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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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WHITNEY LIBRARY, 
HARYAED UNIYERSITY. 




THE GIFT OF 
J. D. WHITNEY, 

Sturgis Hooper Professor 



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MUSEUM OF OOMPAEATIVE ZOÖLOGT 



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Neues Jahrbuch 

für 

Mineralogie, Geognosie, Geologie 

und 

Petrefakten -^ Knnde, 

herausgegeben 



Dr. K. C. von Leonhard und Dr. H. G. Bronn, 

Professoren an der Universität zu Heidelberg:. 



Jahrgang 1840. 



Mit 9 Tafeln und 1*2 eingedruckten Holzschnitten. 



E. Schw eizerhart' s V c r l a g s h and lu n </. 
c 1840. 



N^O 5230^'h 



I 11 h a l t 



Abhandlungen. 



Seite 



Russeggek: Beiträge zur Physiognomik ,Geognosie und 

Geographie des Afrikanischen Tropen-Landes . . 1 — 58 

GoLDiüss: Bemerkungen über den Bau derRudisten (Tf. I) 59 — 68 

G. G. Pusch: über die beiden fossilen Hi rsc h- Arten, die 
gewölmlich mit dem Namen Cervus Aices fossilis 
und C. Elaphus fossilis bezeichnet werden (Tf. III) 69 — 82 

Reuss : Geognostische Beobachtungen, gesammelt auf einer 

Reise durch Tyrol im Jahre 1838 (Tf. V) . . . 127—165 

J. J. Kaüp: Einige Bemerkungen über die im vorigen Hefte 
(S. 69) von Hrn. Pusch beschriebenen zwei Hirsch- 
Arten (Tf. IV) 166—172 

G. Schueler: Über die Spaltungen des Bodens bei dem 

Erdbeben in der Walacliey vom 11. bis 23. Januar 1838 173—191 

Roemer: über das Norddeutsche Kreide-Gebirge . . 192 — 195 

Qüenstedt: Über die vorzüglichsten Kennzeichen derNau- 

tileen (mit 7 Holzschnitten) . . . , , 253—291 

B. Cotta: Bemerkungen über HebungsLinien im Thüringi- 

schen FIötz-Gebirge (Tf. VI, Fg. 1—6) . . . 292—300 

C. Naumann: über die Gegend von Tschermig im Saatzer 

Kreise in Böhmen (Tf. VI, Fg. 7) , ' . . 301—306 

Dr. Landgrebe: ein im Basalt-Konglomerat des Habichts- 

Waldes aufgefundenes Sprungbein von Dorcatbe- 

rium Naui Kaup's 307—313 

H. L. Wissmann: Versuch einer Erklärung der erratischeo 

Blöcke der Sehweite ....... 314—325 

Chr. Kapp: Die Quellen-Region von Marie nb ad '\ü Böhmen, 

dargestellt mit besonderer Rücksicht auf CarUbad c 379 — 420 
E. Eichwald: Geognostische Übersicht von Esthlatid und 

den Nachbar-Gegenden 421—430 

Zipser: Die Gerlsdorfer Spitze ist die höchste in den Kar- 

pathen 431—433 

R. A. Philippi: Geognostische Skizze Kalabriens . . 434—444 
H. G. Bronn: iMit Homalonotus verwandte Trilobiten- 

Genera (mit 1 Holzschnitt) 445—452 



— IV — 

Seite 

J. J. Kaüp: ober das Elasmotherium (Tf. VII, A) . 453—456 

Zipsek: über Geweihe von Cervus priscus aus der 
Theiss in Unffarn, und über die Fett-ähnliche Substanz 
aus der Hermenetzer Knochen-Höhle .... 457 — 459 

G. A. Klöden: Bemerkungen über die Monü Pisani (mit 1 

Holzschnitt) . . . . . . . . . 505—514 

P. BoiiLEv: : über die feuerbeständigen Thon- Arten im 

Schweitzerischen Jura 515^524 

R. Blum: über einige geologische Erscheinungen in der 

Nagelflue (Tf. VHI, A) 525—531 

H. L. Wissmann: über Goniatiten des unteren Muschel- 
Kalkes . 532—536 

J. J. Kauf: über einige tertiäre Säugthier- Knochen von 

Madrid (Tf. VII, B) . . . . . . . 537—541 

H. G. Bronn: Ctenocrinus, ein neues Krinoiden - Ge- 
schlecht der Grauwacke (Tf. VIII, B) . . . , 542—548 

Fr, V. Hagenow : Monographie der Rügeti'schen Kreide- 
Versteinerungen, II. Abtheilung, Radiarien und An- 
nulaten; — nebst Nachträgen zur I. Abtheilung; 
(Tf. IX) 631—672 

J. J. Kauf : Notitzen über die fossilen sg. Gras-fressen- 

den Wale 673—679 



II. Briefwechsel. 

I. Mittheilungen an den Geh, Rath v, Lkonhard 
gerichtet, von den Herren: 

Althaus: poröser Kieselschiefer am Heidekopf in Kurhessen} 
der Landsee von Dens (Tf. II, A) u. a. 5 Basalt-Durch- 
brüche; Fisch-Abdrucke; Mineralien in Hessen . . 83 — 86 

Berzeliüs: über die neptunische Theorie; Sefstr.öm's Ge- 
stein-Furchen; Pihlit in Granit Fa/i^wns / Svanbeug's 
Arbeiten über Glimmer; Sobrero über Mangan-Epidot 
von St. Marcel; Saidschützer Bitterwasser . . 86—87 

Vargäs-Bedemar: Reise nach den Azorischen und Canari- 

schen Inseln 87—88 

Zipser: H crmenetzer Knochen-U'öhlc -, Museum in Vesth; ■ 

Meteorstein aus Ungarn 88—^90 

Breithaupt : Sprödglaserz = Plu sin gl anz = Poly- 
basit; antimonischer Bleiglanz = S t e i n m a li- 
tt it; Hercynit = Chrysomelan; Winkel -Mes- 
sungen , . 90 — 91 

Naumann: westliche Basalt-Gebirge Böhmens . . • 91 — 92 

Russegger : Geognosie des Laurischen Vorgebirgs in Attica 

und der Cykladen 196—208 

B. Stl'Der: geognostische Reisen in ^er Schweitz f Schliff- 
.Fiächen der Felsen durch Eis gebildet; der Mont 
Cervin; Vogel-Skelette in den Glarner Schiefern . 208—211 

Zifser: Hermenetzer Knochen-Höhle 211—212 

WrssMANN: geognostische Wanderung im Odenivaläe^ Spes- 

sart; Zechstein-Formation 212—214 

Wiesbr: Schweitzer IVUneralien : Stilbit; Bergkrystall ; 



— V ~ 



Eiseug^ianz : unbekannte Minerallen und deren qualita- 
tive Untersuchung ; rother Flussspath , Auripigment ; 
Feldspath und dessen Begleiter 214 — 219 

HoKNiNGiiAüs : Rhinoccros, Palacomeryx, Sumpfvo- 
gel, Fische, Neritina im Maynzer Paludinen-Kalk 219 

Kapp: Ursache des Diluviums 219 — 220 

Bertrand jje Dooe: Palaeo t h er iu m Vclaunum, A n- 
t h r a c 1 h e r i u m , P a 1 a e o t h e r i u m , A n o p 1 o t h e- 
rium, Nager, Fleischfresser, Kaiman iu Velay 220 

B. Cotta: Granit-Gänge im Granit (mit 1 Holzschnitt) . 326 

Wieser: Antigorit (S. 215)', Dolomit vom Binnenthal 

und seine Einschlüsse; Cordierit, Apophyllif . 327 — 328 

Russegger: geognostlsche Beobachtungen \\\ Rom, Neapel, 

am Ätna^ auf den Cyklupen^ dem V^esuv, Ischia . 329 — 332 

Sismoisda: Trichter-ähnliche Hebungen der Alpen , . 332 

G. Rose: über Polybasit (S. 90) u. a. Mineralien , 333—334 

A- V. Alth: Übergangskalk, Bergkalk, Karpathen-Sandstein, 

Kreide, Tertiär-Gebilde in GaÜTiien .... 334—336 

Schimper: Baum -Farne, Schafthalm, Cykadeen, 
Aethop hyllun), Albertia, Ammonites triplica- 
tus, Apus antiquus im Bunten Sandstein der Vo- 
gesen ; Hysterium auf einem Pappel-Blatte der Wet- 
terauer Braunkohle 336 — 338 

Kapp: Erz -Bildung im Bunten Sandstein bei Commern, 
Chessy und Bergzabern j verschiedene Heidelberger 
Granite . . , 338—341 

V. Decken: Mürchison's Silurian-Syslem ; Diorit von Bri- 
lon; Sch^lstein , . 460 

B. Cotta: Basalt- Ausbruch durch Porphyr und Sandstein 

bei Tharand (mit 1 Holzschnitt) 461 

B. Studer: Flammen-Ausbruch im Kanton Freiburg . 461 — 462 
LiNTH Escher: Block-Wälle dor Schweitz. .... 462 
Naumann : Winkel-Messung an Kernen versteinerter Schnecken 462 — 463 

C. G. Gmklin: analysirt Augit aus der Wetterau . . 549 
V. BiBRA : zerlegt durch Melaphyr veränderten und unver- 
änderten Musclielkalk der Rhone u. a. . . . 549 — 554 

NoEGGERATH : mit Russegger in Paris : Duprenoy's und 
DE Beaumomt's Karte ; Richard zeigt Konchylien in 
strahligen Eisenglanz verwandelt ; Arbeiten der geolo- 
gischen Sozietät und Boue's 554 — 556 

Russegger: Erz -Gruben und Hüttenwerke in Devonshire, 
Cormvall u. s. w. ; Ebbe und Fluth; — Borax-See'n 
bei Volterra in Toscana ; — Blei - Entsilberung in 

Flintshire (mit 1 Holzschnitt) 556—564 

Reuss : fossile Flora und Fauna des Mittel- Gebirg es . 564 

Rehbock: Bericht aus den Verhandlungen der Berliner 
Akademie : G. Rose : mineralogische und geogiiostische 
Beschaffenheit der westlichen Ketten des Ural ; — 
Ehrenberg morphoHtisrhe Bildungen, Augen- und Brillen- 
Steine in der Kreide Ober - Ägyptens , Imatra - Steine, 
Bildungs - Gesetz, genetische Versuche darüber ; — 

Ehrenberg über Kreide-Infusorien lebender Arten ; 

Nashorn - Gerippe bei Nordhausen .... 671 — 687 
Griffin: Green ockit, ein neues Mineral bei Glasgow . 687 

B. Cotta : zu Kbferstkin's Geschichte und Literatur der 

Geognosie 687 



VI 



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11. Mittheiiangen an Professor Bronn gerichtet, 
von den Herren : 

Ä6ASSIZ : Gletscher-Studien mit Stüder (S. 208); färbende 

Infusorien im rothen Schnee ..... 92—93 

Eichwald; fossile Reste imCbergangskalk von Esihland und 
Odinsholm f Feuer-Ausbruch bei Baku im Jänner 1839; 
Vorträge und Sammlungen in Petersburg . . . 93 — 94 

pHiLTPn : geognostische Arbeiten in Kalahrien . . . 94 — 95 

Püsch: Nachträge zur Geognosie Polens ,• Blöde's Arbeiten 95 

JL. V. Buch: fossile Wuuder-Thiere in Süd-Amerika nach 

Darwin und Lund 95— 9ö 

H. V. Meyer: Idiochelys Wagneri in lithographischen 
Schiefern: Felis prisca in der Gailenreuther Höhle; 
tertiäre Phoca ambigua Mijnst. aus Osnabrück f 
Saurier aus Jenaer Muschelkalk; Vögel, SäugethierCj 
Fische im Mombucher Tertiär-Kalk .... 96 — 97 

E. DE. Verneüil: Silurischer und Berg-Kalk mit ihren Ver- 
sleinerungen vom Rhein, von Spitzbergen, Süd-Amerika, 
Van- Diemens -Land, Cap, Neukolland; Reise nach 

Schweden; Deshayes' Arbeiten 97 — 98 

EzQUERBA DEL Bayo : tertiäre Knochen von Anoplotlie- 
riunij Ch oero potam US, SuSj Mastodon bei Ma^ 
drid ; Silurischer Kalk in iVararra; Amar's und seine 

Arbeiten , TU 

AüASSiz : Arbeiten über fossile See- Igel .... 221—222 
O. zu Münster: Cidarites scutiger; Kürtze's Fische 
in Kupferschiefer; — Petrefakten-Doubleten für Cam- 
bridge 222 

LovisN : Nordische Naturforscher- Versammlung in Stockholm 222 — 223 
Ch. Kapp: Ursprung der Menschen-Racen .... 341 — 342 
VoLTz : Abhandlung über Belopeltis und Aptychus; 
Nerinäen; Scuimper und Moügeot's Flora des Bun- 
ten Sandsteins; Hydrostatik der Spirula . . . 342 — 343 
Bellardi: Monographie der Cancellarien Piemonts . 343 — 344 
MiCHELOTTi : Turbinolia; Sismonda's geoguostische Karte 

Piemonts 344 — 345 

Scumidlin: bietet Gebirgs-Arten und Versteinerungen vom 

Jura an 345—346 

B. Studer : über Entstellung des Granites um! verwandter , 

Gesteine 346—355 

Püsch: Flötz-Gebirge um Neusoki und in den lOtrpathen 355—358 
Kauf: Cervus giganteus; Torf -Reh; j\gnotherium 358 

Ch. Kapp: Verbreitung Skandinavischer Fels-Trümmer . 464 

„ „ Linien der Hebungen und Senkungen, besonders 

in Oceanien 564 — 570 

Göppert: Arbeit über fossile Gewächse; Klödonia . 570 — 571 

RoEMER : Werk über Norddeutsche Kreide-Vorstt^inerungen ; 
Versteinerunifon des' Württembergischen und dos Han- 
noverischen Jura verglichen; C«m»ii«6fr Jura - Kalk ; 
Sepie von L ol i go Bol Icn s is . . . . 572—573 

L. V. Bücn: Hippuriten sind Korallen-Thiere . . . 573 — 575 

Agassiz gegen VVissmanns Ansicht vom Ursprung erratisclier 

Blöcke; Glotscher-Studien 575-576 

H. V. Mkyer: über Diide's Sammlung mexikanischer Anti- 
quitäten. Wineralicn und Pctrefakten : Mastodon 



— VII 



Seit« 



angustidens, Elcphas, Rhinoceros , Equus, 
Carcharias; — Knochen vonEIephas, Bos, Cer- 
vus, Hhinoceros etc. aus dem Rheine im Mann- 
heimer Museum; — fossile Affen; Saurier- Kno- 
chen im Bayreuther Muschelkalk; — Rhinoceros 

' S eh 1 e i e r m a c h e r i ? in Molasse bei Zürich ; C e r v u s 
lunatus, Rhinoceros und Tapir in Molasse der 
Schiveit%; Mandelsloh's Macr ospondylus von Boll; 
Ma s t od ns a ur US (Capit o s auru s) im Keuper bei 
Stuttgart und im Muschelkalk bei Rottweil j Palaeo- 
uiscus Duvernoy und P. minutus von Münster^ 
appel sind eine Art; Saurier in Lias und Kupfer- 
schiefer; Prosopon rostrat um hx\ Kelheimer iwrA- 
kalk; Münster's Solenhufer Glypheen gehören zu 
E r y m a v. Me y. ; Halianassa; Hyotherium 

H. V. Meyer: Bruno's Cheirotherium ist Halianassa 
V. M. = Halitherium Kauf; Grateloup's Squa- 
1 o d o n . . . . . . . . . . 

Qüenstedt: Heberlein's Pappenheimer Petrefakten-Samm- 
lung; Pterodactylus; grosser Ganoide; Sepie; 
Säuget hier?; — Kr c bs- Scheere im Lias-Schiefer 



576—58? 

587— 58S 

688 



III. Neue Literatur. 
A. Bücher. 



Agassiz; de LA Beche; Bidaut ; Blavier: L. v. Buch 
Ehrenberg; Ekrenberg ; Ezq^uerra del Bayo; de 
FiLippi; Francis; Geinitz ; Gmelin u. Pfeilstricker 
Gmelin und Klett ; C. Hautmann; Jäger; Kurtze 
KuTORGA ; V. Leonhard ; Lund ; Mohs; Robert; Rogers 
Marcel DE Serres, Dubrueil und Jeanjean; Übersicht 
von Mineralien und Gebirgs-Arten 

Agassiz; Darwin: Fr. Hoffmaivn; Huot ; v. Leonuard : 
MiLNE t Gr. zu Münster ; Murchison : Roberts ; Sef 
ström: Smith; Steiisinger 

Blum; Buwerbank; Ad. Brongniart ; Al. Brongniart 
Burr; (Ducatel): GemmellaplO; Gemmellaro ; Gem 
MELLARo; Houghton; Huot; Mather; Mayer; Miller 
(Naumann); Owen; Rogers; Savi; Savi; Seward 
Pye Smith; de Souich; Geological Survey of New- 
York '. . 

Grateloup 7mal ; de Glocker ; Lyell; Moellinger ; Petz 
hold; Schneider; Sowerby edit. Agassiz . 

Agassiz: Boübee; Boue : Catlin; Catullo ; Cotting ; Dela 
fosse: Egen; Fiedler; Fischer de Waldheim; Ger 
mar; Gmelin und Eggel ; Gmelin und Nadele; Mac 
GiLuvRAY ; Godeffroy; Gras; Grateloup; Grate- 
loup; Harcourt ; Humblb; Keferstein ; Lyell; 
Mayer ; Reüss ; Roemer ; Sowerby edit. Agassiz ; 
Stiebel ; Troost ; Zenker 

Agassiz; v. Beust ; Boubee ; Buckland und Conybeare; 
Caffin ; Cotta ; Engelhard; Hartmann; Jehan; 
Kax'p ; LECocq: Gr. zu Münster; A. d'Orbigny 2nial; 



99—101 
224—225 



359—360 
465—466 



i89— 591 



VHl 



PüiPEtis ; QuENSTEDT : Reynaud; Rossmässler ; v. 
ScHAURorii : Stottek uud v. HEUiXER 5 Voltz 



B. Zeitschriften. 



Seite 
698—090 



Karsten und v. Decken: Archiv für Miaeralo^fe, Geoguo- 
sie, Bergbau und Hüttenkunde, Berlin^ 8^ (vgl. Jahrb. 
1839, S. VII). 
183^, XII, I, ir. ....... . 103 

Fkeiesleben : Magazin für die Oryktognosie von Sachsen, 

Freyberg, 8**, X. Heft 101 

Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann, Freybery , 8**, 

Jahrgang 1840 365 

Der Bergwerks Freund, ein Zeitblatt für Berg- und Hütten- 
Leute, Gewerke etc. 

1839, I . . , 101 

1839—1840, II -TU 591 

Bulletin de la Societe geologique de France, Paris y 8" 
(vgl. Jahrb. 1839, vii). 
1839; X, 241—368 (1839, Mai 6 — Juni 17) . . loi 

„ „ 369—466 ( — Juni 17 — Sept. 13) . . 363 

1840; XI, 1— 96 ( — Nov. 4 — Dez 16) . . 467 

„ „ 97—208 (1840, Jänn. 6 — März 16) . , 591 

Anmtles des Mines, ou Recueil de Memoires sur V Exploi- 
tation des Mines, Paris, 8^ (vgl. Jahrb. 1839, S. vii). 
1839, II, iii, Xr, II, iii, p. 167—794 .... 361 

„ IV, V, XVI, i, 11, p. 1—554 . . . . 361 

„ VI, „ III, p. 555 — 797 .... 594 

Anales de minas publicados de orden de S. M. la direc- 

cion general del ramo (Madrid. 8*^), Tonio I, 1838 . 101 

The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science, third Series (incl. the Procet-dings 
of the Geological Society of London), London, 8^ [vgl. 
Jahrb. 1839, S. viii]. 
1839, Juli — Sept., XV, i, u, iii; uro. 93—95, p. 1—256 225 

„ Oct. — Dez., „ IV, V, vi; nro. 96—98, p. 257— 496 364 

Transactions of the Geological Society of London , Second 
Series, London, 4* (vgl. Jahrb. 1839, S. viii). 

1839; F, II, 267— 411 467 

Neue Denkschriften der allgemeinen Schweitzerischen Ge- 
sellschaft für die gesaniraten Natu» Wissenschaften, ' 
Neuchätel, 4^. 

1837-1839; I- III 103 

Jamkson : the Edinburgh new Philosophical Journal, Edin- 
burgh, 8" (vgl. Jahib. 1839, S. viii). 

1839, Juli; XVII, i, p. 1 — 220 . . 103 
„ Octob.; „ H, p. 221—240 . . 225 

1840, Jiinn. — April: XVIIL 1, 11, p. 1—432 . . 592 
CJiixiMAN: the Ainrrican Journal of Science and Ärts, 

Neiv- Haren, H'\ 

1839, April — Juli, uro. 73—74; XXXVI, i, 11, p. 1—407 362 
„ Juli — Oct., nro.75— 76: JTJfJtF/f, i, 11, p. 1—407 362 

1840, Jänn., uro. 77; XXXVIII, i, p. 1—208 
Metnoirs of the VVernerian natural History Society. 

Edinburgh. 
Yvars 1837 -■ 1838 ; VIII, l, 1839 .... 365 



1% — 



Seite 



C. Zerstreute Abhandlungen 

tiiideii .sich -angezeigt . . 'i'iÖ54ö»,594 

(Aiuu. Von den übrigen Zeitschriften, welche nur aus- 
nahmsweise hieher gehörige Aufsätze enthalten, liefern 
wir keine fortlaufende Übersicht, geben aber die Aus- 
züge aus ihren Aufsätzen regelmässiger und voll- 
«ländlger. D. R.) 



IV» Auszüge. 

L Mineralogie, Krystallographie, Mineral-Chemie. 

K.Keusten: Analyse desMon azits aus Granit des IbnenGebirgs 105 

GoLu: neuer Fundort des Crichtonits zu hicJdfield, Amerika 105 

Shepard : D a n b u r i t, neues Mineral in Feldspath aus Connecticut 106 

Dümoivt; Analyse des Delvauxits von Vise .... 106 

K. Kersten : Analyse des Miloschins aus Serbien . . 106 

V. Rasoumovski: Sibirische Berylle und Topase; Geoden . 107 

Becquerel: Krystall-Bildung mittelst der elektro-chemischen Säule 107 

MoRiN : Analyse eines neuen Glimmers der Sehweite . . 108 

Breithaupt: Polyhydrit von Breitenhrunn im Er%-Gehirge . 227 

Diday: Analyse des zweiten tertiären Süsswasser-Kalkes . . 227 

„ „ „Quarzes von Vaucluse .... 227 

Türner : „ der grünen Theilchen des Grünsandes . . 228 

Malaguti : Analyse des Ozokerits 228 

G. Pxosb: Einfluss der Krystall-Struktur auf Polarität . . 228 

Henry: Analyse des Anal ei ms vom Blagodat im Ural . . 229 
Rodman: Vorkommen von Stilbit, Chabasie etc. zu Stonington 

in Nord-Amerika 229 

RoDiMAN : Vorkommen von Crichtonit zu Westerly . . 229 

Möhren: Analyse eines zu Potosi gefallenen Meteoreisens . 229 

Breithavpt: Violan von St. Marcel in Piemont . . ■ 230 

Diday: Zerlegung mehrer Braunkohlen Frankreichs . • 230 

Spencer: künstliche Kupfe r-Krystalle 230 

Fiedler: Sonnenstein von der Selenga in Sibirien . • 231 

Coquand: Merkwürdiger Gypsspath in Gyps-Mergeln bei Aix 231 

Apjohn : Zerlegung von Manganoxyd ul-Alaun aus Afrika 231 

V. HoLGER : Pathologie der Mineralien ..... 1^^ 

Link: erste Entstehung der Krystalle ...... 234 

VfeNE : Analyse von Kalksteinen im Aifde-T)e\it. . . . 235 

Rammei.sberg : Analyse von Dutolith und Botryolith. . 236 
A. Levy: Heydenit und Beaumontit aus Baltimore . . 366 
Jackson: Beaumontit aus den Kupfer-Gruben von Chessy . 367 
„ Indian. P£e'ifenstc\n oder CatUmtxom Cutean du Prairie 367 
Shepard : die 2 von Scheerer u. Wöhler beschriebenen Kobalt- 
Erze 368 

Boettger : Blei-haltiger Arragonit v, Tarnowit% in Oberschlesien 469 

H, Rose: über Knistersalz von Wielic%ka .... 469 

C G. GiviELiN : analysirt Tachylit vom Vogelsgebirge . • 470 

C. Kersten : analysirt Wo 1 ch o n s k oi t von Oschansk in Russlund 471 

G. Rose: Perowskit von Slatoust ^''^ 

W. A. Lami'adius: analysirt fettes Bergt beer von Verden . 472 

PfiATTNEii: analysirt Buntkupfererze und Magnetkiese 472 



— X — 



Seite 



Ausstg 



DoEBEREiNEP. : Analysen und Synthesen des Meer schau mes 

V. Regnaült : aiialysirt Triphan aus Schweden 

R. Hagen: Zusammensetzung von Petalit und Spodumen 

Tamnau : Leukophan au£ Äarüe 

RüssEftGER: Gold-Gehalt verschiedener Schliche aus Afrika 

G. Rose : Glimmer von Alabaschka 

Cii. U. Shepard: Phenakit aus Massachusetts 

„ „ „ Columbit daselbst. 

Craig : Winkel-Messungen an mikroskopischen Krystailen 
Mulder: Bildung grosser Krystalle .... 
Ehrenberg : Krystallisation des Kochsalzes 
C. Kersten : neue Vorkommnisse von Selen 
G. Rose: Bucklandit in Granit von Werchoturgi . 
C. Rammelsberg : ein Fossil im Basalt von Stolpen . 
G. Rose : über S ehr i ft- Gran i t 

Ch. ü. Shepard: Topas zu Middletown in Connecticut 
yy „ „ Hemitropische Zin ne rz -Krystalle in Mas 

sachusetts 

R. Bunsen: zerlegt Andalusit und Chiastolith . 
H. Meyer: analysirt Phonolith von Marienberg bei 
Rammelsberg : Boulangerit aus Sag n- Altenkirchen 
Richardson: analysirt Kolophonit aus Norwegen . 
Elsner : Künstliche Rubine 

C. G. Gmelin: analysirt Fayalit von den Azoren . 
Ebelmen : „ mehre B i t u m e n-Arten 

G. Rose: Chrysoberyll vom Ural 
„ „ Rothes Gelbbleierz vom Bannat 
Breitdaupt : L e b e r b 1 e n d e bei Marienher g 
Diday: analysirt den Niederschlag der Aixer Thermen 
H. Rose: Selen -Quecksilber von Mexico 
C. Rammelsberg : analysirt oxais. Eisenoxydul, Humboldt 

Bilin 

G. Rose: Mineralien-Sammlungen in Petersburg 

SiNDiNG : analysirt Basalt von Stolpen 

V. Eavreinoff: chemische Zusammensetzung des sg. Mikrolins 

Boettger: chemische Untersuchung des Aurichalcits vom 

Altai 

G. Rose: über den Pyrrhit von Mursinsk 

Hausmann: Lepidomelan, eine Glimmer-Art aus Wermeland 

Varrentrapp: Analyse eines Kobalt-Erzes von Tunaherg . 

G. Pkose : Ürano-Tantal vom Ural 

E. V. BiBRA : chemische Untersuchung Fränkischer Keuper 

Gebilde und sie berührender Gesteine 
Ammermüller : Gesetzmässigkeit im spezifischen Gewichte der 

Mineralien ..,....., 
C. G. Gmehn : chemische Untersuchung des Poonahlits 
Rammelsberg: analysirt Chabasie und Gmelinit . 
Breithaupt: über die natürlichen Eisenoxyd-Hydrate 

C. G. Gmelin analysirt Thulit 

V. EwREiNOFF : analysirt Heteroklin 
G. Rosu: Identität von Edvvardsit und Monazit . 
Segkth : Labradorstein bei Kijew ..... 

„ Phosphor-Eisen von Kertsch in der Krimm . 



it, 



XI 



Srlf 



II. Geologie und Geognosie. 



W. Hoi'Kiws: Zustand des Erd-lnnern ...... loö 

„ „ dessgl. in Beziehung zu Praccssion und Nutatioii iio 

,, „ ebenso, wenn Rinde und Kern ungleich dicht sind 110 

Girardin: organische Materie im Hagel 111 

ui BüRCis : Ausbruch des Ätna am 10. April 1536 . . . 111 

L. A. Necker: wahrscheinliche Ursache gewisser Erdbeben . 111 
R. W. Fox : Bildung metallischer Gänge durch voltaische Thä- 

tigkeit . 114 

Lyell: über den Crag von Suffolk und Norfolk . , . 114 

DujNioNT : Parallele d. Ubergangs-Gebirge in Belgien u. England 115 

Sc. Gras: Lagerung des Anthrazit-Sandsteins im /«^'r^'-Dept. . 116 

Erdbeben in Birma ......... IIG 

Sedgmick u. Murchison : Klassifikation älterer Gesteine in De- 

vonshire und Cornwall ... . . 237 

Malcolimson : Glieder de.s Old- red- sandstone mit Fisch -Resten 

in Irland 239 

Weaver : Entgegnung auf jenen Aufsatz von Sedgwick und 

MuPiCiiisoN .......... 240 

Geinitz : „Charakteristik der Sächsischen Kreide" (,\ , Leipzigf 

1S39, fol.) 243 

Euvignier : Steinkohlen-Gebirge in Asturien .... 369 

Strippelmann : Flötz-artiger Basalt in Habichtswalder Braunkohle 361) 

F. Keller: „Karren oder Schratten im Kalk -Gebirge (.Zürich, 

1840, 8)" 371 

G. Leube: „Geognostische Beschreibung von Ulm (Ulm, 1839, 8.)" 371 
E. Türner: Chemische Untersuchung feuriger Schwaden von 

iSeivcastle . 373 

Tenore: Ausbruch des Vesuvs am 1. Januar 1839 . . 483 

Degenhart: Salz-Quellen m Antioquia, und Gebirgs-Bildung um 

Medellin in Neii-Granada 484 

Strippelmann: Schwefel-Krystalle in Braunkohlen bei Kassel . 485 
Dbgenhard : Fuss- Spuren eines Vogels im rothen Sand-vtein in 

Mexiko 485 

Zippe : Geognostische Karte von Böhmen 485 

Untermeerischer Ausbruch an der Bahama-Bank 1837, Nov. 25 486 

BoüGAiiVviLLE : Gewitter sind auf dem Meere seltner als am Lande 486 

Hopkins : Mathematische Theorie für geologische Hebungen . 486 

Rozet: Ausflug in die Schweitzer Alpen . . . . • 487 

Zeuschner : Profil der Karpathen . . . . . . 487 

H. Galeotti : Tertiäre Quecksilber-Erze am Gigante in Mexico 488 

Henwood: über Gang-Bildungen 489 

v. Herder: über die Erz -Lagerstätten des Freiherger Reviers 489 

Desop. : Gletscher des Monte Rosa und Moni Cerrin • ■ 605 

Göppert : „mineralogische Beschreibung von Warmbriinn" . 606 

de MoNTMotniv: über die geologische Karte von Nevchätel . 606 

v. Helmersen: Geognosie des Waldai und seines N.-Abhangs . 607 

Bobthlingk: geognostische Reise von Petersburg bis Kola • 607 

Demey: Polirter Kalkstein von Bochester 617 

V. Helmersen : Magnetberg Blagodat im Ural .... 619 

Geologische Preis -Aufgaben der Harlemer Societät . 629 
E. Hofmann : geognostische Reise von Kijew nach Odessa und 

der Kriittm .......... 706 

G. Rose : Mineralogie und Geognosie des Urnen-Gebirges • . 709 

Parrot : pliy.sikalische Untersuchung der I n» a t r a - S t ei n e . 714 



— XU ~ 

Seite 

BoETHLiNGK : Reisc am Weissen und Eis-Meere . . 717 

Bravais : Emporhebung Norwegens ...... 720 

ßiOT : geologische Ereignisse in China 721 

Meteorstein-Fall im Cold Bokkeveld am Kap . . . 622 
E. Robert: Geogno.stische Beobachtungen von Petersburg bis 

Archangel . 723 

E. Robert : Geognostische Beobachtungen von Archangel bis 

Moskau 724 

J. A. Deluc : Note über die Alpen-Gletscher .... 725 
Fr. üngee: Geognostische Beobachtungen in Steyermark und 

Kroatien 726 

Quecksilbererz-Lagerstätte bei Serrave%%rt in Tuscana . 730 

Neue Insel zwischen Juan Fernanden und Valparaiso . 730 



III. Peti*efakten-Kunde. 

R. Owen: über den Glyptodon 117 

DE Beainville : geolog. Alter der Land-bewohnendcn E dentate n 117 

Pentland : Panzer von Megath e ri u m und Glyptodon . 119 

Gervais: dessgl . . 120 

LüND : fossile Säugethiere in den Höhlen Brasiliens . . . 120 
Gr. zu Münster: „Beiträge zur Petrefaktenkunde, 11, Macrou- 

ren" (Bayr. 1839, 4.) 245 

Bayley : fossile Infusorien zu Westpoint, New- York . . 246 
Ehrenberg: dessgl. von Ungarn, Bourbon y Lu^on , Dessau, 

Volhynien 248 

EHRENrjERG : dessgl. bei Pont-Gibaudin, Frankreich und Westpuint 

in New-York 249 

V. NoRDHAMPTON : Splrolinitcn in der Kreide von Sass^x . 250 
Ehrenberg: Mikroskopische Kalk- und Kiesel -Thierchen bilden 

die Kreide 250 

Fr. ünger: Pflanzen u. Insekten v. Radoboj in Kroatien 374 

J. Green; neuer Trilobit : Asaphus diurus aus N. -Amerika 374 

A. Koch: Ma s todon-Restc im Missouri 378 

L. Agassiz: .yPoissons fossiles, livr. XIll {Neuchätel, 1839)'' 378 

E. Eichwald: Dinotheriura u. verwandte Thiere in Russlnnd 494 
G. D. Bruno: neues Cetaceuni der Subapenninen , Cheiro- 

th e riu m 496 

T. DE Charpentier : Solenhofer Libellen . . . . • 501 
L. Agassiz : yyEchinodermes fossiles de la Suisse, I, Spatangoides 

et Clypeaslroides (Neuch. 1840, 4)" 502 

Stiebel: Masse -Bildung durch GaiUonella im Sodner Salz- 
Brunnen . 504 

Berendt : Werk über Bernstein und Bern stein -Insekten 504 

Schiiviper: Zamia; tertiäre Fische und Pflanzen . • 619 

E1CHWAI.D : Thiere und Pflanzen im Alt-rothen-Sandstein und 

Bergkalk im Nowogrod'sv.hen Gouvt. (vgl. S. 607) . • 620 

EiCHWALD : „die Urwelt Russlands'', I. Heft . . ' . • ^^^ 

L. V. Buch: Sphaeronites, Heraicosmites, Cryptocrinites 

und Brach iopoden um Petersburg . . . . 732 

Koch : Ma s t o d n und M i s s u r i u m vom Missouri . . 736 
Fischer de Waldheim: y^Notice sur VEurypterus de Podolie et 

le Chirothtrium de Livonie" 736 

Asmuss und V. Baer: über die Fisch -Reste im alten Boden 

Lievlands 730 



— Xlll 



F. A. Rokmer: „Versteinerungen des Norddeutschen Kreide 
Gcbiif^s" ...•.....• 

Lu^D : fossile Saugetliiere Brasiliens; Nachtrag: Nager . 

Harlan: B as i losa u rus , fossiU'r Nager und Bratacho 
therium in Nord-Amerika 

Voi.Tz : B e lemniten-Leistfn 

MiciiEi.oTTi : niiüol-tertiäre Thecidea, Pyrgoma und Polli 
cipes bei Turin 

Bellardi : mitte'-tertiäre Plagio Stoma bei Turin 



Seife 

739 
740 

741 
742 

742 
742 



Petrefakten- und Mineralien-Handel. 

Gyps-Modelle von Petrefakten in Neuchätel zu haben . 125 

Geognostische Suiten von Graubündten, in Bern zu haben . J26 



Schreib- und Druckfehler. 



Seite 



Zeile 



,Bertat" 

,100" 
200" 

das Meere" 
yyTakaya" 




lies „BerW\ 

~ „1000". 
-• „2000". 

— >,den Fluss' 

— „Tukasse^\ 



— ,yTaläf el GrendV* lies yyTaläh el Goendi*^. 



yjinoror** 
yyKonly'' 

„Gasirah** 
„Ferti" 
yySpegati^' 
yylnbiiss" 

yylubUSS" 

yylnbuss^^ 
yylnhusfi^'^ 

Zollt." 
„lange* 
„einstweilen" 
„Wiser" 
„nun" 
„iS3.9" 
„um" 
„a u s" 
„Wiser" 
„während" 

der' 
, linken" 

rechte" 
„Vauerflüssig" 
i" 

CHIKATSCHEF 

Welcher" 

Kn\ten" 

rundlich" 

CowiA" 



lies yyMerve^^. 

— ,yKoely'\ 

— yyGeaireh^^ 

— yyFertid''. 

— yySzeyati^^. 

— yyJebuss^\ 
—■ yyJebnsu". 

— yy Jebiiss'\ 

— yyJebuss^^ 

— „Zolle,". 

— „langen". 

— „einstweilen mit". 

— „Wies er". 

— „neue". 

— „18 tO, S. 103". 
~ „von". 

— „u n s". 

— „Wieser". 

— „im letzten Stadium". 

— „die". 

— „rechten". 

— „linke". 

— „feuerflüssig". 

— „von". 

— „Tchicatchoff". 

— „welche". 

— „Knochen". 

— „randlich". 

— „Corda". 
„F e 1 s ^n jG e b i r g e" 1. „ Fetsengebirge^^. 

plötzliöhentstan- \ 1. „: plötzlich entstandene 
den Bfflge aus" \ Berge und". 

— yySuperfwgo^^ lies „super fuso^^. 

— yyprohibitkni exive" lies y,prohibitum exire^*. 

— „251" \ — „25 .sr<7.". 
Künste" \ — „Kräfte". 

— „H a I i a n a s s a". 

— „1835,704— V05"lies„lS40, 361". 
sind zu streichen. 

statt „Hauptstätten" lies „Hauptstädten". 

— „Solen" — „Sohlen". 

— „MonazW* — „Monazit". 

\ 



Beiträge 

zur 

Physiognomik, Geognosie und 

Geographie des Afrikanischen 

Tropenlandes, 

von 

Herrn Bergwerks - Direktor RüSSEGGER. 



Ein geheimnissvoller Schleier deckt noch immer das 
Innere von Afrika^ und nu^ theilweise kann es gelingen 
und gelingt es, kleine Fortschritte zu machen und so nach 
und nach zu erreichen, was mit einem Zuge hier durchaus 
nicht erlangt werden kann, nämlich vollkommene geographi- 
sche Kenntniss dieses wunderreichen Welttheils. Klima, 
Mangel an Bevölkerung und Wasser auf den unabsehbaren 
Savannen des Innern , wilde Völker andrerseits machen die 
Lösung der grossen Aufgabe . Afrika in seiner grössten 
Ausdehnung aus N. in S. zu durchreisen , für jede Expedi- 
tion in Masse unmöglich. Zweimal gelang es uns durch 
Unterstützung des Vizekönigs von Ägypten mit Waffenge- 
walt, das eine Mal aus Kordofan, das andere Mal aus Sen- 
naar bis zum 10. Grad der Breite vorzudringen. Das eine 
Mal zwang uus die tropische Regenzeit, das andere Mal 
nöthigten uns die wiederholten Angriffe der Schongollo- 
Neger zur RücUUehr. Nur durch Vorrücken der Kolonie'n, 
Jahrgaug 1840. 1 



durch fortgesetzte Eroberungen und Gründungen von Eta- 
blissements, so dass man einst dort wird anfangen können 
zu reisen, wo man jetzt aufhören muss , wird das weitere 
Vorrücken für Expeditionen möglich, von denen die Wissen- 
schaft Gewinn erwarten kann. 

Was der Mehrzahl, der Gewalt nicht für den Moment 
möglich ist, das könnte allerdings, wie es häufig der Fall 
ist , dem Einzelnen möglich werden. Sollte es aber auch 
unter den gegenwärtigen Verhältnissen einem wissenschaft- 
lich erleuchteten Manne, kühn von Geist und gesund am 
Körper, gelingen Afrika vom Vorgebirge der guten Hoffnung 
bis zum Mittelmeere zu durchreisen, welchen Gewinn kann 
die Wissenschaft erwarten? Ohne Instrumente mitnehmen 
zu können, ohne durch Waffen sich zu schützen, ohne seine 
Beobachtungen aufzeichnen und ohne Sammlungen veranstalten 
zu können, wird er Jahre lang von Stamm zu Stamn» , von 
Volk zu Volk mühsam sich fortschleppend allen Misshand- 
iungen der wilden Völker preisgegeben seyn; alle Leiden, 
die das Klima, Hitze, Wassermangel, Krankheiten über ihn 
bringen, ertragend wird er nichts an Ort und Stelle bringen, 
als einen wunden , siechen Körper und schwankende Erin- 
nerungen. Doch selbst diese wären eines so ungeheuren 
Opfers werth. 

Mit der letzten Expedition zu den von mir und Boreani 
zuerst untersuchten Goidminen in und um Fasohl verband 
der grosse eiserne Geist Mehemed Ali's , der sie selbst 
anführte, eine zweite, um die (Quellen des weissen Flusses 
oder des weissen Nils auszukundschaften. Die Quellen des 
blauen Flusses oder des hlaue^i Nils kennen wir bereits 
durch den Engländer Bruce; der weisse Fluss aber ist in 
Beziehung seines Ursprunges und seiner Richtung noch 
immer ein geographisches Problem. Im Sinne der oben 
ausgesprochenen Ansicht lassen sich von einer solchen Ex- 
pedition mittelbar für die Wissenschaft die erspriesslichsten 
Resultate erwarten, denn die Waffen werden ein Stück des 
Landes weiter vorwärts zugänglich machen. 



— 3 ~ 

Da icli den iceissen Fhiss selbst bis zu den ersten In* 
sein der Sclnlluh-^egev befuhr, dem blauen Fluss nach auf- 
wärts bis Fasolil und dann längs dem Tumat bis zu den Gallas^ 
ferner von Kordofan südlich bis zum Gebbel Tira im Lande 
der iVw^«- Neger ging, folglieh in dieser Richtung weiter, 
als je ein Europäer ins Innere eindrang, so glaube ich, 
wird es nicht unangenehm seyn, im Nachstehenden eine ganz 
kurze Übersicht der geographischen und physiognomischen 
Verhältnisse dieses Theiles Ag& Afrikanischen Tropenlandes 
zu erhalten, theils Avie dieselbe auf meinen eigenen Beobach- 
tungen beruhen , theils wie sie aus denen früherer Reisen- 
den sich foloern. Ich werde in dem Werke über meine 
Reise, wozu bereits alle Materialien gesammelt sind, die 
hier folgenden Angaben noch näher auseinandersetzen, be- 
gründen und mit Karten und Ourchschnitten belegen, daher 
ich das hier Stehende nnr als eine vorläufige Skizze zu 
betrachten und unterdessen die Karte von Cailliaud *), die, 
trotz ihrer vielen Fehler, wegen ihrer Ausdehnung einst- 
weilen noch die brauchbarste ist, zur Hand zu nehmen bitte. 

Betrachten wir jeden Theil der Erde, welcher es auch 
seyn möge, so sehen wir, dass die Gebirge, welche ihn 
durchziehen, den Typus, die Grundgestalt zu seiner jetzigen 
Form gaben, und dass sie solchergestalt gleichsam als das 
Gerippe desselben zu betrachten sind. Die höchsten Gebirge 
mit ihren Hochebenen erhoben sich naturgemäss bereits 
über die allgemeine Wasser-Bedeckung, während in tiefer 
liegenden Punkten die Ablagerungen fortdauerten und fort- 
dauern , um sich um diese Gebirge wie um ihren Kern, 
um ihre Zentrale anreihen. Man war immer der Ansicht, 
dass ein grosses Gebirge AfriJia in seiner ganzen Breite 
«US O. in W. nahe am Äquator durchziehe, und da Niemand 
je diese Berge sah, so schloss man, dass diess die Mondberge 
der Alten seyen, von denen man auch nicht wusste , wo 



'^) Carte geneialc de l'Egyptc, de la Nubie et des autres pays odja- 
ceuts par Cailliaud, Paris 1827. 

1* 



— 4 — 

sie wären. Wie alles Unbekannte nicht gross und sclireck- 
Jicli genug seyn kann, so malte man denn auch diese Berge 
als ganz entsetzlich hoch und Hess es an ewigem Schnee 
nicht mangeln, der sie bedecken soll. 

Betrachtet man die Gestalt von Afrika^ so muss man 
au der Wahrheit dieser Angabe zweifeln , nnd wirklich 
kennt man, aus N. bis zum 10. Grade n. Breite vordringend, 
kein zusammenhängendes Gebirge, gleich den Alpen^ Cordil- 
leren ^ den Hochasiatischen Ketten u. s. w. , dem eine nur 
etwas beträchtliche Ausdehnung aus O. in W. eigen wäre. 
Im S. von Darfiü' und Kordofan ^ so zu sagen im Herzen 
von Afrika^ sind es nur einzelne Berge, zerstreute auf den 
weiten Savannen isolirte ßerggrupj)en, ohne allen Zusammen- 
hang im Grossen und am aller wenigsten in paralleler Rich- 
tung mit dem Äquator , die der Reisende bemerkt. Die 
hohen Gebirge Abessiniens und die hohen B«rge der nörd- 
lichen und nordöstlichen Galla-lAinAev gehören bereits dem 
Bergsystem der Küste an und verlaufen sich in S. in die 
Ebenen der G alias ^ im W. in die Ebenen der Dinhas-, 
Schillulls - und Fuiigi -l^egev ^ ohne eine weitere Fort- 
setzung im W. wahrnehmen zu lassen , worüber ich mich 
ganz vollkommen überzeugte. Alle Nachrichten , die ich 
während meines Anfenthaltes bei i]en Ntiba -Negern und 
an der Gränze der Galla - Völker einzog , lauten dahin, 
dass weiter in S. , folglich unterm Äquator, nur Ebenen, 
weite Savannen mit zerstreuten Berggruppen, aber durchaus 
keine zusammenhängende grosse Bergketten seyen, und un- 
absehbare Ebene war es nur, was meine Augen von den 
Gipfeln düv Berge Scheibun und Tira^ im W. des weissen 
Flusses gelegen , und vom Rücken des hohen Geivesch im 
Lande der Schongollo - Neger weiterhin in S. entdeckten, 
Dass eine Reihe abnormer Fels - Gebilde oder sogenannte 
Pi'imitiv- Ablagerungen , wenn man w\[\^ Afrika aus O, in 
W. und zwar in der Parallele seiner grössten Breiten- 
Ausdehnung, also etwa im 10. Grad durchsetzt, ist schon 
lange angenommen , und bestätigte sich durch meine Reise; 



— 5 — 

doch diess bedingt noch keineswegs das Vorhandenseyn 
grosser zusainnienhängender Gebirge. 

Nehme ich nocii die Beobachtungen anderer Reisenden 
zur Hülfe, derjenigen, welche von der Westseite her ins 
Innere von Afrika eindrangen , so ergibt sieh ein ganz 
anderer Typus für das Gebirgs - System von Afrika^ ein 
Typus, dem die gegenwärtige Form dieses Welttbeiles voll- 
kommen entspricht und der nur auf Thatsachen , aber auf 
keinen unsicheren Hypothesen beruht. 

Diesem zu Folge seilen wir in Afrika zwei Haupt-Gebirgs- 
Systeme, denen sich alle anderen in geringerer örtlicher Aus- 
dehnung auftretenden Gebirge unterordnen. Es sind das 
Berg-System der W.- und das der O. -Küste, die beide sieh 
am Kap vereinen und von dort das eine in N.O. und N., 
das andere in N. und N.W. ziehen und mit der Entfernung 
von ihrem Vereinigungs-Punkte immer mehr divergiren. Es 
ist so zu sagen ein ungeheures Thal, dessen Ende in N, 
das weite Becken von Nord-Afrika bildet, über welches sich 
die Hochebenen des mittlen und südlichen Afrikas erhebeuj 
und dessen südliches Ende die Spitze flieses Welttbeiles 
ist. Der östliche Zug erstreckt sich aus dem Lande der 
Kaflfern durch Monomolapa^ Mosambique, längs der Küste von 
Zangiicbar in die östlichen Länder der Galla^ bildet den 
grossen Gebirgsstock von Abessinien mit seinen hochliegenden 
Plateau's und zieht sich dann längs dem rothen Meere hin, 
zu beiden Seiten dessen Küstenland bildend, d. h.: nach 
Arabien übersetzend, und endet mit dem grossen Granit- 
stocke am Sinai. Mächtige Zweige abnormer Fels-Bildungen 
ziehen sich von dem Hauptzuge der Ostküste ins Innere, 
besonders aus dem Gebirgsstocke von Abessinien^ und ver- 
lieren sich gegen W. in die Ebenen des Innern. 

Der westliche Zug bildet die Berge von Nieder- Guinea, 
von Ober-Guinea ^ den grosspn Gebii'gsstock an <\en Quellen 
des Gambia^ Senegal und Niger, Abessinien gegenüber, die 
westlichen Berge der Sahära , z. B. die schwarzen Berge 
an der Westkü-te. und endet mit dem grossen und kleinen 



-- 6 ^ 

Atlas. Auch dieser Zug sendet seine Zweige ins Innere 
und scheint wie der östliche, ohne Zweifel mit Unterbrechun- 
gen, der abnormen FeJs-Bildung anzugehören. 

Das weite Becken von Nord-Afrika^ die Bucht, welche 
beide Gebirgs-Systeme einschliessen, ist mit jüngeren, nor- 
malen Felsgebilden erfüllt, unter denen tertiärer Gebilde, 
die Kreide und der darunterliegende bunte Sandstein die 
grösste Rolle spielen und in einer Entwickelung auftreten, 
die ihnen sonst rielleicht nirgends zukömmt. 

Das Terrain dieser normalen Fels - Ablagerungen hat 
vom Mittelmeere an gegen das Innere ein sehr sanftes An- 
steigen, so dass die grossen Ebenen von Kordofan um el 
Obeehd , der Hauptstadt dieses Landes, obwohl 18 Breite- 
grade vom nächsten Punkte des Mittelmeeres entfernt, nur 
1160 Par. Fuss durchschnittliche Meereshöhe haben. Die 
weiten Ebenen, die dieses Becken erfüllen, sind der Natur 
der Fels-Ablagerungen, in Verbindung mit glühendem Himmel 
und ausserordentlichem Wassermangel zu Folge, meist Wü- 
sten, und wir haben in diesem Bereiche die Sahära, die 
Libysche Wüste, die beiden Nubischen Wüsten, die Agf/pli- 
sehen Wüsten, einen Raum einnehmend von 40 — 50 Länge- 
graden und etwa 15 Breitegraden. 

Abnorme Fels -Gebilde durchbrechen sehr häufig die 
Ablagerungen der Kreide und des bunten Sandsteines. Sie 
sind theils Zweige der Gebirgs-Systeme der O.- und W.- 
Küste, theils sind sie ganz lokale isolirte Berggruppen , von 
bedeutendem Umfange mitunter, aber ohne Zusammenhang 
unter sich. Dahin gehören z. B. der Granitstock der Katarak- 
ten von Assuan, der der Katarakten von Waddi-Halfa; die 
Granit-, Porphyr- und Trachyt -Gruppen in den Wüsten 
Nubiens u. s. w. 

Diese Berggruppen sowohl , als die Gebirgszüge der 
Kreide und des bunten Sandsteines selbst, die oft beträcht- 
liche Längen -Erstreckung zeigen bei verhältnissmässig sehr 
geringer Höhe und in allen Richtungen sich erstrecken, bedin- 
gen grosse Unebenheiten im Bereiche des Nordafrihanischen 



_ 7 — 

Beckens, Hebungen und Senkungen des Bodens von grosser 
Ausdehnung und haben dort, wo sie mit tiefer liegenden 
Thon-Straten zusammentreffen, die mitunter sehr mächtig 
sind und das Verlieren , Vcrsiteen der atmosphärischen 
Wasser-Niederschläge hindern, die Bildung von Oasen von 
grossem Umfange, die Bildung von grossen Bassins, wohin 
die Binnenseen von Bornu und Borgu gehören, zur Folge 
und befördern den Ursprung vieler Flüsse im Innern, die 
sich theils nach verhältnissuiässig kurzem Laufe wieder im 
Sande der Wüsten verlieren, theils durch diese manch- 
faltigen Unebenheiten der Boden -Fläche selbst die über- 
raschendsten Richtungen erhalten, deren viele uns so lange 
ein lläthsel waren, wie die des Nigers, des Misselad u. s. w., 
und deren noch melire es noch jetzt sind. Wo das W^as- 
ser dieser Binnenseen und Flüsse, das Grundwasser der 
vielen Oasen, vegetabilisches Leben bedingt, sehen wir 
weite Savannen die Wüsten unterbrechen, wie zwischen 
der Sahära und den Wüsten Nuhiens ^ sehen wir schmale 
Streifen kulturfähigen Landes die Ufer der Flüsse bilden, 
wie am Nile durch ganz Nuhien und Ägypten^ und sehen 
wir endlich ein fruchtbares Küstenland, wie in den Re- 
gentschaften der Barbarei^ wo viele kleine Flüsse dem 
Meere zueilen und wo der grosse Afrikanische Strom, 
der NU ^ sich selbst ein Land geschaffen hat, das Delta, 
welches jedem Lande der Erde an Fruchtbarkeit gleichzu- 
stellen ist. 

Das Haupt- Ansteigen des Nord- Afrikanischen Beckens 
ist wie gesagt aus N. in S. ganz sanft. Merklich hebt sich 
dasselbe gegen den 16. Grad der Breite, der bunte Sand- 
stein verschwindet nach und nach , die abnormen Fels- 
Ablagerungen w^erden immer häufiger und endlich mit dem 
13. Grad die allein herrschenden Diese Parallele dürfte 
als die nördliche Gränze der Verbindungs- Linie zwischen 
dem östlichen und westlichen Gebirgs-Systeme zu betrachten 
scyn, als die nördliche Gränze des Walls, den die Natur 
den Fhithen aus N. , die das Nord - Afrikanische Becken 



_ 8 - 

erfüllten j entgegensetzte. Ohne eine zusammenhängende 
Gebirgskette zu bilden, durchsetzten also hier die abnormen 
Gebilde: vorherrschend Granit, Gneiss, Porphyr, Diorit und 
Chloritschiefer, Afrika in seiner grössten Breite aus O. in 
W. Das Terrain , obwohl merklich ansteigen«!, erhebt sich 
noch immer allmählich und bildet keinen steilen Abfall, 
keine Terrasse. 

Mit dem 16. Grad der Breite erscheinen die tropischen 
Regen als periodisch herrschend. Die jedes Jahr sicli er- 
gebenden Wasser -Niederschläge der Atmosphäre sind äus- 
serst bedeutend und haben mit einer der Vegetation mehr 
günstigen Beschaffenheit des Bodens , als sie der bunte 
Sandstein darzubieten im Stande ist , verbunden , die Dar- 
stellung eines fruchtbaren Landes zu Folge. Die Wüsten 
gehen nach und nach in Savannen über, welchen Übergang 
man besonders schön auf den grossen Ebenen nördlich von 
Kordofan und Darfur in der sogenannten Bahiuda beobachtet. 
Das ganze Land stellt eine von Flüssen und Regenbächen 
durchschnittene weite Grasebene dar , unterbrochen von 
Meilen weit ausgedehnten Mimosen - Wäldern und an den 
Flüssen selbst eine Vegetation entwickelnd, die alles Schöne 
in sich vereint, was dem Tropen-Lande zukömmt. 

Das Land steigt allmählicli fort und trägt den Charak- 
ter einer weiten Ebene, besäet mit zahllosen Berggruppen 
abnormer Gebilde , die aber alle isolirt stehen , in verschie- 
denen Richtungen sich erstrecken , in keinem Zusammen- 
hange unter sich sind, sondern wie Inseln aus dem Ozeane 
der Savannen -¥Aie\\Q emporsteigen. So im S. von Darfur 
und Kordufan zwischen dem 13. und 10. Grade der Breite, 
bis in letzterer Parallele alle diese isolirten Berge und 
kleinen Gebirge wieder aufhören und in S.W., S. und S.O. 
nur die unabsehbare Ebene vorliegt, deren Nordrand 1600 
— 2000 Per. Fuss über das Meer ansteigt. Fünf bis sechs 
Längegrade weiter östlich in derselben Breite-Parallele, aber 
näher dem Gebirgsstocke von Ahessinien oder dem östli^ 
chen linuptgebirgs-Systeme, modifiziren sich die erwähnten 



— 9 — 

Verhältnisse. Zwischen den Parallelen vom 13. and 12, 
Breitegrade erscheinen die isolirten Berggruppen in der 
dortigen Savannen - Ebene weit seltener und sind von ein- 
ander entfernter, als es weiter im W. jenseits des Sen- 
Wfl«/'-Delta der Fall ist. Doch mit dem U. Grade der 
Breite werden sie plötzlich um so häufiger, stehen einander 
näher und verbinden sich endlich gegen den 10. Grad der 
Breite zu Gebirgszügen , bedeutend durch Höhe und Aus- 
debnunij. Sie stellen ein weites Gebirpsland am S.W.- 
Rande von Ahesshiien^ das Land el BertaXA^v. Alle diese 
Gebirge aber verlaufen sich gegen W. in di« südlichen 
Ebenen des »S'ewwar/r - Delta , in die Savannen der Fungis^ 
SchUluhs und Dinkas, ohne den weissen Fluss auch nur in 
einem Punkte zu erreichen , worüber ich als Augenzeuge 
spi*eche. In O. Iiingegen schiiessen sich alle diese Gebirge 
dem grossen Gebirgsstocke von Abessinien und dem des 
nördlichen C^aZ/ß - Landes an, stehen in unmittelbarer Ver- 
bindung mit den Hochgebirgen von Godjnm, d. h. mit dem 
Gebirgsstocke, der die Uuellea des blauen Nils beherbergt, und 
mit demjenigen, in dessen Bereich meiner Ansicht nach, die 
ich später entwickein werde, auch die des weissen liegen, und 
sind nichts als Ausläufer, Zweige des Gebirgs-Systems der 
Ostküste. Mit dem 10. Breitegrade beginnen auch hier, 
wie weiter in W, die grossen Ebenen , welche in O. von 
den hohen Galla-llevgc^n begleitet werden , die sich jedoch 
immer weiter in O. gegen das Küstenland unter der Linie 
zurückziehen und der Ebene Raum geben sich zu entfalten, 
so dass bereits bei Fadassi in 9^ 50' nördl. Breite keine 
vorliegenden Berge mehr wahrzunehmen sind, sondern Alles 
Ebene ist, was man in S. vor sich sieht. Auch hierüber 
überzeugte ich mich vom Gewesch aus selbst. 

Die grossen Ebenen erheben sich auch in dieser Länge 
bis zum 11. Grade nur ganz sachte j von da aber steigen 
sie sehr merklich an; und die Hochebenen des Schongollo^ 
Landes am S.W.-Rande von Abessiniefi erheben sich bereits 
zu nahe an 300 Far, F. JMeereshöhe. Die Ebenen im S. 



— 10 -« 

schienen mir nicht höher zu liegen , was mich jedoch sehr 
trügen könnte. Das ganze Land , welches das rechte Ufer 
des blauen Flusses und die Ufer des Tumaf und Inbuss 
bildet, erhebt sich nicht nur aus IN. in S., sondern erhebt sich 
auch viel beträchtlicher aus W. in 0. gegen den Gebirgsstock 
von Abessinien zu, daher wir alle Flüsse der Abessmischen 
Hoch-Terrassen hier aus O. in W. dein blauen Flusse zueilen 
sehen. Von dem 9. Grade nördl. Breite an bis zum 20. 
Grade südl. Breite , in einer Strecke gleich der vom Ätna 
nach Tornea oder von Rom zum fernen Nordhap, ist das 
Innere von Afrika rein unbekannt. Die Völker- Wanderun- 
gen der Gallas, der Andrang dieser merkwürdigen Stämme, 
die keine Neger sind , aus dem unbekannten Innern seit 
beinahe 300 Jahren, der an den Küsten betriebene Sklaven- 
handel, der positiv entvölkernd wirkt nnd dessen Quelle 
noch nicht spärlicher fliesst, lassen auf starke Bevölkerungen 
des Innern schliessen. Doch wer sind diese Völker, woher 
stammen sie, das wissen wir nicht; denn wir kennen ja 
nicht einmal ihre Namen. 

Aus Allem, was frühere Reisende und ich sahen, und 
was dnrch Mittheilungen uns bekannt wurde , glaube ich 
folgern zu dürfen, dass das ganze unbekannte Innere dieses 
Weittheiles in der oben angegebenen Ausdehnung nur eine 
grosse Flochebene darstellt , mit einem sachten Ansteigen 
aus N. in S. und einem steilen Terrassen- förmigen Abfall 
in S. und S.W. gegen das Kap zu, eine Hochebene, die 
gewiss durch isoiirt auftretende Berggruppen Unebenheiten 
von mancherlei Art darbieten wird , die den Erscheinun- 
gen dieser Art im bekannten Theile von Afrika entspre- 
chen dürften. 

Abgerechnet diesen steilen Abfall gegen S. , den wir 
aus den Darstellungen mehrer Reisenden mit Bestimmtheit 
nachweisen können, hat die grosse Hochebene des Innern 
von Afrika im Haupt- Durchschnitte eine zusammengesetÄte 
zweifache Neigung. Sie steigt nämlich aus N. in S. und 
fällt in W. und S.W. ab. Dieses sehen wir am W. -Rande 



— 11 — 

der Ahessinischen Hoch-Terrassen. Alle von dieser kommen- 
den Flüsse: der Atbara^ Rahad, Bender^ Tutnaf, Jebuss und 
viele andere fliessen mit dem blauen Flusse theils aus O. in 
W, 5 theils aus S.O. in N.W. und gehören seinem Fluss^ 
gebiete an. Dasselbe ist auch mit den Hauptarmen des 
tceissen Flusses der Fall, wie ich später zeigen werde. Die- 
selben Verhältnisse beobachten wir zum Theil im Laufe des 
Niger, Er findet an dem Hochlande südwestlich von Bornu 
Widerstand und folgt dem Abfalle aus N.O. in S.W., d. h. 
er kehrt um und ergiesst sich in die Bucht von Be?im» — 
Dasselbe sehen wir weiter im Laufe des Gambia und SenST 
gal bestätiget, im Laufe de3 Kongo u. s. w. , und dahei? 
erklärt sich auch, dass die W.-Küste die weit bedeutende- 
ren Flüsse hat als die O.-Küste, und dass erstere weit aus 
dem Innern kommend sehr lange Flussgebiete haben , wäh^ 
rend die letzteren meist nur Küstenflüsse sind und dem 
Abfall des Küstengebirges zum Meere folgen. 

Eine interessante Ausnahme machen der Misselad und 
seine Arme in Borgu und Bornu, die darauf hindeutet, dass 
diese beiden Länder ein Bassin einschliessen, das aus S* 
in N. , also gerade der Hauptrichtung entgegengesetzt an- 
steigt, eine Erscheinung, die sich zwischen Bornu und der 
Sahara wiederholt und woraus sich schliessen lässt, dass 
Bornu und' Borgu rückenartige Erhöhungen im grossen 
Becken von Nord- Afrika bilden. Dieser Lokal-Abweichung 
der Neigung zu Folge fliesst der Misselad aus N.W. in 
S.O., vereint sich aber im S. von Darfur und Kordofan^ 
sich östlich wendend, ohne Zweifel mit dem weissen Flusse^ 
was ich ebenfalls später detailliren werde und spielt daher 
eine bedeutendere Rolle, als man bisher glaubte. 

Li einer meiner brieflichen Mittheilungen (Allgemeine 
Zeitung vom Jahr 183J), Monat Februar) an Freunde im 
Vatei'lande , setzte ich die physiognomischen Verhältnisse 
der Halbinsel des Sinai auseinander. Bringt man das 
dort Gesagte in Vergleich mit dem hier Abgehandelten, 
so fällt Einem die ausserordentliche Ähnlichkeit auf, welche 



— 12 ^ 

der Bau der Halbinsel mit dem von Afrika zeigt, so dass 
diess Partikelclien unserer Erde gleichsam als Model des 
grossen Welttheiles zu betrachten ist. Bei derselben Form 
im Ganzen wie Afrika^ haben wir hier wie dort zwei 
Gebirgs-Systeme abnormer Natur , die sich an der Spitze, 
hier am Tor-Sina-Gehivge ^ vereinen und von da unter sich 
divergirend in N. auslaufen. Das innre Land erfüllt ein 
weites Plateau, das der Gebirge Tyh und Edjme ^ welches 
ganz sachte in N, verflacht , während es im S. steil, senk- 
recht abfällt unA zugleich eine Neigung im W. hat, da- 
her die Hauptregen - Ströme , z. B. das Waddi el Arisch^ 
eine nordwestliche Richtung haben. Auch hier sieht man 
auf dem Plateau viele isoiirte Berggruppen ohne eine trans- 
versale Kette zu kenneis. Ich gebe solchen Ähnlichkeiten 
nicht mehr Werth als sie verdienen, ich glaube jedoch nicht, 
dass man sie ganz zufällig nennen kann , sondern dass sich 
immer aus der Alinlichkeit der Wirkungen bedingungsweise 
auf die der Ursachen sehliessen lässt. 

Mit Ausnahme meiner Reise nach Kordofan und in das 
Land der Nuba-^egev ist es eigentlich das Flussgebiet des 
Nils und seiner beiden grossen Arme, des blauen und des 
weisse?i Flusses , die die örtlichen Haupt- Momente meiner 
Reise ins Innere von Afrika bilden. Ich werde daher auch, 
um in der Darstellung der physiognomisch - geographischen 
Yeriiältnisse dieses Terrains systematisch zu Werke zu 
gehen, ausser den Tropen mit Ägypten beginnen und den 
p»ossen Afrikanischen Strom aufwärts verfolgen. 



A e g y p t e n, 

Ägypten zerfällt seiner Natur nach In zwei Theile, in 
Unter- \\\\\\ Ober- Ägypten. Ersteres ist ein Land, das nur we- 
nige Fuss über die Meeresfläche ansteigt und welches der Nil 
zum Theil sich selbst gebildet hat. Dahin gehört ganz der 
mittle Thcil , dns sogenannte Deltn zwisclicn dpn beiden 
A/Z-Aiwucn und d^dn damit in Vrrbindunir stehenden Kanälen. 



— 13 — 

Ein Land, «las, ganz aus angehäuftem Flusssohlamme bestem 
hend, eine weite Ebene darstellt und zu den fruchtbarsten 
Getreideländern der Erde gehört. Der fortdauernden Ein- 
wirkung seiner Enrstehungs - Ursache zur Folge ist das 
Delta bestäjidigen Veränderungen ausgesetzt und zwar isfc 
dasselbe im beständigen Wachsen, wie wir an den Mündun- 
gen des Aü ganz deutiieii sehen, und worüber schon von 
vielen Reisenden mit Sachkenntniss gesprochen wurde. 

Der w^estliche Theil von Unter ^Ägypten, der das Delta 
begränzt, ist Wüste und zwar der nordöstlichste Tlieil der 
Libyschen Wüste. Die Küste bilden Ablagerungen von jüng- 
stem Meereskalk und Meeressandstein, fortdauernde Bildun- 
gen. Das innere Land ist flach , hügelig und gehört ganz 
der Formation der oberen Kreide und ^en sie bedeckerulen 
Tertiär - Gebilden an. Grosse Bassin « artige Vertiefungen 
dieses Terrains, die häufig tiefer als das Niveau des Meeres 
und das des Nils ^ oder doch wenigstens im Horizonte der- 
selben liegen, sind theils wirkliche See'n , wie der grosse 
Mareotis bei Alexandria, theils bilden sie kleine Oasen, wie 
z. B. in der Maharius- Wilsle an den Natron-Seen, Diese 
Bassins erhalten ihr Wasser grösstentheils durch den Nil 
und seine Kanäle; dalier der Wasserstand dieser Seen 
ganz abhängig von dem des Niles und seiner Überschwem- 
mungen ist, wie wir am Mareotis und an tlen Natron-Seen 
deutlich sehen. Sowohl die obere Kreide selbst, als auch 
die sie lokal als Ablagerungen in Becken -förmigen Vertie- 
fungen bedeckenden Tertiär-Gebilde enthalten Salz-führende 
Thon- Straten in grosser Anzahl und in aütunter bedeuten- 
,der Mächtigkeit. Diese Thon - Straten bedingen einerseits 
die Existenz dieser See n selbst , indem sie das weitere 
Versitzen der Grundwasser hindern, andrerseits bedingen 
sie den grossen Salzgehalt dieser See'n durch einen einfa- 
chen Auslaugungs-Prozess. Die mit letzterem verbundenen 
chemischen Akte und die als Resultate derselben in den 
Lösungen vorhandenen Salze, als salzyaures, kohlensaures, 
schwefelsaures Natron u. dgl. behandelte ich ausführlicher 



— 14 — 

in einer kleinen Abhandlung über die ]Vatron-See*n der Ma- 
kanus^Wilste (v. Leonh. u. Bronn's Jahrbuch der Mineralogie 
183^9); Das Land, welches das Delfa in Ö. begränzt, bietet im 
Ganzen denselben Habitus dar, wie das im W., es ist näm» 
lieh Wüste, und zwar der nordwestlichste Theil der Wüste 
des Peiräüchen Arabien. Wie der westliche Nachbar stellt 
es eine weite Sandebene dar mit welligen Hügelreihen 
durchzogen: wie dort sind es auch hier die jüngsten Mee- 
res- Ablagerungen , welche das Gestein der Küste bilden, 
während das des Binnenlandes der oberen Kreide und den 
sie bedeckenden Tertiär-Gebilden angehört. 

Das ganze Terrain von Unier - Ägypten hat ein sehr 
sanftes Ansteigen aus N. in S. , so dass dasselbe in der 
Ausdehnung eines Breitegrades kaum mehr als 45 Füss, 
reduzirt auf den Strom, der es durchschneidet, beträgt. 

Ober- Ägypten y oder das Stromgebiet des Nils vom 30. 
bis zum 24. Grade der Breite sich erstreckend und an den 
Gebirgen der Katarakten gegen Nubien eine natürliche Gränze 
findend, trägt schon mehr den Charakter eines Gebirgslandes 
an sich. Den natürlichen IJberschwemraungen des Nil muss 
man bereits der immer höher werdenden Ufer halber mit 
Kanälen mehr zur Hülfe kommen, um die segenreichen FIu- 
then den entfernteren Punkten des üferlandes mitzutheilen, 
— und das Kulturland, die Oasen abgerechnet, beschränkt 
sich auf einen Streifen Landes längs des Ntles, selten über 
2 Stunden breit, aber durch schwelgende Fruchtbarkeit die 
geringe Ausdehnung in ökonomischer Beziehung ersetzend. 

Zwei Gebirgsreihen aus N. in S. längs des Stromes 
sich erstreckend, und zwar westlich das Libysche Gebirge, 
östlich da^ Arabische , bilden das Stromthal, häufig an den 
Strom vortretend und dann sich wieder in weitem Booten 
^zurückziehend. Die Breite des Thaies ist daher sehr wech- 
selnd und steigt von der Distanz weniger Hundert Schritte, 
wie z. B. am Gebbel oder Hadjar Selseleh (Stein des Erd- 
bebens) , wo die Libysche und Arabische Bergkette zugleich 
an den Strom vorspringen, zu der von 4 — 5 Meilen. 



— 15 — 

Beide Gebirgsketten zu beiden Seiten des Stromes bil- 
den zwei «nunterbroohene Wälle von höchst geringem 
Ausdruck der Formen und zu höchstens 100 Par. Fuss über 
das Meer ansteigend. 

Von der Spitze des Delta bis nach Theben sind es die 
Ablnorernngen der unteren und oberen Kreide, bedeckt von 
Grobkalk und Nummulitenkalk , die beide Gebirgszüge, den 
Arabischen wie den Libyschen, darstellen. Beide Formations- 
Giieder sind ausgezeichnet geschichtet, lassen die manchfal- 
tigsten Stelhingen ihrer Straten und Zertrümmerungen in def 
urs})rünglichen Anordnung derselben durch vulkanische Ge- 
walt wahrnehmen, und sind besonders reich an den für sie 
charakteristischen Resten einer organischen Vorwelt. Die 
Formen-Verhältnisse dieser beiden Bergketten sind äusserst 
einförmig. Lange Rücken und grosse Plateau's sind vor- 
lierrschend; selten steigen die Berge in Kuppen an, und 
wo es der Fall ist, haben sie häufig eine kegelförmige Ge- 
stalt. Durchbräche wirklich vulkanischer Gebilde sind an 
mehren Punkten wahrzunehmen, und vor allen zeichnet sich 
in dieser Beziehung der Gebbel Achmar (der rothe Berg) 
bei Kairo aus , wo vulkanische Gebilde in mächtiger Ent- 
wickelung die Kreide durchbrachen, ein weiter Krater sich 
ÖfiPnete und Ströme von Obsidian-artigen Gesteinen, umgewan- 
delten normalen Gebilden als Kreide, Sandstein u. s. w., 
wie ich deutlich nachwies, sich weit in die Ebenen vor- 
drängten ; das ganze Gebirge ist Wüste im wahren Sinne 
des Wortes, und alle Vegetation beschränkt sich auf einzelne, 
hie und da in den Thälern sich befindende dürre Sträucher. 

Bei Theben , wo das Libysche Gebii-ge sich in grossen 
Massen aufthürmt und die Meereshöhe von lOOöPar. Fuss 
übersteigt, zeigt sieh dasselbe zugleich von tiefen Schluchten 
zerrissen, und in einer derselben, welche die berühmten 
Gräber der Könige beherbergt und daher Bab el Moluh 
genannt wird, sieht man zuerst unter der Kreide den Mu* 
schelkalk zu Tage gehen , auf dessen Bänken die Alten 
grosse Steinbruchs - Arbeiten betrieben. Der Muschelkalk 



— 16 — 

erhebt sich nicht frei zu Bergen, sondern bleibt immer von 
der Kreide bedeckt, bis endlicli weiter südlich bei Esne der 
bunte Sandstein unter ihm hervortritt und die Gebirge 
rechts und links des Stromes konstituirt bis zu ^ei\ ersten 
Katarakten des Nils ^ denen bei Assuaii, kuch. das Gebiet 
des bunten Sandsteines ist gänzliche Wüste, und, abgerech- 
net ilen schmalen Streifen Kultur- Landes, der den Strom 
zu beiden Seiten begleitet, sieht das Auge nichts als ein 
Gemenge von gelbrothem fahlem Sand mit schwarzen Fei- 
senraassen. An der Gränze von Nuhien, bei Assuan und in 
einer Breite von zwei Fagreisen durchbricht ein gewaltiger 
Granitzug aus O. in W. den bunten Sandstein. Dieser 
Zug ist offenbar ein Ausläufer der grossen Gebirgskette an 
der O.-Küste von Afrika und steht mit Aen Granit - und 
Porphyr-Bergen am roUien Meere ^ mit dem Gebbel Sahurek 
und den Bergen bei Aqw Ruinen von Berenice in Verbindung. 
Der Granit dieses Zuges, charakterisirt durch sein grob- 
körniges Gefüge und seinen rothen Feldspath, erhebt sich 
zu Bergen, die meist nur bis zu 1000 Fuss über den Nil 
ansteigen, daher die Meereshohe von 2000 Par. Fuss sehr 
selten erreichen. Das Granit-Gebirge ist furchtbar zertrüm- 
mert und eigentlich ganz in ungeheuere Blöcke zerfallen. 
Die Berge, unter sich weniger zusammenhängend, als et in 
anderen Gebirgsketten dieser Art der Fall ist, bilden eigent- 
lich nur eine lange und breite Reihe isolirter Kegel und 
Grupjien. Der Sandstein hat in Berührung mit dem Granite 
alle Veränderungen erlitten, die demselben durch vulkani- 
schen Einfluss zukommen; sein Schichten-System ist gestört, 
er ist gebrannt, gefrittet, geschmolzen bis zum vollendeten 
Schlackenglas. Die vulkanischen Einwirkungen waren auf 
die Eisenoxyd-haltigen Straten des Sandsteines von besonde- 
rem Einflüsse, und dieser Eisen- Sandstein ist dadurch in 
eine feste kompakte, sehr schwer verwitterbare Masse ver- 
wandelt, welche krustenartig alle Sandstein -Berge bedeckt 
und ihnen ein schwarzes, verbranntes, wahrhaft vulkanisches 
Ansehen gibt. Die$elbe Lagerungs - Folge sehen wir im 



sogenannten Arahischeri Gebirge, den ganzen Strich zwischen 
dem Nil und dem rothen Meere einnelimend. Audi dieser 
Theil in der Änsdeliniing vom ^50. bis zum 24. Breitegrad 
ist Wüste, und nur in den zahllosen Thälern zwischen den 
Gebirgen, die er umfasst, ündet sich eine kümmernde Ve- 
getation von den Beni- Wdssel und Ababdeh - ^eAumen als 
Weide benützt. 

Das gajize Gebirgs- System dieses Distriktes zieht sich 
aus N. in S. , im Detail jedoch besteht es aus einer Menge 
kleiner Retten, die sich in manchfaltigen Richtungen dnrch- 
schneiden und enge Thäler nkit steilen, ja senkrechten Fels- 
wänden einschliessen. Die Bei'ggehänge kahl ^ ohne alle 
Vegetation , besitzen die eigenthümlich gelbrothe Farbe der 
Wüste. Die Berge findet man höchstens zu 1200 F. über 
das Meer ansteigend. 

Einzelne , ganz lokale Durchbrüche abnormer Felsge- 
bilde abgerechnet, gehört «las Arabische Gebirge vom 30. 
bis zum 26. Breitegraile Ai^v untern und obern Kreide an, 
die thells von tertiärem Saudstein, theils von Grobkalk und 
ISTummulitenkalk bedeckt wird. Nahe an der Parallele von 
Kosseir erscheinen der Muschelkalk und bunte Sandstein 
der Thcbais in besonderer Entwickelung im Innern, wäh- 
rend an der Küste die abnormen Gebilde, Granit, Gneiss 
und Porphyr, immer häufiger in den Gebirgen Zabureh, 
Olach u. s. w. ganz vorherrschend werden und sich endlich 
mit dem Katarakten-Gebirge verbinden. 

Ganz eine andere Form hat das Land westlich des Nils. 
Wie das rechte Ufer die Arabische Bergkette bildet, so 
bildet zwar, wie schon erwähnt, ganz unter denselben Ver- 
hältnissen die Libysche Bergkette das linke Ufer, jedoch 
jenseits derselben dehnt sich eine grosse hügelige und nur 
von einzelnen Berggrifp})en unterbrochene Ebene aus, die 
Libysche Wüste, welche in W. mit der grossen Wüste des 
Innern von Nord- Afrika ^ in S. mit der Wüste des west- 
lichen Theiles von Ni:bien in unmittelbarer Verbiiuhuig steht. 

\\i der Arabischeti Wüste Ägyptens^ einem reinen Gebirgs- 
Juiirgaiig 1840. 2 



— 18 — 

Lande, bemerkt man keine Oasen, während sie in der Liby- 
schen Wüste wie Inseln im Ozeajie zerstreut liegen. Die 
bedeutendsten dieser Oasen sind: die Oase von Siwah oder 
die des Jupiter Ammon, die Oase Wah el (Waddi el) Bache- 
rieh, die Oasen Fara Freh^ Wah el Dachhel, Wah el Khard- 
scheJi oder el Kibli. Alle diese Oasen sind Bassin- artige 
Vertiefungen in der grossen Wüsten-Ebene, umgeben von 
kleinen Bergketten und Hügelzügen. Wasser-Ansammlungen 
einerseits bedingt durch die Gebirge, welche diese Becken 
umgeben , andrerseits durch das Eindringen der Grund- 
w^asser vom Nil her, rufen, wie überall in warmen Klimaten, 
eine rege Vegetation hervor, welche gegen die furchtbare 
Ode der Wüste allerdings prächtig zu nennen, im Allge- 
meinen aber wohl häufig schöner beschrieben wird , als 
sie ist. — Dieses Zusitzen der Grundwasser vom Nils aus 
gegen W. , während es gegen O. hin weder in Ägypten 
noch in Nubien bemerkt wird , scheint mir ein neuer Be- 
weis für die angegebene zusammengesetzte Neigung des 
Afrihanüchen Bodens zu seyn, der zu Folge derselbe sowohl 
in N. als in W. abfällt. 

Strömungen dieser Grundwasser, häufig schon von den 
Alten durch artesische Bi'unnen aufgedeckt, von Dar für her 
anzunehmen, ist doch wohl ein vollendetes Absurdum, und 
»•s sj)richt auch nicht ein vernünftiger Grund dafür, Natur«- 
lieber ist doch wohl die Annahme, dass entweder die Berge, 
welche die Oasen umgeben, diese Wasser- Ansammlungen 
bedingen, oder dass sie vom Nile herrühren, der von Khard- 
scheh z. B. nur 3 Tagereisen entfernt ist, während Darfur 
40 Tagereisen südlicher liegt, - — Es hat wirklich den An- 
schein , dass der Nil einst in der Richtung dieser Oasen 
ins Mittelmeer abfloss, wenigstens ein Arm desselben 5 doch 
mit Bestimmtheit lässt sich hierüber nichts sagen. 

Die geognostische Zusammensetzung des westlichen Nil" 
lyiiiides ist ganz gleich dei* des ö.^tlichen. Kreide und tei*- 
tiäre Gebirge bilden Ak^w nördliclien Theil der Libyschen 
Wüste j während Muschelkalk und bunter Sandstein den 



— 19 — 

südlichen koiistituiren , bis derselbe mit dem Granit -Zuge 
zus.iinmcnfailt. 

Das oberflächliche Ansehen der Libyschen Wüste hat 
im Ganzen nichts Eigenthüunliches an sich. Weite, hügelige, 
gelbrothe Sandebenen, ohne alle Spur von Vegetation, ohne 
Wasser, wechseln mit Gruppen niederer ausdruekloser Berg- 
ketten, kahl, wie die Wüste, die sie umgibt. Doch in den 
Vertiefungen zwischen diesen Bergen, in jenen weiten fla- 
chen Thälern, wo Wasser- Ä.nsammlung Statt findet, breiten 
sich die Oasen im freundlichen Grün aus, das dem salzigen 
Boden entsprosst. Nehmen wir Unter - Ägypten mit dem 
fruchtbaren Delta aus , so finden wir das Verhältniss des 
kulturfähigen Bodens zur Wüste äusserst klein, und erste- 
rer beträgt wohl kaum mehr als den fünfzehnten Theil des 
Ganzen, und doch war dieses Land das Gesegnete, bis ein 
furchtbares Pacht -System unter dem Titel Regierung ihm 
alle Arme entzog, die es bebauten. So viel vermögen die 
trüben Fluthen des väterlichen Nils unter dem glühenden 
Himmel Ägyptens* 



N u h i e n. 



Nubien vom 24. Breitegrade bis zum 15. Grad 40 
Minuten, also in einer Ausdehnung von mehr als 8 Breite- 
graden, ist Wüste, und das kulturfähige Land beschränkt 
sich, einige kleine Oasen abgerechnet, rein nur auf die näch- 
sten Ufer des iVi?7, der das Land seiner Länge nach durch- 
strömt, und auf die Ufer des Albara ^ der aus den Hoch- 
gebirgen Abessiniens kommend sich im Lande der Berber 
mit dem Nile vereinigt. 

Die beste geographische Arbeit, die wir über das Fluss- 
gebiet des Nil im nördlichen Nubien haben , ist die vom 
ösfreichischen bevollmächtigten Minister in Athen ^ Hrn. 
Ritter v. pROKEScn vei-fertiete Karte: leider dass sie, die 
mit so vielem Fleisse und vieler Genauigkeit ausgefertigt 
ist, nur das Land zwischen den Katarakten von Assuan 

2* 



— 20 — 

und denen von Waddi- IJalfa umgreift. Für das südliche 
Nubien haben wir die Arbeiten unserer verdienstvollen «£e- 
lehrten Landsleute Ehrenberg und Rüppell aufgenommen 
in Berghaus' sehr guter Karte. Ausser dem Bereiche des 
grossen Stromes ist das Lantl noch ziemlich wenig unter- 
sucht und unbekannt. 

Ganz Nubien gehört in geognostischer Beziehung gröss- 
^entheils dem bunten Sandsteine an, jedoch zahllose Durch- 
brüche abnormer Felsgebilde, mächtige ßergzüge von Granit, 
Porphyr und Trachyten erheben sieh und bedingen die 
interessantesten geognostisclien Kombinationen. 

Der Granit-Zug der Katarakten von Assuan bildet die 
Nordgränze Nubiens und scheidet es von Ägypten. Der Nil 
durchbrach ihn in einer Länge von etwa 20 geographischen 
Meilen. Bis 2 Stunden südlich von Assuan ist sein Bett 
durchaus scliiffbar , daselbst aber nehmen die im Strome 
zerstreuten Granitmassen so an Menge und Masse zu , und 
die Schnelle des Stromes selbst in den zahllosen Kanälen 
«wischen den Felsen wäolist zu einer solchen Grösse, dass 
»lie Beschiffung mit beladencn Barken niclit mehr Statt 
iindet. Die Umgebung des Nils im Terrain des Granitzuges 
ist äusserst wild, das Auge entdeckt nichts, als ein Gewirre 
von schwarzen, spiegelglänzenden Granitblöcken zu Bergen 
-aufgehäuft, die höchstens bis (JOO Fuss über den Strom an- 
steigen, und zwischen diesen von aller Vegetation entblösten 
Felsenmassen kleine Ebenen und Thäler mit gelbrothera 
Sande erfüllt. Das Kulturland verschwindet theils ganz, 
iheils beschränkt es sich auf einen schmalen, manchmal nur 
wenige Klafter breiten Streifen dicht am Ufer des Stromes. 

Dieser mächtige Grain'tzug, der überall, wo er mit dem 
bunten Sandsteine in Beriilnung steht, die unverkennbarste 
vulkanische Einwirkung auf dieses Gestein wahrnehn>en lässt, 
eivstreckt sich in O. bis zur Küste des rotlien Meeres^ ni 
W. lässt er sich bis znnj 28 Grad östlicher Länge von 
Paris nachweisen, ist aber dann weiter hin unbekaniit. Er 
bildet also den ganzen nördlichen Saum der gi'ossen Wüsten 



— 21 — 

Nuhiens, Bei Korosho treten die abnormen Felsgebilde 
immer mehr zurück, der bunte Sandstein wird vorherr- 
scheinl. er bildet die runden welligen Bergformen beider Ufer 
wechselnd mit Ebenen bis Waddi-Halfa. Der Lulturfähige 
Boden an beiden Ufern des Sti-omes gewinnt an Breite, die 
z, B. bei Dörr über | Stunde beträgt; alles Übrige hingegen 
ist dürre Sandwüste ohne alle Vegetation. 

Die Vegetation des Kulturbodens beschränkt sich auf 
Dura-Hirse, Baumwolle und Dattelpalmen; selten sieht man 
die Thebaische Palme. Das rechte Ufer des Flusses ist be- 
deutend mehr kultivirt als das linke, auf dem die Wüste 
häufig bis an den Strom vortritt. 

Zwei Stunden ober Waddi-Halfa wird der bunte Sand- 
stein wieder von Granit und Diorit durchbrochen. Die 
abnorme Felsmasse jedocli spricht sich hier nicht, wie an 
den Katarakten von Assuan, als Bergkette aus, sondern trägt 
luelir den Charakter eines Stückgebirges an sich. Zahllose 
Felsen und Felseninseln im Strome bilden hier die Katarak- 
ten von Waddi-Halfa ^ Aen sogenannten grossen Schellal. 
Der Durehbruch des Granites hat ungefähr eine Breite von 
4 Stunden , erhebt sich nur ganz wenig über das Niveau 
des Stromes und ist in weitem Bogen zu beiden Seiten von 
Sandstein - Bergen umschlossen; Alles ist wüste, fahl und 
einförmig , aber nicht jenen furchterregenden Anblick dar- 
bietend, i\ev die Katarakte von Assuan auszeichnet. 

l^ie Berge sind nieder, steigen kaum zu 500 Fuss über 
den Strom an, dessen Bett selbst nicht über 400 Fuss über 
dem Meere liegt. 

Von Waddi-Halfa bis Dongola {Neu - Dongoln) durch- 
fliesst der Nil reines Gebirgsland , grösstentheils in enge 
malerische Thäler eingezwängt. Neue grössere Schellal 
oder Katarakten, eigentlich Stromschnellen in felsigem Bette, 
nämlich die Schellals von Sulla ^ Semne ^ Skatrnh ^ Ambukol, 
Tangura, Song, Dal, Chaibar und Tadjnb machen den uja- 
jestätischen Strom in der ganzen Länge von 60 geographi- 
schen Meilen für beladene Barken grösstentheils «nfahrbar 



— 22 — 

Beide Ufer sind gebirgige Wüsten ; das Kulturland verschwin- 
det entweder ganz , oder ist nur auf ganz unbedeutende 
Streifen an den ufern zusammengedrängt. Die Berge sind 
mitunter von bedeutender Höhe und in Battn et Hadjar 
in der Umgebung der Thermen von Ohme [?] über 2000 F. 
über Aen Strom ansteigend. 

Als herrschende Formation möchte ich noch immerhin 
den bunten Sandstein bezeichnen, der aber hier von abnor- 
men Felsgebiiden, von Granit, Diorit, Porphyr, Phonolith, ba- 
saltischen und trachytischen Gesteinen in Begleitung mächtiger 
Ablagerungen von Thonschiefer und Chloritschiefer so häufig 
durchbrochen wird, dass er oft auf weite Strecken ganz 
verschwindet. Der Granit zeigt immer denselben Charakter, 
wie der der Katarakten, ist nämlich grosskörnig mit ausge- 
zeichneten Krystailen von rothem Feldspath, wesentlich ver- 
schieden von den Graniten unserer Alpen, 

Die Gebirge des iV//- Thaies sprechen sich meist als 
Gebirgsketten aus, die zu beiden Seiten des Stromes in 
O. und W. in die grossen Wüsten fortsetzen. In O. sind 
die Fortsetzungen dieser Berge bedeutend anhaltender, 
wie man aus Bruce's und meiner Reise durch die grosse 
Nubische Wüste ersieiit, Sie erstrecken sich, obwohl mit 
Unterbrechungen bis zu den Küsten - Gebirgen des rotlien 
Meeres. In W. verlaufen sich diese Gebirge in die weiten 
Ebenen der Wüste. Die Thäler und Ebenen zwischen die- 
sen Berggruppen sind mit weit beträchtlicheren Anhäu- 
fungen von Flugsand bedeckt , als ich in den anderen von 
mir durchzogenen Wüsten sah, welcher grösstentheils ein 
Verwitterungs - Produlit des Sandsteines ist. übrigens fan- 
gen diese Gebirgsketten schon an im Ganzen jenen Cha- 
rakter de« Isolirten , des Vereinzeitstehens zu entwickeln, 
der die weiter in S. folgenden auf eine höchst interessante 
Weise bezeichnet. Wie man aus dem Dar el Mahass in 
das eigentliche Dongola tritt , verlieren sich wieder nach 
und nach die Gebirge, die abnormen Fels-Gebilde versehwan- 
den, der bunte Sandstein herj'scht allein, nur in ^e\\ entfernten 



-- 2S^ — 

Wüsten sieht man einzelne isolirte, niedere Berggruppen 
desselben , und die grossen Ebenen von Voiigola begränzen 
den Nil zu beiden Seiten. Das Kulturland, oder eigentlich 
kulturfähige Land, gewinnt an beiden Ufern sehr an Aus- 
dehnung und würde beiderseits eine Breite von mehren 
Stunden einnehmen, wenn dasselbe gehörig benützt würde. 
Der Kulturboden besteht ganz aus AV/- Schlamm und ist 
rein ein Produkt des Stromes, Wird dieser Schlamm nicht 
fortwährend bewässert, — was hier künstlich geschehen muss, 
da die tropischen Regen häufig ausbleiben, wenigstens nicht 
in genügender Menge eintreten — , wird er nicht fleissig be- 
baut, so zerfällt er sehr bald in Staub 5 Salze bilden sich 
und die Wüste beginnt sich schnell zu zeigen, wo der 
Mensch flieht. 

Die Ebenen von Dongola erstrecken sich stromaufwärts 
bis zum IS. Breitegrade, wo die grosse Krümmung des 
Stromes beginnt, der von hier durch anderthalb Breitegrade 
in entgegengesetzter Richtung fliesst. Das Kulturland wird 
wieder schmäler , die Wüsten nähern sich beiderseits mehr 
und mehr , einzelne ßerggruppen des Sandsteines sowohl 
als abnormer Felsarten treten zu beiden Seiten auf, und 
das Ganze wandelt sich nach und nach wieder in Gebirgs- 
Jand um, das mit dem durch seine Reste eines klassischen 
Alterthums bekannten Gehbel Barkai beginnt. Von Dongola 
bis dahin ist der Nil vollkommen schiffbar und seine Ufer 
sind zum Theil bebaut , d. h. man sieht zwei Streifen von 
Dura-Hirse, Baumwolle und Dattelpalmen, hinter denen die 
Wüste her überschaut. Oberhalb des Gebhd Barkai, dessen 
Plattform ungefähr 350 Fuss über dao Meere emporragt, 
tritt die Wüste zu beiden Seiten an den Nil vor. Es sind 
ganz vegetationslose Sandstein - Berge , welcli« beide Ufer 
bilden, bis im Lande Rohatat wieder abnorme Felsgebilde 
auftreten. Sie beschränken sich anfänglich nur auf das 
Bett des Nil, erheben sich aber endlich zu Bergen und 
bilden isolirte Züge, welche sich in O. in die grosse Wüste 
erstreclien. Diese Berge erreichen keine bedeutende Höhe^ 



~ 24 — 

meist nur wenige 100 Füss, und bestehen grösstentheils aus 
einem sehr grobkürnlgen Granite mit v ielem , in grossen 
Blättern ausgeschiedenen Glimmer. Dieser Granit wird 
begleitet von dichtem Kalk und Thonschiefer. Der Sand-: 
stein zeigt durchaus die unverkennbarsten Kennzeichen vui- 
lianischer üasänderung. In der Nähe des Landes dev Berber 
wird der Sandstein wieder das herrschende Gebilde, allein 
die niederen Bergketten beider Ufer bildend, bis endlich 
diese verschwinden und unübersehbare Ebenen den Strom 
begränzen. Das Kulturland gewinnt an Ausdehnung, zeigt 
stellenweise bereits eine wahrhaft südliche scheine Vegetatioii 
und ist sehr bebaut. 

Die ganze Strecke von Gebbel Barkai bis el Mucheireffy 
der Hauptstadt im Lande der Berber, in einer Länge von 
etwa 50 — 60 geographischen Meilen , ist der vielen Sciiellal 
halber grösstentheils für beladene Barken unbeschiffbar. 

Die Form der Berge, welche den Strom begleiten, hat 
wenig Ausdruck und ihre Stellung wird immer isolirter. 

Von el Mucheireff bis C/iardum, wo der Nil sich durch 
den Zusammenfluss der beiden grossen Ströme des blauen 
und des weissen bildet, durchtliesst derselbe ganz ebenes 
Kulturland, die Ebene der Länder DJal^ Schendt, Mätämmäh 
und HaJfaya. An den Ufern sind €lie Ebenen stark bebaut, 
ins Innere hingegen stossen sie mit den beiderseitigen Wü- 
sten zusammen. 

Durch ganz Nubiefi^ besonders aber an den grossen 
Kafarakten bei Waddi Haifa und im südlichen Theile des 
Landes ist der Nil voller Inseln, worunter mehre von be- 
deutender, mehre Stunden betragender Länge sind. Die 
grösseren dieser Inseln sind meistens sehr stark bebaut 
und bevölkert. 

Dicht oberhalb el Mucheireff ergiesst sich am rechten 
Ufer der Atbara {el MaJuida^ Ta^ha§^ Astaboras der Alten) 
in den NiL Von den Küsten des Mittelmeeres vom 31^ 32' 
bis 17^ 36' nördlicher Breite, also durch nahe 14 Breite- 
grade ist der Atbara der erste Fluss , welchen der NU 



— 25 — 

nufnininit. Er entspringt in den Hochgebirgen Ahessimens^ 
und sein oberes Flussgebiet ist durch Rüpfell bekannt. Wo 
er die Ebenen von Nubien durchströmt, führt er nur in 
der Zeit Aev tropisclien Hegen und einige Zeit nach den- 
selben, iliessendes Wasser. in der trockenen Jahreszeit, 
wo der Wasser-Andrang von oben abnimmt, setzt sich das 
Wasser thciis unter Acn Sand usid das Gerolle des Bettes 
und bleibt als Gruntlwasser , thells sammelt es sich in den 
\ erti fungen unA bildet Sümpfe, den Lieblings -Aufenthalt 
Aqv Nilpferde und Krokodile. 

Aus dieser Erscheinung, dass nämlich der Nil durch 
eine so grosse Sti*ecke keinen Fluss, keinen Bach aufnimmt, 
erklärt sich das sonderbare Verhalten desselben , dass er 
nämlich, je näher er dem Meere kömmt, desto kleiner wirc?. 
Jedoch diess ist sehr natürlich, wenn man berücksich- 
tigt, dass durch Verdunstung in dem lieissen Klima von 
Nubien und Ägypten eine grosse Menge Wasser abgeht, 
dass der Nil seine Grundwasser an alle in seiner Nähe, 
liegende Gegenden durch Versitzungen derselben abgibt, 
und dass ihm fortwährend ein grosses Wasser - Ouantum. 
durch Kanäle utid Maschinen entzogen wird. 

Eine Tagereise unter Ckardum durchbricht der Nil eine 
Porphyr- Kette, den Gcbbel Gärry ^ die sich aus O. in W. 
queer über das Stromgebiet erstreckt , sich zu ungefähr 
800 Fuss über die Ebene erhebt \\\\\ \\\ der westlichen 
Wüste verliert. Das Bett des Nils in dieser Kette ist eia 
zwei Stunden langer enger Pass. Wie der schöne Stroia 
denselben zurückgelegt hat und in den Ebenen des Landes 
Schendi sich wieder entfaltet, beträgt seine Breite zur Zeit 
«les höchsten Wasserstandes 2 — 3 geographische Meilen, und 
er gleicht mehr einem grossen Landsee als einem Flusse* 
Die reiche Vegetation seiner Ufer und der grossen in ihm 
liegenden Inseln gibt hier in Verbindung mit der ungeheuren 
Wassermasse den ersten Eindruck der dem Tropenlande 
stellenweise eigenthümlichen Pracht. 

Chardum, die jetzige Hauptstadt von Pellet Sudan, liegt 



— 26 — 

am südlichsten Ende von Nuhien und auf der Spitze der 
grossen Halbinsel , welche der blaue und der weisse Fluss 
bilden , die sich dicht unter der Stadt vereinen und den 
Nil farmiren. llire ganze Umgebung ist weite Ebene, theils 
Kulturland, theils dürrer Sandboden, theils Savanne. 

Der Nil durchströmt Nubien in einer Länge von etw^a 
24S geographischen Meilen, und in dieser ganzen Strecke 
beschränkt sich, wie gesagt, das Kulturland nur auf seine 
Ufer, alles Übrige zur Rechten und Linken ist Wüste. Die 
Ursache dieser traurigen Erscheinung ist, dass sich die 
tropischen periodischen Regen nur auf den südlichsten Theil 
von Nubien erstrecken, während es im mittlen Theile und 
in Unter - Nubien sehr selten, viele Jalire fast gar nicht 
regnet und alle Bewässerung vom Nil aus Statt finden muss, 
sich folglich rein nur auf seine Ufer beschränkt. 

Die westliche grosse Wüste beginnt am Granitzuge 
der Katarakten , südlich von den grossen Oasen der Liby- 
schen Wüste. Sie ist anfänglich reines Gebirgsland, theils 
der Granit-Formation zugehörend, theils dem bunten Sand- 
steine: eine wilde, ganz vegetationslose Wüste, ein Chaos 
von Bergen , die sich weiter in W. in die grosse Wüste 
verlieren, welche mit der Sahära znsammenhängt. Weiter 
in S. ^vird die Wüste ebener j einzelne Berggruppen, isolirt 
in der weiten Ebene stehend, umschliessen die Oase Selimeh, 
■weniger bekannt wegen ihrer Vegetation als wegen des 
Salzes, welches die Araber dort gewinnen, und das vielleicht 
Eigenthum des Muschelkalkes ist , der den bunten Sand- 
stein bedeckt. Im S. der Oase Selimeh folgen mehrere 
isolirte Berggruppen, theils dem bunteji Sandsteine, theils 
abnormen Felsformen angehörend, bis endlich im W. von 
Dongola ungeheure Wüsten -Ebenen beginnen, die in W, 
und S.W. gegen das Land Borgu Terrassen-artig abfallen, 
gegen S. aber sich mit den Savannen von Dar für und Kor- 
dofan und mit den Ebenen der Bahiuda verbinden. 

Die Bahiuda- Wüste ist jener Theil der grossen west- 
lichen Wüste, welcher den ganzen Zwischenraum der grossen 



— 27 — 

iViV-Krümmung im südlichen Nuhien erfüllt und deren Brei- 
tendurehsclinitt in ungefähr ihrer halben Länge 8 — 9 Tage- 
reisen beträgt. Sie reicht in N. bis zur Insel Mohraf , die 
in 19^ 31' 30" nördlicher Breite geraile im Wendungspunkte 
des JSi^zls liegt und verbindet sich in S. mit den Savannen 
von Kordofan. Da in der Bahiuda die periodischen tropi- 
schen Regen bereits Jahr für Jahr eintreten, so entwickelt 
sich in ihr die Vegetation schon bedeutend mehr als in den 
übrigen Wüsten und sie bildet den förmlichen Übergang in 
Savannen. Die dürren Sandebenen sind daher häufig mit 
sparsamem Grase und mit Mimosen- Gebüsche bedeckt, und 
man findet sogar hie und da einzelne Palmen. Überhaupt 
hört der Begj'iff Wüste dort auf, wo die tropischen Regen 
regelmässig sich zeigen; denn jede Bewässerung unter der 
glühenden Sonne des Tropenlandes entlockt auch dem dürr- 
sten Sandboden organisches Leben. In der Bahiuda findet 
der Übergang der Wüste in Savanne allmählich Statt, mit 
dem Fortschreiten in S. entwickelt sich immer mehr Vege- 
tation, bis endlich die ganze Ebene zur Regenzeit ein Gras- 
wald, zur trockenen Jahreszeit ein dürres Stoppelfeld, folg- 
lich mit einem Worte eine Savanne ist. Der nördliche 
Theil der Bahiuda ist ganzes Gebirgsland, denn zuerst sind 
es Sandstein - Berge von geringer Höhe , welche ohne be- 
stimmte Anordnung wie zahllose Gipfel eines grossen Stück- 
gebirges sich in der Wüste erheben , theils ganz isolirte 
Berggruppen in den Ebenen bilden. In der Mitte der Ba- 
hiuda zwischen dem 18. und 17. Breitesrade sieht man 
gewaltige Durchbrüche abnormer Felsgebilde, ganze Stück- 
gebirge von Granit, Porphyr, Trachyt und verschiedenen 
Feldspath-Gesteinen , aus dem Sandstein sich erheben. In 
dem Gehdul-Gehirge ^ welches eigentlich die Hauptmasse 
dieser Emporhebung bildet, steigen die Berge über 1000 
Fuss über die Ebene an. Sie sind ganz kahJ, doch in ihren 
Thälern "zeigt sich hinlängliche Vegetation , um von den 
Beduinen als Weide benützt werden zu können. Südlich 
vom Gehdul'dMvgQ durchziehen wieder isolirte Sandstein- 



— 28 — 

Grupj3en die weiten, dürren, doch mit kümmerlicher Vege- 
tation bedetikteji Ebenen, bis sie sich endlich gegen Kordofan 
und dem Nile zu ganz in jenen verlieren. Wo in der 
Bahiada Granit \u\A Sandstein in Berührung stehen, dort 
ist letzterer vulkanisch ganz umgeändert und zum Theii 
zu förmlieiier Schlacke geschmolzen. Der Granit ist ganz 
gleich dem Ä.e\' Katarakten von Assuan. 

Die östliche Wüste Nubiens zwischen dem Nil und 
dem rothen Meere zeigt eini^^e wesentliche ünterscluede im 
Gegenhalte der westÜclien. Sie ist im Ganzen schon mehr 
gebirgig and lässt nicht die ungehenren Anhäufungen von 
Flugsand wahrnehmen, wie jene. 

Sie ist unter dem Namen der grossen Nuhischen Wüste 
bekannt und beginnt nördlich mit dem Granitzuge der Ka- 
tarakten von Assuan^ der sich von W. in O. an das rothe 
Meer hin erstreckt. — Dieser Granitzug bildet in einer 
Breite von 2 — 3 Tagereisen eine der furchtbarsten Wüsten. 
Hier sieht das Äuge nichts als wild zertrümmerte schwarze 
Felsmassen und gelbrothen Sand in chaotischem Gemenge, 
ganz ohne Vegetation. Hoch thürmen sich die ganz und gar 
zertrümmerten und in Blöcke von ungeheurer Grösse zer- 
fallenen Granitberge allerdings nicht auf, aber ihre Formen 
sind wild, phantastisch. 

Südlich dieses Granit-Zuges in der Breite von Korosho 
ist es Sandstein - Gebirge , was die Wüste bildet. Es sind 
keine eigentliche Bergketten , sondern vielmehr, ein wirres 
Gehäufe isolirter, aber dicht aneinandergedrängter einzelner 
ßerggruppen, selten an 700 Fuss über die Ebene ansteigend. 
In Aidn Thäiern Sand, ohne alle Vegetation, so dauert diese 
Form bis gegan i\cn 2L Grad 30 Minuten nördlicher Breite ; 
da verlaufen sich die Sandsteinberge in Ebenen, die sich in 
grosser Ausdehnung aufthun , und die theils dem Auge auf 
der brennenden Sandtläche der Wüste gar keinen Ruhe- 
punkt gewähren, oder nur kleine ganz isolirte niedere Berg- 
gruppen zeigen. 

Ungefähr im 21. üreitegradc durchsetzt ein mächtiger 



— *i9 — 

Porpliyr- nnA Ginnlt-Zug, sich ans dem Sandstein erliebend, 
die Wüste aus W. in O. Zwischen dem 30. und 31. Grad 
Ost liehe r Länge von Paris , zwischen welchen grossten 
Kreisen ich diese Wüste durclizog , tritt dieses Gebirge 
unter dem Namen Talof el Grcndi auf, vereint sich aber 
weiter in O. mit dem Djebel Schigre. Die Berge steigen 
bis z« 1000 Fuss über die Ebene an, die sogleich wieder 
jenseits der Kette folgt. Grosse ausgedehnte Sandstein- 
Ebenen wechsehi nun mehrmals mit ganz ähnlichen Zügen 
abnormer Felsgebilde , die sich immer aus W. in O. er- 
strecken und fast von gleicher Höhe sind. So die Berg- 
kette von Mur Had el Alorrcf , der einzige Punkt, wo wir 
auf einer Strecke von nahe 50 geographischen Meilen Was- 
ser fanden, die Kette des Abu Suacha u. s. w. Gegen Acw 
19. Breitegrnd verlieren sich die grossen Ebenen und ab- 
normen Bergzüge wieder, und die Wüste wird wieder reich 
an zerstreuten isolirten Sandstein-Gruppen. 

Zwischen dem 18. und 19. Breitegrad beginnen die 
Bergketten abnormer Gesteine wieder, nur tragen sie einen 
anderen Habitus. Grobkürniger Granit begleitet den Thon- 
schiefcr und dichten Kalk, auch Diorite, aber selten Porphyre. 
Dfis eigentliche herrschende Gestein der Wüste bleibt aber 
immer der bunte Sandstein, in welchem die abnormen Fels- 
gebilde nur wie kolossale Gänge auftreten. l^en Berichten 
ajiderer Reisenden zu Folge scheinen die grossen Gebirge 
der Djebel Djaab und Langey am rothen Meere ähnlichen 
Formationen anzugehören. 

o 

Zwischen dem 17. und 18. Breitegrade beginnen die 
tropischen Regen und mit ihnen hört wieder die eigentliche 
Wüste auf, so wie ich überhaupt im Innern von Afrika 
keine Wüsten mehr, sondern je näher dem Äquator desto 
schöneres Land fand. 

Wie im N. von Kordofan^ so aucli hier: die Wüste 
fängt nach und nach an sich mit Vegetation zu bedecken. 
und auf der dürren Sandfläclie zeigt sich Gebüsch und küm- 
merliches Gras , bis endlich je südlicher desto mehr die 



— 30 — 

tropischen Regen an Masse und jährlich regelmässigem Er- 
scheinen gewinnen und desto vegetationsreicher das wirkliche 
Savannen-Land sich entfaltet. 

An den Ufern des Albara^ bewässert durch den Fluss, 
entwickelt sich die Pracht tropischer Vegetation schon im 
vollen Glänze. Beide Ufer sind eben, bedeckt mit Mimosen- 
Wäldern , bevölkert durch eine zahllose Thierwelt unserer 
Menagerien. Der Fluss kömmt aus S.S.O. von Ahessinien 
her. In den Breiten-Parallelen von 16® 30' bis zu 14® ist 
die Kenntniss , die wir über das Flussgebiet des Athara 
haben, ziemlich schwankend; noch unbekannter aber sind 
die Länder, welche zwischen ihm und dem rothen Meere 
liegen, besonders Bedjas, welches von unabhängigen, schwar- 
zen arabischen Stämmen, Nuhischen Beduinen, den sogenann- 
ten Bischariins z. B. bewohnt wird. Am rechten Ufer des 
oberen Atbara sollen sich isolirte Gebirgsgruppen befinden, 
die sich über 3000 Fuss über die Ebene erheben. Die Ufer 
des Atbara sind von schwarzen, arabischen Stämmen, den 
I/adendoas, Halleiigas und ScJiuhoris bewohnt, die zum Theil 
durch Vermischung der arabischen Ra^e mit den Negern 
entstunden , zum Theil auch Überreste der alten Nubier 
seyn mögen. Zwischen dem blauen Flusse und dem Atbara 
dehnen sich weite Ebenen , theils dürre Sandfläche , theils 
Savanne mit isolirten ßerggruppen aus, das hypothetische 
Mitij'o^nnt den merkwürdigen Ruinen von Alandera, Naga^ 
Messuurad u. s. w. , welche die sprechendsten Beweise der 
hier einst Statt gefundenen hohen Kultur gebeji. 

Die Ebenen von Chardum haben eine Meereshöhe von 1060 
Par. F., woraus sich das geringe Ansteigen des Flussgebietes 
des Nils durch 16 Breitegrade vom Mittelmeere aus darthut. 



Die Flussgebiete des blauen und weissen Flusses, 

Die beiden grossen Ströme , welche sich in Chardum 
vereinen und AenNil bilden, waren schon den Alten bekannt; 
doch war die Kenntniss ihres Flussgebietes, wie zum Theil 



— 31 — 

ftuch noch lieutzu^pge , höchst niflrigelhaft , nnd über ihren 
Ursprung war man ganz ungevviss, während wir doch gegen- 
wärtig den blauen Fluss in dieser Beziehung grösstentheils 
kennen. Nnch der Ansicht der Alten beündet sich im Innern 
von Afrika am Äquator ein sehr liohes Gebirge, das Mond- 
gebirge, oder die Mondberge genannt, nnd nördlich derselben 
liegen zwei grosse Seen, aus denen der weisse und blaue 
Fluss entspringen. Da die Mondberge , deren Benennung 
sieh erhalten hat, wirklich existiren, wie wir später sehen 
werden, und wenigstens der blaue Fluss ^ wie man ganz 
gewiss jetzt überzeugt ist , aus einem grossen See oder 
doch in der Nähe desselben entspringt, so liegt ihrer Be- 
hauptung Wahrheit zu Grunde. Die Quellen jedoch, aus 
denen sie schöpften, waren die Erzählungen der Eingebornen, 
die leicht missverstanden worden seyn können, wesshalb es 
leicht erklärbar ist, dass sie die Lokalität der beiden Quel- 
len dieser Flüsse ganz unrichtig angaben. Später wurde 
der Ursprung des blauen Flusses nachgewiesen und darge- 
than , dass derselbe sich aus dem See Tsana oder Dembea 
genannt im Lande Godjam in Abessinien ergiesst, was jedoch 
noch nicht ganz gewiss ist , obwohl auf jeden Fall die 
Quellen dieses Flusses jenem See ganz nahe liegen. Zu- 
gleich glaubte man den Erzählungen der Eingebornen zii 
Folge, dass südlich von Kordofan ein grosser Strom aus 
W. komme, was auch wahr ist, und dass diess der weisse 
Fluss seyn müsse. Die Geographen waren daher verlegen, wo 
sie nun die Mondberge hin verpflanzen sollten. Doch fanden 
sie sich zurecht und setzten die unbekannten Quellen des 
weissen Flusses sammt den Mondbergen weiter südwestlich, 
ungefähr in den 6. bis 7. Breitegrad in S. von Kordofan. 
Sj)äter als bei den Feldzügen der Türken unter Ibrahim 
Pascha nnd Mehemed Bey man den weissen Fluss entlang 
bis zu den Dinkas ungefähr im 11. Grad nördlicher Breite 
voriliang, stiegen walirschcinllch durch die Mittheilungen 
<ler Eingebornen Zweifel auf, und man fing an zu behaup- 
ten , dass der weisse Fluss oder wenigstens der Hauptarm 



— 32 — 

desseJheji nicht aus W. , sondern wie der hlaue Fluss aneh 
aus O. ko:mne ; sehr wenige Karten aher nahmen diese 
geänderte Rielitnng auf. Diess Avar der Zustand der geo- 
grapluschen Kenntnisse, die wir über das Flussgebiet des 
Bacher el Abiad, oder des weissen Flusses hatten, als ich 
jene Gegenden besuelite. 

Der einzige Europäer, der vor mir eine Wissens chaft- 
Jiche Reise auf dem weissen Flusse machte, ist der verdienst- 
volle schwedische Naturforseher Dr, Hedenborg. Es gelang 
ihm, daselbst bis Menscherah ungefähr 13^ 50- nördl. Br. 
und auf dem blauen Flusse bis zum 12. Breitegrade vorzu- 
dringen. 

Der Lauf des weissen Flusses ist jetzt ganz bestimmt 
von Chardum bis zum 11. Breiteorade bekannt. Bis daher 
kömmt er aus S., in hohem Breiten ist sein Lauf Problem : 
den einen MittheÜungen zu Folge kömmt er aus W. , den 
andern gemäss aus O. , und ich werde zeigen , dass im 
Grunde beide Parteien Recht haben dürften. 

Die westlich des weissen Flusses liegenden bekannten 
-Länder sind Kordofan und das Land der Nuba-^egev mit 
dem Reiche Tegele. Ostlieh des weissen Flusses oder zwi- 
schen ihm und dem Bacher Asrak, dem blatten Fhiss^ liegen 
ans N. in S. die Länder; Sennaar oder das Reich der Fungi, 
das Land Roscrres , die Negerstaaten Fasoki und Tabi/, die 
Fungi-Fiergii und das Land el Berfa, welches aus den kleinen 
independenten Neger - Staaten ^o??7^, Obi, Akäro ^ Kassan^ 
Fadoga, Kamamil und Schongol/o besteht. 

Der Lauf des blauen Flusses ist von Chardum in 15® 35' 
30" nördl. Breite bis zu 10^ 40' nördl. Breite ganz genau 
bekannt , welche Strecke früher schon theilweise durch 
Hedenborg, Botta, Procki, ganz aber durch Cailliaud und 
mich bereist wurde. Der weitere Lauf dieses grossen Stro- 
mes im Hochgebirge der Gallas ist unbekannt, sein Quellen- 
land am DembeaSee hingegen kennen wir wieder mit mehr 
Zuverlässigkeit durch Bruce, und sehr wichtige Mittheilun- 
gen sind durch den gegenwärtigen Aufenthalt unseres 



— 33 — 

Landsmannes, des Naturforsolters Schimper im Lande God- 
jnm zu erwarten. Ostlich des blauen Flusses liegen aus 
N. in S. Landstriche, die zu Sermaar gerechnet werden: 
so der Bezirk von Abu Harrass ^ die Gnsh-nli el Gesireh 
(Insel der Inseln) zwischen neu Flüssen Rahad und Bender, 
welche sich in deji blauen Fluss ei-giessen, mit der von den 
Trunj)en Mehemed älTs neu eroberten Provinz Kalabat ; 
weiter folgen Roserres ^ der Ncgerstaat Abu Ramla , das 
Land der GumuiS-lSc^QV und die Länder der Gallas, 

Noch weiter östlich liegt Abessinien. Da dieses Land 
nicht in den Bereich meiner gemachten Reisen gehört, so 
verweise ich in dieser Beziehung auf die höchst werthvollen 
Mittheilungen Bruces , Rüppell's u. s, \v. und beschränke 
mich auf die Darstellung der übrigen der erwähnten Länder, 
sie nach dev angeführten Reihenfolge behandelnd. 

A, liäfisder, ^vestlicla des ^veisseii S^Iatsses» 
o) K u r d i) f a n. 

Dns ganze Kordßfan, einst beherrscht durch die Sultane 
von Darfur aus dem Stamme der Gondjaren und im Jahre 
1S24 durch IMehemed Bey für den Vizekönig von Ägypten 
erobert, ist eine weite Grasebene, eine Savanne, die sich 
durch 3 Breitegrade und etwa über 4 Längegrade erstreckt. 
Von genauen durch Traktate geheiligten Landesgränzen ist im 
Ijinern von Afrika keine Rede, und ich kann daher Gränzen 
nur so angeben, wie sie etwa der Oebrancii unter den Ein- 
gebornen bestimmt. Diesem zu Folge gränzt Kordofan im 
N. an die Bachiuda ^ in O. an den weissen Fluss ^ in S. an 
das Land der iVwÄa-Neger, in W. an Darfur, welches seinem 
Habitus nach dem östlichen Nachbar ganz ähnlich ist. 

Kordofan hat keinen einzigen Fluss oder Bach im In- 
nern, abgerechnet die Chors oder Regenbäche, die nur zur 
Zeit der tropischen Regen, v/elche vom IVlai bis Ende Sep- 
tembers dauern , Vi^asser führen. In der trockenen Jahres- 
zeit müssen die Einwohner sich durchaus mit Zisternen 
beheifen, die mitunter eine sehr bedeutende Tiefe erreichen. 
Jahrgang 1840. 3 



— 34 — 

Den früheren EinfälJen dev benachbarten Völker zu Folge 
und gemäss seiner Handels- Verbindungen als Zwischen-Nation 
zwischen den südliehen Negervölkern und den nördlichen ara- 
bischen Stämmen, die Nuöien bewohnen, hat Kordofan eine 
äusserst gemischte Bevölkerung, die aus arabischen und ge- 
mischten Stämmen {Moalels ^ gleichbedeutend mit Mulatten) 
als: Dongolaui , ßassanieh , Kabahisch u. s. w. , und aus 
Negervöikern : Nuhas ^ Gondjarcn^ SchUluks u. dgl. besteht. 
Die frühere Bevölkerung von Kordofan ^ vor dem Andränge 
arabischer Völker, bestand wohl durchaus aus Negern. 

Die Hauptstadt des Landes, el Obeehd , liegt unseren 
Bestimmungen zu Folge in 13^ 12' nördl. Breite und etwa 
im Mittel des ganzen Landes. Die nördlichen Ebenen, bis 
zu dem DJebel Harrass sieh erstreckend , wo sie mit den 
Ebenen der ßahiuda zusammenstossen , zeigen wenig Ab- 
wechslung, eine weite Savanne, unterbrochen durch Mimosen- 
wälder, die weite Flächen bedecken, in der Nähe von Brun- 
nen mit Dörfern besetzt, ausserdem aber in der trockenen 
Jahreszeit unbewohnt , in der Regenzeit hingegen durch- 
zogen von Nomaden der Stämme Kababisch und Hassmdeh 
mit zahllosen Kameel-Herden und bevölkert von Antilopen 
in Heerden von 3 — 4000 Stück , von Giraffen , Straussen, 
Vögeln der verschiedensten Art, prangend mit einer Vege- 
tation, die sich nur sehen, unmöglich schildern lässt. Palmen 
und Baum-artige Monokotyledonen mangeln zwar ganz, da- 
gegen beginnen aber mit dem 13. Grade die Adansonien 
(Adansonia digitata), die Dickhäuter der Pflanzenwelt. 

Einzelne Gebirgsgruppen erheben sich wie Inseln im 
Meere besonders in der Nähe des iveissen Flusses; so der 
Araschkol, dessen Umgebung seiner Vegetations-Fülle wegen 
durch meinen Begleiter Kotschi besonders studirt und be- 
kannt wurde, der DJebel el Deijus u.. s. w., weiter im In- 
nern der Djebel Harrass, DJebel Abu Harrass ^ Djebel Kur* 
hatsch^ DJebel Kordofan u. s. w\ Alle diese Berggrnppen 
gehören abnormen Felsbildungen an und bestehen theils aus 
PorphyreUp grauem Feldspath mit Hornblende und Feldspath- 



— 35 — 

Krystallen, theils aus einem sehr grobkörnigen Granite mit 
grossen (ilimmertafela und sehr grossen, mehrere Zoll langen 
und bis zu einem Zoll flicken Krystallen von Hornblende. 
Die Ebene selbst ist Alluvium, Sand und kulturfähiger Boden. 
Wenige Fuss unter der Oberfläche finden sich im ganzen 
nördlichen Kordofan Straten eines vortrefflichen Raseneisen- 
steines, wechselnd mit Sand. Der Eisenstein wird von den 
Eingebornen gewonnen und , da er sehr leichtflüssig ist , in 
kleinen im Sande gemachten Gruben verschmolzen. Das 
Alluvium zeigt stellen weise über 300 Fuss Mächtigkeit, zu 
welcher Tiefe manche Brunnen der Eingebornen niedergehen. 
Durchgehends lieot das Alluvium auf Granit, Glimmerschiefer 
oder Gneiss, die ihren Stammgenossen in unsern Alpen sehr 
ähnlich sind. Sie bilden also eigentlich das Grundgebirge 
von Kordofan, 

Die Ebene um el Obeehd erhebt sich meinen barometri- 
schen und hypsometrischen Bestimmungen zu Folge, wie 
gesagt, 1160 Par. Fuss über liie Meeresfläche, folglich nur 
um 100 Fuss höher, als die Ebene um Chardum, 

Der südliche Theil von Kordofan gleicht im Ganzen dem 
nördlichen, insoferne auch er eine Savannen-Ebene darstellt; 
doch der mehr thonigen Beschaffenheit des Bodens halber, 
welche das schnelle Versitzen der Wasser in der tropischen 
Regenzeit hindert, bilden sich zur Zeit der Regen in weiten 
Bassins See'n, Birke genannt, die in Verbindung mit zahl- 
losen Chors , Regenbächen , eine mehr gleichförmige und 
andauernde Bewässerung des Landes bedingen und dadurch 
eine bewunderungswerthe Fülle der Vegetation hervorrufen. 
Das Gras der Savanne bildet einen förmlichen Wald und das 
Einförmige der Mimosen- Wälder verschwindet durch die zu- 
nehmende Mengung mit Adansionen, Kassien, Tamarinden. 
Auch die Thebaische Palme tritt wieder auf. Ausser Löwen, 
Leo])arden, Affen, einer Menge von Hyänen u. s. w. fangen 
in diesen Breiten einige seltene Thierarten an , die man 
weiter nördlich wohl schwerlich findet , z. B. der schon 
durch Brück bekannte Deir ei Nessiba (Vogel des Schicksals), 

3* 



— 36 - 

sehr schöne Arten von Trappen, Otis, eine Menge der 
herrlichsten Ge5er-5 Adler- und Falken-Arten, darunter der 
Vultur Koibii, sehr grosse Ameisenbären, viele Arten von 
sehr grossen Antilopen, wie Tetal, Omniaba, Kriel^ Lencoryx, 
II. s. w., doch in dieser Beziehung berufe ich mich ganz 
auf Ri)ppELL's prachtvolles Werk. 

Die ganze Ebene bilden Alluvionen, bis in der Breite 
von etwa 12-^ 10' ein mächtiger Gebir^szuo- die natürliche 
Gränze von Kordofan in S. gegen das Land der Nuba-^egQv 
bildet. Es ist das Gebirge Kadero mit dem Djchel Kofdad- 
SChi , welcher den westlichen Theil dieser Kette, und dem 
DJebel Deier , der den östlichen formirt. Letzter ist bei 
weitem das höhere Gebirge und scheint bis zu 2000 Fuss 
liber die Ebene anzusteigen ; beide aber sind nnr Theile 
des grossen Gebirgsstoekes von Tegele ^ von dem ich später 
spreclien werde , und beide gehören den abnormen Fels- 
Bildungen an. Das Gebirge Kadero namentlich mit dem 
Djchel Koldadschi besteht ganz aus Porphyr und Porphyr- 
artigem Granite. Gesteine, den Bildungen erloschener oder 
noch thätiger Vulkane nur im Mindesten verwandt, sah ich 
nirgends, auch keine Bergformen nahm ich wahr, die auf 
Yorliandensoyn solcher hindeuten möchten. 

Der Djebel Deier schliesst sich in O, und S. dem 
Ilauptstocke von Tegele an, dov Djebel Kadero aber ver- 
läuft sich in W, in die Savannen südlich von Darfur, 
Die Formen dieser Berge sind pittoresk, sehr nusdrncks- 
voli , und ihr Emporsteigen aus der grossen Ebene macht 
einen unvergesslichen Eindruck. Ilire Gehänge sind mit 
Fels - Blöcken bedeckt, und zwischen diesen entfaltet sich 
die üppigste Vegetation, Die Thebaische Palme tritt in 
grosser Menge auf, Bäume von Kaktussen (sexnngularis) 
und Baum -artige Euj)horbien erheben sich zwis(>hen Mimo- 
sen, Adansonien, Kassien, Tamarinden und vieleji anderen 
Bäumen, die wir niclit kannten und die mit den schönsten 
Blumen prangten (es war gerade Anfang der Regenzeit). 
In diesen Breiten beginnen die Elcphantcn in grossen Mengen 



~ 37 -~ 

in den Wäldern zu hftusen, während sie jenseits des blauen 
Flusses weit nördlicher bis an den Aibara gehen. Hier 
S( hossen wir auch zuerst die prachtvolle Columba Ablssinica 
und hier eigentlich, freilicli waren die Regen schon ange- 
brochen, liisg das Tiopcnland an sich in seiner imponiren- 
den unbeschreiblichen Pracht zu zeigen, 

b) Land der iY»/;rt*Ni'gc r mit dem Reiche Tegele. 

Das jetzige Land der A^M^ö-Neger, welche vor der Ero- 
berung durch die Gondjaren aus Darfur die Bewohner von 
Kordofan waren, befindet sich zwischen dem 12. un^ 10. Grade 
der Breite, gränzt im O. an die Besitzungen der Schilluk- 
Neger am weissen Flusse, in W. an ganz unbekannte Län- 
der südlich von Darfur, deren Namen mir auf den Karten 
unrichtig gestellt zu seyn scheinen 5 denn Dar Mara (Land 
der Frauen) liegt den Marsch - Routen zu Fojge , die uns 
Neger aus Darfur gaben, beinahe um 1 Breitegrad nöi'd- 
lleher als es angegeben ist, und wahrscheinlich also darf 
auch Dar Fungara etwas nördlich zu rücken seyn , um so 
mehr, da die Kupfer-Minen, woraus man das Kupfer nach 
Darfur bringt, nur 7 Tagereisen südlich vom Djehel Mar ah '■ 
liegen: das wäre etwa zwischen dem 10. und 11. Grade der 
Breite, während die Karten selbe gar zwischen den S. und 
9. Breitegrad verpflanzen. Gegen S. stösst das Land der 
Nubas mit einem Lande zusammen , von dem wir nur 
wissen, dass es Dar F^r/i^heisst. 

Ich durchzog das Land der Nuba - Neger von seiner 
Gränze gegen Kordofan bis zum Gebirge Tira südlich von 
Scheibun im 10. Grad .35' nördl. Breite. 

Das ganze Land der Nubas ist Gebirgsland und getheilt 
in sehr viele kleine Netjerstaaten , so dass betonders im 
westlichen Theile beinahe jedes Gebirge seinen eigenen 
Meck oder König hat und einen von den übrigen indepen- 
denten Theil bildet. Nur im östlichen Theile des Landes, 
im eigentlichen Hauptgebirgs ' Stocke , herrscht ein Meck, 
Sultan genannt, über ein bedeutendes Gebirgs - Terrain, 



— 38 — 

welclies man Tegele nennt und wozu auch der von sehr 
räuberischen Negervölkern bewohnte Djehel Deier gehört. 
T^Gii Türken gelang es bis jetzt nicht Tegele zu erobern, 
obwohl Mehemed Bey (Defterdar Bky) mitten durchinar- 
schirte. Durch ihre Unabhängigkeit bihlen die Nuhas von 
Tegele eine gewisse Wichtigkeit in Bezug auf Aen Handel mit 
ßauniwollenzeugen , die sie selbst verfertigen , mit Gold, 
Sklaven und Elfenbein. Um die Grösse des Sultans von Tegele 
'ZU schildern, sagen die schwarzen arabischen Stämme, dass 
er über 99 Berge gebiete, was natürlich nur eine wahrhaft 
orientalische Phrase ist. Der Gebirgsstock von Tegele er- 
streckt sich nicht unmittelbar bis an die Ufer des weissen 
Flusses -i sondern ist durch Ebenen von demselben getrennt. 
Die Residenz des Sultans in Tegele liegt etwa — muss ich 
sagen, denn ich sah nur die Berge, die sie umgaben — in 
der Nähe einer Tagreise, in IP 45' nördl. Breite und 27® 
50' östl. Länge von Paris. 

Das Gebirge Kadero \\i\A der Djehel Deier bestehen, 
wie ischon gesagt, aus Porphyr und Porphyr-artigem Granit; 
jder erstem zunächstliegende Djehel Tahatne besteht rein 
aus Granit. Dessen Masse ist feinkörnig, der Glimmer tritt 
mehr zurück und scheidet sich nicht mehr in jenen grossen 
Partie'n aus 7 die die nördlichen Granite bezeichnen. Am 
Gebirge Tahatne in der 12 Breite- Parallele beginnen die 
Glycinien-Bäume und manchfaltige riesenmässige Ficus- Arten, 

Südlich des Tahatne-, Kadero- und Koldad^chi-Geh'ivges 
beginnt eine grosse stark in S. ansteigende Ebene ; sie ist 
mit einem dichten Walde von Mimosen - und Weihrauch- 
Bäumen (Ämiris papyrifera) bedeckt und hat eine Breite von 
'ii> Tagereisen. Alluvionen von zahllosen und tiefen Regen- 
bächen durchschnitten bilden das Terrain. Die Wälder sind 
von Elephonten , Löwen, Antilopen, Zibethkatzen u. s. w. 
bevölkert. 

Den östlichen Rand dieser Ebene bilden die hohen Berge 
von Tegele , eine grosse isolirte Berggruppe von Granit- 
nnd Gneiss-Bergen bis zu 3000 F. über die Ebene, folglich 



^ 39 -^ 

nahe an 6000 Fuss über das Meer ansteigend. Die ausge- 
zeichnetsten Berge am Rande der Ebenen sind: der Njuker, 
Turban, Schawaui u. s. w. Die diese Berge bewohnenden 
Neger sind sehr wild, und man legt denen von NjuJier und 
Turban sogar zur Last, dass sie Menschenfleisch essen soll- 
ten, für welche Behauptung ich keine Beweise habe; dass 
sie sich aber in ihren Kriegen vergifteter Lanzen bedienen, 
dessen überzeugte ich mich selbst und oft. In der Ebene 
erheben sich mehre einzeln stehende Berge von geringem 
Umfange: auch sie bestehen aus Granit, Gneiss und Glim- 
merschiefer, denen unserer Alp€7l so ähnlich, dass sie in 
Handstücken gar nicht unterschieden werden können. Die 
bedeutendsten dieser Berge, der Abile, Hedra und Scheibun 
sind stark bevölkert. Letzterer liegt in 10^ 40' nördlicher 
Breite. Er erhebt sich wie der Hedra nur zu 800 Fuss 
über die Ebene und ist von Aqw herrlichsten Tropen- Wäldern 
umgeben, die ich in Afrika zu Gesichte bekam. Hier er- 
scheint zuerst die holie majestätische Delebb-Palme in gros- 
ser Menge, hier sahen wir auch zuerst den Sotor mit seinen 
grossen, purpurfarbenen Kelchblumen und bis zu fünfzig 
Pfund schweren, an langen Seil-ähnlichen Stielen zur Erde 
herabhängenden Früchten. Adansonien, Tamarinden, Kas- 
sien, Mimosen, Kaktusse, Euphorbien, riesenmässige Feigen- 
bäume mit Kronen von mehrern Hundert Fuss im Umfange, 
die ihre Aste hoch aus der Luft zur Erde senden, wo sie 
wieder zu neuen Stämmen wurzeln , — hiezu eine Vogel- 
Welt prangend in tropischer Farben-Pracht: und man wird 
jedem Reisenflen die Begeisterung verzeihen, die die Er- 
innerung an diesen Anblick nothwendig hervorbringt. 

Im W. der grossen Waldebene sahen wir hohe, etwa 
zu 5 und 6000 Fuss Meereshöhe ansteigende Gebirge sich 
erheben , aber alle isolirt , nicht unter einander zusammen- 
hängend, und alle in Richtungen aus N. in S. sich erstreckend. 
Durch malerische Formen und Ausdehnung — er trägt über 
Hundert grosse Negerdörfer — zeichnet sich der Kulfän mit 
seinen kriegerischen Schwarzen aus. Auch diese Gebirge 



_ 40 — 

gehören der gleichen Fels-Foriiiafion an. Sie verlieren sich 
weiter gegen W. in unbekannte Ebenen südlich von Darfiir. 

Südlich von Sclieibun wird das Wald-Terrain hügelig, 
die Liee-Ebene hört eigentlich auf, \u\A m 10^. 35' nördl. 
Breite setzt ein Zweig des Gebirgsstockes voji Tegcle ^ das 
Gebirge Tlra ^ queer über aus O. in VV. Am Fnsse der 
Tira-^eA'^Q führen die Allnvionen der Regenbäclie Gold, und 
die JNeger der umliegenden Gebirge waschen dasselbe. Die- 
ses Gold kommt fälschlich als Gold von Scheibuu in Handel, 
an welchem Orte mir keine Goldwäschen bekannt sind. 
Über das Vorkommen des Goldes in diesem Tlieile des Afri- 
kanischen Tropenlandes verweise ich auf meine an Karsten's 
Archiv eingesajidten Abhandluncren. Die Fels-Formation des 
Gebirges Tita sind Gneiss, Glimmer- und Chiorit-Schiefer 
unserer Aipeti, 

Alle diese Gebirge sind von Negervölkern bewohnt, und 
die Bevölkerung ist stellenweise ausserordentlich stark, so 
dass das Gebirge Tzra aliein 10,000 Bewaffnete stellen kann. 
Die Ebenen werden von Nomaden , von den sogenannten 
Bagära durchzogen , die mit den Negern in beständigem 
Kriege leben, daher diese sich genöthigt sehen, sich in dio 
Gebirge zurückzuziehen, wolnn sie die Bagära, die sehr 
häufig beritten sind, nicht verfolgen. 

Die Bagära sind ein interessantes Volk, wahrscheinlich 
durch Vermischung nördlicher arabischer Stämme mit Ne^ 
gern entstanden. Sie sind ganz schwarz. Der Kopf des 
Bagära hat mit dem des Negers keine Alnilichkeit, und dei» 
Ausdruck seines Gesichtes hat nicht das Stumpfe der reinen 
Neger-Physiognomie. Die Sprache der Bagära ist voll ara- 
bischer Worte. Sie durchziehen als Nomaden das Innere 
von Afrika in unbekannter Ausdehnung und spielen daselbst 
die Rolle der Beduinen des nördlichen Afrikas und die der 
Mauern im S. der Sahära. Ihre Lebensweise ist ausser- 
ordentlich einfach: sie trinken keine geistigen Getränke, 
rauchen keinen Tabak, während beides die Neger bis 
zum Übermaase lieben. Ihre Religion hat Anklänge vom 



— 41 — 

Muhnmedanismiis , während die Neger das sind , \vas man 
Heiilen nennt. Üher die Religion letzterer konnte ich mir 
nie eine recht genügende Auskunft verschaffen, Fetisch- 
Anbeter sind sie niclit, sondern sie verehren ein höchstes, 
unsichtbares VV^esen , die Gestirne und haben eine Masse 
aberoläubischer, sich auf Vei-bindun^en mit Geistern basiren- 
der Gebräuche. Der Körperbau der Ntiba-^e^cv ist unge- 
mein schön und regehnässig, man sieht häufig wirklicli ideale 
Formen. Sie sprechen nach den einzelnen Gebirgen , die 
sie bewohnen , eiiie Menge Sprachen , die unter einander 
sehr verschieden sind, doch scheint die K?/IfonS\iri\ohe die 
ausgedehnteste zu seyn. Von den Gipfeln dev Berge von 
Scheibun und Hcdra sah ich weiter in S. nur Ebenen und, 
was ich von den Negern erfahren konnte, so ist ihnen nichts 
von einem grossen Gebirge bekannt, was weiter in S. vor- 
liegen soll. Drei bis vier Tagereisen südlich von Tira ge- 
lanort man an eir.en Strom, den die Eingebornen den Keilak 
nennen, und der so gross seyn soll, dass er immer beschifft 
werden könnte. Dieser Lage zu Folge stimmt der Keilak 
einerseits ganz mit dem Bacher el Adda der Karte von 
Cäilliaud 5 andererseits mit dem Misselad , der aus dem 
Lande Borgu westlich von Darfiir kömmt, die Karawanen- 
Strassen von Kordofan und Darfur nach Bornu und Kulla 
durchschneidet und dessen Lauf sodann weiter in S, ganz 
unbekannt ist. Es scheint daher, dass der Keilak nichts 
anders sey, als die Fortsetzung des sich östlich wendenden 
Misselad, Li dieser Vermuthung bestärkt mich ganz Nach- 
stehendes : Sklaveidiändler aus Darfur gaben uns eine genaue 
und bei mehrern Erkundigungen übereinstimmende Marsch- 
Route aus Darfur nach S. zu den Kupferminen , wo sie 
selbst gewesen sind. Dieser nach liegen die Minen 7 Tage- 
reisen südlich vom Djebel Marah. Zu diesen Minen kommen 
jährlich aus S. Neger mit Schilden aus Hippopotamus-Haut 
verfertigt und erzählen , dass siü die Hippopotamusse in 
einem grossen Flusse jagen und tödten , der in ihrem 



--. 42 — 

Vaterlande sich befindet, welches noch 4 Tagereisen südlich 
von den Kiipfermineii liegt. 

Diesem zu Folge stnnmt dieser Fluss , der von den 
Negern gegebenen Lage gemäss, wieder einerseits mit dem 
Keüak , andererseits mit dem Müse/ad , und wir liaben ein 
neues Verbindunosglied, das kaum einen Zweifel übrio lässt. 
Ein alter viel gereister Schech aus Kordofan. Namens Mah- 
mud, ein Schwarzer, der von dei* Regierun» als Führer tler 
Expedition durch das Land der A^wöß- Neger uns mitgege- 
ben wurde 5 erzählte uns, dass er 12 Tagereisen südlich 
von Scheibun gekommen sey , dass er , der doch die Mond- 
berge , wenn sie anders dort wären, wo die Karten sie 
angeben, ganz dicht vor sich gesehen haben müsste, nichts 
von hohen zusammenhängenden Gebirgen sah , dass er auch 
Von der Existenz derselben nichts hörte und dass jenseits 
des Keilah kein grosser Strom aus W. käme. Hingegen 
Versicherte er, dass das ganze Land daselbst , seinen Anga- 
ben nach zwischen dem 7. und S. Breitegrad, ganz eben 
lind voller Chors, Sümpfe und See'n sey. Aus diesen Daten 
scheint nun hervorzugehen: 

1) dass dort, wo die Karten die Mondberge angeben, 
kein Gebirge, folglich auch kein Mondgebirge existire, son- 
dern dass daselbst ebenes, sumpfiges Land sey. 

2) Dass jenseits des 9. ßreitegrades, im S. von Kordofan^ 
der weisse Fluss nicht existire, und dass daher seine Haupt- 
Quellen dort nicht sind, wo sie die Karten angeben. 

3) Dass aber weiter nördlich, im 9. Breitegrade etwa, 
ein grosser Strom aus W. komme, welcher die Fortsetzung 
des Misselad^ der aus Borgu kommt, aus N. in S. fliesst 
und im S. von Darfur sich südöstlich wendet, ist mid den 
Namen Keilak führt; dass dieser Keilak identisch mit dem 
Bacher el Adda zu seyn scheint und sich als solcher in den 
sunipfigen Niederungen der Dinhas in den weissen Fluss 
ergiesst, bis zu welcher Stelle noch nie ein Weisser gelangte. 

