Traumgebogen weit, weiter 

Sterne nrückwärts in der Erinnerung, 

schlafwasserge fahren 

durch gekrümmte Staubsäulen, 

des Landes Kanaan heidnischen Sand küssend, 

« 

der anders gesiebt mit durstigen Göttern, 



^. 14 



doch Wüste mit Honig und Milchgeschmack 



Dieses Bündel Sonnenge strahle , 

ein Riese legte es ab von der Schulter 

und hinein 



in Abrahams Laubhüttenhand « 



Die zuckte golddurchstochen 



Und wieder ein Strahlenfinger, 

hoch zeigend durch Bibelnacht 

auf Tyrannenwort, 

Rizpa, 

das Muttergestirn, 

gehorsam ihrer Herzader, 

ließ Schakale abfallen 

wie Mondwasser 

von der Söhne über 

den Tod verurteilten Leichenliaut . 



Tiefer in Aschenzeit, 
auch Antigone 
siebte Freiheit 
im Echo des Staubes - 



In der Schattenecke 



meergrau im Ysop 
schnuppert der Esel, 
blaugeträumt das Auge 
vor Engelsentzückene 



- 15 - 



Nachtverbunden lehnt Bileam 
neben unbegriffner Sendung. 



Klage , Klage , Klage 

in Harfen, Weiden, Augen, 

und Tempel nur noch im Peuer! 



Israel, knisternde Fahne im Salz, 

und die Flucht abgeschnitten 

mit des Meeres weinendem Schwert 

oder 

im Angstschweiß vergraben 

an einer Mauer, rauchend vor Jägerdurst 



Flucht, Flucht, Flucht, 
Fluchtmeridiane verbunden 
mit Gott-Sehnsuchts»-Strichen 



Flucht aus den schwarzgebluteten Gestirnen 
des Abschieds, 

Flucht in die blitztapezierten 
Herbergen des Wahnsinns, 



Flucht, Flucht, Flucht 
in den Gnadenstoß der Flucht 
aus der zersprengten Blutbahn 
kurzer Haltestelle - 



- 16 



Die Gedichte 



Wohin wohin 



(Seite 14o) 
du weinendes Herz der Welt! (Seite 79) 



Wer aber leerte den Sand aus 
euren Schuhen 

Land Israel 

Aus dem Wüstensand 

Gebogen durch Jahrtausende 



(Seite 11) 
(Seite 126) 
(Seite 129) 



(Seite ^62) 



wurden dem im Suhrkamp Verlag, Prankfurt, erschienenen Band 
"Fahrt ins Staublose" - Die Gedichte der Nelly Sachs entnommen^ 



Die Psalmen? 



137 

126 



8o, 
8 - 
2o 



(An den V/assern zu Babel o»») 
(Wenn der Herr die Gefangenen«.,») 



114 (Da Israel aus Ägypten zogoo.) 



(Gott Zebaoth, tröste uns«oo) 



wurden In der Luther-Übersetzung zitiert 



/ 



AbltllMng:. .Kult. 1^*6 11 e^^ Redakteur: HailS Ritterma]^^ 

TM.I: WSjTAJi^^^^^A^^ WORTEN 

Uber''*Neriy''B'äcEs ünH"*'iH"re""üedIcH"t'e 

, Autor: . . Werner Rhode 



MIm: 



: . J.l,^^.-12.§3, 



Send«elt/Pro9r.: ...21^^5-22 .00.^.1^^^ 

II* Programm 



3^ ^ ^^6? 

SENDER FREIES BERLIN 



Manuskript produktionsreif 



DtaMt Manmkript lit urheb«*rechtlicl) geKliütxt; eine Verwertung ohne Genehmigung det Autors ist nicht gestattet. Insbesondere darf dos Manu- 
ikrliit wedar ganz noch teilweise obgeechrieben oder in sonstiger Weise v«-vietfältigt werden. Eine Verbreitung im Rundfunk oder Fernsehen bedarf 
dar ZmNmmung des Senders Freies Berlin. 



Sprecher : 



Von dem Philosophen Theodor W. Adorno stajnmt das denkwürdige 
Urteil, nach Auschwitz sei es nicht mehr möglich, ein Gedicht 
zu schreiben. "Wenn wir weiterleben wollen" , so schrieb Hans 
Magnus Enzensberger , "muß dieser Satz widerlegt werden* Wenige 
vermögen es. Zu ihnen gehört Nelly Sachs. Ihrer Sprache wohnt 
etwas Rettendes inne. Indem sie spricht, gibt sie uns selber 
zurück, Satz um Satz, was wir zu verlieren drohten: Sprache. 

Nelly Sachs wurde I891 als Tochter jüdischer Eltern in Berlin 
geboren. Nach 1933 mußte sie sieben Jahre unter Hitlers 
Schreckensherrschaft zubringen. Ereunde, unter ihnen die 
greise Selma Lagerlöf und ein Mitglied des schwedischen Kö- 
nigshauses, retteten sie und ihre Mutter 1940 vor der Ver- 
schleppung. In Stockholm fand sie Zuflucht und allmählich 
eine neue Heimat. 

Ihre frühen Arbeiten, teilweise in Zeitschriften und Antholo- 
gien der zwanziger Jahre gedruckt, sind meist verlorengegan- 
gen. Nach der Emigration fing sie von neuem an, schrieb Ge- 
dichte, dramatische Versuche, beispielsweise das Mysterien- 
spiel "Eli", und übersetzte schwedische Lyrik ins Deutsche. 



i 



P 



- 2 - 



Das poetische Gesamtweric der ITelly Gachs erschien zu ihr 
70. Geburtstag 1961 unter dem Titel "Fahrt ins Staubl 



em 



ose 



im Frankfurter Suhrkamp-Verlag. Hier begegneten viele zum 
ersten Mal Nelly Sachs und ihrer poetischen Schöpferkraft. 

Die erste Gedichtsammlung, die in der Emigration entstanden 
ist, trägt den Titel "In den Wohnungen des Todes": erschüt- 
ternde Verse zum Schicksal des jüdischen Volkes in den Kon- 
zentrationslagern, den Nestern des Grauen^ von weinenden 
Kindern, Müttern und Greisen. Den Henkern und ihren Mitwis- 
sern wird nicht verziehen und nicht gedroht. Trauer, Mitleid 
und. Klage lassen keinen Platz für Haß und Anklage. 



■ .'?'•> 



Spr ' in : 



DIE SCHOimSTEINE 

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes, 

Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch 

Durch die Luft - . 

Als Essenkehrer ihn ein Ötern empfing 

Der schwarz wurde 

Oder war es ein Sonnenstrahl? 

die öchornsteine! 

Preiheitswege für Jeremias und Hiobs Staub - 
Wer erdachte euch und baute Stein auf Stein 
Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch? 



' t. . i l Lj 



. K. 



•)^•- 



die Wohnungen des Todes 
Einladend, hergerichtet 

Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war - 
o ihr Finger, 



i) 



Die Eingangsschweile legend 

Wie ein Messer zxfisciieii Leben und. Tod - 

ihr Schornsteine, 

ihr Finger, 

Und. Isia3ls Leib im Rauch durch die Luft! 



I 



Sprecher: 



Diesem Gedicht ist ein wort aus dem Buche Hieb vorangestellt: 
"Und wenn diese meine Haut zerschlagen sein wird, so werde 
ich ohne mein Fleisch G' tt schauen. ' Die Polaritäten allen 
Daseins werden beschworen: Leib und Seele, Gefangenschaft 
und Freiheit, Heimat und Flucht, Tod und Leben. Sie werden 
erweitert, variiert, in Beziehung gesetzt oder gleichgesetzt 
mit den Gezeiten des Kosmos, mit Ebbe und Flut, Finsternis 
und Licht, Schöpfung, Untergang und Neubeginn. Die Erfahrung 
des Leidens in der Welt, chassidische Mystik und christliche 
Auferstehiings-Verheißung lassen die Dichterin hoffen und ah- 
nen, daß auf das Sinken ein Steigen, auf den Aufbruch eine 
Ankunft, auf den Abschied eine Wiederkunft folgen muß. Diese 
Ahnung wird freilich an keiner Stelle in der Tonart herkömm- 
licher religiöser Erbauungslyrik mitgeteilt, sondern unauf- 
dringlich-eindringlich chiffriert, in bezwingend schlichten 
oder kühnen, ätherisch leichten oder mystisch geheimnisvollen 
Metaphern, in Assoziationen zwischen Sichtbarem und Unsicht- 
barem, zwischen Sprache und Schweigen. 



^ - 



Spi 'in: 



ERDE, PLMETENGREIS , du saugst an meinem Fuß, 
der fliegen will, 

o König Lear mit der Einsamkeit im Arme. 

Nach innen weinst du mit den Meeresaugen 

die Leidenstrümmer 

in die Seelenwelt, 

Auf deiner Silberlocken Jahrmillionen 

den Erdrauchkranz, Wat'? '.nn gestirnt 

im Brandgeruch. 

Und deine Kinder, 

die schon deinen Todesschatten werfen, 

da du dich drehst und drehst 

auf deiner Sternenstelle, 

Milchstraßenbettler 

mit dem Wind als Blindenhund. 



Sprecher: 



Im k(3ni^>chen Zusammenhang, auf der Sternenwaage gewogen, 
ist der Mensch Staub, Sand, Rauch, flüchtig, flüchtend, ver- 
wehend in der Luft, im Wind. Doch die Luft zittert vor Ah- 
nungen, und der Wind ist Medium des Übergangs; er führt als 
Blindenhund den bettelnd umherirrenden Planetengreis Erde, 
dessen Augen, Meere, angefüllt sind mit Tränen. 

Auf die Blindheit der Erde wird auch in dem Gedicht "Chor der 
Sterne" hingewiesen. Doch klingt hier zugleich die Hoffnung 
an, daß die Erblindete einmal wieder sehen wird: 



- 5 - 



Spr 'in: 



WIR STERNE, wir Sterne 

wir wandernder, glänzender, singender Staub - 
Unsere Schwester die Erde ist die B .inde geworden 
Unter den Leuchtbildern des Himmels - 

« 

Ein Schrei ist sie geworden 

Unter den Singenden - 

Sie , die Sehnsuchtvollste 

Die im Staube begann ihr Werk: Engel zu bilden - 

Sie, die die Seligkeit in ihrem Geheimnis trägt 

Wie goldführendes Gewässer - 

Ausgeschüttet in der Nacht liegt sie 

wie Wein auf den Gassen - 

Des Bösen gelbe Schwefellichter hüpfen auf ihrem Leib. 

Erde, Erde 

Stern aller Sterne 

Durchzogen von den Spuren des Heimwehs 

Die Gott selbst begann - 

Ist niemand auf dir, der sich erinnert an deine Jugend? 

Niemand, der sich hingibt als Schwimmer 

Den Meeren von Tod? 

Ist niemandes Sehnsucht reif geworden 

Daß sie sich erhebt wie der engelhaft fliegende Samen 

Der Löwenzahnblüte? 



Erde, Erde, bist du eine Blinde geworden 
Vor den Schwesternaugen der Ple jaden 
Oder der Waage prüfendem Blick? 



- 6 - 



Mörderhände gaben Israel einen Spiegel 
Darin es sterbend sein Sterben erblickte - 

Erde , o Erde 

Stern aller Sterne 

Einmal wird ein Sternbild Spiegel heißen. 



Dann o Blinde wirst du wieder sehn! 



Sprecher: 



Erst muß die Zeit - der Embryo der Ewigkeit - durchlitten, 
muß das Leben verschmerzt werden, dann wird der Mensch aus 
seiner Verpuppung erlöst, verwandelt durch Gott, der ihn 
entlarvt* Bis dahin verdeckt Staub das Licht, ist Leiden 
Versteck für das Licht, Wege sind Umwege. Im Tod flüstert 
das Samenkorn. Hinter den Horizonten beginnt die leiseste 
aller Geburten. 



Das Heimweh dorthin, das sich lyrisch immer wieder erregend 
manifestiert, darf freilich nicht mit fatalistischer Veit- 
flucht oder gar lebensmüder Jenseitsschwärmerei verwechselt 
werden: 



Dann würde man Nelly Sachs gründlich mißverstehen. Sie ist 
keine Weltverächterin, mag sie auch noch so weit auf ihrer 
Bilderstraße vordringen. Nur wenige haben sich der Wirklich- 
keit so entschlossen gestellt wie sie, die aufrichtig be- 
müht ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu bewältigen. 
Die Dichterin kann und will nicht Kain der Verantwortung 
für den Brudermord an Abel entheben. Sie stellt die große 
Frage: Warum...? Und sie mahnt eindringlich die Völker der 



- 7 - 



Erde, nicht zu hassen, nicht das Leben iind das Weltall der 
Worte zu zerstören« 



Spr'in: 



KAIN! Um dich wälzen wir ims im Marterbett:. 

Warum? 

Warxim hast du am Ende der Liebe 

deinem Bruder die Rose aufgerissen? 

Warum den unschuldigen Kindlein 
verfrühte Flügel angeheftet? 

Schnee der Flügel 

darauf deine dunklen Fingerabdrücke 

mitgenommen 

in die Wirklichkeit der Himmel schweben? 



Was ist das für eine schwarze Kunst 
Heilige zu machen? 
Wo sprach die Stimme 
die dich dazu berief? 



Welche pochende Ader 
hat dich ersehnt? 



Dich 

der das Grün der Erde 

zum Abladeplatz trägt 



Dich 



der das Amen der Welt 

mit einem Handmuskel spricht - 

Kain - Bruder - ohne Bruder - 



(Zäs\ir) 



- 8 - 



VÖLKER DER ERDE 

ihr, die ihr euch mit der Kraft der unbekannten 

* 

Gestirne umwickelt wie Garnrollen, 

die ihr näht und wieder auftrennt das Genähte, 

die ihr in die Sprachverwirrung steigt 

wie in Bienenkörbe, 

um im Süßen zu stechen 

und gestochen zu werden - 



• V •■ 



Völker der Erde, 

zerstöret nicht das Weltall der Worte, 

zerschneidet nicht mit den Messern des Hasses 

den Laut, der mit dem Atem zugleich geboren wurde. 

Völker der Erde, 

daß nicht Einer Tod meine, wenn er Leben sagt - 

und nicht Einer Blut, wenn er Wiege spricht - 



Völker der Erde, 

lasset die Worte an ihrer Quelle, 

denn sie sind es, die die Horizonte 

in die wahren Himmel rücken können 

"uad mit ihrer abgewandten Seite 

wie eine Maske dahinter die Nacht fcähnt 

die Sterne gebären helfen - 



AM^i«n9:...I^ylt]m?.eIl.es...Wo.rt Redakteur:. Hans..Eitter^aim., 



Titel:. 



DAS LESBARE UNIVERSUM 
■Über""Le¥en''"imd Werk von lelly BäcHs 



Reihe: 



Sendetag: .......l Sendezelt/Progr.: 



Autor: .V.„H* E..x...i....t;....z , 

21« 2.0-22 o 00 Ulir 
lo Programm 



SENDER FREIES BERLIN 
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Sprecher 
Spreclierin 



Sprecher: 



Der diesjäh-rige Friedenspreis des deutschen Buchhandels 

wird am 17« Oktoher « Nelly Sachs verliehenoWaren ^s hip- 

her vor allem Philosophen ^and Wissenschaftler.^ die den 

» 

Preis bekame,n, so w.lrd dieses Mal eine Diclite.rin aueg'^- 
zeichnet o 

Bis vor wenigen Jahren war das Werk von Nelly Sachs hei 'ins 
kaiuD bekannte Eine erste Sammliang ihrer Ly.rik erschien 1946 
im Auf bau- Verlag in Berlin, eine zweite drei Jahre dara'jf 



im Berman-Fischer-Querido- Verlag in Amsterdam^ Aber erst al ? 
Ellermann 1957 ^^^ ^^^ Deutsche Ver.lags^> Anstalt 1959 B'Jcher 
von ihr herausbrachten, wurden weitere Kr^^ise auf Nelly 
Sachs aufmerksam« 1961 kam eine Gesamtausgabe der Gedichte 
im Suhrkamp-Verlag heraus; sie enthielt die Bände "In d^^-n 



if 



0(f 



h 



- 2 - 



Wolmungen des Todes", "Sternverdunkelimg" ^ ^"Und niemani 
weiß weiter", "Flucht und Verwandlung" sowie zwei n.ooh. rdclrrä 
in Bucliform erschienene Zyklen« Zudem wurde Nellj Sachs "be- 
kannt mit einem Band, in dem ihre szenischen DichtUi'ir=jen ge- 
sammelt sindo Das darin enthaltene Spiel ""Eli^'' .firde laelir- 
fach als Hörspiel gesendet« 



Geboren wurde Nelly Sachs 1891 in Berlino Ihre fraheii Ar^bei- 



ten sind - während des Dritten Reiches 



verschulleno Kxr 



vor Ausbruch des Krieges konnte sie, zusaiumen mit: llirri 



? . .5i 



Mutter, nach Schweden fliehen,o Selina LagerlcSi^ ~ta Hitgliec 
des schwedischen Königshauses und die Notelst;ix >'^iii£ h^^iraa 
ihr, unterstützten sie« Man ehrte sie mit einem eo::i:j^eäji'i3'0]:L^'n. 
LiteraturpreiSo Zurückgezogen lebt sie in StocldioliSo 

Zum erstenmal wieder nach Deutschland kam sie 1960c ixm « 



in Meersburg « den Droste-Preis entgegenzun'^hüien für ilrr 
lyrdsches Werk, das - wie es in der Verltlhun.gaui"kun.d« Meß 



n 



den Bogen schlägt von der Prophetie des Alte^x 5\;:ni^s :3u den 



Erlebnisbezirken unserer Zeit 



. ?t 



Das große Thema ihrer Dichtung ist das Schicksal des jüdi- 
schen Volkes» In den "Wohnungen des Todes" ^ ihx-fm ersten 
Band, spricht sie von den Konzentrationslagern o Die T^xte 
kommen aus dem ganz persönlichen Betroff enae."::).« Ma:! ark^init 
das am deutlichsten an dem Zyklus "G-ebete für -lez:. t>:^!;-*:i 
Bräutigam", der in dem Buch enthalten ist« Dan erste Gereicht 
dieses Zyklus lautet: 



n 



9 ^ 



opr' 'ixii 



Die Kerze, die ich für dich angezündet habe^ 
Spricht mit der Luft der Plammenspr.ache beben ^ 
Und Wasser tropft vom Auge; aus dem G-rabe, 
Dein Staub vernehmlich ruft zum ew'gen Leben« 



Sp 



•Vi • 



- 5 - 



hoher Treffpunkt in der Armut Zinmero 



Wenn, ich nur wüßt 



e, was die Elemente meinen. 5 



S) 



Sie deuten dich, denn alTies deutet iiDme 



r* 



Auf dich; ich kann nichts tun als weinen <, 



Ein anderer Zyklus des Bandes heißt s '^ Grab eahrif teil in d. e 
Luft geschrieben" - in die Luft geschrie'ben wie der Rsuvjh 
•über den Verbrennungsöf en<, Erinnerung v^:St c as leben des 



Hausierers, der Markthandlerin^ des opino ;3al ors oliers , aer 
Tlinzerirj, des Narren, der Schwachsinnigen^ der Malerin9 de 



Steinsaumlers, der Ertrunkenen, der Ruhelosen herauf o Heren 



Sie als Beispiel das Gedicht ''Der Marionettenspieler 



!f 






•». 



A 



Spr 'ins 



Die weite Welt war zu dir eingegangen 

Mit Sand im Schuh und Ferne an den Wangen« 

Am Sonnenfaden zogst du sie herein 
Da ruhte sie auf deinem Meilenstein o 

Die Schwalbe baute in Elias Haaren 

Ihr Nest; bis er in Sehnsucht aufgefahi^eno 

Der Totengräber nach dem Rätsel grabend, 
Fand eine Jungfrau in dem Rosenabend o 

Das Zwillingspaaa aus Lächeln und aus Weinen 
Versuchte sich in Liebe zu vereineno 



So tanzte Erde rund mit ihrer Sternmusik 
Auf deiner Hand; bis sie verlassen schwieg 



- ^ - 



Spr. : 



Die Dichtung von Nelly Sachs ist erfüllt von einem Pathos , 
das es kaiim sonst in der gegenwärtigen deutschen Dichtimg 
gibt, einem durch und durch erfüllten imd deshalb notweridi« 
gen Pathos, verpflichtet dem Geist jüdischer Mystiko Ein 
Volk erscheint als ein Leib, der sich in Hauch a'oflösto Wir 
lesen Ihnen die Klage, die am Anfang des Gedichtbandes steht s 



Spr * in 



die Schornsteine 

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes, 

Als Israels Leib zog aufgelöst in Bauch 

Durch die Luft - 



000 



die Sctornsteine! 

Freiheitswege für Jeremias \ind Hiobs Staub • 
Wer erdachte euch und baute Stein auf Stein 
Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch? 

die Wohnungen des Todes, 

Einladend hergerichtet 

Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war 

llir Finger, 

Die Eingangs schwelle legend 

Wie ein Messer zwischen Leben und Tod - 



ihr Schornsteine, 

ihr Finger, 

Und Israels Leib im Rauch durch die Luft! 



Spr o : 



- 5 - 



Der Tod erscheint als riesengroßes Gestirne Oder als ^jiiab« 
sehbarer, den Menschen einkreisender Valdo Oder als Kapitän 
auf einem Schiff. In immer neuen Bildern ist er auf diesen 
Seiten gegenwärtige Er bringt den schmalen Streifen Hellig« 
keit, der das Leben ist, zum Verlöschen^ aber es heißt auchs 



n 



Und ihr werdet hören, durch den Schlaf hindurch / Verde t 



ihr hören / Wie im Tode / Das Leben beginnt'^ o ünuberhcrbar 
der Anruf, der aus Nelly Sachs • Gedichten auf de.n Lesenden 
zukommt, ixnüberhörbar das Beschwörende dieser Strophens 



Spr • in 2 



Wer aber leerte den Sand aus euren Schuhen, 

Als ihr ziim Sterben aufstehen mußtet? 

Den Sand, den Israel heimholte, 

Seinen Wandersand? 

Brennenden Sinaisand, 

Mit den Kehlen von Nachtigallen vermischt^ 

Mit den Flügeln des Schmetterlings vermischt, 

Mit dem Sehnsuchts staub der Schlangen vermischt, 

Mit allem, was abfiel von der Weisheit Salomos vermischt^ 

Mit dem Bitteren aus des Wermuts Geheimnis vermischt « 



ihr Pinger, 

Die ilir den Sand aus Totenschuhen leertet, 

Morgen schon werdet ihr Staub sein 

In den Schuhen Kommender I 



- 6 - 



Spr o 2 



Nicht zu übersehen ist das Weitausgreifende in der Lyrik: 
dieser Frau« Beda Alleman hat in einem ausgesaiclmeten Auf-» 
sats « er steht in dem Suhrkamp-Buch "Nelly Sachs zu Ehjt?en"\ 
in dem eine Reihe vorzüglicher Arbeiten vereiriigfc sind - 
darauf hingewiesen, daß das Werk der Nellj Sachs im Ralimen 
der Nachkriegs-Lyrik als die Wiederauf nahriie der kosiai sehen, 
Dichtung mit modernen Mitteln bezeichnet werden, kann 5 daß 
der mystische Atem des Buches £l lar^ jenes Haupt teils der 
Katbala^ der als Kommentar zum lentateuch angelegt Ist^ in 
ihren Gedichten lebt; daß es in dieser l)ic'b.üurg; iMner wieder 
darttm g'ehe, die Sprache der Toten zu sprechen^ '^Mn Racken 
des Todes einen Acker zu bestellen" ^ einem gehe iüinis vollen 

und entschwundenen Alnhabet eine Artikulation abz^ugewir^x^en; 

> 
daß das Gesicht der Erde in dieser Lyrik ein ausgesprochenes 

Wüsten- und Totenantlitz ist, kaum je anders als in den harten 

Varianten von Stein^ Sand und Staub erscheint« 

Hören Sie in diesem Zusammenhang bitte das rolgende Gedicht 
aus dem Band "Sternenverdunkelung" s 



Spr •in: 



Erde, 

alle Saiten deines Todes haben sie angezogene, 

zu Ende haben sie deinen Sand gtküßtj 

der ist schwarz geworden 

von soviel Abschied und soviel Tod bereiteno 



- 7 - 



Oder fühlen sie, daß du sterben mußt? 

Die Sonne ihr Lieblingskind verlieren wird^ 

und deine Ozeane, 

deine schäumenden, licht entzündeten Vasserpferde 

an den Mond geseilt werden, 

der in azurgefärbter Nacht 

ein neues Becken für die Sehnsucht weiß? 

Erde, 

viele Wunden schlagen sie in deine Rinde, 

deine Sternenschrift zu lesen, 

die in Nächte gehüllt ist bis zu Seinem Thron hinauf 

Aber wie Pilze wachsen die kleinen Tode 



an ihren Händen 



o o o 



o • • 



Erde , 

wenn auch ihre Liebe ausgewandert ist, 

ihre Brände ausgebrannt, 

und es leise geworden ist auf dir und leer « 

vielleicht augenlose Stelle am Himmel, 

darin andere Gestirne zu leuchten beginnen 

bienenhaft vom Dufte des Gewesenen angezogen « 

4 

SO wird dein namenloser Staub, den sie benannt, 
dem sie Ss. viele Vandernamen gaben 
dTirch sie ins Gold der Ewigkeit gemünzt, 
doch seine selige Heimat haben. 



- 8 - 



Spr« i 



Wer mit dem Unters tat ement der zeitgenössischen Lyrik Ter= 
traut ist, wer sich eingehört hat in dieses auf weite 
Strecken in lakonische Sprechen, sieht sich in den Gedicht. 
Räumen von Nelly Sachs Vorstellungen und Vokabularen Forma- 



en Tag 



tionen gegenüber, die eine ganz neue Anstrengung des Ver- 
Stehens fordern. Daß ein Gestirn erlischt und an anderer 
Stelle wieder entzündet wird; daß Schritte an das Rätsel 
der Erde klopfen; daß der Tod in sein blutverwirrtes Fest 
heimkehrt; daß die Träne ihre Sehnsucht verschläft zu fli€.:3en 
daß der Schlaf wie Rauch auszieht aus dem Leib 5 daß die Haoht 
der Friedhof für den Schiffbruch der Sterne ist; daß der 
Hahnenschrei vom Mond aufgezogen ist; daß man auf den Feldern 
das Kraut der Entzweiung pflanzt; daß die Wunde zwisch 
und Facht unser Wohnort ist; daß die Propheten den Tierkreis 
als Blumenkranz ums Haupt gewunden haben; daß Augen tief in 
den Schädel sinken wie Höhlentauben in die Facht » daß das 
Sternbild von Hiobs Blut einmal alle aufgehenden Sonnen er- 
bleichen lassen wird; daß die BruDen Israels Tagebücher sind- 
daß die Zeit vom Heimweh des Menschen wie eine Muschel rauscht 
daß eine Mutter mit ihrer Geburt wie mit einer Insel allein 
ist; daß man den Tod mit einer Leiter aus Heimweh übersteigt ^ 
das alles sind Funde, die aus einer unvergleichlichen Radika» 
lität des Denkens und Sehens kommen, aus einem Schmerz, der 
buchstäblich jedes Wort lenkt. Selbst in Gedichten, in denen 
ein vergleichsweise einfaches Motiv Sprache wird, öffnet; sich 
sofort ein Bereich, der über Jede mögliche Beschreibung hinaus« 
weist. Als Beispiel dafür lesen wir Ihnen das Gedicht •'Schmet- 
terling": 



- 9 - 



Spr'in: 



Welch schönes Jenseits 

ist in deinen Staub gemalt« 

Durch den ]la unenkern der Erde, 

durch ihre steinerne Schale 

wurdest dr gereicht, 

Absch^edsv/ebe in der Vergänglichkeiten Maß 

Schmetterling, 

aller Wesen gute Nacht o 

Die Gewichte von Leben und Tod 

senken sich mit deinen Flügeln 

auf die Rose nieder 

die mit dem heimwärts reifenden Licht welkt 

Welch schönes Jenseits 
ist in deinen Staub gemalt • 
Welch Königszeichen 
im Geheimnis der Luft. 



Spr • s 



Der Schmetterlinge Die ^'Gewichte von Leben und Tod^'\ Welche 
irjiere Spannung • Je tiefer Nelly Sachs in ihi:^e Sprache ein- 
dringt, desto mehr wird ihre Dichtung zu einer arprobung 

* 

der Möglichkeit irdischer Existenz überhaupt. Leb'n imd Tod, 
Hier und Dort, treten immer deutlicher als die ent3cheidendf.n 
die Meditation und die Bilder weitertreibenden Begriffe her- 
vor; 



- 10 - 



Spr ' in : 



Du 

in der Nacht 

mit dem Verlernen der Welt Beschäftigte 

von weit weit her. 

Dein Finger die Eisgrotte bemalte 

mit der singenden Landkarte eines verborgenen Meeres 

das sammelte in der Muschel deines Ohres die Noten 

Brücken-Bausteine 

von Hier nach Dort 

diese haar genaue Aufgabe 

deren Lösung 

den Sterbenden mitgegeben wird« 



Spr« i 



Man sieht, wenn man dieses Gedicht vergleicht^ mit dem Gebet 
für den toten Bräutigam, das wir Ihnen zu Beginn lasen, i^/ie 
weit Felly Sachs in einen Bereich gelangt ist, in dem das 
Wort menschliches Schicksal überhaupt meint, auch wenn sich 
die Dichterin durch das "Du" am Anfang selbst anspricht. Die 
Sprache ist gekennzeichnet durch ein Ineinander v^n überzeu- 
gender "Abstraktion" imd. einer Metaphorik, die von Härte uri 
Genauigkeit leuchtet. Berühmt, viel zitiert ist der Anfang 
der zitierten Strophe: "Du ... / mit dem Verlernsn der Welt 
Beschäftigte". Aber auch dies ist unvergeßlich? "Br'ücken» 
Bausteine / von Hier nach Dort / diese haargenaue Aufgabe / 
deren Lösung / den Sterbenden mitgegeben wird". 

Die Sterbenden befinden sich auf der Flucht, aus diesem in 
ein anderes Leben. Wenn Nelly Sachs von Flucht, von Flucht- 



-Il- 



lingen spricht, tut sie es zunächst im Zusammenhang mit dem 
Schicksal Israels • Aber zugleich verweist sie damit auf 
menschliche Existenz, menschliche Hinfälligkeit überhaupt o 
In dem Band "Und niemand weiß weiter" heißt es etwas 
"Das ist der Flüchtliiife Planetenstunde / Das ist der Flücht- 
linge reißende Flucht / in die Fallsucht, den Todl"^ 
An anderer Stelle ist von Opfern und Henkern die Rede^ von 
Gejagten und Jägern« Selbst die Nacht, die Dunkelheit ^ er-» 
scheint als Jäger: 



Spr • in t 



In einer Landschaft aus Musik, 

in einer Sprache nur aus Licht, 

in einer Glorie, 

die das Blut 

sich mit der Sehnsucht Zunge angezündet 



9 



dort, wo die Häute, 

Augen, Horizonte, 

Wo Hand und Fuß 

schon ohne Zeichen sind, 

dort wo des Sandelbaumes Duft 

schon holzlos schwebt 

und Atem baut an Jenem Räume weiter, 

der nur aus übertret'nen Schwellen ist - 



..*•■ 



Hier wo ein rotes Abendtuch 
den Stier des Lebens reizt 



bis in den Tod» 



- 12 - 



Hier liegt mein Schatten, 
eine Hand der Nacht, 

die. mit des schwarzerj. Jägers Jagegeist 
des Blutes roten Vogel 
angeschossen hat« 



Spr 



o 
o o 



Werner Weber hat in einem Aufsatz - in dem bereits erwälmtsn 
Buch "Nelly Sachs zu Ehren" - vom Thema der Flucht in ihrem 
Werk gesprochen: "Ihre Welt scheint beherrscht von der unhol^ 
den Gewalt der Austreibung; immer fort vom gedeckten Ort« 
Ihr Ziel ist das Gehen; das Unterwegs ist ihre Unterkaofto 



In der Veränderung hat sie ihre Heimat 



o o o 



Jede Ankunft ist 



ein Tod und also gleich ein Beginnen » . » Wandern und Fahren, 
einst eine Figur der Sehnsucht, ist eine Figur der Verfol- 
gung geworden; dort zog den Menschen eine Kraft, da stoßt ihn 
die Gewalt im Rücken an. Das Fahren ist dem Flüchten gewichen 
Im Flüchten erkennt die Gegenwart ihre eigene, genau sprecher- 
de Gebärde. Bliebe es dabei - beim Melden der Flucht - dann 
wirkte die Dichtung der Nelly Sachs gewiß mitten aus der 
Epoche und trüge ein denkwürdiges Dat-om und würde es, sc ein- 
gfla sen in die Gelegenheiten einer Stunde der Geschichte, 
vielleicht nicht mehr los. Aber diese heutige Dichterin, 
offen, nein: ausgesetzt dem Jetzt und dem Hier \md im Besit.3 
uralter Erinnerui^en vom Wege des Menschengeschlechts, 
mystisch erfahren im Aufschwung und in Abstürzen: Nellv Sachs 
denkt die schreiende Figur der Flucht in die singende Figur 
des Tanzes hinüber." 



« 13 - 



Spr^in: 



Einmal aufmerksam geworden, wird man entdecken, daß von der 
Musik, vom Tanz in den verschiedensten Zusammenhajigen g«« 
sprechen wird. Vor allem Sand und Stein verwandeln sich immer 
wieder in Musik. 



In der blauen Ferne, 
wo die rote Apfelbaumallee wandert 
mit himmelbesteigenden Wurzelflüssen, 
wird die Sehnsucht destilliert 



für alle die im Tale leben 



Die Sonne, am Wegesrand liegend 

mit Zauberstäben, 

gebietet Halt den Reisenden. 

Die bleiben stehn 

im gläsernen Albtrauir , 

während die Grille fein kratzt 



am Unsichtbaren 



und der Stein seinen Staub 
tanzend in Musik verwandelt 



Spro t 



Man wird, je mehr man sich einliest, desto häufiger auch Be« 
griffen und Bildern wie "Geometrie", "Sterngeometrie'S ^'Geo- 
metrie des Weltalls" begegnen. Die innere Korrespondenz mit 
den Bereichen Musik und Tanz liegt auf der Hando Eine Lai d« 
Schaft erscheint in geometrischen Grundformen, ein Tag, das 
Leben eines Menschen. Immer wieder wird hingewiesen auf die 



- 1^ - 



"Zeichnung" der Dinge, die Zeichnxing eines Blatts, die 
"Sternenzeichniing"o Reicht die Zeichnung in die Tiefe der 



Zeit zurück^ so wird sie zur "Zeichnung der Geologie 



38 



Ist die Tiefe menschlicher Erfahrung gemeint, so entsteht 
die "Geistergeologie der Liebe" : 



Spr*in: 



Vergebens 

verbrennen die Briefe 

in der Nacht der Nächte 

auf dem Scheiterhaufen der Flucht, 

denn die Liebe windet sich aus ihrem Dornenstrauch 

und beginnt schon mit Flammenzungen 

ihren unsichtbaren Himmel zu küssen, 

wenn Nachtwache Finsternisse an die Wand wirft 

und die Luft 

zitternd vor Ahnungen 

mit der Schlinge des anwehenden Verfolgers 

betet: 



Warte 



bis die Buchstaben heimgekehrt sind 

aus der lodernden Wüste 

und gegessen von heiligen Mündern 

Warte 

bis die Geistergeologie der Liebe 

aufgerissen 

und ihre Zeitalter durchglüht 

und leuchtend von seligen Fingerzeigen 

wieder ihr Schöpfungswort fand» 



- 15 - 



Spr o : 



Geistergeologie der Liebe - das erinnert uns an einen Satz 



der Dichterin, in dem sie am deutlictLsten das Ziel des Me 



•*■>. 



sehen, ihr eigenes Ziel im besonderen, genannt hats 
"Wir sind betroffen, auf Erden zu leben und die ungeheuere 
Aufgabe durchzuführen, diesen Stern zu durchschmerzen - zu 
durchlieben - bis er durchsichtig wird, von unserem gesagten 
oder ungesagten Wort durchzogen -, dieser Geheimsctirif t^ mit 
der wir ein unsichtbares Universum lesbar machen für ein 
göttliches Auge«" 

Ein für das Verständnis der Dichtung dieser Frau entscheiden« 
der Satz* Das menschliche Wort wird als Geheimschrift ver« 
standen, mit der wir unser Leben, unseren Traum^ unsere inne- 



esbar 



re Welt, das "unsichtbare Universum" sichtbar machen^ 
für ein "göttliches Auge"« Gewiß, dieses unsichtbare Univer« 
sum sichtbar zu machen, ist Aufgabe aller Dicht^ongo Unver- 
kennbar aber ist, daß Nelly Sachs mit einer ganz spezifischen 
Radikalität arbeitet und dabei zu einer ^'Lesart'^ gelar gt ist .3 
die es vorher nicht gegeben hat, zu einem unvergleichlichen 
Verstehen jener "knospenden Welten", von denen in den folger« 
den Strophen gesprochen wird: 



Spr • in: 



Im Park Spazierengehen - 

vorbei an den Wegweisern, die Sternbilder Unruhe 

mit N-ummern bezeichnen 

wo in den Krankensälen das Sterben liegen blieb 

vielleicht schon in die Hierarchie der hohen Werke einge 



gangen '- 



- 16 - 



mm im Fielen - 

die Glieder schon außer sich. 

das neue Zeitalter der lippenlosen Sprache des Wachstums 

zu ergreifen 

die rauschende - duftende - malende - 

Der Fuß in der Tra\imkunst des Schwedens untervtfiesen 

von der sprengenden Kraft des Durkels. 

Davids Tanz 

vor dem Mirakel 

die knospenden Welten in der Bundeslade führend - 



!pr. : 



Wie in ihren Gedichten zeigt Nelly Sachs in ihren szenischeii 
Dichtungen - sie erschienen unter dem Titel "Zeichen im Sand" 
- das Schicksal Israels als Gleichnis menschlicher Existenz . 
überhaupt. Am überzeugendsten in dem von Alfred Andersch für 
den Funk entdeckten Spiel "Eli", das den Untertitel "Ein 
Mysterienspiel vom Leiden Israels" trägt. Es handelt sich ux 
eine Folge von Bildern, eine Meditation, ein auf Rollen ver» 
teiltes Gedicht vom Mord, den ein deutscher Soldat in Polen 
an einem jüdischen Jungen Eli begeht; ein obiger 3chura!^.acher , 
Michael, sucht den Mörder. In ihren kurzen Ei laut eräugen su 
dem Text schreibt Nelly Sachs, daß es sich bei dem Schuhmacher 
- nach der chassidischen Mystik - um einen der sechs-onddreiSig 
'Gottesknechte handle, die das "unsichtbare Universyjä" tragen . 

* 

Die Szenerie des ersten Bildes: der Marktplatz eine- kleinen 
polnischen Stadt. Die Häuser in Ruinen. An einem Brunnen 
arbeitet ein Mann. Die Wäscherin kommt, trägt einen Krrrb Kit 



Bleichwäsche, sagt in "singendem Ton 



tt • 



- 17 - 



SprHns 



Komm von der Bleiche, der Bleiche, 

hab' Sterbewäsche gewaschen, 

dem Eli das Hemd gewaschen, 

Blut herausgewaschen, Schweiß herausgewaschen 

Kinderschweiß - Tod herausgewaschen »o 



9 



Spr* i 



Zu dem Mann: 



Spr • in 



• 



Will es zu dir tragen, Samuel, 

in die Kuhgasse tragen zum Abend, 

wo die Fledermäuse in der Luft herumblättern^ 

wie ich blättere im Bibelbuch, 

um das Klagelied zu suchen, darin es raucht^ 

darin es brennt und die Steine herunterfallen «o 

Das Hemd von deinem Enkel will ich zu dir tragen 

vom Eli das Hemd - 



Spr* : 



Sie berichtet, was vorgefallen ists daß man Eiis Eltern aloge 
holt hat, daß er ihnen nachgelaufen ist im. Nachthemd , in der 
Hand die Pfeife, mit der er den Lämmern ijind Kälbern ge*» 
pfiffen hato 



Spr "ins 



Und als der Eli sah, 

mit seinen achtjährigen Augen sah, 

wie sie antrieben seine Eltern, 

durch die Kuhgasse, die Kuhgasse, 

hat er die Pfeife an den Nund gesetzt und hat gepfiffen 



- 18 - 



Und niclit tiat er gepfiffen 

wie man pfeift dem Vieh oder im Spiel, 

sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte 

den Kopf hat er geworfen nach hinten, 

wie die Hirsche, wie die Rehe, 

bevor sie trinken an der Quelle» 



9 



Zum Himmel hat er die Pfeife gerichtet 
zu Gott hat er gepfiffen^ der Eli, 



sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte 



Spr o s 



Ein Soldat sei mit im Zuge gegangen, der ha.be Eli mit dem 
Kolben seines Gewehrs erschlagen. 

So also der Anfang des Spiels. Der Ton verrät die Nahe der 
Gedichte, ist aber deutlicher von "realea^^ Vorgängen be- 
stimmt. Zunächst wenigstens. Denn während der Suche Michaels 
nach dem Mörder greift die Sprache stellenweise wieder in 
eine Bildwelt, die von der vorgegebenen nicht auf direkte 
Weise abzuleiten ist. Der Mörder, als er gefunden ist, sagts 



Spr 'ins 



Wenn er den Kopf nicht nach hinten gewo: f en hätte 5 

so hätte ich ihn nicht erschlagen, 

der Milchzahn wäre nicht mit der Pfeife heiwmsgefalleii! 

Aber - das war gegen die Ordnung - 

den Kopf nach hinten zu werfen « 

das mußte zurechtgerückt werden. 

Und wohin hat er gepfiffen?. 

Ein heimliches Signal? 

Ein Zeichen durch die Luft - 

außerhalb Jeder Kontrolle - 



^ 19 - 



Hilfe, Schuhmacher, 
der Milchzahn wächst aus der Erde - 
beginnt mich anzuknabbern - 
durch meine Schuhe hindurch - 
meine Füße zerfallen ~ 



werden Erde - 



Spr o : 



Der Mörder begirjit zu Schreiens 



Spr " in 



Wo ist da die Ordnung, die Weltordnung 

Ich bin am Leben, 

ich bin nicht tot - 

nicht gehangen « 

nicht verbrannt - 

nicht lebendig in die Erde geworfen - 

es ist ein Irrtum, ein Irrtum, 

ich zerfalle, zerfalle - 

Ich bin ein Stumpf - 

sitze aif dem Sand, 

der soeben noch mein Fleisch war - 



Spr 



o o 



"Surreale" Vorstellungen treiben die Sprache weiter ^ suchen 
das Entsetzliche zu fassen. Schien es zii Anfaj^g des Spiels c, 
als sollten deutlich iimgrenzte, beschreibbare ßzen%n ent- 
stehen, so wird im weiteren Verlauf erkennbar c> daß die 'lra:,i- 
samkeit des Geschehens derartige Begrenzungen durcLbricht ^ 
sich im autonomen Wort, in der Wort-Reihung, im Schrei arti* 
kuliert. 



- 20 - 



Als "Spiel von Jägern und Gejagten" bezeichnet Nelly Sachs 
auch den Text "Abram im Salz"» Abgestimmt ist er auf swei 
Sätze, die sie vorangestellt hat; "Bei den Ausgrabungen in 
Ur fand man oft auf der Erde den Abdruck \ind das Muster von 
Gegenständen, die selbst gänzlich in Staub zerfallen waren» 
Es war die Schrift des schon unsichtbar Gewordenen, die man 



zu lesen versuchte 



it 



. I f 



>. I 



Im Prolog zu dem Stück heißt es, der Ausgräber lese in der 
"Bibel des Staubs" . Von einem, zerfallenen Gerippe ist die 

I 

Rede und einer goldenen Kette» "Der Hals der tiaxlich / 
zwischen dem Geschmiede einging / in seine Nachtexistenz / 



ließ immer noch / nebelgraues Gedenken zurück 






Aufschlußreich die Regieanweisung zur ersten Szene. Die Bilder 
stiegen "gobelinartig" auf, notiert Nelly Sachs. Eine Salz- 
landschaft nach der Sintflut soll auf der Bühne erscheinen | 
im Hintergrund ein Tempelturm wie eine Riesenwurzel als 
bläulicher Schatten. 

Und in ihren Anmerkungen zu der Arbeit betont die Dichterin, 
das Bühnenbild solle "stets aus weiten Fernen koamen" , ss 
solle nur in Umrissen deutlich werden, in dieser Hinsic:ht 
vergleichbar den Jagdszenen der Eiszeithöhlen. Die SalzlaLd» 
Schaft solle abstrakt wirken, "ein Skelett aus Weix^"'» 



Besondere Bedeutung in dem Stück kommt dem Jägerkönig Kimrod 
zu, der die "Dürstenden" verkörpert, der auf der "Suche nach 
einem Dahinter" ist. Seine Jagdbeute ist der Tierkreis. 



- 21 - 



Als er in der vierten Szene auftritt, ist er in eine Rauch- 
wolke gehüllt, trägt er Stierhörner und ein rotes Pello Er 



durchbohrt die Nacht mit einem Pfeil, "in Raserei 



»c 



9 JLXX XUCXk^C^J. ^X. C) Wie 6S 



heißt, und sagt: 



Sor'ins 



Die Stimme fangen 
Das neue Wort fangen 
Ich bin der neuen 
Wörter König! 



• • • 



In die Wurzel der Rächte ziele ich 

in die W-urzel der Lüfte ziele ich 

Die Pfeile kommen zurück i 

mit neuen Worten 

Gazellenworten 

Hyänenworten 

Stierworten 



Spr 



e • 



Die Nacht erscheint als der Grund, in dem die Worte zn Hauöe 
sind. Nimrod jag'fc mit Pfeilen nach ihnen. Er ist auf der 
Suche nach den "neuen Worten". 



Nimrod ist also der Jäger. Aber zugleich der Ge^jagt.e. Ge^jagt 

von wem? Vom "Durstgeist" Lilitu. Nimrod fragt ihns "Wer 

bist du denn / der mich, den Jäger, jagt?" Lilitu antwortet: 

"Ich bin der Durst auf eine neue Zeit -" Der Durst auf ftine 

neue Zeit. So wie Nimrod von ihm getrieben wird, so wird 

der tote Abram von der Stimme seiner Mutter "gejagt'' s er solle 

helfen, die neue Zeit zu schaffen. Nachdem es zunächst noch. 

von ihm heißt, er sei abwesend ("Mit allen Umwegen konane ich", 

sagt er von fern), ist die Antwort auf den letzten Ruf seiner 
Mutter: 



- 22 - 



SprHn: 



Jage mich, jage mich 
durch die Feuer der Sonne 
Jage mich, d^^ge mich 

* 

durch die Todesflöten des Mondes 
Alle Horizonte zerreiße ich 
wie Leichentücher. 



Spro s 



Und an anderer Stelle, kurz davor, sa^t er 



Spr'in: 



Ich breche aus den Wänden 

aus den Dächern 

Ich breche aus dem grünumrandeten Schlaf 

Ich breche aus den Meeren 



aus den Feuern - 



Spro s 



Ein schwieriges Stück, vor allem wohl, weil die entscheiden- 
den Begriffe, vor allem "Jäger" und '^Gejagter'''' in selr eigen- 
williger Bedeutung gebraucht werden • Zudem s wie weit sind 
wir fort von jeder vertrauten Dramaturgie o Nellj Sa^hs selbst 
bezeichnet das Spiel als "Kulttheater", das ^^elementartn 
Gefühlen" Ausdruck verleihen solle o Beheimatet sei es in Ur 
in Chaldäa, zur Zeit des Mondkultes o Ein Hinweis wiederum 
darauf, wie tief in historisches Bewußtsein hinein die 
Wurzeln ihrer Dichtung reicheno « 



Vierzehn dieser Spiele sind in dem Band "Zeichen im Sani" 
versammelt* Einige davon haben nur wenige Seiten Umfang o 
Auf der Bühne werden diese Dichtungen schwer zu realisieren 



- 25 - 



sein. Ganz erschließen sie sich erst beim Leseno Aufschloß« 



reich sind die Untertitel o Etwa: "Versuch eines Ausbrue'^^s 



n 



-?t 



"Ein Delirium aus Einsamkeit", "Ein Spiel von der Freiheit' 



9 



St 



Einige Szenen aus der Leidensgeschichte der Erde^"« Die sen« 



tralen Themen der Dichtung von Nelly Sachs sind unschwer darin 
wiederzuerkennen« 



Das Bild wäre unvollständig, würde man nicht hinweisen au 
die Arbeit, die Nelly Sachs als Übersetzerin schwedischer 



4?» 
±. 



Lyrik ins Deutsche tut« Bisher hat sie zwei Anthologie 






herausgebrachte 19^7 - im Aufbau-Verlag - den B-and ''^Von Welle 
und Granit", zehn Jahre später - im Büchner-Veriag^ Darmstadt 



- die Sammlung "Aber auch diese Sonne ist heimatlos 






falls im Büchner-Verlag veröffentlichte sie - unter dem 
Titel "Der Schattenfischer" - einen Band Gedichte von Johannes 
Edfelt, bei Suhrkamp eine Auswahl von Gunnar Ekeiof ^ in der 
von Enzensberger herausgegebenen Reihe "Poesie^ o 



Was die Übertragungen von Nelly Sachs auszeichnete» ist die 
Tatsache, daß den schwedischen Gedichten zu eigener Aus« 
drucksfülle kommende deutsche Gedichte gegenübersteherio Man 
spürt deutlich den menschlichen und kons tierischen ^"'Einsatz 



1/0 



der großen Vermittlerin*» Einige der übersetz' i'j:. Gediciht 



e 



zeigen, wie nah sich darin zwei Erfahrungswelten sind; einige 
entsprechen im Ton der Lyrik von Nelly Sachs in so hohem 
Maße, daß man sie ihr zuschreiben könnte, wußte man die 
Namen der Autoren nicht» 



- 2^ - 



Die Lyrik, die szeniscilen Diclitimgen, auch die Übertragxingen 
- das alles weist zurück auf ein intensives Leiden, das 
seinen Grund hat in dem entsetzlichen Schicksal dieser Frau, 
zu einem Leiden am Hiersein überhaupt wurde. Der schwedische 

I 

Dichter Ragnar Thoursie bezeichnet sie als eine Schwester 
Kafkas. Karl Schwedhelm hat hervorgehoben, daß sie trotz der 
äußersten Schändung des Menschenbildes in den Lagern nicht 
anklagt, sondern klagt; daß in ihrer Dichtung die Formel 
eines bildlosen Glaubens hervortritt, dem das Wort Gefäß 
aller Bilder bedeutet; daß ihre Dichtung der Entrückung 
jüdischer Mystik ähnlich ist, für die das Wort der dem 
Menschen mögliche Weg zu wortloser Vollkommenheit ist. - 

Ein durch seinen Schmerz und seine Einsamkeit ergreifendes 
Werk, in dem An- und Abwesenheit, Nähe und Ferne, Schrei 
und Stille plötzlich nicht mehr zu unterscheiden sind. 



4) 



Abteilung: MJ?.?.?!.^tur. Redakteur: ¥..^?.}?:^.?....B!)^Oä.e 

x,^,. DAS LESBARE UNIVERSUM 

Ul5"er'*Xeb*en"'ün'd''W 

Reihe: Autor: Walter Helmut Fritz 



Sendeielt/Progr.: ... ^I.o 2o-22 • 00 Uhr 

Haüptpf ögfämm *'" 



Sendefag: :}Q^±,:19^. 



SENDER FREIES BERLIN 
Monuskript produktionsreif 



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Sprecher: 




NelU, i<^<^'> 



Sprecher 
Sprecherin 



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1 



Der diesjälirige Friedenspreis des deutschen Buchhandels 

wird am I7. Oktober - Nelly Sachs verliehen. Waren es 

j ■ 

bisher vor allem Philosophen und Wissenschaftler, die 

den Preis bekamen, so wird dieses Mal eine Dichterin 



ausgezeichnet. 



\ 



\ 



\ 



Bis vor wenigen Jahren war das Werk von Nelly Sachs bei 
uns kaum bekannt. Eine erste Sammlung ihrer Lyrik erschien 
19^6 im Aufbau-Verlag in Berlin, eine zweite drei Jahre 
darauf im Berman-Fischer-Querido-Verlag in Amsterdam.« Aber 
erst als Eilermann 1957 und die Deutsche Verlags-Anstalt 
1959 Bücher von ihr herausbrachten, wurden weitere Kreise 
auf Nelly Sachs aufmerksam. 1961 kam eine Gesamtausgabe 
d^ Gedichte im Suhrkamp-Verlag heraus; sie enthielt die 
Bände "In den Wohnungen des Todes". "Sternverdunkelimg" , 
"Und niemand weiß weiter", "Flucht und Verwandlxing" sowie 
zwei noch nicht in Buchform erschienene Zyklen. Zudem 



■.\ 



Spr'in: 



wurde 



'■/. 



- 2 - 



i 



1» »t* 



Nelly Sachs bekannt mit einem Band, in dem ihre 



szenischen Dichtimgen gesammelt sind# Das darin ent- 
halteüe Spiel »tjgli" wurde mehrfach alsHörspiel gesendet 

Geboren vairde Nelly Sachs 1891 in Berlin, Ihre frühen 



Arbeiten sind - während des Dritten Reiches - verschollen. 
Kurz vor Ausbruch des Krieges konnte sie, zusammen mit 



ihrer I Mutter, nach Schweden fliehen. Selma Lagerlöf , ein 
Mitglied des schwedischen Königshauses und die Nobel- 



stiftung halfen ihr, unterstützten sie. Man ehrte sie mit 
einem schwedischen Literaturpreis. Zurückgezogen lebt 
sie in Stockholm. 



Zum erstenmal wieder nach Deutschland kam sie 1960, \im 

I 
- in Meersburg - den Droste-Preis entgegenzunehmen für 

ihr lyrisches Werk, das - wie es in der Verleihungsurkunde 



hieß - "den Bogen schlägt von der Prophetie des Alten 

Bundes zu den Erlebnisbezirken unserer Zeit". 

I 
Das große Thema ihrer Dichtung ist das Schicksal des 

jüdischen Volkes. In den "Wohnungen des Todes", ihrem 

« 

ersten Band, spricht sie von den . zentrationslagern. 



Die Texte kommen aus dem ganz persönlichen Betroffensein. 
Man erkennt das am deutlichsten an dem Zyklus "Gebete für 

den toten Bräutigam", der in dem Buch enthalten ist. Das 

' . # 

erste Gedicht dieses Zyklus lautet: 



Die Kerze, die ich für dich angezündet habe, 

' — '- . ' • 

spricht mit der Luft der Flammensprache Beben, 

I 

Und Wasser tropft vom Auge ; aus dem Grabe , 

I 

Dein Staub vernehmlich ruft zum ew'gen Leben. 



\ 



\. 



,^ 



Spr. : 



.h- 



Spr •in: 



- 5 - 



\ 



\v 



\ 



I 

hoher Treff pvinkt in der Armut Zimmer. 

I 
Wennich nur wüßte, was die Elemente meinen; 

Sie deuten dich, denn alles deutet immer 



Auf dich; ich kann nichts tun als weinen. 



Ein anderer Zyklus des Bandes heißt: "Grabschriften in die 






Luft geschrieben" - in die Luft geschrieben wie der Rauch 
über den Verbrennungsöfen. Erinnerung ruft das Leben des 



Hausierers, der Markthändlerin, des Spinozaforschers, der ' 



ii 



Tänzerin, des Narren, der Schwachsinnigen, der Malerin, des 



Steinsammlers, der Ertrunkenen, der Ruhelosen herauf. Hören 



Sie als Beispiel das Gedicht "Der Marionettenspieler": 



Die weite Welt war zu dir eingegangen 

I 
Mit Sand im Schuh und Ferne an den Wangen. 



* % 



Am Sonnenfaden zogst du sie herein 
Da ruhte sie auf deinem Meilenstein. 

Die Schwalbe baute in Elias Haaren 

t 

Ihr Nest; bis er in Sehnsucht aufgefahren. 



( 



,__ Der Totengräber nach dem Rätsel grabend. 
Fand eine Jungfrau in dem Rosenabend. 



-V. 



Das Zwillingspaar aus Lächeln \ind aus Weinen, 

i • • ■ ■ 

t 

yersuchte sich in Liebe zu vereinen. 
• I ■* • 

I 

So tanzte Erde rund mit ihrer Sternmusik 



Auf deiner Hand; bis sie verlassen schwieg. 



!■ 



\ 



\ 



•t9. 



1 






Spr. : 













Ö 



- A- - 



Die Dichtung von Nelly Sachs ist erfüllt von einei Pathos' 
das es kaxom sonst In 4er gegenwärtigen deutschen Dichtung 
gibt, einem durch und durch erfüllten und deshalb' not- 
wendigen Pathos, verpflichtet dem Geist oüdischer Mystik. 
Ein Volk erscheint als ein Leib, der sich in Rauch 
auflöst. Wir lesen Ihnen' die Klage, die am Anfang des 
Gedichtbandes steht:' ,\ 



die .Schornsteine 

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes, 

Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch 

Durch die Luft - ■ 



• • • 



die Schornsteine! 

Freiheitswege für Jeremias und Hiobs Staub - 
Wer erdachte euch und baute Stein auf Stein 
Den Weg für Flüchtlinge aus Rauch? 



'0 die Wohnungen des Todes, 
Einladend hergerichtet 

Für den Wirt des Hauses, der sonst Gast war - 

I 

ihr Finger, 

Die Eingangs schwelle legend 

1 

Wie ein Messer zwischen Leben und Tod - 

i 
I 

ihr Schornsteine, 

0-. ihr Finger, 

Und Israels Leib im Rauch durch die Luft! 



•^ 



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- 5 - 



Spr. : 



« 



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Spr 'in 



^ 






Der Tod erscheint als riesengroßes Gestirn. Oder als \m - 
absehbarer, den Menschen einkreisender Wald. Oder als 
Kapitän auf einem Schiff. In immer neuen. Bildern ist er 
auf -cLiesen Seiten gegenwätrtig. Er bringt den schmalen 
Streifen Helligkeit, der das L^ben ist, zum Verlöschen, 
aber es heißt auch: "Und ihr werdet hören, durch den 

^ ■ ■ 

Schlaf hindurch/ Werdet ihr hören/ Wie im Tode/ Das 
Leben beginnt". Unüberhörbar der Anruf, der aus Nelly 
Sachs' Gedichten auf den Lesenden zukommt, unüberhörbar 
das Beschwörende dieser Strophen: 

* ♦ ' 

* • 

Wer aber leerte den Sand aus euren Schuhen, " • • 



\ 



Als ihr zum Sterben aufstehen mußtet? 
Den Sand, den Israel heimholte. 



Seinen Wandersand? 



f 



Brennenden Sinais and, . v . 

* , * * 

Mit den Kehlen von Nachtigallen vermischt, • : 

Mit den Flügeln des Schmetterlings vermischt , ♦ 

Mit dem Sehnsucht est aub der Schlangen vermischt, 

Mit allem, was abfiel von der Weisheit Salomos vermischt. 

Mit dem Bitteren aus des Wermuts Geheimnis vermischt - 



?* 



ihr Finger, %..' """" ~ " "■ 

Die ihr den Sand aus Totenschuhen leertet. 
Morgen schon werdet ihr Staub sein 
In den Schuhen Kommender! 



Vh 



- 6 - 



Spr. : 



P 



Ijicht zu übersehen ist das Weitausgreifende in der Lyrik - 
dieser Frau. Beda Alle.ann hat in einem ausgezeichneten 
Aufsatz - er steht in dem Suhrkamp-Buch »Nelly Sachs zu 
Ehren", in dem eine Reihe vorzüglicher Arbeiten vereinigt 
sind - darauf hingewiesen, daß das Werk der Nelly Sachs 
im Rahmen der Nachkriegs-Lyrik als die Wiederaufnahme der 
kosmischen Dichtung mit modernen Mitteln bezeichnet werden 
kann; daß der mystische Atem des Buches Sohar, jenes Haupt - 
teils der Kabbala, der als Kommentar zum Tentateuch ange- 
legt ist, in ihren Gedichten lebt; daß es in dieser Dich- 
tung immer wieder darum gehe , die Sprache der Toten zu 
sprechen, «im Rücken des Todes einen Acker zu bestellen", 
einem geheimnisvollen und entschwundenen Alphabet eine ' ' 
Artikulation abzugewinnen; daß das Gesicht der Erde in 
dieser Lyrik ein ausgesprochenes Wüsten-und Totenantlitz 
ist, kaum je and'ers als in den harten Varianten von ' • ../ 
Stein, Sand und Staub erscheint. ' 

!. 

Hören Sie in diesem Zusammenhang bitte das folgende Ge- 



9 dicht aus dem Band "Sternenverd-onkelukg": 



Spr 'in: 



\ 



Erde, 



alle Saiten deines Todes haben sie angezogen, • 

zu Ende haben sie deinen Sand geküßt; 

der ist schwarz geworden 

von soviel Abscl^ied und soviel Tod bereiten. 



- 7 - 




Q 



Oder fühlen sie, daß du sterben mußt? 

Die Sonne, ihr Lieblingskind, verlieren wird 

und deine Ozeane, • - 

deine schäumenden, licht entzündeten Wasserpferde 

an den Mond geseilt werden, 

der in azurgefärbter Nacht 

ein neues Becken für die Sehnsucht weiß? ' 

Erde, 

viele Wunden schlagen sie in deine Rinde, 

deine Sternenschrift zu lesen, 

die in Nächte gehüllt ist bis zu Seinem Thron hinauf. 

' ■ . ■ 

Aber wie Pilze wachsen die kleinen Tode 

- * 

an ihren Händen • . . . 



• • 



Erde , 

wenn auch ihre Liebe ausgewandert ist, 

\ 

ihre Brände ausgebrannt , 

und es leise geworden ist auf dir und leer - : 

vielleicht augenlose Stelle am Himmel, 

darin andere Gestirne zu leuchten beginnen 

bienenhaft vom Dufte des Gewesenen angezogen - 

so wird dein namenloser Staub7"den sie benannt, 

dem sie soviele Wandernamen gaben 

durch sie ins Gold der Ewigkeit gemünzt 

doch seine selige Heimat haben. 



- 8 - 



Spr • : 







# 



Wer mit dem Unterstatement der zeitgenössischen Lyrik 
vertraut ist, wer sich, eingehört hat in dieses auf weite 
Strecken hin lakonische Sprechen, sieht sich in den Gedicht 
Räumen von Nelly Sachs Vorstellungen und Vokabularen Forma- 
tionen gegenüber, die eine ganz neue Anstrengung des Ver- 
stehens fordern. Daß ein Gestirn erlischt -und an anderer 
Stelle wieder entzündet wird; daß Schritte an das Rätsel 
der Erde klopfen; daß der Tod in sein blutverwirrtes 
Nest heimkehrt; daß die Träne ihre Sehnsucht verschläft • 
zu fließen; daß der Schlaf wie Rauch auszieht aus dem Leib; 
daß die Nacht der Friedhof für den Schiffbruch der Sterne 

_' ( ' 

ist; daß der Hahnenschrei vom Mond aufgezogen ist; daß man 

» • • ' ■ ^-^ 

auf den Feldern das Kraut der Entzweiung pflanzt; daß 
die Wunde zwischen Tag und Nacht unser Wohnort ist; daß 
die Propheten den Tierkreis als Blumenkranz \ims Haupt 
gewunden traben; daß Augen tief in den Schädel sinken wie 
Höhlentauben in die Nacht; daß das Sternbild von Hiobs 
Blut einmal alle aufgehenden Sonnen erbleichen lassen wird; 
daß die Brunen Israels Tagebücher sind; daß die Zeit 
vom Heimweh des Menschen wie eine Muschel rauscht; daß 
eine Mutter mit ihrel^ Geburt wie mit einer Insel allein 
ist; daß man den Tod mit einer Leiter aus Heimweh über- 
steigt - das alles sind Funde, die aus einer unvergleich- 
lichen Radikalität des Denkens und Sehens kommen, aus 
einem Schmerz, der buchstäblich jedes Wort lenkt • Selbst 
in Gedichten, in denen ein vergleichsweise einfaches Motiv 
Sprache wird, öffnet sich sofort ein Bereich, der über 
jede mögliche-* Beschreibung hinausweist. Als Beispiel dafür 
lesen wir Ihnen das Gedicht "Schmetterling": 



Spr'in: 



Spr. : 



Spr'in: 



" 9 - 



Welch schönes Jenseits 



ist in deinen Staub gemalt. 
Durch den Flammenkern der Erde, 






i 



durch ihre steinerne Schale 



wurdest du gereicht, 

Ahschwiedswebe in der Vergänglichkeiten Maß 

Schmetterling, 

I 
aller Wesen gute Nacht. 

Die Gewichte von Leben und Tod 



senken sich mit deinen Flügeln 

• i 

auf die Rose nieder 



die mit dem heimwärts reifenden Licht welkt. 



Welch schönes Jenseits 



1 
ist in deinen Staub gemalt. 

Welch Königszeichen 

im Geheimnis der Luft. 



Der Schmetterling. Die "Gewichte von Leben und Tod". 

I 

Welche innere Spannung. Je tiefer Nelly Sachs in ihre 

■ — -. J. 

Sprache eindringt , desto mehr wird ihre Dichtung zu einer 

I 
Erprobung der Möglichkeit irdischer Existenz überhaupt. 

I " - 

Leben -und Tod, Hier und Dort, treten immer deutlicher als 
i ♦ 

die entscheidenden, die Meditation und die Bilder weiter- 

i 

treibenden Begriffe hervor: 



Du 



in der Nacht 



\ 



mit dem Verlernen der Welt Beschäftigte 
von weit weit her. 



CT 



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I ■ : 



Spr 



• * 



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-.'♦ 



' ♦ 1 



- 1o - 



dein Finger die Eisgrotte bemalte 

mit der singenden Landkarte eines verborgenen Meeres 

das sammelte in der Muschel deines Ohres die Noten 

Brücken-Bausteine > 

von Hieijnach Dort ^- 

diese haargenaue Aufgabe 

deren Lösung ' 






■ ">■ 



den Sterbenden mitgegeben wird 



:^an sieht, wenn man dieses Gedicht vergleicht, mit dem 



jf 



aebet für den toten Bräutigam, das wir Ihnen zu Beginn 
Lasen,. wie weit Nelly Sachs in einen Bereich gelangt ist, 
in dem das Wort menschliches Schicksal überhaupt meint, 
auch wenn sich die Dichterin durch das "Du" am Anfang, 
selbst anspricht. Die Sprache ist gekennzeichnet durch 
3in Ineinander von überzeugender "Abstraktion" und einer 



Metaphorik, die von Härte und Genauigkeit leuchtet. Berühmt, 

I ... . . 

viel zitiert ist der Anfang der zitierten Strophe: "Duoo../ 
mit dem Verlernen der Welt Beschäftigte". Aber auch dies 
ist unvergeßlich: "Brücken-Bausteine/von Hier nach Dort/ 



diese haargenaue Aufgabe/deren Lösung/den Sterbenden mit- 

i 

gegeben wird", ■' • 

I ■ ■■■ ■■ 

Die Sterbenden befinden sich auf der Flucht, aus diesem 

I 

in ein anderes Leben. Wenn Nelly Sachs von Flucht , von 

Flüchtlingen spricht, tut sie es zunächst im Zusammenhang 

mit dem Schicksal Israels. Aber zugleich verweist sie damit 

i 

auf menschliche Existenz, menschliche Hinfälligkeit über- 
haupt. In dem Band "Und niemand weiß weiter" heißt es etwa: 



- 11 - 






"]?as ist de r Flüchtling e Planetenst\ande/ Das ist der 
Flüchtlinge reißende Flucht/ in die Fallsucht, den Tod !" 
Ar. anderer Stelle ist von Opfern und Henkern die Rede, 
von Gejagten und Jägern. Selbst die Nacht, die Dunkel- 

j , .. ■ . . 

heit, erscheint als Jäger: 



' — > 

4 



/' 



V, 



Spr m: -_ In einer Landschaft aus Musik 



in einer Sprache nur aus Licht, 




♦ . 



ii; einer Glorie, 

die das Blut 

sich mit der Sehn^sucht Zunge angezündet, 



dort , w o die Häute , 
Augen, Horizonte, 



\ 









Wo Hand und Fuß 



schon ohne Zeichen sind, 



\ 



dort wo des Sandelbaumes Duft 

schon holzlos schwebt 

und Atem baut an jenem Räume weiter, 

der nur aus übertret'nen Schwellen ist - 



Hier wo ein rotes Abendtuch 
den Stier des Lebens reizt 



bi 



Hi 



s in den Tod. 



er liegt mein Schatten, 
eine Hand der Nacht, 

die mit des schwarzen Jägers Jagegeist 
des Blutes roten Vogel \-.^, 
aiigeschossen hat. 



r*. 



Spr* : 



} 



- 12 - 



Wörner Weber hat in einem Aufsatz - in dem bereits er- 

[ ■ .- ■-- ■ • ,- • 

wohnten Buch "Nelly Sachs zu Ehren" - vom Thema der Flucht 

in ihrem Werk gesprochen: "Ihre Welt scheint beherrscht 
von der unholden Gewalt der Austreibung; immer fort vom 



gedeckten Ort. Ihr Ziel ist das Gehen; das Unterwegs ist 

:: I - 

- ihre Unterkunft. In der Veränderung hat sie^ihre Heimat... 

==-Jede Ankunft ist ein Tod und"älsogleich ein Beginnen... 
Wandern und Fahren, einst eine Figur der Sehnsucht, ist 
eine Figur der Verfolgung geworden; dort zog den Menschen 
eine Kraft, da stößt ihn die Gewalt im Rücken an. Das Fah- 
■ ren ist dem Flüchten gewichen. Im Flüchten erkennt die 
Gegenwart ihre eigene, genau sprechende Gebärde. Bliebe 
es dabei - beim Melden der Flucht - dann wirkt.e die Dich- 

'.I • • 

tiing der Nelly Sachs gewiß mitten aus der Epoche. und trüge 



ein denkwürdiges Datum und würde es, so eingelassen in die 
Gelegenheiten einer Stunde der Geschichte, vielleicht nicht 
mehr los. Aber diese heutige Dichterin, offen, nein: ausge- 

* 

setzt dem Jetzt "und dem Hier und im Besitz uralter Erinne- 
rungen vom Wege des Menschengeschlechts, mystisch erfahren 
im Auf schwimg und in Abstürzen: Nelly Sachs denkt die 



schreiende Figur der Flucht in die singende Figur des 

I . ■■ 

Tanzes hinüber." ■•• 

r •«» • 

;■ • 

Einmal aufmerksam geworden, wird man entdecken, daß von 
der Musik, vom Tanz in den verschiedensten Zusammenhängen 
gesprochen wird. Vor allem Sand xind S-^ein verwandeln sich 

f 

immer wieder in Musik« 



• 



' '■ 






- 15 - 



Spr ' in : 






1 



Spr. : 



In der blauen Ferne, 

wo die rote Apfelbäumallee wandert 

mit himmelbesteigenden Wurzelflüssen, 

wird die Sehnsucht destilliert 

für alle die im Tale leben. 



Die Sonne, am Vegesrand liegend 

i 

mit Zauberstäben, 

I 

gebietet Halt den Reisenden« 



. ^ 



Die bleiben stehn 



\>. 



im gläsernen Alb träum, s 
während die Grille fein kratzt' 



\^ 



am Unsichtbaren 



und der Stein seinen Staub 

! 

tanzend in Musik verwandelt. 



; •- 



t f 
I 



Man wird, je mehr man sich einliest, desto häufiger auch 



Begriffen und Bildern wie "Geometrie^, "Sterngeometrie", 



"i 



I 



eometrie des Weltalls" begegnen. Die innere Korrespon- 



denz mit den B er eichen Musik und Tanz liegt aul' der Hand. 

