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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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WHITNEY LIBRARY. 



HARVAED UNIYERSITY. 




THE GIFT OF 
J. D. WHITNEY, 

Stuvffis Hooper Professor 



MUSEUM OP OOMPAEATIVE ZOOLOGY 



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Neues Jalirbu(ßh 

fiip 
Mineralogie, Geognosie, Geologie 

und 

Petrefaktenkunde, 

herausgegeben • 



Dr* K, C. von Leonhard und Dr* H. G, Bronn, 

Professoren an der Universität zu. Heidelberg. 



Jahrgang 1834. 



M i t 6 Tafeln. 



E. Schweizerhart' s Verlagshandlung. 
C 1834. 



A/e:// i-.?30.6 



Inhalt. 



I. Abhandlungen. 

Seite. 

G. zu Münstek: über das Kalkmergel-Lager von St. Cassian in 

Tyrol, unddie darin vorkommenden C erat iten, (mit Taf.I, II.) 1—15 

Zeuschner: über die Syenite und Diorite in den Umgebun- 
gen von Cieszyn 16—25 

Kurzer Bericht über die in der mineralogisch-geologischen Sektion 
der Versammlung der Deutschen Naturforsclier im September 
1833 zu Breslau abgehandelten Gegenstände 26—31 

Von Leonhard: einige geologische Erscheinungen in der Gegend 

ven Meisen, mit Taf. III und IV 127—150 

Chr. Kapp: über das erste Lebens-Alter der Erde .... 151—204 

253—300 

Agassiz: über das Alter der Glarner Schiefer-Formation nach 

ihren Fisch-Resten 301—306 

B. Cotta: geognostische Beobachtungen im Riesgau und dessen 

Umgebungen 307—318 

L. M. Kerbten: Untersuchung einer weissen Pulver - förmigen 

Substanz aus dem Dolomit von Ebermergen in Baiern . 319 — 321 

Agassiz : allgemeine Bemerkungen über fossile Fische . . . 379—390 

Zenker: Delthyris flabelliförmis^ eine fossile Muschel-Art 

aus dem Thüringischen Muschelkalke m. Abb. auf Taf. V 391-394 
— Lingulakeuperea und L. calcaria, zwei fossile 
Muschel-Arten aus Thüringen m. Ab. auf Taf. V . . . 394—397 

Studer: Bemerkungen zu einem Durchschnitte durch die Lu%er- 

ner Alpen, mit Taf. VI 405—415 

Philippi: über das Verhältniss der lebenden und untergegangenen 

Konchylien-Arten in Siziliens Tertiär-Eildungen . . . 516—520 

G. zu Münster: vorläufige Nachricht übar einige neue Repti- 
lien im Muschelkalke Baierns (Nothosaurus etc.) . 521—527 

Zipser: über den Lievrit aus Ungarn, ein bei der Versamm- 
lung Deutscher Naturforscher in Breslau 1833 gehaltener 

Vortrag 627—631 

* 



IV — 



A. Klipsteot: über Kontakt-Verhältnisse zwischen vulkanischen 
Gesteinen und neptunischen Bildungen der Wetterau, vorge- 
tragen bei der Versammlung Beutscher Naturforscher in Stutt' 
gardt, 1834. t 632—637 

II. BriefwecliseL 

I. Mittheilungen an den Geh. Rath von Leonharü von 
den Herren : 

A. Klipstkin : T r a c h y t in Böhmen : gegen Zippe's Gebrauch 

BRONGNiART'scher Gebirgs-Nomenclatur; Reise in Westphalen 32 
ScHLBiDEN : ? M a m m n t - Zahn in Trachyt-Tuff von Mexico ; körni- 
ger Kalk; junger Malachit und Kupferlasur auf Holzkohle . 33 
Zevschner: sein Handbuch der Mineralogie; geognostische Bücher 

von Freyer. und Torsiewicz in lirakau und Lemberg . . 34 
Blöde: über ? plutonischen Kalkstein hei Zagdainsko in Polen . . 34 
ß. Cotta: Thonschiefer mit Einlagerungen von körnigem Kalke 
u« s. w. zwischen Öderan und Kirchberg', drei Arten körnigen 
Kalkes ; Grünsteinschiefer mit dcrgl. ; sublimirter Graphit auf 
Gängen in Thonschiefer bei Chemnitz .....♦..♦ 35 
Hessei,: Fundorte pyramidalen Mangan-Erzes; alter ?Baryt-Bau bei 

Marburg ', Unterscheidung von Bitterkalk und Kalkspath . . 39 
Studer: Untersuchung der Italienischen und Bündtener Alpen . 41 
J. Schwarz: Geognostische Bemerkungen am Tepetonco ixi Mexico 205 
EZQ.TJERRA DEL Bayo ! Basalt-Ausbruch durch Braunkohle bei Karlsbad 205 

Lardy: Axinite am Gotthard ♦ 205 

V. Rosthorn: Chloritschiefer-BIock im Granit; die Alpen ruhen auf 

Gneiss-Kuppen 206 

Hehl: Braunkohlen bei Wemdingen auf Jura-Dolomit, und \iti Tutt- 
lingen auf Jurakalk 206 

R. T. Amak: Brasilische Golderze enthalten Platin, Osmium etc. 

Basalt zersetzte den Feldspatli dos Gneisses zu Annaberg . 207 
ZiMurERMANN : dcr edle Gang des Harzer Schiefer-Gebirges durch- 
setzt auch den Grüustein ; Vorkommen von Datolith, Cha- 

basie etc 208 

Naumann: Nachtrag über den Lincar-Parallelismus der Ge- 

birgs-Arten 209 

Kloben: Geschiebe, wie in der Mark, auch auf Rügen . . . 322 
EzQ.uERRA DEL Bayo : Skcindiiitivische Felsblöcke in Oberschlesien 322 
Gemmellaro: tertiärer Sciiwefel, ein Erzeugniss verfaulter Mol- 
lusken 321 

Hehl: Braunkoiilon von Tuttlingen (s. S. 206.) 324 

VoLTz: Mineralogie als Wissenschaft 325 

V. Hofp : Erdfall bei Gotha im Muschelkalk 327 



— V — 

8eKe. 
B. Cotta: Verbalten des kornigen Kalkes im Triehischthale bei 

Meisen 329 

V. Stbitve: Erdfall bei Altona\ Zinnerz am Ladoga; Murchisonit 
aus Devonshirey mineralogische Reise von Sartobitts und Li- 
sting nach Sizilien 398 

VoLTz : Einwirkung von Porphyr-Gangen auf Schiefer und Kalkstein 

bei Framont 399 

EZQ.VERRA DKL Bayo : Vorkommen des Schwefels zu Swoszowice bei 

Wieliczka', Porphyr -Durchbrüche durch Steinkohlen in Schlesien 401 
V. KoBEiiij: Unterscheidung von Kalk und Bitterkalk (S. 39) J nach- 
trägliche Bemerkungen zu seinen „Tafeln" ....... 402 

M. BiELz: JK'ar/^atA^n- Sandstein; über Boue's Beobachtungen in 

Siebenbürgen', fossile Wirbelthier- und Pflanzen-Reste daselbst 403 
Lb Play: Reise in Spanien; Societe d'histoire naturelle de Paris 406 
Klepstein: Braunkohlen-Gebirge von Dietesheim am Neckar . . 528 
Klöden: Kalklager bei Cfifwi?« in Po»i»if?rn, zum Cor«6r«sA gehörig 630 
Krantz: Thonschiefer: an seiner Porphyr-Grenze mit Augit-Krystallen 530 
Berzelivs : Arbeit über die Meteorsteine ......... 530 

Geyger: Bleiglanz-Anflug auf Steinkohlen von Obermoschel . . 638 
Blöde: Enkriniten in Weissbleierz, auf Bleigängen in Übergangs- 

kalk bei Kielce 638 

Studer: geologische Bemerkungen in Bündten; gegen Boue das 

Alter der Molasse betreflFend 639 

B. Bernhard! : Thier-Fährten auf Flächen des bunten Sandsteins 

bei Uildbm'ghausen 642 

II. Mittheilungen an Professor Bronn von den Herren: 

H. V. Meyer: über Echiniden ............ 41 

G. zu Münster: fossile Fische, Sepien, Krebse, Monotis salinaria, 
Saurier, Algaciten von Öniugen, Schildkröte in Lias von Alt- 
dorf, Clymenia, Glossopteris, Folliculites; Tertiär-Formation in 
Norddeutschland 42 

Jäger: Naturforscher- Versammlung in Stuttgardt, fossile Knochen 

in Württemberg 44 

B. Cotta: Kaiami t e n-Reste im Keuper bei Eisenach; im alten 

Kohlen-Gebilde von Hainchen ....211 

Scuübler: über Bestimmung Württemhergischcr Gebirgsarten in 

den Lieferungen des Comptoirs . 212 

Agassiz : seine „Poissons fossiles", Heft II; Arbeit über fossile Krebse 213 

Ez^vERBA DEL Bayo .' Kiesel-Konkrezioneu im Jurakalk von Pod- 

gorce und organische Trümmer darin 33f 

Hisimgeb: „Anteckningar i Physik och Geognosie", Heft VI> Be- 
schreibung fossiler Reste darin 831 



— VI — 

Seite. 

T. AtBERTi: Arbeit über den Muschelkalk J Conchorhynchus in 

einem Sack 338 

Agassiz: y,Poissons fossiles", Heft III; fossile Crustaceen . . , 339 
V. Aithaub: über Alberti's Monographie des Muschelkalks . . 406 
Mather: fossile Fische in Sandstein von Connecticut .... 531 
L. V. Buch : Erscheinungen bei Meisen ; Deutsche Jura-Bildungen 

und deren Versteinerungen; Nautilus und Aganis . , . 532 
EzqiTERRA BEI Bayo i gcognostische Verhältnisse in Salzburg, He- 
bung der Alpen 535 

r. AI.THAU3 : Schildkröten im Torf bei Diirrheim] ...... 537 

G, ZV Münster: Knochenhöhle bei Rabenstein', Nothosaurus im 
Muschelkalk, Fische (Saurichthys und Hai) im Muschelkalk; 
Undina, Hai, Caturus, See schil d kr ö te, Limulusvon 
Kehlheim; Isticus aus Grünsand von Münster; Scaphiten, 
Hamiten etc. aus Kreide in Westphalen', Saurier- Zähne 
hl Grünsand bei Regensburg; Mystriosaurus in Lias von 
Altdorf, Bairische Reptilien der Flötz-FormationJ Voltzia im 
Gypse des Steigerwaldes; Equisetum etc. im Keuper da- 
selbst; Trippel und dessen Pflanzen-Reste bei Regensburg y 
Equisetum in Braunkohle des Fichtelgebirges; Psammo- 
dus-Zahn im unteren Oolith; nicht alle Lumbricarien sind 

CoIoHthen 538 

W. W. Mather: Vorkommen von Cidaritcn-Stacheln in -dwirnfta 642 

IIL Neueste Literatur. 

I. Bücher: 
Lorenz, Fr. Hoffmann, H. Davy, C. Geiuihei.i.aro, Prestei., 

Reichenbacu 45 

BoinLi.ET et Lecoq^, Fischer de Waidheim, Gveymard, Girar- 

»IN, GlTEYMARD, HuOT, SuCKOW, DuMONT, EbENEZER EmMONS, 

Glocker , Shepard , Bakewei.1. , Boase , Boblaye et Virlet , 
H. Cotta, Deshayes, A. Eaton, Goldfuss, Grateloup, Hib- 
BERT, LiNDiEY Und HüTTON, Manteh, REBori, Uhde, v. Zie- 
TEN , Bakeweli. edit. Silliman , Deshayes et Dvchatel, des 

LONGCHAMPS, HiTCHCOCK 214 

ÜRE, Werber, Pohl, v. Schreibers und v. Holger, v. Hoff, 

DE Bordeaux 340 

Hisinger , Catijllo , Kauf , Keferstein , Klödbn , Kuhn , 

Schmerling , . 412 

Whewell, de LA Beche, Bertrand de Doue, Boblaye et Vir- 
let, BOUBEE, BkOCHANT DE ViLLIERS, A. BrONGNIART, CaUCHY, Js. 

Hayb, L. V. Buch, Ehrenberg, Hartmann, v. Hoff, Bronn, 
CuviKR, d'Omalius d'Halloy 543 

DUBUISSON, KUPFFER, MoRREN, J. ReNNEL, BeRGHAUS, J. R. BlUM, 

C. R. Brard, (0. C. D,), Davreux, C. F. Gauss, G. Gbaulhie, 
Js. Lba, Lbco^) Lindlby and Hutton, Nolan, Pusch, C. C. R. . ., 



— VII — 

Seite. 
ReIITWABDT, Le SaVI.NIEB de VAtTHEttO, Jos. SCUIKTO, Starinq, 
WiTHAM, AlNSWORTH, T. AlBERTI, Db LA BeCHK , BerTHIEK, 

De ByijAndt, Dufrenoy et Elie de Beaumont, DtFUENOY, J. 
FouBMER, Th. HawkinSj H. V. Meyer, Murchison, Le Play, 

Ch. Zimmermann 643 

II. Zeitschriften. 

Proceedings of the geological Society of London, 1832, 4. März bis 

1833, 1. Mai, Lond. 8° 45 

Glocker: mineralogische Jahreshefte, Nürnberg, 8°. I, 1831, 

II, 1832 47 

Kongl, Svenska Vetenskaps Academiens llandlingar for 1831, 

Stockholm 1832, 8"" 21S 

Featherstonehaugh: the Monthly American Journal of Geo~ 

logy 1831—32, IX Hefte 8«» 216 

C. Hartmann; Jahrbücher der Mineralogie, Geologie, Berg- 

und Hutten-Kunde. Nürnberg S^, 1834, I, i 216 

Annales des Mines (vgl. 1833, S. 422) 1833, III, i. ii.J — . 217 

— - - m; IV, I. . . 413 
Bulletin de la Societe geologique (vgl. 1833, S. 550) III, 209—376 

und I— cixxxTiii , , . 217 

— — — IV, 1—224 . 544 
Karsten's Archiv für Mineralogie (vgl. 1833, S. 332) Berjin, 

8°, 1833, VI 341 

Transactions Of the Royal Geological Society of Cormvall, 

1833, IV : ... 341 

Brewster, Taylor and Phillips: the London and Edinburgh 

PhUosophical Magazine, Londons", 1833, JulylU, 1—320 . 342 

— November III, 321—431 : 1834, IV, 1—159 ♦ 413 

Gornoi Journal, Petersburg 8", 1833, Heft i— iv 646 

Journal of the Geological Society of Bubiin, 1833, I, i . . 647 
Gornoi Journal 1833, Heft V und VI . 645 

TV* Auszüge« 

I. Mineralogie, Krystallographie, Minei-al-Cheinie u. s. w. 

Kose: über die Krystallform des Mesotyps 48 

Boussingault ; Analyse eines Minerals von einer heissen Quelle bei 

Popayan 48 

Breithaupt : Bestimmungen spezilischer Gewichte von Mineralien 48 

Berthibr: analysirt Titaneisen von Baltimore in Maryland . . 49 

— zerlegt oktaedrisches Eisenoxyd von Framont ... 50 

— analysirt Eisenerz von la Lizolle und Servan, Allier 60 

— zerlegt mehrere Galmei-Abänderungen ...,.» 50 
Breithavpt : über einige metallische Mineralien aus dem Ural, 

welche zum Theil schwerer als Platin sind 53 



Seite. 
Piattrbr: haplotypes Eisenerz der Schweitz und Chondrodit vom 

Vesuv, vor dem Löthröhre 53 

NoHBBNeKiöi,D : Pyrargyllit, ein neues Mineral ....... 63 

— Amphodelit, — — — 53 

Bec^verel: über künstliche Bleiglanz-Krystalle ....... 54 

Don Pedro : Besitzer der grössten Masse edeln Berylls .... 54 

JoimsTON : Untersuchung des geschwefelten Schwefelblei's von Dufton 54 

'Zippe : hemiedrische Abtheilungen des pyramidalen Krystall-Systemes 65 
Stroheyer u. Hausuaitn: mineralogisch-chemische Untersuchung des 

Antimon-Nickels von Andreasberg ...219 

Gold im Alluvial-Lande bei Turin 221 

Boussingauiit: Analyse des Halloysit's von Guateque in Neugranada 221 

Kose: über die Krystallform des Plagionits, eines Antimon-Erzes . 221 

Bovssixgavlt : Zerlegung des Alauns vom Vulkan von Pasto . . 222 
Rose : Krystallform des Silber-Kupferglanzes j Atomen^Gewicht des 

Silbers 222 

Breithaupt: Krystallisations-System des rothen Nickel-Kieses . . 223 

Berthier: Analyse des Wolkonskoit 223 

— — des Kupfererzes von Escouloubre im Aude-Deft. 223 

— — des Bant-Kup^ererzes V. Nadaud, Haute- Vienne 223 
PiiAttner: Analyse des braunen Erdkobalts von Saalfeld . . . 223 

NoRDENSKiöiiD : Analyse des Tantalits von Tamela 224 

Stromeyer: ehem. Untersuchung des kohlens. Mangans von Freiberg 224 

Plattner's Uran-Oxydul im Schwedischen Automolith ist irrig . 225 

Brewster: über die Struktur und den Ursprung des Diamants . 225 

Weiss: über den Haytorit 226 

Erihan: über Elektrizität des Marekanits, Turmalins, Topases . . 226 

Breithaupt: ehem. Untersuchung des schwersten metall. Körpers 226 

Bryce: Mineralien in den Grafschaften Down, Antrim und Derry 227 

Erdmann: Analyse von Wavellit u. Striegisan von Langenstriegis 230 

Rose: Osmium- und Iridium-Verbindungen im Ural 231 

— Vanadin-Bleierz von Beresow im Ural 231 

Weiss: das Staurolith-System, vom regulären abgeleitet .... 232 

Breithaupt : Krystallisation des Antimonnickel-Kieses ..... 344 

Berthier : Zerlegung zweier neuen Varietäten von Haidingerit . 314 

Weiss: Zwillings-Krystalle von Kalkspath und Quarz, u. Dihexaeder 315 

Breithaupt: spezifische Gewichte verschiedener Mineralien . . . 345 

Neümann: das Krystall-System des Albites und seiner Verwandten 345 

Stromeyer u. Hausmann: neue Alaunart u. Bittersalz aus äj/Jöp/Wä« 346 

Shepard: mineralogische Nachrichten über Neu-England . . . 351 

Mather: über den Xanthit .....4» 352 

Hess: über den Hydroborazit 353 

Bvnsen: Allophan bei Bonn 353 

Glocker: der Ozokerit, ein neues Mineral 353 

Svc&ow: anomale Bildungen d. Schwefelkieses 354 



— IX — 

gelte. 

SrcKow: Colestln-Krystalle bei Jena 351 

Fowier: Saphire u. a. Mineralien bei Newton in New-Yersey . 354 
V. Kobell: über Naumann' s Bezeichnung vertikaler Prismen im 

diklinoedrischen System 415 

— über die in der Natur vorkommenden Eisenoxyd-Hydrate 415 

— Analyse des Braun-Eisenerzes in After-Krystallen von 
Eisenkies 416 

Platin in Frankreich entdeckt 417 

Ki.od£n: einfache Fossilien als Geschiebe in der Mark Brandenburg 417 

Tyson: Fundorte einiger Mineralien in der Grafschaft Baltimore 418 

T. Kob£i.l: über Olivenit, Kupferschaum und Kiesel-Malachit . . 418 
Shepard: Devi^eylite und dessen Beziehungen zu Tyson's kieseis. 

Talkhydrat 418 

— Datolith und lolith (Cordierit) in Connektikut .... 419 
V. CoBELi.: Analyse einiger natürl. Verbindungen des Eisenoxyds 420 
Neumann: Elastizitäts-Maass krystaUin, Substanzen der homoedri- 

schen Abtheilung . 420 

V. Kosell: Analyse des körnigen Porzellanspathes von Passau . 420 

— Krystallisafion des Nickelglanzes von Sparnberg . . 421 

Richteh: über einige merkwürdige Krystallisations-Erscheinungen 548 

Zippe: über einige in Böhmen vorkommende Pseudomorphosen . 653 

Booth: über das Arseniknickel von Riegelsdorf in Kurhessen . . 561 

Magnus: über das „fossile Wachs" der Moldau ....... 562 

Boussingauxt: Natur der Pbosphorsäure in natürlichen Phosphorsalzen 562 

SucKOw: merkwürdige neue Krystall-Formen 646 

Stromeyer : chemische Analyse des Allanits v, Iglorsoit in Grönland 647 

V. KoBEi.1.: über den Onkosin von Salzburg 648 

CoNNEiii.: Analyse des Levyn 649 

— über den Dysklasit, von Feroe 649 

Shepard: mineralogische Notizen über New England . . . . ♦ 650 

Frick: chemische Untersuchung des Nadelerzes . , 651 

Naumann: über eine eigenthümliche Zwillings-Bildung des weissen 

Speiss-Kobaltes 651 

V. Kobem: über das Titaneisen aus dem Spessart 651 

Rose: Verhältniss des Augits zur Hornblende 651 

v. KoBELi: Chonikrit und Pyrosklerit, zwei neue Mineral-Spezies 654 

Zippe : über den Steiamannit, eine neue Mineral-Spezies . . , 655 

Kupffer: Handbuch der rechnenden Krystallonomie ..... 65S 

II. Geologie und Geognosie. 

Bischof : über die Quellen-Verhältnisse am Teutoburger Walde . 55 

Klöden: über die Fels-Geschiebe der Mark Brandenburg « . . 58 

Reichenbach : Geognostische Darstellung der Umgegend von Blansko 59 



— X — 

Seite. 

Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1832 .«,,...... 66 

Jautfret : Allg. Notizen über die Geologie der Kanarischen Inseln 66 

Hoffmann: geognostische Beschaffenheit der Liparischen Inseln , 67 

Dvfrenoy: Nätüt und Lagerungs-Art der Calcaires amygdalins . 77 

V. Eschwege : geognostische Übersicht der Umgebungen von Lissabon 79 
Murchison: Sedimentäre Ablagerungen von Shropshire und Here- 
fordshire , durch Raämr , Brecknock und Caermathenshires 

sich erstreckend . ♦ 83 

Naumann: über die südliche Weissstein-Grenze im Zschopau-Thale 88 

Buckingham: über die geologische Struktur der Insel Pantellaria 89 
Trimmer: fossile See-Konchylien lebender Arten am Mersey , über 

Hochwasserstand ♦ 91 

Murchison: dessgl. in Lancashire , . . . 91 

T. Meyer: „Tabelle über die Geologie, zur Vereinfachung der- 
selben" etc , . 92 

Hutton: der Whin-Sill von Cumberland und Northumberland 95 

Murchison: Bestätigung dieser Beobachtungen 96 

PhiiiLips : Beobachtung desselben Gegenstandes 96 

T. Bonsdorf: der Rapakivi in Finnland, eine eigene Gebirgsart 96 

Boblaye: die geognostische Beschaffenheit von Morea ♦ . . . 97 
Wagner: Tabelle über die Überlagerung der Formationen, und die 

sie begleitenden Versteinerungen , 98 

Schwarzenberg: die Grobkalk- Formation in Niederhessen ... 99 

Nota : über das Erdbeben in der Stadt und Provinz Ä. Remo \. J. 1831 103 
Gemmeharo : yyRelazione dei fenomeni del nuovo Vulcano sorto 

dal mare^^ etc. (Catania 1851 8".) 103 

Sitr-iMANN: Anthrazit-Regionen am Susquehanna 23t 

— Bemerkungen auf einer Reise in Pensylvanien . . ♦ 234 

Mather: Durchschnitt eines Theils von Connecticut 235 

SitvERTOP : Tertiär-Formation in der Provinz Granada .... 236 

Broneniart: über Gay's geologische Arbeiten in Chili .... 238 

Ehrenberg: Charakteristik der Nordafrikanischen Wüsten . . . 355 

ViRLET : geogn. Bemerkungen über die Nord-Griechischen Inseln 358 

Winch: Beiträge zur Geologie von Northumberland und Durham 260 

Carne: Alter und Richtung der Gänge in Corntvall 361 

V. Strombeck: Lagerung der Nieder- Rheinischen Braunkohlen . 351 

Schmidt: Kohlenstoff in Blasenräumen basaltisclier Gebilde . . 362 

Verschoyle: über die Geologie der Grafschaften Mayo und Sligo 362 

Savi: über die geognostisch-geologischen Verhältnisse in Toskana 364 

V. Buch: Lagerung von Mclaphyr und Granit \a Aen kl^cn Mailands 421 

Weiss: das Süd-Ende des Gebirgs-Zuges ia Brasilien nach Sellow 425 

Mather: Notizen über die Geologie der Hochländer \on New York 4S6 

V. Rosthorn: über die Gegend von Radeboy in Croatien . . . 437 

Walker: die Ursache der Richtung von Kontinenten, Inseln etc. 438 

Cohybearjb: Notiz darüber 439 



— XI — 

Seite. 

JoBiTSTOx: über die allmähliche Hebung des Landes in Skandinavien 440 
THiRFaA: carte geologique du departement de la Haiite-Saone . 441 
Schvbler: Höhenbestimraungenin Württetnbery uxiäGrenz-Gcgenäen 442 
Bayfield: Geognosie von der Nordküste des St Lorenz-GoUes an, 

bis Cap Whittle 443 

Finch: Mineralogie und Geologie der St. Lawrence - Grafschaft, 

New York 4i4 

Phillips : Analyse zweier Srhwefel-haltigen Quellen bei Weymouth 447 
Schubler und Vogel: geognostische Verhältnisse von Tübingen . 447 
Bischof : Bildung des Eisenockers etc. , durch Quellen und Gas- 

Exhalationen . 449 

Ditfrenoy: üb. Vorkommen u. Zusammensetz, gewisser Thon-Silikate 451 

Hall's Maschine zum Messen hoher Temperatur 453 

H. Cotta: der Kammerbühl nach wiederholten Untersuchungen . 455 
Villeneute: Durchschnitt von Toulon bis zum Vulkan von Rougier 455 
Shepard : Mineralogie und Geologie der Grafsch. Orange u. Siissex 455 
Erdbeben in Chili 459 

— zu Jassy u. a. O. , 459 

Croizet: über das Erdbeben in Auvergne im Oktbr. 1833 . . . 459 
Walferdin: Ableitung der Regenvvasser durch Artesische Brunnen 460 
Boue : Auszug aus mineralogischen Berichten über Russland , . 460 
Botta: Beobachtungen über den Libanon und Antilibanon . . . 464 
Heuser: zur Kunde der Jüngern Flötz-Gebilde an der Weser ♦ ♦ 466 
HiBBERT : der Süsswasserkalk der Steinkohlen-Formation zu Bur- 

diehouse bei Edinbxirg 468 

— Nachträgliche Bemerkungen über jenen Süsswasserkalk 469 
Conybeare: über Hibbert's Entdeckung fossiler Fische, Saurier etc. 470 
Murchison: Süsswasserkalk zwischen d. Kohlenlagen b. ÄAr^^ws&Mri/ 470 
Fr. HoFFMAim : Gebirgs-Verhältnisse der Grafschaft Mas«« Cärrara 563 
DuFRENOY und Ehe de Beaumont : über die Gruppen des Cantal, 

des Moni Dore und deren Hebungen 571 

Alison: Ersteigung des Pic's von Teneriffa im Febr. 1829 . . . 572 

Höhle bei Erpfingen im Württembergischen aufgefunden . . . 580 

Dundas-Thomson : Geologie von Berwickshire 581 

Kapp : über Zentral- und Reihen-Vulkane 581 

Rozet : Geologie von Algier und Tittery ......... 582 

Mather: wichtigste Silber-Gruben in Mexiko und Süd-Amerika 585 

Burkart: geognostische Bemerkungen zwischen Ramos und Catorce 589 
Pareto und Guidoni: über die Berge des Golfes della Spezzia und 

der Apuanischen Alpe 590 

De Villeneuve: der Kreide-Gipfel von Sainte Beaume von tertiä- 
rem Kalk umlagert 591 

Felsensturz bei Chuv , 591 

Dessgleichen daselbst 5Ö1 

Lagerstätte des Platins in Sibirien 591 



— XII — 

Seite- 
Vorkommen von Gediegen-Silber zu Kongsberg in Norwegen , . 592 
Du Commun: Hypothese über Vulkane und Erdbeben . « , . . 593 

AiNBwoRTH : an Account of the Caves of Ballybunian 693 

Karsten: über das Erz-führende Kalk-Gebirge von Tarnoivitx . 594 
Keferstein : Naturgeschichte des Erdkörpers in ihren Grundzügen 606 

Pare.to: Note über den Gyps von Tortona 610 

L. V. Buch: einige Bemerkungen über die Alpen in Baiern . , 612 
S. HiBBERT : Geschichte der erloschenen Vulkane von Neuwied . 657 

Erdbeben zu Verona . 688 

Buff: über Gang -Bildungen, von Lager - artiger Entstehung ♦ 688 
J. Prideaux: Geognosic der Umgegend von Plymouth .... 689 
N. Chipman: Steine, welche in See'n , Teichen u. s. w. bewegt 

werden ,•»....., 689 

BouE : Geognostische Nachrichten von Narbonne, Pezenas, la Cor- 

niche und das Vicentinische , . . , 689 

F. Le Piay: Tagebuch auf einer Reise durch Spanien geführt . 697 
B. Studer : Geologie der westlichen Schweitzer-Alpen .... 701 
Hericart de Thury: Kalkhöhlen von Cusy in den Beauges-Ber- 

gen und Gold - und Edelstein - führender Sand des Cheran in 

Savoyen 707 

Parandier: Notiz über die Ursachen der Existenz der Höhlen im 

Allgemeinen, und der des Dept's. du Dubs insbesondere . , 710 
Teixier: Betrachtungen über die Geologie der Sieben Hügej Roms 713 

III. Petrefaktenkunde. 

DB Serres: sind Land-Thier-Arten seit der Erschaffung des Men- 
schen untergegangen? etc 103 

L. V. Buch: Silicifikation organischer Körper, nebst einigen andern 

Bemerkungen über wenig bekannte Versteinerungen . . 108 

— über zwei neue tertiäre Cassidarien Mecklenburg^ s 109 

— über die A m^m n i t e n in den älteren Gebirgs- 
schichttn 109 

— über Goniatiten 109 

Blesson : Bemerkungen über Sand und Dünen 109 

GiRARD, Prony und Geoffroy St. Hilaire: über Chaudruc de 

Crazannes's Abhandlung „von Ablagerungen fossiler und nicht 

fossiler Austern im Dept. Charante-Inferieure^^ HO 

Cole: Abguss von Plesiosaurusmacrocephalus. . . . 112 

Mantei.1.: die zoologischen Charaktere der Weal den -Formation 112 

BrcKiiAND : über neue Megatherium- Reste, aus Süd-Amerika 112 
V. Mayer: Beiträge zur Petrefaktenkunde 

Gnathosaurus • 113 

Conchiosaurus 114 



XIII — 

Seife. 

Knochen in Muschelkalk 115 

— • buntem Sandstein . 115 

Aptychus 116 

Weiss: fossile Knochen- und Panzer-Stücke aus Süd-Brasilien . 117 
Gemmeharo: sopra le Conchiglie fossili delV argilla terziaria di 

Cifali 121 

Brongmart : fossile Conifere (Taxodium) &u{ Iliodroma . . 240 

Witham: Vortrag über die fossile Vegetation 241 

Agassiz: Recherches sur les poissons fossiles, I« livraison . . . 242 

V. ZiETEw: die Versteinerungen Württembergs, Heft XI, XII . 245 
Morton: organische Reste der Eisen-schüssigen Sand - Formation 

der Vereinigten Staaten 246 

— Analogie der Mergel in New Yersey mit der Kreide , . 249 

De Bonnard: Knochen in den Höhlen von Arcy-sur-Cure . . . 366 

Virlet: über Knochenhöhlen < . . . 367 

Prevost: über Knochenhöhlen 368 

EwE DE Beatjmont: Hyänen lebten in den Höhlen von Kirkdale 368 

BouBEE : über Prevost's und Dufrenoy's Theorie der Knochenhöhlen 368 

BucKtAND : neue Pterodactylus- Art in Lias von Lyme Regis 369 

Morren: Sitr les ossemens humains des tourbieres delaFlandre 370 

RiLEY. Squülo-raja, ein Fossil aus dem Lias von Lyme Regis 370 

Kauf: vier urvveltliche Hirsche des Barmstädter Museums . . 371 

Taylor: Vertheilurig fossiler Konchylien durch Grossbritannien . 373 
De BtAiNviLLE : method. Anordnung der Geschlechter Purpura, Ri- 

cinula, Monoccros und Concholepas . « . 375 

Serres : Beobachtungen über die fossilen und humatilen Arten . 376 

Knochenhöhlen bei Plombieres-lesDijons 376 

Eaton : über Crotalus? reliquus oder Arundo? crotaloidcs 466 

Cooper: reklamirt dagegen , . . . . 466 

V, Sternberg's Uitheil früher mitgetheilt 466 

KiÖDEN: die Versteinerungen der Mark Brandenburg .... 470 

Marcel de Serres : Pflanzen-Abdrucke in Kalkschiefern bei Lodeve 474 

Guernsey: hei Rochester, New York, gefundene Mas t od on-Reste 475 

Wagner : fossile Insektenfresser, Nager und Vögel im Diluviale . 475 

Agassiz : Recherches sur les poissons fossiles, II' livrais. . . . 484 

Kauf: eine Berichtigung den Hippopotamus betreffend . . . 489 

— ossemsns fossiles de Mammiferes 3me Cahier 490 

LiNDLEY a. Hutton: Fossil Flora of Great Britain, Nr. I—VII 492 
Marcel de Serres : Menschenknochen und Kunst-Erzeugnisse in 

Kalk-Höhlen 494 

GoLDFuss : Abbildungen und Beschreibungen der Vetre^akten Deutsch- 
lands, 4te Lieferung . 495 

De Christol; Thier-Bevölkerung beider Becken des Herault-T>ept. 

in der tertiären Periode 500 

Cooper: über die Lagerstätte fossiler Knochen im Big-Bone-Lick 501 



— XIV — 

Seite, 
Eaton : über de Kay's Brongnlartia, ehi neues Triloblten-Geschlecht 615 
L. V. Buch: über Terebrateln, ibre Klassifikation u. Beschreibung^ 616 
Marcei. de Serres, Dubrueh und Jean- Jean: Untersuchung über 

die fossilen Knochen der Höhlen von Lunel-vieil , . . . . 714 

Borson: Notiz über einige Fossil-Reste der Tarentaise in Savoyen 726 
Prinsep : Analyse fossiler Knochen von Himalaya . ... . . 727 

Witham: Notiz über Struktur und_ Lagerung eines fossilen Stam- 
mes in den Brüchen von Craigleith 727 

Brown: über Reste einer Eiche, aus dem Torfe bei Lanfyne, Ayr- 

sJiire, gezogen 728 

Mettler: ein Salamander und eine Schildkröte aus den Öninger 

Brüchen 728 

DE LA FoNTENELLE : Über das fossile Kautschuck in den Steinkohlen- 
Werken der Vendee 728 

Geofproy St. Hilaire: paläontologische Beobachtungen .... 728 
— - — Notiz Über die fossilen Knochen im Becken 

der Auvergne , 729 

Neue Entdeckung von Iguanodon-Knochen ........ 729 

Eaton: Vier Kardinal-Punkte in der stratiogr. Geologie .... 739 

IV. Verschiedenes 

Brunner u. Pagenstecher : Analyse d. Heilquellen von Leuk, Wallis 121 

Henrici : Notiz über eine periodische Quelle bei Kissingen . . . 124 

Hausmann : über die Rothetif'elder Quelle 124 

Brewster: Instrument zur Unterscheidung von Edelsteinen . , 124 
ScHÜBtER : Resultate sechzig-jähriger Beobachtungen über den Ein- 

fluss des Mondes auf die Veränderungen unserer Atmosphäre 125 

Meteorsteinfall bei Blansko in Mähren 125 

Trommsdorff : Untersuchung des Alexis-^t\mmns im Selke-T\\a\e 126 

Andere Quell-Analysen . , . 126 

SiKLiMAN : über den Fall der Meteoriten von Tennessee .... 250 

— über das Meteor und den Aerolithen in Georgia . . . 251 

Du Meniü: Analyse des Heilwassers zu Hiddingen in Lüneburg . 252 

Gardner: über die relative Vertheilung von Land und Wasser . 376 

Cot^tJHOUN: bei Mexiko und Potosi gefundene Meteoreisen-Massen 376 

ScHoxrw : über den mittleren Stand des Barometers am Meeresspiegel 377 

Jacob: über die früheste Kenntniss von Gold und Silber . . . 377 

Henwood : Steigen u. Fallen d. Wassers in einigen Gruben Cornwalts 378 

IIiHiNGER ; Anteekningar i Physik och Geognosi under resor, etc. l — V 501 

Erdbeben in Peru zu Arica, 1833, 18. Sept 504 

Dessgleichen zu Pasto im Bogota-Staate, 1834, 20. Januar . . . 504 
Ehrekberg : Natur und Bildung der Korallen-Insc'.n und -Bänke im 

Eothen Meere 624 

Zerstörende Wirkungen der Gewitter 731, 



— XV — 

Seife. 

Die Spanische Stadt Bergara und ihre Umgebungen 731 

Hakstein: erklärt, dass die Hypothese von einer doppelten magneti- 
schen Achse und doppelten Polen der Erdkugel durch Beobach- 
tungen nicht bestätigt werde 731 

V. Strombeck: über die von Fox angestellten Versuche in Bezie- 
hung auf die elektro-magnetischen Äusserungen der Metall-Gänge 732 
Bernstein auf dem Landgute Schirwinti gefunden . i . . . » 732 

Über die Krystallform des Eises 732 

Ricii. Harlan's Zoological tind 3Iedical Miscellany ..... 733 
Preiss-Fragen der Sozietät der Wissenschaften zu Harlem . . . 733 
Verkäufliche Gebirgsartcn-Sammluug 735 



Verbesserungen. 



s. 



33 ^ 


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26 


V. 0. 


streiche „an" 




45 


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6 


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statt „L. V. Buch"! 


setze „Friedr. Hopf 


77 


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— yyCalcaire" 


— y,Calcaires" 


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— „PmtLiP's" 


— „Phihips" 


106 


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— „Dxigatai'* 


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112 


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16 


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- „Äo««A" 


— „und South'* 


242 


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15 


- - 


\- „Band II" 


- „Band I" 


244 


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- 0. 


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- „48" 


252 


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26 


- - 


~\yHetdenberges — „Heldenbergea' 


413 


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~ >P, II" 


- „in, m" 


414 


„ 


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— «io\ 


- „19" 


439 


)» 


21 


- - 


~ „SchicJvtung" 


— „Richtung" 



über 

das Kalkmergel - Lager von Sf. Cassian 
^ in Tyrol und die darin vorkommenden 
Ceratiten, 

von 

Herrn G. Grafen zu Münster, 



Hiezu Tafel I. und II, 

In der Abhandlung über die Versteinerungen des Saiza- 
Thaies*) hat Bronn bereits bemerkt, dass fast alle Glieder 
des Süd-Deutschen ^^e«-Gebirges eine Vermengung fossi- 
ler Arten aus verschiedenen Formationen darbietet, welche 
his jetzt an anderen Orten ohne Beispiel ist , und so lange 
als ein anomales und zugleich völlig isolirtes Faktum betrach- 
tet werden muss , bis genauere Untersuchungen an Ort und 
Stelle uns nähere Aufklärungen geben. 

Einen neuen Beweis zu ' dieser Bemerkung habe ich 
bei der näheren Untersuchurig- der Versteinerungen erhalten, 
welche in dem , meines Wissens bis jetzt noch nicht geogno- 
stisch bestimmten grauen Kalkmergel-Lager von St. Cassian un- 
fern Brunecken, Landgerichts Enneberg , in Tf/rol gefunden 
werden, wo sie in einer Höhe von 5000' bis 6000' über der 
Meeres-Fläche vorkommen sollen. 



'•') S. dieses Jahrbuch 1832. 2tes Heft. 
Jahrgang 1834. 



— 2 — 

Durch Leopold von Buch bin ich zuerst auf diese Ver- 
steinerungen aufmerksam gemacht worden; er brachte vor 
mehreren Jahren einige derselben aus Tyrol mit, und hatte 
die Gefälligkeit, mir bei seiner Durchreise einige davon zu 
überlassen , nämlich den Stachel eines unbekannten E c h i= 
niten, welcher in dem GoLDFUSs'schen Petrefakten- Werke, 
Heft II, Tab. 40, Fig. 5, abgebildet und Cidarites B u- 
chii benannt ist; ferner einen neuen, sehr flachen Euom- 
phalus mit gegitterter Streifung, der einem Ammoniten 
sehr ähnlich sieht. Diess veranlasste mich, von diesen Ver- 
steinerwngen , so viel als möglich, sammeln zu lassen. Nach- 
dem ich einige Tausend Exemplare mit EinscKluss der in 
dem Ferdinandeum znlnsprudk^ so wie in dem dortigen Mi- 
neralien-Komptoir befindlichen Exemplare soi'gfältig unter- 
sucht und gezeichnet hatte , war ich bemüht , die verschie- 
denen Geschlechter und Arten so genau als möglich zu be- 
stimmen. 

Wenn gleich die meisten Individuen noch mit der na- 
türlichen Schale versehen sind , so kommen doch von vielen 
Arten nur Bruchstücke vor; die zweischaligen Muscheln 
sind so fest geschlossen, dass nur selten das Schloss zu se- 
hen ist, und die einschaligen sind gewöhnlich an der Mund- 
Öffnung so beschädigt, dass die Gicschlechter nicht immer 
genau ^u bestimmen sind ; viele waren auch so fest mit ver- 
härteter Mergel-Masse umgeben, dass nicht mehr die Schale 
selbst , sondern nur die äussere Gestalt erkannt werden 
konnte: daher es leicht möglich ist, dass bei der Bestim- 
mung einer oder der anderen Art ein Irrthum vorgefallen 
ist ; ich glaube jedoch im Ganzr . wenigstens 43 Geschlechter 
und 12S Arten erkannt zu haben, wie aus der nachstehen- 
den Übersicht näher ersehen werden kann. Die genauere 
Beschreibung und Abbildung derjenigen Arten, von welchen 
ich vollständige Exemplare besitze , wird in dem Goldfuss - 
sehen Petrefakten- Werke erfolgen. Aus der Übersicht er- 
gibt sich : 



— 3 — 

1) dass unter den 128 zu erkennenden Arten Verstei- 
nerungen 

an Zoophyten: 24 Arten, 

— Radiarien: 11 Arten, 

— Mollusken: 

a) B i V a 1 V e n : 27 Arten , 

b) U n i V a 1 V e n : 50 Arten , 

c) Cephalopoden: 13 Arten 

befindlich waren, von welchen 112 Arten neu, und nur 16 
Arten abgebildet und beschrieben sind. 

2) Wenn gleich die Zahl der einschaligen Mollusken 
sehr vorherrschend ist, und man dadurch geneigt werden 
könnte , auf eine tertiäre Bildung zu schliessen , so bewei' 
set doch das Vorkommen von Ammoniten und der Man- 
gel aller charakteristischen Versteinerungen der neuesten 
Formationen, dass diese Bildung nicht zu den tertiären ge- 
zählt werden kann, sondern entschieden älteren Ur- 
sprungs ist. 

3) Auch zeigt sich bei genauer Prüfung der grossen Zahl 
ünivalven, dass unter den vielen Arten von Tracheli- 
poden nur die Phytipha gen Lamarck's, aber durchaus 
keine wahren Zoophagen vorkommen , welche nach mei- 
nen bestätigten Beobachtungen erst sehr sparsam in der Lias- 
Formation anfangen zu erscheinen. 

4) Der gänzliche Mangel an Goniatiten, Clyme- 
nien nob. (Planuliten Park.), Trilobiten, Pro- 
ductus oder an andern charakteristischen Versteinerun- 
gen der Übergangs-Formation lässt mit grosser W^ahrschein- 
lichkeit schliessen, dass diese Bildung jüngeren Ursprungs 
ist, als die Übergangs-Formation; obgleich zu dieser das 
in der Übersicht bemerkte, jedoch nur selten vorkommende 
Orthocera elegans und Turritella prisca zu rech- 
nen seyn möchte; allein das Vorkommen von Orthoceren 
in einer jüngeren Formation ist in den Alpen keine neue 
Erscheinung, da bei Hallein und bei Äussee auch in der 

1* 



_ 4 — 

Llas - Formation Orthoceren, Indessen ebenfalls selten, 
gefunden werden. 

5) Charakteristische Versteinerungen der Kreide-Forma- 
tion, wie Hippuriten, Pecten q uinquecos t a t u s, 
Ostrea vesieularis, E xogyr a colu mb a, Belem- 
nites mucronatus etc., habe ich nicht darin entdecken 
können ; nur ein paar Arten haben einige Ähnlichkeit mit 
Versteinerungen aus anderen Kreide-Formationen. 

Es würde hiernach die Formation , zu welcher das 
graue Kalkmergel-Lager bei St. Cassian zu zählen ist, in der 
älteren oder in der mittleren Flötz-Periode zu suchen seyn. 

Untersuchen wir zu diesem Ende die bisher gefunde- 
nen und bestimmten Arten genauer , so linden sich 
darunter : 

7 Arten, die im Muschelkalk , 
2 — — in der Lias-Formation und 
6 — — in der Jura-Formation 
vorkommen. 

7) Unter den oben bemerkten Versteinerungen der 
Lias- und Jura-Formation finden sich 2 Zoophyten, 2 
Cidariten, 2 Nuculae, 1 Turbo und iTurritella; 
allein keine einzige charakteristische Versteinerung dieser 
Formationen , wie z. B. B e 1 e m n i t e n und eigentliche 
Ammoniten mit ausgezackten Loben und Sätteln , die zu 
der: Annahme berechtigen könnten, dass dieses Kalkmergel- 
Lager dahin zu rechnen seyn düx'fte. 

, S) Dagegen zeigen sich bei der näheren Prüfung der 
7 Arten Versteinerungen, welche auch im Muschelkalk und 
Keuper anderer Gegenden vorkommen , 

a) Encrinites liliiformis Lamk. und Schloth., En- 
crinites moniliformis Miller und Goldfuss Tab. 53, 
Fig. 8, und Tab. 54, der als besonders charaktei'istisch für die 
Muschelkalk-Formation angenommen wird. 

b) Terebratula vulgaris ( Schlotheim's Nach- 
träge, Tab. 37, Fig. 5 a, b, c, 6 a, b, c und 7, S, 9.), 
die sich in grosser Menge im Muschelkalk vorfindet,, und 



— 5 — 

oft ganze Felsmassen bildet. Auch bei St. Cassian kommt 
sie nicht selten vor ; allein nur die kleinere Spielart , T e- 
reb. vulgaris minor, die ich sehr häufig im Westphä- 
lischen Muschelkalk , vorzüglich bei Bielefeld gefunden habe, 
wo sie — wie Terebratula vulgaris major bei 
Bayreuth, ganze Fels-Massen bildet. 

c) Nucula elongata und trigonalis, die im Mu- 
schelkalk bei Bayreuth häufig Familien-weise in zahlloser 
Menge vollkommen. 

d) Turbo socialis und Turbo Helic i t e s, (He 1 i- 
cites turbilinus v.- Schlotheim Nachtrag Taf. 36, Fig. 
5); auch diese beiden Arten finden sich in den oberen 
Schichten des Muschelkalks von Bayreuth, nicht selten Fa- 
milien-weise zusammengehäuft. 

e) Myophoria acuticostata kommt mit Avicula 
socialis und Myophoria vulgaris häufig im Keuper- 
Sandstein von Hassfurth , Bamberg und Ziveihrücken vor. 

8) Ausserdem könnte wohl auch die in der Übersicht 
bemerkte Avicula arcuata nur eine kleinei'e Spielart 
von Avicula socialis (Mytilus socialis v. Schloth.) 
seyn, und zwischen den Stein-Kernen von Myophorien 
Bronn (Trigonellite s Schloth.) im Muschel-Kalk kom- 
men einige vor, welche gerade die Gestalt der Myopha- 
ria linearis bei St. Cassian haben; dessgleichen schei- 
nen von den vielen Stein-Kernen von Turritellen und 
Melanien im Muschel-Kalk mehrere zu den häufig bei 
St. Cassian noch mit der Schale vorkommenden Turritel- 
len und Melanien zu gehören. 

9) Nicht zu übersehen ist der gänzliche Mangel anBe- 
lemniten bei St. Cassian, deren Vorkommen bekanntlich 
bis jetzt in keiner früheren Bildung als in der Lias-Forma- 
tion mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte , die aber 
in der ganzen Muschelkalk-Formation incl. buntem Sandstein 
und Keuper stets fehlen, so wie ebenfalls der Mangel an 
Gryphäen, Monotis substriata etc. 

10) Die in der Übersicht beschriebnen und abgebilde- 



— 6 - 

ten Arten kleiner Ammoniten (Cerafeitcn) mit ge- 
wöhnlieh schön opalisirender Schale, haben zwar äusserllch 
keine Ähnlichkeit mit den mir bekannten 4 grossen Arten 
Ammoniten (Ceratiten> aus dem Muschelkalk, son- 
dern scheinen beim ersten Anblick mehr der Jura -Forma- 
tion anzugehören, wo einige ähnliche Formen vorkommen; 
betrachten wir aber die Septa ihrer Kammern nach vor- 
heriger Entfernung der Schale , so zeigen sich fast die näm- 
lichen Arten von Loben und Sätteln, wie sie mir bisher 
nur ausschliessend in der Muschelkalk-Formation vorgekom- 
men sind, nämlich glatte Sättel und gezähnte Loben, mit 
Ausnahme der ersten kleinen Art , Gerat, glaucus, bei 
welcher zwar die allgemeine Form der Loben und Sättel wie 
bei allen andern C e r a t i t e n ist , allein an den Loben sind 
keine Zähne oder Ausschnitte zu erkennen). Bei den übri- 
gen 7 Arten haben die Loben 2, 3, 4 oder 6 kurze Zähne. 
Es würden mithin diese Ammoniten zu den Ceratiten 
der älteren Flötz-Formationen zwischen dem Bergkalk und 
dem Lias gehören können. 

11) Da nun sowohl auf der südlichen, als auf der nörd- 
lichen Seite der aus Urgebirgen bestehenden Central -Axe 
der Alpen an verschiedenen Stellen sich der bunte 
Sandstein wie der Muschelkalk vorgefunden hat, so glaube 
ich , das graue Kalkmergel - Lager bei St. Cassian um so 
mehr zu der älteren Flötz - Formation rechnen zu müssen, 
als nach der neuen geognostischen Karte der Alpen von 
RoD. Imp. Murchison zu der Abhandlung über die Struk- 
tur der östlichen ^//7e« von ihm und Professor Ad. Sedgwick 
in den Transactions vom Jahre 1832 , in der Nähe 
von Brunechen der Red Sandstone und Magnesium 
Limestone auf dem Übergangs - Gebirge vorkommen soll. 
Überdiess erhielt ich unter den gesammelten Versteinerun- 
gen einige Stücke Kalkstein von *S'^. Cassian, welche im 
Bruch von dem Muschelkalk Norddeutschlands nur durch 
die darin vorkommenden Petrefakten zu unterscheiden sind. 



Übersicht 

der in dem Kalk mergel-Lag ei* von Sf. üässimi 
g e f u n d e n e n V e r s tfe in © r u n g e n. 

A. Z o o p h y t a. 

I. Tragos. 

1) T. astroites, nov. sp., hat einige Ähnlichkeit 
mit Tr a g o s s t e i I a t u m» Goldfuss Tab. 30, 
Fig. 2. 

II. C n e m i d i u m. 

1) C. rotula Goldfuss Tab. 6, Fig. 6. 

2) C. propinquum, nov. sp., hat einige Ähnlich- 

keit mit der vorhergehenden Art, die Stferne si- 
tzen jedoch auf knolligen- Massen.. 

3) C. astroites Goldfuss Tab. 35, Fig. 8. 

4) C. gracile, nov, sp., hat Ähnlichkeit mit Myr- 
mecium Goldfuss. 

III. S c y p h i a. 

1) S. capitata, nov, sp: 

IV. Achilleum. 

1) A. granulös um, nov. sp. 

2) A. punctat um , nov. sp. 

3) A. rugosum, nov. .sp. 

4) A. milleporatum, nov. sp. 

V. C erio p or a. 

1) C. subrämosa, nov. sp. 

VI. Flustra. 

1) F. elegans, nov. sp. 

VII. Cellepora. 

1) C. granulata, nov. sp. 

VIII. Anthophyllum. 

1) A. caespitosum, nov. sp. 

2) A. compressum, nov. sp. 



— 8 -— 

3) A. pygmaeum, nov. sp. 

4) A. rugosum, nov. sp.. 

5) A. gracile, nov. sp, 

6) A. granulosum, nov, sp. 
IX. Lithodendron. 

1) L. elegans, nov. sp. 

Ausserdem noch 4 undeutliche , nicht genau zu 
bestimmende Zoophyten. 
B. Radiaria. 

I. C i d ari t e s. 

1) C. maximus nob. Goldf. T. 39, Fg. 1. 

2) C. Blumenbachii, nob. Goldf. Tab. 39, 
Fig. 1. 

3) C. Buchii, nob. Goldf. Tab. 40, Fig. .«>. 

4 
5 

f neue noch nicht bestimmte Arten , voi^ welchen 

/ zur Zeit nur die Stacheln gefunden worden sind, 

7 * 

S 

II. E n c r i n i t e s. 

1) liliiformis Lamk., Sloth. (E. monilifor- 
mis Müller, Goldf.) — Die vielen untersuchten 
Säulen- und Gelenk-Stücke sind von dem gewöhn- 
lichen E. liliiformis aus dem Muschelkalk nicht 
zu unterscheiden. Einen vollständigen Kelch habe 
ich von Enneberg noch nicht gesehen, 
IIL Apiocrinites. 

1) A? granulosus, nov. sp. 

Die Strahlen auf den Rädersteinen sind fein 
gekörnt, gleichen sonst aber denen des Apiocr. 
rosaceus Goldf. 

Vom Kelche sind nur einzelne Theile vorhanden. 
IV. Pentacrinites. 

1) P. propinquus, nov. sp., hat einige Ähnlich- 
keit mit P. moniliferus Goldp. Tab. 53, 
Fig. 3. 



C. Annulata. 
I. S e r p u 1 a. 

3 neue Arten. 

D. Mollusca. 

I. P e c t e n. 

1) P. alternans, nob. Goldf. Tab. 88, Fig. 11. 

II. Avicula. 

1) A. gryphaeata, nov, sp. 

2) A. deussata, nov, sp, 

3) A. an^usta, nov. sp. 

4) A. arquata? noV. sp. , ist dem Mytilus s o- 
cialis V. ScHLOTH. aus dem Muschelkalk sehr 
ähnlich. 

III. Trigonia. 

1) T. linearis, nov, sp.^ an ? Myophoria 
Bronn. 

IV. Ge rvillia. 

3 neue Arten, 

V. Nucula. 

4 neue Arten, von welchen jedoch 2 Arten ana- 
log im Lias und 2 andere im Muschelkalk 
vorkommen. 

VI. Cucullaea. 

2 neue Arten. 
VIL Cardium. 

1) C.acüticostatttm, noV. Sp., an Myophoria? 
Bronn. Im Keuper-Sandstein von Bamberg und 
Hassfurth kommt die nämliche Art häujfig vor. 

VIII. Cardita. 

1) C. decussata, nov, sp., sehr ähnlich der C. 
lunulata Sow. Tab. 232, Fig. 1, 2. Längen- 
Striche durchschneiden die öuer streifen, 

IX. Isocardia. 

1) ? Zwei Arten , von welchen eine neu , die andere 
aber der I. minima Sow. Tab. 295, Fig. 1 sehr 
älnilich ist. 



— 10 — 

X. A s t a r t e. 

1) A. decussata, nov, sp,, an Venericar- 
dium? 

XI. L ucina. 

1) ? nov. sp., hat einige Ähnlichkeit mit L. c ol um- 
bell a Lamk. und Bast., ist aber viel feiner ge- 
streift. 

XII. Terebratula. 

1) T. vulgaris v. Schloth. var. minor, kommt 
sehr häufig im Muschelkalk vor. Ferner 
4 neue, noch nicht bestimmte Arten, 

XIII. Orbicula. 
1) ? nov. spec. 

XIV. Dentalium. 

1) D. undulatum, nov. sp. 

2) D. decoratum, nov, sp. 

XV. Emarginula. 

1) E. caneellata, nov. sp., ähnlich der E. cla- 
thrata Sow. Tab. 519, Fig. 1. 

XVI. Patella. 

1) P. costulata, nov. sp. 

XVII. Pileopsis. 

1) P. pustulosus, nov. sp. 

XVIII. Turbo. 

1) Helicites nob., Helicites turbilinus v. 
ScHLOTH. , findet sich auch im Museheikalk. 

2) T. socialis, nov. Äp., kommt Haufenweise 
im Muschelkalk vor, 

und S neue Arten. 

XIX. Monodonta: 2 neue Arten. 

XX. Sigaretus: 3 neue Arten. 

XXI. Euomphalus(öW. Delphi nula'O: S neue 
Arten. 

XXII. Trochus: 7 neue Arten. 

XXIII. Neritina: 4 neue Arten. 



— 11 — 

XXIV. Turritella. 

1) T. nuda, kommt auch in den Lias- Mergeln vor. 

2) T. prisca, kommt auch im älteren Übergangs- 

Kalk bei Elhersreuth mit Orthoceratiten vor. 

XXV. Melania: 12 Arten, die sämmtlieh neu zu 
seyn scheinen. Eine Art hat einige Ähnlichkeit 
mit Terebra? vetusta Phil. 

XXVI. R i s s o a : 3 neue Arten. 

XXVII. Orthocera. 

1) O. elegans, eine sehr kleine, neue Art. 

XXVIII. Nautilus: 2 sehr kleine, ganz eigenthüm- 
liche Arten. 

XXIX. Ammonites. Die nachstehenden Arten gehö- 
ren , in so weit die Loben und Sättel durch Ent- 
fernung der gewöhnlich opalisirenden Muschel- 
Schale sichtbar sind , der Abtheilung Ceratiten 
mit glatten Sätteln und gezackten Loben an , und 
möchten in dieser Beziehung einer besonderen 
Aufmerksamkeit werth seyn , da sie einen An- 
halts-Punkt zur Bestimmung des relativen Alters 
dieses Kalkmergel-Lagers bieten. Desshalb, und 
da überhaupt noch sowenig Ceratiten bekannt 
sind, habe ich die verschiedenen Arten mit eini- 
gen Varietäten auf den beifolgenden Tafeln ab- 
bilden lassen ; nämlich : 

1) A. (Ceratites) glaucus: Tab. I, Fig. 1 
a, b, c, d. 

Er ist sehr flach , discoid , wenig involut , und 
hat bei vollständigen Exemplaren 5 Umgänge. Die 
Schale scheint glatt , zeigt aber durch die Lupe 
' eine feine Streifung, die ohne Biegung über den 

Rücken läuft. Sie scheint sehr klein zu bleiben. 
Die Kammer- Wände stehen sehr nahe zusammen; 
der breite Dorsal-Lobus hat einen flachen Sattel 
in der Mitte ; er ist nur halb so tief, als der 
Zungen-förmige Lateral- Lobus; der Lateral- und 



— 12 - 

Ventral-Sattel ist, (wie bei allen nachfolgendem 
Arten ) Bogen-förmig , der Ventral-Lobus vertieft 
Bogen-förinig. Weder die Lateral - Loben , noch 
die Sättel zeigen ausgezackte oder gezähnte Rän- 
der, sondern nur der breite Dorsal-Lobus hat 
einen gewölbten Einschnitt; erstere er- 
scheinen glatt und unzertheilt , wie bei den G o- 
niatiten, zu welcher Abtheilung diese Art den 
Übergang bildet. 

2) A. (Cerat) Beotus, Taf. I, Fig. 2: a— d. Er 
ist flach, discoidj wenig involut und hat 5 lang- 
sam abnehmende , schmale Windungen , mit run- 
zelig gefalteter Schale ; zwischen diesen feine 
Streifen; der Rücken ist flach, vorzüglich auf 
der letzten Windung, welche zwei Reihen sehr 
kleiner Knötchen zeigt, zwischen denen die fei- 
nen Streifen tief rückwärts gebogen sind. Die 
Kammer- Wände stehen weit von einander; der 
breite Dorsal-Lobus hat einen tiefen Ausschnitt 
in der Mitte : er ist um ein Drittheil tiefer als 
der Lateral-, und dieser wieder ^ tiefer als der 
Ventral-Lobus; beide haben einen kurzen Aus- 
schnitt, der zwei Zähne an jedem Lobus bildet. 

3) A. (Cerat.) Eusiris, Tab. I, Fig. 3: a — d. 
Er ist discoid und so involut , dass zwar die 
sämmtlichen 5 Windungen sichtbar, allein von 
den 4 innern Windungen drei Viertheile verhüllt 
bleiben. Die opalisirende Schale hat Wellen-för- 
mig gebogene Falten oder Rippen , und zwischen 
diesen eben so gebogene, feine Sti'cifen. Zuwei- 
len zeigen sich auf den Rippen einzelne Knoten. 
Die Rippen endigen von beiden Seiten mit einem 
abgerundeten Knoten. Die Kammer -Wände ste- 
hen nahe bei einander. Der breite Dorsal-Lo- 
bus hat in der Mitte einen tiefen Ausschnitt , ist 
eben so tief als der Zungen-förmige Lateral,, wel- 



— 13 — 

eher wie der kürzere ungleichseitige Ventral-Lo- 
bus zwei kurze Ausschnitte hat, die drei kleine 
Zähne bilden, von welchen der mittlere der 
längste ist. 

4) A. (Cerat.)"Aon, Tab. I, Fig. 4: a — d. Er 
ist discoid , fast ganz involut , so , dass der enge 
Nabel an der Achse kaum die inneren 3 — 4 Win- 
dungen zeigt. Auf den nahe zusammenstehen- 
den , sehr ei-habenen Rippen ist §ine dichte Reihe 
von 8 — 12 scharfen Knötchen. In den tiefen 
Zwischen-Furchen sind keine Streifen, wie bei der 
vorigen Art; auf dem vertieften Rücken laufen 
zwei gleiche Reihen Knötchen. 

Die Kammer - Wände und Loben scheinen von 
denen des Cer. Busiris nicht verschieden zu 
seyn. 

b)A. (Cerat.) Aon, var. difformis, Tab. I, 
Fig. 5: a^ — d, ist eine Spiel-Art, welche sehr 
dick und daher mehr rund als discoid erscheint. 
Rippen und Knoten stehen weiter auseinander, 
und sind nicht so spitz. Diese Vai'ietät bildet den 
Übergang zum C. B r o t h e u s. 

c)A. (Cerat.) Aon, var.? punctatus. Von 
dieser Spielart besitze ich nur Bruchstücke mit 
fast glatten Rippen , die weniger erhöhete Punkte 
und in den Furchen schwache , vertiefte Grüb- 
chen haben. 

d) A. (C e r a t.) A o n , var. 9 bipunctatus. Bruch- 
stücke dieser dritten Spielart zeigen auf den schar- 
fen Rippen 5 bis 6 Reihen Paar-weise stehender 
kleinen Knötchen. 

5) A. (Cerat.) Brotheus, Taf. II, Fig. 6: a — d. 
Er ist völlig involut , noch Kugei-förmiger , als der 
Cer. Aon., und bleibt kleiner. Der Rücken ist 
gewölbt , auf den Rippen sind nicht so viele, aber 
dickere Knoten. 



— 14 — 

Die Kammer-Wände sind nicht sichtbar. Es 
ist möglich, dass diese Art nur eine ausgezeich- 
nete Varietät der vorigen bildet, obgleich sie we- 
sentliche Verschiedenheiten von den Varietäten 
Aon punctatus und bipunctatus bietet. 

6) A. (Cerat.) Acis, Taf. II, Fig. 7: a, b. Er 
ist mehr discoid, als rund, sehr involut, so dass 
3 Viertheile der irinern Windungen verhüllt blei- 
ben. Wie Schale hat feine, jedoch sehr scharfe, 
Wellen-förmige Streifen , von Avelchen einige ge- 
gen den Rücken 2- bis 3-gabeIig werden, sich 
dann tief, fast Zungen-förmig auf dem eingedrück- 
ten Rücken zurückbiegen. In weiten Zwischen- 
räumen hat die Schale schwache Furchen. (In 
der Abbildung sind die Streifen nicht stark ge- 
nug, und die Kammer -Wand ist unrichtig ge- 
zeichnet). 

Die Kammer- Wände sind bei den untersuchten 
Exemplaren sehr undeutlich, scheinen aber wie 
bei dem Ceratites Achelous zu seyn. 

7) A. (Cerat.) Achelous, Taf. II, Fig. S: a, 
b, c. Er ist , wie der vorhergehende , mehr dis- 
coid, als rund und eben so involut, aber die 
Schale ist nicht , — wie in der Abbildung unrich- 
tig angedeutet, — gestreift, sondern glatt, nur 
gegen die Achse sind schwache Eindrücke und eins 
zelne Wachsthums-Streifen sichtbar, welche aber 
auf dem ganz glatten , abgerundeten Rücken nicht 
vorhanden sind. 

Die Kammer- Wände stehen nah zusammen. Der 
Dorsal-Lobus , welcher einen flachen Ausschnitt 
hat, ist nicht breiter, aber kürzer, als der Late- 
ral ; der Ventral-Lobus ist flach und breit. Die 
beiden letzteren haben in der Mitte zwei kurze 
aber scharfe Zähne , und auf der Seite zwei etwas 
kürzere, mithin 4 Zähne und 3 Ausschnitte. , 



- 15 — 

8) A. (Cerat.) Agenor, Taf. II, Fig. 9: a, b. Die- 
sei" in der Sammlung des Ferdinande um zu Inn- 
spruck befindliche Ceratit mit glatter Schale ist 
discoid 5 sehr involut und zeichnet sieh vorzüglich 
durch seine Kammer - Wände aus , welche einen 
sehr bi'eiten, in der Mitte sehr tief, einfach und 
an den Seiten zweimal ausgeschnittenen Rücken- 
Lobus 5 zwei fast gleiche Lateral-Loben mit 6 Zäh- 
nen am Rande und einen Venti'al-Lobus mit 3 Zäh- 
iuen haben, und daher den Kammer- Wänden der 
bekannten Ceratiten aus dem Muschelkalk sehr 
ähnlich sind. 

9) A. (Cevat.) Eryx, Taf. II, Fig. 10: a, b, c. Er 
ist discoid, sehr involut, die Schale hat Wellen- 
förmig gebogene Rippen, welche nach vorn in ei- 
nem spitzen Winkel zusammenlaufen, und eine er- 
höhete Rücken-Linie bilden. 

10) A. (Cerat.)? eingulatus, Taf. 11, Fig. 11 ; a, 
b, c. Dieser zierliche Ceratit ist discoid , we- 
nig involut, und hat eine fast Zirkel-runde Mund- 
Öffnung; die Schale ist ungewöhnlich dick, mit 
starken , weit auseinander stehenden , ringförmi- 
gen Rippen umgeben, bleibt aber sehr klein. Bei 
3 Exemplaren meiner Sammlung war wegen der 
dicken Schale die Form der Loben nicht zu er- 
kennen. 
Ausser diesen Arten scheinen nach den untersuchten 
Bruchstücken noch mehrere S p e c i e s bei SL Cassian vor- 
zukommen. 



über 



die Syenite und Diorite in den Umge- 
bungen von Cieszyn , 

von 

Herrn Professor Zeuschner, 



Am nördlichen Fasse der Karpathen in einer anmuthi- 
gen Gegend liegt Cieszyn {Teschen), umgeben mit üppig be- 
waldeten Hügeln. Es ist ein grauer Kalkstein, der diese 
zusammensetzt und sich von Kenty über Beata nach Cieszyn 
und weit in Mähren hinein zieht. Anfangs bildet er nur 
einen schmalen Zug, aber je w^eiter südlich, um desto 
breiter wird derselbe. Der Kalkstein ist dicht, von lichte 
gelblichen und graulichen Farben ; in der Gegend von Cier- 
licko iZierlizko) und Kocobenc (Kozobenz) aber wird er grau 
und körnig. An diesem Orte finden sich Versteinerungen 
darin, aber so fest verwachsen mit der Felsart, dass die 
Species nur sehr schwierig bestimmbar sind. Gryphiten 
finden sich unbezweifelt dabei. Bei Beata und Bielsko ent- 
deckten wir, Hr. PuscH und ich, auf einer Reise, die wir 
diesen Sommer in die Karpathen machten. Im Kalksteine, 
besonders in den schieferigen Abänderungen, Fucoiden 
und darunter F. Targionii Ad. Brongniart. 

Im Kalksteine von Cieszyn finden sich untergeordnete 
Lager von Schieferthon und von schiefrigem Sandstein, koh- 
lenschwarze Schiefer mit eingesprengtem Schwefelkies bei 



__ 17 — 

Grodziszcze, nicht fern von Skoczow {Skotschau). An vie- 
len Punkten in der zuletzt genannten Gegend trifft man 
viele Eisen-haltige Kalksteine , die verschmolzen werden, ge- 
wöhnlich aber ist die Felsart arm an Erzen. Bei Ustron, 
S^oezöw wird Bergbau betrieben. Hr. v. Oeynhausen rech- 
net den kleinen Zug des Kalksteins gegenüber Inwald zur 
Cieszyner Formation ■■■). Es ist ein weisser derber Kalk- 
stein mit häufig eingewachsenem Kalkspath, der sich an 
manchen Stellen auch in seltenen Krystallisationen zeigt. 
Petrographisch betrachtet hat der Imvalder Kalkstein keine 
Ähnlichkeit mit dem Ciescyner^ aber viel Übereinstimmen- 
des mit dem Krakauer Jura-Kalk; obwohl auch zwischen 
beiden sich wesentliche Unterschiede finden. Der Jura- 
Kalk von Krakau führt nur sehr selten Kalkspath; aber oft 
kommen Nieren und Knollen, selbst dünne Lager von Feuer- 
stein vor, welche man nie im Inwalder Kalksteine gefunden. 
Diese drei verschiedenen Kalksteine sind ganz heterogen. 
Die Kalksteine bei Krakau sind Jux*a - Kalk. Über das Al- 
ter der Cieszyner Gebilde will ich nicht entscheiden, indem 
meine zu kurze Beobachtungen hier nicht ausreichen; Fu- 
coides Targionii und die Gryphiten weisen indessen 
auf ein jugendliches Alter hin. Was den letzten Kalkstein 
betrifft, dessen schroffe Klippen gegenüber Inwald hervorra- 
gen, so ist derselbe ein untergeoi'dnetes Lager im Karpathen- 
Sandstein, denn seine Felsen werden von allen Seiten durch 
den Sandstein eingeschlossen. Südlich sind zwar schwarze 
und braune schiefrige Sandsteine und Thonschiefer- artige 
Gebilde vorhanden j die manchmal Ähnlichkeit zeigen mit 
Grauwacke- Schiefer; im Norden aber zieht sich noch eine 
Meile weit mürber Karpathen - Sandstein, dessen anstehende 
Felsen gut zu beobachten sind. 

Somit unterliegt es keinem Zweifel, dass dieser weisse 
Kalkstein nicht zum Übergangs - Gebirge gerechnet werden 



*) Geognost. Beschreib, von Oberschlesien. 
Jahrgang 1834. 



— 18 — 

kann, sondern ein untergeordnetes Glied des Karpathen- 
Sandsteins ausmacht. Er beschränkt sich übrigens nicht auf diese 
Stelle; Lill v. Lilienbach und Pusch erwähnen Kalksteine 
bei Sygneczow {Sygnetzow)'^ im Berge von Mogilany ent- 
deckte ich mitten im Sandsteine Kalkstein -Lager, die voll- 
kommen übereinstimmen mit denen von Imvald. Zieht man 
eine Linie auf der Karte durch die drei benannten Punkte, 
nämlich durch Inwald, Mogilany und Sygneczotv ^ so wird 
diese ziemlich gerade ausfallen, und ich glaube, dass die 
Kalksteine ununterbrochen fortlaufen , und nur durch ter- 
tiäre Gebilde bedeckt sind. Dieser neue Zug würde also 
parallel seyn mit dem, welcher auf der anderen Seite der 
Bieshiden sich befindet, beim Dorfe Czarny Dunajec anfängt 
und gegen Osten fortläuft über Szaflory , Czorsztyn, das 
Gebirge Piening ausmacht und dann nach Ungarn sich wen- 
det. Die Breite der Bieshden ist durch beide Kalk -Züge 
genau angegeben , ihi-e Länge aber bis jetzt auf eine so be- 
stimmte Weise nicht bezeichnet. 

Wie wir schon bemerkten, liegt Cieszyn (Tescken) um- 
geben von Hügeln grauen Kalkes 5 als untergeordnete Glie- 
der zeigen sich in dieser Formation schiefrige Kalkmergel 
und Sandsteine , und schiefriger Thon macht ganze Hügel 
aus. Aus diesen Gebilden treten grobkörniger Syenit und 
Diorit hervor. 

Wo Syenite oder Diorite die geschichteten Gesteine be- 
rühren, da ist eine unvei'kennbare Veränderung in letztern 
zu beobachten. Der Kalkstein erscheint körnig, die schie- 
frigen Kalkmergel und Sandsteine werden viel fester ; dünne 
Schichten von Kalkspath sind darin ausgeschieden; ihre 
graueren Farben verwandeln sich in bunte : gelbe, rothe und 
grüne Streifen wechseln mit einander, so dass Ähnlickeit mit so- 
genanntem Band- Jaspis entsteht. Die schiefrigen Thone wer- 
den hart und dunkelgrau, fast schwarz. 

Das Vorkommen der Syenite und Diorite ist durchaus 
abnorm. Sie bilden keine zusammenhängende Berge , nur 



— 19 — 

hie und da sieht man sie in einzehien Stöcken zwischen 
die Schichten des Mergels eindringen, so dass eü scheint, 
als wären sie mit denselhen abgelagert; aber diess ist nur 
Täuschung, denn theils keilen sich ihi*e Schichten aus, theils 
heben sie sich in die Höhe und durchbrechen die normalen 
Gesteine , gleich den basaltischen Gängen. 

Der Syenit ist grobkörnig: weisser, seltner röthlichep 
deutlich blättriger Feldspath, und schwai'ze Hornblende sind 
die Gemengtheile. Fremde Einmengungen fand ich nicht. 
Hr. V. Oeynhausen *) will darin Kalkspath gesehen haben; 
mir gelang es nicht , dieses Mineral zu entdecken , obwohl 
ich sehr viele Stücke mit Säuren prüfte : darum bin ich ge- 
neigt zu glauben, dass der weisse Feldspath dafür gehalten 
worden. Manchmal scheiden sich Kugeln von Hornblende 
aus 5 die zuweilen die Grösse einer Faust erreichen. Der 
Syenit ist nicht geschichtet, nur zufällige Sprünge ziehen- 
sich dui'ch das ganze Gestein. Er ist im Allgemeinen sehr 
fest; manche Abänderungen aber, besonders die, welche iji 
Berührung mit der Atmosphäre stehen, sind zersetzt, und 
zerfallen in Grus. Der Feldspath wird früher zerstört und 
die Hornblende-Krystalle lassen sich sodann aus der Masse 
leicht herausklauben , jedoch haben sie auch an Frische ab- 
genommen. 

Die Diorite sind von dunkelgrüner Farbe und feinkör- 
nig, so dass man die Bestandtheile nicht unterscheiden kann. 
Weisse Kalkspath - Adern durchziehen manchmal das ganze 
Gestein, und es scheint, dass dieses Fossil sich inniger mit 
dem Diorit verbindet, denn gewöhnlich brauset er stark mit 
Säuren. Ob es Felsart die Hemithrene von Al. Buono- 
NiART ist, will ich nicht entscheiden. Der Kalkspath er- 
scheint auch in der Diorit-Masse in Erbsen-grossen Kugeln, 
und wenn diese sich anhäufen , so geht das Gestein in den 
sogenannten Kugelfels (Hausmann) über. Der Diorit ist gleich 



*) Geognost. Beschreib, von Obcrschlesien p. 333. 



— 20 — 

dem Syenit nicht geschichtet. Oeynhausen fand ihn bei 
Bacanowice (Bazanowize) konzentrisch kugelig abgesondert. 
Der Durchmesser der Kugeln beträgt mitunter einen Fuss, 
aber er vermindert sich auch bis zu einem Zoll. Der Dio- 
rit widersteht der Verwitterung sehr, aber in unmittelbarer 
Berührung mit andern Felsarten und an höheren Punkten 
zerfällt er leichter. 

Im Allgemeinen nimmt der Diorit die höheren Punkte 
ein, der Syenit die niedrigeren. 

Bei Stanislawic, einem nahe bei Cieszyn gelegenen Dorfe, 
ist ein verlassener Steinbruch , wo die feurige Entstehung 
des Diorits sehr deutlich ausgesprochen ist. In der ganzen 
Umgebung herrscht ein derber , grauer Kalkstein ; an dem 
erwähnten Orte werden seine Schichten durchbrochen vom 
Diorit j der sich nicht ergiessen konnte, indem eine Fuss 
dicke Schicht von schwarzgebranntem Mergelkalk denselben 
bedeckt. Der mit dem Diorit in unmittelbai-er Berührung 
stehende Kalkstein ist in einen grobkörnigen, blauen Kalk- 
Marmor umgewandelt; das körnige Gefüge verliert sich aber, 
je mehr man sich vom Diorit entfernt , und in einer Weite 
von 15 Schritten erscheint wieder der gewöhnliche, dichte 
Kalkstein. Die Schichtung h«t keine merkliche Störung ei*- 
litten. Der Steinbruch von Stanislawic gleicht vollkommen 
dem Berge Canzocoli bei Predazzo'^ nur sind die Verhält- 
nisse am letzt genannten Punkte in viel grösserem Maas- 
stabe entwickelt. Des Canzocoli Höhe wird gegen tausend 
Fuss über Predazzo betragen ; die eine Hälfte besteht aus 
Granit, die andere aber aus weissem Marmor, dem Carrari- 
schen völlig gleichend. In der Höhe wird der Kalk grob- 
körniger und blau. Diese Farbe stimmt ganz überein mit 
jener des Marmors von Stanislawic. Woraus besteht das Pig- 
menti Ist es vielleielit ein organischer Stoff, der dieselbe 
Fai'be beim Anhydrit und anderen Mineralien veranlasst. 
In einer Strecke von einigen Tausend Fuss verliert sicli das 
spathige Gefüge des Marmors und es 'tritt gewöhnlicher 



- 21 - 

Kalkstein auf, wie er sich an so vielen Punkten im Val di 
Fiume findet. 

Ähnliche Umwandlungen des Kalksteines kann man be- 
obachten auf dem Plateau des Berges, der am nächsten bei 
Cieszyn liegt. Diorit ist bis in die Höhe vorgedrungen. 
Seine Farbe unterscheidet ihn deutlich von den angrenzen- 
den Gesteinen: er ist ganz verwittert und in kleine Stücke 
zerfallen; der Kalkstein ist in jener Höhe zu blauem, grob- 
körnigem Marmor geworden; die schieferigen Thone aber 
erscheinen schwarz und hart gebrannt. Nichts unterschei- 
det also diese beiden beschriebenen Punkte, obgleich am 
letzteren die Verhältnisse nicht so klar aufgedeckt sind. 
Besonders deutlich erweisst sich der feurige Ursprung des 
Diorites am Abhänge des Berges in der Richtung gegen 
Wyzsze Pastwiska ( Wischsche Pastwiska). Der grosse Stein- 
bruch, welcher gerade stark betrieben wurde, liess Hrn. 
PuscH und mir keinen Zweifel über den vulkanischen Ur- 
sprung des Diorites. Er durchbricht den schieferigen Kalk- 
mergel und schieferigen Sandstein, hat sich aber nicht über 
die festen Schichten ergossen, sondern ist zwischen dieselben 
eingedrungen, und bildet da drei paralelle Lager, 2 — 3 Fuss 
mächtig. An einem nicht aufgedeckten Ende findet sich 
Diorit in Masse, und es scheint, dass von hier die flüssige 
Lava eingedrungen ist zwischen die neptunischen Ablage- 
rungen. In diesem Steinbruche hat der Diorit seine grüne 
Farbe meist verloren , gewöhnlich findet er sich von hell- 
grauer Farbe , und hat mehr ein erdiges , als körniges Ge- 
füge : öfters sieht man Kalkspath ausgeschieden. Diese Um- 
wandlung des Diorites scheint wohl dui'ch die bedeutende Auf- 
nahme von kohlensaurer Kalkerde hervorgegangen zu seyn ; 
dieses beweisst das starke Brausen mit Säuren. Vor dem 
Löthrohre zeigt sich diese Abänderung leicht flüssig, und 
gibt eine schwarze Perle. Schwefelkies findet sich öfters 
eingesprengt, an manchen Stellen häuft er sich bedeutender an, 
und bildet kleine Schichten. Ausser dem Schwefelkies findet sich 



— 22 — 

ein rothes Fossil mit deutlich blättrigem Bruche ; es ist theils 
einzeln eingestreut, theils häuft es sich an und durchzieht 
das Gestein in gewissen Richtungen. Es hat viel Ähnlich- 
keit mit Glimmer; ob es damit identisch ist, kann nicht ent- 
schieden werden wegen der kleinen Quantität, die aufge- 
funden war. 

Die mit dem Diorit wechsellagernden Schichten , beste- 
hend aus schieferigem Kalkstein, Kalkmergel und zum Theil 
aus Sandstein, sind vollkommen durchgebrannt und in ein 
festes Gestein umgewandelt; die Farbe ist auch vei'ändert: 
man sieht schöne gelbe und grüne Streifen; letztere werden 
durch die Diorit-Masse bewirkt, und namentlich durch Horn- 
blende. Die abwechselnden bunten Farben , wozu noch ei- 
nige graue treten , geben dieser gebrannten Masse ein sehr 
angenehmes Ansehen. Zuweilen dringen kleine Lagen von 
Kalkspath ein ; seltener ünden sich dünne Lagen von Schwe- 
felkies, die dem Diorit anzugehören scheinen. 

Der grosse Steinbruch von Wyzcze PastwisJia besteht 
aus folgenden Schichten : der oberste Theil aus Damm- 
erde; sodann folgt eine dünne Schichte von schwarzem schie- 
ferigen Letten; darunter liegt ein grünliches kalkiges Ge- 
stein, vom Diorit gefärbt, als eine vielfach gesprungene mas- 
sige Schicht. Nun folgen Schichten von gebrannten Schie- 
fern, mit deutlich erhaltener Schichtung. Darunter kommt 
die erste Lage von Diorit, die sich mit der zweiten verbin- 
det: zwischen beiden liegen die erwähnten Schiefer, wie 
auch zwischen ihnen und der dritten Diorit -Lage. 

Die Schiefer sind auf ähnliche Weise umgewandelt, 
wie die Sandsteine der blauen Kuppe bei Eschwege : ebenso 
drang hier die Diorit-Masse zwischen die Schichten, wie 
dort der Basalt. 

Am Fusse desselben langgestreckten Berges, dicht am 
Dürfe Bogucice (Bo-juzize) sieht man eben so deutlich die 
Umwandelung neptunischer Gesteine ; sie sind ähnlich denen 
im grossen Steinbruche. Nicht nur die Veränderungen an 



— 23 — 

den wässrigen Niederschlägen treten hier deutlich hervor: 
man sieht auch, Avie aus Syenit Diorit wird. Der Syenit 
von Bogucice ist grobkörnig, die schwarzen Hornblende - 
Säulen laufen strahlig auseinander und walten vor. Je hö- 
her das Gestein aufsteigt, desto kleiner werden die Körner 
und unmerklich wird es zu einem deutlichen Diorit, mit dem 
Unterschiede, dass in den niedrigeren Theilen ein gröberes, 
in den höheren ein kleineres Korn sich findet. Es scheint 
daraus zu folgen , dass die flüssige Syenit-Lava , indem sie 
kalkige oder mergelige Gebilde berührte, diese in sich aufge- 
lösst und sich so in Diorit verwandelt hat. Durch 
diese Verbindung aber erkaltete dieselbe zum Theil und 
hatte nur noch so viel Wärme , um die nicht aufgelössten 
Gesteine durchzubrennen. 

Ähnliche Verbindungen von Syenit und Diorit, die in 
Berührung mit Kalkstein stehen, finden am Mowzom- Berge 
Statt, den ich im J. 1828 bestieg, wo ich die vortreffliche 
v. Bucn'sche Beschreibung vollkommen bestätigt fand. Blaue 
hörnige Kalksteine mit vielen eingeschlossenen prächtigen 
Fossilien, nämlich Pleonast, Idokras, Fassait etc., bilden 
das oberste Lager. Das erste Mineral ist der oberen Kalk- 
stein-Schichte, Idokras und Fassait den unteren eigen. Zwi- 
schen diesem Kalksteine und dem deutlichen Syenite , der 
den Fuss und einen grossen Theil des Abhanges der Monzoni- 
Alpe bildet , findet sich ein Mittel - Gestein zwischen Diorit 
und Sei'pentin : an seiner Grenze aber zeigt der Syenit 
ein unverkennbares Schwanken: das Korn wird kleiner, 
weniger deutlich krystallinisch und stai'k zersetzt; man er- 
blickt noch weisse Feldspath- Punkte, bis er endlich zu Dio- 
rit wird. 

Es ist wohl möglich, dass alle Diorite Deiitscklandts, 
Schottlands u. s. w. aus Syenit entstanden sind : durch Auf- 
nahme von Kalkstein. Die krystallinische Syenit -Masse 
konnte nicht auskrystallisiren , indem ein neuer Bestandtheil 
hinzugetreten. Gewöhnlich haben Dioi'ite eingesprengten 



— 24 - 

Kalkspath, oder machen einen Übergang in Diorit- Mandel- 
stein (Haüsmann's Kugelfels), dessen Mandeln, mit Kalkspath 
ausgefüllt, durch eine bedeutende Anhäufung des Kalkes 
entstunden. Von wenigen Geologen wird bei dem jetzigen 
Stande der Wissenschaft bezweifelt, dass Syenit und Dio- 
rit pyrogener Natur sind 5 es können also gar wohl beide 
gleichzeitig gebildet seyn und nur verschieden erscheinen, 
indem einige, welche mit Kalkstein in Berührung kamen, 
zu Diorit umgewandelt wurden, andere aber, welche die- 
ses Material nicht bei ihrem Durchbruche trafen, Sye- 
nit blieben und so in die Höhe stiegen. 

Dieselben Umwandlungen geschichteter Gesteine , wie 
man sie bei Cieszyn so deutlich sieht, finden sich in der 
Umgebung an vielen Orten; nur treten die geognostischen 
Verhältnisse nicht so klar hervor. Einige genauer beobach- 
tete will ich erwähnen. Bei Kozobenz, bei der Schanze 
dicht am Schlosse, trittDiorit hervor. Der schieferige Thon 
ist hier schwach gebrannt und schwarz. Der Diorit zeigt 
sich sehr kalkreich , und am Ende des Dorfes Kozobenz 
wird er zu Kugelfels oder Diorit - Mandelstein. Bei Grad- 
ziszcze ( Grodschitsche ) , wo thoniger Sphärosiderit zu Tage 
gefördert wird, der im Kalkstein eingelagert ist, bricht an 
zwei Punkten Diorit hervor ; an einem ist er feinkörnig, 
am anderen von gröberem Korne. 

Schliesslich will ich noch eines Phänomenes gedenken, das 
für den ersten Bück in keinem Zusammenhang mit den Dio- 
riten zu stehen scheint. Ich meine den Karpathen-Sandstein 
der Bieskiden, der von Cieszyn bis weit hinter den Aus- 
fluss der Raba eine südliche Schichten - Neigung zeigt. An 
einigen Stellen sind die Schichten beinah auf dem Kopfe 
stehend, und dieses Einfallen dauert bis zum Fusse der 
Tatra , wo sie theils horizontal liegen ( Zakopana ) , theils 
sehr zerrüttet sind ( Poronin ). Der Diorit findet sich am 
nördlichen Fusse nicht nur bei Cieszyn^ sondern auch an 
anderen Punkten. Bei Sygnecxow ^ einem unfern Wieliczka 



- 25 _ 

gelegenen Dorfe in hügeliger Gegend, hat Pusch viele 
Diorit - Blöcke beobachtet. Weiter gegen Osten ist ein 
Trachyt - Kegel, der Bei'g Ktviatkowka bei Szczawnica 
(_Schawniza^, Das Gestein besteht aus Feldspath (Ryako- 
lith ? ) und deutlichen Krystallen von Hornblende , und hat 
Vieles gemein mit dem Syenit von Bogucice. Zieht man 
eine Linie über Cieszyn, Sygneczow und Szczawnica, so 
wird sie ziemlich gerade ausfallen. Sollte nicht das süd- 
liche Einschiessen des Karpathen- Sandsteins in den JBieshi- 
den durch die erwähnten Felsarten bewirkt werden? 



Kurzer Bericht 

über 

die in der mineralogiscli-geologischen Sek- 
tion der Versammlung der Deutschen Na- 
turforscher im September 1833 in Breslau 
abgehandelten Gegenstände. 

(Eingesandt.) 



Die mineralogisch-geologische Sektion bei der Versamm- 
lung der Deutschen Naturforscher in Breslau (im Septem- 
ber 1833) hat im Ganzen 6 Sitzungen gehalten, welche alle 
sehr zahlreich besucht waren und eine grosse Thätigkeit 
entwickelten. Durch die hohe Theilnahme Sr. Exe. des 
Herrn Grafen K. v. Sternberg und Sr. Exe. des wirklichen 
Geheimen Rathes Herrn Al. v. Humboldt wurden dieselben 
ganz vorzüglich belebt und lehrreich gemacht. 

Von den in diesen Sitzungen abgehandelten Gegenstän- 
den ist Folgendes ein ganz kurzer, übersichtlicher Bericht, 
nach den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft geordnet. 

1. (Krystallographie und Mineral-Physik.) 
Einen krystallographischen Vortrag hielt Prof. Frankenheim, 
dessen Gegenstand die Ausbildung der Krystall - Reihen und 
deren Verhältniss zu den Kohäsionsgraden war. — über 
verschiedene Einschlüsse in Chalzedon und Berg - Krystall 
theilte Prof. Glocker einige Bemerkungen mit, unter Vor- 
zeigung von Exemplaren beider Mineralien. v"n dpnen eui 



- 27 - 

Berg-Krystall kleine isolirte, vollkommen durchsichtige, edle 
Gi'anaten in scharf begrenzten Rhombendodekaedei'n, ein 
paar Chalzedone aber wahre Flechten enthalten. 

2. (Mineralchemie.) Von mehreren Schlesischen 
Fossilien machte Hof- Apotheker Zellner aus Pless neue 
chemische Analysen bekannt, nämlich vom Striegauer Bolus, 
vom Stilbit von Nimztsch, vom Kalait, von einem neu ent- 
deckten Chrom -Ocher aus der Waldenhurger Gegend, vom 
Landshiiter Steinmark, von einem feldspathigen Mineral vom 
Zohten und Von einem Kalkspathe aus Tarnowitz, welcher 
0,01 HumussHure enthält. 

3. (Specielle Oryktognosie. ) Oberbergrath 
Singer aus Brieg sprach über den jetzt sehr selten gewor- 
denen Lievrit von Kupferherg '^ Prof. Zipser aus Neusohl 
über mehrere Ungarische Mineralien, namentlich über den 
Ungarischen Lievrit, Obsidian, Opal und Menilit; Al, v, 
Humboldt über verschiedene Schwefel- Vorkommnisse 5 Prof. 
Glocker über ein neues Vorkommen von Schwefel auf Blei- 
glanz und Bleierde in dem Dolomit des Muschelkalks bei 
Tarnowitz, — über den von ihm in Mähren entdeckten Spodu- 
men, — über einen durch die eigenthümliche lineare Gruppi- 
rung seiner Kügelchen merkwürdigen Hyalith von Striegau 
— und über ein mit Braunkohle durchsetztes Steinsalz aus 
Wieliczhay das einen ausserordentlich starken, Ekel erregen- 
den Geruch verbreitet. — Dr. v. Mayer aus Bukarest hielt 
einen Vortrag über eine neue, in der Moldau entdeckte 
Wachs-artige Substanz von bituminösem Gerüche, welche in 
ökonomischer Beziehung sehr wichtig zu werden verspricht, 
indem daraus Lichter, die den Wachslichtern ähnlich sind 
und einen angenehmen Geruch verbreiten, verfertigt werden 
können. Prof. Glocker brachte für dieses neue Mineral 
den in alle Sprachen passenden Namen Ozokerit ( von 
o^or, riechend, und v.r]Qoq^ Wachs) in Voi'schlag, statt des- 
sen jedoch in der Deutschen Sprache auch die Benennung 
Erdwachs gebraucht werden kann. — Vorgezeigt wurden 
«nter Begleitung von wenigen Bemerkungen: ein schöner. 



— 28 — 

welsslich gelber Bernstein, der in Schlesien gefunden wor- 
den war, durch den geheimen Medicinalrath Dr. Wendt; 
ein Silber-haltiger Bleischweif aus der Bukowina durch 
den Prof. Sa w AD SKI aus Lemberg', einige zeolithische Mi- 
neralien , besonders M e s o t y p , aus dem in der Nähe von 
Oppeln vorkommenden Basalte , durch den Apotheker Gra- 
BowsKi aus Oppeln i eine sehr feste Kennelkohle aus 
Asfurien, dort Azabache genannt, vom Bergwerks-Tngenieur 
EzftUERRA DEL BaYO aus Tudclß in Spanien ; einige Exem- 
plare des vor Kurzem bei Friesdorf unweit Bonn entdeck- 
ten Elhuyarit's durch den Prof. Glocker, und ein 
grosser Feldspath-Zwilling von Lomnitz im Riesenge- 
birge durch den Herrn Grafen Schaffgotsch aus Breslau. 

4. (Geognosie, Geologie, physische Geo- 
graphie.) L. v. Buch liess das auf Ersuchen der vor- 
jährigen Versammlung von ihm angefertigte Farben- 
schema zur Illuminirung g eognos tisch er Kar- 
ten in einer Anzahl von Exemplaren vorlegen und zu nähe- 
rer Prüfung vertheilen. Zugleich wurde die nach diesem 
Farbenschema illuminirte neue geognostische K ar te 
von Deutschland, eine zweite Auflage der bekannten, 
bei Schrupp in Berlin herausgekommenen Karte, im Auf- 
trage V. Buch's vorgezeigt. Al. v. Humboldt machte auf 
mehrere Vorzüge dieser Karte aufmerksam, und empfahl 
bei dieser Gelegenheit für Profile noch eine andere Be- 
zeichnungsart ohne Farben, mit symbolischen Zügen, deren 
er sich auf einer von ihm eben in Paris erscheinenden 
Karte des Thaies von Mexico bedient hat. Inspektor Zippe 
aus Prag machte einige Bemerkungen über die Darstellung 
Böhmens auf der genannten ScHROPp'schen Karte. — Prof. 
Zeune aus Berlin schilderte ein Relief des Riesenge- 
birgs, welches ein Lehrer in Bunzlau (in Schlesien') ange- 
fertigt hat, und Diakonus Berndt erinnerte an ein ähnliches 
Relief ebendesselben Gebirges, welches sich in der Bres- 
lauer Bauschule befindet. — Major v. Strantz zeigte einen 
Pendelquadranten zum Höhemnessen vor. 



— 29 - 

EzauERRA DEL Bayo theilte allgemeine Betrachtungen 
über die Bildung der ürfelsarten mit. Seine Theo- 
rie gab zu einer Diskussion Veranlassung, wobei besonders 
die geäusserte Idee des Niederschlags des Kohlenstoffs aus 
der Atmosphäre von Seiten des Herrn v. Humboldt Wider- 
spruch fand. — Oberbergrath Steinbeck aus Brieg hielt 
einen Vortrag über den Granit der Niederschlesischen 
Ebene, und machte vornehmlich auf die demselben eingela- 
gerten Gneiss-Brocken aufmerksam, an deren Grenzen der 
Granit durch Auflösung des Feldspaths sich umgewandelt 
zeigt. Derselbe verbreitete sich auch über die Basalte bei 
Sfrtegau, in deren Nähe er den Granit gleichfalls verändert 
antraf, und über das ausgedehnte Quarz- Gebirge jener 
Gegend. — Prof. Glocker sprach über die bisher noch 
nicht mit Sicherheit bekannt gewesene Kreide-Forma- 
tion im südlichen Theile Oberschlesiens ^ und zeigte eine 
bei Lasswitz unweit Neustadt in Oberschlesien aus einer 
Tiefe von 40 Ellen unter Thon- und Mergel-Lagen ausgegra- 
bene reine Kreide und einen weissen körnigen Kalkstein 
vor, welcher von ihm mitten in dem dichten Kreide -Kalk- 
stein bei Oppcln gefunden worden war. 

Der Betrachtung über die Bildung des Erdöls 
war ein Vortrag des Bergamts - Direktors Dr. Reichenbach 
aus Blansko gewidmet * ). Er bemühte sich zu beweisen, 
dass dasselbe ein präexistenter Bestandtheil der Steinkohlen 
und zwar nichts Anderes, als das Terpenthinöl der Pinus - 
Arten der Vorwelt sey, wogegen v. Humboldt die Einwen- 
dung machte, dass die Pflanzenreste, die man in Steinkoh- 
len findet , bei Weitem grösstentheils keinen Pinus - Arten, 
sondern Palmen und Farrenkräutern angehören, daher denn 
die Pflanzen wohl erst später von dem Öle durchdrungen 
worden seyn mögen. 

Diakonus Berndt machte den Vorschlag zur Stiftun<y 
eines Vereins zur Förderung der allseitigen 



*) Vigl. dieees Jahrbuch 1833. S. 523. 



- 30 - 

Kenntniss der Sudeten, sowohl Schlesischen als Böhmi- 
schen und Mährischen Antheils, und zugleich zur Heraus- 
gabe eines diesem Zwecke dienendenJournals. 
Graf V. Sternberg erklärte sich geneigt, von Seiten der 
Gesellschaft des Bähmischen National-Museums die Hand zu 
einem solchen Vereine zu bieten; Dir. Dr. Reichenbach 
versprach seine Unterstützung von Seiten Mährens, Der 
Gegenstand wurde in zwei Sitzungen besprochen und ein- 
stimmig der Beschluss gefasst, zu dem angegebenen Zwecke 
durch gemeinschaftliches Zusammenwirken der Schlesischen 
und Mährischen patriotischen Gesellschaften und der Gesell- 
schaft des vaterländischen Museums in Böhmen ein Journal 
herauszugeben, dessen Redaktion in Breslau seyn soll. Die 
einzelnen Abtheilungen dieser Zeitschrift, die mineralogisch 
geognostische, botanische u. dgl., sollen auch unter besonde- 
ren Titeln zu erhalten seyn , und namentlich soll sich die 
mineralogisch - geognostische Abtheilung an Glocker's Bei- 
träge zur mineralogischen Kenntniss der Sudetenländer (Heft 1, 
1S27), deren Fortsetzung gewünscht wurde, anschliessen. 
Alles Weitere über diesen Gegenstand und die Art der 
Ausführung bleibt späteren, desshalb zu veranstaltenden Zu- 
sammenkünften der ÄcÄ/m^CÄ-patriotischen Gesellschaft, und 
gemeinsamen Verabi'edungen der drei genannten Gesellschaf- 
ten vorbehalten. 

Prof. Glocker theilte den Inhalt eines vom Sekretär 
der geologischen Gesellschaft in Frankreich, Hrn. A. Boue, 
aus Paris erhaltenen Schreibens mit , welches über die dor- 
tige geologische Gesellschaft, deren neueste Arbeiten, deren 
Versammlung in Clermont, über die grosse naturwissenschaft- 
liche Thätigkeit, die gegenwärtig in Paris herrscht, u. dgl. 
sehr interessante Nachrichten gibt. 

5. (Petrefaktenkunde.) Oberbergrath v. Decken 
hatte einige noch unbestimmte Fisch-Abdrücke im Kalk- 
schiefer der rothen Sandstein - Formation von Ruppersdorf 
in Böhmen eingesandt. Medicinalrath Dr. Otto legte eine 
arosse Anzahl von Versteinerungen vor , a u s v e r - 



— 31 — 

schiede nen Kalksteinen Oberschlesiens , Niederschle- 
siens und der Lausitz, sowohl aus dem Oberschlesischen Mu- 
schelkalk, als aus Geschieben Niederschlesiens und der Lau- 
sitz , von denen ein grosser Theil aller Wahrscheinlichkeit 
nach aus Skandinavien stammt. Prof. Zeune sprach über 
die zumal in Geschieben vorkommenden Versteinerun- 
gen der Mark Brandenburg nach des Direktors Klö- 
DEN Beobachtungen , und hob besonders hervor , dass nach 
des letztern Ansicht das Vaterland der Märkischen Ge- 
schiebe durch die Versteinerungen zweifelhaft werde, in- 
dem 4 aller Skandinavisch- Märkischen Versteinerungen bloss 
Märkisch, y bloss Skandinavisch^ \ aber gemeinschaftlich Mär- 
kisch und Skandinavisch seyen. — Markscheider Bocksch aus 
Waidenburg zeigte sehr schön erhaltene Terabuliten 
aus dem Übergangs-Kalkstein bei Freyburg in Schlesien^ und 
eine neue Trilobiten- Art , Prof. Sawadski einen gros- 
sen Ammoniten aus den Zentral - Karpathen , Apotheker 
Grabowski verschiedene nieu aufgefundene Versteine- 
rungen aus dem Kreide -Kalkstein von Oppeln. 
Prof. Agassiz aus Neufchatel sprach über die fossilen Fi- 
sche, sofern sie zur Bezeichnung der Gebirgs- Formationen 
dienen,, und über die von ihm gemachte Eintheilung dersel- 
ben nach dem Baue der Schuppen in Plakoideri, Ganoi- 
den, Ktenoiden und Cykloiden. 

Vom Mai'kscheider Bocksch wurde in einer der Sitzun- 
gen nebenbei ein grosser Grubenschwamm , dem Boletus 
turritus am nächsten verwandt , vorgelegt , welcher in 
der Gotthelf-Grnhe bei Hartau unweit Gottesberg in Schle- 
sien gefunden worden war. 



Unter den Vorträgen, welche in den allgemeinen Sitzun- 
gen der diessjährigen Naturforscher - Versammlung gehalten 
wurden, befand sich auch ein minei'alogischer , nämlich der 
Vortrag des Prof. Glocker über die Grundsätze der 
Klassifikation in der Mineralogie und Geo- 
g n o s i e. 



Briefwechsel. 

Mittheilungen an den Geheimenrath v. Leonhard 
gerichtet. 



Giesen, den 17. März 1832 *). 
Eine Mittheilung im 1. Hefte des II. Jahrganges Ihres Jahrbuches 
über meine Bemerkungen auf einer Reise durch Böhmen hätte ich bei- 
nahe übersehen. Ich wünschte sehr, einige Handstücke der als Phono- 
lith bekannten Massen, welche theilweise gewiss einen trachytischen 
Charakter nicht verleugnen, aus Böhmen mitgebracht zu haben, um sie 
Ihnen zur Entscheidung vorlegen zu können. Zwischen dem Trachyt, 
welchen Sie am Pferdskopfe im ÄAöw-Gebirge erkannten , und diesen 
Gesteinen würden Sie 'kaum einen Unterschied entdecken. Ich muss 
dcsshalb bezweifeln , dass Herr Zippe mit den lokalen Verhältnissen 
der dortigen Gebirge sehr vertraut geworden ist. Die Berichtigungen 
von Ortes- und Berges-Namen, welche er daselbst S. 81 gibt, ist sehr 
dankenswerth. Übrigens sind auf der von ihm bezeichneten Karte, welche 
ich auf meiner Reise auch benutzte, die meisten in meinen Mittheilungen 
enthaltenen Berges-Namen nicht enthalten, und ich war auf die Angaben 
meines wohl Lokal-kundigen, aber mit der Kunst zu buchslabiren wenig 
vertrauten Führers beschränkt. Ausser den Arbeiten des Kaiserl. General- 
Quartiermeister-Stabes ~ welche, so viel mir bekannt, noch nicht publik 
gemacht worden — besitzt man über jene Gegenden keine gründlich 
ausgeführte topographische Karte, so dass, wie Herr Zippe sich ausdrückt, 
hiernach leicht Böhmische Dörfer zum Vorschein kommen können. Doch 
denke ich, sind Böhmische Dörfer dieser Art immer noch mehr zu ent- 
schuldigen, als solche, welche man in die Wissenschaft einkleidet, zumal 
wenn das in Böhmen selbst geschieht. Denn die unsonor klingen- 
den Kunstwörter Brongniart's , welche Herr Zippe in seine Übersicht 
der Böhmischen Gebirgs-Bildungen aufnahm, dürften am wenigsten in 



*) Durch Zufall verspnfet. 



— 33 — 

Deutschland, dem Vatcriande der Geologie, als empfehlenswerth erschei- 
nen. Ein ganz eigentliümlicher Geschmack gehört dazu , die bisher 
bräuchliche, verständlichere Nomenklatur gegen ein solches Musterwerk 
von Wort-Kombinationen vertauschen zu wollen. — 

Auf der neulich nach Westphalen unternommenen Reise habe ich 
leider bei fast beständig schlechter Witterung nicht zur Hälfte meinen 
Zweck erreicht, aber doch einiges Bemerkenswerthe gesehen. Meine 
Beobachtungen liegen noch im Tagebuche da. Sobald es mir die Zeit 
gestattet, werde ich sie zusammentragen und Ihnen zusenden. Was sich 
mir aber vorzugsweise zu ergeben scheint, ist, wenigstens in vielfacher 
Hinsicht, die grosse Ähnlichkeit des Norddeutschen old red sandstone 
mit den alten Sandstein-Bildungen des linken Mittelrheins zwischen der 
Haardt und dem Hundsrück, sodann mit dem Darmstädter und Vilbeler 
Sandstein und noch anderen. Ich fange an zu glaubeUj der old red 
sandstone der Engländer sey in Deutschland nicht in beschränkter Ver- 
breitung vorhanden. 

Mit der Einreihung einiger Kalksteine in Westphalen zu denJ moun- 
tain limestone ist man, dünkt mir, etwas zu voreilig gewesen. Denn 
dieser müsste doch zwischen dem old red sandstone und den Steinkohlen 
zu suchen seyn. Aber da ist kein Kalkstein. Man hat also wohl den 
zwischen Thon-Schiefer und Grauwacke-Schiefer weit sich erstreckenden 
Übergangs-Kalk damit verwechselt. Diesem Übergargs-Kalk gehört auch 
der versteinerungsreiche Kalkstein von Bensberg an, welcher von dem 
Mineralien - Komptoir einige Mal in den geologisch - petrefaktologischen 
Lieferungen als Bergkalk ausgegeben ist, wie mich Herr Bergmcisfer 
ScHiHiDT in Siegen mit Bestimmtheit versicherte^ »«• ")• 

A. Klipstein« 



Mexico, am 29. Mai 1833 =•'*)• 
Die letzten Tage meines Aufenthaltes in Angangneo beschäftigte ich 
mich noch mit gcognostischen Untersuchungen für eine später auszuar- 
beitende Revier-Beschreibung. Auf der Reise hierher machte ich, unge- 
achtet der dringenden Eile, eine interessante Entdeckung ; ich fand näm- 
lich einen Zahn von einem sehr grossen Kräuterfresser (wahrscheinlich 
Manimuth) im Trachyt-TufF, welcher allem Anscheine nach ein Produkt 
der Zersetzung des Trachytes ist. Später werde ich weitere Nachsu- 
chungen anstellen und die Resultate derselben nachfolgen lassen. Der 
hiesige Trachyt selbst enthält auf den Klüften sehr häufig einen IJbcr^ 
zug von Hyalith. 

Der körnige Kalkstein vowSt. Jasidel Oro scheint viele Phänomene 



*) Jene Angabe geschah nach den Versteinerungen ; — Nacliweisnng entscheidender 
Lagerungs-Verliältnisse werden sehr dankenswerth seyn. D. R. 

*-) Der Brief iit an Hr. Dr. B. CorxA gerichtet, und von diesem mir niitg-ethcilt 
worden. h. 

Jahrgang 1834. 3 



- 34 — 

darzubieten , weiche für Leonhard's Ansicht sprechen. Er komiut mit 
Syenit und Trachyt zusammen vor, und häufig entspringen heisse Quel- 
len aus ihm. Doch auch hierüber muss ich die ausführlicheren Mitthei- 
lungen versparen, bis ich Zeit gewonnen habe, diese Erscheinungen ge- 
nauer zu untersuchen. 

Mineralogisch interessant schienen mir: Malachit und Kupferlasur, 
die ich als ganz jugendliche Bildungen auf einer Holzkohle in einer al- 
ten Schlackenhalde fand, und Eisenvitriol eingeschlossen in ganz der- 
ben Schwefelkies, von einer unserer hiesigen Gruben. 

£. SCHLEIOEN. 



Krakaif, den 6. August 1833. 

Mein Handbuch der Mineralogie ist schon seit einiger Zeit 
fertig und fülirt folgenden Titel : Systemat Mineralow wedlug rasad 
J. J. Ber%(dius%a iilozyl Liidwik Zeiszner (d. h. System der Mineralien, 
nach den Grundsätzen von Berzelius geordnet von L. Z.), Krakäu in 
8. 1833. 

Auch ist hier vor Kurzem eine Dissertation erschienen von Dr. 
Freyer, unter dem Titel: O Bursztynie. Krakau in 8. 1833. 

Beide diese Bücher habe ich Ihnen durch Reisende zugesendet, und 
hoffe, dass Sie vielleicht schon eines davon erhalten haben. 

In Lemberg ist ein Werk erschienen über die Schwefel-Quelle von 
Konopowka, von einem recht tüchtig wirkenden Manne, Herrn Toro- 
siEWicz ; es führt den Titel : Rozbiur fizyczno-chemiczny %rodla siar- 
czystego u Konopowce u Galicyi przez Teodora Torosiewicza in 8. 
(Physikalische und chemische Untersuchungen über die Schwefel-Quelle von 
Konopowka in Gallizien v. T. T.) 

Zeuschner. 



Kklce, den 12. August 1833. 

Es dränct mich, Ihnen eine Mittheilung zu machen, die gewisser- 
maasen durch Ihren letzten so lehrreichen Brief angeregt ward, und 
vielleicht mit den denkwürdigen Thatsachen in einen gewissen Einklang 
zu bringen ist, die Sie mir über den körnigen Kalk von Auerbach mit- 
thcilten. 

Schon seit längerer Zeit ist mir immer ein Kalkstein aufgefallen, 
der zwei Meilen von meinem Wohnort, im Dorfe Zagdainsko, die Kuppe 
eines länglichen Berges bildet, dessen Fuss und unteres Höhendrittel 
nebst der ganzen dortigen Umgegend aus rothem Sandstein oder Todt- 
Liegendem besteht. Dieser Kalkstein, mit dem kein anderer von den 
mehrfachen hierländischen Kalkstein-Bildungen ganz übereinstimmt, ist 
im Allgemeinen von theils grauen, theils bunten Farben, meist ausser- 
ordentlich schwer zersprengbar, schwer, und afficirt, obwohl nur theil- 
weise und schwach, die Magnetnadel, — Zweifelsohne rühren beide 



— 35 - 

let^^tcre Eigenschaften von einem gewiss nicht unbeträclitlichen Eisen- 
gehalt her, der sich übrigens aucli nocli sichtbar in einzelnen Körnern 
Parthieen und Adern von Spatheisenstein, Eisenocker und Eisenglinimer, 
jedoch diesen mehr nur in Flinimerclien, zu erkennen gibt, und vorzüg- 
lieh die Eigenthümliclikeit des Kalksteins mit markircn hilft. Im Ein- 
zelnen gleichen manche Kalkstein-Varietäten der Wackc, in andern spricht 
sich ein Jaspis-artiger Habitus aus, und alle diejenigen, welche ein 
körniges Gefiige und viele eingemengte Kalkspath-Blättchen wahrnehmen 
lassen, sind häufig mit Versteinerungen von Madreporiten erfüllt. Ge- 
wöhnlich aber haben diese wieder eine Umwandlung in Spatheisenstein 
erlitten, oder sie sind, mit Zurücklassung leerer Räume, gänzlich ver- 
schwunden, und die Wände der letzteren wieder mit kleinen Spatheisen. 
stein-Krystallen begleitet, worunter vielleicht auch noch sehr kleine Do- 
lomit [Bitterspath-] Krystalle seyn könnten. Doch wage ich dieses Letztere 
noch nicht bestimmt zu behaupten. Ausser jenen genannten Einmengun- 
gen sind mir keine andere Fossilien zu Gesicht gekommen, eben so wenig 
bis jetzt Bruchstücke oder Brocken anderer, besonders benachbarter, 
Gesteine ; aber es ist auch die ganze Kalkstein-Parthie nur wenig noch 
entblösst, und desshalb weder ein Beziehungs-Verhältniss zum rothen 
Sandstein, noch die Art und Weise der Schichtung, und ob wirklich eine 
solche vorhanden ist, wahrzunehmen ; nur Das sieht man, dass das Ge- 
stein sehr zerklüftet ist, und die Zerklüftungen seiger niederzusetzen 
scheinen. 

Ich habe zeither diesen Kalkstein für eine dem rothen Sandstein 
eubordinirte Einlagerung angenommen, und so darüber in meiner Schrift 
über die Polnischen Gebirgs-Formationen Erwälinung gethan, und ihn, 
in der derselben beigefügten petrographischen Karte angedeutet. Ihre 
neuen Beobachtungen aber über die Bildung körniger Kalke, und dabei 
der Umstand, dass die Fesseln des absoluten Neptunism immer mehr 
zu zerbrechen scheinen, lassen mich in diesem Kalkstein vielleicht 
ein plutonisches Gebilde erkennen. Ich sage , beim Mangel noch erst 
aufzufindender mehrfacher Fakta , nur vielleicht , und unterwerfe 
meine Ansicht Ihrer Meinung. Hauptsache bleibt es nun, noch viel- 
fältigere Thatsachen auszuforschen; ein Geschäft, das leider aber nicht 
ohne bergmännische Schurf-Arbeiten zu bewirken ist, weil Dammerde und 
Ackerland nicht bloss die Scheiden des Kalk- und Sand-Steins, sondern 
auch bis auf geringe Entblössungen beide Fclsarten selbst gänzlich be- 
decken. 

Blöde. 



Tharand, den 30. August 1833. 

So eben bin ich von einer geognostischen Reise zurückgekehrt, die 

ich auf Veranlassung des Oberbergamtes unternalim. Der Hauptzweck 

dieser Reise war die Untersuchung der Thonschiefer-Parthie zwischen 

Öderan und Kirchberg, welche auf der Südseite vom Gneiss und Glim- 

3* 



nierschiefer des höheren Erzgebirges, auf der Nordseite'votn Roth-Liegen- 
den und von einzelnen Porphyr-Parthieen der Gegend von Zwickau und 
Chemnitz begrenzt wird. 

Dieser Thonschiefer geht so vollkommen in Glimmerschiefer über, 
dass seine Grenze gegen denselben nur an einzelnen Orten, vro zufalli- 
ge Merkmale zu Hülfe kommen, genau zu bestimmen ist ; ja ich bin oft, 
während ich mitten im Thonschiefer wandelte, zweifelhaft geworden, ob 
nicht Alles, was man hier als Thonschiefer kennt, eigentlich zum Glim- 
merschiefer zu rechnen sey. Fast immer erkennt man noch den Glanz 
des Glimmers und sieht deutlich, dass dieser Thonschiefer aus einem 
schieferigen Aggregate von laufer höchst feinen Glimmerblättchen be- 
steht. Auch Quarz ist überall in grosser Häufigkeit eingemengt zu fin- 
den, nur gehört er nicht mehr, wie im eigentlichen Glimmerschiefer, zu 
den feineren Gemengtheilen, sondern er durchzieht in Lagen von einer 
Linie bis zu mehreren Zollen Dicke das schieferige Glimmergestein, wel- 
ches oft deutlicher Glimmerschiefer wird, sobald der Quarz, feiner ver- 
theilt, das Gestein als eigentlicher Gemengtheil zusammensetzen hilft. 
Jene Abänderungen, wo der Quarz als gesonderte Massen das schiefe- 
rige Glimmer-Aggregat durchzieht, kann man noch eher mit dem Namen 
Thonschiefer bezeichnen : man muss dann den Quarz für einen zufälli- 
gen Gemengtheil nehmen, wie er im Thonschiefer sehr häufig als sol- 
cher vorkommt ; aber man kann auch eben so gut das Ganze einen gi- 
gantisch ausgebildeten Glimmerschiefer nennen , in welchem die einzel- 
nen Glimmerblättchen des gewöhnlichen Glimmerschiefers durch ein 
schieferiges Glimmer-Aggregat, und die Quarztheile durch 
grossere Linsen- oder PI a t ten - f ö rmige Quarz-Massen 
ersetzt werden. 

Wenn im eigentlichen Thonschiefer einzelne Quarz-Massen vorkom- 
men, so bringen diese in ihrer Nähe gewöhnlich auffallende Biegungen 
und Windungen der Schieferung hervor ; — das ist hier nur selten der Fall, 
und man sieht daraus um so mehr, dass der Quarz ganz eigentlich zum 
Gesteine gehört — nicht als ein fremdartiger Körper störend auf das- 
selbe eingewirkt hat. 

"^ Die Schieferiing und daraus abzuleitende Schichtung dieses Gesteins 
ist oft so gebogen und gewunden und an den verschiedenen Orten so 
abweichend, dass man aus ihr durchaus keine sicheren Schlüsse ziehen 
kann. Im Ganzen zeigt sich zwar ein der Längenverbreitung unge- 
fähr paralleles Streichen von ONO. nach WSW. mit nordwestlichem 
Einfallen , dieses wird aber durch so häufige und auffallende Abwei- 
chungen widerrufen, dass man nur wenig darauf geben kann. Es schei- 
nen danach die Schichten als unregelniässige Schlangen-Linien in der 
Längenrichtung der ganzen Verbreitung fortzuziehen. 

Li diesem sogenannten Thonschiefer findet sich nun eine Menge 
anderer Gesteine eingelagert; z. B. Grü ns tein , Gr uns tei n - Seh ie- 
fer, Alaunschiefer, körniger Kalkstein u. s. w. Der letz- 
tere ist es eigentlich, vvelcher mich veranlasst, Ihnen darüber zu scin-ei- 



— 37 - 

beil. Sie haben es zuerst ausgesprochen: dass vieler körniger Kalk 
wahrscheinlich nicht aus dichtem in körnige» umgewandelt, sondern aus 
dem Erd-Innern emporgequollen sey, so wie viele der übrigen abnormen 
Gesteine, Jetzt, wo es einmal ausgesprochen ist, werden sich von vie- 
len Seiten her Bestätigungen dieses Satzes ergeben, und Sie selbst 
sind darüber die ausführlicheren Mittheilungen dem grösseren Publikum 
noch schuldig. 

Einen kleinen Beitrag zu Ihrer reichen Sammlung von Thatsachen 
können Ihnen auch die erwähnten körnigen Kalksteine des Thonschiefera 
geben. Ich glaube zwar nicht, dass diese als feurig - flüssige Ge- 
bilde den vorhandenen Thonschiefcr durchdrungen haben, dagegen spricht 
hier Vieles ; aber ich glaube sicher, dass sie mit demselben gleichzeitig 
entstanden, d. h. gleichzeitig an der feurig- flüssigen Erd- 
oberfläche erstarrt sind. Wenn diess nun der Fall ist, wie ich 
für meine Person es überzeugt bin, so ist es ein neuer Beweis für Ih- 
ren Satz; denn dann ist auch hier das Kalzium als kohlensau- 
rer Kalk (körniger Kalkstein) aus der f e ur ig- f lü s si g en Pla- 
neten-Masse ausgeschieden, und somit die Möglichkeit seines 
späteren selbstständigen Empordringens um so mehr zugesichert. 

Wir würden demnach dreierlei Formationen des körnigen Kalkstei- 
nes zu unterscheiden haben : 

1) ursprüngliche Erstarrung, zugleich mit den plutonischen Schie- 
fergesteinen, 

2) selbstständiges Empordringen, 

3) Umwandlung aus dichtem Kalkstein. 

Doch ich kehre zurück zu den obenerwähnten körnigen Kalksteinen ; 
sie bilden unter andern bei Flaue und Erdmannsdorf unweit Augustus- 
burg mehrere sogenanjite Lager im Thonschiefcr, d. b. der Thonschic- 
fer ist hier Kalk -haltig. Denn nicht als abgesonderte Lager-Massen 
findet sich der körnige Kalkstein, er ist vielmehr völlig mit dem Thon- 
schiefcr verwebt und kommt in demselben ähnlich vor, wie an anderen 
Orten der Quarz. Oft ist er schön weiss und körnig, wie der Auerba- 
cher Marmor, und macht dann , als mehrere Zoll dicken Lage , alle 
Windungen des Glimmer-glänzenden Thonschiefers mit; oft ist er röth- 
lich und grau, weniger deutlich körnig, von vielen Glimmer-glänzenden 
Thonschiefer-Blättern durchzogen. Nie fand ich eine Spur von fremd- 
artigen Mineralien in ihm, oder in seiner Nähe; das war mir Anfangs 
sehr auffallend , aber ich sah bald ein , dass es eine natürliche Folge 
seiner gleichzeitigen Entstehung mit dem Thonschiefcr ist ")? denn hier 
fallen nun die chemischen Einwirkungen des heissflüssigen Kalks auf 
das Nebengestein und die Modifikationen der Erkaltung weg, welche an 
den Grenzen vieler anderen körnigen Kalksteine so denkwürdige Er- 
scheinungen, so manchfache Kontakt-Produkte hervorgerufen haben. 



') Auf gleiche Weise entstanden, denke ich mir, die körnigen Kalksteine bei TÄar«»rf, 
bei BrauHsdorf und bei Zaunhatis unweit Altenlerg. 



- 38 - 

Aber nicht nur im Thonschiefer selbst, sondern auch in einem da- 
iwischen liegenden wohl später entstandenen Griinsteinschiefer bei Hat* 
thau unweit Chemnitz findet sich körniger Kalkstein, dort jedoch nur iii 
sehr kleinen Massen , die höchstens die Grösse einer Hand erreicbenj 
ebenfalls so innig mit der Masse verwebt, dass man an dem gleich^ei' 
tigen Plössigseyn beider Gesteine nicht zweifeln kann, wenrt auch viel- 
leicht dieser Kalk dem Griinstein-Schiefer nicht eigentlich zUgehören. 
Aöndern etwa durch denselben aus dem Thonschiefer mit in die Höhe 
gerissen und nmgeschmolzen seyn sollte. 

Dieser Grünstein-Schiefer ist überhaupt sehr merkwßrdig, er ent- 
hält eine grosse Menge Talk, der in Schuppen , etwa von der Grösse 
und Gestalt kleiner Weidenblätter, ziemlich gleichförmig Vertheilt in der 
ganzen Masse, stets der Schieferung parallel umherliegt *)• Dadurch 
erscheint das ganze Gestein als grüner Schiefer, überall mit gelben fet- 
tig glänzenden Flecken bedeckt. Einzelne Drusenräume des Gesteins 
sind oft mit Glimmer überzogen, und enthalten zuweilen Krystalle von 
Kalkspath, Prehnit und Magneteisen. Diese ttjögen wohl 
als Kontakt-Produkte anzusehen seyn, d. h. ihr Vorhandenseyn ist be- 
dingt durch das verschiedene Alter des Grünsteinschiefers und Thon- 
Schiefers. 

Dass ich diesen sogenannten Thonschiefer zwischen Öderan Und 
Kirchberg für ein ursprüngliches Erstarrungsprodukt der feurig flüssi- 
gen Erdmasse, und somit für eines der ältesten Gesteine halte, Werdeti 
Sie aus dem Vorhergehenden ersehen haben. Dafür sprechen nicht nur 
die ungeregelte Pachtung der Schieferung und der gänzliche Mangel 
organischer Reste, sondern auch die deutliche krystallinische Zusammen- 
setzung des Gesteins aus Glimmer und Quarz , der genaue Übergang 
in Glimmerschiefer, und noch vieles Andere, was freilich Alles nur Dem 
Gründe sind, der überhaupt die Erde für einen erstarrten, ursprüng- 
lich feurig-flüssigen Weltkörper hält. 



Noch eines interessanten Phänomens Inuss ich hier gedenken, was 
ich unterhalb Olbersdorf bei Chemnitz beobachtet habe. Hier baut man 
mit einem Stollen mehrere Graphit Gänge ab. Welche im Thonschiefei 
aufsetzen. Das Gebirge ist daselbst wahrscheinlich Von sehr vielen 
solchen Gängen durchsetzt: desshalb ist der Stollen, den man gern in 
einem Hauptstreichen treiben wollte, so mannigfach gewunden, indem 
man bald den einen, bald den anderen Gang verfolgte, und sich nach 
kurzer Zeit immer wieder nach der ursprünglichen Richtung zurück 
wendete. Alle diese Gänge haben sehr glatte Wandflächen, und sind 
gewöhnlich nur wenige Zoll mächtig, mit einem Graphit-haltigcn Thonc 
ausgefüllt. Der Thonschiefer in ihrer Nähe ist ganz schwarz und eben- 
falls von vielen glatten schwarzglänzenden Kluftflächen durchsetzt, wel- 



■'') Sie erhalten davon ein Stück, in der bereits abgegangenen Kiste. 



— 39 — 

che meist, wie die Gänge, eine der Scliieferung ziemlich paralle Rich- 
tung haben. 

Fragt man nun: wie sind diese Erscheinungen zu erklären, so drängt 
sich gewiss sehr leicht der Gedanke auf, dass der Graphit hier durch 
Sublimation in die Höhe gekommen, und durch Zämentation mit dem 
Thone und Thonschiefer verbunden sey. Irgend eine plutonische Kraft 
mochte das Gebirge spalten, Klüfte aufreissen und durch Aufeinander- 
reiben des Hangenden und Liegenden derselben Rutschflächen, und als 
Reibungs-Produkt feines Thonschiefer-Mehl erzeugen, während flüchtiger 
Kohlenstoff in die Höhe getrieben ward und den Thonschiefer durch- 
drang, wie er den Pfeifenthon durchdringt, ,wenn weisse thönerne Pfei- 
fen durch Zämentation schwarz gefärbt werden. Natürlich konnte er 
das losgeriebenc Thonschiefer-Mehl am leichtesten durchdringen und die- 
ses ist es nun, welches abgebaut und statt Graphit benutzt wird. 

B. COTTA. 



Marburg, den 22. Oktober 1833. 

1) Da die Anzahl der bisher bekannten Fundorte des sogenannten 
pyramidalen Manganerzes noch nicht übermässig gross ist, so erlaube 
ich mir Ihnen anzuzeigen, dass ich aus der hiesigen Gegend von Leisa 
bei Battenberg kürzlich Exemplare von Manganerzen erhalten habe, 
welche man dort versucht hat abzubauen. Sie waren Gemenge aus 
Weich-Mangan, Hart-Marigan und pyramidalem Manganerz, das letztere 
zumTheil in kleinen, jedoch ziemlich deutlichen Krystallen von etwal"' 
im Durchmesser ; dabei war ein erdiges schwarzes Manganerz (vielleicht 
ein Gemenge aus mehreren Arten), etwas Spath-Eisenstein und Schwerspath. 

2) Bei Gisselberg, ^ Stunde süd- südwestlich von Marburg ist vor 
Kurzem der Eingang zu einem Stollen-artigen Gruben -Gebäude aufge- 
funden worden, das ziemlich weit in horizontaler Richtung in den Berg 
hinein sich erstreckt, aber noch nicht so weit von dem darin enthaltenen 
Wasser befreit ist, dass man eine gründlichere Untersuchung hätte vor- 
nehmen können. Es ist wahrscheinlich ein Versuchsbau, vielleicht veranlasst 
durch die in der Nähe beobachtbaren Baryt-Gänge , welche schwache 
Spuren von Eisen und Kupfer enthalten. — Das Merkwürdige dabei ist, 
dass bisher keine geschichtliche Nachweisinig über diesen Stollen hat 
aufgefunden werden können; nur in einer Flurkarte ist der vor der 
Mündung gelegene Acker als „Acker unter dem Bergloch" bezeichnet. 

3) Zu einer Zeit, als meine Sa.iimlung noch nicht sehr reich an Bitter- 
kalken war, prüfte ich Bitterkalk und Kalkspath etc. vergleichend mit 
Säuren und glaubte als Resultat aufstellen zu müssen , dass Bitterkalke 
und die Glieder der Kalkspath-Gattung durch Prüfung mit Säuren leicht 
zu unterscheiden seyen, indem jene sehr schwach oder fast nicht, diese 
dagegen stark mit kalten Säuren aufbrausten, und bei jenen, wenn sie braus- 
ten, dafür die Erscheinung weit länger dauerte. Als ich aber später 



— 40 — 

mehrere Arten ächten Bitterkalkes unter die Hände bekam und der Prü- 
fung mit Säure unterwarf, sah ich mich genöthigt, diesen Ausspruch als 
irrig zu betrachten, indem zwar allerdings manche Bitterkalke jenes 
schwächere und langsamere Aufbrausen zeigten, andere aber ebenso le- 
bendig und rasch aufbraustenj wie Bittererde, rein kohlensaurer Kalk etc., 
und überhaupt zeigten die Bitterkalke so verschiedene Abstufungen in 
der Stärke und Schnelligkeit des Aufbrausens, dass man diese Ver- 
schiedenheiten nicht wohl auf Rechnung etwaiger Verschiedenheit in dem Ver- 
hältniss von Kalk- und Bitter-Erde in ihrer Mischung schreiben durfte. — 
Da nun in neuerer Zeit von Leuten, die wie v. Kobell "•') als tüchtige 
Chemiker bekannt sind, der obere als irrthümlich bezeichnete Satz nur 
in einer noch weniger allgemeingültigen Fassung öffentlich ausgespro- 
chen und verbreitet wird, so möchte es nicht überflussig seyn, ihn auch 
öffentlich zu berichtigen. Nach desshalb angestellter Wiederholung der 
Versuche führe ich daher als Beispiele von lebhaft brausenden, allge- 
mein als acht anerkannten Bitterkalken an: 

a) Dolomit von Campo longo, der durch seine weisse Farbe und 
^uckerrartig körnige Beschaffenheit bekanntlich ausgezeichnet ist. 

b) Zechstein -Dolomit von Bieter im Hanauischen und von Kahl 
bei Bieber. Er kommt als Zucker-artig körnig abgesondertes Ge- 
stein, d. h. als Rauhstein vor, der zum Theil Rogenstein-artige Beschaf- 
fenheit annimmt, ?;ura Theil ins Feinerdige und Pulver-Förmige übergeht 
und dann Asche heisst, theils sich ins krystallinischkörnig Zusammen- 
gesetzte und ins Dichte verläuft und in jeder dieser Modifikationen 
ip den manchfachsten von Eisen, Mangan, Kohlenstoff und Bitumen erzeug- 
ten (gelben, rothen, braunen, grauen und weissen) Farben auftritt, so dass 
eine und dieselbe Schichte stellenweise vertheilt, die verschiedenen Far- 
ben sowohl, als auch die verschiedenen Grade der Feinheit des Korns zeigt. 

c) Jura-Dolomit, vom Sternenberg bei Urach, der bekanntlich gleich- 
falls Zucker- artig körnig (Rauhstein- artig) ist, und gelblich weisse 
Farbe besitzt. 

Beim Zechstein-Dolomit insbesondere, der im Allgemeinen schwächer 
bjraust, als die beiden anderen aufgeführten Sorten, schienen mir die rei- 
neren Varietäten stärker, die mehr kohligen und bituminösen dagegen 
sowie die feinerdigeren und die dichteren schwächer zu brausen, — 

Die reineren Varietäten dieser unter a, b und c aufgeführten Do- 
lomjt'-Sorteii, die ich, als allgemein bekannt, zu Beispielen gewählt habe, 
brausten mit Salzsäure so ^tark, dass man sie dadurch nicht mit Si- 



') Tafeln ?ur Be^timnmjig der Mineralien ipittelst einfacher ehemjschef Versuche auf 
trockenem und nassem Wege. München 18.J3. Er sagt auf Seite V, vom Dolomit: 
„Man befeuchtet das Mineral mit einem Tropfen Salzsäure, es braust nicht." Seite 
34 sagt er: „Bitterkalk und Magnesit brausen mit Salzsäure befeuchtet nicht, und 
nur vorübergehend, wenn sie »u Pulver zerriebeti sind. Bei Einwirkung der Wär- 
me lösen sie sipli aber mit lebiiaftem Brausen auf." Walchher 14 s, Handbuch 
der Mineralogie in technischer Beziehung II. S. 57. „Lösst sich in Salzsäure weit 
Jangsamer auf als Kalkstein, uijd braust damit weit schwächer als djestr." 



— 41 — 

clierheit von Kalksteinen unterscheiden kann. Dass das Pulver de» 
Dolomite nur vorübergehend brause, ist gegen die Erfahrung bei den 
von mir geprüften Dolomiten, indem hier das Brausen meist länger 
dauert als bei den Kalken. Auch die verchiedenen Sorten des Bittererde- 
freien kohlensauren Kalkes brausen in Säuren mit sehr verschiedener 
Lebhaftigkeit und in sehr verschieden langer Dauer. Kalk und Bitter- 
kalk sind also keineswegs durch die Prüfung mit kalter Salzsäure leicht 
zu unterscheiden. 

Hessel. 



Bern, den 1, November 1833. 
Auf die Untersuchung der Italienischen Alpen würde ich gern län- 
gere Zeit verwenden. Das Konglomerat an der Basis des S. Salvador 
bei Jjiigano ist nur das westliche Ende einer im Bergamaskischen un- 
geheuer mächtigen Bildung, die ganz mit jener von Mels oder von 
Valorsine übereinstimmt, und sich hier, bei längerem Nachforschen, wohl 
als ein wirkliches Porphyr-Konglomerat erweisen würde. Es setzt diese 
Bildung im Bergamaskischen zwei oder drei gegen 6000 Fuss hohe, an 
Eisenerzen reiche, Gebirgs-Ketten zusammen. — Auch Bündten ist in 
hohem Grade merkwürdig, mehr vielleicht als irgend ein anderer TheiJ 
der Schweitx. Die Gebirgsart, besonders im Thale von Reichenau und 
Bissentis, so wie gegen den Julier zu, schwankt immerfort zwischen 
Kalk, gewöhnlich Mergelschiefer, Talkschiefer und Serpentin. Ausser- 
dem treten, oft wo man es am wenigsten erwartet, wieder die bunten 
Valorsiner Konglomerate, Granit-ähnliche Grauwacken und prachtvolle 
Granite und Syenite auf in Verhältnissen, welche auf eine genaue Un- 
tersuchung äusserst gespannt machen und mit einander alle Räthsel, 
welche gegenwärtig die Geologie beschäftigen, zu lösen versprechen. 
Allein ein oder zwei Sommer würden nicht hinreichen zu dieser Unter- 
suchung, und die Dauer unserer Ferien ist zu beschränkt. Auch be- 
sitzt Bündten nicht einmal eine mittelmässigc Karte. 

B. Studer. 



Mittlicilungen an Professor Bronn gerichtet, 

Frankfurt, 23. Novemb. 1833. 
Meine Untersuchungen über die Echiniden habe ich nun wieder 
aufgegriffen. Ich habe sehr viel Merkwürdiges gefunden, und gedenke 
nach und nach diese ganze Thierbildung darzulegen. Galeritc» 
spcciosus Mt;NST. (Goldf. 130., tf, XLI., fg. 5) ist, wie sich auch 
schon aus der Beschaffenheit der Stachelwärzchen auf der Unterseite 
ergibt, kein Galerit, sondern, nach dem davon abgebildeten Th eile zu 



— 42 — 

urtheilen, mein Nucleolites discus, wovon ich ein vollständiges 
ExeiupIaF bekannt machen werde. 

Herm. V, Meyer. 



Bayreuth, den 1. Dezemb. 1833. 
Unter den fossilen Fischen meiner Sammlung fand Professor Agas- 
siz 7 neue Geschlechter und über 50 neue Arten. Merkwürdig ist ein 
Fisch aus dem hiesigen Muschel-Kalk, der — so wie die Ichthyosau- 
ren den Übergang von den Sauriern zu den Fischen bilden, umge- 
kehrt — von den Fischen zu den Sauriern übergeht, daher Agassiz ihn 
Saurichthys genannt hat. 

Von Solenhofen *) habe ich wieder einige neue Versteinerungen 
erhalten. 

Besonders interessant darunter sind 2 neue Arten Sepien, von 
welchen die eine noch die am Kopfe befindlichen Arme mit den daran 
sitzenden Saugnäpfchen (Ventouses) zeigt. Bisher besass ich zwar 
schon mehrere dergleichen Arme von Sepien auf Solenhofer Schie- 
fer **) ; allein die eigene Form der Saugnäpfchen machte es mir unge- 
wiss, zu welcher Art von Cephalopoden diese Arme gehört haben könn- 
ten! Bei der kleinen neuen Art ist aber noch der ganze Sack vorhan- 
den. Alle bisher von mir beobachteten Sangnäpfchen sind nämlich 
nicht rund, wie bei den lebenden Arten, sondern fast wie ein S gebo- 
gen; es scheinen mithin diese Cephalopoden aus der Jura-For- 
mation sich eben so wesentlich durch die Gestalt ihrer Saugnäpfchen 
von den jetzt Lebenden zu unterscheiden, wie die Fische der älteren 
Formationen durch ihre Schuppen von den neuern verschieden sind. 
Von der zweiten Art Sepia ist der Sack fast 1^ Schuh lang, hat 
grosse Seiten - Lappen {Nageoires)) wie ein Loligo, und am Ende 
einen langen Schwanz-förmigen Fortsatz. Kopf-Knochen einer Schild- 
kröte auf einer «SoienÄo/fer Platte gehören einem ganz neuen Genus 
anj auch von Insekten von daher habe ich wieder einige neue Arten 
worunter ein Käfer ist, erhalten. Unter den neuen Krebsen befindet 
sich einer, der sich durch sehr breite, Ruder-förmige Antennen und 
breite gleichgeformte Beine auszeichnet. 

Meine Sammlung von fossilen Krebsen hat sich so vermehrt, dass 
ich — aufgemuntert durch Prof. Agassiz — den Plan habe, mit ihm 
gemeinschaftlich dieselben bekannt zu machen, wobei Agassiz vorzüg- 
lich die Bearbeitung des generellen Theils übernehmen wird. 

Das Vorkommen Ihrer Monotis salinaria in der obersten 
Lage des Jura-Kalkes bei Regensbnrg wurde bisher von einigen Geog- 



♦) Auch ist eine schöne Sammlung Solenhofer Versteinerungen von Pappenhelin 

nach Leyden um 750 fl. verkauft worden, ob sie gleich nicht den dritten Theil 
der Arten enthält, die ich von daher besitze. M. 

*'•') Wozu auch Caulerpiteft princeps in v. Sternb.'s Flora. 



-- 43 — 

gnostcn bezweifelt; iiri verflossenen Sommer fand ich indessen zwischei 
Streitberg und Heiligenstadt in der nämlichen Formation eine grosse 
Röhren-Koralle (Scyphia), die mit vielen zusammengebackenen 
Exemplaren von Mono tis salinaria angefüllt war und meine frühere 
Behauptung ausser Zweifel setzt* 

Auch mit Überresten neuer Saurier ist niciiig Sammlung veir- 
inebrt worden, vorzüglich aus dem Mujschel-Kalk von Leineck bei Baif' 
reuth und aus dem Pläner-Kalk bei Dresden. 

Vom Karlsruher Naturalien-Kabinette habe ich eifle schöne Suite 
Öninger Fische, Insekten, Pflanzen etc, eingetauscht, und vor ei- 
nigen Wochen auch eine grosse Petrefakten -Sammlung in Augs-^ 
bürg gekauft, welche eine ansehnliche Folge von Versteinerungen auf 
Eichstädter Schiefern enthält, vorzüglich von Algaciten, worunter 
viele neue von Sternberg im 5ten und 6ten Heft der Flora noch nicht 
beschriebene Arten, welche ich ihm für das nächste Heft mittheileri 
werde; auch aus den ganz eingegangenen Steinbrüchen von Altdorf 
waren seltene Sachen dabei, unter andern Überreste einer Schild- 
kröte auf Lias-Kalk. 

A. BouE will meine Abhandlung über Planuliten und Goniati- 
ten übersetzen — für äie Annales des Sciences naturelles — ; ich habe 
ihn gebeten, den beanstandeten Namen Planulites Parkinson abzu- 
ändern und statt dessen Clymenia *) — von Clymene, Tochter des 
OcEANs — zu setzen. Überhaupt habe ich noch einige neue Arten, 
welche ich seit der Herausgabe der Abhandlung im hiesigen Übergangs- 
Kalk gefunden, zugesetzt und kleine Änderungen vorgenommen. 

Bisher kannte man meines Wissens von dem Fahrenkräuter-Genuf 
Glossopteris nur einzelne Blätter; ich war jedoch so glücklich, aus 
dem Keuper-Sandstein des Steigerwaldes einen Stengel zu erhalten, an 
welchem 4 Blätter Quirl-förmig um den Stengel sitzen; es ist eine sehr 
grosse, neue Art, welche ich wegen der breiten Blätter Glossopteris 
latifolia genannt habe. 

Den Folliculites Kalte nnordhemensis Z. habe ich auch 
in der Braunkohle der Rhön bei Than, und in der Braunkohle des Fich- 
tel-Gebirges bei Seussen gefunden. 

Lyell hat mich dringend gebeten, meine Abhandlung über die ter- 
tiäre Formation Nord-Deutschlands bekannt zu machen, da die nähere 
Kenntniss des Beckens von Osnabrück y wie er es im vierten Bande 
seiner Principles nennen wird, von allgemeinem Interesse wäre. Die 
Versteinerungen, welche er von dort bei mir gesehen, haben ihn bewo- 
gen, nächstes Frühjahr dahin zu reisen. 

Sehr viele Franzosen werden in nächstem Jahre von Strasburg 
aus die Versammlung der Naturforscher in Stuttgart besuchen, und 
Brongniart, Bertrand - Gesslin und Bove machen mir Hoffnung, bis 
hieher zu kommen. 

Münster. 



<) Eine Clymenc beiteht schon unter den Anneliden. 



— 44 — 

Stuttgart, den 19. Dezemb. 1833. 

Da zu erwarten ist, dass bei der Versammlung der Naturforscher, 
die im nächsten Herbste hier Statt finden wird, wegen zu hoffenden 
Besuchs von Mitgliedern der Societe geologique von Strasburg her, die 
Anzahl der Geologen ansehnlich seyn werde, so wäre es vielleicht pas- 
send, über gewisse Probleme übereinzukommen, welche bei dieser Ver- 
anlassung erläutert und entschieden werden könnten. — Otto in Bres- 
lau \i&t m\v ein Va&v Tafeln über Reptilien aus dem Muschelkalk 
gesendet, und es wäre zu wünschen, dass bei jener Gelegenheit deren 
fossilen Reste aus dieser Formation von mehreren Orten her zusammen- 
gebracht und verglichen würden. 

In den fossilen Knochen aus Württemberg habe ich jetzt aus der 
Molasse 7, aus den Bohnerz-Gruben 48, aus dem Süsswasser-Kalke von 
Steinheim Q Arien von Säugethieren erkannt, wovon einige neu 
sind. Auch hiibe ich ein paar neue Arten in der Diluvial-Formation 
aufgefunden. 

Jäger. 



Neueste Literatu 



A. Bücher. 
1831. 

F. Lorenz dissertatio inauguralis geognostica de territorio Cremsenai 
Viennae. 

^^ ,^ .1833. 

L. V. Buch- über die geognostische Beschaffenheit der Liparischen In- 
sehi. Leipzig. 8^; 4 Taf. 

H. Davy die letzten Tage eines Naturforschers, oder tröstende Betrach- 
tungen auf Reisen. Nach der dritten Englischen Ausgabe ver- 
deutscht von C. Fr. Ph. v. Martius. München 8*» [2 fl. 24 kr.]. 

C. Gemmellaro : Cenni sopra le Conchiglie fossili delV argilla terzia- 
ria di Cifali presso Catania. Catania 13 pp. 4". 

M. A. E. Prestel Anleitung zur perspektivischen Entwertung der 
Krystall-Furaien. Für Mineralogen. Göttingen, 66 S. und 7 Stein- 
druck-Tafeln [1 tl. 12 kr.]. 

1834. 

K. Reichenbach Geologische Mittheilungen aus Mähren. Wien 8**. 

B. Zeitschriften. 

Proceedings of the geologicalSociety of London. Lon- 
don 8". 

(Seit der Jahresfeier der Gesellschaft von 1832). 
Vom 14. März 1832 bis 13. Juni. 

R. J. MuRCHXsoN über die Struktur der Cotteswold-Berge und Gegend 
um Cheltenham, und das Vorkommen fossiler Pflanzen-Stämme in 
senkrechter Stellung im Sandsteine des Inferior Oolite der Cleve- 
land-Bevs,c. [> Jahrb. 1833, S. 351.]. 



— 46 



'.■»■'»«WVi»-#^..>^fn>tj44W*<J» . 



J. W. Ward: Skizze der Geologie von Pulo-Pinang und den benach- 
barten Inseln [> Jahrb. 1833. S. 455—456]. 

A. L. Necker: Versuch, die relative Lagerung die Erz-Lagerstätten 
rücksichtlich auf die Felsgebilde, woraus die Erdrinde zusammen- 
gesetzt ist, unter allgemeine geologische Gesetze zu bringen [Jahrb. 
1833, S. 584]. 

G. Gordon : Brief über das Vorkommen des Lias auf der Südseite 
des Murray-Firth. [Jahrb. 1833, S. 584]. 

D. Sharpe : über die Gebirgs-Schlchten In der unmittelbaren Nälie 
von Lissabon und Oporto. [Jahrb. 1833. S. 444]. 

MoNTicELLi: Versuch über die krummlinige Struktur der Lava. [Jahrb. 
1833, S. 222—223]. 

J. Bryce: über die geologische Struktur des NO.-Theiles der Graf- 
schaft Antrim [Jahrb. 1833, S. 584]. 

A. Sedovitick: über die geologischen Beziehungen der geschichteten 
und ungeschichteten Fels-Gruppen , welche die Cuvihrian Moun- 
tains zusammensetzen. [Jahrb. 1833, S. 444 — 446]. 

J. R. Wright: über den Basalt auf dem Titterstone Clee Hill, Shrop- 
shire , als Schluss einer Abhandlung über den Ludlow -Bez'uk. 
[Jahrb. 1833. S. 455]. 

J. Maxwell: über einen grossen Boulde r -Stein an der Küste von 
Appin, ArgylesUre [Jahrb. 1833, S. 453—454]. 

E. Stanley: über die Entdeckung von Rhinoceros- und Hyänen- 
Knochen in einer der C^'pi-Höhlen Im Cyff^redan-Tha.\e, Denbigshire, 
[Jahrb. 1833, S. 599—600]. 

N. Th. Wetherell's: Beobachtungen über den London -Thon im 

Highgate-lBiOgenweg [Jahrb. 1833, S. 456]. 
WooDBiNE Parish: über die Entdeckung von Thellen dreier Mega-- 

th e rium- Skelette in der Provinz Buenos-Ayres. [Jahrb.- 1833, 

S. 607—608]. 

Proceedings ofthe geological Society of London. 
(Fortsetzung). 
Nro. 2 8. 7. Nov. --5. Dez. 18 3 2. 

W. J. Hen%vood : über einige Durchsetzungen von Erzgängen In 

Cornwall. S. 405—407. [< Jahrb. 1833. S. 638]. 
J. Yates: Notiz über einen untermeerischen Wald in Cardigan-Bay. 

S. 407 [Vgl. Jahrb. 1833. S. 620—621]. 
Verschoyle : Notizen über die Geologie des NW.-Theiles der Graf- 
schaften Majo und Sligo. S. 407—409. 
A. Sedgwick: über gewisse fossile Konchylien, welche auf der Insel 

Sheppey über London-Thon liegen. S. 409— 410 [^ Jahrbuch 1833, 

S. 614]. 
G. Maistell: Beobachtungen über die Reste des Iguanodon u. a. 

fossilen Reptilien der Schichten von Tilgate-Forest in Susst^x. 

S. 410—411. [> Jahib. 1835, S. 245]. 



— 47 — 

Nro. 29: vom 19, Dezemb. 1832 bis 6. Febr. 1833. 

W. LoNSDALE : Übersicht über die oolithischen Formationen in Glott- 
cestersMre S. 415—415. [> Jahrb. 1833. S. 360—361]. 

W. Hutton: Beobachtungen über Kohle. S. 415 — 417. [Jahrb. 
1833. S. 622]. 

N. Th. Wethep.ell: über eine zu ChiWs Hill bei Hampstead ge- 
fundene Ophiura. S. 417. [> Jahrb. 1833. S. 615]. 

W. H. SyKEs: über einen Theil von Dukhun, Ostindien, S. 417—419. 
[;> Jahrb. 1333, S. 361]. 

J. Trimmer: über See-Konchylien lebender Arten auf dem linken 
Ufer des Mersey-Tlusses. S. 419—420. [>. Jahrb. 1834]. 

H. Maclauchlan: Noten zu einer geognostischen Karte des Forstes 
von Dean und der Umgegend. S. 420 — 422. 
Nro. 50: vom 15. Febr. 183 5. 

R. J. MuRCHisoN : Jahresbericht über die Fortschritte der mineralogi- 
schen Wissenschaften seit dem letzten Jahre. S. 438—464. 
Nro. 31: vom 27. Febr, bis 1. Mai 1835. 

Cook: Beschreibung eines Theiles der Königreiche Valencia, Murcia 
und Granada in Süd-Spanien. S. 465. [Jahrb. 1833. S. 704]. 

D. Brewster: Beobachtungen über Struktur und Entstehung des 
Diamants. S. 466. 

Anker: über das Vorkommen von Thierknochen in Kohlen-Gruben 
Steyermarks. S. 469—467. [Vgl. Jahrb. 1833. S. 61]. 

Leonh. Horner : Geologie der Umgegend von Bonn S. 467—470. 
[;> Jahrb. 1835. S. 570—572] 

R. J. Murcfuson: über die Sedimentär- Ablagerungen, welche die 
westlichen Theile von Shropshire und Herefordshire einnehmen, 
und sich von NO. nach SW. durch Radnor, Breeknock und Caer- 
marCaenshires erstrecken j nebst Beschreibung der sie begleitenden 
Gesteine von feurigem Ursprung. S. 470—477. 

J. Hall: Notiz über eine Maschine um hohe Temperaturen zu regu- 
liren. S. 478—479. 



E. F. Glockbr: mineralogische Jahreshefte, zugleich als 
fortlaufende Supplemente zu des Verfs. Handbuch der 
Mineralogie. Heft I. uud H. für 1831 und 1832. Nürnberg 8^\ 



A II 



S Z II 



I. Mineralogie, Krystallograpliie, Mineralchemie. 

G.Rose: über die Krys tall -For m des Mesotyps. (Poggend. 
Ann. d. Phys. XXVIII. B. S. 424 ff.) Die aufgefundenen ZwilHngs- 
Krystalle aus Island setzen es ausser Zweifel, dass die Krystalle 2- und 
l-gHedrig, und nicht, wie man früher annahm, 2- und 1-axig sind. (Der 
übrige Theil des Aufsatzes würde, ohne die Figuren, unverständlich seyn.) 