4) Es scheint daher der weisse Fluss bei der Angabe, 
dass er aus W. komme, mit einem grossen Nebenarme desselben, 



— 43 — 

üem Misselad oder Keilak^ verwechselt worden zu seyn, 
und wir müssen daher den Lauf und die Quellen des weissen 
Flusses jonseits des 10. Breitegrades, so wie auch die Mond- 
berge ganz wo anders suchen, afs wo man sie bisher angab. 
5) Die Vereinigung des Misselad oder Keilak oder 
Bacher el Adda mit dem weissen Flusse scheint etwa im 
10. Grad, ganz sieher aber südlich des Z)z«Äö-Berges , auch 
Djebel el Ahid (Berg der Neger) genannt, bis wohin die 
Türken kommen, Statt zu finden. Daselbst soll ein See 
oder Sumpf seyn, was sich aus dem Zusammeniliesseii zweier 
grossen Ströme in einer Ebene leicht erklären würde, 

S. Idi-T -weisse I^^Imss, 
Der Lauf des weissen Flusses ist bis zu dem Berge 
der Dinhas am rechten Ufer desselben und zwischen dem 
10. und 11. Grad der Breite ganz genau bekannt, von dort 
an aber ganz unbekannt. Seine Ufer sind bis zu den Dinkas 
ganz eben, und sieht man Gebirge, wie z. B. auf der Seite 
von Kordofan^ so sind sie immer wenigstens in der Entfer- 
nung einiger Stunden. Ich befuhr den majestätischen Strom 
selbst bis zum 13. Breitegrade, bis zu den ersten Wohnsitzen 
der Schilluk-^egev. Bis nach Menscherah , wo die Barken 
der Regierung aus Mimosen-Holz gezimmert werden, welches 
man in den Urwäldern der Schilluk - Neger schlägt , sieht 
man an mehrern Orten den bunten Sandstein von Nubien 
zu Tage gellen ; weiter stromaufwärts aber verschwinden 
alle Fels-x\blagerungen unter der Bedeckung eines tiefgrün- 
digen Kulturlandes. Beide Ufer sind mit undurchdringlichen 
»Wäldern bedeckt, deren riesenhafte Bäume mit vielerlei 
Schmarotzer- und Schling-Pflanzen umhüllt und durchschlun- 
gen sind, so dass ein Baum oft ein kleines Herbarium lie- 
fert, und die ihre Kronen über das Wasser weit hinbreiten. 
Der Strom hat bei einer nicht sehr bedeutenden Wassertiefe 
eine imponirende Breite, die in der Regenzeit, zur Zeit 
seines grössten Wasserstandes stellenweise über eine geo- 
graphische Meile beträgt , ein Anblick , der in einer 



— 44 — 

Enffeniang von 18 Breitegraden von den Küsten des Mit- 
ielmeeres wirklich überrascht. 

Dieses Chaos von Bäumen und Wasser ist bevölkert 
durch eine eben so zahlreiche «Is raanchfaltige Thierwelt, 
worunter sicli besonders zahllose Sohaaren der seltensten 
Sunijjf- und Wasser- Vögel auszeichnen. Im Flusse selbst 
leben Krokodile und Hippopotamusse in grosser Anzahl, die 
bei den sehr sparsam bevölkerten \]{avn wenig von Menschen 
gestört werden. Das Gefälle des Stroms ist sehr klein, so 
dass man bei kojiträrem , wenn auch schwachem Winde 
häufig in die Lage kömmt, die Barken stromabwärts ziehen 
lassen zu müssen. 

Vom 13. Grade der Breite an bewohnen Schilluks die 
beiden Ufer und besonders die grossen im Strome liegenden 
Insehi. Weiter im S. sollen die Dlnhas das rechte Ufer 
ausschliesslich beläaupten und die Sckilhihs nur auf dem 
linken hausen. Bis zu den Dinkas kann man bei hohem 
Wasserstande den Strom mit Segeibarken befahren, weiter 
aufwärts aber nicht mehr. Die Neger bedienen sich ihrer 
aus Baumstämmen durch Feuer ausgehöhlten Kanots. Beide 
Nationen 5 die Schilluh wie die Dinlia^ stehen auf der nied- 
rigsten Stufe der Kultur und sind die wildesten, stumpf- 
sinnigsten Neger, die ich traf: lange hagere, schlecht 
proportionirte Körperform, mit einem ausgezeichneten Äffen- 
kopf, die vordersten Schneidezähne ausgebrochen, im Ge- 
sichte der grellste Ausdruck viehischer Dummheit und Wild- 
heit. Aus einem Dinka ist nichts herauszubringen, wenn 
man auch die wenigen Worte spricht, die seine Sprache 
bilden, ,denn er ist zu arm an Begriffen, es interessirt ihn 
nichts, als was strikte den thierischen Theil seines Körpers 
betrifft, und der Bewohner des linken Ufers weiss nicht 
wie das Dorf gegetuiber am rechten Ufer heisst. Sie be- 
dienen sich zur Jagd und in Kriegen der Lanzen, auch der 
Bogen und Pfeile; diese wie jejie sind vergiftet. Im schönsten 
Lande der Erde und im Zustande der Freiheit verhungern 



— 45 — 

sie, und ein Schillult bot mir selbst für etwas Getraide seine 
etwa 14jährige Schwester zum Kaufe an. 

Die geognostische Struktur des />2W^ö - Berges iat un- 
bekannt. 

Doi* liauf des weissen Flusses ober den Dinlias wurde 
als aus W. kommend angenommen, diess ist aber wahr- 
scheinlich nur eine Verwechselung mit dem Keilah^ wie ich 
vor Kurzem ausführlich gezeigt habe. Was mir über seinen 
Lauf sowohl als über die Lage der Mondberse bekannt 
wurde, besteht in Folgendem : 

Bei meiner Ueise Ann blauen Fluss aufwärts hielt ich 
mich längere Zeit in Roserres ^ der Residenz des Meck 
SoLlMAN, auf. Ich lernte daselbst alle die schwarzen Häupt- 
linge der Umgebung kennen und besonders unterhielt ich 
mich oft mit Mohammed , den Schech des Djebel Gary, 
Dieser Mann i.^t sehr viel gereist und war Öfter in den 
Ijändern der Gallas, Er gab mir über die südlicher liegen- 
den Länder eine Menge Dateii, die ich bei meiner s|)äter 
erfolgten Reise alle buchstäbiieh waiir befand, und ich habe 
daher keinen Grün?!, die weitere Aussagen meines Freundes 
zu bezweifeln. Unter anderen theilte er mir mit, dass die 
Türken voilkommen Recht haben zu behaupten, dass der 
weisse Fluss aus S.O. und 0. komme wnA niclit aus S.W. 
und W. : denn, wenn man von Singe aus, wo ich später 
selbst hinkam und das im iO'^ 10' nördi. Breite liegt, nach 
S. geht, so kommt man nach 3 Tagereisen nach Fadassi, 
nach weiteren 3 Tagereisen nach Lerha, der Residenz des 
G^aZ/fl- Häuptlings Werchontello, eines Kriegers eben so tapfer 
als sein Name heroisch klingt. Von Lerha durch lauter 
Ebei»en 3 Tagereisen weiter in S. , also etwa im 7. Grade 
nördl. Breite \\\n\ zwischen den Längen-Parallelen \on 32® 
und 33® östlich von Paris^ trifft man einen grossen mächti- 
gen Strom 5 der in der arabischen Sprache (die dahin rei- 
senden Dschelabbs nämlich sj)rechen alle arabisch) Bacher et 
Abiad, d. h. der toeisse Fluss, genannt wird. Derselbe kömmt 
aus O. und fliesst in W^. Seine Quellen sollen in den 



~- 46 — 

Hochgebirgen der Gallas südlich von Abessinien liegen. 
Wenn man seinen Lauf abwärts verfolgte oder ihn hinab- 
fahren würde, so käme man zu ^qw Dinkas und nach Chardum. 

Ein anderer Häuptling aus Mehemedieh im nördlichen 
Sennriar, den ich auf meiner Rückreise aus den unabhängi- 
gen Negerländern kennen lernte und der oft bei den Gallas 
südlich von Abessinien war, bestätigte mir diese Angaben 
und fügte noch die sehr interessante Bemerkung hei: zwi- 
schen den Cluellen des blauen und weissen Flusses befinde 
sich ein sehr hohes Gebirge, worauf Schnee (Teltsch) in 
den Schluchten liegen bleibt, und dieses Gebirge werde in 
der arabischen Sj)rache Rkas odev DJebel el Kamar genannt, 
d. h. Kopf, Vorberg, Vorgebirge, einzelnstehendes Gebirge 
und überhaupt Gebirge des Mondes, oder Mondgebirge. Schon 
früher erinnere ich mich von Schwarzen gehört zu haben, 
dass der Djebel el Kamar in den Hochgebirgen der Gallas liege. 

Diesen Daten zu Folo^e lassen sich nun mit vieler Wahr- 
scheinlichkeit nachstehende Folgerungen ziehen: 

1) Der Bacher el Abiad^ iveisser Fluss , auch weisser 
Nil genannt, entspringt in den Hochgebirgen der GallaSy 
fliesst ganz dem blauen Flusse parallel, zuerst aus 0, in S,, 
südlich von Lerha aus O. in W. , wendet sich dann nord- 
westlich und verbindet sich in den Ebenen der Dinkas nut 
dem Keilak oder Misselad^ der aus W. kommt und vereint 
sich in Chardum mit dem blauen Flusse, 

2) Das öuellenland des weissen Flusses fällt, so wie 
das des blauen, in die Hochgebirge der Gallas südlieh von 
Abessinien, an und in die Nähe eines Gebirges, welches den 
Namen Mondgebirge haben soll. 

3) Da auf diesem Gebirge der Schnee liegen bleibt, so 
muss es in der Breite, in welcher es liegt, wenigstens 13 — 
14,000 Fuss Meereshöhe haben, welche Höhe auch schon 
RürPEf-L von den Hochgebirgen des Lan<les Godjam südlieh 
vom Tsana-See vermuthete, welche in der Nähe dieses Mond- 
gebirges liegen und wahrscheinlich zu derselben Gruppe 



— 47 — 

gehöpcj}. Darüber können wir von Schimper werthvolle 
Aufsclilüsse erhalten. 

4) Die Alten hatten halt wieder Recht. Die beiden 
grossen Ströme , welche den Nil bilden , entspringen am 
Mondyehirge y welcher Name sich erhielt; nur ergaben sich 
durch willkürliche Annahmen in Bezug der Lage der Mond" 
berge in der Folgezeit grosse Konfusionen. 

5) Wenn die Quclieniänder des weissen und blauen Flus- 
ses zusamnkenfallen 5 was hohe Wahrscheinlichkeit hat, so 
bekommt der ai'abische Naaie Gesira für das Land zwischen 
dem blauen und weissen Flusse ^ wohin Sennaar ^ das ganze 
Berta und ein Theil des Landes der Galla gehören, eine 
hohe Bedeutung; denn Gesira heisst Insel und wirklich 
wäre in diesem Falle das erwähnte grosse Land gleichsam 
eine Insel oder Halbinsel zwischen beiden Flüssen, die viel- 
leicht nur durch ein Gebirge am Ursprünge getrennt seyn 
«lögen. Man hört diese Behauptung bei den Eingebornen 
äusserst liäuiig. Sie behaupten sogar, dass der weisse FlusSj 
nicht der blaue, aus dem Tsana-See entspringe, dass die 
Quellen dt's blauen Flusses in die grosse Biegung des weis- 
sen fallen , dem Lande der Schongollos daher viel näher 
liegen. Auch diese Behauptung, finde ich, ist möglich; 
nur hätte Bruce in diesem Falle die Quellen des weissen 
Flusses und nicht die des blauen gesehen, musste aber auf 
jeden Fall ganz nahe an letzteren gewesen seyn, ein Irrthura, 
der von einem in den Landessprachen so unterrichteten 
Reisenden kaum zu glauben ist. 

6) Auf der Karte Cailliald's trägt einer der Neben- 
^flüsse Aes blauen Flusses den Namen Bacher et Abiad, Djess 
kann freilich seiner Lage nach der grosse weisse Fluss von 
vorne herein nicht seyn. Diese Angabe kann jedoch sehr 
wahrscheinlich auf ähnlichen Daten, wie obige sind, beruhen 
und wegen Mangel an Sprachkenntniss nur missverstanden 
worden seyn , wie man dergleichen Älissverständnisse in 
dieser Karte mehrere trifft. Auch verdient als eine, für das 
Gesagte wichtige Unrichtigkeit dieser Karte bemerkt zi| 



— 48 — 

werden, dass der Tumat und Inhtss , die sich beide in den 
blauen Fluss ergiessen, bei weitem keine so langen Fluss- 
betten Ilaben und ihre Quellen dem Lande Beria weit nä- 
her iiefifen. 

7) Den erhaltenen Daten zu Folge scheint also das 
Mondijefdrge zwischen den i). und 11. Grad nördl. Breite 
und 34. bis ii.5. Grad östlicher Länge von Paris zu fallen. 

a) S e nn (t a r und R u s e r r e .9. 
Das alte Ncger-Releh Sennaar war eines der bedeutend- 
sten in diesem Theile des Indern von Afrika; es dehnt seine 
Besitzungen zu beiden Seiten des blauen Flusses aus und 
wurde von Negern sehr verschiedener Stänime bewohnt. 
Die Fungi aus W. kommend . eine Nation gemischter Ra9e 
aus Negern und schwarzen arabischen Stämmen, eroberten 
das Land 5 das ihnen durch Ibrahim und Ismael Pascha 
wieder entrissen wurde. Die Fürsten von Sennaar residir- 
ten in der Stadt Sennaar am blauen Flusse^ einst gross und 
blühend , jetzt ein armes Nest , worin man auf dem Haupt- 
platze jede Nacht Hyänen sehiessen kann. Der letzte dieser 
unglücklichen Fürsten lebt noch in einem Dorfe bei Sennaar^ 
am i-echten Ufer des blauen Stroms und lässt sich Lieder 
über seine elieinaÜge Grösse und den Glanz seines Harems 
sinken. Erbittert durch den Druck der Fremden und ent- 
rüstet durch Ismael Paschas Benehmen erhoben sich die 
Schwarzen in Ober-Nubien noch einmal, und Meck Nemmer 
(Tiger- König) opferte den jungen Pascha in den Flammen 
seiner Hütte zu Scliendi/ seiner Rache. Doch die nöthige 
Kraft und Einheit mangelte , 31eck Nkmmer entfloh nach 
Abessinien^ wo er noch lebt, und die Türken blieben. — 
Mehemed Bev (der berüchtigte Dkfterdar) rächte Ismael's 
Tod mit einer wahrhaft viehischen Grausamkeit und ver- 
breitete unter den armen Schwarzen einen solchen Schrecken, 
dass dieser Name nach 14 Jahren noch so auf sie wirkt, wie 
bei uns „Knecht Ruprecht" und ,;Klaibaup^< auf die Kinder. 



— 40 — 

Seit der Zeit verbreitet siel» die Agi/pflfchc Verwaltinigs- 
Metliode über diese Länder. 

Wie Kordofan^ so ist mich ganz Sennaar eine v\eito 
Savannen-Ebene, gebildet duroh Aliuvionen der beiden Flüsse, 
die sie einschliessen. Erst bei der Stadt Sennaar erheben 
sich im Innern des Landes zwei mächtige Gebirgsgru])|)en, 
^ev Djebei el Sfi^gati (der zertrümmerte Berg) und der 
DJebcl el Moje (Berg des Wassers). Erster besteht aus 
einem sehr grobkörnigen Granite, letzter aus einem Porphyr- 
artigen Granit von besonderer Schönheit wegen seines 
smalteblauen Quarzes. Die Ebene zwischen beiden Bergen 
ist mit Thonschiefer-Hügeln erfüllt, die häufig Quarzgänge 
durchziehen 5 welche Eisenerze, an einer Stelle am Djebei 
Dara aber auch Silbererze führen. Bei Sennaar finden 
sich wieder die ersten Ädansonien, ganz in derselben Breite 
wie in Kordüfan ^ die Delebb- Palme jedoch entschieden 
gepflanzt, Mimosen - Arten in grosser Anzahl, Tamarinden 
u. s. w. In Beziehung auf die Thierwelt ist die Umgebung 
von Sennnar sehr interessant : wir fanden da unter Anderem 
den Gedenko, eine Art fliegenden Hundes, den Girrd, einen 
sehr grossen Affen mit Hunds-ähnlichem Kopfe , den Geko, 
den Klippspringer, eine Menge der interessantesten Sumpf- 
und Wasser- Vöffel; so schössen wir noch zu Bepinn der 
Regenzeit gar nicht weit südlich von Seminar ein Exemplar 
der schönen Ciconia ephippiorhyncha. Der Gesammt-Eindruck 
des ganzen Ijandes aber ist um so trauriger , als man nur 
eine weite, theils unfruchtbare, theils mit Gras und Mimo- 
sen bewachsene Ebene vor sich sieht und oben er\^ähnte 
zwei Berge die ersten sind, die man, von Chardum aus in 
einer Entfernung von 10 — 11 Tagereisen, zu sehen bekommt. 
Derselbe Habitus des Landes dauert von Sennaar bis 
Boserres, eine Strecke von 10 — 12 Tagereisen. Alles Ebene, 
entweder Savanne, oder Mimosen- Wald, oder eine Art Wüste 
mit kümmerndem 31imosen-Gebüsche bedeckt, der nur Was- 
ser und die Hand des Mensrlien njaneeln. um ihren Staub 

o 

in Kulturboden schnell umzugestalten, 

Jabrgang^ 1840. 4 



- 50 — 

Bei Um - Durmann erheben sich am rechten Ufer des 
blauen Flusses zwei nahe an 1000 Fuss über die Ebene, 
folglich bei 3000 Fuss über das Meer ansteigende, ganz 
isolirt in der weiten Fläche stehende Berge , der Okelmi 
und Keduss. Beide bestehen aus Quarzfels, der Kupfererze 
in bedeutender Menge und sehr verschiedener Art einge- 
sjjrengt enthält. Das Land um Roserres , dem Hauptorte 
des gleichnamigen Landes , am rechten Ufer des blauen 
Flusses in 12^ 3' nördlicher Breite, ist hügeh'g und von 
tiefen Regengräben durchschnitten. Es sind Älhivionen, 
die Diluvial- Gebilde 5 Süss^vasser- Diluvien bedecken, die 
überhaupt die ISiederungen zwischen den beiden grossen 
Strömen erfüllen. Die Thebaische Palme entwickelt sich in 
einer Masse, wie sie mir bis dahin nicht vorgekommen war, 
sie bildet ausgedehnte Waldungen , beschränkt sich aber 
vorzüglich auf das rechte bewohnte Stromufer, wo sie bei- 
nahe ausschliesslich mit Adansonien herrscht, während auf 
dem linken Ufer ein dichter undurchdringlicher Urwald 
von Mimosen, Adansonien und Schlingpflanzen steht, bevöl- 
kert von Löwen, Elephanton , Njelen -Antilopen (Addax, 
wenn ich nicht irre), Affen u. s. w., deren Brüllen, Geschrei 
und Pfeifen in der Stille der Tropennächte diesen Wäldern 
einen eigenen Zauber gibt. 

Im Bette des blauen Flusses sieht man zu Roserres 
grobkörnigen Granit mit vielen Gängen von reinem weissem, 
rothem und gelbem Feldspath zu Tage gehen. Dieser Granit, 
der auch Gänge von Diorit führt, ähnelt ganz dem Granite 
der Katarakten von Syene oder Asstia?i und stellt das Grund- 
gebirge der ganzen Umgebung dar. 

Die Ebene, die bisher nur ganz sachte anstieg, fängt süd- 
lich von Roserres an sich stRvk 7Ai heben, das Land wird immer 
hügeliger, westlich zeigen sich auf den Sveiten Savannen des 
Innern viele zerstreute und bedeutend ausgedehnte, aber dem 
Ansehen nach nicht über 4000 Fuss Meereshölie ansteigende, 
ganz isolirte Berge. Dahin alle die Berge der Fangt ^ das 
durch seine wilden und tapferen Neger bekannte Gebirge 



Tubi, «lie Djebel Bor, Gule, Kerebin, Kilgu u. s. w. Im O. 
rücken die Berge aus Ähessinien immer näher ; sie siiui 
auf jener Seite bedeuten«! höher und sammeln sich zu einer 
zusammenhängenden, mächtigen Gebirgsgruppe, deren Berge, 
je weiter östlich liegend, desto höher ansteigen. Die west- 
lichen zerstreuten Berge verlieren sich endlich in den wei- 
ten Ebenen gegen den weissen Fluss zu. 

b) Fassoki und das Land Berta {Dur el Berta). 
Den Lauf des blauen Flusses aufwärts verfolgend , be- 
tritt man in dem Lande Fassohl, von unabhängigen Negern 
bewohnt, zwischen dem 12. und 11. Grad der Breite das 
eigentliche Hochland des alten Alhiopiens. Die westlichen, 
vereinzelt in den Savannen stehenden Berge, vereinen sich 
zu Ümfang-reichern Gruppen, nähern sich einander so, dass 
man den Charakter ihres Einzelnstehens nicht mehr so deut- 
lich wahrnimmt, und konstituiren endlich nach und nach 
ein zusammenhängendes Gebirgsland, welches den westlichen 
Ä.usläufer des grossen Gebirgsstockes von Abessinien bildet. 
Die Östlichen hohen Berge nähern sich dem Strome immer 
mehr, bis endlich sein Bett eine Gebirgsschlucht ward, durch 
die der majestätische Strom , noch immer so gross wie die 
Donau in Unter-Ostreich, seine dunkeln Fluthen wälzt. Die 
ganze Gebirgs-Formation von Fassoki und dem ganzen Lande 
Berta geJiört der Formation unserer Zentral-Alpenkette des 
südlichen Deutschlands an. Es sind Granit, Gneiss, Glim- 
merschiefer und Chloritschiefer , welche das ganze Felsge- 
bäude bilden und in ihrem ganzen Habitus, bis zur Ver- 
wechselung in Handstücken, ihren fernen nördlichen Genossen 
gleichen. Wie in den Alpen, so ist es auch hier sehr schwer 
über die Richtung dieser Gesteinslagen im Allgemeinen etwas 
zu sagen, denn man sieht so mancherlei Modifikationen im 
Streichen und Verflachen, besonders in letzterem, dass man 
genöthigt wird zu glauben, dass diess nicht bloss Folge 
eines gestörten , früher regelmässigen Schichten - Systems 
seyn könne, sondern dass ein Akt ganz anderer Art diese 
Erscheinung bedinge. 



— 5Ü — 

Am Berge Fassohl ergiesst sich der Tumat auf der 
linken Uferseite in den blauen Fluss , so dass der schön« 
über 4000 Fuss über das Meer ansteigende Berg gleichsam 
das Vorgebirge bildet. Der Tumat führt in der trockenen 
Jahreszeit in FassoJtl oberflächlich kein Wasser; denn es 
versitzt daselbst in dem tiefen Sande seines Bettes; im 
Lande Berfa, wo sein Bett grösstentheils felsig ist, enthält 
er hingegen zu jeder Jahreszeit fliessendes Wasser. Der 
Tumat kommt aus S. und entsteht durch den Zusammenfluss 
der Bergströme in den unzähligen Thälern und Schluchten 
zwischen Singe und Fadassi und hat daher nicht die Hälfte, 
jener Länge des Laufes, die Cailliaud ihm zutheilt, welcher 
Fall auch bei dem Inbuss , an dessen üferji Fadassi liegt, 
Statt finden soll. 

Südlich von Fassokl befindet sich das Land oder Dar 
cl Berta, welches aus einer Menge kleiner unabhängiger 
Negerstaaten besteht, von denen jeder mehrere Gebirge und 
Stücke der dazwischenliegenden Ebenen in sich fasst, die 
alle zum Erstaunen stark bevölkert sind. 

Auf der westlichen Seite des Tumat ist der nördlichste 
dieser Negerstaaten , der sich in N. unmittelbar an* die 
Länder der Tahi und Fassokl anschliesst. Köly ^ welches 
Cailliaud cl Koyl schreibt und sehr irrig zwischen den 
Tumat und blauen Fluss versetzt, Köly hat seinen Namen 
von dem Djebel Köly^ dem noch eine Menge anderer unter- 
geordnet sind. Weiter südlich liegt Obi (nicht Ubi oder 
Oubi nach Cailliaud) ein sehr ausgedehntes, in steten Krie- 
gen mit den Gallas verwickeltes Gebirgsland. Zwischen 
Obi und dem Tumat liegt das Gebiet des Djebel Kassan^ 
»n dessen Fnsse sich einige Goldwäschen befinden und 
dessen Oberherrschaft viele der umliegenden Berge, z. B. 
der Kuschanhoru erkennen, der sich durch Ausdehnung und 
Scliönheit der Formen auszeichnet. Obi sowohl als Kassan 
berühren weiter in S. SchongollO) welches der grösste und 
am stärksten bevölkerte Theil von ganz Bcrta ist. Statt 
Schonyollo hat Cailliaud ein Land Namens Dar Foek 



— 53 — 

geschaffen. Diese Benennung beruht auf einem Missver- 
ständnisse. Dar Fok heisst zu deutsch Ober -Land, höher 
liegendes Land. Hätte Cailliaud in Chardum gefragt, wie 
das Land um Woalet el Medineh heisse, so würde man gesagt 
haben Dar Fuh ; in diesem Orte sich erkundigend um das 
Land bei Seniiaar ^ würde er gehört haben Dar Fok ^ und 
Dar Fock wäre vielleicht die ewige Antwort gewesen bis 
auf den Rücken der Mondberge. 

In Bezug auf die Namen-Verdrehungen, ihrer gänzlichen 
Umgestaltung und Verunstaltung, mit dem bescheidenen Be- 
wusstseyn sie besser auszusprechen, als die ihrer Sprache 
vollkommen mächtigen Eingebornen es thun, übertrifft keine 
Nation die Türken 5 daher ifiuch in den Orts - und Länder- 
Namen, welche die Bulletins über die Reise Mehemed Ali's 
nach Fassoki geben, die wahren Benennungen der Orte und 
Länder gar nicht zu erkennen sind. 

Schongollo stösst in S. unmittelbar mit den Ländern 
der Gallas zusammen und verläuft sich in W. mit dem 
Dj'ebel Tai in die Ebenen der Dinkas. Der Gehbel Till ist 
berühmt durch seinen Goldreichthum. Das Gold bricht in 
körnigem Quarz, der mit Eisenglimmer gemengt ist, fein 
und dicht eingesprengt , so dass der Gehalt eines Zentners 
bis an ÖO Loth steigt. Der Till liegt in 10 Grad und 
einigen 30 Minuten nördl. Breite. Bestimmt kann ich diess 
nicht angeben, da ich gegenwärtig nicht im Besitze meiner 
Aufnahmen von den Gipfeln der Gebirge Akaro und Kassan 
aus bin, von wo aus ich ^e\\ Tul sah. Selbst kam ich nicht 
dahin, da ich auf unserm Rückzug von 40 Kamelen bereits 32 
verloren hatte und ich also nicht mehr so bedeutende Seiten- 
Exkursionen machen konnte, indem diese Anzahl Lastthiere 
gerade hinreichte, um im günstigsten Falle den blauen Fluss 
wieder zu erreichen. 

Das Gebirge Geivesch^ Singe und der Chor Pulchidia 
im Lande der Schongollo-^egev, letzterer in der Breite von 
10^ 16', waren die südlichsten Punkte, die ich hier erreichte. 
Vom Gipfel des Gewesch aus sahen Mir in S. noch ein« 



— 54 — 

Masse von Bergen , dann die Ebenen der Gallas vor uns 
liegen. In O. nnd S.O. sahen wir nur hohes Gebirge, Die 
Berge , die uns zunächst unjgaben , schienen keiner die 
Meereshöhe von 6000 Fuss bedeutend zu übersteigen 5 die 
Berge aber in den Ländern der Gallas am blauen Flusse 
und jenseits desselben schienen mir sehr hoch zu seyn, und 
ich sah einige darunter, die, wenn mich nicht in solchen 
Schätzungen der tropische Hinnnel täuschte, eine Meeres- 
liöhe von 8000 und 9000 F. haben mögen. Auf dem Plateau 
ßeschori, der hügeligen Hochebene, welche das Innere von 
Schongollo bildet und durch den malerischen Anblick der 
umliegenden Bergforinen, besonders der drei Granit-Pyramiden 
des Rodochal zwischen dem Gewesch und Tul^ einen unver- 
iöschlichen Eindruck bedingt, sind die Ailuvionen mehrerer 
Bäche und Bergströme Gold-führend, so der PulcMdia, der 
Chor von Singe und besondei-s der Gulschesch, einer der 
reichsten unter allen. 

Der nördlichste Theil des Landes zwischen dem Tumat, 
blauen Fluss und Jnhuss ^ durchaus Gehirgsland, gehört zu 
FassohL Chloritschiefer und Gneiss bilden die herrschen- 
den Formationen, und in ihr Bereich fallen die Goldwäschen 
im Tumat und am Chur Adi. Letzterer liegt zwischen dem 
Gebirge Fasangoru und Fallowud. Daselbst befinden sich 
auch die grossen Quarzlager, weiche Brauneisenstein, Braun^ 
eisenocker und Gediegen-Gold führen. 

Südlicher folgen mehrere kleine Negerstaaten, wie der 
des Gebirges AcJiaro , des Djebels Fahauo mit Goldwäschen 
am Tumat und am Chor el Dahab (Gold -Regenstrom), des 
Djebel Fadoga mit den reichen Goldwäschen des Chors Akön- 
toschy meiner Ansicht nach unter den dortigen Wäschen 
den reichsten, und endlich das Land Kaniamil , mit den 
Goldwäschen am Tumat unA am Gebirge Abgulgi, Kamamil 
8tösst südlich wieder mit Schongollo zusammen. 

Zwischen dem Inbuss und blauen Flusse wohnen Gallas. 
Cailltaud setzt dahin ein Land Chifichon, welches gar nicht 
pxistirt; dafür findet man auf seiner Karte Schongollo nicht. 



— 55 — 

Damit hat es nachstehende Bewandtniss. Ciionchon, nicht 
Chinchon heisst der noch lebende sehr alte IM eck (K^onig) 
von Schongollo. Die INeger und auch schon die Araber 
haben die Gewohnheit hänlig auf die Frage; wie heisst 
jenes Land? den Namen des regierenden MecU oder Schech 
statt iXiiu des Landes zu nennen. Auf diese Art erhielt 
Cailliald das Land Choncho7if währejid andrerseits sein Dar 
Fock unser, d. h. das wirkliche Schongollo ist. 

Auf Caillialds Karte ündet man auch einen zweiten 
INamen für das Land Berta^ näudich Djebel- Auin (Djebel- 
O'ouyn). Auci) das ist ein Missverständniss; denn Djebel-^ 
Auin heisst im Allgemeinen „die Bergbewohner^^ und ist der 
Dual und Plural von Djebelaui »der Bergbewohner" , ein 
Name, den das Land nichr trägt, so?ulern nur allgemein i\en 
Einwohnern gegeben wird, wie man z. B. die Tyroler, Salz- 
burger, Steyermärker u. s. w. Bergbewohner, Hochlän- 
der nennt. 

Das ganze Land Berta ist also ein reines Gebirgsland 
und zwar der westliche Ausläufer des Hochlandes des süd- 
lichen Abessiniens und der Gallas. Es besteht durchaus, 
wie gesagt, aus Granit, Gneiss, Glimmer- und Chlorit-Schiefer 
mit Gold-führenden Alluvionen. Seine Berge steigen nicht 
über 7000 Fuss Meereshöhe an ; seine Plateaus hingegen 
erheben sich bis nahe an 3000 F. Es wird von drei bedeu- 
tenden Flüssen, dem Tumat , Djumbo und Inbuss^ und einer 
sehr grossen Anzahl Bergbäehen und Regenströmen mit tiefen 
Schluchten durchschnitten. Die regelmässigen tropischen 
Regen , die Menge der Bäche , die Flüsse , die durch die 
höhere Lage etwas gemässigte Hitze u. s. w. bedingen in der 
Pflanzen- und Thier-Welt eine Entwickelung, die dem Lande 
alle jene imponirende Schönheit gibt, die dem Tropenlande 
eigen ist, in dessen glänzender Farben - Pracht man jedoch 
jenes Gemüthliche vermisst , was das Herz beim Anblick 
iniserer Buchen- und Tannen- Wälder, unserer bunten Wiesen 
*o innig froh stimmt. 

Das Gebirgs-Land Berta erstreckt sich südlich bis 



— 56 ~ 

Fadassl, den angegebenen Marschroueen zu Folge in etwa 9^ 
40' nördlicher Breite. Dann liegt, so weit meine Gewährs- 
Männer das Termin kennen, ebenes Land vor, welches von 
C« //«-Völkern bewohnt wird. Welter östlich erstreckt sich 
das Gebirosirmd ohne Zweifel südlicher. In den Ebenen 
südlich des Landes Berta^ Alhivionen, gewinnt man wieder, 
wie in Kordofan^ Raseneisenstein, der auch von den dorti- 
gen Callas auf gleiche Art geschmolzen wird. 

IB. 19er blnue F'luss nnd sein östliclies Uferlaiid. 

a) 8 e n n a a r und R o s e r r e s. 

Diese beiden [jänder bilden auch die Ostseite des Fluss- 
gebietes des blauen Flusses^ der bis nach Roserres für be- 
liidene Segelbarken, besonders in der Zeit seines hohen 
Wasserstandes, ohne Anstand schiffbar ist. Die Länder an 
der Ostseite tragen ganz den Charakter der an der West- 
seite. Bei Abu - Haräs münden sich der Rahäd und bei 
Saba- Delebb der De7ider, zwei bedeutende aus Abessinien 
kommende Flüsse in ihn. Zwischen beiden liegt die schöne 
Gesirah el Gesireh , in deren Wäldern man bereits das 
Nashorn (das zweihörnige) gar nicht selten trifft. Zwischen 
diesen beiden Flüssen liegt auch die grosse Stadt el Attisch, 
der gegenwärtige Hauptstapelplatz des Handels zwischen 
dem Sudan und Sennaar mit Abessinien^ den angegebenen 
Routen gemäss, etwa in 12^ 52' nördl. Breite und 32^ 50' 
östlicher Länge von Paris, so wie nördlich vom Rahäd das 
jüngst von den Truppen Mehemed Ali's den Abes&iniern 
(Makadis) abgenommene Kalabat in 12^ 59' nördl. Breite 
nnd 3.3^ 8' östlicher Länge von Paris. Bei Roserres an 
der Insel Mech el Leli (König der Nacht) hat der blaue 
Flvss eine bedeutende Katarakte oder Schellnl, die jedoch 
bei hohem Wasserstande auch mit beladenen Barken passirt 
werden kann. 

Diese Länder bilden ebenes Savannen-Land , mit isolir- 
tt n Berggrnppen, \\\q /.. B. Rhas el Fill (Vorgebirge der 
FIcphanton ). 



- 57 — 

b) AifU Ramla und das Land der Gttmuss, 
Mit dem Negerlande Abu Ramla ^ so benannt von dem 
gleichnamigen hohen Berge, beginnt auf der Ostseite des 
blauen Flusses das äthiopische Hochlandj an das sich südlieh 
das Land der GumusSy Fassohl gerade gegenüber, anschliesst, 
von Negern bewohnt wird nnd östlich und südlich von Galla- 
Völkern umgeben ist. Bei Famagat am östlichen Ufer drängt 
sich der blaue Fluss zwischen den Bergen Famagat und 
Fassoki, beide Gneiss und Chloritschiefer, durch einen sehr 
pittoresken und an eine geographische Meile langen tiefen 
Engpass, Schellal von Fassohl genannt. Von da aji sah 
ich das Bett des blauen Flusses wieder bis in die Nähe 
des Fallowud Felsen-frei und schitfbar; weiter hinauf jedoch 
sollen bedeutende Katarakten und darunter wirkliche Was- 
serfälle seyn, die ich jedoch leider nicht besuchen konnte. 

Das Land der Gumuss ist ein schönes freundliches 
Gebirgsland. 



Wenn wir diese Skizze kurz durchgehen , so erhalten 
wir über das von mir bereiste nordöstliche Afrika vom 
Mittelmeere bis nahe an den Äquator nachfolgenden Überblick: 

1) Kreide und tertiäre Gebilde. Ebene und gebirgige 
Wüste. Das Kulturland auf den Nil und auf Oasen be- 
schränkt. Agi/pte?i, Vom 31. bis zum 26. Grad nördl. Br. 

2) Muschelkalk und bunter Sandstein, Durchbrüche, 
Bergketten abnormer Fels - Gebilde. Ebene und gebirgige 
Wüste, im südlichsten Theile Übergang in Savannen-Land. 
Pas Kulturland auf den Nil beschränkt. Ägypten, Nubien» 
Vom 2(). bis zujn 15. Breitegrade. 

3) Bunter Sandstein und Älluvial-Gebilde. Selten Durch- 
brüche abnormer Felsarten , obwohl sie das Grundgebirge 
bilden. Savannen-Land. Ebene, Norden von Kordofan und 
Sennaar. 15. bis 13. Breitegrad. 

4) Granite und Porphyre, isolirte Berggruppen bildend, 
in den Ebenen bedeckt von Alluvium. Savannen - Land. 



— 58 — 

Ebene 1100 Fiiss über dem Meere erhaben. Süden von 
Kordofan und Sennaar , Roserres. Vom 13. bis zum 12. 
Breitegrade. 

5) Granit , Gneiss , Glimmer - und Chlorit-Schiefer der 
Alpen mit Gold-führenden Alluvionen. Gebirgsland, südlich 
von Kordofan und Darfur, Grosse Ebene am weissen Flusse. 
Hochgebirgs-Land am blauen Flusse, Äthiopisches Hochland. 
Die PJatean's zu 3000 F., die Berge zu 7000 F. Meereshöhe 
ansteigend. Alle Fülle der den Tropen eigenen Entwickelung 
der Pflanzen- und Thier-Welt darbietend. Land der Nubas, 
Ebenen der Dinkus, FassoJtl, das Land Berta, das Land der 
Gumuss und der Galla, Vom 12. bis zum 10. Breitegrad. 

6) Weite unbekannte Ebenen, südlich von Nuba und in 
den Ländern der Dinha und Galla, durchschnitten von gros- 
sen Strömen. Savannen, jenseits des 10. Grades nördi. Br. 



Bemerk ii ii g e ii 



über 

den Bau der R ii d i s t e n, 

von 

Herrn Professor Dr. Goldfuss. 

Mitgetheilt in der Versamml. d. Naturforscli. zu Pyrmont im Sepf. 1830. 

Hiezu Tafel I. 



Fast keine andere Familie der Konchylien hat eine so 
grosse Umgestaltung erlitten, als die der Rudisten, und 
zwar aus dem natürlichen Grunde, weil Lamarck in der- 
selben Gattungen vereinigt hatte, die noch so wenig unter- 
sucht waren, dass sie Jiur negative Kennzeichen mit einander 
gemein hatten. Die Gattungs- Merkmale bezogen sich über- 
diess nicht selten auf beschädigte und unvollständige Exem- 
plare oder auf fehlerhafte Abbildungen , und der Eifer Aer 
Naturforscher : auch räthselhafte Geschöpfe so schnell als 
möglich zu benennen und zu klassifiziren, führte so weit, 
dass man die Steinkerne der Radioliten als Gattungen 
beschrieb. Die mit mehreren Gattungen der Rudis ten in 
nächster Beziehung stehenden Hippuriteii hatte man den 
gekammerten Schnecken beigezählt, und die zellige Textur 
ihrer Schaalen gab zugleich zu der Vermuthung Veranlassung, 



— 60 - 

Hass sie zu «leii Korallen gehören dürften, Indess waren 
vorzüglich die FranzÖsiscIien Naturforscher bemüht, die in 
Frankreich vorkommenden Schaalen näher zu untersuchen, 
und Des Moulins erörterte in einer umfassenden, gelehrten 
Abhandlung*) nicht nur den Gang, welchen die Untersu- 
chung jener Konchylien bis dahin genommen hatte, sondern 
bereicherte auch die Wissenschaft durch die Beschreibung 
und Abbildung einer Reihe neuer Arten und durch Bezug- 
nahme auf die Abbildungen des Lapeyrouse **). Er hatte 
den Birostriten als Ausfüllung der Innern Höhlung der 
Sphäruliten und Radioliten erkannt, und bewies, dass 
diese Gattungen nicht generisch von einander verschieden 
sind, wie schon Bruguiere vermuthete. Ferussac, d'Orbigny 
und Deshayes ***) vermutheten und bestätigten die nahe 
Verwandschaft der Hippuriten mit jener Gattung. Die 
Gattung Crania war schon von Schweigger f) zu den 
Brachiopoden versetzt worden, und die anatomischen 
Untersuchungen dieser Thiere bestätigten die Richtigkeit 
jener Stellung. Die Gattung Discina ist nach G. B. So- 
WERBY tt) nicht von Orbieula verschieden, gehört also 
auch wie jene zu den Brachiopoden. In der Familie der 
Rudisten blieben also nur noch die Gattungen Radioli- 
tes d'Orb. (Sphaerulites Des Moul.) , Hippurites und 
Calceola übrig. Diese letztere hatte Latreille ftt) «'en 
Austern beigezählt , während Des Moulins ihre Beziehung 
zu den übrigen Rudisten nachzuweisen bemüht war, und 
die Hoffnung aussprach, dass man wahrscheinlich noch einen 
Birostriten und zellige Struktur bei ihr finden werde. 



*; Charles Des Moulins Essai sur les Sphaerulites^ 8., avec X 
planches lithogr. , Extrait du Bulletin dliist. nat. de la soc. 
Linneenne de Bordeaux, Tom. I, Livr. V, 1827. 
•*) PicoT DE Lapeykouse Description de plusieurs nouv. esp. d^ Ortho- 
ceratites et (htracites. Erlangen 1771 in Fol. , avec XIII pU. 
***'*) Ann. des Scienc. nat. Jun. 1825, S. 205. 
t) Nattirgesch. der skclettlosen Thiere, S. 690. 
tt) Linn. Transact. Xllt, u, S. 472. 
ttt) Familles natunlfrs du rci/nr animal, iibcrs. 1827, S. 202. 



Ol — 

Es haben aber «liese Sclinaleii in ihrer äussern Form eine 
so grosse Ähnlichkeit mit jenen Terebratein, welche 
Dalman zu seiner Gattung Cyrtia rechnet, dass man sich 
gezAvungen sieht , ihre sogenannte Sohle als eine grosse 
Area zu betrachten, auf welcher überdiess auch ein ver- 
wachsenes Deltidium leicht zu erkennen ist , welches im 
jugendlichen Alter einem Keftmuskel den Durchgang gestat- 
ten konnte. 

Was die Radioliten und Hippuriten anbelangt, so 
wurden auch diese von Latreille den Braehiopoden bei- 
gezählt, von Des Moulins dagegen mit den Calceolen als 
Stamm der Rudisten- Familie betrachtet, deren Eigenthüm- 
lichkeiten er zu erklären bemüht war. Durch unsern Freund 
HöNiNGHAUS auf die Ähnlichkeiten mehrerer derselben mit 
den Balanen aufmerksam geworden, suchte er es wahr- 
scheinlich zu machen, dass sie zwischen den Tunicaten 
und den Cirripeden in der JMitte stünden, und dass 
der Birostrit nicht der Abdruck der Schaalen- Höhle, son- 
dern die Ausfüllung eines sackförmigen Mantels sey. Allein 
gegen diese Ansicht ist einzuwenden, dass die äussere Haut 
der Tunicaten die Stelle der Koncliylien-Schaale vertritt, 
und dass die Balanen nicht zu den Muscheln, sondern zu 
den Crustaceen gehören, so wie auch die Schaalen der- 
selben nicht aus Zellen bestehen, sondern nur mit senkrech- 
ten Röhren durchzogen sind *). Wir werden auf die Tex- 
tur der Radioliten und Hippuriten zurückkommen, 
wollen jedoch vorerst die Gestaltung der innern Höhle der- 
selben näher beleuchten, welche sich bei einigen Exemplaren 
ton Sphaerulites agariciformis unserer akademischen 
Sammlun^f vollständig erhalten findet. 

Alle Hippuriten und die meisten Sphäruliten 
(Radioliten) haben an einer Seite ihrer untern Klappe 
eine von oben bis nach unten gehende Furche (Fg. 1, 2, 3 a) 



) Wovon man eine nähere Darstellung findet in „Bronn-s Ergebnisse 
ökonomisch-naturhislorischer Reisen, 1831^ II,'' S. 486—501, Tf. iv. 



-^ 62 — 

und zwar, wenn sie gebogen sind , meistens an ihrer kon- 
kaven, seltener an ihrer konvexen Seite. Bei den stark ge- 
furchten Hipj3 u riten ist sie nicht immer deutlich genug von 
den übrigen Furchen ausgezeichnet , und bei den krausen 
und blättrigen Sphäruliten meistens mit überragenden 
Blättern verdeckt. Untersucht man aber die innere Höhlung 
dieser Schaalen , so findet man bei allen einen der Furche 
entsprechenden, nach innen eindringenden Grabt (Fg. 2, 3 b), 
der offenbar in Folge einer von aussen nach innen wirken- 
den Einschnürung entstanden ist. Die ^chaale faltet sich 
nämlich, und der Grabt entsteht durch die Duplikatur der- 
selben. Diese Furche sehe ich für die Rinne eines im 
jugendlichen Alter wirksamen Heftmuskels an, dem später 
die Aufvvachsung der Schaale zu Hülfe kam, der aber auch 
«och im Alter mehr oder weniger in Thätigkeit blieb. An 
jeder Seite dieser Furche liegt ein nach aussen vorspringen- 
der Wulst (Fg. 2, 3 c). Die äussere Gi'änze dieser Wülste 
wird ebenfalls durch Furchen (Fg. 2, 3 c) bezeichnet, wel- 
chen innerhalb vorspringende Duplikaturen (Fg. 2 , 2 c) 
entsprechen. Dadurch werden im innern Räume der Schaale 
zwei weitere oder engere Rinnen gebildet (Fg. 2, 3 f , ff), 
welche bei manchen Hippuriten fast geschlossene Röhren 
darstellen , wesshalb man sie auch für den Sipho einer ge- 
klammerten Schnecke ansah. Öfters ist einer dieser Grahte, 
bald der rechte, bald der linke, weniger ausgebildet, so dass 
die Rinne (ff) mit dem übrigen Räume verfliesst. Solche 
Schaalen schienen ai<?o nur einen Sipho zu besitzen. Des- 
HAYES hält jene Grahte für Reste eines Schlosses und ver- 
muthet, dass die Rinne dem Heftmuskel zum Ansatz diene ). 
Die Bedeutung derselben aber erhellet bei der Betrachtung 
der vollkommen erhaltenen Schaale des Sphaerulites 
agariciformis (Fg. 1). Hier sieht man die beiden seit- 
lich einspringejiden Falten oder Du})likaturen mit Schaalen- 
Substanz verdeckt, und nur die mittle ist noch durch eine 

*) Ann. des Si'icnc. nat. iSS-'y, S. 205 und Enri/cl. tn'thodique. 



— 03 — 

Fiii'ohe au^'Oileutet. An i\ev Stelle «iei* Rinnen finden sich 
zwei grosse, tief eindringende Vertiefungen (cp 9), und hin- 
t(»r diesen noeli zwei kleinere, die weniger deutlich ausge- 
sprochen sind. Die ersren zeigen in ihrem Innern Spuren 
von senkreciiten Scheidewänden, durch welche sie unregel- 
iiiässig getheilt waren. Daraus erhellet, dass alle Schaalen, 
bei welchen Duplikatuien und Rinnen sichtbar sind, eine 
Auswitterung der Oberfläche ihrer innern Höhlung erlitten 
haben, wie diess auch bei andern Konchylien aus der Kreide 
vorkommt. Jene Rinnen und die ihnen entsprechenden 
Vertiefungen der volikouimenen Schaale liegen paarig an der 
Stelle, welche die Muskehi^^rben bei den Cranien und 
Terebrateln einnehmen. Diese Analogie ist nicht zu ver- 
kennen, und wir nehmen keinen Anstand, die Überzeugung 
auszusprechen, dass diese Höhlungen vertiefte Muskel- 
narben sind. Entweder waren zwei getrennte Paare von 
Schliessmuskeln vorhanden, oder dieselben so zusammenge- 
drängt , dass sie nur ein Paar bildeten , welches durch 
Scheidewände in mehrere Abtheilungen zertheilt wurde. 
Die grossen und starken Schliessmuskehi, unterstützt durch 
ihre Scheidewände, vermochten schon in ihrer Jugend die 
Sehaale zu zwingen, Ausbiegungen, nämlich die parallelen 
Wülste ihrer Rückenwand zu bilden, welche durch den Ein- 
schnitt des Heftmuskels geschieden blieben. 

Vergleicht man die Erhabenheiten eines Birostriten 
mit diesen Vertiefungen, so fallt in die Augen, dass die 
von beiden Seiten derselben anhängenden Doppelkegel, welche 
man den accessorischen Apparat genannt hat (Fg. 4 
(p (p) die Ausfüllungen derselben sind. Ihre mehrfache Zer- 
theilung rührt von (\en Scheidewänden her, deren Reste in 
den Muskel-Höhlungen noch erhalten sind. 

VV^ir haben bis jetzt nur wenige Gelegenheit gehabt, 
dje innere Höhlung einer obern Klappe zu untersuchen. 
Die äussere Oberfläche der obern Schaale des kleinen , bei 
Mastricht vorkommenden Radioliten, welchen ich Hippuri- 
tes Lapeyrousii (Petref. Germ. tab. 165, fig. 5) nannte, 



— 64 - 

liat zwei gegen den Mittelpunkt konvergirejide , durch eine 
breite Furche getrennte Wülste, welche denen der untern 
Klappen entsprechen und ohne Zweifei wie diese durch 
den Druck der Schliessinuskehi entstanden sind. Die beiden 
Löcher auf der Oberfläche dieser Klappen, welche man als 
eine Eigenthümlichkeit der liippuriten betrachtet hat, 
scheinen nichts anders zu seyn , als durchbrochene Mus- 
kel-Narben. 

Hr. d'Hombres FiRMAS *) hat zwar in einer obern Klappe 
herabhängende Fortsätze bemerkt, welche den Rinnen der 
untern entsprechen , und ist unentschieden , ob er sie für 
Schtosszähne oder Muskeln halten soll. Sie scheinen uns 
Reste des obern accessorischen Kegels des Birostriten zu 
seyn. Bei vollständigen Birostriten sind diese (Fg. 4 g), cp) 
von den untern nur durch eine dünne Zwischenschicht der 
Ausfüllungs-Masse getrennt, die den Raum andeutet, welchen 
der Körper des Thieres einnahm. 

Die symmetrische Lage der Scliliessmuskeln verweiset 
demnach die Hippuriten und Radioliten zu den Bra- 
chiopoden, und es sind bei ihnen nur noch Armstützen 
oder Furchen zur Einlagerung der Arme nachzuweisen, 
welche entweder in der obern Klappe, Avie bei den Tere- 
brateln und Thecideen, oder in den untern, wie bei 
den Cranien gesucht werden können. Bei Schaalen mit 
ausgewitterter innerer Oberfläche ist keine Spur derselben 
vorhanden. Bei ganz erhaltenen untern Klappen fallen sie 
deutlich in die Augen. Bei diesen sieht man an beiden 
Seiten vor den Muskel-Höhlen eine nierenförmige Vertiefung, 
welche nach aussen mit einem über den Saum der Schaale 
hervorstehenden, erhabenen Rand eingefasst, auf ihrer Bo- 
denfläche mit einem Adernetz durchzogen und am innern 
Rande gekerbt ist (Fg. 1 g). Diese Vertiefungen sind den 
Armfurchen mehrerer Th ecideen, namentlich der Theci- 
dea hippocrepis Defr. sehr ähidich. Aus ihrer Form 



') Memoires etohserv. dliiat. nat. Nismes. 1S3S. S. 185. p!. 4, fig. 4. 



— 65 — 

kann geschlossen werden, dass die Arme nur eine geringe 
Grösse hatten, keine Spirale, sondern nur einen Bogen bil- 
deten und kammförinig mit Wimpern besetzt waren. Den 
Abdruck jener beiden Vertiefungen findet man häufig von 
der konkaven Seite des Birostriten in Gestalt kleiner Hügel 
(Fg. 4 y) erhalten , auf welchen schon Des Moulins die 
netzföi'niige Gefäss - Verzweigung bemerkte und auch ver- 
muthete, dass sie von einem Abdruck des Mantels herrühre. 
Da dieser unter den Armen iiegt , um die Oberfläche der 
inncrn Höhlung unmittelbar zu bedecken , so musste auch 
der Abdruck seiner verzweigten Gefässe auf solchen Stellen 
deutlicher bemerkbar werden, wo er durch darüberliegende 
fleischige Organe fester auf die Schaale angedrückt wurde. 
Diese Gefäss- Verzweigung auf der Oberfläche des Man- 
tels ist aber ebenfalls eine Eigenthümlichkeit derBrachio- 
poden, und sie sowohl als das schnelle Wachsthum mögen 
die eigenthümliche^ zellige Textur dieser Schaalen veranlasst 
haben. Auf senkrechten von innen nach aussen gehenden 
Durchschnitten der Schaale sieht maji , dass diese aus hori- 
zontalen oder trichterförmigen, locker übereinander liegenden 
Schichten besteht. Diese Schichten sind durch senkrechte, 
von Schicht zu Schicht mehr oder weniger regelmässig sich 
entsprechende Lamellen getrennt, die von innen nach aus- 
sen verlaufen und so genähert stehen , dass sie mit den 
horizontalen Schichten vierseitige Kanäle bilden , die als 
solche auf der äussern Oberfläche sichtbar werden , so 
dass die Schaale aus rechtwinkeliof durchoehenden horizon- 
talen und senkrechten Blättern zusaramenijesetzt erscheint. 
Während man aber bei allen Hippuriten und Sphäru- 
liten immer nur regelmässig oder etwas verschoben vier- 
seitige Mündungen auf der Aussenfläche bemerkt (Fg. 5 
und 6 a), sieht man auf den horizontalen Blätter-Absonde- 
rungen bei solchen, welche sehr dicke Scliaalenwände haben, 
jene divergirenden , regelmässigen, hie und da dichotomiÄch 
getheilten Kanälchen, bei andern ahei* bemerkt mau nnf 
solchen Flächen Reihen von sechsseitigen Zellen. Die 
Jaljrgnng 1840. 5 



— . 66 — 

«enk rechten Wände jener KanäJchen sind nämJich nicht im- 
mer gerade verlaufend , sondern vielmehr bei den meisten 
Arten im Zickzack gegen einander gebogen, und dadurch 
stellenweise einander genähert oder von einander entfernt. 
Bei jeder Näherung verbinden sie sich mit einer feinen 
Queerwand , und bilden auf diese Weise die sechsseitigen 
Zellen (Fg. 6 ß), welche auf einer wellenförmigen und nicht 
in einer (]av Blätterlage entsprechenden Bruchfläche auch 
fünfseitig und unregelmässig durcheinander geworfen er- 
sclieinen. Eine ähnliche, nur minder regelmässige, zellige 
Textur sieht man auch bei der lebenden Crania persona ta, 
bei der fossilen Crania porosa Mümst. {Pefref. Germ, 
tab. 162, flg. 8); auch ist sie bei allen Cranien und Theci- 
deen, welche einen körnigen, innern Rand haben, angedeutet. 
Der erörterte innere Bau findet sich sowohl bei den 
Sphäruliten als auch bei den Hippuriten ganz gleich- 
förmig 5 und es fragt sich daher , ob beide generisch von 
einander verschieden sind. Die Hippuriten, sagt Des Mou- 
LiNS, sind innen nicht konzentrisch gestreift wie die Sphä- 
ruliten, verlängert, röhrenförmig und gekrümmt, ihre 
Schichten stecken becherförmig in einander und bilden im 
untern Theile der untern Klappe falsche Scheidewände; 
ihr Deckel ist flach. Allein die obere Klappe mehrerer 
Sphäruliten ist ebenfalls flach; bei beiden liegen die 
Schaalen-Schichten trichterförmig über einander, und bilden 
auch bei den Hippuriten konzentrische Streifen, wenn 
die Bodenfläche derselben aufgelöst ist. Bei den kegelförmig- 
verlängerten Hippuriten blieben indess mehrere dieser 
Bodenschichten in Zwischenräumen erhalten und stellen die 
sogenannten falschen Scheidewände dar, während sie bei 
den kürzern Sphäruliten gewöhnlich alle verschwunden 
sind. Jedoch auch bei S phaerulites caiceoloides und 
Sph. ventricosius sind solche Scheidewände in Exemplaren 
«Un\ hiesigen Samitiluiig vorhanden, und Sjiuren derselben 
sjoht man auch in Birostriten anderer Arten. Die grössere 
Länge und die gebogene Kegelform der Hippuriten allein 



__ 67 — 

«her kann einen generisclien Untersciiied nicht bedingen, 
da aneh die verscliledonrn Arten anderer Gattungen bald 
mehr in die Hohe, bald n»ehr in die Breite gewachsen sind. 
Es erhellet demnach, dass sich beide Gattungen nicht durch 
wesentliche Merkmale unterscheiden , und dass sie also zu 
vereinigen sind j wie diess Hr. D Hümbres Firmas *) bereits 
für nothwendig anerkannt hat. Der INaine Hippurites 
verdient als Gafctungs-Name den Vorzug, da er der ältere 
von beiden ist. Durch die Versetzung dieser Gattung zu 
den Brachiopoden wäre also die Familie der Rudisten 
erloschen. Wie aber die Gattungen derselben eine genauere 
Untersuchung forderten , so dürfte auch die Unterschei- 
dung der Arten der Hippuriten noch einer vielfältigen 
Berichtigung bedürfen. Durch ihr rasches Wachsthum und 
ihr geselliges Zusammenleben wurden sie gezwungen, sich 
bald nach der Breite, bald nach der Höhe auszudehnen **) 
und eben so zahlreiche Spielarten zu bilden, wie man diese 
bei den geselligen Austern findet. Manche derselben, die 
vereinzelt in den Sammlungen sehr ausgezeichnete Formen 
haben, dürften bei Vergleichung einer ganzen Reihe als 
Spielarten zusammenfallen. Was den sonderbaren Retepo- 
ren-artigen Überzug auf der obern Klappe derselben anbe- 
langt, so scheint er zum Wesen dieser Muscheln zu gehö- 
ren, da er sich nur auf der obern, aber niemals auf der 
untern , Klappe findet und bei verseiiiedenen Arten auch 
verschieden ist. 



Erkl&rungr der Abliil dsa ngren« 

Fg. 1 . Einsicht in die innere Höhle einer vollkoninien erhalteneu untern 
Klappe des Hippurites a <; ;i ri ci for nn* s. 
a) Die Furche für den Het(jnu»kel. 
9?) Höhlen für die Schliessmuskeln. 
g) Armfurchen. 
., 2 , Einsieht in die innere Höhle eines in der Auswitterung begrlße- 
nen Exemplars derselben Species. 



•-) I. c. S. 170. 
*'•; V. Buch in Zeitsrhr. f. Min. 1829, S. 376. 



— 68 — 

e), d), e) Falten und Duplikaturen der Schaale, um die 

f)f £f) Höhlungen der Schliessniuskeln zu bilden, deren inneren 

Wände ausgewittert sind, 
g) Stelle der Arnafurchen. 
Fg. 3j Hippurites costulatus nob. Die Oberfläche der innern Höhle 

ist ausgewittert. 
„ 4 j- Der Birostrit von Hippurites Höninghausii. 
h) Ausfüllungsmasse der Höhle der untern und 
i) der obern Klappe. 

9) Ausfüllung der Muskel-Höhlen der untern und 
cp) obern Klappe. 
y) Ausfüllung der Armfurchen. 
„ 5, Vergrösserte Durchschnitts-Flächen von H. dilatatus und 
,, 6 , H. Jouannetii. 

a) Äussere senkrechte Oberfläche. 

ß) Obere horizontale Fläche. 

y) Senkrechter Queerdurchschnitt. 



Cb 



er 



die beiden fossilen Hirsch - Arten, die 

gewölinlicli mit dem Namen Cervus Al- 

ces fossilis und C. Elaphus fossilis 

bezeiclinet werden, 

von 

Herrn Münzmeister G. G. Pusch 

in Warschau. 
Hiezu Tafel III. 



Auf sehr verschiedenen Punkten von Europa kommen 
in denjenigen Jüngern Gebirgs - Schichten , die wir mit dem 
Namen der diluvischen zu bezeichnen pflegen: im Löss, 
in dem mit den nordischen Ürfels-Blöcken gemengten Lehm- 
und Schutt-Land und in den alten Torfmooren, nicht selten 
Knoclien Reste und Geweihe zweier Hirsch-Arten vor, die 
bei oberflächlicher Vergleichung allerdings viele Ähnlichkeit 
mit denen des noch lebenden Elenns und Edelhirsches 
haben. Höchst wahrscheinlich sind manche jener beschrie- 
benen Überreste , in neuern Finss - Alhnioiien und obern 
Torflagen aufgefunden, gar nicht walirliaft fossil und darum 
konnten sie auch alle um so leichter den beiden genannten 
iebsnden Hirsch-Arten zugesclirieben werden, als überhaupt 



— ro- 
dle ünterscheidiincr fossiler Hirscli-Arteri bedeutende Schwie- 
rigkeiten hat, \veiiii man etwa niir einzelne Geweihe nicht 
mehr in Verbindung mit dem Schädel vor sich sieht. Ausser 
jenen in Hinsicht auf ihren fossilen Zustand verdächtigen 
Knochen - und Geweih - Resten gibt es aber auch solche, 
welche wahrhaft fossil sind und in Schichten begraben 
liegen, welche zugleich Reste des Bos priscus und Ela- 
phus primigenius einschliessen: von solcher Beschaffen- 
heit sind einige , die sehr wohl erhalten in Polnischen 
Diluvial - Schichten aufgefundeji wurden und von mir eben 
beschrieben werden sollen, und w eiche aller Ähnlichkeit un- 
geachtet doch wohl spezifisch vom lebenden Elenn und Edel- 
hirsch verschieden sind *). 

I. Der vermeintliche Cervus Alces fossilis (Tf. 111 
A). Auf dem zoologischen Museum zu Warschau ist seit 
einigen Jahren ein fossiles , wirklich riesenhaftes Elenn- 
Geweih aufgestellt , und zwar zum Glück beide Geweih- 
schaufeln noch auf dem Hinterschädel aufsitzend. Es ist 
das 5 was ich hier auf Ti. IJl A, Fg. 1 auf -^-q Linear- 
Dimension verkleinert abbilden liess, wobei die Stirnfläche 
in senkrechte Lage gestellt ist, damit die ganze Geweih- 
fläche fast ohne alle Verkürzuno erscheint. Dieses in seiner 
Art vielleicht einzige und fast ganz vollständig erlialtene 
Exemplar wurde an den sumpfigen Ufern des Bug bei 
Wyszlitkv aufgefunden, wo der ungeregelte Fluss bei den 
Fluthzeiten die aus diluvischem Lehmland und Torf beste- 
henden üferwände zerstört und aus ihnen schon mehrmals 
fos^^ile Knochen untergegangener Thiere , wie unter andern 
bei Kamienczyh am Einfluss des LiioieC in den Bug unweit 
Wya%höw einen Rh in oceros -Schädel, ausgewaschen hat. 

Nach dem Ansehen der Schädel - Knochen und der 



") IVTehre Gt'Wfilift «lor Art boschrieb schon 1833 IIep.m. v. Meyer 
n\ den KiWii Ada Lt'opoldina , unter Revision der bis dahin b'e. 
k.iniit gewordenen verwandten Reste. (N. Jahrb. f. Min. i836y 
S. 112 -—117), was dem Hrn. Verf. unbekannt geblieben zu scyii 
scheint. D. R. 



— 71 — 

Geweihschaufeln, woran einige Enden abgebrochen sind, 
scheint es in einer sehr eisenreichen Torfschicht begraben ge- 
wesen zu seyn, denn der innere Kern der Geweih-Enden hat 
noch die natürliche fein kariöse Beschaffenheit von weisslicher 
Farbe, ist aber so zersetzt, dass er sehr stark an der Zunge 
häno^t; die äussere im frischen Zustand viel dichtere Ge- 
weih-Masse ist hingegen so innig mit braunem Eisenoxyd- 
hydrat durchdrungen , dass sie einem dichten Brauneisen- 
stein gleicht. 

Die ansehnliche Grösse dieses Geweihs hat wohl Ver- 
anlassung gegeben , dasselbe dem Irischen iRiesenhirsch, 
C. megaceros Hart zuzuschreiben , was aber durchaus 
irrig ist, weil es durch den Mangel wahrer Augensprossen 
und durch seine ganze Gestaltung wesentlich davon ver- 
schieden ist und sich zunächst der Geweihform unseres 
lebenden Elenns anschliesst. Nach meiner Ansicht ist es 
aber überhauj3t irrig, wenn man den C, megaceros oder 
C* euryceros früher mit dem Namen Älces giganteus 
und Irisches Elenn belegte, denn wenn man nicht alle 
Schaufelhirsche gewaltsam in eine Untorabtheilung des gros- 
sen Genus Cervus zusaramenzvrängen will, so ist gewiss, 
dass er dem Damhirsch viel näher als dem Elennhirsche 
steht. Mag man mit Smith und andern ISafcurforschern die 
Hirsehe nur in natürliche Gruppen (Subgenera) theilen, oder 
nach Ogilby *) diese selbst als Genera unterscheiden, so 
wird man nie ein Recht haben , Aqw Irischen Riesenhirsch 
der Gruppe der Älcinen beizuzählen , sondern man muss 
ihn entweder der Gruppe der Damhirsche (ohne Eckzähne, 
,mit Augensprossen und nur nacli oben geschaufeltem Ge- 
weih) beigesellen , oder nach Kaup's Vorgang als Typus 
einer eigenen Gruppe betrachten , die man zwischen die 
AIcinen und Damhirsche einreihen müsste . so dass dann 



''-} Ogilky in A^n Proceedini^s of ilie ■:,i)olo;y. Soc. of Luadoii . Dec 
iSSö' , S. 131, iiber eine bess«'rtf> Ivlassifikatioii der Wiederkäuer. 
Daraus in Oker's Isis i838, S. '119. 



-- 72 ~ 

ilie Grupj3en am natürlichsten so hinter einander folgten: 
Tarandus, Älcinen, Riesenhirsche (Machlis Kauf), 
Damhirsche, Edelhirsche, Rehe (Caprea Ogilby), 
R u SS a Smith, Muntjae (Prox Ogilby), M aza men Smith^ 
Subulones Smith, die sich sodann an die Familie der 
Moschidae Ogilby anschliessen. 

Ich gebe nun zuerst die Ausmessung des grossen fossi- 
len Elenn-Geweihs im Meter-Maass, 

Das Geweih jeder Seite hatte 13 Enden; der Elenn- 
hirsoh, dem es angehörte, war mithin nach der Jägersprache 
ein 26 -Ender und mithin ein völlig ausgewachsenes schon 
betagtes Individuum, 

Metef. 
Breite der Stirn ohne die Stirnfortsätze . . , , 0,105 
Länge der Stirnfortsätze bis zum Rosenstock , . • 0,046 
Entfernung der 2 Rosenstöcke oben ..... 0,178 

» ,) » » unten 0,252 

Umfang des Rosenstocks ....... 0,200 

Länge der horizontalen Geweilistangen vom Rosenstock 

bis zur Ausbreitung der Schaufel ..... 0,178 

Geringster pmfang der Stange ...... 0,216 

Länge vom Rosenstock bis an die grosse Einbucht. welche 

Vorder- und Hintei'-Schaufel des Geweihs trennt: 

an der rechten Stange . . . . . 0,352 

an der linken Stange ..... 0,432 

Abstand der vordersten Enden der 2 Vorderschaufeln . 0,252 

Grösste Breite des Geweihs von der äussersten Spitze des 

7. Endes au der Vorderschaufel rechts bis ebendahin 

links, auf der Zeichnung von a bis b horizontal gemessen 1,476 

|2ntfernung dej« obersten Enden der Hinterschaufeln c d 

von einander ......... 0,516 

Grösste- Länge einer Stange von der Spitze des ersten 

bis zu der des letzten Endes (c e und d e) horizontal 

gemessen ......... . 0,888 

Grosster schiefer Durclimesser vom ersten Ende der Vorder- 

schaufel bis 3. Ende der Hinterschaufel (e f) horizontal 0,888 

Derselbe auf der untern konvexen Krümmung des Geweihs 

gemessen : 

an der rediten Stange ..... 1,140' 

un der linken Stange 1,080 

Vom untern Rand des Rosenstocks bis zum hintersten Ende 

der Schaufel geradlinig gemessen 0,74S 



— 73 — 

Dabei muss bemerkt werden , dass nothwehdig in der 
Zeichnung das 1. und 2. Ende der Vordersehaufel wegen 
der rechtwinkeligen Aufstellung des Gew'eihs vor den Äugen 
des Zeichners verkürzt erscheinen. Um theils die Gestalt 
der Hinterhaupt-Fiäche j wo der erste Halswirbel anschloss, 
theils die Kürze der Stirnfortsätze bis zum Rosenstock 
noch deutlicher zu machen , ist in Fg. 2 eine hintere An- 
sicht des Schädel - Restes auf ^ verkleinert und in etwas 
schiefer Richtung mitgetheilt worden. 

Eine diesem grossen Geweih sehr ähnliche und auf 
dieselbe Art fossile Geweih-Stange der rechten Seite fand 
ich in der Sammlung des Hrn. Prof. Waga dahier. Diese 
ward im Jahre 1734 bei Johannisherg in Preussen auf gleiche 
Art wie jenes in einem Flussbett aufgefunden , war dann 
sehr lange Zeit in einer Mauer des Dorfes Brzözcsi [?] ein- 
gemauert und kam 1820 nach Warschau, Ich habe dieselbe 
in Fg, 3 zeichnen lassen, woraus hervorgeht, dass, obgleich 
die 4 oberen Enden der Hinterschaufel abgebrochen sind, 
deren Stellung sich aber aus dem Verlauf der Gefäss- 
Eindrücke auf ihrer konkaven Fläche zu erkennen gibt, 
der Habitus dieses Geweihs dem des grossen vorher be- 
schriebenen ganz analog ist. Auch an ihm sehen wir an 
der kleinern Vorderschaufel 7 Enden , von denen das 4., 
5. und 6. aber in ihrer Ausbildung gehemmt wurden und 
nur durch runde Rand-Ausbuchtungen angedeutet sind. Die 
viel grössere ur.d längere Hinterschaufel hat hingegen ein 
Ende mehr, als das grosse Polnische Geweih, nämlich eben- 
falls sieben. Obgleich mithin die Zahl der Enden an dem 
Preussischen Geweih noch um 1 grösser als an dem Polni" 
sehest gewesen ist , so hat es doch eine etwas geringere 
Grösse , w ie sich aus einigen vergleichenden 3Iessungen 
ergibt; denn an dem Preussischen Geweih fand ich nur ; 

Meter. 

Umfang des RosensJocks 0,267 

Umfang der Geweilistange 0.208 

Länge der horizontalen Stang;»: vom Rosenstock bis zur 

j^usbreituiig der Scijaufcl , (),\Q0 



— 74 '— 

Meter. 
Lt'inge vom Rospnstock bis zur grossen Eiubucht zwischen . 

Vorder - nnd llmtor-Schaufpl ...... 0.328 

Grösster schiefer Durchmesser vom 1. Ende der Vorder- 

schaufel bis 3. Ende der Hinterschaufel horizontal . 0.821 

Dessgl. auf der konvexen Fläche gemessen . . . 0,977 

Vergleichen vvii' unsere Ausmessungen mit denjenigen, die 
Graf Sternberg (in den Verhandlungen der Gesellschaft des 
Vaterland. Museums in Böhmen^ ISlU, S. 44 Jf.) zum Ver- 
gleich mit dem bei Köln im Rhein gefundenen Geweih von 
Cervus megaceros von einem 16 -endigen, also auch 
schon ausgewachsenen lebenden Elenn- Geweih gab, so ist 
unser Polnisches bedeutend grösser. 

Um nun ausmitteln zu können, ob diese fossilen Eienii- 
Geweihe ni\^ der Schätlelrest wirklich mit Recht dem le- 
benden Elenn zugeschrieben werden können oder nicht, 
war eine genaue Vergleichung mit denselben Theilen des 
letzten nothwendlg. Das auf dem hiesigen Museum aufge- 
stellte Elenn war ohne Geweihe 5 der Direktor desselben 
Hr. Dr. Jarocki war aber so gütig, zu dieser Vergleichung 
einen dreijährigen Elenn - Schädel mit ansitzendem Geweih 
aus Lithauen kommen zu lassen, den ich desshalb auch auf 
Fg. 6 in Front- Ansicht zeichnen liess. Sodann verglich ich 
noch alle in Warschau auffindbare Geweihe vom lebenden 
Elenn 5 von denen ich, da wir wehig gute Zeichnungen da- 
von besitzen, zwei sehr schöne Exemplare , ein linksseitiges 
mit 9 Enden in Fg. 5. und eines mit 10 Enden von der 
rechten Seite in Fg. 4 nach demselben Maasstab, wie die 
fossilen in Umrissen darstellen liess. Fg. 5 ist die Form, 
wie sie am häufigsten vorkommt, und ich glaube, man 
kann sie als die normale Geweih-Form des lebenden Elenns 
betrachten. Auch die Gestalt Fg. 4 kommt oft vor und 
gleicht sehr den t'ormen , wie sie Cüyier in den Recher- 
ches sur les ossemens fossiles^ 2. edit., Tom. /F, pl. ly, 
fig. 27 und 29 nach Daubenton abbilden liess. Allerdings 
variirt die Geweih - Form noch viel mehr , aber dennoch 



— 75 — 

machen sich einige konstante Haupt- Charaktere bemerklich, 
von denen ich bald sprechen werde. 

Vergleichen wir nun genau die lebenden und fossilen 
Geweihe und Schädel, so habe ich daran folgende wesent- 
liche Unterscheidungs-Kennzeichen aufgefunden : 

1) Stellen w ir den Schädel des lebenden und fossilen 
Elenns senkrecht en face vor uns auf, so ist unverkennbar, 
dass das lebende eine verhältnissinässiff breitere Stirn als 
das fossile hat; denn bei dem dreijährigen lebenden Indivi- 
duum, Fg. 65 ist die Breite der Stirnbeine, wo sie ans 
Hinterhaupt anschliessen , 0,105 Met., also schon gerade so 
viel, als sie bei dem ganz ausgewachsenen fossilen Fg. 1 
beträgt. Bei einem ausgewachsenen lebenden Elenn , das 
sonst in der Forstschnle zu Warschau stand, betrug aber 
diese Breite etwas über 60 Par. Linien = 0,™160. Ebenso 
sind die Stirnfortsätze , worauf sich der Rosenstock bildet, 
bei dem lebenden länger als beim fossilen. Jeder hatte 
beim fossilen 05"''046 Länge , beim lebenden dreijährigen 
0,™0ö4. Darum sind auch die beiden Rosenstöcke beim 
lebenden entfernter von einander als beim fossilen. Diese 
Entfernung beträgt im Mittel gemessen beim lebenden drei- 
jährigen 0,™221, bei einem ausgewachsenen bis 0,"'270, beim 
fossilen ausgewachsenen nur 0,"'21.5. Wir können also an- 
nehmen , dass sich die Stirn-Breite im Durchschnitt beiiii 
lebenden und fossilen Elenn verhält == 1.25 : 1. 

2) Sehen wis' die Schädel in derselben Stellung, als sie 
zu den Zeichnungen Fg. 1 und Fg. 6 dienten , aber im 
Profil an , so erhalten wir vom lebenden jungen Elenn- 
Schädel den ümriss Fg. S, vom fossilen i\e\\ Fg. 7. Hier 
springt wieder in die Äugen , dass der Winkel , den die 
obere Hinterhaupt -Fläche mit der Fläche der Stirnbeine 
und Nasenknochen macht, beim lebenden Elenn 153^ beträgt, 
gerade so wie auch Cuvier's Abbildung 1. c. 3 pl. v, fig. 49 
vom Elenn - Schädel angibt; dahingegen ist dieser Winkel 
beim fossilen Elenn viel weniger stumpf und beträgt, wenn 
wir Stirnbein und Nasenknoehen ganz in derselben Art 



— 76 — 

als beim l^beiulen uns verlängert denken, nur 134^*, unge- 
fähr so, wie beim Schädel von Cervus equinus Cuv,, 
pl. v, fig. 46. Es seheint darnach, dass das fossile Elenn 
seinen Hals mehr aufgerichtet getragen und ein weniger 
ducknackiges Ansehen gehabt habe, als unsere lebende Air. 

3) Die Geweihstangen, die bei beiden Arten rechtwin- 
kelig vom Stirnbein abgehen , sind , w enn man die Schädel 
senkrecht en face vor sich stellt, bis dahin, wo sie sich 
schaufeiförmig ausbreiten, bei der fossilen Art ganz hori- 
zontal gerichtet, bei der lebenden Art aber sowohl in 
der Jugend als im Alter etwas weniges niederwärts nach 
vorn gebogen. 

4) In der Bildung der Geweihschaufeln sind endlich 
auch noch einige charakteristische Unterschiede zwischen 
der lebenden und fossilen Art angedeutet. Besteht gleich 
bei beiden Arten jede Schaufel aus zwei Abtheilungen, 
welche ich mit der Benennung Vorder - und Hinter-Schaufel 
belegt habe, und welche durch die in der Verlängerung der 
horizontalen Geweihstange liegende tiefste Einbuchtung des 
Randes getrennt sind , so scheint mir diese Abtheilung bei 
der fossilen Art doch weit markirter und konstanter, als bei 
der lebenden zu seyn. Ganz bestimmt ist aber die Vorder- 
schaufel bei der lebenden Art stets viel schwächer und 
w^eniger ausgebildet, als bei der fossilen, Sie ist bei jener 
nicht so gross und ausgebreitet, und ich habe an den gröss- 
ten Schaufeln des lebenden Elenns, die ich gesehen habe, 
die CuviER abbildete und die Bujaek *) erwähnt, wenn die 
ganze Schaufel 9, 10 und 13 Enden hatte, an der Vorder- 
schaufel nie mehr als 4 Enden gezählt, während an den von 
mir abgebildeten fossilen 13 -endigen Schaufeln die Vorder- 
schaufel immer 7 Enden zeigt. Noch wichtiger aber sind 
die Riclitungs - Verhältnisse der Schaufel -Enden. Beim le- 
benden Elenn ist es konstante Form, dass die ersten Enden 
der Vorderschaufel niemals gegen einander, d. h. gegen 



') ßiJjAER's Naturgcsclficlite des Elclnvildis. Königsb. 1837, W". 



— 77 — 

die Stirne uelmimmt sinii, sondern beim jungen Gabler sind 
sie, wie Fg. 6 zeigt, stets nach Aussen gekrümmt, und ihre 
Entfernung von einer Schaufel zur andern gemessen beträgt 
bei einem so jungen Tliiere schon 2 F. und etwas mehr. 
Beim altern Schaufelhirsch , wenn sich im fünften Jahre 
aus diesen Vorderenden die Vorderschaufeln auszubreiten 
anfangen , nehmen diese ersten Enden eine beinahe winkel- 
rechte Richtung gegen die Geweihstange an und stehen also 
fast parallel mit den Seitenflächen des Kopfs gerade nach 
vorn gerichtet , wie auch die von mir und Cüvier mitge- 
theilten Zeichnungen nachweisen. Dahingegen sind bei der 
fossilen Art die ersten Enden der mehr entwickelten Vor- 
derschaufeln sehr stark gegen einander, gegen die Mitte der 
Stirn und dabei noch etwas aufwärts über die Stange ge- 
krümmt, so dass bei dem fossilen Sechsundzwanzig - Ender 
ihre Entfernung von einander nur 0,'"252 = lOj Poln. Zolle, 
bei dem vom Grafen Sternberg ausgemessenen lebenden 
Sechszehn -Ender aber 0,"'4tJ0 beträgt. Ebenso steht die 
innere Kante der langen Hinterschaufel beim lebenden Elenn 
fast rechtwinkelig auf der Geweihstange, und die letzten 
Enden beider Hinterschaufeln sind nicht gegen einander ge- 
neigt, wie es bei der fossilen Art der Fall ist, wo sie ein- 
ander mithin auch näher liegen. Die ganzen Schaufeln 
haben also bei der lebenden Art eine ganz parallele Lage 
neben einander, bei der fossilen aber neigen sie sich vorn 
und hinten stark gegen einander. Nach Graf Sternberg 
sind die hintersten Enden beim lebenden Sechszehn-Ender 
0,'"758 von einander entfernt, bei unserm grössern fossilen 
Geweih nur 0,™516. Stellt man die Köpfe in ihrer natür- 
lichen Lage vor sich, so ist beim lebenden Elenn das ganze 
Geweih in einer solchen horizontalen Stellung, dass die 
vordere Schaufel gQg^n vorn und etwas weniges nach unten 
geneigt , die Hinterschaufel aber gegen hinten aufwärts ge- 
bogen liegt ; umgekehrt ist bei der fossilen Art die vordere 
Schaufel mit ihrer obern konkaven Fläche aufwärts gegen 
hinten gerichtet. Auch diess spricht dafür, dass dieses 



— 78 — 

Thier seinen Kopf mehr aufwärts, wie der Edelhirsch seine 
Geweihe mehr hinterwärts gelegt als das Elenn tvng. 

Nehmen wir diese bisher aufgestellten Unterschiede alle 
zusammen j so scheint es mir nicht mehr zulässig, das fos- 
sile Elenn für völlig identisch oder nur für eine Abart 
unsers lebenden Europäischen Elenns zu halten , und noch 
viel grösser ist der Unterschied in den Geweihen , wenn 
liian es mit dem Amerikanischen Elenn (Moosedeer) ver- 
gleicht, das ohnedem vielleicht nicht ganz mit Recht für 
völlig gleich njit dem Europäischen gehalten wird. Sehr 
wünschenswerth würde es aber seyn , wenn andere Natur- 
forscher, die vielleicht im Besitze ganz erhaltener fossiler 
Elenn-Schädel seyn sollten, durch meine Bemerkungen ver- 
anlasst würden, meine Vergleicliung noch weiter zu prüfen. 
Die suh 1 und 2 bemerklich gemachten Unterschiede schei- 
nen mir die wichtigsten zu seyn, und nach dem ersten 
dürfte es erlaubt seyn, das Europäische lebende und fossile 
Elenn als 2 Arten durch die Namen 

Ale es p la t y ce p h a 1 u s (lebendes) und 

Älces leptocephalus (fossiles) zu unterscheiden. 

H. C e r v u s E I a p h u s f o s s il is ( Tf. 1 11 B). in den- 
selben sumpfigen Niederungen am Bug und Nareio^ wo das 
grosse fossile Elenn - Geweih gefunden wurde , sind auch 
ntehrmals auf gleiche Art in fossilen Zustand übergegangene 
Hirsch-Geweihe vorgekommen , die grosse Ähnlichkeit mit 
denen unsers Edelhirsches haben. An einem auf dem hiesigen 
zoologischen Museum aufbewahrten , das nach demselben 
Maasstab, wie das Elenn-Geweihe auf Taf. III B, Fg. 1 abge- 
bildet ist, bemerkt man, dass die beiden untersten Sprossen, 
die sogenannte Augen - oder Ohr- oder Eis-Sprosse, einander 
bedeutend näher als am jetzigen Edelhirsch von gleicher 
Geweih - Grösse standen. Bei einer ziemlichen Anzahl von 
Hirschgeweihen, die ich dcsshalb verglich, sah ich nichts 
Gleiches : ich fand vielmehr, dass bei ihnen die Entfernungen 
zwischen der 1., 2. und 3. Sprosse in»mer fast ganz gleich 
seyen, bei dem fossilen Geweih aber die Entfernung zwischen 



— 79 — 

der 2. und 3. Sprosse \erhaltnissmässig viel grösser, oder 
d«ss die letzte ungefähr um J hoher gestellt sey, als beim 
lebenden Edelhirsch. Dabei war die fossile Haupt-Geweih- 
stanoe in ihrem oanzen Verlauf stärker als beim Edelhirsch- 
Geweih von gleicher Länge ausgebildet. Die hintern Enden 
der Krone sind abgebrochen; allein ich fand anf demselben 
Museum auch noch ein ziemlich unversehrtes Kronenstück, 
das wahrscheinlich einem gleichen Geweih angehörte, und 
das ich desshalb unter Fg. 2 noch mit abbilden iiess. Ganz 
gleich habe ich beim Eflelhirscli diese Kronen -Form auch 
nicht gesehen, doch will ich darauf kein Gewicht legen, da 
die Geweihkrone des llirsciics allerdings sehr variabel zu 
seyn scheint. üngewiss, ob die bemerkte Vei-sehiedenheit 
zwischen den fossilen und den jetzigen Hirsch - Geweihen 
einigen VV^erth habe , gJng ich nun zur Vcrgleichung mit 
Cuvier's guten Figui-en vom Edelhirsch- Geweih über, und 
da sah ich freilich, dass in Fg. 8, 10, 11 und 12 auf pL in 
im Tome IV der Osseinens fossiles Geweihe abgebildet sind, 
deren 1. und 2. Sprosse ebenfalls sehr genäliert stehen, 
wesshaib er auch S. 25 die Bemerkung macht : A tont dge 
le second nndoniller peüt eire plus au moins rapproche de 
cehd de la base ou du maüre d'midouiller. Beachtet man zu- 
gleich die grössere Dicke und Plumpheit der fossilen Geweih- 
Stange im Vergleich mit der schiankern des Edelhirsches, 
so gleicht unser fossiles Geweih noch mehr dem des Cer- 
vns canadensis, wo der 1. und 2. Sprosse konstant, 
wie bei jenem, sehr genähert gabelförmig bei einander ste- 
hen, wie Cuvier's Abbildungen davon j?/. iii, /z//. 13 — 17 
/vigen. Besonders sind Fg. 14 und 17 auch in Betreff der 
Krone sehr ähnlich mit meinem fossilen Geweih. Das möchte 
nun wenigstens darauf hindeuten, dass in Hinsicht der 
Geweih - Gestalt und -Grösse zwischen dem fossilen und 
lebenden Edelhirsch ein ähnliches Verhältniss Statt gefunden 
habe, als zwischen C. canadensis und C. Elaphus in der 
Jefztwelt. Meine Zweifel über die Verschiedenheit der 
S])ecies waren aber immer noch nicht gehohen , bis mir 



- 80 — 

Hr. Prof. Waga noch ein fossiles Hipsclischädel-Bruehstück 
mittheiJte , auf welchem die Stangen noch aufsitzen , nur 
Schade, dass der Finder dieselben in der Gegend der 3. 
Sprosse mit der [Axt abgehauen hatte. Dieses mir sehr 
interessante Fragment ist von hinten ^ d. h» von der Seite 
des OccijDut abgebildet. Hier stehen nun nicht allein die 
1. und 2. Sprosse gerade ebenso wie bei dem ersten ganz 
gabelförmig genähert neben einander, sondern es erweisst sieh 
auch dadurch, dass dieser Rest einem bedeutend grössern 
Thier als dem gemeinen Edelhirsch angehörte, und dass die 
starken Stirnfortsätze und Geweihe viel genäherter als beim 
Edelhirsch standen, so dass in dieser Hinsicht zwischen 
dem fossilen und lebenden Edelhirsch ganz dasselbe Ver- 
hältniss, wie zwischen dem fossilen und lebenden Elenn eintritt. 
Ich verglich nun diesen Schädelrest, so weit das mög- 
lich war, mit einigen Schädeln des lebenden Edelhirsches, 
und vorzüglich mit einem, woran jede Stange ö Enden hatte. 
Da ergaben sich folgende Verschiedenheiten, in Metern. 

UinFang der Rosenstücke .... 

Abstand der Mittelpunkte beider Stirnfort- 
sätze ....... 

Abstand des innern Randes beider Rosen 

„ des äussern Rands „ „ 

Länge von der Rose bis zum Anfangs- 
punkt der 3. Sprosse 
Länge der 1. Sprosse .... 

„ „ 2. ,, .... 

Umfang der Stange unter der 3. Sprosse 

Bei der Ausmessung der einzelnen fossilen Stange Fg. I, 

in Vergleich mit einer verhältnissmässig gleichgrossen vom 

Edelhirsch, ergaben sich folgende Maase : 

C. Elaphiis. Fossiler H. 

Länge der Stange vom Rosenstock bis zur 

Kronen-Gabelung a— b ..... 0.720 . 0,392 

Entfernung der 1. und 2. Spros.se . . 0.136 . 0,080 

„ „ 1. und 3. „ . . 0,280 . 0,340- 



U. Elaphus. 


Fossiler H. 


0,240 


0,246 


O.IOO 


0,090 


0.040 


0,030 


0,176 


0,166 


* 0,327 *) . 


0,392 '■'*) 


0,240 


0,370 


0,135 ' . 


0,300 


0,166 


0,194 



'^) Bei einer Länge der ganzen Stange vom Rosenstock bis Gablungs- 
Punkt der Krone (von a nach b) von 0,>n720. 
**) Bei einer ganzen Länge der Stange von a na<!li b = 0, "'688. 



81 









c. 


Kiapliu«. 


Fo^silei' H 


_.än»e der 1. Sprosse 


. 






0,240 


0,360 


« 2. „ 


. 


. 




0,135 


0,252 


.. 3. 








0.208 


0,300 


■"mFang des Rosensfotks . 


. 


. 




0,240 


0,276 


„ der Stange gleich 


über der 


3. 








Spiosse .... 


• 






0,145 


0,168 



Diese Messungen werden meine Ansicht bestätigen, dass 
zwischen dem fossilen nnd lebenden Edelhirsch einige Ver- 
schiedenheiten vorhanden sind, die auf einen spezifischen 
Unterschied hindeuten. 

Als ich diese Bemerkungen bereits niedergeschrieben 
hatte, erliielt ich das N. Jahrb. f. Mineralogie etc., 1839, 
Heft 11 und ward angenehm überrascht, als ich darin einen 
Aufsatz von Hrn. Dr. Kauf über die Hirschart fand, die 
den Manu!:ont begleitet. Er belehrt uns darin, dass nach 
LbejTesten desselben aus dem Löss bei Fürth im Odemvalde 
und von Eberatadt dieser fossile Hirsch, den er Cervus 
p r i m i g e n i u s benannt , dadurch vom Edelhirsch verschie- 
den sey, dass 

1) die '6. Sprosse um ^ höher gestellt sey als bei ietzterm, 

2) dass die Stangen enger beisammenstanden und 

3) flass solche unter der Krone bis zur 3. Sprosse 
stark zusammengedrückt seyen, auf eine dem Damhirsch 
ähnliche Ausbildung der* Krone hindeutend, doch ohne sich 
handförmiff wie bei diesem auszubreiten. 

Dieses dritte Kennzeichen finde ich nun bei unserm 
Pulnischen fossilen Geweih nicht, wohl aber stimmt es in 
dem ersten und zweiten und nach Kaufs Abbildung 1. c. 
Tf. H in dem gabelförmigen Beisammenstehen der 1. uiu! 2. 
Sprosse mit dem dortigen sehr überein. Schade, dass 
Hr. Dr. Kauf nicht auch den Schädelrest von Eherstadt mit 
den ansitzenden Geweihen abgebildet hat. 

Sollten die Polnischen und Odemvälder , Geweihe aller 

übrigen Ähnlichkeit ungeachtet desshalb nicht einer Spe- 

cies beigezählt werden können, weil an dem erstem die 

Zusammendrückunof der Stanoe unter den Kronen nicht 

J.ilirgaiif; I84ü. , 6 



— 82 — 

bemerklich, sondern diese durchans rund ausgebildet ist, 
wie bei Cervus Elaphus und C. Canadensis, so 
müsste man annehmen, dass die Polnischen noch von einer 
andern dem Edelhirsch näher verwandten Species abstamm- 
ten, weil sie von der lebenden Art durch die übrigen Kenn- 
zeichen doch verschieden sind. Hauptsächlich unterscheidet 
sich die fossile Art noch vom Edelhirsch durch den kleinern 
Winkel, welchen das Stirnbein mit dem Hinterhaupt bildet. 
Dieser ist beim Edelhirsch l'i'i^ , bei meinem fossilen nur 
110^5 also fast gleich mit dem von Kaup an seinem fossilen 
Cervus priscus aus dem Rhein gemessenen, wo er 113 — 
114^ betrug*). Bei C. priscus war das Hinterhaupt 
hinter dem Geweih vertieft und mit 4 Narben im Quadrat 
gestellt, w^ovon die 2 vordem die tiefsten. Bei dem Polni- 
schen fossilen Hirsch hingegen ist die Hinterhaupt -Fläche 
zwar auch vertieft, aber diese Vertiefung durch die Crista 
nur in zwei ovale Gruben getheilt. 



*) Jahrb. 183Ö, S. 297, Tf. III. 



Brie f w e c h seh 



Mittheilungen an den Gelieimenratb v. Leonhard 

gericlitet. 

Rothenbnriß a. d. Fulda, 19. Mai 1839 *)- 

Durch die im vorigen Jahre eingetretene Umänderung des Bau- 
wesens iui hiesigen Lande , wobei ich meinen bisherigen Wohnsitz 
Marburg verlassen ixuisste und zum Vorstande des Bauwesens für 
Landstrassen und Wasserbau im Kreise Rothenburg hieher versetzt 
winde, bin ich verhindert worden , die auf meinen Reisen etc. gesam- 
melten Beobaciittingen zu ordnen und für Ihr Jahrbuch zu bearbeiten. 
Ein Gegenstand , der mich sehr interessirte und eben unter die Hand 
genommen werden sollte, war das Vorkommen porösen Kieselschiefers 
in. einem westlich vom preussischcn Städtchen Hallenberg liegenden 
Kieselschiefer Bruche, am sogenannten Heidekopf — einem der höchsten 
Berge im Übergangs-Gebirge der dortigen Gegend und zu dem Gcbirgs- 
Knoten gehörend, der die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser bildet. 

Das Kieselschiefer - Lager durch Steinbruchs - Arbeiten in seinem 
Läugen-Piüfil aufgeschlossen, ist wie gewölinüch geschichtet mit einer 
Schichten-Stärke von circa 3 Zoll und in Hunderten von Lagen siclitbar, 
80, dass die fast senkrecht stehende Felswand etwa 40 — 60 Fuss hoch 
ist und ein vielfach gefärbtes Bild wie ßandstreifen darstellt. 

Zu Oberst die durch das Entweichen des färbenden Kohlenstoffes 
ansjir-bleichten ganz weissen Lagen : dann durch mehrer« Nuancen das 
matte Grau, dunkleres Grau und endlich die ganz kohlschwarzen Laj^cn; 
in diesen eingeschlossen eine Lage ganz wciciien, fast mit den Fingern 
zeircibbaren porösen Schiefers, fast so leicht als Bimsstein, von rothem 
Eibouoxyd ganz durchdrungen und hoiizontal und vertikal in prismati- 
sche Stücke wie die andern Lagen zerklüftet. 



*) Durch Zufall verspätet. D. K. 



^ S4 — 

Ich mache Sie hierauf aufmerksam, um durch einen andern in der 
Nähe wohnenden Freund der Mineralogie die Sache näher untersuchen 
2U lassen, mit dem Bemerken, dass die Gebirge der dortigen Gegend 
noch manche andere wichtige Beobachtungen darbieten werden, die hier 
anzugeben der Raum nicht gestatten dürfte. 

Aus meinem jetzigen Dienstkreise kann ich Ihnen neben einigen 
Andeutungen eine Thatsache mittheilen, die auch für das nicht mine- 
ralogische Publikum von einigem Interesse seyn dürfte und den Musaeus- 
schen Volksmährchen angereihet zu werden verdient; es ist diess die 
nachfolgende „Beschreibung des Landsee's von Dens." 

Das Dorf D(;7is (in der HuMBERT'schen Spezialkarte von Kurhessen 
aufzusuchen) liegt nordwärts vom Richelsdorfer Gebirge und etwa \ 
Stunde Weges von den letzten Gruben entfernt im Gebiete des Rauh- 
kalkes, das sich nach W. , N. und 0. weiter erstreckt und mächtige 
Gypsstöcke einschliesst. 

Unmittelbar am Dorfe, wie die kleine Zeichnung (Tf. II A) deut- 
licher macht, liegt ziemlich nahe au der Gränze des Roth-Todtliegenden 
der See, von steilen zum Theil senkrechten Wänden des Rauhkalkes 
eingeschlossen, an seiner Oberfläche etwa 500 F. lang und 200 F, 
breit, ohne sichtbaren Zu - oder Ab-fluss. 

Seine Tiefe betreffend , so hat man solche in älteren Zeiten für 
unermesslich gehalten ; sie beträgt jedoch, wie unten bemerkt, 32 F. 

Folgende Sage, an deren Wahrheit die Anwohner glauben , knöpft 
sich an diesen See: Einstens (das Jahr vermag Niemand anzugeben) 
als die Einwohner von Dens ihr Kirchweihefest begingen und neben 
dorn See tanzten, entstiegen aus dem See drei sehr schöne Jungfrauen, 
reiheten sich an die Zuschauer des Tanzes, und nahmen auf erfolgte 
Aufforderungen der jungen Bursche am Tanze selbst Thcil. Nach 
Verlauf von etwa einer Stunde erklärten dieselben, sie müssten sich 
wieder entfernen , da ihnen aus dem Reiche da unten (auf den See 
zeigend) nur kurzer Urlaub ertheilt sey. Bitten und Zureden der Fost- 
leiite, länger zu bleiben, waren vergeblich, und es stiegen vor aller 
Augen die drei Nymphen wieder ins Wasserreich hinab. Am folgenden 
Tage, um dieselbe Zeit, wo die Jugend des Dorfes wieder im Tanze 
wirbelte, stieg zur Freude der Tänzer eine der Wasserdamen aus dem 
See und erklärte den Bewillkommnenden, es habe ihr das gestrige 
Vergnügen, unter den frohen Erdenbewohnern zu verweilen, so wohl 
gefallen, dass sie heute ohne ihre Schwestern und ohne Urlaub wie- 
der komme. 

Nachdem sie mehrere Tänze mitgetanzt und sich etwa eine Stunde 
aufgehalten hatte, erklärte sie, sie müsse sicii jetzt entfernen. 7\uf 
Bitten und Zureden um längeres Bleiben erwiderte sie: man habe da 
unten strenge Gesetze, sie fürchte, dass sie schon jetzt strenge bestraft 
werde , hotfe jedoch noch Gnade zu finden und werde dieser verlustig 
werden, wenn sie länger oben verweile. Als man sie bittet ein Zeichen 
zw geben, wie es ihr ergangen sey, gibt sie den Anwesenden einen 



— 85 — 

Ring mit folgenden Worten: „Wenn ich etwa eine Stunde fort bin, 
dann werft den Ring^ ins Wasser. Bleibt der See ruhig , so habe ich 
Gnade gefunden : wird der See brausend und roth, dann iiabe ich meine 
Frevelthat mit dem Blute bezahlt," und steigt vor den Augen aller 
Anwesenden ins Wasser hinab. 

Nach einer Stunde wird der Ring ins Wasser geworfen, und es 
entsteht zur Betrübuiss der Kirchweüi - Gesellschaft ein solclws Tobrn 
und Brausen des Wassers, dass solches über die Ufer zu brechen drohet 
und blutrofh gefärbt ist. 

Seit dieser Zeit ist eine Dame dem See nicht mehr entstiegen und 
die Sage ist zu Ende. Hieran kniipft sich jedoch ein historischer Theil. 
Seit dieser Zeit (?) erscheint zuweilen nach Jangen Zeiträumen und 
auf einige Wochen das Seewasser so blutroth gefärbt , dass dasselbe 
statt rother Tinte gebraucht werden kann und. wie noch jetzt im üenser 
Kirchenbuche (wovon unten ein wörtlicher Auszug folgt) zu sehen, 
damit geschrieben w-orden ist. 

Es ist bekannt, dass stehende Gewässer durch Daphnien zuweilen 
roth gefärbt werden; allein merkwürdig ist der Umstand, dass von den 
vielen Landsee'n im Rauhkalke der hiesigen Gegend es der See von 
Dens allein ist, der zuweilen in der rothen Färbung erscheint, alle 
anderen See'n dagegen ohne Färbung geblieben sind. 

Auszug aus dem Kirchenbuche der Gemeinde Dens (jetzt zu Nen- 
tershausen eingepfarrt). 

„Anno 1769, den 13. Jan. wurde hiesiger See wieder roth. Diese 
Röthe dringt auf der Seite nach Nentershausen nach BePlND Wetteräu's 
Haus unter den Steinen herfür und überziehet manchmal den ganzen 
See. Es ist aber kein Blut, wie die gemeinen Leute dafür halten, 
sondern eine karminrothe Farbe , und dieser mein darunter stehender 
Name und Charakter ist damit geschrieben." 

„„Matthäus Simon, Pfarrer zu Dens 1769."" 

(Sehr deutlich und wie mit blassrother Tinte geschrieben aussehend). 

„NB. Bei offenem und regnerischem Wetter ist diess mehreutheils 
geschehen. Bernd Wetterau allhier meint, es habe die Theurung von 
1771 — 72 prognosticirt. 

Am Ende September und Anfang Oktober 1776 wurde der See 
wieder roth und habe damit meinen Namen geschrieben." 

,„,Matthäüs Simon 17 76"" (wie oben). 

„Dieser See, welcher keinen Grund haben soll, wurde von mir 
den 8. März 1814, da er l\ Schuh mit dickem Eis belegt war, durch 
eingehauene mehiere Löciier gemessen und an den tiefsten Stollen 32 
Schuh tief gefunden. 

J. Ch. Biskamp, zeitiger Pfarrer." 



Für den Mineralogen gibt es viel Schönes im hiesigen Krei.se, 
nameutlich 



— 86 — 

1) Die Landsee'n und Erdfälle im Gebiete dfs Raulikalkfs mit den 
mächtigen Gypslagern, Verschwinden der Bäche diMch Klüfte etc. 

2) Durclibrüctie der Basalte durch den bunten Sandstein, den Zech- 
ßtein mit vielfachen Umwandlungen des Neben- Gesteins und den viel- 
fältigen Einschlüssen ; ich nenne nur die Arragonite und die wunder- 
schönen Mesotype von Alpstein etc. 

3) Das Vorkommen der Fiscb-Äbdriicke des Richclsdorfer Gebirges, 
im Augenblick auf dem 21. Schacht. Pygopterus Sc oticus in 
erstaunlicher Menge, Platysomus gibbosus selten, andere Arten 
jetzt seltener; Sa u ri er-Reste selten und nicht ganz deutlich; Pflanzen- 
Abdrucke in grosser Menge. 

4) Speiskobalt krystallisirt , recht schön; Kupfernickel krystalli- 
sirt selten. 

5) Die gewöhnlichen Versteinerungen im Muschelkalke in grosser 
Menge. 

Althaus^ 



Was die neuerdings zu Gunsten des Nepfunismus aufgestellte geo- 
logische Theorie betrifft, so bin ich damit durchaus nicht einverstanden. 
Es wnrft diese Theorie den Chemikern vor, sie hätten nicht eingesehen, 
dass wenn mau koiilensaure Kalkerde im Feuer mit Quarz , Feldspath, 
Glimmer und anderen Kieselerde - haltigen Mineralien behandelt, diese 
aufgeschlossen würden , weil bei einer höhern Ten)peratur Kieselsäure 
eine stärkere Säure ist als Kohlensäure; und dennoch findet man im 
körnigen Kalk: Quarz, Feldspath, Granat, Glimmer, Skapolith u. s. w. 
Diess soll ein unumstösslicher Beweis gegen die plutonische Ansicht 
«eyn. — — Beim gewöhnlichen Druck der Atmosphäre trennt sich die 
Kohlensäure vermöge ihrer Tension von der Kalkerde, ob Kieselsäure, 
oder kieselsaure Verbindungen gegenwärtig sind oder nicht. Die freie 
Erde bemächtigt sich der Kieselsäure und treibt schwächere Basen davon 
aus. Wenn aber die Kohlensäure ohne Tension ist, weicht sie der 
Kieselsäure nicht. Man kann daher unter verstärktem Druck kohlen- 
saure Kalkerde schmelzen , und wo also die Tension der Säure hin- 
länglich überwunden ist, verhalten sich Kieselsäure und kieselsaure 
Verbindungen zur kohlensauren Kalkerde im Feuer, wie auf dem nassen 
Wege. — — — 

Sefströ.m st'f/t «eine Beobachtungen über die Furchen stets fort. 
Wir erwarten bald die Rückkehr eines seiner Schüler, der im hohen 
Norden von Norwegen und sodann die Seeküste hinunter in gleicher 
Absicht Untersuchungen angestellt hat. Die Einwürfe gegen Sefström's 
Ansichten k-inn ich iii hl billigen Wenn auch grosse hervorbrechende 
Wafser-Ansaiuiuliinücn in iUui Schwt'itzfir Thälern Gerolle und Furchen 
im festen GeAtein Isrrrorgibracht haben, .ho beweiset dicss wohl nufj dass 



— 87 — 

Gerolle und Furchen piitstehen gerade «o, wie Sepström angenommen 
hat. Daraus kann man aber nicht den Schiuss ziehen, dass die Unge- 
heuern Gerolle - Massen und die beinalie unveränderte Richtung der 
Furchen über ganz Skundinamen und Finlaud solchen kleinen Wasser- 
Ansammlungen ihren Ursprung verdanken, wie es in der Schweit% Statt 
findet. Die höher gelegene VVasser-Änsan)iniiit)<i;s Stelle fehlt in Skan- 
dinavien ganz; und welche Wassermasse miis«Je das nicht ^eweseti 
seyn, welche über ganz Schweden Berge von 300 Fuss Höhe uud noch 
hoher bis oben abgeschliffen und gefurcht hat. 

Im Granit von Faldun und dessen Nülie hat SefstpiOM ein neues 
den Glimmer ersetzendes Mineral gefunden, welchem er zu Ehren des 
verstorbenen Berghauptm?inns Pihl den Namen Pihlit gegeben. Es 
ist ein Mittelding zwischen Talk und Glimmer, dessen Zusammensetxung 
sich durch die Formel 



um \ ' F 

ausdrücken lässt. 

L. SvATNBERC ist mit einer allgemeinen Untersuchung der Glimmer- 
Arten beschäftigt. Sämmtliche bis jetzt analysirte Arten geben unge- 
zwungen chemische Formeln , die aber einander sehr unähnlich sind, 
ohne dass es ihm bis jetzt möglich gewesen ist, irgend etwas Gemein- 
schaftliches zu finden, was die Glimmer-artige Struktur begründen kann. 

Der Piemontesische Artillerie - General Sobkero, ein sehr tüchtiger 
Chemiker, welcher gegenwärtig Geschäfte halber hier verweilt, hat 
bei mir einen Versuch angestellt, um zu zeigen, dass der Maugan- 
Epidot von St. Blarcel Zinn - und Kupfer-Oxyd enthalte. Er hat in der 
That so viel Kupfer-haltiges Zinn ausgezogen, dass wir vor dem Löth- 
rohre eine grosse Kugel reduziren und nachher ausschmieden konnten. 
Indessen scheint mir das Zinnoxyd kein wesentlicher Bestandtheil des 
Minerales zu seyn. — Sie erinnern sich, dass Kupfer-haltiges Zinnoxyd 
auch in den Olivinen enthalten ist. — Ich analysirte neulich das 
Saidschützer Bitterwasser , welches nach Struve's Untersuchungen 
aus verwitterten vulkanischen Bergarten mit deren Bestandtheilen be- 
laden werden soll. Auch in diesem Wasser habe ich Kupfer - haltiges 
Zinnoxyd in kleiner Menge aufgelöst gefunden. 

Jac. Berzeliüs. 



Kopenhagen, IS. Aug. 183Ö. 

Sie wünschen etwas Zusammenhängendes und Umfassendes über 
meine vierjährige Reise zu hören? — Die ganze Durchsuchung aller 
Azorischen und Kanarischen Inseln wurde ohne eine einzige 
Ausnahme zu Fuss angestellt. Mein unwandelbarer Grundsatz: alle 
Data durch Exemplare der Felsarten zu belegen, machte das unumgäng- 
lich üuthwendig. Die Bruchfitücke zu einem Ganzen liegt>n daher terti;^: 



- - 88 — „ 

abt?r nooli frhit e« mir an Miisse zur Ausarbeitiine;; isxlesspn hin ich 
j^fini bereit, die Fra<;pn nieiner Freunde über Punkte, welche ihnen 
problematisclj sc'ieinen dürften, zn beantworten. Die Sammlungen, 
welche bei allem ungeheuren Aufwände, den diese Reise mit sich 
geführt, dennoch nur auf eine verhaltnissmässig geringe Zahl be- 
schränkt werden mussten, werde ich in einigen der Haupt -Kabinette 
Europa's niederlegen , damit solche Jedermann zugänglich bleiben. — 
Ich bestieg den Pico de Teyde in Gesollschaft eines firn. v. Cologan, 
jetzt Eigenlhümcrs vom berühmten Drachenblutbaum in Orutava, dessen 
schon Alexander v. Humboldt erwähnt. Wir übernachteten auf Alta 
rista (anstatt auf der Estancia de los Ingleses) , wo ich Platz fand, 
ein Zelt aufschlagen zu lassen. Noch vor Sonnen-Aufgang kamen wir 
am Rande des Kraters an. Ein heftiger Nordwestwind wehte so stark» 
dass wir uns an einigen hohen Fels - Stücken v* rwittertcn Trachyts 
halten mussten, die wahrscheinlich Fragmente der Fels - Mauer seyu 
dürften, welche HuMBOiiDT sah. In den letzten Jahren sind, angeblich 
durch grosse Regengüsse — an welche ich jedoch nicht glaube- — sehr 
bedeutende Veränderungen mit dem Piion und dem Krater vorgegangen; 
auch der Grabt ist meist zerstückt und man zieht leicht ungeheure Blöcke 
mit sich herunter, wenn man sich daran halten will. Der Aufgang ist 
im Ganzen mühsam, jedoch wenig gefährlich ; aber das Niedergehen in 
die Caldera de Palma ist es , weil man , wenn der Weg durch den 
ilarnnco de las Aiigiistias wegen der angeschwollenen Gewässer 
nicht zugänglich ist, an den Wänden der Caldera wegkriechen und 
manche weite und tiefe Spalte in einer Höhe von 2 — 3000 Fuss über- 
springen muss. 

Graf Vargas Bedemar. 



Neusohl, 23. Sept. 183Ö. 

Ich beeile mich, Ihnen über meinen vierten Besuch in der Hermenet- 
%er Knochenhöhle Nachricht zu geben. Das frühere Veröffentlichen in den 
Zeitungen des Inlandes hatte zur Folge, dass die Höhle während meiner 
siebenwöchentlichen Abwesenheit von Neiisohl auch von solchen Leuten 
besucht wurde, die für ähnliche Schätze rein keinen Sinn haben; daher 
fand ich bei meiner Rückkehr aus dem nordöstlichen Ungarn die Fundstätte 
so zerstört, dass ich mich kaum zu Orientiren vermochte. Die nordöst- 
liche Niederlage der Knochen, welche in weisser aufgelöster Kalkerde 
vork.MiK'n, fand ich mit g:rossen Steinen überworfen : ich sah mich daher 
veranlasst, meine 8 Arbeiter mehr gegen N.0.0. anzustellen, und zu 
n»einer Freude nicht ohne glänzenden Erfolg; denn kaum war das Ge- 
rolle 3 Fuss tief weggeschafft , so Hessen sl« h schon Kinnladen, los« 
Eckzähne, zarte Gelenke der Vordertatze, wohlerhaltene Rippen, Wir- 
belknochen, Schulterblätter, Hüftpfannen und ungeheure Knochenröhren 
blicken, die alle in «chinjeriger Erde lagen und braun überzogen waren. 



~ 89 — 

Leider kamen die dfizu gehörigen Schädel grösstenthcils zertrümmert 
zum Vorschein: und es f^rlanp: mir ausser einem vvohlerhaltenen Exem- 
plar nur noch einige Bruchstücke aufzuiindcn . die der Hyäne ange- 
hören dürften. Ein dritter Schädel, ganz verschieden von den beiden, näm- 
lich des Urs US spelacus und der vermeintlichen Hyäne, dürfte einem 
mir unbekannten , nicht gar giossen Thiere angehören. Ich sammelte 
unter andern auch eine biauweisse Gallert - artige Substanz , welche 
einen unangenehmen Zwiebel - Geruch verbreitete und einem meiner 
Tjcute heftige Kopfschmerzon zuzoq:, und verwahrte sie hermetisch, so 
dass ich sie an Liebhaber zur nähern Untersuchung vertheilen kann. 
Bis jet^t wäre ich im Besitze von beinahe 1000 Knochenstücken, wor- 
unter sich 38 Schädel befinden, unbprcchnet jenen, welchen Hr. v. Conta. 
grossherz. sächs. Landes-Direktions-Präsident aus Weimar selbst holte. 
Mit diesem würdigen Manne, welcher mich in Neusohl besuchte, traf 
ich in Torna zufällig zusammen. Der gemachte Fund ging seiner 
Versicherung zu Folge sogleich nach Weimar ab, wo er bereits ein- 
getroffen scyn wird. So wären bis jetzt 3 Schädel des Ungarischen 
Höhlenbären nach Deutschland gekommen, zwei nämlich nach Weimar 
und einer an meinen sehr verehrten Freund Geh. Med.-Rath Dr. Otto 
nach Breslau. — Sollten Sie einen wünschen , so wird es mich freuen, 
denselben in Ihren Händen zu wissen. Übrigens behalte ich mir eine 
umständliche Beschreibung dieser merkwürdigen Knochenhöhle noch 
immer vor. — 

Meine Rückreise aus dem nordöstlichen Z7«^/jr/r führte mich auch 
nach Pesth. Icli besuchte das Museum, welches während des Baues 
eines neuen in der Ludoviceischen Militär - Akademie interimal aufge- 
stellt ist, und bewunderte neben den theuern Tyroler - Vorkommnissen 
auch den schönen Meteorstein. Dieser fiel Ende Juli 1837 auf dem 
Budatiner Terrain im Tenetschiner Komitate Ungarns in der Nähe des 
Städtchens Silein zur Erde, der in grösster Länge 9" 8'", in grösster 
Breite 9" 2'" und in grösster Dicke 5" 6 " mass und 19 Wiener 
Pfund wog. 

Der Form nach zu schliessen , scheint er ein Bruchstück eines 
grössern Steines zu seyn, dessen Durchmesser nach dem Umfange des 
Obertheiles dieses Steines zu urtheilen 20" 6'" [?] betragen dürfte. Er 
ist mit einer rein schwarzen, jedoch nicht überall gleichförmigen Kruste 
umgeben, denn dieselbe ist am obern und runden Theile des Steines 
so glatt und rein, dass ihr Ursprung aus einem flüssigen Körper nicht 
bezweifelt werden kann, was noch mehr erwiesen wird durch die Ein- 
drücke, welche darauf in verschiedenen Formen sichtbar sind und so 
glatt und leicht nur in einem weichen Körper eingedrückt werden 
konnten. Die Kruste am untern Theile des Steines ist nicht so rein 
schwarz und glatt, sondern von licliterer Farbe, aber dennoch schwarz 
zu nennen — sie ist granulirt, zerbrechlich und loszulösen, wie sich 
solche auch schon beim Herablullen losgelöst hat. Die ganze Masse 
schlug 2' 6" tief in reine Lehmerde und zwar in schiefer Richtunj: ron 



— 90 — 

50*^ von S.O. nach N.W. eiu, dabei hat die Luft den schon iu Ähren 
«teheuden Weizen iu einem Umkreise von 3' 6" uiedergcdrückt. 

D. ZiPSER. 



Freiberg^ 24. Sept. 1839. 

Wie es schon öfters gegangen , dass bereits bekannte Mineralien 
gleichsam nochmals entdeckt worden , so ist es auch mit einem Körper 
gekommen, nämlich mit dem liercinit. 

Schon im Jahre 1828 hatte ich meinem Freunde Naumann (ür die 
Herausgabe seines Lehrbuchs der Mineralogie eine Mittheilung in Be- 
treff des sogenannten Sp r ödg l as e r z c s gemacht, und ^er liess auch 
S. 583 diese Bemerkung einÜiessen : „Jedoch soll nach Breithaupt 
unter dem WERNER'sehen Sprodglaserz eine wirklich hexagoual-kry- 
stallisirte Spezies befindlich seyn , und in der That zeigen mehrere 
Exemplare im WßRNER'schen ^luseura a-uffallend einen rhomboedrischen, 
den Tafel-artigen Krystallen des Eisenglanzes höchst ähnlichen Habitus." 
Einige Jahre später machte ich den Plus in glänz in Schweigger's 
Journal als das hexagoual - krystallisirte Sprodglaserz sammt Zeich- 
uung einer Kombinatin bekannt. | Jahre später erst erfolgte von Rose 
die anderweite Bekanntmachung mit dem Namen Polybasit, ohne 
Rücksicht auf meine frühere Bestimmung. — So hatte ich ferner den 
antimonischen Blei- Glanz aus dem Münsterthale in der dritten Aus- 
gabe meiner vollständ. Charakter, des Mineral-Systems bekannt gemacht 
und eiu ganzes Jahr später erfolgte Zippe's Bekanntmachung desselben 
Minerals unter dem Namen Stein man nit. 

So eben erhalte ich Zippe's Abhandlung über den He rein it. 
Diess Mineral ist schon seit Jahren unter dem Namen Chrysoraelan 
von Müller in dessen Mineralogie bekannt gemacht gewesen. Ich 
selbst erhielt ein Stückchen von einer rundlichen Masse, die etwa die 
Grösse eines Hühnereies haben mochte. Es waren daran deutliche 
Spuren hexaedrischer Spaltbarkeit — wie an allen Spinellen — und 
oktaedrische Krystaliisation zu sehen. Die oktaedrischen Richtungen 
zeigten eine Art gelbgrünliche Farbenwandlung. Darauf mag der Name 
Chrysomeldn Bezug haben. Dj*s spezifische Gewit:ht fand ich = 
3j928 , und habe soklies iu Erdm.^nn's Journal schon vor längrer Zeit 
bekannt gemacht. Im Übrigen (und auch in diesem Kennzeichen) ist 
<lie äussere Natur ganz so . wie sie von Zippe angegeben wird. Die 
Farbe des Strichs und die Eigenschwere zeigen allerdings eine Diffe- 
renz vom Zeilanit. — Plattner hatte die Güte für die Herausgabe 
meines Handbuclis das Mineral qu?>litativ chemisch zu untersuchen, 
und fand die Eigenschaften in fast völliger Übereinstimmung, wie sie 
jetzt von Zippe bekannt gemacht worden sind. Das Ptesultat jener 
Untersuchung gibt an, dass der Chrysomelau ein Eiscuoxydoxydul- 
Aluminat sey, reicher an E:.<cnoxydoxydu1 ah« der Zeilanit, und «rmer 



-► 91 — 

an Magnesia als dieser : an Kieselerde enthielt er nur eine Spur. Der 
Fundort des Chrysomelaiis ist unbekannt, und das Stück, welches Mül- 
ler und ich gesehen , war unzweifelhaft ein Gesehiebe und ursprüng- 
lich ein Krystall oder doch mit einigen Krystall-Flächen versehen. — 

Über die Eisenoxydhydrat - Erze habe ich eiue Abhandlung fertig, 
die manches Neue enthalten dürfte. 

Noch könnte ich Ihnen von 100 neuen Beobachtungen Meldung 
thun ; allein sie kommen nun bald gehörig gesichtet und verarbeitet im 
2. und 3. Bande meines vollständigen Handbucises. 

Von Krystall-Messungen erlauben Sie mir nur zu bemerken, dass 
in allen mineralogischen Werken das primäre Prisma des Zölestins 
ganz falsch angegeben ist. Um nämlich zu erfahren, ob die Stronterde- 
und Baryterde - enthaltenden Mineralien eben so wesentliche Winkel- 
Schwankungen zeigen als die Kalkerde-enthaltenden , habe ich alle mir 
disponibel gewesenen Zölestin - und Schwerspath-Abänderungen auf das 
primäre Prisma untersucht. Der Zölestin hat aber ein Prisma von 
104** 12' und ist mithin stärker geschoben als alle bisherigen Angaben 
besagen. Den bekannt gewesenen Schwerspath- Winkel habe ich hin- 
gegen nur bestätigen können, und Abweichungen kommen nicht vor, 
ausser solchen kleinen, die sich aus Beobachtungs - Fehlern erklären 
lassen. — Es ist nicht uninteressant, dass der ßrookit ganz dasselbe 
Prisma hat, als der Zölestin, bis auf die Minute genau. Der Brookit 
spaltet auch nach demselben, aber nicht basisch; als Basis betrachte 
ich nämlich die grösste ausgedehnte Fläche, in der Richtung der .'^la« 
krodiagonale gestreift. Strich und spezifisches Gewicht des Biookits 
fand ich ganz wie bei Rutil. 

A. Breithaupt. 



Freiberg, 14. Okt. 183Ö. 

Sehr interessant ist das westliche Basalt-Gebirge Böhmens, dieser 
Pendant des im Leitmeritzer Kreise gelegenen Blittelgebirges, welches 
gleichsam wie ein Gegengewicht desselben bei der Erhebung des Er%'- 
gebirges eine vorzüglich wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Ich 
habe dasselbe nur auf dem linken E^fr - Ufer kennen gelernt, wo es 
sich dicht an den Fuss des Erzgebirges anlegt und dem höchsten 
iPunkte desselben, dem Keilberge bis auf | Meilen Entfernung genähert 
ist. Die basaltischen Konglomerate und Tuffe sind daselbst zu einer 
sehr bedeutenden Entwicklung gelangt ; sie liegen dem Granite, Gneisse 
und Glimmerschiefer , stellenweise auch einer sehr ausgezeichneten 
Granulit-Bilduiig unmittelbar auf, und werden von Basalt bedeckt, der 
Plateau's , hohe Kuppen und biKweilen mächtige Gänge bildet. Im 
Eger-Tha.\tf zwischen Schlackfnwerth und Klösterle , treten solche 
mächtige Basalt- Gänge als «chruffe Feisikämme auf, weiche nicht nur 
die KoHjflomerat« und Tuffe, gondern auch die darunter hervorkommenden. 



— 1)2 — 

aus Granulit bestehenden Felsen - Gehänge des Thaies durchsetzen. 
Eine recht spezielle .Untersuchung wird hier manche interessante Er- 
scheinung entdecken lassen; die meinige, nur auf bald mögliche Her- 
stellung des geognostischen Bildes von Sectio XVI unserer Karte be- 
rechnet, erlaubte mir bei der Kürze der Zeit nur selten eine genauere 
Verfolgung der Einzelnheiten. 

^ C, F. Naumann. 



Mittheilungen an Professor Bronn gerichtet. 

Neuchätel, 18. Sept. 1839. 

Ich war nach der Berner Versammlung mit Studer am Monte 
Rosa und Matterhorn und später, als Stujjer nach Piemont weiter zog, 
hinter der Jungfrau auf dem ^^<-f6CÄ-Gletscher , dann auf dem Rhone- 
Gletscher und endlich bis zur Hütte von Hügi auf dem ^ar-Gletscher; 
überall bestätigen sich meine frühern Beobachtungen; wenn ich Zeit finde, 
schicke ich eine ausführlichere Notitz darüber für das Jahrbuch. Ich 
habe Alles durch einen geschickten Künstler, der mit war, zeichnen 
lassen, um zur Zeit naturgetreue Darstellungen aller dieser Verhältnisse 
herausgeben zu können. Studer wird selbst hierüber an v. Leonharü 
berichten. Das auffallendste neue Factum, welches ich beobachtet habe, 
ist das Vorrücken der HuGi'schen Hütte; sie ist seit 1827 über 4000' 
vorgeschritten. 1830 fand sie Hrci einige hundert Fuss von der Stelle, 
wo sie gebaut wurde ; 1836 war sie über 2000' davon, diess Jahr habe 
ich sie über 4000' davon entfernt gefunden, und doch ist der Gletscher 
da sehr wenig geneigt und die Masse , welche von hinten drückt, ver- 
hältuissmässig zur untern Masse sehr gering, so dass die Erklärung 
der Fortbewegung der Gletscher durch Rutschen und Drücken von 
hinten nichts heisst. Ich empfehle Jedem , der von den Gletschern 
etwas lernen will, vorzüglich die ITni^rrtar-Gletscher und die Gletscher 
zwischen Monte Rosa und Mutterkorn. Der Aletsch ist aber der im- 
posanteste durch seine Grösse und durch die fürchterliche Öde seiner 
Umgebungen. Nichts übertrifft die Politur der Serpentin-Bänke , über 
die der Gfonitr- Gletscher fortschreitet oder in frühern Zeiten fortge- 
schritten ist. Die HuGi'sche Hütte beweist aufs Deutlichste, dass der 
Gletscher je tiefer desto schneller vorrückt. Auf dieser Reise waren 
auch die Freunde Desor und Nicolbt mit; so dass die Beobachtungen 
nicht nur aufgenommen , sondern vielseitig besprochen wurden. Ich 
glaube jetzt Jeden , der auf einige Wochen mit in die Alpen ginge, 
von der Richtigkeit meiner Ansichten über die Gletscher überzeugen zu 
können , und da ich mir vorgenommen habe , dieselben jedes Jahr zu 
besuchen^ bis mir dort Alles bis ins Einzelnste klar ist, wäre mir stets 
zu dies«r Tour, die man ohnehin nicht leicht allein machen kann, 



— 93 — 

angenehme , befreundete Gcst llscliaft sehr erwünscht. Am Vnteraar- 
Gletscher habe ich dieses Jahr auch einige neue Beobachtungen über 
das Auftauchen der Blöcke aus der Tiefe des Eises an der Firnlinie 
gemacht. — Es wird Sie gewiss auch in hohem Grade interessiien, 
zu erfahren , dass Hr. Shuttleworth , längst schon als Botaniker be- 
kannt, den ich auf der Grimsel getroffen, die höchst wichtige und ganz 
neue Beobachtung gemacht hat, dass der rothe Schnee nicht bloss dem 
Protococcus nivalis, sondern 3 oder 4 Arten rother und grauer 
Infusorien und dem Pr o t ococcus nebulosus seine Farbe verdankt. 
Bei oOOmaliger Linear- Vergiösserung schienen ihm die 2 rothen Arten, 
Astasia zu seyn. Zur Bestimmung der grauen wäre aber eine grössere 
Vergiösserung nöthig gewesen. Der Menge nach Terhielten sich die 
Individuen von Protococcus nivalis zu den Infusorien, deren Farbe 
weit lebhafter ist als die des Protococcus, wie 3 oder 4: 1000. Die 
Thierchen starben sehr bald im Zimmer ab; daraus lässt sich die 
grosse Verschiedenheit in der Angabe der Beobachter leicht erklären. 
In den Gletscher - Bächen und kleinen Teichen am Gletscher - Rande 
beobachtete SHUTTtEwoRrH ferner eine Menge Bacillarien, 4 Clo- 
stirium, 2 Diatoma und eine Unznhl JXavicuIa. 

ÄGASSIZ. 



St. Petersburg^ 23. Sept. 1839. 

Ich eile Ihnen anzuzeigen, dass ich so eben von einer zweimonat- 
lirhen Ferien-Reise nach Esthland und auf einige Inseln der Ostsee 
zHiückgfkehrt bin: meine Absicht war hauptsächlich die fossilen Thiere 
des Ksihländischen Übergangs - Kalks in vollständigen Exemplaren zu 
saninicln und sie mit denen von Pawlotvsk zu vergleichen. Diess ist 
mir au(h vollkommen gelungen; ich habe mehrere, früher dort noch 
nicht bekannte Arten gefunden und bin eben damit beschäftigt, sie zu 
bestinimen und bekannt zu machen. Unser Übergangs-Kalk von Paw- 
iuivsk gehört zum Cambrischen System gleich dem Übergangs - Kalke 
von Reval, der Insel Odinsholm, wo ich viele schöne Versteinerungen 
fand, und fast der ganzen Küste Esthltinds ; aber auch das Silurische 
System kommt dort vor, so an dem Dolf/aja-Flufisc , etwa 100 Werst 
von Petersburg im Gdowschen Kreise. Unter andern Merkwürdigkeiten 
fand ich bei Paivlowsk auch einen kleinen niedlichen A s terocrinus, 
der sehr dfm Asterocrinus Murchisoni Mijnst. {Beiträge zur 
Petrej'dktenkunde ; Bayreuth 1839) gleicht. Mit ihm zugleich fand 
sich eine kleine ürbicula, die ebenfalls früher hier noch nicht beob- 
achtet war. Spiriferen, ganz kleine, zierliche, jedoch meist zu einer 
Alt gehörige, sind nur sehr selten in diesem Übergangs - Kalke des 
Cambrischen Systems; sie sind dagegen viel häufiger im EsthUlndischen 
Kalkstein , der auffallend zum Silurischeil Systenje hinneigt. Ich hoffe 
noch vor Ende dieses Jahres einige ausführliche Notitzen über meine 
Unlersuchungen inittheilen zu können. 



— 94 — 

Sie haben vielleicht noch nicht tou dem neuen Feuer - Ausbruche 
unfern Baku am 26, und 27. Jänner alten Styls gelesen: ich will 
Ihnen auch darüber eine kurze Nachricht mittheilen, die sie gewiss 
interessiren wird. 

Der Ausbruch geschah 16 Werst von Baku beim Dorfe Baklichli, 
und zwar mit einem so beftigen Getöse, dass er auf 30 Werste gehört 
werden konnte; der Ausbruch der Flamme war so stark, dass sie die 
Umgegend auf 40 Werst weit erhellte und bis zum Morgen wie ein 
helibrenneuder Scheiterhaufen sichtbar war; auf 3 Werst weit ward die 
Gegend ringsiier mit Erdstiicken beworfen ; der dicke schwarze Rauch 
stieg in Gestalt einer hohen Säule empor und hinterliess in einem Um- 
fange von 40 Werst in grosser Menge kleiner leerer Kügelchen , wie 
Schrotkugeln, die sich aus der verbrannten Erde gebildet hatten. Am 
andern Tage verschwand die Flamme; aber die Erde fuhr noch immer 
fort, an dieser Stelle zu sieden und hin und wieder kleine Spalten zu 
bilden; an einzelnen Stellen floss auch eine Lava-artige Masse hervor, 
aber in viel geringerer Menge, als beim Ausbruche des Berges Massa- 
syr im J. 1830 und bei Altschamoche im J. 1828 (s. meine Reise in 
den Kaukasus und auf dem kasp. Meei\ Tbl. I, S. 203). Nach jenem 
Ausbruche war die Luft weit und breit mit einem Schwefel- Gerüche 
überfüllt. An vielen Stellen in der Erde hatten sich Risse gezeigt, so 
dass die Einwohner ihr Vieh dorthin nicht treiben konnten aus Furcht, 
dass es in jene Spalten hineinstürzen könnte. 

Ich habe mich auch durch die Nachrichten eines Augenzeugen, der 
unlängst aus Pfrsien zurückkehrte, überzeugt, dass der Demuvfnd an 
d»'r Südküste des kaspischen Meeres einem Vulkane seine Entstehung 
verdankt; daher finden sich an seinem Fusse heisse Schwefelquellen, 
uud sogar natürlicher Schwefel au vielen Stellen. 

Da ich jetzt ganz in Petersburg lebe, so trage ich unter andern 
auch die Petrefaktenku ide am Berg-Corps vor, welches viele seltene 
Versteinerungen des Ural und Altai ^ so wie anderer Gegenden Russ- 
lands besitzt. 

Die Anzahl der fossilen Thierreste in der Sammlung des Berg-Corps, 
das sich sonst durch grosse Schatze an seltnen Mineralien Sibiriens 
auszeichnet, ist zwar nicht sehr gross; aber es sind immer einzelne 
auffallende Formen da , die über manche Gebirgs - Formationen neuen 
Aufschluss geben werden. Auch ist die mineralogische Gesellschaft in 
Petersburg reich an mancherlei seltnen vorweltlichen Thier-Formen Russ- 
lands, wovon ich schon eine kleine Probe (Bull, scientifique de VAcad, 
des scienc. de St. Petersb., Tome IV, Nr. 17 ^ 1838) mitgetheilt habe. 

Eichwald. 



Neapel, 28. Sept. 1839. 
Ein paar Wochen lang habe ich die gcognostische Beschaffenheit 
des südlichen Kalabriens unteri$uclit, xiemiich viele Vctsteinerungen 



— 95 — 

gesammelt und nurh dir ElsoneizGiuben von Pa%zano y so wie die in 
diesem Jahre eröffnete Steinkohlen - Grube von Agnano bei Gerace be- 
sucht, welche g^anz bestininit im .Apenniuenkalk liegen. Die Bergwerke 
auf Graphit, Silber, Bhi, Kupfer, welche in früliern Jahrhunderten 
reiche Ausbeute gegeben haben , sind grösstenlheils seit einem halben 
Jahrhundert verlassen. Moro;en reise ich wieder dahin ab, um meine 
Arbeit zu beendigen , indem mir noch das Stück zwischen SquÜlace 
und Stilo fehlt, um eine leidlich genaue geognostische Karte von dem 
südlichen Theile der Provinz fertigen zu können. Über Tarent, Galli- 
poli , Drindisi und den Monte Vulture werde ich zurückkehren. Auch 
habe ich mit dem Jüngern Sartorius von Waltershausen die Rocca 
Monfina flüchtig untersucht; das ist eines der interessantesten vulkani- 
schen Gebirge, die man sich denken kann. Leucitophyre in Masse, in 
Gängen, in deutlichen frischen Strömen und zum Theil mit zollgrossen 
Leuzit-Krystallen, Trachyt , Klingstein , Basalt sind hier Produkte einer 
einzigen grossen Bildung auf einem Räume, welcher kaum die vom 
Vesuv und dessen Bildungen bedeckte Oberfläche einnimmt. Aeich, der 
vorigen Herbst mehrere Wochen dort war, hat Ihnen gewiss schon die 
Resultate seiner Untersuchungen mitgetheilt. 

R. A. Philippi. 



Warschau. 12. Oktob. 1839. 

Meine Nachträge" und Bericuligungcn zur Geogiiosie von Poten^ 
obgleicli aus einzelnen Abhandlungen zusammengesetzt, sind wieder zu 
einem ziemlich bedetitenden V/erkchen angewachsen und werden noch 
» twas mehr anwachsen , weil ich noch einige interessante Objekte vor 
mir habe, zum Theile selbst aus früherer Zeit, mit deren Veröffent- 
lichung ich lange gezauder t habe, an welche ich aber nun doch gehen muss. 

EiiÖDE hat 2 Jahre hintereinander Bessarabien und Pudolien geo- 
gnostisch bereiset, jedoch noch nichts bekannt machen können, weil er 
gleich darauf zu einer andern Untersuchung ins Gouvt. Charkow ge- 
schickt wurde, wo er sich jetzt noch befinden wird, 

PUSCH. 



Derlin, 27. Oktob. 1839, 

Die wunderbaren fossilen Thiere Südamerikrrs kommen jetzt in 
^.anzen Heerdcn zu uns. Dar>tiin's Reise , der 3. Theil der Seereise 
der Ädventiire und Beagle , ist voll der wichtigsten Nachrichten. Jetzt 
konnnt aus Kopenhagen dazu , wie vom Himmel gefallen , Blik pan 
Brasiliens Byreverden för sidste Jorduwwceltning (Blick auf Brasiliens 
Thicfwelt vor der letzten Erdumwälzung) af Dr. LrUD , Lagoasanta 
14. Febr. 1837, Kiöbenhavn 1888, 4*> , Einleitung mit 12 Tafeln sehr 



— 9Ö — 

gut litliographirter Knochen. Seine Adresse ist Mss. Hamann et 
Comp, in Rio de Janeiro, was ich beisetze, weil es leiclit möglich ist, 
dass Dr. Lund im Stande ist, Kabinette mit den fossilen Schilden 
und Zähnen zu versorgen. Vor Woodbiine PjIrish's Description of the 
Province of ßuenos Äyres steht als Titelblatt ein solches fossilea 
Schuppeuthier, welches aus dem Monde zu seyn scheint. 

Leopold von Buch. 



Frankfurt a. M., 16. Nov. 1839. 

Hr. Graf Münster war so gütig mir wieder Mehreres aus seiner 
reichen Sammlung mitzutheilen. Düruuter befand sich eine zweite 
Schildkröte aus dem zur Formation des lithographischen Schielers 
gehörigen Dachschiefer von Kelheim an der Donau, welche zu meinem 
Genus Idiochelys gehört, woran sich aber zumal im hinteren Thcile 
des Panzers Abweichungen von I. Fitzingeri von solchem Belang her- 
ausstellen, dass sie nicht wohl bloss individuell seyn können , wesshalb 
ich die Schildkröte unter der Benennung I. Wagneri für eine neue 
Species halten möchte. 

Ein anderes Stück besteht in einem Fragmente von der linken 
Hälfte des Schädels mit den Eck- und Backen-Zähnen einer Katzen- 
Art aus der Diluvial - Ausfüllung der Guilenreuther Höhle. Dieser 
schöne Überrest bereichert sehr erfreulich unsere Kenntniss von der 
Felis prisca, welche zuerst durch Schmerling aus der Höhle von 
Güffontaine in der Lütticher Gegend aufgestellt wurde. Aus der Gui- 
lenreuther Höhle sind nun drei fossile Katzen-Arten bekannt: F. spelaea, 
die wirklich bestehende F. antiqua und F. prisca. 

Auch erhielt ich dadurch Gelegenheit, die Zähne und einige Kno- 
chen des Phoken - artigen Thiers (Phoca ambigua Münster) abzu- 
bilden und zu untersuchen , welche im Osnabrücker Tertiär- Becken bei 
Bünde gefunden wurden. 

Es waren dieser Sendung ferner viele Knochen kleiner Saurier 
aus dem Muschelkalke von Jena beigefügt, welche weiteren Aufschluss 
über die Beschaffenheit der Wirbel, des Beckens und der Gliedmassen 
geben. Einen Knochen, welchen ich für den Oberaim halte, kenne ich 
Hun in vier verschiedenen Formen , welche eben so viel verwandte 
Species kleiner Muschelkalk - Saurier anzeigen würden. Ein etwas 
fragmentarisches Schädelchen aus dem Muschelkalke von Esperslädt 
trägt unverkennbar den Typus von Nothosaurus an sich und rührt 
wahrscheinlich von N. venustus her, dessen . Schädel bisher nicht 
bekannt war. 

Der tertiäre Paludinen-Kalk zu Mombach unfern Mainz umschliesst^ 
wie Sie wissen , auch fossile Knochen. Gegenwärtig wendet Hr. Hö- 
NiNCHAus diesem Kalke besondere Aufmerksanjheit zu , aber nicht in 
Mombach, sondern bei Lina, eine Stunde von Crefeld, wo dieser Kalk 



— 97 — 

liiiigefultrt wird, um gebrannt zu \ver(l<^n: bo entrinnt ninncl»es Rchöne 
bisher in der Gcsteinsschichte bewahrt geblichene Stück der Gefahr, 
Angesichts des ilini Untergang drohenden Feuers. Hr. Höninghaus 
halte die Gefälligkeit, mir niei.rere auf diese Weise gerettete fossile 
Knochen des Mombachev Tertiär - Kalkes mitziitlieilen. Ich fand dar- 
unter Reste von einem Vogel, der ein Sumpfvogel gewesen zu seyn 
scheint, eine fragmentarische Tibia eines Wiederkäuers von der 
Grosse meines Palaeomeryx Scheuchzeri , untere utid obere Backen- 
zähne von Rhinoceros und Überreste von Fischen, namentlich 
Wirbel, sogenannte Strahlen oder Flossenstacheln, von Knochen jius 
dem Kiemendeckel- Apparate das Operculnm oder Interoperculum und 
das Praeoperculum, und sogar ein grösseres Fragment aus dem Schädel, 
woraus sich aber der Fisch noch nicht genau bestimmen lässt.' 

Herm. V. Meyer. 



Paris, 27. Novemb. 1839. 

Ich war diesen Sommer an den Ufern des Rheines mit den Hrn. 
MuBCHisoN und Sedöwick zusammengetroffen, um nut ihnen die älteren 
Gebirge in Westphahn und IXassau zu studiren. Sie hatten bei meiner 
Ankunft bereits Durchschnitte in allen Richtungen gemacht, und es 
blieben nur die zweifelhaften Punkte noch aufzusuchen. So nahmen 
wir uns zuerst vor zu untersuchen . ob Aor grosse Kalk-Streifen , wel- 
cher vom Rhein über Elberfeld und Iserlohn nach Brilon geht, wirklich 
zum Bergkalk gehöre, wie Deciiek auf .'ieJner neuen geognostischen 
Karte von Mittel-Europa angegeben hat. Inzwischen war es uns nach 
Untersuchung seiner Versteinerungen unmöglich, ihn mit dem Borgkalk 
zu verwechseln, indem seine meisten Polyparien dieselben wie in der 
Eifel, und seine Konchylien theils die der Eif'el sind, theils jene eigen- 
Ihiiralichen Arten von Paffrath , M'ie Strygocephalen, Gypidien 
u. dgl. Der Bergkalk kommt daher nur zu Ratingen und auf einer wenige 
Stunden lange/iStrecke weiter ostwärts vor, jenseits welcher wir ihn 
nicht mehr gefunden haben: so dass von jenem grossen Streifen auf 
der DECHEN'schen Karte nur noch ein kleiner Fleck für das rechte 
Jihein-\]fer übrig bleibt, womit der Belgische Bergkalk in dieser Rich- 
tung ausläuft. 

Der Strygocephalen-Kalk enlliält viele E?7f^ Versteinerungen : aber 
die Eisenerze, welche ihn zu Wetzlar, Brilon und Oberscheld bei 
Pillenburg begleiten, sind voll Goniatiten. welche im Eifeler Kalke 
nicht vorkommen: anderenthcils enthält er bei Wilmar und Paffrath 
einige Arten des Kolslon Systems ")? daher es scheint, man nuisso ihm 

*) Also findet doch aucli MincnisoN eine Vernieneiiug der Arten zweier Systeme 
sobald er über England liinansgeiit , nnd wiid deren wol.l noch nielir finden, je 
weiter er sirli iibcrl.anpt iimsieht. — \-^\. Jahrb. 1839, S. 356, IM. Br. 