I . - • 
Eine Landschaft erscheint in geometrischen Grundformen, 



ein Tag, das Leben eines Menschen. Immer wieder wird hin- 

gewiesen auf die "Zeichnung" der Dinge, die Zeichnung eines 

t 
Blatts, die "Sternenzeichnung". Reicht die Zeichnung in die 



Tiefe der Zeit zurück, so wird sie zur "Zeichnung der Geo- 
logie". Ist die Tiefe menschlicher Erfahrimg gemeint, so 
entsteht die "Geistergeologie der Liebe": 




\ 



\ 



Spr'in: 



\ 



- 1^ - 



\ 



\ 



Vergebens 

verbrennen die Briefe 

i ■ 

in der Nacht der Nächte 

auf dem Scheiterhaufen der Flucht ^'" ' 

denn die Liebe windet sich aus ihrem Dornenstrauch 

und beginnt schon mit Flammenzimgen 

ihren unsichtbaren Himmel zu küssen 



\ 



»>' 



<•■ .*. it •« 



wenn Nachtwache Finsternisse an die Wand wirft 
und die Luft 

zitternd vor Atmungen 

J ■ ■ ■■ ■' " ■■ ' 

mit der Schlinge des anwehenden Verfolgers 

betet: 



Warte 

I -• ■ ^. . 

bis die Buchstaben heimgekehrt sind ^^ - 



aus der lodernden Wüste 



Spr. : 



^und gegessen von heiligen Mündeiii 

Warte - --— - --' ! r~ •--Vv-: -. 

I 

bis die Geistergeologie der Liebe 

I - - -,. .-.. . 

aufgerissen 

und ihre Zeitalter durchglüht • '• 

und leuchtend von seligen Fingerzeigen 

wieder ihr Schöpfung s wort fand. ' 

J 

Geistergeologie der Liebe - das erinnert uns an einen Satz 
der Dichterin, in dem sie am deutlichsten das Ziel des 
Menschen, ihr eigenes Ziel im besonderen, genannt hat: 
"Wir sind betroffen, auf Erden zu leben und die ungeheuere 



Aufgabe durchzuführen, diesen Stern zu durchschmerzen - 
zu durchlieben - bis er durchsichtig wird, von unserem 
gesagten oder ungesagten Wort durchzogen -, dieser Gehelm- 



\ 



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- 15 - 



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Spr ' in : 



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tchrift, mit der wir ein unsichtbares Universum lesbar '•" 
lachen für ein göttliches Auge." - •:. '. ... 

:in für das Verständnis der Dichtung dieser Frau entschei- 
.ender Satz. Das menschliche Wort wird als Geheimschrift 
^erstanden, mit der wir unser Leben, unseren Traum, unsere 
innere Welt, das "unsichtbare Universum" sichtbar machen, 
esbar für ein "göttliches Auge". Gewiß, dieses unsicht- 
bare Universum sichtbar zu machen, ist Aufgabe aller Dich- 
liung. Unverkennbar aber ist, daß Nelly Sachs mit einer ganz 
spezifischen Radikalität arbeitet und dabei z-u einer "Les- • 



art" gelangt ist, die es vorher nicht gegeben hati zu 
einem unvergleichlichen Verstehen jener "knospenden Veiten", 
von denen in den folgenden Strophen gesprochen wird; 
Im Park Spazierengehen - - * 

vorbei an den Wegweisern, die Sternbilder Unruhe ^ 

mit Nummern bezeichnen 

I • 
wp m den Krankensälen das Sterben liegen blieb 

vielleicht schon in die Hierarchie der hohen Werke einge- - 

gangen - . 
nun im Freien - 

die Glieder schon außer sich 

das neue Zeitalter der lippenlosen Sprache des Wachstums- ' 
ZU ergreifen ■ 

die rauschende - duftende - malende - 

I • '.V 

Der Puß in der Traumkunst des Schwebens unterwiesen ' 
von der sprengenden Kraft des Dunkels. 



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Spr.: 



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Spr 'in: 



Spr. : 



- 16 - 



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Davids Tanz 

vor dem Mirakel 

.1 ' • 



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Wie in ihren Gedichten zeigt Nelly Sachs in ihren szeni- 
schen Dichtungen - sie erschienen unter dem a?itei "Zeichen 
im Sand" - das Schicksal Israels als Gleichnis menschli- 
clier Existenz überhaupt. Am überzeugendsten in dem von Al- 
fred Andersch für den Punk entdeckten Spiel "Eli" , das den 
Untertitel "Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels" trägt. 
Es handelt sich um eine Folge von Bildern, eine Meditation, 
ein auf Rollen verteiltes Gedicht vom Mord, den ein deut- 
scher Soldat in Polen an einem jüdischen Jungen Eli begeht? 
ein junger Schuhmacher, Michael, sucht den Mörder. In ihren 
kurzen Erläuterungen zu dem Text schreibt Nelly Sachs, daß 
sich bei dem Schuhmacher - nanh H^-n ^Mac^^AA r.^i — 



iV 



Mystik - um einen der sechsunddreißig ~Gottesknechti" handle, 
die das "unsichtbare Universum" tragen. 

Die Szenerie des ersten Bildes: der Marktplatz einer klei-. 
nen polnischen Stadt. Die Häuser in Ruinen. An einei Brun- 
nin arbeitet ein Mann. Die Wäscherin kommt, trägt einen 
Korb mit Bleichwäsche, sagt in "singendem' Ton": 
Kimm von der Bleiche,' der Bleiche. 

bab' Sterbewäsche gewaschen, ' 

I . ' ■ • 

dem Eli das Hemd gewaschen, 

I ■■ . 

Blut herausgewaschen, Schweiß herausgewaschen, 
Kinderschweiß - Tod herausgewaschen -. 
Zu dem Mann: 



;h: 



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ib 



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am 



- 17 - 



Spr'in: 



Will es zu dir tragen, Samuel, 

I • 

in die Kuhgasse tr^-feSB zum Abend, 

i 
wo die Fledermäuse in der Luft herumblättern, 



wie ich blättere im Bibelbuch, 



um das Klagelied zu suchen, darin es raucht, 

i 
darin es brennt und die Steine herunterfallen - 



Enk( 



/ 



vom Eli das Hemd - 



Spr. : 



.' J 



Sie berichtet, was vorgefallen ist: daß man Elis Eltern 

I .4 

abgeholt hat, daß er ihnen nachgelaiifen ist im Nachthemd, 
in der Hand die Pfeife, mit der er den Lämmern tmd Kälbern 
gepfiffen hat. " ' r 



Spr'in: Und als der Eli sah. 



\ 



mit seinen achtjährigen Augen sah, 
wie sie antrieben seine Eltern, 



-f • •« .1. 



durch die Kuhgasse, die Kuhgasse, " 

I . 
hat er die Pfeife an den Miind gesetzt und hat gepfiffen 

Und nicht hat er gepfiffen ' 

I - • ■■ ■ 

wie man pfeift dem Vieh oder im Spiel, 



sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte, 
— - den Kopf hat er geworfen nach hinten, 
-__:: wie die Hirsche, wie die Sehe, 
- -bevor sie trinken an der Quelle. 

i - • . 

Zum Himmel hat er die Pfeife gerichtet, 



* • I • 



■V-: 



zu Gott hat er gepfiffen, der Eli, 

sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte. 



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Spr.x 









Spr'in: 



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- 18 - 



■ t. 



Ein Soldat eei mit im Zuge gegangen, der habe Eli mit 
dem Kolben seines Gewehrs erschlagen., ' ■■ \ 

So also der Anfang des Spiels. Der Ton verrät die Nähe 
de^ Gedichte , ist aber deutlicher von "realen" Torgängen 
bestirnt. Zunächst wenigstens . Denn während der Suche 
Michaels nach dem Mörder greift die Sprache stellenweise 
Wieder in eine Bildwelt, die von der vorgegebenen nicht 
auf direkte Weise abzuleiten ist. Der Härder, als er ge- 
fimden ist, sagt: ' ' j 

Wenn er den Kopf nicht nach hinten geworfen hätte, ' 
so hätte ich ihn nicht erschlagen, '• 

der Milchzahn wäre nicht mit der Pf eif e herausgefallen I 
Aber - das war gegen die Ordnimg - • ' *- ■ '■'^' 
den Kopf nach hinten zu werfen - • ' "• -' 
das mußte zurechtgerückt werden. 

» 



Und wohin hat er gepfiffen? 
Ein heimliches Signal? 
Ein Zeichen durch die Luft - ' '.' 
außerhalb jeder Kontrolle - 
Hilfe, Schuhmacher, 

^er Milchzahn wächst aus der Erde - 

I 

beginnt mich anzuknabbern - 
durch meine Schuhe hindurch - 
meine Püße zerfallen - 



•{■V. 



».. 



♦•• 



werden Erde - 



Spr, : 



Der Mörder beginnt zu schreien: 



- 19 - 



Spr ' in : 



ö 



Spr# : 




Wo ist da die Ordn\mg, die Welt Ordnung - 

Ich. bin am Leben, 

ich hin nicht tot - 

nicht gehangen - 

nicht verbrannt - 

nicht lebendig in die Erde geworfen - 

es ist ein Irrtum, ein Irrtum,. 



Lch zerfalle, zerfalle - 



Ich bin ein Stumpf - 
sitze auf dem Sand, 



-." », 



der soeben noch mein Fleisch war - 

"Siirreale" Vorstellungen treiben die Sprache weiter, 
suchen das Entsetzliche zu fassen. Schien es zu Anfang des 
Spiels, als sollten deutlich umgrenzte, "beschreihhare Sze- 
nen entstehen, so wird im weiteren Verlauf erkennhar, daß 
die Grausamkeit des Geschehens 'derartige Begrenzungen durch| 

< 

bricht, sich im autonomen Wort, in der Wort-Reihung, im 
Schrei artikuliert. 

Als "Spiel von Jägern \md Gejagten" bezeichnet Nelly. Sachs 
auch den Text "Abram im Salz". Abgestimmt ist er a\if zwei 
Sätze, die sie vorangestellt hat: "Bei den Ausgrabungen in 
Ur fand man oft a\if der Erde den Abdruck und das Muster 
von Gegenständen, die selbst gänzlich in Staub zerfallen 
waren. Es war die Schrift des schon unsichtbar Gewordenen, 
die man zu lesen versuchte." 



- 20 - 



O 



€ 



Spr ' in : 



Im Prolog zu dem Stück heißt es, der Ausgräber lese in der 
"Bibel des Staubs". Von einem zerfallenen Gerippe ist die 
Rede \md einer goldenen Kette. "Der Hals der traulich/ 
zwischen dem Geschmeide einging/ in' seine Nacht exi st enz/ 
ließ immer noch/ nebelgraues Gedenken zurück •• 

Aufschlußreich die Regieanweisung zur ersten Szene. Die 
Bilder stiegen "gobelinartig" auf, notiert Nelly Sachs. 
Eine Salzlandschaft nach der Sintflut soll auf der Bühne 
erscheinen; im Hintergrund ein Tempelturm wie eine Riesen- 
wurzel als bläulicher Schatten. 



id in ihren Anmerkungen zu der Arbeit betont die Dichterin, 
das Bühnenbild solle "stets aus weiten Fernen kommen", es 
solle nur in Umrissen deutlich werden, in dieser Hinsicht 
vergleichbar den Jagdszenen der Eiszeithöhlen. Die Salz- 
landschaft solle abstrakt wirken, "ein Skelett aus Weiß". , 

Besondere Bedeutung in dem Stück kommt dem Jägerkönig ',' 

■ 

Nimrod zu, der die "Dürstenden" verkörpert, der auf der 

"Suche nach einem Dahinter" ist. Seine Jagdbeute ist der 

i ' 

Tierkreis. Als er in der vierten Szene auftritt, ist er in 

eine Rauchwolke gehüllt, trägt er Stierhorner und ein rotes 
Pell. Er durchbohrt die Nacht mit einem Pfeil, "in Raserei", 
wie es heißt, Und sagt: 

Die Stimme fangen 
Das neue Wort fangen 



4. 



Ich bin der neuen 
Wörter König 1 






5 



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Spr.: 



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Spr • in : 



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- 21 - 



In die Wurzel der Nächte ziele ich 
in die Wiirzel der Lüfte ziele ich 

Die Pfeile kommen zurück 

-"*■■'■ . . 
mit neuen Worten ;^ 



Gazellenworten 

Hyänenworten 

Stierworten 



"■.->. ^ 









.'■< • 



Ddje Nacht erscheint als der Grund, in dem die Worte zu 
Hause sind. Nimrod Jagt mit Pfeilen nach ihnen. Er ist 
auf der Suche nach den "neuen Worten". '^ 

Ni|mrod ist also der Jäger. Aber zugleich der Gejagte. 
Gejagt von wem? Vom "Durstgeist" Lilitu. Nimrod fragt 
ihn: "Wer bist du denn/der mich, den Jäger, Jagt?" 
• Li^litu antwortet: "Ich bin der Durst auf eine neue Zeit -" 
Der Durst auf eine neue Zeit. So wie Nimrod von ihm ge- 
trieben wird, so wird der tote Abram von der Stimme seiner 



Mutter "gejagt": er solle helfen, die neue Zeit zu'schaf- 
fen. Nachdem es z\mächst noch von ihm heißt, er sei ab- 
wesend ("Mit allen Umwegen komme ich",, sagt er von fern), 
ist die Antwort auf den letzten Ruf seiner Mutter: . . ' 

Jage mich, Jage mich -^ 



durch die Feuer der Sonne 

I • 

Jage mich, Jage mich 



durch die Todesflöten des Mondes 
Alle Horizonte zerreiße ich 



wie Leichentücher. 






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Spr ' in : 



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Spr.: 



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- 22 - 



Und an anderer Stelle, kurz davo^^ sagt exx 



löti breche aus den Wänden 
a-u.s den Dächern 



^1•• 

K^ 



1 



h breche aus dem grfinuinrandeten Schlaf 



■•t 



loh breche aus den Meeren 



aus den Feuern - 



''«•■ 



Ein schwieriges Stück, vor allem wohl, weil die entschei- 



denden Begriffe, vor allem "Jäger" und "Ge^jagter" in sehr 
eigenwilliger Bedeutung gebraucht' 'werden. Zudem: wie weit 

...... ' • - ■ • t i 

* 

si^nd wir fort von jeder vertrauten Dramaturgie. Nelly ^- 

I • ' ■ ■ ' ' 

Sachs selbst bezeichnet das Spiel als ''Kulttheater", das 

-• -*• 

"elementaren Gefühlen" Ausdruck verleihen solle. Beheimatet 
sei es in Ur in Chaldäa, z\ir Zeit des Mondkultßs. Ein Hin- 



weis wiederum darauf, wie tief in historisches Bewußtsein 



hinein die Wurzeln ihrer Dichtimg reichen. - 



Vierzehn dieser Spiele sind in dem Band "Zeichen im Sand" 
versammelt. Einige davon haben nur wenige Seiten Umfang. 
Auf der Bühne werden diese Dichtungen schwer zu realisieren 



sein. Ganz erschließen sie sich erst beim Lesen. Auf schluß- 
reich sind die Untertitel. Etwa: "Versuch eines Ausbruchs",^ 
"Ein Delirium aus Einsamkeit" , ••Ein Spiel von der Freiheit" , 
"Einige Szenen aus der Leidensgeschichte der Erde". Die 
zentralen Themen der Dichtiing von Nelly Sachs sind un- 
schwer darin wiederzuerkennen. 

i 
Das Bild wäre unvollständig, würde man nicht hinweisen auf 

die Arbeit, die Nelly Sachs als Übersetzerin schwedischer 

•!. 

Lyrik ins Deutsche tut. Bisher hat sie zwei Anthologien 






- 23 - 



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herausgebraclit . 19^7 - ini Auftau-V erlag - den Band "Von 

Welle xincL Granit", zehn Jalire später - im Büohner-V.erlag, 

j • 

Darmstadt - die Sammlung "Aber auch diese Sonne ist heimat- 
los*!. Ebenfalls im Büchner-Verlag veröffentlichte sie - • 

unter dem Titel "Der Schattenfischer" - einen Band Gedichte 

I 
von Johannes Edfelt, bei Suhrkamp eine Auswahl von Gunnar 

Ekeiöf , in der von Enzensberger herausgegebenen Reihe 

« 

"Poesie". 

Was! die Übertragungen von Nelly Sachs auszeichnet, ist die 



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Tatsache , daß den schwedischen Gedichten zu eigener Aus- ^ 
drucksfülle kommende deutsche Gedichte gegenüberstehen, ^an 

' . . . • . \ 

spület deutlich den menschlichen und künstlerischen "Ein- 
satz" der großen Vermittlerin. Einige der übersetzten Ge- 
dichte zeigen, wie nah sich darin zwei Erfahrungswelten 



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sind; einige entsprechen im Ton der Lyrik von Nelly Sachs 
in 'so hohem Maße, daß man sie ihr zuschreiben könnte, 
wüßte man die Namen der Autoren nicht. 

Die! Lyrik, die szenischen Dichtungen, auch die Übertragun- 
gen! - das^ alles weist zurück auf ein intensives Leiden, 
das seinen Grund hat in dem entsetzlichen Schicksal dieser 
Frau, zu einem Leiden am Hiersein überhaupt wurde. Der 
schwedische Dichter Ragnar Thoursie bezeichnet sie als 
eine Schwester Kafkas. Karl Schwedhelm hat hervorgehoben, 
daß sie trotz der äußersten Schändung des Menschenbildes 
in den Lagern nicht anklagt, sondern klagt; daß in ihrer 
Dichtung die Formel eines bildlosen Glaubens hervortritt, 
dem das Wort Gefäß aller Bilder bedeutet ; daß ihre Dichtung 



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- 24 - 



der Entrückung jüdischer Mystik ähnlich ist, für die das 
Wort der dem Menschen mögliche Weg zu wortloser Vollkommen, 
heit ist. - 

Ein d\irch seinen Schmerz und seine Einsamkeit ergreifendes 
Werk, in dem An- und Abwesenheit, Nähe und Ferne, Schrei 
und Stille plötzlich nicht mehr zu unterscheiden sind. 



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DEUTSCHLANDPUNK 
Abt, Literatur 
Rodaktion Dr. Kliemann 
Hausapparat 348/349 



SCHRIFTSTELLER UNSERER ZEIT 

Nally Sachs 

Porträtiert von Horst Bienek 



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MKH*anMi«OTaai^Bava 



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Sprecher i (Autor-Text) : 
Zitatsprecher: (Fremdzitate) 
Sprecherin (Nelly Sachs) : 

Produzent : 
Aufnahme am : 
Schneiden am : 
Probe um s 






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Sendung am Donnerstag, den 30.9-1965^ 22. oo - 22.:>o Uhr 



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Sprecher : Dichtung als Dasein : dieser von Wilhelm Lehmann aphoristisch 

formulierte Begriff ist nicht nur zu einem Schlüsselwort, son-| 
dern auch zu einem Kriterium d^r Dichtung geworden. Lehmann 



Zitat- 
sprecher: 



Sprecher: 




sagt : 



'Jeder von uns sucht seine Wirklichkeit und die seines Gegen- 
standes. Sie zu finden, dazu verhilft uns die Dichtung, sie, 
die kein Nebenbei, kein zufälliger Schmuck ist und die Be- 
mühung eines ganzen Lebens braucht, um wirklich zu werden. 
Dichtung erzeugt, wenn nicht Leben, so Dasein.' 

In solchen Sätzen wird Dichtung verstanden als etwas, was sie 
in ihren vollkommensten Gcibilden immer war, als etwas, das uns 
angehört, das unsere Welt ausmacht, das im Benennen den Dingen 
und dem Dasein Sinn gibt. Nimmt man sie als Maßstab für die 
lyrischt:^n Produktionen der Gegenwart, so wird man bald zu 
unterscheiden Verstehen das Ephemere vom Beständigen, die 
Tauschung von der Wirklichkeit, den Schein von der Wahrheit. 
Dichtung ist nur da möglich, wo sie Existenz faßbar macht. 
Sie darf kein "zufälliger Schmuck" sein. 




Erschütterung ging deshalb - darüber ließen sich auch andere 
Zeiten nicht hinwegtäuschen - immer von einer Lyrik aus, 
die aus einem inneren Zwang entstand, die ebenso die Person 
des Schreibenden wie seiü Welt begriff und ausdrückte. Wir 
sind gerade heute, wo das Wort von der 'intellektuellen Mach- 
barkeit des Gedichts' bereits zu einem abgegriffenen Klischee 
geworden ist, für eine solche Lyrik hellhörig geworden. In 
hohem Alter, in Einsamkeit und Verzweiflung hat Elsa Lasker- 
Schüler geäußert, daß sie zerbrechen müßte, könnte sie keine 
Gedichte mehr schreiben. Und Gertrud Kolmar, eine der größ&n 
und zugleich unbekanntesten Dichterinnen deutscher Sprache, 
hat ein Jahrzehnt lang ihre E-istenz im Gedicht, im vor der 



Welt verheimlichten Gedicht, gefunden. Zu Lebzeiten hat si 



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- 2 - 




nur weniges veröffentlicht, und dieses wenige war fast ohne 
Echo geblieben. 19^3 wurde sie in c-in Arbeitslager im Osten 
deportiert, seitdem ist sie verschollen. 

Eine dritte jüdische Dichterin, Nelly Sachs, hat ebenfalls die 
Schrecken und Höllen jener Zeit, an denen die beiden anderen 
zugrunde gegangen sind, erlebt - sie hat sie überlebt. In 
' letzter Minute , im Juni 1940, als die deutsche Armee bereits 
in Prankreich einmarschierte, konnte sie durch Vermittlung von| 
Selma Lagerlöf nach Schweden emigrieren. Auch sie hat ihre 
Existenz im Gedicht gefunden, ihre Heimat in der deutschen 
Sprache. Und in c:inem Augenblick, da SS-Leute Menschen jüdi- 
scher Herkunft in die Gettos und Gaskammern trieben, hat sie 
in einer kleinen Mietswohnung in Stockholm in eben dieser 
Sprache das Denkmal für die Opfer geschrieben : die Grabschri 
ten 'In den Wohnungen des Todes'. 



Nc^hmen wir noch Elisabeth Langgässer hinzu, die als Jüdin zum 




Katholizismus konvertiert war. Sie blieb in den srchwi 



Kriegs jähren in Bvjrlin, mit Schreib- und Publikationsverbot 
belegt, ständig bedroht von den Dtjportationen. Aber die Spra 
konnte man ihr nicht nehmen, die deutsche Sprache, in der 
sie mit 'D^^r Laubmann und die Rose' vielleicht ihre schönsten 
ihre vollendc;tsten Gedichte geschrieben und in der sie 'Das 
unauslöschliche Siegel' verfasst hat, einen der ganze wenigen 
Romane von Belang, die im Dvjutschland der Hitler-Herrschaft 

entstanden sind. 

das^ 

Man muß sich'^^rgegenwärtigen : In einer Zeit, da man diese 

vier Frauen aus der deutschen Sprache vertreiben wollte, habe 
sie gerade dieser Sprache einige ihrer schönsten Zeugnisse 
abgerungen. Und sie haben nicht nur eine Tradition, von dor 



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y 



- 1> - 



Droste über Ricarda Huch, fortgesetzt, sondern auch einen Höhe- 
punkt In der deutschen Lyrik markiert, der bis in unsere Gegen- 
wart nachwirkt. 



Sie, die in die äußere Emigration der Fremde oder in di 



e innere 




des Arbeitslagers getrieben wurden, haben, neben manchen 
biographischen Verwandtschaften, vor ^llem eines gemeinsam : 
die dichterische Sprache als Refugium, als unzerstörbares Ge- 
fäß ihrer Gedanken und Gefühle, als Ausdruck ihrer Hinwendung 
zu einer höheren Macht als jener, die ihre Umwelt beherrscht. 
(Daher die Anrufung der biblischen Gestalten bei Else Lask 
Schüler, bei Nelly Sachs und bei Gertrud Kolmar, die 



er- 




Beschwörung der rosa mystica Maria bei der konvertierten Elisa- 
beth Langgässer). Wohin sie das Schicksal auch getrieben hat, 
die Sprache ist ihre Heimat geblieben. Sprache als Heimat. 
Sprache als Verwandlung der Welt. Nelly Sachs hat das in einem 
Satz signifikant ausgedrückt, der ihrem Gedichtband 'Flucht und 
Verwandlung* als Motto vorangestellt ist : 

m 

Sprecherin :An Stelle von Heimat / halte ich die Verwandlungen der Welt. 

Sprecher : Dieser Satz könnte richtungsweisend über dem ganzen Werk der 

Nelly Sachs stehen. Ein Werk, das von den Themen der Verfol- 
gung, der Flucht und der Suche nach Heimat geprägt ist bis in 
die jüngste Gegenwart hinein. Angefangen von den 'Grabschrlf tenl 
in die Luft geschrieben' bis zur 'Fahrt ins S'caublose' haben 
sie diese Themen immer wieder beschäftigt. Sie hat dabei nicht 
nur den Leidensweg eines gequälten Volkes in ihren Versen . . 
festgehalten, sondern ist. nach einer Formulierung des Literar- 
historikers Valter Berendson , "die Dichterin jüdischen 
Schicksals" geworden. Wenn man in später Zelt fragen wird, wer 
das Entsetzliche dieser Jahrhundertmitte artikuliert hat, dann 



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Zitatspr^i 
eher: 



« 4 - 
"wird man auf Nolly Sachs verweisen müssen. ^Das Schreibon war 
mein stummer Schrei \ bekannte sie einmal. So hat sie Worte 
und Bilder gefunden für ein Geschehen, das man glaubte, nicht 
in Worte oder Bilder setzen zu können. Aus der Zeit ist sie ins 
Zeitlose hinausgetreten, aus dem Einzelfall ins Allgemeine, 
aus der Beschreibung in die Metapher. Immer noch geht von ihren 
Versen Erschütterung aus, der man sich nicht entziehen kann 
und die auch jene Leser trifft, die die Zjit der Verfolgung nich| 
erlebt haben. Ihre Gedichte werden als poetische Registratur 
des Leids in Erinn^^rung bleiben. 

Nelly Sachs,, I89I in Berlin geboren, wuchs in einem großbürger- 
liehen Hause auf • Ihr Vater galt als musisch-, . vor allem der 
Musik war er zugeneigt; in seher großen Bibliothek kam . die 
Tochter mit den Weisheitsbüchern des Ostens, mit den Sagen und 
Märchen aller Zeiten und Völker und mit den W>^rk:en der Roman- 
tiker in Berührung. Einflüsse, die in ihren ersten Arbeiten 
du-utlich zu spüren waren. Walter Bc^rendson hat die häusliche 
Umwelt, in der Nelly Sachs erzogen wurde, so beschrieben : 

"Im Sachs 'sehen Hause gab es keine ausgesprochen jüdisch-reli- 
giöse, eher eine freigeistige Atmosphäre, Aber (ihre) Dichtung 
ist von Anbeginn von inniger Religiosität cur.chtrankt . In 
m^anchen Gv::dichten finden sicHchristliche Symbole. Die jüdische 
Mystik wurde Nelly Sachs erst spät durch christliche Freunde 
zugetragen, wirkte dann aber sehr stark und nachhaltig auf 
sie als etwas im Grunde zutiefst Verwandtes... Mit 17 Jahren 



s 



chrieb Nelly Sachs die ersten Gedichte, seither ist ihre 



Produktion nie versiegt..." 



Sprecher: Das erste Buch von Nelly Sachs war 1921 erschienen, ein schmale 

Band mit ^Legenden und Erzählungen'. Später entstanden Märchen' 
spiele für Puppen- und Marionetten-Theater . Erste Verse ver- 



» 



- 5 - 



off entlichte damals das 'Berlinär Tageblatt', die JVossische 
Zeltung' und die 'Jugend' in München. Nach 1935 wurden von ihr 
Beiträge nur noch in jüdischen Zeitungen gedruckt. 



Ihren Band 'Legenden und Erzählungen' hatte sie 1921 an Selma 



Lagerlöf geschickt mit der Widhiung ; 



Sprecherin : "Dieses Buch . . . ist geschri 



Leben vone 

l 



iner jungen Deutschen^ 



die in der großen schv/edischen Dichterin ihr! leuchtendes Vor- 



bild verehrt 



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Sprecher : Damit begann zwischen Selma Lagerlöf, die schon 19o9 den Nobel- 
preis erhalten hatte und hoch gerühmt war, und der jungen 
Anfängc^rin eine Freundschaft^ die sich über Jahrzehnte hinweg 
bewährte. Selma Lagerlöf hat Nelly Sachs buchstäblich vor 

den drohenden Gas|e4^^ gerc;ttct : durch ihre Fürsprache und 

eny 

die des Prinz ^4iugc,'n von Schweden eri^ichte sie, daß Nelly 

Sachs zusammen mit ihrer alten Mutter, in einem. Augenblick, 
da bereits die ersten Deportationen der Juden nach dem Osten 
gingen, die Ausreise erhielt. Seit diesc^r Zeit lebt sie in 
Stockholm, in .:;inum Miethaus am Bergsundstrand, direkt 
gegenüber dom Mälarensee. In dem Land ihrer Sprache, in der 
sie schreibt, war sie seitdem erst einmal, als man sie in 
M^ersburg am Bodc^nsee mit dem Droste-Preis ehrte. Jetzt, wo 
sie alt gev/orden ist, will sie nicht mehr nach Deutschland 
zurückkehren : 

Sprecherin: 'An Sterile von H..imat / halte ich die Verwandlungen der Wult.' 



Sprc^cher : Nelly Sachs war schon 19^0 v:;ine Schrif tst<::llerin von ausge- 
prägter Individualität. Ihr "gültiges" W^^rk aber beginnt. 



nach ihren eigenen Worten, w^rst in den 



ja'j 



Lbnr.-iyl Jahren lAr-Hdi 



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- 6 - 

pchmüTTr^^, als sie dem Tod schon anverwandt. Ihm aber nicht 
ganz ausgeliefert war. Als 19^6 ihr erster Gedichtsband er- 
schien *In den Wohnungen des Todes ^, im Aufbau-V^^rlag in Berlin 
da spürte man sofort : hier war die Stimme einer Dichterin, die 
in der Flut der damals erscheinenden Bekenntnis- und Erlebnis- 
lyrik alle andern weit überragte. Kein Vers^ keine Zeile, 
hat bis heute an Substanz verloren. 'Dein L^^^ib im Rauch durch 

im 

die Luft', heißt ein Zyklus, ein anderer 'Chöre nach Mitter- 
nacht', ein dritter ^Gra>Jschrif ten in die Luft geschrieben^ 
Ep-i-taphe für ihre toten Brüder und Schwestern, die in den 
Vernichtungslagern umgekommen sind un^i, wie Celan sagt, 'ein 
Grab in den Lüften^ bekommen hab^n. Aber sie will nicht noch 
einmal Namen beschv/ören, Namen sind Zeugnis, sind Demonstration 
sind aufbrechende, blutende Erinnerung. Aus der persönlichen 
Vertrautheit heraustreten, eine allgemeine Formel für ihre 
Existenz finden, das will sie. So heißen die Gedichte : 
'Die Markthandlerinj 'Die Tänzerin', 'Der Spinozaforscher', 
'Der Hausierer'. Und dahinter sind die Anfangsbuchstaben ge- 
setzt, ganz unpersönlich, ganz lapidar. G.P. oder D.H. oder 



H.Hc Um einer zeitlosen Wahrheit willen faßt sie deron Leben 



in eine Chiffre. In diesen 




spürt man noch Rilke 'sehe 



Anklänge, die nach und nach von einer expressiven Sprachge- 
bärde abgelöst werden* 



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- 7 - 



Sprecherin: Der Hausierer /g.P/7 




Sprecher: 




Du hattest einen weiten Weg zu gehn 
Von Nadeln und Zwirn bis zu den Engeln - 
Der Tod kam deinen Kram besehn. 
An einer Sichel sang sein Dengeln/ 
Aufgingen Scheren wie im Wlndeswehn 
Der Mond lag bleichend auf dem Linnen. 
Sand leerte sich aus einem Kinderschuh - 
Du aber standst im schrecklichen Beginnen 
Und nahmst an Angst wie an Gewichten zu. 
Doch deine Füße, längst gewohnt das Wandern 
Wußten nun den Weg, den andern. 
Deine Augen, die die Elle abgemessen 
Tauten Spiegel aus dem längst Vergessen. 
Deine Hände, die die Münze nahmen 
Starben wie zwei Beter mit dem Amen. 

Die Titel der Gedichtbände skizzieren die Entwicklung der 
Lyrikerin. Dc-n * Wohnungen des T odes^ , unmittelbar unter dem 
Eindruck der Verfolgungen entstanden/T olgte als nachhallende 

Erinnerung 'Sternverdunklung* (19^9). dann jene resignierende. 
hilflose Gestü des 'Niemand weiß weiter' (1957) bis hin zu 
'Flucht und Verwandlung' (1959). das schon die Überwindung des 
Schmerzes zeigt und hinweist auf die Hoffnung, die aufrührerisc: 
ist, auf das große elementare Erlebnis der Flucht, die zugleich 
Verwandlung, Umwandlung, Metamorphose bedeutet. Von dort geht 
die 'Fahrt ins Staublose' (I96I), in der jener schwarze, 
tragische Dithyrambus aufklingt : 'Noch feiert Tod das Leben'. 
Inmitt>in der 'allmächtigen Gegenwart des Todes' der demonstra- 
tive Hinwois auf das Leben ! Der Tod, der kommt, um das , was 
lebt, zum Verstummen zu bringen, muß das Leben feiern, muß es 
noch feiern. . . ^ 



Dazwischen liegt ein reiches Übersetzungswerk aus dem Schwedi- 
schen ms Deutsche 









- 8 - 





Sprecherin: "als Dank an mein Gastland" 

Sprecher : und die Arbeit an zwei szenischen Werken ^Eli' und 'Simson 

fällt durch Jahrtausende', die sich in kein Genre einfügen 
lassen. Sie sind Gedieht, Mysterienspiel, Vision und Beschwö- 
rung zugleich, auf der Bühne kaum darstellbar; bisher haben si 
ihre Realisierung nur im Hörspiel gefunden* 

Unverwechselbar ist ihre Sprache, die übrigens gleich mit dem 
ersten Gedichtband in ihrer ganzen Ausdruckskraft und Intensi- 
tät spürbar war. Sie ist von den Büchern der Propheten und de] 
Psalmen ebenso beeinflußt wie von der Thora und den Legenden 
d<:^r Chassidiia; aufgenommen hat sie auch die Bilderwelt des 
Surrealismus und die moderne Formensprache der schwedischen 
Lyrik. Ihre; Wurzel aber ist im deutschen Expressionismus zu 
suchen, von dort bezieht sie das Ekstatische wie das Visionäre,| 
das so spezifisch für Nelly Sachs wurde und ihre Gcidichte zu 

t 

*Anrf ungern' macht. Sie ist die einzige neben Gottfried Benn 
und nach seinem Tod die letzte, die den Sprachkanon des 
Expressionismus aufgenommen und ihn bis in unsere Tage ständig 
verwandelt und erneuert hat. Geblieben ist ihr auxßerdem eine 
Art 'kosmischer Sternenklang \ der an Däubler erinnert, ein 
Ton, der bei ihr wie bei der Lasker-Schült^-r einen deutlichen 
religiösen Akzent bekommen hat. Überhaupt wäre es einer 

genauen Untersuchung wert, einmal die Gemeinsamkeiten der 

f 

Sprache bei Nelly Sachs, bei Else Lasker-Schüler und Gertrud 

Kolmar herauszufinden* 



Es gibt einprägsame Bilder bei Nelly Sachs, die immer wieder- 
kehren v Dazu gehört eine Vorliebe für Wörter wie Sand, Staub, 
Gestii'n^ S.:erne, Meer, Leib, Schmerz, Tod, Nacht, Schatten, 



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- 9 - 




Licht, Samenkorn, Schlaf, Minute, Sekunde, Stunde - für die 
Elemente der Zeit, die in ihrem Werk, wie überhaupt m der 
modernen Lyrik wichtig geworden sind. Es sind dabei aber vor al 
lern die Vereinigungen, die solche Worte- miteinander «eingehen : 
Wandersand ... brenn-^-nder Sinaisand... Dünensand ... der mit 
den Flügeln des Schma tterlings vermischte (Sand)... Metaphern 
für das Flüchtige, das Vorübergehende , das Ephemere. Bilder 
für die verrinnende, die tödliche Zeit : 'Licht wird aus 
Sand', oder : 'Sand leerte sich aus einem Kinderschuh'. Sand 
als unerbittlicher Ablauf von Z^it (Sanduhr), Sand als Bild der 
Gewesenheit, als etwas nicht mehr Vurwandelbaras, als fliehende^ 
vorwahendu Erinric^rung : 




Sprecherin: Der Sand in meinem löchrigen Schuh 

das warst du - du - du 
M<xla ich S.md der einmal Fleisch war 
Odc*r Goldhaar - oder Schwarzhaar - 
Odo-r die Küsse und ueine schnieiche.linde Hand 
Sand male ich, Sj.nd - Sand - Sand 

Sprecher : S .nd, der an die Zeit, die abläuft, und damit auch an die Ver- 
gänglichkeit der Verfolger, der Mörder erinnert : 

Sprecherin: 'Oh ihr Finger 

die ihr den SeiUd aus Totenschuhen leertet 
Morgen schon werdet ihr Staub sein 
In den Schuh^^n Kommender...' 

•ST:recher: Nelly Sachs, die an die Verwandlung der Welt glaubt, an die 

Metamorphose als Wiederkehr, im Sand ist alle Hoffnung für sie 

erloschen. Cas Samenkorn hingegen bedeutet Auferstehung. 

Samenkorn und Sandkorn werden so zum Synonym für Leben und Tod, 

für Werden im Untergang, für das Wachsen im Schwinden : das 

Ewigkeits zeichen. 








- 10 - 

Sprecherin :Nur zu wiegen sich 

in Lichtmusik aus Ebbe und Flut 
nur zu wiegen sich 
im Rhythmus des unverwundeten 
Ewigkeitszeichen : 

Lebein - Tod - 
Sprecher: Das Isttoei ihr weit über das Metaphorische hinaus ein brennend 



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Zeichen geworden. Immer wieder sucht sie für diesen Vorgang ne 
Variationen zu finden. Es ist ihr eigenes Erleben, das sich 



Wfee*iiÄCh| in Poesie urngesetzt hat. Je 



nes Bewußtwerden des Todes! 



- und im Tode die Wiedergeburt, die Rettung ; nach der Flucht 
die Verwandlung;, die Auferstehung; das neue Leben in einer 
anderen V/elt, m einem anderen Haus, unter einem anderen Dach. 
Schon in den ersten Gedichten heißt es : 

Sprecherin: 'Und ihr werdet hören / durch den Schlaf hindurch / werdet ihr 

hören / wie im Tod das Leben beginnt . ' 




Sprecher: Und später nennt sie Tod und Geburt : 'den Gott vererbten 

Zwillingsüchmuck' . Und dann wieder : 'Wenn sich das Samenkorn 
im Tode d^s Lebens erinnert'. Immer die Paarung, die V.-rbindungl 

*- 

des Gegensatzes» ihr demonstrativer Versuch, im Tod nicht das 
Ende zu sehen, sondern zugleich den Anfang, im Beginn aber auch 
bereits die Vollendung : 

Sprecherin: 'O keine Ankunft ohne Tod.* 

Cprecher : Daher Ihre fast quälende Beschv;örung, ihre magische Benennung 

« 

immer des gleichen Zustande : 
Sprecherin: 'Er aber / hört das Samenkorn flüstern im Tod -' 



Sprecher : Und dann, i,n alttestamentarischen Heilsglauben : 



I 






- 11 - 



Sprecherin: ' Wer zuletzt 

hier stirbt 



Sprecher 



wird das Samenkorn der Sonne . ' ' 

zwischen seinen Lippu-n tragen.' ■ 

Im Samenkorn Ist das G.^helmnls, ist das Mysterium verschlossen. 
Es kann jede Stunde aufbrechen. Man weiß, daß das Ungeheure 
kommen wird. Ist c^s der Tod ? Ist es der Messias ? Ist es 
der Retter ? Das Samenkorn gibt sein Geheimnis nicht preis. 
Erst im Tode. Di^^r Tod gebiert das Luben : 




Sprecherin:Wer zuletzt 

hier stirbt 



wird das Samenkorn der Sonne 
zwl^^ohen seinen Lippen tragen 
wird die Nacht gewittern 
m der Verwesung Todeskampf 




Alle vom Blut 
entzündeten Träume 
werden im Zickzack-Blitz 
aus seinen Schultern fahren 
stigmatisieren die himmlischem Haut 
mit dem G^h^amnis d^r Ciual , 

Well Noahs Arche abwärts fuhr 
die Sternbilderstraßen 
wird 

wer zuletzt hier stirbt 

den Schuh mit Wasser angefüllt 

am Fuße haben 

Darin ein Fisch 

iiilt seiner Rückenflosse Heimwehsegel 

die schwarz vertropfte Zeit 

In ihren Gottesacker zieht* 



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- 12 - 




Sprecher: Die Welt der N.^lly Sachs ist die Welt von Hiob. Sein Schicksa 

Wird zum Schicksal aller. Zum Trost der Überlebenden. In 
■ ihren V.^rsen "lebt die Hiobsgeschichte alles durchlautend" 
mit, sagt Werner Weber. Aber N.lly Sachs versucht auch neue 

Gleichnisse und neue Mythen zu schaffen, ebenso gewaltig und 
elementar wie jene aus dem Alten Testament. Ist die Rettung 
der Häftlinge von Bergen-Belsen, Mauthausen und Dachau beim 
Einn::arsch der Amerikaner nicht ebenso wunderbar wie die 
Rettung der Israeliten im Roten Meer ? Ist da nicht ein 
neuer heimatloser Ahasver ? 

Sprecherin: 'Ein Fremder hat immer 

'seine Heimat im Arm 
wie eine Waise 

für die er vielleicht nichts 
als ein Grab sucht!' 



Sprecher : 



Sprecherin 




Sprecher: 



Ist dies nicht der esohatologische Glaube der prophetischen 
Bücher, der hieraus spricht : 

'Tod 

Meergesang 

spül^^nd um meinem Lt.^ib 
salzige Traube 
durstlockjnde m meinem Mund - 

Aufschlägst du die Saiten meiner Adern 

bis sie singend springen 

knospend aus den Wunden 

die Musik meiner Liebe zu spielen 

Und ist nicht mitten unter uns Hiob ^hautlos, augenlos, hat 
Hiob Gott gebildet'), alle Fahrnisse 'und Prüfungen in uner- 
schütterlichem Glauben bestehend : 







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- 13 - 



Sprecherin: Vertrieben 



e 




aus Wohnungen 

Windgepeitschte 

Mit der Sterbeader hinter dem Ohr 

die Sonne erschlagend - 

Aus verlorenen Sitten geworfen 

dem Gang der Gewässer folgend 

dem weinenden Geländer des Todes 

halten noch oft in der Höhle 

des Mundus - . . 

ein Wort versteckt 

aus Angst vor Dieben 

sagen : Rosmarin 

und kauen eine Wurzo'l 

aus dem Acker gezogen 

oder 

schmecken nächtelang : Abschied 



sagen 



Die Zeit ist um 

wenn eine neue Wunde aufbrach 

im Fuß. 



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Reißend wird ihr Leib 

im Salz der Marter fortgefressen. 

Hautlos 

c.ugenlos 

hat Hieb Gott gebildet. , 

der kriegszerrissene Loib des Pferdes 
an dem fraglos die Fliegern stechen 

und die Äckerblume durch die leer^ Augenhöhle wachst ! 

Nicht der sterndeutende Bileam 
v/ußte von curcm Gcheijinis> 
als seine Eselin 
den Engel im Auge behielt ! 



K' 



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Sprecherin: 




- 14 ~ 



Sprecher : In den Go'dichten der Nelly Sachs stoßen wir auf das Wort vom 

"durchschrnerzen". In diesem Sinne hat sie ihre Gtidlchte 
"durchschraerzt" und erfahren, ohne im Erlebnis steckenge- 
blieben zu sein. Die Z^^lt der Mörder, die Zoit der V.rfolgu] 
ist durch 'Flucht und Verwandlung' überwunden, im Mysterium 
des Scimonkorns und des Sundkorrio findet sie die Entsprechung 
für L^ben und Tod, und in der Anrufung der Gestalten aus dem 
Alten T^.staiiient die mythenbildende Kraft, die bis in unsere 
Zoit reicht. In diesen B^-zirken hat Nelly Sachs ihr^^ neue 
Heimat gesucht. 



Koramt oiner 

von ferne 

mit v;::iner Sprache 

die vielleicht die Laute 

verschließt 

mit du-m Wiehern der Stute 

odür 

dem Piv^^pen 

junger Schwarzamseln 

oder auch V7ie eine knirschende Sage 

die alle N-.ohe zerschneidet - 

Koramt ein<;.'r 

von ferne 

mit Bewegungen des Hundes 

oder 

vielleicht d(^r Rattu 

und ^s ist Vfinter 

30 kleide lim warm 

kann :-^uch sein 

er hat Feuer unter den Sohlen 

(vielleicht ritt er 

auf einem Meteor) 



so schilt ihn nicht 



schreit - 



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- 15 - 

Ein Fremder hat immer 

seine Heimat im Arm 

wie eine Waise 

für die er vielleicht nichts 

als ein Grab sucht. 





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Brief r:u iliro'ui 194G eracliiouencn Gccliclitl)cnd "In acn i;o!:riiujr;en 



dccj l'CKloG", der'ci<^i mit dein Gcbickcal öca ^Udicchen "^olkea crarj- 

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ScIirfi^brscnnGCiiroi über den laiiTicnocliliciiaton naGocximord der liaiiccb- 



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Ann;; .inc,upuiil; t m;d Ox't der i^iclitiaji^ von ^^^clly Oücia:rGiud in dioccn 






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lo9i in Bc^rlin alc ^Siind oln-dx judlGchon übI)rli:antonfauiilo i:;o-- 



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n, wuclio i3io in der I-ü4turvollcxi A-onoüx^bUro cincG jüdi^jüiicn 



J^ilrdcrlicmGca aul*, PrUii boi:ann £;iü fjolbst nabb , l:ii:ia';;lcrif;.c!:ora 



AuGdruc3c su cuoiicn, laufsiisiorto, tanstc xmd ccjbriüb Godiclitu^. V.eni 

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dcvop cLvca-^o' i^^cli Ciu5ün, ID^l ein. Baud Xyi'iüciier i'rorjn, 1^32 .■ ' 

clito Im f'ilorli.ner Ta;^cblat t" ; AVüiii^; davon war vielleicht auch 



Gödi 



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v/irdlich l:)cclcutcricli bOia:crkeni;vvor"if vvuraber aat ^eaen Pallclie 



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3 cid; abi;cicijnondo -^^irletniaintciioitcit» J/aß nnG oj; auci) .'•je- 



\7CiJe2i 3ciii, ivaü ►;elna I^ijcrlüi' tiu derv *irboiten i;o cchLitiito* ;jc>i 



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•■■■ ' ilirca rOiiafsöljnton labcnc^jcuir l^satto i>cll^ wCicli£i rdt ibr Urioi'e ce- 



v.'Gcl|i3cXt uiid ihr dio ercton dicbtoriccten Vcr;JucbG Uboracijadt. 

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da iivar donaa der ccluvodiocliüii 'Aiiülrüarii.i aucb iccine Ui-ibclcainto 
ciehr, ala in uorjucr 1939 ciae i-i-cuiidiu von IIclI^ Uucl:ii; ^clr-;a 
tac^^i«^'^- um liili:o :t:iü? die in Deute clilcnd vora i'odo Bcdrobto bat« 
194Ö coocbüh das üncrwartoto: Koll^ üacba xmä il^re L^ittcr i:^lLm:_ 



durch dio Vcrijlt tlun^; ;jclwa Lrinerlüfs nacli wciiv^cdca 

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ül)xd::;c Pardlio kan iai den ICoiL'^oritra'tiaiiGlaA'orii uir.#. 



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l.äULcr!pi:indlicIic Prau Ibia in ücm letzten Uinlcel iLruo Gein 
ÄG vTurdo zu einer ürfehrun-, öio v;eit über doo ci-on 







;:c:iij;I:j;al liinaui3£rifx^ urad üio mi-b ilca leid doa ß-coonit;jüaiDcliön 
Ccliiblcnnls bclud. Dpätejt« cairfco ITolly i^nolia, öaß cio öioG co ' 
unerliört co^m^lt habe, daß es sie 'fast bia cn die Crcrj::o ihroa 
Lobüiij v/arf uirl dis v.ortQ l!]r wio i^a acinvoror IU\aiikIicit Uüd 



tiex'Cx^ *raucr icancn. 



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Labe rair da cchrüibsii köHDGü, wo idi'oonat'veri^ancea iTllro^ 
leb wußiJu e>ü, icb habo ::iich ^Toxtet aüdurcli... Gr;iia nab den > 
2üd iot. daa Wort CGlcoa'3ün,y.Gnn ixm nicb fragen wOrdo, wor nicla 
Ccloljrt hlitto, KU dieisaii /orten au lioriWn, so fc^nn icb nur ". 
inaor v/iodcr sa^jon; der/Tod," '. 






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i:ö11.V r:acba bolclacit i/ibrca |:?oaicb'i iziit dca Jod der Opfer' aucb " 
die ilraordnunG dca Il'aaanen, ddr iviciiachlicblcoit diu'cb aon raiscHic- 

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tat%e vl^r::iUl.nu57c «U <^u^rw<;<i, et;va renn sie, sc^--ti «ai d-v 
auch t / v.ach -r;;r;«r •ii.r.-.^-^.« ^.^^ ^,^.^ ^^^ ^^^ ^^^ -j^t^^iok-. 
Iui7^ x:;oaiU:.rl; ".a .teile vaa Kclmat / l^alto \c}i dio ^cr:^u;d- 






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Thla Mnuscript is belng s«nt to you at th« requeat of 

of Mr. Michaal Roloff j^. "/ ■'t/3 i 



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"ELI" 
by 
Nellv Sachs 



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music by 
Hans Keller 



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TranslatGd by Chrir,^-.onh<->^ ''olrae 



^^-'^'•^^SSIO N: Friday, 26th April 1963: ß.20-9. 



20 p.m. 



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ELI 
by Nelly Sachs 
Translated by Christopher Holme 



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i; VJOMAN: (Chanting) 



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From the laundry, the laundry I come, 
from v;ai.hing the garments of death, 






VI 



from v/ashing the shirt cf Eil, 






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washing out the blood, washing out the 

sweat, 
child-sweat - washing out death • 
To you, Samuel, will I bring it, 
to the Kuhgasse bring it at evening, 
where the bats flutter round in the air 
as I flutter the Bible pages 
looking for the Song of Lamentation, 
where it burns and smokes and the stones 

fall^ 
Your grandson^s Shirt will I bring you, 
the Shirt of Eli - 
It was your son, Samuel, on the moming 

when they fetched him, 
tore him from bed, firom sleep - 
as they had torn open the door 

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to the Shrine of Secrets in the Temple - 

forbid, forbid - 

thus they tore him from sleep. 

Rahli, hi8 wife, too, they tore from aleep 

drove her before them through the Kuhgasai>^ 

drove them both, 
the Kuhgasse - the widow Rosa sat 
at the corner, at the windov;, 
and told the story of how it happenedj 










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until they shut her mouth| 

with a thorn, because her husband was a g 



Eli in bis nightshirt ran after hia. 

his pipe in his hand, 

the pipe he had played in the fielda 

to lamb and calf - 

and you, grandfather Samuel, 

ran after your grandson* 

Andwhen Eli 'saw, 




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saw with the eyes of an eight-year-old 



how they drove his parents 



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through the Kuhgasse, the Kuhgasse, 

he put the pipe to his mouth and blew iti 



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And he did not blow it 



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as one who pipes to his cattle or in play, . 
Said the widow Rosa while she was yet äLive^ 
no, he threw back his head 
like the stag or the roebuck 
before it drinks at the spring. 
He pointed the pipe .to heaven, . 



he piped to God, did Eli, 




Said the widow Rosa while she was yDt alivd 



he piped to G#d, 

A soldier marching with the procession 



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looked round and saw Eli 

piping to high heaven, 

Struck him down with his rifle butt| 




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a young soldier he was, very young 8till| 
Said the widow Rosa# 
Samuel took up the corpse, 
grandfather Samuel, said Rosa, 



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sat dofvm upon a milestone, 
and was dumb - was dumb. 



V/as not Michael then at band 
to come to the rescue of Eli? 
^ Michael was in the house of prayer, 
in the burning house of prayer, 
he checke d the flames^ 
he saved Jossele, 
saved Dajan, 
saved Jacob, 
but Eli is dead. 
And the widow Rosa added too 
that Michael came a minute too late, 
a tiny minute, 

look, tiny as the eye of my needle 
with which I had just been s ewing up the 



torn seam 



of Eli^s Shirt, 



Why do you think he came too late, 

he, whom no enemy detained? 

He took one step into the side street, 

a Single step, 

there where the house of Miriam once stood, 

and then he turned round - 

and Eli was dead* 

Then said the widow Rosa:- 

But Michael has the unbroken Vision j 

not like ours which sees only fragments - 

he has the Balshem vision, 

from end to end he sees.»** 



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X muet ask Michael what he knowa • 
For he stitches sole to Uppers, 
he must know more than how to wander to 

the grave • 



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1 am a washerwoman, 

I»ve made the lye, iWe washed, I»ve rinsed, 







but today at the laundry, 

there where the seam was torn on Eli ^6 Shirt •• "^ 

there it toök hold of me - 
I must ask Michael the shoemaker. 



SCENE VflO }' 

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FROM A RUINED ALLEY CHILDREN 
COMB RUNMING ON TO THE MRKET 
PLACE 

2i OLDER GIRL: 




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The school teacher said 

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today was the day 

of Michaelas wedding years ago, 

the day they snatched Miriam, his bride, from 




him 



3; YOUNGER GIRL: 



4. OLDER GIRL: 



5. BOY: 
3EIZING HER 

6. OLDER GIRL: 
FREEING HERSELF 

PULLING A RAG OUT 
OF fkE RÜBBIJ 



before the blessing of the candles. 



What shall we play? 



■\'/e'll play wedding and candle -blessing 
and I'll be the bride. 



And 1*11 snatch you away» 



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No, I don't want that, 

I»ll find myself a baby to cradle. 



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6; OLDER GIRL (ContM) Here is linen, 



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7': BOY: 



Ö, OLDER BOY: 



and here 's a piece of vrood 
charred only at one end» 
Now I've got a baby, 
a baby with black hair, 
And now I'll cradle it. 

Once on a time there was a tale - 



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Cthe tale is rww-^ gay one, 

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the tale begins with singing 




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about a king of the Jews. 



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Ulm n -fil'i '—■ «^-~—- •.t^-.-^^.. ^^ ■^p^...^.,[.^|^.|^,^-. 



Once on a time there was a king - 
a king there was, he had a queen, 
the queen she had a vineyard - 
Lyulinka , my child • . . . . 



The vineyard had a tree, 
the tree it had a bough, 
the bough it had a little nest - 



Lyulinka, my child 



iV-fi^.. 



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Look, Jossele has found bones - 

«Vho makes himself a pipe of dead men's boMff 

will never pipe the cattle forth" - 

Jossele, fill the bücket at the fountain, 
run round the lime-heap there where they< 

building , 

building outside the gates the new town, 

no gates are there any more, 

no old town any more, 

no house of prayer any more, 

only earth enough for the holy ground; 




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8. OLDER BOY: ( ContM ) 
(TOHINSELF) 



This was a house here, this was a hearthi^ 
There's a saucepan still, burnt llack. 
Here^s a coloured ribbon, 
perhaps it was a cradle bow - 
perhaps it was an apron string - 

who knows? 

Here^s a skull-cap#, 

VJho v/ore it.? 

A young man or an old one or a boy? 

Did it guard the eighteen benedictions , 

the silent onesj 
f rom idle thoughts , .. . 
from wicked thoughts, 
or - who knows? 



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9. BOY: 



Don't cry, Jossele. 

Let US build the old house anew. 



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^,,,m^.^t»mm — ■ " ***~*'''**"~~nniTiirr r[n ^» i m. i jt. 



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If tears hang on the stonework, 



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if sighs hang on the woodwork, 



»,,VM«1»*'^« ""♦*^"' -^ '*^>*<»..-«wwwia— 1>— Wmp(li»n I n mt>im»mmmmK..»^m,Mi."H* 



if the little children can't sleep, 
death has a soft bed. 



10. OLDER GIRL: 



11. BOY: 



12; OLDER GIRL: 



It's late already, 
let 's go home, 

Give me your baby, 

I'll throw it on the rubble, 

there it can cryi 



No, let it be, 

Miriam its name is, 

and 1^11 go into the kitchen, 

and fetch a whisk, 






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that'll do for a head. 



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12. OLDER GIRL ( ContM) 
SINGING 



AS TMEY ALL GO OFF 
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-7- 



The nest it had a little bird, 

the bird it had a little wing, 

the wing it had a little f eather - 

Lyulinka my child... 



The King he had to die, 

the Queen she had to perish, 

the tree ha(Lto shatter, 



the bird fly from its nest 



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S CEME THREE 

HAI^IMFRING OF COBBLER'S HAMMER, 
THEN SILENGE 



13. MICHAEL: 



Little shoe, little shoe . 
You trod so lightly, Miriam, 
the grasses rose behind your feet, 
Here is the strap you tore, 

« 

as you hurried towards me, that time - 

quick is Icve, 

the sun as it rises 










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COBBLER'S HA^^MER 



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is slov/er far# 



Miriam - 

What constellation saw your death? 

Was it the moon, the sun, or the night? 

with Stars, or without? 



Big shoe, man^s shoe^ 
The shoes of Isidor, 
the pawnbroker^s shoes, 

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heavy shoes • 

A worm is stuck to the sole, 

a trodden worm. 






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13'. MICHAEL (Cont'd) 



COBBLER'S HAMMER 
SILENCE 



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The moon shines on, 

just as when it saw your death. 



Children's shoes, children's shoes, 



trodden over on the inside, 



lamb's wQol sticking to them - 



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Eli, - Eli, - 
(HE SOBS) 



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SCENE FOUR 



MUS IC t THE RENDINQ 
TGlNfES OF A PIPE 

14« MICHAEL: 



i^: 



Samuel, 

I pray you to he^p me find what I am seeking. 

I seek the band into which 

the corruption of this earth has entered, 

I seek Eli^s murderer» 

I seek the dust 

which since Cain has mingled 

with every murderer^s dust and waited, 

meanwhiie ha.s formed birds perhaps, 

and then murderers • 

Perhaps it formed the mandrakes 

for which Rachel gave up a night to Leah - 

Samuel, old grandfather Samuel, 

let me ask your dumbness, 

V/as he shorter than I and taller than you," 

the murderer? 

His hair, was it blond? 



His eyes, black, blue, grey? 

Oh Samuel (S0B3ING) 

How many millions of men has the earth? 

Murderers like Cain« 






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14 i MICHAEL (ContM) 



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KUSIC: 
SHEPHERDS» PIPES 



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-9- 



Crumbled mandrakes, 
nightingale dust^ 



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Look oh look, 

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the candle throws the shadow, 

and your dumbness speaks, 

speaks out of Eli^s flute • 

Very young still he is, 

very young his murderer, 

the nose i-s broad, 

its nostrils quiver v/ith blood lust, 

the eyes have the pupils of a wolf , 

the mouth is small as a child^s - 

Thus faces are compounded in dreams, 

water poured from the invisible - 

It is ßone, Samuel, dumb Samuel. 

But it burns in my eyes. 

Until I find him ^ 

it will get between me and everything 

on this earth, 

it will hang in the air. 

In the bror-d I eat 

this nightmare dust will be my food. 

In the apple I eat 

the murderer 's face will lurk. 

Dumb Samuel, grandfather Samuel, 

your Speech has already reached 

where all dust is at an end^ 

Beyond the 17ord this deed was compoundedt 

I go to seek the murderer.... 



UNREAL DEPARTING FOOTSTEPS 



PIPING IN THE DISTANCE 






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From England I have lavender for headaches 
and peppermint for a bad digestion. 
But this linen now from Russia - 



not now for the dead, no longer, 

not for the feet pointing toward the door, 

* 

no, for the lovely bride, for baby too - 



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16. A VJOMAN: (TO HER HUS3AND) 



17 • MN: 



Look, husband, 

what a holiday dress that^d make for me, 

just now with the New Year Coming in. 

V7e live in the Poor House, 

you have neither table nor chair, 

what do you want with such stuff? 



lö. WOMAN: 



Why look now, 

the little Sterntal woman 

has a better husband than I, 

he 's büught her the fine scarf already. 









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19. MAN: 


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20. V/OMAN: 


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21. r-ffiNDEL: 



22. MN: 



23. MENDEL: 



24-. MAN: 



FADE IJP OLD FAS HI ONE D 
KNIFE-GRINDER AT "^ORK 



-11- 



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IVhere you now stand it ran with blood - 



V7e are saved 



and ought to rejoice in our safety* 



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Bargain offer I Amazing opportunityl ... 
You, pedlr'.r, you're spoiling the women 



all over again* 



The love of finery 



orings our black mourning crape out in 

pleats and flounces* 



I have no wife, 

but if I had one, I^d vie with Solomon. 
He v/ho praises the virtuous wife 
praises- her attire as well^ 

Very v/ell, measure me a length of the stuff, 
so thnt she can rejoice in her safety* 



2 5. KNIFE-GRINDER: 



Scissors to grind, 

Knives to grind, 

Sickles for the nev/ crop - 



2 5A ANOTIIER VJOM/iN: 



I v;ish he^d be off 



and do his grinding away from here. 
The noise of knives grinding 
Is more than a body can stand. 



26. KNIFE-GRINDER: 



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Next time you eat 
you ^11 need a knife - 
Next time you harvest 
you^ll need a knife - 
^^hen next you dress 
two knives you^ll need. 



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GRINDING 
27. OTHER WOMAN: 



A lot it matters to you - ' 

or don't you feel it? - that your grinding 
carves ud the heart of the world. 



2Ö. KNIFE-GRINDER: 



29t OTKER VJOMAN: 



I hate nobody, 

v/ant to give no offence, 

I grind because it*s my trade - 

So it ^s his trade, 
as it^s mine to weep 
and another's to die^ 



30. A GIRL ( TO MENDEL ) Pedlar, I want to buy a hank of woollen 

yarn # 

( TO IffiR COMPANION) 

Rachel, let me lay the hank around your 

wrists, 

You h^ld them still while I wind 

and it^s like sayin^ goodbye. 

Me they held fast by the wrists 



UP DANCE MUSIC, ".T:TO 
FE ET ST A^ ^ED IN DANC E 
^YTHM AND HOLD UNDER 



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and took my mother av/ay - 

and the ge-odbye went from her to me - 

from me to her, ' 

ff 

tili it was at an end - 



31. SECOND GIRL: 



There^s a twitching under my foot. 
The pavement of our longing must be here 

at an end. 



crutches, there my lameness lies 



There, my 

There go all the journeys 

trodden by my lame feet^ 



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-12- 



32. THIRD GIRL: 



Alv;.?.ys, w'ien my feet got a nev; vround 

* 

a journey w?.s r.t an end 
like a clock that strikes. 



33 • GIRL; 



34 • HUI\'CH3ACK 



I v^anted to see my love once rnore 

but then they took away my eyes 

from that time on I counted midni^ht, 

Now I am but a tear removed from rny love^ 

and the last wound has opened in my foot - 

Don^t dance- so i:eavily 

knockin^ at the \7alls of sleep - 

it could flood you out 

all the youn^; hearts that are in it - 

there'll be love dust, - 

v;ho knovrs how that grain v/ill t:iste - 

who knov/s? 



DANCE :^^SIC OUT 



35. YOUNG r;omN: • 



Ilunchback, don^t stare at my child like thatl 
God preserve it from the evil eyel 



^ 36^ HUMCH3ACK: 



Forbid that I should secnrch it with my look, 
I only v;onder how you were able to bear it 
in these times - 



37. YOUNG iTOVu^N: 



In a hole in the earth I bore it, 

In a hole I suckled it - 

Death took its father, 

me he did not take, 

sav/ the milk in my breasts 

and did not take me. 



. 3Ö. HUNCHBACK: 



And did not take you - 






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39. YOUNG ',70II/IN; 



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40. HUNCHB/XK: 



DANCE mnjr. 
41. rOUNG TTOiMAN: 



42. HUNGHBACK: 



43. YOUNG I'70MN: 



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OUT DANCT MrwTr» 
44. HUNGHBACK: 



-13- 



Forsive me if l offended you. 

But God preserve me, 

I thought at first * 

you were a living piece 

of Israel 's misfortune. 

# 

You looked at my hump, 

thought it was the satchel 

in which the scapegoat carries the nation'e 



misfortune ♦ 



To me it 3een 



ems 



a hundred or more years have passed 
since I sat in my hole - • 
I can't bear the light any more 1 
I only blink « 

To me these seem not human beings, 
Mounds of earth I saw dancing / ' 
Night can preserve no names. 

The dancers throw long shadows. 
It's a late hour already in Israel. 

The evening sun blots out their bodies. 
V/hatever barks, whatever sings 
I've long forgotten - 



Yes, a late hour— 

and there comes Michael, the last. 



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-14- 



SCENE SIX 



MD OUT 




•45." MICHAEL: (AS 




FLUTE Al^T) nrr>r 



How many miUions of men h^, ^u 

. "^®^ "as the earth? 

Murderers like Cain, 

w=- bear de.th at the tip. Of ,,eir ten 



fingers? 



FLUTE AND nrrji 



In the bread.I eat 

this night.are dust will be .y rood; 

in the apple I eat 

the murderer's face will lurk - 

Here is the place 

v^here baker Isaac of the shuffi ■ 

"® shufflmg galt 

was Struck down because of = 

„. , ^® °^ ^ s'^Sar bretzel, 

H- Shop Sign was an iron bretzel 

on it the children's eyes 

had fastened with longing, 

and eaten their fili of it. 

One child feil dead, 

one who had eaten enough, for ever. 

Thought Isaac, 

I'll bake a sugar bretzel, 

then another and once again, 

so that thevm n^-t- 

^'^"^^--tthemselvestodeath 
with their e/es on ^u • 

®^es on the iron bretzel. 

One bretzel he bairpH 

'^ oaiced, no more. 

The iron bretzel glowed 

^3 in the baker 's oven fire, 

^ntil a man of war took it away 

and melted it dnwn r^ 

^ovm for another death. 



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45. MICH/:eL ( Cont'd ) 



-15- 



There, where you carried your children, 



mother - 



I belleve we were seven in number - 
^ there your body subsided on to the grave - 
your withered breaata hung over it in 



mourning 



My mother, 



your murderer held a mirror before you 

so that you might have a comic death - 

Mother, you looked at yourself 

until your jaw sagged on to your breast - 

but the great Angel- spread his wings over youl 



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Through the barbed wire of the tirnes 

he came hasting to you 

with torn wings - 

for iron and steol have rxo\-m ranoant, mother. 

buildin;^ primeval forösts in the air - 

murderers' brains have grovm rampant - 

creepers of premeditated anguish sprouting 



from them. 



Mirror, mirror, 



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echo from the forest of the dead - 



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victims and hangmen, 

victims and hangmen 

played with their breath upon you the 



dyi^S game. 



Mother, 



one day there Ul be a constellation called 

Mirror • 



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46.' A M'IN: 



-16- 



47. SECOND ^L"lN: 



4Ö» FIRST MAN: 



49. SECOND MAN: 



50. THIRD M/,N: 



51, MICHAEL: 



Is he still sayins kaddish into th 



e mirror 



all this time? 



Yes. He spealcs in prayers for the dead. 
Holy Balshem, 

last sheaf-carrier of Israelis stren^th 
weaker your people has beco.e and .elker, 

s sv/iinmer 

whom only death brings to land. 
They said: 

because of rny jerking Shoulders 
they hate me - 

They said: 

because of my perpetual smile 
they hate me - 

They said; 

because of this heap of stone 
which was once my house 
they hate me - 

I see, 

3-e the beginnins of your jorkins Shoulders, 

Simon, 
when „ith Abraham you dug the „eil of the 



^^Seven Oaths" 



in Beersheba - 
I see, 



I see the beginning of your smile, Aman, 
In Horeb planted in the seven eiders, 
to sprout agaln 

sprout in the wandering dust of the lip; 



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-17- 



51, MICHAEL ( Cont M ) Stones r.re stones - 



Earth of Paradise in them, but in r^reed 

destroyed* . 
But they do not knov/ the be^inning, 
not the eternal beginning - 
and that's why they hate us - 



52. BYSTANDER3: 



That^s v/hy they hate us - 



53. ^ÜCHAEL: 



But I teil you: 

Manv a one of you has had the potent faith, 

behind the curtain of night 

has forced dovm the great tr.'-nquillisers 

^»life and death^^ l» 

Not with v;eapons alone v;as the battle fought, 

I teil you: 

Battlefields there are, battief ields 



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hich the inventors of daylignt nurüer 



have never dreamed of • 

Many a prayer has hun^ v/ith flar.:ing v.dngs 

before the canon^s rnouth, 



many a prayer 

has burnt up the night like a sheet of paperl i| 

Sun, moon, cxid stars have bcen arrayed by 

Israelis prayer 
along the potent strings of faith - 
diarnonds and carbuncles 
about the dying throat of her people - 



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Ohl Ohl 



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54. A VCICE: 



Is this Michc.el? 



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55: SECOND VOICE: 



SCEME EIGHT 



56^ FIRST VOICE: 



57. SECOND VOICE: 



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5ß. OLD WOMAN: 



No, don't you see 

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hovr it flames in the dark corner - 
it's a Cherub of death and firel 



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The air is nev/, 
gone is the smell of burning, 
gone is the smell of blood, 
gone is the smell of smoke, 
the air is n&ri . 

In ray ear there^s a noise 

as if someone were pulling 

the barb from thev/ound - 

the barb that is stickins in the middle of 

the earth* 
Sorneone t?.kes the two halves of the earth 



apart 



like an apple - 



the two halves of today and yesterday - 

takes out the massot 

and joins the casing together again. 

Isn't he Coming yet, the Rabbi? 
Still not here yet, the Rabbi - 



GETS UP AMD GOES 

TO I^ET HIM. VJEEPING 



I baked a cake 
in the oven out there in the fields - 
the other vromen said, 
That 's a fine cake you've baked, 
your holiday cake, I said, 
It's for the Rabbi, the cake. 



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-19- 



56. OLD "!'70MA.N (ContM) I took three measures of flour, 






as Sarah did when she baked for the angelS|^> 




the angels 

who came to Abraham at evening - 






59. RABBI: 



There^s nothing in the scripture about their 

Coming at evening - 



60 • OLD TOM/VN: 



Al^^ays the angels come at evening ♦ 
And the water at the spring 
has a mouth that speaks» 



61 • R.\BBI: 



VJhy are you crying, grandma? 



62. OLD WOMAN: 



Have I not a right to cry? 
The rats have eaten the cake, 

the cake for the Rabbi . 



63. R/^BBI: 



Nev7 flour will be given you 

and we^ll eat the cake together - 



64. OLD ^''OMN: 



Can^t bake any more, 
can't eat any more, 



^•1:EPING MORE VIOLENTLY 



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cm only weepi 



65 . RArBI: 



Do you live in the house with the old peoplei 

grandma? 



66; OLD WOM/iN: 



I live in the third cellar 
on the market place ♦ 



67. RABBI: 



VJhy don^t you live with the old people? 



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6Ö. 0LD>70I'^AN: 



-20- 



Because I must live 
there where I .live - 
Yehudi v/as born there, 
Natel v/as born there, 
Taubel was born there - 



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DANCE 



their cry is still in the place, 
and Taubel ^s dance is in the place - 
Michael gave me a pair of sh^es 
because the grave-earth had entered into 

the cid ones, 
Yehudi 's earth, 
Taubel 's earth, 
Natel 's earth. 

They're shoes from Rabbi Sassow, 
they're Zaddick shoes, 
holy shoes, holy dancing shoes. 
Taubel 's dancing is in them. 



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SCENE NINE 



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69. TROOP OF YCUNG Ml'.SONS 

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(SINGING) 



70. FIRST I1/.S0N: 




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l'Je build, we build 

the new town, the nev/ tov/n, 

the new townt 

We bake, vre bake 

the bricks of the new townl 



Moses baked bricks, 

David baked bricks , 

Now we bake bricks jj 

we the survivorsl 

His thornbush in the desert 

are we, we, v;et 



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71 • ALL: (S INGING) 



We bake, we bake, 

to build the new house.^. 