BoüssiNGAULT : Analyse einer Mineral-Substanz, welche 
von der heissen Quelle von Coconuco b e i Popayan abgesetzt 
wird. CAmu de Ch. et de Ph., Avril 1833., p. 396 J Die Therme, 
deren Temperatur 72'*,8 c. beträgt, entspringt aus Trachyt J zugleich 
haben Ausströmungen von geschwefeltem Wasserstoff- und von kohlen- 
saurem Gase in Menge Statt. Als Resultat der Zerlegung ergab sich : 

Kohlensaurer Kalk . 74,2 

Kohlensaures Mangan 21,0 

Kohlensaurer Talk 4,0 

Schwefelsaures Natron 0,8 

100,0 



A. Breithaüpt theilte neue Bestimmungen s p e c i f i s c h c r 
Gewichte verschiedener Mineralien mit (Schwktogkr-Seidel, 
n. Jahrb. d. Chem. 1833, 16. Heft, S. 441 ff.). 

Kokkolith oder eumetrischer Pyroxen, von Arendal in Nor- 
wegen = 3,299. 

Schwarzer Pyroxen, aus Finland =i 3,3.^6. 

Cancrinit — 2,287. 

Glasiger Felsit, vom Vesuv = 2,577. 

Blassgrüne« Felsit, von Bodemais in Baiern n 2,583. 

Lasulit, von Voran im Wiener-Walde = 3,047. 



— 49 — 

Chondrodit, vom Vesuv — 3,122 bis 3,136. 
Amethyst = 2,744 bis 2,659. 

Kapnianer Quarz (Raucli quarz), von Chesterfield in Nord- 
amerika zu 2,651. 
Dergl., von Haddam in Connektikiit rr 2,658. 
Rosen quarz, von Zwiesel in Baiern :=: 2,651 bis 2,658. 
Dergl., von Neustadt bei Stolpen in Sachsen =: 2,655. 
Milchquarz, aus Grönland iiz. 2,658. 
Chrysopras, aus Schlesien = 2,618. 
Opal, veeingelber, von der Insel Elba =r 2,074. 
Dergl., edier, aus Ungarn = 2,108. 

Prismatischer Andalusit, von der Insel Elba zz 3,095. 
Dergl., Krystall - Geschiebe , von Krumen-Hermerdorf bei Freiberg 

= 3,126. 
Tetragonaler Anatas, aus der Schiveitz = 3,759. 
Schaliger Granat, aus Tyrol =: 4,048 
Almandiner Granat, von Haddam zz 4,226. 
Hessonit (Granat) von Ala in Piemont =: 3,615. 
Eumetrischer Zirkon, von Brevig in Norwegen rz 4,636. 
Dergl., von Slatoust in Sibirien zz 4,719. 
Rh omboedri scher Korund = 3,995 bis 4,023. 
Hexagonaler Beryll, von Haddam in Connektikut zz 2,695. 
Archigonaler Topas, von Adontschelon in Daurien zz 3,545. 
LeichteresMagneteisenerz,von Haddam in Connektikutzz 5,048. 
Haplotypes Eisenerz, aus dem Tavetsch-Thale in der Schweitz. 

zz 4,985 bis 5,051 bis 5,087. 
Glanziges Eisenerz, aus Norwegen zz 5,271, 
Dergl., aus der Gegend von Schwarzenberg in Sachsen zz 5,260. 
Dergl., vom St. Gotthard zz 5,217 bis 5,225 bis 5,270. 
Äschinit, aus Sibirien zz 5,188 bis 5,210. 



Titaneisen von Baltimore in Maryland, analysirt von P. 
Berthier CAnn. des Min. 3«»»« serie ; T. III., p. 4lcet.J. Findet sich, 
sehr mächtige Bänke ausmachend, im Gneisse, mit dessen Elementen es 
zum Theil innig gemengt ist, und erlangt sodann ein schieferiges Ge- 
füge. Eigenschwere =: 4,9. Strichpulver grau , aber häufig mit einem 
Stich ins Rothe, in Folge einer sichtlichen Beimengung von Eisen-Per- 
oxyd. Resultat der Analyse : 

metallisches Eisen 60,0 

Sauerstoff . , . , 21,4 

Titansäure .,...,,... 16,6 
Quarz ..,..,.,,... 2,0 

100,0 



Jahrgang 1834. 



— 50 — 

Oktaedrisches Eisenoxyd von Framont, zerlegt von 
demselben Clbid. p. 44.cet.J. Unter Eisenerzen, welches die zu Fra- 
mont ahgehauten Gänge liefern, kommt eines vor, welches mine noire 
genannt wird. Es besteht aus eisenschüssigen und sehr Mangan-halti- 
gen Thonen, in denen man zahllose kleine und lebhaft glänzende 
Krystalle erkennt; ähnliche Krystalle finden sich auch im Quarz und im 
Eisenglanz, die den Thon häufig begleiten. Die Gestalten sind wohl 
ausgebildete regelmässige Oktaeder von eisenschwarzer Farbe; sie tra- 
gen alle äusserliche Merkmale des Magneteisens, aber es zeigt sich keine 
Spur von magnetischen Wirkungen. Es sind diese Krystalle aus ihrem 
Mutter-Gestein nicht ganz isolirt erhalten ; aber durch Waschen und 
Schlämmen verschafft man sich dieselben nur mit Eisenglimmer-Blättchen 
gemengt. Die Untersuchung auf nassem Wege ergab auch nicht das 
geringste Anzeichen von reinem Eisen-Protoxyd. Die Krystalle gehören 
folglich nicht der Gattung E i s e n - O x y d u 1 an , sie müssen p s e u do- 
rn orphisch es Eisen -Per oxyd seyn. 



Eisenerz von la Li%olle und von Servan im Allier -De psCrt, 
analysirt von demselben. Clbid. p. 45 cet.J Häufig ist das "Vor- 
kommen von phosphorsauren Eisenerzen, allein bis jetzt war die Gegen- 
genwart von Arseniksäure noch nicht auf unzweifelhafte Weise darge- 
than worden. Die Erze von la Lizolle und von Servan enthalten die- 
selbe in namhafter Menge. Man trifft sie an der Oberfläche des Bo- 
dens, bei Montaign ; das ersterc unfern Gros-Boinats in der Gemeinde 
von la Lizolle, das zweite bei Bioules in der Gemeinde von Servan. 
Es gehören dieselben übrigens einem Urgebilde an. Das Erz von la 
Lizolle ist dicht, dunkelbraun, uneben im Bruche und glänzend. Es 

ergab: 

Eisen-Peroxyd ......... 79,0 

Phosphorsäure ......... 1,1 

Arseniksäure ^ . 0,7 

steinige Substanzen ....... 4,6 

Wasser 14,^ 

100,0 

Das Erz von Servan ist braungelb, von blätteriger Struktur und mit 

zahlreichen kleinen Glimmer-Blättchen durchwebt. Es ergab, auf nassem 

Wege geprüft, 0,013 Arseniksäure. 



C h e m i s c h e Z e r 1 e g u n g e n mehrerer G a 1 m e i - A b ä n d e r u n- 
gen, von demselben. (Tbid. paff. 51. cet.J Der Galmei besteht 
wesentlich aus Wasser-freiem kohlensauren Zink ; aber nur selten wird 
diese Substanz rein darin gefunden, sondern fast stets mit einer gewis- 
sen Quantität kohlensauren Eisens verbunden, und liäufigcr noch ge- 
nien'»'t mit kohlensaurem Blei, mit koblensaurem Kalk und Talk, mit 



-~ 51 - 

Wasser-haltigem Zink-Silikat und mit Eisenoxyd-Hydrat. Zuiveilen ent- 
hält der Galmei auch, gleich den Eisenerzen, etwas Manganoxyd und 
erscheint dadurch schwärzlich gefärbt. Die von B. unternommenen Ana- 
lysen thun dar, in wie mannichfaltiger Weise jene verschiedenen Sub- 
stanzen mit einander verbunden seyn können. Die untersuchten Erze 
waren von folgenden Fundorten : 

I. Galmei von Ampsin unfern Huy in Belgien. Blasig, porös, 
durchscheinend, graulich und von Chalzedon-artigem Aussehen. Hin und 
wieder mit gelben Flecken von Eisenoxyd-Hydrat. 

n. Galmei aus dem Ural. Grosse, innen hohle Stalaktiten mit 
Nieren-förmiger Oberfläche und von krystallinischer Struktur. Gefärbt 
durch Eisenoxyd-Hydrat. 

in. Galmei aus den westlichen Pyrenäen. (Angeblicher Fundort 
eine sehr erhabene Stelle in der Gegend von Saint-Jean-Pied-de-Port.) 
Derb, gelblich, gemengt mit Bleiglanz. (Enthält Spuren von Cadmium.) 

IV. Galmei von Montoulin im Heraiilt-Depa.rtement. Dicht, gelb 
(wie Eisenoxyd-Hydrat), glanzlos, durchmengt mit krystallinischen Ker- 
nen von kohlensaurem Blei. 

V. Galmei von Tunis. Derb, nur hin und wieder gelblich, körnig 
im Bruche, roth (wie Eisenoxyd), undurchsichtig, auch durchscheinend.'. 
Enthält vollkommen Silber-freien Bleiglanz in Nestern und Adern. Der 
kohlensaure Kalk und kohlensaure Talk, welchen die Analyse geliefert, 
rühren vom Muttergestein her und weisen darauf hin, dassdasErz, wie 
die meisten Galmeien in Europa, im Kalk-Gebilde gefunden werden. 

VI. VII und VIII. Galmei von Iserlohn in Westphalen. Nr. VI 
ist voller kleiner Höhlungen, deren Wände mit Nicren-förmigem kohlen- 
sauren Zink, oder mit Eisenoxyd- Hydrat bedeckt sind. Hin und wieder 
findet sich eingesprengter Bleiglanz. Nr. VII zeigt zerfressene Massen, 
fast zerreiblich, ockergelb. Nr. VIII zerfressen, schwarz (durch Mangan-' 
Hydrat) und glanzlos. 

Die Ergebnisse der Analysen waren (die 
auf vorstehende Notizen); 

III. 
87,0 



I. 


II. 


Kohlensaures Zink 89,0 . 


87,3 


Kohlensaures Eisen 6,5 


5,3 


- Blei - . 


— 


Kohlensaurer Kalk — . 


■— 


Kohlensaures Mangan — . 


— 


Zink-Silikat ....,— 


— 


Eisen-Hydrat . . . . — 


5,3 


Mangan-Hydrat . . . — 


— 


Bergart 4,2 


0,4 


99,7 


98,3 



1 (die 


Nummern beziehen .sich 


IV. 


V. VI. VII. VIIL 


60,0 


28,9 . 81,5 . 71,8 . 86,2 


— 


. — . 3,8 . — . — 


18,9 


12,9 . 4,4 . — . ^ 


— 


. 35,7 . — . _ . -^ 


— 


. H,6 . - . _ . _ 



5,6 . 20,1 . 2,0 . 1,4 . 22,2 . 2.6 
— . — . — . — . 1,8 , 10,0 
3,6 . 1,0 . 0^ . 6,4 . _3^ * 1.0 
99,4 100,0 97,6 97,5 99,6 99,8 
Der in Belgien und im Rheinischen Grossherzogthuni vorkommende Gal- 
mei wird häufig von Eisenerzen begleitet. Bei Anglar unfern Lütticli 
findet sich eine solche Eisen-Niere, welclie einen beträciitlichen Antbeil 

4 - 



— 52 — 

von kohlensaurem Zink und von Zink-Silikat enthält. Sie ist dicht (nur 
hin und wieder nimmt man kleine Höhlungen wahr), und dunkelgelb mit 
roth untermengt. Die Zerlegung ergab: 

Eiseuoxyd 62,6 

Kohlensaures Zink . 14,0 

Wasser-haltiges Zink-Silikat ; . . . 12,2 

Wasser H,2 

100,0 



A. Breithaupt: über einige mc tallische Mineral- Körper 
aus dem Ural) welche zum Theil das bekannte höchste spe- 
ci fische Gewicht des Platins übersteigen. (Schwbigger- 
Seidel n. Jahrb. d. Chem. u. Phys. 1835. 1. H. S. 1 ff.) Aus der 
Gold- und Platin-Wäsche von Nischno-Pagilsk am Ural erhielt B. einen 
merkwürdigen Mineral-Körper, von dem er folgende Merkmale angibt : 
starker und vollkommenerMetallglanz ; äusserlich silberweiss, stark ins Gelbe 
fallend , innen silberweiss ins Platingraue ziehend ; gerundete Körner 
mit Konkavitäten und Porositäten (ein Stückchen zeigte Krystallisation, 
scheinbar ein Fragment eines Oktaeders); im frischen Innern spaltbar 
in drei Richtungen (wie es scheint in denen des Hexaeders) ; Härte 8 bis 9 
(der BREiTHAUPT'schen Skale; demnach härter als alle Metalle und Me- 
tall-Kompositionen) ; Dehnbarkeit in niedrigem Grade ; sehr schwer zer- 
^prengbarj spezifisches Gewicht mindestens rz: 22,1995 "id im vollkom- 
men reinen und dichten Zustande wahrscheinlich auf 24 bis 25 steigend. 
Ohne Zweifel ist das fragliche Metall mineralogisch eine neue Specie. 
Über den Gehalt müssen chemische Untersuchungen entscheiden) allein 
wenn die zeitherigen Bestimmungen der chemisch-reinen Metalle richtig 
wären — der Verf. erklärt dieselben zum Theil für sehr mangelhaft — 
so würde die neue Mineral-Specie wohl auch ein neues Metall ent- 
halten. — Unter den Rückständen, die man in der Münze zu St. Pe- 
tersburg bei Ausziehung des Platins, als in Salpeter-Salzsäure unlöslich, 
erhält, fand B. ein grosses Korn des neuen Körpers ; dasselbe ist jedoch 
so porös, dass vorherzusehen war, es werde im unzerkleinten Zustande 
kein reines Resultat der Wägung geben, allein dessen ungeachtet war 
das spezifische Gewicht iz: 20,887. — Unter jenen Rückständen findet 
sich auch viel chromatisches Eisen -Erz, zum Theil in deutlichen 
Oktaedern. Eigenschwere ir: 4,566. Meist stark magnetisch. — Das 
iridische Osmin von Beresofsk bei Niscimo-Pagilsk (nicht das 
bekannte Beresofsk bei Katharinenberg) scheint mit dem iridis chen 
Osmin von Goroplogodatsk nicht vereinbar zu scyn. Es hat eine 
schöne weisse Farbe und steht in der Härte dem vorhin erwähnten neuen 
und schwersten Körper ganz nahe. Eigenschwere r:: 21,511 bis 21,698. 
Das Krystallisations- System und die basische Spaltbarkeit sind jedoch 
bei beiden ganz einerlei. 



— 53 — 

C. F. Plattner untersuchte das haplotjrpe Eisenerz 
aus dem Tavetsch -Thalein der Schweitn, und den Chondrodit 
vom Vesuv vor dem LöthrohrJ jenes Mineral besteht aus Eisen- 
oxyd und Titanoxyd, in diesem wurde Kieselsäure, Talkerde, Fluor-Was- 
serstoffsäure und Eisenoxyd nachgewiesen. (A. a. O. S. 7. ff.) 



PyrargylUt, ein neues Mineral, von Nordenskiöld entdeckt und 
untersucht. (Berzeliüs Jahresber., Übersetz, von Wöhler. XII. Jahi-g. 
S. 174 ff.) Schwarz und glänzend, auch blaulich, körnig oder roth und 
glanzlos. Sehr selten rein in Massen vorkommend, deren Form sich 
zuweilen einem vierseitigen Prisma mit abgestumpften Kanten nähert; 
öfter mit feinen Chlorit-Schuppen durchzogen. Eigenschwere r= 2,505; 
Härte =::: 3 bis 3,5. Salzsäure zersetzt den Pyrargyllit — der den Na- 
men nach der Eigenschaft erhalten hat, beim Erhitzen Thon-Geruch zu 
geben — vollkommen. Findet sich in und um Helsingforss in FiM- 
land im Granit. Resultat der Analyse: 

Kieselerde 43,93 

Thonerde 28,93 

Eisenoxydul ......... 5,30 

Talkerde mit etwas Mangan-Oxydul . 2,90 

Kali 1,05 

Natron 1,85 

Wasser 15,47 

Verlust 0,58 

100,01 
NoRDENSKiÖLD berechnet daraus die Formel: 
f \ 
m f 

mgy S' + 4 AS+Aq. 
n i 
k 7 



Derselbe hat ein anderes neues Mineral, den Amphodelit, be- 
schrieben und analysirt (A. a. O. S. 174.). Vorkommen im Kalkbruche 
von hojo. Die Krystallform hat viel AMalogie mit der des Feldspaths ; 
Farbe röthlich; zwei Durchgänge, welche einen Winkel von 94" 19' bil- 
den. Härte rz 4,5 ; Eigenschwere r= 2,763. Chemischer Gehalt : 

Kieselerde 45,80 

Thonerde 35,45 

Kalkerde 10,15 

Talkerde 5,05 

Eisenoxydul ......... 1,70 

Feuchtigkeit und Verlust ..... 1,85 

100,00 



- 54 - 

Difse Zusammensetzung kann so ausgedrückt werden : 
C 

f } S + 5 AS. 
mg 



Becqüerel : über künstliche Bleiglanz-Krystalle (Ann. 
Vhim. Phys. 1S33. Mai LIII. 105—108). Man kann bekanntlich 
schwefelsaures Blei durch Sublimation in Würfeln und Oktaedern dar- 
stellen. Allein es kömmt natürlich auch auf Gängen vor, die sich auf 
nassem Wege gebildet zu haben scheinen. Daher B. versuchte und er- 
zielte Krystalle davon auf elektro-chemischem Wege darzustellen , wo 
sie jedoch die Form von Tetraedern annahmen. 

Er füllt nämlich eine unten geschlossene Glas-Röhre von Oj'^OOS 
Weite und Om,! Länge zuerst O'^^OZ hoch mit Schwefel -Quecksilber, 
giesst eine Auflösung von Magnesium -- Chlorur darüber, steckt ein 
Bleiplättchen bis auf den Boden hinein, und überlässt den Apparat her- 
metisch verschlossen dem elektro-chemischen Prozesse. Nach 4 — 6 Wo- 
chen erscheint an den Wänden der Röhre über dem Schwefel-Quecksil- 
ber eine sehr dünne Schichte eines metallgrauen glänzenden Nieder- 
schlags, der sich leicht ablösst und mit andern Kryställchen bedeckt. 
Es sind die Bleiglanz-Tetraeder. Zweifelsohne hatte sich hier ein Dop- 
pel-Chlorur von Blei gebildet, Magnesium war frei, das Blei — , die 
Flüssigkeit -j- elektrisch geworden; das Blei zog nun das Quecksilber 
aus seiner Verbindung, machte so den — elektr. Schwefel frei, der 
sich nach -dem Doppel-Chlorur begab, und theils diesem eine gewisse 
Menge seines B 1 e i's entzog (daher die Bleiglanz-Krystallisation), theils 
mit dem frei werdenden Chlor und dem Reste des Doppel-Chlorurs ein 
Magnesium^Sulpho-Chlorur bildete. 



Pie grösste Masse edeln Berylls be s itz t Don Pedro. 
Sie hat bis 9|" Länge, bis 6|" Breite, und 225 Unzen Troy-Gewicht 
(18 Pfd. 9 Unz.). Auf einer Seite sind schwache Andeutungen einer 
KrystallrFläche. Sonst ist sie ganz von Wasser abgerundet, ihre Ober- 
fläche d^her matt, die Masse darunter aber ganz hell und durchschei- 
nend und, so gross sie ist, ohne allen Riss. Die Farbe ist schön blass 
Bojiteillen-grün. (Allan in „Report of the 1 and 2 meetings of the 
British Assuc", London 1833, S. 86). 



J. F. W. Johnston : Untersuchung des geschwefelten Schwe- 
fel-Bleis von Dußon (Report ofthe 1 and 2 meetings ofthe British Assoc, 
Lond. 1833., p. 572). Es ist das „supersulphuretted Lead'^ von Phillips und 
{)csitzt eine reine weisse bis ins tief Bleigrauc ziehende Farbe ; — nimmt 
bald Eindrücke von dem Nagel an, bald widersteht es dem Federmes- 
per} — ist stets derb^ zuvyeijen ajfs Schichten yon verscliiedener Fär- 



— 55 — 

bung zusammengesetzt und enthält zuweilen Bleiglanz-KrystaHe. Eine 
dunkle Varietät dieses Minerals besitzt 5,275 Eigenschwere. Im Ker- 
zenlicht entzündet es sich und brennt mit blauer Flamme und Ent- 
wickelung von Schwefelgeruch. In geschlossener Röhre erhitzt, setzt 
es viel Schwefel ab. Terpenthin-01 und kochender Alkohol nehmen, wenn 
es fein gepulvert ist, einen Antheil Schwefel daraus auf, welcher daher 
nicht chemisch an das Blei gebunden ist. 

Wird das Mineral in freier Luft bis zum Rothglühen erhitzt, so 
verliert eine bleigraue Varietät davon 0,10, eine weisse 0,07 an Gewicht. 
Mit erwärmter Salzsäure behandelt zersetzt es sich und lösst sich, bis 
auf den Schwefel, auf. Die Zusammensetzung einer bleigrauen Va- 
rietät ist Schwefel .... 0,0871 
Schwefelblei . . . 0,9038 
0,9909 

Es kommt zu Dußun mitten in regelmässigen Gängen vor. Ohne 
eine Kenntniss der Lokalitäten ist es schwer, die Quelle des überschüs- 
sigen Schwefels nachzuweisen. 



Zippe sprach bei der Versammlung der Naturforscher in Wien 
(Isis 1833. S. 389.) über die hemiedrischen Abtheilungen des pyramida- 
len Krystall-Systemes; wies am Scapolith auch die trapezoedrische, 
den hemirhomboedrischen Formen des Quarzes analoge Abtlieilung nach, 
und hemiedrische vierseitige Prismen am molybdänsauren Blei, das an- 
geblich aus Scliemnitz, in Wirklichkeit aber von Ruskberg im Baimat 
stammt. 



II. Geologie und Geognosie. 

G. Bischof: über die Quellen -Verhältnisse des westli- 
chen Abhanges vom Teutoburger Walde. (Schweigger- Seidel, 
n. Jahrb. d. Chem. B. VIII, S. 249 ff.). Aus dem aufgeschwemmten Lande 
der WestphälischeH Niederung erhebt sich das Kreide-Gebirge: höher 
aufwärts erscheint der zunächst untergelagerte Quader-Sandstein, und 
jenseits des Teutoburger Waldes treten die altern Glieder der Flotz- 
Formation auf. Das Kreide- Gebirge fällt gegen die Westphälische Nie- 
derung, meist unter 10", und so wie sich die Schichten ihr nähern, wer- 
den sie allmählich horizontal. Grosse, häufig 1^ Fuss starke Spalten lassen 
sich Meilen-weit verfolgen, und auf der Oberfläche bemerkt man nicht 
selten Erdfälle, in welche die Meteorwasser eindringen. Die Zerklüf- 
tungen gehen durch sämmtliche Lagen der Kreide-Formation und setzen 
auch in den darunter liegenden Quader-Sandstein fort. Auf solche 
Weise erklärt sich der ungeheure Wasser-Reichthum dieses Landstrichs. 
Die Zerklüftungen, die dadurch gebildeten Höhlen, bieten grosse unter- 



— 56 — 

irdische Wasser-Sammlungen dar; sie geben die Vorraths-Kammerii für 
die Quellen ab. In Quader-Sandstein scheinen alle die zahlreichen und 
so äusserst ergiebigen süssen Quellen des westlichen Abhanges des 
Teutoburger Waldes und des nördlichen der Haar zu entspringen. Das 
Kreide-Gebirge, welches den Quader-Sandstein bedeckt, und die letzte 
Hügelreihe am westlichen Abhänge des Teutoburger Waldes und am 
nördlichen der Haar bildet, lässt zwischen sich und dem Sandstein 
eine Thalmulde, in welcher ein grosser Theil der Wasser des letztern 
zu Tag kommt. — Die Becke versinkt in Spalten des Kreide-Gebirges. 
— Bei Lippspringe kommen bedeutende Wasser-Massen aus den Kreide- 
Gebirgen zum Vorschein. Ihre Temperatur beträgt 7", 4 bis 7", 5 R. 
Aus dem Kessel der Lippe-Qaelle erhebt sich von Zeit zu Zeit ein 
Strom von Gasblasen; ebenso entwickeln sich überall aus den süsse 
Quellen in Lippspringe Gasblasen, wie aus Kohlen-Säuerlingen, Das 
untersuchte Gas bestand aus: 

SauerstoiFgas 5,75 M. 

Stickgas 94,25 — 

100,00 — 
Nur 40 Fuss von der Lippe-Quelle entfernt entspringt eine Therme, 
deren Temperatur -|- 16", 6 R. beträgt. Auch aus dieser Mineral- 
Quelle entwickelt sich ziemlich reichlich Gas, welches aus: 

SauerstoflFgas ; . . 2,66 M. 

Stickgas 82,44 — 

Kohlensäuregas 14,90 ~ 

100,00 — 
besteht. Diese Verschiedenheit in der Zusammensetzung gegen die 
Gas-Exhalationen aus den heissen Quellen deutet darauf hin, dass die 
Mineral-Quellen in andern Regionen, als die so nahen, süssen entsprin- 
gen müssen , wenn nicht schon die um 9*',4 höhere Temperatur eine 
Entstehung in grösserer Tiefe vermuthen Hesse. — Am merkwürdigsten 
zeigt sich das Hervorquellen sehr bedeutender Wasser-Massen zu Pa- 
derborn. Im untern Theil der Stadt sollen 130 Quellen entspringen, 
wovon stets mehrere in gedrängtem Raum , oft nur 1 bis 2 Schritte 
von einander entfernt, zu Tag kommen und sogleich ansehnliche Bäche 
bilden, die in ihrer Vereinigung die Pader ausmachen. Sämmtliche 
Quellen kommen in einer Strecke von 0. nach W. hervorj die am wei- 
testen gegen O. entspringenden haben die niedrigste Temperatur, welche 
aber ziemlich regelmässig gegen W. zunimmt. Mit der Wärme scheint 
in gleichem Verhältnisse der Gehalt von Chlor- Verbindungen (Kochsalz?) 
zuzunehmen. Ebenso zeigen sich Gas-Entwickelungen in den kalten 
Quellen beinahe nicht oder gar nicht; sie nehmen aber fast in gleichem 
Verhältnisse mit der Temperatur zu. — Die so verschiedene Tempera- 
tur der so nahe neben einander entspringenden Pader-Quellen, 7" bis 
12", 96 R., ist eine merkwürdige Erscheinung. Sie beweisst, dass im 
dortigen Kreide-Gebirge eine grosse Zahl einzelner Kanäle (mehr oder 
weniger senkrechte Spalten) neben einander vorhanden seyn .müsse, 



— 57 - 

urelche, wenigstens nahe am Ausflüsse der Quellen, nicht mit einander 
konimuniziren können, so dass die Wasser sehr selten, oder doch nur 
auf höchst beschränkte Weise, in den Schichtungs-Flächen sich fortbe- 
wegen *). — Über den Ursprung der Gas-Exhalationen, so wie des 
Gas-Gehaltes dieser Quellwasser dürften sich folgende Hypothesen mit 
grosser Wahrscheinlichkeit aufstellen lassen. Die Spalten und Klüfte 
des Kreide - und Quadersandstein - Gebirges konimuniziren mit der 
Atmosphäre und sind daher mit Luft angefüllt. Das Wasser dieser 
Klüfte absorbirt von dieser atmosphärischen Luft, und zwar um so 
mehr, je höher die darüber stehenden Wasser-Säulen sind, d. h. je 
stärker der Wasserdruck ist. Ein Theil des absorbirten Sauerstoffgases 
oxydirt Kohlenstoff-haltige Substanzen , wahrscheinlich organische Über- 
reste in Kalk u. s. w., und so bildet sich Kohlensäure, welche mit dem 
Wasser verbunden bleibt und die Auflösung kohlensaurer Erde bewirkt. 
Kommt nun dieses Quellwasser zu Tag, so reisst sich der Rest der un- 
ter höherem Wasserdruck aufgenommenen atmosphärischen Luft mit Aus- 
nahme des in Kohlensäure umgewandelten Sauerstoffes los, und es ent- 
wickelt sich eine an Sauerstoffgas ärmere atmosphärische Luft. Derje- 
nige Antheil der absorbirten atmosphärischen Luft, welchen das Wasser 
auch unter dem gewöhnlichen Luftdrucke zurückhalten hann, bleibt zu- 
rück. (Der Verf. ist jedoch weit entfernt anzunehmen, dass alle Koh- 
lensäure, die in Quellen und namentlich in Säuerlingen gefunden wird, 
auf gleiche Weise entstehe; schon jenseits des Teutoburger Waldes, 
am östlichen Abhänge, müssen die dortigen Mineral-Quellen ihren Koh- 
lensäure-Gehalt ganz andern Prozessen verdanken. Mit gleicher Wahr- 
scheinlichkeit können wir indessen annehmen, dass die nie fehlende 
Kohlensäure in allen Brunnen - Wassern , selbst in denen in aufge- 
schwemmtem Lande, eine Folge der Oxydation der Pflanzeneide (Humus) 
auf Kosten des atmosphärischen Sauerstoffes sey). — Die Bestimmung 
der mittleren Temperatur der Luft durch Quellen kann bei so sehr ver- 
schiedenartiger Temperatur so nahe bei einander entspringender süsser 
Quellen, wie diess bei manchen der oben erwähnten der Fall ist, nur 
unzuverlässige Resultate geben. — Was die vorzüglichsten fixen Be- 
standtheile der untersuchten Wasser betrifft, so enthielten 10,000 Ge- 
wichttheile Wasser aus der 12", 85 warmen Pa<?er-Quelle : 

Chlor 3,726 

Schwefelsäure 0,2779 

Kalk mit etwas Magnesia. 



=). Diess dürfte beim Erbolireii Artesischer Brunnen in diesen und in andern Land- 
strichen von ähnlicher geognostischer Beschaffenheit ein wohl zu beachtender 
Umstand seyn ; denn von zwei ganz nahe neben einander getriebenen Bolirlöchern 
kanndns eine einen ^rfmjcÄf« Brunnen geben, je nachdem es eine senkrechte Spalte 
trifft, das andere nicht; oder beide können Wasser von sehr ungleicher chemischer 
Beschaffenheit und Temperatur liefern, je nachdem das eine Bohrloeh eine mehr, 
das andere eine weniger tief herabgehende Spalte trifft. 



— 58 — 

10,000 Gew. Theile Wasser aus Karpen's Garten enthielten an fixen 
Bestandtheilen überhaupt 7,9873 Gew. Theile, worin 

Chlor 2,8169 

Schwefelsäure ........ 0,2400 

Kalk mit etwas Magnesia. 
Ist das Chlor an Natrium gebunden, so beträgt das Kochsalz im ersten 
der erwähnten Fälle = 7,9873 Gew. Theile, im zweiten aber = 4,6606 
Gew. Theile. Ungeachtet der Kochsalz-Gehalt nicht ganz unbeträcht- 
lich ist, so beträgt dennoch die Menge der fixen Bestandtheile über- 
haupt nicht viel mehr, als man sie in gewöhnlichen süssen Quellen 
findet. Man kann daher die wa-vinen Pader-QiieUen keineswegs für Mi- 
neral- oder eigentliche Soolquellen halten. — Seitdem die neuerdings 
von verschiedenen Orten Deutschlands u. s. w. erbohrten Artesischen 
Brunnen konstant eine die mittlere Lnft-Wärme des Ortes übersteigende 
Temperatur gezeigt haben , und damit die Temperatur-Zunahme nach 
dem Erd-Innern auf sehr genügende Weise dargethan worden ist, so 
hängt natürlich die Temperatur einer Quelle, sey sie eine süsse oder 
eine Mineral-Quelle, erstens von der mittlem Luftwärme des Orts und 
zweitens von der Tiefe ab, bis zu welcher das Meteorwasser gelangt. 
Nur in dem Fall also, in dem diese Wasser nicht bis zu der Teufe ge- 
langen, wo die Wärme-Zunahme schon merklich wird, kann aus der 
Quellen-Temperatur die mittlere Lufwärme bestimmt werden. Da man 
dieses aber von keiner Quelle wissen kann, und nach den bisherigen 
Beobachtungen die Temperatur in 80 F. Tiefe schon um 1" R. zunimmt, 
so bleibt es bei jeder Quelle unbestimmt, ob sie die mittlere Luftwärme, 
oder die höhere Temperatur aus grössern Tiefen angibt; obwohl in 
den meisten Fällen in nicht sehr zerklüfteten Gebirgen jener Fall der 
gewöhnliche seyn mag. 



K. F. Klöden: über die Felsarten, welche in der Mark 
Brandenburg als Geschiebe vorkommen. (Beiträge zur min. und 
geognost. Kenntniss der Mark Brandenburg, Berlin y 1833.)- Bei der 
grossen Manchfaltigkeit und dem Vielartigen der einzelnen Gesteine 
müssen wir uns auf Andeutung des Wichtigen beschränken. Granit 
(unter allen Geschieben vorherrschend; von sogenannten zufälligen Ein- 
mengungen : u. a, Zirkon, Pyrorthit, Orthit, Spodumen, Natron-Spodumen, 
Flussspath, Apatit); Syenit; Diorit; Dolerit; Gabbro, (unter 
den fremdartigen beigemengten Fossilien werden genannt: Rosenquarz, 
Magneteisen u. s. w.); Hornfels; Gneiss (enthält u. a. grosse Kör- 
ner von Dichroit); Glimm erschiefer; Diorits chiefer; T hon- 
schiefer} Feldstein-Porphyr; A u gi t-Porph yr; Aphanit; 
Granulit; Quar z - G es t ein; Hornblende-Gestein; kör- 
niger K alk; kör nig er Gypsj Dolomit; körniger Stink- 
kalkj Talkschiefer; Hornblende- S chiefer ; Ch lor i tschie- 
fer; Serpentin} Basalt} Übergangs-Kalk und Bergkalk 



— 59 — 

(beide sehr reich an Versteinerungen) J Muschelkalk (dessgleichen) •, 
O olith (ebenso); Kreide und Kreide-artige Gest ei ne, Feu- 
erstein (enthalten ebenfalls viele Petrefakten); Mergelj dichter 
Stinkkalkj ThonJ Roth -Li egen des ; oolithischer Sandstein (mit 
manchfaltigeu Versteinerungen). (Die Fortsetzung wird der Verf. bei 
einer spätem Gelegenheit liefern.) 



Geognostische Darstellung der Umgegend von Blans- 
ko von K. Reichenbach in dessen „Geologischen Mittheilungen aus Mäh- 
ren*^ Wien; 1834.)r Wir empfehlen aus diesem Buche, dessen Erscheinen 
Oberhaupt jedem Freund der Wissenschaft willkommen seyn niuss, als beson- 
dere Beobachtung verdienend : die Schilderung der Verhältnisse des Mähri- 
schen Syenits ; die Nachricht von der Auffindung des alten rothen Sand- 
steins Cold red sandstone ; R. schlägt dafür den Warnen Lath o n vor), 
so wie jene über vermeintliche Mährische Grauwacke und über das 
rothe Todt-Liegende; die Ansichten über dieBohnerze; endlich die Nach- 
weisung des Leitha-Kalkes, so weit im Norden der Donau, als man 
diess bis jetzt nicht vermuthete. Nachstehendes entlehnen wir aus dem 
am Schlüsse des Buches (S. 208. ff.) befindlichen geognostischen Über- 
blick. „Es däucht mir unverkennbar", sagt der Vf., „dass die Na- 
tur hier das Geschäft dessen, was wir Urbildung nennen, mit dem Sye- 
nite beendigt, und dann das der Flötz-Bildung mit dem Lathon begonnen 
habe. Will man aber , unsern Systemen gemäss, eine Übergangs-Reihe 
haben, so folgt beinahe, dass beide in dieselbe eingerechnet werden müs- 
sen. Im Liegenden des Syenits fehlt es an keinem der bekannten Über- 
gangs-Glieder, als an der Grauwacke und dem ihm mehr oder minder 
verwandten Thonschiefer, im Hangenden desselben aber sieht man, wie 
das Lathon , nach seinem ganzen Verhalten , mehr oder minder zu dem 
Wesen des Thonschiefers und der Grauwacke hinneigt. So fühle ich 
mich, Alles zusammengenommen, sehr zu der Meinung hingezogen, dass 
der Syenit hier im Ganzen genommen der Stellventreter der alten Über- 
gangs-Grauwacke sey, in welche er in seinem letzten Stadium ge- 
wisser Maassen wirklich überging, indem er nämlich mit Lathon endigte, 
und somit schliesslich seine eigentliche Natur einzugestehen genöthigt war." 

„Ich verkenne hiebei nicht den grossen Einwurf, welchen man mir 
durch den Umstand entgegenhalten kann, dass das Lathon ebensowenig 
als der Syenit ein Trümmer-Gestein ist, welcher Charakter wesentlich 
der Grauwacke anklebt. Indessen muss man doch wohl auch in der 
Trümmer-Grauvvacke ein Verbundenes und ein Verbindendes unterschei 
den — ein Passives und ein Aktives — Gerolle und Geschiebe, welche 
einem äusseren Antriebe folgsam sind, und eine Formations-Substanz, 
welche selbstthätig wirkt, jene beherrscht, bewegt, konglomerirt und 
verkittet. Will man den Fall zulassen, dem nichts im Wege steht, dass 
es dieser Foraiations-Substanz stellenweise, sey es an Material von je- 
ner, oder sey es an zureichender Fortbewegungs-Kraft gemangelt habe, um 



— 60 — 

sich Geschiebe zu schaffen , so muss sie sich in solchen Gegenden ab- 
gelagert haben ohne selbe} also in ihrer Reinheit, in ihrer Eigenthüm- 
lichkeit und ungestört überlassen ihrem eigenen Bildungs-Triebe, ihrem 
Gestaltungs-Gesetze, das keinem irdischen Wesen mangelt. In diesem 
Falle nun scheinen mir die Dinge zur Zeit ihrer Entstehung hier gewe- 
sen zu seyn und, wo unter gestörten Umständen anderswo Thonschiefer 
und Übergangs-Grauwacke sich ablagerten, da bilden sich in Mähren 
unter ungestörteren Verhältnissen Syenite, die sich nun mit jenen paral- 
lelisiren. Endlich denn, als diese Periode sich schloss , die Bildungs- 
Kräfte sanken, hüllte sich der Syenit in eine Haut von einer Art Ge- 
stein, das Ähnlichkeit mit der Grauwacke hat, abei' immer ohne Trüm- 
mer, nämlich in die Lathon-Formation , die auch hier ganz schwach 
auftritt. In England, wo der old red sandstone mächtig wird und 
2000 Fuss übersteigt, enthält er schon Trümmer-Gesteine und Bakewejli. 
will ihn mit der Übergangs-Grauwacke indentificirt wissen ; diess stimmt 
mit unserer Ansicht vortrefflich überein, da das Lathon chemisch aus den- 
selben Elementen besteht, wie der Syenit; und da der Syenit in das 
Lathon so allmählich übergeht, dass man die Herausbildung des letzteren 
ans dem ersteren Schritt für Schritt nachweisen kann, so dient diess 
meinem Dafürhalten sehr zur Stütze, dass das Lathon, so zu sagen, die 
Nachgeburt des Syenites sey, dass es aus demselben Material, aus demsel- 
ben Bildungstriebe, aus derselbem Richtung der Kräfte hervorging, je- 
doch in dem letzten Stadium, in welchem sie sanken und bald darauf 
erloschen. Das Lathon hat daher hier eine geringe Mächtigkeit , und 
hat die ruhige Ablagerung des Syenits ruhig beschlossen, daher Trüm- 
mer weder aufgewühlt, noch konglomerirt. Die geringe Mächtigkeit 
des Lathons ist ein Zeuge mehr dafür, dass das ordnungsvolle Bildungs- 
Geschäft des .Syenits, so zu sagen, bis zu dem letzten Augenblick unge- 
stört fortgewaltet hat und nur der letzte Rest zu Grauwacke-artigem 
aber Trümmer-freiem Lathon sich gestaltete." 

„Die grössere Mächtigkeit des Old red Sandstone in England ent- 
spricht vollkommen einer grösseren Kraft - Entwicklung in der Periode 
seiner Bildung, und damit einer gewaltsameren Einwirkung auf das Lie- 
gend-Gestein, wovon die Folge Geschiebe und Trümmer-Einschluss dort 
war, was unter den hiesigen ruhigeren Umständen nicht geschah. Dort 
tritt also die Ähnlichkeit mit Grauwacke mit allen Charakteren stark 
hervor, und zur völligen Gleichheit fehlt es nur noch an der grünen 
Farbe, die statt dessen braun ist. Da aber grün, grau und rothbraun 
nur Wechsel-Farben in der Geognosie sind, die sich alle Augenblicke 
einander vertreten", so gibt diess keinen wesentlichen Unterschied ab, 
und Bakewell hatt nach meiner Ansicht vollkommen Recht, der rothen 
Farbe unerachtet auf Vereinigung des Old red sandstone mit der al- 
ten Grauwacke der Gattung nach zu dringen, wenn er gleich der Art 
nach sich immer von ihr unterscheiden und seine eigene Stelle, sey es 
vielleicht unter dem Namen Lathon, einnehmen wird. Meine Meinung 
geht also dahin, dass Cict Mährische Syenit und das Lathon zusammen- 



— 61 — 

genommen aus ein- und -derselben Thätigkeits-Äusserung der Natur her- 
voro-egangen seyen , ungefähr wie Hagel und Regen aus einem und 
demselben Gewitter hervorgehen; dass die Veränderung, welche in je- 
ner Thätigkeit vorging, und in deren Folge sie vom Syenit zum Lathon 
übero-ing, in einer Schwächung der waltenden Bildungs-Kräfte bestand, 
in Folge deren das Krystallisations- Geschäft, das den Syenit bildete, 
herabgestimmt, und dieselbe Materie nur noch als Sand und Thon schnell 
abgelagert wurde, ungefähr wie Graupeln und nasser Schnee, die sich 
auf einen schönen krystallinischen Reif werfen, wenn das Wetter durch 
ein Windumschlagen schnell sich ändert; dass kollektiv das ganze Ge- 
bilde des Syenits und Latbons die alte Übergangs-Grauwacke hierlands 
vertreten, und zwar in dem Sinne und aus dem Grunde vertreten, weil 
die schaffende Kraft, die, anderswo durch Konflikte beunruhigt, Grau- 
wacke mit Trümmer-Gestein lieferte, hier in freierer Entwicklung ruhig, 
Syenit bilden konnte, der dann in dem letzten Stadium, in welchem 
endlich Herabstim niung eintrat, in Lathon stufenweise umschlug und 
damit endete." 

„In dieser Schwächung der waltenden Bildungs-Kräfte aber, ver- 
möge deren die Ablagerung der vorhandenen Materie vom Krystallini- 
schen zum Erdigen bestimmt wurde, liegt gerade jener grosse Unter- 
schied, der das Ür-Gebirge vom Flötz-Gebirge trennt, und so nahe von 
der einen so eben entwickelten Seite Syenit und Lathon einander lie- 
gen, so dass ich sie so zu sagen für Eins ansehe, so gross ist auf der 
anderen Seite die Kluft, die in naturhisforischer Hinsicht zwischen bei- 
den liegt, dergestalt, dass der eine an der äussersten Grenze der Ur- 
Bildungen, das andere aber an der Spitze der Flötz-Bildungen steht. 
Brüder sind sie wohl von einem Vater der Materie nach, aber von 
verschiedenen Müttern den bildenden Kräften nach , die ihnen Gestalt 
und Entwicklung gaben." 

„Ungeachtet der grossen Mannichfaltigkeit der BeschaflFenheit und 
des Ansehens, unter welchem der Syenit im hiesigen Gebirge vorkömmt, 
habe ich doch keine einzige Thatsache auffinden können, welche mit 
einiger Wahrscheinlichkeit zeugte für die Vermuthung, dass er aus ei- 
ner unbekannten Tiefe, sey es in fester Gestalt, oder in halbflüssigem 
Zustande, herausgetrieben, mit einem Worte , dass er ein emporgehobe- 
nes Gebirge wäre. Die ganze Struktur desselben spricht sich viel, 
mehr geschichtet aus; es zeigt sich nirgends etwas über einander Ge-. 
worfenes ; nirgends habe ich Stöcke oder Stückgebirge darin wahrneh- 
men können; Alles, und selbst der Porphyr und Klingstein, so wie die 
Basalt-ähnlichen Diorite, zeigen ein unläugbares Streichen, das man in 
allen Straten auf halbe und ganze Stunden weit verfolgen kann, hei 
einer verhältnissmässig meist nur sehr geringen Mächtigkeit. Dieses 
als Regel ohne Ausnahme, wie sich bei genauer Untersuchung der 
Natur hier nachweisen lässt, ist nach meiner Ansicht unvereinbar mit 
tumultuarischer Hebung, und ich kann den Mährischen Syenit nur für 
ein Gebirge ei kennen, das sein Daseyn dem nämliphen Bildupgs» 



— 62 - 

Gange der Natur, wie die anderen geschichteten Übergangs-Gebirge 
und keinem örtlichen Ausnahms-Gesetze zu danken hat." 

„Wenn das Syenit-Gebirge jetzt auch nicht mehr in der Riclitung 
gegen die Kugelfläche der Erde liegt, in welcher sich ursprünglich sein 
Stoff abgelagert hat, so scheint doch alles dahin sich zu vereinigen, 
dass diese erste Ablagerung nach dem jetzigen Gesetze der Schwere 
und folglich in einer Richtung geschah, welche mit der Erdoberfläche 
entweder vollkommen parallel, oder bei unebener Unterlage wenigstens 
einem solchen Parallelismus, d. h. dem Horizontalen zustrebte. Aller 
Stoff scheint von oben nach unten hernieder gegangen zu seyn , wie 
ein Reif, wie ein Schnee, wie ein Hagel, wie ein Regen, jeder der 
verschiedenen Stoffe nach seiner Art. Aus welchem Medium, oder aus 
welchen übereinander befindlichen Straten von Medien, etwa wie aus 
verschiedenen Wasserschichten, Wolkenschichten und Luftschichten über 
einander, diese Stoffe sich tibgelagert haben, ob es Wasserdämpfe in 
hoher Hitze gewesen seyn können, oder welche andere Substanzen, dar- 
über können wir nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft uns nur erst 
schwankende Muthmassungen erlauben; so viel möchte inzwischen da- 
von doch hierher gehören, dass dieses Medium mit demjenigen gleich 
gewesen seyn wird, von welchem alle anderen geschichteten und geschie- 
ferten Übergangs-Gebirge ihre Herkunft ableiten." 

„Als dem Lathon in stetiger Fortbildung der Erd-Oberflüche Berg- 
Kalk folgte, so traten Erscheinungen gleichzeitig ein, wie Muscheln, 
Korallen etc., von denen wir wissen, dass sie nur im Wasser ent- und 
bestehen können. Wasser war es also, welches unmittelbar nach dem 
Lathon erweisslich in Meeres-Massen hier vorhanden war, und auf des- 
sen Boden der Kalk sich ablagerte (ohne desswegen aber notliwendig 
ein Niederschlag aus diesem gewesen seyn zu müssen ; denn Vieles 
legt sich am Boden eines Wasser-Behälters nieder, ohne darum eine 
chemische Ausscheidung zu seynj es kann von oben herein gekommen 
seyn). Wenn nun erweisslich der Berg-Kalk schon ein Gebilde ist, auf 
dessen Gestaltung Wasser Einfluss nahm; wenn viele auf den Berg- 
Kalk folgende Glieder fast sämmtlich Zeichen einer gleichen Mitwirk- 
samkeit von Wasser bei ihrer Entstehung aufweisen, wenn unter die- 
sen viele, wie R,oth-Todtes, bunter Sandstein, Keuper etc., in ihren physi- 
schen Eigenschaften manclie Übereinstimmung mit dem Lathon haben, 
namentlich in der Art der Schichtung der Schiefer, der Sandsteine, der 
Konglomerate und allem dem, was das Wesen der Flötz-Formation aus- 
macht; so hat man nicht bloss Ursache , sondern man ist nothwendig 
zu dem Schlüsse hingeführt, dass auch das Lathon bei seiner Bildung 
vom Wasser abhängig gewesen sey, dass ebendasselbe auch in Bezie- 
hung auf letzteres das Medium war, welches seine Ablagerung, oder 
vielmehr die Form derselben bedingte; und dass folglich überhaupt 
Wasser und Meer sicherlidi wenigstens von da an herrschte, wo das 
Lathon beginnt, also ganz unmittelbar an den Grenzmarken der Über- 
gangs-Formation." 



— 63 — 

„In welchem Zustande hiebei das Wasser gewesen sey, ob hei'ss 
oder kalt, unter welcher Pressung es gestanden, ob unter jetziger at- 
mosphärischer von 0,76 Meter Quecksilber, oder aber unter einem viel- 
hundertmal stärkeren Drucke, bleibt hier unerörtert, und es kann höch- 
stens mir noch die Bemerkung nachgesehen werden, dass, wenn wirk- 
lich diese Umstände bedeutend von den jetzigen verschieden gewesen 
seyn sollen, diese Verschiedenheit im Alter aufwärts vom Lathon gegen das 
Übergangs-Gebirge sehr abweichend von der gewesen seyn muss, welche 
vom Lathon abwärts im Alter gegen die Flötz-Gebirge Statt hatte j dass 
jedoch diese Verschiedenheit denkbaren Falls so gross gewesen seyn 
kann, dass sie die Mitwirksamkeit des Wassers bei Bildung der Über- 
gangs-Gebirge weder nach physischer noch nach chemischer Nothwendio-- 
keit ausschliesst, was die Plutonisten ja nicht zu leicht übergehen möch- 
ten; endlich dann, dass überhaupt die unorganische Natur, in ihrem 
Bildungs-Geschäfte der Erdrinde, da eine sichtbare Katastrophe traf wo 
bei uns der Syenit mit schnellen Schritten in Lathon umsetzt, und dass 
die Grenze zwischen beiden in ihrer Geschieht - Epoche einen Zeitein- 
schnitt macht, von wo aus eine neue Periode beginnt." 

„Eine ruhigeFortbildung des Meeresgrundes , auf welchem sich nun 
Bergkalk mit seinen Muschelbänken und Korallen rififen ablagerte, — des- 
sen mit organischen Geschöpfen bevölkerten Stellen vorzugsweise schwärz- 
lich und bituminös geworden, — dessen Schichtung und Pressung die 
zahlreichen Gewundenheiten bewirkte, — die Auflagerungen von einigen 
schwachen Steinkohlen-Häutchen, — die stellenweise Abwesenheit des Kal- 
kes durch Strömungen im Grunde des Meeres veranlasst und besonders 
da verursacht, wo dem Zuge des Wassers Grundgebirge, hervorrao-ende 
Syenit-Massen, sich entgegenstämmten , ein Anprallen, eine verstärkte 
Bewegung, herverbrachten, — der Übergang des Kalkes in die jüngere 
sogenannte Grauwacke oder die Hauptsteinkohlen-Formation, — die durch 
dieselben Meeres-Strömungen geschafifenen Geschiebe und KonoJonierate 
die übergreifend stellenweise den Kalk überlagern, — das Fortschreiten 
in Rothsandstein, — die Ablagerung von Pflanzen-Resten und Steinkohle 
in ruhigen Buchten desselben u. s. w. : alles dieses geht mit der herr- 
schenden Theorie Hand in Hand und bedarf keiner Erörterun'^." 

„Nun aber beginnt die weite leere Kluft, die zwischen hier und 
dem Quadersand in hiesigen Gegenden Statt hat, und die Theorie hat die 
Aufgabe, die Abwesenheit aller der Formationen zu rechtfertigen, welche 
in anderen Ländern zwischen der Hauptsteinkohlen-Formation, und dem 
Quadersand inne zu liegen pflegen. Ob sie hier nie vorhanden •»•ewesen 
oder aber ob sie alle nach einander aufgelagert und weggerissen worden 
sind, diess ist die grosse Frage, welche nicht bloss mich, sondern in 
ähnlicher Art alle Geognosten aller anderen Länder, Jeden in seiner 
Sphäre, zur Naturforschung auffordert. Ich habe aus der Beschaffen- 
heit und dem Ausfülhnigs-Matcrial unserer Bergkalk - Gruben einen Be- 
weis herzuleiten versucht, dass das Meer, das muthmaasslich mit dem 
Lathon stehend zu werden begann, fortdauernden Stand hier behaup- 



— 64 — 

tete, bis nahe zum Eintritt der Quadersand-Formation. Habe ich mich 
in dieser Berechnung nicht getäuscht , und darf ich von ihr ein Anhal- 
ten abnehmen, so leistet sie nicht unwichtige Aushülfe zur Aufklärung 
mancher geologischen Zweifel und Ungewissheiten , und wird sie noch 
weiter und umfassender leisten, wenn andere Geognosten die Zustände 
und Ausfüllungs - Materien anderer Gruben in . anderen Ländern, und 
besonders in anderen Kalk-Formationen , von demselben Gesichtspunkte 
aus untersucht haben werden, den ich für die hiesigen aufzustellen 
mich bestrebte." 

„Hiernach zu urtheilen, muss das Meer in hiesiger Gegend diese 
Periode über in einer solchen Bewegung gewesen seyn, dass sie die Abla- 
gerung der mittleren Flötz- Gebirge entweder unmöglich machte, oder 
wenn sie theilweise Statt gefunden haben sollte, eine völlige Vernich- 
tung dieser Theile wieder nachgefolgt seyn musste. Dieses Letztere 
wird, wenn nicht das Wahrscheinlichere, doch in so weit von dem Zu- 
stande des hiesigen Gebirgs unterstützt, dass daraus eine gewaltige 
Wasserbewegung unverkennbar hervorgeht , die in solchem Grad Statt 
gefunden haben muss, dass sie einen grossen Theil des Hauptstein- 
kohlen-Gebirges , des Kalkes , des Lathons und des Syenits nieder- 
riss und fortschwemmte, und so unseren Syenit wieder entblösste, der 
wo nicht von den späteren Formationen , doch von dem Lathon , dem 
Bei'gkalke und der theilweise selbst barometrisch höher liegenden Haupt- 
steinkohlen-Formation überdeckt seyn müsste." 

„Mit dem Abzug des alten Meeres , unter dessen Mitwirkung das 
alte und mittlere Flötz-Gebirge sich ablagerte, trat jene grosse Wasser- 
Bewegung ein, niiter deren Einfluss erst die Kalk-Höhlen im Bergkalk 
entstehen konnten, was nicht bloss ein einfaches Abziehen des Wassers, 
sondern ein gewaltiges und häufiges Wiederkehren desselben in Form 
unermesslicher und langdauernder Regen, rauthmaasslich in höheren Tem- 
peraturen voraussetzt. In die Zeit dieser Rotation des Wassers durch 
die Atmosphäre über die Erd-Oberfläche wieder hinab und hinein in 
die Zerklüftungs-Spalten des Kalkes, wo es gelegentlich davon kleine An- 
theile auflösste, fällt dann zunächst die Bildung und Ausätzung der 
Kalk-Höhlen, und die ähnliche Wirkung grosser Wasser-Bewegung, näm- 
lich der Ausfurchung unserer meisten Thäler, besonders der Hauptthäler, 
und das Durchreissen , oder vielmehr durch fortgewälzte Geschiebe be- 
wirkte Durchkratzen derselben durch felsige Passagen , die so entstan- 
den, wie man mit Sand und platten Eisen-Schienen ohne Zähne Steine 
zu zersägen pflegt. Diesen Ereignissen unmittelbar folgten die Höhlen- 
Einstürzungen, die Bildungen von Kalk-Abgründen, senkrechten Felsen- 
Wänden darin u. s. w." 

„Die hiesigen Verhältnisse also, und darunter namentlich die Um- 
stände, dass in den Kalk-Gruben sich nirgends Ausfüllungen aus der 
mittleren Flötz-Zeit vorfinden, dienen der Ansicht zur Stütze, dass diese 
sich nicht vor Abzug des Meeres gebildet haben können, dass aber um- 
gekehrt das Meer dann aucli wirklich abgegangen seyn nuisse., weil 



— 65 — 

ohne seine Entfernung keine Wasser -Fälle und folglich keine Höhlen- 
Auswaschungen möglich waren, und endlich dass in der That das Meer so 
lange vorhanden gewesen seyn müsse, bis die Zeit der Höhlen-Bildung 
begann. Eines folgt aus dem Andern unmittelbar. Lehrt uns die Be- 
schafFenheit der Ausfüllung durch die Quadersand-Formation, dass bis 
au diese Periode hin jenes Ereigniss gegrenzt habe, so kann man einen 
Rückblick über die Formationen versuchen, vrelche alle unter dem Ein- 
flüsse dieses muthmasslichen alten Meeres sich gebildet haben müssten: 
es waren die vom Lathon an bis zum Jura-Kalke hin. Und in der 
That wird man dann mit Befriedigung wahrnehmen, dass alle die hier 
unter einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkt zusammengefassten Forma- 
tionen eine gewisse Geraeinschaftlichkeit des allgemeinen Charakters 
haben, der so vielfach und so in die Augen fallend ist, dass man längst 
schon sie unter dem gemeinschaftlichen Namen der mittleren Flötz-For- 
mation zusammen fasste, eine Vereinigung, die dann aus den hier ent- 
wickelten Verhältnissen in Mähren nur Verstärkung ihrer Bande ent- 
nehmen könnte. Die Formationen dann, welche mit dem Quadersand- 
stein, oder vielleicht schon mit dem Jura-Kalk beginnen, machen eine 
andere, nicht mehr unter denselben Umständen , sondern unter ganz ab- 
geänderten Verhältnissen gebildete Gruppe aus. Es tritt ein neuer Zeit- 
Einschnitt in der Bildungs-Geschichte der Erdrinde ein, eine abermalige 
Epoche , wovon sich auf diese Weise ein Grund mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit und Klarheit vor Augen stellen lässt." 

„Weil nun diese Kalk-Abgründe und Untiefen folgerecht unmöglich 
früher, als gerade unmittelbar vor der Periode der Quadersandstein- 
Bildung entstanden seyn konnten, so legte sich dann auch diese 
unmittelbar da hinein, und bildete unsere Bohnerz -Formation in 
den Kalk-Gruben. Wasser-Massen müssen dann aufs Neue stationär 
geworden seyn, und haben von ilirem Daseyn in den Muscheln Urkunde 
hinterlassen, die wir im Quader-Sandstein finden. — Auch der Abzug 
dieses zweiten Meeres war mit Verwüstungen und Beschädigungen des 
festen Grundes verbunden , jedoch weniger mit langdauernden Nachlie- 
ferungen starker atmosphärischer Wasser, da die Kreide und der Kreide- 
Kalk nicht den Reichthum an Höhlen besitzen, von welchem der Berg- 
Kalk ganz durchschwärmt ist. — Endlich haben spätere Ereignisse noch 
den durch die Braunkohlen -Formation, den älteren Grobkalk u. s. w. 
ziemlich weit davon abstehenden jüngeren Grobkalk, sogenannten Lcitha- 
Kalk, nebst dem dazu gehörigen Tegel abgesetzt, dessen Erscheinung 
in die Verwicklungen der tertiären Formationen sich einschliesst, die 
grösstentheils örtlich sind, und hier nur eine untergeordnete Rolle spie- 
len. Er ist ein Ausläufer aus dem grossen Ungarischen Becken, und 
nimmt durch seine theils oolithische, theils krystallinische Bildung einige 
Aufmerksamkeit in geognostischer Hinsicht in so fern in Anspruch, als 
er diese Formen unerwartet spät zum Vorschein bringt." 



Jahrgang 1834. 



— 66 - 

Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1832. (Osservatore del 
Vesuvio, No. 3. ]>. Bibl. univers. Avril, 1833, p. 350. etc.J Heftige 
Gewitter hatten an den Tagen Statt, welche den Eruptionen im Julius 
und August vorangingen und die unmittelbar darauf folgten. Besonders 
in den gegen N. vom Vulkane gelegenen Provinzen war diess der Fall} 
allein sie zogen sich auch in östlicher Richtung, bis in die Capitanate, 
Die Temperatur erlangte plötzlich einen ungewöhnlich niederen Stand. 
Nach dem 31. Julius hörten die Gewitter im Norden des Königreichs 
Neapel auf, und nun wurde es sehr bald wieder wärmer. Der Ätna 
war während des Vesuvischen Aashvnchs vollkommen ruhig, erst am 31. 
Oktober begann er thätig zu werden und seine Katastrophen dauerten 
bis zum 22. November. Während des Septembers und später entstieg 
dem inneren Kegel des Vesuv's eine kaum sichtbare Rauch-Säule. Am 16. 
Dezember endlich ereignete sich eine abermalige sehr bedeutende Erup- 
tion. Die Erzeugnisse der Eruption im Julius und August lassen sich 
in vier Klassen theilen: 

1. Laven, welche dem Krater entflossen, theils mehr Stein- artig, 
theils mehr schlackig, letztere zeigen häufig Kerne von schwarzer porö- 
ser Lava, Gemenge aus Augit- und Leuzit-Körnern, denen sich mitunter 
selir kleine Glimmer-Blättchen beigesellen. 

2. Auswürflinge: Schlacken verschiedener Grösse, Eisen-schwarz 
und von sehr regelloser Gestalt, im Inneren dicht, mit kleinen Leuzit- 
Krystallen und mit Augit-Theilchen. Die^ beträchtlichsten Auswürflinge 
von Bomben-Gestalt wogen 250 Pfund. 

3. Sublimationen undErzeugnisse chemisch er Reaktion. 
Dahin: Steinsalz (sehr häufig auf dem Plateau des Kraters und in 
den zahllosen Spalten, Staub-artig, als Effloreszenz, stalaktitisch u. s. w.) ; 
salzsaures Eisen; Eisen -Peroxj^^d (in Karmin-rothen Schüpp- 
chen); sal zsaure s und Schwefel sau res Kupfer, endlich eine 
eigenthümliche, in kleinen Tropfsteinen sich darstellende Substanz, welche 
den vorgenommenen chemischen Versuchen zu Folge von sehr zusam- 
mengesetzter Natur ist. 

4. Gas-artige und flüchtige Substanzen: wässerige. 
Dämpfe, salzsaures und schwefelsaures Gas. (Kolensaures Gas scheint 
sich bei diesem Ausbruch nirgends entwickelt zu haben.) 



Allgemeine Notizen über die Geologie der Kanarischen 
Inseln von Jaüffret. (Bibl. univers. ; Avril 1833, p. 347. etc.J *) 
Vier grosse und scharf von einander abgeschiedenen Formationen sollen 
jene Inseln zusammensetzen : augitische Gesteine, fcldspathige Gesteine, 
tertiäre Gebilde, neue Laven und Produkte der letzten Eruptionen. 



*) Wir glauben die ausdrückliche Bemerkung des Verf's. nicht übergehen zu dürfen, 
dass ihm L. v. Buch's Werk über die Kanarisehen Inseln uu bekannt geblieben 
sey, weil er sich solches nicht zu verschaffen gewnsst habe. D. R. 



— 67 — 

Die augitischen Felsarten nehmen das Küstenland und die mittlere 
Höhen ein; sie enthalten viele Hornblende- und Olivin-Krystalle [?] 
und nehmen oft Säulen-Gestalt an. Die Ablagerungen dieser Gesteine 
werden durch unermessliche Schichten von Tuff, von Konglomeraten, von 
vulkanischem Sand und Thon geschieden. Die Haufwerke von Bims- 
steinen, welche den Distrikt von Arico de las Bandas bedecken, so wie 
jene des grossen Plateaus von Las Canadas , gehören ohne Zweifel 
einer viel früheren Zeit an. Die Basalte und Tuffe von Madera sind 
jenen der Kanarischen Inseln beinahe identisch. Bei Jeod-el-alto auf 
Teneriffa enthalten die Tuffe Abdrücke von Blättern. Die inneren Berge 
der Eilande und die Abhänge ihrer ungeheuren primitiven Kratere be- 
stehen aus feldspathigen Gesteinen. In dem unteren Theile der Kalk- 
tuffe trifft man grosse Blöcke und Bruchstücke von Basalten. Die Kalk° 
Ablagerung ist nicht sehr mächtig auf den Kanarischen Inseln. Sie 
enthält in dem oberen Theile Land-, und in dem unteren Meeres-Miischeln 
u. s. w. [Unsere Leser werden aus obigen Mittheilungen das sehr 
Dürftige der jAUFFREx'schen Notizen entnehmen können.] 



Fr. Hoffmann: über die geognostis che Besch affenh eit 
der Liparischen Inseln '^). Das erste unter den Gliedern dieses klei- 
nen Systemes von Vulkanen ist der immer ihätige Stromboli, ein Kegel- 
förmiger, steil aufsteigender Berg von 2775 F. Meereshöhe und von 
kaum mehr als 2 Stunden im Umkreis an seiner Basis. Unter den Kir- 
chen von S. Vicenzo und >S. Bartolo dehnt sich ein sanft geneigtes Vorland 
an der Basis des sonst überall steil abgeschnittenen Kegelberges aus, 
das der Bewohnung und dem Anbau die am meisten geeigneten Grund- 
lagen darbietet. Die Hauptmasse dieses Vorlandes besteht aus schwar- 
zem, sehr feinkörnigem Eruptions-Sand (kleinen Bruchstücken von Augit, 
minder häufigen Oliyin- und noch selteneren glasigen Feldspath-Körnern). 
Aus dem Sande ragen die Überreste zweier Lavenströme hervor, deren 
Masse den Üf«a-Laven, doch mehr noch jenen des bekannten Stromes 
delV Arso auf Ischia gleicht. Ganz damit übereinstimmend ist die 
Natur jener Laven, welche noch heute stets der Krater von Stromboli 
bildet. Aufsteigend vom Landungs-Platze nach den steilen Gehängen 
des Insel-Berges sieht man sehr bald einen ausgezeichnet verschieden- 
artigen Charakter in der Zusammensetzung des Landes hervortreten. 
Parallel mit der Oberfläche des Abhanges setzen überall rings umher 
Band-artige mächtige Lavenbänke, abwechselnd mit Konglomeraten von 
aus ihren Schlacken-Krusten gebildeten Bruchstücken und mit hellfar- 
bigen Tuff-Bänken auf. Die Natur dieser Gesteine ist sehr wesentlich 
verschieden von den gleichnamigen Produkten, welche der gegenwärtig 
ihr Inneres durciibrechende Vulkan liefert. Die Laven-Masse stellt 
sich als ein Trachyt-Porphyr, oder als eine Porpliyr-artige Trachyt-Lava dar ; 



*) Ltipxig} 1832 (Abdruck au» den Ann. d. Pliyn. und ChemJ. 



— 68 — 

denn tiass die Massen wahre Ströme bilden, dafür bürgen ihre ge- 
samniten Verhältnisse. Der TuiF, welcher daztvischen liegt, ist lichte 
braungelb, voll Lavastiicken und von Bimsstein -Streifen durchzogen. 
Dieses Terrain bedeckt, in sehr ungleichen Verhältnissen des Wechsels 
und der Mächtigkeit, wenigstens zwei Drittheile von der Oberfläche der 
Insel. Seine Masse bildet den Kern und das Gerippe des ganzen Kc- 
gelberges. Diese Verhältnisse dauern an bis etwa 200 oder 300 F. 
unterhalb des Gipfels, und ehe man die höchste Bergspitze erreicht 
hat, zeigt sich das Ende der Erscheinung im Ausgehenden der Lava- 
und Tuff-Bänke, welche E^ing-förmig fast wagerecht fortlaufen. Wir 
stehen auf dem Rande einer Krater-formigen Bildung, ^velche wir 
leicht einen Erhebungs-Kr a t er nennen dürften. Aber der Ring 
dieses Kraters ist nur zur Hälfte wirklich gebildet, zur Hälfte vielleicht 
einst wieder zerstört worden. Sobald, man die ausgehenden Felsrän- 
der verlassen hat, tritt man in das Gebiet des sich fortvi^ährend ent- 
wickelnden Eruptions-Kegels. Ein Rücken, aus Asche, aus schwarzem 
Sand und grossen Schlacken-Klumpeu gebildet, erhebt sich, und hin- 
aufsteigend steht man bald am oberen Theile des Randes von der im- 
mer thätigen Werkstätte, welcher die Insel ihre Entstehung verdankt. 
Der Gipfel ist gleichfalls ein halbkreisförmig geordneter schmaler Berg- 
kämm, und der neue, wie der alte Krater öffnen sich mit nur halb 
erhaltenen Wänden ihrer Einfassung, dereine im andern, gegen das Meer 
hin im NW. steil abgerissen. Im Sande des deutlich geschichteten in- 
nern Ringes, dessen Schichten meist sehr steil, theils nach aussen, 
theils nach innen fallen, finden sich, neben schwarzen Schlacken-Klum- 
pen und grossen Bimsstein-Stücken, zahllose Augit-Krystalle. In einem 
tiefsten Theile der Biegung, welche die Mantel- förmige Einfassung des 
alten Erhebungs-Kraters bildet, hängen die Aufschüttungen des neuen 
Eruptions-Kegels fast unmittelbar mit den Rändern der alten Lavabänke 
zusammen; das Innere des alten Kraters ist hier vollkommen von den 
Bildungen des neuen erfüllt worden. Im SW. und SO. aber ragen die 
Flügel der alten Einfassung zum Theil hervor, besonders an dem von 
»S. Vincenzo nach dem Dörfchen Inostra führenden sehr steilen ^ege. 
Der neue Eruptions-Krater hat einen Durchmesser von Iweni^stens 
2000 F. In ungefähr 600 F. mittler Tiefe liegen , auf scliwarzem 
Sandboden, die Mündungen seines immer thätigen Schlundes , deren 
nach Zeit und Umständen, was Zahl mid Grösse betrifft, sehr verschie- 
dene vorhanden sind. Die von H. beobachtete Haupt-Mündung lag ziem- 
lich in der Mitte des Krater-Ringes, hatte 200 F. Durchmesser, 
dampfte sanft und gleichförmig, und die Wände ihi'cs Rauchfangs 
waren mit einer Schwefel-Rinde bekleidet. Im Innern einer andern 
kleinen Öffnung, die ununterbrochen explodirte und, in fast regelmäs- 
sigen Abständen, Dampfwolken ausstiess und Tausende glühender Lava- 
stücke emporschleuderte, blieb die auf- und niedersteigende flüssige 
Lavasäule noch stets 20 bis 30 F. unter der Öffnung ihres Schach- 
tes, und es zeigte sich klar, dass das Gewicht dieser Lavasäule nur 



— 69 - 

durch die ungeheure Spannung erhitzter Wasserdämpfe getragen und 
bewegt werden konnte. Etwa 100 F. tiefer lag eine dritte Mündung, 
und aus ilir quoll ein kleiner Lavastrom am Abhänge hinunter. — Die 
von PouLETT ScROPE vcrsuchte Erklärung der stets fortdauernden 
schwachen Ausbrüche von Stromboli scheint dem Verf. die richtige. — 
Eine anziehende geognostische Erscheinung zeigen die vorspringenden 
steilen Felswände, welche dem Schlacken-Felsen zur Einfassung dienen. 
Hunderte von Band-artig übereinander gelagerten Lavaströmen senken 
sich hier und meist sehr steil ins Meer nieder. Zwischen ihnen lagern 
sich oft fest zusammengebackene Schlacken- Konglomerate Und lockere 
Sandschichten, und ihr Vei'lauf ist im Allgemeinen so regelmässig, dass 
man sie aus der Ferne für Massen eines stark geschichteten FIötz-Ge- 
birges halten könnte. Nur selten haben sich einzelne Lavenströme 
durch die lockern Substanzen hindurchgewunden. Besonders merkwür- 
dig sind die seiger durchsetzenden Gangplatten, entschieden von 
neuer Entstehung und dem heutigen Eruptions-Kegel angehörig. 

Etwa in 15 Miglien Entfernung von Stromboli gegen SW. ragt 
aus dem Meere jene zusammenhängende Felsen-Gruppe hervor, deren 
Hauptinseln der hoch aufsteigenden Panaria, und nächst dem der viel 
minder bedeutende Basiluzxo bilden. Die Gestalt des letztern ist nicht 
Kegel-fdrmig j er senkt sich sanft gegen SO. und sehr steil gegen NW. 
Das herrscliende Gestein ist ein Trachyt von eigenthümlicher Zusam- 
mensetzung (wir müssen, was eine sehr umfassende Schilderung des- 
selben betrifft, auf die. Schrift selbst, S. 17 ff, verweisen), auf deren 
Oberfläche locker zerstreut einzelne kleine Bimssteine liefen. An der 
Südküste von Panaria ist das Haupt-Gestein ausgezeichneter Trachyt- 
Porphyr. Einzelne Stücke der Massen sind mit Rinde weissen Kiesel- 
sinters bekleidet, obwohl man in der;Nähe keine Fumarolen oder warme 
Mineral-Quellen findet. Dolomieu und Spallanzani sehen die Fels- 
trümmer als Reste eines zerstörten Kraters von wahrscheinlich 6 Mig- 
lien Durchmesser an; nach H. dürften sie die nur veränderten und abge- 
nagten Theile einer ungleichförmig zu ihrer gegenwärtigen Höhe em- 
porgetriebenen Masse von der Oberfläche des vormaligen Meeresgrun- 
des seyn. 

Die Hauptinsel Lipari, welche dem ganzen kleinen Arch'ipelagus 
den Namen ertheilt hat, weicht auffallend von Stromboli und Panaria 
ab. Ihre Oberfläche zerfallt in drei deutlich von einander geschiedene 
Abtheilungen, Am Südrande der mittlem derselben, der beträchtlichsten 
und unstreitig der ältesten unter den Bildungen, welche das Innere der 
Insel zusammensetzen, erliebt sich der Kegel des Monte St. Angela. 
Gegen 0. fällt er sanft und sehr glcicliformig ab bis zur Meeresküste; 
gegen S, ruht derselbe auf einer bereits ansehnlich über dem Meere 
erhabenen Basis, welche von 0. gegen W, mehr und mehr ansteigt. In 
nordöstlicher Richtung verbindet sich der Abhang des Hauptberges mit 
dem Monte di tre puore durch ein flaches weites Thal , welches etwa 
1000 F. über dem Meere liegt, und man nennt hier den vom letzter- 



— 70 - 

irähnten Berge zu ihm libersetzentlen sanften Höhenzug S. Eremo 
Das ganze, ringsum scharf begrenzte Stück Landes, welches das Innere 
und den Kern der Insel bildet, besteht vorherrschend aus einer braunen, 
erdigen Tuffmasse, von vielfach zerkleinerten Bruchstücken vulkanischer 
Erzeugnisse gebildet. Dieser Tuff hat viel Ähnliches mit jenem von 
der Wilhelmshöhe bei Kassel. Kleine, schwarze, auch grau oder röth- 
lich gefärbte Lavenstücke mit vielen eingeschlossenen Feldspath-, seltner 
mit Augit-Körnern , sind die vorzüglichsten Gemengtheile^ ausnahms- 
weise finden sich einzelne Schlackenbrocken und Bimsstein-Stücke. Die 
ganze Tuff-Bildung erscheint auf das Vollkommenste geschichtet. Nähert 
man sich dem Abhänge des, auf diesen Grundlagen ruhenden Kegels, 
«o richten sich die ringsum wagerechten Tuff-Schichten auf. Der Haupt- 
berg der Insel ist also sehr deutlich ein alter Eruptions-Kegel. 
Diess beweisen seine Schichten-Bildung und die von ihm ausgegangenen 
Lavaströme. Der Krater ist eine, von sanft gewundenen Abhängen ein- 
gefasste, fast Ei-förmige Vertiefung. Seine Längenaxe von 0. nach 
W. laufend , hat etwa 700 bis 800 Schritte. Gegen W. ist 
«r offen , und von dorther erheben sich die Ränder seiner Einfas- 
sung bis zum höchsten ihrer Punkte an der Nordseite, dessen Schei- 
tel-Linie etwa 200 F. über dem Boden dieser Vertiefung erhöht liegt. 
Wie der Monte S, Angela, nur in kleinem Massstabe, sind auch die 
Monti rossi gebildet. Beide Kegel bestehen aus konzentrischen, sie rings- 
um einschliessenden Tuff-Schichten, und die Vertiefung in ihrer Mitte 
ist sehr wahrscheinlich der Rest ihres eingefallenen Kraters. — Auf 
der Westseite der Insel bildet der Rand der Hochebene von Quattro- 
pani einen senkrechten Absturz von etwa 200 F. Höhe. Die Felswand 
besteht aus wagerechten Tuffbänken, zwischen denen, wohl hundertfach 
wiederholt, ein grauer, stark erhärteter Thon 1" bis 3" starke, dem 
Gängen stets deutlich parallel laufenden Bänder bildet. Sehr häufig 
geht dieser Thonstein in eine vollkommen dichte Kieselmasse über. 
In dieser Kieselmasse, nicht selten aber auch in den Thonsteinen und im 
Tuff, erscheinen die, bereits von Dolomieu erwähnten Pflanzen-Reste; 
keine Überbleibsel von Fucus, wohl aber Dikotyledonen-Blätter und 
Blätter-Abdrucke scheinbar den im nahen Sicilien wachsenden Fächer- 
Palmen zugehörig. Gewiss befand sich hier ein mit Palmen und Diko- 
tyledonen-Sträuchern bewachsenes Festland in der Nähe, als die das 
Tuffland erzeugenden Eruptions-Kegel in Thätigkeit waren. Ein un- 
tergeordnetes Glied der Tuffmassen sind die mit ihm zahlreich auftre- 
tenden Lavabänke. Der Monte S, Angelo trägt am obern Theile seines 
Abhanges noch die Reste zweier deutlich unterscheidbaren Ströme. Ihre 
Masse ist sehr dicht, reich an Feldspath, ein wahrer Feldstein-Porphyr; 
auf der Oberfläche zeigen sie keine Schlackenrinde, ein Beweis von 
s^ehr hohem Alter, der noch durch ihre vollkommene Zertheilung in 
unförmliche Felsblöcke vermehrt wird. Eine ähnliche Lava deckt den 
Abhang des westlichen unter den Monti rossi. Ungleich manchfaltiger 
ist die Beschaffenheit der Lava-Massen, welche im Innern der Tuff- 



— 71 — 

bänke sich eingeschlossen finden; einzehie gleichen ganz den neuen 
Ätna-haven. — An der steil abgerissenen Westküste entströmen noch 
dem Innern des Monte S, Angelo , ausser den heissen Quellen der 
Grotte di S, Cälogero, auch die vielleicht eben so reichhaltigen Was- 
ser-Massen der Bagni caldi. Sehr nahe bei den erst bezeichneten 
Orten entweichen ferner noch immer dem Boden die mit Schwefel ge- 
schwängerten Wasserdämpfe einer ununterbrochenen Fumarole, die 
Stufe di S. Cälogero, oder auch wohl il bagno secco genannt. Die 
zersetzenden und umändernden Einflüsse dieser Dämpfe auf die mit ihnen 
in Berührung kommenden umliegenden Gesteinmassen sind in hohem 
Grade merkwürdig und müssen früher noch viel ansehnlicher und aus- 
gedehnter gewesen seyn. Aus dem dunkelfarbigen Tuftbande der Stu- 
fe diS. Cälogero tritt man plötzlich in eine schneeweise Fläche. Die 
Bank einer ausragenden dunkeln Feldspath-Lava ist in ein dichtes, 
groberdig körniges , fast Tripel-äbnliches Gestein umgewandelt. Der 
nahe TufiF zeigt sich gelblichweiss, sehr uneben, und ganz unregelmäs- 
sig ragen rauhe Knollen eines an Opal oder Pechstein erinnernden 
Gesteins hervor, mit Überzügen von Cbalzedon und Hyalith-ähnlichera 
Kieselsinter. In innigster Verbindung mit den zahlreichen Zersetzun- 
gen und Verwitterungen, welche hier bewirkt worden, sieht man überall 
an den Wänden der Abhänge der Stufe di S. Cälogero wohl ausge- 
bildete Gypsmassen auftreten. Die ganze TuflFmasse ist von schnee- 
weissen oder blassrothen Gyps-Trümmern durchzogen, seidenglänzend, 
von faserigem Gefüge und bis zu 1 Zoll stark. Sehr häufig erscheint 
der Tufi längs den Abhängen in eine schmierige, unrein ockergelbe 
Thoumasse verwandelt. Und dieser Thon ist voll von Gyps-Blättern 
und durchzogen von Fasergyps Schnüren. Diese Erscheinung findet 
man keineswegs auf eine eng umschriebene Ortlichkeit beschränkt; fast 
überall an den Abhängen einer stundenlangen Küste wird sie getroffen, 
und die Höhe der von Gypsmassen durchdrungenen Bergwände erreicht 
häufig 200 F. ; auch an einem andern Orte der Insel findet sich Gyps- 
Bildung unter ähnlichen Verhältnissen. — Die beiden andern Bezirke, 
welche Lipari zusammensetzen , sind unter sich im Wesentlichen von 
gleichartiger Beschaflfenheit. An die Stelle der bisher beschriebenen 
Tuffmassen treten Bimssteine und Obsidian-Konglomerate, 
und der Charakter jener Stein-artigen Feldspath-Lava ist in den einer 
aufgeblähten oder dichten, glänzenden Glasmasse verwandelt. Ob der 
Monte Guardia, dessen Seehöhe 1100 bis 1200 F. beträgt, auf seinem 
Gipfel einen Krater habe, scheint keineswegs ausser Zweifel; aber 
an der Nordseite des Berges, etwa 600 F. unter dem Gipfel, findet man 
einen Kessei-förmigen Thalgrund , la fossa della valle del monte, der 
sich, durch die Richtung der ringsum von ihm abfallenden Laven-Strö- 
me und Konglomerat-Schichten, als wahrer Krater zu erkennen gibt. 
In der dritten Abtheilung von Lipari herrscheu zumal die Bimssteine, 
deren Mächtigkeit und Reinheit diese Gegend bereits seit Jahrhunder- 
ten zur Fundgrube jenes Produktes für die Versorgung von ganz JE«- 



~ 72 — • 

ropa gemacht hat. Ausgezeichnet schöne Übergänge und Verbindungen 
des Obsidians mit dem Bimsstein trifft man hier in allen Graden und 
Verhältnissen. Bei weitem vorwaltend wechseln beide Fossilien in zahl- 
reich wiederholter, oft vollkommen schieferiger Streifung. Eine andere 
schöne Erscheinung bieten ferner die zahlreichen Beispiele der Entgla- 
sung, welche die schwarzen glänzenden Glasstücke darbieten. Sie be- 
ginnt mit den exzentrisch faserigen Krystall-Kugcln und endigt allmäh- 
lich mit einer röthlichgrauen, dichten, feinerdigen Thonstein-Masse. In 
Obsidian-Masse eng eingeschlossen, fand H. zwei Granit-Stücke. Auf 
dem Gipfel des im N. von Caneto emporsteigenden Monte Campo bianco 
sieht man sich am steil abgestürzten Rande eines prachtvollen Kraters J 
der mit steilen Bergwänden umschlossene Halbkreis hat wenigstens 
3000 F. Im Durchmesser und 500 F. Tiefe. Der Lavastrom vom Capo 
Castagno, den man vom Meere bis zu seiner Quelle im Krater des 
Campo bianco verfolgen kann, ist von wunderbarer Frische. Seine 
sichtbare Mächtigkeit, längs den steil aufsteigenden Rändern, beträgt 
über 100 F., die Breiten unter h Miglie, die Längen-Erstreckung we- 
nigstens \\ M. Seine Hauptmasse ist Bimsstein-Lava, deren Fasern 
stets der Erstreckung des Stroms parallel laufen. Eigentliche Schla- 
cken-Krusten werden an der Oberfläche nicht gefunden. Aber am An- 
fange des Stroms im Krater hat sich ein breiter Ring-förmiger Wall 
von Bimsstein- und Obsidian-Stücken locker aufgehäuft, ivelche eine innere 
konzentrische Einfassung in den steil abgerissenen blendend weissen 
Kraterwänden bilden. Aber diese grossartige Fossa am Campo bianco 
war einst durch eine viel riesenhaftere eingeschlossen, von welcher die 
kreisförmig gebogene Westhälfte noch gut erhalten ist. Ganz Lipari 
stellt sich uns sonach als eine mehr zufällig zusammenhängende Reihe 
von Eruptions-Bergen dar, es ist keine in sich abgeschlossen zugerun- 
dete Vulkan-Insel, wie Stromboli und Vulcano', aber die Produkte der 
Ausbrüche von Lipari sind so manchfaltig und so auffallend von einan- 
der verschieden, dass die Art der Aufeinander-Folge ihrer Bildungs- 
Periode nur von höchstem Interesse seyn kann. Die Tuffmassen und 
die Porphyr-Laven sind die ältesten der successiv entwickelten Erzeug- 
nisse ; die Bimsstein- und Obsidian-Stücke des nördlichen und südlichen 
Bezirkes finden sich häufig auf der Oberfläche des Tufflandes zerstreut, 
und zwar keineswegs bloss unregelmässig, oder zufallig. Am Abhänge 
des Monte S. Angela u. A. findet man den braunen Tuff mit dünner 
Bimsstein-Rinde wie beregnet, und auf dieser Rinde ruht sodann sehr 
deutlich der Lavenstrom della Perera u. s, w. 

Vulcano — der Verf. bezieht sich auf die früheren und späteren 
Schilderungen von Dolomieu und P. Scrope — ist das vollkommenste 
Modell einer in sich abgeschlossenen Vulkan-Insel. Von der Bucht, 
welche das Aufsteigen von Volcanello an der Ostseite der Insel erzeugt 
■!^^ hat, erhebt sich sogleich sehr steil der oben breit und flach abgeschnit- 
tene Eruptions-Kegel zu 1224 Pariser F. Meereshöhe. Sein Abhang an 
der Nordseite ist aus fein geschlämmten Tuff-Schichten zusammenge- 



— 73 - 

setzt, die, im Allgemeinen regelmässig geordnet, dem Abhänge parallel 
laufen. In der Richtung und Verbindung dieser Streifen-weise braun, 
grau, selbst schwarz gefärbten Schichten sieht man nicht selten einige 
Unregelmässigkeiten: oft sind sie gebogen und gewunden J oft ruhen 
die Produkte einer späteren Überschüttung auf den älteren in übergrei- 
fender und abweichender Lagerung. Hat man den oberen Rand des 
grossen Kegels erreicht, welcher etwa 800 F, hoch ist, denn der Berg- 
gipfel befindet sich an derSüdostseite, so trifft man auf eine schwach gegenN. 
geneigte Ebene, welche in nie aufhörende Schwefel-Dämpfe gehüllt ist. 
Diese Dämpfe, meist mit Schwefel-Wasserstoff beladene Wasser-Dämpfe, 
zischen siedendheiss aus den mit Schwefel-Krusten dick bedeckten Spal- 
ten des Bodens hervor. Von der N.W.-Seite ist ein rauher Lavenstrom 
ausgeflossen. Der Haupt-Krater erscheint als eine ringsum geschlossene, 
kreisrunde Vertiefung von etwa 3000 F. oberen Durchmessers und mi.. 
oft 600 F. hohen, senkrecht absteigenden Felswänden umgeben. Der 
Aufenthalt in der Tiefe ist sehr lehrreich durch den Anblick so zahlrei- 
cher veränderter C * ine, welche von den Wirkungen der Däm])fe bis 
ins Innerste zersetzt wurden, und dennoch Festigkeit und Zusammen- 
hang behalten haben. Die harte, schwarze Obsidian-Masse selbst i it 
hier sehr deutlich in Schnee-weissen, dichten Thonstein verwandelt; ai f 
den Klüften hat sich Schwefel gebildet; in kleinen Höhlungen findet man 
zierliche Gyps-Drusen, und fortwährend setzt sich, als Produkt von Sub- 
limation, Borsäure in seidenartig glänzenden Schüppchen ab. Auf dem 
Boden des Kraters, in 507 F. Meereshöhe, liegt ein etwa 80 F. hoher Hü- 
gel von vielen durcheinander geworfenen Steinblöcken, welchen die 
Schwefel-Dämpfe mit besonderer Heftigkeit und Stärke entströmen. Aus 
dem Krater wieder hinaufgestiegen sieht man deutlich, wie die Produkt '■ 
verschiedener Aufschüttungen den oberen Rand seiner Einfassungen zu 
wiederholten Malen verändert und erhöht haben. Der Lavastrom, von 
dem oben bereits die Rede war, ist Produkt des Ausbruches von 1775< 
Er besteht vorwaltend aus Glas- und Bimsstein-Lava und hat auf seinei 
Oberfläche stets eine Email-Kruste. In seiner Grundmasse finden sich 
sehr häufig, fest eingebackene, Nuss-grosse Kerne von röthlichgrauem 
und grauem dichten Thonstein, voll weisser glasiger Feldspath- und 
Augit-Körner. Der mächtige äussere Ring, welcher die Einfassung 
des Eruptions-Kegels von Volcano bildet, verhält sich zu diesem genau 
so, wie der Somma zum neuen FfJÄMW-Kegel. Auch er ist zur Hälfte 
zerstört oder vielleicht nie an beiden Seiten völlig ausgebildet worden, 
und ein tief eingeschnittener Zirkei-förmiger Thalgrund trennt den inne- 
ren vom äusseren Ringe; aber die Natur der Gesteine, welche beide 
Vulkane bilden, ist von ganz heterogener Beschaffenheit. Auf seinem 
oberen scharfen Rande theilt sich der Ring von Vulcano in zwei Gipfel, 
deren südwestlicher, stumpfKegel-förmiger Monte Saraceno, der südöst- 
liche, ein sanfter langer Rücken, Colle chiano genannt wird. Auf dem 
Wege nach dem M. Saraceno sieht man deutlich das Ausragen 
der Schichten-.Köpfe regelmässig wechselnder Laven-, Tufif- und Konglo- 



— 74 — 

nierat-Bänke. In 4—500 F. Höhe erreicht man die ersten ansehnlichen 
Lavabänke, deren Masse ein wahrer Trachyt-Porphyr ist, mit kleinen 
Höhlungen, in denen sich Anflüge von Eisenglimmer zeigen, theils auch 
mit erdigen, lebhaft grünen Malachit-Krusten beschlagen. Übrigens lässt 
die Lava zahlreiche Abänderungen wahrnehmen; zuweilen wird dieselbe 
dem Augit-Porphyr vollkommen ähnlich, in andern Fällen dem Hornstein- 
Porphyr, Der Lava folgt im Aufsteigen eine ansehnliche Tuff-Masse, 
braun, locker, feinkörnig, und den Gipfel des Berges bildet eine sehr 
starke Decke von unzusammenhängenden rothen Schlacken-Stücken. Das 
Ganze liegt sehr gleichförmig aufeinander und fällt sanft gegen SW, 
Nach dem Innern des alten Kraters biegen sirh jene Schichten, Laven, 
Tuffe und Schlacken Haufen nicht selten über und fallen sodann dem 
Centrum ihrer vormaligen Eruption zu. Beim Hinabsteigen ins Thal 
kehren noch zwei Mal etwa 10 F. starke Bänke des Trachyt-Porphyrs 
wieder, und ihre deutlich erkennbaren Schlacken-Krusten an der oberen, 
wse an der unteren, Fläche- beweisen, dass sie einst wirklich als Lava- 
ströme geflossen sind. — Ausser dem grossen Eruptions-Kegel gibt es 
im N. desselben noch zwei minder bedeutende Kegel der Art, einen dicht 
neben dem Landungs-Platze, den anderen in dem fast isolirten Volcanello. 
Die Schichten des ersten, von welchen gegenwärtig nur noch die süd- 
lich fallenden vorhanden sind, bestehen aus einem Wechsel von Laven- 
und Konglomerat-Bänken. Was sie sehr auszeichnet, ist die weit vor- 
schreitende Zersetzung, in welcher sich das Innere ihrer Massen befin- 
det. Man findet im Allgemeinen die nämlichen Erscheinungen, wie oben 
im Krater, oder wie solche früher als Wirkungen der Furaarolen auf 
lApari beschrieben worden. Volcanello hat sich wahrscheinlich 200 
Jahre vor Christus zu bilden begonnen. Dieser Eruptions-Kegel, etwa 
300 F. höher, als die Meeres-Fläche, ist mit der Hauptinsel durch eine 
sehr flache, sandige Landzunge verbunden. Er besteht aus ringsum kon- 
zentrisch abfallenden, rothbraun gefärbten, sehr feinerdigen Tuff-Schich- 
ten, und der Gipfel zeigt noch deutlich drei Krater-Mündungen. 

Saline, von Lipari gegen NW. gelegen, ist, nächst dieser 
wohl die bedeutendste unter den Inseln der Gruppe. Die beiden höch- 
sten Gipfel steigen etwa 3500 F. über die Meeres-Fläche empor. Der 
eine heisst Monte della Fossa di Filici (auf den Karten M, Salvatore)^ 
der andere M. della Volle di Spina CM. VergineJ. Die Abliänge des 
ersten bestehen aus Tuff-Bänken , welche sehr an die gleichnamigen 
Massen von Lipari erinnern. Sie fallen stets den Abhängen parallel 
mit 20° oder 30" gegen O. oder SO. In Zwei- Drittel der Erhebung 
dieses Berges erscheinen zahlreiche Lavenbänke zwischen den Tuff-La- 
gen. Der M. della Valle di Spina hat eine auffallend regelmässige 
Kegel-Gestalt. Konglomerat - Massen, aus grossen eckigen Schlacken- 
Stücken gebildet, welche meist lose aufgeschüttet über einander liegen, 
setzen den Berg zusammen. Auf dem Gipfel unterscheidet man deutlich 
die Gestalt einer hier vormals befindlich gewesenen Krater-Vertiefung, 
und ihr nahe finden sich wieder Bänke von Porphyr-Laven. An der 



— 75 - 

Nordseite der Basis von M, della Valle di Spina, westlich von Amälfa^ 
sieht man über dunkelbraune Tuff-Massen ganz locker aufgeschüttete 
Bimsstein-Konglomerate. Obsidian-Stücke sind nicht darunter, wohl aber 
Fragmente schwarzer und rother Porphyr-Laven J auch fand H. ein Gra- 
nit-Geschiebe. Bis Pedara ziehen sich die Bimssteine und ihre lockeren 
Schichten fallen stets sehr gleichförmig unter Winkeln von 12 bis 15°. 

Felicudi und Alicudi besuchte der Verf. nicht. Nach den Mitthei- 
lungen von G. GussoNE in Neapel zeigt Felicudi, der Hauptmasse nach, 
einen einzigen Kegelberg von 2853 Pariser Fuss Seehöhe. Man findet 
hier die Bildung, zweier Kratere , deren einer dem Gipfel nahe, der an- 
dere niedrigere an der Südseite liegt. In ihrem geognostischen Bestän- 
de gleicht die Insel im hohen Grade den Bildungen von Saline', sie 
wird vorzüglich von Tuffen zusammengesetzt, welcher in Bänken vorkommt, 
und die ihm untergeordneten Lava-Schichten tragen ganz den Charakter 
der Feldspath- und Porphyr-Laven von Saline, oder vom älteren Theile 
von lApari, — Alicudi ist noch einfacher als Felicudi : ein Kegelberg, 
dessen Gipfel von 1497 Par. Fuss Seehöhe die Spuren eines Kraters 
trägt. Seine Tuff-Massen scheinen verhältnissmässig bedeutend geringer 
im Vergleich zu den Laven, welche eben so sehr als die von Felicudi 
den gleichnamigen von Saline oder von Lipari ähnlich sind. — Das weit 
entfernte Eiland Ustica unterscheidet sich schon in seiner Form von 
allen bisher beschriebenen Inseln. Statt eines ringsum steil abfallenden 
Kegelberges bildet Ustica einen sanft aufsteigenden, langgezogenen Rü- 
cken. Der höchste Punkt erreicht 964 Par. F. über der Meeres-Fläche. 
Die Hauptmasse des Eilandes besteht aus den innig verwachsenen Rän- 
dern zweier sehr grossen und halb eingestürzten Kratere. Die Tuff- 
Massen und die Laven zeigen sich übrigens von der oft beschriebenen 
Beschaffenheit. Im Tuffe finden sich, bei der Marina di Sta. Maria, 
einige Reste von See-Muscheln, u. a. Pectunculus, aber zugleich wohl 
kenntliche Landschnecken von der Gattung Helix. Ferner trifft man auf 
der Insel sehr ausgezeichnete Bimssteine; sie bedecken die Lava vom 
Krater-Rande der Guardia di mezzo. Endlich zeigen sich an vielen 
Stellen längs der Küste augenscheinlich sehr neu entstandene Kalkstein- 
Bildungen, welche bei Torre di Sta, Maria bis zu 320 F, Meereshöhe 
emporsteigen. In den Kalk-Massen kommen häufig Reste wohl erhalte- 
ner See-Muscheln vor. 

Am Schlüsse seiner lehrreichen Schilderung sagt der Verf.: „Aus 
der vorliegenden Beschreibung geht hervor, was unstreitig auch wohl 
Niemand bezweifelt hat, dass diese Inseln keineswegs wie die abhängi- 
gen und untergeordneten Glieder eines Zentral-Vulkans auftreten! Denn 
ihr ansehnlichster genannter Vulkan, Stromboli, ist zu unbedeutend und 
zeigt durchaus keine so erweisbaren Verhältnisse der Wechsel-Wirkung 
und Abhängigkeit von den Vorgängen in den anderen Theilen dieses 
kleinen Archipelagus, dass wir irgend daran denken könnten, diesen un- 
bedeutenden Eruptions-Kegel auf einen so einflussreichen Standpunkt 
zu erheben. Ganz dasselbe gilt auch sehr wahrscheinlich von dem eben 



•— 76 — 

so wenig bedeutungsvollen Vulcano. Es bleibt uns daher nur übrig, 
diese Inseln als Reihen-Vulkane zu betrachten; doch es lehrt uns ein 
Blick auf die Karte, dass auch in dieser Beziehung keine Einfachheit 
ihrer Vertheilung könne nachgewiesen werden. Denn sie bilden weder 
eine einfache Kette, noch erheben sie sich in mehrfachen Parallel-Reihen, 
welche der Richtung einer Hauptspalte folgten. Wir würden daher sicher 
in Verlegenheit über die Art ihrer naturgemässen Deutung kommen, 
zeigte uns nicht eine genauere Untersuchung, dass wirklich eine erweiss- 
bare, und bei erstem Anblick vielleicht kaum geahnte Verbindung Statt 
finde. Unstreitig ist es wohl von Wichtigkeit, beim Beginnen dieser 
Darstellung auf den sehr wesentlichen Unterschied in der Bildungsweise 
dieser Inselländer zurückzukommen , welcher aus der mitgetheilten Be- 
schreibung hervorgeht. Denn Stromboli, Vulcano, Lipari, Saline, Fe- 
licudi und Alicudi sind sehr deutliche, und zum grossen Theile äusserst 
einfache Eruptions-Inseln, welche durch Ausschüttung ilirer ausgebroche- 
nen Masse und durch späteres Verwachsen einer mehr oder minder be- 
deutenden Anzahl von Eruptions-Kegeln ihre gegenwärtige Ausbildung 
erlangt haben. Panaria aber, Basiluzzo und die umgebenden Fels- 
massen sind entschieden auf eine ganz andere Weise gebildet. Ihre 
gleichförmige und sehr deutliche, niemals in Strömen abgesonderte Tra- 
chyt-Masse, ihre ringsum scharf aufsteigende Beschaffenheit und die auf- 
fallende Verschiedenheit ihrer Gestalt von der Ringform, oder den Kegel- 
Bergen der ändern Inseln nöthigen uns gleich sehr, ihren Ursprung als 
von dem aller Nachbar-Inseln verschiedenartig, ja als wesentlich 
von ihm abweichend zu betrachten. Solche ansehnliche und ganz mas- 
sive Felsblöcke , solche steil und scharf abgerissene Formen , welche 
nichts destoweniger doch von wirklich einmal geschmolzenen, oder im 
Innern ganz aufgelockerten, erhitzten Bestandtheilen gebildet werden, 
führen uns natürlich zur Vorstellung, dass einst hier ein grosser Theil 
von dem Meeres-Grunde gesprengt und in abgerissenen Stücken erhoben 
wurde, um das Auftreten einer Gruppe scliarf abgeschnittener Insel-Fel- 
sen zu veranlassen. Wir möchten ferner wohl zugleich sehr geneigt 
seyn, diesen Vorgang in einer verhältnissmässig sehr alten Periode zu 
suchen. Denn die ringsum auftretenden Ausbrüche mussten damals hier 
den Meeres-Grund nicht verändert, oder mit Spuren ihrer Erzeugnisse 
bedeckt haben. Keine Tuff-Schicht, noch weniger irgend ein Lavastrom, 
war gebildet, als die Oberfläche der Erdrinde hier aufbrach, und doch 
waren höchst wahrscheinlich die emporgehobenen Felsmassen sclion fest 
und verhärtet, als sie der Oberfläche des Meeres entstiegen. Ihre Ge- 
steine sind den sicher hier sehr nahe liegenden Graniten, oder der Gnefss- 
Masse, welche die Küstenländer des benachbarten Siciliens und Cala- 
briens entblössten, in so auffallender Weise ähnlich und so vollkommen 
aus denselben Bestandtheilen gebildet, dass wir ferner nicht umhin kön- 
nen, auch von dieser Seite die Felsmassen von Basiluzxo , Panaria 
u. s. w. als die ältesten jener Bildungen anzusehen, welche durch den 
Einfluss vulkanischer Vorgänge in dem Gebiete dieser Inselländer er- 



— 77 — 

zeugt wurden. Ganz ähnlich hatten wir auch einst als die Grundlage 
des Ätim, in dem Innersten seiner oft genannten alten Caldera grosse, 
weit von einander getrennte Felsmassen von gleichförmiger Trachyt- 
Bildung angetroffen, welche wahrscheinlich den ältesten Theil von der 
Masse dieses wichtigen Zentral-Vulkans bilden. Mit sehr ansehnlicher 
Höhe, steilen Abstürzen und mit breit ausgedehnter Easis fest wurzelnd 
in dem Innern seines tief aufgeschlossenen Bergkörpers, dann bedeckt 
und vereinigt von den später über sie ausgebreiteten Lavaströmen, Tuff- 
und Konglomerat-Massen, war es sehr leicht, hier im Monte Colanna, 
Giannicola u. s. w. die hervorragenden Theile von den Grundpfeilern 
dieses riescngrossen Bauwerkes zu erkennen, und die Ähnlichkeit ihrer 
zusammensetzenden Gebirgsarten mit den Trapp-Gesteinen, Syeniten u. 
s. w. zog schon damals eben so sehr unsere Aufmerksamkeit auf sich, 
als der Anblick der Granit-, Gneiss- und Porphyr-ähnlichen Gesteine, 
welche die Felsen-Gruppe der Umgegend von Panaria bilden. Nichts 
kann auffallender, Nichts wohl merkwürdiger und befriedigender seyn, 
als die Auffindung solcher anstehenden und ausgedehnten Felsmassen in 
dem Innern eines uns aufgeschlossenen Vulkan-Kegels, und die Anwen- 
dung dieser am Ätna gefundenen Verhältnisse auf den augenscheinlich 
am Frühesten gebildeten Theil von der Insel-Gruppe von Lipari zeigt 
uns sehr sicher den Weg an, den wir bei Deutung des Zusammenhanges 
ihrer Glieder mit Erfolge jetzt zu betreten hoffen dürfen. Panaria also, 
Basilu^xo und das Gebiet ihrer umgebenden Insel-Felsen sind die Reste 
von den Grundpfeilern eines, in diesem Theile des Meeres von Sicilien 
einst .sich festsetzenden Zentral-Vulkans. Hier war es, wo der Meeres- 
Boden gesprengt und erhoben wurde, um die Öffnung eines bleibenden 
Eruptions-Weges zu erzeugen, dessen Umfang und Grösse die Entste- 
hung eines dem Ätna ähnlichen Feuerberges zu versprechen schienen. 
Doch die frei gewordenen Kräfte, welche den Umkreis einer Erhebungs~ 
Insel erzeugt haben, deren Grösse reichlich dem Umfange von Lipari 
gleichkommt, die nun frei gewordenen Dampf-Massen und Gasarten 
vermochten nicht zwischen den aufgetriebenen Felsen-Inseln nun die 
Ausbrüche der im Innern liegenden geschmolzenen Gestein-Masse her- 
vortreten zu lassen. Keine Lavaströme, keine Auswürfe verbanden diese 
vereinzelt stehenden Bruchstücke, welche die Zeugen einer hier Statt 
gefundenen Explosion waren, des ersten und gewiss würdigen Aktes der 
Thätigkeit, welche die umliegende Insel-Gruppe gebildet hat," 



Über Natur und Lagerungs-Art der unter dem Namen 
Calcairef amygdalins bekannten Kalksteine, von DuFKENor. 
CAnn. des Min. 3^'«« Ser. T. III, p. 123. etcj Das Übergangs-Ge- 
bilde der Pyrenäen hat an vielen Stellen mit Tlionschiefer gemengt vor- 
kommende Kalk-Lagen aufzuweisen, und die Verbindung beider Gestei- 
pe ist sehr innig; der Kalk stellt sich im Allgemeinen in kleinen mehr 
oder weniger rundlichen Massen oder Nieren dar, die vom Schiefer um- 



— 78 — 

schlössen werden , so dass das Ganze eine gewisse Ähnlichkeit mit 
manchen Mandelsteinen hat, woher der Provinzial - Name calcaire 
amygdalin rühren dürfte. Die verschiedene Färbung des Schiefers 
und des Kalkes verleiht den Gesteinen, wenn sie geschliiFen und polirt 
sind, ein ungemein schönes Ansehen. Von den Arbeitern wird die Fels- 
art als Marbre griotte bezeichnet, wenn der den Kalk begleitende 
Schiefer röthlich gefärbt ist, und als Marbre Campan, wenn derselbe 
eine grünliche Farbe hat *). 

Eine genaue Untersuchung zeigte, dass in den meisten Fällen die 
Kalk-Mandeln oder Nieren nichts sind, als Steinkerne von Nautilus, 
deren Gestalt, wenigstens in einzelnen Theilen, mitunter noch wohl er- 
kennbar ist. Es zeigen sich demnach diese „Calcaires amygdalins" 
welche man lange Zeit hindurch den alten Formationen beizählen zu 
müssen glaubte , eben so reich an fossilen Körpern , als die sekundären 
Kalke. Die Lagen jenes Kalks, in denen deutliche Petrefakten vorkom- 
men, haben selten weniger als 4 F. Mächtigkeit, allein in manchen 
Fällen erlangen sie eine Stärke von mehr als 10 F. , und dabei ist ihre 
Erstreckung bedeutend, so dass fast in allen Pyrenäen-Thixlern von de- 
nen an , in welchen die Thermen entspringen , bis in die Gegend von 
Perpignan, man dieselben zu Tage gehen sieht. Die Gegenwart einer 
Menge von Nautiliten in jenen Calcaires amygdalins beweisst, 
dass, zur Zeit ihrer Ablagerung die Thiere, welche die Meere jener 
Gegend bevölkerten eben so zahlreich waren, als in irgend einer Periode, 
wo sedimentäre Absätze entstanden. Im y^Marbre griotte^'' erschei- 
nen die fossilen Reste bei Weitem deutlicher, als im „M. Cam- 
pan^'. Am frühesten beobachtete der Vf. die Gegenwart der Petrefak- 
ten in den „Marbres amygdalins^* im Thale von Pardes unfern 
des Dorfes Sirach. Ausser den Nautilus -Resten wurden auch noch 
manche andere, dem Übergangs-Gebiete zustehende Versteinerungen auf- 
gefunden. Es erfüllt diese Formation bei Pardes nur ein Becken von 
sehr geringer Erstreckung, welches nach allen Seiten hin durch Granit 
umgeben ist. Die Stadt Pardes selbst steht auf Granit. Gegen Mont- 
Louis hin treten Schiefer-Gebilde auf, aber schon um Villefranclie sieht 
man dieselben nicht mehr. Unmittelbar auf Granit liegen Thonschiefer 
von dunkelgrüner Farbe. Sie enthalten einige feldspathige Adern und 
kleine Haufwerke von Eisen-Glimmer, Roth-Eisenstein und von Eisen- 
spath. Die regelrechte Schichtung des Schiefers zeigt deutlich, dass 
derselbe in die libergangs-Zeit gehöre. Durch Beimengungen von Kalk- 
theilen verlauft sich derselbe allmählich in der „Marbre Campan*', 
Die kalkigen Nieren desselben sind sehr krystallinisch ; bestimmte Spu- 
ren von Organisation waren jedoch darin nicht beobachtbar. Auf den grü- 



*) D«r Ausdruck Marbre Campan rührt daher, dass die bedeutendsten Steinbrüche 
im oberen Theile des Campa/i-tXiaXcs sich iw^finden ; der Kalk hingegen, welcher 
das Gehänge am Adoiir zusammensetzt, vom Dtufe Campan bis Jiaf^neres-de-Hi- 
gorrfi, und den man seither als ein Übergangs-Gbbilde betrachtete, gehört zum 
Jurakalk. 



— To- 
nen Marmor foigt ein Kalk, der zugleich splitterig und körnig ist , und 
von Thonschiefer-Adern durchzogen wird. Dieser Kalk setzt die Mas- 
sen des Berges zusammen, welcher bei Villefranche emporsteigt. Er 
enthält mehr oder weniger mächtige Marmor-Lagen, aus kalkigen Nie- 
ren und Schiefer bestehend. Nur sehr sparsam zeigen sich hier in den 
Nieren Spuren von Organisation. Ausser den Nautilus -Resten triflft 
man in den nämlichen Schichten auch Orthoceratiten und Terebrateln. 
Der splittrige Kalk aber führt Polypiten und Enkriniten. -^ Die ver- 
einzeinte Lage des kleinen durch Schiefer und Kalk erfüllten Beckens 
von Sirach bietet keine direkten Beweise über das Alter der Kalke J 
aber in der nämlichen Berg-Gruppe und in unbedeutender Entfernung 
kommt bei Tuchan ein Streifen von Schiefern vor , jenen von Sirack 
durchaus ähnlich , und diese werden durch älteres Steinkohlen - Gebilde 
bedeckt. In der Gegend von Saint- Girons folgt unmittelbar auf die 
Kalke und Thonschiefer der bunte Sandstein, und über diesen erscheinen 
der Lias und sodann der Jurakalk. Man sieht deutlich, wie die Schich- 
ten des Übergangs-Gebildes bei Weitem mehr Störungen erlitten haben, 
als die Jurakalk- Ablagerungen. — • Im Baigorry -ThdX , fast am westli- 
chen Ende der Pyrenäen-lLeite, tritt der Schiefer unter buntem Sand- 
stein hervor. — Der ,yCalcaire amyydalin" findet sich ziemlich 
mächtig im Übergangs-Gebiet der Montayne Noire, er trägt auch 
hier die bekannten Merkmale. Die Kalk-Lagen bilden mehrere, den äl- 
teren Formationen parallele Streifen] ein Theil des Gesteins ist sehr 
krystallinisch und frei von Petrefakten, aber an Stellen, wo dasselbe 
nicht von feldspathigen Massen umgeben wird, führt es mitunter fossile 
Reste in grösster Häufigkeit. — Bei Caunes endlich ruhen die oberen 
Kreide-Ablagerungen unmittelbar auf dem Übergangs-Gebilde ; allein im 
O. der Stadt nimmt die Kohlen-Formation von Bedurrieux ihre Stelle 
über grünen Schiefern ein, welche eine Fortsetzung des Übergangs-Ge- 
bildes von Caunes sind. 



V. Eschwege: g eo gn os tis ch e Übersicht der Umgebun- 
gen von Lissabon (Karsten, Archiv für Min. V. B., S. 365. ff.) Die 
Niederung zwischen der Serra da Cintra und der Serra da Arrahida 
bildet auf dem rechten Tajus-\}£ev hügeliges Land, das gegen die zu- 
erst genannte Serra mehr ansteigt, während sich am linken Strom-Ufer 
grössere Ebenen zeigen, die erst in der Nähe der erhabenen Serra da 
Arrabida ("oder d''Arrabida ?J zu Hügeln und niederen Vorbergen em- 
porsteigen. Die Schichten fallen von der Cintra aus NW", nach SO, 
und von Arrabida in entgegengesetzter Richtung, so dass eine grosse 
Mulden-förmige Vertiefung (Spalte) nicht zu verkennen ist. Der bunte 
Sandstein und die Jura-Bildung verschwinden auf der rechten Tajns- 
Seite unter jüngeren Gebirgs-Arten und kommen auf der linken Seite 
nicht wieder zum Vorschein. Die tertiären Forznationen hingegen setzen 
auf dieser Seite noch fort, verlieren sich unter angeschwemmtem Lande, 



— 80 — 

erheben sich jedoch sodann am Fusse der Serra da Arrabida mit dem 
aufgerichteten Aipeukalkstein wieder. — Das Ciwfr«- Gebirge — eine 
isolirte Berg-Gruppe aus Primitiv-Gesteinen zusammengesetzt — erhebt 
sich von der NW.-Seite aus dem Meere zu 1829 Engl. Fuss. Granit 
herrscht vor 3 er führt u. a. Magneteisen eingesprengt und in eingewach- 
senen Stücken. In der Richtung gegen das, allen Seefahrern so be- 
kannte, Cap Rock hin tritt Feldstein-Porphyr auf, welcher beim Dorfe 
Biseaya von Syenit begrenzt wird. So einfach die Zusammensetzung 
dieses hohen Gebirgsstockes, so manchfaltig stellen sich die geogno- 
stischen Verhältnisse der niederen Gegend dar. Dem Urgestein legen 
sich unmittelbar sekundäre Felsarten an. Östlich vom Gebirge erstreckt 
sich nach Erigaira Maffra und Igrega nova, ein hügeliges Land, in 
dem bunter Sandstein und Jurakalk vorherrschen. Auf der SO- und S.- 
Seite ruht, zunächst an dem Granit, ein Kalk, den der Verf. Alpen- 
Kalkstein nennt; Petrefakten werden hier nicht darin gefunden, allein 
weiter gegen W., zwischen Charneca und Cascaes, kommen Muscheln 
darin vor, wie solche dem Übergangs-Kalk nicht eigen, und so wird 
jeder Zweifel, als sey die Felsart dahin zu zählen, beseitigt. Der 
„Alpen-Kalkstein" imischliesst Einlagerungen eines Mergel-artigen Sand- 
steines, und auf denselben trift't man grosse Bruchstücke eines Konglo- 
merates, welche dem rothen Todt-Liegenden anzugehören scheinen, das 
an der Küste in grossen Massen ansteht und den Alpen-Kalkstein un- 
terteuft. Aus dem Kalke treten auf, von S. Pedro nach O. laufenden, 
Vorsprüngen des Berges grosse, 2 bis 4 Fuss mächtige Bänke eines 
Stinkkalkes hervor, von blendend weisser, auch ins Blauliche sich ver- 
laufender Farbe und von krystallinischem Korne. Ob dieser Stinkkalk 
geschichtet sey, ist nicht ausgemittelt, und eben so wenig, ob ein Über- 
gang aus dem Alpen-Kalkstein in denselben Statt habe; unverkennbar 
aber erscheint der Stinkkalk an der tiefer gelegenen Seite des Städtchens 
Cintra unmittelbar an Granit ruhend, und folglich muss der Kalkstein 
bei (S. Pedro von ihm unterteuft werden. Von S. Pedro nach Lissabon 
fallen die Kalkstein-Schichten gegen SO. Auf der Höhe von Covern, 
stossen mehrere Trachyt- und Phonolith-Kuppen daraus hervor ; auch 
Kuppen von schieferigem Grünstein werden getroffen. Der Kalk ver- 
birgt sich auf der genannten Höhe von Cocem unter buntem Sandstein, 
welcher auf den basaltischen Kcgelbergen von Montachique, 1541 Engl, 
F. über dem Meere, seine bedeutendste Höhe erreicht zu haben scheint, 
indem er bis zu 1239 F. noch wahrgenommen wird. Der Sandstein von 
Montachique überlagert einen Kalk, der kaum 150 F. mächtig und, nach 
dem Verf., der Jura-Bildung beizuzählen ist. Aus dem Kalkstein erhebt 
sich, als höchster Punkt der Kuppe des Montachique, Säulen-Basalt. — 
Von Cintra in westlicher Richtung gegen die Meeresküste von Cascaes 
hin bildet bunter Sandstein das hohe steile Ufer, und aus der Mitte des- 
selben steigt ein mächtiger Basalt-Fcis hervor, dessen Masse, wie ge- 
sagt wird^ grösstentheils aus scliillcrnder Hornblende bestehen soll. 
Nicht fern vom Busait stellt in Sandstein ein senkrechter Gang von 



— 81 — 

mürben kohligcn Substanzen zu Tag, überfüllt mit verwitterten Eisen- 
biesen. Zur Zeit der Ebbe treten an derselben Stelle aus dem Meere 
grosse Felsniassen eines grobkörnigen Konglomerates, aus Roth- und 
Thon-Eisenstein-Brocken und aus wenigem Quarz bestehend. Der bunte 
Sandstein erstreckt sich nach S. an der Küste bis zum Badeorte JB«<on7, 
wo salzige Quellen hervorsprudeln. Ferner koilimen aus dem Sandstein, 
der 14 Stunden weit nach N. und NO, an der Küste bis Peniche und 
Caldas da Rainha reicht, viele und verschiedenartige warme und Eisen- 
haltige Quellen. — Beim Dorfe Cogem fängt die Auflagerung des Jura- 
Kalkes auf den bunten Sandstein an ; sie erstreckt sich von hier unter- 
halb der Strasse Boa Vista in Lissabon bis ans Tajus-Vfer , und 
längs desselben weiter gegen W. hinab bis zum Meere, und östlich bis 
zur Serra da Montachique am Abhänge von Loures. Die Jurakalk- 
Schichten sind meist 2 bis 5 F. mächtig, und fallen unter 15 bis 20 Grad 
nach Süden. Parallel den Schichten findet man hin und wieder, be- 
sonders im J.icaHt«r«-Thale , Feuersteine in Nestern und in schmalen 
Streifen. Auch dünne Thon-Schichten und mürbe Mergel-artige Lagen 
kommen mitunter zwischen den festen Kalkstein-Bänken vor. Andere 
mergelige Thon-Schichten enthalten Kalkstein-Knauern und Hippuriten; 
sie finden sich nicht nur zwischen den Kalk-Bänken, sondern auch den- 
selben aufgelagert. An manchen Stellen, u. a. bei Carcavellos, endigen 
die oberen Lagen des Kalksteins mit einer blendendweissen Kreide. 
Einige Bänke des Kalksteins haben ein vollkommen krystalliuisches Korn 
und sind von Quarzadern durchzogen; andere zeigen sich als dichter 
sehr fester Kalk. Von fossilen Resten wird theils jede Spur verraisst, 
theils sind sie so häufig vorhanden, dass fast die Hauptmasse der Fels- 
art daraus besteht. Besonders zahlreich sind die Hippuriten. — Aus 
dem Jura-Gebilde steigen Basalte in isölirten Kuppen und in ausgedehn- 
ten Bergrücken hervor. Im Thale von Bemfica und Porcalhota bis nach 
Litmiar und Loures tritt, an Jurakalk und Basalt gelagert, ein Kon- 
glomerat auf aus Kalkstein- und Mergel-Bruchstücken und Basalt-Frag- 
menten bestehend. Auf der Jura-Formation liegen plastischer Thon, 
Grünsand [?], Kalkmergel und Grobkalk. Diese tertiären Gebilde rei- 
chen von den Höhen von Campo Lide, Ltimiar und Friellas bis an die 
Ufer des Tajus und längs dieses Stromes , von der Strasse Boa 
Vista in Lissabon aufwärts, über Saccaveru hin bis Poroa und Alverca. 
Die niedrigsten und erhabensten Punkte um Lissabon, letztere mitunter 
von mehr als 300 F. Seehöhe, bestehen aus jener Formation. Die Schich- 
ten neigen sich noch geringer, als jene des Jurakalkes. Die ganze 
tertiäre Bildung dieser Geg„,id zerfällt in vier Hauptglieder. Das 
erste , wahrscheinlich bis zum Jurakalk hinabreichende , Hauptglied be- 
steht aus einem sandigen, gelben, mürben Kalkstein, der oft sehr 
reich an Muscheln sich zeigt. Der Verf. führt Turritellen, Terebrateln [?], 
Belemniten [?], Echiniten, Heliciten, Melanien, Cardien, Orthocera [?] 
und Encriniten an, vi'elche mit dazwischen gelagerten Bänken von Au- 
stern, deren Schalen meist noch in ihrem natürlichen Zustande sind, 
Jahrgang 1834. 6 



— 8*2 — 

wechseln. Auf dieses Kalkstein-Lager folgt, 4 bis 15 F. mächtig, pla- 
stischer Thon, theils Muscheln enthaltend, auch Zähne von Hayii- 
schen, so wie Rückenwirbel von Fischen, seltner Beinröhren von grossen 
vierfüssigen Thieren. Am merkwürdigsten war der Fund eines grossen 
yersteinten Kopfes, der wahrscheinlich zu den Cetaceen gehört, den man 
an der Seeküste von Adiga in den Gold-Gräbereien getroffen hat , und 
welcher muthm aas sli ch aus dem Thon-Lager losgespült worden war. 
Auf den Thon folgt das dritte Hauptglied dieser Bildungs-Periode, ein feiner, 
thoniger, gelblich-grüner Sand, an Mächtigkeit wechselnd zwischen, 
6 und 35 Fussi mitunter enthält der Sand knollige Konkretionen, auch 
fossile Konchylien. Der Verf. bezeichnet den Sand, nach seiner grün- 
lichen Farbe , mit dem Ausdrucke Grünsand [was nicht zu billigen 
seyn dürfte, da solches leicht zu Missverständnissen führen könnte]. Aus 
diesem sogenannten „Grünsande" sprudeln an mehreren Orten iwsa&o«« he- 
patische Quellen hervor, auch führt derselbe hin und wieder Gediegen-Queck- 
silber. Über dem „Grünsand" liegt die vierte Abtheilung, aus verschie- 
denen Kalkstein-Schichten bestehend, von welchen der Verf. glaubt, dass 
sie vielleicht mit dem Pariser Grobkalk übereinkommen möchten. Das 
Gestein umschliesst viele Muscheln, auch Zwischen -Lagerungen von 
Kiesel-haltigem und mergeligem Sandstein, in welchem ebenfalls zer- 
trümmerte fossile Konchylien vorkommen. Die bedeutendsten Höhen vo» 
Lissabon bestehen aus jener Kalkstein-Bildung. Vorzüglich schön ent- 
wickelt findet man die gesammten tertiären Formationen längs des linken 
Tajus-Vfers bis hinab nach Trafaria. In südlicher Richtung gegen das 
Meeres-Ufer aber fehlen alle über dem plastischen Thon ausserdem ihre 
Stelle einnehmenden Schichten. Sie scheinen von hier durch die früher 
ins Meer sich stürzenden Wasser des Tajus fortgespült und aufge- 
schwemmte Sandlagen an ihre Stelle gekommen zu seyn, welche, 
einem mehr als 200 E. hohen Walle gleich , die ganze drei LegoaS 
lange Küste bis zur Lagoa de Albufeira begleiten. Dann senken sich 
allmählich die Thon-Lager unter die Meeres-FIäche und werden vom an- 
geschwemmten Sande verdrängt. Diese neuesten Anschwemmungen 
haben eine Erstreckung von 3 bis 4 Stunden, sie reichen von der Meeres- 
küste ins Land hinein bis Monta und Coina, und ihre Breite-Ausdehnung 
beträgt ebenfalls über 3 Stunden ; ausserdem verdienen sie besondere 
Beachtung, weil dieselben durchgängig Gold-fülirend sind. Diese An- 
schwemmungen bestehen meist aus einem feinkörnigen Quarz-Sande, der 
nur locker zusammengebacken und weiss, gelb oder röthlich gefärbt ist. 
Längs der Küste zeigt sich der Sand, auf weite Erstreckung landein- 
wärts, von aller Vegetation entblösst. An mehreren Stellen wurden Blitz- 
röhren, sogenannte Fulgurite, ausgegraben. Was den Gold-Gehalt be- 
trifft, so ist derselbe am reichsten da, wo die Sandmasse auf dem Thon- 
Lager ruht. Der mehr oder weniger vortheilhafte Betrieb der Gold- 
wäscherei hängt von der Witterung ab, je nachdem Winde und starke 
Regengüsse den Gold-führenden Sand tieferen Stellen zu wehen und 
spülen u. s. w. — Überschreitet man das aufgeschwemmte Terrain vom 



— 83 — 

Orte Piedaäa nach der Serra d'Arrabida, so tritt aus demselben in der 
Nähe von Azeitaö, im Val de Pixaleiro, ein Konglomerat hervor, wie 
es sclieint nur Lokal-Bildung. Abgerundete Quarz-Brocken, untermengt 
mit Kalkstein-Rollstücken, liegen in Thon oder eisenschüssigem Sande. 
Lager- und Nester-weise erscheint im Trümmer-Gesteine thoniger Sphä- 
rosiderit. Worauf das Konglomerat ruht, ist nicht entschieden. — Die 
Thal-Niederung im N. der Serra d'Arrabida findet man ganz, mit auf- 
geschwemmtem Gebirge augefüllt- Die Serra d'Arrabida^ steil und 
von 1744' Meereshöhe, besteht ganz aus Alpen-Kalk. 



Sedimentäre Ablagerungen, die westlichen Theile 
V on Shropshire un d Herefordshire einnehmend, und von da 
in nordwestlicher und südwestlicher Richtung durch 
Radnor, Brecknock und Caermarthenshires sich erstreckend. (R. 
J. MuRCHisoN, in Proceed. of the geol. Soc, of London ; 1833, No, 31, 
p. 470. ect.J' Di? Abhandlung zerfällt in drei Theile : der erste han- 
delt von den Ablagerungen unter dem neto red sandstone, (bunten Sand- 
steine und rothen Todt-Liegenden) : den Kohlen-Gebilden, dem Bergkalk 
und dem old red sandstone (alten rothen Sandstein), die sämmtlich in ei- 
nem Theile der geschilderten Gegenden , mehr oder weniger nahe, von 
Transitions-Gesteinen (Grauwacke u. s. w.) begrenzt werden. Der zweite 
Theil befasst sich mit grösserer Ausführlichkeit mit den einzelnen Glie- 
dern der Grauwacke -Formation, wie solche zwischen dem Wrekin bei 
Shrewsbury und der Mündung des Towey unfern Caermarthen verbrei'» 
tet sind. Der dritte Theil wii'd die emporgetriebenen oder vulkanischen 
Gebilde und ihre Wirkungen auf die Schichten abhandeln. 

Der new red sandstone ist die jüngste mit Transitions-Gesteinen in 
Berührung tretende-Sekundär-Formation. Er überlagert an beiden Ufern 
des Sevem das Übergangs-Gebilde, die verschiedenen Glieder der Graur 
wacke und wird, so wie diese Felsarten, von manchen Trapp-Massen 
begleitet, ohne dass diese auf die Schichtungs-Beziehungen störend ein- 
gewirkt hätten. Die ältesten Lagen des new red sandstone werden dem 
FOthen Todt-Liegenden Deutscher Geologen verglichen, oder mit dem older 
new red sandstone im nördlichen iSngland ; sie unterteufen ein dolomi- 
tisches Konglomerat in Alberbury und Cardeston. Die oberen Glieder 
des Gebietes am nördlichen Severn-\ii&v bestehen aus feinkörnigem, 
meist roth gefärbtem Sandsteine. Hin und wieder kommen Kobalt- 
und Kupfer -Erze in geringer Menge in der Formation vor, so bei 
Grinshill und Haivkstone u. a. e. a. 0. Barytspath ist sehr 
häufig verbreitet durch die Massen jener Gesteine. Von fossilen 
Resten wurde bis jetzt keine Spur nachgewiesen. 

Kohlen -Gebilde von Coalbrookdale. Liegt bei Steeraways 
und in der Nähe von Little Wentock auf einem gering mächtigen Kalk- 
stein, der nach seinen Petrefakten sich als unzweifelhafter Bergkalk dar- 
thutj während die nicht unterbrochene Fortsetzung der Kohlen-Ablage- 

6 * 



— 84 — 

rung in ungleichförmiger Stellung auf verschiedenen Gliedern der Grau- 
wacke-ßildung ruhen. Durch aus der Tiefe hervorgetretene Gänge vonBasal- 
ten undDioriten erlitten die Schichtungs-Beziehungen manche Störungen. 

Kohlen-Gebilde in unmittelbarer Nähe von Shrewsbury. Das 
bedeutendste erstreckt sich in krummliniger Zone von der nordwestlichen 
Seite der Brythin-Betge nach Wellbatch. Die Kohlen- Schichten ruhen 
auf dem geneigten Ausgehenden der Grauwacke und fallen, von new 
red sandstone bedeckt, einem gemeinsamen Centrum zu. Einzelne Thei- 
le jenes Streifens werden zu Sutton und zu TJffington getroffen; sie 
folgen den gebogenen Richtungen der Grauwacke auf der nördlichen 
Seite ^on hongmynd und Caer-Car&doc. Bei Pitchford sttellt sich die 
ganze Kohlen-führende Serie als ein bituminöses Trümmer - Gestein von 
einigen Fuss Mächtigkeit dar. — In der Regel sind es drei Kohlen-Lagen von 
wenig beträchtlicher Stärke, und dazwischen kommen Kalksteine vor, im 
äusseren Ansehen dem Süsswasser-Kalk des mittleren Frankreichs ähn- 
lich; diese Kalke enthalten übrigens auch Süsswasser-Muscheln. Die in 
den Kohlenschiefern (Schieferthon) vorhandenen Pflanzen-Reste sind ana- 
log den in anderen Kohlen-Becken vorkommenden ; allein jene vcn Le 
Botwood zeigen sich reich an neuen Gattungen, wie Neuropteris 
cor data, während die Schiefer von Pontesbury Pecopteris blech- 
noides von ungemeiner Schönheit aufzuweisen haben. , 

Kohlen-Gebilde in den Ciee-Bergen. Man findet sie beträcht- 
lich emporgetrieben über den ^nstossenden , im alten rothen Sandstein 
gebildeten Landstrich ; dress hat sowohl in dem Brown-Clee-, als in dem 
Titterstone-Clee-Berge Statt, wo man die Kohlen in der Regel von 
Basalt überlagert findet. Der Brown-Clee ist durch zwei Gipfel , aus 
schwarzem Basalt bestehend, ausgezeichnet *)^ der höchste steigt 1806 
F. über das Meer empor. Die Kohlen - Schichten ruhen auf einem har- 
ten Sandstein, der mitunter sich auch als ein wahres Konglomerat dar- 
stellt : er gehört dem millstonegrit an. Auf drei Seiten des Bergzugs 
aber Hegen die geringhaltigen Kohlen auf altem rothen Sandstein, der 
gegen W. hin mehr und mehr den Charakter einer groben Breccie an- 
nimmt ; auf der vierten, der süd-östlichen Seite, ist zwischen dem alten 
rothen Sandstein und den Kohlen ein wenig mächtiger Kalkstein-Strei- 
fen vorhanden ; es dürfte derselbe dem Bergkalk angehören. Mehrere 
Rücken und Wechsel durchsetzen die Kohlen - Ablagerungen aus SW. 
nach NO.; durch einen dieser Spalten hatte ein Ausbruch basaltischen 
Materials Statt. Am Titter stone-Clee-hill trifft man fünf Kohlen-Lagen 
und einige Eisenstein-Streifen. Die Schichten rund um den Rand des 
Beckens, welches die Kohlen umschliesst, sind sehr geneigt; ihr Fall- 
Winkel nimmt jedoch ab, so wie sich dieselben dem gemeinsamen Mit- 
telpunkte nähern. Profile, das kleine Becken durchschneidend, lassen 
beträchtliche Rücken und Wechsel wahrnehmen. Man erkennt an den- 
selben stets eine Richtung nach dem oberen Theile der Hügel; es ist 



*) Die Felsart führt, in dieser Gegend, den seltsamen Namen Jtwttone (Ju^enstein). 



— 85 — 

dieselbe Richtung , der die basaltischen Massen folgten. Die Kohle, 
zwischen beiden Spalten ihre Stelle findend, ist sehr dicht und gehört 
der sogenannten Kannelkohle an. — In den Knowlbury und Gatter 
Worhs (Kohlen-Gruben) trifft man manche fossile Pflanzen von bis jetzt 
unbekannt gebliebenen Gattungen; Lindley hat solche untersucht und 
beschrieben. Neuere Beobachtungen von Lewis habe das Vörhandenseyn 
eines Central-Ganges von Basalt dargethan J eine Bestätigung der schon 
früher durch Bakewell dargelegten Ansicht. Aus einem vollständigen 
Queer-Durchschnitt der erwähnten Berge ergibt sich, dass einige Kohlen- 
Lagen durch den aufgestiegenen Basalt hoch emporgehoben worden, 
dass jedoch die vulkanischen Massen sich zugleich über dieselben ergos- 
sen haben. Im Allgemeinen ruhen zwar die Kohlen-Lagen auf altem 
rothen Sandstein J indessen erscheint stellenweise auch Bergkalk zwi- 
schen beiden Gebilden, er wechselt in seiner Mächtigkeit von eini- 
gen wenigen bis zu 60 Füssen , so namentlich unterhalb einem 
Theile des Cornbroük^'field. Am zuletzt erwähnten Orte enthält dersel- 
be untergeordnete Schichten feinkörnigen Ooliths, verschiedenartig ge- 
färbte Mergel, viele bezeichnende organische Reste, dabei zeigen sich 
seine Lagen sehr gewunden und zerstört. 

Alter rother Sandstein. Der Vf. zählt dahin die rothen und 
grünen Mergel, die Konglomerate, die Sand- und Kalk-Steine, welche unmit- 
telbar über dem Bergkalk, oder unterhalb der eigentlichen Kohlen-Ablagerun- 
gen beginnen und bis zur Grauwacke reichen. Die Formation nimmt ein 
weit gedehntes Becken in Shropshire, Herefordshire und Brecknock- 
ehire em. Das herrschende Streichen der Schichten ist aus NO. nach 
SW., das Fallen gegen SO. Die oberen Lagen des Gebildes, unfern 
Brown Clee und theilweise auch bei'm Titterstone-Clee-hill, sind gering 
mächtige Konglomerate, sodann folgen, in absteigender Ordnung, rother 
oder grüner Mergel mit Schichten unreinen Kalks (genannt cornstone)', 
ferner treten Glimmer-reiche Kalksteine (flagstone) auf, begleitet von 
mergeligen Lagen; noch tiefer sieht man rothen und grünen Mergel in 
Wechsel mit dem sogenannten cornstons erscheinen. Bauwürdige 
Kohlen-Lagen hat man bis jetzt im alten rothen Sandstein nicht aufge- 
funden. Lloyd entdeckte neuerdings unfern Leominster und Ludlow in 
den mittleren Kalk-führenden Sandstein-Lagen der Formation, Petrefak- 
ten, die bis jetzt noch unbeschriebenen Gattungen des Trilobiten-Geschlechts 
anzugehören scheinen, ausserdem auch einige Reste vegetabilischer Abkunft 
(wahrscheinlich Landpflanzen). Der alte rothe Sandstein erstreckt sich 
unterhalb des ganzen Waldes von Mynidd Eppint und ruht auf den 
obersten Grauwacke - Schichten , in welche er sich allmählich verläuft. 
Aber der alte rothe Sandstein und die Grauwacke müssen als zwei 
scharf geschiedene Gebilde angesehen werden; das eine derselben ist 
eben so arm, als das andere reich an versteinerten Überbleibseln ; eben- 
so zeichnen sich beide durch Färbung und andere mineralogische Merk- 
male wesentlich aus. Das Maximum der Mächtigkeit der Formation 
dürfte über 4000 F. betragen. 



— 86 — 

Im Verfolg seiner Abhandlung trennt der Verf., nach dem Verschie- 
denartigen fossiler Reste und der Lagerun»^s-FoIge , die oberen Theile 
dieser so sehr mächtigen sedimentären Anhäufungen, welche man bis 
jetzt unter die Ausdrücke Transitions-Gesteine und Grauwacke zusam- 
menfasste, in mehrere bestimmte Formationen. Von dem alten rothen 
Sandsteine an, in absteigender Folge, sind es nachstehende: 

I. Upper Ludlow Rock = Grauwacke u. s. w. Die Gruppe 
trägt ihren Namen nach der Burg von Ludluw, welche darauf erbaut ist, 
und ist eben so ausgezeichnet durch zahlreiche organische Reste, als der 
alte rothe Sandstein durch den Mangel derselben. Vorzugsweise charak- 
terisirt werden die oberen Lagen durch zwei Spezies von Strophomena 
oder Leptaena, eine Orbicula, eine Terebratula u. s. w., die 
sämmtlich noch unbeschrieben sind. In den mittleren Lagen trifft man 
verschiedene Orthozeratiten, Serpuliten(?)u. s. w. von ansehnlicher 
Grösse. Die unteren Lagen zeigen sich überreich an kleinen Ter e bra- 
tein. Trilobiten und die Geschlechter Homalonotus und Caly- 
m e n e kommen ebenfalls vor. Die Gruppe erreicht in ihrer Mächtig- 
keit etwa 1000 Fuss. Ihre Glieder stellen sich meist als dünn-geschich- 
tete Sandsteine dar, bald sehr Kalk-haltig, bald sehr thonig. In Shrop- 
shire treten die Gesteine, erhabene Bergrücken bildend, zwischen dem 
alten rothen Sandstein und dem unteren Kalkstein auf. 

II. Wenlock Limestone = Dudley limestone und Übergangs- 
Kalk. In der Gegend imi Wenlock, namentlich an den Ufern des 
Severn ist die Gruppe ganz besonders reich an Korallen und Enkrini- 
ten, und beinahe alle diese Spezies, so wie gewisse Mollusken - Reste, 
erscheinen auch in den bekannten Kalksteinen von ßudlei^. Die tief- 
sten Lagen, unter dem Imdlotv rock auftretend, sind dünn geschichich- 
tet und enthalten viele Konkretionen von sehr krystallinischer Struktur und 
mitunter ausgezeichnet gross. Im ganzen Landstrich zwischen dem Oney- 
und ZiM^r- Flusse wird der Kalkstein vorzugsweise charakterisirt durch 
die Menge einer Spezies von Pentamerus, und zu Aymestrey findet 
man sowohl diese, als viele andere fossile Körper. Man schätzt die 
Mächtigkeit dieses Kalkstrichs auf ungefähr 100 Fuss. 

III. Unterer Ludlow rock = „D i e E a r t h". Die Gruppe be- 
steht zumal aus lockerem, grauem, thonigem, selten Glimmer- haltigem 
Schiefer. Die höheren Lagen zeigen sich stellenweise erfüllt von ver- 
schiedenen Orthozeratiten, neuen und unbeschriebenen Arten an- 
gehörend; ferner führen sie Lituiten, Asaphus caudatus^u.'s. w.In 
anderen Lagen trifft man vorzugsweise Konkretionen von thonigem Kalk- 
stein^ die Korallen und andere organische Überbleibsel umhüllen. Ge- 
gen die Basis der Ablagerung ist in Shropshire ein , wenig starker, 
Kalkstreifen bemerkbar, der P e n t a m e r u s 1 a e v i s enthält, und eine neue 
Spezies von jener Bivalve, beide abweichend von der in der überlie- 
genden Gruppe Nro. IL bezeichneten Art. Die Mächtigkeit soll 
über 2000 F. betragen. Durch Störungen, Rücken und Wechsel, am 
Severn, hat dieser unfruchtbare Schiefer, »Die Earth", in Beziehung^ 



— 87 — 

zu den Kohlen-Gebildeu von Madeley und Brosely, bald eine ungleich- 
förmige Lagerung angeaomen , bald aber unterteuft er dieselben, 
wie gewöhnlich. 

IV. Shelly Sandstone = ?. Rothe und grüne Farbe herrschen in 
diesem Sandsteine vor, jedoch findet man auch weisse Nuanzen. Durch 
ihren mineralogischen Charakter, wie durch die in demselben enthalte- 
nen organischen Reste, zeichnet sich diese Formation von allen höher 
gelagerten Gruppen aus. Mit den sandigen Schichten kommen kalkige 
Lagen vor, die beinahe ganz aus Productus, Leptaena, Spiri- 
fer und Crinoideen bestehen: alle sehr abweichend von den in 
den darüber ihre Stelle einnehmenden Felsmassen. In Shropshire 
stürzt das Gebilde aus den Thälern des unteren Ludlow rock, oder Die 
Barth, allmählich empor und verbreitet sich an der Südost- Seite des 
Wrekin und des Caer Caradoc. Einer ungefähren Schätzung nach be- 
trägt die Mächtigkeit 1500 bis 1800 F. 

V. Black Trüobite Flagstone = ?. Der in dieser Formation vor- 
herrschende Trilobit ist der grosse Asaphus Buchii, welchen man 
mit den anderen ihm verbundenen Gattungen nie in der darüberliegen- 
den Gruppe antrifft. In der Longmynd besteht der „Flagstone^' ganz 
aus schwarzen Schiefern ^ aus hartem , dunkelgefärbtem Grauwacke- 
Sandstein u. s. w., in denen bis jetzt keine Trilobiten wahrgenommen 
wurden, obwohl dieselben sehr bezeichnend sind für die nämlichen Ge- 
steinmassen in ihrer weiteren Erstreckung durch Radnor- , Brecknock- 
und Caermarthenshire , wo jene Fossilien im schwarzen Kalksteine, so 
wie im kalkigen „Flagstone'* und im „Grit'' vorkommen. Wahrschein- 
lich ist diese Gruppe mächtiger, als irgend eine der bisher geschilderten. 

VI. Rothes Konglomerat, Sandstein und Schiefer. 
Eine weit erstreckte Ablagerung, mehrere Tausend Fuss mächtig. Sie 
besteht aus sehr groben, quarzigen Konglomeraten, welche mit einigen 
schieferigen Lagen und mit dunkenlroth gefärbtem Sandstein wechseln. 
Die Schichten zeigen, namentlich bei Haughmoni, Pulverbatch u. s. w., 
starke Neigung, oft stehen gie senkrecht. Organische Überbleibsel hat 
man bis jetzt nicht gefunden: dieser Umstand, so wie eine gänzlich 
verschiedenartige und eigen thümliche mineralogische Beschaffenheit schei- 
den diese Gruppe sehr bestimmt von der vorhergehenden. 

Die beschriebenen sechs Ablagerungen treten alle in Shropshire auf; 
sie erstrecken sich aus NO. nach SW.j mehrere Bergrücken und Thäler 
bestehen daraus. Weiterhin erscheint der yyU}Jj)er Ludlow rock". Ge- 
stein-Schichten und Bänke , von demselben petrographischem Charakter 
und die nämlichen fossilen Überbleibsel führend, steigen sehr konstant 
unterhalb des alten rothen Sandsteins in den Grafschaften Hereford^ 
Radnor, Brecknock und Caermarthen hervor. Der Schichtenfall ist oft 
sehr unbedeutend, allein an manchen Stellen, wie z. B. bei den Vorge- 
birgen von Ludlow und Brecon, erheben sich dieselben Sattei-förmig, und 
an der südwestlichen Grenze von Brecknock und Caermarthen stehen 
sie senkrecht, oder fallen doch sehr steil. — Die zweite Ablagerung, 



- 88 - 

der „Wenlock (oder DudleyJ limestone", verliert sich allmählich gegen 
Aymestrey hin, und da die mit 1 und III bezeichneten Gruppen nur 
einander berühren , so bilden diese nun , in ihrer weiteren Erstreckuug 
durch Süd-Wallis, die nämlichen jähen Abstürze. Darum schlägt der 
Verf. den Namen Ludlow-Formation vor (indem das obere und un- 
tere iMdlow-Gestein nur subordinirte Glieder sind) als anwendbar auf 
die ganze obere Abtheilung dieser Reihe , welche sich gleichsam unter 
dreifach verschiedenem Charakter in Salop und Hereford darstellt, eine 
Folge der Zwischen-Lagerungen von den Wenlock- und Aymestrey- 
Kalksteinen. — Die Ablagerungen Nro. IV, V und VI sind als drei zu- 
gleich abgesonderte Formationen zu betrachten, wesentlich von einander 
verschieden, sowohl was den mineralogischen Charakter und ihre Petre- 
fakten betriflPt, als hinsichtlich der Lagerungs-Beziehungen. Es lassen 
sich dieselben übrigens in ihrer Erstreckung von Shropshire, an der 
nordöstlichen Seite, nach Caermartitenshire, von der Seite gegen SW., 
keineswegs ohne Unterbrechung verfolgen. — In jenen Landstrichen, 
wo parallele Züge der genannten Formation am Tage erscheinen inner- 
halb einer Zone von verhältnissmässig geringer Breite, zeigen sich Trapp- 
artige oder andere vulkanische Gebilde als gewöhnliche Begleiter der- 
selben, wie z. B. in der Nähe vom Wrekin und vom Caer Caradoc in 
Shropshire, und wieder, nach einem langen Zwischenraum, in der Ge- 
gend von Old Radnor, Builth und Llandegley. In den waldigen Distrik- 
ten von Clun, Knuckless und Radnor, wo keine solche platonische Ein- 
treibungen wahrgenommen werden, erscheint die iiMdio«; -Formation 
allein in Wellen-förmigen Massen verbreitet, und auf ihrer Oberfläche 
triflFt man häufig einzelne und hoch gelegene Becken von altera rothen 
Sandstein erfüllt. — Die Erhabenheiten der verschiedenen Gruppen wech- 
seln , was ihre Meereshöhe betrifft , zwischen 500 und 2000 Fuss. — 
(Die Schilderung der zahlreichen Trapp- und Porphyr-Gesteine, welche 
das Grauwacke - Gebilde durchbrochen und manchfaltige Störungen und 
Umwandlungen hervorgerufen haben, für den dritten Abschnitt seines 
Aufsatzes.) 



C.Naumann: über die südliche Weissf ein- Grenze im 
Zsc/io/^aM-Thale (Karsten, Archiv für Min. V. B. S. 393. ff.). Das 
Sächsische Weissstein- oder Granulit-Gebirge ist eine in vieler Hinsicht 
merkwürdige Bildung. Die Feldstein-artige Masse mit ihren charakteri- 
stischen Granat-Punkten, die innige aber durchaus regellose Verknüpfung 
mit kleinkörnigem Granit, die Nester und Gänge von grob- und gross- 
körnigem Granit, die zahlreichen Serpentin-Stücke, der scheinbar kon- 
zentrische, in sich abgeschlossene Schichten -Bau, endlich die Verhält- 
nisse zur umgebenden Schiefer- Formation müssen die besondere Auf- 
merksamkeit der Geognosten anregen. — Von Sachsenburg aus, das 
rechte Zschopau-Viev thalabwärts, tritt Grünstein- und sodann Thon- 
Schiefer auf, bis jenseits der Schenktelle, Nun erscheint Glimmerschie- 



— 89 — 

fer, der Stunde 4 streicht und unter 40—50 Gr. in SO. fallt; er ist bis 
«um Ausflusse des Vogelyesang-Baches zu verfolgen, wo sich das Strei- 
chen allmählich ändert: Stunde 7, Fallen unter 70 Gr. im S. Weiter 
aufwärts, im Bette des Baches, steht Weissstein an, von ausgezeich- 
neter ebenflächiger Textur, dessen Schichten sehr bestimmt Stunde 1 
bis 1,4 streichen, und 20 Gr. in 0. fallen. In der Höhe zeigen sich 
undulirte , durcheinander geschlungene Schichten eines Mittel-Gesteins 
zwischen Weissstein und Glimmerschiefer, welche Stunde 7,4 bis 8 strei- 
chen und entweder vertikal, oder mit 80 Gr. im S. fallen. Sodann folgt 
charakteristischer Weissstein. Abwärts, am steilen Zschopau-Vfer : Glim- 
merschiefer, und im Flussbette ein kleiner Riff von grobkörnigem Gra- 
nit. Klimmt man aufwärts: dieselbe Gestein -Folge. Im Zschopau- 
Thale bietet sich dann noch die merkwürdige Erscheinung dar, dass der 
zuletzt theils Gneiss-, theils Diorit-artige Glimmerschiefer in senkrech- 
ten Felstafeln endigt, dass an dieser Grenzwand der Weissstein sich 
anlegt, dass das Streichen des ziemlich flach fallenden Weisssteines 
rechtwinkelig auf jenes des Glimmerschiefers ist, dass jedoch die unmit- 
telbar an einander grenzenden Massen beider Gesteine verworren un- 
dulirt und in ihrer Beschaffenheit einander sehr genähert sind. Eben 
so grenzen am entgegengesetzten Zschopau -TJier wieder Weissstein 
und Glimmerschiefer in höchst abweichender Lagerung an einander. 
Als Resultat ergibt sich, dass die, bisher angenommene, regelmässig- 
gleichförmige Aufeinanderfolge des Weisssteins und Glimmerschiefers 
für den, durch das Zschopau-Thail entblössten, Theil der Grenze nicht 
bestätigt gefunden wurde J aber der plutonische und eruptive Charakter 
der Weissstein-Formation und ihre Posteriorität hinsichtlich der sie um- 
gebenden Schiefer erscheinen als unbezweifelbare Thatsache; der so 
ausgezeichnete Platten-förmige und geschichtete Weissstein verhält 
sich, nach dem Verf., zum Granit, wie etwa Phonolith zu körnigem 
Trachyt. 