Jahrgang JS40. 7 



-- 98 - 

eine Stelle zwisclien dem Silurisclien Kalke der Eifel und dem Berff- 
kalke von Ratingen anweisen. Über diesem Strygocephalen-Kalk kommen 
der rothe Goniatiten - Kalk von Oberschdd oder Adorf und endlich die 
Posidonien- Schiefer von Herborn. Zu Schelke werden diese letztern 
vom Strygocephalen - Kalke durch mächtige Massen von Sandstein mit 
Pflanzen-Resten getrennt und werden durch die Kieselschiefer überlagert. 

Alle Kdlke der Lahn gehören mit den Schichten von Paffrath oder 
Iserlohn zum nämlichen Systeme; sie ruhen auf der an Fossilien so 
reichen Grauwacke von Ems und Koblenz, 

Während nun der wahre, in England so ausgedehnt entwickelte 
ßergkalk in ganz Deutschland kaum zu existiren scheint, entdeckt man 
ihn auf den entlegensten Stellen der Erde, ünsre Expedition nach 
Spitzbergen hat uns Produkten - Kalke, ganz ähnlich dem Mountain- 
limestone der Engländer, entdecken lassen, was um so bemerkens- 
wertber ist, als der Kohlenkalk mit Produkten in Sclnveden nirgends 
existirt. — Ai.cide d'Orbigny hat kürzlich Abbildungen von Produk- 
ten und Spiriferen vom Titicaca-See im mittägigen Amerika geliefert, 
welche, wenn nicht identisch, dodi sehr nahe verwandt sind mit denen 
des Englischen und Belgischen Kohlen- Gebirges. — Endlich hat die 
Erdumseegelungj der Bonite eine sehr schöne Petrefakten - Sammlung 
von Van- Diemens-Land mitgebracht, worunter Produkten und Spi- 
riferen sind, welche ganz wohl denen des Kohlen-Gebirges entsprechen. 

Das Pariser Museum besitzt auch einige Versteinerungen vom Cap 
und aus Neuholland; aber es sind Silurische Arten oder wenigstens 
*äolche, welche ein genaues Studium verlangen, um sie von den Siluri- 
schen zu unterscheiden. Sie wissen, dass auch die Vereinten Staaten nur 

Silurisehe Arten enthalten Diese beiden Systeme scheinen daher 

über die ganze Erdoberfläche eine Regelmässigkeit darzubieten , die 
man sich sicher nicht erwarten durfte. Doch, ich will es den HH. 
Sedgwick und Mürchison überlassen , Alles das auseinanderzusetzen, 
da sie viel länger als ich in jenen Gegenden verweilten, und darüber 
in den Verhandlungen ihrer geologischen Sozietät etwas bekannt zu 
machen gedenken. 

Nächsten Sommer werde ich vielleicht mit Murchison nach Schtve^ 
den gehen, um die Übergangs-Gebirge dieses Landes zu studiren. 

Deshaves' Arbeiten, sein Handbuch der Konchyliologie und die 
neue Ausgabe von Lamarck , werden wohl einige Unterbrechungen er- 
leiden, da er zum Mitglied der wissenschaftlichen Kommission in Afrika 
ernannt worden ist und dieser Tage abreist. 

Ed. de Verneuil. 



Neue Literatur. 



A. Buche r. 



1837. 



E. BiDAiJT : de la honille et de son exploitatiun en Belgique , speciale" 
meiit dans la province de Natnur , arec une carte geologique. 
Bruxelles. 

Ed. Blavier : essai de staiistique mineralogique du departement de la 
Mnyenne. Paris 8°. 

1838. 

Dr. Luisd: Blik paa Brasiliens Dyr er erden f'ör sidste Jordumwceltning. 
Kiöbenhavn 4^. 

C. Hartmans : Taschenbuch für reisende Mineralogen, Geologen, Berg- 
und Hütten-Leute durch die Haupt -Gebirge Deutschlands und der 
Sehweite (414 SS. S^), nebst einem Atlas mit 14 Quart -Tafeln 
geologischer Kärtchen und Profile, Weimar [G fl. 45 kr.] 

1839. 

L. AüAssiz : Description dt'S Echinodermes fossiles de la Suisse ; pre- 
filiere partie, Spatangoides et Clypeastroides (extrait du Vol. IJT. 
des ^ouv. Mem. de la societe helvet. des scienc. nat.) 101 pp. 
H ppl. 4^. ISenchätel *). 

H. DE LA Beche : Report on the Geolvgy of Cormvall , Devon and 
West- Sommer seit London 8*^ with plates. 

L. V. Buch: über Goniatiten und Clymcnicn in Schlesien, eine 
in der k. Akad. der Wissenscb, am 1. März 1838 gehaltene Vorle- 
sung, 21 SS. 4^, nebst einer Karte und 1 litli. Tafel Abbildung. Berlin. 



'■) Ist nur in wenigen besondren Exemplaren abgedruckt und nur zu beziehen von 
„Coüi-ON, President du Comite de puiUcatiou des Memoiret de la societe hdvd- 
tiqu€ dts scienc. mit., ä Nenchätel". 

7* , 



— 100 — 

C. G. Ehrewberg: Mikroskopische Analyse des Curländischen Meteor- 
Papiers von 1836, und Erläuterung desselben als ein Produkt ]v\ii 
lebender Confervrn und Infusorien. (Ein Vortrag in der Akademie 
der Wissenschaftrn zu Berlin am 6. Der. 1838), 14 SS. 2 Tf. in 
Fol. Berlin [3 fl] 

C. G. Ehrenberg : die Bildung der Europäischen, Libyschen und Ara- 
bischen Kreidefelsen und dos Kreidemergeis aus mikroskopischen 
Organismen dargestellt und physiologisch erläutert (nach Vorträgen 
in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 6. und 20. Dec. 
1838 und 18. Febr. 1839), 91 SS., 3 Tabellen, 4 Kupfertafeln, 
Fo!., Berlin [6 fl.] 

J. EzquERRA DEL Bayo : Elementos de laboreo de minas precedidos 
de algu7ias nociones sobre gcognosia y la descripcion de varios 
criaderos de minerales, tanto d^ E.^pafia como de otros reinos de 
Europa. Madrid {447 pp. y 13 lamm.) 8^. 

DE Fitippi : sulla costituzione geoloyica della pianura e delle colline 
della Lombardia, 24 pp. 8^, con una tavola, Milano. 

F. J. Francis: Physical and fossil Geology. London 12". 

H. Br. Geinitz : Charakteristik der Schichten und Petrefakten des 
Sächsischen Kreidegebirges. Erstes Heft: Der Tunnel bei Oberau 
in gpognostischer Hinsicht und die dieser Bildung verwandten 
Ablagerungen zwischen Oberau. Meissen und dem Plauenschen 
Grunde hex Dresden , 30 SS.: ix Steindrucktafeln 4^*. Dresden 
und Leipzig. 

C, G. Gmelin und G. Ppeilsticker : chemische Untersuchung des Faya- 
lits, eines neuen Minerals von der Äzorischen Insel Fayal ; eine 
Inaugural-Dissertation, 15 SS. 8**. Tübingen. 

C. G. Gmeliiv und W. F. C. Klett: chemische Untersuchung des Ta- 
chyiits vom Vogelsgebirge ; eine Inaugural-Dissertation, 15 SS. 8**. 
Tübingen. 

G. Fr. Jager: i'ibcr die fossilen Säugethiere, welche in Württemberg 

in verschiedenen Formationen aufgefunden worden sind, nebst geo- 
gnostischen Bemerkungen über diese Formationen; Stuttgart, in 
Folio* zweite [und letzte] Abtheilung, S. 71—214, Tf. x— xx. 

G. A. Kurtze: Commentatio de Petrefactis, quae in schisto bituminoso 
Mansfeldensi reperiuntur, 3S pp., 2 tbb., 4*^. Halae [1 fl. 12 kr.] 

St. Kutorga : einige Worte gegen die Theorie der stufenweisen Ent- 
stellung der organischen Wesen auf der Erde, 25 SS. 8*^. Bonn. 

K. C. V, Leonhard: Populär Lectures on Geology^' treated in a t^ery 
comprehensive manner, ivith illustrative engravings, translated by 
the rev. J. G. Morris and edited by Prof. F. Hall, Baltimore 8^, 
Nro. I [100 pp ] 

Fr. Moiis: Leichtfassliche Anfangs - Gründe der Naturgeschichte des' 
Mineralreichs, zweiter Theil : Physiographie , bearbeitet von F. X. 
M. Zjppe , 2tc verm. und verbess. Aufl., niit 31 Kupfertafeln 8°. 
Wien [4i Tlilr.j 



— 101 ~ 

G. Robeut: an eiymolotfical and explanatory dictionary of the terms 

nnd ItiugiKigL' of yfoloffi/. London 8" [6 shil.] 
H. T. Rogers: third Annnal Report of the Geoloifical Survey of the 

State of Pennsylvania^ llarrisburg (118 pp. 8^). 
Mar« KL DE Seures, Dübreuil et Jeänjean: llecherches sur les osse- 

mens humatiles dt^s cavernes de Lunel - vüil , 4. avec 21 pll. 

Montpellier. 
Übersicht der beachteiiswerthesten Mineiaüeii inic! Gebirgs-Arten , als 

Leitfaden l'iir den ersten mineralogisch - geo^nostischen Unterricht, 

Hannover. 16 S8. 8"^. 



B. Z e i tscii riften. 

1) Der Bero;werks-Freund, ein Zeitblatt fii'r Berg- und 

Iliitten - Leu te, Gewerke u. s. w. , Jahrgang 1839, Band I 
(Nro. 1—36), 574 SS., 2 litho-^r. Tafeln und 1 Tabelle, Eislehen 8«. 

2) J. C. Freiesleben: Magazin für die Oryktographie von 

Sachsen, in freien Heften; — 10. Heft. Vorkommen der salzi- 
gen Fossilien , so wie der Salz - und Miaeral-Quellen in Sachsen, 
204 SS. 8*^. Freiherff. 

3) Anales de minas publicadas de orden de S. M. la direc- 

cion gen er a l del ramo. {Madrid 8^.) Tomo I (4ö5 pp. 4*^, 9 tab.) 

1838: enthält ausser Gesetzen und bergmännischen Abhandlungen: 
R, DE AiviAR DE LA Torre : Bück auf die Foi fschrltfe und den gegen- 

wärtig;en Zustand der Mineralogie, S. 277 — 321. 
J. EzguERRA DEL Bayo : geognostisch - bergmännische Abhandlung über 

einen Theil des miltägigen Spaniens, S. 322 — 360, 
G. Schulz : Geognostische Übersicht des Fürstenthums Ästtirien, 

S. 361—378. 
G. Schulz: Blick auf den gegenwärtigen Zustand des Bergbaues im 

Bezirke Asttirien und GaU%ien, S. 379 — 398. 
R. Cabanillas: Denkschrift über die Gruben von Almaden, S. 399—448. 

^) Bulletin de la societe geologique de France, Paris S^ 
[vgl. i839, S. 563]. 

1839, X, 241-36S (1839, Mai 6 bis Juni 17). 

Sc. Gras: über die Lage und geologischen Beziehungen des Anthrazit- 
Sandsteines von MontdeLens (Isere), S. 241—243. 

H. DE CoLLEGNo; ISotti libcf das Alter der Kalke am Corner - Si'e, 
S. 244—247. 

Rozet: Note über eine Knochenhöhle im Drpt. Saöne-et- Loire, S. 247— 24«. 

MoREAir: über Lagerung und Entstehungsweise drs /IrÄos^ - Gebirge», 
S. 249 — 253. 

Mellkville : über den Norden des Pariser Tertiär-Beckens, S. 253—256. 

MiCHELJis : über eine gedeckelte Diceras in der Kreide, S. 257. 



— 102 — 

BüviGMER : über den Eisen - führenden Grü'nsand im Aire -T\ia\ ^ und 
Exogyia virg^ula, S. 258—259. 

Cornüel: über die Gebirgs-Bi!dun<^ im Bezirke von Wassy^ S. 286— 291. 

Keilhau: Theorie des Granites u. a. Massen-Gestoine (nach der Bearbei- 
tung in Ef^mö^/rt^/« Phil. Joitrn. i838. April übersetzt), S. 291 — 306. 

DE CoLLEGNo : Über geologische Erscheinungen um Dax^ S. 307 — 311. 

Lejeune : über die geologische Lagerung der oolithischei^ Kalke des 
Burruis, S. 311—313. 

Perrin: meldet die Aufiindung der Per na antiqua Alb. und eines 
schönen Gera tod us-Zahnes im Muschelkalke von Lunemlle, S. 313. 

Deslonchamps hat ein Verfahren entdeckt, um den Apophysen-Apparat 
in Terebratula prisca Schloth. freizulegen; die Spitzen beider 
Spiral-Kegel sind gegeneinandergekehrt, S. 313. 

MüRCHisoN : über das Devonische System, S. 313 — 314. 

V. Meyendorf : man hat nun den Diamant in zwei verschiedenen Ge- 
genden Russlands , und in mikroskopischer Kleinheit auch in Ge- 
diegen-lridium entdeckt, S. 314. 

LA JoYE : über die Bildung des Thones über dem Eisensaud im Yonne- 
Thal, S. 315—317. 

— — über Gewinnung und Zubereitung des Ockers in den Fabriken 
von Souilly und Pourrain, S. 317. 

Lyell: über den Crag Suffolks. S. 321. 

LB CocQ.: Übersetzung von Em^ald's und Beyuich's Brief über das 
Kreide - Gebirge im S. Frankreichs (aus Karsten's Archiv 1839, 
Xll, 559), S. 322—325. 

J. de Mälbos : geologische Beobachtungen über die Berge im VivarraiSf 
S. 325—340. 

G. Pkevost: über den Gebrauch der Ausdrücke Sol , Roche j Depot, 
Formation und Terrain, S. 340—345, mit Diskussionen, S. 345 — 348. 

DB Ro\s : über Erniedrigung der Ebene hei Nancy , S. 351, und Ver- 
handlungen. 

J. de Malbos: Abhandlung über die Grotten von Vivarrais, S. 353—363. 

J. A. Deluc: über die Granit- Blöcke , welche in den Tbälern um den 
Montblanc und zumal im Chamouny-Th&lQ zerstreut sind, S. 363 — 369. 

5) Karsten und v. Dechen: Archiv für Mineralogie, Geognosie, 
Bergbau u n d H ü 1 1 e n k u n de. Berlin 8^ (vgl. Jahrb. 1835, 
S. 83). 

1838 , XII , i, iS. 1—264, mit 4 Kupfertafeln 
enthält an hielier gehörigen Aufsätzen: 

Degenhardt : über die Salzquellen des nördlichen Theiles der Provinz 

Antioquia und die Gebirgs-Formationcn der Umgebung von MedeU 

lin in Nen-Grattada, S. 3 — 13. 
Degenhardt: üb«M' die Goldhaltigen Quarz- und Schwefelkies • Gänge 

von Trinidad und der Umgebung von Santa Rosa im Valle de 

OsoSf S, 14-22, 



-~ 103 — 

Naumanr: über den Linear- Parallelismus , uder die Streckung mancher 

Gcbirgs-Gostoine, S. 23 — 40. 
V. Decuen: die Bolir Arbeit zu Ardern in den Jahren 1831—1837. 
RussEGGER : über das Vorkommen des Goldes in den Landern Fasoglo 

und El Herta, S. 141 — 154. 
Velthkim: über ein bisher wenig beobachtetes Vorkommen von Berg- 

tbeer in Sord- Deutschland, S. 174—178. 
Fiedler: über die alten Zinnstein - Gruben von i)non in Dau-urien, 

S. 178— 188.J 

1839, XII, 2, mit 5 Tafeln, 

BÖBERT : über den Konffsberger Silberbergbau in Sorwegen: Nach- 
schrift, S. 267—324. 

Ewald und Beybich : über die Kreide - Formation im südlichen Franko 
reich, S. 559—567. 

V. Humboldt: über die Gold - Produktion in Amerika und Asien, 
S. 572—580. 

6) JjiMESors: the Edinburgh netv philosophicalJournaly Edinh. 

8« [vgl. Jahrb. 1839, S. 565]. 

1839, Juli; XXVil, i, S. 1—220. 

R. Paterson : Vorsuche und Beobachtungen über die Temperatur ar- 
tesischer Quellen oder Brunnen in Mid-Luthian, Stirlingshire und 
Clackmananshire, S. 71—84. 

T. Ch. Byde Rooke : Nachricht von merkwürdiger Bewegung des Mee- 
res bei den Sandwichs-l\is,e\i\ am 7. Nov. 1837, S. 141 — 144. 

Daübeny: Note zu seiner Abhandlung im Apriliicfte zur Beantwortung 
von Bischof's Theorie der Vulkane, S. 158 — 160. 

L. A. Necker: über die minerale Natur von Land-, Fluss - und See- 
Konchylien (aus den Ann. sc. nat), S. 160 — 163. 

W. Haidinger : über eine interessante Art des Vorkommens von Kalk- 
spath in Basalttuff, S. 163—166. 

W. Whewell: Anrede am Jahrestag der geologischen Sozietät in London 
. am 15. Febr. 1839, S. 171 — 189. 

D. MiLNE : über das Austrocknen der Flüsse Teviot , Clyde und Nith 
und ihre Zuflüsse am 27. Nov. 1838, S. 200-202. 

D. MiLNE : über zwei Stürme auf den Brittischen Inseln zu Ende 
Novembers 1838, S. 203—205. 

Kleinere Auszüge: Behrendt über Bornstein: Baustein am Tomp<l von 
Pästutn ; fossiler Baum von Granton bei Edinburg ; BRAcur'.isoTs 
Art, Trapp von Basalt zu unterscheiden, S. 211—213. 

7) Neue Denkschriften der allgemeinen Schweitzer is che n G e- 

g e 1 1 s c h a f t für die g e s a m m t e n Naturwissenschaften. 
Neachätel 4« (in Selbstverlag) enthalten an Abhandlungen hieher 
gehörigen Inhalts: 



— 104 - 

1837, L Band. 

B. Studer : die Gebirgsmasse von Davus, mit 3 Tafeln, [vgl. Jahrb. 
iSßT, S. 595.] 

1838, IL Band. 

Chr. StSlHelin: Untersuchung der Badequelien von Meltingett, Eptingen 

und Buhendorf, 
A. Gressly: Oöservations geologiques sur le Jura soleuroiSf avec ö pll. 

[vgl. Jahrb, 1836', S. 659.J 

1839, IIL Band. 

A. EsciiER VON DER LiNTH .* Erläutcrung der Ansichten einiger Kontakt- 
Verbältnisse zwischen krystallinischen Feldspath - Gesteinen und 
Kalk im Berner Oberlande, mit 2 Tafeln. 

A. EscHER und B. Studer : geologische Beschreibung von Mittel- Bündten, 
mit 5 Tafeln. 

L. Agassiz: Description des Echinodermes fossiles de la Suisse, Pre- 
mier e partie, avec 14 pll. 



u s z u g e. 



I. Mineralogie, Krystallogi'aphie, Mineralchemie. 

K. Kersten: Analyse des Monazits, eines Tborerde und 
Lantanoxyd enthaltenden Minerals (Poggend. Ann. d. Pbys. 
XXXXVII, 385 fF.) Der Monazit wurde bereits von Breithaupt i. J. 
1829 bestimmt und beschrieben*). Ausser dem Zirkon-Granit, in wel- 
chem das erwähnte Mineral bei Miask in Siberien vorkommt, kommt 
dasselbe nach Fiedler in einer südlichen Fortsetzung des Ilmen- 
Gebirges , in der sogenannten Tchermetschanta , in einem mächtigen 
seigern Granit-Gange vor. Der Monazit ist meist begleitet von einem 
dem Öschinit ähnlichen Fossil. Gewöhnlich liegen seine Krystalle iu 
Glimraer-Ausscheidungen, selten in Feldspath. — Chem. Gehalt: 



^eiuxyu ...... 

Lantanoxyd .... 


23,40 


Thorerde 


17,95 


Zinnoxyd 


2,10 


Mangan-Oxydul 


1,86 


Kalkerde 


1,68 


Titausäure ) c 
Kali l^^"""" 


^ 


Phosphorsäure 


28,50 


' 


101,49 



T. S. Gold: neuer Fundort von Crichtonit (Sill. Americ. 
Journ. Vol. XXV , p. 179). Vorkommen in Litchfieldf zwischen dem 
Schiagbaura von WolcoUville und Torrington, in einem viele Staurolithe 
•nthaltenden Glimmerschiefer. Der Crichtonit erscheint in niedern 
icchsseitigen Prismen. 



♦) .Schweigucr-Seiüki, & Jnhrb. Bd. I.V, S. 301 und daraus im J»iiib. für Mi», 



— 106 — 

Ch. ü. Shej?ard: der Danburit, eine neue Mineral-Gat- 
tung (Ibid. p. 137), Vorkommen in Feldspath unfern Danbury in 
Connecticut. Schiefe rhombische Prismen mit Andeutungen von Durch- 
gängen in der Richtung von P. Dunkel honiggelb; Strich weiss; 
glasglänzend; durchsichtig; Härte = 7,5 ; spez. Gew. = i2,83. Gehalt: 



Kieselerde 


, 


• . • 


56,00 


Kalkerde . 




. 


28,33 


Thonerde 


. 


♦ • • 


1,70 


Yttererde? 


. 


. 


0,85 


Kali (vielleit 


ht 


auch Natron) und 




Verlust 


. 


. 


5,12 


Wasser . 


• 


• • 


8,00 
100,00 



Dümont: Analyse des Delvauxit {Phil. Mag. 3. Ser. ^ Vol. 
XIV f p. 474). Vorkommen zu Berneau bei Vise. Nierenförmig ; 
Bruch muschelig; Harz-glänzend; gelblich- und röthlich-braun , auch 
schwarz. Ritzt Gyps , ritzbar durch Kalkspath. Eigenschw. ::=: 1,85. 
Chemischer Gehalt der 



Phosphorsäure . 
Eisenoxyd . 
Wasser 

Kohlensaurer Kalk 
Kieselerde . 



schwärzlich- röthlich- 
braun en br.iunen 

Abänderung. 

14,30 . 13,60 

31,60 . 29,00 

40,40 . 42,20 

9,20 . 11,00 

4,40 , 3,60 



99,90 



99,40 



C. Kersten: chemische Untersuchung des Miloschins 
(PoGGEND. Annal. der Phys. XXXXVÜ , 485). Die äusserliehen Merk- 
male der Substanz sind durch Breithaüpt bereits früher beschrieben 
worden [Jahrb. 1839 , 441]. Vorkommen zu Rudniak in Serbien auf 
einer mit Quarz und Braun-Eisenocker ausgefüllten Gangspalte. Gehalt: 



Thonerde , 

Kieselerde 

Chromoxyd 

Kalkerde 

Talkerde 

Wasser 

Kali . 

Eisenoxyd 



45,01 

27,50 

3,61 

0,30 

0,20 

23,30 

Spur 
00,02 



— 107 -- 

G. Rasoumüvski: Beobachtungen über einige nierkvfur- 
d i g e Mineralien Russltinds . — Vom Sibirischen Berylle und 
Topase (Isis 1835, S. 201); — über schöne und sonderbare 
falsche Geoden Russlunds (ib. 202—208). 



Becqüerel: Kü n s tli che Krystall -Bi Id 11 n g e n mittelst der 
eiektro-cheniischen Säule {Clnstit. 183,9, VII, 169—170). Ei- 
nige Silberstücke , die während eines längeren Aufenthaltes in einem 
Abtritte durch einen Zänientations-Prozess in Schwefelsilber verwandelt 
worden, das im Innern krystallinisch , an der Oberfläche in kleinen 
Oktaedern gestaltet war, veranlassten folgende Versuche mit einer 
„elektro-cheniischen Säule". 

Man nimmt eine Anzahl ü-förmig gebogener Glasröhren von 0"»12 
— 0™15 Höhe und 0™01 Dicke, bringt in den Giund jeder Röhre mit 
Wasser befeuchteten Thon auf "'06 — 0™ 07 Erstreckung und bedeckt 
diesen Thon in jedem Röhren - Arme mit einem Baumwollen - Propfen, 
damit die sich bildenden Körper nicht mit dem Thon in Berührung 
kommen. In einen Arm jeder Röhre giesst man Auflösung von Kaliuni- 
Prolosülphüre , in den andern eine ziemlich gesättigte Kupfer - Nitrat- 
Lösung, und taucht in den ersten ein Silber-, in den zweiten ein 
Kupfer-Plättchen. Sechs Röhren werden auf dieselbe Weise behandelt. 
Dann nimmt man ein 0™015 dickes Brett von passender Breite und 
Länge, macht Einschnitte in seine Dicke, um darin die zurückgekrummten 
Theile der Röhren zu befestigen , und ordnet die Röhren so , dass der 
Arm mit Kupfer - Nitrat dem mit Kalium- Protosulphiire gegenübersteht. 
Dann verbindet man eine gewisse Anzahl ähnlicher Elemente, um dar- 
aus eine Säule zu bilden, zu welchem Ende es genügt das Kupfer de» 
ersten mit dem Silber des zweiten, das Kupfer des zweiten mit dem 
Silber des dritten u. s. w. , endlich das Kupfer der letzten mit dem 
Silber des ersten in Verbindung zu bringen. 

Hat man nun die erwähnten Lösungen in die zwei Röhren-Arme 
auf den Thon gegossen, so beginnen sie sogleich aufeinander zu wirken, 
und 5 — 6 Stunden später erkennt man schon Krystalle metallischen 
Kupfers auf den Kupfer- Plättchen , und in 12 Stunden Krystalle von 
Schwefelsilber auf den Silber-Plättc!)en. Nach 14 Tagen unausgesetzter 
Wirkung sind beide Plättchen, ohne ihre Form geändert zu haben, in 
Schwefelmetalle verwandelt, das Schwefelsilber ganz jenem aus dem 
Abtritte ähnlich. Mit einepi einzigen Elemente der Säule erhält man 
dieselben Resultate, aber erst später. 

Die Erscheinung erklärt sich einfach. Das Silber in jeder Röhre 
wird durch die Kalium-Protosulphüre angegriffen, nimmt negative Elek- 
trizität an und überträgt sie ans Kupfer. Auf der andern Seite reagirt 
die Kalium - Sulpliure auf das Nitrat, bemächtigt sich der negativen 
Elektrizität und überträgt sie ans« Silber und so ans Kupfer. Dicsef 



— 108 ~ 

wird daher doppelt ru'gatir , das Silber doppelt positiv. Da nun dai- 
aelbe in jeder Röhre erfolgt, so muss , wenn viele Röhre» zu einer 
Säule verbunden sind , die Wirkung sehr energisch seyn. — Was die 
Erzeugnisse anbetrifft, so wird das Kupfer- Nitrat durch das negative 
Kupfer-PIättchen zersetzt : Sauerstoff und Salpetersäure gehen aus Silber 
in Kalium -Protosulphur über-, der Sauerstoff oxydirt das Kalium und 
die Salpetersäure vereinigt sich mit dem so gebildeten Kali : der Schwe- 
fel verbindet sich mit dem Silber zu Krystallen , allmählich bis ins 
Innerste des Silber-Plättchens, ohne da§s man selbst mit dem Mikroskope 
die Zwischenräume zwischen den äusseren Kryställchen erkennen könnte, 
durch welche sie zwischen dem Schwefel ins Innere eindringen muss. 

Mit Kupfer wechseln die Erfolge , je nachdem man mit einer kon- 
xentrirten Auflösung von Kaliura-Persulphur oder von Protosulphur ar- 
beitet. Im ersten Falle sieht man zuweilen nach einigen Tagen au den 
Wänden der Glasröhre schöne weisse strahlige Nadeln eines an der 
Luft ganz unveränderlichen Kalium - und - Kupfer- Doppel- Sulphurs 
sitzen, das mit Salpetersäure behandelt unter Entwickelung von salpet- 
rigem Gase Kali - und Kupfer-Nitrat gibt. Zuweilen bedeckt sich das 
Plättchen mit Krystallen und kleinen Knötchen von Schwefel , und 
Kali-Nitrat findet sich in der Lösung, beides hauptsächlich, wenn man 
etwas Zucker in diese zugesetzt hat. Setzt man die Operation längrc 
Zeit fort, so wirken das beständig zuströmende salpetersaure und 
Sauerstoff- Gas auf die bereits erzeugten Produkte ein, zersetzen sie 
wieder und bilden Kali Sulphat - und -Nitrat, dann irisirende Schwefel- 
kupfer- Krystalle mit Schwefel - Nadeln gemischt. — — Mit Kalium- 
Protosulphur sind die Wirkungen dieselben, wie mit Silber; es bilden 
sich raetallgraue Schvvofelkupfer - Krystalle von mikroskopischer Klein- 
heit. — Die nämliche Reaktion erhalt man mit Persulphur, wenn der 
elektrische Strom eine gewisse Stärke hat, — Das Blei mit dem Kalium- 
Protosulphur veranlasst zuerst eine, der des Silbers ähnliche Reaktion, 
doch mit dem unterschied , dass das Sulphur anfangs nur pulverig 
erscheint; wenn aber die Lösung weniger konzentrirt geworden, bilden 
sich Höckerchen glänzenden Schwefelbleis , dem Bleiglan-ze ähnlich. 
Zuweilen erhält man auch ein Doppel -Blei- und -Schwefel- Kalium in 
weissen Nadeln. — Im Allgemeinen haben alle diese Krystalle dasselbe 
Ansehen, wie die natürlichen. 



P. Morin: Analyse eines Glimmers (Bibl. univers. 1S39 , U, 
XXI ^ 147 — 152). Seit 2 Jahren fand man an mehreren Stellen des 
Wallis, wie im Zermatt - Tfiale beim Dorfe Zermatt am Fusse eines 
vom Monte Rosa herabkommenden Gletschers, im Binnen ■ Thule , und 
am Fussc des Simplon ein Mineral , welches ein Mineraloge vorläufig^ 
Wasser - Glimmer genannt hat. Es liegt in Quarz eingeschlos- 
sen, ist blättrig, dunkelgrün, an deu Kanten durchscheinend, fettig 



— 109 — 

anzufühlen, mit dem ^'«J>tI ritzbar, auf der den Blättern parallelen 
Fläche glänzend und grün, und in parallel auffallendem Sonnenlichte 
nibinroth ; auf der andern Fläche matter und schwarz. Mit dem Messer 
Jässt es sich in dünne, durchscheinende, hellgrüne, perlrautterglänzende 
Blätter trennen, welclie biegsam, aber nicht elastisch sind. In anderen 
Richtungen ist es sehr schwer spaltbar. Beim Zersprengen erkennt 
man Rhombocder- Flächen und die Durchgänge eines rhomboidischen 
Prismas, wovon 2 gegenüberstehende Kanten durch Flächen ersetzt 
sind . so dass es ungleich sechsseitig wird. Solche Krystalle sieht 
man öfters so nebeneinauder gruppirt . dass die Endflächen parallel 
sind, die Seitenfläche aber dreiseitige Räume zwischen sich lassen, 
welche theilweise mit Quarzkörnern ausgefüllt sind. Diese muss man 
mit der Lupe heraussuchen, wenn man das Mineral zum Behufe der 
Zerlegung verkleinert. 

Wahrscheinliche Formel. 

Ca O]'"^ Si 03)3 (^Hj 0)* 





Ergebniss der Analyse. 






H, 


^=^ Wasser 


Z=L 


144 


Si 


03 = Kieselerde 


= 


348 


AI, 


03 = Alaunerde 


: — 


102 


Mn^ 


, 03 = Manganoxyd 


= 


50 


Mg 


= Talkerde 


z= 


81 


Ca 


= Kalkerde 


= 


84 


Fe 


= Eisenoxydu! 





180 

989 


Verl 


ust . . . 




11 



Ca Oj'^ S. O-^i 

Mg AI2 03 

Fe 0^ Mn, 03^ 



If. Geologie und Geognosie. 

W. Hopkins : über den Zustand desErd-Innern (Lond. Edinb. 
phil. Mag. 183S , C\ XIV, 52 — 53). War die Erde einmal feurig- 
flüssig, so fand die Abkühlung theils durch Circulation der sich ab- 
kühlenden flüssigen Masse, theils durch Conduction in der flüssigen 
wie schon erstarrten Masse Statt, und es kann jetzt noch 1) ihr Innres 
, flüssig seyn mit bis zum Mittelpunkt steigender Temperatur und Flüs« 
sigkeit •, oder 2) auch ihr Kern ist starr durch den Druck der ihn 
umgebenden flüssigen Masse , welche von der starren Rinde einge- 
schlossen ist; Kern und Rinde mögen dann verhältnissmässig nicht 
dick, aber die Circulation der zwischen beiden befindlichen flüssige« 
Masse erschwert seyn : 3) oder die ganze Masse ist bereits erstarrt 
von der Oberfläche bis zum Mittelpunkt. 

Der Vf. glaubt, dass mau aus der Abkühlungsweise der Erde aus 
ihrem ursprünglich heissflüssigen Zustande ihren jetzigen Zustand nicht 
wohl berechnen könne, weil die Experimente zur Bestimmung gewisser 



— 110 — 

WeiCiie in der Analytik mangeln und auch uvcht ItMclit g;en&a /m erhal- 
ten sind. Er hofft aber einen bessern Beweis für die. Hypothese von 
der innern Flüssigkeit durch genaue Berechnung der Erscheinungen 
der Präcession und Nutation zu ßnden . womit er sich demnächst be> 
■chäftigeu will. 



W. Hopkins : zweite Abhandlung über das Innre der 
Erde: die Erscheinungen der Präcession und Nutation in 
Beziehung mit dem Fl üssigk ei ts-Z u s ta nde des Erd-lnnereu 
(a. a. 0. 1839, XIV, 215 — 216). Der Vf. geht von der einfachsten 
Voraussetzung aus, indem er annimmt: die Erde seye eine harte, mit 
Flüssigkeit gefüllte Schaale , Schaale und Flüssigkeit setzen scharf 
an einander ab, und die letztre erfülle eine Höhle, welche ganz die 
Form wie die Schfiaie besitze und an Aqm Polen abgeplattet seye, end- 
lich Schaale und Flüssigkeit seyen durchaus homogen und von gleicher 
Dichte. Durcl) Hülfe der Analyse gelangt er zu folgenden Resulaten : 

1) Die Präcession bleibt dieselbe bei jeder Dicke der Schaale, und 
selbst wenn die ganze Erde starr wäre. 

2) Die lunäre Nutation bleibt der für das ganz starre Sphäroid so 
gleich, dass die Abweichung wenigstens nicht mehr beobachtbar ist. 

3) Die solare Nutation eben so; ausser in dem besondern Fallej, 
dass die Dicke der Schaale etwas weniger als \ Radius betrüge , wo 
dann die Nutation etwas stärker ausfallen würde, 

4) Ausser den Bewegungen der Präcession und Nutation würden 
die Pole der Erde noch eine, ganz von der inneren Flüssigkeit abhän- 
gende Kreisbewegung machen. Der Radius dieses Kreises würde am 
grössten seyn , wenn die Dicke der Schaale am geringsten; aber die 
dadurch bedingte Ungleichheit würde, bei der geringsten Dicke der 
Schaale, nicht eine Quantität gleicher Art wie die Pol-Nutation über- 
steigen und für eine andre, als die unbeträchtlichste, Dicke der Schaale 
ganz ausser den Gränzen der Beobachtung liegen. 



W. Hopkins: dritte Abhandlung: die Erscheinungen der 
Präcession und Nutation unter der Voraussetzung, das 
Er d -Innere bestehe aus einer heterogenen Flüssigkeit 
(a. a. 0., S. 364 — 365). Der Vf. begann die Untersuchungen über 
den Fall, wo das Erdinnere flüssig und heterogen angenommen wird, 
in der Hoffnung, andre Resultate als bei der Annahme einer homogen 
starren Masse zu erhalten, indem ein grosser Unterschied in der direk- 
ten Wirkung einer zur Erzeugung von Rotations-Bewegung geeigneten 
Kraft eintritt, wenn sie auf eine starre und wenn sie auf eine flüssige 
Masse wirkt. Denn, in der That, die störenden Kräfte der Sonne und 
des Mondes streben nicht eine Bewegung in der innern Flüssigkeit her- 
vorzubringen , worin vielmehr die Rotations-Bewegung , Präcession und 



- 111 — 

Nulation veriirsaohend, iiidirckt durch die Wirkung; derselben Kräfte auf 
die Stellunj^ der starren Rinde erzeugt wird. Eine Modifikation wird 
«olchergestalt in den Wirkungen der Zentrifugal - Krfift hervorgebracht, 
welche den Mangel einer direkten Wirkung von den störenden Kräften 
genau ersetzt: ein Ersatz, welchen der Autor als eines der Merkwür- 
digsten unter den Verhältnissen betrachtet, welche die Harmonie und 
Stetigkeit in den Bewegungen des Sonnensystems aufrecht halten. 

Diese Lösung des Problems beseitigt daher den möglichen Einwurf, 
den man gegen die Annahme der innern Flüssigkeit der Erde machen 
könnte, dass , wenn die Erscheinungen der Präcession und Nutation 
unsern auf einen festen Erdkern gegründeten Berechnungen genau 
entsprechen, dieser nicht flüssig seyn könne. Sie beweist aber auch 
die Beständigkeit der Neigung der Rotations - Achse seit der Erstar- 
rung der Erdrinde und somit die Unhaltbarkeit der früher auf das 
gegentheilige Verhalten dieser Achse vom Vf. selbst wie von Andern 
gegründeten Spekulationen über eine einst wärmere Temperatur in 
höheren Breiten ; welche Spekulationen bisher durch andre Einwendun- 
gen nicht hatten entkräftet werden können , da diese alle auf der An- 
nahtne einer stets Statt gefundenen Starrheit des Erdkernes beruheten. 



GiRARDiN fand im Hagel, welcher im Februar gesammelt worden, 
folgende Bestandtheiie : eine beträchtliche Menge organischer und stick« 
stolfhaltiger Materie und eine merkliche Quantität von Kalk und Schwe- 
felsäure , aber keine merkbare Spur von Ammoniak (Journ. de Phar- 
macie ;> Lo7id. Edinb. Phil. Mag. 1839, C, XV, 252—253). 



Fr. Palgrave übersandte der philosophischen Sozietät in London 
eine von Baron di Burgis am 10. April 1536 aus Palermo geschriebene 
Notitz über den damaligen Ausbruch des Ätna, welche mitgetheilt wird 
im Land. a. Edinb. phit. Mag. 188ö, VI, 299—300. 



L. A. Necker: über eine wahrscheinliche Ursache ge- 
wisser Erdbeben (Land. Edinb. phil. Magaz. C , XIV , 370—374). 
Es gibt Erdbeben, welche wohl nicht durch vulkanische Kräfte, sondern 
durch Einstürze unterirdischer Höhlen in Folge von Auswaschungen 
von Gyps , Steinsalz, Kalkstein. Mergel, Thon oder Sand entstehen. 
Man erkennt sie einestheils aus der Abwesenheit aller vulkanischen 
Erscheinungen überhaupt und in dem Zeitpunkte ihrer Ereignung ins- 
besondre, anderntheils aus der die Auswaschungen begünstigenden 



— 112 -- 

Konstitution dos Bodens. Eine zu Auswaschungen geeignete Zusam- 
mensetzung des Bodens zeigt sich insbesondre zu Basel, Niz^aa, Na- 
varroux, Oleron, Maulen, Bagnorre de Bigorre und am Gave Maulen 
in den Pyrenäen, zu Clanssaye bei St -Paul-Trois-Chäteaux im Drome- 
Dept. (1. Juni 1772 und Ende Dezember 1773), zu Kronstadt in Trans- 
sylvanien , zu Odessa, Bucharest, Lemberg in Galli%ien , zu Kiew 
(1838)5 — an Kalk-Höhlen und Erdbeben reich sind Fiume , Buchari, 
Triest , Lissa und Foligno. Stürzt eine ausgedehnte Höhle ein, so 
müssen nicht allein die Felsschichten in horizontaler und vertikaler 
Richtung durch den Sturz unmittelbar in Erschütterung gesetzt werden, 
sondern auch die durch denselben compriniite Luft dabei mitwirken. 
Schon mehrere Personen in Bergwerken haben die Ähnlichkeit der Er- 
schütterung und des Geräusches beobachtet, welche der zufällige Einsturz 
eines Theiles derselben mit denen bei Erdbeben besitzen. 

Was Nizza betrifft, so hat Risso ein Verzeichniss dort beobachteter 
Erdbeben geliefert; aber obschou einige derselben gewissen gewaltigen 
Ausbrüchen des Ätna und des Vesuvs nur sehr kurze Zeit vorangingen, 
so scheinen beide Erscheinungen doch in keinem Zusammenhang mit 
einander zu stehen, und eine beträchtliche Zahl von Ausbrüchen beider 
Vulkane hat man zu Nizza gar nicht bemerkt. Steht aber Nizza auf 
Höhlen durch Auswaschung von Gyps entstanden, so können diese 
dazu beigetragen haben , auch die vulkanischen Erschütterungen fühl- 
barer zu maclien. 

Auch das Erdbeben in Calabrien, 1783, war nicht begleitet von 
Entvvickelungen von Wärme , Lava , Rauch , sauern und schwefeligen 
Bildungen; nur Wasser und Sand wurden aus Spalten und runden und 
sternförmigen Öffnungen des Bodens ausgestossen ; kein bekannter Aus- 
bruch eines der benachbarten Vulkane fiel damit zusammen. 

Das Erdbeben im Mississippi-Tha\e , 1812, bot (nach einem Briefe 
Stanley Griswold's von Kaskahia in Illinois , 22. Dec. 1812) keine 
Lava-, Säuren - oder Rauch-Ausbrüche; nur etwa Dampf, Sand, ver- 
kohltes Holz , Steinkohle und nach einigen unsicheren Angaben auch 
Bimsstein wurden vom Boden ausgestossen. 

Jenes im Catch, Juni 1819, mag ähnlichen Ursprungs seyn. Die 
Erhebung des TJllah Bund kann von einem Einsinken des Bodens gegen 
Sindree oder von einer Bewegung desselben um eine feste Achse her- 
rühren. Nur schwarzer Schlamm, Sand, verarbeitetes Eisen und INägel 
wurden dadurch zu Tage gefördert , welche nicht aus grosser Tiefe 
stammen können. 

Das Erdbeben an der Küste von Cumana und von Caraccas, April 
1812 5 scheint, wenn man die Zahl und Heftigkeit der Erschütterungen 
berücksichtigt, nur zufällig mit dem Ausbruche des Vulkans von St> 
Vincent zusammengefallen zu seyn. 

Die. Erschütterungen der kleinen trachylischen ßf?.?cÄfa»/ - Gruppe, 
einige Meilen nördlich von der Kette des Kaukasus und des Kalkberges 
Metschuka, im J 1772, wo ein Theil der letzteren verschlungen wurde, 



ii;^ 



(hirft«'n von üuterwaschungcn ableitbar sryn , welcbe die oinc Menge 
von Kalktuff absetzenden warmen und kalten Quellen verursachten, die 
aus dem Fusse des Metschiika entspringen. Immerhin aber künnen 
die ersten ihre Temperatur der ursprünglichen Hitze des Trachytes 
verdanken. 

Auch das Erdbeben von Jnmaica , 1692, stiess nur Wasser, Sand 
und Kies aus. 

Das von Bogota, 16. Nov. 1827, mag zusammengesetzter Natur 
gewesen seyn, da die Gegend reich an Salz und Gyps ist, aber auch 
der benachbarte Vulkan von Popayun damals thätig war. 

Ähnlich kann es sieh mit den Erdbeben an der Küste ChiWs \ey\Mx\iQn. 

Die in Lyell's „Principles" aufgeführte Eidbeben mögen sich auf 
folgende Weise klassifiziren lassen. 

Zweifelhaft. 
nnsinta 1817, Nov. Iß. 
Chili. 

f{iiehec 1791, Dec, 
J(rpan 1 7S3, Ang, I. 
Martinique 1772. 



Nicht vulkanisch. 
Miircia 1829. 
Lahor e 1827, Sept. 
Lissa 1S33, 

Folignn 1832, .län. 15. 
Cufch 1819, Juni 16. 
Cinnanii 1797, Dec. 14. 
Caraccns 1790, März 16. 
CalaLrien 1783-1786. 
fischt au 1702. 
Jamaica 1692. 



Vulkanisch. 
hcJiia 1828, Febr. 2. 
Java, 1699, 1772. 1786. 
Sumbfnia 1815, April. 
fii/ito 1797, Febr 4. 
Sicilien 1693, 1790. 
GuativKchi 1773. 
Kamtschailn 1737. 
Peru 1746, Okt. 28. 
hhnid 1725. 
Teneriffa 1706, Mai 5. 
Snrea (Moluc/cen) 1693. 
Lissabon 1755, Nov. 1. 

In anderen Fällen nämiich will der Vf. den Zusammenhang ausge- 
dehnter Erdbeben mit vulkanischen Ausbiüchen nicht läugnen, und 
fiihrt selbst folgende auffallende Erscheinungen an. Dem grossen, am 
21. Febr. 1822 beginnenden Ausbruche des Vesuv^s ging am 19. ein 
Erdbeben zu Genf und in der Provinz Bugcy in Frankreich voran; 
— jenem vom Oktober desselben Jahres gingen den ganzen August hin- 
durch Erschütterungen des Bodens zu Aleppo in Syrien voraus, wovon 
die heftigsten auf den 13. Aug. fielen, und am 14. Aug. fühlte man 
solche zu Lriyhach in Krain. — Im J. 1825 wurde am 19. Febr. St. 
Maure auf den Jonischen Inseln durch ein auch zu Corfu und Prevesa 
gefühltes Erdbeben fast ganz zerstört, in der Nat ht zum 21. Febr. fühlte 
man mehre Erdstosse zu Ä. Veit in Kärnthtn, und vom 21. Febr. an 
empfand man 5 Tage lang gewaltige Erschütterungen zu Algier und in 
dessen Umgegend. — Im J. 1828 begann der Vesuv, welcher seit 1822 
luhig gewesen, einen neuen Ausbruch an» 25. Febr., nachdem Erdbeben 
zu Triest in der Nacht zun» 14. Jänner, auf Ischia am 2. Febr. und in 
ganz Belgien am 23. Febr. vorausgegangen waren. — Endlich ist N. 
geneigt, die im Anfang des im J. 1828 in Ungarn^ Transylrrtvit'n, 
Gallizien, Walluchey und Süd- Russland Statt gelundenen Ei<l!»ebrii 
als die Vorläufer der im Sommer erfolgten .Ausbrüche des Ve.sur's und 
Ätnas anzusehen. 



Jalirjian"^ 184,0. 



— 114 — 

R. W. Fox: über die Bildung metallischer Gänge durch 
vo Itaische Thätigkeit (Land. Ed'inb. Phil. Mag. 1838, C, XIV, 
145 — 146). Fox ist dahin gelangt, nicht nur wohl ausgebildete Metall- 
Gänge in einem Spalte mitten von Thon-Massen durch voltaische Thätig- 
keit hervorzubringen, sondern dem Thone auch die blättrige oder schiet- 
rige Textur raitzutheilen. Die Gänge und Blätter waren senkrecht zur 
Voltaischen Kraft. In einigen Fällen war nur ein Paar Platten oder 
lieber Kupferkies und Zink angewendet worden; eine beständige Bat- 
terie aus mehreren Platten-Paaren war aber wirksamer. Die erhaltenen 
Gänge bestunden aus Kupfer-, Eisen - und Zinn- Oxyd, Kupfer- und 
Zink-Karbonat. Von letztrem konnte man hinreichend feste Stücke von 
der Grösse eines Schillings herausnehmen. Einen schönen Gang brachte 
Hr. Jordan in Pfeifenthon mittelst 5 Paar Zylindern binnen 3 Wochen 
hervor. Dieser Thon theilte ein irdenes Gefäss in 2 Zellen; die eine 
enthielt eine Kupfer-Platte in Kupfersulphat-Auflösung, die andere eine 
Zink-Platte in Kochsalz-Auflösung. Nun entstanden schöne Gänge aus 
Kupferoxyd und Kupfer- und Zink -Karbonat parallel zu den Blättern, 
in die sich der Thon trennte, und ein andrer Kupfer-Oxyd - und - Kar- 
bonat-Gang rechtwinkelig zu vorigen. Als man die Thonniasse in der 
Richtung des hauptsächlichen horizontalen Ganges theilte, so fand man 
das Zink-Karbonat auf der negativen Seite nächst der Kupfeiplatte und 
das Kupfer-Karbonat nächst der Zink-Platte, so dass die zwei Metalle 
umgetauscht erschienen. Fox glaubt, diese Erfolge hätten die grösste 
Ähnlichkeit mit den zahlreichen Erzgängen und Lagern , welche den 
Gesteinsschichten parallel liegen und mit den, Gängen , welche erstre 
durchsetzen. 



Lveil: über den Crag Su/folks und Xorfolks (Bullet, yeol, 1839, 
X, 321). L. hat seine früheren Ansichten darüber zum Theil geändert. 
Der Crag Norfoiks ist eine fluvio-marine Bildung voll Mammiferen- 
Knochen mit 0,60 neuen Arten (alt- pHocen) ; der rothe Crag Suffolks 
ist rein meerisch und enthält deren nur 0,30 (miocen); der Coralline 
Crag von Aldborough enthält unter 300 Konchylien - Arten 0,19 noch 
lebende und gilt dem Vf. daher als miocen. Eine Sammlung von 236 
Konchylien-Arten aus der Touraine , von Dujardin erhalten , bot 0,26 
neue Arten dar. Der alte Crag Norfolks und Suffolks ist daher aus 
gleicher Periode «nit den Faluns der Touraine. Demungeachtet haben 
beide Faunen fast auch nicht eine Art mit einander gemein. 



115 




_; •<fU9jlXf?MlfUt> UWUUffJj 



— 1 1 ö — 

Sr. Gras : L a f^ e r u n jj s - V e r h ä 1 1 n i s s e den A n t h r a / i t - f li h - 
renthii Sa ii d s 1 1^ i n »• s vom !\lont- äe - Lens {luere). (Bitllrl. de tu 
Suc. y-z-ol. X, 241.) Rozet hat des Verf. Meinung bestritten: dass 
jener Anthrazit mit PHanzen Abdrücken der Talk- und Gneiss Formation 
iinterc^i'ordnet sey. Gr. f^ibt zu, dass im Alpen - Gebir|^e grosse Stö- 
rungen Stalt gefunden, welche zu irrigen Schluss-Folgen führen können; 
arn Munt -de-Lcns zeigen die Fels-Lagen jedoch durchaus keine Ver- 
ivickelung. SaiiHsteine Jind thonige Antlnazit-haitige Schiefer erscheinen 
in paralleler Srliiciitung mit Talkschiefer , welcher deren Hangendes 
und Liegendes ausmacht: ja es zeigen diese Gesteine alhnähliche gegen- 
seitige Übergange. Mit dem ober- und unterhalb auftretenden Gncisse 
sind die talkigen S-hiefer in gleicher Weise verbunden. Regelrecht 
folgHu die verschiedenea Lagen einander auf weite Strecken; ihr Strei- 
rhen und Fallen bleibt mit höchst geringer Ausnahme dasselbe, übri- 
gens sieht man nicht bloss in Oisans Anthrazit - Schiefer dem Gneiss- 
Gcbietc untergeordnet: das /.veiv - Departement hat noch andere Bei- 
spiele aufzuweisen. Das talkige Gebilde von Allcrard, unmittelbare 
Fortsetzung jenes von Oisans, unischliesst Lagen von Grauwacke, von 
Sandstein und von thonigem Schiefer mit Anthrazit, die nicht als 
primitive im gewohnten Wortsinne betrachtet werden dürfen. Die 
Grauwacke, wovon man grosse Blocke in der Schlucht von Vcyton, so 
wie in jener von Breda trifft, gleicht der von Freney. Das Bindemittel 
ist thonig- talkig, und die eingebackenen Trümmer, merkwürdig ihrer 
(irösse halber und weg'-n ihrer eckigen Gestalt, bestehen meist aus 
Talksrhiefcr und aus Quarz. Die thonig - talkigen Schiefer wechseln 
mit Grauwacke. Das Sandstein - System, dessen Mächtigkeit ungefähr 
200 Meter betrügt, liisst sich auf weite Erstreckung verfolgen; beim 
Weiler du Cret im N. des Dorfes du Peychdynard zeigen sich 
die Übergänge der erwähnten Gesteine aufs Deutlichste. Die abwei- 
chende Überlagerung des Jurakalkes über dem Sandstein wurde seit 
Kurzem dargethan. An der Grube des Rocher - Blunc bebaut man 
nämlich eine 7 — 8 Meter mächtige Anthrazit-Lage, welche gegen S.S.O. 
fällt. Ihr Dach besteht auf gewissen Strecken aus weissem krystallini- 
schem Kalk mit Entrochiten ^ Belemniten und Plagiostomen. Durch 
JStolien-Betrieb wurde die Überzeugung erlangt, dass die Anthrazit-Lage, 
Wf'lrhe mit einen» ihrer Enden Aen Kalkstein berührt, sich in gewiss«>r 
Weite uni Vieles stärker senkt und bedeutend davon zurücktritt. 



Erdbeben in Birmu. Umerapura, die Hauptstadt wurde den 
*2.3. April 1839 von einem Erdbeben heimgesucht. Zwei Stösse waren 
furchtbar und während vierundzwanzig Stunden verspürte man fast- 
stets kleine Bebungen. Am 23ten Morgens war keine ganze Pagode 
mehr zu sehen und alle Stein-Gebäude des Orts bis auf drei oder vier 
zusammengestürzt und viele Menschen unter den Schutt begraben. In 



— 117 — 

einem einzigen Hause waren 11 Personen verscliättet , davon 7 todt. 
Unter der Moschee der Moslem lagen 12 Leichen. An vielen Stellen 
öffnete sich die Erde, und die Ungeheuern Spalten, aus denen eine Fluth 
von Wasser hervordrang, klafften noch im Mai-Monat. Der Fluss Ira- 
ivaddy stieg und fiel dreimal , und seine Ufer sind mit Trümmern be- 
streut. Noch grössere Zerstörungen scheint das Erdbeben in Ava 
augerichtet zu haben , wo unter andern der Palast eingestürzt ist. 
(Zeitungs-Nachricht.) 



III. Petrefakten-Ruiide. 

R. Owen: über den Glyptodon (aus Whewell's Jahrtagsrede, 
Lund, Edinb. philus. Mag. 1839, XIV, 460). In den von Woodbine 
Parish aus der Nähe von Buenos Ayres zurückgebrachten Tbior-Resten 
erkannte Omen ein riesenmässiges Thier , welches dem Megatherium 
verwandt ist, doch den Armadillen näher steht und seiner gefurchten 
Zähne wegen von Owen Glyptodon genannt wird; ihm gehören auch 
wahrscheinlich die charakteristischen Panzer an, die man dem Megathe- 
rium zugeschrieben , wo die Existenz von dergleichen zweifelhaft ist. 
[Das wäre also wohl das längst (1833) von d'Alton beschriebene Thier 
(Jahrb. 1837, 603 — 609), wofür ich im Frühling 1838 den Namen 
Chlam ydotherium oder Ory cter o t he ri um vorgeschlagen, Lethäa 
S. 1256-1258. Bk.] 



DE Blain viLLE : Über dasÄlter der Land-bewohnenden 
Eden taten auf der Erdoberfläche (Comptes rendits de VAcad. 
des sciences >► Ann. scienc. nat. 1839, ß, XI, 113—122). 

I. Megatherium. Ein Edentate von ungeheurer Grösse, 10' 
lang und 8' hoch, hat einst die Ebenen Südamerika'' s auf der Ostseite 
der Cordilleren und einen Theil von Nordamerika bewohnt. Nur eine 
übertriebene Idee Cuvier's konnte darin ein Faulthier erblicken; denn 
es hat mit diesem Gcschlechte nicht einen etwas wesentlichen Charakter 
gemein: weder Schädel, noch Zähne, noch Srhiih«'r, noch Beine, noch 
Zehen. Die Gesaramtheit seiner Organisation (so wie die einer kleine- 
ren fossilen Art) entspricht vielmehr gänzlich der der Gürtellhiere, von 
dem Haut-Panzer an bis zu den einzelnen Skelett Theilen. Denn Theile 
eines solchen Haut -Panzers sind nicht nur mit i^legatherium - Knochen 
zusammengefunden worden, sondern man erkiMint auch, dass ein sohiier 
vorhanden gewesen seyn müsse aus der .Stellung der Dorncn-Fortsätze 
der Wirbel, aus der Kante der Rippen, aus der Anlrnkung des hinteren 
Knochenjiürteis un der Wirbelsäule. Diese riesige Alt .stund jedoch 
den Dasypus Chlamyphorus näher als jeder andern; obschon dieser die 



— 118 — 

kleinste von allen ist. Auch bildet sie eine besondre Unterabtheihing 
des Geschlechts, welche unterschieden wird durch die vierkantige Form 
der Zähne, durch ihre Vierzahl in allen Kieferästen und durch die An- 
zahl der Zehen, welche wahrscheinlich vorn nur 4, hinten 5 betrug. 
Zweifelsohne erkletterte dieses riesenniässige Thier keine Bäume , und 
tiieilte die Lebensweise der Giirteithiere. Es scheint ein Zeitgenosse 
des Mastodon angustidens, des Toxodon und eines andern 
grossen Gürtelthicrs gewesen und mit diesen Arten verschwunden zu 
seyo aus einer Gegend, welcher noch jetzt alle lebenden Giirteithiere 
allein angehören. Mit dieser gewöhnlichen Art bewohnten aber auch 
noch 3 andre die Ebenen des Ptata: eine von d'Alton beschriebene 
Art von den doppelten Dimensionen der grössten lebenden Spezies, und 
zwei von Daravin entdeckte, welche nach Owen niit dieser den Über- 
gang von Das. Megatheriuni zu Das. gigas bilden. Die auf eiu 
einziges Calcaneum gegründete Angabe Bpiavap^d's, dass auch im Perrier- 
Berge bei I^soire in Auvergne Reste einer Dasypus - Art vorkommen, 
ist unrichtig: dieser Knochen gehört einem kleinen Biber an. 

II. Megalonyx Jeff. Auch daraus hatte Cuvier mit Unrecht ein 
Faulthier gemacht und die Ähnlichkeit damit in allen einzelnen ihm 
bekannt gewordenen Knocbentheilen bestätigt gefunden, jedoch bemerkt, 
dass es nur selten auf Bäume geklettert seyn möge, weil es nur selten 
welche gefunden, welche hinreichend stark waren, um es zu tragen. 
In der zweiten Ausgabe seiner Rechervhes jedo«;h erhielt fast jeder 
Knochen eine andre Deutung als anfangs, und wurde eine nahe Über- 
einstimmung mit denen der Giirteithiere anerkannt, zu denen es sein 
Gegner Faüjas schon anfänglich gerechnet. Nachdem aber noch viele 
andre Reste dieses Thieres in Höhlen westlich von den Älleghany^Si 
in der Big-hone-cave in Tennessee und im Biy-hone-lick in Kentucky 
gefunden worden und Harlan Gyps - Abgüsse von allen , insbesondre 
aber von einem Unterkiefer-Stücke mit 5 in einer Reihe stehenden Zäh- 
nen, von Wirbeln, 2 Oberarmknochen, Rippen, 1 Schulterblatt, 1 Femur- 
Stück , 1 Tibia, 1 Calcaneum und von noch zum Theile mit Knorpel 
bedeckten oder mit Krallentheilen versehenen Phalangen an das Pariser 
Museum gesendet, welche Blainville in seinem Vortrag an die Pariser 
Akademie (14. uTnd 21. Jänner 1839) ausführlich beschrieben, gelangt 
dieser zu folgenden Schlüssen: Auch Nordamerika, das heutzutage 
keine Edentaten melir zu nähren scheint, besass einst eine riesenmässige 
Art derselben , welche sich durch Zäline und Zehen hauptsächlich aus- 
/eicljiiete , aber mit den Faultiiifren nichts geinein hatte. Sie stund in 
der Mitte zwi.s<len Mynnecophaga, Orycteropus und Megatherium, dem 
ersten am nächsten , jedoch niedriger auf den Beinen. Die Erhaltung 
von Klauen und Knorpeln an den Knochen , so wie das Zusararaenvor- 
kommen derselben mit denen noch lebenden Arten deuten auf eiu spätes. 
Verschwinden derselben von iler ErdoberHäche hin^ wenn es nicht noch 
darauf existirt. Es hatte einen kurzen Körper, niedre Beine zumal 
i)iuUn, krallige Zeiicu und Krallen, um die Amei&cnhaufen zu zertheilea 



— 119 — 

und etwa die Erde nach Wurzeln aufzuwühlen. Der Vf. glaubt in den 
wenig entwickelten LoUomations-Organen , in den Bczieliungen zu IVle- 
gatlieiium und in dem geographischen Vorkomme»! Grund für die Ver- 
mutliung zu finden, dass auch dieses Thier mit einem Panzer versehen war. 

III. Manis, Seh u pp en t hie r. Die berühmte Krallen - Phalanx 
von Eppelsheim^ welche Cüvier einem Schuppen thier, Kaup dem 
Dinotherium zugescliricben , fand sieh in mehreren Exemplaren mit 
andern zugehörigen Knochen und insbesondre einem Zahne, ganz von 
der Struktur wie bei den Edentaten , auch zu Sansan wieder , woraus 
hervorgeht, dass dort eine Edentaten - Art existirt habe, welche den 
Orycteropus für Europa repräsentirte und von Lartet bereits den 
Namen Macroth e riu m erhalten hat. 

Der Vf. bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass das Elasmothe- 
rium Fischer's wohl ein Pachyderm zwischen Nashorn und Pferd, 
Toxodon ein ^»ndres Pachyderm und Repräsentant des Flusspferdes 
in Südamerika, Dinotherium aber ein Wasser -Gravigrade zwischen 
Mastodon und Lamantin seye. 

Indem derselbe schliesslich alle Resultate wiederholt und bemerkt, 
dass die fossilen Arten der Edentaten alle grösser und verhältnissmässig 
zahlreicher als die in andern Thier-Ordnungen seyen, glaubt er, dass 
der Mangel von Angriffs - Waffen diese grossen Edentaten in die Lage 
gebracht haben, früher als die kleinen zwar eben so wehrlosen aber 
sich stärker vervielfältigenden, der Zerstörung und dem Untergange zu 
unterliegeu. 



Pentland schrieb über das Megatherium (VInstit. 1839, VII, 
87), nachdem er von seinen Reisen in Amerika zurückgekehrt, von 
London aus die Pariser Akademie : de Blainyille will aus dem M e- 
gatherium einen Dasypus machen, weil es mit einem dem der Gür- 
telthiere ähnliciien Panzer versehen gewesen; — er jedoch seye nach 
genauer Vergleichung der an einem andern Orte gefundenen , aber vor 
3 Jahren zugleich mit denen des Meg a t h eri u ra nuch London gebrach- 
ten Resten eines andern Thieres schon damals zum Schlüsse gelangt, 
dass jene Panzer einem den Gürtclthieren sehr nahe stehenden Wesen 
angehört, Megatherium aber gar keinen Panzer besessen habe. — 
Eine neue zu Buenos - Ayres gemachte Entdeckung bestätige diese An- 
sicht: es seye ein Gürtelthier von der Grösse des Rhinozeros, jedoch 
mit der ganzen Struktur von Dasypus, welchem eben jener Panzer 
angehöre. Der Jardin du rot selbst besitzt einige Gyps- Abgüsse von 
Knochen dieses Thieres, welchem Owen den Namen Glyptodon ge- 
geben , die sehr mit denen des Riesen - Gürtelthieres übereinstimmen 
[vgl. S. 117]. Der Vf. ist der Meinung, dass Clvier ganz gut gethan 
habe, Megatherium zu den Faulthieren (Bradypus) zu stellen. 



— 120 — 

Gervais: über den angeblichen Megatheriura-Paiizer aUvS 
Südamerika (Bullet suc. geul. 183.9, X, 142). Pentland hat neulich 
in eineai Briefe an die Akademie von einem grossen fossilen Gürtel- 
thiere gesprochen, von welchem er den Panzer ableite, den man bisher 
dem Mcgatherium zugeschrieben. Diess seye aber nichts Neues 
und in Paris schon seit einigen Jahren bekannt, indem nämlich Lau- 
rillard sowohl als DE Blainville in einfgen von London gesendeten 
Gyps- Abgüssen Reste eines Riesen - Gürtclthieres erkannt hätten, was 
sie auch beide drucken Hessen. Wenn mithin Megatherium keinen 
Panzer hatte , wie man ihm beigelegt , so fragt Gervais weiter , ob 
diess schon geniige, um aus diesem Thiere — gegen Blainville's und 
Cüvier's Ansicht — nach Pentland einen Bradypus zu machen, da 
doch Cüvier noch nachgewiesen, wie es mit Bradypus und Manis 
zugleich verwandt seye? 



LuND : fossile Saugethiere in den Höhlen Brasiliens (Ann. 
sc. nat. 1839, XI, 214-234 und VInst. 1839, VIT, 125 — 127). Lund, 
ein Däne, schreibt vom 5. Nov. 1838 aus Lagoa Santa in Brasilien. 
Seit 5 Jahren hat er dieses Land bereiset und vorzüglich auf die 
fossilen Knochen der Höhlen geachtet, aus welchen er allein 75 Säuge- 
thier-Ärten von 43 Geschlechtern erkannt hat, d. h. eben so viele Arten 
und mehr Genera, als jetzt dasselbe Land bewohnen. Die Gegend, 
deren Höhlen der Vf. studirte , liegt zwischen den Rio das Velhas, 
einem Arme des San Francisco , und dem Rio Paraopeba. Es ist ein 
Plateau von 2000' Seehöhe, in seiner Mitte von einer 300' — 700' ho- 
hen Bergkette durchzogen , welche aus einem horizontal-geschichteten 
sekundären Kalke mit allen Charakteren des Zechsteins und Höhlen- 
kalksteins Deutschlands besteht. Sie ist in allen Richtungen von 
Spalten und Höhlen durchsetzt , welche mehr oder weniger mit einer 
rothen Erde, ähnlich der obern Bodenschichte des Landes, erfüllt sind. 
Diese Schichte bedeckt 10' — 50' mächtig und ohne Unterbrechung die 
Ebenen, Thäler, Hügel und selbst sanfteren Abhänge der höchsten 
Berge, besteht hauptsächlich aus Thon mit untergeordneten Kies- und 
Quarzgeröll-Lagen j und ist oft eisenschüssig bis zu dem Grade, dass 
die Eisentheile sich zu einem erbsenförmigen Eisenerze wie im Jura 
gestalten. Die Erde, welche die Höhlen ausfüllt, unterscheidet sich 
von dieser in Folge ihrer Einschwemmung und ihres längeren Aufent- 
haltes in den Höhlen dadurch, dass sie auch kantige oder abgerundete 
Stücke des Kalk- Gesteines , von durchsickerndem Wasser eingeführte 
Kalkerde - Theile und Salpeter enthält, der von den Eingebornen ge- 
wonnen wird. In dieser Erde liegen nun auch ohne alle Ordnung 
durcheinander die Knochen , sind sehr zerbrechlich , auf dem Bruche 
weiss und hängen stark an der Zunge; oft sind sie versteinert, noch 
öfter von späthigem Kalk dnr( hdj ungenj auf manchfaltigc Weise zerbrochen 



— 121 — 

und zerdriickf und z«igrn so violfaltij^e Eindiiirkp von Zälinen , dass 
man nicht zweifeln kann, dnss di»- Thiere , wovon sie abstammen, als 
Beute von Raub- Säug:«'tliieren in diese Höhlen eingeschleppt worden 
seyen : während die kleinen von einem später zu bezeichnenden Tag- 
Raubvogel dahin gebra« ht worden seyn mögen. Heutzutage findet man 
keine Saugethiere meiir, welche die Höhlen des Landes bewohnen und 
Knochen darin anhäufen: nur eine Eule, Strix perlata, zerstreut hin 
und wieder Knochen kleiner Thiere. die ihr ziir Nahrung gedient, über 
den Böden. Der Vf. theilt folgende Übersicht seiner Entdeckungen mit: 
1. Edentaten. Aus der Familie der Ameisenfresser nur ein Genus: 
1) Myrmecophaga gigantea, von der Grösse eines Ochsen. — — 
Aus der Familie der Gürtelthiere 8 Genera: 2) Dasypus. Eine 
Art dem D. octocinctus ähnlich, aber mit kürzerer Schnautze; eine 
andre D. punctatus, doppelt so gross als die lebenden Arten, mit 
tief punktirtem Panzer. — 3) Xenurus Wagl. , 1 Art dem X. w u- 
dicaudus L. verwandt. — 4) Euryodon Lund , ein untergegange- 
nes Gürtelthier - Geschlecht njit queer zusammengedrückten Zähnen. 
Eine Art von der Grösse eines kleinen Schweins. — 6) Heterodon 
L. , ein untergegangenes Genus aus gleicher Familie mit abweichender 
Proportion der an Form und Grösse sehr ungleichen Zähnen. Die 
vordersten und hintersten haben die Form sehr dünner Zylinder; die 
2 vorletzten überall sind sehr gross, der vordre queer oval, der liintre 
herzförmig im Qucerschnitt. Eine Art von der Grösse eines Kaninchens. 

— 6) Ch 1 a my do t h eri um L., ein Mittelglied zwischen den verschie- 
denen Gruppen lebender Gürtelthiere , welches den Übergang zu den 
Faulthieren beginnt, und nach Panzer und Osteologie Wagler's E u- 
phr actus im Grossen darstellt, aber Hände und Füsse sind wie bei 
den Cachicamen , nur mit grössern Proportione^n , und die Hände nur 
mit 4 Fingern. Schneidezähne ^; aber die Backenzähne weichen sehr 
von denen aller lebenden Gürtelthiere ab, da sie sehr gross, seitlich 
sehr zusammengedrückt, und mit breiter Kaufläche versehen sind, fast 
wie bei Megalonyx. Eine Art Chi. Humboldtii hatte die Grösse 
des Tapirs; Chi. gi gante um kam dt-n grösstcn Rhinozerossen gleich. 

— 7) Hoplophorus begreift schwerfällige Tiiiere von Riesen-Grösse 
mit dem Panzer der Gürtelthiere und noch näheren Übergängen zum 
Faulthier. Der Panzer bedeckte alle Theile des Körpers von oben, 
und besteht aus kleinen sechsseitigen Täfelohen , welche gegen die 
Mitte des Rückens eine quadratische Form annehmen und sich in un- 
bewegliche Queerreihen ordnen. Die Knochen des Rumpfes und die 
grossen Knochen der Extremitäten sind noch insbesondre denen der 
Cachicames unter den Gürtelthieren sehr ähnlich, aber die der Füsse 
sind dermaaseu vei kürzt und ihre Gelenkfläche so abgeplattet, dass 
man nicht» dem Ähnliches kennt und nirlit begreift , dass dieses Thier 
habe graben können. Auch die Zähne deuten bizarre Thiere an, welche 
etwa nach Art der Pachydermen von Vegetabilien lebten. Der Joch- 
bogen ist mit einem absteigenden Fortsatz wie bei den Faulthieren 



— 122 — 

versehi'ii. Beide Arten , H. Euphr actus und H. SpIIo 
Grösse eines Ochsen. Die ietztj^ennnnfe Art ist es, welche «'Alton 
und Weiss beschrieben. — 8) Pacbytherinm magnum ist vorigem 
Geschlechte ähnlich, aber noch grösser und schwerfälliger, und steht 
ganz auf der Grunze zwischen Gürtelthior und Faulthier. — — Aus 
der Familie der Faulthiere 3 Geschlechter, nämlich: 9) Megalonyx 
jederseits mit | Backenzähne ohne Wurzeln (deren bei Megatherium 2 
sind), bleibt den Gürtelthieren noch durch den Panzer verwandt, der 
einen Theil des Körpers bedeckte, der aber aus unverhältnissmässig 
grossen und von einander weit entfernten Tafeln zusammengesetzt 
war. Die Beine besassen dieselbe Struktur und Zusammensetzung, 
wie bei Megatherium, die Hinterfiisse waren jedoch , obschon aus einer 
andern Ursache, auf ähnliche Weise gedreht, wie bei Bradypus tri- 
dactylus, nämlich nicht durch die Aulenkung des Unterschenkels an 
den Astragalus, sondern durch eine anomale Form der Handwurzel- 
Fläche dieses Knochens. Der Schwanz war ausserordentlich stark, vcr- 
muthlich ein Greifschwanz , was in Verbindung mit der Drehung der 
Füsse und den starken Krallen wahrscheinlich macht, dass diese Thicre 
ihrer Grösse ungeachtet gleich den Faulthieren [was schon Cüvier 
meint, de Blainville aber lächerlicli zu machen sucht] Bäume erklet- 
terten. Von den 5 Arten, welche L. unterscheidet, besass M. Cu- 
vierii die Grösse eines starken Ochsen und war kleiner als die 2 
folgenden; M. Jeffersonii scheint mit der Art in Viryinien überein- 
zustimmen-, M. Bucklandi ist eben so gross, hat aber viel dickere 
Knochen; M. gracilis kam an Grösse der ersten gleich, und M. mi- 
nutus war nur wie ein Schwein. — 10) Sphenodon «. g. hat konische 
statt zylindrische Zähne (im Oberkiefer) und enthält eine Art von der 
Grösse eines Schweines. — 11) Coel odon «. ^. . eine Art, C. Ma- 
quinense, wie ein Tapir, hat | Backenzähne jederseits wie Brad. tridac- 
tylus, und wie Megalonyx gedrehte Hinterfüsse. — — Diese drei Fa- 
milien waren in früherer Zeit wie noch jetzt auf Südamerika beschränkt, 
obschon in demselben Becken jetzt keine lebende Faulthiere gefunden 
werden , wahrscheinlich weil die Urwälder dort verschwunden sind. 
Sie waren in jener Gegend aber einst zahlreicher an Arten und Ge- 
schlechtern; nur 3 Genera leben noch. Alle fossile Arten kommen 
lebend nicht mehr vor; nur 2 haben Verwandtschaft mit noch lebenden. 
Diese Thiere erreichten einst viel grössre Dimensionen als jetzt. 

II. Pachydermen: waren ebenfalls einst zahlreicher, als jetzt. 
Sie boten 1) von Tapirus eine Art; 2) von Dicotyles 4 Arten, von 
welchen eine doppelt so gross als die lebende; 3) von Mastodon 1 
Art, welche dem Elephant an Grösse gleichkam. 

III, Von Ruminanten finden sich jetzt liur Hirsche in dieser 
Gegend; einstens aber lebten l) Hirsche 2 Arten; 2) Antilopen 1 
Art, A. iVlaq uen si s von der Giosse einer Ziege, mit kurzen rückwärts 
gebogenen einfachen llürnorn . in Heerden lebend; 3) von Auchenia 
und l) Li'ptü theriu uf w. (f. jo 2 Arten. Eines der Lama's übertraf 



— 123 — 

das Pt'crd an Grösse , das andere war geringer. Das letztgenannte 
Genus 5 durch schlanke Formen ausgezeichnet, steht dem Hirsch am 
nächsten , weicht aher gleichwohl mehr als andre Ruminanten davon 
ab. Zähne kennt nian nicht. Eine Art ist wie ein grosser Hirsch, die 
andre wie ein Reh (L. majus und L. minus). 

IV. Raubt hiere: 1) von Felis 3 Arten, eine grösser als der 
Jaguar, eine andre etwas kleiner als der Kuguar, die dritte wie F. 
niacroura. — 2) Vom östlichen Geschlechte Cynailur'us Wage., 
das man am Mangel des inneren Fortsatzes des oberen Fleischzahnes 
ei kannte, eine Spezios, C. minutus, kleiner als die Hauskatze. — 
3) Von Canis 2 Arten: C. troglodytes, grosser, stärker, aber auf 
viel kürzeren Beinen, als der C. jubatus Brasiliens , und C. prota- 
lopex, der Brasilische Höhlenfuchs, dem C. Azarae ziemlich ähn- 
lich. — 4) Speothos 11. g. , durch den Mangel des letzten untern 
Höckerzahnes vom Hunde verschieden, so dass nur ein untrer Höcker- 
zaiin bleibt (gerade wie das für den in Indien lebenden Canis pri- 
maevus Hobgson oder C. Dukhunensis Syk. angegeben wird), Sp. 
pacivorus war von mittler Grösse, aber besser bewehrt und wilder 
als die Hunde von dieser Grösse, und lebten hauptsächlich von Paca's 
(Coelogenys laticeps). Diese 3 Arten waren es vorzüglich , welche die 
Knochen in die Höiilen eintrugen; doch waren einige der folgenden 
Spezies ihnen behülflich. — 5) Hyaena neogaea, grösser als die le- 
benden Arten des alten Kontinents , aber etwas kleiner als die Euro- 
päische Höhlen-Hyäne^ hat ihre Gebeine in Mitten rein Amerikanischer 
Genera zurückgelassen. — 6) Ursus Brasilien sIs war kleiner als 
die Europäischen Höhlen - Bären , etwa wie die in den Anden lebenden 
Arten. — 7) Nasua: 1 Art. — 8) Ei rar a (Subgenus für die Brasi- 
lischen Grisons, Mustela barbarea und M. vittata). 

V. Marsupialen. Von 1) Didelphys kennt der Vf. 7 in der 
Gegend lebende und eben so viele fossile Arten, von welchen 5 — 6 den 
lebenden (der D. aurita, D. albiventris, D. incana, D. murina, 
D. pusilla, D. myosura) näher verwandt, 1 — 2 eigenthümliche For- 
men sind. — 2) Thyl acoth erium n. g. [non 0>yEN] *) , gegründet 
auf einen Backenzahn wie bei Dasyurus Neuhollands gestaltet, aber 
ein Thier von der Grösse des Jaguars andeutend. 

Vi. Nager. 1) Von Mus (8 lebende und) 5 fossile Arten. 

— — Die Stachelmäuse sind mit | Backenzähnen versehen und ausge- 
zeichnet durch das seitliche Herabsteigen des Hinterhauptbeines gegen das 
Ohr und dessen Theilung in der Weise, dass es den aufsteigenden Theil 
der Trommelhöhle und des Felsbeines umschliesst und für sich allein die 
2 Höcker bildet, wovon der vordere gewöhnlich dem Schläfenbein an- 
gehört: dann durch die ausserordentliche Verkürzung der Crista und die 



•) Merkwürdig ist, dass zwei dieser neuen Namen fast gleichzeitig auch an 2 andre 
fossile Genera derselben Ordnungen vergebon worden sind: C hlani ydotheriu m 
und Thy lat otherium. Bk. 



— 124 - 

fadenförmige Verlän^^cruno; der Apophyse des Schulterblattes , welche 
das Acromium trägt; ferner durch die Gabcliino: des Dornenfortsatzes 
des ersten Brustvviibels, welcher am Ende beider Äste je eine Gelenk- 
fläche zur Anfüj^ung eines kleinen Vförmigen Knöchelchens besitzt, wie 
es unter den ersten S( hwanzwirbeln mehrer .starkschwänzigcn Thiere 
vorkommt. Die in Brasilien lebenden Arten lassen sich jedoch in 3 
Subgenera trennen: Phyilomys Lund, Nelomys Jourd. und Lon- 
cheres Illig. — 2) Erstre haben die obpin Backenzähne aus 4 
einfachen Queerleisteu zusammengesetzt: und Reste derselben finden 
sich in einigen neuen von lebenden Thieren herstammenden Knochen- 
Anhäufungen in Höhlen nördlich des 18'^. s. Br. , so wie die einer 
fossilen Art in den Knochenhöhlen südlich dieser Gränzc. — 3) Lon- 
cheres hat die obren Backenzähne aus nur 2 Leisten zusammengesetzt, 
wovon die vordre einfach, die hiutre \yfürmig ist (bei Echimys sind 
beide Vförniig): es sind zierliche Thiere mit langen Beinen, Ratten- 
schwänzen und schwachen Stacheln. Von den 2 in jener Gegend le- 
benden Arten L. laticeps und L. elegans kommt die letzte auch häufig 
fossil, und zwar ganz identisch vor, das einzige Beispiel der Art. — 
4) Nelomys hat die obern Backenzähne auch aus 2 Leisten gebildet, 
wovon die erste einfach, die hintre Vförmig ist. Diess sind schwer- 
f.illige hässliche Thiere mit grossen Schnautzen , kurzen Ohren und 
Beinen, behaartem Schwanz und nur steifen, nicht stacheligen Haaren, 
welche in Höhlen leben. Zwei fossile Arten nähern sich sehr den 2 
dort lebenden N. antricola L. und N. sulcidens L. — 5) Synoetheres 
magna, von der Grösse des Pekari, übertrifft die 2 lebenden Arten (S. 
insidiosa und S. prehensilis) an Grösse beträchtlich. — — 6) Myopo- 
tamus geht jetzt nicht über den 23^ s. Br. herüber; aber eine fossile 
Art dieses Geschlechtes M. antiquus kommt in den Knochenhöhlen 
bis zum 18** s. Br. vor. — 7) Lepus, dem L. Brasiliensis ähnlich, ist 
häufig. — — Linne's Ca via gehört ausschliesslich dem wärmern Amt' 
rika an , wo vordem ihre Bedeutung sogar noch grösser als jetzt ge- 
wesen zu seyn scheint. — 8) Cavia III. Die 2 dort lebenden Arten 
C. Aperea und C. rupestris sind dadurch von einander verschieden, 
dass von den 2 queerovalen Queerleisten ihre Backenzähne nur bei der 
ersten Art eine herzförmig wird. Dieselbe Verschiedenheit erkennt 
man auch au 2 fossilen Spezies; an einer dritten, C. bilobidens, 
sind alle beide herzförmig. — Dasyprocta, Coelogcnys und H y- 
drochocrus bieten jedes nur 1 lebende Art dar: aber 2 fossile, wovon 
die eine immer der lebenden mehr oder minder ähnlich ist. — 9) Vom 
fossilen Coelogenys laticeps hat der Vf. Reste von mehr als 100 
Imlividuen mit der lebenden Art verglichen und gefunden , dass ihrer 
grossen Ähnlichkeit ungeachtet unter andern an der ersten die Jocb- 
bogcn hinten immer breiter auscinandertret<'n : C. n)ajor von der 
Grösse der Cabivara lässt sich im ganzen Detail seiner Osteologie mit 
der lebenden Art nicht verwedisoln. — 10) Dasyproct;i capreo- 
ius besitzt die grossen Knoclien der Hintei - Extremitäleu so staik als 



— 125 — 

biMin RpIi: dio andre Ait ist dem Aguti veiwandt. — ll) Hydro- 
«hoeius suicidens steht in der Grösse zwischen dem Tapir und der 
lebenden Art, und ist an der Vorderseite der Schneidezähne tief gefurcht; 
die zweite fossile wie die lobende Art sind daselbst glatt. 

Die zwei folgenden Ordnungen bieten nun weniger fossile Genera 
und Spezies als lebende dar. 

VII. Fledermäuse bieten nur wenige Reste unter den Haufwerken 
kleiner Thier-Kuochen dar , die in einigen Höhlen vorkommen , obschon 
solche unter den im Schlupfwinkel der Strix perlata gebildeten sehr 
h.'iufig sind; vielleicht nur weil erste Anhäufungen von einem Tag- 
Thierc herstammen. 

VIII. Affen waren durch 2 Genera mit 2 Arten repräsentirt, wo- 
von eine Protopithecus Brasilien sis von 4' Höhe einem neuen 
Genus angehört, die andre Gallith rix primaevus mehr als doppelt 
so gross ist als ihre heutigen Geschlechtsverwandte. 

Demnach war in früherer Zeit auch die heisse Zone reicher an 
Arten , reicher an Formen und mit grösseren Arten versehen als jetzt. 
Diese Arten alle gehörten aber mit wenigen Ausnahmen denselben 
Geschlechts - Formen und Familien an, welche noch jetzt dort leben. 
Dagegen waren alle Arten von den jetzigen Arten verschieden , mit 
Ausnahme einer einzigen Nager-Spezies, des Lonchercs elegans. 



Petrefaliten - und illineralien-IIandel. 

Gyps -Modelle von 5 00 Arten Echiniden sind zu kaufen 
oder zu Vertauschen bei dem naturhistorischen Museum zu Nettchätel. 
Es sind 550 Modelle, welche man in mehr oder weniger vollständigen 
Reihen nach dem ausgegebenen Kataloge beziehen kann. Im Tausche 
werden sie, jedes Stück gegen ein gutes Exemplar einer andren vom 
Museum auszuwählenden Petrefakten - Art abgelassen, im Kaufe jedes 
Exemplar um 1^- Francs und die ganze Sammlung um 1 Franc (franzö- 
sisch) das Stück gegeben. Diese Modelle sind weiss gelassen , um 
ihren Preis nicht zu vertheuern ; werden sie kolorirt verlangt, so kom- 
men sie um die Hälfte höher. 

Unter denselben ßedingnissen werden auch die schon früher an- 
gezeigten (Jahrb. i839 , S. 502) Künstlichen Stein kerne von 
Konchylien lebender ATten, deren schon über 200 fertig sind, 
abgelassen. Der Katalog wird auf Verlangen mitgetheilt. (Die Be- 
st hreibung der generischen Merkmale der Konchylien nach ihren Kernen 
wird im 2ten Batide der Memoires de Nenchätel erscheinen.) 

Eben so sind Gyps-Abgüsse von fossilen Knochen, Fischen und 
Konchylien in Arbeit, deren Katalog später gefertigt und deren Preis 
80 billig als möglich bestimmt werden soll. 

Ein von Gp.essly in Gyps gearbeitetes Modeil von der sehr zu- 
•ammcngesetzten Gebirgs» Hebung , welche die ganze Reihe der Jura- 



— 120 — 

Gebilde im Tlia^o von Bäreschwyl im Kanton Solothurn betroffen, ist 
im Tausche gogen andere Reliefs oder um den Preis von 20 Francs 
zu beziehen. 

Alle obigen Modelle sind von Benj. Stahl gefertigt, von welche») 
viele Arbeiten schon früher durch Voltz von Strasburg aus verbreitet 
worden sind. 

L. Agassiz. 



Aufgemuntert durch den scjinellen Absatz, welchen die vor zwei 
Jahren veranstalteten Sammlungen von Gebirgsarten aus den westlichen 
Schweitzer Alpen gefunden haben (s. Jahrb. 1837 , S. 377), bietet das 
naturhistorische Museum in Bern den Geologen, Unterrichts- Anstalten 
und Museen eine neue ähnliche Sammlung von Gebirgsarten aus 
Graubündten zum Kauf oder Tausch an. Jede Sammlung besteht aus 
100 Stücken und ist mit gedruckten Etiquetten in deutscher und fran- 
zösischer Sprache ausgestattet. Die Auswahl der Stucke wurde geleitet 
durch die Beschreibung der Gebirgsmasse von Davos von B. Stüder 
und die Geologie von Mittel - Bündten von A. Escher und B. Studer, 
welche in den Schweitzer Denkschriften für 1837 und 1839 erschienen 
sind, und auf die entsprechenden Stellen dieser Arbeiten ist von dem 
einen der Verfasser auf den Etiquetten hingewiesen worden. Nebst 
der genaueren Kenntniss, welche diese Sammlungen über eine, bis jetzt 
nur wenig untersuchte Gegend der Alpen zu verbreiten bestimmt sind, 
enthalten sie die wichtigsten Belegstücke zu der Naturgeschichte des 
Serpentins und der mit ihm verbundenen körnigen Gebirgsarten, so wie 
auch zu den neueren Theorie'n der Entstehung dieser Gebirgsarten 
durch plutonische Umwandlung von Sediment -Gesteinen. — Der Preis 
jeder Sammlung ist 33 fl. rheinl. In Tausch werden sowohl zoologi- 
sche Gegenstände als Petrefakten und Mineralien angenommen, wenn 
sie für das Berner Museum den entsprechenden Werth haben können. 
Daherige Anerbieten beliebe man an „Hrn. Fried. Mkver , Mitglied der 
Museums Direktion in Bern" zu adressiren. 



Geognostische Beobachtimgen, 

gesammelt 

auf einer Reise durch Tyrol im Jahre 1838, 



von 

Herrn Dr. ReusS 

Bilin u\ Böhmen. 



Hiriu Tafel V. 



Nördlich iind südlieh stösst nn den Zentral- Granit der 
Tyroler Alpen ein Gürtel von Schiefer-Gebilden, dessen nörd- 
liche Hälfte einen weit grössern Durchmesser hat ^ als die 
südliche. Denn gegen N. bilden die Schiefer schon im 
Unter - Innthale das wellenförmige Mittelgebirge j das die 
südliche Tiial-Grenze zusammensetzt, so dass die Grenze 
ewischen Kalk und Schiefer östlich von Innsbruck bis nach 
Schtcaiz in das Innfhal selbst zu liegen kömmt. Erst von 
Schwatz aus verläuft sie queer durch das Gebirge nach 
Schlüters im Zillerthal^ durchschneidet dieses queer, setzt 
dann gegen Ktfzbühl und Fieberlrunn und von da im See- 
bachthale über Hochfitzen und Leogang ins Salzburgische 
hinüber bis Saalfelden^ von wo aus sie sich in ziemlich 
genauer Linie gegen Werfen im Sahachthale hinzieht. 
Jahigaug 1S40. 9 



■— 128 — 

An vielen Stellen sieht man auf dieser Strecke die 
Schiefer vom Kalk durch dazwischen liegenden mehr oder 
weniger mächtigen rothen Sandstein geschieden. Besonders 
an zwei Orten sind die Verhältnisse deutlich. Das erste 
Ma! erseheint er bei Schwatz am Fiebelkofer, einem felsigen, 
steil gegen das Innthal abgestürzten, von ungeheuren Ge- 
röll-Blassen bedeckten Berge, in welchem der einst so ergie- 
bige Schwätzer Kupfer-Bergbau betrieben wurde. Hier sieht 
man die Schiefer deutlich den rothen Sandstein unterteufen. 
Dieser stellt sich dar bald als feinkörniger, braun - oder 
grau -rother und dann oft schiefriger Sandstein, bald als 
sehr festes grobes Konglomerat, dessen mehr oder weniger 
grosse Cluarzgeschiebe durcli braunrothe thonig-sandige Masse 
zusammengekittot sind. Auf ihm liegt dann der w^eisse, 
gelbe oder grauliclie, dichte, sehr oft aber auch späthige 
Kalkstein, der Kupferglanz, Kupfergrün, Malachit, Kupfer- 
lasur, Kupferschauin , Kalk- und Schwer - Späth, Gyps, 
grünlichen Arragon, Kobaltbiüthe u. s, w. theils in Drusen- 
räumen krystallisirt, theils und zwar grösstentheils unregel- 
mässig eingesprengt führt. ¥on Versteinerungen ist keine 
Spar zu bemerken. Jetzt ist der Bergbau, dessen Ergiebig- 
keit aufgehört hat , fast gänzlich aufgelassen ; nur die alten 
sehr grossen Halden werden noch aufgeräumt. 

Zum zweiten Maie tritt der rothe Sandstein deutlich 
im Seehachlhale bei Leogang auf. Schon die Physiognomie 
des Thaies lehrt den Beobachter, dass er sich an der Grenze 
der Schiefer - Formation befindet. Nördlich sieht man die 
steilen zackigen Klippen des Birnhorns , die aus grauem, 
mitunter röthlichem Alpen - Kalkstein bestehen, südwärts 
dagegen die minder hohen gerundeten Kuppen und Rücken 
des Schiefer- Gebirges. Im Thale selbst liegen beiderseits 
kleine wellenförmige Hügel, die zu den höhern Thalgehängen 
allmählich ansteigen. Sie sind aus rothem Sandsteine -zu- 
sammengesetzt. Schon östlich von Leogang erscheint er am 
Wege in deutlichen Schichten, die gegen S.S.O. fallen. Die 
dem Kalke zugekehrten Schichten charakterisiren sich als 



_ 120 ^ 

ein rotliei' knikiger Sandstein , der aber bald den Kaik* 
Gehalt verliert und dann einen feinkörnigen rothbr(»unen 
oder röthlichgrancn, selten grauenlfesten Sandstein darstellt» 
Je mehr man sich dem Schiefer nähert, desto mehr Glim- 
mer nimmt er auf und geht dadurch in einen lockern glim- 
merigen Sandstein-Schiefer über, bis er endlich durch Vor- 
wiegen des Glimmers mehr und mehr manchem Glimmer- 
schiefer ähnlich wird, in den er auch zu verfliessen scheint. 
— Hat man nun, in dem Thale weiter westwärts fortgehend, 
den Hochfihener Pass überschritten, so stöss<t man bei WiC" 
berbrunn auf grauen Thonschiefer, der gegen 0. einschiesst» 

Von der nun eben bezeichneten nördlichen Grenze er- 
streckt sich der nördliche Schiefergürtel ununterbrochen 
südwärts bis in die Gegend von Mauh — in gerader Rich- 
tung durch das Wippthal über den Brenner und Sterzing 
gerechnet eine Sti-ecke von beiläufig 5 geographischen Meilen. 
Bei Mauls erst werden die Schiefer vom Granit abgeschnitten, 
der die steilen Gehänge des daselbst en^Q werdenden Ei- 
sachlhales beiderseits zusammensetzt bis nach Brixen hinab. 
Der Granit selbst ist sehr gleichförmig und fest, von mitt- 
lem Korne, aus weissem Quarz und Feldsjiath bestehend, 
mit sehr kleinen und nicht zu häufigen schwarzbraunem 
Glimmer-ßlättchen und - Säulchen. 

Betrachtet man die Schiefer dei* erwähnten Strecke 
etwas näher , so bemerkt man beim ersten Blicke , dass 
Ciueiss und Thonschiefer bei weitem vorwiegen; seltner treteii 
Glimmer-, Chlorit - und Hornblende-Schiefer auf. Übrigens 
ist an ein deutliches Geschiedenseyn oder an einen regel- 
mässigen Wechsel derselben nielit zu denken. Sie wechseln 
ohne alle Ojdnung vielfach mit einander und verfiiesseq 
allmählich in einan<ler, so dass eine Menge von Zwischcn- 
Gesteinen entsteht , bei denen man in Verlegenheit kömwit, 
mit welchem Namen man sie belet'er. sali. 

Die Hügel südwestlich von Innsbruck vojn Berge Isel .aa 
bestehen aus dünnschiefrigem grauem Thonschiefer. Van 
Calliwiese links am Wege nach Ajcam sieht man seine 



-^ 130 — 

dünnen wellenförmig gebogenen Schichten von W. nach O. 
streichen und unter 40*^ g^g^" S« fallen , mit mehr oder 
weniger bedeutenden Abweichungen. Häufig, durchsetzen 
ihn mehrere Zoll starke öuarzadern. Hinter Galliwies ver- 
schwindet er im Thale unter Alluvial-Gebilden, Schon vor 
Galliwies steht ein feiner lockerer gelblicher Sandstein an, 
der hinter Galliiüies unzählige Geschiebe von Gneiss, Öuarz, 
Thon- und Chlorit-Schiefer aufnimmt. Er steigt nun allmäh- 
lich in die Höhe , bis er bei Vels schon die Spitze der 
Äovtlgen Hügel bedeckt. Rechts vom Wege setzt er eine 
niedrige Hügel-Reiiie zusammen, die in das hier etwas brei- 
tere Innthal vorspringt und mit dem Blasiusherg und einigen 
damit zusammenhängenden Hügeln endigt. Lings bildet er 
höhere Kuppen, deren eine die Ruinen des Schlosses Vel- 
lenbera krönen. Er besteht hier aus oft wechselnden , fast 
horizontalen Schichten lodiorn feinen Sandes und festen 
groben sandigen Konglomerates, wie man an A^w steilen 
Abstürzen deutiieh beobachten kann. 

Etwas hinter Vellenberg tritt in der Tiefe am Wege 
wieder grauer Glimmerschiefer hervor, der stellenweise dem 
Gneisse sich nähert und von grauen Quarzadern durchzogen 
wird. Er fällt h. 2 S.S.O. unter 25*^ ein, weiter vorwärts 
aber, WO der Weg ins Thal einbiegt, h. 1 unter 45 — 50^. 
Von da an bis weit hinter Axams findet man kein anstehen- 
des Gestein, nur liegen überall häufige Gneiss-Blöcke herum. 
Erst zwischen Axams und Seirain am höchsten Punkte des 
Weges tritt wieder Glimmerschiefer auf, der unter SO— 85® 
W.N.W, fällt. Da, wo der Weg sich schon ins Thal von 
Seirain senkt , stehen die Schichten fast auf dem Kopfe 
oder schiessen unter 80 — 85^ g^ge^^ N« ^i" 5 tiefer unten 
aber mit 40^ gegen S. Es wechseln hier mit dem Glimmer- 
schiefer dicke Lagen von grobflaserigem Gneiss, der aus 
weissem Quarz und Feldspath mit sparsamem, bräunlichem 
und stahlgrauem Glimmer besteht. Diese Gesteine setzen 
nun im Thale bis nach Lisenz fort. Jn ihm findet sich 
der bekannte Lisenzer Ändalusit , Pinit und Bucholzit. 



— 131 — 

Ersteren findet man stets in den zahlreichen starken Quarz- 
Adern des Schiefers und zwar so, dass die Spitzen der 
Rrystalle stets gegen die Mitte der Ädern hinsehen und 
einander zugekehrt sind. 

Auch östlich von Imishruch g^^^n Hall und Schwatz hin 
sieht man an den der Strasse angränzenden Bergen überall 
Thonschiefer anstehen. Bei Vulders fallen die Schichteu 
des grauen, von vielen Quarzauern durchzogenen Schiefers 
h. 1.4 S.S.O. mit 55^. Zwischen Volders und Wactens 
nähert er sich dem Glimmerschiefer und bildet sehr steile 
Felswände, deren Schichten h. I.4 S.S.O. mit 15^ sich neigen. 
Er enthält zahllose Ädern und Nester von Quarz , in dem 
viel isabellgelber krj^stallinischer Spatheisenstein eingesprengt 
ist. Auf den Klüften sind nicht selten nadeiförmige Rudi- 
Krystalle in sehr feinen artigen Netzen zusammengehäuft. 
überhaupt scheint diese ganze Schiefer-Kette sehr reich an 
Eisenspath zu seyn , den man in kleinen Quantitäten fast 
überall in dem Quarz derselben wahrnimmt. 

Doch auch grössere bauwürdige Massen finden sich hie 
und da, z. B. bei PiUersee. Selbst zunächst der Strasse 
zwischen Pill und Schwatz enthält der graue Glimmerschiefer, 
der sehr quarzig ist, stellenweise dem Gneisse sich nähert 
und unter 15 — 20^ g^g^" S. geneigt ist, viel davon. Er 
ist hier sehr feinkörnig oder fast dicht und bi-icht in be- 
deutenden Massen ebenfalls im Quarze, Dieser ist zwar 
überall im Schiefer zerstreut, doch bildet er an einem 
Punkte, wo man gar keine Schichtung, sondern nur ein 
unregelmässig zerklüftetes Gestein wahrnehmen kann, eine 
etwa IJ Ellen mächtige fast gangförmige Masse, die beson- 
ders reich an dem Eisen-Erze ist. 

Im Zillerihale beginnen die Schiefer sich gleich bei 
Schlitters wieder zu zeigen. Auch hier kömmt zuerst grün- 
lichgrauer sehr feinblättriger Thonschiefer zum Vorschein, 
dessen Blätter wiederholt scharf eingebogen , gleichsam wie 
gefaltet sind. Seine Schichten stehen seiger und streichen 
von N. nach S. Der Thonschiefer begleitet uns bis Zellj 



— 132 ^ 

nur iläss er eisengrau und sehr qnarzreich wird, nach 
N.N.W, streicht und h. 3 — 6 fälh. in diesem Gesteine 
geht auch der Gold-Bergbau am Eöhrerbühel bei Zell um. 
Er ist ziemlich feinschiefrig , starkglänzend und hat vielen 
Eisenkies fein eingesprengt. Die zahlreichen Quarz-Adern 
sind voll von körnigem Spatheisenstein. Die Erze brechen 
auf mehreren 2" — 4' mächtigen Quarz-Gängen, die fast pa- 
rallel der Schichtung streichen. Sie enthalten krystaliisirten 
und derben bexaedrischen Eisenkies eingewaclisen, der etwas 
goldhaltig ist, seltner gediegen Gold , meist angeflogen oder 
dünn plattenförmig , selten in ganz kleinen Krystäüchen. 
Unmittelbar beim Bergwerk streicht der Schiefer h. 1 S.S.Oi 
und fällt unter 6Q^. 

im weitern Verlaufe des Zillerthales wird der Thon- 
schiefer vom Gneiss verdrängt, der oft in Glimmerschiefer 
übergeht und mit ihm zu wiederholten Malen wechselt. 
Bei Mäierhofen schliesst ein grünlichgrauer Gneiss zahl- 
reiche bis 1" und darüber grosse Zwillinge von weissem 
Feldspath ein, in deren Substanz man viele kleine Giimmer- 
Blättchen entdeckt. Ein eben solcher Gneiss findet sich nicht 
weit Von Gerlos, Bei Hochstegen ist ein in 1 — 2" starke 
ebene Platten getheilter dichter, perlgrauer Kalk eingelagert, 
der h. 5 N.W. streicht und N.O. fällt. Von da setzt nun 
der Gneiss durch das Zemthal und seine Seitentliäler bis 
ans Pfitscherjoch fort in manchfachen Varietäten. An dessen 
südwestlichem Abhänge erst tritt wieder grauer Thonschie- 
fer auf. Zunächst der am Kamm vorfindlichen Serpentin- 
Massen ist ihm ein grüner Hornblendeschiefer aufgelagert, 
der zahlreiche grosse tombackbraune Glimmerblättchen auf- 
nimmt, welche alle der Schieferung parallel liegen und ihm 
dadurch ein eigenthümliches Ansehen geben. 

Ein sehr auffallendes Beispiel von dem Wechsel der 
Schiefer liefert die Folge der Gesteine, die man am Wege 
von Zell nach der Gerlos wahrnimmt. Besonders deutlich 
ist sie an einer Stelle. Zuerst fällt daselbst grünlicher 
Thönschiefcr in die Augen, dann dichter, lichtbläulicbgi^auerj 



— 133 — 

schiefriger Kalk, dessen Schichten h. 5.4 S.W.W, streichen 
und mit 30 — 35^ S.S.O. fallen. Zwischen den einzelnen 
i — 3" starken Straten liegen dünne silherweisse Glimoier- 
Schichten. Gleich darauf kommt man auf sehr quarzigen 
grobflaserigen Gneiss mit silberweissem oder grünlichem Glim- 
mer, der von mehreren 2 — S" starken Scljichten grauen 
Thonschiefers durchsetzt wird. Auf den Gneiss, der h. 7.^ 
S.0.0. streicht , folgt bald wieder grünlicher sehr dünn- 
blättriger Thonscliiefer , dann endlich schwarzgrauer Thon- 
schiefer, der h. 6.3 S.0.0. streicht. Er enthält viele üuarz- 
Adern mit eingesprengtem Spatheisenstein. 

Eine nicht minder grosse Manchfaitigkeit der Schiefer 
beobachtet man an der Seefelder Alpe im Ulientkaie, Sie 
gehört dem südliehen Schiefer-Gürtel an, dessen südliche 
Grenze man im Val di Sole zwischen Bozzano und Magras 
nnweit Male überschreitet. Nordwestlich stehen überall 
Schiefer an, g^gew S.W. weilt der Bück bloss auf Kalk- 
Felsen. Von Male aus erstrecken sich die Schiefer ins Rabbi-^ 
thal, dessen Gehänge meist aas Gneiss, selten aus Glimmer- 
schiefer bestehen. Dieselben Gesteine begleiten den Wanderer 
über den Col Caldes ins üllenihal, nur dass man am nörd- 
lichen Abhänge noch Hornblendeschiefer findet, der, wie 
der Glimmerschiefer, manchmal Granat aufnimmt. Auch im 
Ultenthal herrscht der Gneiss vor, nur streckenweise macht 
er dem Glimmerschiefer, noch seltner dem Thonschiefe? 
Platz. Auch die Seefelder Alpe besteht zum grössten Thelle 
daraus, und ein an silberweissem oder stahlgrauem Glimmer 
sehr reicher Gnoiss ist es auch, in welchem sieh am Rücken 
der Alpe der Graphit, theils in einzelnen Schuppen, theils 
in grössern Partie'n eingewachsen findet. Er streicht h. 
3.4 S.W. Von der Höhe zieht sich ein allmählich niedriger 
werdender Kamm gegen St. Nilllas hinab , der sich in eine 
abgerundete bewaldete Kuppe endet. Am Fusse sieht man 
Silber- und graulich -weissen Glimmerschiefer , der viele 
Quarz-Partie'n mit grossen silberweissen Glimmer- Blättern 
einschliesst. Höher oben nimmt er Schichten anderer Art 



— 134 -^ 

auf. Zuerst bemerkt man ein grobkörniges , bald schmutzig 
oHven-, bald grau-grünes Hornblende-Gestein, das allmählich 
feinkörniger und zuletzt selbst dicht wird. Es zeigt Adern 
von Quarz und Kalkspath. Von der andern Seite wird es 
schiefrig und stellt einen deutlichen ilornblendeschiefer von 
graugrüner Farbe dar, welcher aber nach und nach tom- 
backbraunen und stahlgrauen Glimmer aufnimmt und zuletzt 
in Glimmerschiefer und Gneiss , die vielfach wechseln , sich 
umbildet. Ausserdem sind in dem Schiefer noch Lagen 
weissen oder graulichen sehr feinkörnigen schiefrigen Kal- 
kes eingeschoben. 



Einen der interessantesten Punkte in dem nördlichen 
Schiefer-Gebirge Tyrols bietet das wilde einsame Zemthal dar, 
nicht nur wegen der manchfaltigen schönen Mineral-Species, 
welche die Schiefer desselben beherbergen, sondern auch 
wegen seiner geognostischen Verhältnisse. Am deutlichsten 
lassen sich diese am Greiner beobachten , der sich an der 
West-Seite des Thaies kahl und steil zu einer Höhe von 
66S8' erhebt. Die beiderseitigen Gehänge des Thaies be- 
stehen aus Gneiss, der sehr häufig in Glimmerschiefer über- 
geht. Auch am Fusse des Greiners findet man den Gneiss 
in steilen Felsen anstehend. Er ist dünnschiefrig und besteht 
nebst weissem Quarz und Feldspath aus reichlichem stahl- 
grauem Glimmer. Seine oftmals wellenförmig gebogenen 
Schichten streichen, wie im ganzen Thale, von O. nach W. 
und fallen mit 70— 80^ gegen N. 

Je höher man nun emporsteigt, desto häufiger werden 
die schon im Thalgrunde häufigen Trümmer fremdartiger 
Gesteine. Hat man etwa den fünften Theil des Bergs er- 
stiegen, so führt der Pfad plötzlich über grosse anstehende 
Massen derselben. Sie bestehen aus einem dunkelgrünlich- 
grauen Serpentin-ähnlichen Gestein, in dem unzählige kleinere 
und grössere Körner von Magneteisen eingewachsen sind. 
Selten ist es blassgrün und von Adern grünlichweissen 



- 135 — 

Asbestes durchzogen. Dieser Serpentin bildet eine grosse 
40—50 Klafter breite Masse, die sich von den Schiefern 
eingeschlossen an dem Berge in die Höhe zieht. Sie streicht, 
wie die Schiefer selbst, von O. nach W. und ist in ganz 
unregelmässige Fels-Massen zerklüftet. Sehr interessant ist 
die Beschaffenheit der sie umgebenden Schiefer, in welche 
sich von Serpentin ein ununterbrochener allmählicher Ülber- 
gang wahrnehmen lässt. Die verschiedenen Zwischenglieder 
sind es nun, welche die raanchfachen Mineral-Species, durch 
welche der Greiner sich so auszeichnet, enthalten. 

An den Grenzen der oben erwähnten Masse wird der 
Serpentin vorerst schiefrig, ohne noch eine qualitative Ver- 
schiedenheit darzubieten. Allmählich wird er aber weniger 
dicht , zeigt ein feinkörniges Gefüge und gibt sich bei ge- 
nauerer Untersuchung als aus sehr feinen zusammengefilzten 
Fasern dunkelgrünen Strahlsteins zusammengesetzt zu er- 
kennen , in welchem zahllose feine Nadeln schwarzen Am- 
phibols zerstreut liegen. Diese werden nach und nach 
zahlreicher und grösser und verdrängen die Strahlstein- 
Masse endlich ganz, so dass man ein bald körniges, bald 
schiefriges grünlichschwarzes Hornblende- Gestein vor sich 
hat. Doch auch dieses geht vielfache Metamorphosen ein. 
Es nimmt bald Quarz und Feldspath auf, die allmählich 
vorwaltend werden ; dann liegen in einem feinkörnigen Ge- 
menge von farblosem Quarz und weissem Feldspath sehr 
viele grössere und kleinere Nadeln von Amphibol, denen 
sich gewöhnlich noch Granat, oft in Dodekaedern von be- 
deutender Grösse, hinzugesellt. Diese Varietät ist bei wei- 
tem am häufigsten. Doch nun tritt noch ein anderer Ge- 
mengtheil hinzu und zwar Glimmer, meist von silberweisser 
Farbe, der Anfangs in sehr kleinen Blättchen beigemengt 
ist, aber bald so überhand nimmt, dass daraus ein Glimmer- 
schiefer entsteht, der ebenfalls Hornblende und Granat in 
mehr oder weniger reichlichem Maase umschliesst. Je wei- 
ter man sich vom Serpentin entfernt, desto manchfaltiger 
werden die Farben des Glimmerschiefers ; am häufigsten 



— 136 — 

jedoch isC er grünlichgrau oder auch grüngefleekt auf weis- 
sem Gründe. Ausser dem Äinphibol und dein oft sehr 
schönen Granat findet man in ihm noch lauchgrüuen oder 
schwärzliehgrünen Chlorit, theils in einzelnen Blättchenj 
theils in 1^" bis mehrere Zolle dicken Platten, die eine gross* 
körnige Zusammensetzung zeigen. 

Merkwürdig ist ein Verhältniss zwischen Hornblende 
«lid Chlorit, das sich hie und da wahrnehmen lässt. Die 
grössern Krystalle der ersten , die bei einer Länge von oft 
mehr als 2" eine verhältnissmässig nicht sehr bedeutende 
Dieke haben und fast stets senkrecht auf den Absonderunors- 

o 

f^lächen des Glimmerschiefers stehen , sind stets mit eineir 
Rinde von grünlichbraunem Chlorit umgeben, dessen Blatt- 
cheri äeiikrechfc g^g^n die Prismen-Flächen des Amphibois 
geriehtet sind. Gewöhnlich hat diese Rinde bloss die Dicke 
von 4- — l'"j aber zuweilen nimmt sie so zu, dass der Chlorit 
den grössten Theil des Krystalls zusammensetzt und nur 
in der Mitte ein kleiner Kern von Hornblende zu sehen ist; 
ja man findet Krystalle, wo der Chlorit den Amphibol ganss 
verdrängt hat. Dann nimmt man auf den Absonderungs- 
Flächen des Schiefers regelmässige Sechsecke von Chlorit 
wahr. Sollte hier nicht eine allmähliche chemische Umbil- 
dung Statt haben? 

Sehr oft fehlt auch ^l\e Hornblende, und man hat danit 
einen grauliehweissen, grünliehen oder bräunlichen Glimmer- 
schiefer vor sich , der oft noch Granat enthält. Allmählich 
nimmt er endlich Feldspath auf und geht in den Gneiss über^ 
der die Hauptmasse des Greiners bildet. 

Von der andern Seite nimmt der Glimmerschiefer mehr 
tind melir feinkörnigen Chlorit auf und geht durch Vorwal- 
tendwerden desselben allmählich in grünlichgrauen Chlo- 
ritschiefer über , der zahlreiche Krystalle (Oktaeder und 
Zwillinge desselben) von Magneteisen umschliesst. Er ver- 
wandelt sich aber bald eben so unmerklich in graulich- oder 
grünlich- weissen Talkschiefer. 

Alle die genannten schiefrigen Gebilde bieten, obwohl 



— U7 - 

ßie in einflnder verfliessen, keine regelmässige Reihenfolge, 
sondern wechseln auf höchst unregelniässige Weise mit ein- 
ander ab. Bald liegen sie närolieh schichtenweise neben- 
einander, bald schliessen sie einander Partien-weise ein. 
Besonders deutlich zeigt sich diess an dem Talkschiefer, 
Denn dieser bildet zwei Massen von bedeutender Grössey 
die zwar konform mit den übrigen Schichten streichen, 
aber sich nach oben und unten allmählich auskeilen und 
von abwechselnden Lagen von Asbest, Strahlsteiii, Chlorit» 
und Glimmer-Schiefer schalenförmig umschlossen werden. 

Nur noch einige Worte von den in den beschriebenen 
Schiefern eingeschlossenen mamdifaltigen Mineralien. Ausser 
der so oft erwähnten Hornblende und dem Granat finden 
sich besonders häufig; spargelgrüner Talk, der Sehr oft 
Rhomboeder von Rautenspath, seltner Krystalle oder kör- 
nige Partie'n von Spargelstein umhüllt und immer im Talk- 
schiefer eingewachsen ist; Strahlstein von blass Apfel - bis 
Lauch- und schw%irz - grüner Farbe, gewöhnlich im Talk- 
schiefer eingeschlossen, zuweilen aber auch grössere selbst- 
ständige zwischen die Schiefer eingeschobene Lagen bildend, 
sehr selten auch im Gneisse vorkommend; Asbest und Amianth 
von graulich- und gelblich-weisser Farbe, mit allen seinen 
Übergängen in den Strahlstein ; Pikrosmin von lauchgrüner 
Farbe. Seltner sind: Magneteisen-Erz, dunkelgrüner erdiger 
Chlorit (im Hornblendesehiefer) ; Quarz, selten krystallisirt; 
tombackbrauner oder schwarzbrauner Glimmer; blauer Dis- 
thenspath mit Hornblende verwachsen; Periklin auf Horn- 
blendeschiefer aufsitzend u. s. w. 

Ich habe hier die wechselseitigen Verhältnisse des Ser- 
pentins und der angränzenden Schiefer absichtlich ausführ- 
licher auseinandergesetzt , weil sie mir einen deutlichen 
Beweis zu geben scheinen, dass der Satz: »alle Serpentine 
seyen plutonischen Ursprungs" offenbar zu weit ausgedehnt 
sey. Denn von einem später erfolgten Durchbrochenseyn 
der Schiefer kann hier Wohl nicht die Rede seyn, indem 
die abnorme Gesteinraasse der Streichnngslinie der Schiefer 



— 138 — 

folgt und die Schichtung der letztern selbst nicht im Ge- 
ringsten gestört oder verändert ist. Auch wäre es nicht 
möglich, die manchfachen Varietäten der Schiefer durch 
eine spätere Metamorphose des Gneisses zu erklären, da 
ein allmähliches Verfliessen aller beschriebenen Gesteine in 
einander Statt hat, was deutlich genug für eine gleichzeitige 
Bildung spricht, wenn es auch nicht an allen Spuren 
von Zerrissen - und Zertrümmert-Seyn fehlte , Zeichen , die 
doch nicht mangeln könnten, wenn eine solche Revolution 
die schon früher gebildeten und erhärteten Schiefer be- 
troffen hätte. 

Ganz gleiche Verhältnisse kann man an mehrern Punk- 
ten der Nachbarschaft, z. ß. am Schwarzensiein im Zemlhal 
beobachten, wo sich ausser Hornblende, Chlorit und Granat 
auch noch Diopsid in schönen, weingelben, durchsichtigen 
Krystallen vorfindet. — Am Pfitschsrjoch werden die Schiefer 
von einer Serpentin-Masse durchsetzt, welche auch von Horn- 
blendeschiefern, Strahlsteinen u. s. w. begleitet wird. Der- 
gleichen finden sich auch im Pfitschthale und im Pfunders- 
thale y und aus den umgebenden Schiefern stammen die be- 
kannten schönen Perikline und apfelgrünen Sphene her. 



Der Erwähnung werth ist auch ein eigenthümliches 
Vorkommen von Serpentin bei Matray im Wipplhale, Die 
nächste Umgebung setzt Thonschiefer zusammen , der am 
Matrayer Schlossbcrg blassgrün von Farbe ist und von vie- 
len, mitunter starken Quarzadern durchzogen wird , welche 
krystallinischen Spatheisenstein eingesprengt enthalten. In 
geringer Entfernung davon — im Pfunds — ist er durch 
Steinbruch-Bau bedeutend aufgeschlossen. Er ist dort theils 
grünlichgrau, theils grau in verschiedenen Nuancen und 
sehr dünnschiefrig. Er nimmt aber allmählich mehr grflu- 
lichweisse oder röthlichgraue Kalkmasse zwischen seinen 
Blättern auf und bildet so ein Gestein, das häufig zu Stein- 
metz-Arbeiten gebraucht wird. Öfter nimmt die Kalk-Masse 



~ 139 — 

so überliaiul , dass man einen dichten röthlicligrauen Kalk« 
stein von undeutlich schiefriger Struktur vor sich hat. 

Der kalkige Thonsohiefer Jässt aber auch ausserdem 
noch eine Stufenreihe interessanter Veränderungen wahr- 
nehmen. Die Anfangs deutlichen Thonschiefer-Partie'n, die 
im Kalke eingestreut liegen, nehmen nach und nach eine 
dunkelgrüne Farbe und an der Oberfläche starken Fettglanz 
an und werden in kleinen Stückchen durchscheinend. Es 
Jässt sich hierin ein stufen weiser Übergang in öl - oder 
dunkel-grüne Serpentin -Masse nicht verkennen. Besonders 
zwei Varietäten dieses Gesteines sind bemerkenswerth. Die 
erste, die ziemlich feinschiefrig ist, besteht aus unregehnäs- 
sig abwechselnden kleinen, meist rundlichen dünnen Partien 
ölgrünen durchscheinenden Serpentins und weissen feinkör- 
nigen KalkeSj welche ohne Ordnung aufeinander liegen und 
das schiefrige Ansehen des Gesteins verursachen. Auf den 
Schieferungs - Flächen sieht man überdiess zahlreiche feine 
Blättchen silberweissen Talkes, Die andere Abänderung 
besitzt kein schiefriges Gefüge, sondern stellt eine Zusam- 
menhäufung zahlloser, selten nnssgrosser, meist kleiner, oft 
rundlicher, äusserlich stark fettglänzender Brocken schwärz- 
lichgrünen, mitunter auch ölgrünen, etwas durchscheinenden 
Serpentins dar, die durch weisse dichte, zuweilen aber auch 
feinfasrige Kalkmasse verkittet sind. Dadurch entsteht ein 
eigenthümliches Trümmer - Gestein , das an der Luft leicht 
zerfällt. Grössere zusammenhängende Massen von Serpentin 
fand ich nicht. Alle diese Gesteine wechseln mit den Schiefer- 
Schichten regelmässig ab, sind alle auf jeden Fall mit ihnen 
gleichzeitig gebildet. 

Ausser den erwähnten Schiefer- Varietäten und dem 
Serpentine stösst dem Beobachter in dem Schiefer-Gebirge 
noch eine Felsart öfter auf — der körnige Kalk. So findet 
er sich im Carsthale [?] zwischen den Schiefern gleichförmig 
eingelagert. Er ist kleinkörnig, schneeweiss oder graulich 
von Farbe, zuweilen gestreift oder gefleckt. Eben so findet 
er sich ira Sluhayenlhale. 



_ 140 — 

K^am hat mau Brixen verlassen, um sich südwärts eu 
wenden, so hat man schon vvieder Schiefer znr Seite. 
Meistens ist es grauer Thonschiefer , der ziemlich dünn- 
schief rig, oft sehr quarzig ist und kleine Granaten enthält. 
Seine Schichten streichen li. 1 S.S.W, und fallen unter 
sehr wechselndem Winkel gegen 0. überhaupt ist das 
Fallen sehr veränderlich , denn nicht sehr weit davon sieht 
man den Schiefer mit 15- — 20® g^g®" W» wnd noch mehr 
südlich wieder unter 30® g^gen S. einschiessen. Doch auch 
die Beschaffenheit des Gesteins fängt bald an, eine auffaU 
iende Änderung zu erleiden. Zuerst zeigt sich diese etwa 
^h Stunden im S. von Brixen bei einem einzelnstehenden 
Wirthshause. Der Schiefer wird undeutlich schiefrig, 
schwarzgrau , sehr fest und schwer , zeigt nur hie und da 
einzelne Glimmer - Blättchen , die bloss auf den glänzend 
schwarzen Ablösungen mehr zusammengehäuft sind. Bei 
genauerer Untersuchung scheinen sie ans selir feinkörniger 
grauer Feldstein -Masse zu bestehen, nehmen hie und da 
Pünktchen von Schwefelkies auf und vs^erden von vielen 
^uarzadern durchzogen. Die sehr undeutlichen Schichten 
scheine« h. 9 S.O. zu fallen unter sehr flachem Winkel. 
In geringer Entfernung wird er wieder sehr dünnschiefrig, 
schneidet aber plötzlich mit scharfer, fast senkrechter Grenz- 
linie gegen ein Gestein ab, das sich deutlich als Kongloaie* 
rat zu erkennen gibt. Es besteht aus verschiedentlich gros^ 
sen (von Hanfkorngrösse bis zu 1' und darüber im Durchr 
messer) , grösstentheils scharfkantigen Partien theils noch 
«leiitlichen grauen Thonschiefers , theils eines gelbgrauen 
sehr Glimmer-armen feldspathigen Schiefers, die nach allen 
Richtungen verbunden und denen zahlreiche eckige Brocken 
graulich weissen Quarzes beigemengt sind. Alle diese Fragr 
mente sind durch eine grünlich - oder auch schwai'z- 
graue Glimmer-reiche Feldspath-Masse zu einem sehr festen 
Ganzen verbunden. Auch liegen darin noch viele, meist 
grosse kugelförmige Massen eines grünlichgrauen feinkör- 
nigeu Feldspath- Gesteins, das sogleich näher heschrleb^a 



— 141 — 

<M'er<len wird und eingesprengten Schwefelkies in Menge 
enthält. 

Geht man einige Hundert Schritte weiter auf der Strasse 
vorwärts, so hat wau plöfzlich hohe und steile Felswände 
Kur Seite. Der untere Theil besteht aus dem oben beschrier 
benen festen dunkelgrauen Schiefer. Nach oben wird die 
Schichtung stets undeuth'cher, und der Schiefer geht ailinäh- 
Jich in ein n»assiges, in unregelmässige Platten zerklüftetes 
Gestein iihev. Es ist sehr fest, ziemlieh feinkörnig und 
besteht vorwiegend aus grünlichgrau gefärbtem Feldstein, 
in dem unzählige kleine Partikeln graugrünen Strahlsteins 
liegen , die nur selten grösser werden und dann deutliche 
Theilbarkeit wahrnehmen lassen. 

Hie und da verrathen sich kleine Schwefelkies-Körner 
durch ihren Glanz. Dieses Gestein steigt mehr und mehr 
»ur Tha-1-SohIe herab , bis endlich die Schiefer ganz ver- 
schwinden. In geringer Entfernung vi ird es grosskörniger 
und lässt nur die Elemente, aus denen es zusammengesetzt 
ist, otfenbar erkennen. Der graulichweiase Feldspath tritt 
hier bedeutend zurück, und es waltet nur der zweite Be- 
standtheil , ein graulichgrüner strahliger Amphibol (Strahl^» 
stein) vor, dessen Seiden-glänzende Fasern nach allen Rich- 
tungen unter einander laufen. Das ausgezeichnet schöne 
Gestein erhält dadurch eine ganz grüne Farbe. Stellen- 
weise hat sich der Strahlstein in grösseren Zoll-langen Par- 
tie'n mit parallel laufenden Fasern ausgeschieden. Häufig 
ist es von Kalkspath, seltner von Quarz- Adern durchzogen^ 
auch liegen eifizelne Kalkspath-Knauern darin zerstreut. Es 
hat keine Spur von schiefriger Textur aufzuweisen, ist aber 
in Platten von veiscliiedener Dicke getrennt, mitunter auch 
ganz massig. Auf den Klüften sieht man zuweilen eine 
mehrere Linien starke, sich leicht loslösende Rinde ölgrünen 
verworren feinfasrigen Strahlsteins; selten haben sich was- 
serklare kleine Kalkspath-Krystalle darauf abgesetzt. 

Setzt man seinen Weg weiter fort, so sieht m^an die 
•Menge ^les Strahlsteins immer KunehmeD , während ^eir 



— 142 — 
Feldstein mehr zurücktritt. Dabei stellt sich sehiefriofe 

a 

Textur ein, und man hat endlich einen deutlichen graugrü- 
nen dünn - und gerad - blättrigen Hornblendeschiefer vor 
sich , welcher beinahe ganz aus fein - und parallel-fasrigem 
Strahistein besteht, der nur sehr dünne Feldstein - Lagen 
zwischen sich einschliesst. Nur hie und da verräth sich 
ein grösseres Korn von Feldstein oder auch von Feldspath, 
Die Schichten dieses Schiefers, der mehrmals ohne Ordnung 
mit dem körnigen Gesteine wechselt, fallen an einer Stelle 
unter 15^ gegen S. 

Diese Gebilde nun setzen ununterbrochen bis Klausen 
fort. Vor der Stadt erhebt sich eine steile Felsen-Masse zu 
bedeutender Hohe; sie trägt das Kloster Sehen auf ihrem 
Gipfel. Der nördliche grössere Theil derselben besteht 
aus der oben beschriebenen Felsart, während der südliche 
einen festen graulichen oder gelbliehen Schiefer aufweist. 
Zahlreiche parallel-laufende graue oder grünliche dunklere 
Streifen deuten auf die frühere Schiefer - Struktur hin. 
Er wird durch zahlreiche, sich unter schiefem Winkel 
schneidende Klüfte in rhomboidale Stücke getrennt. Allem 
Anschein nach ist er so, wie der oben erwähnte graue 
feste Schiefer, für einen metamorphosirten Thonschiefer 
zu halten. Die Metamorphose ist wahrscheinlich durch 
die dazwischenliegentle plutonische Masse — das ganz ei- 
genthümiiche Hornblendegestein — hervorgebracht, die aus 
der Tiefe emporgehoben die Schiefer durchbrach und sich 
zum Theil über demselben ausbreitete. Wenigstens sprechen 
ausser den qualitativen Veränderungen die grossen Unregel- 
mässigkeiten des Fallens der Schiefer und das zwischen 
ihnen und dem Hornblendegesteine liegende Konglomerat — 
ein olfenbares Reibungs-Konglomerat — laut genug dafür. 



Gleich hinter Klausen betritt man neuerdings das Ter- 
rain der Schiefer. Am häufigsten bemerkt man Glimmer- 
jBchiefer, dessen düune und wellenförmig gebogene Schichten 



— 143 ~~ 

von zahlreichen Oiini'zadcrn durchzogen werden, Sie fallen 
im Allgemeinen gegen N,W. (zunächst Klausen N.N.W. 
h. 8.^ nut 35^). Sie setzen bis hinter Kollmann fort, um 
dort ileni Feldstein-Porphyr Ph\tz zu machen. Dieser kömmt 
auf dem linken Thal-Gehänge früher zum Vorschein als auf 
dem rechten; doch auch auf der linken Seite geht man auf 
der Thal-Soliie noch auf Glimmerschfiefer fort, während die 
höhern Punkte schon vom rothen Porphyre eingenommen 
werden, der sich schon von weitem durch seine undeutlich 
säulenförmigen Felsmassen verräth. Die Schiefer-Schichten 
von dem Porphyre ah lassen aber sonst keinerlei Ver- 
werfungen oder qualitative Veränderungen an der Grenze 
wahrnehmen. 

Hier zeigt es sich nun wieder sehr auiTallend, welch' 
einen bedeutenden Einfluss die Beschaffenheit der Felsarten 
auf die Gestalt dev Thäler hat. Das EisachlAal, das, so 
lange es die Schiefer durchschneidet, breiter und von freund- 
lichen , behauten oder bewaldeten Gehängen begrenzt war, 
wird vom Beginne des Porphyrs an stets enger, so dass es 
eine blosse Spalte bildet, in der kaum die wilde Eisach 
Platz findet und die daneben verlaufende Chaussee fast 
durchgehends in den Felsen gesprengt werden musste. Bei- 
derseits wird es von Unstern, steilen, zerrissenen Felswänden 
eingeengt, die, besonders wo die Verwitterung schon sehr 
an ihnen genagt hat, das Bild wahrer Zerstörung darbieten. 
Überall sieht man grosse Trümmer- Haufwerke an ihrem 
Fusse, und in das durch die beginnende Äuflösuncr weich 
gewordene Gestein haben die von den Feisgipfeln herab- 
stürzenden Wasser zahlreiche tiefe Schluchten gerissen. 
Doch auch an dem frischen Porj)hyr nimmt man sehr oft 
nichts , als chaotisch durch einander geworfene unförmliche 
Massen wahr: niclit selte^n aber bildet er kolossale unrcgel- 
mässige Säulen, die durch horizontale Klüfte in v^ürfelähn- 
licho Massen zerspalten sind; oder endlich er ist in ziem- 
lich dünne oft sehr regelmässige Tafein gesondert. So sieht 
man bei Blumau grosse Felsmassen aijs .^—2" starken Tafeln 

10 



^ 144 — 

Äusammengesetzt, welche seiger stehen und von N.O. nach 
S.W. streichen. 

Was die Beschaffenheit des Porphyrs betrifft, so lassen 
sicli zwei Abänderungen unterscheiden, die schon \ön Wei- 
tem durch eigenthümliche Farben sich zu erkennen geben. 
Die eine ist lebhaft roth gefärbt, während die andere ver- 
schiedene Nuancen schmutzigen Grüns trägt. Beide wech- 
seln ünregelmässig mit einander; jedoch waltet die rothe iil 
der Nähe von Kollmatiny die grüne in der Umgebung von 
Botzen vor. 

Der rothe Porphyr hat eine feste rothbraune, seltnei* 
ziegelrothe Grundmasse , in der aber fremde Gemengtheile 
in solcher Menge inneliegen, dass sie stellenweise ganz ver- 
schwindet. Vorwiegend unter ihnen ist der Feldspath meist 
in sehr kleinen Körnern und Krystallen, die fast immet* 
schon in beginnender Auflösung begriffen und daher weiss, 
undurchsichtig und glanzlos sind. Sehi* häufig auch sind 
Blättchen und Säulchen schwarzbraunen Glimmers; am 
sparsamsten die ganz farblosen oder schwach graulichwelssen 
Quarzkörner. Die Gleichförmigkeit des Gesteins wird oft 
unterbrochen durch grössere oder kleinere scharf begränzte 
Partie'n, die aus einem sehr feinkörnigen, gewöhnlich licht- 
roth gefärbten Teige bestehen, der ganz homogen ist oder 
nur sparsame und sehr kleine Feldspath-Körnchen aufnimmt. 
Ausserdem lassen sich aber in der Masse des Porphyrs 
noch lichtere und dunklere Flecke unterscheiden. Am 
seltensten finden sich darin mehr oder weniger abgerundete 
Brocken graulichen Glimmerschiefers. 

Dre grüne Porphyr - Abänderung ist bei weitem fester* 
und enthält in grünlichgrauem Teige sehr zahlreiche und ziem- 
lich grosse wasserklare, mitunter auch Wein- und Honig- 
gelbe Quarzkörner und sehr reichlichen graulichen oder 
schmutzig fleischrothen Feldspath, der aber oft so kleine 
Partikeln bildet, dass er in der deutlich körnigen Gi*und- 
masse beinahe zu verschwinden scheint. Der schv^arze odet 
schwarzgrüne Glimmei* dagegen tdtt nur sehi* vereinzelt 



— 145 ™ 

und in kleinen ßiättchen auf. Ausserdem sind noch viele 
Körner einer weichen lichter oder dunliJer grünen Substanz 
beigemengt, welche Grünerde und das färbende Prinzip 
dieses Porphyrs zu seyn scheint. Von diesem Normal- 
zustände gibt es jedoch viele Abweichungen. So findet 
man bei Gri'es unweit Botzen einen Porphyr, der in dunkel- 
grünem Teige zahlreiche grosse grünlichweisse Feldspath- 
Krystalle einschliesst, und nicht weit davon einen schwarz- 
grünen , der w egen Kleinheit seiner Gemengtheile ein fast 
homogenes Gestein bildet, indem man bloss bei genauerer 
Betrachtung ungewöhnlich viele sehr kleine schwarze Glira- 
mer-Blättchen entdeckt. Am Wege von Steg im Eisachthale 
nach Vüls hat der sehr feinkörnige graugrüne Porphyr 
zahlreiche, selbst mehrere Zoll grosse dunkelgrüne Flecken 
aufzuweisen, deren Masse weicher ist, und die alle parallel 
liegen und dadurch dem Porphyr das Ansehen schiefrigep 
Absonderung mittheilen. 

Unterhalb Oberhotzen bei ^mi berühmten Erd-Pyramiden 
von Lermoz sieht man einen etwas porösen Porphyr, der 
in blass grünlichgelber Masse häufige graulichweisse Quarz- 
Körner, ausserdem aber sehr kleine nette Hexaeder von 
Schwefelkies einschliesst. 

Am Calvnrienherg bei Botzen wird der rothe Porphyr 
von vielen \ — 6 Zoll starken Gängen durchsetzt, die theils aus 
grünlichem körnigem Flussspath, theils aus rosenrothem und 
röthlichweissem geradschaaUgem Scliwerspath, theils und 
zwar zum kleinsten Theile aus farblosem Kalkspath bestehen. 
Oft bilden sie Drusen, besetzt mit wasserhellen, seltner 
grünlichen oder weingelben Flusss])ath-llexaedern , hie und 
da mit Kalkspath-Skalenoedern, Sehr selten halten sie etwas 
Kupfergrün eingesprengt. 

Bei Oberhotzen liegen im Porphyr Nieren grauen Horn- 
steins oder graulichen Quarzes und Chalcedons. 

An vielen Punkten ist der Porphyr in beginnender 
Auflösung begriffen. Er bildet dann abgerundete Wollsack- 
ähnliche Massen , die bei jedem Schlag in Grus zerfallen, 

10* 



— 146 — 

oder er ist in ein thoniges Gestein umgewandelt, dem auch 
die gelben und gelbbraunen Farben angehören , die man an 
so vielen Fels-Abstürzen zunächst der Botzner Strasse sieht. 
Auch am Wege nach Oberbotzen sieht man einen weissen 
Thon 5 der der Aufiösiing des Porphyrs seinen Ursprung 
verdankt. — Oberhalb Steg blättert sich der verwitternde Por- 
phyr beim leichtesten Hammer-Schlage in dünne Platten auf. 



Botzen liegt gleichsam im Mittelpunkte der ganzen For- 
mation des Feldstein -Porphyrs. Von da erstreckt er sich 
im Eisachlhale nordwärts nach Kollmann, nordöstlich über 
die Höhen von Völs bis an Aew \on da gegen Seiss und 
Kastelruth sieh senkenden Abhang, wo er dann vom Mu- 
schelkalke der Seisser Alpe verdeckt wird; nordwestlich 
dagegen bis nach Meran , wo er wieder an die Schiefer 
gränzt. Etwas unterhalb Meran setzt er westwärts über 
die Etsch und dringt in das Maraunerloch — ein Nebenthal 
des ültenthales — und setzt die nächsten Umgebungen des 
Mitterbades zusammen. Doch auch nach S. dehnt er sich 
weiter aus, aber nur auf der Ost-Seite der Etsch ^ wo man 
ihn im ganzen Thale des Avzsio , von Predazzo und dem 
Pellegrinthale an über Cavalese hinab verfolgen kann bis 
ins Efschfhal ^ in welchem er an zwei Punkten oberhalb 
Neumarkt und bei Lavis unter Aen ihn bedeckenden ge- 
schichteten Felsarten zu Tage kömmt. 



Nur noch Einiges über die Porphyre des Marauner-' 
loches. Wendet man sich von *S'/. Pancraz im UUenthale 
südwärts in ein enges Seitenthal — das Maraunerloch — 
so hat man zuerst rechts noch Schiefer neben sich. Er ist 
sehr fest, Feldspath-reich und den metamorphosirten Schiefern 
von Klausen sehr ähnlich, geht aber bald in deutlichen grauen 
und grünlichen Thonschiefer über. Dieser streicht, wie die 
Schiefer des ültenthales ^ von S.W. nach N.O., während 



— 147 — 

die Schichten fast senkrecht stehen. Ist man einige Hunrlert 
Schritte weiter gegangen, so kömmt man bald auf das Ter- 
rain des Porphyrs, welcher die die Tlialsohle zunächst be- 
grjinzenden Fels-Partie'n znsammensetztj während die Kuppen 
des Gehänges noch aus Schiefer bestehen, worauf schon die 
unzähligen am Fusse zerstreuten Blöcke von Gneiss und 
Glimmerschiefer hindeuten. 

Der Porphyr ist grossentheils sehr verwittert, ja oft, 
besonders Mitlerhad zunächst, in eine gelbe oder braune, 
sehr eisenschüssige Thonmasse umgewandelt. Auch hier 
lassen sich vorzugsweise zwei Porphyr-Abänderungen unter- 
scheiden , eine grüne und rothe, welche aber nicht so von 
einander geschieden sijid, wie im Eisachthale , sondern viel- 
fach in einander verfliessen. Der grüne Porphyr setzt meist 
die der Thal-Sohle zunächst gelegenen Felsmassen zusammen, 
während in der Höhe mehr rothe und brau uro the Farben 
vorwalten. Bei crsterm liegen in grünem oder graugrünem 
Teige zahlreiche rauchgraue, mitunter auch fast durchsich- 
tige öuarzkörner und zahlreiche Krystalle weissen oder 
graulichen Feldspathes nebst mehr oder weniger sparsamen 
grünlichschwarzen Glimmer-Täfelchen. Oft ist der reichliche 
Feldspath auch schön fleischroth oder ziegelroth gefärbt, 
was dem Por])hyre dann ein sehr schönes Ansehen gibt. 
Nicht selten finden sich darin auch Adern von weissem 
oder graulichem Quarz , so wie Adern und Knollen von 
rothem und braunem Jaspis und Karneol. 

Der rothe Porphyr dagegen umhüllt in braunrother 
Grundmasse zahlreiche grosse rauchgraue öuarzkörner, viele 
ziegelrothe Feldspath-Krystalle und sparsame grünlichschvt'arze 
Glimmer-Blättchen. Als ansserwesentlichen Gemengtheil be- 
merkt man auch nicht selten körnige Partien weissen Schwer- 
spathes darin, der ihn mitunter auch in mehrere Zoll star- 
ken Gangstreifen durchsetzt. Oft sind rother und grüner 
Porphyr in einem Stücke vereinigt oder der grüne enthält 
Knollen des rothen und umoekehrt. Auch wechseln dunk- 
lere mit lichter gefärbten Partie'n ab. Von den eben 



— 148 — - 

beschriebenen Abänderungen des Porpliyrs weicht eine Va- 
rietät gänzlich ab, die sich nicht weit von der Schiefer- 
gränze in einzehien Felsen vorfindet. Sie ist fast ganz 
dicht und umschliesst in einem sehr festen blass fleischrothen 
oder röthlichgrauen Feldstein- Tt^igc nur einzehie Ouarz- 
Körn^r und wenige stahigraue Gliaimer-BIättchen. Bei be- 
ginnender Verwitterung wandelt sich die Farbe, wie bei an- 
dern Porphyren, in die braune um durch höhere Oxydation 
des Eisens, 

An mehreren Punkten des Thaies wird der Porphyr 
durch rothen Sandstein verdeckt , der aber keine grossen 
zusammenhängenden Massen bildet, sondern nur einzehie 
gleichsam übrig gebliebene Lagen. Er bildet zerklüftete 
Massen, an denen sich keine deutliche Schichtung entneh- 
men lässt, welche aber meist gegen W. einzufallen scheinen. 
Er tritt unter sehr verschiedenartigen Formen auf. Bald 
ist er ein sehr festes grobes Konglomerat, das aus zahllo«' 
sen, durch graues oder grünliches quarziges Zäment zusara- 
mengekitteten Geschieben von Schiefern, Porphyren, Feldspath, 
Jaspis, Karneol, besonders aber Quarz besteht; bald ist es 
^in blassgelber mit kleinen Quarzdrusen reichlich durchzo- 
gener oder ein braunrother sehr fester quarziger Sandstein 
oder endlich ein sehr feinkörniger mehr thoniger Sandstein, 
in dem zahllose Glimmer -Blättchen eingestreut liegen und 
der dadurch eine Spur von schiefriger Textur annimmt. 
Dass alle diese Äbänderuno[en einem und demselben Gebilde 
angehören, beweist die gleiche Lagerung derselben, so wie 
die Übex»einstimmung mit den die Porphyre des Acisiothalea 
begleitenden Sandsteinen. 



Neben dem rothen Porphyre treten im Avisiothale der 
Granit von Predazzo und dem Pelle grinthale und der Syenit 
der Munzon-Alpo auf. Ob er aber mit ihnen wirklich zu- 
sammenhänge, oder Iti welcher Beziehung er zu ihnen stehe, 
lasset sich nicht bestimmen , da nirgends wechselseitige 



— 149 — 

Berührungs - Punkte hinlänglichen Äufschhiss geben. Der 
Syenit des Monzoni- Berges ist rings von Kalkstein und Do- 
lomit nmgeben, durch den er sieh zn einer Höhe von mehr 
als 8000 Fuss emporgehoben hat. 

üin zu ihm zu gelangen , verlässt man bei Pozza das 
Thal de§ Avisio und geht in einem engen Seitenthale all- 
roähiich bergan. Rechts hat man die hohen zerrissenen 
Dolomit-Felsen des Mittagkofels, deren Unterlage die grauen 
und röthlichen kalkigen und sandigen Mergel des Muschel- 
kalkes bilden, welche man überall im ganzen Fassathal un- 
ter dem Dolomite hervortreten sieht. Links hat man die 
verworrenen Augitporphyr- Massen des Bufaure und Lago^ 
schßl, am erstem Orte durch die bekannten schönen Äugit- 
Krystalle ausgezeichnet. Von ihm zieht sich oberhalb steiler 
Dolomitwände ein porphyrischer Rücken zu der ausgedehn- 
ten kahlen, auch aus schwarzem Porphyr zusammengesetzten 
Alpe von Pozza , die sich dann mittelst des Lagoschel dem 
Monzoni anschliesst. Er bildet einen steilen hohen halb- 
mondförmigen Kamm , dessen östlicher Theil gegen H.N.W. 
gerichtet ist, der mittle aber h. 5 N.0.0. streicht, wäh' 
reifd sich d^s westliche Ende wieder an den Mütaghofel 
anlehnt. Durch diesen Halbkreis von Bergen wir«} das 
Thal amphitheatralisch geschlossen. 