^^e build, v/e build,«* 

the neav tovm, the new tovm,* 

the new to\>ml 

V7e bake , we bake 

the bricks of the new townl 







72. JÜCH3L: 



I fear you don'ttrench deep enough, 

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those foundations will only bear the easy- 

going • 
The nevr Pentateuch, I teil you, the nev; 

Pentateuch 
is written in mildew, the mildew of fear 
on the v/alls of the death cellars • 
I savr one v;ho gnavred his own flesh 
filling himself out to one side like the moon 
and thinning dovm towards the other v/orld* 
I saw a child smile 

before it was throv/n on to the flames - 
Where is that now? 
My God, where is that now? 



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SCENE TEN 



F)LUTE 

73* MCHAEL ( AS KE WANDERS) 

So this was a country road - 

look there, trees laid flat 

in the sand like our dead 

with dislocated limbs, 

fields of ashes. 

He v/ho sits in the dark 

li.a:hts himself a dream - 



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73. raCH.'^JlL ( Cont'd) 






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74. OLD KNIFE-GRIIvIDER: 



He v/ho loses his bride 
embraces the air - 

he whose gsw-ment was touched by death 

so that it cried out 

has thoushts eating at hlm like v/orms - 

Once I saw a dowser, 

his wand jumped up 
whenever a spring was found. 
So I seek everyv/here 
the murderer who murdered Eli, 
So I seek everywhere 
^ the s pring of hate 
which was given Israel to drink. 
But even though I knew better than I do, 
you from another tribe 
how could I explain it to you? 

Brother, why do you speak such words? 
V !7hen we lay in the hay-loft, 

in the Pole Yarislav's hay-loft 

thenwe were both one, 

Eyes only, to espy the enemy, 

Ears only, to listen for creaking s teps - 

hair on the head 

to rise to heaven in damp t error - 

there ca.7ie to us one sleep 

one hunger, one awakening - 

came the yellovr-eyedl owl 

who collects twigs 

when she smells death - 

looked into the loft window, 

cried out like a hangman's daughter, 

if he had had one. 

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75. MICH.'JIL: 



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I'iTho are you, grandpa? 






76. KNIF3E-GRIKDER : 



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I am not nor em I grandpa I 



You are not yet you speakl 
Are you tlie knlfe-grinder? 



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7Ö. KNIFE-GRINDER: 



Yes. 



79. rCCCIi/JlL: 



So you knov; the truth, Uhere do you come 

from? 



ÖO. KNIFE-GRIMDER: 



VThy do you answer as in a question-game? 



ßl. MICI-L'JEL: 



For the reason that there's fire in the 

stone, 

and therefore life, 

and in the knife death - 

Therefore day af ter day you 2^i^<^ life v/ith 



death. 



?/here do you come from? 



02. KNIKE- GRINDE ^t: 



Alive out of death» 

« 

From there v/here the murderers sowed my 

."people in the earth, 
may its seed bp füll of starsi 
But I v/as only half so\>m, 
lying already in the grave, 
knew already hov; the v/armth leaves the fleeh 
how iiiotion leaves the bones - 
heard already the langua;^e of the bones, 

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when corruption sets in - ' 



language of the blood when it congeals - 
language of the dust 
striving anew after love - 



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Ö3. MICH/^L: 



3ut hov; v/ere you sr.ved? 



C4. KNIFE-GRINDER 



We had fled, 

Amschel, brov/n Yehudi, and I. 

Three nations were taken captive 

three languages taken captive, 

hands taken captive 

to be made to dig their ov/n graves , 

to grasp their ov/n death, 

Bodies were slaughtered 

and the remains poured out on the ground 

Hovf niany thousands of millions of miles 

of anguish from - Ah - H! 



05. MICH/*ELt 



But you, you? 



Ö"6. KNIKE-GRINDER^ 



The soldier 



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ho f illed in the earth over us 



and buried us - . . 

blessings be on him - 

he saw by the lantern light, 

for it v/as night, 

that they had not slaughtered me enough 

and that my eyes were opening - 

and he fetched me out 



and hid me - 



07 • MCHAEL: 



Hid you? 



ÖS, KNIFE-GRINDER: 



The soldier that moming - 

so he told me later - 

had had a letter from his mother* 

Blessinr^s be on her. 



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09. KHIFE-GRINDER: (Cont'd) 



For that reason he was not intoxicated like 

the rest 
and sr.v/ the blinking of my eyes* 
The mother \vrote: 
^^Really I mer.nt to put this letter vrlth the 



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the home-knitted ones* 



Sut my longin^^ ;^?Me me no peace - " 

blewssin;;s be on itl ' 

"and I ai:: v.^riting today 

vdthout waiting tili theyare finished 

But your suit , th6 blue one, 

has been brushed and hung out to air 

because of the :noth-pov;der. 

So it v/on^t sniell of it 

when you co;.ie." 






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3ut it didn^t happen 

that she v:as able to post the letter at once, 

for she feil ill during the night. 

And a neighbour cai^ae - 

blessings be on herl r 

asked how she w^wS - 

but rer.lly all she v;anted v/as an onion « 

a sniall one to cook with her potatoes, 

for her ovm v/ere finished. 

Ah that she ate potatoes 

and not turnips - 

* 

Blessed be all onions - 

and she vras given an onion 

and took the let'cer to the post 

and the soldier got it on that morning 



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Ö9: XNIFE-GRINTDER: (Cont'd) 



90. rTICH'JIL: 



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91. KNIKE-GRINDER: 



HE 'TAHDERS ON 



I»m soins to the Rabbi in the grave-tovm. 

My body v/ill hold out no longer, 

Sand has touched the sand - 

Yet now it is the one death I 'die, 

the other, which resides in a hangman^s 

band muscles 
like a skeleton key in the burglar^s fiöt, 
that I don't need any more, 
I have the right keyl 






and did not get intoxicated like the others - /* 

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and sav/ the blinking of my eyes - 

Hov; meiny onion skins canie together there 

to save youl 

And what more v.dll sprout 

from your onion luck? 



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SCEJJE ELEVEN 



92. LEI^DEL: 



93. A M.1N: 



I am pleased, I bx,i pleasedl 



What plerses you, Pedlar? 



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94. r^ENDEL: 



I am ple?sed 

that I gave riichr.el a pair of laces 

for his wandering shoes, 

If he reaches Paradise 

he '11 have my laces on his feet, 

The de^.th-shirt of Eli too was of my linen - 

He v/ears it now - it is next his body. 



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97. MICHAEL: (Cont'd) 



9ö. VOICE OF THE 

FINGERS : 



99. A FINGER: 






GURGLING mrsjv/ 

100. VOICE OF THE FIRST 

KILLER: 



EFFECTS 



101. mCH'.EL: 



102. VOICE OF THE SECOND 

KILLER: 



-2Ö- 

"The Gloved fingers will stroke you" 

" as you s ew it up" . 

The finsers v/hich grow here 

are fingers of men's hands 

wen 's finsers... 



! 



she Said 



^•/e are the fingers of the killers. 

Each one has caused a premeditated death 

like a false moonstone. 

My finger's specialty was strangling 
the compression of the windpipe 
with a slight tum to the right. 



Your knees, Michael, " . / 
your v/rists - 

* 

do you hear, of glass - 
everything is fragile on earth - 

« 

a good man 's not afraid of dust - 
and here 's a wineglassful of blood. 

« 

Great death, great death, come - 



That's out of fashion, the great death. 
Here are the small prettv deaths - 



your neck - 



Just there v^here the hair gets downy - 



103. VOICE OF THE THIRD 

KILLER: 



In the name of Science - 

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this injection - 

whoever volunteers turns light-coloured 
like rotten v/ood - 






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-29- • 
104 • A LONG BONY FINGER: Don^t be afraid. 



I want neither to bid goodnight to your 

windpipe 
nor be rough'. to your JointSt 
I'm only the profesaorial finger 
of the new v/isdonit 

I want a little conversation with your grey 

raatter - 



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105. BUCHAEL 



Av;ay - away - away fVom me^ 



106. VOICE OF THE 

PROFESSORIAL FINGER: 



Job is grown weakjj 

tired or^r^n-grinder of a once-fresh tune. 

The seas have been drawn out into horse- 

power on one hand» 
and into tap-v;ater on the other« 
Their ebb and flow are in the hands of a 

moon-man» 
Michael the shoe-nia.ker 
sews sole and Uppers together 
with his waste-product thread - 
Shoemaker sainti Shoemaker sainti 



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107. VOICE: 



Chimneys were the last things to touch Israel^ 

sorrow» 
Jeremiah^s body in smoke, 
Job 's body in smoke 
the Lamentations in smoke ^ 
whimpering of little children in smoke, 
mothers ' cradle songs in smoke, 
Israelis way of freedom in smoke - 



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-30- 



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lOÖ^ ANOTHER VOICil: 



I was the chimiiey-sweep - 
My li^ht turned black - 



109 • A TREE 



I ara a tree. 



FALL OF TREE 



I ocn no lon^7;er stand straight, 

It hung on me and swung 

as though all the world^s v;inds hung and 

svmng on me. 
Blood pressed on to my roots - 
all the birds v/hich nested in my crov/n 
had bloody nests. 
Every evening I bleed afresh - 
my roots clirnb from their grave 



Michaeli Michaeli 



110^ MICK.'-JSL 



OhI Chi Is that star lost? 



»i '< i i it i l i m miiamtmmni^mttiim'^Kmtmt, 



111, ECHO: 



Lostl 



112. MICK.'J:L; 



OhI OhI 



SCEME THIRTEEN 



113, CREATURE: 



Michaeli 



114. I-ICHAEL: 



'7ho are you? 
Hirsch the tailor 



in his lifetirae looked like that. 

You have perishable Company with you - 



115 • CREATURE: 



Hirsch am I, the tailor, and my neighbour 

there 
V7as someone^s v/ife, perhaps my own - 
I don^t knov: - for although 
there by the chimney 



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-31- 



115. CREATURE: (ContM) I was accounted for dead, 



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I s^* 



once over the frontier it is hard to find 

ahything a^ain. 
One minute past midnight 
everythins looks the saxne -. 
But hov/ever that may be, 
if I'd listened to my blessed vdfe 
I'd be sittins with the living in America, 
among whom I have a brother - 
not here a:-nong my like, 
Look, she said, 
vrhen it all began, 
You're a stag, Hirsch, a stag, 
SO you must scent it Coming 
o.r hasn^t the Jevdsh oeoüle 
a nose for what's in störe? - 
the knives are stirrin^ in the drawer, 
the scissors of the great tailor are grating, 
and the fire in the stove is forming grisly 

faces 
as in the v:itch of Endor's cave - 
But above all, I feel glances, 
glances squinting like the cat's - 
Michael, Michael - 



Uif: 



you they have not touched, 



you they have spared, 



■**«•»-»*»« 



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^fi^H■Jr• 



and you stood up to them everywhere^ 

■"•■*"^""'"* "'" " " "■"■"■■*'•*■■*«*-■•■■'"""" '"^ .- • .^^ • 

so to speaJ^ to v/indward, 

as my one-time customer the gojnekeeper would 

have Said, 
like a game animal 

4 

which has lost its scent - 



^ 



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'•^v:^^;^': ... 



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-32- 



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SHCUTING 



116. TI-E CHirtJEY: 



117. VOICE: 



es 



115, CKSATURE (CONT'D^ hnt >-.^ i-i 

■■' ^ ■' °^^ ''le they broußht to bay 

because of rny protruding cheekbon 
^^^ also because of ^ly ler-s, 

Dep.th, you have Wo sickle-blades, 
they Said, 

it^s quicker that way. 

Unless you send your people up in smoke, 

unless you burn your flesh and blood 

we'll unscrew your pelvis- .•■ ' . 

and renove your tv/o sickle-blades. 

And then you '11 have better feeding 

than all of us to^ether. 

Smoke weishs :.ore heavily in the stomach than 

bread. 
And I ate smoke, 

« 

and I stoked HTM into the fire. 

And I ran into the v/ood 

and there stood raspberry canes, 

and I ate raspberries 

after I had stoked HIM into the 

and I cou-Ld not die, 

because I am Death, 

there - the ChimneyJ 

I am the Camp Commandant. 

March, march 

go the thoughts from my headi 




fire, 





Hear Israel. 






HE our God, 




«Hfl 


KE the ONE - 





Come gathering, 
a time is there 



gathering, 



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Michael, 



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-33- 
/ 117* A VOICE : ( ContM ) a tiiTie v/hich had run out - 

gather it up - 



SCENE FOüRTEEN 



gather it up - 



WIRSAL ACCUS TIC, 
SCKG OF BIRDS AND 
CRICiCETS 

IIÖ, MICH/J2L: 



He who goes gathering death-moments 

needs not a baslcet, but a heart to fill - 

The f Inders last pointed in this direction, 

iTiurderers betray the iViUrderer in the end* 

I seek the murderer who murdered Eli» 

Hov/ peaceful is this spoto 

The crickets sing, 

the jay is called by its mate. 

The cov; has the prineval face 

of a creature just stroked by its Creator^ s 

hand . 
As everyv/here, the farmer is tastin^ out 

the secret of the wheat-graint 
A ^ood day to you, f armer, 
would there be a shoemaker^s in this 

neic!:hbourhood? 



119. FARIIER: 



You corne from over there, across the 



frontier? 



You've a death-brow - 



119A MICH/J:L: 



How do you see that? 



120. far^^i:r: 



^\^hen a nian has soiTiething shinins between the 



biö: as a snowflake - • 



eyes 



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121. mCE\EL: 



122. FART^ER: 



-3i.- 



Kay be 



thcit the death of ;;iy r-eople shines in .r.e. 
A Pole are you or even - a Jev;? 



123. i^SCHAEL: 



On this ecrth I a.-n both. 



124. FARI.^R: 



FLUTE 



That is nuchl 

There beyond the bis rne.-^.dov; 
is the v.^ay to the villa^e. 
Next door to the inn -arden 



is the shoeniaker 's s 



nop 



12 5. CHILDREN: 



If IM a pipe like that , 
I'd be pipinc ciay ai-d night - 
I'd be piping in ny sleep - 
The calves, the sheep, the foals 
v;ould all cor.-ie runnin-'. 



126. rnCH.'JüL: 



127. 3YSTAOTERS; 



T-h t 



t's fron a dead child 



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u. oniS -DlOtj - 



From a dead child? 



TOT* ■»/-T^IT/. -TIT 



129, 3yS TANDERS: 



130. mcVAEL: 



131. 3YSTA::DERS: 



132. MCHAEL: 



133. 3Y,STANDERS: 

134. MICHAEL: 



pipi^:g 



From a boy 

who was inurdered - 



/" 



l'i^ho was murdered - 

As his parents were beinj; driven to their death 
he ran after in his shirt - 

After in his shirt - 

On this pipe he piped to God for help - 
To God for help - 

« 

Then a soldier Struck him dov/n - 






SCS?IE FIFTEEN 
135. A r^I/.N: ( IDENTIC/L 'HTH 



-35-- 



THS r^RDSRER) 



136. CHILD: 



There hands the bee svmrn. 

Hark to the rnusic it i^akes. 

There ^s honey, 

never i?ias the lime-tree flov;ered so v/ell, 

what luck 

that it was spared by men's wars. 

How nice it smells here, fathcr^ ohi 
And then the hcmey on our breo.d, oh^ 



137. M0TH2R: ( FROM THE 
HCUSE) 



1^11 just pick the lettuce 

and chop the chervil for the soup, 

dinner will soon be ready. 

Why don't ycu ßet out your b./,-erfly net, 

child? 
Look at all -cr.ose moths on the v nie - 



FLUTE OFF 



13Ö. CHILD: 



Vfnat sc and v/as th-t? Like soü^eone crylng? 



139* 30Y: 



Yes, it v/as Isidor the tradesr.ir.n^s voice 
as v/e drove him out of the vill^f.e. 
Oy, he Said, oy, 
ajid there he lay in the ditch. 



140. SECOND BOY: 



And reached out for his cap, 

look, like this, with his h^nd tv.rne/ 

inwr.rds, 
jus-c as he used to do when \:b±r\\\g ' ings - 
and Hans called out, 



"Has the evening sun cau^ht you. ?lP 



9^.' 



and r.ave him another to remember s ^y 



SCENE SIXTEEN 



SHOSrVJCEl'S SHOP IM 
FROMTIER VILLAGE. 
HAf^''I2RING ON LE.'.TKER 



141. SHOEM\KER: 



142. MCHAEL: 



t ^ t t 



- f U 



^36- 



Michael you are and nov; my journeyinan. 

A Jew, saved, and now lodged vdth rne. 

True, great wrong was done you, 

but perhaps you are for us 

like sr.oes of .f crmer ti:;.es, of ".ori^; ago. 

They fitted nobody, 

good leather, but unsuited - 

no use for our climate. 

For the desert perhaps, 

for "Che Iloiy Land perhaps, 

for those market s perhaps 

where the Isidors hawk their • : -^ 



Q 



ifferently fro.r. :/•.. 



But of course ac i^hings v/ent. vri^r. y. . then - 

no, th^.t v/e didn^t v;ant - 

not like trat - ..ot like th:.\ - 



Since Abraham wander ed forth frc.v. Jr 

we have spent our efforts 

to build our house tov/ard HII^! 

as others build facing the sun. 

True, many turned thernselves in ::he opposite 



direction - 



old shepherds let the star-cl 



VwV 



:: s szr,..\e 



unhe • s . Ci 



and slept like Isidor and the pawnbrckar with 

crooked f in^ers • 

But there was a boy - ELI • « . • • 

( ^-•V.rxs OF? IN HORROR ) 



t«^ 




142; MICHAEL (ConVd) 



sm;>ll girt: ^ 

143. MN: 



144. SKOEI-iAKER: 



145. MICH/j:L: 



146. K'J^: 



147. CHILD: 



14$. MAN: 



149. CKILD: (CRYING) 



150. JL'.N: 



151. mCH/^L: ( ALOLT) 



152: CHILD: 



-37- 

Who's that Coming there? 
■/ho 's -chfit? 



Are ny ahoes ready? 

% journeyr..an's just working at thera. 

This sole can't be patched, 
it's tom up the middle. 

Make nie a new sole then. 



Father, th±s is the man who haa 
There it is on the flower-pot. 
let me play itl 



•ne 



pipe 



You don't play strancers' 



pipes , 



Ti-.^. 



-i-ht; pirje _ 



She 's crying 



because she v/ants her mother. 
She always wants so:nething. 
One day it's the blackbird 



rr 



vmich used to come for scraps 
and then disappeared 
another it's the cid sheepdo 
which ran across the rails 
and was run over - 

Sverything begins with wanting. 

Even the earth there in the flov/erpot 

and the hides r.here 

from which the shoes are cut. 

The pipe - 



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-3Ö- 



153. M/.N: 



ii 



154; CHILD: 



155. m.K: 



LITTIE GIRT, .q nnc, 



IMl buy you a pipe. 

!'7hen you 've got it 

all the children vall follow you 

and ßive you their toys. 

No, this pipe,' 

then the cowstll come and the little calves. 

No: Come on now. (VTOIJNTLY) Co.-^ael 



/■ 



156. 



MICHAEL: ( SPEAKIN G TG 
HBj SELF AS I N Ä " 

DREy\?f ; — ' 



/^' 



The nose broad, 

its nostrils quiverins with bloodlust, 

the eyes with the pupils of a wolf , 

the :7iouth as small as a child's. 

Ilurderers like Cair»: 

with death spitted on their ten fin-ers. 



SCENESEVE I\TEE N 



157. MOTHER: (Simm Sleep ccmee like . wayfare 

* 

says, Sleep, Sleep, Sleep. 

All the trees 30 Walking 
all the trees go Walking 
lift up their root-feet 



I5ÖI CHILD: 



when I 



pipe 



159. MAN: 



Oh, 0hl The pipe 's put a spell on her, 
the pipe 's given her fever. 
Oh, ohj 



I60. MOTHER: 



Ssh - she's asle 



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161, WJN: 



162. MOTHER 



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-39- 



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Oh, teeth a/-eryv;here, 

do you hear hov: it rattles? 

The black horse is climbing 

and showing its teeth* 

The calves drink \^dth their teeth 

and fleck the udders with blood 

the rye-stalks bitten off - teeth v/ithout 



rats - 



do you hear it, v/ife, 
here in the roö.Ti, 
there, there, 
toeth and not bricks - 



^7ife, the bricklayer must be hanged. 

m 

Be quiet nov/, 

the child^s acleeo, 

the fever 's very high. 



163. MAN: 



Now it's r-.ttlin^, 

the whole house rattles - 



164. CHILD: ( IN A FEVERISH 

DR2/31 ) ~ 



All the trees ^o v;alking 

all the trees go Walking 

lift UD their root-feet and v;alk 

when I Dioe - 



i. iT 



16 5 i M/"iN: 



All the shades ,^o Walking , 



corne, dear hearse-cloth, 

Cover up the vrhite moon-tooth for ne, 

« 

'•/asn't it a milk-tooth 



KNOCKING AT TI-IE DCCR 



wnich dropped fron his mouth with the pipe? 
■•Jife, wife, 



the milk has teeth, 
teeth. 



V^Jfcj 



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166. Ki/.N: (C ALLING) 



-40- 
VJho's knockins;? IVho's there? 






167. VOICE: 



They say 

you once killed a holy child? 



16Ö* MAN 



Stuff and nonsense I 
All children are holy. 



169 VOICE: 



They sry you killed a holy child» 



170; JIAN: 



All children are holy» 



171* VCICE: 



Yoi^r child - is ill - very ill 



172 • I^IAN: ( LAUGIIS 

SCORNFUI,LY) 



Aha, the doctor it is you are - 
There ^s a snell of it in the air, 
Camo airl 
S ort er of hur.ir.n fleshl 



173. MOTIiER: ( 3MRISKS ) The child is der.dl 



KGTf'SH CRIES TP 

HSRSSLF. ^^':^; rums 
OUT CF TIS Rco::. 
sla:s ?h5 door . . 

DISSOlJ/vFT CHORD, 



SCE^S EIGHTSEM 



Our child is deadj 



174, M.\N: 



If he hadn't tlirown his head back 



I shouldn't have Struck him dovm, 



1^ »I ^ 



n ^ tn ii^f^aw* 



the lailk-tooth v/ouldn^t have fallen out v/ith 

the pipe, 
But that was contrary to Order, 
to t hrow the head back, 
that had to be corrected. 
And v;hore did he pipe to? 

___i.^— ^w>— >— www— ■ I n I I I I IUI m'tm« 

A si^^cil throu^h the air, 
free of all control - 



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■ A.. ...... A.<ri- *v7r.. a>..- 



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174. MAN: (ContM) 



Help, shoeniaker, 
^ the milk-tooth is gf oWing out of the earth, 
beginning to gnaw at me , 
right through my shoe - 
my feet are crumbling, 
becoming eartlTT-TsHRliKING) 
. vJhere's the Order in all this 



( 3/;.'fLING) 



•-^'""'^"'"'^ ^ — T7,^A0-r T^Tnrld Order? 

TJhat's become of Orde r, •.orxu 

I Gm alive, 

I aTi not dead, .•" 

not hung 

not burned 

not throv;n living into the earth 

it's a mistake, a mistake, . 

it's crurr.bled, crumbled away - 

Um a stump 

sitting on the sand 

that a mor.ent ago was my flesh - 



17.5. 



;.EL: ( S5EIKG 
A VISION 



176. M^^N: 



177. mich;:el: 



The air opens out in circles . 
The enbryo grows in the v;omb, 
On its brov; glov.s the primal light 
Child vdth the light of God, 
read in the hands of the murderer 

My hands, my hands - 

don»t leave me, o my hands - 

i;iy hands are crumbling - 

On the horizon a wound is opening 
bleeding mouth of Samuel 
open you dumb mouth l 



; 4 



17Ö, S/;MUEL: 



ELI l 



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179. mich;j:l: 



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6.2.63 



-42- 



The womb dissolves in siiioke 

the prirnal light floafs at my brow - 

I see far - 

the crumbling one 

his eyes becone holes - 

the light seeks out other mirrors 

I see through the holes 

into your skull 

which frames that'world 

which you as at a command have packed inside 

it, 
as in a soldier's knapsack - 
there it lies - tv/itching, 
an insect-star v;ith wings torn off - 

# 

Under my feet it jumps up. 
From my hands it plunges down. 
My heart pours soiiiething out - 

footprints of Israel, 
gather yourselves togetherl 
Last earthly moments of Israel 
gather yourselves togetherl ' ' 
Last moments of suffering, ' . ' 
gather yourselves cogetherl 



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Kl'ITl^riLKS WORT 



LITERATUR 



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NACHDRUCK VERBOTEN ! 

TITEL; Von Büchern und Schrif t- 

stellern 



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AUTOR ; Paul Schallück 
REDAKTION; Luther 
COPYRIGHT; Autor 



(Unkorri£iert ! ) 



LÄNGE : 



SENDUNG II; 



\ 



18 Minuten 



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\/w^ C^-- A~ CV ^-A^'^ Aj'-^S^XA^ 



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3 



# 



In Stockholm, in einem fünfstöckigen Mietshaus, le"bt 

I 

eins Prau, Sie ist siebzig Jahre alt. Sie schreibt Ge- 

i ' • ■ 

dichte und Mysterienspiele und überträgt gegenwärtige 

schwedische Lyrik ins Deutsche, Von den Gedichten die- 
ser einsamen Prau hat Karl Pinthus, der IIerausg.eb)er 



der "Menschheitsdämmerung", gesagt, sie sem "der vor- 



läufig und wahrscheinlich letzte Ausklang deutscher 



Sprache in jener dreitausend jährigeh Ahnenreihe, die . 

mit den Psalmisten und Propheten begann," Die sieb- 

I , "^ • ■ 

zigjährige Prau im fünf stö.ckigen Mietshaus zu Stock- .. 

I 
hoim heißt NELI.Y SACHS. Vor wenigen Jahren war ihr 

Name noch fast unbekannt. Heute widmet man ihr Ge- ■ 

I ■■ . ■ • . •. 

dichte und Prosastücke; heute nennt man sie "eine gei- 



stige Schwester Franz Kc.fkas"; heute fällt ihr Name, 
weijm von den groi en Dichtern unseres Jahrhunderts die 

Rede istt 

I . ■ • 

Wer ist Kelly Sachs? Die Biographen vissen nür^enig 



über ihr Leben zu berichten^ Sie bissen, daß Nelly 

I 
Sachs 1891 in Berlin, in einem wohlhabenden jüdischen 

Hause geboren vurde, daß sie sich zwischen 1933 und 

194o mit ihrer kranken Mutter in Berlin verbergen 



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konnte, daß der Ehemann, di.o Kinder, Pr-eunde unä_ Be-_: 

kannte ermordet wurden, daß sie sich mit Hilfe der 

.■ - ■ ., i --<y ■ .■ ■*; '■ •' ■ ■■■ 

griisen Selma Lagerlöf und eines Mitglieds des 



schvjedischen Königshauses nach Schweden hat retten 



; / 



können und dort ankam, als Selma Lagerlöf gestorben 
wai, daß sie seitdem in Stockholm lebt, deutschen 






• «w •■ 



Boden nicht wieder betreten hat und Gedichte schreibt. 

Dal ist nicht viel. Dennoch: die kargen Lebensdaten der 

Neily Sachs haben das Schicksal- des Judentums 

I .'.■*. • 
schw igend in sich aufgenommen. In den Gedichten der 

Nelly Sachs ist die Tragödie des Judentums als Echo 

wiedererstanden, ist sie Wort und Stimme geworden, 

« 

Die Gedichte dieser Prau sprechen mit der Stimme der 

I . _. 

Propheten, "i^ein Leben ist so in Schmerz zerrissen", 

hat sie 1946 bekannt, "daß ich jedesmal ins Feuer 

« 

tauche, um mir die Worte zu holen. Mich überfällt das 

I . ■ 

Zagen, dann kommen die Nächte, uhd ich wage es." 

Kelly Sachs hat es gewagt, in den Wohnungen des Todes 
dem Peuer der Erinnerungen Worte zu entreißen, Verse, 
Gedichte, Beschwörungen, gesprochen mit dem Mimde 

I 

! 

eines Heutigen und von alttestamentarischer Gewalt. ' 

Ihre früheren '^erke, nur zu einem kleinen Teil in 
Zeitschriften und Anthologien der Zwanziger Jahre er- 
schienen, sind verschollen. Ihr allererstes Buch, 
lange vor dem zweiten Weltkrieg veröffentlicht, war 
eine Sammlung von Legenden. Im Jahre 1946 dann gab 

der Aufbau-Verlag in Berlin den ersten Gedichtband 

j 
heraus, "In den Wohnungen des Todes", Gedichte, ih 

denen das Schwei,,en der Tot- n aus deutschen 
Konzentrationslagern Sprache wurde, 1946 gab es die 



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Mtab. 



- 3 ~ 
[^ "DDR" noch nicht; 1946 konnte man auch im heute ver- 

:.- f insterten Teil unseres Landes noch, lesen: "Ihr Zuschau- 

i • ■ ■ . ■ ' ■ . .. 

"^ enden/ Unter deren Blicken getötet \]nräe,/ \}±q man 

..-auch einen Blick im Rücken fühlt,/ So fühlt ihr an 

- • I 

-" euerm Leibe/ Die Blicke der Toten,/ v^ieviel Erinnerung 



wächst in Blute/Der Abendsonne?" Heute v/erden die Ge- 
dichte der Nelly Sachs in keinem ostdeutschen' Verlag. 



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mehr ediert. 1949 gab der Berman-Pischer Verlag die 



. _ "SternveiSunkelung" heraus; der Hamburger Verleger 

i ■ ^ 

Heinrich Ell ermann druckte 1957 den Band "Und niemand 

. v^eiß i^eiter"; und in der Deutschen Verlagsanstalt 

I 

erscxhi^n 1959 "Flucht und Ven^andlunß" • Alle diese 
Gedichtbandchen hat nun der Suhrkatap Verla g i n Frank- 

» * * . 

fürt am x^lain, ergänzt durch bisher noch nicht ver- 
öffentlichte Gedichte, gesa..nielt unter dem Titel 



FAHRT vINS STAUBLOSE herausgebracht, eine durchdachte, 
geschmac^kvoll aufgemachte und gedruckte Publikation 

von 386 Seiten* 

i ^ 

Aus den "Wohnungen des Todes" hinaus hat Nelly Sachs 

i • ■ 

zu uns gesprochen, hat sie sprechend Anker gev/orfen: 
das V/ort, die Zeile, das Gedicht. Und es ist v/ahr- 



scheinlich, daß Wort, ^eile und Gedicht ihr selbst 
zu Rettungsankern vurden, daß die Beschwörungen des 
unermeßlichen Sterbens und die "Grabinschriften^ 
in die 3^ft geschrieben, gev/idmet den toten Brüdern und 
Schv/bstern" , daß die Gedichte aus den Wohnungen des 
Todes Dokumente einer Lebensrettung bedeuten; Denn dn- 



Wort 



und nur das Wort ist die einsame Insel ihres 



^ 



Aufenthaltes, auf der sie nach den Schrecknissen neu 



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- 4 - 
zu leten versucht. Tod \md Stern, Sand und Ewigkeit, 



Pinger und Schuh, Sehnsucht und Geheicinis - das sind 

I 
wiederkehrende Zeichen in den Gedichten der Nelly 

I 

• ! ■ ■■ 

Sachs ♦ Nackt steht der Tod in den Wohnimgen des Todes, 
kein' poetisches Bild läßt sich finden, seine Nacktheit 



zu bekleiden. Der Stern aber, das Bild der Sehnsucht, 

! . 

der Ferne, des Heicnwehs und eines nicht mehr irdischen 



T 



Trostes steht über den Wohnungen des Todes* Zu diesem 
Stern ist sie unterwegs, noch immer auf der '/ander- 

\ 

...Schaft, auf der Flucht, hineingeordnet in das Leid 

""• t-^ - ^. . . 

und in den Chor der '^ändernden: "Unsere V7ege ziehen 

\7ir als Gepäck hinter uns her / mit einem Fetzen des 

I 

Landes darin ^^/ir Rast hielten / sind ^ir bekleidet," 

i 

Der Stern über der Flucht. . . 

• I 

Aber der Stern kann sich verdunkeln. Dann ist es 

.••I 

Nacht, und es ist noch immer Nacht in den gl> henden 
Gedichten, die Nelly Sachs 1949 unter dem Titel 
"Sternverdunkelung" herausgebracht hat. Niemals v^ird 
sich die Nacht ganz erhellen für den, dem das Heim:weh 
die Sprache raubt und zugleich das V/ort, das Gedicht, 



die Erinnerung aufzv;ingt, damit gesprochen v;erde, v^ie 



die Propheten sprachen, leidend unter dem Zvang der 

Gesichtes "Helt frage nicht die Totentrissenen/ vohin 

I ' 
sie gehen/ sie gehen immer ihrem Grabe zu.. In solchen 

i •• 

Sternverdunkelungen wird das Schicksal der Heimatlosig- 

i 
keit be\^ußt erfahren. Und heimatlos bedeutet für 

Nelly Sachs nicht so sehr Trennung von einem geo- 

I 

graphischen Gebiet, es bedeutet getrennt sein von der 
Heimatsprache, "Ihr Mund hat ein Dorn verschlossen,/ 
Ihre Sprache ist an ihre Augen verlorengegangen,/ Die 



- 5 - 



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i-eden vjie Brunnen,/ Darin ein Leichnam trunken ist." 



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Um das Schweigen der Toten ertragen zu können, das die 

I ■ • ■ ■• 

Konsequenz der Heimatlosigkeit väre, -werden Abraham und 

Jakob, Hiob, Daniel, Saul und der Prophet Elias ange- 

rufen. So werden Gedichte zu Deichen, das Meer der •. 



I * 

Heimatlosigkeit zu bannen. Die Sprache allein kann 

! \ 

noch Heimat sein. Wenngleich das Wort "deutsch" in 

V 

'r 

keines der gemeinten Gedichte ein^^egangen ist, wird die 

» 

Sprache in immer neuen Bildern, in einem imerhörten 
Metaphcrnreichtutn, in kühnen, gedanklichen Reduzie- 
run .en und rauschhaften Assoziationen zur Sti irae des . 

-* '"-^ '• ■ " * . • . '■ 

Heimwehs nach der deutschen Sprache. "Aus 

dem Kochtopf der Sprache, die wir unter Tränen er- 

lernten, ern'.hren wir uns." Da sticht der "w-eiße ■■ 

Sehnsuchtsdorn", da wird der Mensch "vom Stemmeisen 

-'■■'■■ 
der Sehnsucht durchbohrt", da blickt er "den heim- 

wärtsziehenden Segeln der Melancholie nach", das Heim- 

weh erscheint unter den Bild der "schmerzenden Nabel- 

schnür". Es ist so, als habe der Sturm der Flucht 

und der Meißel des Leids die Passade der Worte aufge- 

brochcn, als klaffe hinter den Vierten eine Geistes- . 

landschaft, die wir bisher nicht wahrgenommen haben, 

t 

weil wir in der Sicherheit und Eindeutigkeit der 
Sprache leben und uns ihrer bedienen, statt ihr zu • 
dienen. Ein einziges V^ort kann ein ganzes Schickai in 
sich aufnehmen, ein ^'ort zum Beispiel, das in die 
Schlagertexte eingegangen ist und an den Ecken der 
Automaten als kleine Münze den Herumstehenden ge- 
reicht wird 5 das Wort Abschied. "Abschied-/ aus zwei 
Wxmden blutendes Wort." Da ist kein bestimmter Ab- 



'\ 



• 



- 6 - 

schied gemeint , kein Rückcrirmern an bestinimte Türen. 
Das ist Endsurauie, alle iVbscniede zusammengenonnien; 
ein: Begreifen, dem der Tod über die Schulter blickt. 
Im Gedicht vom |bschied nimmt das Heiaweh mystische, 
kosmische Züge an. Beda Alleniann sagte, daß "das Werk 
der Nelly Sachs im Rahmen der Nachkriegs-Lyrik als die 
ViederaufnahQe der kosmischen Dichtung mit modernen 
Mitteln zu bezeichnen" sei. In den Gedichten ist der 

tem des Alten Tostauents und des Chassidismus zu 
spüren, nicht aber die kosmische Begeisterung des 



J ■ ^ • 

deutschen Expressionismus. Denn ehe der mystische Ate 

aus fernen Vergangenheiten zu Nelly Sachs kommen '■ 

konnte, passierte er die V/ohnungen des Todes. 



m 



__ Noch immer sind 1957 in den Gedichten des Bändchens 



'jUnd keiner weiß weiter" die Erfahrungen der Plucht, 
der Blick in die Wohnungen des Todes und die Nacht 







der Sternverdunkelung für die nun eSjährige Dichterin 
.nicht besänftigt. Sie haßt nicht, sie hat nie gehaßt; 
•aber sie vergisst auch nicht, kann nicht vergessen. • 

1 ' 

Noch immer ist sie auf der Plucht. "Das ist der 

• Flüchtlinge Plane tcnstunde./ Das ist der Flücht- 

• I 

linge reißende Flucht/ In die Fallsucht, in den Tod!" 

\ Und der Gedichtsammlung von 1959 "Plucht und Verwand- 

I •- ■ 

lung" gab sie das Motto: "An Stelle von Heimat/ halte 

ich die Verwandlungen der ^/elt," Nun bricht die ■ 

i ^. 

schDierzende Kraft dos Heimwehs in die Tiefe, gleich^ ' 
sam durch das ^'ort noch hindurch, in die Geheimnisse 
io„ Plucht und Verv,ondluns. Jetzt obo^ ist dio Sprache 
nicht mehr nur neue, sondern auch schützende Heimat. 

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Die Sprache ist zum beschützenden Zauber geworden, 



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- 7 - 



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der dem Leben die Gevvißheit des Todes, des schon er- 
fahrenen und des komaenden, verzeiht. Das Gedicht 
kann jetzt hinter den Rücken des Todes treten. "Aber 

j . ' • 

vielleicht/ haben, wir/ vor Irrtum Rauchende/ doch ein 
wanderndes '^eltall geschaffen/ mit der Sprache des 
Atems?" Der Schmerz is.t nicht genommen von dieser Frau, 
die Nacht ist nicht gelichtet, aber es kann in der 

> * 

Dunkelheit ein kleines Licht gesehen werden: "Licht '■ 
ward aus Send", aus dem bände Sirais, aus dem Sande Is- 
raels, alles ist Verwandlung und Verwandlungen unter- 
Torfen, die an die stelle von Heinweh gesetzt und auf- 
gerufen wircS gegen das Schweifen, das noch immer 
droht, , . . • 

Ih den bisher unveröff entlieh ten'Gedichten, die 
er Suhrkarap Verlag dem Band FAHRT INS STAUBLOSE einge- 
ordnet hat, in den' Kapiteln, die. dem ganzen Band den !' 
Titel geben, und in "Noch feiert der Tod das Leben" " '^ 



erscheint das Thema der Gedichte erv^eitert, die 

iprache jedoch noch mehr verdichtet, Die Metaphern 
i "■ ■• 

verkürzen sich, ballen und drängen sich im Vers. Mehr ■ 

und mehr verliert die Sprache den individuellen Bezug; 
deutlicher noch als in den Gedichten bisher wird die 

« 

Sprache der Nelly Sachs zum universalen Ausdruck, 
Anruf, Mahnung und Beschwörung, das bleibt; aber der 
ycrs erreicht nun bisweilen eine ungeahnte Leichtigkeit 
Am Anfang stand die Nacht in den' Wohnungen des Todco 
und die Nacht, in der Nelly Sachs, vom Schmerz zer- 
rissen, das Gedicht gewagt hatte. Jetzt, in den 
letzten Gedichten, ist die Nacht ein Ort geheimnis- 



• voller Ruhe in den' Abgründen der Pforte, einer Ruhe, in 



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- 8 - 

3er "erlöste Liebe/ sich ihr Sternbild in die Freiheit 
schrieb." Liebe kann wieder sein in Flucht und Ver- . 
'/Handlung, auf der Fahrt ins Gtaublose. "Der Himmel 

■ • 4 

Übt an dir/ Zerbrechen./ Du bist in der Gnade," 
fJl eichzeitig mit dem Gedicht band "Fahrt ins Staubloee" 
hat der Suhrkamp Verlag ein schmales Bändchen NELLY 
SaCI-IS ZU^ ehren herausgebracht, Gedichte, Prosa, 



Aufsätze als Widmungen. Darin stehen Gedichte, ^rosa- 
stücke und Dialoge von Ingeborg Bachmann und Günter - 
Eich, Hermann Kasack und Ilse Aichinger, Paul Celan. " 
Hilde Domin und anderen. Boda Allemann liefert einen ' - 
Au satz mit dem Titel "Hinweis auf einen Gedicht-Raum"; 
:ians Magnus Enzensberger spricht über "Die bteine der 
Freiheit". Konrad Wünsche hat "Über Nelly Sachs und die' 
■ Ordnung der Sprache" gearbeitet; Karl Schivcdhelm über . 
"Wälder der Traumgesichte". Sivar Arn6r berichtet über ' 
Begesnungen mit ITelly tiachs, Peter Hamm über Nelly 1 
Sachs als nbersetzcrin schwedischer Lyrik. Alles in 



allem ein Bändchen, das der Leser der Gedichte als 

I ■ 

ausgezeichnete Ergänzung ansehen darf. Beide 
Editionen, der Gedichtband FAHRT IIIS ^JTAUBLOSE und 
NELLY bACnS ZU EHREN legen das Urteil nahe, daß Nelly 
Sachs zu den großen Dichtern deutscher Sprache gezähT* 

I 

'--yiQTdQn muß", eine Frau, in der das Heimweh nach der 
ipr^che aufgebrochen ist zu unvergleichlichen Wort- 
Schöpfungen. "Denn es muß ausgelitten werden/ das 
Lesbare/ und Sterben gelernt/ im Geduldigsein-"» 



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Radio-Essay 



Sendung am 23. Mai 1958 



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Ein Mysterienspiel vom Leiden 

des jüdischen Volkes-" 

von Nelly Sachs • ^ :.••.■ 

mit einer Einführung •" •' .■'■•„ • 
von Walter A. Berendsohn 

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Musik: Moses Pergament 



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§ da;. Vor al\:.^^ i:t es unzulcns':^, da: /v'kinij;:krip[ 
5 oder Voile d^rau!; obiuschrcib./n oder in son- 

Sfür Rundfurikzwccke bedarf eter.Jc':-. (.'•:•:* Gc> 
|i ncl-j/ni^^'ji:'-« d:^s Süddcui.:cSijn r^r;-.'?!.:ikc. 

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1 . Prau 

2 . Prau , . 



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Maurergehilfe (Jossele) 
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Grösseres Mädchen 
Kleineres Mädchen 

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Halhw. Mädchen 



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Kinder 

Der Bucklige 

Junge Prau • • ; 

Mädchen (m. Stöcken) 
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1. Beter (= Schimon)' 

2. Beter (= Aman) 
Mendel 

Der Bucklige 
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1. 


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2. 


Stimane 


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Alte Prau 


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Männerchor 




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Mäc.chenchor. 






. Zimmermann " \' 






. Der Bucklige 


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1. 


Maurer 




2. 


Maurer 


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3. 

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Michael 

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Stimme aus dem Schornstein 
. Stimme eines Sterns' . 
1^" Stimme eines Baumes 
2. Stimme eines Baumes 

Stimme der Spuren im • Sand 
Stimme det Nacht 
Das Wesen 
■ Michael ^ • 

stimme 



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Michael 


• 


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Stimmen der Pinger ( 4 der 


folgenden) 


• 

1. 


Pinger 


4. Pinger 


2. 


Pinger ^ 


5. Pinger 


3. 


Pinger 


6., Pinger 






7, Pinger 



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2, Knabe ^ . . • • 
Sohn des Lehrers 



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, Stimme des Samuel 






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Durchgehende Sprecherstimme 



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Katastrophe des jüdischen Volkes. In unA-czählton ITächtr- 
kamen die toten Angehörigen und Freunde zu Besuch bei 
der Kranlcen und hielten Zwiesprache 'cit ihr. Aus der ' 
unendlichen Kette dieser makabren Erlebnisse ist 
■die ergreifende Klage um das jüdische Schicksal erwachsen, 
.durchtränkt von tiefreligiöser Zuversicht 'und von 

' . . * •" ." . 

tröstlichen Glauben an die Möglichkeit aufbauenden" neuen 
Lebens trotz allem und dennoch. .■■■'•,• • '■ ' ■• -■ : '• 

Nach und nach liess ITelly Sachs ' mich toiinehmen an allen ' 
Stadim ihres Schaffens. Ich bekam verschiedene Passüno-cn 

r » - *• , ... , . 

ihrer_ neu; entstehenden Gedichte und dramatischen Versuche' 
zu sehen. Schliesslich zeigte' sie mir 'auch ein Werk ' ' ' 
das schon im Winter 1943/44 entstanden "war: "Sli. ein ' . ,-. 
Mysterienspiel vom Le iden Israels." Es 'stellt ein geheim-' 
nisvolles Geschehen" dar. Das grobreale Anfangs er^ignis ' 
wird nur erzählt. Die Deutschen haben In den Ruinen eines' 



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polnischen Städtchens die Eltern des achtjährigen Eli . ■' 
-..aus dem Bett geholt _und' fortgeführt . Der' Knabe ist ihnen 

' • * ' • . . . . • 

im Hemde nachgelaufen und hat "seine " Flöte , mit der er "'' 
, ..sonst die Kerde loekt, zum Himmel erhoben und Gott um Hilfe 
angefleht. Der; Soldat aber hat gefürchtet, es sei ein . ■ 
geheimes Signal und. hat ihn totgeschlagen mit dem Kolben ' " 
seines Gewehrs. Dem jungen Michael aber hat Gott 'die 
; Gabe des sechsten Sinns gegeben.- Am Abend sieht er bei 
Samuel, dem Großvater, der die Sprache verloren hat und 
. stumm geworden ist beim Anblick des Mords, im 'Totenhemd 
des Knaben das Gesicht des jungen Mörders. Er macht sich 

t 

: auf den. langen ' Weg, "findet ihn in einem deutschen Dorf 
.jenseits der' Grenze und erlebt, wie er -an seinen 



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III 



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Gewissensqualen zu Grunde geht. Dann ist Michaels 

und 
. Mission erfüllt, /Gott nimait auch ihn zu sich. ALcr diese 

. okkulte Handlung ist eingebettet in eine lange Reihe 

kurzer Volksszcnen, die mich sofort stark an Georg 

Büchners "V/oyzek" erinnerten (ein V/erk, das Nelly Sachs 

nicht kannte und erst aufaeine Veranlassung las.) 

Sie sind sehr realistisch mit zahlreichen lebhaft _ • 

'.erfassten anschaulichen' Sinzelzügen; in ihnen spiegelt 

■ sich nicht nur die grauenvolle Zeit der Zerstörung .alles': 

Menschlichen, sondern auch das immer wieder aufblühende " 

'" Leben der Jugend und das unwandelbare Gottvertrauen 

' * " ■•.■'■'••...-•'• ' ' ■ :• '' \ • :•• 
der Juden. /' ' '■'.. ' -. .;. ■ v' " ' ^-- ..' ' V, 



"Die Luft ist neu -, • • 
fort ist der Brandgeruch, 

fort ist der Blutgeruch', 

. • . *• . . . 

fort ist der Qualgeruch - 
die Luft ist neu! " 



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Voll Gottvertrauen wird am Aufbau der neuen Stadt ' * 
gearbeitet. Das steht im Kern der Lichtung, die frei ist 

% 

von selbstvergiftendem Hass, weil das ganze Geschehen 

' . * - 

.letzten Endes in Gotxes Händen ruht. 

1951 konnte ich dieses ergreifende Werk von 'wundervollem 
-künstlerischem Gleichgewicht auf Subskription in 
200 Exemplaren herausgeben. Die Dichterin aber strebte 
fort von diesem Motiv, fort von dem Trauma des jüdischen 
Unglücks, hingezogen zu •dorn die Menschheit umspannenden 
religiösen Geheimnis und zu seinem reineren, o-elösteren 
Ausdruck. 



♦ ». «*r-. ♦- ,- ,i...._.. . .*.. f.r-.'ä. 



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IV 



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Der erste Gedichtband "In den Wohnungen rl es Todes" 
(Berlin 1947) steht noch .fast ganz im Bannkreis der • 
Gaskammern, im zweiten, "Sternvürdunkel un,g'^ r Am.c,tP.^rin^ I949) 
wachsen schon viele Gedichte weit über die engen Grenzen 
jüdiPcher Erlebnisse hinaus und der dritte. "Und niemand 
weiss weiter, (Hamburg und München 1957) birgx nur noch 
Nachklänep des jüdischen Leids. Die gleiche Entwicklung 
durchlaufen die bisher ungedruckten dramatischen Dichtungen. 

" ELI ", den Erstling ihrer Arbeiten für das Theatfer, 
nennt Nelly Sachs ein Mysterienspiel. Worin das ?:Iysteri-am 
in Wahrheit besteht, darüber sagt die Dichterin selbst: 



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"Dieses Mysterienspiel hängt sehr innig mit der ' - 

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chassidischen Mystik zusammen. Es hat wohl zur.: Inhalt 
ein Märtyrergeschehen unserer ".Zeit,' begibt sich aber 
überall hinaus und' will dadurch hiesiges Leiden durch- 
sichtig machen und Fenster in ein unsichtbares Universum 
öffnen, einfach, um' es für -die Überlebenden aushaltbar-' 



• • 



zu machen und mögliche Aussichten zu zeigen. ' 

Michael ist der ausgesandte Bote, gehört zu der Schar 
der Sechsunddrcissig-auf denen das Universum ruht nach der 
chassidischen Legende. Dies sind die geheimen Gottes- 
knechte oft in den niedrigsten und verachtetsten 
Stellungen, die den "Ruf" erhalten, aber selber auch 
gänzlich unwissend darüber .sind. Das Wort Jesaja 

deutet auf sie hin. Nur die Dunkelheit des Göttlichen weiss 

Min ihn. 
Michaels Rolle ist ganz passiv. Er führt aus, was ihm 

« 

befohlen und was er bluthaft fühlt. Er bindet die Flammen 
und hat den ungebrochenen Blick, den Balschem Blick 



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Er gibt die Kontras.tgcstalt. ab zu der Dorfbevölkerung 

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und allen anderen .Handelnden. . . • . 



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In der chassidischen Mystik drückt' jede Minute ganz ■ 
existentiell gelebt,, ganz gleich ob getanzt, gesungen 

• * 

gebetet wird, Göttliches aus. Der Hausierer, der über 
Land geht, ist im Grunde genau so erfüllt wie die anderen, 
y^enn er seinen Kram . verhandelt. Das Geheimnis leuchtet ■ 



I 4 



hinter dem V/ort. Auch das letzte Bild hat ein Iviotiv 

der. chassidischen Mystik verwandt, nämlich den Mutterleib, 

' ■ ....... ,^. 

darin das Kind mit dem Urlicht ruht. Bei der irdischen 

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. . - . • r* * . ' ^ . . 1 : • . . . ■ * . > . • , , 

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Geburt verschwindet es dann*. Hier aoll es noch einmal 

• . ■ • • •••.•••., •■,-./.. . , I _ 

die Verbindung geben miit dem Kind Eli als Opfer, und , .• *^'*" 

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Michael" als geheimem Gottesknecht . ••''\v -'•"••' 'v« •:'■"' C' •- •/ 



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Michael, wird ja die ganze Zeit "geführt" bis er findet. . 
Und verzaubert, nach der Pfeife 'gehen zuletzt die Kinder 
und das Vieh mit." '" . "v • -•• ' ^ *" ' • •' . ' .. •' • 



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Dieses Spiel war mein Erstling, und damals wo.r alles •>,, • 

eine mit Messern durchstochene blutende V/eltmiinute. "'■*■. 

■•■... . . .- *" • •".■.' 

. ' •" . , . ■ • ' » 

So kommt es, dass vieles jetzt vielleicht erschrecken kann." 



Soweit Nelly Sachs. . '■'' *'.•■"'■ . ' . •' " 

Aus dem Schmelzgut leidenschaftlichen Schmerzes in einem 
Guss entstanden, ist " E. 1 i",, ein Werk von dauerndem 
V/ort, das als Hörspiel wie als Bühnonspiel seine ergreif enri«-^ 
Wirkung' nicht verfehlen wird. Die furchtbare Vergoiigen- 

* • 

heit ist über uns hingegangen v/ie ein langandauerndes 
ungeheures Weltgewitter, unter dem. wir uns machtlos 
beugten. Lange hielten wir die Erinnerungen unserm 



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Bev/usötöein fem. Nun ist ^ die Zeit reif, sie herauf- 
"zub-o schwören, um sie zu durchleuchten und in ihrer 
Bedeutung für unsere innere Welt zu verstehen. . 
Die Dichterin Nelly Sachs hilft uns, sie aus dem 
. Wirrwarr von Ha,ss und Abscheu und Verfluchung und 
Schain zu erlösen. • ; - ■ 



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I. Bild 



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..Sprecher: Da ist der Marktiolatz einer kleinen polniGchen Landstaat, 
v' ' • Einige Überlebende des jüdischen Volkes haben in den ■ 

■ Kuinen rings;am Obdach gefunden. In der Mitte ein'Brimncn. 
SAIOTEL, der stuiran geworden ist, arbeitet daran, Höhren ■ 
•; ''■ [ abzufeilen und einzusetzen. Zwei FRAUEN konine'n mit Wäsche. 



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"Unrealistische Akustik 



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Erste Prau: 



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im sin,p;enclGn To n • . .'.../•*. '.■ ..• ." '. ......•' ^ •• • . 

KoffiTü von der Bleiche,, der Bleiche, " ■ '. ' 

hab' Sterbewäsche gewaschen, * ... 

dem Eli das liecid gov/aschen, ; " • / • 

Blut herausgewaschen, Schweiss herausgewaschen. 

• • • . • - . . . » 

Kinderschweiss - Tod hcrausgcwaschen -. 

Zum Rohrlc^^or; ;, • - - ^ ^■:.*• ' .^•''. . '■' •' ' • 



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V/ill es zu dir tragen, Samuel, ■ ' ' *'■',• 
in die Kuhgasse tragen zum Abend, .'.'■•■ ; . 
wo die Fledermäuse in der Luft herumblättern, 
wie ich blättere im Bibelbuch..- "''■', ■ ' 
um das Klagelied zu suchen, ' darin es raucht, 
darin es brennt und 'die Steine herunterfallen -. 



■ ■ Das Hemd von deinem En]cel will ich zu dir 
vom Eli das Hemd - •" 

* I • . 

• # 

Zweite Prau: V/ie' kam es Gittol, dass er stumm wurde? 



'Erste Frau: War an dem Morgen, als sie den Sohn holten, 

aus dem Bett rissen, aus dem Schlaf -. 

* * » 

V/ie sie vorher aufgerissen hatten 



tra..^en 



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-2- 



Zweite Prau: die Tür zum Schrein der GehGimnisse im Teirroel - 

• behüte, behüte -, • ' 

* 

vso rissen sie ilmaus dem Schlaf. ' . 

'. ■ . •■ Rahli, seine Prau, rissen sie auch aus dem Schlaf -, 
. ' - trieben sie vor sich her durch die Kuhgasse, 

die Kuhgasse -.hat die ?/itwe Rosa ,c;eseGGen 







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an der Ecke, am Fenster ,^ 



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und erzählt hat sie es, v;ie e s' hergcgan^^cn ist, 
bevor sie" den Mund ihr geschlossen haben, '. ■'.- 
mit einem Dorn, weil ihr Mann Gärtner war.-^ 

• ■ • 

Ist der Eli im Nachthemd seinen Eltern nachgelaufen, 
in der Hqnd die Pfeife, - T ''■■,'■'■'.■.'. .i.-" ••'■■ 



• • « 



mit der er gepfiffen hat auf der vi'eide,' . ■ '. 

'■ •■ ■ ■ . •. • • 

den Mmmern, den Kälbern - 

.. ■ ■ :•- ■• . • : ■■ -^ - • ■ : 

und ist der Samuel, der G-rosovater, 'seinem 5nkel 

, • ■ V • • ^ ■ • . 

I 

: nachgelaufen -. . \ ..•.• 

• ^ .. • I 

Und als -der Eli sah, •. ■ ". ■' ■ 

mit seinen achtjährigen Augen sah, ' ■' 

* 

wie sie antrieben seine .Eltern, ' 

durch die Kuhgasse, die Kuhga 



, , C« C! O 
C-v kJ O V_/ • 



hat er die Pfeife an den Mund gesetzt und hat gepfiffen. 

Und nicht hat er gepfiffen, ' ■■ 

v/ie rian pfeift dem Vieh' oder im Spiel, 

sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte, 

den Kopf hat er geworfen nach hinten, • 

wie die iiirsche, wie die Rehe, 

bevor sie trinken an der QuellC'. 

Zum Himmel hat er die Pfeife gerichtet, ' ' 

zu Gott hat er gepfiffen, der Eli, 

sagte die V/itwe Rosa, als sie noch lebte. 



- 3 - 



Zv/eite Prau: 



Golien wir abseits, Gittel, dass er nicht liö.rt, 
unser Gespräch hört, der Stunrae. 

MUSS wie ein Schv/ariin sonst einsaugen unsere Worte 
kann nichts herausbringen aus seinem Halse, 
zugeschnürt mit Tod. 

Gehen a-.^Goits. " . • • 



Erste Prau: 



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Zweite Prau: 



o 



Ging ein Soldat mit ia ' Zuge , 

sieht sich um nach dem Eli, 

wie der pfeift, hoch zum Himmel - 

schlägt ihn tot mit dem Kolben seines Gewehres. 

War der Soldat no.ch ein Junger, sehr Junger, 

hat die Witwe Rosa gesagt, ... 

Nimmt der Samuel die Leiche, 

. .- • • • ■ . 

setzt sich nieder auf einen Meilenstein'.- 
und ist stumm, • 



• k 



War denn der Michael nicht zur Stelle 
dass er hätte retten können den Eli? 



Erste. Prau: War der Michael im Bethaus, 

im brennenden Bethaus,' 
hat die Plammen gebunden, 
hat den Jossele gerettet, 
^ den La Jan gerettet,' 
den Jakob gerettet, 
aber der Eli ist tot.^ 



- A ~ 



Zweite Prau: sinnend: 



Und wäre vielleicht mit ihm zu Ende gewesen, 
den Augenblick, ' - • " ' . . 
den Er uns vcrlasGen? • 



Erste Frau: 



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Es hat die \7itv/e Rosa noch hinsugefü.-t, 

\ ■ , - - - - . 

dass der Michael eine Minute zu spät kara, ; '■' 
eine winzige Minute,' ■'•-':' '. ' •■' ■ .' '•.. " • 
sich, so winzig wie das Öhr meiner Nähnadel ■■. . 

•mit der ich vorhin noch diesen eingerissenen S 

• •• ■ • • ••■■■■ - • -•■ ■■ • ;. ■ ■ 

an Eli 's Hemd festnähte. ■ ^'' ■■ ', '--'.."■■■' 

■Was meinst du, warum er zu spät kam, ■•'.• ^- ■,■-■;': .', 

• ■^ ^ ■' 

er, den kein Peind aufhielt? ' ■ 

Er tat einen Schritt in die Uebene-asse". '■.:"' 

einen einzigen Schritt,'- ' . ' • '■■ .^ ■' ■ 

'■ . - . • :■ ■-■ ■ ■•■.-..' 

da wo der Myriam ihr Haus einmal gestanden hat 

und dann wandte ei? sich um *-- : ^"' * •■'-■:• ' . . ' 
.. - » • ■ ■ . , ''•-.■...■.'' 

• •' 's' • 

und der Eli war tot. '' '' ' ...'''• 

« 

. ■ •■ ■ ■ • . ■ ,'.■•, 

Da sagte die Witwe 'Rosa noch; ' '■ ■ ■■ 

Hat doch der Michael den ungebrochenen Blick, 
nicht den unsrigcn, der nur Scherben sieht - ' 
- den Baischemblick hat er, " ■ ■ 
von einem Ende der Welt. zum andern ■ 



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Zweite -prau: Ich will' dir sa>en Tri tt.oi \^-n n-.u • 
• . ■ vio-j. öc;-,i^xi, u-j-xrei, ein Geheimes: 

ich höre die Schritte!; 
Erste Prau: Was hörst du für Schritte , Basia? 



\- 



- 5 - 



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Zweite Frau; Als sie holten den Eisik, meinen Mann, 

den Bäcker, v/eil er huk die Brezel, 
., die Zuckorbrezel mit vcrTootenem Mehl, 
als. sie ihn vom Backofen holten, 

7 

gab ich iiim den M.antel, 

denn .es schnitt drausaen die Kälte - ■ 

wieherten sie wie Pferde, ' 

die sich freuen auf den Hafer - : 



. • *: 



"Koiimit zurück, sclineller' als er ihn anzieht 

■ • 

koimnt zurück! '^ 

• ' ■ ■ • ■ 

4 

Kam zurück, doch oline Schritte! 

Da "bef^annen die Schritte im Ohr! ■. ., 

Die schweren Schritte, 

die starken Schritte, 

• • • 

die sagten zur Erde: 

ich breche dich auf - . - 

dazwischen sein schlürfender Schritt, 

I ■ 

denn er ging wenig, ' 
atmete schwer in der Kälte, 
am Backofen stand er, 
"bei Tag und bei Nacht - 



Erste Prau: Hörst du auch jetzt die Schritte? 



Zweite Frau: Die wohnen im Ohr mir; 

sie wandern zur Tagzeit, 
sie v/andern zur Nachtzeit, 

» 

• ob du sprichst ^ ob ich spreche, 
ich höre sie immer» 



- 6 - 



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Erste Frau: 



Präge 



den Michael, 



oTj er dir kann fortnehmen die Schritte. 

Näht er auch Sohle an Oberleder fest, 

weiss er doch mehr als, nur v/andern 2um Grabe • 

Will dir sagen, Basia, bin eine V/äscherin, 

hab' Lauge gebrüht, gewaschen, gespült, 

aber heute auf der Bleiche,' 

da, wo der -Saum war gerissen an Eli ' s Hend - 



C*ä 



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ah es mich an - 



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Zweite Prau: Könnt' ich es nur. 



würde ich da oben aufnehmen den Saum, 
den die Sonne blutig macht, , '",'.• 
könnten des Eisiks Au.^en mich ansohn - 



o 



würde ich sagen: 



gefangen bin ich in einem Gitter, 

... , _ 

in einem Gitter von Schritten, 



schworen Schritten, 



mach auf das Gitter, . 

dasö ich hoiauskann aus den 

den starken Schritten," 

die a^ufbrechen die Erde - 

dazwischen dein schlürfender Schritt - . 



Unrealistische Akustik 



Erste Prau: Der Brunnen läuft ! 



Zweite Prau: Der Brannen läuft! 



trinkt aus den Händen 



Nimrn fort die Schritte, . ' 

aus dem Ohr mir die Schritte - fällt nieder 



die Schritte - Schri'tte - 



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II. Bild 



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Sprecher: Der gleiche Karktplatz wie vorher. Der Brannon plätschert 



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Maurer: 



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Im Hintersrund öffnet sich eine schmale, zerstörte G 
_ -Grüne Landschaft schimmert überall hindurch. An einur 

der Hausruinen arbeitet ein alter MAURER mit JOSoELE, 
. seinem Gehilfen. ' 



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* 

• .Unrealistische Akustik: Geräusche des Plauerns. 



Jossele, fülle den Einer ani Brunnen, 

•. •• • . . 

.vlauf um den Kalk, dort wo sie bauen, 

, -vor den Toren bauen, die neue Stadt. 

Sind keine Tore nehr, - , .^- " •' '•/ - -v 

ist keine alte Stadt nehr. 



Ist kein Bethaus mehr, 






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nur noch'Erde senug für den guten Ort ! f^r 3lch: 

Das war ein Haus hier, das war ein Herd. 
Steht noch ein Kochtopf, s chwarz gebrannt.' " ' 



Hier ist ein buntes Band 



. ,»;. 



Vielleicht vvars'ein Wiegenband - 
vielleicht auch ein Schürzenband - 

« 

V/er weiss ? . ' 
Hiei? ist ein Käppchen. 
Wer trug's? ' . 



i^m ^jungeriviann oder ein alter Mann, oder ein Kna"be? 

Schützte die 18 •Seconssprüche , die stillen, 

vor den eitlen Gedanken, 

vor den bösen Gedanken, • • • ; 

Oder - wer weiss? , 



- 8 - 



Sprecher: 



Eine FRAU in Hemd eilt durch die schmale Gasse, klopi' 
mit dem Finger an Mauern und Stoine. 



Llauror: 



Ester Weinberg, was klopfst du hier, 
es sitzt keine Antwort im Stein. 



Jossele: Die Frau entfloh der Krankenstube, 

jetzt hebt sie Steine auf und wirft' sie fort - 



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Maurer: 



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Will ausbrechen aus ihrem Kerker - 






Jossele : 



Aber was tut sie nun? 

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öffnet und schliesst ihre Hände wie Becher 

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und füllt sie 'mit Luft. 



Frau: 



sin/cend: 



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Dein rechtes Bein 
vogelleicht - 
dein linkes Bein 



YOgelleicht - ' 
Locken im Südv/ind - 



Herzen können wie Wasser zittern in der Hand - 

wie Wasser zittern - , ' 

... . .. läuft fort. (. 



Maurer: 



Sie schafft ihr Kind, aus Luft - 
V/ir schaffen Gräber, 
aber sie ist schon ausgebrochen - 
lernt schon bei Ihm-' 



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- 9 - 



Jossele : 



kommt 2urück.7:elauien; 



Die Prau.ist tot. ■ . . 
Sa.^rte zu einom Stein: "Ich koinine," 
stiess die Stirn daran und starb.- 
Dieser. Brief iag':neben'"ihr/ './ ■..••' 



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Maurer: 



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Jossele : 



Maurer: 



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lesend: 



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. Dies ist. von Gad, ihren Mann, ■'■.-':".•-■ ■ 

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der sich iirr Steinbrucla zu Tode trug, 



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an Israels Last -'- 



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"Fein .vcrädert wie' deine Schläfen v/arder Stein.-'' 
Leste ihn an' die '^^ange- vor den Einschlafen' ' ;• ' • 

* ■ ' • ' . ■ ■ ■ ..,«,'-. 

fühlte seiiie Vsrtiefun.^en,'" '■ '•.'"■.■.''': ■••."A-. '■'.;.'• '•.■'''•'.■ 
fühlte seine Erhöhun/^en, ■■•'•■•■■'■.•'• ..";;.■,;..•. ...^■. '• . 



seine C-lätten undRisso -. 



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hauchte ihn an, ...,. 



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und er atmet wie du, Ester" ... . " 



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weint und seufzt. 



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Weine nicht, Jossele. ■"'..- 
■Bauen wir' doch aufs Neue das alte Haus. 

■ ♦ ■ 

Hängan.sich die Tränen'-ans Gestein, 
hängen sich die 'Seufzer ans Gcbcälk, 
können nicht' schlafen die kleinen Kinder, 
hat der Tod ein v/oiches ■ Bett . 

■* • ■ « 

Mauert. s i n,Tt' und nfeiftr. ■ ' . ■ 



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- 10 - 



Maurer;- 




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^Meister de^r V/elt .' ^ . •■ ' ■ :' 

- • ■ N ■ "..;■''. 

Du, Du, Du, Du ! ' ' . , _ 

'Meister aller Steine ! • ■■ 

Du, Du, Du, Du ! . • : 

Wo kajin ich di.ch finden, . / ■ 

' . I • • 

und wo kann ich dich nicht finden? 
Du, Du, Du,. Du .! "• 



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• . . * 






III. B 5-^1 d 



Sprecher: Aus den Ruinen' der Gasse kommen 

_, Marktplatz /-claufen. .' • 



KINDER auf den 



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Gröss.eres Mädchen: 

. „ Der Schulhelfer hat gesagt,. ' ' . 

es sei liGute .der Tag,- ,. . ! 
... an dem vor Jahren des ■Michael Hochzeit war 

und^an den sie ihm Myriam,. die Braut, raubten 
vor dem Kerzensegnen. ' ,■' ■ 



Kleineres Mädchen: '• 
■ ■ ■ . ^ V/as wollen- wir spielen? 



Grösseres Mädchen: 



Knabe : 



Hochzeit und Kerzensegnen, 
und ich bin die Braut.. 



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Und ich raube dich. Ergreift 



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Grösseres. Mädchen: / ' ' • ' 

• , ; / 'sich losinachenrl ! •• 



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•Nein, ich will das" nicht, . ' 

*■ • 

ich suche mii' ein Kind zum Wiegen. ' 
'einen Petzen aus dc:n G-eröll ziehend:' 



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Hier'' ist Stoff-, 



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hier ist ein Stück Holz, 
.^.nur v/eni£ angekohlt. '\, 

■ • ■ ' . • ! 

•V Jetzt habe ich ein Kind-, 



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und 






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Knabe : 



ha t s c h v/ä r z e s . Haar , 

.•.*.■ ' ,'>- ♦ ■ • • • ■ • ', 

. ich will OS wiegen. . „■ 



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' Sin;:rend: 






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■ ' . ' * 

Es war einmal- eine Märe". • • 

«.-.-• . ■• .. .. ' ■ , ■.'•■■■ 

die Märe ist \^amiqht fröhlich. 

Die' Lläro hobt* an- nit Simsen '-'V';- 

•von oinem jüdischen König. ' . ' ' •. 



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» , 



Es war oinr.ial ein' König, 

..--.-.•■ 

der König hatte eine Köni,c'in'' -'" ' ' 
die Königin, -hatte einen Wingort - 
Ijulinko, x:iQin Kind .-. . ■;■ 

, ' \ t ' \ 

..-'.♦» 

3) Der -.Vingert, der hatte einen Baurn, 
der Baum, der hatte 'einen -Zweig, ' 

- • der Zweig, der hatte ein Nestchen - 
Ljulinke, mein Kind ...' 



Du, der Jossele hat Knochen gefunden - 

wer sich aus dem Totenbein eine Pfeife macht, 

dem kOLumt kein Vieh fort - - -. 



\ 



- 12 - 



. / 



Grösseres Mädchen: . .' •*" " • 
'■ ' ■ . Es- .ist 'schon spät, ~ 



\\ 



v/ir wollen nach Kause ^^ehn. 



.Knabe : 



Gib her dein Kind, •• ••'' '• . 

.1 . 
ich vverf es auf's Geröll, 

da kann es ' s ehre in. '•• .•'•'•••';:/.". 



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Grösseres Mädchen:" 
'*'■■' :"V' Nein, lass.- das s'eihv^ '•^'' '•' 



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es heisst Myriam, v-- i"- '■"' ::'•■'.■ ■■::,•■ 

- #■ . ■ ♦* *. , • ' ■ • . - "' 

und' ich' welrde ,in die Küche sehn, 



■•.•, 



und mir eiTien Quirl holen, '>^'-.-', 
so, hat es einen, Kopf. 



4. r"! , ■• • t *^ * 



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Singend: 



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4)' Das.lToöt, das hätte ein 'Vö;;-olchen 



das Vögolchen, das hatte ein Plügelchen, ' 

• -..■* ' , ' • " , " • -■•"■.■, >. . , , »p ■ 

_ • • . ' ' • « •. ■ , , . ■ ' 

-das ' Plügelchen, .das hatte ein Pedorchen - 

■'t - - . 

■ Ljulinke , . mein Kind . V.^ ". •■ • ' ' "' ^ 






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.. •■:•:'■ Gehen ■ all e langsam fort, hinter der Bühn e Gesan,o-: 

, ■ • . • • • • • V ■' 

5) Der König, der nusste sterhen,' 

/ .. die Königin, , die r.iusste verderben, "' ' 

• ' ' der Baurii musste -zerbrechen, 

das ■.Vögelchen. fliehen vom Neste ... ' 



; • 



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13 



IV. Bild 



Sprecher: Im einzigen unzerstörten Haus der alten Stadt: die Sciiuii-- 

mache rwcrks tat t des Michael. Im Fenster Mondschein und 

• 

offenes Feld. An den VJ'änden stehen auf Brettern die 
Schuhe. Vor dem Fenster der Schustertisch. 

• ; . .■,__■ MICH/iEL, gross, mager, mit rötlichem Haar, nira/xt ein. 