Der Herzog von Buckingham über die geologische Struktur 
der Insel Pantellaria C Report of the i. and 2. meetings, 1833. 
684—587X Der Vf. hatte diese Insel 1828 mit Donati aus Neapel 
besucht. Sie liegt 56 Seemeilen von Sicilien und 36 von Afrika, ist 
elliptisch, 10 Meil. lang, von NW. nach SO. 5 Meil. breit, und bis 
3500' hoch. Der Berg Bosco mit konischen Seiten und abgestutzter 
Spitze nimmt deren Mitte ein und erstreckt sich von NO. nach SW. 
Aus ihm scheint sich die erste Lava ergossen zu haben, welche Feld- 
spath-Kry stalle, aber weder Augit noch Glimmer enthält, oberflächlich 
verschlackt, durch Eisenoxyd gefärbt und in rechtwinkelige Prismen 
zerspalten ist. Drei Fumarolen sind an den Bergseiten J eine, au der 
Stelle, welche Favaro heisst, gibt nur wässerigen Dampf von 60" R,, 
ohne eine Sublimation zu bilden, oder die Schlacken nächst ihrer 
Mündung zu zersetzen; die zweite an der SW.-Seite des Berges, am 



— 90 — 

s. g. Bagno Secco befindlich, entspringt nächst einem Trachyt-Strome 
mit grossen Feldspath- und unzählichen mikroskopischen Eisenoxyd- 
Krystalleo, welcher gerade vom Gipfel herabgekommen zu seyn scheint ; 
— sie gibt ebenfalls nur Wasserdämpfe, die zu antirheumatischen Bä- 
dern benützt werden. — — Am SO. -Ende der Insel erhebt sich ein 
abgestutzter Kegel, Codia di Scaviri Supra genannt, 500' hoch über 
das Meer. Die Lavaströme, welche sich aus ihm, und zwar alle nach 
dem Innern der Insel, ergossen, bestehen aus halbglasiger Materie mit 
kleinen Feldspath-Krystallen und Glimmerblättchen, welche mit Bims- 
stein durchmengt ist und Geoden mit zarten Nadei-förmigen Krystallen 
enthält. Fumarolen waren zu verschiedenen Zeiten im Innern seines 
Kraters geöffnet, jetzt aber keine in Thätigkeit. Steinmark, Hyalith, 
Cachülong und verschiedenfarbiger Chalzedon erscheinen unter den vul-* 
kanischen Erzeugnissen, die Chalzedon-Gebilde ebensowohl an der Spitze, 
als am Fusse des Berges nächst dem Meere, als endlich in Lava-Strö- 
men an der WSW.-Spitze der Insel bei einer kochenden Quelle, durch 
deren Dämpfe sie stellenweise zei'setzt worden zu seyn scheinen. — 
Der westliche Theil der Insel ist ein weiter Krater, wohl begrenzt, 
elliptisch im Umfange, von N. nach S. \ Meile lang, 300' tief, innen 
erfüllt mit zerfallenen prismatischen Lava-Blöcken. Einige ihm entflos- 
sene Lava-Ströme enthalten Geoden von braunem Obsidian mit Feld- 
spath-Kryställchen und von Bimsstein. Alle diese Lava begleitende 
Schlacken sind zellig und glasig und zeigen Lagen von Obsidian und 
Bimsstein. Weder Fumarolen noch andere Spuren neuerer Thätigkeit 
sind an diesem Krater wahrnehmbar. — — Unfern dem Tioxie II Bagno, 
am Fusse des Berges gleichen Namens, sind warme Quellen von 70** R., 
aus denen sich viel kohlensaures Gas entwickelt, und welche in einen 
J Meile haltenden See abfliessen, dessen Wasser milchwarm und seifig 
anzufühlen und zu schmecken ist. Es enthält salzsauren Kalk mit 
etwas Schwefel und kohlensaurem Alkali und ist zum Waschen der 
Leinwand sehr gebraucht. — Der Berg il Bagno ist ein 300' hoher 
Kegel mit deutlichem Krater, halb mit Detritus erfüllt, woraus ein 
Strom glasiger Lava in NW.-Richtung gekommen war. Unweit davon 
zeigt ein anderer Strom chloritischen Thon mit Feldspath - Blättchen. 
Beide sind nicht über 8' — 10' dick. — Der Berg Area della Zelia ist 
ein anderer Kegel mit Resten eines ganz runden, 50' tiefen Kraters 
auf seiner Spitze. Er zeigt überall trachytische Lava, die theils Bims- 
stein-artig, theils glasig, aussen schlackig ist und grosse Perlit- und 
Feldspath-Massen enthält. — Auch Blonte Saterno und einige andere 
kleine Berge sind von einander unabhängige vulkanische Kegel, die 
sich nach einander auf Basen von vulkanischen Stoffen, die der Monte 
del Bosco ausgeworfen, erhoben zu haben scheinen. — — Die Kästen 
der Insel bestehen aus wechsellagernder Lava, Breccie und Detritus 
von Schlacken, Bimsstein und Puzzolane, die mit Sand zusammen er- 
härtet sind. Die ganze SW.-Küste besteht aus trachytischer Lava, die 
allmählich in Obsidian übergeht. Einen grossen Theil der NO.-Küste 



— 91 — 

nimmt ein Meerbusen ein, der von basaltischen Höhlen eingeschnitten 
und von allen möglichen Lava-Arten eingefasst ist. In allen Räumen auf der 
Insel, welche die verschiedenen Lava-Strörae zwischen sich lassen, sind 
Lagen von Bimsstein und Schlacke mit Sand und Brocken von Obsi- 
dian und Lava. Dazwischen werden an la Codia di Scaviri Supra 
grosse Granitello-Massen, die aus Fe.ldspath- und Augit-Krystallen be- 
stehen, und einige kleine Stücke ächten Granites gefunden. — Die 
Baum-Vegetation der Insel ist lebhaft, das Wein-Erzeugniss reich; aber 
alle Quellen sind mehr oder minder Schwefel-haltig. Reines Wasser 
muss man in Zisternen sammeln. 



J. Trimmer über fossile See-Konchylien lebender Arten 
auf dem linken Ufer des Mersey-Y\\x.sses über dem Niveau 
des Hoch Wasserstandes CP^oceed. of the geol. Soc 1833. 23. 
Januar, N. 29, S. 419 — 420J. Bei einem kürzlichen Besuche zu 
Runcorn fand T. an einer niedrigen Stelle am Mersey einen 26' dicken 
Durchschnitt des Ufers aufgeschlossen mit folgender Schichtenfolge von 
oben nach unten : 

1. Grober gelber Sand mit einigen Geschieben, ohne Konchylien, 3' — 6' 

2. Zersetzte vegetabilische Materie 6'" — 3" 

3. Eine Schichte, oben aus Sand, unten aus Thon bestehend, bis zum 
Hochwasserstand 14' mächtig, mit einigen Stücken von New red aus 
der Umgegend, und vielen zerstreuten Trümmern von Granit, Syenit, 
Grünstein, Kalk, Grauwacke und Quarzfels, je -^"—6" dick, mit eini- 
gen bis j Tonne schweren Blöcken. Im untern Theile dieses Flötzcs 
nun kommen Reste lebender Arten von Cardin m, Turritella und 
Buccinum in Trümmern vor, wie auf AemNoel Tryfane [Jahrb. 1833, 
S. 97.], 

Aus diesen Verhältnissen lassen sich drei Ereignisse folgern: 

a) Ein Meeres-Einbruch, welcher Seethier-Reste und Trümmer dort 

nicht anstehender Felsarten mit sich führte j b) eine Absetzung eines 

Torf-Lagers ; c) und eine Sand-Anhäufung. 

Diese Nachforschungen weiter verfolgend, entdeckte der Vf. über 

den Sandstein-Brüchen von Weston, 100' über Hochwasserstand, ein 

Bett sandigen Lehms mit ähnlichen zerstreuten Geschieben, wie bei 

3, doch ohne thierische Reste, 



MxmcHisoN Beobachtungen über gewisse Anhäufungen 
von Thon, Kies, Mergel und Sand um Preston in Lancashire, 
welche See-Konchylien von noch lebenden Arten enthal- 
ten. C Report of the 1. and 2. meetings of the British Associat, Land. 
1833, p. 82-'83J. Die ersten Beobachtungen über diesen Gegen- 
stand rühren von Gilbertson in Preston her. M. wiederholte sie 1831. 
Er fand unter einer oberflächlichen Decke von Thon mit grossen Stü- 



- 92 — 

cken von in der Nähe nicht anstehenden, Cumberland^schen Felsarteir, 
mächtige Anhäufungen von Mergel, Kies und Sand, der gewöhnlich die 
tiefste Stelle einnimmt, über dem ganzen Delta von der Küste bei 
Blackpool bis einwärts bei Preston und von hier bis zu ansehnlichen 
Höhen hinauf, die als Hochebenen an den Ufern dtes Ribble und Bür- 
went sich mehrere Ehffl. Meilen landeinwärts erstrecken. Jene An- 
häufungen nun enthalten an verschiedenen Stellen See-Konchylien von 
noch dort lebenden Arten (Gilbertson zählt deren über 20 auf), und 
zwar bis zu Höhen von 80'— 300' über dem Meere hinauf. Jene An- 
häufungen tragen keine Spuren ruhiger Absetzung und regelmässiger 
Schichtung, sondern scheinen vielmehr eiii an unruhiger Küste entstan- 
dener Detritus, Ihre Emporhebung niuss eine lange Zeit hindurch fort- 
gewährt haben. 

Diese Gebilde liegen auf geneigten und gewundenen Schichten voir 
Millstone-Grit und Schiefer, auf darüber ruhendem rothem Sandstein, 
und auf dem Ausgehenden der reichen Steinkohlen - Schichten voir 
Chorletf. 

DieiZentral-Höhen von Nord-Englanä müssen daher ihre letzten 
Hebungen erst nach Entstehung von noch jetzt lebenden Thier-Arten 
erfahren haben. 



Herm. von Meyer: Tabelle über die Geologie, zur Ver- 
einfachung derselben und zur naturgemäs sen Klas sifi- 
kation der Gesteine (Nürnb. 1833. XII. u, 112 SS. 8»). I. Ge- 
schichtliches und Allgemeines (S. 1—28). Kurze Andeutungen 
über die geologischen Leistungen der Geologen in chronologischer Ord- 
nung nach der Weise Lyell's und Desnoyers's, bis zu Entwickelung 
und Entscheidung des Streites zwischen Neptunisten und Vulkanisten. 
— Aufzählung der verschiedenen bisher üblichen Klassifikations-Weisen 
für die Gesteine, welche bald auf rein petrographische, bald auf geolo- 
gische Grundlagen gestützt gewesen , wovon erstere die verwandten 
Gesteine zu sehr von einander trennen und andere Nachtheile haben, 
und auch die letzteren nicht genügend sind , da „zur Grundlage der 
natürlichen Klassifikation eine Vereinbarung zwischen den Lagerungs- 
Verhältnissen und der Mineral-Beschaffenheit des Gesteines zu versu- 
chen ist", wobei die Mineral-Bestandtheile auf ihren oryktognostischen 
Werth erkannt werden und ihnen eine geologische Bedeutung eröflfnet wird. 
Nun ist die Gestein-Bildungs-Thätigkeit zweifach, zentral und periphe- 
risch, Feuer oder Wasser, und die Gesteine zerfallen daher in „Mas- 
sen-Gesteine", durch die Art ihres Auftretens bezeichnet, und in 
„Abgesetzte, Versteinerungen führ ende Gesteins-Schich- 
ten", welche auch beide durch eine Zusammensetzung aus verschie- 
denen Mineralien charakterisirt sind, jedoch so, dass in jeder dieser Ab- 
theilungen gewisse Mineralien sich gegenseitig vertreten können, übri- 
gens in wesentliche und ausserwesentliche unterschieden werden.. We- 



- 93 — 

sentliche Bestandtheile der Massen-Gesteine sind Quarz, Feldspath, 
Ampliibol, Pyroxen, Glimmer, Magneteisen und etwa noch Topas. Augit 
und Hornblende, obschon aus gleichen Elementen entstanden, und mit 
aufeinander fast reduzirbaren Krystallwinkeln versehen , letztere wahr- 
scheinlich nur in Folge langsameren Erkaltens gebildet, können zur 
Bezeichnung der zwei Haupt - Gruppen der Massen - Gesteine dienen. 
Labrador kommt gerne mit Augit, gemeiner Feldspath gewöhnlich mit 
Hornblende vor. Augit-Gesteine bilden sich noch fortwährend J Horn- 
blende-Gesteine sah noch Niemand entstehen. Beiderlei Gebilde haben 
nie einen gemeinsamen Ursprung; wohl aber haben ihn oft sehr unähnliche 
Gesteine, die je einer dieser zwei Gruppen angehören. Doch hat die 
Bildung pyroxener Gesteine schon begonnen, als die der Hornblende 
haltigen noch fortdauerte. Säulen-förmige Absonderung ist den Mas- 
sen-Gesteinen allein, doch lange nicht überall eigen, es seye denn, dass 
abgesetzte Gesteine diese Absonderungsweise durch Einwirkung der 
Massen-Gesteine angenommen. Gänge bieten keinen Anhalt zu Haupt- 
Abtheilungen. In der Zusammensetzung sehr ähnliche Gesteine können 
zu verschiedenen Zeiten, sehr unähnliche gleichzeitig entstanden seyn. 
Auch manche Massen-Gesteine zeigen Schiefer-artige Absonderungen, 
die aber wohl nur Folge des Grades schnelleren oder langsameren Auf- 
tretens oder Erkaltens sind. 

II. Massen-Gesteine (S. 29—70). 

A. Amphib olis che M., grossentheils die s. g. Urgesteine, ob- 
schon ihre Entstehungszeit mitunter sehr neu ist. Feldspath, Quarz, 
Glimmer, Hornblende und Magneteisen sind die wesentlichen Gemeng- 
theile, die sich gegenseitig überwiegen, selbst vertreten, ja sogar von 
anderen Mineralien vertreten werden können, wesshalb die Massen- 
Gesteine dieser Abtheilung nicht unumgänglich Amphibol zu enthalten 
brauchen, da er durch Glimmer, und mit dem Glimmer durch Chlorit 
und Talk ersetzt werden kann, auch „theilweise oder ganz sogar von 
Hypersthen, Diallagon oder Augit, die alsdann die Bedeutung 
von Amphibol haben"; zuweilen sondert sich der Amphibol nur in un- 
tergeordneten Lagern aus. In diese Abtheilung gehören Granit mit 
seinen Unterarten (Schrift-Granit, Kugel-Granit, Granulit, Aplit, Gra- 
niteil u. s. w.), Gneiss, Porphyr, Syenit, Diorit, dann die 
mehr untergeordnet vorkommenden Bildungen: Quarz fels, Itacolu- 
mit, Tapanhoacango, Kryolith, Magneteisen, Protogyn, 
Turmalin-Schiefer, Glimmer-Schiefer, auch Urkalk und 
Ur-Dolomit. Vollkommene Übergänge lassen sich zwischen diesen ein- 
zelnen Gesteinen wahrnehmen. 

B. Pyr oxenische. Ihre Bildung hat später begonnen und 
dauert noch fort. Die wesentlichen Bestandtheile dieser Abtheilung 
sind Feldspath, Augit und Magneteisen J Quarz und Glimmer können 
ebenfalls vorhanden seyn, doch sind sie es in untergeordneteren Verhält- 
nissen, als bei der amphibolischen Gruppe. „Die Hornblende ist gerade 
nichts Ungewöhnliches und hat die Bedeutung des Augites". Tra- 



— 94 — 

chyte, Phonolithe, Dolerite, Basalte, Laven „u. a. Gesteine 
von augenscheinlicherer vulkanischer Entstehung" gehören hieher, wie 
Obsidian, Pech st ein, Perlstein, Bimsstein. Manche der- 
selben zeichnen sich noch durch eine blasige Struktur, eine Schlacken- 
artige, glasige und Tuff-Form aus. 

„Unter Berücksichtigung der Zulässigkeit , dass Hornblende und 
Aügit sich gegenseitig vertreten, besteht keine strenge Grenze zwischen 
beiden Abtheilungen der Massen-Gesteine in Ansehung der Natur ihrer 
Gesteins-Massen. Es ist jedoch der Übergang der Gebilde jeder Ab- 
theilung unter sich weit inniger, als der der einen Abtheilung in die 
andere." Porphyr und Trachyt nähern sich von beiden Seiten am mei- 
sten. Viele ausserwesentlirhe, aber bezeichnende Mineralien sind bei- 
den Abtheilungen gemeinsam, worüber detaillirte Nachweisungen folgen. 
„Die Allgemeinheit gewisser Mineralien drückt daher den gemeinsamen 
Ursprung der Massen-Gesteine aus. Die Verschiedenheit in der Summe 
der Mineralien der Massen-Gesteine, die wirklich besteht und bei der 
Vergleichung sich herausstellt, ist ein Mittel zur genauem Unterschei- 
dung der Massen-Gesteine, das nicht bloss eine mineralogische, sondern 
auch eine geologische Bedeutung hat, indem die Entstehung sich mit 
den Umständen im Zusammenhang befinden werde, unter denen das 
Massen-Gestein auftritt und sich gleichsam ausbildet. Die Minerale- 
Verschiedenheit kann entweder im Mangel, oder, in der Gegenwart, 
oder auch im Zusammenvorkommen gewisser Mißeralien enthalten seyn. 
Ein ähnliches Gesetz lässt sich auch über die Versteinerungen in den 
abgesetzten Gesteins-Schichten aufstellen." 

Auch das Meteoreisen gehört zu den Massen-Gesteinen, mit 
welchen seine Zusammensetzung übereinstimmt, und dessen Entstehung 
innerhalb der Grenzen unserer Atmosphäre dem Verf. wahrschein- 
lich ist. 

III. Abgesetzte, Versteinerungen führende Gestein- 
Schichte n [soll doch wohl heissen „Schicht-Gesteine"]. Sie sind 
Alluvium; Diluvium (Quaternar-Gebilde, Knochen-Breccie, Löss); 
obere Tertiär-Gebilde (Quaternär-Gebilde noch zum Theil, Kno- 
chen-Breccie z. Th., Crag, Paläotherien-Kalk, Knochen-Gyps, Subapen- 
ninen-Formation , Moellon [eine sonderbare Vereinigung!]); untere 
Tertiär-Gebilde (Grobkalk, Londonthon, Töpferthon, Braunkohle, 
Molasse und Nagelflue zum Theil, Tegel-Formation?); Mas trieb t- 
Schichten; Kreide (weisse Kreide, Scaglia); Kreidemergel 
(Craie tufau, Plänerkalk z. Th.) ; b e r g r ü n s a n d (Glauconie craieuse, 
Chloritische Kreide, Plänerkalk); Gault (Glauconie compacte); Unter- 
grünsa.nd (Quader- und Karpathen-Sandstein z. Th.); Waldthon; 
Hastingssand; Purbeckstein; Porti and s tein; Kimmeridge- 
Thon; Coralrag (Astarten- und Nerineen-Kalk); Oxford-Thon- 
Cornbrash; Forstmarmor (Stonesfield - Schie£et) ; Bradford- 
Thon; Gro ssolit (Great Oolit etc.); Walkerde; Unter oolith;. 
Ober-Liassandstein; Lias; Unter-Liass andstein; Keuper; 
Muschelkalk; bunter Sandstein; Zechstein; Tod t-Liegen- 



- 95 — 

des; Steinkohlen- Gebirge; Bergkalk; Roth liegendes (oW 
red)y Grauwacke. Jedem dieser Gesteine sind noch viele Synonyme 
und Äquivalent-Angaben, öfters einige sie charakterisirende Worte und eine 
sehr vollständige Liste der Versteinerungen beigefügt. Darauf folgen 
noch einige allgemeine Bemerkungen über die wenigen Substanzen, 
woraus diese Gesteine alle bestehen, über deren chemische oder mecha- 
nische oder organische, konglomerirende, regenerirende u. s. w. Ent- 
stehungsweise mit Rücksicht auf einzelne Lokalitäten, über die Entste- 
hung des Dolomites durch Veranlassung der Bildung von ]VIassen-Ge- 
steinen u. s. w. 

Den Beschluss macht eine Musterung der einzelnen Thier- und 
Pflanzen-Gruppen, welche organische Reste in den Gesteinen hinterlas- 
sen haben, mit Rücksicht auf die Folge ihres Auftretens, ihre Andauer, 
ihr Verschwinden u. s. w. 



W. Hutton hielt bei der Versammlung in York einen Vor- 
trag über denWhin-Sill von Cumberland und Northumberland 
CReport of the 1. and 2. meetings of the British Assoc, Lond. 1833, 
p. 76 u. 77. J. Whin-Sill heisst in Aiston Moor und der Umgegend 
ein in Nord-England sehr ausgedehntes Lager von Schichten-förmigem 
Basalt in Verbindung mit Bergkalk. Es geht zu Tage in mehreren 
Flussbetteu, welche von W. her nach dem South Tyne gehen und im 
Tpne-Bette selbst bei Tyne-head. Es erscheint im Wear-, im Teesdale- 
Bette sehr ausgedehnt, im Lune-l&eit und durch den ganzen Distrikt hin, 
wo Wasser-Rinnen und Gruben-Arbeiten tief genug einschneiden, und sein 
oberes Ausgehendes kann fast ununterbrochen von Heiton in Westmore- 
land bis Tindale-Fell in Northumberland verfolgt werden. Hier wird 
die ganze Steinkohlen-Formation von dem grossen Stublick-Byke durch- 
brochen, welcher den Whin Sill mit den ihn begleitenden Schichten 
zu einer unermesslichen Tiefe hinabdrückt, dessen Ausgehendes jedoch 
wieder an der Nordseite jenes Bykes zu Wall Town Crags bei Glen- 
whelt in Northumberland erscheint, rasch gegen N. ansteigt, und von 
dieser Stelle an durch die ganze Grafschaft bis zur Seeküste bei Newton 
verfolgt werden kann. Mit anderen Schichten der Kohlen-Formation 
kommt er in Folge einer allgemeinen Schichten -Einsenkung etwas 
südlich von Bamborough wieder vor, zieht sich um Beiford im Bogen 
nach Kyloe an der Küste und verschwindet hier. In seiner Erstreckung 
nördlich von Aiston Moor dringt er in die Schichten-Folge aufwärts ein 
und kömrat dadurch allmählich mit allen Varietäten der Gesteine der 
Kohlen-Formation in Berührung. Gewöhnlich bildet er nur ein, zuwei- 
len zwei, und zuletzt drei Lager. — Die Wirkung der Hitze auf die ihn 
begrenzenden Gesteine, in deren Folge sie härter und die Kalksteine 
krystallinisch geworden sind, kann man in seinem Verfolge allgemein, 
aber nirgends in solchem Grade, wie in High Teesdale erkennen. Der 
Vf. glaubt, dass dieses Basalt-Lager durch Ausströmung aus einem Vul- 
kane während der Absetzung der Bergkalk- Gruppe und zwar nach der 



- 96 - 

der tieferliegenden und vor der der dasselbe überlagernden Schichten 
entstanden seye. 

MüRCHisoN bestätigte die Genauigkeit dieser Beobachtungen (a. a. O. 
S. 77), schloss sich jedoch rücksichtlich der Entstehungs-Zeit des Whin 
Sill's an Sedgwick's Ansicht an. Die Anordnung der basaltischen 
Massen in High Teesdale, die umgeänderte Beschaflfenheit der sie dort 
begleitenden, unterteufenden wie aufgelagerten, Kalk-, Sandstein- und 
Schiefer - Schichten, die gelegentliche Verästelung seiner Masse durch 
die angrenzenden und zumal höher liegenden Schichten scheinen 
ihm dafür zu sprechen, dass der Whin Sill erst nach der Ab- 
lagerung des ganzen von ihm durchsetzten Gebirgs - Systemes sich 
gebildet habe. — — Er wünscht, dass die Whin JDykes in 
Burham mit Rücksicht auf Sedgwick's Theorie weiter verfolgt wer- 
den, um zu bestimmen, ob sie Ausflüsse vom grossen Whin Sill, oder 
erst nach ihm entstanden seyen. Einige derselben lösen sich in ver- 
schiedene Äste auf, welche sich alle gegen den Whin Sil richten, was 
eine Alters-Beziehung zwischen beiden anzudeuten scheint. 



Phillip^ hat früher ebenfalls den Whin Sill sorgfältig verfolgt 
(ib. S. 77.), und glaubt, dass die zwei vorstehenden Ansichten sich mit 
einander verbinden lassen. Die beharrliche Lagerung dieser beträcht- 
lichen Basalt-Masse zwischen denselben Sandstein-Schichten auf eine 
ansehnliche Erstreckung hin, die allgemeine Beschränkung der Wirkung 
ihrer Hitze auf die zunächst unterlagernden Schichten allein, ihr Meilen- 
weiter Verlauf, ohne einen einzigen Dyk abzugeben oder in die vielen 
natürlichen Spalten des Kalkes einzudringen, das Durchsetztwerden der- 
selben durch Erz-Gänge deutet auf die Bildung eines grossen Theiles 
des Whin Sill durch untermeerische Lava- Ausbrüche, die sich während 
des Niederschlags der damit verbundenen Kohlen-Formation wiederhol- 
ten. Eben so erweisen die Beispiele heftiger Einbrüche des Basaltes 
in die Straten über seinem gewöhnlichen Niveau, dass Teesdale der 
Sitz von mehreren vulkanischen Ausbrüchen gewesen, deren Heerde mit 
Wahrscheinlichkeit zu Caldron iSnout in Teesdale zu erforschen seyn 
würden. 



VON BoNSDORp charakterisirte bei der Wiener Versammlung (Isis 
183 3. S. 4 84 — 4 8 5.) den in Finnland sogenannten Rapakivi, d. i. 
Trebernstein, als eine eigene Gebirgsart. Sie ist nach ihm aus Feld- 
spath. Quarz und Glimmer zusammengesetzt, und aus einem den Feld- 
spath Schalen-förmig umgebenden Natron-Silikat. Die Säulen der Isaaks- 
Kirche in Petersburg und die kolossale AlexandersS'Äxile bestehen dar- 
aus. — Mehrere anwesende Mitglieder hielten jedoch das angebliche 
Natron-Silikat für Albit, die Felsart mithin für eine blosse Abänderung 
des Granites. 



— 97 - 

Boblaye: Beobachtungen über die geo gn o st is che Be- 
schaffenheit von Morea (Ann, sc. nat. 1831, XXII. 113—134. 
pl. VI.J. Die Halbinsel erhebt sich von allen Seiten steil aus dem 
Meere, hat eine mittle Höhe von 400«», einzelne Bergspitzen von 
lOOOm _ 15001», und im Taygetes selbst von 2405"«. Drei grosse Thä- 
Icr erhejjen sich vom Meere nach dem Arcadischen Plateau in Form Staffel- 
artig übereinander liegender Becken. Alte Thon- und einiger Glimmer-Schie- 
fer bilden die Basis der hohen Monevibasischen und Taygetischen Gebirgs- 
Ketten und des Plateaus der Chelmos-Bev^e nördlich von Sparta. Die 
Schichten streichen von N. nach S. ~ Talk- und Dach-Schiefer nebst 
anderen Übergangs-Gebirgen mit Marmor-ähnlichen Kalken vergesell- 
schaftet, kommen in den nämlichen Gebirgen so wie noch in Attica und 
der Insel Salamis vor. Die Phorphyre und Amygdaloide mit Ophit 
(antiker grüner Porphyr) von Relos «nd andern Punkten Laconiens mö- 
gen zur nämlichen Formation gehören. Die Lagerung ist abweichend 
von der vorigen. — Rauchgraue kompakte Kalke mit Belemniten, 
grüne Kalke, lithographische Kalke mit Jaspis sind mit vorigen innigst 
verbunden, und wahrscheinlich gleicher Formation. — Grünsand und 
Kreide mit Diceras, Hippuriten und Nerineen, wie am Mont 
Perdit zu 2300ni Seehöhe ansteigend, streichen von NW. nach SO. — 
Eine Thon- und Pudding-Formation mit vielartigen Gestein-Trümmern 
und Geschieben, selbst aus dem Grünsand und der Kreide, erhebt sich 
mit aufgerichteten Schichten in Arcadien zu SOOm, in Ziria zu 1500"» 
Seehöhe J sie scheinen die Stelle der ältesten Tertiär-Schichten einzu- 
nehmen. Darauf folgt indessen erst das eigentliche Tertiär- Gebirge, zu- 
erst nämlich blaue Mergel mit Ligniten, drei Arten von Austern, Ano- 
mien, Gryp häen , Pectuncu Jus glycimeris, Venus decus- 
sata, Cerithium vulgatum, Spondylus u. s. w. > — dann san- 
dige Kalke mit Ter e brat ula vitrea, Pecten soleare, S p a- 
tangus, Cidarites, Clypeaster; — endlich mehr lokale Süss. 
wasser-Kalke, Puddinge u. dgl. — Die Sandmergel-Gruben der Ebene 
von Napoli bieten viele Univalven noch lebender, doch jetzt am schlam- 
migen Gestade des Golfes nicht vorfindlicher Arten, und verbinden die 
vorigen mit den Gebilden aus heidnischer Zeit, die viele Töpfer- Waare u. 
dgl. enthalten. Das Tertiär-Gebilde hat nirgend grosse Störungen er- 
litten, ist aber im Ganzen gehoben und stellenweise umgebogen J seine 
meerischen Glieder steigen jedoch nirgend über 200"» Seehöhe an. Zei- 
chen eines einst höheren Meeresslandes und zugleich Statt gehabter Be- 
wegungen des Bodens bemerkt man an der kompakten harten Kreide 
C^ftvarinJ, am Grobkalk C^odon) und an einem Konglomerat mit Land- 
schnecken (Napoli). Das Gestade auf der ganzen Südseite der Halbinsel er- " 
hebt sich, welches auch seine mineralogische Natur seyn mag, in 4— 5 Terras- 
sen. — Von Napoli aus besuchte B. die Insel Ägina. Er schiflPte sich zu Epi- 
äaurus ein und legte unterwegs noch an der unwirthlichen Halbinsel 
MetJiana an, wo ein steil abfallendes verbranntes Vorgebirge sich auis 
der See erhebt, welches aus rothen schon zersetzten, und aus dunkel- 

Jahrgang 1834. 7 



— 98 — 

blauen halbflässig gewesenen Porphyr-Trachyten besteht, die den dortigen 
harten Kalkstein gehoben und umgeändert haben ; so dass er theils in 
erdigen, theils in faserigen Zustand übergegangen ist. Nach Ovid's 
u. a. Dichter Anspielungen gehören die vulkanischen Ereignisse dieser 
Gegend schon der geschichtlichen Zeit an. Aber diese Halbinsel ist 
nicht auf einmal emporgehoben worden; sie gehört dem von Saiitorin 
nach Äffina aus NW", nach SO. ziehenden breiten trachytischen Bande 
an, dem vielleicht auch auf dem Isthmus von Korinth die warmen Quellen 
entspringen. Die Hebung scheint zvnschen der Absetzung der blauen 
Mergel und des sandigen Kalkes mit Terebratula vitrea Statt 
gefunden und die scharfe Trennung dieser zwei Gebilde veranlasst zu 
haben. — Auf Ägina selbst findet man einen harten oft körnigen Kalk 
von blaugrauer Farbe , dessen unteren Schichten roth und schieferig 
werden , und Jaspis aufnehmen ; — dann grüne Mergel mit Pflanzen- 
Abdrucken , Austern und Anomien, welche nach dem In- 
nern der Insel aufgerichtet sind und mit Puddingen aus Quarz 
und hartem Kalke wechsellagern J zuletzt folgt sandiger Kalk. 
Inzwischen aber erheben sich hohe, von tiefen, engen, senkrechten Klüf- 
ten zerrissene, an der Oberfläche sehr zersetzte Trachyt-Massen , oft 
zugleich zur Bildung von trachytischem Sande und Konglomerat mit 
Kalk-Zäment Veranlassung gebend, welche bald auf den grünen Mer- 
geln, bald auf dem sandigen Kalke unmittelbar ruhen, sich selbst in die 
oberen Schichten des ersten einmengen, so zwei Epochen der Hebung 
der Trachyte genau zu bezeichnen scheinen und zu oberst wieder von 
einer langen Reihe von Alluvionen bedeckt werden. Wo der grüne Mer- 
gel auf dem Trachyte liegt, ist er erhärtet und blätterig. — Das Strei- 
chen der Kalkschichten, das der kleinen ArgoWschen Berg- Ketten, 
das der Trachyt-Klüfte von Methana und Ägina ist ONO., wie das der 
Alpen von Wallis nach Österreich. — Der Boden der Insel war von 
vielen Höhlen durchwühlt worden, theils um diese zu Gräbern zu ver- 
wenden , nachdem sie mit Stuck ausgekleidet worden, theils um das 
Material zu den dortigen antiken Töpfereien zu gewinnen, theils end- 
lich um bessere Erde auf die Oberfläche kahler Felsen zu landwirth- 
schaftlichen Zwecken zu erhalten. 



R. Wagner's Tabelle zum Verstand niss der Überlage- 
rung der Formationen, welche die Erdrinde bilden, und 
der sie begleitenden Versteinerungen (Kastn. Arch. 1831. 
III. 95—98., aus Wagners Geschichte der Menschen und Völker und 
ihrer Krankheiten u. s. w.) enthält nichts Neues auszuheben; wohl aber 
mehrere Unrichtigkeiten ; die obere Grenze der Nummuliten im alten 
Grobkalk ist zu tief, die obere Grenze der Orthozeratiten fraglich im 
Keupcr viel zu hoch, die Belemniten und ?Echiniten im Muschelkalk 
unrichtig ( wenigstens hier gewiss höchst zufällig , die obere 



— 99 - 

Grenze der TrJlobi'ton im Zechstein zu hoch, die untere der Fische eben- 
daselbst zu hoch angegeben q. s. w. 



ScHWARZENBERG Übet das Vo*r kommen der Grobkalk-Fcr» 
mation in Niederhessen. (Stud. d. Götting. Vereins bergmänn. 
Freunde. 1833. III. 219—252.) 

1. Verbreitung: Im Kreise Hofgeismar: bei Hohenkirchen 
SSO. von Waitzrott an der Langenmasse ; NNW", und W. von Holz- 
haus en ; am N.-Fusse des Gahrenberges ; W. und NW. von Immen- 
Jiaxsenf an dem Hopfenberge und den Abhängen des von hier nach 
Burgaffeln ziehenden Thaies; W. vom Ahlberg gegen Mariendorf; zwi- 
schen Mariendorf und Udenhausen ; WSW. von Beckerhagen im schwar- 
zen Loch; am NW.-Fusse des Warteberges hei Friedrichsdorf ; W, von 
Beberbeck ; NO. vom Hombressen ; N. von Sababurg', N. und NO. von 
Gottsbüren; W. und NW. von Gieselwerder. — Im Kreise Cassel: NO. 
von Niederkauffungen ; 0. vom Eichwäldchen bei Bettenhausen; NO. 
und SO. von Ochshausen; auf dem Möncheberge bei Cassel und bei 
Wolfsanger ; am 0,-Fusse des Habichtswaldes, namentlich auf WH- 
heimshöhe, zu Moulang, Montcheri, am Apolloberge u, s. w.; im Ahne- 
thal am Habichtswalde bei Nieder- und Ober-Zwehren', N. von Alten- 
baune, zwischen Kirchbaune und Grossenritte ; im SO. von Rengers- 
hausen. — Im Kreise Fritzlar: besonders bei Gudensberg, am S.-Hange 
des Odenberges, am SO.- und SW.-Fusse des Lammsberges, am O.-Fusse 
des Kammerberges ; S. und SW. von Fritzlar gegen Obervorschütz ; 
beim Posthause von Bissen ; am Lechenkopf bei Wehren. — Im Kreise 
Melsungen: zumal unweit Dorf Beute an der Felsberger Strasse; NO. 
vom Laudenberg zwischen Niedervorschütz und Böddiger; SO. von 
Niedermöllerich; NO. von Gensungen am Heiligenberge ; 0. von Gen- 
sungen Am RMindaer'QtY^', O. von Rhünda am Hahnenwinkel. — Im 
Homburger Kreise: bei Hebel, Falckenberg, Mardorf m. s. w, — Im 
Kreise Wolfhagen: am S.-Fusse des Laknerholzes, N. von Elberberg ; 
am N.W.-Fusse des Erzeberyes unweit Balhorn. 

2. Hauptgebirgs - Lager dieser Formation sind: Kalkstein, 
nicht selbstständig, sondern nur untergeordnet, aber bezeichnend, in Nie- 
ren-förmigen u. a. Stücken in den Mergeln, öfters Versteinerungen ent- 
haltend, wie die andern Glieder; auch Quarz, Chalzedon und Grünerde 
einschliessend ; — dann Mergel, meist Thon-, doch auch Kalk-Mergel, 
schieferig, im Bruche erdig, sandig, von sehr mancherlei Farben ; wohl- 
erhaltene Schaalthiere, auch Abdrücke von Laubholz-Blattern und Schilf- 
stengeln CHopfenbergJ einschliessend. — Thon: plastisch und rein oder 
sandig und kalkig von verschiedener Farbe, zuweilen Nieren von thoni- 
gem Sphärosiderit und Thon-Eisenstein CWilhelmsUöhe , Oclishausenj 
aufnehmend. — Sand: bald fein, bald in grobe Geschieb-Massen über- 
gehend, meist ockergelb, auch graulichweiss, bräunlichroth, schwarz, 

7* 



100 



durch Chlorit berggrün u. s. w. Kalkigen Sand mit Versteinerungen 
hat man in der Hoheitsgrube bei Hohenkirchen, an der SW.-Seite des 
Ahlbergs, im Giesebach NW. von Hombressen, zu Montcheri. am Apollo- 
berg bei Wülielmshöhe, im Ahnethal, zu Niederkauffungen, am Odenberg 
und bei Beute gefunden. Oft enthält er auch Nieren und Schnüre von 
braunem Thon-Eisenstein, schlackigem Gelb-Eisenstein und eisenschüssi- 
gem Sandstein. Sandstein, körniger Quarzfcls imd Hornstein 
träten vorzüglich bei Hohenkirchen xmA Immenhausen, zxa Wilhelmshöhe ^ 
oberhalb Zwehren, im Ahnethal, bei Niederkauffungen und am Rhündaer 
Berg auf. Was seine Natur anbelangt, so können wir hier auf das ver- 
weisen, was Hausmann darüber gesagt bat (Jahrb. 1833. S. 588.). — 
Auch €r e s c h i e b e von Quarz, Kieselschiefer, Hörn- und Feuer-Stein fin- 
den sich in dieser Formation, oft in grosser Verbreitung und Mächtig- 
keii, doch dann weniger genau bestimnAar rücksichtlich der ihnen zu- 
kommenden Einreihung in der Gebirgs-Folge CP^itzlar), da sie auf der 
Thon- und Sand-, wie auf der Grobkalk-Formation ruhen. — Muscheliger 
und ockeriger Gelb-Eisenstein, gemeiner, gelber und brauner Thon-Ei- 
senstein, sandiger gemeiner gelber Thon-Eisenstein setzen manchmal 
Lager und Flötze in der Grobkalk-Formation zusammen. Ein wichtiges, 
stockfdrmiges Lager bildet der muschlige Gelb-Eisenstein amjEro;?j%n&fr^ 
bei Berguffeln, dessen grosse Unregelmässigkeiten durch mehrere das- 
selbe Gang-förmig von N. nach S. durchsetzende Basalt- Massen veran- 
lasst werden. Es führt Graubraunstein, hat bis 26' Mächtigkeit, fallt Id*' N., 
und scheint nächst bei dem Basalte etwas gehoben zu seyn. Nach den Un- 
tersuchungen von 4 BergbeflisseneD ist dieser Gelb-Eisenstein ausam- 
mengesetzt aus 

nach Mann Schwarzkopf Sfiecker Ziegler 
Eisenoxyd . ^ 
Wasser ..... 0,1433 
Manganoxyd . . 
Kieselerde . . . 
Thonerde . . . 
Kalkerde .... 
Salzsaure Talkerde 



0,8166 . 


. 0,81225 . 


. 0,832 . 


. 0,8430 


0,1433 . 


. 0,14000 . 


. 0,133 . 


. 0,1250 


0,0050 . 


. 0,03025 . 


. 0,003 . 


. 0,0109 


0,0346 


. 0,01700 * 


. 0,014 1 
. «,011) ' 


. 0,0070 


0,0100 . 


— 


— 


. 0,0064 


— 


— 


. 0,003 . 


— 


1,0095 . 


. 0,99950 . 


. 0^996 . 


. 0,9923 



Die Hoheits- und die Erbfmnx-Gruhe von Hohenkirchen bauen auf ei- 
nem Flötz aus ockrigem Gelb-Eisenstein, gemeinem gelbem und braunem 
Thon-Eisenstein, welches 4'— 10' Mächtigkeit und Mulden-Form besitzt. 
Auf der W. Hälfte fällt es 6,00., auf der 0. aber nach W. und ist in 
zwei je 2' mächtige Lager getrennt, zwischen welchen eine 1^' mäch- 
tige Schichte quarzigen Sandes auftritt. Buckeln und Mulden im Lie- 
genden des Flötzes und Wechsel von ^ Lachter machen das Flötz un- 
regelmässig. Es führt ebenfalls Wad und Graubraunstein in Menge 
und sein Eisenstein besteht 



-r 101 



nach Mann, 

aus Eisenoxyd 0,5466 

Wasser 0,1300 

Manganoxyd 0,0613 

Kieselerde ». 0,2130 

Thonerde 0,0510 

Kalkerde ,....., — 



Schwarzkopf 


Ziegler 


. 0,67725 


0,6800 


. 0,13800 


OjlOOO 


. 0,03400 . 


0,0220 


. 0,09925 . 


0,1300 


. 0,04075 . 


0,0650 


— 


0,0040 



1,0019 . 0,98295 . 1,0010 
I>as Eisensteln-Flötz der ehemaligen ilfiaa:-Grube scheint nur eine 
Fortsetzung hieven gewesen zu seyn : es besass 12' — 16' Mächtigkeit, 
bestand vorzugsweise aus schwarzem Eisenstein und lag in höherem 
Niveau. Desgleichen das Flötz der eingegangenen Königsgrube. 

An der Langenmasse, ^ Stunde von Holzhausen, brechen ockriger 
Gelb-Eisenstein und sandiger gemeiner gelber Thon-Eisenstein, der weni- 
ger reich ist, miteinander in 6" — 12" mächtigen übereinanderliegenden 
Fläta-Trümmern, welche mit S**— 12® 0. fallen und in einem thonigen 
Sande aufsetzen. Der Thon-Eisenstein enthält 



nach 


Mann 


Schwarzkopf 


Spiecker 


Ziegler 


Eisenoxyd . . . 


0,6950 


. 0,50157 . 


0,528 . 


0,6300 


Wasser .... 


0,1600 


. 0,10400 


0,110 . 


0,105p 


Phosphorsäure . . 


— 


. 0,07800 . 


0,009 . 


0,0200 


Manganoxyd . . 


Spur 


. 0,01525 . 


Spur . 


0,0135 


Kieselerde . . . 


0,0866 


. 0,24000 


0,305 . 


0,2150 


Tlionerde . . . 


0,0526 


. 0,06000 . 


0,035 . 


0,0200 


Kohlens. Kalkerde 


— 


— 


0,012 . 


0,0030 


- Talkerde 


Spur 


— 


— 


0,0055 



0,9942 . 0,99882 . 0,999 . 1,0120 
Ob die Flötze von erdiger Braunkohle am Möncheberge bei Casself 
am SW. Fusse des Lammsberges bei Gudensberg noch der Grobkalk- 
Formation angehören, ist nicht nachgewiesen. 

3. Fossile Konchylien sind häufig in dieser Formation. Ih- 
re Schaale ist meist wohl erhalten, doch locker. Angeführt werden nur 
die Namen der Genera. Wichtige Fundorte sind der Apolloberg , Mont- 
cheri und das Ahnethal am Habichtswald, der Ahlberg und Hohenkir- 
chen, Niederkauffungen und Deute, 

4. Allgemeine Lagern ngs- Verhält ni s s e. Es herrscht 
kein allgemeines Streichen und Fallen, sondern beides scheint von der 
Beschaffenheit der Auflagerungs - Flächen abzuhängen. Die Grobkalk- 
Formation ruht auf derThon- und -Sand- (Braunkohlen-) Formation, auf 
buntem Sandstein {Hopfenberg bei Hohenkirchen , Udenhatisen, Giesel- 
werden), auf Muschelkalk {Ahnethal, Warteherg)\ — und wird über- 
lagert von den mittleren Lagen der tertiären Gebilde, namentlich Süss- 
wasserkalk (Burguffeln, Obervorschütz), von Dammerde, Basalt-Konglo- 
merat und Basalt (Warteberg, Ahlberg, Qdhrenberg bei Sababurg und 
AhnethalJ. Die Lagerungs-Folge der Glieder der Grobkalk - Formation 



— 102 — 

unter einander scheint im Allgemeinen von oben abwärts folgende zu 
seyn : ockergelber und gelblichbrauner Sand mit Geschieb-Lagern , — 
kalkiger, Versteinerung-reicher Sand, — grüner Sand, zuweilen mit vo- 
rigem noch wechsellagernd und mit Versteinerungen , — Kalkstein-füh- 
rende Mergel-Lager, — zuweilen weisser Saud (HoheitscfrubeJ , — ein 
schwaches Lager grünen Versteinerung» -leeren Sandes oder weisser 
Sandstein, Quarzfels und Hornstein, — saudiger und reiner Letten, — 
Braunkohlen-Formation u. s. w. 

5. Verhältnisse zum Basalte. In der Nähe des Hopfen- 
b.erges setzen Gang-artige Basalt-Massen in dieser Formation auf; so 
in den dortigen Eisenstein-Werken J so einige hundert Schritte thalauf, 
wo eine aus dichtem Basalt bestehende Ausfüllung von N. nach S. streicht ; 
so auch einige Hundert Schritte thalabwärts am rechten Berghange, wo 
eine Ausfüllung aus rothem, an Mergelthon reichen Basalt-Konglomerat 
zwischen gelben und grünen Sandmassen ebenfalls aus N. nach S. streicht ; 
so endlich im Ahnethal, wo der Basalt-Gang 2' mächtig in den Grob- 
kalk tritt , und der schwarze Thon , wo er mit ersterem in Berührung 
kommt, mehr erhärtet erscheint. 

6. Der Grobkalk bildet, wo er selbstständig genug auf die B e r g- 
Formen einwirkt, CHofgeismarj Cassel , Fritzlar, MelsungenJ flache 
Hügel uud Thäler. 

7. Die Quellen kommen vorzüglich in Thon und Mergel, unter 
Sand zu Tage, und sind oft Eisen- {Hopfe^iberg) und Kalk-haltig. 

8. Zersetzung. Die Thon- und Sand -Massen zersetzen sich 
leichter und sind der Vegetation günstiger, als jene der Braunkohlen- 
Formation, weil sie reicher an Kalk sind. Doch sind die Mergel selbst 
meistens nur Thonmergel , und daher nicht eben sehr fruchtbar, ver- 
bessern sich aber durch Beimengung von Sand und Lehm. Die Kalk- 
und Gelb-Eisensteine widerstehen der Verwitterung; der thonige Sphä~ 
rosiderit aber (kohlens. Eisenoxydul) geht an der Luft in gelbeu und 
braunen Thoneisensteiu (Eisenoxyd-Hydrat) über, 

9. Anwendung. Thon zu Thonwaaren , doch ist er selten frei 
VC» Eisen und Kalk. — Weisser Quarz-Sand zum Streuen, auch zu 
Smalte-Glas. — Thonmergel zur Verbesserung des Sandbodens , nach 
dem er an der Luft zerfallen. — Hornstein zum Wegebau. — Lockerer, 
körniger Quarz zum Abschleifen von Steinen und Metallen. — Geschiebe 
zur Wegebesserung. 

Die Eisensteine werden insbesondere gewonnen: am Hopfenberff 
bei Burgujfeln für die Veckerhager Hütte ; zu Huhenkirchen und an 
der Langimmasse, 

[Es bedarf übrigens kaum der Erinnerung, dass diese sogenannte 
Grobkalk-Formation kein Äquivalent der Pariser seye, sondern dem so- 
genannten jüngeren Grobkalke der Subapenninen-VovmdAion, dem Tegel 
dem Moellon u. s. w. entspreche.] 



— 103 — 

Alb. Nota über das Erdbeben in der Stadt und Provinz 
S. Remo im J. 18 31. (Bibliot. Ital. 1833. Febr. XC, 824—230. aus 

desselben Vfs. besonderer Schrift: cfr. Jahrb. 1833. S. 328.). Die er- 
wähnte Schrift des Vfs. zerfällt in drei Theile ; im ersten gibt er die 
Erzählung der Ereignisse selbst ; im zweiten die der Erscheinungen, welche 
der Erderschütterung vorangingen, oder sie begleiteten; im dritten einige 
geologische Beobachtungen und die Ansichten der Physiker über derar- 
tige Phänomene im Allgemeinen. — Im J. 1831 den 26 März um 11 Uhr 
25 Minuten (nach der Sonnenuhr) erfolgte zu S. Remo nach einem un- 
terirdischen Getöse, einem starken Wagen-Gerassel ähnlich, eine heftige 
Erderschütterung, mit vertikalen Stössen und länger fortdauernden Schwin- 
gungen, Alles zusammen 14 Sekunden während. Die Gebäude wankten 
sichtlich und ein dichter Nebel, vielleicht Staub, erhob sich über die 
Dächer, wornach ein grosser Theil der Einwohnerschaft (die 12,000 
Seelen beträgt) aus der Stadt floh. 

Am 28. wurde eine- starke Erschütterung zu Taggia und Castel' 
laro gespürt. Der Vf. SaMe sich unmittelbar nachher an letzteren Ort 
begeben, wo er die Brücke geborsten und unbrauchbar, 52 Häuser zur 
Erde gestürzt, 49 dem Einstürze nahe, die drei Kirchen zerstört und 
viele andere Häuser beschädigt fand. Auf der Ebene wie auf der West- 
seite des Hügels war der Boden durch Spalten geöffnet. Fünf Personen 
waren umgekommen, sechszehn verwundet worden. 

Am 4. Dezember um 2j Uhr {Italienisch) wurde die Bevölkerung 
dieser Gegenden durch neue Erschütterungen in Schrecken gesetzt, 
welche, wie das erste Mal, zu Taggia und Castellaro heftiger als an- 
derwärts waren, so dass es scheint, das Thal, welches beide Städte 
trennt, seye dem Mittelpunkte des Erdbebens am nächsten. 



C. Gemmellaro Relnzione dei fenomeni del miovo Vuleano sorto 
dal mare fra la eosta di Sicilia e Visola di Pantelleria nel tnese di 
Uiglio 1831. Catania 1831. 48 u. XXIV. pp. 8. et 1 tav. litogr. fol. 
Die ersten 48 Seiten enthalten den Bericht des Vfs. etwas ausführlicher, 
als wir ihn aus seinem Original-Briefe schon in diesem Jahrbuche (1832. 
S. 65—69.) mitgetheilt haben. Die letzten XXIV Seiten bieten eine Zu- 
sammenstellung zerstreuter ZeitungssNachrichten, die sich ebenfalls schon 
grösstentheils in diesem Jahrbuche finden, geringerentheils aber auf 
blossen Gerüchten beruhen. 



III. Petrefaktenkunde. 

Marcel de Serres: Abhandlung über die Frage, ob Land- 
thier-Arten seit der Erschaffung des Menschen unterge- 
gangen sind, und ob der Mensch Zeitgenosse von solchen 



— 104 ^ 

Arten gewesen, die verschwunden sind oder wenigstens 
keine Repräsentanten mehr zu haben scheinen. Biblioth. 
univers.,' Scienc. et Arts; 1833, Juillet; LIII, 277— 314). Jene 
Frage kann, ausser durch die geologischen Untersuchungen über das 
Zusammenvorkommen menschlicher Reste mit solchen von ausgestorbe- 
nen Thieren, auch weiter beleuchtet werden mittelst der historischen 
Darstellungen von Thiere bei den Römern, Griechen und Ägyptern, und 
mittelst der Prüfung der in Grabmälern aufbehaltenen Reste. 

Die auf alten Münzen und in B i Idhauer- Arbci ten 
und Gemälden dargestellten Thiere sind theils phantastischer, 
theils wirklicher Art. Aber die ersten sind meistens aus Theilen von 
wirklichen Thieren zusammengesetzt, und, wenn schon die Künstler 
keine Naturforscher gewesen, so verdienen ihre Darstellungen doch 
'ebensoviel Vertrauen, als die der heutigen: ihre Darstellungen wirkli- 
cher Thiere vde die der Elemente der phantastischen sind im Allgemei- 
nen getreu. Eine Idee von dem gegenseitigen Bedingen der Formen in 
den Organen eines Thieres bestund bei ihnen schon, obgleich nicht aus- 
gebildet, und dieses Prinzip ist es auch, wornach die phantastischen 
Zusammensetzungen sich leicht erkennen lassen. 

I. Mythologische Thiere. Wenn die Griechen und Römer 
einem solchen Wesen den Kopf oder den Rumpf des Menschen gaben, so be- 
hielt es doch immer Füsse von einer anderen Art, wie sie demselben 
nach seiner mythologischen Natur und Lebensweise zusagen mussten. 
Die Ägypter benahmen sich ganz anders hierin und ohne Regel. — Die 
Centauren, Hippocentauren und Onocentauren waren halb 
Mensch, halb Pferd oder Esel, welchem sorgsam überall ungespalteue Hu- 
fen verliehen wurden. — Die Bucentauren oder Taurocentauren 
besassen den Rumpf des Menschen mit dem Kopfe, aber auch den ge- 
spaltenen Hufen des Stieres vereinigt. — Umgekehrt verband der 
Minocentaurus mit dem Kopfe des Menschen den Rumpf des Stie- 
res, aber auch wieder seine gespaltenen Hufen. — Inzwischen soll nach 
Pausakias u. A. , als Ausnahme, der Centaur des Cypselus u. s. w, 
vorn Menschen-Füsse gehabt haben, zweifelsohne, weil er auch einen 
doppelt gearteten Rumpf besessen. — Die obenerwähnte Regel bestä- 
tigt sich wieder bei den Satyren, Faunen, Panen, Ägipa- 
neu, Faunisken, welche vom Menschen nur Gesicht, Hals und 
Rumpf, aber Haare, Hörner, Ohren und Schwanz mit den gespaltenen 
Hufen des Bockes besassen, auf dessen Geilheit sie anspielen sollten. 
(Die Künstler haben die Beziehungen zwischen den Formen überhaupt 
so wohl begriffen, dass man manche Details auf ihren Werken richtig 
angegeben findet, auf welche die Zoologen jener Zeit wenig Aufmerk- 
samkeit richteten). — Die S y r e n e n und H a r p y e n waren halb 
Frauen, halb Vögel. Erstere bedurften zum Wohlklang ihrer Stimme 
des Kopfes einer Frau und um ihre Opfer zu verderben, des Rumpfes 
mit den Krallen eines Raubvogels. Doch erscheint auf den Münzen 
von Cumae die Syrene PARTHBftopE mit dem Kopfe und Obertheil eines 



— 105 ~ 

Weibesj mit Flügeln an den Schultern und mit dem üritertheile von 
See-Säugethieren entlehnt, wie bei den Nereiden. Die letztgenannten 
obiger Wesen verbanden das Gesicht einer Frau mit den Zehen eines 
Vogels, und zwar den Griffen eines Geyers, um ihre Gefrässigkeit an- 
zudeuten. Andere gaben ihnen Kopf, Hände und Füsse des Menschen 
mit den Flügeln der Geyer und den Ohren des gefrässigen Bären. — 
Die S tymph aliden, durch Wildheit der Sitten ausgezeichnete Vögel, 
hatten einen starken und scharfen Schnabel und stark gekrümmte 
Klauen, aber nie z. B. an den Füssen einen Sporn, da er sich nie mit sol- 
chen Klauen findet. — Ohne dafür eine Theorie zu bilden, vde wir 
sie Camper'n verdanken, verliehen die Alten ihren obersten und schön- 
sten Göttern (Jupiter, Apoixo) einen Gesichtswinkel von fast 90**, und 
die neuern waren bei allem Fortschreiten des Wissens nicht im Stande, 
ihnen hierin noch etwas zuvor zu thun. — Die Sphynxe, welche 
Stärke mit Klugheit ausdrücken sollen, haben einen menschlichen Kopf 
mit dem Rumpfe und den Füssen eines Löwen. — Den Greifen, ana- 
log den Adlern und Geyern, gab man starke und gebogene Krallen, 
wie sie die Katzen besitzen, — und die Seepferde wurden mit ein- 
hufigen Füssen versehen. — Der Pegasus war ein vollkommenes 
Pferd mit Flügeln *). — Die Tritonen waren Männer mit einem 
Hinterleibe wie bei den Cetaceen, — die Nereiden halb Frau, 
halb Fisch. — So verschieden und aus so vielen Elementen auch dieChy- 
maera zusammengesetzt seyn mag, immer sind diese Elemente wenig- 
stens naturgetreu. — 

Die Ägypter in ihrer blühendsten Zeit vereinigen wenigstens noch 
immer gespaltene Hufen mit Hörnern auf der Stirne, Raubthier-Ge- 
bisse mit Raubthier-Füssen. Aber sie überliessen sich im Ganzen zu 
sehr einer ungeregelten Phantasie, um einer Thierart Realität zuschrei- 
ben zu dürfen , welche bei allem Anscheine der Wahrheit heut zu 
Tage unbekannt wäre. Und doch finden sich auf den alten Ägyptischen 
Denkmälern die Bilder von mehr als 50 Thieren aller Klassen, deren 
Art beim ersten Anblick kenntlich ist. 

Die phantastischen Zusammensetzungen neuerer Künstler haben 
ihre Elemente nicht von bestehenden Originalien entlehnt und entbehren 
daher des Zierlichen und Angenehmen in den Formen. 

Griechen und Römer haben auch viele kleinere Thiere und Pflan- 
zen sogar mit einer bewundernswürdigen Tieue abgebildet. 

n. Wirklich existirende Thiere. Winkelmann *'^) und 



*) Bei dieser Komposition seye es ein Mal statt vieler erwähnt: Wo liegt hier auch 
nur eine Ahnung der Beziehung der Formen, die sich gegenseitig bedingen? Ein 
Vogel mit Menschenkopf mag fliegen, ein Weibsrumpf mit Seehund-Flossen statt 
der Füsse, noch wie dieser, schwimmen können, aber ein Pferd mit den gröss- 
ten Vogel -Flügeln versehen würde sich nie einen Zoll vom Boden erheben 
können! Bn. 

**) WiNKELMAWH Deseription des pierres grave«$ du Baron Stoscii, Ftorent, 
176«, l. 40. 



— 106 



MiLLiN *) sind schon mit Untersuchung der Thierarten auf Münzen und Bild- 
werken beschäftigt gewesen, und derVf. hat diese Untersuchungen: weiter 
ausgedehnt. Diejenigen Thiere, wovon man Abbildungen vergefunden und 
die Art erkannt hat, werden unten verzeichnet. Selbst die verschiiede- 
nen Rassen unserer Hausthiere, insbesondere der Pferde, lassen sich da- 
bei unterscheiden, wenn sie schon zum grossen Theile von unseren 
jetzigen Europäischen abweichend seyn mussten. Man würde die mei- 
sten der (etwa 15) Pferde-Rassen so wieder entdecken können , welche 
Oppian beschreibt {CynegeU J. 170), Weniger gewissenhaft ist z. 
B. auf den Amerikanischen hieroglyphischen Bildern die Natur nach- 
geahmt, wo Tiger und Leoparden mit Pferdehufen erscheinen. 

19. Felis leo, Löwe. 

20. — tigris, Tiger. 

21. — pardus, Panther. 

22. Castor Danubii Geoffr., 
gemeiner Biber. 

23. Mus araphibius, Was- 
serratte. 

24. Dipus Sagitta, Springhaase. 

25. Sciurus vulgaris, Eichhorn. 

26. Hystrix cristata, Stachel- 
schwein. 

27. Lepus timidus, gemeiner 
Haase. 

28. — cuniculus, Kanin- 
chen. 

29. Elephas Indicus, Asiat. 
Elephant, 

30. — Africanu s , J.fn- 
Äan. Elephant. 

31. H i p p op t amu s major, 
Nilpferd. 

32. Sus scropha, Schwein. 

33. — Africanusj Äthiopi- 
sches Schwein. 

34. Rhinoceros Indicus, 
einhörniges Nashorn. 

35. — Africanus 
zweihörnig. — (Der Äthiopi- 
sche Stier des Paüsanias, auf 
mehreren Münzen des Domitian.) 

36. Equus caballus, Pferd in 
verschiedenen Rassen. 

37. — h e m i o n u s , ? der 
Dzigfttai. 

38. — a sin US, Esel. 

39. — Zebra. 

40. Camelus Bactrianus, 
zweihöckeriges Kameel. 

41. — dromedarius, 
einhöckeriges K. 



I. Säugethiere. 

1. Simiae, Affen, die meisten 
Arten des alten Kontinentes fin- 
det man abgebildet oder beschrie- 
ben unter dem Namen P i t h e- 
cus, Sphynx, Cebus, Cy- 
nocephalus, Cercopithe- 
cus, Satyrus, doch auf den 
Abbildungen immer ohne Ent- 
stellung der Füsse u. s. w. 

2. Vespertilio muri uns (Ve- 
spertilio Cuv.) gemeine Fle- 
dermaus. 

3. — auri tus (PI e- 
cotus Geoffr.) 

4. Erin accus Europaeus, 
gemeiner Igel. 

5. Talpa Europaea, gemei- 
ner Maulwurf. 

6. Ursus arctos, brauner Eu- 
ropäischer Bär. 

7. — maritimus, Eisbär. 

8. — m e 1 e s , Dachs. 

9. Mustela furo, Frett. 
IP, — vulgaris, grosses 

Wiesel. 

11. — foina, Marder. 

12. — lutra, Fischotter. 

13. Canis fa miliaris Haushund. 
Man erkennt^ unseren Schäfer- 
hund {oixovpos Homer's), Dog- 
gen, Windhund, Fanghund etc. 

14. — 1 u p u s , Wolf. 

15. — V u 1 p e s , gemeiner 
Fuchs. 

16. Viverra Gen e tta. Genette. 

17. Hyaena Indica, gestreifte 
Hyäne. 

18. ? — er ocuta, gefleckte H. 



'i')MiLMN Disiertation tut quelques medailles des villes Greeques, qui offrent la re- 
presentation d'ohjets d'histoire naturelle — im Magaiin e7icydopedique, tom. F. 



— 107 



42. Cervus Alces, Elenn. 

43. — Tarandus, Renn. 

44. — D a m a , Damhirsch. 

45. — ElaphuSj Edelhirsch. 

46. — a X i s. 

47. — capreolu s Reh. 

48. Camelopardalis giraffa. 

49. Antilope dorcas, Gazelle. 

50. — Corinna. 

öl. — bubalis (sehr 

kenntlich auf mehreren Münzen 
etc. an dem Mützen - förmigen 
Vorsprung der Stirne). 

52. — oryx, den Ägyp- 
tern wohl bekannt. Wenn ein 
Hörn durch Abortus verschwin- 
det, scheint sie das Einhorn der 
Alten zu seyn. 

53. — saiga (Colus 
Strabo's). 

54,. — redunca(Kemas 

Älian's). 
65. — gazella (Algaiel). 

56. — g n "• 

67. — rupicaprajGemse, 

68. Capra aegagrus, Ziege. 

69. Ovis tragelaphus, d. Muff- 
lon, mit mehreren Ragen. 

60. — a m m n , d. Argali , 
Mufflon. 

61. Bos taurus, Ochse mit ver- 
schiedenen Ragen. 

62. — b u b a 1 u s , Büffel, der 
Ochse Äracliosiens bei Aristo- 
teles; bei grösseren Hörnern 
der Arni des Älian u. s. w. 

63. — urus, Auerochse, (Bo- 
nasus Arist.). 

64.,,— grunniens, Yack 
(Älian.). 

65. Trichechus manatus, 
Lamantin. 

66. D e 1 p h i n u s d e 1 p h i s, Delphin. 

67. Balaena niysticetus, 
Wallfisch. 

n. Vögel. Hievon lassen sich 
erkennen ,t. 

68.Vultur fulvus, brauner Geyer. 

69. — percnopterus,ü^i//?- 
tischer Aas-G. 

70. — barbatus, Lämmer-G. 

71. Falco communis, Falke — 
u. m. a. A. 

72. Strix bubo, Schuhu,u.ni. a. A. 

73. Turdus, Drossel. 

74. Oriolus, Goldamsel. 



75. MotaciUa, Bachstelze. 

76. Hirundo, Schwalbe» 

77. Alauda, Lerche. 

78. Parus, Meise. 

79. Fringilla, Finke. 

80. S t u r n u s , Staar. 

81. C or vus, Rabe, 

82. Upupa Epops, Wiedehopf. 

83. Picus, Specht. 

84. Yunx, Wendehals. 

85. C u c u 1 u s , Kuckuck , 

86. P s i 1 1 a c u s , Psittich , durch 
Alexander etc. 

87. Pavo er istatus, Pfau, desgl. 

88. Phasianus pictus, Gold- 
fasan (Phönix d. A.). 

89. — g all US, Haushuhn. 
90. Tetra einer eus, Feldhuhn. 

91. — rufus, rothes F. 

92. — coturnix, Wachtel, 
93.Columba palumbus, Wald- 
taube. 

94. — o e n a s , Holztaube. 

95. — livi a, Felsentaube 
(domestica). 

96. — t u r t u r , Turtel-T. 

97. Struthio camelus, Straus. 

98. Ardea grus, Kranich. 

99. — cinerea, Fisch- 
Reiher. 

100. — ciconiä, Storch. 

101. Scolopax rusticola, 
Waldschnepfe. 

102. Ph o enicop ter US ruber, 
Flamingo. 

103. Pelecanus onocrotalus, 
Pelikan. 

104. Anas olor, stummer Schwan. 

105. — a n s e r , wilde Gans. 

106. — : mehrere Enten-Arten» 

m. Reptilien. 

107. Testudo graeca, Land- 
schildkröte. 

108. — Europaea, 
Sumpfschildkröte. 

109. Lacerta Gangetica, Ga- 
vial des Ganges. 

110. — Crocodilus, Nil- 
Krokodil. 

111. — viridis, grüne 
Eidechse. 

112. Coluber Aesculapii, Äs- 
culaps-Schlange. 

113. — naja, Brillen-Schi. 
114* — her US, Viper. 
115. Vipera haje, Geoffr. 



108 — 



110. Rana esculenta, Frosch. 

117. — arborea, Laubfrosch. 

118. — bufo, Kröte. 

IV. Fische. 

119. Accipenser sturio, Stör. 

120. Syngnathus hippocam- 
p u s , Seepferdchen. 

121. Saimo Salar, Salm. 

122. — fario, Forelle. 

123. Clupea hären gus Häring. 

124. Esox lucius, Hecht. 

125. Cyprinus carpio, Karpf. 

126. — barb US, Barben. 

127. — tinca, Schleih. 

128. Silurus glanis, Wels. 

129. Gad US merlanguSj Merlan. 

130. PleuronectesSole a,Butte. 

131. Muraena anguilla, Aal. 

132. — helena, Muräne. 

133. Mullus batbatus. 

134. Mugil cephalus. 

135. Perca f luv iatilis. Barsch. 

136. — labrax. 

137. Sconiber scrombrus, 
Makrele. 

138. Z eus faber. 



V. Mollusken» 

139. Sepia octopodia. 

140. — officinalis, Sepie. 

141. Ostrea edulis, Auster. 

VI. Insekten. 

142. Cancer moenas, Krabbe. 

143. Palinurus quadricornis, 
Languste. 

144. Ast acusmarinuSjHumnier. 

145. Astacus fiuv iatilis, 
Bachkrebs. 

146. Squilla fusca. 

146. Ateuchus sacer. 

147. Cetonia? 

148. Dermestes? 

149. Gryllalocusta. 

150. Formica. 

151. Vespa. 

152. Apis. 

153. Tabanu s. 

154. Asilus. 

155. Mu s ca. 

156. S CO rpio. 

157. Lepidoptera. 



Nun bleibt aber eine Anzahl alter Darstellungen übrig, welche we- 
der etwas Phantastiches an sich tragen, noch mit unseren jetzt bekann- 
ten Arten übereinstimmen, welche man daher für die zuletzt ausgestor- 
benen Arten ansehen muss. Wären darunter Formen, wie die Orni- 
thorhynchen und Echidnen, oder Ichtyosauren, Plesio- 
sauren, Megalosauren, und diese uns noch unbekannt, wir wür- 
den sie gewiss für Phantasie - Gebilde erklären , wenn wir sie unter je- 
nen Darstellungen fänden. Und doch existirten diese Geschlechter einst, 
oder sie existiren noch. Aber diejenigen, welche zur Zeit der Ägypter, Grie- 
chen und Römer noch lebten, müssen im Allgemeinen mit den jetzigen 
mehr Übei;'einstimmung zeigen , als jene, weil sie den jetzigen geologi- 
schen Verhältnissen angemessen und viele Veränderungen zu überstehen 
im Stande seyn musstcn. 

In einer nachfolgenden Abhandlung sollen die Darstellungen von 
uns jetzt unbekannten , aber mit dem Gepräge der Wahrscheinlichkeit 
versehenen Formen geprüft , — in einer dritten untersucht werden , ob 
wir wirklich alle Mineralien und Gebirgsarten kennen, deren sich die 
Alten zu ihren Kunstwerken bedient haben. — 



L. v. Buch über die Silizifikation organischer Körper, 
nebst einigen andern Bemerkungen über wenig bekannte 
Versteinerungen (Abhandl. d. Akad. d. Wissensch. z. Berlin, von 



— 109 — 

1828, Berlin 1831, Physikal. Klasse S. 43—59). Ausgezogen ioi Jahrb, 
1832, 'S, 249—250 nach besonderen Abdrücken. 



L.V.Buch über zwei neue Arten von Gas sidarien in den 
Tertiär-S chichten von Mecklenburg (Ebendas. S. 61—71). 
Vgl. Jahrb. 1831, S. 463; und 1832, S. 249. 



L. v. Buch über die Animoniten in den älteren Gebirgs- 
S chichten. (Abhandl. d. K. Akad. der Wissensch. z. Berlin. Von 
1830. Berlin 1832 J Physik. Klasse, S. 135—158 = übersetzt in den 
Ann. scienc. nat, 1833, Mai; XXIX, 5—42). Steht im Jahrbuche von 
1833, S. 231—234 schon nach einem besondern Abdrucke. 



' L. v. Buch über Goniatiten (ebendas. S. 159—187), übers, in 
den Ann. scienc. nat., 1833, Mai; XXIX, 43—88. Vgl. das Jahrbuch 
1832, S. 221—222, und 1833 S. 234. 



Blesson: Bemerkungen über Sand und Dünen. (Herthß 
1838, XI, II. S. 177—196; in. 879—391; iv. 416—435). Die 
Vielzahl einzelner Beobachtungen und Folgerungen in dieser lehrreichen 
Abhandlung erlaubt nicht, einen Auszug des Ganzen zu geben. Nur 
zwei Gegenstände daraus können wir nicht übergehen. 

S. 420 — 425, Bernstein wird in einzelnen Stücken längs der 
ganzen Südküste der Ostsee gefunden} eine geregelte Fischerei aber be- 
steht hauptsächlich nur zwischen dem Danziger Weichsel- Arm und 
Palmnicken oder Brüsterort, nördlich von Lochstedt. Tritt nach einem 
Sturme Seewind ein, so beginnt das Meer Bernstein nebst einer gros- 
sen Menge eines vegetabilischen , zum Brennen tauglichen Mulms, 
„Sprockholz", auszuwerfen. Die Anwohner der Küste begeben sich nun 
an den Strand und gehen mit ihren Hamen-förmigen Netzen dem Wel- 
lenschlag entgegen; nur die grossen Wellen sind ergiebig; je 1—2—3 
derselben sind hinreichend, die Hamen mit Sprockholz zu füllen, wel- 
ches der Fischer nun, ans Ufer zurückgekehrt, ausleert, worauf Weib 
und Kinder solches nach Bernstein durchsuchen und diesen sortiren. 
So lange der Seewind währt, dauert diese Beschäftigung Tag und 
Nacht [?]; hört er auf, so findet man an dem alsbald verlassenen 
Strande nur hin und wieder noch Stücke aufzulesen, welche selten von 
Werth sind. Eine Welle kann bisweilen mehrere Pfund des schönsten 
Bernsteins ins Netz werfin. Zu heftige Winde zerschlagen denselben 
in frischeckige Stücke. Der erwähnte.Mulm besteht aus braunem, stark 
ausgelauchtem (nicht bituminösem) Holze, welches beim Trocknen hel- 
ler wird und zerfällt, und worunter man Holzsplitter von Eichen, Rinde 



— 110 — 

von Birken und Erlen, Zweige von Haseln, höchst selten Spuren von 
Kieferholz erkennt, obschon diese Baumart allein häufig, die andern 
aber selten am Ufer wachsen. Es ist der NW.-Wind, welcher den 
Bernstein am häufigsten nach Polski, der NO. -Wind, der ihn nach Neu- 
fähr bei DaiKüig, der N.-Wind, welcher ihn nach Stutthof bringt. Diese 
drei Linien aber kreutzen sich in 36", 50" O.-Länge von Ferro und 
54^38" N,-Breite, d. i. 4 Meilen nördlich von Stutthof, im Meere, wo 
also sein Lager seyn müsste. Auch landeinwärts in den Fluss-Gebie- 
ten der Spree, Havel, Elbe, Moldau, Saale, Oder, Weichsel werden 
einzelne Bernstein-Stücke gefunden. 

S. 427— 431. über Versandung der Baumstrünke an 
der Ostsee: Schlägt man auf der Kurischen Nehrung den We^^ vom 
Seestrande nach Kahlberge am Haff' über die Düne ein, so sieht man 
zwischen dem jetzt versandeten Dorfe Schmergrube und dem nahen 
Walde eine Menge Kieferstubben, deren Stämme nach Angabe der Be- 
wohner von Kahlberge vor 50 Jahren abgehauen worden, wo auch die 
Versandung von Schmergrube begonnen hat. Die Stubben stehen 
etwa 1^' hoch aus dem Boden hervor, und bestehen grösstentheils nur 
nach aussen aus Rinde, innen aus Sand, welcher von der Hiebfläcbe 
an bis 12' weit sich in den Wurzeln fortzieht, sie entweder ganz allein 
ausfüllend, oder (hauptsächlich zu unterst) nur eindringend in Zwischen- 
räume zwischen den härteren Theilen der einzelnen Jahresringe, so dass 
dadurch die Holz-Textur deutlich bewahrt wird. Beobachtung an nur 
wenig mit Sand erfüllten Stubben ergab, dass der vom Wind auf der 
Hiebfläche bewegte Sand zuerst die weicheren Theile zwischen den 
einzelnen Jahresringen allmählich ausschleife, etwas langsamer die här- 
teren Theile derselben, während er die Rinde gar nicht angreift. Allein 
es ist schwer zu erklären, warum die letztere völlig unangegri£Fen 
bleibe; noch schwerer, auf welche Weise der Sand bis auf 12' Entfer- 
nung von der Hiebfläche aus das Holz in den Wurzeln zerstöre, und 
sich dahin Bahn mache. Die stehenbleibende Rinde ist schwärzlich- 
braun, gleichsam verkohlt. Die Überreste des Holzes sind ganz ver- 
trocknet, den Bruchstücken gleich , die man im Sande findet. Der Vf. 
sucht jene Erscheinung zu erklären durch die Annahme einer von „den 
kleinen Zwischenrauraeu des (nur) trockenen Sandes bewirkten Resorp- 
tion der holzigen Materie," ohne sich jedoch selbst zu verhehlen, dass 
diese Annahme nicht ohne Schwierigkeit seye, und dass sie namentlich 
unerklärt lasse, warum die Borke unangegriffeu bleibe? 



GiRARD, Front und Geoffroy St. Hilaire: Bericht über Baron 
Chaudrüc de CRAZA^fNEs's Abhandlung „über einige natürliche 
Ablagerungen von fossilen und nicht fossilen Austern 
im Dept. Charente-Inferieure." CAnn. sc. nat. 1833. Mars, XXVIU, 
280—291.J Zu Saintes (Mediolanum Santonum) fand man vor mehre- 
ren Jahren Reste Römischer Gebäude, deren innerer Fussboden, ebener 



— 111 - 

Erde, aus einer Schichte Mörtel bestand, worunter eine Scliicht von 
flach neben einander gelegten Austern, OjlS"»— 0,20 dick, befindlich war, 
auf die eine aus Kohle und Asche folgte. Diese ganze Grundlage hatte 
0111^30— om,50 Dicke. An allen Austern waren beide Klappen noch bei- 
sammen, durch das wohl erhaltene knorpelige Band vereinigt, und innen 
mit einem eingetrockneten Schlamme ausgefüllt. Diese Austern sind 
nach Brongniart's Untersuchungen völlig von der Varietät der Ostrea 
edulis, die man noch jetzt an den Küsten von Saintonge fischt. — 
Zur Trockenhaltung ihrer Gebäude bedienten sich die Römer bekanntlich 
einer kü istlichen dreifachen Schichtung des Bodens, die sie als Statu- 
men, Ruderatio und Nucleiis unterschieden, und welche der obigen ähn- 
lich zu seyn pflegte, nur dass man sich statt der Austern sonst zerbro- 
chener Kieselsteine, zerstossener Ziegel und Irdgefasse u. s. w. bediente; 
die hinreichende Lücken zwischen sich fassten, um die Capillar-Attrak- 
tion zu unterbrechen. Die Ausfüllung jener Austern mit thonigem Schlam- 
me schien anzudeuten, dass die Austern aus einem Lager ausser dem 
Meere entnommen worden seyen. Nach einem ersten Berichte über die- 
sen Gegenstand 1823 wünschte die Akademie vom Verf. Nachweisungen 
über das Vorkommen solcher Lager in der Nähe von Saintes zu erhalten, 
die er erst jetzt zu geben im Stande war. Unmittelbar in der Nähe von 
Saintes konnte er das Verkommen solcher Austern-Lager zwar nur auf 
die Angabe des Tribunal-Präsidenten Goübault anführen, wornach an 
den Kästen von Saintonge ganze Felsen aus Austern bestehen sollen« 
Sie mögen an der Scudre-Münäung wohl in ähnlicher Art vorkommen, 
wie bei Soubise an dem Ufer und der Mündung der Charente, wo sie 
Ch. selbst ebenfalls ganz wohl erhalten fand, vielleicht Bern. Palissy 
schon beschrieb. Noch andere Bivalven, doch von Arten, die im dorti- 
gen Meere nicht vorkommen, setzen Bänke dort zusammen. — Auch Pa- 
ter Arcere, Verfasser einer Geschichte von La Rochelle von 1756, führt 
an, dass \ Stunde von der Abtei St. Michel en f Herrn, bei Marans 
und La Röchelte, sich auf der grossen, bis zum Ozean reichenden Ebene 
drei Stellen finden, wo Austern an Form, Farbe und Konsistenz wohl 
erhalten, 10m — lim über dem Meere und in einer Ausdehnung* von 300m 
schichtweise abgelagert sind. — Nach demselben Autor kommen auch 
bei der Stadt Luqon Hügel von wohlerhaltenen Austern, 20 Kilometer 
vom Meere, vor. Der Vf. hat auch diese Austern-Lager an den von 
Arcere angegebenen Orten selbst beobachtet, aber das Band daran fast 
ohne alle Konsistenz gefunden , und Fleuriau de Bellevue führt an, 
dass die fossilen Austern dieser Gegenden von der noch jetzt im Meere 
gemeinen Art sind (Journ. d. Min. XXXV.). — Schon i. J. 1801 hatten 
zwei Mitglieder obi<:;:er Kommission während der Französischen Expedition 
in Ägypten am Sattel der Vallee de Vegarement, des nördlichsten Queer- 
Thales xom Nil nach dem rothen Meere, ein 5— 6 Meter mächtiges Schutt- 
und Austern -Lager, 60 Kilometer von diesem Meere beobachtet, wo 
die knorpeligen Bänder zwischen beiden Klappen ebenfalls noch wohl- 
erhalten und die Erd-Oberfläche mit Seesalz-Krystallen bedeckt war. 



— 112 — 

Hiernach erinnern die Kommissäre noch an Risso's Beobachtung von 
Ablagerungen noch lebender Konchyllen-Arten bei Nizza, 17 M. über 
dem Seespiegel CJourn. d. Min. XXXIV J. — Sie glauben, dass der 
überaus seltene Regen in jenen Gegenden von Afrika das Seesalz seit 
der Trockenlegung des Bodens noch nicht, wie bei uns, habe auswaschen 
können, und dass dieses Seesalz im einen Falle, die Art der Einschlies- 
sung der Austern in jenen Fundamenten seit 15 Jahrhunderten in dem 
anderen Falle zu einer besseren Konservirung der Konsistenz des 
Schlossbandes beigetragen habe. 



Viscount CoLB hat der geologischen Sozietät in London i. J. 1832 
einen Abguss von einem schönen Exemplar seines Plesiosaurus 
macrocephalus zum Geschenke gemacht (Geol. Proceed. Nr, 30. 
S. 423.), einer Art, die uns noch nicht näher bekannt ist. 



Mantell: die zoologischen Charaktere der Wealden- 
Formation (Report, of the 1. and 2. meetings of the Brit. Assoc, 
Lond. 1833. S. 580—581.) zeigen am Besten die Art ihrer Absetzung 
und dienen am sichersten zur Wiederauffindung derselben in anderen 
Theilen Englands. Sie bestehen vorzüglich in dem Vorhandenseyn der 
Süsswasser-Konchylien in den Tilgate-Schichteti und in der Abwesen- 
heit aller Reste von ausschliesslichen Meeresbewohnern, als Z o o p h y- 
ten, Echiniden, Ammoniten, Belemniten u. s. w. in der gan- 
zen Wealden-^eihe. Der I g u a n o d o n ist bisher nur zwischen den North 
^^-^ South Downs gefunden worden. 

Die Kreide ;Von Lewes hat kürzlich ein vollständiges Exemplar ei- 
nes Hippuriten geliefert, von welchem Geschlechte man bisher nuT 
Trümmer daselbst gefunden hatte. 



BucKLAND über die fossilen Megatherium-Res te, welche 
neuerlich von Südamerika nach England g e b rächt w ord en 
sind. (Report of the 1. and 2. meetings of the British Assoc, Lon- 
don 1833, p. 104:— 107.), Nach vorstehendem Texte hielt S. Hochwür- 
den eine Rede, deren erster necrologischer Theil sich auf Cüvier, der 
zweite teleologische auf das Megatherium, der dritte theologische 
auf die Allmacht und Weisheit Gottes bezieht. Wir können daher nur 
aus dem zweiten Einiges ausheben. Er handelt von den, von Woodbi- 
neParish überbrachten Resten*). —Wenn die Organisation des Megathe- 
rium, gleich der des ihm nahe verwandten Faulthieres, in so vielen Stücken 
abweichend, ja zurückbleibend hinter der der übrigen Landsaugethiere er- 
scheint, so ist sie bei beiden gleichwohl höclist angemessen und voU- 



♦) Jahrbuch 1833. S. 60T. 



— 113 — 

kommen in Beziehung zn der ihnen angewiesenen Lebensweise. — Das 
Thier war über 8' hoch und 12' lang. Die Zähne sind zum Zermal- 
men der Wurzehi vortrefflich eingerichtet. Die Vordcrfüsse, fast einen 
Yard lang und über 1' breit, waren mit 3 über Fnss-langen Klauen zum 
Ausscharren dieser Wurzein aus dem Boden versehen. Kopf^ Hals und 
Vordertheil des Rumpfes waren verhältnissmässig leicht und klein, der 
Hintertheil dagegen schwerer , als beim grössten Elephanten. Diese 
Einrichtung sollte dem Thiere erleichtern^ auf drei Beinen zu stehen, um 
sich fortwährend eines der Vorderfüsse zum Ausziehen der Wurzeln be- 
" dienen zu können. Seiten und, Rücken des Körpers waren mit einem 
Panzer, wie bei dem Armadill, bedeckt, welche seine Nahrung ebenfalls 
durch beständiges Aufwühlen des Bodens suchen niuss. Er war über 
1" dick. B. glaubt, dieser Panzer solle beide Thiere schützen gegen 
die Belästigung durch Sand und Koth , deT sich bei ihrer Lebensweise 
sonst in ihr Fell setzen würde, dann gegen die Myriaden von sie be- 
ständig umschw^ärmenden Insekten, endlich gegen Raubthiere.- 



H. V. Meyer Beiträge zur Petrefaklenkund e (Mus, Sen- 
kenberg. 1833. I. i. 1—26. Tf. /. //.). 

I. Gnathosaurus subulatus v.M. (S. 1—7 Tf. I, Fg. 1. 2.). 
Name von yvd3of, Kiefer, da der unterscheidende Charakter im Unter- 
kiefer liegt, den man nur allein kennt. Der grösste Theil eines solchen, 
woran nur der hintere Theil fehlt, befindet sich nämlich in der Samm- 
lung des Grafen Münster, aus dem lithogr. Kalke von Solenhofen. 
Seine lange Form deutet auf eine der des Gavials ähnliche Schnautze. 
Zäh n e entfernt stehend, bis in die Wurzeln hohl, welche in gesonder- 
ten Alveolen stecken, wie bei den Krokodilen. Einige kleinere Zähne 
finden sich neben der Basis von grösseren, wahrscheinlich bestimmt, 
dieselben zu ersetzen. Man zählt in einer Kieferhälfte 40, und zwar 
hinter der Symphyse 12 Zähne, doch dürfte der vollständige Kiefer deren 
hinten noch mehr besessen haben. Die 8 vorderen stehen dichter, sind 
auff'alleud stärker, die folgenden nehmen an Grösse allmählich ab. Sie 
sind glatt, Pfriemen-förmig, oben etwas schneller zugespitzt, von aussen 
nach innen wenig zusammengedrückt , vorwärts gerichtet und etwas 
nach hinten gekrümmt. Die Befestigungs-Art der Zähne entfernt die- 
ses Thier von den Lazerten, und nähert es den Krokodil-artfgen Sau- 
riern , die Kieferform noch insbesondere dem Gavial , der aber nur 
25—50 Zähne in einem Kieferaste und nur 3—4 hinter der Symphyse 
besitzt, welche verhältnissmässig kleiner, und wovon die hinteren gleich 
gross sind. Auch besitzen die Kieferäste hinter der Symphyse nicht 
die eigenthümliche Reif-artige Biegung und grosse Entfernung, vorn 
nächst der Spitze nicht die Ausbreitung, wie bei dem Gavial. So un- 
terscheidet sich dieser Saurier von allen lebenden Geschlechtern und 
nähert sich unter den fossilen vorzüglich dem Aelodon, der nur 
25 — 26 feingestreifte Zähne von alternirender Grösse und nur 3 — 4 
derselben hinter der Symphyse hat, obschon diese verhältnissmässig 
Jahrgang 1834. 8 



— 114 — 

ebenso lang, als hier, ist. Vorn ist sie auch etwas mehr, als hier, aus- 
gebreitet, wie beim Gavial. Von Rhacheosaurus und PI euro- 
sau rus kennt man den Kopf nicht, um eine Vergleichung versuchen 
zu können, doch deuten die bekannten Reste des ersten auf ein viel 
grösseres, die des zweiten auf ein viel kleineres Thier, Plesiosau- 
rus verbindet den Charakter der grösseren Vorderzähne mit einer weit 
geringern Anzahl von Zähnen (27), einer kürzeren Schnautze und kur- 
zen Symphyse. Kein Pterodactylus hat über 30 Zähne, die zudem eine volle 
Zahnwurzel besitzen; die Form des Unterkiefers ist sehr verschieden, 
die Symphyse kürzer. — So steht dieses Thier noch dem Aelodon 
am nächsten, unterscheidet sich aber durch diejenigen Charaktere am meis- 
ten von ihm, durch welche sich dieser dem Gavial am meisten nähert. 

II. Conchiosaurus clavatus v. M, (S. 8— 14. Tf. I, Fg. 3—4). 
Ein Kopf-Fragment, ebenfalls in v. Münster's Sammlung, aus dem 
Muschelkalk von Leineck bei Bayreuth, wesshalb dieses Thier obigen 
Namen (von Kovxiov, kleine Muschel , — Muschelkalk-Saurier) erhal- 
ten hat. Auch dieses Geschlecht hat die eingekeilten Zähne der Kro- 
kodil-artigen Saurier, aber die abgekürzte Schnautze der eigentlichen , 
Krokodile und selbst der Kaimane. Indessen ist nur die Innenseite der 
unteren Knochenbedeckung dieses Schädels gut erhalten. Mit dem 
Schädel des Crocodilus rhombifer verglichen, hat dieses fossile Thier 
dieselbe Gestalt und Lage der unteren Augenhöhlen , aber verhältniss- 
mässig breitere Gaumenbeine und wohl einen hinter den Augenhöhlen 
kürzeren Schädel. Die allgemeine Form, das Hinterhaupt, Hinterhaupt- 
loch und der darunter stehende Condylus sind wie bem Krokodil. Doch 
stehen die Kieferknochen vor dem vordem Winkel der Augenhöhlen am 
weitesten auseinander; beim Krokodil ist der Schädel hier verengt und 
am hintern Augenhöhlen-Wiukel am breitesten. Die Schnautzcn-Spitze 
ist abgebrochen; doch ergaben zwei an der abgebrochenen Stelle er 
scheinende Löcher, dass die Nasenlöcher, wie bei den Crocodiloiden, 
an der Spitze der Schnautze, nicht an deren Anfange lagen. Die 
Zähne sind gleichförmig, gerade, OnJjOüS weit vorstehend, 0,001 bis 
0,0015 dick , doch zeichnet sich gegen das Ende der Schnautze ein 
etwas schlankerer , ein - und zurückgekrümmter Zahn von 0,012 
Länge und 0,003 Dicke aus. Die im Queerschnitt runden Zähne ver- 
dicken sich, so wie sie über der Kiefer-Fläche erscheinen, etwas, um 
sich dann zuzuspitzen, die kleineren mit sphärisch spltz-kegeltörmiger, 
der grössere mit pfriemen-förmiger Gestalt. Sie sind auf dem Schmelie 
gestreift, bei den kleineren jedoch erreichen mehrere Streifen die Spitze 
nicht. Wenigstens e i n kleiner Zahn stund noch vor dem grossen ; ob 
mehrere, erlaubt der Mangel des Schnautzen-Endes nicht zu beurthci- 
len. Die kleinen Zähne sind an Form und Grösse gleich , an Zahl 
kaum 12 in einer Hälfte, wie es scheint, alle vor dem vordem Augen- 
höhlen- Winkel stehend, gewölmlich hohl, und an einer Stelle sieht man 
die Wurzeln zweier Zähne theil weise in einander liegen. In den Kro- 
kodilen sind die Zähne ungleicher, jedoch übertrifft kein Zahn in dem 



— 115 ~ 

Grade die andern an Grösse, wie liier der grosse: ilire Zähne sind 
nicht gestreift, an der Basis wohl verdickt, aber auch nicht so spitz; 
ihre Anzahl geht bis zu 19—20—28 (—30), ihre Stelle reicht bis unter 
die Mitte der Augenhöhle, — Aelodon hat nur den grösseren Zahn mit 
diesem Fossile gemein; von Rh ache os aurus, Pleurosaurus und 
Macrospondylus kennt man den Kopf nicht; Geosaurus, 
Mastodöntosaurus, Megalos aurus, Iguanodon, Mosasau- 
rus, Saurocephalus und Saurodon haben andere Zähne, auch 
eine andere Schädelbildung; bei Ichthyosaurus stehen die Zähne 
dicht in einer Rinne J bei Phytosaurus sind sie angewachsen; Teleo- 
saurus, Streptospondylus und Metriorhynchus haben sehr 
lange Schnautzen. Protor osaurus hat in den Zähnen Ähnlichkeit, 
besitzt jedoch nicht den starken vorderen Zahn; Plesiosaurus wie 
Ichthyosaurus hat keine terminale Nasenlöcher, mehr und unglei- 
chere Zähne, doch ohne jenen grossen Vorderzahn. Cuvier erwähnt 
noch eines Saurier-Unterkiefers [<ws. foss. V. ii. 4Si.] aus dem Mu- 
schelkalk von Liinevüle, worin man aber 27 alternirend grössere, eben 
falls eingekeilte Zähne zählt. — Die Muschelkalk-Schichten derselben 
Gegend enthalten noch Fischreste, Riesen-Schildkröten, Plesiosaurcn 
und Saurier unbekannten Geschlechtes. 

III. Knochen und Zahne aus dem Muschelkalk. 
(S. 15—17. Tf. II, Fg. 1 — 6). 

A) Die Knochen Fg. 1 — 3 stammen aus Sachsen, wahrscheinlich 
aus Muschelkalk. Es sind ein Wirbel (Fg. 1.), ein Wadenbein (Fg. 2), 
und ? das untere Ende eines Schienbeins, welches auf einem besondern 
Steine liegt. Ersterer hat einige allgemeine Ähnlichkeit mit dem von 
Plesiosaurus, das zweite gleicht dem der Schildkröten (Chclonia 
oder Testudo), das dritte aber weicht von dem der Schildkröten sehr 
ab. [Weiteres im Orginal]. 

B) Die Zähne Fg. 4—6 stammen aus dem Muschelkalk von Güttin- 
yen; sie sind von dreierlei Form; ob sie aber von Sauriern oder Fi- 
schen herstammen, ist schwer zu sagen. Schuppen-Fragmente liegen 
darneben. [Detail in der Abhandlung selbst]. 

IV. Knochen aus dem bun te n S a n ds t c in e (S. 18 — 23, 
Tf. II, Fg. 7—18). Es sind Reptilien-Knochen, dergleichen bekanntlich 
bisher vor dem bunten Sandsteine nur wenige, in demselben keine be- 
kannt geworden sind. Erstere bestehen nur in einem Saurier-Wirbel 
im Bergkalk Northumberlands (W^KViovC) unA dem Protoros aurus 
des Zechsteins: da Murchison nach einer brieflichen Mitthciluug an 
den Vf. den Kalk von Caithness mit seinen T r i o n y x-Resten nun zum 
Lias rechnet. Im bunten Sandsteine selbst haben nur Merian Knochen 
zu Bezelen bei Basel, und Voltz ein Cctaceen-Kieferstück zu Wasslen- 
heim angeführt. 

Im bunten Sandsteine von Bahenhausen bei Ziveibrüc/een hat Dr. 
Al. Braun nun Reptilien-Knochen aufgefunden. So fünf noch ancinan- 

S - 



— 116 — 

derliegende Wirbel, dann Rippen u. s. w. Da die Untersuchung der- 
selben jedoch zu keinen näheren Bestimmungen führt, so übergehen wir 
hier deren Detail. 

Im bunten Sandstein zunächst unter dem Muschelkalke im Jenzicf 
bei Jena hat Prof. Credener. ebenfalls Saurier-Rippen gefunden und 
dem Vf. mitgetheilt. — Andere Reptilien-Reste von da hat inzwischen 
Zenker beschrieben *) und zu einem neuen Geschlechte Psammo- 
saurus Zenk. (nicht Fitzinger's) gerechnet. 

V. Aptychus ovatus v. M. und zur Kenntniss von 
Aptychus überhaupt. (S. 24—26. Tf. II.) Aptychus ovatus 
nov. spec. (Fg. 19 — 20.) findet sich im Lias von Banz 0,045 lang und 
0,021 breit, so wie (kleiner) im obersten Liasschiefer des Badener Ober- 
landes, wo ihn Walchner gefunden. Schaale dünn, oval, innen mit 
feinen Anwachsstreifen, aussen mit dem Schlossraiide parallel auflie- 
genden, oft etwas geschlängelten Wülstchen , die aber nicht gekörnt 
sind, wie die dem entgegengesetzten Rande parallel ziehenden des 
A. bullatus. Ihre Anzahl beträgt 9— -10, bei obigem grösseren 
Exemplare aber wenigstens noch einmal soviel. Bei A. bullatus lie- 
gen sie sich näher und sind daher, obschon stärker, doch zahlreicher 
und nach dem äusseren Rande hin gedrängter, als innen , was bei die- 
ser neuen Art umgekehrt ist. 

Von A. elasma (Fg. 21—22) hat der Vf. neuerlich Exemplare aus 
dem Württemberg^ sehen Lias erhalten, welche bestätigen, dass die 
äussere Fläche der dünnen Schaale mit dünnen, entfernt liegenden 
Längsstreifen oder Wülsten besetzt seye, die mehr denen von A. im- 
bricatus, als von A. elasma gleichen. Da sich aber Verschieden- 
heiten in den Umrissen und im Verlauf der Wülste verschiedener 
Exemplare zeigen, so ist zweifelhaft, ob nicht noch mehrere Arten hier 
zusammenliegen. 

Der Vf. warnt durch zuweilen vorkommende Ablösungen einer 
innern Schichte von Aptychus-Schaalen, welche durch eine ebenso feine 
äussere Streifung, als sie sonst nur innen vorkommt , und durch eine 
schwärzere Farbe bezeichnet werden, sich nicht verleiten zu lassen zur 
Aufstellung einer neuen Art. Er habe solche Ablösungen zu bewirken 
selbst versucht und sich über die Wirklichkeit der Erscheinung so 
versichert. 

Bei den dickschaaligen Arten verlängern sich die zwei Hälften über 
ihre Verbindungs-Grenze hinaus; nicht bei den dünnschaaligen, obschon 
sie alle länglich sind. Erstere sind aussen glatt (A. laevis), oder 
gestreift (A. imbricatus). Letztere haben entweder aufliegende Wül- 
ste parallel dem gerade innern Rande (A. ovatus), oder dem äussern 
gebogenen (A. bullatus), oder solche, die mehr vertieft liegenden Strei- 
fen gleichen (A. elasma). 



*) Jahrbuch 1833. S, 243. 



— 117 — 

Weiss : Beschreibung fossiler Knochen- und Panzer- 
Stücke aus dem südlichen Ende des Brasilischen Gebirgs- 
zuges (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. zuBerlin von 1827. 
Berlin, 1830, Physik. Klasse, S. 276—293. Tf. I— V, als Anhang zu ei- 
ner geognostischen Abhandlung.). Die folgenden, in natürlicher 
Grösse abgebildeten Stücke stammen aus der Banda oriental, der jetzi- 
gen Republik östlich am Uruguay, von wo sie Sellow eingesendet. 

A. Die Pan zer s tu cke , am Arapey chico unfern Cassapava 
gefunden, gehören ohne Zweifel Cuvier's Megatherium an, von des- 
sen Panzerkleide Pfarrer Laragnaga in Montevideo schon lange zwei 
Bruchstücke aus der Gegend zwischen dieser Stadt und Maldonado be- 
sessen, wie CuviER {Oss. foss. V. i. 191, Note) mittheilt. Aber die ein- 
zelnen Theile dieses Panzers besitzen keine Gürtel-förniige Anordnung, 
wie Laragnaga geglaubt hatte. Drei Stücke (Tf. I, Fig. i; Tf. II, Fig. 4, 
5) sind einander ziemlich ähnlich. Sie sind aus platten, unregelmässig 5 — 7 
eckigen Knochenstücken von 7'"— 13'" Dicke und l"— 2" Durchmesser 
zusammengesetzt, welche in der Mitte ein rundliches, etwas höheres, 
mit vielen kleinen unregelmässigen Vertiefungen ausgefressenes Feld, 
und um dieses eine niedrigere Einfassung mit wenigen, aber noch grös- 
seren Vertiefungen und vielen nach den Rändern hin auslaufenden un- 
regelmässigen Falten und Streifen besitzen. Am Rande des Panzers 
dagegen erheben sich diese Knochenstücke noch höher in unregelmässi{c 
pyramidaler oder Zitzen-Form in ihrer Mitte, und haben keine Falten 
(Tf. I, Fig. 2, 3). Von der Beschaffenheit jener unregelniässigen Ver- 
tiefungen und Falten wird man sich eine richtigere Vorstellung ver- 
schaffen , wenn man sich der verschiedenartig zelligen Struktur der 
Knochen überhaupt und insbesondere der Oberflächen- und Textur-Be- 
schaffenheit der Hirsch - Geweihe erinnert. Doch besteht diese Panzer- 
Masse vorzugsweise aus kohlensaurem Kalke. Die Nähte zwischen den 
einzelnen Knochenplatten gehen durch die ganze Dicke des Panzers 
hindurch, und lassen somit dessen Zusammenfügung auch auf der un- 
teren oder inneren Seite erkennen , wo auch die Scheiben-förmigen Er- 
höhungen der Aussenfläche durch entsprechende Vertiefungen angedeutet 
sind. — — Ein Tf. II. Fig. 7 abgebildetes Panzer-Stück scheint einer 
andern Spezies anzugehören. Die sechseckige Gestalt der Schilder er- 
lischt und geht in die rhomboidale über, die Nähte bilden daher auf 
grosse Erstreckungen hin gerade oder nur etwas WeHen-förmige Li- 
nien , welche nur gegen den Rand des Panzers hin zackiger, wie die 
Schilder wieder sechseckig und Zitzen-förmig worden. Aber die Ober- 
fläche der Schilder ist überall nur flach gewölbt, ohne jene Vertiefun- 
gen und Falten, was vielleicht zum Theil wenigstens, einer weiter gekomme- 
nenen Zerstörung der Oberfläche zuzuschreiben ist — — Die grösseren 
Panzerstücke war S. genöthigt worden, nach Rio Janeiro abzugeben. 
Eines darunter, welches mit Knochen der linken Vordcr-Extremität zu- 
sammengelegen, schien ihm vom vorderen und unteren Theile der linken 
Seite zu seyn : es besass nur 0"6 bis 0"9 Dicke, war der Queere und der 



— 118 - 

Länge nach gewölbt, so dass die Längen-Sehne 23" Engl, längs der 
Basis der Randzacken, die Tiefe des entsprechenden Bogens 2"4, die 
Queer-Sehne 10" und die Tiefe des ihr entsprechenden Bogens 0"4 be- 
trug, wornach S. die Länge des ganzen Thieres auf 10', seine Breite 
auf 4§', seine Höhe auf 3' schätzte. — An einem andern Stück war der 
grösste Höcker vom Rande des Panzers unten 2" breit und l"7 hochj 
die übrigen nahmen „nach unten zu" ab , so dass der vierte nur l"5 
hoch w&T. Von dem damit vorgekommenen Unterarm nebst dem gröss- 
ten Theile der Hand-Knochen, so wie vom linken Fusse und einen Theil 
der Fibula hat S. Zeichnungen eingesendet, welche später bekannt ge- 
macht werden sollen. Schädel, Zähne und Nagelglieder fehlten durch- 
aus. — Das- ganze Skelett , wovon diese Reste herrühren , war schon 
14 Jahre früher von Einwohnern gefunden , und unbeachtet geblieben, 
vor 3 Jahren wieder entdeckt und theils zerschlagen, theils zerstreut 
worden ; ausserdem niuss der Fluss allmählich vieles weggeschwemmt 
haben. — Es lag 3' tief in einem Thonmergel voll kleiner oft ver- 
ästelter Kalkröhren, welcher auf Basalt und Trümmer-Mandelstein ruhet, 
zwischen der Estancia des Beraldo und der Cliacara del Larcon, ^ Le- 
goa von beiden, am linken Ufer der Sanja pelada genannten Schlucht, 
welche in den Arapi;y chico von der rechten Seite her eintritt, in einer 
Höhe, die noch jährlich von den Überschwemmungen des Flus- 
ses erreicht wird. Dieser mündet 4 Lcgoas tiefer in den Arapey grün- 
de, auf dessen rechtem Ufer, und 10 Legoas ober dessen Mündung in 
den Uruguay ein. 

B. Ein anderes Knochenstück von Megatherium hatte 
S. schon i. J. 1823 am Queguay , welcher südlich vom Arapey in den 
Uruguay fliesst, zwischen ersterem Flusse und dem Arroyo del Que- 
bracho bei der Estancia de Don Pedro Ansuateque oder Don Pedrito, 
an der Erd - Oberfläche gefunden, wohin es von einem benachbarten 
Bache gebracht worden war. Es ist das untere Ende des Schenkel- 
knochens (Tf. HI, Fig. 1,2), fast nur der Gelenkkopf, welcher von 
dem des Megatherium, wie ihn Cuvier, auch Pander und d'Al- 
TON beschrieben, nicht abweicht. 

C. Zwei E ckzä h n e, d enen ein es Bär en ni cht un äh n- 
lich, doch in einem kaum fossil zu nennenden Zustande und sonst 
ohne Angabe eines Fundortes von S. eingesendet, sind Tf. HI, Fig, 3, 
4 — und 5 abgebildet. Auf der inneren Seite macht eine scharfe Kante 
die Grenze zwischen der noch ursprünglichen und der durch Reibung 
beim Kauen entstandenen Oberfläche. 

D. Ein r ä t h selha ftes Knochenstück mit Schilder- 
Eindrücken (Tf, IV, Fig. 1, 2, 3.) hat ein Dragoner von einem 
grösseren Stücke in dem Passo del Catalan , dem über den Queguay 
nach dem Salto grande führenden Fürth abgeschlagen. Durch ver- 
schiedene Hände kam es an Sellow. Es ist fast die Hälfte eines sehr 
nnregelmässigen, der Länge nach gespaltenen hohlen Cylinders. Legt 
man es der Länge nach vor sich , so ist es etwa 10" Par. lang , fast 



— 119 — 

4" breit und bis 2i" dick, vorn und hinten abgebrochen, von oben oder 
aussen queer gewölbt und mit mancherlei Schilder-artigen Eindrücken 
besetzt, unten queer konkav, so nämlich, dass es auf beiden ungleichen 
Seiten der Länge nach abgebrochen, und zwischen diesen Bruch-Flä- 
chen von einem offnen Längen-Kanäle, der von dichterem Knochen-Ge- 
webe umschlossen ist, durchzogen wird. Betrachtet man nun dieses 
Stück von seiner äusseren oder gewölbten Seite, so lässt sich nur nächst 
dem einen (in der Zeichnung linken) Längenbruche das Vorhandenge- 
wesenseyn einer Mittellinie vermuthen , an die sich dieses Stück 
von einer Seite anlegte. Die Oberfläche ist von Furchen so durchzo- 
gen, dass sie in vier- bis viel-eckige Felder von sehr ungleicher Grösse 
getheilt wiid, auf deren jedem ein Schild aufgesessen seyn muss. 
Denn die Nähte zwischen den einzelnen Feldern setzen nicht 
durch die Dicke der Knochenmasse hindurch : sie sind nnr oberflächlich, 
und die Masse selbst brausst weniger mit Säuren und hat demnach 
mehr die Zusammensetzung eigentlicher Knochen, als die des Megathe- 
therium-Panzersr In den Furchen zwischen den Feldern stehen rund- 
liche Öffnungen mit grösserer Regelmässigkeit vertheilt, als man sonst 
an den für den Austritt der Gefässe bestimmten Öffnungen gewahrt. 
Zunächst längs der muthmaaslichen Mittellinie ist eine grosse Anzahl 
nur kleiner 3— Teckiger Felder. Darauf folgen in einer Längenreihe 
ziehend sechs ovale grössere , doch sonst an Form und Grösse unglei- 
che, deren grösstes bis 13'" Breite und 21'" Länge hat. Jenseits der- 
selben endlich liegen , durch kleine Zwischenräume von ihnen getrennt, 
drei noch grössere Felder, deren vorderstes und hinterstes, von mehr 
kreisrunder Form , sich etwas zwischen die Pieihe der vorigen und das 
mittlere — ovale und grösste von allen — von vorn und hinten her- 
einschieben. Diese 9 grösseren Felder sind mit grossen und kleinen 
Unebenheiten, der Knochentextur entsprechend, besetzt, die sich nach 
unregclmässigen von deren Mittelpunkten ausstrahlenden Linien ordnen. 
Sie sind alle flach vertieft, bei den drei grösseren aber erhebt sich die 
Mitte wieder, und bei dem grössten zu einer ansehnlichen Höhe. Die- 
ses ist über 6" lang. — Sellow hatte geglaubt , dieses Stück gehöre 
dem Panzer des Megatherium und zwar an dessen Schwänze an. — 
Weiss vermuthet, dass es ein Schädelstück von einem Reptile oder 
vielleicht Fische seye, ohne ihm jedocii eine bestimmtere Lage anwei- 
sen zu können, was auch bis dahin keinem Zoologen oder Osteo- 
logen, der es gesehen, gelungen war. 

C. Nicht ferne von dem obenerwähnten Feinur Stücke sind Pan- 
zer-Stücke einer Schildkröte von ansehnlicher Grösse 
(Tf. V. Fig. 1 — 13) gefunden worden, die sich insbesondere denen einer 
Landschildkröte analog, in manchen Punkten aber auch von der bekann- 
ten Bildung abweichend zeigen, wesshalb W. diese Art Testudinites 
Sollovii nennt. Sie bestehen zum grössten Theilc aus kohlensaurem 
Kalk. Es sind, mit Ausnahme von 2 Stücken, lauter Randtheile des Pan- 
zers. W. beschreibt und deutet sie in folgender Weise. 



— 120 — 

Vom Rückenpanzer der vorderste Rand-Schild rechts, welcher, 
auf sonst nicht gewöhnliche Weise , von einem entsprechenden linken 
Knochen-Schilde durch eine Naht getrennt [nämlich in 2 Schilde geschie- 
den] ist (Fig. 3, 4). Die äussere Fläche ist rauher, als bei den meisten fol- 
genden , auf eine einstige Bedeckung mit stärkeren Hornschuppeii deu- 
tend. Es erhellt aus der Form dieses Stückes , dass der Rücken-Pan- 
zer vorn in der Mitte den gewöhnlichen Ausschnitt besessen. 

2. Der unvollständige Rand-Schild der linken Achsel oder des Ein- 
schnittes über dem linken Arm, welcher wegen der Theilung von 1 
nicht, wie gewöhnlich, der dritte, sondern der vierte Schild ist (Fig. 1, 2.) 
Auch hier ist die äussere Oberfläche sehr rauh, die innere aber offen- 
bar, in Folge der hier Statt gefundenen Muskularbewegung , geglättet. 
Die eigenthümliche Krümmung und Bildung des wohl erhaltenen äus- 
seren Randes bis zur Stelle, wo der Rücken- mit dem Brust-Panzer 
verwachsen war, lässt über die Deutung dieses Beines keinen Zweifel. 

3. Der hintere der beiden mittelsten Schilde vom Seitenrande der 
der linken Seife, wo Rücken- und Bauch-Panzer verwachsen sind (Fig. 
IJ.). Durch die Theilung von 1 wird es der siebente Ptand-Schild statt 
des sechsten. Der Rand des Panzers war hier schärfer, die Rand-Schilde 
waren kürzer und nicht so nach oben in die Länge gedehnt, wie bei Tes- 
tudo Ind i ca. 

4. Das vorletzte Randschild der rechten Seite (Fig. 6.). Sein äus- 
serer oder Hinter-Rand ist mit einem tief stumpfwinkeligen Ausschnitte 
versehen, so dass der Hinterrand des Panzers mit mehreren Zacken 
versehen gewesen seyn muss, wie T. Indica deren 3 auf jeder Seite 
hat. Dieses Bein ist von aussen konkav. Der Eindruck der Scheide- 
linie zweier Hornschuppen zieht auf demselben mitten herab in die tief- 
ste Stelle des Ausschnittes, und die zwei, dieses Bein vorn und hinten 
begrenzenden Knochen-Nähte laufen in die Spitzen zweier Zacken aus. 
Den Linear-Dimensionen nach ist es 2j — 2^ Mal so gross, als das ana- 
loge bei T. Indica, deren Rücken-Panzer 15" Par. lang igt. 

Vom B a u G h r P a n z e r : 

5. Das vorderste Rand-Schild rechts (Fig .9, 10), etwas beschädigt, 
doch mit dem analogen der Testudo Indica sehr genau übereinkom- 
mend. Der ausspringende Winkel dieses Beines, in welchem es mit 
dem gleichnamigen der linken Seite und dem unpaarigen mittleren Bei- 
ue des Bauch-Panzers zusammentrifft, beträgt 135°. Die Vertiefung 
der inneren Fläche des Knochens geht ganz nach vorn, wo er bei T. 
Indica eine tiefe Queer-Wölbung in der Halsgegend hat. Die Linear- 
Dimensionen sind nur li mal so gross, als bei ebengenannter Art. 

6. Der innere vordere Theil des vorderen linken von den vier Bei- 
nen , durch welche der Bauch mit dem Rücken-Panzer verwachsen ist 
(Fig. 5.). Er hat den freien Rand des Panzers nirgends berührt, son- 
dern ist auf zwei Seiten abgebrochen, auf 2 andern mit Nähten ver- 
sehen, deren eine der Mittellinie, die andere konkave dem Hinterrande 
jips- jinpia.arigen Beijjcs des Bauch -Panzers entspricht. Die innere Flä- 



— 121 — 

che ist durch eine strahh'ge Textur ausgezeichnet, die äussere sehr 
schwammig. 

7. Ein über die Hälfte mit Bruchrändern umgebenes Bruchstück 
entweder des dem vorigen entsprechenden rechten, oder des unpaarigen 
Mittelbeines (Fig. 12.). 

8. Wahrscheinlich das vordere Rand-Ende des rechten hinteren Za- 
ckenstückes des hintersten Bauchpanzer-Beines (Fig. 13.). 

9. Der Zacken-Fortsatz des linken von diesen 2 Knochen selbst 
(Fig. 7, 8). Er ist vollkommen entsprechend dem analogen Theile bei 
Testuda Indica, jedoch nach den Linear-Dimensionen 2^— 2i- mal 
so gross. 



C. Gemmellaro : Cenno sopra le Conchigh'e fossili delV argilla 
ierziaria di Cifali presso Catania {Catania 1833. 13 pp. 4". Ein 
Abdruck aus den Atti della Accademia Gioenia). Bei Catania kommt, 
von Lava überdeckt und nur im sg. Poggio di Cifali entblösst , ein 
unreiner Ziegelthon vor, welcher von Gängen röthlichen Sandes durch- 
setzt ist, gleich dem der Thon-Hügel der Umgegend. Er be- 
steht aus Körnern von Glas-artigem Quarz, feinerem Saude und Eisen- 
oxydj und ist voll mikroskopischer Orbuliten und Len ti cu li t e n, 
aber bis jetzt ohne die schönen Nummuliten und Milioliten, 
welche im Sande der Hügel von Trezza vorkommen. Dieser Sand nun, 
nicht der Ziegelthon selbst, ist voll fossiler Konchylien, deren der Vf. 
Anfangs eine kleine Anzahl, Hoffmann und Philippi nachher in Folge 
ausgedehnter Nachgrabungen 62 Arten aufgefunden haben ; der Vf. be- 
sitzt deren jetzt 59, die er namentlich aufzählt nebst mehreren Ser- 
pein, Madreporen, Celleporen und Krebs-Scheeren. [Alle sind in 
Brocchi schon enthalten, ausser (wenigstens nicht unter diesen Namen) 
Pandora rostrata, Tellina rostrata Born., ? T. incarnata, 
Venus pseudocardia, Area lactea[?], Ostrea Mediter- 
ranea (0. ?edulis Brocch.), Natica solida, TrochusPha- 
raonis, Cerithium cancellatum Phil., Buccinum Ascsinias, 
Columbella rustica und Mitra plumbea]. Sie leben alle 
noch im Mittelmeere, ausser — nach des Vfs. Versicherung — Buccinum 
musivum Brocch., Dentalium elephantinum LiN. , wenn es 
nicht vielmehr das dort häufig lebende D. striatum ist, Cyrenae 
spec. diib. und Venus pseudo-cardia Gemi«. [die aber nach der 
Beschreibung des Vfs. wohl nichts anderes ist, als Venus radiata 
Brocch. , welclie nach Renieri auch im Mittelmeere vorzukommen 
scheint]. Diese Konchylien besitzen grösstentheils noch Spwren ihrer 
anfänglichen Färbung und ihren Perlmutterglanz. 

Der Poggio di Cifali liegt aber heutzutage 300' über dem Meere 
und bildet nur den untersten Theil des Hügels, welcher bei Fasano 
600' Seehöhe erreicht. Auch ist dieser Thonhügel schon von dem ge- 
schichteten AUuvial-Gebirge von Fasano überlagert , welches die Härte 



— 122 - 

eines Tuffes besitzt, und seiner jetzigen Lagerungs-Weise zufolge ein- 
mal den Grund eines Wasserbeckens eingenommen haben muss , das 
von dem nämlichen Sand und Thon gebildet gewesen, welche heutzu- 
tage dessen übrig gebliebenen Theil bilden. Dazu kommt endlich die 
Natur der, jenes Gebirge (beim Poggiö) überlagernden Laven, die nach 
ihrer Masse, ihrer Struktur, ihrer Zersetzung, ihrer Bedeckung von an- 
dern anerkannt alten Lavaströmen und von verschiedenen mächtigen AUu- 
vial-Bildungen zu den ältesten gerechnet werden müssen, welche dieser 
Vulkan ergossen hat. So liegen auch die Basalte von Tre%%a auf dem schon 
erwähnten Nummuliten- und Mi lioliten- Gesteine dieses Ortes, das 
der Vf. mit dem von Cifäli im Alter gleich zu stellen geneigt ist. 

Jene mikroskopischen Orbuliten und Lenticuliten möchte der 
Vf. schon als in dem Sande, der das Material zu obigen Ausfüllungen 
geliefert, fossil präexistirend ansehen [wohl weil er sie ausgestorbenen Arten 
zuschreibt, was aber, wenigstens für die Mehrzahl derselben, wohl der 
Fall nicht ist]. 



IV. Verschiedenes» 

Brünner und Pagenstecher Chemische Analyse der Heil- 
quellen von Leuk im Kanton Wallis (Denkschrift d. allgem. 
Schweitz. Gesellsch. f. d. gesammt. Natur wiss. 1829. I. i. 
239—270). Die allgemeine Schweitzerische Gesellschaft hat ein eigenes 
Comite zur Einleitung einer allmählichen Untersuchung der Mineral- 
Quellen der Schweitz ernannt, welches dann die erwähnten zwei Ge- 
lehrten zur Analyse der Leuker Quellen veranlasst hat. Diese gedenken 
zuerst der älteren vorhandenen Arbeiten darüber, ehe sie ihre eigene 
beschreiben. Die Quellen von heuk entspringen auf einer Wiese am 
Fusse der fast senkrechten Gemmi-Felsen, 4400'— -4500' über dem Meere, 
aus den obersten Schichten eines Thonschiefer-Gebirges, welches nach 
Ebel von Alpeukalk überlagert ist. Diese Quellen sind die L Haupt- 
oder Lor en z- Q u e 1 le, welche sich 2 — 3 Mal jährlich zu unbestimmter 
Zeit plötzlich auf 24 — 48 Stunden trübt und einen weissen Schlamm mit 
sich führt. Das Goldbrünnlein scheint nur ein Zweig derselben. 
II. Die drei Quellen des Armenbades liefern nur etwa | so viel Was- 
ser, als erstere. Einer derselben , der Kotzgülle, wurde eine Zeitlang 
Brechen-erregende Kraft zugeschrieben. III. Das Heilbad ist nur 
eine schwache Quelle. IV. Der entfernter liegenden Hügel-Quellen 
sind zwölf. V. noch 2—3 andere liegen weiter aufwärts an der Dala; 
welche, so wie VI. die Roosgülle, und VII. noch eine letzte Quelle 
in deren Nähe jenseits des Flusses, zu medizinischen Zwecken nicht be- 
nutzt werden. Die Temperatur der Haupt-Quelle ist ziemlich konstant; 
die der schtvächern aber scheint durch zufliesscnde Tagewasser u. s. w. 



123 — 



etwas abzuändern. Nach mittleren Resultaten, in den letzten Tagen des 
Julius erhalten, ist sie nach Reaumür's Scale 

I. II. IIL IV. V. VI. VII. 

40",37 = 37»,2 = 3l",35 = SS^'jaO = 30° = 29^,5 = 27«,7 

Die Untersuchung der Gasarten wurde an Ort und Stelle, die der fixen 

Bestandtheile in Bern vorgenommen. Sie ergab auf 24 Unzen Medizi- 

nal-Gewicht für die 



L 


orenz- 


Quelle 


die Arme n- ( 


Quelle 


Kohlensäure . . . 


0,357 


c' Var. 


. . . 0,312 


2/ 


SauerstofiFgas . ^ 


0,256 


— 


. . . 0,256 




StickstoflFgas , . . 


0,462 


- 


. . . 0,487 




Schwefels. Kalk . 


17,083 


Gran 


. . . 17,361 


Gran. 


- Talkerde 


2,654 


— 


. . . 1,879 


— 


— Natron . 


0,678 


— 


. . . 0,508 


— 


— Strontian 


0,045 


— 


. . . 0,037 


— 


Chlor- Natrium . . 


0,073 


— 


. . . 0,124 


— 


Chlor-Kalium . . 


0,027 


— 


. . . 0,010 


— 


Clilor-Magnium . . 


0,036 


— 


. . . 0,032 


— 


Chlor-Calcium . . 


0,001 


— 


. . . 0,001 


— 


Kohlens. Kalk . , 


0,476 


— 


. . . 0,613 


— 


- Talkerde . 


0,003 


— 


. . . 0,018 


— 


— Eisenoxydul 


0,032 


— 


. . . 0,028 


— 


Kieselerde .... 


0,132 


— 


. . , . 0,100 


— 


Salpeters. Salze . . 


0,001 


— 


. . . . 0,001 


— 



21,243 — 
Ausserdem entwickelt sich aus den Quellen in 
dauernd ein Gas, nach 2 Versuchen bestehend aus 

Kohlensäure . . 1,017 Volum. . . 0,964 Volum. 



20,712 — 
grossen Blasen fort- 



Sauerstoffgas . . 0,462 
Stickstoffgas . . 98,521 

Der in der Loren%-Q.\x&\\e niederge- 
schlagene Ocker = 
Schiefersand . . ; 14,00 Gran 
Kohlens. Kalk . . 2,40 — 
Kohlens. Talkerde . 0,24 — 
Eisenoxyd .... 32,50 — 
Wasser .... 10,00 — 
Verlust .... 0,86 — 

60,00 "^^ 
Bittersalz wittert an mehreren 



100. 



. . 0,266 
. . 98,770 
derThonschiefer, woraus die Quel- 
len entspringen, besteht aus 

46,9 Gran 
0,35 — 
0,68 — 
3,95 — 
7,10 — 
1,02 — 



Kieselerde . . . . 

Kalk 

Talkerde 

Eisenoxd 

Thonerde 

PKohlensäure u. Verlust 



60,00 — 
Stellen aus den Thonschiefcr-Fclsen aus. 
Das Trinkwasser zu Leuk rührt aus Quellen her, welche ebenfalls 
bei obiger Quelle entspringen; es ist, ausser einem Gehalt an kohlens. 
Kalke, völlig rein und hat 8<> R. Temperatur bei 16^0 Luftwärme. 



~ 124 - 

F. C. HtNRici Notiz über eine periodische Quelle bei 
Kissingen (Studien des Götting. Vereins bergmänn. Freunde, 
183 3. III. 321—324). Die Salz-Quelle bei Jfmiw^r^JM liefert nach Pfeüfer 
in 1 Minute 40 Kub. Fuss Wasser von 16°j5 R., dessen äusserst schwa- 
cher Salz-Gehalt durch Abteufen eines 325' tief im bunten Sandstein 
getriebenen Bohrloches nicht vermehrt werden konnte. (Auch ein, \ Stunde 
höher im Saale-T\\a\e über 330' tief niedergetriebenes Bohrloch lieferte 
weder Soole, noch durchdrang es den bunten Sandstein.) Die vielen 
Mineral-Quellen der Umgegend von Kissingen enthalten alle Kohlen- 
Säure; einige sind starke Säuerlinge. Jene Säurf», in Gasform sich 
entwickelnd , ist auch die Ursache der periodischen Erscheinungen in 
oben erwähnter Salz-Quelle. Diese hat bei ruhigem Stande ihren Spiegel 
15' unter der Oberfläche des Bodens ; bei stärkerer Entwickelung des 
Kohlensäure-Gases beginnt sie stark aufzuwallen und zugleich anzustei- 
gen, womit jenes Wallen und Brausen in erstaunlichem Grade zunimmt, 
bis ihr Wasser nach Verlauf einer halben Stunde einen Kanal an der 
Oberfläche erreicht, durch den es abfliesst. So erhält es sich schäumend 
etwa 2 Stunden lang und erreicht dann binnen 20 Minuten wieder seinen 
tiefsten Stand , auf dem es aber selten über 14 Minuten ruhig bleibt. 
Ein höhei'er Wasserstand der Ä«a?tf soll die Erscheinung etwas schwächen. 



Hausmann über die Rothenfelder Quelle (a. a. O. III. S. 324— 
325). Bei Rothenfelde im Osnabrück' sehen ist eine Quelle von 14" oder 
15<* R., aus welcher ebenfalls periodisch schwächere und stärkere Entwicke- 
lungen von Kohlensäure Statt finden. Auch setzt dieselbe so viel KalktufF ab, 
dass ein ganzer Hügel dadurch gebildet worden, welcher viele Blätter- 
Abdrucke und auf den Absonderungs-Flächen konzentrirten Gelb- und 
Braun-Eisenstein enthält. Vermuthlich kommt diese Quelle aus der Kreide- 
Formation hervor. 

Die Entbindung der Kohlensäure scheint unabhängig von einem 
Salz-Gehalte der Quellen zu seyn, da zuweilen nahe beisammen, doch 
völlig von einander getrennt, Salz-Quellen, Säuerlinge und Eisenwasser, 
und selbst CPyrmont) Ausströmungen von Kohlensäure vorkommen. Ver- 
bindet sich aber die Kohlensäure nur zufällig während ihres Verlaufes 
mit der Kissinger Salz-Quelle, so erklärt sich um so leichter das perio- 
dische Steigen und Fallen derselben durch dieses Gas. 



Brewster hat ein Instrument zur Unterscheidung von 
Edelsteinen und Mineralien erfunden CReport of thei. and 
2. meetinijs of the British Assoc., Land. 1833. p. 7ä—73J. Es be- 
steht aus einem dreiseitigen Prisma von Glas, zwischen dessen unterer 
Fläche und der dazu parallelen oberen des zu prüfenden Minerals man 
eine Öl-Schichte bringt ; doch so, dass man durch die Einrichtung des 
Instrumentes die zwei erwähnten Flächen in beliebigem Grtjde gegen 



— 125 — 

einander neigen kann. Hält man das Prisma nun so, dass die Sonne 
oder ein anderer leuchtender Körper von bleibender Intensität von bei- 
den Flächen zurückgespiegelt wird, so gibt die gleichbleibende Spiege- 
lungsfähigkeit der Fläche zwischen Prisma und Öl, verglichen mit der 
jedesmal veränderten des jedesmal zu prüfenden Minerals, wenn man 
Stärke des Lichtes und der Farbe zugleich beachtet, einen Maass- 
stab ab. 



G. Schübler Resultate sechzigjähriger Beobachtungen 
über den Einfluss des Mondes auf di e Ve rä n d er u n ge n 
in unserer Atmosphäre. Synodiscjier Um lau f (Kastn. Ar eh. 
f. Chera. u, Meteorolog. 1832. V. 169—212). Der Umlauf des Mon- 
des um die Erde scheint in der That nicht ohne Einfluss auf die atmo- 
sphärischen Ereignisse der letztern zu seyp. Der Regenniederschlag ist 
an den Tagen des letzten Viertels am geringsten, einige Tage vor dem 
Vollmond am grössten (an einzelnen Tagen zr 84,9 : 100). Ein kleineres 
Minimum tritt nach Neumond zur Zeit des ersten Oktanten und ein 
kleineres Maximum an den Tagen des Neumondes selbst ein. 



Meteorstein fall hei Blansko in Mähren. Es war schon die Nacht 
eingetreten, als am 25. Nov. unsere Stadt durch eine plötzliche so helle 
Erleuchtung erschreckt wurde, dass die Meisten glaubten, in einem der 
nächsten Häuser sey Feuer ausgebrochen. Ein darauf gefolgtes anhal- 
tendes Donner-ähnliches Getöse in der Höhe zeigte indessen , dass die 
Erscheinung ein Meteor gewesen, und Personen , die sich im Freien 
befunden, hatten den ganzen Himmel von Norden her stark erleuchtet 
gesehen. Dieselbe Beobachtung wurde zu Posoriz, Bittschowiz, Auster- 
lix, Sokolniz, Boskowiz, Raiz, Lissi-i^ Tischnowix und an vielen an- 
deren Orten, auf einem Flächenraume von 70 bis 80 Quadratmeilen ge- 
macht. In der Mitte dieser Gegend hatte man einen glänzend feurigen 
Körper am Himmel ziehen sehen, der , Anfangs klein , mit reissender 
Geschwindigkeit sich vergrösserte, so dass er bald an Umfang dem 
Vollmonde, dann einer Tonne, und endlich einem ganzen Hause gleich 
kam. Auf der Postlinie von Lipiwka bis Goldenbrunn steigerte sich 
diess so, dass man glaubte, ganze Feuermassen wie Wolken aus dem 
Himmel niederstürzen zu sehen. Auf der Strasse bäumten sich die 
Pferde, und viele Landleute waren von solchem Schrecken ergriflfen, 
dass sie sich betend auf die Kniee warfen , ja manche plötzlich krank 
wurden. Der Lichtglanz war so ausserordentlich intensiv, dass ihn 
das Auge nicht auszuhalten vermochte. In der Nähe folgten ihm meh- 
rere starke Donnerschläge, die auf viele Meilen weit im Lande verhall- 
ten. Aber ungeachtet man aus diesem prachtvollen Meteore an meh- 
reren Orten feurige Streifen, einem Feuerregen ähnlich, zum Erdboden 



— 126 — 

niedergehen gesehen haben wollte, so verlautet doch nichts von einem 
Steinfalle, und man blieb lange in Ungewissheit über die eigentliche 
Natiir des ausserordentlichen , Himmels-Ereignisses. Erst am eilften 
Tage gelang es den ausdauernden Bemühungen des Dr. Reichenbach 
zu Blansko, der den Naturforschern Deutschlands durch verschiedene 
Entdeckungen bekannt ist, die Spur aufzufinden, und eine Stunde von 
seinem Wohnorte am Saum eines Waldes den ersten frisch gefallenen 
Meteorstein zu entdecken. Am folgenden Tage wurden noch zwei 
andere gefunden, so dass man jetzt bereits drei Beweis-Stücke der sel- 
tenen Begebenheit besitzt. Hoffentlich wird man noch mehrerer hab- 
haft werden, und die Meteorologen haben Hoffnung, ihre Sammlungen 
und Verzeichnisse bald durch den Meteorstein von Blansko bereichert 
zu sehen. Hr. Dr. Reicheneach wird wahrscheinlich selbst nähere 
Mittheilungen über den Hergang liefern. 

(Allgem. Zeitung). 



Quell- An alysen. Trommsdorff che mische üntersuchu ng 
des Alexis -Brunnens, eines neu entdeckten, salinisch- 
k ohlens auren , eisenhaltigen M in e r al w as s er s im Ä^/Ar^?- 
Thale am Harze (Trommsdorff Neues Journ. f. Pharmazie. 
1830. XXI. n. S, 1— 35.). — Trommsdorff chemische Analyse des 
Mineralwassers des Alexis -Bades (ebendas. S. 35—68). — J. 
E. Hereercer die Heilquelle zu Überlingen am Bodensee j eine 
Inaugural-Dissertation (in freiem Auszuge in Kastn. Archiv f. Che- 
mie etc. 1830. n. II. 297—308). — Kastner (und Kinast) über Er- 
langens Bohrbrunnen (ebendas. S. 288—297). 



Einige 

geologische Erscheinungen in der Gegend 
um Meissen 

geschildert 

von 

Leonhard. 



(Hiezu die Tafeln III und IV.) 



Im Herbste des Jahres 1833 unternahm ich einen Aus- 
flug durch Frankerif Baiern, Böhmen und Sachsen. Er ver- 
schaffte mir die erwünschte Gelegenheit, mich mit vielen 
dortländischen wichtigen , belehrenden und interessanten 
geognostisch-geologischen Erscheinungen durch Selbst-Ansicht 
vertraut zu machen. Haupt- Absicht meiner Reise waren aller- 
dings die körnigen Kalke der Gegend von Wunsiedel unfern Bai' 
reuth. Ich wollte an Ort und Stelle sehen — denn so manche lehr- 
reiche Mittheilungen, mündliche und schriftliche, waren mir 
früher durch die zuvorkommende Gefälligkeit der Herrn 
Grafen von Münster, F. C. Fikenscher, Rentamtmann Bra- 
ter und anderer dortländischen Freunde der Wissenschaft 
geworden — ich wollte durch eigenes Anschauen mich über- 
zeugen, sage ich^ in wiefern diese und jene Thatsachen, 
Jahrgang 1834. 9 



— 128 — 

welche ich, ala mit dem Auftreten des körnigen Kalkes, 
desi ehemals sogenannten ürkalkes verbunden, neuerdings 
bei Auerbach an der Bergstrasse zu beobachten Gelegenheit 
hatte *), auch um Wunsiedel sich bestätigt fänden, wo die 
Felsart in so schöner Entwickelung vorhanden, und an vielen 
Stellen ihrer Verbreitung dui-ch bedeutende Steinbrüche auf- 
geschlossen ist. Nun will ich zwar keineswegs gegenwärtig 
in eine Darlegung von dem in Betreff des körnigen Kalkes 
Wahrgenommenen eingehen; diess behalte ich mir für eine 
umfassendere Arbeit vor, welche mich seit mehreren Jahren 
beschäftigt. Aber die Bemerkung sey mir gestattet, dass 
die Beziehungen, unter denen der Baireuther Kalk gefunden 
wird, mit den von mir über dessen Ursprung gefassten An- 
sichten nicht nur nicht im Widerspruche stehen , sondern 
dass sich mir vielmehr weitere und sehr werthvolle Beweise 
für jene Meinung dargeboten haben. — Noch ehe wir Wim" 
siedel erreichten , waren die Gegenden um Sireitberg und 
Muggendorf, mit ihren ausgezeichneten Jurakalk- und Dolo- 
mit-Bildungen, und mit den schönen Grotten, Gegenstände 
der Untersuchung, und Baireuth wird kein Geognost durch- 
reisen, ohne sich den Genuss der Ansicht jener seltenen 
Schätze zu verschaffen, welche Herr Graf von Münster be- 
sitzt. Es nimmt diese Petrefakten-Sammlung, was Vollstän- 
digkeit, Ausgezeichnetes fast eines jeden Exemplars betrifft, 
so wie das Belehrende, ohne Widerrede unter denen, welche 
sich in den Händen von Privaten befinden, gegenwärtig die 
erste Stelle ein, ja sie möchte, mit Ausnahme des Reichthums 
an Knochen-Resten im Museum zu Darmstadt, selbst allen öffent- 
lichen Kabinetten den Rang streitig machen. Von Baireuth führ- 
te unser Weg, nachdem wir, wie gesagt, die Wunsiedeler Gegend 
besucht, auch ^ev Luisen- oder Luwburg unfern Alexanderbad im 
Fichtelgebirge, um ihrer merkwürdigen Haufwerke kolossaler 
Granit-Blöcke willen, einen Vormittag gewidmet hatten, über 
Hof und Falkenau nach Eger. In der ersten der genannten 



•) Jahrb. d. Min. 183J. S. 312 flf. 



— 129 - 

Städte besitzt Herr Rentamtmann Brater eine ungemein schöne 
oryktognostisehe und geognostische Sammlung — welche na- 
mentlich die Erzeugnisse dieser Gegend von Baiern in selte- 
ner Vollständigkeit und Schönheit aufzuweisen hat — und in 
FaUienau trifft man die, an Böhmischen Mineral-Produkten 
sehr reiche, Sammlung des Herrn Justitiar Loessl. Die 
nächste Umgebung von Falhenau verdient um der Erdbrand- 
Erzeugnisse willen, und wegen der manchfachen mit ihi-em 
Auftreten verbundenen Phänomene, die Aufmerksamkeit 
reisender Geognosten. In nicht bedeutender Entfernung fin- 
den sich, am berühmten Kammerberge oder Kammerbühl bei 
Eger, die interessanten vulkanischen Erscheinungen, welche, 
in sehr verschiedenen Zeiten, bald aus diesem, bald aus jenem 
wissenschaftlichen Standpunkte, von Born, Reuss, Göthe, 
CoTTA d. V. u. A. geschildert wurden *). In Karlsbad — 



') Herr Oberforstrath Cotta beschäftigte sich, als ich bei ihm in Tha- 
randt war, mit einer Arbeit über den Kamnierberg. Ich glaube 
nicht, dass irgend einer seiner Vorgänger die denkwürdige Stelle 
genauer und öfter durchforschte; seine Mittheilungen — die kleine 
Schrift soll den Titel führen: der Kammerbiihl nach wiederholten 
Untersuchungen aufs neue beschrieben von H. Cotta — werden 
darum als das am meisten Genügende zu betrachten seyn, — Das 
Resultat dieser anziehenden Forschungen ist: „dass der Vulkan 
bei Eger unter Wasser ausgebrochen sey, und die Eruptions-Pro- 
dukte von den, sanft nach Osten strömenden, Flutheu als wech- 
selnde Schichten abgelagert worden, wie man diess auf der Süd» 
ostseite des Hügels im grossen Bruche deutlich au den geschich- 
teten Schlacken sehen kann. An der Westseite steht basaltische 
Lava an." In Tharandt sieht man eine ungemein vollständige 
und sehr lehrreiche Sammlung der verschiedenartigen Erzeugnisse 
des Kammerbühls. Unter den CoTTA'schen Schätzen verdienen 
die schlackigen Auswürflinge, die Boraben, weichein 
geringeren und höheren Graden veränderte Glimmerschiefer- und 
Quarz -Stücke umschliessen, besondere Beachtung, ferner die 
Glimmerschiefer-Fragmente mit verglaster Oberflä- 
che (sie sind von den, vor uns liegenden, Vesuvischen Auswürf- 
lingen ähnlicher Art nicht zu unterscheiden), endlich die unver- 
kennbaren Bimsstein-Brocken t). 



(t IniAugenblicke, als diese Blätter dem Setzer übergeben werden sollten, erhalte 
ich die CoTTA'scbe Druckschrift. Mächte solche recht bald in den Häadea vieler 

9 * 



— 130 ^ 

dessen wondcrsamer Sprudel allein eine weite Reise lohnt, 
aaeh wenn man nicht hierher kommt, nra der Hygiea zu 
huldigen — war mein Aufenthalt von zu beschränkter Dauer, 
auch die Witterung keineswegs günstig; ich vermag darum 
nicht zu sagen, in wiefern die dortigen Granite Thatsachen 
wahrnehmen lassen, weiche den von mir in den letzteren 
Jahren an den gleichnamigen Fels-Gebilden um Heidelberg, 
und «n einigen Punkten des nachbarlichen Odenwaldes auf- 
gefundenen entsprächen; d. h. ob Granite aus verschiedenen 
Alters-Perioden neben und mit einander unter so lehrreichen 
Beziehungen vorkommen. Was ich zunächst um Karlsbad 
sah, lässt sich mit den Phänomenen am Neckar nicht ver- 
gleichen. In Elbogen, wo die Karlsbader Granite vorzüglich 
schön aufgeschlossen seyn sollen, konnte ich, leider ! nicht 
V0rweilen. — Bei Teplüz wurde der Schlossberg bestiegen. 
Ich erachte, unter den mir bekannt gewordenen Umgebun- 
gen des berühmten Badeortes, diese Stelle für besonders be- 
lehrend, wegen der Durchbrüche von Feldstein-Porphyr und 
von Phonolith durch die Kreide- (Plänerkalk-) Ablagerungen. 
An der unmittelbaren Grenze der kalkigen Formation und 
des Phonoliths namentlich sieht man an mehreren Punkten 
sehr deutlich die Störungen, welche die neptunischen Ge- 
bilde durch vulkaiiische Auftreibungen erlitten, und nicht 
minder augenfällig zeigen sich die Änderungen in der Ge- 
stein-Beschaffenheit des Pläners; die Felsart erscheint er- 
härtet, umgewandelt, klingend, oft wie Erz. Dabei ist 
an solchen Stellen der Boden übersät mit Blöcken, zum 
Theil gross, wie anstehende Felsen, von in geringeren und 
höheren Graden umgewandeltem, hin und wieder augenfällig 
gefrittetem Sandstein, wohl ohne Zweifel vom Grün- oder 



Freunde der Wissenschaft seyn. Der würdige Verfasser bestimmte seine Abhand- 
lung zunächst für die Badegäste von Franxenhrunn, welche oft die sonderbarsten 
Ansichten über den Kammerberg mit sich herumtragen, die sie, ohne ausführ- 
liche Widerlegung, nicht aufzugeben geneigt seyn dürften ; aber die umfassende 
Entwiekelung, in welche C. sich einliess, wird auch gar manchen Andern zu Nutzen 
nnd Frommen gereichen, welche, was die Basalt • Genese betrifft, noch an 
Hydropiiie Uiden. 



/ — 131 — 

Öuader-Sandsteln 5 der Unterlage des Plänera abgerissene 
und gewaltsam emporgeschleuderte Trümmer. In der „Säch- 
sischen Schweitz^^ — so ausgezeichnet und mit gutem Grunde 
berühmt durch die herrlichen Formen ihres Sandsteines, 
durch die malerisch schönen Gegenden und Aussichten — 
zogen uns die Umgebungen von Schandau zunächst an. Herr 
Bergamts-Assessor Haering von Freiberg^ dessen persönliche 
Bekanntschaft ich in Teplitz machte, hatte die Güte, un- 
sere Aufmerksamheit einigen Punkten jener Gegend zuzu- 
wenden. An der Ostrauer Mühle, dicht am Wege, welcher, 
längs des linken Ufers von dem in die Elbe sich crgiessen- 
denÄ'em^ÄCÄ -Bache, nach der unter dem Namen des Kuhstalles 
so bekannten offenen Grotte führt, sieht man, wie in un- 
mittelbarer Nähe des Granites und des Grün- oder öuader- 
Sandsteines die Schichten der letztern Felsart gestört und 
mitunter wahrhaft zerrissen worden. An einer Stelle, nicht 
fern von der Mühle , tritt Granit sehr deutlich aus dem 
Sandstein hervor. Die Schichten des neptunischen Ge- 
bildes fallen der plutonischen Masse zu, und ihre Windun- 
gen, die in der Tiefe nicht unbedeutend sind, nehmen gegen 
oben allmählich ab. (S. Fig. .5. auf Taf. IV). Ähnliche Er- 
scheinungen sahen wir noch an mehreren Punkten der Säch" 
sischen Schweüz; was aber die Ostrauer Mühle besonders 
denkwürdig macht, das sind die Reibungs- oder Rutsch-Flä- 
chen — Spiegel, Harnische — welche der Sandstein da zeigt, 
wo der aufsteigende Granit durch ihn gewaltsam emporge- 
stiegen. Der Sandstein, welcher in solchen Fällen zugleich 
auffallend härter geworden — am härtsten in unmittelbarer 
Berührung mit dem Granite, so dass man das Phänomen er- 
littener Umwandelung in mannichfaltigen Abstufungen ver- 
folgen, eine gradweise Wirkung deutlich erkennen, und die 
belehrendsten Handstücke sammlen kann — stellt sich wie 
polirt dar, theils mit Längsstreifen in der Richtung, in wel- 
cher die Granite aufstiegen. Die granitische Grenze ist 
auch oberflächlich (c, c) durch sehr wasserreiche Schluch- 
ten zu erkennen. — Besondere Auszeichnung erlangte der 



— 132 — 

Grün-Sandstein der Gegend von Schandau durch die in ihm 
hin und wieder, und selbst in gewisser Häufigkeit, enthal- 
tenen Versteinerungen. Ich erwähne, ausser Ostrea ca- 
rinata Sow., Lam., Brongn., Exogyracolumba (Gry- 
phaea columba, Lam.)? Pecten aequicostatus, 
Lam., besonders des Catillus latus Lam., von welchen 
ich ein seltenes Pracht-Exemplar, zu erwerben Gelegenheit 
fand. 

Eine andere höchst denkwürdige Stelle der Schandauer 
Gegend ist ffohenstein, wo, wie bekannt, der Granit über 
Jurakalk gelagert erscheint, welcher auf Öuader-Sandstein 
rnht. Weiss hat uns eine genaue Schilderung von diesem 
wichtigen Orte geliefert *). Die Verhältnisse des Granits 
gegen den Grün-Sandstein sind, nach Beobachtungen von 
B. CoTTA, zwischen Lohnten unfern Pirna und Taubitz in 
Böhmen durchaus die nämlichen: Überlagerungen des Gra- 
nits über dem Sandstein, und Einlagerungen von Gliedern 
der Jura-Formation zwischen beiden. Die Durchschnitts- 
Zeichnungen Fig. 1, 2, 3 und 4 auf Taf. IIL stellen jene 
Beziehungen in der Nähe von Hohenstein auf das Deutlich- 
ste dar, und allen liegen bergmännische Arbeiten zum 
Grund, so dass die Angaben vollen Glauben verdienen. Die 
Verhältnisse, wie man solche in Fig. 1 sieht, wurden durch 
die Versuchs-Rösche im Kohlicht aufgeschlossen, jene in 
Fig. 2, durch die Versuchs-Rösche im Schietza-GvAhen'^ was 
die Fig. 3 und 4 zeigen, ist ostwärts von Hohenstein wahr- 
zunehmen, die erste Stelle liegt 1 Stunde entfernt, die zweite 
nur f Stunden **). Ahnlich im Ganzen sieht man auch die 
Beziehungen zwischen Granit, Jura-Gebilden und Grünsand- 
stein in einem unterirdischen Steinbruche, welchen ein Pri- 
vatmann ganz in der Nähe von Hohenstein betreiben lässt. 



*) Karsten, Archiv für Bergb. XVI. B. S. 10 ff. 

**) Hr. Dr. Cotta hatte die grosse Gefälligkeit, die Aufnahme für 
mich an Ort und Stelle zu machen. 



— 1S3 — 

Hie* treten die Kalksteine reiner und mächtiger auf, und 
enthalten sehr viele Versteinerungen. — Was die im Jura- 
kalke dieser denkwürdigen Stelle eingeschlossenen fossilen 
Reste betrifft, so beziehe ich mich auf den Ausspruch des 
Herrn Grafen von Münster. Er sagt in einem unter dem 
12. Dezember 1833 an Herrn Professor Bronn erlassenen 
Schreiben: 

„Nachdem ich schon im September 1829 für den VII. 
Bd. von KEFERsTErN's Deutschland die Versteinerungen im 
Jurakalke von Höllenstein aufgezeichnet, hatte ich Gelegen- 
heit, noch mehrere derselben zu erhalten und im Septem- 
ber d. J. viele in der ausgezeichneten Sammlung Cotta'3 
zu Tharandt, und der Lokal-Sammlung des kürzlich ver- 
stoi'benen Barons von Odeleben, zu untersuchen, wodurch 
ich in meiner früheren Ansicht im Allgemeinen zwar be- 
stärkt Worden bin; nur dass ich jene Schichten jetzt nicht 
mehr den untersten Lagen der eigentlichen Jura-Forma- 
tion, dem Under oder Inferior Oolite der Engländer 
allein, sondernden unteren und mittleren Lagen der 
Jura-For mation zuschreibe. Das Bruchstück von Pla- 
giö Stoma, welches Sie von da besitzen, würde sich, wenn 
es vollständiger w^äre, wahrscheinlich als von PI. cardii- 
forrais Sow. Taf. 114, Fig. 3 aus dem Great Oolite Eng- 
lands (und dem hiesigen dichten Jurakalke) erkennen las- 
sen: Ich habe diese Art wenigstens in Odeleben's Samm- 
lung gefunden. Sie ist den P. spinosum sehr ähnlich. 
Das Verzeichniss der Versteinerungen würde, wie folgt, zu 
vervollständigen seyn. 

1. Ammonites planulatus v. Sohl, *). 

2. -^ bipunctatus v. Sohl. (A. biarmatus Sow. -f- 
A. longispinus Sow. Tab. 501, Fig. 2, wovon die 
erste Form im untern Oolith , die zweite im dichten 



*) Besitze ich ebenfalls von diesem Fundorte. Bronn. 



- 134 - 

• 
Jurakalk vorkommt. Auch A» bispinosus Zibt. 

Tab. XVI. Fig. 4). 

3. Ammonites Parkinsonii Sow. 

4. — annularis Rein. Tab. VI, Fig. 56 (Ziet. Tab. X. 
Fig. 10.), welcher häufig im Oxford-clay von Raberf 
sfeirij Thurnau, Langheinty Utzing und im Württembergi- 
schen bei Gammelshausen vorkommt. 

5. — coronatusv. Sohl., vrelcher in Baiern in dich- 
tem Jurakalke, immer in Oxford-clay und unterem Ooli- 
the, ebenso im untern Oolithe, aber kaum im Lias 
Württembergs vorkommt, wo ihn Zieten anführt. 

6. Terebratula bicanaliculata v. Schl. (T. biplicata 

Sow. Tab. 437, Fig. 3.) Ziet. (Tab. 40. Fig. 5. var.), 
auch im untern Oolith und dichten Jurakalke Württemr 
hergs und Baierns, Eine sehr ähnliche Art, die aber 
stets kleiner bleibt, weit stärkere und tiefere Falten 
hat und nie in vorige übergeht, findet sich in der 
Kreide - Formation von Neufchatel und im Greensand 
Englands *). 

7. — bisuffarcinata v. Sohl. Ziet. Tab. 40, Fig. 3. 
(T. perovalis Sow. Taf. 436, Fig. 3), findet sich 
sonst auch in der obern und untern Jura-Formation 
Nord- und Süd-Deutschlands und im ünder Oolite 



8. — cornuta Sow. Taf. 446, Fig. 4. Im Jurakalk 
Baierns und im Great Oolite Englands. 

9. — plicatella Sow. Taf. 503. Fig. 1. In den unteren 
und mittleren Lagen des Jurakalkes in Baiern und im 
Inferior Oolite von England, 

10. '— trilobata Münst. Ziet. Taf. 42, Fig. 3. Im obern 
Jurakalk Baierns^ und im Jurakalk und Oxford-clay 



*) Diese Art aus Englischem Grünsande, die sich auch zn Essen 
wiederfindet, kommt viel besser mit der in Württembergs und 
Baierns Jurakalke gewöhnlichen Form, so wie mit jener von Uo- 
henstein, als mit der NeufcJiateler überein. BRonir. 



— 135 — 

11. Terebratula inconstans Sow. Taf. 276, Fig. 8, 4, 
(T. dissimilis v. Schl, und T. difformis Ziet. 
Taf. 42j Fig. 2). Im Jurakalk Baierns und Württem- 
bergs, und im Oxford-day Englands. 

12. Gryphaea gigantea Sow. Taf. 391. Im Iron shot 
oder Inferior Oolite Englands, 

13. Trigonia costata v. Schl., Sow. Taf. 85, Ziet. 
Taf. 58, Fig. 5, Im untern Oolithe Baierns, Würt^ 
iemhergs, Englands, und im schwarzen Jurakalk der 
Weser-Kette. 

14. — Clav eil ata SoW. Taf. 87, Ziet. Taf. 58, Fig. 3. Im 
untern Oolith Baierns, Württemhbergs und Englands. 

15. Pholadomya acuticostata Sow. Taf. 546, Fig. 

1, 2. Im schwarzen Jurakalk der Weser-Kette bei 
Luhheke und bei Brora in Yorhshire} dann zu StO' 
nesfield. 

16. — clathrata Münst. (De la Beche übers, v. Decken 
S. 394). Im mittlem Jurakalk Baierns und Würt- 
tembergs. 

17. Cucullaea oblonga Sow. Taf. 206, Fig. 1, 2. Im 
untern Oolithe Englands und Baierns, 

18. Modiola cuneata Sow. Taf. 211, Fig. 1. Im /«- 

ferior Oolite Englands, Baierns, Württembergs, 

19. Nautilus sinuosus Park. In dichtem Jurakalke 
von Streitberg und Muggendorf, 

20. Trochus speciosus n, sp., in den untern Schich- 
ten des Bairischen Jurakalkes. 

21. Pleurotomaria ornata ? Defr., Ziet. Taf. 35, 
Fig. 5. im untern Oolith von Aalen und Frankreich, 

22. — decussata Münst. n, sp., eben so zu Rabenstein 

und Thurnau. 

23. Cidarites maximus Münst., Goldf. Taf. 39, 

Fig. 1. In den obersten und untersten Lagen der Ju- 
ra-Formation Baierns. 
34. Galerites depreesus Lamk«, Goldf. Taf. 41, Fig. 3. 
Ebendaselbst. 