Ist man am Fusse des Berges angelangt, so lässt schon 
die Farbe die Verschiedenheit der Gebirgsarten von Weitem 
wahrnehmen , wenn auch nicht die von Pozza aus mehr 
und mehr zunehmende Häufigkeit der Syenit-Trümmer sie 
unwiderlegbar darthun würde. Der mittle höchste Theil 
des Monzon, durch seine dunkle Farbe sich auszeichnend^ 
besteht aus Syenit, der von beiden Seiten in den Kalk 
gleichsam eingezwängt ist. Doch auch in den links gelege- 
nen Kalkmassen bemerkt man auf dem höchsten Rücken ei- 
nen Syenit-Gang, unter dem rothe Schiefer zu bemerken sind. 

Der schöne Syenit des Monzon ist durch die klassische 
Beschreibung L. v. Blch'"S zu bekannt, als dass er wieder- 
hoUe** Schilderung bedürfte. Er bildet die manchfaltigstea 



^ 150 -- 

Abänderungen voai ausgezeichnet Grobkörnigen an, wo grosse 
Fe]ds23ath - und Labrador-Kry^talle und lauchgrüne eben so 
grosse Amphibol-Krystalle auf ziemlich regelmässige Weise 
verbunden sind, durch zahlreiclie Mittelstufen bis zum fein« 
körnigen fast verschwindenden Gemenge beider von dunkel- 
grüner oder grauer Farbe. Andere Varietäten gehen aus 
dem wechselnden Menge-Verhältnisse beider Haupt-Bestand- 
iheile hervor 5 indem bald der Feldspath vorwaltet, bald der 
Amphibol 5 so dass man im letzten Falle ein festes lauch- 
grünes Hornblende-Gestein vor sich zu haben wähnt. Häufig 
findet sich im Syenit Tomback-brauner oder auch fast Kupfer- 
rother Glimmer ehigesprengt, dessen starkglänzenden Blätt- 
chen alle eine parallele Lage haben, was dem Syenite eben- 
falls ein elgenthümliches Ansehen gibt. Seltner sind Silber- 
weisser Glimmer in regellos liegenden Tafeln , Turmaiin in 
strahligen Partie'n, Granat und Körner von Kupferkies. 
Merkwürdig ist auch das Vorkommen von bräunlichem oder 
£chmutziggrünem Gabbro und Syenit, der aber nur in einer 
Höhe aufzutreten scheint, zu der man nicht unmittelbar ge- 
langen kann^ sich daher nur durch herabgestürzte Trümmer 
verräth. — Die Klüfte des Syenits werden hie und da von 
netten wasserklaren Schabasit-Rhomboedern überzogen, selten 
von strahligera ölgrünem Pistazit. Auch die bekannten Fas- 
saite überkleiden stellenweise die Klüfte des Syenits. 

Die linke Gränze zwischen Syenit und Kalk liegt in 
einem Thal-artigen Einschnitte, der, so wie die Grenzlinie 
selbst, h. 5 N.0.0. verläuft. In der Nähe dei'selben hat 
der Kalkstein durch den emporsteigenden Syenit eine eigen- 
thümliche Veränderung erlitten. Der sonst dichte lichtgraue 
Kalk ist in einen mehr oder weniger grobkörnigen, späthi- 
gen 5 Schnee - oder schwaoh-graulichweissen Marmor umge- 
wandelt, der, je näher dem Syenite, desto grobkörniger 
wird, so dass einzelne Individuen den Durchmesser von 
mehr als einem Zoll erreichen. An einer Stelle dieser 
Gränzlinie, die einen Ivlelnen Hügel von 3 — 4 Klaftern im 
Durchmesser bildet, findet man die bekannten Gehlenite und 



— 151 — 

Idokrase. Schon der körnige Kalk nimmt in der Nähe des 
Syenits Partie'n von gelblichem, brännlichem oder grünlichem 
Idokras auf; noch näher an der Gränze aber hat man ein 
feinkörniges oder fast dichtes Gemenge von graulichweissem 
Kalk und gelblichem oder grünlichem Idokras vor sich, das 
in zahlreichen Drusenräumen Krystalle dieser letztern Sub- 
stanz aufnimmt, welche aber selten vollkommen ausgebildet, 
meist sehr gestreift und undeutlich sind. Diese Masse wird 
nun in der Richtung von O. nach W. — in derselben Rich- 
tung mit der Syenitgränze — von einem bald 1 — 2", bald 
1 Fuss und darüber breiten gangförmigen Streifen durch- 
setzt, der in körnigem Kalk bald zahllose Krystalle von 
Gehlenit einschliesst, bald fast ganz aus dichtem Gehlenite 
besteht. Er unterscheidet sich schon durch die dunklere 
graue Farbe von seiner Umgebung, 

Der Syenit selbst, der hier sehr feinkörnig ist, zeigt 
in der Nachbarschaft des Kalkes keine Veränderung. Am 
Kalke dagegen lässt sich die Metamorphose viele Klafter 
weit verfolgen. Erst in' bedeutender Entfernung wird er 
wieder dicht. 

Auch auf der rechten Seite des Syenit-Stockes der Mon- 
zoni-A/pe an dem gegen das Pellegruner Thai gerichteten 
Abhänge lässt sich dieselbe Umwandlung wahrnehmen. Auch 
hier findet sich in dem grosskörnigen blaulichen Kalke als 
Kontakt-Bildung Idokras sehr häufig und zwar mit in rund- 
um ausgebildeten eingewachsenen Krystallen; ausserdem aber 
auch noch Fassait und in dessen Drusen - Höhlungen nette 
Oktaeder von Pleonast. 



Auf ganz gleiche Weise, wie am Monzoni , ist der 
dichte Kalkstein durch den Syenit der Forca rossa bei Pre- 
dazzo in körnigen Kalk umgewandelt, welcher an Schönheit 
manchem Carrarischen Marmor kaum nachsteht. Sehr schön 
entblöst sieht man ihn in den Steinbrüchen von Canzocoli 
am südöstlichen Abhänge des vorgenannten Berges. Steigt 



— 152 ^ 

man von Predazzo aus gegen ]S.O. hinan, gelangt man zu- 
erst auf geschichteten Muschelkalkstein, der die Grundmasse 
^es Berges ausmacht. Er ist in ^ — 6" und darüber starke 
Tafein gespalten, die unter 5— 10<^ h. 7 N.0.0. einfallen, 
gv^u oder grünlich von Farbe sind, mit braunsch>vai*zen 
oder dunkelgrauen Streifen und Flecken , die alle parallel 
der Schichtung sich ausdehnen. Übrigens ist er sehr dicht 
«nd yon ausgezeichnet ebenem ßrnche. Sehr häufig durch- 
ziehen ihnj ebenfalls der Schichtung gleichlaufend, mehr oder 
weniger starke Adern von braunem, dunkelgrauem oder 
schwarzem Hornstein) ja stellenweise ist er so mit Kiesel- 
^4sse imprägnirt, dass er nur sehr schwach mit Säuren brauste 
Steigt man höher an dem Berge empor, so sieh|; ipar» 
die Platten allmählich dicker werden (von 1 — 2), wobei 
ihre Regelmässigkeit abnimmt , ihre Richtung aber sich 
gleich bleibt. Der Kalk wird im Ganzen körniger, lichter 
grau gefärbt, mit mehr vereinzelten grünen Flecken und 
Streifen. Die Klüfte sind häufig mit feineu grünlichen 
Talk-Blättchen überzogen, Schwefelkies ist oft eingesprengt, 
hie und da in bedeutender Menge; zuweilen ist er durch 
Verwitterung schon in Eisenoxydhydrat umgewandelt. Noch 
höher oben endlich, zunächst dem Syenite hat man einen 
Schnee - oder graulich-weissen Marmor vor sich, der meist 
feinkörnig, nur selten von gröberm Korne ist. Die ganz9 
Kalkmasse wird von mehrern Doleritr Gängen durchsetzt, 
ileren man einige schon von weitem an ihrer dunkeln Fär- 
bung erkennt. Besonders einen, beiläufig in der Mitte der 
Kalkmasse, kann man bis an den Fuss läes Berges hinab ver?« 
folgen. Er steigt, an Mächtigkeit von 1 bis 2 Ellen wech- 
selnd, fast senkrecht in die Höhe, biegt sich dann nordost- 
M'ärts und theilt sich erst im obersten Drittel in mehrere 
Aste. Mit ihm hängen fast in der Mitte zwei horizontal^ 
Ausläufer zusammen, die sich zwischen die Kalk-Schichten 
hineindrängen und aus dichtem Dolerit mit zahlreichen Kalk- 
spath-Mandeln bestehen. Der Dolerit, der die Gänge aus- 
füllt, ist zuweilen gan^ dicht und Basalt-artig, nur mit 



— 153 — 

einzelnen eingestreuten Feltlspath- Krystalienj fast immer 
«ber so verwittert und zerklüftet, dass man nur mit Noth 
ein frisches Stück zur Untersuchung erhalten kann. Selten 
nimmt er Schwefelkies auf. Ganz verschieden aber ist die 
Beschaffenheit des Gesteins an den Saalbändern der Gänge, 
da wo sie den Gang berühren. Hier hat man deutlichen 
Öl- oder schwarz -grünen Serpentin vor sich, an welchem 
zahlreiche mit Kalk - oder Talk -Häutchen überzogene ge- 
streifte Rutschflächen wahrzunehmen sind. Von ihm gehen 
nun eine Menge Ädern und Fortsätze in den Kalk, die alle 
aus weichem Serpentin bestehen und oft Stücke krystallini- 
schen Kalkes zwischen sich einschliessen. Sie verästeln sich 
und anastomosiren vielfacli. 

Geht man nun am Abhänge des Berges nordwärts fortj 
so gelangt man bald zur Grenzscheide zwischen Kalk und 
Syenit. Die Scheidungs-Fläche streicht h. 7.4 N.0.0. und 
die äusserlich sichtbare Trennungs- Linie steigt fast senk^ 
recht aus dem Thale den Berg hinan und lässt sich an 4er 
Farbe schon von Weitem erkennen. Zwischen beiden Fels^- 
arten liegt eine J — 1 Elle starke Schichte sehr weichen 
Serpentins: dem Syenite zunächst aber eine .5 — 6" mächtige 
Lage grünen fetten Thons. Der Syenit selbst ist auf eiue 
weite Strecke hin sehr aufgelöst und eisenschüssig. 

Ist man nun von diesem Punkte kaum 100 Schritte 
weit in der nördlichen Richtung fortgegangen, so stösst man 
plötzlich mitten im Syenit wieder auf Kalk, Es ist ein 
grobkörniger schmutzig- weisser Marmor, der von einer 1 — 
J^ F. starken Gangförmigen Masse durchsetzt wird, welche 
h. 4 N.0.0. streicht und aus krystallinischem Kalk, gemengt 
mit vielem theils körnigem, theils feinstrahligem Pistazit 
besteht. Die ganze Kalk-Masse ist höchstens 2 — 2j Klafter 
mächtig. Hat man sie überschritten, so betritt man gleich 
wieder den Syenit, der dann thalaufwarts bis zu dem rothen 
Granite fortsetzt, mit dem er zusammenhängt. Der Syenit 
selbst ist sehr fest, kleinkörnig, und aus w eissem Feldspath^ 
rabenschwarzer Hornblende und dunkelbraunen Glimmer- 



~ 154 — 

Blättchen zusammengesetzt:. Nur selten ist er grobkö'rnig^, 
und dann waltet die Hornblende bei weitem vor, wodurch 
er manchem Monzon-Syenit sehr ähnlich wird. Stellenweise 
hat er vielen Schwefelkies fein eingesprengt» 

Der Gipfel der Forca rossa setzt Dolerit zusammen, 
ganz ähnlich dem der unten beschriebenen Gänge, Oft 
wird er ganz dicht und Basalt-ähnlich, voll von Schwefelkies- 
Körnern. Sein Kalk-Gehalt verräth sich durch schwaches 
Brausen mit Säuren. 

Erwägt man die nun bezeichneten Verhältnisse genauer, 
so wird es klar, dass der geschichtete Kalkstein , wie am 
Monzonl^ zuerst von dem Syenit durchbrochen, verändert 
und Partie'n-weise ganz eingehüllt worden sey. Nach dem 
Syenit scheint sich erst der Dolerit erhoben zu haben. Er 
stieg durch mehrere Gangspalten, die er sich bahnte, durch 
den Kalk und wahrscheinlich auch durch den Syenit empor. 
Denn die Dolerit-Masse des Gipfels von Fovea rossa hängt 
ohne Zweifel mit den Gängen im Kalke zusammen , obwohl 
sieh dieser Zusammenhang wegen ungünstiger örtlicher Ver- 
hältnisse nicht ganz überzeugend darthun lässt. Auch findet 
man hie und da Blöcke zerstreut, die zum Theile aus Sye- 
nit, zum Theil aus Dolerit bestehen. Selbst fehlt es nicht 
an Trümmern, die einen Übergang aus dem Syenite in den 
Dolerit darzustellen scheinen, indem der Syenit mehr und 
mehr \oi\ der Dolerit-Masse durchdrungen wird. 

Selbst den benachbarten rothen Granit durchbrechen 
solche Dolerit-Gänge. So sieht man noch vor Predazzo am 
nördlichen Fusse der Forca rossa hart an der Strasse im 
Granite einen etwa 1 — 1^^ Ellen breiter Gang, der sich senk- 
recht aus ihm erhebt und h. 1 N.N.O. streicht. Das ihn 
zusammensetzende Gestein ist theils Dolerit mit zahlreichen 
schwarzgrün gefärbten dünnen Feldspath-Tafehi und Partie'n 
körnigen Bouteillen -grünen Augits und weissen theilbaren 
Schaal-BarytS, theils dicht und Basnlt-artig. Der Granit zeigt 
in der Nähe des Ganges keine Abweichung von seiner Norm, 
nur ist er sehr zerklüftet. Er enthält ausser fleischrothem 



— 155 — 

Feldspathe und graulichweissem Quarze auch viele ölgrüne 
Speckstein-artige Körner. 

Die Serpentin-Massen , welche die Saalbänder der Do- 
lerit-Gäiige im körnigen Kalke bilden, sind wolil blosse Kon- 
takt-Bildungen zwischen beiden berührenden Gesteinen. 



Unter allen Gebilden des Fassathales sind es besonders 
zwei, die unsere Anfmerksarakeit in vollem Maaso in An- 
spruch nehmen, der Dolomit und der Augit* Porphyr. Sie 
bilden die grösste Masse der das Thal begrenzenden Berge 
und finden sich fast stets in enger Verbindung bei einander. 
In jeder der dortigen Berg-Massen wird man bei genauerer 
Durchforschung entweder auf den Höhen oder in ^en mul- 
denförmigen Vertiefungen der Alpen-Flächen oder endlich am 
Fusse derselben gewiss auf Äugitporphyr stossen. Er bildet 
meist unregelmässige vervrorrene Felsmassen, hat aber auch 
zuweilen den Anschein von regelmässiger Schichtung, die 
jedoch in geringer Entfernung wieder verschwindet. Er hat 
niemals bestimmte Lagerungs- Verhältnisse gegen den Dolo- 
mit, indem er denselben bald unterteuft, bald bedeckt, bald 
endlich blosse Juxtaposition wahrnehmen lässt. Beispiele 
davon anzuführen, ist nicht schwierig. 

Besteigt man die Seisser Alpe von Seiss «us, so schrei- 
tet man lange über die deutlich geschichteten Mergel des 
Muschelkalkes, Sie bilden dünne Schichten \on einigen 
Linien bis 2 — 3 Zoll, welche faist horizontal liegen oder 
schwach gegen S. oder S.O. geneigt sind. Sie bestehen 
aus grauen , grünlichen oder bräunlichen , bald thonigen, 
bald kalkigen, bald sandigen, oft auch sehr Glimmer-reichen 
Mergeln, auf deren Ablösungs-Flächen sich zahlreiche, meist 
sehr undeutliche Steinkerne kleiner Bivalven , selten einer 
grossen Ostrea zeigen. Sie wechseln mit mehrern ZoU 
starken Lagen dichten grauen Kalkes. Über ihnen liegt 
grauer Kalkstein , zwischen dessen dicke Bänke Lagen 
schwarzen stinkenden Kalkes eingeschoben sind ; darüber 



- 156 — 

\ 

wieder undeutlich gesehichteter grauvveissei» dolomitiseher i 
Kalk, mit sparsamen Drusen-Höhlungen. Alle diese Gesteine I 
werden endlich vom Augit- Porphyr bedeckt, der sich von 
hier, die ganze grosse Fläche der Seüser Alpe einnehmend, 
ostwärts bis an den Fuss des Lmigkofels erstreckt. An ^ 
diesem treten nun wieder die erwähnten Mergel auf, über 
welchen sich erst die hohen Dolomit-Mauern des Langhof eis : 
erheben. Der Äugit- Porphyr nimmt also hier, was auch i 
der häufigste Fall ist, den Mittelpunkt zwischen den zer- : 
sprengten und zerrissenen Kalk- und Dolomit^ Massen ein | 
und hat sich auf der Seisser Alpe zum Theil über dieselben | 
hinweggelagert. ' 

Dasselbe Verhältniss lässt sich noch schöner auf der 
Calfosher Alpe beobachten. Die Fläche derselben wird 
t-echts und links von sehr hohen und steilen Mauer-ähnlichen 
Dolomit- Felsen eingefasst, an dessen Fusse die Mergel und 
schwarz -geschichteten Kalke mit den bekannten Versteine- j 
rungen , zu denen im schwarzen Kalke noch ein grosser I 
Pecten kömmt, sichtbar sind. Die Alpen-Fläche dazwischen i 
wird vom Augit- Porphyr gebildet, der hie und da kleine ! 
Hügel bildet und meistens erdig, Tuft'-ähnlich , hie und da 
deutlich geschichtet ist. I 

Dagegen sieht man an vielen Bergen des Ennebergs den 
Augit-Porphyr an den Dolomit bloss angelehnt, so z. B. am 
Palshofel bei Polfasho ^ wo er den niedrigen, dem Thale 
zugewendeten Abhang zusammensetzt, über dem dann der 
schön geformte Dolomit-Koloss steil emporsteigt. 

Eine genauere Beschreibung der höchst manchfaltigen ; 
Abänderungen des Augit- Porphyrs in Bezug auf Farbe, i 
Kohäsion , Zahl der fremdartigen Gemengtheile wäre hier i 
sehi« überflüssig, d\\ sie durch L. v. Buch's meisterhafte 
Beschreibungen hinlänglich bekannt sind. Nur der zahl- ! 
reichen Kalk- Fragmente will ich noch erwähnen ^ die "der 
Augit-Porphyr einschliesst. Sie gehören einem bald grftu- 
Weissen, bald dunklen, selbst schwarzgrauen Kalke an, der 
»ft zahlreiche Versteinerungen enthält. Er hat gai* keine ! 



— 157 — 

Veränderungen erlitfen, nur selten sind die dem Porphyre 
zunächst liegenden Theile etwas gebleicht. Auch die che-, 
iiiische Beschaffenheit ist sich ganz gleich geblieben. Sehr 
häutig linden sich diese Einschlüsse im Melaphyr der Seis* 
ser und Culfosher Alpe ^ des Moni Calally und bei St» CaS" 
sian im Enneberg» Oft ist die Menge der Kalk -Stücke 86 
gross, dass man ein Konglomerat aus Kalk - und Porphyr- 
Frngitienten vor sich zu haben glaubt. 

Doch noch in weit grösserem Maasstabe kaiin man die 
Einschlüsse beobachten. So stösst raan z, B. auf der Äo/- 
fosher Alpe am Fusse des dolomitischen Levtnä auf einem 
Hügel, der aus Augit-Porphyr besteht, plötzlich auf Felsen 
von Dolomit und schwarzem plattenförmigem bituminösem 
Kalk — offenbar durch den Porphyr losgerissene eingehüllte 
und emporgehobene Trümmer dieser Gesteine. Die Schich-^ 
ten des Kalkes, die sonst ein schwaches Fallen haben, ste- 
hen fast auf dem Kopfe« 

Alle die eben berührten Verhältnisse des Äugit-Porphyre^ 
-setzen es ausser Zweifel , dass er durch plutonische Kraft 
aus den Tiefen der Erde hervorgedrungen sey, den rothen 
Porphyr und die Kalkgebilde durchbrochen und manchfach 
zertrümmert habe. Schon die äussere Physiognomie des 
ganzen Landstriches , die zerrissenen steilen Thurm - und 
Mauer-ähnlichen Fels-Kolosse des Dolomites sind sprechende 
Zeugen ungeheurer Revolutionen, die hier mögen vorgegan- 
gen seyn, wenn auch der Zahn der Zeit, die spätem at- 
mosphärischen Einflüsse und die dadurch bedingten Zer- 
störungen in dieser Beziehung nicht zu übersehen sind. 
Dolomit und Augit-Porphyr stehen also hier wohl in enger 
Beziehung; ich glaube aber mit Andern, drtss mail jedenfalls 
zu weit gegangen sey, wenn man hierin eine kausale zu 
erblicken glaubte. Denn mehrfache nicht unerhebliche Gründe 
Sprechen gegen die grossartige und scharfsinnige Idee ei- 
ner Dolorhisation des Kalkes durch den emporsteigenden 
schwarzen Porphyr. Warum sollten die zahllosen kleinen, 
rings vom Porphyr umschlossenen Kalkstein - Brocken nicht 



— 158 ~- 

in Dolomit umgewandelt worden seyn, wenn die Berührung, 
ja selbst nur die Nähe beider Gesteine hinreichte, um un- 
geheure ßergmassen chemisch zu verändern? Warum ist 
in dem oben erwähnten Falle am Fusse des Levinä die 
vom Porphyr rings umgebene Masse schwarzen Stinkkalks 
nicht zu Dolomit geworden , während es mit der hart 
daneben gelegenen Kalk -Partie geschehen seyn sollte? 
Ferner gibt es im Yal di Fassa und dem benachbarten 
Enneberg sehr viele Punkte, wo der Augit-Porphyr mit dem 
Dolomite gar nicht in unmittelbare Berührung kömmt, son- 
dern hart an geschichtete Kalke und Mergel grenzt. Soll- 
ten diese unverändert geblieben seyn, während die entfern^ 
tern Kalk-Massen zu Dolomit geworden wären? 

Auf der andern Seite sind die Dolomite keineswegs 
auf die Gegend beschränkt, welche so reich an schwarzem 
Porphyr ist; sie ünden sich hie und da in den Tyraler 
Alpen zerstreut, ja bilden stellenweise grosse Berg-Massen, 
wo sich selbst in bedeutender Entfernung und bei der ge- 
nauesten Untersuchung keine Spur von Augit-Porphyr ent- 
decken lässt. So bildet Dolomit einen Theil der steilen 
Felsen, die bei Pönal das nordwestliche Ende des Lago di 
trflrcfa einfassen; in dem Engpass, in \\ Achem Mezzolombardo 
liegt, bestehen die beiderseitigen Felstnauern aus einem aus- 
gezeichneten weissen, seltner röthlichen Dolomite. Dolomit 
setzt die höhern Kuppen der weissen Berge des Val di Non 
zusammen; er findet sich am Brenner und am Suhönherg 
mitten zwischen Schiefern. So wie es nun Dolomite ohne 
begleitende Augit- Porphyre gibt, so stösst man auch auf 
Augit-Porphyr ohne Doh)mit. 

Ich will nur ein noch weniger bekanntes Beispiel an- 
führen, einen Melaphyr-Gang, der den Kalk durchsetzt, in 
Trenle bei Vigo. Geht man von Vigo f^^gc^ die hochliegende 
einsame Kirche an dem Pfarrbache aufwärts und dringt in -die 
dortige enge Schlucht ein, welche Anfangs N.W,, dann N, 
streicht , so hat man an der nördlichen Wand in fast hori- 
zontalen , nui* wenig gegen 0. und S.O. sich neigenden 



— 150 — 

Schichten zuerst grauen dichten Kalk (in 3 — 6'' starken 
Lagen), dann darüber rothe thonige und kalkige Glimmerige 
Mergel, die mit Kalk-Straten tvechseln, vor sich. Dieselben 
Gesteine bilden in der Schlucht selbst das Bette des dort 
herabstürzenden Baches. Zuerst grauer Kalk, dann graue 
und rothbranne Mergel mit denselben Versteinerungen, wie 
auf der Seisser Alpe; sie setzen die Wände der Schlucht 
bis zum Gipfel zusammen. Gerade am Eingange der Schlucht, 
rechts an der Ecke sieht man })Iötzlich grünlichschwarzen 
Augit-Porphyr, dessen Gränzlinie senkrecht an der Felswand 
emporsteigt. Er ist in unförmliche über einander gelagerte 
Tafeln gesondert, deren Ablösungen oft in den Kalk ftjrt- 
setzen. Der gelblichgraue Kalk zeigt in der Nähe des 
Melaphyrs gar keine Abnormität, nur ist er sehr zerklüftet. 
Etwas entfernter vom Porphyr wird eii wieder fester , hat 
aber zahlreiche länglichrunde Blasenräume, die mit Kalk- 
spath- Kryställchen ausgekleidet sind. Die Gangmasse des 
Augit- Porphyrs setzt h. 2 W.N.W, fort und bildet die 
rechte Wand der Schlucht, bis er endlich in der Entfer- 
nuiiiT von beiläufig 30 Schritten dem Kalksteine wieder 
Platz macht, von dem er auch nach oben bedeckt wird. 
Jedoch scheint er im Innern der Kalkmasse sich noch wei- 
ter gegen N. zu erstrecken, da er in der Höhe der Schlucht 
wieder zum Vorschein kömmt. Das Ganze wird dann erst 
in sehr bedeutender Höhe von Dolomit überlagert, der den 
Gipfel des Variolett Äusamraensetzt. 



So reich der südwestliche Theil Tyrols — das Grü- 
ner-, Füssa- und Fleimser-Thal^ das Enneherg und Buchen^ 
stein — an Augit-Porphyren ist, so fehlen sie doch in den 
übrigen Gegenden Tyrols fast ganz. Die phitonisehen Mas- 
sen, die am Monte Baldo bei Mori ^ Bifagno , Brentomco 
mit den Kalken der Kreide -Formation lagerartig wechseln, 
gehören wahren Basalten an: das Gestein, das im Vfil dt 



_ 160 "^ 

Non bei Olec auftritt, dürfte für Diorit anzusprechen seyn. 
Von letzterm , das wenig beschrieben ist, soll etwas mehr 
gesprochen werden. 

Das breite Val di Non wird von unzähligen , meist von 
steilen Schluchten durchschnittenen Hügelreihen ausgefüllt, 
die alle aus sehr jungen Gebilden bestehen. Kaum hat man 
durch den Ronchelta-Pass das Val di Non betreten, so ver- 
lässt man den dem Dolomit aufgelagerten rothen und grauen, 
zur Kreide-Formation gehörigen dichten KaJk und hat nun, 
indem man gegen Denno hinansteigt, mächtige Geröll-Massen 
vor sieh, die theils lockern Schutt, theils durch Kalk-Zäment 
gebundene feste starke und fast horizontale Bänke bilden. Bei 
Denno besteht das Konglomerat aus Geschieben von weissem 
und graulichem dichtem Kalk, denen oft Schiefer-Stücke bei- 
gemengt sind. INie findet man aber Porphyr- Fragmente 
darin, während doch die Oberfläche von zahllosen grossen 
und kleinen Porphyr - Blöcken bedeckt ist, die das Wasser 
von dem Mendole herabgebracht hat. 

Setzt man nun den Weg durch das Val di Trasenga 
gegen Tueno fort, so verschwinden die Schiefer-Stücke ganz, 
und man hat eine feste Kalkmergel-Fläche vor sich, die auch 
zahlreiche Feuerstein-Geschiebe einschliesst und mit Schich- 
ten grauen Schieferthons wechselt. Diese Gesteine halten 
bis Cles an ; am ganzen Wege dahin sieht man aber kein 
anstehendes Gestein. Erst hinter Cles, gegenüber von RevO 
treten ältere Gebilde unter der Nagelfluhe hervor. Am 
Fusse des die Strasse links begränzenden Berges sieht man 
kalkige Mergel von grauer und röthlicher Farbe entblöst, 
die sehr reich an Glimmer-Blättchen , aber ohne Versteine- 
rungen sind. Sie streichen h. 4 S.W. und fallen unter 
bedeutendem Winkel O.S.O. Auf ihnen liegen dichte Kalke, 
flie den Gipfel des Berges bilden, aber ostwärts in geringer 
Entfernung bis ins Niveau der Strasse herabsinken. Sie 
sind an der Nordseite des Berges in einer hohen Felsen- 
wand entblöst, an der man die dicken Schichten deutlich 



— KU — 

oeoeii O. fallen sehen kann. Sic sind theils »rau, theils 
vütliiicli, theils gi'au, gelb und lotli gefleckt, und zeichnen 
sich durch sehi» ebenen Bruch aus; die obern Schichten 
dai^eoen bestehen aus graulichweissem Dolomit , der nur 
sparsame Höhlungen zeigt. Doch bald verschwindet beim 
Fortschreiten auf der Strasse auch der Kalk, und es tritt 
ein anderes Gestein hervor, das unregelmässig massige nied- 
rjoe Felsen zusammensetzt. Es ist ein feinkörniger Diorit 
von grauer oder grünlichgrauer Farbe, der bei genauerer 
Untersuchung aus kleinen weissliclien Feldspath-Kryställchen 
und aus graulichgrüner Hornblende zusammengesetzt er- 
scheint. Auch krystallinische Partie'ji und grössere Mandeln 
von Kalkspath sieht man eingestreut, ja fast das ganze Ge- 
stein ist so mit kalkiger Älasse impra'gnirt, dass es überall 
n»it Säuren braust. Hie und da liegen grosse Krystalle 
rabenschwarzer Hornblende darin. Mitunter lässt sich eine 
x\niage zur schiefrigen Textur nicht verkennen. Bei be- 
ginnender Verwitterung wird das Gestein braunroth um\ 
löst sich endlich zu braunem oder grünem Thone auf. Steigt 
man über diese Fels-Massen in die Höhe, so sielit man den 
Kalk darüber liegen , der in der Nähe des Diorites roth 
gefärbt und gefleckt ist, höher oben aber mehr graue Far- 
ben annimmt. 



Tertiäre Kohlen - Ablagerungen findet man hie und da 
in Ti/rol; aber meist sind sie von nicht bedeutender Aus- 
dehnung und, da man wogen des Holz-Überflusses der Kohlen- 
Feuerung nicht bedarf, meist nicht bebaut und daher fast 
noch gar nicht bekannt. Erst in der neuesten Zeit hat man 
ihnen grössere Aufmerksamkeit zu schenken angefangen. 
Am bekainitesten unter allen ist die Kohlen-Ablagerung von 
Hürbig im Unter innthale^ theils weil sie durch einen ausge- 
dehnten Bergbau aufgeschlossen ist, theils durch drie zaliU 
reiclien und schönen organischen, besonders vegetabilen 

II* 



_. 162 — 

Reste, die ia den dieselbe begleitenden Mergeln zusammen- 
gehäuft sind. 

Sie scheint eine bedeutende Ausdehnung zu haben, denn, 
obwohl sie bloss bei Hüring abgebaut wird, so hat man sie 
doch mehrere Stunden weit im Thale auf- und ab-wäi'ts 
verfolgt. Das Grund-Gebirge, dem sie aufgelagert ist, bildet 
zum grössten Theile der Aljjen-Kalkstein , in beschränktem 
Umfange auch der Rothe Sandstein. Ersterer bildet alle 
die Berge der Umgebung, nordöstlich den Härinijer Pölfen^ 
südlich den Gipfel des Peisseiibergs und westlich das Grat- 
ienbenjl^ ist blaulichgrau oder aschgrau von Farbe und mei- 
stens nicht oder höchst undeutlich geschichtet. Zaldreiche 
Kalkspath - Adern durchsetzen ihn, und am Grnttenhergt 
zwischen Wörgl und Häring enthält er viel braunes Erd- 
pech, das sich an warmen sonnigen Tagen schon in weitem 
Umkreis durch seinen Geruch veri'äth. 

Unter ihm tritt im Längergrahen — einem kleinen 
Thale , das den Pülfen vom Feissenberge trennt — Rother 
Sandstein zu Tage, der zum grössten Theile den Fuss des 
letztgenannten Berges zusammensetzt. Er ist braunroth, 
selten graulich, bald von ziemlich feinem Korn, bald Kon- 
glomerat-artig. 

Über beiden liegt im Längergraben und am westlichen 
Fusse des Pölfen ein festes Konglomerat aus grauen und 
grauweissen Alpenkalk - Geschieben , verbunden durch ein 
höchst feinkörniges , ' eben so gefärbtes Kalk-Zäment. Auf 
dieses folgt nun zunächst grauer oder braunlicher, oft 
schiefriger Thon , dessen Mächtigkeit von ^venigen Zollen 
bis zu mehreren Füssen wechselt. Er bildet das unmittelbare 
Liegende des Kohlen-Flötzes. Je mehr er sich diesem nähert, 
desto mehr kohlige Theile nimmt er auf, wird zugleich sehr 
Kalk -reich und geht endlich in eine bröckelige, undeut- 
lich schiefrige, mit mergeligen Partien untermengte Kohle 
«her. Diese ist vorzugsweise reich an Versteinerungen, 



— 163 -^ 

besonders ons <1en Gattungen Helix und Planorbis und 
einer I^Ieinen B i v a 1 v e. Fast immer sind sie zertrümmert oder 
docli wenigstens bis zur Unkenntlichkeit zusammengepresst. 
Manche Schichten sind so reich an solchen Trümmern, dass 
sie fast ganz daraus zusammengesetzt zu seyn scheinen. 
Pllanzen-Reste dagegen findet man nie darin. 

Die Kohle selbst erreicht eine Mächtigkeit von einigen 
Schuhen bis zu fünf Klaftern. Es ist bald eine ausoezeich- 
nete Pechkohle mit muscheligem Bruche, bald eine glänzend- 
schwarze Schieferkohle. Sie zeigt nirgends mehr eine Spur 
von Holz-Textur; die Kluft-Flächen sind oft mit einem dünnen 
Kalkspath- Häutchen überzogen oder zeigen auch die oben 
erwähnten Thier-Versteinerungen, aber bis zur Papier-Dicke 
zusammengedrückt. 

Zwischen den einzelnen Schichten , die 3 — ß" stark 
sind , liegen öfters Zwisehenmittel von bituminösem Kalk 5 
in ihnen selbst aber zahli-eiche Nester gelblichgrauen Stink- 
kalks 5 die sich oft durch ihre eigenthümliche schaalige Zu- 
sammensetzung auszeichnen (die sogenannten Krötensteine). 
Jede dieser Kalk-Schaalen ist dabei wieder mit einer Schaale 
von Kohle umgeben , was dem Gestein ein besonderes An- 
sehen gibt. Sehr vereinzelt kommen Partie'n schwarzge- 
färbten strahligen Gypses in der Kohle vor. 

Die Schichten der Kohle fallen theils h. 4 — 5 N.W. 
mit 30— 350, theils h. 9 N.W. Gleich über dem Berghause 
liegt das Kohlen-Flötz gar nicht tief unter der Oberfläche 
und ist durch die dort ausgeführten Feuer- Yerdämmungs- 
Arbeiten vom Tage aus entblöst. Es streicht gegen S.W, 
aus. welche Riclitunff auch der alte Stollen hat. In dieser 
Richtunof nimmt die Menge und Stärke der zwisehenlieo^en- 
den Stinkkalk - Schichten zu, die Kohle wird bröckeliger, 
brennt nicht gut, und endlich keilt sich das Flötz ganz aus. 
Es wird durch eine Hauptkluft, die h, 4 S.W. streicht, 
durchzogen und bedeutend verworfen. Sehr deutlich be- 
merkt man diess im Barbarei' Stollen * wo der eine Thcil 



— 164 — 

des Fiotzes bedeutend unter den andern liinabgezogen wird. 
Dieselbe Kluft trifft raan im alten Stollen, fast parallel mit 
der Seiten- Wand desselben. Sie wird daselbst von deutliehen 
gestreiften Rutschfläehen begränzt, die oft wellenförmig ge- 
bogen sind. Ihnen zunächst ist d^r Kalkraergel mehrere 
Zoll weit in sehr grosskürnigen Kalkspath umgew^andelt, 
der hie und da in Höhlungen krystallisirt und in einzelnen 
derselben auch braunes Es'dpech aufnimmt. 

Das Hangende der Kohle bildet ein in dünne Platten 
getheilter, deutlich gesciuchteter , schwärzlicher oder gelb- 
lichgrauer Stinkstein, der zahlreiche, oft undeutliche Ver- 
steinerungen von Bivalven, seltner von Rostella ria, Fu- 
sus u. s. w. umschliesst. Weit grösser ist aber die Menge 
von Pflanzen-Resten, die er beherbergt, die jedoch eben- 
falls meist zertrümmert sind. Am häufigsten sind Blätter 
von Dikotyledonen, von Salix (viminalis?). Amygda- 
lus, von Ligustrum vulgare, Rhamnus u. s. w. , 
Zweige von Erica, Sargassum, daneben aber auch Reste 
von Palmen, von ßorassus f labelliformis u. a. Sehr 
häufig liegen im Stinksteine auch Partie'n glänzendschwar- 
zer Kohle inne. 

Auf dem Stinkkalke liegt endlich ein gelblichgrauer, 
undeutlich gescliichteter Mergel, der viele Thier-Versteine- 
rnngen, aber fast keine Pflanzen-Reste enthält. Er hat eine 
bedeutende Mächtigkeit und wird stellenweise wieder von 
einem Konglomerat aus Kalk-Geschieben bedeckt. 

Diese ganze Gesteins-Folge wird am besten durch den 
Barbara-Stolleji aufgeschlossen, der durch alle die erwähn- 
ten Schichten und durch die Kolile getrieben ist. — Der 
alte Theil des Baues, der melir gegen N.O. gelegen ist. 
steht seit 2i Jahren in Brand. Auf ihm war früher der 
tiefste Schachi, der bis zu 105 Klaftern Teufe einbrachte. 



— 165 — 

KrkH&ritng- von Tafel V. 

Fg. 1. Ansicht des Wechsels der krystallinischen Schiefer am Wege 
von Zell nach Gerlos, S. 132. 
„ 2. Verzweigter Dolerit - Gang im Kalkslein bei Canzacoli unweit 

Predazzo, S. 151 — 152. 
„ 3. Durchschnitt durch die Monzon Alpe und die benachbarten 
Alpen, S. 148-150. 

Durchschnitt durch die Seisser Alpe und den LangUofel, S. 155. 
„ durch die Colfosker Alpe von N. nach S., S. 157. 

„ durch das Braunkohlen-Lager von Häring, S. 161. 

„ durch den PölfennxiA Peissenherg bei Häring, S. 162. 

„ der Colfosker Alpe von 0. nach W., S. 157. 



» 


*. 


» 


5. 


»> 


6. 


» 


7. 


»1 


8. 



Einige 

Bemerkungen über die im vorigen Hefte 

(S. 69) von Hrn. PuscH beschriebenen 

zwei Hirsch -Arten, 

von 

Hrn. Dr. J. J. Kalp, 



Hiezu Tafel IT. 



Hi% PüSCH gibt uns von zwei ur weltlichen Hirsch- 
Arten so bedeutende Reste, dass es sich der Mühe verlohnt, 
sie n4>ch näher zu vergleichen. 

Gewünscht hätte ich, dass derselbe Herm. v^ Meyers 
»eliöne Arbeit über seinen Cervus Alces fossilis ge- 
kannt hätte. 

V. Meier stellte 1S33 in den Nova Ada Leopoldina 
XVI, II *) drei Schaufeln dar, die ich auf Taf. IV A in 
Kunturen wieder gebe. 

Fg. 1 aus Oberifalien , jetzt im Frankfurter Museum, 
gleiobt iioch am meisten Taf. HIA, Fg. 3 und unterschei- 
det sicJi dadurch, dass der erste Sjjross weniger gekrümiüt 
und der erste der oberen Schaufel-Hälfte sehr massiv und 



*) Vgl. .Jahrb. fSSr,, S. 112. 



- 167 — 

nach unten gebogen ist; aiioli ist die untere Hälfte verhält- 
nissniässig stärker entwickelt und die obere Hälfte nicht so 
schlank : in letztem Merkmale gleicht sie Taf. Hl A, Fg. 1 ; 
sie hatte unten 4, oben 7 entwickelte Sprossen. 

Meine Fg. 2 ist die bei Würzburg gefundene linke 
Stange. Sie gleicht mehr Taf. IH A, Fg. 5, welche von 
einem lebenden Thiere ist; die obere Hälfte ist sehr schlank, 
geht fest senkrecht in die Höhe und ist nach oben hin nicht 
stark ausofebreitet. Die untere Schaufel -Hälfte ist breiter 
und die einzelnen Sprossen sind sehr lang. 

Meine Fg. 3 ist eine rechte aus Irland und befindet 
sich im Leydner Museum. Sie gleicht keiner der bis jetzt 
abgebildeten. Die Bucht, welche die untere Schaufel-Hälfte 
von der obern trennt, ist nach der Zeichnung wenigstens 
nicht zu unterscheiden. 

Die untere Hälfte ist die weniger entwickelte; durch 
den Bogen a b erhält sie ebenfalls eine abweichende Gestalt. 
Sie hat unten 4, oben 7 Sprossen. Dieser am meisten 
gleicht nun meine Fg. 6 aus der hiesigen Sammlung, auch 
die vollständigste von allen. Sie wurde 1833 bei Lang-- 
icaden, einem Dorfe in der Nähe der Bergstrasse ^ 21 Fuss 
tief gefunden; sie ist eine rechte Schaufel ; die untere Hälfte 
ist deutlich von der obern getrennt und verhältnissmässig 
klein gegen die breite fast flache Oberhälfte. Die Sprossen 
sind, mit Ausnahme des ersten, zierlich und kurz. 

Betrachtet man alle hier gegebene Schaufeln, so findet 
man. dass Taf. 111 A, Fg. 1 und Taf. IVA, Fg. 1 sich dar- 
iji gleichen , dass beide Schaufel-Hälften verhältnissmässig, 
hingegen bei Taf. HIA, Fg. ?» und Taf. IVA, Fg. 2, 3 
und 6, die obere auf Kosten der untern entwickelt ist. 

Fg. 4 habe ich noch ein starkes Geweih eines lebenden 
Elenns gegeben, das an der linken Seite 10, an der rechten 
8 Sprossen trägt. Es mag einem gleich alten Thiere wie die 
Scliaufel Hl A, Fg. 5 und bei Cuvier Fg. 27 zugehört haben. 

Aus diesen 5 einfachen und 2 doppelten Schaufeln 
ergibt sich, dass manche Charaktere, welche Püsch r.wv 



— 168 — 

Unterscheidung der fossilen von der lebenden Art angibt, nicht 
haltbar sind; überhaupt glaube ich nicht, dass beide Arten 
nach dem Geweih zu unterscheiden sind ; ich bin es wenig- 
stens im Augenblick nicht im Stande. Ich habe desshalb es 
nicht der Mühe werth gehalten, die Dimensionen der nach- 
träglich gelieferten Geweihe zu geben, die Jeder nach den 
Zeichnungen selbst nehmen kann. 

Ich komme nun zu den Knochen des Schädels und bilde 
Fg. 5 ein rechtes Stirntheil - Fragment mit einer ebenfalls 
fragmentären Schaufel ab. 

Es gehörte einem jungen Thiere an, das jedoch wenig- 
stens 4 Sprossen auf jeder Schaufel hatte; bei 'b ist die 
senkrechte Stirn-Naht, bei c sind die Stirngruben. Der Ro- 
senstuhl fängt an der punktirten Linie an. Die queere 
Stirnnaht endigt bei d. 

Vergleichung der Dimensionen dieses Fragments Fg. ^t 
mit dem etwas jungem, welches Pusch Taf. 111 A, Fg. 6 
abbildet, in Millimetern gemessen. 

Fossil. Lebend. 

Von der Längsnaht der Stirn (b) bis zu der deut- 
lichen Perle (a) der sonst undeutlichen Rose 
= 0,099. Diese Entfernung doppelt . 198 . 221 

Länge der Rosenstühle von der punktirten Linie 

gemessen 030 . 064"^) 

Breite der Naht zwischen Hinterhaupt und Stirnbein 086 . 105 

Vergleichung der Dimensionen von alten Schädeln. 

Fossil. Lebend. ' 

Nacii Pusch. Nach mir. 

Altes Th. Sehr altes Th. 
Entfernung beider Rosen . 178 . 220 . 182 . 218*='0 

Länge der Rosenstühle 046 . „ . 045 . „ 



*) Bei Individuen von gleichem Alter würden vielleicht auch bei den 
fossilen die Rosenstn!)le höher seyn. Dann wird auch die Dimen- 
sion von 0,198 der Dimension von 0,221 näher kommen. 
^ ') Die Geweihe fehlen dem Schädel, allein die Backenzähne sind 
nach innen um § von ilncr ursprünglichen Höhe herabgekäut; diess 
zeigt ein sehr hohes Alter an, und das Thicr mag eben so alt, 
als das von Puscn erwähnte gewesen scyn, welches früher in di'r 
Forstschule zu Wtwschau stund. 



— Km — 

Fossil. Lebend. 

Nucli PrsCii Nfich mir. 

Altes Th. Sehr altes Th. 
BuM<e der Stirnnuht, wciclie 
Vier. 4 bei aa über 2 Tu- 
berkeln geht . . . 105 . 135*) . 118 . 115**> 

INach diesen 3Iessnngeii ergibt sich, dass eine Differenz 
von 0.042 in der Entfernung der Rosen und 0,010 in der 
Breite der Stirnnaht zu gering ist , um auf diese Verschie- 
denheit den Namen der fossilen Art zu begründen. War 
das von PüSCH beschriebene Schädel-Fragment von gleichem 
Alter, wie das Geweih, welches ich unter Fg. 4 abbilde, 
so betrug die erste Differenz 0,004 oder etwa 2 Linien und 
die letzte 0,013 oder 6 Linien. 

Der Haupt-Ünterschied bliebe demnach in dem verschie- 
denen Winkel, welchen die Stirn und das Hinterhaupt bilden; 
allein selbst dann, wenn auch dieser Charakter nicht Stich 
holten würde, woran ich jedoch zweifele, so würde das uv- 
weltiiche Elenn eine von den lebenden verschiedene Art 
bilden, die sich vielleicht auf ähnliche Weise untersclieidet, 
wie Cervus Canadensis von C, Elaphus. 

Was endlich die Benennung Cervus AIces fossiiis 
betrifft, die H. v. Meyer dem so eben beschriebenen Thiere 
gab, so kann ich mit dieser nicht einverstanden seyn. 

Der Gedanke, dass von so nah verwandten Thieren, 
Avie beide eben erwähnte Hirsche, Bos primigenius und 
B, taurus, Bos priscus und B. urus — die lebende eine 



'■') PüSCH gibt zwar 0,160 an, was so viel wie 60 Paris. Linien sey; 
da aber 60 Linien = 0,135 ausmachen , so scheint 0,160 nicht 
das richtige Maas zu seyn. Bei den 0,135 bemerke ich noch, dass 
ich glaube , dass der Messende den einen Schenkel des Zirkels 
auf den Buckel der Stirn setzte und von da nach beiden tiefer 
gelegenen End-Punkten der Stirnnaht gemessen hat. Nach dieser 
Art zu messen hat unser sehr altes Thier eine ebenfalls 0,134 
breite Stirnnaht. 
^ V Bei einem jungen Thier, woran die letzten Backenzähne und son- 
derbarer Weise auch die ersten kaum erschienen waren, misst die 
Stirnuaht 0,110. 



-- 170 — 

Abweichung vom Grund-Typus der Urwelt seyn , ist schon 
ausgesprochen worden, allein er ist gewiss irrig. 

Fänden sich, um bei den Europäischen Säugethieren 
stehen zu bleiben, von Mustela martes und M. foina, Mus 
rattus und M. decuraanus, Hypudaeus amphibius und H. 
terrestris 5 Mustela Errainea und M. vulgaris etc. etc., der 
eine in der ür-, der andere in der Jetzt- Welt, so miisste 
man sie gleichfalls für Rassen eines und desselben Typus 
halten, M, martes und M. foina würde man vielleicht gar 
nicht zu unterscheiden wissen. Käme von Mustela Erminea 
und M. vulgaris erster fossil vor , so würde man seine 
grössere Gestalt durch Nahrungs - Überfluss und höheres 
naturgemässeres Alter zu erklären wissen. 

Setzen wir nun den Fall, Mustela foina käme fossil 
vor, so würde man sie Mustela martes fossilis nennen. 
Wollte diese Benennung weiter nichts sagen, als M. martes 
fossilis repräsentirte die lebende M. martes in der Urwelt, 
so Hesse sich nichts dagegen sagen , als dass der Name 
schlecht seye, weil er aus 2 Adjektiven zusammengesetzt ist. 
Fasst er aber die Bedeutung in sich, dass Mustela martes 
fossilis der Grundtypus und M. martes der der Urwelt ent- 
ronnene AbkÖmmlung von dieser sey, so ist die Benennung 
fossilis unnütz und durchaus zu verwerfen. 

Thier-Reste, die unter gleichen Verhältnissen mit andern 
Resten von sicher ausgestorbenen Thieren, wie Elephas, 
Rhinoceros , Cervus giganteus gefunden werden, sind von 
den jetzt lebenden verschieden und wenn sie sich auch 
nicht unterscheiden lassen *). 

In Beziehung auf die Benennung des Hrn. Puscii, wel- 
cher das fossile Eleiin Ale es leptocep ha 1 u s im Gegen- 
satz zum lebenden, Ale es platy ceplialus nennt, mnss ich 
Folgendes gegen das neue Geschlecht Alces einwenden. Die 



'•') Dicss scheint denn doch ein Axiom zu seyn, welchem beizupflich- 
ten kein Naturforscher gezwungen ist, da die Betrachdmg der 
tertiären Muscheln etc. zu einer ganz andern Ansicht fiiliit. Br. 



— ITl — 

Hirsche bilden ein Geschlecht, das sich durch gleichen Zahn- 
ban 5 Zehenglieder und Geweih unterscheidet, und welches 
man in neuester Zeit in sehr natürliche Gruppen zerfällt 
hat. Diese Gruppen können aber nicht den gleichen Rang, 
wie die Geschlechter Moschus, Dorcatherium, Palaeomeryx etc. 
einnehmen, indem diese sich durch wesentlichere Kennzeichen 
vom Hirsch unterscheiden, als die sind, womit die Hirsch- 
Gruppen bezeichnet werden. Gestattet man also den Hirsch- 
Gruppen, welche man immerhin benennen kann, den Werth 
von Genera, so weiss ich nicht, wie man genannte Geschlech- 
ter nennen soll? Ob Übergeschlechter oder Familien? Ich 
halte dafür, dass man in dieser Hinsicht Cuvier folgen soll, 
indem man jene Sousgenres oder Gruppen benennt, und die 
Arten mit ihren alten systematischen Namen unter dem 
Schild der Gruppen-Namen aufführt. 

Diesem nach müsste dem Elenn sein alter Name Cervus 
Alces bleiben und dem urweltlichen , da die Benennung 
leptocephalus nicht unterscheidend genug ist, geändert 
werden. Die Benennung^ der urweltlichen Thiere ist immer 
gut, Avenn man den Namen anmerkt, dass das Thier nicht 
mehr existirt, mag auch der Name wenig oder nichts sagen. 
Denn um den Arten schon jetzt bezeichnende Namen zu 
geben, ist die Kenntniss der urweltlichen Faujia noch lange 
nicht gross genug. Ich will aber durch eine neue Benen- 
nung weder Hrn. v. Meyer noch Hrn. Pusch vorgreifen. 

Wir kommen nun zu dem C premigenius (Tf. IVB). 

Da das Ebei'städler Kopf- Fragment erst durch das 
Fragment Taf. III B, Fg. 3 mehr Bedeutung gewonnen hat, 
so gebe ich auf Tf. IV B die Abbildungen : Fg. 2 das ganze 
Kopf-Fraguient und Fg. 1 die linke Stange. 

Ks gehörte einem grössern Thiere an, als die von Pusch 
abgebildeten Reste. 



_ Mein Exemplar. Pusch HIB, 3. HIB, 1. 
Umfang der Rose . . . 0,310 . 0,246 . 0,276 
Abstand dos Innern Randes der 

2 R.osen bei a a . '. . 0,038 . 0,030 
Abstand ihres äussern Randes . 0,228 . 0^166 



— 172 - 

Mein Exemplar. Pv^cu III B, 3. III B, l. 

Queerer Durchmesser der Rose 0,96 

Längen-Durchmesser derselben . 0,104 

Umfang des Pvosenstuhls . . Oj227 

Lauge von der Rose bis zum 

Anfang des 3ten Sprossen b. Oj495 . 0,392 
Durch die von Pusch angeführten Kennzeichen gleichen 
die von ihm gegebenen Reste dem C. premigenius. Da 
leider das Eberstädier Geweih am 3. Sprossen abgebrochen 
ist 5 so weiss ich nicht , ob dasselbe anch in dem dritten 
Kennzeichen, welches in der plattgedrückten Form der üb- 
rigen Stange besteht, dem bei Bensheim gefundenen *) 
gleicht. Ich glanbe jedoch, dass sämmtliche Reste einer 
Art angehören, Wiq Gewissheit, ob die plattgedrückte Ge- 
stalt der oberen Hälfte hinreichend ist , eine Art von der 
andern zu trennen, wird jedoch erst durch Auffindung von 
mehreren Resten erhalten werden können. 



*) Durch einen Irrthum ist Fürth als der Fundort angegeben. Bens- 
hi'im ist ein Städtchen an der Bergstrasse. 



W a c K t r a g-. 

Ich habe noch "eine Zeichnung der linken Gevveihstange 
von Cervus primigen ins erhalten, woran der zweite 
Sprosse fehlt, was ich jedoch an Geweihen der lebenden 
Art auch schon gesehen habe (Taf. IV B, Fg. 3). Der Ro- 
senstuhl ist ziemlich hoch und die Stange absolut höher 
als das kolossale Geweih^ welches ich abgebildet habe. Sie 
gehört dem Diluvium an und wurde beim Ausgraben eines 
Baches gefunden ; wo ui^d wie tief, vveiss ich aber nicht. 
Ich theile sie einstweilen, um das Material über jene Hirsch- 
Art -ZU mehren , und werde später darauf zurückkommen. 
Ihre Dimensionen sind; 

Metei-. 

Ganze Hölie a— b 0.98 

Höhe bis zum 2. (3.) Sprossen a— c . . , . 0,39 ' 
„ „ zur Krone a— d 0.74 



über 

ä I e S j) a 1 1 11 11 g e n des Boden s 

bei dem 

Erdbeben in der Wallachey 

am ~ Januar 1838, 
von 

Herrn Bergrath Dr. Gustav Schüeler. 

(Auszug eines an das Fürstlich Wallachische Ministerium 
erstatteten Berichts.) 



Vom Fürstlich Wallachischen Ministerium wurde mir 
der Auftrag: die Boden- Spaltungen und Sprünge, welche 
durch das Erdbeben vom 11. (23.) Januar 1838 und durch 
die nachfolgenden Stösse in verschiedenen Distrikten des 
Fürstenthums entstanden waren, zu untersuchen. 

Ich erachte es für zweckmässig, mit meinen an Ort 
und Stelle gemachten Beobachtungen eine Aufzählung der 
nach amtlichen Berichten wahrgenommenen Erscheinungen 
zu verbinden. 

Aus dem Distrikte Buseo wurde gemeldet, ,,dnss in dem 
Bezirke Kimpul bei dem Dorfe Gawaneschti am Ufer des 
j&WÄ6'ö-FIusses sich der Boden gespalten habe, und dass aus 
diesen Spaltungen schwarzes Wasser hervorgedrungen sey. 
Gleiches soll nach diesem Rapporte in den Dörfern Beiliku 



— 174 — 

und Bemtul^ ebenfalls zu diesem Distrikte gehörig. Statt 
gefunden haben.** 

Nach näherer Erkundigung über diese Verhältnisse 
vernahm ich , dass die Spaltungen in der Richtung von O. 
nach W., folglich parallel mit dem dabei fliessenden Buseo- 
Flusse sich hinzögen, doch durchschnitten auch einige andere 
diese Richtung. Die Sj)rünge befänden sich ferner auf dem 
linken oder nördlichen Ufer des Flusses. Das Wasser, wei- 
ches während des Erdbebens aus den Spalten, die sich nach 
demselben grösstentheils wieder schlössen, hervortrat, sey 
zwar gefärbt, jedoch nicht schwarz, sondern tlieils schwärz- 
lich , theils braun, theils gelb gewesen; aus verschiedenen 
Spalten sey auch mehr oder weniger gefärbtes Wasser, 
mit Sand gemengt, ausgeworfen worden. Ferner soll von 
vielen Personen dieser Gegenden zur Zeit des Erdbebens 
auch ein heiler Feuer- oder Licht-Schein in der Richtung nach 
ßraila. also nach N.O, hin wahrgenommen worden seyn. 

Das hiesige Terrain ist ganz eben, weiter nordwestlich 
erheben sich niedere Gebirge der Molasse - Formation. In 
der Ebene findet sich nur Diluvium vor, welches auch noch 
einen Theil der nordwestlichen Berge ausmacht. 

Aus dem Distrikte Slam-Rimnik wurde angezeigt: „dass 
in dem Bezirke Gradischti bei dem Dorfe Sutscheschti sich 
der Boden in einer beiläufigen Breite von zwei Ellen und 
in einer Längen-Ausdehnung von 40 Klaftern gespalten hätte. 
Aus der Öffnung sey Wasser, so schwarz wie Bergtheer 
hervorgedrungen.** >Jn dem Bezirke Mardschine de sclios 
neben dem Piket Rogosul habe sich die Erde geöffnet, und 
es sey Wasser bis zum Gürtel eines Menschen hervorge- 
drungen, so dass die Wächter dadurch genöthigt worden 
seyen, sich nach dem Dorfe Malurile zurückzuziehen.** „!n 
eben diesem Bezirke, in der Nähe der Dörfer Lomoteschtt^ 
Kotullung y Kurhul und Bolboaka habe sich der Boden -in 
einer Breite von mehr als zwei Spannen und in einer un- 
gemessenen Länge gespalten; aus den Spalten, welche grund- 
los seyen, wäre Wasser hervorgedrungen. Ferner hätten 



— 175 - 

sich an einigen Stellen Locher gebildet, in die sich ein 
Mensch ganz hineinstellen könne. Wasser sey darans gleich- 
falls klafterhoch über den Boden hervorgedrungen und habe 
sich bis in die Häuser einiger Einwohner in solcher Masse 
ergossen, dass es darin sich bis zu den Betten erhoben. „In 
dem Bezirke Eimnik de sus bei dem Dorfe Babeni seyen 
am Tage nach dem Erdbeben zwei Spaltungen bemerkt wor- 
den j wovon sich die eine vom Rücken des Berges bis zur 
Klosterwiese, die andere von der Spitze des Dorfes bis zur 
Hofeinzäunung des Klosters , beide von der Breite eines 
Fingers, herabgezogen. Vom 13. (25.) Jan. bis 22. Jan. 
(3. Febr.) jedoch haben sich die Spalten auf die Breite 
von zwei Ellen erv\ eitert , wobei sich der auf der Seite 
des Bergrückens liegende Theil niederlasse , während der 
Theil des Erdbodens gegen den Fluss Rimnik zu in die 
Höhe steige. Von Stunde zu Stunde öffne sich die Erde 
augenscheinlich immer mehr und gefährde durch die Spalten, 
deren Tiefe über zwei Klafter betrage, bereits 16 Häuser. 
Seit dem 27. Jan. (S. Febr.) sollen in dieser Gegend noch 
mehrere ähnliche Spalten entstanden seyn/^ 

Von Fokschani aus besuchte ich zuvörderst das Dorf 
Lomoteschti. Eine Achtelstunde vor dem Dorfe, am nord- 
östlichen Ufer des Milkow-Ylusses bemerkte ich eine Spalte 
von circa 2300 Fiiss Länge. Die Spalte, deren Breite ge- 
genwärtig noch 8—16 Zoll betrug, stand an manchen Stel- 
len noch ganz offen ; die Tiefe Hess sich aber nicht aus- 
messen, da sie sich nicht in gerader Richtung, sondern bald 
nach der einen , bald nach der andern Seite gebrochen, 
oder im Zickzack hinabzog. An ihren weitesten Stellen war 
die Spalte durch schwärzlich gefärbten Sand und Thon der 
Molasse-Forniation oder der Tertiär-Gebilde, welcher wulst- 
förmige Erhöhungen über derselben bildete, ausgefüllt. Die 
Spalte begann unweit des nordöstlichen Ufers der Milkow, 
hatte ihr Streichen anfänglich in h. 4, wobei sie den Theil 
des Flusses , in welchem sie aufsetzte oder wo sie begann, 
beinahe senkrecht schnitt. Sie wendete sich dann nach 
Jahrgang 1840. iJi 



~ 176 — 

dem Flusse zu in h. 6 , hierauf abermois in h. 4, später in 
h. 2, h. 1 , h. 4 und h. 6 , bis sie wieder in der Richtung 
von h, 4 dem Flussufer nahe kam, so dass ihre ganze Länge 
von 2300 Fuss einen Bogen bildete, dessen Sehne oder Ba- 
sis der FIuss war. 

Das Terrain der Gegend ist ganz eben ; erst weiter 
westlich erheben sich einige niedrige Gebirge , welche an- 
steigend sich bis zur Karpathen-Kette fortziehen. Die Ober- 
fläche besteht nur aus Diluvial-Ablagerungen, und erst mehr 
im W. 5 in den Gebirgen, tritt der Sandstein der Molasse 
mit seinen übrigen Gliedern hervor. Hie und da ist die 
Ebene von 2 — 8 Klafter tiefen Flussthälern , die keine be- 
deutende Breite besitzen, durchschnitten. 

Hinter dem Dorfe Lomoteschti liegt das Dorf Gologan^ 
bei welchem ich gleichfalls eine etwa 400 Fuss lange in 
h. 8 und 9 , und parallel mit der südwestlich davon flies- 
senden Rimnu streichende, Erdspalte bemerkte. Die Spalte 
selbst, welch« sich auf dem rechten oder nordöstlichen Ufer 
der Rimna befand, war mit schwärzlich gefärbtem Sande 
ausgefüllt ; ebenso mehrere 2 — 3 Fuss im Durchschnitt hal- 
tende Löcher, die sich in der Nähe der 8 — IG Zoll breiten 
Spalten oder in der Verfolgung derselben befanden. Wie 
bei Lomoteschti bildete auch hier der Sand sowohl über den 
Spalten , als auch über Löchern Erhöhungen , welche bei 
ersteren Wall- oder Damm-artig, zu beiden Seiten der Spalte 
erhaben , bei letzteren Kranz - ähnlich und nach Innen zu 
Trichter-förmig, erschienen. 

Von hier aus gelangte ich zu dem Dorfe Malori. Zwi- 
sclien diesem Dorfe, dem östlich davon gelegenen Dorfe 
Beltschuk und dem in N.W. liegenden Dorfe Sada Tetarlui 
streicht eine lange Erdspalte von circa 5000 Fuss Länge 
bei einer gegenwärtigen Breite von 8 — 20 Zoll in h. 8, 
Die Spalte hat Ausläufer nach allen Seiten und steht gleich- 
falls mit einer Menge Löcher in Verbindung, aus welchen, 
wie auch aus der Spalte , während des Erdbebens Sand 
und Wasser ausgeworfen worden, welcher auch hier viele 



-~ 177 - 

Erhabenheiten bihlete. Zuweilen formten diese 2 — 6 Fuss 
im Durchmesser haltenden Löcher trichterförmige Höhlungen, 
deren Wände aus Sand bestanden; zuweilen stand der Sand 
auch aufgethürmt darauf und bildete Kegel , die inwendig 
hohl waren. Auch dieser Sand gehört der Molasse-Forma- 
tion an. Der Fluss Rimnill befindet sich in unbedeutender 
Ferne von diesen Spalten, und zwar etwa 10,000 F. westlich. 

Weiter östlich vom Rimnih-FiussQ liegt das Dorf Bot- 
bouha. Am rechten oder südlichen Ufer dieses Flusses zieht 
sich eine lange Spalte in der Richtung von h. 4 hin, ziem- 
lich parallel mit dem Flusse. Sie wird von vielen andern 
Sprüngen durchschnitten , so w ie auch in weiterer Entfer- 
nunu[ von dem Flusse viele Sprünge die Gegend durchkreutzen. 
Löcher stehen mit den Sprüngen in Verbindung und sind 
wie die Spalten mit Sand der Mölasse-Formation ausgefüllt. 
Bedeutend grösser und viel mächtiger sind die Sprünge auf 
dem nördlichen Ufer der Rimmh. 

An der Moldauischen Grenze , zw ischen dem Dorfe 
Bellschuh \x\\A dem Piket Rogosul, finden sich ebenfalls viele 
Spalten vor: die bedeutendsten streit hen in h. S und er- 
reichen die Länge von 1000 Fuss. Weiter nach dem Flusse 
Himnik z.u , auf dessen linkem oder östlichem Ufer wir uns 
befanden, bemerkte ich noch mehrere Sprünge, welche in 
h. 6 strichen. Ausser diesem ist die Gegend auf beiden 
UfejMi des Flusses in bedeutender Längen- Ausdehnung durch 
grössere oder kleinere Sprünge und S])alten, die mit vielen 
Löchei'n verbunden sind , zerrissen. Das aus den Spalten 
und Löchern dringende Wasser war klafterhoch emj)orge- 
sprungen 5 die Sprünge selbst standen dabei, wie auch die 
früher erwähnten, nach Aussage der Wachen und der dor- 
tigen Bewohner, klafterweit von einander, schlössen sich 
aber nach und nach wieder mehr oder weniger zu. Graner 
und schwärzlich gefärbter Sand der Molasse-Formation war 
auch hier häufig mit dem Wasser ausgeworfen worden, 
namentlich aus Löchfeni, welche jedoch immer nur als theil- 
weise Erweiterungen der Spalten erschienen. Am Piket 

12 ^ 



— 178 — 

Rngosiil di'ang das Wasser aus einem Sprunge, welcher in 
dem Boden des in die Erde gegrabenen Wachthanses (Borde) 
gebildet worden , in dasselbe ein und hatte sich bei meiner 
Anwesenheit am 31. Jan. (12. Febr.) noch nicht wieder 
zurückgezogen. Alles übrige Wasser, welches die ganze 
Gegend überschwemmt hatte, war kurz nach dem Erdbeben 
wieder abgelaufen. Die Sprünge setzten sich noch weit in 
die Moldau hinein fort. 

Verfolgt man seinen Weg w^eiter an der Moldauischen 
Grenze in südöstlicher Richtung, so gelangt man nach dem 
Dorfe Karbid am Seref -Flusse , welcher hier die Grenze 
zwischen den beiden Fürstenthümern Wallache^ und Moldau 
bildet. Die ganze Gegend am Wallachischen wie am Mol- 
dauischen Ufer des Seret fand ich mit Sprüngen und Rissen 
bedeckt. Eine Menge Wasser mit grauem und schwärzli- 
chem Sande gemengt war aus den, während des Erdbebens 
klafterweiten Spalten 6 Fuss hoch in die Höhe geworfen 
worden und hatte sich über die ganze Gegend verbreitet. 
Bei meiner Anwesenheit hatten sich die meisten Spalten 
wieder bis auf 8 — 16 Zoll Weite, welche mit Sand ausge- 
füllt war, oder auch gänzlich geschlossen. Einige Sprünge 
schlössen sich, nach Aussage der Einwohner, unmittelbar 
nach dem Erdbeben, andere erst nach und nach. Das aus- 
geworfene Wasser hatte sich bis auf einen kleinen See 
östlich von Korhul von etwa 600 Fuss Länge und 300 
Breite , der sich durch dieses Wasser gebildet hatte , wie- 
der verlaufen. 

Auf der Moldauischen oder nordöstlichen Seite des 
jS^re/- Flusses waren die Spaltungen und Sprünge bedeutend 
länger und weiter. Gegenwärtig am 1. (13.) Febr. standen 
manche noch 6 und mehr Fuss Aveit auseinander. Auch 
mitten im Flusse war ein dergleicher Riss durch das Eis 
wahrzunehmen , welcher sich bis zu einer trockenen Stolle 
des Flussbettes fortzog, und dort das frühere Auswerfen 
von Wasser und schwärzlichem Sand beobachten liess. 
Ausserdem hatte sich das nordöstliche Ufer des Seret^ nach 



— 170 — 

dem Lande zu ; eine halbe Klafter in die Höhe gehoben, 
am südwestliehen oder Wallachischen Ufer dagegen war dag 
Eis des Flusses , welches dem üt'er am nächsten war , auf 
das trockene Land geworfen worden. 

VV^ie an mehreren anderen Orten , z. ß. in Bolboaktty 
so waren auch hier in Korbul die Erdsjjalten unter mehre- 
ren Häusern hinweggegangen und hatten sie bedeutend be- 
schädigt. In dem Hause eines Bauern war aus einer solchen 
Spalte Wasser mit Sand gedrungen und hatte das Haus 3 
Fuss hoch mit Wasser und 1 Fuss hoch mit Sand angefüllt. 
Merkwürdig schien mir auch die Spaltung eines ganz ge- 
sunden, 24 Zoll im Umfang haltenden Weidenbaumes , wel- 
cher sich unweit des Hauses des Bauern befand und durch 
einen Erdsprung gespalten worden. Als der Erdsprung nach 
dem Erdbeben sich wieder zusammenzog, fügte sich die 
Spalte des Baumes gleichfalls jetzt wieder zusammen, und 
die Baumhälften sind jetzt wieder so dicht beieinander, dass 
man nur bei genauer Untersuchung noch den Riss der 
Spalte erkennt. Die meisten Sprünge streichen in h. 12 bis h. 3. 

Längs des *S'^re/-Flusses setzten sich übrigens die Erd- 
spaltungen bis KotuUung und weiter hinaus auf Wallachi- 
scher und Moldauischer Seite fort. 

In südlicher Richtung reiste ich nach dem Bezirke Gra-' 
dtschli, um die Spaltungen bei Sutscheschti in Äugen schein 
zu nehmen. Am südlichen , wie am nördlichen Ufer des 
bei dem Dorfe vorbeifliessenden Buseo beobachtete ich Spal- 
tungen und Risse , die meistens mit dem Flusse parallel 
liefen , im Übrigen waren dieselben den schon vorher er- 
wähnten ganz gleich. Am nördlichen Ufer fanden die be- 
deutendsten Risse Statt. Das Terrain ist hier, wie bei 
allen früher angeführten Gegenden , ganz eben und besteht 
aus Ablagerungen des Diluviums. 

Nach Aussage der Geschwornen zu Sutscheschti soll in 
der Nähe des i?/mmÄ- Flusses ein Kind in eine Erdspalte 
gefallen und nicht wieder zum Vorschein gekommen seyn. 

Von hier kehrte ich nach dem Städtchen Slam- Rimnik 



— 180 — 

rui'ück , um die Erd-Spaltungen bei dem Dorfe Babeni zu 
besichtigen. Das Dorf liegt nordwestlich von Slam-Rimnik 
in einer hier schon gebirgigen Gegend, eine Achtelstunde 
von dem rechten oder südwestlichen Ufer des Rimmk-Finsses 
entfernt. Bei näherer Untersuchung der Erd-Spalten ergab 
sich 5 dass dieselben ganz verschiedene Charalitere von den 
bereits beschriebenen an sich trugen. !Nach Aussage der 
Dorf- Bewohner wie der Geistlichen des hier befindiichen 
Klosters hatten sich die, während des Erdbebens nur schma- 
len und kaum fingerbreiten Spalten grösstentheils erst nach 
demselben mehr geöffnet und vermehrten und erweiterten 
sich von Tag zu Tag. Bei meinem Dortseyn am 2. (14.) 
Febr. war jedoch ein Stillstand eingetreten. Verschieden 
sind ferner diese S2}ali:ungen von den früheren auch noch 
dadurch, dass weder Sand noch Wasser ausgeworfen wurde. 
Dabei waren ganze Striche Landes eine halbe bis eine 
Klafter tief eingesunken , Häuser dadurch verschoben oder 
auseinandergerissen oder ganz umgestürzt worden. Wege, 
die früher bequem zu befahren gewesen, sind jetzt nur mit 
HüJfe von Springstangen und Leitern zu besichtigen, indem 
theils die mehrere Klafter breiten Sprünge den Übergang 
verwehren , theils bedeutende Einsinkungen und auch Er- 
hebungen Statt finden. Die Erhebungen trifft man jedoch 
nur, an verhältnissmässig kleinen Parzellen der dortigen 
Gegend, indem die emporgehobenen Erdstücke nicht über 
20 Kubik-Klafter gross sind, übrigens ist der ganze Erd- 
boden so zerklüftet , dass man fast bei jedem Schritte auf 
einen Erdriss tritt, deren viele nur wenige Zoll, manche aber 
auch über 1 Klafter breit sind. An manchen Stellen haben 
sich die Häuser und Gärten, ohne dass erstere beschädigt 
worden, eine halbe Klafter tief niedergesenkt. Der Umfang 
«olcher niedergesenkten Erd-Parzellen beträgt oft 200 und 
mehrere Klafter, wobei die Länge 70 — 100 Klafter und die 
Breite 10—30 Klafter ausmacht. Die längeren Seiten sind 
stets dem Gebirgs Zuge parallel. Nach dem Thale zu steht 
dag Erdreich noch ganz fest und hat seine frühere Höhe, 



— 181 — 

ein Beweis, dass hier von keiner Berg-Rutschung die Rede 
seya liann. Zuweilen ging eine solche Spalte und Senkung 
mitten durch ein Haus und machte dadurch^ das innere des- 
selben Terrassen-förmig. An den Gebirgen des nordöstlichen 
Ufers der Rimnih konnte ich dergleichen Versenkungen nicht 
bemerken. Der Strich Landes, auf welchem dieses Einsin- 
ken und diese häufigen ZerSpaltungen Statt hatten, beträgt 
ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunden im Umfange ; 
die längste Ausdehnung geht dem Gebirge nach, also ziem- 
lich parallel mit dem Flusse. 

Nach Buseo zurückgekehrt, reiste ich über Misilou 
und Buhow nach Phesli, um von hier aus dann die inter- 
essanten Punkte zu Petroaja im Bezirke Kobii, Distrikts 
Dumbovifza, zu untersuchen. Leider konnte ich aber die 
vielen angeschwollenen Gewässer nicht passiren, und ich 
trat daher meine Rückreise nach Bukarest an. 

Vor dem Dorfe Territscheni (Distrikt Dumbovitza) fand 
ich am nordöstlichen Ufer des Är2Äö2ö - Baches Spaltungen 
mit ausgeworfenem weiss - und grünlich -grauem Molasse- 
Sand, über den jetzt geschlossenen oder nur noch S — 14 
Zoll breiten, mit Sand ausgefüllten Spalten, die, wie die 
früher aufgezählten , mit Löchern in Verbindung standen, 
beobachtete ich ebenfalls wiedei* Wall-artige Erhöhunoen und 
über den Löchern hohle Sand-Kegel. Die Spaltungen zogen sich 
nach verschiedenen Richtungen, die meisten in h. Ö und h. 3. 

Endlieh habe ich noch zu bemerken, dass an allen Or- 
ten, die ich besuchte, die massiven oder aus Steinen aufge- 
führten Gebäude stark gelitten hatten , und viele dem Ein- 
sturz drohen: namentlich Kirchen und andere grössere 
Gebäude. Bauern-Häuser , sowie die übrigen aus Holz er- 
bauten hatten, wegen ihrer Elastizität, den Erschütterungen 
mehr nachgeben können und sind desshalb unversehrter 
geblieben ; nur die Öfen sind meist geborsten oder zusam- 
mengestürzt. In einigen Gegenden soll sich der Boden wel- 
lenförmig, wie die hochgehende See, bewegt haben; die 
darauf stehenden Häuser oder Bäume tauchten dann wie 



^ 182 — 

auf Wellen sich bewegende Schiffe auf und nieder. Ebenso 
will man auch an vielen andern Orten noch Licht - und 
Feuer-Erscheinungen, welche zuweilen aus der Erde her- 
vorzubrechen schienen, wahrgenommen haben. 

Ich wende mich nun zum Versuch einer Erklä- 
rung vorstehender Erscheinungen und zu Folge- 
rungen aus den gemachten Beobachtungen, 

Allgemein angenommen ist es, dass die Erdbeben Wir- 
kungen vulkanischer Kräfte sind. An jenen Orten, welche 
diesen unterirdischen Kräften , — denen meist chemische 
Zersetzungen zu Grunde liegen — am nächsten sind, wer- 
den die Wirkungen derselben auch am meisten hervortreten. 
Eine solche Wirkung ist auch das durch innere Ausdeh- 
nung verursachte Heben ganzer Länderstriche. An den 
Orten, an welchen die Hebung am stärksten ist, wird die 
Erdrinde, da sie keine sehr bedeutende Elastizität und Aus- 
dehnbarkeit besitzt , sich spalten müssen , und die Spalten 
werden keilförmig nach unten sich verjüngen. Dort wird 
die Spaltung am leichtesten vor sich gehen, wo der Zusam- 
menhang des Erdbodens durch Thäler , Wasserrisse u. dgl. 
schon gestört ist, mithin wo die Spaltung weniger Wider- 
stand findet, also bei ebenen Gegenden in der Nähe von 
Fluss-Betten, Je höher nun eine derlei Emporhebung ist, 
desto weiter und tiefer wird auch die Spalte werden müs- 
sen , vorausgesetzt, dass die Hebung in einerlei Umkreis 
geschieht. Ganz entgegengesetzt von diesen sind die Erd- 
spalten, die mit Niedersinken des Erdbodens verbunden 
sind^ worauf ich weiter unten zurückkommen werde. 

Aus dem Vorigen folgt , dass die Erdspalten auch die 
Richtung hauptsächlich annehmen müssen, in welcher der 
Boden am wenigsten Widerstand findet, folglich in Ebenen 
meist parallel mit Fluss-Thälern und Wasserrissen. Diese 
Annahme wird dadurch modifizii't, dass die Erhebung nicht 
immer senkrecht von unten geschieht und dass diese Erhe- 
bungen auch nicht allmählich, sondern stossweise geschehen. 
Durch solche stossweise Einwirkungen wird die im Ganzen 



— 183 — 

lockere Erd-Oberfläche des hiesigen Landes nach dem Punkte 
am meisten hinfallen , von welchem die Stösse ausgehen, 
was vorzüglich nur dann wird Statt finden können, wenn 
keine Hindernisse obwalten, welche dieses Zurückfallen ver- 
bieten. Demnach wird dieses Zurückfallen auf den festver- 
bundenen Ebenen fast gar nicht wahrnehmbar seyn, wohl 
aber wo Fluss-Thäler diesen Verband gestört, und folglich die 
Hindernisse hinweggeräumt haben. 

Nun aber haben wir bei Betrachtung der meisten Erd- 
Sprünge und Spalten wahrgenommen, dass sie hauptsächlich 
an den nordöstlichen Ufern der Flüsse sich vorfanden, oder, 
treten sie auch an den südlichen oder westlichen Ufern auf, 
dass sie doch viel stärker und bedeutender auf den nörd- 
lichen und östlichen erschienen. Auf diesem Grunde be- 
ruht auch das Anwerfen des Eises im Seret-Flusse an das 
südwestliche Ufer, sowie die Emporhebung des nordöstlichen 
Ufers auf der Seite der Moldau. 

Es folgt hieraus , dass die Erdstösse hauptsächlich sich 
in der Richtung von S.W. nach N.O. verbreiteten, welches 
ganz meine schon früher ausgesprochene Meinung über die 
Richtung dieser Erdstösse bestätigt, und womit auch die 
Beobachtungen, welche man in Jassy und Kronstadt anstellte, 
vollkommen übereinstimmen. 

Das ganze untersuchte Terrain, auf welchem die Erd- 
Spalten Statt gefunden, besteht, wie ich bereits angegeben, 
aus den Ablagerungen des Diluviums. Unter diesen Abla- 
gerungeji tritt die Molasse-Formation auf, welche grössten- 
theils aus Konglomeraten , feinem zerreiblichem Sandsteine, 
Thon - und Mergel - Schichten besteht. Ihr untergeordnet 
finden sich darin Steinsalz, Braunkohlen oder Lignite, Erd- 
pech und Erdöl, Schwefel, Braun- und Thon - Eisenstein 
u. s. w. Diese Schichten oder Flötze treten in der Nähe 
der Karpathen zu Tage aus und zielien sich immer mehr 
und mehr abfallend bis zum schwarzen Meere hin. Durch 
die Thon- und Mergel- Schichten kann das darunter be- 
findliche Wasser nicht durchdringen, es sind wasserhaltige 



-^ 184 — 

Schichten *). Nun ist es eine bekannte Sache, dass sich 
an den hohen Gebirgen die in der Luft als Wolken sich 
findenden Wasserdämjjfe durch verminderte Temperatur 
kondensiren und so in Wasser umwandeln. Dem Gesetz 
der Schwere folgend sinkt das Wasser durch alle darge- 
botenen Gestein - Offnungen herab und durchdringt die zer- 
klüfteten Gestein-Oberflächen oder porösen Gesteine, indem 
es durch die plutonischen oder Massen-Gebilde, welche (ien 
Kern der Gebirge ausmachen uiul sich unter den Fiötzen 
oder geschichteten Gebilden fortziehen , nicht durchdringen 
kann, wesshalb sich denn auch Ouellen meist am Fusse von 
Gebirgen vorfinden, Geräth das W^asser aber unter eine 
solche W^asser-haltige Thon - oder 31ergel Schicht , so wird 
es nicht mehr als Quelle zu Tage austreten können, sondern 
läuft darunter fort, bis zum Ende der Schicht, während die 
porösen Sand-Straten ihm den Durchgang und das Weiter- 
fortschreiten nicht verwehren. Das Ende der geschichteten 
Formationen dieses Landes fällt wahrscheinlich in das schwarze 
Meer. Wird nun der stete Zusammenhang einer Wasser- 
haltigen Thon- oder Mergel- Schichte, welche in grosser, 
mehr oder weniger horizontaler Verbreitung auftritt , auf 
irgend eine Weise unterbrochen , entweder durch ein hin- 
durchgebrachtes Loch oder eine sie durchschneidende Spalte, 
so wird das darunter befindliche Wasser, den hydrostati- 
schen Gesetzen folgend, in die Höhe steigen und zwar um 
so höher über diese Schicht, je stärker sie von dem Gebirge 
abfällt und um je weiter sie von demselben entfernt ist, 
indem dann das Wasser , um sich in gleiches Niveau zu 
stellen, fast so hoch steigen wird, als es beim Beginne die- 
ser Schichten an dem Hauptgebirgszuge, hier den Karpathen, 
steht. Je stärker ferner der Fall der Schichten ist und je 
grösser dcsshalb die Pressung des Wassers seyn wird, um 
so heftiger und gewaltiger wird es in die Höhe schiessen, 
wenn ifim ein Raum hierzu dargeboten wird. Durch das 



*) D li. Wa-sser-aufdultenle. niilil: - entlialteude. 



— 185 ~ 

Emporheben dieser Gestein-Schichten , wie wir früher er- 
wähnt, zerbrachen oder zerspalteten sich die oberen derselben 
und zwar um so tiefer, je stärker sie emporgehoben wurden. 
Erreichte nun eine solche Spalte auch diese Thon - und 
Mergel-Schichten, so brach das darunter befindliche Wasser 
(gespannt und gepresst durch das damit verbundene, bis an 
die Höhe der Karpathen reichende Wasser) mit Gewalt 
hervor und riss Theile der darüber sich befindenden Sand- 
Schichten der Molasse-Formation mit sich. Natürlich gingen 
diese Spalten nicht gleichförmig nieder, indem sie ja durch 
ein Zerreissen des Erdbodens gebildet wurden. Sie er- 
streckten sich desshalb auch nicht immer und in allen ihren 
Theilen bis unter diese Thon - und Mergel-Schichten. Aus 
diesem Grunde drang auch nicht an allen Stellen der Spal- 
ten Sand und Wasser hervor. Da, w^o es am heftigsten 
hervordrang, also wo die Thonschicht am ersten durchbro- 
chen wurde, nahm es mehr von den darüber befindlichen 
Gestein-Theilen mit und erweiterte auf diese Weise die Spalte, 
wodurch dann die Löcher gebildet wurden , welche wir im 
Verlaufe der Spaltungen antreffen. 

Hörte die Ursache der Emporhebung des Erdbodens 
auf, so musste derselbe durch seine eigene Schwere sich 
auch wieder in seine vorige Lage begeben. Nehmen wir 
nun an, dass die Ausdehnung und hiedurch bewirkte Em- 
porhebung des Erdbodens durch Gas-Arten bewirkt wurde, 
welche in eine neue chemische Verbindung zusammentraten, 
wobei, z. ß. bei der Vereinigung des Oxygen- und Hydrogen- 
Gases zu Wasser , eine Explosion und starke Ausdehnung 
erfolgt, so musste diese Ausdehnung nach Vereinigung die- 
ser Gas-Arten aufhören und nicht eher konnte eine neue 
wieder eintreten , bis nicht wieder eine Quantität dieser 
Gas-Arten durch Zerlegung anderer Stoffe sich auch von 
Neuem wieder gebildet Hierauf scheinen die ferneren 
schwachen Erd-Stösse zu beruhen, indem nur kleinere Gas- 
Quantitäten, die sich erst eben verbunden, verpufften und 
auf gleiche Weise hören auch alle Erd-Stösse, wie überhaupt 



— 186 ~- 

alle Erscheinungen des Erdbebens auf, wenn die Gas-Arten 
auf irgend eine Art entweichen können, was jedesmal bei 
den Ausbrüchen eines Vulkans, dessen Vorboten gewöhnlich 
Erd-Erschütterungen sind, Statt gefunden hat. 

Dass nun aber die Erd-Spalten an manchen Orten sich 
nicht ganz genau wieder zuschlössen, hat seinen Grund dar- 
in, dass die aus den untern Erdschichten hervorbrechenden 
W^asser , welche Sand und Thon mit sich rissen , hiermit 
die Spalten theiiweise erfüllten und dadurch das Zusammen- 
schliessen der auch nicht ganz, sondern nur an einigen 
Stellen mit diesen Materien ausgefüllten Spalten unmöglich 
machten. Die Wülst-förmigen Erhöhungen auf den Spalten 
und Löchern entstanden durch das Zusammenfallen derselben, 
wodurch die mit Wasser vermengten und dadurch weichge- 
machten Sand- und Thon - Theile oben herausgepresst oder 
gequetscht w^urden. Die Wall - und Damm - artigen , sowie 
Krater-förmigen Erhöhungen bildeten sich gleich bei dem Her- 
ausspringen des Wassers indem dasselbe die mitgeführten 
Sand- und Thon-Partje'n zu beiden Seiten der Spalten oder 
in der Peripherie der Löcher auswarf, und diese sich dann 
soweit im Umkreise absetzten, als die hervordringende Kraft 
des Wassers, die Schwerkraft dieser Materien überwinden 
konnte. Ferner auch wohl noch dadurch, dass die Massen 
nach der Mitte der Spalten und der Löcher zu sich mehr 
zusammensetzten. Auf diese Weise entstanden wahrschein- 
lich auch die hohlen Sandkegel, indem sich die innere weiche 
Sandmasse durch allmähliches Verschwinden des Wassers 
gleichfalls niedersetzte. Gase bemerkte man nicht, und es 
können daher auch die hohlen Kegel nicht als durch solche 
gebildet erklärt werden. 

Im Vorhergehenden erwähnte ich bereits , dass die 
Sand - nnd Thon-Partie'n der Molasse-Förmation angehören, 
welche unter den Diluvial-Ablagerungen , die den grössten 
Theil der Wallachey bedecken, sich vorfindet. Häufiger 
treffen wir Sand und nur selten Thon unter den Auswürf- 
lingen, ifulem der letztere wegen seiner Zähigkeit sieh nicht 



-~ 187 - 

so Jeicht losreisst. Die Sande der Molasse sind verschieden 
gefärbt, bald ^rauiiehweiss, bald gelblichgrau, sowie röthlich, 
grünlieh- und blauiich-grau ; in denselben kommen, wie ich 
gleichfalls schon erwähnte, häufig Einlagerungen von Ligni- 
ten 5 Erdpech , Erdöl und anderen bituminösen Stoffen vor. 
Nach meiner Untersuchung der Sande fand es sich nun, 
dass die schwarzfärbenden Stoffe, die dem Wasser wie dem 
Sande das schwarze Aussehen ertheilten , bituminös waren. 
Die rotlie und gelbe Färbung, welche das Wasser an 
manchen Orten besass , rührte von Eisenoxyd her, welches 
in vielen Schichten der Molasse - Formation als Thon - und 
Braun-Eisenstein vorkommt. 

Oben sprach ich die Meinung aus, dass die Erdspalten 
zu Babeiit gerade durch entgegengesetzte Ursachen herbei- 
geführt worden seyen , als die bereits abgehandelten. Es 
wurden nämlich die letzteren durch Emporheben des Erd- 
bodens hervorgebracht , die zu Babeni aber durch ein Zu- 
sammenbrechen desselben. Um aber ein solches Zusammen- 
brechen möglich zu machen, mussten leere Räume darunter 
gewesen seyn. Dass aber dieses sehr häufig der Fall ist, 
wird sich aus der Beschreibung der dygenetischen Ubergangs- 
Gebilde, welche die Molasse-Formation unterteufen, ergeben. 

Der Kern des Kariiathen-Gehirges besteht aus schiefri- 
gen Massen -Gebilden, aus Gneiss und Glimmerschiefer mit 
ihren Nüancirungen ; seltener aus den körnigen : dem Gra- 
nite. Diese Massen-Gebilde, welche die älteren sind, machen 
die höchsten Gebirge aus, und auf sie lagert sich dann das 
Lbergangs-Gebilde, vorzüglich aus Thonschiefern, Konglome- 
raten , Sandsteinen und Kalken bestehend , welches von äl- 
teren Geologen theils der Grauwacke oder überhaupt dem 
Lbergangs-Gebirge, theils dem Flötz-Gebirge zugehörig be- 
trachtet wurde. Neuere Geologen begreifen es unter der 
Grauwacken-Gruppe und dem alten rothen Sandsteine (Old- 
re d-San dstone). Einige rechnen einen Theil davon auch 
zur Karpathen - Sandstein - Formation. Es schliesst diese 
Formation auch neuere Massengebilde in sich und ist reic^ 



~- 188 — 

an verschiedenen Metallen , namentlich an Kupfer , welches 
hauptsächlich als Schwefelkupfer oder Kupferkies und als 
Malachit auftritt. Die reichen Kupfer-Lagerstätten zu Baja 
de Arama gehören dieser Formation an. 

Wir haben es hier hauptsächlich mit den Kalken dieses 
Gebildes zu thun, welche die ungeheuersten und kolossalsten 
Felsen-Massen bilden, und zu Tage ausstehend sich in den 
kühnsten Spitzen und schroffsten Wänden, überhaupt gro- 
teskesten Formen zum Himmel erheben. Es zeigt sich diess 
im Thale der Czerna an den Grenzen Siebenbürgens und 
des Banales am auifallendsten. Eine unendliche Menge von 
Höhlen ist in diesen Kalk-Felsen enthalten, manche von un- 
glaublicher Länge und Ausdehnung. Zuweilen sind sie mit 
W^asser angefüllt, oft auch ganz leer. Nur eine der vielen, 
welche ich selbst besucht habe, will ich hier anführen. Es 
ist diess die Schlangenhöhle *;, eine halbe Stunde von Baja 
de Arama entfernt, aufwärts im Thale des i?^/^« - Flusses, 
welcher selbst aus einer andern niedern, der ^w/5ö- Höhle, 
hervorbricht. Obige Grotte hat eine Länge von mehr als 
anderthalb Stunden ; soweit drang ich nämlich in dieselbe 
ein, und hatte das Ende nicht erreicht. Ein Fluss, mehrere 
schöne Wasserfälle bildend , findet sich darin und dringt 
dann in die Bulba - Wohle ^ aus welcher er, eine Viertel- 
stunde vom Eingange der Schlangenhöhle entfernt, ausfliesst 
und wegen des Geräusches, welches er dabei verur- 
sacht 5 Bulba genannt wird. Viele Neben-Höhlen schliessen 
sich an diese an und sind oft so geräumig , dass die 



""') Die Höhle benannte ich so wegen der grossen Menge von Schlan- 
gen, die in der ürngegend derselben angetroffen werden, und unter 
welchen noch mehrere unbestimmte Spezien sich vorfinden. Eine 
darunter, welche wahrscheinlich der Spezies Vipera ammodytes 
(Sand-Viper) angehört, zeichnet sich durch ihre schöne roscnrothe 
und goldgelbe Färbung aus. Auf dem Kopfe hat sie eine Lyra- 
ähnliche Zeichnung, welche sich dann im Zickzack über den 
Rücken hin verlängert. Auf der Nase trägt sie ein Hörn ; sie 
ist bf'sonders giftig, so dass kleinere Tl)Iere , welche ich von ihr 
beisseu Hess, s^^bon nach Verlauf einer Viertel-jMinute starben. 



__ 180 -^ 

grössiei» Kirchen mit ihren Thürinen bequem darin Platz 
linden könnten. 

Dass übrigens die ganze dortige Gegend solche Höhlen, 
auch wo keine Thal- Bildungen den Eingang zu denselben 
gestatten , enthält , ergibt sich aus der Menge von Pingen 
und Türapfeln , oder den Trichter - förmigen und Krater- 
artigen Vertiefungen und Einstürzen, welche namentlich bei 
Bonora, Brehena und Urseschti im Mehedinzer Distrikt, Be- 
zirks Kloschan, sehr häufig angetroffen werden. Diese Pingen 
entstanden durch Einstürzen von derlei unterirdischen Räu- 
men 5 wie man sich bei einigen der dortigen , welche nicht 
ganz zusammengebrochen sind, leicht durch den Augenschein 
überzeugen kann. Ein Gleiches fand nun auch bei Babeni 
Statt. Durch das Erdbeben wurde die Decke der darunter 
befindlichen Hölile zertrümmert und alles darüber befindliche 
musste desshalb naehbrechen. Die Emporhebung einzelner 
Erdstücke von 2 — 20 Kubik-Klafter Inhalt scheint durch das 
konvergirende Niedersinken der grossen, sie von beiden 
Soiten umgebenden Erd-Parzellen bewirkt worden zu seyn, 
wobei die mittlen Erdstücke in die Höhe gedrückt oder 
gleichsam herausgequetscht wurden. — Für diese Annahme 
spricht auch schon die geringe Verbreitung dieses Phäno- 
mens , indem der ganze Umfang des Terrains, auf welchem 
Obiges Statt findet, nicht über drei Viertelstunden beträgt, 
und man an andern Orten , namentlich aber an dem nördli- 
chen Ufer der Rimnik, gar nichts dergleichen wahrgenommen 
hat. Die Höhlen ziehen sich übrigens stets dem Gebirgs-Zuge 
nacli, und diess ist der gleiche Fall mit den Einsinkungen, 
indem die langen Seiten stets mit dem Gebirgszuge parallel 
laufen. Von einem Bergsturze, welches Wort man gewölin- 
licli für Rutschung gebraucht, kann hierbei auch nicht die 
Rede seyn , indem die Gebirgs-Theile nach dem Thale zu 
noch ganz fest und unverrückt stehen. Dass aber wirklich 
die Formation dieser Kalke unter jenen Gebirgen sich be- 
findet, ergibt sich, wenn man die Gegend weiter nach den 
Karpathischen Gebirgen zu verfolgt, wo sich diese Kalke zu 



— 190 - 

Tage ausgehend und nach S.O. zufailend vorfinden. Durch 
Berechnung der Distanz und des Abfallens der Schichten 
lässt sich dann auch leiclit darthun , wie tief diese Kalke 
mit ihren Höhlen-Bildungen unter jener Gegend liegen. 

Das Einsinken des Erdbodens wird aufhören, wenn die 
Höhlen ausgefüllt sind. Da die Erde sich aber bei dem 
Hinabfallen etwas auflockert und mithin einen grösseren 
Raum einnimmt, so wird diess um so eher aufhören müssen. 
Beim Beginne des Thauwetters werden die Einsinkungen 
wahrscheinlich etwas zunehmen , dann aber um so eher ihr 
Ende erreichen , als das Schneewasser die Erde erweichen 
und desshalb die Ausfüllung der noch übriggebliebenen Spal- 
ten und Höhlungen erleichtern, wird. 

Licht- und Feuer-Erscheinungen sind an vielen 
Orten bemerkt worden, ausser ßuseo auch zu Ardschisch, 
und ebenso zu Bukarest. Es sind diese Licht-Erscheinungen, 
welche theils als feuerige Strahlen sich zeigen, theils Feuer- 
kugeln bilden , häufig die Begleiter von Erdbeben und sind 
meist den Wirkungen der Elektrizität zuzuschreiben. Dass 
Elektrizität aber in bedeutender Quantität vor und während 
des Erdbebens vorhanden war , bemerkte ich schon einige 
Zeit vor Ausbruch der Erschütterungen, durch heftige Ein- 
wirkung derselben auf mich selbst. 

Interessante Beiträge zur Gang-Bildung liefern die Erd- 
spalten, von welchen zuerst Erwähnung geschah. Hier ha- 
ben wir eine mechanische Ausfüllung der Spalten von unten 
herauf, indem die Sand- und Thon-Partie'n der Molasse- 
Formation sich in den Spalten durch die Schichten des 
Diluviums erhoben. Andererseits wird auch eine gemischte 
Ausfüllung Statt haben, indem von unten fremde, den obe- 
ren Schichten nicht angehörige Stoffe eindrangen, und zu- 
gleich welche von oben in die Spalten hineinfielen. Die 
theilweise offen gebliebenen Spalten werden durch alleinige 
Ausfüllung von oben eine dritte Art solcher Gänge bilden, 
wobei Stoffe der oberen Schichten in die unteren eindrangen. 
Aus dem früher Gesagten geht hervor, dass die Gestein- 



— 191 — 

Schichten von den Karpathen an' einen sehr starken Abfall 
nacli dein ückcarzen Meere zu, als dem am tiefsten liegen- 
den Theile dieser Gegenden, haben müssen, indem die Was- 
ser aus den, obgleich sehr weiten, Spaltungen dennoch mit 
einer so heftigen Gewalt , dass sie 6 Fuss hoch sprangen, 
hervorbrachen. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird man 
desshalb in den verschiedenen Ebenen der Wallache^ mit 
dem günstigsten Erfolge Bohr-Brunnen anlegen können, was 
um so wichtiger für das Land ist, als es an vielen Orten 
so bedeutenden Mangel an gutem Wasser leidet. 



Jahrgang 1S40, 1§ 



über 

das Norddeutsche Kreide - Gebirge, 

von 

Herrn Amts -Assessor Roemer. 



Der verflossene Sommer hat mir Gelegenheit gegeben, 
die verschiedenen Glieder des Kreide-Gebirges, wie sie zwi- 
schen der Elbe und der Maas auftreten, zu untersuchen, und 
ich glaube so glücklich gewesen zu seyn, das Alter derselben 
genauer, als Andre es versucht, zu bestimmen. Meine Mo- 
nographie der Norddeutschen Kreide - Versteinerungen wird 
auch eine ausführlichere Beschreibung dieser geographischen 
Verhältnisse enthalten ; es dürfte aber vielen nicht uner- 
wünscht seyn, schon jetzt eine kurze Übersicht der ver- 
schiedenen Kreide- Bildungen zu bekommen, wesshalb ich 
diese hier mitfcheile. 

Die zahlreichen Versteinerungen machen folgende Ver- 
gleichung mit den durch Mantell und Fitton genau beschrie- 
benen Englischen Abtheilungen des Kreide-Gebirges möglich: 
1. Chalk with flints; diesem entsprechen in Nord'- 
deutschland : 

1) Die weisse Kreide mit Feuersteinen auf der In- 
sel Rügen, 

2) Die Maastricht-Schichten he\ Aachen, Oberhalb 
Maastricht habe ich im Liegenden dieser Schichte keine 
weisse Kreide mit Feuersteinen gesehen 5 kommt weisse 
Kreide dort und bei Henry Chapelle dennoch vor, so könnte 
dies auch ,>chalk without flints^^ seyn. 



-^ 19S — 

3) Sandige Mergel im Sandstein bei Hannover. 
Gehrden, am Sudmerherg bei Goslar und an den Spiegel- 
bergen bei Halherstadi. 

Diese drei Gebirgsartcn enthalten viele Reteporen, 
Cerioporen, £ scharen etc. und stehen sich im Alter 
vielleicht ganz gleich. 

II. Chalk without flints. Hierher gehören: 

1) Die weissen Kreidemergel ohne Feuerstein: 
bei Schweichelt^ Murdorf, Teidessen (bei Peine), Lüneburg 
und ? Oppeln in Schlesien. 

2) Die sandigen Kalkmergel: hei Ilseburg, Stapeln- 
burg^ Lemförde, Coesfeld, Dülmeji, Vaels. 

Diese Bildungen sind reirh an Scyphien, Cölopty- 
ciiien etc , und enthalten mit Aev vorigen Äbtheilung zusam- 
men Belemnites mucronatus, B. subventricosus und 
PagurusFaujasii. 

III. Chalk marl. 

I) Der PI an er. Weissliche, graue, rÖthliche oder grün- 
liche Kalkmergel (?) ohne Bele mnites mucronatus. Süd- 
liches Wesfphalen, Teutoburger Wald, Laesberg, Ahaus, Sar- 
stedt, Calenberg , rechtes Leine -V}^ev, mittles Innerste- Thal, 
Wolfenbütlel, Goslar, Quedlinburg, Halberstadt, Dresden, Top- 
lltz, Oppeln^^. 

IV. ü p p e r G r e e n s a n d (F i r e s t o n e). Hierher gehören : 

1) Die F lammen- Mergel (Hausmann) : Siebenbürgen, 
Hils-Mui(\e , Teutoburger Wald, Ringelkeim ^ Wolfenbüttel; 
(mit Avicula gryphaeoides Sow.). 

2) Grünliche Mergel: im südlichen Wesfphalen 
iWater läppe), mit Ammonites falcatus; bisher für älter 
angesehen. 

V. G a u 1 1. Hieher scheinen nur die blauen Thonmassen 
zu gehören, welche bei Ottbergen unter dem Flammen-Mer- 
gel liegen, Gyps - Krystalle und Bei em n iten - Stücke ent- 
halten ; bei Halberstadt , wo sie Hoffmann vermuthef und 
bei Aachen, wo sie Fitton gesehen haben will, habe ich sie 
vergeblich gesucht. 

13* 



— 104 — 

VI. L vv e r Green s a n d. 

l) Der Quader Sandstein, mit ähnlichen ünterab- 
theilungen, wie in England: Grafschaft Glatz^ Sächsische 
Schiveitz, uövi\i\Qh.Qv Harz-^Sin^j Hainberg ^ ^i/^-Mulde, Teido- 
bürg er Wald, Aachener Wald (?) und die Haard in Westphalen. 

VH. !n England fehlen anscheinend : 

1) Die Hils-Konglomerate: Schandelohe , Schoppen- 
stedt, Vahlberg an der Asse,, Salzgitler , Essen an der Ruhr. 

2) Hilsthon^ mit Ämmonites asper Merian: Hils- 
Mulde, Bredenbeck am Deisler. 

Beide Abtheilungen sind als Äquivalente des Neocomieji 
anzusehen, und es folgen' auf sie die Wälder- Bildungen, 
dann das Oolithen-Gebirge. 

Es lässt sich schon nach dieser Übersicht behaupten, 
dass das vaterländische Kreide- Gebirge den in andern Ge- 
genden beschriebenen an Manchfaltigkeit nichts nachgibt. 

Zur Begründung verschiedener der in voranstehender 
Zusammenstellung- ausgedrückten Ansichten glaube ich noch 
Einiges beifügen zu müssen, was theils erst nach deren 
Vollendung zu meiner Kenntniss gekommen ist. So habe 
ich nämlich am Deisler bei Bredenbeck im Hilsthone noch 
die Glyphaea ornata Phillips, die Isocardia angu- 
lata Ph. und die Mya depressa Ph. (nicht Sowerby ; 
wohl eine Thracia) gefunden und dadurch die bereits in 
meinen >,Nachträgen^^ ausgesprochene Vermuthung, dass der 
Speeton-clay, welchen die Engländer bisher dem LowerGreen- 
sand parallelisirt , meinem Hilsthone und dem Neocomien 
parallel sey, noch mehr begründet. Fitton,, welcher mich 
dieser Tnge mit seinem Besuche überrascht und seitdem den 
Deisler besehen hat, stimmt mit meiner Ansicht über diese 
Bildung überein und vermuthet , dass auch eine Thon-Masse, 
welche auf der Insel Wighl den Quader unterteuft, als 
Äquivalent des Ililstliones anzusprechen seyn möge. Sehr 
erfreut war dieser unermüdliche Gebirgsforscher über die 
bedeutende Entwickelung der hiesigen Wealden - Bildungen 
um! deren Kohlen - Rcichthum ; so wie andrerseits die 



— 105 — 

Mittheilung Englischer Petrefakten aus dieser BiUlung deren 
vollständige Übereinstimmung mit der hiesigen nach meinen 
früheren desfallsigen Ansichten und Angaben bestätigt. 

Was den PJäner betrifft, so hält ihn Naumann zwar 
füv das Äquivalent des Gault*). Inzwischen wird der Name 
„Planer" am besten auf den weissen oder grauen Kreide- 
Mergel /u beschränken, und nicht, wie von Otto in Breslau 
geschieht, selbst auf den Quader auszudehnen seyn ; er ent- 
spricht ohne allen Zweifel dem Efiglischen Chalk marl, 
geht nach unten in den, anscheinend in Sachsen fehlenden 
Flammen - Mergel (Firestone, Upper Greensand) an 
zahllosen Orten über, ist aber auch schon von Hoffmann 
als untergeordnetes Glied des Quaders angesehen worden, weil 
z. ß. bei Nalbersiadt am Spiege/berg d^s Äquivalent der obersten 
Kreide (Chalk with flints) in mineralogisclier Einsicht kaum 
vom Quader zu unterscheiden ist und, wie dieser, grosse 
Sandstein - Felsen bildet. Dieselbe Erscheinung findet sich 
am Sudmerherge bei Goslar^ wo Ostrea fla b el li förmig, 
Crania Parisiensis, Terebratula aiata und B e- 
lemnites mucronatus über das Alter der Sandstein- 
Bildung keinen Zweifel lassen. Für den Planer scheinen 
Inoceramus Brong n iar tii, Pecten ßeaveri, Plica- 
tula inflata, T e reb ratula Mantelliana, T. gracilis, 
Scaphites costatus etc. charakteristisch zu seyn ; Alles 
Versteinerungen, welche der Englische Gault nicht kennt, 
die im Englischen Chalk marl aber ganz gewöhnlich sind. 
Die weisse Kreide mit Feuerstein ist in Belgien^ Süd-Preus- 
sen, Hannover und Sachsen nirgends als weisser Kalkstein 
zu finden , aber häufig durch jene Sandstein-Bildung repra- 
sentirt. Jedem wird es auffallen , wenn der Naumann sehe 
Gauit mit dem Englischen keine Versteinerung theilt. 



') Verpl. Jaliib. 18S8, S. 665 und 18S9, S. 687. D. R 



B j* i e f w e c li s e 



Mittheiluiigca an den Geheimenrath v. LeünhaRd 

gerichtet. 

Ancona, 23. September 1839. 

Ich biu nun auf dem Wege nach Rom und Neapel hier in Qaaran- 
taine und versäume keine Zeit, Ihnen über meine Reise in den Cykla- 
den einige Skizzen für liir Journal zu g;eben. Icli bin mit den Rela- 
tionen, ^die wir in dem grossen französischen Werke: Expedition de lit 
Morde finden, keineswegs ganz einverstanden. Ich werde die besuchten 
Inseln und Punkte des Festlandes in chronologischer Ordnung be- 
rühren nach der R.eihe , in der ich sie besuchte. Wie man die Lage 
der Cykladen betrachtet, so dringt sich Einem sogleich der Gedanke auf, 
dass sie die höchsten Punkte zweier parallelen Gebirgs -Ketten seyen, 
welche die unmittelbare Fortsetzung von Attika und von Euhöa bil- 
den. Beide Gebirgs-Ketten erstrecken sich aus N.W. in S.O., und nur 
die höchsten Punkte derselben ragen als Inseln aus dem Meere hervor. 
Zu der Attischen Kette gehören : Zea, Thermia, Serpho, Siphnos, Poli- 
kandros ; zu der Euböischen : Andros , Tinos, Mikone , Xaxos, Amor- 
gos. Die Inseln Sira, Paros , Antiparos , Nios , Sikinos und mehrere 
kleinere sind als Gipfel eines Gebirgs - Stockes zu betrachten, der 
zwischen beiden parallelen Ketten mitteninne liegt. Am südlichen Ende 
dieses Berg-Systems sehen wir gewaltige vulkauischeErhebungen, Produkte 
der heut zu Tage noch tliatigen Vulkane , ja solche selbst. Dahin 
gehören die Inseln: Santoi'in, Milos, Kimolos, Pol'tnos. Für diese An- 
sicht spricht nicht nur die Form des Ganzen , sondern auch die geo- 
gnostische Beschaffenheit der einzelnen Inseln. Wie auf dem Festlande 
und auf EubÖa , so haben wir auch hier, die vulkanischen Inseln aus- 
genommen, als herrschende Gebilde: körnigen und dichten Kalk, Glim- 
merschiefer und Thonschiefer, selten begleitet von Durchbrüchen von 
Granit und Porphyr. Ja sogar auf den vulkanischen Inseln selbst, 
namentlich Awi Milos und Santohn , ist es nicht zu verkennen, dass 
auch dort die so eben erwähnten Fels-Gebilde die zu Grunde liegende 
Formation konstituircn. 



— 197 — 

Das Laurische Vorgebirge, Südspitze von Attika. Die ganze 
Laurea, d. h. der südliche Theil von Attika mit den) K.-ip Sunium 
(auch Lnurisches Vorgebirge oder Kap Kolonn genannt) , besteht aus 
sehr kalkhaltigem Glimmer- und Thon-Schiefer, bedeckt von schiefrigem 
oder körnigem Kalke. Beide Fels-Gebilde führen auf Lagern und kon. 
temporären Gängen: Brauneisenstein, Rotheis^enstein, Glaskopf, Späth- 
eisenstein und silberhaltigen Bleiglanz. Die Gesteins Lagen des Schiefer- 
Gebildes streichen aus N. in S. und vei flächen in 0. Mitten durch 
die Schiefer und Kalke steigt der Thorikos empor, eine Kuppe von 
chloritischem Serpentine. Die Lagen des Euphotid-Gebildes stehen ganz 
senkrecht. Auf den oben angeführten Erz Lagerstätten betrieben die 
alten Alhenienser einen äusserst ausgedehnten Bergbau, in Folge dessen 
man noch heut zu Tage auf einem Terrain, kleiner als iDMeile , Hun- 
derte von Fingen, Halden und Schlacken-Haufen sieht. Einige dieser 
alten Gruben sind noch offen, und man sieht in ihnen , dass die Alten 
eine Art Pfeiler-Abbau betrieben und Bergfesten stehen Hessen. Der 
gange Abbau war äusserst unregelmässig. 

Die Insel Thermia. Herrschendes Gestein: sehr kalkhaltige 
G^immer- und Thon-Schiefer, Fortsetzung der Schiefer-Gebilde von Zea 
und vom Lauriachen Vorgebirge. An der N.W.-Seite des Hafens von 
Erimi treten aus diesen Schiefern, die daselbst in förmlichen Kalk- 
schiefer übergehen, Thermen hervor. Das Wasser derselben hat einen 
salzigen, laugenhaften Geschmack, eine Ten)peratur von 40*^ bis 42*^ R. 
Das Wasser setzt sehr vielen und sehr eisenschüssigen kohlensauren 
Kalk ab, entvt^ickelt aber wenig freie Kohlensäure und gar kein Schwe- 
felvvasserstoffgas. Die Hauptquellen treten mit Hochdruck hervor. 
Zwei Stunden südlich von den Bädern und dicht am Dorfe Sillakä be- 
findet sich im Glimmerschiefer die höchst interessante Höhle Katriflifp, 
schon desswegen eine der denkwürdigsten der Erde, weil sie im Giini- 
raerschiefer vorkommt. Sie befindet sich im höchsten Gebirge diT Insel, 
300 bis 400 Meter über dem Niveau des Meeres und ist dem Ansehen 
nach unläugbar vom Meere ausgespült; denn die Spuren der heftigsten 
Brandung lassen sich Schritt vor Schritt in ihr verfolgen. Ich sah 
später auf Polinos ähnliche Höhlen im Horizonte des Meeres , in 
denen man gegenwiitig weit aus dem Innern des Gebirges das Tosen 
der unterirdischen Brandung hören kann. Der Eingang der Hohle geht 
dem Streichen der Gesteins-Lagen nach aus N. in S., er ist eng und 
röhrenförmig abwärts führend. Der enge Eingang erweitert sich bald 
zu einem sehr grossen Räume, welcher sich wieder in eine Menge enger 
Schluchten zertrümmert, die wieder in Weitungen führen: und so geht 
es fort ins unbekannte. Der Boden der Höhle ist überall mit tiefen 
Alluvionen von Lehm bedeckt, in denen wir aber keine Knochen fanden. 
Überall zeigen sich die unverkennbarsten Spuren von Wellenschlag, nnd 
die Wände bildet eine poröse, zerfressene Masse, wie sie Felsen- 
Massen darstollen, die an den Küsten heftigen Brandungen ausgesetzt 
und durch sie ausgewaschen sind. Die Gesteins - Lagen des Schiefers 



— 198 ~ 

Kcheiiien senkrecht zu stehen und, meiner Ansicht nach sehe ich hier 
die entschiedensten Merkmale einer bedeutenden Emporhebung des Ter- 
rains. Von Stalaktiten-Bildung beobachtet man ganz wenig. Auch die 
aus der Firste der Höhle herabgestürzten Blöcke sind sichtbar durch 
Wellenschlag und Abspülung verändert. So , wie diese denkwürdige 
Höhle aussieht , stelle ich mir auch die innere Form der sogenannten 
Katabodra des KopaiaSee in Livadien vor, worüber ich Ihnen be- 
reits sehrieb. 

Insel Serpho. Schiefer-Gebilde mit vielen Eisenerz-Lagern. Aa» 
Hafen mächtige Durchbrüche von feinkörnigem Granite mit schwarzem 
Glimmer. 

Insel Sira. Glimmer- und Chlorit-Schiefer mit darauf-liegendeni 
körnigem Kalke. Mit den Schiefern mächtige Lager von ganz reinem 
Quarze und von Brauneisenstein mit Brauneisenocker. 

Insel Niixos. Das Gestein der nördlichen und westlichen Küste 
bildet ein sehr grobkörniger Granit mit vielem und gross-krystallinischem 
Feldspath, der Feldspath häufig roth, und das Gestein sodann den schö- 
nen Graniten der A'ii- Katarakten sehr ähnlich. Die Granit-Berge der 
Küste steigen zu wenig Hundert Fuss über das Meer an; ihre Formen 
jedoch sind scharf und voll pittoreskem Ausdruck. Weiter ins Innere 
der Insel folgt Glimmerschiefer, reich an Lagern von sehr reinem Quarze 
und in grossen Partie'n mit körnigem Kalke wechselnd. Der Kalk lie- 
fert ausgezeichnet schönen Marmor, ähnlich dem der Maina , nur nicht 
so Bitumen-reich. Die Gesteins- Lag«n des Schiefers streichen aus N, 
in S. und fallen theils in West, theils sind sie stehend und besondeis 
in der Nähe des Kalkes meist auf die manchfaltigste Weise wellen- 
förmig gebogen. Auf diese Schiefer-Gebilde, wechselnd mit Kalk, folgt 
wieder der grobkörnige Granit in hohen Kuppen und scharfen Kämmen 
emporsteigend, und auf diesen Granit folgt neuerdings Glimmerschiefer, 
wechselnd mit körnigem Kalke. Die Gesteins- Lagen dieses Gebildes 
fallen aber in 0. , folglich den Schiefern und Kalken westlich dieses 
Granit - Zuges gerade entgegen, was offenbar auf einen Durchbruch 
des Granites durch die Schiefer und Kalke hindeutet. • Letztes Fels- 
Gebilde lehnt sich unmittelbar an die Zentral-Kette der Insel au, welche 
ganz aus körnigem Kalke besteht, der nun das herrschende Gebilde bis 
zur O.-Küste der Insel bleibt. Das Zentral-Gebirge der Insel erstreckt 
sich aus N. in S, und erhebt sich an drei Punkten, nämlich an dem 
Berge Koronis in N., an dem Janaris und au dem geheiligten Thia iu 
S., nahe au 4000 Fuss über die Meeresfläche. Charakteristisch für (hm 
körnigen Kalk der lusel Nuacos sind die vielen und sehr mächtigen Stock- 
förmigeu Lager von Smirgel, die besonders auf der 0. -Seite der Insel 
in ihm aufsetzen und schon seit lange Gegenstand bergmännischer Be- 
arbeitung sind. Der Smirgel tritt theils in grosser Reinheit auf, theils 
ist er mit Magueteiseu, Brauneisenstein , Glimmer, Eisen- und Kupfer- 
kies gemengt. Das Ausgehende der Smirgel-Stöcke ragt aus dem Kalke 
jederzeit <il.s mächtiger Kamm empor. I« dem Smirgel von Gakoriaka 



- 199 ~ 

findet niun auch krytitaMisii ten Korund. Auf unserem Rückwege vom 
Koronis nach der Sfadt Xüxos bot sieb uns ein geognostisch sehr 
interessanter Anblick dar. Alan gelangt nämlich in ein kreisrundes 
Becken von ungefähr V St. Durchmesser, welches ganz von Granit- 
Bergen umschlossen ist. Die Gesteins-Lagen der Srliiefer-Gebilde, wel- 
che den Granit umgeben, stellen sich ringsherum auf, und im Becken 
selbst stehen mehrere ganz isolirte Granit- Kegel. Das Ganze hat das 
Ansehen eines Erhebungs-Kraters, wie Hr. v. Buch sie schildert, und 
gewährt viel interessantes Detail. 

Insel Paros mit Antiparos, Glimmerschiefer , auf welchem 
körniger Kalk, der berühmte Marmor von Paros, liegt. Weder die 
grossen alten Steinbrüche, noch die Grotten diM^ Antiparos bieten be- 
sonderes geognostisches Interesse dar. 

Insel Santorin. Sie ist die Schule für das Studium vulkani- 
scher Trümmer- Gesteine und ihrer Beziehungen zu Laven und Lava- 
artigen Trachyten, und zugleich jener Erhebungs-Krater, an dem man die 
Theorie v. Blch's in ihrer vollendetsten Entwicklung sieht, ja sehen 
muss, wenn nicht Eigensinn die Augen schliesst. Der ganze N. der 
Insel ist rein vulkanisch. Im S. derselben aber steigt das Grundge- 
birge, körniger Kalk, sichtbar empor und erhebt sich im Berge St. Elias 
zu beiläufig 3500 Fuss Meereshöhe. Die Insel Santorin umschliesst halb- 
iDoudförmig die ganze 0. -Seite des grossen Kraters, der mit Meer er- 
füllt ist, eine elliptische Form hat, deren längere Achse 3 geographische 
Meilen beträgt, und dessen Rand in W. die Inseln Therasia und Aspro- 
tiisi bilden. Die diei Inseln Kaimeni gehören spätem Eruptionen im 
Krater selbst an. Die Straten aller Fels - Gebilde , welche den Krater 
unigeben , fallen von demselben. So sehen wir sl\x^ Santorin alle Stra- 
ten in 0., auf Therasia und Aspronisi alle in W. einschiessen, ein 
unläugbarer Beweis, dass hier eine zentrale Erhebung Statt gehabt hat. 
Nicht minder deutlich sehen wir die durch eben diese Erhebungen be- 
dungenen Spaltungen des Krater Randes. Dahin gehören die Zwischen- 
räume zwischen Akroterion und Aspronisi, zwischen Aspronisi und 
Therasia, zwischen Therasia und Apanomeria und die tiefen Schluchten 
an der ganzen Westküste von Santorin. Einen fernereu Beweis für die 
stattgehabte zentrale Erhebung sehen wir darin, dass die ganze West- 
küste von Santorin eine an 800 Fuss senkrecht über das Meer hin sich 
erhebende Felswand bildet, während die O. -Küste eine ganz sanft ge- 
gen das Meer hin sich neigende Ebene darstellt. Diess ist auch auf 
Aspronisi und Therasia, nur in der entgegengesetzten Richtung der Fall. 
Wenn man den Haupt- Durchschnitt der ganzen Insel Santorin betrachtet, 
so ergibt sich von unten nach oben nachstehende Lagerungs-Folge : 

1) Körniger Kalk. Vulkanisch verändert, ;4cbrannt, zerborsten, ohne 
Vcilust ('er krystallinischen Struktur. Gestein des Elias-Berges, Grund- 
gebirge der Insel. 

2) Vulkanischer Tuff und vcrliäitete vulkanische Asche. 



~- 200 — 

3. Grauer Trachyt : Feldstein - Masse ; Krystalle von glasigem 
Feldspath. 

4. In diesem Trachyt befinden sich röhrenförmige Öflfnungen , Ab- 
zugs -Kanäle der Dämpfe. An den Wänden dieser Röhren ist der Tra- 
chyt Nro. 3 porösj schwammig, zur vollendeten Lava umgestaltet. 

5. Pechstein - Konglomerat. Das Bindemittel zum Theil Obsidian- 
artig, körnig, krystallinisch; Leuzit-Trapezoeder. 

Q. Untere, schwarze Lava. Übergang in sogenannten Pepperino. 

7. Obere, rothe, Bimsstein-artige Lava, mitunter lilafarbig, Trachyt- 
Trümmer einschliessend. Der Trachyt roth gebrannt, zersetzt. 

8. Veräuderter Trachyt. Modifikation des Trachytes Nro. 9. Be- 
ginn der Zersetzung. 

9. Schwarzer, fester Trachyt. Grundmasse Obsidian, und Pechstein- 
artig. Krystalle von glasigem Feldspath. Porös - Lava - artig, ein 
grosser mächtiger Strom, der aus N. in S. sich ergoss. 

10. Oberste Lage dieses Trachytes. Im Zustande der Zersetzung. 
Schiefriges Gestein, ßlaugrau. Krystalle von glasigem Feldspath. 

11. PQsUippoTüi£ und Puzzolana. Trümmer von schwarzem Tra- 
chyt umschliesscnd. Weiss und erdig. 

12. Bimsstein-Tufif, weiss. 

13. Lapilli. Trümmer von Bimssteinen, schwarzem Trachyt und 
Lava. Vielleiciit blosse Verwitterungs-Reste von Nro. 11 und 12. 

Die Fels -Gebilde von Nro. 2 bis Nro. 13 sieht man in der pracht- 
vollen, senkrechten Felswand, welche vom Meere zur Stadt Thyra em- 
porsteigt , ganz entblöst aufeinander liegen, in einer summarischen 
Mächtigkeit von etwa 800 Fuss. Der körnige Kalk Nro. 1 hingegen 
durchbricht am Südende der Insel, vom Meere ansteigend, alle diese 
vulkanischen Ablagerungen, daher zwischen 1 und 2 noch viele unbe- 
kannte Ablagerungen in der Tiefe des Meers verborgen seyn können. 

Das Fels - System der ganzen Insel ist oflPenbar eine Reihenfolge 
einer Menge submariner , vulkanischer Ausbrüche , deren Glieder sich 
übereinander lagerten , und erst lange nach ihrer Bildung scheint 
sich das ganze System dieser Ablagerungen, d. h. die ganze Insel, aus 
dem iVIeere erhoben zu haben, wobei sich im Mittel der ganzen Masse der 
erwähnte grosse Krater bildete oder, wenn er als Eruptions-Krater schon 
früher submarinisch existirte, wenigstens an Umfang bedeutend gewann. 

Der Eliasberg besteht, wie gesagt, ganz aus körnigem Kalke, und 
ich konnte den Thonschiefer nirgends seilen , den die Französische Ex- 
pedition gesehen haben will. Die Straten des Kalkes streichen aus N. 
in S. und verflachen unter 60^ in 0., also ganz adäquat der wahr- 
scheinlichen Eniporhebung. Die höchsten Punkte dieses Kalk-Berges 
sind mitunter mit Schichten jener Puzzolana und des PosUippo-Tuffes 
bedeckt, welche die oberste vulkanische Lage der Insel bilden. Seine 
Emporhebung hatte also schon begonnen, als die tiefern vulkani- 
schen Straten sich bildeten, war aber noch nicht so weit vorgeschrit- 
ten , dass seine Masse nicht noch mit den letzten Ergebnissen der 



— 201 — 

vulkanischen Revolutionen bedeckt wurde. Nur die letzten Punkt« 
dieses Berges, um das Kloster und hinter deraselben, zeigen den Kalk- 
slein ganz entblöst und unbedeckt. 

In dem grossen Krateh von Santorin erheben sich drei kleine In- 
seln, Paleo-, AVo und Mikiu-Kaimeni (Alt-, Neu- m\A \i\eu\-Kaimeni, 
„die Verbrannte". Alle diese drei Inseln eiud Resultate späterer Aus- 
brüche im Krater selbst, und ihre Entstehung fällt iu weit jüngere, zum 
Theil geschichtliche Perioden. So erhob sich Neo - Kaimeni erst in 
neuester Zeit, von den Jahren 1706 — 1711 aus dem Meere an einer 
Stelle, wo dasselbe früher über 200 Klafter tief war. Über *lle aieik- 
würdigen Begebenheiten, die das Emporsteigen dieser Insel begleiteten; 
theile ich Ihnen beiliegenden Bericht meines Freundes des Dr. Büros 
in Athen mit, wozu derselbe die Daten aus einem Manuskripte erhielt, 
welches er auf JSaxos fand. Die Emporhebung von Neu-Kaimeni soll 
den Beobachtungen der Eingebornen von Santorin zu Folge sogar noch 
fortdauern, worüber ich jedoch keine Beweise geben kann. Ich besuchte 
diese, nun bereits über 400 Fuss über das Meer angestiegene Insel in 
Begleitung meines Reisegefährten, des Professor Domnakdos. Die Insel 
hat gegenwärtig etwa 6 Seemeilen im Umfange, und ihr Eruptions- 
Kegel mit einem Krater auf der Spitze und mehreren Seiten- Kratern 
befindet sich an ihrem südöstlichen Ende. Die ganze Insel besteht aus 
einem chaotischen Gehäufe von steinartiger in Trachyt übergehender 
Lava, mit häufigen Einschlüssen von glasigem Feldspath. An der Süd- 
Seite des Eruptions - Kegels befindet sich dicht am Meere eine grosse 
Masse von Bimsstein, die ihre Entstehung einem Seiten-Ausbruche des 
Kegels zu verdanken hat. Der Bimsstein ist weiss und rein und zeigt 
eine sehr faserige Textur. Die Ausbrüche der trachytischen Lava ge- 
schaiien sowohl vom Krater auf der Spitze des Kegels aus, als auch 
durch die Seiten - Kratere. Am westlichen Fusse des Kegels zeigt die 
Lava sich sehr glasig und entwi(kelt theils einen Obsidian- artigen 
Charakter, theils geht sie in vollkommenen Pechstein über, der rein, 
ohne Einschlüsse ist. Die Farbe aller dieser Laven ist dunkelschwarz. 
In der Nähe der tiefen Spalten, welche die eingestürzten Kratere durch- 
ziehen , ist die Lava porös schwammig, eine Veränderung, die wahr- 
scheinlich Folge der Einwirkung der Dämpfe auf die noch weiche Masse 
war. Die Gehänge des Kegels sind ringsherum von Lapilli bedeckt, 
lauter kleinen Lava-Stückchen, welche theils lose sind, theils durch verhär- 
tete vulkanische Asche fest verbunden ein Konglomerat bilden. Die 
Lapilli haben durch Einwirkung der Hitze und der Dämpfe eine sehr 
manchfaltige Färbung erlitten und zeigen hie und da in der Nähe der 
Spalten Subliu)ations - Anflüge von Schwefel. Zerstreut auf der Insel 
liegen auch grössere Auswürflinge, sogenannte vulkanische Bomben, 
worunter sich sehr grosse Blöcke belinden , welchen ähnliche auch zur 
Zeit der Eraporhebung und der damit verbundenen Eruptionen über Ä 
Stunde weit ins Meer hinaus geschleudert worden seyn sollen. Der Haupt- 
Krater auf der Spitze des Kegels hat eine kreisförmige Gestalt und etwa 



202 — 

40 Klafter im Durchmesser. Er ist mit Blöcken und Schutt angefüllt. 
Das Meer setzt an den Küsten der kleinen Insel eine Menge Eisenoxyd 
ab, und fortwährend steigt eine Menge Luftblasen empor, auf die fort- 
dauernde Entwicklung von Gasen hindeutend. In der Nähe dieser Insel 
ist es auch, wo das Meerwasser die Eigenschaft besitzt, die alten Ku- 
pfer-Beschläge der Schiffe zu reinigen. Wahrscheinlich führt dasselbe 
saure schwefelsaure Salze oder auch freie Säuren. Durch den Oxyd- 
schlamm, den das Meer fortwährend absetzt, ist die Küste ringsherum 
roth gefärbt. Die Vegetation hat auf der erst 128 Jahre alten Insel 
bereits festen Fuss gefasst: man sieht mehrere Feigenbäume und die 
Gehänge sind mit Gräsern bedeckt, 

Insel PoliiwR. Das Gestein der lose! Trachyt , grösstentheils 
durch schwefelsaure Dämpfe und Hitze in ein weisses, mergelartiges 
Gestein umgewandelt , in welchem man noch die Einschlüsse von gla- 
sigem Feldspath u. s. w. grösstentheils deutlich wahrnimmt. Die ganze 
N.- und N.O. -Küste besteht aus Alaunfels, der eine 3 Seemeilen lange, 
senkrecht an 600 Fuss über das Meer ansteigende Felswand bildet. 
Der Alaunstein ist nicht gleichförmig durch das ganze Fels -Gebilde 
verbreitet, sondern er scheidet sich besonders in Stock- und Gang- 
nrtigen Räumen aus. Das Gestein dieser Lagerstätte, ebenfalls umge- 
wandelter Trachyt, ist ein besonders poröser, zelliger, zerfressener 
Alaunfels, der sich von dem .Nebengestein , dichtem Alaunfels mit mu- 
scheligem Bruche, wesentlich unterscheidet. — Die Hauptfarbe des 
Gesteins ist rein weiss, doch zeigt es durch Ausscheidungen von Eisen- 
oxyd und Schwefel manchfache Nuancen von Roth und Gelb. Häufig 
durchziehen kleine Klüfte von Chalzedon, Achat und Jaspis den Alaunfels 
in allen Richtungen. Derselbe klingt beim Zerschlagen in dünnen 
Stücken wie Phonoüth. Das Meer an der Küste lässt fortdauernde 
Gas-Entwicklung wahrnehmen. Die Formen der leicht verwitterbaren 
Alaunfelgen sind höchst abenteuerlich und voller spitzer, scharfer Zinken. 

Insel Kimolos. Der grösste Theil des Gesteins zunächst der 
Küste besteht aus Bimsstein - Tuff und umgewandelten Trachyten , wie 
auf Polinos. — Der Bimsstein - Tuff ist ein sehr interessantes Gestein 
und ein merkwürdiger Beitrag zu der Naturgeschichte der Veränderun- 
gen , denen vulkanische und plutonische Gesteine unterworfen sind. 
Er ist zweifacher Natur: er besteht nämlich entweder aus fein zerrie- 
benem Bimsstein und umschliesst unveränderte Bimsstein -Stücke ; oder 
er ist thonigfi" Natur und entstand offenbar durch Zersetzung der spä- 
ter in Erwägung kommenden Mühlstein - und Perlstcin-Porphyre, indem 
die Feldspath-\Iasse sich zu Thon umwandelte , der Perlstein aber als 
empirodoxer Quarz nur seine Form wechselte' und nun als glasiger 
faseriger Binisstein auftritt. Bei letzter Umbildung ist schwefelijje 
Säure thäiig: daher auch das Vorkommen des Alaunsteins in diesem 
Gebilde, wie im Alauufels auf Potinos. Im thonigcn Bimsstein- Tuft'e 
bemerkt man häufig Lager und Nieren eines weisseii, ganz verhärteten 
Thous, der in Porzellan-Jaspi« von den schönsten Farben übergeht und 



2o:{ - 

als jsolcher sclif bedputende nürle-Grade zeiot. Die Ihonigen Bimsstein- 
Tuffe sind als Bausteine sehr gesiulit und werden in grosser Menge 
nach Athen geführt. Das Gebirge im Innern der Insel , das Hauptge- 
birge, besteht ganz aus rothem Trachyt-artigem Feldstoin-Porphyr, aus 
sogenanntem Mühlstein- und aus Perlstein-Porphyr: ähnlichen Vorkonim- 
»jissen, wie die des G'/?/»'Ä-£'r-Thales in Nieder-Ungarn sind. Der rothe 
Porphyr ist sehr quarzig und führt Krystalle von glasigem Feldspath. 
Der Mühlstein - Porphyr (Beudant) führt ebenfalls viel Quarz und ist 
sehr porös. Die Poren theils kreisförmig, theils elliptisch gestaltet und 
entweder leer oder mit einer gelblichweissen Thon - Masse angefüllt. 
Am Fusse des Berges, worauf die Stadt im Haven steht, lässt sich der 
Übergang des weissen, thonigcn Bimsstein - Tuffos aus dem quarzigen 
rothen Porpliyr, hier ein wahrer Hornstein -Porphyr , ganz klar nach- 
weisen. Die dem Porphyre cigenlhümlichen krystallinischen Beimengun- 
gen lassen sich auch in dem «imgewandelten Gesteine wieder erkennen, 
für das die Umgestaltung des gemeinen Quarzes in empirodoxen Quarz 
besonders charakteristisch ist. Den Rücken des Gebirges bilden Perl- 
stein - und Bimsstein - Porphyr. Letzter hat Bimsstein zur Grund- 
Maftse und führt Krystalle von Feldspath. Der Perlsfein -Porphyr hin- 
gegen besteht aus einem n)eist körnigen Gemenge von Feldspath und 
Perlstein mit Einschlüssen von Feldspath - Krystallen und Sphärolith. 
Beide Fels-Gebilde sind sich geognostisch und oryktognostisch auf das 
Innigste verwandt und bilden ^ gegenseitige manchfaltige tibergänge. 
Das Gefüge des Perlstein-Porphyrs wird mitunter dicht, der Perlstein 
wird vorherrschend, der Bruch muschelig, und das Gestein geht in sehr 
glasigen, lichtgrauen Obsidian über. Andrerseits unterliegt der Perlstein- 
Porphyr einem hohen Grade der Zersetzung, die Feldspath- und Sphä- 
rolith - Einschlüsse verwandeln sich in gelblichweisse, thonige Massen, 
verwittern zum Theil ganz und fallen heraus, eine Menge von Poren 
hinterlassend, deren Wände mit einem thonigen Überzuge versehen sind : 
und man hat einen Übergang des Perlstein - Porphyrs in vollendeten 
Möhistein-Porphyr. Überhaupt aber scheint mir der Mühlstein-Porphyr 
ein durch Entweichung schwefeligsaurer Dämpfe umgestalteter Perlstein- 
Porphyr zu seyn. An der ganzen S. -Küste der Insel herrscht das um- 
gewandelte trachytische Gestein, ein Parallel - Gebilde des Alaunfelses 
von Polinos. Am Fusse der Felswände dieses Gesteins befinden sich 
grosse Schutt-Anhäufungen desselben, durch die mit Entwicklung fühl- 
barer Wärme noch heutzutage schwefeiigsaure Dämpfe entweichen und 
eine Solfatara bilden. Der thonige Schutt ist mit Schwefel-Sublimatio- 
nen durchdrungen , daher seine bunten Färbungen und das verbrannte 
Ansehen des ganzen Terrains. In diesem Schutte finden sich auch 
häufig zerstreute Selenit-Krystalle, ebenfalls eine fortdauernde Bildung. 
Unter dem Schutte hingegen und wohl auch auf kleinern Lagern in 
deniselhen findet sich ein mächtiges Lager von Walkererde mit Eimo- 
lit und ßergseife, ebenfalls Produkte der fortdauernden Zersetzung des 
tlionigen Schuttes durch die entweichenden schwefeligsauren Dämpfe, 



— 204 — 

Mit dieser Walkererde finden sich auch Nieren von Eisenkies bis zur 
Grösse einer Faust. Nach innen mehren sich die Ansätze von reinem 
Schwefel, und er scheidet sich besonders rein , selbst krystallinisch auf 
den Schmierkiüften und Ablösungen des Thones aus. 

Insel Milos. Diese Tnsel ist in Beziehung ihrer geognostischen Zu- 
sammensetzung und der Details, welche selbe darbietet , so interessant, 
dass.ich es für zweckmässig halte, Ihnen vorerst einen kleinen Über- 
blick über die ganze Insel zu geben und dann erst die wichtigsten De- 
tails zu berühren. — Auf Milos verbinden sich die Erscheinungen der 
ältesten Feuerberge, wie sie die Gegenwart nicht mehr entwickelt, mit 
den Wirkungen noch heute thätiger Vulkane auf eine denkwürdige 
Weise. Die ganze Insel hat die Gestalt eines Hufeisens, dessen innere 
St'ite der grosse Haven bildet, gross genug, um die Kriegs- Schiffe von 
ganz Europa zu fassen. Den nördlichen Schenkel des Hufeisens cha- 
rakterisiren mächtige Trachyt- Durchbrüche , die z. B. am Berge Six 
fours oder Kastron bis zu 1000 F. Meereshöhe ansteigen. Es sind 
Trachyte mit erdiger oder dichter FeldspathMasse, umgeben von alten 
Diluvionen (subapenninische Zeitfolge) und von vulkanischen Schutt- 
Konglomeraten , ganz voll von Obsidian -Bruchstucken unbekannten Ur- 
sprungs. Am südlichen Schenkel fand die höchste Erhebung am Berge 
St. Elias zu mehr als 3000 F. Mecreshöhe Statt: der ganze Bcig besteht 
aus veränderten Trachyten. (Die französische Expedition lässt ihn aus 
körnigem Kalk und Schiefern bestehen , woraus ich beinahe vermuthen 
möchte, dass man ihn gar nicht besucht hat.) Den Eliasberg umgeben 
am Fusse gürtelartig veränderte Granite, Gneisse und Glimmerschiffer, 
umgestaltet in ausgezeichneten Trachite granitoide Beudant's , und aus 
diesem Gesteine erheben sich die grossen Kuppen von umgewandelten, 
durch saure Gase zersetzten Trachyten, welche, wie gesagt, die Haupt- 
Masse des Berges bilden. Zwischen den Ablagerungen des Trachite 
granitoide und den Massen der veränderten Trachyte beobachten wir 
eine Einlagerung von schwarzem , unverändertem , dichtem Kalkstein. 
Die Gehänge sind theilweise bedeckt mit Gyps - und Thon - führenden 
Alluvionen und vulkanischen Trümmer-Gesteinen. Den Bogen des Huf- 
eisens, die Verbindung beider Schenkel bilden lauter niedere, höchstens 
zu 1000 F. Meereshöhe ansteigende Berge , meist kegelförmige Massen 
von zersetzten Trachyten, bedeckt von vulkanischen Tuffen und Schutt- 
Konglomeraten, in denen sich die fortdauernde Thätigkeit des Vulkans in 
vielen Solfataren und Exlialationen von heissen schwefeligsauren Dämpfen 
und von Wasserdämpfen ausspricht. Durchbrüche unveränderter Tra- 
chyte und von Mühlstein-Porphyr mangeln nicht; das eigentliche Grund- 
Gebirge aber scheint unzersetzter Glimmerschiefer zu seyn. Die innere 
Seite des Hufeisens, die grosse Ebene am Ende des Havens , bilden 
Alluvionen von plastischem Thon und Schutt mit kleinen Schlamm- 
Vulkanen, Thermen und Salz-Quellen, die mit Vortheil zur Kochsalz- 
Erzeugung benützt werden. — Der Durchschnitt (auf Taf. III B) vom 
Haven zur Kuppe des Eliasherges ist einer der interessantesten, welche 



-^ 205 - 

tlie Insel dai biete t ^a. in Trachite granitoide umgewandelte GranitCj 
Gneisse und Glimmerschiefer; b. Trachyte , zersetzt und umgestaltet: 
c. Alluvionen, Schutt mit plastischem Thon und Gyps-Stöcken ; d. dich- 
ter, schwarzer Kalk-, e. vulkanische Tuffe und Trümmer-Gesteine). 