• •_■, ■ '• ■■ .^ Paar Schuhe von Wandhrett, stellt sie auf den Arbeitstisc: 



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Michael : 



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hebt einen Schuh. hoch, dass, er sich schv/arz gegen das 
Iviondlicht abhebt. Es ist ein kleiner Danenschuh. * • 

; .1 . . . - 

;•,"-•■ - " , ' . ■ _ ' , ■ - »M 

/. ••.■-'• . '♦ 

' . . •• • 

Du gingst so' leicht, .Myriari, , ■,■■ . ' .■ ' - " ■ ' , 

'♦ . • . . ' • • • . •,' • ' ■ ■ ' 

die Gräser standen hinter dir auf. '''■''■ ■ -/'''• 
Hier,, diese Spange riss, . '•- ... ; V. 

' ' -. ' . . ' • . .. .:.•..■.■.■ 

als du mir entgegeneiltest ~ darnals - 

* 

schnell ist die Liebe, ... ■'.■.' '•' ' ' ;■ 

.. , • • ■ • . . » -■ 

die Sonne, wenn sie steigt, •' ]' '■ ;^ 

, . • . ' -. ■ ^ . ... 

ist langsam gegen sie. ' - . ' ■-■.- 

•• . . - 

Myrian - • ... ■ ' , ' ' 

• ■ • - 

* 4 

Welches Gestirn sah deinen Tod? ! 

■War es der Mond, die Sonne, oder die Nacht; 
nit Sternen, ohne Sterne? 



Vision: 

Man hört huschende Schritte. 
eine rohe Manne rs t iipjae ; ^ 



T?n 



in Seufze n, d ann 



Rohe Manne rstinme: ■ • 

Schön bist du, meine Freundin, ■, 

wäre ich dein Bräutigam, 

ich wäre eifersüchtig .auf den .Tod 

doch so - 

» 

' . Wildes Lachen. Schrei 



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^^mmi^^m^mmmm^mmm^mirtir^'^^'mf—mmtmmi'm^ifimi^w^KamiH^mmmtmmtmmi 



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Michael: 



Er erhebt sich, er/^reift ein paar schwere 
Manne rs chuhe : 

Isiciors Schuhe,. . ■ 

des Pfandleihers Schuhe, 

schv/ere Schuhe, 

Ein Yv^urn hängt 'an der Sohle, 

ein zertretener Wurm. 

Der-'Mond scheint v/eiter, - • •" 

so sah er deinen Tod. . ' ' 



V- 



Vision: 
lan hört schwere Schritte. 



Erste Stinme : » * ' • 

Nicht hängen, 



hab in einem Kästchen, ''-■ • "; . _ / 
aus Sandelholz ist das Kästchen - 

* ■ 

war der Schnuckschrein der reichen, dann 

•■ ... 

gute Kundschaft gewesen - , , 






Sari 



9 



Zweite Stimme : * • 

•Sprich, was ist^s mit dem Kasten ? 



Erste Stinme: 

Ha.b ihn begraben, hinter der .Buche, 

der einzigen Buche zwischen den Tannen - 

liegt ein Ringds^rin, 

hat einen Stein, einen Brasilianer, 

ein blaues Peuer hat der Brasilianer - 

das ganze Mittelmeer ist darin - 

blau, so blau, vienn die Sonne spielt - 



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15 



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rste Stirame: 



ITein •-. in den Tasqhen klappert nichts, leer --. 
.^ Das ist der Nachtwind, . 

der so silbern in den Blättern klappert - ' 



Zv/eite Stiniine: 

;. "So klappre 



mit dem iJachtwind,' du - 






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Michael:- . .;• Kinderschuhe, 



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nach innen Getreten/'-.' /■ 

Larmwolle haftet daran - ■ 

■■• • ' ,' ■ •' •. ■ ■ - ■ 
Eli-- ■• ■.. 



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Der zerreissenr-n Ton einer Pfeife ist zu hö: 



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Sprecher: 



V. Bild'. ,-.••■:• ■.' ■ ■■■••: • .'■•■ ,- ; ■ ■ 

In einem fast zerfallenen Gemäuer sitzt SAJ/TJSL, der 
stumn geworden ist, auf einer Bretterpritcche . In seiner. 
SchoiB liegt das Sterbehemd seines Enkels Eli. 
Eine Kerze flackert. MICHAEL tritt ein. 



Michael: Samuel, 



Toh bitte dich mir .finden zu helfen, 

Ich suche die Hand, 

ich suche 'die Au.^7en, .' . 

ich suche den Llund., 

ich suche das Stück Kaut,' , 



was 



ich suche. 



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Michael: 



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Sprecher: 



•1 ,'* 

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darin die Päulais dieser Erde eingegangen ist, 
ich suche Elis Mörder! 

. * • 

Ich suche den Staub, .••' 

der sich seit Kain vermischt hat 

mit allem Mörderst.aub und gev/artet, '.' 

' ' ' * 

Vielleicht hat er Vögel inzwischen gebildet'- ' 
und dann Mörder., ■ • 



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Vielleicht hat er die Alraunäpfel gebildet,'../ 

t 

für die Rachel -abtrat eine Nacht der Lea -- '•' 






1 1 



Samuel, lass mich deine Stununheit f raren:' '•/'. 

. A »' - * 

•' ■ «. ^ • .... , . - «* ' . ,..♦►•.. ^ ; . . 

War er kleiner als .ich und >:^rö.sser als du? -':• 



•• • * ■ 






/Sein Haar, v;a,r es blond? -•:.';;.".. 'v*' . '" /. ■ '. 
Seine Augen, schwarze, blaue ,' graue'? - "•• 
0, Samuel .schluchzend ■ • •• • " ■- • 



• 't 



V/ieviel Millionen Menschen hat die Erde? 



V . 



• t 



Mörder wie Kain. ; 
Zerfallene •Alraunäpfel, 
Nacht igallens taub. 



Statt der Antwort reicht SaIIUEL, der Sturze, ihn die 
Hirtenpfeife seines Enkels, des er3chla,';enen ELI. 
MICHAEL haucht hinein und bei diesen Tönen erscheint 
.auf ELIS Sterbehemd, im Schoss'des Stummen, ein . ' 



Männerkopf. 



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Akustik; Töne der Hirtenüfeife 



« . ■• 



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- 17 - 



Micliael : f^ieh, o sieh - 



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die Kerze v/irft den Schatten - • 
oder deine Stunii-iheit • spricht': 

* • 

Sehr jung noch, '- 
die Nase ist breit,- • 

V * , 

ihre Pliigel zittern "vor" Wollust , .. — . 
die Augen haben die Pupillen eines Wolfes,*- 
der Mund ist klein wie von einem Kind - . **• 

So werden Gesichter in. Träunen gemischt - 
V/asser aus Unsichtbareiri' gegossen - * ' ■ 



« f 



es. ist fort, aber 



es brennt • in .iiieinen Augen 
bis ich ihn finde. '" • 




wird es sich voi^schieben jedem Ding auf dieser Erde 
stehen wird es. in der- Luft, 



esse" ich mein Brot 



9 



SO esse ich diesen Schreckensstaub, 

esse ich einen Apfel,, , 

so esse ich sein Gesicht - • ' 

Samuel, • . 

deine Sprache ist schon da, 

wo aller Staub zu Ende ist. 

< • ' . ' 
Hinter dem Wort ward dieses .^remischt! 



Akustik; unrealistische Gcinritte Michaels onlfemen sic h. 
Von Ferne die Tone dor Pfeife. 



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- .18 - 



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VI. B.l 1 d 



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Sprecher.: Ein neuer Tag. 



Da'ist. v/ieder der Marktplatz nit dem plätschernden 
Brunnen. An seiner völlig zerstörten Seite geht er. 

ins. freie. Feld •über. Auf deci sandigen Ackorpfad steht 

• '•'-'■■.■■'. ... 

'der HAUSIERER I.ENDEL und ruft seinen Kram aus, /'. . . 
umringt von ZUSCHAUERN. , .'■ ' ■ 

. Akustik; lo Brunnen, 2o St immen der Zuochauer. 



/, 



Mendel: 



•"^ •. 



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* l 



Durch einen ausserordentlichen Zufall 
, bin ich in, der Lage, euch anzubieten: 
Waschechten Schürzenstoff,, blumenbedruckt, 
öchxTiCtterlings bedruckt, ' •■ 

Strümpfe aus Wolle, Strümpfe aus Seide, schon aus Paris: 
-Dieses Gummiband, dehnbar wie Länder und Reiche 
und v/ieder zurückschnappend - 
■direkt aus' Amerika« . ' 

Aus, England Lavendel für den Kopfschmerz 
und Pfefferminz des schlechten Magens halber - 






ber dieses Linnen aus Russland - 



nicht für die Toten mehr, 

nicht für idie Püsse hingestreckt zur Tür 

für^s Bräutchen nun und auch f ür ' s Kind ■ 



Eine Frau . zu i hrem. Mann: 
' ," Sieh her, . 



dies war ein Pestagsstoff für-m.ich, 
nun wo das Neujahr bald beginnt. 



- 19 - 



Mann: 



Da wohnen wir im Armenhaus , 
nicht Tisch' hast du noch Stuhl, 
v/as' soll -das Zeu,:r? . '■ 






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Frau: 



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''■' Mann: 



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Frau: 



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Mann : 



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Sieh doch, • • . ' 

die. kleine Sterntalorin, 

■• ■ ■ •■ 

. • »»'1 , , 

sie hat den besseren Mann, 



t . • 



er kaufte iiardas schöne Hals tucli 



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schon. 



, • 



yio du stehst, rann Blut - 
■ ■ ' ■ • •. *• «• . ■ . . . 



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Wir sind /gerettet' '• 



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und,sollen uns der' Rettung . freun. 



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zum Hausierer 



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Du verdirbst die V/eiber aufs Heue, y ■ .■; ' 

Die' Putzsucht •■■.''.•.' ■' "" ' 

legt den Trauerflor zierlich in Falten noch. 



,.y 



Mendel: 



Ich hab' kein V/eib, • -■"■• " " 

■ 

doch hät|; ich eins, würd ich mit Salor.io es halten: 
Lobt er die tugendhafte Frau,'' 
lobt er auch ihr Gewand dazu- 



Mann : 



Miss es schon ab, das Zeug! 



Ein Scherenschleifer: * 

Scheren 'zu schleifen. 



iVi 



osser zu schleifen, . 



Siehe 
1 ■ • 


In 


für 


die 


neue 


Saat 


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• 1 


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• 


• 



20 



Eine Frau: Port soll er gehn. 

•Y/enn.er schleifen will, 
soll er abseits schleifen 

- j 

\' wer kann. noch anhören 
.. , / der Messer Geschleife - . 



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f 



Scherenschleifers ■ ' ' 

■ •■/.•""' V/illst du v/ieder essen, 

»- . ' - - ' 

;.' ; ' ; •■;"• brauchst du ein Messer - 

.;•... ; ■ '" . • willst du wieder ernten, 

' .*...,■• • '• ■■ ^s ^ " ' ■ ■ 

.. ■- ■.'./' Drauchst du ein Llesser -• 



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'f- .. .» 



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v/illst du dich bekleiden, 
.brauchst du zwei L!esser. 









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scnleif t. 



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Frau: 



'diese Gleichgültigkeit ! . ••••':■*■ ■' , . -^ 

;: •■•• :•• . . •■ ■• •-.•• ■ ^ -•:^ •-.-;■•••. -• 

..Verstehst du nicht, dass dein Geschleif 
das Herz der V/elt in S'tücke schneidet? 



*•. 









■. • ■ *, 



-• ^ 



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Scherenschleifer: ' •* ' 

, • Ich hasse Nieraanden, 

' will Niemanden kränken - 

• . . . . ■■ • . 

• . •, . schleife ich,' so .ist * S' mein Gewerb - 



Fra.u : 



\ 



S'ist sein Gev;erb, . 

v/ie meines V/einen ist - ; 

und das des Andern Sterben! 



' Die Eine 



Zwei halbwüchsige Mädchen 
zum Hausierer: ' • * 



rohen vorüber 



wmr^m''^m'imm^*^^i^^^m^mii^mmmmßmi^fmm'^'^mtmm^^^m»9^^^''''^i^ 



^mrt^mmmmm 



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- 21 - 



Eine La.je Woll,c:arn will ich kaufen. ■ Zur Gefährtin: 
Lass legen mich die Lage un die rlandgelonke dir. 

• . ■ ' 

y/ickle ich und du hältst -still, 

so ist*s wie Abschiednehmen. 

Hielt man mich am Handgelenke fest 

und nahm die Mut t er fort - '•..•■ 



und der Abschied ging von ihr zu mxir - 

.'-■.-'*• • 

' " ■■'•-. 

von mir zu ihr,' 'v'' •, • -v 
bis er zu ^nde war -^ 



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1 



gehen weiter.' 



\ .• 



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, ■.■ Akustik; unter clon letz t en ^»orton der beiden Mädchen 
■•. TANZWEISE. dazu stampfende Tanz s ehr itTi~ 



Der Bucklige: 



/ . 



Welche Sehnsucht im. acbein - •;^. . ' . • 

'der alte Adam gärt in Ton," , ' ... 

. . • ; • . ' , ■ • ■ • • • • . ' 

.- '. - . • I ' ■ • 

der neue LIensch hat seine erste Ripoc schon - 



I < 



Akustik; Tanzweise und Tanzschritte bre chen pl ötzlich 






O 



Mädchen: 



Es zuckt unter meinemi Puss. 

■Die Flur der Sehnsucht muss hier zuende sein. 

/' ' ' ■ . • 

Da, meine Stöcke, 

das sind alle meine Wege^ 



Sprecher: Ein blindes MÄDCHEN ist unter die Tanzenden getreten. 

In den Händen hielt sie Stöcke und Reiser. Sic- hat sie 
■ zerbrochen und von sich geworfen. 



Mädchen; Immer, wenn meine ?üsse eine neue Wunde bekamen, 

war ein Weg zu Ende, 
wie eine Uhr, .die schlägt. 



■^^':p*^ ■ 



PWP*""^^"— «^i 



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■ 



Madchen: '. Ich wollte noinen Geliebten noch einmal sehn. 



► •- » 



a'ber da nähme n sie mir neine Aur^en -/.;"'' , 

von da ab zahlte ich Mitternacht. 

Nun bin ich aur noch. eine Träne von meinen Geliebten 

entfeirnt, • ; ' -^ , ■ ■. ' ^- 

und die letzte' Wunde ist in meinen Puss aufgebrochen - 



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Kinder: 



sin;-:end ■ 






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.'•V/ir haben Stöcke bekorjiien, 



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.Wege bekoiniien, 






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Gerippe •bekoitinen, 



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;VDer Bucklige: 



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Sie. hat ja nur die Gerippe ihrer Wege mit 'Vlracht- 
das Fleisch ist von der Sehnsucht ' fortgezehrt - •' : 
sie, wollte ihren Geliebten noch einrrial sehn - 



> • 



aber der 'Teufel 



scheut den Spiegel der Liebe in einem Mcnschenblick 



. 1 



und zerbrach ihn - 



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1. 



Ikustilc; Tanzweiso und Tanss chri.tte wieder einsetzend 
und v/ährend des P ol^^enden in die Pern e rückend 

-IT. . I II t i I - — ■' ■ . - - II — » ■ ■ 



■. V 



Der Bucklige : • ^ . . 

Tanzt nicht so schwer^ 



nicht an die ^/ände des Schlafes pochen, 
könnt' euch überschv/eiurüen, 
zuviel junge Herzen darin - • 
wird Liebesstaub {jeben - 

w * ( 

• ' '. 

v;er v/eisb wie das Korn schmecken v/ird - 



wer weiss? 



23 




o 



Eine JUN-GE FRAU mit KIND auf dem Arn zu den EüCKLIGSN. 



Junge Prau: Buckliger! Starre doch mein Kind nicht so an! 

' ' • • . ' 

» . • ■ '■ 

•., • \ . . . • 

'' • Gott behüte es vor dem bösen Blick -', 



Der Bucklige : 

, ' . Behüte, dass ich. es mit meinem Blick versen^^rte 

• Wundern tu ich mich nur.' • . - 

■ ."*• -^ wie du es hast gebären können • . ' ' .. 

in dieser Zeit - ' '.• ' ' « ' • ' '; 



. ' v 



, • • * 



Junge Prau: Im Erdloch hab * ichs geboren, 

- t * • * * 

.Im Erdloch gesäugt- ,;' 

\ • ' •. • 

Tod nahm seinen Vater, . V" .' 

mich nahm, er nicht, 

■ ' . ^ -. . . 

; _ ■ sah die Milch in meiner Brust 
und nahm mich nicht. 



■I . I * / 



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Der Bucklige: . ' " 

wiederholend: 



Und nahm dich nicht - 



•Junge Prau: Verzeih, wenn ich dich kränkte. 

Aber Gott behüte, 
dachte erst, .• ' 
du seist- ein lebend Stück 
vom Unglück Israels. 



Der Bucklige: auf s einen Buckel zei/^end 

• ( 

/ • 

• Du sahst auf meinen Buckel, 
. '. glaubtest or sei der Ranzen, 

• .... 

s . ' ■ ■ . 

■ -darin der. Bock das Unglück seines Volkes trä^t. 



« 



t ' ^ 



24 



Jun.'TG Prciu: Es üclieint ruir. 




dass' hundert Jahi- .oder räOiir vor:'::m^Qri sei 






seit iclx im Erdloch oass - :, . 

ich Izzinn das Licht nicht' Dohr YOTtraron - 

f . . 

ich blinzle nur - - " ' 

• < 

Dies scheinen keine Llenschen mir, 
ErdhÜ5.:el 53eh ich tanzen - . •'''.■ 

die I^i'acht vorwahrt keine Najiien. * ' 



Der Buckli^;e: ' *• •" "" ^- '" ''■■'/"'' ' \. • 

- . • Die Tänzer werf eh lange Schatten. '*^' •- 

■ ; ■" Es ist schon späte Zoit in Israel! '••, 



■•■'/ ' 



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M. 



Jurc'e Prau: Die Abonddonne blGrxdet ihre Leiher fort. 

\yas bellt, was singt, ' " •- '^^ ; • 

4 

; ■ • ; ' vergass ich län^^st - ^ /".':^:^' 



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. 1 • . 



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Der Buckli£;e : 

Ja, Gpäte Zeit- - 



Michael: 



«1» I 



und da konnit Michael, der Letzte. 



v/andernd ' , ^ 

Wieviele Millionen Menschen hat die Erde? 
Mörder wie Kain, 

die .den Tod an zehn ?inr;erspitsen trafen? 



Esse ich iiiein Brot , . • - < 

so esse ich diesen- Schrockensstauh, 
esse ich einen Apfel, . ' 

* 

so esse i'ch scin'Gesicht - 



mmm-^mi^m 



• • •,' • 






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•Sprecher: Im ilint orgrund des Markt platses führt 



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verstörte ( 






Q ins oiicne Feld. Das 3c th 



lau s 1 i c wt in 



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TrüL^jnern, so wurde hier 



ein Bctzelt errichtet 



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ütorlebende • ÜITGLIEBEHLEH GSÄffiliroE, darunt 



er der DA JA] 



der alte G-cictlicli 



, IcoL:::ie 



V! 



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1 QIC Grasse herunter und ver-- 



sa^niaelri siel: 



1 beim .Bot seit 2un IT 



ujaiirsr;ottesdicnst 



Q 



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•;-• ; 



. • ■ » . 



. • • 



Akustik: ^^tir^ren dor'Uhisteh 



enden und VorbeiArcl: 



üuden 



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Erster Beter 



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Hier ist -die Gtcli" 



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.wo man. den Bäcker Sisik' mit de: 



n schlürfenden Schritt 



t- » 



yiQßon einer Zuckerhrosel erschl 



Iren hat 



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• .-> 



va: 



ein Ladenschild eine eiserne Brczej 



± 



hatten sich die- 'Kinderbl 



icke 



I ♦• 



Q 



die 



be 



hnsuchtsblicke an sie ' gehangen 



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>♦•: 



H ' » ^. 



»V. assen sich satt 
■■• Fiel Eines hin,'' 



üaran 



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hatte genug gegessen 



*!■ • 



Dachte der Eisik 



1 1 



.V %' 



ich'hacke eine Zuckerfcrezel 



♦ ; 






'd ann . n c h eine' un 



d wieder so 



dasssie sich nicht zu Tq 






e essen 



•^-; 



mit den Aug.en ' an der Eisenbrezel 



Hat eine gebacken, keine 



lue hr 



Hat die Eis enb 



V» 



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O. C/U 



el gestrahlt 



wie in> Backofenfeuer 



bis 



sie ein Kriojsnann^ herunternahm 



einschmolz für den nächsten • Tod 



'^m 



*i>»^ ^ t m94^ * w 






Ein Mann " ,?:elit vorljoi 



N 



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V 



Dort, \70 du deine Kinder go trafen hast - 
ich glaube, sieben waren v/ir an der Zahl - 
dort ir;t dein Leib ein^/:esunkcn zur G-rabhöhle -- 
trauernd hänfnen die "veraasen Brüste darüber. 



?T 



TT, ^ -i_ i 



i.ioine i.iu ucr 



• '. dein Llürdor hat dir diesen Spie^rel vor^^ehalten , 

damit du ein kurzweilig Sterben haben solltest - 

4 
f 

Mutter, du hast, dich an^^esehn, . . ' • 

bis dir die Kinnlade herunterfiel -, ■ ■•• '* 

■ . •• ■ . "' - . *• 

aber der grosse :]n:;el hat seinorx Schatten darüber gelegt! 
• DurcJi den Stäche Idraht der Zeit 

. kaii: er su dir .i-^ceilt, ' '' 

'rüit den klügeln zerrissen -; .' ■ - 

donn Stahl und Eisen sind ins V/uchern gekonimon, rlutter - 

• • , * . 

., ' . haben Urv/alder in den Lüften gebildet - " '. ■ 

Mcrdergehirne sind ins Wuchern gekommen -, 
. Lianen der erklügelten Qual sind aus ihnen aus '-eschlaren 

• • • . 

Spiegel, Spiegel, 
• du Echo aus dem'\7alde der Toten -, 
Opfer und Henker, 
. • ■ Opfer undHenlicr ' ' . •' ' ■ 

} ^ 

. spielten mit ihrem Atem ^terbespiel auf dir -. 
. Muti;er, . • " ' ' ^ . ■ 

OS wird ein Sternbild einirial Snie-ol licissen! 
' " Geht fort. .■'■,'■•■. . • ' . 

Zweiter Beter: " ' . 

Sagt er noch,imi:ier Kaddisch in den Spiegel hinein? 



mmmmm^tmmtmmmmmß^mm» 



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Erster 3e 


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Er rcdot in 


To'bengobeten. . 


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Dajan: 



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Hoili'rer Ba^lscliem,- .. -..,. 

du letzter Garben träger von Israels Kre.ft, 



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chwäelior v/ird dein Volk und schwächer, 



ein ocliwiininer, • 

• • ■ • •■>'■'.• ;■■■ *■ •'./' 
den nur noch der Tod an Land bringt'. -.^ 



•k . 



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. • ... 

Aber ich sage euch: ^Z: .. •. ....... ^ 'v ',. . ' . •, . -; 

Msmcher unter euch hat den ziehenden Glauben geha'^cft 



s. 



• . ' 



!•♦• 



hat hinter den Vorhang der Nacht ';*; 



die grossen Beruhigungen '^Leoen una ±oa 



u 



heruntorgezwungen! ; ;•■■.■...•;'.:/ 

Nicht, nur nit V/afien wurde gekämpft, 



7 



ich sa-re eiich: 



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* < •■ 






f V 



Kainpfplätze'gibt es - Kampf platze , 
von denen die Erfinder des Tagmordes 
sich nichts träunien lassen. 
Manches Gebet 



\. . 






u 



} 

> • 



hing nit 'den flammenden Flügeln vor der Mündung der 

Kanone, . ..' . • '.' ' . *''' 

.• ■■ ■ • ' ■ 

manches Gebet "' • 



hat die i^Iacht verbrannt v/ie ein Blatt Pa 



pier ! 



Sonne, 'Mond und Steine hat loraols Gebet aufgereiht 
an den 'ziehenden Schnüren des Glaubens -, 
'Diamanten und Karfunkelsteine 
un den sterbenden Hals seines Volkes 



! 



1 



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•-•••«•^l»*! 



Pf«av«ii^K-««n 




Schimon: 



A:nan : 



Mendel 



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2Ü 



Sie sa.'^en: 



u.^. neiner schlenkrigon Gchultern willen 



hassen sie mich 



Sie sagen: 



Un 



.eines iin^T^erwähr enden Lächelns v/illen 



hassen sie mich - 



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"! P cj D rr 






ge n 



uiTx dieses Steinhaufens y/illen 



der 



eirLiiial mein Haus war 



■• • •, ' 



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hassen sie mich - 



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Der Bucklige 



Wenn ich, Bettler, '• /; . . "'", ' 

den Hut mit dsr , Vo.-^Glfedor undrehe, 

so ist's ein C-rab' für das Geld, 

setze ich ihn auf, •. • ' * 

so ist * s etv/as, 

was iriit Pliescn zu tun hat. ; • • . > 

überhaupt Lleichtun bei einerx Juden: 

Ein Eiskeller un eine gefrorene Träne ! - 



V , 






\ 



Da Jan: 



Ich sehe , • • 

sehe den Anfauj^' deiner schlenkrigen Schultern, Schimon - 

4 

als du grubst mit Abraham den Brunnen der "Dieben Sohw-urc 
in Ber Schaba ~ ' ■ • 

* « 

Ich sehe, 

' ' ' » 

ich sehe den Anfang deines Lächelns, Arnan - 
an Horeb eingepflanzt dön siebzig Alten," 



!! 



*«wa«»a 



"•"■•»»••'•■i^"»- 



■^P^"t««W»l 



•^w^itme^)^ 



29 



Dajan: 



dass es keint, :• ' ; ' 

keimt aj^i wandernden Staub der Lippe -. ' ■ 

S.teine sind Stoine -.■..•".'■ . 

. Erde vou. Paradies- darin, aber in Gierigkeit uin^^ebracht .- 

Sie aber v/issen den Anfang nicht, 
'•den 'ewigen Anfang nicht ~, , . V 

und daruin hassen sie uns -• ■ .- . • ' /•' •• ' • 



',• -I 



.*» 






#S.* 



Ö 



Alle Umstehenden: ' ■'':.' ' ; :• 

•'" '•...' .. .Daruin hassen, sie- uns , -. 



^ 



Da Jan: 



•■ * •< 
t »■ 






■ > 



aufschreiend: >, ;•.' 
' ' - "' ^ . ■ •' . '. -. 
Eli un dich -, ' ' , 



/ ', 



deinen Anfan^^ v/issend - 



• kl ■ ii . . 

tri eilt 



21JO.-VV, 



. O C-Ci.1^ 



r* p. •v'^ 



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IV- 

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VIII. B 1 1 d 



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Sprecher: Im Betzelt geht der Gottesdienst zuonde'. .Der Schatten 
. . • . . des siebenarmigen Leuchteis zeichnet sich auf der 

■ Zeltv/and ab. Der' 1UB3INER sagt die Schofar-^^eisen ' 

• - 1^ 

an. . •' ■ ..' »■■■■■' 



Akustik: übe 



■v^ 



'•1 '> >Y1 



Stirone des Rabbiners . 



Gcbetmurmcln im Zelt erhebt sich die 



Stimme des Rabbiners: ' . 

^eki& man hört einen 'lan^>-en, eintöni.<re n laut. 

Stimme: Schevvarim drei aufeinanderfo lgende L.ontP. 



Stimne : 



Terud 



Trillerlaute . 



1 » . 



30 



1 



Da 3 an : 




o 



Aber' ich sa.^e euch: -^ . 

mancher von euch "hat den ziehenden Glauben 

hat hinter dem -Vorliang der Nacht 

die .'^rossen Eeruhifrun^^en "Leben und Tod" - 



""" ,ri Vi '~\ l "\ "1" ' 



o ^*-^o 



heruntergezvvungen! • 

Nicht nur mit V/"affen wurde gekänpft, 

» ■ 

ich sage euch: ■ ''■'' 

Kampfplätze gibt es - .Kampfplätze, 

von denen die Erfinder des Tagmordes 

sich nichts träiimen lassen. .' ', .• 

• ' ' • • " ■ • . ..."■' 

Manches Gebet ,..'•' 

♦•- 

- . > * » ' . .. 

^ •. . - ' 

hing mit den flanmienden Flügeln vor der Mündung der 

Kanone, ' . ^ . / • ' . 

* 
manches Gebet 

hat die Nacht verbrannt v/ie ein Blatt Papier! 



^onne, "Mond und Sterne hat Israels Gebet 



.(•-• 



aui gereiht 



an den ziehenden Schnürcn^des Glaubens -, 
Diamanten und Karfunkelsteine 

4 

\ 

um den sterbenden Hals seines Volkes 



! 



! 



Eine Stimme : " . 

Ist dies da Michael? 



Zweite Stimjne: 

. Nein - siehst 'du nicht, 

, • ■ ' . • . » ■ 

v/ie's in der dunklen Ecke flammt - 

'ein Cherub ist*s aus Tod und Eeuer - 

* 

Die Beter verlassen das" Zelt 



/ . t 



- 31 - 



Einige Beter :• 



u- 



uteG T.Teujalir! 

• " ■ ^ ■ 

ITößQ der Auo-enblick 



rr 



u Ende sein ! 



'St. 



da Er uns' yerlasoen. 



o 



rster Betör 



Die Luft i 



st 1 



neu '- 



fort ißt der Brand 



c-» 



eruch' - 



' ^ I 



. / 



fort- 



ist der Blutf\'erucli - 



•i >: 



t • 



fort, ist der 'Quälgeruch - 
die Luft ist neu! ■ '., i-- 






» , ': 



« .' r 



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, ♦. 



V» 



' • \ 



Zv/eiter Beter 



/• 



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In noinesi Ohr ist 



*• ■« ► 



ein Geräusch 



.Is ob jeiTxand dab 



I- ' 



m • k 



ei y/äre 



de 



C'4- 



n üt 



den Stf^ohel 



,chcl aus der Wunde zu zioiin - ' v'' ■ ■''. 

• • ■ 

, der in der I/litto der Erde steckt - 



\ , 



Jemand niant die beid 
wie einen Apfel -. 



en Hälften der Erde 



.-■./^ -5 



e ausemandei 



die beiden Hälften von Heute und Gestern -, 
nimrrtden Wurin heraus-' 



• * 



und fü-t das Gehäuse wieder zusaimnen ! 



Pio Beter schreiten iihP-r den' Plat 



xaxz. 



Hinzutretende: . • 

linloortc Israel seine Seele zum Sterben 



Andere: Das Hoinholorhorn hat geblasen. 

Es vorgass uns nicht! . ■ 

' ■ ' ^'''^^ beide Handflächen einrerraben 
. . ■ hat 5r sein Volk! '• 



- « •' 



52 - 



j 



Sprecher: 



ALLE sinJ fortgCj^'ia.ngen, der Marktplo.tz ist leor. 

EINS ALTE Y?j^J3 konnr.t urxd setzt sich auf den Brunnenrand 











Alte Prr.u: Korruiit er noch nicht, der Rabbi -, 

.inLner" noch' nicht der. Rabbi -. 



1 1 



a k Girant der Rabbi! 



Steht auf und _>A_eht ihn ent/i-c^bn; weinend ; 
Kab ich einen. Kuchen gebacken, 
draussen im Ofen auf der Weida -, 
haben die anderen Frauen gescagt: 
schön iot deii> Kuchen, .' ' ' '. • 
dein Feierta;.;;skuchen!' Kab ich gesart: 
ist für den Rabbi, der Kuchen. 
Hab drei Mass Mehl genommen, 

v/ie die Sari tat, als sie buk für die Engel, 

»■..*., 

die Engel, •"'■.•.,' 

. ■ . * 
die zujU Abraham kaiTien am Abend"- "'•■' 



Rabbi: 



In der Schrift steht nichts, dass sie am* Abend kamen - 



Alte Prau: Immer kommen ^ die " Enge L 'am Abend, 

Und das V/asser am Quell 




Rabbi: 



hat einen Mund, der spricht. 



'^'arum v/einst *du Mütterchen? 



Alte Prau: Soll icli -nicht v.^einen?. 

Haben die x4atten gesessen den Kuchen, 
den Kuchen für den Rabbi! 



Rabbi : 



UeuGS iv5el:l v/ird man dir .^rüben,' 
und wir es oon zuscurJüGii den Kuchen 



■j'j 



t , 



Alte Frau: 



Kann nicht r:ehr backen, 
kann nicht iriOhr essen. 
Kann nur noch weinen».- 



Weint heftiger. 



Rabbi: 



_. ; V/ohnst- du im Haus bei den Alten, 
■ Mütterchen?. . ' ' • 



I I 



I . 




Alte Frau: Im dritten Keller v/ohne ich, 

am Marktplatz. 



' .■ . 



■ » ■ ' 



. 't. . .. ■ . 
• » 



f< • 










Rabbi: 



Warur.i wohnst du nicht bei den Alten ? 



* I t ' 



Alte Frau: Weil ich v;ohnen muss , 

dort, wo ich wohne. 



* 4 * 



:» 



'Ist der Jehudi dort geboren, \- 

• . ... . . ' , \ . * ., 

der Natel dort ,Q:eboren, "•"•' . -' ^'' 

das Taubel dort .q;eboren -••' 

ist noch ihr Schrei darin, ■' • '. ' 

von dem Taubel der T,anz darin - " . ' • 

der Michael hat rair ein Paar Schuhe geschenkt, 

weil in die alten die Grab erde hineinging, 

vom Jehudi die Erde,'- 



• •• 



vom Taubel die Erde, • 

vom Natel die Erde". 

Sind Schul vom Rabbi Sassbw, 

• • • . 

sind Zaddik-Schuhe, " 

Heil schuhe , .heilifje Tanzschuhe . 
Ist vor. Tc.ubol der Tanz darinnen« 

I 

Seht! . be.rännt zu 'tanzen. • '■ 



" '■II Ü I I » W I 



i 



34 - 



IX. E i 1 d 



Sprecher: Im ileuen Jahr -wird ein neuer Anfang ^eiaacht. Die neue 



Stadt wird auf, -c baut. HAl'JDV/iilRKER ' gehen über den verfallen 
Karktplatz.'Der DAJAN, der ALTE, und der bucklige BETTLER 

spreclien zu ihnen.- • •■■''''•'' ' 

. •> , , . ' 

■ .. . '\ .. . ^ . •■ . • . 

• • • ■ , . • 

. • . . . . • ' r 

Unrealisti sc he Akustik; Schritte und Arbeit-; 1 arm , S •■•• --e n . 
Harnnorn, später Gesan^c:; Lied: Wir bauehTT ir~öiFenr.Tr;: 

*^'^^'^*'^***^** ' ' ■■■■— ^— — ^''*^— III * ^ n a i— ■ . ■ I ^-^ -^ 

1 ' • ■ » 







4. 



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• .V'v 



Der Bucklige: '•• • ■ -r' .,;/'^'' 

Das ist eine Tür?. '• ' '- 



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7 



'•?.' 






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, , • * 

Eine Tur ist -ein Messer ••''••■■••'•.•■•'•'• • 

■ % ■ . .> . .•,... ... 

und teilt die V/elt in zwei .Teile. 
Stehe 'ich davor und klopfe an, ''. 



•- V 

« ' • ■ - • , 



A •*. 



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* 



V/eil icn ein Bettler bin'j^ •';>/ 

ff. • • • ■• . - 

.so wird mir vielleicht auf/retan . .■ • :v ' • ' /' " ■'•' . .■ 
und der Geruch .von* Gebratenem "' •"*• V ' • ■ 
und der Geruch von eingeweichter Wäsche 'strömt heraus. 
Es ist- der Geruch der- menschlichen Wolmunren. •. .■.'•'. 
Hat man eine feine Bettlornase, ' " '"• ' 

kann man aucH' Tränen' , " ; ' ' ' ' . ' ' . • ' .• 

' • - * 

oder, eingebautes Glück, riechen. •,. 

Die Prau aber sagt: • , ' 



"Nein,, es/ist zu früh am T 



age" 



und "nein" .sa,ft die sich schliessende Tür. 
■ An der zweiten Tür kororie ich zu spät, 
• gerade habe, ich noch einen Blick 
. . in ein aufgetanes Bett erwiocht, 
und die Tür schliesst sich,. 
.' traurig wie ein Abend ser^-en. 



' #yWlfci<^t>i I II ■■ 



W^^m^t^^^m^^^g^^ 



«^■■■' ■ r •• 



35 



Der Buckli.^e : 



ZiiminGriiiann,' hängü keine Türen 

CS sind die Messer, 

die die V/olt zersclineiden. 



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Zirj:ier::iann: 



¥ 



vlann, niimr^d einen Verstand zusaininen, 
Türen sind für die Kälte und für die Diebe. 
Und da die Kälte aueh ein Dieb ist, 
SO ist es richtig, v/ie es ist. 



V 



Bettler: , Hier ist IsraeT, Tür der V/elt, 
: Tür der Welt öffne dich! 



ZirrjTiermann: 



Die ist gut ,:^ebaut, 
die rührt sich nicht, 






ber dahinter. 



dahinter reisen die Schwalben. 



O 



Schar junger Maurer: 

Lied 



Wir bauen, v;ir bauen 

die neue Stadt, die neue Stadt, 

die neue Stadt ! ' ' .' ' • 

Y/ir brennen, wir brennen 

die Zie/^'cl der neuen Stadt! • 



Dajan: 



•Und Abraham hub seine Hütte auf, 

.wieder und wieder, ' . ■ ," 

und setzte sie in die Richtung zu I h ::i. 



»^•mtmm^'^mmmmm 










Erster 






urer : 



Moses hat gebrannt! 
David hat .^":ebrannt! 

* 

Jetzt brennen v;ir, 

wir, die Überlebenden!. 

Sein Dornenstrauch in der V/Uste, 

sind wir, wir, wir ! 



Zweiter Maurer: 

Wir brennen. 



und hier ist unser Leuchter! 



O 



Dritter Maurer: ",' . •;' - 

• , . Wir haben die neuen Wunder! 



\i 



Unsere Wüste hatte auch Wachteln und Mannacrot 

■" • ■ » 

eine Zeit lobte ich von Schnee, . ■ 

* 

ass Wolken und HinnTiol auf - 



Ein Zirnnermann: • ' . . . 

' ■ . '• 

Was sagst du izu dem Geheimnis einer Kartoff elschale, 
die über die Sündflut des Hasses an meine Pässe spülte. 
Das ist meine Arche gewesen. ' . 

'Wenn ich jetzt "Gott" sare , . 
y/eisst du, woher die Kraft komrit. 



Alle singen: 



'* 



Lied 

V/ir brennen, wir brennen, 

das neue Haus zu bauen . . 



• • ' •» N 



*»^— ■••ii*« 



I— — "■—— W— «^W ip mmt 



Da Jan: 



- 37 - 



Ich fürchte, ihr öcliachtet nicht tief 'a-enU'-. 

die Grundnauern werden nur Leichtlebiges tragen! 

Der neue PcntatGUch, sage ich Euch, der neue Pentateuch, 

steht mit dem Schirmiel der Anrst 2:oGchrieben 



auf den Wänden der Todcskeller!' 



f - ,. 



« . • • • 

Erster Maurer, zu Da.jan; : •' . , . ■■ ''/ '■^:.- • . • , . . '. 

öpar' dein Erinnerungsheu für den nächsten Winter 



• ft 



O 



Alle 



r*^ 



Dajan: 



hier sind junge Mädchen, v.-'. ■'•'■■. " ', 

hier ist frisches Gras, 'r'- ■ *. • •/ • ' " 

• • ■ . ■ • •.■♦•■.■■ • , - ■' ' • . 
Staubanbeter sind v/ir (?)\ • '.'■•-.• " ' "• ' 

Solange der Staub- solche Früchte gebiert, 
werden wir in seinem' Acl-cer wühlen' ■.'■• 



\ 



und Staub-Paradiese schaffen. 



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.1 * • 



I . 



I . t • 



Lied, dazu Mädchenchor; ' 

Wir brennen, v/ir brennen, 

das neue Haus zu bauen - 

Wir bauen, , wir bauen 

die neue. Stadt, die neue Stadt. 

V/ir brennen, wir brennen 



uie Ziegel der neuen Stadt. 



Gesang entfernt sich, dahinein: 



Ich sah Einen sein eigenes Fleisch benagen, 
sich wie der Mond nach einer Seite rundend, 
und magernd hin zur andern Welt -. ■ ' '• 
Ich sah ein Kind lächeln, 
bevor, es in die Flammen geworfen wurde - 

Wo bleibt das? ' ' 

Mein Gott, wo bleibt das? 



■^■■MWi^ 



■— ■ iimmfi^m^ • mm^^ m 



X. Bild 



Landstrasse 






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Mendel: Dies also war^ 'ne Land Strasse 

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t ' 

sieh da: Bäume hingelegt •.,. 
in den Sand wie unsere löten 
mit verrenkten Glieclern 
^ \' ' Felder aus Asche/" 



• « • 



Schrenschleifer , . 

rückv/ärt s zeigend: 

Sind da alle, etwas angekantet, Bruder mein. 

Mendel:, ...Wer ifii Dunkeln sitzt, 

zündet sich ^nen Traun an - 
Wer die Braut verliert, 
umarißt die Luft - . ' ' ■ 
wem der Tod das Kleid strich, 
dass es schrie, • ': 



- 59 - 



Mendel: 



i ' 



an dem essen die Gedanken wie Y/üriner - 

aber ^z^t, dass icli die Ware gerettet hatte 

^" ' ■ 

unter derü Gestein. 

Der Verdienst war nicht schlecht heute - 



Scherenschleifer: • . 

• v V/as meinte der Mann da, 



o 



als er den mit den schlenkrigen Schultern 



. • 



und euch Andere herauszählte? . 



4 « 
I . 1 



Mendel : 



Wie seil ich das wissen? •:•' 



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K 



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\'-. 



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>^ 



Sah einmal einen Rutengänger. 
. ' . - *' " /■ • • . 

Die Rute schlUc^"; -auf y '; -. ' .'I- 
wenn eine Quelle gefunden war 
So sucht der Dajan überall . ■ 



.\ 



nach der Quelle des Hasses, • • ' ,. '. . 

• ■ * ^ - • 

die man Israel zu trinken gab. ' > v 

• . . .7 

- t *. 

Aber wenn ich es auch besser wüsstc, 

du, von einem andörn Stamm, /. ; • 

wie sollte ich es dir erklären können? 



Scherenschleifer: . •'. ." 

Warum sagst du, Bruder, solche Worte!' 



/ 



Als war auf dem Heuboden la.gen, _ , ; 

beim Polen Jarislav auf dem Heuboden, 

da v/aren wir -beide eins! ' 

Augen nur, den Feind zu erspähn, 

Ohren nur, auf das Knarren der Stiege zu achten - 

Haare auf "dem" Kopf, 

um z'Oiii Himmel zu s'c eigen in feuchter Angst - 



■•*». .mH 



mm^m^Kmm^m^ 



11^ iii»» m i» I ■ 



•»■•»»»■»«1»«^ 



40 - 



o 



Scherenschleifer: \ 

kam ein Schlaf zu uns, 

• # ■ 

^ , ■ ■ * ■• 

'ein Hunger, ein Erwachen - 
.. kam die gelbäugige Eule, 
die Zv;eige sammelt, • ., 

« 

wenn sie den Tod riecht - 
. sah ins Bodenfenster, ... .< • . 

schrie wie 'ne Henkerstochtor, 
■ wenn der eine gehabt hätte: ' • 

• * * 

uhu! 



I » 



o 



Mendel: 



Du hattest einen Gurgollaut im Traum 
wie ein Ertrinkender - 



Scherenschleifer: 

. • . Du sprachst soviel von einem Licht, 



•• das deinen Kram entzündet hätte - ' 






endei: Hörst du die Crrill.crj, Bruder? 



.' h* /•• . 



Scherenschleifer: 

Nein. 



I ) 



Mendel: 



Schade 



y' 



es ist der hellste Laut auf dieser Welt, 
nicht jedes Ohr nimmit ihn auf. 
Aber sahst du eine? 



Scherenschleifer: 

•Nein - 



N 



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m^mmmmm i ■ ■ i 



l«i>IM' < III li»W< ■ 



1^1 ■ — — »> 



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- 41 - 



Mendel: 



Noch Liehr schade; 

sie sitzen da, wo das Unsichtbare beginnt. 

Sie betteln schon an der Pforte des Paradieses, 

s 

sagte die Grossmutter zu uns Kindern. 
.Einmal aber sass eine Grille. - • 
auf einer Rolle rosa Atlasband - 

t * 



I I 



Scherenschleifer:- .. :. "/-■"*.••. ••'V' .' -T ^•- ': 

, • •> • ■ , ■ . ' ^ 

. • ■■ -Z^ einem verwilderten Hund , der vorüberläuit ; 



O 



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•v,-.-; 



*. . 



\' »V 



Komm, konüu, Kamerad. ^ 
Mit deinen vier Pfoten 



V i - , 



,* 



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•• • t - " ■ • . • . - • 

■••kannst du meine beiden begleiten. .. ..', ' 

• '■ ' -•• • • ■ . ' '• 

Hat der Mendel seine Grille,' - '' ■■ . 

... • • - r • . • -' • , w. • . ^ _ •. . . -,' 

•'hab ich meinen Hund. ■'. '■':;:■■/ 

« •* . . . . ' • • ' ' - 

Schleif ich, wird ' er bellen -. " ■ ■ '. 

■ ^ • -. ^ -■■• ' ■ :•. '' ■ ■ 
"•^ind zwei, über die der Wind fährt,:- 

zwei zum Hungern und Draussenstehn, ■'■ 
. . ■ . . -. ...... - -'.-^ 

mit der Erde unter unsern Pfoten -. •'" 
Geht in seine Pupille Sonne, Mond und 
und 'ne ganze Welt -. ' ' ■ ■-' 

• • ■ , » ■ ' 

du warmer, laufender Erdensand 
mit zwei Spie^^eln - ' " 



•»■!. 



Sterne - 



• ;* ' 



I • 



' i' 



EIN IiBTTEL]±;^Tü:P Gi^EIS könnt ihnen en t /co re n . 



Mendel: 



V/er bist du Väterchen? 



Mendel: 



\ 



N 



Der Alte: Ich bin nicht und auch kein Väterchen! 



Du bist nicht, aber du rodest doch! 
Woher kommst du? ' 



um 1 !■ I» !■ 



" *l < ■ >P»^^i»^^^M 



- 42 - 



Der Alte zei/?t auf das Schercnschleif errad : 

Bist du ein ocherensciileifer? 



Scherenschleifer: 

Ja. . 



Der Alte 



So weisst du Bescheid 



o 






Scherenschleifer 



t • » 



V/ 



arum antv/orteä du wie im \ 



ragespiel? 



\ 



Der AJLtQ; .. Darum 



weil im Stein Feuer ist 



. ' ♦ * . ■ • • •■ 

also' Leton . .:. ' . '' - 'V • ^ . .* 

*•■ ■ '. • •. ' . ■ ' ■ .' ■ „ "f" 

I ■ . * 

und im Messer Tod - •■■ ■ ' •, '''-; 

' -. ■ • ■'.. ■ ■■<■• • • 

Also schleifst du täglich- das Leb 



Daher konme ich 



^ 



'en mit de: 



Tod 



r A 



Scherenschleifer 



Lebendig aus dem Tod? 



». 



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© 



^ * 



^ t 



\ 



Der Alte: Wo die Mörder mein Volk in die Erde säten, 
•.• • ' 0, sein Same sollte .sein sterncnreich! ' 



O ^"L. 



bcne renschleif er: 

Aber Du?- 



\ 



Der Alte: Ich v/urde nur halb gesät, 
. . lag schon im Grab. 

Wusste schon, wie die V/ärme aus dem Fleisch .o-eht - 

aus den Knochen das Bewegliche fortgeht - 

hörte schon die Sprache des Gebeins, v/enns zerfällt 



" II 1 1 ■ ■ 



Der Alte: Sprache dos Bluts, wenns gerinnt - 

• Sprache des Staubs, ' • '. • 
. ■ wenn er neu um die Liete wirtt - 



- 43 - 



1 



Scherenschleifer: 

Aber wie 



wurdest du /gerettet? 



l:> 



is • ' 



% ^. ' 



t .: 



O 



Mendel: • '• Hast einen Ein;-; .i-ehabt, . •• -• ■• ■■ ' " \ ■ 

■''•• ■•■.■..• ■ ^ • eine schöne Perle in Kauf gegeben, . .• 

•■ ,... /.*•■ das Leben bezahlt mit einen heimlichen Schein? 



Der Alte 



Arm 



ensäcke 



'». ' 



\- 



Mit Pra^-iren aus^c^estcpft und mit Gezänk 



o 



\'^ 



«r 



iVas v/isst ihr 



. \ 



o 



« • » • 



MQnxi die Leiber leer v/erden 



.rauschen wie die 'Muscheln 
* ■ / • • • ■ 



^jenn sie auffahren mit den weisslocki>een Vo^er^ 



t:>' 



•• \ 



der Ewi/Tkeit? 



u- 



f • 



• • •: 



» \ 



Scherenschleifer 



• • 



Iber saA'e uns, wie wurdest du \crerettet? 



o 



t^ 



4 






Der Alte: '^^aren v/ir ^ , geflohen, 



der Amschel, der braune Jehudi und ich. 

Hat man drei Länder ein.ref angen, 

drei Sprachen eingefangen, 

hat ilände ein^^^ef an.-Ten 

und sie ihr Grab groben lassen, 

ihren Tod anfassen lassen,. • 



Hat die 



Leiber erschlagen 



■^■f^!^^ 



>^IW«V«'W«W«I^MVM> 






Der Alte: 



und den AbhulD hinuntergegossen. - • . 
V/ieviel Milliarden Qualennieilen von o , _ 



I h. m 



« ! 



I'iendel 



Aber du, du? 



o 



Der 



ri. 



Itc: ' Der Soldat, 



t • 



der die ^ 



Tl^n^rl 



rde 



• - 

über uns zuschüttete 



und uns tegruTo - 



geseg 



e^rnet sei e 



r - 



' t" • 



er sa 



b "bei der Laterne Scliein, 



denn es v;a 



r ilacht 



f , 



•<_ 1 



a 



ass sie mic 



li nicht genug gescnx 



U->^v:: 



cn hatten 



I ' 



. » 



•v- 



und dass sich, meine 



Außion öffneten -, 



und ''er holte laich heraus 
und verbarg mich - • .:;.■ •• 



•V 



\ 



o 



Scherenschleifer 



Sehr unglaubwürdig 



Mendel: Man kann nicht vvissen,-. 

sprich nur v/eiter. 



\ 



Der Alte: ■' Es. hatte der Soldat - 

f 

•dies sagte er mir später - 
am gleichen Morgen einen Brie 



f von seiner Mutter bekommen 



Gesegnet sei sie! 

Darum war er nicht berauscht wie die 
und sah das Zwinkern meiner Augen. 
Die Mutter schrieb: 



andern 



1 



• . » 



- 44 - 



Der Alte:, und den Abhub hinuntergegossen. - ■ , ^ 

■ • .. ■ V/ieviel Milliardon Qualenmeilen von o, Ihm-! 



Ivlendel : 



Aber du, du? 



o 



o 



Der Alte: Der Soldat, 



» I 



\ 



der die Erde über uns zuschüttete 

•■ . ■ ./ ' • - • ■ .' • '" •■ ••• .'•• 
und uns begrub - . . ' - 

^ gesegnet sei er .- ^ ' • - . . 

•■ *'. ' ' 

,: er sah bei der Laterne Schein, 



. * 



• « 



denn es v;ar Nacht, 



*. 



• ■* 



dass sie mich nicht genug' geschlagen hatten,' ' 

und dass sich. meine Augen öffneten-, ' ' 

und er holte mich heraus " •* ■ • •..- 

.... 9 

* * *. • 

• . und verbarg mich - ' '. • .. • .'■'. • ' * :• 



• 9 r 



\ 



\ 



Scherenschleifer: 



Sehr unglaubwürdig. 



Mendel: 



Man kann nicht wissen, 
sprich nur v/eiterV 



\ 



Der Alte: ' Es hatte der Soldat""- 

•dies saffte er mir soäter - 



am gleichen Morgen einen ürief von seiner Mutter bekonmier 

Gesegnet sei sie! 

Darum war er nicht berauscht wie. die andern 

und sah das Zwinkern meiner Augen. 

Die Mutter schrieb: 



^mmmmimmm^i^m^Hßm 



immmmm^m^m» 



- 45 - 



'-> 



o 



Der- Alte: "Diesen Srief wollte loh eigentlich zu den Strumpfen Icfs 

derx selbstgestrickten. ' ' ■ ^' ■ ' / 
Aber die Sehnsucht liess mir keine Ruhe - 

gesegnet sei sie !•••.. .. ■ 

♦ . . . 

und ich schreibe schon heute 

und warte nicht, bis sie fertig sind. 



Der Anzug aber, der blaue, 



« • 



ist gebürstet und an die Luft gehängt, 
• wegen des Mottenpulvers. 

So riecht, er nicht mehr, ■■ " ' • 
wenn du kommst." . ■ " ' : 



O 



Aber es' war nicht so, ■' '■• ' 

dass sie den Brief gleich einstecken konnte, 

7 

denn sie würde krank über Nacht. 

• ■ ■ . 

/• "Da karn eine NachlDarin - 

; gesegnet sei sie! - •• '. . ■■ 
fragte nach dem Ergehn - , 

aber eigentlich wollte sie hur' eine Zwiebel haben - 
eine kleine Zwiebel für die Kartoffeln, 
denn zu Ende waren ihre ^eigenen. ' ^ • > 

■ 0, dass sie Kartofifeln ass .' ' 
und keine Rüben - 

* 

Gesegnet 'seien alle Zwiebeln! « ' 

und sie erhielt eine Zwiebel 

und nalim den Brief zur Post 

und der Soldat erhielt ihn an jenem Morgen, 

* ■ ' * 

und berauschte sich nicht wie die andern - 
und sah das Zwinkern meir^or Augen - ' • ' 



i. 



I . 



■^"■"•••«•••"p« 



••^mmmm^^ 



- .4-6 - 



bchercnschleiferr 

V/ieviel Zv/iebelschalen haben sich da 

ZU deiner Rettung! ' 
; Und was wird weiter keimen 
;• aus deinem Zwiebelglück? • • ' 



zus amme nge t an 



o 



Der Alte: Ich geh zum Rabbi in die Sräberstadt. 

Der Leib. will nicht mehr halten, 

r 

,•• Sand hat den Sand berührt -. . . - 

. ■ . ■ . Doch nun sterbe ich 'den eine n Tod . • 
" •- ~ . ■ '. ' . ' .■ ■ 

/ .der andere, in der Handmuskel eines Henkers sitzend 

'. ■"■ .■• ^iö ein^Dietrich in des Diebes Paust ■ "' ' ■ . 



\ 



den brauch ich nicht mehr, • 
ich hab den rechten, Schlüssel ! 



Geht weiter. 



S0H£RSHSOHLEI?L'B ' ur.d MENDEL wn-nri o rnd . 



Mendels . Ich freue mich, ich freue mich! 



^ 



O 



Scherenschleifer: .' 

V/as erfreut dich, 



Bruder? 



Mendel: Ich freue mich, 



y 



dass ich dem Michael ein paar Schnürbänder 
für seine V/ander schuhe. 
Kommt er ins Paradies, ' 

r • 

' l r ' 

hat er meine Schnürbänder am Puss! 

Auch war des Eli' Sterbehemd von meinem Ze 



1. 



scnenicte 



eu£j 



Scherenschleifer: •■• ■ 

Warum war ee gut, 



dass du dem Schuhmacher die Schnürbändcr rabst 
und warum soll er sterben, / .jung wie er ist? 



- 47 - 



o 



Mendel: 



f:feheimnisvoll : 



Ich weiss es nicht, • 

aber gut ist es auf jeden Pcill, ' . 

Ein. Sechsunddreissiger kann er sein:* 

auf dessen Taten die V/elt ruht - - - ' 

einer, der dem Lauf der Gev/ässor folgt 

und die Erde sich drehen hört - 

bei dem ^die Ader hinter dem Ohr,- •"' " - ' 

die bei uns nur in der Sterbestunde schläirt, 

jeden Tag schlägt', ^ ■" '' / ' * ' 

* • ' ■ . . ■ • . ■ ' ' ■ ' ■ ' ■ i . 

einer, der Israels Wanderschuhe zu Ende trä^rt - 



> ',♦* 






o 



Scherenschleifer:. 

KocLTi, mein Hund, 



. > 



♦. 



Mendel: 



du siehst aus, als ob du Hunger hättest'; 
die Zunge hängt dir aus dem Hals,'"-' 
also bist du auch durstig .-. ■ ■*■■■..' ' • ■ 
^i'IlT gehen in das Dorf, .* ' "- 



• t 



wenn noch ein Halm vom Storchennest davon übrig ist 
ZU einem' Bauern, • 

sofern von ihm noch ein Pingernagel aufzutreiben is 

suchen eine Sichel, 

schärfen sie . . • ' , 

und schneiden mit ihr- -das Unlcraut auf dem Felde - 

violleicht finden wir. auch eine Wasserlache, 

darin der Tod noch nicht seine blutigen Hände wusch 

und dann trinken wir - ' 

grüsst und wandert mit dem Hund querfeldein. 

Nun ist'.s wie vorher: 
gerettet aber allein ! 



'( 



'mtrwim^'^g^'t^mmm^^KMtm m 'i ■■ ^'i^-wnp— 



■ * i^l >■ ' ■ |IW 



XI 



Bild 



- 48 - 



Sprecher: MICHAEL, von cloin Jie Leute sagen, er habe den unge- 

hrochenen Blick, den Balschemblick - von einem 3ndc der ■ 
V/elt zum andern - Michael hat sich auf die Wanderschaft 
geniacht, den Mörder Elis zu finden. In V/aldo, nachts, 
ßorät er an einen Ort des Todes. Zu ihm spricht alles 
von der Vernichtung Israels, die Ruine des Schorneteinfj , 

• ..; ' Stern, Baum, die Nacht und noch die Spuren der aetöteten 



» iN 1 



o 



■- t. 



im Sand. • '/' ' "• 

.. , , , . . ' ■:■'.'■ . ':•■ ' . • ■ 

Unrealistische Akustik; Michaels Schritte, vVind una T ör e 
für einzelne Stimmen. ' '. ~~ ' 



I • 



Stimme aus dem Schornstein:' •* . ._ ' ■' • ■ '' . ' .• ■' ' , 
; , . ..f) _ Wir Steine sind die^letzten, die Israels Leid berührten. 

;. •.••■"■^-' '• ■ ■ Jeremias Leib im Rauch, "' .' ■' •'.'-•■■ / ■ .■ ■ ■ . 

« , , ^- ■, , ... ' • -, *..♦*''•■.•' • ' 

Hiobs Leib im Rauch,- "•;•" • ' •'" ' x.-'. ' • • 

• . ' ' . - „ ; ^ ' - 

• . * t ■ .1 

' .'.'■ .■ die Klagelieder im Rauch, ' ' "• •' ;• ■ 

■■- ' ' ' ■-■'"."■ ■ :, . -■■ . ' ■■ ' ■'■ ' ' ■ :■ ' 

. •■ der kleinen Kinder Wehklagen im Rauch, • ' - .' .' > 

• ■ - • ■ • ... 

r ♦ • 

der Mütter Wiegenlieder im Rauch - .''"' .. ■ 
.■ Israels Preiheitsweg im Rauch -i ■ ■ " ,• -'j ■..• , • ■, '. ' ■ 



,( 



O 



Stimme eines Sterne: ^ • • ' . "' '' 

2) Ich bin der Esse;ikehrer gewesen -, 

i 

mein Licht wurde schv/arz - 



Ein Baum: 

3) Ich kann nicht mehr gerade stQhn - . 

es hing an mir und schaukelte, 

als hingen alle Winde der Welt an mir und schaukelten 

Zweiter Baum: ' ' • 

•. . ■ 4)- Blut drang an meine Wurzeln - ■ 

,. . alle Vögel, die in meiner Krone nisteten. 



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- 49 - 



Zv/eiter Baum: - '■ ■ ' V 

4) . hatten blutige Nester. ■ 

Jeden Abend blute ich von Neuem - 
•meine V/urzel steigt aus ihrem Grabe - 



O 



• * 



•■• V .' 



o 



Die Spuren im Sande: ' . - ' 

' 5) Wir füllten die letzten Minuten mit Tod. 

\ ■' ":' ■. .. ■ 

/ • - .Reiften wie Äpfel von schweren Männerschritten - 

■_,; . __ die Mütter, die uns anrührten, hatten Eile - ' : • ■ ' ' ' 

.; :;^-, .■;;., aber die Kinder waren so leicht' wie ein 'iTrühlingsreiTen - 



t ■( 



I • ) 






»f 



Stimme der Nacht: ' .•■■=-, ..':■: ' '■'•";•' 
i ■:, 6) Hier sind ihre letzten Seufzer; ' ,-. '.•' ' '. ' ' ■.' 

/ '.',•.'■■; ich bewahrte sie für dich,' ".•'.''■■■■' ■■■ ■■ 

^ . ;. . > • • . .. ■ . • * H . •. . 

,/: ': . fühle sie! •','- . '.•••'.,■ ' ./ '• ■' '. ' ■ .' 

' » "•• * - . ■ * . - ' . • ■ ' ' ' ' ' ^ . . '' ' *.' ' 

r ■•■Ihre Wohnungen sind in den nie aiternäen lüften - ' 

* , * * ' m - - 

■ V 'A.-. .-^^ ^-^^ Atemzügen Kommender -,. .. ■ ■ '.. 
..••• ; 'unbegreiflich in der Trauer der Nacht - ■ ' ' ■ 

Während MICHAEL den StiiTmien lauscht/unterscheidet er 
zwischen Baum.wurzeln ein "wESEN, das am Boden sitzt 
und an einem weissen Gebetmantel näht.' .Daneben liegt 
im Grase ein Schädel. '^^ ' '■"■'^ ' ' 



Sprecher: 



• •. 



Das, V/esen: Michael! 



Michael: näher kommend: 



Hirsch, der Schneider, 

t * 

sah bei Lebzeiten ähnlich aus. 

Du hast verwesliche Gesellschaft neben dir - 



mfm'mtmwmmmimmmm 



- 50 - 



%, 



Das Wesen: Hirsch bin ich, der Schneider, und die T^Iachbarin da, 

y/ar jemandes Frau, vielleicht die meine - 
ich weisG es nicht - denn obgleich ich dort 
bei der/i Schornstein 
als Tod angestellt war, 

so ists schwer, über der Grenze was v/iederzufinden. 
Eine Minute nach Mitternacht . ' 

• • • ■ * - 

^ sieht alles gleich aus -. / ^ ••. ' 
-^ber wie dem auch sei, - . 



O 



' *« 



* * . 



hätte ich auf die Selige gehört, • .. _ 

* ' ' ' 

.so säss ich bei den lebenden in Amerika., 



unter denen ich einen Bruder habe . 



j I 



• - t 



und nicht hier unter meines Gleichen, 



o 



• 1 ■• 



Sieh, hat sie gesagt, 

als es begann* 

Du bist ein Hirsch, . ' 

also musst du es ahnen, - '•. 

.• ■ . • 

die Juden sind überhaupt ein ahnendes Volk ~: 

es rühren sich die Messer in der Lade, 

es knirscht die grosse Schneiderschere -, 

das Feuer im Herd aber bildet /gräuliche Gesichte 



wie beim Weibe von Ensor - 



.« 



vor allem aber: ich fühle Blicke, 
Blicke schielend wie die der Katze - 
Michael, Michael - ' . . 
dich haben sie nicht angerührt, 
geschont haben sie deiner, 
und hast dich ihnen gestellt überall, 
sozusagen im Gegenv/ind, 



- 51 - 



Das Wesen: hätte mein früherer Kunde, der Jägermeister, gesagt - 

wie ein Wild, -• ' • 








'> .'■ 



das die V/itterung verloren hat - 
aber mich hahen sie angestellt, ' ' 
meiner herausstehenden Backenknochen wegen, 
aber auch meiner Beine wegen. 

n ■ ' . ■ ' 

Tod, 'du hast zwei ' Sichelmesser , 

haben sie gesagt, • . • 

da geht es schneller. "' 

Legst du nicht, dein Volk in Rauch, 

/ 
brennst du nicht dein Pleisch^und Blut, 

so lockern "wir deine Beckenschraube . . •■ * 

und neiimen deine beiden Sichelmesser fort.. 

Und dann hast du auch bessere Nahrung 

als' v;ir alle zusammen, ■ [ ^ . 

Rauch wiegt schwerer ipi Magen als Brot -. 

Und ich habe sie gebrannt, 

und ich habe Rauch gegessen, 

r 

\ ' ■ 

und ich habe Ihn verheizt -. 
Und ich bin in den V/ald gela.ufen, 
und es haben Himbeeren gestanden -, 

■','.■ , ■ • • 

und ich habe Himbeeren ge.^-^essen, 
nachdem, ich Ihn verheizt habe -, 
und ich habe nicht - sterben können, 

* * 

weil ich der Tod bin - < 



aber sieh da - 



sieh da - 



'V 



schreiend 



.s 



mmmm^'^^'^mm^^-'^m^ 



- 52 - 



Der Schornstein: 

Ich bin der Lagerkommandant. 



^— > 



Marsch, marsch ; . 

« 

gehen meine Gedanken aus meinen Kopfe heraus ! 



Stimme : 



7) 



Höre. Isra.el. 



^ ■ 



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!»:'•. •- 






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unser 'j-ott, 

Einer - 






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SjilR SCHORNSTEIN stürzt zusammen. 



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-. Las Wesen sterbend: 



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V.« 



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I.V. 



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4 






Höre Israel - 

E r unser Gott - 



Er - Einer . 



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. V. 



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• Die Euss-Spuren im Sande: •. ' 

• '■ .' . Samm.le, sammle, Michael, 

■ . . . . eine Zeit ist wieder da, 

die sich abgelaufen, hat -V- 

■ * • . - ' 

; ■ . . hebe sie auf - 

hebe sie auf - 



t «• 



,» 



\- 



• , 



Micnael:/'' liüclct sich irx den Pußsiouren 



»I* II» 1'^ 



.?^ehend; ■ '' • -: 



Ein Todesminutensammler hat keine Körbe 
nur ein Herz zu^' füllen- ' . 



< . i 



• ■ "■•11 fV 



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XII 



Bild 



Sprecher: Aus dem \7ald tritt MICMEL in die Heide, in 



s i..oor 



der nächtlichen Grenzlandschaf t. Fingerkraut wächst hier. 
•; I^ie PINGER der Spezialisten des Tctens beginnen zu sprecl 



10 



\ 



Unrealistische Akijs tik: Michaels S.Vhri 1 1 e , W i n -• und ' 
'; lOQiiguren für die einzelnen FU-i r^i^or^ . •• 



• i 



♦ # 



Q Michael: ,-. .Alle Wegweiser zeigen nach unten. , '■ --. 

. • Fihgerkiräuter wachsen hier ,.■■.•• .' . ' ■.•. '•■ '■ 
■ • . ■ ■ .^ aber nicht die,"' .''••■.. *•,.■..'...■'.■■.■' '■ - • ., 

..- mit denen Myriam' ihren kleinen Schuh füllte. 
/•.■ daran die Spange riss: -, . ■ ' . ' V" * 

"nähe sie, während die Pinger dich streicheln" - 

' - ■ - . • •, • » .• . . 

t ■ - , 

. dies hier sind Pinger von Menschenhänden. ■ ■ .- 



y 






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'• I« 



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:•; 



o 



Stimme der Finger: . ... '. ■,''." ' ' ■■ •• ' . 

_ .,, ., Wir sind die Pinger der Töter. . , ' ' ' : ■ " . 

Jeder hat einen erklügelten Tod angesteckt 

wie einen" falschen Mondstein. i- ■• • . , ••.' 

' , ' . ■ . ■ ••, • • ,'••• 

, Siehe, Michael, so etwa'- "' -'■ 

Ein Pinger .fi:reift nach Michaels Kehl e; ., 

• ■ . 

Mein Pinger hatte zum Spezialgebiet das Wargen 
da-3 Eindrücken des Kehlkopfs' ■ • .■ 

' ' ■ ■ ■ ■ . 

mit einer kleinen V/endung nach rechts. 
Gurgelnder Laut. ■. [■' ' ' : 



MI CHS EL ist h in.:-esu nkPr^-. 



•V 



^«•WOTWviwn 



•'^^^mm-m^mm 



- 54 - 



Stiinine des zweiten Töters: 

Deine Knie, Michael, 



d e ine liand ge le nke 



hörst du, aus Gla,s - 



alles ist zerbrechlich auf Erden. '- 

Der Promine pfeift auf den Staub -, 

. • ... 

und hier ist ein Y/einglas .Blut -. ' 




o 



t , • 



Michael: ' Grosser Tod, grosser Tod, komin - .,,. *• •, 



• .1 



n 



^timne des zweiten Töters: •:■■ 
:'. "• Der ist aus der Mode.. 



••»< 



* » 



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« 



V, .• ■ . 



Hier sind die kleinen, niedlichen Tode - 

1 , ». . • ' ( • ; 

f . . ' • * • • • f • . • ... ' .* 

dein Nacken - '•:•...•;■ :'••■- "'- . •* ..•: 'V. 



/ .. 



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t , . 



dort, v/o das Haar flaumig v/ird - 



I ; 



;■ -i. 



* ■ 1 



Stinirne des dritten Töters: v.-'-. v.^ . • .. 
.-.. . ■ ••.Id Namen der Wissenschaft - 



diese Spritze - 



.»-.«._•« ., 



wer sich opfert, scheint hell, 
wie faules Holz - • ': ' 



* 



>• 



V . 



' I 



' «>.. 



> 



Ein langer knöcherner Pinger: 

Keine 'Angst; 



ich will weder deiner Kehle gute Nacht sagen, 

noch deine Gelenke kränken. 

Ich bin nur der Dozentenfinger 

der neuen Weisheit. 

Ich will ein wenig mit deinem Weichbrot plaudern - 



Michael: 



Fort - 



- 55 - 



o 



stirnine des Dozentenfingers ': • . • ' 

Eiob ist schwach geworden, 

* 

■ ■ rjüder Leierniann einer, einst frischen Weise. 
Das Meer ist einesteils zu Pf erdekräf ten,' 
andernteils zu Leitungswasser gestreckt worden. 

"S. 

Ebbe und Plut sind in der Hand eines Mondnannes. 
Der Schuhmacher Michael 

■ . näht Ober- und Unterleder zusai^imen •- ■ •. 

''■■■.,■■"'■' 
. mit seinem Faden 'aus Abfallsprodukt - ' .' '. 

Nähnadelheiliger! - -. ■ 



.L 1 



4 



Schlief die Füllfeder unter euch, 
die euer Volk frei gekauft hätte? 



Stimme des 



O 



wild gestikulierenden Fingers: .. ."'■., 
Ich bin der Dirigentenfinger. ' '■ ' ; . ■ •' ■ 

Ich dirigiere die Musik zu ihrem "gute Nacht". 

MarschjTiUGJk ist zu hören. ' " 

Alt musste die Erde werden, • 7 

bis der Hass, ■ 

der sich blutig mühte, ' ' 

das Rätsel Jude zu lösen, 

den Einfall bekam, . 

es aus der V/elt zu werfen mit Musik - 



Musik v/ird schv/ächer. 



Michael: 



schrei end> 

Ist dieser Stern verloren?. 



• Echo: 



Verloren - 



Michaels Stimme: 

Höre . . . 



I " WI HI I .J. 



■I fll ■■■!«■« 



- 56 - 



XIII. Bild 



Sprecher; Aus den Todesbezirken ist MICHAEL über die Grenze 

ins Nachbarland gewandert. G-cf^en Kittag begegnet ilui 
ein BAUER mit einer Kuh a^-n Halfter vor den: Grenzdorf. 



Unrealistische Akustisch; G-rillcnzirpen. Vorrel-r-;f ■ 



» « 



O 



Michael: 



o 



Bauer 



\ 



•Michael : 



• « 



/ 1 



• * ■ * 

Die Finger zeigten zuletzt nach dieser Richtung. . 
Mörder verraten den Mörder zürn Schluss. 