— 136 — 

25. Zähne und Ganmenstücke einer Sphaerodu s- Art, die 
auch im Jurakalk der Weser-Kette am Olinger Berg 
vorkommen. 
Endlich Serpuliten, Zoophyten, Holz, zum Theil 
rIs Steinkohle u. s. w. *)." 

Unter den vielen, für den Geologen wichtigen, Punk- 
ten der reizenden Umgebungen von Dresden, zog mich be- 
sonders der Plauensche Grund und das Tharandter Thal 
an. Geführt von einem jungen, mir überaus vrerthen 
Freunde, dessen schöne Kenntnisse der Wissenschaft reiche 
Erndte bringen werden, wurde es mir leicht, in der kur- 
zen Zeit M^eniger Tage, mich mit den bedeutendtsten Phäno- 
menen durch eigene Ansicht vertraut zu machen. löh sah, 
geleitet von Dr. B. Cotta: die schönen Gänge von Augit- 
Porphyr in Syenit an der Königs-M.»h\e im Plauen sehen 
Grunde ; den Durchbruch des Augit-Porphyrs zwischen dem 
altern Kohlen-Gebilde und dem Syenit am Sauberge; den 
Feldstein-Porphyr, welcher zwischen dem Weissritz-Thale 
und dem Zeisiggrunde oberhalb Tharandt, durch Gneiss und 
durch Thonschiefer, oder vielmehr an der Grenze beider 
Gesteine emporgestiegen ist **) 5 an der O ber-Mühle wurde 
der sogenannte Kalkofen besucht, wo körniger Kalk un- 
ter besonders Beachtungs - werthen Beziehungen auftritt 
u. s. w, — Ich kann mich, was alle diese interessanten 



*) Ausserdem habe ich noch eine, wie ich glaube, neue schöne Spa- 

tangus-Art von da. Broniv. 

**) Nach Mittheiluugen von B. Cotta hatte ich schon früher (Lehr- 
buch der Geologie, als Beitrag zur Naturgeschichte der drei Rei- 
che, Stuttgart', 1833, S. 181) Gelegenheit, der vpichtigen Erschei- 
nungen zu erwähnen, welche mit dem Auftreten dieses Porphyrs 
verbunden sind. Es wird die plutonische Masse nämlich auf jeder 
Seite von einem Konglomerat begleitet, das bei ihrem Hervortre- 
ten entstanden ist. An der Grenze des Porphyrs und des Thon- 
schiefers sieht, man die Breccie aus Thonschiefer- und Porphyr- 
Bruchstücken zusammengesetzt, gebunden durch porphyritischen 
Teig; längs der Berührung des Porphyrs und des Gneisses aber 
tritt ein Trümmer-Gestein auf, das aus Gneiss-Fragraenten be- 
steht, welche durch Porphyr-Masse verkittet werden. 



— 137 — 

Thatsachen betrifft, um so mehr auf blosse Andeutungen 
beschränken, da wir sehr bald eine umfassende g e o g n o- 
stische Besehreibung der Umgegend von Tharandt 
durch B. Cotta zu erwarten haben. 

Von Dresden wendeten wir uns zunächst nach Wein- 
lökla, um die höchst wichtigen Verhältnisse zwischen Sye- 
nit und Plänerkalk zu sehen, durch deren Auffindung und 
Untersuchung Herr Professor Weiss sich so verdient ge- 
macht *)♦ Endlich gelangten wir zur Stelle, deren nähere 
Schilderung Absicht dieser Mittheilung ist, nämlich nach 
Zscheila (Zscheilau). Man gestatte mir, die einfache Erzäh- 
lung gesehener Phänomene mit Wenigem zu bevorworten. 

Als die Spanischen Bergwerks-Oö'iziere, die Herren 
von EzauERRA, von Amar und von Bauza, in Heidelberg 
verweilten, war Zscheila oft Gegenstand unserer Unterre- 
dungen. Herr von EzauERRA namentlich erzählte mir, wie 
durch einen eben so genauen als unbefangenen Beobachter, 
durch Herrn Prof. C. Naumann von Freiberg, daselbst PI ä- 
nerk alk- Bruch stücke eingeschlossen in Granit 
gefunden worden seyen. Indessen wurde die Sache von 
anderen Seiten her in Zweifel gezogen; man berief sich 
selbst auf eine, aus Sächsischen Mineralogen, Geognosten 
und Bergleuten zusammengesetzte, Kommission, welche, 
nach an Ort und Stelle vorgenommener Untersuchung, der 
Meinung gewesen: es sey der Plänerkalk auf Gangspalten 
in den Granit eingedrungen. — Die Erscheinung, w^ie soI>- 
che Naumann sehr richtig aufgefasst hatte, konnte übrigens 
für den Unbefangenen, nach dem was durch Weiss über 
Weinböhla bekannt geworden, nichts Befremdendes darbie- 
ten ; warder Syenit hei Weinböhla durch Plänerkalk- Ab- 
lagerungen emporgestiegen, und lag nun stellenweise als 
Decke über denselben, so konnte bei Zscheila ebenso gut 
Granit durch jene neptunischen Gebilde aufgedrungen seyn, 

*) Karsten, Archiv f. Bergb. XVI. B. S. 3 ff., und Karüten, Archiv 
f. Min. I. E. S. 155 ff. 



— 138 — 

nnd Brachstficke derselben als Einschlüsse enthalten. Man 
müsste denn, mit den wenigen Anhängern der neptunischen 
Hypothese, die Phänomene unfern Weinhöhla für „Über- 
rollungen des Syenits über den Plänerkalk", 
oder für ,>ü nterwaschungen des Syenits und Ein- 
spülungen des Plänerkalkes" zu betrachten für 
gut finden, und sich auf solche Weise beruhigen. 

Herr von EzauERRA hatte — zur Zeit da er, mit sei- 
nen Landsleuten , geognostisch - petrefaktologischer Studien 
wegen, bei uns in Heidelberg lebte — Zscheüa noch nicht 
selbst gesehen. Ich bat ihn darum als er, dem ausdrückli- 
chen Befehle der Spanischen Regierung gemäss, von hier 
mit seinen Begleitern nach Sachsen zurückkehren musste, 
an Ort und Stelle sich zu begeben, und mir von dem, was 
er sehen würde, Nachricht zu ertheilen. Unter dem 8. 
November 1832 schrieb mir der werthe Freund aus Frei- 
berg : „Sie erhalten anbei ein Bruchstück der Plänerkalk- 
Breccie aus dem Granit mit Terebratula biplicata, 
nnd ein Stück Granit mit einsitzender ähnlicher Breccie, 
beide von Zscheila. An derselben Stelle, wo Herr Prof. 
Naumann im Jahr 1830 die kalkigen Einschlüsse im Granite 
fand. Sah ich ähnliche Erscheinungen vor wenigen Wochen ; 
eines der von mir beobachteten Fragmente misst 2 Leipziger 
Fuss Länge. Am Granit selbst habe ich mehrere deutliche 
Rutsch- (Reibungs-) Flächen wahrgenommen**. 

Meine Reise - Genossen — Professor Kapp, Dr. Cotta 
nnd mein Schwager, Dr. R. Blum — und ich fanden, ob- 
wohl erst nach einer Stunde vergeblichen Suchens, die Stelle ; 
denn sie war uns ganz im Allgemeinen bezeichnet worden, 
als „in der Nähe des Weges, welcher die Kinder vom nahen 
Dorfe zur Schule führt" befindlich. — Am südvrestlichen 
Abhänge der granitischen Höhen , unmittelbar neben dem 
Kirchwege von Nieder-Fehre (oder Fähre\ Meissen gegen- 
über, nach Zscheila, da wo jener Weg in einer kleinen 
Schlucht an dem ziemlich steilen Hügel hinanzieht, welcher 
die Kirche trägt, ist das Phänomen beobachtbar. Ein 



— 139 - 

Blick auf Fig. 1., Taf. IV., wird zureichen, nm dem Leser 
ein Bild von den Umgebungen zu verschaffen *). Die Massen 
des Hügels, die steilen Felsen zur Seite, bestehen aus Granit, 
der, nach allen Merkmalen, zu den Jüngern oder jüngsten 
Abänderungen dieses Gesteines zu gehören scheint. Er ist 
von grobem Korne, sehr reich an Feldspath, der häufig 
mehr oder minder zersetzt und zu Erdigem umgevt'andelt 
ist, und wird hin und wieder von sehr schmalen graniti- 
schen Adern, oder von Feldspath-Schnüren durchzogen, Nur 
an wenigen Stellen neigt sich das granitische Gefüge zum 
Gneiss-artigen. Die Kirche von Zscheila ruht auf Pläner- 
kalk, der zu dieser Höhe durch den emporgestiegenen Granit 
gehoben wurde; auch im Norden der Kirche findet man 
jenes Gestein, und ausserdem, einzeln auf den Feldern um- 
herliegend , grosse Blöcke harten Sandsteins ; dass sie von 
der den Pläner unterteufenden Öuader-Sandstein-Formation 
abstammen, ist sehr glaubhaft. 

Um deutlicher sehen zu können, Hessen wir vor Allem 
die ganze Stelle, den Gegenstand unserer Untersuchung, 
mit Wasser abspülen. Nun zeigten sich, auf unzweideutig- 
ste Weise, mehrere eckige Plänerkalk-Bruchstü- 
cke von verschiedener Grösse im Granit und zwar 
ringsum eingeschlossen; (a, Fig. 1. Tf. IV); nichts erin- 
nerte, auch nur im entferntesten, an Gang-artige Spalten, wel- 
che das kalkige Gebilde durch Infiltration aufgenommen hätten ; 
die Bruchstücke ragten wenig über die granitische Oberflä- 
che hervor, während sie, ich wiederhole es absichtlich, 
nach allen andern Seiten von frischem Granite 
umgeben waren. Dass mit den gewöhnlichen Geräth- 
schaften des reisenden Geognosten hier nichts auszurichten 
sey, weder um die Kalk-Einschlüsse mehr frei zu legen, 
noch weniger um zu Handstücken gelangen zu können, diess 



•) Hr. von Ezquerra entwarf mir die Skizze in einem seiner Briefe; 
ich benutze dieselbe, da sie alle wesentlichere Verhältnisse deut- 
lich darstellt. 



— 140 — 

sahen wir sogleich; es wurden daher am Morgen des fol- 
genden Tages, durch einen Steinbrecher aus Meissen *), zwei 
Schüsse weggethan. Von den Erscheinungen, welche sicht- 
bar wurden, folgt nun ausführliche Rechenschaft **). 

Es boten sich unserem Blicke — nachdem die Stelle 
abermals durch Abspülung mit Wasser gereinigt worden — 
die unteren Hälften von drei Plänerkalk-Bruckstücken im 
festen granitischen Gesteine sitzend dar. (Fig. 2 auf Tafel 
IV). Diese Trümmer — deren grösstes 2 Fuss Länge und 
4 bis 6 Zoll Breite hatte — waren dem Granite in dem Grade 
verbunden, oder vielmehr verschmolzen, dass man mit 
grösster Leichtigkeit Handstücke schlagen konnte, zur Hälfte 
aus Granit, zur Hälfte aus Plänerkalk bestehend. 

Der Kalk der eingeschlossenen Bruchstücke — wie es 
alles Ansehen hat meist von den tiefsten sandigen Lagen 
des Pläners herrührend ***) — enthält Versteinerungen in 
grosser Menge , und nur solche , welche als der Kreide- 
Formation zugehörend bekannt, ja für dieselbe charakte- 
ristisch sind. Mein Kollege Bronn hat die Gefälligkeit ge- 
habt, alle durch mich von Zscheila mitgebrachte, fossile 
Reste enthaltende, Handstacke genau zu untersuchen. Nach- 



*) Ich glaube Mineralogen, welche nach uns die Stelle besuchen 
wollen, keinen unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich den 
Namen des Mannes beifüge, da er die Örtlichkeit genau kennt; 
er heisst Kerst, und ist im Gasthause zum Hirsch in Meissen zu 
erfragen, 

*■••) Wir kamen überein, meine Reise-Gefährten und ich, dass jeder von 
uns, Alles, was ihm Denkwürdiges vorgekommen, aufzeichnen 
solle j die durch mich verfasste Zusammenstellung ist also gewis- 
sermassen als ein Gemeingut zu betrachten, an welchem Dr. Cotta 
wesentlichen Antheil hat, denn von ihm erhielt ich, unmittelbar 
nach meiner Heimkehr eine sehr umfassende schriftliche Mit- 
theilung. 

***) Man unterscheidet beim Sächsischen Pläner, wie bei der Kreide, 
drei Lagen: eine obere mehr thonige, eine mittlere, die am mei- 
sten kalkig ist, und eine untere, die sandige. Becker's Beschrei- 
bung des Plauen'schen Grundes enthält manche genaue, den Plä- 
ner betreflfende Angaben, die verglichen zu werden verdienen. 



- 141 - 

stehend schalte ich seine Äossernng über dieselben wört- 
lich ein. 

„Die Versteinerungen von Zscheila lassen nur schwie- 
rig eine Bestimmung zu, weil sie nicht leicht aus dem Ge- 
steine ausgelösst werden können. Innen enthalten sie eine 
weissliche weiche, Kreide-artige Masse, aussen aber sind 
sie fest mit dem sehr harten, mit vielen Geschieben durch- 
mengten, oft Feuer gebenden Gesteine von grauer , oft et- 
was röthlicher, violetter u. s. w. Farbe verwachsen. Die 
Schalen der Terebrateln und der andern fossilen Körper, 
die Oberfläche ihrer Steinkerne und ihrer Eindrücke, sieht 
man häufig mit einer dünnen Rinde von Eisen-Silikat be- 
kleidet. Was ich von Petrefakten vorgefunden, lässt sich 
jedoch auf folgende Arten zurückführen: 

I. Turitella? 

Drei Kerne von einem verlängerten, Thurm - förmigen 
Konchyle. Einer derselben hat von d^r Spitze an ab- 
wärts O^jOSO Länge auf 0,010 unterer Dicke mit 5 — 6 
Umgängen ; der zweite 0"',023 Länge mit 5 Umgängen ; 
der dritte besitzt nur noch die drei unteren Umgänge mit 
0,020 Länge und 0,015 unterer und 0,010. oberer Dicke. 
Die Umgänge der Kerne sind sehr konvex, im Durch- 
schnitte fast ganz rund. Die der Schale selbst sind es 
fast eben so sehr, da sie durch eine tiefe Furche von 
einander getrennt sind. Das zweite Exemplar allein zeigt 
den Abdruck eines Theiles seiner Oberfläche, welche 
völlig glatt ist. Dieses ungewöhnlichen Charakters unge- 
achtet kann ich eine nähere Bestimmung des Gesclilech- 
tes und der Art nicht wagen. 

II. Trochus. 

Ein Kern, welcher auf 0,025 unterer Breite etwa 0,023 
Höhe bis zur Spitze, besitzt, und 4 sehr plattgedrückte 
Umgänge hat. Der unterste derselben hat einen grossen 
Theil des äusseren Abdruckes der Schale hinterlassen, 
deren Oberfläche fast glatt gewesen zu seyn scheint. Sie 
war ganz flach, an allen Umgängen gleichmässig abfallend, 



— 142 — 

diese nicht durch eine Vertiefung an der Naht getrennt. 
Auch erscheint die Unterseite der Schale des vorletz- 
ten Umganges selbst, welche Spiral-förmig gestreift ist. 
Alle diese Merkmale stimmen völlig mit denen des Tro- 
chilites niloticif ormis Schloth., und nur allein mit 
diesem überein, welcher in der Kreide von Rouen, 
Aachen, Dänemark, Westphalen u. s. w. sehr verbrei- 
tet ist. .dH'i i\i) ...i 

III. Pecten. 

1) Eine Art, welche etwa 0,031 Höhe auf 0,032 Breite, 
neben und unten einen fast Kreis-förmigen, gekerbten 
Umriss, 8 — 9' breite, flachgewölbte, mit je 3 scharfen 
Furchen auf dem Rücken eines jeden und mit ebenso 
vielen in den Zwischenräumen zwischen je zweien der- 
selben besitzt. Auch zeigen sich Spuren von schwa- 
cher Queerstreifung. Diese Art steht dem P. quin- 
quecostatus Sow. nahe, jedoch ist die einzige Klappe 
flacher als dessen untere, und konvexer als dessen obe- 
re Klappe. Es istP. decemcostatus v. Münst. Goldp. 

2) Eine sehr flache und längliche Art scheint nicht sel- 
ten zu seyn, welche bei vollständiger Breite über 40 
feine, aber scharfe, fein gekerbte, strahlige Längen- 
streifen besitzt, zwischen je zweien, von welchen ge- 
wöhnlich noch ein feinerer, ebenfalls gekerbter, befind- 
lich ist. Sonst ist die Schale fast platt, und von ei- 
nem Ohre nichts zu sehen. Die Höhe ist ungefähr 
0,035 auf 0,030 Breite. Diese Art scheint recht wohl 
mit Nilsson's P. serratus aus Schwedischer Kvei^e 
übereinzustimmen. 

3) Eine kleinere Art hat den untern Theil einer ebenfalls 
länglichen, noch feiner gestreiften Klappe zurückge- 
lassen. 

4) Eine andere den Abdruck einer noch länglichem 
Klappe, aber mit gröberer Streifung als Nr. 2. 

IV. Terebratula. 

1) Eine sehr unvollständige, breite, dicke Art mit abge- 



— 143 — 

rundeten Strahlen, welche nach dem, was davon erhalten 
ist, vielleicht mit T. ala Dalm. (T. alata Nils.) ver- 
glichen werden könnte. 
yii2) Terebratula ? octoplicata Sow., die sonst auch 
in Englischer, Französischer, Westphälischer Kreide und 
in Böhmischem Plänerkalk vorkommt. 
3) Eine kleine fast Kugei-förmige Species mit (14) 20—40 
Strahlen und sehr spitzem Schnabel und feiner Schna- 
bel-Öffnung, welche völlig mit meiner T. parvirost- 
ris übereinstimmt, die sonst in der Kreide von 5ocäm/» 
in Westphalen und im Pläner von Strehla bei Dresden 
,ii vorkommt. 

-•i4) Terebratula biplicata Sow. in 2 Abdrücken, die 
sonst auch im Grünsand von Essen in Westphalen und 
in England vorkommt. 
6) Eine glatte Art scheint T. semiglobosa Sow. zu 
seyn, die ausser der Englischen und Französischen 
Kreide auch im Plänerkalk von Strehla bei Dresden 
gefunden worden ist. 

unter diesen fossilen Resten halte ich die Terebra- 
tula bip licata Sow., den Trochilites niloticifor- 
mis V. ScHLOTH., und die Terebratula parvirostris 
für die deutlichsten und bestbestimmten, so dass ich in 
zweifelhaftem Falle sie für genügend halten würde, die Ge- 
birgsart für ein Glied der Kreide-Formation anzusprechen; 
obschon beide Terebratel-Arten viele Ähnlichkeit mit eini- 
gen Arten des Jura-Gebildes besitzen". 

Was die Kalk-Masse betrifft, so ist diese meist unge- 
wöhnlich fest, dicht, zumal in ihren dunkelgrau oder braun- 
gefärbten Theilen. Sehr oft sieht man darin, und stellen- 
weise in grösster Häufigkeit, kleine, lebhaft glasig glänzende 
Quarz-Körner, auch ist der Kalk fast immer durch die be- 
kannten schwärzlich-grünen Punkte und Köi'nchen von Ei- 
sen-Silikat — Grünerde- oder Chlorit-Ähnliches — bezeich- 
net. Dunkelgraue Trümmer des dichten Plänerkalkes , mit 
Jahrgang 1834. 10 



- 144 - 

scharfen Umrissen und mit vielen grünen Punkten liegen, 
Brekzien-artig, in dem lichter gefärbten , an Gruserde- 
Theilchen und an Quarz-Körnern überreichen Planerkalk, 
und in solchen Bruchstücken finden sich zuweilen kleine 
rundliche Parthieen krystallinischen Kalkspafhes und ^eckige 
Quarz -Körner eingeschlossen. Auch Theile reinen glän- 
zenden Feldspathes kommen unter ähnlichen Verhältnis- 
sen vor. 

Der Granit, welcher die Bruchstücke zunächst einschliesst, 
zeigt sich, in der Runde um dieselben^ in höheren und ge- 
ringeren Graden verändert^ teäh ^kenrtt eiiie Itelä imehr, 
bald weniger deutliche, ^ bis 1 Zoll starke Kontakt-Rinde, 
die durch ihre braune, von Eisenoxyd-Hyidrat herrühi'en- 
de Färbung auffallend gegen die übinge gi'anitische Masse 
absticht. An der Grenze sind gewöhnlieh Grünerde-Theil- 
chen in den Granit eingedrungen ; mitunter erscheint derselbe, 
auf einen Zoll weit und mehr, von solchen grünen Punkten 
wie durchsäet. — Die Scheidung beider Gesteine ist theils 
scharf und bestimmt, selbst ziemlich geradlinig, theils aber 
auch höchst ungleich ; das Granitische drang stellenw^eise in 
das Kalkige ein und umgekehrt; beide stellen sich mit ein- 
ander verflochten dar. Kleine Granit-Trümmer j liegen h^n 
und wieder ganz umschlossen in den Plänerkalk-Fragmenten 5 
sie haben in der Regel vielen Kalk-Gehalt in sieh aufgenom- 
men, wie das lebhafte Aufbrausen mit Säuren darthut. Die 
kleinen granitischen oder Feldspath-Adern, von welchen iia 
Vorhergehenden gesagt worden, dass sie die Granit-Masse 
durchziehen, erscheinen an den eingeschlossenen Plänerkalk- 
Stücken bald wie abgeschnitten, bald sind dieselben'mefhrere 
Linien weit in das Kalkige vorgedrungen. 

Ehe wir versuchen, aus den erzählten Thatsachen all- 
gemeine Schlüsse abzuleiten, wie sich solche bei ruhigem 
Nachdenken und Vergleichen darbieten, wird es nothwen- 
dig seyn , einen Blick auf Weinhöhla zu werfen. In den 
dasigen Kalkbrüchen liegt der Syenit augenfällig auf dem 



— 145 — 

Plänerkalk *) ; die Erscheinungen sind im Ganzen dieselben, 
wie solche Weiss, mit der ihm eigenen Klarheit und 
Genauigkeit, beschrieben, einige wenige Thatsachen abge- 
rechnet, welche der vorgeschrittene Steinbruchbau auf- 
gedeckt hat **). 

Im Pläner erkennt man Spuren gewaltsamer Erschüt- 
terungen, welche er erlitten. Nahe beim Syenit ist das 
Gestein von unendlich vielen Reibungs- oder sogenannten 
Rutsch - Flächen durchzogen, welche fast alle gegen Aeß. 
Syenit geneigt sind 5 und ausserdem zeigt sich dasselbe 
durch Spalten getheilt, deren Hangendes in der Regel um 
etwas an dem Liegenden in die Höhe geschoben ist, wie man 
diess, besonders im EcKERschen Steinbruche, an den ab- 
wechselnd mehr und minder mächtigen Schichten und an 
<len Rutsch-Flächen beobachten kann, welche sich auf den 
Klüften finden. Auch diese Klüfte sind gegen den Syenit 
geneigt. Ferner ist, so zumal in dem Königlichen Stein- 
bruche, ungemein deutlich wahrzunehmen, wie Plänerkalk- 
Massen an einander hin und her, und theilweise aufwärts 
geschoben worden (Fig. 3 auf Taf- IV,). Der Syenit, der auf 
dem Plänerkalk liegt, wird an mehreren Stellen von Granit-Gän- 
gen durchsetzt, die fast biossaus Feldspath ujiid öuarz bestehen, 
und offenbar jüngerer Entstehung sind, als der Syenit. An den 
Sahlbändern dieser Gänge — sie haben eine Mächtigkeit 
von li bis 2 Fuss, — sieht man, zumal im I^iegenden, ein 
auffallendes Kontakt-Produkt, meist Eisenoxyd mit einge- 
backenen Stücken des benachbarten Gesteins. Ferner ist 
der Syenit in der Nähe jener Gänge sehr zerrüttet und 
oft in eine Art Reibungs-Konglomerat iiBig0Wfindelt, das aus 



*) Man vergleiche die sehr getreuen bildlichen Darstellung-en, welche 

Hr. Hofrath Carus entworfen und die von Hrn. Prof. Weiss (a. 0. 

a. O. Taf. VI und VII) mitgetheilt worden. 
'"■■') Hr. Prof. PvEiCH zu Freiberg sah — so erzählte man uns in Sach- 

sen — bereits 1818 die Auflagerung des Syenits auf Planer bei 

Weinböhla. 

10* 



— 146 — 

Granit- und Syenit-Tiümraern besteht. Zwischen dem Sye- 
nit ond dem Plänerkalk zeigt sich — besonders deutli«h im 
grossen Bruche neben dem Kunst-Gestänge — ausser dunkel- 
farbigen Thonlagern, ein Trümmer-Gestein, dessen Binde- 
mittel thonige Kalkmassen, und dessen Einschlüsse (um 
nicht Geschiebe zu sagen) gewöhnhch sehr rundliche Gra- 
nitstücke sind, von derselben Beschaffenheit, wie die oben 
beschriebenen granitischen Gänge. Die Granitstücke enthal- 
ten oft Eisenkies in kleinen Krystallen und eingesprengt, 
auch sind dieselben mitunter zerklüftet, und auf den Kluft- 
wänden von Kalkspath- und Bitterspath-Krystallen bedeckt. 
Dieses Konglomerat findet sich nicht nur zwischen Syenit 
und Plänerkalk , sondern auch als Hacken-förmige Masse 
von 5 bis 6 Fuss Länge (Fig. 4 auf Tafel IV.) in den Sye- 
nit hineingedrängt. Zwischen dem Syenit, und dem unter 
ihm liegenden Plänerkalk, erscheint an dieser Stelle eine 
kalkig -bituminöse Schicht — schwarze Lage nennen sie 
die Arbeiter — ; auch dringen hier, wie an andern Orten^ 
wo Syenit und Plänerkalk einander berühren, häufig Quel- 
len hervor. 

Diess waren die Erscheinungen, welche wir bei Wem- 
höhla wahrnahmen. Dr. Cotta, unser Führer, hatte die 
Stelle wenige Wochen früher schon besucht, seinem geübten 
Blicke waren die Thatsachen nicht entgangen , durch ihn 
wurden wir aufmerksam auf die einzelnen Phänomene. Diö 
Stelle, wo die auflPallendsten Störungen im Plänerkalk zu 
sehen war«n, das Geneigts^yn der Reibungs-Flächen gegen 
den Syenit u. s. w., befand sich leider in Abbruch, ajs Will' 
?r"mÄöÄ/ß besuchten*). 

Der oben erwähnten schriftlichen Mittheilung, die von 
uns gemeinschaftlich beobachteten Thatsachen betreffend, 
fügte CoTTA noch einige Bemerkungen bei; sie gehen Phä- 



*) Hr. Prof. C. Naumann sah, seiner mündlichen Äusserung gegen 
Dr. Cotta zu Folge , diese Verhältnisse früher noch um Vieles 
deutlicher. 



— - 147 — 

nomene an, welbhe er an andern, van mir nicht besuchten, Stel*- 
len wahrnahm, verdienen aber jedenfalls mit WeinhÜhla 
und Zscheila im Zusammenhange aufgefasst zu werden. 

„Hinter der Krähenhütte bei Plauen unweit Dresden 
enthält der Plänerkalk, welcher daselbst viele Versteinerun- 
gen fuhrt, eine Menge eckige, zuweilen etwas verwitterte 
Syenit-Bruchstücke." 

„Bei KoschitZy am oberen Rande des rechten Weissritz- 
Gehänges, so wie in der Nähe von Döltschen — beide Orte 
liegen nicht fern von Dresden — findet man, zwischen Plä- 
nerkalk und dem auf Syenit ruhenden Quader -Sandsteine 
eine mächtige Konglomerat-Schicht, deren Bindemittel gegen 
die Tiefe hin sandig, nach oben aber kalkig ist, während 
die Geschiebe derselben nichts Anderes sind, als grosse völ- 
lig abgerundete und oft sehr verwitterte Syenit-Massen *)»" 

„MitdemjE/Äe-Stollen, welcher die ZöMÄerorfer Kohlengru- 
ben lösen soll ■■■■% und mit seinen Lichtlöchern hat man an 
mehreren Orten den Pläner und Quader -Sandstein bis auf 
den Syenit durchfahren, überall aber eine sehr ungestörte 
Auflagerurg, und das grobe Konglomerat — von welchem 
bei Kochitz und Döltschen die Rede gewesen — zwischen 
den Schichten des Sandsteins gefunden." 

Was nua die allgemeinen Schlussfolgen betrifft, zu wel" 
chen die wahrgenommenen Thatsaehen führen, so würde 
aus dem Umstände: 

dass , wie wir gesehen , der Plänerkalk bei 
Weinhöhla durch Syenit überlagert wird, 
und bei dessen Hervorbrechen manchfaltige 
Störungen erlitten hat, dagegen aber b ei P/ßwew 
Syenit-Trümmer im^Plänerkalk vorkoiBr 



*) Schon in Beckers Beschreibung^ des Plauenschen Grundes (T£ II, S. 
8) hat Tauber dieses Konglomerates erwähnt, auch ist dasselbe 
von ihm recht gut beschrieben worden. 
**) Fig. XXVIII. auf Tf. III des, zur geologisch-geognostischen Ab- 
theilung der Naturgeschichte der drei Reiche gehörigen, Atlasses 
stellt den Eibe-StoWen im Profil dar. 



— 148 — 

men, unfern Koschitz und Döltschen auch das 
letztere Gestein dem erstem aufgelagert ist — 
eine Thatsache, die durch die bergmännischen 
Arbeiten bei Zaukero de bestätigt worden, 

der sonderbare Widerspruch sich ergeben, dass der 
Syenit der Gegend von Dresden auf der einen 
ElbeSei te j ü n ger als Plänerkalk sey, während 
derselbe auf dem anderen Stromnfer dem Qua- 
der- Sand stein im Alter voranginge. Al- 
lein dieser Widerspruch ist nur scheinbar. Berück- 
sichtigen wir nun : 

die Granit-Gänge, welche den Weinböh- 
laer Syenit durchsetzen, sowie die Konglo- 
merate, vondenen oben gesagt wor d en, dass sie 
zwischen Syenit und Plänerkalk auftreten, 
und beachten wir sämmtliche mit beiden That- 
sachen verbundene Erscheinungen; 

rufen wir uns alle bei Zscheila wahrgenom- 
menen Phänomene ins Gedächtniss zurück , und fügen 
dem noch bei, dass man : 

an den Felsen, welche sich links neben der 
Strasse von Meissen nach Dresden gleich 
oberhalb Nie der f ehre erheben, im Syenit— der 
weiterhin eine sehr scharfe Grenze gegen Porphyr zeigt — 
mehrere Granit-Gänge aufsetzen sieht, deren 
Masse zunächst jener vergleichbar ist, wel- 
che die Gänge im Syenit bei Weinb'ö hla bil- 
det *) ; so vereinigen sich alle einzelnen Beobachtungen zu 
einem schönen Ganzen, und diess um so mehr, wenn auch 
die, im Vorhergehenden berührten, Verhältnisse 
bei Hohenstein — die Überlagerung von Jura- 
kalk durch Granit — mit in den Bereich der aufzu- 
stellenden Schlussfolgen gezogen werden. 



*) Nur scheinen, so weit Beobachtung möglich, in der Nähe von Meis- 
sen die granitischen Gänge auf den Syenit weniger störend ein- 
gewirkt XU haben, als diess um Weinhöhla der Fall gewesen. 



— 149 — 

Die sehr wahrscheinlichen, bei genauer Betrachtung 
sich ergebenden, Haupt-Resultate wären folgende: 
.;. I. In der Gegend um Dresden und Meissen sind die 
Glieder der Kreide-Gruppe — Grün- oder Quader-Sand- 
stein und Plänerkalk — jüngerer E n tstehung, als 
der Syenit, denn sie erscheinen diesem plutonischen Gebil- 
■de , und stellenweise sehr regelmässig, aufgelagert. Diess 
ergibt sich: 

1. aus den lehrreichen Aufschlüssen, welche der Elbe- 
StoUen dargeboten; Plänerkalk und Quader - Sandstein 
wurden m lange^törter Auflagerung über Syenit ge- 
funden I , 
%.. a.m Äßn Verhältnissen um KoßcMlz und DoUschen^ wo 
jeueneptunischen Fc^rmationen von ihrer plutonischen Un- 
terlage durch eine Konglomerat - Schicht getrennt wer- 
dcBi, deren uns bekannten Beziehungen darthun, dass 
PJänierkalk und Quader-Sandstein über den vorhandenen 
Syenit abgesetzt worden; auch sprecheij dafür: 
3. die syenitischen Bruchstücke, welche der Plänerkalk 
bei Plcmen in sich aufgenommen hat. 
Ili .Jener Granit hingegen, welcher bei Zscheila Vlü- 
nei*kalk - Fraguiente umschliesst^ der bei Nieder -Fehre und 
bei Weinböhla Gänge im Syenit bildei;, endlich der Granit, 
von dem der Jurakalk bei Hohenstein über den Quader- 
Sandstein gehoben worden, ist jünger, nicht nur im Ver- 
gleich zum Syenit, sondern auch was den Quader- oder 
Grün -Sandstein und den Plänerkalk betrifft. Es erscheint 
mithin als sehr glaubhaft, 

III. dass dieser jüngere Granit bei Weinböhla den 
Syenit ebenso über den Plänerkalk geschoben habe, wie 
der Jurakalk bei Hohenstein von ihm über den Quader- 
Sandstejin getragen worden seyn dürfte. Die geringe Mäch- 
tigkeit der Granit-Gänge im Syenit bei Weinböhla' j wie wir 
solche oben angegeben, widei'streitet dieser Ansichff keines- 
wegs; jene Gänge sind nur Verzweigungen sehr mächtiger 
Granit-Massen, welche in grösserer Tiefe ihren Sitz haben» 



— 150 — 

IV. Hin und wieder ist der Granit 5 wie wir wissen^ 
in Bomben - Form in den Plänerkalk eingedrungen, um sieh 
mit ihm zu einem Konglomerate zu vereinigen iWeinbÖhla.'), 

V. Einzelne Plänerkalk-Bruchstücke sanken durch Zu- 
fall ziemlich tief in die granitischen Massen; dass es deren 
so weit die gegenwärtigen Beobachtungen reichen, nur we- 
nige sind, darf nicht befremden, denn das Kalkige war 
spezifisch leichter, als der feuerig-flüssige Granit. Jene Trüm- 
mer schmolzen fest mit dem sie umgebenden Granit zusam- 
men ; dabei konnten einzelne Theile des Kalksteines zu 
Kalkspath umgewandelt werden *), während das Ganze 
seiner Masse an Härte bedeutend zunahm; einzelne krystal- 
linische Feldspath-Parthieen und zahlreiche öuarz- Körner 

drangen in das Kalkige vor, mit einem Worte : es traten al- 
le die Erscheinungen ein, welche wir geschildert, wie wir 
solche bei Zscheila zu sehen Gelegenheit hatten, und wie 
eine Folge ausgewählter Handstücke zeigt, die wir an Ort 
und Stelle aufnahmen. 

VI. Auch die Gegenwart der Blöcke festen Sandsteins, 
von denen gesagt worden, dass man sie im Norden der Zschei- 
laer Kiinihe einzeln umherliegend finde , erklärt sich leicht, 
wenn man den in ihrer Nähe anstehenden Granit für jün- 
ger erkennt, als den Quader-Sandstein. 



Zum Schlüsse noch eine Bemerkung von Cotta. Die 
Verbreitung des Granits, welchem wir einen neuen Ursprung 
zuschreiben, ist ungefähr dem Elbe-Thale parallel; es dürfte 
daher die Emportreibung desselben wohl mit der Bildung 
jenes Thaies im unmittelbaren Zusammenhange stehen. 



") Man vergleiche, was ich über ähnliche Umwandelungen durch Ein- 
wirkungen basaltischer Gebilde in meiner Schrift über die Basalte, 
I. Abtheil;, S. 2*8 ff. mit ziemlicher Evidenz dargethan zu haben 
glaube. 



über 
das erste Lebensalter der Erde *) 

von 

Herrn Professor Christun Kapp. 



„Es hiesse den hSheren Zweck eines wissenschaftlichen Er- 
„kennens, einer philosophischen Naturbetrachtung ver- 
„fehlen, wenn man sich mit den Einzelheiten sinnlicher 
„Anschauung, mit der rohen Anhäufung ausschliesslich 
„sogenannter Thatsachen (des Wahrgenommenen, Ver- 
„suchten und Erfahrenen) begnügte, und, so die Einheit 
„der Natur verkennend, nicht das Allgemeine und We- 
„sentliche in den Erscheinungen vorzugsweise zu 
«erforschen suchte." 

Worte Alexander's v. Humboldt. 
(Abhandl. lierlineT Akad. 1827. 3, Jul. S. 295. ff. mit 
S. 305 f.) 



Die Entstehung und Ausbreitung de» Menschenge- 
schlechts auf der Erde, der Anfang der Geschichte, 
ohne dessen Verständniss keine wissenschaftliche Geschichte 
möglich ist, bleibt ein Räthsel, wenn uns die verschiedenen 
Stufen und Wege verborgen sind, auf welchen die Oberflä- 
che und Rinde des Planeten^ den wir bewohnen, ihre ge- 
genwärtige Gestalt und Ausbildung gewonnen. Die Reste 



*) Dieser Versuch einer neuen Lösung des Räthsels der Geogonie 
bildet den Vorläufer einer kritischen Abhandlung über Ex.ie de 
Beaumont's, J. Thurmann's und Anderer Ansichten von den ver- 
schiedenen Erhebungs-Epochen der bekanntesten Gebirgs-Systeme. 



— 152 — 

organischen LeJ)ens, die sie enthält, die Folge der Pflanzen- 
und Thierarten, die wir in den verschiedenen Schichten der 
Erdrinde in mehr oder minder deutlichen Überbleibseln 
wahrnehmen, die Beständigkeit dieser Folge selbst da, wo 
die Symmetrie der einzelnen Reihen durch gleichzeitiges Auf- 
treten sehr verschiedenartiger, höher und tiefer stehender 
Organismen gefährdet *) scheint, so wie die Beständigkeit 
der Aufeinander-Folge verschiedener Felsarten unter allen 
Zonen, vorzüglich das sogenannte abnorme Auftreten jener 
massigen oder plutonischen Gebilde, die in verschiedenen 
Epochen auf ähnliche Art aufgestiegen. Alles dieses weckt 
das Interesse des denkenden Menschen und lässt ihn, bil- 
dend, in der heutigen Physiognomie der Erde und ihrer 
Ceschöpfe das Resultat von Ereignissen ahnen, deren gesetz- 
mässige Folge die belebte und beruhigte Weltgestalt ist, die 
ihm heute vor Augen liegt. Die Gesetze, unter denen diese 
Welt der Manchfaltigkeit sich entwickelte, zeigen sich in 
der Allgemeinheit, in der sie Alles durchdringen, höchst 
einfach und lassen das Band aller Dinge erkennen, welches 
den Reichthum des Weltalls in ewiger Harmonie erhält und 
selbst da sich offenbart, xyo dem Auge, das gerne auf vor- 
übergehenden Erscheinungen weilt und ruht, die Ordnung 
einzelner Weltkörper auf Augenblicke gestört erscheint. 

Wie nach Alexander von Humboldt jedes Bestreben 
des Menschen nach einem wissenschaftlichen Begreifen 
von Natur-Erscheinungen sein höehstes Ziel nur in dem 
klaren Erkennen unserer eigenen Natur erreicht**), so for- 
dern, auch umgekehrt, gleich die ältesten, meist mythischen 
Spuren vom Anfang des Menschen-Geschlechtes J^den auf, 
über die älteren Geschöpfe, über die Arten, die erst nach 
der Entstehung des Menschen oder schon vor derselbe» 
von der Erde verschwunden , sich zu verständigen. Die 
Frage nach der Schöpfung des Menschen schliesst sich dem- 



*) Vgl. Lyell'« Geologie. B. I. 

Äbhandl. Berlm. Akad. d. 3. Jul. 1827. S. 315. 



— 153 — 

nach an die Frage nach dem Untergang anderer Geschöpfe 
an, und diese steht in der innigsten Beziehung mit der Frage 
nach der Bildung der Schichten, die uns die Hieroglyphen 
dieser Vergangenheit in organischen Resten aufbewahren. 

Je tiefer man in die Betrachtung dieser Vei*hältnisse 
eingeht, desto bestimmter dürfte man auf die Ansicht geführt 
werden, dass der Untergang solcher Organismen 
meist auf demselben Grunde beruht, aus dem 
die Bildung der Schichten hervorging, in w^el- 
chen sich Reste von ihnen finden, ohne die wir 
nur eine hypothetische Gewissheit von ihrem vormaligen 
Daseyn haben würden* 

Man wird daher diesen Untergang, wie die Schöpfung 
neuer Reihen, als Folge tiefer Prozesse betrachten müs- 
sen und das Lebensziel ganzer Gattungen in den Gren- 
zen der grossen Epochen suchen , in welchen auch die 
Wärme der Erdoberfläche grosse Veränderungen erlitten 
hat, die- den Untergang solcher Natui'bildungen durch Zer- 
störung ihres Lebens-Prinzips, nicht bloss durch die 
mechanischen Ursachen des Stosses und Druckes erschütter- 
ter Gebirgs-Massen und Meere herbeigeführt. (Tod und 
Leben ganzer Systeme der höheren organischen Schö- 
pfung gehen nie von untergeordneten, bloss oberflächlichen 
Bewegungen — nie von irgend einer nur einzelnen, 
wenn auch noch so hoch stehenden Kraft der Erde aus) *). 

Wenn wir daher vor Allem auf die Geschichte der 
Wärme unserer Erde und ihrer Oberfläche aufmerksam 
machten, so geschah diess nicht darum, dass wir, wie man- 
che Naturforscher und Dichter gethan , in der alleinigen 
Wärme das belebende Prinzip der Erde suchen: vielmehr 



*) Wir erinnern an Treviranus und Anderer bekannte Ansichten 
über den Lebens-Zyklus gewisser Thiergeschlechter. Denn diese An- 
sichten sind der Sache nach begründet, wenn sie gleich in der 
Form, in der sie gegeben und in andere, selbst in universal-histo- 
rische Werke (z. B. Schlosser'«) aufgenommen wurden, nicht be- 
sonders haltbar erscheinen. 



^ 154 — 

wirkt deren ganze Natur belebend. In einer alleinigen 
Wärme würde Alles in Fäulniss und Auflösung verschwin- 
den; ja, eine solche Wärme selbst wäre an sich undenkbar. 

Die Natur konnte im grossen Ganzen unseres Planeten 
nie einseitig nur Eine Lebensquelle herauskehren. Wärme 
ohne Kälte lässt sich schon nicht denken. Wo man aber 
im grossen Ganzen der Natur eines Planeten, und des Welt- 
systems, mit dem er zugleich entstanden, Wärme und 
Kälte, da muss man auch, will man nicht aller gesunden 
Theorie und Erfahrung spotten, Licht und Finster niss, 
Schwere und Ausdehnung *), magnetische, elek- 
trische und chemische Kräfte als gleich alt 
denken. Denn diese Momente sind die grossen Kategorien 
der unorganisch-lebendigen Natur, und von ihnen kann keine 
ohne die andere gedacht werden **). 

Die Wärme mussten wir hervorheben, um auf dem 
Grunde der Thatsachen , deren Feststellung der neueren 
Geologie vorbehalten war ***)j darauf hinzuweisen, dass der 
älteste Zustand unseres und wohl auch der anderen Plane- 
ten eine Temperatur voraussetzt, deren Hitze seine ganze 
Masse in einer Form erhielt, die wir mit Mitscherlich 
und Andern flüssig nennen würden, wäre das nicht zu be- 
stimmt gesprochen. 



*) Das Wort: „Ausdehnung" ist hier nur der Kürze wegen gewählt. 

**) So hat man die Erde in neueren Zeiten z. B. einen Thermelek- 
tromagnet genannt. Vgl. Munke in Poggendorf's Annal. XX, 
417. und in Gehleres phys. Wörterb. VII 1833. S. 260. mit v. 
Leonhard Bedeut. und Stand der Mineralogie. Frankf. a. M. 1816. 
S. 104. 

***) Vorzüglich durch Nachweisung des Zusammenhangs der inneren 
Erdhitze mit der Bildung pyrogenetischer Gesteine etc. Hätte die 
Erde ihre Warme nur von der Sonne (oder wie De Luc sagte, vom 
sog. Lichts toff)^ so müsste sie in der finsteren Tiefe immer kälter wer- 
den. Übrigens vergleiche man Alexander v. Humboldt über die 
Temperatur - Verschiedenheit auf dem Erdkörper in den Abhandl. 
der Berliner Akad. , 3. Jul. 1827. S. a06. und über das Klima 
Asiens a. a. 0. 18. Jul. 1831. 



— 155 — 

In diesem ersten, allseitig einfachen Zustand ist 
nämlich noch kein rein Flüssiges zu denken, weil hier noch 
kein bestimmt Festes, noch kein Meer, weil kein Festland, nicht 
einmal unser heutiges, von der Erde und ihrem Dunstkreis be- 
stimmt geschiedenes Wasser angenommen werden kann. 

Die sog. physikalischen Elemente, Wasser, 
Feuer, Luft und Erde, stehen mit jenen erwähnten Katego- 
rie'n in wesentlicher Beziehung. Das Wasser ist als phy- 
sikalisches Element ohne Zweifel so alt, wie das Feuer; 
aber die anfängliche, mit ihm und mit dem Planeten gleich- 
zeitig geborene Wärme durchdrang nothwendig und mehr 
oder weniger gleichmässig den ganzen Erdkörper, was 
schon daraus hervorgeht, dass dieser dabei im Zustande ei- 
ner Ungeschiedenheit gedacht werden muss, die keine (an- 
ders entscheidende) Differenz zulässt. Demnach konnte 
schon die ursprüngliche Wärme, — überhaupt 
die uranf angliche , Natur, des Erdkörpers, — 
Wasser nicht rein als Wässeir auftreten lassen *). 



*) Ad hominem: bestimmtes Wasser lä^st sich nicht denken, ohne et- 
was, das ihm in Form eines Beckens, Bodens oder irgend einer, 
noch so ätherischen Umhüllung eine Grenze gesetzt (einen Auf- 
enthalt verliehen) hätte. Wäre nun , um das Feinste zu wählen, 
der Dunstkreis der Erde gleich und ausschliessend der erste Auf- 
enthalt des Wassers gewesen, so wäre dieser älter als Meer und 
Land. Aber aller Analogie seiner heutigen Verhältnisse zu Folge 
ist er ohne beide nicht denkbar. Sollte er auf neptunische Man- 
nier so vorgestellt werden , so ist es gleich mit dem Neptunismus 
aus. Er erstickt in seinen Dünsten, wie in seinen Wassern. 
Will man rein vulkanisch dabei zu Werke gehen , so wird man 
sich verirren, wenn man die allseitige Einfachheit verkennt, die 
der reelle Begriff des Anfangs, gegen den eine Untersuchung des 
ursprünglichen Standes der Erde nicht fehlen darf, unabweisbar 
fordert. Denn in der Annahme einer Feuer-flüssigen Erdmassc 
mit einem wasserhaltigen Dunstkreis wäire der letztere nicht nur 
eine blosse Voraussetzung zur Erklärung des vorhandenen Wassers, 
sondern man hätte nichts als Flüssigkeit und zwar eine sehr be- 
stimmte , doppelte schon in zwei Gebiete und Formen getrennte 
Flüssigkeit. Diese Fluidisirung wäre allerdings Resultat der 
Hitze: die Ansicht wäre mithin durch die Hitze vulkanisch, durch 
die Form, die sie mit sich führt, neptunisch, also, wie es scheint, 



— X56 — 

Eckelt es aUch den kritischen Geologen an, sich diesen 
Zustand fortan in einer B r e i - a r t i g e n Form — wohin die 
Theorieen vom Urschleim zum Theil gehören — vorzustelleuj 
so wird er gerne gestehen, dass der tropfbare Zustand 
einer reinen, bestimmten Flüssigkeit nicht älter seyn kann, 
als der Gas-förmige, und sich erinnern, dass noch heute 
in gewisser Tiefe , bei einer bestimmten Temperatur das 
Wasser nur in Form von Dämpfen erwartet *) werden 
kann, deren chemischer Inhalt ganz in diese Form aufge- 
nommen ist **). 

Chemisch ist das Wasser kein Element« Wasserstoff 
und Sauerstoff, in die es unsere Wissenschaft zersetzt, sind 
seine Abstraktionen: es selbst ist ursprünglich ihre 
einfache, oder einfach konkrete Einheit und Totalität ]n\^eif 

■ . r . . .. ... -Il.L 

allseitig;. Aber diese Allseitigkeit ist ' liiii eiiier Trennung ver- 
bunden, die der Begriff des reinen Anfangs ^äbhörrirt, d«r jede be* 
stimmte Scheidung, mitbin auch die des Starren im Lande, des 
tropfbar Flüssigen im Meere und des Gas-förmig flüssigen in 
der Atmosphäre koordinirt entstehen lassen will. So scheint 
uns wenigstens das Verhältniss der Sache, dessen völlige Ausfüh- 
rung hier natürlich unterbleiben muss. Man mag nämlich das 
Feste, das Flüssige und das Gas-förmige als gleichberechtigt, oder 
man mag die Sache so ansehen, als seyen die beiden letzten nur 
Glieder Eines BegriflFs , immerhin wird man Land, Meer und 
Atmosphäre auf unserer Erde als kodrdinirte Begriffe im All- 
gemeinen betrachten müssen, da es nicht bloss auf ihr quantitatives 
Verhältniss ankommt, bei welchem sogar die Natur des Meeresbo- 
;' ' dens, die Expaiision des Flüssigen u. s. w. erwogen werden 
müsste. — Nun lässt sich aber die Entstehungszieit dieser koordinir- 
ten Sphären nur unter drei Fällen denken : entweder eine dieser 
Sphären, oder zwei sind zuerst entstanden, oder alle drei gleichzei- 
tig in Ein er umfassenden Epoche: da ergibt sich bald, welcher 
Fall die höchste Wahrscheinlichkeit für sich hat. 
*) Vgl. V. Hoff's treflfliche Monographie über Karlsbad. ISiS. 
**) Soll man fragen, was hier die Worte Dampf, Dunst, Brei u. s, w. 
noch bedeuten? Der Begriff der Dämpfe ist noch heute lange 
nicht genug bestimmt, aber doch so weit enträtbselt, dass obige 
Bemerkung als Thatsache feststeht. Es ist eben so natürlich als 
misslich , dass in der Betrachtung des Ursprungs die Worte sehr 
leicbt ihre Grenze verlieren. , 



— 157 — 

nem bestimmten Ma a s s - Verhältnisse. Gleicher Weise die 
L u f t. Das reine Scheinen des Feuers, seine verbrenn 
nende Kraft (d^s lauteste Mysterium der Natur —r ) wird 
in dieiser Beziehung weniger angefochten *). Am härtesten 
ist der Streit über das, was man Erde nennt**). Erden 
sind oxydirte Metalle! Aber wer gibt dem Hypothetiker 
das Recht, das Metall de ssw, ege n für einen rein ursprüng- 
lichen Körper zu ei4iläreh und es noch heute dem Zentrum 
unseres Planeten anzuweisen 7 Sind die Metalle nicht offeur 
bar schon : viel zu l)estimmtiey SMihs p e zifis eh entschiedene 
Körper, als Massen d«s reineJi Anfangs und der innersten 
Tiefe iCinds Zenti-ums^eyn rus können, unter -welchem man 
sich, ohne allen Halt an sicherer Erfahrung, einen festen 
K e r n: vorstellt **^) ?; Wer; kaiin: uns überhaupt Jiente;sclioii 
V er b ü r g e n , ob die Metalle nicht «us Düremtiojien seimer 
Masse hervoi^iugen, die von JNlatur allseitiger iund ;uneiit«- 
schiedener wai'j »als die Metalle. WaS hindert iflns, hier —^ 
an Erden zu denken? Die; Zersetzung; derselben hew^isst 
viel, aber ge^en diese Annähme nichts. Die Oxydation der 
Metalle könnte eine Art Rückgang in ihren Ursprung Iseyüj 
das Metall könnte zur Erde werden, Avie es dui*eh Dii'effl- 
tion aus Erde geworden f). Rein Chemiker wird sich heute 



*) Alte Völker (z. B, die Ägypticr) geben jedem Element eine dop- 
pelte Natur. Die Persische Sprache djücki Erzeugen und Ver- 
brennen mit Einem Worte aus. Dicss findet sich in den Spra- 
chen mehrerer Völker, die ihre Todten verbrannten. — In vielen 
Sprachen Orientalischer, besonders derjenigen Völker, die:im Feuer 
eine Mutter des Lebens verehrten, ist das Feuer vpeibjichcn 
Geschlechts. 

"*;, Vergleiche Christus und die Weltgeschichte, jr<??<?eW. bei ]\Iohr, 
1823. S. 148. 

^**) Mit den Bevi'eisgründen, die man in dieser Hinsicht auf die spe- 
zifische Schvrere der Erde stützt, kann man Kinder in den Sclilaf 
singen. Sie sind für das Innere der Erde ungefähr dasselbe, was 
für ihre Oberfläche die Gründe , aus denen die sogenannte Natur- 
philosophie die Basalt-, Anamesit- und Dolerit-Gebirge der Erde als 
Meteorsteine vom Himmel fallen lassen wollte, 
t) Die Chemie ist, wie v. Hoff sagt, d?r Prüfstein aller geologischen 
Hypothesen und Theorieen. Aber die Natur ist ein grösserer Che- 



— 158 — 

schon für' so unterrichtet halten, dass er sich zutraute, eine 
absolute Priorität des Einen oder des Anderen beweisen 
zu können. In einem, noch immer trüben Gebiete, 
dessen jugendliche Aufdämmerung durch jedes 
beschränkte Festhalten an unb ewiesenen Vor- 
aussetzungen nur verzögert wird, darf sich neben 
jeder Hypothese eine andere aufthun, wenn sie nur, wiie 
Kant ^-i) gefordert, die Möglichkeit der Gründe, auf denen 
sie beruht, beweisen kaum is;jb;. /; ;!; ü!;.»; 

Die Berücksichtigung dert piiysika<li.s«h<&n Elemente, 
die wir uns hier erlaubt, will an sich keineswegs als sichere 
Überzeugung betrachtet seyn und sollte nur den Boden 
bereiten, auf dem wir mit Vorsicht unsere Aufgabe weiter 
verfolgen müssen. Denn sie lenkt unsere Blicke genauer auf 
das Innere des Planeten^ und zugleich auf seine Atmo- 
sphäre, indem wir ihn fortan in permanenter Thätigkeit 
erblicken. Hier handelt es sich darum, zu erkennen, ob der 
erste, allgemeine, aus dem Entstehen und Daseyn der Erde 
unmittelbar hervorgehende Akt ihres Lebens derselbe war, 
der die elliptische, doch der Eiförm sich nähernde **), G e- 



, .; niikus, als Mancher glauben dürfte. So lange unsere Chemie 
nicht die wichtigsten Pseudomorphosen, z. B. die Afterkrystalle 
des Specksteins von Wunsiedel, welche in den verschiedenen For- 
men des Quarzes und Bitterspaths auftreten, zu erklären vermag, 
wird sie über die Primogenitur der Metalle — das sphinxische 
Räthsel ihres eigenen Ursprungs — nicht entscheiden wollen. Über 
solche Pseudomorphosen hat mir Blum Ansichten mitgetheilt, 
deren Gehalt mich zur Äusserung des Wunsches veranlasst, dass 
er sie bald öflFentlich aussprechen möchte. 
*) Kritik der reinen Vernunft. 

**) Eine Ansicht, die ich schon vor Jahren geäussert, und die auch Klö- 
DEN aufgestellt, ja mathematisch durchgeführt hat. Die Erdgestalt 
hat, zwar wie Alles auf der Erde, ihre Geschichte. Aber im 
Ganzen hat sie nur sehr untergeordnete Veränderungen erlitten, wie 
neuerdings wieder aus Sommerville's Untersuchungen über die Ver- 
änderlichkeit der Drehungsachse der Erde hervorgeht, da (seit der 
Scheidung'des Meeres undLandes) nur die jetzige Lage dieser Achse 
gegen die Form der Erde eine beharrliche seyn kann. S. v. Leonhard's 
nnd Bronn's N.' Jahrb. f. M. 1833. H, 4- S. 438. Über die Figur der 



— 159 — 

st alt der Erde, den Gesetzen ihrer Bewegung gemäss, fe- 
ster begründete , der das Flüssige vom Festen, den 
Dunstkreis von beiden und das Innere der Erde von 
dem schied, was wir ihi'e Rinde nennen können, ohne darum 
ihr Inneres als einen festen Kern zu betrachten. Wir wer- 
den, um es wiederholt zu sagen, nicht übersehen, dass man 
voneiner Existenz der Erde gar nicht reden kann, ohne an- 
zuerkennen, dass der erste Nu ihres Daseyns gleich 
der Beginn ihrer Entwickelung nach allen Sei- 
ten hin war. — Ist man mit den tieferen Einsichten, die 
uns die astronomischen Sphären der Natur eröffnen, nur 
einiger Maassen vertraut, so wii'd man sehr geneigt seyn, 
die Schöpfung des Welt-Syst emes, in welchem 
die Erde, um wenig zusagen, eines der wichtigsten 
Gestirne ist, im Ganzen als Einen Weltakt zu be- 
trachten und die Erde unmöglich für älter halten, als ihr 
(dermaliges) Verhältniss zur Sonne *). In dem Gebiete des 
Himmels aber, der, wie Aristoteles sich äussert, nie er- 
müdet, vielmehr ewig in Bewegung ist, drückt sich diese 
gleichzeitig doppelte Beziehung mathematisch — als Bewe- 
gung der Erde um sich und um die Sonne aus, wie sich 
die eigene Differenz der Erde, die conditio sine qua non 
ihres Lebens, in dem Unterschiede ihres Äquators und der 
Ekliptik mathematisch an ihr selbst ausdrückt. — Man kann 
nach Kepplers grosser Weltanschauung in jener Bewegung 
einen kosmischen Magnetismus finden. Sie ist, in 
jedem Planeten so alt als dieser selbst, die erste 
Begründerin seiner sphärischen Gestalt. Diese geht sowohl 
aus seinem Wesen, aus seinem Innern hervor, wie aus seinem 
Verhältniss zum Ganzen, dessen Glied er ist **), 

Die Bewegung des Planeten im Weltraum, um sich und 



Erde s. Poselger in Abhandlung. Berliner Akad. 25. Okt. 1827. 
S. 59. ff. 
*) d. h. als ihre Beziehung auf sich und auf die Sonne. 
•'") Vgl, Platon's Tiniäos. 

Jahrgang 1834. H 



— 160 - 

um die Sonne, ist daher ohne innere Bewegung, d. h. ohne 
Entwickelung seiner selbst gar nicht zu denken. Wer nur 
«twas die philosophischen Ansichten von dem Wesen der 
Materie und Bewegung inne hat, kann unmöglich diesen Zu- 
sammenhang (das Band, welches die Existenz der Welt- 
körper und ihre Bewegung vex^bindet) bezweifeln. 

Was aber ist das Innere der Erde, da es so wenig wie 
der ursprüngliche einfache Zustand ihres Ganzen als ein entschie- 
den Festes oder Flüssiges gedacht werden kann? Was die 
Umgebung, die den Planr ^en mit seiner ganzen Atmosphäre 
einschliesst und den Weltraum füllt? Mit welchen Vor- 
stellungen wäre es wohl leichter und bedenklicher, Spiel zu 
treiben, als mit diesen beiden? Können sie aber ganz um- 
gangen werden, wenn man nach einem Letzten fragt ? Beide 
Räthsel scheinen uns so innig verbunden, als habe, wer das 
eine gelöst, das andere, im Allgemeinen, schon beantwortet. 
Dürfen wir dabei verweilen? 

Der Mensch kann sich den Weltraum nicht anders, als 
unendlich denken, und doch kann ihm keine bloss sinnliche 
Erfahrung irgend etwas rein Unendliches zeigen. Ja, der 
Gedanke einer so unbestimmten Unendlichkeit *) erregt 
im Gemüthe des ernsten Naturforschers eine gewisse Un- 
ruhe, weil er bei dieser Unbestimmtheit, die, selbst unruhig, 
sich aufzuheben droht, nicht verweilen kann : er will nicht 
den bloss unendlichen, er will den unendlich geordneten 
Himmel, das System der Welten, betrachten, das sein be- 
waffnetes Auge zu verspotten scheint. 

Eben so das Innere der Erde, das den menschlichen 
Sinnen ewig unzugänglich seyn wird. Da bleibt dem Men- 
schen nichts übrig, als an der Hand des erfahrungsreichen 
Begriffes mit freier Besonnenheit Schlüsse auf Schlüsse zu 
bauen, die auf unerschütterliche Thatsachen vollständig ge- 
gründet sind. Nur auf solchem, Wege kann er in die Schachte 



*) Vgl. meine Einleitung in die Philosophie. Berlin und Leipxig bei 
Reimer 1825. I, 1. §. 15. S. 123. ff. 



— 161 — 

seiner eigenen Vergangenheit, der Urgeschichte, nur da- 
durch in die unnahbaren Tiefen des Weltkörpers dringen, 
dessen Herrn er sich nennt? 

Dass das Centrum der Erde dem anfänglichen Zu- 
stande ihres Ganzen noch am meisten analog ist, erhellt aua 
seiner Einfachheit wohl von selbst. Dass es aber diesem 
nicht völlig gleich, ergibt sieh schon daraus, dass das Erd- 
innere erst mit der Bildung der Erdrinde zu dem geworden, 
was es ist. Eine fest entschiedene, diflferente Masse ist in 
ihm, sahen wir, nicht zu suchen. Sie widerstreitet seiner 
Natur. Man könnte sagen: das Centrum der Erde sey 
hohl, wenn man mit der Hohlheit nicht die unhaltbare Vor- 
stellung eines leeren Raumes verbinden und das Innere zu 
einseitig von der Rinde scheiden würde. Man könnte mit 
demselben Rechte sagen : es sey, wie die Alten dachten, 
der Sitz des Chaos *) und der Hestia, der stille Heerd 
ihrer nie ersterbenden Flamme **). Denn bei Aristoteles 
heisst das Chaos, das Aufgähnende, gerade so viel als der 
leere Raum und der Weltraum heisst in alten Hymnen die 
Lunte der Schöpfung. 

Der Mangel an aller Bestimmtheit, die volle, reine, 
ungeschiedene Einheit wurde von den Griechen und andern 
Völkern unter dem schönen Bilde der Armuth, der Penia, 
gedacht ***) und in ihm das Prinzip der Bewegung, der 
Durst und Drang nach Erfüllung, der Keim aller Wirklich- 
keit, der erste Impuls des Lebens gesucht f). 

*) Erklärer zu Hesiod's Theogonie. Die Vorstellung des Chaos als 
eines Irrsais und Wirrsals ist nicht die älteste, vielmehr das Er- 
zeugniss einer störenden Reflexion. 
**) Erklärer zu Platon's Phädros. 

***) Erklärer zu Pi,aton's Gastmahl, zu Aristophanes Plutos, zu Mat- 
thäus 5,3. (Vgl. meine Schrift: über den Ursprung der 
Menschen und Völker, nach der Mosaischen Gene- 
s i s. Nürnberg bei Schräg 1829. §. 16.) Denselben Gedanken 
stellten andere Mythen unter dem Bilde der Nacht vor, der Mut- 
ter aller Dinge. 
t) V. ScHELLiNG Über die Geheimnisse von Samothrake. Dahin gehen 
ferner die Mythen von dem Welt-Ei, 

11 * 



— 162 — 

Halten wir dieseH Gedanken, der so deutlich ist als ein- 
fach, auch hier fest, so finden wir in der O d-e des Welt- 
raums (d. i. in dem inneren "Widerspruch, den der Ge- 
danke eines Äthers enthält, welcher das Unendliche und 
Einfachste, die Werkstätte aller Keime der Welten, die er 
umschliesst , die Lunte des Lebendigen, vorstellen soll) zu- 
gleich den Impuls seiner Erfüllung. Eben so in der Ode 
des ursprünglichen Zustandes unserer Erde das treibende 
Prinzip der Scheidung ihres Inneren und ihrer Rinde. Auf 
dieser kommt zum Daseyn, zur Entfaltung, was in jenem 
bloss schlummert. 

Parva licet componere magnis. Die Natur ist in Allem 
Alles, darum können wir Grosses mit Kleinem vergleichen: 

Betrachten wir durch ein Sonnen-Mikroskop die Phä- 
nomene einer krystallisirenden Flüssigkeit: Hier sehen wir 
und dort einzelne Punkte hervortreten, die sich ihrer Um- 
gebung gleichzeitig zu bemeistern scheinen : es sind die frisch 
anschiessenden Krystalle. Warum tritt gerade dieser, warum 
jener Punkt hervor? Betrachten wir die CHLADNi'schen 
KJang-Figur e n, die für das Reich der Töne, was für 
das Reich des Auges die Krystalle sind, gleich erklärte 
und gleich unerklärte Phänomene : Warum beruft gerade die 
Oktave das Achteck *)? Blicken wir auf die Gebirge der 
Erde, die eine falsche Philosophie für Krystalle erklärt hat : 
warum treten sie gerade da , warum nicht dort hervor ? 
warum in dem Momente und in keinem anderen? 

Wie jene Punkte aus der krystallisirenden Flüssigkeit, 
so treten im Weltakt der Schöpfung eines Sternen-Systeraes 
mitten im Äther die Gestirne desselben — noch unbegrif- 
fen — in die Wirklichkeit. Selbst ihr« Entfernung folgt 
einem Gesetz, 



*) Man denke z. B. »n die inneren Oktaeder in Flussspathwürfeln, 
wo die Würfelecken weiss erscheinen , während das innere Ok- 
taeder blau ist, wie z. B. in v. Leonhard's Sammlung- ein treff- 
liches Musterstück zeigt. (Das Oktaeder ist die Kernform des 
fluBssauren Kalkes.) 



— 163 — 

Was der Äther als ihre Umgebung, ist für die Pla- 
neten selbst ihr Innerstes, das Einfachste, Unentwickelte- 
ste, und doch unmöglich gatiz das, was der unergründete 
Äther, vielmehr bestimmter als dieser, bestimmt nach der 
Individualität des Weltkörpers, dessen Inneres es ist. Das 
Innerste der Erde dürfte mithin seyn, wa-s der 
Ät h eruns eres Weltsystem es, aber in di vi dualisirt 
nach dem Charakter der Erde*). Denn nur im allgemeins 
sten Sinne Hesse sieh sagen: die ganze Erde sey eine Indivi- 
dualisirung des Äthers, womit gar wenig gesagt wäre : nicht weil 
ans dar Äther, so gut als der Nerv der Erd-Individualität, ein 
Räthsel ist, sondern schon weil der älteste Zustand der Erde 
von dem jetzigen so spezifisch abweicht, dass eben mit der Schei- 
dung der Rinde und des Innern die sprechende Analogie nur 
letzterem; verbleiben konnte. (In das Innere der Erde wer- 
fen die Alten ihre Titanen, die Götter der Vorzeit.) 

Verfolgen wir diese Analogie, so müssen wir den un- 
reifen Zustand unserer Naturkenntnisse in diesen Sphären 
gestehen, denn wir werden nur schwankende Antworten 
erhalten, wenn wir nach den Grenzen des Äthers und 
der Welitkörper — fi^agen, die in ihm, wie Aristoteles 
sagt, sich selbst tragen. 

Die Atmosphäre ist unserer Oberfläche so wesentlich, 
als Land und Meer. Sie gehört durch und durch zur Erde, 
vermittelt ihr organisches Leben und bewegt sich mit ihr, im 
Umschwung derselben um sich und um die Sonne. Ihre Grenze 
gegen den Äther hin ist aber in ein noch undurchdrungenes 
Dunkel gehüllt, und dieses Dunkel überfällt uns, wenn wir 



*) Nach dem noch uhenträthselten Begriff, der die Erde zu dem macht, 
was sie ist. Der Äther ist der Heerd der Prinzipien , Anfänge 
Elemente, Keime (wie man sich ausdrücken möge) alles dessen, 
was in den Weltkörpern konkret auftritt. Das Erd-Innere ist die- 
ser Heerd für die Erde. Wie jener nie bestimmt ohne Welten, ist 
dieses nie bestimmt ohne Erdrinde zu denken. — Die bestimm- 
ten Prinzipien der Planeten etc. liegen aber in diesen selbst^ 
nicht erst im Äther. Vgl. S. 167. 



— 164 — 

fragen, ob Wärme oder Wasser oder irgend etwas von der 
Erde in den Äther entweichen konnte. Es überfällt uns noch 
mehr, wenn wir die Analogie der Atmosphäre mit dem Äther 
verfolgen, da jene, sozusagen, eine entsprechende, eineKehr- 
Seite des Inneren der Erde zu seyn scheint *). Gestehen wir, 
dass wir nichts wissen, wo wir noch nichts wissen, aber hal- 
ten wir auch fest an dem, was das Wissen sich erworben hat ! 
Misstrauen wir jeder Theorie, die sich durch keine Erfah- 
rung, aber auch jeder vorgeblichen Ex'fahrungj die sich durch 
keine Theorie begründen lässt ! 

Die Parallele des Innern und der Atmosphäre der Erde 
kann uns überzeugen, dass wir nicht geneigt sind, jenem eine 
geringe Bedeutung zuzuschreiben. Dass es aber lauteres Me- 
tall sey und die höchste Bedeutung habe, halten wir für eben 
so irrig, als die alte Ansicht, die das Mark der Bäume und 
der animalischen Knochen für das wesentliche Lebens-Element 
dieser Gebilde hielt, weil es ihr Innerstes ist. Wir verkennen 
darum nicht die Eigenthümlichkeiten der einzelnen organischen 
Sphären und wiederholen : gerade durch ihre Ode, durch ihr 
Bedürfniss nach Erfüllung ist vorzüglich die Mitte der Erde 
ein einfach allseitiges, feuriges Agens, wie es vor ihrer Schei- 
dung von der Rinde ungetheilt der ganze Planet war. 

Vieles, was sich an diese Betrachtungen sohliesst, müssen 
wir übergehen. Nur zwei Punkte erlauben wir uns heraus- 
Kuheben, gerade weil sie zu den misslichsten gehören und 
Eur speciellen Anwendung des Bisherigen dienen. Da wir 
es gewagt, dieses Gebiet zu betreten, müssen wir offen 
genug seyn, Blossen, die eine hochgespannte Konsequenz geben 
und finden möchte, selbst zu zeigen. Der eine Punkt betrifft die 
Parallele der Atmosphäre mit dem Innern der Erde, der andere 



•> Und wenn in der Bewegung der Erde ein kosmischer Magnetis- 
mus, so kann im meteorologischen Prozess derselben ein telluri- 
scher Chemismus gesucht werden. An diesem Prozess ha- 
ben Land, Meer und Atmosphäre Theii. Letztere ist sein Heerd 
und entspricht auch io so fern dem chemischen Heerde des 
Inneren. 



— 165 — 

die Ansichten über den Heerd unserer heutigen Vulkane — 
beide gehen, so wenig es scheinen mag, in einander über, 
wie die Untersuchung zeigen soll. Für jene spricht unter 
andern das Übereinstimmende der Meteorsteine 
mit dole ritischen Masse Hj das sich sogar in ihren 
Einschlüssen (Augit, Olivin etc.), wie in ihrer Struktur 
zeigt*). Interessant vor Allem könnte da* eine Betrachtung 
der Angabe oder Thatsache werden, dass jene bisweilen 
(z. B. der bei Richmond in Virginien am 4. Juni 1828 ge- 
fallene Äerolith) 5 wie manche unserer Granite, und zwar 
solchej die man bisweilen zu den älteren rechnet, Apatit- 
spath enthalten, also — phosphor sauren Kalk, der 
sich in ihren Drusenräumen — vielleicht gleich bei der Ent- 
stehung dieser Räume — gebildet hat **). Auch der köi'- 
nige Kalk, der z. B. hei Skr ob alle in Ftnland , nebst Fluss- 
spath und Graphit, die ihm auch sonst eigen sind, Apatit- 
spath führt, ist so gut pyrogenetiseh, als der Granit und 
die Äerolithe, oder als das glasige Feldspath- und Horn- 
blende-Gestein des LaacherSees und der Gneiss und die 
Laven, die alle Öfters Apatitspath führen, wie auch der 
Talk am Greiner im Zillertkal und die sogenannten Lager 
— ohne Zweifel Gänge***) von Magneteisen in Arendal, 
Grengeshergj Karingbriha und Gellivara in Schweden» Un- 
sere chemische Werkstätte bereitet den. Phosphor aus 



*) VgU in Poggendorf's Annal. d. Phys. IV, 173—198 die Aufsätze 
V. G» Rose und Walmstedt. S. v. Leonhards Basalt-Gebilde B. I. 
Dessen Oryktognosie (1833.) S. 143. 333. f.- 

"*) Nach W. E. PafvRy's zweiter Entdeckungsreise. (Hamb. 1822. S. 
196—515) gleicht das gewöhnlich blasse Licht des Nordscheins 
ganz vorzüglich dem Lichte, das der verbrennende Phosphor 
entbindet. Auf seiner dritten Reise sah Parry viele Nordlichter nahe an 
der Erdoberfläche (nur wenige Grade über derselben) wie es schien. 
Aus einem dieser Nordlichter schoss ein Lichtstrahl plötzlich in 
das Meer nieder, zwischen Parry's Schiffe und dem Lande, von 
dem das Schifif nur 3000 Schritte entfernt war. 

***) Nach von Leonhard's glücklicher Hypothese trotz des sogenannten 
Magneteisens von Neuschottland, welches Versteinerungen führt 



— 166 — 

organlsehen Substanzen. Aber diese Substanzen ent- 
stammen am Ende doch dem unorganischen Le- 
bens-Elemente, dessenNatur die Organi smen in 
sie h ver wandeln. — Man mag über die Phosphorsäure, 
die Einige^ wie die Ameisen-Säure, in mineralischen öuellen 
entdeckt *) haben wollen, so oder anders urtheilen, man 
mag sie der Quelle selbst oder einer zufälligen Beimischung 
organischer Stoffe durch nahe liegende Ameisenhaufen und 
was dergleichen mehr ist, zuschreiben, — bei unserer ün- 
kenntniss des Äthers kann man immerhin fragen, ob nebst 
anderen Gründen, der Apatitspath der Äerolithe nicht be- 
sonders darauf hindeute, dass sie höchstens den Grenzen 
unserer Atmosphäre und des Äthers entstammen 
oder doch, da die Grösse z. B. des Lichtglanzes, der ihre Ent- 
stehung begleitet, nebst den Resultaten zahlreicher, zum Theil 
wohl gelungener Berechnungen der Entfernung so flüchti- 
ger Erscheinungen auf höhere Gebiete bezogen wird, an die- 
sen Grenzen innerhalb der Atmosphäre zu dem 
geworden, was sie eigentlich sind. Denn eine 
überkühne Einbildungskraft würde dazu gehören, sie ohne drin- 
gende Noth als ausserirdische Gebilde zu betrachten. — Dass in 



Das Schwedische Magneteisen wenigstens ist plutonisch. Ich sah 
bei Blüm ein Handstück desselben mit deutlicher Spiegelfläche. 
*) Spuren von Phosphorsäure traf man noch in mehreren einzelnen 
Mineralien, z. B. nach C. G. Gmelin im Lepidolith von Roze- 
na (Glimmer), nach Andern im Huraulit (auf kleinen Adern im 
Granit), im Hetepozit, im Uran glimm er, im Wagnerit, 
im Phosphorblei etc. Das Phosphoreisen etc. ist postdiluvisch 
(Raseneisenstein), das k'.inorhombische Phosph or eis en kommt 
mit Quarz etc. auf Lagern in Grau wacken- Gebirgen, das oktaedri- 
sche in Drusenräumen eines Glimmerschiefers, phosphorsaurer 
Thon in Höhlungen vulkanischer Gesteine vor. Auf Quarz-Gängen 
in Granit zeigt sich bisweilen phosphorsaures Mangan. Phosphor- 
saure Yttererde (Ytterspath) trifft man im Granit von Lin- 
desnäs in Norwegen. Zu den bezeichnenden Begleitern des 
L ithion -haltigen Glimmers (Lepidoliths) gehört nach v. Leon- 
HARDT (Oryktognosie 1833. S. 218) auch der Apatit (vgl. v. Gö- 
THB zur Naturw. S. 193). 



— 167 — 

äerollthischen Erzeugnissen gediegenes Eisen zumal da auf- 
tritt, wo unsei'e ältei-en Laven Eisenoxyd-Oxydul (Magnet- 
eisen) enthalten, beweisst nichts gegen unsere Ansicht über 
die Metall-Bildung der Erde, spricht vielmehr für dieselbe, 
da man das Eisen der Meteorsteine weder im Athei*, noch 
in der höheren Atmosphäre als fertig vorhanden an-^ 
nehmen darf. Seine Schöpfung ist*) jeden Falls Re- 
sultat eines ( — noch unbekannten — ) Prozesses, w^enn, 
dieser auch darauf hindeuten sollte, dass die Grenzen des 
äussersten Erdgebietes oder* der Atmosphäre tiefer in den 
Äther hinausreichen, als man gewöhnlich glaubt. 

Irren wir aber nicht, wenn wir die Meteorsteine (einen 
Theil derselben, oder alle, nach ihrem spezifischen Charak- 
ter) als Resultat eines kosmisch-tellurischen Prozesses 
an den Grenzen des Äthers innerhalb unserer 
Atmosphäre betrachten**), ( — wie auch die Bildung 
z. B. des Eisens im Schooss der Erde, dem allgemeinen (S. 163. 
not.) Prinzip nach, gleich allen ihren einfacheren Stoifen, durch 
ihre Schöpfung im Äther bedingt ist — ) und erkennen wir eine 
Analogie dieses Inneren mit jenen Höhen überhaupt an, erwägen 
wir die Gründe, durch welche man einen Zusammenhang vulka- 
nischer Phänomene mit meteorischen nachgewiesen, u. s. w. 



*) So gut als die Bildung anderer Metalle des Meteor-Eisens (z. B. 
des Kupfers. Vgl. Stromeybr in Schweigger-Seidei. . n. Jahrb. d. 
Chem. 1833. H. 5. S. 266.). 

*) Wir nannten oben den meteorologischen Prozess einen tellurischen 
Chemismus. Wie in seiner, W olk en b ild u n g eine Analogie 
mit der Bildung ko m etar is c h er Körper, so zeigt sich in der 
Schöpfung von Meteorsteinen schon der Versuch einer 
bestimmten Kernbildung. Nicht vom Monde, wie Viele sagten, 
kommen die Meteorsteine — diess scheint uns eine reine Unmög- 
lichkeit — aber ihre Natur mag der des Mondes in dem Maasse 
analog seyn, in welchem die Wolken der der Kometen. Doch mit 
solchen Vergleichungen wird nicht viel gesagt, wenn gleich mehr 
als mit manchen beliebteren. Übrigens scheinen die Nordlichter 
eine sehr extreme, wenn auch in tiefen Regionen der Atmosphäre 
vor sich gehende Äusserung des meteorologischen Prozesses 
zu seyn, der die einfache Mitte seiner Kraft in Ge wi tter n offen- 
bart, die in den Regionen der Nordlichter höchst selten sich entwickeln. 



— 168 — 

worauf wird uns dann jene überefnstimraung ärollthischer^ 
und doleritischer Massen führen ? Keineswegs so schneit 
auf eine Thatsache^ wohl aber auf eine Hypothese, die viel- 
leicht der Mühe lohnt, im Vorübergehen erhoben zu wer* 
den und dann auf lange Zeit zu verschwinden» Diese Ana- 
logieen würden nämlich die doleritischen Gebilde denjeni- 
gen Tiefen der Erdrinde entquellen, lassen, die jenen: 
höchsten Höhen der Atmosphäre entsprechen und dies» wä- 
ren die tiefsten Tiefen nicht des Erdinnern. überhaupt, son- 
dern der Erdi-inde, innerhalb deren ihre Bildung entschie- 
den wurde, wie die jener Aerolithe innerhalb der Atmo» 
Sphäre. Denn der Athei' selbst lässt sieh noch allgemeinerj^ 
als die Atmosphäre dem Erdinnern vergleichen. — Versinn- 
lichen wir diese Vorstellung, ehe wir sie durch andere 
Gründe zu stützen suchen. Sie wurde durch eine Unter- 
redung mit einem Naturforscher geweckt, dessen Name in 
einer geeigneteren Stunde genannt werden wird, da wir 
den Tadel , den die Verwegenheit dieser Betrachtungen 
nach sich ziehen dürfte, auf uns allein zu nehmen berech- 
tigt sind. 

Denken wir uns gleichsam in einem senkrechten Durch- 
schnitt das Erdcentrum und den Äther in diesem Sinne 
als Extreme, jenes als der Erde selbst, diesen als ihrem 
Bereiche nicht mehr angehörig, beide im Wesentlichsten ver- 
wandt: Die lebensvolle Mitte der Erde ist ihre Oberfläche, 
j^uf der ihr wahres Wesen sich am herrlichsten entfaltet*). 



'') Wir würden die wechselseitigen Sphären des tellurischen Lebens 
zu einseitig scheiden, wollten wir die Oberfläche geradehin den 
Heerd des organischen, die Atmosphäre den des meteorischen und 
das Innere den des chemischen Prozesses, der Wärme der Erde 
nennen. Und doch kann man sich vorübergehend so oder ähnlich 
ausdrücken , wenn man sich im Ganzen über solche Ausdrücke 
schon genauer verständigt hat. Man könnte aber dann eben so 
sagen : das Innere sey das Reich des Feuers, die Atmosphäre, das 
der Luft, die Oberfläche das der Erde und des Wassers. Da in- 
dess diese Glieder nicht so koordiuirt, noch überhaupt so getrennt 
sind, so wird jede solche Darstellung einseitig und unlogisch aus- 



— 169 - 

Die tiefste Tiefe der jetzigen Atmosphäre würde sich dem- 
nach zu ihrer höchsten Höhe verhalten, wie sich die tief- 
sten Regionen der Erdrinde zum Erdcentrum verhalten 
würden (mit dem Unterschiede, dass jene ein ideelleres, 
fi*eieres Gebiet ist). Wiederum würden sich die tiefsten 
Tiefen der Erdrinde zum Erd-Centrum verhalten, wie sich 
im Allgemeinen die Atmosphäre zum Äther verhält (mit 
dem Unterschiede, dass jene als ein konkreteres Gebilde 
mit der ganzen Erde sich vom Äther unterscheidet). Wollte 
man sich auch die Meteorsteine und Sternschnuppen -^ 
denn der Unterschied beider ist angeblich nur quantitativ — als 
Bildungen des Äthers denken, so würde diese Analogie 
zwischen ihm und dem Erdinnersten sich gleich blei- 
ben. Aber dazu hat man keine entscheidende Ursache. 

Die äussersten Grenzen der Erdrinde gegen ihr tiefe- 
res Innere (gegen das unmittelbare Gebiet ihres Centrums 
oder wie man es nennen will) wären demnach der Heerd 
derDolerite u. s. w., wie die äussersten Grenzen der Atmosphäre 
gegen den Äther *), der Heerd der Meteorsteine. Für diese Ver- 
gleichung, der zu Folge die letztenDolerite einergrös- 
seren Tiefe entquollen seyn dürften, als z. B. die älteren 
Granite, spricht ferner das jugendliche Alter der Basalt- 
Gebilde. Doleritische Laven entströmen noch heute vul- 
kanischen Tiefen, aber die fester gewordene Erdrinde ver- 
gönnte seit der diluvischen Katastrophe, über die, 
unseres Wissens, kein Meteorstein der Erde **) hinaus^-. 



fallen, «elbst wenn wir sagen wollten, Alles sei nur Ein Prozess, das 
Innere sei nur der von unten nach oben wirkende chemische Heerd, 
der Atmosphäre gegenüber, in welcher der höhere Chemismus der 
Erde von oben nach unten wirkt etc. Humboldt beruft sich in- 
dess mit Recht zur Erklärung vulkanischer Phänomene auf stec- 
ke oder vorübergehende Verbindungen zwischen 
dem Inneren und Äusseren des Planeten. 

") über diese Grenzen weiter unten. 

'') Würden die Meteorsteine und Sternschnuppen, wie einige Materia- 
listen unter den Meteorologen annehmen, schon vorlängst vorhan- 
dene Trümmer anderer Erdkörper im Alher seyn, so liesse sich 



— 170 - 

reicht — solchen Bildungen der Tiefe bis daher nicht mehr,, 
weit umfassende Gebirgs spalten mit Alles erhebender Ge- 
walt sich zu brechen. Doch mit den einzelnen Lavafluthen 
der Tiefe erinnern die höchsten Regionen des Erdgebie- 
tes durch seltene Winke an eine Vergangenheit, deren Ge- 
genbild nur dann wieder eintreten möchte, wenn die Erde 
von Neuem ihre Stirne runzeln sollte; eine Zeit, welche 
die Theologen den jüngsten Tag nennen. 

An diese Betrachtung knüpft sich eine Reihe von Prob- 
lemen : Stehen z. B. die Höhen gewisser und dann wel- 
cher plutonischen Gebii'gsmassen in einem ähnlichen Verhält- 
niss zu den Schachten der Tiefe, denen sie enthoben sind, 
wie die Höhe der Gebirge überhaupt zu den Tiefen des 
Meeres? — die späte Emporhebung der Protogyne des 
Montblanc dürfte •■') ihrer Höhe und ihrem Alter nach als 
Beispiel erwähnt werden. Diese Frage darf man indess 
nicht einseitig auffassen, sonst würde sie zu eben so unhalt-r 
baren Resultaten führen, als Elie de Beaumont's geistreiche 
Ansicht von der Gleichzeitigkeit der Erhebung aller gleich- 
streichenden Gebirgshöhen **), da er übersehen, die 
älteren Hebungen so weit zu beachten, um die Schwierig- 
keit erwägen zu können, die schon die Verschiedenartigkeit 



kein Grniid denken , warum sie in keiner älteren Formation vör- 
komnien, es sey denn, dass man sie alle von den Asteroiden her- 
leiten und diese erst während der Diluvial - Zeit entstehen lassen 
wollte. 

*) Sollten wir niissverstanden werden können, um erst an die Worte 
Alexander's V. Humboldt errinnern zu müssen , wo er sich in 
seiner Pvcise in die Äquinoktial - Gegenden des neuen Kontinent'» 
gegen die Vorstellungen ausgelöschter Vulkane sicher stellt. (B, 
V. Kap. 14. Theil III. S. 21.): „Man wird den Montblanc, sagt 
er, und den Mont Bore nicht in die nämliche Klasse zusammen 
ordnen, wird die Auvergne und das granitische Thal von Caracas nicht 
unter dem gemeinsamen Namen einer Landschaft ausgelöschter 
Vulkane bezeichnen". 

**) Gleich hier im Vorübergehen die Bemerkung, dass alle körnigea 
Kalke Deutschlands und Oberitaliens (nach v. Leonhard oflfenbar 
plutoniscbe Gebilde) dieselbe Streichungsliaie hatten. 



— 171 — 

<le8 Widerstandes gewisser Tiefen in verschiedenen Erdre- 
gionen hervorbringen musste. — Diese Schwierigkeit wird 
«uch hier von Bedeutung, wo wir nach einem Vcrhältniss 
der Höhe der Gebirge, wie ihrer S t r e i ch u n g s - L i n i e n 
KU den Tiefen fragen, denen ihre Masse entstammt und 
zu den Epochen, denen sie ihre letzte Hebung vei'dankt. 
Weitere Ausführung würde eine Darlegung der Länder- 
Vertheilung unserer Erdtheile, die Ritter Erdindivi- 
duen nannte, nach den Polen, im Verhältniss zur Achse, 
nach dem Äquator, im Verhältniss zur Ekliptik, nach den 
Länge- und Breite-Graden im Verhältniss zum Ganzen, mit- 
hin ein eigenes Buch, fordern, in welchem zugleich die Na- 
tur der magnetischen Pole untersucht werden müsste, weil 
diese in einem gewissen Zusammenhang *) mit dem Verhält- 
niss zwischen Land und Meer zu stehen scheinen — und 
ebenso die Natur der isothermen Linien **). 

Fei'ner: Da das Innere der Erde, und schon der Erd- 
rinde in gewissen Tiefen, keine scharfen Differenzen 
zulässt, und als das einfachste Gebiet des Planeten auch 
dasjenige ist, welches sich in seiner Entwickelung unter 
allen am wenigsten verändern konnte, so müssen alle 
Gebilde, welche diesen Tiefen entstammen, (manche ältei'e 
und jüngere) einen ziemlich gleichartigen Teig vor- 
aussetzen. Nur im Erdinnersten ist die Möglichkeit einer 
Umwandlung aller Stoffe in alle, oder vielmehr, da in 
ihm bestimmte, gesonderte Stoffe gar nicht gedacht werden 
können, der grosse Heerd ihrer Stoffschöpfung zu 
denken *•=•). Die Grenze dieses Innersten gegen die Erd- 



*) MuNKE in Artik. Nordlicht in Gehler's phys. Wörterbuch VII. 
(1833.) S. 260. Vgl. hier oben S. 159. 

"-'"') Vgl. Ai>. V. Humboldt neuerdings in den Abhandlungen d. Berliner 
Akad. 3. Juli 1827. 

***) Umwandlungen zu Tage ausgegangener Felsarten, z. B. der Krei- 
de und anderer Kalke in körnigen Kalk durch plutonische Einflüsse, 
konnte man bisher nie tiefer, als, auf mehrere Fuss mit Zuverläs- 
sigkeit nachweisen, Veränderungen höchstens auf 30 F. Was man 



— 172 — 

rinde hin ist aber eine allmähiige und die letztere ist in 
einer gewissen Tiefe von dem Inneren nur so weit bestimmt 
geschieden, so weit Alles, was dem Grade nach fort und 
fort verändert wird, am Ende auch der Art nach sich än- 
dert, wie z. B. ein Ton durch allmähliges Höherstimmen 
in einen anderen Ton umschlägt. Dieser Übergang der 
Quantität und Qualität ist die Kraft des M a a s s e s , ohne 
die keine Wirklichkeit, keine Natur gedacht werden kann. 
— Mithin nimmt mit derEntfernung vom Erdcen- 
trum das Erdinnere an Differenz, jedoch so all- 
m ä h 1 i g zu, dass erst in bestimmten Regionen der 
Erdrinde bestimmte D i ff e r e nz e n zu einvarten sind. — 
Steigen wir vom Erdinnern nach oben, so kommen wir aus der 
ätherischen Hitze allmählig in die Regionen feuer-flüssiger, 
so zu sagen, erdiger, d. h. solcher Massen, die den Keim 
sowohl der Metalle , als aller anderen Stoffe, (mithin auch 
unserer Erden) vrie sie zu Tage liegen, immer bestimmter 
in sich tragen und entwickeln. Höher hinauf nimmt, stets 
mit der Hitze, die Feuerflüssigkeit ab. Wo das Reich des 
starren Festen begonnen, beginnt auch das Reich des 
tropfbar Flüssigen und über beide wölbt sich das Fir- 
mament der Atmosphäre. Erst mit und unter ihr kann auch 
das Feuer als Feuer, wie es uns in die Augen scheint (und 
wie es schon Herakleitos von seinem Wesen und Prinzipe 
unterschieden hat) zum Daseyn kommen. 

Nach Cordier's geistreichen Berechnungen dürfte die 
erstarrte Rinde der Erde mindestens 12 bis 15 Meilen 
Tiefe haben, und auf jede 12 bis 15 Meter die Temperatur 
nach unten um 1" Cels. steigen. Die Berechnung der Tiefe 
der Erdrinde ist natürlich unzuverlässig. Die uns bekannte 
Tiefe beträgt kaum 3000 Fuss oder nicht ein Viertel einer geo- 
graphischen Meile, der Erdradius aber 860 Meilen. „Nach 
mehreren Erfahrungen, besonders den vulkanischen und den 



ausserdem Umwandelung nannte, ist entweder nur plutonisch ge- 
hoben oder gleich plutonisch emporgetriebeu. 



— 173 — 

damit im Versande stehenden, sind wir, wie Blum*) sagt, 
vor der Hand wenigstens zu dem Schlüsse berechtigt, dass 
in grösserer Tiefe die Bestandtheile der Erde noch diesel- 
ben sind. — Da nun, je tiefer wir steigen, um so mehr die 
Differenz der Stoffe abnimmt, so müssen ( — abgesehen 
von der Geschichte des Erdinnern — ) bei dem verschie- 
denartigen Einflüsse der Bildungsweisen während des Em- 
pordringens und allmähligen Erkaltens in den höheren Re- 
gionen — vei'schiedenartige plutonische Gebilde in dem 
Maasse, in welchem sie aus grösseren Tiefen stammen, 
aus einem gleichartigeren Teige gebildet seyn. Diejenigen 
vulkanischen Gebilde also, die sich, abgesehen von dem Mi- 
nimum der Veränderung, die das Innerste der Erde wäh- 
rend der Ausbildung dieses Planeten erfahren und abgese- 
hen von den sekundären Einflüssen während ihres Empor- 
quellens, am meisten ähnlich sind, dürften wohl auch aus 
gleich tiefen Regionen kommen, natürlich dass man sich 
weder die Tiefe solcher Regionen auf einige Meilen, noch 
ihre peripherische Ausdehnung übei^haupt anders beschränkt 
denken darf, als die Grösse und Gleichartigkeit ihrer Tiefe 
unter allen Zonen zulässt. Ermüden wir nicht, diese Punkte 
weiter zu verfolgen **), als hier geschehen darf, so stellt 
sich die Frage, ob sich die Erdrinde im Laufe der 
Zeiten gar nicht nach der Tiefe, ob sie sieh 
bloss nach der Oberfläche hin und auf ihr aus- 
gebildet hat. Beides in einem, der Natur der Sache 
gemäss, umgekehrten Verhältnisse : auf der Oberfläche näm- 



*) Blum, Lehrb. d. Oryktognos, Stuttgart. Schweizerbart. 1832. S. 7. 

") Indem ich dieses wieder durchlese, tritt mir Cordier's Ansicht in 
die Erinnerung-, nach welcliem die Übereinstimmung h e u- 
tiger Laven mit den ältesten vulkanischen Erzeug- 
nissen zu beweisen scheint, dass diese Feuergebilde aus dem- 
selben Behälter kommen. Betrachtet man gleichmässig die Über- 
einstimmung granitischer und porphyrischer Gebilde , so wie ihr 
Abweichendes von einander und von andern plutonißchen Gebilden, so 
wird man auch von dieser Seite auf unsere Ansicht getiiebeu 
werden oline Cordijjr's Bemerkung zu verkennen. 



— 174 — 

lieh durch Bildung fester, scharf begrenzter, und mannig- 
faltiger, in der Tiefe durch fortgesetzte Bildung feuer-flüs- 
siger, ausgedehnterer und einfacherer Stoffe, so dass die 
qualitative Veränderung auf der Oberfläche ihr Maxi- 
mum, im Erdcentrum ihr Minimum behauptet. — Nun muss- 
ten sich aber im Beginn der Erd-Entwickelung, d. h. wäh- 
rend der Scheidung des Innern und der Rinde, des Landes, 
Meeres und der Atmosphäre, das Innere offenbar in d e m- 
selben Maässe — die Atmosphäre mit eingerechnet — 
mehr expandiren, in welchem die Oberfläche sich zu einer 
Rinde konzentrirt hat. Denn diese Scheidung dürfen wir 
nur als eine E n t Scheidung, Entwickelung, denken -). Es 
gibt aber keinen Grund, der mehr als scheinbar wäre, an- 
zunehmen, dass sich dieses Verhältniss seit jener Scheidung 
umgekehrt habe. Vielmehr wäre die zunehmende Bildung 
feuer-flüssiger Massen — also trefflicher sog. Wärmeleiter 
— an den untersten Regionen der Erdrinde die Folge einer 
fortwährenden Regung und Ausscheidung aus dem tieferen 
Inneren, das sich dadurch immer reiner setzen würde, der 
Atmosphäre vergleichbar, die heute, aller Analogie zu 
Folge, reiner ist, als sie ursprünglich war. — Die üner- 
schöpflichkeit , oder doch der un gemessene Reieh- 
thum dieser innersten Quelle spricht für, wenig- 
stens auf keine Weise gegen diese Vorstellung , die die 
gani^e Erderhaltung als eine, beständige Schö- 
pfung und Selbst-En t Wickelung ansieht. Ja man 
könnte sagen — seit mit der diluvischen Katastrophe die 
finsteren Gewalten der Vorzeit auf dem Boden des organi- 
schen Lebens einem beruhigten Weltentage weichen muss- 
ten, habe ihr Feuer in der Tiefe fortgewirkt und zürnend, 
um eines mythischen Bildes mich zu bedienen, selbst die 
ätherischen Höhen der Atmosphäre zu Hülfe gerufen. Diese 
vermochten nur — mit Meteoren zu antworten und seine 
eigenen wilden Gewalten konnten die fest gewordene Rinde 



*) Ad hominem: Sonst wären ja neue Stoffe dazu gekommen! 



— 175 — 

nicht sprengen, deren obere Regionen durch minder dichte 
Massen noch überdiess die Ausstrahhing der Wärme aus 
jenen Tiefen hemmten, so dass eine Zeit zu erwarten ist, in 
welcher die innere Hitze, immer in sich zurückgebannt, bei 
Ausscheidung immer neuer, feuertlüssiger Massen in den 
Tiefen, durch die gewaltsamsten Eruptionen einst wie- 
der losbrechen, die Erde — durch ihre eigene Ent- 
wickelung; — zersprengen , die Entfaltung neuen Lebens 
einem anderen Planeten überlasseUj und in ihrem Ende 
das wahre Gegenbild ihres Ursprungs geben 
wird. Wer daher das letzte nicht bedenkt, kennt auch den 
Anfang und die Mitte nicht. So in der Geschichte der Na- 
tur, wie in der der Völker! Diess sey eine vorläufig 
hypothetische Antwort auf Beaumont's Hypothese ! — 
Man wird mich nicht pedantisch auffassen, als meinte ich: 
die Erde werde sich innerlich etwa verstopfen, an diesem 
Übel sterben, — oder unsere Vulkane spucken lassen, wenn 
sich im Innersten überschüssige Steife gebildet. Was sollte 
eigentlich in diesen Räumen überschüssig heissen? doch 
vrahrhaftig nicht das Fingerhut-grosse Maas der Laven, die 
die postdiluvLsche Zeit auf die Oberfläche ausgoss , selbst 
wenn man sich aussinnen wollte, solche Massen hätten seit- 
her zahllose Riesenhöhlen im Innern der Erdrinde um ein 
Bedeutendes schon verstopft ! Legt man auch das Maas eines 
Infusionsthierchens an das ffimala^a-Gehirge und vei'gisst, 
dass dieses kaum ein Sandkörnchen auf einem Globus vom 
Durchmesser einer Elle ist ? Nein I ich denke, man wird mich 
verstehen und einsehen, dass ich mit dem mythischen Bilde 
„nur versuche, meine Gedanken ganz imAllgemeinen zu 
versinnlichen" *). 

Diese Ansicht von der Erderhaltung, als einer fortge- 
setzten Schöpfung verträgt sich übrigens sehr wohl mit der 
spezifischen Dichtheit der Erde (= 4,713), die sich, 
gleich ihrer ganzen Gestalt, ohne ursprüngliche Hitze gar 

*) Vgl. V. Hoff über Karlsbad S. 65. 

Jahrgang 1834. 12 



- 17Ö — 

niölit erklären lassen würde, so wie mit der Annahme, das» 
einzelne Regionen der unbekannten Erdrinde 
durch vorzügliche Schwere sich auszeichnen, was 
gleichfalls ohne ihre innerlich bildende Thätigkeit ni(^t ge- 
dacht werden könnte. 

Was haben wir aber, da wir doch von einer Anwen- 
d u n g solcher Art sprachen, über den Heerd unserer jetzi- 
gen Vulkane aus diesen Ansichten gewonnen ? Dass wir 
uns entfernen müssen nicht nur von Przystanowki's selt- 
samer Theorie, die bei allen sonstigen Verdiensten die Wir- 
kungen des Vulkanismus mit seinen Ursachen verwechselnd, 
den Ursprung namentlich der Italienischen Vulkane im Schwe- 
fel und Asphalt sucht *) , wie ihn Andere in anderen u n- 
tergeordneten Produkten derselben suchen, — son- 
dern auch von der gewöhnlichen Ansicht, die alle vulkanische 
Erscheinungen des heutigen — beruhigten — Weltentages unmit- 
telbar von der E r d m it t e, dem sog. Erdkern, ausgehen lässt. 
Denn allem Bisherigem zufolge**) müssen zwar diese Phänomene 
ihren spezifischen Heerd, wenigstens zum Theil, in den 
tiefsten Tiefen der Erdrinde, alle aber müssen ihn jeden 
Falls in dieser selbst haben, wenn sie auch nicht alle, 
direkt genommen, von dem Punkte ausgehen , w o d i e s o 
Rinde eben aufhört, fest und entschieden flüs- 
sig zu seyn, wo also das Innerste mit ihrer Na- 
tur im Konflikt oder Verkehr ist. Einige dürften 
vielleicht von den Grenzen ausgehen, wo das Feuer-Flüssige der 
Tiefe ein Festes zu werden beginnt ***) ; diess wären aber 
nicht diejenigen, die die treueste Ähnlichkeit mit unseren 
(wichtigsten) Äerolithen verrathen, denn diese würden in grös- 



"*) Meine Vorlesung über die Natur ünteritaliens in den ,,yermisehten 
Aufsätzen etc." S. 198. 
**) Selbst wenn man die Ansicht halten wollte , die einseitig auf die 
Gesetze der Schwere sich beziehend, unsere wie die ältesten 
vulkanischen Phänomene einzig durch den Einfluss des Druckes 
erklären will, den die festen Regionen der Erdrinde auf die feuer- 
flüssigen Massen ausüben, die konzentrisch ihre Tiefe umgürten. 
***) Athene Heft 3. S. 284. 



— 177 — 

seren Tiefen zu suchen seyn ♦). Wie dem auch sey, die Rinde 
kann auf keine Weise so gedacht werden, als sey sie haar- 
scharf (durch eine abstrakte Grenze) von dem tieferen In- 
nern geschieden. In der Rinde der Erde herrscht über dem 
Feuer-Flüssigen das Starre und mit und auf diesem das 
Flüssige, in der Erdmitte keines von beiden. Ihr höheres 
Innere kann man sich in dieser Beziehung als ein Gegen- 
bild ihrer Pole denken, deren einer der Ländervt^elt so nahe 
steht, als der andere dem Reich des Flüssigen anheimgege- 
ben ist. Denn auf beiden ist das Flüssige durch Kälte un- 
mittelbar starr, es ist Eis; ein Gebilde, welches Leo- 
pold V. Buch früher unter die Felsarten aufgenommen wis- 
sen wollte. In jenem Inneren aber ist das Feste durch Hitze 
unmittelbar flüssig: im Zustande der Expansion. 
Die höchste Expansion herrscht im tiefsten Innersten. Wie 
kann diese einen Kern bilden ? — Das Feuer ist nur ge- 
gen das Wasser ein Extrem. Die fluidisirende Kraft des 
Vulkanismus ist, wie gesagt, ein neptunisches Moment in 
ihm selbst, wenn man nicht sagen will, die fluidisirende Kraft 
überhaupt sey ein vulkanisches Moment im Neptunismus. 
Ja, man kann beides sagen, je nachdem man das Reich des 
Flüssigen , abgesehen von seiner Ursache, Temperatur etc. 
oder nicht, dem Neptun zuschreibt. Was soll nun der Streit 
solcher Extreme in der Wissenschaft? Aufräumen und neu 
gestalten, nichts weiter! Wasser ist nur flüssig in einer be- 
stimmten Temperatur. Diess muss der strengste Neptunist 
anerkennen — wo nicht, so hat sein Neptun nichts weiter, 
als ein gewisses Maass von Sauerstoff und Wasserstoff etc., 
nicht einmal allen Sauerstoff und Wasserstoff etc. zu seinem 
Gebiete (und dieses nur innerhalb der Grenzen eines be- 
stimmten vulkanischen Momentes — einer bestimmten Tem- 



*) Einige Geologen haben versucht, die grössere oder geringereTiefe 
nach der längeren oder kürzeren Dauer der vulkanischen Krisis 
zu bestimmen, z. B. E. Donati (vgl. v. Leonhard's und Bronn's 
N. Jahrb. 1833. V. S. 579.). Man könnte sich eben so au deu 
Umfang halten. 

12* 



— 178 — 

peratur, die man wohl übersehen, aber nicht ableugnen kann;. 
Will man einen solchen Neptun mit den Gewalten des 
Feuers in die Schranken stellen ? Verständigte sich der 
Neptunist über das, was er "Wasser nennt *), es würde bald 
kein Sektenmesser mehr an die Kehle eines Geologen gesetzt 
werden **). 

Wir kehren aus dieser hypothetischen Sphäre allmählig 
auf den festeren Boden der Erde zurück und halten an der 
einfachen Wahrheit fest, dass die Ausbildung ihrer speziel- 
len (mithin ihrer wesentlichen ganzen) Natur hauptsächlich 
von ihr selbst ausging, dass weder ihr Inneres allein, noch 
irgend Eine Seite ihrer Rinde die ausschliessende Kraft 
dieser Ausbildung an sich reissen, und dass sich überhaupt 
die Rinde von diesem Inneren nicht so abtrennen konnte, 
als sey die Erde im Innern an einem scharf begrenzten Punkte 
mit einem Male Rinde und mit einem Male ganz hohl. In 
solchem Sinn hat die Natur, wie Göthe in weiterer Be- 
ziehung sagte, weder Kern noch Schale. 

Der Akt, welcher den Dunstkreis um unse- 
ren Planeten bildete, war demna-ch der Akt, in 
welchem sichFestes und Flüssiges auf derErde 
geschieden und das Innere in demselben Maasse 
mehr expandirt, in welchem sich die Oberfläche 
konzentrirt hat oder erstarrt ist ***). 



*) Nicht bloss im chemischen, sondern im allgemein physikalischen 
Sinne. Denn seine Kämpfe gegen die Chemie kennen keine Gren- 
ze, mag er sich unter dem alten Wasser immerhin etwas Anderes 
denken, als unter dem heutigen, mag er es sogar als eine Art 
Urschleim betrachten. 

**) Es ist sonderbar, welche Vorstellungen manche Geologen von der 
Natur des Äthers und der Erde haben. Noch seit Menschengedenken, 
sagen sie, duixh unbiblische Auslegung der mosaischen Genesis 
verleitet, habe der Planet Wassermassen, welche die Himalaya- 
Gipfel und alle Höhen der Erde gleichzeitig fünfzehn Ellen hoch 
bedeckt hätten, in den Weltraum verdunstet, wie er die Seelen 
der Sterbenden -auf andere Sterne entfliegen lasse. Alles, was 
sie für hoch und herrlich halten, mit den Seelen lassen sie 
sogar die Wasser, Massen-weise der Erde- entweichen und die 
allgedultige Erde leer ausgehen. 

*) Mehr als die Grundzüge davon zu erkennen, wird man heute 



- 179 — 

Wir haben damit die Grundzüge nicht nur der N a^ 
tur desErdinnern, sondernauch — seiner Geschichte! 
Werfen wir nun einen Blick auf die allgemeine Geschichte 
des Dunstkreises, Meeres und Festlandes, um uns 
über die Natur der Wärme auf der alten Erdoberfläche 
genauer zu verständigen! Denn diese ist doch eigentlich der 
streitvollste Punkt der heutigen Geologie. 

a) Nach jener Scheidung herrschte im anfänglichen 
Dunstkreis das Wasser wohl noch mächtiger, als in der 
heutigen Atmosphäre. Denn die erste Scheidung war 
nur der Beginn der jetzigen und die erste Atmosphäre, al- 
ler Analogie zufolge, minder rein und ausgeschieden, als die 
heutige, es mochte jene einen grösseren Reichthum an Stoffen 
verschiedener Art haben, als [diese, oder nur quantitativ, oder 
nur sofern von ihr sich unterscheiden, sofern letztere noch heute 
einen Mikrokosmus des ganzen materiellen Wesens der Erde 
in der expandirtesten Form ihrer Stoffe, obwohl unter anderen 
Verhältnissen, darstellt. 

Musste demnach die alte feuchte Atmosphäre ein stär- 
keres Gewicht auf die Oberfläche dier Erde ausüben,* als die 
heutige? Musste mithin die Verdunstung der alten Erdober- 
fläche von dieser Seite mehr zurückgedrängt werden *? Muss- 
ten die ältesten Wolkenschichten , die man annehmen darf, 
das sog. Ausstrahlen der Wärme verhältnissmässig mächti- 
ger, als die heutigen, hemmen ? 

Die Erdoberfläche hatte damals eine weit höhere, selbst 
den Dunstkreis tiefer durchdruigende Temperatur. Wohl 

so wenig fordern, als man jemals zu wissen braucht, wie viele 
Sandkörner das todteMeer enthält. Fragt man z. B., ob das Erd- 
innere unser Kalziu.m etc. enthalte, so sagen wir, wenn vom 
Innersten die Rede, ja und nein: Nein, weil es dasselbe unmög- 
lich so enthalten kann, wie unsere chemische Küche. J a , weil es 
nicht nur das einfache Wesen dieses, sondern aller Stoffe, die auf 
der Erde zum Vorschein kommen, enthalten muss. Aber einfach 
(s o einfach , um es im Erd-Centrum suchen zu dürfen) ist nicht 
was wir noch nicht zersetzen können. Diess ist bloss einfach 
für uns, darf aber auch nicht von uns willkürlich behandelt: 
werden. 



— 180 — 

begünstigt ein gewisser Druck einer bewegten Atmosphäre, 
niemals aber die Feuchtigkeit derselben die Verdunstung der 
Wasser, doch das Maas dieser Bewegung fehlt uns. Unsere 
Luft nimmt, je höher ihre Temperatur, um desto leichter 
Wasserdünste auf und in warmen Klimaten schlagen sich 
diese seltener, aber desto stärker als Regen nieder. Wasser- 
dämpfe vermindern indess die Dichtigkeit und das Gewicht 
der Luft *). 

Will man in der alten Umgebung der Erde, im Äther, 
eine luftleere Grenze ihres Gebietes suchen, so ist zu be- 
denken, dass die Flüssigkeiten im luftleeren Raum schneller, 
als im lufterfüllten verdampfen. Aber auch in jenem kann, 
nach neueren Ansichten, nicht mehr Dampf als in diesem 
existiren. Der Dampf der Flüssigkeiten hat so gut seine 
Grenze, als die Luft. Würde man also statt der atmosphä- 
rischen Luft nur eine Dampfhülle um die Erde annehmen, 
so würde desswegen die Verdampfung des Flüssigen, wie 
der Neptunismus zum Theil fordert, noch nicht ins Unbe- 
stimmte, Unendliche fortgehen, sondern dennoch eine be- 
stimmte Grenze haben **). Nur in Analogieen kann man sich 
bis jetzt weiter bewegen. Und diesen zu Folge nimmt nach 
Saijssure und Gay-Lussac, ohnerachtet der grossen, durch 
die Atmosphäre genährten Feuchtigkeit hoher Berggipfel, 
mit der Höhe der Luft die Feuchtigkeit ab, wie sie in einer 
gewissen Tiefe der inneren Erde auf eine umgekehrte Weise 
in heissen Dämpfen versehwindet. 

Dieses Verhältniss unterliegt nur innerhalb der Grenzen 
einer bestimmten Höhe (wie die Temperatur der Erde nur 
bis zu einer bestimmten Tiefe) dem Wechsel der Jahres- 
und Tageszeiten, so dass diese Differenz am Morgen stärker, 
als am Mittag, im Winter stärker, als im Sommer ist ***). 

*) Nur dadurch habe» sie nach Saüssure und d'Aubuisson einen je- 
denfalls mittelbaren Einiluss auf Strahlenbrechung. Journal de 
Phys. 71, 39. 

**) Über diese Grenze vgl. mit Dalton's neuem System etc. I. 185. 
MuwcKB in Gehler's phys. Wörterb. Leipzig, 1825. B. I. ,S. 473. 
Vgl. Kastner's Meteorolog. etc. 

•**) Bibl. univ. X. 264. MuNCKE ». 0. I. (1825.) S. 469. 



— 181 — 

Unter höheren Breitegraden, im Winter, und in grösseren Hö'' 
hen vermindert sich, ganz entsprechend den bisherigen Bemer- 
kungen, der Wasserdampf der Atmosphäre und umgekehrt. 
Schon desshalb fallen die stärkeren Regen in tropischen Ge- 
genden und in den Semmer-Monaten. — Der Anfang der 
Regenzeit unter den Wendekreisen und der elektrischen 
Explosionen, welche beide unter den Tropen zu bestimmten 
Epochen eintreten, werden indess nach Alexander von Hum- 
boldt *) von der veränderten Abweichung der Sonne und 
von den dadurch in ihrer Stärke modificirten oberen Luft- 
strömen vom Äquator gegen die Pole bestimmt.^; — Wir über- 
lassen dem denkenden Leser die Folgerungen aus diesen 
flüchtigen Vorerinnerungen **). 

b) Mögen wir nun annehmen, es habe sich v o r jener 
Scheidung des Festen, Flüssigen und der Atmosphäre die 
Wärme der Erder ***) allmählig oder in verschiedenen Epo- 
chen plötzlich vermindert t3 oder mehr , nach Innen ft) ge- 
zogen, oder auf ihrer Oberfläche auf beiden Wegen zugleich 

*) Abhandl. Berh Akad 3. Juli 1827. S. 309. 

**) Meine Schrift über den Ursprung der/ Mensclien und Völker nach 

der mosaischen GenesiR §. 96. f., wo S. 59, Z. 11. uns, statt aus, 

und S. 60. Z. 1. nach, statt noch zu lesen. 

•*.>) Vgl. Malten's neueste Weltk. Jahrg. 1832. Th. XU. S. 186. ff. 

zum Theil wohl nach Marcel de Serres Revue encyclopedique 

1832, Juillet. Vgl. v. Leonhard und Bronn's Neues Jahrbuch 

1833. Heft V. S». 590 ff. 

t) Durch diejenige Entwickelung derselben, die uns in Form der sog. 
Au s s tr a h 1 u n g bekannt geworden. 

Diese würde hier die unbewiesene Annahme voraussetzen, dass 
die Erde, die kein. Sonnenstäubchen aus ihrem Reiche entweichen 
lässtj. dem erfüllten Weltraum von ihrer Wärme nicht wenig abge- 
treten habe. In gewissem Maase Hesse sich in dem ersten Lebens- 
stadium unseres Planeten, diese Annahme, wenn sie von anderen 
Mängeln gereinigt würde, scheinbar rechtfertigen, zumal der sog, 
Wärme-Stoff nu» eine Hypothese und mindestens ebenso unhaltbar 
Ist als die Erklärung der Wärme für eine blosse Kraft. In je. 
nem Fall wird sie eine quantitas occulta, wie sie in diesem 
nur eine qua Utas occulta ist, was sie in jenem zugleich bleibt« 
tt) Thatsache ist und bleibt es, dass die Erd-Ober fläche gegen- 
wärtig eine ungleich geringere Temperatur, als früher, zeigt, und 
dass diese Temperatur schon in den ältesten Perioden, die uns 
kenntliche organische Reste hinterlassen, weit mehr abgenommeo 



— 182 ~ 

abgenommen *), so haben wir den Akt, wo sich das Flüs- 
sige, das Wasser, sammelte und von dem Festen schied, der 
Vorstellung näher gebracht. 

Ohne eine solche oder ähnliche Bedingung — zu einer 
Zeit, da die gährenden Lebenskräfte der Erde die Invidua- 
iität dieses Weltkörpers noch bei Weitem nicht so, wie es heute 
oder seit der Bildung der Atmosphäre der Fall ist, von den 
Einflüssen des Äthers frei gemacht — bleibt jene Scheidung 
kaum denkbar. Die erste Abnahme der Temperatur 
auf der Oberfläche der Erde erklärt aber 
schon eine Verdichtung ihrer Rinde und eine 
Sammlung der Wasser auf dem Boden dieses er- 
sten Festen **). 

Nach der Scheidung des Flüssigen und Festen mag dieses 
zuerst nur Insel-artig der Sonne offen gelegen haben. Die 
ungleich grössere Ausdehnung des Wassers auf der Erdober- 
fläche dürfte sich durch eine geringere Tiefe desselben aus- 
geglichen haben, da man nicht voraussetzen kann, eine so un- 
geheure Wassermasse sey von der Erde grossentheils ver- 
schwunden. Später erhöhte Gebirge erzeugten grössere Tie- 
fen***) und wiesen dem Meere ein nach oben begrenzteres, 



als die gleich alte Sonne ersetzen konnte, von deren Geschichte 
so wenig zu sagen ist, als von der des Äthers, der unser Weltsy- 
stem umgibt. 
*) Könnte nicht dieSelbstthätigkeit der Erde theils durch 
sog. Ausstrahlung, theils durch C öil z en trat ion der War- 
m e nach Innen (mittelst der späteren Überlagerungen durßh min- 
der dichte Massen und schlechte sog. Wärmeleiter) auf jenem 
Wege allmählig, auf diesem oft plötzlich ihre Ober- 
flache der früheren Wärme beraubt haben?? Im gesunden or- 
ganischen Leben zeigt sich die analoge Erscheinung, dass sich 

[^ der Puls des Kindes allmählig mässigt, im kranken oft plötzlich. 

*' ,. Und ist die Erdvvärme nichtein eben so grosses und eben so löss- 
. bares E-ätbsel, als die Blutwärme oder allgemeine Wärme des 
Organismus? — Davon weiter unten. 

**) Eigentlich hat diese Idee in früherer Zeit Niemand tiefer als 
Leibnitz aufgefasst. Ihm war das erste Erkalten der Erde 
ihr erster Schöpfungsakt, während, nach ihm, De Luc diesen 
Akt im ersten Aufthauen des Gefrorenen suchte. 

*-^*) Im stillen Ozean soll die mittlere Tiefe 4 Meilen betragen. SoM- 
MERviLLE in Edinb. n. phil. Journal i832. XXVI, 376. f. 



— 183 — 

aber tieferes Gebiet an. Dazu kommt noch, als untergeordne- 
tes Moment, die ausdehnende Eigenschaft der höheren Tem- 
peratur des ersten Flüssigen der Oberfläche. Die Meeres- 
Temperatur kann aber seit der Schöpfung marinischer Orga- 
nismen in das Gebiet dieser Erklärungsgründe nur so weit 
mit Erfolg gezogen werden, so weit sie die Existenz solcher 
Wesen nicht ausschliesst. Ulven und Moose leben noch heute 
am Rande des Karlsbader Sprudels wie des Isländischen 
Geysers. Ja das grüne, vegetabilische Wesen, das \om Karls^ 
hader Kalksinter oft eingeschlossen wird *), wurde von Ei- 
nigen für ein Thier gehalten. Andere untersuchten die Hitze- 
Grade, unter welchen pflanzliche und thierische Organismen 
überhaupt leben können. Aber wie gross auch diese seyn 
mögen — auf die Ausdehnung der Wasser koniiten sie, 
selbst unter der Voraussetzung, dasS die Natur der ältesten 
Organismen hohe Wärmegrade liöbte , nur einen be- 
schränkten Einfluss üben. Diess gilt mehr oder weniger auch 
\on späteren Erhitzungen empörter Gewässer durch plutoni- 
sche Aufregungen, sowohl allgemeiner, als örtlich beschränk- 
ter Katastrophen j die gleichwohl ganzen Reichen von See- 
Geschöpfen den Untergang gebracht haben dürften. 

Dass aber das alte Meer lange Zeit weit ausgedehnter 
war und eine höhere Temperatur hatte , als das heutige, 
muss man, unter der höchst wahrscheinlichen Voraussetzung, 
dass die Analogie der alten Felsarten, die das heutige Meer 
mit denen, die unsere Atmosphäre umhüllt, allgemein durch- 
greift, schon aus der Natur der organischen Reste folgern, 
die in den ältesten und in den sog. sekundären Schichten 
normaler Gebirgs-Massen liegeni Der bei Weitem grösste 
Theil dieser Organismefrt scheint nämlich das Daseyn von 
bildungskräftigem Wasser und eine ziemlich hohe Tempera- 
tur torauszusetz^n. Selbst die Vegetabilien jener Zeit äh- 
neln zu einem grossen Theile solchen, die heute nur an 
feuchten Orten oder durch Wasser gedeihen, wiewohl schon in 
den Gruppen des alten Steinkohlen-Gebildes, in dem Gebiete des 

*) GÖTHE zur Naturwissenschaft I. S. 50. 



— 184 - 

Bergkaiks nnd nach den Angaben einzelner Naturforscher 
sogar schon in dem des alten rothen Sandsteins pflanz:» 
liehe Reste sichtbar sind, die eine, ziemlich entwickelte 
Land Vegetation verrathen. Selbst die Vegetabilien der 
Grauwacke, in denen man Palmen-artige Blätter und Calamiten.- 
Abdi'ücke findet, und die den gegenwärtigen Pilanzenarten 
im Ganzen nur entfernt ähnelu, entsprechen denen der Stein- 
kohlengruppe , in der man neuerdings auch Seemuscheln 
gefunden. Was mau aber von^ diesen, wie von den 
Monokotyledonen der Grauwackenschiefer, urtheilen mag, so 
vi«! bleibt gewiss, dass nicht nur die Anzahl der Verstei- 
nerungen mit dem steigenden Alter der ersten normalen Ge- 
bilde abnimmt, sondern auch dass ihre Mehrzahl ursprüng- 
lich auf umfangreichere Wasser hin weisst. Und wenn — um 
an DE Luc's und Buckland's Theorieen zu erinnern — in der 
mosaischen Genesis dijel ersten Pflanzen älter erscheinen^ 
als die Wasserthiere, so konnten jene dooh nur einem feuch;- 
ten Boden entspriessen, oder unter den Nebeln der alten 
Erdoberfläche gedeihen *). Darf man sich hier nur salzige 
Wasser oder überhaupt schon einen vollkommen ausgebilde- 
ten Salzgehalt des Meeres denken? Die Frage wird uns 
weiter unten beschäftigen. Hier dürfen wir bloss bemerken : 
diese Eigenschaft des Meeres, sie sey eine ursprüngliche 
oder nicht, hängt keineswegs von den Gesetzen der blossen 
Schwere ab, was schon daraus hervorgeht, dass der Saljsr 
Gehalt in der Tiefe des Meeres nicht eigentlich zunimmt **), 
— Die Ursprüngliehkeit des Salz-Prinzips im Meere wider- 
streitet keineswegs einer weiteren Herausbildung dieser Be- 
schaffenheit. Das Salz bleibt jedenfalls, wie Berzeliüs 
sagte***) ein Produkt des Prozesses entgegengesetzter Momente. 



*) 1 Mos. 26 S. Meine Schrift: Über den Ursp. der Menschen und 

Völker nach der mos. Genesis. Nürnberg, bei Schräg. 1829. §, 15 

und §. 90. 
**) Vgl. P. H. Hollemann dissert, meäico-chemica inauffuralis de aqua 

marina. Trajecti ad Rhentim. 1833. v. Leonhard's und Bronn's 

N. Jahrb. f. M. etc. 1833. V. S. 626. 
***> Vgl. Bjbrzblius Lehrb, der Chemie. Pohl in dem Berliner Jahrb. 



— 185 — 

c) Die erste Bildung des Festen war also naeh dem 
Bisherigen auch die erste Bildung des Flüssigen und der 
Atmosphäre. — Sie setzt demnach eine allgemeine Einheit 
dieser drei Hauptmomente des tellurischen Organismus voraus. 

Fragen wir UHUj woher das erste Feste kam, soha- 
b e n wir im Allgemeinen schon die Antwort ! Es kann wö- 
der bloss aus Aussonderungen des Wassers, noch der At- 
mosphäre, noch bloss aus Stoffen der Tiefe herrühren *). 
Alles aber hat daran Antheil, nur muss Eines, eben wenn 
das erste Feste schon ein bestimmtes Festes ist, einen vor- 
zugsweise bestimmten Antheil haben. Erinnern wir uns aber 
der Beschaffenheit der anfänglichen tellurischen Masse, so wer- 
den wir als das kräftigst wirkende Prinzip derselben die von 
Innen heraustreibende Hitze — das Feuer— anerkennen**). 

Diese Kraftäusserung des Planeten ist aber so alt, als 
er selbst, mithin der erste Augenblick seines Daseyns schon 
der Beginn des Prozesses dieser Scheidung ***), so, 



1824. April. Die bekannten Worte von Berzeliüs nennen das 
Salz das Produkt vom Gleichgewicht der entgegengesetzten Kraft- 
Ausserungen. (Franklin sagte: das Meer bestehe aus nicht elek- 
trischem Wasser und aus elektrischem Salze. Experim. ahä ob- 
serv. of Electricity. London 1769. 4. Werke Th. II. S. 367.) 

*) Ad hominem: Woher sollten denn die Niederschläge eines Wassers, 
das noch nicht als Wasser, einer Atmosphäre, die noch nicht als 
solche existirte, woher die festen Stoflfe eines nicht vorhandenen 
Erdkerns kommen ? 

**) Wem es etwa gefallen sollte, das Wort Feuer in einem Sinne zu 
nehmen, in welchem es in der verhüllten Tiefe unmöglich gedacht 
werden kann, der fällt in einen Irrthum, der schon vor mehr 
als tausend Jahren widerlegt worden ist. Er kann sich bei 
gutem Willen aus Philipon. ad Aristotel. de anima. I, 2, zum 
Theil sogar aus dem Kirchenvater Clemens Strom. V. 14, davon 
überzeugen, um zu lernen , was Feuer heisse, wie er aus einer 
oben gegebenen Weisung entnehmen konnte, was Wasser nicht heisst. 

***) Man dürfte an die geringe Abnahme der Hitze erinnern, 
unter der die ältesten plutonischen Massen erstarren konnten. 
Ein Grad unter der Weissglühhitze würde die granitische Masse 
schon in Erstarrung versetzen. Aber solcher Ausführungen bedarf 
es hier so wenig, als eines Beweises, dass die Gleichzeitigkeit der Bil- 
dung des Festen und Flüssigen dadurch nicht gefährdet wird. 
Die Natur will einfach gefasst, aber in alleu Beziehungen 



— 186 — 

dass die Erde als glühender Planet im Äther geboren , so-^ 
gleich einen grossen Theil ihrer Hitze entband, und ihr 
^eigenes):! Wesen in ihr selbst fester zu begründen — zu 
entwicMeln strebte. 

Dieser energische Proz«s& war in ihrer wesentlichen 
Ausbildung, was in ihrer äusseren Bewegung ihr Umschwung 
um sich und um die Sonne war. — Wollte man sich für 
diesen an den Ausdruck kosmischer Magnetismus binden, 
so dürfte man jenes einen kosmischen Galvanismus der 
Erde nennen *). Es war Entbindung der Wärme und eiJies 
Theils der flüchtigsten Materiö (?) in den umgebenden Äther 
und Kontraktion ihres Wesens und ihrer Materie in sich selbst*, 

Nur in der Einheit dieser doppelten Beziehung der Erde 
-offenbarte sich die volle Kraft ihres chemischen, Wesens : 
ihr absoluter Chemismus, in eben demselben Akte;, in 
welchem sie sich dem Äther entwand und sibh aus sich »u 
entwickeln, als Planet d a zu seyn begann. 

Demnach treten erst mit der anfänglichen Scheidung des 
Inn fern und der Rinde, des Landes, Meeres und Dunstkrei- 
ses auch die physikalischen Elemente in ihre volle 
Existenz. Das Feuer kann erst hier als Feuer, das Wasser 
als Wasser, die Erde in bestimmten Formen auftreten 
und die Luft in der Atmosphäre sich ausbilden. Erst von 
da an gibt es einen meteorologischen Prozess, in 
welchem alle Elemente ihr Bestehen haben und sich wieder 
erzeugen; wie sich auf der ganzen Erde unablässig alle 
Kräfte eben dadurch erhalten, dass sie fortan in ihrer Schö- 
pfung begriffen sind **). 



erkannt werden. Es handelt sich um die Einheit ganzer Perioden, 
nicht einzelner Tage und Stunden. (Selbst bei unseren Laven 
dauert die Gluth im Innern oft Jahre lang.) 

*) Vgl. y. Leonhard Vorles. in der Münchner Akad. 12. Okt. 1816.^ 
Bedeutung und Stand der Mineral. Frankf. a. M. 1816. S. 101 f. 

*'■') Je genauer ich z. B. die Streitfragen über die Wiedererzeugung 
des Sauerstoffs in der Luft erwäge, je weniger kann ich mir den- 
ken, dass der sogenannte Abgang ihres Sauerstoffs durch dieAus- 
athrauugen der Pflanzen, durch ihre Zersetzung der Kohlensäure^ 



— 187 — 

Ist nun die Atmosphäre der Erde wirklich, wie sie 
betrachtet wird, die Sammlung aller diesem Planeten ent- 
steigenden Dünste, — so kann offenbar seit ihrer Ausbil- 
dung *) der Äther keinen Stoff mehr von der Erde erhal- 
ten, wie er mindestens seit dem jetzlgen-postdiluvischen 
Stand der Dinge **) auch keine Wärme mehr erhalten konnte ***), 



»;<**• 



vollständig ergänzt wurde: eine Ansicht, gegen die unter Andern 
schon Berzelius gestritten. Auch die neueren Theorieen dieser 
Art scheinen mir zu künstlich. Mitwirkenden Antheil mögen die 
Organismen haben, aber sie haben ihn nur innerhalb des 
meteorologischen Prozesses, kraft dessen die physikali- 
schen Elemente der Erdoberfläche und ihrer Atmosphäre allseitig 
bestehen und sich erzeugen. Was gegen diese Ansicht geltend ge- 
macht werden könnte s. bei Muncke in Gehler's phys. Wörterb. 
B. I. a. 1825. S. 460. Man darf dabei an das von Hoff bezeich- 
nete, weiter unten berührte Räthsel errinnern , dass der Spiegel 
des Meeres bei Erhöhung seines Bodens seit der Diluvialkatastro- 
phe so wenig gestiegen, als die Wärme der Erdoberfläche sich 
verändert hat. Das Räthsel löst sich, wenn man den Zusammen- 
hang dieser Erscheinung mit anderen vollständig untersucht und 
die Erhöhung des Meeresbodens weder zu hoch , noch die Ver- 
dunstung des Wassers, und was damit verbunden, zu gering an- 
schlägt, und nicht verkennt, dass die Atmosphäre, fortwährend 
in Thätigkeit, zersetzende Kräfte so gut als bildende, uns unsicht- 
bar, auch da ausübt, wo man sie heute noch nicht verfolgen 
konnte. Wie könnte auch sonst, um nur etwas zu erwähnen, der 
meteorologische Prozess derjenige seyn, durch dessen Vermittelung 
die unorganische Natur sich in die organische übersetzt? Die 
befruchtende Macht und die ganze Natur der Gewitter zeigt, 
dass diese noch unerklärte Erscheinung eine weit allseitigere 
Äusserung dieses Prozesses ist, als die Bildung von Sternschuppeo 
einerseits und von Nordlichtern anderseits. 

') Erinnern wir uns, was oben von der Feuchtigkeit und von den 
Wolkenschichten der alten Atmosphäre gesagt wurde, so werden hier 
viele Andeutungen klarer werden. 

) Ob etwa der Einfluss des Lichtes früher ein anderer war, ob 
er eben so, oder stärker oder schwächer auf die Erdoberfläche 
wirkte, kann man aus der Natur der alten Athmosphäre und aus 
den Spuren klimatischer Einflüsse entnehmen, die schon die ante- 
diluvische Welt zeigt. (Ausserdem vgl. Ojlbers in Bode's astro- 
nomischem Jahrbuch 1826. S. 110. 
) Denn das Erkalten der Oberfläche nach der ersten 
Scheidung ist kein Kälterwerden der Erde im 
Ganzen. 



- 188 - 

die nicht fortan in gleichem Maasse, keineswegs bloss 8 o 
sich wieder ersetzt hätte, wie der thierische Organismus 
einen Theil des entlassenen Blutes gleich wieder erzeugt. 
Die angegebene Begriffsbestimmung der Atmosphäre scheint 
uns nämlich eine der treuesten Bestimmungen zu seyn, die 
der Naturforschung oblagen, w^enn man den Ausdruck Dün- 
ste mit Freiheit (d. i. allseitig) fasst, und alle Gas-artig aus- 
gedehnten Stoffe, die die Erde in Fülle aushaucht, und unter 
dem Worte Sammlung (gewöhnlich Sammelplatz) kein reines 
Passivum versteht, sondern einen im meteorologischen Pro- 
zesse wesentlich mitthätigen Heerd der Empfängniss und 
Fortbildung dieser expandirten Stoffe. 

Mit ihrer Selbstentwickelung hat also die Erde die Ein- 
flüsse des Äthers bis auf ein Minimum bezwungen. Ihre 
Ausathmungen hält sie in ihrer Atmosphäre gebunden. Sie 
lässt kein Stäubchen von sich, und spottet, so lange sie leben 
bleibt, seiner beraubenden Kraft, oder vielmehr sie saugt 
seine bildende Kraft so weit in sich ein, dass in ihrer Nähe 
kein neuer Weltkörper zu entstehen vermag. 

Diese Betrachtung führt uns weiter: Erwägen wir näm- 
lich statt der einfachen Natur des Äthers den vielbesprochenen 
Einfluss anderer Weltkörper auf unseren Planeten, so kenne 
ich, auch von dieser Seite her, bis jetzt keinen sicheren 
Grund, der mich zur Annahme verleiten könnte, die Erde 
habe jemals irgend einen Stoff in den Weltraum verlo- 
ren — ja, man müsste da entweder den Gedanken, dass 
die Erde ein wahres Ganze ist, völlig aufgeben, oder sich 
ein Wechselspiel ersinnen und sagen, sie habe alle solche Stoffe 
bei der Bildung ihrer Atmosphäre sogleich wieder an 
sichgezogen. Aber diese Bildung erfolgte mit jener 
Wärme-Entbindung *), so dass die erste Au s- 

*) Diese ist mithin kein förmlicher Verlust an Wärme für die Erde. 
Nichts zwingt uns, eine solche zu behaupten. Das Gesetz , nach 
welchem die Temperatur der Atmosphäre mit der Er- 
hebung von der Erdoberfläche abnimmt, ist nur durch 
Gay-Lüssac's Luftreise (Bullet, des sciene. math. phys. et chim. 
Mag. S. 304.) durch von Humboldt'» etc. Beobachtungen auf Ge- 



— 189 — 

athmung der flüchtigsten Stoffe der Erde, in 
denen sich, um kühn zu sprechen , ein Mikrokosmus ihres 
ganzen materiellen Bestandes in der expandirtesten, durch 
eben diese Wärme vei'mittelten Gestalt darstellte, der 
Beginn der Bildung ihres durch ihre Kraft an sie 
gebundenen Dunstkreises war. Und so fällt jener Zwei- 
fel hinweg und mit ihm der Glaube an reellen Verlust der 
Wärme. 

Es bleibt allerdings, wenn wir die einfachen Gesetze 
der Schwere betrachten , eine anerkannte Thatsache , dass 
irgend ein Weltkörper, der eine Gravitation auf einen anderen 
äussert, die Schwere auf demselben (die Gravitation sei- 
ner Theile gegen einander) mässigt, wie man sagt, schwächt. 
Denn diese Äusserung der eigenen Schwere eines Weltkör- 
pers, die mit seiner Hitze die sphäroidische Gestalt dessel- 
ben bedingt, geht, im Ganzen gefasst , aus derselben Quelle 
hervor , aus welcher die Anziehung der Weltkörper gegen 
einander, die ihre Bahnen mitbedingt, und dieselbe Kraft kann, 
wenn sie einfach als Eine gedacht werden soll, nur insofern 
doppelte Wirkung äussern, sofern sie in dieser Äusserung 
sich selbst begrenzt, d. h. sofern jede dieser Wirkungen 
die andere mässigt und begleitet. So sind beide nur in und mit 
einander. Aber der Unterschied dieser Wirkungen liegt ei- 
gentlich schon in ihrer Quelle. 

Diese Thatsache ist, wie Parrot *) gezeigt, von Be- 
deutung für die Lehre von Ebbe und Fluth: es wird 
aber Niemand auf diese Weise Wasser oder Luft von 
der Erde entfliehen lassen: Wie aber mit der sg. Gra- 
vitation, so steht es auch mit den anderen Kräften, 
von denen man sagen mag, dass durch sie Weltkörper auf 
einander wirken, wenn wir dieselben auch dem Zustande 



birgshöhen und durch wenige Andere zumTheil von Arago berührte 
Momente zu begründen. Vgl. Poggendorf's Annal. IV. 1825. S. 
116. Noch räthselhafter ist die Höhe der Erdatmospsäre. 
*) Poggendorf's Annal. IV, 2. 224. Parrot scheint dabei die Lehre 
von der Ebbe und Fluth verwickelter gemacht zu haben, als sie ist. 



— 190 — 

noch ganz nahe denken, wo sie alle eben begonnen haben 
da zu seyn. Wie sich nun im ernsten Reiche der Wirklich- 
keit das angegebene Verhältniss nirgends so einseitig aus- 
gebildet, dass man ein System von Weltkörpern um irgend 
einen einzelnen Weltkörper annehmen könnte , welches die 
Schwere an dem letzteren nicht etwa so weit, als sich alle 
Weltkörper gegenseitig tragen *) , sondern so speziell auf- 
heben würde, dass „jeder nicht durch F I ä c h e n - Anziehung 
konglomerirte Theil über demselben frei schweben würde" — 
noch weniger kann man von einem selbstthätig sich entwi- 
ckelnden ' Planeten erwarten, dass ihm irgend ein anderer 
etwas von seiner Materie, ohne welche nach der allgemeinen 
Ansicht auch keine Wärme entfliehen könnte , entziehen 
würde. Wäre ihm seine eigene Masse so äusserlich, so 
wäre der Planet am Ende der wahre Tempel Swifts, der 
so vollkommen nach den Gesetzen des Gleichgewichts erbaut 
war, dass ihn der erste Flügelschlag eines Spei'lings umge- 
weht. Die Wirklichkeit spottet einer solchen Theorie! 

Das innere Band, welches die Körper unseres Sonnen- 
systemes verbindet, mag noch so mächtig seyn, es wird nie 
darauf beruhen, dass ein Weltkörper irgend einen Stoff von 
dem anderen erborgen, oder letzteren veranlassen müsste, 
ihn dem Äther zu überlassen, damit dieser etwa seine Ko- 
meten oder Gott weiss welche Körper daraus bilden könnte. 
Ist die Werkstätte unseres Äthers so arm, dass er so weit 
von den Grenzen der Welten, die in ihm kreisen — zur 
Bildung der Kometen solcher, so materieller Hülfe be- 
dürfte, er, dessen Schoosse das Weltall, gleich ursprünglich 
mit ihm selbst, entstiegen ist und noch entsteigt ? soll man 
die Kometen in diesem Sinne Wolken unseres Welt- 
systems nennen? Man würde ein Gegenstück zur Theorie 
jenes Naturforschers liefern, der Böhmen sammt seinen Be- 
wohnern als ein Meteor vom Monde auf die Erde fal- 
len liess ! 



') Vgl. in Uckert's Geograph, der G. und Römer I. 2. S. 29 ff. 37. ff. 
II. 1. S. 32. ff. die Ansichten der Alten über diesen Punkt. 



~ 191 — 

,. In der That ! etwas ganz Anderes, als Verlust an 
Stoff ist das scheinbare Verschwinden oder Sinken eines gewis- 
sen Maasses von Wärme, denkbar zumal, ehe es eine Atmosphäre 
gab. Es hat etwas Analoges mit vielen Erscheinungen wahrer 
Körper, die es zum Theil begleitet, z. B. mit dem Festwer- 
den des Flüssigen in der Kr y stall -Bildung, fällt aber nicht 
in das Gebiet wirklicher (mithin wägbarer) Stoffe. Wahre 
Imponderabilien sind, wie jede Erfahrung und jede 
gründliche Theorie beweisst, so wenig Körper, so wenig 
ein Ton oder eine Empfindung ein Körper ist. — Sie wir- 
ken wohl auf Körper, gehen aber eben so wenig verloren, 
als irgend etwas *). Die Abnahme der Wärme auf der 
Erde, d. i. auf ihrer Oberfläche ist keine Abnahme ihres 
Wesens, Die Erde ist noch heute so kräftig, als sie jemals 
war: Ihre Kraft wirket bis jetzo, nur vermittelter: ihre 
Kräfte haben sich nur selbst gemässigt, in ihren Wirkungen 
sich geordnet : es hat keine Noth, dass sie je ermüde. Wie 
könnte das Verschwinden der Wärme in der Bildungszeit 
i^er Atmosphäre ein reeller Verlust seyn? Was verliert der 
wahre Magnet, was der bewegte Erdkörper an der Kraft, 
die er äussert — oder vielmehr, verliert die Sonne Licht — 
wenn sich Licht in ihrem Verhältniss zu den Körpern, die 
sich um sie bewegen, erzeugt und die Atmosphären derselben 
mitbelebt? oder soll sie früher etwa mehr Licht im Welt- 
raum entzündet haben? — Aber die Vergleichungen wanken, 
wie man sie auch wählen möge. Jede Lebensseite hat ihre 
Eigenthümlichkeit. Sollen wir erst fragen, was man 
Latent werden der Wärme nennt, oder gar, wie weit etwa 
die sog. Wärme-Strahlen oder ihre Undulationen von der 
Erde bei der Bildung ihrer Atmosphäre gedrungen oder 
welche Temperatur der alte. Äther gehabt?? und der jetzige 
habe?? **) 



*) Die Erinnerung an Leibnitz allein vertritt eine Reihe von Bewei- 
sen für diesen Satz ! 
**) Kann man die ersten Wirkungen der von Innen heraustreibenden 
Jahrgang' 1834. 13 



— 192 -- 

Man sieht, wohin man getrieben wird, weiin man den 
Boden der Wirklichheit verlässt, oder nach den Grenzen 
der Morgenröthe und der uns merkbaren Strahlenbrechung 
sogleich die Grenzen der Erdatniosphäre bis auip einzelne 
Meilen abmisst. Nehmet die Flügel der Morgenröthe und 
des Lichtes, erreichet diese Grenzen, ihr werdet auch da 
noch die Macht der Erde empfinden, anders zwar, als ihr 
sie fühlen würdet, wenn ihr euch in die Höllen- Nacht ihrer 
Tiefe betten könntet, d. h. in ihrer Peripherie anders, alä 
in ihrem Zentrum. Denn von jener steigt das Leben naeh 
nnten, von dieser nach oben und nicht weniger, als 
das Erdinnere von der Erdrinde, mussvomÄther 
die Atmosphäre, ja sie muss von ihm noch be- 
stimmter, als das Licht des Thierkreises und 
seineBewegu n g *) g e sc h i e d e n s e y n , weil die Erde 
ein konkreterer Körper, als die Sonne ist. 

Wir sehen dabei wohl, dass man sich diese Grenze als ver- 
schwindend denken kann, ja dass man sie in gewissem Sinne^ 
aber nicht ins Unendlich-Unbestimmte so denken muss. ^ 
weit nämlich die Erde von dem Äther allgemeiner äh 
irgend ein einzelnes grosses Gebiet derselben von cinerti aii^ 
deren (ihm nicht völlig gleich geordneten [koordinirten] Ge- 
biet) unterschieden ist, so weit odör insofern muss die 
Grenze der Atmosphäre gegen den Äther nöthwendig (näm- 
lich im Allgemeinen) schärfer seyn, als die Grönze des Efd*- 
innern gegen seine ausgebildete Kruste. Wir iiennen hiet 
mit Absicht d i e s e Gebiete, niclit etwa (^-^ ivlr'^w ahnen es nur, 

Hitze der Erde als eine Art Verdattipfong in den umgebendiBB 
Weltraum betrachten, so beginnt offenbar mit ihr die Bildung der 
Atmosphäre. Man kann aber diese darum nicht älter als das Feste 
und Flüssige nennen, wenn ma** nicht das Verfahren einiger My- 
thologeii nachahmen will, welche sich durch alle Kategorien ihrer 
Wissenschaft, durch die physischen, wie durch die ethischen hin- 
durch, darüber gestritten, warum Zeus der jüngste Bruder des 
Ais und Poseidon hcisst. 
*) Man vergleiche La Place Exposition du Systeme du moiide Livr. 
IV. chap. 9. f. eine merkwürdige Untersuchung über die' Grenzen 
des Zodiakallichtes. 



— 193 — 

um dem Gegner selbst einen Pfeil in die Hand zu drücken ! — ) 
die Grenzen des Festlandes, Meeres und Dunstkreises. Denn 
der Gegensatz derselben will nicht bloss nach einem allge- 
meinen, sondern nach dem bestimmtesten Maassstabe der 
Coordination bemessen und so erkannt werden , dass jedes 
dieser Glieder, mit dem anderen, als eine Entwickelung des- 
selben Prinzips, welches das Innere von der Rinde geschie- 
den, und aus d e m Gesichtspunkte angesehen wird, auf dem 
es einleuchtet, dass in dieser Dreiheit die allgemeine Differenz 
der tellurischen Natur ihre eigenthümlichste Grund- 
bestimmtheit gleichzeitig ausspricht. Selbst diese drei Mo- 
mente sind, sofern sie dem Einen Ganzen der Erde gehören, 
von einander, was. ihre innerste Beziehung angeht, ganz 
offenbar unendlich weniger getrennt, als die Erde von dem 
Äther, dessen Unbestimmtheit neben ihrer Realität gleichsam 
verschwindet. Denn er ist nur die allgemeinste reinste Grund- 
lage ilu'es Wesens, während das Innere der Erde schon eine 
individuelle Grundlage ihrer Rinde ist. Vor dem Leben 
der Erde verschwindet seine Existenz und wird mehr oder 
weniger gleich Null, daher wenig beachtet von der heutigen 
Naturforschung ••=). 

Näher über die Grenze der Erdatmosphäre und des 
Äthers zu sprechen, ist ohne die bestimmteste Erklärung 
über den Begriff des Weltraums, die hier zu weit führen 
würde, nicht wohl möglich. Hier kommt es auf die Grenze 
der Atmosphäre, weniger sofern sie den Äther, als sofern 
sie die Erde begrenzt, an. Auch diese Grenze mag 
ihre Geschichte haben, aber noch Niemand hat sie ge- 
schrieben. 

Sollen wir also nach den heutigen Grenzen der At- 
mosphäre, nach ihrer Höhe forschen, um die MögHchkeit 
zu beweisen, dass alle Wärme, die die Erde bei der Bil- 
dung ihrer Rinde auf der Oberfläche verloren, noch immer 
in ihrem Gebiete gebunden sey, weil die Atmosphäre gleich- 

*> Vgl. z. B. Newton Pr. Phil. Nat. Lit. II. propos. 10. Siehe 
hier S. 200. Not. '•'*)• 

13* 



— 194 — 

zeitig mit dem Land und Meere entstanden? Zu jedem 
Schlüsse bedarf man mindestens zweier Prämissen. 

Zwei bestimmte, sichere, in das ganze atmosphärische 
Leben der Erde eingreifende Faktoren, die uns schon heute 
die Höhe der Atmosphäre vollgültig berechnen Hessen, sind, 
mir wenigstens, nicht bekannt, denn die Zusammenstellungen 
der nur innerhalb gewisser Grenzen bekannten Abnahme 
der Wärme und der Dichtigkeit der Luft, die Bestimmun- 
gen der Punkte, wo die sog. Fliehkraft oder Schwungkraft 
der Erde und die specifische Elastizität der Luft mit der 
Schwere ins Gleichgewicht kommt, wo das Licht keine merk- 
bare Strahlenbrechung *) mehr zeigt — eine Grenze, die 
noch bedeutend höher, als die Grenze liegt, auf die die 
Beobachtung der Dämmerung zuerst geführt hat **), diese 
Untersuchungen geben zwar der Atmosphäre eine ungefähre 
Höhe von 25 bis 30 geographischen Meilen, aber 
sie belehren uns nicht über die Natur ihrer obersten Regio- 
nen, lassen mithin in der Seele des ernsten Naturforschers 
immer noch erhebliche Zw^eifel zurück. Er beachtet, ohne 
dabei zu verweilen, die Räthsel der Atmosphären der lunarischen 
und planetarischen Körper unseres Sonnensystems ***) 
und des Thierkreis-Lichtes, das man als Sonnen-Atmosphäre 
ansieht. Er verweilt nur kurz bei den Fragen über die sog. 
Anziehung, welche Sonne und Mond, wie auf das 
Meer, so mit anderem Erfolgt) auf die Atmosphä- 
r e üben, wenn er, im Sinne der Abgeschlossenheit oder des 



•) Eine Lichtverändernde Kraft schrieb Oxbers auch dem Äther zu. 
Diese würde auch hier von Bedeutung seyn, hätten diejenigen Recht, 
die der Atmosphäre gar keine Grenze beimessen. 

■*) Diese, die auch die höchste Höhe der Nordlichter zu seyn scheint, ist 
nach Brandes (in Gehler's phys. Wörterb. IL 277.) etwa 4 geo- 
graphische Meilen. 

'"■•"*; Denn die Natur der kometarischen Weltkörpcr ist selbst sokonkret- 
at mosphärisch, dass man keine v/eitere bestimmte Atmos- 
phäre von ihnen erwarten kann. 

t) La Place Mem. de l'acad. 1775. S. 76. Mec. cel. II. livr. IV. 
c. 4. n. 44:. Dazu Muncke in der neuen Ausg. v. Gehler's 
phys. Wörterb. 1. (1825.) S. 500 auch S. 67 ff. 



— 195 — 

eigenen Lebens unseres Planeten, ihre Höhe beurtheilt se- 
hen will. Er wird diess Alles erwägen, selbst die Frage 
sich stellen, welches Verhältniss die Höhe der 
Atmosphäre zur Masse des Festen und Flüssi- 
gen, so wie zurGrösse der Erde und zudenftua- 
draten ihre'r Entfernung von andern Weltkörpern des 
Systems, dem sie angehört, und zur vermeintlichen Höhe 
der Atmosphären solcher Weltkörper habe, an welchen man 
eine Art von Dunstkreis beobachtet. 

Er wird nichts zu klein achten, was ihn, auch entfernt^ 
zu grösserer Gewissheit führen könnte : jedes einzelne Mo- 
ment, jede Ansicht wird er, wie der Philolog jede Lesart, 
wie der Zoolog und Geognost jedes Petrefaktum prüfen, auf 
nichts, was genau ist*), mit Stolz herabsehen, aber er wird 
sich nicht schmeicheln, wenn der Atmosphäre keine über 30 
geograph. Meilen hohe Grenze gesichert ist, ihre W ä r m e a b- 
sorbirenden Kräfte völlig bemessen oder die ausserirdische 
Stätte begriffen zu haben, aus der die Bleteorsteine und Stern- 
schnuppen (Phänomene derselben Art) kommen sollen. 