Die Fels-Gebilde, welche den innersten Theil des grossen Haven«, 
Apanaja genannt , zunächst begrenzen , sind Bimsstein-Tuff und Bims- 
stein. Erster , die durch Zersetzung entstandene Umwandlung des 
letzten, nimmt die obern Lagen ein. Oberhalb der Haven - Gebäude 
sind diese Gebilde bedeckt mit Schutt und Alluvionen , welche bis zu 
800 F. über das Meer ansteigen , ein hügeliges Land bilden und aus 
den Trümmern vulkanischer Gesteine mit einem thonig- kalkigen Binde- 
mittel bestehen. Sehr bezeichnend für diese Alluvionen sind die Bruch- 
stücke von reinem, schwarzem Obsidian , die theils in der Masse zer- 
streut, theils in Straten besonders angehäuft sind und sich in ungeheurer 
Menge vorfinden, deren primitive Lagerstätte aber unbekannt ist. Diese 
Schutt-Gebilde sind offenbar entstanden aus einem sehr alten Diluvium 
(Subappeniunen - Zeitfolge) , welches man unter diesen Alluvionen und 
auf den vulkanischen Gebilden der Küste auf halbem Wege nach der 
Stadt Kastron zu Tage gehen sieht. Dieses Diluvium, theils Tuff-artig, 
theils gewissen sehr erdigen Grobkalken ähnlich , besteht aus einer 
erdigen, thonig- kalkigen Masse und enthält viele Obsidian -Trümmer, 
sowie, obwohl meist zerbrochen, die Reste von Pe et en, Cardin m und 
Cerithium, und Wurzel-Stücke, deren Petrifikation aber neuerer Ent- 
stehung ist. — Der Trachyt von Kastron , der diese Jüngern Gebilde 
durchbricht, erhebt sich in steilen, wilden Formen. Er hat eine dun- 
kelrothbraune und gratie Feldstein-Masse, welche Krystalle von glasigem 
Feldspath und von Augit enthält , zum Theile aber auch jener Varietät 
angehört, die Beudant mit dem Namen Trachite amphibolique bezeichnet. 
Der Trachyt geht am westlichen Gehänge durch Veränderung seiner 
Textur in eine förmliche Lava über, ein Übergang, den ich nun auf 
den vulkanischen Cykladen schon mehrmals beobachtet habe. — Ein 
ungefähr 3 Stunden breiter Isthmus verbindet den nördlichen Theil der 
Insel mit dem südlichen. Derselbe hat an der Ostküste sich durch 
vulkanische Erhebung, an der Westküste oder am Haven durch Allu- 
vionen gebildet und stellt daselbst eine an 1^ Stunden breite Ebene dar. 
Dicht an der Meeresküste treten Thermen hervor, deren Wasser sieb 
mit dem des Meeres mischt, aber doch eine Temperatur von 35*^ Reäüm. 
zeigt. Weiter in der Ebene entspringt am Fusse eines Hügels von 
vulkanischem Tuff eine mächtige Soolquciie , »us der man jährlich etwa 
170,000 Okken sehr schönes und reines Kochsaiz erzeugt. Südwestlich 
von diesem Hügel befinden sich in der Ebene viele runde, röhrenför- 
mige Löcher von einigen Zollen Durchmesser. Im Monate August 
beginnt die Soolquellc jedes Jahr an Quantität zuzunehmen und zu glei- 
iher Zeit finden aus diesen Löchern Eruptionen von heissem , schlam- 
migem ^Vasser Statt. Wir haben also hier förmliche periodische Schlamm- 
Vulkane, deren Erscheinungen aber schwer genügend zu erklären sind. 



— 206 — 

— Die ganze berglg^e Umgebung des Vorgebirges Kalamo besteht aus 
Tracbyt. Derselbe zeigt in seiner Zusammensetzung eine ganz beson- 
dere Eigeiithiimlichkeit. Seine Masse besteht nämlich aus einem Ge- 
menge von Feldspath , Bimsstein , Perlstein und gemeinem Quarze mit 
Krystallen von glasigem Feldspalhe und schwarzem Glimmer. Das 
Gestein hat eine weisslichgraue Farbe und vervi'ittert für sich sehr 
schwer. Desto empfänglicher aber zeigt sich dasselbe für die Zersetzung 
und gänzliclie Umgestaltung durch vereinte Einwirkung grosser Hitze 
und schwefligsaurer Dämpfe. In Folge dieser Einwirkung sehen wir 
den Trachyt des Berges Kalamo in Alaunfels umgewandelt, der sich 
in senkrechten, kühn geformten Felsen eihebt. Am Gehänge derselben 
bildeten sich auf kleinen Plateau's mächtige Schutt-Anhäufungen, die 
durch die fortdauernde starke Exhalation schwefligsaurer Dämpfe aus 
Klüften , Fumarolen , zu Solfataren sich gestalteten. Der Vulkan ist 
hier noch in kontinuirter Thätigkeit , und die Hitze der entweichenden 
Dämpfe ist so stark , dass sie in der Nähe der Fumarolen und nur 
5" unter der Oberfläche des Schuttes, der sie bedeckt 5 79,3*' Reaüm. 
beträgt. An vielen Fumarolen selbst aber kann die Temperatur mit 
den gewöhnlichen Thermometern gar nicht gemessen werden. Unter 
dem Schutte der Solfataren liegt in einer Tiefe von 2—3 F. ein reiner, 
weisser Thon , eine Porzellan - Erde fortdauernder Bildung. Der Thon 
ist plastisch 5 schmierig, ganz weich und nass, von schwefliger Säure 
durchdrungen. Der Schutt sowohl als dieser Thon sind voll von 
Alaun und sublimirtem, reinem, hochgelbem Schwefel, der sich auch in 
eignen Straten ausscheidet und in prächtigen Krystallen zusammen mit 
Feder-Alaun die Wände der Fumarolen bekleidet. Eisenkies findet sich 
nicht sehr häufig. Im Alaunfels selbst scheidet sich Alaunstein auf 
Stöcken und Gängen aus, und die Wände der Klüfte sind mit Schwefel 
bekleidet. Der Schwefel-Gehalt dieser Solfataren ist so gross, dass er 
mit Alaun Gegenstand einer sehr vortheilhaften Gewinnung werden 
kann. Ich legte darüber der Regierung meine Vorschläge im Detail 
vor. Ähnliche Solfataren befinden sich auf der Insel noch bei St. 
Domenika , Paleo - Chori , Ferlingu ^ Wudia und Adamas. In der 
Solfatara, welche zunächst dem Gipfel des Berges Kalamo liegt, zeigt 
sich der Vulkan am thätigsten. Der Boden ist glühend heiss ; mit Zi- 
schen fahren die Schwefeldämpfe aus den Fumarolen, und das ganze 
Terrain ist aufgebläht, so dass man nicht ohne Gefahr herumgeht. Im 
Alaunfels befinden sich Lager und Stöcke von Chalzedon , Achat und 
Porzellan -Jaspis von den herrlichsten Farben. Obenerwähnte Solfata- 
ren, Adamas ausgenommen. Hegen in einer Linie, die sich aus N.W. 
in S.O. erstreckt. Die Berge von zersetztem und umgewandeltem Tra- 
chyt setzen von Kalamo am südöstlichen Ende der Insel bis .nach 
Wudia am nordöstlichen Ende fort. Bei Paleo-Chori tritt der Glim- 
merschiefer unverändert unter den vulkanischen Gebilden hervor, und 
am Vorgebirge Rhevma unterbrechen mächtige Ablagerungen von Mühl- 
stein-Porphyr den Trachyt-Zug. Die Grundmasse des Mühlstein-Porphyrs 



— 20T — 

isl ganz als emplrodoxer Quarz zu betrachten. Sic ist sehr glasig, 
nähert sich einerseits dem Bimsstein , andrerseits dem Perlstein , ist 
sehr porös ; die Räume sind theüs leer, theils mit einer gelblichweisseii 
Thon- Masse erfüllt. In dieser Masse finden sich Erystalle von Feld- 
spath , Quarz j Glimmer und Sphärolilhe, doch letztere selten. Der 
Mühlstein - Porphyr am Kap Rfievma wird bergmännisch gewonnen. 
Auf dem Wege vom Kap Rhevma nach der alten Stadt Milos kömmt 
man bei Panaja Kastriani an eine Stelle, welche „das stinkende Wassei" 
heisst. In einem kleinen Graben befindet sich eine ganz unbedeutende 
Solfatara; in ihrer INähe jedoch haben aus Spalten, die zum Theil mit 
Wasser gefüllt sind, starke Exhalationen von SchwefelwasserslofF-Gas 
Statt, welche die Luft ringsherum erfüllen. Wir fanden im Graben eine 
Menge kleiner Thiere, als Schlangen, Igel u. s. w. , welche offenbar 
durch diese Ausdünstungen getödtet worden zu seyn scheinen: eine 
Thatsache, die mich an ähnliche Lokalitäten tixxi Java erinnert. Viel- 
leicht stehen die epidemischen Fieber, welche von Zeit zu Zeit die 
ganz nahe Stadt Milos heimsöchten und endlich die Bevölkerung ganz 
vertrieben , in Verbindung mit diesen Gas - Ausströmungen. Die am 
Fusse des Eliasberges anstehenden und denselben umgebenden Granite, 
Gneisse und Glimmerschiefer zeigen mitunter eine interessante Verän- 
derung ihres innern Habitus. Die Konsistenz des Gesteins ist ganz 
mürbe, wie gebrannt, der Feldspath ist glasig geworden, und zunr Theil 
bildet er mit dem Quarze einen eigenen Perlmutter-glänzenden Schmelz. 
Der Glimmer ist meist unverändert. Auf Milos glaube ich mich ganz 
überzeugt zu haben , dass wenigstens daselbst die Trachyte durch Um- 
wandlung aus Grault, Gneiss oder Glimmerschiefer entstanden sind. 

Insel Porös. Die Insel Porös ist ein vom Pelopones losgerisse- 
nes Stück Land. Sie besteht in ihren tiefsten Ablagerungen aus chlo- 
ritischem Grauwacken - Sandstein , der mit Grauwackenschiefer , Thon- 
schiefer und dichtem Kalkstein in ganz dünnen Straten wechselt. Ein 
grauer, dichter Übergangs-F^lk mit mächtigen Euphotid-Lagern bedeckt 
das ganze Grauwacken-Gebilde und setzt sämmtiiche Hauptberge der Insel 
zusammen. Die Straten dieses Kalkes sireichen aus N. in S. und verflä- 
eben in 0. Zwischen dem Festlande und der eigentlichen Insel erhob sich 
aus dem Kalke eine gewaltige Masse von Feldstein-Porphyr und Granit- 
artigem Trachyt. Letzter führt Krystalle von glasigem und gemeinem 
Feldspath 5 von Quarz, Glimmer, Hornblende und Augit. Besonders 
charakteristisch für ihn aber sind kugelförmige Einschlüsse bis zur 
Faust-Grösse, welche von derselben Masse ^ aber in einem sehr innigen 
Gemenge der Bestandtheile sind. Diese Erscheinung erinnert sehr an 
die Aphanit- Kugeln im Aphanite der Grube St Stephan bei Chefnniiii 
in Nieder-Ungarn und an die Kugeln im Bunten Sandsfeine der grossen 
Nubischen Wüste. 

Halbinsel Methann. Übergangs - Kalk von Hippuriten - Kalk be- 
deckt : durch beide erheben sich grosse Berg - Massen von Feldstein- 
Porphyr und Trachyt. Aus dem Kalke treten Thermen hervor, die sehr 
Jahrgang 1840. 14 



— 208 — 

viel ScliwefelwasserstofF-Gas entwickeln. Der Kalk ist verändert, wie 
gebrannt, zerfressen, porös und nach allen Richtungen zerborsten, klin- 
gend wie Phonolith. 

Insel Egina. Ostküste. Am Fusse des Berges, worauf die 
Ruinen des Tempels Jupiters Panhellenion stehen , bildet das Gestein 
der Küste ein junges Tertiär- Gebilde , ein sandig-mergeliger Grobkalk 
mit Resten von Pecten , Cardiura , Baianus, Ostrea u. s. w. Dieses 
Fels -Gebilde ruht einerseits auf Hippuriten-Kalk, andrerseits wird es 
von Trachyt-Trämn»ergesteinen bedeckt, aus denen Massen eines sehr 
schönen Trachytes emportreten. 

RUSSEGGER. 



Bern, 8. Okt. 1839. 

Mit den Biindtener-Geh'w^&ia habe ich vorerst, wohl auf viele Jahre, 
Frieden geschlossen, und meine AngriflFe gehen nun auf einen anderen 
Bezirk unserer Alpen los, der mir bis jetzt so viel als ganz unbekannt 
geblieben war. Über die Gemmi und Vispach bin ich diesen Sommer 
an den Mte. Rosa gereist, dann über den JMte. Moro und Turlo nach 
Piemont bis Ivrea , von da das lange Thal der Bora aufwärts bis 
Courmayeur , über den Bonkomme nach Servoz , und nun in gerader 
Linie über Sioct und 3Ite. Rion nach Eviau an den GenferSee. Alles 
klassische Orte, wie Sie sehen, deren genauere Untersuchung aber eben 
so viele Sommer verlangen würde , als ich ihr Wochen widmen konnte. 
Detail-Studien lagen aber auch nicht in meiner Absicht; ich wollte vorerst 
eine Übersicht gewinnen, und dieser Zweck ist ziemlich erreicht worden. 
Es-ward mir das Vergnügen, die Reise nach Zermatt, dem Mittel- 
punkte des grandiosen Circus der Ros«- Gebirge, in Gesellschaft von 
Lardy, Agassiz und mehreren anderen Freunden machen zu können, und 
zwei Tage sind wir gemeinschaftlich auf den Gletschern des Rosa und 
Mte. Cervin herumgestiegen. Über einen Theil unserer Beobachtungen 
habe ich eine kleine Notiz an das Bulletin de la societe geolögique geschickt. 
Ich habe mich wirklich überzeugt, dass die abgeschliflFenen Fels- 
Flächen mit Furchen und feinen Streifen, die am Jura bei Neuchätel, 
NeuvevUle u, s. w. vorkommen , die grösste Ähnlichkeit besitzen mit 
denjenigen, die am Rande der heutigen Gletscher und unter der Glet- 
scher-Decke selbst beobachtet werden , und deren Entstehung durch die 
Reibung der vom Gletscher vorgeschobenen Blöcke und Sandkörner 
kaum bezweifelt werden kann. Es zeigen sich aber dieselben Flächen 
und Furclien auch an Stellen, die von den Gletschern in ihrem gegen- 
wärtigen Bestände nicht mehr erreicht werden, wie z. B. etwa eine 
Stunde unterhalb Zermatt; auch im Hauptthalc des Wallis und an 
seinem Ausgange bei Bex sind sie von Venetz und Chartentier be- 
obachtet worden , und es lässt sich diese Erscheinung daher allerdings 
von den heutigen Gletschern bis an den Jura verfolgen. Ganz so aucii 



— 209 — 

ai\i der Mittagseite des Horhgebirffos. Ifli liabe soldio Fliü heii gese- 
heii in der Alli^e blanche, «•co;or>iiher dem //»vwr«-GIetscher und M'^ohl 
noch jetzt von ihm erreichbar-, dann wieder im Aosta-Thal zwischen 
Arviev und VUleneuve und bei St. Vincent gf^cn den Mte. Jovet zu. 
Sofern demnach das Vorküuniu-n solcher Schliffe wirklich eine früheie 
Eis-Bedeckung beweist, so ist an einer sehr bedeutenden Ausdehnung 
unserer Gletscher in der Diluvial - Zeit kaum zu zweifeln; ja es niuss 
Wühl die Eis-Bedeckung eine allgemeine gewesen seyn , da zuverlässig 
unsere alpinischen abgeschliffenen Felsflächen nicht verschieden sind 
von den in Schweden durch SefstPiÖm beobachteten , und man auch in 
Deutschland, Frankreich^ England Ähnliches gesehen haben will. So 
kolossale Resultate müssen uns behutsam machen, und ich möchte einst- 
weilen auch keineswegs die Nothweudigkeit jener Schluss- Folgerung 
anerkennen. Ich vermag immer noch nicht einzusehen , warum der 
Druck hoher Wasser- Massen nicht gleiche Wirkungen ausüben sollte, 
wie der Druck von Eis - Massen , und nach welchen Kennzeichen wir 
die Abreibungen der einen von denjenigen der anderen sollten unter- 
scheiden können. In Val Quaraz'^ia am nördlichen Fuss des Mte, 
Tuf.o glaube ich auch wirklich abgeschliffene Felsen mit Furchen, 
ganz gleich jenen in Zermatt, gefunden zu haben, deren Entsfe- 
Iiuiig kaum dem Eis zugeschrieben werden kann, da der Thal-Bach bei 
etwas hohem Wasser noch jetzt sie bedeckt. — Der Mte. Cervin ist 
unter allen Gebirgs-Forraeu , die ich in den Alpen, von Chambery bis 
Wien gesehen habe, die imposanteste: eine äusserst steile Fels-Pyramide, 
deren Gipfel sich um 4000 F. über die weiten Schneefelder erhebt, die 
rings um sie herum den obersten Kamm der Alpen bedecken. Wie mag 
ein solcher Felsstock sich gebildet haben! Die Schichtenstellung, welcher 
Saussüre 45® Fallen gibt, schien mir eher noch weniger geneigt, auf 
keinen Fall kann in ihr die Antwort auf unsere Frage liegen 5 man 
hat vielmehr nur zwischen zwei Annahmen die Wahl: entweder sind 
die Massen, welche einst die Fortsetzungen der Schichten des Mte. Cfv- 
rin bildeten , zerstört und weggeführt worden , oder sie sind in der 
Tiefe geblieben oder in die Tiefe zurückgesunken, wahrend der einzelne 
Stock oder das ganze Gebirge durch die Kraft der Dämpfe hervorge- 
stüssen wurden. Wir glauben in der Struktur des Berges ein gewich- 
tiges Argument zu Gunsten der letzten Ansicht gefunden zu habeUo 
Aus einiger Entfernung gesehen scheint nämlich die Pyramide aus 
drei durch ihre Farbe sich deutlich unterscheidenden Massen zusam» 
iiiengesetzt: einer oberen braunrothen etwa 600 F. mächtigen, die den 
Gipfel bildet, einer mittlen grauen als Hauptmasse, und einer tintern 
von gleicher Mächtigkeit und Farbe wie die obere«; Saussure glaubte 
die beiden rotlien Massen für Serpentin zu erkennen, indem er sie nach 
ihrer Farbe aus der Ferne beurtheilte. Die untere weniggtens besteht 
aber aus Flysch oder schiefrigem krystallinischem Kalk, t^elcher durch 
die Menge glänzender Talk-Blättchen, die alle Schiefer-Flächen bedecken^ 
einem Glimmerschiefer tauschend ähnlich sieht. Es ist die herrschend« 



— 210 — 

StpJnavt im Wallis und in Grauhünäten , und wie in letztem geht 
auch am MtP. Cervin die schwärzlich-graue Farbe in grossen Partie'n 
oder Flecken in ein ziemlich dunkles und reines Grün über. Die rothe 
Farbe, die von der Verwitterung der fast das ganze Jahr mit Schnee 
bedeckten Äussenfläche herrührt, ist in der Nähe weniger aufiFallend. 
Auch die obere röthliche Masse wird daher wohl aus Flysch bestehen; 
ihr Aussehen, ihre Mächtigkeit entsprechen ganz der Farbe und Dicke 
der unteren Masse, sie erscheinen beide wie auseinander gerissene 
Stücke der nämlichen Lagerfolge, und wirklich erkannte Saüssure bei 
genauerer Untersuchung, dass die untere Masse an dem Fuss des Mte. 
Cervin sich abschneide. Die Hauptmasse des Stocks besteht bis in die 
Tiefe aus dem in der Ferne grau aussehenden Gneiss, und dieselbe 
Stein-Art bildet auch die Grundlage der unteren rpthen Masse. Das 
ganze Verhältniss zeigt sich als eine Verwerfung im grössten Maas- 
stabe. — Das Vorkommen von Kalk und Flysch in dieser Gegend ist 
von hohem Interesse. Auch auf dem Pass von St. Theodule und im 
Hintergrund von Val TournancJie hat Saüssure Flysch , Kalk-Dolomit, 
Rauchwacke und Serpentin gefunden, und es scheinen diese Steinarten 
sich unmittelbar an die Sediment-Gesteine des Aosta~T\\d\QS anzusch9ies- 
sen. Auf der Nordseite zeigen sich mächtige Kalk-Felsen westlich von 
Zermatt \m Hintergrund des Zermatt-ThaX&s ^ und gegen St. Nikiaus 
zu tritt in der Höhe der rechten Thal Seite an mehreren Stellen Kalk 
auf: die Sediment-Linie möclite nach dieser Richtung sich wohl bis an 
den Flysch des Walliser Haupt-Thales verfolgen lassen. Zu beiden 
Seiten aber von diesen Sedimenten finden wir mächtige Gebirge von 
Gneiss, so dass msin beinah zu der Annahme berechtigt ist, dass die 
weit ausgedehnte Partie sogenannter ürgebirge , die auf unseren geo- 
logischen Karten dieser Gegenden als ein grosser rother Fleck figurirt, 
bei näherer Untersuchung sich in einzelne durch Sedimente getrennte 
Gneiss -Massen werden zertheilen lassen. Als eine dieser zentralen 
Gneiss -Massen ist man versucht den Mte. Rosa anzuerkennen. Es 
unterscheidet sich jedoch dieser Gebirgs-Stock wesentlich von den ande- 
ren alpinen Zentral-Massen, wie wir sie im Montblanc, in der Gruppe 
des Finster - Aarhorns , am Ootthardt u. s. w. kennen gelernt haben, 
und nach seiner Stein-Art, wie nach der Schichten-Lage derselben ent- 
spricht er vielmehr der Gebirgs-Masse des Bernina, mit welcher auch 
in topographischer Beziehung sich auflFallende Ähnlichkeiten darbieten. 
In den mächtigen Rücken des Bernina scheint der am Mte. Rosa plötz- 
lich abgebrochene Gebirgszug weiter östlich fortzusetzen , und das 
Aosta-Th^\ ist die Verlängerung des V eltlins , so wie das Wallis die- 
jenige des Vorder- Rhein-Thh\es. — Auf meinem Streifzuge durch Piemont 
besuchte ic!i vorzugsweise die Stellen, die in den letzten Jahren von 
Hr. SiRMONDA genauer beschrieben worden sind und in der bis. jetzt 
fast wüste gelegenen Geologie dieser Gegenden sehr erwünschte Oasen 
bilden: die ausgezeichneten Syenite der Valle di Sesia^ welche man bei- 
nah mit den Syeniten von Sondrio im Veltlin in Verbindung Setzen möchte; 



— 211 — 

die Porphyre von Grinasco, welche in beträchtlichem Hügelzuge die süd- 
liche Porphyr -Linie über den Orta - See hinaus gegen W. bis nach 
Masserano verlängern; die subapcnninischen Bildungen mit grossem 
Reichthum von Konchylien zwischen Masserano und Cussato, die nörd- 
lichste Stelle, an der sie bis jetzt sind gefunden worden; die schöne 
Gesteins - Folge an der Strasse von Biella nach der Madonna d'Oropa^ 
wo Syenit, Serpentin und Melaphyr in engster Verbindung auftreten und 
durch die Kunst-Strasse , welche nach dem prachtvollen, in dem hoch- 
gelegenen felsigen Kessel-Thale in hohem Grade überraschenden Kloster- 
Gebäude führt, auf langen Strecken entblöst sind; die berühmten Gru- 
ben von Traversella und Brosso, so ausgezeichnet durch die unglaub- 
liche Manchfaltigkeit der schönsten Mineralien, unter denen vielleicht 
die verschiedenen Verbindungen der kohlensauren Kalkerde und Talk- 
erde vorzugsweise unsere Beachtung verdienen. — Mein Rückweg aus 
Piemont an die Nordseite war leider nicht von der Witterung begün- 
stigt : frisch gefallener tiefer Schnee bedeckte die interessanten Pässe 
des Col de la Seigne und de Bonhomme, und die unglaubliche Prellerei 
auf dieser ganzen Touristen-Strasse schreckte n)ich ab, sein Abschmei- 
zcn in Geduld abzuwarten. Nicht lange nach unserem Übergang trat 
das Wegschmelzcn des neu gefallenen und des alten Schnees so rasch 
ein, dass die meisten Pässe für längere Zeit unterbrochen und die 
Thäler so arg wie vor fünf Jahren beschädigt worden sind. 

Unsere diessjährige Naturforscher - Versammlung , hier in Bern 
unniittelbar vor meiner Abreise , war zahlreich besucht und hatte sich 
mancher interessanten Mittheilung zu erfreuen. Zu den wichtigsten 
gehört wohl unstreitig die Vorweisung eines Vogel-Skelettes als Abdruck 
auf dem Fischschiefer von Glarus durch Escher. Das Stück ist als 
Vogel- Skelett bestimmt worden durch Herm. v. Meyer; auch Agassiz 
findet, es könne an der Richtigkeit der Bestimmung nicht gezweifelt 
werden. Also wieder ein Wirbelthier höherer Klasse im Sekundär- 
Gebirge, in Schichten, die vor nicht langer Zeit noch dem Übergangs- 
Gebirge beigezählt wurden. Wenn jedes Jahr noch solche Entdeckungen 
aus den seit ältester Zeit untersuchten Gegenden bringt, wie mag man 
nur der Spielerei sich hingeben , aus dem bis jetzt Bekannten Theorie'n 
herleiten zu wollen über die Entwicklungs-Geschichte des Organischen, 
die Plane der Schöpfung, das Alter des Menschen - Geschlechts! So« 
bald die Verhandlungen unserer Versammlung gedruckt seyn werden, 
was noch in diesem Jahre geschehen soll , werde ich Ihnen dieselben 
zuschicken. 

B. Studer. 



Neusold, 8. Okt. 1839. 
So eben komme ich wieder aus der Knochenhöhle in Hermenetia, 
wohin ich Hrn. B. Zobel königl. Preussischen Bergmeister zu Reichen^ 
stein in Niedersvhlesien begleitete. In seiner Gegenwart wurden ein 



— 212 — 

voMstäiicIiger Schädel des Ursus spelaeus, mehre Kinnladen mit Eck- 
zähnon, losp Hauer, ungeheure Vorder-Knochen, Hüftpfannen und Rücken- 
Wirbel ausgegraben, auch jene bläulichiyeisse Substanz gesammelt, von 
welcher ich in meinem Letzten Erwähnung machte. Hr. Zobel hält 
sie für Kieseiguhr und den Kalk, welcher die Knochen - Überreste 
birgt, für Jura- oder Lias-Kalk, ob er gleich auf keine Versteinerung 
gekommen. Indessen erscheinen diese im jenseitigen Gebirgs-Riegel und 
zwar im Bistrit%er Thale , als Ammoniten , Belemniten und Pektiniten, 
und ziehen sich bis nach Turec%ka unter der Alpe fi^nscAna bei Ältgehirg. 

Dr. ZiPSER, 



Meensen, bei Hannöverisch'Mündeni 10. Okt. 1839 *), 

Vom Katzenbuckel im Gdemvalde ^ wohin ich »»ich zunächst von 
Heidelberg aus begab, ging ich ostw'ärts, bis ich an den Muschelkalk 
des Baulandes gelangte, nach dessen Untersuchung ich am Main hinab 
gegen Aschaffenburg mich wendete. Von da gings in den Spessart. 
Auf der Würzhurger Chaussee fand ich die Felsart von Gailbach wie- 
der, welche für Basalt ausgegeben wird, von welcher sich aber eigentlich 
nur sagen lässt , sie sey eine unbestimmte Grundmasse , in der sich 
grosse Feldspath - Partie'n , Quarz - Krystalle und recht viele schwarze 
Glimmer-Blättchen Porphyr-artig befinden. Ich ging eigens nach Gail- 
bach^ wo sie anstehen sollte, und es gereuet mich gar nicht, diesen 
Abweg gemacht zu haben. Der erwähnte „Porphyr" wird hier nämlich 
in mehren Brüchen gewonnen , in deren einem er sich auf die ausge- 
zeichnetste Weise als ein etwa 15| F. breiter Gang im Gneiss darstellt. 
Vorzüglich interessant war mir aber , hier unerwartet den Schlüssel 
zur Deutung der vielen, namentlich bei Schriesheim und bei Wald- 
mtchelbach im Odenwalde im Granit und Gneiss befindlichen Gänge 
jenes Glimmer-reichen Gesteins, welches aussieht wie die Verwitterung 
selbst — eine andere Charakteristik könnte ich kaum geben — zu 
linden. Der Gailbacher Porphyr- Gang ist nämlich nar in seiner Mitte 
ein ausgesprochenes Gestein ; an den dem Gneisse zugekehrten Seiten 
aber nimmt er als Kontakt-Produkt ganz die Beschaffenheit jener Oden- 
wälder Gesteine an , von denen ich nun glaube , dass sie wegen der 
geringen Breite der von ihnen erfüllten Spalten durch und durch solches 
Kontakt-Produkt geblieben sind. So hätten wir denn diese Felsart schon 
in zwei Gebirgs - Systemen , und, als ich neulich meine Erzgebirgische 
Sammlung durchsah , fand ich noch , dass ein von Cotta bei Tharand 
im Gneiss aufgefundenes Gang-Gestein viele. Übereinstimmung mit dem 
Gailbacher Porpiiyre besitzt. 

Hauptsache war mir aber im Spessart die Zechstein - Fornyation, 



') Der Brief war an Hrn. Trof. Blum j^erichtef und wurde von diesem zum Ab- 
drucke mitgcthelU. In Beziehung auf seinen Inhalt vgl. Jalirb. 1839, 418. D. R. 



— 213 — 

um sie mit den Odenwälder Gesteinen , die ich unter denselben Begriff 
zu fassen mir erlaubt hatte , vergleichen zu können. NacJidem ich un- 
mittelbar he\ Aschaffenhurg den Ihnen bekannten Zechstein -Do lomi t 
ohne andere Glieder der Formation gesehen hatte, suchte ich Stunden- 
lang auf der Grenze zwischen Gneiss und buntem Sandstein vergeblich 
nach dergleichen. Endlich aber wurde icii zwischen den Dörfern Seil- 
auf und Eichenberg mit einem Male belohnt. Hier stieg ich einen 
Berg über Gneiss, Zechstein-Formation und Thon des Bunten Sandsteins 
hinan, und dann wieder über Zechstein -Formation zum Gneiss hinab. 
Die Zechstein - Formation daselbst besteht theils in einem Mischmasch 
von Dolomit, kieseligem Brauneisenstein und Schwerspath , tlieils in 
ausgezeichneten Rauchstein -Bänken , aus welchen letzten ich so viele 
Petrefakten bekommen konnte, als ich nur haben wollte. Aber auch 
hier findet sich doch keineswegs der für bezeichnend erachtete Pro duc- 
tus aculeatus, sondern überhaupt nur dreierlei Petrefakten, diese 
jedoch in grosser Häufigkeit: 1) verschiedene Spezies kleiner A vicu lae, 
2) ?Lyriodon von verschiedener Grösse, jedoch nie so gross, wie die, 
welche Sie von Rückingen besitzen und 3) kleine einschaalige gewun- 
dene Konchylien. Die Analogie, die zwischen den erwähnten kieseligen 
Braun -Eisensteinen und den Eisenkieseln — oder, wenn Sie wollen, 
auf eine cigenthüralich'e Weise eisenreichen Sandsteinen — des Oden- 
9vntdfS besteht, ist zwar gross, jedoch verdross es njich , hier, dem 
Odr'juv'ilde noch so nahe und an einer Steile , wo die Zechstein - For- 
mation ziemlich entwickelt ist, keine Gesteine finden zu können, welche 
mit den sogenannten Eisenkieseln völlige Identität zeigten. Aber auch 
dieser letzte Wunsch wurde mir noch gewährt: als ich nämlich von 
der Bergkirche zwischen Lochborn und Büchelbach nach Bieber hinab- 
ging, sah ich mich zu meinem grossen Vergnügen wie auf den Stift- 
Buckel bei Stift Neuburg, oder auf die Gegend von Oberkin%^g ver- 
setzt, denn um mich lagen viele Eisenkiesel-Blöcke, die denen der 
genannten Stelleu ganz vollkommen gleichen, nicht bloss petrographisch, 
sondern auch in Hinsicht auf die Einschlüsse. Vor einigen Tagen 
traf ich auch noch beim Blättern im vorigen Jahrgange des Jahrbuchs 
auf den Auszug aus Krug v. Nidda's geognostischen Bemerkungen über 
den Thüringer Wald, wo es S. 689 heisst, in Höhlenräumen und 
Klüften des Zechstein - Dolomites zu Albrechts am Thüringer Walde 
finde sich Brauneisen - Ocker , der durch Aufnahme von Quarz-Massen 
in festen Eisenkiesel übergehe. Ferner entsinne ich mich, einst am 
südlichen Fuss des Harzes zwischen Ellrich und Ilefeld auf dem Ter- 
rain der Zechstein - Formation einzelne Blöcke von solcher Gestein- 
Beschaffenheit liegen gesehen zu haben, dass ich auch sie neben obigen 
aufführe. Fasse ich nun Alles zusammen, was mir, von Albrechts und 
Ilefeld abgesehen, über die sogenannten Eisenkiesel bei Schlierhnch, 
Stift Neuburg, Schriesheim, Weinheim, Oberkinzig und Bieber bekannt 
geworden ist, so weiss ich die beiden Extreme ihres entschiede n Gang- 
förmigen Vorkommens bei Schriesheim und ihrer entschiedenen Petrefakten- 



^ 214 — 

Fiihi'uug an audern Orten uicht auders zu vereinigen, als durch die 
Annahme : es seyen zur Zeit der Bildung des Zechstein - Dolomites in 
jenen Gegenden auf Klüften der Erdkruste heisse Quellen aufgestiegen, 
welche mit Kieselerde, mit Eisen und Mangan in nicht Weiter bestimm* 
baren Zustande und dann auch, so schwer auflöslich er immerhin seyn 
mag, mit schwefelsaurem Baryt überladen waren und diese Stoffe an- 
fangs in die Klüfte als Gänge absetzten, dann aber über deren Mün* 
düng mehr oder weniger horizontal ausbreiteten, wo denn zufällig aus 
dem sie bedeckenden Meere Konchylien in sie hinabfielen. Dass aber 
die Zechstein-Formation im Odeiiwatäe , Heidelberg mitgerechnet, wirk^ 
lieh vorkomme, darüber habe ich nun längst keinen Zweifel mehr, da 
über diese Ansicht Petrographie , Oreigraphie und Paläontologie sich 
zugleich günstig äussern, wenn mau Gestein-Beschaffenheit, Lagerung 
und Versteinerungen berücksichtigt. Der letzte , bisher am wenigsten 
sichere Punkt hat für mich noch mehr Haltbarkeit gewonnen , als ich 
unterwegs bei Asmushausen ^ zwischen Riechelsdurf und Rotenburg 
wieder nur Aviculae und Lyriodon (ausserdem Dentalien) im 
Zechstein fand, und da ich die Petrefakten aus der Ear%er Zechstein- 
Formation , die ich früher in meine Sammlung niedergelegt hatte und 
jetzt vor mir habe , ebenfalls in grösster Übereinstimmung mit jener 
Ansicht und auch ohne Productus aculeatus sehe. 

H. L. Wissmann. 



Zürich, 4, Nov. 1839. " 
Im verflossenen Sommer habe ich leider wenig für die Mineralogie 
thun können; meiner Gesundheit wegen musste ich beinahe fünf Wo- 
chen in Gais zubringen. Dennoch konnte ich's nicht lassen , Ende 
August noch die Sammlungen in Andermatt und Hospenthal zu be- 
suchen und auch unterwegs in den Dörfern an der Gotthards - Strasse 
nach Mineralien zu fragen. — Da ich anhaltendes Gehen gegenwärtig 
uicht ertrage , so musste ich die Reise im Wagen machen, was meinem 
Zwecke eben nicht förderlich war. Indessen bin ich mit meiner mine- 
ralogischen Ausbeute ziemlich zufrieden. Die Hauptstücke davon sind 
die Stilbite aus dem Rienthale und eine kleine , aber in krystallogra- 
phischer Beziehung sehr merkwürdige Eisen-Rose. 

Die Stilbite , von denen Sie anbei einige Musterstücke erhalten, 
wurden vvenige Tage vor meiner Ankunft durch Bauern aus der Gegend 
von Wasen im naheliegenden Rienthale entdeckt. — Ich kaufte so- 
gleich ihren ganzen , aus ungefähr zwanzig kleinern und grössern 
Stücken bestehenden Vorrath. Seither ist nun aber , wie ich vernom- 
men habe, noch mehr davon gefunden worden, so dass diese Stelle 
der Erwähnung verdient. Es ist ein ganz neues Vorkommen, von 
SchweitTierischem Stilbit. Von dieser Färbung und in so grossen, ku- 
geligen und nierenförmigen Massen ist meines Wissens der Stilbit bis 
jetzt bei uns nicht vorgekommen, 



— 215 — 

Mit dem Stilbite sind zugleich sehr schön ausgebildete kleinere und 
grössere Berg-Krystallc gefunden worden, die beinahe alle hohle Röhren 
eiuschliessen , wohl ohne Zweifel von ausgewitterten Stbstanzen her- 
rührend. In meiner Sammlung befindet sich ein solcher Krystall mit 
vielen dieser Röhren, welche die Form dünner, ungefähr einen halben 
Zoll langer, klinorhomboidischer Säulen haben. 

Nach Hrn. Dr. Lusser in Altorf sollen schon früher ausgezeichnet 
schöne Berg- Krystalle dieser Art im ttienthale gefunden worden seyn, 
aber ohne Stiibit. 

Die erwähnten Berg-Krystalle so wie der Stilbit scheinen, so viel 
ich von den in meiner Sammlung befindlichen Suiten entnehmen kann, 
in einem etwas verwitterten Gneiss - artigen Gesteine vorzukommen, 
welches iu manchen Stücken Granit -artig aussieht. Von den Bauern 
selbst konnte ich hierüber nichts Näheres erfahren. Beibrechende Sub- 
stanzen sind: Chlorit, Adular und Eisenglimmcr. 

Das Rienthal liegt auf dem rechten Ufer der Reitss ^ Göschenen 
gegenüber, an der GotthardsStrasse im Kanton Uri. 

Die kleine Eisen-Rose, deren Längen-Durchmesser einen Zoll, die 
Breite einen halben Zoll beträgt (neu Schiveitzer Maass) , kaufte ich 
von Hrn. Müller zu Hospenthal. Dieselbe wurde nebst anderen Exem- 
plaren dieser Substanz von einem Biindtner Bauer am Gaveradi, Chia- 
rnitt gegenüber, im Tavetscher -Thale gefunden. Die Farbe ist eiseu- 
schwarz, der Glanz sehr lebhaft, und auf verschiedenen Flächen finden 
«ich, die für diesen Fundort so bezeichnenden, kleinen Krystalle von 
Rutil. — Mehrere kurz-säulenförmige Krystalle, wovon der grösste un- 
gefähr %" breit und \X"' hoch ist, sind zu einer Gruppe (Eisen-Rose) 
vereinigt. An diesen Krystalleu lassen sich nun mit Bestimmtheit fol- 
gende Flächen wahrnehmen: 

1) Die gerade angesetzte Endfläche (vorherrschend), 

2) „ Flächen des Grund-Rhomboeders. 

3) „ „ eines stumpfern Rhomboeders. 

4) „ „ „ Skalenoeders. 

5) „ yy „ Dihexaeders. 

6) „ „ dreier verschiedenen Prismen, wovon die des einen 
vorherrschend, die der beiden andern hingegen nur ganz schmal sind. 
Letztere könnten auch als dreifache Eutseitung der vorherrschenden 
sechsseitigen Säule betrachtet werden. 

Ausserdem befinden sich an diesen Krystallen noch einige andere 
ganz kleine Flächen , welche ich jedoch nicht näher zu bestimmen ver- 
mag. — Mir ist bis jetzt noch keine StuflFe von Schweitzerischem Ei- 
senglanze zu Gesichte gekommen, welche eine grössere Manchfaltigkeit 
von Flächen dargeboten hätte. Besonders bemerkenswerth scheinen mir 
die Prismen-Flächen, welche, wie bekannt, beim Eisenglanze seltener 
sind. Unter ungefähr 40 Eisenglanz- Exemplaren vom St. Gotthard, 
die sich in meiner Sammlung befinden, sind nur einige, welrhe die 
Seitenflächen eines Prisma's' wahrnehmen lassen. 



-- 216 — 

Ich erlaube mir der Sendung noch beizufügen: 

1) Zwei Exemplare der bleigrauen , metallischen , mit Realgar im 
Dolomite des Binnenthaies vorkommenden Substanz, nämlich eines von 
dunklerer und eines von lichterer Färbung. — Die chemischen Kenn- 
zeichen sind Seite 557 Ihres Jahrbuchs 1839 von mir beschrieben 
worden. Seitdem hat Hr. Eduard Schweitzer, Stud. von hier, die Gute 
gehabt, jene Substanz im Laboratorium der Universität auf nassem 
Wege zu prüfen und sich dabei von Vorhandenseyn des Antimons — 
welches ich vor dem Löthrohre nicht mit genügender Bestimmtheit er- 
mitteliT konnte — überzeugt — Bei wiederholten Versuchen mit dem 
Löthrohre schien es mir, dass der Silber-Gehalt der dunkler gefärbten 
Abänderungen geringer seye, als der lichter gefärbten. 

'2) Ein Exemplar einer problematischen Substanz , welche nach 
der Aussage des mit Mineralien handelnden Bauers Joh. Joseph Tschei- 
NEN von Unterwasser bei Oberwald im Ober-Wallis (von welchem ich 
sie kaufte) im Antiyoria - Thale bei Domo d'Ossola im Piemont in 
ziemlicher Menge und zuweilen in Fuss - langen , mehr und weniger 
breiten und dicken, dünnschieferigen Tafeln gefunden werden soll. Bei- 
liegendes Stück selbst ist von einer ungefähr 5" langen , 2" breiten 
und 2'" dicken Tafel. — Mir scheint diess Mineral etwas ganz Eigen- 
thümliches zu seyn. Das Verhalten vor dem Löthrohre habe ich gefunden, 
wie folgt: 

„Im Kolben Wasser gebend, das nicht sauer reagirt. 

„In der Platin - Zange, in ganz dünnen Blättchen an den Kanten 
zu schmutzig -gelblichbraunera Schmelze fliessend-, die stark geglühten 
Blättchen werden silberweiss, mit einem Stich ins Gelbliche und schwach 
metaüglänzend. 

„In Borax leicht und in bedeutender Menge lösbar zu klarea» 
von Eisen gefärbtem Glase. 

„In Phosphor -Salz ebenfalls leicht lösbar zu einem von Eisen 
gefärbten Glase, das von einem bedeutenden Zusätze nach dem Erkalten 
milchig wird. 

„Mit Soda auf Kohle zu braunlich-gelbera Schmelze fliessend, und 
auf Platinblech selbst mit Zusatz von Salpeter keine Spur von Mangan- 
Reaktion zeigend. 

„Mit Kobal t-Solntion schwarz werdend." 

Ich hatte die Ehre, Sie schon früher zu benachrichtigen, dass im 
Herbste 1838 am Thierberge in der Nähe des T/v/^^w -Gletschers, nord- 
östlich über Guttannen im Berner Oberland, sehr schöner rother Fluss- 
spath in entkanteten und fünffach enteckten regehuässigen Oktaedern 
(vier Enteckungs - Flächen in der Richtung der Kernflächen) gefunden 
wurde. Meines Wissens ist diess eine neue, beini Flussspathc bis jetzt 
noch nicht angeführte Krystall-Form. — Die gleiche Form, nämlich 
die Kombination des Oktaeders o, Dodekaeders d, Lcuzitoeders § und 
Hexaeders a, mit vorherrschenden Oktaeder-Flächen ist , als beim Rotli- 
kupfer-ErzG von Gumeschewsko) vorkommend, auf Taf. I, Fg. 10 b in 



~ 217 — 

d« I 2teii Auflage der Elemente der Krystallographie von G. Rosk abge- 
bildet. — Diese mit Bero-Krystall auf ein scliiefriges, Feldspatb-artiges 
Gestein aufgewacbsenen Oktaeder rotben Flussspatbes baben einen 
Durchmesser von 2 bis Sh'", und die meisten sind durch Cblorit stellen- 
weise grün gefärbt. 

Neuerdings hatte ich Gelegenheit, an diesem rothen Flussspathe 
noch eine andere Form zu beobachten, nämlich: 

das regelmässige Oktaeder lünffach enteckt (vier Enteckungs- 
Fläciien in der Richtung der Kanten), oder die Kombination des Ok- 
taeders, Hexaeders und Tetiakishexaeders (Pyramidonwiufels) mit vor- 
herrschenden Oktaeder-Flächen. Ich weiss nicht, ob auch dieser Form 
schon irgendwo erwähnt wurde. 

So viel mir bekannt, ist bis jetzt der rothe Flussspath in der 
Schiveitz an folgenden Stellen gefunden worden: 

1) Im Tavetscher-Tliale Graubündtens. 

2) Auf der Güschenen Alpe im Kanton üri. 

3) In einer Krystail-Hohle des ZinkenUocks am Üntei'aar-(^\^ist\\Gt. 

4) Im Maggia-Tliale im Kanton Tessin. 

5) Am Thierherye in der Nähe des Triften-GUischers. 

Nur an den zwei letztgenannten Orten aber wurden Kombinationen 
vuu verschiedenen Formen gefunden , wovon die interessantesten und 
sihönsten am Tläerberye. An den drei übrigen Stellen sind bloss 
Oktaeder ohne Modifikationen vorgekommen. 

Wälirend dem Baue der GotthardsSiT'dsse wurden beim Sprengen 
eines Felsens in den Scliöllenen , benannt yyTanzentein" , auch etliche 
Stücke von rothem Flusspath in Kaikspath eingewachsen gefunden, 
wovon eines sich in nipiucr Sammlung befindet. 

Diesen Herbst habe ich endlich einmal ejn Exemplar des in Ber- 
NOUiLi's Tas(;henbuch für die Schweitzerische Mineralogie erwähnten 
Auripigments aus dem Wallis erhalten, welchem ich schon so lange 
vergeblich nachgeforscht hatte. Es findet sich das Auripigment auf 
einem Stücke in ganz kleinen, krystallinischen, schwefelgelben Partie'n 
mit Realgar verwachsen und demselben gleichsam zur Hülle dienend, 
in weissen feinkörnigen Dolomit eingewachsen, begleitet von Zinkblende, 
Eisenkies, Glimmer, ßitterspath und der oben erwähnten bleigrauen 
metallischen Substanz. 

Kürzlich erhielt ich eine aus zwölf Exemplaren bestehende Suite 
des Feldspathes von Baveno : es sind theils lose Krystalle, theils Kry- 
staSl-Gruppen und Drusen. An einigen dieser Krystalle lässt sich stel- 
lenweise ein Rinde-artiger, klein-traubiger, bald wasserheller durchsich- 
tiger, bald graulich-weisser oder braunlicher durchscheinender Überzug 
wahrnehmen, welchen ich für Hyalith zu halten geneigt bin. — Beson- 
ders auf einem Stücke Ist die Ähnlichkeit dieses Überzuges mit dem 
Hyalithe wiiklich sehr gross. Derselbe ist für sich vor dem Löthrohre 
unschmelzbar, verliert aber seine Durchsichtigkeit, wird milchweiss 
nnd Perlmutter -artig glänzend. Mit Soda auf Kohle schmilzt derselbe 



^ 218 — 

zur durchsichtigen , wasserhellen , etwas grünlich gefärbten Kugel. — 
Andere Versuche konnte ich, der Kleinheit der mir zu Gebote stehenden 
Probe wegen , nicht anstellen. Dieses Verhalten stimmt jedoch ganz 
mit demjenigen des Hyaliths iiberein, wovon ich zur Vergleichung meh- 
rere Abänderungen prüfte. 

Albit j wie bekannt , ein gewöhnlicher Begleiter dieser Feldspathe, 
kann es der ünschmclzbarkeit wegen nicht seyn , und obbesagtem Ver- 
halten zu Folge auch nicht Flussspath , der ebenfalls im Granite von 
Baveno vorkommt. — Der Verlust der Durchsichtigkeit wird ohne 
Zweifel durch das Entweichen des Wassers bedingt? 

Vergeblich suchte ich an den, in andern hiesigen Sammlungen be- 
findlichen , leider nicht zahlreichen Feldspath - Krystallen von Baveno 
diesen Überzug zu entdecken, was mich vermuthen lässt, dass vielleicht 
die meinigen von einem neuen Anbruche herrühren möchten. — Ohne 
Zweifel ist Ihre Sammlung mit diesen Feldspathen reichlich versehen, 
an welchen der Hyalith-artige Überzug sich vielleicht vorfinden dürfte ''). 

Merkwürdig ist jedenfalls die grosse Manchfaltigkeit der diese 
Feldspathe begleitenden Substanzen. Den in meiner Sammlung befind- 
lichen Exemplaren zu Folge sind es: 

1) Berg-Kry stall, wasserheller und rauchgrauer. 

2) Glimmer, silberweisser und grünlich weisser. 

3) Albit in graulich-weissen Zwillings-Krystallen. 

4) R 1 h e i s e n - R a h m. 

5) Flussspath in grünlich- weissen Oktaedern. 

6) Tur mal in, schwarzer. 

7) Chlorit, erdiger. 

8) Epidot, ölgrüner, als dünner krystallinischer , Rinde - artiger 
Überzug. 

9) Hyalith? 
10) Laumontit. 

Die letztgenannte Substanz dürfte wohl am seltensten vorkommen. 
Das einzige Exeujplar mit Laumontit, welches ich bis jetzt gesehen 
habe, befindet sich in der hiesigen städtischen Mineralien - Sammlung. 
Diese kleine Gruppe Feldspath -Krystalle , begleitet von Chlorit und 
Epidot, ist stellenweise mit einer starken Rinde von krystallisirtem 
Laumontit bedeckt. Die Krystalle sind kleine, aber sehr deutliche 
schiefe rhombische Säulen, ohne weitere Modifikation. Das Verhalten 
vor dem Löthrohre setzt es ausser allen Zweifel , dass diese Substanz 
den Zeolithen angehöre. Auf der Etiquette ist bemerkt, dass dieser 
Laumontit im Jahr 1813 entdeckt und für Stilbit gehalten wurde. 

Mit diesen Feldspathen kaufte ich zugleicli einige Exemplare des 
Pleonastes vom Mo«xo«t - Berge im Fassa-Thale. Auf einem derselben 
befindet sich ein ganz kleines, aber deutliches, in der Richtung der 
Kanten vierfach entecktes und sehr schwach entkantetes regelmässiges 



K) V«rseblicl\ liahc ich darnach gesuclit. 



— 219 — 

Oktaeder, oder die Kombination des Oklaederfi, TetrakishexaedeFS (Py- 
ramiden - Würfel) und Dodekaeders mit vorherrschenden Oktaeder- 
Flächen. So viel ich weiss, ist bis jetzt diese Form beim Spinell nicht 
angefühlt worden. 

D. Fr, Wiser. 



Crefeld, 13. Nov. 1839. 

Sie waren vor einiger Zeit so gefällig, meiner Mittheilung über 
den Knochen eines Kormorans Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ich 
habe seitdem fortgefahren — durch das allgemein bekannte Aufmunte- 
rungs-Mittel — die Blicke der Arbeiter auf die (jedoch sehr selten) in 
dem Mo»iöacÄ6'r Paludinen-Ka!k, vorkommenden Knochen-Reste zu lenken, 
und es ist mir gelungen, dadurch vor dem Zerstören zu retten: 

a) einen fast ganz erhaltenen Zahn von Rhinoceros S chley ernia- 
cheri, an welchem zum Theil noch der Schmelz vorhanden. 

b) Zwei Bruchstücke von Rh inoce ros -Zähnen. 

c) Den Knochen eines S un» p f vogels. \ 

d) Tibia eines Wiederkäuers, ähnlich der! 

r, I Ol t • I Nach den Ansichten des 

von Palaeomeryx Scheuchzeri. f 

^ x:,- , ir 1 1 j T \Hrn. Herm. v. Meyer, wel- 

e) t isch-Knochen, worunter das Innere > ^ ' 

rr c j j rt /eher so ffefällie: war, diese 

eines Kopfes — und das Praeopercu- 1 & & ? 

, 111 I j I Knochen zu untersuchen, 

lum und Intcroperculum aus den l 

Kiemen. / 

Alle diese Knochen sitzen so fest in dem Paludinen-Kalk einge> 
schlössen, dass bei aller Vorsicht im Zerschlagen man doch nur Bruch- 
stücke bekömmt. Von einer Neritina fluviatilis in diesem Kalk 
habe ich dieser Tage einige gute Exemplare erhalten, wovon ich Ihnen 
welche bei erster guter Gelegenheit senden werde , falls Sie solche 
nicht bereits besitzen: sie kommen nicht häufig vor. 

Fried. Wilh. Hoeninghaus. 



Heidelberg, 17. Nov. 1839. 

Meine im Neuen .Jahrbuch 183-1 und in andern dort angeführ- 
ton verschiedenen Schriften ausgesprochene Ansicht über die Ursachen 
des Diluviums findet n»^Bestätigung. Gegen El. de Beaumont u. A., 
welche diese Ursache in Schmelzung des Gletscher- Eises (dessen 
früheres Vorhandcnseyn eine unbegründete Hypothese ist — ) oder in 
anderen gleich unhaltbaren Angaben suchen, — setzte ich das Diluvium 
verschiedener Gegenden in Verbindung mit den letzten Gcbirgs- 
Eriiebungen im Grossen, die meist durch die jüngeren Basalte 



— 220 — 

und Plionolithe etc. *) bewirkt wurden. Neuerdings hat nun Eduard 
BiOT der Französischen Akademie den Anfang einer Reihe von Memoi- 
ren vorgeleg't, worin er eine denkwürdige chronologische Über- 
ein Stimmung der Boden -Erhebungen und Erdbeben mit den 
hauptsächlichsten Überschwemmungen nachweist, die in chinesi- 
schen Annalen aufbewahrt sind. Auch er erkennt in der Wüste 
Gobi frühere Binnen -See'n an, die sich unter Erd - Erschütterungen 
durch einen Arm des gelben Flusses oder durch die Schlucht von Tsi- 
schi entleerten. Forner sprechen die Chinesen von dem Aufsteigen 
zweier mächtigen Berg -Ketten, wodurch der Lauf des gelben Flusses 
und des grossen Klang ^ überhaupt der Lauf mehrer Flüsse verändert 
und Zentral- C/iewa mit neuen See'n und Sümpfen bedeckt worden sey. 
Die Erinnerung dieser Ereignisse spielt in den Mythen von Yao und 
Fu-hy , jene 24 , diese 33 Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Es 
ist bekannt, wie sehr diese Überlieferungen den Mythen anderer Na- 
tionen entsprechen. Nicht aber Überlieferungen, deren hohe Be- 
deutung gleichwohl unverkennbar bleibt, — vielmehr die Sprache der 
Natur entscheidet über die Naturgeschichte dieser Länder. Dass 
beide über Ereignisse der letzten Katastrophen zusammenstimmen, kann 
dem Vorurtheils-freien Naturforscher nur willkommen seyn. 

Ch. Kapp. 



Le Piiy {Haute Loire), 21. Dez. 1839. 

Manchfaltige Beschäftigungen hinderten mich bis jetzt, die letzte 
Hand an meine Beschreibung der fossilen Überbleibsel unserer Süss- 
wasser - Gebilde zu legen. In diesem Jahre fanden wir wieder einmal 
Gebeine von Palaeotherium Velaunum Cuv. in der Gyps-Formation. 
Sicher gehörte dieses Paläotherium zu den ältesten Bewohnern des 
Bodens von Puy ; wenigstens ist es bis jetzt das einzige, welches un- 
terhalb des Kalkes mit Lymnäeu vorkam , der zunächst über dem Gyps 
liegt, und in dem man nach und nach fand: einen Fisch, ein Krokodil 
zur Abtheilung der Kaimans gehörig, einen kleinen Nage r, vier Arten 
Fleischfresser , wovon der grösste kaum wie ein Fuchs , einen kleinen 
Wiederkäuer und unter den Pachydermen ein sehr kleines Palaeo- 
therium, ein sehr kleines A n opl o theri u m , endlich drei Anthraco- 
theri um-Arten von verschiedener Grösse. Nur A. Velaunum dürfte 
einigermaascn zahlreich gewesen seyn. 

Bertrand de Doüe* 



) Vergl. L. B. auch Neues Jahrb. 1833, Vi, 673 fF. 



~ 221 



Mittlieiliingen an Professor Bronn gerichtet. 

Madrid, 17. Okt. 1839. 

Am Cf'rro dt San Isidro habe ich wieder einige fossile Knochen 
und Zähne {gefunden, worunter Backenzähne von ?Anoplotherium 
murin um, Cho er opot am us Ma t ri t en sis und Sus palaeochoc- 
rus, einen schönen Mahlzahn von Mastod on longirostris, einige 
unbekannte Welirzähne u. s. w. Dieselbe Knochen - Schichte, welche 
alle diese Reste lieferte, haben wir noch an zwei andern Stellen auf- 
gefunden, wovon die eine im Cerro de Almodovar de Vallecas ist, wel- 
chen man seines Magnesites wegen kennt, welcher unter der Knochen- 
Schichte vorkommt. Inzwischen haben uns diese neuen Fundorte noch 
keine Knochen von Werth geliefert. 

Den Sommer war ich in Xavarra und habe dort für unsre geo- 
gnostische Sammlung gesorgt. Insbesondre wurde ich überrascht durch 
eine Turritella oder Melania, die Melania bilineata Höningh. 
von Paffrath, welche in einem ganz schwarzen Kalke bei Ygea, 8 Stun- 
den VV. von Tndela vorkommt und dort mit gewissen Cythereen und 
Teil inen das Silurische Gebirge zu bezeichnen scheint. Die Sierra 
de Moncayo dagegen gehört zum alten Rothen Sandstein und enthält 
Erz-Lagerstätten. 

Amar ist zum Professor der speziellen Mineralogie und Geognosie 
an der Brücken- und -Wege-Bau-Schule ernannt worden, und hält auch 
an unserem artistischen Lyceura Vorlesungen. Ich lehre, ausser meinem 
Berufe, dort Mechanik , und am Conservatorium der Künste noch ange- 
wandte Physik. 

EzaUERRA. DEL BaYO. 



Neuchätel, 31. Okt. 1839. 

Im Laufe des verflossenen Monats habe ich den westlichen Jura 
bis nach der Perte du Rhone durchforscht und werde Ihnen diesen 
Winter einen kurzen Bericht über das Beobachtete für das Jahrbuch 
niederschreiben. In Genf habe ich die herrliche Sammlung der De 
Luc's, des Onkels und des Vaters des jetzt lebenden, mehrere Tage hin- 
durch studirt: es stecken noch eine Menge unbekannter Dinge darin. 
Die Seeigel habe ich zur Bearbeitung mitgenommen, so wie die der 
öffentlichen Sammlung und die der Privat - Sammlung des Hrn. Dr» 
Mayor: es sind schöne alpine Saciien darunter. Hiebei erhalten Sie das 
Verzeichniss meiner sämmtlicheu [550] Gyps- Abgüsse von 500 Seeigel- 
Arten [Jahrb. S. 125]; später sende ich Ihnen ein systematisches Ver- 
zeichniss mit den Synonymen , Lagerstätten und Lokalitäten. Es kann 
diess nur als ein Vorläufer meiner Monographie'n betrachtet werden. 



— 222 — 

Die lateinische diagnostische Übersicht der Arten der Salenien und 
der Schweitzer Seeigel wird Sie wohl jetzt befriedigen. 

Von den Monographies d' Echinodermes habe ich nun auch die zweite, 
die der Scu teilen ausgearbeitet; sie soll bis Frühjahr erscheinen. 

L, Agassi^ 



Bayreuth, 31. Dec. 1839. 

Agassiz in seiner Monographie ä' Echinodermes. I, S. 5 und 12 be- 
zweifelt, dass Cidarites scutiger M. in der Jura-Formation gefun- 
den worden sey , wie Goldfuss nach meinen Notizen bemerkt bat. In 
so fern Agassiz unter jener Benennung die Salenia scutigera Gray 
versteht, hat er Recht; diese kenne ich auch nur aus den Kreide- 
Formationen: allein, ein im Coral - rag von Nattheim gefundener 
Cidarites mit durchlöcherten Warzen, welcher der Salenia scuti- 
gera in einem kleinen verwitterten Exemplare so ähnlich sah, dass 
ich ihn damit verwechselte, hat zu jenem Irrthum Veranlassung gege- 
ben; später habe ich noch ein Paar ausgezeichnete Exemplare in Natt- 
heim gefunden und andere in Württembergischen Sammlungen gesehen, 
welche aber sämmtlich bedeutend grösser als die Salenien waren 
und überdiess nicht 3, sondern 4 grosse durchbohrte Warzen in einer 
Reihe, und auf den Schildern, welche den After umgeben , strahlenför- 
mige Schuppen haben, mithin wesentlich von der Salenia scutigera 
verschieden sind und wegen der durchbohrten Warzen nicht zum Genus 
Salenia gerechnet werden können. 

Zu den wenigen Arten Fischen aus der Kupferschiefer-Formation 
in Deutschland kommen wieder mehrere neue Spezies; Prof. Germar 
hat deren drei in den Mansfelder Kupferschiefern aufgefunden, worüber 
Dr. KüRTZE eine Abhandlung herausgegeben hat. Er bringt sie sämmt- 
lich unter das Genus Palaeoniscus; allein die grosse Art, welche 
ich vor Kurzem in Halle sah, ist ein Acrolepis. Auch ich habe drei 
Arten aus dem Kupferschiefer von Riecheisdorf erhalten, wobei ein 
schöner Acrolepis Sedgwickii Ag. , Zähne einer neuen Art Psam- 
niodus und Gaumen - Stücke nebst sonderbaren Zähneu eines neuen 
Fisch-Genus befindlich sind , welche im 3ten Hefte meiner Beiträge ab- 
gebildet werden sollen. Auch die Janassa angulata kommt in Rie- 
chelsdorf vor. 

Ich bin seit einiger Zeit beschäftigt, die disponiblen Doubletten 
meiner Sammlung zu etiquettiren, da ich sie in 6000 Species und 20.000 
Exemplaren der Universität Cambridge überlassen habe. 

G. zu Münster. 



Stockholm, 10. Jänn. 1840. 
Die Versammlung unsrer nordischen Naturforscher, welche im Juli 
V. J. zu Güthenhurg Statt fand, und wovon Manche sich nicht Viel 



na 



versprochen , hat alle Erwartuiig;ei) übertroffen. Die Dänen waren 
zahlreich: Örstedt , Schouav, Reinhardt, Forchhammkr , EscHRicnr 
u. s. w. ; auch die Lundensor : Nilsson, Agardh u. A. : aus Norwegen 
waren Boeck und der Mediziner, Professor Holst gekommen, aber wir 
vermissten Keilhau und Hansteen; aus Schweden fehlten die Nord- 
länder, Berzelius war durch Kränklichkeit, Retziüs durch Familien- 
Angelegenheiten abgehalten, Fries war kürzlich gestorben. Wir waren 
nur 3 Tage in Wirksamkeit, und an Vorträgen war kein Mangel. In 
der allgemeinen Sitzung wurden dergleichen von Orstedt, Schoüw 
(besonders schön), Eschricht, Boeck, Holst und Agardh gehalten. In 
der zoologischen Sektion las Reinhardt über die Giftblase der Schlan- 
gen und über Lund's Brasilianische Höhlen - Knochen ; Nilsson über 
die Reptilien Skandinaviens, mit der besondern Bemerkung, dass früher 
«*iue Testudo-Art in Schweden gelebt, wovon man Reste in Torfmooren 
gefunden, auch über ornithologische Entdeckungen; Eschricht über die 
Anatomie der Salpen und den Blut-Kreislauf der Delphine; Forch- 
hammer und Nilsson führten einen freundschaftlichen Streit über die 
Hebung und Senkung Skandinaviens, worin Nilsson die Ansicht ver- 
theidigte, dass das südliche Schweden früher mit Deutschland vereinigt 
gewesen, indem er sich dabei auf die Identität der im Alluvium gefun- 
denen Thier-Reste, auf die geognostische Bildung Bornholms u. s. w. 
bezog. Das Gelingen dieser ersten Zusammenkunft hat eine so vor- 
theilhafte Stimmung bewirkt, dass ich nicht zweifle, die meisten vor- 
jährigen Theilnehmer werden in diesem Jahre sich auch in Kopenhagen 
einfinden. Man spricht auch davon , im Jahre 1812 die Versammlung 
in Stockholm zu halten. 

Sv. LOVEW. 



Jahrgang 1840. 15 



Neue Literatur 
A. Bücher. 



1838. 



N. G. Sefström: Untersuchung über die Rinnen, wodurch die Skan- 
dinavischen Berg-e nach bestimmten Richtungen gefurcht sind, und 
über deren Entstehung. (Abgedruckt aus Kongl. Vetenskaps-Akad, 
Handlingar for 1836, S. 141—255, Tf. vi— ix ; Stockholm 1838.) 

1839. 

L. Agassiz: Recherches sur les Poissons fossiles, Neuchätel in 4^, 
avec Atlas in fol. — 13« livrais. 

Ch. Darwin: Journal of Researches into the Geology and Natural 
History of the various countries visited by H. M. S. Beagle from 
1832 to 1836\ London 8» [18 shil.] 

Friedr. Hoffmann: Geognostische Beobachtungen, gesammelt auf einer 
Reise durch Italien und Sicilien in den Jahren 1830 — 1832. (Aus 
Karsten in Dechens Archiv XIII besonders abgedruckt), 726 SS. 8**, 
1 lith. Tafel 4^ und 1 geogn. Karte imp.-fol. Berlin [5 Rthir,] 

J. J. N. Huot: Geographie physique, ou introduction ä Vetude de la 
Geologie. Paris 18*^. 

K. C. V. Leonhard: Geologie oder Naturgeschichte der Erde auf allge- 
mein fassliche Weise abgehandelt [Jahrb. 1839, 562] 14. und 15, 
LieflF. (oder Bd. HI, 289 — 480, mit 6 LitHographie'n und mehren 
Vignetten). Stuttgart 8'*. 

D. MiLNE : Memoir on the Mid-Lothian and East-Lothian Coal-Fields, 
{i52 Pf). 4^) with a Map and numerous Sections, Edinburgh. 

G. Gr. zu Münster: Beitrage zur Petrefakten • Kunde; zweites Heft; 



— 225 — 

Derapoda Macroura; Abbildung und Bestlireibmig der fossilen lang- 
srliwänzii^en Krebse in den Kalkschiefern von Bayern (88 SS.), 
mit XXX nach der Natur gezeichneten Tafeln. Bayreuth 4". 

R. J. MuRCHisoN : the Silurian Systtm foumled on Geolvyical Resear- 
ches in the counties of Sulvp , Hereford , Raduor , Montgomery, 
Caermarthen , ßrecon , Pembroke , 3Ionmouth , Gloiicester , Wor- 
cester and Stnfford ivith Descripiions of the Coalfields apd over- 
lying Furmntions ; in two parts, 4^ (with an Atlas, 37 plates 
in 4^ and in folio). London. 

G. Roberts: An Etymological and Explanatory Dictionary of the 
Terms and Languaye of Geology. 183 pp. 12^. London. 

J. P. Smith: Scripture and Geology. London 8° [lOi sh.] 

1840. 

.J Steininger: geognostische Beschreibung des Landes zwischen der 
unteren Sunr und dem Rheine (149 SS. 4*^, nebst einem Atlas von 
1 geogn. Karte auf 4 Blättern in Fol.; 15 Profil- Zeichnungen auf 
5 und 12 Petrefakten - Zeichnungen auf 9 Blättern in 4°). Trier 
[12 fl. 15 kr.] 

ß. Zeitschriften. 

1) The London and Edinburgh Philosophical Magazine 

and Journal of Science, third Serie tt. London 8^. [Vgl. 
Jahrb. 183.9, 704.1 

1839, Juli; XV, 1; Nro. 93, S. 1-SO. 

J. Bowring: über die Boraxsäure-Lagunen Toskana^, S. 21—25. 

G. Schweitzer: Analyse des Seewassers im Englischen Kanal bei 

Brighton, S. 51—60. 
Ch. Kersten und Ehrenberg: über eine Leder-artige Substanz, welche 

sich auf einer Wiese gebildet hat, S. 65 — 67. 

1839, August; XV, 2; Nro. 94, S. 81-160. 

T. Richardson: Note über eine Analyse von Kolophonit, S. 86. 

Th. Weaver: über die altern Schicht- Gesteine in Nord - Devon , mit 

Bemerkungen über Übergangs - oder Protozoische Gegenden im 

Allgemeinen, S. 109 — 129. 
A. H. DuMONT : über die Äquivalente des Cambrischen und Silurischen 

Systems in Brlgi^^n, aus dessen Bericht über die Fortschiitte der geo- 

\o<^\»rhenK Alle Belgiens im Jahr 1838, S. 146—152. [Jahrb. S. 115.] 

1839, Sept.; XV, 3; Nro. 95, S. 161-250. 

(Nichts). 

2) Jamesoiv: Edinburgh new philosophical .Journal: EdiU' 

htirgh 8" (vgl. Jahrb. l8^.T^('>i 

15 * 



~ 226 — 

1839, Oct; XXVJI, ii; S. 221— 440, enthält an 
hieher gehörigen Aufsätzen: 

Ch. Clouston: 12jährige Tabelle über die mittle Temperatur von Ork- 

ney, S. 331 [= 7<^,92 C] 
Agassiz: Bemerkungen über Gletscher, S. 383— 391. [Jahrb. |S3P, 477.) 

C. Einzelne andre, nicht ausgezogene Aufsätze. 

J. D. FoRBEs: über Temperatur und geologische Beziehun- 
gen gewisser warmen Quellen, besonders in den Pyre- 
näen, und über Bestätigung der Thermometer {Land. 
Philos, Transact. 1886, II, 571—616). 

R. J. Hay Cunningham: über die Geognosie der Insel Eiyg 
iMem. of the Werner. Societ. for iS37—38. Edinb. 8<> VIII, i . . . 
Diese Sozietäts-Schrift ist uns unzugänglich). 

C. Gallier: Abhandlung über Ein Senkung des Spiegels des 
todten Meeres und des Jordan-Thaies (N. Annal. de voyag. 183.9, 
C, XXI, 1-38). 

A. C. C. F. TAN Winter: Kurze geognostische Bemerkungen über die 
Basalte am Mittelrhein (van der Hoeven en de Vriese Tydschrift 
voor natmtrlijke Geschiedenis FJ, 222— 243). 

Presl: Beiträge zur Kunde vorweltlicher Pflanzen: Volkmannia 
elongata, V. sessilis, Rotularia mar sileaeioWa (Verhandt. 
d. Gesellsch. d. Vaterland. Museums in Böhmen, 1838, S. 26— 3i)> 



Auszüge. 



I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 

A. Breithaüpt: über den polyhydrischen Thraulit oder 
Polyhydrit (Erdmann Journ. f. prakt. Chem. XV, 326). Glasglanz. 
Dunkel leberbraun. Undurchsichtig. Strich licht leberbraun ins Graue. 
Spröde. Ziemlich leicht zersprengbar. Härte = 3 — 4. Spez. Gew. 
= 2,095 — 2,142. Ohne Fettigkeit. Nach Plattner's Untersuchungen 
Eisenoxyd-Oxydul der Haupt Bestandtheil, Kieselerde bedeutend weniger, 
Kalk noch viel weniger, Thonerde und Mangan - Oxydul in Spuren, 
Wasser 29,2 Proz. Mit Arsenikkies auf dem Kiesel-Lager bei Breiten- 
brunn unweit Schwar%enberg im Erzgebirge. 



Diday: Analyse des Süssw asser-Kalkes zweiter Forma- 
tion von verschiedenen Orten {Ann. des Min. 3^^ Ser. XIV, 
SO). Gehalt der Felsart von: 





Telavx. 

(Bouches- 

0,992 

0,008 


Terneguer. 


(ßr 


Sigouce. 


Kohlensaurer Kalk 

Kieselerde (nach der Kalzination 

lösbar geworden) 
Thonerde (dessgleichen) 
Sand 


du-Rhdne). 
, 0,851 

0,008 

0,140 


isses- Alpes). 
0,820 

0.168 
0,012 



1,000 



0,999 



1,000 



Derselbe; Zerlegung, des Quarzes von Murs (Vaucluse). 
(Loc, cit. 306. ) 



— 228 

Wasser ... 
Gelatinöse Kieselerde 
Quarz ... 



0,009 
0,076 
0j915 



1,000 
Ohne Zweifel verdankt dieser Quarz sein Opal ähnliches Aussehen 
der Gegenwart gelatinöser Kieselerde. 



Turner: Untersuchung der grünen Theilchen, welche 
dem Grünsand seine Farbe er t heilen (Lond. and Edinb. phil. 



Mag, XI, 36). Es sind Chlorlt-äl 
Kieselerde . 
Eisen-Oxydul 
Thonerde 
Talkerde 
Wasser 
Kali . 



nliche Partikel 



sie bestehen aus 
48,5 
22,0 
17,0 

3,8 

7,0 
Spur 



Malaguti: Analyse des Ozokerits (Ann. de Chim. et de Phys. 
hin, 390). Die Substanz besteht aus CH^. Man erhält daraus bei 
trockener Destillation, neben Gasen und etwas zurückbleibender Kohle, 
ein flüssiges ölartiges und ein festes krystallinisches Produkt, welche 
beide ebenfalls aus CH'^ zusammengesetzt sind. 



G. Rose: über den Eiufluss der Krystall-Struktur auf 
die elektrische Polarität der Krystalle (Poggenp. Ann. d. Phys. 
XXXIX , 285 ff.) Fünfundzwanzig Turmaline von verschiedenen Arten 
werden nach ihren Formen - Abänderungen beschrieben und abgebildcf. 
Die einfachste Gestalt des Turmalins ist bekanntlich rhoniboedrisch. 
Die Krystalle sind Kombinationen von 3-, 6- und 12 seitigen Prismen 
mit Pihomboedern , Skalenoedern und queer abgestumpfter Endfläche. 
Das allgemeine Resultat in Betreff des Verhältnisses der ICrystall-Form 
zur Polarität ist: dass das Ende des Krystalls , wo die Flächen des 
Haupt - Rhomboeders von den Seitenflächen des dreiseitigen Prisma's 
ausgehen, beim Erkalten negativ, und die, wo die Flächen des Rhom- 
boeders auf die Seitenkanten des Prisma's aufgesetzt sind, positiv wer- 
den , und dass es sich beim Erhitzen umgekehrt verhält. In einer 
grossen Menge von Fällen ist dieses Verhalten deutlich; wo es aber 
in Rücksicht auf die grössere Manchfaltigkeit der Kombinationen un- 
deutlich bleibt, kann es darnach abgeleitet werden, 



— 229 — 

Henry: Zerlegung des Analcims vom Magnet-Berge Bla- 
godat im Ural (a. a. 0. XXXXVI, 264). Dieses Analcim — von 
Menge für Sodalith gehalten, von Bbeithaupt für ein neues Mineral 
erklärt, welchem er den Namen Kuboit beilegte — kommt in Magnet- 
eisen theils grobkörnig, theils in Wurfein vor, mit Spaltbarkeit parallel 
d»'n Würfel-Flächen, ist röthlich - und grünlich-weiss, grünlichgrau bis 
Lauch-grün, hat Fettglanz, zuweilen dem Glasglanze nahe kommend 
und 2,215—2,271 Eigenschwere. Er dekrepitirt vor dem Löthrohr, 
wird erst weiss und undurchsichtig und schmilzt sodann an den Kanten 
zu blasigem Glase. Die Analyse ergab: 



Natron 


11,86 


Kali . 


0,55 


Kalk . 


0,35 


Thouerde 


22,58 


Kieselsäure 


57,34 


Wasser 


9,00 




101,68 



W. W. Rodman: Vorkommen von Stilbit, Chabasie und 
andern Mineralien zu Stonington in N.- Amerika (Sillim. Americ. 
Jouni, Vol. XXXV, p. i79). Stilbit, unvollkommen krystallisirt, 
warlisgelb von Farbe, findet sich in Höhlungen im Gneiss. Chabasie, 
lichte röthlich gefärbt, wird in Rhomboedern von ansehnlicher Grösse 
getroffen. Mit beiden Fossilien brechen ein: Kalkspath , Skapolitb, 
Sphen, Apatit und Magneteisen. In 3f Meilen Entfernung vom Dorfe 
Stüiüngton setzen Quarz -Gänge auf, welche grün und roth gefärbte 
Flussspath-Lagen einschliessen. 



Derselbe : Vorkommen von Crichtonit zu Westerty {ibid. 
p. 180). Findet sich , in wenig vollkommen ausgebildeten Krystallen 
auf Quarz im Gneiss. 



Morren: Analyse eines bei Potosi in Bolivia gefalle neu 
Meteoreisens {Phil. Mag. III. Ser. Vol. XIV, p. 394). Das Ei- 
sen ohne Spuren erlittener Schmelzung , porös , mit einzelnen Olivin- 
Körnchen, enthält : 

Eisen . . 90,241 

Nickel . 9,759 



100,000 



"- 230 — 

A, Breithaupt: über den VIolan (Erdmann Journ. f. prakt, 
Cham. XV, 329). Ein neues Glied der Grammit-Ordnung; Name nach 
den ausgezeichnet violblauen Farben. Glasglanz. Durchscheinend an 
den Kanten bis undurchsichtig. Strich blaulichweiss. Derb. Meist aus 
undeutlich länglich-körnig zusammengesetzten Stücken bestehend. Pri- 
niärform : dem rhonibischen Systeme angehörig. Spaltbar , wenig ge- 
schoben rhomben prismatisch. Bruch uneben ins Muschelige. Spröde. 
Härte^ = 6| — 7i Spez. Gew. = 3,233. Nach Plattnek besteht das 
Mineral aus Kieselerde, Thonerde, Magnesia, Kalkerde, Mangan und 
Eisen in ziemlicher Menge , und Natron. — Mit manganischem Epidot, 
Quarz und Glimmer zu St Marcel in Piemunt 



DiDAv: Zerlegung verschiedener Br au nko h I e n (^;;n. des 
Min. 3'ne ser. XIV, 300 cH.) Gehalt der Braunkohle von: 

Sainte-Crnix- Cereite. 

de-la-Lauze. 
Flüchtige Substanzen , 0,593 . 0,586 
Kohle . . , . 0,358 . 0,343 

Asche .... 0,049 . 0,071 



Auriberiff. 


JSyons. 


0,497 


0,493 


0,455 


0,370 


0,048 


0,137 



1,000 . 1,000 . 1,000 . 1,000 
Die Braunkohle von Sainte-Croix-de-la-Lauze {Basses- Alpes) ge- 
hören dem zweiten Süsswasser - Gebilde der Provence an. Es finden 
.sich hier drei,' fast wagerechte Braunkohlen-Lager, deren Mächtigkeit 
wechselt zwischen 0, ™40 und 0, ™75, wesshalb man beim Abbau mit 
grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Braunkohlen von Cereste 
(Basses-Alpes) haben ähnliche Lagerungs-Verhältnisse , jene von Auri- 
beau {Basses-Alpes) aber gehören den Mergeln der Molasse an, und 
die von Xyons {Dronie) haben ihren Sitz, so viel man weiss, im 
Grün-Sandstein. 



Spencer: künstliche Kupfer-Krystalle {Brit Assoc. ^ Bir- 
mingham , 1839 , August > l'lnstit. 1839, VII, 380). Der Vf. füllte 
einen engen Glas- Zylinder halb mit Kupfersulphat- Auflösung , tauchte 
in diese ein Stück Schwefel-Kupfer zur Hälfte ein, brachte darauf ge- 
wöhnliches Salz so, dass es sich nicht mit der Auflösung darunter mischen 
konnte, und stellte das Gefäss an einen Ort, wohin die Sonnenstrahlen 
nicht drangen. Nach 8 Tagen hatten sich sehr feine, nach 14 Tagen 
aber schon schönere Krystaile von reinem Metall angesetzt. 



K. G. Fiedler: Auffindung der Lagerstätte des Sonne n- 
fiteincs 1831 an der Selenga in Sibirien (Pogoend. Ann. d, Phys. 



— 231 — 

XXXXVI, 18Ö ff.) Zwischen Werchue-lJdinsk mn\ Irkittzk am rechten 
Selenga-Uhr sielit man steile Felsen und in diesen mehre ziemlich 
seigere Gänge, welche sich durch ilire Weisse *) vom schwarzen basal- 
tischen Gestein, das sie durchsetzen, auffallend auszeichnen. Es beste- 
llen diese Gänge aus braunem Feldspath mit etwas Quarz verwachsen; 
selten zeigt sich hin und wieder ein Magueteiseu • Punkt oder etwas 
Sphen. Auf den Theilungs - Flächen der unter einander verwachsenen 
Fcld.^path-Krystalle bemerkt man einen schönen Gold - Schimmer ; diess 
ist der sogenannte Sonnen stein. Wo derselbe am Tage ansteht, 
findet man ihn stark zerklüftet; jedoch ist nicht zu zweifeln, dass, 
wenn man tiefer ins frische Gebirge bricht, zusammenhängende Stücke 
getroffen werden gross genug, um zu Vasen von wenigstens ein paar 
Fuss Höhe zu dienen , die grossen Werth haben müssten , da scnon 
Ringsteine bisher so selten und theuer waren. Der Feldspath verdankt 
nach F. seinen Gold-Schimmer „der Vulkanität, in welcher er entstand." 
Unzählige, dicht aneinander gereihte Gold -Flitterchen erscheinen in 
Ebenen parallel der Haupt-Theilungs-Fläche, so dass ein Stück, welches 
io gewisser Richtung gehalten braun aussieht , plötzlich vergoldet sich 
zeigt, bringt man dasselbe in eine andere Lage. Sonnenlicht oder 
ein helles Kerzenlicht gehört dazu, um den Sonnenstein in goldnem 
Glänze schimmern zu machen. 



Coquand: Vorkommmen eines merkwürdigen Gypsspaths 
in den gypsigen Mergeln von Sain - Mitre zwischen Eguillet 
und Aix (Bullet, de la soc. geol. de France, IX, 220 et 221), 
Sämmtliche gefundene Handstücke, im Durchmesser verschieden bis zu 
3 und 4 Zoll, haben die nämlichen Formen und ihre Winkel Verhältnisse 
zeigen sich konstant. Die Gestalt ist ein Rhomboeder, dem des Kalk- 
spathes entsprechend. Jede der Flächen erscheint Trichter-artig einge- 
senkt. Das Ganze besteht aus einer Zusammenhäufung sogenannter 
„Linsen-förmiger" Gypsspath-Krystallc. 



A p joiiN : Zerlegung eines M a n g a n o x y d u 1 - A 1 a u n s aus 
Afrika (Ann. der Pharm. XXII, 272). Die Substanz, in Schnee-weissen 
Seide-glänzenden Fasern von 6 Zoll Länge vorkommend, ist ein Alaun, 
worin der Kali-Gehalt durch Manganoxydul ersetzt wird. Die Formel ist: 

Mg S 4- AI S«. 



V. Holger: über die Pathologie der Mineralien (Baumgärt- 
NER und V. Holger Zeitschrift für Physik V, 159). Nachdem in der 



*) Sie rührt von einem äusserst zarten Überzuge kohlensauren Kalkes her; an 
pinielnen SieUen ist auch der Feldspath milchweiss. 



~ 232 — 

Einleitung gesagt worden , dass den Mineral-Körpern Lebenskraft zu- 
stehe , eine sie bildende und erhaltende Kraft, welche, da sie ähnliche 
Phänomene wie die organische Lebenskraft hervorbringt , von dieser 
nicht wesentlich verschieden seyn kann, dass diese Lebens -Thätigkeit 
bestimmten Gesetzen folgen muss , dass die äussern Einflüsse, welche 
im Staude sind, sie zu zerstören, auch vermögen so auf sie zu wirken, 
dass sie regelwidrig zurückwirkt, gelangt der Vf. zu dem merkwürdigen 
Schlüsse, dass es Krankheiten der Mineralien gebe, welche 
jedoch keine dynamischen, sondern nur organische seyn kön- 
nen. Es gibt nach ihm folglich auch eine Pathologie der Mineralien. Von 
den Ursachen abnormer Zustände, von der Aetiologie, der Mineralien weiss 
man nicht viel, jedoch werden als besonders sciiädliche Potenzen angeführt: 
SauerstoiF der Atmosphäre, Wasser, besonders das Gefrieren dessel- 
ben in Zwischenräumen , aufgelöste mineralische Substanzen , erdige 
gemengte Mineralien, welche lange dem Einflüsse der Feuchtigkeit aus- 
gesetzt sind, vulkanische Wärme etc, — Graphit soll ein Zerstö- 
ruugs- Produkt der Hornblende seyn. Es wird nämlich gesagt: der 
in Nieder • Österreich so häufig vorkommende Graphit, das Wasserblei 
tritt nach des Vfs. Beobachtungen im Syenit - Gebirge auf, und es lässt 
sich leicht durch eine vollständige Reihenfolge entsprechender Übergänge 
nachweisen, dass er ein Zerstörungs-Erzeugniss des Syenits und, wie 
demnächst anzustellende Analysen wohl darthun dürften, der in sel- 
bem vorkommenden Hornblende sey. Bisher fand ihn H. vor- 
züglich entwickelt in solchen Schluchten, wo Syenit beständig feucht 
erhalten wird, ohne dass Sonnenwärme einwirken kann; dagegen ver- 
wittert derselbe Syenit an andern Orten, wo freier Luftzug und Sonne 
einwirken kann, zu einer Eisenocker- haltenden Erde 5 auch fand sich 
die Hornblende in den Basalten Böhmens unter ähnlichem Einflüsse 
immer zu Ocker -haltiger Erde, nie zum Graphit ver- 
wittert [?!]. 

Die neue Wissenschaft, die Pathologie der Mineralien, zerfällt hin- 
sichtlich der abnormen Erscheinungen in drei Abtheiluugi'n und behan- 
delt: 1) Mineralien, die durch ihre Mischung, 2) solche, die durch ihre 
Form abnorm geworden sind, und endlich 3) solche, die an und für 
sich normal beschaflfen, durch regelwidriges Entstehen als abnorm in 
Beziehung auf jene gelten müssen, aus welchen sie hervorgingen. 

In der 1. Abtheilung wird untersucht, was man unter normaler 
und abnormer Mischung und unter Species zu verstehen habe. Hin- 
sichtlich ausserwesentlicher Bestandtheile sagt der Verfasser: „So lange 
wir glauben, dass diese Neben -Bestandtheile der normalen chemischen 
Verbindung nur zufällig beigemengt werden , etwa , weil sie zugleich 
aus der Auflösung, woraus sie krystallisirte , niedergeschlagen wurden, 
sind die Varietäten normale aber zufällig verunreinigte Mineralien. 
Wenn wir aber bei genauen auf diesen Punkt gerichteten Beobachtun- 
gen einst einsehen dürften, es liege in der dem Mineral eigenen Kraft, 
dass es ausser seinen wesentlichen BeStandtheilen noch andere aufnehme, 



~ 233 — 

statl der binüren Veibindmio: eliio quateniare darstelle . dann wären 
die Varietäten ohne Weiteres als abnorme Produkte anzusehen." — 
Nai^hdeni unser Verf. weiter bemerkt, die chemische Verbindung^ 
sey nicht ein bloss zufällij^es Zusammentreten niehrer Körper, sondern 
ein durch bestimmte Gesetze geregelter Akt der Natur, wobei letzte 
einen bestimmten Zweck erreichen wolle, und dass der für uns erkenn- 
bare Zweck bei einer chemischen Verbindung kein anderer seyn könne, 
als die vollkommene Ausgleichung^ der entgegengesetzten Thätigkeit 
mehrer Körper, so fährt er fort: „Daher ist jede Verbindung normal, 
welche von beiden Bestandtheilen nur e^in oder gleichviel Atome 
enthält, und jede abnorm, welche von einem derselben mehr Atome als 
von dem andern enthält, und zwar abnormes Produkt jener Species, die 
4nit ihr dieselben Bestandtheile in dem Normal-Verhältniss halte. Wenn 

z. B. ein Mineral von der Zusammensetzung C Ca -|- C2 Mg (eine 
dem Verf. eigenthümliche Schreibart) vorkäme, so wäre dieses keine 

Species, sondern eine Abnormität der Species C Ca -f- ^5 Mg, nämlich 
des Doloraits. Ebenso sind auch Mineralien in dem. Grade abnorm, als 
sie mehr zusammengesetzt sind, weil die Natur hier , wo es darauf an- 
koa)mt , eine dauernde Verbindung hervorzubringen (bei organischen 
Körpern findet das Gegentheil Statt), einfache Zusammensetzungen vor- 
ziehen muss , durch welche dieser Zweck aliein erreicht wird." Diese 
Sätze, ihre unwissenschaftliche Grundlage abgerechnet, stehen übrigens 
auch in geradem Widerspruche mit dem , was der Verf. bei mehren 
Gelegenheiten als normale Mischungen anführt. 

In der 2. Abtheilung wird die wirkliche und scheinbare Abnormität 
der Krystallisation betrachtet. Körnige und ähnliche Massen ohne 
Spuren von Krystallisation werden „normale Krüppel" genannt. 
Hinsichtlich des sogenannten ürkalkes heisst es: „Es war sehr un- 
wissenschaftlich [?!] , dass die Geognosten einfache Mineralien, wo sie 
in grossen Mengen vorkommen und dadurch in ihrer regelmässigen 
Ausbildung gehemmt bleiben, als Felsarteu betrachteten, denn die grös- 
sere oder geringere Menge kann ein Mineral nicht zur Felsart machen, 
sondern nur die Eigenschaft ein Gemenge zu seyn. Der „Urkalk" 
gehört daher als „normaler Krüppel" nicht der Geognosie , sondern 
der Oryktognosie an, hingegen müssen gemeiner Kalkstein und 
Kreide der Pathologie der Mineralien anheimfallen, nachdem im erstem 
die kr3'stallisirende Thätigkeit auf ein Minimum herabgesetzt, in der 
zweiten ganz erloschen ist." 

Führt man die Untersuchung konsequent durch, was nach v. HoL- 
«er's Ansicht zur Pathologie und zur Oryktognosie gehört, und 
nicht in die Geologie gerechnet werden kann, so geht die Geologie 
ziemlich leer aus. Als besonders abnorm werden die erdigen Mineralien 
angeführt. Von diesen heisst es , dass sie „als formlose , d. h. der 
Form nach todte, auf den höchsten Grad der Abnormität gekotiimene 
Körper sind, denn die Erden sind, wenigstens mit freiem Aug<j betrachtet, 



— 234 — 

Körper, deren kleinste Tlieile keine regelmässige Form aiehr haben, 
und gehören demnach alle der Pathologie des Mineral-Reiches an.*' 

Ohne bei der 3. Abtheilung zu verweilen . gedenken wir bloss des 
Schlusses. Hier heisst es : „Wenn nach dem bisher Gesagten noch 
Jemand fragen sollte, welchen Nutzen eine Pathologie der 
Mineralien für die Wissenschaft bringen könne, so dürfte 
gar nicht ihr absoluter Werth angeführt werden, den sie so wie jede an- 
dere Erweiterung, jede mehr geregelte und den Denk-Gesetzen angemes- 
sene Eintheilung unserer Kenntnisse ohne Widerrede in Anspruch neh- 
men kann, indem sich dieses von selbst versteht, und ihr praktischer 
Werth bezüglich der Gründung und konsequenten Durchführung eines 
Mineral-Systems , welches den Forderungen der Natui Wissenschaft und 
der Logik gleiclimässig entspricht, uns näher liegt. Für die Geologie, 
sagt der Verf. , hat die Pathologie der Mineralien noch darum eigenen 
Werth, dass sie den einfachen Mineralien, welche in grossen Massen 
vorkommen , eine andere geeignetere Stelle anweist und daher erlaubt, 
die gemengten Mineral-Körper, die wahren Felsarten allein als Objekt 
der Geologie anzusehen, wonach ein allgemeines Bildungs- Gesetz aus 
der Beobachtung derselben abgeleitet, die Geologie zur Wissenschaft 
erhoben werden kann und in der Darstellung der in den gemengten 
Mineralien erscheinenden Bildungs- Gesetze glücklicher seyn wird, als 
sie es bisher in der Nachweisung einer umfassenden und konsequenten 
Theorie der Bildung des Erdkörpers gewesen ist." (!!) — — Berzelius 
sagt in dem neuesten seiner Jahres - Berichte (XVIII, 240), wo der 
HoLGER'schen „Pathologie der Mineralien" erwähnt wird: „es 
steht also fest , was vor ungefähr zweitausend Jahren ein Philosoph 
sagte, dass nichts so ungereimt sey, was nicht einmal von einem Ge- 
lehrten behauptet werden könnte." 



H. F. Link: über die erste Entstehung der Krystalle 
(PoGGEND. Ann. d. Phys. XXXXVI, 258). Die Vergleichung organischer 
Körper mit unorganischen der Grund - Bildung nach musste darauf füh- 
ren , auch letztere einerjmikroskopischen Untersuchung zu unterwerfen. 
Es schien dem Verf zweckmässig, die unorganischen Körper bei ihrem 
ersten Entstehen, an frisch bereiteten Niederschlägen unter den gehö- 
rigen Vergrösserungen zu betrachten. Ohne in Einzelnbeiten eingehen 
zu können, wollen wir nur bemerken, dass Kreide in Salpetersäure 
aufgelöst und durch kaustisches Kali niedergeschlagen wurde; Carrari- 
scher Marmor ward in derselben Säure gelöst und durch kaustisches Nat- 
ron gefällt-, eine Auflösung von Chlor-Calcium wurde durch kaustisches 
Natron präcipitirt: schwefelsaures Kupfer wurde durch Schwefelwasser- 
stoff-Gas niedergeschlagen u. s. w. Aus diesen Untersuchungen ergab 
sich : 1) dass alle Niederschläge, f-'ie mögen in Krystalle übergehen oder 
nicht, zuerst aus kleinen kugelförmigen Körpern bestehen und durchaus 



— 235 — 

nicht die Krystall - Gestalt liaben , die sie nachlier zuweilen annehmen: 
2) dass diese kugelförmigen Körper keinesweges fest oder vielmehr 
starr und hart sind, sondern dass sie deutlich in einander übergehen 
und zusammenfliessen; 3) dass erst, nachdem jene kugelförmigen Kör- 
per in grössere Massen zusammengegangen sind , die dem Körper ei- 
genthiimliche Krystallisations - Kraft erweckt wird, wodurch dann ein 
symmetrischer starrer Körper entsteht. Diese Untersuchungen Wieder- 
legen völlig Haiiy's Lehre, sofern er nämlich die Krystalle aus ur- 
sprünglich geformten kleineren Krystallen entstehen lässt, und noch 
mehr die Lehre der Physiker (z. B. Lame's), welche mit Rücksicht auf 
Haüy's System ursprünglich verschieden gebildete Atome annehmen. 
Ja wir sehen deutlich, dass die Starrheit oder, wie man sich gewöhn- 
lich ausdrückt, die Festigkeit keine ursprüngliche Eigenschaft der Ma- 
terie ist^ sondern dass sie sich zuerst immer biegsam oder flüssig zeigt. 
In welchem Zustande sind nun die ursprünglichen kugelförmigen Kör- 
per? Der Verf. hatte sie für Bläschen gehalten und geglaubt, dass 
sie ebenso in einander zusammengehen möchten , wie kleinere Seifen- 
blasen in eine grössere. Indessen räumt es auch die Möglichkeit ein, 
dass es Tropfen seyn können bestehend aus einer dichteren Flüssigkeit, 
als die umgebende. Solche Tropfen können leicht aus kleineren in 
grössere zusammenfliessen. Man erinnere sich hierbei nur der Queck- 
silber-Kügelchen. Vielleicht sind aber die Kügelchen aller Flüssigkeiten 
und somit aller ursprünglichen Körper solche Bläschen mit Wärmestoff 
gefüllt. Die Starrheit entsteht mit der Krystallisation und ist höchst wahr- 
scheinlich eine Polaritäts-Erscheinung. Die Beobachtungen Ehrenberg's 
kommen mit den obigen gar wohl überein. Er hat gefunden, dass die 
kleinsten Theile von vielen Mineralien, ja sogar von Feldspath und 
Quarz aus kleinen Kügelchen bestehen, die gar oft reihenweise anein- 
ander liegen. Verbunden mit dem , was oben gesagt wurde , möchte 
wohl der Schluss nicht fern seyn , dass die ursprünglichen Theilchen 
aller unorganischen Körper aus kugelförmigen Körpern bestehen, und, 
dürfen wir Bläschen sagen, so würde sich dieses auch auf die organi- 
schen , folglich auf alle Körper ausdehnen lassen. Solche mikroskopi- 
sche Untersuchungen, wenn sie noch weiter ausgedehnt und manchfalti- 
ger angestellt werden , können uns nicht allein mineralogische Kennzei- 
rhen liefern , sondern auch auf die Lehre von der Entstehung und 
Bildung der Mineralien in geologischer Hinsicht Einfluss haben. 



E. VfeNK : Analyse verschiedener Kalksteine im AKde- 
Departement {Ann. des Min. 3"*« Ser. XIV, 401 cet.) Thoniger 
Kalkstein von Fontaxel mit tertiären Mergeln vorkommend, theils 
ruth. theils grau. Enthält: 



236 



92,0 


0,8 


6,2 


0,6 


0,4 



Kohlensaure Kalkerde 
„ Talkerde 

Thon 

Eisen-Peroxyd . 
Hygrornetrisches Wasser . 

100,0 
Ein anderer 5 unter den nämlidien Lagerungs - Verhältnissen sich 
Endender Kalkstein, dem vorigen auch im Ansserlichen ähnlich, ist zu- 
sammengesetzt aus : 

Kohlensaurer Kalkerde . . . 85,6 

„ Talkerde ... 1,2 

Thon 12,2 

Eisen-Peroxyd . . 0,4 

Hygroii!etrische.s Wasser . . 0,6 

100,0 

Weisser körniger Kalk von Esconlouhre, über Granit gelagert : 

Kohlensaure Kalkerde . . 90.0 

», Talkcrde ... 6,8 

Kieselerde . . . . 2,8 

Hygrornetrisches Wasser . . . 0,4 

100,0 



Derselbe: Analyse eines thonigen Mergels aus dem Aude- 
Depart. (loc. cit. 407). Vorkommen bei Argens und zur Tertiär- 
Molasse gehörend. Gehalt: 

Thonerde . . . . , . 63,4 

Kohlensaurer Kalk .... 36,2 

Hygrornetrisches Wasser . . . 0,4 

100,0 



C. Rammelsberg : über die chemische Zusammensetzung 
des Datoliths und des Botryolithes (Poggend. Anual. d. Pbys. 
XXXXVII, 169 fF.) Bei mehren mit dem Datolith von Arendäl vor- 
genommenen Analysen und bei einer Zerlegung, welcher das gleich- 
namige Fossil von Andreasberg unterworfen wurde, ergaben sich 
folgende Resultate: 





Arendal. 


Andreasberg. 


Kieselsäure 


37,648 


37,520 


38,477 


Kalkerde . 


35,407 


35,398 


35,640 


Borsäure . 


21,240 


21,377 


20,315 


Wasser . 


5,705 


5,705 


5,568 




100,000 


. 100,000 


100,000 



— 237 — 

Die Formel für den Datolilli ist demnach entweder: 

2 Ca=' Si -1- B» SP -f 3 H 
oder : 

Ca« Si -f 3 B Si -f 3 H 
und die berechnete Zusammensetzung wäre jedenfalls: 

Kieselsäure 37,910 

Kalkerde 35,068 

Borsäure 21,482 

Wasser ...... 5,540 



100,000 
Der Botryolith zeigte sich zusaaimengesetzt aus: 

Kieselsäure 36,390 

Kalkerde 34,270 

Borsäure ...... 18,342 

Thonerde und Eisenoxyd . 0,774 



89,776 
Bleibt für Wasser . . 10,224 

Die gewählte Art der Wasser - Bestimmung lieferte kein ganz ge- 
naues Resultat; sie bewies aber wenigstens, dass das zerlegte Mineral 
viel mehr Wasser enthält, als der Datolith. ~ Die Formel für Botryo- 
lith wäre: 

2 Ca3 Si -I- B« Si^ + 6 H 
welcher die theoretische Zusammensetzung: ' 

Kieselsäure 35,920 

Kalkerde 33,227 

Borsäure 20,355 

Wasser 10,498 



100,000 
entspricht. — Es ergibt sich also, dass Datolith und Botryolith nur 
dadurch verschieden sind , dass der letzte doppelt so viel Wasser ent- 
hält, als jener. 



II. Geologie und Geognosie. 

Skdovick und Mlrchison : über die Klassifikation der älte- 
ren Gesteine in Devutiahire und Cornwall (Geol. Proceed. 1839, 
April 24 i III j 121 — 123). Über diese Gesteine haben die VfF. schon 
1837 ihre Ansicht mitgelheilt. Sie beharren noch jetzt bei der damali- 
gen Ansicht, dass der grössre Tlicil von Devonfihire zum ächten Kohlen- 



— 238 — 

System gehöre, und behalten de frühere Altersfolge der Gesteine in 
Nord- und Süd-Devon bei; aber sie „bringen die untersten Gesteine 
von den Cambriseheu und Silurischen Systemen zum Old red-Sandstone", 
weil die organischen Reste sich oberwärts denen des Kohlen- Systems, 
unterwärts denen des Silurischen Systems nähern, und weil sich regel- 
mässige Folge und Übergang vom Kohlen-System an durch alle tieferen 
Schichten nachweisen Jässt. 

Nachdem nämlich die Pflanzen des Culm - Beckens *) , so weit sie 
bestimmbar, für ächte Steinkohlen-Pflanzen erkannt worden waren, so 
war es natürlich, die unmittelbar unter dem Kohlen - Becken folgenden 
Schichten zum Old -red- Sandstone zu zählen, wenn deren organische 
Reste das Mittel hielten zwischen denen des Kohlen - und des Siluri- 
schen Systems, was sich nach Beendigung von Mubchisons Werk über 
das Silurische System bestätigt hat. Die VfF. sind daher mit De la 
Becue und WiiiLiAMS nun ganz hinsichtlich der Schichtenfolge ein- 
verstanden, aber nicht hinsichtlich der Formationen, wozu diese Schich- 
ten zu zählen sind. 

In Nord-Devon ist diess die Schichten-Folge von oben nach unten: 
In der obersten Gruppe zunächst unter dem Culm, zu Barnstaple in 
Nord-Devon wie zu South- Petherwin bei Launceston im Süden, nähern 
sich die Konchylien denen des Kohlen-Kalkes; es sind neue Goniatiten- 
Arten, Producten mit Röhren und Spiriferen ganz unähnlich den 
Silurischen, aber übereinstimmend mit denen im Bergkalk; dann neue 
Trilobiten und Krinoiden. Zunächst darunter folgt im N. die Sandstein- 
Gruppe von Baggy Point bei Marwood und Sloly ausgehend, mit ueyeu 
Arten von Cucullaea, Avicula, Cypricardia und Orthocera, und 
einem Kern von dem des Bellerophon globatus des Silurischen Sy- 
stems nicht unterscheidbar; endlich mit Abdrücken sehr grosser Pflanzen, 
die nach Henslow von denen der Steinkohle sehr verschieden sind. Die 
dritte Gruppe abwärts hat nur wenige Versteinerungen geliefert, näm- 
lich eine dornige Froducta-Art der oberen Gruppe ähnlich denen des 
Bergkalks und Favosites polymorph a, welche in England bis jetzt 
nur in den obern Silurischen Gesteinen vorgekommen war. Die vierte 
oder sandige Gruppe von Linton enthält wenige Fossile, ausser in ihrem 
untern Tbeile, wo sich wieder kalkige Materie einmengt: einen Spiri- 
f e r ähnlich dem Sp. attenuatus des Bergkalks und eine neue r- 
this-Art (Siluriscb). — In den Qtianstocks , welche die Vff. als aus 
den ältesten Schichten Nord- Devons bestehend ansehen, kommen we- 
nige Versteinerungen, doch hauptsächlich Favosites polymorpha vor. 

In Süd - Devon und Nord - Cornwall zeigen die oberen Gruppen 
ähnliche Folgen von Gesteinen und Versteinerungen; aber die Hervor- 
treibung des Granites hat, besonders südlich von Dartmoor ^ den mine- 
ralischen Charakter dftr untern Gruppe beträchtlich geändert. Hinsiclitlicb 
des Details und der richtigen Parallelisirung der grossen Kalk -Massen 



*) Culmiferous limesfone ist eine Abtheilunp des CarUonifevous limvstoue. 



- TM) 

von Plymouth und Chudleigh mit den untersten Kalkschichten von 
Sord-Devon verweisen sie auf ihre frühere Abhandlung. 

Die Abweichung der Gesteine in Üevunshire und Cornwall vom 
gewöhnlichen Typus des Old-red -Sandstoue in Hfrefordstiire und den 
Nachbar -Gegenden kann kein Argument gegen die Verbindung beider 
abgeben , weil auch in andern Formationen solche Abweichungen vor- 
kommen. Auch die Abwesenheit des eigentlichen Kohlen-Kalks in De- 
vonshire kann nicht dagegen entscheiden. 

Schliesslich schlagen die Vff. den Namen Devonian -System für 
Old-red- Sandstone vor, da die Benennung Grauwacke auf zu vieleilei 
Gesteine angewendet werde. 



J. G. Malcolmson : über die Beziehungen verschiedener 
Theile des Old-red-Sandstone, worin man neuerlich fossile 
Reste entdeckt hat, in den Grafschaften Murray, Nairn, 
Hanff und Inverness (l. C. 141 — 144). Die Resultate sind für genannte 
Gegenden: 

1) Die Urgebirgs Schichten wurden steil aufgerichtet vor dem Nie- 
derschlag des Old-red-Sandstone; die Emporhebung der Sekundär- 
Schichten in ihre jetzige Lage mag dem Emporsteigen der Grampians 
oder des Grossen Caledonischen Canals nach der Bildung der Purbeck- 
Schichten zu Linksfield zuzuschreiben seyn. 

2) Das Grosse Konglomerat und die rothen Sandsteine mit Dipte- 
rus, Cheir acanth US u. s. w. vertreten die Orkney-, Caithness - und 
GawirtV- Schichten in Schottland und die untern Schichten des Old-red- 
Sandstonc in England. 

3) Die darauf ruhenden mergeligen Konglomerate, Sandsteine und 
Mergelsteine mit einer besondern Reihe von Versteinerungen sind Äqui- 
valente der zentralen Abtheilung des Old - red • Sandstone - Systems im 
S. der Grampians und in England. 

4) Von Kohlen-Schichten kommen keine Anzeigen vor. 

5) Die Ganirie-Ichthyolithen gehören oflFenbar zum Old-red-Sandstone 
und nicht zur Kohlen-Formation. 

Wir heben noch Einiges aus dem Detail der Abhandlung über das 
Vorkommen der Ichthyolithen aus: 

Im Old-red-Sandstone unter dem Gornstone 4 Meilen S. von Elgin 
hat Mr. Martin Knochen und Schuppen von Fischen entdeckt, wie 
M. schon 1838 mitgetheilt, und worunter er seitdem Schuppen des H o- 
loptychus nobilissimus Murch. Sil. Syst. erkannt. Eine genaue 
Untersuchung der von Mr. Miller beiderseits des Sutor von Cromarty 
gefundenen Ichthyolithen hat den Vf. überzeugt, dass sie auch zum 
Old-red-Sandstone gehören und mit den Arten von Cheiracan thu», 
Diplopterus, Coccosteus und Acanthodes von Gatnrie , Caith- 
ness und Orkney übereiustimmeu, wie auch Agassiz bestätige. 
Jahrgang 1840. 16 



^ 240 ^ 

Die Cornstoiie-Reihe an den Ufern des Findhorn , zwischen Gneiss 
und Cothall-Ka\k liegend, hat verschiedene Fische und zu Altyn insbe- 
sondre Schuppen von Holoptychus nobilissimus und andre mit 
denen von Elgin übereinstimmende Arten geliefert. Zwischen Earls 
mill und Cald Harne dieselben Arten nebst Cephalaspis-artigen 
Schildern. In den Gründen von Lethen und bei Cluncs sieht man 
bituminöse Lagen und, wie zu Gamrie, häufige Nieren mit Ichthyoli- 
then und Fucoiden in dünnen S<-hiefcr - und Thon-Schichten unter 
rothem Sandstein; die Fische sind dieselben Arten von Dipterus, 
Diplopterus, Gheiracantbus, Clieirolepis, Osteolepis, Coc- 
costeus u. s. w. , wie in den Orkney's ^ zu Caithness j Cromarty 
und Gamrie. 

Im iVöfi'ivi - Thale kommen Knochen und Schuppen vor, wie an 
vorigen Orten: so insbesondre zu Bnlfreish in einem dichten hellblauen 
Kalkstein voll eckiger Gneiss- und Porphyr - Trümmer. In S.O. von 
CuUoden Moor sind Schichten biluminüspr Schiefer und schwarzer 
Kalksteine ähnlich dem CaithnesS'pavement, welche, mitunter nur kleine, 
Nieren mit Fisch - Schuppen und Pflanzen - Eindrücken enthalten. Die 
Schiefer hält M. für eine Fortsetzung jener zu Inches 4 Meil. W. und 
2 Meil. S.W. von Inverness , die nach Sedgwick und Mürchison selbst 
wieder eine Fortsetzung jener zu Caithness bilden. 

Die Ufer des Spey, des Burn of Ti/nat und die Schichten zu Bnvkie 
in Banffshire enthalten die nämlichen Resff. Insbesondre findet man 
in den Sehiefern und Rothen Sandsteinen Dipple gegenüber Reste von 
Coccosteu s, Dipterus und Osteolepis mag u s. Über diesen Schich- 
ten ruhen andre, welche jenen über den Ichthyollthen-Lagen von Lethen 
und Croviarty ähnlich sind. 



Th. Weaver: über die älteren Schicht-Gesteine in Xord- 
Devon m i t b e z ü g 1 i c h e n B e m e r k u n g e n ü b e r T r a n s i t i o n s- oder 
Protozoische Gegenden im Allgemeinen (Lond. Edinb. philos. 
Maifaz. 1839, C , XV, 109 — 129. Der Vf. sieht einige Punkte in 
zwoi<Mi seiner Arbeiten , jener über Nord Devon (Geol. Proceed. i838, 
Jänn y und in genanntem Maga%, i83S, Jiily, Suppl.) und über Irlitnd 
angegriffen in Sedgavick's und Murchison's neuer Klassifikation der 
älteren Schicht-Gesteine von Devonshire und Comwall {Proceed. 1839, 
April 24, dieses Mag(t%. 1839, April und Jahrb. S. 238) und findet 
eine Entgegnung nothwendig. 

I. Devon. Hier scheinen die Culmiferous Rocks von den 
kieseligen oder thonigen Schiefern und dem Kohlen > Kalke an aufwärts 
nur allgemein als zur Kohlen-führenden Reihe gehörig angenommen zu 
werden. Aber die Schichten von jenen Schiefern an abwärts sollen 
gleichförmige F^agerung und allmähliche Übergänge zeigen zu den tiefer- 
liegenden Trilobiten-Thonschiefern , welche den Nord-Rand des Kohlen- 



- 211 - 

Backen«- hilJon ; und diese 5 Mfil. hroite Masse von Tliöiisrliiofcrn und 
«utoifiiordiiettM! Kulk-Lnj^eni. nebst r!fu übi is'cn alt'^n Schicht-GeKicjiicn, 
in ahstei^^ndor Oiilnitng j«ii'!ilich: 

1. W 'tUavomb und I^Jarwood Sandstoine, 

'2. Morti' Tlionschlefer, 

.^. llt'rticovihc-, Berrpparhor - und C>iinb-jMartin-\^^\kfiU\uv, 

4. T;rA//*/io<?-Sandsteine und TiioiiScliiefer n\\\ quarzigen Tiiünhiiiit . 
fern und Quarzfels, 

5. Lfiiton ' ThonschietVi t\.'\\ Quoi/Jcis - Lagnn , Sandstein und 
Kalklagein, 

6 ForetandSaat\»te\n, 

werden von genannten Autoren nun nicht mehr nacli der früiieiu 
Ansicht thi^is als Silurisch und grösstentheils als Cainbrisch {Proceed. 
1637, Juni, p. 560, 562: 1838, Mai, p. 675, 676), sondern als Äqui- 
valente des Old-red-Sandstone betrachtet, somit zwischen das Silu- 
rische und Kohlen - System eingereihet und als Thcile des Devoni an- 
System aufgestellt {Phil. May. 1839, XIV, 248, 259), wogegen sich 
der Vf. nun verwahren will. Er iäugnet 1), dass daselbst ein Übergang 
von den Trilobiten-Thonschiefern zu den Kohlen - Schichten Statt linde, 
indem vielmehr über den erst genannten Petrefakten - reichen Schiefern 
plötzlich grobe , harte oder kieselige Schiefer ohne Versteinerungen 
(ulgteu in Verbindung mit Kohlen-Kalk. Er weiset 2) nach , dass auf 
derselben Grenze, wenn nicht überall, doch offenbar an einigen Stellen 
eine abweichende Lagerung der obern auf die untern Schichten Statt 
finde, näiulich in Hunson Lane am Rosa Hill, S. von Barnstaple und 
in der Gegend vom Pill bei Muddlebridye au der Süd-Seite des Havens, 
wie er seiner Zeit der geologischen Sozietät vor Augen gelegt, und .in 
der Süd-Seite des D^?-o«'schen Beckens , wie Austen (Proceed. 1837, 
H"c. , p. 586, 588; 1839, April 24) und De la Beche (Geol. report 
on Cornivall p. 61, 107, 111 und Phil. Mag. XV, Nro. 94k) nachge- 
wiesen haben. Was 3) gewisse in jenen älteren Schichten vorgekom- 
mene Arten von Terebrateln, Spiriferen und Prod u kten etc. 
betrittt, welche solchen in der Kohlen-Reihe ähnlich seyn mögen, so hat 
W. schon seit 1824 in einer Arbeit über Gloucestershire und Somer~ 
Sftshire (Geol. Transact. B , 1 , 329) behauptet , dass manche Arten 
dieser Geschlechter den älteren Transitions-Schichlen [womit hier immer 
solche unter dem Old-red-Sandstone gemeint sind] und den Kohlen- 
Schichten gemein seyen, welche Erfahrung er später mehrmals in Süd- 
Irland wiederholte (Geol. Transact. B, V, S. 13, 33, 57), — wie wegen 
aliiilicher Beobachtungen in Süd- Devon, bei Plymouth etc. auch Phil- 
I.JP8 in Zweifel geräth , ob die dortigen Kalksteine zum Übergaugs- 
Svsteme gehörten, — und wie endlich der Übergang einzelner Petrefakten- 
Arten aui einem Systeme ins andre überhaupt nichts Ungewöhnliches 
ist. 4^ Bieten diese altern Transitions - Gesteine Nord- Devons guch 
nicht die mindoste Ähnlichkeit dar mit denen der Old-r»d - Sn».d»ito«ie- 
Bildung. 5) Wenn nun dagr'gen diese Transitions - Gesteine mit denen 

16* 



— 242 — 

iii Sita- Irland Analogie zeigen, so wird zuletzt kaum einem Zweifel 
unterliegen können, dass sie nicht älter als der Old- red- Sandstone 
«oyen. — So endlich, denkt der Vf., werde es sich auch mit den älte- 
ren Schicht-Gesteinen in Süd-Devon und Cornwall verhalten: sie wer- 
den zum Transitions - Systeme gehören. Aber zu welcher Abtheilung 
dieses weiten Systems, getraut er sich nicht bestimmt anzugeben. — — 
Dasselbe Resultat gälte also für ganz Devon. Man könnte dagegen 
noch einwenden, dass der obenerwähnte Wollacomb • und Marwood- 
Sandstein vielleicht Pflanzen - Arten wie die Kohlen-Schichten enthalte. 
Doch ist das sehr zweifelhaft. Denn wenn Lindley einmal ausdrück- 
lich sagt, dass sie mit den Devonischen Culm- Measures keine Arten 
gemein haben und einige Arten entrindeten Le piodend re n , andre 
?Sternbergien und eine dem Calamites Voltzii aus dem un- 
tern Anthrazit gleichen (Proceed. II, Nro. 51 , p. 559) und dass 
dagegen bestimmbare Arten der Devoner Culm - Measures bei Bidford 
identisch mit solchen der wirklichen Goal - Measures sind (Proceed. 
Nro. 39, 163; Nro. 49, S. 491 ; Nro. 5i, S. 561, 562), so soll er auch 
wieder behauptet haben , jene Sandsteine hätten einige , die Culm-Mea- 
sures aber alle Arten mit den Kohlen gemein (Sedgw. in Proceed, 
Nro. .58, 681, 1838, Mai und Phil. Mag. XIV, 243). Doch enthalten 
diese Sandsteine keine Fahren, die in der Kohle so häufig sind. 

II. Irland. Mürchison sagt {Sil. Syst. 580, 681, 21, 10, 15) von 
Weaver's Beobachtungen in Süd- Irland über den grossen Kalkstein- 
Streifen, welcher zwischen anderen Transitions-Gesteinen bei Cork vor- 
beizieht: dieser Autor gelange zum Schluss , dass 60 — 70 Petrefakten- 
Arten des Kohlen - Systems auch in dem Übergangs - System identisch 
vorkommen, was jedoch ganz gegen seine eigene Beobachtungen [im 
Silurischen Systeme], wie gegen de C. Sowerby's Bestimmungen streite, 
wornach alle Arten des Corker Kalksteines, bis auf eine, bezeichnende 
Petrefakten des Kohlen-Kalkes in England und Irland seyen. Auch 
Phillips schliesse sich dieser Ansicht an. Nur da dürften wirklich 
Silurische Arten vorkommen, wo sie in der That auch entdeckt worden : 
in einem Kalksteine nämlich, der vom Kohlen-Kalk durch beträchtliche 
Massen von Old -red -Sandstone getrennt seye: zu Smerwick Harbour 
in Kerry und am Bonmahon river in Waterford. Das WEAVER'sche 
Resultat gründe sich daher wohl auf unverbürgte Bestimmungen der 
Petrefakten oder ihren Gebirgsarten. — Weaver erwidert nun: 1) Er 
habe im Korker Kalke 48 Arten aufgezählt, wobei 25 Terebrateln, 
Spiriferen und Produkten; 2) davon kommen vor: 



A. ß. 

17 im CorJcer Kalk iiud an-ri'l im Corker Kalk und lu- 



derwärts iru Koiilenkalk. 
A.sapliiiü gemiiiuliferus. 
Ortlioceras Bieynii. 

fiiüjformiti. 
NHutiius miilticariiiatuR 
cariiiit'eriiK. 



gleich in ältecB Traiisifions 
GesteiiieH. 
1 Nei'ifa spirata. 
1 Spirifera ratliata. 

3 „ SpMcata 

4 „ striata, 
sulcütus- j 1 Euomphalns petil;ingii}»-jlsocHi<lii» oblong 

A.mpuJlari». licljcnides. I rl%. " ■ 



C 
7 im Cnrker Kalke aileiü. 
Nautilus funatus. 

compressus. 
Euomplialus triaiigulari>i- 

ovalis. 
Ampullaria ovalis. 
Solarium xp. ifidei. 



A. 
Preditctu Martini. 

concinna. 

loliata. 
„ punctata. 

nntiquata. 

plicatilis. 
Spirifera trigonalis. 

resiipinata. 
Terebiatula corditorniis. 
Pleurorhynclius Hibernicus, 



— 243 



B. 

6 Euoniphaliis catilliis. 

7 Flleopsis vctusta. 

8 Producta scotica. 

9 Spirifera distans. 

10 „ cuspidata. 

11 „ rotundafa. 

12 Terebratula pugnus. 

13 Orthoceras striatum. 

14 Nautilus globatus. 

15 ,> ovatus. 

16 Spirifera oblata. 

17 „ pinguis. 



18 Terebratula crumena. 

19 „ sacculus. 

20 „ lateralis. 

21 „ laevigataSoHi,. 

22 „ aeuminata. 

23 Amplexus coralloides. 

24 Actinoerinites SOdactylus. 

Von den unter B aufgezählten stehen die drei ersten in Murchi- 
son's eigner Liste Silurischer (Wenloek-) Arten von Dudley und Led- 
bury und zum Theil zugleich von Plymoitth, der Eifel und auf Gottland f 
die 3 folgenden kommen auch im Wenloek- Kalke zu Dudley und eine 
zugleich zu Blankenheim vor, obschon sie M. dort nicht aufführt; die 
7.— 12. in andren einheimischen und zum Theil zugleich in ausländischen 
Transitions - Gegenden, die übrigen nur in ausländischen Silurischen 
Gegenden, welche aber M. selbst oft genug als solche bezeichnet, wie 
Schweden, Gottland, Eifel, Bensberfff (Hof,) Belgien, Erie-See und 
ßrummond- Island. In einem andern Paragraphen (33) seiner Abhand- 
lung führt W. noch 18 Brachiopoden-Arten auf, welche in England oder 
auswärts dem Übergangs - und dem Kohlen-Systeme gemein seyeu. 

Terebratula Mantiae. 
platyloba. 



Producia depressa. 

Iieinisphaerica. 

longispina. 

sulcata. 

anoniala. 

sarcinulata. 

scabricula. 



Spirifera glabra. 
„ obtusa. 

„ attenuata. 

„ ambigua. 

„ reticulata. 

„ decurrens. 

striatula. 



plicatella. 
diodonta, 
affmis. 



3) Die Bestimmungen der Petrefakten rührten theils von ausländi» 
sehen Geognosten , für England und Irland aber überall hauptsächlich 
von J. DE C. SowERBY her. Was endlich W's. eigne Listen Corker 
Petrefakten betreflfe, so seye er in Beobachtung der Schichten, woraus 
sie stammten, sehr gewissenhaft gewesen. 4) Die der Formationen hat 
der Vf. vorhin mitgetheilt; es sind solche, welche Mürchison selbst 
anerkannt hat. 5) Alle andern Kalk-Streifen in Süd-Irland, ausser dem 
bisher bezeichneten , seyen arm an Versteinerungen und durchaus nicht 
damit überfüllt, wie M. sage; diese Petrefakten beschränken sich auf 
Producta depressa, 1 Avicula, 1 Goniatites und wenige Po- 
lyparien. 6) Es ergebe sich daraus, dass die Beziehungen der Tran- 
sitions - Gesteine zu den Versteinerungen keineswegs überall genau 
übereinstimmend seyen, sobald man aus den Grenzen eines engen Be- 
zirkes hinausschreite. — Das Alles werde sich aber bestimmter erwei- 
sen , sobald Murchison's Wunsch ausgeführt und von allen Gegenden 
iVIonographie'n bearbeitet, die Petrefakten einer jeden Schichte genau 
bestimmt und verzeichnet und alle Arten gut abgebildet werden. 



H. Bn. Gefnitz: Charakteristik der Schichten und Petre- 
fakten des .Söc/m'ÄCÄew Kr ei de- Gebirges, Erstes Heft: d«r 



~. 244 ^ 

T (t II 11 1 bei Oherau in gcognostlsclier Hinsicht und dit* dieser 
Bildung verwandten Ablagerungen zwischen Oberan , Meis- 
t'ii und dem Blaueti' sehen Grunde bei Dresden (29 SS. mit IX Stein- 
drucktafeln; in kl. Fol. Dresden und Leipzig 1839). Der Vf. „findet 
im Sächsischen Pläner- Gebirge drei Regionen durch ihre Versteinerun- 
gen namentlich bestimmt verschieden, welchen er bis daher noch alle 
von ihm beobachteten Schichten des Pläners unterordnen konnte, wenn 
.sie auch in ihrer äusseren Beschaflfenheit noch so verändert auftreten: 
Konglomerat-Bildungen, Pläner- Mergel und Pläner-Kalkstein, letztrc 
zwei durch eine thonige Mergel-Ablagerung geschieden." Der Kalkstein 
enthält 0,76 — 0,78, der Mergel 0,40 — 0.45, der Sandstein noch viel 
weniger kohlensaure Kalkerde, während in Säure unauflösliche Thon- 
e:de, Quarz und Wasser in umgokehrtem Verhältnisse, von 0,21 beim 
Kalk auf 0,48 beim Mergel und darüber hinaus zunehmen. Das Gebirge 
am Tunnel zeigt Konglomerat und Mergel auf Gneiss mit Granit- 
Gängen aufgelagert, he\ Zaschendorf, Oherau, Gräbern und IMeissen 
Pläner- Mergel , bei Weinböhta und im Spitzgrund Pläner - Kalkstein : 
Pläner -Mergel liegt an vielen Orten des linken E^ft- Ufers zwischen 
Crtuernitz und dem Schooner Grunde und , unmittelbar oder mittelst 
des Quadersandsteins auf Syenit ruhend, an mehren Stellen des Ptauen- 
SL'hen Grundes. Die Mergel , zu unterst öfter in Form eines dunkeln 
Griinsandes u. s. w., sind ausgezeichnet durch glaukonitische Pünktchen, 
höher hinauf hauptsächlich durch Kalk-reiche, Knollen-förmige Absonde- 
nuigen mit Ansammlungen Seladon -grünen bis schwärzlichen Glaueo- 
nits , mit welchen stets eine Anzahl von Serpula gordialis (zuwei- 
If-n auch S. spirographis Goldf.) verwebt ist, welche wohl die 
eis^eutliche Veranlassung zu Ansammlung des Glauconits und Bildung 
jfiier Knollen gewesen seyn mögen. Inoceramus striatus findet 
sirh an den meisten Orten darin, zuweilen mit I. propinquu», I. 
loncentricus, Rostellaria Parkin so nii, Exogyra colnmba, 
1*]. cornu arietis, E. haliotoidea, Ostrea vesicularis, Pecten 
»erratus, Cidarites vesiculosus u. m. a. Tafel A erläutert die 
geognostischen Verhältnisse am Tunnel. 

S. 10—28 sind der systematischen Aufzählung und gewöhnlich auch 
kurzen Charakteristik aller in diesen Pläner - Ablagerungen gefundenen 
Prfipfakten - Arten mit Ausnahme der Cephalopoden und Gasteropoden 
g- widn)et; hei den meisten unter Verweisung auf eine oder einige gute 
Abhildungen, hei anderen aber, wo solche nicht oder schwierig aufzu- 
fiiidon, unter Beifügung einer eignen Abbildung auf den Tafeln I—VIll. 
Auf S. 29 ist ein alphabetisches Register derselben gegeben: es sind 
ul>fr 100 Arten. 

Diese verdienstliche /ii.'.aiiüiicn.Mtcliunji hi« tet ix-rcits Slt»fl zu gründ- 
|i( lu-r und defaillirter Vrrgicvchung der oruanisf Iirn IV!rrknt.*)|p des Pla- 
»irrs mit di-n Kreide BildiinmMj andrer G('g'M)d<'n. In7\vts»h<-n behält 
e« der VI. „apateren Betra(;htungen auf, diese vns( Iiiedencn Bildungen 



•245 

jrnpii «uf Englands klassisrlieiu IJoden zu vrr^leiilieii'% Mossbalb wir 
ilim InVr nicht vorgroifen können. 

Denn ein zweites Heft soll jene noch auso^elassenrn Mollusken- 
Klassen mit einer Betrachtung; des Pläner - Terrains zwisrhem den» 
lUauen'' sehen Grunde und Pirna noch nachliefern, und ein drittes Heft 
vorzuufsweise dem Quadersandstein und den noch übrigen Sächsischen 
Kreide-Versteinerungen gewidmet werden. 

Die Abbildungen sind wohl gelungen; nur dürfte dem Leser die 
]3arstellung eines Holz-ähnlichen und anscheinend von Käfer-Larven, die 
n)an aber noch nicht selbst gefunden (Ceramby ci t e s) durchlöcherten 
Körpers auf drei aufeinanderfolgenden Tafeln allzu luxuriös erscheinen, 
indem ein auf ^ reduzirter ümriss des Ganzen mit Ausführung eine« 
einzelnen Drittheils in natürlicher Grösse, Beides auf 1 Tafel Baum 
lindend, für das Bedürfniss ganz hinreichend gewesen seyn würde, zu- 
mal man über die innre Struktur dieses Holzes doch nichts Genügen- 
des erfährt. 

Noch haben wir von keiner der dentschen Kreide - Bildungen eine 
vollständigere und nach den einzelnen Schichten genauere Aufzählung ih- 
rer Versteinerungen und ist dieser Umstand bei Vergleichung der ersten 
mit den besser bekannten des Auslandes in hohem Grade empfindlich. 
Die hien)it begonnene Arbeit wird daher eine wesentliche Lücke aus- 
füllen und ist ihr rasche Beförderung zu wünschen. 



HI. Petrefakteii-Kunde. 

G. Gr. zu Münster: Beiträge zur Petrefaktcn - Kunde, 
II. Heft: Decapoda Macroura: Abbildung und Beschreibung 
der fossilen langschwänzigen Krebse in den Kalkschiefern 
von Baiern (88 SS. mit xxx lith. Tafeln, Bayreuth 1839, 4«). Aber- 
mals wird uns eine ganz neue Schöpfung von Thieren geboten, lang- 
schwänzige Krebse, 97 Arten aus 25 ausgestorbenen Geschlechtern der 
2 Familien Hummern und Garneelen -, alle Genera ausser 2 — 4 sind neu. 
Von den Arten waren einige andre schon von Schlotheim gekannt. 
Im Kohlen-Gebirge kennt der Vf. keine Decapoden, und überhaupt keine 
ßrachyuren vor dem Kreide - Gebirge: die ersten JVIacrouren im Salz- 
Gebirge, einige im Lias und viele im Jura; alle gegenwärtig abgehan- 
delten stammen aus den lithographischen Schiefern her, woraus der Vf. 
von andern Krustaceen noch 3 — 4 I.sopoden und 4 — 5 Limulus -Arten 
kennt. Mit Ausnahme von zweien hat er alle in meist herrlichen Ex- 
emplaren in »einer unermesslichen Sammlung. Wir freuen uns, dass 
der Vf. versucht hat, die Genera zu diaguosiren; bleibt hier, wie «r 
selbst bemerkt, auch noch Manches dunkel und unbtkannt, so ist ei 
doch der Anfang des Weges; auf dem man nun bpld weiter fortschreiten 



— 246 — 

wird. Alle Arten sind in Konturen abgebildet , einige in mehrfachen 
Exemplaren «» 2—3 Seiten. 

Der immer knapper werdende Raum unsres Jahrbuches gestattet 
uns nicht, die Diagnosen hier aufzunehmen; und es ist solches um so 
weniger nöthig, als jeder sich diese einzelne Schrift voll des Neuen 
leicht und gerne Terschaffen wird. Hier die Übersicht: 

A. Hummern. 

VII. Mcgachirus 5 Arten. 

VIII. Palinurina 3 „ 

IX. Orph nea 6 „ 

X. Cancrin os 2 „ 

XI. Bris a 2 „ 

XII. Brome 3 „ 



I. 


Eryon 


13 Arten. 


II. 


G 1 y p h e a 


9 » 


III. 


B 1 i u a 


2 „ 


IV. 


Magila 


4. * 


V. 


Aura 


1 » 


VI. 


Pterochirus 


3 „ 



51 



B, Garneeleii. 



I. 


Antrimpos 


9 


Arten, 


II. 


Bylgia 


2 


» 


III. 


D r b n a 


2 


>} 


IV. 


Kölga 


8 


» 


V. 


Aeger 


5 


» 


VI. 


Udora 


4 


}> 


VII. 


Dusa 


2 


>} 



VIII. H efriga 2 Arte«. 

IX. Bombur 2 „ 

X. Blaculla 2 „ 

XI. Eider 2 „ 

Xlf. Rauna 2 „ 

Xlll. Sasa 2 „ 



44 



XXV im Ganzen 95 

Unter diesen ausgestorbenen Geschlechtern stehen Glyphea dem 
lebenden Astacus, Bolina dem Nephrops, Palinurina dem Pa- 
linurus u. s. w. sehr nahe, während Eryon, Megachirus, Ptero- 
chirus, Cancrinos u. a. sehr abweichende Formen darbieten. 

Eine Erklärung der Abbildungen macht den Schluss des Werks. 



J. W. Bailey: über fossile Infusorien, entdeckt in Moor- 
Erde zu Westpoint i n New - York , nebst einigen Notizen über 
Amerikanische Diatomae (Sill. Amer. Journ. 1838, XXX V^, 118 — 
124, pl. II.) Vorbereitet durch die Entdeckungen Ehbenbekg's (dessen 
Werke selbst er aber noch nicht gesehen) und durch mittelbar von ihm 
erhaltene aus Infusorien zusammengesetzte Erde suchte der Vf. diese 
Thiere zuerst im lebenden , dann im fossilen Zustande auf. In erst- 
rem fand er in grosser Menge in Tümpeln zwischen Konferven mehre 
Arten von Diatomeen, insbesondre Diatom a flocculosum und 



*) Wir besitzen unter den Konchylicn scli«ii einen Bolinii» von Pij»ch wad '■hicn 
Magilus von Momfort. 



— 247 — 

Fi'ag;ilaria pectinalis; und als er die Koiiferven verbrannte, erhielt 
er eine Asche, welche ganz aus den Kiesel-Panzern von Infusorien zu- 
sammengesetzt war. Die Diatoraen waren eben so unauflöslich in Feuer 
und Säure , wie die Bacillarien, und folglich wie diese aus Kiesel-Erde 
zusammengesetzt, was inzwischen auch de Breeisson beobachtet hat. 

Als der Vf. nun nach diesen Resten in der Erde auf dem Boden 
der Sümpfe nachsuchte, so fand er am Fusse des S. - Abhanges des 
Berges , worauf einst Fort Piitnam stund , eine Schichte 8" — 10" dick 
und von wahrscheinlich einigen Hundert Quadrat- Yards Ausdehnung ganz 
aus den fossilen Kiesel-Panzern von Bacillarien etc. zusammengesetzt. 
Als man nämlich den dortigen Sumpf trocken legte, gelangte man unter 
Andern! auf eine sehr leichte weisse oder thonfarbige, im Sonnenlicht 
tlimmerndc, in Säuren nicht brausende, vor dem Löthrohr nicht schmel- 
zende Substanz, welche sich bei mikroskopischer Untersuchung fast 
ganz aus fossilen Infusorien mit einigen Diatoraa- oder Bacillaria- 
Theilen zusammengesetzt zeigte. Proben von verschiedenen entfernt- 
liegenden Stellen im Boden des Sumpfes liessen dieselbe Zusammen- 
setzung wahrnehmen. Die gewöhnlichsten Formen darunter hat der 
Vf. auf Tf. II abgebildet und auf folgende Weise bezeichnet. Fg. 1 
Baci Ilaria, wohl eine der EHRENBERc'schen Arten, Fg. 2 eine Kahn- 
förmige Schaale, gleich der vorigen mit äusserst feinen parallelen Queer- 
ßtreifen ; Fg. 3 und 4 ein glatter und ein rauher kieseliger Körper un- 
bekannter Natur; und (Fg. 11) eine grosse Menge sehr kleiner Ringe, 
Scheibchen und Kügelchen. 

Der Vf. zweifelt nicht, dass man bei ausgedehntem Nachforschungen 
in Amerika in kurzer Zeit die fossilen Infusorien an vielen Orten 
wieder finden werde; er macht seine Landsleute besonders auf das 
leichte Gewicht der Erde, auf die weisse Farbe und die Unauflöslich- 
keit in Säuren aufmerksam und gibt ihnen an, wie sie sich selbst ein 
Mikroskop von 100 — 500facher Linear - Vergrösserung nach Torre's 
Methode als zu diesen Untersuchungen ziemlich hinreichend, fertigen 
könnten*). Ja er meldet, dass einer seiner Freunde, 0. Mason, nach 
seiner Anleitung verfahrend auch zu Proeidence fossile Infusorien auf- 
gefunden habe. 

Der Vf. bildet nun von den unler dem Namen Diatoma bekannten 
Algen, deren kieselige Hüllen ebenfalls oft frisch und fossil in Moor- 
erde vorkommen, mehrere Arten ab und fügt einen Auszug aus Meyen's 



•) Man zieht grünes Glas zu einem Faden aus , bricht ein iJ^n'—X'" langes Stück- 
chen davon ab, legt es auf Holzkohle und schmelzt es vor dem Löthrohre zu 
einem Kügelchen, nach dessen Bildung man augenblicklich mit Blasen einhält. 
ehe sich Asche und Staub anliängen und es trüben können. Dann maclit man 
ein konisches Loch in eine Platte dünngesciilagencn Bleies und durchbohrt die 
Spitze der Kegel -förmigen Höhle vollends mit einer Oeffnung von etwas kleinem! 
Durchmesser als der Glaskugel. Dahinein zwängt niau das Kügelchen so, dass 
es jenseits etwas vorragt., Bei einigoi Übung ist eine solche Kugel in ö Mi^ 
«Uten fertig. 



— 248 — 

Bcrirht über die Fortschritte der Botanik im J. 1836 (in Wiegmann's 
Archiv) bfi , woriiach MoHt , LirsK , Unger und Morren sich, gegen 
CoRDA und Ehrenberg, gegen die animale und für die vegptahile Natur 
der Bacillarien erklären. Der Vf. selbst aber kann die Bewegungen 
der Bacillarien, die er oft bcobaclitet, nur mit denen der Thiere (Vibri o, 
Rotatoria etc.) vergleichen und am wenigsten sie von einer Einwir- 
kung entgegengesetzter Elektrizitäten auf einen vegetabilen Körper 
ableiten. Schliesslich erbietet er sich , Proben der aufgefundenen lu- 
fusorieir-Erde abzulassen [vgl. S. 260]. 



Ehrenberg: über fossile Infusorien (.Sitz d. tierliit, Akad. 
1838, Juni 28 > Vlnstit. 1839, VII, 29—30). Zu den 15, vo» Vf. 
schon im J. 1837 bekannt gemachten Lagerstätten fossiler luiusoriea 
fügt er jetzt noch 5 neue bei. 

1) ZiPSER zu Neusohl bat ihm einen Po 1 ir sc hi e fe r von Zamnto 
in Ungarn gesendet, welcher zart, Kreide-artig, weiss, rollifleckig und 
leicht ist, und fast ganz aus den Trümmern der Kiesel-Panzer von 5 
In fn sorie n- Arten, auch aus Nadeln, deinen der Spongilla lacust- 
ris ähnlich, besteht. Unter ersten herrscht Fragilaria rhabdo- 
soma, oft noch zicmlic!) lauge Reihen bildeiid , vor und ist begleitet 
von einer der Gailionella distans ähnlichen Art, von zwei minder 
deutlichen Navicu 1 a> Arten (vielleicht Jungen von N. viridis und N. 
fulva) und einer sehr grossen dem Coccouema laneeolatura ähu' 
liehen Forn». 

2) V. Jac^uin in Wien stellte ihm einen Kaolin von der Insel 
liüurbon zu, welcher vier Arten mit vorwaltenden Eacillarieen oder 
Eunotien enthält. Eunotia arcus und E. faba sind bereits be- 
kannt, E. nodosa ist neu. Dieselben Arten sind au(;h in dem Riesel- 
guhr von Isle de France beobachtet worden, welchen Klaproth zerlegte, 
und der überhaupt viele Ähnlichkeit mit diesem Kaulin hat. Beide ent- 
halten auch Navicula craticula, welche früher als N. bifrons? 
beschrieben, seitdem aber lebend bei Berlin gefunden und als besondre 
Art erkannt worden ist. 

3) Meven hat von der Insel Lucon unter den Philip/ntien eine Art 
Tripel mitgebracht, welcher ein Infusorien Konglomerat , hauptsächlich 
aus S y n e d r a ?, mit 2 Arten S p o n gi 11 a-Nadeln ist. Die Haupt-Form 
Syuedra (Fragilaria?) paleacea ist eben und klein, und zwisclien 
ihr liegt einzeln eine grosse, deutlich in die Queere gestreifte Form, 
S. australis, beide von den Europäischen Arten sehr verschieden. 
Die Nadeln scheinen theils von S p. lacustris herzustammen, theils 
sind sie mit Knoten oder Gliederungen versehen (Sp. Phi 1 i p pe nsis). 

4) Bergrath Schaffrinskx zu Berlin hatte sich erinnert , dass in 
der handgchriftlichen Clironik zu Klicken bei Coswiff unfern Dessatt 
einer Erde erwähnt i.st . die man zur Zeit einer Mnngersnoth gegessen. 
Er fairl sie iti Folge von Nachsuchungen aut unter dem Schuttlande 



__ 249 

am Rande der Elbe) 10'— 20' über dem Spiegel dieses Flusses. Diese 
Erde ist thonig;, grau-gelblich, mit weissen Punkten durebsäet und ganz 
aus Infusorien mit einigen Pflanzen-Resten zusammengesetzt. Zwischen 
Gramin een- Wurzeln , Con if er en - Samen und Spongi IIa- Nadeln 
(Sp. lacustris) liegen die Reste von 12 Infusorien - Spezies , wovon 
Gallionella varians (welche sonst immer nur einzeln vorgekommen) 
und G. aurichalcea (var. granulosa) die Hauptmasse bilden, Nävi- 
cula inaequalis, N. striatula?, N. gracilis?, N. platystoma, 
N. turgida, N. viridis, Fragilaria rhabdosoma, Gomphonema 
clavatum und Cocconema cymbi forme eingestreut dazwischen 
liegen. Alle diese Arten leben noch um Berlin. 

5) Endlich hat Ernst Hofmann zu Kiew einen schwarzen Feuer- 
stein aus der Kreide von Kr%emienec in Vulhynien eingesendet, wel- 
cher ein h" grosses Stück Holzkohle, 2 Hai- Zähne und Echinideu- 
Stacheln, dann in der Masse vertheilte ganze oder zertrümmerte Panzer 
von Infusorien, worunter Xan thidium ramosum enthielt. Die Holz- 
kohle stammt vom Pinus- Geschlechte her: die Zellen sind von einer 
durchscheinend krystallinischeu Kiesel - Masse ausgefüllt. Ein andres 
Handstück des Feuersteins enthielt ein männliches Blüthe - Kätzchen 
einer Konifere mit noch kenntlichem Pollen, welcher aber kleiner ist, 
aU ^er den jetzt in Europa lebenden Pinus- Arten. 



Ehrenberg: zwei n eue Lager stät ten fossiler Infusorien 
in Frankreich und New - York (Berlin. Akad. d. Wissensch. 1839, 
18. Febr. ^ l'Instit. 1839, 282). Die Musterstücke aus beiden Fund- 
stätten erhielt der Vf. von Rob. Brown. 