» * 

Wie friedlich diese Gebend. ; • .• ■ ;•. ' 

l| • •.^' ....... 

' . 1 • ' , _ ■ 

■Die Grillen zirpen.-: . -^.v- • ' - "• • •' 

' ■' ■ . • :■■•.'_■■ ■'■; • 

ein Eichelhäher ruft seihe Gesellin. ■ ■.■■•••;••■ ' 

, . • . . _ . . 

Die Kuh hat das gleiche Urweltgesicht, ' ' ,' ■ ..'. 

■/ . • ■ ,■ 

alsv/äre es eben von der riand des Schöpfers ge&troichelt 

■ worden.' ■ • ' 

Wie überall schmeckt jetzt der Bauer das.' Gehei:r.nis des 
Weizenkornes ab. ' ... * - . • . ' 
Zum Baue Po 



Einen j[<uten Tag, . •, • • • . / '• 

ist wohl eine Schuhmacherv/erkstatt hier in der K 



ane? 



KoniTiist v/ohl von drüben hinter der Grenze 
hast eine Sterbestirn - 



Woran siehst du^s? 



Bauer: 



\'!Qmi einer zwischen den Augen etwas leuchten hat, 



gross wie eine Schneeflocke - 



• .' ; ■ , 



- >o a - 



Michael : 



Mag sein, 

dass der Tod meines Volkes an mir leuchtet. 



Bauer: 



Bist' ein Pole oder Jude gar? 



O 



Michael: Auf dieser Erde bin ich beides. 



Bauer: 



Das ipt viel ! 



Dort unten hinter der grossen V/eide 

geht der Weg ^um Dorf. 

Neben dem Wirtsgarten'.. ■ ^ ' ' '' 

• • • , 

ist die Sc liulir<ia,c h e rw e r k g t a 1 1 . 



Akustik; unre alistischo Schritte Michaols^ 
Grillonzii-pen, 7o<elruf -.vic oben. " ~^~^ 

FRATJEN und KINDER korünen herbei. IvIICKAEL 






o 



Kinder: 
(aufge- 
teilt) 



Hätt ich eine solche Pfeife, 

so würde ich Tag und Nacht pfeifen 

im Schlafe vmrd ' ich pfeifen - 

Die Kälber, die Schafe, die Fohlen, 

alle würden koipjnen. 



Michael: , Sie ist von einem' toten Kind - 



' \ 



Alle Umstehenden: v/Merholen. 

«— ■— — ^~— i— i— il I ■ «1 I ■ Hill 

Von einem toten Kind - 



Michael: 



, Von einem Knaben, 
der ermordet v/urde - 



Umstehende : . 



Der ermordet v;urde - 



mm^'ti^mmr* 



■^1 ■ I I »■! p <^ipi^ii^T<wnwn^— ■'■'«»»r'^^*'*y^^^ 



- 57 



■«x r • 1 



.uicxiael; Als -Man suine Sltcrrx zur.i Tode antrieb, 

* 

. lief er im Hemde nach - ' . 



Umstehende: 



Ir.i Hemde nach - 



Michael: ' Auf dieser Pfeife pfiff er un. Hilf e zu Gott - 



o 



Umstehende: 



Michael : 



/* 



Pfiff er um Hilfe zu Gott - 



Da erschlug ihn ein Soldat'- 



Umstehende : 



La erschlug ihn ein Gcldat - 



1 


1 




% • 


•V - Michael * 


\ pfeift 



U' 



, • , » 



l," 



•'. 



XIV. Bild 



o 



Sprecher: MICHAEL läst;t das V/eideland hinter sich. Am Rande 

. des Dorfs steht iin Feld eine Vogelscheuche, 
, aus alten, raetallenem Kriegsgerät suGaInii^angäba3telt5 
das die Dorfbewohjner am Kriegsende auflasen, als sie 
begannen, ihre Felder wieder zu .bestälen. KITABE^' v/erfen 
, • Steine nach dem klirrenden -Machwerk, u;t. sich im Treffen 
zu üben. In seinem Garton steht der DORFS CKÜLLZHRER 
und beobachtet die Bienen. (MUTTER) 



Akustik; klirrende Geräusche von Stoi nv; ü 

die die Vogelscheuche treffen. MICHAELS Schri't t e .' 



O. ^ V^ X i ^ 



■ P II y I m 11 11» 



- 53 



^±n Knabe: nach dem Wurf, 



Das klang, als ob Jemand schrie 



Zweiter Knabe: 

• Ja, . das v/ar Isidor des Krämers Stimme, 

als wir ihn aus dem Dorf trieben, 

Oi, sagte er , oi, 

.. und da lag er im Graben. • 






Erster Knabe: | * **^\ 

Und 'griff nach seinem Käppchen, 

sieh so, mit der Hand nach innen gebogen,. ' 

das war seine Art beim Abwiegen -," 

und der Hans rief: . ' 

* • » * - • 

"Hast die Abendsonne im Käppchen?" 
^ . und gab ihm noch einen - 



Lehrer: 







Da hängt. der Bienenschwarm; 

I • . - • ■ 

horch wie er musiziert. 

Das gibt Honig, 

nie hat die Linde so reich geblüht," 

welch Glück, • . * 

dass sie vom Menschenkrieg verschont blieb. 



Sohn: 



Wie das hier riecht, .Vater, o ! 
Und der Honig dann aufs Brot, o! 



Mutter 



vom Haus ; 

Ich heb hoch den 



Sa.lat aus 



und schneid den Kerbel zur Suppe, 
das Mittagessen ist bald fertig.. 



wmmmmmmmmmmwu 



^m^^mm ■!>« » 



H W I ■ will I I — ^^t— »^iwip^w**» ^—w^^pm^PT^^ 



^ummmm^ » ■ 9»m ■ ■ 



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- 59 



1 



„A 

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i..ut "tGi* : 






L 



ehrcr 



Sohn 



Lehrer 



Willst du nicht den Schraette.ilint^-skescher holen, Hans, 
sieh die vielen Falter auf dem Thymian - 



hebt einen Stein auf. 
Ja, gleich ! 



y 



Lass die VogelsciiGUciie , • 
zuviel Leichen.^orucli im Ack 



die Krähen v/ardcn inimer mehr - 



1 f 



Kein, dorthin will ich werfen 



Den "Juden treffen 



',% 



I • • 



aar über die Grenze 






' • 



Kichb doch! 



ö 



Sohn 



X • 



iiOiirer 



Sohn 



Warum denn heute nibht und gestern ia? 



Obgleich ich Rechenlehrer bin, .''.\:.'* . 
kann ich dies mathQiriatische Rätsel nicht 1 



osen 



Michael /^eht vorbei 



^ 



tur sich 



Gestern hätte ich ihm den Stoin^ nachgesandt , ' " • 

er wäre wohl dort, neben der Dunggrubo niedergefallen, 

und hätte zwei Püsse zura Fallen /xobracht? 

heute bleibt er in meiner Hand, 

aber ich werde 'ihn in den Teich, werfen, 

damit, sich v/enigstens etwas erschreckt - 



-•II I 1 1 1 i^M 



■^^w it^m 



XV. Bild 



- 60 - 



Sprecher: .Der Prophet Jesaja sagt :'".. .mit dem Schatten seiner 
■ . ■ Hand hat er mich bedeckt, er hat sich zum glatten 

Pfeil gemacht und mich v/ieder in seinen Köcher gesteckt.' 
Unerkannt von den Menschen und sich selbst seiner Sendun.. 



C 



nicht bevAisst, musste MICHAEL so an diesen Ort i-elanQ 






in die SchuhiTiachcrwerkstatt . Sein MEISTSR ist einer 
von denen, die' alles Vergangene "nicht gewollt" haben. 
DER MNH, DA S KIND ■ •• ' '. ' ' 

... . '■.-.■'■•"" . ■_ 

Schuhmacherwerkstat t im Grenzdorf. '*. ' 



Meister: 







Wein, so nicht," gewiss nicht! ... ..-. 
Nur - vielleicht seid Ihr für uns '■ • ' ■" 
wie Schuhe von früher, von noch früher. 
IJiemandein haben sie gepasst, '' '- '' - / 
gutes Leder, aber ungeeignet - "''/,, ■. ' ;. • 
nichts für unser Klima, ;. " / •" * . 

* - .", . » , . * 

vielleicht für die Wüsten, ■■. • 

,; - ; t;' . . . ■'■■•;''• 

vielleicht fürs heilige Land - ' '' . •'■• 
vielleicht für die Märkte dort, 

m 

wo die Isidore anders feilschen als bei uns - 

aber natürlich so •- ^ 

nein, das wollten wir nicht - 

so nicht - 



:/Iichael: Seit Abraham aus Ur auswanderte, 

haben v/ir uns bemüht, 

• 7 



unsere wohnung zu Ihm .hinsubaucn, 
wie andere nach der Sonnenseite bauen - 

freilich, manche schlössen sich der entgegen<:-esot2ter 
Richtung an - 



mmmm^m'*- * M >■* ■ 



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- 61 - 



Llichacl: 



alte Hirten Hessen die Stenienuliren öchlap;en 
und schliötün wio Isidor und der Pfandleiher ir.it 

• I 

gckrüin::iton Fini7;ern. . ' ' 

Aber es war G in_ Knabe -El i MOTIV •■•LI 



' ^^*^ aAM».4^««M«H 



Meistor, die Sohle schreit in meiner Hand 

I t ' 

+- 



Sie ciunstet nach Tod - 



o 



■n./r 



Meister: 






i^ag sexn, ■ ; • • / 
denn ein Rind hat seine 
und dann' - ' .• ^ .. ••' "■ 



Pfoten ausgestreckt 



4 « i. 



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4 J 



»«• 



t . 



EIN MNIT mit 3iriEM KLI^IHEH MÄDCH KN an der Hand 



tritt ein* 



Der Mann: Sind neine Stiefel, ferxig? .• 



• * • 



O 



Meister: 



/ 



Michael: 



Der Geselle arbeitet gerade' daran - 



Die Sohle ist nicht mehr zu flicken, 
ein Riss geht in der Mitte - 



;... . . 



/ 






nacht do.cn" eine neue Sohle - 



Kind : 



Vater, dies ist der Mann, 
der die Pfeife hatte. . ,' ', . 
Dort liegt sie auf dem Blumentopf. 
0, lass mich.pfeifen! ' 



Der Mann: Man pfeift nicht auf fremden Pfeifen. 



Das Kind: , weinend 



<JL 



Die Pfeife - 



■>»■»■ •—— M 



w^0m-m< ■■» 



62 



O 



Der Mann: Sic weint, 



weil sie Sehnsucht nach ihrer Mutter hat. 

Immer hat sie nach etwas Sehnsucht: 

einiaal ist es die Drossel, ■ 

die sich die Futterbissen holte 

und V er- schwand, . . 

dann wieder der alte Schäferhund, ' • 

als er übder die Bahnschranke lief 

und überfahren wurde - 



^ 1\ 



ichael: 



laut . 

Alles beginnt mit der Sehnsucht. 



A 



uch die Erde da im. Blumentopf 
und die Hiiute hier, 
daraus die Schuhe geschnitten werden. 



Kind: 



Die Pfeife - 



O 



Der Mann: Ich werde dir eine Pfeife kaufen. 

• Wenn du sie hast, 
, so folgen dir alle Kinder 

* 

und geben dir ihr Spielzeug - ■ 



Kind: 



Nein, diese Pfeife, . / 

dann kommen die Kühe und die kleinen Kalbe 



/ 



DSRJiAyN nimmt DAS KIND, um hinfiur'.:,,::,,-.^.. n . 



"•■ÜWF^^ti— — 



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KoL'jii n-'oii! Heft i/? • Komm ! 



Das kleine Mädchen schluchzt. 



m.wmmKrm*mm 



Liichacl 



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• vor sich hi n sprechend wie im Traum. 
Die Käse breit 

ihre Piagel zittern vor V/ollust "- 

i ■ . 

die Auggn mit den Pupillen ' eines V/olfes 
der Mund klein wie von einem. Kind« 

. " . r ■ . t •.-,-•.■ 

' '•,'". * : • • • 

Mörder wie Kain , *'' • ^ • '■'. ^" • 

nit- dem. Tod aufzelm Fingerspitzen aufgespiesst. 



I i " ♦' • • 



« •. 



; • . 



XVI 



Bild 



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*' 



Sprecher: DEJR MANN, der mit seinem KIND zum Schuhnaciier kar:, 

,..■•■ •. ■•', « 

," trug die Züge des Gesichts, das iUCI-IfVEL auf ELIS 

» ■ • . 

. Sterbehemd, im Schosse des sturmrtcn Samuel zuerst 



o 



gesehen hatte. -^Iso erkannte MICHAEL ELIS I.Iörder. 



• • 



So sehnlich "vrünscht sich das Kind des Mannes die 
Hirtenpfeife des ELI, die MICHAEL von stuim-en Samuel 
miit auf die Wanderschaft bekami, dass es in der Nacht 
im Fieber davon träumt. • 



\ 



\ 






MUTTER, STIr/IL^E 



Mutter: 



sin.'^end 

Schlaf konunt wie ein Wandersmann 

sagt: Schlaf, schlaf , s chlafe - 



O 



Kind : 



Alle Bäi:une wandern 
alle Bäiine wandern 
heben ihre Wurzelfüsse 

I 

\'jQinn ich pfeife - 



Der Mann: 



Mutter: 



0^0'-. ! 



• « 



Seht - sie schläft - 



« • 



O 



Der Mann: . 0, übe -all Zähne,' •, •■■' 

Hörst du, wie es klappert? 
. ■ Hohlzahn statt Hafer. 

Der Rappe steigt'. 
Schüttelt die Kähne 
und zeigt die Zähne. 



. l 



I' 

Die Kälber trinken mit den Zähnen, 

> 

dass die Sutor blutig werden - 

der Roggen abgebissen - Zähne ohne Ratten 

hörst du es, Prau, 

hier in der Kaimrier, 

(ia, da zeigt auf die 'Wand 

* 

Zähne statt der Ziegel - . 

Prau, der Maurer nuss an den Gal.Tcn - 



•■»■«i»"*«»."^"^ •~" 



"■VfMiap<««i4|p*ttN 



»PM I II«,. 






-rriu: 



So schweig doch, 

das Kind schlaft ^^ 

das Piebor ist sehr, hocli! 



Der Mann: Nun klappert es, 



Kind 



o 



Mc;nn 



\ 



o 



Mann : 



das ganze Haus klapToert - 



I , 



im Tra uin fieüris: 
Alle 'ßäurriG wandern 



• V, 



alle BäuiTi 



e wandern 



heben ihre \^urzelfüsse und wandern 
wenn ich pfeife -"'-''. . .' ." ■....-■;■• • 



Alle Schatten v/andern/ * • • ' 

konm, liebes Bahrtuch, " : 

, » ; , ■• . • * 

t. , • 

. • • •. 

deck mir den weissen Mondzahn zu; . • • . ' 
war es nicht ein Mio Ihz ahn, ••■;'•'•■' V ' 
der aus seinem Mundo fiel mit der Pfeife - 

Prau, Prau, '' . •■■•::.; ' ■ . 
die riilcli hat- Zähne, 

t ' * . 

Zähne. ' EskloT^f t an. 



ruf' 



Wer klopft? Wer da? 



Stimme : 



\ 



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la. 



öag- 



du sollst ein heiliges Kind getötet haben? 



X 



V 



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6 



— OD 



Iviann 



Lari, Fari, Futterv/urzel. 
Alle Kinder sind heilig! 



Stimme : 



Sollst ein heiliges Kind getötet haben-. 



Mann : 



Alle Kinder sind heilig 



Stimme : 



Dein Kind - ist 'krank - sehr krank! 



O 



Mann : 



■\ 



höhnisch lachend. ' . / 
Aha, der Arzt bist du '- ... ' 

Es riecht schon in der Luft, 

Lagerluft ! . ' '\ 

Du Menschenf leischsortierer ! 



Muttor: 



Das Kind ist tot! 



o 



ivlann : 



abwesend 



o — was -? 



Stimme : 



Hörst du nicht? Lein Kind ist tot! 



Mutter: 



Unser Kind ist tot! 



Akustik: Mutter v/eint vor sich hin. 



• «■^■w« 



Mann renni: aus dein z^immer, schiäfft Tür zu. ^ 
Dissonanter Akkord. ■ . 



^ 



/ 



- 67 - 



XVI. Bild 



Sprecher: MICI-IAEL glaubt seine Sendung erfüllt. 

Er vorlas st das Dorf und muss wieder den ^Ä'ald 
durchvy andern. La stockt ilim der Schritt. 
■. /. ■; DE R FlANM, SAMUEL, STBEv E 
\- Akustik: Winde Michaels Schritt, der stockt 



■ • > 



O 



Michael: 



Ein Blick trifft mich im Rücken, 

■' • ' . * ' - 
ich. v/erde festgehalten. • 



Mann : 



Wenn er den Kopf nicht nach hinten gev/orfon ^'ci^:z\>^ ^ 

so hatte ich ihn nicht erschlagen, 

der Milchzahn wäre nicht mit der Pfeife herausgefal 



mim VC >■ -> » 



Aber - das "war /:xr:en' die Ordnung - 



v»^ <^ 



den KoT)f .nach hinten zu werfen - 



o 



das musste zurechtgerückt werden -. 

Und v/ohin. hat er gepfiffen? 

^in heiml^iches Signal? 

Ein Zeichen durch die Luft- 

ausserhalh jeder Kontrolle - , ' 



Hilfe , Schuhmacher, 



der Milchzahn v;achst aus der 



V» i-i v^ 



Ul L 



:le 



beginnt mich anzuknabbern - 
durch meine Schuhe hindurch - 

I 
■ 

meine Püsse zerfall en- 



weraen Erae - 



schreiend: 



V/o ist da die Ordnung, die Weltordnung - 
ich bin am Leben, 



. ^ -^m^^ -•««»'«■■«»«WM 



li II 9 n ^im^^mm 



wm-mmmm/^-^mm 



^ 



/ 



68 _ 



'Izxin : 



o 



ich 'bin nicht tot - • . ■ 

nicht, gehangen - ■ .' . ■ • 

nicht verbrannt - 

nicht lebendig in die- Erde ' geworfen - - 

CS ist ein Irrttur., ein Irrtum, 

ich z' c r f a 1 1 0, , zerfalle- 

ich bin ein Stumpf - •■ ' '. '' -v 

■ sitze auf dem 'Sand, '..■'-:'.■- '". ' 

•> • , * - , , ..••■•■' • . ■ • - 

der soeben noch mein Fleisch war - • ' ■ ' 



brüllend 



•L o 



Michael: 



visionär. 



• ■ • 



i^s öffnet sich die Luft in Kreisen - . 
Es wächst der Embryo im Mutterleib -' • " 

■ f • ■ • 

Auf seiner Stirn das ürlicht leuchtet - 

V . . ^ > 

Kind mit dem Gotteslicht ' • . . 

■ ' i ■ • 

lies in den Händen des Mörders - 



o 



Der Mann: Meine Hände, "meine Plände - ■ 

• , • geht nicht fort, o meine Hände - 
meine Hände zerfallen - 



Michael: An Horizont bricht eine Wunde auf 

« 

blutender Mund des Samuel : 
öffne dich du stummer Mund! 



•Samuel: 



Eli 



Michael: Der Mutterleib zerfliesst in I^; 



auch 



das Urlicht fliegt an meine Stirn - 



c 



69 



Michael: 



icli sehe weit - 




O 



Zerfallender 

seine Augen werden Löcher - 

das Licht sucht sich andere Spiegel 

•ich sehe durch die Löcher - • 

Brille für Sonnenfinsternis •- 

in deinen Schädel 

der die Welt einrahmt, 

die du v/ie befohlen darin eingepackt hattest, 

wie in einen Soldatentornister - . - • 

da liegt sie - zuckend, ■ . " . 

ein Insektenstern mit ausgerissenen Flügeln - 



\ 



es rührt sich eine Hand darin, 

die einen Blitz gestohlen hat -" 

ein Rabe verzehrt ein Menschenbein - 



der Blitz verzehrt den Raben - 



N, 



ich sehe nichts mehr - 



Stimme und Chor: 

Fußspuren Israels , 

sammelt euch! 



Letzte Erdenminuten Israels, 
sammiclt euch! 
Letzte Leidensminuten, 
sammelt euch! 



Michael: 



Unter meinen Füssen fährt es auf. 
Aus meinen Händen stürzt es hin. 
Mein Herz giesst etwas 'aus*- 



V 



-70 - 



Stinme : 



Deino Schuhe sind vertreten - koimri. ! 



E N D E 



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Series VI: Writings about Nelly Sachs, 1957-1967. 

This series is in German. 
ca. 0.25 linear foot 

Scope and Content: 

This series consists of radio lectures and other writing about Nelly Sachs. Radio lectures consist 
mainly of documentaries about Nelly Sachs and her writings, most of which were produced by 
Berlin radio stations. One interview of Nelly Sachs focuses on her 75th birthday. In addition to 
the documentaries, there are 2 German transcripts of her play Eli, one broadcast by 
Süddeutscher Rundfunk, the other by ARD Norddeutscher Rundfunk. There is also an English 
Version of the play by the British Broadcasting Company. Other writings found in this series 
include essays and lectures about her writing as well as theater programs for productions of 
Nelly Sachs' play Eli. Essays include three by Walter A. Berendsohn, a literary historian and 
friend of Nelly Sachs. 

Box Folder Title Date 



2 
2 



6 (Vl.b) Radio Programs 

7 (VI.c) Writings and Theater Programs about Nelly Sachs 



1958-1965 
1957-1967 







OJ 



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PRIX ITALIA 1963 



ELI 

Hörspiel von 
Nelly Sachs 



<i. 



ARD 



Norddeutscher Rundfunk 
Hamburg 

Bayerischer Rundfunk 
München 



« 



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Nelly Sachs 



Nelly Sachs, 1891 gehören, war fast unbekannt, als sie 
1940, in letzten Augenblick, durch das Eingreifen Selnia 
Lagerlöfs und des schwedischen Prinzen Eugen aus ihrer ' 
Heimatstadt Berlin nach Stockholn: gerettet wurde. Ihre 
frijhen ./erke, zum kleihsten Teil in Zeitschrifter und 
Anthologien aus den zwanziger Jahren gedruckt, sind ver- 
schollen. Während der sieben Jahre, die sie mit ihrer Mut- 
ter unter Hitlers Schreckensherrschaft lebte, senkte sich 
ein Schweigen über ihren Namen, von dem Hans Magnus ^nzens- 
berger sagt, daß es "heute noch in jeder Zeile, die sie 
schreibt, zu vernehmen sei". Ihre Angehörigen verschwan- 
den einer nach dem anderen. Nur durch einen glücklichen 
Zufall, kurz nach dem Ausbruch des Krieges, während der 

Okkupation Dänemarks und Norwegens, gelang ihr selbst die 
Flucht. 

Nelly Jachs gehört dem PEN-Club in London für im Ausland 
lebende deutsche Schriftsteller an. Sie wurde 1957 Mitglied 
der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, erhielt 
Stiftungen dos Nobelkomitees, 1958 den LiteraturprciB des 
Verbandes schwedischer Lyriker und 1959 den Droste-Preis, 
bei dessen Überreichung sie das einzige Mal nach dem Krieg 
m Deutschland war. Ferner wurde 1961, an ihrem siebzigsten 
Geburtstag, in Dortmund ein Literaturpreis nach Nelly Sachs 
benarmt und ihr zum ersten Male überreicht. Gleichzeitig 
erschien in Suhrkanp-Verlag ihr lyrisches und szenisches 
Gesaiiitwerk. i 



•Nelly Sachs« frühester dramatischer Versuch, das Mysterien- 
spial ''Eli-', ist nach ihrer eigenen Aussage noch während des 



II 



Krieges, in einigen "Feuernächten der Qual" begonnen worden. 
Da dieses wichtige und bedeutende //ork mit mehr ala siebiiig 
Mitwirkenden, dazu Stimir.en und Chöre, durch seine Horapli- 
zierthoit sowohl auf der 3ühne als auch, wie sich erwies, 
im Rundfunk nicht heinisch werden konnte, wurde geaeinsaia 
mit der Dichterin der Plan eines radiof onischen Textes ver- 
abredet, für den IJelly Sachs Heinz Schwit^:ke als Iiitarbei- 
tor autorisierte. Es erwies sich dabei, daß uan mit einfachen 
ZusaniTjenfaysungen und Umstellungen eine überaea-^ende Kör- 
spielforn gewinnt, die die innere und äußere Handlung der 
groJ3en Dichtung und ihre Sprachkrc.ft für alle verständlich 
zur v/irkung bringen. Diese Neufassung, bei der ITelly Sachs 
beratend mitgewirkt hat, wurde vom i^orddeutschen Runafunk 
am 1. Oktober 1961 zum ersten Mal gesendet. Sie ist üeit- 
desi in Deutschland (seit kurzem auch schon in England') 
mit ungewöhnlicher Anteilna-ime mehrmals wiederholt worden. 
Ihre radiofoni sehen V/irkung en sind auch der Musik Hans 
Kellers und der Regie Heinz von Gramers zu danken. 



:i 2ii u 



Das Hörspiel beginnt mit der Erzählung einer ^Yäscherin. 
Sie nat den Mord an dem kleinen jüdischen Jungen Eli 
nicht selbst gesehen, hat aber sein Sterbehemd gewaschen, 
Zeugin war die y»'itwe Rosa. Sie hat miterlebt, wie der 
achtjährige Eli mit einer Pfeife hinter seinen Eltern 
herlief, die von deutschen Soldaten abgeführt wurden. In 
seiner Verlassenheit und Verzweiflung hat Eli damals die 
Pfeife zuTxi Hiaiiiel erhoben und zu Gott un Hilfe gepfiffen. 
Ein junger Soldat, der dies bemerkte, und der den Pfiff 
für ein geheimes Signal hielt, h<-t sich daraufhin umgedreht 
und Eli mit seinem Gev;ehrkolben erschlagen. 



III 



In den kleinen jüdisch-polnischen Städtchen, in dem Eli ge- 
lebt hat, siixd die Spuron der Zerstörung seitdem noch längst 
nicht beseitigt. In den Ruinen spielen Kinder mit brandigen 
Petzen und ICnochen und singen das traurige Lied von Sterben 
des jüdischen Königs und seiner Könir/in. ■ 

Der junge 3chui:iacher i-iichael, ein Auserwählter, dem G-ott 
die öabe des sechsten Sinns gegeben hat, kann während der 
Arbeit an den vielen grossen und kleinen Schulien seine geraub^ 
te Braut liyriam und den Knaben Eli nicht vergessen. Er geht 
zu Samuel, dem vor Schrecken stumm gewordenen Großvater 
Slis, und dort sieht er plötzlich als Vision das Gesicht 
des Mörders vor sich. Mit Elis Flöte macht er sich auf den 
V^eg, diesen Mörder zu suchen. 



Die Stationen auf Michaels vfeg sind Erinnerungen an die grauen- 
volle Zeit des Mordens und der Zerstörung. Doch erlebt ör 
auch die Ereude am Aufbau der neuen Stadt und das unwandel- 
bare Gottvertrauen der Juden mit. Da, wo einst Blut floß, 
bietet heute der Händler Mendel wieder seine Waren an, und 
der Scherenschleifer schärft die Sicheln für eine neue Saat, 
Als Tanzmusik aufklingt, zuckt es den J'Iädchen in den Füßen, 
doch die eine ist lahm und die andere blind, und eine junge 
Muttor erzählt einem Buckligen von der Geburt ihres Kindes 
in einem Erdloch. 

Michael denkt an den Bäcker, der wegen einer Zuckerbrezel 
erschlagen wurde, und an eine junge i'Autter, die man gefoltert 
hat. Drei Männer tesQgnen ihm und erzählen, warum man sie 
gehaßt hats wegen seiner schlenkrigen Schultern den einen, 
wegen seines Lächelns den anderen, und wegen seines Hauses 
den dritten. 



Auf der nächsten Station seiner Wanderung erlebt Michael, 
wie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wächst, Stimmen 



IV 



preisen die reine Luft, aus der aller Blutgerucli verschwun- 
den ist, und die Erneuerung der Erde, aus deren Mitte nun 
alle Verderbnis entfernt wurde wie der Wurm aus einem Apfel. 
Eine alte Frau weint zwar, weil die Äatten den Kuchen gefres- 
sen haben, den sie für den Rabbi gebacken hat. Doch der Rabbi 
tröstet sie und verspricnt ihr neues Mehl. Fröhlich singend 
gehen die Maurer an die Arbeit, um wieder aufzubauen. Aber 
Michael warnt, denn wenn nicht tief genug ausgeschachtet wird, 
können die Grundmauern nur leichtlebiges tragen. 

Danach wandert er weiter, und noch einmal begegnen ilim der 
Scherenschleifer und der Hausierer B/Iendel. Der eine berichtet, 
daß er halbtot schon im Massengrab lag, als ein barmliersiger ' 
Soldat ixhn gerettet hat, und erzählt von den unendlichen Ur- 
sachen der Dankbarkeit. Der andere schenkt Michael neue 
Schnürbänder für seine Schuhe. Es freut ihn, daß der auserwähl^ 
te Michael, wenn er eines Tages ins Paradies wandert, dann 
seine Schnürbänder am Fuß haben wird. 



Auf seinem weiteren rteg kommt Micnael durch eine grausige 
Landschaft, Menschenfingor wachsen aus der Erde und sprechen 
SU ihm. Pinger der Vförger und Mörder, die mit entsetzlichen 
Worten vo:a Töten reden. Bäume, an denen Leichen hingen, 
und denen die Axt an die Wurzel gelegt wird, ergreifen das ' 
Wort. Und auch Hirsch, der jüdische Schneider, der zu den 
Helfern der Mörder gehörte, erzählt noch einmal, daß er 
bei dem großen Schornstein, durch den der Rauch der verbrann- 
ten Leiber zum Hiomel stieg, als Tod angestellt war. Auch 
hört man die gräßliche, mitleidlose Stimme des Lagerkomman- 
danten. 



Schließlich krümmen sich die Einger der Würger und weisen 
Michael den Weg in eine friedlicnere Gegend. Ein Bauer zeigt 
ihm, wo er eine Schumacherwerkstatt und Arbeit findet. Dort 
hat der Cherub mit der Elöte endlich sein Ziel erreicht 



denn unweit lebt der, den Michael sucht, mit seiner Prau 
und seiner kleinen Tochter. 

Als der gesuchte Mörder bald darauf mit seinem Kind die 
Werkstatt betritt, erkennt ihn B/fichael sofort. Das kleine 
Mädchen aber erblickt die Flöte Elis und wünscht sich heftig 
sie zu besitzen. Doch das Gewissen des Vaters erlaubt nicht, 
daß sein Kind sie mitnimmt und spielt. Ihr unerfüllter Wunsch 
macht das kleine Mädchen krank, sie hört und sieht in Pieber- 
träumen, wie alle Welt der Flötenmelodie folgt und selbst 
die Bäume wandern. Mutter und Vater fürchten um das Leben 
ihres Kindes. Auch der Vater wird schließlich vom Fieber 
gepackt. Ihn verfolgen klappernde Zähne, und eine Stimme 
klagt ihn des Mordes an Eli an. Als sein Kind stirbt, rennt 
er gehetzt aus dem Haus. Voller Entsetzen muß er erleben, 
daß ihm auf der Flucht Glied für Glied vom verwesenden Kör- 
per fällt. Michael aber sieht im Schädel des Aufgelösten die 
zuckende, lebendige Welt und ruft allen jüdischen Gläubigen 
prophetisch zu: 

"Fußspuren Israels, 

saiiunelt euch! 

Letzte Erdenminuten Israels, 
sammelt euch! 

letzte Leidensminuten 
sammelt euch!" 



Die Inhaltsangabe des bilderreichen Stückes, das aus der 
Tradition chassidischer Mystik lebt, kann nur ungefähr gegeben 
werden, weil sich manches rational nicht erfassen läßt. Gefühl 
und Phantasie aber verstehen die gleichnishaften Vorgänge beim 
Hören ohne große Mühe. 



ELI 



Hörspiel 



von 



Nelly Sachs 



Regie: 
Musiks 



Heinz von Gramer 
Hans Keller 



P E R S W VI N : 



Frau 

Größeres Mädchen 

Kleines Mädchen 

Knabe 

Größerer Junge 

Michael 

Mendel 

Eine Frau 

Mann 

Ein Scherenschleifer 

Andere Frau 

Ein Mädchen 

Ein zweites Mädchen 

Ein drittes Mädchen 

Der Bucklige 

Junge Frau 

Ein Mann 

Zweiter !Iann 

Dritter Mann 

Eine Stimme 

Eine zweite Stimme 

Alte Frau 

Rabbi 

Schar junger Männer 
Erster Maurer 



Ein Finger 

Stimme des ersten Töters 
Stimme des zweiten Töters 
Stimme des dritten Töters 



Ein langer knö ebener Pin 



.CT 



er 



Stimme des Dozentenfingers 
Stimme 

Andere Stimme 

Ein Baum 

Echo 

Das Wesen 

Der Schornstein 

Stimme 

Bauer 

Kinder 

Komparsen 

Ein Mann 

Kind 

Mutter 

Knabe 

Zweiter Knabe 

Meister 

Stimme 

Samuel 

Ein Mann 



. 1 ^ 



Sprecher: 



Frau: 



(l. Szene) 

Kehrt eine Frau in die zerstörte Stadt zurück 



und spricht 



O (1 9 



(im singenden Ton) 

Komm von der Bleiche, der Bleiche, 

hab' Sterbewäsche gev;aschen, 

dem Eli das Hemd gev/aschen, 

Blut herausgewasohen, Schweiß herausgewaschen, 

KinderBohweiß - Tod herausgewasohen -. 

Will es zu dir tragen, Samuel, 

in die Kuhgasse tragen zum Abend, 

wo die Fledermäuse in der Luft herumblättern, 

wie ich blättere im Bibelbuch, 

um das Klagelied zu suchen, darin es raucht, 

darin es brennt und die Steine herunterfallen -. 

Das Hemd von deinem Enkel will ich zu dir tragen, 

vom Eli das Hemd, - 

War dein Sohn, Samuel, am Morgen, als sie ihn hoL; 

aus dem Bett rissen, aus dem Schlaf -, ^^^ 

Wie sie vorher aufgerissen hatten 

die Tür zrm Schrein der Geheimnisse im Tempel - 
behüte, behüte -, 

so rissen sie ihn aus dem Schlaf. 

Rahli, seine Frau, rissen sie auch aus dem Schlaf ■ 

trieben sie vor sich her, die beiden, durch die 

Knhgas s e , 
die Kuhgasse - hat die Witwe Rosa gesessen 
an der Ecke, am Fenster 
und erzählt hat sie es, wie es hergegangen ist. 



- 2 - 



noch Frau: 



bevor sie den Mund ihr geschlossen haben, 

mit einem Dorn, weil ihr Mann Gärtner war. 

Ist der Eli im Nachthemd seinen Eltern nachgelaufen, 

in der Hand die Pfeife. 

mit der er gepfiffen hat auf der Weide, 

den Lämmern, den Kälbern, - 

und bist du, Großvater Samuel, dem Enkel 

nachgelaufen -. 

Und als der Eli sah, 

mit seinen achtjährigen Augen sah, 

wie sie antrieben seine Eltern, 

durch die Kuhgasse, die Kuhgasse, 

hat er die Pfeife an den Mund gesetzt und hat 

gepfiffen. 

Und nicht hat er gepfiffen, 

wie man pfeift dem Vieh oder im Spiel, 

sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte, 

den Kopf hat er geworfen nach hinten, 

wie die Hirsche, wie die Rehe, 

bevor sie trinken an der Quelle. 

Zum Himmel hat er die Pfeife gerichtet, 

Zu Gott hat er gepfiffen, der Eli, 

sagte die Witwe Rosa, als sie noch lebte. 

Zu Gott hat er gepfiffen. 

Ging ein Soldat mit im Zuge, 

sieht sich um nach dem Eli, 

wie der pfeift, hocb zum Himmel - 



- 3 - 



noch Frau: 



schlägt ihn tot mit dem Kolben seines Gewehres, 

War der Soldat noch ein junger, sehr ;)unger, 

hat die Witwe Rosa gesagt. 

Nimmt der Samuel die Leiche, 

Großvater Samuel, sagt die Rosa, 

setzt sich nieder auf einen Meilenstein - 

und ist stumm, - ist stumm, 

(Pause) 

■War denn der Michael nicht zur Stelle, 

daß er hätte retten können den Eli? - 

War der Michael im Bethaus, 

im brennenden Bethaus, 

hat die Flammen gebunden, 

hat den Jossele gerettet, 

den Dajan gerettet, 

den Jakob gerettet, 

aber der Eli ist tot. 

Es hat die TiTitwe Rosa noch hinzugefügt, 

daß der Michael eine Minute zu spät kam, 

eine winzige Minute, 

sieh, so winzig wie das Öhr meiner Nähnadel, 

nlt der ich vorhin noch diesen eingerissenen Saum 

an Eli's Hemd festnähte. 

Was meinst du, warum er zu spät kam. 

er, den kein Feind aufhielt? 



- 4 - 



noch Frau: 



Er tat einen Schritt in die Nebengasse, 
einen einzigen Schritt, 

da wo die Myriam ihr Haus einmal gestanden hat - 

und dann wandte er sich um - 

und der Eli war tot. 

Da sagte die Witwe Rosa noch: 

Hat doch der Michael den ungebrochenen Blick, 

nicht den unsrigen, der nur Scherben sieht - 

- den Baischemblick hat er, 

von einem Ende zum andern . , , 

Will den Michael fragen, was er weiß, 

Näht er auch Sohle an Oberleder fest, 

weiß er dochmehr als nur wandern zum Grabe. 

Bin eine Wäscherin, 

hab« lauge gebrüht, gewaschen, gespült, 

aber heute auf der Bleiche, 

da, wo der Saum war gerissen an Elitg Hemd - 

da sah es mich an - 

7^11 den Michael fragen, den Schuster. 
(Ab.) 



Sprecher: 



(2, Szene) 

Kommen Kinder aus den Ruinen der Gasse auf den 
Marktplatz gelaufen . . . 



~ 5 - 



Größeres Mädchen: 



Der Schulhelfer hat gesagt, 

es sei heute der Tag, 

an dem vor Jahren des Michaels Hochzeit war, 

und an dem sie ihm Myriam, die Braut, raubten 
vor dem Kerzensegnen» 



Kleineres Mädchen: 



Y/as wollen wir spielen? 



Größeres Mädchen: 



Knabe : 



Hochzeit und Kerzensegnen, 

und ich bin die Braut. 

Und ich raube dich, (ergreift sie) 



Größeres Mädchen: (sich losmachend) 

Nein, ich will das nicht, 

ich suche mir ein Kind zum V/iegen, 

(Einen Petzen aus dem Geröll ziehend) 

Hier ist Stoff, 
hier ist ein Stück Holz, 
nur wenig angekohlt. 
Jetzt habe ich ein Kind, 
und es hat schwarzes Haar, 
ich will es wiegen. 



(singend) 

1) Es war einmal eine Märe, 

die Mä:?G ist gar nicht fröhlich. 



o 



noch Größeres Mädchen: 



Die Märe hebt an mit Singen 
von einem jüdischen König. 



2) Es v/ar einmal ein Koni 



g? 



der König hatte eine Königin ^ 

die Königin, hatte einen V/in^cert - 



Ljulinkej, mein Kind 



o o o 



3) Der Wingert, der hatte einen Baum, 
Der Baum^ der hatte einen Zv/eigj, 
Der Zv/eigj der hatte ein Ilestohen - 



Ljulinke, mein Kind 



009 



Knabe s 



Duj, der JoGsele hat Knochen gefunden - 

wer sich aus dem Totenbein eine Pfeife macht 

dem kommt kein Vieh fort - 



Größerer Junges 



Jossele, fülle den Eimer am Brunnen, 
lauf um den Kalk, dort, v/o sie bauen, 
vor den Toren bauen, die neue Stadt, 
Sind keine Tore mehr, 
ist keine alte Stadt mehr, 
Ist kein Bethaus mehr, 

nur noch Erde genug für den guten Ort! (für sich) 
Das war ein Haus hier, das war ein Herd, 
Steht noch ein Kochtopf, schwarzgebrannt. 



- 7 - 



noch Größerer Junge: 



Knabe j 



Hier ist ein buntes Band 5 
vielleicht wars ein VYiegenband - 
vielleicht auch ein Schürzenband - 
wer weiß? 

Hier ist ein Käppchen. 
Wer trug^s? 

Ein junger Mann oder ein alter Mann, oder ein Knabe? 

Schützte die 18 Segenssprüche, die stillen, 

vor den eitlen Gedanken, 

vor den bösen Gedanken, 

oder - wer weiß? 

Weine nicht, Jossele. 



Bauen wir doch aufs Neue das alte Haus. 
Hängen üich die Tränen ans Gestein, 
hängen sich die Seufzer ans Gebälk, 
können nicht schlafen die kleinen Kinder, 
hat der Tod ein weiches Bett. 
Größeres Mädchen: 

Es ist schon spät. 



Knabe : 



V/ir wollen nach Hause gehn. 
Gib her dein Kind, 
ich werf es aufs Geröll, 
da kann es schreien. 



3 



Größeres Mädchen 



Sprechers 



4) 



Nein, laß das sein, 

es heißt Myriam, 

und icli werde in die Küche gehen, 

und mir einen Quirl holen, 

so hat es einen Kovf. 

(singend) 

.Das Nest, das hatte ein Vögelchen, 

Das Vögelchon, das hatte ein Plügelchen, 

das Plügelchen, das hatte ein Pederchen 



Ljulinke, mein Kind 



• • 



dehen alle langsam fort , „ . 
5) Der König, der mußte sterben , 

* 

die Königin, die mußte verderben, 

der Baum mußte zerbrechen, 

das Vögelchen fliehen vom Weste . . . 



(3. Szene) 



Sprecher 



Michael: 



Sitzt der Schuster Michael bei der Arbelt und häm- 
mert . , , 
Kleiner Schiih, kleiner Schuh. 

Du gingst so laicht, Myriam, 

die Gräser standen hinter dir auf. 

Hier, diese Spange riß, 

als du mir entgegen eiltest - damals - 

schnell ist die Liebe, 



Wi 



- 9 - 



Michaels 



noch Michael: die Sonne, wenn sie steigt, 

ist langsam gegen sie. 
Myrian - 

Welches Gestirn sah deinen Tod? 

i^ar es der Mond, die Sonne, oder die Nacht,« 

mit Sternen, ohne Sterne? 

(Schusterhammer hämmert, schweigt) 

Großer Schuh, Männerschuh, 

Isidors Schuhe, 

des Pfandleihers Schuhe, 

schwere Schuhe , 

Sin Wurm hängt an der Sohle, 

ein zertretener 7/urm. 

Der Mond scheint weiter, 

so sah er deinen Tod. 

(Schusterhammer hämmert. Schweigt) 

Kinderschulie, Kinderschuhe. 
ETach innen .«i^etroten. 



Michael: 



Lammwolle haftet daran - 



Eli^Eli^ 



(schluchzt) 



m 



- 1o - 



(4. Szene) 



Michael: 



(Der 



zerreißende Ton einer Pfeife ist 2u hören.) 



Samuel, 

ich bitte dich mir finden zu helfen, was ich suche. 
Ich suche die Hand, 

darin die Fäulnis dieser Erde eingegangen ist, 

ich suche Elis Mörder! 

Ich suche den Staub, 

der sich seit Kain vermischt hat 

mit allen Mörderstaub und gewartet, 

vielleicht hat er Vögel inzwischen gebildet - 

und dann Mörder. 

Vielleicht hat er die Alraunäpfel gebildet, 
für die Rachel abtrat eine Nacht der lea - 
Samuel, alter Großvater Samuel, 
laß mich deine Stummheit fragenj 

* 

War er kleiner als ich und größer als du, 

der Mörder? 

Sein Haar, war es blond? - 

Seine Augen, schwarze, blaue, graue? - 

0, Samuel (schluchzend) 

Wieviel Millionen Menschen hat die Erde? 

Mörder wie Kain, 

Zerfallene Alraunäpfel, 

Nachtigall ens taub . 

(Akustik: Töne der Hirtenpfeife) 



- 11 - 



noch Michael: Sieh, oh sieh - 



die Kerze wirft den Schatten - 

imd deine Stummheit spricht, 

aus Elis Plöte spricht sie: 

Sehr jung noch, ist er, 

sein Mörder sehr jung, 

die Nase ist breit, 

und ihre Flügel zittern vor Wollust, 

die Augen haben die Pupillen eines Wolfes - 

der Mund ist klein wie von einem Kind - 

So werden Gesichter in Träumen gemischt - 

Wasser aus Unsichtbarem gegossen - 

Es ist fort 9 Samuel, stummer Samuel« 

Aber es brennt in meinen Augen; 

bis ich ihn finde, 

wird es sich vorschieben jedem Ding auf dieser Erde. 

Stehen wird es in der Luft, 

esse ich mein Brot, 

so esse ich diesen Schreckensstaub 

esse ich einen Apfel, 

so esse ich des Mörders Gesicht - 

sti;imriier Samuel, G-roßvater Samuel, 

deine Sprache ist schon da, 

wo aller Staub zu Ende ist. 

Hinter dem Wort ward dieses gemischt! 



- 12 - 



noch Michaels Ich gehe, den Mörder suchen ... 

(Akustisch? unrealistische Schritte Michaels entfer- 
nen sich. Von Ferne die Töne der Pfeife.) 



(5. Szene) 



Sprecher! 



Mendel! 



Ruft der Hausierer Mendel seinen Kram aus, umringt 

von Zuschauem . . , 

Durch einen außerordentlichen Zufall 

bin ich in der Lage, euch anzubieten: 

Waschechten Schürzenstoff, blumenbedruckt, 

schmetterlingsbedruckt, 

Strümpfe aus Ylolle^ Strümpfe aus Seide, schon aus 

Paris. 
Dieses Gummiband, delinbar v/ie Länder und Reiche 
und wieder zurückschnappend - 
direkt aus Amerika o 

Aus England Lavendel für den Kopfschmerz 
und Pfefferminz des schlechten Magens halber - 
Aber dieses Linnen aus Rußland - 
nicht für die Toten mehr, 
nicht für die Füße hingestreckt zur Tür - 
für 's Bräutchen nun und auch für»s Kind - 



- 13 - 



Eine Prau: 



Mann: 



Frau: 



Mann: 
Fran: 



Mann: 



Mendel; 



Mann: 



schon. 



(zu ihrem Mann) 
Sieh her, 

dies war ein Festtagsstoff für mich 
nun wo das Ueujahr bald beginnt. 
Da wohnen wir im Armenhaus, 

- • 

nicht Tisch hast du noch Stuhl, 

was soll das Zeug? 

Sieh doch, 

die kleine Stemtalerin, 

sie hat einen besseren Mann, 

er kaufte ihr das schöne Halstuch 

Wo du stehst rann Blut - 

Wir sind gerettet 

und solleia uns der Rettung freun. 

(zum Hausierer) 

Du verdirbst die Weiber aufs Heue, Hausierer. 
Die Putzsucht 

legt den Trauerflor zierlich in Falten noch. 
Ich hab kein Weib, 

doch hätt ich eins, würd ich mit Salomo es halten: 
Lobt er die taugendhafte Frau, 
lobt er auch ihr Gewand dazu - 
Nun gut, miß es schon ab, das Zeug, 
damit sie sich der Rettung freut. 



- 14 - 



Ein Scherenschleiferj (mit Schleif steingeräusch) 

Scheren zu schleifen, 
Messer zu schleifen, 
Sicheln für die neue Saat - 

Andere Praus , Fort soll er gehn. 

Wenn er schleifen will, 
soll er abseits schleifen - 
wer kann noch anhören - 
der Messer Geschleife - 
Scherenschleifer: 

V/illst du wieder essen, 
brauchst du ein Messer - 

willst du wieder ernten, 
brauchst du ein Messer - 
•• willst du dich bekleiden, 
brauchst du zwei Messer* 

« 

(schleift) 



Andere Prau: diese Gleichgültigkeit! 



Verstehst du nicht, daß dein Geschleif 



das Herz der Welt in Stücke schneidet? 



Scherenschleifer : 



Ich hasse Niemanden, 

will Niemanden kränken - 

schleife ich, so ist's mein Gewerb - 



- 15 - 



Andere Frau: ß.iet sein Gewerb, 

wie meines Weinen ist - 

und das des Andern Sterben! 
Ein Mädchen: (zmi Hausierer) 

Eine Lage .oUgarn will ich Wen. (.ur Gefährtin) 

dir. 
Wickle ich und du hältst still, 

so ist's wie Abschiednehmen. 

Hielt man mich am Handgelenke fest 

und nahm die Mutter fort 

und der Abschied ging yon ihr zu mir - 

von mir su ihr, 

^±s er zu Ende war - 

« 

(Akustl=oh= untor den letzten V/orten der beiden 
Mädchen Tanzwelse, dazu stampfende Tanzachritte.) 
Zweites Mädchen: 

Es zuckt unter meinem Fuß. 

Die Flur der Sehnsucht muß hier zuende sein! 

Da, meine Stöcke, da liegt meine Lahmheit. 

Das sind alle meine Ifege. 

die ich lahm gegangen bin. 



Drittes Mädchen: 



Immer, wenn meine Fuß 
war ein Weg zuende, 



e eine neue Wunde bekamen, 



wie eine Uhr, die schlägt. 



- 16 - 



Mädchen; 



Der Bucklige 



Ich wollte meinen Geliebten noch einmal sehn, 

aber da nahmen sie mir meine Augen - 

von da ab zählte ich Mitternacht. 

Nun bin ich nur noch eine Träne von meinem Gelieb- 
ten entfernt, 

und die letzte Wunde ist in meinem Juß aufgebrochen 

Tanzt rieht so schwer, 

nicht an die Wände des Schlafes pochen, 

könnt' euch übers chwemmon, 

zuviel junge Herzen darin - 

wird Liebesstaub geben - 

wer weiß wie das Korn schmecken wird - 

wer weiß? 



(Tanzmusik aus) 

Junge Praus Buckliger! Starre doch mein Kind nicht so an! 

Grott behüte es vor dem bösen Blick - 
Der Bucklige: Behüte, daß ich es mit meinem Blick versengte 

Wundern tu ich mich nur, 

wie du es hast gebären können 

in dieser Zeit - 
Junge Prau: Im Erdloch hat' ich 's geboren, 

Im Erdloch gesäugt - 

Tod nahm seinen Vater« 

mich nahm er nicht, 

sah die Milch in meiner Brust 

und nahm mich nicht. 



- 17 - 



Der Bucklige s Und nahm dich nicht - 

Junge Fraus Verzeih, wenn ich dich kränkte. 

Aber Gott behüte, 

dachte erst, 

du seist ein lebend Stück 

vom Un^^lück Israels. 
Der Buckliges Du sahst auf meinen Buckel, 

glaubtest or sei der Ranzen, 

darin der Bock das Unglück seines Volkes trägt. 



Junge Frau: 



(Tanzmusik) 

Es scheint mir. 



daß hundert Jahre oder mehr vergangen seien, 

seit ich im Erdloch saß - 

ich kann das Licht nicht mehr vertragen - 

ich blinzle nur - 

Dies scheinen keine Menschen mir, 

Erdhügel sah ich tanzen - 

die Nacht verwahrt keine Namen. 

« 

Der Bucklige: Die Tänzer v/erden lange Schatten. 

Es ist schon späte Nacht in Israel! 
Junge Prau: Die Abendsonne blendet ihre Leiber fort. 

Was bellt, was singt, 

vergaß ich längst - 



. I 



(Tanzmusik aus) 



t 



- 18 - 



Der Bucklige: Ja späte Zeit - - 



und da komnt Michael, der Letzte. 



(6. Szene"^ 



Sprecher: 



Michaels 



Spricht der Michael beim Wandern 
(I'löte) 

(wandernd) 



9 O 9 



frr • 

V 



^±e viele Millionen Menschen hat die Erde? 
Mörder wie Kain, 

die den Tod an zehn Fingerspitzen tragen? 
Esse ich mein Brot 

so esse ich diesen Schrcckensstaub, 

esse ich einen Apfel, 

so esse ich sein Gesicht - 

(Flöte) 

Hier ist ciie Stelle, 

wo man den Bäcker Eisik mit dem schlürfenden Schritt 

wegen einer Zuckerbrezel erschlagen hat. 

War sein Ladenschild eine eiserne Brezel, 

hatten sich die Kinderblicke, 

die Seimsuchtsblicke an sie gehangen, 

alBon sich satt daran. 

Fiel Eines hin, 

hatte für- imer genug gegessen. 
Lachte der Eisik: 



- 19 - 



noch Michaels ich backe eine Zuckorbrezel^ 

dann noch eine und wieder soj, 
daß sie aich nicht zu Tode essen^ 
mit den Augen an der Eisenbrezel^ 
hat eine gebacken^ keine mehr. 
Hat die Si3enbrezel gestrahlt, 
wie im Backof enf euer, 
bis sie ein Kriegsmann herunternahm, 
einschmolz für den nächsten Tod. - 



(Flöte) 



Dort, wo du deine Kinder getragen hast, Mutter, - 
ich glaube, sieben waren wir an der Zahl - 
dort ist dein Leib eingesunken zur Grabhöhle - 
trauernd hängen die greisen Brüste darüber. 
Meine Mutter, 

dein Mörder hat dir einen Spiegel vorgehalten, 

damit du ein kurzweilig Sterben haben solltest - 

Mutter, du hast dich angesehn, 

bis dir die Kinnlade herunterfiel -, 

aber der große Engel hat seinen Schatten darüber 

gelegt! 

Durch den Stacheldraht der Zeit 

kam er zu dir geeilt, 

mit den Flügeln zerrissen -; 

Denn Stahl und Eisen sind ins Wuchern gekommen, 

Mutter -^ 



- 2o - 



noch Michaels 



haben Ur^välder in dm Lüften gebildet - 

Mördergohirne sind ins Wuchern gekommen -, 

Lianen der erklügelten Qual sind aus ihnen ausge. 

schlagen - 
Spiegel, Spiegel, 



du Echo aus dem Walde der Toten -, 
Opfer Lind Honlcer, 
Opfer und Henker 

spielten mit ihrem Atem Stcrbespiol auf dir - 
Mutter, 

es wird ein Sternbild einmal Spies-el heißen! 



(7. Szene) 



Sprecher; 
Ein Mann: 



Zweiter: 



Erster: 



Zweiter; 



Sprechen die Männer über Michael . . . 

Sagt er noch immer Kaddisch in den Spiegel hinein? 

Ja. Er rodet in Totengebeten. 

Heiliger Balschem, 

du letzter Garbenträger von Israels Kraft, 

Schwächer geworden ist dein Volk und schwächer, 

ein Schv/iEimer, 

den nur noch der Tod an Land bringt. 

Sie sagten; 

lun meiner schlenkrigen Schulter willen 
hassen sie mich - 
Sie sagten: 

Um meines immerwährenden Lächelns willen 
hassen sie mich - 



-• 21 - 



Dritter: 



Michael: 



Sie sagten 



um dieses Steinhaufens willen, 
der einirial nein Haus v;ar, 
hassen 8ie mich - 
Ich sehe, 

sehe den Anfang deiner schlenkrigen Schultern, 

Schimon • 

als du grubst mit Abraham den Brunnen der "Sieben 

Schv/üre" 

in Ber Scheba - 

Ich sehe, 

ich sehe den Anfang deines Lächelns, Aman - 
am Horab eingepflanzt den siebzig Alten, 
daß es keimt, 

keimt am wandernden Staub der lippe -. 
Steine sind Steine - 

Erde vom Paradies darin, aber in Gierigkeit umge- 
bracht. - 
Sie aber wissen den Anfang nicht, 

den ewigen Anfang nicht, 

und darum hassen sie uns - 



Alle Umstehenden: 



Michael: 



Darum hassen sie uns - 



Aber ich sage euch 



Mancher von euch hat den siehenden Glauben gehabt; 

hat hinter dorn Vorhang der llacht 

die großen Beruhigungen "Leben und Tod" 

heruntergezvrungen! 



- 22 - 



noch Michael: Nicht nur mit Waffen wurde gekämpft, 

ich sage euch: 

Kampfplätze gibt es - Kampfplätze, 
von denen die Erfinder des Tagmordes 
sich nichts träumen lassen. 
Manches Gebet 

hing mit den flammenden Flügeln vor der Mündimg 

der Kanone, 
manches Gebet 

hat die Nacht verbrannt wie ein Blatt Papier! 

Sonne, Mond und Sterne hat Israels Gebet ausgereiht 

an den ziehenden Schnüren des Glaubens -, 

Diamanten und Karfunkelsteine 

um den sterbonden Hals seines Volkes 

0! 0! 



•W •• '«•• 



Eine Stimme: Ist dies Michael? 

Zweite Stimme: Nein - siehst du nicht, 

wie 's in der dunklen Ecke flammt - 
ein Cherub ist's aus Tod und Pouer- — 



(8. Szene) 

Erste Stimme: Die Luft ist neu ~, 

fort ist der Brandgeruch -, 
fort ist der Blutgeruch -, 



- 23 - 



noch Erste Stimme: 



Zweite Stimme 



Alte Frau: 



Sprecher: 



Alte Frau: 



fort ist der Qualmgeruch -, 

die Luft ist neu! 

In meinem Ohr ist ein Geräusch, 

als ob jemand dabei wäre, 

den Stachel aus der Y/unde zu ziehn - 

den Stachel, der in der Mitte der Erde steckt - 

Jemand nimmt die beiden Hälften der Erde auseinan- 



der 



wi 



le einen Apfel -, 

die beiden Hälften von Heute und Gestern -, 

nimmt den Wurm heraus 

und fügt das Gehäuse wieder zusammen! 

Kommt er noch nicht, der Rabbi ~, 

immer noch nicht der Rabbi -, 

Da kommt der Rabbi! 

Steht die Prau auf und geht dorn Rabbi weinend 
entgegen . . „ 

Hab :*.ch einen Kuchen gebacken, 

draußen im Ofen auf der Weide - 

haben die anderen Frauen gesagt: 

schön ist dein Kuchen, 

dein ?e:?crtagskuchen! Hab ich gesagt: 

ist für den Rabbi, der Kuchen. 

Hab drei Maß Mehl genommen, 



- 24 - 



noch Alte Frau: 



Rabbi: 
Alte Frau: 



Rabbi: 
Alte Frau: 



Rabbi 



Alte Frau: 



wie die Sari tat, als sie buk für die Engel, 
die Engel, 

die zum Abraham kamen am Abend - 

In der Schrift steht nichts, daß sie am Abend kamen 

Inner kommen die Engel am Abend. 

Und das Wasser am Quell 

hat einen Mundj der spricht 

Warum weinst du Mütterchen? 

Soll ich nicht weinen? 

Haben die Ratten gegessen den Kuchen, 

den Kuchen für den Rabbi! 

m 

Neues Mehl wird man dir geben, 
und wir essen zusammen den Kuchen - 
Kann nicht mehr backen 
kann nicht mehr essen. 



(weint heftiger) 



Rabbi: 



Kann nur noch weinen. 

Wohnst du im Haus bei den Alten 



Alte Frau? 



Rabbis 



Mütterchen? 



Im dritten Keller wohne ich, 

am Marktplatz« 

Warum wohnst du nicht bei den Alten? 



- 25 - 



Alte Frau: 



Vifeil icli wolinen muß, 

dort; wo ich wohne, 

Ist der Jehudi dort gehören ^ 

Der Natel dort gehören, 

das Tauhel dort geboren - 

ist noch ihr Schrei darin, 

von dem Tauhel der Tanz darin - 

der Michael hat mir ein Paar Schuhe geschenkt, 

weil in die alten die Grahorde hineinging, 

vom Jehudi die Erde, 

vom Taubel die Erde, 

vom Natel die Erde* 

Sind Schuh vom Rabbi Sassow, 

sind Zaddik-Schuhe, 

Heilschuhe, heilige Tanzschuhe. 

* 

Ist vom Taubel der Tanz darinnen. 



(Tanz) 



(9»Szene) 



Schar junger Maurers 

Lied 



Y/ir bauen, v/ir bauen 

die neue Stadt, die neue Stadt, 

die neue Stadt! 



- 26 - 



noch Schar junger Maurer; 



Sprecher 



Wir "brennen, v/ir brennen 

die Ziegel der neuen Stadt! 

Kommen die jungen Maurer, und einer spricht ••• 



Erster Maurer: Moses hat gebrannt! 

David hat gebrannt! 



Michael: 



Jetzt brennen wir, 

wir, die Überlebenden! 

Sein Dornenstrauch in der Wüste, 

• « 

sind v/ir, v^^ir, v;ir! 



Alle singen: Lied 



Wir brennen, wir brennen, 

das neue Haus su bauen • • . 

Wir bauen, wir bauen ••• 

die neue Stadt, die neue Stadt, 

die neue Stadt! 

Wir brennen j wir brennen 

die Ziegel der neuen Stadt! 

Ich fürchte, ihr schachtet nicht tief genug, 

die Grundmauern werden nur Leichtlebiges tragen! 

Der neue Pentat euch, sage ich Euch, der neue Penta- 

teuch! 

steht mit dem Schimmel der Angst geschrieben 

auf den V/änden der Todeskeller! 

Ich sah Einen sein eigenes Fleisch benagen, 

sich v/ie der Mond nach einer Seite rundend, 



-- 27 - 



noch Michaels imd magernd hin zur andern Welt -• 

Ich sah ein Kind lächeln, 
iDevor es in die Flammen gev/orfen wurde - 
Wo bleibt das? 

« 

Mein Gott, wo bleibt das? 



(lo# Szene) 



Sprechers 



Spricht der Michael wieder beim Wandern .•. 



Michaels 



(geht - Plöte) 

Dies also war 'ne Landstraße 

sieh das Bäume hingelegt 

in den Sand wie unsere Toten 

mit vorrenlcten G-liedern 

Felder aus Asche. 

V/er im Dunklen sitzt, 

zündet sich ^nen Traum an - 
Wer die Braut verliert, 
umarmt die Luft - 
wem der Tod das Kleid strich, 

daß es schrie, 

an dem eBsen die Gedanken wie Würmer - 

Sah einmal einen Rutengänger. 

Die Rute schlug auf, 

v/enn eine Quölle gefunden war. 

So such ich überall 

den Mörder, der Eli gemordet hat* 



- 28 - 



noch Michael: So such ich überall 

nach der Quelle des Hasses, 

dlG man Israel zu trinken gab. 

Aber wenn ich es auch besser wüßte, 

du, von einem andern Stamm, 

wie sollte ich es dir erklären können? 
Alter Schrenschleifer; 

Warum sagst du, Bruder, solche Worte! 

Als wir auf dem Heuboden lagen, 

beim Polen Jarislav auf dem Heuboden, 

da waren wir beide eins! 

Augen nur, den Feind zu erspähn, 

Ohren nur, auf das Knarren der Stiege zu achten - 

Haare auf den Kopf, 

uni zun Hininel zu steigen in feuchter Angst - 

kan ein Schlaf zu uns, 

ein Hunger, ein Erwachen -, 

kan die gelbäugige Eule, 

die Zweige sanmielt, 

\i^r)ii sie den Tod riecht - 

sah ins Bodenfenster, 

schrie wie *ne Henkerstochter, 

wenn der eine gehabt hätte? 

uhu! 
Michael: "Jer bist du, Väterchen? 



9 



Scherensctileif ers 



Michael: 



Ich bin nicht und auch kein Väterchen! 
Du bist nicht j, aber du redest doch! 
Bist du der Scherenschleifer? 



Scherenschleifer: 



Michael: 



Ja, 



So weißt du Bescheid. V/oher kommst du? 



Scherenschleifer: 



Michael: 



Warum ant^vortest du wie im Pragespiel? 

Darum^ weil im Stein Peuer ist, 

also Leben 

und im Messer Tod - 

Also schleifst du täglich das Leben mit dem Tod. 

V/oher konr.ist du? 



Scherenschleifers 



Lebendig aus dem Tod. 

Daher, v/o die Mörder mein Volk in die Erde säten. 

Oh, sein Same sollte sein sternenreich! 

Ich aber wurde nur halb gesät, 

lag schon im Grab. 

Wußte schon, wie die Wärme aus dem Fleisch geht - 

aus den Knochen das Bewegliche fortgeht - 

hörte schon die Sprache des Gebeins, wenns zerfällt - 

Sprache des Bluts, wenns gerinnt - 

Sprache des Staubs, 

wenn er neu um die Liebe wirbt - 



- :;o - 



Michaels 



Aber wie v/urdest du gerettet? 



Scheronsclileif crs 



i: 



Michael: 



ffaren wir rroflohen 



der Amschelj, der braune Jeliudi und iche 

Hat man drei Länder eingefangen,, 

drei Sprachen cingefangonj, 

hat Hände eingefangen , 

und sie ihr Grab graben lassen , 

ihren Tod anfassen lassen* 

Hat die Leiber erschlagen ^ 

und den Abhub hinimt ergo gössen -. 

Wieviel Milliarden Qualenneilen von o, Ihn-! 

Aber du, du? 



Scherenschleifer: 



Michael: 



Der Soldat 9 

der die Erde über ^ons zuschüttete 

und uns begrub - 

gosegnet sei er - 

er sah bei der Laterne Schein, 

denn es war ITacht, 

daß sie mich nicht genug erschlagen hatten, 

und daß sich meine Augen öffneten -, 

und er holte mich heraus 

und verbarg mich - 

Verbarg dich? 



- 31 - 



ScherenschlGif crs 



Es hatte der Soldat - 

dies sagte er mir später - 

am gleiclicn Morgen einen Brief von seiner Mutter 

"bekommen. 

Gesegnet sei sie! 

Darum v\^ar er nicht berauscht wie die andern 

und sah das Zwinkern meiner Augen, 

Die Mutter schrieb s 

^'Diesen Brief wollte ich eigentlich zu den Strümpfen 

legen^ 

den selbstgestrickten. 

Aber die Sehnsucht ließ mir keine Ruhe - 

gesegnet sei die! 

und ich schreibe schon heute, 

und warte nicht , bis sie fertig seind. 

Der Anzug aber^ der blaue, 

ist gebürstet und an die Luft gehängt, 

wegen des Mottenpulvers, 

So riecht er nicht mehr, 

v/enn du komiViSt,'* 



Aber es v/ar nicht so, 

daß sie den Brief gl..ich einstecken konnte, 

denn sie v/urde krank über Nacht • 

Da kam eine Nachbarin - 

gesegnet sei sie! - 



- 32 - 



noch Sciaerenschleifcr 



Michael: 



fragte nach dem Ergohn - 

aber eigentlich wollte sie nur eine Zwiebel haben 

eine kleine Zwiebel für die Kartoffeln, 

denn zu Ende waren ihre eigenen. 

0, daß sie Kartoffeln aß 

und keine Rüben - 

Gresegnet seien alle Zwiebeln! - 

imd sie erhielt eine Zwiebel 

und nahm den Brief zur Post 

• ■ • 

und der Soldat erhielt ihn an jenen Morgen, 

imd berauschte sich nicht wie die andern - 

und sah das Zwinkern meiner Augen - 

Wieviel Zwiobelschalen haben sich da zusamcngetan 

zu deiner Rettung! 

Und vms wird weiter keinen 



aus deinen Zwiebelglück? 
Scherenschleifer: 



Ich geh zum Rabbi in die Gräberstadt. 
Der Leib will nicht mehr halten, 
Sand hat den Sand berührt -. 
Doch nun sterbe ich den einen Tod 
der andere, in der Handmuskel eines Henkers 
wie ein Dietrich in des Diebes Paust, 
den brauch ich nicht mehr, 
ich hab den rechten Schlüssel! 



sitzend 



(Geht weiter) 



- 33 - 



(11 • Szene) 



Mendel 



Ein Mann: 



Mendels 



Ein Manns 



Mendels 



Ich freue micTa, ich freue niichl 
Was erfreut dich;, Bruder? 
Ich freue niichj 

daß ich dem Michael ein paar Schnürbänder schenlcte 

für seine Wanderschuhe ^ 

kommt er ins Paradies, 

hat er meine Schnürbänder am Fuß! 

Auch war des Eli' Sterbeheind von moinem Zeug -, 

Das trägt er nun - er hat es nun am LcITd, 

Warum war es gut, 

daß du dem Schuhmacher die Schnürbänder gabst, 

und warum soll er sterben, jung wie er ist? 

(geheimnisvoll) 

Ich weiß es nicht, 

aber gut ist es auf jeden Fall. 

Ein Sechsunddreißiger kann er sein, 

auf dessen Taten die Welt ruht - 

einer, der den Lauf der G-ev/ässer folgt 

und die Erde sich drehen hört - 

bei dem die Ader hinter dem Ohr, 

die bei ims nur in der Sterbestunde schlägt, 

jeden Tag schlägt, 

einer, der Israels Wanderschulie suende trägt - 



- 34 - 



Michael; 



(12^ Szeno) 

(Unrualistische Akustik s Michaels Schritte, Wind 

und Tonfiguren für die einzelnen Stiimen) 

Ich wandere, ich wandere 

überall such ich 

den Mörder, der Ell gemordet hat, 

die Quelle des Hasses, 

die man Israel zu trinken gab. 

Alle Vi^egweiser zeigen nach imten. 

Pingerkräuter v/achsen hier, 

aber nicht die 

mit denen Myriam ihren kleinen Schuh füllte, 
daran die Spange rißs 



"nähe sie, während die Pinger dich streicheln" - 
Es sind Pinger von Menschenhänden, 
Menschenfinger, die hier wachsen oo. 



Stimme der Pins:er; 



Ein Pingers 



Wir sind die Pinger der Toter. 

Jeder hat einen erklügelten Tod angesteckt 

v/ie einen falschen Mondstein. 

Mein Pinger hatte zum Spezialgebiet das Würgen, 

das Eindrücken des Kehlkopfs 

mit einer kleinen Wendung nach rechts. 

(Gurgelnder laut) 



35 



Stimme des ersten Töt.jrsj 



Michael 



Deine Knie, Michael, 

deine Handgelenke - 

hörst du, aus Glas - 

allec^ ist aerhrcchlich auf Erden. - 

Der Fronrae pfeift auf den Staub -, 

imd hier ist ein Weinglas Blut -. 

Großer Tod, großer Tod, kormi - 



Stimme des zweiten Töters: 



Der ist aus der Mode, der große Tod, 
Hier sind die kleinen, niedlichen Tode - 
dein l^Tackon - 

dort, v/o das Haar flaumip wird - 



Stimme des dritten Töters 



Im Namen der Wissenschaft - 



rTn 



c-iese üüritse 



wer sich opfert, scheint hell, 
wie faules Holz - 



Ein langer knöcherner Finder 

Keine Angst; 



ich will weder deiner Kehle gute lacht sagen, 

noch deine Gelenke kränken. 

Ich bin nur der Dozentenfin?"er 

der neuen Weisheit. 

Ich will ein wenig mit deinen Woichbrot plaudern - 



-^ 36 ^ 



Michaels 



Fort - fort ^ fort von mir. 



Stimme des Dozcntenfingers 



Hiob ist schvrach geworden <, 

müdor Leiermann einer einsi; frisclien Weise. 
DoB Meer ist einesteils zu Pf erdekräften, 
andernteils su Leitungsv/ascer gestreckt worden. 

m 

Ebbe und Flut sind in der Hand eines Mondnannes, 

Der Schuhmacher Michael 

näht Ober- und Unterleder £'UGaim:ien 

mit seinen Faden aus Abfallprodukt - 

Fähnadelhoiliger! - Nähnadelheiliger! 

Schornsteine sind die Letzten, die Israels Leiden 

"berührten 
Joremias Leib im Rauch, 

Hiobs Leib im Rauch, 

dio Klagelieder im Rauch, 

« 

der kleinen Kinder Wehklagen im Rauch, 
der Mütter Wiegenlieder im Rauch - 
Israels Preiheitsweg im Rauch - 
Andere Stimme s Ich bin der Essenkehrer gev/esen -, 



Stimme 



Ein Baums 



mein Licht wurde schwarz - 

Ich bin ein Baum. 

Ich kann nicht mehr gerade stehn - 

es hing an mir Lind schaukelte, 

als hingen alle Winde der Welt an mir und schaukel- 
ten - 



- 37 - 



noch Ein Baumj Blut drang an meine Wurzeln - 

alle Yögel, die in meiner Krone nisteten, 
hatten blutige Nester, 
Jeden Abend blute ich von Feuern - 
meine Wurzel steigt aus ihrem Grabe ~ 



ichaels 



Echo: 
Michael: 



ichael! Michael! 