Kennen wir noch nicht einmal die Tiefen des Meeres 
und des Landes, das Verhältniss ihrer Masse und Natur 
zu der der Atmosphäre, wie wollten wir sagen, welches 
Maass von Wärme bei der Bildung der letzteren **) noth- 
wendig war ? Selbst die übrigen Wärme-absorbirenden Kräfte 
der Natur sind noch räthselvoll! Und auf den Boden unse- 
res in diesem Gebiete so jungen Wissens sollten wir, in 
babylonischer Verwirrung, die seltsame Vorstellung aufbauen, 
dass die Erde an Wärme reell verloren, wenn wir nicht h a n d- 
grei flieh bis ins Einzelne nachweisen können, wie das 



*) Aristoteles Metaph. B, II. gegen Ende. Ein Irrthum, so klein, 
dass man ihn gleich Null schätzen könnte, erzeugt bei weiterem Ver- 
folg (wenn ihm eine Einheit vorgesetzt ist) Millionen Irrthümer 
und erbt sich fort. 
"~*) Bedeutende Winke über Li ch tabsorbtion im Luftkreise, über Wär- 
me-Erzeugung durch Lichtschwächung etc. gab kürzlich Arago. 
Vgl. Conn. des temps pour 1828. S 225. mit Alex. v. Humboldt 
in Abhandl. Berl. Akad. 3 Jul. 1827. S, 307. 



— 196 — 

erste Sinken der Temperatur ihrer Oberfläche bei der Bil- 
dung ihrer Atmosphäre vor sich gegangen? Wie geht denn 
die Wärme - Abnahme des Organismus bei seinem Sterben, 
oder, weil jenes eher ein neues Leben, als ein Untergehen 
war, wie der Prozess vor sich, den wir Bewegung des Blu- 
tes, der Nerven etc. nennen ? Wie unsere Physiologie in diesen 
organischen Gebilden Kügelchen entdeckte, entdeckte unsere 
Chemie in der Atmosphäre eine Menge beweglicher Gasarten. 
Aber damit weiss weder diese noch jene sogleich, was sie 
eigentlich entdeckt hat, wie ihr reicher Fund entständen, 
wie er zu begreifen ist 7 Denn ohne Genesis gibt es keinen Be- 
griff! und ohne Einsicht in die weitere Entwickelung kein 
Verständniss der Entstehung! 

Die später abnehmende Temperatur der Atmosphäre 
geht Schritt vor Schritt mit der zunehmenden Ausbildung 
der Erdkruste. Je mehr diese an Massenbildung gewon- 
nen, je tiefer bannte sie die Wärme in das Innere der Erde. 
Wer also unter den bisher entwickelten Bedingungen 
wunderbarer Weise einen reellen Verlust der Erd- 
wärme behaupten wollte, müsste nicht nur die Grösse der 
Atmosphäre — der ursprünglichen und der heutigen, — 
sondern auch die wärme-bindende oder wärme-absOrbirende 
Kraft der ganzen Erde, vom ersten Sehöpfungsakte an, weit 
bestimmter, als es bisher gelungen, erkannt, und zugleich 
das ohngefähre M a a s s der Wärme bemessen haben, das 
bei dieser Scheidung des Landes, Meeres und Dunstkreises, 
wie der Rinde und des Lineren in das Gebiet der ur- 
sprünglichen Umgebung des Planeten entwichen und 
von ihm für immer — entflohen seyn soll. Er müsste 
auch sagen, ob dieses Gebiet immer Gebiet des Äthers 
blieb, oder sogleich, durch den bezeichneten Scheidungs- 
akt, in das Gebiet der Atmosphäre überging. 
Weil aber mit diesem Sinken der Temperatur jene gleich- 
zeitige Selieidung begonnen, so würde er sich vor dieser 
Scheidung die ganze Erdmasse gleichmässig etwa so weit 
espandirt denken, als noch jetzt die Erde vom Erdcentrum 



— 197 — 

an bis zur Grenze der Atmosphäre reicht , oder gar 
noch weiter, wobei er wiederum die plutonische von Innen 
heraustreibende Natur der ältesten Festgebilde — mithin 
den Verlust jener Wärme selbst, wenigstens zum Theil, also 
eben das vergessen würde, worum es sich handelt. Einzelne 
dieser Fragen lassen schon heute eine beruhigende Antwort 
zu, ja diese liegt, wie man sieht, im Vorhergehenden *), na- 
mentlich die der letzteren. Denn wir sahen, dass die Tem- 
peratur der Erde ursprünglich ihre ganze Masse gleichmäs- 
sig durchdrang und die Oberfläche nur dadurch, dass sie 
von ihr entwichen ist, zum Heerd des Festen und Flüssigen 
machte , dass ferner jener Akt der Scheidung dem Inhalt 
nach in so weit eine Kontraktion des Erdkörpers war, so 
weit er eine Expansion: Expansion nämlich des Inneren, 
Kontraktion der Rinde , beides ohne Pause, gleichzeitig, 
mit dem ersten Moment des Daseyns der Erde, so dass die 
Theorien, welche unseren Erdkörper in solchem Sinne 
wachsen, wie die, welche ihn kleiner werden lassen, in 
ihrer Einseitigkeit verschwinden. Auch diese Lösung spricht 
für unsere Ansicht, gegen die Annahme eines reellen Ver- 
lustes an Wärme, so dass man das Gegentheil nur dann 
behaupten könnte, wenn die befriedigende Lösung aller hier 



*') Das Maximum der Wärme -Abnahme bei der Entstehung des Mee- 
res bestimmt sich aus der Temperatur, unter welcher die ältesten 
Wasser (nach Maasgabe ihres damals entschieden reicheren Inhalts) 
als Wasser zuerst auftreten konnten. Das Minimum bestimmt 
sich nach dem geringeren Sinken derselben , bei welchem die 
ältesten plutonischen Gebilde erstairen mussten, Jenes ist 
noch räthselhafter als dieses, weil wir weder vom chemi- 
schen Inhalt des ältesten Wassers, noch von der ursprung- 
lichen Wärme des ganzen Planeten ein Maass haben. 
Diese lässt sich eigentlich nur mit sich selbst oder im Ver- 
hältniss zur unbekannten Wärme anderer Himmelskörper messen, 
deren Bewegung, Dichtigkeit u. s. w. leichter auszumitteln war. 
Fragen kann man indes», ob das Innere des Planeten in dem 
Maase an Wärme, in welchem an Expansion, d. h. in welchem die 
Oberfläche an Kontraktion gewonnen hat. Man müsste aber über- 
all die Ausdehnung und Wärme der Atmosphäre mit einrechnen. 
Diese iet eine noch unbekannte Grösse. 



— 198 — 

znsammengreifenden Räthsel nnd alles dessen, was mit ihnen 
im Verbände steht, für dasselbe sprechen könnte und würde. 
Denn ohne die dringendsten Gründe darf man nichts vor- 
aussetzen, was der in sich geschlossenen Natur des einmal 
geschaffenen Planeten, so lang er besteht, bestimmt zu wi- 
dersprechen scheint, ja ganz offenbar dann widerspricht, 
wenn man das Verschwinden der Wärme als Verlust eines 
Stoffes vorstellt — als wäre es eine ergänzende Seite, 
eine Dankbarkeit der Erde, für den Äther, durch welchen 
sie nach derselben Hypothese das Licht der Sonne als einen 
Stoff erhalten soll, obwohl nirgends zu verspüren ist, dass 
die Erde immer lichter werde, oder alles Licht so lange 
Abschwäche, bis es in W^ärme sich verwandele. 

Das Räthsel, das unsere Ansicht übrig lässt, ist, um 
viel zu sagen — nicht einmal so gross, als das, welches 
nach V. Hoff in der Thatsache liegt, dass seit der Diluvial- 
Katastrophe der Meeres-Spiegel denselben Stand innehält, 
während der Meeresgrund fortwährend sich erhöht und die 
Feuchtigkeit in der Atmosphäre nicht zunimmt, und doch 
kann niemand wegen dieser Schwierigkeit jene Thatsache 
in Abrede stellen *). 

Da aber jene Frage hier nicht ins Einzelne verfolgt 
werden darf, so stellen wir das Resultat unserer Betrach- 
tungen, nur so weit es unserem Zwecke genügt: die 
Grenze der Atmosphäre kann nicht beschränk- 
ter seyn und nicht weiter reichen, als die Kraft 
der Erde, an sich zu binden, was ihr gehört 
und von ihr kommt. — Will man sich diesen Gedanken 



'•') Sie hängt zusammen mit der ungeheueren Menge von Wasserstoff, 
welcher alltäglich in die Atmosphäre emporsteigt, und die Parbt 
durch die Nordlichter, wozu vielleicht schon die unzähligen Stern- 
schnuppen hinreichen würden, verzehren lässt. Ferner mit den 
Fragen nach der Widererzeugung des SauerstofTs in der Luft, 
nach der Abnalnne des Wassers mancher Flüsse , nach den Sen- 
kungen einzelner Strecken des Meeresbodens bei Emportrcibung 
neuer Inseln etc. ; — überhaupt mit der Frage nach dem Begriffe 
der fortgesetzten Erhaltung aller Lebensseiten der Erde. S. o. S. 187. 



— 199 — 

zur Anschauung bringen, so kann man sich, vorausge- 
setzt, dass man begreife, was Anschauung in diesem 
Gebiete heisse, da uns der Äther selbst unsichtbar bleibt, 
— am einfachsten aus Göthe's Weltanschauung darüber 
belehren, wenn man auf das Wesen des Lichtes, das 
erst in unserer Atmosphäre zu Dem wird, was es uns 
ist, den Blick zurückwendet. Der unendliche Weltraua* 
oder der Äther unseres Sonnensystems erscheint uns dun- 
kel. Durch atmosphärische, vom Tageslicht erleuchtete Dünste 
angesehen, erscheint uns daher die Grenze dieser Finsterniss 
blau, denn Blau entsteht, wo das Helle üb e r das Dunkle 
und Schattige sich ausbreitet *). Wo also im blauen Him- 
melsgewölbe das Helle endet und der unendlich finstere 
Raum beginnt, da beginnt der Äther **). Unbestimmt, wie 
diese Anschauung ist, hat man in ihr ein Bild jener Unbe- 
stimmtheit, in der die Grenze des Äthers und der Atmos- 
phäre gesucht wird. Man kommt von dem Subtilsten auf 
das Einfachste zurück. Göthe sagt, in wenig veränderten 
Worten : 

Blau ist der Äther und doch von unergründeter Tiefe, 

Offen dem Auge, dem Witz bleibt er doch ewig geheim! 
Allem Bisherigen zu Folge, hat die Erde weder an 
Wärme, noch an Wasser, noch an irgend etwas — je einen 
reellen Verlust erlitten. Sie ist ein Ganzes in sich. Der 
Äther ist zwar der Grund, aus dem sie entstand, und darum 
auch der Abgrund, in dem sie allein wieder zu Grunde ge- 
hen kann. Aber er geizt nicht nach dem Reichthum des 
Lebens, das mit ihrer Entstehung ihr verliehen ist. Er ist 
das einfache, allgemeine Element, in welchem alle Systeme 
der Welten kreisen. Seine Natur lebt in allen und ist, 



**> Göthe's Farbenlehre I. §. 155. II. 109. mit I, 151, 778. II. 90, 9E, 
114, 492, 493, 517, 520. Über die atmosphärische Luft in Bezie- 
hung auf die Beleuchtung s. Göthe's Farbenlehre I. §. 153—173. 

*> Eine Bemerkung, auf die mich ein Gespräch mit Daue in Heidelb. 
geführt hat. Man kann sie nicht missverstehen , wenn man be- 
denkt, was oben von der Grenze der Strahlenbrechung bemerkt 
worden. 



— 200 — . 

wie ScoTUS sagte, ohne Welten gar nicht zu denken. So 
ist ei', als existirte er nicht — der reine Anfang des- 
sen, was in und mit ihm immer zugleich da ist *), wie es 
nie ein Allgemeines gibt, ohne ein Besonderes, nie eine 
Leere, die nur Leere wäre, ohne Ei'füllung. 

Lebt aber seine Natur mittelbar auch in der Erde, 
so dai'f man ein Analogon der reinsten, flüchtigsten 
Stoffe, die uns die Erde zeigt, auch in ihm suchen. — 

Dahin geht z. B. der Gedanke der dva^Ujtttacrtg ^t]Qa. 
(„trockene Dünste") **) des Aristoteles, wenn man seinen 
Zusammenhang mit dem aristotelischen Begriffe des Chaos^ 
den wir oben berührt, und mit den uralten Streitfragen ***) 
über Luft und Äther würdigt f). Denn je bestimmter man 
den Gedanken eines Äthers auf die Natur der Erde bezo- 
gen hat, um so mehr ging er in dem Begriff der Luft, 
des jrvsüjna, u. s. w. auf. — 

Setzt man demnach ft) zur Versinnlichung der be- 
zeichneten Prozesse — was bis heute das Wahrscheinlichste 



•) Man wird diesen Ausdi'uck keines unlogischen Widerspruchs zei- 
hen , wenn man sich eriiinert, was oben über den Impuls der 
Welt^ntwickelung gesagt worden und mit den allgemeinen Räth- 
sein bekannt ist, die Platon schon vor zweitansend Jahren im 
Parmenides und Sophistes gelösst hat. 
Dass die neuere Philosophie über den Äther nirgends „etwas Er- 
kleckliches" gesagt, erklärt sich aus dem bisherigen Gang ihrer 
Entwickelung. 

•*) Aristoteles z. B. Meteorol. IL 7. mit II. 9. End. Vgl. Ukbrt 
Geograph, der Gr. und Römer. II. 1. S. 183. 

•**) Diese dvaSv/iiiaöis ist nach Aristoteles dieselbe Kraft und die- 
selbe Natur (cpvöis) , die in der Luft den Wind, in der Erde da» 
Beben, in den Wolken den Donner schaflft : etwas anderes, als 
der erschütternde Äther des Anaxagoras. 
t) Jacob Bernoulli de gravitate Aetheris. S. Acta eruditor. 1683. 
S. 106. 

tt) Über die materielle Bedeutung des Äthers in Beziehung auf die 
Schwere s. Newton Princip. phil. natur. Lib. II. propos. 10, 
Laplace und Schubert'« Ansichten in Bode's astronom. Jahrbuch 
1802. S. 165. und in Beziehung aaf das Licht Olber's in Bode's 
Jahrb. 126. S. 110. Man hat in diesen Citaten ein ganzes System 
mannigfach abweichender Ansichten, aber noch nicht die letztfe, wahre. 



— 201 - 

— das Daseyn , und bei der Bildung der Weltkör- 
per, eine Verdichtung Gas-förmiger oder unseren Gas- 
förmigen ähnlicher Stoffe im alten Äther voraus (so weit 
in ihm etwas Positives gedacht werden soll), so m u s s t e 
sich, gemäss den Gesetzen, die auf der Erde gelten, bei 
dieser Konzentration , ( oder Kontraktion ) ungemessene 
Wärme entbunden haben =-) : ein Gedanke, den, wenn ich 
nicht irre, in ähnlicher Beziehung unter Andern auch Klo- 
ben geäussert. Seine Ausführung mit Anwendung auf die 
bisherige Entwickelung läge in der Aufnahme weniger, doch 
auf unverrückte Analogieen gegründeter Bemerkungen, die 
Alexander von Humboldt schon zu einer Zeit, da er noch 
der alten Schule huldigte, aussprach, dass nämlich das 
Festwerden der Felsarten bei der Bildung 
des Dunstkreises von wesentlichem Einfluss 
war, dass neue Mischungen sich ergeben und mit den auf- 
steigenden Gas-artigen Substanzen eine grosse Wärme in 
den Dunstkreis übergehen musste. 

übersetzen wir diese Ansicht in die Sphäre, in der 
nns das erste Bild von der Entstehung des Festlandes, des 
Meeres und Dunstkreises aufging, so werden sich die ver- 
schiedenen Fälle, die sich gleich oben bei der Frage nach 
der Abnahme der Temperatur auf der Erdoberfläche erga- 
ben, in einem deutlicheren Lichte zeigen. 

Wir werden nämlich nach Reinigung der dort gegebe- 
nen Vorstellungen, geneigt seyn, diese Abnahme, die die 
erste Scheidung des Landes, Meeres und Dunstkreises be- 
dingte, durch Ausstrahlung der Wärme bei der Bildung der 
Atmosphäre, und mit der gleichzeitigen Erstarrung der 
Oberfläche, durch Koncentration im Innern zu erklären, so 
jedoch, dass wir mit dieser, die durch die Bildung des Fest- 
landes bedingt ist, — ein unablässiges Streben der Hitze 
von Innen nach Oben, bis zu den Grenzen des Erd-Gebietes 



*; Unendlich kleine Analogieen könnten uns die Bildungen der Me- 
teorsteine bieten, wären diese uicht selbst noch räthselhaft genug. 



— 202 — 

anzuerkennen, nie versäumen dürfen. Denn so wenig, als 
das Mysterium des thierisehen Organismus, seine Wärme, — 
bloss im Herzen oder Blute lebt, so wenig wohnt die 
Wärme der Erde bloss im Centrum und in ihren Vulkanen, 
und so wenig sie in jenem, so lange er lebt, mit den Jah- 
ren stirbt, so wenig kann sie im tellurischen Organismus 
jemals vermisst werden. Er ist mit ihr, sie mit ihm gebo- 
ren: Ihr Pulssehlag kann sich massigen: sie selbst, seine 
Quelle, bleibt! 

Und da die Erhaltung der Erde eine fortgesetzte 
Schöpfung, so leben in ihr alle jene Mächte unablässig 
fort. Sie selbst haben sich durch ihre Wirkungen die 
jetzigen Grenzen ihres Ki-eislaufes bestimmt*). Die schei- 
dende Kraft der Vergangenheit thront in der Tiefe der 
Erde: ihr Inneres ist ihr chemischer Heerd, ihre Ober- 
fläche die Krone, ihre Atmosphäre der königliche INTimbus 
und Heiligenschein ihres Hauptes. So lässt die griechische 
Mythe den alten Hephästos erlahmen, ohne dass er aufhöre, 
der unübertreffliche Künstler zu seyn. So setzt sie ihre 
neuen Götter in den heiteren, spiegelreinen Olymp. Hier 
herrschen sie trotz aller Empörungen der Titanen und Gi- 
ganten „in ewigen Festen und schreiten von Bergen zu 
B er gen hinüber." — 



'') Ad hominem : Allem Bisherigen zu Folge setzt die verän- 
derte Temperatur der Erde eben so wenig einen 
reellen Verlust an'Wärme, als der veränderte Stand 
des Meeres einen reellen Verlust an Wasser, oder 
das Festwerden der Erdkruste einen Gewinn an an- 
derswo herkommenden materiellen Stoffen voraus. 
Vielmehr erklärt sich der Stand des Dunstkreises, Meeres und 
Landes, wie uns scheint, einfach aus dem Einen Akte, dem 
sie alle gleichzeitig ihren Ursprung danken. — Eine Hypothese 
aber, die ihre Möglichkeit im Allgemeinen bewiesen, ist nur so 
weit zu tadeln, so weit sie die Phänomene, die sie erklären soll, 
nur einseitig und unvollständig fasst und mit irgend einem wirk- 
lich erkannten Naturgesetze unverträglich ist. Die bleibt die 
beste , die die meisten Erfahrungen für sich hat und durch spre- 
chende Analogieen unterstützt wird. 



— 203 — 

Wir haben dem gemäss in jener von Innen heraustrei- 
benden, auf der Oberfläche sinkenden Hitze der Erde die 
anschaulichste, in ihr und ihrer Stellung zu dem Weltsy- 
stem, dem sie angehört, gegründete (wenn auch nicht aus- 
schliessende) Initiative ihrer Entwickelung — als eine Auf- 
forderung an alle Seiten ihres Lebens, sich thätig zu ent- 
scheiden, zu dem sich zu bestimmen, was sie werden 
mussten, so dass in und mit diesem Agens ihre ganze, 
noch unentschiedene Natur allzumal und unablä8> 
sig wirkte. 

Diese noch durch und durch räthselvolle Zeit ist bis 
zum Anbruche der nächsten Umbildung diejenige, welche 
man mit Fug und Recht U r z e i t nennen könnte. 

Wer aber möchte heute schon zu entscheiden wagen, 
dass ihr dieses oder jenes einzelne Gebilde, was die Schule 
„primitiv'* nannte , angehöre ? — Und doch ? denn das 
Schlimmste, was gegen die Wissenschaft begangen werden 
kann, ist in jeder Sphäre, wenn der Mensch verzichtet 
auf die Erkenntniss der Grundlagen seinesWis- 
sens! Da ist eine irrige, wenn nur tief gehende Hypo- 
these oft verdienstlicher, als vornehme Gelassenheit. — Wer 
möchte dieses leugnen? 

Weil indess ein verneinender Satz, wie Winkelmann 
irgendwo *) ironisch sagt, eher , als ein Bejahender gefun- 
den wird, so Hessen sich Kennzeichen, welche unsere^ älte- 
sten Formationen dieser Urzeit nicht angehören, 
leichter aufstellen, als positive Merkmale eines sol- 
chen Alters. Aber die negative Betrachtung muss sich von 
selbst in eine positive umkehren. So kann z. B. unserer 
Ür-Periode keine granitische oder andere Felsart zugeschrie- 
ben werden, welche Gänge bildet. Ob man ihr aber 
Granite zutheilen darf, die auch im entferntesten Sinne keine 
Spur einer Gang-ähnlichen Form erkennen lassen, kann man 
schwerer sagen, weil diese doch Statt finden dürfte (wie 



*) WiNKELMANN Kuiistgcsch. V, 6. §. 13. (Aristotel. Mcthapli. III, 2.) 



— 204 - 

selbst bei dem ältesten ffeidelberger GTanif) ohne nns irgend 
wie aufgeschlossen zu seyn und weil die Form aller Granite 
eine mehr oder minder gestörtere - Bildungsweise zu ver- 
rathen scheint, als man von dieser Periode, wo idie Ent- 
stehung des Festen durchaus keine Kruste vor- 
fand, die sie hätte durchbrechen müssen, ;erwarten kann. 
Wir sprechen es unverholen aus : Eine Epoche , wie die 
dargestellte, war i n B e z i e h u n g auf Störungen, die ein 
ä US ser er Widers t and veranlassen könnte, die ein- 
fachste, ruhigste, so sehr, als sie die allge- 
meinste war, ganz gegen die gewöhnlichen Vorstellun- 
gen von der Urzeit. Das Wort: ,>(5rott sprach : es werde 
Licht und es ward Licht !^^ dessen Erhabenheit ein Alexan- 
drinischer Grieche *) als Musterbild erkannte, gleicht hier 
dem Worte: „Es M^erde eine Veste zwischen den Wassern!" 
und gibt uns ein Bild der Erhabenheit dieser Epoche in 
Mitten ihrer Ruhe. ;;, . 



*) Der vermeintliche Longinos in geinein Werke über das .Erhaltene. 
Man erinnere sich an Hayden's Schöpfung, 'yvenn man sich diese 
Epoche zur Anschauung bringen will. 

.iiVylhmeih'i'rf J'to ö8*3rrii 
(Schluss folgt.) , .r w -i. 



: Mb 

-od 






Briefwechsel. 

Mittheilungen an den Geheimenrath v. Leonhard 
gerichtet. 



Hacienda S'w». Trinidad, Real Angangueo, 7. Junius, 1833. 
Meiac, durch anhaltendes Erz -Probiren, angegriffene Gesundheit 
veranlasste mich zum Besuchen der , nur eine Tagereise von hier ent- 
legenen BadequeUe Tepetonco. Der Weg führte, fünf Leguas weit, 
über unseren Porphyr; sodann erreichte ich das Revier von Tlalbux- 
huaba, wo Thonschiefer herrscht, der von vielen Quarz-Gängen durch- 
setzt wird, auf welche die nun verlassenen Gruben gebaut hfi|)en. Zwei 
Jjeguas ]&\i&&iis Tlalbuxhuaba tritt weisser Sandstein : auf, und nun folgt 
ein höchst fester schwarzer Kalkstein, frei von allen Beimengungen. 
Er setzt in dieser Gegend viele Berge zusammen. Im Thale steht ein 
Konglomerat an, suis Rollstücken jenes Kalksteines und , aus Porphyr- 
Geschieben, lose gebunden durch einen sandigen Kitt.,, .,,(,. 

Julius Schwarz. 



Freiberg, 22. Aug. 1833. 
Im verflossenen Monate habe ich eine Exkursion nach Teplitx und 
Karlsbad gemacht., Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Ausbruch 
dortiger Basalte mit der Braunkohlen -Formation gleichzeitig ist, Bei 
Stracha unfern TeplÜTi w&t ic\\ glücklich genug, in dem Erdbrande ei- 
nen Eisenkönig zu finden, ein Stück Thon-Eisenstein mit einpnj,, Knopf 



von metallischem Eisen. 



EzaUERRA DEL''Bwt«l' '■ 



Lausanne, 31. Aug. 1833. 
Ich habe der Versammlung unserer Helvetischen naturljistorischcn 
Sozietät zu Lugano beigewohnt. Die Sitzungen fanden am 22., 23. 



— 206 — 

und 24. Julius Statt. Es waren unser mehr als dreissig Mitglieder 
von der anderen Alpenseite und ausserdem mehrere Italienische Ge- 
lehrte. Mein Rückweg führte mich über den Gotthard. Hier sah ich 
zum ersten Male die prachtvollen Axinite, welche man neuerdings auf- 
gefunden hat. Sie kommen, zuweilen von opalisirendem Feldspathe be- 
gleitet, am Scopi oder Pcopello vor, oberhalb Santa Maria in Grau- 
bündten. — ' 

Lardy. 



Wolfsberg, 23. Nov. 1833. 
Im Granite der Murinen Scharte habe ich eine Chloritschiefer- 
Masse als Einscbluss bemerkt, die in zwei Theile geschieden ist, welche, 
obwohl von einander getrennt, durch dazwischen eingedrungenen 
granitischen Teig, sich so scharf und bestimmt zeigen, dass man sie 
auf das Genaueste zusammenfügen könnte. Das grössere unter beiden 
Schiefer-Stücken hat zwei, mit Granit erfüllte, Sprünge. Niemand kanH 
zweifeln, dass der Schiefer fest war, als er vom Granit umhüllt wurde, 
und dass dieser in flüssigem Zustande gewesen ist, da derselbe den Schie- 
fer einschloss. — Mich beschäftigt gegenwärtig die Ausarbeitung einet 
Abhandlung, in welcher ich zeigen werde, wie die Schichten der Alpen 
gestellt sind, dass Alles auf Gneiss, der in Granit übergeht, ruht, und 
dass dieser Granit-Gneiss nicht Züge, sondern Kuppen bildet, auf denen 
die anderen Glieder aufliegen. Ich habe dieses durch zahlreiche Beob- 
achtungen ausgemittelt. Leider war ich auch den heurigen schlechten 
Sommer nicht im Stande, die Arbeit zu schliessen und muss nun deren 
Vollendung bis zum nächsten Herbste aufschieben. — — Der Glimmer- 
schiefer von Guttenstein führt keine Turmaline; dagegen triflft man in 
den Schiefern, welche scheinbar mit Granit wechseln, bisweilen Ti- 
tansputh. — 

F. V. RoSTHORN. 



:, , StuUgardt, \5. Dezemh. 18ZZ, 

'Ich' eile^ Ihnen eine geognostische Entdeckung mitzutheilen, die Ih- 
neh, Vlrie ich hoffe, interessant sein wird. 

Sie erinnern sich vielleicht noch, dass ich Ihnen voriges Jahr 
scliriebj von Wemdingen, bei Nördlingen, Braunkohlen aus dem Jura 
erhalten zu haben, und, wenn ich nicht irre, legte ich ihnien ein Exem- 
plar diei^er Kohle bei. Unser Präsident des Bergraths, Herr Geheime- 
rath V. Kerpter, der sich für alles Neue in dieser Beziehung sehr inter- 
essirt, reisste selbst nach Wemdingen , und brachte eine Suite der Ge- 
birgs-Art und des Kohlen-Gebirges mit, aus welcher ersichtlich war, dass 
die Kohlen auf Jura-Dolomit liegen und mit Lehm (Diluvial) bedeckt 
sind. Das Flötz oben her aus erdiger, unten aus fester Braunkohle be- 



- 207 ~ 

stehend, war 10—14' mächtig, und wurde durch Schachtbau ausgebeutet. 
Mehrere bei uns in voiigem und diesem Jalire vorgenommene Bohr- 
versuche, die V. Kerner vornehmen Hess, gaben kein genügendes R.e- 
sultat, bis es in diesen Tagen unserem Hüttenverwalter Zobel in Li(d- 
wiffsthal bei Tuttlingen ghickte auf dem Plateau des Jura, 2500' hoch, 
nacli mehreren misslungenen Bohrversuchen zuerst durch 5 Fuss Jura- 
Trümmergestein, dann durch ein 14' mächtiges, oben herab weisses, dann 
braunes, graues und endlich schwarzes Letten-Lager, in welchem sich schon 
viel bituminöses Holz zeigte, in 20' Tiefe auf ein bis jetzt 16' mächti- 
ges, noch nicht durchsunkenes Braunkohlen-Lager zu kommen. Die Braun- 
kohle besteht mehr aus bituminösem Holz, als aus erdiger Braunkohle, 
und geht mit der zunehmenden Tiefe des Schachtes immer mehr in Pechkohle 
über; das Kohlen-Lager durchziehen einzelne Lettenschichten, wie im 
Thüringischen, und in diesen Lettenschichten liegen sehr häufig Bruchstücke 
von Kreide, die man allda noch nirgends auf ihrer uranfänglichen La- 
gerstätte gefunden hat. 

Es kommt nun noch darauf an zu wissen, ob diese Braunkohlen 
unter dem Bohnerz vorkommen und zur Formation desselben gehören, 
was jetzt genauer untersucht wird, und worüber Sie das Weitere er- 
fahren sollen: bei Liidwigstlial ist bis jetzt v/enigstens kein Jura-Dolo- 
mit, wie in Wemdingen, weder als Dach, noch als Seiten - Gestein vor- 
gekommen. — 

Hehl. 



Wien, 21. Dezemb. 1833. 

Herr v. Brant, Sohn des Marquis v. Bareacena, brachte aus den 
ihm eigenthümlichen Gruben in Brasilien einige Golderze mit nach 
Freiberg, Er schreibt mir so eben, dass zn Folge der von dem Herrn 
Prof. Lampadius und Gewerke-Probirer Plattner angestellten Versuche 
jene Stoffe kein reines Gold sind, sondern Verbindungen dieses Metalls 
mit Platin , Osmium, Palladium, Iridium und Rhodium. — Den letztver- 
flossenen August-Monat verbrachte ich zu Annaberg im Er.-'.gebirge. 
Die Stadt ist auf dem oberen Theil des Gehänges eines Gneiss-Berges 
erbaut j den Gipfel der Höhe bildet ein etwas zugerundetes Plateau, in 
dessen Mitte sich eine grosse Basalt-Masse erhebt, der Poehlberg ge- 
nannt. Man hatte mir gesagt, dieser Basalt ruhe auf einer Töpferthon- 
Lage. Ich fand rings um den Fuss des basaltischen Berges in der 
That den Töpferthon, blaulichweiss von Farbe und, wenn man ihn 
frisch aus der Grube erhält, so weich, dass er mit einem Messer sich 
in die dünnsten Blättchen schneiden lässt , welche, nachdem sie trocken 
geworden, sich sehr zerbrechlich zeigen. Meiner Ansicht zu Folge ist 
der Thon eine Lage zersetzten Feldspathes , welche aus den Gneissen 
abstammt, und die sich in Berührung mit dem Basalt befunden hat. Diese 
Meinung erscheint mir um so mehr glaubhaft, da, je näher man dem 
Poehlberg kommt , die Sand-Menge von zersetztem Gneisse herrüh- 

Jahrgang 1834. i 14 



— 208 — 

rend, mehr und mehr zunimmt. Am Fusse des Berges liegt auch an 
Stellen, wo örtliche Verhältnisse das Wegführen des Gneiss- Detritus 
durch Wasser hinderten , ein Konglomerat aus jenem Material und aus 
kleinen Basalt-Rollstücken. 

R. V. Amar. 



Klausthal, 21. Dezember 1833. 
Zur Besclireibung der Gang zu ge in meinem Buche über das 
Harz - Gebirge '•') kann ich jetzt schon den Nachtrag liefern , dass 
höchst wahrscheinlich der im Schiefer - Gebirge aufsetzende edle 
Gang audi in den Grünstein mit seiner Schwerspath-Ausfüllung, die 
für diesen Gang charakterisirend ist, einschneidet, d. h. den Grünstein 
durchsetzt. Die Bestätigung der Thatsache behalte ich mir nocli vor, 
und Sie werden sich alsdann entschliessen müssen, einen ziemlich um- 
ständlichen Bericht über die bergmännischen Arbeiten in Ihr Jahrbuch aufzu- 
nehmen, welche zu diesem Resultate gefülirt haben ■'■'). — Auf dem Andre- 
aser-Oii& zu St. Andreasberg ist vor einiger Zeit scUwarzer Datolitli 
derb mit krystallisirtem Apophyllit, Desmin, Schwefelkies u. s. w. vor- 
gekommen, als Einlagerung zwischen Thonschiefer, jedoch nur in einer 
sphäroidischen Masse von geringer Ausdehnung. Auf der Grube Neu- 
fang hat sich Chabasie auf Kalkspath gefunden. 

Zimmermann. 



Freiberg, 30. Dezember 1833. 

Zu dem, was ich in meiner letzten Zuschrift über den Linear-Paral- 
lelismus mancher Felsarten mittheilte, erlaube ich mir noch Folgendes 
ru bemerken: 

In manchen Fällen scheint dieser Parallelismus unmittelbar mit der 
Richtung der Emportreibung der Massen zusammenzufallen. So lässt 
K. B. der faserige Diorit von Böhringen (bei Hähnchen) sehr auflal- 
lend senkrechte Linear-Textur in den gleichfalls senkrechten Felstafeln 
wahrnehmen, welche er mitten zwischen regellos gewundenen und ganz 
konfusen Massen zeigt. Weit auffallender ist diess an dem Gneiss von 
Geringswalde, dessen sehr Feldspath-reiche Masse eine Dependenz des 
Granulites zu seyn scheint, und in dem das Granulit-Gebirge begren- 
zenden Glimmersciiiefer-Walle Stock-artig eingeschoben ist. Dieser Gneäss 
fällt 40^—500 in NW. und zeigt den Lincar-Parallelismus mit einer Voll- 
kommenheit, wie ich ihn selten gesehen habej 2 bis 3 Ellen lange, völ- 
lig gerade und parallele Linien treten durch die Vertheilung und Stre- 
ckung der verschiedenen Gemengtheile auf den Schichtungs-Klüften hervor, 



*) I. Theil, S. 320. ff. 
*«) Einf •oUhe Zuü-ige kann uns niir sehr erfreulieh seyn. 



- 209 — 

iukI zwar immer so, dass ihre Richtung mit der Richtung der Fall-Li- 
nien der Schichten genau zusammenfällt. 

Dagegen hat der Übergangsgneiss, welcher das unmittelbare Lie- 
gende für die steil aufgericlitcten Siidflügel des älteren Steinkohlen-Ge- 
birges von Hainichen und Ebersdorf bildet, zwar gleichfalls einen mehr 
oder weniger deutlichen Linear-Parallelismus , dessen Richtung sich je- 
doch im Aligemeinen mehr der Streichlinie der Schichten nähert. 

Dass die Erscheinung am Glimmerschiefer nicht selten vorkojinnt, 
ist bekannt; die stängelige und Scheit -förmige Absonderung manches 
Glimmerschiefers hängt unmittelbar mit ihr zusammen, und ist nur eine be- 
sonders gesteigerte (z. Th. durch Verwitterung erhöhte) Manifestation 
derselben. Gewöhnlich verräth sie sich durch eine mehr oder wenio-er 
deutliche parallele Faltung auf den Schichtungs- und Spaltuno-s-Flächen 
auch, wo der Quarz sehr hervortritt, durch ein streifiges Arrangement 
der Gemengtheile. Auch vieler Thonschiefer zeigt die Erscheinung be- 
sonders auffallend durch eine zarte Streifung oder Fältelung seiner Spill- 
tungsflächen; so höchst deutlich die Schiefer im Liegenden des Zwic- 
kaiicr Übergangs-Gebirges J aber wohl kaum der wirkliche Grauwacken- 
Schiefer aus der dortigen Gegend. Es ist auch nicht wahrscheinlich 
dass ursprünglich Schlamm-artige Sedimente die Erscheinung so zeigen 
können, wie sie z. B, an dem gefalteten Thonschiefer zwischen Haara 
und Kirchberg und, nach Dr. Cotta's Beobachtungen, an so manchen 
anderen Schiefern im Erzgebirge vorkommt, in welchen sich, nur ia 
kleinerem Maassstabe, die parallele Fältelung vieler Glimmerschiefer 
wiederholt. Sollte vielleicht dieses Verhältniss dazu geeignet seyn, ein 
sicheres Kriterium für die bisweilen so schwierige Fixirung der Grenze 
zwischen ür- und Übcrgangs-Sc!n"efer an die Hand zu geben? —Wenn 
die Urschiefer der primitiven Erstarrungs- Kruste des Erdballs augehö- 
ren, während die Übergangs Schiefer aus dem, durch tief eiiigtci- 
fende mechanische und chemische Zerstörungen dieser Kruste gebild'etea 
Schutte und Schlamme hervorgingen, so möchten wohl, gleichwie die 
Bedingungen ihrer Entstehung, also auch die inneren Textur- Verhältnisse 
wesentlich verschieden seyn. 

Es war mir bei einer, zunächst nur auf Grenzbestimmungen be- 
rechneten, Revisionsreise nicht vergönnt, den Erscheinungen ein so zu- 
sammenhängendes Studium zu widmen, dass eine genaue Erforschung 
ihrer räumlichen Gesetzmässigkeit möglich gewesen wäre. Nach einigea 
zerstreuten Beobachtungen dürfte sie einem allgemeineren Gesetze un- 
terworfen seyn, als ich Anfangs glaubte ; der Glimmerschiefer zwischen 
Wittchensdorf und Röhrsdorf (bei Chemnitz) zeigt z. B. fast genau die- 
selbe Richtung des Linear-Parallelismus (wenn man die geneigten Schich- 
ten auf ihre ursprunglich horizontale Lage reduzirt), wie der Gneiss 
bei Freiberg. Es wäre daher zu wünschen, dass die Geologen dieses 
Verhältniss, wo es bestimmt ausgebildet ist, berücksichtigen möchten, 
weil die, auf die ursprüngliche Lage der Schichten reduzirte RicTi'tung 
des Linear-Parallelismus der ältesten Gneissc und Schiefer ein Beob- 

14 * 



— 210 — 

aclitungs-Elomeiit zu seyn scheint, welches für manche geologische 
Probleme wichtig werden kann. Ist wirklich die Erdkugel Ursprung- 
licl) aus dem Zustande feuriger Flüssigkeit zur Konsolidation gelangt, 
so müssen ja wohl durch die Rotationsbewegung ähnliche Strömungen 
der Masse veranlasst worden seyn, wie sie noch jetzt der Ozean dar- 
bietet: Siröniungen, welche in dem Linear-Paralleiisnuis der erstarrenden 
Massen ein Monument fanden, aus welchem sich noch gegenwärtig ihre 
Piichtung erkennen Hesse. Vielleicht würde die so oft ventilirte Hypo- 
these, einer Axen-Verrückung des Erdbalis in den einfachen Zügen die- 
ser Lapidarschrift ihre Bestätigung oder Widerlegung finden. 

Naumann. 



Mittheilungen an Professor Bronn gerichtet, 

Tharand, 26. Dezember 1833. 

Der Herr Baurath Sartop.ius in Eisenach hat vor Kurzem einen 
recht schönen Fund gethan. Unter seiner Aufsicht wurde die Strasse 
von Krembury nach Treffurth gebaut, und bei dieser Gelegenheit fand 
er in dem graugclben Keupersandsteine des Pferdeberges eine grosse 
Anzahl zum Theil sehr schöner und wohl erhaltener Ptianzen-Abdrücke. 
Ich war so glücklich, die schönsten davon durch seine Güte zu erhal- 
ten: es sind Exemplare von Equisetites Bronn ii Stkrivb. (Ca- 
lamites aren accus major J'Ag.) und Calamites arenac#u,« 
mitior Jag.; aber auch der untere Theil eines Cy c a d e en - Wedels ist 
dabei, und zwei andere Abdrücke, die ich ohne vollständigere Exemplare 
nichi zu bestimmen wage. Der eine davon ist wahrscheinlich eine 
Glossopteris, der andere aber eine runde, platt gedrückte Frucht, 
oder der Abdruck einer Abgliederung von Ec|uisetites Bronnii: 
ich vermisse jedoch jene radialen Streifen, die man bei Ihren Exempla- 
ren so deutlich erkennt; auch bemerkt man auf den Rückseiten der bei- 
den Steinplatten, welche diesen Abdruck einschliessen , keine Spur von 
durchgehenden Stengeln. 

Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir zugleich eine Fiage über 
jene C alam i te n - ähnlichen Stämme, welche in dem Konglomerate bei 
Hainchen (in Sachsen) zuweilen aufrecht stehend gefunden werden. 
Ich weiss nämlich nicht, ob man berechtigt ist , diese Stämme zu dem 
Geschlechte der Calamiten zu rechnen, da sie eine ganz andere Art 
der Abgliederung zeigen , als die, welche man als bezeichnend für das 
Geschlecht der Calamiten beschrieben hat. 

Man findet bei Hainchen zwei Arten solcher Stämme; die eine Art 
rcigt '1'" bis 4'" breite, wenig erhabene Streifen, die durch die Abglie- 
derungeu hindurch gerade fortsetzen, so dass diese Abgliederungen als 
blosse Einschnitte erscheinen, die rings um den Stamm herum durch alle 
Strcifeu rechtwinkelig hindurchgehen. Wo sie die schmalen Furchen 



— 211 — 

durclikieutzen, da erweitern sich dieselben etwas auf Kosten der Streifen 
so, dass kleine rhombisehe Vertiefungen entstehen. 

Wenn man diese Stäniiiie vollkonmien erhalten und aufreclit stehend 
findet, so zeigen sie gegen oben eine schnell zulaufende, abgerundete 
Spitze. Diese schnelle Abnahme an Dicke bringt auch eine Mpdifikatian 
der äusseren Struktur hervor, indem immer einzelne Streifen gegen oben 
verschwinden [gleichsam sich auskeulen], Diess geschieht dann gewöhn- 
lich in regelmässigen Abständen und so plötzlich , dass man von einem 
Streifen , der am oberen Ende einer Abgliederung sich bis zum Ver- 
schwinden verengert 5 am unteren noch ganz die normale Breite 
vorfindet. 

Die andere Art dürfte vielleicht nur eine Modifikation der vorigen 
seyn ; sie entspricht ziemlich genau dem von Schlothuim Tf. XX, Fig. 
4. abgebildeten Calam. s er obi cu lat u s , bei welchem die Abgliede- 
rung nicht durch eine zusammenhängende Zirkellinie, sondern nur durch 
eine kleine Zusammenschnürung der Längesfreifen hervorgebracht wird, 
während es doch eigentlich als Regel gilt , dass die Streifen der Cala- 
mitten an den Abgliederungcu^ abweciiselnd stehen. 

Das Konglomerat, in welchem sich diese Stämme bei Hainchen fin- 
den, wurde früiier für Ptothliegendes gelialtcn. Herr Professoi- Nau- 
mann hat aber bei genauerer Untersuchung gefunden, dass es keines- 
wegs Rothliegendes ist, sondern einer älteren Kolilen - Formation ange- 
hört, welche unter dem Zwickauer und CheirnüHer Kohlen - Gebirge 
liegt, und wahrscheinlich dem jEw^ZiSc/««'« Steinkolilen-Gebirge entspiicht. 
Das Nähere hierüber wird H. Prof. Naumann bald selbst bekannt ma- 
färgn; ich erwäiuie der Beobaclitung nur, weil sie einigen Aüfschluss 
über die abweichenden Formen der Haincher Versteinerungen zu geben 
vermag. Denn nicht nur diese gestreiften Stämme sind jenem Konglo- 
merate eigenthümlich, sondern auch kolossale, Lepid o d en dr a-ähn- 
liche Pflanzen bis zu 2' Stammdurclnnesser, welche theils langgezogene, 
theils flach gedrückte, rhomboidale Gestalten auf der Oberfläche zeigen, 
die jedoch den Blattnarben von Lep i d o d en d ro n keineswegs ent- 
sprechen, da sie entweder nur aus flachen, entfernt von einander stehen- 
den Erhöhungen, oder aus unrcgelmässigen, in die Breite gezogenen 
Vertiefungen bestehen. Beide Formen scheinen in einander überzugehen, 
und zwar so, dass man zu glauben geneigt wird , der obere jüngere 
Theil der Stämme habe die ersteren erzeugt , welche sich beim älter- 
werdenden in die tetzteren umgewandelt hätten. 

Sind Ihnen vielleicht ähnliche Formen aus der alten Englischeu 
Kolden-FormatioH bekannt?*) 

B. CoTTA. 



Dieser Brief vejanlassle mich, meine rftanten-Refte von Havuhtn, die ich der 
Gute der Herrn E/.arnRRA Terdanke, pciiaiier anzusehen. Ich fand jene C a I a m i- 
ten darunter, blieb aber wcg-en dieser Lepidodendra noch etwas zweifelhaft. 



— 212 — 

Tübhiffe», 29. Dezember 1833. 

Einige Bemerkungen zu den 10 Lieferungen der geo- 
gnostisch-petrefaktologiscIienSammlu n g des Heidelberger 
Comptoirs. Die beiden unter dem Namen Lias-Sandstein von Weilheim 
gelieferten Gebirgsarten, Nro. 325 und Nro. 327 der älteren, oder Nro. 
234 und 236 der neueren Ausgabe geboren zum Ivferior-Oulite (Eisen- 
Rogenstein): CS sind dieses die Sandsteine dieser zwischen dem Jura- 
kalk und Lias liegenden Formation , welche in Handstiicken allerdings 
oft viele Ähnlichkeit mit Liassandstein haben und aus diesem Grund 
auch früher oft obere Liassandstcine (in Württembery Eisensandsteine) 
genannt wurden. — Der körnige Thoneisenstein von Wasseralfinffen 
Nro. 326 der altern oder Nro. 235 der neueren Nummern liegt in diesem 
Sandstein des Inferior-Odlitc's. 

Die beiden unter Liassandstcine von Ti'ibingcm und Göppingen ge- 
lieferten Gebirgsarten (Nro. 502 und 324 der älteren, oder Nro. 237 und 
238 der neueren Ausgabe) sind die ächten Liassandstcine: sie liegen 
oft unmittelbar auf Keupermergel und sind in einigen Gegenden, wie 
bei Tübingen, von dem Nagelkalk der Lias-Formation bedeckt : nach ih- 
rer Alters-Folge würden sie daher richtiger zAvischen Nro. 250 und 251 
der neuern Nummern, zunächst unter den Nagelkalk, eingeordnet. Der 
quarzige (sog. krystallisirte ) Keupersandstein von Stuttgart (Nro. 412 
der älteren oder Nro. 257 der neueren Nummern) liegt nicht über, son- 
dern unter dem oberen Keupersandsteine von Degerloch (Nro. 412 der 
älteren öder Nro. 258 der neueren Nummern). 

Der Fundort des Muschelkalks mit eingewachsenen Brnchstucken 
von Keupermergel (Nro. 275 der neueren Nummern) ist Unter-Jesingen 
bei Tübingen, nicht Ischingen. 

ScHÜSLER. 



Auch waren Stigraarien mit ansitzentlen Blättern dabei. Diese Resfe sind äus- 
serst merkwürdig und wichtig, weil an der Stelle der gewbhnliclien Kohlenriiide 
sie noch oft mit einer dicken Lage einer Substanz umgeben sind, welche die vege- 
tabilische Textur deutlich zeigt. Aber kaum traue ich meinen eigenen Augen. 
Dte schwächsten Exemplare zeigen das oben beschriebene Wesen der Calaniiten 
am deutlichsten. Die Längenstreifen bestehen immer aus einer Doppelliiiie. Die 
Gliederung ist von obiger zweifacher Art; doch g-ehört die undentlicbere den grös- 
seren Exemplaren an. Ein Exemplar mittler Grösse reigte Streifnng und Glie- 
derung zwar undeutlicher, doch zum Erkennen noch immer genügend, und auf 
jedem Gliede eine Menge rundlicher Bnichc: Ast oder Blätter-Ansätze. Bei noch 
grösseren Exemplaren endlich verschwindet die Gliederung fast völlig, die Strei- 
fung verlieit an Regelmässigkeit, dieNarben treten deutlich hervor: es sind S t i g- 
niarien. Ich vvünsclite sehr, dass Hrr. Cotta diese Beobachtungen bei einem 
reichereu Materiale, als mir zu Gebote steht, zu bestätigen suchte. Die Lepi- 
dodendra, wenn es anders dieselben sind, wovon er spricht, scheinen mir eben 
nicht sehr von Lycopodites elegans Sterkb. abzuweichen. Br. 



- 213 — 

NeufchutH, 28. Januar 1834, 
Die zweite Lieferung meiner Recherche s snr les puissons fossiles ist nun 
ebenfalls gedruckt; sie zu versenden warte ich nur auf einige Tafeln, 
welche noch gezeichnet werden nuisstcn, da sie Arten vorstellen, die ich 
noch auf meiner letzten Reise gefunden. In 4 Wochen sollen Sie indess die- 
selbe haben. Eben so regelmässig werden die anderen Hefte folgen. 
Ich bin jetzt an der Ausarbeitung einer kleinen Abhandlung über fossile Se c- 
st'erne, die Sie erhalten sollen; auch eine Notitz über unsere Kreide 
und deren Versteinerungen werde ich Ihnen bald senden können. 
Wenn nur die Tage doppelt so lang wären, so gienge es leichter. — Wenn 
ich kann , komnie icli nach Stultyurt und Strassbiti'g. Es wäre aber 
auch möglich , dass ich diesen Sommer nach England oder nach 
Italien ginge, wenn ich bis dahin die 3. und 4. Lieferung fertig brin- 
gen kann. 

ÄGASSIZ. 



Neueste Literatur 



A. B ü c h er. 
1830. 

BouiJXET et Leco(i : Vues et Coupes des pi'incijjales /'ormatiuns yäologi- 
ques du departernent de P uy -de - Dome , accompagnees de la 
description des echantillons des roches, qui les compusent. {266 pp. 
et 31 tbb. S**.) Clermunt. 

Fischer de Waldheim: Oryctographie du gouvernement de Muscou 
{32 pp. et 66 pll, in Fol.) Moscou. 

Em. Gueymard: sur la miiieralogie et la geologie du departement des 
Hautes- Alpes. (121 pp. 8** avec 1 carte geul.) Grenoble. 

1831. 

Girardin: considerations gener ales sur les Volcans et un examen cri- 

tique des diverses theories proposees pour expliquer les phenome- 

nes volcaniques. Bauen. 
Em. Gueymard : sur la mineralugie et la geologie du departement de 

Vis er e {219 pp. 8" avec 1 carte geol.) Grenoble. 
Hüot: Coup d^oeil sur les volcans et sur les phenomenes volcaniques 

consideres sous les rapports mineralogiques, geologiques et physi- 

ques. Paris, 
G. SucKow : die bedeutendsten Erz - und Gestein - Lager in Schweden. 

Jena 8^. 

1832. 

A. H. Dumont: Memoire fiiH'^'la Constitution geologique de la Province 
de Liege {372 pp. 4", / carte geol. et 2 f'euitl. da coupes). 
Bruxelles. 

Ebenezer Emmons : Manual of Mineralogy and Geology. Second Edi- 
tion. {299 pp.l2°). Albany. [Die Krystallographie nacli Brooke, 
Klassifikation und Nomenklatur nach Mohs]. 



- 215 — 

Glocker: Versuch einer Charakteristik Aer Scklesischen mineralogischen 
Literatur von 1800 bis 1832. 65 SS. Breslau 4<*. 

Ch. U. Shepard : Treatise on Mineralogy. Neiv Haven. [Terminologie, 
Klassifikation, Nomenklatur, Charakteristik und Physiographie der 
Mineralien, zum Theil nach Mohs], 

1S33. 

R. Bakevvell : an Introduction to Geology, intended to convey a practi- 
cal Knoivledge of the Science and comprising the most recent 
Biscoveries. 4'^' edit. (609 pp. 8" mit 8 Kupfert. und 18 Holz- 
schnitten), London [l Pf. 1 Sh.J. 

H. S. Boase: coutrihutions towafds a Knowledge of the Geology of 
Cormvall. 310 pp, 8^. with a map and 2 plates. (aus den Geol. 
Transact. Cornwall, IV.). 

BoBLAYE et Virlet: Expedition scientifique de Moree, — üection des 
Sciences physiques , geologie et mineraloyie. {Livrais. I — III 
53 pp. avec 1 planche). Paris. 

H. Cotta: der Karamerbühl nach wiederholten Untersuchungen auf's 
Neue beschrieben. Dresden S". 

Deshayes . Description des co</itilles fossiles des environs de Paris, 4'*. 
Uvr. XXX— XXXI F. Paris. 

A. Eaton: geological Text Book, second edition (140 pp. 8'^ mit 68 
Uttiogr. Figures of organic remains.) New York. [Diess ist 
eigentlich die 6te Auflage; die fünf ersten waren erschienen unter 
den Titeln 

I. et II. = Index to the Geology of the Northern States, 
1818 und I8S0. 

III. = Reportofa geological siirvey ofErie Cunal, 1824. 

IV. = Geological Nomenclature. 

V. = Geological Text Book, 1830.] 

A. GoLDFUSs: Abbildungen und Beschreibungen der Petrefakten der 
K. Pr. Rhein - Universität zu Bonn. Heft IV. Fol. Düs- 
seldorf. 

Grateloüp: Notice geognostique sur les rockes de Feras aiix environs 
de Dax, Dept. des Landes. Bordeaux S". 

S. Hibbekt: History of the extinct Volcanoes of the Bassin of New 
Wied on the lower Rhine. {261 pp. 8° mith mups). Edinburgh. 

LiNDLEY and Hutton : the Fossil Flora of Great Britain, Nro. VI [f. 
[Vgl. Jahrb. 1833. S. 329]. 

G. Mantell: Geology of the South East of England, containing a com- 
prehensive Sketch of the Geology of Sussex and of the adjacent 
parts of Hampshire, Surrey and Kent, with Figures and Descrip- 
tions of the Extraordinary Fossil Reptiles of Tilgate-Forest (with 
75 Plates, Maps and Woodcuts, 8'\) London 121 Sh.]. 

H. Reboul: Geologie de la periode quaternaire et introduction ä l'hi- 
stoire anviemie. 8'\ Paris. 



— 216 — 

A. W. J. Uhde; Versuch einer genetischen Eutwickelung der mechani- 
schen Krystallisations- Gesetze, nebst vorläufigen Erörterungen 
über die mechanischen Bedingungen des dreifachen Aggregat -Zu- 
standes der Körper überhaupt, (395 pp. S*' mit 4 Steindrucktafehi), 
Bremen. 

C. H. V. Zieten: die Verstenierungen Württembergs, XI, und XII. Heft. 
Stuttff. roy. fol. [Das ganze, nun vollendete Werk kostet nun 40 fl. 
mit schwarzen, 4S fl. mit iiluminirten Abbildungen]. 

Angekündigt sind: 

R. Bakewell: Indroduktionto Geoloffi/ etc. (s. S. 215), zweite Amerikani- 
sche nach der vierten Englische», sehr vermehrte Ausgabe, unter 
Aufsicht von Silliman. 

Deshayes et Duchatel: Monographie des fossiles du solcretace, enpar- 
ticulier de celui de la Belgique. 

Des Longchamps : sur les Crocodiles fossiles. 

Hitchcock: Report of the Geology of Massachusetts, I Band in 4** von 
600 — 700 Seiten, mit mehreren Karten und Zeichnungen, und vie- 
len Holzschnitten. 

B. Zeitschriften. 

l.Kongl. Svenska Vetenskaps Academiens H a7idlingar 
f. 1831. Stockholm 1832. gr. 8" mit 7 Tafeln. 

S. NiLSSon : in Schoonen gefundene fossile Gewächse, mit 4 litliographir- 
ten Tafeln S. 340—351, (F. f.) 

S. Nilsson: über Thier-Versteinerun gen in den Steinkohlen-Gebilden von 
Schoonen, mit Abbildungen. S. 352—355. [Mefallglänzende Flügel- 
Decken eines Insekts, ein ? Kr okodil-Zahn, ein Yisch (Handling. 
1823.), Avicula inaequ i v al vis Sow., Os tr e a H i sin ge r i 
Nils., M o d i o 1 a H o f f m a n n i Nils., Donax arenacea Nils. 
und V e n e r itcs]. 

S. W. Featherstonehaugh : the Monthly Am erikan Journal of 
Geology etc. S". IX. Hefte von Juli 1831 bis May 1832.) 

3. C. HARTftiANN's : Jahrbücher der Mineralogie, Geologie, 
Berg- und Hütte n-Kunde. Nürnberg S*'. Jährlich ein Band 
in 3 Heften. I. i. 1834. 199 SS. 

Seebeck: über die Prüfung der Härte an Krystallen. S. 123 — 144*). 



*_) Das Übrige sind Übersetzungen aus dem Report of tht Britith Äsiociatio», aus\ 
hTiEVi.'sPriiidpfes of Geology, aus Taylor'» Rernrds nf Minh'p;, eine kleine An- 
zahl Auszüge aus andern Zeitschriften und Bticher-An/.eigen. Wer bei dem Ver- 
leger Stein in Nürnberg „Moll's neue Jahrbücher" und Kastiher's Grund- 
züge der Physik und Chemie" vor Ende März für 20 fl. zusammennimmt, 
erhält dieses Heft gratis. 



— 217 — 

4. Annales des Mines etc. [cfr. 1833. S. 422.] 

III. I, 183 3. enthält, ausser Berg- und Hiitten-münnisclien Aufsätzen 
und Auszügen. 
P. Berthier: Analyse verschiedener metallischen Mineralien S. 39—62. 

[Jahrbuch 1834, S. 49 ff.]. 
DüFRENOY : über die Natur und geologische Lagerung der unter dem 
Namen „c«ic«ir« s amygdalin s'^ bezeichneten Marmore. S. 
123—137. Tf. II. [Jahrb. 1834, S. 77 ff.]. 
III. 11, 1833. enthält 
DüFRENOY : Note über Lagerung und Zusammensetzung einiger Alaun- 
Silikate. S. 393—400. 
A. Boue: über die grosse Jahresversammlung der Deutschen Gelehrten 
zu Wien im Septemb. 1832 , und über den jetzigen Zustand der 
Mineral-Industrie im Östreichischen Kaiser thume S. 401 — 422. 

5. Bullet, de la Societe g e ologique de France. Paris 8<*. 

1832-1833; in, 209-376 und p. I - CLXXXVIII. 

[Jahrb. 1833. S. 550. 
E. Robert : Geologische Beobachtungen in der Picardie und Nurmandie 

i. J. 1831. S. 209—211. 
DüFRENOY: theilt v. Leonhard's Beobachtungen mit über die Granite von 

Heidelberg. S. 214—215. 
De Montlosier : über die Bildung der Thäler und die Theorie'n der Ge- 

birgshebungen. S. 215—217. 
Schmerling: über die Knochen-Höhlen der T?io\inz Lüttich. S. 227 — 222. 

(Vgl. Jahrbuch 1833. S. 592.) 
De Bonnard: Knochen in der Höiile von At^cg sur Cure. S. 222—223. 
Virlet: über Knochen-Höhlen. S. 223—224. 

v. Leonhard: über körnigen Kalk. S. 226— 228. (= Jahrb. 1833. S. 312), 
D. Prevost : über Knochen-Höhlen. S. 228. 
Hericart de Thury: Notiz über die Kalk-Höhlen von Cusy in den Beau- 

ges in Savoyen, und über den Gold- führenden Sand im Cheran. 

S. 229-234. (Jahrb. 1834. Heft 2). 
Rozet: Geologische Abhandlung über die Umgegend von Or«« \n Afrika 

S. 234—236. 
Hericart de Thury: Gold bei rMri«. S. 236— 237. (Jahrb. S.834, S. 221.) 
Boubee : Erinnerungen von seiner letzten Reise nach den Pyrenäen. 

S. 237—238. 
Leymerie : über gediegenen Schwefel und Selenit in der Kreide von 

Blontgueux, Aiihe. S. 240—241. 
C. Prevost : über den Sandstein von Beauchatnp. S. 241 — 242. 
Razoümowski: Geoiogisclidr Versuch über das Thal, in dessen Grunde 

äie StaAt Karlsbad Uvgt, und über dessen Umgebungen. S. 242 — 248. 
DüFRENOY: über die Lagerung des Eisen - Erzes von Rande, und das 

Gebirge, worinn es eingeschlossen ist. S. 248—249. (ausfülulicher 

in Ann. Scienc. wtt. 1833, XXX, 69—79.) 
Virlet: Naclitrag (zu S. 585. des Jahrbuchs 1833.) über die untere 



— 218 — 

Kreide von Morea. S. 251—253. Sie ist in 3 Etagen getheilt. [Vgl. 

BoBLAYE Jahrb. 1834, S. 97]. 
Darchiac: über einen Bohr-Brunnen zu haneuville sous Laon, Aisne. 

S. 254—255. 
Boüe: Plan seiner „Bibliographie generale des sciences geolugique, mi- 

neralogique et paleo/itologique". S- 259—261. 
J. Levallois : über die unterirdische Temperatur der Steinsalz-Grube zu 

Dieuze. S. 261. 
Reboül: Erläuterung eines geognostischen Durchschnittes des Cevennen- 

Pyrenäen-Beckens. S. 261—264. 
Teixier : Betrachtungen über die Geologie der Sieben Hügel Roms, 

S. 264—267. 
Über die Knochen-Höhlen von Plombier es-Us-Bijuns. S. 267. 
BouBEE : über die Anfüllungs-Weise der Höhlen. S. 267 — 268. 
A. Benoit: Beschreibung der Lagerungs - und der Gcwinuungs -Weise 

des Blei-Erzes von Longwilly , Canton Bastugne , in der Provinz 

Luxemburg. S. 272—174, 
Elie de Beaumont und Dufrenoy : (di'itter Theil einer) Abhandlung über 

die Gruppen des Cantal und Mont-Dore und über die Hebungen, 

vt^elchen diese Gebirge ihre jetzige Form verdanken. S. 274 — 276. 
Bertrand-Geslin : über einen Mega 1 o s au r u s -Wirbel. S. 281. 
Hericart-Ferrand : Erläuterung eines geognostischen Durchschnittes 

von Paris bis Harn. S. 281—285. 
Bertrand-Geslin: Geologische Notiz über die Insel Noirmoutiers , im 

Vendee-Dept. S. 285—287. 
Virlet: Prüfung von L. v. Büch's Theorie der Erhebungs - Kratere. 

S. 287—295, 301—309, und 315—316. 
,v, Rosthorn: über die Gegend von Radeboy in Croatien, S. 299—300. 
DE Beaumont, Dufrenoy, Prevost, d'Omalius d'Halloy, de MoNTto- 

siER und Boubee Bemerkungen über Virlet's Prüfung von L. v. 

Buch's Theorie. S. 195—197, 309—313 und 317—326. 
Caüchy: über die Erzlager der Ardennen. S. 321—321. 
BouE : über die Gegend von Narbonne, Pexenas, la Corniche zwischen 

'Nix'ia und Genua, und einige Örtlichkeiten im Vicentinischen. 

S. 324—326. 
täber ein Austern- [Gr yph e e n?] Lager zwischen Germilly CYonneJ 

und Ervy CAubeJ, S. 347. 
M. BE ÄERREs: Beobachtungen über die Ursachen des grössere» Schla- 
ges der fossilen und humatilen Arten, mit den lebenden verglichen. 

S. a56. 
A. BüUE : Zusammenstellung der Fortschritte der Geologie und einiger 

iluer Haiipi-Anwendungen in dem Jahre 1832. S. I— CLXXXVHl. 



u s z II g e. 



I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralcliemie. 

Stromeyer und Hausmann haben der K. Soz, d. Wissensch. am 5. 
Dez. 1833. mineralogische und chemische Bemerkungen 
über eine neue Mineral Substanz übergeben, deren Eigen- 
thümlichkeiten zuerst von K. Volkmar aus Braunschweig %vahrge- 
nomnien worden. Das Mineral , welches im Aiidreasberyer Erzgebirge 
auf den durch das sogenannte Andreaser Ort überfahrenen Gängen, in 
Beeleitung von Kalkspath, Bleiglanz und Speiskobalt sich gefunden hat, 
zeigt einige Ähnlichkeit mit Kupfernickel, unterscheidet sich 
aber von diesem schon durch seine Farbe, und besteht aus Nickel 
und Antimon, daher ihm der Name Antimonnickel gebührt. Es 
kommt eingewachsen vor in kleinen und dünnen, theils einzelnen, theils 
zusammengehäuften oder aneinandergereihten, sechsseitigen Tafeln, wel- 
che Bildung in das Krystalloidisch-Dendritische übergeht; oder auch klein 
und fein eingesprengt, und dann mit dem Bleiglanz oder Speiskobalt oft 
innig verbunden; selten in etwas grösseren, derben Parthieen. Die 
Krystalle scheinen regulär-sechseckig zu seyn; doch ist bis jetzt eine 
genaue Winkeiniessung nicht möglich gewesen. Ihre Endflächen haben 
eine sechseckige Reifung, die den Endkanten des Prisma entspricht, 
und worin sich eine Anlage zur Bildung von Flächen einer pyramida- 
len Krystallisation, vermuthlich eines Bipyramidaldodekaeders, zu erken- 
nen gibt , sind aber übrigens glatt. Die bis jetzt wahrgenommenen 
Krystalle messen selten über eine Linie. Versuche, eine Spaltung zu 
bewirken, sind nicht gelungen; hin und wieder sind aber Zusammen- 
setzungs-Absonderungen bemerkbar, die den Endflächen der Tafeln ent- 
sprechen. Der Bruch ist uneben , in das Kleinmuschelige übergebend. 
Die Endflächen der Krystalle sind stark metallisch glänzend ; die Bruch- 
flächen glänzend. Die Farbe erscheint auf den Krystallflächen, wegen 
des lebhaften Glanzes derselben, lichter als auf dem Bruche, und wird 
durch das Anlaufen etwas dunkler. Das Pulver hat eine röthlichbraune 
Farbe und ist dunkler, als der Bruch. Das Erz ist spröde. In der Härte 



— 220 — 

steht es dem Kupfernickel ziemlich nahe, indem es von Feldspath ge- 
ritzt wird, aber Flussspath ritzt. Das spezifische Gewicht konnte we- 
gen der Kleinheit der bis jetzt erhaltenen Stücke und wegen ihrer 
innigen Verbindung mit anderen Körpern nicht bestimmt werden. Das 
Mineral hat keine Wirkung auf den Magnet. — Vollkommen von einge- 
mengtem Elciglanz, Speiskobalt und gediegenem Arsenik freie Stücke 
dieses Erzes gaben beim Glühen und Verblasen vor dem Löthrohr we- 
der einen arsenikalischen Knoblauchgeruch, noch einen sulphurischen 
Geruch aus , und auf der Kolile zeigte sicii nur ein Antimon-Anflug. 
Dabei bewies sich dasselbe sehr strengflüssig und Hess sich nur in 
ganz kleinen Stücken zum Fliessen bringen. — In einer Glasröhre ge- 
glüht sublimirte sich aus demselben etwas Antimon. — Die einfachen 
Säuren haben nur eine sehr geringe Einwirkung darauf. Aus Bleiglanz- 
haltigen Stücken scheidet Salpetersäure Schwefel aus. Salpetersalz- 
säure löst dasselbe aber leicht und vollständig auf. Diese Auflösung 
mit Weinsteinsäure versetzt, wird, wenn das Erz keinen Bleiglanz einge- 
mengt enthalten hat, durch salzsauren Baryt nicht gefällt, und gibt mit 
Schwefelwasserstoff vollständig niedergeschlagen einen rein Orange- 
farbenen Niederschlag, der von Kali gänzlich wieder aufgenommen wird 
und bei der Reduktion durch Wasserstoffgas nur Antimon ausgibt. 
Die durch Schwefelwasserstoff von Antimon befreite Auflösung gibt 
mit kohlensaurem Natron einen rein apfelgrünen Niederschlag, der in 
oxalsaures Nickel umgeändert, sich in Ammoniak vollständig mit rein 
Saphir-blauer Farbe auflöst. Diese an d6r Luft von selbst zersetzt, hin- 
terliess eine völlig ungefärbte Flüssigkeit. — Da es nicht möglich war, 
für eine quantitative Untersuchung- eine hinreichende Menge ganz rei- 
nen Erzes zu erhalten, so wurden dazu etwas bleiglanzhaltige Stücke 
angewandt. Diese fanden sich in 100 Theilen zusammengesetzt, aus: 
nach Analyse I, II. 

Nickel 28,946 27,054 

Antimon .... 63,734 59,706 

Eisen 0,866 0,842 

Schwefelblei . . . 6,43 7 12,357 

99,983 99,959 

Wird nun das Schwefelblei und Eisen als nicht zu der Mischung die- 
ses Erzes gehörend abgezogen und aus beiden Analysen ein arithmeti- 
sches Mittel genommen , so ergibt sich daraus die Mischung des Anti- 
mon-Nickels in 100 Theilen zu: 

Nickel ... 31,207 

Antimon 68,793 

100,000 
Die Bestandtheile dieser natürlichen Legirung befinden sich dem- 
nach in dem Verhältniss gleicher Äquivalente mit einander vereinigt, 
und der Antimon-Nickel ist mithin eine dem Kupfernickel, in dem eben- 
falls gleiche Äquivalente Nickel und Arsen zusammen verbunden vor- 
kommen , ganz analoge Verbindung. ~ Durch Zusammenschmelzen 



- 221 — 

gleicher Äquivalente Nickel und Antimon erhalt man eine diesem Erze 
in der Farbe, dem Glänze, der Härte und der Sprödigkeit völlig ähn- 
liche Legirung-, die ebenfalls nicht magnetisch ist, und auch im Feuer 
und gegen die Säuren ganz dasselbe Verhalten zeigt. In dem Augen 
blick, wo beide Metalle sich mit einander verbinden , findet , wie dieses 
schon von Gehlen beobachtet worden ist, eine sehr lebhafte Feuerer- 
scheinung Statt. Bei einem grösseren Verhältnisse von Antimon nimmt 
die Legirung eine weisse Farbe an, und wird schmelzbarer. (Göttinff. 
gel. Anz. 1833. Nro. 201.) 



Nach Hericart de Thury hat man kürzlich ein Stück Goldes von 
8,000 Francs Werth im AUuvial-Land bei Turin gefunden. CBull. Soc. 
geol. France, iS33, IIT. 237 J 



BoussiNGAULT Aualyse des Halloysit's von Guateque in Neu- 
Gratiada. (Annal. d.chimie et de pliysique, 1833, Äoüt,LIII.439—44:L) 
Das Dorf Guateque liegt in der östlichen Curdillere unweit Sogamoso, 
Das Gebirge ist ein sehr verbreiteter Sandstein, welcher auf der Por- 
phyr- und Scliiefer-Gruppe von Pomplona ruht. Bei Guateque geht der 
Sandstein in einen schwarzen sehr Kohlen-reichen Schiefer über, worin 
unansehnliche Nester von Anthrazit vorkommen. Indier, welche eine 
Smaragd-Lagerstätte suchten, fanden 1826 in diesem Schiefer den Hal- 
loysit. Er ist weiss, kompakt, sehr zart anzufühlen , mit muschligem 
und wachsartigem Bruche, an den Kanten durchscheinend, wird im Was- 
ser unter Entwickelung vieler Luftblasen durchscheinend, lässt sich mit 
dem Nagel kratzen, und klebt sehr stark an der Zunge. Er stimmt in 
seiner Zusammensetzung (nach Verdunstung des mechanisch gebundenen 
Wassers im Wasserbade) völlig überein mit einem zu Avreur bei Lüt- 
tich gefundenen, von Berthier analysirten und nach Omalius D'HALLor 
(von dem es entdeckt worden) benannten Minerale, wie folgende Ne- 
beneinanderstellung ergibt 

H a 1 1 y s i t I von Avreur II von Guateque, 

Kieselerde . , , . 0,449 .... 0,460 . ] 0,470 j 

Alaunerde .... 0,391 .... 0,402 . foderj0?262( ' 

Wasser ..... 0,160 .... 0,148 . ( 0137 1^'^*^^ 

1,000 1,010 ) 

was der Formel 2 AI Si" -f- AJ H^ entspricht. 



G. Rose: über die Krystallform des Plagionits, eines 
neuen Antimon -Erzes. (Poggend. Ann. d. Phys. XXVIIL B. S. 
421. ff.) Die Krystalle sind 2- und 1- gliederig, und in Drusen auf 
der derben Masse, so wie auf krystallisirtem Quarz aufgewachsen. Das 
derbe Mineral hat unebenen Bruch. Wegen der übrigen Merkmale wird 



— 222 — 

auf Zinken's Abhanclhing (A. a. 0. XXII. E. S. 492) verwiesen, der 

die Substanz unter den Antimonerzen vom Wolfsberg eatdeckte. Nach 

H. Rose besteht dieselbe aus: 

Blei 40.52 

Antimon ........... 37,94: 

Schwefel 21,53 

99,99 

r tn 
und die Formel ist Pb"'Sb^. 



BoussmcAUJLT : Zerlegung des Alauns vom Vulkan von 
Pasto CAnn. de Chim. et de Phys. Ävril , 1833. P, 348. etc.J: 

Schwefelsäure 35,68 

Thonerde ^ 14,98 

Wasser 49,34 

100,00 
Die Zusammensetzung, identiscl) mit jeuer des Alauns von Saldagna, ent- 
spricht der Formel: AI S* -|- 18 Aq. Der zerlegte Alaun findet sich im 
Krater des Vulkans von Pasto, begleitet von Gypsspath, auf einem durch 
schwefelige Dämpfe zersetzten trachytischen Gestein. 



G. Rose: über die Krystallform des S i Ib er- Kup f e r- 
glanzes, und das Atomen -Gewicht des Silbers. (Pog- 
GEND. Ann. d. Phys. XXVIII. B, S. 427.) Fundort: Rudolstadt in Schle- 
sien. Die Krystalle sind sechsseitige Prismen, deren Winkel wenig von 
120" abweichen, und die mit sechs Flächen zugespitzt sind, welche mit 
den Flächen des Prismas Winkel von ungefähr 116^ machen. Sind auch 
die Winkel weder beim Silber-Kupferglanz, noch beim Kupferglanz mit 
grosser Genauigkeit bestimmbar, so kann dennoch kein Zweifel Statt 
finden, dass die Krystall-Foi aien beider isomorph sind. In der chemischen 
Zusammensetzung kommt der Silber -Kupferglanz von Rudolstadt mit 
dem vom Schlanyenberge überein; er enthält Schwefelsilber und Schwe- 
felkupfer in demselben Verhältnisse. — Die wiederholten Beobachtungen, 
dass sich Schwefelsilber A^ S und Schwefelkupfer gegenseitig erset- 
zen, und dass nicht allein Schwefelkupfer Cu S in der Form des Glas- 
erzes, sondern auch Scliwcfelsilber Ag S in der Form des Kupferglanzes 
vorkommen, scheinen es nun immer mehr nöthig zu machen, das Atomen- 
Gewicht des Silbers durch 2 zu dividiren, und die chemische Zusam- 
mensetzung des Glaserzes mit Ag S zu bezeichnen, wie die des Kup- 
ferglanzes mit Cu S, damit die chemische Formel des Glaserzes dieselbe 
Anzahl Atome enthalte, wie die des Kupferglanzes. 



— 223 — 

Nach A. Breitmauft ist das Kry s t al lis ations- S ys te m des 
rot he n Nickel-Kieses rhombisch und zwar holoedrisch. (ScHWBie- 
ger-Sbidel, n. Jahrb. d. Chemie 1833. Heft 16, S. 444.) 



Wolkonskoit, zerlegt von P. Berthier. (Ann. des Min. 3'»« 
Serie T. III, p. 39 etc.) Vorkommen in Adern und auf Nestern am 
Berge Jefimictski im Permischen Gouvernement. Das Mineral ist schön 
grasgrün, dicht, muschelig oder uneben im Bruche, matt, erlangt aber 
durch Reiben mit den Fingern Glanz. Hin und wieder findet man Kör- 
ner eisenschüssigen Quarzes. Der Wolkonskoit gibt viel Wasser und 
wird, in der Glasröhre erhitzt, unrein bräunlich- und grünlich-grau. Mit 
erhitzter konzentrirter Salzsäure gelatinireud. Chemischer Gehalt: 

Chromoxyd , 34,0 

Eisen-Peroxyd 7,2 

Talkerde 7,2 

Kieselei'de 27,2 

WassQi 23,2 



Kupfererz von Escouloiibre im Atide-'D ejtsn'tement , ana- 
lysirt von demselben, (Ibid. p. 46. etc.) Derb, oder körnig- 
blätterig, dunkelbraunrotli und mit Kupferkies durchadert. Hin und wie- 
der nimmt man in den Massen zarte Spalten wahr, deren Wände mit 
grünem kohlensaurem Kupfer bedeckt sind. Gehalt: 

grünes kohlensaures Kupfer .... 32,6 

Eisen-Peroxyd-Hydrat 51,5 

Eisen-Peroxyd 12,7 

Quarz und Kieselerde ...... 2,8 



Bunt-Kupfererz von Nadmd im Dep. Haitte-Vienne, zer- 
legt von demselben. (Ibid. p. 48. etc.) Vorkommen im Walde von 
Nadmid in der Gemeinde Saint-Sylvestre. Derb, dicht, uneben im Bru- 
che. Chemischer Bestand : 

Kupfer 70,0 

Eisen 7,9 

Schwefel ........... 20,0 

Glimmer und Quarz 0,2 

98,1 



C. F. Plattnfr untersuchte den charakteristischen 
braunen Erdkobalt von Saalfeld vor dem Löthrohre und 
fand ihn siusammengesetzt aus : Kobaltoxyd, Eisenoxyd , Manganoxyd, 
Jahrgang 1834. 15 



— 224 — 

arseniger Säure, Thonerdc, Talkerdc und Wassci\ (Schweigger-Sejdel, 
n. Jahrb. d. Chem. 1834, 1. H., S. 9 ff.) Breithaupt sieht jenes Erz 
als ein homogenes Opal-artiges, zu den Porodinen gehöriges Mineral an. 



Tantalit von Tamela, analysirt von Nordenskiöld (Berzeliüs, 
Jahresbr., XTl. Jahrg. S. 190): 

Tantalsäure 83,44 

Eisenoxydul 13,75 

Manganoxydul 1,12 

Zinnoxyd 1,69 

100,00 
Er ist also Fe Ta mit Spuren von Mn Ta. Eigenschwere rr 7,264. 
Krystallform prismatisch, Winkel der Grundform 98" 59'; 105« 1'J125''47'. 



3,408 . , 


. . 5,959 


1,600 . . 


. . 1,177 


39,221 . . 


. 39,235 



• Stbomeyer: chemische Untersuchung d s kohlensauren 
Mangans (M a n g a n s p a t h) von Freiherg, von Kapnik und von Na~ 
gyag. (Gott. gel. Anz. 1833. 109. Stück, S. 1081 ff.) Nach einem Mittel zweier 
Analysen des blättrigen und des krystallisirten Manganspaths enthält der: 
von der Grube Be- von Kapnik in von Nagyag in 
schert Glück bei Siebenbürgen: Siebenbürgen: 
Freiberg : 
Manganoxyd ... 45,603 . . . 55,623 . . . 53,608 
Eisenoxydul ... 3,570 ... — ... — 
Kalk ...... 7,355 . 

Talkerde .... 3,514 , 

Kohlensäure nebst De- 

krepitations-Wasser 39,849 . 

99,901 99,852 99,977 

Die beiden krystallisirten Abänderungen des Manganspathes aus 
Siebenbürgen unterscheiden sich demnach sehr wesentlich in ihrer- 
Mischung vom blätterigen Manganspath von Freiberg dadurch, dass sie 
nicht eine Spur von kohlensaurem Eisenoxydul enthalten , wie diess 
schon Berthier an dem von Nagyuag bemerkte. Da beide mit eisen- 
haltigen Fossilien vorkommen, und alle andern bekannten Mangan-Erze 
stets etwas Eisen enthalten, so ist diese Eigenthümlichkeit um so auf- 
fallender. Übrigens ist das kohlensaure Manganoxyd, wie das Freiber- 
ger, mit etwas kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Talkerde verbunden, 
und die Behauptung Berthier's, dass im Naggager Erze ebenfalls keine 
Talkerdc vorkomme, wird durch die Analyse Stromeyer's widerlegt. 
Kieselerde aber ist in keinem der untersuchten Manganspathe gefunden 
worden; es steht demnach zu yermuthen, dass der von Lampadius und 
DU Menil angegebene Kieselerde-Gehalt entweder bloss von beigemeng- 
tem Quarz (dieses Mineral findet sich eingewachsen im Freiberger und 



— 225 - 

Nagyager Manganerze), oder vielleicht auch von etwas eingewachse- 
nem Rothsteine herrühre. 



Plattner's Auffindung des Uran-Oxyduls im Schwedischen Automo- 
lit hat sich nicht bestätigt. (Schweigger- Seidei.. neues Jahrb. der 
Cham. 1833. Heft 18; S. 105.) 



D. BrewsteFl : über die Struktur und de ir Ursprung des 
Dianiants. CProceedings of the geol. Soc of London. T833. N. 31, 
p, 4^66.) Nach Newton's Muthmaassung ist der Diamant, gleich dem 
Bernstein, eine geronnene, fettige Substanz. Als Beweis des innigsten 
Verhältnisses zwischen der Entzündbarkeit und der absoluten Refraktiv- 
Kraft von Körpern fügt Br. dieThatsache bei, dass Schwefel und Phos- 
phor sogar den Diamaut in diesem Vermögen übertreffen, und dass die 
drei genannten Inflammabilien alle anderen festen und flüssigen Körper 
in ihrer absoluten Wirkung auf das Licht übertreffen. Eine andere, dem 
Diamant und dem Bernstein zustehende , Analogie beruht auf ihrer 
polarisirenden Struk^ar. Beide enthalten kleine mit Luft erfüllte Zellen 
oder Höhlungen, durch deren Expansiv-Kraft die, die Atmosphäre un- 
mittelbar berührenden Theile jener Substanzen eine polarisirende Struk- 
tur erhalten haben. (Zeicimungen erläuterij dieses Verhältniss.) Der 
Verf. behauptet, dass die polarisirende Kraft in der Rundung der kleinen 
Höhlungen, im Bernstein sowohl als im Diamant, ihren Grund haben 
müsse, in der Expansiv -Gewalt der eingeschlosnenen Substanz, für 
welche muthmaasslich ein Gas-artiger Zustand angenommen wird^ wäh- 
rend die Körper noch weich oder nachgebend waren, erlitten die Wände 
jener Höhlungen eine Zusammendrückung. (Eine ähnliche Struktur lässt 
sich im Glase oder in gelatinösen Massen hervorbringen durch eine 
von einem Punkte aus sich Kreis-förmig verbreitend^ Kompressions-Kraft). 
Von der Annahme ausgehend, dass der Diamant einst in weichem oder 
Teig:-artigem Zustande sich befunden habe, schliesst Br, dass er kein 
Feuergebilde sey. Seine Untersuchungen der Höhlungen manchfacher 
natürlicher undkünstlicherKrystalle — Topas,Quarz, Amethyst, Chrysoberyll 
— so wie der salzigen Substanzen, Hessen, weder in den durch feurige 
Schmelzung,noch durch wässerigeAuflösungerzeugten,Krystallen auch nicht 
eine Höhlung bemerken, in welcher das eingeschlossene expansibleFIuidum 
eine polarisirende Struktur mitgetheilt hätte , ähnlich jener , die man im 
Diamant rund um die Höhlungen wahrnimmt. Er glaubt demnach, dass die 
einstige Weichheit des Diamanten jener eines halb erhärteten Gummis am 
nächsten gestanden haben müsse, und dass derselbe, gleich dem Bern- 
stein, aus dem Pflanzenreiche abstamme und Resultat Statt 
gefundener Zersetzung sey. Die krystallinische Struktur der Diamanten 
spricht nicht gegen diese Folgerung, denn auch der Honigstein erscheint 
regelrecht gestaltet, obgleich er, sowohl seiner Zusammensetzung nach, 
als in Betreff seines Vorkommens, unläugbar vegetabilischer Abkunft ist. 

15* 



— 226 — 

Weiss : über den Haytorit (gelesen in der Akad. d. Wissensch. 
ZK Berlin am 31. März 1828, abgedruckt in den, 1832 erschienenen 
Abhandl. der K. A. d. W. aus dem Jahre 1829; physikalische Klasse; 
S. 63 ff.) Der Haytorit ist — obwohl er nach Wöhler's Untersuchung 
nur Kieselerde im Wesentlichen in seiner Mischung hat, und sonach von 
Quarz sich chemisch nicht verschieden zeigt — eine eigenthiimliche 
Gattung; er bietet für den Quarz ein Gregenstiick von dem, was Arra- 
gonit für Kalkspath, was Binarkies für Schwefelkies, und was Graphit 
für den Diamant (vielleicht auch, was Vesuvian für den Kalk-Granat) zu 
seyn scheint. Sein Krystallsystem ist ein zwei- und eingliedriges; in 
der Härte steht er dem Quarz fast gleich ; Eigenschwere etwas unter 
2j6. Sein gewöhnliches Bruch-Ansehen gleicht dem des gemeinen Quar- 
zes, jedoch zeichnet ihn ein J'Jl3hnfter Fettglanz aus. Die von Levy be- 
merkte überaus grosse Übereinstimmung, wo nicht vollkommene Iden- 
tität des Krystall-Systems des Haytorits mit jenem des DatoHths oder 
Humboldtits, bewog ihn und Phillips, die Haytorit-Krystalle für After- 
krystalle von Humboldtit zu halten. Weiss thut dagegen die Achtheit 
der Haytorit-Krystalle dar. Er sagt am Schlüsse seines Aufsatzes, in 
dessen Einzelnheiten wir, aus Mangel an Raum, nicht eingehen können : 
Beobachtet man die feineren Unterschiede, welche mit mehrerer oder 
minderer Deutlichkeit in ächten Krystallen immer die Flächen verschiede- 
nen Werthes auszeichnen, an Afterkrystallcn hingegen in der Gleich- 
und Einförmigkeit des Ansehens der Masse verschwinden, und bloss 
mechanisch nach den Stellen, die etwa ein Angriff getroffen hat, wäh- 
rend er den Nachbar nicht traf, einen Unterschied lassen', aber keinen 
physikalisch konstanten an jedem Individuum, entsprechend dem inneren 
physikalischen Unterschied in seinen verschiedenen Ptichtungen , und 
verfolgt man diese schönen konstanten Züge der physikalischen Eigenthüm- 
lichkeit der verschiedenen Krystallflächen des Haytorit's , -so ist jeder 
Zweifel an der Achtheit seiner Krystalle als beseitigt zu erachten. 



Erman: Beiträge zur Monographie des Marekanits, 
Turmalins und des Brasilianischen Topases in Bezug auf 
Elektrizität. (Abhandl. der K. Akad. der Wissensch. zu Berlin 
aus dem Jahre 1829. Physikal. Klasse. S. 41 ff.). 



A. Breithaupt: vorläufige chemische Untersuchung 
des schwersten metallischen Körpers, den man kennt 
(Schweiggek-Seidel, neues^Jahrb. d. Chem. 1833; Heft 18, S. 97 ff.). 
Nach den mit Lami-ai>iixs und unter dessen Leitung angestellten Ver- 
suchen erscheint er als Irid mit sehr wenig Osmium, und wird, als neue 
Mineral-Spezies, gediegen Irid genannt. Es erscheinen vier sehr 
merkwürdige Eigenschaften bei dem Irid vereinigt, indem es nicht bloss 
das härteste und schwerst« der bekannten Metalle ist, sondern auch der 



— 227 — 

Einwirkung der Säuren vollkommen widersteht und in Iioliem, vielleicht 
in höchstem Grade strengflüssig ist. 



J. Bryce : ü*"'rsicht der einfachen Mineralien in den 
Grafschaften Down, Antrim und Berry. Cl-ondon and Edinb. 
phil. Mag. August, 1833. p. 83 etc.). In einer kleinen Schiift: ,yTab- 
les of simple minerals , rocks and Shells, with lucal catalogues of 
species'* hatte der Verf. vor einigen Jahren ein Verzciclmiss sämmtli- 
cher im nördlichen Irland vorkommenden Mineralien mitgctheilt; er 
beschränkte sich jedoch auf die Mineralien der drei nördlichen Graf- 
schaften, indem die unorganischen Erzeugnisse der übrigen Theile des 
Landes weniger bekannt sind. Giesecke hat neuerdings eine Irländi- 
sche Mineralogie herausgegeben, als Anhang zu seinem beschreibenden 
Katalog von der Sammlung der königlichen Gesellschaft von Dublin. 
Die Veranlassung zu obiger Zusammenstellung fand Bryce in den Lü- 
cken, welche man hin und wieder in der GiESECKE'schen Arbeit trifft. 
Seine Übersicht enthält manclie neue Spezies; alle sind von Thomson 
analysirt und benannt worden, manche derselben wurden durch den 
thätigen Mineralien-Kändler Patrick Doran entdeckt. 

Gemeiner Quarz. — Sehr allgemein verbreitet; setzt mächtige 
Gänge in der Grauwackc von Down zusammen, so wie im Glimmer- 
schiefer des westlichen Derry. 

Bergkrystall. — Häufig in der Trapp-Formation in besonders 
grossen Krystallen, so namentlich zu Beuhradagh unfern Dungiven : 
man fand vor Kurzem eine 70 Pfund wiegende Masse, allem Anschein 
nach nur Bruchstück eines Krystalls. Auch die Granite von Down und 
die Glimmerschiefer von Derry führen den Bergkrystall. — Rauch 
topas. Im Mourne-Graimi "') und in dem tracljytischen Porphyr von 
Sandy Brae, Antrim. — Amethyst. Im Granit von Mourne. — 
Chalzedon. Sehr gewöhnlich im Trapp. Karniol. Am Ufer von 
hough-Neagh ; auch Chalzedon, Onyx und Achat finden sich da- 
selbst. — Heliotrop. Am Ufer von Lough-Neagh. — Jaspis. In 
manchen Theilen des Trapp-Distrikts , auch mit der Kohle von Coal 
Island, ferner in Pvoüstücken zu Holywood und in Down. — Hörn- 
stein. Als Geschiebe, Ballynieva ; im Grünstcin, Carnmoney bei 
Belfast. Ilolzstcin. Im Alluvial -Boden der Gegend des Lough- 
Neagh. — K i e s e 1 s c Ii i e f e r. Im Tiapp [?] zu Magilligan in Derry. 
Feuerstein. In der Kreide von Derry und Antrim. 

Gemeiner Opal. — Sehr gewöhnlich in dem Trapp-Gcstein. so 
wie in den Gruusteia-Gängen, welche die GraHwacke in Down durch- 
setzen. — 



*) Diess ist bekaimflich der ausgezeiclinet schöne Granit, in dessen Drusenraumen 
mau nicht selten die drei Gemengtheile des Gesteins in den vollkommensten Kry- 
stallen mit einander grnppirt findet. D. R. 



- 228 - 

Halbopal. Selten, im Trapp von Antrim. — 

Edler Opal. Im Porphyr von Sandy Brae) spielt mit rothen 
und grünen Farben. — Hyalith. In wasserhellen, Tranben-förmigen 
Massen im Mourne-Graimt. — Pech st ein. Auf Gängen im Granit 
bei NfJtfri/, auch in den Porpliyrcn von Sandy Brae. Perlstein. 
Häufig in den Porphyren der genannten Gegend, dessgleichen in dorti- 
gem Grünstein. 

Gemeiner Feldspat h. Sehr häufig verbreitet. — 

Glasiger F., in oft sehr grossen Massen in den Trapp Gesteinen, 
— Opalisirender F., meist etwas zersetzt, Mourne. — Labrador, 
daselbst. Auch in den, im Granit aufsetzenden, Porphyren. — 

Albit, Mourne. 

Apophyllit, Bunseverie unfern Giants Causetoay, 

Mornit, grünliche und rothe Massen, bestehend aus Kieselerde, 
Thonerde und Kalk (Thomson). Vorkommen im Grünstein von Marne. 

Chlorophäit. Im Grünstein von Carnmoney bei B'jlfast. Derb, 
dunkelgrau, Glas-glänzend; begleitet von Eisenglanz. (Übertrifft die 
Englischen und Schottischen Chlorophäiten bei weitem an Schönheit.) 

Hornblende. Sehr allgemein. 

Kirwanit. Im Grünstein und Porphyr von Mourne. Strahlige, 
dunkelgraue Massen. Bestand r= Kieselerde, Eisen-Protoxyd, Kalk, 
Thonerde und Wasser. 

Asbest-artiger Tremolith. In der Grauwacke zu Mourne. 

. '^'l I sehr gewöhnlich in allen Trapp-Gesteinen. 

Turmaliu. Im Glimmerschiefer von Antrim und Derry ; im 
Granit von Mourne. 

Zoisit. Im Thonschiefer zu Annalong in Mourne. 

Granat. Kleine Rauten- Dodekaeder im Glimmerschiefer; auch 
im Granit. 

Natrolith, Skolezit, Mesolitli, Stilb it , Heulandi t, Mer 
s 1 e, A n a 1 z i m und C h a b a s i t , mehr oder minder häufig in allen Trapp- 
Gesteinen. Der Stilbit wird auch im Moiirne-Gvami getroffen. — 
L a u m n t i t ebenso. — T h o m s o n i t , im Grünstein, Ballymoney. 

Hydrolith und Levyne, im Mandelstein von Little Beer Park 
in Glenarm. 

Antrim olith, Analysirt und beschrieben von Thomsopj. Bestand 
= Kieselerde, Thonerde, Kalkerde , Kali und "Wasser. Zylindrische 
und konische Massen mit einer Kalkspath-Axe ; Textur strahlig. Hat 
viel Ähnlichkeit mit dem gewöhnlichen Faser - Mesetyp. Eigenschwere 
= 2.09. 

Lehuntit. Derb; gelblichwciss. Bestand = Kieselerde, Thon- 
erde, Natron und Wasser. Vorkommen zu Carncastle bei Glenarm. 

Harr in gt nit. Derb; schnecweiss. Bestand = Kieselerde, 
Thonerde, Wasser, Kalk und Natron. 

E 1' i n i t. In stängligen Massen im Grüustcin. Bestand = Kie- 



— 229 — 

scicide, Wassor, Tlioncrdc, und Eisen - Profoxyd. Vorkommen zu 
Dunseverie. 

Phillip Sit. Gelblich; rhomboedrischc , jnancbfach niodiRzirte 
Krystallc. Im Mandelstein auf der Insel Mai/ee. 

Chalilit. Im Porphyr von Sandy Brae. Bestand = Kieselerde, 
Thonerde, Kalkerde, Wasser und Eiscn-Protoxyd. 

Harmotom. In kleinen Kugei-förmigen Massen (wie der vordem 
sogenannte Gismondin) im Mandelstcin auf Magee. 

Epistilbit. Im Trapp von Ratidin und Portrush. 

Speckstein. Im primitiven Trapp-Gestein nicht seilen. 

Chlor it. Hin und wieder in primitiven Felsarten. 

Bergleder und Bergkork. Angeblich zwischen den Schichten 
von Kreide. 

S mir gel. Angeblich in Mourne. 

Ber Vi j im i»fonr«e-Granit. 

Kalkspath, in manchfachen Krystallen : sehr allgemein. — Fa- 
serkalk, häufig in Trapp-Gestein. — Kalktuff und kalkige Sta- 
laktiten, letztere zumal in Höhlen von Trapp-Gesteinen. — 

Berg milch, im Innern von Feuerstein-Massen, Bfdlycastle- 

Faser- Ar ragon. Zu Dotvnhill und au£ Giaiits Causetvay. 

Schaumkalk. Angeblich im Transitions-Schiefer, Mourne. 

Hydrocarbotiate of Urne and Mai/nesia, im Mandelsteiii 
von Downhill. Sphäroidische Massen *). 

Bitterspath, im Dolomit zu Ilolly und Belfast. 

Gyps, in verschiedenen Varietäten an mehreren Stellen von Antrim 
in den, dem neuen rothen Sandstein untergeordneten, bunten Mer 
geln. — Vulpinit, blätterig und von Himmel-blauer Farbe, in einem 
Trapp-Gang am Fusse des Cai^e Hill unfern Belfast. 

Barytspath, an mehreren Orten in Bieigruben, ferner im alten 
rothen Sandstein von CusJiendim. 

Schwefelsaurer Strontian, angeblich in den Bleigruben 
von Newtonards in Down. 

Kohlensaurer Strontian, mit dem Arragon in Giants Caiise- 
way, aber nur in geringer Menge. 

Alaun, als Ausblühung auf Liasschiefer zu White He ad ua fern 
Carrickferffiis und auf Coal Island in Berry. 

Aluminit, im Trapp zu Gerron Point und Portrush. 

Kupferkies, begleitet von Bleiglanz zu Neivtonards. 

Eisenkies, häufig in Trapp- und andern Gesteinen. 

Magneteisen, oft in Oktaedern krystallisirt, sehr häufig im 
Trapp zu Portmuck, auf Island Mayee. 



*) Ob dieses Mineral das nämliche ist, welches von Philiips als Hydrocarbonate of 
Urne beschrieben worden, möge daliiii gestellt bleiben. Nach ihm soll das Minfral 
ein Produkt der Einwirkung der Trapp-Gänge auf die Kreide an der Giants Cau- 
sewmj seyn. Da Costa hat dasselbe zerlegt und gefunden, dass es aus 4 Atomen 
kohlensauren Kalkes und aus 3 Atomen Wasser besteht; 



- 230 — 

"Eisenglanz, mehreren Trapp-Gesteinen eigen, und mitunter in 
rhomboedrischen Krystallen sich darstellend. — Eisenglimmer, Mourne 
Mountains. — Roth-Eisenstein, Thon-Eisenstein und Sumpf- 
erz, an mehreren Orten. 

Blei glänz und 'phosphorsaures Blei, in den Bleigruben 
von Newtonards in Down. 

Antimonglanz, angeblich in der Nähe von Londonderry. 

Rutil, in Quarz, Mourne, 

Bernstein, angeblich in der Kohle von Rathlin, in kleinen 
Stücken. 



O. L. Erdmann : chemische Untersuchung des Wavel- 
lit und Striegisan von Langenstriegis. Schweigger-Seide/., neues 
Jahrb. d. Chem. 1833. H. 19. S. 154 ff,). 





Blauer Wa- 


Grüner und 




vellit 


gelber W a- 
V e i 1 i t. 


Thonerde . . . 


36,600 


. . 36,393 


Phosphorsäure . . 


34,064 . 


. . 33,280 


Eisenoxyd . . . 


1,000 . 


. . 2,694 


Wasser . . . 


27,400 . 


. . 27,099 


^lusssäure . . 


Spur , 


. . Spur 



99,064 99,466 * 

Die Ursachen der blauen Färbung des einen der zerlegten Wa- 
vellite scheint phosphorsaures Eisenoxydul zu seyn 'y von Kupfer fand 
sich wenigstens keine Spur. Diese Analysen stimmen sehr nahe mit 
denen des Englischen Wavellites von Berzeliüs und des Amberger 
von Fuchs. 

Brauner Schwarzer 





Strie 


g 


s an 


Thonerde . . 


34,900 




. 35,392 


Phosphorsäure . 


. 31,553 . 




. 22,458 


Eisenoxyd . . 


2,210 




. 1,500 


Wasser . . . 


24,010 




. 24,000 


Kieselerde . . 


7,300 . 




. 6,650 


Flusssäure . . 


. Spur 




Spur 




99,973 




100,000 



Der aufgefundene Kieselerde-Gehalt, so wie ein Theil der Thon- 
erde und das Eisenoxyd geliören dem Mineral nicht wesentlich an; 
diess ergibt sich daraus, dass der gepulverte Striegisan sich sowohl in 
Salzsäure, als in Aezkah'-Lauge bei längerer Digestion mit Hinterlas- 
sung eines gelbbraunen oder schwärzlichgrauen, sandigen Pulvers auf- 
löst, welches sich als unreine Thonerde und Eisen-haltige Kieselerde 
ohne Spur von Fbosphorsäure erwiess. — BftEiTHAurx's sogenannter 



— 231 — 

Striegisan ist niclits als ein von der Masse des Kieselschiefers, auf 
welcher er vorkommt, mehr oder weniger verunreinigter Wavellit. 



G.Rose: im Ural vorkommende krystall isi r te Verbin- 
dungen von Osmium und Iridium (Poggendorff, Ann. d. Phys. 
1833, N. 11. S. 452 fF.). Das Osmium-Irid von Newiansk findet 
sich in Krystallen und Körnern. Jene sind Kombinationen eines Hexa- 
gon-Dodekaeders und des sechsseitigen Prismas, und parallel der gera- 
den Endfläche ziemlich vollkommen spaltbar. Zinnweiss; metallisch 
glänzend; ritzt Feldspath ; Eigenschwere = 19,386 bis 19,471. Vor 
dem Löthrohr auf Kohle unveränderlich; nicht nach Osmium riechend. 
Im Kolben mit Salpeter geschmolzen, wenig nach Osmium riechend und 
nach dem Erkalten eine grüne Masse bildend. Mit Phosphorsalz ge- 
schmolzen wird die Substanz nicht aufgelöst, eben so wenig, wenn sie 
mit Königswasser gekocht wird. Vorkommen im Goldsande von Newi- 
ansk, 95 Werste nördlich von Katharinenburg ; Platin findet sich mit 
diesem Osmium-Irid, jedoch in viel geringerer Menge. Ausserdem bei 
Bilimbajeivsk , Kyschtein u. m. a. 0. im Ural. — Die Krystalle des 
Osmium-Irid von Nischne Tayil haben dieselbe Form und die näm- 
lichen Winkel, auch sind sie eben so vollkommen spaltbar. Bleigrau. 
Härte, wie beim vorigen. Eigenschwere = 21,118. Schmilzt vor dem 
Löthrohr auf Kohle nicht, verliert aber seinen Glanz, wird etwas 
schwarz , ufid verbreitet dabei einen durchdringenden Geruch nach 
Osmium. Vorkommen im Piatinsande voa Nischne Tagil, ohne Gold. — 
Da beide Verbindungen von Osmium und Iridium gleiche Krystallform 
haben, so bestätigt die RosE'sche Beobachtung die schon von Berzeliüs 
ausgesprochene Vermuthung, dass Osmium und Iridium isomorph seyen. 



Derselbe: Vanadin-Bleierz von Beresow im Ural (a. a. O. 
S, 455 ff.). Findet sich in sechsseitigen Prismen von kastanienbrauner 
Farbe und ist stark glänzend. Vor dem Löthrohr stark dekrepitirend 
und zur Kugel schmelzend, die sich unter Funkenspriihen zum reguli- 
nischen Blei reduzirt und dabei die Kohle gelb beschlägt. In Phosphor- 
salz auflösbar und damit zu Glas schmelzend, das in der äusseren 
Flamme rötlilichgelb, in der inneren chronigrün erscheint. In Salpeter- 
säure leicht auflösbar. Vorkommen auf dünnen Klüften im Granit, wel- 
che von den Quarzgängen auslaufen , in denen das Gold sich findet, 
welches der Gegenstand des Beresoicer Bergbaus ist. — Bemerkens- 
werth ist bei diesem Vanadi.i-Bieierz die Umhüllung des Grün Bleierzes 
durch dasselbe. Da beide Substanzen in regulären sechsseitigen Pris- 
men vorkommen, und beide Verbindungen von einem Bleioxyd-Salze mit 
Chlorblei sind, so könnte man auf die Vermuthung kommen , dass sie 
isomorph scyn könnten J was jedoch weder bewiesen noch wahischein- 
lich ist. — Das Vanadin-Bleierz von Beresow ist mit dem von Zimapan 



— 232 — 

iibcreinsümiuend , verschieden aber davon scheiHt jenes vanadinsaurc 
Blei, welches Johnston von Berzelius erhielt, und das nach dessen 
Vermuthung ein zweifach vanadinsaures Bleioxyd ist. 



Weiss: über das Staurolith -System, als abgeleitet aus 
dem regulären Krystall-System. (Abhandl. der Königl. Akad. 
der Wisseusch. zu Berlin a. d. J. 1S31, S. 312 fF,). Zu einem Aus- 
zuge nicht geneigt. 



II. Geologie und Geognosie. 

SiLLiMAN : Notiz überdieAnthrazit-Regionen im Lacka- 
tvanna und Wyominij-Tha\ am Susquehanna (Sill. Amer, Journ. of Scienc. 
1830, Jiily ; XVII f. 308—338, with 1 map and 3 woodcuts). Es gibt 
in Pennsylvanifn drei Gegenden, wo Anthrazit hauptsächlich gewonnen 
wird; Am Susquehanna, a.m Lehiffh hei Manch Chunk, und am SchuitkilL 
Das Wyoming-Thal ist eine Strecke des Susquehanna -Thaies und geht 
an einer Krümmung desselben in gerader Richtung ins Thal des Lacka- 
tvanna aufwärts fort, welcher sich in jenen FIuss ergiesset. Der An- 
thrazit in beiden Thälern gehört nur einer Formation an, und die Thal- 
gegend, in der er gewonnen wird, ist 60 — 70 Meilen lang und 5 M. 
breit. Dieses Thal stellt seiner Form nach einen horizontalen , oben 
offenen, hohlen Halbzylinder dar, mit dessen konkav - bogen - förmigem 
Queerschnitte auch die Gebirgs-Schichten parallel sind , doch so dass 
sie durch eine Menge kleinerer Undulationeu noch viele kleinere Bogen- 
Ifnien in der Hauptform hervorrufen. Auf der tiefsten Linie dieses 
Halb-Zylinders nun, etwas mehr nach der westlichen Seite, winden sich 
die zwei Flüsse fort. Wo die ganze Schichtenfolge der Anthrazit - For- 
mation vorhanden ist, findet man von oben nach unten : 

1. Ein Trümmergestein mit meist kieseligen Bruchstücken imd 
kieseligem Zäment; erstere sind bald grösser, bald nur von der Fein- 
heit des Sandes , wornach man Puddingstein und Sandstein unter- 
scheidet; Geognosten bezeichnen dieses Gestein als Grauwacke und 
Grauwacke-Schiefer. 

2. Thonschiefer von verschiedenen Graden der Härte und Feinheit, 
oft voll Pflanzen-Abdrucken , die zuweilen auch einzeln in ersterer Ge- 
birgsart vorkommen. 

3. Anthrazit-Kohle in regelmässigen Schichten zwischen Dach und 
Sohle. — 

Diese letzteren werden gewöhnlich von Thonschiefer gebildet; zuwei- 
len aber fehlt der Thonschiefer darüber und der Sandstein bedeckt die 
Kohle unmittelbar; zuweilen fehlen beide, so dass sich die Kohle mit 
dem A':kergrunde mengt. Das Streichen geht zwisclicn N. und NO. 



— 233 - 

nach S. und SW.; das Fallen geht von beiden Seiten dem Thalc zu, 
und wechselt fast vom Vertikalen bis zum Horizontalen; im Detail aber 
ist es Wellen -förmig. Nur wo der Fluss sich sehr auf die Seite wen- 
det, findet auf einer der Thalseiten ein entgegengesetztes Fallen Statt. 
Die Kohlen-Lagen dieses Thaies haben 1'— 27' Mächtigkeit; wenn sie 
aber nicht mindestens 3' — 4' — 6' Mächtigkeit besitzen, werden sie nicht für 
bauwürdig geachtet. Zuweilen bilden sie den Grund des Flusses. Ihre 
seitliche Erstreckung ist sehr beträchtlich, und gar nicht genau bekannt. 
Man hat sie mit verschiedenen Stollen durchsunken , ohne sie in ihi'er 
ganzen Mächtigkeit kenneu zu lernen. Eine mindest fünfmalige 
Wechsellagerung der oben erwähnten Gebirgsschichten mit den Kohlen 
wird allgemein angenommen, ein Unternehmer behauptet eine sieben- 
malige in einer Mächtigkeit von | Engl. Meilen beobachtet zu haben, 
ohne das Ende zu eiTeichen. Zu Carboudale, am obern Ende des La- 
ckawanna-Thales findet ein ausgedehnter Tagebau auf diese Kohle Statt. 

Der Anthrazit ist von verschiedener Qualität und ungleichem Werth 
bei seiner Verwendung, selbst jener, der aus einer Grube kommt. Die 
besten Sorten aber sind auch die besten in der Welt. Obschon es an 
Braunkohlen und Holz in jener Gegend nicht mangelt, so geht das An- 
thrazit-Feuer in den Schmiede-Essen und in den Küchen nicht aus. Auch 
kommt viel Thoneisenstein und Sumpferz in Verbindung mit diesem An- 
thrazite vor, die aber noch nicht genug beachtet werden. Stahlquellen 
kommen an vielen Orten zum Vorschein. 

Man hat einen Kanal begonnen, der schon 8 Meilen von Wükes- 
barre (im Wyoming) vorgerückt ist und durch das ganze Thal fortgesetzt 
und nach Norden hin mittelst mehrerer anderen Kanäle mit den See'n und 
Flüssen von New York in Verbindung gesetzt werden soll. Auch grosse 
Eisenbahnen sollen dazu kommen ; kleinere sind bereits in den Minen 
selbst angelegt. Der Boden ist gegen den gewöhnlichen Fall in Berg- 
werksGegenden ausserordentlich fruchtbar; die Gegend schön und 
blühend. 

Die Pflanzen-Abdrucke kommen meist wohlerhalten und ausgebreitet 
im Dach. über, zuweilen in der Sohle unter dem Anthrazit, weniger im 
Sandsfein, selten im Anthrazit selber vor. Zuweilen füllen sie den Schie- 
fer in einer Mächtigkeit von 10' aus und deuten, bei ihrer grosser Zu- 
sammendruckung ein einst viel grösseres Volumen dieser Schichten an. 
Sie stammen nicht von weit hergeflössten Vegetabilien , meistens von 
Fahren, die alle tropisch und ausgestorben seyn sollen ; — andere Ab- 
drücke stellen mehrere Fuss lange und breite Rinden von Riesengewäch- 
sen, ? Palmen, dar; — andere: Blätter von Q" — 7" Durchmesser; — 
auch Halmgewächse und Wasseralgen sind häufig; — auch sollen nach 
Cist's Versicherung Stern-förmige Blüthen [ ? R o t u 1 a r i e n ] gefunden 
worden seyn, — und Hitchcock glaubt eine Blume mit entfalteten Blu- 
menblättern zu besitzen. 

Dass die faserige Holzkohle, welche zwischen dem Anthrazit häufig 
cvscheint, vegetabilischen Ursprungs seyc, ist wohl keinem Zweifel un- 



- 234 — 

terworfen, aber der Anthrazit selbst, dem der Vf. früher einen unor- 
ganischen Ursprung zugeschrieben, scheint ihm nun auf demselben Wege 
gebildet worden zu seyn , seitdem er ihn in so inniger Berührung mit 
dieser unsäglichen Menge von vegetabilischen Resten gefunden. Die 
Pflanzentheile scheinen ihm durch Wasser eine theilweise Zersetzung 
erlitten, und sich daraus rein , oder mit Erde verunreinigt ( — bis zum 
Übergang in wirklichen Thonschiefer) niedergeschlagen zu haben, und 
der mächtige Druck hat unverkennbar zur weiteren Zerstörung der or- 
ganischen Textur mitgewirkt. 

Folgt noch die detaillirte Angabe der Schichtenfolge in mehreren 
(16) einzelnen Grubenwerken. 



SiLLiMAN : Bemerkungen auf einer Reise von New Haren 
Coiineld., nach Manch Chunk u. a. Anthrazit-Gegenden Pennsylranien's 
(SiLLiM. Amer. Journ. of Scie?w. I830,0ct. XIX,1—21, th. I.). Manch 
Chunk liegt am Lehigh, welcher 46 Meilen weiter hin und 364' tiefer, 
bei Easfon, in den Delaware fäUt. Ein Kanal mit 54 Schleiissen und 7 
Dämmen zieht, die Kohlen-Au.sbeute zu verführen, längs des Lehigh bis 
Easton, von wo der Absatz hauptsäch],ich nach Bristol und Philadelphia 
geht, weiches nach den Kanälen 124 Engl, Meilen von Manch Chunk 
ist. Eine Eisenbahn verbindet die Kühlenwerke hier vollends mit dem 
Flusse. — 

Die geognostische Konstitution der Gegend ist ausserordentlich ein- 
fach. Zu oberst liegt wieder ein gröberer oder feinerer Sandstein mit 
Quarzgeschieben und Kiesel-Zäment, eine Grauwacke, welche Pudding- 
stein-artig wird. Darunter folgen thonige Schiefer von verschiedenen 
Abänderungen, dann die Kohle, zuweilen aber folgt sie auch unmittel- 
bar unter der Grauwacke. Der Schiefer kommt wieder als Sohlengestein 
der Kohle vor. Die jetzige Kohlengrube ist ein Tagebau von 8 Acres 
Ausdehnung mit mehreren Flächen-Stufen, wo der Anthrazit in unge- 
heuren Massen liegt. Er steht in mehreren Bänken von 10' — 45' 
Mächtigkeit zu Tage , welche nur von einigen dünnen Schiefer- 
streifen durchbrochen sind; allein man weiss bereits, dass er in 
einer Mächtigkeit von 54' und an einer Stelle von 100' nieder- 
setzt. Im Allgemeinen fallen die Schichten 5° — 15** und zwar mit 
der äusseren Bodenfläche ein, öfters aber werden sie auch Wellen-, 
Sattel- und Mantel- förmig, nehmen selbst auf kurze Zeit eine fast 
senkrechte Stellung an, und winden sich auf eigenthümlichc Weise. 
Die Grauwacke hat an einigen Stellen , wo sie in Berülirung mit der 
Kohle ist, ein gebackenes Ansehen, sie ist erhärtet, spröde, trocken, und 
wie voll feiner Bläschen. — Eine Meile von dieser Grube entfernt sind 
neuerlich ganz andere Gruben angelegt, %vorden, welche guten Fortgang 
versprechen. Ausserdem hat man neuerlich noch mehrere Stellen 
in der Umgegend aufgefunden, wo fünf 12' — 50' mäclitige Anthrazit- 
Bänke übereinander zusammen 120' Mächtigkeit einnehincn: an einer 
zweiten Stelle kennt man eine 15' mächtige Bank, — eine dritte, wo 



— 235 — 

eine solche von 39' Mächtigkeit zu Tage geht. Etwas später hat man 
noch 8 andere Schichten von 19', 10', 6', 20', 11', 6', 5' und 5' Mächtigkeit 
gefunden, welche alle übereinander zu liegen scheinen, so dass die reine 
Kohleninasse im Ganzen noch 240' betrüge, ausser der des ersten 
Werkes. — 

Schlägt man von Manch Chunk den Weg über den Broad Mmitain 
nach dem berühmten Wyoming -VS&A ein, dessen sich die Indianer zu 
ihren Wanderungen vom Lehigh nach dem Wyoming-ThaXc: am Susque- 
hanna bedienten, so gelangt man auf diesem nach der Beaver-Meadow- 
Grube, \h Meilen vom Wege, der nach dem 22 Meil. entlegenen Berwick 
am Susquehanna führt. Diese Grube ist zwar seit 1813 eröflFnet, ge- 
winnt aber jetzt erst Fortgang. Eine Eisenbahn soll nach dem Schuil- 
kÜl odar dem Lehigh angelegt werden, nach welch' letzterem Flusse 
der Weg 11 Meilen, und 7 bis Manch Chunk beträgt. Doch soll die 
Kohle von erster Qualität und ganz frei von Schwefel seyn. Sie wird 
ebenfalls zu Tag abgebaut. 

Von den Gruben am Susquehanna war schon oben die Rede. 



W. W.Mather: Erläuterung eines Durchschnittes durch 
einen T h e i I von Connecticut, von Killingly bis Haddam am Connec- 
ticut-Flusse (SiLLiM. Amer. Journ. of Scienc. ; 1831, Oktob.; XXI, 
94 — 97, mit einer Zeichnung). Der Durchschnitt beginnt schon nörd- 
lich von Killingly mit Feldspath-Gestein, dessen Schichten, 1"— 1' dick, 
mit 15** N. nach W. fallen, und im Ganzen wenigstens 300' Mächtig- 
keit besitzen. Zuweilen kommen dünne Glimmerschiefer-Lagen darin 
vor; weiterhin geht das Gestein in Kaolin über. — Nach ihm folgt 
körniger Quarz-Fels mit ? einem Lager faserigen Arragonites ; es fallt, 
wie alle 13—14 Meilen weit westlich davon vorkommenden Schichten, 
mit 10<> — 15" in WNW. — Dickschichtiger Gneiss beginnt und geht 
etwas weiter nördlich {Killingly) in Granit über. Zwischen Killingly 
und Brooklyn, nördlich und südlich von der Durchschnittslinie, erschei- 
nen die Gneisslagen nach allen Richtungen Wellen- und Zickzack-för- 
mig ; gegen den vorhergehenden Gneiss hin wird dieser Porphyr-artig. 
In Brooklyn geht er in Hornblendeschiefer über und wird in allen Rich- 
tungen von dünnen Epidot-Gängen durchsetzt, welche Eisenglimmer und 
zuweilen Sphen aufnehmen. Kleine Steatit-Lagcr sind mit Gneiss- und 
Granit-Blöcken bestreut. Dieser Charakter der Gesteine hält bis Wind- 
ham so an, nur dass zuweilen der Gneiss in Glimmerschiefer übergeht. 
4 Meil. W. von Brooklyn ist der Schichtenfall sichtlich, nach WNW., 
bei Windham Ah&x unter 6**— 7** nach OSO. Hier wird der Gneiss 
überall von Granit-Gängen durchsetzt, worin der Feldspath oft durch 
Albit ersetzt wird. Cleavelandit bildet im Allgemeinen die Masse der 
Gänge , welche auch phosphorsauren Kalk und Granaten enthalten. 
Von Windham nach Lebanon hat man nur anstehendes Gestein an der 
nördlichen Strasse. Längs der südlichen und noch südwärts von ihr 



— 236 — 

bemerkt man umlierliegende Syenit- und Hornblendefels-Triimmer vom 
Shetucket -'Flusse bis Lebanon. 1—2 Meil. W. von diesem Orte ge- 
hen beide Felsarten in Gneiss über, welcher, mit Übergängen in Gh'mmer- 
schiefer his East Eaddam am Connecticut fortsetzt. Y om Shetucket-Rwer 
an ist der Schichtenfall im Allgemeinen in W. nach N., und übersteigt 
gewöhnlich nicht 20", bei Haädam aber wird er fast vertikal. — W. 
von Colcliester zerfällt der Gneiss zu Hügeln von geschichtetem Gneiss. 
— Von 3filUngton nach Lyme sieht man den Gneiss mit 10° nach N. 
gegen W. fallen. — Bei der Baptist -ILir che in East Eaddam bis 
nach Old Uaddam am W.-Üfer des Connecticut setzen mächtige Granit- 
Gänge in Gneiss auf; ja der Granit erscheint zwischen den Gneiss- 
schichten selbst in Lagern , welche mit jenen Gängen gleich alt zu 
seyn scheinen. Dieser Granit enthält: Smaragd, Beryll, Chrysoberyll, 
schwarzen, an beiden Enden auskrystallisiiten Turmalin , Columbit, 
Granat, Cleavelandit, u. s. w. In dieser nämlichen Gegend hört man 
öfters die sg. „Moodus noises," die in der Geschichte von Connecticut 
wichtig geworden. Es sind Töne, die so genannt- werden, weil man 
sie am deutlichsten am Moodus -Y\\iss& vernimmt; sie erinnern an den 
Fall eines schweren Baumes zur Erde, und, wenn man sie vernommen, 
sollen oft ausgedehnte Spalten im Boden gefunden werden. 



C. SiLVERTOP : Skizze der Tertiärformation in der Pro- 
vinz Granada.) mit Kupfertafeln. ("James. Edinb. n. phil. Jonrn. 1833, 
XV, 364 — 377'. F. f.J Die zerrissenen Tertiär -Ablagerungen dieser 
Provinz werden durch die ür- und Übergangs-Gesteine der Sierra- 
Nevada -Kette in südliche und nördliche getheilt. Erstere ziehen sieb 
längs der Küste des Mittelmeeres von Malaga bis Cartagena, die äl- 
teren Formationen oft bis zum Meere herab unbedeckt lassend, hin und 
setzen, in kleinere Theile zerrissen, in die Queerthäler fort. Sie sind 
die Küsten - Gebilde der nämlichen Formation. Die binnenländ'schen 
Theile nördlich von der Nevada-Kette stellen verschiedene Züge dar. 
I, Gebilde der Küste von Malaga bis Cartagena. 

A. Bei Malaga selbst erscheinen sie hauptsächlich am oberen Theile 
der Stadt, — aufwärts am Guadamedina, der zwischen der Stadt und 
Vorstadt durchfliesst , und zu Alaurin el gründe in einem Thale, das 
zwischen der Stadt und dem 8 Engl. Meilen S.W. gelegenen Dorfe 
Churiana gegen das Meer ausmündet. 

a) Die untere Gruppe besteht aus bräunlichgelbem und dunkel- 
blaugrauem , zähen Ziegelthon , welcher gegen 70' mächtig , von 
unregelmässigen Selenit - Gängen von h" — 2" Dicke durchsetzt ist 
und eine Menge fossiler Konchylien enthält, worunter Deshayes, 
SowERBY und Clift Pecten pleuronectes, ?P. corneus, 
Dentalium sexangulare, D. striatum, Lucina incras- 
sata, Natica canrena, Tritonium nodiferum, Strom- 
bus gallus, Kanilla [? Tom atella] gi gan tea, Pleu- 



~ 237 — 

rotoma Colon, Turritella incrassata, Ostrea, iiiikro 
skopische Fe r amini feren, Hai- Zähne und Wirbel von Del- 
phinus 11. s. w. erkannt haben. Zu Malaga hat das Gebirge nur 
50', zu Alauriii aber lOOO' Seehöhe J es ruht hier auf einem Kalke 
von sehr krystallinischer Beschaffenheit und unfern einer tiefer ge- 
legenen Serpentin-Masse, 
b) Die obere Gruppe ist aus horizontalen Wechsellagern von 
Sand, grobem Sandstein, sandigem Lehm, Mergel und Konglomerat 
gebildet, enthält grosse Austern (?Ostrea crassissima Lamk,)^ 
Pecten, Balanen, auch Cardien lebender Art u, s, w. Doch 
scheint diese Gruppe nicht in unmittelbarer Überlagerung mit vo- 
riger vorzukommen. Sie liegt jedoch in deren Nähe in höherem 

Niveau. Ausserdem linden sich beide Gruppen noch an mehreren 

Stellen dieser Gegend, doch in minder beträchtlicher Ausdeh- 
nung vor. 
Bemerkenswerth ist noch, dass sich seit Menschengedenken das 
Mittelmeer von dieser Küste so sehr zurückgezogen hat, dass jetzt ein 
Theil der Stadt und die von zwei Reihen schöner Häuser eingefasste 
Alameda da ^teht, wo einst Schiffe ankerten. Die Stelle des alten 
See-Thoreä und der Maurische Wall, einst vom Meere bespült, liegen 
jetzt einwärts der Küste. 

B. Von da bis Vele% Malaga, 20 Meilen östlich von Malaga, findet 
man nur beim Castillo del marquex einen kleinen Strich tertiären quar- 
zigen Sandsteines und Konglomei-ates voll Pecten, Ostreen, Ba- 
lanen u. s. w.j auch etwas Muschel-Konglomerat und sandigen Lehm. — 
Weiterhin hat man nördlich vom Weg hoch ansteigendes Glimmerschie- 
fer-Gebirge, südlich erheben sich tertiäre Hügelzüge. Wo derselbe 
nach dem Rio de Velez (noch 1 Meil. von Velez Malaga) hinabgeht, 
sieht man einen Durchschnitt, wo Konglomerat aus Stücken von Glim- 
mer-, Talk- u. a. Schiefern und von Quarz in erhärteter thoniger Erde 
gebunden, ohne alle Konchylien-Reste, überlagert wird von einem Gliedd 
der obenerwähnten zweiten Gruppe: Lehm mit abgerundeten Stücken 
tertiären Sandsteines und vielen Exemplaren von Pecten, Chama, 
Baianus und Trümmern von Austern. Südwärts grenzt das Ende 
jenes tertiären Hügels an , welcher aus dicken hcrizontalen Schichten 
verkleinerter Konchylien (Chama, Pecten, Cardium eduIe,Ba-T 
lanus, Ostrea), mit Quarzsand oder Geschieben in Wechsellagerung 
mit anderem Sandstein-Konglomerat besteht, bis 250' Seehöhe hat, und, 
obschon er fast 1 Meile von der Küste entfernt ist, auf der Seeseite 
steil, überhängend, von der Brandung zerrissen und voll Höhlungen ist. 
Nach N. hin verliert sich diese Bildung über Ur-Schiefer. Velez Ma- 
laga liegt in einem nach S. offenen Amphitheater, über dessen Boden 
aus Glimmerschiefer sich noch einzelne tertiäre Parthieen erheben. 

C. Auch von Vele% Malaga bis Almeria geht der Weg über Thon- 
schiefer, Glimoierschiefer mit Andalusit und Kyanit, südlich an 
und durch di^ Sierra de Gador, deren Übergangskalk die reichsten 



— 238 — 

Bleierz-Gänge in Spanien enthält. Tertiäre Bildungen sind auf dem 
ganzen Wege kaum oder nur von geringer Ausdehnung und nicht 
sehr bezeichnet, vorhanden. 

Fast zwei Meilen vor Almeria erscheint die Tertiär-Formation wie- 
der in Form eines ungeschichteten, weisslichen erdigen Grcbkalkes oder 
feinen Kalk-Konglomerates mit Geschieben jenes Übergangskalkes und mit 
Pecten, Cardium, Baianus und Ostrea, und hält his Almeria 
an, dessen altes Schloss darauf erbaut ist. Doch reicht sie nicht über 
2 — 3 Meilen Land-einwärts, und nicht über 200' — 300' über den Seespie- 
gel. Noch diesseits Almeria tritt ein dunkelbraunes Konglomerat mit 
vielen grossen und kleinen Kalksteinstücken darunter hervor , welches 
selbst auf jenem Übergangskalke ruht, der sehr zersetzt ist und 30*' N. fallt. 

D. Ostlich von Almeria, welches noch 18 Meilen vor Cabo de Gata 
liegt, findet man in der Niederung bis La Carbonera einen Zug vulka- 
nischer Felsarten, theilweise von tertiären Gesteinen überdeckt. Nord- 
wärts erhebt sich der Boden bis zum Fusse der aus Glimmerschiefer 
gebildeten Sierra de Alhamilla und ist bis dahin wahrscheinlich aus 
neuem Sand, Mergel, Thon und Lehm gebildet; im westlichen Theile 
dieses Striches aber, bei Almeria, findet man noch groben Quarzsandstein, 
losen und gebundenen Kies , erdigen und erhärteten Thonmergel mit 
Pecten benedictus, P. dubius, P. striatus (nach Deshayes's 
Untersuchung), Balaneu, Austern, E eh initen- Stacheln u. s. w. 
Diese Schichten fallen 20** WSW. und scheinen unter die Tertiärgebilde 
des Schlossberges von Almeria einzuschiessen. — Offenbar bespülte das 
Mittelmeer früher den Fuss der Sierra de Alhamilla und der Sierra 
de Gador, 



Al. Brongniart: Bericht an die K. Akademie der Wissen- 
schaften über Gay's geologische Arbeiten {Ann, scienc. nat.; 
1833, Avril; XXVIII. 394— 402 J. C. Gay hatte sich in Frankreich 
schon 6 Jahre lang zu einer naturwissenschaftlichen Reise vorbereitet, 
als er eine Anstellung als Professor der Physik und Chemie in San- 
tiago, der Hauptstadt ChiWs , erhielt , hier eine Zeit lang seine Lehr- 
stelle verwaltete , dann aber mit Unterstützung der dortigen Regierung 
das Land in naturwissenschaftlicher Absicht zu bereisen begann. Er 
machte grosse Sammlungen in allen Reichen der Natur, und brachte sie 
grösstenthfcils mit nach Paris, als er 1832 dahin ging, um physikalische 
Apparate einzukaufen, wozu ihm die Regierung 25,000 Franken gegeben. 
Diese mitgebrachten Sammlungen und die Reise - Journale sind es , mit 
deren Hülfe Ajl. Brongniart gegenwärtigen Bericht verfasst hat. 

Die geognostischen Beobachtungen Gay's erstrecken sich hauptsäch- 
lich nur auf die Umgegend von Santiago und auf das Becken der Flüsse 
Cachapual und Tinguiririca (woran Juan Fernando liegt), von deren 
Quelle in den Cordilleren an bis zu ihrer Vereinigung zum Flusse 
Rapel und bis zu dessen Einmündung ins Meer, Es sind Urgebirge, 



— 239 — 

plutonisch-vulkanisclie und neptunische Gebirge, welche jenes Gebiet 
zusammensetzen. Erstere sind selten unbedeckt zu Tage stehend , die 
zweiten herrschend , die dritten nur lokal und oft den zweiten ver- 
bunden. — Die krystallinischen Urgebirge bieten nichts Elgenthümliches 
dar. — Die plutonischen oder Feuer-Gebilde begreifen , wie anderwärts, 
Porphyre, Basalte, Trachyte, Argilophyre, Dolerite u. s. w. in sich, die 
bald in Massen und unrcgelmässige Bänke gesondert auftreten, bald 
ohne Ordnung durcheinander gemengt ersclieinen. Sie bilden Hugcl und 
Berg-Züge, welche sich durch steile, spitz Ujjid zackig eingeschnittene 
Säge-förmige Kämme auszeichnen, wesshalb sie den Namen Cerro er- 
balten. Die Thäler zwischen ihnen stellen nach Länge und Tiefe un- 
ermessliche Spalten mit so senkrechten Wänden dar, dass es oft in 
meilenweiter Erstreckung nicht möglich ist, sie zu erglimmen. Unfern 
der Hacienda de Cauquenes, wo auf 10 Meilen in die Runde keine an- 
dere als solche plutonische Felsarten vorkommen, sind diese Thäler bis 
zu ^ ihrer Höhe und auf 10 — 12 Stunden Länge durch eine unermess- 
liche Anhäufung von Granit- Blöcken und -Stücken ausgefüllt; das 
Phänomen der Felsblöcke wiederholt sich daher hier in der grössten 
Entfernung von Europa nach einem unerhörten Maasstabe und auf 
einer sonst nie beobachteten Unterlage. Von allen Seiten durch die 
steilen Thalwände umgeben, scheinen sie ihrer weitern Fortbewegung eine 
unübersteigliche Schwelle gefunden zu haben. G. weiss weder eine 
Quelle anzugeben, woraus, noch eine Kraft, durch welche jene Blöcke 
dahin gekommen. — 

Die neptunischen Gebilde erreichen über 25"^^ Mächtigkeit über dem 
Meeresspiegel und nehmen zwischen ihren regelmässigen, durch Absatz 
aus dem Meere entstandenen Schichten wohl zuweilen Trümmer der vo- 
rigen auf. Diese Gebirge zeigen in ihren Beziehungen zu den plutoni- 
schen Gebilden die allergrösste Ähnlichkeit mit denen des Viceutmischen, 
Die plutonischen Gesteine selbst, ihre Aggregate , ihre Mineralien u. s, 
w. sind dieselben. Bei La Navidad an der Mündung des Bio Jiapel 
wechseUagern Schichten von niedergeschlagenen zerreibHchen Stoffen mit 
solchen, die aus vulkanischen Trümmern gebildet worden und zuweilen 
durch ein Kalk-Zäment gebunden sind, in welchem fossile, versteinerte 
Konchylien vorkommen. Diese letztern sind von den nämlichen Ge- 
schlechtern, wie die der Europäischen Tertiär-Formation und zeigen mit 
diesen überhaupt ein weit grössere Ähnlichkeit als mit jenen , die noch 
in den Chileser Seegewässern wohnen: es sind Arten von VCytherea, 
Cardium, Pectunculus (dem P. p u I v i n a t u s ähnlich), P y r u I a, 
Fusus, Cassis (fast ganz wie C. intermedia Brocchi), A n c i I- 
laria, Oliva, Doliuni, Natica und ein S i g a ret u s, welcher 
dem S. ca naliculatus von Bordeaux schv nahci sic\\t. Das Aggregat, 
worin sie liegen, und welches oft ganz frei von Kalk ist, stimmt mit 
der Vicentinischen 'Rte.ccioXe. überein. Selbst solche Schichten von 
Navidad, welche dem Ansehen nach feine Mergel zu seyn scheinen, 
enthalten (im Gegensatze jener von Val nera) keine Spur von Kalk: 

Jahrgang ISM^ 10 



— 240 — 

•ie sind ein feiner, Tripel -ähnlicher Sand. — Von diesen Gebilden 
im Alter verschieden, jünger, sind andere, welche nur wenige Meter 
hoch über das Meer ansteigen, aus Sand und losen Stoffen bestehen 
und nur wenig veränderte Konchylien-Reste enthalten, zumal von C o n- 
cholepas, welches für jene Gewässer so bezeichnend ist. Auch diese 
sind auf ähnliche Art emporgestiegen, wie ein grosser Theil der Küste 
Chili's i. J. 1822. gehoben worden ist. 



III. Peti'efaktenkunde. 

Ad .Brongniart : Note über eine fossile Conifere des Süss- 
wassergebildes der Insel Iliudroma, Nord-Griechenland (Ann. 
scienc. nat 1833. Aoüt, XXX, 168 — 176J. Von den Lagerungs-Ver- 
hältnissen dieser Reste ist an einem anderen Orte die Rede. Sie 
sind zahlreich, wohlerhalten und bieten selbst Früchte dar. Die Stel- 
lung der Zweige und Blätter ist wie bei den Coniferen im Allgemeinen J 
die Früchte, aus deutlichen Schuppen bestehend, schliessen jedoch so- 
gleich jede Annäherung von Juniperus aus, und gestatten nur die von 
Callitris *), Cupressus, Thuja und Taxodium; die Form 
der Schuppen der Frucht, welche Blatt-, nicht Nagei-förmig ist, schliesst 
Cupressus, die spirale, nicht entgegengesetzte, Stellung dieser Schup- 
pen wie der Blätter Cupressus, Thuja und Callitris aus, und 
nähert sie dem Geschlecht Taxodium gänzlich. Taxodium näm- 
lich hat wcchselständigc Blätter, deren 8 auf drei Umgänge einer Spi- 
rale kommen, mithin fast 3 Reihen der Länge nach entstehen müssen, 
die Schuppen der Früchte stehen in ähnlicher Spirale, in 8 Längenrei- 
hen. Br. rechnet ausser T. distichum, (Cupressus disticha 
LiN.) noch T. Chinense (Cupressus Chinensis hört. Paris.)y 
T. Japonicum (Cupressus Japonica Thunb.) und eine Varietät 
desselben, vielleicht besondre Art, Taxus nucifera Thünb., endlich 
T, sempervirens Lame, zu jenem Geschlechte, dessen Verbreitung 
auf Nordamerika und Ostasien beschränkt ist, und es ist T. Japoni- 
cum, die sich der fossilen Art am meisten nähert, (Aus den Cupres- 
sus- und Thuja- Arten, welche ebenfalls wechselständige Blätter und 
sehr abweichende Früchte haben, bildet er in einer nachfolgenden Note 
sein Geschlecht Pachylepis *"), mit den Arten Cupressus juni- 
peroides Willd., Thuja eupressoides Lm., und einer Art, die 
CoMMERSON von Isle de France brachte, P. C o m m e r s o n i i). Die fossile 
Art von Taxodium nun wird auf folgende Weise charakterisirt: 



*) Callitris hat kurze Zapfen niit4— 6 Schuppen, welche in doppelter Reihe gegen- 
über oder zu dreien in einem Wirtel stehen, mit in Zahl und Form ungleichen, 
nämlich je 3, 6 und 9 Eychen in der Achsel jeder Schuppe, die geflügelt sind und 
oft theilweise -verkümmern; die Blatter sind gegenständig oder zu 3 in einem Quirle. 
**) Pachylepis hat kurze Zapfen aus 4 Schuppen, welche in einfacher Reihe wie 
Klappen stehend, an der Spitze zusammen neigen und alle gleich yiele gcfliigelte 
Saamen decken, deren nämlich 5 oder 10, in 1 oder 2 Reihen unter jeder Schuppe 
lind. Blätter wechtelständig, Sauf 3 Umgänge der Spirale. 3 Arten aus Südfi/rika. 



— 241 - 

Taxodlum Europaeum Br. ramis fastigiatis, elonga- 
tis, gracilibus; foHis subtristichis, alternis, brevis- 
simis, basi in ramulos decurrentibus, apice acutius- 
eulis; strobilis subglobosis vel ovoideis; squainis suboc- 
tofariis, disco terminali superiie arcuato, crenulato, 
medio crista transversal! prominente partito, sulcis 
radiantibus in parte superiore notato. Auf Jliodroma, zu 
Oeningen C^^flsruher Kabinet_^ und zu Comothau, 

Die Äste sind mit vielen geraden Zweigen dicht besetzt, die sich 
übereinander kreutzen, und abwechselnd zu beiden Seiten entspringen. Die 
Zweige sind schlank, verlängert, an ihrer Basis sehr getheilt, bald 
dick (om,002) mit dichten, bald schlank mit entfernt stehenden Blättern; 
Blätter wechselständig, in 2 — 3 Reihen der Länge nach, bald in Form 
kleiner 3-eckiger Wärzchen, welche weit herablaufen, bald verlängert, 
so dass der freistehende Theil 0m,002 lang ist, fast dreikantig, an der 
Spitze massig abgestumpft. Die Früchte stehen zu je 1 — 3 — 4 am Ende 
der Haupt -Zweige, die oft schlank und schon kahl sind, und bereits 
Seitenzweige tragen. Sie sind Ey- oder Kugei-förmig, an Grösse das 
Mittel zwischen jenen von Thuja orientalis und Cupressus 
sempervirens haltend, bestehen aus 18 — 20 Schuppen, die in 8 Län- 
genreihen zu stehen scheinen, so dass 2 — 3 auf eine Reihe kommen. 
Die Schuppen entspringen aus der Basis des Zapfens, bilden mit ihrer 
freien Aussenfläche eine Scheibe, wie bei Pinus, Thuja und Ta- 
xodium, der obere Rand dieser Scheibe ist' gerundet und gekerbt, 
unten ist sie von den Eindrücken der Ränder zweier tieferstehenden 
Schuppen begrenzt, in der Mitte hat sie einen gebogenen, nach oben 
konvexen Queer-Kamni, an dessen oberer Seite Furchen entspringen 
und bis zu jenen Kerben fortsetzen. 

T. Japonicum hat längere und spitzere Blätter, aber ähnlich- 
Btehende Zweige. Die Blätter der übrigen Arten sind noch viel länger. 



Witham: V ortrag über die fossile Veg etation , bei der 
Britischen Versammlung in Oxford 1832 gehalten. (Report of the i. 
and 2. meetings of the Britisch Associat. Lond. 1833. p. 578.) *) 
Die gymnospermen Phanerogamen sind in den ältesten Steinkohlen - Ab- 
lagerungen schon viel häufiger, als die Schriftsteller über diesen Ge- 
genstand wollten gelten lassen. Bei Edinburgh, Berwick, New Castle 
und Durkam sind sie überaus zahlreich. Die Stämme von Craigleith 
bei Edinburgh, 40'— 50' lang und bis 5' dick, und jener von Widespen 
hei New Castle von 72' Länge scheinen Coniferen anzugehören. 
Aber gleichwohl zeigen einige aus dieser Abtheilung Eigenthümlichkei- 
ten der Struktur, zumal auf dem Längenschnitte, wodurch sie sich den 
wahren Dicotyledoncn mehr nähern. — Die kryp togamisch ea 



Vel. Jahrb. 18X3, S, «T-««!. 

16 



— 242 — 

Gefässpflanzen jedoch sind ohne Zweifel noch häufiger in einigen 
Theilen derselben Formation; aber in dem Lothian-Becken , welches 33 
Kohlen-Flötze enthält, in der unteren Kohle von Northumberland, Dur- 
harn und Yorkshire sind die Reste kryptogamischer Pflanzen, zumal 
der Fahren ausserordentlich selten, so dass der Vf. geneigt istj den 
Unterschied zwischen dem Kohlensystcm von Yorkshire und Nawcastle 
einerseits, welches in seinen oberen Theilen an kryptogamischen Resten 
so reich ist, und von Schottland anderseits, wo so viele phanero- 
gamischen Stämme vorkommen, einer Verschiedenheit in der alten pflan- 
zengeographischen Natur jener Gegenden zuzuschreiben. 

Auch W. hat Spuren von organischer Struktur in mehreren Kohlen- 
Arten gefunden *)• Boivey -'Ko\i\e und Gagat sind beide sichtbarlich 
Holz gewesen, und bei ersterer lässt sich, wenn schon unklar, eine 
Ähnlichkeit zwischen parallelen Reihen vier- oder sechseckiger Zeich- 
nungen in derselben mit der Struktur der Coniferen nicht verkennen. 
Die Cannel-Yi.o\i[e zeigt auf ihrem Längsschnitte verwirrtes Zellgewebe, 
dem von Gefässpflanzen ähnlich. In der Faser- und Schiefer -Kohle 
des Bergkalks erkannte der Vf. entschiedene Spuren einer Struktur, 
welche der der Coniferen ähnlich ist und keinen Zweifel gestattet, 
dass die Pflanzen, wovon sie abstammen, zu den Phanerogamen gehörten. 



L. Agassiz: Recherches sur les Poissons fossiles {Neufchatel 1833, 
Premiere Uvraison). Diese erste schon ini Juli ausgegebene uns aber 
verspätet zugekommene Lieferung des ersehnten Werkes über die fossilen 
Fische enthält den Anfang des Textes und die ersten Tafeln aus vier 
verschiedenen Bänden, woraus dasselbe bestehen soll (Jahrb. 1833. S. 
247.), um den Leser sogleich mehr in die Tendenz des Werkes einzu- 
führen und zugleich den Beweis zu geben, dass das Material für das 
ganze Unternehmen bereits vollständig geordnet seye. 

Band l|, S. I— XII und 1 — 16. Tf. A—G. Einleitung. Das 
Studium der fossilen Fische ist äusserst wichtig, weil es uns von den 
ältesten Gebirgs - Formationen bis zu den neuesten eine Reihe von 500 
Arten mit ihrem ganzen Skelette und meist aui h mit ihren Schuppen erhaltener 
Organismen von einer schon hohen Organisation kennen lehrt, die wesentli- 
chen Lücken in der Zoologie wie der vergleichenden Anatomie ausfällen, und, 
ftufs Innigste an das Wasser geknüpft, uns auch am besten die Veränderungen 
anzudeuten vermögen, denen dasselbe während der Bildungszeit der Erd- 
oberfläche unterworfen gewesen. Denn man vermag wohl von einander 
zu unterscheiden jene Arten, welche im Meere, in Sümpfen, in Flüssen, 
jene welche an der Küste und in der Tiefe des Ozeans lebten , jene 
welche einem wärmeren und einem gemässigten Himmelsstriche ange- 
hörten. Sie zeigen uns die Entwicklungs - Weise einer ganzen Klasse 
von Organismen. Alle Knochenfische vor der Kreide sind mit grossen 
rhomboidischen, Schmelz-artigen Schuppen versehen und gehören ausge- 



•) Vgl. Nicot, Jahrb. 1833, S. 6^8, 619," 



— 243 — 

storbenen Geschlechtern an; die mit ihnen vorkommenden Knorpelfische 
haben alle abgeplattete, rauhe und faltige Zähne, wie jetzt C es tracion. — 
Bei seinen Vorarbeiten zur Naturgeschichte der Brasilischen Fische und 
der Europäischen Susswasserfische hat der Vf. überall auf die Charak- 
tere sorgfältig geachtet, welche zum Erkennen der Familien, Genera 
und Arten im fossilen Zustande dienen könnten. Er hat die Schuppen 
von 200 Arten in ihren Formen - Übergängen zeichnen und die von 50 
wieder einzeln aufkleben lassen. Ohne die in Paris aufgestellten 
tertiären Fische vom Bulca hat der Vf. etwa 10,000 Exemplare fossiler 
Fische für die gegenwärtige Arbeit untersucht. — Von seinen übrigen 
Hülfsmitteln und der Eintheilung des Werkes war schon früher (a. a. O.) 
die Rede. — — I. Nachweisungen über die vom Vf. unter- 
sucht en Samml u n gen fossiler Fische und über die von 
ihm benutzten Materialien zur Bestimmung ihrer Arten 
(S. 1—7). Wir haben sie bereits genannt (Jahrb. 1833. S. 247). — 
Ihnen folgt eine Notitz über diejenigen Sammlungen, welche der Vf, 
noch nicht gesehen hat (S. 8—11.). Es sind vorzüglich die von England 
(obsebon er viele gute Zeichnungen von da benutzen konnte), von Italien 
(woher er jedoch eine reiche Sammlung in Paris studirte), einige in Frank- 
reich und im östlichen und nördlichen Deutschland (woselbst er jedoch die 
wichtigsten seither besucht hat (Jahrb. 1833. S. 675.). — II. Nach weis u n- 
gen über die Literatur von den fossilen Fischen (S. 12— 16). 
Man könnte noch einige, meist minder wichtige hinzufügen: Hitchcock (in 
Silliman's Americ. Joitrn. of Scienc. 1823. VI. 1—86 \xnA201—237J 
über Ganoiden; — Notitz über (die ältesten?) Fisch Schuppen in old 
red Sandstone CBrewst. Edinb. Journ. 1829. Jan. 184—185J; H. v. 
Sternberg Note über einige Fische in des Grafen Coronini's Samm- 
lung zu Görz bei Triest, aus Jura-Schiefer (Flora, 1826, I., Beilage I. 
53. 54.); Gerwar über die Mansfelder Fische (v. Leonh. Mineral, Ta- 
echenb. 1824. I. 61); Bourdet über fossile Fischzähne (Meissner's 
Naturwiss. Anzeig. IV. i. 27—28); Knox über die Grösse ,, der fossilen 
Haifisch-Zähne (Brewst. Edinb. Journ. No. IX. 16'—18_); DifsLONGCHAMPs 
über einen fossilen Rogen- Schwanzstachel *) (Mem. Soc. Linn. Cal- 
vados IL 271—282 > Ferus. bullet. 1826; VII 1,27 ff. J ; Sowerby, 
George und Ure über ?B al is t es - Stacheln (Zoolog. Journ. 1825, 
April, II. 5, p, 22—24. tf. I. ;> Isis 1830. p. 820 ; Ure hist. of Buther- 
ylen tf. XII, fg. 6J. — Die sieben erwähnten Tafeln in Folio aus dem 
I.Band enthalten ergänzte Umrisse von Acanthodes , Catopterus, 
Amblypterus, Palaeoniscus, — Platysomus, Tetragono- 
lepis, Dapedius, — Notagogus, Pholidophorus, Semio- 
notus, Lepidotus, Microps, — Acrolepis, Ptycholepis, 
Pygopterus, Sauropsis, Pachycormus, Trissops, Uraeus 
Megalurus, Leptolepis, — Aspidorhynchus, Bloch ius — 
Pycnodus, Spaerodus und M i c r o d o n. 



») Auch ich besitze einen solchen, tertiären ans Italien. 



— 244 — 

B^nd II, S. 1—48, Taf. A, B, C und 1—7. Von I. der Klassi- 
fikation der Ganoiden auf den ersten 18 Seiten des zwesiten Ban- 
des haben wir bereits eine Übersicht mitgetheilt (Jahrb. 1833. S. 470, 
481). Ihr folgt in derselben Ordnung die Monographie . der einzelnen 
darin aufgestellten Genera. So zuerst: II. das Geschlecht . Acan- 
thodes (S. 19— 22.); dann III, das Geschlecht Ca top t^r^s(S, 
•23—57.); IV, Amblypterus (S. 28— 40); V, P alae o n is c us ,(S. 
41— ¥?;.), nach deren ausführlicher Charakteristik ihre schon früher er- 
wähnten Arten beschrieben und abgebildet werden. Die zu diesein 
Bande gehörigen Tafeln geben auf A— C die genaue äussere Ansicht 
und Osteologie zweier lebenden Geschlechter derselben Klasse: :df^ 
Lepidosteus und des Pol y pt e r u s, und auf Tf. 1—7 Abbildangep 
ausgewählter Exemplare von A c a n t h o d e s B r o n n i , -^ von D i p t e r ujs 
macropygopterus, D.brachypygopt erus, D. Valencienn esii 
und D. macro lepidö t US, — von Amblypterus macro;pterus 
■und A. e u p ter y gi us; — A. lat era lis und A. latus; -^yon 
Palaeo nis c us B lain viilei, — P. Vo Iz ii, — P. Du verqoy. 
Band IV, S. 17—32, Tf, A. und 1—2. Diese Blätter, geben, die 
Monographie II. des Ge s ch 1 e chte s Cyclopoma (S. 17-r23,) 
mit seinen Arten: C. gigas Ag. Tf. 2, und C: s pinosum Ag. Tf. 1* 
vom Bolcd ; — dann III. des GcRchlechtes L ates (S.. ,24—31.), dessen 
Osteologie durch Abbildung des L. Nil oticus (Tf. A.) erläutert,, und 
dessen fossile Arten L. gracilis Ag. (Tf. 3.) y om Bolca, L. gibbus 
Aö. (Tf. 4.), L. notaeus Ag. (Tf. 6.) alle vom ^oica^. L.niac ruru s 
Ag. aus Grobkalk von Sevres beschrieben werden. IV« Von. S merdis 
ist nur noch der Anfang vorhanden. , . s 

Band V, S. 17—24, Tf. A. und 1—2. Hier erscheint eine Abbil- 
dung einer lebenden Vomer-Art, Tf. A, zum Vergleiche der fossilen 
Formen mit den lebenden; dann die Monographie IL des Geschlechtes 
Gasteronemus Ao. (S. 17—23) mit zwei Arten : G.rhombeus 
Ag., Tf. 2, und G. oblongus Ag. Tf. 1, welche beide vom Monte 
^oic« abstammen. Von III. Acanthonemus ist der Anfang gegeben. 
Wir haben in diesem Werke , dessen gründliche Bearbeitung kei- 
ner Lobeserhebungen bedarf, noch insbesondere die Namengebung zu 
rühmen, und anderen Naturforschern im Gebiete der Petrefaktenkundcs, 
die nicht selten ohne alle Rücksicht auf die bestehenden Regeln verfah- 
ren, als Muster zu empfehlen: die neuen Geschlechtsnamen sind elcr 
gant und richtig gebildet, bezeichnend, und die Personen-Namen, welche bei 
Benennung der Arten angewendet werden , erscheinen unverstümmelt. 
Ebenso zweckmässig ist es, dass der Vf. in einem Werke der Art die 
besten unter den vor ihm liegenden Exemplaren, seyen sie auch noch so 
unvollständig, oder das Fehlende noch so leicht beizufügen, unverändert 
and pünktlich (in meisterlicher Arbeit!) abbilden lässt, und die aus al- 
len bekannten Details ergänzten Figuren für sich besonders gibt. 