In Frankreich sammelte Fournet die Proben eines Polirschiefers 
oder Tripels zu Ceppah bei Pont-Gibaud , Puy -de- Börne , in welchem 
man gegen 20 Arten Kiesel - Infusorien entdeckt. In seiner Kohäsion, 
fast weissen Farbe, Zusammensetzung und durch das Vorherrschen von 
Synedra capitata und S. uina hat er viele Ähnlichkeit mit dem 
Bergmehl von Santa Fiora; und durch das Vorkommen des Gompho- 
nema augur, den der Vf. bis jetzt nur von Real del Monte in Mexico 
gekannt hatte, ist er besonders interessant. Die Arten sind: 
Cocconeis place ntula. Gomphonema augur. 

Coccouema cyinbiforme, „ capitatum. 

„ a s p e r u m n. sp. „ cl a v a t u m. 

(wenn nicht entwickeltere Form „ paradoxum. 

des vorigen). Navicula gibba. 

E un Ol ia gr an ula t a. „ gracilis. 

,, turgida. „ viridis. 

„ Wtstermanni. „ viridula? 

„ Zebra. Synedra capitata. 

Fragilaria pectinalis. ,, ulna. 

„ rhabdosoma. 

Gallionella dittaus. 



- 250 — 

Die Amerikanische Erde wurde von Torrat gesammelt und so 
etiquettirt ,)tn a 6a|/, Westpoint, New 'York'*. Sie ist dunkelgrau, 
mehr zusammenhängend als vorige , aber weniger dicht und ziemlich 
ähnlich der grauen Kieseiguhr von Franzenshad. Folgende 14 Arten 
kieseliger Körper und Fichten-Pollen setzen die ganze Masse zusammen : 
Cocconema asperum n. sp. Gallion ella distans. 

Eunotia arcus. Goiuphonema paradoxum. 

„ diodon, Spon gi IIa lacust ris? (Spon- 

Navicula alata. gia?> 

?i*i)'i» ampbioxis w. s/?. Sp o ngia api culata (Tethya?) 

„ Suecica. n. sp. 

„ viridis. A m p h i d i s c u s r o t u 1 a (n. gen. ?) 

„ viridula. Fichteu-Pollen. 

Fragilaria trinodis. 

Die herrschenden Arten sind Gallionella distans, Spongilla 
und Navicula viridis, und der Pollen, ebenfalls sehr häufig, ganz 
dem in Europa gefundenen ähnlich. Sechs dieser Formen leben noch 
in Europa, 3 kommen hier nur fossil vor, und 3 kennt man nur im 
Bergmehl Schwedens und Finnlands; die Spongill - Nadeln sind fossil 
auch in Sizilien vorgekommen. Amphidiscus, einer Spinn- Spule 



Marquis V. Northampton : über Spiroliniten in der Kreide 
und deren Feuersteinen (Lond. a. Edinb. Philos. Magaz. 1838 , 
XIII 3 386). In den Kreide - Feuersteinen in Sussex haben G. Smith, 
;Wälth. Mantell und der Vf. 6 Arten Spirolinites entdeckt und 
sie Spi Comptoni Mant. , Sp. Murchisoni N. , Sp. Stockesii 
N., Sp. Lyellii N., Sp. Mantellii N. und Sp. Bucklandii ge- 
nannt. Die grössten sind ^" lang; die Anzahl der Kammern ist sogar 
ibei der nämlichen Art veräuderlich , die Unterscheidung der Spezies 
-wegen ihrer Kleinheit und Lage im Feuerstein schwierig. Sie sind 
häufiger in grauen als in schwarzen Feuersteinen und umgeben von 
Trümmern andrer organischen Reste. Die Arten werden beschiieben. 



C. G. Ehrenberg: über dem blosen Auge unsichtbare 
Kalk-Thierchen und Kiesel-Thier ch en als H aup t-Be stand- 
theilc der Kreide-Gebirge (Bericht d. Berlin. Akad. ^ Poggend. 
Anniil. d. Phys. 183.9, XLVU, 502 — 508). Die Kreide besteht bei 
SOOmaliger Vergrösserung nicht nur aus symmetrischen regelmässig 
elliptischen gekörnten Blättchen unorganischen Ursprungs und deren 
Bruchstücken (^ Jahrb. 1837, 620), sondern auch aus einer Menge mi- 
kroskopischer Polythalamien , welche zwischen (|cn. vorigen liegen und 



— 251 — 

unter dem Mikroskope erst unterscheidbar werden, wenn man die trockne 
Kreide dünne vertheilt in erwärmten Terpenthin der Nordamerikani' 
sehen Balsam-Tanne, in sg. Balsamum Canadense [vgl. Jahrb. 1839^ 
S. 741]. Diese doppelte Art der Zusammensetzung zeigte sich bei 
Kreide von Puskaresz in Ostpreussen, von Rügen, Schoonen, den Dä- 
nischen Inseln, von Gravesend, Briyhton und Norwich in England, 
von Irland i von Meudon bei Paris, von Cattolica und Castrogiovanni 
bis zur Küste von Girgenti in Sizilien, Die Menge dieser Polythala- 
niien übertrifft bei weitem , was man von solchen seit Plancus und 
SoLDANi bis d'Obbigny in tertiären und ganz neuen Meeres - Nieder- 
srhlägen kennen gelernt hat. Zwar haben d'Orbigny, Nilsson, Pusch 
n. A. seit 1826 auch von einzelnen grössern Formen dieser Thiere in 
der Kreide Frankreichs , Schwedens und der Bukowina berichtet und 
hat der Vf. selbst 1836 dergleichen in den Feuersteinen der Kreide er- 
kannt und 1837 als Hauptform der Kreide aus den Polythalamien den 
Rotalites ornatus (Lenticulina Lonsdale) und die Textularia 
globulosa (Discorbis Lonsd.), aus den Entomostraceen aber die 
Cypris faba? (Cytherina Lonsd.) in seine gedruckte Tabelle ein- 
getragen, und hat endlich Lonsdale ebenfalls 1837 in 1 Pf. Engl. 
Kreide bis 1000 dem blossen Auge als weisse Körnchen erscheinende 
Individuen dieser Thiere gefunden. Aber noch weit grösser ist die 
Menge der dem blossen Auge verschwindenden, ^V — tIs Linie grossen 
Individuen, welche EhrenbepiG auf die oben angegebene Weise neuerlich 
entdeckt hat, deren mithin oft weit über 10 Millionen in 1 Kubikzoll 
und weit über 10 Millionen in 1 Pf. Kreide vorkommen, ohne der eben- 
falls sehr zahlreichen Trümmer vor anderen zu gedenken. — Ausser 
diesen kalkigen Schaalen kommen aber in der Kreide von Gravesend 
bei London auch Kiesel-Panzer von Infusorien (und in deren Feuerstei- 
nen deutliche Fisch -Schuppen), — im Polirschiefer aus Oran (tertiäre 
Mergel Rozet) und Zante und mehren Orten Griechenlands Kreide- 
Thiercheu vor, und aller von Fk. HoFFaiAivN mit Sicherheit erkannte 
Kreide - Mergel Siziliens ist aus wohl erhaltenen Kiesel - Infusorien mit 
mehren charakteristischen Kreide - Thierchen gebildet. Mehre Arten 
dieser letzteren sind sogar an allen oben genannten Orten identisch, 
aber in andern Gesteinen bis jetzt nicht vorgekommen ausser dem Num- 
muliten- Kalke von Cahira und dem Pyramiden von Gyzeh in Ägypten. 
Daraus nun scheinen folgende Resultate hervorzugehen: 

1) Viele und wahrscheinlich alle Europäische Kreide ist das Pro- 
dukt von ^V~2g8'" grossen Schnecken-artigen Korallen- Thierchen mit 
Kalk-Schaale und einigen Infusorien mit Kiesel-Schaale. 

2) Die gewöhnlichsten und im Süd- wie ^oiA-Europäischen Kreide- 
Gebirge vorkommenden Formen sind Textularia globulosa, T. 
aciculata und Rotalia globulosa; die übrigen charakteristischen 
Formen der Kreide sind: Rotalia ornata, Globigerina bulloi- 
des d'Orb., Planulina turgida, P. Sicula, Rosalina globula- 
fis, Textularia aspera, T. brevis, T. dilatata, T. Italic« und 



252 ^ 

Escharella (Eschara Sold.) scutellaris; wozu noch die Spiru- 
linen Lord Northampton's [S. 250] und eini{j:e von d'Orbigny, Nilsson 
Und PüscH aufgeführte Arten kommen. Im Ganzen aber kennt der Vf. 
nur 71 Arten solcher mikroskopischen Thiere von weniger als ^V" 
Grösse (ausser manchen grössern Arten und Resten von Cypris, Te- 
thyen, Spongien, Confervoiden und F u coiden); von ihnen sind 

7 Genera mit 22 Arten kalkiger Pulythalamien, 

14 -,, „ 40 „ kioseliger Infusorien, 

und früher erwähnte 8 >, ? weiche ,^ 

nebst 5 „ Kieselcrde-haltige PHanzen. 

3) Diesen Resten zu Folge gehören die gewöhnlich für Tertiär« 
Gebilde gehaltenen Kreide - artigen Umgebungen des Mittelmeeres m 
Sizilii'H , Berberey üwA Griechenland^ so wie der Nummuliten - Kalk 
Ägyptens doch wohl der Kreide an. 

4) Diese Süd-Europäischen Kreide -Lager unterscheiden sich durch 
besser erhaltene Kreide - Thierrhen und weniger zahlreiche elliptische 
Blättchen von den Nord - und Oat-Preussischen. 

5) Erste enthalten , wie schon bekannt gewesen , wenig oder gar 
keine Feuersteine; diese enthalten deren viele in regelmässigen oft nur 
l' — 6' von einander entfernten Schichten. Erste sind dagegen (Sizilien^ 
Oran , Griechenland) reich an mit Kreide wechsellagernden Infusorien- 
Mergeln, welche nach des Vfs. eignen Beobachtungen im Norden gänz- 
lich fehlen. An dieses Wechsel - Verhältniss lassen sich mehrere Vcr- 
niuthungen über Umbildung von Mergel in Feuerstein u. s. w. knüpfen. 

.6) Der vom Vf. früher bemerkte Mangel an zahlreichen verschiede- 
nen Formen von Kiesel - Infusorien ist jetzt durch einen grossen Reich- 
thuin derselben ersetzt. 

Neuerlich hat Eurenberg auch Kreide - Polythalamien in den unter 
der Kreide liegenden Gault-Feuersteinen und schon früher Polythalamien 
und Reste von Spongien oder Tethyen in den Feuersteinen de» 
Jurokalke» von Krakau entdeckt. 



über 

die vorzüglichsten Kennzeichen 

der 

Nautileen, 

von 

Herrn Professor Quenstedt 

in Tübingen. 



Eine freie , mit Zusätzen vermehrte Übersetzung seiner luaugural« 
Dissertation {de notis Nautilearum primariis , Berolin. 1836). 



Die gradlinig gestreckte oder in einer Ebene 
(Krümniungs-Ebene) beliebig gekrümmte Röhre 
ist durch queer liegen de aussen konkave Scheide- 
wände in Kammern getheilt. Die Scheidewände, 
deren Ränfier einfach, werden in irgend einem 
Punkte ihrer mit der Krümmungs-Ebene gebilde- 
ten Schnitt - Linie (Ven trodo rsal - Linie) durchs 
brochen. Die Durch bruchs-Öffnung drängt die 
Scheidewand dutenförmig nach hinten. Der Si- 
pho, aus einer gegliederten Haut bestehend, geht 
durch sämmtiiche Duten (Trichter) hindurch, und 
befestigt sich an der Spitze der Schaale. 

Die Schaale der Rohre besteht airs zwei Haupt- 
Lagen, einer äussern matten, und einer innern Perlmutter- 
glänzenden. Beide trennen sich im fossilen Zustande in 
unzählige übereinanderliegende Blätter, deren jedes Längs- 
Jahrgaiifr isio. 17 



— 254 



und Queer- Streifen zeigt. Doch ist die Streifung auf der 
äussern Fläche der Röhre gewöhnlich am hervorstecliendsten, 
Buf den Innern Lamellen gleicht sie den Wasserzeichen des 
Papiers. Nach v. Büch's Beobachtung machen die Queer- 
streifen stets eine Bucht nach hinten, die sich noch an der 
Mnnd-Offuung der Schaale wieder erkennen lässt, denn der 
Mundsaum bleibt in der Regel den Oueerstreifen ähnlich. 
Die Seh eide wän de, mit ihrem Perlmutter- Kalke der 
innern Röhren -Wand in geschwungenen Wellen-Linien ge- 
nau angefügt, verlängern sich entweder in einen kurzen 
Trichter (so dass der eine den andern nicht erreicht), oder 
in einen langen, dessen Ende noch tief in den ihm vorher- 
gehenden eingreift. Doch bleibt, selbst bei den tief in ein- 
ander steckenden Duten, rings am ünterende derselben ein, 
wenn auch nur enger Raum frei, durch welchen der Sipho 
mit den Kammer-Räumen in Verbindung treten kann. 
Fig.l. 

f. 

Das Papier (Fg. 1) ist die 
Krüramungs-Ebene, durch welche 
die Röhre symmetrisch halbirt 
wird. Die Pfeile n zeigen die 
Verbindung des Trichters b mit 
den Kammern an. 




Der häutige Sipho (c), der durcli sämmtllche Trich- 
ter hindurchläuft, ist noch von einer besondern Kalksinter- 
Schicht umhüllt. Diese Slntcr-Schichte verwächst innig mit 
der Trichter-Masse, nnd sobald die Trichter zu kurz sind, 
als dass sie in einander greifen könnten , scheint es , als 
ginge die Perlmutter-Schicht allmählich in die Sinter-Masse 
über. Die Beschaffenheit des Slpho's näher kennen zu ler- 
nen, ist eine Untersuchung, die den grössten Schw^ierigkeiten 
unterworfen ist, da die wcicliern Thier-Theile durch das 
Gestein fast spurlos zerstört werden. Allein sobald die Si- 
phonen stark anschwellen, sich also zu einem überwiegenden 




-- 255 — 

Organ entwickeln , geualiren \^ ir in ihrem Mittelpunkte 
einen kleinern Siplio , der zuweilen noch von mehren kon- 
zentrischen Ringen umkreist wirtelständige Lamellen nach 
der aussersten Siphonal - Wand sendet. Diese Wirtel- 
Lnaieüen sind auf den Steinkernen des Sipho's durch Längs- 
streifen Iiäufig klar angedeutet. Bei kleinern Siphonen sieht 
man sich vergehlich nach dieser merkwürdigen Organisation 
um: i?n glücklichsten Fall sieht man den Mittelpunkt noch 
hervorgehohen j doch die Lamellen waren vielleicht zu hin- 
fälligj als dass sie sich erhalten hätten, 

Fg\ 2 ist der Oueerschnitt ei- 
Ftg. 2, nes starken Sipho's mit wirtelstän- 

digen Lamellen, welche von einer 
inuern Axe (einem kleinen Sipho) 
ausstralen , die ausserdem noch 
von einem konzentrischen Kreise 
umgeben wird. 
Es ist in neueren Zeiten viel darüber gestritten worden, ob 
das Thier mittelst des Sipho's die leeren (?) Kammer-Räume 
mit irgend einem Elemente habe erfüllen können oder nicht. 
Man hat sogar Theorie'n ergrübelt, aber dabei der vorwelt- 
lichen Thiere mit gigantischen Siphonen nicht gedacht. Vor 
Allem hat Owen durch die treffliche x^natomie des lebenden 
Nautilus Pom[)ilIus hinlänglich dargethan , dass der Sipho 
durch das Perikardium mit der Aussen - Welt wirklich in 
Verbindung stehe. Allein da bloss durch die Trichter der 
öoeer- Sel^eidewände ein Zugang zu den leeren Kammern 
vermittelt ist, so bemühte sich Blainvillk aus der Struktur 
des in Kalk- Sinter gehüllten Siphonal - Schlauches die Un- 
möi^lichkeit der Erfüllung zu erweisen. Er beruft sich 
hierbei auf die schon in Breyne's trefflicher Arbeit über Po- 
lythalamien beschriebenen Kontinuität der kalkigen Siphonal- 
Dnten des lebenden Nautilus. Allein man muss dabei wohl 
erwägen, dass die poröse Beschaffenheit an jedem ünter- 
theile der einzelnen Trichter (der Kalksinter - Hülle des 
häutigen Sipho's) sehr wohl die Deutung und Vermuthuiig 

17* 



— 256 — 

erlaubt, dass Feuchtigkeit und Luft partiell leicht durch- 
schwitzen dürften. Ja wohlerhaltene Durchschnitte von 
Nautilus Äturi zeigen, dass beim Versteinerungs-Prozess 
mechanisch von aussen eingedrungener Kalk - Sinter wirk- 
lich den Eingang rings um das Ende der Siphonal - Duten 
verstopft zu haben scheint, wenn anders die Deutung der 
einzelnen Theile die richtige ist (s. u. die Beschreibung 
dieser Spezies). Die Wohnung des Thieres ist die letzte 
erweiterte Kammer der Rohre , worin dasselbe rings durch 
einen Mnskel fest gehalten wird. Da der Muskel an den 
Seiten an Breite und Stärke zunimmt , so sind auf wohl- 
erhaltenen Steinkernen zuweilen die Muskel-Eindrücke noch 
erkennbar. 

Besonders wichtig ist eine Mantel-Falte, welche 
der lebende Nautilus stetig über den Anfang des letzten 
Umgangs ausbreitet. Die äussere matte Kalk-Schicht wird 
«uf diese Weise bei Nautilus Pompilius mit einer schwarzen 
Hornschicht überdeckt, welche nie bis zum Mundsaume der 
Schaale reichen kann. Der Bauch-Theil der Röhre legt sich 
beim Fortwachsen über diese Horn-Schichte hinweg, die 
Horn-Schichte muss also sämmtliche Umgänge von einander 
trennen ; ein Stück Schaale dieser Gegend besteht demnach 
aus fünf verschiedenen Schichten : zwei matten , zwei Perl- 
mutter-glänzenden und einer schwarzen. Nur bei wenigen 
fossilen Nautileen kann man die schwarze Schicht nachwei- 
sen, die hornige Masse zersetzte sich leicht. 

In Hinsicht auf Ämmoneen und ßelemneen dürfte diese 
«ehwarze Schicht von Bedeutung seyn. Denn bei einigen 
Ämmoneen findet man über der Perlmutter- Schicht matte 
mit der Windung fortlaufende Streifen, die wahrscheinlich 
durch eine analoge Falte gebildet wurden. Die Streifen 
sind stark hervorstechend beim A. Amaltheus, fein punktirt 
bei Arieten und Falciferen. Ein Analogen dieser Falte ist 
es dann auch, welches die dicke faserig-kalkige Belemniten- 
Scheide gebildet hat. 

Hat man vollständige Exemplare, so sind die Nautileen 



— 257 — 

mit keinem der in der Erde vorkommenden organischen 
Reste zu verwechseln. Denn die Unbestimmtheit , welche 
früher zwischen Nautilus und Ammonites Statt fand, 
ist durch Leop. v. Buch's gründliclie Bearbeitung längst ge- 
schwunden. Ein Nautilus p i c t u s Schl. ist durch seine 
gezackten Loben den Ammoniten anheimgefallen. Der Un- 
terschied zwischen beiden Geschlechtern ist so scharf, dass 
selbst die kleine Dute, welche auf dem Rücken den Am- 
moniten-Sipho zum grossen Theil umgibt, der aller Nautileen 
entgegen nach oben gekehrt ist , was selbst in vorzüglicher 
Deutlichkeit beim verkieselten Goniatites carbonarius 
gesehen werden kann. Mit Belemniten - Alveolen ist der 
Orthozeratit leider aber sehr leiclit zu verwechseln , denn 
die hyperbolischen Streifen, welche Voltz auf den Alveolen 
entdeckte, sieht man selten, und ein hart randlicher kleiner 
Sipho kommt bei beiden vor. Auffallend ist eine , wenn 
fluch etwas entfernte, Ähnlichkeit mit Hippuriten-Esemplaren, 
welche Friede. Hoffmann auf Sicilien in der Kreide-Forma- 
tion entdeckte und im Berliner Museum niederlegte. Eine 
dicke porös -lamellöse Aussenschaale wird nicht nur durch 
Queer-Scheidewände abgetheilt, sondern die Queer-Scheide- 
wände sind auch Duten- förmig nach hinten verlängert und 
durchbohrt. Dem Ganzen fehlt aber die regelvolle Symmetrie 
ider Nautileen, abgesehen von den Struktur-Unterschieden. 
Da dem Petrefaktologen bei der Unvollkommenheit der 

Reste die meisten und zum Theil wichtiosten Kennzeichen 

o 

vielleicht für immer unbekannt bleiben müssen , und da die 
Haupt - Eigenschaften der Schaale allen Nautileen gemein 
sind, so bleibt für die Abtheilung in Geschlechter nichts 
weiter übrig, als die verschiedenartige Krümmung 
der Röhre, Doch selbst das Krümmunors - Gesetz ist bei 
vielen , namentlich bei den meisten neuerlieh aufgestellten 
Geschlechtern, gar nicht ermittelt, und gesetzt auch es wäre, 
so dürften wir selbst darauf nur ein bedingtes Gewicht 
legen. Denn da das Thier, wie das jeder konkamerirten 
Cephalopoden-Schaale , in der letzten Kammer lebt, folglich 



— 258 — 

jeder Tlieil der Scbaale in verschiedenen Lebens- Perloden 
dem Thiere zny Wohnkammer dienen musste, so muss die 
Geschmeidigkeit; des Thleres, das sich jeder Krüariraung 
leicht anpasstCj sehr auffallen. Besonders deutlich tritt die- 
ses Verhältniss bei den ausgestorbenen Lituiten hervor, bei 
welchen das in der Jagend spiralförmig gewundene Thier 
später eine gestreckte und seihst in entgegengesetztem Sinne 
nach hinten gebogene Lage annahm. Vielleicht könnte man 
glauben, dass die Lage und Beschaffenheit des Si- 
pho's ein glücklicheres Ünterseheidungs-Merkmal abgäbe. 
Allein je mehr man forscht, desto mehr bestätigt sich, dass ge- 
rade die Unbestimmtheit seiner Lage alleNautileen von den in 
dieser Hinsicht so bestimmten Äramoneen und Belemneen, 
die den Sipho stets hart randlich zeigen, scharf unterscheidet. 
Denn Formen , die sich sonst in allen übrigen Kennzeichen 
gleichen, zeigen dennoch den Sipho bald am Rücken, bald 
am Bauch, bald mehr oder weniger in der Mitte. Daher 
müssen wir sehr warnen, auf die mehr zufällige Lage des 
Sipho's ein Gewicht zu legen. Die Beschaffenheit des Si- 
pho's ist noch zu wenig gekannt, und bei alledem könnte 
man sogar zu der Vermuthung geführt werden , dass alle 
Siplionen, selbst die verhäitnissmässig kleinen, wirtelständige 
Lamellen zeigen. Gleichwohl darf man überzeugt seyn, 
dass, würden die oft nur wenig von einander verschiedenen 
Formen plötzlich wieder von ihren Thieren bewohnt, wir über 
deren unendliche Manchfaltigkeit erstaunen niüssten. Aber 
dieser Formen-Reich thum ist für uns verloren. Wir kehren 
daher zu jener künstlichen Abtheilung des Breyne zurück: 

Nautilus ist ein Polythalame, dessen Spiral-Umgänge 
entweder ganz involut sind, oder sich doch wenigstens alle 
deutlich berühren. 

Orthoceras ist ein Polythalame, der sich genau oder 
doch fast genau in gerader Linie erstreckt. 

Li tu US ist ein Polythalame, der zwischen JNautilns 
und Orthoceras liegt, folglich theilweise gestreckt, spiral, 
Haken - öder Bogen - förmig gekrümmt seyn kann. Keine 



^ 250 — 

symmetrisch hilbirbare Röhre ist denkbar, die wir nicht zu 
letztern zählten. 

Wie im Gedanken die Linien, so gehen in der Wirk- 
lichkeit die drei Formen in einander über. Doch bietet die 
Eintheihing der Sprache ein bequemes Hüifsmittelj und auch 
für die Formationen ist sie nicht bedeutungslos. 

Orthoceras Breyn. 
(opB'Of grade, nipaf Hörn). 
Die Röhre gleicht einem langgezogenen Kegel, aber ist 
stets etwas komprimirt oder deprimirt, selten eckig. Wie 
die Steinkerne, so zeigt sich auch die Schaale eben. Wel- 
lenförmig gebogene Schaalen, wie sie bei den Aramoneen be- 
kannt sind (daher deren Steiükerne gerippt), sind hier nur 
Ausnahms-weise zu finden. Der Sipho wankt von der Mitte 
nach dem Rande hin (Bauchseite oder Rücken), aber weicht 
nie aus der Krümmungs-Ebene, die den Kegel symmetrisch 
halbirt. Welches Ende der Ventrodorsai-Linie dem Bauche 
oder dem Rücken entsprechen möge, dafür haben wir nicht 
immer ein bestimmtes Merkmal. Allein so oft die Schaale 
Wellen - förmig wird , oder die äussere Streifung markirt 
hervorsticht, halten wnr nach der Analogie der gekrümmten 
denjenigen Thcil für den Rücken, wo die Streifung einen 
Busen nach hinten macht, was nie an beiden Theiieii 
(Rücken und Bauch) zisgleich der Fall ist. 

Wenn der Orthoceratit in der Form seiner Schaale 
einem matlieraatischen Keoel sehr r.ahe tritt , so lässt sich 
leicht, selbst aus Bruchstücken, das Verhältniss der Länge 
Äur Basis (Yentrodorsal-Linie) auf folgende Weise ermitteln: 

Haben wir das Bruchstück L 1 
(Fg. 3) dtn'ch die Krümmungs-Ebene 
halbirt, so sind L und 1 Ventrodorsal- 
Linien , die Bauch mit Rücken ver- 
binden. Nennen wir die Seite des 
Bruchstücks d, die der fehlenden 
Spitze X, so ist d -f X die Länge des 




— 260 — 

Ortlioceratiten, Genau genommen wäre das Perpendikel h 
von der Spitze des Kegels auf die Basis L gefällt der Länge 
gleich. Allein bei den lang -gezogenen Orthoceratiten sind 
beide fast gleich , und da sieh die Seite bequemer messen 
lässt, so kann man die etwas knapp-gemessene Seite für die 
Höhe setzen, weil wir keine mathematische Genauigkeit be- 
zweciien. Nun verhält sich aber: 

L : 1 = d -|- X : X, oder 

L — 1 : d = L : d -f- x, folglieh die gesuchte Länge 

Demnach verhält sich die Basis zur Länge 
= L:-i:4=l: ' 



L-I L— 1 

Beispiel. Bei einem O. regularis betrug L = 7", 
1 = 6^", d t= 10"; daraus folgt L — 1 = i", folglich das 

Verhältniss der Basis zur Länge = 1 : "7Y\"= 1 : 20 = ^^. 

Ist uns dieses Verhältniss gegeben , so kann man leicht aus 
jedem Bruchstücke auf die absolute Länge schliessen. Unser 
Bruchstück musste 7.20" = 140" = 14' gewesen seyn. 

In der Wirklichkeit ist das Gesetz nicht so scharf 
wieder zu finden, wie man wohl glauben könnte, namentlich 
scheint in der Jugend die Zunahme schneller zu seyn, als 
im Alter. Auch schwanken dieselben Species zwischen ge- 
wissen Zahlen- Verhältnissen. 

Da das Thier, wie alle Nautileen, in der letzten Kam- 
mer lebt und die Schaale bei vollkommenen Individuen bis 
zur zartesten Spitze erhalten ist, so kann man nicht recht 
einsehen, wie bei Exemplaren von 16 Fuss Länge die zarte 
Schaale erhalten wurde. Denn man denke sich einen sol- 
chen Stab ins Meer getaucht und am breiten Ende vom 
Thiere bewohnt, so musste natürlich die geringste Lebens- 
Ausserung des Geschöpfes die ferngelegene zarte Spitze in 
schnellste Bewegung versetzen , und denkt man weiter ein 
ganzes Heer derselben von einem feindlichen Onchus oder 



— 2GI — 

Hai verfolgt, so erscheint es als Wunder, wenn auch nur 
ein einziger die zarte Endspitze bis an sein Lebens-Ende 
zu retten wusste. Und doch sind so viele Individuen bis 
zur zartesten Spitze erhalten, ohne dass wir auch nur die 
geringste Andeutung finden , dass die Schaale von einer 
schützenden Haut umhüllt gewesen. Sahen die Thiere auch 
niemals das Ufer, sondern belebten sie ausschliesslich nur 
die hohe See, so sind wir dennoch gezwungen auf eine 
Ruhe des ürmeeres zu schliessen , die mit der heutigen 
Ordnung der Dinge völlig im Gegensatz steht. Daher stei- 
gen sie auch nirgends in die Jüngern Gebirge hinauf, son- 
dern, die stetigen Begleiter der in ihrer Art nicht weniger 
eigenthümlichen Trilobiten , waren sie bereits schon unter- 
gegangen, als eine reiche Kohlen - Formation die grössere 
Verbreitung des Festlandes auf der Erd-Oberfläche bewies, 

1. Vaginati. 

Der grosse randliche Sipho nimmt oft über die Hälfte 
des Durchmessers ein und zieht sich in der Schaale wie 
in einer Scheide hinab. Deutlich sieht man einen kleinern 
Sipho im grossen stecken, von dem die Wirtel - Lamellen 
ausstralten , die man jedoch nur in den glücklichsten Fällen 
beobachten kann. Die Enden der einzelnen Trichter sind 
an den Steinkernen scharf durch elliptische Linien markirt. 
Haupt - Leitrauschel in den nordischen unterst- liegenden 
Ubergangs-Kalken beider Hemisphären (Kambrisches System 
v. Buch's), 

Nachdem das langgehoflfte Werk The Silurian System 
von MuRCHisoN endlich erschienen ist, wird eine Parallelisi- 
rnng der Russischen und Schwedischen horizontal-gelagerten 
Übergangs -Kalke der untern Abtheilung theilweis möglich 
gemacht, denn ein wahrhaftes Urtheil kann erst gefällt 
werden , sobald wir auch noch vom Kambrischen Systeme 
eine ähnliche Beschreibung haben werden. So viel scheint 
sich vorläufig herauszustellen , dass jene Kalke nach ihren 
Haupt- Muscheln dem untern Silurischen Systeme (Caradoc 



— 202 — 

Sanilstone und LIandeilo Flags) Englands^ die durch eiuen 
Thonschiefer von dem oberii getrennt sind, ahnlieh werden. 
Denn es fehlen darin nicht nur die Korallen und herrschen 
die Orthis -Arten vor, sondern neben den ausgezeichneten 
Vaginaten (O. b is i p h on a t u m Mürch. 21^ fig. 23) finden 
sich Sgliedrige (As, C o r n d e n s i s 25 , 4 , As. T y r a n- 
uns 24 und 25^ 1, Bustamus Barriensis 14 y 7 und 
7, 3 [Wenloek-Limestone]) und lOgliedrige (Illaenus per- 
ov aus 23, 7) Triiobiten , während die llgliedrigen mit 
grossen Netz - Äugen entschieden vorherrschend auf das 
obere Silurische System vertheilt sind , ganz wie in Skan- 
dinavien, Russland und Nord-Amerika der Fall ist. Voreilig 
würde es seyn , wenn wir bestimmt beide gleich setzen 
wollten. Da aber in Schweden und llussland die obere und 
untere Äbtheilung der Übergangs -Gebirge sich so sicher 
herausstellt , da ferner das Kambrlsclie System Englands 
ziemlich Petrefakten-arm zu seyn scheint, so dürfte es viel- 
leicht der Ähnlichkeit halber mit andern Gebenden nicht 
unzweckmässig seyn, das untere Silurische dem Kanibrischen 
einzuverleiben. Dann könnte man in Übereinstimmung mit 
andern Gegenden vom obern und untern, oder vom 
Silurischen undKambrischen Übergangs-Gebirge 
sprechen. So habe ich nach dem Vorgange Buch's den 
Ausdruck Silurisch und Kambrisch bisher verstanden, weil 
leider von Englischen Schriftstellern die Namen lange der 
Sache voiausgeschickt worden waren. 

O. duplex sive giganteus Wahl. (O. spiralis 
Pander , Beiträge zur Geognosie des Russischen Reichs 
tah, 30, fig. 2. Breyne de polythalamiis iah. 4, fig. 4 — 7). 
Die Schaale glatt und ohne deutliche Queerstreifen , aber 
mit einer unzähligen Menge von Punkten übersäet, die regel- 
los durclieinander stehend wie mit einer Nadel liineinge- 
stochen erscheinen, und keineswegs, wie anderwärts im Jura, 
Folge der V^erwitterung sind. Längs - Streifung auf den 
Lamellen erkennbar. Der versteinerte Sipho (d. h. die mit 
Stein-Masse mechanisch erfüllten Trichter) schwillt zwischen 



— 2(53 ^ 

den Kainmei' - Wänden wenig an. Die einzelnen Wülste 
sind folglich durch eben so viel Einschnürungen getrennf, 
auf denen die untern Trichter- Ränder rings einen scharfen 
Eindruck hinterlassen liaben zum deutlichen Beweise, dass 
die Trichter rings geschlossen waren und nicht etwa auf 
der Aussenseite mit der Sehaale zusammenflössen. Der 
Abstand der einzelnen Scheidewände ist sehr veränderlich, 
wie auch das Gesetz der Zunahme zwischen ^V ^^^ i 
schwankt. Bei O. Wadii Schl. mss> nimmt der randliche 
Sipiio bis auf ^ Durchmesser ab. Die Schaale ist häufig mit 
Netz- förmigen Eindrücken gezeichnet (Eindrücke der Cala- 
inopora Gothlandica niclit unähnlich, aber bestimmt nicht 
davon herrülirei»d) , die im Mantel des Thieres ihren Er- 
klärungs-Grund finden mögen. Das Verhältniss = y^j. Im 
rothen Kalke Ölaiids und der Mark. Bigsby's {Transaci. of 
ihe (jeoL soc, 2. Sei\, pari 2, Lond. 1824) flg. 7, ib. 26 
schliesst sich hier eng an: der dopj)elte Sipho entging dem 
aufmerksamen Beobachter niclit. Wahrscheinlich auch Mur- 
chison's O. b i s i p h n a t u m {The Sil. Syst. iah. 21^ flg. 23) 
aus dem Caradoc-Sandstein. Hisinger's (Anteckn. F, tab. 4^ 
fig. 1) O. communis, der mit Wahlekberg's O. Com- 
munis, einem Regularen, nicht zu verwechseln, ist auch 
ganz verwandt. 

Alle haben den Sipho hart randllcli, und so variabel 
auch dessen Durchmesser seyn mag, so ist doch nirgends 
eine natürliche Grenze zu ßnden. 

O. vaginatus Schl. (O. undulatus Pander /. C. 
iab. 30, fig. 1 ; Bronn Lethaea tab. i, fig, 9 a und b). Die 
Schaale Weilen-förmig gebogen (wie bei Ammoneen): daher 
erscheinen selbst die Steinkerne noch geringelt 5 sehr stark 
ausgeprägte (iueerstreifen bedecken die Schaale. Die Wülste 
der versteinerten Siphonen stehen viel enger als bei vorigen, 
weil die Scheide-Wände enger stehen, und die Grenz-Linien 
der Trichter finden sich auf den Wülsten , daher haben 
solche Steinkerne entfernte Ähnlichkeit mit einer Schraube. 
Das Verhältniss schwankt zwischen jY und j^^^, Knorr's 



— 264 — 

P, III ^ Supp. tah, IV e, fig. I gehört wahrscheinlich hier- 
her. Hisinger's {Antechi. V, tab. 4, fig. 3) O. trochlea- 
ris hat zwar einen kleinem Siplio, mag sich aber wohl 
anschliessen. 

Beide, O. vaginatus und O. duj3lex, die scharf ge- 
schiedenen Haupt-Typen dieser Familie, sind die vorzüglich- 
sten Leit-Muschehi der untersten Äbtheilung der nordischen 
nicht gehobenen Übergangs - Kalke (Kambrisehes System). 
Beide finden sich stets zusammen. Die Kalke in Esthland^ 
Livland, Lithauen, Ingermannland, Skandinavien, Nord-Amerika 
wimmeln theilweis von ihren Resten , so dass in beiden 
Hemisphären der Nordpol von gleichen Kalken umgürtet 
wird. Auf den Norden verweisen daher auch die Geschieb- 
Flötze des Mittel- Europäischen Tief-Landes, wo strichweise 
keine Muschel häufiger gefunden wird, als diese. 

Der Name der Abtheilung von Vagina, die Sciieide, 
weil der Sipho wie in einer Sciieide steckt. 

2. Cochleati. 

Die Trichter , welche ungefähr die Mitte der Scheide- 
wände einnehmen, schwellen so an, dass die versteinerten 
Siphonen deprimirten Sphäroiden gleichen , die der Reihe 
nach übereinanderlieoen. Dicke Lamellen stehen in Wir- 
teln um die Haupt -Axe: sie lassen sich aus der Streifung 
der äussern Wand deutlich erkennen. Die Schaale der 
Röhre und öueerseheidewände musste sehr zerbrechlich 
seyn, denn sie ist selten erhalten; der Sipho allein, von 
jenen Theilen vollkommen getrennt, findet sich am häufigsten. 
Dadurch wurde Bigsby verleitet, sie mit einem besondern 
Namen Huronia unter die Korallen zu stellen, allein schon 
die genaue Symmetrie dieser Reste widerspricht der Ansicht. 
Sie gehören der obern Abtheilung des noi-dischcn übergangs- 
Gebirges an, finden sich daher auch im obern Silurischen 
Systeme Mürchisom's. 

O. cochleatus Schl. (Breyne tab, ß, fig, la und 
2 b; HüpscH tab, 12, fig, 59; O. crassi ventris Wahl., 



— 205 — 

HisiNGER AniecM, F, tah, 4, fg. 9). Der Sipho ist perio- 
disch so eng eingeschnürt 5 dass ihn Schlotheim mit ei- 
nem gewundenen Schnecken - Hause verglich (cochlea dio 
Schnecke). Die einzehien Glieder sind viel breiter als 
lang. Mehre Formen sind bereits aus den verschieden- 
sten Gegenden der Erde bekannt geworden, die jedoch mit 
Vorsicht unterschieden werden müssen. So lange die Schaale 
mit den Siphonen verbunden war , hat sie Bigsby richtig 
gedeutet; allein auffallend genug hat er die vereinzelten 
Siphonen für Korallen gehalten. Schon längst sind sie von 
der Insel Gottland bekannt, denen viele in Märkischen Ge- 
schieben überaus gleichen. Dann lehrt sie Bigsby in den 
Dolomiten am Huronen-See kennen , die schon wegen der 
vielen mit- vorkommenden Korallen der obern Abtheilunof 
des Übergangs-Gebirges angehören. Ganz dieselben Dolomite 
mit dem O. cochleatus finden sich auf der entgegenge- 
setzten Hemisphäre in Livland bei Pernau. 

Wenig verschieden dürfte auch O. sphaeroidalis 
BiGSB. ij. c. tab. 28, fig. 5, Huronia) seyn, die Trichter 
scheinen nur etwas stärker zusammengeschnürt. Orth. 
n u m m u 1 a r 1 u s Mlrch. 13 , fig. 24, Obere Silurische 
Formation. 

Die Familie scheint reich an Formen. Bigsby bildet 
deren mehre ab {tab, 30, ßg. 3 — 7), worunter fig. 4 be- 
sonders auffällt, deren einzelnen Trichter, breiten Scheiben 
gleichend, so stark anschwellen, dass die Breite selbst die 
Länge der Säule übertrifft. Wenn man nicht Schritt für 
Schritt die Übergänge verfolgen könnte , so würde man es 
kaum wagen, diese extreme Form für einen Orthoceratiteii- 
Sipho zu erklären. Doch kommen sie alle an ein und dem- 
selben Orte, im Dolomite des Hur onen- Sees, vor ! 

SowERBYS O. cordiformis schliesst sich durch seinen 
Sipho ebenfalls hier an. Das schnelle Dickwerden in der 
Jugend bezeichnet ihn sehr; vielleicht dürften viele der 
obigen durch dasselbe Merkmal ausgezeichnet seyn, wie das 
schnelle Anwachsen der Siphonen bezeugt. Allein leider 



^ 266 — 

ist die Scliaaie so selten erhalten, dass man darüber kaum 
eine Vennutliung aussprechen kann. O. pyrifornie Murch, 
iab. 8, /ig. 19 und 20, Obere Silurische Formation, 

Bronn hat aus verwitterten Exemplaren dieser Familie 
sein Geschlecht Ä c t i n o ce r a s (S t ra 1 e n h orn) gemaciit. 
Mit welchem Recht , darüber kann erst die Zukunft ent- 
scheiden, wenn wir die Katur aller Siphonen kennen ge- 
lernt haben werden. 

3. G 1 s^ a n t c T. 

Die Siphonen stehen durch die Form ihrer Trichter 
zwischen den beiden ersten Familien: die einzelnen Trichter, 
oben stärker aufgebläht, als bei den Yaginaten, weniger als 
bei den Cochleaten , sind verhälfnissujässig sehr lang, und 
verengen sich unten nur massig. Sie zeigen überaus deut- 
liche Wirtel-Lamellen. In den Dolomiten des Huronen-See's 
kommen sie in der Gesellschaft der vorigen häufig vor, all- 
ein nur ihre Siphonen : die zugehörigen Schaalen sind un- 
deutlich. Doch sieht man daraus, dass die Siphonen nicht 
randlich , sondern nach der Mitte hinliegen , was sich auch 
schon aus der Art der Anschwellung eroibt. Denn eine 
hart randliche J^uiQ würde nur auf einer Seite angeschwol- 
len seyn. Einzelne Duten erreichen einen Öueer-Durchmes- 
ser von 2j" , dev also jedenfalls gegen den Durchmesser 
der Schaale bedeutend seyn muss , und da Bigsby Säulen 
von 27" Länge gefunden hat, deren Oueer-Durchmesser an 
beiden Enden verhältnissmässig wenig verschieden ist, so 
kann man daraus auf die bedeutende Grösse der Individuen 
schliessen. Auch diese werden von Bigsby zum Korallen- 
Geschlecht Huronia gezählt. 

O. B i gs b e i (Huronia, Lelhaea , talh F, fig. 13 ; 
Trans, of ihe geol. soc, tab. 28, fig, 1 und 2). Die 
Beschreibung des Entdeckers, sowie die Struktur und 
Symmetrie der Natural - Exemplare des Berliner Kabinets 
lassen keinen Zweifel für die Deutung über. Der gewaltige 
Sipho gleicht einer Wirbelsäule, deren einzelne Wirbel- 
Körper unten stärker als oben zusammengeschnürt sind. 



— 267 — 

Häufig in den Silurischen Dolomiten von Drummon Island 
auf dem fhironen-See. 

Mehre zugleich mit vorlvommende Spezies: O. ver- 
lebralis, O. turbinatus und O. obliquus unterschei- 
den sich unter sich, sowie von der vorigen, nur wenig. 

Die vorstehenden drei Familien zeichnen sich durch 
den relativ grossen Sipho vor allen aus. Bei den folgenden 
wird der Sipho ungleich viel kleiner und tritt höchst selten 
hart an Aew Rand, sondern osciilirt immer um die Mitte. 

4. Reguläres. 
Die einfachste gefälligste Form aller Orthoceratiten, 
Die äusserste Schicht der Schaale zeigt gewöhnlich Queer- 
streifen, doch fallen sie leicht mit der Schicht ab. Die 
Duten der Scheidewände sind zylindrisch, oscilliren um die 
Mitte. Zuweilen zeigt auch dieser kleine Sipho einen Mit- 
telpunkt, von wo aus wahrscheinlich VVirtel- Lamellen aus- 
stralten , die ich aber nie gesehen habe. Von den tiefsten 
Übergangs -Schichten bis zur Kohlen- Formation verbreitet. 
Im Zechstein sind sie jedoch (bisheriger Beobachtung zu 
Folge) ausgestorben. Ausser der Form der Röhre und der 
Anzahl der Queerscheidewände sind wenige leitende Merk- 
male vorhanden. Auffallend sind am Oberende der Wohn- 
kainmer drei symmetrigch gestellte länglich-elliptische Kalk- 
Wülste , die sich auf der Innenseite der Schaale gefunden 
haben müssen, da man wiederholt entsprechende Eindrücke 
auf den Steinkernen findet. Man kann sie künstlich in 
zwei Ünter-Abtheilungen bringen, mit fern - und mit nahe- 
stehenden Scheidewänden. 

1) Mit fernstehenden Scheidewänden. Der 
S^pho liegt gerne nach der Mitte hin. 

O. regularis Sohl, ist der wichtigste, dem sich viele 
nähern. Die Röhre fast kreisrund und der Sipho fast ge- 
nau in der Mitte. Zunahme yL. — _i^. Nicht selten läuft 
auf dem Rücken (?) eine scharf markirte Linie hinab, die 
Leop. V. Buch bei den INautiliten und Herm. v. Meyrr bei 



— 268 — 

den Orthozeratiten zuerst beobachteten. Sie erscheint fast 
wie ein kleiner Sipho, ist aber nur durch einen IVIuskel' 
Eindruck des Mantels entstanden. Die äussere Schaaie ist 
mit unendlich vielen Punkten besäet, wie wir ihrer bei O. 
duplex erwähnten. Die Entfernung der Kammern ist äus- 
serst variabel; bei 2" Basis zählt man auf 6" Länge 6, 
aber auch 12 — 40 Kammern. Kimmt die Anzahl der Kam- 
mern bei Exemplaren zu , so wird auch der Sipho gern ex- 
zentrisch. Schlotheim stellte jedoch alle zu seinem O. regu- 
lär is, da er nicht im Stande war, zwischen den unendlichen 
Übergängen scharfe Unterschiede festzustellen. Viele der 
neuen Spezies, Namen womit die Wissenschaft später belä- 
stigt wird, sind hier auf ein Gebiet gefallen, wo Jedem, der 
sich durch neue Namen ein Denkmal zu setzen gedachte, 
weiter Spielraum geworden ist. Sie zu sichten dürfte viel- 
leicht nicht nur eine unfruchtbare Beschäftigung, sondern 
auch in vieler Hinsicht unmöglich seyn. 

O. giganteus Sw., ein sehr grosser O. regularis. 
O. communis Wahl. Sipho sehr wankend. Schwe- 
dische Kalke. 

O. rectus Bosc, O. cinetus Sw. 588^ 3. Nor- 
mal-Form für ScHLOTHEiMS O. rcgularis. O. striatus 
Sw. 58 hat eine etwas komprimirte Blund-Offnung und nimmt 
sehr langsam zu, denn Sowerby meint, dass seine Exem- 
jilare von 5" Basis eine Länge von 16' erreicht hätten. O« 
gracilis Blumenbach Arch. teil. tab. 2 ^ fig. 6 verkiest im 
Thonschiefer von Dillenhurg, Sipho zentral. Zunahme g^Q. 
Nicht mit den Lineaten zu verwechseln! 

Zu dieser Abtheilung gehören die Zeichnungen Murchi- 
SOn's O. distans 8, 17 gleich dem O. Ludense 9^ 1. 

Die ScHLOTHEiM'sche Sammlung zu Berlin bewahrt ein 
8'' langes Orthoceratiten-Bruchstück mit der Etiquette „von 
Adnelh bei Hallein im Salzthale^^ , dessen rothe Kalk-Masse 
zeigt, dass es aus den Monotis-Kalken der Alpen herstamme. 
Schlotheim erwähnt dieses Stückes schon in seiner Petrefak- 
ten-Kunde, S. 58. mit dem Namen O. vaginatuS; ohne eineii 



— 2ßl) ^ 

>veitern Grund dafür anzugeben. Die allgemeine Gestalt 
des Sriioks epinnert wohl an einen Orthoceratiten, der durch 
S undeutliche Ringe in 9 Kammern abgetheilt zu seyn seheint. 
Sein Inneres ist jedoch homogene Berg- Masse ohne eine 
Spur vom Sipho. Das Verhältniss ist ^ö« ^^ """ "* dem- 
selben Kalke Ammoniten mit gezackten Loben erscheinen, 
so konnte man leicht zu der Vermuthung geleitet wei'den, 
dass die Verbreitnngs- Zone der Orthoceratiten sich selbst 
bis zum Jura erstrecke, wenn man nicht wüsste, dass auch 
bei Belemniten-Älveolen sich die obern Scheidewände oft ganz 
bedeutend voji einander entfernen. Daher kann ein solches Ex- 
emplar, die bekannte geognostische Regel, dass die Orthocera- 
titen im Jura ausgestorben sind, noch nicht entkräftigen *). 

2) Mit nahestehenden Scheidewänden. Der 
Sipho liegt häufig dem Rande näher zwischen Mittelpunkt 
und Schaale , hat grosse Neigung zwischen den Wänden 
Kugei-förmig aufzuschwellen, als w^enn er durch die Breite 
ersetzen wollte, was er bei der vorigen Abtheilung durch 
die Länge gewonnen, ein Gesetz, das die Cochleati so deutlich 
beweisen, welches aber auch bei den engwandigen Belemniten- 
Älveolen und dem Nautilus bidorsatus zu finden ist. 

O. Breynii Mart. foss. Derb. tab. 39; die dichtste- 
henden Scheidewände werden sehr tlach \ Sipho excentrisch 5 
Zunahme \. O. eremita Schl. sehr verwandt; sehr deut- 
liche Rücken-Linie. Gottland, Eifel^ Mark. O. excentricus 
GOLDF. davon kaum verschieden. 

O. fragilis Schl. aus dem feingeschlämmten Grau- 
wacken-Schiefer von Herborn iiNassaii) \ feingestreifte Schaale; 
wenig excentrischer Sipho; Zunahme^. Vgl. O. s triola tu 3 
Herm. V. Meyer {Nox\ Ad, Leop. nat. Cur, 1831, XV): 
der Sipho soll bei diesem zwischen den Scheidewänden sehr 
bedeutend anschwellen (Verwandtschaft mit den Cochleati). 



*) Dufür lassen andre Exemplare keinen Zweifel über das Vorkommen 
von Orthoceratiten in jenem rothen Kalke. Es kömmt nur darauf 
an, wie sie und andre , alte Petrefakten hineingekommen sind 
(Jahrb. 183'^, S. 157. 158;. Bu. 

Jahrgang 1Ö40. 18 



-r^ 270 — 

Vergleiche hier Wahlenbkrg's O, imbricatUvS, Mür- 
CHISOn's O. gregarium S, 16, 0. bu IIa tum 5, 29, 0. 
dimidlatrum ^5 18, Phillip's O. inaequiseptuin 21^ 7 
(ungleiche Entfernungen der Scheidewände kommen öfter 
hei den Regularen vor) und viele andere. 

O. laevis Flem. (Annais of Phil. F, tah, 31, fig. 1 
und .?). l^r Kegel wird hier so kurz, dass die Zunahme 
J— J beträgt. Diese Formen sind daher im Allgemeinen ei- 
ner Belemniten-Aiveole am ähnlichsten, allein der Sipho ist 
niemals, randlieh, wie bei deii Alveolen. Mark, Schweden, 
Schottland, 

O. acuarius Münster. Elhersreuth, Leider sind von 
d.en vielen Nautileen dieser Gegend erst wenige bekannt 
geworden. IM^ Streifung ist Dachziegel-förmig; Zunahme jJg, 
dock sehr variabel. In den blauen Kalk- Geschieben der 
Märhischeni Lehm-Schicht sehr häufig. 

O. Steinhaueri Sw. : der kleine Sipho ganz randlich, 
bei abgenützten Exemplaren entsteht daher um den Sipho 
ein scheinbarer tiefer Lobus, so dass man an einen gestreck- 
ten Goniatiten erinnert wird. Im Dilletiburgischen Thon- 
schiefer findet sich eine sehr wenig von ihm verschiedene 
Form, mit flachem Scheidewänden. Diess bilden daher eine 
4eicht asu erkennende Ünter-Abtheilung. 

5. U n du lati. 
Wie beim O. vaginatus ist die Schaale durch wellige 
Erhebungen und Vertiefungen scharf bezeichnet. Ihnen pa- 
rallel erheben sich feine Streifen, welche gleich den Wellen 
auf dem Rücken einen ausgezeichneten Busen , dessen Kon- 
vexität der Spitze zugekehrt, ist^. machen; auf der Baiichseite 
gehen Streife^i. und, Wellen horizontal. Es ist dieses eine 
dem Nautilus sehr analoge Streifung, die auffallender Weise 
sich nur bei wejiigeii Orthoceratiten deutlich ausgesprochen 
findet. Der. Sipho liegt zwischen Mittelpunkt und Bauch- 
Seite. Sonst in allen Kennzeichen von den Regulären nicht 
verschieder. 



— 271 — 

O. unilu latus ScuL. Nachträge 9, \. Die Wellen 
erheben sich selbst auf den Steinkernen noch wie markirte 
Ringe, heginnen in der Bauch-Gegend horizontal, steigen 
auf den Seiten stark empor, um auf dem Rücken zu einem 
tiefen ßusen hinabzufallen. Zunahme ^^, In den Kam- 
brischen Kalken der Mark werden oft mehre Fuss lange 
Exemplare gefunden. 

Eine neue unhe nannte Spezies hat viel flachere 
Ringe, einen weniger tiefen Rücken-Busen, und kommt mit 
jenen zugleich vor. Die sehr ungleichen Abstände der im 
Allgemeinen dichtstehenden Scheidewände fallen bei dieser 
Spezies sehr auf. 

6. Aunulati. 

Schaale und Steinkerne erheben sich zu scharfen Rin- 
gen, die sammt ihrer Streifung fast genau in einer Ebene 
liegen und nirgends einen Busen machen. In der Regel 
entspricht jedem Ringe auch eine Öueer-Scheidewand, und 
der kleine Sipho liegt häufig genau in der Mitte. 

O. anriulatus Sw. 733. Die Zwischenräume der 
eben nicht scharfkantigen Ringe haben wenige feine Streifen, 
und ihnen entspricht in symmetrischer Folge eine flache 
Scheidewand. England, Schweden, MarK 

O. nodulosus ScHL. Nachträge 11, 2. Die dichter- 
stehenden Ringe tragen auf ihrer Kante 12 — 16 gerundete 
Knoten. Eifel. 

O. annularis Flem. : die Ringe sehr scharf, die 
Streifung äusserst fein. O. sulcatus Flem. zeigt eine 
etwas schnellere Zunahme. " 

Die Annulati sind sehr Formen-reich, doch verhältniss- 
mässig selten. Sie zeigen eine grosse Neigung, ihre gerad- 
linige Riclitung zu verlassen und Lituiten zu werden. Ja 
vielleicht gehören die meisten zu den Lituiten, was die 
bisherigen Bruchstücke nicht entscheiden können. Zuweilen 
mag die Krümmung durch mechanische Einflüsse entstan- 
den seyn (wie wenig gekrümmte Orthoceratiten häufig ge- 
funden werden), doch gewiss nicht bei allen. Vergleiche 

18* 



— 272 — 

Phillips Illusl, of Ute geuL uf Yorks 11 , O. annulare 
21, 10, O. rugosum 21^ 16; BluRcms. O. Ibex 5, 30 
und O. articulatum o, 31 (beide sehen den Siphonal- 
Steinkernen des O. vaginatus überaus ähnlich, doch in 
der obern Silurischen Fornjation sollte man dieselben nicht 
vermuthen), Lituites Ibex 11, 6 und Lit. articulatus 
11, 5 und 7, eine Krümmung, die dem lebenden Thiere ge- 
hört. L. cornuarietis 22, 1 S. 

O. undulatus Hising. Anteckn. tab, 4 , fig. 6 bildet 
eine Zwischenstufe zwischen den Annulati und Lineati; 
doch scheinen den Zeichnungen zu Folgen (s, auch Murch. 
9, 6) die Ringe schärfer bezeichnet zu seyn, als die Längs- 
streifen. Silurische Formation. Gottland und England, 

7. Lineati. 

Die äussern Längsstreifen der Schaale treten so scharf 
hervor, dass die Queerstreifen dagegen sehr untergeordnet 
erscheinen. Nur selten gewahrt man im Verlaufe dieser 
Längsstreifen eine Dichotomie ; daher werden die Streifun- 
gen um so sichtbarer, j© älter die Schaale wird. Da sie 
die übrigen Kennzeichen ganz mit den Regularen gemein 
haben , so kann man unvollkommene und besonders jugend- 
liche Exemplare leicht mit denselben verwechseln. 

O. lin eatus MüNST. Streifen, obgleich nur Haar-dick, 
treten ohne Dichotomie scharf aus der Schaale hervor, 
an der Spitze dichter als an der Basis. Zunahme ^. Sipho 
in der Mitte; Schaale sonst glatt. Schweden, Mai% Elbers- 
reuth, an beiden letzten Orten mit O. acuarius zusam- 
men. Silurisch. O. Stria tu s HisiNG. Antechn. V, tab. 5, 
fig, 1; 0. turbinatus His. 4, 1. 

Im schwarzen Thonschiefer von Dillenburg kommen aus- 
gezeichnete Exemplare dieser Abtheilung vor, wo namentlich 
die Längon-Strcifung gegen die Basis hin sehr scharf her- 
vortritt; wenn nicht alle, so mochten doch viele Indivitluen 
des O. gracilis Blumenb. hierher gehören. Murchison s O. 
fiiosum i/, 3; 0. fimbriatuia Murch. 13, 20 dem 



— 273 — 

HisiNGER sehen 0. u n «1 u I a t u s zu vergleichen ; 0. c a n a 1 1- 
culatnm Mirch. 13, 26, Acm Dillenhirgischen sq\\v 'A\\\\\\ch, 

O. Gesneri Mart. foss. Derb. tah. 38, fig. 1 — 2. 
Die Streifen wachsen zu grossen Längs-Falten an; Zunahme 
sehr schnell (^). Die Zitate aus altern Schriftatellern zu 
übergehen, vergleiche man Mürch. O. vir ga tum 9, 4, 
Phillip's O. Gesneri 21, 6, und das junge Exemplar des- 
selben O. dentaloideum 21, 12. Der Sipho liegt bei 
allen mehr nach dem Rücken hin, weil eine schwache Krüm- 
mung nach dem Bauche hin eintritt. 

O. angu latus WaiTl. (Hising. Antechn, 4, 8). Die 
Längs-Falten schwellen hier so stark an, dass der öueer- 
Durchschnitt eckig ist. Das Extrem davon ist die Breyne- 
sche Fg, 3, Tab. 6. 

Durch letzte Glieder schliesst sich die Abtheilung 
eng an die Cyrtoceraten an , so dass man keine scharfe 
Grenze findet. 

8. I n f 1 a t i. 

Bei diesen Formen schwillt die Wohnkammer des Thie- 
res schnell unverhältnissmässig gegen den übrigen Schaalen- 
Theil an, verengt sich aber fast eben so schnell wieder, wo- 
durch die Sehaale oft eine Spindei-förmige Gestalt erhält, 
wie bei O. fusiformis Sw. 588, O. pyriforme Phil- 
lip's 21, 15 und 16. Aus der Silurischen Formation Eng^ 
lands. SüWERBY erwähnt ausdrücklich , dass die äussere 
Schaale glatt, zuweilen etwas gekrümmt sey, und der Sipho 
zentral stehe. Auffallend muss daher die Bemerkung von 
Phillips seyn , dass er innen den Sepien -Knochen analoge 
Kalk - Lamellen gefunden habe; es kann sich diese Bemer- 
kung nur auf das Ansehen der Kalk -Schaale der Siphonal- 
Duten beziehen, die auch bei andern Gruppen sehr zerreib- 
lich und weiss, wie Sepien -Knochen werden. Nach der 
Zeichnung, die jedoch nicht sehr deutlich, würde man einen 
dicken zentralen Sipho vermuthen dürfen. 

O. inflatus Goldf. , der öfters mit den Cochleaten 
verwechselt wird, bildet den Übergang zu den Cyrtoceraten. 



— 274 — 

Die Wohnkammer allein schwillt elliptisch an, hat an ihrem 
Lippen-Rand einen kleinen kreisförmigen Ausschnitt, parallel 
der letzten Scheidewand auf dem Steinkerne eine vertiefte 
gekerbte Ringlinie, die von vielen Längs-Linien geschnitten 
wird ; der kleine Sipho liegt dem Rücken sehr nahe. Si- 
lurisch, EifeL 

Am Schlüsse der Orthoreratiten bemerken wir nur 
noch, dass Schlotheim's O, verte braus der bezeichnende 
Name für Baculites Faujasii war. O. conicus Sw. 
ist schon längst für die Alveole eines Belemniten der Jura- 
Formation erkannt (wahrscheinlich von B. paxillosus, 
da der B. giganteus im Lias nicht vorkommt); das La- 
MARCK'sche Geschlecht Orthoc er a gehört gar nicht zu den 
Cephalopoden , sondern zu dOrbigny's Stichostegen unter 
den Foraminiferen. Endlich sind Lapeirouse's Orthoceratiten 
Hlppnriten, so genannt, weil grosse Exemplare mit Ochsen- 
hörnern viele Ähnlichkeit haben können. 

Graptolithi Linn. 

Wenn wir die bekannten LiNNEschen Graptolirhen, die 
NiLSSON Priodon und Bronn Lomatoceras (Feile n- 
horn) etc. nennen, hierher stellen, so folgen wir bloss den 
alten Petrefaktologen , von welchen sie längst als „gez äh- 
nelte Orthoceratiten^^ unterschieden wurden. Auch 
Schlotheim begriif sie sämmtlich unter dem Namen Orthoce- 
ratites serratus. So bezeichnend sie für das untere und 
mittle Silurische Gebirge seyn mögen , so schwer ist ihre 
Stellung im System. Die Schaale hat wenig harte Theile : 
bei wohlerhaltenen Exemplaren sieht man jedoch deutliche 
Queer- Scheidewände, nur findet sich keine letzte Wohn- 
kammer für das Thier. Der thierische Körper mochte 
daher dieselbe ganz umhüllen , so dass sie als ein innres 
Schaalen« Rudiment betrachtet werden muss. Dafür spricht 
dann auch die schwarze bituminöse Substanz, durch welche 
so häufig die Schaale dick überzogen ist, die ohne Zweifel 
von den weichen Thier - Theilen noch herrührt. Wohl 



— 275 — 

erhaltene Exemplare zeigen auf der breitern Rückenseite 
eine deutliche Längs -Linie, die man geneigt seyn könnte 
als Sipho anzusprechen. Die entgegengesetzte gezähnte 
meist schärfere Kante war nicht ursprünglich gezähnt, son- 
dern die scharfen oder stumpfen Zähne entstanden in Folge 
des Zersetzungs-Prozesses durch die zwischen die Scheide- 
wände eindringende Gebirgs-Masse , indem die lichtere Ge- 
stein-Farbe gegen die schwarzgefärbte Schaale sehr absticht. 
Übrigens kommen in feingeschlämmten Schiefern eine Menge 
der sonderbarsten Zeichnungen vor, nicht bloss von gestreck- 
ten , sondern von in jeder Weise gekrümmten Formen , die 
daher Linne sehr passend mit Schriftzügen verglich; denn 
aboerissene Theile sehen wirklich Semitischen Buchstaben 
oft ganz ähnlich. Wollte man aas allen den unzähligen 
halbzersetzten und zerstückelten Überbleibseln Geschlechter 
und Spezies machen, so würde man den manchfaltigsten Ir- 
rungen entgegen gehen. Ein genaues Studium wohl erhalte- 
ner Exemplare dürfte jedoch vielleicht die Ansicht bekräfti- 
gen 5 dass sie alle zur Klasse der Foraminifereri gehören^ 
die weder Cephalopoden noch Korallen sind. Wegen ihrer 
t»llgemeinen Verbreitung und ihrer markirten Form gehören 
sie zu den Haopt - Leitmuscheln der Übergangs -Formation. 
Nicht nur auf der Skandinavischen Halbinsel überall über 
dem Trilobiten-Kalke mit Vaginaten gelagert, sondern auch 
in England, Frankreich , in den blauen Kalk-Geschieben der 
Marhy in Sachsen und Böhmen bezeichnen sie dieselben Schich- 
ten, (In England sollen sie auch im Kambrischen Systeme 
vorkommen.) Wir wollen vorzugsweise, abgesehen von den 
spiralförmig gewundenen, drei Typen festhalten : 

G. serratus Schl. Nachfr. fab, 8, fig. 3: selten über 
einen Zoll lang; die Zähne und Scheidewände schief gegen 
die x\xe; schnelle Zunahme. Rücken -Linie sehr deutlich; 
die letzte Kammer kurz und auf dem Rücken stark kompri- 
mirt. Die Kannner hart am Rücken durchbrochen. Marhy 
Schweden» Zu diesem Typus gehörig , aber mit viel lang- 
samerer Zunahme: Lethaea i, 13, Mürch. G. Liidensis 



— 2T6 — 



,26, 1 und 2, G. Murcbisoni 5(?, 4. Der Zpichniing 
zufolge sind je zwei mit ihrer Spitze verwachsen, die Zähne 
gegen einander gekehrt. Warum Nilsson dieselben zu den 
Seefedern stellt, sehe ich nicht ein. 

G. tenuis Wahl.: dünne Lamellen wie langgezogene 
Grasblätter, deren breite Zähne senkrecht gegen die Äxe 
stehen. Die Zähne (Fg. 4) sind nur in Folge der Verwit- 
terung der Schaale entstanden, denn man gewahrt auch bei 
diesen zuweilen schief gegen die Äxe stehende öueer- 
. Scheidewände. Die leeren Stellen, wodurch die Zähne ent- 
.stehen, waren in der ursprünglichen Schaale gesetzmässige 
Erhöhungen, die beim Verdrücken der Exemplare aus der 
Schaale leichter herauswitterten. Daher greifen die Zähne 
bald tiefer, bald weniger tief ein, oft sieht man sogar vier- 
eckige Löcher innerhalb stehen, wenn die Lidlviduen senk- 
recht auf die gezeichnete Richtung (Fg. 4) verdrückt wurden. 
Schweden, Böhmen^ Sachsen. 

G. soalaris Linn. , Fg. 5, So mag vorzugsweise die 
Form genannt werden, deren Treppen-förmige Zähne oben 

eine gegen die Äxe senkrechte, 
Fig, 4. Fig. 5. unten schiefe Linien haben, wo- 

durch eine elgenthümliche Trep- 
pen-artige Form zum Vorschein 
kommt. Ob und wie diese Form 
mit jener zusammenhängt , weiss 
ich nicht; häufig kommen gedrehte, 
Spiral - förmig gewundene Exemplare vor. Mark, Schwe" 
den, Sachsen, 

Die übrigen noch sehr manchfachen Formen übergehen 
wir. Sie finden sich alle in grossen Familien zusammen und 
können daher von Geognosten nicht leicht übersehen worden, 
wie das auch sonst von andern Forau>iniferen bekannt ist. 

L i t u i t e s Breyn. 

(Li tu US, der oben gekrümmte Auguren-Stab). 
Da die gestreckten und kontinuirlicb spiralförmig gewun- 
denen Schaalen den Orthoceratiten und Nautiliten zu^etheilt 



— 277 - 

sind, so bleibt füir Lituites noch jede denkbare einfach ge- 
wundene Kurve über; doch sind nur wenige davon in der 
Natur nachgewiesen. Oft fängt die Schaale mit einer kon- 
tinuirJichen Spirale an , doch liegen die Umgänge dieser 
Spirale nie so hart an einander, dass dem Bauche des fol- 
genden Umganges sich der Rücken des vorhergehenden ein- 
drückt. Daher wird die Streifung der Schaale auf der 
Bauch-Seite kaum unterbrochen. Sie sind die Begleiter der 
Orthoceratiten und sterben mit ihnen aus. Es versteht 
sich von selbst, dass wenn bei wohlerhaltenen Exemplaren 
die Umgänge sich mit ihren Schaalen soeben berühren , in 
Steinkernen die Umgänge etwas von einander zu stehen 
scheinen. Ist die Sehaale dick, so kann das sehr täuschen. 
Man denke nur an Beilerophon , die im Steinkerne Centri- 
fugus sind. 

1. Cyrtocerates. 
(Kvpröi krumm.) 

Der Bogen überschreitet kaum einen Halbkreis ; der 
Sipho 5 mittler Grösse , liegt der konvexen Rückenseite ge- 
nähert, zeigt sehr deutlich eine Axe, von welcher wirtel- 
ständige Lamellen nach der Aussenseite des Sipho's straleii. 
Sliurisch. 

L. depressus Goldf. , wegen der wenig deprimirten 
Schaale so genannt. Scheidewände sehr flach und gedrängt, 
daher der Sijiho wahrscheinlich zwischen den Scheidewän- 
den anschwellend. Zunahme sehr schnell (J) , so dass sie 
grossen Belemniten-Alveolen nicht unähnlich sehen : Exem- 
plare von J' Queer-Durchmesser sind bekannt. * Längsstroi- 
fen treten sehr deutlich hervor. Die Krümmung ist so un- 
bedeutend, dass wenn 8 Kammern auf der konkaven Seite 
2 ', sie auf der konvexen kaum 2",2 betragen. Et fei. 

GoLDFüSS bildete aus diesem sein neues Geschlecht Cyr- 
toceratites. Es sind eine Reihe von Spezies bekannt, 
die alle zu dieser Abtheilung gehören und sich besonders 
durch die Dimensionen der Mund - Öffnung (dueerschnitt) 
unterscheiden. 



— 278 — 

Vielleicht gehören von Mürchison's Phragmoceras 
tah. 10 und 11 einige hier her, und zwar alle, welche den 
Sipho auf der Rückenseite haben. 

2. F I e X u o s i. 

Die Sehaale nähert sich mehr als die der Cyrtoceraten 
einer Haken- oder Hufeisen-Form, was man aus der Rich- 
tung einiger in der Mitte gelegenen Scheidewände schlies- 
sen dürfte. Denn misst man in dieser Gegend die Länge 
einer bestimmten Anzahl Kammern auf dem Bauclie und auf 
dem Rücken , so ist die Differenz beider Dimensionen weit 
grösser, als wenn man mehr nach dem Anfange oder Ende 
der Schaale hingeht. Allein leider sind die Exemplare hier 
immer abgebrochen , so dass ein vollständiges noch nicht 
gesehen wurde. Der Sipho mit deutlichen Wirtel-Lamellen, 
liegt , dem der vorigen Abtheilung entgegen , stets auf der 
Bauchseite, wodurch beide Gruppen leicht unterschieden 
werden. Sihirisch. 

L. flexuos ScHL. Nachtr, 8, 1. Die Mund -Öffnung 
kaum komprimirt zu nennen. Ziemlich starke Längsstreifeii 
von feinern Queerstreifen durchschnitten , welche sich auf 
dem Rücken bedeutend nach unten senken. Die dicht- 
stehenden Queerscheidewände erheben sich auf Bauch - und 
Rücken-Seite flach der Mund-Öffnung zu, bilden also einen 
flachen Bauch - und Rücken-Sattel. Dichtstehende Scheide- 
wände; schnelle Zunahme; bedeutende Grösse. _ Ei fei. 

Mürchison's Phragmoceras arcuatum 10, 1 (zeigt 
deutlich den ventralen zwischen den Scheidewänden ge- 
schwollenen Sipho) und Ph. ventricosum iO, 4 — 6 
scheinen kaum von der ScHLOTHEiMschen Spezies verschie- 
den zu seyn. 

In den Norwegischen schwarzen Ubergangs-Kalken (Si- 
Jurisch in der Umgegend von Christinnia) kommt eine Spe- 
zies mit sehr stark komprimirter Mund-Öffnung vor, woran 
die Höhe (Ventrodorsal-Linie) die Breite mehr als um das 
Doppelte übertrifft. Die Spezies wird ebenfalls sehr gross* 



— 279 — 

Mürchison's Ph. comp ressum 7^5 2, nimmt wahr- 
scheinlich die Mitte zwischen jenen beiden ein. Ausserdem 
kommen Formen mit kreisrunder Mund-Offnung vor, so dass 
also die Famih'e schon jetzt ziemlich Formen - reich ist. 
Vergleiche auch Murch. Ph. nautileum 70, 2 und 3. 
3. Spi ru li tes. 

Die Schaaie scliwillt zu derselben Grösse, wie die 
vorige an und scheint sich ungefähr in ähnlicher Spirale 
zu winden , als die Schaaie der lebenden Spirula , deren 
Umgänge bekanntlich weit von einander entfernt stehen. Da- 
her ist diese Abtheilnng auch Spirula genannt worden; allein, 
abgesehen von den bedeutenden Dimensions - Unterschieden 
der lebenden und fossilen und von ihrem Vorkommen, kennt 
man bei der lebenden keine verlängerte Wohnkammer, die 
hei der fossilen sehr ausgezeichnet ist; dann hat die lebende 
den Sipho hart an der Bauch - , die fossile aber hart an 
der Rücken- Seite. Zuweilen kann man an den Siphonen 
Wirtel - Lamellen wahrnehmen. Die Schaaie hat in der 
Regel ausgezeichnete Längs-Streifen , ist eben oder knotig. 
Die Zunahme langsamer, als bei den vorigen. Spirula 
nodosa, Sp. compressa, Sp, costata Goldfuss und 
viele andere gehören hierher, die alle im Eiper Kalkstein 
gefunden sind. Bei manchen Spezies finden wir deutlich 
anfangs eine Spirale mit hart aneinanderliegenden Umgängen, 
welche sich beim weitern Wachsthura des Thieres von ein- 
ander entfernen. 

4. F a I c a t i. 

Die Schaaie von geringerm Durchmesser gleicht einem 
eingewundenen Regularen, der sich anfangs in einer Spirale 
mit hart aneinanderliegenden Umgängen krümmt, dann aber 
sich in weitem Sicliel-Bogen von der Spira entfernt: Bruch- 
stücke gleichen also einer Sichel. Ihre Zunahme ist sehr 
langsam ; der kleine Sipho liegt zwischen Mittelpunkt und 
Rücken. Im Kambrischen und Silurischen Systeme vorkom- 
mend kann man sie nur künstlich von der vorhergehenden 
lind folgenden Gruj)pe trennen. 



— 280 — 

L. falcatus ScHL. Naclür, 8^ 2, Mund-Öflfnung wenig 
komprimirt ; Queerstreifen bilden auf dem Rücken einen 
starken Busen nach hinten. Individuen von 1" hoher Mund- 
Offnung erreichen eine Röhren-Länge von 4', denn die Zu- 
nahme beträgt -^q. Im Kambrischen Übergangs - Kalke Liv- 
lands ; M«r/i-Geschiebe. 

Im schwarzen Silurischen Kalke von Christiania kom- 
men Formen vor, die hierhin gehören. 

Herm. V. Meyers Gyroceratites gracilis, verkies- 
ter Steinkern aus dem Thonschiefer von Dillenburg , reiht 
sich vielleicht hier an. 

5. Perfecti. 

Die wahren Lituiten- Stäbe beginnen wie die Faleaten 
mit einer kontinuirlichen Spirale , die sich dann schnell 
nicht nur gerade erstreckt, sondern selbst auch noch eine 
Richtung nach der entgegengesetzten Seite nimmt, so dass 
eine flache Konvexität der Spira zugekehrt wird. Sie be- 
kommen nur Daumen-Stärke. Kambrisch. 

L. lituus MoNTF. (Breyn. tab. 11^ 11, Knorr , Suppl. 
lab. IVA), ist die Normal-Form, aus der Breyne das Ge- 
schlecht bildete. Der kleine Sipho neigt sich nur um ein 
Geringes zur Bauchseite hin. Schweden , Mark , Russland, 
Die Queerstreifen treten stark hervor und bilden auf dem 
Rücken einen sehr tiefen Busen. 

Im Allgemeinen sind die Beispiele zu dieser Äbtheilung 
selten, doch kommen noch einige Spezies vor, die sich allein 
durch die schnellere Zunahme unterscheiden. Bei allen 
sieht man die öucer - Scheidewände noch hoch in den ge- 
streckten Schaalen-Theii hinaufgehen, der sicherste Beweis, 
dass das Thier in verschiedenen Alters-Zuständen eine ver- 
schiedene Lage annehmen konnte und musste. 

6. I m p e r f e c 1 3. 
Das letzte Ende entfernt sich nur wenig von der gros- 
sen Spira mit hart aneinanderliegenden Umgängen, daher 
kann man diese Eigenschaft nur bei sehr wohlerhaltenen 



— 281 — 

Exemplaren beobachten und durchaus nicht längnen. Übrigens 
sind die Un»gänge ohne alle Involubilität : mit gerundeter 
Mund-Öffnung gleichen sie einem eingewundenen Regularen, 
Die äussere Schaale ist gewöhnlich glatt; auf der Innenseite 
derselben sind mehrere Furchen , die sich auf den Stein- 
kernen abdrücken und, den Nautileen entgegen, einen nach 
hinten geöffneten Sinus bilden. Offenbar rühren diese Strei- 
fen von Eindrücken der Muskel her, welche das Thier in der 
Schaale fesselten. Der massig grosse Sipho liegt ungefähr 
in der Mitte. Mit Bestimmtheit können wir nur eine ein- 
zige Spezies anführen, Wahlenberg's L. imperfectus, 
der in Schwedeii und Livland stets die Vaginaten begleitet, 
und folglich eine Haupt - Leitmuschel für die Kambrischen 
Kalke ist. Alle Nautili ohne Involubilität mit scheiben- 
förmiger Sehaale sind vorsichtig zu untersuchen , ob der 
letzte Umgang sich etwas von der Scheibe entfernt oder 
nicht. Da man so selten vollständige Exemplare erhält, so 
wird sich in den meisten Fällen die Wahrheit nicht ermit- 
teln lassen. Daher kann man heutigen Tages noch nicht 
mit Bestimmtheit ermitteln, ob zwischen Nautilus und Li- 
tuites eine scharfe Grenze zu ziehen ist. Vgl. Na ut. cy- 
clostomus Phill. 22^ 26, 17^ 29 und 18, 3. 

An merk. Das wahrscheiiilicliste Kriterium für Bruchstücke ist, 
die gekrümmten Bruclistücke ohne Eindrücke auf der Bauchseite zu den 
Lituiten zu stellen. Ist aber auf der Bauchseite ein Eindruck, so deu- 
tet das eine Involubilität an : solche Stücke können wahrscheinlicher 
Weise nicht von Lituiten herrühren. Denn so lange die Umgänge sich 
nur eben bcrüliien, ist eine freiere Entwicklung der Sciiaalen-Direktion 
möglich , weil in diesem Falle sich kein Sihaalen-Theil auf den andern 
stützt, die Schaalcn-Theilc also ganz unabhängig von einander bleiben. 
Ist aber eine Involubilität vorhanden , so stützt sich der Umgang auf 
den vorliergehcnden , die Schaalen sind daher inniger verbunden , ihre 
Direktion also beschi änkter. Denn das Thier ändert die allgemeinen 
Umrisse seiner Mund Öffnung nie; da nun, um eine Impression hervor-, 
zubringen, eine Hülfe der Umgänge gewisscrmaaseu nothwendlg ist, 
so wüide, verlicsse die S<haale ihre Spira, der Eindruck ni( ht mehr 
erzeugt werden können. Dalier hei Nautilus die grosse Konstanz , bei 
Lituus die grosse Manchfaltigkeit der Form. Das Gesagte gilt nicht 
nur für Cephalopoden-, sondern auch für Schnecken-Schaalen. Der Satz 
ündct zugleich auf luvülubilitat, die so SJcLwai:kend ist, Auwenduug. 



— 282 — 

Nautilus Aristot. 
(vavTiXos j Schiffer). 

Die Umgänge liegen säinintlieh hart aneinander, und ge- 
wöhnlieh bedeekt der folgende, wenn nicht gnnz, so doch 
zum grossen Theil den vorhergehenden ; nur wenige sind 
gar nicht involut (Lituitae i inp er f ecti ?). ßei solcher 
Innigkeit der Verbindung ist dem Thier unmöglich gemacht, 
sich mit dem letzten Schaalen-Theil von der Spira zu ent- 
fernen. Diese innige Verbindung der Umgänge untereinander 
wird beim lebenden N. Pompilius (und vielleicht auch bei 
vielen fossilen) noch durch eine schwarze Schicht vermehrt, 
welche zwischen die Umgänge von einer Mantel- Falte abge- 
lagert wird, die das Thier beständig über den Rücken aus- 
breitet. Da diese Schicht verwitterbarer ist , als die dicke 
Kalk - Schaale , so lässt sich der Grad ihrer Allgemeinheit 
iioch nicht beim Geschlecht nachweisen. Schnelle und lang- 
same Zunahme, glatte und gefurchte Schaale, einfache und 
komplizirte Loben kommen hier vor. Nautilus ist daher die 
Formen-reichsten. 

Wenn Orthoceratites und Lituites, entschieden nicht in 
den Zechstein hinaufgehend, das ältere Gebirge ausschliess- 
lich charakterisiren , so finden wir das Geschlecht Nautilus 
durch alle Formationen hindurch und sogar noch jetzt lebend 
in tropischen Meeren. Wie bei Terebrateln, so können 
wir auch hier die Bemerkung machen , dass schon Spezies 
der altern Formationen bei Mangel an dui^chgreifenden 
Kennzeichen später erst auftretenden Formen so überaus 
ähnlich werden, dass man ihre Identität kaum läugnen kann« 
Wenn daher in petrefaktologischen Tabellen Formen dieser 
Art zweien Formationen zugleich zuerkannt werden , so 
muss man solchen Behauptungen nur bedingt beistimmen. 

1. Imperfecti. 
Die Schaale, nur wenig involubil , nimmt langsam an 
Dicke zu , wodurch sie den imperfekten Lituiten sehr ähn- 
lich werden , indem auch hier sämmtliche Umgänge fast 



— 28^ — 

ihrer ganzen Höhe nach sichtbar bleiben. So oft der Sipha 
sichtbar war, entfernte er sich nur wenig von der Mitte. 
Auch diese konunen noch, wie alle vorhergehenden, nur in 
den ältesten Formationen vor. 

N. imperfectus mag diejenige Form genannt werden, 
die sieh unmittelbar an Lit. imperfectus anschliesst, nur 
dass hier ein deutlicher Eindruck auf der Bauchseite durch 
die Involubilität erzeugt ist. Daher ist auch bis jetzt nie 
beobachtet worden , dass sich der letzte Umgang von der 
Spira entfernt hätte. Flache Loben und deutliche Muskel- 
Eindrücke auf den Steinkernen, so wie geognostische Ver- 
breitung sind beiden durchaus gemein. 

Eine grosse Reihe Spezies , namentlich des Englischen 
altern Gebirges, sehliessen sich hier an: z. B. N. ingens 
ÄIart. foss. Derb, 41; N. pentagonus Sw. 249^ 1 er- 
reicht I' im Durchmesser 5 N. cariniferus Sw. 482 ^ 3 
und 4; N. triangulatus Sw. 458^ 2; N. multicarina- 
tus Sw. 482, 1, 2, durch seine vielen Längs - Furchen 
ausgezeichnet; N. globatus Sw. 48 L Viele derselben, 
darunter auch neue, zeichnen Phillip's tah. 17 und 22 und 
MüRCHisoN ab. Sie alle sind einfach gezeichnet und wenig 
involut, worauf schon L. v. Buch aufmerksam gemacht hat. 
Über die Lage des Sipho's wird man nicht immer belehrt, 
dann sind sie von den Clymeniae simplices kaum zu un- 
terscheiden. 

Der Nautilus mit starker Livolubilität und schnellem 
Wachsthum in die Dicke findet sich nach L. V. Büch's 
treffender Bemerkung im altern Gebirge, wo Goniatiten vor- 
kommen, äusserst selten. Aber da der Sipho bei allen'* Nau- 
tileen in der Ventrodorsal-Ebene wankt, so sind neben den 
Goniatiten auch Nautileen mit randlichem Sipho denkbar, 
doch wird beim Nautilus die Siphonal-Dute immer rings 
gesclilossen nach unten gerichtet seyn , während bei den 
Ammoneen der Sipho durch ungeschlosscne nach vorn ge- 
kehrte Duten zwischen Scheidewand und Schaale weggeht, 
wie V. Buch schon längst den Petrefaktologen gelehrt hat. 



~ 284 — 

In vielen Fällen wird es schwer w erden , den Unterschied 
durch Beobachtung aufzufassen. Dem waliren Nautilus wird 
jedoch, so lange er unversehrt ist, der Rücken-Lohus fehlen. 
Vergleiche N. dorsalis Phillips 18^ 1 und 2, mit dorsa- 
Jcm Sipho, aber ohne RücUen-Lobus, im übrigen dem G o- 
niatites expansus überaus gleichend. Man könnte diese 
Abtheilung Dorsales nennen. 

2. Clymeniae simplices. 

Wenn es wahr ist, dass MtFNSTERS Clymenien mit ein- 
fachen Scheidewand -Rändern stets den Sipho hart auf 
der Bauchseite führen , so müssen sie von den Jmperfekten 
unterschieden werden, da die Lage des Sipho's zur Bestim- 
mung neuer Geschlechter nicht hinreicht , weil wir sonst 
nach demselben Prinzip noch eine grosse Reihe neuer Ge- 
schlechter festsetzen mUssten, wenn wir konsequent verfah- 
ren wollten. Ausser den MüNSTER'schen Spezies, gehören viel- 
leicht Sowerby's N. discus und N. complanatus hierhin. 

3. Clymeniae angulosae. 
Merkwürdig und ziemlich bestimmt von den übrigen 

getrennt sind diese Clymenien mit spitzen scharfwinkeligen 
Seiten-Lohen, deren Rückenseite häufig abschüssig und deren 
Bauch-Seite in gerundeten Bogen zur Sutur verläuft. So 
aufifallend eine solche Loben-Zeichnung seyn mag, so können 
diese Schaalen bei der Gleichheit oller übrigen Kennzeichen 
doch nur dem Nautilus untergeordnet werden.. Denn es 
machen sich hier dieselben Gründe geltend, welche Leop. 
V. Buch für die Goniatiten festgestellt hat, dass gerundete 
eckige und flache Loben nur zu ünterabtheilungen ange- 
wendet werden dürfen. Es ist grosse Vorsiclit nothwendig, 
sie nicht mit Goniatiten zu verwechseln. Im Siiurischen 
System des Fichtelgebirges und der Rheinischen Übergangs- 
Formation. 

4. M o n i 1 i f r i. 
Die Schaale mit zarten und dichtstehenden Queerstrei- 
fen geziert, hat ihre trapezoidale Öffnung und den breiten 



— 285 — 

durch eine flache Furche zweitheiligen Rücken mit vielen 
der folgenden gemein. Allein die Scheidewände stehen 
sehr dicht , und daher ünden wir auch hier zwischen den 
Wänden kugelförmig angeschwollene Siphonal-Duten (ob mit 
Wirtel-Lamellen?), die leicht herauswitternd einer Perlen- 
reihe gleichen. Die Loben sind ganz flach, und dicht über 
dem Rande der letzten Kammer - Wand laufen zwei Linien 
ungefähr der Scheidewand - Grenze parallel , die mit Kon- 
kamerationen nicht verwechselt w^erden dürfen. Muskel- 
£indrücke sind auf den Steinkernen oft sehr deutlich , na- 
mentlich zeigen sie sich als rauhe Impressionen auf den 
Seiten der Wohnkamraer, die durch eine auf dem Rücken 
unterbrochene rauhe Linie mit einander verbunden sind. 
Sie kommen nur im Muschelkalke vor. 

N. arietis Rein. 10^ 70. Die Mund - Öffnung ein 
wenig komprimirt. Höhe zur Breite = 6:5. Schlotheim 
nennt ihn bidorsatus, begreift darunter aber auch eine 
zweite Varietät, dessen Mund-Offnung deprimirt ist^ so dass 
sich umgekehrt Breite zur Höhe = 6 ; 5 verhält. heVitQV 
wächst daher viel schneller in die Dicke, als erster. Exem- 
plare von 1' Durchmesser sind nicht selten. 

Wir kennen Steinkerne, deren Kanten zwischen Rücken 
und Seite mit gerundeten Kugei-förmig sich erhebenden 
Knoten zwischen den Scheidewänden geziert sind. Wahr- 
scheinlich w^ird diess Mükster's N. nodos us bei Decken 
seyn. Muschelkalk. 

5. Bisiphites. 

Ein kleiner deutlicher Bauch -Lobus, oft tief herabge- 
hend, während die Seiten - Loben sich kaum herabsenken, 
tritt auf Steinkernen oft so deutlich hervor, dass ihn Mont- 
FOaT für einen zweiten Sipho ansah und aus Exemplaren 
der Art sein Geschlecht Bisiphites machte. Von Leopold 
v. Buch auf dieses so charakteristische Kennzeichen auf- 
merksam gemacht, habe ich die treffende Bemerkung, dass 
sie dem Lias und brauneii Jura vorzugsweise eigenthümlich 
Jahigaiig 1810. 19 



— 286 — 

sind, immer bestätigt gefunden. Zwar finden sich Andeu-> 
tungen dieses kleinen Bauch-Loben auch bei den Simplices, 
j» Sogar die jungen Exemplare des lebenden Nauiilus zeigen 
denselbert sehr deutlich ; allein es verschwindet jede Spur 
tlesselhen bei herangewachsenen Exemplaren , während bei 
ianserer Abtheilung sogar die ältesten und folglich grössten 
Exemplare selbst auf ihrer letzten Kammer noch Spuren 
desselben zeigen, wenn man einmal auf das Kennzeichen 
T^ufmerksam geworden ist. Die Sohaale pflegt etwas dick 
zu werden; Längs- und Queer- Streifen geben ihr eine 
höchst deutliche Netz -förmige Streifung. Steinkerne und 
Individuen mit Schaale haben daher ein ganz verschiede- 
nes Aussehen. 

N. a rat US Schl. verdankt den ausgezeichneten Längs- 
streifen , die selten dichotom vi^erden, sich daher mit dem 
Wachsen des Thieres vergrössern, seinen Namen. Die 
Öueerstreifen machen einen verhältnissmässig schmalen Bu- 
sen »ach hinten. Steinkerne zeigen eine Rücken -Linie. 
Schichte der Mantel-Falte auf den Kiel abgelagert ziemlich 
deutlich. Sehr involut. Mund-Öffnung trapezoidal, wie bei 
den meisten folgenden. Li den untersten Lias - Kalken mit 
Arieten zusammen. Deutschland, England, Frankreich. 

Der ScHüBLER'sche N. giganteus Ziet. 17 ist ganz 
derselbe. Ebenso N. truncatus Sw. 123;'!^. in terra e- 
dius Sw. 125 ist nur weniger involut als erster; N. str la- 
tus Sw. 182 zeigt noch die natürliche Streifung: alle den 
untern Lias-Kalken angehörig und Haupt-Leitmuscheln. 

N. clathratus Schl. vom vorigen nicht wesentlich 
verschieden 5 nur gew^öhnlich nicht die Grösse erreichend 5 
aber mit denselben ausgezeichneten, wiewohl, weil die Lidivi- 
daen jünger sind, feineren Streifen. Zieten's N. squamosus 
18, 3 und N. dubius 18, 4 sind dieselben. Sie kommen^ 
höher als der vorige, im mittlen Lias-Mergel mit Terebratula 
numismalis und T. rimosa vor. Eine Reihe Namen sind hier 
so vergleichen : N. 1 i n e a t u s Sw. 41, N. p n s i 11 u s Sghl.^ 
N. astacoides Phill. 12, 16, N, annularis 12 , 18, 



— 287 — 

^. reticulatus Dech., N. b i s i phi te s Schl. Ausserdem 
iioaimen im IiöIieiMi Lias noch Nniitili vor, wovon aber nur 
Sreinkenie bekannt sinil, und weiclie wahrscheinlich auch 
eine Neiz-form'se Stre^rnna haben dürften. 

C. S i ni p I i c e 8. 
Die Längssh'eUesi treten zurück, die öueerstreifen wer- 
den fein und Hßar- tdrinig, gruppiren sieh auf den Seiten 
zuweilen zu Cündcin zusiimnion. Die Grenzen der Queer- 
Scheidewände bilden keinen ausgezeichneten Loben. Nur 
Jm der Jugend ein Oauch - Lobus vorhandeji. Beim Mangel 
an allen hervorstechenden Kennzeichen kann man die mei- 
sten Formen nach Zeichnungen nicht bestimmen. Daher 

o 

ünden wir Isier die meisten Nanjen , die nicht auf beobach- 
tele LInterschie(iej sondern nur auf Vorkommen basirt sind. 
Vom mittlen Jura bis ^ur lebenden Fauna. 

N. aperturatus 8ciiL. mit gerundeteiB Rücken, stark 
involubii und schnell in die Breite zunehmend, daher die 
grossen Exemplare sieh der Kugel-förmigen Gestalt nähernd. 
Bei ihnen kommt noch verhälinissmässig L-tng ein kleiner 
ßanch-Lobus vor, doch fehlen die ]Netz-Streifungen. Brau- 
ner Jura. In den sogenannten Eisen-Oolilhen, in den rotheii 
E^sen-Erzen bei Aalen (Ziet. 18, 2) etc. 

N. hexagonatus Sw. 329, '2.^ wegen der sechsecki- 
gen Mund -Öffnung so genannt. Brauner Jura. N. p o 1 y- 
gonalis Sw. ÖSO^ Haibmond-förmige , etwas komprimirte 
Wund-Offnung. N. excavatus Sw. 520 und viele andere. 
Sie alle schliessen sich durch ihr Vorkommen und ihre 
Haupt-Eigenschafteji eng an den N. aperturatus an, 

N. sim])lex Sw. J22. Oalbmond-fonnige Mund-Öffnung. 
Oft sehr markirtc Queerstreifen. Kreide. Gewöhnlich stark 
verdrückt, weil seine Schaale sehr dünn ist. Auf dem 
Rücken geht am Steinkern häufig eine feine Linie herab, 
die von der Struktur des Mantels herrührt. 

N. regalis Sw. 355» Tertiär-Formation. 

N. im p er i aus Swi 1, Die Wohnkammer des Thieres 

19* 



— 288 — ' 

bekommt im ausgewachsenen Zustande ein grosses Überge- 
wicht über die Spira. Von N. jiompilius kaum zu unter- 
scheiden. Während der N. imperialis noch in den jun- 
gem Tertiär -Schichten unserer Zonen sich findet, ist der 
lebende N. pompilius nur auf die tropisclien Meere ver- 
drängt. Vielleicht war schon der N. simplex die Urform dieser 
wenig veränderten Spezien. Auch Lamärck unterschied Aen 
fossilen vom lebenden nicht. Denn falsch ist es, wenn man 
glaubt, Lämarck habe den Pompilius mit dem N. Aturi, 
die beide zusammen bei Dax vorkommen, verwechselt. 

7. Undulati. 

Die Schaale ist mit scharf ausgeprägten VTellen (wie bei 
den Ort hoc. vaginatus), die nicht nur auf der erhalte- 
nen Schaale, sondern auch auf den Steinkernen noch sicht- 
bar sind, versehen. Diese Wellen bilden, wie die über sie 
hingehenden feinen Streifen, einen tiefen Busen nach hinten. 
Der Mantel des Thieres war also eben so gefurcht, wie die 
zurückgebliebene Schaale. 

N. elegans Sw. IW, Mittelmässig grosse Wellen 
gehen über den gerundeten Rücken hinweg, zuweilen spalten 
sich deren einige auf den Seiten. Er ist eine Haupt- Leit- 
muschel für die Kreide, 

N. squamosus Sohl. , dem vorigen sehr verwandt, 
die Wellen etwas grösser. In der dunkel-gefärbten Kreide 
von Neuchätel (Neocomien-Formation). N. d e p r e s s u s ist 
die verdrückte Form desselben. N. costatus Fischer 
Oryct. du Gouv. de Mose, iah, 16 eine ganz ähnliche Form. 

N. radiatns Sw. 356^ die Anzahl der Wellen wird 
geringer: wo jene 6 — 8 hatten, hat dieser 4 — 6, die wie 
dicke Runzeln hervortreten und den dickschaaligen Mu- 
scheln bei der Verwitterung ein schuppiges Ansehen ge- 
währen. Portland-Kalk. In der Krimm und am Kauhasus 
fand DuBOis dieselbe Spezies. Am Harze bei Goslar kommt 
sie ungefähr in derselben geognostischen Lage, wie in Eng^ 
fand vor. 



— 289 — 

N. undulatus Sw. 40, 1, die Wellen schwellen zu 
ungewöhnlicher Dicke und Grösse an, so dass die Schaale 
wie periodiscli eingeschnürt erscheint, doch stimmt der Ver- 
lauf der Wellen ganz mit den vorigen überein. Portland. 

8. A g a n i t e s. 

Die Grenzen der Scheidewände bilden auf dem Rücken 
einen flachen, auf den Seiten einen tiefen Lobos. Ein spitzer 
Bauch - Lobus scheint auch nie zu fehlen. Der Sipho nä- 
hert sich der Bauch- Seite. Vom mittlen Jura an in allen 
Formationen. 

N. aganiticus Schl. Komprimirte Mund - Öffnung; 
breite Rücken - Loben; der wenig tiefe Seiten-Lobus eben- 
falls breit 5 aber sehr tief; nahe an der Suttur ein kleiner 
Sattel, der weniger hoch ist, als die kleinen an dem zwei- 
kantigen Rücken gelegenen. Das ScHLOTHEiM'sche Exemplar 
stammt aus dem sogenannten Eisen -Oolith von Villecomie 
in Lothringen. Sowerby's N. sinuatus 194 hat Längs- 
streifen, die nicht bis zur Mund-Öffnung gehen sollen. In 
Deutschlands weissem Jura ist eine höchst verwandte Form 
nicht selten zu finden. Bei der Seltenheit der Nautili im 
weissen Jura ist er daher eine Leit - Muschel für diesen. 
Pappenheim, Wasseralfingen etc. 

N. Danicus Schl. Die Mund - Öffnung nähert sich 
dem Halbmond-förmigen, Der Rücken-Lobus weniger ausge- 
prägt. Die Seiten-Loben werden auf Kosten der wachsen- 
den Sättel etwas schmaler. Kleiner Baucli-Lobus sehr deut- 
lich, fast deutliclier, als bei den Bisiphiten. In den gelben 
Kalken auf FaxÖe^ deren Steinkerne sich in vieler Hinsicht 
den tertiären Muscheln nähern, die aber Kreide seyn sollen. 
Es kommen auch Nautiliten-Steinkerne dort vor, die sich dem 
N. Aturi sehr nähern und von N, Danicus verschieden sind, 

N. Aturi Bast. Seiten-Loben sehr schmal, Sattel 
hingegen sehr breit. Der hart am Bauche gelegene Sipho 
sehr gross , verschmilzt fast mit dem kleinen markirten 
Bauch -Lobus. Die verlängerten Siphonai- Trichter greifen 



290 — 



Fig. 6. 

a b c cba 




tief in einander, iloeh bleibt dem Tliiere noch ein Kommuni- 
kations -Weg mit den Kammern oifen, wenn anrlers die 
Deutung Aev wohlerhaltenen Sehaalen-Theile die richtige ist: 

Durchschnitt mehrer Sipho- 
nal-Biiten: Fg. 6 a die Perlmntter- 
Schaale *, c eJno kontinnirlich die 
Röhre erföilende Schicht von gel- 
ber Farbe, die der eigentlichen 
Slphonal-Röhre des Thleres ange- 
hört; b Ist eine welssfarbige Kaik- 
sinter-Schicht, welche von c un- 
terbrochen wird. Diese Schicht 
ist beim Fossllwerden der Sehaale 
durch die Wand c hindurchge- 
drungen und hat iien Eingang zu A^n Kammern verstopft. 

Wenn aber beim Fossifwerden Kalksinter den Eingang 
bei b verstopfen kann, so konnte auch zu Lebzeiten des Thie- 
res Feuchtio^keit eindringen. Die Schicht der dritten Mantel- 

O c5 

Falte ist durch Gine matte sehr bröckelige Schicht, welche 
sich über die Perlmutter - Schaale hinweglagert, sehr klar 
angedeutet. Tertiär-Gebirge: Dax ^ Paris^ TlißrÄ-Geschiebe, 
Kaukasus (auf der Höhe des Süd -- Kaunasus bei Tchkoüsi 
zwischen Letchlium und Ratcha von Dübois gefunden). So- 
WERby's N. ziczac tab. 1 aus dem Londonclay ist nicht 
verschieden. 

N. linguiatus v. B. Die interessanteste Form von 
L. V. Buch in der ScHLOTHEiM'schen Sammlung entdeckt, aus 
Tertiär-Schichten des Kressenberges ; von den altern Petre- 
faktologen nach Schlotheim's Etiquetten für Krebs-Schwänze 
gehalten. Die Loben werden hier so schmal , die Seiten- 
Sättel aber so breit, und Alles greift so ineinander ein, dass 
iretr der Kenner der Loben sie zu entwirren vermochte. 
Die Seiten - Ansieht zeigt, wenn wir von der Mitte des 
Rückens Fg. 7 a nach der Naht b fortgehen , den ganzen 
Verlauf der Scheidewand - Grenzen, Der Zungen • förmige 



— 291 — 



Fig. 7. 




Lobus ist hier so tief gewor- 
den, dass er den kleinen 
Rückensattel der vorgehenden 
Kammer erreicht, und so auf 
dem Rücken ein scheinbar 
isolirtes Viereck abschneidet. 
Der Seiten-Sattel gleicht ei- 
ner geschwungenen Kreis- 
Linie. Stark komprimirte 
Mund-Öffnung und einengros- 
sen ventralen Sipho hat er 
mit dem vorigen gemein. _ 



Bemerkungen 

über 

E r h e b 11 11 g s - L i n i e 11 

im 

Thüringischen Flötz- Gebirge *), 

von 

Hrn. Dr. B. Cotta. 

(Aus einem an den Geheimen-Rfith v. Leonhard gerichteten Schreiben.) 



Hiezu Tafel VI, Figur 1 — 6. 



Die Thüringischen Flötzgebirge erfüllen in regelmässi- 
ger Aufeinander- Folge von der Kohlen -Formation bis zum 
Keuper die grosse Niederung zwischen dem Thüringer 
Wald und dem Harz, Im Allgemeinen liegen alle Schichten 
horizontal^ nur an den Gebirgs-Rändern und in der Richtung 
gewisser Linien sind sie aufgerichtet. Diese Linien sind 



*) Diese Bemerku-ngen wurden durch die in Auftrag des königlich 
Sächsischen hohen Ober-Bergamtes besorgte Revisions^Untersuchung 
der ISten Sektion unsrer gcognostischen Karte des Königreiches 
Sachsen veranlasst, dehnen sich aber weit über das Gebiet jener 
Sektion aus und schienen dcsshalb, sowie ihres problematischen 
Inhaltes wegen , zu einer vorläufigen besonderen Mittheilung ge- 
eignet. Die erwähnte Sektion erscheint im Laufe des Jahres 1840. 



~ 205 — 

unter sich sowie den einschliessenden Gebirgs-Zügen jiaral- 
Jel ; sie erstrecken sich wie die meisten Erhebungs - Linien 
Norddeutschlands aus W.N.W, nach O.S.O. Das für die 
Gebirgs-Züge und Haupt -Thäler Norddeutschlands schon 
längst durch Leopold v. Buch und Friedbich Hoffmann 
nachgewiesene Haupt -Streichen lässt sich demnach durch 
jene Erhebungs -Linien auch im Innern der grossen Fiöt«- 
gebirgs- Niederung Thüringens erkennen und nachweisen. 
Eine solche Erhebungs- Linie ist bereits von Hrn. Credner 
in Ihrem Jahrbuch für 1839, S. 379 beschrieben worden 5 
erlauben Sie mir, dass ich Ihnen hier von einer noch auf- 
fallenderen Einiges erzähle. 

Wenn Sie Fr. Hoffmann's geognostische Karte des 
nordwestlichen Deutschlands vor sich legen — bei deren 
geistreicher und höchst dankenswerther Bearbeitung übri- 
gens die niemals publizirten Vorarbeiten zu unserer geogno- 
stischen Karte von Sachsen fleissig benutzt worden zu seyn 
scheinen, da beiden fast alle kleinen Fehler und üngenauig- 
keiten gemeinschaftlich sind — wenn Sie also diese schöne 
Karte vor sich legen ^^ so werden Sie zwischen Sachsenhurg 
und Echartsherga einen sonderbaren schmalen Muschelkalk- 
Streifen wahrnehmen, der zugleich die nordöstliche Grenze 
des Thüringischen Keupers bildet. Dieser Kalk -Streif be- 
steht aus einer schnurgeraden Berg-Kette, welche bei Held- 
rungen die Schmicke heisst und dann den südwestlichen 
Rand der sogenannten Finne bildet. Nicht unwahrschein- 
lich dürfte dieser Berg- Kamm selbst ursprünglich zu dem 
Namen Finne die Veranlassung gegeben haben, da der Be- 
griff des alten Wortes Finne, wenn ich nicht irre, weit 
besser auf eine solche Bergreihe , als auf das dahinter lie- 
gende bewaldete Sandstein -Plateau — die jetzige Finne — 
anwendbar ist. 

Nähert man sich von irgend einer Seite dieser auffal- 
lenden Hügel -Kette, so bleibt man bis fast an ihren Fuss 
auf horizontalen Schichten; nur der südliche Keuper erhebt 
sich allmählich wenige Grade gegen die Hügel, dann aber 



— 294 — 

steht man in irgend einem der vielen Öueer-Thäler plötzlich 
zwischen senkrechtem Muschelkalk, dessen einzehien Glieder 
hier sämmtllch in horizontaler Richtung hinter einander 
folgen, so dass man sie mit weit mehr Bequemlichkeit stu- 
diren kann, als an den gewöhnlichen Kalk -Bergen, wo 
Schicht über Schicht liegt und nur die festesten frei her- 
vorragen, während die mürberen überrollt sind. Die Breite 
des ganzen Kalk-Streifens entspricht zugleich ungefähr der 
Mächtigkeit der Formation. Auch die oberen bunten Mergel 
tind einige Schichten des bunten Sandsteins selbst sind ge- 
wöhnlich noch aufgerichtet; dann aber ist die Grenze der 
Aufrichtung meist verwischt und bedeckt, nnd man gelangt 
unbemerkt wieder zwischen horizontale Sandstein-Schichten. 
Ich zeichne Ihnen hier mit wenio^en freien Linien den 
Durchschnitt der Hügel -Kette, wie ich ihn bei Burgkolz^ 
hausen und Marienthal unweit Eckartsberga gefunden habe 
(Fig. 1). Etwas verwickelter ist die Sache bei Eckartsberga 
selbst, wo die Aufrichtung sich sehr erweitert, sich zu spalten 
und wieder zu vereinigen scheint (Fig. 2). Mitten zwischen 
dem Wellen-Kalk liegt hier ein kleiner Schichten - Complex 
gelben Sandsteins, von dem ich nicht weiss, ob ich ihn 
zum bunten Sandstein oder zum Keuper rechnen soll. Seine 
Lagerung spricht mehr für erste Annahme : er würde dann 
als durch eine hier gerade ganz besonders heftig wir- 
kende Kraft von unten zwischen die Kalk-Schichten hinauf- 
geschoben anzusehen seyn. Auch das Gestein selbst hat 
mehr das Ansehen des benachbarten bunten Sandsteines, 
als des Keupers, aber gewisse dünne Mergel-Lagen zwischen 
ihm, welche Thoneisenstein-Knollen enthalten, sprechen mehr 
für Keuper, der allerdings von oben in eine geöffnete Spalte 
des Kalkes hineingestürzt seyn könnte. 

Versteinerungen sind leider in diesen wenigen senk- 
rechten Sandstein* Schichten nicht zu ünden ; so viel steht 
aber in meiner Überzeugung fest, dass sie nicht hier ur- 
sprünglich zwischen dem Wellen-Kalk abgelagert sind, der 
in ganz Thüringen nichts Ähnliches enthält, sondern dass 



— ?95 — 

sie entwedei« von oben , oder von unten gewaltsam dazwi* 
sehen knmen. Ihre Beobaehuing ist übrigens niclit neu, sie 
findet sich schon in den Frciherger Vor- Arbeiten , welche 
von dem jetzigen Hrn. Bergrath Kühn herrühren. 

Südöstlich \o\\ Ecliartsherga breitet sich der Muschel- 
kalk zu einem grossen Plateau aus 5 Keuper und bunter 
Sandstein verschwinden; man sollte glauben, hier würde 
auch die Aufrichtung der Schichten zu Ende seyn : dem ist 
aber nicht so. Schnurgerade und genau in der alten Richtung 
der schmalen Kette setzen sie als ein i5 — 5 Hundert Schritte 
breiter Streif mehr oder weniger senkrecht zwischen den 
zu beiden Seiten horizontalen Schichten fort, und ihre auS' 
gehenden Köpfe bilden an der Oberfläche zwar nicht hö- 
here , aber scharfe Rücken-artige Berg -Formen, die man 
schon aus einiger Entfemunof unterscheiden kann. Sehr 
auffallend treten die senkrechten Schichten , namentlich an 
den Gehängen der Thal Einschnitte heraus: so bei der Saline 
Suiza, bei Schmleäeliausen und bei Camburg, Ich sagte eben, 
die senkrechten Schichten behaupteten im horizontalen Pla- 
teau fortsetzend genau die alte Richtung aus W.N.W, nach 
O.S.O.: das ist auch durchgehends der Fall; die Linie der 
Aufrichtung aber erleidet durch das Ilmihal eine sehr merk- 
würdige Verwerfung. Während nämlich am linken Gehänge 
die Aufrichtung nahe unterhalb der Saline am Sonnen^ 
berge hervortritt, findet sicli die entsprechende Fortsetzung 
am rechten Gehänge erst eine Viertelstunde aufwärts bei 
Dorf-Sulza wieder, wo auch nochmals einige Keuper-Schichten 
an ihrer Süd-Seite ankleben (Fig. 3). Von hier setzt die 
Erhebungs- Linie ununterbrochen durch das ganze noch üb- 
rige Muschelkalk-Gebiet hindurch, ist aber auf den flachen 
Höhen gewöhnlich nicht beobachtbar, weil Diluvial- Massen 
das anstehende Gestein bedecken. Folgen Sie mir jedoch 
noch weiter in dieser Richtung: Dicht unterhalb Camburg 
an der Strasse nach Naumburg , genau wo die verlängerte 
Linie das *S'aß/-Thal durchsehneidet, ist nicht nur der Muschel^ 
kalk nach zwei Seiten hin aufgerichtet, sondern es sind 



— 296 — 

hier aiioli die bunten Mergel des bunten Sandsteines über 
die Thal - Sohle herausgehoben und durch eine Verwerfunof 
neben die Muschelkalk-Schichten gerückt, während sie üb- 
rigens von Dornburg bis Naumburg fortwährend unter dem 
Thal-Niveau bleiben (Fig. 4). Die letzten Wirkungen der 
Aufrichtung finden sich gegen S.O. endlich an der Muschel- 
kalk-Grenze bei TüntschUtz und Gasen unweit Eisenberg, 
also über 8 Meilen von dem nordwestlichen Anfange bei 
Sachsenburg entfernt. Die Kalk - Schichten fallen hier 30** 
— 50^ gßg^n S.W.; die bunten Mergel sind auf einer Seite 
mit erhoben ; innerhalb derselben scheint sich aber die 
Kraft zu verlieren; der Sandstein bei Gasen ist schon hori- 
zontal gelagert und, was besonders merkwürdig ist, die 
bunten Mergel treten auf der Südseite ebenfalls horizontal 
unter dem Muschelkalk hervor, welcher dicht darüber noch 
deutlich aufgerichtet ist (Fig. 5). 

So viel für jetzt über die speziellen Beobachtungen an 
dieser Erhebungs-Linie, ich hoffe dieselben in den Erläuterun- 
gen zu Sektion XVIll unsrer geognostischen Karte ausführ- 
licher mittheilen zu können. Hier erlauben Sie mir nun noch 
einige allgemeine Betrachtungen über das ganze Phänomen. 

Nachdem Leopold v. Buch auf den Parallelismus ge- 
wisser Gebirgs - Richtungen aufmerksam gemacht und Elie 
DE Beaumont den Gegenstand in seinen berühmten Arbeiten 
weiter verfolgt hatte, sind an unzähligen Orten ähnliche 
Erscheinungen beobachtet worden ; auch die so eben ge- 
schilderten gehören offenbar zu den Folgen parallel wirken- 
der Erhebungs - Kräfte , wie dergleichen noch gegenwärtig 
bei Erdbeben und vulkanischen Eruptionen in gewissem 
Grade beobachtet werden. Der Thüringer Wald, die See- 
lerger Erhebungs-Linie, die Eckartsberg aer Erhebungs-Linie, 
der Kiffhäuser und der Harz sind unter sich und den mei- 
sten übrigen Norddeutschen Gebirgs- Systemen fast vollkom- 
men parallel: das ist eine selbstständige, an und für sich 
merkwürdige Thatsache. Es kommt aber jetzt noch darauf 
an, die Individualität gerade dieser Phänomene zu beachten 



— 297 — 

und mit der Natur der gehobenen oder gespaltenen Massen, 
sowie der anzunehmenden Kräfte in £inkiang zu bringen. 

L'Uter den Phänomenen selbst haben wir zunächst zwei 
Abtheilungen zu machen , welche zwar vollständig in ein- 
ander verlaufen , aber dennoch mit ihren Extremen weit 
auseinander liegen. Beide sind die Folgen des lokalen 
Druckes flüssiger Masse auf eine starre Kruste, welcher 
Druck hinreichend ist, die Kruste zu zerbrechen, zu spalten 
und theilweise zu heben. Diese Haupt-Abtheilungen sind: 

A. Lineare Spalten und Aufrichtungen. 

B. Elliptische oder runde Erhebungen (Gebirge oder 
Berge). 

Die ersten verlaufen zuweilen in den Flötz - Gebirgen 
hin , ohne dass eine plutonische Masse zum Durchbruch 
gekommen , und ohne dass ein eigentliches Gebirge dadurch 
entstanden ist. Hierher gehört das Phänomen zwischen 
Sachsenburg und Eisenberg sowie das von Hrn. Credner 
beschriebene der Gegend von Gotha. Sind dagegen unter- 
liegende Massen oder plutonische Gesteine durch obere hin- 
durch gehoben, so ist dadurch entweder eine mit Gesteins- 
Masse erfüllte Spalte — ein Gang — entstanden, oder eine 
meist ellij)tische Erweiterung der linearen Erhebung — ein 
Gebirge. Ist die Ellipse sehr lang (die lineare Spalte vor- 
herrschend) , wie z. ß. beim Thüringer Wald^ so wird das 
Gebirge als Kette erscheinen , oft auf beiden Seiten oder 
auf einer mit aufgerichteten Flötzgebirgs- Rändern; ist sie 
kurz und mehr der Kreis-Form genähert (ein Punkt in der 
Spalte vorzugsweise kräftig), wie beim Harz, so entsteht ein 
Massen - Gebirge, dessen aufgerichteter Flötzgebirgs -Rand 
schon lebhaft an Erhebungs - Krater erinnert. Hat endlich 
die erhebende Kraft so plötzlich und intensiv auf einen 
einzelnen Punkt gewirkt, dass zu Bildung langer Spalten 
und zu Aufrichtungen gewissermaassen keine Zeit vorhanden 
war, wie bei Durchschiessung einer Fensterscheibe mit 
einer Gewehr-Kugel, so sind die drängenden Massen durch 
runde oder nur w enig ausgesprungene Offnungen der starren 



— 298 — 

Kruste hiudurchgebrochen und aufgestiegen , ohne diese 
Kruste ausserhalb der Durchbruchs-Stelie merkbar zu affi- 
;ziren; so die meisten Basalte und einige Vulkane. 

Wir sehen demnach die einfache Spalte oder lineare 
Aufrichtung allmählich in die krelsjunde Ijasalfc-Kuppe über- 
gehen, indem sie und ihi'e Verm'ittehings-Glieder sämmtlich 
durch einen mehr oder weniger gewaltsamen und mehr 
oder weniger lokalen, oder Wellen-förmig weit erstreckten 
Druck von unten nach oben veranlasst werden. 

Ein recht schönes Mittelglied zwischen beiden Erschei- 
nungen liefert uns Aev Kiffliäuser^ der am Fusse des ffarzes 
nach dem Thllrivger Walde zu, beiden parallel aufragt. Bei 
ihm sind die unterliegenden Massen-Gesteine eben nur zum 
Durchbruch ^Qi^' Oberfläche gekommen, ohne ein eigentliches 
Gebirge zu bilden, und im Gegensatz mit dem Harz ist ihr 
Durchbruch nicht in der Mitte , sondern auf der Seite der 
Intensivesten Kraft- Wirkung, nach dem Harze zn erfolgt. 
Hier ist es, wo granlti^che Gesteine am Fuss hervortreten 
iind auf ihrem Rücken gegen die Thüringische Ebene hin, 
Avie eine aufgelüftete Scholle, geneigte ältere Flöt^gebirge 
tragen und unter Aqw jüngeren hervorheben (Fig. 6). 

Der Harz, der Tkärhiger Wald und der Kiffhäuser 
gehören somit zu den Erhebungen mit Durchbrücben; die 
Schmicke und der Secherg mit ihren Fortsetzungen sind Er- 
hebungen ohne Durchbrüche — Erhebungs - Linien: man 
könnte sie als Folgen untergeordneter W^elienschläge des 
iluthenden Erd - Innern betrachten. Harz und Thüringer 
Wald sind dann zwei kräftige Hauptwellen-Schläge 5 ihnen 
zur Seite liegen in gemessenen Abständen , dort der Kiff- 
häuser und die Schmicke^ hier der Seeberg; die Erfurter 
Ebene bildet dazwischen eine Indifierenzial-Gegend. 

Was nun die Modifikation dev Kraft- Wirkungen flurch 
die individuelle Natur der vorhandenen Gesteine anlangt, 
so ist diese im T'hürmgischcn Fiötzgebirge ganz besonders 
auffallend. Nur die härteren und spröderen oder zäheren 
Gebirgs-Glieder, z. B. die der Muschelkalk-Formation und 



— 299 — 

lies Zccbstelns. siiifl nämlich vorzugsweise geeignet gewesen, 
die Wirkungen jener wellenden und erhebenden Kräfte 
recht deutlich vor Augen zu legen; in den weicheren und 
mürberen Formationen, besonders in den bunten Mergeln 
des bujitcn SandsTeins und in den plastischen Keuper-Gebilden 
hat sicii jede Kraft- Äusserung weit mehr verwischt. Am 
Harz sind Zechstein -Gyps und (luadersatidstein vor allen 
anderen geeignet gewesen, hervorragende Ränder und so- 
genannte Teufehmauern zu erzeugen, am Thüringer Walde 
8j>ielt der Dolomit des Zechsteins zuweilen eine ähnliche 
Rolle. Die Erhebungs-Linie zwischen Eüenherg und Sach- 
senburg dagegen ist fast nur im Gebiet des Museheikalk- 
steins bemerkbar ; südöstlich verliert sie sich nach seiner 
Beendigung sogleich und auch nordwestlich Jässt sie sich 
nicht weit mehr im bunten Sandstein nach Bendeleben zu 
verfolgen. Selbst in der Richtung der Breite ist es vor- 
zugsweise der Muschelkalk, der sie sichtbar erhält: südlich 
sind zwar die unteren Keuper- Schichten noch etwas mit 
aufgerichtet, es seheint aber jede obere Schichte immer mehr 
und mehr an der unteren herabgeglltten und dadurch iu 
immer hoi'izontalere Lage gekommen zu seyn , so dass die 
Gebirgs-Region des Keupers schon ganz horizontal liegt. 

Auffallen muss es auch sehr, dass unsere Erhebungs- 
Linie eine so scharfe Grenze für die Verbreitung des Keu- 
])ers abgibt, der nirgends nordöstlich darüber hinweggreift. 
Man könnte versucht werden, diese Hügel-Kette für einen 
Damm zu halten , der das Keuper-Mecr einst abgesclilossen 
habe; da abe»* die unteren Keuper- Schichten zugleich mit 
aufgerichtet sind, so ist das doch nicht wohl denkbar; es 
mag dieser Hügel-Damm vielmehr nur eine natürliche Grenze 
für spätere Zerstörinigen und Wegfluthungen , nicht aber 
fin" ursj)rüngliche Bildungen seyn. 

Noch möchte ich Sie endlich auf die Beziehungen die- 
ser Äufrichtungs -Linie zur Entstehung der Haupt -Thäler 
ganz besonders aufmerksam machen , welche letzten nicht 
nar sämmtlich neuer sihd und die gehobenen Schichten 



— 300 — 

queer durchbrochen , sondern bei Suiza auch sogar stark 
verworfen haben. Ein Thal, welches schnurgerade Gesteins- 
Schichten um ^ Meile verwirft, wird doch sicher mit einer 
Spalten- Aufreissung in Verbindung zu bringen seyn. In 
diesem Falle erklärt sich zugleich weit leichter , auf wei- 
chem Wege die Salz -Quellen bei Suiza und bei Kosen zur 
Thai- Oberfläche gelangt seyn können, deren eigentlichen 
Sitz man erst 500 Fuss tief unter der Thal -Sohle erbohrt 
hatj nachdem man Spuren von ihnen schon vor vielen Hun- 
dert Jahren an der Oberfläche und folglich im Niveau des 
Wellen -Kalkes gefunden hatte, in welchem an Salz-Gchalt 
hier nicht zu denken ist. 



die Gegend von Tschermig im 
Saatzer Kreise in Böhmen^ 

von 

Hrn. Prof. Carl Naumann. 



(Hiozu Taf. VI, Fig. 1.) 



Tschermig ist den Mineralogen hinreichend bekannt 
durch die schönen Varietäten von Ammoniak -Alaun und 
Gyps, welche die Schichten des dasigen Braunkohlen- Gebir- 
ges geliefert haben. Allein die geogn ostischen Verhält- 
nisse dieser Gegend sind, so viel ich weiss, bisher nicht 
in dem Maase bekannt worden, wie sie es verdienen j denii 
jedenfalls ist Tschermig einer der sehenswerthesten Punkte 
des Saatzer Kreises, weil sieh daselbst drei Gebirgs-Forma- 
tionen , nämlich der öuadersandstein , das Braunkohlen- 
Gebirge und der Basalt auf eine höchst interessante Weise 
verbunden zeigen , und weil die Verhältnisse ihres Zusani- 
nienti'effens in steilen Felsen- Wänden so augenscheinlich 
und handgreiflich entblöst vorliegen, wie man es selten zu 
beobachten Gelegenheit hat» 

Tschermig liegt schon im Gebiete der Braunkohlen- 
Formation, welche das nordwestliche Böhmen erfüllt, und 
Jahrgang 1840. 20 



— 302 — 

durch die Stetigkeit eben so wie durch die Mächtigkeit 
(Eumal eines) ihrer ßraunkohlen-FJötze in national-ökonomi- 
scher Hinsicht als eine der wichtigsten Gebirgs-Formationen 
Böhmens bezeichnet ist. Diese Braunkohlen-Formation ruht 
meistentheils auf Pläner, bisweilen unmittelbar auf Gneiss, 
Porphyr u. a. älteren Bildungen, selten auf Quadersandstein. 
Dieses letztere scheint unter anderen in der Gegend zwi- 
schen Kaaden und Tschermig der Fall zu seyn , wo der 
eigentliche kalkige Pläner entweder gar nicht zur Ausbil- 
dung gelangt, oder auch nach seiner Ausbildung wiederum 
iserstört und fortgeführt worden ist. 

Bei Tschermig selbst trifft man jedoch schon die ersten 
Andeutungen solcher Gesteine, weiche die Pläner-Bildung 
repräsentiren dürften. Das daselbst am linken Ufer der 
Eger, unmittelbar bei dem Alaun-Werke, in schroffen Fels- 
Wänden entblöste Profil zerfällt wesentlich in drei Theile, 
je nachdem es von Gesteinen der Quadersandstein-Formation, 
der Braunkohlen -Formation oder der Basalt- Formation ge- 
bildet wird (vergl. die Skizze Fig. 7 auf Taf. VI). 

Der Quadersandstein erscheint schon an einigen Punk- 
ten westlich von Tschermig in der Gegend des Dorfes 
Weschllz, wo er unmittelbar auf Granit und Gneiss gelagert 
ist, und aus den zerrütteten Gesteinen seines üntergebirges 
vieles Material in sich aufgenommen hat , daher einzelne 
Schichten sehr reich an dunkelrothem Glimmer- haltigem 
Letten sind und eher an Rothliegendes oder Bunten Sand- 
stein , als an Quadersandstein erinnern. Bei Tschermig 
sind jedoch die Verhältnisse dieser rothen Schichten zu den 
übrigen Schichten und die paläontologischen Charaktere 
dieser letzten so deutlich entwickelt, dass über die Zu- 
gehörigkeit des Ganzen zur Formation des Grünsandes 
oder Quadersandsteines durchaus kein Zweifel übrig bleibt. 
Dort sieht man in dem unteren und mittlen Theile der 
über 100 Fuss hohen Felswand weissen und gelben, sehr 
groben Konglomerat-artigen Sandstein, wie solcher so häufig 
die untersten Schichten des Quadersandsteines bildet, mit 



— ao;j — 

weissem feinem Sandsteine und mit einzelnen Schichten 
von Glimmer-reichem dunkelrothem Letten abwechseln, wel- 
cher letzte, durch Regenwasser abgeschwemmt, stellen- 
weise auch die weissen Schichten roth übertüncht hat. Der 
feine weisse Sandstein ist oft so wenig konsistent, dass er 
sich zwischen den Fingern zerreiben lässt, auch wohl von 
selbst zu Sand auflöst und in seiner Beschaffenheit gewis- 
sen Varietäten des Braunkohlen - Sandsteines nähert, wie 
solche im Elhthale zwischen Aussig und Leiimeritz sehr ver- 
breitet sind. Allein schon der Wechsel des Kornes und 
der Konsistenz (indem einige Schichten einen ziemlich halt- 
baren Sandstein bilden), ganz besonders aber die petrogra- 
phische und paläontologische Beschaffenheit der weiter auf- 
wärts folgenden Schichten lassen jeden Gedanken an Braun- 
kohlen-Sandstein verschwinden. 

Über den vorher beschriebenen Schichten folgt nämlich 
ein gegen 6 Ellen mächtiges Schichten -System feinkörnigen 
weichen Sandsteines, welcher von grünen Körnern dermaa- 
sen erfüllt ist, dass er weithin mit grüner Farbe erscheint 
und auch die tieferen Theile der Fels - Wand mit seinen 
durch Regenwasser weggespülten Theilen ziemlich weit ab- 
wärts grün gefärbt hat *). Dergleichen von Glaukonit- 
Körnern strotzende Schichten sind es aber, welche im Ge- 
biete der Sächsisch - Böhmischen Quadersandstein-Formation 
den eigentlichen Anfang der Pläner- Einlagerung oder des 
Gault zu bezeichnen pflegen. Die grünen Schichten endlich 
werden von einem äusserst feinkörnigen blendend weissen 
thonigen Sandsteine bedeckt, in welchem Exogyra columba 
und Terebratula plicatilis nicht selten vorkommen, und 
den man schon füglich als einen Vertreter des Pläners be- 
trachten, aber freilich nur als Pläner-Sandstein bezeich- 
nen kann, da er, mit Ausnahme der Muschel-Schaalen, nur 
sehr geringe Spuren von kohlensaurem Kalke zu enthal- 
ten scheint. 



*> Auch (lieser Glaukonit Saijdsteln ist noch stellenweise rotli gefleckt. 

20 » 



— ao4 -^ 

Diese Schichten liegen im Allgemeinen völlig horizontHJj 
nur die am höchsten Punkte des Pläner- Sandsteines vor- 
kommende Schicht zeigt eine Neigung von 20^ in O., was 
nur als eine spezielle Störung zu betrachten ist. 

Ganz andere Schichten treten am östlichen Ende des 
Profiles auf. Da sieht man im Hintergrunde die gelblich- 
grauen bis licht Kaffee-braunen ausserordentlich feinen dünn- 
schieferioen und zum Theil mit zarten Pflanzen-Abdrucken 
erfüllten Schiefer-Tlione der Braunkohlen-Formation In einer 
fast die ganze Höhe der Berg -Wand einnehmenden Mäch- 
tigkeit anstehen. Unter ihnen tritt das Braunkohlen-Flötz 
selbst mit seinen oberen Lagen einer blättrigen ausgelaug- 
ten Moorkohle hervor. Im Vordergrunde aber, nahe au» 
Wasser starrt ein grell buntfarbiger, roth, gelb und schwarz 
gefärbter, verworren geschichteter, zerborstener Felsen von 
Kohlenbrand - Gesteinen hervor, dessen Gestalt und Kolorit 
mit den Gesteinen des Hintergrundes seltsam kontrastirt. 

Diese Schichten des Braunkohlen-Gebirges haben in dem 
hier befrachteten Theile ihres Verbreitungs-Bezirkes keine 
-horizontale, sondern eine auffallend geneigte Lage, deren 
Beschreibung es jedoch nöthig macht, vorher noch des drit- 
ten Haupt-Gliedes in der Zusammensetzung des Tschermtger 
Profiles zu gedenken. 

Dieses dritte Gestein ist nämlich Basalt, welcher nicht 
nur in grosser Breite als trennendes Zwischenglied zwischen 
dem öuadersandsteine und dem Braunkohlen - Gebirge auf- 
tritt , sondern auch den Quadersandstein nach W. weithin 
auf das Bestimmteste überlagert. Er ist meist ausserordejit- 
lich verwittert, erscheint daher in den Felswänden als ein 
schmutziggelbes und braunes , weiches , morsches Gestein 
von meist kugeliger und knolliger Absonderung, doch auch 
stellenweise noch deutlich Säulen - förmig gestaltet. Die 
Sänlcn-Gruppen sind nahe an der Grenze des Braunkohlen- 
Gebirges mehr oder weniger geneigt, übrigens aber vertikal 
und gewöhnlich in Reihen sphäroidischer Knollen aufgelöst. 

Dieser BaseJt steht nun etwa ein paar 100 Schritte 



— 305 — 

breit zwischen dem Braunkohlen - Sehieferthone und dem 
Uuadersandsteine an *) , steigt dann an der ziemlich steil 
abfallenden östlichen Grenz-Fläche des letzten in die Höbe, 
bedeckt denselben hierauf eine Strecke weit mit fast hori- 
zontaler Auflagerungs-Fiäche und sinkt endlich noch weiter 
nach W., auf der westlichen Grenz-Fläche des Sandsteines 
bis in die Thal -Sohle herab, wo er gegen Tscliachviiz hin 
fortsetzt. Der Quader-Sandstein läs«5t dabei weder in sciiier 
Schichtung noch in seiner sonstigen Beschaffenheit irgend 
eine auifäliige Veränderung wahrnehmen, so dass man glau- 
ben muss, es existirte hier ein Sandstein- Hügel , der vom 
Basalte übergössen und umflossen wurde, ohne der Eruption 
und Ausbreitung desselben ein wesentliches Hinderniss ent- 
gegenzustellen. 

Wie ganz anders aber stellen sich die Verhältnisse des 
Basaltes gegen das Braunkohlen-Gebirge heraus ! Der Basalt 
erscheint dort in einer ebenen, scharf abgeschnittenen und 
60*^ nach O. , also unter das Braunkohlen-Gebirge einfal- 
lenden Fläche begrenzt. Dieses letzte zeigt sich also hier 
dem Basalte aufgelagert, obwohl es entschieden älter ist, 
als diese pintonische Bildung. Seine Schichten sind in der 
Nähe der Basalt-Grenze nicht horizontal, vielmehr mit ihren 
äussersten , am Basalte unmittelbar anliegenden Enden bis 
zu 50^ und 60^ aufwärts geschleift und weiterhin allmäh- 
lich 30*^, 20^ und 10^ vom Basalte wegfallend, so dass sie 
erst in grösserer Entfernung von demselben ihre ursprüng- 
liche horizontale Lage annehmen. Wie die Schiefer-Schichten, 



*> Wahrscheinlich ruht der Basalt schon hinter den Gcbäudrn des 
Alaunwerkes entweder auf Sandstein oder auf Braunkohlen-Schie- 
ferthon und ist nur an seiner östlichen Grenze als Gang- 
artiges Gebirgs-Glied ausgebildet. Eine sehr genaue Untersuchung 
der schrofiFen Felswände , wie sie der Vf. bei der Kürze der ihm 
zu Gebote gewesenen Zeit nicht anzustellen vermochte und wie 
nie auch nicht ohne Leitern und andere Hülfsmittel auszuführen 
«eyn dürfte, würde vielleicht zu der Auffindung von Fragmenten 
des Quadersandsteins- oder Kohlen - Gebirges im Basalte gelan- 
gen lassen. 



— 306 — 

so erleidet auch das Kohlen-Flötz dieselbe Aufwärts-Biegung, 
und es gelangt dabei in unmittelbare Berührung mit dem 
Basalte, ohne dass eine an grosse Erhitzung erinnernde Ver- 
änderung seiner Beschaffenheit zu bemerken wäre; nur ist 
es hier besonders reich an Gyps. Ob der durch die Ge- 
steine des Vordergrundes bezeichnete Kohlen - Brand mit 
der -Anwesenheit des Basaltes in einem Kausal - Zusammen- 
hange stehtj wie solches Dr. Reuss von anderen Vorkomm- 
nissen der Kohlenbrand-Gesteine vermuthete, diess muss ich 
dahin gestellt seyn lassen. 

So viel scheint aher aus dem Profile bei Tschermig 
hervorzugehen 5 dass der Basalt nahe auf der Grenze des 
Quadersandsteines und des ihm angelagerten Braunkohlen- 
Gebirges zu Tage hervortrat, dabei die Schichten des Kohlen- 
Gebirges empordrängte, aufwärts bog und sich sodann nach 
W. über dem Quadersandsteine ausbreitete. 



über 

ein im Basalt - Konglomerat des Habichts^ 

Waldes aufgefundenes Sprungbein von Dor- 

catherium Naui Raup, 



Herrn Dr. Laisdgrebe 

in Cassel. 



Reste organischer Wesen in Gebirgsarten plutonischen 
Ursprungs eingehüllt zu finden gehört zu den denkwürdig- 
sten und seltensten Erscheinungen in der Geognosie. Fol- 
gende Fälle sind von den wichtigsten der bis jetzt bekannt 
gewordenen *). 

Hamilton (Campt phlegraei) scheint dieser Erscheinung 
zuerst gedacht zu haben, aber ziemlich wieder vergessen 
worden zu seyn, bis Leop. v. Buch dessen Beobachtun- 
gen (Berlin. Akad, J835, 26. März >> Poggend. Annal. 
XXX VII, 169 ff.) mit denen von Monticelli und Pilla **) 
in Verbindung setzte. Der Bimsstein - Tuff nämlich , wel- 
cher die Umgegend des Vesuvs bedeckt und nach Leop. 
V. Buch unter Wasser abgesetzt und wahrscheinlich durch 
den Leucitophyr der Monte Somma emporgehoben worden 
ist j hat mehre sehr wohlerhaltene Konchylien noch im 



*) Wir sehen uns durch Mangel an Raum genöthigt, den einleitenden 
Theil dieser Abhandlung im Auszüge mitsuthcilen , zumal von 
mehren der darin berichteten Fakta früher in diesem Jahrbuche 
reibet schon Nachricht gegeben worden ist. D. R. 

**) Vgl. Jahrb. 1888, S. 4Ti2. D. R. 



— 308 — 

Mittehneere lebender Arten geliefert; wie Cerithium vul» 
gatum (Hamilt. Tf. 47) an der Fossa grande und auf der 
Spitze des Posilippo ; Pectunculus unterhalb Capo dt 
Monte (Hamilt. Tf. 42^ Fg. 6) und am Monte Somma (in 
MoNTiCELLi's Sammlung); eine grosse Auster bei Baiae 
(Hamilt. Tf. 45) und eine ähniiche am Posilippo (Pilla's 
Sammlung); ein Cardiura edule an der Somma (in der- 
selben); dann auch den tertiären Ecliinonaeus subglo^ 

hos US GoLDF. 

Sehr reich an Sehaalthier - Resten ist das mit einem 
tertiären Muschel-Kalkstein wechsellagernde basaltische Lava- 
Konglomerat bei Militello in Val di Noto, Man findet es 
ausführlich beschrieben von Antonio di Gucomo in den 
Atti delt Accademia Gioenia i, 81, und von Leonhard in 
seinen „Basalt-Gebilden« 1, 337 und II, 272, wo auch 31 
der aufgefundenen Konchylien u. a, Seethier ^ Arten nach 
Brqnn's Bestimmungen verzeichnet sind. 

Noch zahlreicher sind die fossilen Testazeen - Reste in 
denjenigen Basalt -Konglomeraten, welche im Veronesischen 
und Vicentinischen {Monte Bolca^ Val Roncä^ Val nera, 
Montecchio maggiore, Monte viale) mit an gleichen Petrefakten- 
Arten reichen Grobkalk-Schichten wiederholt, ja bis zu 12- 
mal wechsellagern. Diese Erscheinungen sind durch Mara- 
scHiNi (Saggio geologico sulle forma^ioni delle rocce del Vi- 
centino^ Padova 1824) am genauesten beschrieben *), 

Bei Aurillas im Cantal enthält nach Dauben v und Pou- 
LETT ScRopE eine mächtige auf Süsswasser «^ Kalk ruhende 
Ablagerung vulkanischer Breccie , welche zugleich bedeckt 
und durchdrungen ist von basaltischer und trachytischer 
Masse, nicht nur Bruchstücke dieses Kalkes, sondern auch 
wohlerhaltene Süsswasser-Muscheln **;. 



'•') Vgl. Ai.. Bmongniar r : Memoire sur les terrains calcareo-trappeens 
del Vicentin , Paris 1822^ 4^, auch K. C. v. Leoxshard Basalt- 
Gebilde I, 332 und II, 272 u, a. D, R. ' 

'^■') Id. ib. 266 (in welclieui Werke noch «wehr Fälle angefühlt «lud) 
und Jahrb. 1830, 119. D. R. 



— 309 — 

Endlich haben S. Hibbert und später Bektrand de Döuk 
(Mem. sur les ossemens fossiles de St. -Privat d: Allier ; nu 
Vuy 1829) das Vorkommen von zerbrochenen Zähnen u. a. 
(irebeinen von Hirschen, Rhinozeros (Rh. Jeptorhi- 
nus) und Hyänen (H. spelaea) in einer auf Säulen- 
Basalt ruhenden und von einem Basait -Strome bedeckten 
geschichteten Loge von Schlacken -Trümmern bei le Puy in 
Ativergne bekannt gemacht (v. Leonh. Basalte ll, 61). 