Oh! Oh! Ist dieser Stern verloren? 
"Verloren! 



Oh! Oh! 



(15. Szene) 



Das V/eson: 
Michael: 



Das Wesen: 



Michael! 

Vfer bist du? 

Hirsch; der Schneider, 

sah bei Lebzeiten ähnlich aus. 

«... 

Du hast vcrwesliche Gesellschaft neben dir - 
Hirsch bin ich, der Schneider, und die Nachbarin 

war jemandes Prau, vielleicht die m.eine - 

ich weiß es nicht - denn obgleich ich dort 

bei dem Schornstein 

als Tod angestellt war, 

SO ists schwer, über der Grenze was v/iederzuf inden. 



^ 38 - 



noch das Wesen: 



Eine Minute nach Mitternacht 
sieht alles gleich aus -. 
Aber wie dem auch sei, 
hätte ich auf die Selige gehört, 

« 

so saß ich hei den Lebenden in Amerika, 

•unter denen ich einen Bruder hahe 

und nicht hier unter meines Gleichen. 

Sieh, hat sie gesagt, 

als es begann« 

Du bist ein Hirsch, 

also mußt du es ahnen, 

die Juden sind überhaupt ein ahnendes Volk -: 

es rühren sich die Messer in der Lade, 

es knirscht die große Schneiderschere -, 

das Peuer im Herd aber bildet gräuliche G-esichte 

wie beim Weibe von Ensor - 

vor allem abers ich fühle Blicke, 

Blicke schielend wie die der Katze «- 

Michael, Michael - 

dich haben sie nicht angerülirt, 

geschont haben sie deiner, 

und hast dich ihnen gestellt überall, 

sozusagen im Gegenwind, 

hätte mein früherer Kunde, der Jägermeistor, ge- 



sagt - 



wie ein Wild, 



- 39 - 



noch das Wesen: 



das die Witterung verloren hat - 
aber mich haben sie angestellt, 

« 

meiner herausstehenden Backenknochen wegen, 

aber auch meiner Beine wegen, 

Tod, du hast zwei Sichelmesser, 

haben sie gesagt, 

da geht es schneller. 

I/egst du nicht dein Volk in Rauch, 

brennst du nicht dein Fleisch und Blut, 

so lockern wir deine Beckenschraube 

und nehmen deine beiden Sichelmesser fort. 

Und dann hast du auch bessere Nahrung 

als wir alle zusammen, 

Rauch wiegt schwerer im Magen als Brot -, 

Und ich habe Rauch gegessen, 

und ich habe Ihn verheizt -. 

Und ich bin in den Wald gelaufen, 

•und es haben Himbeeren gestanden -, 

und ich habe Himbeeren gegessen, 

nachdem ich Ihn verheizt habe -j, 

und ich habe nicht sterben können, 

weil ich der Tod bin - 

(schreiend) 



da - der Schornstein! - - 



- 4o - 



Der Schornstein: 



Stimme: 



Sprecher: 



Ich bin der Lagerkommandant. 

Mar seh 9 marsch 

gehen meine Gedanken aus meinem Kopfe heraus! 

Höre Israel, 

E r unser G-ott, 

Er Einer- 

Sammle, sammle, Michael, 

eine Zeit ist wieder da, 

die sich abgelaufen hat - 

hebe sie auf - 

hebe sie auf - 

Wandert der Michael also weitei^. - , 



(H« Szene) 

(Unrealistische /ikustiks Grillen, Vogelriif) 



Michael: 



Ein Todesminutensammler hat keine Körbe, 

nur ein Hera zu füllen - 

Die Pinger zeigten zuletzt nach dieser Richtung, 

Mörder verraten den Mörder zum Schluß. 

Ich suche den Mörder, der Eli gemordet hat -. 

Wie friedlich diese Gegend. 

Die Grillen zirpen, 

den Eichelhäher ruft seine Gesellin. 

Die Kuh hat das gleiche Urweltgesicht, 



- 41 - 



noch Michaels 



Bauer: 



Michael: 



Bauer: 



Michael: 



Bauer: 
Michael: 



Bauer: 



Sprecher: 



Kinder: 



als wäre es eben von der Hand des Schöpf ers- gestrei- 
chelt wordene 

Wie überall schmeckt jetzt der Bauer das Geheimnis 

des V/eizenkorns ab. 

Einen guten Tag, Bauer, 

ist wohl eine Schuhmacherwerkstatt hier in der Nähe? 

k 

Kommst wohl von drüben hinter der Grenze, 

hast eine Sterbestirn - 

Viforan siehst du's? 

V/enn einer zwischen den Augen etwas leuchten hat, 

groß wie eine Schneeflocke - 

Mag sein, 

daß der Tod meines Volkes an mir leuchtet. 
Bist ein Pole oder Jude ^ar? 



Auf dieser Erde bin ich beides* 

Das ist viel! 

Dort hinter der großen Weide 

geht der Weg zum Dr:.rf • 

Neben dem Wirtsgarten 

•r 

ist die Schulimacherwerkstatt. 

Wandort der Michael also hinunter ins Dorf*.* 

(Plöte) 

Hätt ich eine solche Pfeifo, 

so würd ich Tag und Nacht pfeifen -, 

in Schlafe würd ich pfeifen - 

Die Kälber, die Schafe, die Pohlen^ 

alle würden kommen* 



42 



Michaels 



Sie ist von einem toten Kind; die Pfeife 
Alle Umstehendens (wiederholen) 



Michael: 



Umstehendes 
Michaels 



Umstehendes 
Michaels 
Umstehendes 
Michaels 



Von einem toten Kind? 

Von einem Knaben, 

der ermordet vmrde - 

Der ermordet wurde - 

Als man seine Eltern ziim Tode antrieb, 

lief er im Hemde nach - 

Im Hemde nach ~ 

Auf dieser Pfeife pfiff er um Hilfe zu Gott - 

Um Hilfe zu Gott - 

Da erschlug ihn ein Soldat - 



(pfeift) 



(15. Szene) 



Sprecher: 



Ein Mann; 



Kinds 



Geht ein Mann indessen durch den Garten mit seinem 



Kind 



o • • 



(identisch mit dem Mörder) 
Da hängt der Bienenschwarm; 
horch wie er musiziert. 

Da gibt es Honig, 

• • • 

nie hat die Linde so reich geblüht. 

■ 

welch Glück, 

daß sie vom Menschenkrieg verschont blieb. 

Wie das hier riecht, Vater, o! 

Und der Honig dann aufs Brot, oh. 



- 43 - 



Mutter? 



(vom Haus) 

Ich heb noch den Salat aus 

und schneid den Kerbel zur Suppe, 

das Mittagessen ist bald fertig. 

Willst du nicht den Schmetterlingsketscher holen, 

Kind , 
sieh die vielen Falter auf dem Thymian - 

(Man hört den Flötenton) 



^i^<i' I>a3 klang, als ob jemand schrie. 
Knabe: Ja, das v/ar Isidor des Krämers Stimme, 

als wir ihn aus dem Dorf trieben, 

Oi^ sagte er, oi, 

und da lag er im Graben, 
Zweiter Knabe: Und griff nach seinem Käppchen, 

sieh, so, mit der Hand nach innen gebogen, 

das war seine Art beim Abwiegen -, 

und der Hans rief: 

"Hast du Abendsonne im Käppchen?" 

und gab ihm noch einen - 



Sprecher: 



Meister: 



(16, Szene) 

In der Schuhmacherwerkstatt des Grenzdorfes .., 

(Lederklopfen) 

Michael sind Sie, mein Geselle jetzt. 



- 44 - 



noch Meisters 



Michael: 



ums - 



Ein Judo, gerettet und bei mir eingekehrt, 

Gewiß, man hat Euch Unrecht getan, 

aber vielleicht seid ihr für uns 

wie Schuhe von früher, von noch früher. 

Niemanden haben sie gepaßt, 

gutes Leder, aber ungeeignet - 

nichts für unser Klima, 

vielleicht für die Wüsten, 

vielleicht fürs heilige Land - 

vielleicht für die Märkte dort, 

wo die Isidore anders feilschen als bei 

aber natürlich so wie es dann mit Euch kam - 

nein, das wollten wir nicht - 

so nicht - so nicht - 

* 

Seit Abraham aus Ur auswanderte, 
haben wir uns bemüht, 

unsere Wohnung zu IHM hinzubauen, 
v/io andere nach der Sonnenseite bauen - 

freilich, manche schlössen sich der entgegengesetzten 

Richtung an - 
alte Hirten ließen die Sternenuliren schlagen 
und schliefen wie Isidor und Pfandleiher mit 
gekrümmten Fingern. 
Aber es war ein Knabe -Ell... 

(unterbricht erschrocken) 



- 45 - 



noch Michael: Wer ist das, der da kommt? 

Wer ist das? 



Sprechers 



Tritt ein Mann mit einem kleinen Mädchen an der 
Hand • . . 



Der Mann: 
Meister: 



Michael: 



Der Mann: 
Kind: 



Der Mann: 
Das Kind: 



Der Mann: 



Sind meine Stiefel fertig? 

Der Geselle arbeitet gerade daran - 

Die Sohle ist nicht mehr zu flicken - 

der Riß geht in der Mitte - 

So macht doch eine neue Sohle - 

Vater 9 dies ist der Mann, 

der die Pfeife hattet 

Dort liegt sie auf dem Bli;mentopf • 

0, laß mich pfeifen! 

Man pfeift nicht auf fremden Pfeifen* 

(weinend) 

Die Pfeife - 

Sie weint, 

weil sie Sehnsucht nach ihrer Mutter hat. 

Immer hat sie nach etwas Sehnsucht: 

einmal ist es die Drossel, 

die sich die Futterbissen holte 

und verschwand, 

dann wieder der alte Schäferhund, 



•■ 46 - 



noch Der Mann: als er über die Bahnschranke lief, 



Michaels 



Das Kinds 
Der Manns 



Kinds 



Der Manns 



und überfahren wurde - 

(laut) 

Alles beginnt mit der Sehnsucht. 

Auch die Erde da im Blumentopf 

•und die Häute hier, 

» 

daraus die Scliiihe ge schnitten werden, 

Die Pfeife - 

Ich werde dir eine Pfeife kaufen. 

Wenn du sie hast, 

so folgen dir alle Kinder 

und geben dir ihr Spielzeug - 

Hein, diese Pfeife, 

da kommen die Kühe und die kleinen Kälber 

Nein! Komm nun! (heftig) Komm! 



(Das kleine Mädchen schluchzt. Die beiden entfer- 
nen sich.) 



Michaels 



(vor sich hin sprechend wie im Traum) 

Die Nase breit 

ihre Flügel zittern vor Wollust 

und die Augen mit den Pupillen eines Wolfes 

• 

der Mund klein wie von einem Kind. 

Mörder wie Kain 

mit dem Tod auf zehn Pingerspitzen aufgespießt. 



- 47 - 



(l7o Szene) 



Sprechers 



Mutters 



Kind: 



Der Mann: 



Mutter: 
Der Mann: 



Singt im Haus beim Garten die Mutter ein Wiegenlied . . .' 

(singend) 

Schlaf kommt wie ein Wandersmann 

sagt: Schlaf, schlaf, schlafe - 

Alle Bäume wandern 

alle Bäume wandern 

heben ihre Y^Turzelfüße 

wenn ich pfeife - 



Oh 



- Oh «! Die Pfeife hat sie verhext, 



die Pfeife hat ihr Fieber gemacht 

Oh - Oh -! 

Seht - sie schläft ^ 

Oh, übe^rall Zähne, 

hörst du, wie es klappert? 

Der Rappe steigt, 

und zeigt die Zähne, 

Die Kälber trinken mit den Zähnen, 

daß die Euter blutig werden - 

der Roggen abgebissen - Zähne ohne Ratten - 

Hörst du GS, Frau, 

hier in der Kammer, 

da, da 

Zähne statt der Ziegel - 

Frau, der Maurer muß an den Galgen -- 



^ 48 - 



Prau; 



Der Manns 



Kinds 



Mann 



So schweig doch; 

das Kind schläft, 

das Fieber ist sehr hoch! 

ITirn klappert es, 

das ganze Haus klappert - 

(im Trauni fiebrig) 

Alle Bäume v/andern, 

alle Bäume wandern, 

heben ihre Wurzelfüße und wandern, 

wenn ich pfeife - 

Alle Schatten wandern, 

komm, liebes Bahrtuch, 

deck mit dem weißen Mondzahn zu; 

war es nicht ein Milchzahn, 

der aus seinem Munde fiel mit der Pfeife - 

Frau, Frau, 

die Milch hat Zähne, 

Zähne. 



(Es klopft an) 



Manns 



Stimmes 



Manns 



(ruft) 

Wer klopft? Wer da? 

Man sagt 

du sollst ein heiliges Kind getötet haben? 

Lari, Fari, Futterwurzel. 

Alle Kinder sind heilig! 



- 49 - 



Stimme § 



Manns 



Stimme 



Der Mann: 



Mutter: 



Sollst ein heiliges Kind getötet haben* 

Alle Kinder sind heilig. 

Dein Kind - ist krank - sehr krank! 

(höhnisch lachend) 

Ahaj der Arzt bist du - 

es riecht schon in der Luft^ 

Lagerluft! 

Du Menschenfloichsortierer! 
(schreit auf) 
Das Kind ist tot! 
Unser Kind ist tot! 



Sprecher; 



Vv'eint die Mutter vor sich hin, rennt der Mann 
aus dem Haus schlägt die Tür zu . . . 
(Dissonanter Akkord) 



(18. Szene) 



Mann s 



\Jenn. er den Kopf nicht nach hinten geworfen hätte, 

so hätte ich ihn nicht erschlagen, 

der Milchzahn wäre nicht mit der Pfeife herausge- 
fallen! 

Aber - das war gegen die Ordnung - 

der Kopf nach hinten zu werfen - 

das mußte zurechtgerückt werden -. 

Und wohin hat er gepfiffen? 



^ 5o ~ 



noch Manns 



Ein heimliclies Signal 

Ein Zeichen durch die Luft - 

außerhalb jeder Kontrolle - 



Michaels 



Hilfe, Schuhmacher, 
der Mi"'.chzahn wächst aus der Erde - 
beginnt mich anzuknabbern - 
durch meine Schuhe hindurch - 



meine Füße 



zerfallen- 



w 



TT 



erden Erde - (schreiend) 



^7o ist da die Ordnung, die V/eltordnung - 

ich bin am Leben, 

ich bin nicht tot - 

nicht gehangen - 

nicht verbrannt - 

nicht lebendig in die Erde geworfen - - (brüllend) 

03 ist ein Irrtum, ein Irrtum, 



ist 



zerfallen, zerfallen- 



ich bin ein Stumpf, 

sitze auf dem Sand, 

der soeben noch mein Fleisch war - 

(visionär) 

Es öffnet sich die Luft in Kreisen - 

Es wächst der Embryo im Mutterleib - 

Auf seiner Stirn das Urlicht leuchtet - 

Kind mit dem Gotteslicht 

lies in den Pländen des Mörders - 



- 51 - 



Mann 



Michael: 



Meine Hände, meine Hände - 

gellt nicht fort, o meine Hände - 

meine Hände zerfallen - 

Am Horizont bricht eine Wunde auf 



blutender Mund des Samuel 



Samuals 



öffne dich du stummer Mund! 
Eli! 



Michaels 



Der Mutterleib zerfließt in Rauch 
das Urlicht fliegt an meine Stirn - 
ich nehe weit - 



Zerfallender 



seine Augen v/erden Löcher - 

das Licht sucht sich andere Spiegel 

ich sehe durch die Löcher 

in deinen Schädel 

der die »/7elt einrahmt, 

die du v/ie befehlen darin eingepackt hattest , 

wie in einen Soldatentornister - 

da liegt sie - zuckend, 

ein Insektenstern mit ausgerissenen Flügeln - 

Unter meinen Füßen fährt es auf. 

Aus meinen Händen stürzt es hin 



Mein Herz gießt etwas aus - 



Fußspuren Israels, 

sammelt euch! 

Letzte Erdenminuten Israels, 

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KLEINES CHASSIDISCHES WÖRTERBUCH 

Balschem, Baal - Sehern heißt wörtlich „Herr des (göttlichen) 

Namens". Bezeichnung für göttlich 
inspirierte Wundertäter im allgemei- 
nen, für Rabbi Israel-ben-Eliser, den 
Begründer des Chossidismus im Be- 
sonderen. 



Balschem - Blick 



Chossidismus 



Dajän 



Die seltene Fähigkeit, Menschliches 
und Göttliches, Materie und Geist, 
d. h. den gesamten Kosmos mit den 
Wechselwirkungen seiner Kräfte, in 
einem Blick zu umfassen. 

von hebräisch: fromm. Volkstümlich- 
mystische Bewegung, im 18. Jahrhun- 
dert in der Ukraine entstanden. Die 
Chassidim (Bezeichnung der Anhän- 
ger dieser Bewegung) scharen sich 
um charismatisch gewählte, religiöse 
Meister. Später wird diese führende 
Rolle erblich und verliert ihren ein- 
stigen Sinn. - Ursprüngliche Bedeu- 
tung des Chossidismus: an Stelle der 
komplizierten talmudischen Gelehr- 
samkeit fordert er von seinen An- 
hängern nur unmittelbar freudige 
Hingabe an Gott und seinen Willen. 
Sehr bald aber tritt dos Ausweichen 
in den Wunderglauben hinzu. 

Eigentlich „Richter". Ein in Fragen 
des religiösen Rechts besonders be- 
wanderter Gelehrter. Do in der jüdi- 
schen Gemeinde auch alle Dinge des 
täglichen Lebens bis zur Behandlung 




DIE DIELE ... 

ist mehr nur als ein Durchgang. Denn schon hier empfängt der Besucher den 
ersten Eindruck von Stil und Wohnkultur. Geräumige Dielen werden oft sogar 
für gesellige Veranstaltungen benutzt. Wählen Sie darum für die Wandbeklei- 
dung der Diele wirksame, freundliche Tapeten. Unsere Nr. 1724, mit licht- 
grauem Untergrund und munteren Farbklecksen aufgelockert, wäre genau das, 
WCS Sie suchen. 



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DORTMUND, Höh« Str. 27, Ruf 22994 
CASTROP-RAUXEL 4, Idcernar Str. 33 



Die 36 Gerechten 



10 



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Guter Ort 
Heimholerhorn 




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Kaddisch sagen 
Pentateuch 

Rabbi 

Rabbiner 



UND 



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DORTMUND, HANSASTR. 76 
RUF 23335 




inlersfil 



Skandia/ interStil Schröer 
Dortmund Kleppingstroße 
Ed(e Viktoriastrasse 



praktischer Verrichtungen in Haus 
und Geschäft unter religiösen, also 
ethischen Gesichtspunkten zu sehen 
sind, holt man häufig die Entschei- 
dung des Daiän in Zweifelsfragen 
ein. 

Nach einer alten Tradition des Tal- 
mud wird angenommen, daß Gott 
seine Gnade der Weit nicht entzieht, 
wenn auch nur 36 Gerechte in einer 
Generation gefunden werden kön- 
nen. Von diesen weiß keiner vom 
Andern, noch etwa von seiner eige- 
nen Auserwähltheit. 

Friedhof 

= Schofär, Hörn (eines Widders), 
Posaune, mit dem am Neujahrs- und 
am Versöhnungstag durdi mehrmali- 
gen Ruf dos Gewissen der Menschen 
geweckt und aufgerufen wird. 

Sterbegebete sprechen. 

= Tora (hebr. Lehre) = die 5 Bücher 
Mose. 

Ehrende Anrede. Im Deutschen ken- 
nen wir auch die Form „der Rabbi", 

Verdeutschte Form des Wortes Raw. 
Diese Form wird aber nur auf tal- 
mudgelehrte Rabbiner im traditio- 
nellen Sinne und vor allem auf be- 
amtete Rabbiner des Westens ange- 
wendet. Der chassidische Wunder- 
rabbi ist kein „Rabbiner". 



. . . und immer 



^g^ä 



angezogen! 



. . . auch bei Theatervorstellungen 



* 






NDIVIDUELLE. 
SACHKUNDIGE 
ERLEDIGUNG 
ALLER 



BANKGESCHÄFTE 



Uraufführung im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit" 



ELI 



Ein Legendenspiel vom Leiden Israels 



von 



Nelly Sachs 

Für die Bühne eingerichtet von Imo Wilimzig 
Bühnenmusik von Moses Pergament 

■/ 
Inszenierung: Imo Wilimzig a. G. 

Bühnenbild und Kostüme: Carl Wilhelm Vogel a. G. 

Musikalische Leitung: Rolf Agop 

Regieassistenz: Jörn Behrmann 








TEPPICHHaUS 




DORTmUND • (UESTEHHELLWEO 

DOS FÜHRENDE SPEZiaiHAUS FÜR DEUTSCHE TEPPICHE>ORIENTTErPICHE UND eRRDINEN 




\ 



Marktplatz einer kleinen polnischen Landstadt 

Die Wäscherin Ursula Neumann 

Die Bäckersfrau Maria von Bingen 

Samuel, der Stumme, , «. . • 

Elis Großvater Josef Schmitz 

Der Maurer Josef von Dziegielewski 

Jossele, sein Gehilfe .... Wolfgang Giese 

Die irre Frau Use Anton 

Halbwüchsiges Mädchen . . . Egie Müller 
Mädchen und Knabe 

Die Schuhmacherwerkstatt Michaels 

Michael, ein junger Schuhmacher Manfred Lucht 
2 männliche Stimmen 

In einem zerfallenen Gemäuer 

Samuel Josef Schmitz 

Michael Manfred Lucht 

Der Marktplatz 

Der Bucklige, ein Bettler . . . Gerd Kunath 

1. Zimmermann Heinz Ostermann 

2. Zimmermann Jörn Behrmann 

Der Maurer Josef von Dziegielewski 

Jossele Wolfgang Giese 

Der Dajän Willem Hoenselaars 

Der Hausierer Mendel .... Hans Keller 

Die Wäscherin Ursula Neumann 

Junge Frau Ingund Mewes 

Halbwüchsiges Mädchen . . . EgIe Muller 

Der Scherenschleifer Ehrhardt Grosser 

Die Bäckersfrau Maria von Bingen 

Das blinde Mädchen Marien Kohn 

Der Mann mit der Spiegelscherbe Robert Olbruck 

Michael Manfred Lucht 

Mädchen und Knabe 

Inspizient 
Aufführungsrechte beim 



Landstraße. Vom Krieg verwüstete Gegend 

Der Hausierer Mendel .... Hans Keller 

Der Scherenschleifer Ehrhardt Grosser 

Der alte Mann Curt Wilcke 

Todeslandschaft / Grenzlandschaft 

Michael Manfred Lucht 

Die Stimmen des Schornsteins, 

eines Sterns, eines Baums, der 

Spuren im Sande, der Nacht 

Hirsch, der Schneider .... Hans-Joachim Krätke 

Stimmen der Finger 

Im Dorf jenseits der Grenze 

Michael Manfred Lucht 

Die Bäuerin Isabella Ott 

Der Mann Friedrich Haupt 

Seine Frau Clarissa Sypniewski 

Halbwüchsiger Knabe .... Jürgen Panke 
Kinder 

Schuhmacherwerkstatt jenseits der Grenze 

Der Schuhmachermeister . . . Erhard Riemer 

Michael Manfred Lucht 

Der Mann Friedrich Haupt 

Sein Kind Annette May 

Im Hause des Mannes 

Der Mann Friedrich Haupt 

Seine Frau Clarissa Sypniewski 

Sein Kind Annette May 

Stimme des Arztes 

Draußen 

Michael Manfred Lucht 

Der Mann Friedrich Haupt 

Samuel Josef Schmitz 

Der Dajdn Willem Hoenselaars 

Bewohner 

des polnischen Städtchens 

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griechisch, zunächst: Gemeinde, 
dann = Versammlungsort für die Ge- 
meinde, Bethaus. Synagogen gab es 
erst nach der Zerstörung des Tem- 
pels. 

Hebr., wörtl. Belehrung, Lehre« Be- 
zeichnung für das frühe nachbib- 
lische jüdische Schrifttum der Spät- 
antike, das zunächst nur mündlich 
weitergegeben und gegen 500 n. Chr. 
abgeschlossen wurde. Der Talmud ist 
weitgehend aus rabbinischen De- 
batten hervorgegangen, die er in 
der exakten ursprünglichen Form 
festhält. Er setzt sich zusammen aus 
Interpretationen der Bibel, deren 
Gesetze und Vorschriften er der ver- 
änderten Gegenwart anzupassen 
sucht, und aus volkstümlichen Sagen 
und Erzählungen. Der Rabbiner des 
Ostens hatte immer auch ein Tal- 
mudlehrer zu sein, der nach dem 
talmudischen kasuistischen Gesetz 
Recht sprechen konnte. 

Die Fülle des Lichtes der Schöpfung, 
dessen übergroßen Glanz zu ertra- 
gen dem Menschen seit dem Sünden- 
fall verwehrt ist. Nur als Ungebo- 
rener, als Kind im Mutterleib, kann 
der Mensch es noch schauen. We- 
nige besonders Begnadete (so die 



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36 Gerechten) erlangen im Laufe ih- 
res gläubigen Lebens diese Fähigkeit 
wieder. 

Geistiges Haupt einer Chassidi- 
sdien Gemeinde. Ein im Glauben 
und in der Lauterkeit seiner Gesin- 
nung Bewährter. In diesem Sinne ein 
„Gerechter". 

Die hoffnungslose Armut bei der 
Masse der ostjüdischen Bevölkerung 
infolge von scharfen Beschränkungen 
der Bewegungsfreiheit, der Berufs- 
ausübung etc. durch die Obrigkeit 
ließ eine starke Neigung zur Wun- 
dergläubigkeit entstehen. So konnten 
die Schuhe des Zaddiks, dem das 
Volk übernatürliche Fähigkeiten zu- 
schrieb, die Gabe des Tanzes ver- 
mitteln. 



Immanuel Kant über die jüdische Religion: 

„. . . Sie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade von 
Gewissensfreiheit zu vereinigen gewußt, die man ihr gar 
nicht zugetraut hätte und dergleichen keine andere sich rüh- 
men kann. Sie haben zugleich die Notwendigkeit einer un- 
beschränkten Gewissensfreiheit zu jeder Religion so gründ- 
lich und so hell vorgetragen, daß auch endlich die Kirche 
unsererseits darauf wird denken müssen, wie sie alles, was 
das Gewissen belästigt und bedrücken kann von der Ihrigen 
absondere, welches endlich die Menschen in Ansehung der 
wesentlichen Religionspunkte vereinigen muß." 

(Brief an Moses Mendelsohn über dessen Buch „Jerusalem" 
1783) 



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Moses Pergament 

Der Komponist der Bühnenmusik zu „Eli" 
Pergament ist 1893 geboren. Mit fünfzehn Jahren fuhr er 
nach Petersburg und war vier Jahre long Schüler am dor- 
tigen Konservatorium in der Violinklosse von Auer. Sein er- 
stes Kompositionskonzert gab er 1914 in Helsingfors. Fünf 
Jahre war er Violinist beim Philharmonischen Orchester m 
Helsingfors unter Georg Schneevoigt. 1920 begab er sich 
nach Paris, wo er den größten Teil der Musik zu dem Ballett 
„Krelantems und Eldeling" komponierte, das 1928 seine Ur- 
aufführung in der Stockholmer Oper erlebte. 1921-1922 ab- 
solvierte er den Opernkapellmeisterkursus am Sternschen 
Konservatorium in Berlin. 1923 wurde er Musikkritiker am 
Svensko Dogblodet, 1942 bei der Aftontidningen in Stock- 
holm. Während der ganzen Zeit war er kompositorisch tätig. 
Sein bisher größtes Werk ist die abendfüllende Symphonie 
für Sopran, Tenor, Chor und Orchester „Dos jüdische Lied" 
(1944), die große Aufmerksamkeit in Skandinavien weckte. 
Mit dem Einakter „Das Geheimnis des Himmels" (1953; ur- 
aufgeführt 1957 in Dortmund) erwarb Pergament den ersten 
Preis bei dem interskandinavischen Wettbewerb des Kom- 
mermusikvereins „Fylkingen". 



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Nelly Sachs ^ Mysterienspiel vom Leiden Israels "Eli" 

Der Schauplatz dieser szenischen Dichtung ist ein jüdisches Städt- 
chen in Ptlen, das nach dem zweiten Weltkrieg in Trümmern liegt. In 
diesem lande lebten Tor 1939 etwa 30 Millionen Menschen, von denen 
etwa 3 Millionen, also 10^^. Juden waren. Diese waren im 14. Jährhun- 
dert aus Deutschland eingewandert, als dort im Zusammenhang mit den 
Kreuzzügen wüste Pogrome stattfanden und hatten eine deutsche Mundart 
mitgebracht, aus; der sich das Jiddische (das Judendeutsch) entwickelte, 
mit hebräischen und polnischen Brocken vermischt. Die Juden bildeten 
in den kleinen Städten den Mittelstand zwischen dem Adel und den Bau- 
ern und waren in allen bürgerlichen Berufen tätig, auch als Handwer- 
ker^i Sie assimilierten sich nicht der Umwelt, betrachteten sich nicht 
als Polen, sondern blieben ein jüdisches Volk mit eigener Sprache und 
Religion. Die ganze geistige Überlieferung des Judentums blieb hier 
lebendig. Ja, es entwickelte sich im 18. Jahrhundert unter der Führung 
von Rabbinern eine schwärmerisch-mystische Religionsbewegung, der 
Chassidismus und im 19* Jahrhundert eine von ihm durchsetzte jiddische 
Literatur, dazu schliesslich Ansätze einer hebräischen. Diese blühende 
jüdische Kultur ist unter der Schreckensherrschaft des Dritten Reichs 
vernichtet worden. 

Nelly Sachs ist in Berlin in einem wohlhabenden, freigeistigen 
Heim aufgewachsen. Sie hat zwar jüdischen Religionsunterricht bekom- 
men und neigte gewiss innerlich zur Religiosität, aber war durchaus 
nicht orthodox und zweifellos auch an christlichen Überlieferungen 
interessiert. Aus der reichen Bibliothek ihrea Vaters fesselte sie 
die grosse deutsche romantische Überlieferung einschliesslich der Mär- 
chen-, Sagen- und Legendenwelt. Novalis gehörte zu ihren Lieblings>- 
schriftstellern, ja, sie beschäftigte sich auch mit Jakob Böhmes tief- 
sinniger Mystik. Als dann christliche Freundinnen sie mit Martin Bu- 
bers chassidischen Büchern bekannt machten, fand sie darin bestätigt. 



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- 2 - 



was sie selbst schon in sich entwickelt hatte. Die jüdische Mystik 
auch der älteren Zeit:, vor allem der Sohar, bot ihr fruchtbare See- 
lennahrung* Sie vertiefte sich in Gershon Scholems Buch über dies>e 

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grosse geistige Tradition des Judentums, die der biblischen Überlie- 
ferung eine so tiefsinnige Deutung gibt. 

Das sind die Voraussetzungen für die Entstehung des Mysterienspiel» 
vom Leiden Israels "Eli", aber nicht die Quelle. Man kann diese Dich- 
tung nicht aus ihnen ableiten. Sie ist geboren aus den aufwühlenden 
Erlebnissen der Dichterin im Dritten Reich, die sie, die so selten 
Prosa schreibt, einmal wenigstens anf^deutend geschildert hat unter 
dem Titel "leben unter Bedrohung". Da heisst es: u»a.j 

"Es kamen Schritte. Starke Schritte. Schritte, in denen das Recht 
sich häuslich niedergelassen hatte. Schritte stiessen an die Tür. 'So- 
fortf, sagten sie, ^die Zeit gehört uns! • 

Die Tür war die erste Haut, die aufgerissen wurde. Die Haut des 
Heims. Dann fuhr das Trennungsmesser tiefer. Aus der Familie wurden 
Teile ausgeschnitten, Teile, die in die weit fort eroberte Zeit ver- 
frachtet wurden. In die Zeit der gekrümmten Einger und der starken 
Schritte. Mit der die Vögel zogen mit dem Angesicht des Frühlings. 

Und das geschah auf dieser Erde. Geschah und kann geschehen. Und 
das Kind hatte neue Schuhe bekommen und wollte sich nicht von ihnen 
trennen. Und im Blick des TJreises lag schon Gottes-Auszugs-Asche. 

Und ich war angebunden an einen Traum. Ein Traum aus Fingern und 
Schritten. Ass mich satt an der Angst. Die Gerüchte saugten wie Blut- 
egel. Die Nacht war der Rahmen um den Henker- in der Kraft unterm Haut- 
wams, über Schwan eng ebogenem Rücken den Taktstock der Zeit. Fünf Ta- 
ge lebte ich ohne Sprache unter einem Hexenprozess. Meine Sprache war 
zu den Fischen geflohen, ohne sich um die übrigen Glieder zu kümmern, 
die im Salz des Schreckens standen. Die Stimme floh, weil sie keine 
Antwort mehr wusste und * sagen ^ verbtten war..«* 






- 3 - 



Der Zusammenhang dieser Erlebnisse mit dem Mysterienspiel ist hand- 
greiflich* Die Schritte bilden ein Gitter um die Bäckerin Basia, seit 
die Henkersknechte des Dritten Reichs ihren Mann Eisik geholt haben. 
Samuel, der Grossvater des achtjährigen Knaben Eli verliert die Spra- 
che, als der junge Soldat den Knaben mit seinem Gewehrkolben totschlägt* 
Aber es sind nicht nur solche Einzelheiten, die aus dem allerpersön- 
lichsten Erleben der Dichterin stammen, sondern das grauenvolle Schick- 
sal der Juden im Dritten Reich erschütterte sie so tief, dass die Ge- 
dichte, die sie vorher im Bannkreis der deutschen Romamtik in gebunde- 
ner Form und traditioneller Sprache geschrieben hatte, ihr nicht mehr 
genügten, nicht mehr echter Ausdruck ihres Innern waren. Es entstanden 
schon vor 1940, dem Jahr ihrer Flucht nach Schweden, noch in Deutsch- 
land Gedichte von völlig anderem Gehalt und Gepräge. Sie musste sich 
befreien von dem ungeheuren Druck, der auf ihrer Seele lastete, um 
weiterleben zu können. Aber die entstehenden Gedichte erschienen ihr 
so ungeheuerlich, unkünstlerisch und unannehmbar, dass sie alles ver- 
nichtete. 

Erst im Winter 1943/44 entstand in einigen Nächten die szenische 

Dichtung "Eli", der Nelly Sachs in der polnischen Welt des Chassidis- 
mus eine Heimat gabj dadurch gewann sie zugleich den Abstand von ih- 
rem persönlichen Erleben, der erforderlich ist, um ein Kunstwerk von 

Rang zu gestalten. 

Das Werk trägt den Titel "Eli", aber der Knabe ist keineswegs die 
Hauptfigur. Sein Tod wird nicht einmal auf der Bühne dargestellt, son- 
dern die Wäscherin Gittel erzählt ihn nach dem Bericht der verstorbe- 
nen Witwe Rosa, der Prau des Gärtnera, also aus zweiter Hand, der Bäk- 
kerin Basia zu Anfang des 1. Bildes. Nein, die Hauptfigur ist Michael, 
der Schulimacher. Er wird immer wieder auszeichnend charakterisiert 
durch ungewöhnliche Äusserungen seiner Glaubensgenossen. 

"Hat doch der Michael den ungebrochenen Blick, 



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4 - 



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nicht den unsrigen, der nur Scherben sieht - - 

- den Balschemblick hat er - 

von einem Ende der Welt zum andern," 

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"War der Michael im Bethaus, 
im brennenden Bethaua^ 
hat die Flammen gebunden, 
hat den Jossele gerettet, 
den Dajan gerettet, 
den Jakob gerettet, 
aber der Eli ist tot, " 

Er besitzt also ungewöhnliche magische Eigenschaften* Und der Hausie- 
rer Mendel meint, dass er einer der sechsunddreissig Gerechten sein 
könne, auf deren Taten - nach der chassidischen Legende - die Welt 
ruht, 

"einer, der dem Lauf der Gewässer folgt 

und die Erde sich drehen höxt, 

bei dem die Ader hinter dem Ohr, 

die bei uns nur in der Sterbestunde schlägt, 

jeden Tag schlägt, 

einer, der Israels Wanderschuhe zu Ende trägt," 

Michael füllt mit seinen Erlebnissen von den 17 Bildern des Mysterien- 
Spiels neun, die seine übernatürlichen Fähigkeiten anschaulich machen. 

In seiner eigenen Werkstatt hebt der Schuhmacher einen kleinen 
Frauenschuh hoch, den seiner Braut Myriam, die ihm vor Jahren am Hoch- 
zeitstag geraubt worden ist. Da erlebt er als Vision die Szene ihrer 
Ermordung, Nach einer langen Zeit reglosen Sinnens ergreift er ein 
Paar schwere Männerschuhe und erlebt das Gespräch zwischen dem Pfand- 
leiher Isidor und seinen Mördern, Als er auch Elis Schuhe in die Mor- 
genröte hineinhebt, ertönt der zerreissende Ton der Pfeife, die der 



;/. 



- 5 - 



Knabe mit zurückgeworfenem Kopf gen Himmel gerichtet hat, um G-ottes^ 
Hilfe herbei zurufen. Das geschieht im 4. Bild* 

Im 5* befragt er den verstummten Grossvater Samuel nach dem Aus- 
sehen des Mörders und erblickt dann im gewaschenen Totenhemd Elis das 
Gesicht: 

"Sehr jung noch, 

die Nase breit, 

ihre Flügel zittern vor Wtllust, 

die Augen haben die Pupillen eines Wolfes 



_ II 



Er macht sich auf die Wanderschaft, um ihn zu finden. Unterwegs, kommt 
er zu einem verfallenen Schornstein, dem Rest eines Vernichtungslagers. 
Er hört seine Stimme berichten von Israels Leib, der im Rauch durch 
ihn zog auf seinem "Preiheitsweg", dazu die des Sterns, der Essenkeh- 
rerwar, eines Baums, der Spuren im Sande, der Nacht. Dann aber spricht 
ihn Hirsch, der Schneider an, der ihm erzählt, wie man ihn gezwungen 
hat, Tod beim Verbrennen der Leichen seiner Glaubensgenossen zu spie- 
len, ehe er selbst sterbend erlöst wird. Aber das letzte Gebet kann 
er noch beten: "Höre Israel - Er unser G#tt - Er, der Eine..." Michael 
beschwört hier im 11. Bilde das schreckliche Schicksal seines Volkes 
aus der Vergangenheit herauf und niimnt das Leiden Israels in sein Herz 
auf, so wie Nelly Sachs es getan hat, ehe sie diese Dichtung schuf. 
Nicht weit davon wird er von den Fingern und den Stimmen der Henker 
bedroht, sodass er die erlittenen Qualen der Opfer nacherlebt bis fast 
zum Tode. 

Die letzten fünf Bilder (l3*-17#) spielen jenseits der polnischen 
Grenze in einem deutschen Dorf, Michael hat die Pfeife Elis mitgenom- 
men, die magische Anziehungskraft auf Menschen und Tiere ausübt, wenn 
er darauf pfeift. Ein Kind, die Tochter des Mörders, wird von einem 
heissen Verlangen nach ihr ergriffen, erkrankt, fiebert und stirbt. 
Der junge Soldat ist jetzt Pächter auf einem Bauernhof, aber er und 
der Bäcker, der seinen Kollegen getötet hat, weil er trotz strengen 






- 6 - 



Verbots Brezel für die hungernden Kinder gebacken hat, werden von 
schweren Gewissensbissen gepeinigt: die Bilder der Kinder verfolgen 
sie mit Halluzinationen, sodass sie wirres Zeug reden. Im Wald erlebt 
dann Michael, wie der Mörder, nachdem er seine Schuld bekennt hat, 
vor seinen Augen zerfällt, von innen zerfressen. Eine Stimme ruft dann 
auch Michael heim aus der Wanderschaft auf der Erde: 
"Deine Schuhe sind vertreten - komm.'" 

Diese Michaelszenen sind es zweifellos, die der Dichtung den Cha- 
rakter eines Mysterien spiels gegeben haben. 

Die Bilderreihe von Michael ist die einzige durchgehende "Handlung" 
des Stückes. Er ist kein Kämpfer, kein streitbarer "Held". Es fehlt 
auch der leidenschaftlich kämpfende Gegner. Es gibt keinen Konflikt, 
kein Zusammenprallen von tief aufwühlender Heftigkeit. Verglichen mit 
der Dramatik von den griechischen Tragödien bis zur neueren Zeit etwa 
bei Ibsen und Strindberg ist dieses Werk undramatisch, eine Bilderreil 
he mit Gesprächen und Geschehnissen, aber nicht eine sich steigernde 
und wieder sinkende Reihe Auftritte mit heftigen Zwisten und jähen 
Wendungen. Das ist nicht als Kritik an diesem Mysterienspiel gemeint, 
sondern als Charakteristik seiner Eigenart. 

Was i|jch anfangs von dem Tode Elis berichtete, gilt auch von den 
meisten der übrigen jüdischen Einzel Schicksale, die neben den schon 
erwähnten in diesem Werke stehen: sie werden nicht auf die Bühne ge-. 
bracht, sondern erzählt, aus der dramatischen Darstellung in die epi- 
sche überführt. Über die Szenen hinaus, die Michael in seinen Visio- 
nen heraufbeschwört, erleben wir noch einige erschütternde Schicksale 
umittelbar mit. Aber diese wenigen Ausnahmen ändern nicht das Wesen 
der Dichtung. 

Es gibt in ihr ja noch acht Bilder, in denen Michael überhaupt 
nicht vork.mmt. Prägen wir nach ihrem Gehalt, so wird offenbar, dass 
weder Eli noch Michael der Hauptgegenstand des Werkes sind, sondern 



Uli . 






- 7 - 



"das Volk Israel", was ja im Untertitel "Ein Mysterienspiel vom Lei- 
den Israels " klar ausgesprochen ist. Das unschvildige Opfer Eli und 
einer der % Gerechten, sie sind nur zwei der Einzel Schicksale, die 
in das Leiden aller, in ein Massenschicksal^ eingebettet sind. 

Das Schicksal Israels wird unter drei öe Sichtspunkten in dieser 
Dichtung beleuchtet. Das besondere Leiden in diesem Zeitalter des 
Dritten Reichs wird sehr breit und mannigfaltig geschildert, aber die 
Ereignisse, die es hervorgerufen haben, liegen in der Vergangenheit 
und werden ja grösstenteils nur erzählt. Dadurch gewinnt die Dichte- 
rin viel Raum für zwei andere Seiten vom Dasein Israels. Zunächst für 
das Neubeginnen. Schon im ersten Bild arbeitet der stumme Maurer Sa- 
muel an der Wiederherstellung des Brunnens, der am Ende der Szene wie- 
der fliesst. Im zweiten macht ein anderer alter Maurer mit einem (Je- 
sellen eine Hausruine wieder wohnlich. Das dritte Bild zeigt, dasa; 
die Kinder schon wieder spielen, wenn auch traurige Spiele, in die 
viel aus der Schreckenszeit hineindringt. Aber im 6. Bild wird das 
wieder beginnende neue Leben auf dem Marktplat2i breit geschildert, 
obwohl es mit dunklen, schicksalsschweren Reden durchsetzt wird. Der 
Hausierer Mendel preist seine Waren an und macht erfreuliche Geschäfte 
der Scherenschleifer bekommt Arbeit. Ein Spielmann spielt auf und alle 
tanzen. Noch stärker wird das Neubeginnen im 9. Bild dargestellt. 
"Die Mädchen füllen die Krüge und reichen sie den bestaubten Maurern, 
welche vorübergehen, um die neue Stadt zu bauen." Zu Dajan, der an 
die Vergangenheit erinnert und mahnende Worte spricht, sagt einer der 
jimgen Maurer: 

"Spar dein Erinnerungsheu für den nächsten Winter - 
hier ist frisches Gras. 

(er bekränzt ein Mädchen) 
Staubanbeter sind wir. 
Solange der Staub solche Früchte gebiert, 



:/. 



- 8 - 



werden wir in seinem Acker wühlen 

und Staubparadiese schaffen. ••" 
Das Leben fordert sein Recht und das Volk Israel wird weiter in die 
Zukunft hineinwachsen* Es erlebt ja nach der Katastrophe im Dritten 
Reich eine nationale Renaissance im Staate Israel, der 1948 gegründet 
wurde und sich in den zwei Jahrzehnten seither allen politischen, 
wirtschaftlichen und sozialen Hindernissen zum Trotz erfreulich ent- 
wickelt hat. 

Immer wieder, an fünfunddrei ssig Stellen dieser Dichtung, ist nicht 
von den einzelnen jüdischen Gestalten und ihrem Schicksal die Rede, 
sondern vom Volke Israel, seiner Geschichte, seiner Tradition. Im ?• 
Bild z*B. besprechen die Männer in tiefer Erregung die Frage, warum 
denn die Umwelt die Juden immer wieder hassvoll verfolgt und quält 
und mordet • 

" Bettler (geht an die Tür und klopft): 
Hier ist Israel, Tür der Welt, 
Tür der Welt öffne dichl 
Zimmermann; 

Die ist gut gebaut, 

die rührt sich nicht..#" 

hören wir im 9. Bild* So war es in Wirklichkeit. Am 25. November 1936 

sagte Chaim Weizmann (der spätere erste Präsident der Republik Israel) 

vor einer englischen Unt ersuchung ak#mmission unter Earl Peel: "Es ist 
keine Übertreibimg von mir zu sagen, dass in diesem Teil der Welt sechs 

^llionen verurteilt sind, eingesperrt zu sein, wo man sie nicht wünscht, 
und für welche die Welt eingeteilt ist in länder, wo sie nicht leben 
können, und in Länder, in die sie nicht zugelassen werden." Als dann 
1938 die Konferenz für diese Frage in Evian am Genfersee zusammentrat, 
zeigte sich, in wie geringem Umfang die beteiligten Länder willig wa- 
ren, Juden aufzunehmen, und daher fielen sechs Millionen in die Hände 



;/. 



11.: 



^ 9 - 



der Henkersknechte des Dritten Reichar* 

Die Stimme aus dem Schornstein im 11. Bild sagt; 

"Wir Steine sind die Letzten, die Israels Leib berührten. 

Jeremias Leib im Rauch, 

Hiobs Leib im Rauch, 

die Klagelieder im Rauch, 

der kleinen Kinder Wehklagen im Rauch, 

der Mütter Wiegenlieder im Rauch - 
Israels Preiheitsrweg im Rauch - ^ 

und die Stimme des Sterns fügt hinzu: 

"Ich bin ein Essenkehrer gewesen, 

mein Licht wurde schwarz» " 
Dieses Wechselgespräch ist eine Variation auf den Anfang des ersten 
Gedichts der Sammlung "In den Wohnungen des Todes": 

"0, die Schornsteine 

auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todeff, 

als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch 

durch die Luft - 

Als Essenkehrer ihn ein Stern empfing 

der schwarz wurde« .«"^ 
die auch eine Fülle von Einzelschicksalen - "Gebete für den toten Bräu- 
tigam" und "Grabschriften in die Luft geschrieben" - einfügt in die 
Klagelieder vom Untergang des ;jüdi sehen Volkes, und die Chöre des gan- 
zen Universums, die einstimmen in die Toteiiklage. Auch der Lyrikband 
"Sternverdunkelung" ist grösstenteils dem Volk Israel und seiner Über- 
lieferung gewidmet. In allen drei Dichtungen ist wahrhaftig das V#lk 
Israel der eigentliche Gegenstand. Daher sind sie mit Fug und Recht 
im Taschenbuch des. Verlags Suhrkamp unter dem Titel "Das Leiden Isaraels" 
vereinigt (DM 3. — ), 

Den Mut zum Neubeginnen holen sich die chassldischen Juden im pol- 






-io- 



nischen Städtchen aus ihrer Religiosität, die an mehr als 80 Stellen 

der Dichtung beredten Ausdruck findet* 

Der alte Maurer singt und pfeift bei seiner Arbeit im 2. Bild: 

"Meister der Welti 

Du, Du, Du, DuJ 

Meister aller Steine.' 

Du, Du, Du, DuJ 

Wo kann ich Dich finden, 

und wo kann ich Dich nicht finden? 

Du, Du, Du, Dui" 

Die zwiefache Präge ist nicht orthodoxe Glaubenaf estigkeit, sondern 
chassidische Mystik» 

Im 7. Bild sammelt sich eine Scher Beter vor dem Beginn des Neu- 
jahrsgottesdienates. Einer sagt: 

"Heiliger Balschem, 

du letzter Garbenträger von Israels Kraft, 

Schwächer wird dein Volk und sdh wacher, 

ein Schwimmer, 

den nur noch der Tod ans Land bringt." 
Dajan erwidert ihm u.a.: 

"Nicht nur mit solchen Waffen wird gekämpft 

(er weist auf ein zerschossenes Haus) 
ich sage euch: 

Kampfplätze gibt es - Kampfplätze, 
von denen die Erfinder des Tag^^rdes: 

sich nichts träxomen lassen. 

Manches Gebet 

hing mit flammenden Flügeln vor der Mündung der Kanone, 

manches Gebet 

hat die Nacht verbrannt wie ein Blatt Papier J 



'7 



- 11 - 



Sonne, Mond und Sterne hat Israels G-ebet aufgereiht 
an den ziehenden Schnüren seines Glaubens - 
Diamanten und Karfunkel st eine 
um den sterbenden Hals seines Volkes. " 
Als dann im 8. Bild die Beter aus dem Betzelt treten, sa^t der erste 

Beter: 

"Die Luft ist neu - 

fort ist der Brandgeruch, 

fort ist der Blutgeruch, 

fort ist der Qualgeruch - 

die Luft ist neu]" 
Und der zweite fährt fort: 

"In meinem Ohr ist ein Geräusch, 

als ob jemand dabei wäre, 

den Stachel aus der Wunde zu ziehen - 

den Stachel, der in der Mitte der Erde steckt - 

Jemand nimmt die beiden Hälften der Erde auseinander 

wie ein Apfel, 

die beiden Hälften von Heute und Gestern - 

nimmt den Wurm heraus 

und fügt das Gehäuse wieder zusammen]" 

und weiter heisst es: 

"Das Heimhölerhom hat geblasen. 

Er vergass uns nicht] 

Auf beide Handflächen eingegraben 

hat Er sein Volk." 

Diese Religiosität hat das jüdische Volk durch Jahrtausende der 
Verfolgung und des Leides zusammengehalten. Goethe nennt es "das be- 
harrliche Volk". Die religiöse Zuversicht hat ihm die Widerstandskraft 
gegeben, immer wieder neu zu beginnen. 



./. 



- 12 - 



Wenn vor mir zwei Dichtungen liegen Ton gleichem künstlerischen 
Rang und die eine nur Einzelschicksale schildert, die andere aber die 
Einzelschicksale einbettet in das Massenschicksal etwa eines Vtlke©, 
so gewinnt diese in meinen Augen Monumentalität, die der anderen fehlt, 
Nelly Sacha- hat sich im Mysterienspiel vom Leiden Israels^ mit dem Schick- 
sal ihres leidgeprüften, leidgehärteten Volkes identifiziert, was auch 
zahlreiche Briefe aus dieser Zeit bestätigen* Sie hat ihm ein unver*- 
gängliches Denkmal gesetzt« Weil ich erkannte, dass dieser Dichtung 
ein dauernder Platz in der Weltliteratur gebührt, habe ich sie schon 
1951 in einer bibliophilen Ausgabe herausgegeben, als erst wenige Nel- 
ly Sachs verehrten um ihres Werks willen. 

Einen hohen Rang erreicht dieses Mysterienspiel durch die schöpfe- 
rische Sprachgestaltxong der Dichterin. Sie hat selbstverständlich nicht 
die Umgangssprache der polnischen Juden, die deutsche Mundart des. Jid- 
dischen wählen können, sondern hat sich für dieses Werk eine neue hoch- 
deutsche Sprache geschaffen. Schon durch die Verse unterscheidet sie 
sich von der Alltagssprache. Sie sollen, wie vor der ersten Zeile 

steht, "im singenden Ton" gesprochen werden. Dieses halb gesungene 
Rezitativ wird gefgrdert und unterstützt mit allen denkbaren sprachli- 
chen Mitteln, vor allem mit zahlreichen, nicht selten Reihen von Wie- 
derholungen, z^B» in den ersten VersBn: 
"Komm von der Bleiche, der Bleiche, 

hab' Sterbewäsche gewaschen, 

dem Eli das Hemd gewaschen, 

Blut herausgewaschen, Schweiss herausgewaschen, 

Kinderschweiss - Tod herausgewasrchen - " 
Manchmetl steigert sich der singende Ton zum Gesang. Dazu k#mmt noch 
die überreiche Bildersprache. Ich zähle nicht weniger als 235 Bilder 
und Vergleiche in dieser Dichtung von 61 Seiten, als# über 4 durch- 
schnittlich auf der Seite, und viele sind breit ausgeführt. Sehr tft 



./. 



- 13 - 



ist diese aufblühende, sich üppig entfaltende Sprache mit den religio 
sen Motiven verknüpft, sodass diese sich durch ihr Sprachgewand von 
der weltlichen Sphäre abheben. 

Einige Beispiele aus der weltlichen Sphäre: 

"Gefangen bin ich in einem Gitter, 

in einem Gitter von Schritten, 

mach auf das Gitter, 

dass ich herauskann aus den schweren Schritten..." \ 

s 

"Eine Lage Wollgarn will ich kaufen. 

Lass legen mich die Lage um die Handgelenke dir. 

Wickle ich und du hältst still, 

so ist's wie Abschiednehmen." 

"Stahl und Eisen sind ins Wuchern gekommen, 

haben Urwälder in den Lüften gebildet. 

Mördergehirne sind ins Wuchern gekommen, 

Lianen der erklügelten Qual sind aua ihnen ausgeschlagen." 

"Eine Tür ist ein Messer* 

und teilt die Welt in zwei Teile." 

sagt der Bettler, vor dem sie sich immer 

abweisend schliesst. 

"Wer im Dunkeln sitzt, 
zündet sich einen Traum an - 
Wer die Braut verliert, 

0- 

umarmt die Luft - 

Wem der Tod das Kleid strich, 

dass er schrie, ^ 

aji dem essen die Gedanken wie Wurmer. " 



V 



- 14 - 



Einige Beispiele in Verbindung mit religiösen Äusserungen: 

Die Wäscherin sagt vom gewaschenen Totenhemd Elis: 

"Will es zu dir tragen, Samuel, 

in die Kuhgasse tragen zum Abend, 

wo die Fledermäuse in der luft herumblättern, 

wie ich blättere im Bibelbuch, 

um das Klagelied zu suchen, darin es raucht, 

darin es brennt und die Steine herunterfallen - " 

Von einer Mutter, deren Kind getötet worden ist: 

"Will ausbrechen aus ihrem Kerker" 
und als sie sich getötet hat: 

"aber sie ist schon ausgebrochen, 
lernt schon bei Ihm - " 

Michael sagt zum verstummten Samuel, nachdem er- das Gesicht des Mör* 
ders gesehen hat: 

"Samuel, 

deine Sprache ist schon da, 

wo aller Staub zu Ende ist. 

Hinter dem Wort wai«( dieses gemischt." 

Ein Zimmennann sagt: 

"Was sagst du zu dem Geheimnis einer Kartoffelschale, 
die über die Sintflut des Hasses an meine Püsse spülte. 
Das ist meine Arche gewesen. 
Wenn ich jetzt 'Gott' sage, 
weisst du, woher die Kraft kommt." 

Mendel sagt von den Grillen: 

"sie sitzen da, wo das unsichtbare beginnt« 

Sie betteln schon an der Pforte des Paradieses;." 



V 



9 



- 15 •• 



Der Alte, der aus dem Massengrab gerettet wurde: 

"Was wisst Ihr, 

wenn die leiber leer werden, 

rauschen wie Muscheln, 

•y wenn sie auffahren mit den weisslockigen Wtgen 

>'■ 
der Ewigkeit - " 

Michael : 

"Die Kuh hat das gleiche Urweltgesacht, 

als wäre es eben von der Hand des Schöpfers gestreichelt worden*" 

Zum Meister im deutschen Dorf sagt er: 

"Seit Abraham aus Ur auswanderte, 
haben wir uns bemüht, 
unsere Wohnungen zu Ihm hinzubauen, 
wie andere nach der Sonnenseite bauen 



- it 



Indem Nelly Sachs die grauenvollen Ereignisse grösstenteils nicht 
unmittelbar auf die Bühne bringt, sondern erzählen lässt, indem sie 
den Neubeginn des aufbauenden Lebens einbezieht und die chassidische 
Religiosität alle Gespräche durchdringend darstellt und in Rhythmus 
und Melodie der Sprache mitschwingen lässt, macht sie das Entsetzli- 
che und Erschütternde aushaltbar, erhebt es in die Sphäre grosser Kunst. 
Ich kenne fast alles, was an Dichtung in deutscher Sprache über die 
jüdische Katastrophe im Dritten Reich geschrieben worden ist, aber 
dieses Mysterienspiel steht auf einer anderen höheren Ebene. Allein 
für diese Dichtung hat Nelly Sachs^den^Nobelpreis der literatur ver- 



dient J 



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//lÄi^v ^ . >c/^ec/U^'''^w 



Walter A, Berendaohn. 



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Hilde ^r.'-■^r^'. Offener Briof 



an Nelly Sachs . 



\j7(ih^ ^(^ 



Jn> 



Liebe Kell7/t ^^ 0.-1 • i 

ich schreib. Dir die.en Brief, publice. Ich will öffentlxch 

aussprechen, v.as Du für rrdch ,-etan hast, denn ich denk., Du 
ha.t e. für viele getan und, kann. t es für viele tun. Pur alle, 
die in der einen oder andern '.Veise an dera _gleichen Trauma leiden. 
Das will ich feststellen, und danach willM auch zu analyBieren ^ • 
versuchen,. .. -•' .. 

Bei Krie,rsende oah ich zum ersten Mal Bilder aus den Konzentra- ^ , 
tionslagern. Viele haben sie damals zuia ersten Mal gesehen: . 
außerhalb Deutschlands und vor allem auch in Deutschland. Auch 
in Deutschland, ich wiederhole dies ausdrücklich. (Ich selber 
war weit wo,;, auf einer Insel im Karibischen Ileer). Am schlxmm- 
ut^-^n waren mir die Leichenhaufen: all diese nackten hilflosen 
Körper, wie ein La^er von verrenkten Puppen übereinander gesta- 
,elt. Ich konnte keine nackten Körper mehr sehen, besonders keinen 
schlafenden - in den Tropen schlaft man .ja oft nackt otler fuet 
nackt - ohne mich zu än.rstigen vor den Leichenpuppen , d lesen 
hilflosen Objekten von Anderer Tun. Jeder Lie,:ende wurde mir 
sofort zur Leiche, zog Trauben von Leichen an. Das habe ich da- 
mals nie ausgesprochen, das hatt. ich niemandem sagen können, mein 
•Entsetzen war nicht mitteilbar. Sollte ich violleicht sagen: 
"Schlafe nicht. Sofort liec:en lauter Leichen da?" ■ . . 
Al'^ icb D-dne Gedicht« las, im V/inter 59/60, als« fast 15 Jahre • 
^ sr/itpr, da hast Du meine Toten bestattet, all diese fremden 
^ furchtbaren Teten, die mir ins Zimmer kamen. Sie stiegen auf in 

■ ein.n weißen wirbelnden Schaum, sie verloren diese Puppenhaf tig- 
keit der Menschen, denen nur ar.getan worden war, dies umgekehrt« 
T^obot.rtura, und gingen ein in das Gedächtnis aller Gestorbenen. 

■ in Scnmerz aber ohne Bitterkeit lösten sie sich ir^öeinen Werten 

■ un.i stiegen auf wie ein milchiger Dunst, ich sah es sich auf- 
lösen, fortzienen. Sie kamen nicr.t mehr in dieser Perm zu mir 
zurück. Ich brec-r... in Tränen aus, wie ich dies schreibe, aber 
ich will es tr^tr.dum oussprecnen, und auch öffentlich. 



- 15 - 



1 



\ 



Diese große ßtharsis, diese Erlösunt: haben Deine Gedichte 
bewirkt, alle wie ein Gedicht: während doch das Einzelne 
Deiner Gedichte den Leser preßt und nur selten am Endo frei-ibt- 
Deshalb also habe ich Deine Gedichte mit Leidenschaft ^-e lesen. 
Ich sehe kein zweites 7/erk, das diese Toten, diese so besonders 
unglücklichen Toten unter den vielen sohl cht gestorbenen, der 
Erinnerung der Menschheit einfü^-t wie das Deine. Das müssen wir 
alle Dir danken: wir die Überlebenden. Wir, die verschont wur- 
den als Opfer, und in gleicher Weise die, die überlebt haben auf 
der Seite der Mitschuldigen. Und die junge Generation, die diese 
ganze Last erben muß und für die Du sie leichter gemacht hast. 

Der Dichter trägt mehr zum Weiterleben, zum gemeinsamen Weiter- 
leben bei (um diese fatale "Bewältigung" einmal menschlich zu be- 
nennen) als alle Politiker zusammen. Du hast diesen Toten die 
St imme gegeben. Mit Deinen Worten sind sie - tlagend aber doch - 
gegangen, den Wog, den die Toten gehen. Das konnte nur einer tun, 
der ein Opfer und ein Ausgestoßener war und zugleich ein deut- 
scher Dichter. Einer, dem die deutsche Sprache zu eigen ist und 
der also ganz ein Deutscher ist. Und der zugleich ganz zu den 
Opfern gehört. 

Ich kann über all dies mit Unbefangenheit sprechen, mehr als 
jeder andere. Und ich will es auch tun. In der Paulskirche hörte 
man, Du seiest ein Jüdischer Dichter. Stimmt das? Bist Im, 
Nelly Sachs, ein "jüdischer Dichter"? 

Thematisch gesehen bist Du's. Aber was ist ein Jude? Besonders 
wenn er nicht den Glauben hätte. Du, Glückliche, du glaubst. 
Aber wenn er nicht den Glauben hätte? Du hast es für uns alle 
definiert: "An uns übt Gott Zerbrechen", hast Du gesagt. "Ein 
Jude ist genau wie die anderen, nur alles etwas mehr", sagte 
Bernard Shaw sehr witzig, eine Definition, die sich ebensogut 
wohl auf die Deutschen anwenden ließe, aber doch nur in Grenzen 
richtig ist. (Die Dichter sind "alles ein wenig mehr als andere", 
zum Beispiel. "Lebendiger", wenn Du willst. Von den Juden läßt 
sich das doch nicht so sagen.) Nur in dem also stimmt es: an uns 
wird etwas mehr "Zerbrechen" geübt als an anderen. Exemplari- 
scher wird es geübt, wieder und wieder, äoweit das Gedächwils 



16 - 



Kitte, mißvT;rot:-.he :nich niciit, ich £:l-ubo nicht, ä-,-Ai -/vir d'i 
aind, drünit die conditio human-.t auf ofäicr iUlhne wieder und -.vie- 
der an uns vollatreckt werde, atellvert'retend und ohne ivlildorun.; , 
Lehrbeispifji. eines V/eltenlonker3 , der un^ier aly Demonstr'-..tionL-- 
objekt bedürfte. Die Theologen uuhun da manchmal oine Art h;;hore3 
Programm. Ich sehe nur die Tataache, die sehr irdische, geschicht- 
liche Tatsache, ich stelle cie fest: und mit Grauen. Wie m-m vic- 
los mit Grauen ansieht, was geschehen ist und geschieht. Was ein- 
fach "wirklich" ist. Den Juden ist häufiger und krasser die Rol- 
le des Ecce homu zugofall'c;n, aufgedrängt worden, als 
anderen. Historisch war es ihnen einfach nicht vergönnt, sich 
von diesem ihrem Sonderstatus zu befreien. 

Du also, in Deinen Gedichten, sprichst von diesem Prügelknaben 
der Menschheit, von den Juden, und fast nur von ihnen. Und fast 
nur von diesen, die vernichtet worden sind, vor bald einem Vier- 
teljahrhundert. Und von Dir, dem Dichter, der ihnen nachstirbt. 
Diesen, die ins Äußerste getrieben wurden, an die Grenze des 
Menschseins. Und die für die andern zu einem Probierstein gemacht 
wurden, an dem Nicht-zu-versagen ein Äußerstes an Menschlichkeit 
verlangte. In einem äußersten, in einem extremen Sinne bist Du 
daher die Stimme des Menschen. Und Deine Stimme spricht deutsch. 
Zu Deutschen. • 

Das gute Buch, las ich kürzlich, sei das Buch des Lesers. Das 
schlechte dagegen das Buch seines Autors und nur das. Das Gleiche 
gilt - und in erhöhtem .Maße - für das Gedicht. Das gute Gedicht 
gehört seinem Leser, jedem einzelnen Leser, gleichgültig wann 
und wo er es liest oder lesen wird. Es erneuert sich mit jedem . 
Loser, wird das Gedicht sehr verschiedener Leser sein, wenn auch 
nicht alle das gleiche losen werden: sondern jeder nur die fein- 
ste Nuance, die es zu 'feinem" Gedicht macht. 

In diesem Sinne schon, also grundsätzlich, tritt Deine Person 
hinter Deinem Werk zurück. '/Vie die Person eines jeden Dichters 

t 

hinter dem Werk zurücktritt. Es würde in einem gewissen Maße 
gleichgültig, ob Du ein Jude bist, ein assimilierter oder nicht, 
ob Du eine Frau bist, auch, was Du erlebt hast. Wichtig ist nur^ 
das Werk, und was Du ins Werk getan hast. Und das wäre nur vom ■ 

hon. Man könntu also den Autor wegdefinieren 



1 »"T 



auü ijeinom Work, ihn zum V'.:,r.-c::/;.i\Ak.n hvir.-''::n in u--r diirir:--;:t Lui't 
cloi- At:::trakti^"^n. Hior "kc^rio j':,iu. rit" zu ;:i,.in, k;j 'A'är',. j'..'.ij"!. cir. 
T'.u:chGnür-ielortrick do3 Iritoll'.;kt • . Vi-i;.. >Lr :'ri;?t d':.;:^ 'Jl?rk o-n 
Autor ':.iuf , 3^> rriVirt ^^ich '/:;}. ,i-::.l:.uri Eri'-^hi'unr'::'. , v.'n j-jiri.)- ^--.^.z 
kcjr^nd'jron 3o^ .-^rnung mit 'ii.r 7irkli jiik:;i t , 'liej;r^r un'Aic.d-ji':iv:it ••r^r: 
V^^rUnduri^^ von hii^ ooriücli.;n , ^jo:zi*;.] ori laid por^^''ni ich^n ?•. t: *.or'..n . 
Dris G^;dicht i^jt dio E^.-senz d^.2S G(;l^:;bton: uXcrr^rA .iriiDci'. und voll- 
ziehb^ir gom:icht. Das SchicKLrclh'ifte an: Privatt-^n. Sujptva li^^rto 
Zeit, auf oinen Punkt g:^bracnt, ulngufrorene Au^"enbl ick.. . Kann 
der Lc-y^ev 3i^.i für c^ich wi^^d'jr ins Fli-.;i3cn brin^^'^n? Auch di^j Aurori- 
blicke eines Sondersohick:^.ul3 vjie d.a3 D-jin^^n?. Denn erj i^'t t;in 
Sondor3chickL>al. Od^^r da^ der L.'joker-Schih] ..r od-.r d^-r Kolm*;r? 



Vozu hior von Fr-iuen rodeln 



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Icdch- ,^'ilt für K'-ino und 



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diu nach ihm kameai, bis hin. y.u C-;lan. Ich rochne nicht n*tch, wer 



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Einzelnen d^r Anteil der Sond^- i'^i^rf alirnny: am C 



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rung variieren (auch- auf v: ryeh i', d-"ine Eb jn^jn ti'aneponi.ert wuT'~ 
den), wobei auf jeden P'iil üuch da:r i^.esondert.; noch ins Schicks*-.!- 



h'vfte sublim.i'.rrt wird. Zumindest heim Dict^ter von Ran^-r. Er 



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ohreibt filv alle. Der Dichter, der* ein **Grenzbvr/vohner" wär( 



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für die Nichts renzbewohn^r • Ni-arrind Wo-ii3 j'i luch., -^n w-jlche Gren- 



ze (3S ihn verschlagen kcainte. Dar; ist etwas Exemplarisch 



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tastbar. Unt..r dem einen oder dem and',:rn Vorseichun 



Daher also schreibst Du für alle. Ganz wie die Droste, ganz wie 
die Lasker. Oder wie Maibert od^r wie Trakl oder wer immer. Und n*i- 
türlich in erster Linie für die, deren Hut tei^sprache deutsch ist. 
Und deren Muttersprache deutsch s^^in wird (oder die docn deutsch 
wie eine eigene Sr)r:iche iesen). hnd bist d*ih-jr ein deutsch.er 
Dichter und kannst gar nich.ts '.aidures seiri. Du, die Du von den 
Opfern redest und s^-lber mit Knopper l^Iot untKumst, Und die Du 



lo - 



immer wieder davon krank bist. Duvon lebt Deine Lyrik, von difasor 
großen Spannung, dieser "Vc;reini,5un£: d..'S Unvereinbaren", die Toeisi 
immer war und heute nur niehr ist, weil die Realität unj äußerste 
Spannungen zu l^b^n gibt. Dies i-ierkmal moderner Dichtung, das 
Paradox, das in aller Munde ist, das v;ird ja nicht von irgendwo 
in die Kunstform gebracht, das wird zuerst und vor allem doch 
gelebt , aufs Heikelste gelobt. Da wird einer verstoiien und 
verfolgt, ausgeschlossen von einer Gemeinschaft, und in der Ver- 
zweiflung ergreift er das Wort und erneuert es, macht das Wort 
lebendig, das Wort, das zugleich das Seine ist und das der Ver- 
folger. Der vor dem Rassenhaß Flüchtende ist nur der Unglücklich- 
ste, der am meisten Verneinte unter den Exildichtern überhaupt. 
Und während er noch flieht und verfolgt wird, vielleicht sogar 
umgebracht, rüstet sich sein Wort schon für den Rückweg, um ein- 
zuziehen in das Lebenszentrum der Verfolger, ihre Sprache. Und so 
erwirbt er ein unverlierbareres Bürgerrecht, als wenn er fried- 
lich hätte zuhause bleiben dürfen und vielleicht sein Wort nicht 
diese Kraft einer äußersten Erfahrung hätte, die es so stark 
macht (oder auch gar nicht erst entstanden wäre). Und er kann 
nicht anders als die Sprache lieben, durch die er lebt und die 
ihm Leben gibt. In der ihm doch sein Leben beschädigt wurde. 
Das äußerste Vertrauen und die Panik fallen hier zusammen, das 
Ja und das Nein sind nie mehr zu trennen. Entscheidung ist hier 
vorweggenommen, Versöhnung des Unversöhnbaren generiert sich 
selbst, ein - wenn auch kleiner, gemessen am Ausmaß des Unheils - 
Beweis! ein Abglanz noch von "jener Kraft, die stets das Böse 
will und stets das Gute schafft". Wenn daher alle Dichter das • 
Paradox leben (schon in der zunehmenden Unvereinbarkeit des 
Innen und des Außen, und auf viele Weisen), so leben die deutsche 
Dichter jüdischen Schicksals, um sie so zu nennen, in diesem 
historischen Augenblick, es eben um einige - unwägbare - Grade 
härter. 

Mögen die Gutmeinenden uns kein falsches und sentimentales Eti- 
kett umhängen. Die Stimme vvird gehört, weil sie eine deut- 
sche Stimme ist. Wie würde sie sonst die Menschen in diesem 

Lande erregen. 