— 245 - 

C. H. V, ZiSTEN : d i eVerst einer un gen Württember^Sy XI. 

und XII Heft, Stuttg. 1833. (vgl. Jahrb. 1833, S. 624.) 

Heft XI. enthält Muscheln, deren Schloss man selten kennt, derea 

Genus daher meisst zweifelhaft ist. 

Unio (Tf. LXI): 4. U. d>pressus Z.J 5. ü. liasinus ScHtrBL.; St 
ü. abvductus Phil. 

Astarte: 1. A. elegans Sow. ; (Tf. LXII) 2. elegan$, niajpi:^ 
3. Cr ass in a, min i ma Phil, . . ,. . j; 

Isocardia: 1. I. cordiformis Schüel.J 2. I. minima Sow.; 3, I. 
leporina. Klöd, J 4. I. elongata Z.) 6. I. angul ata Phii^ , 

Cardium: 1. C. aculeiferum Schübl. , •!;, i-, A 

Lucina (Tf. LXIII): 1. L. lyr ata Phil. ; .. ,m , lul 

Amphidesma: I.A. r ec urvum Phil. J 2. R. d onaci formte P.h^Lp 

Cytherea: 1. C. tr igone 11 ar is Voltz (Venulites tr, Schloth.) 
[kaum! wenn die Zeichnung nämlich genau ist.] 

Corbula: 1. C. ca r d i oi d es Phill. [ist aber gleichklappig!] . . 

L u t r a r i a (Tf. LXIV.) : L. gregaria Mer. [und D o n a c i t e$ 
A 1 d u i n i Brongn. ; doch nicht gut gewählt, oder nicht gut gie- 
zeichnet!]. , 

Mya: 1. M. depressa Sow.; 2. ^M. ventricosa Schloth. 3. Ml 
angulifera Sow. 4. M. literata Sow. , 

Pholadomya: (Tf. LXV.) 1. P h. ambig ua Sow.J (Lutraria a. 
Sow. anteä); 2. Ph. fidicula Sow. (Lutraria lyrata Sow. 
antea) 3. ?Ph. ovalis Sow. (Lutraria o. Sow. ««tea.) [vollkom- 
men] ; 4. Ph. Murchisoni Sow. [diese Art scheint uns eher Ph. 
producta Sow. zu seyn, und das Cardium Protei Brongn.]« — 
(Tf. LXVL) 5. Ph. acuminata Hartm. ; 6. P h. decorata Z. 
etvariet; 7: Ph. clathrata Münst. et var, oviformis Zieten. 
[Die Figuren der letzten Tafel verlieren dadurch an Bestimmtheii, 
dass die Seitenansichten in schiefer Richtung gegeben sind, daher 
die Form des Längendurchschnittes unbestimmt bleibt.] 
Heft XII. enthält Nachträge zu allen vorhergehenden: 

Ammonites (Tf LXVIL): A. colubratus Schloth. (seine Loben) J 
98. A. Humphresianus Sow.J A. B lagd e n i Sow. (Loben) 
(Tf. LXVin.) 99. A. Jurensis Z.J und A. Murchisonae Sow, 
(Loben.) 

Nautilus giganteus im Längen-Durchschnitte. 

Turritella terebra Lamk. (Molasse). 

Trochus: 8. T. Albertinus GoLDF. 

Gryphaea (Tf. LXIX.) : 4. G. ovalis Z. [vielleicht nur junge 
Individuen]. 

Plagiostoma: 8. PI. pectinoides Sow.; 9. PI. regulär e Klöd. 

Pecten: 15. P. I ae vi ga tu s Goldf. (Pleuren ectit es 1. Schloth. 
5. P. discites (Pleuronectites discites Schlotm.) 

Avicula: 3. A. subcostata Goldf.; 4. A. socialis Desh. (My- 
tulites Boc. ScuLOTH.); 5. A. s üb striata Z. 



— 246 — 

Area CTf. LXX): S.A. gigantea Z. ; 4. A. obHqua Z.; S.A. 

in aequi vai vis Goldf. 
Trigonia (Tf. LXXI): 6. T. Goldfussii Alb. [eine Myopho- 

r i a. Br.] ; 7. T. laevigata Goldf. [eben so], 
Venus: 1. V. n u d a Goldf. 

Mactra: 1. M. t r i g o n a Goldf, [Scheint ebenfalls eine Myophoria.] 
Mya: 5. M. musculoides Schloth. 

Myophoria 1. M. Kern? [Allerdings ! und zwar der Kern von Tri- 
gonia laevigata. Br.] 2. M. Kern *). 
Aniphidesma: 3. A. rotundatum Phill. 
Astarte: 4. A. excavata Sow. 
Lucina: 2. L. plana Z. 

Inoceramus: 1. I. spec. indet.\ 2. I. dubius Sow. (Mytilus 
' gryphoides Schloth.)} 3. I. undulatus Sow. 

Diesem Hefte ist versprochener Maassen ein alphabetisches Re- 
gister beigegeben, wo die Autoren, die Namen, die Tafeln der Abbil- 
dungen, die Seite des Textes, die Formation und Berichtigungen, theils 
bei Angabe der Formationen nach an Ort und Stelle gemachten Beob- 
i^Qhtungen, theils bei der Bestimmung der Ai'ten beigefügt sind, letztere 
eiithommen hauptsächlich aus den Bemerkungen von Goldfuss in 
Dechen's Bearbeitung von De la Beche und aus unseren Anzeigen in 
diesem Jabrbuche. Inzwischen scheinen dem Vf. noch zwei Quellen 
von Berichtigungen entgangen zu seyn , nämlich die Recensiön in der 
Jenaischen allgemeinen Literatur-Zeitung 1831, II, nro. 68, S. 57—67, 
und ein Brief von Voltz im Jährbuche 1830, S. 484—485. 

Dieses Werk enthält auf 102 Seiten Text und 72 Tafeln Abbil- 
dungen, nun alle in Württemberg bekannt gewordene Fossil-Reste von 
IWollusken , und bietet Wenigstens durch die meistens schönen Abbil- 
dungen ein willkommenes Mittel leichter Verständigung über die mei- 
sten in Deutschlands Flötzgebilden (ausser der Kreide) öfters vorkom- 
menden Versteinevuugen, für den massigen Preiss von 40 fl, (schwarz). 
Vollständigere Übersicht und Hiilfsmittel wird uns freilich das 
GoLDFUss'sche Werk gewähren, dessen Voranschreiten leider nur gar zu 
sehr gehcnmit ist. 



S. G. Morton: Übersicht der organischen Reste in der 
Eisen-schüssigen Sand-Formation der Vereinigten Staaten, 
mit geologischen Bemerkungen (Sillim. Arner. Journ. of 
Science 1830, July ; XVIII, 243-250, tf. 1—3.) Indem sich der 
Vf. auf eine frühere Abhandlung (Sillim. XVII, 295) bezieht, berichtet 
er, dass er die Kalk-Ablagcrungcn im Mergel-Distrikt von New Yersey 



») Wenn die Einkerbung der Einschnitts an den Buckeln fg.a. links natürlich ist, So 
ist es eher eine Trigonia. Bk- 



— 247 — 

nun von der Grafschaft Gloucester an mehrere Meilen weit in die 
Grafschaft Burlington verfolgt habe, wo sie bei Vincentown vorkommen. 
Auch im südlichen Theile der Halbinsel, bei Salem, scheinen sie sich 
zu finden. Sie nähmen demnach, mit zufalligen Unterbrechungen, gegen 
50 Engl. Meilen Erstreckung parallel dem Delaware und 7 bis 11 
Meil. östlich von iiim ein. Sie finden sich nunmehr in fast allen Staa- 
ten von New Yersey h\s Alabama. Ein wissenschaftlicher Beobachter 
habe sie auf gemeinen, grünen und blauen Mergeln aufgelagert gese- 
hen, so dass die Sand- und Kalk-Schichten jener Gegenden in Lage- 
rungs- und organischen Charakteren ganz mit Europäischer Kreide und 
Grünsand übereinstimmten. In den Mergeln aber kommen, mit den 
wichtigeren der schon früher angezeigten und zum Theil im VI. Bande 
d«s Journal of the Academy of Natural Sciences gut abgebildeten, 
folgende Arten vor: 

Ammonites; waren früher 2 Arten angegeben, nämlich 

1 — placenta M. tb. II, fg. 1—3; wird bis 15" hoch 

2 — 

Dazu kommen 

3 — Delawarensis M. (tf. IL fg. 4): Bruchstücke in den unteren 

Schichten des Chesapeake- m\^ Delaware-KsinsAs 

4 — Vanuxemi M. mit vorigem, doch selten, (tb. III. fg. 3, 4.) 

5 — Bruchstücke, unbestimmbar, in der Sammlung der Akademie. 

Scaphites (in der früheren Abhandlung) 
1 — Cu Vieri (Journ. Acad. Nat. Scienc. vol, F^O..]} j,-; iy.; 
Baculites. ;.' i u ■; l » ; . 

1 — ovatus M. (in der früheren Abhandlung) ist tb. I, fg. ,6-r8 ab- 
gebildet. Er findet sich ausser im Mergel New Yerseg'!s auch am 
Missouri mit Resten, die dem Sauro ceph aius nahe stehen. 
Belemnites (in der früheren Abhandlung). 

1 — American US M. tb. I, fg. 1 — 3. [dem B. niucronatus sehr 

nahe verwandt], 

2 — ambiguus M. tb. I, fg. 4—5. [klein, ganz zylindrisch.] 

Pate IIa Lamk. 
1 — eine kleine Art, ^" breit, fein gerippt. 

Cypraea, 

Natica, • , 

VF) • S calaria c 

^ilr- angulata M. in voriger Abhandl. p. 281 ohne Namen anj;(\fnhrt, 

hier tb. III. fg. 6 abgebildet, (cfr. Journ. acad. vol, VI.) 

Plagios toma Sow. 

1 — Eine 1"— 3" lange Art mit vielen zarten Längenrippen und erha* 

benen konzentrischen schuppigen Platten. An andern Kqnchylicn 
ansitzend [?] 

2 ? — Bruchstücke , welche vielleicht, picht einmal zu diesem Genus 

gehören, jedoch mit P. rusticuio Sow. tf. 381 sonst gut über- 
einstimmen, — mit Araraon. Delaw, 



— 248 — 

Ostrca 

1 — falcata M. tb. III. fg. 19—20. ' ' 

2 ~ cristagalli? tb. III. fg. 22. '"A. 
6 — Eine über 1" lange Art, zusammengedrückt mit vielen aas einan- 

derlaufenden dornigen Rippen. Wohlerhalten, von Arneytown N.Y, 

Gryphaea 
i — tautabilis (Journ. Acad. nat scienc. vol. VI, Fig.) "'^* 

4 — convexa (Journ. acad. nat. Sc. VI, Fig.) ^■"' 

3 — vom er M. tb. UI, fg. 1—2. '-"^ 

Exogyra -rittni 

1~ coßtata (Journ. Acad. Nat' Sc. vol. VI, Fig.) i'"K>.nir<t) 

■ Pecten ^-l^-Ulvr 

1 •— quinquecostatus Sow. (in vorig;er Abhändi; erwäHlit) tb; III. fj^'rfi 

2_ •;,; ■.!... .10» 

3 — zusammengedrückt, dünn, gestrahlt, ütid dem P. nitidus Sow. 

tb. 394 aus der Kreide sehr ähnlich. 

4 — Bruchstücke einer grossen Art, mit grossen konvexen Rippen, 

zwischen denen immer eine feinere ist. 

Cucullaea (in früherer Abhandlung) 
1 — vulgaris M. Kern tb. III. fg. 21, 

Cla vage IIa Sovt^. 
1 — Ein Exemplar aus New Yersey. 

Terebratula 

1 — Sayi M. tb. HI, fg. 14, 15. 

2 — Harlani M. 16. 

3 — fragilis M. 17. > 

■Vermetus 
1 — rotula (ein Spirorbis in früherer Abhandlung, pg, 282) 
tb. III. fg. 18. 
Cid a rite s Lamk. 

1 — Warzenschilder tb. III, fg. 12. 

2 — Stacheln, tb. III, fg. 13. 

Spatangus 
1? — cor marin um Park, aus voriger Abhandlung, hier tb. III, fg. 10. 

2 — 

3 •— Stella M. tb. III. fg. 11, klein, kugelig, mit Furchen, die eine 

fünfblättrige Blume darstellen, und sich von der ersten (früher be- 
schriebenen) Art dadurch unterscheidend, dass die Längengrube 
nicht bis zur Basis reicht. Gemein in den Kalkmergeln. 
Ananchy tes 

1 — ein et US M. in voriger Abhandlung p. 287 angeführt, hier 

tb. III fg. 7 abgebildet. 

2 A. cruciferus M. tb. III, fg. 8; oval, nicht l" langj Scheitel 

subcentral; die zwei Linien der fünf Paare von Fühlergängen 
durchaus parallel} keine Grübe. — Genus etwas zvreifelhaft. Von 
T. R. Pealu. 



— 249 — 

3 — fimbriatus M. tb. III, fg. 9, mit 4 Paaren punktirter Fühler- 
gänge , mit 8—9 von dem Scheitel nach dem Munde ziehenden 
Linien und einer Längengrube hinten. Mit voriger Art von Pealb 
aus den Kalkschichteu von New Yersey, 
j\ 1 V e I i t e s Lamk. 

1 — Eine Art sehr ähnlich A. glomeratus Say, welche an dortigen 
Seeküsten lebt und gemein ist. 
A n t h p h y 1 1 n m (in voriger Abhandlung) 

1 — Atlanticum M. tb. 1, fg. 9—10. 
Im Kalke. 

Saurodon Haits. 
.1 S. Leanus Hays, Kieferstücke, Verwandschaft mit denen von S a u- 
rocephalus Harlan zeigend, im Mergel von Wuodbury^ New 
Yersey. 
Mosasaurus 

1 — Blainville hatte die Zähne für solche von Ichthyosaurus 
erklärt. De Kay sich neuerlich unbedingt dafür ausgesprochen, 
dass die, vom Vf. schon vordem ervpähnten, Reste zu Mosasau- 
rus gehörten {Annais of the New York Museum, vol. III.) 
Geosaurus Cuv. 

1 — Auch hievon versichert De Kay einige Zahnreste gefunden zu 
haben (a. a. 0.) 
Pflanzenreste. 

Die Lignite des eisenschüssigen Sandes stammen durchaus von 

Dikotyledonen ab, deren Holzfaser in einigen seltenen Beispielen 

durch Feuerstein ersetzt ist, in welchem Falle, wie auch sonst wohl 

öfters, sie von Teredo durchbohrt sind. — 

Thonschiefer mit Ligniten liegen bald in, bald über, bald unter den 

sandigen Mergeln dieser Formation. Auch Bernstein kommt vor. 



S. G. MoRTOPf: über die Analogie zwischen dem Mergel 
von New Yersey und der Kreide-Formation in Europa. 
(Su.LiM. Amer. Journ. of Sciences, 1832, April; XXII, 90—93.) 
M. führt zwei Briefe von Alex. Brongniart und Mantell an, welche 
seine Ansicht über obige Formation bestätigen. Brongniart bezieht 
sich auf dasjenige, was er bei Gelegenheit seines Berichtes über die 
DuFRENOY'schen Beobachtungen in der Kreide-Formation im SW. von 
Frankreich über Morton's Abhandlung schon gesagt hatte, dass sich nämlich 
in New Yersey die charakteristischsten Kreide-Geschlechter vorwaltend 
mit einigen Exemplaren von solchen Geschlechtern linden , die man 
sonst erst in tertiären Formationen zu sehen gewöhnt ist, wie Cypraea, 
Scalaria, Ampullaria, Patella, und hier mithin derselbe 
Fall eintrete, wie in der Kreide zunächst den Pyrenäen. Übrigens 
wagt Br. nicht zu entscheiden, ob die Amerikanischen Versteinerungen 



— 250 — 

mehr für den untern Kalk (Kreide-Glauconie uHd Tufeau) oder für den 
obern , weissen Kalk sprechen , oder ob die ganze Reihe dort ent 
wickelt seye. 

Mantell hatte von Morton einige fossile Reste zugesendet bekom- 
men, wornach er jene Formation mit Bestimmtheit für die untere Ab- 
theilung der Europäischen KreiderFormation erklärt; der Kalk jedoch, 
welchen Morton in seiner ersten Abhandlung Kalk über Grünsand 
nenne, scheine ihm den Schichten von Mastricht zu entsprechen, die 
sich schon mehr den tertiären Bildungen nähern, und Baculiten 
neben Turritellen und Voluten enthalten. Es ist diess jener 
Kalk zwischen Salem und Vincentown (40 Meilen auseinander), wel- 
cher Belemnites ambiguus, Scalaria, Gryphaea convexa, 
G. vom er, Echiniten und Madreporen geliefert hat. 

Nutall hat kürzlich die Grünsand-Formation auch bei Cahawba in 
Alabama und somit in einer Erstreckung von 1000 Meilen nachgewiesen, 
Sie enthält dort Exogyra costata, Ostrca falcata u. a. A., wie 
in New Yersey. Dr. Blanding hat sie bei Camden in SM Carolina 
mit Exogyren, Belemnites Americanus u. s. w. gefunden, 
welch letztere Art auch Mantell für verschieden von B. mucrona- 
t u s hält. 



IV. Verschiedenes* 

Silliman: über den Fall der Meteoriten von Tetmessee 
(Sillim. Amer.Journ. of Scienc. 1830, July r XVIII, 378—379). Zu- 
erst theilt Silliman eine Nachricht des Wohlehrwürdigen Hugh Kirk- 
patrick mit, welche seiner Zeit auch im Nashville Banner erschienen 
ist. Am 9 Mai um 4 Uhr Abends bei sehr hellem Wetter waren der 
Sohn und mehrere Arbeiter des Berichterstatters zu Drake^s Creek in 
der Grafschaft Sumner, 18 Engl. Meilen von Naslmlle im Felde be- 
schäftigt. Sie hörten einen Schlag, dem einer Kanone ähnlich, der sich 
in der Luft fortsetzte, wie ein Peloton-weises Abfeuern von Mus- 
keten und das Trommelwirbeln während einer Schlacht. Man sah einige 
kleine Wolken mit einem Schweife von schwarzem Rauche, die Schre- 
cken erregten, und von ihnen, ohne Zweifel , kam eine Anzalil von 
Steinen unter Zischen oder Sausen (Whizzing noise) uinl fielen mit 
einem Schalle wie von schweren Körpern auf die Erde. Einen dersel- 
ben sah der Sohn des Beiichterstatters , 50 Yards weit von ihm, zur 
Erde fallen. Er traf und zersplitterte im Fallen ein Baumstämmchen, 
wodurch es möglich wurde, den Stein sogleich aufzufinden, welcher 
noch 8"— 10" tief in den Boden gedrungen war, und Sj Pfd. wog. 
Auch James Düsge war dabei zugegen. Der Stein war nicht warm, 
als man ihn fand, hatte aber einen Geruch nach Schwefel, Am 



— 251 — 

nämlichen Tag und zur selben Zeit befand sich auch der Schwiegersohn 
des Berichterstatters, Peter Ketsing, mit seinen Arbeitern im Felde, 
über eine Meile von vorigen entfernt, als ein lli Pfd. schwerer Stein 
herabfiel neben ihm, seiner Frau und drei andern Weibern. Viele 
respektable Leute waren gegenwärtig, als man ihn 12" tief unter der 
Oberfläche des Bodens eingedrungen fand. Einen dritten Stein sah der 
Referent, der bei David Garrett's, ein Stück eines vierten, welcher 
bei John Bones's gefallen war, und von einem fünften höhrte er noch 
sprechen. Alle waren sich ganz gleich im Ansehen, verglaset, und mit 
einer dünnen Kruste, welche die Einwirkung des Feuers und schwar- 
zen Rauches zu verrathen schien. 

SillimaN fügt diesem Berichte nach Ansicht eines Exemplars noch 
bei: Zahllose Metall-Punkte erscheinen durch die hellgraue, (meist 
weisse) Oberfläche der Masse, welche, obschon durch die Hitze abge- 
rundet, fast wie Silber glänzten. Dabei findet sich ebenfalls eine zahl- 
lose Menge glänzend schwarzer Glaskügelchen, die in völligem Flusse 
gewesen zn seyn scheinen, und die ganze Masse fühlt sich rauh und 
scharf an , wie Laven und tracbytische Felsarten. Die schwarze [?] 
Kruste war im Zustande wenigstens Teig-artiger Flüssigkeit gewesen, 
ihre Rauigkeiten sind abgerundet und lassen, wenn man sie anfeilt, 
sogleich das glänzende Eisen wahrnehmen. Dass eine Feuerkugel beim 
Falle dieser Meteoriten sichtbar gewesen, wird nirgend berichtet J viel- 
leicht fiel sie am hellen Tage nicht genug auf. 

(Eine weitere Beschreibung steht im nämlichen Journal XVIII, 
200; die Analyse ist ebendaselbst XVII, 326 mitgetheilt.) 



SiLLiMAW über das Meteor und den Aerolitheii in Georgia 
(SiLLiM. Am. Jonrn. of Scienc. 1830, Jiily', XVI JI, 3S8—380J. Es 
war, — so bericiitet Elias Beall in einem Briefe Dr. Boykin's, welcher 
auch Stücke des Aerolithen übersandte, im März 1829, zwisclien 3 und 4 
Uhr, als eine kleine schwarze Wolke südlich von Forsyth erschien, aus 
welcher sich zwei Explosionen unmittelbar hintereipandcr vernehmen 
Hessen, worauf ein schreckliches Rausciien oder Rumpeln durch die Luft 
2—4 Minuten lang anhielt. Dieses Brausen wurde an diesem Abende 
auch von Herrn Sparks und Capt. Postian, welche eine Meile südlich 
im Felde waren, gehört, und von ihnen dabei ein Stein aus der Luft 
herabfallen gesehen, welcher, wie sich nachher ergab, 36 Pf. wog. 
Er wurde jedoch erst am andern Morgen früh gefunden. Er war 2^' 
tief in den Boden gedrungen. Äusserlich sah er aus, als ob er aus ei- 
nem Ofen gekommen wäre, eines Federmesser-Rückens dick war seine 
Oberfläche mit einer schwarzen Substanz, wie geschmolzene Lava, be- 
deckt, beim Abschlagen von Stücken entwickelte er einen starken Schwe- 
felgeruch, und licss eine metallische Substanz, wie Silber, wahrnehmen. 
Er war innen weiss, mit Adern und gab Funken mit dem Stahle, 

Nach einer anderen von Boxkin erhaltenen Notiz kann Niemand 



— 252 — 

sagen, aus welcher Richtung das Meteor kam. Zuerst wurde der Knall 
wahrgenommen ähnlich dem eines groben Geschützes J dieser Haupt- 
explosion sollen nach Einigen mehrere schwächere rasch aufeinander 
gefolgt seyn, wie beim Abbrennen eines Schwärmers ; Einer versichert 
jenes Rumpeln seye ein Wiederhall gewesen. Kurz nach der Explosion 
hörten einige Neger das Zischen (whizmingj, und als sie darnach blick- 
ten, gewahrten sie einen schwachen „Rauch" gegen den Boden herab- 
kommen und hörten dann den Fall des Steines. Sie liefen darnach, 
und fanden den Stein in einem in den harten Thon-Boden geschlagenen 
a' tiefen Loche, bemerkten auch einen Schwefelgeruch. Er war unter 
einem schwachen Winkel mit dem Horizonte eingefallen. 

Nach Silliman's Zusatz ist der Stein sehr einförmig licht aschgrau, 
jedoch mit Tausenden von glänzenden Punkten metallischen Eisens be- 
sprengt, welches fast die Farbe und den Glanz des Silbers hat. Jene 
Punkte sind selten über Nadelkopf-gross, aber so häutig, dass der Mag- 
net fast alles aus dem Steine geriebene Pulver anzieht , so dass dann 
die Spitzen jener Punkte vom Magnete wegstehen. Er ist dem Meteo- 
rit von Tennessee sehr ähnlich. Er hat allerdings eine, wie halb ge- 
schmolzen gewesene, schwarze Kruste, in der man aber mit der Feile 
die Eisen-Punkte sogleich hervortreten machen, kann. Innen ist er 
voll halbgeschmolzener schwarzer Punkte und Streifen, die der Kruste 
ähnlich sind, so dass er einem unvollkommen geschmolzenen Glase 
gleicht. Eigenschwere = 3,37. 



Du Menil Analyse des Heilwassers zu Hiddingen im Lxin- 
neburgischen (Kastner's Archiv 182 9. XVIII. m. 2 5 7 — 270.) Dorf 
Hiddingen am Fusse eines Sandbügels, des Hdjtdenberges , liegt niedrig 
von Torfmooren und sauern Wiesen umgeben j der Boden aus Lehm und 
Letten und in 25'— 30' Tiefe mit schwarzem saurem Schlamme, 10 Pfd. 
Wasser entlialten in 2 benachbarten Quellen 

L (1829) 
Kohlensaures Gas .... 70,49 Cubzoll. 
Calciumoxyd-Carbonat . . . 13,333 Gran. 
Eisenprotoxyd-Carbonat . . 9,250 — 
Magniumoxyd-Carbonat . . 1,000 — • 
Chlornatrium ...... 18,400 — 

Chlorcalcium 2,650 — 

Chlormagnium ..... 1,410 — 
Schlammige Materie » , . 2,100 — 

Humussäure 1,850 — 

Siliciumoxyd 0,500 — 

Essigsäure 1,040 — 

51,533 — 
IL (1822) 
Kohlens. Gas ..... 71,40 Cub. ZolL 
Calciumoxydsulphat ... 0,75 Gran. 
Eisenprotoxyd-Carbonat . . 10,00 — 

Chlornatrium 13,41 — 

Chlorcalcium 10,48 — 

Chlormagnium 2,60 — 

Extractive Theile .... 12,76 — 
Humussäure ..... 1,62 — 
und noch rauthmaaslich . . 1,50 — 

Essigsäure 

53,12 — 



über 
das erste Lebensalter der Erde 

von 

Herrn Professor Christian Kapp. 

(Scbluss). 



Vergleichen wir die Katastrophen der Folgezeit, so 
entsteht der neue Zweifel, ob noch ein Theil dieser ältesten 
Bildungen zu Tage ausgeht, ob sie nicht alle von jüngeren 
und jüngeren Gebirgsmassen ähnlicher und verschiedener 
Art unergründlich bedeckt sind. Es gibt nichts, was uns 
zwingt, die erste Frage zu verneinen, wenn wir mitten in 
der Beti'achtung der sturmvollsten Perioden unseren Blik 
auf die Einfachheit ihrer Natur werfen. Halten wir aber 
bei der raschen, gesetzlich wechselnden Aufeinanderfolge 
der Bildungen an diesem Glauben mit Vorsicht fest, so 
müssen wir nach der Felsart fragen, die wir suchen dürf= 
ten. Die ganze sog. Flötzzeit zeigt eine Reihe thoniger, 
kieseliger und kalkiger Gebilde in gese t z mä ssiger Folge. 
Eine andere Dreiheit zeigen uns die alten Granite unmit- 
telbar in sich selbst. Sie geben uns das Bild einer gewis- 
sen Allseitigkeit, der jedoch die geschichtete Natur kalkiger 
und anderer Massen als ein ergänzendes Moment — 
Jahrgang 1834. 17 



- 254 - 

mächtig zur Seite tritt. Eine andere Einfachheit verrathen 
bei gleicher Allseitigkeit die ältesten Gneisse : nirgends eine 
Spur von Gang-Bildung, oder von eingebackenen Stücken, 
die sie enthielten. Nicht einmal die ältesten Glimmerschie- 
fer zeigten sich bisher in Formen, die jeder Geognost für 
Gänge angesprochen hätte. — und wo der Gneiss in Gra- 
nit übergeht, wissen wir weder, ob diess kein jüngerer 
Gneiss ist, der nur wo er sich widerstandlos bilden konnte, 
seine einfache Struktur entwickelte, wo er durch ältere 
Massen gestört wurde, in granitischer Form*) sich gestal- 
tete, noch ob der Granit beim Emporsteigen durch den 
Gneiss mit dieser gleichartigen Masse sich verband **). Der 
Gang wäre in beiden Fällen vorhanden, nur seine Spur bis 
jetzt verhüllt. 

Im Ganzen scheint der Gneiss eine einfache Mitte 
«wischen Granit und Glimmerschiefer zu behaupten, 
Jener ist ihm seinem Bestände, dieser seiner Form nach 
am ähnlichsten. Durch diese entfernt sich jener von ihm, 
während der Glimmerschiefer durch seinen gewöhnlichen 
Mangel an Feldspath ihm ungleich wird, was beim Granit, 
namentlich dem jüngeren ***) oft durch ein ungeheures 
Übergewicht an Feldspath geschieht. Alle drei sind feuer- 



*) Dieser Granit wäre nur ein granitischer Gneiss, oder eine durch 
die ältere Kruste nach oben strebende Entfaltung des Gneiss es. 
(Vgl. Schubert's allgem. Naturg. 1826. S. 186.) 

") Vielleicht Kontaktprodukte erzeugte? Gehört z. B. daher der 
kleinkörnige Granit, den L. v. Buch bei Kielwig im nördli- 
chen Norwegen gefunden und der dem auf den Shetlands-Inseln 
gleicht? Er geht in G rana t -führenden — Gneiss über. — Sei- 
ner übrigen Merkmale wegen verglich ihn Alex. v. Humboldt 
dem sog. Urporphyr und rechnete ihn desswegen nicht zu 
den ältesten Graniten. (Geognost. Vers. e. d. Franz. v. Leop?- 
HARD S. 98.) 

'■*) Diess ist bei dem dritten Heidelberger Granit der Fall, dem die 
berühmten sog. Feldspath-Gänge im Karlsbader Granit sehr ähn- 
lich sind. Diese sind offenbar Granitgänge. (S. die Anmer- 
kung S. 257). 



— 255 - 

geborene Brüder, aber der Gneiss scheint im Durchschnitt 
der älteste izu seyn, wenigstens scheint der älteste Gneiss 
ältei', als die meisten Granite, auch da, wo diese stellen- 
weise in ihn eingedrungen sind, so dass er sie scheinbar 
überlagert. Oder man setze Glimmerschiefer und 
Syenit als die Extreme — dann behaupten Gneiss und 
Granit die Mitte. 

Betrachten wir die äussere Form, oder das innere Ge- 
füge, die gleichmässige Vertheilung der Gemengtheile des 
Gneisses, beide vei'rathen eine Einfachheit und Ruhe, unter 
der seine Bestandtheile die Struktur annehmen konnten, die 
so Viele ") an seiner pyrogenetischen Entstehung zweifeln 
machte. Auf diesem Wege ist seine Struktur einfach 
erklärt, ohne dass die denkwürdigen Unterschiede des 
Alters, die manche Gneiss-Gebirge zeigen, dagegen sprächen. 
Sie folgt seiner inneren speziellen Natur so ungehin- 
dert, als dem allgemeinen Zug und Trieb der Schwere 
und Ei'kaltung. Hat man doch selbst die jüngeren Gneisse 
für älter erklärt, als alle Granite, obwohl sie mit einigen 
Graniten gleich alt und jünger seyn können **), als die 
ältesten Granite. Ist nun der älteste Gneiss, er gehe heute 
noch zu Tage aus oder sey überall ringsum bedeckt, das 
erste Feste, oder ein Theil desselben, so hindert das nicht, 
an seiner im Allgemeinen gleichartigen Entstehung mit den 
jüngeren Graniten im Geringsten zu zweifeln. Denn es 
leuchtet nunmehr ein, dass der Teig der Tiefe, 
der dieser entstiegen, im Allgemeinen dersel- 
be ist, der vor aller Bildung des Festen auch 
die Grundmasse des Gneisses war. — Die allge- 



•) Auch Lyell Hess sich dadurch auf Irrwege verleiten: vielleicht 
aus Mangel an Würdigung oryktognostischer und solcher Merk- 
male , die besser als alle Übergänge die Feuer-Geburt des Gneis- 
ses beweisen. Man vergleiche v. Leonhard's entscheidende Worte 
in der Geologie zur Naturgeschichte der drei Reiche. S. 432. S. 

*) über die primitiven Formationen des Granits etc. vgl. z. B. d'Au- 
BUissoN Tratte de Geol. Strasö. 1819. mit v. Hümboldt's geogn. 
Versuch S. 71. 

17* 



— 256 — 

meine Bildungsvveise aber bleibt in beiden dem Prinzip nncb 
gleichfalls dieselbe : die Bedingungen des Widerstandes, und 
was mit ihnen verbunden, die weitere Ausbildung dei* gan- 
zen Erde, bewirkten Änderungen. 

Diese Analogie kann uns sogar über das Alter der 
Granite einige Aufschlüsse geben. Sie gibt sie jedoch 
in einem zum Theil entgegengesetzten Sinne mit der An- 
sicht, die Alexander von Humboldt früher '•=) äusserte, in- 
dem er den Granit um so älter schätzte, je weniger er 
geschichtet, je reicher er an Quarz und ärmer an Glim- 
mer ist ''"'O. 

Die sog. Schichtung des Granits, Gneiss und Glim- 
merschiefers ist immer und überall nur eine vermeint- 
liche Schichtung. Sie ist (oft ganz deutlich) *"•') eine ein- 
fache Folge seiner Feuerflüssigkeit, indem sich die Natur 
seiner Masse da , wo sie beim Aufsteigen am wenigsten 
Widerstand fand, am einfachsten entwickeln konnte. Im 
Durchschnitt aber musste gerade der älteste Granit den 
geringsten Widerstand finden, mithin am meisten eine ver- 
meintliche Schichtung zeigen: er hatte nur durch die erste 
Kruste (wenn er nirgend zu ihr gehören sollte) und über 
ihr nur durch das Meer zu steigen. Daher zeigen alle un- 
sere bekannten Granite, die man ^geschichtet nannte , weil 
isie alle Widerstand in der Erdrinde fanden, diese Form nie 
durchaus. Die vermeintliche Schichtung der Granite hört 
überall, wo ich sie verfolgen konnte, bald auf und verliert 
sich in eine Zerklüftung ihrer Masse, die sich nach allen 
Richtungen, vorzüglich nach der senkrechten, verbreitet; 
in der Fortsetzung Eines und Desselben, nicht bloss an den 
Grenzen eines anderen Granites. Diess ist z. B. deutlich 
im Harz, noch deutlicher im Fichtelgebirge an den 
Granitfelsen 5 die sich auf dem Rücken der Kösseine nach 



*) Geogn. Vers. S. 71. 80. Vgl. Goldfoss Fichtelgeb. I. 172. ff. 
**) Und doch tritt nach Boue gerade im Gneiss der Quarz öfters, 

als die anderen Bestandtheile zurück. 
;?>>*>) fUs^n vergleiche sogar Ubb's Neue System der Geologie.' S. 138. 



— 257 - 

dev Luisenburg hinziehen, &m Burgstein (und wahrscheinlich 
auch am Haherstein, dessen Tiefe verschlossen ist). Eben 
so am Sauerbrunneh bei Karlsbad, Obgleich die Karlsbader 
Granit-Bildung verschiedenen Epochen zugeschrieben 
werden muss *), so ist doch der Granit, in dem die ver- 
meintliche Schichtung sich verliert, offenbar Ein und Der- 
selbe mit dem sog. geschichteten. Seine Bestandtheile sind 
von ujigleichem Volumen und in ungleichem Verhältnisse 
gemengt: er hat auch da das Porphyi'-ähnliche Ansehen, 
das den ganzen Karlsbader Gebirgs-Granit auszeichnet und 
ihn so wohl von den Graniten, die ihn Trümmer-weise ein- 
schliessen, als von denen, die ihn in ganz schmalen Gängen 
dui'chsetzen, unterscheidet. 

Die sog. Schichtung plutonischer Felsarten 
geht nach dem Bisherigen — wir müssen diesen Gedanken 
ganz allgemein und bestimmt fassen I — aus der wesent- 
lichen Natur des Gesteins hervor, wo dieses 
unter offenem Himmel, oder im Gebiete überde- 
ckender W asser (?) Raum und Ruhe hatte, 
sich einfach zu entwickeln, wo es ungestört er- 
kalten und dem Zug der Schwere, der alle Kör- 
per bindet, nur so weit folgen musste, als diese 
Folgsamkeit in seinei' speziellen Natur lag. 
Kraft dieser Natur quellen durch die Bedingungen ihrer 
Entstehung diese Gebilde nach oben, und stürzen in Feuer- 
flüssigem Zustande nur da, wo sie abhängige Zwischen- 
klüfte oder Gipfelpunkte erreicht, wieder nach unten. Die 
ältesten dieser Gebilde, unbezwungen durch die Hindernisse, 
die erst eine schon dichtere Kruste verursacht, konnten 



*) Eine Ansicht, die ich in einer Anmerkung zu meiner Vorlesung-, über die 
Natur Unteritaliens, in der Athene. B. I. H. 3. S. 284. angedeutet, 
obgleich v. Hoff in seiner trefflichen Monographie über Karlsbad das 
Gegentheil annimmt: ich fand Granit im Granit eingebacken und 
muss ausserdem, wie gesagt, die sog. Feldspath-Adern für Granit- 
Gange in älterem Granit erklären, was ich ohne Kenntniss der 
LEONHARD'schen Entdeckung des dritten Heidelberger Granits 
nicht gewagt haben würde. (Vergl. 267. not.) 



— 258 - 

ungehemmt ihre IS a t u r entwickeln. Dass uns aber diese 
noch räthselhaftj begründet keine Einwendung gegen diese 
Ansicht ■■\). 

Um letztere so deutlich zu erklären, als in Kürze mög- 
lich, müssen wir vor Allem spätere Absonderungen vulka- 
nischer oder plutonischer Massen, wenn sie noch so Schich- 
ten-ähnlich sind, von primären, von solchen unterschei- 
den, die gleich bei Entstehung und Erkaltung dieser Mas- 
sen sich bildeten. Auf letztere kommt es hier eigentlich 
allein an, wie wohl man auch sie in gewissem Sinne sekun- 
där nennen kann, so fern sie nämlich nicht im Momente 
der Bildung **), sondern erst durch den Einfluss umgeben- 
der Gesteine und erkaltender Massen entstanden sind ***). 

Bei jüngeren vulkanischen Erzeugnissen, namentlich bei 
Laven, ist die lagenweise Absonderung oft eine Folge mehr 
oder weniger ungleichzeitiger, sich über einander legender 
Ergiessungen. Das auffallendste Beispiel der Art zeigten 
mir die inneren Krater- Wände des Vesuv im Jahre 1S29, 
wo die sog. Lavenschichten durch den früheren Einsturz 
der Kraterdecke entblösst waren. Von Innen aus erschie- 
nen die verschiedenen Lagen der Laven ziemlich horizontal, 
während sie in der Richtung nach Aussen ringsum, zum 



*) Ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass mich auf diese 
Ansicht von der sog. Schichtung der Granite einige Gespräche 
mit Blum in den Marmorbrüchen von Wunsiedel und auf dem Gra- 
nitgebiet des Fichtelgebirges, so wie v. Leonhard's Entdeckungen 
an dem Heidelberger Granit geführt haben. Es wird sich sogleich 
zeigen, dass mit dieser Form die materielle Natur des Ge- 
steins, so weit es zu Tage ausgeht, in wesentlichem Ver- 
bände steht. 

**) In einem folgenden Abschnitte hoffe ich Gründe aufzustellen, die 
es wahrscheinlich machen, dass auch die Schichten acht neptuni- 
scher Gebilde, z. B. des bunten Sandsteins, keineswegs alle 
im ersten Momente der Bildung entstanden sind. Die Form ih- 
rer Ebenen und gewisser Absonderungen derselben, verlangt eine 
andere Erklärung, als die Bildung gewisser Wellenlinien und Ein- 
drücke, die sie zeigen. — — 

*'="'') Vgl. V. Leonhard's Basalt-Gebilde I. 296. flf. 



— 259 — 

TheiJ unter bedeutenden Winkeln, der Tiefe zufielen. D« 
sich nun auf dem ebenen Boden des innei'en Kraters ein 
kleiner thätiger Kegel erhoben, so hätte man hier, wenn 
an den Streit über die sog. Erhebungski-atere erin- 
nei't werden soll, eigentlich einen Senkungskrater '0. 
Denn die Lava-Schichten, die diese Kratei'wände des Vesuv 
bildeten, dessen Kegel-Erhebung den Einsturz des Somma 
zu den Zeiten des Titus (?) verursachte, sind nichts ande- 
res, als die Lagen vei'schiedener, dem Krater entflossener 
Lavaströme. Sie mussten demnach, rechtwinkelig gegen ihren 
Abfall entblösst (was durch den Einsturz der Kraterdecke 
des Vesuv geschah) nothwendig mehr oder weniger hori- 
zontale Linien zeigen. Solche Erscheinungen sind, da sie 
auf S trömun gen vulkanischer Massen beruhen, die ein- 
zigen , die man vulkanische Schichtungen nennen 
könnte und gerade da sieht man unverkennbar, dass von 
Hejitunismus keine Rede **). Man sieht aber mehr, als die- 
ses, was auch der orthodoxeste Neptunist keinen Augen- 
blick zu verkennen im Stande wäre. 

Man hat nämlich in diesem Fall Ströme verschiede- 
nen Alters vor sich. Die Zwischenzeit konnte aber bei 
ähnlichen Erscheinungen (wo vulkanische Massen über 
gleichartige Gesteine von oben nach unten, als wo sie von 
der Tiefe nach oben hinströmten) sehr ungleich seyn. Sie 
fällt nicht immer in getrennte Perioden und Epochen. In 
einer Epoche, die kurze Zeit anhielt, hat man oft volle 
Ursache, eine Emportreibung verschiedener Lagen unmit- 
telbar nach einander anzunehmen. Dieser Annahme steht 



*) Man sieht daraus, dass nicht alle Einwendungen gegen die Er- 
hebungs-Kratere Leopold v. Büch's berechtigt sind, was schon aus 
seiner Reise nach den Kanarischen Inseln erhellt. 

*) Eine genauere Beschreibung des Vesuv im Sommer 1829 gab ich, 
unterstützt v. K. F. Scholler, im dritten Heft der Athene, d. i. 
in den vermischten Aufsätzen aus philosophischen und historischen 
Gebieten von mehreren Verfassern, herausgegeben v. Chr. Kapp. 
(Kernten bei Daivnheimer 1833.) S. 253. ff., wo ich das Vul- 
kanen-Systetn Italiens im Ganzen darzustellen versucht habe. 



— 260 — 

nichts entgegen, als einige wässei'ige, in sieh zerfliessende 
Theorien. Die Gewalt des Wassers selbst, deren Bedeu- 
tung nicht verkannt werden darf, widerspricht ihr nirgends. 
Wo diese dazu kam, hat sie solche Bildungen nur modifi- 
zirt, nirgends völlig umgeändert. Diese Beti'achtung führt 
uns von vulkanischen Bildungen im engsten Sinne zu 
dem sog. plutonischen, wenn man nur diejenigen vulka- 
nisch nennen will, die einem Krater entflossen*). 

Wir halten uns an Erfahrungen, die den Geogno- 
sten bekannt sind. Diesen zu Folge dürfte (?) die lagen- 
weise Absonderung gewisser Porphyr-Massen auf ein jün- 
geres Alter, als die gi'anitartige Gestalt anderer Porphyre 
bezogen werden. Wir sehen z. B. in Dossenheim an der 
Bergstrasse Porphyrmassen emporsteigen, die jünger zu 
seyn scheinen , als die granitartigen Porphyre z. B. von 
Würzen, deren ganze Natur nach von Leonhard's Beobach- 
tungen, einen dem granitischen sehr ähnlichen Teig, keines- 
wegs einen durch Umwandlung veränderten Granit voraus- 
setzt. Jene Porphyrmassen sind nicht bloss durch Kluft- 
flächen , sondern zum Theil durch Flächen getrennt und 
verbunden, die als halbe Rutschflächen erscheinen. 
Man wird daher sicher, gehen, da das Ganze den Charak- 
ter Einer Entwickelung an sich trägt, anzunehmen, dass 
hier der Porphyr stossweise, arterienartig, aus der Tiefe 
nach oben in verschiedenen Lagen emporgestiegen. Diese 
Lagen sind alle mehr oder weniger senkrecht. Wer könnte 
sie aber Schichten nennen, da unter Schichten nur nep- 
tunisch gebildete, erst später vulkanisch aufgerichtete Ab- 
sätze verstanden werden, die niemals Spiegelflächen zeigen, 
wo sie nicht durch plutonische Gewalten an sich selbst, oder 
an anderen Massen, wie schon Saussure sagte, von der 
Natur polirt worden.' (1833. VL 664, ff.) 

*) Ein äusserlicher Unterschied, selbst wenn sich v. Humboldt, der 
Granit, und Rozet, der sogar Dolomit Strom-artig geflossen beob- 
achtet haben \ji\\, geirrt haben würden. — Was heisst am Ende 
Krater und Spalte? plutonisch heisst, was antediluvisch vom 
Feuer gebildet wurde ! 



__ 261 — 

Diese lagenweise Absonderung der Porphyr-Massen ist 
indess was anderes, als die sog. Schichtung der Gneisse 
und Glimmerschiefer. Letztere steht mit der einfachen Ver- 
theilung der vielartigen Gemengtheile in wesentlichem Ver- 
bände. Die Porphyre dagegen haben eine mehr gleichartige, 
feldspathige Masse, in der sich jene Absonderungen leichter 
entwickeln konnten. Sie haben stets ein anderes Anse- 
hen, als die derberen der Granite, die im Durchschnitt mehr 
massig als lagenweise vereinzelt emporgequollen seyn dürf- 
ten. Übrigens ist jene Ansicht ihres Altei's noch zweifelhaft. 

Hier kommt es, wie, nach Alexander von Hümboldt's *) 
entschiedener Warnung, „in allen Aggregaten empirischer 
Kenntnisse, die zu früh Wissenschaften genannt worden, 
auf ein denkendes Begi'eifen der Natur, auf eine i-ichtige 
Ansicht dessen an, was aus den wohlgeordneten Ein- 
zelheiten gefolgert werden darf.^< Wer möchte demnach 
sagen : wenn die schiefrig abgesonderten Granite im Durch- 
schnitt älter sind, als die massigen, körnigen, gleich bei 
ihrer ersten Entstehung verworfenen, müssten auch die 
schieferartigen Porphyre älter seyn, als die granitartigen! 
Mag immerhin das Material beider in d e r Tiefe, in der es 
schon anfieng, zu werden, was es geworden, gleicharti- 
ger gedacht werden, als das Material, woraus Gänge von 
Quarz und Gebirge von körnigem Kalke hervorgingen, wenn 
man diese, wie jene, nicht vereinzelt, sondern unter sich 
vergleicht **) — mag es sogar einen wesentlichen Fort- 
schxntt der geologischen Wissenschaft bedingen, wenn es ihr 
gelingt, die mannigfaltigen Gebilde Einer Kategorie unter 
ihrem höheren, einfachen Gesichtspunkte, der allein das 
rechte Licht über sie verbreitet, zusammenzufassen — nim- 
mermehr wird man sagen können, ganz dasselbe, was bei 
den Graniten, sey auch bei den Porphyren die sog. Schich- 



"■) lu den Abhandlungen der Berliner Akad. d. 3. Jul. 1827. S. 305. 
^''^) Denn in Beziehung jedes dieser Gesteine auf sich sind Quarze 
und Kalke gleichartige, Granite und Porphyre ungleichartige 
Felsarten. 



— 262 — 

tnng. Eher noch könnte man die sekundären, durch die 
Grenzen und Stadien der Erkaltung bedingten Absonderun- 
gen plutonischer und vulkanischer Felsarten in diesem 
umfassenden Gebiete, dem vergleichen, was in einem weit 
anderen, vereinzelten Gebiete die Versuche einer Krystall- 
Bildung (IL 162.) sind. Aber auch da würde man sich leicht 
ins Vage verlieren, denn solche Absonderungen sind, wie 
V. Leonhard in seinen Basalt-Gebilden entscheidend gezeigt, 
nichts weniger als Krystallisationen. Nur der könnte sie 
noch so nennen, dem es juckte, mit Friedrich v. Schlegels 
Lüsternheit die Baukunst eine gefrorene Musik zu nennen. 

Da wir an v. Leonhard's Basalt-Gebilde erinnert, dür- 
fen wir uns enthalten, über die Natur solcher Absonderun- 
gen bei den Basalten, Porphyren etc. ausführlicher zu 
sprechen ■■"). 

Noch müssen wir des Falles gedenken, wo sich eigen- 
thümliche Schichtungs - artige Absonderungen vulkanischer 
Auswürflinge unter dem Einfluss neptunischer Anschwem- 
mungen gebildet haben. 

Ein solcher Doppel-Prozess zeigt sich, wie Cotta **) 



*) Nur- hiex' unten bemerken wir, dass die vielbesprochene Säulen- 
förmige Absonderung, die sich vorzüglich an Basalten, auch an 
Porphyren, körnigen Kalken (z. B. bei Wunsiedel) und anderen 
plutonischen Massen zeigt, nach v. Leonhard nichts ist, als eine 
Folge des Abkühlens, des Zusammenziehens dieser Gebilde mittelst 
^der Berührung mehr oder weniger dichter oder flüssiger Medien 
(Wasser und Luft) oder fester Körper (Wandungen der Spalten). 
Dadurch erklärt sich auch genau die Richtung und Lage dieser Ab- 
sonderungen, die bisweilen Formen annehmen, welche in Freiberg 
und Mimchen noch heut zu Tage (mitunter) als Schichten be- 
trachtet werden. Platten-förmige Absonderungen fand ich seither 
auch in Quarz Gängen. 

*'•') Der Kammerbühl v. Heinrich Cotta mit Zusätzen von B. Cotta. 
Dresden; 1833. 8. Ich beziehe mich zugleich auf einen Brief 
an V. Leonhard , in dessen und Bronn's N. Jahrb. Jahrgang 
1833. VL 670. über den Pechsteinkopf in Rheinbaiern und sein 
Verhältniss zum Systeme des Uardgebirges , um hier nicht aus- 
führlicher darlegen zu müssen, dass die schieferige Form plutoni- 
scher Urgebilde nicht etwa durch einen Einfluss überdeckender 
Fluthen zu Stande gebracht worden. 



— 263 — 

dargelegt, am Kammerbühl bei Eger. Er fand unter andern 
Verhältnissen anders geartet, auch sonst und ohne Zwei- 
fel häufiger Statt, als die Einseitigkeit entgegengesetzter 
j,Sehulen^^ bisher einsehen oder zugestehen mochte. 

Was soll man vollends von Theoretikern sagen, die un- 
kundig der belehrungsreichsten Erfahrungen, alles verw^ech- 
selnd und in alles die Vorurtheile, die sie fern von der 
offenen Natur auf Schulbänken eingesogen, hineintragend, 
noch heute jede Schichten-ähnliche Absonderung vulka- 
nischer Massen für Schichtung erklären? Sie würden, 
hätten sie von seiner Entstehung nichts gelesen, den 
Monte Nuovo bei Pozzuoli-0 für eine neptunische Aufschich- 
tung erklären , gebräche ihnen nicht die Kraft des Ent- 
schlusses, den Berg selbst zu sehen, wie Werner bei seiner 
Reise nach Paris versäumt hat, die nahe liegenden Basalte 
zu untersuchen. Sie müssten sogar die Lava-Reihen im 
Innern des Vesuvischcn Kraters für Niederschläge einer 
neptunischen Brühe ausgeben, ermangelten sie nicht der Kraft 
ernster , kühner Konsequenz ! Würde ihnen der Jorullo 
oder die Auvergne Lavaströme über den Mund ausgiessen, 
sie würden sterbend sagen: nein! es brennt mich nicht, es 
galvanisirt mich nur — zum Tode ! Warum ? Werner hat 
A gesagt und Keilhau Z! Der Vulkan ist nur der Zu- 
ckerhut dieses ABC's, das Stiebfass alter Kinderbücher: die 
Mitte des Lebens das jusie milieu Neptuns, die ganze 
Erde ein ab- und ausgewaschener Katechismus der „heiligen 
Salzfluth." Lass sie gehen, sagt Schiller, es sind ,>2Ve- 
fenbacherl'< (II. 177.) 

Wir ziehen in Kürze das Resultat: die sog. Schichtung 
plutonischer Felsarten ist nichts anderes, als entweder eine 
schieferige Bildung, wie beim Gneiss, Glimmerschiefer 
etc., oder eine stärkere lagenweise Absonderung, wie 
bei mehreren Graniten, köi'nigen Kalken und bei den Dolo- 



'■') Vgl. Vermischte Aufsätze etc., herausgegeb. v. Ch. Kapp. Kempten 
1833. S. 274. 



— 264 — 

miten dieser Kalke *), wo sie aus dex* speziellen Natur des 
Gesteins, wenn es Zeit und Ruhe hatte sich zu gestalten, 
hervorging. Oder sie ist eine Folge lagenweiser Auf- 
quellun gen der Tiefe bald Einer, bald verschiedener 
Epochen, wie besonders bei einigen Porphyren. Das aus- 
gebildetste Extrem dieser letztgenannten Erscheinung herrscht 
vorzugsweise bei jüngeren vulkanischen Produkten, nament- 
lich bei Laven, deren Ströme sich oft über einander 
ergossen. Da dieses nur da genau beobachtet worden, wo 
es langsam und unter offenem Himmel, nicht in allseitig 
widerstrebenden 5 durch ihr Empordringen gebrochenen 
Spalten geschah, darf es uns nicht wundern, dass man 
hier keine Reibungsflächen, wie an Porphyren etc., be- 
merkt hat **). 

Erwähnen müssen wir noch, dass Granite, die in ihrer 
Zerklüftung eine vermeintliche Schichtung zeigen, oft fremd- 
artige sogenannte Lager enthalten. Aber mit diesen sog, 
„Lagern" sieht es sehr zweideutig aus , wie z. B. mit den 
angeblichen Lagern von sog. Ur-Grünstein im Granit einiger 
Gegenden des Fichtelgebirges. Solche Granite rechnete 
V. Humboldt zu den jüngeren — mit Recht, wenn er sich in 
der Voi"stellung jener Lager nicht getäuscht, wenn diese 
Lager keine Gänge sind. 

Es ist hier nicht der Ort, über das Alter der Gra- 
nite und anderer sog. üi-gebilde ausführlich zu urtheilen. 



*) Etwas ganz anderes ist die Schichtung' des Rab ensf einer DolomUSf 
der den Jurakalk begleitet, im Baireuthischen. Versteinerungsreicli 
nicht bloss au seinenGrenzen ist erplutonisch nur gehoben und von 
ganz anderem Ansehen, als der Dolomit bei Wunsiedel. 1833. VI. 669. 

**) Und wie lange ist es denn, dass man Saussüre's Winke über 
Felsen, die die Natur polirt hat, benutzt? Laven haben schon eine 
dickere Erdkruste zu durchbrechen, als Granitc, also schon in der 
Tiefe kältere Erdschichten als diese, zu berühren. Wo sie halb 
erkaltet und fest, durch enge Spalten aufstiegen, müssen sie Rutsch- 
flachen an sich, und an dem umgrenzenden Gestein gebildet ha- 
ben. Wo sie nach oben flüssig blieben, konnten sie höchstens 
dieses, nicht sich an ihm poliren. 



— 265 — 

bemerken müssen wir aber, dass, bei Ei'wägung und Ver- 
gleichung örtlieber Verhältnisse , so wohl das innere 
Gefüge, als die äussere Struktur Anhaltspunkte ge- 
ben kann, die bedeutend werden, wenn man sie alle zusam- 
menfasst. Alex. v. Humboldt legte bei dieser Frage mit 
Recht ein Gewicht auf die Form scheinbarer Schichtung, 
■wenn er sich gleich in der Anwendung geirrt. Denn lagen- 
weise Absonderung wird der jüngere Granit nur d a zei- 
gen, wo er sich durch weite Spalten ungehindert ergos- 
sen. Aber alle Granite, die für die jüngsten gelten 
müssen, haben bisher nirgends solche Absonderungen erken- 
nen lassen, sie sind vielmehr, wie die Schriftgranite, reich 
an inneren Durchkr-eutzungen. ' 

Ehe wir von der Betrachtung der äusseren Struktur 
auf die Anhaltspunkte, die die innere Struktur, das Gefüge 
bietet, übergehen, dürfen wir nicht übersehen, dass voi'züg- 
lich jene öfters durch spätere Einflüsse verändert worden. 
Granite aber, von denen sich nachweisen lässt *), dass sie, 
wie z. B. ein Theil der Karlsbader, in fester Form, theils 
wieder durch Granite, theils durch andere Gesteine geho- 
ben worden, sind nichts desto minder, als sie gebildet wur- 
den, in Feuer-flüssiger Form emporgestiegen. Jene Hebun- 
gen sind offenbar spätere Veränderungen, wie sie sich an 
vielen sehr alten Porphyr-artigen Graniten finden, wovon 
T, B. die steilen Wände des Karlsbader Granits mit zacki- 
gen und spitzigen Enden Zeugniss geben **). 

Wie demnach die äussere Struktur, so muss sich das 
innere Gefüge, das, was man im engeren Sinne Struktur 
nennt, bei den ältesten Felsarten einfach darstellen* um 



*) Wie es z. B. Murchison versucht hat. Vgl. Ure a. d. S. 432. 

"*) Ist der von Macculloch untersuchte, durch Conybeare und Phillips 
bekannte Gneiss der Hebriden, <ler zum Theil über Lias liegt, 
in fester Form emporgestossen , oder Feuer- flüssig nach der 
Bildung des Lias aufgetrieben worden? Ist es vielleicht blosser 
Granit? 



— 266 — 

so mehr dieses mit jener, wie z. B. bei dem Gneiss, oft 
augenscheinlieh zusammenhängt. 

Sehr schwierig, sagt v. Humboldt *), würde es seyn, 
einen Granit namhaft zu machen, den alle Gebirgsforscher 
einstimmig für älter ansehen, wie alle übrigen Formationen. 
Was vom Granit gilt, gilt auch, wenn gleich in geringerem 
Maasse , heute noch vom Gneiss , Glimmerschiefer etc. 
Wenigstens gibt es einen Gneiss, der älter ist als alle 
wahrhaft geschichteten Felsarten, und diesen keineswegs 
ergänzungsweise zur Seite steht. In Beziehung auf seine 
inneren , so zu sagen , oryktognostischen Verhältnisse dürfte 
der älteste Granit derjenige seyn, der meist, jedoch nicht 
ausschliessend, und auch nicht er allein — bei etwas grob- 
körnigem **) Gefüge ziemlich gleichförmig gemengt 
ist. Seine Krystallisation wird jedenfalls einen sehr ein- 
fachen, wenig gestörten Charakter haben. Dieses alles 
negativ, ausgedrückt, heisst: er ist, wenn auch entfernt 
Porphyr-artig, doch nicht auf vermittelte Weise, weder 
durch einseitiges Hervortreten eines besondern Momentes, 
noch durch Einsprengung fremdartiger Bestandtheile quali- 
tativ verungleicht, noch durch eingebackene Stücke jünge- 
rer Felsarten ***), — um die Streitfragen über die Auf- 
nahme untergeordneter sog. Lager und Nester kaum zu be- 
rühren — förmlich charaktei'isirt. 

Betrachten wir dieses näher, so zeigt sich, dass auch 
der unteri'ichtetste Geognost aus solchen Bestimmungen nur 



*) Geogn. Vers. Lag. Geb. S. 70. ff. Vgl. L. v. Buch. Reise nach 
Norw. II. 188. geogn. Beob. I. 16. ff. und in Gilbert's Ann. Phys. 
1820 S. 130. V. Leonhard Charakteristik der Felsarten. 

**) Der jüngste Heidelberger und Karlsbader Gvemit ist noch grob- 
körniger, als der älteste. Der Granit von Uoheiistein, Weinböhla 
«nd Zscheila zeichnet sich keineswegs durch feines Korn aus, der 
Albit-führende von Massachusets ist auch grobkörnig, wenigstens 
in den Handstücken, die ich gesehen. 

*"*) Der Granit von Zcheila hat Versteinerungs - reichen Plänerkalk 
eingebacken. — S. v. Leonhard, in Dessen und Bronn's neuem Jahr- 
buch 1834. H. 2. 



-— 267 — 

im Angesichte deutlich aufgeschlossener Brüche, nach ihren 
speziellen Verhältnissen, etwas machen kann, und doch 
sind sie zu beachten, keineswegs aber als förmliehe Regeln» 
Die Natur überhaupt kennt nur Gesetze, keine 
Regeln. Nur jene können entscheiden. 

Das grössere oder kleinere Korn des Granits 
und anderer sog. Urgesteine entscheidet allein nichts 
für ihr Alter und kann, vorsichtig, nur als untergeordnetes 
Moment, nach seinem Verhältniss zu den übrigen Merkma- 
len beigezogen werden. Schon Alexander v. Humboldt *) 
bemerkte ausdrücklich, dass, bei dem häufigen Vorherrschen 
des Feldspaths im Granit, die Grösse seiner Krystalle ver- 
schiedenen Formationen zuständig sey und selbst den erfah- 
rensten Beobachter irre leiten könne : immerhin scheint der- 
jenige Granit, der noch besondere Feldspath-Krystalle ent- 
hält, in vielen Fällen sehr alt, wie der Schriftgranit, dessen 
Feldspath oder Albit Quarztheile einschliesst, sehr jung 
zu seyn **). 

Wo aber der alte Granit feinkörnig erscheint, ist er 
darum noch nicht fein durchbildet, so dass er diese Form 
dem wi der strebenden Einfluss bestehender Verhältnisse in 
den Tiefen der Erde, die sich schon weiter entwickelt hat- 
ten, während seines Emporsteigens verdanke. Sie ist kei- 
neswegs nothwendig von irgend einer Vereinseitigung 
oder vorherrschenden Entwickelung eines seiner 



*) Geogn. Vers. Lag. Geb. S. 8. 

'*) Der jüngste Granit in Karlsbad, wie der in Weinb'öhla zeigt sich 
hie und da als Schrift-Granit. Die Erfüllung seines Feldspaths mit 
Quarz scheint bestimmte Hemmungen vorauszusetzen, und errinnert 
z. B. an die Hornblende-Krystalle mancher körnigen Kalke, welche 
körnigen Kalk einschliessen, der wieder Hornblende führt. Der 
älteste Heidelberger Granit, wie der Karlsbader u. s. w. zeich- 
net sich durch besondere Feldspath-Krystalle aus. (v. Leonhard.) 
Der Schrift- Granit unterhalb des Neubronns in Karlsbad dürfte 
dem, der die sog. Feldspath- Gänge dort bildet, sehr nahe stehen. 
Ich errinnere mich nie etwas von einem sog. geschichteten 
Schrift-Granit gelesen zu haben. Gesehen habe ich keinen. 



- 268 - 

Gemengtheile bedingt, so dass er zugleich fremdartige und 
solche Bestandtheile in sich enthalten könnte, welche die 
Unterdrückung eines seiner wesentlichen Bestandtheile er- 
gänzen oder ausgleichen würden. Die Feinkörnigkeit und 
Grobkörnigkeit ist mehr eine quantitative, als eine qualita- 
tive Verschiedenheit, minder durch das Alter, als durch 
das Verhältniss während der Bildung bedingt. 
Daher ist derselbe Granit in Einem Stücke grob und fein- 
körnig, und diese Verschiedenheit hängt vorzüglich von der 
Art seiner Erkaltung ab, so dass der in der Tiefe grob- 
körnige Granit auf seinen Höhen hie und da das feinste 
Korn zeigt*). Nur das qualitativ, nicht das quantita- 
tiv Feinere kann über ein jüngeres Alter ent- 
scheiden, und auch dieses steht in der engsten Verbin- 
dung mit der Lagerungsbeziehung, mit der Stelle, 
die eine Felsart in der allgemeinen Reihe der Gebilde ein- 
nimmt **)^ Was bloss auf der äusseren Haltung (habitus) 
beruht, kann überall und immer täuschen *-^*). 

Etwas sicherer als die Grösse des Korns, weil sie 
nichts entscheidet, könnte die Gleichförmigkeit der 
Mengung der Bestandtheile für das Alter einer pla- 
tonischen Felsart sprechen. Aber bei ihr allein bleibt man 
auch verlassen. Nach v. Humboldt f) neigt sich z. B. die 



*) Auf der Oberfläche wird der im Inneren grosskörnige Granit oft, 
aber nicht immer, feinkörnig. Grosskörnige Granite enthalten 
in ihrem Inneren hin und wieder znsammengedrängte Glimmer- 
reiche Massen von feinem Korne. Vgl. v. Humboldt a. O. S. 113. 
In den Cordilleren hielt v. Humboldt einen kleinkörnigen Granit 
mit weissem und gelblichwcissem Feldspath für den ältesten. Geogn. 
V. S. 71. und 79., dessen Relat hist. d. voyag. aux reg. Vol. II. 
100. 299. 207. Welche Bedeutung die kr y s t a 1 1 in i s ch c Aus- 
bildung für das Alter habe, ist schwer bis ins Einzelne zu ver- / 
folgen : In den Drusenräumen eines Irländischen Granit's hat die Kry- 
stalHsation alle Bestandtheile ergriffen. Audi im Schwarzwald und an- 
derwärts kommen solche Erscheinungen vor, an jüngeren (?) Graniten. 

**) L. V. Buch über den Begriflf einer Gebirgsart im Magazin der Ge- 
■ Seilschaft naturf. Freunde zu Berlin. Jahrgang 1810. S. 128—133. 

***) V. Humboldt geogn. V. S. 7. f. 
t) Geogn. Vers. S. 71. 



- 2C9 — 

Struktur des Granits In Hochgebirgen, durch Häufigkeit und 
Gleichmässiglteit der Gllmmerblättchen öfters zur Blätter- 
Textur, während sie in den Ebenen mehr gleichartig kör- 
niges Gefiige zeigt: eine Bemerkung, die ganz dem ent- 
spricht, was wir oben von den Übergängen des Granits in 
Gneiss und von seinem Alter im Allgemeinen gesagt, und 
sich daher mit der Ansieht, die von Humboldt über das 
Alter scheinbar geschichteter Granite geäussert, nicht wohl 
verträgt. Ebenso zeigen höhere Regionen nicht bloss fein- 
köi'nigeren, sondern auch gleichförmiger gemengten Granit, 
wo er in der Tiefe grobkörniger und, wie man sich aus- 
drückt, Porphyi'-artiger auftritt *). Hier ist indess die 
Gleichheit des Alters nicht überall bewiesen , obwohl die 
Stadien der Erkaltung übei-all mächtig auf die Ausbildung 
seiner krystallisirenden Masse einwirken. Denn die 
neuere Chemie, besonders Mitscherlich, hat nachgewiesen, 
dass der Krystallisations-Akt, dem Vulkanismus kei- 
neswegs fremd, aus Feuer-flüssigen Erdarten deutlich her- 
vortritt. 

Was die eingebackenen Stücke betrifft, so er- 
hellt, dass gar wolil der älteste Granit Stücke von Gneiss 
eingebacken haben kann, wenn der älteste Gneiss älter ist, 
als jeder Granit. Hat aber der Granit Stücke jüngerer 
Felsarten in sich eingeschlossen, so ist ausser Zweifel, dass 
er jünger ist, als diese. — Denn es würde der ganze Über- 
muth eines sogenannten Naturphilosophen erfordert , um 
etwa anzunehmen, diese Stücke seyen objektive Prophe- 
zeihungen einer Bildung, die da kommen sollte. — Bevor- 
wortungen späterer Bildungen kündigen sich allerdings in 
älteren Felsarten an. Die thonige und kieselige Reihe der 
F 1 ö t z zeit ist schon im Gneiss, die kalkige, wie sich wei- 
ter unten zeigen M-^ird, vielleicht im alten Meere bevorwor- 
tet. Alle Momente des Gneisses legen sich in der Folge- 
zeit, wie GöTHB sagte, auseinander, aber ein eingebackeues 



*> T. Hoff. Karlsbad S. «. ff. 
Jahrgang 1834. 13 



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iStiick ist und bleibt eine Reliquie der Vergangenheit. — 
Daher kann man auch auf das Alter der Granite 
ßchliessen, die so gut, als manche Gneisse in uralten 
Ti'ümmergesteijien, in Grauwacken, liegen. Man verfolge 
die Natur dieser Trümmer und die Gebirge, denen sie ur- 
sprünglich vielleicht angehört , und man wird erhebliehe 
Aufschlüsse gewinnen. 

Fremdartige B e s tan d t he ile können sich in ur- 
alten Felsarten durch das Spiel chemischer Verwandschaf- 
ten auch sekundär erzeugt haben , wo sie an ihren Gren- 
zen, dtirch das Feuer-flüssige Aufsteigen einer jüngeren 
Masse, die, mit der durchbrochenen, die Bildungs-Elemente 
derselben enthielt, (d. h. als Kontakt-Produkte), entstanden 
sind. Diess ist bisweilen mit den Granaten, mit dem Pinit 
und Idokx'as, selbst mit dem Turmalin (?) und vielen anderen 
Mineralien, auch, wie v. Leonhard gezeigt, mit dem Speck- 
stein der Fall, den man besonders als Urkunde einer jun- 
gen sog. Ur-Gebirgsart betrachtet. Er ist durchaus ein 
vermitteltes (sekundäres) Produkt : selbst wo er ziemlieh 
mächtig ist, erscheint er als Erzeugniss des Kontaktes, so 
B. bei Thiersheim ohnweit Wunsiedel-'), wo in mitten eines 
mächtigen Glimmerschiefer - Gebirges der körnige Kalk an 
den Grenzen eines Protogyns oder Protogyn-ähnlichen Gra- 
nits Rutsch-Flächen von Speckstein gebildet **), wie er bei 
Auerbach am Gneiss Idokras erzeugt hat. 

Man muss daher mit grosser Vorsicht die Theorie prüfen, 
die alle gi'anitische Gesteine, welche Hornblende ***), Speck- 



*) Eine Äteüe, auf die uns Fr. Fikenscher in Redwitz ausdrücklich 
hingewiesen. 

**') Der Speckstein muss daher schon in grösseren Tiefen während 
des Emporsteigens entstanden seyn , selbst dann, wenn jenes Pro- 
fopyn-artige G<'stein statt von Kalk gepaltt worden zu seyn , in 
diesem selbst als jüngeres Gebilde aufgestiegen wäre. 

**'•') Hornbjeiide tritt im Ganizen mehr in älteren, Aueit mehr in 
jüngeren phttonisehen Gesteinen auf. Jene fordert nach Rose eine 
langSiime, dieser eine schnelle Abkühlung. Daraus erklärt 



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stein, Granaten, Epidot, Strahlstein, Zinnerz und Eisenglim- 
mer statt des Glimmers, führen, für jünger erklärt, als die, 
denen sowohl diese Bestandtheile und Einsprengungen , als 
jene feinkörnigen und giimmerreichen Nester' fehlen, Molche 
nach V. liuMBOLDT '•=) von gleichartiger Entstehung und der 
Hauptmasse gleichsam eingebacken sind **). 

Wo solche Bestandtheile nur an den Grenzen, nicht 
tief im Innern des sog. Ui'-Gesteins ***)j oder nur in schma- 
len Gängen sich finden, hat man in den meisten derselben 
Kontaktprodukte beim Aufsteigen jüngerer Massen zu er- 
warten, wenn sie gleich in der älteren, die sie berührt, so 
gut, als in letzteren sich entwickelt haben f). 

Man sieht hieraus den untergeordneten und bedingten 
Werth aller einzelnen Merkmale des Alters, die der 



8 i c li vielleicht dieser U n t e r s c h i e tl i li r e s Alters im 
Allgemeinen. — Die jüngeren Felsarten linden schon in grös- 
seren Tiefen, durch die sie emporsteigen, käifcre Massen, ganz 
analog der vorhergehenden Entwickelung, 

") Geogn. Vers, S. 72. 

"0 Letztere trifl't man z. B. in dem alten Granit Ac^r Louisenburg im 
Fichtelgebirge, so dass sie beim ersten Anblick das Ansehen kleiner 
durch die urspn'ingliclie Hitze des sie umschliessenden Gesteins ver- 
änderter Glimmerschiefer-Trümmer haben. Was sie keineswco-s sind 

■"■"') Wo z. B. die Granaten im Granit und Gneiss mehr als blosse Kontakt 
Produkte sind (254. Anmerk.), da könnte sich vielleicht durch die 
rnliigere Ausbildung des letzteren die durch v. L£OiViur.D schon vor 
Jahren entdeckte Tiiatsache erklären, dass die Kernform des Gra- 
nates, das Rautendodekaeder, nie im Granit, aber immer im Gneiss 
im Granit dagegen nur das Trapezoeder vorkommt? — Doch wir 
müssen sparsam seyn mit vereinzelnden Andeutungen und unzu- 
länglichen Folgerungen und mit der Bemerkung schKessen , dass 
nur in Granit-artigem Gneiss, wie an dem Culmer Berge in Röhmni 
Granaten in Trapezoedern vorkounnen. Diese Gestalt entspricht 
der gestörteren Form des Gneisses. Sie bestätigt unsere Ansicht, 
t) Grundbestandtheile der älteren Felsart durchdringen öfters das 
ganze eingedrungene Gestein, wo es, wie z. B. der Quarz bei 
Wiesbaden, in schmalen Adern sich verliert. Der Quarz ist da 
chloritisch durch das chloritische Schiefergestein , das er durch- 
setzt. S. Baeine Bemerkungen in v. Leonhard's und Bronn's N. 
Jahrb. etc. 1833. H. 4. S. 416). 

IS* 



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chemische oder mineralische Bestand gibt *), wenn 
man die g e o g n o s t i s c h e n Merkmale der Felsarten nicht 
verfolgt. Diese, nicht z. B. der Zirkon, der statt des Quar- 
ees auftritt, lassen über das jugendliche Alter des grobkör- 
nigen Gesteins von Christiania urtheilen, das von Vielen für 
die schönste aller sog. Ur-Gebirgsarten erklärt vrurde. 
Aber die nähere Betrachtung dieser Felsart würde uns auf 
das Gebiet des Zirkon-Syenits, überhaupt des Syenits füh- 
ren, der allerdings, wie z. B. bei Weinböhla^ oft älter ist, 
als mancher Granit, da er von diesem bisweilen durchsetzt 
wird, während er an vielen Stellen Spuren jüngeren Alters, 
als andere Granite, trägt. 

Wer kann daher verlangen , das Alter der Granite 
durch einseitige Merkmale zu bestimmen? Und der Kom- 
plexus aller Merkmale, der allein entscheiden könnte '•'*), 
ist so lange nur durch Vermnthungen zu verfolgen, bis man 
das Alter verschiedener Granite Eines Gebietes an vielen 
Punkten der Erde unter den verschiedenartigsten Verhält- 
nissen mit vollständiger Zuverlässigkeit bestimmt hat. Diess 
ist aber bis jetzt vielleicht nur auf Einem Punkte — der 
J£rde geschehen. Denn andere, z. B. Macculloch's gewicht- 
volle Untersuchungen auf Tyree, einer der westlichen In- 
seln Schottlands, deren Gneiss- Gebirge wohl von zwei Gra- 
nit-Formationen durchsetzt wird, sind bald durch Mangel 
an oryktognostischer Sicherheit, bald durch andere Mängel, 
meist dadurch, dass die sprechendsten Stellen nicht aufge- 
schlossen waren, bei weitem nicht erschöpft. W^ir meinen 

*) V. Humboldt, Gcogn. Vers. S. 196. 
**) Bisweilen spricht schon die Verbindung einzelner Merkmale ( — wenn 
die Lagerungs-Verhältnisse dafür entscheiden) sehr deutlich, z. ß. 
der AI bi t- fährende Granit, der reich an Turin al in ist, zu 
Chesterßeld in Massachusets scheint ziemlich jugendlich, und zeigt 
(unseres Wissens) keine Lagenweise Absonderung. Der Turma- 
li n - führende Granit scheint zwar ziemlich alt, keineswegs aber 
der älteste zu seyn. lu Heidelberg tritt der Turmalin im ersten 
Gang-Granit, nirgends im älteren Gebirgs - Granit auf. Erscheint 
er da vielleicht als Produkt des Koutaktes? 



- 27a — 

V. Lbonhard's Entdeckungen in dem Granit - Gebirge von 
Heidelberg j die jeden Zweifel nicht nur an der ohnediess 
entschiedenen Pyrogeneität der Granite , sondern auch an 
ihrer relativen Altersfolge in diesem Gebiete niederschlagen. 
Sie eben sprechen vor Allem für unsere Ansicht. Denn 
wäre auch der älteste der Heidelberger Granite, den der 
Natui'forscher , der ihn enträthselt hat , Gebirgs - Granit 
nannte, nicht der älteste von allen — immer gehört er 
nachweissbar zu den sehr alten, und sein inneres Gefüge 
verräth grosse Ähnlichkeit mit dem ältesten Karlsbader 
Granit, und mit dem Fichtelbergischen^ der an den oben be- 
Eeichneten Stellen nicht bloss Polster-förmige und schalige, 
sondern lagenweise, dem Schieferigen hie und da nahe kom- 
mende Absonderungen angenommen. Wenn daher der in 
Heidelberg gleichwohl keine solchen Absonderungen zeigt, 
so spricht er in dieser Zusammenstellung dennoch 
mehr für, als gegen die Vermuthung, dass in Beziehung 
auf Gehalt und Form, — mithin auf sein gan- 
zes, durch seine Genese bedingtes Wesen, — im 
Allgemeinen derjenige Granit der älteste seyn 
dürfte, dessen Bestandtheile noch die einfachste 
Differenz, die gleichförmigste Vertheilung und 
dessen Struktur die ruhigste B ildungs weise 
verräth. Eben diese Vermuthung fanden wir oben — 
um auf das andere Extrem zu blicken ! — in den Brüchen 
von Hohnstein oder Hohenslein, Weinböhla und Zscheila in 
Sachsen auch an dem jüngsten Granit bestätigt. Keiner 
dieser Gi'anite, die beiden letztei'cn offenbar Einer Formation 
ungehörig, zeigen Spuren lagenweiser Absonderung. (S. 265.) 
Sie sind, wohl mit Einschluss der Granite, die Graf Marzari 
Pencati im südlichen Tyrol schon im Jahre 1806 entdeckt 
hat*), jünger, als Kreide, so dass sie ihrerseits die erson- 



*) Marzari Pencati Cenni geologici. S. 21 und 45. Vgl. Brelslak 
sulla yenitura di alcune rocce porphyritiche e granitose. a. 1821. 
S. 22 — 35. Dessen v. Strombeck's übersetzte Geolog. Ferner Mar- 
zari in Nuovo osservature Vene%iam. 1820. Nio. 113. 127. und 



— 274 — 

nene, nur In Theorieen existirende Lücke zwischen der 
sekundären und' tertiären Zeit erfüllen, und die Katastrophe 
mitbedingeuj in der Elie de Beaumont jene Haupt-Erhe- 
bung im Pyrenäen-System sucht, die er mit Hebungen soge- 
nannter Ür-Gebirge in der Gegend von Dresden und des 
Harzes gleichzeitig setzt *). ' 

Diese Granite Sachsens und der Gebirgs - Granit von 
Heidelberg bilden bis jetzt die Extreme unserer e n t- 
s chie denen Ei'kenntnisse vom Alter der Granite. Wird 
man diese Extreme auch ah andern Orten verfolgen , so 
wird man nicht bloss über ihre Mitte, sondern selbst über 
das Verhältniss der Granite zu den Gneissen und 
Glimmerschiefern urtheilen können. 

Bis dahin kann Niemand auf r e i n empirischem Wege 
eine Entscheidung fordern, ob unsere ältesten 
Gneisse dieser Ür-Periode angehören **). So viel bleibt 



dessen lettere al Signor Cordier. 1822. S. 3. Wir füliren diese 
letztere, uns unbekannte , Stelle nach v. HuivrBOLDT's geogn. 
V. S. 265. an. CLeopold v. Buch's Einwendungen scheinen una 
zu kühn), 
*) Vgl. z. B. 1833. VI. S. 664 und Jeiiaische. Lit. Zeit. Okt. 1819. S. 86. 
**) Wo Thatsachen fehlen, sprechen blosse Analogiccn: sie geben keine 
Entscheidung, Avenn sie nicht v o 1 1 st ä u di g durchzuführen sind. 
Bildet z. B. der Gneiss eine wahre Mitte zwischen Glimmerschie- 
fer und Granit, so wird man im Ganzen die beiden letzteren, 
wenigstens unter sich, für gleich alt halten müssen. Entsprächen 
sich Gneiss und Glimmerschiefer (— in welchem der Feldspath) 
wie Granit und Syenit ( — in welchem der Quarz zurück tritt), 
60 würde man im Ganzen den Syenit nicht für jünger erklären kön- 
nen, als den Glimmerschiefer, wenn man den Granit für eben so 
alt erklärte als den Gneis. Wollte man diesen Satz von den äl- 
testen dieser Gesteine fest behaupten, so würden unsere ältesten 
Granite mit den ältesten Gneissen , unsere ältesten Glimmers^chie- 
fer mit den ältesten Syeniten die Urgrundfeste unserer Länder 
bilden. Findet man auf der anderen Seite im Gneiss allein die 
einfachste und allseitigste Felsart, so würde er allein die ursprüng- 
liche Felsart seyn. (S. 254.) Allen andern Urgcbilden würden bald 
andere, neptunisehe Felsarten zur Seite treten , während , statt 
dieser, neben dem Gneiss nichts als das inhaltvolle alte Meer 
«ngenomiuen würde. -^ Ents eheide, wer es kann! Man 



— 275 - 

indess, dass die ältesten Gneisse nach ihren Lage- 
rungs-Verhältnissen, wie nach ihrer einfachen 
inneren und äusseren Struktur unter allen uns 
aufgeschlossenen Felsarten diejenige sind, 
die man um so mehr als Resultat der ersten Schei- 
dung des Festen, Flüssigen und der Atmo- 
sphäre betrachten dürfte, je gewisser einzelne Trümmer 
derselben — wie auch der Granite — in .uralten normalen 
Felsarten eingeschlossen sind, und je gewisser sie in uner- 
gründete Tiefen der Erde hinabreichen. Denn wir sahen 
uns(S. 173.) zur Annahme berechtigt, dass in grösseren Tiefen 
die ße st andt heile der Erde noch dieselben sind, und 
dass sich der Stand der Wasser (S. 182.) seit der Urzeit 
zwar der Ausdehnung, wie der Art nach verändert, dass er aber 
an Umfang vex'loren, nur an Tiefe und Reinheit gewonnen. 
Niemand >vird ferner alle Reste der ältesten Landbildung 
für jetzt untermeerisch halten, der sich einigermassen über 
die Bildung und Vertheilung der Länder auf der Erd-Ober- 
fläche verständigt hat*). Sind demnach die Gneisse der 
bisher entdeckten tiefsten Tiefen dieselben, welche an eini» 
gen Stellen noch zu Tage ausgehen, so dürften wir in ihnen 



bewegt sich da in einem Forraalismns, den man leiclit weiter foit- 
8pielen könnte, — z. B. durch Beachtung der BouE'schcn Bemerkung, 
nach welclier im Gneiss der Quarz öfter als die andern Bestandtheile 
zurücktreten soll etc. Vollständig durchgeführte Erfahrungen, 
die an die Stelle formeller Versuche treten könnten , sind im Ge- 
biet der Urgebirge bis heute nur Wiinsclie. — Daher kommt man 
heute mit solchen Parallelen weder auf dem Wege der mineralo- 
gischen, noch auf dem der geognostischen Charakteristik der Fels- 
arten zum Ziel, wolil aber dem Ziel allmählich näher. Selbst der 
fernste Wink zu diesem verdient Beachtung so lange, bis er über- 
flüssig geworden. 
*) Die Thatsache, dass wir Reste von Pflanzen und Thieren in den 
Kohlen-Gebilden der Englischen Küste und bei Valencienncs 600 
bis 900 Fuss tief unter dem Meere finden, spricht so we- 
nig gegen diese Bemerkung, als die Thatsache, dass Alex, von 
Humboldt Knochen von Landthieren in Amerika 8000 F. über dem 
Meeresspiegel traf und dass andere in Asien solche Reste sogar 
16,000 F. hoch aunebmen, für sie spricht. 



~ 276 - 

einen Theil der Ür-Grundlage unserer Erdfeste 
erkennen. — Man mag den späteren Epochen noch so 
grosse, zerstörende und umbildende Wirkungen zuschreiben, 
in ihrer Tiefe können sie nicht ohnmächtiger, als auf ihrer 
Oberfläche — auf ältere Felsarten gewirkt haben, weil die 
gewaltigsten Stürme der Erde alle von der Tiefe ausgehen. 
Daher würde man auch junge plutonische Gebilde bis in 
ähnliche Tiefen verfolgen, nie aber annehmen können, die 
späteren Erdrevolütionen hätten bloss die äusserste Ober- 
fläche der Erde zerrissen. Dass aber die Tiefe der Erd- 
rinde, bis zu der wir unsere Gneisse getroffen, so durch-i 
ans verändert worden, dass von ihrem ersten Bestände 
auch keine Spur mehr zu finden wäre, wer möchte dieses 
behaupten ? 

Will man sich die erste Bildung des Festen ganz ein- 
fach, doch allseitig denken, so hätte man im Gneis s und 
im alten Meere die Grundlagen der doppelten Ober- 
fläche. Glaubt man sich, vielleicht durch das Alter neptu- 
nisch er Gebilde, befugt, schon von diesem Anfang bestimm- 
tere DiflFerenzen zu erwarten, so bleiben nur glimmerschie- 
ferige und granitische Gebilde übrig. Beide wären dann 
entweder \n einer späteren Epoche dieser Periode, indem 
sieh die ganze Erde weiter fortgebildet, oder gleichzeitig 
mit jenem hervorgetreten. Im ersteren Fall könnte diese 
Epoche den Anfang der zweiten Periode, wie das 
Ende der ersten bilden. Im anderen Fall aber kann 
inan diese Differenz wenigstens nicht leicht auf die Natur 
unserer Erdtheile gründen, deren Eigenthümlichkeit kein 
gleichgültiges, aber ein höheres Moment ist, als dass sie von 
jener hypothetischen DiflFerenz abhängen könnte. Allgemei- 
ne, sich entsprechende Felsarten bildet die Natur unter al- 
len Himmelsstrichen sehr gleichartig aus , nur wenige ein- 
feine, meist jüngere *), sehr eiiifache und individuelle Mi- 



*) Einzelne Spielarten alter Minerfil-Gattungen machen charakte- 
ristische Ausnahmen von untergeordneter Bedeutung. In Eu~ 



— 277 — 

neralien, nnmentllch solche, die die Technik der Menschen 
als Edelsteine liebt, zeigen in verschiedenen Erdtheilen sehr 
ungleiche Reinheit etc. 

Mit dem Gneiss würde der Glimmerschiefer, mit dem 
Granit der Syenit, alle mit einander, nämlich die ältesten 
derselben, in Einer Periode gebildet worden seyn. Finden 
wir bei dieser Annahme eine höhere Befriedigung, als bei 
jener, oder ist sie geeignet, auf dem heutigen Standpunkt 
der Beobachtung noch mehr zu verwirren $ Diess würde 
sie nicht, wüsten wir die ältesten dieser Gebilde immer 
von den jüngeren zu unterscheiden ! Indess haben die Spuren 
von Übergängen des Thonschiefers, der keines Falls ein Urge- 
bilde im aufgestellten Sinne dieses Wortes seyn kann, in Glim- 
merschiefer, wie z, B. bei Chur, noch immer etwas ebenso 
Zweideutiges, als die angeblichen Übergänge des Thonschie- 
fers in das talkige und chloritische Schiefergestein des Tau- 
nus, wie lehrreich auch Keferstein's und Anderer Bemer- 
kungen über jene, undSxiFFT's etc. über diese seyn mögen. 



ropa sind z, B. die Turmaline meist schwarz, in Nord -Ame- 
rika meist grün und rotli. Doch kommen grüne auch auf Elba und in 
der Schweiz, wie in Brasilien, und rothe in Mäln'en und in Sibe- 
rien, blaue in Schweden etc. vor. Vgl. Reinhard Br.uiw's Taschb. 
der Edelstein-Kunde §. 27. Weit entscheidender sind die Eigen- 
thümlichkeiten der Pflanzen- und Thierwelt verschiedener Erdtheile, 
als die ihrer Mineralien, ferner ihre klimatischen Verhältnisse, ihre 
Stellung zum Meere und zu einander, die von der Natur ihrer 
Gesteine unabhängig ist. Das vereinzelte Auftreten eigenthüm- 
licber Felsartcn, z.B. des Pyromcrid's (kugeligen Granits, Por- 
phyre Napoleon) und des Ku ge 1-D io r its auf /tor^iÄrt oder 
des Topasfels (eines vielleicht granitischen durch Berührung 
eines Anderen veränderten Gesteins) am Schneckenstein bei Auer- 
bach im Sächsischen Voigtlande sind höchst bedeutende, doch im- 
mer nur lokale, keine solche Ercheinungen , die einen Welt- 
theil charakterisirten. Bedeutender wäre noch der Mangel 
ganzer Formationen (z. B. des Muschelkalks in England), Aber 
auch dieser Mangel triflFt nie ganze Welttheiie, und ob er auffallend 
in einigen herrsche, in anderen eben so auffallend verschwinde, 
jgehört zu den Zweifeln, bei welchen ein allverehrter Geognost 
sagen würde: „Frage mich das nicht: ich weiss es nicht!" Nur bei 
srenigeo Gesteinen lässt sich darüber heute schon etwas sagen. 



— 278 — 

Sie sprechen nicht von bloss eingebackenen, durch das um- 
schliessende Gestein veränderten Stücken. 

Der wahre Thonschiefer setzt eine neptunisühe iJm* 
vrandelung des älteren Glimmerschiefers voraus. Gehörte 
nun dier Feldspath-reichere , dem Thonschiefer ähnlichere 
Glimmerschiefer, wie z. B. der bei Tharand — zu den äl- 
testen Glimmerschiefern, so würde jene Auflösung von Glim- 
merschiefer in Thonschiefer offenbar eine Art Rückkehr in 
seinen Ursiirung seyn, jedoch nur eine halbe. Denn dei* 
wahre Glimmesschiefer ist platonischen Ursprungs und die? 
Masse, aus der er in der Tiefe gebildet wurde, könnte wohl 
eine sehr t honerdige, nie aber Thonschiefer gewesen 
seyn. Enthält nun gleich der letztere chemisch alle Be- 
standtheile des ersteren, so ist eine ümwandelung desselben 
in Glimmerschiefer durch vulkanische Einwirkungen, weil 
diese auf der Erdoberfläche hätte vor sich gehen müssen, 
doch nur in wenigen Fällen und n u r so weit denkbar, so 
weit die Mächtigkeit der Lage nicht widerstreitet. Ein 
solcher Glimmerschiefer wäre keines Falls der älteste. Der 
älteste, vielleicht am meisten zerstörte, bliebe 
eher der an sich thon reichere, der stellenweise, 
wie z. B. der angeführte Tharander, mit dem Thonschiefer 
fast verwechselt werden könnte, zumal wo dieser gleich in 
der Nähe auftritt. — Auf einem ähnlichen Schein -Grunde 
dürfte vielleicht die gewöhnliche Ansicht bei'uhen, welche 
j«nes räthselhafte Schiefergestein bei Wiesbaden auf rein 
neptunischem Wege entstehen lassen will. Denn aussei'dem 
zeigt es Spuren jilutonischer Abkunft. Talk- und Glimmer- 
Schiefergehen in einander über, sind oft dieselbe Formationen 
wie z. B. die Trümmer von beiden zeigen, die der kör- 
nige Kalk von Wunsiedel einschliesst. 

Blicken wir auf die ältesten Gebilde, so bleibt als Haupt- 
sache die Wahrscheinlichkeit, dass nach der ersten Schei- 
dung des Festen und Flüssigen die Natur nicht lange ge- 
ruht, sondern sogleich bestimmtere Ausbildungen durchge- 
setzt, dass sie bald darauf immer neue Massen ausgcstossen, 



- 279 — 

flindepe niedergeschlagen *), und nicht viel später sehr ent- 
geg e n g e s e t z t e Gebilde, einerseits öuarzgänge **), 
andererseits körnige Kalke u. s. vv. in den Schooss äl- 
terer Felsgebilde emporgetrieben, diese von unten aus durch- 
schiittert, wie von oben verändert habe. 

Von jeher liebte die Natur eine Vereinigung entgegen- 
gesetzter Momejite und gefiel sich in gleichzeitigen Bildun- 
gen solcher Massen und Formen, die sich gegenseitig er- 
gänzen, so jedoch, dass dieses immer unter dem allgemeinen 
Charakter einer bestimmten Periode oder Epoche ge- 
s6hih, deren Typus wieder durch den Typus anderer Perio- 
den und Epochen ergänzt wurde. Denn diese gros- 
sen Züge der iE rdaus bi Id u ng machen Ein Gan- 
zes, Ein System, in welchem jedes Glied nach Maas- 
gabe seiner Bedeutung einen bestimmten Mikrokosmus dar- 



*) Da tlie ältesten Thonschiefer zu den ersten neptunrscben Gebilden 
der Erde gehören, mid das Daseyn von Glimmerschiefern 
voraussetzen, so dürften letztere schon zu den ältesten (plu- 
; tonischen). >Fe Is arten gehören ^ es bleibt dabei unentschieden, 
ob zur ersten, oder zur zweiten Epochp der walircn Urzeit? — 
Da das alte Meer Wohl an Inhalt reicher, an Tiefe aber unmäch- 
tigej* war als das spätere, so lässt sich ;nici»t vpuhl annehmen^ 
dass die ältesten .Giiavmerscin'efcr g 1 ei c Ii .nach, ilircr Ent- 
. stehung in Thonschiefer umgt'bildet wurden, wo dje ältesten Tlion- 
sch'iefer sehr mächtige Schichten bilden. 

"*) Die pyrogenetischc Natur eines solchen Quarzganges glaube ich 
in V. Leonhard's und Bkoniv's Neuem Jahrbuch etc. 1833. Hft. 4, 
S. 412-^417. bewiesen zu haben. Sie wäre leicht durch neueBcob- 
achtungen — z. B. durch die Angabe zu unterstiitzcii, dass Quarz- 
gänge unweit Badcmveiler, die durch Gliinmers.Iiirier setzen, ein- 
gebakene (?) Bruchstücke -von letzteren enthalten sollen.' Statt 
:desseu,, bemerken wir, dass uns solche Quarzg;inu:e oft uömittel- 
bar nach der Bildung mancher alten Felsai ten, z. B. der Gneisse 
(vielleicht der jüngeren?), die sie durchsetzen, aufgestiegen zu 
seyn scheinen, wie z. B. bei Mariaschein unweit Töplitn, wo die 
Gneisslagen ganz den Windungen der schmalen Quarzgänge fol- 
f gen, deren ility^ einen schon ganz fest gewordenen Gnciss un- 
möglich so weit Jiätte erweichen können. (S. 300.) 



— 280 — 

entwickelung seiner erfreuen kann. So im Grossen wie im 
Kleinen, im unorganischen wie im organischen Leben. Die 
erste Entwickelung muss aber nothwendig als die einfachste 
gedacht werden. Die erste allgemeinste Differenz 
wären demnach die Gneisse und das alte Meer unter der 
ersten Atmosphäre der Erde. 

Betrachten wir die ursprüngliche Physiognomie der. 
Erde, so erheilt, dass wir uns nie eine reine Ebene auf 
der Festrinde der Erde denken werden. Selbst vor der. 
Ausbildung eines bestimmten Festen ist eine solche Ebene 
noch undenkbarer, als eine mathematisch gerade Linie *) in 
der Natur. Vollends war die erste Scheidung des Festen 
und Flüssigen schon die erste Entstehung der Gebirge. Ohne 
allgemeines Becken kein Wasser ! Erst mit und nach dieser Schei- 
dung tritt der Gegensatz neptunischer und vulkanischer Bil- 
dungen in zunehmender und ab- und zunehmender Schärfe 
auf, so dass massige und geschichtete Gebilde oft 
mit einander, oft plötzlich nach einander entstanden. 

Diese weitere Entwickelung der Erdoberfläche war 
eine Erhebung neuer fester Massen, die aufsteigend die äl- 
teren verschoben, durchbrochen, zerrissen, trümmerweise 
festgebacken, ganze Schichtenreihen seitwärts gedrängt, an- 
dere völlig zerstört und die Meere erschüttert haben. Die 
dadurch empörten Fluthen wälzten die Trümmer der zer- 
sprengten Gebirge so oder so zusammen, und setzten einen 
Theil ihres eigenen älteren Inhalts mit ab, den ihre Natur aus- 
geschieden, so lange sie in dieser Katastrophe sich selbst 
reiner ausbildete. (S. 285.) Auch die Atmosphäre konnte bei sol- 
chen Bewegungen nicht theilnahmlos bleiben. Auch sie hat 
ihre Geschichte und nach einem alten Worte, das wir auch 
auf diese Katastrophen anwenden dürfen, mögen sich mit 
den Feuern und Brunnen der Tiefe auch die Fenster des 
Himmels geöffnet haben. 



*) Selbst der kleine Bienenstachel, die geradeste bekannte Linie 
in der Natur ist keine matheraatUch-gerade Linie. 



— 281 — 

So erfolgte«, wie man leicht begreift *), Flötzablage- 
rungea auf vulkanische Hebungen. So mussten selbst die 
Wasser mitwirken, den Länderboden zu erweitern, ihr ei- 
gä«ies Reich auf der Erdoberfläche zu begrenzen. 

Was nun diesen Länderboden betrifft, so waren zuerst 
die Insel-artigen Grundlagen unserer heutigen Erdtheilo 
vorhanden. Ein Meer umfasste alle, bis neuere Gebirge 
neben und zwischen den älteren sich hoben , ujid mit den 
Grundlagen der jetzigen di'ei Meeresbecken, die ersten Bin- 
nen-Meere bildeten. Diess wäi'e die eigentliche interme- 
diäre und die sekundäre Zeit. In dieser Periode 
könnte man auch den Ursprung der Seen suchen, wenig- 
stens sind diese wohl nicht so alt, als die ersten Hebun- 
gen, vielleicht aber so alt als bestimmte submarinische Flüsse 
und als die ersten Landflüsse. 

Denn ehe das Land ausgedehnte Seen halten konnte, 
musstc es schon eine ziemlich umfassende Betleutung ge- 
wonnen haben. Diese Bedeutung gab ihm die Kraft, aus 
seinen offenen und aus seinen meerbedeckten Tiefen mäch- 
tige Quellen eu entsenden. Selbst das Extrem des 
Flüssigen, das Meer, ist, wie die g.iiize Erde, 
vulkanisch begeistet: Daher seine alte Temperatur, 
sein Salzgehalt, seine schiciitenbüdende Kraft. Ebenso of- 



*) Ich brauclie hier nicht cinmaJ an die Verglcichunj; zu crrinnern, 
die ich einigen Bemerkungen über den Pechsteinkopf \n Rheinbaiern 
und sein Verhältniss zum System der Gebirge, die das dortige 
Becken des Rheines bilden, gewählt imbe : die Rp^on-Ergiissc, die 
ölters «ach vulkanisclicn Ausbrüchen fallen, überliaupt der nach- 
gewiesene Ziiüam nie n hang vieler vulkanischen Phänonieue mit Re- 
genstürnien, mit meteorischen Erscheinungen, mit ungewöhnlichem 
Empordringen der Wasser aus der Tiefe (1824), nicht bloss mit 
Verschwinden der Quellen. Ziehen wir die alte Temperatur der 
Erdoberfläche, wie wir Huissen. in diese Betrachtung, so sprechen 
noch zahllose Analogieeii für diese Ansicht (»um Theil seihst die 
oben erwähnte Thatsache , dass es in warmen KJimaten zwar sei 
teuer, doch mächtiger regnet, als in kälteren etc). Genug: je- 
des gründliche Lehi'buch der Meteorologie bietet eine Reihe *!prc- 
thender Tbatsachen zur Vergleichung. 



— 282 — 

fenbart sich in dem Extreme des Festen, in den Gebirgen, 
da, wo sich Felsarten von verschiedener Masse und Struk- 
tur begrenzen, das neptunische Moment in der quellbilden- 
den Kraft, welche Flüsse und Seen hier erzeugt, dort nährt 
und deren tiefstes, vielleicht galvanisch-vulkanisches *) (we- 
nigstens vulkanisches) Prinzip in der Schöpfung minerali- 
scher Quellen und achter Thermen durch seine Wirkungen 
selbst dem Zweifler die Augen aufschliesst **). 

Mit der Entstehung von bestimmten Festlanden, Mee- 
ren und Seen ist demnach das Daseyn flussbildender 
Landquellen, wohl von abweichender Temperatur, entschie- 
den. Die jetzige Temperatur der Quellen scheint indess, 
zum giössten Theil, nicht älter zu seyn, als die diluvische 
Katastrophe, der die meisten unserer heutigen Flüsse, 
wenn man auch De Lucs und Anderer Berechnungen be- 
zweifelt, angehören dürften. Denn die Hauptrichtung die- 
ser Flüsse kann nicht älter seyn, als die letzte Hebung 
der Gebirge, dei'en Queerthäler sie durchschneiden, und 
diese Hebujig scheint an mehreren Stellen, als Viele glau- 
ben, jciier Katastrophe zugeschrieben werden zu müssen. 

Man hat wohl die Scheidung innerer und äusserer 
Meere zu spät gesetzt, wenn man sie erst durch die Erhö- 
hung des Tei'tiärbodeiis entstehen T^pss, dem man, wenn 
das D!!iivlimi von ihm, w i e es muss, getrennt wird, a?U'h 
«larin v.n viel zumuthet , wenn man ihm zugleich die Bil- 
dung der Grenzen belmlsstj inner welchen sich die Meere 
jetzt bewegen ***). Diese Grenzen -Bildung scheijit uns 
erst die Diluvial-Katastrophe, die die tertiäi'e beendet, und 
die heutige Zeit beginnt; jene Scheidung innerer und äus- 



") Vgl. V. Hoff über Karlsbad. 1825. S. 81. 

*") Thermen mögen so alt seyn, als Gebirge, wenn kuhlere Quellen 
eben so alt sind , obwohl letztere noch mehr als erstere über- 
all ein näheres oder ferneres Zusammentreffen verschiedener Fels- 
gebilde, oft nur Einer Art, voraussetzen. 

•■-) Vgl. Maltens Neueste Wcltkunde Jahrg. 1832. Tli. XII. S. 188. 
Maucell DK Serres ReoHC encyclopedique i832. Jidllet, 



— 283 — 

serer Meei*e schon die sekundäre (wenigstens die jüngere 
sekundäre) Zeit theilweise bewirkt zu haben. Letztere 
schliesst mit einer grossen kalkigen Absetzung, mit der 
Kreide-Bildung, deren Ende schon der Anfang der tertiären 
Zeit ist. Dieses Ende oder dieser Anfang dürfte, so weit 
man ihm *) die Bildung von Süsswasser-Seen zuschreiben 
muss, die jetzige Natur des Salzgehaltes im Meere 
vorzüolich mit entschieden haben. Denn die Erdrinde dul- 
det, als die Region aller Entfaltung (S. 168), kein einseitiges Mo- 
ment: Seit es Süsswasser gab, muss es auch Salzwasser 
geo-eben haben, die jenen nach dem Verhältnisse der Zeiten 
in demselben Maasse entsprechen, in welchem das heutige 
Meerwasser dem heutigen Süsswasser entspricht. Die letzte 
allgemeine, die diluvische Umwälzung, hat aber weniger das 
Meer, als das Land betroffen und umgebildet. 

Da aber nicht einmal das Verhältniss, in welchem die 
Süsswasser und Meerwasser heute zu einander stehen, voll- 
kommen ermittelt ist, wie will man verlangen, zu sagen, 
wie dieses früher stand? Hypothesen lassen sich leichter 
ersinnen, als Thatsachen bestimmen. Es ist nsisslich, hier 
zu urtheilen. Wer wird uns sagen, ob die Vc rsteinerungs- 
Kunde ganz i'echt thut, wenn sie stillschweigend annimmt, 
alle antetertiärer. Gewächse hätten nur von Salzwassern 
und etwa noch von atmosphärischen Dünsten g;]ebt? Wa- 
rum erfolgt die Trennung gewisser Thierarten in verschie- 
dene Geschlechter erst dann, weiui man weiss, aus welchen 
Schichten sie abstammen, ob aus raeeinschen oder Süsswas- 
ser-Niederschlägei; ? So unsicher steht es oft mit der Er- 
kenntniss des Lebens-Elenientes längst entschwundener Or- 
ganismen. Man weiss wohl, dass es untermeerische Süss- 
wasser-öuellen und Strömungen gibt, aber noch Niemand 
hat die Natur des Wassers der ältesten Flüsse und 
Quellen chemisch bemessen und das Maass der Petrefakto- 



") Schon die ältcstpn Teitiat Formationen entlialten Reste von Süss- 
wasser- Organismen. 



— 284 — 

logie ist noch nicht für alle Fälle gemacht. Aber es ist 
gefährlich, an seiner Autorität zu rütteln. (II. S. 1S4.) 

Nachdem wir indess bemei'kt, dass die Geschichte der 
pflanzlichen und thierischen Organismen — so alt, als die 
ei'ste Bildung der Meere und Länder — eine weit umfang- 
reichere Oberfläche des Wassers, als die heutige, bei ge- 
ringerer Tiefe, voraussetzt; so dürfen wir nicht unterlas- 
sen, einige Lichtpunkte zu bezeichnen, die diese organischen 
Reste auf die Natur des alten Meeres warfen , um seine 
Qualität sowohl, als seinen Umfang zu beleuchten. — 
Denn das Meer hat so gut, als das Land und die Atmo- 
sphäre, wie alles Wirkliche, eine innere Geschichte. Nach 
Blumenbach und Camper haben Cuvier, Brongniart, v. Söm- 

MERING, DE LaMARK , DeFRANCE, BeUDANT , DE LA BeCHE, 

Desmarest, Prevost, Marcel de Serres, v. Ferussac, Web- 
ster, Phillips, Greenough, Buckland, Warburton, Parkin- 
son, NlLSON, SoVERBY, BrOCCHI, SoLDANI, CoRTESI, WaH- 

lenberg, Deshayes, Desnoyer, V. Schlotheim, Goldfuss, 
G. Jäger, Graf v. Sternberg, Bronn, Graf v. Münster, Studer, 
Boü#., f. W. Höninghaus und viele Andere die Ei'kenntniss die- 
ser Organismen und ihre Beziehungen zu den Felsarten, die sie 
uraschliessen, so weit gefoi'dert, dass sie immerhin zu über- 
raschenden Resultaten führen kann. Betrachten wir die 
Extreme der Ür-Geschichte dieser Geschöpfe, besonders 
der Konchylien, nämlich die ältesten und die letzten ante- 
diluvischen — so wird auch die Mitte ihres Lebens klar, 
die wir hier nicht in der Bestimmtheit, in der sie, wie 
CuviER sie erfasste, das System der heutigen Pflanzen- und 
Thier-Welt dieser Klassen gleichsam ergänzt, sondern in 
Beziehung auf die Natur des alten Meeres verfolgen. 

Die Spuren organischer Wesen in den ältesten Grup- 
pen neptunischer Gebilde, sind nicht bloss aus dem Thier» 
reiche. Die ältesten jedoch, die aus diesem sich vorfinden 
und die häufigsten sind, verrathen im Allgemeinen solche 
Formen, deren Leben, aller Analogie zu Folge, dem Mee^e 
anheimfällt. 



— 285 — 

Diejenigen dagegen, die in tertiären Gruppen iiegt-n, 
haben Beudant, Macculloch und Andere *; zur Untersu- 
chung veranlasst, welche Wasser-Thiere sich durch allmäh- 
lige Abstumpfung an See- und Süssvvasser gewöhnen kön- 
nen. Die Schlüsse, die man auf untergegangene Arten an- 
wendete , ruhen natürlich auch hier nur auf der Natur 
jetzt lebender Geschöpfe. 

Welches Gewicht man auf Schlüsse der Analogie über 
diese untergegangenen Wassei'-Thiere legen möge, so viel 
bleibt, dass sie nicht ohne Bedeutung für die Frage nach 
dem Ursprung des Salzgehaltes im Meere sind. (IL 1S4.) 

Dieser Gehalt scheint aus vielen Gründen dem Meere 
so wesentlich zu seyn, als dieses sich selbst ist. Er muss 
demnach an sich so alt seyn, als Meer und Land. Aber 
seine eigentliche Entscheidung oder Ausbildung 
( — d. i. die Natur, die er jetzt im Meere behauptet — ) 
scheint dennoch auf eine spätere Epoche, ja auf mehrere 
Epochen — zurückzuführen. — Und hie mit haben wir 
den Schlüssel zur Würdigung der Ansicht, die wir oben 
aufgestellt, dass das alte Meer unter den Aufiforderungen 
einer plutonischen Tiefe (bis zu einer bestimmten Katastrophe) 
oft mächtige (immer kalkreichex*e) Schichten aus seinem eigenen 
Inhalt ausgeschieden und mitten in den ungleich grösseren 
Massen abgesetzt, deren Bänke, ausserdem durch und durch, 
eine Abkunft aus zei'störten Felsarten verrathen. (S. 280.). 

Man darf es, helfe ich, wagen, diesen Gedanken der 
Prüfung voi'zulegen. Seine Entwickelung könnte auf eine 
ganz andere Weise, als die alte, anfangs ganz willkürliche, 
schon von Delametherib, dann besser von Wernbr versuchte, 
endlich mit kenntnissreichem Zweifel v. Raumer wieder 
hervorgezogene Ausdehnung der Krystallisations- Theorie, 



•) Über die neuesten Beobachtungen der Art, wo da« durth einen Ka- 
nal in den Süsswasser-See Lotking ru Lowestoft plötzlich einge- 
drungene Seewasser Süsswasscrfische tödtete vgl, r. Lbomhabd'« 
und Brown's n. Jahrb. f. M. et«. 183J. H. V, S. 613. 
Jahrgang 1834. 1* 



- 286 — 

die Thatsache erklären, dass die einzelnen Theile acht nep- 
tunischer Massen nicht immer nach den Gesetzen der 
Schwere vertheilt sind und dass die Schichten- Wechsel 
Einer Formation oder Gruppe oft so gesetzlich mannigfach^ 
so gleichzeitig *) gebildet erscheinen, als die Wolken- 
Schichten der Atmosphäre Eines Sonnentages. — Man darf 
nur nicht übersehen, dass in jeder allgemeinenEnt- 
wic ke lun gs - Epoch e, mehr oder minder die 
ganze, auch die neptunische Erd-0 b erf lache, 
so weit sie Neues bildete, vulkanisch begei- 
stet war. (S. 281. 294.). 

Wir M'ollen uns gegenwärtig auf keine Untersuchung, 
die überraschen könnte, einlassen, z. B. ob sich vielleicht 
mit der Scheidung des Meeres und Landes eine Theilung 
d;er beiden mächtigsten und verbreitetsten Alkalien entschie- 
den habe, so dass sich im Festen (Granit u. s. w.) mehr 
das Kali, im Seewasser mehr das Natrum hervorgestellt. 
— Schon V. Saussurb und Klaproth haben gezeigt, dass 
. das Natrum auch in ziemlich alten und in sog. Ui*-Felsarten 
vorkommt **). Diess ist anders gar nicht zu erwarten, 
wenn auch jene Theilung eine gewisse Wahrheit enthalten 
möchte, von der mich das Urtheil eines ausgezeichneten 
Chemikers auf eine frühere Anfrage überzeugt hat, obgleich 
die neuere Chemie in noch mehreren Bestandtheilen alter 
massiger Felsarten Natron entdeckte***). 



*) Ich beziehe micli auf eine vorhergehende Andeutung über die Bil- 
dung neptunischer Schichten. (S. 258. Anm.). 

**) Namentlich im Feldstein des Weisssteins und des Griinsteinschiefers, 
im Jade der Euphotiden und im Lasurstein von Baldalkschan. 
Vgl. Al. V. Humboldt's geogn. Vers. a. d. Fr. v. v. Leonhard. 
S. 101. mit S. 380. Ausbliihungen des kohlensauren Natrum's fin- 
den sich auf dem Biliner Glimmerschiefer und mancher Lava. 

***) Z. B. im Albit, Periklin, Labrador, Saussurit, Pinlt etc. Dass z. B. 
der Albi t- führende Granit meist zu den jüngeren Graniten zu 
gehören scheine , haben wir oben bemerkt. Eben so herrscht der 
Labrador vorzüglich in den mittelzeitigen und jüngeren pluto- 
nischen Gebilden, kommt aber auch, wie der Periklin, im Syenit 



— 287 — 

Ohne alle Berücksichtigung nuissen wh' Hbei« die längst 
widerlegten Vorstellungen Derei* verschwinden lassen, deren 
Neptunismus so gross war, dass sie die Urgebirge für 
Süssw asser-Gebilde der Tiefe erklärt haben, — ohne 
sich Rechenschaft zu geben , was beide Worte bedeuten, 
wenn gleich achtungswürdige Männer *; dieser Hypothese 
freundlich gedachten. 

Das Ähnliche der wesentlichen Beschaffenheit vieler 
organischen R.este, die den K a 1 k der ältesten Übergangs- 
Zeit, wie mancher, die den jüngsten Flötzkalk hin und 
wieder erfüllen **) , mit der Natur heutiger Seethiere, 
spricht, mit anderen Gründen für einen frühen Salzge- 
halt des Meeres. Aber sie entzieht sich in den ältesten 
Schichten nicht selten einer genauen Prüfung. Wenig- 
stens beweist sie nirgends, dass das älteste 
Meer, in gleich era Verhältnis s e zu seinen unter- 
geordneten Beimischungen, nicht einmal, dass 
es, abgesehen von diesem — eben so reich an 
Salz war, als das heutige. Vielmehr verträgt sie 
sich sehr gut mit den Thatsachen, auf die man die Ansicht 
gebaut hat, dass das alte Meer reicher an Kalk war, 
als das jetzige ***). 

Man braucht es dai'um keineswegs als ein juste milieu 
von Salz- und Süss- Wasser vorzustellen. Eine solche mit- 
telmässige Einheit würde, wäre sie überhaupt denk- 
bar f)» jedem entwickelten Leben, das ein bestimmtes 



Tor. Der Pinit tritt zwar in einem Granit auf, der älter zu seyn 
scheint, als der bunte Sandstein, doch nicht im ältegten. In Hei- 
delberg kommt er im dritten Granit (Gang-Granit nro. 2> vor, in 
Grönland im Feldstein-Porphyr (sog. Giesekit) etc. 
*) Z. B. Schubert allgem. Naturgcsch. 1826. S. 192. (174. ff.; 

*'•■) Vgl. d'Aubuisson Traite de Geogmsie. Strasb, 1819. I. 379. ff. 

'•'=*") Die Hypothese eines Reisenden, dass dieser Kalkgehait von Mu- 
scheln herrühre — er hat, durch einzelne Riffe betrogen, nie ge- 
sagt, woher die Bildung solcher Muscheln kam — wird weiter 
unten, doch nur im Vorbeieilen erwähnt werden. 

•f) Eine solche Annahme würde in die Zeiten passen , da Bbringer 
seine Lithographia Würceburgiensis (itätl.J schrieb. Wie mau 

19* 



— 288 — 

Element fordert , selbst dem amphibischen •), Widerstreiten, 
und doch ist nicht zu leugnen, dass das Meer, so bald ea 
da war, sein unendliches Lebens-Prinzip , so gut als das 
Festland, sogleich in vielseitigen, nicht bloss in infusorisch 
anfangenden Schöpfungen äussern musste. Ja, die Wasser- 
thiere wei'den im Ganzen für älter gehalten als die Land- 
thiere, und der Beginn der Pflanzen- und Thier-Welt ist 
nothwendig so alt, als Land und Meer, die Heerde ihres 
Lebens unter der Atmosphäre des Himmels. 

Die Versteinerungen in den Kalk- Gebirgen mussten 
wir aus mehrfachen Gi'ünden hervorheben **), einmal, weil 
es darauf ankommt, den Kalkgehalt des alten Meeres zu 
prüfen — es ist bekannt, dass sich die ältesten plu toni- 
schen Gebilde, Granit, Gneiss, Glimmerschiefer, eben so 
wenig durch kohlensauren Kalkgehalt auszeichnen, so wenig 
sie Muscheln etc. enthalten ***). 

Dann, weil der Kalk, besonders der sekundäre, fast in 
demselben Maasse thierische Reste, in welchem der 
Sand pflanzliche, zeigt, obwohl beide auch beiderlei enthal- 
ten, und weil er im Durchschnitt an organischen Resten die 
reichste Felsart ist. 

Dinttens weil Niemand leugnen kann, dass viele grosse 



etwa „Nothstaaten** angenommen, eo wäre das alte Meer da 
nur „ein Nothmeer" gewesen: eine Ansicht, unhaltbar wie die, 
welche in den Versteinerungen nur Versuche der Natur, das 
Organische hervorzubringen, sieht. 

*) Obgleich z. B. unsere Krokodile in süssem und salzigem Was- 
ser leben. Man denke an die Untersuchungen von De la Beche 
über die alten Saurier. 

**) Wer über das Ganze der Erdgeschichte in Kürze sprechen soll, 
sieht sich genöthigt, oft einzelne Punkte hervorzuheben. Warum 
gerade diese, davon muss er sich überall strenge Rechenschaft 
geben, braucht aber diese Rechenschaft nur bei den auffallendsten 
Verhältnissen auszusprechen. So thua wir es hier, wie oben bei 
der Wärme. (S. 153. 179.) 

***) Über den Kalkgehalt mancher für sehr alt gehaltener Granite Tgl. 
%. B. A. V. Humboldt geogn. Vers. S. 73. * 



- 289 — 

und mächtige Kalkgebirge dem Meeresgrunde mit Ge- 
walt enthoben wurden. 

Nun ist aber durch v. Lkonhard's grossartige Beobach- 
tungen entschieden*), dass der körnige (der älteste) Kalk, 
der sog. Ür-Kalk, nichts weniger als eine marinische Bil- 
dung, vielmehr überall, wo er in grossen Massen auftritt, 
ein plutonisches ens sui generis, und nur, wo er in schwa- 
chen Lagen erscheint, ein später**) umwandeltes Ge- 
bilde ist. 

Demnach mögen viele zerstörte Gebirge körnigen Kal- 
kes die Masse zur Bildung unserer Flötzkalke geliefert ha- 
ben. Wer aber diese, wie sie offen am Tage liegen, genau 
verfolgt, wird schwerlich geneigt seyn, sie alle und alle 
bloss aus zertrümmerten Massen körniger, sogenannter u r- 
kalkiger, nach Art anderer plutonischer Gebilde, die 
Felsarten, durch die sie in Gängen emporstiegen, hie und 
da überdeckender Gebirge entstehen zu lassen. Es müssten 
ja diese, deren Spuren keineswegs die häufigsten sind, und 
deren Material, wenn auch locker genug, doch nicht das 
lockerste ist, verhältnissmässig ärger zerstört worden seyn, 
als weiter verbreitete, theils ältere, theils jüngere, nicht 
eben festere Felsgebirge. — Und abgesehen davon , wie 
wollte man dann auch denjenigen Habitus der einzelnen 
Theile ihrer Schichtenglieder fassen, der den Gesetzen der 
blossen Schwere widerstreitet, ohne dui'ch später eingrei- 
fende, vulkanische Hebnng^ und Erschütterungen erklärbar 
zu seyn? Sturmvolle Bewegungen bei Ablagerung der zer- 
trümmei'ten Reste der älteren Flötzkaikmassen würden ohne 
Annahme einer gleichzeitigen Erregung der plutonischen 
Tiefe zur Erklärung solcher Verhältnisse nicht ausreichen. 
Denn bei anderen Stürmen ist das Meer in seinen Tiefen 



*) Vgl. meine Vorlesung über die Natur üntfritalit'ns im 3. Heft 
der Athene. (Vermischte Aufsätze aus philosopliischen und histori- 
schen Gebieten von mehreren Verfassern. Kempten bei Dawkeimkr 
1833.) S. 277. flf. 

•> Nämlich auf plutonischem Wege. 



— 2ÜQ — 

ruhig. Nur oben spielt der Sturm, wie der Schmerz, nach 
Winkelmann's Kunstanschauung, auf Laokoon's Stirne, wäh- 
rend die Tiefe seines Gemüthes unerschüttert bleibt. Wer 
aber möchte einer solchen plutonisch erregten 
Tiefe die Kraft d er Auf forder ung an das alte 
Meer absprechen, sich in sich selbst bestimmter 
EU entscheiden? D as nächste Resu Itat di es er Aus- 
scheidung Aväre dann ein Theil der Ablagerung 
kalkiger und anderer Massen, solcher, die dem 
Meere selbst, mit solchen, die ihm nur durch 
Zerstörung älterer Gebirge einw^ohnten*). .— * 
Sein Salzgehalt würde sich nach diesen Niederschlägen 
nothwendig reiner entschieden haben, und zwar im Gan- 
zen, weil man annehmen muss , dass Katastrophen der 
Art nicht wohl vereinzelt eintreten konnten. — Freilich 
sind diess Momente, wo der ernsteste Mann nach einer 
schwachen Seegelstange greift, um dem Sturm zu ent- 
rinnen , in den ihn die Bewegung auf diesem Elemente 
stürtzt* Aber nur der Feige wird den tadeln, der es wagt, 
sich dem Sturme anzuvertrauen, ohne den Keiner das er- 
sehnte Ufer erreichen kann. 

Die erhöhte Temperatur, die die ganze Erde, mithin 
auch, wie vor Allen Mitscherlich geltend machte, das alte 
Wasser durchdrang, das in keiner Erdgeschichte umgangen 
werden darf, steigerte die auflösende Kraft des alten Nep- 
tuns, zumal in kohlensauren Gewässern. Unsere chemischen 
Versuche, ob zwar unendlich schwache Nachahmungen der 
WerkthätigUeit des chemischen Heerdes der Natur, über^^ 



*) Von diesem Gesichtspunkte aus glauben wir bei näherer Entwicke- 
lung viele der schwierigsten Probleme der Geologie einfach und 
allseitig, auf dem Grund entschiedener Thatsachen, lösen zu können. 
r— Denkende Leser errinnern wir hier nur an die letzte kolos- 
Bale, für die Geschichte des jetzigen Salzgehaltes im Meere be- 
deutungsvolle Epoche der Kalkablagerung: an die Kreidebildung, 
an ihre Feuersteine, die der Richtung der ursprünglichen und gehobe- 
nen Schichten folgen, an ihren eigenthümlichen Klang beim Zerschla- 
gen grosser Blöcke etc., an das Gewebe von Versteinerungen in der 
Kreide, an die Formen ihrer Schichtung oder Ablagerung^. (S. 283. 



— *i91 — 

zeugen uns indess , dass eine erhöhte Wärme die Auflöss- 
barkeit der Erden im Wasser nur wenig steigern kann. 
Wir gestehen 5 dass die Wärme unserer Ofen und Heerde 
nicht erwirkt, was die Wärme der Sonne und der Erdtiefe, 
wenn sie auch quantitativ denselben Grad erreicht. Der 
Karlsbader Sprudel und seine gelungenste Nachahmung ge- 
nügt, diesen Satz zu begründen. Die Kalkerde aber 
zeigt unserer Ghemie im Wasser eher eine verminderte, als 
eine erhöhte Auflössbarkeit bei gesteigerter Temperatur *). 
Nur ein Neptunist, der so urtheilte, wie der Rezensent der 
Basalt-Gebilde v. Leonhard's in den Baieiischen Annalen, 
könnte sich versucht fühlen, vielleicht auf solchem Wege **) 
die schroffen Gestaltungen der grossen und mächtigen Kalk- 
gebirge zu erklären, die eine plutonische Emporhebung aus 
dem Meeresgrunde verrathen. Wollte man aber — wenn 
wir den leichten Schluss , der daraus zu ziehen ist, noch 
andeuten sollen — alle Übergangs- und Flötzkalke nur aus 
mechanischen Zertrümmerungen körniger Kalkgebirge, ohne 
andere Mitwirkung chemischer Bildungskräfte, im Meer ent- 
stehen lassen, woher kam dann z. B. die Autlössung dieses 
Kalkes im alten (wärmeren) Meere, die unsere Flötzkalke 
voraussetzen? Aus Zertrümmerungen intermediärer Kalk- 
gebirge können aber unsere Flötzkalke nimmer mehr erklärt 
werden, weil sich dann Niemand den konstanten Charakter 
ihrer Versteinerungen und den Mangel an eingebackenen 
Stücken jener Kalke denken könnte. Reichen aber weder 
diese noch jene hin, was bleibt dann übrig, als unsere auf 
anderem Wege entstandene Ansicht? Auch dieses scheint 
für sie zu sprechen, dass man von so vielen Seiten zu ihr 
getrieben , von keiner abgestossen wird. Ja , der sog. 
Ubergangskalk selbst, nicht bloss die späteren, grösseren, sekun- 
dären Kalkablagerungen — blieben ohne Annahme M'achsender 

*) Vgl. z. B. MuNCKE in Gehler's pli. Wörterb. JV. Ausg. IV. ß, S. 
1289. a. 1828. (Atmosphärische Wasser und noch inöhr 
kohlensaure Quellen haben die Kraft der Außössung 
kalkiger Massen in hohem Grade). 
*•) Der Auflössuug im Wasser. 



— 2D2 — 

innerer Ausscheidungen des Meeres unbegreiflich. Denn Jener 
Uann, trotz seines Reichthums an Versteinerungen, (der einer 
Entstehung nach Art der Moja an vielen Stellen widerspricht) so 
wenig als die Flötzkalke bloss aus Schaalthier-Resten abgeleitet 
werden. Das Material, welches der Bau dieser Thiere voraus« 
ßetztj gab das Meer, und s e i n K a 1 k war ihm anfänglich, bevor 
es sich selbst reiner ausgeschieden , so wesentlich , als ihm 
heute noch sein Salz ist. Das Meer war nämlich so gut 
bIs das Festland Anfangs, wie oben dargelegt wurde, unent- 
wickelter als beide jetzt sind. 

Es würde indess zu w eit abführen, wollten wir auf die 
Geschichte des Salzgehaltes im Meere genauer eingehen. 
Wir müssten die chemische Natur der Salze, die im Was- 
ser theils leichter, theils schwerer auflösslich sind, so wie 
das Verhältniss des Salzes zum Meere, in welchem e« nicht 
völlig gleichmässig vertheilt ist , das Auftreten der Salze in 
Quellen, Thermen und Gebirgen des Festlandes nach allen 
ihren Formen, mit Beachtung des Alters und der Streichungs- 
Linien dieser Gebirge und (iuellen darlegen ; das Steinsalz 
verfolgen, das bis in die ältesten Flötz-Bildungen der sog. 
Übergangs-Zeit wunderbar hinaufreicht, dann zwischen Zech- 
stein, buntem Sandstein u. s. w. auftritt, mit Gypsgebilden, 
besonders des Muschelkalks, in nachbarlichen Verhältnissen 
steht, und mit Gyps, dem Keuper, selbst dem Grünsand und 
der Kreide, ja nach Dufrenoy allen Foi'mationen zukommt; 
müssten bemerken, dass Salzkrystalle in thonigen und kalki- 
gen Gebirgen vorzüglich zu ünden sind. Wie sie in den 
erkaltenden Laven des Vesuvs vorkommen und verschwinden, 
müssten wir angeben , die Ansichten über die Erzeugung 
der salzsauren Dämpfe, die man fast bei allen vulkanischen 
Ausbrüchen beobachtet, prüfen; die Blasen von Hydrogen- 
Gas, welche das Knistersalz zu Wteliczka, unter grossem 
Drucke erstarrt, in mikroskopischen Räumen einschliesst, und 
die Thatsachen würdigen, auf deren Grund schon Dufrenoy 
da« Steinsalz von Cardona im südlichen Pyrenäen-Ge\iä.ng& 



— 293 — 

durch plutonische Massen emportreiben lässt *) ; müssten zahl- 
lose Streitigkeiten und die widersprechendsten Theorieen be- 
rühren, da selbst nach den Ansichten antivulkanischer Natur- 
foi'scher das Streichen der Salzgebirge keineswegs auf nep- 
tunische Prinzipien zurückgeführt werden kann, da Jameson, 
noch zu der Zeit, als er ein eben so eifriger Neptunist war, 
wie jetzt Vulkanist, bemerkt haben will, dass diejenigen Ge- 
birgslager, denen die Salzbildungen, die man auf marinische 
Prozesse bezog, ganz nahe verwandt seyen, keine Seethier- 
reste enthalten **). Ja einige Naturforscher nahmen me- 
teorologische Prozesse zur Erklärung der Salzbildungen 
zu Hülfe. 

Es genügt vorab, zu wissen, dass weder die geschicht- 
liche, noch die chemische Natur des Salzgehaltes im Meere 
gegen die Annahme streitet, er sey an sich so alt als dieses 
selbst, und zu vermuthen, er habe sich im Verlaufe der 
ersten Perioden nach der Bildungszeit der wahi'en Urge- 
birge auf bestimmtere Weise hervorgebildet, als vordem, da 
das Meer noch kalkhaltiger war, und habe sich mit der 
Ausbildung der Süsswasser in ein Verhältniss gesetzt, wel- 
ches, vielleicht mit geringer Veränderung, noch das jetzige 
ist. — Die Geschichte des Salzes im Meere ist eine Ge- 
schichte seines Vulkanismus, wie die Geschichte der Quellen 
und Flüsse unserer Gebirge eine Geschichte ihrer neptuni- 
schen Kraft ist. 

Die neptunischen Bildungen waren, wie sie es mussten, 
und M'ie sie jederzeit sind, in der ganzen sog. Flötzperiode, 
in der sie doch am meisten geherrscht haben sollen, zwar 
an Umfang oder an Ausdehnung auf der Erdobep- 

*) Leonhard, Geol.zur Nat. d. drei R. 3 Liefer. S. 321. ff. 
••) Vgl. NÖGGERATH Übers, v. Cuvier's Umwälz. Erdr. II. 1830. S. 204. 
Ausserdem vgl. Nöggerath's und Paul's Sammlung von Arbeiten 
ausländischer Naturforscher über Feuerberge und verwandte Phä- 
nomene, S. 106 f. Anmerk. J. v. Charpentier und L, v. Buch in 
Poggendorff's Annal. III, 1. S. 75 ff. mit IV., S. 115. über die 
vulkanische Bildung der Steinsalz-Lagerstätten im Übergangs« uod 
Flötzgebrige etc. 



— 294 — 

f 1 ä c h e grösser und überwiegender , an G e w a 1 1 aber ge- 
ringer, überhaupt oberflächlicher, als die vulkanischen. 
Dieser äusseren (vorzüglich auf der Oberfläche herrschen- 
den) Extension der neptunischen entspricht (durch die ganze 
Erdgeschichte) die Intension der vulkanischen Mächte. 
Jene geht in die Breite, diese erhebt. Sie extendirt sich 
durch Explosionen. Beide geben sich iiifimer gleichsam Rede 
und Antwort. Ihre Bildungen berühren sich nicht nur, son- 
dern sie ziehen und gehen in einander, bis in die äusser- 
sten Erscheinungen. Sie laufen sich nicht äusserlich paral- 
lel, sondern durchdringen sich einander und sind in ein- 
ander. (S. 286.) In der Massenbildung — soweit sie zu Tage 
ausgeht — sparsamer, wirkten die vulkanischen Mächte — 
immer mitthätig — auch in der tertiären Zeit stärker, als 
die neptunischen *). Den letzten gewaltigsten Konflikt mit 
neptunischen Prozessen mögen sie in der diluvischen 
Katastrophe bestanden haben, in der der heutige Welten- 
Tag anbrach, da sich in ihr die Erdoberfläche beruhigt, wie 
«ie mit der ersten Scheidung des Festen und Flüssi- 
gen ihre Entwickelungen und Umwälzungen begann. 

Die Umwälzungen der tertiären Epochen scheinen sich 
uns von denen der sekundären auf doppelte Weise zu unter- 
scheiden : sie sind einerseits einfacher, oder vielmehr den 
Ereignissen und Wirkungen der geschichtlichen Zeit ähn- 
licher, andererseits, weil ihre plutonischen Gebilde alle äl- 
teren Formationen durchbrochen haben, complicirter. Die 
neptunischen Gebilde auf den Festländern der tertiären Zeit 
sind zwar viel weiter verbreitet, als man früher glaubte, be- 
schränken sich aber mehr auf Binnen-Gebiete, als die älteren. 

Dazu liegen die tertiären Gebilde schon mehr disseits 
der Grenze ganz ausgestorbener und noch lebender Geschöpfe, 
sofern man**) diese Grenze in der Kreide suchen darf, mit 

*> Wenn gleich die Wechsel von Meeresgrund und Festland, die man 
gar zu häufig anzunehmen geneigt ist, weit sparsamer oder doch anders 
und weit einfacher, individueller zu erklären sind, als von Vielen 
versucht worden, wie x. B, im Mainier-Becken. 1833. VI. ßlO, f. 
**) Zum Theil mit Likk. 



— 395 — 

deren Ablagerung sich der jetzige Stand der Salz- undSüsf;- 
Wasser im Allgemeinen entschieden zu haben scheint. 

Im Durchschnitt, worauf es hier allein ankommt, be- 
rechnet, nähert sich die tertiäre Pflanzenwelt schoi i 
der, welcher unsere gemässigte Zone in der mittleren Breitn 
von Nordamerika und Europa sich erfreut. Nur wenige) 
Reste forderten einen weit milderen Boden. Viele zeugen 
schon von einer Einwirkung verschiedener Erd- oder Him- 
melsstriche auf das organische Leben. Eine mithin noch 
mildere, doch nach verschiedenen Himmelsstrichen schba 
merklich ab^veichende Temperatur des Bodens und der At- 
mosphäre beurkunden, im Verhältniss zur postdiluvischerl 
Zeit, bei immerhin noch geringerer Ausdehnung der Erd- 
theile *) , die organischen Hieroglyphen in den Mausoleen 
der tertiären Wunderwelt. 

Die diluvische Katastrophe setzt kein Übermaass von 
Gewässern voraus, wohl aber eine gewaltige Empörung der 
Meere, Seen, Bergkessel, Flüsse und Quellen und bei Ver- 
nichtung vieler Seen eine Schöpfung neuer Flüsse, ein Auf- 
brechen neuer, mineralischer und gewöhnlicher öuellen **). 

Kein blosses Zusammenlaufen von Wassern in einzelne 
Mulden, wenn gleich die Seethierreste dieser Formation 
tief im Lande nur sparsam vorkommen und meist vonThier-- 
arten sind, die in den nächsten, wenigstens in den südliche - 
ren Meeren (selbst Europa Sy wie die diluviscben Seethier e 
Polens) noch heute leben ***). 



*; Was auch üre, unter vielen anderen Verkehrtheiten , in seine m 
Neuen System der Geologie Verkehrtes dagegen wieder cntwickt ^It 
haben mag. 

"*) Stammen einzelne unserer kalten Mineral-Quellen noch aus antn- 
diluvischer Zeit — was keineswegs ausgemacht ist — so dai -f 
man fragen, ob vielleicht einige derselben vorher Thermen waren. 

'■*^) Meine Sclirift: (iber den Ursprung der Menschen und Volker nach 
der mosaischen Genesis §. 94. S. 154. ff. Die grosse Verände-- 
rung der Temperatur in der Diluvialkatastrophe suchte die Süd- 
europäischen Länder weniger stark heim , als viele annehmen. 
Athene B, I. H. 3. (Vermischte Aufsätze etc.) S. 168. ff. 220. not.. 



— 2Ö6 — 

Kein Schmelzen des Gletscher-EiseS; wie Elib db Beaumont 
niit Entschiedenheit behauptete. Er hat das Daseyn ante- 
dliluvischer Gletscher *) so wenig bewiesen, so wenig die- 
jenigen, die der Atmosphäre keinen Antheil an dieser Ka- 
tastrophe gönnen, das Daseyn antediluvischer Meteorsteine 
land Nordlichter. 

Zwei Hauptmomente sind es , deren Missachtung die 
jgrössten Irrthümer über die Natur dieser Katastrophe 
ganz besonders veranlasst haben dürften, um so mehr, da 
Einige bloss darum an ihr fest halten, weil sie in alten und 
heiligen Sagen lebt, während sie von Anderen gerade dess- 
halb hartnäckig übersehen wird. 

Der eine Irrthum scheint uns darauf zu beruhen, dass 
man oft nicht einsehen will, wie diese Katasti'ophe eben so 
«ehr durch vulkanische Umwälzungen, als durch Bewegun- 
gen der Gewässer herbeigeführt wurde; der andere, dass 
man nicht gestehen will, dass sie mehrere untergeordnete 
Epochen gebildet, ohne aufzuhören, Ein Ganzes zu seyn. 

Würde man diese beiden Momente ernstlich und in 
ihrem tieferen Zusammenhang**) gewürdigt haben, so hätte 
ider'^ fromme Fraysingus ***) weder die Allgemeinheit die- 
ser Katastrophe im Ganzen bezweifelt, noch dem Cüvier 
l'erdacht, dass sich dieser über die Höhe ihrer Wasser so 
vorsichtig geäussert, noch hätte Cuvier selbst, mit sich in 
offenbarem Widerspruche, den seltsamen Gedanken ausge- 
Sf »rochen, alles von Menschen bewohnte antediluvische Land 
svj submarinisch geworden ; auch hätte Buckland nun und 
n/mmermehr seine sonderbare Theorie von der Thalbildung 



'•) Die Entstehung der Hauptgletscher scheint uns Ein Akt zu seyn, 
der mit einer mehr oder weniger plötzlichen Abnahme der Wärme 
zusammenfällt: ein Akt der Diluvial-Katastrophe. 

"•) Meine Ansichten darüber habe ich vorläufig in dem zweiten und 
dritten Hefte der Athene S. 120-128 und S. 168. ff. ent- 
wickelt. 

••*) Wenn ihn keine feineren Gründe aus einem ganz anderen Gebiete 
dazu veranlasst haben. Vgl. meine Schrift über den Urspruqg der 
Meaicben uod Völker nach der mos. Geneais §. 64. ff. 



— 297 — 

ausführen, noch hätten Andere diese Katastrophe mit einer 
jüngei'n verwechseln mögen und was dergleichen mehr ist. 

Man hätte sieh vor Allem gehütet, die ür- Sache die- 
ser Umwälzung, die uns noch so gut, als die Ursache, wa- 
rum z. B. gerade nach der Kreide-Bildung die Granite von 
Zscheila und Weinböhla aufgestiegen sind, verdeckt ist, mit 
ihren Veranlassungen, die man klar erkannt haben 
wüi'de, zu verwechseln, und sich weniger darauf eingelassen., 
ob diese Katastrophe noch irgend eine Veränderung in der 
sphärischen Gestalt der Erde, oder in ihrer Achsenstellung 
bewirkt, als darauf, welche Veränderungen sie im Stande dei* 
Gebirgssysteme und der Meereshöhe, welche in der Temperatur* 
der Oberfläche und im Reiche der Pflanzen und Thiere, und 
welche sie selbst im menschlichen Organismus, dessen Daseyn 
vor ihr trotz des völligen Mangels ächter Anthropolithen — nua 
physiologischen und urgeschichtlichen Gründen *), bewiesen 
werden kann, hervorgebracht hat, und warum alle diese —> 
anter sich völlig analogen — Umbildungen fortan konstant 
geblieben. 

Diese Untersuchung wäre geeignet, mehr denn irgend 
eine andere, den Geschichtforscher mit dem Naturforscher 
so zu versöhnen, dass jener sich selbst gestehen müsste: 
Ohne Geologie keine Geschichte! Sie würde sogar 
den sprödesten Feind der Natur, den modernen Theologen, 
zwingen, die Predigt der Erde, wie sich Shakespeare aus- 
drückt, aus den Steinen zu vernehmen und sich fest zu stel- 
len, bevor er Andere zu erbauen hofft. Eben in diesen 
Beziehungen ist jede Prüfung der v. BEAUMONx'schen An- 
sichten von allgemeiner Wichtigkeit. 

Schliesslich nur noch Folgendes : Alle diese grossen, 
Land, Meer und Atmosphäre bildenden, umbildenden und 
ausbildenden Perioden und Epochen sind von Veränderungen 
der Erd-Temperatur begleitet, welclier gleichmässige Verän- 



*) Jene erklären noch dazu den, schon von Vuxion gcwürd^ten, 
Maugel an Authropolithen. 



— 298 — 

derüngen In der Geschichte der organischen Welt entsprechen. 
Plötzliche Wärme-Abnahme war plötzlicher Tod ganzer Ge- 
schlechter und mit der Abnahme dieser eigenthümlich be- 
lebeiulen und Leben bedingenden Kraft auf der Oberfläche 
der Erde giengen ganze Reihen von Geschöpfen unter: Er- 
hicbungen neuer, Zertrümmerungen älterer Gebirge, Empö- 
iningen und Zurückzüge, ausgedehnte oder beschränkte Er- 
bitzungen der Meere, Durchbrüche mächtiger Berg- und 
Birtnen-Seen, im Verein mit förmlichen vulkanischen *) Aus- 
brüchen an einzelnen Stellen , Gährungen einer wilden At- 
mosphäre , veränderte Mischungsgrade der Feuchtigkeit, 
Elektrizität, des Druckes der Luft und der Wirkungen des 
ILichtes, Veränderungen des Lebensbodens etc. -—-alles dieses 
wirkte mehr odei* minder mächtig störend und neubelebend 
auf die Reiche der organischen Welt. Riesenartige Schilf© 
und Fahren, Baum-artige Kannenkräüter, deren Gattungsver- 
^^andte jetzt nur noch Zwerg-artig auf der Erde leben **), 
au Grosse und Muskelbau eigenthümliche Thiere bewohnten 
die heissere Oberfläche des ältesten Bodens. Gewächse mit 
iiiikenntlichoi Befruchtungsgliedern (Kryptogamen) herrschten 
auf diesem Boden, denen bald eine reichere, mannigfaltigere, 
tiefer ausgebildete Pflanzenwelt, deren Anfänge sehr hoch 
litnaufreichen, folgte. Mit der Entstehung der Süsswas^ser^' 
Seen entstanden Geschöpfe, die wir in salzigen Binnen-Mee- 
reii vergeblich suchen. Sie alle sind Ergänzungen oder 
Vorboten des ausgebildeten Systems der Thier- und Pflan- 
zen-Welt, das heute die Erde bewohnt. 

Endlich ti'at, noch mitten unter ihnen, ein Zuschauer 
der jüngsten Katastrophe, das Wunder der Welt (und sei- 
ner selbst), der Mensch, an das Licht des Tages und erhob 



*) So fern man nämlich solclie stlion in der diluviselien Zeit anneh- 
men muss. Der Unterschied von platonischen und vulkanischen 
Bildungen zeigt sicli auch hier schwankend. (S. 260. Anmerk.) 

•') Malten's N. Weltk. a. O. De Serres Revue encyclopediifiie 1882. 
JuiUet 



— 299 — 

sich «um Herrn seiner Umgebung*). Sein Geschlecht 
wusste, als Herr seiner Welt, die Stürme zu bestehen, die 
die Umwälzung heraufgefiihrt, in der sich die Unterschiede 
seiner Racen erst ausgebildet**). Mit dieser Umwälzung, 
welche im Ganzen versöhnend wirkte , waren keineswegs 
alle Veränderungen der Länder, Meere und Flüsse been- 
det***). In ihr hatten sich die Naturkräfte auf die umfas- 
sendste Weise geäussert. Nachher wirkten sie fort und 
fort, nur weit gemässigter, nicht mehr mit der Tendenz, neue 
Schöpfungen hervorzubringen f). 

In ihr hatten sich die Mächte der Tiefe auf Jahrtau- 
sende genug gethan und die Temperatur der Erd-Oberfläche 
sich in das Verhältniss gesetzt, das sie seither, im Durch- 
schnitt, gleichmässig ft) behauptet. Die letzte Erhebung 
ganzer Länderstrecken und neuer Rücken in älteren Ge- 
birgen , die ungeheure Ablagerung von Sand , Lehm und 
Gruss, vorzüglich in den nordischen Gegenden, deren Wär- 
meabnahme am grössten war , kurz alle ihre Wirkungen 



*) Dadurch erklärt sich mir auch die Bevölkerung des Norden, das« 
sich die Menschheit über diese Länder vor der Katastrophe, 
die ihr mildes Klima vertilgte, verbreitete. Vgl. Vermischte Aufs. 
(Athene) a. O. S. 173. fF. 

■■*•■*) Vermischte Aufsätze etc. (oder Athene Heft. 2.) S. 120—128. Eine 
ähnliche Ansicht finde ich über diesen Punkt nun auch bei Mar- 
CELL DE Serres Revue encyclopedique 1832. Jaulet. S. v. Leon- 
hard's und Bronn's N. Jahrb. 1833. V. S. 591. 

***) Nach dem grossen Götterkampfe, d. i. nach dem Siege der neuen 
Götter über die alten, suchen in der griechischen Mythe die Gi- 
ganten jene Titanen zu rächen. 
t) Sie bildeten nur einzelne Theile der Erdoberfläche weiter aus. 
' Unter ihnen zeichnet sich vorzüglich Eine aus, die die sog. alte 
Welt betraf. Wir nannten sie die Umwälzung unter Peleg. Ver- 
mischte Aufsätze etc. S. 170. 

tt) Vermischte Autsätze etc. (oder Athene H. 2.) S. 134. £P. (aus mei- 
ner Vorlesung über die Natur Oheritalieiis), Seit der Diluvial- 
Katastrophe haben sich die Klüfte der Tiefe fast überall geschlos- 
sen oder ausgefüllt, so dass die äussere Temperatur der Erde 
fast nur von ihrer Stellung gegen die Sonne herrührt, in der sich, 
nach A. v. Humboldt's Ausdruck, Wärme durch Lichtschwächuug 
erzeugt. Abhandl. Berlin. Akad.,3 Jul. 1827. S. 307. 



— 300 — 

auf dem unorganischen Boden des Lebens bannten, obwohl 
ihre Wasser nicht mehr im Stande waren, auch nur Eine 
Schicht, deren Festigkeit den älteren Formationen gleich 
käme, zu bilden *), die Feuer der Tiefe unter die ausge- 
bildete Kruste, und zu dem neuen Olympos empor dampft 
aus ihren Schlünden nur sparsam, doch beruhigend, ,,der 
Athem 

erstickter Titanen, 
gleich Opfergeriichen, 
ein ieiclites Gewölke." — 

GÖTHK im Lied der Parcen. 



•) Stoffe der dichtesten Art sind im Allgemeinen die besten Wärme- 
leiter. Sie ruhen in dem tieferen Schooss der Erdrinde. Unter 
ihnen nimmt die Feuerflüssigkeit des Inneren mächtig zu : Gewal- 
tige lose Massen hemmen das Aufsteigen der Wärme aus den 
Tiefen am meisten. — Dadurch wollen wir aber die Tempera- 
tur-Veränderung der diluvischen Katastrophe nur zum Theil er- 
klärt haben. 



Nachträglich muss ich (zu S. 273 und 265.) bemerken, dass ich 
seither auch in Heidelberg, auf dem linken Necjcar-Ufer , östlich von 
der Brücke, lagen weise abgesonderten Granit fand. Auch hier 
ist es der älteste Granit. Seine Lagen zeigen mitten in ihrer Zer- 
klüftung Spuren von Verschiebungen durch spätere Hebungen. Quarz 
spielt in den ältesten Graniten Heidelbergs eher eine untergeordnete, 
als eine ausgezeichnete Rolle. (S. 256 und 275. Anmerk.). Ebenso im 
ältesten Karlsbader und Fichtelberger Granit etc. 

Zu S. 279. Z. 1. von unten setze man: Dass aber solche Quarz- 
Gänge die Wandungen des Glimmerschiefers oft schon im Zustande 
einer gewissen Erkaltung trafen, geht aus den Platten-förmigen Abson- 
derungen hervor, die ich an mehreren Quarz -Gängen wahrnahm. 
(S. 262. Anmerk.). 

Zu S. 292: Die Mojcn habe ich nach der geistreichen Hypothese 
eines der ruhmwürdigsten deutschen Geologen berührt. Demselben 
verdanke ich auch die Ansicht über den Sächsischen Topasfels. (S. 277. 
Anmerk.). 



über das Alter 

der Glarner Schiefer - Formation» nach 

ihren Fisch -Resten, 

von 

Herrn Professor Agassiz. 



Anencheluin; Dieses Genus hat de Blainville so 
genannt, ohne es gerade genau zu charakterisiren; er sagt 
nur, die Schriftsteller seyen einig, dieses Fossil unter die 
Aale zu rechnen, aber mit Unrecht; doch gibt er gar nicht 
an, wohin er es stelle. Hätte DE Blainville selbst die 
Verwandtschaft dieses Fisches mit den jetzt lebenden nur 
geahnt, ich zweifle daran, dass er ein neues Genus daraus 
gebildet haben würde, weil die charakteristischen Merkmale 
alle auf Eigenthümlichkeiten beruhen, von denen er nichts 
meldet. Von der Ansicht aber ausgegangen, als gehörten 
die Glarner Schiefer zur Grauwacken -Formation, musste 
ihm jede etwas auffallende Fisch-Form als ein von jetzt leben- 
den ganz verschiedenes Genus erscheinen; und in der That 
ist es ihm mit der Aufstellung der Genera Anenchelum 
und Palaeorhynchum so ergangen. Keinem von bei- 
'den weiset er einen Platz im Systeme an, und doch sind 
Jahrgang 1834. 20 



— 302 - 

beide Genera mit jetzt lebenden Fischen so nahe verwandt,, 
dass sie kaum generisch zu unterscheiden sind ; nämlich 
Anenchelura mit dem Genus Lepidopus, Palaeo- 
rhynchum mit li is tiophor us, welche beide in die Fa- 
milie der Scomberoiden im weitern Sinne des Wortes 
gehören , und zwar in die Abtheilung der Band-förmigen 
und langschnäbllgen. Bei dieser Ähnlichkeit mag die allge- 
meine BemerkujTig nicht unwichtig erscheinen, dass bei den 
vielen fossilen Fischen, die ich zu untersuchen Gelegenheit 
gehabt, mir in Formationen vor der Kreide noch nie 
eine Spur vorgekommen ist, welche mit Scomberoiden 
eine nur entfernte Verwandtschaft zeigte; während man in 
den Scliiefern des ß/Ionle Bolca, im Grobknlke der Umge- 
gend von Pmns, in den Mergeln von Sheppey viele Arten 
aus dieser Familie antrifft, ja sogar mit den Glarner nahe 
verwandte. Aber auch in der Westphälischen Kreide kom- 
men schon Sc omb e ro id en vor. Indess kenne ich eigentliche 
Ä n e n c h e 1 u m " und P a 1 a e o r h y n c h u m - Species bloss von 
Glaris. Der Hauptunterschied zwischen Lepidopus und 
Anenchel'am liegt in der Beschaffeidieit der Banchflossen, 
welche bei dem letztern aus einigen langen Strahlen beste- 
hen, während sie bei ersterem bloss durch ein Schiip])c]ien 
angedeutet sind. Übrigens ist das Skelett beider Genera 
bis in die kleinsten Verhältnisse sich gleich. 