Indem wir jetzt zu dem Vorkommen thierischer Reste 
im Basalt- Konglomerate des vaterländischen Habiclitswaldes 
übergehen , verdient vorerst in Betreff der geognostischen 
Verhältnisse des letzten bemerkt zu werden, dass die 
Gebirgs - Ai'ten , welche auf demselben prädominiren, aus 
mehren Abänderungen dichten Basaltes und manchfaltigen 
Varietäten von Basalt- Konglomerat bestehen und aus der 
Formation des bunten Sandsteines, des Muschelkalkes und 
des Grobkalkes emporgestiegen sind. Stets erscheinen die 
Konglomerate als treue Begleiter des meist Säulen -förmig 
abgesonderten Basaltes, sie steigen bisweilen zu bedeutenden 
Höhen mit dem Basalte aus der Tiefe empor 5 doch bildet 
der letzte stets den Kern und die erhabensten Gipfel des 
Gebirges, während man in der Regel den Tuff am Fusse 
desselben abgelagert sieht. Wir denken uns die basalti- 
schen Trümmer- Gesteine als Reibungs-Produkte, während 
die Basalfe in Folge vulkanischer Wirkungen dem Erd- 
Innern entstiegen und dabei mit denjejiigen Gebirgs - Arten 
in Bei'ühi'ung kamen, welche sie durchbrachen, wie man 
denn am Habichtsioalde — als eine gar nicht seltene Er- 
scheinung — nicht nur Bruchstücke von Syenit, sondern 
auch von buntem Sandstein und Muschelkalk, bisweilen gar 
rieht, in der Regel aber mehr oder weniger verändert, von 
Basalt-Konglomerat eingehüllt und umschlossen findet. Wäh- 
rend der Bildung der Jjlnhichtswnldcr Trümmer - Gesteine 
hat das Wasser, meist wohl gesalzenes, in einzelnen Fällen 
wie es sclieint «uch süsses, ge^viss eine nicht unwichtige 
Rolle ge»pi<lt. denn wie sollte man sich sonst das Flötz- 



- 310 — 

artige Auftreten, die deutliche Sehichten-förmige horizontale 
Ablagerung der weiten dortigen Basalt - Konglomerate , be- 
sonders der mehr feinkörnioen erklären? Auf welche an- 
dere Weise wären denn die Reste pelagischer Thiere in 
sie hineingerathen ? Obwohl das letzt-erwähnte Phänomen 
mit zu den seltensten gehört 5 so ist es dennoch beobachtet 
worden. Dicht bei Augustenruhe^ einem in der Nähe von 
Cassel gelegenen fürstlichen Landhause, erhebt sich in einer 
Lehm- Wand emporsteigend basaltisches Konglomerat zu ei- 
ner Höhe von 10 — 15 F., und in diesem letzten findet man 
ausser sparsam verbreiteten Hyacinthen auch Bruchstücke 
von Muscheln, ähnlieh denen, wie sie in der benachbarten 
Grobkalk - Formation vorkommen, und welche vorzugsweise 
Pectunculus polyodonta Bronn, P. auritus Brocchi, 
P. obovatus und P. obliquus v. Münster, welche beide 
vielleicht nur Varietäten derselben Art sind, angehören 
dürften. Die interessantesten Einschlüsse dieses Konglomera- 
tes sind jedoch kleine, 1— 2'" lange, Kegei-förmige, glänzend- 
schwarze Fisch -Zähne und andre, welche zur Gattung 
Sphaerodus gehören, in Gesellschaft von solchen aus dem 
Geschlecht Myliobates. Denn eben solche Zähne finden 
sich auch in nicht unbeträchtlicher Anzahl im tertiären Mu- 
schelsande auf Wilhßlmshölie, welcher von dem Augustenruher 
Basalt -Konglomerat kaum in der Entfernung einer Stunde 
abgelagert ist. In massiger Weite hievon und zwar am 
südlichen Abhänge des Hahichtswaldes ^ dem sogenannten 
Prasseisberge y der steil nach S. abfällt und grösstentheils 
aus Basalt-Konglomerat besteht, kommt eine Stelle vor, wo- 
selbst ebenfalls thierische Reste von vulkanischen Gebilden 
umschlossen angetroffen werden. Es ist diess die sogenannte 
JVandf deren auch Leonhard (a. a. O. H, 106) gedenkt. 
An jenem Berge ist schon seit geraumer Zeit ein Steinbruch 
auf Basalt-Konglomerat im Betrieb, in Avelchem man gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts mitten im Konglomerate auf 
c*iiu'»» 2.V — 3' mächtigen Basalt-Gang stiess , der im Verfolg 
der Arbeit endlich auf eine Länge von 170' —176' und auf 



— 311 — 

eine Höhe von 40' von dem umgebenden Gestein entblöst 
v\urde. Diese Wand streicht zwischen hör. 5—0. Der sie 
bildende Basalt ist unregelmässig zerklüftet, und zu seinen 
beiden Seiten bemerkt man eine Art Sahlband zum Theil 
aus höchst feinkörnigem Basalt-Tuff, grösstentheils aber aus 
einem thonigen Zäment bestehend, so dass es durch letzte- 
res eine grauweisse Farbe erhält. Dieses Sahlband ist be- 
sonders desshalb merkwürdig, weil sich in ihm, obgleich 
äusserst selten, ausser Muschel- Fragmenten auch deutliche 
Abdrücke von Lunulites urceolata Lmk. und L. per- 
forata v. MüiXST. finden, die nicht nur an andern Stellen 
des Hahichtswaldes^ sondern auch an entfernten Orten in den 
Jüngern Tertiär-Schichten mitunter häufig angetroffen werden. 
Die eben beschriebene Stelle des genannten Gebirges 
ist es jedoch nicht, welche für uns wegen des daselbst ge- 
machten Fundes das meiste Interesse erw^eckt hat, vielmehr 
ist es eine andere mehr östlich gelegene, der sogenannte 
Hühnrodsöerg, welcher ziemlich steil in südwestlicher Rich- 
tung sie!) erhebt und aus mehreren Varietäten von ßasalt- 
Konglomerat besteht, welches sich am Fusse des Berges ab- 
gesetzt hat. Es ist bald grob-, bald fein-körnig, indem die 
einzelnen Trümmer-Gesteine mitunter kaum die Grösse eines 
Hirsekorns , bisweilen aber auch die einer Flintenkugel , ja 
die einer Faust und darüber erreichen. Die fein- und grob- 
körnigen Schichten wechseln mit einander ab, ohne dass dabei 
wahrzunehmen, dass die gröbern Bruchstücke des Gesteines 
sich in dem untern Theile der Schichten befänden. Letzte 
haben eine fast ganz horizontale Lage; auch wechseln 2 — 3' 
mächtige Schichten mit solchen von 1" Mächtigkeit ab. 
Zwischen ihnen bemerkt man einige Zoll - starke Schich- 
ten eines sehr fein erdigen meist hellgrau gefärbten Bols^ 
der in diesem Konglomerat aber auch Lager - und Nester- 
weise sich findet und mitunter Blätter- Abdrücke e thält, 
denen ähnlich, wie sie der mehr nördliche und höher abge^ 
lagerte Polirschiefer darbietet, welcher letzte ebenfalls auf 
Basalt »Tuff ruht. Diese Blätter scheinen von Bäumen 



— 312 — 

herzurühren , die auch noch der jetzigen Schöjjfung ange- 
hören. Essbare Kastanien, Weiden, Linden, Buchen, Hain- 
buchen etc. scheinen vorzüglich das Material dazu geliefert 
zu haben. Auch gefiederte Baum-Blätter kommen vor, doch 
ungleich seltner. Solches beweist deutlich, dass bei Bildung 
dieses Konglomerats das Wasser mit thätig gewesen ist, 
wie denn auch in dieser Fels - Art an der erwähnten Stelle 
häufig in Holz -Opal umgewandeltes Holz angetroffen wird. 
Ob von letztem auch die Blätter herrühren, deren Ab- 
drücke wir vorhin erwähnten — darüber wagen wir nicht 
zu entscheiden. Ausserdem finden sich in dem Basalt-Tuffe 
sehr häufig Stücke dichten , so wie mehr oder weniger po- 
rösen und verschlackten Basaltes, ferner Olivin-Knollen, Äugit- 
Brocken mit schwarzem Glimmer, oft von der Grösse einer 
Faust, sodann emporgehobene Theile von buntem Sandstein, 
Syenit, letzterer bisweilen in Verbindung mit Granaten, 
während die Bol- Varietäten die häufigsten Einmengungen 
sind und die verschiedenartigsten Farben besitzen. Die 
Mächtigkeit dieses Konglomerats ist ansehnlich; bis jetzt 
mag man durch die Steinbruch- Arbeit wohl an 50' Teufe 
niedergegangen seyn , ohne auf eine andere Felsart , auch 
nicht auf dichten Basalt gestossen zu seyn. Nach der Ober- 
fläche hin ist es von einer mehre Fusse starken Lage von 
Rollstücken dichten Basaltes bedeckt, die nur locker zusam- 
mengehäuft sind und fast alle einen Fuss und darüber im 
Durchmesser haben. Auf diesem letzten nimmt man eine 
Schicht von Humus -Erde wahr, in welcher Lauhholz auf 
das Üppigste vegetirt. Beim Zerstufen eines aus der Tiefe 
stammenden mehr feinkörnigen Konglomerats waren wir 
nun vor einigen Monaten so glücklich, einen fossilen Körper 
zu entdecken, der auf den ersten Anblick Ähjilichkeit mit 
einer vegetabilischen Frucht zu besitzen schien, sich jedoch 
nicht i^als eine solche erwies, als das umgebende Gestein 
weggeschafft worden , so dass das Fossil znletzt von drei- 
Seiten genau betrachtet werden konnte. Um darüber Ge- 
wissheit zu erlangen , was es eigentlich sey^ nahm ich mir 



— 3ia ~ 

die Freiheit, es ai» Hrn. Prof. Berthold nach Götfmgen /u 
senden, welcher es für das Sprnngbein des rechten Hinter- 
fusses von Dorcatherium Naui erklärte. Da Kaup diese 
in der jetzigen Schöpfung niclit nielir existirende Gattung 
von Wiederkäuern, welche in die Nähe von Cervus gehört, 
aufofestellt hat, so überschickte ich den Knochen auch diesem 
letzten, welcher Bertholds Angabe bestätigte. Das Merk- 
würdigste an diesem Funde ist unstreitig das geagnostische 
Vorkommen, indem die bisher aufgefundenen Reste von Dor- 
catherium nur im Süsswasser- Kalke und in der Tepel-For- 
mation bei Eppelsheim gefunden worden sind. Der Knochen 
scheint von seiner ursprünglichen Härte nichts eingebüsst 
zu haben, doch ist seine Farbe in eine schwarzbraune über- 
gegangen. Vielleicht hat er einst den in der Nähe auftre- 
tenden Tertiär-Gebilden angehört und ist beim Emporbrechen 
des Basaltes, welches sehr wahrscheinlich unter W^nsser er- 
folgte, in das Basalt-Konglomerat hineingerathen ; doch ist 
es auch möglich, dass das Thier bei jener Katastrophe seinen 
Tod fand, denn alle Umrisse des Sprungbeins haben sich 
vollkommen erhalten und nichts deutet darauf hin, dass es 
vielleicht durch das Gewässer hin - und her -gerollt sey. 
Als das erste Beispiel des Vorkommens von Säugethier- 
Knochen im Basalt- Konglomerat dürfte der erwähnte Fall 
nicht uninteressant erscheinen. 



Versuch 



einer 



Erklärung der erratischen 
Blöcke der Schweitz-, 



von 

Hrn. H. L. Wissmann 

in Heidelberg. 



Die neuern Verhandlungen der Schweitzer Naturforscher 
über ihre erratischen Blöcke haben zwar noch keine allge- 
meine Verständigung über die Ursache dieser ausgezeich- 
neten Erscheinung herbeigeführt, aber sie haben dem Inter- 
esse für dieselbe neuen Schwung gegeben und die Kenntniss 
der hergehörigen Thatsachen aufgefrischt, beleuchtet und 
vermehrt. Auch demjenigen, welcher sie nicht selbst beob- 
achtet hat, ist es jetzt möglich, eine Meinung über die errati- 
schen Blöcke zu begründen, mag er sich nun an eine bereits 
geäusserte anschliessen oder nicht. Die bis jetzt geäusser- 
ten Meinungen scheinen mir aber alle der Art zu seyn, 
dass man sich ihnen nicht wohl anschliessen kann, und das 
geologische Publikum möge mir daher gestatten, eine Hy- 
pothese über das Erscheinen der Schweitzer erratischen 
Blöcke vorzutragen, welche Alles leistet, was man von einer 
neuen Hypothese zu fordern berechtigt ist, welche nämlich 
jede einzelne Erscheinung so gut oder besser als alle 



^ 315 — 

bisherigen Hypothesen erklärt und zugJeich auf ein Prinzip 
gebauet ist, welches einfacher und natürlicher ist, als die 
Prinzipien ihrer altern Schwestern. Denn wenn zwei Hy- 
potliesen eine Sache gleich vollkommen gut erklärten , so 
würde doch immer diejenige den Vorzug verdienen, welche 
auf einer am wenigsten künstlichen oder — einen geogno- 
stischen Ausdruck zu gebrauchen — am deutlichsten an- 
stehenden Basis ruhet, diejenige, welche mit wenigeren 
Mitteln eben so viel leistet, als die andern mit mehren. 

Zu denjenigen Hypothesen, welche eine zu künstliche 
Basis haben, rechne ich alle, welche die erratischen Blöcke 
durch Wasser allein unter Mitwirkung einer in den Alpen 
vorgegangenen gewaltigen Kraft - Äusserung an ihren Ort 
gelangen lassen. Wollte man auch das ünerwiesene an» 
nehmen, dass die Flötz- Schichten vor der letzten grossen 
Hebung der Alpen an der jetzigen Stelle derselben noch 
vom Meere bedeckt gewesen seyen , so ist doch gewiss die 
Bewegung, welche eine zu 15,000 F. über das bisdaherige 
Niveau (gewiss nicht in Einem Augenblicke, sondern unter 
manchem Zaudern) aufsteigende Mineralien - Masse dem es 
überstauenden und nun vertrieben werdenden Wasser geben 
kann, nicht so ungeheuer gewesen, um dieses Wasser in so 
athemloser Flucht zu verscheuchen , dass es erst am Neu- 
chätelcr Jura daran gedacht habe, die Kubikfuss- grossen 
Steine abzuwerfen, die es von den Walliser Alpen an gegen 
alle Äusreisser- Manier getragen hätte. Kann man irgend 
einen Ausweg finden, der Einem die Annahme einer so Un- 
geheuern Thatsache zu ersparen im Stande ist, so wird 
man begierig nach ihm greifen müssen. Unter diese Abthei- 
lung gehören die Ansichten von Saussure, v. Buch, Deluc, 
Studer, Beaumont und Lyell. 

Wahrscheinlicher schon muss die Hypothese von Agas- 
Siz und ScHiMPER erscheinen. Ein enormes Eis -Flötz soll 
nach ihnen einst die tiefe Schweitz erfüllt haben, und auf 
diesem sollen bei der Hebung der Alpen die Blöcke von da 
zum Jura geglitten seyn ! Und nicht allein über die Schweit^^ 



— 3i6 — 

»oiidern über den ganzen Ei'd-Körpei* «oll dieses Eis ge- 
reicht haben, ein furchtbar unparteiischer Mörder alles Le- 
bendigen. Mag es nun auch an Grossbrifanniens Gestaden 
Konchylien-Ablagerungen geben, die einen nordischeren Cha- 
rakter haben, als die jetzt dort lebenden Konchylien, mag 
auch vorläufig eine merkwürdige Ausnahme von der allgemeinen 
Regel des gleichmässig fortgeschrittenen Kälterwerdens der 
Erd-Oberfläche an einigen Stellen sich nicht zurückweisen 
lassen , so kann man doch den erratischen Blöcken zu Ge- 
fallen ein so ausserordentliches Ereigniss , wde Agassiz stä- 
tuirt, unmöglich eher annehmen, als noch irgend eine Er- 
klärungs- Weise, die uns wenigeren Glaubens - Aufwand 
zumuthet, vorhanden ist. 

Ferner haben Venetz und Charpentier den grossen 
Schritt gethan, die erratischen Blöcke nicht auf einem un- 
erwiesenen Eis -Spiegel, sondern durch jene Eis - Massen 
Namens Gletscher transportiren zu lassen, welche vor jenem 
Eis-Spiegel den grossen Vorzug haben , dass man sie noch 
heutigen Tages wahrnehmen und ihre Wirkungen studiren 
kann. Indem Venetz aber ganz auf die Hülfe des liquiden 
Wassers verzichtet und begehrt, dass wir uns Stein-beladene 
Gletscher vorstellen sollen, welche von den Alpen uns durch 
das ganze Waadt -LunA mit Meilen- langer Konsequenz bis 
zu dem Abhänge des Jura niarschiren und da als Morainen 
die erratischen Blöcke anhäufen, erfüllte er mich wenigstens 
mit dem nämlichen Gefühl, wie seine Vorgänger: er erweckte 
die Sehnsucht nach einer Hypothese , die wen-iger nimmt, 
aber mindestens eben so viel gibt« 

Eine solche Hypothese werde ich in Folgendem zu be- 
gründen versuchen. 

Die erratischen Blöcke ruhen auf keiner Jüngern Bil- 
dung, als auf Molasse, also hat ihre Zerstreuung nach Bil- 
dung der jMolasse (im engern Sinne) Statt gefunden. Die 
Molasse ist bekanntlich der Absatz aus dem Meere oder 
einem grossen See, Das Ende der Molasse -Bildung fällt 
zusammen mit der letzten grossen Hebung der Alpen, Nach 



— 317 -~ 

ilieser Hebung erstreckte sich von Genf gegen N.O. ein 
grosses Thal, welches einerseits von den Alpen in ihrem 
Verlaufe bis Sahbunj, andrerseits vom Jura in seinem Ver- 
laufe aus der Jlhöne - Gegend, bis nach Franlien und weiter 
vom Baienvalde begrenzt wurde. Denken wir uns dieses 
Thal ferner einerseits an der Ecliise und den Monis de 
Sion unter (^ew/' geschlossen und nocli niclit von dem Rhone- 
Thal geö&wct^ andrerseits die Gegend zwisclien den Sah- 
burger Alpen und dem Böhmerwalde noch nicht von der 
Donau durchschnitten , und denken w ir uns zugleich den 
Schweitzer Jura noch nicht von dem Deutschen durch das 
jRÄe?7<-Thal geschieden, so sehen wir in dieser Vertiefung 
Mittel-Europas die Wasser-I^lasse aufgestauet. unter welcher 
früher die Molasse sich bildete, und für deren Ausleerung 
wir bis dahin keine Ursache haben. Das Bett dieses See's 
bildeten folglich der tiefe Theil der SckweitZy die Umgebun- 
gen des Bodensee's und der grösste Theil Baierns, 

In diesem See spiegelten sich nun die jungen Alpen, 
und wir haben keinen Grund, sie uns ohne Gletscher zu 
deidicn. Die Gletscher reichten sonder Zweifel an vielen 
Stellen unmittelbar an die Oberfläche des Sees. Bekannt- 
lich dehnen sich die Gletscher fortwährend aus, rücken vor. 
Wir sehen sie mit vielem Gebirgs - Schutt beladen von dem 
yerschiedensten Kaliber, c^i ut erstaunlich grossen Blöcken, 
Diese iJlöcke sind theils vuiiig scharfkantig, wenn sie näm- 
lich stets vom Eise umgeben blieben, theils sind sie abge- 
rundet. Indem nämlich die Gletscher in denjenigen Höhen, 
wo die Temperatur ihrer Sohle den Thau-Punkt erreicht, 
fortwährend unten abschmelzen, gelangen die in dem hier 
geschmolzenen Eise befindlich gewesenen Steine ganz un- 
mittelbar auf die Sohle des Gletschers, eines Ungeheuern 
Gasteropoden, werden hier bei der steten Vorwärtsdehnung 
der Gletscher - IMasse mit fortgeschoben und reiben sich in- 
dess aneinander und an den anstehenden Fels-Massen, über 
die der Gletscher seinen Weg nimmt, und welche gleichfalls 
abgerundet werden. Grenzte nun ein Gletscher unmittelbar 
Jaliriraiifr IS-lü. 21 



_„ 318 ~- 

mit jenem See, so fielen seine Stücke unmittelbar ins Was- 
ser und schwammen einstweilen auf ihm umher, wie ein 
Eis-Berg auf dem Atlantischen Ozean heutigen Tages. Da 
das Eis um ein Ansehnliches spezifisch leichter ist, als das 
Wasser, so kann es durch seine Vermittlung ein gewisses 
Gewicht von Körpern, die schwerer sind, auf dem Wasser 
schwebend erhalten: diese stürzen aber, wenn das Eis ge- 
schmolzen ist, ins Wasser hinab. Ist nun die Eis-Scholle 
hinreichend gross, so kann sie auf diese Weise grosse 
Felsen tragen. 

Die Thatsachen, welche an den erratischen Blöcken 
beobachtet sind, zeigen nun aber meines Erachtens vollkom- 
mene Übereinstimmung mit einer solchen Ansicht. Was 
zunächst die grosse Häufigkeit der erratischen Blöcke be- 
trifft, welche vielleicht zu gross erscheinen könnte in Be- 
tracht der Anzahl von Steinen, welche gegenwärtig auf 
den Gletschern angetroffen werden, so erklärt sie sich ohne 
Weiteres daraus, dass unmittelbar nach der Hebung Aev 
.Alpen in Folge dieser vorzüglich den Granit betreffenden 
Katastrophe bei weitem mehr abgerissene Fels -Stücke be- 
sonders von Granit auf den ^/pew gelegen haben werden, als 
sieh jetzt den Gletschern daselbst darbieten mögen. Man 
findet die erratischen Blöcke am häufigsten in dem süd' 
westlichsten Theile jenes Thaies, welcher den Gletscher- 
führenden Alpen am nächsten und besonders enge ist; ein- 
zelner und kleiner findet man Steine des Rhone- Gebiets 
(vergl. Studer's Monographie der Molasse, S. 2,24) bis Solo^ 
thurn: die Ursache dieser Vertheilung ergibt sich leicht, 
wenn man bedenkt, dass in der Gegend Solothurns und nord- 
östlicher keine Gletscher mehr bis in den See reichten, die 
aus dem südwestliehen Theil des See's aber berabschwim- 
menden Eis -Schollen gewöhnlich in dieser Gegend schuiol- 
zen und ihre Steine also niederfallen Hessen. In dem 
Theile des Thaies aber, wo die Blöcke häufig vorkom- 
men , bemerkt man eine grosse Gleichmässigkeit in der 
Vertheilung der Blöcke, indem sie z. B. in den tieferen 



— ai9 — 

Gegenden um Genf ftUenthalben in gleicher Menge vorkom- 
men sollen. Wohl aber hat man «lann weiter an den Ber- 
gen der Genfer Gegend und nordöstlicher gewisse Gesetze 
in der Vertheilung der Blöcke nach Menge und Gesteina- 
Beschaffenheit erkannt, wie sie durch obige Hypothese nicht 
allein sich erklären lassen , sondern nothwendig durch sie 
bedingt sind. Was nämlich zuerst die Menge der errati- 
schen Blöcke betrifft, so ist bekannt, dass sie an den den 
südöstlichen Alpen zugekehrten Abhängen der dortigen Berge 
am ausgezeichnetsten ist, vornehmlich am Jura hin, dann 
auch wieder am Mont Saleve» Der Jura war aber die 
Küste jenes hypothetischen See's und der Mont Saleve viel- 
leicht eine Insel oder Landzunge in ihm: am Jura und an 
der Ostseite des Mont Saleve werden daher viele Eia* 
Schollen mit ihren Blöcken gestrandet seyn. Da vom Jura 
jenem See keine ansehnlichen Flüsse zugingen, dagegen der 
Zufluss fast allein von der südöstlichen Küste erfolgte, so 
musste sich am Jura hin eine Strömung bilden, und hier 
mussten daher die Eis- Schollen weit leichter und häufiger 
stranden, als in den heutigen Alpen-Thiilern (in welche da- 
mals der See seine Arme schickte) und überhaupt am Fuss 
der Alpen, woselbst sie denn auch nach Venetz selten seyn 
sollen. Neuerlich hat Godeffroy (Jahrb. 1839, S. 177 flf.) 
die ungeheure Häufigkeit der Blöcke an den Monis de Sion 
zur Sprache gebracht, welcher Berg -Zug die südlichste 
Küste des Sees gebildet haben muss; die Anhäufung der 
dortigen Blöcke ist wahrscheinlich vorzüglich erst dann ge- 
schehen, als der See bereits an der Stelle des jßÄowe-Thals 
abzufliessen begann, so dass dann die Gegend zwischen den 
Bergen Saleve, Sion und Vuache wie ein Sack war* Ferner 
ist man durch das Studium der Alpen in den Stand gesetzt 
worden, die Orte daselbst anzugeben, von denen die ver- 
schiedenen erratischen Blöcke entnommen seyn mögen , und 
man ist so zu dem ürtheil gelangt, dass die Blöcke eines 
nach N.W. offenen Alpen-Th^h sich in dessen nordwest« 
lieber Verlängerung und .zwar vorzüglich da, wo diese 

21* 



— 320 ~= 

Verlängei^uiig hiii Jura endet, ziemlich unvermischt zu finden 
|3flegen: eine ujimittelbare Folge der nachweisbar zuerst 
gQgQn N.W. gerichtet gewesenen Strömungen jenes See's. 
Es ist mir hier übrigens aufgefallen, dass die einzelnen 
Bericht -Erstatter zuweilen in ihren Angaben über die Ge- 
burts-Orter von Gruppen erratischer Blöcke schwanken; so 
z. B. sollen nach Saüssüre die Blöcke am Mo7it Saleve aus 
dem Arve-Thnle stammen, später folgerte aber Deluc (Jahrb. 
1830, S. 345), dass sie wenigstens zum Theil aus dem Rhone- 
Thale gekommen seyen, und kürzlich äusserte Godeffroy 
(Jahrh. 1839, S. 178) wieder die SAUSSURE'sche Meinung. 

Das Bett des See's muss sich in Hinsicht auf Verthei- 
lung der Blöcke sehr passiv verhalten , da sie an jeder 
Stelle niedersinken konnten, sobald die Eis -Menge nicht 
mehr zum Tragen hinreichte. Doch führt Dkluc eine lier- 
gehörige Thatsache an , dass nämlich an dem nach Genf 
gekehrten Abhänge des Moni Saleve keine Blöcke vorkom- 
men: dieses aber erklärt sich sofort daraus, dass dieser 
Abhang ausserordentlich steil ist, die niedergesunkenen 
Blöcke also nicht auf ihm liegen bleiben konnten. Deluc, 
Venktz und besonders Godeffroy geben an , dass es das 
Ansehen habe , als ob viele erratische Blöcke an ihren 
jetzigen Ort durch einen senkrechten Sturz gelangt und 
während des Sturzes zertrümmert seyen, man finde isoiirte 
Blöcke der Länge nach gespalten und die Spaltungs-Stücke 
vertikal in den Boden gepflanzt: eine aus unserm Gesichts- 
punkte sehr erklärliche Erscheinung. Dass die erratisclien 
Blöcke das verschiedenste Kaliber zeigen bis zum Gruss, 
dass sie bald scharfkantig, bald abgerundet sind, wird durch 
die oben erwähnten Verhältnisse zwischen dem Gletscher- 
Eis und dem mit ihm gemengten Gebirgs-Schutt erklärt. 

Man findet nach L. v. Buch, Escher und Studer die errati- 
schen Blöcke in besonderer Häufigkeit hinter vorspringenden 
Hügeln und in Seiten - Thälern abgelagert: dieses ist vor- 
ziiglich beachtenswerth, denn an jedem Flusse, welcher zu 
gewissen Jahreszeiten Treibeis zeigt, hat man Gelegenheit 



— 321 - 

zu UpmerUen, wie sich die Eis -Schollen vorzüglich hinter 
Ufer- Vorsprüngen und in Flnss - Krümmungen onsnmnieln, 
«Hose Stellen fast nicht wieder verlassen können , sondern 
daselbst so lange umhergetrieben werden, bis sie geschmolzen 
sind. In Thal-Verengungen, z. B. im Jrvc-Thnl zwischen 
Sallenche und Cluse^ fehlen die Blöcke; in Thal-Weiten, z. B. 
unterhalb Cluse im Thal Reposoir, finden sie sich in grösster 
Menge : natürlich, VTcil in Thal-Engen die geradlinige Strö- 
mung das ümhertreiben der Eis-Schollen nicht gesfattete, die 
Tlial- Weiten aber dem Vagahundiren derselben günstig waren. 

Eine oanz vorzügliche Stütze für die Richtigkeit mei- 
ner Ansicht finde ich aber in dem Geglättetseyn der Oher- 
tläche des anstehenden Gesteins an solchen Stellen . welcho 
^^en Gletschern fern liegen, wie es von Agassiz ni.d Schim- 
PER auch im Jura , aber nicht in dessen Längen - Thälern, 
aufgefunden worden ist, und welches mir eine sehr natürliche 
Folge der Reibungen zu seyn scheint, welche die Eis-Schollen 
und die aus ihnen vorstehenden Steine während des vSchwim- 
mens an dem See - Ufer durch Änstossen ausübten. Sehr 
beachten8werth sind darum auch die Furchen und wie mit 
dem Demant geraachten Ritze, welche man niemals nach 
der Richtung des Abhangs, sondern in mehr oder weniger 
horizontaler Richtung an den erwähnten Felsen im Jura 
findet, wobei sehr zu berücksichtigen ist, doss die errati- 
schen Blöcke meist härter sind, als die Kalksteine des Jura. 
Eine ähnliebe Erscheinung sind die in horizontaler Richtung 
laufenden Unterwaschungen von Felswänden , welche die 
Ufer jenes Sees gebildet haben müssen, wie sie z. B. Salr- 
SURE am Saleve beobachtete und sehr ausführlich beschrieb; 
auch die Decken dieser Überhänge sind geglättet. 

Ein in so bedeutender Höhe über dem Meere befindlicher 
See durchbricht früher oder später seinen Damm auf höchst 
einfache Weise von selbst. Kommen ihm auch keine Spalten 
und Höhlen in jenen Felsen zu Statten, so wird doch ein See, 
welcher zu den Füssen des höchsten Europäinchen Gebirgs, 
an dem sich von allen Stuten Dünste niederschlagen, befindlich 



— 3*22 — 

ist, sich endlich so sehr erheben, dnss er seinem Daaime an 
einer Stelle gewachsen ist. Er wird dann an dieser Stelle 
überfliessen und sich hier bald eine Rinne bilden, die er 
dann so lange zu vertiefen und zu weiten fortfährt, bis ihre 
Tiefe und Weite seinem Wasser- Vorrath und seiner Höhe 
über dem Ozean angemessen ist. Der hypothetische See, 
von welchem in diesem Aufsatze so oft die Rede gewesen 
ist, hat sich drei solcher Rinnen gebildet: Rhone ^ Donau 
und Rhein. Die drei Fluss-Gebiete bildeten sich nach Maas- 
gabe der Niveau- Verhältnisse der einzelnen Theile des 
See -Betts aus, und als Repräsentanten des Sees zwischen 
Genf und Salzburg blieben im Gebiet der Rhone nur der 
Ge7ifer See, in dem des Rheins aber der Bodensee und viele 
kleinere , so wie im Donau - Gebiet die kleinen See'n am 
Fuss der Baierischen Alpen zurück. Mit solchen Niveau- 
Änderungen des Sees korrespondirt noch auf das Schla- 
gendste die Thatsaehe, dass die erratischen Blöcke an eini- 
gen Stellen in horizontal an einem Berg-Abhange hinlaufenden 
Zonen angetroffen werden, und dann die sonderbare von 
Buch entdeckte Thatsaehe, dass die Blöcke — und nach 
Agassiz auch die Fels-Giättungen — am Jura der Rhone- 
Öffnung gegenüber nicht nur am gedrängtesten, sondern auch 
am höchsten liegen und von da aus allmählich gegen die 
Ebene niedersteigen, schneller gegen Genf zu, in weiterer 
Krümmung gegen Neuchdtel und Biel. So lange nämlich 
die heutige Wasserscheide zwischen dem Genfer und Neu-^ 
chäteler See noch unter Wasser stand, wird der Rhone ge- 
nau in der Verlängerung seines von Martigny an befolgten 
Laufs zum Jura fortgeflossen seyn. Als dann später das 
Niveau sank, indem dort der Rhein, hier der Rhone dem 
See entfloss, änderte sich die Richtung der Rhone-Strömung^ 
ja sie mus8te sich in zwei Strömungen, eine nach Genf 
die andre nach Biel theilen, so lange die erwähnte Wasser- 
scheide noch nicht völlig trocken lag: daher hier und dort 
die Blöcke in niedrigerem Niveau, als an dem der Rhone- 
Öffnung gegenüberliegenden Theile des Jurfi. Endlich bildete 



^ M3 — 

die Wasserscheide sich völlig aus , und nun ging der ge- 
saminte HhoneStvom auf Genf zu; je tiefer sich das Hhone- 
Thal in die Ecluse schnitt , desto tiefer sank das Nivcflu 
des nunmehrigen Genfer Sees, desto mehr wich die Rhönc- 
Strömung mit ihren Eis -Schollen und deren Gebirgs-Schult 
ans der anfangs nordwestlichen Richtung gegen S. ab, bis 
sie endlich diejenige Richtung erhielt, in der sie heute den 
Genfer See durchschneidet. 

Schliesslich muss ich nun noch bemerken, dass ich nur 
desshalb die erratischen Blöcke des Rköne-Gehiets im Vori- 
gen fast ausschliesslich berücksichtigt habe, weil sie am be- 
kanntesten sind 5 und damit die Aufmerksamkeit auf diesen 
besondern Fall möglichst wenig erratisch bleibe. Was aber 
sich hier an diesem einzelnen Falle ergeben hat, lässt sich 
leicht auf alle übrigen übertragen. So werden die errati- 
schen Blöcke im ^«r-Thal und in den übrigen von den 
Alpen kommenden Thälern bis zum Ehem'Th{\\y ferner die 
in Süd -Baiern vor den Tyroler Alpen ebenfalls von Eis- 
Massen herrühren, welche bis zu dem hypothetischen See 
keinen so weiten Weg «u machen hatten, als heutigen Tages 
etwa ein Eis-Block des Gotthards bis zum Bodensee zu ma- 
chen haben würde. Aber auch an der Südseite der Alpen 
finden sich erratische Blöcke in der INähe der Seen von 
Como und Lugano, welche Seen ich mir darum zu der 
Höhe aufgestauet denke, um das Eis von dem südlichen 
^/pen- Abhänge unmittelbar aufzunehmen, ohne Dazwischen- 
kunft einer Adda oder Maira ; und was die Angabe von 
erratischen Blöcken auch in AevLomh ardischen Ebene be- 
trifft, so finde ich es unbedenklich, diese nun entweder 
wirklich von Ausbrüchen der nord- Italischen See'n abzuleiten, 
oder aber die Ablagerung dieser Blöcke in jene Zeit zu ver- 
setzen, als an der Stelle der Lombardischen Ebene noch ein 
Meerbusen war. 

Ferner kann ich mich nicht enthalten, bei dieser Ge- 
legenheit auch noch der erratischen Blöcke anderer Gegen- 
den zu erwähnen, deren von Nordamerika. EngUmd, der 



— 324 — 

Millel - Europäischen Ebene von der Ems bis zur Newa, 
Skandinavien und Finnland, Es ist gewiss statthaft anzu- 
nehmen , dass diese Gegenden einst Meeres-Grund gewesen 
sind und dass in dem bedeckenden Meere eben so regel- 
mässige Strömungen vorhanden waren , wie in den jetzigen 
Meeren. Nimmt man nun ferner an, dass die Strömungen, 
aus mehr oder weniger nördlichen Gegenden kommend, wo 
sie mit Eis bedeckten Insehi, z. B. dem Kiülen- Gebirge, in 
Berührung gewesen waren, lange und regelmässig über den 
erwähnten Landstrichen weggingen, so sehe ich gar nicht 
ab, w^arum man für jene Blöcke nebst allen sie betreffenden 
Erscheinungen noch nach Erklärungen suchen mag , die 
näher liegen könnten und natürlicher wären. Die Rundung 
und Glättung der nach N gekehrten Felsen-Seiten, das Er- 
haltenseyn der nach S. gekehrten im frischen Zustande, die 
horizontalen Furchen in mehr oder weniger nordsüdlicher 
Richtung, der von Sefström dargeth^ne Einfluss sehr na!ie~ 
gelegener Berg-Züge auf die Richtung dieser Furchen, die 
in der Richtung der angenommenen Strönaingen langgezo- 
genen Schutt-Hügel: — sollte man alles das nicht etwa auf 
dem Boden der Baffins-Bai oder überhaupt der Polar-Meere 
finden, wenn er trocken gelegt wäre! In Finnland hat man 
zwei verschiedene Richtungen der Schutt- Hügel wahrge- 
nommen , welche verschiedenen Alters sind ; — kann man 
sieh aber wohl bedenken , Modifikationen in der von der 
relativen Lage der Festländer gevs^iss grossentheils abhängi- 
gen Richtung der Meeres- Strömungen in Lokalitäten anzu- 
nehmen, die gleichsam unter unsern Augen dem Meere zu 
entftejgen fortfahren! Auch muss ja in Folge der Gesetze 
der Bewegung in an verschiedenen Stellen verschieden er- 
wärmten Flüssigkeiten beständig eine Strömung aus den 
Poliir- Meeren nach dem Äquator zu Statt finden, welche 
genau in der Richtung des Meridian« gehen würde, wenn 
es kein Festland gäbe und der Meeres-Boden eben wäre, 
und man würde erratische Blocke in den Übergangs - Kulk 
Shandlnariens neben den Trilobiten eingelagert finden, wenn 



— 325 — 

zur Zeit der Bildung dieses Kalksteins schon Polar-Eis und 
Ton demselben ergreifbare Fels-Massen existirt hätten. Dass 
man auf den Eis -Feldern der Polar -Meere Stein- Blöcke, 
Gruss und Sand in grosser Menge findet, weiss man durch 
EsMARK, Parry etc. 5 ja man hat auf solchem diesseits der 
Polar -Kreise schwimmenden Eise sogar lebende Eisbären 
gesehen. Es ist aber sonder Zweifel die alte Vorstellung 
von einem allgemeinen siindfluthlichen Diluvium das Hinder- 
niss 5 welches sich in die Beurtheilungen der erratischen 
Blöcke und mit ihnen verbundenen Erscheinungen gespen- 
stisch einmischt, und es wird den vorurtheilsfreien Geologen 
noch manchen Kampf kosten , bis sie diese Vorstellung an 
ihren gebührenden Ort verwiesen haben. Viele Gegenden 
sind freilich gar nicht geeignet zu Untersuchungen darüber, 
ob sie von solchem Diluvium getroffen worden seyen oder 
nicht; aber andere sind es sehr und legen das entschiedenste 
Gegen-Zeugniss ab, zu welchem Zweck es aber erforderlich 
ist, solche Gegenden so genau untersucht zu haben, dass 
sich so zu sagen auch nicht ein Steinchen daselbst finden 
kann, über welches man nicht Rechenschaft zu geben wüsste. 
So kann ich für meine heimathliche Gegend zwischen Göt- 
iingen und Kassel in so weit mit der grössten Gewissheit 
behaupten, dass das hypothetische allgemeine Diluvium we- 
nigstens diese Gegend , also doch wenigstens einen nicht 
unbedeutenden Theil der Erd - Oberfläche , nicht getroffen 
habe, als ich hier auch nicht das Mindeste gefunden habe, 
was zu seiner Erklärung des Willkür-vollen Diluviums be- 
dürfte: vielmehr weiset mich Alles auf den ruhigen gesetz- 
lichen Gang der Natur bei Bildung jenes Erd-Oberflächen- 
Theils hin. 



Briefwechsel. 



Mittheilungen an den Gelieimenratb v. Leonhard 

gerichtet. 

Tharanäy 1. Dezemb. 1839. 

Ihre Heidelberger Granit -Gänge wiederholen sich doch in alle» 
Grnnit - Gegenden ähnlich. Von den HERDER'sclien Beobachtungen bei 
Carlsbad habe ich Ihnen früher schon gegchrieben ; diesen Sommer 
hatte ich selbst Gelegenheit ein interessantes Beispiel der gegenseitigen 
Granit - Durchsetzungen im Eger -Tlidile zwischen Falkenau «nd Ält- 
sattel zu beobachten. Ein kleiner Felsen am linken Gehänge zeigt dort 
folgendes Verhältuiss : 




G = Mittel-körniger Granit, darin x) feinkörnige etwas schiefrige, 

Glimmer-reiche, dunkle Bruchstücke. 
g' == Granit fast ohne Glimmer (Pegmatit). 
g" = Feinkörniger Granit mit Glimmer und Turmalin. 

Der Unterschied gegen die Heidelberger Gang- Granite besteht hier 
eigentlich nur darin, dass g' dem Heidelberger g" ähnelt, und g" da- 
gegen dem Heidelberger g' analog vorzugsweise Turmalin - haltig ist. 
Hr. Prof. Naumaww wird künftigen Sommer diese Gegenden genauer 
untersuchen. 

Bernhard Cotta. 



— 327 — 

Zürich, 10. Dexeinb. 1839. 

Dft« Mineral aus dem iflwff^orio-Thale , wovon ich Ihnen jiingsfhin 
«chiieb *), wurdf durch Hrn. Eduard Schweitzer analysirt. Als Mittel 
zweier Zerlegungen fand er: 

Kieselerde . . . . . . 46,20 

Eisenoxydul . . . . , 12,86 

Talkerde 34,79 

Wasser . . . . . , 3,70 

Thouerde 1,98 



99,53 

Nach dem angeblichen Fundorte erhielt die Substanz den Namen 
Antigorit. Das Weitere wird Hr. Schweitzer in Poggendorpf's 
Auualen niittheilen. 

Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, mit anderen Mineralien 
wieder ein Stück von dem Dolomite aus dem Binnen - Tliale in Ober- 
Wallis zu kaufen, welches nebst Eisenkies, Bitterspath , Realgar und 
der dunkel - bleigrauen , metallischen Substanz, auch noch ganz kleine, 
Säulen-fÖrmige, halbdurchsichtige, graulichweisse Krystalle enthält, die 
ich für Barytspath halte. Die Krystalle scheinen (in so weit als ihre 
Kleinheit eine Bestimmung erlaubt) der variete dudecuedre von Hauv 
anzugehören. — In Säuren nicht auflöslich. In der Platin - Zange zu 
weissem Email schmelzend und die Flamme blass gelblichgrün färbend. 
Auf Kohle im Reduktions-Feuer geglüht, befeuchtetes Silber schwärzend. 
Die so behandelte Probe mit Salzsäure befeuchtet und an den blauen Theil 
der Lichtflamme gehalten gibt keine Strontian-Färbung. — Durch dieses 
Verhalten lassen sich die beschriebenen Krystalle aufs Bestimmteste 
\oii Cölestin und Arragonit unterscheiden, womit sie dem äussern An- 
sehen nach einige Ähnlichkeit haben. — Das Vorkommen des ßaryt- 
spathes in jenem Dolomite war mir bis jetzt unbekannt , und meines 
Wissens ist desselben auch noch nirgends erwähnt worden. Er scheint 
übrigens darin ziemlich sparsam zu seyn , denn unter 29 Dolomit- 
Stücken, die sich bei verschiedenen Gattungen in meiner Sammlung 
befinden, habe ich nur auf sechsen kleine Partie'n von Barytspath wahr- 
nehmen können. 

Die Manchfaltfgkeit der in diesem sehr feinkörnigen, schneewcissen 
Dolomite vorkommenden Mineralien scheint mir so bemerkenswerth, 
dass ich mir erlaube, dieselben hier der Reihe nach aufzuführen und 
rwar von jenen , die sich in grösserer Quantität darin vorfinden, zu 
denen übergehend, welche nur in kleinen Partie'n vorkommen. 

1) Eisenkies: von Speis-gelber ins Messing-gelbe und Gold-gelbe 
übergehenden Farbe , seltener bunt angelaufen oder mit einer Rinde 
von Eisenoxyd -Hydrat bedeckt. Starkglänzend. Meist in kleinem und 
grössern krystalliiiiscben Körnern, aber auch häufig in stark gestreiften 



*) S. oben, S. 216, . D. R. 



— 328 ■ — 

und mehrfach entscheitelten Pentagon-Dodekaedern von Ä — li'" Durch- 
messer (Neu-<ScÄiü£f?Yx^r-Maas). 

2) Bitterspath in gclblicinvcissen krystallinisehen Paitie'n. 

3) Realgar in kleinen, aber zuweilen sehr schon ausgebildeten 
Krystallen und krystallinisehen Partie'u. 

4) Die metallische; dunkelbleigraue, glänzende, krystallinische Sub- 
stanz, deren chemische Kennzeichen ich im 5ten Hefte Ihres Jahrbuches 
für 1839 angegeben habe. 

5) Z-inkblende von Honig-gelber Farbe, zuweilen mit einem Stich 
ins Grünliche. Sie findet sich theils in krystallinisehen Partie'n, theils 
(wiewohl seltener) in deutlich ausgebildeten , halbdurchsichtigen Cubo- 
Oktaedern von ungefähr 1^'" Durchmesser und vorherrschenden Oktaeder- 
Flär;hen. An einem in meiner Sammlung befindlichen kleinen Krystalle 
lässt sich auch noch eine verwickeitere Kombination wahrnehmen, welche 
ich jedoch nicht näher xu bestimmen vermag. Zuweilen sind die Kry- 
stalle dieser Blende dun-h die vorhergehende Substanz verunreinigt und 
erscheinen alsdann schwarz. 

6) Quarz in ganz kleinen, durchsichtigen, wasserhellcn Krysf allen 
der Variete prifimee und in krystallinisehen Part'e'n. 

7) Barytspath (oben beschrieben). 

8) Glimmer von gelblich-brauner und lichte rothlich-brauner Farbe, 
meist nur in schmalen dünnen ganz kleinen Blättchen, selten in kurzen 
sechsseitigen Säulen. 

9) Auripigment in sehr kleinen Zitronen-gelben, zuweilen etwas 
ins Grünliche spielenden krystallinisehen Partie'n. 

10) Turm al in in ganz kleinen Krystallen von honiggelber und 
gelblichweisser Farbe; die ersten scheinen 9seitige Prismen zu seyn 
mit 3 Flächen des Grund-Rhomboeders zugespitzt. 

In meiner Sammlung befindet sich ein Stück schön krystallisirten 
Cordierit's von Bodenmais in Baiern, welches nebst Magnetkies, 
Glimmer, Albit, Quarz und Kupferkies, mehre ganz khine", .«ber sehr 
gut ausgebildete, schwarze, glänzende, nicht magnetische, stark ent- 
kantete regelmässige Oktaeder enthält, die ich fürPleonast halte. 
Meines Wissens ist dieses Vorkommens noch nirgends erwähnt worden. 

Nicht wissend, ob Castel bei Vicenza als Fundort des Apophyl- 
lits schon irgendwo angeführt wurde, erlaube i(h mir Sie zu benach- 
richtigen, dass ich ein Stück Mandelstein von dorther besitze, welches, 
nebst grössern und kleinern Chalzedon-Kugeln, Kalkspath und Analzim, 
kleine, aber sehr gut ausgebildete Krystalle von Apophyllit enthält. Es 
sind enteckte quadratische Säulen mit verkürzttr FTaupt- Achse , die 
desshalb Tafel - artig ersrlieinen, gerade wie Fij>. 78 in Ihren Grund- 
zügen der Oryktognosie von 1833. 

D. Fr. VViIer. 



329 



Neapel i 12. Deeemb. 1839. 

Von Ankona aus ging ich queer cluich die Apenninen nach Rom, 
mit dem kleinen Umwege über Rieti , um den nördlichen Theil der 
Ahrtizzen kennen zu lernen. In Ro7n sah ich die Sammlung des Mon- 
signore Medici Spada, die beste und am wissenschaftlichsten geordnete, 
welche ich bisher in Italien fand. Sie ist besonders für die Umgegend 
von Rom von höchstem Interesse. Sehr interessant für die sogenannten 
subapeiininischen Gebilde und die ihnen eigenthümlichen organischen Reste 
ist daselbst auch die Sammlung des Artillerie-Offiziers CiLiNDRELLr. Die 
iibrigeu Sammlungen, z. B. die der Sapienza sind keineswegs arm, aber 
schrecklich unordentlich und verwahrloset. Ausflüge in die Umgegend 
konnte ich, ausser nach Tivoli keine machen; denn meine Zeit war zu 
beschränkt, da mich der vorgerückten Jahreszeit wegen grosse Eile an 
den Ätna trieb. Ich ging durch die Pontinischen Sümpfe nach Neapel. 
Auch hier war mein erster Aufenthalt nur kurz. Ich sah Herkulanum, 
den Monte nuovo , die Tuff- Berge und Trachyte von Posilippo und 
Pozzuolif die dortige Solfatara, die Hunds - Grotte und den famosen 
Serapis-Tempfl. In Hinsicht des letztern bin ich nun einer ganz andern 
Ansicht als Arago und mehrere Andere, die annehmen, dass das Ter- 
rain, wqrauf der Tempel steht, sich gesenkt, unter dem Meere gestanden 
und sich wieder gehoben habe. Nichts, weder in der Umgebung des 
Tempels, noch in ihm selbst, im Verbände seiner Theile u. s. w, gibt 
Beweise an die Hand, wodurch sich diese zu kühne Hypothese recht- 
fei tigen Hesse. Alles deutet vielmehr darauf hin, dass der Tempel un- 
verändert an der Stelle blieb, wo mau ihn erbaute, dass aber das Meer 
anstieg, ihn in einer Höhe von wenigstens 4 Metern umgab und sich 
wieder zurückzog. Der hohe Stand des Meeres dauerte lange genug, 
dass die Pholaden die Säulen anbohren konnten. Diese Ansicht lässt 
sich sogar geschichtlich belegen ; denn der Cav. Niccolini gab hier 
dieses Jahr eine Schrift heraus, worin er die Höhen des Meeres-Niveau 
im Meerbusen, von Neapel in einem Zeit- Umfange von 1900 Jahren 
angibt und diese Angaben mit vieler Einsicht historisch begründet. Aus 
diesen Daten lässt sich die Wahrheit meiner Ansicht ganz genau nach- 
weisen, und beziffern. — Von Neapel ging ich zur See nach Palermo 
und Messina, bei welcher Gelegenheit ich dem rauchenden Stromholt 
nahe kam. Von Messina aus ging ich über Taormina nach Cittania. 
Auf dem Wege dahin sieht man Übergangs - Kalk wechselnd mit Thon- 
scliiefer als tiefste Ablagerung, bedeckt von Jura-Kalk, der in Sizilien 
eine sehr bedeutende Rolle spielt. Sonderbar ist doch dieses Zusam- 
mentreffen der Jura - Bildungen mit vulkanischen. So ist es in Syrien, 
in Griechenland, in Italien , in Si:zilien. Es scheint gleichsam, dass 
erste Gebilde in Bezug ihrer Struktur den Einwirkungen der vulkani- 
schen Kräfte besonders günstig sind. — In Catania fand ich zu meiner 
grössten Freude meinen alten Freund, den Baron Waltershausen, der 
schon seit mehren Jahren dort ist und von dessen mit ebensoviei 



— 330 — 

Sachkenntniss als Ausdauer unternommenen Forschungen wir ein glän- 
zendes Werk über den alten Ätna zu erwarten haben. Daselbst traf 
ich auch die Gemmbllaro's , der alte Mario ist leider todt , Maravigna 
und den Prior la Via, der eine besonders schöne Sammlung von Schwefel- 
Krystallen und Cölestinen besitzt. Mit Waltershausen stand ich am 
3ten November auf dem Gipfel des Ätna und blieb ein Paar Tage in 
der Casa inglese, von wo aus wir Exkursionen in das Valle del Bove, 
den interessantesten Theil des Vulkans machten. Der obere Theil dieses 
Thals ober Giannicolo und der Serra del Sulfizio mit dem obersten 
Theil der ConcaZTii, scheint wirklich ein Theil des ältesten Kraters des 
Ätna zu seyn , worüber ich Waltershausen sehr schöne Mittheilungen 
verdanke und von deren richtigem Gesichtspunkte ich mich selbst an 
Ort und Steile überzeugte. Der untere Theil des Thals ist zusammen- 
gesetzte Folge vulkanischer Erhebungen und vulkanischer Einsenkungen. 
Das herrschende Gebilde ist Pyroxenit , das alte, das Grund - Gestein 
des jetzigen Ätna, wechselnd mit Augit - reichen vulkanischen Tuflfen. 
Der herrlichsten Details sind unzählige. Bei Beschauung vieler Vulkane 
kann ich unmöglich weder der Ansicht , dass sie rein Folge der Erhe- 
bung, noch der, dass sie rein durch sich selbst, durch ihre Laven und- 
Auswürfe aufgebaut seyen , unbedingt beipflichten; ich glaube vielmehr, 
dass sie Resultate beider Wirkungen zugleich seyen; was man beson- 
ders schön am Ätna sieht. Über die ungemein grossartige Natur dieses 
riesigen Vulkans will ich das schon oft Gesagte nicht wiederholen ; 
man muss ihn sehen , um die Masse seines Eindruckes verstehen zu 
können. Von Catania aus besuchte ich auch die Cyklopen'ln&eXu. Nun, 
da kann doch kein vernünftiger Mensch die Emporhebung der tertiären 
oder eigentlich Diluvial-Mergel durch den Basalt läugnen, der sie nicht 
nur mit sich in die Höhe hob , sondern auch in die bei diesem Akte 
gebildeten Klüfte eindrang. Den Basalt dieser Inseln kann ich nur 
als den ausgehenden Kamm eines grossen mächtigen Basalt - Ganges 
betrachten , der die jungen normalen Fels - Gebilde durchbrach. — Von 
Cfftania ging ich nach Syrakns und von da über Noto, Terranuova 
und Alicata nach Girgenti. Unter andern waren für mich von vorzüg- 
lichem Interesse die sogenannten Solfataren, die ungeheuren Schwefel- 
Ablagerungen in den Gebirgen um Caltanisetta bis zur Käste. Die 
Gebirge des Innern gehören in diesem Terrain ausschliesslich dem Jura 
an. In den Ebenen und auf den Plateau's durchziehen Gang - artige 
Rücken dieses Gebildes das Gebiet , welches dasselbe selbst bildet, 
Reihen von aufeinanderfolgenden Hügeln darstellend, deren Gestein 
schon im äussern Ansehen eine merkwürdige Verschiedenheit von den 
übrigen Jura - Massen , besonders grosse Störungen des gewöhnlichen 
Schichten-Systems wahrnehmen lässt. An diese Hügel lagern sich, alle 
Kennzeichen lokaler Erhebungen wahrnehmen lassend , tertiäre Gypse, 
Thone, Mergel und Grobkalke an, und sowohl in diesen jungen Forma- 
tionen , als auch zwischen ihnen und dem Jura treten die ungeheuren 
Schwefel - und Steinsalz - Ablagerungen Sizilient auf. Der Jura zeigt 



— 331 — 

iibfrall in der Nahe dieser Lagerstätte eine bedeutende Verlnderung', 
ja auch er ist stellenweise in Gyps umgewandelt. Alles deutet darauf 
hin, dass vulkanische Kräfte hier die Gang artigen Jura-Züge und mit 
ihnen die tertiären Gebilde, welche sie bedeckten, erhoben haben. Die 
bei diesem Akte stattfindenden Ausströmungen schwefeligsaurer und 
schwefelsaurer Dämpfe gestalteten einen Theil des Kalkes zu Gyps um, 
und grosse Sublimations -Massen von Schwefel und Kochsalz setzten 
sich dort ab, wo sie Raum fanden. Diese Sublimationen lassen sich in 
die kleinsten Haar-Klüfte des Gesteins verfolgen, wohin doch schwerlich 
das Fleisch der Mollusken gedrungen seyn kann, aus dem sich nach 
Gemmellaro der Schwefel Siziliens gebildet hat. Die Schwefel-Massen 
sind hie und da ganz ungeheuer und wir haben solche bis zu 50 Fuss 
Mächtigkeit gesehen. Besonders interessant war es mir, und vielleicht 
ist diess nicht sehr bekannt, bei Alicata an einer Solfatara nahe der 
Küste als Grund - Gestein des Jura und der Jüngern Ablagerungen ein 
gelbes, splittriges, quarziges Feldspath-Gestein zu treffen, welches ich 
sonst nirgends in Sizilien sah , und welches mir daselbst die nächste 
Ursache der Erhebung der normalen Gebilde zu seyn scheint. Die 
Schichten des Jura stehen senkrecht darauf und sind sehr zertrümmert. 
Bei Girgenti sehen wir den altern Meeres-Sandstein über 1000 F. hoch 
ansteigen. Er besteht beinahe ganz aus Konchylien- Resten. Von Cal- 
taniseita kehrte ich durch die Gebirge nach Palermo und von da nach 
Neapel zurück. Die Liparen konnte ich leider der andauernd stürmi- 
schen Witterung halber nicht besuchen. Bei meinem zweiten Aufent- 
halte in Neapel nun machte ich mich an den Vesui^ und an den Somma. 
Diese beiden sind Ihnen ohnediess bekannt. Auflfallend war mir die 
grosse Übereinstimmung des Somma, des stehen gebliebenen Randes 
des alten Kraters, mit dem obern Theil des Valle del Bove, des Restes 
des alten Jl^/j/i-Kraters. Hier wechselt Pyroxenit mit Tuffen, und beide 
Gebilde werden durch mächtige Diorit-, Basalt- und Phonolith-Gänge 
durchsetzt, dort wechselt die alte Leuzit-Lava mit Tuflfen , und beide 
durchsetzen Gänge von Diorit-, Leuzit-Gestein und Basalt. Ich besuchte 
auf dem Vesuv ferner die Kratere von 1834 und 1794 : erste die 
schönsten Kratere, die ich je sah, wegen der ausserordentlichen Regel- 
mässigkeit ihrer Form, letzte interessant, da sie sich durch die Tuflfe 
des Vesuv''s öflfoeten , und durch die Kupfer-Sublimationen ihrer Laven. 
— Ich besuchte den Monte mwvo noch einmal und glaube mit Bestimmt- 
heit nachweisen zu können, dass er rein Folge einer Erhebung ist, dass 
er nie eine Eruption hatte; denn es ist nicht wahr, dass er Lava in 
seinem Krater wahrnehmen lässt, Alles ist Tuff, durchgehends Tuff, und 
der Krater ist entschieden ein Eruptions-Krater nach allen Bedingunji;i'n 
dieses Begriffes, ein Krater, der sich durch blähende Erhebung und 
Eiusenkuug in dem Tuff-Terrain bildete, welches dasselbe ist , wie das 
von PozzuoU und Posilippo. — Ischia , die Wunder- Insel , ist nächst 
dem Somma wohl der interessanteste Tiieil in der Umgebung von 
Neapel. Der ganze mittle Theil der Insel, der Kpomeo, besteht au» 



— 33^ — 

Bimssteiii-Tiiff. Derselbe ist »ings umgeben von Tracliyten. Zwischen 
ihnen und den Tuffen des Epomeo fanden die Eruptionen bis zum 
Jahre 1^01 Statt, welche die merkwürdige trachy tische Liiva lieferten. 
Die Trachyte haben die Tuffe sichtbar durchbrochen. Sie erhoben- sich 
zwischen ihnen und dem Grund-Gesteine der Insel, einem rothen festen 
Thone mit Versteinerungen der subapenuinischeu Zeit-Folge, daher sich 
folgert, dass die ganze vulkanische Bildung von Ischia jünger ist, als 
die subapenninischen alten Diluvien oder tertiären Ablagerungen. Nicht 
minder interessant sind die unzähligen warmen und kalten Mineral- 
Quellen der Insel. Von einer denkwürdigen Erscheinung auf Ischia 
wurde ich durch die Einwohner in Kenntniss gesetzt, von der ich frü- 
her nie gehört habe. In der Mitte Dezembers 1836 soll sich plötzlich 
ohne alles Geräusch ober den Bergen Marococco und Vico die Luft 



tionen daselbst leicht ihren Grund haben kann. 



RUSSEGGER. 



Turin, 1. Jan. 1840. 

In unsern Alpen gibt es viele Trichter - ähnlich gestaltete Empor- 
hebungen , welche ich den Erhebungs-Krateru verglichen habe. 
Nichts gleicht in der That mehr solchen Kratern, als die Ebenen von 
Muntienis , der Cul de la Vanoise ^ die Gegend um Mussa am Ende 
des L«/<20 - Thaies. Die geschichteten Fels -Arten solcher Stellen sind 
Kreis - förmig geordnet, und hin und wieder sieht man Serpentin her- 
vordringen. Die Rücken der nahen Berge zeigen sich in alpinischen 
Gegenden wie die erwähnten von tiefen Schluchten zerrissen. Alle 
Fels- Alten lassen Änderungen oder Umwandelungen wahrnehmen j 
Thonsthiefer wurde zu Glimmer- oder zu Talk-Schiefer u. s. w., Sand- 
slein zu Quarz -Fels, Kalk theils zu Gyps , theils zu krystallinischem 
Marmor. Der Gyps von ßlontienis und von la Vanoise steht mit weis- 
sem und graueiti körnigem Kalk im Verbände. Zieht man von diesen 
Orten eine Linie bis zu den Gesteinen der Tarentaise , so ergibt sich, 
dass der Kalk über dem sehr bekannten Lias von Petit-' Coeur liegt, 
welcher durch das seltsame Vorkommen von Belemniten mit Abdrücken 
von Pflanzen des Steinkohlen-Gebildes nicht wenige wichtige Diskussio- 
nen veranlasste. Dieser Kalk entspricht jenem von Villette in Taren- 
taise, dessen Brociiant in seiner Abhandlung gedenkt. Man hat neuer- 
dings darin Belemniten und Pektiniten entdeckt, sehr verschieden 
von jenen, die in den Lias Schichten derselben Gegend getroffen werden. 
Ich lasse jetzt einen Aufsatz drucken über die Klassifikation der Jura- 
Gebilde unserer Alpen. Sie werden sehen , dass ich den erwähnten 
Kalk und die ihn begleitenden Schiefer dem untern Oolith bei- 
zähle. Vielleicht scheint meine Ansicht gewagt; aber ich habe gute 
Gründe darauf zu beharren, Gründe entnommen aus den Lagerung»- 



— 33»') — 

und Mäclitif^keits-Verhiiltnlsspn. Der Kalk liegt nhor Llas, und unmit- 
telbar auf ilin folot eine Ablagerung:, vvelrhc meiner Meinung^ nach d«m 
Oxforder Tlion cntspriclit. 

A. SlSMONDA. 



Berlin^ 5. Febr. 1840. 

In dem ersten Hefte Ihres Jahrbuches von 1840 S. 90 lese ieh 
so eben, dass Brbithaupt sich geg:en Sic beschwert, dass , ungeachtet 
in Nalmänn's 1828 erschienener Mineralogie die Bemerkung stünde, 
dass nach Breithaüpt unter dem WERNER-schen Spr ö dglas - E r z 
eine wirklich hexagonal - krystallisirte Spezies befindlich seyn soll, und 
ungeachtet er selbst einige Jahre spater (soll wohl heissen Monate?) 
dieses hexagonal - krystallisirte S pr ö dgl a s-Erz unter dem Namen 
PI US in glänz (soll heissen Eugen glänz) in Schweigger's Journal 
bekannt gemacht habe , erst dreiviertel Jahr später diese Spezies als 
eine neue unter dem Namen Polybasit von Rose beschrieben sey^ 
ohne dabei auf die frühere Bestimmung Rücksicht genommen zu haben. 
Naumaism's Mineralogie mit jener Bemerkung erschien allerdings 
1828; die Vorrede ist vom -Tuli datirt, also wahrscheinlich zu Michaelis; 
die Abhandlung von Breithaupt über den Eugenglanz erschien aber 
erst im März-Hefte des Jahrgangs 1829 von Schwbigger's Journal. Im 
März -Hefte desselben Jahrgangs von Poggeindorff's Annalen erschien 
der Anfang und im April -Heft das Ende der Abhandlung von meinem 
Bruder, worin die Beschreibung und Analyse des Polybasits steht. 
Diese Analyse war aber nur ein Theil einer grössern Arbeit meines 
Bruders über die sämmtlichen in der Natur vorkommenden Verbindungen 
des Schwefel-Antimons und Schwefel-Arseniks mit den basischen Schwe» 
fel-Metallen, mit denen sich mein Bruder Jahre lang beschäftigt und die 
ihm viel Zeit und Mühe gekostet hat, ehe er den richtigen Weg für die 
Analyse so komplizlrter Verbindungen fand. Damit mein Bruder jene 
Arbeit möglichst vollständig machen und über alle ähnlichen Verbin- 
dungen ausdehnen könnte, die unter den Mineralien vorkommen, so 
untersuchte ich zu gleicher Zeit sorgfältig diese Mineralien auch in 
mineralogischer Hinsicht und fand dabei unter den für Sprödglas" 
Erz gehaltenen Mineralien jene neue Spezies, die sich durch die 
Winkel der Krystalle und das spezifische Gewicht von dem Spröd- 
ßla S-Erz, wie wir die Eigenschaften durch Mohs kennen gelernt hat- 
ten, unterschied. Ich gab diese meinem Bruder zur chemischen Unter- 
suchung, der auch die Analyse schon im Sommer 1828 vollendete. 
Später setzte ich die Beschreibung der Spezies auf, die mein Bruder in 
seiner Arbeit b«'kannt machte, und wobei er der neuen Spezies selbst 
den Namen Polybasit gab. Es war erst meine Absicht, ^ew sämmt- 
lichen Analysen meines Bruders eine Beschreibung der Stücke, worauf 
sie sich beziehen, vorauszuschicken, die aber durch die Vorbereitungen 
Jahrgang 1840. • 22 



_ 334 — 

zn meiner am lü. April 1829 angetretenen Sibirischen Reise ver- 
hindert wurde. 

Von der obigen Bemerkung in Naumann's Mineralogie konnte ich 
demnach nichts wissen , als ich die neue Spezies auffand, und ich habe 
auch nichts gewusst , als ich die Beschreibung für meinen Bruder auf- 
setzte, wie sich leicht erklärt, da sie in einem grössern Werke über 
Mineralogie steht, nicht in einem wissenschaftlichen Journale , wo man 
eher dergleichen Bemerkungen erwartet. Breithaupt's Abhandlung 
konnte ich aber auch bei der Abfassung meiner Beschreibung nicht 
kennen, da sie mit der meinigen gleichzeitig erschien. Wenn also Hr. 
Breithiui't sein Prioritäts-Recht geltend machen will , so kann es nur 
auf die hingeworfene Äusserung, auf das blosse „Soll", in Naumann's 
Mineralogie geschehen ; und die mir zu machenden Vorwürfe könnten 
sich nur darauf beziehen , jene Äusserung nicht gekannt und erwähnt 
zu haben. 

Verzeihen Sie, verehrtester Freund, diese Erklärung, die ich nicht 
liebe. Ich würde über diesen Gegenstand kein Wort verloren haben, 
denn dazu ist er zu unbedeutend, wenn nicht Hr. Breith^dpt dasselbe, 
was er Ihnen geschrieben hat, mir selbst bei meinem Zusammentreffen 
mit ihm in Teplit% im September 1838 mündlich geäussert und ich ihm 
nicht damals schon die obigen Erklärungen gegeben hätte. Ich glaubte 
daher , es jetzt nicht unterlassen zu müssen , mich darüber auch gegen 
Sie zu äussern. — 

Ich habe in der letzten Zeit in Poggendorff's Annalen mehre neue 
Üralische Mineralien beschrieben, die ich Tschewkinit, Uranotan- 
tal, Perowskit, Pyrrhit, Hydrargillit und Barsowit genannt 
habe. Ferner steht hier auch eine Beschreibung der grossen und schö- 
nen C hry sobe ry 1 1 ■ Krystalle , die ich durch Hrn. Ober - Bergmeister 
Kämmerer in Petersburg kennen gelernt und erhalten habe, der .vie 
auc!i bei der letzten Versammlung der Naturforscher in Pyrmont vor- 
zeigte; wie auch endlich eine Vergleicliung des Edwardsits und 
Monazits, die sehr wahrscheinlich ein und dieselbe Spezies sind. 

G. Rose. 



Czernowitz in Galizien, 9. Febr. 1840. 

Wie bekannt, liegt auf dem Granite der Podolisrh- Volbymschen 
Steppe zuerst Grauwacke und Thonschiefer in geringer Verbreitung, 
dann ein dunkler Kalkstein , von du Bois und Eichwald als Über- 
gangs -Kalk, von PüscH als Bergkalk bezeichnet, den der Alte 
Rothe Sandstein bedeckt. Am besten sieht man diese Gebilde in den 
tiefen Fliiss- Betten des Dniesters und seiner Neben - Flüsse , doch sind 
hier in Galizian Grauwacke und Thonschiefer wegen der höhern Lage 
des Flnss- Bettes nicht mehr sichtbar, sondern nur der Bergkalk, und 
weiter hinauf im Brxexyner und Stanislauer Kreise nur noch der rothe 



— 335 — 

Sandstein. Alle «liese Gohllde zoio;en horizontale Scbiclitun«;, ohne die 
^crin^ste Spur einer Hebung: oder Verwerfung. 

lu einer Entfernnn*^ von nicht g^nz 10 Meilen vom Dnh'ster er- 
scheint im Thale der Stic^awa der erste Karpathen-^aw^s,ie'm , bestän- 
dig nach S.O. fallend und daher nicht auf dem Glimmerschiefer der 
KarpatliPii , sondern auf dem Granite und den lJbergano;s- Formationen 
Podoliens aufgelagert. Aber das Fallen seiner Schichten ist immer sehr 
steil, häufig stehen dieselben fast auf den Köpfen. Wie lasst sich nun 
dieser steile Schichten -Fall mit der horizontalen Lagerung der keines- 
wegs entfernten Übergangs-Gebilde veieincn? 

Nach der herrschenden Theorie der Gebirgs-Emporhebungen müssen 
wir das erhebende Gebilde zwischen dem Karpathen - ^AXiAnitm und 
den Übergangs - Gebilden daher im 0. und N. der Karpathen suchen. 
Diese Stellen sind jetzt mit tertiären Gebilden bedeckt, und daher das 
hebende Gebilde nicht sichtbar, doch kann dasselbe nicht in grosser 
Tiefe liegen, denn die fast senkrechte Stellung des ftr/r/^^iA^w Sandsteins 
deutet auf keine grosse Entfernung der erhebenden Kraft hin , welche 
aus eben dem Grunde mehr von der Seite und nicht gerade von unten 
gewirkt haben 'kann, denn eine gerade von unten wirkende Kraft konnte 
die Schichten nicht so steil und nur nach einer Richtung anfrirhten. 
— Diese Kraft kann daher nur im O. und N. der jetzigen Karpathen 
gewirkt haben. Nun ist schwer zu erklären, warum eine aus der Tiefe 
kommende und nach einer Seite so stark wirkende Kraft, dass sie im 
Stande war, den mehre Meilen mächligeu Karpathen - SanAsitm fast 
senkrecht aufzurichten, und welche auf einen verhältnissmässig so ge- 
ringen Spielraum beschränkt war, auf die an der entgegengesetzten 
Seite dieses Raumes liegenden Gebilde nicht die geringste Einwirkung 
gehabt haben sollte. — Diese Erscheinung gewinnt noch mehr an In- 
teresse , weil das im N. der Karpathen belindliche Sandomirer IJber- 
gangs-Gebirge , welches ebenfalls das Grund - Gebirge des Karpathen" 
Sandsteins bildet, bei der Erhebung desselben gleichfalls gehoben ist, 
indem es nach Püsch ein beständiges Fallen vou 30 — 45*^ nach N.O., 
daher in einer dem Fallen des KarpathenS'AnA?^ie\ns entgegengesetzten 
Richtung darbietet, während das eben so nahe Pudulische Übergangs- 
Gebirge nicht die geringste Störung erfahren hat. 

Der Raum zwischen den Karpathen und den Podolischen Über- 
gangs-Gebilden ist überall von Kreide und tertiäien Gebilden bedeckt, 
welche sehr grosse lokale Verschiedenheiten darbieten, die irh jetzt nur 
kurz darstellen will, indem ich mir die weitere Ausführung vorbehalte. 
In d<»r Stadt Lemberg und in deren unmittelbarer Nähe liegt zuunterst 
Kreide - Mergel , in welchem die bezeichnende Terebratula carnea 
und Belemnites mucronatus sehr häuHg sind, jedoch auch Car- 
d i u m, P e c t e n , Nautilus, A m m o n i t c s , B a c u 1 i t e s , G a 1 e r i t e >, 
alle meist als Steinkerne, dann Pictepora und ausserdem noch andere 
schwer zu bestimmende Überreste, Steinkerne von Bivalven, vor- 
kommen. — Auf dem Kreide- Mergel Hegt ein grob- oder fein-körniger 

22 * 



— 33(5 — 

Sandstein nwt I. ucina Menardi Desh. , Nuf ula, Pecten Malvi- 
nae DU Bois , Pecten Lilli Pusch, Pecten brevianritus, Pano- 
paea Faujasii, Tellina, Isocardia cor, einer Terebratula und 
sehr häufigen S er pulen. Dieser Sandstein wird wieder von sehr 
snudigem Kalke bedeckt, der dem Grobkalke analog scheint, mit Schich- 
ten von rothbraunem Mergel wechselt und häufig die Ostrea navi- 
cularis Brocchi, kleine Patellen und Steinkerne von Cyprina 
islandica enthält. Zuoberst erscheint Flugsand mit Schaalcn von 
Ostrea navicularis und Knollen aus nicht näher bestimmbaren 
Korallen, wahrscheinlich Milleporen und Nulliporen. Auch ist in der 
Nähe im S.W. der Stadt ein Lager von tertiärem späthigem Gypse. 

Ganz anders verhalten sich die tertiären Gebilde in der Nähe von 
C%ernoivitz. Hier erscheint zuunterst ein tertiärer Mergel mit dünnen 
Braunkohlen - Lagern und Resten von Turbo und von Bivalven, 
welche jedoch ganz zerfallen sind, dann ein sehr feinkörniger quarziger 
Sandstein ohne Petrefakten, und zuoberst ein ausgezeichnet oolithischer 
Kalk (Grobkalk?). Die einzelnen Körner dieses Kalkes enthalten, wenn 
sie grösser sind, junge unentwickelte üuivalven , auch kommen in dem 
Kalksteine häufig Turbo und Turritelia vor. — 

Die Podolischen Übergangs-Gebilde sind bedeckt von Grobkalk, der 
häufig grosse Ostreen umschliesst , die jedoch mit dem Gestein fest 
verwachsen sind , und zu oberst von Gyps , in welchem sich durch die 
auflösende Kraft des atmosphärischen Wassers Trichter - förmige , oft 
mehre Klafter in Durchmesser und Tiefe haltende Vertiefungen bilden, 
die dem Lande ein eigenthiimliches Ansehen geben. 

Der Übergangs - Kalk erscheint immer sehr dünn geschichtet und 
getrennt durch dünne Lagen von Mergelschiefer, er enthält bei Zales- 
zczyki am Dniester kleine gestreifte Terebrateln und sehr kleine Ce- 
phalopoden , die dem Genus ßellerophon Montf. sehr nahe stehen, 
jedoch wegen der festen Verwachsung mit dem Gestein keine nähere 
Bestimmung zulassen, ferner die unter dem Nan)en Tentaculites 
annulatus bekannten Hölfsarme des Cy a t h ocri n it e s pinnatus. — 
Erst vor Kurzem entdeckte ich bei genauer mikroskopischer Untersuchung, 
dass dieser Kalkstein mit mikroskopischen i — \'" langen Krustazeen aus 
dem Geschlechte Cytherina Laivi. ganz angefüllt ist, welche in der 
Gestalt mit den unter dem gemeinsamen Namen Cypris f a b a bekann- 
ten übereinstimmen. — Der den Bergkalk bedeckende rothe Sandstein 
eniliält häufig Polyparien von verschiedenen Geschlechtern, die ich noch 
ni<tit bestimmen konnte. 

Alois v. Alth. 



Strasburg, 14. März 1840. 

Meine fortgesetzten Untersuchungen im bunten Sandsteine 'der 
Vogcnen erlauben mir, Ihnen hiermit einige Ergänzungen zur fossilen 



-_ 337 — 

Flora und Fauna dieses Gebilde« milzutheilen. Ich fange mit den Pflan- 
zen an: die Ur-FIora des Voyesns hatte seine Baum-Farne, obgleich 
der Strunk , den Ad. Bkongniart als solchen beschreibt und abbildet, 
nicht dahin gehört. Hr. Moüceot besitzt einen Abdruck von der Aus- 
senseite eines Farn -Stammes, welcher anCyathea arborea erinnert 
und einem Lepidendron nicht unähnlich ist. Ein anderes Exemplar, 
ebenfalls aus dem westlichen Vogesen-GteWÄxigOi und spezifisch identisch 
mit einem bei Gottenhausen im Elsass gefundenen Fragment entspricht 
einer zweiten Art. Diese zeigt auf der Strunk-Oberfläche keine quadra- 
tische, wie die erste, sondern langgezogene Hufeisenförmige Blatt-iNarben. 

Meines Wissens war bis jetzt noch kein eigentlicher Schaft -Ha In» 
im bunten Sandstein bemerkt worden. — Auch von dieser Gattung 
kenne ich nun zwei Arten aus dieser Formation. Eine derselben kann 
gigautisch genannt werden , obgleich sie nicht die Dimensionen von 
Equisetum columnare aus der Lettenkohle aufzuweisen hat. Der 
Halm mag gegen einen Zoll im Durchmesser gehabt haben. Die zweite 
Art ist kleiner mit anders gebildeten Scheiden. 

Die merkwürdigste Entdeckung ^ die ich glaube gemacht zu haben, 
ist die von Cyc ad een -Abdrücken. Obgleich ich im Ganzen bis jetzt 
nur drei Bruchstücke davon zu Gesicht bekommen habe, so ist dicss 
doch hinreichend, das Vorkommen zu beweisen. Die dici Exemplare 
gehören zwei Gattungen, nämlich Zamia (Unter - Gattung Zamites) 
und Nilssonia Ad. Bp^onginiart an. Von erster besitzt das Stras- 
burger Museum eine Blattspitze von Sulzbad stammend, von letzter 
hat mir Hr. Hogard zwei Abdrücke raitgetheilt , die er beim Saut-le- 
cerf in der INähe von Epinal aufgefunden hatte. 

Noch muss ich einer Pflanze Erwähnung thun, die das Strasburger 
Museum erst vor Kurzem von Sulzbad erbalten hat, und die gewiss 
einzig in ihrer Art ist. Es ist ein A e t h op hy 11 u m, das an Grösse und 
Schönheit alles Ahnliche, was ich bis jetzt gesehen habe, übertrifft. 
Der Stock ist 5' hoch und trägt an seinem obern Theile acht Ähren, 
von denen die Haupt- oder Terminal-Ahre , obgleich an der Spitze ab- 
gebrochen, über 7" misst. Die übrigen Ähren, von denen einige ganz 
vollkomnnen erhalten sind , messen zum Theil 6". An mehren Ästen 
sind die Ähren abgebrochen. Dass der Stock viel länger muss gewesen 
8fyn, geht daraus hervor, dass am untern Ende des Steines noch Ast- 
und Blatt - Spitzen sichtbar sind. Der Halm scheint voll gewesen zu 
seyn und ungegliedert. Letzter Umstand , so wie die Form der 
Aliren lässt mich glauben, dass die Pflanze zu den Cyperaceen ge- 
hörte. Die Form und Länge der Blätter erinnert an Sp arg an iura 
natans. Merkwürdiger Weise finden sich hie und da in den Ähren 
noch vollkommen erhaltene Samen I 

Meine Gattung Alber tia hat sich nun wirklich als zu den Koni- 
feren gehörend herausgestellt durch Auffindung des BlütiienKtandcs. Es 
bildet dieser ein zusammengesetztes Kätzchen CAmenfum compositum), 
an dem jede» einzelne Amentulum mit einem pcrsiwtirenden Deckblatte 



— 338 — . 

versehen ist. Ein Fragment eines Zapfens nebst Samen , welches in 
Ä«^2 gefunden wurde, glaube ich als Frucht einer Aibertia anneh- 
men zu können, da ausser den Voltzien mir keine sonstigen Koniferen, 
ein kleines unbestimmbares Zäpfchen ausgenommen, im bunten Sandstein 
vorgekommen sind. Auch mit dem Blüthenstande der Voltzien glaube 
ich im Reinen zu seyn. Unser Museum besitzt eine ziemliche Anzahl 
Koniferen -Kätzchen , welche ich keinen Anstand nehme, den Voltzien 
zuzuzählen. Über die Früchte der Voltzien herrscht kein Zweifel mehr, 
da dieselben mehrmals schon in Verbindung mit Ast<^hen gefunden worden. 
Auch den Samen zu denselben kenne ich jetzt. Über alles dieses wer- 
den Sie indessen Ausführlicheres in meiner Monographie der fossilen 
Pflanzen des bunten Sandsteins erfahren, von welcher noch vor Ostern 
das erste Heft mit den Koniferen und Cycadeen, von zahlreichen Ab- 
bildungen begleitet, erscheinen wird [vgl. S. 343]. 

Ich weiss nicht, ob Sie von Freund Voltz schon erfahren haben, 
dass nun auch im bunten Sandstein selbst, zu Stäzbad , ein Ammoui- 
tes triplicatus gefunden worden. 

Bei einer Nachsuchung, die ich letzten Sommer an dieser Loka- 
lität machte, wurde ich angenehm überrascht durch das Auffinden eines 
neuen fossilen Krusten - Thieres , nämlich eines wahren Apus! Diese 
Art ist beinahe so gross, als unser gewöhnlicher Apus can crif orm i s, 
und hat durchaus dieselbe Gestalt. Ich besitze ein Exemplar, welches 
vollkommen erhalten ist und an dem man deutlich die drei Augen auf 
der Stirn und die beiden langen Schwanzspitzen sieht. An einem Ab- 
druck von der Unterseite bemerkt man die Kieuien - Abdrücke. Von 
Füssen habe ich noch nichts gesehen. Der Schild war weich wie bei 
unserer Art. 

Ich bemerke noch, dass dieser Apus, den ich A. antiquus ge- 
tauft, in einer Schicht vorkömmt, die ganz übersärct ist mit Posidonia 
min Uta (wenigstens ganz älmlich). 

Vor ein paar Tagen bemerkte ich auf einem Pappel -Blatt aus der 
Wetterauer Braunkohle eine schön erhaltene Flechte (oder Pilze, wenn 
man will) aus der Gattung Hysterium, die einzelnen Livelleu stehen 
auffallend regelmässig immer in einem Halbkreis zusammengereiht. 

W. P. SCHIMPER. 



Heidelberg, 29. Nov. 1839 *). 

[Über Erz-Bildung in» bunten Sandstein bei Commern, 
Chessy und Bergzabern und über die verschiedenen Heidelber- 
ger Granit e.] 

In der Uten Abfheilung Ihrer populären Geologie S. 87 vermisse 
ich in Ihrer Darstellun«; des Bleibergs bei Commern in Rhein- Prettssen 
die Beachtung einer Thatsache, die ich überhaupt bisher nirgends 



*) Eiiiycl.tuli-n im I'ebruai lh40. D. R- 



— 339 — 

berührt sehe, Sie selbst erklären die geologischen Beziehung-en des 
dortigen Erz-reichen bunten Saudsteins für so eigenthüujlich , dass 
Sie dieselben einzig mit der Ku p fer-E rz-La ge r st ä tte bei C/iesf:y 
vergleichbar linden, da man sonst in allen Ländern vergebens nach 
ähnlichen Phänomenen suche. 

Die Ähnlichkeit beider Erscheinungen ist allerdings, bei aller Ver- 
schiedenheit, in hohem Grade bis ins Kleinste ausgezeichnet. Aus Lic- 
versbach z. B. besitze ich bunten Sandstein mit Malachit und Kupfer- 
Lasur, ganz wie er in Chessy vorkommt. Auf meiner lelzteii Reise an 
den Sieder-Rhein gelang es mir indess, von jenem berühmten Bleiherg 
des Eifel - Oehiei es Stufen zu erhalten, die eine Bildung verrsthrn 
ganz ähnlich jener, durch welche sich die denkwürdige Lagerstätte 
von Braun-Eisenstein im bunten Sandstein bei Bergzabern in der 
Rheinpfalz auszeichnen, von dem Braun-Eisenstein, der dort noch 
überdiess mit Bleiglanz vorkommt und häufig als Binde .ittel einzelner 
Sandstein-Kugeln und Knollen erscheint, gar nicht zu sprechen. 

Auch in jenem Bleibery hat sich unter dem Einflüsse nlutoiHsrher 
Gährungen , sey es nach oder, wie es scheint, noch w^liwuid. .'des FesTT 
%verdens der neptunischcn Masse, bunter Sandstein an buntem 
Sandstein gerieben. Das Gestein, plutonisch gehoben, bildet an 
eich selbst die schönsten Spiegel-Flächen gerade da, wo es am 
reichsten von Bleiglanz durchdrungen ist, so dass dor Bleiglanz 
in die Reibung hineingezogen erscheint. Daraus geht hervor, dass das 
Schwefel -Blei in den Sandstein vor jener Hebung eingedrungen war, 
durch w^elche jene Spiegel gebildet wurden. 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, Sie wieder an A&\\ bunten 
Sandstein von Pirmasenz zu erinnern, von welchem mir im J. 1839 
Hr. Prof. Brückner aus Neustadt an der Haardt Handstückc mit 
Spiegel-Flächen zuschickte, welche gleichfalls nur Reibungs-Flärhen 
des bunten Sandsteins au ihm selbst zu seyn scheinen , doch schöner 
und deutlicher noch sind, als z. B. der Spiegel, welche der Grün- 
saudsteiu der Ostrauer Mühle bei Schandau in der Sächsiachen 
Schiveitz durch das Aufsteigen der dortigen jungen Granite gewon- 
nen hat. Nicht also die Grenz-Masse und das Material der geriebenen 
Felsart allein, vielmehr die Art des Materials und die Art, die Stärke, 
Schnelligkeit etc. der Reibung entscheidet nächst der Temperatur über 
die Schönheit und Deutlichkeit der Spiegel. 

Im hiesigen alten Granit traf ich kürzlich in einem Bruche bei 
Schlierbach Gänge jüngeren Granits mit Spiegeln auf beiden Sei- 
ten und zugleich mit eingebackenen Trümmern des älteren: 
ein Vorkommen sehr begreiflicher und sprechender, wenn gleich seltener 
Art. Auf jenen Gängen mit D op pe 1- S piege 1 n hatte sich fast aller 
Turmalin ausgezeichnet und reich auf die Eine Fläche konzcntrirt. 
Diese eine Fläche war nichts als gequetschter Turmalin, der daher 
hier keiuegweg« die Form eines eigentlichen Gr cn z - Prod u k te s 



— 340 — 

hat: Er musste iu dem aufquellenden Granit offenbar sclivn entstanden 
seyu, ehe er eine Spiegel-Fläche bilden konnte. 

Auf der andern Fläche zeigte sich der Turmalin äusserst sparsam, 
doch gleichfalls gestreift, wie die ganze Fläche, nur nicht so schon, 
wie auf jener erst beschriebenen. Diese ist Reibungs - Fläche des jün- 
geren Granites am älteren. Bei der minder schönen Fläche aber war 
das anstehende Gestein schon weggebrochen, so dass ich nicht mit Be- 
»timmtheit sagen kann, ob nicht diese Fläche vielleicht nur Reibung 
des jüngeren Granites am jüngeren war. Nach der Physiognomie des 
Bruches im Ganzen scheint sie jedoch gleichfalls Grenz-Fläche gegen 
den älteren Granit gewesen zu seyn. Könnte man auch, was ich be- 
zweifle, dreierlei Granite daselbst unterscheiden, so wäre doch jener 
Granit jedenfalls nur der erste sogenannte Gang- Granit, d. h. nur 
der erste jüngere. Im Innern dieser Gang - Masse selbst ist aber we- 
nig Turmalin. 

Die eingeschlossenen Trümmer älteren Granits sind im jüngeren 
dicht au der Spiegel-Fläche. Der letzte hat sie beim gewaltsamen 
Aufsteigen losgerissen. Stark mit ihm verschmolzen sind sie ächte 
Belegstücke zur Beleuchtung des Grades der Hitze und Halb-Flüssigkeit, 
iu der die Masse beim Aufquellen gährte, als die Spiegel - Fläche sich 
bildete, ganz wie ich Ihnen früher'"') über die plutonischen Quarz- 
Gänge des chloritischen Talkschiefers im Taunus-Gebirge mich ausge- 
sprochen habe. 

übrigens sah ich vorigen Heibst (1839) im alten Gneisse der tSalz^ 
bürget' Alpen Erz- führende Granit-Gänge sehr quarziger Natur, das» 
man sie beinahe Quarz-Gänge nennen könnte, mit zahlreichen Spie- 
geln in der Art, wie sie nur sich bilden könnten, wenn die Masse in 
halbilüssigem, halberstarrtem und mehr und mehr erstarrendem Zustand 
in den kaum gebrochenen Rissen des eben durchsetzten Gesteins bei 
anhaltendem Pulsiren der Tiefe unter wiederholten Verschiebungen 
aufquillt und nachdrängt, sich also dabei gleichsam Lagen -weise ohne 
gleiclimässige Mächtigkeit und Richtung aufeinanderschiebt. 

Zum Schluss noch die Bemerkung, dass ich auch auf meiner letzten 
Rtise durch das Fichtelgebirge , BöAmeti , Österreich ^ Tyrol überall 
vermeintliche Schichtung, d. h. Lagen-weise Absonderung des Granits 
durcliaus nur am älteren Granit sah, der sich weit ausbreiten und 
allmählich und ruhig erkalken konnte: eine Thatsache, die sich auch 
hier in Heidelberg jenseits des Neckars, in der Nähe dos Haarlasseti 
in so weit bewährt, als man dort von Lagen - weiser Absonderung 
des Graniti sprechen kann, und wodurch sich unverkennbar und selbst 

•') N. Jalub. 1833, IV. S. 412 ff. Nach Fitzkov und Darwijv Nurratlve nf t/ie Sur- 
veyhijT J'oyiiges nf the Advunture und fieitgle, 1835) und nacli iuideien Reisenden 
zeigen sicli di« vor allen denkwüidigstfti öiihiz - Bildungpn plutonischcr Art auf 
den Fallclands - Inseln, wo sie durch das Kohlenschieter-Gebiii^e seUen sollen, 
wolcliea lei'jh ist auch an tliieiisctien Rt&ten jetit dort nicht mehr lebender (>i- 
i;.inikiiien. zum Belege des truher gleiclimasAigeren Klima's der EidObertläciic. 



— 341 — 

in Bezug auf die Gemengtheile des Granits, wie auf dessen Fenu die 
Ansicht bestätigt, die ich auch im Neuen Jahrbuche 1834, III, S. 256, 274 
gegen eine Hypothese Alexanders v. Humboldt auszusprechen mir er- 
lauben musste, nach welcher der Granit um so älter wäre, je weniger 
er geschichtet, je reicher er an Quarz und ärmer an Glimmer ist. Meine 
Beobachtungen führten mich durchgeheuds auf das Gegentheil. Auch 
im Gemenge des altern, stark geschieferten Gneisses sah ich den Quarz 
öfters als die anderen Bestandtheile zurücktreten. Vielleicht gilt diess 
vom Gneiss überhaupt, worauf früher einmal auch Boue schon ge- 
deutet hat. 

Ch. Kapp. 



Mitthciluiioeii an Professor Bronn gerichtet. 

Heidelberg^ 17. Nov. 1839. 

Meine Ansicht über den Ursprung der M ensch en-R ace u, 
deren Sie im Neuen Jahrbuch 1835, 11, 241 gedacht haben, verbreitet 
Mich mehr und mehr. Eine im verflossenen Jahre erschienene Broschüre 
eines Unbekannten'''), dem ich für seine freundliche Gesinnung Dank 
schulde , hat sie gegen die Anticipationen einiger baierischen Gelehrten 
gerechtfertigt 5 ein Ungenannter in den Hallischen Jahrbüchern 1839, 
N. 297 hat „eine kritische Darstellung und Würdigung derselben ver- 
^^prochen". Zu den Schriften , die sich mehr oder weniger den Grund- 
bestimmungen nähern, die ich über diese Verhältnisse entwickelt habe, 
geholt ein Versuch von C, Weerth : „die Entstehung der Meuschen- 
Rucen, Lemgo, Mayer, 1839". Auch C. Weerth erinnert z. B. an die 
bekannte, gleichwohl untergeordnete Analogie, dass die Verfärbun.g des 
mongolischen und kaukasischen Säuglings zum bleibenden Gelb und Weiss 
in gleicher Art, wie die des äthiopischen zum Schwarz vorschreitet. Die 
hauptsächlir-hsteii Missverständnisse, die meine Ansicht von Anderen er- 
fahren hat, beruhen darauf, dass man den Grund der Frage, statt im 
Innern der Sache selbst, in äusserlichen Nebenbeziehungen suchte, 
und bei Mangel an durchgeführter logischer Bildung die Begriffe von 
Ursache und Wirkung, von Grund, Veranlassung und Folge u. s. w. 
verwechselte. Die Ausbildung der Menschen - Racen und die im Allge- 
meinen konstante Natur derselben ist nämlich im menschlichen Organis- 
mus selbst , in seinem Zusammenhang mit der ganzen Geschichte der 
lirde begründet, mithin keine Wirkung**) einer bloss vereinzelten 



) Dr. Chr. Kapp und seine litterar. Leistungen, Leijjzi^ bei Bkockhaus und Mann- 
fieim bei Bosheimer, 1830, S. 40 ff. 
*• ) Nicht einmal alleinige Wirkung der damaligen Wärme -Veränderung, deren Be- 
dingungen im N. Jahrb. 1S34, 111, 299 ff. berührt sind. Vcrgl. die Abhandlung: 
iibfi die Q u e 1 1 »n - R c gio n von Marunb'td, im Jahrb. 1840, Heft 4. 



^ 342 — 

Erscheioling } vielmehr nur Eine der zablreichen, bestimmter gesagt 
der allseitigen, einander entsprechenden Folgen desselben Grun- 
des, auf dessen umfassende, damals über den seitherigen Stand 
der Dinge im Ganzen entscheidende Wirksamkeit nach verschiedenen 
Richtungen hin, unter bekannten Bedingungen'"') alle jene grossen, 
gleichzeitigen und gleich konstanten Veränderungen im organischen, 
wie im unorganischen Reiche der Erd-Oberfläche — jene mehr mittel- 
bar, diese mehr unmittelbar — zurückführen. 

Darüber habe ich mich ausgesprochen in meiner Schrift: Über den 
Ursprung der Menschen und Völker nach der mosaischen Genesis, 
Nürnberg bei L. Schräg, 1829^ besonders §. 143; in der Zeitschrift 
Athene (auch unter dem Titel: Vermischte Aufsätze von Chr. Kapp), 
Kempten bei Dankheimer 1832, H. I, S. 7, besonders H» II, S. 120 
— 128 und H. III, S. 168, wobei die Erklärungen S, 290 nicht zu über- 
sehen sind; ferner in der Hertha, Almanach für 1836, Kempten bei 
Danisheimer, S. 119, und im Neuen Jahrbuch 1834:, III, 295 fP. 

Die einzige sinnreiche Einwendung, die mir gemacht wurde, haben 
Sie, Verehrtester Freund, im Neuen Jahrbuch 1835, 241, wenn auch 
nur durch ein Frage - Zeichen angedeutet. Sie betrifft den bekannten, 
schon von Platon denkwürdig beachteten Mangel an An thropoüt he n. 
Auf diesen Umstand habe ich indess im N. Jahrbuch 1834, III, 297 ff., 
in der Athene II, 120 ff. und sonst nur darum bis jetzt bloss im Vor- 
übergehen mich bezogen , weil ich diesen wichtigen Punkt gerne aus- 
führlich behandelt hätte, wozu mir bis jetzt die Zeit gebrach. Die Ant- 
wort, wenigstens in Kürze, werde ich so wenig, als die Antwort auf 
die geistreichen Einwendungen einiger Anderen gegen meine Ansicht von 
der Schichten -Bildung schuldig bleiben; nur bin ich gegenwärtig mit 
anderen Arbeiten beschäftigt. 

Ch. Kapp. 



Paris, 28. Jänner 1840. 

Endlich ist der Druck meines Memoirs über B elopeltis vollendet. 
So nenne ich nämlich die Rücken-Schilde der Belemniten. ' Da man sie 
immer nur isolirt und von der Alveole abgesondert findet, so wird man 
schwerlich dazu kommen, ganz bestimmt sagen zu können , welcher 
Belemniten-Art diese oder jene Belopeltis-Art angehört habe '•")• Mehre 
Tafeln begleiten diese Abhandlung: sie steilen einige Belopeltis- 
Arten und einige verwandte Körper vergleichungsweise dar. — Auf 
andern Tafeln habe ich verschiedene Ap tychus-Arten aus der Familie 



*) Neues Jahrb. 1834. III, 295 ff., wo ich sowohl die Grund - Ursachen, als die Zcit- 
Gränzcn jener lange fortwirkenden Katastrophe angedeutet habe, deren umfassende 
Bedeutung periodisch nicht allein, doch vorzüglieh deutlich in der Allgemeinhert 
der gleichzeitigen Wärme-Veränderung begründet seyn dürfte. 

-<) V-l. UcENsTtUT im Jahrb. 183^, S. 156. ö. R. 



^ 34» — 

der Cornei dargestellt; den A. speciosus habe ich 5mal im Ammo- 
nites serpeutinus von Boll gefunden. 

Aus dem Dept. de VAin erhielt ich sonderbare Nerinäen. Die 
eine, N. bullata, sieht einerBulla ähnlieh; aber schon an dem tiefen 
Sinus, den die Zuwachsstreifung macht, erkennt man, dass es eine Neri- 
näa-Art ist, und beim Anschleifen erkennt man auch die Falten. Diese 
Art ist ganz glatt, und von der Spira sieht man kaum eine Spur. Die 
andre, N. in f lata ist einer Tornatella ähnlich, nur hat sie kleine Hockey 
auf der kurzen Spira. 

Mein werther Freund Schimper wird mit Mougeot nächstens eine 
Flora des bunten Sandsteins herausgeben ; die Tafeln sind w^underschön, 
in farbigem Steindruck ; einige davon waren vorigen Sommer in der 
hiesigen Kunst- Ausstellung zu sehen. Das wird ein interessantes und 
wichtiges Werk geben ! [vgl. S. 338]. 

Ich habe mit einigen Exemplaren von Spirula jüngst ein interes- 
santes Experiment gemacht: ich habe sie nämlich unter Wasser einem 
Druck ausgesetzt, welcher allmählich bis auf 20 Atmosphären gesteigert 
wurde. Schon bei 2 Atmosphären sah man das Wasser in alle Konka- 
merationen dringen (die Spitze am Scheitel war abgebrochen); bei 4 
Atmosphären ßelen die Schaalen zu Boden. Keine Luft kam inzwischen 
aus ihnen heraus. Als der Druck auf 20 Atmosphären getrieben wor- 
den, war die Luft in jeder Kammer auf ein winzig kleines Kügelchen 
reduzirt. Bei allmählich nachlassendem Druck sah man diese Kügelchen 
wieder wachsen, und bei 3 Atmosphären stiegen die Schaalen wieder in 
die Höhe und, als aller Druck weg war, sah man auch kein Wasser 
mehr in den Kammern. Ich werde diese Versuche fortsetzen *). 

VOLTZ. 

Turhii 14. Febr. 1840. 
Die aus dem Bulletin geologique entlehnte Angabe Ihres Jahrbuchs 
(1839, S. 622), dass ich die Lima gigan t ea Desh. zu Asti — in den 
oberen Tertiär-Bildungen •'•'*) — entdeckt habe, muss dahin berichtigt wer- 
den, dass sie von dem Turiner Berge — aus den mitteltcrtiären Schich- 
ten stamme. 

Ich habe eine Abhandlung über die tertiären Cancellarien Pie- 
monts, wo solche in Menge vorkommen , so eben beendigt und darin 23 
Arten beschrieben und abgebildet, von welchen 8 neu sind für die Wis- 
senschaft : 18 sehr interessante Varietäten bilden Übergänge von einer 
Art zur andern. Hier folgt das Verzeichniss derselben, worin A ■= Asti 
und T = Turin bedeutet. 
1. C. mitraeformis Brch. A. 3. C. varicosa Brgh. . . A.T. 

-• » labrosa « T. var. Taiirinia. 



■■■) Der Tod hat es wohl gehindert. D. R, 

«"•') Die Angabe lautet „im PiemoutesiscAen leitlär . Gebirge"; von ,,A$H" und „obein 
Tertiär Bildungen" ist nichts gesagt. D. R. 



— 344 — 



4, C. i n tc rni edia n. 
5. 



A. 

„ lyrata Brch. . . . Ä.T. 

6. „ spinulosa Brch.. . Ä.T. 

7. „ calcarata Brch. . . Ä. 
8 „ uniangulata (C. fu- 

sulus Bronn-, C. elegaus 
Gene; C. sublaevis Bell.) A.T. 
var. a. Taurinia. 
„ b. multicostata. 
9. C. acutangula Lmk. . T, 
10. yy nodulosa Lmk. . . A.T, 
var. a. hirta Brch. 
„ b. turrita. 
„ c. Taurinia. 
„ d. columellalaevi: 
C. laevilabris Bon. 
„ e. intermedia^ 
11.,, ßonellii M., C. pisca- 
toria Bon. non. Brch.. . A.T. 
var. a. Taurinia. 
„ b. varicosa. 

Von diesen 23 Arien kommen mithin 10 im Turiner Berge und zu 
Asti zugleich?, 7 im ersten, 6 an letztem Orte allein vor. Kein Autor 
hat bis jetzt mehr als die Hälfte dieser Arten miteinander verglichen 
iind beschrieben. Ich hoflfe durch meine Abhandlung Nufzen für die 
Wissenschaft stiften und die Arten genauer als bisher charakterisiren zu 
können , da es mir möglich war , von allen Arten und Varietäten eine 
grosse Zahl von Exemplaren zu studiren und so die Grenzen genau auf- 
zufassen, innerhalb welcher jede Art variirt. 

L. Bellardi. 





var. c. Dertonensis. 




12. 


C. e V u 1 s a Sow. . . 
var, T-aurinia. 


. r. 


13. 


yy cancellata Lk. . 
var. a. Taurinia. 
„ b. Astensis. 
yy c. Dertonensis. 


. A.T. 


14. 


„ contorta Bast. . 
var. Taurinia. 


. A.T. 


15. 


„ T a u r i n i a w. . . 
var. multistriata. 


. T. 


16. 


„ Bronnii n. . . . 


. T. 


17. 


„ s u l c a t a n. . , . 


. T. 


18. 


„ cassidea Brch. . 


. A, 


19. 


,^ scalaris /i. . . . 


. A. 


20. 


„ ampullacea Brch. 
var. Taurinia. 


. AT. 


21. 


yy umbilicaris Brch. 
var. Taurinia. 


. A.T. 


22. 


„ trapezium Bors. 


. T, 


23. 


» p 1 y g n a «. . . 


. A. 



Turin, 20. Febr. 1840. 
Seitdem ich meine S peci men z oophyto logiae habe drucken 
lassen, welches Sic (Jahrb. 1S3S, 614) günstig angezeigt, obschon Sie 
meine üubekanntschaft mit mehren mir unzugänglich gewesenen Autoren 
rügten und einige Berichtungen über meine A n ti pa thes- Arten gaben, 
die ich selbst S. 225 schon nachgetragen hatte, ist mir eine . grosse 
Menge fossiler Zoophyten aus dem Tortonischen zugekommen , die mir 
Veranlassung zu manchen weiteren Berichtigungen geben werden. Ins- 
besondere sind die Turbinolia obesa«., T. py r a mid a t a n. , T. 
, T. plicata n. und T. 1 2 cos tata Goldf. nur blosse Varie- 
täten einer und der nämlicheu Art. Einige derselben sind mit der Ba- 
sis aufgewachsen*;, andre nicht, und somit scheint auch Lamarck's 



'■■) Wie ich schon in Dieinen ^Italiens Tcrtiäi 
iw*chvviess. 



Gebilde ii" 



?on niehreieu Art«« 
Br. 



— 345 — 

Gesolileclit T u r b i n o I i a nicht sehr fest tu stehen. Inzwischen werde ich 
Ihnen über die weitem Veränderungen und Zusätze zu jenem Buche ein 
andermal ausführlicher schreiben. 

Was meinen Aufsatz „über die tertiären Bildungen Piemonts^^ in 
Ihrem Jahrbuche (1838, 395) betrifft, so habe ich nachträglich zu be- 
merken, dass seit dessen Abfassung Professor Sismonda sich unermüdet 
mit der Entwerfung einer geognostischen Karte Piemonts beschäftigt 
hat , welche sich durch ihre Genauigkeit auszeichnet. Der topographi- 
sche Plan , welcher vom Generalstab unsres Landes neulich vollendet 
worden , ist ihm dabei sehr zu Statten gekommen. Doch scheinen mir 
einige kleine Berichtigungen nothwendig zu seyn : wie in der Hügel- 
Reihe bei Turin die der Feldflur von Alhugnano, in der Nähe von Biella 
die einiger Subapeuninen - Schichten , und bei Tortona die Angabe der 
Kreide -Bildungen. — In der nämlichen Abhandlung habe ich einige 
BoNELLi'sChe Petrefakten-Arteu aufgeführt, die ich nun in Gemeinschaft 
mit meinem Freunde Bellardi in einer im Jänner d. J. von der Aka- 
demie der Wissenschaft gut geheissenen Abhandlung (in 4" mit 8 Tafeln) 
bekannt machen und Ihnen im Abdruck mittheilen werde. Übrigens ist 
S. 397 noch ein Schreibfehler zu berichtigen, nämlich statt „Zunge" ist 
Z, 8 „Gaumenzahn" („f?alato") zu lesen. 

MlCHELOTTI. 



Laufen im Canton Bern, 21. Febr. 1840. 

Mehre Gebirgsforscher unseres Jura wünschen ihre Dubleten an 
Versteinerungen und ihre Gebirgsarten gegen andere dieser Art zu ver- 
tauschen. Unterstützen Sie gütigst unser Unternehmen. Unsere Samm- 
lungen bestehen aus : 

1. Reihen der bezeichnenden Versteinerungen vom Lias an bis zur 
Kreide und Molasse. 

2. Reihen der bezeichnenden Gebirgsarten des Jura, auch einzelner 
merkwürdiger Gebilde und Lokalitäten insbesondere. 

3. Reihen aller uns zuständigen Versteinerungen theils in Natur, 
theils in Abgüssen, diese jedoch nur für seltene Arten und Pracht-Exem- 
plare, zoologisch geordnet. 

4. Auch Sammlungen von unseren lebenden Land- und Süsswasser- 
Konchylien, jedoch nur auf besonderes Verlangen. 

Dagegen bittet man sich ähnliche Sammlungen aus, besonders ganze 
Suiten irgend einer geologischen Region oder eines Terrains. Dubleten 
werden so viele angenommen, als nur beliebt, besonders jener Gebirgs- 
arten, die in der Sehweite fehlen, wie die weisse Kreide, die Deutschen 
und linlienischen Subapeuninen - Gebilde etc. Wir können solche mit 
Vorfheil weiter vertauschen ; doch immer nur in guten Exemplaren. 



— 346 — 

Muschelkalk-, Steinkohlen- und Bergkalk- Versteinerungen sind eben<> 
falls gesucht. 

J. ß. ScHMiDLiN, Professor. 



Bern, 2. März 1840. 

Der werthe Brief, den Sie mir gegen Ende vorigen Jahres geschrie- 
ben haben, enthält so viel Aufmunterndes und berührt so wichtige geo- 
logische Fragen , dass ich mich den ganzen Winter durch auf die Be- 
antwortung gefreut habd. Seitdem jedoch meine jetzt nahe bevorstehende 
Heise nach Italien beschlossen ist , finde ich überall noch so Vieles zu 
thun , dass ich für wissenschaftliche, ruhige Überlegung fordernde Ar- 
beiten niemals die gehörige Zeit finden kann. Eine solche, reiflich über- 
legte Arbeit, nicht einen flüchtigen Brief hätte ich Ihnen aber als Ant- 
wort auf die geäusserten Bedenken, die Entstehung des Granites be- 
treflfend, gerne für das Jahrbuch vorlegen mögen , da Ihre Zweifel von 
vielen unserer Kollegen gewiss in noch weit höherem Grade getheilt 
werden und es an der Zeit scheint, wenn nicht die Sache selbst, doch 
die Grundsätze ihrer Behandlung einer allgemeinen Erörterung zu unter- 
werfen. Indem ich aber für jetzt gründlicheren Untersuchungen ganz 
entsage, will ich doch nicht versäumen, Ihnen wenigstens meine der- 
malige Ansicht offen auszusprechen auf die Gefahr hin , später nach 
Anhörung der kaum fehlenden Einwürfe oder nach besserer eigener 
Prüfung dieselbe wesentlich abändern oder ganz aufgeben zu müssen. 

Nachdem die älteren Meinungen über den Ursprung des Granites 
und der krystallinischen Silikate überhaupt, dass es mechanisch gebil- 
dete Aggregate oder wässrige Niederschläge seyen , für immer beseitigt 
sind , kann nur noch über den Herd , in welchem jene Gesteine gebil- 
det worden , und über den ursprünglichen Stoß" derselben eine Diver- 
genz der Ansichten vorkommen. Es kann nämlich der Granit entstan- 
den seyn durch Metamorphose oder Schmelzung älterer Sedimente und der 
Herd nur in der äussersten Erdkruste liegen ; oder wir können ihn be- 
trachten als die erste fest gewordene Rinde der glühenden Erdkugel, 
als die Grundlage der ältesten Sedimente; oder es können auch, wie Sie 
in Ihrem Briefe darauf hindeuten , beide Arten des Ursprungs neben 
einander bestehen, so dass wir die jüngeren Grahite theils als neue Er- 
giessungen des unter der allgemeinen GranitSchaale immer noch flüs- 
sigen Urstoffes zu betrachten hätten, theils als Umwandlungs- Produkte 
von Sedimenten. Um nun sogleich auf Ihre Frage einzugehen , ob ich 
zwischen Urgranit und jüngerem Granit — zwischen dem Granit, der 
die Grundlage der Sedintente bildet, und dem durch Umwandlung ent- 
standenen einen Unterschied kennen, so beantworte ich dieselbe, sofern 
nur von mineralogischen Unterschieden die Rede ist, ohne Bedenken mit 
Nein. Ich weiss zwar sehr wohl , dass selbst eifrige Anhanger der 



— 34T — 

Umwnndliings- Theorie einen primitiven Gneiss oder Glimmerschiefer 
von einem durch Metamorphose entstandenen, einen Urgranit von einem 
jüngeren Granit sogar nach Haudstücken zu unterscheiden sich getrauen; 
zu solcher Fertigkeit fühle ich mir aber nicht die geringste Anlage, und 
alle diese Trennungen sind mir bis jetzt immer als ganz willkürliche, 
aus der zu grossen Beschränkung des Beobachtungs - Feldes hervorge- 
gangene erschienen. Wenden wir uns daher, bis ich eines Bessern be- 
lehrt werde, zu geologischen Charakteren, so muss ich einerseits das 
Vorkommen von Granit- Syeniten, Granit- Gneissen , Gabbro- Gesteinen, 
Gabbro- Schiefern , Talk- und Glimmer- Schiefern, die in Meilen - weiter 
Erstreckung ein Petrefakten-führendes Sediment -Gebirge bedecken, so 
wie die enge Verbindung jener Gesteine mit Sediment-Gesteinen durch 
allmählichen Übergang als beobachtete Thatsachen über jeden Streit der 
Meinungen hinausstellen und dann fragen, ob das Dogma, dass der 
Granit die allgemeine Grundlage aller Formationen, das eigenthümliche 
und ursprüngliche Gestein der Erde bilde , eben so sicher begründet 
seye? Man sollte es glauben, wenn man unsere Lehrbücher befragt 
oder in den schönen bildlichen Darstellungen der Formations -Folge die 
mächtige rothe Grundmasse betrachtet, worin der Name Granit deut- 
licher als alle anderen des Bildes sich hervorhebt. Bei genauerer Prü- 
fung ist es jedoch mit dieser Behauptung eine missliche Sache; sie kann 
nämlich, ihrer Natur nach, nur eben ein Dogma, ein Glaubens -Artikel, 
und nicht ein Gegenstand der Empirie seyn. Denn, mögen wir noch so 
viele Beispiele anführen , dass das tiefste Gesehene an zahllosen Punk- 
ten nicht Granit, sondern diese oder jene Steinart sey , so wird man 
uns entgegnen, dass der Granit immer noch darunter liegen könne; 
machen wir geltend, dass die meisten, genauer untersuchten Granit- 
Partie'n erweislich jüngeren Ursprungs seyen , als die ihnen auf- oder 
an-gelagerten Bildungen, so behauptet man, diese aufgestiegenen Granite 
bewiesen eben das Daseyn eines tiefer liegenden allgemeinen Granit- 
Stockes; wollen wir diese Folgerung auf alle massigen Gesteine ausge- 
dehnt wissen, um später der Umwandlungs-Ansicht ein freieres Feld zu 
gewinnen, so verlangt man, dass wir an eine unverhältnissmässig grös- 
sere Verbreitung des Granits, als aller Porphyre, Diorite, Serpentine, 
Trachyle zusammengenommen , glauben sollen. Alle diese Postulate 
stutzen sich aber in letzter Instanz auf die nothwendige Forderung un- 
seres Verstandes, den ersten Sedimenten eine feste Grundlage, den 
ältesten Meeren einen kalt gewordenen Steingrund zu geben ; und iii 
welchem Gestein, wenn nicht im Granit, sollten wir den Stoff zu jener 
Grundlage suchen ? Die Lehre stammt eben noch aus dem vorigen, 
philosophisfhcn Jahrhundert, das den Grund aller Dinge und also auch 
der Meere genau erforscht hatte , das über den Anfang der Menschen- 
Geschichte und der organischen Welt Rechenschaft zu geben so wenig 
verlegen war, als wenn man es über die Natur- Zwecke im Grössten 
und Kleinsten befragte. Weit nützlicher als Vieles, das die Geologen 
an den Wanden ihrer Studir- Zimmer aufhängen, wäre ihnen ab^r die 



— 348 ^ 

Zeichnung eines grossen Kreises mit richtig angegebenem Verhältniss 
des Erdhalbmessers zu der Dicke der uns zugänglichen Erdrinde. Ein 
Blick auf dieses Bild wäre für Viele von uns belehrender , als die An- 
sicht der bunten Profile von Webster und Nöggerath, und bei den 
Meisten wurde die Zuversicht, dnss es uns. gelungen sey , durch die 
stets wechselnde Oberfläche bis auf die ursprüngliche Erdmasse einzu- 
dringen, einen harten Stoss erleiden. Bescbeidet sich aber die Geolo- 
gie , wie ihre Schwestern , von den Urzuständen nichts zu wissen und 
vor den ältesten Sedimenten nur das Chaos zu kennen , so bleiben die 
vorhin erwähnten Thatsachen die einzigen Anhalts -Punkte unserer Er- 
klärungen. Wenn wir gewöhnliche Fucoiden - Schiefer und Macigno*- 
Sandsteine in Chloritschiefer , Serpentin und Gabbro übergehen sehen, 
so werden wir, bis neue Erfahrungen uns ein Anderes lehren , dieselbe 
Art der Entstehung auf alle Serpentine und Gabbro ausdehnen; und 
wenn, an anderen Stellen dieselben Schiefer sich in Glimmerschiefer 
und Gneiss umwandeln und, an noch andern, der Gneiss zu Gneiss- 
Granit sich verändert, so werden wir auch den Granit allgemein als 
ein Produkt der Metamorphose betrachten müssen. Dass der ausge- 
zeichneteste Granit in der Tiefe, in der Basis oder im Kern der krystal- 
linischen Schiefer vorzugsweise vorkömmt, wird uns keineswegs be- 
fremden : es ist die Stelle, die dem Produkt der vollkommensten Um- 
wandlung nothwendig zukommen muss. 

Obgleich ich aber den Übergang der Flysch-Gestelue in krystallini- 
sehe Kiesel - Verbindungen als eine Thatsache behaupte, bin ich doch 
weit entfernt , diesen Prozess auch erklären zu wollen. So wichtige 
Aufschlüsse uns die Chemie über viele früher räthselhafte Erscheinungen 
gegeben hat, den höheren Problemen der Geologie ist sie offenbar noch 
nicht gewachsen , und die Beobachtung ist der Theorie weit vorausge- 
eilt. Desshalb die Thatsachen läugnen zu wollen , wie es ja geschieht, 
heisst diejenigen nachahmen , welche die KEPLER'schen Gesetze verwar- 
fen , bevor Newton sie aus der Gravitation abgeleitet hatte. Es wird 
aber der Newton der Chemie noch geboren werden müssen, der auf geologi- 
sche Beobachtung gestützt das höhere Prinzip, dem die Stöchiologie der 
Alpen-Systeme sich unterordnet , aufzustellen vermag. Alle bisherigen 
Versuche dieser Art sind wenig glücklich gewesen, und der Grund des 
Misslingcns lässt sich zum Thcil errathen. Wenn ja nämlich unsere 
Elemente sich auf einfachere Grundstoflfe zurückführen lassen — und 
kein Chemiker wird das Gegentheil behaupten [?] — wenn ja unter 
dem Druck der ganzen Meeres-Tiefe und bei Temperaturen, die ausser- 
halb der uns bekannten Grenzen liegen, Kräfte thätig werden, von denen 
wir kaum eine Ahnung haben , so waren gewiss zur Zeit , da unsere 
Gebirge aus dem Meeres-Grund in die Region des ewigen Schnee's auf- 
stiegen , alle Bedingungen hiezu vorhanden , und die Erscheinungen 
und Prozesse, die jenes grossartige Ercigniss begleiteten, nach den Ge- 
setzen unserer Chemie beurthcilen zu wollen , muss ähnlichen Erfolg 
haben, wie wegn man in den Zeiten Gai.ii.ei's in den empirisch erbauten 



-- 349 — 

Fall-Gesctzen die Erklärung der planetarischen Bewegung gesucht 
hätte. IS'icht davon zu reden, dass wir uns in weit nachtheiligcrcr Stel- 
lung befinden, indem jene mächtigen Prozesse nicht, wie die Himmels- 
Erscheinungen, vor unseren Augen vorgehen, sondern nur aus ihren 
Spuren erkannt werden können. 

Man hat die Entstehung der krystallinlschen Stein-Arten aus Sedi- 
menten mit den Umänderungen verglichen, die von Trapp -Gängen im 
Nebengestein oder vom Schmelz-Feuer in den Ofen Mauern hervorgebracht 
werden, und daher angenommen, dass jede umgewandelte Gebirgs-Masse 
im Kontakt stehen müsse mit zu Tag gehenden oder verborgenen pluto- 
uischen Gesteinen. Hohe Temperaturen mögen allerdings in allen die- 
sen Prozessen wesentlich mitgewirkt haben , sonst aber scheint mir die 
Vergleichung stark zu hinken. Es ist oft genug schon angeführt wor- 
den, dass der meist nur auf eine Breite weniger Fusse beschränkte Ein- 
fluss der Gänge in keinem Verhältniss stehe zu der Umwandlung gan- 
zer Gebirge, dass ferner zur Erklärung jenes Einflusses unsere physi- 
kalischen und chemischen Theorie'n in den meisten Fällen Rath wissen, 
während Metamorphosen von Flysch in Gneiss oder Serpentin nur auf 
leere Hypothesen gestützt werden könnten. Die gänzliche Verschieden- 
heit beider Prozesse ergibt sich aber schon einfach aus der Betrach- 
tung, dass, wofern die krystallinischen Silikate aus Sedimenten entstanden 
sind , wir ihrer Einwirkung nicht die Umwandlung dieser Sedimente, 
d. h. ihre eigene Entstehung, zuschreiben können. Noch eine andere, 
bisher zu wenig beachtete Thatsache, scheint mir zwischen beiden Er- 
ichcinungen eine sehr tief greifende Trennung anzudeuten. Ganz un- 
vereinbar nämlich mit einem Kontakt-Phänomen scheint es mir, dass^ in 
den Alpen wenigstens, die Umwandlung vorzugsweise die äusseren und 
höheren Massen ergriflfen hat, während die inneren und tieferen sich 
beinah unverändert zeigen. Durch diese tieferen, oft mehr als Tausend 
Fuss dicken Massen wird die umgewandelte Stein -Art von denjenigen, 
deren Einwirkung man die Metamorphose zuschreiben möchte, gänzlich 
getrennt, ohne dass in der Regel etwa ein inneres verborgenes Auf- 
steigen der massigen Stein-Art in Gängen angenommen werden könnte. 
So bilden in den südlichen Alpen die Dolomite die höchsten Fels-Mauern, 
und erst über eine lange Folge geschichteter Sedimente, welche Petrefakten 
enthalten , steigt man zu den rothen oder schwarzen Porphyren hinun- 
ter. Und wie auffallend, dass da, wo wirklicher Kontakt stattfindet, wie 
bei PiU'dazzo , der Kalkstein nicht in Dolomit , sondern in salinischen 
Marmor übergegangen ist, gerade wie in Bündteni wo der Kalkstein, 
der an Serpentin anstösst oder davon umwickelt wird, stets frei ist 
von Talk-Erde, obgleich oft als deutliches Kontakt- Produkt weiss und 
durchscheinend, in grösserer Entfernung aber dasselbe Kalkstein-Gebirge 
mächtig nackte Dolomit - Stöcke bildet. In Bündten und Glarus zeigt 
eich der gemeine Fucoiden Schiefer überall als die mächtige Grundlage, 
die krystallinischen Schiefer, Hornblend - Gesteine, Syenit und Gabbro 
sind ihm aufgelagert. Im Bemer Oberlande hat die Umwandlung in 

23 



— 350 — 

weissen Marmor, Cipolhi und Talksrhiefor die obersten Lag:er des Hoch- 
gebirg-Kalksteins oder ält^rftij Jurakalks getroiFen, und in grösserer Ent- 
fernung von den Gneiss-Äl^jfn, dureh die über 10,000' mächtigen Systeme des 
Nummuliteu-Kalkes und der Niesen Kette davon geschieden, im Simmen^ 
und Saane-Thal sind es ebenfalls die oberston Massen des jüngeren 
Jura, die bald in einen kalkigen Cipolin , bald in rothe oder grüne 
stark eisenschüssige Sciiiefer umgewandelt sind ; unter diesen Schie- 
fern liegt ein mehrere Hundert Fuss mächtiger ungeschichteter, nach allen 
Richtungen zerspaltener, schuppig- körniger , heller Kalkstein, und erst 
in der Tiefe findet man den gewöhnlichen schwarzen Kalkstein: dicht, 
deutlich geschichtet, nicht organische Überreste einschliossend. Fast möchte 
man verleitet werden , an elektrisch-polare Prozesse zu denken , die in 
den höheren und äusseren Thcilen des Gebirges hervorgerufen wurden, 
während gleichzeitig die tiefste Grundlage desselben die Einwirkung der 
von unten her thätigen Agentien erlitt. Doch warum sollten die Wir* 
kungen eines solchen Gegensatzes sich auf die Alpen beschränkt zeigen? 
Neben der grossartigen räthselhaften Erscheinung der Metamor- 
phose ganzer Gebirge können die Tliatsachen , die man sonst Vorzugs-^ 
weise als Stützen der Hebungs Theorie betrachtet hat, nur eine unter- 
geordnete Stellung einnehmen. Der Bildungs-Akt von Alpen-Systemen 
ist wohl auch ursprünglich ein Phänomen, das sich wesentlich von den 
uns bekannten vulkanischen Prozessen, an die jene Thatsachen sich an- 
schliessen, unterscheidet, vielleicht aber über diese Prozesse selbst mehr 
Licht verbreitet. Wenn wir im Innern der ^^;?t'rt Sedimente in Serpen- 
tin übergehen sehen , der weiterhin Gänge bildet, Lava-artig überfliesst 
und Kontakt-Erscheinungen hervorruft , warum sollten wir nicht anzu- 
nehmen berechtigt seyn, dass in anrleren Gegenden, wo wir die Gang- 
Massen nur bis zu einem gen^einschaftlichen Stamm-Fels verfolgen kön- 
nen, die Verbindung dieses Stammes mit dem ursprünglichen Sedimente 
uns verborgen bleibe, weil eben nur in den Alpen die innerste Werk- 
atätte aufgebrochen erscheint? Wenn wir in Bi'indten und im Simmen*' 
TA«^ Kalk-Gebirge, die am einen Ende als ungestörte Lager-Folgen sich 
zeigen , gegen das andere hin von vielen Spalten zerrissen , dann in 
Breccien und Konglomerate übergegangen und als solche zu hohen Berg- 
Massen oder breiten Stöcken angeschwollen sehen, so liegt der Gedanke 
nahe, dass in Folge von subterraner Konglomerat- Bildung eine Aus- 
dehnung und Hebung des auf iltnen lastenden Bodens, oder eine Spren- 
gung desselben und ein Ausschütten der nicht Raum findenden Trüm- 
mer stattfinden könne. Dürfen wir aber mit grosser Wahrscheinlichkeit 
bei einer stöchiologischen Umwandlung der Gesteine eine noch weit be- 
dautendere Zunahme des Volumens voraussetzen, als bei einer nur me- 
chanischen, und findet vielleicht hierin die kaum zu übersehende Mäch- 
tigkeit der Glimmerschiefer- und Gneiss-Gebirge, die grosse Höhe zu 
der sie sich erheben und ihr Übergreifen über die angrenzenden Kalk- 
Gebirge, wie die Verschiebung dieser Kalk-Gebirge über die Molasse ihre 
EtklÄrUng, so muss es wohl cHnfachcr erscheinen, in dem Druck der 



— 351 — 

Wän<le auf die flüssig o-rwordencn Gostelne die Ursache des Hrrvor- 
tretcMS der Laven zu sucIhmi , als mit Cordier die gosanimtc fosle Erd- 
Scliaale in 13eweg:ung zu setzen , um den nocii flüssig-^eblifbenen Erd- 
Kern hervor zupressen. Eine so gi ossär tige Maschinerie miisste Resul- 
tate geben , nebea welchen unsere mächtigsten Lava-Ströme verschwin- 
den dürften. 

Von einer Theorie, die, wit; dirjenige der Umwandlung, Ansjjruch 
macht sich in der Wissenschaft eine bedeutende Stellung zu erringen, 
verlohnt es sich wohl, dass wir nach ihrem Ursprung und ihrer bisheri- 
gen Entwicklung fragen. Das Prinzip der Metamorphose wurde, wie 
CS scheint, olin« frühere Vorgänge zuerst am Ende des vorigen Jahr- 
hunderts durch KüTTorf aufgestcJit: es liegt nothwendig in dem Satze, 
dass alle geschichteten Stein -Arten nicht primitive, sondern aus der 
Zerstörung älterer Ftlsarten hervorgegangen und durch die innere Erd- 
Wärnie mehr oder weniger verdiclitet oder in krystallinisch-schieferige 
umgewandelt worden seyen. Den Granit betrachtete Hüttoiv, wie den 
Trapp, als eine aus dem Erd-Innern flüssig aufgestiegene Substanz, und 
das Vorkonmicn desselben in Schiciiten setzte ihn dahei- in Verlegen- 
heit. Auch haben sich seine Gegner vorzugsweise auf diesen engen Zu- 
samoienhang zwischen Granit und Gneiss geworfen , und das Natur- 
widrige beiden Gesteinen einen ganz entgegengesetzten Ursprung zuau- 
sehreihen mit Recht hervorgehoben. Diesen Einwurf beantwortet in- 
dess Pläyfäir bereits mit den Worten, die wir auch jetzt noch gebrauchen 
würden (§. 146 der lUustratiwis) , indem er annimmt, im geschichteten 
Grauit s<yen, wie im Gneiss, noch die Schichtungs- Absonderungen der 
ursprünglichen Sediment - Lager erhalten worden, während die Masse 
selbst eine Umwandlung durch Krysiallisation ihrer Theile einging, im 
massigen Granit aber auch diese Spuren weggeblieben. Playfair nahm 
daher bereits a' ?h an, dass der Granit selbst aus älteren Sedimenten 
hervorgegangen seye. Nach Wiedereröffnung des literarischen Verkehrs 
wit Etigland v-erbreitete« sich diese Ansichten auch auf dem Kontinent. 
Die im J. 1815 erschienene französische Übersetzung der lUustrations 
und die Schriften von Eooe (1818) und Necker (1821), welche beide 
sich vorzugsweise in Edinbiirg für Geologie ausgebildet hatten , mögen 
nebst deii Original- Werken von Macculi.och und der Gcological Society 
am Meisten hiezu l-.eigptragen haben. Allgemeinen Eingang fanden sie 
Jedoch erst, nachde«n die Herrschaft der WKBiVER'schen Geologie vorzüg- 
lich durch L. v. BrcHS (1822) berülimte Arbeit über Süd-Tyrol gänzlich 
gebrochen und das ursprünglich aus Italien herstammende plutoniscbePrin- 
jsip der Gebirgs - Theorie wieder in sein Recht eingesetzt worden war- 
in derselben Arbeit halte auch L. v. Buch eine , grosses Aufsehen er- 
regende Anwendung des Prinzips der Metamorphose gensacht und zu- 
gleich dasselbe, so wie die Hebungs-Theorie selbst, wesentlich erweitert 
durch die wichtige Rolle , die er den Sublimationen und der Kraft der 
Dämpfe anwies. Als im Sommer 1826 Merian und ich in den Glarner' 
Alpen herumatiegen j erinnere ich mich sehr wohl, dass die Entstehung 

23* 



von Gneiss und Glimmerschiefer aus Sediment-Gesteinen häufig Gegen- 
stand unserer Gespräche war, und in dem gedrängten Bericht, den ich 
über diese Reise in der „Zeitschrift für Mineralogie" gegeben habe, ist 
unsere damals gewonnene Überzeugung von der Richtigkeit jener An- 
sichten deutlich ausgesprochen. In diesem Bericht wurde zum ersten 
Male vielleicht der Übergang von sekundärem Schiefer in Glimmer- 
schiefer und Gneiss nicht als theoretischer Satz, sondern als beobach- 
tete Thatsache dargestellt ; eben so , wie früher L. v. Buch die Um- 
wandlung des Kalksteins zu Dolomit in der Natur selbst nachgewiesen 
hafte. Wir waren aber auch auf unserer Tour durch Glarus zufällig 
in eine- Gcbirgs- Partie gerathen , in der sich jene Umwandlung auffal- 
lender, als vielleicht irgendwo in Europa zeigt — wo an ausgedehnten 
Gebirgs -Wänden das Auge mit einem Blick alle Übergänge von dem 
Giauschwarz des G/ar«<'r-Schiefers durch Violet und Purpur bis in das 
lebhafteste Roth, und von dem Hellgrau des gemeinen Kalksteins bis in das 
ausgezeichnete Strohgelb des Dolomits verfolgen kann , — wo bei 
noch höheren Graden der Umwandlung am Kärpfstock in den bunt und 
glänzend gewordenen Scliiefern auch Quarz -Nester mit Drusen von 
Bergkrystall , Feldspath , Granat und Hornblende sich entwickeln, bis 
man von Gesteinen sich umgeben sieht, wie man sie am Gotthardt etwa 
oder in Chamounix gesehen hat. Um so überraschender, als man erst 
noch am Fuss des Gebirges in den Schiefer - Biüchen von Matt 
schwarze Schiefer mit den berühmten Fisch- Abdrücken als herrschende 
Stein-Art des Thal -Bodens beobachtet hatte, und auch am Süd-Abfall, 
wenn man vom Kärpfstock nach Eind-Thal hinabsteigt, unter den bun- 
ten Gesteinen bald wieder der gewöhnliche Flysch in grösster Mächtig- 
keit hervortritt. Um ein gewichtiges Zeugniss für die Treue unserer 
damaligen Auffassung anzuführen , erlaube it'h mir aus einem Briefe, 
niit welchem im August 1838 Elie de Beaumont mich beehrt hat, fol- 
gende Zeilen auszuschreiben : fai ru particiilierement , schreibt der be- 
rülimtc französische Geologe, taut Vannee derniere que cette annee les 
environti du Spit%meilen et du Murtschenstock , et fy ui reconnu avec 
un vrai plaisir tout ce que Vous avez decrit — il y a dejä 12 au 15 
aus — dans un memoire, que favois alors engage les redacteurs des 
Annales des sc. ä traduire et ä puhlier en fraricois. Vous avez Sig- 
nale la un des faits de metamorphisme les plus curieux et les plus 
eridens , que presentent les Alpes, et en meme tems un de ceux qui 
prouveut le mieux , combien ces pheuomenes sont modernes dans les 
Alpes, puisqu^une partie des rockes, qui les presentent , reposent sur 
le Systeme nummuliÜque. — Seitdem nun die Hebungs-Theorie die un- 
bedingt herjschende geworden ist, hat auch das so enge damit verbun- 
dene Prinzip der Umwandlung immer mehr Anhänger besonders unter 
denjenigen Geologen gefunden, die häufiger (Gelegenheit hatten? sich 
mit den krystallinisch-schiefrigen Felsarten zu beschäftigen. Sehr merk- 
würdige, den Bereich unserer Chemie ebenfalls weit übersteigende That- 
sachen hat in den Jahren 1826 und 1837 Keilhav aus den Umgebungen 



— 353 — 

von Chrialiania bekannt gemacht; doch betreffen dievselbcn mehr die ei- 
gentlichen Küntakt-Verhältnisse, als die Umwandlung im Grossen; auch 
wäre viellci(ht zu wünschen, duss Keilhau sich noch weniger, als 
geschehen ist, in eine Erklärung eingelassen hätte, weil die gelehrte 
Welt leicht mit einer Theorie, die ihr unhaltbar erscheint, auch die That- 
Sachen auf die Seite wirft, zu deren Erklärung die Theorie dienen sollte. 
Giösseren Einfluss gewannen die Ansichten, welche Bakewell in seinen 
Reisen (1823) und später mit noch genauerer Nachweisung der Thatsachen 
und Elie de Beauimont (1828) über die Umwandlung der sekundären Ge- 
steine der Tarentaise in Cipolin-Kalksteine und krystallinische Schiefer 
aussprachen '•'). Wie in den Alpen wurde ferner in den Pyrenäen das Prinzip 
der Metamorphose für Dufrenoy ein fester Anhalts-Punkt zur Erklärung 
der wichtigsten Verhältnisse ; und auch späterhin bis auf die neueste 
Zeit verging selten ein Jahr, dass nicht aus Gebirgen und Ländern, 
die früher gar nicht oder nicht in dieser Beziehung untersucht worden 
waren, neue Belege für unsere Theorie gewonnen wurden. In Italh'n 
bekennen die arbeitenden Geologen, Sismonda , Parhto, Guidoni, Savi, 
sich insi;<'sanniit zu dem neuen Glauben, und letzter zeigt sich in seinen 
neuesten Schriften sehr geneigt, die Entstehung des Serpentins und 
Gabbro's aus Macigno anzunehmen. Mit welchem Feuer Hoffmakn diese 
Ansichten aufgefasst hat , ersieht man aus Allem , was er geschrieben, 
vorzüglich aus seinen Arbeiten über Italien. Die Äpuanischen Alpen 
sind durch ihn eine klassische Stelle für die Lehre der ürawand- 
luog geworden. 

Sonderbar, dass, während diese in den Schriften von Hutton und 
seiner Schule nicht gerade in starkes Licht gestellten Ansichten sich so 
allgemein verbreitet höben , ein anderes Prinzip der Lehre Hutton'sj 
ungeachtet weit grösserer Einfachheit , so grosse Mühe findet , in der 
Wissenschaft die ihm gebührende Anerkennung zu erhalten. Ich meine 
eben den Grundsatz, dass die Geologie keinen Anfang der Dinge, son- 
dern nur den Kreislauf von neptunischer zu plutonischer Einwirkung 
und umgekehrt zu erkennen vermöge, dass in der uns zugänglichen 
Erd- Kruste nichts Primitives, keine ürfels- Arten, sondern nur frisch 
gebildete oder umgewandelte Trümmer- Gesteine zu finden seyen: ein 
Kreislauf der Materie, welchem wir nach neueren Entdeckungen den 
wohl eben so bedeutenden an die Seite setzen können, den sie vom 
Organischen in das Unorganische und von diesem in jenes durchläuft. 
Das ausgezeichnete Talent, womit Lyell die Lehre von dem periodi- 
Hchen Wechsel in der BeschaS'enheit der Erd - Oberfläche vorgetragen 
hat, und (Ut allgomoiiie gerechte Beifall, der seiner Arbeit zu Theil 
geworden ist, hat selbst in Emfland viele, sonst eifrige Anhänger der 
Metainorpliose niiht vcrn)ocht, den alten Wahn fahren zu lassen; noch 



) Von fla an vorzüglich war der Zauber, iinfer dem seit früher Zeit die höclisten 
Alpfii als die Erstgchonieii der Erde erschienen waren, für immer gebroclien, 
und wM ihm schwnnd auch da» VoviivHieil. dass aus der Stein-Art irgendwie auf 
die ßildungs Ep^rlie gesehlossen weiden könne. 



-_ 354 — 

wenigPF ist jenes Prinzip auf dem Kontinent durchgedrungen. — Ein 
grosser Theil der Schuld f.illt, wie ich glaube, auf die bisherige Be- 
handlung der Geologie in Lehrbüchern und Lehr- Vorträgen. Obgleich 
beinahe alle Grundlagen, auf welche Werwer sein System gestützt 
hatte, sich unhaltbar erwiesen haben, ist man doch im Allgemeinen 
Sfineni Gange im Vortrag der Geologie (reu geblieben , und diese Wis- 
senschaft trägt nach wie vor den Charakter einer Geschichte des Erd- 
Körpers. Mag man nun mit Wbrker von den Ur- Zuständen zu den 
ijcucstcn Bildungen fortschreiten , oder , wie es in neuerer Zeit mehr 
beliebt hat, denselben \Yeg rückwärts durchlaufen , immer verlangt die 
historische Darstellung einen Anfang und ein Ende als Zeit- Epochen, 
und man sträubt sich die Kapitel über tertiäre und sekundäre Forma- 
tionen ohne Schluss-Kapitel über primitive Gesteine zu lassen. — Wie 
aber, wenn über kurz oder lang die Wissenschaft, die gegenwärtig 
eine so laute Rolle spielt und sogar der ehrwürdigen Astronomie den 
Thron streiJig machen will , wenn die Geologie oder Geognosie im 
Staats- Almanach der Naturwissenschaften nicht mehr gefunden würde? 
So leid es mir um meinen eigenen und um meiner gelehrten Herren 
Kollegen Kurse der Geologie seyn muss, so fürchte ich doch, dass dieso 
traurige Mediatisirung sich in die Länge nicht werde abwenden lassen. 
Prüfen wir nämlich etwas schärfer die Rechts-Titel, welche die Geo- 
logie auf die bis jetzt ihr überlassenen Gebiete besitzt, so finden wir 
in dem Inventar zuvörderst die , lange , immer mehr sich erweiternde 
Folge der Formationen, als eben so viele Landes - Theile aufgeführt. 
Nach einstimmigem Urtheile sind die Fels-Arten in der Charakteristik 
dieser Formationen von ganz untergeordneter Bedeutung, und* diejenige, 
die sie noch aus der WERSER'schen Schule gerettet haben, muss immer 
mehr verschwinden, je mehr durch vielseitigere Behandlung die Forma- 
tionen ihre frühere Lokal - Farbe verlieren. Umgekehrt wird dagegen 
die Formations-Lehre sich desto reiner gestalten , je mehr man sie von 
allem Fremdartigen entladet, wohin ich Alles zähle, was sich theils auf 
die Fels-Art an sich, d. h. so fern sie nicht mit den organischen Cha- 
rakteren in engerer Verbindung ist , theils auf die von ihr erlittenen 
Umwälzungen, Umwandlungen u. s. w. bezieht, und je mehr man sich 
bestrebt, die Formationen .so aufzufassen und darzustellen, wie sie un- 
mittelbar nach ihrer Entstehung beschaffen gewesen seyn mögen. So 
aufgefasst fällt aber die Formations - Lehre nothwendig in das Gebiet 
der organischen Naturgeschichte und wird zu einer organischen Geo- 
graphie, die jedoch nicht nur die Jetztwelt, sondern auch die früheren 
und frühsten Entwicklungen des Organismus zu behandeln hätte. Was 
von Stein-Arten darin vorkommen kann, wird sich auf die Sand- und 
Schlamm-Bildungen reduziren , die wir in unseren Mooren, See'n und 
Meeren entstehen sehen, und welche weder grosse mineralogische Kennt- 
nisse, noch kostbare Sammlungen voraussetzen. Ein Werk, wie die 
Lethuea, vielleicht mit mehr Hervorhebung der organischen Bildungen von 
allgemeiner Bedeutung, Koralien-Ritfe , lufusorion , Torf u. s. w., tiud 



— 355 — 

allenfalls mit Lokal -Besclireibuugou der für jede Formation klassisch 
gewordenen Gegendon, z. B. des P/irwfT Beckens für das untere Ter- 
tiäre, Thüringens für die Zechstein-Gruppo, wird dem ßedürfniss besser 
ontsprochen , als dasjenige, was man in un^ereiv Geologie'n findet, 
deren Verfasser nicht Zoologen sind , sich daher vorzugsweise auf Be- 
schreibung von Fels- Arten und Lagerung« - Verhältnisse werfen und 
hiedurch Alles verwirren. Was nach Abtrennung der Formations-Lehre 
von unserer Wissenschaft noch übrig bleibt, hat schon in den neueren 
Lchrbücliern mehr und mehr die Haltung einer physikalischen Geogra- 
phie angenommen , und muss wirklich mit dieser Wissenschaft gane 
zusammenfallen. Die Wirkungen der Erosion und die Lehre von den 
Sedimenten als etwas für sich Bestehendes, von Allem, was in einer 
physikalischen Geographie uothvvendig damit verbunden ist, Getrenntes 
zu behandeln , ist unwissenschaftlich. Wie ferner die Sedimente durch 
Druck und Warme zu grösserer Festigkeit, eigenthüralichen Strukturen, 
neuen Farben u. s. w. gelangt seyn mögen, — wie sie durch stärkere 
Einwirkungen Metamorphosen erlitten , zum Tiieil geschmolzen wurden, 
— die Aufrichtung derselben zu Ketten, die Erhebung aus dem Meeren- 
Grunde , das iJervorpiesseu der geschmolzenen Massen in Gängen und 
Strömen, alle diese Momente der neuern Theorie können nur nach phy- 
sikalischen Methoden genügend vorgetragen werden und sind mit jener 
historisch - organischen Geographie durchaus inkongruent. In diesem 
Theile finden mineralogische Kenntnisse einen weiten Spielraum. 

Doch der Brief, der nur kurz seyn sollte, hat bereits alles Maas 
überschritten. — Von heute in vier Wochen reise ich direkt über den 
Mont Cents nach Turin, von da nach Genua u. s. w. 

B, Studer. 



Warschau, 17. März 1840. 