I • .1 



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Aber ivozu b-etoiK: icn tl.:e; tJioh no l->-ui'. d- -- d--^}- 






^3Chiedr.n ist , v;i, 



icii o'ic't 



•■^-'■^ "'l^'O^ ''-J-^^' v/1 IL. >'iicht:: hi-zuii^.--r 



nicht d'i3 fremde. Uur duror dj 






'^ort^, nur duroh pine neuo 2uoK^.rv..rl:r-nnui 



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^cnon ,-ewirKt, flie:.t ..chon in andor.n <7ort..n .v..it..r. icn -..ul^ 
Hfcer, daß es nctv;endi^: i.;t, d:9 d.:r T:.;tber;tand olo :.olci...r ir; 
Geiner heiklen "/idersprüchlichKeit endlici. einmal kl'.r 
und eintfeordnct \«.-ir-d. Sin 



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D'is versuche ich. Dazu eignet ;.;ich diec-e Feier 
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Die Dichter tragen ja auch nicht nur die Fakten hinzu, zu dem Ge- 
dächtnis, wie.3s die v7is3enschaft tut. Sie tragen sie auf eine 
eigentümliche Weise hinzu. Dafür bist Du ein gutes Beispiel: 



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Deine Dichtung erhält das Unheil l^-;bendig, denn Du bist die 
StiKine dieser unseligen Toten. Und zu/rleich erlöst Du von dem 
Unheil. Wie die Dichter von jeher und für die Zeiten den Schrek- 
ken und zugleich die Katharsis des Schreckens mit sich brachten. 

Lyrik ist wie ein großes Glocke nläuton: damit alle aufhorchen. 
Damit in einem jeden das 'aufhorcht , Jas- nicht einem Zweck dient, 
das nicht verfälscht ist durch die Kompromisse. Und das gilt für 
das verzweifelte Gedicht, und noch für das negative und das 
"ärgerliche" Gedicht: es ist ein Glockenläuten. In V/ahrheit gibt 
es kein Gedicht "gegen", das nicht zugleich, und weit mehr, auch 
ein Gedicht "für" wäre: Anrufung von Helfern, um gemeinsam etwas 
Uniebbares zu überkommen. Und darin besteht auch die Katharsis: 
in einem letzten Glauben an den Menschen, ohne den Lyrik nicht 
ist. Lyrik wendet sich an die Unschuld eines jeden, an das Beste 
in ihm: seine Freiheit, er selber zu sein. Das kann Elektro- 
nengehirn leisten, kein noch so gut funktionierender Apparat. 
Und auch kein "funktionierender" Mensch. Nur das Ich kann das 
"Du" des Nächsten sein und seines Bruders Hüter. Seines Bruders 
Hüter. Dies große Versäumnis! 

Nelly, Du bist so sehr weit weg. Nein, nicht in Schweden. Auf 
dem Wege "wo die Neuentdeckungen für die Seelenfahrer harren". 
Verzeih, daß ich Dich auf diese Weise rufe. Drehe Dich um und 
sage Deinen jungen Lesern in Deutschland, daß jeder einzelne ge- 
braucht wird, damit Du die Toten nicht umsonst bestattet hsäi 
im deutschen Wort. Einem Wort der Liebe. Der "Liebe, 
die die Sonne bewegt und die andern Sterne", wie der Vater aller 
Exildichtor sagt. 



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Heidelberg, Juli/August 1966 



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Ein junger Schweizer Musiker : 



Heinz Holliger 



In dem Konzert des Tonhalle-Orchesters 
unter der Leitung von Erich Schmid, das 
Studio Zürich am Dienstag, 14. Januar, 
um 20 Uhr, sendet, erklingen «Drei Lie- 
beslieder» von Heinz Holliger, nach Tex- 
ten von Georg Trakl. Es singt Lucienne 
Devallier, Alt. 



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Biographische Notizen 

Geboren 1939 in Langenthai, Matura am 
Gymnasium in Burgdorf, musikalische Stu- 
dien in Bern (Sandor Veress, Komposition; 
Emile Cassagnaud, Oboe; Sava Savof f. Kla- 
vier), Paris (Pierre Pierlot, Oboe; Yvonne 
Lef^bure, Klavier), und Basel (Pierre Bou- 
lez, Komposition). 

1959: I.Preis für Oboe im internationalen 
Musikwettbewerb in Genf und Preis 
des Schweizerischen Bundesrates für 
die beste künstlerische Leistung. 

1960: Preis des Schweizerischen Tonkünst- 
lervereins. 
1961: 1. Preis für Oboe am internationalen 
Musikwettbewerb der deutschen 
Rundfunkanstalten in München. 
Seither Konzertreisen durch alle wichtigen 
Musikzentren Europas und der USA. Heinz 
Holliger gilt heute als einer der besten 
Oboisten Europas. Sein umfangreiches Re- 
pertoire reicht vom Barock bis zur Mo- 
derne. Namhafte Komponisten wie Frank 
Martin, Klaus Huber, Conrad Beck, Jacques 
Wlldbcrger, Rudolf Kelterborn, Sandor Ve- 
ress, Jürg Wyttenbach u.a. haben für ihn 
Werke geschrieben. 

Sein bisheriges kompositorisches Schaffen 
ist geprägt durch die sehr persönliche Aus- 
einandersetzung mit dem Komposltlonsstil 
Alban Bergs und Anton Weberns und mit 
dem dichterischen Werk von Georg Trakl, 
Nelly Sachs und dem frühverstorbenen 
Schweizer Lyriker Alexander Xaver Gwer- 
der. Die surreale, musikalischem Ausdruck 
sehr naheliegende Symbolwelt dieser im 
ZwLschenrelch zwischen Traum und Wirk- 
lichkeit, Leben und Tod schwebenden Ge» 
dichte gab Heinz Holliger das thematische 
Material für eine ganze Reihe seiner Werke. 
Die drei für die cLlebeslleder» ausgewähl- 
ten Gedichte CJeorg Trakls aus dem Zyklus 
«Sebastian im Traum» sind drei Stufen ei- 
ner geistigen Entwicklung vom Irdischen 
zum Himmlischen. Diese Entwicklung ist 
ebenfalls in der Musik spürbar: Im Laufe 
der drei Lieder löst sich der expressive, 
kompakte Orchesterklang in schwebende 
Strukturen und flimmernde «Klangtep- 
piche» einzelner, soUstisch behandelter In- 
strumente auf. 

Die Lieder sind (im Gegensatz zu den spä- 
teren Kompositionen von Heinz Holliger) 
nicht zwölftönig konzipiert. Keimzelle des 
gesamten musikalischen Materials ist ein 
am Anfang des ersten Liedes vom Alt allein 
vorgetragenes slebentönigea Motiv auf 
«Septemberabend»: Symbol der Spätzelt, 
des Sterben«. B. H. 



Heinz Holliger 



Geboren 1939 in Langenthai. Studien in Bern, Paris und Basel. Als 
Oboist sehr erfolgreiche solistische Karriere (Festspiele von Salz- 
burg, Luzem, Edinburgh, Prades, u.a. U. S.A. -Tournee). 
Kompositionsschüler von Sandor Veress und Pierre Boulez. 
Werke: 

3 Liebeslieder (Trakl für Alt und Orchester (i960) 
(UA: Tonkünstlerfest Genf 1962) 
Klavierlieder (i960) 

Erde und Himmel, Kantate (1961 ), Schott 
Elia, 3 Nachtstücke für Klavier (1961), Schott 

Schwarzgewobene Trauer, Studie für Sopran u. 3 Instrumente 1961/62. 
(UA: IGNM Basel) 

Sequenzen über Joh. I, 32 für Harfe (1962) 
Mobile für Oboe und Harfe (1962), Schott 
(UA: Domaine Musical Paris) 
Improvisationen für Oboe, Harfe und 12 Solo-Streicher (in Arbeit) 




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Aus dem Prograrimhoft der ISCivI, Amsterdaa, Juni 1963 



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glühende T{ätsel 

NAC M Gl DK MT IN VON NE ILY SACHS 



für eine Altstimme und zehn Instrumentalisten 



(1964) 



Studien-Partitur 
Edition Schott 5001 

HEINZ^ HOLLIGER - "GLOWING ENIGMAS" 
after poems by Nelly Sachs 

For one alto volce and ten Instrumentalists 

(1964) 

Study score - Edition Schott 



B. S C H OTT'S 



Dedicated to Nel?uy Sachs 
Commlssloned by South-West Radio Baden-Baden 
for the Donaueschingen Festival 1964 

First performed on October IJ , 1964 

at Donaueschingen 
by the Ensemble Domalne Musical, Paris, 
conducted by Pierre Boulez 

Soloist: Jeanne Deroubalx 

S ö H N E • M AI N Z . 



Schutt & Co. Ltd., London • B.Schott's Söhne (Editions Max Eschig), Paris 

Schott Music Corp. (Associnted Mur,ic Publishcrs Inc.), New York 



Printfd in C.i'rmany 



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Für CNelly S^(^hs 



AiiftragswcMk des Südvvestfunks Baden-Baden 
für die Donaueschinger Musiktage 1964 



Die Uraufführung fand am 17. Oktober 1964 in Donaueschingen statt 
Es spielte das Ensemble Domaine Musiail, Paris, unter der Leitung von Pierre Bouh' 

Solistin: Jeanne Deroubaix 






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t 

Diese Nacht 

ging ich eine dunkle Nebenstraße 

um die Ecke 

Da legte sich nnein Schatten 

in meinen Arm 

Dieses ermüdete Kleidungsstück 

wollte getragen werden 

und die Farbe Nichts sprach mich an; 

Du bist jenseits! 



II 

Einsamkeit lautlos samtener Acker 

aus Stiefmutterveilchen 

verlassen von rot und blau 

violett die gehende Farbe 

dein Weinen erschafft sie 

aus dem zarten Erschrecken deiner Augen - 



1 1 



III 

Im verhexten Wald 

mit der abgeschälten Rinde des Daseins 

wo Fußspuren bluten 

glühende Rätsel äugen sich an 

fangen Mitteilungen auf 

aus Grabkammern — 

Hinter ihnen 

das zweite Gesicht erscheint 

Der Geheimbund ist geschlossen — 



IV 

Ausgeweidet die Zeit 

auf deines Angesichtes Bernstein 

Das Nachtgewitter zieht flammend heran 

aber der Regenbogen 

spannt schon seine Farben ein 

in den hintergründigen Streifen aus Trost 



Meine geliebten Toten 
ein Haar aus Dunkelheit 

heißt schon Ferne 

wächst leise durch offene Zeit 

Ich sterbe geheimes Maß füllend 

in die Minute 

die sich knospend reckt 

aber hinterrücks haben sie die Feuerzungen 

der Erde aufgepflanzt — 

Eine Rebe die ihren Wein der Flamme übergibt 
sinke ich rückwärts — 



Entnom 



„,en aus Kelly Sachs. Ausgewählte Geduhtc ■ Suhrk^mp Vorlag, Frankfurt am Mair, 






BESETZUNG UND ZEICHEN 



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Altstimme 



Gesang 



gesprochen 




Sprechton 



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Sprechgesang 





geflüstert 




bczeici^non keine absolute Tonhöhe, sondern 
£E geben nur die ungefähren Umrisse der Sprechhnie an 

geschlossen 
(stimmhafter Konsonant 



offen 
(Vokal) 




oder Zischlaut) 




Flöte • Viola • Baßklarinette in B, auc 



Cimbalum 2 



h Kontrabaßklarinette in B (i Spieler) 



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-= pres du chevalet (nahe am Steg) 

- weither Lederschlegel 

= Saiten mit Fingernägel zupfen 



Holz I - mit Holzstiel des Lederschlegeh 



[h.Schl.| - harter Lederschlegel 
ped. ^ = Pedal langsam heben 



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Harfe ^ 




= / 



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acc. 



■' Schlagzeug (5 Spieler) - 

Caracas • 3 Templeblocks ' • 4 Bongos • 3 Tomtoms • 1 Tambour de basque 

.Rührtrommel • t große Trommel • . kleine Trommeln mit Saite (hell / sehr hell) 

. Triangeln (ho* / tief) ; con sord, - Triangelstab mit einem dünnen Gummisd^lauch übersehen 

4 hängende Becken (sehr hoch / ho.i. / mittel / tief) mit Nadeln oder dünnen Nägeln 

3 Tamtams (boc+^/ mittel /tief) 3 Gongs 5E.. — s— 



13 Plattenglocken ^E 



Röhrenglocken 




( U,^ evtl. Röhrenglocke ) 



(hromatisöx 



■]■ -= harter Hammer 
^j" == weicher Hammer 



Glockenspi 
(Hämmerchen) 



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iel T^ir: — -;/~ :i Marimba ^i^;.^jK.r= J|pz:i:::== 




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. Metallstäb*en [äl Trommelschlegel ' H hart. Spiegel ^ = weiche Schlegel ^ = Jaz.besen 



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(C) by B. Sdiotfs Söhne, Mainz, 1%5 



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Artikel von Josef Häusler aus dem Sonderheft der Zeitschrift "Begegnung" 
("Internationale Bodensee-Zeitschrif t" , Amriswil/Schweiz) , gedruckt als 
Sondernuinmer(Programinheft) zu den "Donaueschinger ^Musiktagen" 1964 



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unct^ukzessiv gleichermassen hinlänglich dif- 
ferenzT^reaZ^dlich: kann irgendein musika- 
lisches Objekf^ifwigdurch seine akustischen 
und physikalischen Eigönsdiaften einen Zeit- 
begriff hervorbringen, der dies^nK-XJbjekt im 
ganz Besonderen zu eigen wäre?» ^--C::^;;^^^^^ 
Auf dem Hintergrund solcher Betrachtungen 
entstand die Strukturierung der «Fragme 
in denen Eloy zeitlich differenzi^rteruT sich 
geschlossene Klangwelten j&riTlIclarSeine Vor- 
liebe für orientalisßhe^usik findet in dieser 
Partitur^^eineli besonders bemerkenswerten 
J^iedefschlag. Eloy verwendet hier zum ersten- 



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mal in der europäischen Musik die «Tabla Ta- 
rang^ ein indisches Schlaginstrument^J)ie'Ta^ 
bla Tarang stellt eine SonderJoniraerTabla 
dar, die in der traditi^neltenindischen Raga- 
Musik den Melodi^qrnstrumenten meist paar- 
weise^^^ugeördnet ist, als Geräuschfaktor ge- 
Ezt wird und eigene rhythmische Verläufe 
artikülier-t Die Tabla Tarang unterscheidet 
sich von der gewöhnlichen Tabla insbesondere 
dadurch, dass sie verschieden gestimmt und 
somit innerhalb der gleichschwebenden Tem- 
perierung ohne Schwierigkeiten verwende; 
werden kann. 



I 



Heinz Holliger 



Bevor man noch den Komponisten Holliger 
kennenlernte, ging in der Fachwelt der Ruf 
des Instrumentalisten Holliger von Mund zu 
Mund. Konzerte und Rundfunkaufnahmen wie- 
sen einen Musiker aus, dem die Tugenden ei- 
nes hervorragenden Interpreten in besonde- 
rem Mass zueigen sind. Seine akrobatischen 
Spezialitäten : Flageoletts, Doppelflageoletts, 
Flatterzungeneffekte und Doppeltriller haben 
ihn zu besonderen Erfahrungen auf dem Ge- 
biet des Oboenklanges geführt. 

Heinz Holliger ist 25 Jahre alt. Er kommt aus 
dem bernischen Ort Langenthai, besuchte bis 
1958 das literarische Gymnasium Burgdorf 
und gleichzeitig das Konservatorium Bern. 
Dann ging er für ein Jahr nach Paris und stu- 
dierte bei Pierre Perlot Oboe, bei Yvonne Le- 
febure Klavier. 1959 brachten ihm der Inter- 
nationale Musikwettbewerb in Genf und 1961 
der Internationale Musikwettbewerb der Deut- 
schen Rundfunkanstalten in München jeweils 
den ersten Preis ein; vor kurzem übertrug ihm 
die Musikhochschule Freiburg/Br. die Leitung 
ihrer Oboenklasse. 

Allerdings hat HolHger sich nicht auf sein In- 
strument spezialisiert. Er war bereits in seinen 
Berner Konservatoriumsjahren Kompositions- 
schüler von Sandor Veress gewesen; als Pierre 
Boulez von 1961 - 63 an der Basler Musik- 



akademie eine Meisterklasse für Komposition 
leitete, führte Holliger dort seine Studien wei- 
ter. In diesen Jahren war es auch, dass man 
auf den Komponisten Holliger aufmerksam 
zu werden begann. Nimmt man die «Glühen- 
den Rätsel», die bei den Donaueschinger Mu- 
siktagen uraufgeführt werden, und das noch 
in Arbeit befindliche szenische Werk «Der ma- 
gische Tänzer» hinzu, so weist sein Werkregi- 
ster seit 1960 zehn Titel auf. Die Besetzung 
ist zumeist kammermusikalisch, verwendet nur 
einmal - bei den drei Liebesliedern nach 
Georg Trakl (1960) - das grosse Orchester. 
Drei dieser zehn Kompositionen sind reine 
Instrumentalstücke, die übrigen ziehen eine 
Singstimme und mit dem vokalen Element 
natürlicherweise auch das literarische Medium 
heran. In diesem Zusammenhang ist es inter- 
essant, dass selbst von der Instrumentalmusik 
nur ein Werk, das «Mobile» für Oboe und Har- 
fe (1962), der literarischen Bezugnahme ent- 
rät. Die drei Nachtstücke für Klavier «Elis» 
(1961) sind durch Trakls Elisgestalt inspiriert; 
die «Sequenzen» für Harfe (1962) beziehen sich 
auf einen Satz aus dem Johannesevangelium. 
Solche Bezugnahme weist darauf hin, dass 
Holliger seine Musik nicht als selbstgenügsame 
Ordnung von Tönen und Konstellationen an- 
sehen, sondern auf dem Hintergrund eines 
«expressiven Ortes» verstanden wissen will 



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Dieser Ort liegt in den meisten Fällen (Trakl- 
Lieder, Elis, Erde und Himmel, Schwarzge- 
wobene Trauer, Glühende Rätsel, Der magi- 
sche Tänzer) im Grenzbereich zwischen Le- 
ben und Tod. 

Es wäre nun freilich falsch, wollte man'von 
Holliger eine illustrative musikalische Lyrik 
erwarten. Zwar gibt es im ersten der drei 
Trakl-Lieder — der bis jetzt dramatischsten 
Partitur Holligers — ein paar Momente, die 
man als Illustration deuten könnte. Indessen 
verstärken diese Stellen nur Atmosphäre und 
Affekt des Gedichtes, dessen Spannungskurve 
Holliger aufs genaueste folgt. So überzeugend 
die Liebeslieder als Proben einer schöpferi- 
schen Begabung sind, so eindringlich sie die 
Aura der Dichtung in Klang umsetzen, und so 
deutlich sie die Beherschung der musikalischen 
Mittel in der Situation nach Schönberg und 
Berg belegen: mit den nachfolgenden Kompo- 
sitionen hat Holliger eine grössere Subtilität 
des Ausdrucks erreicht. Er entwickelte eine 
Kunst der feinen Nuancen, der sorgfältig dif- 
ferenzierten Tönungen, ein Hineinhorchen in 
die Eigenwelt der Klänge, ein Erforschen ihrer 
Vibrationen, Verästelungen und expressiven 
Schwebungen. Seither schreibt Holliger eine 
vorwiegend lyrische Musik, die indessen des 
konstruktiven Rückgrats keineswegs entbehrt. 
Die beiden instrumentalen Zwischenspiele der 
Kantate «Erde und Himmel» nach Gedichten 
von Alexander Xaver Gwerder (1961), deren 
eines der Krebs des anderen ist, lassen dies 
deutlich genug erkennen. 

Wie sich literarische Anregung mit konstruk- 
tiver Planung mischt, wie diese Mischung in 
musikalischen Symbolismus und Klangpoesie 
mündet, dafür sind die drei «Elis»-Stücke ein 
Beweis. Zarte, verschwebende Klänge; Nach- 
hall- und Flageolettwirkungen, wie sie auch 
Boulez in seiner Dritten Klaviersonate anwen- 
det; Glissando auf den Klaviersaiten; An- 
schlag einzelner Saiten mit dem Finger; indi- 
sche Rhythmen, deren Symbolgehalt den Wor- 
ten Trakls entspricht; häufiger Wechsel der 
Vorschriften für Tempo und Vortrag — all das 
summiert sich zu einer Ausdruckskunst von 
hohem spirituellen Reiz. Ihre Tugend heisst 
Diskretion, ihre Formen sind von webem- 
scher Kürze. Ohne Zweifel hat Webern in der 
Sprache sowohl wie in der Wahl kammer- 
musikalischer Besetzungen, besonders auch in 
der melodischen Führung der Singstimmen 
auf Holliger eingewirkt. Man könnte auf die 
Mehrzahl seiner Kompositionen jenen Satz 
anwenden, den Schönberg über die Streich- 
quartettbagatellen von Anton Webern schrieb: 
««Einen Roman durch eine einzige Geste, ein 
Glück durch ein einziges Aufatmen auszu- 
drücken: solche Konzentration findet sich nur, 
wo Wehleidigkeit in entsprechendem Masse 
fehlt». 



Doch gerade in der Führung der vokalen Linie, 
nicht nur im Bereich des Klangsensualistischen, 
zeigt sich Holligers Bestreben, ein persönli- 
ches Idiom zu entwickeln, einen feinnervigen 
melodischen Adel, der den Oszillogramm- 
charakter nachwebernscher Melodik zur Vor- 
aussetzung hat, ihm aber eigene lyrische 
Schwebungen abgewinnt. Seit seinen Trakl- 
Liedern bezieht Holliger bei der Gestaltung 
des Vokalen auch den Sprech ton und die ver- 
schiedenen Übergangsstufen zwischen Gesang 
und Sprechen in seine Kompositionen ein. 
Welche Differenzierungsmöglichkeiten ihm 
hier verfügbar geworden sind, beweist die 
Kantate «Schwarzgewobene Trauer» für So- 
pran und drei Instrumente nach einem Ge- 
dicht von Heinz Weder (1961/62), ein Werk, 
das im Ebenmass von Substanz, Ausdruck und 
Feinnervigkeit der Gestaltung zu seinen über- 
zeugendsten Schöpfungen gehört. 
Auf einer gleichen Ebene steht das «Mobile» 
für Oboe und Harfe (1962). Hier kommt zur 
schlüssigen Formulierungsgabe noch ein be- 
sonderer formaler Plan, für den der Werktitel 
den Anhaltspunkt liefert. Die Form ist nicht ein 
für allemal geschlossen, sie gibt vielmehr dem 
Interpreten analog zum Klavierstück XI von 
Karlheinz Stockhausen und zur Dritten Kla- 
viersonate von Pierre Boulez eine Anzahl mö- 
glicher «Fahrbahnen», nach denen er die 
zwölf Partikel der Komposition miteinander 
verknüpfen kann. Holliger hat ihre Zahl auf 
drei beschränkt; sie können im Konzert auch 
alle nacheinander gespielt werden. 

Für seine jüngste Arbeit, die der Öffentlichkeit 
vorgestellt wird, «Glühende Rätsel», hat Hol- 
liger fünf Gedichte aus dem gleichnamigen 
Zyklus von Nelly Sachs ausgewählt. Er cha- 
rakterisiert die Partitur mit folgenden Worten: 

«Ich versuchte in dieser Komposition die in 
Kammermusikstücken mit kleiner Besetzung 
erworbenen Erfahrungen auf ein grösseres 
Instrumentarium zu übertragen und gleichzei- 
tig die klanglichen, ausdrucksmässigen und 
formalen Bereiche weiter zu differenzieren. 
Das Werk ist fünfteilig. In den Teilen I bis III 
werden voneinander klar unterschiedene 
Struktur- und Fprmelemente ausgebildet. Im 
vierten Teil sind die Strukturtypen des dritten 
und zweiten Satzes in rückläufiger Anordnung 
wiederholt; gleichzeitig wird die Fixierung der 
Tondauem immer ungenauer und gibt so im- 
provisatorischen Elementen Einlass. Teil V, in 
sich fünfteilig, bildet die Synthese und Wei- 
terentwicklung der vorangegangenen Ab- 
schnitte, wobei sich freie und streng durch- 
organisierte Strukturen teils überlagern und 
gegenseitig beeinflussen, teils einander gegen- 
überstehen. Das Werk ist Nelly Sachs gewid- 
met». 



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Junge 

Schweizer 

Komponisten 



Heinz IHolliger 
Klaus IHuber 
IHans Ulrich Lehmann 
Jürg Wyttenbach 



B. Schott's Söhne • IVIainz 



JUNGE SCHWEIZER KOMPONISTEN BEI SCHOTT 



Heinz Holliger 






Geboren 1939 in Langenthal/ Schweiz. Studierte in Bern 
und Paris. Erhielt 1959 den Ersten Preis für Oboe im 
Internationalen Musikwettbewerb in Genf und den Preis 
des Schweizerischen Bundesrates für beste künstlerische 
Leistung in diesem Wettbewerb, 1960 den Preis des Schwei- 
zerischen Tonkünstleruereins, 1961 den Ersten Preis beim 
Internationalen Musikwettbewerb der deutschen Rundfunk- 
anstalten in München. Kompositionsstudien bei Sandor 
Veress und Pierre Boulez. 




Elis 

Drei Nachtstücke für Klavier (1961) 

5 Minuten 

Ed. Schott 5383 DM 5,— 

Uraufführung: 19.fanuar 1962 - Basel • Solist: Jürg Wyttenhach 

Erde und Himmel 

Kleine Kantate für Tenor, Flöte, Violine, Viola, Violoncello und Harfe (1961) 
Text von Alexander Xaver Gwerder (1923-1952) aus »Dämmerklee« 

I Erde und Himmel • II 1 . Zwischenspiel • III Rondo • IV 2. Zwischenspiel • 
V Die letzte Stunde 

8 Minuten 

Studienpartitur Ed. Schott 5031 DM 4,— 

Uraufführung: 10. funi 1963 - IGNM-Fest Amsterdam • Amsterdamer Instrumental- 
ensemble • Leitung: Heinz Holliger • Solist: Louis Devos, Tenor 



Mobile 

für Oboe und Harfe (1962) 

4-12 Minuten 

Ed. Schott 5384 DM 12,— 

Uraufführung: 13. Februar 1963 - Domaine Musical, Paris ■ Solisten: Claude Maison- 
neuve, Oboe • Francis Pierre, Harfe 



Sequenzen über Johannes I, 32 • .*...» ' ' , • ' • . * 

für Harfe (1962) 
3 Minuten 

Ed. Schott 5472 DM 6 — 
Uraufführung: 7. August 1962- Kirche San Gian, Celerina • Solistin: Ursula Holliger 



Vier Miniaturen 

für Sopran, Oboe d'amore, Celesta und Harfe (1962/63) 

Texte von Mechtüd von Magdeburg und anonyme Texte (mittelhochdcutsch/lat.) 

I Doppel-Herzkanon • II Carillon • III Bicinium • IV Double 

6 Minuten 

Uraufführung: 21. März 1965 - Bern • Solisten: Ingrid Frauchigery Sopran • Ursula 

Holliger, Harfe • Heinz Holliger y Oboe d*amore Jürg Wyttenbach, Celesta 



Glühende Rätsel 

für eine Altstimnie und 10 Instrumentalisten (1964) 
Text von Nelly Sachs 

I Diese Nacht ging ich in eine dunkle Nebenstraße • II Einsamkeit lautlos samtener 
Acker • III Im verhexten Wald • IV Ausgeweidet die Zeit • V Meine geliebten 
Toten 

H. • Baß-Klar, m B (Kb.-Klar. m B) • Via. • Cimbalum • Hfe. - S. (2 kl. Tr. • 
Schellentr. • Rührtr. • gr. Tr. • 4 Bong. • 3 Tomt. • 3 Tempelbl. • 2 Mar. • 2 Trgl. • 
4 hg. Beck. • 3 Tamt. • 7 Crotales • Röhrengl. • 12 Plattengl. • 3 Gongs • Glspl. • 
Marimb. • Gel. [5 Spieler]) 

15 Minuten 

Studienpartitur Ed. Schott 5001 DM 8, — 

Uraufführung: 17, Oktober 1964 - Donaueschinger Musiktage • Ensemble Domaine 
Musical, Paris • Leitung: Pierre Boulez • Solist: Jeanne Deroubaix 



Klaus Huber 



Geboren 1924 in Bern. Musikstudium am Konservatorium 
Zürich bei Willy Burkhard (Komposition) und Stefi Geyer 
(Violine). Von 1955 bis 1956 Kompositions- und Instru- 
mentationsstudien bei Boris Blacher in Berlin. Mehrere Jah- 
re Lehrer für Violine am Konservatorium Zürich. Dann 
(1960-63) Lehrer für Musikgeschichte und Literaturkunde 
am Konservatorium Luzern und für theoretische Fächer 
(1961-63) an der Musikakademie Basel. Seit 1963 ist 
Klaus Huber Leiter der Klasse für Komposition und In- 
strumentation an der Basler Musikakademie. 

1959 Erster Preis im internationalen Kompositionswettbewerb der SIMC, Italien; 1962 Zu- 
erkennung der Medaille der Arnold Bax Society, London. Verschiedene weitere Preise und 
Auszeichnungen. 




Inventionen und Choral 
für Orchester (1956) 

Orchesterbesetzung: 21-2-2-4-2-20-P. S. (kl. Tr. • gr. Tr. • kl. Beck. 
Tamt. • 2 Tomt.) - Hfe. • Gel. - Str. 

14 Minuten 

Studienpartitur in Vorbereitung 

Uraufführung: 1959 - Radio-Orchester Beromünster • Leitung: Erich Schmid 



Zw^ei Sätze für sieben Blechbläser (1957/58) 

2 Tromp. • 2 Hm. • 2 Pos. • 1 Tb. 

ca. 8 Minuten 

Studienpartitur Ed. Schott 5038 DM 6, — 

Uraufführung: 26. Oktober 1959 - Lausanne • 
Leitung: Victor Desarzens 



Orchestre de Chambre de Lausanne 



Noctes • . 

für Oboe und Gembalo (1961) 

14 Minuten 

Ed. Schott 5461 (in Vorbereitung) 

Uraufführung: 8. September 1961 - Kranichsteiner Musiktage , Darmstadt 
Heinz Holliger, Oboe • Edith Picht-Axenfeld, Cembalo 



Solisten: 



Moteti - Cantioncs 

für Streichquartett (1962/63) 

Motetus I • Motetus II • Cantio I • Interventio Nigra (Deploratio) • Motctus III • 

Motetus IV • Cantio II • Interventio Sinistra • Motetus V • Motetus VI • Iiitervcntio 

Ignis • Recordatio Cantioiiis • Silentium Cantionis 

25 Minuten 

Spielpartitur Ed. Schott 5385 DM 8,— 

Uraufführung: 25. Mai 1964 -Basel ■ Societä Cameristica Italiana 

Cantio - Moteti - Interventiones (1963) 

Streichorchesterfassung der entsprechenden Sätze aus »Moteti Cantiones« 

Cantio • Interventio Sinistra • Motetus I • Motetus II • Interventio Ignis • Recordatio 

Cantionis • Silentium Cantionis 

14 Minuten 

Uraufführung: 21. August 1965 - Menuhin-FestivaU Gstaad • Zürcher Katmner- 

Orchester • Leitung: Edmond de Stoutz 

La Chace 

für Cembalo-Solo (1963) 

4 Minuten 

Ed. Schott 5429 DM 6,— 

Uraufführung: 8. März 1965 - Erlangen • Solistin: Edith Picht-Axenfeld 



Hans Ulrich Lehmann 



I 



Gehören 1931 in Biel. Musikstudlium in Biel Zürich und 
Basel; Komposition bei Pierre Boulez und Karlheinz 
Stockhausen ( Musik- Akademie Basel). Musikwissen- 
schaftliche Studien an der Universität Zürich. Er wirkt als 
Lehrer für musiktheoretische Fächer an den Berufsahteilun- 
gen der Musik-Akademie Basel (»Schola Cantorum Basi- 
liensis« und Konservatorium). 

1964 Kunstpreis des Lions Club Basel. Seit 1964 Präsident 
der Ortsgruppe Basel der IGNM. 




Quanti I 

per flauto obbHgato e complesso da camera (1962) 

Flöte - I: Viol. • Tromp. in C • Ten.-Pos. • Baß-Klar. • Hfe. 

II: Vibr. • Marimb. 

III : Klar, in B • Fag. • Hr. in F 

IV: Enghschhr. • Vlc. • Kb. 

13 Minuten 

Uraufführung: 14. Februar 1963 - Genf- Orchestre de la Suisse Romande • Dirigent: 
Jacques Guyonnet ■ Solist: Severino Gazzelloni 



Alveare Vemat 

für Flöte und Streichorchester (1965) 
14 Minuten 

Alveare Vemat - Erstfassung 1965 

für Flöte und 12 Solo-Streicher (7 Viol. • 2 Vln. • 2 Vlc. • 1 Kb.) 

14 Minuten 

Studienpartitur in Vorbereitung 

Uraufführung: 26. August 1965 - Internationale Festwochen Luzern • Festival Strings 

Lucerne • Leitung: Rudolf Baumgartner ■ Solist: Aurele Nicolet 



I 
I 



Episoden 

für Bläserquintett (1963/64) 

Flöte • Oboe • Klarinette in B • Hörn in F • Fagott 

11 Minuten 

Spielpartitur AV 14 DM 20 — 

Uraufführung: 1. März 1965 - Zürich • Stalder-Quintett 



Komposition für 19 (1964/65) 

Orchesterbesetzung: 1 • 2 • 2 • 1 - 1 • 1 • 1 • - S. (2 kl. Tr. • 2 Beck. • Tarnt. • 
3 Tomt. • Gong • Röhrengl. • Vibr. [2 Spieler]) -Hfe. • Cel. • Klav. - Str. (1 • 1 • 1 • 1 1) 
10 Minuten AV 

Uraufführung: 25. Juli 1965 - XX. Internationale Ferienkurse für Neue Musik, Darm- 
stadt ' Dirigent: Bruno Maderna 




Wyttenbach 



1 1- 1. 






Geboren 1935 in Bern. Literaturgymnasium und Konserva- 
torium in Bern. Weitere kompositorische und pianistische 
Ausbildung am »Conseruatoire Nationale superieur de 
Paris<i und an der Niedersächsischen Hochschule für Musik 
in Hannover. Als Pianist in Deutschland, Frankreich, 
Spanien und der Schweiz hervorgetreten, vor allem als 
Interpret Neuer Musik. • • ; - 



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Drei Sätze 

für Oboe, Harfe und Klavier (1963) 
10 Minuten 

Uraufführung: Oktober 1963 - IGNM-Konzert, Basel • Solisten: Heinz Holliger, 
Oboe ' Ursula Holliger , Harfe • Jürg Wyttenbach, Klavier 



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Konzert 

für Klavier und Orchester (1963/64) 

Orchesterbesetzung: 3 • 2 • 2 • Bassetthr. in F • 2 - 4 • 3 • 2 • 1 - 3 P. S. (3 kl. Tr. • 
gr. Tr. • 2 hg. Beck. • 3 Tarnt. • Tamb. • 3 Tomt. • 3 Bong. • 3 Gongs • Mar. • 
Röhrengl. • Glspl. • Vibr. • Xylorimba [zus. 4 Spieler]) - 2 Hfn. • Gel. - Str. (12 • • 
6 • 6 • 6 [ad lib. nur 3 Kb., mind. 3 mit 5 Saiten]) AV 

Uraufführung: 11. März 1966 - Musica Viva München • Dirigent: Bruno Maderna • 
Solist: Jürg Wyttenbach 



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Divisions 

für Klavier und neun Solo-Streicher (1964) ' ' ' 

10 Minuten • ' ' 

Studienpartitur AV 73 DM 6,— '' ■ • • -. . " 

Uraufführung: 18. Dezember 1964 - Bemische Musikgesellschaft, Bern • Leitung: 
Alexander van Wijnkoop • Solistin: Janka Brun 

Divisions » r 

für Klavier und großes Streichorchester (1965) ; * . . 

10 Minuten 

Uraufführung: 19. Januar 1966 - NDR Hamburg '»Neues Werk« 
Madema • Solist: Jürg Wyttenbach 



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Dirigent: Bruno 



Sutil und Laar 

10 Scherzlieder für kleinen gemischten Chor und Klavier vierhändig 
nach Gedichten von Hans Peter Matter (1964) 

I Sutü und Laar • II Sutils Traum • III Unterm Volk • IV Die Rache • V Der 
Kuchen • VI Sutils Trost • VII »Laar pour l'art« • VIII Die Nuß • IX Im Park • 
X Das Ende 

12 Minuten 

Partitur Ed. Schott 5675 (in Vorbereitung) 

Uraufführung: Sommer 1966 - Bern • Leitung: Ernst Schlaefli 



De Metalli 

Aus den »Profezie« des Leonardo da Vinci 
für Baß und Orchester (1964) 

1 Uscirä dell* oscure • II A molti seguaci • III E chi non fia 
metterä • V Questo travagHera • VI O animal mostruoso 
rimarran 

Orchesterbesetzung: 1 • • 3 • 2 - 3 • 3 • 2 • 1 - 2 P. S. (2 kl. Tr. 

2 Tamt. • Gong • 3 Trgl. • 6 Tomt. • Peitsche • Xyl. [2 Spieler]) - Hfe. • Klav. - Str. 
(0-0-0-4-3) AV 

12 Minuten 

Uraufführung: 8. März 1965 - Lübeck • Dirigent: Gerd Albrecht • Solist: Jens Flottau 



IV Questo com- 
VII Per costui 

gr. Tr. • 2 Beck. • 



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Die Auffühnmgsmateriale zu den Orchester- und Kammermusik-Werken dieses 
Verzeichnisses stehen leihweise nach Vereinbarung zur Verfügung. Alle übrigen 
Werke sind käuflich erhältlich, soweit Preise angegeben. 

Preisänderungen vorbehalten. 

Das Verzeichnis wurde im Februar 1966 abgeschlossen. 



B. SCHOTT'S SÖHNE . MAINZ 

6500 Mainz, Weihergarten 5 

Geschäftszeit: Montag bis Freitag von 8.00 bis 13.00 und 14.00 bis 17.30 Uhr. 

Telegrammadresse: Scotson, Mainz • Telefon: 06131 (Mainz) 24341 



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-i..^.-..en, .ux .0.. .nnrun..n. au;? d.c Erleb., an. Bino ^ol^^Iro^^o £t--r-.i, «, 
cor:^l .chocc der k-önstlPi-i^cho /-uGclruck '^:: ^rioV-^-" '-r--n • ■ ' • 



1-. ....... 1,. .«. =c,r.,c...on .Vut.cho. Jahren 1,. Ifer.. Elt..-...:«u=c - .<. 

... 1^... .u.^ .13 .cir- .'.or-t cprochou, nicht ..l-.en ei:^zi-.r L.-,'- .-a.. 
-icn ccil^ ko,r..-n. Das ;lbt nicht nur ein Bii: d.r 7.ci- •,-. ->.. 

^-, ^-. ..c.:;-.c.:e Personen hei 3c::roc!:l-lchon rrlol.n^c-G-, 



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/....aic.i w....t -.an2> so ivic Idriani vor d-n Korr, 



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der Cor Eo-biunc, nci;-., stin un.] reU-irr«- .- .,• 

Uor ...... Cl. ,roaso j-U.l.o:,o Dichterin un=..o.~ 2cl= Cio C.U« ecc Sc-.-.-,, , c~, 

lassen — oi'-.o ''G'•^*-'^-?v r.^ i , % , -j....-^c 

-ui uchr..i Gor lorr-wifluns wird. 

Vcn cor Srcndunr -icr unm.no ohlichen Verrol^uu^c:; vmr-. -ic '. J •. '-.., 
^•crrnd -«sp-olt. -in,: clor ersten, dio i^- -^^ , v.-i-^ .... 
-v;,..r.o^, eio b. rüh:.±. ^cn^odinche Dicht.rin. di. achcn Trü:; r,,. ^^0-^, S^' v 

"'' ^'-^-^ io'- selber r.iolrb ^ossct 



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- 2 - 



fi?,G laiijo öle Kunct d<^r f:roGnon Moicterin bevrandorc •hw'^^tte. Bio loisstoro truj: auch durch pereön— 

lichoc Eineroif^ni offolctiv su der Gax-antio l)oi> die oiuo Vorciutico'üzu:^^- für das Acylrocht v/ar© 

f. 

Uud dio dor^r-i Gcr^ttoto bomüito oiish^ co bixld v/io r^öj^lic!: den f ron::.on L:.r.c:o ihro Eaukbarl:^r5 
SU "boscu^-o-a^ in dor oinsi^^stcn Forrn^ dto Ihr 3U CTobote ctando Alo gio oini2;^riiUS3on sc'::7odisch 
vorstohoii p-olcrnfc hw^tto^ rir;«: cio cn^ cchv/odiccho Lyrik las Doutscho su ^jOT^^-^c^o'^. T>o G;:feGta;:d 



cohlicoßlich oi:io Iclcir.o Antholc^iio^ dio die loVa^fto Bc-randoruns der '70TZT3tc':iazi rich'vOr or- 
i:;ocI:to u:id ihr auch - bei v;icdorholtc:i Grolo.::c-hoito'a - dio Anorkonnun^ dor schvvodicchon Akadorlv| 
oi-A*brui2^ v;:;s für ele Gov;ohl cino inoraliccho ?:ilr: r.uch 'cino jovdcco cl:o::oxi3ch© S':;ü-'j20 bodou^bG-boo 
!at ihror Zcvitrcillvrik und vor cilloin lait ihren dichtoricchen :^nur!:-:i';:cn ü^cr dio jüiiGchen 



O^fir dos dri-bton Eoiohoc: - uoho ndt ihrer orc^on Godi cht Carrnlunj "In d^n ^Vohnunc^n clos Todo:^"; 
dor dranutischon Lc2:ondö"31i" u^id dor suoiten 6cdichtEciri:aLun2 "S'^or.-vordünkGluvis'* - fand Holly 
Sachs nach und nach ein \-...-.'Ochicdoncn Stellan der 'Vol^i Gohör© 3ckixnnto :ih:indinuvi3cho Elohtur b^ 
^t^-'non ihro ^Torko su ülporGotscn^ unter ihnen, uor Sclv-vcdo JchanneD Bdx'cl'b und dio ^lor-vo^crin 

•t.' -"or üwl.^Om^o -»»n i*u*?rx»CC^ u^^r öCli;/Ow:.S u*lC. i-^-j/^x-*,:»,^ 5«-<**>-*uuUi« •»•-ioi-.N-'« .^^...j.»^- ♦•-»ww*^.*— •^^-'w^w^^ ^u •.ti.y-. 

» 

Ehro Gno Icg Bod:uicanicto von allen v;c:r .jedoch dio loidcnsch::rtllcho ;;;or:i^i''70 Hoakticn in 2^>- 
wiesen deutschen -^reioeno In dorn L.::.ndc^ xio d!:;3 Lehen von sochc -illionon Jud^n ouch^iLhlich r-a 

B'oia^iio dieser iCla:;ocic:i£;ortn c.n .'on jüdischen lhcGoncraho#- 

lüs ist nic/.t m«lno Auf^aho^ hior eino psycholo^ischo oder poo'jir.ch-forvr.lo Analyse von Koll^ 
Sachs ^ Plch;kunst zu r>^'^oiu I-cin Auftrete l>c£chrc:^ki sich nur dcirau::?^, Sie, ;-eino vorehrten Zur- 



höror;^ oo:;ohl auf den all^^-^ni^inen alc auch auf der. rroesifi::ch jüdischen l^crb die^cer der Fern 

ein 
nach r-^ersönliohcn Produktion hinzuv;v?iccn^ «leren tiefster Sinn gs x:cv^ olz/'^^oczizdi euhlirrlortc: 

Sprachrohr für oine janso llation su dienen© 

la Ib,i IC^xS Gchriob Ilelly Sachs einen Ericf an PL'ofeasor VJaltor Bchrcndsohn^ in dem unt-i^r 
andoroT* f ol:;endcs ctand: 

"Mjin Loben ist co in Schmors zorricson^ d^sD ich godcsrjil in F-uor taucho^ un ndr dio l'Jort« 
au den const Unsäglichen su hole-» Imraor uie:ler ühorkom<± nich d:i3 Za^onj das mich ::tun:n nriclic. 
v;ill vor don Ubcrni;lchtij:cno Und es komnen dio iläohtoj, v;o cn ruicli tt^orv/eltict und icV. es slttv:.\ 






wajor* \zxzz9 



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AuG diocom Schnorz^ dioson von Schmerz zerrissonon Lobon blü:ion zuerct a.lco dio Gedichte 
hervor^ die äIg Samirauus dca Hcr-on "lu den Wol^nun^cvi do:: Todes " tra^eri* Slo orschicno'a iu 
Ja!n^o 104!? im Auroau Verlas,- Berli:;, U'nd das ^auzo Euc:i ist uaol; Kelly Sach::' 



V*irtv»»^<f<''* 



ihrer, "totön Brüdorii und Schvcsfcorii £;Gv/idmo'c"o Das Eacl: cvithöl^o vier ALtoilu?.p;o:.: Doi- Loib in 
Eaucl: durch dio Uif'c, CTcboto f'Llr den toten Bräutisam^ G'cibschriftcu i;- dlo l/^ft £oschriobca und 
Dio Chöro "ncich dor Httcrnacht"© 

Ich riSchto £cnio, uu i-. nodias res zu konnor^ ciiiis^o Beispiele aui:; dioacr S-roüiiun*^ gobon« • 
Eior hcibrn Sic zuerst des ßcho:i borüiirrf; jov/ordeno Gedicht O'; dio Schienet ci-*o« ^s i-*?- ^'-'- -^-^'^-. 
I-otto £iU2 d«a Euch liioV ▼•Mohor.: 

I ^ t 

. - - • 

"U'id v.-or.vi dioso !i:-iv;o Haut zcrcchUfio;: soiu wird, co vyordo ich ohuo noin Ploisc!: G-oüt schaue 

■ . ' • - 

dio Schor/iStoino 

Auf den elnnroich erdachton IVohuunscr: dos xodos, 
. Ale Icrciols Loib zoi; auf;:;olÖ3t in Rauch 

t 

Purch die Luft - 

Als J)c3<2nlcchror ih: ei'c Storn ei;;5fir.<^* 

» *■ ' 

Dor Gchv/arz 7rarcl« .' " ^ • 

• ♦ • 

Oder r/ar os eir. Sonnoustra;.!? 



dio £c!iorn3tcinoI 

Fr#lhoitsvo2;o füi* Jcromias und Hiobs Staub - 



V/or erdachte euch und bauto Stoin auf Stein 

r •• 

Don ^Vo2 für FlüchtJLudi^"' aua Kciuch'? 



dio r;ohnunj;on «ies Todo3, 

J^inladond hor^^iorichtot 

Für den V/irt dc3 Hausos, dor const Gast v;ar - 



- 4 - 



ihr Finder 

Di© Ivinsansßßchwollo lejond 



T .-?-,'> n»'^ n \-! A 1* n r^ -» 



v/io oi-a Ii)Sßar swischon Looo:i und A'od 



ihr Schoriistoinoi 
ihr Fi:nn;or5 



T.»*-P4»T 



Und Israolc Loib ira R?A;ch durch' dio LuftS 



a diG Zoit allzu boircuzt ic^b in YorUältuic su aora ^vaa oireiitlich su ca-or. v/äro übor I^elly 
id ihro Dichtu-;;, r-.i3S ich mich auf eino kloino Auswahl 'boocV.rcr.lcc;^ Ich v;ill das Crodic- 



Sachc un 

"Ihr ZuGchaucnden*^ loser/. 



Uvitor dorc- Blicken c^totcj r.urdo^ 



^Vio si5.a auch oino:i Blicl: irii Rücken f iCilt, 



So fi-lt ihr r<u ouorrii Laijo 






V;ioviel 'orßc'.icndo Au£o:i v/orvlca ouch Rusohu 

iVcr.n ihr aus dou Vorstoclcör. oivi Vcllchca pflüclc'o* 



T7 • « ^ 



IVioviol f Ichcad orhoheno ncndo 

Itt dorn ri-ör^byrorliart geßchluviscaica CtostvoI^o 

lor alfeou Sicher^? 

üi^Tiol ?lriu;icruus v/ächcjt ir^ Blu-to 

Dor Abondso'^ine? 



dio u:.j;^^^*'^£^^^'*^ \7icjönli©d«r 



In der lurtoltc^ube llciohtruf 



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I/anch oiacr hätto Stcnic heruntcrliol^u Icönncui 
Kur* rmsß es der alto Brunnen filr ihn tuiU 



Ihr Zuschcaieudou^ 

Di« ihr keino ISrderhand erliob'i^ 

Abor die ihr Cc\:x Staub uicht vo;i ouror Sohiicucht 

Sohiifctoltotp 

Dlo ihr Gtohcn bliebt, dort, v;o er su Licht 

Yorv/tiudolt \;ird# 



Abor iloll^r S^chs süc!itist c.uch ihr cijcnos 7ollr.<j sie ist keinosr/ovc bliuu^ g 



OS rarxho sibt, dio Ccuf gottferr^on :^7c£c;i gcv/andelt cir.d, v/oit enirüclct auch vor- ihrer idcclloii 
liicaioua und dafii: ^ib-i cio In '.:c:r. Gcdic::t ''Lanva haben ^vir dis Lauscher! verlerat" ein Bcdsyiui: 

• • ' ' ' \ 

Lans^ hab^.i v/ir daß Liiuccho;; verlernt! ^ ' . 

Katto Br uns j;ftpflcnst oincit r.u laucchou ' . 

IrTio Dli;;c;:2;^ac £Opflai:st, am o:vircn Über;, ^ " ' • 



• •• 



V/olltcn v;ir v.o.chson s.uf foist'u Triftoi;, 
IVio Salat im HauG^;artcu stöhn« . 



Vi/'eun wir auch Goschc^^ta habcr,, 
di© woit fort tihToii . 



Von Scinoni Lic!it 



OJ 



•VJonr* \vir euch dcic vVar^cor auc ?.öhrc;i trinke;;. 
Und 03 erst sterbend nciht 
Unßorcm ©irvir; durstondon lixnd - 



V/enn v/ir auch auf oincr Strc^cco achrciten. 
Darunter die ^lirdo sumSchv/oircu jcbracht v/urdo 
Von oinora Pflastor, 
Verkaufen dürfen v;ir nicht uncor Ohr, 



••• 



- 6 - 

0* wicht unser Ohr düi'fcr. wir verkauf ••'ti» 
Auch i'Mf dorn ..irkto 

Ta'b nnr.öh einer cclv.^oll eine;! Sprung 
Auf dor Sohncucht Soil^ 



V7«il <2)r ctv/as hörte^ 

/ius dGui Stcubo heraus tat or Joii S-oraus 
U;id £ätfci;;to Goin Ohr« 
Prc:3ct^ o prttsst an de?r Zorstörun^ ^»5 
s Aa äIü Sri# des laucokcndo Ohr^ - 
Uiid ihr v/ordot hörcc^ durch dd uchiaf hinduroh 
y'eruct ihr höroii ' . 



Dac Loboa bo^iir.nt 



t^e 



Dia Dichtorir- vorciuht a'licr nicht ini:nor ^ans ir- d5.o v/ürvcnde 2ittorhoit ihror i5^1a£Oi;oiccut 
Siü tröstot s:.uch und irulint ::u neuem Lou'Ou ur.d r:oue*^ Tateno Dac höriuca ^vir auc rcl^odcji Gedicht 



orßohor*t 



/a liuchj 



Dio das neuo Eauc b^ucvi 



Vci::^ du dir doitio IVcadc ;:cu i:iufrichbv::t - 
Deinen Hord^ Schlafctatt^ Ticch und Stuhl j 






.licht doino Trä:;cu uh sio^ die dahinfie^angonf 



Elo nicht mohr ndt dir v/ohncn v/ordou 



Ai^i den Stoinj 
lUoht an des Kola - 



Es weint sonct in deinen i:^chl:^.f hinein^ 
Don kurzen^ den du noch tun niucst^ 



- 7 - 



CouTsc nichts v;onu du dcivi Lsikcü bettest # 
Es n)ischo;i eich son^t dcin^ Tri'iurr^ 
üt dem SchivGlcs der Tote::» 



Ach, oc sind die i^äidc u:id dio Gorä*GQ 
V;io dio üindharfcn onrpf£-.2lich 
Und v/io oixx Ackor di-riii dein L^id v/äclistj 
Und cpürca das Stau'vvonvaud'bo in dir« 



Baiio^ wen dio Stuudciiuhr riccclt^ 
Abor v/oip.o nicht dio- I'Snutcu fort 

D«r das Licht yord'^clit« 



«K«l 



Dio zwoi'co Abteilur.jj, Goboto a^üi' der. toter. Bräuti^cni^ cohildort c-j.3 Leiden u-.-.d £on Uivcor-c-«;.. 
iiaia hat dio Schöiilicit ur.d C-e.,;alt diccor Sp-cho ni-- 'Je- nc;r»scndc;-. u-.d dour.oc.: kU=r.icch orhzbc 
viai Sprache i« cWlsson AV^cch-ittc-^ vo;^ Lorcas Blut!iOchsclt vn'ilic'.ic;;. Auch r.lt Sc-fka, 'üiid in 
denserjou Atonauso vo:: ihrer tiefe:; r^li-iöco-. Yorc.n'^rrur.r gesprochene .'Caf.cc.c Gctt ict abor oi- 
u;-.bcrrainichoi-3 ur.nahbaror Gott, der •ich des .-r,:oü il.:;;cc^icv. nit soi-o uubc^cmtv/ort-tcri Preise:: 
nicht ar.r*inin:'5 und il.v. ir. Vorr./oinunG zu-rundo ->-.hor. läset, Kelly Sc.c::c hat sich «ivi a 

» 

Gottosbild sGcchaffc-^ Ihr Gott ist fast Idc-tiGch lait Solatoic C;ottczhö^iff^ "U-tor C- 



Uder©3 






B«£« dor rassische Dichter ur.d Lcr^hor, 7orcte--.o icli dus unbc-.-c..zto Stv/c-S;, des ich bo^ronst iu 
mir fitilc," Also el::o Art vc-a Pr-t?v.iet!ras, ;vrj:r. rrr.n so rill, Das höcV.sto ifc-.-chlicho^ das Eei-, 
cto und £ac Lichtcstoin ibncchonsir.n ist für IloHy Saclic oin Ab::lcnz dos Göttlichen und coniit 
wird für 5io Gott selber «in« Br;yöit«runs dlcGi^r rd^pnachaftoa ins Unendliche 



'•« Uo 



Ich nöchtoa oho wir woitoriohcn, oinij« doutscho Stiriiion übor dio V-ohnun-r- dos Todes 



citi>,i'v 



rs Qchoint mir »äialicli cyniitoir^tisch, dasc £orado ceictisa Äraiso in Dcutcchlc^nd nicht nur rron 
doa lahalt AUu^r G«dichto ergriff on sltd, aondorn weh vcn der c^haboneu Snrach 



oj von der un< 



-l-ublich reichen V.'olt dor Ix^taph.r, dio dor Dichterin, mn kenn faet aa-cu intuitiv in Eohir- 



- 8 - 



^nvachct. Zuerst II:..nc Se.li'o rtj Fuldacr Volltszcdtun"-, iu Aa-'uct 1947 j 

^* 

...Gott eellicr »aiss dr-r Vorf;;cs^jri-a do GriiTcl -ofü^irfc habor. cuT dass eio Zeu^-nic ahU^o 
roi' ihr Volk. VJiö Gi-rroirend di« s^^-oer,« Klago "ua do- tote» Bräuti^an:, u- -uttor und Kiud u::cl ^vio 
r.oc!: uu xx^ Fcnccheu, co r.och un tote Dine«, dio sie so virI:lichk«itG-ah u:-d doch, wieder i:i ühci-- 
natlirlichcr VJoiso zu com GrausigcA in Bczicliur-s 8ct:it «,c Vor diosor Frcu> iio dac Lold sur Die: 
torin £;orr.uc!it hat, ur.d dio nicht alc Rächcrir. ur.d ArJclä^oriu doa doutcchcn Volle devi Spio-ol vo:- 



l'-- 



bält, i-i dM •£ cchaucn ka-ivi, v/io "Isracla Loib r.uf-elÖEt in Hauch durch dio Luft 20s", lcöa-:ioa 



wir UU3 -.lur still ur;d tief verneig;«';. 



Profcsnor Alfr-- ; On-^ad, rionshur--^, Juli 1947, Ga-t: 

000 CG ic-c mir '.'.. lAvlr.jo-dow Bedürfnis Ihncr. su Gcigo::, dacß Sio nlb 






schcv^ ?roduhtio;i a-c dor Spitzo clloi- G-o-ouTvart-L-ril: lie^ono Froi 70-1 jodor Horkö:2-^aich>cit, 
cuGccrhnro allsr Schahlo-.i.-, aus eij^nsten F^n:;>fi;idor., r„it oi-.-ier' Ihr.ca oi'-ouo-. S-r-sho Iczcc- S-'j 
io Visione» Tor dori Lccor und Hörer/ donu als Borufs^prochor haho ich iio r-ohrftch suri Vortr.; = 






r 



. ^ 



cbruch-h/i orstoiiC;i, Bs ist iloichfftllG rr^lvi-r Kcror Bo^iürf-i:: Ih-.o:: diesen Eavi!: U'u: ^iosoc 



Urboil SU ca^c::© 






So schriol. x..ycL Üjor dac cr:;to ^uclu^IJach den s^voitcn v^ordon ca Lob^^osän^*^ 70:1 ni^ 
Öpauuu:i2 und Sc.;ö;;hoifca ' ' . * , 

Das nächcto Buc;: hcisst "St.3raTördunkGluus" und ist 1G40 orsohicncu boi Borir^nn-^iochor. 
Ea enthält fli.:r Abtcilun-cn:. Und roiceond ict dio Zoitj Dio liiGchol c-uct, Uborlobondo, Land 
Icraol und iü; u^hoi-.in, Folrondcs cchreiht liolly Suchs 1543^ -./iodcrur. ar. ?rofescor Bc'.irondsohn. 
über dio orct., Abtcila.i'-; • 

"?l-.in r-ouor Cykluc , Und rois3ond ißt dio Zeit , ist aua cor ^„n^st vor allen r^ochreiciorbo- 
Tod iu Vorrloich zur^ loisa nttüriichons dio Uhr der Zeit fiillondon, entctandono" 

« 

Die swoito ^otoiluni , Dio lUcchcl sauet , handelt 7on Versaneeuen in Israel, von der Crösco 
der ?rci>h«toii, von dor kolossalen /.uf-abo, von der -^Iciti^cn iüssion zu der sich dac Voll: bc- 

I 

rufen fühlte. 

r^r dritt« loil , Dio Oborlobcndon , iat v.-icdrr oin Nachklan- dor orlitton.-' lotsten Seit. 



- 9 - . , 

# • • 

Dor vior'bo Toll c!a$,o:;cnj Lü'.^d Icra«! j» bcharidolt dio P^oualssance dec jüdicchon Volkoc Ton 
hout## Hior kli:is;t Gcho;i ein ^r^nz ncucx" Tov. uurcho 

Dor abcchliossoiclo Toil des Buch'^s ^ Im Gchciririiö $ izt luit cubjoktivcvi Failon durc>/,;obc:.'.^ 

Ich T/ill auch tj.u£ dieser Sam.TJun£ oinif;o God5.oht9 vorlcj&on^ damit Sic öl.) ?^rt\?icl:lun2 der 
Dic!rl:o;'*in v/Ährnohm^rri« Hier ict dio Sprache fo.3t nouj dio ^-btr^^jhorr. siud zchlrcichor ii'*d vcrblof': 
Boc:oud*^rs frappirr^b dor r.chillorndo Hoichtun iin F^rDiuno-^ dieser ^ota;y.:crn^ v/^^^un voa Brsir-non 
üborhau'pt dio Rodo scdv. kr^un, dcnu cio Gohaii'rb v/io i:i Trauco© 

Ich boEir^.i'^.o nit doni Oodicht "Schritte"© Hier vciltet z\r^r noch oi:i liaclzlzlc^z -^^ äori or::t-oa 

Bucho« Ei;i ii)'ito Icuchto': ur.c. cbonfallc cnt^cs'-ii« , . 

• * .- 

• • -► - 

"auf da^G dio V^?ri?ol-''ccn nicht Vorfol-'-^r werdon" 

Schritte — 



v^ • 






I;. v/v^lcl;cn Grottcr. der 3 

seid ihr bov.'Cihrtj 

dio ihr do;;: Ohr-^n oi^;ßt v:oizzc,ri;;to^^ 

komrAendo,! Tod? 



Schritte - 



lücht Voiclflus r.och ScTTaiu^w^r Singov/cidcj 



»och cor Wut6chv;itiic:ido ^ctz 






nur £ c fc r i t t 



ßchritto— 



ürsv:»ttcpiol von Heuhcr uud Opfer# 
Vcrf ol^v:r und Yorfolrtonj 
Jä:;or und Gojajt — 



id0i>i<k JLooO 



dio dio Zelt rois5c.;d machen 



dio Stunden mit IVölfon bohüicc^n^ 



- lo - 



d^Tu Flucht lins dio Flucht auclöccVi'?:^« 



in Blut Co 



Schi'i':to 



dio Zeit aü!;lc::d ndt Schroica* Seui^soLT.j 
Austritt dcc ßlutv^o Vis os jicrinnt^ 



Todo:::icliv;oi3s zw Stuiidc^ läurc*ad — 



Schrltto Cot Hcr.k^r 



Scl:Uiiclc:'!2oiior in; Cciu^i ^-" w'do^ 

7on v;clc'Aen Scli-ivc/rsmond cchroolrlich :^oso;c:!i? 



In dor i-Ucik dor ßphtiron 
wo ccVirillt euor Tont 



^ 

r . 



Jötzt #ln Boißpiol von I^olly Stohs' Bohfr.:.;dlun2; do-^ uouuniea teilen blblicch-or. -'otivoo Ich 17a?:'- 

# "• 

lo C^z GodicVi vo;; Abrahcirr.> üoor den sio spätor cia ^roaccG Dra:?.:; 4;c£cUrio'bo;i hat^ v;oriu iü 

• - • 

v;io in Drc;rr. v/ird Abrahara dargecteilt alc dor rr^zto SucUor mid ?ir.dc:r oir.oc S^cichtbaro*:;: Potte 



■ * 



A b r a h a 21 



E^I 



aui dom riio:idver«i#j;olto:i ür^ 

dor du i:z Scxudo dor abtro;^'^ oiidc?. Siutflut;iü;>;ol 



diö saucondo ^vliscliol 



die:; Gotteßjrehoiinaißaos Tcvidont - 



DU 



dor du aus dorn v/cinoadcn Stor.fjild 2äV1o-:g 



den 



Aoi\ dcc lobcndca Lo'bor.c hol; 2t — 



- 11 - 

« 

\>t3 iv. ^l-5n f ^mrl-ön A'iend Ccc "liouto" clari;! 'dlo iiJiro brennt, 
DU 



dor dio Schncuc'.it an don Eorizcu-i ü-:.'r unciclvcoar 






**■ ■'^'Y^ " 



hoftote 



,V<^' *-«,«* "S-*^ £^f <— 



- k 






dio Boc'to drr Trriu:n:> borc^ltetc 
•» • 

für dio Scliar der cicii ttoor-'ocijoudou Prop!:otc:v 

• * 

DU 
auG dessen ohr.o-.-jdon Elufc . 

* ' - ► 

■ «ich das ^ chr:.zt'iQXli:iz^vOTt "Socio" cutpuppto, 

- - • - 

rj • 

i . ■ - * ; 

. ^-. ' - urvrul^id;® IVclioa dio i;i uns oro^,, Adern 

. nocU Imni.'^r iuoht voll "rci^c-r. ihr iocrr 

V "/ die Uhren svllcr Zcitcnf 

• * 

diu coiinon- yiid rnondd;.vrc*nlcuchtotc:i 

' • • • 1 ■ . 

haßt du auf r^^vi^^Vroit scctoHt - • • ' 

ü ,*y^J«Ui ;,'Jlii.. C*i*-*^ -.»«'♦ i-vi 4./^'l- -*U«#^ 

den v/ir niit unnoron Laiben: ans P^ndc "brin2;cn liiscon - • . ' 
dortj TTO fivllo Hcifo hinf älltl 

« 

Kuü wieder curücl: zu uncoror alctucllon travischon ZciU Viio ©in aulcij:.2oador Soufsv^r« cino 
Kealction so^en dio Unsorechtirjcvsit Uinj^:; folsendas Godicht: 



I . 



W:i.ram die scV.v/s^rzo .-ntv/ori'^^i: liassos 
auf doin Dascdn Israölt 






Frt^T'lltv'i'ilu^ 



«»ir^cri Stcrr* vor. v/^itcrher 



filc die andoro;i« 



Vcrlcc.uft itn dlaco I^rdo 



(ls\rit Fa;v::c.rr2coit' fort eich erl^o« 



Deir.o Hor/Zuuft vcnvachGon rait Unlcraut - 
doino StorAO vertauscht 
. gorcu allG3 vz-rxc I'bttv^n und l^ürmorii gehört ^ 
und doch vc:i dc;i Sraunisvuduf^'^r^ dor Zoit 
vrio Ibiidv;aßfior fort^^oholt in die Fervic-o 



Im Chore der ^ndrri^n 



hazt du socur.^on 



ci:-! er. ?o:i höher 



odor üir.o'a To;i tiofor - 



der Abo:idj:'C;u;o haot du dich ir.c Blut iov/orfc:: 
v/l0.#iu Schmers dcvi s.ndc>rc..;;rt..;;ucht# 



Liv::-:! iiSt dein Schatten 



und OS ist cpäto Zoifc fiir dich 2ov;ordon 
IcriTvoll 



'jVio weit doin V/oj von dei: Scj^iiunj 
den ^'icn dor 7rfcc;i entlang 
bis zu dor l'/o^bicrun*; 



da du in Aocho sicfallcnj 



dein Foind mit dem Hauch 
deir.os vcfrbrr/nntTX: LniTje» 






ciolno Toc'vcrlactsrnholt 



zn. die StlrÄ d^c Iii!r-i-:;?lG -chrlcb! 



solcher TodJ 



V/o cillo liclfcudor. Er^^ol 



Kiit blu'coridon Sch7/i:i*:on 



serrlcB^n in Stcscholdraht 



der 7.cit hin^crJ 






raa dio £chv;r.rso /ntrori; Ccc:* licssos 



cuf cl?v^ DcLSoin 






I t 



Und Äoch ein Icloir-oc Godicht^ dac ich u-^crr. IccsCr. i;iöch'bo, dr.c lo*i::ta in dioceni Buc'-/v/ü1L 
®s alö EiajoVa-ji;, und Aucdi^ucl^ \'iclloich'b einec dor Gchö;i3toii Pooiao ds:>r laoucr. "Zc^it ist; • 

' S c h in e t t o r 1 i u !: o *. • ' ■.'■." ' •• 

f;olc!i col;c;;o5 Jcnsoita ' ■ • ' * 

ist iTi doinc;i Stnu'b :;cr.:xlt. ' :. 

■ - _ 

ViXTch de:; riar:norf:oi'r. u-.,.' T^rc^^-is 
: durch ihre atoiw^onic Schd« * ' 

• . ' . . i 

vmrdesfc du :^croicht^ '' 

. * ■ "• • * ' ' ' * 

Abcchiii?dr.r;obo in der Vc^r^äii:;clichlcoitcn fccso 



Schr.^ttesrlir,:: 

Dio Gcv.'ichtc vo';i Lo-K-n u:id Tod 
conlccii eich m5,t deii:.'::;i Flüj;oln 
auf dl6 Eoo« niodor 

dio nit döra'koir;:;;ärtßr«ir.cndrr. Lich-i -- llct. 



- -JA — 



icb i? v'^^inc:; Staub roin^ili:« 
Welch ICönlcssoic'icvi 
in: Ooh©iT)uis d^'^r UiT'b« 



Ich mächto IhiiCTi gerro v;io 'oci den vori^jori Euchoj ctia Boicpiol go'bt?- vca dor Hc::^ktioi: ii: 
dGUoGc.iO'ji Soolc.io ♦■ ^ '. '• 1 TZ \ *; v c :■■ v ü P € $ cor •w4o^'-.xuwu*»wi.it^^u..ii^ aer ^'<^^i,<^^^ »j»^-^^^^^^ ^^-^uc^^o*!^ L>o»ii^v>o 



"•••D-s ^Vori borli^ron reicht nicht hin« das Buch hat roir ^voh cctsino Gi^o hut>inn:^l £osj:i;t, 

♦ 1 

coiuo /ufrab^ cci 2U bo?ur* ruhiger.« r».J -»cur^rj.-.icu.i;:^ xS^ uv;^ ti,^. ^i^o^L-c. soi v^^^iOw^^w. c.^cr -ro;:-^^^ 



▼ -^^•*. 



dar Schnorz dc^s lüa— ütlcchc 2oit£C-ö3:)icchor ^^7ri::c * 

Eio StornT#rdu;v:olunc i^"^ ^^^ 31ui-3 cvif don lüllioacii^rab dor Judcrio Der ?hoc::i:v: aus Ihro:^ 
Acchc:, der Gccan; auc ihron Schreien^ c!io itla::o Ic:raol3 :;;^ clor I^OT dieser l^VolU Ich hciuii- i:ich 

Ea o:: cibor dasu f c:;i- v/arj bo-rclfo ioh;> d:;::;: os dieocc Loid ILoitorn^ vor.rx*:dör:. und £orjtaltc:: 

no:;itaricchGG u-id Houfciüor: fliorccn sur:c.ixnr:?:ij eine voli::onuc-.o Iwoli;;io;:i;vät vereint ^lit oiucr 
2;c:iialcu Bccr.^/an^ ri.ix' Vnr^ucli c;uf dic-cr:: Heu::: cir-c-A dcutlic'.wa Eo;;;rl:?f vcu .'.on Such su c:-^'-^-* 

i 

ist ausalcr.tr.loGo Abar ciucs v;ill ich noch ^a^c-: dioso Frau ict die Ei^htorin ihres Voll:o3i 
und da:; hoisiitj vic' roch nicnrlc dor /i^nd crin::r Toten und üoborlobondonc r.irum 2:;^richt er -^oii 
der Qualy von der VcriüV'^ifiunsj von den G.:h:yii:;:i::^ von dem Troct doo l^-^ncclion iiborliauv^t«, :7or v- 
den v/irhlich Gosonv/äi^tison v/oicc sich nicht v^^r^./crrcn und aucroiotsit*^ J'^r findet soinc Koirat 
untor doa v:. rdunuolt cn Stornono" ' 

D<:;su oin Briof docj Redakteurs der Ko\r«in 7:citux:Q9 i-Uchon> Littcraturbluttj 



Kl.^-'rhard Friedrich : ''••oich riiöchtc? Ihnon ncch persönlich \:v.rcr.y daz:^ dor ^csonccnt Holluut 



—» —■ ■ j ti' I '— 



von Cubo r,ur das cllcr-allorticrGto von Ihren Oodichten bev/o^t \;ar und rdr ;:oöa:;t 1;.,^:? c>3 je- 

böro zu d<&m Schönctcn v/as er 30 er. Lyrik unserer Zeit iolcr.cn habe»" 

•« 
Diofloc cchricb n\o.T. vor faßt sehn Jahren» Seitdem cind z'^iz dor s--'*son '-Veit Stir.u^on cn das OhJ 



^ ir> - 



^or Diehtorlr* c^l^-'-cl-* ^'*^ '^^''^' ^.l*^^3r Sov.^a^idr^ru'i^^ nio'vb :rjr ir. v;orto;i so';Ic^.or;^ r.uch in Täte:; c^rsrC. 
Igu« Icl: hu'bc Ihn^n -chov; Tov: cl^;i €:k:i^n-iivi5'.vlcol':c'V\ Dichb^^^rn c;c2procyiCi:a Jlo ^^^lly Scic^c'' C-cdic-.'Cv: 
üoorcotsc:^o Aue!'; fr:;r.7.ö'i:tr^oh<?f* itcilio'aiccl^c, hol-r:iii:cUo lud ar.oriko.:^isc'.vo Dic'vbcr liabon ihro 

mit lloH-tr Sc« che' ocuvro r-tc^iol^ciio - 



*a ' («* 



Xri Sorbet orschoir.t in ]^ilcrri:::ür.nn Vdflßj oir.o u.-^uo Lyr?.lcscrirduii^ *'U-id nior.r.r.d woicr; i7oi'bor*'o 
Dicßo Gcdiclrbc» tiv^^ca v/'-^it hi;-.CiUS Ül)cr die olo;;i3cjh.xi u;id biblischen Ibtive^ so:?s;rra dicao »icV.t 



fordorv: v;io dioco kurso 3.-jli:^r.dluni; ilvrer LyrüCo lc!i r.r.GQ Liicl; d-zio auf iiaupir^) novit o oGcpiirüdco:: 
Ivolly Sc^.chG hat f ol^i."»;.dc-^ drnr.'s.tiGoho V/crl:^^ ^onchricb-^ns 

"Eli"a oiv: lystcrio-ßplolo Gedruckt lixlr^iD 1G50» 

"Abrar::: I^nvachon oder ß^hncjuckt uu3 r-wirct^o Ic.nU':ikri^-.tt ' . 



viol 7:c:z',':^:^:. ;;oar jv^it«>t© u)io ht:it rdr oivio klciv^o i^uu.J.u:;s ivonin:?;.:taro ü::)or ihre SrÄr-ntik j^S^g..- 
und ich «jlciul-jo kaiv..i:> dnan ich nit oij;o:iCji '.'Vorier. ein boG2<^ros Bild von dlocon V/c-rl: '•/.:i j^obe^.i« 
kö-jinto« Ich v/ill lRini;;o:: dcxrr.u-:: vorlesen© 



*/4AW i^> XV^ M^i I« *'j^ w» o V. .* Jb «^kii > ^>«» W <t» J.Ji-. .^ i-^ v.» rj;v.-i* Vrf «. »» 1^ »-J V«X vk «•!.'. s> <bM L't^Vtf • v.*,« L» vfc*^,»^ Lii.w . -^ /►*.A.»viJ * iUui»u<wWr- Clor 

Vorfol^un^iCoi unter der I'Iü'tyrorsoito liier i:::t dc.ü Oprc:^-Ionlccr Thv^r^u in einer kloincia polni^ichc. 
ÜL: -; r.r.inonütadt hcimicch Eov/ordono I-in iCnabo icfc ornordot worden rron cdnon Soldaten .'^.Ic or 
ßoino Ilirtcni^fcixe Än::tatt zur Hcrdo su C-ott orhob in'Ooincr Uoto T-ic-:: i'^t der Ausrcnrc^rankt vc 
Bociuf trauten der J^£cndcu ein hoi:.J.ichcc ßpion-i::'.:w;l su v/itt^^rn» IVor kr.nn noch olmo ilia::: brauen 



- 12 - 



D.\c LojoridvT,idi^a;ra ir.t boreito 19^^3-44 ^.wfcß'bÄncIcri« V.'ac die Dichtorin hier bitt-^r und cc^ufzo.id 

frcLiit^ hat alco nur 2U Cor botroff(?nd€u Zeil; c!.irol:t^ Ec-siohunjo 

"v;or 2li:iu'^ü uocli"^ rra:;i; cio v/oitcy^ "a-i dio cv;i:;o Soolcukr^fi Teile cio sich cori urid da 

ofi'cn'Larb* hior in der Pfoifo oincc rCindcG die conc'5 dr.c Vioh su sc;r:i;:oln die Auf^ci.'bo ha'bo^ 

öir.ö 
Und d:3 si'oicrt cio zoVoor alc/Aro SyuthoEO^oiu Synibol dos G-ansc::p Tor ^kr.Uj der 2!ördor im 

dcr.i^lchsahiii ^v!iro nicht roit d:r Pfc^ifo hcraucj;crc;llo:; 
A^ooT dac X72.r K^^r^on dio Ordr.uu^ - " 

« % 

do;i ICopf nac!i hiivio:i v/^r^rfor. — 

das Liuüsto surcch^^orücl<:1; \:ctCLc:. - , . ^ 

Und v;ohia ':r/b or ;;^07:fij?f c-n* 

i2i:i hoiinlic!i03 Si^ud* 

* • 

r.rA Zoicliai durch dio LiuTb-- 

aucGorV.arj 3v:der Kontroll© — ' *• . 