Unter dem Namen A n. Glarisianum liat de Blainville 
mehrere Arten verwechselt, welche sich durch »lie verhält- 
nissiiiässige Länge der Wirbelliöi-per und ihrer Slachel- 
Fortsätze unterscheiden. Ich habe dieselben unter den 
Namen An. latum, A. isopleurum und A. hetero- 
pieurum unterschieden, von jeder Art mehrere, zum Theii 
auch ganz vollständige, alte und junge Exemplare gesehen, 
so dass über ihre Verschiedenheit kein Zweifel obwalten 
kann : sie hier zu beschreiben ist nicht der Ort , da Bc- 
sciireibungen ohne Abbildungen der fossilen Arten nicht 
hinreichen würden. Die schönsten befinden sich in den 
Sammlungen von Bern, Zürich unii Basel '^ auch Hr, v. Haber 



— 303 — 

in Karlsruhe hat ein selir lehrreiches Exemplar eines jun- 
gen Individuum. 

Palaeorhynchum steht Te t r ap t u ms sowolil als 
Histiophorus sehr nahe, unterselieidet sich aber von 
beiden durch die schlankere, längere Gestalt, und vorzüg- 
lich durch die langen und hohen Rücken- und After-Flossen, 
wovon erstere den ganzen Rücken, letztere über die Hälfte 
der untern Seite des Leibs einnimmt. Auch sind bei 
Palaeorhynchum Bauchflossen vorhanden, mit mehreren 
langen Strahlen. Dieses Genus hat mit Esox Belone 
nicht die entfernteste Ähnlichkeit in seinem Bau , sondern 
bloss die gestreckte Gestalt bringt einen solchen Schein hcr^ 
vor. Belone hat ja eine nur sehr kurze, weit hinten ste- 
hende Rückenflosse, und Bauchflossen, welche an der Mitte 
der Leibshöhle befestigt sind; bei Palaeorhynchum sitzen 
sie am Brustgürtel fest. Was die Ähnlichkeit mit Bloch ius 
betriff"t, so ist sie auch nicht sehr gross : dieses Genus hat 
sehr kurze Strahlen in der Rücken- und der After-Flosse im Ver- 
hältnlss zu Palaeorhynchum. Mit den langschnabeligen 
Aspi d orhyn ch US- Arten ans der Jura - Formation hat 
Palaeorhynchum endlich auch nur diese äussere Älin- 
lichkeit in Aev Form des Kopfes ; jedes dieser Genera ge- 
hört aber, wie Belone und Bloch Ius, in andere Fami- 
lien. Mit Palaeorhynchum eigentlich verwandt, dem 
Baue nach nämlich, sind also bloss Tetrapturus und 
Histiophorus aus der Familie der Scomberoiden; 
von welchen Gattungen zwei Arten im Grobkalke bei Paris 
nnd in den Mergeln von Sheppey vorkommen. 

Unter dem Namen Pal. Glarlsianum hat de Blain- 
viLLE die ihm bekannt gewordenen Stücke aufgeführt; da 
indess Iji den Pariser Sammlungen Bruchstücke von mehreren 
Arten vorkommen , von denen ich in Zürich , in Bern^ in 
Basel, bei Prof. Scheitlin und geh. Rath v. Leonharü 
ganz vollständige Exemplare gesehen habe , so bin ich in 
jStand gesetzt worden, diese genau zu charakterislren, oJme 

20 * 



~ 304 — 

beitimmen en können, nach welcher die bereits über die- 
ses Genus bestehende Notiz entworfen worden. 

ich weiss noch nicht ganz gewiss, in welche Familie 
ich zwei Genera einreihen muss, die ich unter den Namen 
Palimphyes und Archaeus aufgestellt habe. In meinem 
vorläufigen Verzeichnisse standen sie bisher mit Fragzeichen 
in der Familie der Gadoiden, von welcher mir sonst 
nichts Fossiles bekannt ist. Es wäre aber auch möglich, 
dass diese Fische in eine andere Abtheilung gehörten; ich 
habe noch nicht sehr vollständige Exemplare gesehen, und 
da bei den Glarner Versteinerungen keine Spur der orga- 
nischen Substanz, mithin auch die Form der einzelnen Kno-^ 
eben nicht sehr gut erhalten ist, so sind vollständige Ex- 
emplare noch durchaus nothwendig zur festen Begründung 
einer Ansicht der Organismen dieser Ablagerung. Indess 
kann ich eine Angabe de Blainville's berichtigen, der Aen 
(^alimphyes zu einer Clupea macht, die er Clupea 
elongata nennt. Palimphyes hat aber ganz bestimmt 
rwei Rückenflossen und die Bauchflossen am Gürtel befe- 
stigt, mithin nichts mit Clupeen gemein! Ich übergehe 
indess das Nähere über die beobachteten Theile dieser 
Genera, da sie ein bloss zoologisches Interesse haben, und 
mir sonst nirgends vorgekommen, sie auch keine Zusammenstel- 
lung und Vergleichung mit andern geologisch wichtigen Gat- 
tungen jetzt schon zulassen. Dasselbe ist der Fall mit zwei 
andern Sippen , deren Existenz mir aus Exemplaren des 
Baseler und Karlsruher Kabinets gewiss geworden. 

Ich gehe daher zu den angeblichen Clupeen von Glaris 
über, von denen ausser der bereits erwähnten noch zwei 
Arten aufgeführt worden : Cl. Scheuchzeri und Cl. me- 
gaptera DE Bl. Eigentliche Clupeen sind diese Fische 
gewiss nicht, obgleich sie wohl in dieselbe Familie mit 
ihnen zu stehen kommen mögen. Die Häringe haben in- 
dess an der Bauchkante ein eigenes Gerippe , sogenannte 
Stern al- Rippen, von welchen man bei den Glarner Fischen 
ni« eine Spur wahrnimmt; auch sind die Flossenstrahlen 



— 305 — 

bei diesen Fischen stets schlanker nnd lünger, nia bei de» 
Clupeen, und die Wirbelkörper schmächtiger. Sie zeigen 
<laher weit mehr Ähnlichkeit mit einigen Salmoneen, na- 
mentlich Osmerus und Mallotus, als mit Clupea. Beide 
Familien kann ich aber nicht sondern; ich halte vielmehr da- 
für, dass Clup een und Salmonen nur eine Familie aus- 
machen, deren ganzer Unterschied in der Anwesenheit der 
Fettflosse beruht, die aber wahrlich nicht als ein wichtiges 
organisches Merkmal angesehen werden kann; um so weni- 
ger als sie in mehrei'n andern Familien bei manchen Gattun- 
gen vorhanden ist, und bei andern fehlt. Die so ausgedehnte 
Gruppe soll dann Halecoides heissen. In der weisse« 
Kreide, im Pläner von Böhmen, so wie in dem Weitphälischen 
Kreidesandstein kommen mehrere solche O smerus -artige 
Fische vor, eigentliche Clupeen aber kenne ich nur in den 
tertiären Ablagerungen vom Monte Bolca, vom Libanon und 
von Oran an der Nordafrihanischen Küste. Bis in die juras- 
sische Zeit reichen beide Gruppen gewiss [nicht, und die 
Ichthyolithen , welche bisher aus dieser Formation für 
Clupeen gehalten worden, gehören in eine andere Ordnung 
der Klasse, in das Genus Leptolepis. Das Genus der 
Kreide -Haie coiden will ich mit dem Namen Osmeroi- 
des belegen. — 

Noch wichtiger scheinen mir für die Bestimmung de» 
Alters der Glarner Schiefer diejenigen Fische, weiche von 
Blainville als Zeus Regleysianus, Z. platessa und 
Z. spinosus bestimmt worden, indess gar nicht zum Ge- 
nus Zeus gehören, sondern in die Familie der Percoi- 
den zu bringen sind, wo sie ein eigenes Genus bilden, das 
jetzt keine Repräsentanten mehr hat. Ich habe es Acanua 
geheissen; sein Platz im System ist neben Holocentrum 
und Beryx. Diese Erscheinung ist mir darum geogno- 
stisch sehr wichtig, weil ich in allen Formationen vor der 
Kreide nie eine Spur von Stachelflossern gesehen habe, in 
welche Familie die Fische auch gehört haben mögen. .Da 
ich die Abtheilung der Fische in Weichflosser und Stachel- 



— 30Ö — 

flosser nicht annehme, wWl ich damit sagen, dass bei den zahl- 
reichen Fisch-Gattungen der altern Formationen die Rücken- 
Flossen nie aus harten, einfachen, stacheligen Strahlen gebildet 
sind. Zwar habe ich noch nie Acanus- Arten angetroffen, 
als von Claris^ aber bei der oben angeführten Wahrneh- 
mung scheint mir das Vorkommen ähnlicher, wenn nicht 
identischer Formen in andern Ablagerungen von grosser 
Wichtigkeit für die Erkenntniss der Bildungsperiode der 
erstem. So kommen eigentliche Beryx- Arten vor: einß 
Species, die ich Beryx Zipj)ei geheissen, im Pläner von 
Prag, eine andere in der weissen Kreide von Kent, die von 
MAjfTELL den ^amen Zeus Lewesiensis erhalten hatte. 
In WestphaJen kommt ein andei*es nahe verwandtes Genus 
in der Kreide vor, das ich Acrogaster nenne, welches 
piit einem zweiten Genus der Percoiden aus Glaris grosse 
Ähnlichkeit hat, mit meineni Podocys minutus. Holo- 
centrum und My ripristi s- Species kommen dagegen 
^ißhrere am Monte Boica vor. 

Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass die schie- 
ferigei) Gebilde von Glaris jünger sind, als alle jurassischen 
Ablagerungen ; ich halte sie aber für älter als die tertiären 
Formationen , theils wegen der Übereinstimmung mit den 
Fischen anderer Ablagerungen, theils weil in Glaris mehr 
ausgestorbene Genera vorkommen , als in den tertiären 
Schichten. Demnach h^tte die Ablagerung von Glaris das 
Alter der Kreide, ohne dass ich im Stande wäi-e, die Forr 
mation mit einer ifhnlichen in andern Ländern genau zu 
parallelisiren, 

Alle die hier erwähnten Fische sollen i» meinen Re-r 
cherches snr les poissons fossiles genau beschrieben und ab- 
gebildet werden; dazu kommen dann noch einige kleinere 
Arten, die ein mehr zoologisches Interesse haben, undi b,ie^ 
füglich übergangen ■yverden können. ;,,, ti.»,;i> 



Geognostisclie Beobachtungen 
im Riesgau und dessen Umgebungen, 

von 

Herrn Di% B. Cotta. 



Das Riesgau ist eine flache fruchtbare Ebene, rings von 
Kalkbergen umgeben. Die Wernitz und die Eger durch- 
strömen es von NNW. nach SSO. und vereinigen sich bei 
Heroldingen ^ ehe sie den Kalkdamm der östlichen Rauhen 
Alp durchbrechen, um bei Donauicörth in die Donau zu 
münden. Beide Flüsse laufen vorher in der Ebene neben 
einander hin, ohne durch eine merkbare Erhöhung getrennt 
zu seyn 5 denn das ganze flache Riesgau zwischen Nördlin- 
gen, Otlingen und Wemdingen besteht bloss aus Marschland, 
dessen Dicke überall die Untersuchung des Grundgebirges 
verhindert. Es ist desshalb sehr fruchtbar, und würde 
einen hohen landwirthschaftlichen Ertrag geben, wären die 
Dörfer wie in Sachsen an den Bächen und Strassen hin 
vertheilt , und nicht auf kleine Plätze zusammengedrängt, 
so dass mancher Bauer mehr als eine Stunde Wegs zurück- 



— 308 ~ 

Jiegen muss, ehe er seine entfernten Felder erreicht. Bei 
solcher Beschaffenheit kann natürlich der flache Boden dea 
Riesgaues dem Geognosten wenig Interessantes darbieten; 
diesen Mangel ersetzen jedoch seine bergigen Ränder zur 
Genüge. 

Das Riesgau liegt in dem Jurakalkzuge, der sich aus 
Württemberg nach Regensburg zu erstreckt, und die umge- 
benden Berge bestehen daher meist aus Jui'akalk, nur we- 
nige aus Dolomit; der kleine Hügelrand aber, welcher den 
flachen Marschboden zunächst einschliesst, aus Süsswasser- 
kalk, der an den Felsen bei Wallerstein und Nördlingen 
besonders schön entwickelt ist. Untersucht man die dahin- 
ter liegenden Jurakalkberge genauer, so findet man sie bei 
1 bis 2 Stunden Entfernung von dem Süsswasserkalk-Rande, 
der die eigentliche Ebene einschliesst, an vielen Orten von 
Basalt-Gebilden dui'chbrochen , die aber nirgends zu einer 
eigentlichen Entwickelung gekommen sind , sondern sich 
nur durch vulkanischen Tuflf zu erkennen geben," den man 
in dieser Gegend Trass zu nennen pflegt. 

Diese Eruptions-Punkte liegen fast in einer regelmässi- 
gen Kreislinie rings um die i?2'e*-Ebene herum; ich selbst 
kenne sie theils durch eigene Beobachtungen, theils durch 
die gefälligen Mittheilungen des Herrn Oberjägermeisters 
V. Seckendorf zu Wallerstein j an folgenden Orten: bei 
Zipplingen, Osterholz, Altenburg, Bollstadt und Mauer. Auf 
der KEFERSTEiNschen Karte *) sind aber dergleichen auch 
noch bei Haarburg, Wemdingen und Ottingen angegeben, so 
dass dadurch der Kreis ziemlich vollkommen geschlos- 
sen wird. 

Es scheint nicht Zufall zu seyn, dass diese Basalt-Ge- 
bilde den Süsswasserkalk auf diese Weise einschliessen ; 
doch darauf werde ich später zurückkommen und will jetzt 
erst einiges Genauere über die Gesteine und ihre Lagerung«' 
Verhältnisse vorausschicken. 



*) In Kefbrsteih's Detäschlatid, B. 6 H. 1, 



- 309 - 
Jurakalk und Dolomit. 

Beide werde ich petrographisch nicht schildern: diess 
ist in Bezug auf diese Gegend hinlänglich geschehen durch 
V. Buch im Taschenbuche f. M. XVIII 2. Abth. 1824, und 
durch BouE in seinem geogn. Gemälde von Deutschland. Auch 
über ihre Lagerungs- Verhältnisse ist nichts Näheres zu sa- 
gen nöthig. Der Dolomit nimmt den oberen Theil der 
Berge über dem dichten Kalksteine ein , und erscheint da- 
selbst gewöhnlich in grotesken Felsen. Nur einer beson- 
deren Erscheinung muss ich gedenken, die man an einem 
Felsen östlich von Ehermergen bei Haarhurg beobachtet. 
An diesem links neben der Strasse nach Donauwörth gele- 
genen Felsen, findet innerhalb des grossen daran angelegten 
Steinbruches eine Art von Übergang aus dichtem Kalkstein 
in Dolomit Statt, Während nämlich die westliche Seite des 
Bruchs aus graugelbem Dolomit besteht, findet man in der 
östlichen nur dichten Kalkstein, ohne jedoch eine eigentli- 
che Grenze und noch weniger eine Auflagerungsfläche zwi- 
schen beiden angeben zu können. Der Kalkstein selbst 
aber besteht an den meisten Stellen dieses Bruches (undeut- 
lich vielleicht überall) aus einem scheinbaren oder wirkli- 
chen Konglomerate ; d. h. abgerundete feste Kalkstücke von 
Erbsen- bis Nuss-Grösse werden von einer gleichfarbigen 
aber weniger festen Kalkmasse in so grosser Menge einge- 
schlossen, dass das Volumen des Bindemittels ungefähr dem 
Volumen der Geschiebe gleichzusetzen ist. Oft ist diese 
Verbindung so innig, dass jene Struktur nur durch Ver- 
witterung erkennbar wird, und ich kann desshalb nicht ent- 
scheiden, ob nicht auch der scheinbar gleichförmige Kalk- 
stein hier auf dieselbe Weise zusammengesetzt ist. Scharfe 
Grenzen zwischen beiden kann man eben so wenig beob- 
achten, als nach dem Dolomite zu. Ob es scheinbare oder 
wirkliche Geschiebe sind, die hier durch ganz ähnliche 
Kalkraas&e gebunden worden! ich wage es nicht zu ent- 



— 310 — 

scheiden; in manchen Stücken, wo die Geschiebe alle klein 
und sehr abgerundet sind, sieht das Gestein dem Roggen- 
steine ähnlich werden : unterscheiden kann man es jedoch immer 
davon. Merkwürdig ist es, dass ein ganz ähnliches Kon- 
glomerat bei zweien der obenerwähnten Trass-Brüchen sich 
wiederfindet, wo es durch Einwirkung vulkanischer Kräfte 
erzeugt zu seyn scheint. Der Dolomit enthält in der Nähe 
dieser Kalkstein-Abänderungen eine Menge kleiner Höhlun^ 
gen, die mit einem weissen Kreide-ähnlichen Pulver ange- 
füllt sind. Dieses Pulver besteht nach den Untersuchungen 
des Herrn Oberhüttenamts-Assessors Kersten in Freiberg 
aus: Kieselerde, kohlensaurer Kalkerde, Talkerde, Alaun- 
erde, Eisen und Mangan. Wir lassen die ausführlicheren 
Resultate dieser Analyse in einem besondern Anhange nach- 
folgen, da dieselben für die Erklärung der Dolomit-Entste- 
hung nicht unwichtig zu seyn scheinen. 

Trass. 

Unter diesem allgemeinen Ausdrucke verstehe ich hier 
eine ziemliche Anzahl von Mineralien und Felsarten, die 
sich zu einer ungleichartigen Masse vereinigt haben, welche 
zum Theil abgebaut, gemahlen und als Trass benutzt wird, 
ähnlich wie jener Trass im Brohl-Thale am Rhein, Damit 
will ich aber keineswegs eine nahe Vei'wandtschaft und 
Ähnlichkeit beider Produkte andeuten, die im Gegentheile 
sehr von einander verschieden sind. Vulka nisch-e^' Tuff 
wäre vielleicht ein besserer Name dafür; da aber in jener 
Gegend der Name Trass einmal eingeführt ist, so wähle 
ich diesen zur allgemeinen Bezeichnung für ein gebundenes 
Haufwerk von vielerlei Gesteinen und Mineralien. 

Die Mineralprodukte , welche diesen Trass zusammen- 
setzen, sind folgoide : 

liDas Bindemittel, eine graue , im Bruche 
erdige,: etwas kalkhaltige, hauptsächlich aus verwitter- 
ten Feldspath - Theilen bestehende Masse. Dieses ist es 



^ 311 — 

ejorentlich, was gemahlen und als Trass benutzt wird; 
wobei natürlich die vielen fremdartigen Einschlüsse nur 
störend einwirken» 

2. Kalkstein, theils als einzelne Bruchstücke 
in Nro. 1. enthalten, theils zusammenhängende Kalk- 
Konglomerate mitten in der übrigen Trassmasse bildend; 
so in den Brüchen bei Altenburg und bei Baldern, Diese 
Kalk-Konglomerate gleichen mehr oder weniger dem vorhin 
beschriebenen bei Ebermergen, Bei Altenbiirg unweit Nurd- 
lingen finden sie sich von zweierlei Art; die einen bestehen 
aus hellgelben völlig abgerundeten Kalkgeschieben, gebun- 
den durch eine gleichfarbige Kalkmasse , die andern iaus 
dunkelgrauen Kalkbruchstücken, durch etwas hellere Kalk- 
masse fest verkittet, zuweilen noch von Spathadern durch- 
bogen. Wahrscheinlich gehört der Kalkstein der ersteren 
iAa't der Jura-Formation 5 der der letzteren dem Lias an. 
Versteinerungen liessen sich leider nicht darin auffinden. 

3. Basaltische Lava und Schi ackenmass en, 
beide theils als runde , Bomben-ähnliche Klumpen , theüs 
ohne bestimmte Gestalt in die Masse von Nro. 1 hineinge- 
drängt, so dass oft keine scharfen Grenzen erkennbar sind. 
Die Schlackenmassen selbst scheinen häufig bloss aus Augit 
zu bestehen, der auf dem frischen Bruche sich durch Glanz 
und Blättergefüge zu erkennen gibt; ihre Blasenräunie sind 
gewöhnlich mit Kalkspath ausgefüllt, oder doch wenigstens 
ihre Wandungen damit überzogen. Die basaltische Lava 
findet sich auch Gang-förmig, die übrigen Massen durchset- 
zend, und einzelne Stücke, welche bei Altenburg umherlie- 
gen , zeigen mit grosser Deutlichkeit jene merkwürdige, 
'Tau-ähnlich gewundene Struktur, die man mehrorts auf der 
Oberfläche der Lavaströme beobachtet hat. Die eigentliche 
Geburtsstätte dieser Stücke konnte ich nicht auffinden ; sie 
liegen im Bruche und auf den nächsten Feldern zerstreut 
umher und sind gewöhnlich von vielen Sprüngen durchzo- 
gen. Schwerlich- rühren sie von der Oberfläche eines La- 



— 312 — 

vastromes her, da man von einem solchen keine Spur wei- 
ter findet; wahrscheinlicher sind sie durch gewaltsames 
Hindurchtreiben durch unregelmässig gestaltete Klüfte ent- 
standen *). 

4. Obsidian-ähnliche Gesteine finden sich beson- 
ders bei Baldern, wo der Trass im Wege ansteht, wie es 
scheint, gewaltsam hineingedrängt zwischen, das übrige, 
geringmächtige Gänge bildend. .■)in<\\puyÄ-'A\'iv}l 

5. Bruchstücke älterer Gesteine, sehr verän- 
dert, aus der Tiefe mit emporgebracht. Am Kolbus bei 
Bollstadt und bei Altenburg liegen in der Trassmasse, ge- 
wohnlich mit Schlacken verschmolzen, in hohem Grade ver- 
änderte Gneiss-Stücke (?). Sie sind gänzlich von Kalkspath- 
masse durchdrungen, der Feldspath ist mürbe und Kaolin- 
artig geworden, der Glimmer schwarz, der öuarz unschein- 
bar und zerborsten; nur bei genauer Untersuchung kann 
man erkennen, dass es früher Gneiss gewesen seyn mag. 
Die öuarztheile ritzen noch am Glase ; die Feldspaththeile 
schmelzen vor dem Löthrohre; der schwarze Glimmer gibt 
dem Ganzen ein flaseriges Ansehen. Überall aber hat sich 
Kalkspath zwischen die ursprünglichen Theile hineinge- 
drängt, und macht dadurch die Masse um so mehr un- 
kenntlich. 

Auf ähnliche Weise liegen bei Mauer dunkelgraue, 
wenig veränderte Schieferthonstücke in der Trassmasse 
inne, und als besonders merkwürdig muss noch ein Hand- 
stück vom Kolbus bei Bollstadt erwähnt wei-den, welches 
ausser vielen eingetriebenen schlackigen Theilen ein stark 
gewundenes Stück Schieferthon enthält, dessen Klüfte über- 



•) Herr v. Meyer in Frankfurt bewahrt ein wahrscheinlich auf 
gleiche Weise entstandenes, sehr merkwürdiges Stück Dolerit auf, 
welches einem unrcgelmässig auf einen Haufen zusammengeleg- 
ten Taue gleicht, und ausserordentlich an die Gestaltung de« 
Spritzkuchens erinnert, den man gewaltsam durch eine sternförmig 
ausgezackte Öffnung bindurchpresst. 



— 313 — 

all mit kleinen Gypskrystallen bedeckt sind. — Beide ge- 
hörten wahrscheinlich der Lias-Formation zu. 

6. Endlich ist die ganze Trassmasse noch häufig von 
Kalk- und Kalkspath- Trümmern und Drusen durchzogen, 
die jedoch oft keine eigentlichen Krystalle, sondern nur 
körnigen Kalkspath enthalten. 

Im Ganzen genommen ist dieser sogenannte Trass dem 
Basalttuif des Habichtstvaldes ausserordentlich ähnlich; nur 
enthält er noch mehr und besonders grössere fremdartige 
Bruchstücke eingemengt als jener, so die Kalksteinbreccien, 
welche bei Altenburg als hausgi'osse Massen darinne liegen. 
An bearbeiteten Stücken ist die Ähnlichkeit zwischen bei- 
den täuschend; wenn man z. B. die Werkstücke am Nörd- 
linger Kirchthurme mit den Stufen und Einfassungen der 
Freitreppe unter dem Herkules auf Wilhelmshöhe vergleicht, 
so sollte man kaum glauben, dass sie aus zwei verschiede- 
nen Brüchen entnommen seyn können. Gewöhnlich ist aber 
der Trass in der Gegend um Nördlingen nicht fest genug, 
um ihn bearbeiten zu können. 

Eigentlichen Basalt habe ich nie in oder neben diesen 
Trassbrüchen anstehen sehen; wahrscheinlich steckt er noch 
in der Tiefe und ist durch das viele Haufwerk durchbx*o- 
chener Gesteine, das er vor sich herschob, am Ausbru- 
che behindert worden. Ganz besonders gilt hier, was 
V. Leonhard im Allgemeinen über die basaltischen Konglo- 
merate sagt *) : 

„Die Basalte umgaben sich, aus den Erd-Tiefen empor- 
steigend, mit eigenthümlichen Hüllen , bezeichnet durch be- 
sondere Struktur, eine Folge ihres Entstehungs-Prozesses, 
und auffallend durch gewisse Manchfaltigkeit des Bestandes, 
welche im Beisammenseyn der Basalte mit anderen Felsar- 
ten ihren Grund hat. Es sind diess die basaltischen Kon- 
glomerate, Phänomene, die keineswegs zu den am wenig- 



*) In der Iten Abthl. der Basalt-Gebilde pag. 310. 



— 314 — 

sten fleakwürdigen gehören bei den Untersuchungen, welche 
uns beschäftigen 5 denn obwohl die Basalte als bedingende 
Ui'sachen des Daseyns jener Trümmer-Gesteine gelten müs- 
sen, so liefei'n diese wiederum über die basaltische Genese 
und über mancherlei dabei eingetretene Umstände aufklä- 
rende Andeutungen, werthvolle Belege und selbst entschei- 
dendes Zeugniss, besonders wenn sie als Hüllen fester 
Massen sich darstellen." 

8 ii s s w a s s c r k a 1 k. 

Er bildet, wie schon frülier erwähnt, den Rand des 
eigentlichen flachen Riesgau-^ecketxs und ist am Deutlich- 
sten entwickelt an den Felsen bei Nördlingen und bei 
Wallcrstein. 

Am ersteren Orte erstreckt sich ein Hügelzug dessel- 
ben von Oberreimlingen bis nahe an die Stadt heran, wo 
am Richtplatze früher mehrere Brüche darin betrieben 
worden sind. In diesen alten Brüchen beobachtet man mit 
ziemlicher Deutlichkeit die Auflagerung dieses Süsswassei*- 
kalkes auf ein Gneiss- ähnliches, höchst verwittertes Gestein, 
das einzige der Art, was in der Gegend weit und breit 
anstehend zu linden ist, wahrscheinlich dasselbe , von dem 
die veränderten Gneiss-Stücke im Trass bei Bollstadl und 
AUenhiirg herrühren. 

. Diese Auflagerung ist keineswegs eine scharf begrenzte; 
denn gangartige Ausläufer des Kidks gehen tief in den Gneiss 
hinein, und Bruchstücke des letzteren finden sich bis zu 
einer ziemlichen Höhe in den Kalk eingebackeu, während 
da, wo man die eigentliche Grenze zu vei'muthen hat, ein 
Breceien-artiges Gestein sich findet , fast bloss aus verwit- 
terten Gneiss-Bruchstücken bestehend, fest gekittet durch 
kaum sichtbaren Kalkteig. 

Doch ich gehe nun über zur näheren Beschreibung des 
Kalkes selbst. Er ist blassgelb und graulichgelb, porös, 
voller Höhlen und Löcher, gewunden, und merkwürdig wectt- 



- 313 — 

( 

selnd in seiner Beschaffenheit. Bald ist er dicht und fest, 
bald locker, zeliig und mürbe, bald horizontal geschichtet, 
bald konzentrisch gewunden, bald wieder kraus durcheinan- 
der gewirrt, an vielen Orten von jüngeren Kalksinter-Bil- 
dungen tropfsteinartig überzogen. 

Betrachtet man den merkwürdigen Felsen , auf dem 
früher das alte fürstlich OxTiNGEN'sche Schloss Wallerstein 
gestanden hat, so wird man von lauter Widers])rüchen 
überrascht; man kann es kaum für möglicli halten, dass 
alle diese sonderbaren Bildungen, auf einerlei Weise , auf 
dem Wege ruhigen Niederschlags, entstar.den seyn können. 
Konzentrisch schalige Kugeln und Cylinder, durch merk- 
würdig gewundene Zwischenlagen ineinander greifend oder 
unmittelbar verbunden, dazwischen wieder gerade Schich- 
ten und andere Wellen-formig gebogen , alle aber von un- 
regelmässig gestalteten Höhlungen und Löchern durchzogen, 
von späteren Kalksinter-Bildungen unter manchfachen For- 
men überkleidet, bietcji sich dem Auge dar, und bei nähe- 
rer Untersuchung findet man einzelne Parthie'n des Gesteins 
voll kleiner Pa ludinen und Cy pris-Schakn, oder wohl 
gar nur daraus bestehend , w ährend an anderen Orten mit 
Kalkspath ausgefüllte Gehäuse einer grösseren Helix-Art 
unregelmässig vertheilfc sind. Da ist nichts zu sehen von 
einer Übereinstimmung zwischen der Lagerung der Schich- 
ten und der Vertheilung der Versteinerungen : Alles liegt 
bunt durcheinander; selbst in dem tropfsteinartigen Kalk- 
sinter-Uberzuge finden sich dieselben Vei'steinerungen einge- 
schlossen, die den Kalkstein selbst charakterisiren. Boue 
schildert diesen Kalk ") mit folgenden Worten: „Dieser wahr- 
hafte Travertin ist weisslicli oder gelblich, sehr ])orös, und 
zeigt alle denkbaren Ubei'gänge einer zusammengehäuften 
Struktur, bis zum Zustande geringerer und grösserer Dicht- 



*■•) In seinem „gt'Opn. Geiiiülde von DfuLscidund. übersetzt ciiii,-!i y. 
_ Lkonhard" p. 410. 



— S16 - 

heit, so dass man endlich einen, von röhrenförmigen Wei- 
tungen durchzogenen, Süssvvasserkalk vor sich hat.« Nach 
ihm enthält er Versteinerungen aus den Geschlechtern Lym- 
naeus, Planorbis, Paludina, Physa und Helix nebst 
Wasser- und Sumpf-Pflanzen. Bei Nördlingen und Waller- 
ttein habe ich nur Helix fruticum (Müller), Paludina 
similis (Pf.), oder wenigstens eine, dieser sehr ähnliche 
Art, Cypris ornata*) und geringe Spuren einer Schilf- 
ähnlichen Pflanze gefunden. 

Der Generalsuperintendent Michel **) erzählt, an zwei 
Bergen bei Hainsfurth Folgendes gefunden !«u haben : 

„1) Lithoxylon, 2)Osteocolla, 3)Cochlites ter- 
restrifor niis minor, 4) inkrustirte Binsen und Rohr mit 
dazwischenliegenden Schnecken, 5) eine Masse von Millionen 
kleinen, kaum eines Hirsekorns grossen Muscheln und Tur- 
biniten, welche mit dazwischen gemengtem Mergel und kla- 
rem Sand zusammengebacken. Diese Masse macht ein 
ganzes Stratum aus, welches in gleicher Höhe fast eine 
Klafter dick durch beide Berge hindurch geht." Auch bei 
Reimlingen und Mayhingen erwähnt er ähnlicher Vorkomm- 
nisse, die er für seine Zeit recht ausführlich schildert. 

An der Aussenfläche dieser Kalkfelsen findet man bei 
Nördlingen zur Herbstzeit häufig festangeklebte sandige 
Erdballen; schlägt man sie entzwei, so sieht man darin eine 
Menge eingesponnene Wespen liegen. Es ist Apis cae- 
mentaria, die sich auf diese Weise mit einem ziemlich 
festen künstlichen Sandsteine umgibt, um so ihren Winter- 
schlaf ungestört zu halten. 

Resultate. 

Fassen wir nun die eben geschilderten Verhältnisse 
dieser Gesteine und ihre gegenseitigen Beziehungen in der 



•) Dieselbe Art, welche auch im ßict. d. Sc. NaL T. XII p. 407, 
als im Süsswasserkalk von Balme Ballier vorkommend, er- 
wähnt wird. 

*) In seiner Öttingischen Bibliothek. Anspack 1758. pag. 154. 



- 317 — 

Kürze zusammen, so eingeben sich ungefähr folgende Resul 
täte hinsichtlich der Erklärung des Vorhandenen. 

Das Riesgau war wahrscheinlich ein Süsswassersee, 
als rings an seinen Ufern basaltische Eruptionen begannen. 
Aufgeregt dadurch, und vielleicht mit Kohlensäure und koh- 
lensaurem Kalke geschwängert, bildete dieser See an seinen 
Rändern kalkige Absätze, deren regelmässige Gestaltung 
durch heftige Bewegungen oft gestört wurde, bis endlich 
ein gewaltsamer Durchbruch des Sees zwischen Haarhurg 
und Donauwörth erfolgte, wo noch jetzt die Gewässer des 
Riesgaues ihren Abfluss nach der Donau hin nehmen. Nicht 
ohne mächtigen Eintluss können dabei die nahen basaltischen 
Eruptionen gewesen seyn, die eine grosse Menge zerstörter 
Gesteine aus der Tiefe vor sich herschoben und aus ihnen 
die bedeutenden Trassmassen bildeten, die wir oben be- 
schrieben. Der Basalt selbst ist, wie es scheint, nirgends 
zum eigentlichen Durchbruche gekommen ; er beurkundet 
sich aber hinlänglich durch jene basaltischen Schlacken und 
durch die veränderten Bruchstücke unterliegender Gesteine, 
die zugleich mit dem mürben Trasse zwischen den Jura- 
kalk hineingeschoben sind, der selbst theils in einzelnen 
Bruchstücken, theils in grossen Breccien-Massen jenem merk- 
würdigen Haufwerke beigemengt ist. Die Umänderung vie- 
ler diesei' Gesteine deutet auf bedeutende Einwirkunffcn 

o 

durch Gas, Hitze und Druck hin : so die Zersetzunw der 
Gneiss-Gemengtheile, die Kalkspath-Eintreibungen manchfa- 
cher Art, die Umänderung in körnigen Kalk, die Gyps-Bil- 
dung, die merkwürdigen Gestalten mehrerer Schlacken und 
basaltischen Laven. 

Dieser Trass möchte demnach ein eigentliches Eriip- 
tions-Produkt , ein Reibungs - Konglomerat seyn, während 
jener im Brohlthale am Rhein vielmehr durch Wasser um- 
geändert und abgelagert zu seyn scheint. Oder sollte viel- 
leicht auch hier eine Einwirkung des Wassers anzunehmen 
•Tahrgang- 1834. 21 



~ 318 — 

»«yn ? Könnten vielleicht jene basaltischen Aasbrüche innei - 
halb dei' Grenzen unseres See's Statt gefunden haben? 
Könnten sie nicht unmittelbaren Antheil an der Bildung und 
Erhärtung des Süsswasserkalkes haben? 

Nicht zu verkennen ist jedenfalls die Einwirkung der 
abnormen Gesteine auf die Bildung oder Umbildung der 
normalen (hier die Einwirkung des Basaltes auf den Süss- 
wasserkalk und auf die Breccien-Bildung des Jurakalkes), 
eine Einwirkung, die sich in grösserer Ausdehnung viel- 
leicht noch für die meisten Flötzgebirge, besonders für die 
Kalk- und Sandsteine, nachweisen lassen dürfte. 



üntersuchunK 



weissen Pulver-förmigen Substanz aus dem 
Dolomit von Ebermergen in Baiern, 



Herrn Ober-Hüttenamts-Assessor L. M. Kersten. 



Diese Substanz besitzt eine blendendweisse Farbe, völ- 
lige Homogenität und fühlt sich zwischen den Fingern rauh, 
wie geglühte , bei Mineral-Analysen erhaltene Kieselerde 
an. — In Borax ist diese Substanz leicht löslich und bildet 
ein Glas, welches nach dem Erkalten klar bleibt und nur 
schwach die Reaktion des Eisens zeigt; in Phosphorsalz löst 
sie sich nur äusserst wenig auf, bildet dagegen mit kohlen- 
saurem Natron ein ungefärbtes , nach dem Erkalten klar 
bleibendes, Glas. Wird dieses Mineral mit Soda auf einem 
Platinblech geschmolzen, so bemerkt man nur eine höchst 
geringe Reaktion auf Mangan. Bei dem Erhitzen dieses 
Minerals in einer Glasröhre entwickelt sich ein wenig Was- 
ser, welches die Pigmente nicht verändert, und nach dem 
Verdampfen keinen Rückstand hinterlässt ; dieses W^as- 

ser möchte keineswegs dem Minerale angehören, sondern von 
diesem bloss, wegen seines Pulver-förmigen Aggregat-Zustan- 
des ans der Luft angezogen worden seyn. Wird diese 
Sid)stanz mit raässigstarker Chlor- WasserstofFsäure über- 

21* 



— 32a — 

goisen, so findet nur eine geringe Entwiekelung von Kohlen- 
säui-e Statt, und es scheint sieh nur wenig aufzulösen. Die 
Solution ist gelblich gefärbt und, enthält Kalkerde, Talkerde, 
Eisenoxyd nebst einer Spur Mangan; Kali wurde in derselben 
nicht aufgefunden. Der Rückstand besass eine reine weisse 
Farbe und löste sich vollständig vor dem Löthrohre inkohlensau- 
i*em Natron, dagegen unmerklich in Phosphorsalz auf. Mit 
Kobalt-Solution zusammengerieben und auf Kohle geglüht, 
bemerkte man weder eine blaue noch rothe Färbung 5 — 
der Rückstand schien demnach aus reiner Kieselerde zu 
bestehen. Um völlige Gewissheit hierüber zu erhalten, 
wurde er mit Atzkali im Platintiegel geschmolzen. Die ge- 
schmolzene Masse lieferte, nach dem Aufweichen mit Chlor- 
Wasserstofifsäure, Eindampfen etc., Kieselerde und eine nur 
höchst schwach gefärbte Flüssigkeit, in welcher weder 
Thonerde noch Talkerde, dagegen eine Spur Kalkerde und 
Eisenoxyd aufgefunden wurde! — 

Durch Digestion des zum feinsten Pulver zerriebenen 
Minerals mit Wasser wurde nichts anfgenommen, denn das 
Wasser reagirte weder auf die Pflanzenpigmente, noch hin- 
terliess es nach dem Verrauchen einen Rückstand. 

Zur Bestimmung der quantitativen Zusammensetzung 
dieser interessanten Mineralsubstanz wurde dieselbe mit 
Chlor- Wasserstoffsäure digerirt, und aus der Auflösung 
Kalk, Talkerde und Eisencxyd gefällt. Der unauflösliche 
Rückstand wurde geglüht, und nachdem sein Gewicht bc- 
ßtimmt war, mit Atzkali geschmolzen, die geschmolzene 
Masse mit Chlor- Wasserstoffsäure versetzt und auf die be- 
kannte Weise weiter zerlegt. Hundert Theile des bei 
50** R. zuvor erwärmten Minerals wurden zusammengesetzt 
gefunden aus : 

65,8 Kieselerde 

0,S Alaunerde 
20,1 kohlens. Kaikerde 
n.2 - Talkerde. — 

2,1 Filsenoxyd mit ehier Spur Mangan. 

100,0 



— 321 — 

Die untersuchte Mineralsubstaiiz besteht also im We- 
sentlichen aus Kieselerde; denn da Säuren aus dersel- 
ben sogleich die kohlensauren Erden ausziehen, ohne das» 
die Kieselerde gelatinirt, oder sich in ihrem Aggregat-Zu- 
stand verändert, so hat es den Anschein , dass sie nur mit 
Dolomit gemengt ist. Schliesslich will ich nochmals auf die 
Ähnlichkeit dieser Substanz mit frisch geglühter Kie- 
selerde, die zuvor im gelatinösen Zustand war, aufmerk- 
sam machen. 

Freiberg den 7. Jan. 1834. 



Briefwechsel. 

Mittheilungen an den Gelieimenrath v. Leonhard 
gerichtet. 



Berlin, 1. Septbr. 1833 *). 

Auf meiner diessjährigen Reise durch Rügen habe ich unter den 
Geschieben, welche sich auf dieser Insel finden, dieselben Gebirg-sarten 
gefunden, welche in ähnlicher Weise auch in der Mark vorkommen. 
Auch der Übergangskalk ist derselbe, und führt dieselben Versteinerun- 
gen. Interessanter aber ist es mir noch gewesen , auch den von mir 
beschriebenen Oolithenkalk ganz in gleicher Weise vorzufinden, wie in 
der Mark, und eben so reich an schönen Versteinerungen. Jfaraentlich 
besitzt der Gastwirth Schepelfr zu Sagard in seiner Sammlung einen 
ansehnlichen Block dieses Gesteins, in welchem ein schönes Exemplar 
des Ammonites communis Sow. enthalten ist. Obgleich dieser 
Kalk noch nicht auf der Baltischen Halbinsel gefunden ist, so macht 
doch ein so nördliches Vorkommen eine Herleitung aus südlichen Ge- 
genden nicht wahrscheinlich. Denselben Kalk habe ich auch in Pom- 
mern in der Gegend des Madife-Seß''s gefunden. Unter den Versteine- 
rungen aus dem Übergaugskalke, welche Schepeler besitzt, befindet 
*icb auch eine sehr schöne Conularia quadrisulcata Sow. — 

Klöden. 



Wien, 20. Dezbr. 1833. 

Ich habe den verflossenen Monat in Ober-Schlesien verbracht. Ich 
besuchte die Zinkgruben und die zahlreichen Eisenschmelzen; aber 
auch zu manchen nicht uninteressanten geognostischen Beobachtungen 
bot sich Gelegenheit dar. In mehreren Gegenden sah ich die Blöcke, 



') Psteh «tufall Tersp.itcf. 



— 3i23 - 

von denen gesagt wird, dass sie aus Skandinavien abstammen^ Zwi- 
schen Gleiwitz und Tarnowit%, in ungefähr 1000 F. Meereshöhe kom- 
men sie in Menge vor, und wechseln in der Grösse von der einer 
Faust, bis zu 4 und 5 F. im Durchmesser. Bei Untersuchung dieser 
Blöcke kann man in denselben die Trümmer einer vollständigen Granit- 
Formation erkennen J d. h. einen Granit von grossem Korne, einen 
feinkörnigen, und einen dritten von noch feinerem Korne , der schon 
ein Porphyr-artiges Aussehen hat. Hornblende findet sich häufig in 
allen diesen Felsarfen ein, und durch Abwesenheit des Glimmers ent- 
steht sodann mitunter Syenit. Der Feldspath ist in manchen Stücken 
roth ; diese lassen sich gewissermassen als die am meisten charakteri- 
stischen betrachten. Man kann die granitischen Trümmer in zwei Klas- 
sen abtheilen; eine derselben würde der Formation von weissem, die 
andere der von rothem Granit angehören ; aber in jeder von beiden 
Klassen trifft man eine Folge, eine Reihe von verschiedener Grösse 
des Korns. Auch mehr und weniger grosse Quarz-Blöcke kommen vor; 
sie scheinen von Gängen abzustammen. An Quarz-, wie an Granit- 
Blöcken sind mitunter Reibungs - oder Rutschflächen waljrnehmbar. 
Alle diese Phänomene deuten darauf hin, dass an den Orten, wo diese 
Granite u, s. w. anstehend vorhanden sind, die nämlichen Verhältnisse 
bestehen, wie bei Ihren HeidHberffer Graniten : wie ich solches unfern 
Meissen, der Brücke gegenüber gesehen habe , bei Karlsbad (an der 
Böhmischen Ruhe) und an so vielen anderen Orten ; d. h., dass auf 
eine erste Eruption von grobkörnigen Graniten eine andere folgte, in 
einem (aus geologischem Standpunkte genommen) ziemlich kurzen Zeit- 
raum ; letztere hat die erste durchsetzt und ist hin und wieder in sie 
eingedrungen. — Die losen Fcisblöcke finden sich, wie bekannt, im 
Diluvial-Boden begraben. Um Gleiwitz ruht das Diluvium, wie man 
behauptet, unmittelbar auf Kohlen-Sandstein; allein bei Sabr%e, im 
Distrikt der Grube Königin Louise , sieht man sehr deutlich in einem 
dicht neben der Hauptstrasse angelegten Steinbruche, dass über dem 
eigentlichen Kohlen-Sandstein eine 20 bis 30 F. mächtige Ablagerung 
eines andern Sandsteins ansteht; auf diesen Sandstein folgt erst das 
Diluvium, welches die Blöcke umschliesst. Der letzte Sandstein könnte 
wohl, nach der Art wie seine Körner verkittet sind, dem Süsswasser- 
Quarz der tertiären Epoche angehören. Aber was auffallend, das ist 
die Analogie zwischen diesem Sandsteine und den die Granit-Blöcke 
zusammensetzenden Theileu. Man könnte geneigt seyn zu glauben, dass 
jener Sandstein aus dem Detritus der Berge gebildet worden, von denen 
die Blöcke abstammen. Die feinsten Körner dürften in Sandform durch 
Wasser bei den grossen Überschwemmungen am Raschesten weggeführt 
und niedergelegt worden seyn ; die gröbern Körner, die Blöcke, folgten 
nur sehr langsam, wegen ihrer Masse, sie wurden folglich um Vieles später 
in den nämlichen Gegenden abgesetzt, wo die Sandlagen bereits gebil- 
det worden waren. Der Sandstein, von welchem die Rede, ist keines- 



- 324 - 

Wegs auf die Umgebung von Sabrze beschränkt; ich habe ihn in meh- 
reren geognostischen Sammlungen in Ober-Schlesien gesehen, und stets 
als „Kohlen - Sandstein" bezeichnet. Was zu dieser Verwechselung 
Anlass gegeben haben kann, dürfte der Umstand seyn, dass der frag- 
liche Sandstein in gleichförmiger Lagerung auf dem Kohlen-Sandstein 
ruht; aber das beweisst nur, dass das Relief dieses Gebiets zwi- 
schen den Bildungs- Epochen beider Felsarten keine Änderung er- 
fahren hat. 

EzaUERRA DEL BaYO. 



Catania, 5. Januar 1834. 

Ich habe kürzlich eine Abhandlung über den Ursprung des Schwe- 
fels in der Accademia Gioenia vorgelesen. Aus dem Vorkommen 
des Schwefels in einem tertiären Mergel in der Nähe von Sandstein 
und von Salz-führendem Thon, so wie aus der niederen Lage glaube 
ich beweisen zu können, dass derselbe von thierischenTheilen herrührt, 
welche bei den Fäulniss-Prozessen von Mollusken, zersetzt worden, die 
in der Tertiär-Periode beim Rückzüge der Wasser in Meeres-Busen, 
oder in Sec'n zurückblieben. Diese Ansicht dürfte als eine etwas kühne 
erscheinen ; allein bei genauer Untersuchung sämmtlicher geognostischen 
und geologischen Umstände scheint sie mir sehr evident. Sie erhalten 
mit erster Gelegenheit meine Abhandlung. 

C. Gemmellaro. 



Stuttgart, 6. u. 19. Jan. u. Ö. Febr. 1834. 

In Betreff der Braunkohlen-Urttersuchung bemerke ich, nachträglich 
KU meinen früheren Mittheilungen, Folgendes. Jetzt ist man mit dem 
Schacht 24' in der Kohle und 19' im Hangenden, also im Ganzen 
43' tief. In der Kreide, die sich in den untern Lagen mehr der Craie 
tufau näliert, fanden sich einige Terebratulitcn: also doch wohl 
keine Infiltration von oben ! Mit dem Abteufen in Braunkohle wurde 
bis auf 30' fortgesetzt, dann kam eine 5' mäclitige Letten-Schicht, und 
nach dieser wieder ein Flötz, bei dem die Kohle weit vorzüglicher ist, 
als die in der obern Teufe, namentlich ist die erdige Kohle so rein, 
dass sie in einzelnen Schichten in Glanzkohle übergeht, also wie am 
Meissner in Hessen. Der nächste Basaltberg bei Höweneck in Högau 
ist aber zwei Stunden von Liidwigsthal entfernt. Nun sind noch 
2 Schächte, jeder 1000' vom ersten Schacht, einer gegen W., der andere 
gegen S. angefangen worden, um die Erstreckung des Kohlen-Lagers 
j?u untersuchen. 

Feuerstcinkugeln finden sich in den obersten Schichten de« Jura- 



— 325 " 

kalks, der vielleicht Dolomit ist, am Rande der Ebene, auf der das 
Kohlen-Lager aufgefunden worden. 

Bei dem Versuchbau auf Steinkohlen ist der Sehacht in dieser 
Woche (vom 27. Jan. — 1. Febr.) nur wenige Schuh tiefer geworden, 
und der braune Thon hält immer noch an, dagegen sind in geognost. 
Beziehung sehr merkwürdige Verhältnisse eingetreten. Die Schichten 
von gelbem Thon, Dolomit, grobem Sand, braunem Thon mit verkohl- 
ten Pflanzen, wieder gelbem Thon, und Mergelsandstcin mit Konglo- 
merat stehen in einem Winkel von fast 80° saiger. 

Hehl. 



Strassburg, 8. Febr. 1834. 

Ich habe nun angefangen, Mineralogie zu lehren, und da ist mir 
aufgefallen, wie sehr empirisch deren ganzes Wesen nocli ist: kaum 
dass man ihr den Namen Wissenschaft geben darf J denn als wahrhaft 
wissenschaftlich kann nur das Krystallographische gelten, und aus dem 
Gebiete des Krystallographischen wiederum nur das zur Physik und 
Mathematik Gehörende. — Was soll eigentlich die Mineralogie seyn? 
„Die Lehre der physischen Kennzeichen , welche jeder chemischen Na- 
tur angehören." Und wenn sie eine Lehre seyn soll, so muss sie all- 
gemeine Grund-Prinzipien aufstellen; also soll Mineralogie nur die Ge- 
setze der Veriiältnisse zwischen der chemischen Natur und den physi- 
schen Eigenschaften der Körper kennen lehren, so wie die Anwendung 
dieser Lehre zur Erkenntniss und Klassifikation der unorganischen Kör- 
per; sie soll den Grad der Wichtigkeit und den Sinn jeder physikali- 
schen Eigenschaft zeigen. Wie arm erweiset sich aber die Mineralogie 
nicht in dieser Hinsicht J ist sie doch meistens niciit viel mehr, als 
Spezies-Kramerei. Und damit sie noch ärmer werde, so hat man das 
Studium der Laboratoriums-Produkte ausgeschlossen- So dürfen die 
verschiedenen Salzarten nur in so fern im System eine Stelle finden, 
als dieselben in der Natur vorkommen J und das mineralogische Studium 
der vielen Salz-Krystallisationen, welche man so leicht in den Labora- 
torien erzeugt, würde der Wissenscliaft ganz gewiss seiir grossen Ge- 
winn bringen. Sind es nicht die nämlichen Natur-Gesetze, welche die 
einen, wie die andern Körper entstehen lassen? Werden die Natur- 
Kräfte verändert, wenn des Menschen Hand chemische Verbindungen 
und KrystalHsationen hervorruft? Wie kann man leichter die Gesetze 
der Verhältnisse zwischen chemischer Natur und den physischen Eigen- 
schaften kennen lernen, als durch das Experimentiren im Laboratorium. 
Da heisst es nun: solches Experimentiren ist Chemie oder Physik ge- 
trieben. Aber diese Einrede bat keinen Grund; denn Chemie und Phy- 
sik suchen die Gesetze zu ergründen, nach welchen die chemischen 
und physischen Kräfte sich äuesern; beide Wissenschaften zeigen uns, 



- 326 - 

wie 8ic!r-je«c Kräfte in den Terscliiedenen Substanzen ycrhaÜen. Die 
Naturhistorie der unorganischen Welt hingegen, die Mineralogie, soll 
nur die Charaktere dieser Substanzen darstellen, d. h. nur gesetzmäs- 
fiig die Eigenschaften zeigen, an welchen wir sie bestimmt zu erkeu- 
ueu vermögen, die uns ihre chemische Natur entziffern lehren , wie 
die Zoologie durcli ihre Gesetze der vergleichenden Anatomie nur die 
Charaktere der Thierarten zeigt, an welchen wir sie bestimmt erkennen 
können, und aus denen man ganz untrüglich auf ihre innere organische 
Natur schlicssen kann. 

Die erste Frage, welche sich darbietet, ist: was soll man sich für 
einen Begriff von der Materie machen, und von was soll man die phy- 
sische und chemische Natur herleiten? Die Materie kennen wir nuy 
durch die Eindrücke auf unsere Sinne, und diese Eindrücke sind nichts 
Anderes, als Äusserungen der Kräfte, die in ihr liegen. Wir können 
folglich von den Substanzen durchaus nichts Anderes wissen, als was 
von den Kräften herkommt, welche sie, so zu sagen, beleben, und alle 
Phänomene, welche uns dieselben darbieten, müssen von solchen Kräf- 
ten hergeleitet werden. Diese Kräfte bilden nothwendig ein Ganzes, 
Unveränderliches, wovon nichts vereinzelt %verden kann. Hätten die 
Grundkräfte der Materie nur eine Richtung, so würde die Materie sich 
als Linie darstellen, und könnte nicht die Eigenschaft haben, einen 
Raum zu erfüllen; auch würden die Substanzen nur durch die Inten- 
sität dieser einzigen Kraft von einander differiren , was gar nicht mit 
den chemischen und physikalischen Verschiedenheiten der unorganischen 
Körper übereinstimmt; auch niüssten dann diese Körper eine ganz ein- 
fache Reihe bilden, wo jedem seine Stelle nach dem Werth dieser Kraft 
angewiesen wäre; eine solche einfache Reihe ist aber in offenbarem 
Widerspruch mit der Natur jener Körper. Hätten die Grundkräfte der 
Materie nur zwei Richtungen, so vermöchten sie noch immer keinen 
Raum zu füllen ; aber ihre Eigenschaften könnten schon anders als 
durch ihre Intensität differiren, denn sie hingen auch noch vom Ver- 
Iiältnisse der Intensität dieser Kräfte in beiden Richtungen ab. Drei 
Richtungen müssen also zum wenigsten diese Kräfte haben und ihre 
Intensität kann nicht die nämliche in den drei Richtungen seyn. Man 
kann diese drei Kräfte immer auf drei rechtwinkelige a, ß, y reduzi- 
ren: ja man muss es sogar thun , wenn man den Effekt jeder Kraft 
rein berechnen will. 

Von diesen Grundkräften, welche die Natur jeder Substanz ausma- 
chen, müssen nothwendiger Weise alle ihre Eigenschaften herkommen. 
Die Dichte und das spezifische Gewicht stehen in einem einfachen Ver- 
hältnisse mit dem Produkt a -\- ß -^ y. Die Krystall-Form ebenfalls j 
denn sind die Axen a, b, c so ist /3 == aj und y = a^. Weil die 
Dichte und das spezifische Gewicht von den Kräften a, ß, y abhängen, 
80 muss die Dichte in der Richtung der drei Axen verschieden seyn; 
daher kommen tbeilweise die Reftexione- und Refraktions-Verschieden- 



— 327 — 

liciten des Lichtes auf den verschiedenen Krystallflächcn; daher auch 
die doppelte Strahlenbrechung, die nur in jenen Krystallen Statt hat, 
wo a b c sich nicht alle drei gleich sind. 

Die üng'leichheit der Kräfte a, ß, y scheint mir ein Grundprin- 
zip fnr alle einfache und zusammengesetzte Substanzen zu seyn; also 
müssen in den Urformen auch die Axen a, b, c ungleich seyn. Hier- 
mit befinden sich die tetragonalen, tessulai'en und hexagoualen Krystall- 
Formen gar nicht im Widerspruch, denn diese Formen entstehen nur 
aus Kombinationen der Kräfte a, ß, y. Das hatte Weiss schon langst 
angedeutet; nur muss man nicht vom regulären System ausgehen, son- 
dern von dem trimetrischen; das Reguläre ist sodann die äusserste 
Grenze der Verbindungen der Kräfte a, ß. y, welche auf den drei 
Axen so verbunden sind a -{- ß -\- y, a -p /3 -)- y, a -\- ß -\- y. 

In Kurzem werde ich Ihnen eine Mittheilung über meine Theorie 
des Dimorphismus nach diesen Grundsätzen tmachen. 

VoLTZ. 



Gotha, 27. Februar 1834. 

Indem ich Ihnen, verehrtester Freund, den richtigen Empfang eini- 
ger in der letzten Zeit von Ihnen mir zugegangenen Mittheilungen und 
Sendungen dankbarlich bekenne, darf ich nicht unterlassen, Ihnen ein 
geologisches Phänomen, das sich vor Kurzem in meiner Nähe ereignet 
hat, zu berichten. 

Am 9. Februar d. J. entdeckte ein Landcigenthümcr beim Besuchen 
eines seiner mit Getreide besäcten Äcker einen Erdfall, der sich ganz 
neuerlich ereignet hatte, doch von dessen Entstehung Tag und Stunde 
nicht bekannt geworden sind. Erst einige Tage nach dieser Wahrneh- 
mung von derselben benachrichtigt, begab ich mich am 16. an Ort und 
Stelle und fand Folgendes. 

Der Erdfall befindet sich westlich von Gotha, auf der ersten An- 
höhe, über welche die Landstrasse von dieser Stadt üach Elsenach führt, 
und die eine Fortsetzung des Krahenbergs (der beträchtlichsten der 
Anhöhen um Gotha) gegen Süden bildet. Ungefähr fünf- bis sechshun- 
dert Schritte nördlich von dem höchsten Theile der Strasse (welcher 
zugleich der höchste Punkt der ganzen Strassenlinie von Jena bis 
Eisenach ist), auf einer von diesem Punkte zum höchsten Punkte des 
Krahenberys - Waldes gezogenen Linie ist die Öffnung des Erdfalls. 
Der letztgenannte Punkt (S. 25. Nr. 20 meines Thüringischen Höhen- 
biichleins, welches Ihnen, wie ich hoffe, richtig zugekommen ist) liegt 
461 P. F. Über dem tiefsten Punkte der Stadt Gotha, und 1354 F. über 
der MeeresHache. Der erstgenannte Punkt (Birnbaum, cbendas. S. 24 
Nr. 19) 337 F. über dem tiefsten Punkt von Gotha und 1230 F. über der 
Meeresfläche. Die Stelle des Erdfalls mag ungefähr 30 F. höher liegen 



— 328 - 

als der Birnbaum. Die ganze Hochfläche umher von Gotha bis zu die- 
sem Punkte und noch viel weiter westlich bis nahe an Eisenach besteht 
aus Muschelkalk, der nur wenig von Dammerde bedeckt ist, und dessen 
Schichten auf dieser Höhe horizontal liegen. 

Das, was man vom Erdfalle sieht, ist ein länglich rundes Loch von 
unregelmässig ausgezacktem Umkreise, im grössten Durchmesser 10 bis 
12, im kleinsten 7 bis & Fuss haltend. Die Öffnung setzt in ziemlich 
gleicher Weitung und Form senkrecht in die Tiefe nieder, soweit man 
dieses , wegen der tiefer Statt findenden Dunkelheit von oben hinab 
erkennen kann, d. i. ungefähr 40 bis höchstens 50 Fuss. Sie hat ganz 
das Ansehen eines alten Schachtes, in welchem die Zimmerung nieder- 
gegangen ist. 

Von oben herab bis ungefähr in 10 — 12 F. Tiefe bestehen die 
Wände dieses hohlen Cylinders aus loser schlechter Erde mit eckigen 
Stücken von Muschelkalkstein vermengt. Von da an abwärts Zeigen 
sich die horizontal liegenden soliden Schichten dieser Fcisart mit ihren 
ringsum scharf abgebrochenen Enden. 

Ich Hess ein grosses Bündel angezündeten und mit heller Flamme 
brennenden Strohes hinabwerfen, um etwas tiefer hineinsehen zu können; 
aber dieses erlosch, als es kaum 50 Fuss tief gefallen war. Tags zu- 
vor hatte man eine Sondirung der Öffnung vorgenommen, und wollte 
bei 180 Fuss Grund gefunden haben. 

Einige Tage später Hess man einen Menschen in die Tiefe hinab. 
Leider aber ist dieser gefährliche Versuch nicht auf eine Weise vorge- 
nommen worden, welche einige Belehrung hätte gewähren können. Die 
Leitung des Versuchs war einem Polizeibeamten anvertraut worden, 
der nicht verstand, was dort eigentlich zu untersuchen war. Dieser, 
ungeachtet sich zwei Bergleute freiwillig zum Einfahren erboten hatten, 
nahm einen gemeinen Steinbrecher dazu. Dieser Mensch wurde mit 
einem Stricke um den Leib hinabgelassen, und es ist nicht einmal kon- 
statirt, ob er Licht mitgenommen hat. Das Seil, an dem man ihn hinab- 
liess, war nur 110 Fuss lang, und als er in diese Tiefe gekommen war, 
zog man ihn sehr bald wieder herauf. 

Er hat ausgesagt, dass er in eine sehr grosse Hohle gekommen 
»ey und Alles umher aus Thon und Schlamm bestehend gefunden habe. 
Gesteins-Proben hat er nicht mitgebracht. Aus Besorgniss grosser Ge- 
fahr ist der Versuch nicht wiederholt worden. 

Auf der Oberfläche um die Öfiriung her, bemerkt man nur eine un- 
bedeutende Einsenkung des Bodens, die im Halbmesser von etwa 12 F. 
von der Öff"uung nicht liber zwei Fuss Tiefe haben mag. Der Boden 
hat einige kleine Risse. 

Ungefähr 100 bis 150 Schritte östlich von dem neuen Erdfall siebt 
man den Überrest eines sehr alten, von dessen Entstehung die jetztU- 
bende Generation Nichts weiss. Dieser besteht aus einem vollkomme- 
nen Zirkei-förmigen Trichter von mehr als 100 Schritten im Umfange 



— 329 — 

und einer Tiefe von etwa 30 bis 40 Fuss. Sein Boden und seine Wände 
sind mit Gras und kleinem Gesträuche bewachsen. Noch weiter oben 
auf der Höhe befinden sich einige flache runde Vertiefungen, die Tgel- 
See^n genannt, weil sie gewöhnlich Wasser enthalten, die aucli für Erd- 
fälle gelten. In der Krahenbergs Waldung selbst sind ein paar alte 
Erdfälle. 

Da in unserer Gegend das Lager des Muschelkalks ein mächtiges 
Lager von Gyps bedeckt, das in einigen Thälern zu Tage ausgeht, am 
Seeberge durch grosse Steinbrüche entblösst, und bei dem Salzwerke 
zu Buffleben erbohrt worden ist, so ist mir sehr wahrscheinlich, dass 
sich unter der Hochfläche des Krahei\bergs beträchtliche Höhlen in 
diesem Gypslager befinden, durch welche die Erdfalle entstehen, wenn 
einzelne Stellen ihrer Gewölbdecken, zernagt, zu schwach geworden 
sind, um die aufliegende Masse zu tragen. 

In der Ebene von Buffleben, die 455 F. tiefer liegt, als die Höhr 
des Krahenbergs i wo aber der Muschelkalkstein noch von 134 Fuss 
dicken neueren Fejsartcn bedeckt ist, so dass dort seine Oberfläche 
589 F. tiefer, als auf dem Krahenberge liegt, ist er selbst 367 Fuss 
mächtig, und erst in dieser Tiefe liegt die Oberfläche des Gypslagers. 
Da aber diese überall, wo man sie in Thüringen kennt, sehr ungleich 
ist, und beträchtliche Bogen macht, so kann es wohl seyn, dass auf 
der Höhe, wo der Erdfall entstanden ist, der Gyps mit seinen Höhlen 
sehr hoch hinauftritt, und niclit mehr als 110 Fuss Muschelkalk über 
sich liegend hat. 

Da alle alten Erdfälle, die ich gesehen habe, eine Kessel- oder 
Trichterform haben, und eben so die aus alten verfallenen Scliachten 
entstandenen Pingen, so vermuthe ich, dass auch dieser neue Erdfall 
allmählich durch Nachbrechen der Seitenwände diese Form erhalten 
wird. Ich werde nicht unterlassen , ihn dann und wanu zu besu- 
chen. Die unaufliörlichen Regengüsse der verflossenen Monate haben 
vielleicht den letzten Akt des, wahrscheinlich in der Tiefe schon 
seit längerer Zeit vorbereiteten, Einbruchs der obersten Schichten her- 
beigeführt. 

Hoff. 



Tharand, 28. Februar 1834. 

Sie erhalten hier einen etwas ausführlichen Brief über gewisse 
Verhältnisse des körnigen Kalksteins, die mir von grosser Wichtigkeit 
scheinen. Auch ist es kein Wunder, wenn mich der reiche vorliegende 
Stoff zur logisch geordneten Sclireibwcise nicht kommen lässt; da sich 
bei Betrachtung eines jeden einzchien Umstandes immer zehn andere 
melden, die auch bcfücksichtiget und beschrieben seyn wollen. Die 
Hauptresultate der nachfolgenden Untersuchungen scheinen mir sehr 
augenfällige Beweise für Ihre Hypothese vom Ursprünge körnigen Kai- 



— 330 - 

kes; darum beeile ich dpren Mittheilung auch in diesem rohen Zustande ; 
später wird sich wohl Gelegenheit finden, sie weiter zu bearbeiten. 

Gestern lockte mich das schöne Wetter nach dem Triebisdithale. 
Meine Hauptabsicht v/ar, mir Aufschluss über die dortigen körnigen 
Kalksteine zu verschaffen ; Sic werden bald sehen, in wie höchst erfreu- 
lichem Grade mir derselbe zu Thei! wurde. 

Das Triebischthal ist von Herzogswalde bis Meissen überhaupt so 
überaus Ithrreicli, und aus so vielartigen Gesteinen zusammengesetzt, 
dass es den Raum für die lolniendsten Excursioncn darbietet, die man 
in hiesiger Gegend unternehmen kann. Ehe ich nun aber zur Haupt- 
sache, zur Beschreibung der äusserst wichtigen Phänomene bei Miltitz 
übergehe, erlaube icii mir, Sie flsichtig durch dieses ganze Thal hin- 
durchzuführen. 

Schon in Herzogswalde, ehe noch die Strasse den Triebischbach 
erreicht, sieht man zwischen dem Tiionschiefer des rechten Gehänges, 
der häufig von festen Grünsteinmassen durchzogen ist, einen Porphyr- 
gang von 40 bis 50 Schritt Mächtigkeit in die Höhe steigen. Leider 
Bind seine Grenzen zu beiden Seiten mit Boden und Vegetation über- 
kleidet, so dass man von den Kontakt-Gebilden nur einzelne umherlie- 
gende Stücke finden kann. Im Triebischtkale abwärts wechseln lier- 
vorstehende Grünsteinfelscn unzählige Male mit dem gewöhnlichen 
Thonschiefer, und gewähren beiden Thalgehängen eine höchst anmu- 
thige Abwechslung. Auch einzelne Lager körnigen Kalksteins finden 
sich ein, ich übergehe jedoch einstweilen ihre nähere Besclireibung, um 
sie weiter unten im Zusammenhange nachzuliolen. 

Vor Munzig kommt man aus dem Thonschiefer in Glimmerschiefer 
und Gneiss, die zuweilen von Porphyr durchsetzt sind. Sodann folgen 
die merkwürdigen Gebilde bei Miltits: Hornblende- und Glimmer- 
Schiefer, wechselnd mit Granit und körnigem Kalksteine; ferner die 
Syenite bei Robschütz, ein Petrefakten-reiches '0 über 30 Fuss mächtiges 
KalktuiTlager tragend , und endlich die schönen Meissner Pechsteine 
und ihre Übergänge in Porpliyr, von denen man zwischen Karsbach 
und dem Buschbade (also in halbstündiger Entfernung) mehr als 100 
wesentlich verschiedene Varietäten sammeln kann **). 

Ich wende mich nun zu dem Miltitzcr Kalksteinbruche '"**) zurück, 
von dem ich Ihnen eine flüchtige Skizze hier beilege. Stellen Sie Sich 
in Gedanken mit mir vor diese intcresr-ante 60 bis 70 Fuf's hohe Fels- 



*) Mein Vcater besitzt eine sehr vollstiindige Suite der dort vorlvonimenden Versteine- 
rungen, worunter sicii ein Mensclien-Scliiidel besonders auszeichnet. Blätter, 
Moose, Haselnüsse, Hirschgeweihe, Knochen, vollständige Schlangengerippe, Land- 
schiiecken u. s. w. sind alle in grosser Deutlichkeit vorhanden. 

'i"') Herr Professor Rossmässi-er allhier sammelte in kurzer Zeit eine Meisi/ifr Pecli- 
stein-Suite von mehr als 1.50 Abänderungen. 

♦'■*) Am linken Gehänge des 'friehitchChaUs, östlich von Miltilz gelegen, dem Herrn 
■». HEisiTi gehörig. 



~ 331 — 

wand, die durch einen früheren Tagebau auf Kalkstein gebildet worden 
ist, und jetzt leider einzustürzen droht. 




Zuoberst sehen Sic ein dunkelfarbiges Schiefergesteiu (a). welches 
sich auch in der Mitte wiederholt, und aus Hornblendeschiefer 
Gesteht, der jedoch oft in grauen Glimmerschiefer übergeht, ohne 
dass man irgend eine Grenzlinie zwischen beiden wahrnehmen konnte. 
Nur aus heruntergefallenen Bruchstücken kann man dieses Phänomen 
beurtheilen, da die Felswand selbst sich ohne hohe Leiter nicht be- 
steigen lässt. 

Das erste auffallende Lager von oben herein ist hierauf eine 4 bis 
6 Fuss mächtige Granit bank (b), das zweite, am Boden des Bruches, 
eine S bis 25 Fuss mächtige Lager- förmige Kalkraasse (c). Alle 
diese Gesteine zeigen theils durch ihre Schieferung im Innern, theils 
durch ihre äusseren Begrenzungen, ein unter sich paralleles Fallen von 
etwa 20° gegen NW. — Das Gehänge ist mit Schutt und Gerolle 
bedeckt (d). 

Betrachten wir nun zunächst jene Granitbank genauer, so fisidcw 
wir ihre obere und untere Grenzfläche etwas Wellen-förmig gebogrii, 
so dass dadurch die Verschiedenheit ihrer Mächtigkeit hervorgebracht 
wird, die wir oben angaben. An der südlichen Kante der Felswand 
enthäjt diese Lager-förmige Granitmasse ein ansehnliches Schiefer- 



, - 332 - 

Fragment (a) völlig in sich eingeschlossen und, wie es seheint, mehrfach 
von Granitadern durchdrungen. Ausserdem zeigt dieses Gestein überall 
scharfe Grenzen gegen den Schiefer, die, %vie es sich aus umherliegen- 
den Stücken ergibt, zum Theil glatte Rutschflächen sind. Es ist scharf- 
kantig und glattflächig abgesondert, fleischroth von Farbe , viel mehr 
Quarz und Feldspath, als Glimmer enthaltend *), von mittelmässigem, 
doch ungleichförmigem Korne und auf den Klüften gewöhnlich mit tal- 
kiger Substanz überzogen, welche auch im Innern sich wieder findet. 
Oft sind kleine Granaten eingemengt und an den Grenzen gegen den 
Hornblendeschiefer führt es einzelne Turmalin-Krystalle und enthält da- 
selbst sogar ansehnliche Massen dieses Minerals, wie man an einem 
grossen Blocke sehen kann, der neben dem Stollenmundloche liegend, 
halb aus Granit, halb aus Hornblendeschiefer besteht, die, beide fest mit 
einander verschmolzen, dennoch eine scharfe Grenze zeigen. 

Sie werden in diesem Gesteine leicht den Granit von Hohenstein, 
fZscheila, Weinböhla und Meissen wieder erkennen **), der hier aber 
nicht den Syenit, sondern den Hornblendeschiefer durchbrochen hat, 
und zwar nicht Gang-förmig, sondern in Gestalt eines Lagers, wie es 
ihm die Richtung der Schieferung am leichtesten gestattete. 

Der körnige Kalkstein wurde an dieser Stelle schon seit der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts abgebaut, zuerst steinbruchweise, jetzt unter- 
irdisch durch Pfeilerbau, der bei Fackelschein befahren einen grossarti- 
gen Eindruck hervorbrinjjt. Dieser Kalkstein ist nach allen Richtungen 
zerklüftet, und auf den Klüften stets mit rothem Eisenoxyd überzogen, 
so dass seine Masse im Ganzen als rother Streif im dunkelfarbigen 
Schiefer erscheint. Im frischen Bruche aber ist er gewöhnlich rein 
weiss und vollkommen körnig blätterig, selten ins Röthliche oder Grau- 
liche spielend ***). Seine Grenzen gegen den Schiefer sind stets sehr 
scharf, im Grossen oft, im Kleinen selten Wellen-förmig, oder, wie es 
aus umherliegenden Bruchstücken hervorgeht, verzahnt, in der Weise, 
dass der Kalk Gang-förmig in den Schiefer eingedrungen ist. Merk- 
würdig sind besonders die manchfachen Kontakt-Erscheinungen, welche 
an diesen Grenzen sich finden. Gegenwärtig lässt sich am anstehen- 
den Gestein über Tage nur die obere Grenze beobachten ; hier ist der 
Schiefer zunächst dem Kalk gewöhnlich sehr verwittert und, wie es 
scheint, an sich selbst herumgerieben, ohne jedoch eigentliche Rutsch- 
flächen zu zeigen. Braunes Eisenox^'d, kleine Kalkfragmente enthal- 
tend, dient oft als Zwisrhenlagc, und ein anderes ähnlich vorkommen- 
des pulveriges Mineral ist wahrscheinlich Mangan. Noch auffallender 
und schöner sind die Kontakt-Erscheinungen, die man an ausgeförder- 
ten Stücken beobachtet, und die, wie ich vermuthe, von der unteren 
Grenze herstammen. Der körnige Kalk ist hier dicht mit dem Horn- 



■■■) Letzterer felilt zuweilen gnna und das Gesitein erscheint dann als Scliriftgranit. 
*■) S. oben S. 132 ff. 

r««) Auch Drusenräume, mit i^knlenocdrischcn KrystallcQ besetzt, ünden si«h im li 
nern, doch selten. 



— 333 — 

blendeschiefer zusammengesclmiolzen, welcher letztere in seiner Nähe 
gänzlich verändert, viel fester, blasser von Farbe und undeut* 
lieh schieferig geworden ist*); er verhält sich zum unveränderten 
etwa so, wie am Harz gewisse Hornfelse zum Grauvvackcnschiefer. 
Einige scharfkantige Bruchs tücke sind rings vom körni- 
gen Kalksteine umschlossen, der hier an der Grenze zuweilen 
viel feinkörniger, (fast dicht und Clialzedon-artig) oft mit einem bräun- 
lichen Rande umgeben ist. Besondere Mineralien als Produkte der 
gegenseitigen Einwirkung finden sich ein: Eisenkies in ziemlicher 
Menge, kleine schwarze Magneteisenkörner und feine prismati- 
sche Krystalle eines bis jetzt nicht näher bestimmten Minerals. Zwar 
sieht man über Tage den Kalk nirgends von Glimmerschiefer begrenzt, 
dennoch befinden sich unter den ausgefördcrten Stücken solche, wo 
körniger Kalk in das Gewebe des Glimmerschiefers eingedrungen ist, 
und hier gerade Magneteisen, nebst jenen feinen Krystallen enthält. 

Ausser diesen merkwürdigen Kontakt-Produkten finden sich auf der 
Halde auch noch Breccien-artige Gesteine, deren Lagerstätte und Be- 
ziehung ich leider nicht zu ermitteln vermochte. Sie bestehen fast nur 
aus Kalk; indem nämlich körnige Kalkstücke durch Kalkmasse 
gebunden sind, die zuweilen krystallinisch und drusig einzelne Gra- 
nit- und Schiefer-Fragmente enthält. Ein ähnliches Gestein 
haben Sie, wenn ich nicht irre, in dem unteren verfallenen Bruche ne- 
ben der Rossbach bei Auerbach gefunden , und desslialb erwähne ich 
seiner, ohne mich in weitere Vermuthungen über seine Entstehung einlas- 
sen zu können. 

Suchen wir nun für alle die obigen Erscheinungen eine befriedi- 
gende Erklärung, so sind wir offenbar genöthigt, den Miltiizer körni- 
gen Kalkstein gleich vielen anderen nach Ihrem Vorgange für feurig 
flüssig zwischen die Lagen des Hornblendeschiefers 
eingedrungen zu halten; eben so wie wir dieses von dem darüber 
liegenden Granite mit Bestimmtheit zu glauben bereclifigt sind. Ohne 
hier die ungezwungene Weise, mit welcher diese Hypothese alle Neben- 
umstände von selbst erläutert, weiter zu entwickeln, müssen wir so- 
gar anerkennen, dass es an und für sich die einzige mögliche Erklä- 
rungsart ist. 

Dem Neptunisten steht bei diesem Falle schon der plötzliche Wech- 
sel dreier, ihrem Wesen nach ganz verschiedener, Gesteine entgegen; 
denn wie sollte es wohl denkbar scyn, dass durch krystallinischen Nie- 
derschlag aus einerlei wässeriger, oder anderer Auflösung, mitten wäh- 
rend der Hornblende- und Glimm erschief er-Bild aug, erst ein 
gering-mächtiges Lager ganz reinen Kalksteins, und dann eine 
schwache Schicht von Granit gebildet worden sey, ohne dass die geringste 



Auf 1 bis 2 Z.0II Entfernung erscheint der ausierdem dimkelgrfine Scliiefer 
hellgrün, dicht und splitterig im Bruch, co dasB-«r nicht mehr Echiefcrig, londern 
nach allen Richtungen ipaltet. 
Jahrgang 1834. 22 



- 334 - 

Spur von Übergang (sondern vielmehr überall vollkommen scharfe Gren- 
zen) zu sehen wären. Nicht zu gedenken, dass auch die anderen Um- 
gtände die manchfachen Kontakt-Erscheinungen u. s. w. auf neptunische 
Weise unbedingt nicht erklärt werden können. Fast alle diese Hinder- 
nisse stehen auch der Annahme einer gleichzeitigen Erstarrung au« 
heissfliissi!2;or Planctenmasse im Wege. 

Wer dagegen allen körnigen Kalkstein für umgewandelten dichten 
halten wollte (wie es einiger allerdings gewiss ist), auch dem stehen 
hier eine Menge Verhältnisse entgegen, die auf solche Weise nicht zu 
erklären sind. So besonders die scharfkantigen Bruchstücke des Schie- 
fers im Kalk, und die allgemeinen Lageruugs-Verhältnisse, welche zu 
erklären man voraussetzen müsste: der Hornblendeschiefer habe bei 
seinem licissflüssigen Empordringen eine ungeheuer grosse, aber nur 
einige Fuss dicke Kalkplatte aus allem früheren Zusammenhange ge- 
rissen, zwischen sich eingeschlossen und durch und durch gleichförmig 
umoewandelt, so dass von dem ehemaligen dichten Kalksteine nicht eine 
Spur mehr aufzufinden wäre : — so eine grosse dünne Platte, ohne sie 
zu zerbrechen!! — Die vicljährigen Abbaue haben ihren Umfang schon 
auf mclircre 1000 □ Fuss mit Bestimmtheit nachgewiesen. 

Für die Annahme des selbstständigen Empordringens hingegen 
nprcchcn nicht nur alle am Kalke zu beobachtenden Umstände, sondern 
auch der darüberliegendc Granit bietet in aller Hinsicht ein sehr ana- 
loges Parallel-Phänomen dar; so dass die Erklärung des einen gewiss 
auch die des anderen seyn muss. 

Vergleicht man nun aber die Erscheinungen, unter welchen dieser 
Kalkstein bei MiltiH auftritt, mit denen, welche man an den anderen 
körnigen Kalksteinen, weiter oben im Triebischthale ^ (und in dessen 
Nähe) bei Sckmiedetvalde, Burkhardsdorf.) Blankenstein, Steinbach und 
Belhigsdorf beobachtet, und vergleicht man ferner diese Gesteine selbst 
mit jenem, so ergeben sich eine Menge wesentlicher Unterschiede. 

Was zunächst das Gestein selbst betrifft, so sind alle jene anderen 
Kalksteine in hiesiger Gegend mehr grau von Farbe und weniger 
krysfallinisch ; nie durchaus weiss, sondern höchstens von weissen kry- 
staUinisclicren Lagen in der Pvichtung der Lagerung durchzogen, in 
der Art, dass oft eine auftallcnde Streifung dadurcii entsteht: ein Wech- 
sel von grauen und weissen Streifen, die auf merkwürdige Weise ge- 
bogen, durcheinander gewunden und aneinander abstossend, aber immer 
dei- Lagerung mehr oder weniger parallel crsclieinen. Diese Kalksteine 
putsprechen alle in vieler Beziehung dem Tharander , den Sie selbst 
anstehend gesehen haben: nur so viele Drusen und Braunspatliadern 
enthalten sie niclit, wainsclicinüoh weil sie von keinen Porphyr-Gängen 
durchbrochen sind, wie der hiesige '■'). Ihre Grenzen gegen den um- 

*) Dip n-ciinlHilisPii Mineralien in fJen Driisenräiiincn des hiesigen Kalkstein» — 
li/aiiBül)'''*''- Schvverspatli, Gyps, Bleiglair/., Eisenkies. Blende u. ». w, — schreibe 
irl] dor BiawirUung dc^ »pjitcr ruipoigrriningrnen Poi'pliyrs zu. 



~ 335 — 

»chliessenden Thonsehiefer sind nie scharf, sondern durch immer dän- 
nef werdende, in den Schiefer ein;jcwebte Kalk-Lamellen bezeichnet. An 
eingebackene Stücke ist nicht zu denken — zwar sind die wunderlichen 
Biegungen der nächsten mit Kalk durclnvebtcn Schieferlagen oft sehr 
auffallend, so biesonders bei Steinbach (ähnlich bei Tharaml); diese an. 
scheinenden Zeugen gewaltsamer Eintreibung scheinen jedoch keine 
andere Entstehungsursache zu haben, als die sonderbar gewundenen 
Streifen im Innern des Gesteins selbst. Wenn man nämlich mit mir 
annehmen wollte, diese Kalksteine seyen mit dem Schiefer- 
Gebilde zugleich an der feurig-flüssigen Erd-Oberflä che 
erstarrt, so würde sich aus der mehr krystallinischen Beschaffenheit 
und aus dem anderen Schmelzgrade des Kalkes von selbst ergeben, 
dass er in ungleicher Zeit mit dem Schiefer — und zwar später — 
fest wurde: hierdurch aber musste die zwischen zwei erstarrte Flächen 
eingeschlossene bewegliche, zähflüssige Masse nothwendig zu solchen 
Störungen und Biegungen im Nebengesteine und in sich selbst Veran- 
lassung geben, wie wir sie finden. Es sind diess Erscheinungen, wel- 
che ein nicht undeutliches Bild vom fluthenden Hin- und- Herdrängen der 
im Erstai'ren begriffenen Steinmasse zu geben vermögen. 

Noch eine andere besondere Eigenthümlichkeit, welche die gleich- 
zeitig mit dem Nebengestein erstarrten Kalksteine wesent- 
lich von den später emporgedrungenen, noch ausser jenen in- 
neren Biegungen und ausser dem Verwebtseyn im Hangenden und Lie- 
genden, zu unterscheiden scheint, ist ihre weniger weisse und röthllche, 
mehr graue, bläuliche oder grünliche Farbe, vielleicht von dem Grad 
der Oxydation des beigemengten Eisens herrührend, und der Umstand, 
dass sie seltener fremdartige Mineralien enthalten. 

Zum Schluss will ich Ihnen nur noch kurz diejenigen Belegstücke au» 
dem Miltitzer Bruche schildern, die Sie mit nächster Gelegenheit vori 
mir erhalten. 

Mit No. 1. sind drei Varietäten des Schiefers bezeichnet, welcher 
den Granit und Kalkstein einschliesst, zwei davon sind Hornblendeschie- 
fer, das dritte Glimmerschiefer. 

No. 2. Sind zwei Stücke Granit, von denen das eine eine deutliche 
Rutschfläche zeigt, die beim Forniatisiren eben so abziispiiiigon droht, 
wie das bei den Heidelberger Granit -Rutsriiflächen gevvölinlicb der 
Fall ist (Wirkung der schnellen Erkaltung). 

No. 3. Sind lauter Grenzstücke, an denen der Kalkstein niul Hörn 
blendeschiefer dicht vers(hmolzen erscheinen, und zwar: 

a) der Kalk ist Hakeii-törmig in den Schiefer eingedrungen , ein 

bräunlicher, %veniger körniger Rand umgibt ihn. Der Schiefer ist 

auf j bis 2 Zoll Entfernung gebleicht, mit kleinen Kieskrystalleui' 

imprägnirt und Ilornstein-artig fest geworden. 

b u. c) zeigen ungefähr dieselben Erscheinungen, doih nieirr gerade 

Grenzlinien zwischen Schiefer und Kalk, 
d) Der Kalk erscheint Keil-förmig zwischen die Schieferiagen einge- 

6)* 



- 336 — 

»wängt, an mehreren Stellen dunkelbraun und glanjtend, so dass 
man geneigt ist, ihn für Granat zu halten. 

e) Die Grenze geht der Schieferung vollkommen parallel, und ist 
durch eine Eisenkies-Lage bezeichnet, deren im Schiefer noch 
mehrere aufeinander folgen, sich Gang- artig in den Kalk hinein 
verzweigend, der an diesem Kontakt-Punkte höchst feinkörnig 
(Chulzedon-artig), grau und röthlich gefärbt erscheint, und eine 
Menge Schiefer-Fragmente umschliesst. 

f) Der Kalkstein enthalt eine grosse Anzahl zum Theil sehr scharf- 
kantiger Schiefer-Bruchstücke, ist mit Eisenkies durchzogen, und 
zeigt kleine schwarze Punkte — vielleicht Magneteisen. 

g) Der Kalkslein ist von Glimmerschiefer (alles Vorige war Horn- 
blendeschiefcr), doch überall mit scharfen Konturen, durchwebt. 
Er enthält grüne Glimmertheile, Magneteisen und an einer 
Stelle feine prismatische Krystalle eines noch zu bestimmenden 
Minerals. 

No. 4. Braunes Eisenoxyd, mürbe Kalk-Fragmente enthaltend, wel- 
ches sich an der oberen Grenze zwischen Kalk und Schiefer findet. 

No. 5. Verwittertes mit Eisenoxyd überzogenes Schiefergestein, von 
der oberen Grenze des Kalks, welches gegenseitig aneinander herunige- 
rieben zu seyn scheint. 

No. 6. Braunes Pulver-fdrmiges Mineral von der oberen Kalk-Grenze 
— vielleicht Mangan? 

No. 7. Weisser Kalkstein aus der Mitte der Lager-förmigen Masse. 
Wo. 8. a) Kalk-Brecciengestein, dessen Lagerung mir unbekannt, 
b) Dessgleichen, mit krystallinischem Bindemittel, Granit- und Kalk- 
Stücke einschliessend. Eins der letzteren zeigt eine auflaliend 
gebtallete. abgerundete, wie geflossene Oberfläche. 

B. COTTA. 



Mlttiicilungen an Professor Bronn gerichtet. 

Wieii) 25. Dezember 1833. 

Nachdem ich Breslau verlassen, durcluvandcrte ich Ober-Schlesien 
und Gulnien. Lill von Lilieisbach sagt in seiner Abhandlung über 
das Becken von Galizien und Pudolien ("M^»t. Süc. geoL 92), dass 
der Jurakalk von Podgorxe kieselige Konkrezionen enthalte, worin man 
hin und wiedei- Muschel-j\bdrücke finde, von denen er jedoch mit Ge- 
wissheit nur Pcctinitcn nennt. Nachdem ich an Ort und Stelle 
aeibst gewesen, scheint mir, Jassc sich die Sache so aulfassen: 

Diese kicselif,en Massen (Feuersteine) sind im Allgemeinen abge- 
rundet, übrigpus aber von allen Gestalten, zylindrisch, Thierknochen- 
abnlich, von Lüchern duicbbohrt u. s. w. Sie sind zwar einzeln von 



— 337 — 

einander gesondert, bilden im Ganzen jedoch 1' — »' dicke Scliiclitea, 
welche 2' — 5' von einander entfernt sind. Diese Schichten sind fast 
söIiHg, und die Feuersteine liegen darin mit ihrem grösseren Durch- 
messer fast nach alleft Riclitungen. Sie cuthalten keine Muschcl-Ab- 
drücke, wie Lill angibt, sondern auf ihrer ganzen Oberfläche ringsum 
sind Trümmer von lauter kleinen und mikroskopischen Individuen von 
Konchylien angekittet. Nach allem dem scheinen jene Kieselsteine keine 
Konkrezionen, dem Kalkstein selbst angehörig, zu seyn, sondern wirk- 
liche Geschiebe, welche lange Zeit auf der Oberfläche des Kjilksteines 
gelegen, oder von Ferne dahin geführt worden sind, und auf ihrem 
Wege jene Konchylien-Trümmer gleichsam aufgesammelt haben, weil 
der kompakte Kalk selbst gar keine Konchylien — oder wenn ja, doch 
von anderer Art — enthält. Ich iiabe hier nur Terebratula obovata 
finden können, während alle Kiesel-Steine ganz mit kleinen Konchylien- 
Theilen überzogen sind, um welche zu entdecken man jedoch die Steine 
gut waschen und von einem Überzuge eisenschüssigen Lehmes befreien 
muss. Ich sende Ihnen von der Gebirgsart sowohl als von diesen Feuer- 
steinen Muster zur Untersuchung der daran befindlichen- Konchylien, 
damit sie das Formations-Alter bestimmen *). 

Es ist noch zu bemerken, dass Lill, von den Tertiär -Bildungen 
bei Chelm an den Ufern des Raha, SO. von Wieliczka, sprechend, 
eines kalkigen Sandsteins erwähnt (S. 72), welcher viele zerbrocliene 
kleine Konchylien nebst Pflanzen-Resten enthalte , und zuweiieu sehr 
eisenschüssig seye. Sollten die erwähnten Feuersteine, wie es doch fast 
scheint, mit ihm einige Beziehung haben, so nnisste der Kalk von Pod- 
gorxe jünger als dieser, er daher entweder älter als tertiär, oder der 
Kalk jünger seyn, als Lill angibt. 

J. EzaUERRA DEL BäVO. 



Stuchhoim, 7. Mäiz 1834. 
Im Thoneisenstein von IJöganäs in Schoonen, welcher wahrschein- 
lich zur Lias-Forraation gehört, findet man kleinere oder grössere Ku- 
geln, die ich auf Taf. III, Fig. 3 a, b, in dem noch nicht erschiene- 



•) Das übersandte Exemplar Feuerstein ist unregelmassig zylindriscli, schwarz, aussen 
kaum auf eine Dicke von 3'"— 6'" weiss. In beiden Theilen gevvalirt mau auf dem 
Bruche kleine Flecken, aus deren Form jedoch nichts über ihieu Ursprung zu 
entnehmen ist. Auf der weissen Oberfläche aber stehen allcrwärts kleine, un- 
deutliche Konchylicn-Reste hervor und maclien sie rauh. Drei bis vier davon 
stammen bestimmt von Muscheln ab, und zwar von zwei verschiedenen, kleinen 
Arten, wovon eine strahlig gerippt und konvcs, die andere glatt und ziemlich 
flach ist, keine aber »ich, ihrer Unvollständigkeit wegen, näher bestimmen lässt. An- 
dere Reste sehen wie Milioliten aus. Genauer lässt sicli nichts melir erken- 
nen. Aber alle diese Reste »ind selbst in Kieselmasse verwandelt, folglich bei 
der Bildung dieser Konkretionen schon vorhanden gewesen , und wahrscheinlleh 
durch Zersettung der Oberfläche wieder iieraus getreien S«. 



— 538 — 

nen sechsten Hefte meiner „Anteckningar i Physiifi och Geognosie" ab- 
gebildet habe, und von welchen mehrere, wie es scheint, durch einen 
zylindrischen Stiel , der zur Hälfte von jeder Kugel umwachsen ist 
und so durch sie hindurch geht, vereinigt gewesen sind. Keiner un- 
serer Naturforscher vermag eine wahrscheinliche Hypothese über 
ihren Ursprung aufzustellen; — wären sie vielleicht vegetabilischer Ab- 
stammung? 

Auf derselben Tafel, Fig. 1 finden Sie den Kopf eines Kriuoideen, 
welcher viele Verwandtschaft mit Actinocrinites tesseraconta- 
dactylus von Goldfuss besitzt; und Fig. 2 ist ein anderer von zwei- 
felhaftem (?Platycrinites oder ?Eugeniacrinites) oder wohl 
ganz unbekanntem [so scheint es, Br.] Geschlecht abgebildet. Beide 
stammen von Klinteberg auf der Insel Gottland und zwar aus den obe- 
ren mergeligen Schichten des jüngeren Intermediär-Kalkes. 

Meine Genera Euomphalus und Cirrus sind nicht ganz iden- 
tisch mit denen von Goldfuss und Sowerby, das erstere wenigstens ist 
nur eine Unterabtheilung von Solarium, wie auch Deshayes bemerkt. 
Mein Geschlecht Centrifugus, Heft V, Taf. I, Fig. c, d (Helici- 
tes centrifugus Wahlenb.) ist ohne Scheidewände im Inneren, 
tann daher nicht zu Lituites gehören, wie ich lange geglaubt hatte. 
— Von meiner Turritclla cingulata (HeftV, Taf. II, Fig. 1.) habe 
ich in allen Sammlungen bis jetzt nur ein Exemplar gefunden, aber 
ihre Steinkerne sind auf Gottland nicht selten. 

W. HiSINGER. 



Wilhelmshall bei Rothweil, 9- April 1834. 

Mit meiner Arbeit über den bunten Sandstein, Muschelkalk und 
Keuper bin ich endlich fertig, und hoffe sie Ihnen noch im Laufe des 
Sommers gedruckt zusenden zu können. Sie hat eine grössere Aus- 
dehnung erhalten, als ich ihr Anfangs zu geben im Sinne hatte. Ich 
habe die Absicht, eine Suite aus jenen Formationen als Belege meiner 
Arbeit im September mit nach Stuttgart zu bringen und sie dort auf- 
Kustellen. — 

Neulich fand ich, was Sie wohl interessiren wird, den Schnabel 
des Conchorhynchus ornatus Blainv. in einem theilweise mit 
gepia überzogenen, Flügel-artig nach beiden Seiten verlängerten Sacke. 

V. Alberxi. 



Neufchätel, 10. April 1834. 

Nun ist auch die 2te Lieferung der Poissons fossiles an die Buch- 
faandlungen versendet, und bis Ende Juni wird die dritte fertig werden, 
▼on welcher «chon ein paar Bogen gedruckt sind. Iip Sominer ^enke 



— 339 — 

ich nach England auf den Fischfang zu gehen, wenn es meine Gesund- 
heit erlaubt. 

Die Untersuchung der harten Theile der Crustaceen [zielit mich 
jetzt sehr an. Ich widme ihr alle freie Zeit, um dereinst diese Theile 
mit denen der fossilen Arten vergleichen zu können. Es gibt wohl 
nichts Aufmunternderesj als in dem unzähligen Heere der Glieder- Thiere 
auch so bestmimte Formen, solche Gesetzmässigkeit der Anordnung und 
der Verhältnisse wahrzunehmen, dass nach langem Studium die Her- 
stellung eines Ganzen aus losen Theilen möglich scheine. Schade nur, 
dass die hartschaligen Glieder-Thiere, ihrer Kleinheit wegen , in den 
Sammlungen so vernachlässiget worden *). In der That ist auch die 
Unzahl ihrer lebenden Arten und die Vervielfältigung ihrer Genera fast 
zurückschreckend. 

AOASSIZ. 



*) Herr Dr. De Haar in Leyden Ist eben mit Slinlichen Untersuchungen, docli haupt- 
säclilich nur rüekslchtlicli der Fresswerkzeuge der Crustaceen beschäftigt. Br. 



Neueste Literatur, 



A. Bücher. 
1S30. 

Akdu. Ure : neues System der Geologie ; a. d. Engl. Weimar, gr. S**. mit 
17 Hthogr. Tafeln (6 fl. 18 kr.) 

1831. 

Werber: Tlieorie der Quellen, und über die Heilquellen am Knibis. 
Freiburg, 56 pp. 8". 

1832. 

J. E. Pohl: Beitrage zur Gebirgs-Kunde Brasiliens, nebst Aufzählung 
alier eingesammelten und im K. K. Brasilianer Museum in Wien 
aufbewahrten einfachen und zusammengesetzten Fossilien. Ite Ab- 
thellungj mit einer lithographirten geognostischen Ansicht. Wien, 
8®. (1 fl. 50 kr. — Besonders abgedruckt aus desselben Reise ins 
Innere von Brasilien, Iter Thl.) 

C. V. Schreibers: über den Meteorsteinfall auf der Herrschaft Wessely 
in Mähren, am 9. Septbr. 1831, nebst der Analyse dieses Steines 
von Dr. vof? Holger. Wien, 8" (besonderer Abdruck aus Baüm- 
OABTif. Zeitschrift, HI.) 

1833. 

K. E. A. vopf Hoff: Höhen-Messungen in und um Thüringen, gesam- 
melt, verglichen und mit Bemerkungen begleitet, nebst 2 Steindruck- 
Blattern. Gotha 170 SS. kl. 4". 

Th. de Bordeaux: Rechercbes sttr l£S eaux minerales de» Pyrenees. 
Paris 8"". 

B. Zeitschriften. 

C. J, ß, KaRstek's Archiv für Mineralogie, Geognosie, Berg- 
bau u. Hüttenkunde, BerUn, 1833. YL U8 SS. u. XY Tafeln. 



— 341 — 

V. OBYNMJkUSEN Und V. Dechen: über den Steinkohlen-Bergbau in Eng- 
land, gesammelt auf einer Reise in den Jahren 1826—1827 (Be- 

schluss). S. 3—216. 
Kaup: Vier urweltliche Hirsche des JDarwÄtäJfer Museums. S. 217— 223. 
— Eine Berichtigung, den Hippopotamu« major betreffend. 

S. 223—228. 
Fn. Hoffmann: die Gebirgs-Verhaltnisse In der Grafschaft Massa Cor- 

rara. S. 228—263. 
V. Eschwege: Geognostische Verhältnisse der Gegend von Porto, nebst 

Beschreibung des Steinkohlen • Lagers bei 8. Pedro da Cava. 

S. 264-276. 
C. Naümanw: über einige geologische Erscheinungen In der Gegend 

von Mittweida. S, 277—289. 
Du Bois: Geognostische Bemerkungen über einige Gegenden in der 

Ukraine, S. 290—298. 
A. V. Strombeck : über die Lagerung der Niederrheinisciten Braunkohle 

S. 299—316. 
Noeggerath: Nachschrift hiezu. S. 317—318. 
Bürkart: über die geognostischen Verhältnisse und Betriebs-Resultate 

der Silber-Bergwerke von Veta Grande in Mexico. S. 319—342. 
Sello: über Seilbohren nach Art der Chinesen. S. 343—369. 
w. Decuen: Versuche über die Tragkraft gegossener eiserner Schienen 

S. 370—412. 
Borkart: Geognostische Bemerkungen über die Berge von Santiago im 

Staate St. Louis PotosL S. 413—421. 
— Beobachtungen auf einer Reise von Ramos nach Catorxe. 

S. 422—430. 
A. V. Strombeck: über die von Fox angestellten Versuche in Be- 
zug auf die elektro-magnetische Äusserungen der Metall - Gänge. 

S. 431—438. 
Bupf: über Gang-Bildungen, welche eine Lager-artige Entstehung 7,u 

haben scheinen. S. 439 — 443. 
Schmidt: Vorkommen des Kohlenstoffs und seiner Verbindungen in den 

Blasenräumen basaltischer Gebilde. S. 444 — 448. 

Transactions of the Royal Geological Society of Com- 
wall. Vol. IV, 1833. 

enthält, ausser den Berichten in Beziehung auf die Gesellschaft selb.st, 
folgende Abhandlungen : 

J. Garne : Nachträge zur Mineralogie des Kirchspiels St. Just. 

W. J. Henwood: Bericht über die weiteren Fortschritte in der geolo- 
gischen Übersicht der Minen Cornwalls. 

G. Pigott: Vorläufige Bemerkungen über die Küste des Lands-end- 
Bezirkes. 

H. S. Boabe: Versuch, die Natur der Primär- Gebirge und insbeBondere 
des Quarz fels zu beleuchten. 



— 342 — 

J. Cirne: über das Vorkommen voo erdigem phosphorsaurem Eisen auf 

Erzgängen. 
W. J. HE^wooD: Beobachtungen über die Stärke des Erdmagnetismus 

zu Carn-Brea Castle, an der Oberfläche der Dolcoath-GmhQ und 

in 210 Faden Teufe in derselben. 
G. Pigott: Notitz über einen Granit-EIvan in Granit zu Pedn-merer- 

mere bei St. Levan. 
H. S. BoASE : über Natur und Ursprung der einheimischen und der her- 
beigeführten Ablagerungen in Cornwall aus der neuen geologischen 

Epoche. 
W. J. Henwood: über einige sonderbare Kreutzungen von Gängen in 

der Volcoath-Gvvihe. 
J. Carne : Bericht über die Menge von Zinn , welche in Cornwall 

und Devon in dem Jahre bis im Sommer - Quartal 1833 erzeugt 

worden. 
A. Jenkjn: Bericht über die Menge von Kupfer, welche in Cornwall, 

und in Grossbritannien und Irland im Jahre bis zum 30. Juni 1833 

erzeugt worden. 

D. Brewster, R. Tayi^or and R. Phillips: the London and Edith 
burgh P hilosophical Magazine and Journal of 
Science. London 8®. Nro, 13, July 1833; Vol. III. 1—320. 

Tu. Petherick: Versuch über den Elektro - Magnetismus von Metall- 
Gängen in einer Kupfergrube Irlands. S. 16—17. 

J. Bepjnett's: über den Elektro - Magnetismus von Kupfergängen in 
Cornwall. S. 17— 18. 

Bericht über eine von Edw. Türner in einer von den Abend-Versamm- 
lungen bei der Universität London gehaltenen Vorlesung über 
Chemie und Geologie. S. 21—28. 

N. J. WiNCH : Beiträge zur Geologie von Northumberland und Durham. 
S. 28—35. (F. f.) 

R. J. Mürchison: Jahresbericht über die Leistungen in der Geolo- 
gie , beim Abgang vom Präsidenten - Stuhl der geologischen Ge- 
sellschaft in London am 12. und 15. September 1833. (Schluss). 
S. 42—59. 

J. Holdsworth: Notitz über die Entdeckung von Kohlen - Lagern 
und fossilen Früchten zu Bülesdown Coplow in Leicestershire, 
S. 76—79. 

J. Bryce : Liste einfacher Mineralien in den Grafschaften Downy Antrim 
und Derry. S. 83—87, 

N. J. Winch: Fortscfz. zu S. 35. — S. 92—99. 

W. D. Conybeare: ^ber Holdsworth's (S. 76) angebliche Entdeckung 
von Steinkohle. S. 112—114. 

N. J. Winch: Fortsetzung zu S. 99. — S. 200—204. 

Verhandlungen der geologischen Sozietät: S. 219—231. 

Cook: Beschreibung von Theilen der Königreiche Valencia, Murcia und 
Granada im Süden von Spanien. S. 219. [Jahrb. 1833. S. 704.] 



— 343 - 

D. Bbewstjer: Beobachtungen über Struktur und Entstehung des Dia- 
mants. S. 219—220. [Jahrb. 1834, S. 225.] 

L. Horner: Geologie der Umgegend von Botin. S. 220—224. [Jahrb. 
1833. S. 570.] 

R. J. Mürchison: über die Sedimentär- Ablagerungen im westlichen 
Theile von Shropshire und Herefordshire, welche SW. durch Rad- 
nor, Brecknock und Caermarthenshires fortsetzen u. s. w. S. 
224—231. [Jahrb. 1834. S. 83]. 

G. Fairholme: einige Bemerkungen über die Natur der Steinkohle und 
die Art, wie die verschiedenen Schichten der Kohlen-Formation ab- 
gesetzt worden seyn mögen. S. 245 — 252. 

N. J. Winch: Beschlusa zu S. 204 — S. 273—277. 



Auszug 



I. Mineralogie, Krystallograpliie, Miueralchemie. 

Krystallisation des Antini onnickel-Kiese s oder «ynthe- 
tischcn Markasiukieses (Nickel- Antimonglanz), nach BREiTHAUPTi 
(Schweigger-Seidel, n. Jahrb. d. Chem. 1833. II. 16, S. 445 ff.). Die 
von LoMMEL auf der Grube freudiger Bergmann zu Klein - Frössen 
bei Ebersdorf im Reuss-Lobensteinischen aufgefundenen Krystalle sind 
Oktaeder, einige mit abgestumpften Ecken , auch wohl noch mit abgc- 
etumpften Kanten, 



Zerlegung zweier neuen Varietäten von Haindingerit 
von Berthier. (Ann. des Mines ; 3'"*^ Serie,- T. IIl, ff. 49 etc.} 
Unter dem Namen Haiding'erit hatte B. eine neue Gattung bekannt 
gemacht, welche aus 4 Atomen Schwefel-Antimon und 3 At. Einfach- 
Schwefeleisen besteht , und die zu Chazelles im Dept. Puy-de-Döme 
vorkommt; aber der Haidingerit ist nicht die einzige Verbindung von Schwe- 
fel-Antimon und Schwefel-Eisen, die sich in der Natur findet. Neuer- 
dings hatte B. Gelegenheit, zwei andere zu untersuchen ; die eine stammt 
von der Grube des Martoures, unfern Chazelles, die andere von Anglar 
im Dept. de la Creuse. Jenes Erz ist, dem Anschein nach, gleich- 
artig, obwolil dasselbe steinige Substanzen in grosser Menge enthält. 
Seine Textur ist faserig, der Bruch körnig; dabei zeigt sich das Mineral 
matt, blaulichgrau. Chemischer Gehalt: 

Schwefel-Antimon 84,3 

Einfach-Schwefeleisen 15,7 

100,0 

Das Erz von Anglar komait mit Antimonglanz und Eisenkies vor. 

Der letztere bildet, nahe am Hangenden und Liegenden des Ganges, 

einen fast dichten und reinen Streifen ; sodann folgt ein Streifen eisen- 

t^chüisigen Scbwefel-Antimons , und iu der Mitte siebt man das icioc 



- 345 - 

Em, hin und wieder mit Adern und Nestern mehr Eisen-haltiger Theile. 

Das Eisen-haltige Antimon ist stahlgrau, körnig im Bruche, krystalli- 

nisch oder faserig. Chemischer Bestand: 

Schwefel-Antimon . . . ^. . . , 80,« 

Einfach-Schwefeleisen 10,4 

100,0 



Weiss: über die herzförmig genannten Zwillings- 
Kr y stalle von Kalkspat h und gewissen analogen von 
Quarz (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. zu Berlin aus dem Jahre 
1829; physikal. Klasse} S. 77 ff.) und über das Dihexaeder, des- 
sen Fläch en-Nei gu n g gegen die Axe gleich ist seinem 
ebenen Endspi tz en - Winkel; nebst allgemeineren Betrach- 
tungen über Invertirungs-Körper (a. a. 0. S. 89 ff.). Beide 
Abliaudlungen sind zu Auszügen nicht geeignet. ' 



A. Breithadpt: neue Bestimmung spezifischer Gewichte 
verschiedener Mineralien. (Schweigger-Seidel, neues Jahrb. 
d. Chem.; 1833, 18. Heft S. 94 ff.). 

Gemeiner Schwefelkies (von Freiberg) = 5,001—5,007. 

Prismatischer Eisenkies (Zellkies; von Freiberg) =• 4,601. 
— desgl. (in Krystallen von Schevmitz) = 4,878. 

Synthetischer Mark asin-Kies (von Klein-Fi'ossen im Reuss- 
Lobenstein' sehen) = 6,281. 

Nickel-reicher Markasin-Kies (von Schladming in Steyer- 
mark) =■ 7,065. 

Anthrazit (aus Pennsylvanien) = 1,590. 

Gyps (Krystalle von Kollosoruk bei Biliii) =. 2,307. 

Diaspor (aus Sibericn) = 3,358. 

Eumetrischer Pyroxen (aus dem Platin-Schiefer am Ural) 
= 3,295. 

Kalarainer Schörl (grüner Natron-Turmalin ; von Penig) 

r= 3,117. 

Dichter dystomcr Prasin-Chalcit = 4,167. 
Faseriger dessgleichen (vom Ural) = 4,213 
Tetragonaler Mellit (von Bilin in Böhmen) = 1,575. 
Meroxener Topas (von Böhmisch-Zinnwald) ^^ 3,430. 



Neuminn : das Krystall-System des Albites und der ihm 
verwandten Gattungen. (Abhandl. der Rönigl. Akad. d. Wis- 
sensch. zu Berlin aus dem Jahre 1830. Berlin; 1832. S. 189 ff.). Der 
Aufsatz zerfällt in zwei Abtheilungen; in der ersten befrachtet der 
Verf. die Methoden und Fehler der Messungen, die Kombinationen der 



- 346 — 

Messungen und die Tyroler Alblten. Die zweite Abtheilungr ist un« 
noch nicht bekannt geworden; ergeben sich allgemeine Resultate, so 
werden wir solche später mittheilen. Zu einem Auszuge eignet sieb 
die Arbeit nicht. 



In der Versammlung der K. Soz. d. Wissensch. zu Göttingen am 
7 Dezbr. 1833, theilten Stromeyer und Hausmann Bemerkungen über 
eine neue Alaunart und e in B itt er sal z aus ÄMi^ö/rtfta mit. 
Hausmanpc berichtete zuvörderst über das Vorkommen jener Salze, von 
denen er zugleich Exemplare vorzeigte, und knüpfte daran Bemerkungen 
über ihre mineralogischen Beschaffenheiten und ihre muthmaassliche Ent- 
stehung. Hertzog fand beide Salze auf einer Reise in die östlichen 
Gegenden der Cap-Colonie, am Bosjesmans - Flusse , ungefähr unter 
30" 30' südl. Breite, 26** 40' östlicher Länge von Greenwich, und 20 
E»ff. Meilen von der Küste, in einer etwa 200 Fuss über dem Bette 
liegenden , 30 Fuss weit und 20 Fuss tief in den Felsen sich erstre- 
ckenden , 7 Fuss hohen Grotte , deren liorizontalen Boden sie bilden. 
Die oberste, ungefähr i Fuss starke Lage besteht aus Federalaun 
von ausgezeichneter Schönheit. Er ist zart- und langfaserig, indem dio 
Länge der senkrecht gegen die Hauptbegränzungs-Ebenen gerichtete'i 
Fasern wohl an 6 Pariser Zoll beträgt. Sie sind theils gerade, theils 
gebogen, zuweilen stark gekrümmt und dabei oft dnnnstänglich abge- 
sondert. Das Faserige geht, an einigen Stellen, nach einem Ende in 
das Diclite mit splittrigcm Bruche über. Wie der Körper in der fase- 
riKcn Gestalt grosse Ähnlichkeit mit Fasergyps zeigt, so ist er in der 
letzteren Abänderung dem dichten Gypse oder sogenannten Alabaster 
sehr älinÜch. Das Salz ist schneeweiss, durchscheinend, selbst noch in 
Stücken von i/ölligcr Stärke. Die faserige Varietät ist auf Flächen, 
die durcli Reibung noc'i nicht gelitten haben, stark seidenartig glänzend. 
Der Glanz vcrniiiulert sich, wo das Faserige in das Dichte übergeht, 
und vciscim'indet in der vollkommen dichten Abänderung ganz. Lange 
und dünne Fasern sind st.ak elastisch biegsam. Der Körper ist ziem- 
lich spröde, und die Enden der Fasern sind stechend. Unmittelbar un- 
ter diesem Alaun bildet Bittersalz eine etwa 1^^ Zoll starke Lage. 
Dieses Salz ist theils dünn-, lliells dick-stänglich abgesondcrrt; die abge- 
sonderten Stücke sind meist gleichlaufend, seltner durciieiitander lau- 
fend. Oft ist eine Anlage zur vierseitig- prismatischen Krystallisation 
wahrzunehmen. Die Länge der Stängel ist zum Theil der Stärke der 
Lage des Salzes gleich , IndtMu sie rechtwinklig gegen die Hauptbe- 
gränzungs-Ebenen stehen: zum Tiieil sind sie aber kürzer und durch 
eine Lage einer lockeren, Ire ni>! artigen Masse getrennt, welche hin und 
wieder auch zwischen den einzelnen abgesonderten Stücken sich befindet. 
Die stärkeren Stücke des Salzes gestatten vollkommene Spaltungen. 
Der Bruch ist niusrhlig. In reinen Stüikcn i.<it das Salz weiss, in dün- 
nen Stücken halbdurchsichtig, in stärkeren durchscheinend ; es ist glas- 



— 347 — 

artig glänzend, ziemlich spröde. — Die das Bittersalz begleitende Masse 
hat das Ansehen einer verwitterten Felsart. Sie ist erdig, zerreiblich, 
zeigt aber noch deutliche Spuren von Schieferung. Sie hat eine grün- 
lich-weisse Farbe, ist matt, undurchsichtig, etwas fettig anzufühlen, und 
schwach an den Lippen hängend. Es werden einzelne zarte, silber- 
weisse Glinvmer- oder Talk-Schuppen darin bemerkt, die der Schieferung 
parallel liegen. Der Geschmack gibt einen Salzgehalt zu erkennen. 
Nach der von Stomeyer damit vorgenommenen chemischen Prüfung 
sind darin enthalten : Kiesel- und Alaun-Erde in bedeutender Menge, sehr 
wenig Eisen , viel Mangan, und einige Prozente Kalk- und Talk-Erde. 
Durch Wasser wird ausgezogen : viel Kochsalz, Gyps, Bittersalz, schwe- 
felsaures Mangan und eine Spur von schwefelsaurer Alaunerde. — 
Das Gestein, auf welchem das Bittersalz liegt, ist ein ziemlich lockerer, 
körniger, schiefrig abgesonderer Quarzfels von blass grünlich-grauer 
Farbe 5 mit kleinen, silberweissen Glimmerschuppen. Er ist von salzi- 
ger Substan?: »nnz imprägnirt, die daraus effloreszirt und thcila in Flo- 
cken, theüs Kl nsten-artig an der Oberfläche erscheint. Die flockigen 
Theile bestehen aus Bittersalz, mit einem kleinen Antheile von Alaun J 
die Krusten-artigen aus Alaun , mit einem kleinen Gehalte von Bitter- 
salz. Das Gestein, welches das Bette des Flusses begrenzt, ist ein 
fester, körniger Quarzfels ~von rauchgrauer Farbe, mit einzelnen, klei- 
nen, silberweissen Glimmerschuppen. Die Decke der Grotte , welche 
sich hinten bogenförmig schliesst, besteht aus einem rostfarbenen, festen, 
groben ; Konglomerate j in welchem hauptsächlich Quarzgeschiebe sich 
befinden, welche durch Brauneisenstein verkittet sind. Hin und wieder 
zeigen sich kubische Eindrücke von Schwefelkies, aus dessen Zersetzung 
vei'muthlich das Eisenoxydhydrat hervorging. Nach der Angabe Hertzog's 
kommt auch Braunstein in dem Konglomerate vor. Die Gegend umher 
besteht aus Hügeln von 700 bis 800 Fuss Höhe, welche von vielen tie- 
fen Thälern durchschnitten sind. Auf ihren Gipfeln findet sich dichter 
Kalkstein. Dieser ist im Bruche eben, in das Erdige neigend, mit ein- 
zelnen, sehr kleinen Blasenräumen; undurchsiciitig, matt, von licht- 
bräunlicbgrauer Farbe, mit einzelnen, schmalen, dunkler gefärbten, wel- 
lenförmigen, verwaschenen Streifen. Nach der Untersuchung Stromeyer'» 
enthält er eine geringe Beimischung von kohlensaurer Magnesia und Spuren 
von Mangan und Eisen. Es kommen zugleich grosse , wohlerhaltcne, 
fossile Austerschalen vor. Ahnlicl}e Muscheln fand Hertzog auf 
der oberen Fläche der sogenannten Grashügel ( Gras - Ruggens } 
zwischen Uitenhage und Eiwn, in weit ausgedehnten, 2 bis 3 Fuss 
tief niedergehenden Ablagerungen. Sie werden in dortiger Gegend zum 
Kalkbrennen benutzt. Vermuthlich gehört der beschriebene Kalkstein 
nebst den Ostraciten einer sehr jungen, tertiären Formation an; und 
ohne Zweifel ist das erwähnte, tiefer liegende Eisen-Konglomerat, wel- 
ches in den Gegenden der Cap-Colonie sehr verbreitet zu seyn scheint, 
ebenfalls ein tertiäres Gebilde. Der Quarzfels an dem Bo.fjesmanS" 
Flusse ist dagegen nach aller Wahrscheinlichkeit weit älter, worüber 



— 348 — 

aber freilich für jetzt nichts Näheres anzugeben ist. Über die Erstre- 
ckung der Lagen des Alauns und Bittersalzes geben die erhaltenen Nach- 
richten ebenfalls keinen Aufschluss. Es ist indessen wohl nicht un- 
wahrscheinlich, dass ihr Vorkommen beschränkt und ganz lokal ist. 
Auch dürfte sich Manches für die Vermuthung anführen lassen, dass 
jene Salze später als die sie umgebenden Steinmassen entstanden sind. 
Dass sie sich nicht aus einer Wasserbedeckung, durch Verdunstung dßs 
Lösungsmittels, krystallinisch abgesetzt haben, scheint dadurch bewie- 
sen zu werden, dass das leichter auüössliche Salz die untere Lage 
ausmacht. Vielleicht bot die Zersetzung von Schwefelkies im Konglo» 
merat die Schwefelsäure dar, welche sich mit den Basen verband, die 
eie in der oben beschriebenen, lockeren, zwischen dem Konglomerate 
und dem Quarzfels befindlichen Masse antraf. Merkwürdig ist es, dasB 
sich das Bittersalz in einer so scharf von dem Alaun gesonderten Lage 
ausgebildet hat. Auch ist es auffallend, dass beide Salze ganz frei von 
Eisen sind, da doch das in unmittelbarer Berührung damit stehendi 
Konglomerat so reich an Eiseuoxydhydrat ist. Das in der oberen, 
lockeren, Quarzfels-Lage enthaltene Salz ist ohne Zweifel erst nach 
der Entstehung der Salzdecke, durch Tagewasser, welche etwas davon 
auflössten, hineingeführt. — Aus der von Stromeyer mit dem Feder- 
alaun aus Siidafrikai angestellten Analyse ergab sich, dass derselbe 
eine neue, bisher noch unbekannte Alaunart bilde, in welcher die 
schwefelsaure Alaunerde mit schwefelsaurem Manganoxyd und schwe- 
felsaurer Magnesia zu Alaun verbunden vorkommt. Es besteht nämlich 
dieser Alaun aus: 

schwefelsaurer Alaunerde .... 38,398 
schwefelsaurer Magnesia .... 10,820 
schwefelsaurem Mangan .... 4,597 

Wasser . 45,739 

Chlorkalium 0,205 

99,759 *). 



*) Dieser Analyse lufolge kommen die schwefelsaure Magnesia und da» schwefelsHur« 
Mangan in diesem Salze genau In eben dem Verliäitnisse mit der scliwefelsauren 
Alaunerde verbunden vor, wie das scliwrefelsaure Kali, Natron und Ammoniak 
in dem Kali-Natron und Ammoniak-Alaun, und da auch der G_'!:alt an Krystall- 
wasser in demselben dem der genannten Alaunarten vollkoiiimen eatsgricht, so 
' kann kein Zweifel darüber obwalten, dass sich die aul'gcfundeiien Beslandtheilo 
dieses Federalauns im Zustande einer wahren chemischen Verbindung, und nicht 
in dem einer blossen Auflössung, mit einander vereinigt befinden, und man wird 
dalier diesen Alaun als einen M ang an - Ma gnc s i a - Alaun zu unterscheiden 
haben. Das Vorkommen von schwefelsaurem 3'Iangan in diesem Alaun ist für 
denselben um so ausgezeichneter, weil dieses Salz noch in keiner der bis jetzt 
untersuchten Alaunarten angetroffen worden ist. Schwefelsaure Magnesia ist zwar 
schon in einigen Alaunarteu gefunden worden, indessen nur in sehr gerin;;er 
Menge und kommt daher höclist wahrscheinlich in denselben nur in AuHös&ung 
vor, so dass auch dieses Salt in dem Siidafril/itiisc/ien Alaun zuerst als wirk- 
licher Bestandthcil dieses Doppelsalzes beobachtet v.ird. Ungeachtet des schwefel- 



— 349 — 

Bei dieser Gelcgenlieit ist von Strometer auch der in dem Braun- 
kolilenlager bei Tschermiy in Böhmen vorkonnueiide Alaun einer neuen 
Analyse unterworfen worden , weil derselbe nach den ersten Untersu- 
chungen von FiciNus ein Magnesia. Alaun seyn sollte. Die mit demselben 
ano-estellten Versuche haben indessen nur einige Tausendtheile schwe- 
felsaure Magnesia darin auffinden lassen , und die Resultate der Ana- 
lysen von Lampadius und Grüner , welchen zufolge dieser Alaun eia 
Ammoniak-Alaun ist, vollkommen bestätigt. 

In 100 Theilen desselben wurden nämlich gefunden : 

schwefelsaure Alaunerde 38,688 

schwefelsaures Ammoniak .... 12,478 

schwefelsaure Magnesia 0,337 

Wasser .... 48,390 

99,893 
Das mit dem Südafrikanischen Alaun vorkommende Ei tt er salz zeich- 
net sich in seiner Mischung durch einen namhaften Gehalt an schwefel- 
saurem Mangan aus, ist aber ebenfalls vollkommen eisenfrei, und ent- 
hält auch nicht die geringste Beimischung von schwefelsaurer Alaun- 
erde, welches wegen der iVähe, in der dieses Salz sich mit dem Alaun 
findet, gewiss sehr auffallend ist. Hundert Theile dieses Bittersalzes 
enthalten : 

schwefelsaure Magnesia , . . . . 42,654 

schwefelsauren Mangan 7,667 

Wasser 49,243 

99,564 
Dasselbe enthält also dieser Analyse zufolge auf 7 Äquivalente schwe- 
felsaure Magnesia 1 Äquivalent schwefelsaures Mangan. 

Die Untersuchung dieses Bittersalzes hat Stromeyer veranlass!, noch 
einige andere besonders ausgezeichnete und ihm von Hausmann gütigst 
. mitgetheilte natürliche Bittersalze zu analysiren , deren Mischungs- 
Bestimmungen von ihm ebenfalls der Königl. Sozietät vorgelegt wor- 
den sind. 

Die noch untersuchten Bittersalze sind: 

1. Das Haarsalz von Idria. 

Dasselbe ist zwar schon von Klaproth einer Analyse unterworfen 
worden, indessen beschränkt sich dessen Untersuchung nur darauf, zu 
zeigen, dass es kein Federalaun sey, wofür man es gehalten hatte, son- 
dern ein natürliches Bittersalz. 



sauren Mangnngehaltg ist die«er AlAun, wie schon bemerkt^ durchaus frei Ton 
aller Beimischung von schwefeKaurem Eisenoxydul, und die empfindlich»ten Ren- 
gentien haben in dessen Auflössung nicht die geringste Spur eine» Kisengehalte» 
erkennen lassen. 
Jahrgang 1834. 25 



— aso — 

Nach der mit demselben angestellten Analyse Mit dessen Gehalt in 
100 Theilen: 

Magnesia 16,389 

Eisenoxydul . 0,226 

Schwefelsäure 32,303 

Wasser 50,934 

99,852 
a. Das bei Calatayud in Aragonien in ausgezeichnet 
schönen langen s ei de u g I ä nze n d e n Nadeln gefun- 
dene Bittersalz. 
Von diesem Bittersalze besitzen wir sclion Untersuchungen von Gonza- 
les und Garcia de Theran und von Thomson. Auch ist es nicht un- 
wahrscheinlich, dass das von Vogel untersuchte und augeblich in Cata- 
lonien gefundene Bittersalz mit diesem identisch ist. Da indessen die 
Resultate dieser Untersuchungen sehr von einander abweichen , und 
nach Thomson dieses Salz 1,35 Procent schwefelsaures Natron enthalten 
soll, welches weder nach den Versuchen der Spanischem Chemiker, noch 
nach denen von Vogel darin vorkommt, so schien eine Wiederholung 
der Analyse dieses Salzes wiinschenswerth za seyn. Durch diese hat 
si( h nun ergeben , dass di''scs Bittersalz weder Glaubersalz enthält, 
noch sonst eine andere Substanz demselben beigemischt ist, und dass 
sich dasselbe mithin von allen übrigen natürlich vorkommenden und bis 
jetzt untersuchten Bittersalzen durch seine völlige Reinheit sehr auffal- 
lend unterscheidet. 

Dasselbe fand sich in 100 Tlieilen zusammengesetzt, aus: 

Magnesiia 16,495 

Schwefelsäure 31,899 

Was.ser 51,202 

9075^6 
3. Das stalaktitiscii zu Nfusohl i n Ungarn v or k o m m ende 

Bittersalz. 
Dasselbe zeichnet sich durch eine blass rosenrothe Farbe aus , die 
es, wie schon frühere Versuche nachgewiesen haben , einem geringen 
Gehalt an schwefelsaurem Kobalt verdankt. Auch kommt darin etwas 
schwefelsaures Kupfer, Mangan und Eisenoxydul vor. Besonders ist 
es aber noch dadurch merkwürdig, dass es einige Procente meciianisch 
eingeschlossenes Wasser enthält, welches in kleinen darin vorkommen- 
den Höhlen enthalten zu seyn scheint. Dieserwegen wird dieses Bit- 
tersalz auch beim Zerreiben feucht. 

Der mit diesem Bittersalze vorgenommenen Analyse zufolge besteht 
dasselbe in lOO Theilen aus : 

schwefelsaurer Magnesia .... 44,906 



scliwefelsaurem Kobaltoxyd , , . 
schwefelsaurem Kupferoxyd . . . 
schwefelsaurem Maganoxyd . . . 
fichwefelsaurem Eisenoxydul . . 

Krystallvvasscr 

niechanificl» eiu^osclilos.senein Wasser 



1,422 
0,764 
0,725 
0,197 
48,600 
3,100 

9Ö,7U 



— 351 — 

C. U. Shepard: mineraIogisf!ie Nachrichten Aber die 
nördlichen T heile von Neu-Enyland. (Silliman, Americ. Journ. 
Vol. XVIII, p. SS9 etc.). In den Whitf. Mountains kommen Granite, 
Glimmer- und Tlionschiefer vor; letztere enthalten stellenweise zahllose 
Chiastolithe, jedoch findet man sie meist nur in den, aus grösseren 
Höhen herabgestiirztcTi Blöcken; denn die Thonschiefer uHd ihnen ver- 
bundenen Konglomerate reichen bis zu 4000 F. Höhe. Oktaedrische Kri- 
stalle von grünem Flussspath, in Quarz eing-eschlossen, dürften auf 
Gängen vorkommen. — Bei Fryeburg kommen auf einem Quarz-Gange 
von einigen Fuss Mächtigkeit im Granit Berylle vor} die einzelnen 
Krystalle w^echseln in den Dimensionen von 2 bis 3 Zollen, da sie in- 
dessen sehr dicht in einander gedrängt vorkommen, so zeigen sich diesel- 
ben meist wenig vollendet ausgebildet. Ihre Farbe schwankt zwischen 
bläulichgrau und weiss. Hin und wieder eiitliält der Quarz auch Feld- 
spath-Xrystalle. Manche Beryll-Prismen sind zertrümmert und durch 
Quarz-Masse von neuem verkittet. Andere Krystalle zeigen sich gebo- 
gen, ohne zerbrochen zu seyn, — Bei der Stadt Waterford setzen zahl- 
lose Trapp-Gänge in Granit auf; ihre Stärke wächst von einem Zoll 
bis zu ungefähr einem Fusse. Bleist steigen dieselben in senkrechter 
Richtung auf. — Besonders interessant ist die Gegend von Paris; sie 
überbietet vielleicht alle anderen Nord-Amerikmiischcn Mineralien-Fund- 
orte, sowohl was Menge als Manchfaltigkeit der Substanzen angeht. 
Turmalin, fast in jeder Abänderung von Farbe und Durchsichtigkeit, 
und in Krystallen, welche an Grösse kaum ihres Gleichen haben dürf- 
ten. Zierliche Quarz-Krystalle dringen in die Turmaline ein und zeigen 
sich von ihnen umschlossen; grüne Turmaline erscheinen eingewachsen 
in grossen Glimmer -Blättern. Auch Farben-spielender Feldspath und 
überaus schöner Piosenquarz kommen damit vor. Die Fundstätte ist 
am CnESLEY''schcn Pachthofe, zwischen Paris und Biickfield. Das Ge- 
stein ist Schrift Granit , häufig sehr zersetzt; grosse eckige Massen 
dieses Granits gehen an vielen Stellen zu Tag; der Boden ist meist 
granitischer Gruss, Durch die zahlreichen Beimengungen ist der Cha- 
rakter des, im Allgemeinen sehr Feldspath-reichen, Granits oft ganz 
fremdartig. Glimmer bildet Adern und Gänge von 6 — 8 Zoll Mäch- 
tigkeit und umschliesst kleine Theile von Quarz und Feldspath. Man- 
che, jedoch nicht vollkommen ausgebildete , Glimmer-Krystalle , haben 
eine Länge von 1 F. und 7 bis 8 Zoll Breite. Mit diesem Glimmer 
kommen die Turmaline vor; sie liegen in langen. Nadei-förmigen, 
meist grün gefärbten Krystallen zwischen den Blättern und den 
Durchgängen des Glimmers parallel. Die grössten haben ungefähr 
3—4 Zoll Länge und \ Z. Dicke. lo der Regel erscheinen sie auf 
vielartige Weise gruppirt; mitunter schneiden und durchdringen sich 
zwei Turmalin-Krystalle unter rechtem Winkel. Mitunter sieht man 
höchst zarten, Faum-ähiilichen Albit von den Turmalin -Krystallen 
umschlossen. Lepidolith wird in vorzüglicher Schönheit getroffen. 

23* 



— 352 — 

Man kann sich leicht Stücke von 1 Fuss Durchmesser TeiBchafifen. 
Seine Färbnng ist höchst manchfach, dae Gefüge körnig-, Rothe 
Turmalin- (Rubellit-) Krystalle begleiten den Pariser Lepidoh'th, 
wie jene von Rozena in Mähren, Vorzüglich schön ausgebildet finden 
»ich die roth gefärbten Turmalin-Krystalle in dem mit Albit gemengten 
Lepidolith. Sie haben mitunter 1 Zoll Länge, und sind ausgezeichnet 
rosenroth. Der dunkler gefärbte Lepidolith , mit virelchem zugleich 
Quarz und Feldspath verbunden sind, umschliesst grosse krystallinische 
Massen von rothem Turmalin in Krystallen von 1—2 Zoll Durchmes- 
ser und darin, als Einschlüsse, dunkelblau gefärbte Turmaline. Seltner 
kommt grüner Turmalin vor. Weisser krys tallisirt er Talk er- 
scheint in Drusenräumen des Quarzes im Lepidolith; in ihm sind grös- 
sere Krystalle von grünem Turmalin eingeschlossen. Berylle werden 
vorzüglich da getroffen, wo die schwarzen Turmaline am meisten ge- 
häuft sich zeigen; sie liegen zwischen unvollkommen ausgebildeten 
Krystallen dieser Substanz, zwischen Feldspath und Quarz. Auch 
Zirkon -Krystalle stellen sich in diesem Gemenge ein. Der Rosen- 
quarz liegt lose unter den Trümmern von Schrift-Granit. — Der Verf. 
Bebildert nun mehrere Krystallisations - Abänderungen von Turmalinea 
und fügt deren Abbildungen bei. 



W. W. Mather: über den Xanthit, dessen Krystallforni 
und Fundorte C^oc. dt. pag. 359 etc.J. Der Verf. bezieht sich 
auf Thomson's Besehreibung und Analyse des Minerals CAnn. of the 
Lyc. of New York, April 1S3SJ. „Farbe : liebte graulichgclb : besteht 
aus zusammengehäuften sehr kleinen Körnern, welche unter der Lupe 
als unvollkommene Krystalle sich darstellen; mit blättriger Textur; durch- 
flcheinend bis durchsichtig; harzglänzend; Eigenscbwere z= 3,201. Sehr 
weich; ritzt Kalkspath nicht. Für sich, so wie mit kohlensaurem Natron, 
▼or dem Löthrohr unschmelzbar. 
Chemischer Bestand: 

Kieselerde 32,708 

Kalkerde 36,308 

Thonerde 12,280 

Eisen-Peroxyd ........ 12,000 

Mangan-Protoxyd 3,680 

Wasser 0,60 

97,676 
So weit Thomson's Untersuchung. Nach Mather ist das Mineral, 
auch in krystallographischer Hinsicht , als ein selbststandiges ausge- 
zeichnet. Durchgänge parallel den Flächen einer schiefen rhomboidi- 
«chen Säule. Winkel: P |1 M = 97« 30'; P 1 1 T = 94" 00'; M ] | T 
■=z 107" 30'. Vorkommen zu Amity in der Orart.^e-Grafschaft (New- 
YorkJ, in blätterigen Massen. Die aus Körnern durch Spaltung erbal. 



— 353 — 

teilen Prisraeu hatten ungefähr ij'g Zoll im Durchmesser. Blätterige 
Massen, gegen das Licht gehalten, zeigen sehr deutlich die Durch- 
gänge. Doppelte Strahlenbrechung. Schmilzt auf Platinblech vor dem 
Löthrohr unter Anschwellen zur griinfcn durchsichtigen Glaskugel, wel- 
che vom Magnet schwach angezogen wird J mit Borax zu gelbem Glase, 
das nach dem Abkühlen die Färbung einbüsst. 



H. Hess: über den Hydroborazit, eine neue Mineral- 
Gattung (PoGGEND. Ann. B. XXXI, S. 49 ff.). Vorkommen im Kau- 
kasus. Weiss, nur hin und wieder röthlich durch mechanisch beige- 
mengtes Eisenoxyd-Siiikat; strahlig blätterig; weich wie GypsJ in dün- 
nen Blättern durchscheinend; die ganze Masse durchlöchert, ungefähr 
wie wurmstichiges Holz , und die hohlen Gänge niit einer Thonmasse 
ausgefüllt, die verschiedene Salze eingemengt enthält. Eigenschwere 
= 1,9. Im Wasser etwas auflösslich; in erhitzter Salz- oder Salpeter- 
säure leicht lössbar. Ergebniss der Zerlegung^ 

Kalk 13,74 

Talkerde . » 10,71 

Wasser 26,33 

Boraxsäure ......... 49,22 

100,00 



Nach R. BuNSEN ist das in den Friesdorfer Braunkohlen-Lagern 
bei Bonn vorkommende, und von Sack als eine neue Substanz be- 
schriebene '•') Mineral nichts, als eine Abänderung von Allophan. 
(PoGGEND. Annal. B. XXXI, S. 63 ff). Er fand darin: 

Wasser 42,02 

Thonerde . 32,18 

Eisenoxyd 2,90 

Kieselerde .......... 22,30 

100,00 
Dieser Allophan findet sich auf den Absonderungs-FIächeu einer 
Holz-förmigen Braunkohle als Überzug oder in stalaktitischen und klcin- 
Iraubigen Massen. Bruch flachmuschelig ins Unebene. Auf frischem 
Bruche wachsartig glänzend; durchscheinend; Bernstein • gelb , oft 
weisslicfa. 



E. F. Glocker: der Ozokerit, ein neues Mineral, von Dr. 
V. Meyer aus Bukarest der Versammlung der Naturforscher in Breslau 
im September 1833 vorgelegt. (Schweigger-Seidel, ueucs Jahrb. d. 



*) ScRWBisoEB'i Journal f. Chcm. B. V. 6. llo. 



- 354 — 

Chem. IX. B. S. 215 ff.). Derbe, zuniTIicil beträchtlich grosse Massen, 
stellenweise von faseriger Textur, Längebruch gross- und flachmusche- 
lig; Queerbruch splitterig. Durch Gypsspath ziemlich leicht ritzbar. 
Vollkommen milde, zähe und gemein biegsam. Von Wachs-artiger Kon- 
sistenz, Eigenschwere r:^ 0,955 bis 0,970. Farbe zwischen lauchgrün 
und gelblichbraun J jedoch an einem Stücke, je nach dem Winkel, unter 
welchem man dasselbe betrachtet, wechselnd. Glänzend bis starkglän- 
rcad, von Wachsglanz ; auf dem Queerbruche nur schimmernd. In 
B.hr dünnen Splittern halbdurchsichtig, bis durchsichtig. Fein, glatt 
und etwas klebrig anzufühlen. Durch Reiben stark negativ elektrisch 
werdend. Angenehmer Geruch, welcher zwischen dem des reinen Erd- 
öls und jenem des Erdpeches ungefähr in der Mitte steht. — Schmilzt 
schon in der Lichtflamme, ohne sich zu entzünden, zur klaren gelblichen 
Flüssigkeit. Erleidet im Wasser, auch bei der Siedhitze, keine Ände- 
rung. Salz- und Salpetersäure erweichen das Fossil, üben jedoch 
ausserdem keine Wirkung aus. Im Schwefeläther lösst sich dasselbe 
langsam auf, in Alkohol bloss beim Kochen und auch alsdann schwierig. — 
Die Substanz gehört in die Familie der Mineraiharze. — Vorkommen 
bei Slanik in der Moldau, unter einem mit Bitumen durchdrungenen 
Sandstein, in der Nähe von Kohlenlagen, Mineral-Quellen und grossen 
Steinsalz-Massen. Es soll anfänglich 8 bis 9 Fuss tief unter der Ober- 
fläche, später aber noch tiefer, in ausgedehnten Massen und in einzelnen 
Nestern gefunden worden seyn. 



G. SucKow: Beschreibung anomaler Bildungen des 
Schwefelkieses. (Poggend. Ann. d. Phys. B. XXIX; S. 502 ff.). 

Derselbe: die Krystalle des Cölestins von Dornburg hei 
Jena, (A. a. 0. S. 504 ff.). Beide Aufsätze eignen sich nicht zu 
einem Auszuge. 



S. Fowler: Saphire und andere Mineralien im Gebiete 
von Newton i n der Grafschaft Sussex in Neiv Yersey. (Silliman, 
Americ. ifoiirn. Vol. XXI. Jan. 1832; p, 319 etc.). Das Thal, wel- 
ches Sparta, Franklin, Warwich und Newton einscliliesst, wird, seiner 
Mineral-Schätze wegen und hinsichtlich seiner naturhistorisciien Denk- 
würdigkeiten, mit gutem Grunde mit Arendal in Norwegen verglichen. 
Iji beiden Gegenden herrscht grosser Reichthum an Magneteisen, be- 
gleitet von denselben Gestein - Bildungen. Sämmtlichc interessante 
Mineralien findet man jn dem genannten Thale mit einem weissen kry- 
stallinischen Kalkstein verbunden ; sie werden vorzugsweise an den 
Grenzen desselben mit granitischem Syenit getroffen. So trifft man : 
Spinelle, Zeylanite, Granaten u. .s. w., dessgleichen die berühmten La- 
ger von JSinJc- ynd Mangan-Er^en. Die nieisten sind ein Allein-Eigen- 



— 355 — 

Ihum dieses Welttheils. Das Thal erstreck«! sich ohne Unterbrechung 
von Byram, in der Grafschaft Sussex und dem Staate von New 
Yersey — wo das SW.-Ende des weissen kolilensauren. Kalkes ist — 
bis zu den Adam- und E©a-Bergen im Bezirk von Warwick in der 
Grafschaft Orange und dem Staate von New York, dem nordöstlichen 
Ende des weissen Kalksteins ; eine Entfernung von 25 Meilen. Auf 
die ganze Erstreckung streicht der körnige Kalk aus NO. nach SW. 
Der Franklinit und das rothe Zinkoxyd begleiten denselben; sie neh- 
men 5 Meile NO. von der Franklin-SthmehAmtie ihren Anfang, und 
ziehen sich bis 2 Meilen südwestlich von Sparta, eine Weite von 9 Mei- 
len. An mehreren Stellen im Gebiete von Warwick fanden sich noch 
manche interessante Mineralien; hier liat das Kalk-Thal die grösste 
Breite. Vor mehreren Jahren entdeckte man Saphire und Spin eile 
in der Nähe von Franklin; aber allem Anschein nach nur in einem 
einzigen Gestein-Blocke, der von seiner ursprünglichen Lagerstätte ent- 
fernt worden, so dass die Fundgrube bald erschöpft war. Jene Mine- 
ralien, theils blau, tlieils weiss gefärbt, kamen in einem Gemenge aus 
diclitem Skapolith und Feldspath vor, begleitet von schwarzem Spinell 
und schwarzem Turmalin. Vor etwa vier Jahren entdeckte der Verf. 
im Bezirke von Newton, 6 Meilen von Franklin und 9 Meilen im W. 
von den Kalk-Lagern von Byram, Saphire von blauer und weisser 
Farbe eingewachsen in weissem Feldspath, ualie an der Grenze zwi- 
schen Syenit und weissem körnigem Kalk. Dieses Kalkstein-Lager ist 
vollkommen getrennt und unabhängig von dem vorhin erwähnten; ein 
hoher Bergrücken scheidet beide. Im Feldspath , der die Snphire um- 
Bchliesst, findet man gewöhnlich Rutil-Krystalie. Kleine Saphir-Par- 
thieen, theils regelrechte sechsseitige Säulen, kommen in einem Horn- 
blende-Gesteiu vor. Stets zeigt sich der Saphir vergesellschaftet, oder 
umhüllt von kohlensaurem Kalk. Die blasigen Oberflächen dieser Gestein- 
Massen zeigen ebenfalls Nester von Spinell in oktaedrischen Krystal- 
len, die mitunter einen Zoll Kanten-Länge haben und zum Theil von 
Glimmer begleitet werden. Hin und wieder erscheinen Idokras Kry- 
stalle von 3 bis 4" Durchmesser uiid über 6" in der Länge. Speck- 
stein-artige Substanzen kommen häufig vor. Sie stellen sich in After- 
Krystallcn nach Quarz-, Skapolith- und SpineH-Formcn dar. Endlich 
trifft man Skapolith-Säulen von Faust-Grösse und Biucite von stroh- 
gelber Farbe in körnigem Kalk, 



II. Geologie mid Gcogiiosie. 

Ehrenberg : Beitrag zur Charakteristik der Nordafrlka- 
nischen Wüsten (Abhandlung d. K. A k a d. d. W i s s e n s c h. r.. 
Berlin f. 18 27, Berlin 18 30; Physik. Klasse, S. 7 3 — 88). Nur 



— 356 ~ 

ein einfaches Bild hatte innerhalb dreier Jahre steter Orts-Verändertin^ 
das von den Reisenden in vielen Pachtungen durchstreifte Nordafrika 
ihnen geboten: einen einzigen endlosen Fluss {Nil)-) mit schmalem einför- 
mig-grünem Ufer, und eine einzige für den Wanderer unermessliche Wüste. 
Aber leichter und grossartiger selbst entwickelt sich der Geist des Men- 
schen da, wo die Natur ihn sparsamer, doch kräftig leitet, als dort, wo in 
der überschwenglichen Fülle ihrer Erscheinungen jede einzelne untergeht. 
In dieser einförmigen Ebene erhält jeder einzelne der wenigen vorkom- 
menden Naturkörper ein grosses, oft mit seiner Form sehr kontrastiren- 
des Gewicht, eine hohe physische und symbolische Bedeutung. Nicht 
nur die Löwen, Stiere, Antilopen, Schakals und Krokodile, auch die Vö- 
gel und die Pflanzen und selbst die unscheinbaren Käfer zogen die Men- 
schen in den Kreis ihrer Symbolik. Die unergründliche Stille der 
Nacht, die grenzenlose Einförmigkeit der Fläche beraubt Ohr und Auge, 
des ungewohnten Fremdlings zumal, so sehr alles Maastabes, und die 
gpiegelnde Eigenschaft der erhitzten Luftschichten wirkt leicht so sehr 
• auf das geblendete Gesicht ein, dass die einzeln auftretenden Natur- 
korper oft geisterartig plötzlich erscheinen und sich verwandeln, sich au- 
genblicklich nähern, und wieder Meilen weit entfernen. Aus dem Vogel 
wird ein Kameel und aus der Hyäne ein Strauss, und derFusstritt oder 
das Lispeln des Stundenweit heranziehenden Beduinen, oder das Fort- 
rollen einer feuchten Sandkugel durch den kleinen At euch us sacer 
erschreckt schon den sich überfallen wähnenden Wanderer. Einige strup- 
pige Dattelsträucher, ein Tamarisken-Gestrüppe, etwas feuchtes, kaum 
Kultur-fähiges Land und ein dünner, meist aus Salzpflanzen '•') bestehen- 
der grüner Überzug des Bodens , im Vereine mit einigen armseeligen 
Hütten Kultur- loser Menschen vermögen sich in der Phantasie des 
erschöpften Reisenden mit der Idee von den Inseln der Seeligeri zu ver- 
einigen, und so konnten die Oasen die /.tatiäpoüv vfjdoi Herodot's werden. 
Vom Atlantischen Ocean bis zu dem Indus, vom Mittelmeere bis 
zum Fusse des Schnee-bedeckten Semehn- (Sanien-J Gebirges Halessy- 
niens, weh h es mit dem Mondgebirge und den Gebirgen von Mandara 
und der Quellen des Senegal'« ein Joch queer durch Afrika bildet, er- 
ptreckten sich über Hunderttausende von Quadratmeilen, wenn auch oft 
ihren Namen ändernd, äje Liby'schen Ebenen. 100'-^ 200' über dem 
Meere erhaben bildet ein ganz ebener oder sanft wellenförmiger Boden 
ihrÄn Grund, der von 100' — 300' höheren Felsbänken mit söhliger 
Schichtung und oft schroffem Abfalle in Form von zuweilen ungeheuren 
Plateau's durchzogen wird. Geringere und stärkere Eiusenkungen im 
niedrigen Theile des Bodens, wohin sich aus nahen Höhen das eingeso- 
gene Regenwasser sammelt, oder wo eine mit dem Nil oder einem 
anderen Behälter in Verbindung stehende Wasser-leitende Mcrgelschichte 
Quellen zu Tage führt, bilden die Oasen, von schwachem Gestrüpp 



•) Hedysarum Alhagi, Cressa Cretica, Dtetylia reptni, Cynpdoi 
(iaetylon, Zygophylluia olbum. 



— 357 — 

und spärlirheni Grün besetzt. Auf den Platcau's erscheinen sie nur spär- 
lich und klein, grösser nur 10 — 12 Meilen vom Meere, so weit es durch 
Verdunstung- Fcuchtig^keit verbreiten und Küstenpflanzen nähren kann. 
Dann werden sie immer kleiner und flacher und verschwinden ganz. 
Auch die Chalcedon- und Carneol-Geschiebe sind auf den Plateau's mehr 
oder weniger auf Kreisflächen angehäuft und geordnet. Di« niedere 
Grundfläche der Wüste bildet das Gestein, welches die Basis der Pyra- 
miden in Mittel - Ägypten und die Zitadelle von Masr el Cahira trägt: 
ein ziemlich fester tertiärer Kalkstein voll Versteinerungen. Grosse 
Nummuliten- Lager, besonders vom Nautilus major und N. G y- 
zehensis Forsk. (welche Strabo wegen ihrer Aimlichkeit mit Linsen 
für die versteinten Überreste der Mahlzeiten der Arbeitsleute gehalten), 
dann in Lybien bei Bir Lebuk und Mugarra, und in Nuhien bei Suckot 
vorkommende Palme n- und Dik o tyled o nen -Versteinerungen (wohl 
von den einzigen auch noch jetzt dort lebenden Bäumen der Dattel- 
palme und Gummi-Acacie) nebst Serpein charakterisiren 
dieses Gebilde, dessen Schichtungs- Verhältnisse wegen Mangels an 
Durchschnitten nicht beobachtet werden konnten. Die iiorizontalen Flötzo 
der Plateau's aber bestehen aus Kalk, Mergel, Thon und Gyps, und sind 
offenbar noch neuer. Unter den 65 Arten aus ihnen gesammelter See- 
thier- Versteinerungen lassen sich nur eine Auster und ein Pecten 
auf ähnliche Formen in der vorigen Formation zurückführen; Nummu- 
liten und Phyto lithen kommen nicht damit vor. Zu diesen Plateau's 
beim Katabathvius gesellen sich ihrer Bildung nach wohl auch jene 
400' — 600' hohen Bcrgabfallie, Welche die Oasen im Lande der Tibbiis 
begrenzen, wovon Denham spricht. — Zu jener ersten Formation scheint 
dagegen noch der südlich von Ässiian verbreitete Eiscii-haltige Sand- 
stein zu gehören. 

Diese Bildungen lehnen sich an die den Nil begrenzenden altern, 
wahrscheinlich der Juraformation entsprechenden, Kalkgebirge ohne Ver- 
steinerungen, das Muttergcstein. der Änyptischen Jaspisse. Daraus tritt 
wieder he\ Assttaii einUrgcbirge von Granit, in Niibieii von Urkalk, auf 
der Ostseite des Rothen Meeres von Quarz - haltigem Syenit -Porphyr 
hervor, welches durch ganz Arabien, von einer von SO. nach NW. 
ziehenden Reihe von Vulkanen begleidet, zu verlaufen scheint. Zu die- 
ser Reihe kommen nach des Verfassers Beobachtui;gen noch die in 
einem grossen Umfange mit erloschenen Auswurfs-Kegeln und Lava 
bezeichnete Gegend bei El Wussem am S. Abfalle des hohen Assir- 
Gebirges, mit der Felsen-Insel Ketumbul , welche einem Halb-Krater 
gleicht, und die aus vulkanischen Gesteinen bestehende grosse Insel 
Hanakel &n der Habessynischen Küste hinzu. 

Übertrieben sind die gewöhnlichen Erzählungen und Vorstellungen 
von den wandernden §andbergen, den giftigen Winden und den beispiel- 
losen SturmVvirbeln. 

Der Boden iiu Allgemeinen ist fest, fast wie eine Chaussee. Die 
Plateau's enthalten nicht mehr Sand , als zwischeH einigen Geschieben 



— 358 ~ 

Schutz findet; und so viel sich durch Zersetzung des Gesteines wieder 
neu bilden mag, führt der nächste Wind davon. Längs der Küste von 
Damiette und Alexandrien bis zum Katahathmus magnns thürmt die 
Brandung hundertmal hohe Dünen auf, und reisst sie hundertmal wieder 
weg, bis ein grosser Sturm sie einmal über das Land hinwirft. Der 
immer herrschende Nord und Nordwest führt sie dann tiefer ins, Land, 
und erfüllt die Luft mit heissem Staube. Auf dem festen Grunde der 
Ebenen aber kann sich dieser Sand nur da sammeln und anhäufen , wo 
die Richtung und Kraft des Windes sich bricht. Hinter kleinen Erhöhungen 
des Bodens lagert er sich um kleine Gestrüppe sammelt er sich zu 
grossen Wällen und in Vertiefungen bildet er viele Sandkegel , aus 
deren vertieften Spitzen ein holziges Pflänzchen hervorragt; — vor schroffen 
Felscuwänden bildet er einen Hügelzug, der von jenen wegen des zu- 
rückprallenden Windes immer getrennt bleibt; — hinter freien Felsen ent- 
stehet in südlicher Richtung ein oft lang hinziehender Sand-Anhang, zu- 
weilen über 100' hoch. Einige Thal- artig fortziehende Vertiefungen 
der Ebene jedoch sind zusammenhängend mit Sand erfüllt, und da sie, 
ebener als die übrige Fläche, den Karawanen oft als Weg und zugleich 
als Richtschnur dienen, so vergrüssern sie allerdings bei vielen Reisen- 
den die Vorstellung von der sandigen Beschaffenheit der Wüste. Aber 
da im Gebirge der Unebenheiten mehr sind, so ist dort der Sand auch 
bei Weitem verbreiteter und tiefer und ermüdender. — Die Wirbelwinde, 
der gefürchtete Typhoa, führen Sand und leichte Körper wohl bis über 
100' hoch in die Höhe, besitzen aber wenig Gewalt, und können den 
Reisenden nie gefährlich werden. — Zur Zeit der Südwestwinde finden 
freilich die hinter Felsen u. s. w. gebildeten Saud- Ablagerungen kei- 
nen Schutz mehr; diese,* schon an und für sich heiss, führen daher 
in kurzer Zeit eine weit grossere Masse heissen Sandes fort, als die 
Nordwinde; die Luft gewinnt dadurch ein Nebel-artiges Ansehen ; aber 
Verschüttung ist nicht dadurch zu fürchten, und die stärkste Wirkung, 
welche die Reisenden davon gesehen, war, dass die Zelte umgeworfen 
wurden, und innerhalb eines Tages sich hinter ihren Effekten der Sand 
1' iiocii ansammelte. Die Knochen von Menschen und Kameelen, 
welche hin und wieder aus dem Sande hervorragen, sind mehr die Ur- 
sache seiner Anhäufung um sie, als er die Ursaclie des Todes der Weseu 
war, dem sie angehörten. 



Th. Virjlet : Geogn ostische Bemerkungen über die 
Nord- Griechischen Inseln, und insbesondere über ein 
Braunkohlen- führendes Sü s sw ass er g eh i l de {Ann. d. scienc. 
nat. 1833, Oct. XXX, 160 — 168.J Die Nördlichen Sporaden, ein 
Departement des jetzigen Griechenlands, bestehen aus der Insel Ski/ros 
und dem Teufels - Archipel, am Eingänge des Golfes von Volu und 
Salonichi an den Küsten von Thessalien und Macedonien. Jener Ar- 
chipel zählt 12 Inseln und eben so viele Klippen. Die Inseln Skiathos, 



— 359 — 

Skan%ura luid tue Felsen Dio- Delphia bestehen fast ganz aus l]rge- 
birgen. Xero, Xera - Panagia, Juura oder die Teiifcls- Insel, Piperi 
u. s. w. gehören grösstentheils der Kreide- Formation an; Skopelua bei- 
den Formationen zugleich, da Kreide den oberen Theil der hohen Berge 
einnimmt. So würden am Berge von Syndukia, l\ Meil. N. der Stadt, 
die körnigen , graublauen , auf Tlionschiefer ruhenden Kalke leicht 
der Übergangtjzeit zugeschrieben wei den können, wenn sie nicht viele 
Kreide-Versteinerungen, namentlic!) H i p p u r i t e s s e m i c o s t e 11 a t a Desh. 
enthielten. Im ganzen W. Theile, vom Dorfe Glossa bis zum Süd-Ende 
der Insel, herrscht dieselbe Formation : in der Nähe der Höhle Krifo- 
spilia enthält er viele in schwarzen Kalkspath verwandelte Versteine- 
rungen, wobei Tornatella prisca Desh. und T u r r i t e I 1 a a n t i q u a 
Desh. sich befinden. — Jaura und Piperi sind zwei Kalk -Felsen, die 
an den einander zugekehrten Seiten fast senkrechte Risse zeigen, was 
die Einwohner zur Meinung veranlasste, dass es nur die Enden einer 
versunkenen Insel scyen, worauf eine sehr grosse Stadt gewesen, deren 
Trümmer man bei ruhigem Meere noch soll sehen könne. Jaura be- 
sitzt eine schöne grosse Höhle mit einer runden Halle, deren Gewölbe 
durch schöne Stalaktiten - Säulen unterstützt scheint. — | Meilen vom 
Dorfe Iliodroma, auf der 5 — 6 Meilen langen, schmalen bergigen Insel 
dieses Namens, glaubte man ein Steinkohlen-Lager entdeckt zu haben, 
welches V, von C^ipo d'Istria zu untersuchen beauftragt war. Die Insel 
besteht: 1) aus Glimmerschiefer, Thonschiefer uud körnigem Kalke: 2) 
aus blauen und hellgrauen Kalken der Kreideformation ; 3) aus einem 
tertiären Süsswasser-Gebilde mit Ligniten^ welches fast die Hälfte der 
Oberfläche der Insel einnimmt. Von unten nach oben besteht es in einer 
Mächtigkeit von 50n> — 60"» im Ganzen: aus blauen und grünlichen 
Mergeln voll Land- und Süsswasser - Koiichylien, ais , Planorben, 
Paludinen, Helix- Arten u.s. w.; — aus vielen düinieu Schichten 
weissen mergeligen KalktuiFs olme Fossihcste, doch in der Mitte ent- 
haltend eine 2' mächtige Schicl-.te und melirere dünnere abgerissene 
Lagen von Braunkohle mit Tlion und Konchyücn g('iiicii;;t, welche stel- 
len weise in Gagat übergeht und bei einem Bergstürze d'is Gerücht von 
einem Steinkohlen-Lager veranlasst hatte; — ans graiiiiciien Mergel- 
kalken voll von Pvesten fossiler Vegetabilien; und aus kompakterem Kalke 
in 2'— 3' mächtigen Bänken, mit geradem Bruche. Ein Stollen, 25 M. 
weit in das Gebirge getrieben, um die Braunkohle zu verfolgen, gab 
kein grosse Hoffnungen rechtfertigendes Resultat. — Von den aufgefun- 
denen Resten fossiler Pflanzen, gehören die «jcisten dem ausgestorbenen 
Taxodium E uro paeum Brongn. an, das sich auch noch zu Cowio^/jaw 
in ßöAin^« und zu Öm«^^« gefunden hat, obgleich die Formationen dieser 
drei Orte nicht von ganz gleichem Alter sind. Jenes des Gebildes von 
Comothau kennt man zvj^ar nicht genau; der Kalk von Öningen ist nacli 
MuRCHisow jünger als die Molasse. Das Gebirge von Iliodroma aber scheint 
dem Verf. etwas älter zn seyn, da es sattelförmig gehoben worden zur 
Zeit, wo die Meerenge der Dardanellen und viele Spalten im Teufels- 



— 360 — 

Archipel entstanden, welche, wie jene Insel selbst, alle eine Richtung 
von N. 40" 0. besitzen, die nur um l« — 2*' verschieden ist von der 
Richtung der Westlichen Alpen, deren Hebung demnach gleichzeitg mit 
der vorigen seyn dürfte, und früher als die Absetzung der Subapeninnen- 
Formation Statt gefunden hat. Das Gebilde von Iliodroma ist daher 
älter als diese, und wohl gleich alt mit der grossen Meeres - Formation 
der Gompholithen Morea's und mit der Nagelflue der Sehweite, auf welcher 
die Öninger-Formation ruht. Es erhebt sich zu 2501» — 300'« Seehöhe, 
und seine Entstehung ist nur erklärlich durch die Annahme, dass diese 
Insel einst einTheil des Festlandes, oder einer grösseren Insel mit einem 
Süsswasser-Becken gewesen, wo dann auch mehrere angrenzende Theile 
eingesunken seyn müssten. Überhaupt muss man nach der Theorie der 
allmähligen Abkühlung des Innern der Erde annehmen, dass die einge- 
sunkenen und die gehobenen Massen sich ungefähr kompensiren. — 



N. J. WmcH : Beiträge zur Geologie von Northumberland und 
Ditrham CLond. and Edinb. phil. Mag. i833. III, SS f.; 98—99; 
200—304; 373—277. Der, mit dem Namen Main- oder Ninety- 
fathom-Byke bezeichnete mächtigen Gang, welcher in den Kohlen-Abla- 
gerungen jener Englischen Provinzen so denkwürdige Erscheinungen 
hervorrief, ist aus früheren Beschreibungen der Gegend bekannt. Am 
östlichen Ende jenes Uyfre, ander Meeresküste von Northumberland 
findet sich, bei Whitley in der Nähe von Cullercoates , ein schmaler 
Streifen von Magnesian limestone, geschieden von seiner Formation 
durch eine von jener gewaltigen Kluft herbeigeführten Senkung. Lange 
Zeit hindurch wurden in dem Kalk Steinbrüche betrieben , allein erst 
1831 entdeckte man, zwischen dem Kalk und dem oberflächlichen Boden, 
ein regelloses, aber dennoch mächtiges Lager von schwefelsaurem Baryt. 
Die nähere Untersuchung ergab, dass die Barytspath-Masse aus kleinen, 
sehr zerbrechlichen (bröcklichen) Krystallen von weisser Farbe bestand, 
nur hin und wieder auch ockergelb gefärbt. Eingeschlossen in dieser 
Masse traf man, jedoch nicht häufig, grosse, lichte lazurblaue Krystalle, 
ähnlich dem bekannten Ditfton Spur. Dass der Barytspath auch in den 
altern Steinbrüchen den Kalk überdecke, scheint ausser Zweifel. Trau- 
ben-förmig gestalteten, fleischrothen Barytspath entdeckte man vor eini- 
gen Jahren in den Zwischenräumen des, zum Theil krystalHnischen, 
Magnesian limestone zu Man Uaven unfern Whitburn. Haufwerke von 
Muscheln, auch der Abdruck eines Fisches sollen in den Steinbrüchen 
von Whitley vorgekommen seyn; kleine Blende-Krystalle sah der Verf. 
im Dyke an der Seeküste, woselbst der weiche gelbe Sandstein, die 
Unterlage des Magnesian-Kalkes , in Klippen an der Nordseite de» 
Dykes zu Cullercoates auftritt. ^ Besonders interessant in geologischer 
Beziehung ist das Kohlenwerk von Gosforth, zwei Meilen im N. von 
New Castle^ nicht allein wegen der Menge der durchsunkenen Kohlen- 
«chichten, sondern auch um der Aufschlüsse willen, welche map über 



— 361 — 

die Verhältnisse des Dyke erhielt, so wie über die durch ihn verur- 
sachten Störungen. Die Mächtigkeit der Spalten, unter 37** gegen N. 
fallend und erfüllt mit schieferigem Thon und mit Sandstein-Stücken, 
beträgt 4 Fuss. Auf einer Strecke von ungefähr 300 Yards von der 
Grube genannt West Pit, erheben sich die Schichten allmählich und 
gleichförmig in nördlicher Pvichtung, um weiterhin gegen die Spalten zu 
fallen. Die Senkung der Haupt-Kohlen-Lager beträgt 160 Klafter. — 
Kohlen-Ablagerungen, geringer an Mächtigkeit, als jene von Neiv Castle, 
und begleitet von Bergkalk sowohl , als von Sandstein und Schiefer, 
findet man durch beinahe ganz Northumherlaud verbreitet. Über ihre 
Fortsetzung gegen die Teufe wurde bis jetzt nichts Bestimmtes ausge- 
mittelt. — In Kohlen-Gebilden von Guilsland im IrtMng-Tha\c westwärts 
von ßlenkinsor ist der Kohlenschiefer ungewöhnlich reich an Lagern 
und Nieren-förmigen Massen von Thon Eisenstein, Ein Kalkstein-Lager 
wird in der Gegend gctroiFen*, es erscheint hier der Kalk im innigen. 
Gemenge mit kleinen Kohlen-Trümmern. — Bei Tbirlwall Castle ruht 
ein Bergkalk-Lagcr auf Basalt, und nimmt, wie gewöhnlich, in seiner 
unmittelbaren Nähe krystallinisches Gefüge an. 



Carise: sprach bei der Versammlung in Oxford über das rela- 
tive Alter und die Richtung der Gänge in Cormvall C Report 
of the 1. and 2. meetings of the Brit. Assoc. , Loiid. 1833. S. 580J. 
Er unterschied (mit der Gebirgsart) gleichzeitige oder Ausson- 
derungs-Gänge, Cveins of SecfregationJ , die zuweilen Mettall-füh- 
rend sind, und sich nach der Längen- und Tiefen -Erstreckung auskeu- 
len; und Erz -führende Spalt-Gänge Cveins of fissiirej , welche sich 
nicht auskeulen. Er zeigte Zinnerze von Arten vor, die bisher nur im 
Alluvial - Gebiet gefunden worden , neuerlich aber in Situ in wahren 
Gängen in Cornwall entdeckt worden sind. Holz - Zinn oder faseriges 
Oxyd, Kröten - Auge oder straliges Oxyd, Zinn in kugeligen Konkrezio- 
nen sind in regelmässigen Gängen nächst der Oberfläche unter Verhält- 
nissen vorgekommen, welche anzunehmen gestatten, dass eine Strömung 
aus NNW. nach SSO. sie als Alluvial - Bestandtheile hier hineinge- 
führt habe. 



A- v. Strombeck : über die Lagerung der Nieder-Rheinischen 
Braunkohlen (Karsten, Archiv f. Min. VL B. S. 299 ff,). Noeg- 
GERATH hatte bereits gefunden, dass der grösste Theil jener sehr bau- 
würdigen Braunkohle unter der Kreide liegt; des VerPs, neueste 
Untersuchungen der Gegenden von Brühl, Aachen, Henry Chapelle 
und MasfncAt ergeben , dass jene Ansicht vollkommen begründet ist. 
Zwischen Aachen, Maztricht und Liittich u. a, folgen, unter dem Ge- 
steine von Mastricht , die eigentliche Kreide und der 



— 362 — 

grüne Sand, sodann aber eine Sand- und Tlion-Bildung mit 
Braunkohlen. — Auch in der Normandie und in der Provence fin- 
den sich Braunkohlen-Forniafionen unter der Kreide. 



Schmidt: über das Vorkommen dos Kohlenstoffs und 
«einer Verbindungen in Blasen räumen basaltischer Ge- 
bilde (A. a. O. S. M4 ff.). Im Basalte des Wittschert-Btv^es bei 
Siegen trifft man ein für Kohlen blende anzusprechendes Fossil. 



Verschoyle: über die Geologie der Grafschaften Mayo 
und Sligi) {Proceed. of the geol. Soc. of London, 1832—1833. No. BS, 
p. 407 etc.). Der besclniebene Landstrich liegt im westlichen Theile 
der Provinz Connnught und wird gegen N. und W. vom Atlantischen 
Meere begrenzt. Durch seinen östlichen Theil erstreckt sich, aus NO. 
nach SW,, eine Kette von sogenannten Primitiv - Gesteinen , die Ox 
mountains, deren mittlere Hohe 1300 F. beträgt. Gegen N. erheben 
sich die Berge sehr steil und gehen in wahre Piks aus; gegen S. ist 
das Fallen bei Weitem unbedeutender. Die vorzüglichsten Gebirgs- 
pässe sind zu CoUvony , Lough Talt und Foxford. Als herrschende 
Felsarten findet man Glimmerschiefer, Hornblende- und Quarz-Gesteine. 
Über diesen altern Gebilden liegt ein Konglomerat, welches dem Old 
red sandatone angehören dürfte, und sodann folgen in aufsteigender 
Ordnung wechselnde Schichten von Sandstein und von Schiefer, und 
über diesen tritt Bergkalk auf. Im S. der Kette ist der Kalkstein ge- 
gen Roscommon und Gnlway verbreitet, indem er der grossen Irlän- 
dischen Kalk-Ablagerung sicli anschliesst, und im NW. bildet er eine 
Fläche von Stigo bis zur Earonie Erris, woselbst die Neplein-Gmiife 
emporsteigt, der Anfang des primitiven Gebirgszuges, welcher sich in 
nördliclier und westlidier Puthtung bis zum Ozean erstreckt. Die Küste 
zeigt meist steiles Gehänge, aus Gneiss bestehend, ferner aus Glimmer- 
schiefer, Quarz-Gestein und Bergkalk; hin und wieder machen jedoch 
auch niedere Sand-Hügel das Gestade aus. — Der Verf. schildert 
gämmtliche vorkommenden Gesteine in absteigender Ordnung: 

1. Bergkalk mit Lagern von Oolith. Er ist zumal ver- 
breitet im N. und S. der Ox moiintainf!', der Benbitlben, 1700 Fuss 
hoch, der Knocknodie, 1025 F., der Knocknashee, 980 F., bestehen 
ganz aus jener Felsart. Die tiefern Lagen enthalten schwarzen Feuer- 
stein (chert) in eckigen Massen ; häufig findet man in denselben orga- 
nische Reste. Der Kalk wechselt, was sein Gefüge angeht, vom Di<!i- 
ten bis zum Krystallinischen ; er geht aus dem Grauen bis ins Grau- 
lichbraune über. Arragonit, Flusspath , Brauns|)ath , Eisenkies und 
Qnarz-Krystalle kommen mitunter darin vor. Die Erze-führenden Gänge 
hat man neuerdings beinahe ganz vcrnnohlässigt : nur einer in der Nähe 



— 363 — 

von BalUsadere, welcher Bleiglanz und Blende enthält, wird norh ab- 
gebaut. Fossile Reste hat der Kalk in Menge aufzuweisen, zumal aus 
den Geschlechtern Caryo p hyl 1 ia, Produetus und Spirifer. Im 
Shreen-Bf^r^e trifft man gegen die Teufe hin geringniäciitigc Lagen 
von Quarz-Rollstiicken durch Kalk gebunden. — Die o o li ( Ii is c h en 
Schichten erscheinen nur zAvischen Moyne und Rathrea\ angeblich 
sollen sie ihre Stelle unterhalb des Kalksteins einnehmen. Zertrüm- 
merte Reste von meerischeu Thieren kommen darin vor, .selten verkohl- 
te vegetabilische Überbleibsel. Ferner enthalten diese Lager rundliche 
Massen von schwarzem Schiefer, welche Pechkohlen-Theile einscliiiessen, 
auch werden die kalkigen Lager durch dünne Zwischcu-ScbicJiten von 
braun gefärbtem Schiefer geschieden. 

2. Kalk-haltiger grobkörniger Sandstein Ccalcnreous 
grit) und Schiefer. Diese Formation folgt unmittelbar auf den Berg- 
kalk und die oolithischcn Schichten und verlauft sich gegen die Teufe, 
wo das Konglomerat fehlt, allmählich in ein Quarz -Geste in; bei Glen- 
lassera sollen jedoch der Sandstein und das Quarz Gestein in ungleich- 
formiger Lagerung zu einander sich befinden. 

3. Alter rot her Sandstein. Vorkommen in den uicdern Tiiei- 
Icn der nördlichen und südlichen Abdachungen der Ox moiiiituins. Die 
Rolfstücke bestehen aus Quarz und aus Jaspis; ihre Grö.sse übersteigt 
selten die eines Eies, das Bindemittel ist eisenschüssiger Thon. Orga- 
nische Überbleibsel wurden bis jetzt nicht beobachtet. An der Südseite 
der Berge, wo das Konglomerat auf Quarz-Gesteinen ruht, soll sich 
dasselbe allmählig in diese Felsart verlaufen ; nach N. hin aber, wo 
kein Quarz vorkoamit, liegt das Konglomerat ungleichförmig auf Glim- 
merschiefer. 

4. Quarz-Gestein ist selir verbreitet und besteht, in seiner 
einfachsten Beschaffenheit, aus feinkörnigem weissem Quarzsande. Die 
Lagen zeigen Schiefer-Gefiige. Hin und wieder enthält das Gestein 
Theile weissen Feidspaths und Glimmcr-Blättchen, so dass es sich nach 
und nach in Gneiss verlauft. 

5. Hornblende-Schiefer, Glimmerschiefer und Gneiss. 
Das letztere Gestein ist zumal auf der Halbinsel Erris vorlianden und 
in den Bergen oberhalb Coolany , zu Mullinashie -^ der Glimmer- und 
Hornblende-Schiefer weiden besonders in den Ox mountains und in der 
Gebirgs-Gruppe von Erris getroffen. 

6. Granit tritt nur am Süd -Ende von Eriis auf. Er dringt 
Gang-förmig in den über ihm liegenden Glimmerschiefer ein. 

7. Trapp. Eilf, unter einander parallele, basaltische und Man 
dclstein-Gänge durchsetzen, in beinahe östlicher und westlicher Rich- 
tung, im nördlichen Theil des Landstriches alle Formationen von Gneiss 
bis zum Bergkalk. Einer dieser Gänge lässt sich auf 60 bis 70 Entß. 
Meilen weit verfolgen, und muthmasslich ohne dass sein Ende erreicht 
wäre. Die Entfernung zwisdu'n dem nördlichsten und südlichsten Gange 
beträgt nicht mehr als 11^ Meilen. Zwei von diesen Gängen sollen 



— 364 — 

von andern Gängen durchsetzt werden, welche in NS. streichen. Ein 
ausgedehntes Trapp-Lager bedeckt, an der O. und W.-Scite der Bucht 
von Killala, den Bergkalk, den Sandstein und den Schiefer. 



Savx: über die geognostisch-geologiseben Verhältnisse 
in Toskana (nach dem Resitme des progres de la Geologie im Bullet, 
de la Soc. geol. T. III, p. xli etc.J. Zu Folge des Verf. Beob- 
achtungen in der Gegend von Camplglia, in den Maremmen 
von Pisa, besteht der Berg Calvi aus körnigem nicht geschichtetem 
Kalk und ist in rhoniboedrische oder prismatischen Massen abgeson- 
dert. Der Kalk enthält Eisenoxyd-Hydrat, strahlige Hornblende mit 
Lignit gemengt, gelben Augit, Granat, Quarz, Bleiglanz, Blende, Ei- 
sen- und Kupferkies. Diese Substanzen dienen den kugeligen Horn- 
blende-Massen als Kern, und häufig bilden sie konzentrische Zonen, 
deren jede, in ähnlicher Weise wie bei dem Kugel-Diorit aus Korsika, 
aus einem einzigen Mineral besteht. Manche dieser Kugeln haben einen 
Fuss im Durchmesser. Grosse Porphyr-Massen, zuweilen Quarz-Theile 
und Glimmer-Blättchen führend, auch Säulcn-fürmig abgesondert, durch- 
setzen den Kalk und scheinen mit den Hornblende-Nestern in Verbin- 
dung zu stehen. Auch der Fucoiden-führende Sandstein der Apenuinen 
berührt den Kalk; er zeigt, unter solchen Umständen, Spalten, kleine 
Gänge von Manganerzen und andern Anomalien. Der Verf. ist der 
Meinung, der Sandstein habe das langdauernde Einwirken einer, im ge- 
schmolzenen Zustande befindlichen Felsart erfahren. (Nuov. Giorn, de* 
letterati No. 63). — In einer andern Notiz, 1829 erschienen, stellte S. 
die Sätze auf: 1) der Dolomit von Campiglia, der Marmor von 
Carrara und vom Monte Altissimo, der Bardiglio von Serrave-a-sa 
und der rauch graue, kavernöse, Bitumen -haltige Kalk 
seyen nur Modifikationen eines und des nämlichen Gesteins; 2) diese 
Dolomite kämen stets ungesehichtet oder auf Gängen vor, und bilde- 
ten für sich bedeutende Erhöhungen, wie die Pania^ die Corchia und 
den Altissimo; 3) der weisse Dolomit und der körnige Marmor träten 
nur in den mächtigen Theilen der Ablagerungen, so wie in deren Mitte 
auf, während die Grenze von unreinem Dolomit, vom Bardiglio-Marmory 
von Bitum-haltigem kavernösem Kalk u. s.^ w. zusammengesetzt würden -^ 
4) in reinem Dolomite und körnigem Kalke kämen die, ihnen .sich bei 
gesellenden, Substanzen auf kleinen Gängen (Serravrezxa und Carrara} 
oder in kleinen konzentrischen sphäroidaleii Massen ( Campiglia > 
vor ; 5) die dolomitischen Gebilde seyen , aus der Tiefe , unterhalb 
der Talkschiefer und des sekundären Macigno herausgetreten, indem sie 
Emporhebungen, Brüche und Änderungen hervorriefen ; 6) der Jaspis 
von Barga wäre nichts Anderes, als der durch Berührung mit dem Do- 
lomit umgewandelter Apenninen - Sandstein ; 7> der mit dem Namen 
Alb er es e bezeichnete Kalk und der Apenninen-Sandsteiuy oder Ma- 
cigno, seyen von einer Formation J 8) an mehreren Orten erschiene der 



— 365 — 

letzere Kalk zu Dolomit umgf vv.andelt (CaUomijii), «der zu unvollkom- 
liien körnigem Kalk (CompiyliuX (Niiov. Giorn. de'' letterati. Okt. 
1S39J. — Diesen Beobachtungen und Annahmen fügte Savi in einer 
dritten Abhandlung neue Wahrnehmungen bei. GuiDom fand einen 
Kalkstein mit Bivalven in Verbindung mit dem Marmor von Carrara, 
der letztere wird folglich nichts weiter, als ein umgewandelter sekun- 
därer Kalk. Bei genauer Untcrsitchnng der Kalksteine von Verrucano, 
unfern Pisa, fand Savi darin aus Kalkspath bestehende Steinkerne von 
Melania, Natica, Pecten, Terebratula, auch Entrochiten 
und Zoophyten, und zu Mommio, unfern Firi%%ano, Steinkerne von 
Card iura und von Venus. Er schliesst daraus: I) der Marmor von 
Santo-Giuliano, wie jener von Campiglia, C'orfino, Gerfalco und Do- 
noratico, wäre umgewandelter Kalkstein; 2) dass die nämliche Abla- 
gerung, welche Entrochiten aufzuweisen hat, auch Univalven enthalte; 
3) dass, da diese fossilen Körper im Kalk der Berge von Pisa gefun- 
den worden, wie in jenen des Meerbusens der Spexzia, beide Gesteine 
von gleichem Alter sind; 4) dass der, den Marmor von Verrucano be- 
deckende, geschichtete Kalk in den von ihm umschlossenen kieseligea 
Nieren die nämlichen Petrefakten enthält, wie In seiner Masse selbst J 
endlich dass die Muscheln - führenden Gesteine auch am Fusse des 
sekundären Sandsteins der Apennin en vorhanden seyn müssen. In 
den Apuanischen Alpen dürften die plutonischen Wirkungen nur um 
Vieles stärker gewesen seyn, als in der Gegend von Pisa. — An der 
Küste von Torcana und an jener des Herzogtbums von Mas sa- Carrara 
werden die Apennin-Sandsteine in ungleichförmiger Lagerung von den 
subapenninischen Ablagerungen und von Alluvionen bedeckt; man 
kann die Sandsteine als geschieden in drei Massen ansehen. Die obere 
scheint, wenigstens hin und wieder, durch ein Gemenge von Fukoiden 
und von Resten dikotyledonischer Land-Pflanzen charakterisirt zu wer- 
den ; ihre Anhäufung bedingte mitunter selbst das Entstehen von Braun- 
kohlen-Lagen (Caniparola im Lande Sarsana, Val di Cecina unferö 
Volterre). Der, als Macigno bezeichnete, Apenninen-Sandstein lässt 
in seiner Hauptmasse Lagen dichten oder lithographischen Kalksteins 
wahrnehmen; zumal in seiner obern und untern Abtheilung stellen sich 
dieselben gedrängter dar und .sind begleitet von kieseligen Schichten. 
An den tiefsten Stellen kommen kieselige Sandsteine vor; wechselnd 
mit Talkschiefer Und mit talkigen Konglomeraton. — Savi theilt in Ab- 
sicht der Entstehungs-Weise dov letztern die Meinung Boue's; sie sol- 
len ihren fremdartigen Charakter den Umvvandelungen durch Fener unrrf 
Gase zu verdanken haben. Der Sandstein erscheint härter und Kie«el- 
reicher; er ist zu einer kieselig-kalkigen krystalHiiischen Felsait ver- 
ändert worden, oder, wenn Talk sich entwickelte [?], zu einer Art 
Grauwacke [die mit dem Beisatz steaschisteiise oder Tatcschiste-nodu- 
laire bezeichnet wirdl; endlich sollen auch kohlengesäuerte oder schwe- 
felige Gase Umwandelungen zu Tripel-ähnlichen Massen {Masses tri- 
poliennes) bedingt haben. Der schieferige Thon Wurde stets äu Ja^piS, 
Jahrgang 1834- "^^ 



— S66 -^ 

oder Hornstern, der dichte Kalk zu körnigem, wobei er die Scliichtnng 
einbüsste und fast alle seine Petrefakten. Waren im Kalk kicselige 
Massen vorhanden, so sollen diese durch die plutonische Aktion ver- 
schwunden [?] und die kieselige Materie unter der Gestalt von kry- 
•tallisirteni Quarz zerstreut [?] worden se3'n. In einigen Theilcn des 
massiven Marmors verbinden sich, wie gesagt wird, die Spuren erlit- 
tener Expansion odev Aufhebung mit denen der Schmelzung. Wurden 
die kalkigen Lagen von gesäuerten Emanationen durchzogen, so sollen 
sie in „Tripoli," „Alunite^^ oder in Thon u. s. w. umgewandelt worden 
seyn, mitunter auch in wahren Dolomit mit Drusenräumen von Bitter- 
spath-Krystallen ausgekleidet. — Ausser diesen Umwandelungen haben 
die Ablagerungen auch grosse Bewegungen durch mechanische Aktion 
erfahren. Gruppen von Bergen wurden auf solche Weise gebildet, und 
der nicht, oder nur wenig veränderte Sandstein setzt die Masse der- 
jenigen zusammen, welche am Weitesien von dem Erhebungs-Zentrum 
entfernt sind; während wenig, oder sehr, oder gänzlich umgewan- 
delte lithographische und kieselige Kalke jene Berge fast ganz 
zusammensetzen, die in paralleler Richtung mit den vorhergehenden, 
aber näher gegen das Erhebungs - Zentrum aufsteigen. Unterhalb der 
kalkigen Massen, oder unterhalb der ganzen Ablagerung, finden sich 
quarzige Sandsteine, theils wenig umgewandelt, geschichtet, auch Brec- 
cien-artig, oder in hohem Grade verändert, und sodann erscheint ein 
schöner y,Talcschiste nodtdaire,^' nicht geschichtet, auf Gängen oder in 
Massen. Als die plutonischcn Gebilde (depöts ignesj, durch welche 
jene Umwandelungen und Änderungen hervorgerufen worden seyn sol- 
len, werden bezeichnet : Gänge von Magneteisen (Berg Stazzema), oder 
von Eisenglanz mit Epidot gemengt (bei Fivizzano und Tambura in 
den Apuanischen Alpen)', an anderen Orten sollen es Massen von 
Wacke gewesen seyn (Capo Corvo), oder mächtige Gänge von Porphyr, 
der ein tiachytisches Aussehen hat [?], von Granit, Eurit, Pelagit, Euphotid, 
Serpentin und Diorit. Die Magneteisen- und Eisenglanz-Gänge, die Wacke, 
der Eurit und der Granit sind, wie gesagt wird, alle von gleichem Alter und 
erschienen, als der Sandstein noch eine gewisse Weichheit hatte; diese 
Massen sind es, welche, so wird behauptet, den Talkschiefer, den körnigen 
Kalk und den Dolomit erzeugten. Die übrigen vulkanischen Gebilde brachen 
in einer neueren Zeit hervor, als die Sandsteine bereits erhärtet waren; 
mulhmasslich geschah diess vor dem Entstehen der Gyps-, der Salz- 
nnd Schwefel-Bildungen des snbapenninischen Gebiets. (Nuov. Giorn. 
iet" letterati etc. No. 63), — (Bullet de la Soc. geol. de France. Vol. 
Jlt; paff. XIJ etc.) 



Hl. Petrefaktenkunde. 

"Dz Bonnard: Knochen in den Höhlen von Arey siir Cur« 
(Huttet. d, l. Socieie geolog. de France ±833. III. 933 — »33). Die 



— 367 — 

Verlesung; der Mittheilungen ScHMERi.mr,'s über die Knoclienhöhlen tob 
Lüttich veranlasste mehrere Mitglieder zur Äusserung ihrer Ansichten. 
C. Prevost beharrte bei seiner früheren Meinung, dass die Knochen mei- 
stens von Wasserströmen in die Höhlen geführt worden seyen. Düfrenot 
dagegen hat in mehreren, zumal Südfranxösischen, Höhlen unverkenn- 
bare Spuren eines verlängerten Aufenthalts der Thiere vi^ahrgenommen, 
deren Gebeine jetzt dort ruhen. 

De Bonnard wollte im J. 1829 in den Höhlen von Arcy sur Cure 
{Yonne) Knochen aufsuchen, und beschäftigte zwei Tage lang mebrer« 
Arbeiter damit. Obschon er vorzugsweise an jenen Orten nachgraben 
Hess, welche nach Buckland's Anleitung am meisten Ausbeute verspra- 
chen, so war er doch nur an einer einzigen Stelle glücklich darin, in- 
dem er daselbst ein ansehnliches Bruchstück eines Hi pp op o t amu s- 
Kiefers entdeckte, in Gesellschaft von andern ganz unkenntlichen Kno-^ 
chentheilen , welche die Arbeiter „verfaulte Knochen" nannten. Alla 
lagen über 1'" tief in Thon, und fast unmittelbar auf der Kalkstein- 
Sohle, in einer Kanal-artigen Verengerung derselben, durch welche sie, 
durch Wasser bewegt, im weiteren Forttreiben festgehalten worden eu 
sejn scheinen. 



Virlet: über Knochen-Höhlen (a. a. 0. S. 223 — '224). Der Verf. 
ebenfalls durch obigen Vortrag veranlasst, kam auf seine früheren Mit- 
theilungen bei Gelegenheit seiner Abhandlung über die Höhle von Sillaka 
auf der Insel Termia zurück, welche ganz in Glimmer-, Thon- und Talk- 
Schiefer ausgehöhlt ist. CBuUet. geol. II. 330. J Dort kommen nämlich 
mehrere sog. Katavothron^s oder Schlünde vor, in welche die Gewässer der, 
durch mehrere sich durchkreutzendeu Gebirgs-Hebungen eingeschlossenen 
Ebenen von Morea und dem kontinentalen Griechenland sich verlieren, 
oft an sehr entlegenen Stellen wieder zum Vorschein kommen, und mit- 
unter zur Bildung der grösseren Flüsse beitragen. Er ist in mehrere 
dieser Schlünde hineingedrungen, fand sie aus grösseren und kleineren, 
durch engere Gänge mit einander verbundenen Kammern bestehend, und 
theilweise von neuem Schlamme, Pflanzenresten und Knochen von Thie- 
ren aus der Nachbarschaft angefüllt, denen zuweilen Menschen- Gebeine 
beigesellt sind, die seit den letzten mörderischen Kriegen in jenen Gegenden 
über die Erde zerstreut vorkommen. Sie sind durch die Gussregen des 
Griechischen Winters dahin geführt worden. Wenn die Wasser nun 
einen andern Abflussweg fänden, so könnten diese Schlünde noch leicht 
Raubthieren zum Aufenthalts-Orte dienen, die dann dort noch eine Knochen- 
Ablagerung ganz andrer Art veranlassen, und ganze Skelette, angenagte 
Knochen und Knochen - Exkremente zu den vorigen gesellen würden. 
Tiefer in jenen Schlünden vordringend, würde man wahrscheinlich Kno- 
chen jetzt in Griechenland lebender Thiere mit denen von in geschichtlicher 
Zeit daraus verschwundenen und selbst noch früher ganz ausgestorbe- 
ner Arten im Gemenge finden. Denn die neuesten der dortigen Ge= 



— 368 — 

birgs-Kataströphen , und somit auch jene Ebenen und Gebirgsschlünde 
sind älter als das Subapenninen-Gebilde. Stalaktiten kommen in diesen 
Höhlen nicht vor. 



C. Prkvost trug in einer späteren Sitzung noch einige Bemerkun- 
gen über Kn ch enh ö hlea nach (a. a. O. S. 228). Er beruft sich 
jauf die von Buckland gegebeneu Details über die Fränkischen Knochen- 
hohlen, um zu beweisen, dass die Thiere in diesen Höhlen nie haben 
leben können, und dass ihre Leichen daher viel wahrscheinlicher von 
Wasserströmen, wie sie sich noch heutzutage häufig in jenen Höhlen 
verlieren, mit den Schlamm-T^iedorschlägen und Geschieben dahin geführt 
worden seyen. Auch beruft er sich, für diese Ansicht, auf die von 
Dethier (Coup d'oeil sur Ics volcans de la Kill superieure) über das 
von der Lesse durchströmte Tron-du-Han, 1 Stunde von Rochefort 
CLiegeJ, mitgetheilten Thatsachen. 



Elie de Beaumokt sieht es als erwiesen an, (ebcndas.) dass Hyä- 
nen in den Höhlen von Kirkdale gelebt haben, bezweifelt jedoch nicht, 
dass in jenen andern Höhlen sich verlierende Ströme daselbst Knochen- 
jljreGeien bilden mögen. 



Boübee (ebendas. S. 267.) erklärt später, dass man weder Prevost's, 
noch Dufrenoy's Theorie der Knocbenhöhlen allein huldigen dürfe. 
Einige Höhlen seyen gewiss durch fliessendes Wasser mit Knochen an- 
gefüllt worden ; andere seyen ebenso gewiss die Wohnorte von Thieren 
gewesen, deren Knochen sie jetzt einschliessen. So habe Tournal in 
der Höhle von Bise eine enge Felsspalte gefunden, in die man kaum die 
Hand einfühlen könne, und welche voll wohl erhaltener Knochen kleiner 
Thiere, wie Ratten u. s. w., seye, die mithin darin gelebt haben. Aber 
es gebe noch zwei andere Ursachen, nämlich 3) grosse periodische Was- 
serfluthen , wie sie von Bächen und Flüssen nicht abgeleitet werden 
können, und wodurch Erde, Geschiebe, Thier - Gebeine durcheinander 
gemengt und in die Höhlen eiugeschwemmt worden seyen; daraus erklä- 
ren sich, warum so oft alle Höhlen eines Thaies oder Beckens nur Kno- 
chen von denselben Thierarten enthalten. Welches aber auch die Art 
und Weise gewesen, wie die Knochen in die Höhlen gekommen, immer 
haben 4) noch andere Wasser- Bewegungen sie darin durcheinander- 
werfen und anders absetzen können , so dass man die ursprüngliche 
Einfiihrungs- Weise nun nicht mehr zu erkennen vermöge. So seye es 
in der von ihm untersuchten Höhle des Arriege Depts. und in einigen 
Höhlen äcr Pyrenäen der Fall. (Prevost bemerkt noch schliesslich, dass 
diese beiden letzten Arten der Einführung der Knochen in seiner allge- 
H^ejlneren Theorie mitbcgrififen seyen). 



- 369 — 

W. Buckland: über die Entdeckung einer neuen Ptero- 
dactylus-Art im Lias von Lyme Regis (Transact. of the geolog, 
Soc. Lond. N. S. 1829 III, »17-^283. tb. 27). Diese Reste liegen 
auf einer Platte von Liasschiefer und begreifen den grössten Theil der 
vorderen und hinteren Extremitäten in eich nebst einigen Wirbeln ; leider 
fehlt der Kopf gänzlich. Diese Art zeichnet sich durch die ansehnlichere 
Stärke ihrer Klauen aus, und erhält daher den Namen P. macronyx. 
Sie hat die Grösse eines Raben , und mit ausgebreiteten Schwingen 
mag sie über vier Fuss in die Breite gehabt haben. Den Halswirbeln 
parallel liegen knöcherne Sehnen von Drahtdicke, den schweren Hals 
und Kopf zu halten. An den Rückenwirbeln erkennt man konvexe und 
konkave Gelenkflächen. Brustbein und Becken sind gross und ziemlich 
erhalten. Schulterblatt und Hakenschlüsselbein sind wie bei andern 
Arten gestaltet, doch inniger verwachsen, letzteres nicht stielrund, son- 
dern flach und kürzer als gewöhnlich. Oberarm etwas beschädigt. Vor- 
derarm aus zwei Knochen der Länge nach verwachsen, was man auch 
aus einer der Länge nach ziehenden Rinne erkennt. Von der Handwur- 
zel sind vier Knochen daj von der Mittelhand drei kleinere, vom Flug- 
finger die drei ersten Phalangen und ein Stück des vierten , wovon je- 
doch BucKLAWD die ersten irriger Weise für die Mittelhandknochen die- 
ses Fingers hält; sie sind ganz wie beiP. crassirostris gebildet. An 
den andern Fingern erkennt man 2, 3 und 4 Phalangen : mit Klauen, 
so dass also wohl ein eingliedriger Daumen hier fehlte. Der letzte Pha- 
lanx ist immer der längste. Vom Becken ist das Hüftbein, daa Scham- 
bein (Ischium bei BüCKL.) und der fächerförmige Schambein -Fortsatz 
(Os pubis BucKL.) vorhanden. Oberschenkelbein, ünterschenkelbein mit 
einer Längenrinne, seine Verwachsung aus 2 Knochen andeutend, «iem- 
lich lang. Am linken Mittelfuss sieht man 4 Knochen. An den Zehen 
fehlen die Klauen, und man zählt noch 1, 2, 3 und 4 Phalangen, so 
dass hier die äussere fünfgliederigc Zehe zu fehlen scheint, da an den 
vorhandenen vier , wie gewöhnlich , das letzte Glied länger ist. Doch 
sind hier auch die ersten Glieder länger als sonst. 

In derselben Lokalität mit Ichthyosauren und Pleslosauren hat man ei- 
nen vorn und hinten abgebrochenen Unterkiefer gefunden, den Buckland 
zweifelhaft zu dieser Art zählt. Er ist flach J aber die Zähne sind nied- 
riger, breiter, als bei allen andern Arten, und stehen dicht an einander, 
was ebenfalls sonst nicht der Fall ist. Er befindet sich in der Miss 
Philpot Sammlung zu Lyme. Von einem wahrscheinlifh auch dazu ge- 
hörigen Vogelskelette in Rowe's Sammlung zu Charmouth hat B. schon 
seit 20 Jahren reden hören, doch es noch nicht gesehen. 

Auch die Knochen sind für Pterodactylus-Reste zu halten, welche 
als Vogelknochen von Prevost in den Jura-Schiefern zu Stonesfield und 
von Mantell in den noch jüngeren Jura-Schichten von Tilgate Forest 
angeführt werden, so dass jenes Geschlecht also in der ganzen Periode 
exifltirt hätte, welche von Absetzung der Liasformation bis zu der der 
letzten Jura-Bildung verfloss. 



— 370 -^ 

MoRREW lässt eben ein „Memoire sur les ossemens humains des 
tourbieres de la Flandre** drucken, woraus Bou:6 folgende Resultate 
mittheiltröM«. geol. de France, 1833,111, p. CXXXUund CXXXIIIJ. 
1) Neben die fossilen Menschenknochen, welche mit Hyänen, Bären, Hir- 
schen, Rhinozeros in den Höhlen Südfrankreichs und Belgiens und in 
den Felsspalten des Kalkes bei Wien vorkommen, neben die in den 
Knochenbreccien Balmatiens [?], im mergeligen Alluvial -Boden von 
Krems und in der grossen Alluvial - Ablagerung am Rheine, muss man 
auch die der Torflager stellen, weil mit ihnen die nämlichen ausgestor- 
benen Thier- Arten vorkommen. Gehören aber nun gewisse Hirsche, 
Biber, u. s. w. zu den erst nach dem Auftreten der Menschen ausge- 
storbenen Thier- Arten ? 2) Theilt man die Torfmoore in hochgelegene und 
in solche der Niederungen, so enthalten d'ese letzteren jedenfalls mehr 
Knochen von Menschen und ausgestorbenen oder ausgewanderten Thieren, 
als die ersten. Oft ruhen sie auf einem sandigen Süsswasser • Lehm 
mit Süsswasser - Konchylien noch lebender Arten, und sind daher nicht, 
wie man von den Amerikanischen Torflagern annimmt, in Salzsee'n ab- 
gesetzt worden. 3) Während die fossilen Menschenschädel, welche hin 
und wieder in Europa mit Resten von ausgestorbenen Thier-Arten vor- 
gekommen sind, sich durch ihre Bildung bald denen der Neger, der 
Caraiben oder Chilesen näherten, bald in Folge einer längeren Gewohn- 
heit des Lasttragens eine Zusammendrückung zeigten, so gehören die 
Menschenschädel der Flandrischenlovimoore, wo sie sich ebenfalls mit 
ausgestorbenen Thier - Arten finden, der Kaukasischen Rasse an , und 
weichen von jenen im heutigen Flandern nicht merklich ab. 4) Aus 
diesen Verhältnissen folgt ein verhältuissmässig sehr hohes Alter [?] 
der niederen Torfmoore und der Aufnahme der Reste des Auerochsen, 
des Hirschs, des Wolfs, Hundes, Fischotters, einiger Widerkauer 
und der Biber - Art , die erst nach dem Erscheinen des Menschen ver- 
schwunden ist» Von dieser alten Periode an bis zum heutigen Tage hat 
mithin, obschon ganze Thier-Arten ausgestorben, unsere Art keine merk- 
liche Veränderung in diesem Klima erlitten. 



RiLEy: über ein Fossil im Museum von Bristol aus dem 
Lias von Lime Regis {Land. geol. Soc. 1833, 5. May > Lond. a. 
Edinh. philos.Journ. 1833. Novemb. III, Nro.l7, pg. 369. !> Froriep 
Notitz. 1833, XXX Vni, 330). — Der Verf. hält diesen Fossil -Rest, 
den noch Niemand mit einiger Wahrscheinlichkeit zu bestimmen vermochte, 
für einen Knorpelfisch, den Rogen verwandt, und beschreibt seine Ana- 
tomie ausführlich. Die Kiefer sind sehr verlängert ; Rcspirations-Öffnun- 
gen konnten am Oberkiefer nicht entdeckt werden ; auch keine Zahn- 
Alveolen; den Kiefern zunächst lagen Stacheln mit strahliger Basis^ 
jenen ähnlich, welche bei Rogen und andern Knorpel-Fischen vorkom- 
men. Die Augenhöhlen sind ungeheuer gross, von einem erhabenen 
Rande eingefasst, der Raum beiderseits am Kopfe zwischen der Mittel- 



— 371 — 

linie und diesem Rande dem Wand- und Stirnbein entsprechend, ist 
flaeh, nicht unähnlich diesen Theilen bei den Sauriern; vielleicht aber nur 
desswegen, weil dieser Theil des Schädels, wie bei andern Sauriern, nur 
aus einer dünnen Haut bestanden. Die Wirbelsäule ist wenig beschä- 
digt, doch fehlen die Fortsätze an den Wirbelbeinen ; von 260 Wirbeln 
sind 28 Halswirbel , 143 Rückenwirbel und 90 Schwanzwirbel. Die 
Höhle zu Aufnahme des Rückenmarks ist einfach, die Halswirbel von 
einander gesondert, wodurch sich dieser Fisch sehr dem Geschlecht 
Squalus nähert. Die Glieder, welche vom Brustkasten und vom Be- 
cken abhängig, sind sehr beschädigt, doch was davon übrig ist, deutet 
ebenfalls auf einen Knorpelfisch hin. — So betrachtet der Verf. diesen 
Fisch als Typus eines neuen Geschlechtes, und nennt ihn Squaloraia 
dolichognathos. 



Kauf: vier urweltliche Hirsche des Darmstädter Mu- 
seums (Karst. Ar eh. 1833. VI. 217—223, Tf. IV.) 

l)Cervusanocerus K. Fg. 45 '0. Die linke Hälfte eines Ge- 
weihes von Eppelsheim zeigt am meisten Ähnlichkeit mit dem Geweihe 
einer Art des Indischen Archipels, des C. muntjac Z. nämlich, der 
auf Ceylon und Java lebt. [Doch hat Cuvier schon Hirsch-Zähne von 
NiZTia mit denen von Arten aus derselben Gegend verglichen]. Wie 
bei jener lebenden Art sind die Rosenstöcke ungeheuer lang und nach 
dem Nacken hin gerichtet ; gleichwohl ist hier der Rosenstock kürzer, die 
Augensprosse fehlt und die Krone ist Gabei-förmig. Ferner ist der Ro- 
senstock an der Wurzel fast dreikantig, nach der Rose hin abgerundet, 
und an der Rose selbst so ausgebreitet und geperlt, wie diese, während 
beim Muntjac die Rose ringsum über den Rosenstuhl hinausragt, und nur 
an ihrem erhabensten Rande Perlen zeigt, welche gross nnd ausgebildet 
sind. Die Stange ist an der Wurzel zusammengedrückt, die Geweih- 
Oberfläche glatt, nur hie und da mit kaum sichtbaren Streifen. Hätte 
das Thier auch die langen Eckzähne des Muntjac, so würde es mit die- 
sem die Abtheilung Stylocerus Ham. Swith's bilden. 

Ganze Länge des Geweihes 0,170 Met. 

Von der Wurzel des Rosenstocks bis zur Rose . . . . 0,101 — 
Von der inneren Mitte der Rose bis znm Gabelraud . . 0,072 — 
Von der äusseren Mitte derselben bis zum Gabelrand . 0,062 — 

Dicke des Rosenstocks in der Mitte 0,014 — 

— der Rose 0,021 — 

Entfernung der äussern Ränder der Kronen-Sprossen . . 0,027 — - 

Dicke der Stange in der Mitte ., 0,011 — 

^) Cervus dieranocerus K. Fg. 6—11**). Drei Geweihstau- 



'^J Im Original ist irrig Fg. S uod 2 angegeben, 
""f) Eben so hier Fg. 4—8. 



— 372 — 

gen von Eppelsheim. Die Stange des jungen Tliieres (Cervu« bra- 
chycerus K. in Meyer's Palaeoiog.) ist sehr kurz, Gabei-förmig 
und hat eine ovale Rose und eben solche Ansatzfläche gegen den Ro- 
senstock. Die vordere Seite der Stange ist mit tiefen Furchen und er- 
habenen Falten versehen j ihre beiden Enden sind abgestumpft, etwas 
höckerig, und in der Gabel steht noch eine sie verbindende, zugeschärfte 
Queer-Leiste. Das Geweihe hat einige Ähnlichkeit mit dem noch im 
Wachsen bcgrififenen des Muntjac (Cuv. oss. foss. IV, tb. iii, fg. 50, b), 
wovon es sich jedoch wieder unterscheidet durcli die von hinten nach 
vorn (nicht von aussen nach innen) in die Breite gezogene Rose u. s.w. 
Von der Mitte der Rose bis auf die Queerleiste in der Gabel . 0,025 Met. 
Entfernung beider Enden am äussern Rande .... 0,038 — 

Breite der Rose von hinten nach vorn 0,024 — 

Von aussen nach innen 0,021 — 

An der Stange des altern Thieres ist die Rose undeutlicher, fast 
kreisrund^ die Queerleiste minder ausgebildet, das vordere Ende dick 
und breit (halb abgebrochen). Das hintere stark gerieft, lang, zusam- 
mengedrückt mit abgerundeter Spitze. 

Von der Mitte der Rose bis in die Gabel 0,055 Met. 

— — — — — — zur Spitze des hintern Endes . 0,108 — 

Breite des vordem Endes 0,025 — 

Durchmesser der Rose 0,028 — 

Bei noch altern Thiereu nehmen die Stangen an Länge (in der 
Gabel bis auf 0,07), die Furchen und Falten derselben an Stärke zu. — 
Bei der Ähnlichkeit dieses Geweihes mit dem der ersten Art könnte es 
ebenfalls auf einem hohen Rosenstock gesessen seyn, wo aber jeden- 
falls die Rose frei über den Rosenstuhl weggestanden hätte. 

3)Cervus trigOHOcerus Kauf. Ein Stück der linken Ge- 
weih-Stange (Fg. 12, 13, 14 ") ) von Eppelsheim. Die Stange war aus- 
gebildet und, nach dem Mangel an Poren auf der Ansatzfläche der 
Rose zum R.osenstock zu urtheilen, schon abgeworfen. Sie ist drei- 
kantig, die äussere und innere Kante abgerundet. Die äussere Fläche 
hat hohe und scharfe Rippen, die sich in ihrer Mitte nach hinten bie- 
gen. Die vordere, nach der Stirne zu gerichtete Fläche ist glatt, nur 
an der Wurzel und nach innen zu gefurcht. Die innere Seite zeigt nach 
aussen hin der Lange nach ziehende erhabene Rippen und mehrere 
kleine an der Wurzel; der übrige Theil ist mit feinen erhabenen Ripp- 
chen netzartig überzogen. Rose scharf ausgebildet, regelmässig oval. 
Das Thier war wahrscheinlich von der Grösse des Anocerus und 
kleiner als unser Reh; die Stangen wahrscheinlich ohne Sprossen, 
spiessig, wie bei C. rufus und nemorivagus Süd- Amerika' s. 

Ganze Länge des Geweihstückes • 0,047 Met. 

Durchmesser der Rose • • 0,025 — 



•) Statt 9, 10 und 11, wie im Texl steht. 



— 373 ~ 

Breite der Stange in der Mitte ......... 0,015 Met, 

Dicke 0,012 — 

4)Cervus curtocerus Kaup. Das Untertlieil einer rechten 
Stange (Fg. 1, 2) und ein Backenzahn (Fg. 3), mit erstcren bei Eppels- 
heim gefunden; jedoch in einer jüngeren Formation, im angeschwemm- 
ten Lande, wie sich aus ihrer hellgraubraunen Farbe und aus dem noch 
in den Ptitzen klebenden Letten ergibt, in welcliem dort sonst noch 
keine Hirschreste gefunden worden. Es kommt den Geweihen des 
C. elaphus und C. Canadensis am nächsten, und hat die Stärke 
wie bei einem Edelhirsch von 18 Enden. Unmittelbar über der Rose 
ist eine Augsprosse und etwas höher noch eine andere, kleinere Sprosse 
abgebrochen. Doch ist es sehr gut bezeichnet durch eine plötzliche 
Biegung der Stange nach hinten, 1" hoch über der Rose bei der zwei- 
ten Sprosse (statt einer unbedeutenden Krümmung beim Edelhirsch); — 
durch die Abflachung und selbst leichte Vertiefung der innern Seite 
des Geweihes über dem zweiten Ende, welche dann mit der äussern 
runden Seite nach vorn in eine scharfe Kante zusanimenstösst, so dass 
der Durchschnitt halbkreisförmig (statt rund) wird. 

Länge des Bruchstückes 0,310 Met. 

Vom Hinterrand der Basis des R.osenstocks bis zum Augen- 
höhlen-Rand 0,086 — 

Breite bei der 2ten Sprosse 0,056 — 

Dicke 0,043 — 

Breite über der Biegung 0,051 — 

Grösste Dicke daselbst ...'... 0,036 — 

Der Backenzahn ist der vorletzte des rechten Oberkiefers, ein völ- 
lig unabgenutzter Zahnkeini, der mithin ein nicht sehr altes Thier an- 
deuten würde. 

Seine Höhe vorn ist 0,0255 Met. 

-' — hinten ist 0,0235 — 

Länge an der Wurzel 0,0250 — 

Grösste Länge oben 0,0285 — 



C. Taylor : V e r t h e il u n g fossiler K o n c Ii y 1 i e n durch 
'Grossbrittannien C^lagaa. of Natural History = FliHos. Magaz. and 
Annais of philos. N. S. 1829. August 140— 150 J Zufolge Sowerby's 
Mineral-Couchology und vielen vom Vf. gemacliten Verbesserun- 
gen., was Lokalität und Formation anbetriflft , besitzt Grossbrittannien 
iu fossilem Zustande. 

Einfache Univalven . . 58 Geschlechter mit 401 Arten 

Einfache Bivalven . . 62 583 — 

Zusammengesetzte Bivalven 3 ..... . 51 — 

Vielfäcberige Univalven ♦ 12 230 — 

"l35 [?] . . . . 1265 — 



— 374 — 

Davon enthält die älteste Forniations-Reihc folgende Arten-Zahl: 
bis zum Kohlen-Gebilde inclus. von da bis zum Lias inclus. 

27 einfache Univalven ... 9 Arten 

34 einfache Bivalven ... 33 — 

46 zusammenges. Bivalven , 5 — 

33 vielfächrige Univalven . . 50 — 

140 im Ganzen ... 97 — 

Die zweite Formations-Reihe Die dritte Formations-Reiha 

von da bis zur Kreide inclus. die Tertiär-Gebilde enthaltend 

106 einfache Univalven . . . 259 Arten 

375 einfache Bivalven . . . 141 — 

zusammenges. Bivalven . — 

139 vielfächrige Univalven . . 8 — 

620 im Ganzen .... 408 — 

Hievon erscheinen Arten in mehreren Formationen oder Formations 
Gliedern 
der ersten Reihe der zweiten u. dritten Reibe 

36 einfache Univalven . . 365 Arten 

67 , .... . einfache Bivalven . . . 516 

j 61 zusammenges. Bivalven . Oj 

i 83 vielfächrige Univalven . 147 I 

237 im Ganzen .... 1028 

Die zusammengesetzten Bivalven siud daher ganz auf die erste Reihe 
beschränkt. Sie und die Vielfächerigen zusammen machen hier so viel 
Arten aus, als in der grossen Anzahl nachfolgender Gebilde überhaupt. 
Die Anzahl der Individuen in der ersten Reihe ist viel grösser, als in 
den folgenden, daher jene besser charakterisirt ist. Vergleicht man die 
erste und dritte Reihe mit einander, so sind die einfachen Univalven 
= 1 : 7 J die zusammengesetzten Arten aber umgekehrt = 17:1. — 
Vergleicht man die Arten-Zahl in den verschiedenen Klassen einer Reihe, 
so sind in der ersten die Univalven : Zusammengesetzte Arten = 1:4; 
in der zweiten = l:l|^; in der dritten = 32:1. — Zusammengesetzte 
Konchylien charakterisiren die erste, Bivalven die zweite, Univalven die 
dritte Reihe. — Unter diesen zählen die Zoophagen 22 Geschlechter 
mit 171 Arten, fast alle auf die tertiäre Zeit beschränkt, fast alle Genera 
noch in unseren Meeren lebendj von den Phytophagen sind 22 Geschlechter 
mit 168 Arten in den sekundären und tertiären Formationen zerstreut 
(Dillwyn). Von den Univalven gehören in der ersten Reihe fast alle, 
nämlich aus 12 Geschlechtern , in der zweiten ebensoviele den Phyta- 
phagen an, in der dritten aber verhalten sie sich nur = 5: 19 [?]. — 
Gcdeckelt sind fast alle Univalven der Straten, welche an den fleisch- 
fressenden Polythalamien reich sind; nachdem diese aber mit der Kreide 
fast erloschen, tritt eine grosse Zahl neuer Univalven - Geschlechter, 
worunter viele ungedeckelte, und Zoophagen auf. In den sekundäreu 
Formationen sind nämlich 200 Polythalaoaien mit nur drei Gcscblechtera 



- 375 - 

und 18 Arten fleischfressender Univalven, aber 17 Genera und 87 Arten 
Phytophagen enthalten. Mit den Polythalamien verschwinden in der Kreide 
die zahlreichen Echiniden , die Trigonien, fast alle Terebratein, ersetzt 
von 19 Gesclilclitern, 153 Arten Zoophagen. 

Vergleicht man die noch lebenden Arten nach Wood's Iudex testa- 
ceologiciis mit den Fossilen Englands, so findet man folgendes Verhält- 
niss der Arten : 



Lebende 
Fossile 



Einf.Univalv.lBiv. u.Multiv. Vielf. Unival. Im Ganzen 
19G1 I 874 I 58 2893 

401 634 I 230 1265 



wobei hauptsächlich das zweifache Verhältniss der vorletzten Spalte zur 
letzten merkwürdig ist. 

Die, wie es scheint, detaillirte Darstellung dieses Gegenstandes 
findet sich in Loudon's Magaz. of nat. hist. of London 1830 Marx, 
263 u. Juli . . . Sie ist voll interessanter Verglcichuiigcn, doch kön- 
nen wir das Original nicht benützen. 



H. DE Blainville : niethodischeAn Ordnung der noch leben- 
den und der fossilen Arten der LAMARCK'schen Geschlech- 
ter Purpura, Ricinula, Monoceros undConcholepas, und 
Beschreibung der neuen Arten im Pariser Museum (Nouvell. 
Annal. d. Mus. 1832, I, 189—263 pl. 9—12). Jene vier LAMARCK'schen 
Genera bilden hier nur eines, das jedoch in mehrere Gruppen zerfällt. 
Die Fossilen sind in folgender Weise geordnet: 

Purpura. 

(Columbelloides). 
l.P. cancellaroides Br.. (N ass a c an s e 11. Bast), Daa?, Toj^ra«««'. 

2. P. Lassaignii Bast. Bordeaux, Montpellier. 
(Pyr iforme s ). 

3. P. thiara n. sp. Paris. 
(Licornecs). 

4. P. m n a c a n t h a (B u c c i n u ra m o ii a c a n t h o s Brocch., Sub- 
apenninen. 

5. P. Laudun ensis Defr. bei Laon, tertiär. 
(Lapillennes). 

6. P. tetragona (Buccinum tetragonuni Sow.) Im Crag 
NorfoWs. 

7. P. crispata (Buccinum crispatum Sow.) desgl. ; ? Ana- 
logen des B. I a p i 1 1 u s ? 

S. P. i n c r a s s a t a (Buccinum ni i n c r a s s a t u m Sow.) desgl. 

9. P. imbricata (Murex imbricatus, Bkocchi.) Subapenninen. 

10.? P. lapillus Lamk., Courtagnon, bei Reims. 
Flhming's P. d e s e r t a im Londonclay ist wohl eine Nassa, Ei- 
nige von Marcel de Serres und Risso zitirte Arten sind nicht bekannt 
genug. In und vor der Kreide kennt man das Geschlecht nicht. Im 



— 376 — 

Ganzen kennt man jetzt mindest 115 lebende und fossile Arten genau; 
sie sind in allen Meeren verbreitet, etwas bäufiger in den wärmeren. 



M. DE Serres : Beobacbtungen über die Ursachen des 
grösseren Schlages der fossilen und humatilen Arten 
im Vergleich zu den lebenden (Revue encyclopediqe i833, 
April —Mai). Nach dem Bullet, geol. de France (lll. 356) zerfällt 
diese Abhandlung in 3 Theile, indem sie 1) den Einfluss von Wärme und 
Feuchtigkeit auf die Grösse der Arten, 2) die Ausdehnung der in jeder 
geologischen Periode vom Meere entblössten Landflächen, 3) die gegen- 
wärtige Vcrthcilung der Wärme auf die Erdoberfläche prüfet. Als Resul- 
tat ergibt sich : dass die einstige grössere Wärme und Feuchtigkeit und 
die damit gegebene reiclilichere Naiirung den giösseren Sciilag der Land-, 
wie d r Wasser -Thiere veranlasst habe. 



K n c h e n h h 1 e n bei Plombieres - les - Dijons (Jonr, du Com- 
merce, 1833, IJ. Avril. = Bullet, geol. de France, 1833, IIT, 367J. Der 
Contard-Berg, 1 Stunde von Plombieres - les - Dijons, enthält grosse Höh- 
len, welche neuerlich von einigen Naturforschern zuei'st untersucht wor- 
den sind. In grosser Tiefe wurden darin fossile Knochen von grossen 
Raubthieren, insbesondere Katzen und von Hirschen witPvieson Geweihen 
entdeckt. Eine noch grössere Menge scheinen die Stalagmit- Massen 
einzuschliessen. 



lY. Verschiedenes. 

Gardnbr: über die relative Vertheilnng von Land und 
Wasser im Vergleich zu der bei u n s e r n Antipoden (Lond. 
geol. Soc, 1833, 12. Juni > Loiid. a. Edinb. phil. Mag. 1833, Nov. ; 
III Nro. 17, S. 372). Nur öV <'<^r bestehenden Kontiuenfe und Inseln 
bat trockenes Land zum Antipoden. 



CoLQUHOuN : Beschreibung von in Mexico u n d Votnsi g e- 
fundenen Meteoreisen -Massen (Lond. geol. Soc. 1833, 12. 
Juni > hond. a. Edinb. philos. Mag. 1833, Nor. III, Nro. 17, p, 
372). Eine der beschriebenen Massen befand sich vordem in der 
Strasse San Domingo zu Zacatecas in Mexico, war 4i-' lang und \\' 
breit auf einer Seite mit tiefen Einschnitten. Die anderen waren zu 
Charcas und Pablazon bei Caiorze gefunden worden. 





Barometerstand 


am Meeresspiegel 




und bei 0° 


Tenip. 




— 


337'",0 








— 


337 


,5 








— 


338 


, 5 








— 


339 


, 








— 


338 


) 








I 


337 

335 


,0 








— 


333 


, ^ 








— 


334 


,0 








— 


335 


5ß 









— 377 — 

J. F. ScHOüw : über den mittlen Stand des Barometers 
am Meeresspiegfcl. CA.nn. d. Chim. et Phys.; 1833, Juni; LIII. 
it3—163). Eine kritische Zusammenstellung der Barometer-Beobach- 
tungen in verschiedenen Breiten und zwischen 45" O. und 45<* W. L. 
von Ferro ergibt unter Berücksichtigung der Temperatur, der Capilla- 
rität, der Beobachtungs-Zeit und Dauer mit grosser BesU'indigkeit fol- 
gende mittlere Staude. 

Breite 

0« 
10 
20 
30 
40 
50 
60 
65 
70 
75 

Aber auch die geographische Länge scheint von Einfluss zu seyn. 
Die Undulationen, w^elche obige Reihe zeigt, »tehen mit den Grenzen 
meteorischer Zonen auf der Erde in Beziehung. 

1) So die Zone vom O" bis 15*' ist sehr heiss, die Bildung von Wol- 

ken und Regen auf eine gewisse Jahreszeit beschränkt, daher 
der Barometerstand ein mittler. 

2) Die Zone vom IS" bis SO*' hat fast beständige Winde, welche tro- 

ckene Luft mit sich führen, fast nie Regen bringen; der Bard- 
meter erreicht den höchsten Stand. 

3) Die Zone vom 30" bis 45" hat sehr veränderliche Winde , zumal 

im Winter, wovon der SW. die warmfeuchte Luft der heissen 
Zone und viele Wolken und R.egen herbeibringt; der Barometer- 
stand sinkt. 

4) Die Zone vom 45" bis zum Polarkreis sieht fast das ganre Jahr 

hindurch den Kampf derselben Winde mit den kalten trockenen 
Nordwinden, wodurch beständige Wolken^ Nebel und Picgen ent- 
stehen. Der Barometerstand sinkt am Tiefsten herab J doch wo 
der SW.-Wind abgehalten ist, etwas minder. 

5) Jenseits des Polarkreises, wo der Einfluss der feuchten Südwinde 

ausgeschlossen zu seyn scheint, steigt der Barometcrt;tand wieder. 



Über die früheste Kennt niss von Gold und Silber. — 
Hesiod. — ScandinavischesMaseum. — Die Patriarchen. — Das 
Buch Hiob's. — Anhäufung von Reiclithümern beim Volk 
der Hebräer, — in Syrien, — Persien, — Griechenland — Rom. 
(James. Ediiil/. n. phiL Journal 1833. Juli. XXV. ±36-^150; aus Jacob 
historical inquiry into the production and consitwption of the precious 
ntstaU IT, London 1831. S'».) 



378 



J. Henwood: Beobachtungen über das Steigen und Fal- 
len des Wassers in einigen Brunnen in Cormvall mit kur- 
zen Notizen über einige andere VerhältniKse der Quellen 
(hond. a. Edinb. Phil. Magaz, 1833. Bez.; III. Nro. 18. pg. 417—421). 
Zuerst eine tabellarische Zusammenstellung der Beobachtungen an 24 
Brunnen, welche keinen Auszug zulässt. Doch ist mit einer einzigen 
Ausnahme der Wasserstand im Januar und, seltener, im Februar am 
höchsten und im Schiefer-Gebirge im Oktober und November am nied- 
rigsten; im Granite jedoch tritt der niederste Stand etwas früher ein, 
und ist im November schon wieder in Zunahme begriffen. Nach Thomas 
Berechnung betrug die Wassermenge, welche dem Fowey-¥lusse zugeht, 
im April 1825 mindest 160 Cub. Fuss per Acre täglich, und über das 
Doppelte, wenn der Fluss angeschwollen war nach heftigem Regen. 
Im Juni 1826 bei trockenem Wetter konnte man nur 75^' annehmen. — 
Folgen einige dem Vf. mitgetheilte Notizen über die Kohlenwerke in 
Flinshire. Im Kalkgebirge nimmt bei Regenwetter der Wasserzufluss 
gewöhnlich schon nach einigen Stunden zu. Die Menge der aus 5 
Werken monatlich ausgeschöpften absoluten Wasser-Mengen von 1829 
bis 1832 ist in einer zweiten Tabelle zusammengestellt; in einer dritten 
Tabelle, die wir mittheilen, sind nur die Proportionen für die einzelnen 
Monate aus der 2ten berechnet. 



Werke: 


Mola 
115 


Milwr 


Talar- 


Gwerny 


Bagillt 


Regen- 


Seehöhe 


80 


goch 


Mynydd 


Coltiery 


menge 


in Faden 


25 


125 


2 




Januar 


1,21 1,65 


1,23 


1,08 


1,11 


1,25 


1, 


Februar 


1,10 


1,25 


1,20 


1, 


1, 


1,13 


1,15 


März 


1.22 


1,40 


1,31 


1,17 


1,47 


1,19 


1,07 


April 


1^26 


1,09 


1,24 


1,28 


1,50 


1,12 


1,72 


Mai 


1,18 


1,03 


1,19 


1,40 


1,55 


1,18 


1,34 


Juni 


1, 


1,39 


1,21 


1,51 


1,30 


1,11 


2,77 


Juli 


1,05 


1,21 


1,10 


1,77 


1,65 


1, 


2,73 


August 


1,38 


1, 


1,01 


1,51 


1,39 


1,10 


3,52. 


Septembr. 


1,38 


1,17 


1,18 


1,21 


1,34 


1,11 


2,57 


Oktober 


1,23 


1,26 


1, 


1,48 


I5 


1,13 


2,0» 


November 


1,19 


1,88 


1,09 


1,03 


1,29 


1,08 


2,81 


Dezember 


1,16 


1,72 


1,45 


1,10 


1,46 


1,16 


l 1,32 



Abgerissene Bemerkungen 

über 

fossile Fische, 

von 

Herrn Professor L. Agassiz. 



I. Neue Fundorte fossiler Fisch e^ 

Von jeher ist mir die Kenntniss eines neuen Fundor- 
tes bei charakteristischen Vei'steinerungen wichtiger gewe- 
sen^ als die Auffindung selbst einer neuen Species, wenn 
sie sonst durch keine besondere Charaktere auffallend wai*. 
Es war mir daher sehr willkommen auf meiner diessjähri- 
gen Herbstreise so viele neue Lokalitäten als Lagerstätten 
von mir wohlbekannten Arten kennen zu lernen. Hier nur 
die interessantesten, zugleich als Nachtrag zur ersten Lie- 
ferung meiner Recherches sur Ics poissons fossiles: 

Das Genus Gyrolepis, obgleich noch nicht vollstän- 
dig, ist doch jetzt besser bekannt. Die Zähne sind stumpf 
und stehen in mehreren Reihen. Gyr. maximus kommt 
ausser Luneville auch bei Rotlweil und Breslau vorj Gyr. 
t e n u i s t r i a t H s zu Luneville, Breslau^ Rottweil und Baj/- 
reiith; Gyr. Albertii zu Breslau xxnA Barjreuth, — Lune^ 
ville und Schwenningen waren schon als Fundorte bekanntj 
Jahrgang 1834. 55 



— 380 — 

alle 3 Arten finden sich immer im Moschelkalk, bei Rott- 
weil aber auch im Keuper. 

Der als Semionotus Spiiii in meiner Übersicht 
angegebene Fisch kommt nicht aus Brasilien^ wie mir fälsch- 
lich berichtet worden war; er ist bei Kohurg gefunden 
worden und identisch mit Berger's Palaeoniscum are- 
n a c e u m , das icli früher nur aus seiner Beschreibung 
kannte. Ich habe mich dieses Jahr in München genauer 
nach dem Fische umgesehen , und muss nun den Namen 
Semionotus Spixii aus der Reihe ausstreichen und der 
Species den passendem, S. Bergeri, lassen. Es soll aber 
meine Vermuthnng über die Lagerung sich bewährt haben, 
die ich doch bloss aus der Organisation des Fisches entnom- 
men hatte, und die Fundstätte dem Liassandstein angehö- 
ren. Dless wäre eine mir sehr ei'freuliche Bestätigung der 
Gesetze, die ich für die Aufeinanderfolge der Fische gefun- 
den habe. 

Semionotus latus ist eines mit Dapedius alti- 
V e 1 i s ; ersterer Name bleibt, und Seefeld ist mithin als 
Fundort für beide bekannt. 

Lepidotus Gigas hat sich auch im Lias bei Altorf, Banz, 
Bayreuth und Schwarzach bei Culmbach vorgefunden. 

Thrissops forniosus, dessen Fundort mir bisher un- 
bekannt geblieben, habe ich bei Hrn. Ober-Bergrath von 
VoiTH in mehreren schönen Exemplaren von Kelheim [Jura- 
kalk?] gesehen. 

Uraeus nuchaiis kenne ich mit Bestimmtheit aus Kel- 
heim und aus Weifenburg. 

U. m a c r o c e p h a 1 u s kommt zu Solcnhofen und Eich- 
slädt vor. 

Leptolepis Bronnii kommt auch im Lias, der obern 
Belemniten-Scliichte, zu Oberschrätz bei Bayreuth vor. 

L, s pra 1 1 i f o r juis scheint ausschliesslich hei Solenhofen 
vorzukommen. 

L. Knorrii dagegen am häufigsten bei Eichstädt, auch 
711 MülUhcim, DaitiriQ und Solenhofen. 



— 381 — 

Placodus Gigns hat jetzt folgende Fundorte : Baj/renth, 
Wilhelmshall bei Rottwetf, Lunevi/le, Breslau imd Maischbach 
im Badischen. 

Sphaerodus rli o ni b oi dali s von Sidenhofen ist nach 
Elosleonng der Zähne ganz bestimmt ein Gyrodus, so 
dass jetzt auch die äussere Gestalt dieses sonderbaren Ge- 
nus angegeben werden kann nach dieser Art und nach ei- 
nigen neuen, die vor Kurzem aufgefunden worden ist. 

Die vielen Beiträge über die Verbreitung der fossilen 
Fische aus anderen Ordnungen kann ich nicht mittheilen, be- 
vor die Übersicht derselben gedruckt ist; ich werde aber 
Sorge tragen, dass dieselbe mit den luichstfoigenden Liefe- 
rungen erscheine , damit möglichst bald ein vollständiges 
Yerzeichniss der jetzt bekannten Arten vorliege. 

II. über die fossilen Fische aus der Krei- 
deform a ti on. 

Von keiner Formation sind im Allgemeinen so wenige 
vollständige Versteinerungen bekanjit, als aus der Kreide. 
Vorzüglich gilt diess von den Überresten der darin vorkom- 
menden Wirbehhiere, die meistens von einem lockern Ge- 
steine umgeben in so viele Stücke auseinander fallen, als 
das Skelett derselben deren zählt. Jeder Beitrag zur 
Kenntniss. der Organismen dieser Periode des Bestehens 
und der Umbildung unserer Erde mag daher um so will- 
kommener den Zoologen und Geognosten erscheinen, als er 
eine grössere Anzahl vollkommen erhaltener Thiere kennen 
lehrt und zu allgemeinem Schlüssen über ihr Daseyn und 
ihre Verbreitung nüt frühern ujjd spätei-n Geschöpfen Stoff 
liefert. Die nähere Bekanntschaft, die ich in letzter Zeit 
mit einer grossem Anzalil von fossilen Fischen aus der 
Kreideformation im weitesten Sinne des W^ortes gemacht 
habe, verleitet mich vorläufig eine kurze Notiz über diesel- 
ben mitzutheilen in der Absicht auf den grossen Reichthum 
der Fische dieser Epoche aufmerksam zu machen, bis ich 



— 382 — 

in meinem Werk über diese Klasse von Wesen d en schick- 
lichen Ort finde, jede Art an ihrem systematischen Platze 
genau tax beschreiben und abzubihlen. Ich werde dabei 
bemüht seyn alle bereits erschienenen Abbildungen genau 
zu zitiren, damit sie indessen zur nähern Bestimmung be- 
hülflich seyn können. — 

III. Über Coeloptychium acaule Goldf. 
In Zwischenstunden bin ich jetzt beschäftigt vor Allem 
die Versteinerungen meiner an die Stadt Neufchdtel vei'- 
kauften Sammlungen zu bestimmen und zu ordnen und das 
einzusclialten, was in der Umgegend vorkommt. Besonders 
reich fand ich die in der Jura'kette jetzt "^anerkannte und 
ziemlich weit verbreitete Kreide 5 namentlich sind es die 
untern Mergel (w old dem Gault analog) derselben, worin 
auch einige noch unbeschriebene Arten vorkommen, die ich zu 
bestimmen oder an Goldfuss zu schicken gesonnen bin ; denn 
es ist immer am Besten, wenn das Neue ergänzend dahin 
strömt, wo schon so Vieles und so Vorzügliches beisammen 
ist. Indess im Vorbeigehen eine Bemerkung über ein Fossil 
aus jenem Prachtwerk, über Coeloptychium acaule 
Taf. 65, Fig. 12 a, b, c, d, das mir aufgefallen. Beim 
ersten Anblick wollte es mir scheinen, als ob dasselbe wei- 
ter nichts sey, als ein mir bekannter Hayfisch-Vl^irbel ; doch 
weiss ich zu gut, wie leicht man bei Versteinerungen ver- 
führt werden kann, ein Organ oder ein Theil eines Thieres 
aus einer Thierreihe für etwas ganz Anderes aus einer an- 
dern Tliierreihe zu halten, bloss um der äussern Ähnlich^ 
keit willen. Ich sah also die Tafel genauer an und durch- 
las prüfend die Beschreibung, in welcher Goldfuss dieses 
dem Genus Coeloptychium zugesellte Fossil als eine 
unvollständige und zweifelhafte Species ausgibt; icli erkannte 
jedoch in demselben um so bestimmter den eigenthümlichen 
Bau gewisser grossen, Bad-förmigen Ilayfisch-Vt^irbel, und 
zweifle jetzt gar nicht mehr daran , dass die zitirten Figu- 
ren einen Wirbel dti La in na ac um in ata Ag. vorstellen, 



— 383 - 

welche in der Mastrichter Kreide, in der weissen Kreide 
\on England, Frankreich und am Delaware in Nord-Amerika^ 
sowie auch im Green-Sand von Regensburg vorkommt, und 
von welcher Zähne und Wirbel mir wohl bekannt sind. 
Wer mit den Schwierigkeiten solcher Bestimmungen verti*aut 
ist, wird sich über die Möglichkeit eines solchen Irrthums 
nicht wundern; ich werde noch öfters Gelegenheit haben 
darauf aufmerksam zu machen beim Beschreiben der fossi- 
len Überreste mancher untergegangenen Genera aus der 
Abtheilung der P 1 a g i o s t o m e n ( II a y e ) im weitesten 
Sinne des Wortes, deren Flossens trahlen so eigenthüm- 
lich gestaltet sind, dass ich sie eine Zeit lang für Kiefer- 
knochen mit Zähnen! gehalten habe, als welche sie 
auch iu allen Sammlungen stehen I ! 

IV. Über fossile Fische in de r B raunk oh le. — 
Da im 4ten Hefte des Neuen Jahrbuches der Ar- 
beit V. Lecoö über Menat gedacht und dabei der Fische 
erwähnt wird, so kann ich als Ergänzung zufügen, dass 
dort wirklich ein Cyprinus vorkömmt, der aber verschie- 
den von C. papyraceus ist und zu meinem Subgenus 
Aspius gerechnet werden soll, und den ich in meinem 
Manuscript als Aspius Brongniarti beschrieben habe. 
Auch besitze ich Abbildungen von sehr vollständigen Exem- 
plaren. Zudem kommt zu Menat eine ächte Perca vor, 
die ich Perca elongata nenne; — sie ist verschieden 
von der 6?em«^er Species, die viel breiter; auch verschieden 
von meiner Perca Beaumonti von Aix, welche gröbere 
Zähne am Praeoperculum zeigt. Perca elongata zeich- 
net sich durch seine schlanke Gestalt und durch die grössere 
Anzahl von Strahlen in der ersten Rückenfktsse aus. Es 
ist derselbe Fisch, den Bronn einmal in einer Note des Jahi'- 
buches fraglich als zum Genus Cottus gehörig zitirt hat. 
Bei Gelegenheit anderer Mittheilungen im Jahrbuch 
werde ich noch mehr solcher abgerissenen Notizen über die 
in geologischen Abhandlungen erwähnten Fische geben; es 



— 384 — 

ist docli besser, dass diese Geschöpfe in den Versteineriings- 
Verzeiclinissen gleich unter einem ordentlichen Namen ein- 
getragen werden. Beschreibungen und Abbildungen der so 
bloss getauften Fische werden an gehörigem Orte nicht 
ausbleiben. Was Zenkers Leuciscus Cephalon, (es 
gibt schon einen lebenden Leuciscus Cephalus!) be- 
trifft *)j so kann ich in seiner Beschreibung kein einziges 
Kennzeichen finden , das auf eine Verschiedenheit von L. 
papyraceus hindeutete. Ein melir oder weniger gedrück- 
ter Kopf gibt im Abdruck ein rundes oder spitzes Pro- 
fil, und das ist die einzige Verschiedenheit die herausgeho- 
ben ist ; zur Charakteristik einer fossilen Art ist die An- 
gabe wirkliclier osteologischer Verschiedenhei- 
ten durchaus nothwendig, denn wie jetzt die Genera in 
der Familie des Cyprinoiden charakterisirt w^orden, reicht 
die Zahl der Flossenstrahlen allein auch nicht hin eine 
Art zu bezeichnen. Es gibt auch keinen Leuciscus, der 
nur 5 — 6 Strahlen in der Afterflosse hätte; die Normalzahl 
ist für das ganze Genus zwischen 12 und 15 ; auch die 
Rücken- und Brustflossen haben immer mehr Sti'ahlen als 
Zenker angegeben; der Höcker am Rücken ist durch das Her- 
vortreten der Flossenträger (os interapophysaires superieurs) 
bedingt, welche in der Beschreibung nicht erwähnt worden. 
Ungefähre Angaben der Wirbel-Zahl und Rippenpaare ist 
auch unzulänglich, da diese Verhältnisse durch ganze Ge- 
nera meistens konstant sind. Die Grösse der Schwanzflosse 
lässt wohl auf Identität mit L, papyraceus schliessen. 
Diess ist indessen keine bestimmte Behauptung, da ich keine 
Original-Exemplare von L. Cephalon vor mir habe. Die 
Rüssel- förmige Verlängerung des Mundes rührt aber gewiss 
bloss von den hervorstehenden Zwischenkiefern her; und 
dass bei ganz unverletzten Kopfknochen der Kopf fossiler 
Fische oft doch grösser erscheint, als er wirklich war, 
röhrt davon her, das» hüufig die rechte und die linke Kopf- 



*) Jahrb. i8?3. S. 395. ff. 



— 385 - 

Hälfte übereinander gleiten und einen grössern Umriss zei- 
gen. Wenn es sieh bei L. Cejjhftlon anders verhält, so 
ist zur Kenntniss der Art, die eine besondere Abtheilung 
im Genus begründen könnte, die Angabe unerlässlich : ob 
die Schädelknochen, oder die Gaumen- und Temporal Platte 
(Gaumenbeine , Flügelbeine und Theile des Schläfen- 
beins) , oder ob die Kiemendeckel diese besonders starke 
Entwicklung zeigen. Damit meine ich doch nicht, dass mau 
lange Beschreibungen machen müsse ; es lässt sich das alles 
mit wenigen Worten sagen; und dafür kann man das Zu- 
fällige am vorliegenden Exemplar unberücksichtigt lassen. 
Wollte ich z. B. beschreiben, in welchem Zustande sich alle 
die Exemplare befinden, die ich bisher gesehen, so müsste 
ich unnützer Weise Bände anfüllen; ich erwähne dieser 
Nebendinge nur dann , wenn sie anderweitige Bedeutung 
gewinnen können, etwa Aufschluss über fehlende Theile 
geben, oder die Vollständigkeit eines Theiles erweisen sollen. 

V. Noch einige neue Genera aus der Ord- 
nung der Ganoiden'*'). — 
1. Lepidoides, Homocerci, mit Spindei-förmigem Leibe. 

1. Ophiopsis Agass., neben Pholidophorus ein- 
zureihen. 

Kopf verhältnissmässig klein ; Zähne im Vomer und 
den Gaumenbeinen Raspel-förniig. Leib schlank; Brustflos- 
sen sehr gross ; Schuppen schief am obern Scliwanzflossen- 
Lappen hinaufreichend, Schwanzflosse schwach gabelig. 

Oph. Münsteri Ag. Alle Schuppen erscheinen auf 
der Aussenseite des Fisches gleichseitig Rauten-förmig, mit 
welliger Oberfläche, ohne bestimmte Streifung; ihr hinterer 
Rand dagegen ist stets fein gezähnelt; sie sind indes» län- 
ger als hoch, da der bedeckte Theil bedeutend ist; die ein- 
greifenden Haken sind nicht lang, aber sehr bestimmt und 



*) Die neuen Arten der achon charakterisirtcn Genera werde ich erst 
dann auflführen, wann ich an die spezielle Bearbeitung derselben 
komme. 



— 386 ~ 

scTiarf, genau eingreifend. Jurakalkschiefer von Kelheim, 
Sammlung des Hrn. Grafen v. Münster. 

2. Propterus Ägass. , neben Notagogus einzu- 
schalten. 

Wirbelkörper hoch, kurz (wesshalb ich zuerst das Ge- 
nus Acrospondylus geheissen und mit diesem Namen 
in der Sammlung des Herrn Ober-Bergraths v. Voith eti- 
quettirt habe) 5 Stachelfortsätze kui'z. Wie bei Notagogus zwei 
gesonderte Rückenflossen , deren vordere bedeutend lange 
Strahlen am vordem Rande hat; die hintere wie bei Nota- 
gogus , dessen vordere Strahlen auch kurz sind. Flossen- 
ti'äger verhältnissmässig lang. Afterflossen weit zurück. 
Oberer Schwanzflossen-Lappen etwas länger. 

Pr. microstomus Ag. Leib ziemlich breit, oval; 
Schuppen mittehnässig gross, Mund klein, Oberkiefer etwas 
länger. Auge hoch am Kopf und klein. In Jurakalk -Schie- 
fer von Kelheim. Sammlung des Herrn Ober-Bergrathes 
V. VoiTH in Regenshurg. Graf v. BICnster besitzt auch ein 
beschädigtes Exemplar. 
JI. Familie Sauroi des. 

3. Saurichthys Agass. (Der Formation nach wird 
er in die Abtheilung He tero c e rci gehören, der Leib fehlt 
nber, es ist bloss ein Unterkiefer bekannt). 

Der Name, mit dem ich diese Sippe belegt habe, deutet 
schon darauf, dass dieses Thier Merkmale mit Sauriern und 
Fischen gemein hat; es ist sogar beim ersten x\nblick schwer, 
sich für die eine oder die andere Klasse zu entscheiden. 
Die ganze Familie der Sauroiden hat überhaupt viel 
Saurier-Artiges an sich, und ich werde bei Festsetzung aller 
Charaktere derselben Gelegenheit haben zu zeigen, wie die 
Wirbelthier-^bildende Thätigkeit iji der Natur keinen rein 
f i s c h 1 i c h e n Charakter gehabt , sondern wie die 
Fische als zuerst einziger Ausdruck derselben Reptil -artig 
erscheinen mussten. Und diess wei'de ich in facto zeigen 
können: nicht etwa als blosse apriorische Lehre. Rein 
lischlich erscheinen die Fische erst mit dem kraftvollen Auf- 



- 387 — 

treten der Reptilien und am vollständigsten eis solche in 
der jetzigen Periode, neben den übrigen Wirbelthier-Klassen. 
Dasselbe Verhältniss kehrt wieder bei den Reptilien in Be- 
zug auf die 2 höhex-n Wirbelthier-Klassen. 

Saurichthys hat einen schmalen Unterkiefer mit ei- 
ner Zahnrinne, ähnlich der von Plesio säur US, wie man sie 
aber auch bei Fischen antrifft. Der Knochen selbst ist längsfa- 
serig und auf der Aussenfläche queer reticulirt. Die Ge- 
lenkfläche, überhaupt der hintere Thell des Kieferastes 
fehlt leider; aber gerade die schuppige Ablössung spricht 
für einen Fisch. Die Zähne stehen in un regelmässigen 
Abständen, grössere und kleinere mit einander ab- 
wechselnd, wenig nach hinten geneigt , konisch und 
schwach von der Seite komprimirt; an der Basis bis über 
die Mitte des Zahnkegels sind sie feingestreift, an der Spitze 
hingegen vollkommen glatt und diese glatte Spitze selbst 
scheint wie aufgesetzt, da sie nicht unmittelbar mit dem 
gestreiften Kegel fortsetzt, sondern mit schmalerer Basis 
auf demselben ruht. Die Art heisst S. apicalls Ag. Sie 
befindet sich in der Sammlung des Hei-rn Grafen v. Mün- 
ster, dem ich so viele andere Seltenheiten verdanke, und 
stammt aus dem Muschelkalk bei Bayreuth her. Man mag 
über dieses Thier eine Meinung haben, w eiche man wolle : 
immerhin ist es ein neues höchst sojiderbares Genus, das 
die Fi'age rechtfertigt, ob alle den Reptilien zugeschriebene 
Kiefer wirklich solche sind? 

4. Wagler's Genus Uraeus war mir recht gut bekannt, 
als ich eine Flschslppe mit diesem Namen belegte. Ich 
glaubte aber, Wagler's Genus würde nicht angenommen wer- 
den, da es auf zu speziellen Charakteren beruhe. Fitzin- 
GER, den ich seither gesprochen, vertheldigt Wagler's An- 
sicht, und so will ich gerne meinen Genus-Namen gegen ei- 
nen andei-n vertauschen und die Fisch -Sippe Caturus 
heissen. 

5. Macrosemius Agass. Dieses Genus ist nahe 
verwandt mit Aspidorhynchus , obgleich der Schnabel sehr 



— 388 — 

kurz ist. Was dasselbe besonders auszeichnet, ist eine 
lange Rückenflosse, die den oberen Thell des Leibes ganz 
einnimmt; Aftei-flossen klein, weit hinten. Schwanzflossen 
abgerundet. Brustflossen wie beim Polypterns auf ei- 
ner beschuppten Verlängerung der Handwurzelknochen ge- 
tragen. Bauchflossen nahe an der Afterflosse, Es sind 
viele nach hinten grösser werdende Kiemenhaut - Strahlen 
vorhanden. Schuppen von mittler Grösse. 

1 Art M. rostratus Ag., von Solenhof en. Aus der 
Sammlung des Grafen von Münster und im Münchener 
Museum. 

6. Belonostomus Agass. Es ist nothwendig den 
iangschnabeligen Aspidorhynchus tenirostris nebst 
einigen neuen Arten in ein besonderes Genus zu vereinigen, 
dessen Charakter ist , sehr lang gezogene Kiefer zu haben, 
die beinahe gleichlang sind, und von welchen der Oberkiefer 
keine Kerbe hat zur Aufnahme des Unterkiefers. Auch 
ist bei diesen Arten die Afterflosse schmäler als bei Aspi- 
dorhynchus, und der Leib allgemein gestreckter. 

HL Familie : Pycnodonten. 

7. Das Genus G y r o d u s war mir bisher bloss nach 
den Zähnen bekannt; nun habe ich mehrere ganz vollstän- 
dige Arten im Münchner Museum und in der Sammlung des 
Herrn Ober-Bergraths v. Voith in Regensburg gesehen, nach 
denen ich die Charaktere dieser Sippe ergänzt habe. Der 
Leib ist breit, flach, sehr hoch, mit langer Rücken- und 
After-Flosse und gabeliger Schwanzflosse. Es sind grosse 
und grosszahnige Microdonten mit starken Furchen auf der 
Zahnkrone. 

IV. Familie : Sclerodermen. 

8. Bio oh ins. Wenn man die langgestreckten Aiute- 
ren vergleicht, gelangt man zur Überzeugung, dass das selt- 
same Genus Blochius, welches zuerst von dem Verfas- 
ser der Ittiolitologia veronese aufgestellt worden, und das 
bisher keinen Platz im Systeme erhalten hat, hieher eu 
setzen sey. 



— 389 — 

9. Dercetis Münst. et Aoass. Unter diesem Na- 
men habe ich in der Sammlung des Herrji Grafen v. Mün- 
ster einen Fisch gefunden , der ein ausgezeichnetes Genus 
ausmacht, dem ich diesen Namen gerne beibehalten will. 
Es ist so eigenthümlich gestaltet, dass es jeden Ichthyologen 
bei dem Versuche , es unter die schon bekannten Fische 
untei'zubringen, in grosse Verlegenheit setzen müsste. Die 
äussere Ähnlichkeit in der Gestalt des Blochius ist nicht 
zu verkennen, desshalb und der nun anzugebenden Eigenthüm- 
lichkeiten wegen setze ich es in die Familie der Sclero- 
dermen. Der Leib ist sehr langgestreckt; der Kopf nach 
vorn in einen Schnabel verlängert, der aber nicht so lang 
ist, als bei Blochius. Der Oberkiefer ist länger als 
der untere; beide sind mit sehr spitzen, langkonischen, 
grossen Zähnen besetzt, die mit kleineren in mehreren Rei- 
hen abwechsehi ; die Zähne aus der Mitte des Kiefers sind 
die grössten ; vorn und hinten sind sie kleiner ; der Unter- 
kiefer Mird nach hinten nicht bedeutend dicker. Die Tem- 
poralplatte besteht aus starken Knochen; Praeoperculum stark, 
gerade und schmal; Operculum und Kiemenhaut - Strahlen 
abgerundet, diese gerollt, wie beim Aal. Augenhöhle klein 
in der Mitte der Kopflänge , von einem Kreise stacheliger 
Knöchelchen umgeben. Die Schädelknoclien sind leider alle 
von oben verdrückt. Brustflossen sehr gross, aus neun mittel- 
mässig starken, tief gespaltenen Strahlen gebihlet. Die 
Bauchflossen haben stärkere, aber wohl kürzere Strahlen 
(sie sind jedoch abgebrochen); es sind 5 sichtbar. Diese 
Flossen sitzen eine Kopflänge hinter dem Operculum. Der 
ganze Fisch hat fünf Kopflängen. Vor den Bauchflossen 
fängt die Rückenflosse an; sie ist an ihrem vordem Rande 
aus längeren Strahlen gebildet, und setzt sich ganz allmäh- 
lich kleiner werdend bis nahe an die Schwanzflosse fort; 
man zählt in ihr 51 Strahlen, welche bis zur Mitfe dop- 
pelt gespalten und nahe gegliedert sind: die vordem Sti-ah- 
len sind so lang als der Leib hier dick ist, die letzten nur 
halb so lange; als der Leib bei ihnen. Die Afterflosse fängt 



- 390 - 

hinter der dritten Kopflänge an und erstreckt sich so weit als 
die Rückenflosse; ihr Anfang ist also entfernter von den 
Brustflossen ; die vorderen Strahlen sind leider abgeschnitten, 
die hintern entsprechen aber in ihrer Länge den gegen- 
überstehenden der Rückenflosse. Schwanzflosse fächerför- 
mig, wenig ausgeschweift, aus sehr tief und vielfältig ge- 
spaltenen, nahe gegliederten Strahlen gebildet ; die äusseren 
längsten Strahlen sind einfach, an ihrer Basis stehen vier 
ganze kurze Strahlen. Die Wirbelsäule besteht aus mittel- 
mässig langen Wirbeln, die ziemlich schmal sind, also doch 
länger als hoch ; am Vorderrumpfe sind sehr dünne Rip])en 
sichtbar , die bis zum Rande des Bauches reichen ; hinten 
sind bloss kurze Stachelfortsätze. Jede Seite des Leibes 
ist von 3 Reihen sonderbarer Schilder bedeckt, ähnlich de- 
nen von Accipenser, aber doch so, dass hier die Schilder 
den ganzen Leib decken und keine leere Stelle zwischen 
sich lassen. Diese Schilder sind knöchern , auf der innern 
Fläche glatt, 3 eckig, V förmig mit nach vorn gerichteter 
Spitze, stark vertieft und in dieser Vertiefung mit einer 
öueerleiste versehen ; die Aussenfläche ist ei'haben , ganz 
höckerig, körnig gestreift, mit einem mittleren höhern Längs- 
kiel. Die Spezies habe ich Dercetis scutatus benannt. 
Aus der Kreide Westphalens zu Baumberge bei Münster. 
Bald folgen meine Bemerkungen über die Ostracionten. 



Deltliyi IS flabelliformis Zeisk., 

eine fossile Miiscliel-Art aus dem Thnrwgischen 
Muschelkalkes 

erläutert 
von 

Herrn Professor Zenker, 

Mit Abbilduncfcn auf Tafel V, A, Fig. 1 — 6. 



D. laeviis, ftabelli instar plicata; concha superiore con^ 
vexiore semicirculari , 12 — 14plicata, plicis QradiisJ suhcari- 
natis , sulco longitudinali intermedio maximo^ roslro (^apicej 
acuiissimo, area triangulari concava; concha inferiore de- 
pressiore 9 — ITplicata, rostro obfuso. 

In stratis calcis conchiferae supremis ; ad Jenam. 

Die Länge einer geraden, vom Schnabel bis zum ent- 
gegengesetzten Rande der obern oder grössex*en Schaale 
gezogenen Linie beträgt bei ausgewachsenen Exemplaren 
gegen 7'" Paris., die grösste Breite 1", die Höhe beim Aus- 
schnitt 3'"; die Breite des Ausschnittes unten an seiner 
Basis 2'", oben gegen sein Ende V". Die grösste Länge 
der Unterschaale vom Schnabel bis zum entgegengesetzten 
Rande ist (in horizontaler Projektion) etwas über 5'", die 
grösste Breite 11'', und endlich der grösste (luerdurchmes- 
ser der ganzen Muschel mit geschlossoicr Schaale 5'". 

An den kleinsten mir vorgekommenen Exemplaren fand 



— 392 — 

ich die Breite für die Oberschaale nur 3'". Die Länge (in hori- 
zontaler Projektion) vom Schnabel bis zum entgegengesetzten 
Rande etwas über 2'", und endlich als grössten Durchmes- 
ser beider aufeinandergelegten Schaalen 2'". 

Gewöhnlich haben sich die Schaalen noch recht gut 
erhalten, doch findet man sie meist nur einzeln, nicht leicht 
beide vereinigt. Die Farbe pflegt bleigrau perlmutter-artig 
zu seyn. Einen Halbkreis stellt die Figur der Pei'ipherie 
der einzelnen Schaale ziemlich genau dar, doch sind die 
Ränder wellenförmig oder fast zickzackförmig, was durch 
die halbzylindei'förmigen oder vielmehr kielförmigen Falten 
(plicae carinatae, radii, Strahlen nach Einigen), von denen 
man an der Oberschaale grösserer Exemplare 14 und mehr, 
bei kleineren Exemplaren 10 - 12 zählen kann, bedingt Avird. 
Alle sind mit ihrer Spitze gegen den , genau in der Mitte 
des geraden Randes ( Sehne des Kreisbogens ) liegenden 
Schnabel gerichtet, wobei die breitern zu beiden Seiten 
von den schmälern umgeben werden. Letztere verlieren 
sich endlich in die scharfe die Schenkel des Schnabelwin- 
kels bildende Randkante (Fig. 2, d, d), ohne bis zum Schna- 
bel selber zu gelangen. Auf der Oberschaale findet sieh 
auch in der Mitte sämratlicher Strahlen die breiteste und 
tiefste Furche. (Fig 1, b). Die Profil-Figur der Ober- 
schaale stellt oben das Segment einer Parabel dar, deren 
grösste Krümmung nach unten gerichtet ist (Fig. 4, a, i k); 
noch gekrümmter erscheint ein ähnliches Parabel-Segment, 
welches die Schlosswand (Fig, 4, g) bildet. Letztere besteht 
aus 2, durch einen spitzen Ti'Iangel-förmigen bis an das spitzige 
Schnabelende verlaufenden Ausschnitt (Fig. 2, (>) von ein- 
ander getrennten Triangel-förmigen , aber der Breite nach 
konkav gebogenen Seitenwänden (Fig. 2, c. b. a. d.) 

Die ünterschaale zeigt nur S — 11 Falten oder Stralilsn, 
welche auf ähnliche Weise , wie bei der Oberschaale be- 
schaffen sind, nur mit dem Unterschiede, dass hier in 
der Mitte keine Furche , sondern eine erhabene Falte 
(Fig 3, l. m.) getroffen wird. Der Schnabel erscheint an 



— 393 — 

dieser Schaale ganz stumpf und die Schlosswand leistenai'- 
tig niedrig. In ihrei" Profilansicht kann man das Segment 
einer nach dem Schnabel hin fast gekrümmten Parabel er- 
kennen (Fig. 4, k, m. s.). 

Die kleinen Exemplare haben eine weit mehr pyrami- 
dal gefoi'mte oder gekrümmte Obersehaale (Fig. 5 und 6), 
so dass sie, wenn keine Übergänge vorlägen, leicht für eine 
besondere Art gelten könnten. 

Einige Ähnlichkeit zeigt diese höchst zierlich und regel- 
massig gebildete Art mitSpirifer octoplicatus Sowerby 
Mineral. Conch. f. 562, f. 1— 4t aus I)erb?/slnre, indess ist hier 
die Querdehiiuug vorwaltend, wodurch eine ganz andere 
Form entsteht, sowie die öuerstreifen und die Gebirgsfor- 
mation, worinn sie sich finden, auf bedeutende Verschieden- 
heit hinweissen. Übrigens möchte man glauben, dass Fig. 4 
gar nicht zu Spirifer octoplicatus gehöre, sondern 
wahrscheinlich eine andere Art darstelle. Andere von dem- 
selben abgebildete D el th y ris-Arten, sowie die in Schlot- 
heim's Petrefaktenkunde dargestellten übergehn wir um so 
eher, als ihre Verwandtschaft mit unserer Art viel zu fern 
ist, als dass sie hier in Betracht kommen sollten. Kaum aber 
mögen die unter dem Namen von Terebratulites pa- 
rasiticus und T. f r a g i 1 i s aus dem Thüringischen Muschel- 
kalke von v. ScHLOTHBiM beschriebenen und ai)gebildeten 
Muscheln (v. Schlotheim Beiträge zur Naturgeschichte 
der Vei'steinerungen in geognostischer liiiisiclit in v. 
Leonhards Taschenbuch für gesammte Mineralogie. 1831. 
I,) von unserer Delthyris f 1 ab el lifo r mi s verschieden 
seyn ; aber weder die Abbildung , noch die Beschreibung 
reicht hin, um diesen problematischen Punkt zur völligen 
Entscheidung zu bringen. 

In dem Hand buche der Geognosie von De la 
Beche, bearbeitet von H. v. Dechen 1832. S. 4.54 wird in 
einem Verzeicluiisse der im Muschelkalk vorkonunendon 
Fossilien auf eine Delthyris s e mi c ir c ula ris Goldf. 



- 394 — 

als von Villingen stammend, erwähnt ; sollte sie mit unserer 
Art völlig identisch seyn? *). 

Erklärung der Abbildung. Fig. 1. Die Oberschaale 
eines ausgevrachsenen Exemplars von Delthyris f la- 
be lliformis. a. der Sehnabel. Bei b die tiefste und 
breiteste Mittelfurche, ec, ec triangelförmige Seitenwän- 
de des bei a befindlichen Ausschnitts. 

Y'ig. 2. Die Schloss wand mit dem Triangel - förmigen 
Ausschnitt b, a der gekrümmte Schnabel ; b c d die gebo- 
genen glatten Seitenwände. 

Fig. 3. Eine Untei-schaale des ausgewachsenen Exemplars. 
1 m die erhabenste Mittelleiste j bei 1 ist der Schnabel. 

Fig. 4. Profilumriss beider aufeinander gelegten Schaalen ; 
f h k die Unterschaale, g h k Oberschaale. 

Fig. 5. Die Oberschaale eines kleinen Exemplars von 
vorn; Fig. 6. die Ansicht desselben von der Seite. 



Li 11g lila keuperea Zenk. 

und 

L i 11 g II I a c a 1 c a r i a Zenk. , 
zwei fossile Muschelarteii aus Thüringen 

beschrieben 

von 

Herrn Professor Zenker. 

Mit Abbildungen auf Taf. V. 



1. Lingula keuperea Zenker, 
L. obovato-depressa, subcuneiformis, striis pai'allelis subcunei- 
formibus, tenuissima^ nitida, apice obtuso conspicuo. 

In summis heuperi coeruleo-grisei stratis ad Ilmam flu- 



') Die Art von Villingen, welche ich kenne, ist davon sehr verseliie- 
den. D. flabelliforniis scheint neu. Br. 



— 395 — 

vium, prope viam Stratum publicam Vinariä Ekartsbergam du^ 
Centern, übt Caupona blane Zache dicta. 

Eine sehr schone Art, deren Schaalen besonders da- 
durch hervorgehoben werden , dass der feine Keupermer- 
gel, worin sie getroffen wird, etwas dunkel blaulich-asch- 
grau ist» 

Die Länge vollständiger Sehaalen beträgt gegen 7'", die 
grösste Breite etwas über 4'". Zugleich ist die Schaale so 
dünn und zart, dass sie mit durchscheinenden Fischschup- 
pen verglichen werden kann. Die Farbe ist ein schmutzi- 
ges Gelbbraun. Die äussersten Ansätze erscheinen dunkler 
gefärbt, als die gegen das Schloss hin liegenden. An der 
Spitze (Schnabel?) bilden die zarte Streifen verkehrt ei- 
förmige konzentrische Figuren. 

Man kennt schon die Schwierigkeit, welche die Unter- 
scheidung der noch existirenden L i n g u 1 a- Arten hat, allein 
diese steigert sich bei fossilen Arten noch mehr. Um diese 
Art wenigstens mit einem besondern Namen zu belegen, 
haben wir das Beiwort von dem Muttergestein, dem Keu- 
per, gewählt, weil vielleicht die Erdschichten gerade für 
Bestimmung dieser Arten von Wichtigkeit seyn mögen. 
Der hier in Frage stehende Keuper kommt als ein sehr 
thoniger dunkelblau -grauer Mergel an dem Fiussbette 
der Jim bis da vor, wo die von Weimar nach Ehartsberge 
führende Chaussee über genannten Fluss setzt. Ausser der 
Lingula-Art trifft man daselbst noch andere fossile Kör- 
per und auch eingespi'cngte Kryställchen von Schwefelkies, 

Zwar hat sich die Schaale der Lingula keuperea, 
was ihre Substanz betrifft, fast unverändert erhalten, allein 
wegen ihrer Zartheit trifft man selten ganz vollständige 
Exemplare. Übrigens könnte man aus der eigenthümlichen 
Beschaffenheit der Schaalen zu der Meinung veranlasst wer- 
den, dass in dem Gewässer, worin sich diese Muscheln ur- 
sprünglich in der Vorzeit befanden, wenig Salztheile ent- 
halten seyn mussten, weil nach der gewöhnlichen Erfahrung 
die Muschelschaalen um so dicker zu seyn pflegen, (jedoch 
Jahrgang 1834. 26 



- 396 — 

nicht ohne Ausnahme), je salzreieher das Wasser war, in 
dem sie erzeugt wurden. 

Sehen wir uns nach verwandten Arten um, so könnte 
man einige Ähnlichkeit mit Lingula mytiloides So wer- 
BY Min. conch. f. 19, f. 1, 2. auffinden, doch ist unsere 
L. keuperea weit keilförmiger, selbst aber die Farbe, viel- 
leicht auch die Dicke der Schaalen und endlich die geognos- 
tischen Verhältnisse, unter denen sie vorkommt, sind andere. 
Erklärung der Abbildung Taf. V, B. Eine völlig 
ausgebildete Schaale von Lingula keuperea in ihrer 
ganzen Integrität. 

2. Lingula calcaria Zenk. 
L. Ohovatn-elliptica elongata convexiuscula, subtiliter pe~ 
ripheriae parallelo-striata, apice hrevissimo suhohsoleto. 

In infimis calcis condiiferae slratis in vicinia Jenae^ ad 
Dornburg et Wüllnitz. 

Die Länge beträgt 4'", die grösste Breite 2^'", die Form 
ist fast oval, doch vor dem Rücken mehr gewölbt, die den 
Rändei-n parallelen Striche ziemlich undeutlich. Die an ei- 
nigen Exemplaren gut erhaltene Schaale ist glatt, glänzend, 
blassgelblieh , übi'igens weit diker, als bei vorhergehender 
Art. Bei andern wnv sie kalzinirt. 

Nur entfernte xlhnlichkeit hat Lingula ovalis So- 
WERBY Tb. XIX , F. 4. , wiewohl gerade diese Art unter 
den fossilen unserer am nächsten kommen mag. Doch ist 
die Grösse, Form, (bei L. ovalis völlig elliptisch) und das 
geognostische Verhalten völlig verschieden. 

Bis jetzt wurde unsere Art nur in den untersten mer- 
gelhaltigen hellgelblichen Schichten des Muschelkalks getrof- 
fen. So fand sie Herr Professor Crbdner hei .Dornburg und 
ich in ziemlicher Anzahl bei einander in der Nähe von 
Wollnitz (einem 1 Stunde von Jena entfernten Doi'f.) 

Ist sie vielleicht Lingula tenuissfima Bromn ? *), 

*> L. tciiuissima ans dem untersten Wellenkalk von Rothtvcil 
und den Zwischenla;;en von Kalk in Steinsalz bei Sinsheim hat 



— 397 — 

wovon mir welter keine Abbildung und Beschreibung be- 
kannt wurde. 

Erklärung der Abbildung Taf. V, Fig. C, 
Eine vollkommen entwickelte Schaale von Lingula calcaria 
mit ihren Streifen gut erhalten. 



in etwas flach gedrückten Exemplaren völlig die Form von L. 
keuperea, namentlich deren Grösse (ist selbst noch etwas 
grösser) und den stumpfen Unterrand; im wohlerhaltenen Zu- 
stande aber, wo sich die häutigen Seitenränder der zwei Klap- 
pen weniger nach aussen umlegen, erscheint sie etwas schmä- 
ler, fast gleichbreit-elliptisch, oft mit zwei zierlichen Längenli- 
nien von der Spitze bis zum gegenüberstehenden Rande. Eine 
ihr sehr ähnliche Form geht mit Posidonia keuperina bei 
Sinsheim in die unteren Keiiper-Lager herauf, 

Brown 



%6 



Briefwechsel. 

Mittlieilungen an den Gelieimenratli v. Leonhard 
gerichtet. 



Hamburg, 1. Febr. 1834. 

In der stürmischen Nacht v. 24. auf den 25. des vor. Mon. sind 
bei Bahrenfeld (| Stunde von Altana) vier Krüppeleichen , denen später 
noch eine fünfte nachgefolgt ist, mit Gekrach versunken. 

Zu bemerken ist , dass diese Bäume an dem Abhänge einer ehema- 
ligen Sandgrube standen, deren mooriger Grund, etwa 12 Fuss tief, 
obgleich mit Gras und Gestrüppe überwachsen, einen unsichern und 
schwankenden Boden gewährte. 

Die durch diesen Erdsturz entstandene bedeutende Vertiefung, in 
welche die etwa 30 Fuss hohen Eichen versunken sind, ist mit Was- 
ser angefüllt. Einzelne Risse in dem Boden auf der Höhe lassen ver- 
muthen, dass noch mehr Erdreich nachsinken werde. Der Schauplatz 
dieses Naturereignisses ist Gemeinde-Land und dem Erdfalle gegenüber 
steht eine Käthe, die zu zwei Armen-Wohnungen eingerichtet ist. 

Aus St. Petersburg schreibt man, dass, bei Gelegenheit der Her- 
stellung einer Rasenbank unlängst an dem Ufer des Ladoga-Se(i''s bei 
PÜkarendar (Gouvernement Wiburg , Distrikt Sernebol) das schönste 
Zinnerz gefunden worden ist. Man hofft , dass das ohnehin uo Metall- 
reiche Russland bald Zinn - Bergwerke besitzen werde. Ein aus Sach- 
sen angekommener Hüttenmann wird in diesem Jahre (1833) die ersten 
Schmelzversuche leiten. — Die Sibirischen Gold und Platin - Wäsche- 
reien hatten auch im J. 1833 in hohem Flor gestanden. 

Aus England erhielt ich kürzlich unter dem Namen M u r c h i s o n i t e 
aus Devonshire ein angeblich neues Mineral, das nach dem letzten Prä- 
sidenten der geologischen Sozietät in London benannt worden ist. 
Nach den mir zugekommenen Bruchstücken ist es ein schillernder Feld- 
spath , eine Abänderung von Adular, von flcischrother Farbe; die blät- 
terige Textur, der Bruch und andere äussere Kennzeichen sprechen für 
diese Ycriuuthuug' ; der silberartige Schiller zeigt sich nur (wie beim La- 



— 399 — 

brador) auf den mit der Krystallisationsform gleichlaufenden Flächen. 
Die Eigenschwere (nach Hrn. Dr. Smeissers Untersuchung) ^^ 2,494. 

Mein junger Freund Wolfgang v. Sartorius (Sohn des verstorbe- 
nen 6röttiH^e7' Gelehrten) wird in diesem Frühjahre mit seinem Freunde Dr. 
Listing aus Frankfurt a. M., der fast 4 Jahre hindurch mit ihm in Göt- 
tingen studirte, eine naturhistorische Reise antreten, von der die Freunde 
der Wissenschaft sich gewiss eine reiche Ausbeute versprechen dürfen. 
Beide Reisende sind voll Eifer für ihr Fach, unermüdet, jung, kräftig, 
gesund und mit schönen Kenntnissen in allen Theilen der Naturwissen- 
schaften ausgerüstet. Den Mai wollten sie in Tyrol, den Juni in Ober- 
italien und den Juli in Rom und der Umgegend verleben, die Monate 
August und September sollten auf Neapel \envanot werden; dann geht e» 
nach Sizilien^ wo der Ätna zu einer grösseren Arbeit Stoff geben wird; 
sie gedachten ein Jahr und länger am Fusse dieses dampfenden Kegel- 
berges zu leben. Wie es dann wird, wissen wir selbst noch nicht, 
schreibt Sartorius; Griechenland gewährt eine lockende Aussicht; 
Elba, Sardinien und Corsica eignen sich gut zur Rückreise; den Schluss 
macht der Montblanc; ausgerüstet sind wir mit den besten Instrumen- 
ten aller Art, die wir zu wissenschaftlichen Untersuchungen verwenden 
werden. 

Sartorius ist ein tüchtiger Mineraloge in der Schule des trefflichen 
Prof. Marx in Braunschweig und des würdigen Prof. IIausmamm in 
Göttingen gebildet. 

H. V. Struvb. 



Strasburg, H. Februar 1834. 

Was das Granifstück von Framont betrifft '*) , so sind die Verhält- 
nisse des Vorkommens sehr interessant. Das Gebirge besteht hier aua 
Übergangsschiefer mit untergeordneten Lagern von dichtem Kalkstein. 
Diese Schiefer sind durch häufige sehr grosse Massen von Porphyr 
durchbrochen , so dass sie fast nur StückAveise erscheinen. Die Por- 
phyre verändern die Kalksteine nicht, aber die Schiefer werden am Kon- 
takt mit den Porphyren gehärtet , so dass sie etliche Lachter weit gansc 
Eurit-artig sind. Die Erzgänge halten sich gern an die Poiphyre, 
jedoch nicht immer. Nur wo sie an Kalklager sich anreihen , %verdea 
dieselben mächtig. Die Kalksteine werden dann innner körnig und sehr 
oft sogar dolomitisch. Die Lagerstätten sind von zweierlei Art: die 
einen ganz krystallinisch , die Gangart ist sodann Grüuerde-artig, diese 
wird oft körnig und sieht verwittertem Kokkolith ähnlich. Manchmal 



*)H rOber-Bergwerks- Ingenieur Voixz hatte mir dasselbe , begleitet von der Eti 
qiiette niitgetbeilt: Fragment de Granite altert, englobe dansla Dolomie dam les 
Carrieies ü Chaux grite des Minieres ä I'ramonf. Ich wünschte mir um so mehr 
einige genaue Nachricht, als ich im Torigen Jahr in der Nähe von Mthnfftnbtt*g 
ia Delguit eingesehlosseno Gneis«-Fi'agmcnte gefundca hatte. L». 



— 400 — 

findet sich auch währer Augit mit Granat und Epidot in grossen Massen. 
Die grünerdigen Lagerstätten haben viele Drusen, entweder mit Quarz 
oder mit Braunspatli krysfallinisch ausgekleidet. Die Erze sind .hier 
rhomboedrische Eisenglanze. Die andere Art Lagerstätten ist sehr 
merkwürdig. Sie sind ausserordentlich mächtig und bestehen fast 
nur aus Sand mit seltenen Blöcken von Vogesen - Sandstein und 
Thon. Dieser Thon besteht oft aus fast nichts, als feinen Bröckchen 
Von verwittertem Schiefer. Manchmal enthalten diese Thone abgerun- 
dete Stücke von körnigem Kalksfein, die Oberfläche ist glatt und glän- 
zend; enthalten diese Stücke Schicfer-Parthieen , so erscheinen die wei- 
chen Schiefer Relief- artig auf dem harten Kalkstein; gerollt sind sie 
also nicht, das zeigt ihre Form auch schon. Sie sind von Säuren an- 
genagt, abgerundet und geglättet. Legt man körnigen Kalk in Salz- 
säure, so wird er so angefressen, wie diese Stücke es sind. Die Thone 
sind oft bunt. Die blauen, brauneu und weissen Streifen laufen sodann 
höchst unregelmässig auf jede Art gekrümmt durch die Masse. Das 
Neben-Gestein ist oft ganz zerfressen. Die Porphyre sind weich und 
Speckstein^artig geworden ; die Schiefer haben alle Festigkeit verloren. 
Zuweilen sind sie auch gebacken , zerklüftet und hart geworden. In 
Mem Kalksteine sind die Schiefer-Parthieen zu Eisenglanz-Schiefer ver- 
wandelt ; der Kalkstein ist oft roth geworden, die Eisenglanz-Schiefer 
eeigen sich häufig mit schönen oktaedrischen Eisenglanz - Krystallen 
durchsäet. Das Erz in diesen Lagerstätten besteht theils in Eisenglanz- 
Schuppen, die sich im Thon befinden, theils in dichtem Eisenglanz, der 
sich in der Nähe der Kalksteine oder Dolomite findet, theils in einem 
Bchwarzen Thon, der auch nur da vorkommt und aus nichts als feinen 
Bröckchen von Schiefer, Eisenstein-Schiefer und Dolomit zusammenge- 
sezt und mit einer Unzahl von ausserordentlich kleinen oktaedrischen 
Eisenglanz-Krystallen angeschwängert ist. 

Deutlich sieht man, dass das Ganze dieser Lagerstätten ein Produkt 
ron Zerfressungen und Zämentationen von plutonischen Dämpfen ist, 
welche hauptsächlich Eiscnoxyd und Bittererde enthielten, oder Eisen 
und Magnesium. Diese Dämpfe haben die Schiefer zerfressen, die Gang- 
spalten dadurch gar gewaltig erweitert ; eine Art Diluvial-Strömung hat 
Sand und Sandblöcke hergeführt und der Detritus der Zerfressung mit 
diesem gesammtcn Material hat einen Brei gebildet, durch den die plu- 
tonischen Dämpfe aufgestiegen sind. — Diese Dämpfe haben auch 
manchmal die Kalksteine zämentirt, und das ist der Fall in der Kalkstein- 
Grube des Minieres. Hier wird Dolomit als hydraulischer Kalk ge- 
wonnen. Dieser Dolomit ist manchmal mit Eisenerzen angeschwängert. 
Oft enthält er grosse Brocken von Granit und von Porphyr oder Gneiss, 
diese sind sodann mehr oder weniger Speckstein-artig geworden, und 
nit kohlensaurer Bittererde angeschwäugert. So das besagte Stück. 

VOLTZ. 



— 401 - 

Wüut, 28. Fehrunr 1834- 
Auf meiner letzten Reise niaelite ich einen Ausflug nach Sivos-io- 
wice unfern Wieliczba gegen W. Man gewinnt hier Schwefel. 
Herr Lill von Lilienbach, Sohn des bekannten Geologen, ist Direktor 
des kleinen Werkes, und von ihm erliielt ich alle erwünschte Auficlä- 
rung über die geologischen Verhältnisse. Die Schwefel- führende Fcr- 
niution von Swoszowice steht mit der von Wleliczka in Verbindung, 
aber nach aller , aus Beobachtungen sich ergebenden , Waiirscheinüch- 
keit muss sie unterhalb der letztern ihre Stelle einnehmen. Das 
Haupt-Gestein ist ein grauer Mergel, muthmaasslich der nämliche, wel- 
cher den Boden des Salz-führendcn Beckens von Wielic%ka ausmacht; 
denn er zeigt sich ihm nicht nur vollkommen ähnlich , sondern seine 
Lagen fallen auch, immer tiefer sich senkend, gegen 0., oder vielmehr 
gegen NO. Der Schwefel , bald in Gestalt von Kugeln oder kleinen 
Nieren, bald die Gestein-Masse imprägnirend , seltener in kleinen Kry- 
stallen erscheinend, setzt eine geringmäclitige Lage zusammen , die re- 
gellos gewunden ist und sich, wie schon bemerkt, stets gegen Wiclicz- 
ka hin neigt. Über der Schwefel-fülircnden Lage tritt eine andere von 
mergeligem Sandstein auf, und in beiden Felsarten kommen zuweilen 
zerstreute Braunkohlen vor: daraus würde sich für die Salz-Lagerstätteh 
von Wieliczka ein sehr jugendliches Alter ergeben, und dicss scheint 
nun auch aus andern Gründen glaubhaft. Die Braunkohle , mitunter 
auch etwas Pech- oder selbst Schwarz-Kohle, bildet kleine Lagen, wel- 
che mit Gyps-Lagen wechseln und dazwischen finden sich Stücke von 
Schwefel. Die Kohlen - Stücke trifft man häufig ganz von Schwefel 
durchdrungen; in andern Fällen zeigen sich die Schwefel -Krystalle 
Kohlen-haltig. In der Sammlung zu Swoszüwice nahm ich ein merk- 
würdiges Handstück wahr: einen sehr grossen, jedoch niciit vollkommen 
ausgebilteten Schwefel - Krystail auf dem mergeligen Mutter- Gestein 
und zum Theil von der Kohle imprägnirt, wovon noch ein ansitzendes 
Stück zu sehen ist, einem geflossenen Liquidum gleich. Ich will mich 
deutlicher ausdrücken: das Exemplar bestand aus Mergel, Kohle und 
krystallisirtem Schwefel, und ein Theil des letztern war von Kohle im- 
prägnirt , als wäre sie einst ein flüssiger Körper gewesen. (Als ich 
später die interessanten Versuche Pveichenbachs im 5. Hefte des Jahrb. 
las, wurde ich sehr lebhaft an Swoszoirice erinnert.) Die beschriebenen 
Verhältnisse scheinen darzuthun, dass die Kohle, der Schwefel und 
vielleicht selbst der Gyps gleichzeitig im Mergel abgelagert woi'den. 

In den Gruben des Waldenlnirgcr Distrikts in Schlesien findet man 
sehr interessante Erscheinungen. Porphyr -Durchbrüche durch Stein- 
kohlen-Ablagerungen hier senkrecht, dort in paralleler Richtung mit 
den Kohlen-Lagen. Im letztern Falle , wo der Porphyr über die Koh- 
len geflossen ist, hat er denkwürdige Beweise seiner hohem Tempera- 
tur hinterlassen , er hat die Kohlen zu Säulen-förmigen Massen umge- 
bildet , wie solches ron basaltischen Laven bei buntem und bei Grün- 



- 402 — 

Sandsteine geschehen. In der unmittelbaren Nähe des Porphyrs er- 
scheint die Säulen-förmige Absonderung sehr deutlich, aber in gewisser 
Weite verliert sich dieselbe gfUizlich, 

EzaUERRA DEL BaYO. 



München, 6. März 1834. 
Im ersten diossjährigen Hefte Ihres Jahrbuches für Mineralogie 
macht Professor Hesse;, die Bemerkung, dass man Dolomit und Kalk' 
stein nicht leicht durch das Verhalten zur Salzsäure unterscheiden könne, 
wie ich es in meinen Tafeln angeführt habe, und wie es allgemein an- 
erkannt ist. Er führt einige Dolomite an , welche mit Salzsäure so 
stark braussen , wie Kalksteine. Dagegen erlaube ich mir zu bemer- 
ken , dass diese Gesteine, wenn sie sich nicht vielleicht im Zustande 
eines sehr feinen Pulvers befanden, gewiss nicht reiner Dolomit, 
sondern Gemenge von Dolomit und Kalkstein waren. Ich habe den 
reinsten Dolomit von vielen Fundorten und auch mehrere Abänderungen 
vom St. Güttharü untersucht , aber bei keinem ein ähnliches Braussen 
bemerken können , wie beim Kalkstein. Die meisten Dolomite zeigen, 
wenn man auf ein ganzes Stück einen Tropfen der Säure bringt, gar 
keine Gasentwicklung oder nur einzelne Luftblasen , werden sie aber 
Berrieben , oder sind sie von Natur aus sehr feinkörnig und locker, so 
entsteht beim Übergiessen mit der Säure ein schnell vorübergehendes 
Aufbraussen, und dann erfolgt eine langsame Gasentwicklung, welche 
mit der rasch und gleichförmig vor sich gehenden beim Kalkstein nicht 
zu verwechseln ist. Was ich vorübergehendes Braussen genannt habe, 
bezieht sich auf die erste raschere Gasentwicklung, welche von den 
feinsten Theilen des Pulvers herrührt j wenn man das langsame Auf- 
steigen der Gasblasen Braussen nennen will, so braussen die Dolomite 
freilich länger, als die Kalksteine, gerade weil sie sich langsamer auf- 
lössen, — Reiner Kalkstein brausst immer gleich lebhaft, wenn die 
Säure hinlänglich stark und in hinreichender Menge vorhanden ist, 
dass aber in Bezug auf die Oberfläche der Masse im Braussen ein Un- 
terschied Statt findet, versteht sich von selbst, und in soferne braussea 
Kalksteinpulver oder lockere Kreide, Schaumerde etc. lebhafter. 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir noch einige Bemeikungen 
in Beziehung auf meine Tafeln. — Das Steinsalz, welches sich 
p. 30 unter Nro. 10 befindet, ist unter Nro. 8. ö. zu setzen, denn nach 
dem Schmelzen reagirt es alkalisch. — Vom Flussspath bekommt 
man die alkalische Reaktion erst deutlich, wenn man die geschmolzene 
Perle hinlänglich erhitzt. — Bei den p. 27 unter 7. angeführten Mine- 
ralien ist zu bemerken, dass der N i c k e 1 k i e s die Reaktion auf den 
Magnet erst zeigt, wenn er lange genug im Feuer erhalten wurde, so 
dass er nicht mehr nach Arsenik riecht, und sich mehrmals aufgebläht 
upd Funken gesprüht hat. Die unter a. angeführte Reaktion, dass das 



— 403 — 

mit Äfzammonink in der Salpeter-sauren Auflössung entstandene Präzipi- 
tat sich theilweise in C'berschuss mit sapliirblauer Farbe wieder auflösßt, 
wird öfters durch die Gegenwart von Eisen unkenntlich gemacht, in- 
dem sich arseniksaures Eisenoxydul mit auflösst. Um dieses zu ver- 
hindern, hat man nur vor der Präzipitation Chlorkalk- Auflössung zuzu- 
setzen, bis ein Niederschlag zu entstehen anfängt, und dann mit Atzaramoniak 
zu fällen. — P. 34. 1. ist beizufügen, dass auch mancher Eisenspath, 
Manganspath und Zinkspath nach dem Glühen alkalisch reagirt. Auch 
auf manchen Pyrolusit ist zu verweisen. — Einige Varietäten von 
Eisenspath, besonders der Spbärosiderit, können in gutem 
Feuer gerundet werden ; es ist also bei den schmelzbaren wasserfreien 
Mineralien darauf zu verweissen. — Manches Uranpecherz wirkt nach 
dem Glühen im Reduktionsfeuerauf dieMagnctnadel. Schliesslich ersuche 
ich noch um Anzeige eines Druckfehlers in meinen Granat-Analysen. 
Der Alm and in aus Ungarn enthält nicht 41,43 Eisenoxyd, sondern 
32,7 Eisenoxydul und 5,0 Eisenoxyd. Sie haben die unvollendete Analyse, 
bei welcher noch die nöthige Reduktion des Eisens fehlte, aufgenom- 
men : diese gäbe ein ganz unrichtiges Resultat. — 

V. KOBELL. 



Hermannstadt, 27. März 1834. 
Im neuesten mir zu Gesicht gekommenen Hefte Ihrer Geologie (zur 
Naturgeschichte der drei Reiche) hat mich besonders die sehr genaue 
Erörterung des Karpathen - Sandsteins ergötzt, welchen ich im Jahre 
1832 selbst zu beob'achten die Gelegenheit hatte. Aus den von einem 
meiner Freunde im J. 1833 darin gefundenen Versteinerungen lässt 
sich Mehreres über die Altersfolge desselben entnehmen. Die in jenem 
Sandsteine häufig vorkommenden Salz- und Mineral -Quellen scheinen 
hierlauds mehr den die Felsart durchbrechenden und deutlich erheben- 
den Trachyten anzugehören. Solche Quellen sind beinahe zahllos, um 
die Trachyt-Gebirge, welche den östlichen Theil von Siebenbürgen ein- 
nehmen. Was die dem Karpathen - Sandsteine untergeordneten Lager 
von Mergel und Thon betrifft, so dürften eben diese zu manchen inte- 
ressanten Erörterungen führen. Ihr Schichtenfall deutet auf gewaltige 
Erhebungen. Selbst da, wo die Trachyte nicht ans Licht getreten sind, 
dürften diese auf ihrem Rücken jenen Sandstein tragen. Schwieriger 
ist allerdings die Erklärung des Karpathen-Kalks, welcher besonders in 
der Umgebung von Kronstadt so mächtig sich erhebt. Die , auf eine 
Angabe des Herrn Boue gestützte, Bemerkung Seite 320 und 321 über 
die unter dem Namen Marmoroscher Diamanten bekannten wasserhel- 
len kleinen Bergkrystalle veranlasst mich zu einigen Berichtigungen. 
Diese so schönen , losen Krystalle liegen zwar in den, meist mit Kalk- 
spath-Krystallen ausgeschmückten, Klüften eines schwarzgrauen zum 
Karpathen -.Sandsteine gerechneten Thonscbiefers (wie dieselben in Un- 
garn im Marmoroscher Comitate vorkommen, ist mir unbekannt), aber 



— 404 - 

dieser Thonschiefer , eine Stunde siidöstlich von Kezdi Wäsärhely 
(welches Deutsch Kesdi Wascharhey , aber nicht Vasurhaly gelesen 
wird) tritt hier bei dem Dorfe Osdola (lese Oschdula) und von da an 
vp^eiter gegen Süden bis Koväszna als ein mehr selbstständiges Ge- 
bilde hervor, so, dass ich geneigt bin denselben für die Unterlage des 
Karpathen-Sandsteins zu nehmen. Er bildet ein eigenesGebirge, dem Über- 
gangs-Thonsciiiefer ähnlich, und walirscheinlich auch ruhend auf Urgebirgs- 
niassen , wovon in den Gebirgs- Schluchten hinter Osdola Blöcke 
und Geschiebe gefunden werden. Manche Schichten des genannten 
Thouschiefers sind einer halbgcschmolzenen Kieselniasse nicht unähnlich. Zu 
bemerken ist noch, dass in den sehr untergeordneten Klüften dieses Thou- 
schiefers die losen Bergkrystalle oft in Kohlenstaub eingehüllt sind, ja 
dieser Kohlenstaub ist mitunter selbst in die Masse der Bergkrystalle mit 
eingeschlossen, sodass sie ganz schwarz und mit einem lebhaften Glänze er- 
scheinen. In Hinsicht der Häufigkeit dieser Krystalle muss ich ge- 
stchen, dass ich mich bei der Angabe desHrn. Boue, als ob man mit den- 
selben die Wege in den Gärten bestreuen könne , des Lachens nicht 
erwehren konnte, und dabei sehr lebhaft an J. Fridvaldzky's Goldge- 
wächse in seiner 1767 gedruckeu 3IinercdogiaMagm Prindpatus Trans- 
silvaniae erinnert wurde. — Ich bin in Osdola an Ort und Steile ge- 
wesen ; man kann nur durch Vermittlung eines Führers zu den im 
Muttergestein sitzenden Quarzkryslallen kommen. Wären diese so häu- 
fig, wie Herr B. angegeben, so müssten die Bäche und Schluchten, die 
über ihre Lagerstätte gehen , dieselben in solcher Menge mit sich 
führen , dass man sie ohne Mühe ersetzen könnte , was jedoch nicht der 
Fall ist. — — Zugleich finde ich micli bewogen auch auf die im 2ten 
Hefte Jahrg. 1833 des Neuen Jahrbuchs für Mineral. Seite 181 und 182 
eingerückten Äusserungen des Herrn Bouk noch Folgendes zu erwidern: 
Wenn ich auch auf den Namen eines Geognosten oder Mineralogen 
keine Ansprüche mache, und bloss aus Liebhaberei in den Mussestunden 
mich mit den Natur- Wissenschaften beschäftige, wenn ich meine Äusse- 
rungen über Basalte in Siebenbürgen mehr auf Ihre Charakteristiken und 
auf die Schilderungen anderer allgemein geachteter Mineralogen ge- 
stutzt, und meine Beobachtungen darnach gerichtet habe, so glaube ich 
durch die angefülirte Äusserung des H. Boüe doch keineswegs widerlegt 
worden zu seyn. Herr Partsch selbst hat ja das Dasein des Basaltes 
in Siebenbürgen nicht geläugnet. — Wenn vielleicht bei dem Worte 
Zalathna ein kleiner Fehler eingeschlichen ist, so möge dieser als ein 
Druckfehler angesehen werden, denn mir ist er gewiss nicht zuzuschrei- 
ben. Ich müsste mich schämen, wenn ich in meinem Vaterlande ergraut, 
dasselelbe nicht besser kennen sollte, als ein Fremder, der es in 3 Mo- 
naten durchfliegt. Die Richtigkeit meiner Angaben kann ich jeder Zeit 
verbürgen ; Herr B. aber bestätiget seine Irrungen immer mehr dadurch, 
dass er wiederholt will Vorospatak geschrieben haben j denn es heisst 
aus besondern Ursachen, die ich nicht weiter erklären will ganz gewiss 
Verespatak, von dem Worte veres roth, und patak Bach (Thal); 



— 405 — 

so wie H. B. anstatt IJayda Hunyäd richtiger hätte Vayda llunyäd 
schreiben sollen. In Hinsicht des Vulkaner Passes hat H. B. Recht, 
wenn er den Irrthuni erkennt, der in Karstens Archiv aufgenommen 
ist. Ob übrigens Herr Partsch bei der Entwerfung seiner sciiönen geo- 
gnostischen Karte von Siebenbürgen den Angaben des H, B., oder des 
HeiTnLiJLL und seinen eignen Beobachtungen gefolgt ist, weiss ich nicht; 
so viel aber weiss icli aus den mir gegebenen mündlichen und briefli- 
chen Äusserungen des H. Partsch, und ersehe es auch aus seiner vor 
mir liegenden geognostischen Karte und den darauf bezeichnenten Rou- 
ten , dass Herr Lill und Herr Partsch den östlichen Theil von Sie- 
benbürgen und die grosse Trachytische Kette im Stehler Gebiete eben- 
falls bereiset haben und somit auch die Ergebnisse ihrer umsichtigen Be- 
obachtungen durch eine Karte beurkunden konnten. Was meine Mei- 
nung in Hinsicht der geologischen Ansichten betrifft, so habe ich aus den 
vielen sehr schätzbaren Leistungen im Allgemeinen, aus dem regen Stre- 
ben die einzelnen geognostischen Gebilde so deutlich als möglich zu beschrei- 
ben und unter besondern Namen zu charakterisiren, so wie aus den weni- 
gen eigenen Beobachtungen erhoben: dass man. von den einzelnen 
Erscheinungen hingerissen, den Totalhabitus immer mehr aus dem 
Auge verliert, und von den höhern Ansichten sich entfernt, die uns al- 
lein in den Stand setzen, die einzelnen Erscheinungen auf der Erdober- 
fläche im wahren Verhältnisse zum ganzen Weltkörper zu erfassen. Was 
ist z. B. auch das Haufwerk eines Mont-Blanc mit seinen Schichten 
und Massen , Klüften und Schluchten im Verhältniss zur ganzen Erd- 
fläehe? — Meines Erachtens müssten dalier bei Aufstellung eines geolo- 
gisch geognostischen Systems auch andre Kriterien zum Grunde gelegt 
werden, als Schichtung und Nicht geschichtet seyn. Und 
dass es solche Kriterien gibt und geben muss, zeigen die vielen treuen 
Beobachtungen im Einzelnen, so wie die obwaltenden Widersprüche in 
den meisten aufgestellten und jetzt herrschenden geologischen Systemen. 
Die übermässigen Zersplitterungen der Gebilde mit ihren vielen Syno- 
nymen erschweren die Mittheilungen , so wie den Fortgang der V/is- 
senschaft, und bewirken, f]-ss man, nach dem gewöhnlichen Sprich- 
Worte, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. 

Vor einiger Zeit habe ich, in Gemeinschaft eines Freudes, meine Auf- 
merksamkeit mehr den in Siebenbürgen vorkommenden Resten der vorwelt- 
lichen höhern Thierklassen zugewendet, um, nach Maassgabe meiner Kräfte 
FiCHTELs sehr reichhaltige Angaben der Vorkommnisse von Konchylien u. 
d. gl. zu ergänzen. Ich habe bereits gefunden , dass auch in gedachter 
Hinsicht Siebenbürgen dem Forscher ein weites Feld öffnet und reichen 
Lohn darbietet. Mehrere Mahlzähne und Stosszähne , zwei sehr gut 
erhaltene ganze untere Kinnladen undSchenkelknochcn vom urweltlichen 
Elephanten, zwei Schädel des Rhinozeros, wovon der eine noch ganz 
und gut erhalten ist, einige Zähne dieser letzten Thierart, mehrere an- 
dere Zähne vom Höhlenbären, von urweltlichen Pferden, Ochsen und 
Schweinen, Hirschgeweihe, ein grosser Kern voni Hörne des Urstieres, 



~ 406 — 

auch Zähne von unbekannten Thieren, mehrpre Fischabdriicke sind vor- 
gekommen. Auch habe ich einige schöne Pflanzen-Abdrucke gesammelt. 
Wenn es meine Verhältnisse zulassen, so will ich die in Siebenbürgen 
vorkommenden nicht unbedeutenden Tropfstein-Höhlen ebenfalls unter- 
suchen , welche vermuthlich auch thierische Reste enthalten, wie die 
Höhlen anderer Gegenden. Einige der genannten Thierreste sind in der 
hier erscheinenden Zeitschrift „Transsylvatiia,, schon beschrieben. 

Michael Bielz. 



Paris, 1. April 1833. 

Ich bin zurück von meinem Ausflug nach Spanien, der mich sehr 
befriedigt hat. In Zeit von drei Monaten besuchte ich den grössten 
Theil von Castilien, Estremadura und Andalusien. Meine Absicht war 
durch Murcia, Valencia und Catalotiien heimzukehren j aber eine Krank- 
heit, von der ich befallen ward, nöthigte mich, meine Rückreise auf 
dem Meere zu machen. Von meinem Tagebuch werden Sie in der Kürze 
die erste Abtheilung in unsern Annales des mines lesen. 

In diesem Jahre Hess man die Societe d'histoire naturelle de Paris 
neu aufleben. Sie ist nur ein freier Verein, dem Jeder beitreten kann 
welcher sich zu einem Jahres-Beitrag von 25 Francs verbindlich macht. 
Dieses Einkommen wird zur AnschaflFung fremdländischer Journale ver- 
wendet. Man bat auch die Absicht eine Bibliothek zu bilden, in welcher 
sämmtliche in Europa über Naturgeschichte erscheinende Schriften eine 
Stelle finden sollen. Vielleicht wird von Seiten dieses Vereins ein Bul- 
letin des Sciences unternommen werden, um in gedrängter Kürze von allen 
Forschungen der Gelehrten in Europa und Amerika R.echenscbaft zu geben. 
Man streitet hier sehr lebhaft gegen die Meinung derjenigen, welche in 
den geologischen Phänomenen nur Folgen der heutigen Tages noch unter 
unsern Augen wirkenden Ursachen erkennen wollen , so , dass die er- 
habensten Berge nichts weiter wären, als die Ergebnisse einer grossen 
Menge von Hebungen des Bodens ähnlit- denen, welche gegenwärtig 
Statt haben. Die Abhandlung über das 0/srtHS-Gebirge, die Sie iii den 
Annales des Mines finden, ist vorzüglich bestimmt, jene Ansicht zu bestreiten. 

Le Play. 



Mitthcilungen an Professor Bronn gerichtet. 



Ludwigs-Saline Dürrlieim, 26. Mai 183S. 
Hiebei erhalten Sie eine Anzeige von der Schrift: Beiträge zu 
einer Monographie de» bunten Saudateius, Muschel- 



— 407 — 

kalks und Kenpers und ihre Verbindung zu einer For- 
mation von Friedrich v. Alberti, 1834. 

Wenn auch die schnellen Fortschritte im Gebiete der Geognosie seit 
20 Jahren bewundernsvverth sind , so ist doch nicht zu läugnen , dass 
noch viele Lücken auszufüllen seyen. Wir besitzen geniale Zusammen- 
stellungen über sämnitliche Ablagerungen der Erdrinde, welche zu wich- 
tigen Schlüssen führten) eine scharfe Abgränzung der einzelnen Ge- 
birgsglieder ist dagegen weniger versucht, — oder sie beruht häufig 
auf Lokal - Verhältnissen , — oder entspricht nicht dem tieferen Geiste 
der Natur. — So treffliche Monographieen über einzelne Formationen 
erschienen sind , so bleibt doch bei fast allen dasselbe zu wünschen, 
dass die äussere Abgränzung schärfer seyn möchte. — Zuerst sollten 
die einzelnen Haupt -Epochen und ihre Felsbildungen mit kritischem 
Geiste und mit Klarheit, jede für sich, bestimmt nachgewiesen, und 
abgemarkt, — dann die speziellen Fälle zu einem Ganzen zusammenge- 
stellt werden ; der Gewinn von dieser Arbeit müsste für die Geologie 
von nicht berechenbaren Folgen seyn. 

Von dieser Ansicht ging Alberti aus; — er hat es unternommen, 
den bunten Sandstein, Muschelkalk und Keuper von den älteren und 
neueren Formationen zu trennen, und jeden derselben einer ins Detail 
gehenden Forschung zu unterwerfen. 

So entstund die oben angezeigte, in kurzer Zeit in der J. G. Cot- 
TA'schen Buchhandlung erscheinende Schrift , — an welcher grosser 
Fleiss, ruhige Beobachtung und scharfer Blick nicht zu verkennen sind. 

Vielleicht ist es nicht uninteressant, wenn ich, dem das Manuscript 
zur Durchsicht mitgetheilt wurde , eine kurze Übersicht über den In- 
halt dieser Schrift ehe sie in den Buchhandel kommt, mittheile, ohne 
desshalb der Kritik vorgreifen zu wollen. 

Sie zerfällt in 3 Abschnitte : 

Der erste gibt eine Schilderung des bunten Sandsteins, Muschel- 
kalks und Keupers im südwestlichen Deutschlande, — der zweite sucht 
die von andern Naturforschern ausserhalb dem südwestlichen Deutsch- 
lande gemachten Entdeckungen diesen Beobachtungen anzureihen und 
in Verbindung mit dem ersten Abschnitt ein allgemeines Bild über sie 
zu geben ; — der dritte endlich fasst alle die erwähnten Beobach 
tungen zusammen und sucht vorzugsweise darzuthun, dass die 3 er- 
wähnten Gebilde das Pvesultat einer geologischen Epoche seyen. — Als 
Anhang ist ein Verzeichuiss der Literatur beigegeben, welche Aufschlüsse 
über diese Gebirge enthalten und von Alberti benützt wurden. 

Die Einleitung fängt damit an, die verschiedenen Erhebungs-Systeme 
die Statt gefunden haben müssen, auf das südwestliche Deutschland zu 
beziehen, um ihre Einwirkung auf die Lagerung der 3 benannten Fels- 
gebikle und grossen Mulden nachzuweisen. Hierauf folgt , im Allge- 
meiucu, ein Blick auf die Verbreitung dieser letzteren, ihre Berg- und 



— 408 — 

Thal-Bildung und eine Übersicht der Höhen, bis zu denen sie sich er- 
heben. — 

In dem ersten Abschnitt wird zuerst der bunte Sandstein im sud- 
westlichen Deutschland abgehandelt, und dessen Vorkommen vom Lie- 
genden bis zum Erscheinen des Muschelkalks in vielen Durchschnitten 
auseinander gesetzt. Dabei wird auch der Sandstein-Gänge im Granit 
gedacht, die Auflagerungen auf Rothliegendes oder auf ältere Gebirge 
nachgewiesen. Der Verfasser beschreibt in dieser Zusammenstellung 
die verschiedenen konstituirenden Gebirgsarten in 2 Gruppen, nämlich die 
des Vogesen- und die des bunten Sandsteins. Alle die Einzelnheiten, 
welche die Charakteristik des bunten Sandsteins ausmachen , sind bei 
einer nicht zu grossen Ausführlichkeit möglichst bestimmt angegeben, 
so dass sie nach diesem Bilde auch eine Vergleichung für andere Ge- 
genden mit Bestimmtheit zulassen. Hierauf geht der Verfasser in der 
zweiten Abtheilung zum Muschelkalk über, und zeigt dessen Lagerungs- 
Verhältnisse und dessen konstituirende Gebirgsglieder, welche aus den 
3 Gruppen des Wellenkalks, des Anhydrits und des obern Muschelkalks 
bestehen. Diese drei Gruppen werden in ihrem einzelnen Vorkommen 
am Odenwalde und Sclavarzivalde durchgangen , und die Charakteri- 
stiken der einzelnen Glieder auch hier umfassend gegeben. Beson- 
ders bietet die erste Gruppe manche Abweichungen dar; sie ist am 
Schwarzwalde durchgehends dolomitischer, am Odetnvalde dagegen fast 
rein kalkiger Natur. Besonderer Fleiss ist der Auseinandersetzung der 
Salz- und Dolomit-Bildung, — der Beschreibung der in den 3 Gruppen 
vorkommenden Versteinerungen, und den Lagerungs - Verhältnissen der 
lezteren nach den einzelnen Gliedern der Schichtenreihen gewidmet. 

Die Irrthümer in Betreff der Petrefakten werden nachgewiesen, wo- 
raus erhellt, dass sich in Siiddeutschland an keinem Schaalthier des 
Muschelkalks die Identität mit Versteinerungen aus andern Formationen 
ausser mit denen des bunten Sandsteins und des Keupers mit Bestimmt- 
heit nachweisen lasst. 

Der Keuper in der 3. Abtheilung ist in 3 Gruppen abgetheilt, wo- 
von die erste die Lcttenkohleugruppe und die hiezu gehörigen Dolomite, 
Sandsteine, Mergelschiefer und Gypse, die 2te Gruppe den Keupergyps 
und die hiezu gehörigen dolomitischen Gesteine (den gcognostischen 
Horizont E. de Beaumont's) und die bunten Mergel, die 3te Gruppe 
die Keuper-Sandstein mit bunten Mergeln, feinkörnigen und kieseligen, 
grobkörnigen Sandsteinen und der Keuperkohle enthält, — und welches 
gleichfalls mit vielen Profilen erläutert ist. Der Verfasser geht alle 
einzelnen so mannigfaltigen Schichten des Keupers durch , und weisst 
Cenan die Lagerungs-Verhältnisse derselben in ihren einzelnen Gliedern 
nach. Wir sehen auch in ihrer Detail - Beschreibung genau die Reste 
der Reptilien, Fische und S di aa 1 1 h i e re nachgewiesen, die sie 
im südwestlichen Deutschland enthalten. Diese genauen Beschreibungen 
sind von der Art, dass sie den Beobachter in d^n Stand setzen, sie 
an andern Orten wieder zu erkennen. Zuletzt wiid die genaue Grenze zwi- 



— 409 — 

sehen Keuper und Lias angegeben , was an manchen Punkten um so 
sr.hwierioer ist, als das oberste Glied des Keupcrs eine Knochenlage 
bildet, während eine solche an anderen Orten als unterstes Glied des 
Lias erscheint. Wenn die in dieser Schrift bescliricbenen Petrefakten 
mit denjenigen zusammengestellt werden , welche bisher in andern Län- 
dern als dem bunten Sandstein, dem Muschelkalk oder dem Keuper an- 
gehörig nachgewiesen worden, so muss es auffallen, dass die Zahl der- 
selben in einem kleinen Strich im südwestlichen Deutschlande beinahe 
auf das Doppelte vergrössert wird , und doch keine einzige Art darun- 
ter früheren oder späteren Formationen angehören dürfte. 

Würde niclit die Autorität eines Goldfuss, Agassiz u. A. für die Piichtig- 
keit mitverbürgt seyn , so wären Zweifel über diese Angabe zu erhe- 
ben; nur eine grosse Beharrlichkeit und genaue Forschungen, auf viel- 
jährigc Beobachtungen gegründet, konnten diese Resultate liefern. 

Der zweite Abschnitt , welcher das Vorkommen des bunten Sand- 
steins, Musciielkalks und Keupcrs ausser dem südwestlichen Deutschland 
zusammenstellt, hat zum Zweck, die einzelnen zum Theil abgerissenen Er- 
fahrungen über die Gesammtvcrbreitung dieser 3 Gebirgsglieder zu ei- 
nem Ganzen zu vereinigen. Obgleich hier auf die Schwierigkeiten 
der Frage aufmerksam gemacht wird, welche die Aufgabe dieses 
Abschnittes ist , so sehen wir doch auch hierin , dass der Verfasser 
keine Muhe scheute, so viel möglich nach den vorhandenen Hülfs- 
quellen, diesem Ziele näher zu rücken. Um diesen Zweck zu ereichen, 
geht er zuerst in eine allgemeine Beschreibung des Pvothliegenden ein.