C7c-jjirc;: bei dorii Torf ol:;'-^r do:i Blr.drucl: clr-02 hcin:licht:ju Syii'oli; horvorroTto D^j I^-'*or.:dartico:> v-«- 
to;;roi:riicho dr^^'^^ den Ja^cndi^n zu:a ►brd© Das ;w:5r!:-i:iirdi^c an diti3o::i Iclv^in^;;;; Dru.;:;:; iJt^ da:::^ dv:ir 
ISrdor schli^^i:d:lich dc;i2U j;Dtri"oben vvlrd^ ciwh d^- L^bcn au .ichr-^no ^nd ;;icV.i oiwa durch cu^t;^./... 



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Zv;:.U[:* condoiv. durch cd\io:i Inr.oron Prosccs, de^^ der Sc!;ul<!« 

Ub</r d;ii: Dr..:.-.^ I;ach<.v;acl:o^ cch.r^^ibt I^olly Seuche fol^ondc^: 

"Eas raholono Taor.cx allor Zeiten "Honlccr und Opf^r" ict ::uoh dor Inhc.lw jiniic Sv^>lton drcuiL;«« 
ticchon Vor;;uohQ3 die erlittene Drani^tilc cius Ihr^^a iui.'cnnpuul:t dir cht i:.. de Sr.^.^ui-viiikt uos Eri...L 
unisu3ofcson# Kicr ß^tst dio lhib<9lochnur direkt liitt deni Aur-vr^chön sv;oior *Brsclios3ö';ion nicht suonl- 
OotJohocGoncn cuig Eac S;.lol £;;icchon ilonhor und 0^rv>r aoobon :xu.f furchtbarste IVc-iJio durchlobt 
cctzt aich CiUf innorc;tor Pjono zv/lschoa boid-^n Opforn fort^ diojca Ihil 0^,;.:%.:;^' z,^:^ h5.::^büo J-c'i hcvb^ 



« 1 i — 






iu dor i:'eoIc^Ci'::chioht 



vorluider-i dio IVs'Jlt"» Auch hier hut <ii0 For-a cic-; dorn Gci^cl'iGhou c:i'^cyo.CGto '■^ii> AlbtrcAiu Ccr in 
ciuora iCuhctall soin ricrA^oz Au^^c^/.lic: ciufcchlä./];^ er.lio ;7ir.do sorlsrlcht und iu oi;-'Ou uncich-bbaror. 
Ur.ivorcu::: ^///lot dir.vli ctch cVlc Spr^cho un:soro:j Bluto3 ci':isGic/.r-0'bo Kir Au^soiiccsto in oi-o i-ir.u.t^, 
clor r:c;^loi:^ic;iCu cihnoa den Raum dru^olu unccr x^.ur.rclcän^fiiOG f äll'i Giv!; ur^d Bodo — nichts izt x^orlcr-* 

* ... 

rc::o So roicivb für die Sülv/.o uicht dor IcorA^-oatioiiello Eauu — clor Flus C'US dor s^orbrooheno;^ Schal, 
bau'l; oicli oir.o Fccto iu ncuor Dimr.i3ic-io KicVt dort v;o jrr.dero IVoltcr. loiro fuc^ uns su mGisicrci- 
•oori;:non co»dor:i dor'is v;o uvxcr Tu;: und la'jscn neue- Iv-^lte;^ i;ol.ärcu Lunc«" 

rig rrÄiniitik Icolly Sacl^s' soi^t oivio ctarlco icndcris sur üicdorl;-lc'1:,u::f;; eoo iTiltoii nry-cii^clicii 

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findcu v/ir in ihren Drama "Abrrir::: r:ri/acho:n oc!cr Sohncuch^: cuc Durct"^ v/o:.J.*!; ich ;^otzt schli^scu.. 

• * - * 

willo I'ölly. Seuche cohroi'ji; darüber: • • 



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Grcchi^-'.c:;. i::. Echöclrci'i-Vorlu^j au3 dv^n' tticrGctsunfion «Jcuu: G-ot'ofricd Hord-^rc ' Jli.:i3cho Dic!:- 
"i;uv:.;:;cn'' /zuorsit 17S1 in Dcutcchlcind ^cirud:;:/ drirau:: Gootho schon "Goldhörnor :xiz C.on S^ciub so;*' 

• •• 

übor[;Cw.wOllt« Hohr bodurfto o:: für :tiich nidit und die Gocicl'.'bG fu^:ron :rir :d'*: v;ildcr.i G*lr.ns cnt-« 

C-cv/lß5 orion^ulorto ich mich über dl# Atn'jo::'ohär': d:?r Zoi<: in dnr Ch^ld ii.it chen und lal^ylonicohcn 
ric!;oUn^ ubor dcnu^ v/urdo ßusj;cv;icch'i; und dn£ innoro Cc^sicht bc:;;^nn su st'^i;;-;;^« Eio Gleichheit 
9.\xo f\i'St^uze'rAyc:i\Ti^Qni Abstand mit d<?u rr;ond;;csO';;;rncn Verfolgern d-^u Durct und Jaf^otriobj do-a 
rauchondcu Öfen fU: dio 0;^:fcr — Vv^roincoltc v;'-<.rn^-':i'5:, w-tlvATvCA dor Soh^^r vc.r ;:o übür/;:Hti:;;o*;?.d in 

X»*4k W^ Ci VJx u J.0<^ Xi.ivO X U UMkkrr^ ;^XC»., «^XXs^M hX9 TWJ** 4«*..Xw'*'*v M..« \.^.lt *-*'^l\a\^ {•Xtk'.rx^* J^'.« hv .iiU. o 



Zudem v,urdo auch in dor Form der V^-^r^uch i^%rx:;t dc\c uralto Kultthoator das mitist 



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dcrx öl«nin:;tr<rcn Gc;>f'jl;lc;n d#8 li^ns oh.cn Aus druch ::u v.^rloi!i.?n* c.uf:; Ileuo 2U crr/ochf-:« D-; 'M.o Brr::r-» 



- 13 - 



y^i^r dos Körpers ;;rii\;iz^:;',h;.f'v vor de;.: V/crt l)ü-i,\r.t .r^o v;ar vt^s r.crtürlicl:^ die C:,öro dor V/alinli^^sco 
ßc.ou in: Ziel: Zacl: - da Durct— Ja;ico!*ör.:' in oi;:or aufvclGstc:! '^ccrci^xro^^c: lil;i;^,oricc.. . s:un lloiid— 
rott C'lr: ziehen zu Ir.ccr^no Allo vorcuchcu cJ^r-C jchöimnisvollo Gcfansrnschaf^^ au durc*ibrcchcr.» 
Ilirm^oa der Jä(;;ürl:ciil^ v-^i^rköroort dca Jc.-widur;:-i für die ßchl;:fv/andlcri2 c; :*:D-:id'^c::o^-c'Äc:i Chörco 



D:iG. Suc'^ca nach «'Inoni "rahi;:ti»'r" hat bo::o;'cric:-: 



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Dor irdische Tlorlr.rcic, :iir:croC.z hVati^c Bc:i'':C|> ^:iO:;innt run. Hiinr.:-! -u •;lc::iso:i alc dor IE ja.r 
Abrö>aTa uuc der Totc:\höhlo -(-.ritt lii dio er ^ov;orf en v;r,ro Es wird z'^oichcan Blut rit dcri Stor^ic 
Ccv;och::elt. Solusuclit ciuc Darr.t ^clrorc:';, d^r oru-is'? r.rv:öcho;ido su oir.ora u::c;icl:'i::arc;i C-ot*!:» ^.U3 
nöa dor- Loi'o fiict zv^rroic^jc-.idcr- Ilolni^/ah v;ird or in tlto bildorlor.c?;-:. S-.härcr^ au'J E;ido '^-'G-ia-'to 

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Abrr.n i^t zur.: Todn u:^d zm:\ L-'^j.r.i [^otro.ffi'Ti von dor V^ar-do "G-o-bt"© " 

ras5 cir.d die '.-Vorfcc^ uiid Koini^rutaro c.^^t' Dicl^icrin« Sic cohen^ r^oino rQ.rxu und I-crrcv-: -ic^ "..-- 
ta'ijihftrn Kolly £t\cl.r-' .-5;iud uic!;t alltä2:lioho "2::; v/ird ::lelcl:5:cira Elu'b rAt dcc, Stv.rr.:r:i ro:.;oc>.col';i 



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cc^i;: Bild fclr di^/: Vorliältuls av;icicl:c;; '.biaCdvcniSt^olo uud Hinii.:^!. ic-j dccl; ulcl.'f; cinoiü joac:i co 



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schorb zu 5c.i:Krf'^::o IcL rnöcV.to^ l;evor ic>, c;c;;licDi:o# oino klol^o Stolle auc. der. Sd.luro dieser 

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Zu Aufi.Ag, <^^<^i'' Hs^-Jluui; -^^t ^i^ niJl^Lrrc^cIi oi^:o ^i^dcrütirvu^^o^ dio dc^ ilir::n:''^l zy:±olici<r,.r'^^ S-: 
v/ird es tlr.c ^2i;?:r.'*r£tirjnCj dio Stijr^rx etucc Br.-clc:^ dio i:och wcdior und deutlicher dioc^cs Sy-o*... 
roprä^Outi^rbo De..« .Cl-d hat r,ur ein paar V.'ort©, die inira'tjr v.lcdor rcfr:;.innc.3Gi^ sur^tc-:l:o::^ic-: 
"Dor Iwö-i^ der Goju^tou cinst"j> alr;o f^in ^y:.ti::chcr llir.\^niz vxif i^-^n kcn-c^ndcu A^raharv» X^ts !?rr 
kulr.:v;:loi*t ram ScMu;7s In einor. Eialo^ si;l::ohuii deu B;i£cl ur.d J^xo.;.^ 



Ich broch.o ;;ius de» ICödoÄ 
caz dcii Kutten 

•8.ü^ allci'k lüorci'o Fciuc-r;:> VJo;iO-;i 
"brochri ich a.uß 



doüu ich Ächiiö iLiLch so nach Dirl* 



10 - 



lu eiucn vorherrohoudon Bilde heut mn dou Vater uvid iie .Vut'O'^r A'^ratrjs auf uor Sucho uacl: d«m 
r>cha ^'oceher.a 3io wollon ihu liurüok i;i dio IIoir;j-Vv holo::, ius Bltoruhau:)« i^un sind sio v/ioCor i;a 



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r 1301:0 und r-ach doa /lucbruch Abram hört r.ui; wiedor dio nc:;ö;idor: ErGor.^.ctin::»:>vni hiutor dor 



Sltiuo: 






Ta l^äll'i dio -öttlicao öti::rn:) oiui: 

?i!:i!--:ol: Ooh su dou Hütto-ji A h r u n 



Ooh :.u do:^ Wios^u 









LaJG Groasstoi;:o um doiucr. Acl^cr cotzoii 

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icnn v;o dac üajs^MBleherto bo;ji;;;/;; 
liosiuut di^ Qual - 

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Du hact tach iui Grrabo jorufota "A1>raJ" 
Du UaM'b i^cL uit dcrii Blc^'l^t doi:.cr'l;odod:t 



wiUD »C»« w «^ujT'O 



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u;-:d doc>4 ai'iSCwÄohßou 
an moiv^ou Flolccl; 
\;i«;/ oi;: Plü^öl - . - . 
übereil lo2i:v/.-t du iu lidr 
ß^ric^coGt v/io Blätter 



Ciu Li^iner xic;ut3 
Ja-io Liich^ ja£;o mich 
durcl; dio Fouor dor »ior.no 



durch di® *odc-sflötc;i des 



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- 20 - 



Ich zorroisco cvllo rlorisor-tc 
Donu icVi sehno mich go nach Dir! 



A b r n u # Butdockor 
vom storyicütkooono:: Orfc^ 



in Blindheit hio''jcri(\ov 



Kir.tor allor. IIöiirj:,tnc*:clii 
hftct clu dio Eoinnt so^uuclc::» 



A b r a ni # I^r.vÄohtcrj 



Krctllnc; i;: der Kacht^vaiadlorcckcir 
auf don VJcje - 



Ibino raniGu und Ilorrcij ica haoo i;:i Ar.fa::- von der Stur^r^.oit ;;o^2-roc;u.:.^ vo;i dor Stuii^ioit 

dio 3ov;o:il dtui Loid s:.lc ciuc!: dio Froudo voranlafjcon >c\uno Vo;: civ:or rc!;;::^rc..sl.:;i S;,u:^*c)i"L ul)cr;> 

€ivior rtuinriaoi^ auL dor C-osan;; und Lied üprichtj o': fro!:, oIj ^/eh^^Üti;:, ob 3oh>n>r2!'^ft ciurc!:dri-:- 

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cnd^ 02 ict imr.':^r das Gebäroa oir.o;^ Erlobuiscoc* 'ilo.^ vir noc';. ciut der Ila-^d dic;:<ii'r ricI^'Lcrii; su 
ijr.vj^Lrtc;: haboii* lic:,*!; in dem Scl^vj-oic^n dor Zukur.rt vcrbors;o;\. 7^s z\x crrct^:: i^-'^ ur.Li^^iicU Ca 
vir aber dio ur.orhörto joicti^e 3crv7C^licV.-<:(?^l':;. dic-ceii cinai^artix«*::: I'c;:cchcv. kf::v::.o.i^ sind vir 
Üborccut:;^! <-^-- llollj' Sachs auch der; Rost dc-r iV.r f:u::or:cccöncr. Zc;it r.it ^cr^ialcr. dichtoricchoa 
Loittiur.i^ci; au:3i^Lillon ivird« 



liollvü oac'.iS Produl-ctio; 




«.ufbßu Vorlof:, B--^rllr., ISA?» G^I.c.^^tc^ax:.^ 



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yo^/lVoll9 und QTOTit^ Aufbau Vorlag^^ Eorlii:» 1247c ^inc Anthologie Qohvrocicchor Poo-io 
c!oG s\v:^-i5ri;^otCi! cJul^rUiiuclcrtc l;:i Üvcrco'oriuu::^ vou J^olly See!:::© 




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Series VII: Photos, 1940, 1966. 

1 folder 

Scope and Content: 

This series holds a few duplicates of photos. Most photos in this collection have been removed to 
the photo collection. The duplicates found here include photos of Nelly Sachs and of her meeting 
King Gustaf Adolf of Sweden. 

Box Folder Title Date 

2 8 Duplicates 1940, 1966 



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Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 1965 

Nel ly Sachs 



Foto : Riwkin, Stockholm 



Abdruck honorarfrei. 



Bei Abdruck bitte Belege an die Pressestelle des Börsenvereins des 
Deutschen Buchhandels e. V.. 8 Frankfurt am Main. Postfach 3814 















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I0.n Hall of Stockholm, Decemier 10,1966 



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Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 1965 



Nelly Sachs 



Foto: Riwkln, Stockholm 



Abdruck honorarfrei. 



Bei Abdruck bitte Belege an die Pressestelle des Börsenverplns des 
DeutscJien Buchhandels e. V., 6 P'rankfurt am Main, Postfach 3914 




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All pictures in this display case were obtained 

through the courtesy of the Swedish Information Service, 

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129 GAST -vci STRVllT ^. LvfnrvoiTK. N'EW YORK 10021 



TEL: (212) -.1-6 lOd 




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FAX: (212) 988-1305 



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SI3::aTV.-E O? -P.E?7iRER: 



Series VIII: Addenda, 1966-1980, 1988, 1992. 

This series is in German. 
3 folders 

Scope and Content: 

Addenda consists of various items added to the collection. The first folder holds a broadcast 
address concerning the Nobel Prize given to Nelly Sachs in 1966 as well as Information on 
theater pieces about Nelly Sachs. This series also contains documents pertaining to an 
International Interdisciplinary Symposiunn on Nelly Sachs and photos of a Performance of Eli bv 
a school in Berlin. ^ 

Title Date 

Addenda - Broadcast Address and Theater Pieces 1966-1980 

Addenda - International Interdisciplinary 1992 

Symposium 

Addenda - ''Eli" Performance by Rudolf-Steiner- 
Schule in Berlin - Photos 



Box 
2 

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Folder 
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10 

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Broadcast address 20. IC, 1966 



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This year's Nobel prize for literature has been awardsd to two 
outstanding Jewish authors , each of whorri represents Israelis 
message to our time - Samuel Agnon and Kelly Sachs ; the forner 's 
home is in Jerusalem and the latter has been livfng in Sv/eden 
since 1940 as an emigrant and is now a Swed5sh subject. The pur- 
pose of combining thcse two prizev/inners is to do justice to the 
individual achievements of each, and the sharing of the prize has 
its special justif ication: to honour two writers who, althougli 
they write in different languages , are unitcd in a spiritual 
kinship and, so to speak, complement each othcr in a splendid 
striving to prcsent the cultural heritage of the Jev/ish pcople 
by the written word and from a coirinon source of inspirationj which» 
in them has proved to be a vital power. 

Samuel Agnon's rcputation as the foremost writer in modern 
Hebrcw literature has gradually pcnetrated lingnistic barriers 
which in this case are particularly obstructive. His most inpor- 
tant works are now available in othcr languages, and there is 
even a selection of his Short stories available in Swedish vrith 
the title I havets mitt (»'In the Middle of the Sea"). Agnon, nov 
78 years old, began writinq in Yiddish but scon chanqed to Kebrew, 
which according to experts ho handles with absolute mastery, in 
a taut and sonorous prosc style of cxtraordinary cxprcssivcner.s. 
He was only twenty when he Icft his native tov/n in Hast Galicia- 
where ha had receivcd a learned upbr inging as the scion of an 
old and respected family. He feit drawn to Palestine, v;hcrc now, 
as an aged classical author, he can look back on the long strugg.- 
le for national re-establish^nent and where the so-callcd cultural 
Zionism owns in him one of its fincst productivc Champions* 



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Agnon's unique quality as a writcr is Chief ly apparcnt in the 
great novcl cycle from bis nativc town of Buczacz, once a flouri- 
shing centre of Jewish piety and rabbinical learning, now in ruins. 
Reality and legend stand side by sidc in bis narrative art. "Tbc 
Bridal Canopy*' is the namc of one of bis most charactcristic sto- 
ries, in its ingenious and earthy humour a Jewish counterpart to 
''Don Quixote** and *'Tyl Eulenspiegel". But perhaps hiS grcatest 
achievement is bis novcl ^A gueBt for the -night** , which teils of 
a Visit to the war-ruinod city of bis childhood, Buczacz, and the 
Storyteller 's vain attcmpts to asscmble tbe congregation to a Ser- 
vice in the synagogue* Witbin the framework of a local cbronicle 
we sce a wonderful perspective of destinics and figurcs, of ex- 
perience and meditation. Agnen is a realist, but there is always 
a mystical admixture which lends to even the greyest and griminest 
scenes a golden outline of stränge fairytale poetry, oftcn rcminis- 
cent of Cbagall's motifs from the world of tbe Old Testanent, He 
Stands out as a deeply original writer, endowcd with rcmarkable 
gifts of humour and wisdom and with a perspicacious play of thought 
cornbined with naive perception; in all, a consummate expression of 
the Jewish charactor. 

Nelly Sachs, like so many otbcr Gerraan-Jewish writers, had to 
suffer the fate of cxile, Througb Swedish intervention she was 
saved from persecution and the tbreat of deportation and brought 
to this country» Driven by the storm, she has since then v/orkod in 
peace as a refugee on Swedish seil, attaining the maturity and 
authority that are now confirmed by the Nobel prize. Of recent 
ycars she has been acclaimed in the Gerraan world as a wr5tcr of 
convincing wortb and burning sincerity. With noving intensity of 



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feeling she has given voice to thc Jewish race's world-wide tra- 
gedy, which she has expressed in lyrical laments of a painful 
bcauty and in dramatic legonds whose synbolic language corabines 
roodernistic daring of inspiration with echoes of ancient biblical 
poctry, She has identificd hcrself utterly with the faith and 
ritual mysticism of her people in order to create out of thera a 
World of imagery which docs not shun the terrible truth, that of 
the cxtermination camps and thc corpse factories, but at thc same 
time rises above all hatrcd of the pcrsecutors, nerely revealing 
a genuine sorrow at man 's debascment. Let it suffice here to men- 
tion the mystery play ''Eli'', thc 8-year-old boy who is beaten to 
death by a German soldier in Poland whcn hc blows on his shephcrd's 

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pipe to call on heavcn's hclp whcn his parcnts are taken away. The 
visionary cobbler Mikacl managcs to tracc thc culprit in the next 
village; the soldier has bccn scizcd by reinorse and, at the en- 
counter in the forest, collapscs without Mikael's having to raisc 
his hand against him. This end denotcs a divine justice which has . 
nothing to do with earthly retribution. 

Nelly Sachs 's writing has bccome thc most intensc artistic 



exprcssion of the Jewish spirit s rcaction to suffering in cur 

time, and from that vicwpoint too can indeed be said to fulfil 

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thc humane purpose underlying Alfred Nobel 's will. 



Anders Östcrling 



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The Swedish Academy^s citation : 

Samu&l JosGph Agnon ; For his profoundly characteristic narrative 

art with motifs from the lifc of thc Jewish 
people. 



Nell y Sachs : 



For her outstanding lyrical and dramatic 
writing, which interprets Israelis destiny 



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ear Dr« Fred Grubel: 








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2b4 Washington Park 
Brooklyn, N.Y. 11205 

telephone 212 838-1286 

December 21, 1979 



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You are cordially invited to a pftrforinMfce of THE RAVINE, 
a theatre place based on the life and work o£ the late 
German Jewlsh Nobel laureate, Nelly Sachs, to be glven 
at 3 P.M. Sunday aftemoon, January 13, at The Brotherhood 
Synagogue, 28 Graxnmercy Park South, In Manhattan« 



THE RAVINE Is an hour long drama rltual based on 16 of the 
poems of Nelly Sachs, telling the story of the poet's life 
(she gained entry to Sweden from Nazi Germany in 1940) and 
relating the historical experience of the Holocaust to 
Human Rights in the world today. The authors and per formers 
are the husband and wife team, Irene LeHerissier and 
Arthur Bergida Binder. The music in the piece, which 
employs flute and drum, voice, trumpets and bell, has been 
composed by A.B. Binder, who in the last ten years has 
written 79 songs to poetry of Nelly Sachs» 



LeHerissier and Binder have given THE RAVINE since April 
1977 at more than a dozen universities, including Yale, 
Brandeis, McGill; and most recently a greatly revised version 
was given at The Festival for New Theatre at SUOT/Stony Brook. 

LeHerissier and Binder have developed also a shorter 
memorial piece, MY CHILDREN, based on 9 poems of Nelly 
Sachs with music and with pantomime. MY CHILDREN was 
first given at Temple B«nai Abraham in Livingston, N.J. 
as part of a creative Sabbath evening Service, and the 
very same was given for an audience of 12-14 year olds at 
Cedar Lake Camp, llilford, Pa., along with a Workshop on the 
milieu and life and work of Nelly Sachs. .^--- 



LeHerissier and Binder hope to bring the force and the 
important perception and poetry of Nelly Sachs organically 
into the life of the Community, by means of these works that 
they have already formulated, and by means of new works 
that they are planning. 



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THE 



RAVINE 



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ritual based on the 



Nobel Prize poetry of NELLY SACHS 




by IRENE LEHEPwISSIES & ARTHUR BINDER 
directed by MURRAY LEVY/VALERIE KNIGHT 

"quietly impassioned coramittment" 



music: A. B. Binder 



ARTHUR SAINER/VILIAGE VOICE 



"I congratulate you on the songs... certainly füll of 

the extraordinary passion of the poems" — ' jan DE GAETANI - mezzo soprano 



SUN., 



JAN. 13, 



3 PM 



THE 



BROTHERHOOD SYNAGOGUE 



28 GnAI2:ERCY PAUK SCUTE, K.Y.C. 
SUGGESTED DONATION, $3 



THE RAVINE 



a dramatlc meditation — based on the poetry of NELLY SACHS 
wich original music composed by Arthur Bergida Binder — 



Witten and perfomed by Irene LeHerissier and Arthur Binder . 
directed by Murray Levy /Valerie Kaight. 

ki.XA.XXkXXAkii 

In 1966 Nelly Sachs shared the Nobel Prize for Literature with 
the Israeli novelist, S.Y. Agnon. Nelly Sachs was a Germaa Jew 
who escaped the Naais to Sweden in the Spring of 19A0. She was 
49 years old at that time. Living in Stockholm with her mother 
in a small, two roon apartment, Nelly Sachs leamed Swedlsh ~ 
eventually she became well known and won prlzes for her translations 
of modern Swedish poetry into German. But from her first daya 
of exLle, she began to write poetry out of her own anguish of 
the Holocaust. Until her death in 1970 she never departed from 
this terrible, Signal themej and yet her poetry is aarked by a 
special quality of illuacLnation. She bequeathed her es täte 
to UNICEF "for the orphans of the world", 

M ' äXAkAJ t 



About the authors/perforaers: Irene LeHerissier worked for 
four years with Peter Schximann's BREAD AND PUPPET THEATER, 
induding two European tours. She has a B.A. in Anthropology, 
Magna Cum Laude, from Fairleigh Dickinson University. Arthur 
Bergida Binder studied with the flutist Samuel Baron, and at 
the Yale School of Music. He has wricten 79 songs to poetry 
of Nelly Sachs, and works as a New York State Poet-in-the-Schools 

Murray Levy worked with the FSEE S0UTHE2N THEATER, with the 
BREAD AND PUPPET THEATER, and for the past five years has 
worked in West Germany with the director George Tabori, 

Valerie Knight has acted for five years with Marketa Kimbrell's 
NEW YORK STREET THEATER CARAVAN. She plays the lead in the 

production, MOLLY M&GUI2E, to tour Europe in the Spring. 



For further Information, call 212 858-1286. 



Wednesday, August 29, 1979 



The Three VilJage Herald 



STONY BRnOK, N.Y. 



Experimental theatre a huge success 



byLou Roller 

First there was the long harren 
Summer, during which not a 
Single theater Company produced 
not a Single event. One wonders 
to what the Three Village area 
ascribed its pride in cultural 
abundance. Then, like an 
avalanche, there cai|ie the Stony 
Brook University's New Theater 
Weekend 1979, staged last Friday 
through Sunday in assorted halls 
of the Surge B complex on the 
Campus. 

It was a well planned and 
incredibly exciting festival of 
almost mammoth proportions, 
produced jointly by the 
Welldiggers Experimental 
Tlieater Company, the Fine Arts 
Center and the Department of 
TTieaters Arts, all under the 
direction of the University's Bill 
Bruehl, and co- produced by Art 
Kempf and Beruria Stroke. And it 
brought seven exciting 
experimental theater production 
into a chain of three days of 
repeat Performances, 

interspersed with a variety of 
related events, such as music, 
Workshops and panel 

discussions. 

This quasi-ma rathon 

undertaking would have filled the 
Summer had it been spread out 
over several weeks. As it was 
scheduled, it overwhelmed the 
Weekend, and the senses of all 
those present. But most of those 
present, even while the 
Community was certainly 
invited, were all the familiär 
faces from the thea.trical groups 
around the area. And there lies 
the Problem with what is called 
experimental theater. It's as if it 
scares the public at large. 

The losers are, of course, those 
who di dn't como.The v arietv of 

^the 
fperimentar* umbreUa 
bound to please practically evei 
taste. There was "The Ravine," a 
dio-recital of narralions, poetry 
readings and song based on the 
writings of Nobel Laureate Nelly 
Sachs. The husband and wife 
team of Arthur Binder and Irene 
LeHerissier invented and 
superbly delivered a powerful 
series of theatrical devices which 
shocked the viewers' sensibilities 
even beyond the potent poems, 
many of which described the 
holocaust in absolutely 
unforgettable terms. 



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A weird exercise conceived by 
Stephanie Doba, Ruth Hardinger 
and Stephanie Skura, consiting of 
moving, molding, wrapping and 
throwing two large canvas hoods 



big enough to contain five people, 
thereby devising shapes and 
forms of both abstract and 
concreto natures, some of which 
were easily recognized and 
others providing assorted 
meanings to different beholders. 

There was the brilliant young 
actor Peter Rose, delivering a 
solo redtal titled *'The Circular 
Heavens 5,'* meaning that this 
was the fif th version on the same 
theme. With hardly a spoken 
Word, Rose presented^a series of 
very common pictures, starting 
with a man sweeping the stage, 
setting props, then having a 
ieisurely lunch in a rowboat, and 
going from there to a long list of 
surreal demonstrations of 
everyday acüvities that involved 
more props, more eating, and 
constant changes of costume.The 
whole mime finally ended with 
sweepmg tne stage again and 
packing up, as if saying from dust 
you came and to dust you return, 
sustaining yourself in between by 
trying to do your osvn thing. 

Most importantly, there was 
*'Making Peace," a two act play 
of giant proportions, written by 
Karen Malpede and presented by 
the New Cycle Theater, in which 
a large and compentent cast 
described three ghostly figures 
looking down on a world 
religious, sexual, racial and 
intellectual conflicts. The lovely 
happy Unding presents the truth 
of the title, and projects that 
individualand collective freedom 
will more than serve its own 
purposes. 

Steve Ben Isreal provided his 
stand-up monoloque dealing with 
minor and major political 

concepts that Surround us and 
that we tend to take in stride until 
someone points out how 
important or ridiculous they are. 
He does this in a very funny way, 
like a nightclub comedian, 
unfortunately reducing the 

impact of his powerful material 
»y frequent losses of 
►ncentration. 

And from Cambridge came 
ank Licatoportraying Nicolai 
►gors '^Diary of a Madman," 
iginally scheduled for two 
rformances, but unfortunately 
ncelling the one this reviewer 
itended to cover. 
Plans are naturally, to make 
is an annual event. and from 
le perspective of all those pres- 
ent, it has been long overdue. If 
the immense task of Staging such 
a festival doesn't do the hard- 

working sUff in, the future of 

* 

experimental theater in this area 
will become less esoteric. 



SATURDAY, JUNE 17, 1978 



THE TIMES ARGUS, BARRE-MONTPELIER, VT. 



'Prisoners OfConscience^ 



Takes To Stage 



ByKATEWINSLOW 

A grim remembrance of the past 
pertinent to both present and 
future will be brought to Mont- 
pelier Saturday night, when Irene 
LeHerissier and Arthur Bergida 
Binder dramatize the life and 
words of German writer Nelly 
Sachs. 

The two New York City artists 
seek to recall the Nazi holocaust of 
the Jewish people in their Per- 
formance. The three-part 
dramatization also attempts to 
teach and remind audiences that 
people are still being killed, tor- 
tured and imprisoned for their 
beliefs, color, ethnic origin or 
religious beliefs in the modern-day 
World. 

The dramatization, "Nelly 
Sachs on Prisoners of Con- 
science," was written, directed 
and is performed by LeHerissier 
and Binder. The music was 
composed by Binder. 

The musical play has been 
performed by the couple during 
the past year in various Colleges, 
universities and towns around the 
Northeast. 

LeHerissier, an actor who 
worked with Vermont's ßread & 
Puppet Theater for four years, 
described Nelly Sachs as a Jewish 
poet who fled Germany with her 
mother in 1940, wrote continually 
thereafter about the horrors of the 
holocaust and is little known in the 
United States. 

Sachs won a Nobel Peace Prize 
for literature in 1966 and continued 
writing in her adopted home of 
Sweden until her death in 1970. 

LeHerissier said she and her 
husband, Binder, chose Sachs as 
the central focus of their work 
because "sometimes one person's 
Story teils the story of many 
Ilves.^ ^ 



Sachs' poetry inspired Binder to 
compose 76 pieces, 16 of which are 
used in their dramatization. 

LeHerissier described Sachs' 
writing as being füll of "rieh, 
mystlcalinsights." 

She said Sachs "writes truly 
about an abyss, but there is always 
a saving quality in her work." 

Binder, who has been working on 
the music for 10 years, said Sachs 
has a '^prophetic style, but she 
doesn't use words symbolically. 
When she says mountain, she 
means mountain. 

"She was dedicated to looking at 
the European, Jewish, Western 
tragedy, despite what it cost her," 
he said. 

Binder described his com- 
positions, inspired by her words, 
as "raw, strong music." 

The play is divided into three 
sections, LeHerissier said Friday 
on a Middlesex mountaintop, 
where the two were rehearsing. 

It includes a biography of Sachs 
and also depicts present-day 
horrors. 

Interweaving all scenes and 
sections of the 70-minute 
dramatization are selections of 
Sachs' poems. 

Binder said the props are 
minimal, because **the con- 
centration camps didn't have 
much." He said everything they 
use in their play can fit in or on top 
of a Volkswagen bug. 

The majority of the musical 
Instruments used throughout the 
dramatization are handmade by 
the two artists, as are the props. 




New York University 

School of Continuing Education and Extension Services 
General Sludies Program 

228 Shimkin Hall 
Washington Square 
New York, N.Y. 10003 
Telephone: (212)598-2395 



April 9, 1978 



TO WHOM IT I-AY CONCERN 



On March 30, 1978 i had the privilege to witness a very moving 
Performance at Columbia university, entitled Kelly Sachs , a meditation 
on a lifo . The authors and performers wore Arthur Binder and his 
vife Irene LeHerissier. As i was a friend of Nelly Sachs for 30 
years l was anxious to hear this commemoration, but at the same 
time very sensitive and afraid of anything that might have been 
out of tune with the spirit of Nelly Sachs* character and poetry. 
But the Performance, centered on the poem "O my children", was 
done with such sincerity, simplicity, and reverence - the reading, 
the flute and percussion, the gestures - that the performers had 
me in tears. The dignity and humanity of the presentation came to 
a climax when the words of poetry, toward the end, were heard 
in the original German. A friend who does not know the language 
experienced the samo: the great verse were uttered in such a way 
that their ritual of mourning, their exhortation to the living, 
their cosmic incantation were communicated even to those in the 
audience without German, Kelly would have approved of it. 



yCi/ta. ^' L^cU^u-ou^ou. 



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^itd tliG Comp^im6nt2 oj . . . 



SWEDISH 
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NELLY SACHS 

Internationales interdisziplinäres Symposion 

2. - 4. Oktober 1992, Stuttgart-Hohenheim, Tagungshaus der 
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart 

Tagungsbericht 



Nelly Sachs, geboren am 1Ü. Dezember 1891 in Berlin, ge- 
storben am 12. Mai 1970 in Stockholm und dort begraben auf dem 
Jüdischen Friedhof, gehört zu den bedeutenden Autoren der Mo- 
derne in Lyrik und Drama. Gemeinsam mit dem ihr auch eng ver- 
bundenen, im selben Jahr in Paris verstorbenen Lyriker Paul 
Celan, steht ihr Name für ein singuläres und unverwechselbares 
Profil deutschsprachiger Dichtung der Nachkriegszeit. Und bei- 
de Autoren gehören zu den letzten bedeutenden Stimmen jüdischer 
Herkunft in deutscher Sprache aus dieser Generation. 

Person und Werk haben zahlreiche, bedeutende Auszeichnungen 
erfahren: 1957 wurde Nelly Sachs Mitglied der Deutschen Akademie 
für Sprache und Dichtung in Darmstadt; 1958 erhielt sie, als er- 
ster Preisträger, den Lyrik-Preis des Schwedischen Schriftstel- 
lerverbandes; es folgten 1959 der Literaturpreis des Kulturkrei- 
ses im Bundesverband der Deutschen Industrie; 1960 der Meersburger 
Droste-Preis für Dichterinnen; 1961 die Mitgliedschaft in der 
Hamburger Freien Akademie der Künste. Im gleichen Jahr stiftete 
die Stadt Dortmund einen Nelly Sachs-Preis , dessen erste Preis- 
trägerin die Namensgeberin wurde. 196 3 folgt die Mitgliedschaft 
in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; 196 5 der Friedens- 
preis des Deutschen Buchhandels; schließlich, 1966, als Höhepunkt, 
der Nobelpreis für Literatur (gemeinsam mit Samuel Josef Agnon) 
und, 1967, die Ehrenbürgerschaft ihrer Heimatstadt Berlin. 1961, 
zum Siebzigsten und 1966, zum 75. Geburtstag, erschienen zwei re- 
spektable Festschriften gleichen Titels im renommierten Suhrkamp- 
Verlag, gefolgt von einem ähnlich gearteten Band 'Das Buch der 
Nelly Sachs' 1968 (Neuauflagen 1977 und 1991). Bis zum Jahr 1967 
ist ein großer Teil des Werkes in sämtlichen skandinavischen, den 
wichtigsten westeuropäischen Sprachen sowie in Hebräisch und Ame- 
rikanisch erschienen. Die deutschen Originale der Werke erschei- 
nen seit 1961 in zum Teil durchaus auf Repräsentativität abstel- 
lenden Ausgaben. 

Was auf den ersten Blick wie ein besonderer Glücksfall er- 
scheint, erwies sich für die nachfolgende Rezeption rasch als 
Hanidikap. Nach bedeutenden ersten Impulsen einer Nelly Sachs- 
Forschung im skandinavischen Raum sowie einer Reihe wichtiger 



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größerer Untersuchungen in den 60er und anfangs der 70er Jah- 
re in Deutschland, erscheint die v;issenschaf tliche Beschäfti- 
gung mit dem Werk der Dichterin gesamthaft nach wie vor eher 
spärlich. Die mit der RegelmäßigKeit der Jahreszeiten und An- 
lässe sich getreulich wiederholenden Feuilletons vermochten 
diesbezüglich keine Abhilfe zu schaffen. In den letzten Jahren 
haben die editorischen und biographischen Forschungen von Ruth 
Dinesen einige Lücken schließen helfen. Ähnliches gilt bereits 
von den vorausgegangenen Arbeiten Erhard Bahrs. Doch hatte die- 
ser noch in seinem 'Autorenbuch' von 1980 unvermindert Anlaß ge- 
sehen, von einem "seit den 70er Jahren einsetzenden Prozeß der 
Verdrängung" des Werkes zu sprechen, der zum Teil "zu einer To- 
talamnesie" geführt habe. Im übrigen gilt diese Feststellung, die 
aufgrund einer Reihe von seither erschienenen Arbeiten wohl etwas 
zu mildern wäre, nicht nur für die literaturwissenschaftliche Aus- 
einandersetzung mit dem Werk. Vielmehr erscheint sie charakte- 
ristisch für dessen Wirkungsgeschichte im ganzen und berührt 
selbst noch die Frage der Präsenz des Namens, vom Biographischen 
ganz zu schweigen. Trotz der skizzierten, beachtlichen Aufmerksam- 
keit, die Werk und Dichterin in der Anfangszeit ihres Bekanntwer- 
dens gezollt worden war, kann von breiterer, gar dauerhafter 
Wirkung und Präsenz schwerlich gesprochen werden. Einzig in Be- 
zug auf die Biographie ist inzwischen durch die große Arbeit von 
Ruth Dinesen aus dem Jahre 1991 ein maßgebliches Fundament gelegt 
worden. 

So gesehen erscheint es durchaus an der Zeit, durch neue An- 
sätze und Fragestellungen, auch durch Erweiterung des Blickfeldes 
und schließlich durch Rekapitulation des Standes der Forschung 
Impulse dafür zu geben, daß zumal die Literaturwissenschaf t^aber 
nicht nur sie, sich dieses ebenso reichen wie bedeutenden und viel' 
schichtigen Werkes in neuer und adäquater Weise versichert .Der Ver 
such seiner Aneignung aus der Perspektive unterschiedlicher Diszi- 
plinen mag dafür vielleicht gleichfalls hilfreich sein. Womöglich 
kann so der Reichtum, die Spannbreite und die Bedeutung dieses 
Werkes auch neuen Leserschichten aufgeschlossen werden. Dafür hat 
das Hohenheimer Nelly Sachs-Symposion 1992 unter der wissenschaft- 
lichen Leitung von Michael Kessler und Jürgen Wertheimer An- 
stöße zu geben versucht. 

Es ist schwerlich zu verschweigen, daß Anlaß und Thematik 
eines großen Teils der Dichtungen der Nelly Sachs und die von ihr 



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repräsentierte und praktizierte Weise des Umgangs mit Sprache 
und Geschichte durch die jüngsten Entwicklungen in unserem Land 
in bestürzender Weise an Aktualität gewonnen haben. Denn wieder 
brennen in Deutschland Häuser und Menschen. Die Erinnerung an das 
Scheitern einer ersten deutschen Republik und Demokratie und an 
alles, was diesem folgte, drängt fast unwillkürlich sich auf. Al- 
brecht Schöne hat vor Jahren in seiner Rede zur 'Göttinger Bücher- 
verbrennung 1933', über den historischen Anlaß hinaus, die Linie in 
die Gegenwart gezogen, noch ehe erahn-, gar erkennbar war, was heu- 
te geschieht . "Anzunehmen, daß wir heute Lebenden insgesamt anders 
uns verhalten hätten als die früheren, unter den gleichen Einflüs- 
sen, mit den gleichen Erfahrungen, gibt es keinen zureichenden 
Grund". Er sollte recht behalten. Hans Mayer, in seiner Jerusalemer 
Rede über 'Das Gedächtnis und die Geschichte', sprach, als stünde 
ihm das Heute des Jahres 1992 vor Augen. "Da nichts geklärt oder 
gar gelöst wurde, ist alles noch und wieder da. Weil auch der 
Wohlstand nicht mehr selbstverständlich erscheint, entdecken Men- 
schen meiner Generation plötzlich wieder die allzu vertrauten Ver- 
haltensformen und Denunziationen von einst. Man erfindet sich neue 
Juden, auch wenn es nicht mehr Juden sein müssen. Noch gibt es, vom 
Grundgesetz und vom Rechtsstaat her, starke Gegenkräfte. Allein, die 
wohlmeinende Beteuerung 'Bonn ist nicht Weimar' muß begründet und 
verteidigt werden". Das war 1983. Heute, zehn Jahre später, er- 
scheint dies als eine Warnung, der nachzukommen man sich beeilen 
muß, wenn es nicht zu spät, einmal wieder zu spät sein soll. "Wenn 
die Propheten einbrächen durch die Türen der Nacht" , heißt es in 
einem berühmten Gedicht der Nelly Sachs, "mit ihren Worten Wunden 
reißend in die Felder der Gewohnheit ... und ein Ohr wie eine Hei- 
mat suchten. . .würdest du hören?" Nicht vieles spricht dafür, nach 
wie vor. Eben aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit dem Werk 
der Dichterin und mit dem Zeugnis ihres Lebens ein Gebot der 
Stunde. 



• • • • • 



Der Beschäftigung mit Werk und Leben der Dichterin zuge- 
wandt waren die verschiedenen Beiträge zum Hohenheimer Symposion. 
Gesamthaft stehen sie, in der Variabilität der Zugänge und In- 
teressenlagen, für dessen Vielschichtigkeit und geben Zeugnis 
von seiner Aktualität und Bedeutung. Einige Beiträge konnten 



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in Hohenheim selbst nicht vorgetragen werden. Sie waren jedoch 
dafür bestimmt und standen, zum Teil als fertiger Text, zum Teil 
noch in Form eines Summary, bereits zur Verfügung und werden da- 
her Eingang in die Dokumentation finden. In leicht modifizierter 
Form gegenüber dem seinerzeitigen Programm lassen sich gesamthaft 
vier Sektionen benennen: 1 . Poetologische Grundlagen ,Metaphorik , 
Sprache; 2 .Analysen, Interpretationen , Kontexte; 3 .Jüdische , reli- 
giös-mystische , theologische Motive ; 4 .Biographie , Wirkungsgeschich 
te ,Forschungsstand , Bibliographie . 



• • * *• 



Dem ersten Themenkomplex Poetologische Grundlagen ,Metaphorik , 
Sprache sind insgesamt fünf Beiträge zuzuordnen. Erhard Bahr (Los 
Angeles) , der in Hohenheim nicht vortragen konnte , seinen Text aber 
rechtzeitig übersandt hatte, untersucht in Weiterführung einer be- 
reits in seinem Nelly Sachs-Buch von 1980 angestellten Überlegung 
die Frage der Grenzen der poetischen Metapher , und zwar sowohl in 
künstlerischer , also dichterischer , als auch in ethischer Perspektive. 
Am Beispiel eines gegen das Sträuben der Dichterin auf Drängen des 
Herausgebers in die Gesammelten Gedichte aufgenommenen Textes wird 
die Problematizität des darin Verwendung findenden poetischen Bildes 
(Schmetterlingsmetapher) analysiert und als Sentimentalisierung bzw. 
als Vorgang der Dehumanisation charakterisiert .Der Vergleich zu 
einem späteren, autorisierten Gedicht, in dem bewußt auf den Gebrauch 
der nämlichen Metapher im vergleichbaren Kontext verzichtet wird, zeigt, 
daß die Dichterin ein ausgeprägtes Sensorium für die Ambivalenz die- 
ses Sprachgebrauchs entwickelt hat. Dabei verdeutlicht sich, daß die 
Gültigkeit der poetischen Metapher nicht abhängig ist vom Verzicht 
auf historische und/oder situative Referenz und auch nicht von der 
Preisgabe der Spannung zwischen Referenz und Imagination, sondern 
zu bemessen ist an der Authentizität der Bilder. 

Paul Hoffmann (Tübingen) untersucht , durchaus im Zusammenhang 
mit den hier aufgeworfenen Fragen, das Pathos der Nelly Sachs . Drei 
bewirkende Zusammenhänge des dichterischen Pathos - Ergriffenheit 
durch die Erhabenheit des Kosmischen , Erschütterung durch Leid und 
Leiden, Ursprungserinnern des dichterischen Wortes - werden im 
Kontext der Lyrik, mit Seitenblicken auf Zeit-und Schicksalsgenossen 
(Mombert ,Wolf skehl , Celan) , präzise herausgearbeitet .Charakteristisch 
für das Pathos der Nelly Sachs erscheint einmal die Verbindung von 



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kosmischer Ich-Ausweitung, individueller und kollektiver Leid- 
Erfahrung und 'Ausbruch aus dem Privaten'. Ihr Pathos entbehrt 
im bewußten Verzicht des Gestus der Verkündigung ,v;ird gebrochen 
durch den prüfenden Gang der Reflexion , auch der Reflexion der 
Sprache/die das Pathos des schöpferischen Wortes modifiziert 
und präzisiert durch Verknappung. Losgelöst von einer 'vergif- 
teten' Sprachrealität verfügt die Dichterin gleichwohl über kei- 
ne andere als ihre Sprache: Die Dichtung der Nelly Sachs /authenti- 
scher Ausdruck jüdischen Schicksals und mystischen Ursprungge- 
denkens / spricht deutsch . 

Das poetische Verfahren bei Nelly Sachs und Paul Celan ist 
Thema eines perspektivenreichen Beitrags von Michael Krämer (Stutt- 
gart) . Insbesondere im Hinblick auf das Spätwerk beider Autoren 
werden wachsende Berührungspunkte und wechselseitige Bezugnahmen 
deutlich gemacht^die ja bekanntlich auch biographisch belegbar 
sind. Insgesamt wird für Nelly Sachs ein höheres Maß an Konno- 
tativität beobachtet /Worauf wohl auch der Vorwurf einer größeren 
Konventionalität ihrer poetischen Sprache zurückzuführen sein wird 
und wohlmeinender auch die Unterstellung, ihr Dichten sei 'verstand' 
lieber' und womöglich 'tröstlicher' als das Paul Celans /das auf- 
grund artikulierter Präsenz profunder Sprachskepsis für hermeti- 
scher und kryptischer gehalten und dadurch als 'moderner' einge- 
schätzt wer de. Gemeinsam ist beiden Autoren die Intention, Verlore- 
nes nicht auf immer verloren zu geben und die Insistenz auf der 
Prüfung von Versöhnungspotentialen des Wortes einerseits , dem Ma- 
nifestwerdenlassen der Hoffnungslosigkeit solchen Vorhabens an- 
dererseits. 

Birgit R. Erdle (München) untersucht in ihrem Beitrag über 
den Zusammenhang von Sprache , Gewalt und Alter ität die lebensge- 
schichtlichen und poetischen Bedingungen des Sprechens der Nelly 
Sachs im Kontext des insbesondere durch Emmanuel Levinas entwickel- 
ten Denkens der Alterität und arbeitet hinsichtlich der poetischen 
Struktur, insbesondere der frühen und mittleren Gedichte, Elemente 
einer Poetologie der Stratif ikation heraus, die mit Beispielen be- 
legt wird. 

Das dialogische Prinzip bei Nelly Sachs ist Gegenstand der 
Untersuchung im Beitrag Jürgen Wertheimers (Tübingen) .Genauerhin 
handelt es sich um den Versuch einer chronologischen Poetologie 
des dialogischen Sprechens in der Lyrik der Nelly Sachs. Dabei 
sind im Großen drei Phasen auszumachen: Unmittelbar nach der 



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Shoah erfolgt eine (bewußtseinsrettende) Flucht in das Spre- 
chen. Eine zweite Phase dokumentiert die programmatische Ver- 
wandlung der Sprache in eine organische Ersatzlebensform des 
Subjekts. Im Spätv/erk, drittens, ist eine Art systematische 
Auflösung des Subjekts und vielstimmige Öffnung der Sprache bis 
hin zur Dekomposition geordneter Diskurse zu beobachten. 



* ** * * 



Dem zweiten Themenkomplex Analysen , Interpretationen , Kontexte 
sind insgesamt fünf _■ Beiträge zuzuordnen. Die ersten vier sind auf 
dem Symposion vorgetragen worden, der fünfte hat aus sachlichem 
Interesse zusätzlich Aufnahme in die Publikation gefunden. Vor 
dem Hintergrund von Nietzsches 'Geburt der Tragödie' und Ovids 
Metamorphosen' unternimmt Hansgerd Delbrück (Wellington) in seinem 
Beitrag über Nelly Sachs und das Mitleid eine nuancenreiche Lektüre 
des Zyklus 'Glühende Rätsel ' .Dabei ergibt sich eine weiterführende 
Interpretation der in der Forschung häufig in Zusammenhang mit 
Nelly Sachs gebrachten Kategorie des Mystischen. Hinsichtlich des 
Mitleid-Begriffs wird beobachtet einmal der Verzicht auf jegliche 
Artisten-Metaphysik, was von Bedeutung für das Transzendenzverständ- 
nis ist. Ferner die Entdeckung der Mitleidseite jeden Leids als 
-Befreiung von Selbstmitleid und Leidenspathetik,die eine Trans- 
zendierung des Ich ermöglicht unter Verzicht auf das Pathos der 
falschen Theatralik uneinlösbarer Forderungen. 

Barbara Oehler (Heidelberg) demonstriert mittels der Analyse 
des zum Spätwerk gehörigen Gedichtes 'Wer ruft?' Schwierigkeiten 
der Interpretation. Das Vorhandensein eines metaphorischen und topi- 
schen Beziehungsgeflechts zu früheren Werkphasen ebenso wie Selbst- 
zitate oder vergleichbare Anspielungen einerseits, die Antreffbar- 
keit sinnkonnotierender Wendungen andererseits erleichtert nicht 
die Interpretation, sondern führt in spezifische Probleme und inten- 
siviert den Eindruck der Rätselhaftigkeit, der jedoch nicht Folge 
gewollter ' Verrätselungen ' und gesuchter ' Tiefe' , sondern Ausdruck 
authentischer Aporie angesichts unüberwindbaren Sinndefizits ist. 

Gerd Träbing (Cisano) untersucht am Beispiel des Gedichts 
'Bin in der Fremde' aus der dritten Folge des Zyklus 'Glühende 
^^^^®^' Anklänge von Ambivalenz der 8 . Diese, lesbar als Zahl, 
Zeichen, Wort impliziert und suggeriert eine überwältigende Band- 
breite möglicher Anspielungen, Bedeutungen und Verschlüsselungen, 
die kenntlich zu machen und zu erläutern der Beitrag sich bemüht. 



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Barbara Wiedemann (Regensburg) untersucht mit Schwerpunkt 
auf dem Verhältnis von Vorveröffentlichungen und Buchpublikation 
des 1959 erschienenen Bandes 'Flucht und Verwandlung' die Arbeits- 
weise der Nelly Sachs und beobachtet eine durch verschiedene Ein- 
griffe syntaktischer , interpunktioneller und insbesondere versglie- 
dernder Art bewirkte, bewußte Veränderung von Makro- und Mikrokosmos 
der Gedichte. Daran wird zugleich kenntlich, daß der untersuchte Wan- 
del der Publikationsvarianten als eine das Wort in seinem Eigenge- 
wicht neu bewertende Form dichterischer Aussage und nicht etwa nur 
als mehr oder weniger beliebige Variationsfreudigkeit zu bewerten 
ist. 

Johannes Anderegg (St. Gallen) , dessen Beitrag zusätzlich in 
die Publikation aufgenommen wird, zeigt anhand einer eindringenden 
Interpretation des Gedichts 'Die Tänzerin' aus dem frühen Zyklus 
•Grabschriften in die Luft geschrieben ' unter erklärender Bezugnah- 
me auf zahlreiche zentrale Chiffren die Ausarbeitung einer Sprache 
der Verwandlung und ihrer Zeichen auf , der zufolge der Titel ' Grab- 
schrift' , jenseits gattungsmäßiger Zuordnungen im Sinne von memento 
oder Klage, mehr signalisiert als rhetorische Apostrophe oder 
fiktionale Inszenierung. Als Sprache am Rande markiert der Zyklus- 
titel im Werk der Dichterin ein Paradigma des Gedichtes selbst und 
ist insofern von größter Bedeutung für deren Verständnis und Praxis 
-dichterischen Sprechens . 



• •• •• 



Der dritte thematische Komplex Jüdische ,reliQiös-mvstische , 
theologische Motive umfaßt insgesamt sechs Beiträge. Margarita 
Pazi (Tel Aviv) beschäftigt sich mit der Frage nach Jüdischen 
Aspekten und Elementen im Werk der Dichterin , wobei sie insbeson- 
dere auf die Täuschungspotentiale diesbezüglicher Mutmaßungen auf- 
merksam macht und die Problematizität , ja Anstößigkeit der Katego- 
rien 'Versöhnen und Verzeihen' in ihrer nicht selten geläufigen 
Anwendung auf Intention von Werk und Person der Dichterin verdeut- 
licht .Darüber hinaus werden eine Reihe genuin jüdischer Motive un- 
terschiedlicher Provenienz einer präzisen Fassung zugeführt; im 
übrigen wird nachdrücklich darauf verwiesen , daß allgemeine Zuord- 
nungen von Motiven in der Lyrik der Nelly Sachs den Charakter einer 
riskanten Gratwanderung haben. 

Mark H. Gelber (Beershewa) untersucht die poetischen und poetisch 
mystischen Funktionen der Rhetorik von Raum und Ortsnamen in der 



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Dichtung der Nelly Sachs. Dabei werden sowohl Hinweise auf die 
nicht minder bedeutsamen Zeitindikatoren gegeben, als auch 
die Frage der Bedeutung des Kosmischen gestreif t .Neben einer 
rein metaphorischen Funktion geographischer Termini werden 
Shoa-verwandte Ortsnamen behandelt , sodann die Bedeutung der Bei- 
ziehung biblischer Ortsnamen , die durchaus polysemischen Charakter 
hat , schließlich der Hinweis, daß der geographische Aspekt ihrer 
poetischen Sprache indikatorisch von Bedeutung ist für die 
Explikation von Schechina .Auch 'zionistische' Motive, im nicht 
politischen Sinn des Wortes , werden aufgespürt. 

In Weiterführung anderer Arbeiten, insbesondere der von P. 
Kersten und M.Krieg , untersucht Magda Motte (Aachen) die Entwick- 
lung und Bedeutung der Schmetterlingsmetaphorik im Werk der 
Dichterin und fragt nach der Deutung des Bildes in seiner Viel- 
schichtigkeit und nach seiner religiösen Relevanz unter Bezugnah- 
me auf die Tradition dieser Metaphorik in Literatur , Kunst und My- 
stik. 

Karl-Josef Kuschel (Tübingen) wendet sich in seinem Beitrag 
Hiob und Jesus gegen eine nicht ungebräuchliche theologische Ver- 
einnahmung der Lyrik der Nelly Sachs, gegen die Konstatierung von 
Bekenntnis, Zeugnis und Glaube, die den Text zum Stichwortgeber de- 
generiert .Bezüglich des Hiobmotivs wird eine Verschärfung und 
Radikalisierung des Hiob-Problems gegenüber dem biblisch-frömmig- 
keitsgeschichtlichen Vorwurf beobachtet .Ähnlich scheint der Ge- 
brauch des Jesusmotivs nicht geeignet zur Konstatierung latenter 
oder manifester Christologie , womöglich in triumphalistischem Sin- 
ne. Schließlich entwickelt der Beitrag eine Reihe interessanter 
Perspektiven für ein theologisches Gespräch mit Nelly Sachs. 

Im konturierenden Rückgriff auf Hinweise bei Hans Jonas und 
George Steiner unternimmt Michael Kessler (Tübingen) den Versuch, 
im kursorischen Durchgang durch das lyrische Werk die Anwendbar- 
keit der Kategorien Transzendenz und Transzendieren auf die 
Dichtung der Nelly Sachs zu überprüfen. Dabei zeigt sich, daß die- 
se ihre Gültigkeit gewinnen nicht im geradlinigen Beziehen auf- 
tretender Motive auf Gegebenheiten christlicher oder jüdischer 
Überlieferung, auch nicht durch das Diagnostizieren von Spuren ei- 
nes Glaubens, sondern in der Aufrechterhaltung und Gewinnung bzw. 
Wiedergewinnung eines Gebrauchs von Sprache, der als Ethos zu klas- 
sifizieren wäre. 



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Hans-Peter Bayerdörfer (München) hat in Hohaheim nicht vortra- 
gen können. Sein Beitrag zu dem Mysterienspiel 'Eli ' im Vergleich 
mit analogen Tendenzen in der Dramenproduktion von J.L.Perez läßt die 
Notwendigkeit erkennen /nicht im gattungsgeschichtlichen Rekurs 
zu verharren / sondern stärker von der Moderne charakterisierte 
Vergleichsbeispiele , insbesondere das Weltthoat^rmodell einerseits , 
dezidiert chassidische Vorgaben andererseits heranzuziehen .Dann 
lassen sich analoge Tendenzen feststelleN»; Vorordnung von Raum und 
Bewegung vor Dialog und Text , nonverbale Elemente /mehrdimensionale 
Aufladung des Sichtbaren/ simultane Präsenz von Welt /Leben und To- 
ten /Ständige Transgiession in Raum und Bewegung. 



* • * • • 



Der vierte Themenkreis Biographie /Wirkungsgeschichte .For - 
schungsstand /Bibliographie umfaßt vier Beiträge. Zunächst un- 
tersucht Gabriele Fritsch-Vivie (Herdecke) biographische Aspek- 
te in den bisher wenig beachteten und noch weniger rezipierten 
Szenischen Dichtungen. Tatsächlich erweist sich die Beobachtung 
einer latenten Biographie im szenischen Werk als aufschlußreich/ 
insofern das Erfinden und Auseinander-Stellen von Figuren/anders 
als der lyrische Prozeß des Verdichtens/ das Blickfeld auf die 
Autorin erweitert und Spiegelungen beinhaltet /die / zumindest par- 
tiell/entschlüsselt werden können. 

Ruth Dinesen (Kopenhagen) /Verfasserin einer bedeutenden 
Biographie der Autorin, untersucht / im Ausgang von der diesbe- 
züglichen These William G. Nieder lands unter dem Titel Spätfolgen 
der Verfolgung / gestützt auf bisher unveröffentlichte autobiogra- 
phische und künstlerische Aussagen/ die Genese des sog. ' survivor 
Syndrome' in ihren markanten Stationen: Exil/ Tod der Mutter/ 
' Wiedergutmachung' /Durch- und Zusammenbruch /Trauerarbeit .Die da- 
bei ermittelten Faktoren treten aufschlußreich dem Korpus der 
bisher bekannten Briefe und dem Prosatext 'Leben unter Bedrohung' 
zur Seite und ermöglichen neue Bewertungen und Gesichtspunkte 
sowohl für die biographische als auch für die poetologische 
Betrachtung von Werk und Autorin. 

Lionel Richard (Paris) /Übersetzer von Gedichten der Nelly 
Sachs ins Französische /hat ihn Hohenheim nicht vortragen können. 
Sein vorgesehener Beitrag war jedoch weitgehend fertiggestellt 
und wird daher in die Publikation auf genommen. Sein Thema 



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die Probleme der Arbeit des Übersetzers im Kontext von Werk 
und Autor. Angesichts des weitgehenden Fehlens poetologischer 
Selbstaussagen ist der im Zusammenhang der Ubersetzungsarbeit 
gewachsene Briefwechsel mit Nelly Sachs von großem Interesse 
und besonders auf schlußreich. In Frage und Antwort wird über den 
Prozeß der Übertragung hinaus /Unter Berücksichtigung jeweils 
spezifischer Anmerkungen der Dichterin, das Problem der damit 
untrennbar verbundenen Interpretation und Sinnerläuterung er- 
örtert. Durch die dem Beitrag angeschlossene Erstpublikation 
von ca. 20 Seiten mit Brief en, Anmerkungen und Erläuterungen 
sowie Antworten auf Fragen des Übersetzers seitens der Dichte- 
rin gewinnt die Darlegung höchstes Interesse. 

Michael Braun (Aachen) hat, dies sei dankbar vermerkt, 
meiner Bitte entsprochen und für das Symposion einen diffe- 
renzierten Forschungsbericht erarbeitet , der in Hohenheim mit 
großer Anerkennung zur Kentnis genommen wurde, ebenso wie die 
gleichfalls von ihm erarbeitete , den Stand vom Herbst 1992 re- 
präsentierende und die bisher vorliegenden Hilfsmittel dieser 
Art wertvoll ergänzende und fortführende Bibliographie der Se- 
kundärliteratur .Beides erscheint für die weitergehende Beschäf- 
tigung mit Werk und Person der Dichterin besonders hilfreich 
und wird daher Eingang in die Publikation finden. 



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Abschließend ist festzustellen , daß , auch wenn manche Fragen 
und Aspekte des Werkes, der Biographie sowie der Forschung nur 
marginal behandelt werden konnten und auch wenn die in extenso 
behandelten Themen mitunter eher den Charakter von Problemanzei- 
gen als schon den einer definitiven Problemlösung haben, der Er- 
trag des Symposions ein durchaus beachtlicher war. Dazu beigetra- 
gen haben neben bekannten Repräsentanten der Nelly Sachs-Forschung 
nicht zuletzt auch eine Reihe von jüngeren Wissenschaftlerinnen 
und Wissenschaf tlern, die durch neue Beobachtungen und Fragestel- 
lungen dem Fortgang der Forschung gleichfalls wichtige Impulse 
haben geben können. Die Mitwirkung von Vertretern anderer Fach- 
richtungen war, wie berichtet , diesbezüglich ebenso bereichernd wie 
förderlich. Insofern darf gesagt werden, daß das Konzept der Veran- 
staltung im ganzen aufgegangen ist und die Absicht, weiterführen- 
de Impulse für Forschung und Rezeption zu geben , durchgedrungen. 



- 11 - 



Für die Realisierung des Symposions war die Unterstützung 
durch die DFG eine unerläßliche Hilfe, für die hier noch einmal 
eigens zu danken ist. In der Kooperation zwischen dem von mir 
geleiteten Institut für Fort- und Weiterbildung und der Akademie 
der Diözese Rottenburg-Stuttgart , vertreten durch Frau Dr. Iris 
Gniosdorsch.die auch in der Tagungsleitung mit engagiert war, 
wurde in bewährter Weise ein stimmiger organisatorischer und 
atmosphärischer Rahmen geschaf f en , der für das Gelingen der Tagung 
angesichts eines thematisch sehr dichten Programms ungemein hilf- 
reich war. Einmal mehr erwies sich zugleich die Fruchtbarkeit 
des inzwischen in zahlreichen gleichgearteten Veranstaltungen 
bewährten Schwerpunkts interdisziplinärer Arbeit im Bereich der 
Literatur und Geistesgeschichte^ nach den Symposien zu Hermann 
Broch (1986), Eichendorff (1988), Siegfried Kracauer (1989), Joseph 
Roth (1989) , Erich Fromm und die Frankfurter Schule (1991) und 
nunmehr Nelly Sachs (1992) . 



Rottenburg, c^en 13. Januar 199 3 



lU ^ lUM^ 



Dr. Michael Kessler M.A. 



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AKADEMIE DER DIOZESE 
ROTTENBURG-STUTrCART 



Im Schellenkönig 61 
7000 Stuttgart 1 
Telefon (0711) 2195 



Referenten 
und Themen 

Prof. Dr. Johann Anderegg * (St. Gallen) 
Nelly Sachs: Gedicht und Verwandlung 

Prof. Dr. Ehrhard Bahr * (Los Angeles) 

'Meine Metaphern sind meine Wunden' .Nelly Sachs und die Grenzen 
der poetischen Metapher 



Prof. Dr. Hans-Peter Bayerdörfer * (München) 

Dramatischer Symbolismus und jüdische Tradition. Nelly Sachs' 
••Eli" und J.L.Peretz' "Bei Nacht auf dem alten Markt" 

Michael Braun (Aachen/Merzenich) 

Phasen, Probleme und Perspektiven der Nelly Sachs-Rezeption. For- 
schungsbericht und Bibliographie 

Prof .Dr. Hansgerd Delbrück (Wellington) 

Nelly Sachs und das Mitleid: Der Zyklus 'Glühende Rätsel' vor der 
Folie von Nietzsches 'Geburt der Tragödie' und Ovids 'Metamorphosen' 

Dr. Ruth Dinesen (Kopenhagen) 

Spätfolgen der Verfolgung 

Birgit R. Erdle M.A. (München) 

'Sagen war verboten': Sprache , Gewalt und Alterität bei Nelly Sachs 

Dr. Gabriele Fr i tsch-Vivie (Herdecke) 

Der biographische Aspekt in den Szenischen Dichtungen der Nelly Sachs 

Prof. Dr. Mark H. Gelber (Beersheva) 

Nelly Sachs und das Land Israel. Die mystisch-poetischen Funktionen 
der geographisch-räumlichen Assoziationen 

Prof. Dr. Paul Hoff mann (Tübingen) 

Das Pathos der Nelly Sachs 

Dr. Michael Kessler (Rottenburg/Tübingen) 

'Dichte der Abwesenheit '. Transzendenz und Transzendieren im 
Werk der Nelly Sachs 

Dr. Michael Krämer (Stuttgart) 

'Wir wissen ja nicht, was gilt'. Zum poetischen Verfahren bei 
Nelly Sachs und Paul Celan. Versuch einer Annäherung 

Dr. Karl-Josef Kuschel (Tübingen) 

Hiob und Jesus. Die Gedichte der Nelly Sachs als theologische 
Herausforderung 

Prof .Dr.Magda Motte (Aachen) 

'Der Verwandlung sichtbarstes Zeichen' .Die Schmetterlingsmetapho- 
rik im Werk der Nelly Sachs 



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Barbara Oehler (Heidelberg/Berlin) 

'Wer ruft? '.Ein Gedicht aus dem Spätwerk von Nelly Sachs .Schwie 
rigkeiten der Interpretation 

Prof . Dr . Margar ita Paz i (Tel Aviv) 

Jüdische Aspekte und Elemente im Werk der Nelly Sachs und 
ihre Wirkungen 

Prof. Dr. Lionel Richard * (Paris/Amiens) 

Ingenium^Humilität, Präzision. über die Arbeit eines Übersetzers 
der Lyrik der Nelly Sachs 

Prof. Gerd Träbing M.A. (Cisano) 

Anklänge von Ambivalenz der ' 8 ' ?Zahl , Zeichen, Wort und Vielfalt 
von Anspielungen am Beispiel von 'Bin in der Fremde'. 

Prof .Dr. Jürgen Wertheimer (Tübingen) 

'Ich und Du'. Zum dialogischen Prinzip bei Nelly Sachs 

Dr. Barbara Wiedemann (Regensburg) 

Um-Brüche. Nelly Sachs' Arbeitsweise im Spiegel der Publika- 
tionsvarianten 



Mit * gekennzeichnete Beiträge konnten auf dem Symposion 
nicht vorgetragen werden, werden aber in die Publikation 
aufgenommen (vgl. Bericht) 



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LEO BAECK INSTITUTE 

129 HAST 73rd STREET • NEW YORK, N. Y. 10021 • RHinelander 4-6400 



June 23, 1988 
MKG/370/8- FG 



TO: Archives 
FROM: Fred Grube! 



RE: Photos attached 



The enclosed photos represent a Performance of Nelly 
Sachs' "Eli" by the students of the Rudolf-Steiner- 
Schule Berlin im Januar 1988. I received this material 
from Professor Eberhard Roters, whose daughter is one 
of the Student actors. 




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