Als ich vor wenigen Tagen das letzte Heft Ihres Neuen Jahrbuchs 
von 1839 leider etwas spät erhielt , fand ich darin einen Brief von 
Freund Zipser über die Entdeckung einer Knochen-Höhle im Kalkstein bei 
Neusohly nebst der Angabe, dass er mit Zecschner zusammen in dem- 
selben Kalkstein einige Ammoniten-, Belemnitcn- und Pektiniten-Spezies 
gefunden habe. Er scheint sehr erstaunt, dass Zeuschner die soge- 
nannte Grauwacke und den Grauwackenschiefer in der Umgegend von 
Keusohl für Mergel und Kalkschiefer, den vermeintlichen Übergangs- 
JCalk für Lias erkläre. In Bezug darauf erlaube ich mir einige Be- 
merkungen zur gefälligen Mittheilung. Es gab freilich eine Zeit, wo 
mau den ganzen K<irpatheH-S andsttia für Grauwacke , und allen Kalk- 
stein an der Tatra sowohl als in) ganzen nördlichen und nordwestlichen 
Ungarn für Übergangs - Kalkstein ansprach, und als ich 1821 Ungarn 
bereiste und mit Hrn. Zipser zusammen die Gegenden von Neusohl, 
Kremnd^ , »"Svhem uitz Qic, besuchte, war ich ebenfalls noch in dem 



— 356 — 

Irrthuni befangen, den Kalkstein der Tatra, der Zips und im Gran- 
Thal möge zum Übergangs - Kalk gehören , obgleich ich damals nicht 
eine einzige charakteristische Versteinerung der Transitions - Zeit darin 
sah und mir wohl gestehen musste,'dass die schon seit lange für 
Grauwacke angesprochenen sonderbaren kalkigen und Feldspath-reichen 
Gesteine bei Neusohl und Herrengrund gänzlich von eigentlicher Grau- 
wacke abweichen. Sie sind wohl alle nur metamorphosirte Gesteine, 
umgewandelt aus höchst wahrscheinlich jugendlichen Flötz-Schichten 
durch die altern und Jüngern plutonischen Massen , welche , wie wir 
im Gran - Thal sehen , dieselben durchbrochen haben. Manche dieser 
umgewandelten Gesteine gleichen offenbar sehr den Kalkschiefern und 
Aen ehedem ebenfalls für altern Thon - und Glimmer - Schiefer ange- 
sehenen Schichten , die in den Schweit%er Alpen aus Gesteinen der 
jurassischen und Kreide-Bildungen ebenfalls nur durch Umwandelungen 
bei der Emporhebung der Alpen - Kette in der Tertiär - Zeit und noch 
später entstanden seyn können. Ich will jetzt gar nicht untersuchen, 
welches Alter dem in den Suhler Alpen und auch auf der Südseite des 
Gran-Thals auftretenden Schiefer- Arten zukommt; aber das ist sicher, 
Tclass ich in der ganzen Umgegend von Neusohl nur unweit Poinik an 
der sogenannten Bleiwianka einen Kalkstein gesehen habe , der wohl 
allein ein wirklicher Übergangs-Kalk seyn dürfte, denn er gleicht fast 
in allen seinen Verhältnissen dem Silurischen Kalkstein bei Miedzianka 
im Sandomirer Mittelgebirge zu auffallend ; und doch ist diess aus 
Mangel an Petrefakten noch nicht völlig entschieden. Die Zeiten aber, 
dass man die grossen Kalk-Massen des Gran-Thals , so wie die längs 
der Waag im Liptauer und Trentschiner Komitat noch für Transitionsf- 
Kalk ansehen sollte, sind längst vorüber. Ich wundre mich, dass Hr. 
Prof. ZipsER jetzt noch so erstaunt ist, das Alter seines vermeintlichen 
Transitions- Kalks durch Zeuscuner's Äusserung so sehr verringert zu 
»eben. Die Belemniten darin müssten ihm allein schon sagen, dass 
der Kalkstein nicht älter als Lias seyn kann , da kein einziger wahrer 
Belemnit in Schichten , die älter als Lias sind , bisher nachgewiesen 
werden konnte. Diese ßeleamiten , die Zipsepi jetzt mit Zeuschner zu- 
sammen fand, sind ja auch nicht die ersten, die dort von ihm aufge- 
funden wurden, denn aus seinem vor mir liegenden Briefe' an mich vom 
20. Nov. 1824 geht hervor, dass er mir schon damals ein Stück rothen 
Kalksteins mit wahren Belemniten aus dem Hermanetzer Thal bei 
Nensohl zusendete. Ich darf aber auch die Priorität für mich in An- 
spruch nehmen in Bezug auf die Bestimmung des Alters, auf welches 
jener Kalkstein Anspruch machen kann; denn gestützt auf jene Belem- 
niten und Ammoniten, auf das Vorkommen von wahrem Sandstein mit 
Kohlen -Plötzen und Zinnober bei Neusohl und Tajoiva in ziemlich in» 
nigem Verbände mit der sogenannten Grauwacke an den Hügeln von 
JXodvan bei Neusohl und mit dem ii^rrschcndeu Kalkstein der Gegend 
sprach ich schon 1828 in meiner „Goognostischcn Beschreibung von 
Polen^^ II , 53 aus : „dass auch im Gran -Thal die Kalksteine 



— 357 — 

mit den sie begleitenden Flötz-Schichten anderer Art der 
Karpathischen Kalk- und -Sandstein -Formation angehören 
dürften. Welcher Gruppe der Flötz - Gebirge aber diese angehört, 
habe ich in jenem Werke schon zu erweisen gesucht. Ob gerade der 
Hfrmanet%er Kalkstein dem Lias scharf entspricht , darüber mag eine 
genauere Prüfung seiner selten deutlich zu erlangenden Petrefakteu 
entscheiden, aber jurassisch im weitern Sinne ist er bestimmt. In der 
grossen Kette der Karpathen sind von Lias aufwärts bis zur untern 
Kreide alle Formationen angedeutet , aber wie in den nördlichen Fiötz- 
Alpen schwer von einander zu scheiden. Man ist auch viel zu weit 
gegangen, wenn man den herrschenden Karpathen- S^uAsiexn mit F u- 
coides Targionii und F. intricatus, gleich wie allen Macigno 
der Apennhißn nur für parallel mit Grünsand ansprach. Die untern 
Glieder des Karpathischen Flötz - Gebildes in der Gegend von Teschen 
stehen bestimmt dem obern Lias sehr nahe ; die eigentlichen Klippen- 
Kalke mit den sie einschliessenden Fukoiden - Sandsteinen nicht nur in 
Galizien, sondern auch in den West - Karpathen im Trentschiner Ko- 
mitat gehören nach ihren ausgezeichneten Petrefakteu nur dem untern 
und mittlen Jura an; die Pudhrogyer und Orluwaer Schichten am 
Wang-Thal mit Exogyra columba wohl der untern Kreide, und 
dieser reihen sich wohl auch die mächtigen sandigen Numn»uliten-Kalke 
der Tatra an. Im Gran-Thal ist der Kalkstein des Schlossberges von 
Windisch Liptsch und seine zerrissenen Felsen bis zum Einfluss des 
Libethner Bachs in die Gran unverkennbar derselbe Kalkstein, der die 
ani Granit steil aufgerit hteten hohen K^ilk- Alpen an der Nordseite dej* 
Tatra bildet , ein Kalkstein , der nur vom Alter des Jurakalks oder 
wohl gar der Kreide seyn kann. Wie an der Tatra verbindet sich 
nach oben mit iiim auch im Gran- Thal derselbe Nummuliten- Kalk auf 
dem berühmten Pfenningfeld zwischen Schloss Liptsch und Podkenie%^ 
derselbe, den Beudant selbst für Grobkalk ansprach. An Ubergangs- 
Kalk ist dort weit und breit nicht zu denkeu. Die Verhältnisse an der 
Nordseite der Tatra wiederholen sich genau wieder im grossen Längen- 
Thal der Liptau zwischen der Tatra und den Liptauer Alpen von der 
Kralowa hola bis zum Pass am Sturett ; sie wiederholen sich im 
Gran-Thal von Pohorella abwärts bis JXeiisohl und an den ganzen 
West-Karpathen vom Einfiuss der Arva in die Waag bis zum Granit- 
Terrain von Piising. Bedenken wir zugleich, wie Partsch vor einigen 
Jahren schon die Ansicht aussprach, dass auch in Siebenbürgen alle 
vermeintliche Grauwacke eigentlich nur dem /i//r/?i7t/t^7j- Sandstein an- 
gehören möge, so wird es im hohen Grade wahrscheinlich, dass inner- 
halb des grossen Gebirgs-Kranzes, welcher Ungarn und Siebenbürgen 
beinahe geschlossen wie der Rand eines grossartigen Erhebungs-Kraters 
umgürtet, kiium irgendwo ein waiirer Transitions - Kalk angetroffen 
werden mag; denn alle die mächtigen Kalk -Massen der West- und 
\ord - Karpathen , im Sohler und Gömvrer Komitat, in den Grenz- 
Gebirgen zwischen Siebenbürgen und Ungarn vom Sxnmvs- Thal und 



— 358 — 

Nugy Vorad bis zum Thal der Marof^, in den Siehenhiirgisch-Moldnuir 
sehen Gv^nz-Karpathfn vooi Borgo fast bis zum Uöza- yaas , von da 
im Fagarns%--GeW\i'ge bis zum Durchbruch der Donau im Bannat, in 
SUwonien und Kroatien und in der Berg -Kette des Uukonc} - IV^ilds 
gehören alle den Jüngern Kalk-Formalionen des Karpatidschfn Gebirgs- 
Systems an. Besonders scheinen, mit Ausnahme des verdächtigen Punk- 
tes bei Poinick, die Glieder der Silurischen Gruppe, so wie der Kohlen- 
Kalkstein , der Zechstein und Muschelkalk ganz zu fehlen. Was Beu- 
r»ANT für Magnesia-Kalkstein z. B. ha'i Agtelek ausgab, ist bestimmt 
kein Zechstein, sondern jünger. Einer genaueren Forschung bedarf es 
aber, ob an den Rändern der grossen sogenannten Urgebirgs - Masse 
(Granit, Gneiss, Glimmerschiefer) im Sohler, Zipser und Gömörer Komi- 
tat , nicht manche Schiefer mit zum Theil untergeordneten Kalk-Stratea 
dem Cambrischen System angehören dürften. Ich werde einige hier 
angedeuteten Ansichten in meinen hoffentlich bald zum Druck beförder- 
ten „Neuen Beiträgen zur Geognosie von PotV«", in den Abschnitten, 
wo ich von der wahren Lagerungs-Stella des Karpathischen Steinsalzes 
und der Erhebungs-Zeit des Karp^ithen- Systems spreche, etwas näher 
beleuchten. 

PUSCH. 



Darmstadt, 18. März 1840. 

Ich habe wieder schöne Reste aus dem Rhein erhalten, und aus 
unserem Diluvium den ersten vollständigen Kopf von Cervus gigan- 
teus nebst dem Schädel eines dritten Hirsches, der im Geweihe dem 
Edelhirsch sehr nahe steht. Von diesem habe ich Ihnen bereits die 
Zeichnung einer Stange eingeschickt [Tf. IV B, Fg. 3]. Auch über das 
Torf- Reh kann ich nun etwas sagen. Bei einem nähern Studium 
selbst der bekanntesten Diluvial-Thiere finde ich noch gewaltige Lücken 
auszufüllen. Ich werde daher noch in diesem Sommer eine Knochen- 
Fischerei im Rheine veranstalten. 

Aus Ihrem Jahrbuche 1839, S. 736 ersehe ich, dass Lartet mein 
Geschlecht Agnotherium in Anspruch nimmt, worüber Sie billig ihre 
Verwunderung durch ein [!] ausdrücken. In der That machte ich solches 
schon 1833 bekannt; den Namen Lartet kenne ich aber erst seit 1837. 

J. J. Kauf. 



Neue Literatur. 



A. ß ü c h e r. 
IS33. 

P. Savi: Osservazioni (/eoi/nostiche sui terreni antichi Toscani (Es- 
tratto dal No. LXIII del Nuovo Giurnale de^ Letterati) j Pisa 
[23 pp] 8** (Entdeckung' von Versteinerungen : Melania, Natica, Pec- 
teuj Terebratula, Entrochi im saliuisehen Marmor der Pisa?ier Berge). 

1835. 

C. Gemmelearo: Sopro i vnJcani estinti del Val di Nolo , memoria 
seconda (35 pp.) 4°. Catanta. 

1838. 

Ad. Brongniart: Histoire des vegetaux fossiles , Livrais. 13. Paris 

[vgl. Jahrb. 1838, 321]. 
(Dücatel): Annual Report of the Geologist of Maryland, 33 pp., 

[vgl. Jahrb. 1839, 561]. 

C. Gemmklläuo : Memoria sul terreno di Carcaci e di Troina (26 pp.) 4^. 

Catania. 
Cenno sulV attuale eruzione delV Etna (37 pp) 8®. Catania. 

D. D. Owen: Report on the Geology of Indiana 1837—1838. 54 pp. 
Wm. B. Rogers: Report of the Progress of the Geological Survey of 

Virginia, in continuation for the year 1838, Univ. Virg. 4°. 32 pp. 
[Jahrb. 1839, 702.J 

1839. 

J. R. Blum: Lithurgik, oder Mineralien und Fels- Arten nach ihrer An- 
wendung in ökonomischer, artistischer und teclinischer Hinsicht 
systematisch abgehandelt (VI und 501 SS. mit 3 Stahlstichen und 
63 eingedruckten Figuren), Stuttgart 8^. 

Al. Brongkiart: Premier memoire sur les Kaolins ou Argiles ä 



— 360 — 

Porcdlaine, stir la nnture , le glsement, Voriglne et Vemploi de 
cette Sorte d/nrgilf^^ Paris 4^ (62 pp. 6 pll. Extrait des Archives 
du Museum d'histuire naturelle) [vgi. Jahrb. 1839, S. 484]. 

J. Burr: Elements of practical Geolugy as applicable to Mining, En- 
gineering, Ärchitecture etc., wlth a comprehensive view of the 
Geoloyical Structure of Great Britain. New edition. London S^. 

C. T. Jackson: Third Annual Report of the Geology of Maine [Jahrb. 
1839, 561]. 

DoüGLAss Hoüghton: Geological Report on the State of Michigan , in- 
aontimration. 123 pp. 

Hüot: Nouveau Manuel complet de geologie, Paris 11^ [2,5 Fr]. 

W. W. Mather: Second Annual Report on the Geological Survey of 
the State of Ohio, Columbus. 

J. B. Mayer: der Asphalt des Val-de -Travers (Kanton Neuchätel) \n 
mineralogischer, geschichtlicher und technischer Hinsicht (64 SS. 8^). 
Koblenz [24 kr.]. 

W. H. Miller : a Treatise on Crystallography. Cambridge and London^ 
139 pp., X pll. 

[Naumann]: Geognostische Karte des Königreiches Sachsen und den 
angrenzenden Länder-Abtheihingen, Sektion VIT, 1 Blatt in Fol.; — 
und kurze [beschreibende] Übersicht der darauf dargestellten Ge- 
birgs-Verhältnisse, Freiberg, 6 SS., 8*^. 

P. Savi : Memorie per servire allo studio della costituzione fisica della 
Toscana, 210 pp. con 2 tavole in rame , Pisa S*^ (Parte prima: 
duo memorie geologiche , che un<i sn i terreni stratificati dipen- 
denti o annessi alle masse serpentinose della Toscana , e Valtra 
SU i varj sollevamenti ed ahbassamenti che hau dato alla Toscana 
la sua attnale configurazione , inserite in varj numeri del „Nnovo 
Giornale de lettcrati deW anno 1837^^ [84 pp.]/ — Parte seconda: 
äelle rocce ofiulitiche della Toscana e delle masse metalliche in 
esse contenute, memoria inserita in varj numeri del „Niiovo Gior- 
nale de' Letterati ann, 1838-1839'' [126 pp.]). 

(Seward): Geological Report on the State of New- York, continueä 
from the last pear , being State Document , communicated to the 
Legislature of the State by Gov. Seward, Febr. 27, 1839 (351 pp.). 

J. Pye Smith : Christianity and Geology. On the relation between the 
Holy Scriptures und some Parts of Geological Science. London 8® 
[vgl. S. 225]. 

Du Souch: Essai sur les recherches de houille dans le nord de la 
France, Paris 8^ [3,5 Fr.]. 

Report of the Progress of the Geological Survey of New - York for 
1839 [Jahrb. 1839, 562]. 

1840. 

J. SccTr BowEUBANK : a IJintory of the fossil Fntits and Seeds of the 
London Clay. London 8". Pait. I (6 Bogen Text und 17 Tafeln). 



36L 



B. Zeitschriften. 

1) Ann nies dt's Mines , ou Rccueil de viemoires sur l^ecc- 
ploitation des mines et les scieiices qui s'i/ r apportent, 
Paris 8*^ (va|. Jahrb. 1S39 , S. 704) enthält an hieher gehörigen 
Abhandlungen : 

1839; XV, II, p 167—496, pJ. iv-xiv. 

Chemie (Journal-Auszüge von 1838), S. 309—446. 

Dk Sknarmont: einige Beobachtungen über das Kreide - Gebirge im 

Atthe-He^i., S. 463—470. 
Hausmann: Geologische Notiz über das südliche Afrika, a. d. Deutsch. 

übers., S. 487—492 [Jahrb. ±838^ S. 181 — 187]. 

1839; XV, III, p. 407-794. 

Ebf.lmen: Elementar - Analyse einiger mineralen Bitumen - Arten , S. 

523 — 538. 
Zusammenstellung der Analysen von Mineral - Substanzen, die im J. 

1838 bekannt gemacht worden sind, S. 555 — 651. 

1839; XVI, 1, p. 1-254, pl. i— v. 

A. Paillette: Notiz über die Kohlen -Becken des östlichen Theils der 
Pyrenäen Kette, S. 149—176. 

1839 ; XVI, II, p. 255—544, pl. vi— x. 

LevAtLois : Note über einen Bohr Versuch zu Cessingen \m Grossherzog- 

thum Luxemburg, S. 295 — 298. 
J. Bonjean : chemische Geschichte der Mineralwasser von Aix in Sa^ 

voyrn, S. 299 — 356. 
Sc. Gras: Abhandlung über das geologische Alter der Anthrazit-führen- 
den Schieilten im Isere-Depart., S. 381—411 [vgl. S. 116]. 
A. V. HuiMBOLDx: geognostlsch - physikalische Beobachtungen über die 
Vulkane der Hoch -Ebene von Quito, a. d. Deutsch, übersetzt von 
L. Lalanne, S. 411 — 452 [Jahrb. 1837, 253 — 284; 1838, 638—664]. 
Haupt Resultate aus den Laboratorien im J. 1838, von 
Thirria und Ebklmen zu Vesoul, S. 453 — 469. 
Vene zu Curcassonue, S. 470 — 481. 
Baudin zu Clermont, S. 482 — 485. 
Saüvage zu Mezieres, S. 485—487. 
Paven zu Dijun, S. 488. 
Senez zu llllefranche, S. 489. 
Thieaüt zu Alais, S. 489. 
MoNTMARiN zu Angers, S. 489 — 490. 
L. DE Buch: „über den deutschen Jura", a. d. Deutsch, übersetzt von 
H. le Coc^, S. 491-510 [vgl. Jahrb. 1839, S. 339]. 

2) B. Silj.iman: the American Journal of Science and Arts, 
New-Haven, 8°, enthält an hieher gehörigen Aufsätzen : 



— 362 — 

1839, April; Nro, 73; XXXVl 1; S. 1-216. 

W. L. Marcy : Auszuge aus den geo!o;^ischen Berichten von 1837 und 
1838 über den Staat New-York , für die Versammlung zu Albauy 
1838, Febr. 20, S. 1—49. 

A. Eaton: Kieseliger oder Korniteu- Kalkstein als geologisches Niveau 
für die Staats-Geologen von Nciü-York und Pennsylvanien^ S. 61 — 70. 

J. Floyd: Bericht über den Wirbelwind vom 8. April 1838, S. 71 — 76. 

Ch. Upham Shepard : über das Meteoreisen von Ashvitle, Buncombe Co , 
N.C., S. 81 — 85. 

Ch. Daübeny : Noti?: über die warmen Quellen Nord- Amerika'' s ^ ein 
Auszug aus einer ungedruckten Abhandlung über die Geologie 
Nord-Amcrika's, S. 88 — 94. 

W. R. Johnson; Versuche mit zwei Varietäten von Eisen, welche aus 
den Magneteisen Erzen auf den Adiroiidack-Eisen-Werken fabrizirt 
worden sin<l, S. 94 — 106. 

J. G. Anthonit: Beschreibung eines neuen Fossils, S. 106 — 107. 

Ij. C. Beck: Notiz über Gediegen-Kupfer, Kupfer-Erze u. a. Mineralien, 
die in der Nähe von New - Brunswick , N. J. , gefunden worden 
sind, S. 107 — 115. 

L. C. Beck: Note über den Neu- Brminschweiger Tornado oder die 
Wasserhose von 1835, S. 115 — 118. 

W. CARPEN-ryER: Bericht über die Bituminisirung von Holz in der Men- 
schen-Zeit, S. 118—124. 

Jackson's Berichte über die Geologie des Staates Maine und über die 
Staats-Ländereien von Blaine und Massachusetts, S. 143 — 166. 

Miszellen: Analyse eines Mergels von Farmingtim ^ Cuim. , S. 176. — 
Fossile Fische im Rothen Sandstein, S. 186. — Volborthit, ein 
neues Mineral, Reklamation von M. A. Warder, S. 187: — Menge 
von Salz im Seewasser, S. 1S8 ; — Schädel von Mastodon gi- 
ganteum, S. 189. — Das Maaimout, S. 198. — Erd-Temperatur, 
S. 203, 204, (Erdman) 205, 210. — Chemische Zerlegung eines 
Slücks Gediegen - Eisen vom östlichen Ufer des Grossen- Fisch- 
Flusses in Süd-Afrika, S. 213. 

1839, Juli; Nro. 74; XXXVI, 2; S. 217-407. 

G. Bischof (Original-) Abhandlung über die Naturgeschichte der Vul- 
kane und Erdbeben, S. 217 — 230. 

Stüder: über zerstreute Fels-Blöcke, S. 325—332 ) aus dem Jahrbuch 

Wühler: über Kobalt-Erze, S. 332—335 j i838, 278 und 288. 

Shepard: Anmerkung zu letztrem, ib. Note. 

„ Notiz aus einem Bericht über eine erneuerte Untersuchung 

von E. HiTCHcocKS ökonomischer Geologie von Massachusetts} 
Boston 1838, S. 363—379. 

Miszellen (von uns schon anderwärts mitgetheilt). 

1839, Juli (bis); XXXVir, 1; S. 1-200. 

J. Green: Bemerkungen über Trilobiten, S. 25 — 40. 

„ Beschreibung eines neuen Trilobiten, S. 40—41. 



— 363 — 

Bischof: über Vulkane und Erdbeben, Fortsetzung (XXXVI, 217), 

S. 41-78. 

Daubeny: Antwort darauf, S. 78—84. 

E. F. Johnson: Berge in Neiv-Yurkj S. 84 — 90. 

W. Gailord : Beriebt über einen Tornado, S. 90 — 93. 

Berzklius: über Metoorstcine, aus dessen Jahres-Bericht, S. 93 — 100. 

J. Hamilton: Erd-Magnetismus, S. 100—104. 

W. Whewkll: über Eiikenberg's Entdeckung fossiler rnikroskopiscber 
Tbierchen. aus des ersten Jalires-Bericbt, S. 116 ff. 

E. C. Herrick : Bericl)t über ein Meteor in Connecticut vom 14. Dec. 
1837 5 und Bemerkungen über den Meteorstein - Fall von Westonf 
14. Dec. 1807, S. 130—136. 

Miszellen : Zinnober nicbt in Michigan gefunden, S. 185. — Meteor- 
Eisen von Potosi, S. 190. — Mastodon -Reste in Missouri, S. 191 
u. a. von uns schon gegebene Auszüge. 

1839, Od.; XXX VJI, 2; S. 201—407. 

E. Ttrner: Cbemiscbe Untersuchung des entzündbaren Gases aus den 
Kohlen Gruben bei iXeiv-Castle, S. 201 — 211 [aus Engl. Zeitschr.]. 

j. L. Rjddell: Beobachtungen über die Geologie der Trinily-Graf'schaf'ti 
Texas, auf einer Wanderung im April und Mai 1839, S. 211 — 218. 

"tV. WnEWELL: Jahrtags-Rede im Auszuge, S. 218 — 240. 

Chester Dewey : über den polirten Kalkstein von /?oc/j6'sf^r, S. 240— 242. 
„ „ über die Temperatur des Ontario-See^s , S. 242—244. 

H. Cii. Örsted: über Wasserhosen, S. 250 — 267. 

J. Bowring: über die Boraxsäure-Lagunen in Toscana, S. 270—275. 

Denison OiiMSTED : über den Tornado von IX&w-IIaren am 31. Juli 1839, 
S. 340—346. 

Miszellen. K. Porter: Geologische Notizen aus Asien, aus dessen 
y^Travrls in Georgia, Pnsia, Ärmenia, Bahylonia*^ etc., S. 347 — 
356. — Rosenrotht-r Giiiumer-Lepidoüth, S. 361. — Fossiler Stamm 
von Granton bei Bdinbitrg , S. 363. — Berendt's Untersuchungen 
übtT den Bernstein , S. 365. — Bronn Lethaea geognostica und 
Agassiz Echinod'rniata , S. 3G9. — Eindrücke von Regentropfen 
im Gestein, S. 371. — Megatherium, S. 371. — Warme Quellen 
S. 372. — Geologische Übersichten aus den Vereinten Staate??, 
S. 375—383. — Meteorstein -Fall in Missouri am 13. Febr. 1839, 
S. 385. — Explosionen in Amerikanischen Kolilen- Gruben, S. 387. 
— Relative Temperatur des Wassers im Saco river und der At- 
mosphäre in den Jahren 1837 — 1838, S. 389. — Jackson: über 
Beaumontit, ein neues Mineral, S. 398. — Mechanische Verflüchti- 
gung von Erden bei Destillationen, S, 398. 

3) Bulletin de la Societe geologique de France, Paris 8** 
(vgl. Jahrb. 1S40, S. 101). 

1839; X, 369—436 {Juni 17 — Sept 13). 
A. DE Luc : Blöcke in den Thälern der Montblanc -Kette , Fortsetzung, 
S. 369—375. 



— 364 — 

A. DE Luc Nachschrift über die Blöcke am Montblanc, S. 373—375. 

Leblanc u. Bodbee gegeil dessen Ansicht von den Gletschern, S. 375—378. 

Rafinesq^t7e : neue Geschlechter Nord- Amerikanischer Übergangs- 
Versteinerungen, S. 378—381. 

Rafinesq.ue: Notiz über die Versteinerungen des ÄA^r»taw- Thaies in 
den Alleghany-l^eviren, S. 381—382. 

Ausserordentliche Versammlung zu Boiilogne - sur - mer vom 
8-13. Sept., S. 385—456. 

A. D£ Luc: über die Steil - Abfälle , womit plötzlich einige Mineral- 
Formationen endigen, S. 387 — 388. 

C. Prevost: Bericht über den gemeinsamen Ausflug am 9. Sept. (oberste 
Oolithe) mit Diskussionen, S. 389—395. 

Greenough: Ideen über Ausfülirung einer geognostischen Karte, S. 
395—396. 

C. Prevost: Bericht über den Ausflug am 10. Sept.: Steinkohlen- 
Formation, S. 399—402. 

Du SoüicH : Bericht über den Ausflug am 11. Sept.: Kohlen- und Si- 
lurischer Kalk zu Hardinghen, S. 404. 

MuRCHisoN : Vergleichung dieser Bildungen mit den Englischen , S. 
412—419. 

Boubee: Figürliche Tabelle über die Mineral - Struktur der Erd- Kugel, 
S. 420—423. C. Prevost dagegen. 

H. Fitton: Erläuterung der geognostischen Karte des Theiles von 
England, welcher dem Bas-Boulonnais gegenüber liegt, S. 425 — 427. 

Bückland: über die Portland-Schichten mit Baum-Resten (das dirt bed) 
auf der Insel Portland, S. 128. 

C. Prevost dagegen, S. 429—430. 

MuLOT : Note über den gebohrten Brunnen zu Grenelle bei Paris, 
S. 431—432. 

C. Prevost: Bericht über den Ausflug am 13. Sept.: Oolithe zu Gri%' 
ne% und Marquise, S. 432—435. 

H. Fittok: Englische Formationen zwischen Kreide und Oolithej 
S. 436—446. 

H. Fitton: Übersicht der Schichten im Bas-Boulonnais unter der Kreide 
bis zum Silurischen System, S. 446—454. 

Erklärung von Tafel IV, zu diesem Ausflug gehörig, S. 455 — 456. 

4) The London and Edinburg P hilosophical Magazine and 
Journal of Science, third Series (incl. the Procee- 
dings of the Geological Society of London) , London 8* 
(vgl. Jahrb. 1840, S. 225). 

1839, Oct; XV, 4; Nro. 96, S. 257-336. 

Ch. Lyell: über die mit Kies und Sand erfüllten Röhren - förmigen 
Höhlen, sg. „Sand-pipes^^ in Kreide bei Norwich, S. 257—266. 

D.Williams: über die geologische Stellung der „Culm- and Plant' 
bearing Beds" iii Devon und Cornwall, S. 292—293. 



— ;i65 — 

1839, Nor,; XV, 5; Nro. 97; S, S37— 516. 

Proceedings of the Geulogical Society of London, April 10 
— Mai 8. 
D. Williams: über das lJberg:angs - oder Grauwacke-Syslem, so weit 

es in den Grafschaften Somerset, Devon und Cornwall zu Tage 

geht, S. 396 — 398. 
J. Si>:iTn: über das Klima der ncu-pliocenen Tertiär-Periode, S. 398—399. 
Cn. Lyell: Bemerkungen über einige fossile und lebende, von Kapt. 

Bayfibld in Canada gesammelten Konchylien, S. 399—401. 
RoEMER : über die Wealden-Formation in Nord-Deutschland , S. 401. 
Sedgwick und J. R. Müuchison: über die Klassifikation der altern 

Gesteine in Devonshire und Cornwall, S. 401 [S. 237]. 
R. A. C. ArsTEN: über die Struktur von Sud-Devon, S. 404—405. 
Mpller: über die Fisch-Schiefer von Cromariie, S. 405. 
Bowerbank: über die Formationen des London - und Tüpfer -Thones 

auf der Insel Wic/ht, S. 405—406. 
Atkinson : über Wurm - förmige Körper im glimmrigen Sandstein- 
schiefer der Kohlen-Formation in Northumberland, S. 406 — 407. 
Ch. Lyell: über das relative Alter des Crag in Norfolk und Suffblk, 

S. 407—411 [S. 114]. 

1839, Dec; XV, 6; Nro. 98; S. 417-496, 

C. W. Hamilton: über die Schicht-Gesteine in der Nähe von KilMrrii>y 

und Dublin, S. 442—447. 
W. Stark: Bemerkungen über Lyell'» Aufsatz (S. 257) über die sg. 

yfSand-pipes" in der Kreide, S. 455—459. 

5) Memoirs of the Wernerian Natural Bistofp S'ocietpj 

for the Years 1837—1838, VIII, i, Edinburgh 1839, enthält: 
J. Smith: über Veränderungen der relativen Höhe von Land und Meer 

in den Britischen Inseln. 
R. J. Hay Cünningham: über die Geognosie der Insel Eigg. 

6) Jahrbuch für den Berg- und Hütten- Mann auf das Jahr 

1840, ligg. von der königl. Berg -Akademie zu Freiberg (^ und 
223 SS. gr. 8^), Freiberg 1840. 



Jahrgang 1840. 24 



Auszüge. 



I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 

A. Levy: über den Haydenit und den Beaumontit, eine 
neueMineral-Art, welclie die vorige begleitet {VInstit. 1839, 
VII, 455 — 456). Ein Vortrag bei der philomatischen Gesellschaft in 
Paris, 14. Dec. 1839. Den Namen Haydenit hat Cleveland in seiner 
Abhandlung über Mineralogie und Geologie (Boston 1822) zuerst einem 
von Dr. Hayden in Baltimore entdeckten Minerale gegeben. Der Vf. 
entlehnt aus genannter Quelle die kurze Charakteristik des Minerals 
und bemerkt dann , dass alle späteren Autoren nur nach dieser von 
dem Minerale gesprochen. Brooke verbinde den Haydenit {Metropolitan^ 
Encyclopädie) mit dem Heulandit, ohne zu sagen, vresshalb. Dana 
in New • Haven (System of Mineralogy 1837) spreche gar nicht mehr 
davon. Der Vf. selbst habe nur 3 Exemplare davon gesehen, eines in 
Jardin des Plantes , welches Brongniart ihm näher zu untersuchen 
erlaubt habe; zwei andre habe Prof. Dumont von einem Pariser Mine- 
ralien-Händler gekauft. 

Auf dem ersten Handstücke bemerke man noch ein andres Mineral, 
wahrscheinlich dasselbe, welches Cleveland selbst unter dem Namen 
Zeolith als Begleiter des ersten angegeben, und wofür L. den Namen 
Beaumontit vorschlage. 

Der Haydenit ist regelmässig krystallisirt in Form kleiner schie- 
fer rhombischer Säulen, an welchen die Neigung der Seitenflächen ge- 
gen einander 98^22' , und die der Grundfläche auf jede Seitenfläche 
95^5' beträgt. Die Krystalle sind oft Zwillinge (macles). Die Dre- 
hungs-Achse, um welche einer der zwei Krystalle, um den Zwilling zu 
bilden, sich um 180^ gedreht haben müsste, ist senkrecht auf die Basis 
der Grundform, und die Fläche, nach welcher beide zusammengewach- 
sen sind, ist parallel zu dieser Basis. Die Krystalle sind ausserdem 
so enge mit einander verbunden, dass nur ein kleiner Theil von jedem 
frei bleibt. Modifikationen hat der Vf. nicht beobachtet. Spaltbarkeit 
gleich leicht parallel allen Flächen der Grundform ; aber die Spaltungs- 



— 367 — 

Fläche Ist manchmal unterbrochen durch kleine dunkle Punkte, als ob 
die Substanz einen Anfang- ron Zersetzung erlitten hätte. Die Krystalle 
sind «gewöhnlich von einer kleinen Schichte Eisenhydrat bedeckt, die 
sich aber mit dem Federmesser leicht beseitigen und dann so glänzende 
Krystall - Flächen hervortreten lässt , dass eine Messung mit dem Wol- 
LASTo'schen Goniometer n)ö^lich wird. Bräunlich- oder grünlich-gcIb; 
durchsdieinend bis durchsichtig; durch eine Messerspitze leicht ritzbar 
und leicht zerreibbar: Härte fast so gross wie beim Flussspath ; Eigen- 
schwere . . . . ? 

Der Beaumontit bildet kleine Perlmutter-glänzende quadratische 
Säulen, welche stets an beiden Enden in stumpfe Pyramiden ausgehen 
und diclit aneinander liegen. Mit dem VVoLLASTON'schen Goniometer 
gemessen sind die Flächen der End - Pyramide zu den Seiten - Flächen 
der Grundform unter 132^ 20', und gegen einander selbst unter 147*^ 
18' geneigt: während die Berechnung aus erstem Winkel den letzten 
zu 147*^ 28' ergeben würde. Eine Randkantc verhält sich daher zur 
Seitenkante ungefähr wie 23: 10, und das krystaüographische Zeichen 
für eine Fläche der Pyramide würde b* seyn. Die Krystalle spalten 
sich leicht zu drei SeitenHächen der Grundform, aber leichter parallel 
zu einer, wciclie eigenthümlich Perlmutter-glänzend ist, als zur andern; 
auch zeigen sich Spuren von Spaltbarkeit nach der Diagonale der Grund- 
form. Das Mineral ist weiss-gelblich , durchscheinend , harter als der 
Haydenit und fast so hart als Flussspath. 

Beiderlei Krystalle bilden eine Schichte, deren glänzende Theilc 
Beaumontit, die mit bräunlichem Eisenhydrat bedeckten aber Haydenit 
sind, und welche eine körnelige Felsart überzieht, die selbst gros« 
sentheils aus Körnern von Quarz und Haydenit besteht. Die andre 
Fläche des Handstückes ist mit kleinen flarhea und langen Prismen 
grünen Amphibols bedeckt. 



C. T. Jackson zu BoHon hat von den Kupfer-Gruben zu Chessy in 
Frankreich ein neues Mineral mitgebracht und es für ein Natürliches 
„Crenated Hydro-Silicate of Copper" erkannt. Es besteht aus: 

Kieselerde ... . 0,210 \ 

Kupferoxyd .... 0,468 1 

Crenic Acid .... 0,158 1 100. J. nennt es Beaumontit (Sil- 

Wasspr 0,100 !> lim Amer. Jourii. 1839, XXXVlIy 

Alaunerde ) i 398). 

Eisrnoxyd i ' ' ' ^'^^M 

Koiiiensäure .... Q^QIOj 



J. T. Jackson: Analyse des Indianischen Pf e i fen s te i n s oder 
C a 1 1 i n i t s vom Coteau du Prairie (Silhiw. Americ. Journ. iSSff, 

24* 



— 3(58 — 

XXXVII , 393 — 394). Diesen Pfeifenstein entnahm Catlin , der be- 
rühmte Abzeichner iler Indianer nncl nach ihrer Versicherung der erste 
weisse Mann, welcher diesen Ort besuchte, aus dem Bruche im Coteau 
du Prairie. Seine Lager sind von polirtem Quarzfels überdeckt, iu 
welchem man Reliefs wahrniinrnt, die von Menschenhand herzurühren 
scheinen , aber von den Indianern für Spuren des Grossen Geistes er- 
klärt werden. Gewöhnlich bezeichnet man dieses Mineral als Speck- 
stein, was es aber niclit ist. Es ist härter als Gyps und weicher als 
kohlensaurer Kalk. Jackson schlägt vor, es Catlinit zu nennen und 
findet seine Zusammensetzung = 
Wasser ..... 0,084 



Kieselerde . . . . 0,482 

Alaunerde . ,. . . 0,282 

Talkerde ..... 0,060 

Kohlens. Kalkerde . 0,026 

Eisen-Peroxyd . . . 0,050 

Mangan-Oxyd . . . 0,006 



0,990, mithin 0,010 Verlust, wahr- 
scheinlich an Talkerde. 



G. ü. S^EPARD : über die zwei von Scheerer und Wöhler be- 
schriebene Kobalt- Erze im Jahrb. t838 , 326 und 288 (Sillim. 
Amer. Journ. 1839, XXXVI, 332—334, Note). Scheerer's Kobalt- 
haltiger Arsenik-Kies ist ohne Zweifel dasselbe Mineral, welches J. F. 
Dana im J. 1824 zu Franconia , N. H. , nachwies (Silum. Journ,, 
VIII, 301) und A. A. Hayes 1833 ebenfalls beschrieb {ib. XXIV, 387), 
indem er den Namen Danait dafür vorschlug. Nach Dana kommt es 
in Krystallen vor, welche jenen des Mispickels analog oder gleich 
tiind. Hayes fand die Eigenschwer« = 6,214 und die Zusammensetzung =^ 
Schwefel . 17,84 



Arsenik . . 41,44 



98,67 (Verlust zum Theil Eisen). 



Eisen . . 32,94 
Kobalt . . 6,45 
Auch Henry hat viele Formen von Franconia untersucht und be- 
schrieben. Der Vf. findet keinen Grund, dieses Mineral vom Mispickel 
zu unterscheiden , da es damit bis auf einige Prqcente Kobalt statt 
Eisen genau übereinkommt. 

Die «weite von Scheerer und WÖhler beschriebene Varietät (Ar- 
senik-Kobaltkies ScH.) scheint demselben von der Normal - Form des 
Smalcntins (Arsenik-Kobalt) nicht veischieden zu scyn. 



~ 369 



II. Geologie und Geognosie. 

Bovignier: Steinkohlen-Gebilde in Asturien (Bullet, de la 
Soc. geol. Vol. X, p. iOO cet.). Beinahe die ganze Provinz besteht 
aus sogenanntem Übergangs-Gebilde und aus Gliedern der Steinkohlen- 
Foriuation (Terrains houiller, anthraxifere et ardoisier), deren Schichten 
nianclifach geneigt und gewunden, oft fast senkrecht und selbst umge- 
stürzt gefunden werden und auf dem abweichend-lagernden neuern Se- 
kundär-Gebilde ihre Stelle einnehmen. Die Berge von tiefen Eng-Thälern 
durchsciinitfen senken sich gegen das Meer. Schiefer-Gebilde setzen 
den ganzen westlichen Theii von Asturien zusammen, fast bis »ur 
Grenze von Galizien. Mit den Schiefer - Schichten treten Quarz - und 
Sandstein - Bänke auf; Streichen wechselnd aus N. nach S. oder aus 
N.O. nach S.W. 5 das Fallen sehr stark. Hin und wieder finden sich 
auch Kalk -Lagen. Auf Gängen kommen Silber -reicher BleiglanE, 
Blende und Galmei vor. Mehre plutonische Massen brachen an ver- 
schiedenen Stellen hervor und drangen zwischen die erwähnten Schich- 
ten ein. unfern Salabe macht Granit die Unterlage der letzten aus; 
an den Kontakt-Stellen führt der Schiefer Chiastolithe. — Das yyTerrain 
anthraxifere^^ entwickelt sich mehr gegen S.O.; es scheint hier die 
Bergmasse an der Grenze von Leon zu bilden. Schwarze oder graue 
Kalke wechseln mit Schiefern, mit Sandsteinen und mit quarzigen 
Gesteinen. Productus und Spirifer soll vorkommen. Hin und 
wieder einige Kohlen-Lagen und Nester und Gange von Kupfererzen. — 
Das Steinkohlen-Gebilde ist zumal in den Kantonen von Sierro und von 
Langueo entwickelt. Schichten fast senkrecht; allgemeines Streichen 
aus S.W. in N.O. S&ndsteine, Konglomerate und Schiefer setzen das 
Gebilde zusammen, auch finden sich einige Kalk-Bänke. Die Steinkohlen- 
Schichten sind mitunter sehr zahlreich; ihre Mächtigkeit wechselt zwi- 
schen 0.85 und 2 Metern ; manche zeigen sich sogar 6 M. ptark. Von 
organisclien Resten kommen nur unbestimmbare pflanzliche Theile vor. 
Kolilensaures Eisen wird hin und wieder mit den Kohlen getroffen. — 
Über den besprochenen Formationen sieht man in übergreifender La- 
gerung und mitunter beinahe horizontale Mergel - Bänke , welche zum 
Keupcr-Gebilde gehören dürften. Sie gehen hin und wieder in röthliche 
Sandstein-Scliichten über; auch Gyps kommt an höheren Stellen vor. — 
Bei VilUtviciosa werden diese Formationen von dunkel gefärbtem Kalk 
bedeckt, vvtlcher den untern Abtheilungen der Kreide-, vielleicht auch 
detn Jura-Gebiete angehöret. — Zwischen Gijon und Oviedo trifft man 
über den Keuper- Mergeln Schichten mergeligen Kalkes und in diesem 
Orbitoliten in grosser Menge. — — 



Stbippelminn : Vorkommen einer Flötz -artige n E i n la ge- 
rn n g b a s a 1 1 i s c h c r M a s s c n i n il e r Uabichtsspieler Braunkohlen- 



~ 370 — 

Ablag: erung am Habichtswalde (Bergwerks -Freund, II, 297 AT.). 
Die Habichtsspieler Bf rg - Ejliebung , ei'ue der vielen Kuppen, welche 
über das Habichtswalder Gebirgs Plateau emporsteigen und dieses Her- 
vortreten einer mächtigen, in kräftigen Fels-Massen zu Tage stehenden 
Busalt-Durchbrechung zu danken haben, schliesst zugleich eine Braun- 
kohlen-Ablagerung in sich, welche von jenen Basalt-Massen durchbrochen 
worden ist. Seit 25 Jahren wird darauf Bergbau getrieben, und dieser 
gewäiirte Kenntniss des erwähnten merkwürdigen Vorkommens, welches 
den Erscheinungen im Ahne-Thal zur Seife zu stellen ist. Man nahm 
nämlich noch vor einigen Jahren in den dasigen Kohlen - Bauen eine, 
sehr wahrscheinlich mit dem Haupt - Basalt- Durchbruch zusammenhän- 
gende, davon ausgehende Ast -ähnliche Verzweigung von einer die 
Kolilen durchdringenden Basalt-Masse wahr. Man konnte diese Basalt- 
Verästelung auf eine Erstreckung von mehr als 100 Lachter zwischen 
den Kohlen - Flötzen verfolgen. Da das Kohlen - Flötz widersinnig in 
etwa 6^ gPgen den Berg fällt, so lag die Stelle, wo die Basalt- Ver- 
ästelung vom Haupt - Durchbruche diese Seiten-Pvichtung in die Kohlen 
nahm, am tiefsten, und stieg bis zum Ausgehenden einer beinahe nur 
aus Mulm bestehenden Kohle. In grösserer Teufe bestand die Basalt- 
Masse aus Basalt - Konglomerat, welches sich nach dem Kohlen - Aus- 
gehenden hin weniger fest zeigte. Kleine Blasenrüume , nicht grösser 
al« Nadeln-Köpfe, wurden darin wahrgenommen, welche auflFallenden Pa- 
rallelismus unter einander zeigten. Die Mächtigkeit des Konglomerates 
wechselte von 6" bis zu 2'. Die Entfernung der basaltischen Einzwän- 
gung von der Sohle blieb sich an den meisten vom Vf. beobachteten 
Stellen ziemlich gleich ; nur an einigen Punkten wurde innerhalb der 
6' hohen, in den Kohlen getriebenen Strecken ein Heben der basalti- 
schen Massen bis beinahe in die Firste und ein Senken bis nahe an 
die Sohle wahrgenommen. Weder das eigentliche Dach der Kohlen, 
noch die Sohle derselben werden aber von der basaltischen Masse 
berührt. Dass die Basalt - Verästelung den Kohlen - Klüften oder der 
Schichtung gefolgt wäre , ist durchaus nicht zu sehen. In nächster 
Nähe der Kohlen am Basalt-Gebilde zeigt sich eine Veredlung derselben. 
INur selten und bloss in grösserer Teufe nahm man Neigung zur stän- 
geligen Absonderung wahr. An den meisten Stellen waren die Kohlen 
in schwachen Rinden Glanz-artig geworden und die Mächtigkeit solcher 
Glanz -artigen Beschaffenheit stand wieder in geradem Verhältnisse mit 
Mächtigkeit und Festigkeit der Basalt Gebilde. Durchschnittlich betrug 
das Glanz -artige Vorkommen nur einen halben Zoll. In der Nähe des 
Haupt - Basalt - Durchbruches , von welchem die Verästelung ausging, 
zeigte sich die grösste Mächtigkeit und Festigkeit derselben, und hier 
fand man auch , von der Berührung mit den Basalten abwärts , eine 
ullnuihlioh abnohmcudc Veredlung der Glanzkohlen bis zu zwei Fuss. 



— 371 — 

Ferd. Keller: über die Karren oder Schratten im Kalk- 
Gebirge (Zürich; 1840). Diese Folgen eigentluimlicher und sonder- 
barer Vevwitterungs-Art gewisser Kalksteine, besonders des Hippmiten- 
Kalkes, waren der Beachtung älterer Schweitzer Geologen keines- 
wegs entgangen. Es sind Phänomene, welche den bezeichnenden 
Charakter mancher höhern Alpen-Paiüehi ausmachen. Sie gehören dem 
Gebirge der Sehweite keineswegs ausschliesslich an, zeigen sich jedoch 
in der Afpen-Kette wegen der Höhe und wegen der daher rührenden 
Kahlheit der Gebirge ausgebildeter , als irgendwo. In den östlichen 
Schweitzer Alpen trifft man sie besonders auf dem Säntis , dem Kuh- 
firsten (oberhalb Anunon) , dem Kerenzerhery , dem Riseltstuck , der 
Karrenalp, der Silbern, den Mnottnthaler-Beryen , der Schächenthaler 
Windgelle , den Weygithaler- Bergen, dem Fluhbrig, der Fronalp, dem 
Bauen, dem Sätleiistock, dem Rigidalstock, Wellenstuck, Briinig, Kai- 
serstock, der Lidernen u. s. w. ; in den westlichen Alpen an dem 
Faulhorn, der Grmmi, dem Ravil, Sanetsch, der Tour d'Ay, der Tour 
de Mayen u. s. w. Ausgede!)nte Strecken nackter, ganz duichfurchter 
und zerschnittener Felsen, dicht aneioandergereihte Gralite mit Messer- 
scharfen Kanten und oft äusserst grotesk und wunderbar gestiiltet-, die 
Zwischenräume, die Löcher, die grossem und kleinem Trichter-fÖrmigen 
Eiusenkungen, die Spalten und Kanäle höchst ungleich, bald schmal 
und enge, bald von beträchtlicher Weite und Tiefe; das sind Erschei- 
nungen, wie man solche an „Karren" oder „Sehr att en" wahrnimmt. 
Mechanisches und chemisches Einwirken von Regen - und Schnee- 
Wassern, in den häufigsten Fallen mehr oder weniger begünstigt durch 
Absonderungs - und Zerklüftungs - Verhältnisse , gelten als bedingende 
Ursachen. Wenn man längere Zeit der Betrachtung dieser Gebilde 
widmet und die , an verschiedenen Orten vorkommenden Karren mit 
einander vergleicht, so wird man auf jedem Schratten-Felde, das dem 
Auge anfänglich als Chaos von Grahten und Spalten erscheint, fünf am 
öftesten wiederkehrende Verwitterungs -Formen erkennen. Der Verf. 
entwickelt diese ausführlich und erläutert seine Ansichten durch eiue 
Reihe bildlicher Darstellungen. 



G. Leübe : geogn ostische Beschreibung der Umgegend 
von Ulm {Ulm 1839, 8^). Diese kleine Schrift ist ausgezeichnet durch 
die Mittheilung von ausserordentlich vielen Analysen der Fels - Arten 
und Quellen der ülmer Gegend , unter denen besonders diejenigen 
beachtungswerth sind, welche im Kreide-artig aggregirten S üss Was- 
ser- Kalk von Dächingen an 45 Procent kohlensaurer Talkerde, also eine 
liöchst doloroitische Natur eines entschieden neptuni sehen 
Gesteins nachweisen. — Die Gegend Ulms wird durch die Donau 
in zwei geognostisch sehr verschiedene Theile zerschnitten. Auf der 
rechten Seite dieses Flusses ist die Gegend hügelig und ist eiu,Theil 



— 372 — 

'dps sanft verflächten südöstlichen Abhangs der Schwäbischen Alp, be- 
steht aus verschiedenen Gliedern des j|uojkalkes und aus sehr ansehnh'chen 
kalkigen Süsswasser-Gebilden. Die link e Seite der Donau dagegen besteht 
auf der linken Seite der Hier aus Molasse mit wenig hügeliger Oberfläche, 
und auf der rechten /;^<^r-Seite befinden sich nur in Sand, Lehm, Let- 
ten und Gerollen bestehende aufgeschwemmte Massen, über deren unbe- 
deutende Erhöhungen hin man bei hellem Wetter die Alpen Vorarlbergs 
sieht. — Von Jurakalk kommen Dolomit, Ox ford-Tho n, Co ra 1 r ag 
und P rt 1 an d-Kalk vor. Im Dolomit, welcher ungeschichtet und 
fast Petrefakten-leer ist, findet sich eine einzige Höhle bei Blaubeuren, 

Spec. Thon. Eisen- Koh- Koh- Koh- 
Gew. oxyd. lens. leiis. lens. 

Eisen- Talk- Kalk, 
oxydul. erde. 

1. Siiva-HoXomit V, Gerhausen. . . .2,739 0,30 — 0,10 4'2,00 57,39 

2. ., .. ., Älbne7idingen . . 2,746 0,18 — 0,16 43,26 56,24 

3. Oxfoid-Thon „ Gerhausen, . . .2.652 5,50 0,27 — 0,86 93,37 

4. „ u u Geisslingen . . . 2,617 9,28 0,50 — 1,57 88,65 

5. „ » .. Sonderbuch . . . 2,570 14,50 0,29 — 1,70 83,51 

1 Hy- 
€. „ „ . Geisslhigen ( drau- 2,468 22,42 0,68 — 1,05 75,85 

7. „ .. „ Gerhausen ) lische 2,449 26,25 0,79 — 1,51 71,44 

\ Kalke 

8. Cor al rag v. Arnegg 2,679 — — 0,03 0,05 99,90 

9. „ „ Michelsberg bei Ulm . . 2,631 0,30 — 0,13 0,21 99,36 
10. Platt en -Kalk in Coralrag v. Ehren- 

stein 2,645 3,54 — 0,31 4,62 91,52 

11. Lithograph. Stein v, Solenhofen . 2,640 2,70 — 0,17 1,78 95,35] 

12. Portland-Kalk V. Em««g-m . . .2,568 12,00 0,64 — 1,11 86,25 

13. Harter Süssw. -Kalk V. ß^y/Jng-e» .2,608 0,15 — 0,08 0,79 98,96 

14. .. „ ,. „ Pappelau . 2,616 0,14 — 0,04 0,52 99,30 

15. „ „ ., ., Ddehingen . 2,468 0.82 0,73 — 1,47 96,98 

16. „ „ „ .. Pappelau . 2,398 0,40 0,45 — 0,90 93,25 

17. Lockrer S üsswasser-Kalk cKrei- 

de) V, Puppelau 2,512 0,30 — 0,44 1,26 97,99 

18. Dergl. v. Pappelau 2,590 5,70 | — 0,65 0,37 93,27 

19. „ .. EhrstetUn 2,457 6,30 [ -) — 0,49 0,29 92,92 

20. , ., Eggingen 2,325 27,80 ) — — — — 

21. „ .. Snflingen 2,358 0,95 — — _ — 

22 Michelsberg ....... 2,433 0,15 — ^ _ _ 

23. PliistischüT Tho a V. Pappelau . .2,309 82,80 7,36 — 2,10 7,7.^ 

Von dem mit Nro. 15 bezeit:hneten sehr Petrefakten -reichen Süss- 
wasser- Kalke wird die dolomitische Süsswusser - Kreide zu Dächingen 
im Oberamt Ehingen überlagert. „Ausser in der ersten Schicht kom- 
men in dieser Kreide keine Petrefakten vor, und letzte rühren 
zweifellos von dem auflagernden Süsswassor- Kalk her." Dieses dolo- 
niitische Gebilde weclisellagert mit weniger dolomitischon und auch mit 
sehr thonigen Schichten, und ruht an einer Stelle auf einer 2" machti- 
gen Feuerstein-Schicht; die Müthfigkeit der ganzen Formation beträgt 



*) Mit IiibcKriff von Kieselerde. 



-rr- 373 ~ 

e<wa 40' , und die untere reine Kreide derselben , welche am meisten 
dolomitiscli ist, besteht in 0,80 bräunlicbgrauem Thon , 0,32 kohlens. 
Eiseiioxydul , 44,94 kohlensaurer Talkerde, 63,94 kohlens. Kalk, wo 
also das Mengen - Verhältniss der wesentlichen ßestandlheile fast ganz 

nach der Formel Ca C + Big C ist , wie denn noch zwei andere 
Sdiichten resp. 42 und 42,84 p. C. kohlens. Talk ergaben. Sehr be- 
nierkenswerth ist dann noch, dass eine obere Schichte dieser Dolomit- 
Ablagerung fast genau wie der Gurhofiau , nämlich nach der Formel 

a Ca C -|- Mg C zusammengesetzt ist, indem die eine 28.22 kohlens. 
Talk, 70,28 kohlens. Kalk, 1,18 kohlens. Eisenoxydul und 0,32 Thon 
enthält. Noch eini<;o andere Analysen verschiedener Theile der Abla- 
gerung weichen indess gänzlich von diesen stöchiometrischen Verhält- 
nissen ab. 



Edw. Türner : Chemische Untersuchung der feurigen 
Schwaden aus den K o h 1 e n - G r u b e n von NeivcasUe (Land. 
Edinh. phil. Mag. 1S39 , XIV, 1 — 10). Die untersuchten 11 Proben 
wurden unter HLxroN's Leitung sorgfältig gesammelt und nach einer 
vom Vf. genauer bezeichneten Methode zerlegt. Als allgemeines Resul- 
tat ergab sich: dass der wesentliche und allein entzündbare Stoff der 
feurigen Schwaden, wie schon Henry und H. Davy gezeigt, Kohlen- 
wasserstoff-Gas oder Sumpf- Luft seye , welche in reinen) Zustand aus 
der Steinkohle hervorkommt , ganz frei von jeder Beimischung von 
Wasserstoff-, Kohlenoxyd- oder Öl-Gas, nur zuweilen mit einer Spur 
von Kohlensäure-Gas. Der einzige Unterschied in der Zusammensetzung 
der Proben aus verschiedenen Gruben beruht in der Beimengung von 
mehr oder weniger atmosphärischer Luft. Wenn diese in 19 — 20facheni 
Volumen beigemengt ist, so entzündet sich das Gemenge gar nicht; bei 
geringerer Beimengung nimmt die Entzündbarkeit zu: bei Annäherung 
einer brennenden Kerze erscheint eine blassblaue Flamme , die sich 
langsamer oder schneller durch die Luft fortbewegt. Diese ist am ent- 
xündbarsten, wenn 1 Maas Suropfluft auf 7 Maase atmosphärische Luft 
kommt, wie Davy riciitig bestimmt hat. Doch auch dann entzündet 
sie sich nicht an glühenden Körpern, sondern nur an der Flamme, und 
detonirt durch den elektrischen Funken. Betragt die Sumpfluft über ^ 
des Gemcngs, so brennt dasselbe schwieriger und die Farbe der Flamme 
geht in Gelb und Braun über. ~ Die Anaiyae ergab im Detail folgen- 
des Verhalten: 



— 374 



Gruben, woraus das Gas, und Tiefe in Faden. 


Eigenscliwere 


s 
c 
















Stickstoff. 


Tiefe. 


Schacht undSchicIit. 


Stollen. 


beobach - 


berech- 




tu 

o 










tet. 


net. 


Cß 


s 




Benshmn Coal Seam 


Walls end Col- 
















liery . . . 


.6020 


.5991 


91 


9 


_ 




Yard Coal Seam . 


Burraton C. 


.600 


.3903 


93 


7 






Uigh Main Seam . 


Killingsioorth 
















C 


.6196 


.6236 


85 


8 


7 




Low 


ib 


.8226 


.8325 


37 


46.5 


16.5 


125 


Hutton Seam . . 


Londo iideTTif s 
















Pensher C. . 


.966 


.9562 


7 


82 


11 


45 


Adelaide Pit, ib. . Londo?iderry's 














1 Pit tington C. 


.866 


.8755 


28 


67.5 


4.5 


175 


Appleton Jane Pit, 1 
ih Hetton C. . . 














.747 


.7677 


50 


6 


44 


100 


Blossom Pit, Main 














Goal Seam . . Hetton C. . . 


.78 


.7724 


50 


23 


27 




Pe7is/i am Coal Seam Jarrow C, . . 


.6381 


.641 


81.5|18.5 


— 


tiefer Yurrow CoUiery 












Seavi .... Jarrow C. . . 


.6209 


.6079 


89 11 


Kohlen- 
säure. 


Vib 


Eensham Seam . 


Williflgton C. 


.7278 


.7175 


68 28.7 


3.3 



III. Petrefakteu-Iiande, 

Fr. ünger: über die Pflanzen- und 1 nse kten -Res t e von 
RadoboJ in Kroatien (IJt^g. Reise-Notizen vom Jahre 1808, S: 26—33). 
Über das geognostische Vorkommen dieser Reste werden Wif in einem 
andern Auszuge aus gleicher Schrift sprechen. Der Vf. stellt sie im 
Alter mit den mioceuen und altern pliocenen Pflanzen - Ablagerungen 
von Aix , H er in ff , Öningen und Altsnttel zusammen, von welchen uns 
LiNDLEYj A». Brongniart, Al. Braun und Rossmässler Listen mitgetheilt 
haben oder geben wollen. Die fossile Flor von Radobuj ist von der 
jetzigen des Landes durchaus verschieden und scheint, hauptsächlich 
den aufgefundenen Früchten und Saamen zufolge, mehr Ähnlichkeit mit 
der tropische und subtropische Formen darbietenden Flor- von Aix und 
Hering als mit der an da« kältre Nord-Ameriku erinnernden von Önin- 
gen zu haben. Das gemeinsame Vorkommen der Gattungen Acer, 
Populus, Ficus, Sabal würde jetzt auf eine Zone zwischen dem 
30*^ und 40*^ N. Br. hinweisen. Die von dem Vf. bestimmten Pflanzen- 
Formen , meistens Blätter, deren Arten-Zahl sich leicht auf's 3 — 6fache 
bringen Hesse, verrathen eine Meeres-Formation (Algen) , in welche ein 
Theil derselben (Pliylliten), mitunter schon Spuren der Fäulniss an sich 
tragend, hineiiigeflösst worden sind. 

A. F n n y i. 
Ein Blatt -Pilz aus der Xylomacecn - Ordnung , sehr ausgezeichnet 
durch eine Fiedcr-stralige Form 5 auf einem Dikotyledonen-Blatte, 



— 375 — 

B. AI g ai'. 

Hellia s alicor nioi do s ». , gegliederte, fleischige Gewächse mit 
kuiv.cu oben crwoiteiton Gliedern und einem Mittelnerven. Der GrifFit- 
sia coralliiia und dem fossilen Caulerpites ocreatus Stb. am näch- 
sten. — H. rhipsaloid es «. , ebenfalls verzweigt, gegliedert, mit 
breiten Gliedern. — H. p u Ich e i I a ». , verzweigt mit ineinanderflies- 
senden Gliedern. 

Cliondrites acicularis Stb. Tf. xxvji, A, Fg. 4. Koniferen- 
IVadoln ähnlich. — Ch. tenuis «. , mit Chondria tenuis dCvS Mittel- 
meeres verwandt. — Ch. Pelongatus Stb., kleine Stücke. 

Sphaerococcites cartilagineus ?/. , dem Sphaerocoocus car- 
tilagineus des Atlantischen und Chinesischen Meeres täuschend ähnlich. 

Delesscrites pinnatus 71., ein Bruchstück, dem D. pinnatifidus 
ähnlich, ober tiefer gespalten. 

Fucites dubius «. , ein kleines Stück, dem Fucus vesiculosus 
sehr nahe kommend. 

Laminarites aequalis «, einzelne Bruchstücke. 

Cy st oseiri tcs communis ti. , die gewöhnlichste Pflanze, meist 
gut erhalten , mit Cystoseira barbata und C. concatenafa Ag. des Ad- 
riatischen und Atlantischen Meeres sehr verwandt. — C. gracilis w,, 
seltener, mit Cystoseira Hoppei verwandt. — C. affinis «. , eben so. 
— C. filiformis n. , gut erhalten, aber selten. — C. Hellii ?i. , nur 
einmal gefunden , von C. Partschii Stb. der unfern Kreide etwas ver- 
schieden und der Europäischen Cystoseira siliquosa am nächsten stehend. 

C. Equisetaceae : wenige Spuren. 

D. Gramineae: nicht selten, doch unbestimmbar. 

E. N ajadeae. 

Zosterites lineata Ad. Br., so häufig als Cyst. communis. 
Pxuppia Pannonica «. , sehr ähnlich der R. maritina Lin. , doch 
noch nicht mit Früchten. 

F. Typhaceae. 

Typhaeloipum maritimum «. , einer in d(?r tertiären Süss- 
wasser-Formatiou von Rein bei Grätz gefundenen Art, T. lacustre, zu- 
nächststehend. 

G. Palmae. 

?F labe IIa ria Radoboiensis ??. , sehr mangelhaft, doch wahr- 
scheinlich das Fächcrblatt einer Palme. — ?F1. maxima, vielleicht 
der Gattung Sabal angehörig. 
//. Koniferae. 

Pinus microsperma w. Flügel von Saamcn gut erhalten. — 
P. macrospcrma n. Flügel grösser. — So hat man auch zweierlei 
Fruchtzapfen: kurze dicke mit breiten Schuppen, und lange wie von 
P. Abios. Von erstren ein ausgezeichnet schönes Exemplar in Fr. 
V. RosTH0u>s Sammlung zu Wolfsberg. — Zweige mit Nadeln , wie 
von Pinus sylvestris^ sind 60 selten als dio Zapfen. 



— 376 — 

J. Jilpriceae. Männliche Kätzchen und einige Blätter. 

N. Mo reae. 
Ficus: der schön erhaltene Abdruck einer Frucht, ähnlich der von 
F. Beng:alensis, F. leucotoma Poir. u. a. Dann scheint dahin zu ge- 
hören eine Menge Leder-artiger Blätter. 

O. S alle ine ae. 
Populus crenata w. , ein deutliches Pappel - Blatt , von den le- 
benden Arten hinreichend verschieden. 

P. haurineae. Beeren-artige Früchte und Blätter. 

Q, Ruhiaceae. Ein Zweig mit vier wirtelständigen, 
oval-lanzettlichen Blättern. 

R. Äpocynaceae, 
Echitonium superstes n. Eine Balgkapsel von 2" Länge und 
0/'5 Breite ist zweifelsohne die Hülle ebenfalls dort vorkommender 
Saamen mit 4inal längcrem Haarschopf. Die Ähnlichkeit mit einer 
Echites aus Brasilien (Pohl) und E. lucida Wal. aus Ostindien ist 
auflfallend. Hiezu wohl auch einige Echites- artige Blätter. — E. mi- 
CFOsperroun> »., ein Saanienkorn um ^ kleiner als voriges. 

P. As^clepiadeae. 
Der Abdruck eines 5spaltigen fleischigen Kelches und einige Blati- 
Formen, wie von A&n noch lebenden Arten bekannt sind. 

T, Umbelliferae. 

Piifipinellites zizioides: irmhellula perfecta radüs 6 — 7; 
involucellum ; fructus ovato- globosus stytis coronatus ; mericarpia 
5juga jagis filiformihus : eine seltsame Form, in etwas der Zizia inte- 
gerrima De C. aus dem südlichen Nord-Amerika ähnlich, in v. Rost- 
horn's Sammlung. 

U. Acerineae. 

Acer campylopteryx n. , eine ausgezeichnet schöne Flügel- 
Frucht, aber der Rücken des Flügels stärker gekrümmt, als an den 
bis^ jetzt bekannten Arten. — — Flügel- Früchte wie von Ptelea? 
— — Blätter aus dieser Familie? 

F. Melastomeae. Blätter. 
W, Bombaceae. 
Gefingerte Blätter von ungeheurer Grösse, die Blättchen über l' 
lang und 4",5 breit, eiförmig-zugespitzt. 
X. Papitionaceae. 
Dolichites Europaeus w., ein vortrefflicher Abdruck einer Hülse, 
welche am ehesten mit der des tropischen Geschlechtes Dolichos ver- 
gleichbar ist. 

Desroodites Radoboiensis n., eine Gliederhülse, am meisten 
übereinstimmend mit der einer Desmodium-Art von Mexico, aus 5 runden 
Gliedern von der Grösse wie bei dieser, aber die Einschnürungen etwas 
breiter. — — Zu dieser und zu andern verwandten Arten scheinen* 



— 377 ~- 

»uch zu gehören Abdrücke von Blättern [Blättclien?] mit olnem Haupt- 
nerven und alternitenden Seitennerven , welche wieder durch recht- 
winkelige feine Seifcnzwoige miteinander in Verbindung stehen , wie 
bei manciien Piiaseoleen und Hedysareen. In Umriss und Grösse stehen 
sie theils dem D. viscidum De C. aus Ostindien, theils dem D. viticinum 
Wal. , Nra. 5709 am nächsten : nur ist bei erstem das endsfändige 
Blättehen stumpf zugespitzt, statt verkehrt eiförmig wie bei D. viscidum; 

Die fossilen Insekten, welche in gleicber Schichte mit diegen 
Pflanzen und mit Fi sc h-Schuppen vorkommen, sind ebenfalls zahlreich: 
Diptera und Hymenoptera am häufigsten, Neuroptera, Ortho- 
ptera und Hcmiptera seltener; aber Coleoptera und Lepidoptera 
fehlen. Auch fand der Vf. den deutlichen Abdruck einer Spinne. 
Sie scheinen nicht Europäisch , sondern vielmehr tropisch. Aus ihrer 
Lage im Gestein geht hervor, dass wenigstens noch die Mehrzahl le- 
bendig in dieser Gesteins-Schichte begraben worden sind, mithin durch 
gewaltsame Katastrophen, denen diese geflügelten und behenden Thiere 
nicht zu entgehen vermochten: etwa durch Erscheinungen, welche vul- 
kanische Eruptionen begleiten , wie Aschenfall u. s. w. [warum nicht 
selbst durch Schwefeldärapfe, die so nahe liegen?]. 



J. Grebn: Beschreibung eines neuen Trilobiten: Asa- 
phus diu r US (Sillim. Amer. Journ. i839j XXXVII, 40). As. diu- 
rus: clypeo . . . ? ; costis striatis tuberculatis ; cauda bipartita ; cor- 
pore depresso. Rumpf und Schwanz haben zusammen 19 Glieder; die 
Seitentheile der Glieder sind von einer Längen-Furche durchzogen, zu 
deren beiden Seiten eine regelmässige Reibe Perlen-artiger Körner hin- 
zieht. Auf der Spindel zeigt jedes Glied nur eine Reihe von Warzen. 
Das Halbmond - förmige Schwanz -Ende ist mehr ausgebreitet, als im 
verwandten A. seien urus, und die konkave Seite des Halbmondes 
regelmässiger gerundet: das ganze Thier ist viel flacher als jener, und 
die Seitentheile der Glieder sind im Verhältniss zur Spindel breiter. 
W. Wagner zu Philadelphia bc«itzt 2 Exemplare von Xenia in Green 
Co. , Ohio. Das grösste , ein Gyps - Abguss eines etwas verwitterten 
natürlichen Abdrucks, ist 2" lang und 2o'' breit; das andre liegt im 
grauen thonigea Kalkstein. Es ist bemerkenswerth, dass alle bekannten 
Exemplare von Asaphen mit Halbmond - förmigem Hinterende nur Ab- 
drücke sind, aus welchen der Körper verschwunden ist. 

Abr. Sager zu New-York meldet, dass er ebenfalls einige schöne 
Exemplare mit Halbmond-förmigem Schwänze am Fusse der Helderberg 
mountains bei the Caves gefunden, woran die 2 Hörner des Halbmon- 
des ausgezeichnet lang und vollkommen sind. Da A. selenurus an 
dtn Glemvs falls und am Becroft-Berg bei der Stadt Jludson in einem 
ganz andern Gestein vorkommt, als das von Uelderberg ist, welches 



— 378 — 

vielmehr mit dorn von Xema übereinzustimmen scheint, so mögen 
jene Exemplare zu A. diurus gehören. 



A. Koch : über M a s t o d o n - R e s t e in Missouri (Sill. Amer, 
Journ. 1839, XXXVII, 191 — 192). Kürzlich hat der Vf., Eigenthümer 
des St.-LouiS'Museums, einen Masfodon-Scliüdel erhalfen, welcher auf 
den Ländereien von Kapitän Palmer et Co., 22 Engl. Meil. S. von 
St-Louis ausgegraben worden ist. Den Schädel mit seinen Stosszähnen 
auf einem Karren zu ziehen waren 2 Joch Ochsen , und um einen 
Stosszahn zu tragen, 2 starke Männer nöthig. Der eine sass noch ganz 
und fest in seiner Alveole, hatte an 10' l" Länge nach der äussern 
Krüinmung und 2' Umfang an der Basis. Diese Zähne haben eine andre 
Richtung als beim Elephanten. Sie liegen in gleicher Ebene mit dem 
Schädel und divergiren nach aussen und hinten, so dass ihre konvexe 
Seite nach vorn, die Spitze nach hinten gekehrt ist. 

Damit kam ausser andern Knochen noch ein merkwürdiger Schädel 
vor, welcher einem grössern Thiere anzugehören scheint, als der grösste 
Elephant ist. Der Hintertheil gleicht dem des Mastodon etwas , aber 
die Stirne ist ganz abweichend. Der Vf. nennt ihn „zu Ehren des 
Staates" einstweilen „Koch's Misso u r i er ", bis er näher bestimmt 
seyn wird. 



L. Agassiz: Eecherches sur les Poissons fossiles, Livr. XIII, 
Neuchätel 1839, 4° (vgl. Jahrb. 1839, 738 und 1838, 110). Wir 
erhalten hiemit Bogen 15 — 26 oder S. 109 — 204 des IV. Bandes, zu- 
sammenhängenden Text, und 4 Seiten des Feuilleton additionel zu Er- 
klärung der 27 Tafeln des Atlasses. Der Text enthält das Ende der Be- 
schreibung der Arten aus der Percoiden-Familie, von denen noch die 9 im 
Jahrb. 1839, S. 739 zuerst genannten Geschlechter rückständig waren ; 
— dann die Sparoidcn-, Cottoiden- und Gobioiden-Arten, deren 
geognostische Vertheilung wir an dem eben genannten Orte bereits an- 
gegeben haben. Das Feidlleton additionel gibt noch Kunde von einigen 
neuen Entdeckungen. Cole und Egerton haben alle Fische ihrer reichen 
Sammlung auf eigne Kosten durch Dinkel zeichnen lassen und dem 
Verf. die Zeichnungen zugestellt. Der Verf. macht uns HoflPuung, die 
ganze Arbeit im Laufe des jetzigen Jahres beendet zu sehen. 



Die 

Quellen-Region von Marienbad 

in Böhmen^ . 

dargestellt mit besonderer Rücksicht auf Carlshad 
von 

Herrn Professor Chr. Kapp. 



Auszug; aus einem Briefe aus Marienbad vom 17. Juni 1839, cingc- 
g»ngen im März, gedruckt im Mai 1840. 



Magnarnm rerum etiam fettuis notitia in pre- 
iio habetur. Leibkitz, Protogaea §. 1. 

I. Physiognomie des Böhmer-Waldes und der Herde 
seiner Mineral-Quellen. (Erinnerung an Göthe.) 

Nicht ohne Bedeutung führen die Böhmischen^ wie die 
Thüringer Höhen den Namen Wald-Gebirge. Das Re- 
lief der Böhmischen Gebirge dürfte sich vorzüglich dadurch 
auszeichnen, dass es im Ganzen (bisweilen selbst wo es 
Kegel bihlet) sanft abfällt, wenigstens alimählicher, als da» 
Erzgebirge gegen Böhmen sich neigt, dabei aber stellen- 
weise durch die steilsten Formen , durch mächtige Risse 
und Bäche überrascht, durch deutliche Zeugen heftiger und in 
bestimmten Regionen gewaltsam ausgebrochener Umwälzun- 
gen. Oft stürzen durch wilde Thäler reissende Wasser 
und bilden noch unbezwungene Sümpfe in selten besuchten 
Jahrgang; 1840. 25 



— 380 — 

Grüiulen, aus denen die wachsende Kultur erst gegen Ende 
des verflossenen Jahrhunderts die Bären, erst in neueren 
Zeiten Luchse und Wölfe, doch die beiden letzten noch nieh* 
gänzlich verdrängt hat. Da wo dev Böhmer'- Wa/d vom Ftch- 
tel- Gebirge , der Mitte Deutschlands, schon bedeutend sich 
entfernt hat, erreicht er gegen S. noch ziemlich naho an 
ßaierns Grenze seine grösste Höhe. Der Araber oder 
Oefwa bei Bodenmais wird auf 3840', .der Heidelberg bei 
Tiefenstein nach Lindauer auf 3617', nach Hofer sogar auf 
4203' gescljützt*). So weit ich aus früheren Reisen mich 
erinnere 5 begegnen sich um den Araber verschiedene He- 
bungen konzentrisch in einem Gehirgs-Knoten. Exzentrischer 
dagegen zeigt sich das entzweigte Gebirge in den Ther- 
mal- Regionen des Landes. Um Töplitz herrschen ver_ 
schiedeno häufig kegelartige, an den kalten Quellen Mö- 
rienbads **) fast nur rundliche , in Carlsbad dagegen, neben 
ferner liegenden rundlichen Formen, gleichsam am Ufer 
eines Meeres von Bergen die zerrissensten, steilsten 
Gehänge einer Gebirgsart, des Granits, die äusserst selten in 
solcher Ausdehnung s o schroff auftritt. Dabei verrathen 
die granitischen Hoch-Rücken in nächster Nähe vielseitige 
Kfttastrophen : Basalte und Phonolithe brechen hoch in kräf- 
tigen Kegeln durch , wahre Kronen der Fernsicht , wenn 
man von benachbarten Höhen näher und näher nach Carls- 
lad rückt, wo der Basalt selbst in tieferen Gründen zu 
Tage gehl. 

*) Zur Vergleicliuno: diene gleich hier Folg^endes: nach Aloys Dattd'« 
„Trigonometrischer Vermessung, astronomischer Ortsbestimmung des 
Egerlandes etc., Prag 1824, S. 76" Hegt Marienhad 222 Wiener 
Klafter über di-m Meere, der Sprudel zu Carlsbad 182, Franzens- 
had 213i, Alexanderbrtd 286, der Schneeberg des Fivhtet-GebirgeJf 
552, der Ochsenkofßf 543 W. Klafter etc. 
''"•') Die Physiognomie seiner Umgebung unterscheidet sich wesentlich 
wieder von der des Franzenshades, welches in der Niederung 
zwiscli€n dem Böhmischen und Fichtt'l-Gebirge Hey f. Übrigens ist 
auch in der Nähe vom Fr(tuzensb/id no<li im Bnierischen 'eine 
höher liegende kalte Rlineral-Quelle bei Hohbercj etc. YywEger \s{ 
der Kammerbühl entscheidend, wovon in der Folge (z. B. S. 392). 



— 381 — 

Wie in der Geschichte der Menschheit aus den stillsten 
verborgensten Herden, aus den veraclitetsten Naturen und 
Ständen, aus dem Schoose der Arniuth das Genie, wo keiner 
es ei'wartet, der neue Gedanke oft frei und mächtig auf- 
steigt, so dringen in den verborijensten und oft nacktesten 
Schhicliten aus unergründeten Tiefen unterirdische Gase 
heilkräftig iji den reichsten Quellen empor. Was dort der 
alliremeine tief innerste Geist der Nationen und Jahrhun- 
derte, ist hier das allgemeine tiefe Leben der Erde, jene von 
unten auf wirkende W^ärme, — nicht minder räthselhaft, als 
die Wärme des Organismus, der seine Lebens-Quellen 
doch nur demselben Schoose, derselben Erde, der allgemeinen 
Mutt »r dankt, welcher er belebt sich entwindet. 

Auf Island wollten die ersten Bekehrten nur in den 
lauen Strudeln des Heida getauft seyn , und selbst in der 
heissen Zone, in jedem Klima lebt nach Hlmboldt's Aus- 
druck dieselbe „Vorliebe für Wärme^^ Mit Begeisterung 
strömen um Valencia die Eingebornen zu den warmen Quel- 
len von La Trinchera^ die einen Bach bilden, in dessen Ufern 
Mimosen , Clusien und Feigenbäume Wurzeln treiben und 
über dessen Fluthen sie Aste und Zweige verbreiten. 

Lockt mich nun gleich diese HuMBOLDTsche „Vorliebe für 
Wärme^^ sehr nach Carlsbad, so muss ich diessmal mir doch 
erlauben, Ihre Aufmerksamkeit vorerst hierher an eine kalte 
Quelle zu ziehen, die in ihrer Art zu den herrlichsten der 
Erde gehört, nach Marienbad ^ dem ich vor Jahren meine 
VV^iedergencsung, wie jenern (Carlsbad) die Befestigung der- 
selben danke, und welches mir, wie dieses, durch Erinneruiig an 
GöTHE, der gleichzeitig als Kurgast hier verweilte, doppelt 
theuer geworden ist. Göthe hatte sich damals (1821 und 
1822) zahlreiche Varietäten der hiesigen Granite gesammelt, 
zur Verwunderung namentlich einiger geistlicher Fremden, 
denen ich bemerkte, dass nach Shakespeare auch die Steine 
predigen. Und in der That sprechen diese heute deutlicher 
noch, als damals. Die Entzifferung der Hieroglyphen 
des grossen Lapidar-Styls der Erde hat in diesen 

25* 



— 382 — 

zwei Decennien so erfreuliche Fortschritte gemacht, dass das 
Wort jenes armen Schusters Keinem mehr auffällt, der ge- 
sagt hat, die Natur gab jedem Dinge seinen Mund, 
seinen Hall, seine S p r a c h e '•') , „seine Natur-Sprache, 
daraus jedes ^mg aus seiner Eigenschaft redet und sich im- 
mer selbst offenbai'et und darstellt/^ Erst da befyanii 
wahre deutsche Wissenschaft und Literatur, als man anfing, 
die Dinge selbst, ihre eigene Sprache, zu untersuchen, kei- 
ner Einbildung und Theorie zu folgen, sondern die Natur 
zu beobachten, die offene, wirkliche**). Eben aus 
diesem Grunde war Göthe, wird er gleich undankbar be- 
urtheilt, auch Naturforscher. 

t 

IL Das 31arienbader Ciuellen-Thal im Vergleich 
mit dem Carlsbader, 

Die Ge bir gs-Formen des Carlsbader Granits haben 
Porphyr- ähnliche Physiognomie; grosse, steil aufstarrende, 
meist scharfwinkelig durchklüftete , dabei in Zacken und 
Spitzen endende Wände geben den Gehängen der winkligen 
Schlucht seltsam kühnes Ansehen. Diese Formen fehlen 
dem Marienbader Kessel-Thale , das kaum auf einer Seite 
ziemlich frei sieh öffnet. Der innern Struktur nach gleicht 
zwar sein Granit dem Carkbader. Zahlreich auffallende Spuren 
gewaltsam vereinzelnder Zersprengung aber zeigt er fast nur 
an einem Hauptpunkt, doch nahe oberhalb der Haupt-Quelle, 
des Kreuzbronns, in der sogenannten kleinen Schweüz, Auch 
hier indess sondert sich der Granit, ganz anders als in Carls- 
had und ganz so wie auch sonst häufig, in rundliche oft 
Wolisäcken ähnliche Blöcke. Diese Blöcke aber liegen ziem- 
lich wild umher , zum Theil übereinander. Nur in sehr 
kleinem Maasstabe erinnern sie an die benachbarte Trüm- 
m e r- F e 1 s e n w e 1 1 des gleichartigen Granits der Luisenburg 



*) J. ßÖMivi, de Signat. Rec. c. I. 
**> Chr. Kapp, Neptunismus uud Vulkanismus, Stuttgart bei Schweizer- 



»AUT, 1834, S. 83. 



— 383 — 

bei Wunsieäel. Gleichwohl habe ich Ursache, ihre Verwir- 
rung derselben Katasfrojihe zuzuschreiben, die, nach meiner 
im Neuen Jahrbuch 1334, n und iii , z. B. S. 271 ausge- 
S|)roc!ienen Ansicht, jene nahe Felsen-Labyrinthe bil- 
dete. Da waltete, scheint mir, im Kleinen ein ähnliches 
Verhältniss, wie am Daurischen Scheide-Gebirge des Altai 
das seinen Namen Jablonn oi-C hrebe t, d. i. Apfel-Ge- 
birge, mehr rundliehen Granit-Blöcken dankt. Wenigstens 
dürfte die Verwirrung dieser Blöcke derselben Epoche ge- 
hören, welche der alten Berg-Welt zwischen Ust~ Kamen- 
gorosk und Buchlarma , der russischen Schweitz bei Usf^ 
Buchfarminsh^) die letzte Umbildung gab. Wie diese, sind 
wohl auch jene beiden Phänomene , wenigstens unter sich, 
vielleicht gesammt gleichzeitig. 

Doss die Granite der kleinen Schweitz des Mariefibades, 
ehe sie das heutige Trümmer-Labyrinth bildeten , verschie- 
dene Katastrophen erfahren haben , werde ich \veiter unten 
nachweisen. Die letzte Haupt-Katastrophe aber , d. h. die- 
jenige, die ihre jetzige Form und Lage entschied, suche 
ich in einer ähnlichen Erschütterung, wie jene war, der ich 
im N. Jahrbuch **; auch die gleichzeitige Entstehung der 
Felsen -Meere auf den Gehängen des Odenwaldes, Schwarz- 
ualdes und ßaardt- Gebirges zugeschrieben: im Aufsteigen der 
jüngsten Basalte der betreffenden Regionen (S. 391). Selbst 
in der Umgebung von Carlsbad fand ich eine sprechende Pa- 
rallel-Erscheinung: zerstreute Blöcke des tief im Thale liegen- 
den Braunkohlen-Sandsteins, auch Trümmer von Granit hoch 
auf den Schultern des Gebirges zwischen Espenthor und Engel- 
haus in einer flachen Berg- IVIulde , aus der sie nicht ent- 
weichen konnten, als der mächtige Basalt plötzlich das Gra- 
nit-Gebirge zum letzten Mal durchbrach und emporhob. Über 



.) Wo Kr.APnoTH iinontziffcrlr Hiproglyplirn und inrnscliürhe Fiiss- 
sfapfcii, in Granit cino^ompj.ssolt , entdeckt und orstere verdorben 
halau soll. Auilajid IS36, N. 101. 

') tSÜÖ, VI, 6'Jl und tSS'J, VI, 673 Ü. Das Nälitie in meinem deut- 
schen Kalen«ier. Krtufttt'H 18.>5j S. 69. 



' — 384 — 

dipse und ähnliche Verhältnisse werde ich Ihnen sj)ätep 
geeignete Rechenschaft geben, Rechenschaft, welche ich stützen 
kann auf die Zustimmung der Freunde , die ich ersuchte 
mich auf den Exkursionen um Carlsbad zu begleiten , des 
Hrn. Regierungsraths Steinkopf aus Frankfurt an der Oder, 
des Hrn. Medicinalraths Dr. Michaelis aus Magdeburg ^ des 
Hrn. Bergmeisters Schütz ans Schneeberg, 

Auch in der Umgebung von Marienbad treten bekannt- 
lich Basalte auf. Wie sehr sie nun auch, in der nächsten 
Tiefe, im eigentlichen Quellen-Thale sich verbergen, so halte 
ich dennoch diese benachbarten Basalte für die Erzeuger 
und Vermittler auch der hiesigeji Quellen-Bildung. Den 
Schlüssel ihrer Erklärung gibt mir in der Richtung nach Tö/?/ 
die höchste Spitze des Zuges der hiesigen Gebirge , der 
Podhornberg, auf welchem der Basalt, der im Quelien-Thale 
tief unter dem älteren Granit bedeckt liegt , zu Tage tritt. 
Ahnliche Verhältnisse zeigen die meisten Gebiete achter 
Mineral - Ouellen. Eine allgemeinere Betrachtung wird zu- 
gleich das geeignete Licht auf die hiesigen Verhältnisse wer- 
fen und den Weg beleuchten, der zur speziellen Wür- 
disfunof derselben führt. 

Aus diesem Gesichtspunkte ergibt sieh nämlich: 

a) mit dem Charakter der betreffenden F eisarten, 

b) das eigenthüraliche Verliältniss der unterirdischen 
Risse dieser und ähnlicher Regionen, und aus letztem er- 
klärt sich im weiteren Zusammenhantj 

c) die Art der V e r t h e i 1 u n g, so wie 

d) die niedere Temperatur der hiesigen und ähnli- 
chen, die höhere anderer Quellen ; 

e) selbst die !Natur p er io »1 is c her Quellen gewinnt, 
im Vorübergehen bemerkt, von diesem Standpunkte aus ge- 
naueres Verständniss. 

a) E n ts teil un ji- der M i n e ra 1 - Q u cl I en (auch der periodischen). 
Man hat indess deji aiigegel)enen, wenn gleich sehr all- 
geiueinen Gesichtd]>unkt übergangeji und daher verschiedene. 



— 385 — 

besonders zwei Hypothesen gebildet, die ich in Betreff der hiesi- 
gen Gegend vorn herein abv^ eisen muss. Die eine dieser Hypo- 
thesen erklärt die Bestandtheile der Mincrai-Clueiien durch 
Auslaugung der Gebirgs-Arten. Diese Ansicht hat über- 
haupt beschränlite Anwendbarkeit, auch diese nur, wenn sie 
wesentlich niodifizirt Avird. Wer sie für die Manenbader 
und andere Haupt- (iueilen ohne Weiteres geltend macht, 
kennt die Gebirgarten nicht, weder die Granite, noch die 
Basalte, wenn gleich jene auf der Oberfläche hier stark ver- 
wittert sind. 

Die ünhaltbarkeit dieser Hypothese war anschaulich. 
Sie entlockte unseren sg» Nat u r-Philosop hen eine an- 
dere, welche jedoch an Verkehrtheit jene erstgenannte, der 
sie abhelfen sollte, in demselben Maase übertrifft, in wel- 
chem sie vornehm sich über sie stellt, den Schein tiefer 
Einsicht erborgend. Während nämlich jene, w enn sie noch 
heute und hier gelten will , zwar häufig , doch immer be- 
scheiden in Sylben- Stecherei sich gefällt ^ oberflächliche 
Quellen mit den tiefsten Thermen verwechselt , die Natur 
der Gebirgs-Arten übersieht, behagt es der vornehmeren, na- 
turph ilosoph is ch sich nennenden Hypothese, einer altern- 
den Frau sich zu verähnlichen , die, unfähig hinaus in die 
Natur zu treten und dem off"enen Tage sich anzuvertrauen, 
hinter dem Kamine in stiller Kammer eine zwickende Brille 
sich aufsetzt , bei öligem Lampen - Schein mülievoll und nu- 
sehid Romane liesst, um im Jugend -Spiele der üppigsten 
Phantasie zu schwellen und für das welkende Alter neue 
Kräfte zu saugen. Die Gläser aber zu dieser Brille hat 
ihr Spinoza, nicht geschliff'en. Es sind nur verwirrt 
zerschliff'cne , dazu gefärbte Gläser. Der Blick durch 
sie zeigt den rothen Augen der magisch gesirniten Alten 
sprühende Funken. Sie sieht daher ,,eine galvanische 
Batterie zwischen dem Erz- Gebirge und Mittel-Gebirge^^. 
\n dieser Batterie sucht sie e i n gestä ndl ic h die Er- 
zeugerin der Böhmischen Mineral-Quellen. 



— 386 — 

Alle Achtung vor der Bedeutung des tellurischen Gal- 
vanismus! Im N. Jahrbuch [1834, II, 1S6J habe ich mich 
darüber ausgesprochen. Jejie galvanische Batterie im obigen 
Sinne, im Sinne so sich nennender Natur -Philosophie 
— ist sie (unter vier Äugen!) etwas Anderes, als die 
Bundeslade des ganz modernen Aberglaubens dieser Helden, 
die überall bei Allgemeinheiten verweilen, wo es auf Erfah- 
rungen, — bei Phantasie'n, — wo es auf bestimmte Begriffe, — 
hei somnambulistischen Visionen, wo es auf Tbatsachen, — bei 
elektrischen Bundesladen , wo es auf treue Scheidung und 
Entladung des Gedankens ankommt? 

Andere Hypothesen übergehe ich. Theils treffen sie nur 
andere Quellen, theils fallen sie von selbst, theils gehen sie, 
frei modifizirt, in folgender auf. 

Die Sache ist einfach diese; die basaltischen, über- 
haupt die jüngsten Hebungen bildeten die letzten Klüfte und 
Risse 5 die einfachsten offenen Wege , durch welche die in- 
nere, endlos bewegte Tiefe der Erde ihre speziellen Wir- 
kungen im Kleinen nach oben durchführt. Mit der Tiefe 
jiimmt die innere Wärme zu und wahrscheinlich ohne Aus- 
nahme*), beruhen die mächtigsten, mindestens die eigentlichst 
Mineral-haltigen Quellen mit hoher oder niederer Tempera- 
tur — die wir warme oder kalte nennen — auf dem 
Emporsteigen wirkungskräftiger Elemente oder inhaltreicher 
Gasarten derselben Tiefe, deren höher gespannte Gewalt 
unter anderen Verhältnissen nnd Bedingungen Erdbe- 
ben und Vulkane hervorruft: Erdbeben, wo Gase im 
Inneren eingeschlossen wild gähren ; Vulkane, wo die Hitze 
der Tiefe feste erstarrende Massen unter heftiger Gas-Entwick- 
lung Guerflüssigausstösst. Es hat daher keine Noth, dass von 
der Wandelbarkeit vorgeblicher Auslaugung oder von anderen 
Verhältnissen geschwächt, jemals der Bildungs - Prozess 
ermüde, dem die Mineral- Quellen ihr unverändertes Daseyn 

*) Von Gastein au« werde ich Ihnen Näheres darüber miührilen. 
Da erkl.irt «ich Vielen, doiii keineswegs Alle» schon aus einidc h-. ii 
hydiustutischeu Geset-^«n. 



— 387 — 

danken, welches sie gleich ancieren Quellen im Allgemeinen 
immer an demselben Orte behalten. Nur überlastende Fels- 
Massen, oder die Umwege enger Risse in den Schachten der 
Erd-Rinde wirken oft schon in ziemlicher Tiefe erkal- 
tend auf solche Quellen, wozu häufig noch von oben, wie 
am Carlsbader Säuerling (S. 393), die Zuführung des näheren, 
d. h. desjenigen atmosphärischen Wassers kommt, welches 
nicht bis zu grosser, nicht bis zu jener Tiefe mit einffillt, 
wo es unter der Hitze des Innern aufhört, Wasser zu seyn 
und Dampf wird. Andere Quellen, deren unterster Herd 
auf keine Weise bis zu jenen Tiefen hinabreicht und 
deren Bestandtheile nur ausgelaugt oder nur oberflächlich 
aufgenommen werden, kommen hier nicht in Betracht*), 
Hier herrscht vielmehr ein Verhältnisg, das an die Bildungs- 
Gesetze jener S ch 1 a m m- V u Ika n e unA ähnlicher Phäno- 
mene erinnert, die ich in der dritten Vorlesung meines 
yyllalün'. Berlin bei Reimer iS37, S. 56 ff., und schon 
vorher im dritten Hefte der Athene entwickelt habe**). 

Es ist hier nicht der Ort, diese Ansicht ins Kleine zu 
entwickeln, wohl aber zu bemerken, dass in ihr der Grund 
liegt, warum ächte Mineral- Quellen vorzüglich aus krystal- 
linischen, aus nicht geschichteten, nur Lagen- oder Massen- 
weise getheilten***) Gesteinen, meistens aus solchen ent- 
springen, die wie Basalte und Phonolithe blosser Aus- 
Ja ugung am wenigsten zugänglich sind. Denn nur die 
Risse massiger Felsarten reichen unmittelbar in die plutoni- 
nischen Tiefen hinab, und wo Quellen jener Art, z. B. die 
Kissinger ^ ans neptunischen Gesteinen hervorbrechen , da 
liegen sie doch stets im Gebiete krystallinischer oder mas- 
siger Gebirgs- Arten , wie die Kissinger im Bereiche" der 

*) Vcrgl. i>f. Jahrb. i834, II, 166 mit 156 ff., III, 281 ff. mit 1833, 

VI, 668, IV, 415, iS34, III, 292, 293, 295 ff. 
'-) Vergl. N, Jahrb. 1834, 11, 176 ff., wo ich den Herd der VulkaisP 
in die Tiefen der E r d -R i n d e, keinesweg.s schlechtweg in das sg. 
Zentrum .setze, wie so häufig geschieiit. 
♦**; N. Jalnb. i834, z. B. III, 255 mit v. LEO^HARJ>'s Geologie zur Na- 
turg.sch.chte der drei Reiche S. 512 fl. 



— 388 — 

Phonolithe und Basalte dev benachbarten Rhone. Der ei- 
gentliche Herd solcher Quellen liegt nämlich stets tiefer, 
als der sichtbare und aufgeschlossene. Die neptunischeu 
Felsarten oreben nur die sekundären Herde derselben. 

Aus diesem Verhältniss dürfte sich zugleich die Natur 
verscliiedener p eriod is eher Quellen, wenigstens dieräth- 
s e 1 hafte s t e Seite derselben, einfach und ohne pseudo-natur- 
philoso])hisches Taschenspiel erklären. Treten nämlich — um 
nu reinen Fall zu erwähnen — aus massigem Gestein, wo es 
tief von neptunischen, oder leichter lösbaren Felsarten überlagert 
ist, Mineral-Quellen hervor, dann bilden sich nicht selten grössere 
oder kleinere Höhlungen an der unterirdischen Mündung der 
Quelle. Diese quillt in der verschlossenen Tiefe unaufhalt- 
sam, füllt die Höhle, dringt zulezt in die Hisse der über- 
lastenden (im angegebnen Falle der geschichteten) Felsart 
nach oben, wo sie zu Tage geht. Es ist dabei ziemlich 
gleichgültig, ob eine solche Quelle nur Gas- Qu eile oder 
zugleich W asser- Quelle ist. Auch in letztem Falle wirkt 
hier nicht die alleinige Kraft der korrespondirenden Röh- 
ren, i»icht die blosse Treibkraft eines durch Einsickerung ge- 
fallenen und darum zu bestimmter Höhe wieder aufsteigen- 
den Wassers. Die Haupt-Kraft, welche solche Quellen nach 
oben treibt, bis sie zu Tage gehen, beruht auf der Ent- 
wickelung des von selbst fortan aufsteigenden Gases. Das 
Wasser nämlich, welches in diese Höhlungen tritt, wird im 
Durchschnitt nicht eher in die seitlichen Risse nach oben 
steigen , ehe es die Höhlung bis zu einer bestimmten Höhe 
erfüllt hat. Da sich aber unablässig Gase dabei entwickeln, 
so wird sich die Höhlung nie völlig mit Wasser füllen. Im 
Gegentheil werden die Gase durch ihre Anhäufung an der 
Decke der Höhlung, durch Druck aller Art auf das mit 
eingedrungene Wasser, dieses gewaltsam emportreiben. Das 
Wasser wird sonach an der Oberfläche erscheinen, und je 
nach dem Maase seines Reichthums an Gas und der Engig- 
keit seiner Ausmündung mehr oder minder in die Höhe springeiu 
Mit der Entsveichung jener Ga»e jiausirt aber die Wirkung 



— 889 — 

der Ursache 5 welche die Quelle emportreibt Diese sinkt, 
hört auf zu fliessen. Der Prozess beginnt von Neuem. — 
Ausserdem gibt es noch viele andere periodische öuellen, 
die auf andere Art, zum Theil noch einfacher zu erklären 
sind, einige z. B. durch Heber-artige FeU-Bildung an den 
Grunzen oft grosser unterirdischer Höhlen. Überhaupt kom- 
men bei allem diesem noch verschiedene Verhältnisse in Be- 
tracht, deren Erörterung hier zu weit führen würde: der 
Reichthum, die Natur und Schnelligkeit der Entwickelung 
iler Quelle, die Anzahl und die Maas- Verhältnisse der Höh- 
lungen, die Form innerer Zwischen -Wandungen , die Art 
und Laije des Gesteins und seiner Risse an den Grenzen 
der Höhle, der Lauf oder Zug dieser Risse und ähnliche 
BerlinguDgen. Auch bilden sich solche Höhlungen nicht 
bloss im leicht lösbaren Felsnrten. Sie sind vielmehr in bla- 
sigen plutonischen Gesteinen, wie in vielen neptunischen 
von bedeutender Festigkeit ohnediess vorhanden. 

Allseitig in jeder Sphäre zeigt die Natur auch in dieser 
— Übergänge sowohl, als Extreme, nach jeder 
Richtung: in plutonischen, wie in neptunischen Kreisen und 
in Erscheinungen, worin beide sich begegnen. Die Thätigkeit 
unterirdischer Gase im Grossen zeigt sich selbst im sto ss- 
weisen Auftreiben (S. 340) plutonischer und vulkanischer 
Massen, weiches entfernt im Kleinen und in Bezug auf 
ne])tunische Mittel-Prozesse selbst an das oberflächliche, 
A rte ri e n -artige Aufsprudeln verschiedener, z. B. der 
Carlsbadcr Thermen erinnert*): Erscheinungen, in welchen 
die gegenseitige Vergleichung und die Parallele mit den Ur- 
sachen der periodischen Quellen zu einem Minimum ver- 
schwindet. 

Grossartige, eigentlich neptunische, gleichfalls mehr dem 
Anschein als der Sache nach verwandte Erscheinungen, 
wie die Veränderungen des Zirlinitzer und ander e r S ee'n, 
die im Gebiete Höhlen-reicher Felsartcn liecren, häno^en mehr 



*; N. Jaliiü. ii^iH, 111. 2( 



— 390 — 

von atmosphärischen und klimatischen Prozessen , von iler 
Zu- und -Abnahme des Wassers überhaupt ab, welches zu- 
mal in den mächtigen Höhlungen der Jura-Gebilde, nach me- 
teorologischen Gesetzen , je nach der Jahreszeit leicht zu- 
dringt und abnimmt. Immer aber behalten diese Erschei- 
nungen noch entfernte Ähnlichkeit mit den genannten. 
Ganz- oberflächlich uod irrig bleibt aber die alte , von sog. 
Naturphilosophen wieder aufgewärmte Verg'eichung periodi- 
scher Quellen mit dem Ebben- und -Fluthen des Meeres. 

Verzeihen Sie diese Abschweifung : in einem Wunder- 
Lande, wie Böhmen^ dessen geologische Räthsel schon im 
Jahre 16S3 unseren Leibnitz , z. B. in seiner Protogaea*) 
beschäftigt haben, weilt man so gerne in Gedanken bei ver- 
wandten Wundern, sieht mit Leibnitz so gerne das eigen- 
th um liehe Wirken in jeder Erscheinung und doch zu- 
gleich in jeder das Spiegelbild aller, die Harmonie der ,jthä- 
tigen Natur^^.**). 

Aus diesem Allem und dem Vorhergehenden erhellt 
deutlich, in welcher Vervtirrung die Theorien unserer 
heutigen, so sich nennenden Natur- Philosophie schwanken, 
welche wahrhaft gierig, in Allem sich selbst und allen That- 
SRchen zu widersprechen — ohne zu wissen , wie ihr ge- 
schieht — mit demselben Munde , mit welchem sie lehrt, 
alle Älineral-Quellen seyen vormals Thermen gewesen, zu- 
gleich behauptet, kalte und warme Mineral-Quellen stünden 
in gegenseitig p olar isc he m Verhältnisse, welches bedingt sey 
von jener „galvanischen Batterie" der Gebirgs-Lagen ! (S. 385). 
— Dadurch wollte sie , statt durch die einfache Natur der 
Sache, selbst die chemische und medizinische Äbnlichkeifc 
und Unähnlichkeit der Carlsbader und Marienbader Haupt- 
Quellen erklären! 

Weit einfacher, wenn auch gleich unhaltbar, doch der 



*) Z. B. S. 81 cd. Scheid, Götling. 1749. 

**; Vis illa — intimam corpoium jiatnram constituens. Leibmtz Oper« 

Otnnia cd. DoiErss G<"ijev«e 1768, T. II J, S. 315 — ipsos luiites 

IVl<>cl)dniüiiii etc. a. a. O. Tom. Hl, S. 353 etc. 



— 391 — 

Bildnngs-Stiifo seiner Zeit angemessen, war früher Göthe'i 
Ansieht, die zur Erklärung der Carlsbader Thermen die 
Töpl zu Hülfe nahm, die über die Sprudel-Kruste fliesst. 
Schon V. HüFF hat diese Verhältnisse beleuchtet. — Die 
Töpl hat ihren Namen von teplo, böhmisch warm, nicht 
von Man'enbady das gleichwohl ihrer Quelle ziemlich nahe 
liegt, sondern von Carlsbad, dem berühmtesten Ort, den sie 
besj)ült. Und die Marienbader Quellen sind weder in vor- 
historischen, noch irgend in späteren Zeiten erkaltet. Aller 
Analogie zu Folge haben sie dieselbe Temperatur seit ihrer 
Entstehung. Seit dieser haben sich die wesentlichen Be- 
dingungen derselben, die ich im Allgemeinen schon ange- 
deutet habe , nicht geändert. Die Zeit ihrer Entstehung 
war aber die Zeit des Diluviums der Böhmischen Regionen, 
wenn sie (S. 3S3) die Zeit der jüngsten ßasalt- Erhebung 
im Grossen war *). Und dafür muss ich sie , wie die Bil- 
dungs-Epoche der Töplilzer und der Carlsbader Quellen, er- 
klären, wenn ich gleich**) die Vermuthung aufgestellt habe, 
dass eine spätere mächtige Erschütterung den Böhmischen 
See-Kessel entleert, die alten Katarakten der Sächsischen 



*; Vergl. N. Jahrb. 18SS , VI, 665—674; iS3^ , II und III. Ferner 
1836, Vj 576 mit „IN ep t u n is m u s und Vulkanismus", Stutt- 
gart 1834, S. 140. 
**) In der Athene 1834, Heft III, S. 171 (mit 290), in meiner Schrift: 
über den Ursprung der Menschen und Völker, nach der mos. 
Genesis, Nürnberg 1829, § 139, S. 219 , im N. Jahrb. iS33, 
IV, 416 ff. mit i833, VI, 671, im „Neptun ismus und Vulka- 
nismus", Stuttgart 1834, S. 143 ff., an letzter Stelle zur Er- 
gänzung einer geistreichen Hypothese Cotta's im N. Jahrb. 1834, 
II, 150 über die Bildung des Elb-Tfuiles, dessen bloss erste Grund- 
lage nach meiner Ansicht die jungen Granite desselben, dessen 
U'tzte Ausbildung aber die Basalte erst entschieden haben: die 
Etüe ist nicht älter, als diese Basalte, älter aber als 
die Entleerung des böhmischen Seebeckens. Vergl. N. 
Jahrb. 1834, III, 282, über Fluss - Bildung im Allgemeinen. — 
Der jüngste Carlsbader Granit scheint übrigens älter, als der 
jüngste des Elb-Thales , dem er nur in einem Punkte, nur wo 
er als Schriftgranit ausgebildet ist, nahe kommt. N. Jahrb. 
1834, 111, 267, not. 



— 392 — 

Schweifz vollenrls gesprengt und dadurch vielleicht die sog. k i m- 
briseheFhith hervorgerufen habe. Grosse Veränderungen 
brachte allerdings diese, obgleich partielle Fiuth mit sich. 
Sie mochte z. B. , wenn sie bis dahin vordringen konnte 
( — ich erinnere mich der örtlichen Zvvischen-Verhältnisse da- 
bei nicht genau — ), vielleicht v. Schlotheim's falsche 
Anthropoüthen auf das Lager acht diluvischer Reste geführt *), 
mochte vormals unterseeische Quellen in Böhmen 
von alter Wasser - Bedeckung befreit haben; wesentliche, 
die Temperatur dieser Quellen von Grund aus bedingende 
Umbildungen konnte sie nicht hervorbringen , selbst dann 
kaum, wenn man erst zu dieser Zeit den Kammerbühl bei 
Hger, den Hr. Cotta. so schön beleuchtet hat **), entstehen 
lassen wollte, den denkwürdigen Hügel, der zu dem Zuge 
der Basalte gehört , die das Fichtel-G ehirge umgeben , viel- 
leicht das jüngste , das schwächste Glied dieser Kette, der 
Begleiter der letzten Hebung, welche den benachbai'ten 
Bergen die heutige Gestalt gab. 

Von den Carlsbader Quellen werde ich nachweisen, 
dass sie den dortigen Basalten , welche spätestens der dilu- 
vischen Katastrophe gehören , ihre Bildung danken. Mit 
dieser Katastrophe sind auch die Grund-Bedingungen der 
Marienbader Haupt - Quellen gegeben: auch sie sind treue, 
Sj)rechende Zeugen dieser jüngsten basaltischen Katastrophe: 
Mineral-Quellen, fast überall Begleiter der Basalte "''")♦ 

Durchaus unhaltbar ist also die Ansicht derjenigen, die 
im Marienbader - Thale Spuren eines Kraters , in Carlsbad 
einen unterirdischen Vulkan, ja in der Sprudel-Schaale eine 
Krater-Decke, wie in den Solfataren af« Pozzuoli^ suchen. 
Die Basalte der Umgebung gehören nicht unserer vulka- 
nischen, sie gehören der letzten acht plutonischen 

*) Vergl. meine „Vermischten Aufsätze", Kempten 1833, S. 171 fF. 
(Athene III, 171 fF). 
**) Vergl. meine Bemerkungen im N. Jahrb. i833, VI, 670 flF., iS34, 

III, 262. 
***> Italien j Berlin 1837, S. 27, 67. N. Jahrb. 1833, VI, 663 ff. mit 
±834, III, 281 ff., 292 ff., 295 ff.^ II, 166 (auch i833j II, 415). 



— 393 — 

Thäfigkeit, ilirrm Wirken im Grossen an. Eigentliche 
Vulkane sind nach meiner Ansieht*), so gnt als eigent- 
Jielie Gletscher**), nicht älter als die dilnvische Zeit. 
Vorzeitlicher Vulkanismus ist Plutonismus: diesem also, 
seiner dauernden Wirksamkeit, danken als letzte Zeugen 
und Symptome derselben , ächte Mineral - Quellen Daseyn 
und Dauer, 

b) Verthpijung der Marie nbader Quellen. 
Das Marienhailer Quellen -Thal ist zwar durch vielsei- 
tige Revolutionen gebildet, doch keine so steile und scharf 
bestimmte Vertiefung, keine so förmlich zerrissene, so win- 
kelig gebrochene Schlucht, wie das Carlsbader, Die letzte 
grosse Umwälzung, welche Böhmen traf, wirkte in Carlsbad 
energischer, als in Marienbad, Die Thal-Form oder vielmehr 
die Ereignisse, welche diese Thal-Form hervorgerufen haben, be- 
dingen daher hier eine andre Vertheilunor der Mineral-Quellen. 
In Carlsbad folgt die Quellen-Vertheilung dem Gesetz der Bil- 
dung einer einfacheren oder entschiedeneren, weit mächtigeren 
Spalte des Gebirges. Auffallend scheidet sich in Carlsbad das ei- 
gentliche Quellen-Gebiet von den übrigen Thälern. Alle Quel- 
len, der Säuerling (S. 387), wie die Thermen, und unter diesen, 
wie ich fand, selbst der junge ÄlarJit- oder Ferdinands-Brunn^ 
liegen in Einer Linie, in der Einen Spalte des Haupt-Thales, 
die unter dem winkeligen Berg - Vorsprunge der Schlucht, 
unter dem Laurenzberg ^ in mächtiger Tiefe sich fortsetzt, 
die Thermen überdiess alle im Bereiche des plutonisch zer- 
rissenen Schlossberges. Ganz anders iiv Marienbadj welches, 
wie gesagt, mehr ein Kessel-Thal bildet. Zahlreiche Risse 
brechen da in kreutzender Richtung aus unter sich zum Theil 
abweichenden, doch verwandten Fels-Arten zur Oberfläche 
durch und scheinen sich in bestimmter Eigenthümlichkeit 
weithin zu verbreiten. Daher sind in Marienbad oft nahe 
liegende Quellen an Gehalt sehr verschieden und in der 



-) N. Jahrb. 1834, HL z. B. 260, 298. 
**) N. Jahrb. i834, III, 296 u. ff. (II, 177) 4. mit i840, 219 ff. 



— 394 — 

Umgebung (man zählt da über liundert Mineral Quellen) unge- 
gemein zahlreich. Und vielleicht rührt es zum Theil auch 
daher, dass viele Varietäten des Marienhader Granites, na- 
mentlich des äheren, in ziemlicher Nähe der Quellen, wo 
ich den Granit seit 1S20 wiederholt und damals an vielen 
Punkten aufgeschlossener, als jetzt sah , einer stärkeren 
Zersetzung unterworfen sind, als im Durchschnitt der Carls- 
buder älteste Granit , der übrigens so gut als der jüngere 
an manchen Stellen, die etwas entfernter von den Quellen 
sind, in fortwährender Auflösung begriffen ist. 

Es würde der Mühe lolmen , die Fortsetzung dieser 
sich queerenden Linien, in welchen die Marienbader Quellen 
streichen , auch die der zahlreichen meist zwischen N.O. 
lind S.W. durch die Risse der Granite tief enipordringen- 
den Gas-Quellen, weit hinaus über die Punkte, wo sie 
sich schneiden, zu verfolgen, wie man die Vulkanen-Linien 
Italiens '•') und anderer Länder verfolgt hat. Man würde 
über Franzens brunn , über Carlsbad und Töplitz neue Auf- 
klärung gewinnen **). — Von allen diesen Bädern scheint 
Carlsbad durch die mächtigsten Risse mit dem pluto- 
nischen Heerde der Tiefe verbunden zu seyn. Wenigstens 
blieb es beim Lissaboner Erdbeben (1755) ruhig, welches, 
ganz Europa bis an Russlands Grenzen, Amerika , Afrika 
und die Südsee schlagend, auf die Töplitzer Quellen em- 
pfindlich wirkte. 

IIL Gebirgs- Arten in und um Marienhad, 

Der Gebirgs-Zug, dem die Einsenkung des Marienhader 
Quellen-Thaies angehört, enthält Zeugen der ältesten und 
der jüngsten Erd - Katastrophe : nämlich platonische 



•) Vergl. mein Italifii^ Berlin 1837, die dritte Vorlesung. 
**) Selbst die schwache Quelle des schonerr Alexander- Bades am 
Fussc ^er Luisenhurff, nach meiner Ansicht von gleichem Alter oder 
doch durch die Basalt-Erhebung im Fichtel- Gebirge hervor- 
gerufen) niüsste nebst allen Mineral - Quellen der Nahe in die 
Vergleichung gezogen werden. 



— 395 — 

Schiefer und Basalte. Bereits habe ich bemerkt, das» 
in der Nähe von Marienbad Basalt zu Tage tritt, verspare 
aber die Beschreibung dieses Basaltes auf gelegenere Zeit 
und bemerke hier nur, dass die Züge der Böhmischen Ba- 
salt-Kuppen zwar zu den bekanntesten Deutschlands 
gehören, doch raanchfaltiger Aufklärung noch bedürfen und 
mit den Basalten des Fkhtelgehirges im Zusammenhange 
zu betrachten sind. 

Die Haupt -Felsart des hiesigen Kessel-Thaies ist Gra- 
nit; dieser Granit erstreckt sich weithin gegen N. und 
N.O, Auch gegen W. tritt er unter plutonischen Schiefern 
wieder mächtig hervor. Gegen S. hat er diese Schiefer 
weniger verdrängt. Da herrschen s i e vor, und schon hier 
sind sie vorhanden, Alter, wie ich (S. 405 flp.) zeigen werde, 
als der älteste ächte, d. h. als der bestimmt von ihnen un- 
terschiedene*) Granit, sind sie doch von diesem zuerst durch- 
brochen worden. 

Ausserdem treten in der Nähe von Marienbad noch 
andere Fels-Arten auf, z. B. Serpentine, die ich indess 
übergehe, da zu kurzer Aufenthalt mir nicht Zeit liess, die 
Verhältnisse ihrer gegenseitigen Grenzen zu nntersuchcn.^ 

a) Varietäten in der Struktur des Maricnbadcr Granits. 
Die Haupt-Masse des Marienbader Granits ist dieselbe, 
welche die Petschauer ^ Carlsbader und Elbogner Gebirge 
begründet. Sie gleicht der ältesten Heidelberger und ent- 
spricht im Wesentlichsten jener, welche im Fichtelgebirge 
vorherrscht, von der sich jedoch der Böhmische ^ vorzugs- 
weise der Carlsbader und besonders der Elbogner durch 
untergeordnete, mehr nur oryktognostische, als geogno- 
stische (S. 401 flP.) Momente, n;imentlich durch Form, An- 
zahl und Grösse der Feldspnth-Zwillinge unterscheidet. 

Im Ganzen aber theilt der Marienbader Granit mit dem 
Carlsbader nicht zwar die Porphyr- ähnliche Physiognoniio 



*) N Jahrb. iS.94, III, 254. ff. 

Jalirgung 1840. 2Ö 



— 31)6 — 

der Berg-Formen, doch jene Porphyr-artige Struktur, die 
mit kleineren oder grösseren FeJdspath-KrystalJen in be- 
kannter Art und Vertheilung der Gemengtheile den ältesten 
Granit vielleicht überall da charakterisirt, wo er in ge- 
waltigen Massen weithin sich verbreitete und somit durch 
langsamere Erkaltung über einem ruhigen oder durch Er- 
schütterung bewegten Boden eben jene Ausbildung erlangen 
konnte *). — Im Marienhader Granit traf ich viele derselben 
Varietäten**), welche Göthe zuerst im Carlshader aufge- 
zählt hat, besonders mehre jener berühmten Abänderungen 
und Veränderungen des Feldspaths, z. B. braunrothen 
mit erdigem Bruch und durch Pseudomorphose ***) Speck- 
stein-ähnlichen oder Steinmark- und Kaolin-artigen****) gelb- 
Jich-weissen , grünlich-gelben, selbst Spargel-grünen,^ in der 
Hauptsache unter gleichen Verhältnissen der Übergänge, 
der ßegränzungs- und Verwitterungs-Flächen, wie in Carls- 
had. Nur den blutrothen Feldspath Carlsbads vermisste ich 
im hiesigen Granit, vielleicht nur, weil es mir an Zeit ge- 
brach, die ganze Gegend zu durchprüfen. Hier, wie dort, 
überziehen mitunter graulichgrüne und blassgrünliche Massen 
die Flächen einzelner zerklüfteten Lagen des Granits, wo die 
Verwitterung den Feldspath ergriffen hat. Auch die Varie- 
täten der übrigen Gemengtheile sind häufig so wie in Carls- 
bad, nahezu dieselben. Auch hier fand ich z. B. rauchgraue 
Ouarzkörner, krystallinische öuarze mit Tur mal inen. 



'^) N. Jahrb. 1834, 11, 255 S. Über die Bedingungen z. B., welche die 
Bildung von Zwillings-Krystallen voraussetzt, ist man noch 
sehr im Unklaren, obgleich die Chetiiie bekanullich von gewissen Sub- 
stanzen «chon künstliche Zwillings-Kry stalle gebildet hat. 
**; Mehre derselben hatte ich bei Göthe in Marienbad selbst schon 

gesehon. 
***) N. Jahrb. 1834, in, 270 ff. mit II, 158 not. 
****) Diese Substanzen sind hier und an anderen Orten meines Wissens 
noch nicht genau untersucht, obgleich Fuchs in den Denkschriften 
der Ak. d. W. zu München für 1838 und 1839 durch Untersuchun- 
gen des sogenannten Porzellan-Spat h es (wahrscheinlich Feld- 
fipathes) schon lange her die gründlichste Aufmerksamkeit auf 
diese und ähnliche Gegenstände gewendet hat. 



^ S9T — 

so wie schwarzen 5 schwarzgvünen und tombackbrau- 
nen Glimmer, letzteren, wo sich Spuren eigen thümli- 
cher Gegenwirkungen auf die ursprünglich feuerflüssigen 
Massen verrathen ; eben so die Turmaline nur in Graniten 
von jüngerem Ansehen, dagegen Hornblende in einzelnen, 
wie ich weiter unten (S. 405) näher zeigen werde, einge- 
schlossenen Trümmern eines Gneiss-ähnlichen oder Glimmer- 
schieferigen älteren Gesteins. 

b) Granite verschiedenen Allere. 

In Marienbad greifen verschiedene Formationen in ein- 
ander. In ihrer Darstellung mit nöthiger Kürze Deutlich- 
keit zu verbinden, bemerke ich sogleich, dass ich in dem- 
selben Granit, der die erwähnten Bruchstücke eines fremden 
Gesteins einschliesst und dem Heidelberger ältesten parallel 
ist, Adern und Gänge jüngeren Granits fand, der 
sich durch Reichthum an Feldspath und Turmalin auszeichnet. 
Sie haben also auch hier zwei granitische Bildungen, welche 
beide nicht nur den Heidelbergern entsprechen, sondern noch 
dadurch bedeutungsvoll werden, dass sie näheren Auf- 
schluss über das relative Älter jenes älteren 
Granits geben, weil dieser durch eingebackene Trümmer 
eines noch älteren Gesteins , welches in Heidelberg fehlt, 
— sich auszeichnet, und diess wird noch sprechender, 
wenn wir die Gegend im Allgemeinen betrachten. Ich hatte 
das Glück, dasselbe Verhältniss in Carlsbad, besonders deut- 
lich in Elbogen und selbst im Fichlelgebirge (S. 405 ff.) zu 
finden. In Marienbad sah ich es an mehren Punkten, gleich 
zuerst in der Nähe des vielbesuchten Friedrichsteins, der, 
nach einem edlen Fürsten benannt, — nicht bloss durch 
seine Gestalt und Aussicht , sondern selbst durch seinen 
Cliarakter, durch seine nähere und fernere Umgebung in- 
teressant ist. Vorerst darf ich indess 

1) nicht verschweigen, dass ich bis je'tzt (S. 412) an al- 
len diesen Stellen, dass ich in Böhmen und im Fichtelgebirge 
mit Bestimmtheit nur zwei Granite offenbar ver- 
schiedenen Alters fand, und dass selbst in CarUbady 

26* 



— 508 ~ 

wo sich vielleicht «m ersten drei Formationen anzukündigen 
scheinen, der unterschied, den man zwischen einem jün- 
geren und jüngsten finden könnte, in Bezug auf das Alter 
höchst problematisch ist, wenigstens an allen den Punkten, 
die ich aufgefunden habe. Das Granit- ähnliche Gestein 
nämlich, das ich im alten Granit eingeschlossen fand, war 
nicht eigentlicher Granit, sondern älterer, nur stellenweise 
ans Granit - artige grenzender Gneiss und Glimmerschiefer, 
die Unterschiede aber, welche die jüngeren Granite unter 
sich zeigten, verschwanden in blose Varietäten. Zwischen 
dem ältesten und dem jüngsten hiesigen Granit traf ich keine 
selbstständige Mittel-Bildung, und, was jünger als dieser 
oder älter als jener war, ist wenigstens hier nicht mehr Granit. 

Wie der CarUhader , sondert sich der Marienhader 
Granit an mehren Stellen in Lagen, welche verschoben, in 
nicht ganz senkrechter Richtung auf die verschobene Lage 
zerklüftet und stark zersprungen sind. Hie und da kommt 
eine öuelle gewöhnlichen Wassers aus solchem Ge- 
stein. Nur an wenigen Zwischen-Flächen verrathen verschie- 
dene Lagen des Granits schwache Spuren einer Reibung an 
sich; diese Spuren bleiben aber zweideutig, werden wenig- 
stens nirgends, wo ich sie hier sah, wahre Spiegel*). An 
einer Stelle unterscheidet sich ein feinkörniger Granit, der 
sich in zahlreichen schmalen Lagen (ganz wie man denselben 
auch in Carlsbad trifft) mit grünlichem, Speckstein - oder 
Steinmark-artigem Überzug der einzelnen Flächen absondert, 
— ziemlich bestimmt von einem ihn unmittelbar überlasten- 
den Granit groben Kornes. Nur dieser letzte führt die 
charakteristischen grossen Feldspath-Krystalle, Die Grenze 
zwischen beiden war indess weder so frisch, noch so weit 
aufgeschlossen, dass ich wagen möchte, beide für zwei 
Formationen zu erklären. Oryktognostische Merkmale, die 
zu einer solchen Trennung berechtigen könnten, sah ich 
nicht. Die Ähnlichkeit dieser Stelle mit einigen anderen 



•") Vgl. N. Jahrb. i834, lll, 260, 264. 



^ 399 "- 

in Carhhad lässt mich noch weniger an zwei Formationen 
glauben. Sollten es aber aucli zwei seyn, dann hätten wir 
in diesen Regionen Granite von dreifach verschiedenem 
Alter, weil sich diese beiden wesentlich von den sogenann- 
ten Feldsa th-Gangen, d. h. vom jüngsten hiesigen Gra- 
nit unterscheiden. Die Natur thut aber, wie Aristoteles 
sagt, nichts umsonst, — und jede Hypothese, die ihre 
Einfachheit gefährdet, ist irrig, überdiess sah ich ganz 
ähnlichen feinkörnigen Granit in jenen selben grobkörnigen 
nicht bloss allmählich, sondern häufig auch sehr schnell 
übergelien , wo vielleicht eine schnellere Erkaltung einge- 
treten war. Dasselbe Stück ist auf der einen Seite grob- 
körniger , auf der andern in sehr ähnlicher Art, wie jene 
Lagen, feinkörniger: Verbältnisse, welche, gleich anderen 
ähnlichen , auf die oben angedeuteten Gründe zurückführen, 
auf Freiheit und Widerstand, auf Mächtigkeit 
und Ausbreitung der Masse, auf Schnelligkeit und 
fjangsamkeit des Ausbruchs, der Stadien dessel- 
ben, auf Hitze, Erkaltung, Erschütterung, 
Ruhe oder eigenth um liehe Störung etc. der schon 
ergossenen, oder durch neues Nachdringen*) 
von Massen derselben Art sich fortsetzenden 
Bildung. Solche Bedingungen gelten mehr oder minder 
bei allen, zumal den älteren plutonischen Fels-Arten, auf ei- 
ner damals noch schwächeren, noch minder er- 
kalteten (S. 412) Er d- Kruste. Die einfachsten Mo- 
mente dieser Verhältnisse kommen schon bei der ersten, 
bei der Bildung der Erd-K rüste selbst **) in 



*) S. oben, S. 389, und N. Jahrb. i834, III, 260, 264 ff. mit 256 ff. 

**) N. Jaljrb. 18S4:, IJI, 255 ff., 265, 267 ff. gibt darüber nähere Aiif- 
schÜisse. Dort ict nüniüch von Granit übeihaupt III, 264 ff., von 
Heidfiberger II, 204, lll (265) 273 (272 not. 300), von der Natur 
des granilischeii Teiges in d»'r Tiefe III , 255, 260, 261 (II, 171, 
183), von der Form und veran'i/jtlichen Sch-ihlung^ des Granits 
111, 256 ff., von seinen Übergängen III, 264, seinem Gefüge III, 
255 ff., Korn lU . 266 ff., von seinen fcügen*nnten zufällige« Üe- 
fctuiidtbciUn III, 268 etc. *^.U . die P^ede. 



— 400 — 

Betracht. Für die Granite, die uns hier beschäftigen, sind 
alle von Bedeutung. 

Mitten in der Masse, wo sieh diese mächtig ausgebrei- 
tet hat, ist der ältere Granit gern grobkörnig, feinkörnig da- 
gegen mehr auf seinen Gipfeln. An vielen Punkten, wo dieses 
auf ausgezeichnete Art zu sehen ist, besonders in Carlshad 
und Elbo gen, fand ich umgekehrt den jüngeren Granit hart 
an der erkaltenden Grenze des älteren weit grob- 
körniger, als diesen und zwar an Stellen, wo der letzte 
selbst unmittelbar an dieser Grenze , wie im Innern durch 
grobes Korn sich auszeichnet, Diess ist dasselbe Vorkommen, 
wie in Heidelberg, und so habe ich es im N. Jahrb. 1834, 
II , 266 in Vergleichung mit noch jüngeren Graniten Sach^ 
sens und Nord - Amerikas dargestellt. Ausdrücklich muss 
ich indess erklären, dass diese Thatsache, weit entfernt, 
jener oben erwähnten zu widersprechen, dieselbe von einer 
neuen Seite beleuchtet. Das gröbere Korn des jüngeren 
Granits an den Grenzen des alten verräth nämlich sehr 
deutlich die Störung, welche dessen Entwicklung in den 
eng gebrochenen Gängen erfahren hat. Der ältere Granit 
ist sowohl, wo er grobkörnig, als wo er feinkörnig sich 
ausgebildet hat, sehr gleichförmig gemengt, und wo im In- 
neren seiner mächtigen Massen die Grösse der Feldspath- 
Krystalle dagegen zu sprechen scheint, zeigt sie vielmehr 
die grosse und eigenthümliche Krystallisations-Kraft dieses 
Minerals im Verhältniss zu anderen *). Der jüngere Granit 

*) So sehen wir z. B. an unseren heutigen ThermeR niemals meines 
Wissens die Kiesel-Erde krysfallinisch ausgebildet. Die Beleg- 
Stücke, die man aus der Auverit:u dagegen anführt, setzen tiefere und 
ältere Biidungs-Prosessft voraus. In) Ailgcmeinen ist die Fähig- 
keit V e r s c h i e d e n e if M 5 n e r a 1 i e u , s c h f? e 1 1 e r oder lang- 
samer zu krystallisiren, noci» sehr räthselliaft. Der Grad 
der Schmelzbarkeit allfin entscheidet nicht. Sonst müsste 
man mit Bestimmtheit sajrcn: erst sey der Quarz, dann Feldspath 
und Glimmer im Granit erstarrt, während Vieles auf g l eic h zei- 
tige Scheidung und Krystallisation der Gern engt iie'ile 
de» Granites hinführt. In diese Betrachtung greifen die manch- 
faltigsten Bestimmungen ein, selbst die Fähigkeit gewisser 



^ 401 — 

ist dagegen, wo er grobkörnig wird, sehr ungleichmässig gebil- 
det. Bald treten, ohne sich völlig ausznkrystallisiren, krystal- 
linische Feldspathe, bald krystallinische Quarze höchst 
überwiegend, mitunter auch grosse Glimmer-Blätter an den 
Grenzen des älteren Granits weit roher und ungleichraässi- 
ger hervor, als in jenem, mitunter roh bis ins — Extrem, 
bis zum Anschein eigner Feldspat h- und Quarz- 
Gänge*;. — — 

2) Ferner wage ich weder zu behaupten, noch zu läugnen, 
ob all er Granit oder nur ob &.\\ev Böhmische ^ wenn er Tur- 
malin führt, zum jüngeren zu rechnen sey. Zu solchen Unter- 
suchungen gehört der Komplexus aller Merkmale **)♦ 
Einstweilen kann ich bloss sagen, dass ich hier nur im 
Granit jüngeren Ansehens, im Granit, weicher den älteren 
durchsetzt, Turmalin gefunden habe. Bei so alten Gebil^ 
den, wo die Verschiedenheit der durchbrochenen Lagen we- 
niger in Betracht kommt, scheint mir indess die Ausbildung 
solcher, so bestimmter oryktognostischer Momente für die 
Frage nach dem Alter derselben allerdings von grösserer 
Bedeutung, als bei jüngeren, bei denen sie gleichwohl 
keineswegs unerheblich ist***), obgleich z. B, die 
Lava des Epomeo nie Leuzite enthält, an denen die 
des nahen Vesuv's doch häufig unermesslich reich ist ****). 






*:;»♦* 



Mineralien, in ihre KrystaIHsation andere mit aufzunehmen, 
wie Kalk sandige, Quarz chloritische Theile: ein Punkt, über 
welchen Blum's Lehre der Pseudomorphosen beachtenswerthe Auf- 
schlüsse geben wird (vgl. N. Jahrb. 1834, II, 158 Not. III, 
270). (Unsere künstlichen Feldspath - Krystalle sind bekanntlich 
sehr klein. Klein sind auch die Feldspath - Krystalle des älteren 
Granits da, wo dieser schnell erkaltete — ein Verhältniss, parallel 
einem andern, welches ich im N. Jahib. 1834, HI, 270 ff, not. 
berührt hahe.> 

') Worüber eine folgende Note handeln soll. — S. 403. 

) N. Jahrb. 1834, III, 272 ff., 256 ff., 266 ff. 

') N. Jahrb. 1834, Ilf, 265 ff., besonders 270 über Augit und Horn- 
blende mit HI, 271, über die Formen des Granats III, 272 ff. 
über Turinfiliii im Granit. 

) Dieses Vi'jhaU.'jiss habe ich im N. Jahrb. und in meinem Italien 
zuiu Theil durcjj V e r s c h i e il e n h e i t der durchbrogheuco Fels- 



— 402 — 

Ahnliche Wechsel lassen sich viele aufzeigen. Je beach- 
tenswerther mir aber bei älteren und selbst bei jüngeren 
Fels-Arten alle oryktognostischen Momente zu seyn scheinen, 
desto weniger kann ich einem ausgezeichneten Naturforscher, 
Hrn. Haidinger in Elhogen , beistimmen , welcher dort fast 
eben so viele Granit- Formationen anzunehmen geneigt ist, 
als Berge vorhanden sind. Gerade die Beachtungswürdig- 
keit solcher Merkmale fordert die grösste Vorsicht. Man 
darf sich durch sie nicht zu leicht bestimmen lassen. 

3) Muss ich bemerken , dass ich in Mitten des Granits 
von Carlsbad, Elbogen und dem Fichtel- Gebirge die Trüm- 
mer jenes plutonischen Schiefers bis jetzt immer nur im 
älteren Granit, bei Elbogen aber in diesem selbst vom jün- 
geren wieder durchsetzt sah. Der ältere hatte nämlich in 
diesen Gegenden, so weit ich sie untersuchte, schon 
aufgeräumt, und der spätere Granit konnte hier nur ihn 
noch in sich schliessen, doch an Stellen, wo dieser Blöcke 
jenes Gneiss- artigen Gesteins enthält, ihn so durchsetzen, 
dass er zugleich diese Blöcke mit durchdrang. Wo indess 
der jüngere Granit zwischen dem älteren und der uralten 
Schiefer - Formation sieh Platz machte , wo er nicht bloss 
im älteren Granit aufsetzte, sondern über dessen sichtbares 
Gebiet hinaus selbstständig zu Tage trat, da mochte er 
leicht Trümmer jeder älteren Formation in seiner Masse 
mit einschliessen. 

Bemerken Sie dabei Folgendes: 

Jenes Gestein, dessen Bruchstücke der hiesige Granit 
enthält 5 ist ganz analog den Trümmern desjenigen, das ich 
in Carlsbad schon 1S27, dann wieder ISSl und später 
videderholt im Granit eingeschlossen fand, und welches ich 
Ihnen vorzeigte, als Sie mir im Jahre 1833 bei meiner An- 
kunft in Heidelberg Ihre Beobachtungen an den dortigen 
Graniten mitgetheilt hatten. Sie erinnern Sich , dass ich 
Ihnen damals schon erklärte, die berühmten Carlsbader 

Arten und durch die Art des Durchbruclis, aKso durch Neben-Bedlu- 
guugea '6\x erklären vorsuclit. 



— 403 — 

Feldspatli-Adern sanimt und sonders seyen nichts als Gänge 
jüngeren, Feldspath-reichen Granits, der an anderen Stellen 
«ueli sehr Quarz-reich sey und Turinalin im Quarz führe, 
"wovon ich die Beleo-Stücke noch besitze. fm dritten zu 
Kempten 1S32 erschienenen Hefte meiner Athene*) habe 
ich (z. B. S. 2S4) auf die verschiedenen Epochen der Carls- 
bader Granit-Bildung, welche selbst v. Hoff in seiner treff- 
lichen Monographie verkannt hatte , hingewiesen und im 
K Jahrb. schon 1834, IV, S. 416 und n., ferner 1834, 
III, 254 n., 257, 265, 266, 273 etc., näher darauf aufmerk- 
sam gemacht. Sie erinnern sich ferner, als wir 1833 mit 
Freund R. Blum beim schlechtesten Wetter durch Carlsbad 
kamen, dass ich Ihnen nicht Ruhe noch Rast liess, bahnlos 



*> Wieder abgfdt ui kt in meinen „vei luisf hren AuTs.ffzen", deren 
Sammlung zu Kemplen 1833 etseli/euen ist. E< wäre mii- noch 
lieuie unbegicifhcb , wie man die grauitische Naiur jener .soge- 
nannten Ftidspjlh- Adern verkennen konnte, hätte ii h nicht mei- 
stens über all, wo man heute von Fe!dspi,lh- Adern spri« bt 
(selbst an einigen Punkten unweit Gn.shHn), d:».sselbe Miiäsveiständ- 
niss der Angaben, der Thalsjtclie geiunden, dass der jüngere 
Granit, aumai wo er grobkörnig wird und eng zwi- 
schen altere Gesteine sich eindrängt, häufig so un- 
gleichförmig sich ausbildet, dass er den Anschein ei- 
ner einseitigeren Fels Art erhält, s. oben S. 401. Daher 
will ich im Allgemeinen bemeiken, dass ich Gegenden kenne, 
wo »ugeoscheitilith dieselbe Epoche, die sehr Feldspath-reiche 
Granile hervortiirb, oft ganz nahe an diesen, mithin aus der*>elben 
Tiefe — (vgl. N. Jahrb. 1834, 11, 171 flf. , 185, III, 254 ff.) — 
nicht bloss GH mm e r - r eich e , sondern selbst ausgezeichnet 
quarzige Granit-Bildungen heraufführte , auf wclthe letzten ich 
indess A. v. Hümboldt's bekanntes Urtheil in diesem Fall nicht 
ganz beziehen kann (N. Jahrb. 1834, III, S. 256 mit 275 n., 1840, 
lllj 341); ferner, dass ich aus verschiedenen noch anderen Grün- 
den mehr und mehr in der Ansicht nnch bestärkt sehe, die ich 
über das hohe Alter und die plu tonische Bildung bestifnmter 
Quarz Gange im N. Jahrb. i833 , IV, 412 ff., 1834, III, 279 und 
Wotc und anderwärts ausgcKproeben , ohne den scharfsinnigen 
Einwendungen beistimmen zu können, welche mir A. Boue im 
resume des progres des scieiices geologiqKPS peudant ranne*' 1833 
(Bulletin de la societe. geoloyiques d* France, T. V, Paris 1834), 
S. 1S4 machte. (Vgl. v. Leokuard's Geologie zur i^aturgcsch. der 
drei Rtiehe, S. 485;. 



— 404 — 

gei^rordene Wege zu betreten , um Sie an Ort und Stelle 
von der Wahrheit meiner Ansieht über jene berühmten 
Feldspath- Adern zu überzeugen. Sie und Blum stimmten 
mir damals schon bei: im N. Jahrb. sprach ich weiter dar- 
über, und später bezeichnete EzauERRA , mit dem wir über 
die jüngeren Granite gesprochen hatten, gleichfalls das Auf- 
trete« derselben an einem bekannten Punkte bei Carlsbad, 
von dem er eine gar deutliche Zeichnung lieferte. An Ort 
und Stelle liess gerade dieser Punkt besonnene Naturforscher, 
die ich nur an anderen Stellen überzeugen konnte, in Zweifel. 
Er bildet zwar die am besten darstellbare, doch keineswegs 
die am meisten charakteristische Stelle. Auf die Bedeutung 
der verschiedenen Granite für die dortige Quell - Bildung 
habe ich ferner in meinem Italien, S. 67 hingewiesen. 

c) Weitere Beschreibung des Marienbader Granits. Nester, 
Reste und Einschlüsse in Granit. Glimmerschiefer- 
artiger Goe iss. 

Jener alte hiesige Granit zeigt ganz wie der Carlsbader, 
Luisenburg er , wie auch sonst häufig der Granit dieser sel- 
ben Bildungsstufe, — hie und da Gli mmer-P artie' n, die 
so stark vortreten , dass oft nur genaue Untersuchung die 
Überzeugung gewährt, hier sey nichts als Ausscheidung, 
kein Einschluss. Diese Partien bilden nicht allein ganze 
Striche, noch bloss solche Nester, welche in Streifen aus- 
laufen, oder durch fortziehende Streifen mehr oder weniger 
verbunden sind. Sie bilden oft ganz vereinzelte, 
scharf begrenzte Nester, an deren Umgrenzung der 
krystallinische Feldspath und Quarz nicht immer Glimmer- 
arm sich ausbreitet. Und doch sind diese Nester meist 
kleinblättrigen schwarzen oder grünlich-schwarzen Glimmers 
keineswegs bestimmte Einschlüsse, — wie ich bei genauer 
Untersuchung mehrer mich überzeugte *). Aber eben 
dieser alte Granit, der an konzentrirten Partien solchen 



"; Sie gleichen darin sehr jenen auf dor huiseuburg , der^n ich im 
N. Jahrb. 1834, 111, 271 Note gedacbte. 



— 405 — 

Glimmers strichweise so reich ist, schliesst an anderen, oft an 
benachbarten Stellen unverkennbare Trümmer eines Gesteins 
ein, das mir beim ersten Anbhck keine sicheren Kennzeichen 
seines speziellen geologischen Charakters gab: bald schien 
es Granit-artig, bald fast dioritisch, — es enthielt, 
wie ich oben S. 397 bemerkte, hie und da Hornblende. — 
In der Hauptsache zeigte es aber die Natur des Gneissea 
oder Glimmerschiefers. Das Diorit- ähnliche Ansehen, 
welches einige dieser Einschlüsse, die doch offenbar mit 
anderen weniger oder gar nicht Diorit-artigen von derselben 
Natur waren, erinnerte mich an die Veränderungen, weiche 
der körnige Kalk bei Wunsiedel^ &en ich erst Tags vorher 
wieder gesehen hatte, den eingebackenen Stücken Glimmer- 
schiefers ertheilte , welchen er durchbrochen hat *). Nicht 
eher wollte ich mich aber in der Umgegend nach einem ähn- 
lichen anstehenden Gestein umsehen, bis mir die Natur die- 
ser eingeschlossenen Reste aus ihnen selbst klar gewor- 
den wäre. Mehre dieser Stücke zeigten sich an den Gren- 
zen merklich verändert. Nach Innen sah ich die Verände-* 
rung abnehmen, die Stücke selbst Gneiss-artig und nur wo 
sie klein waren, wenig geschiefert erscheinen. Ich hielt sie 
alle zusammen und nannte sie mir im Stillen Gneiss-ar tigen 
Glimmerschiefer, oder Glimmerschief er- artigen 
Gneiss. Und als ich Tags darauf in der Nähe das an- 
stehende Gestein stellenweise stark verwittert fand, sah ich 
in dieser Benennung mich bestärkt. Es ist ein Glimmer- 
schiefer, sehr ähnlich jenem, der in den Sahburger Alpen 
allmählich wirklicher Gneiss wird, ein Gneiss, der in Glim- 
merschiefer übergeht. Nur sah ich ihn in Marienhad nicht 
so grpnitisch werden, wie den Gneiss des Radhausberges 
und Ortsberges bei Gasiem, desto ähnlicher aber dem Glim- 
merschiefer des Fichtelgebirges , von welchem ich — diess 
vorerst wiederholt nur vorläufig zu erwähnen — einge- 
schlossene Trümmer im ältesten Granit des Ochsenhopfes 



*) Meine Bemerkungen im ,N. Jahrb. i834, III, *i78 fif. 



— 406 — 

traf 5 den man bisher für eine durchaus mit sich selbst 
identische Formation erklärt hat, in weichem ich aber aus- 
serdem noch Gänge jüngeren Granits bemerkte, ein Verliäit- 
niss, welches mir gleichfalls, wie ich schon dargelegt habe, 
in Marienbad aufgestossen ist. (S. 397, 407.) 

Was jene Einschlüsse und das anstehende Gestein der- 
selben Art betrifft, so werden Sie über den Namen Gneiss- 
artiger Glimmerschiefer, oder Glimmerschiefer- 
artiger Gneiss nicht grollen. Ich sah sogar dieses 
Gestein in Böhmen so gnt, als im Sahburgiscken ^ selbst in 
jene Art Thonschiefer übergehen , deren Ausbildung 
ohne platonische Mitwirkung zwar unerklärlich bleibt, die 
aber vielleicht zu der ersten, im engsten Sinne — weder 
plutonlschen, noch neptunischen, vielmehr zu jenen der Ent- 
stehung nach einfachsten Bildungen gehört, welche 
die erste Erstarrung der Erd-Oberfläche, den ersten Schei- 
dungs-Akt des Festen und Flüssigen charakteri- 
siren — also einer gährungsvollen Zeit, in der weder ei- 
gentlicher Neptunismus, noch eigentlicher Vulkanis- 
mus als solcher schon vorherrschen konnte — trotz aller 
modernen Theorie'n, die mit Gewalt an Einseitigkeiten fest- 
halten *). (S. 411, 415, n.) 

Durch jenen Doppel-Namen wird das Gneiss-artige Ge- 
stein zu keinem unbestimmten Mittelding. In den bestehen- 
den Terminologien findet sich kein völlig erschöpfender 
Name für dasselbe: es bleibt aber nichts desto minder deut- 
lich und charakteristisch und bedarf so wenig als der Wies- 
hadner chlo ritische Talkschiefer oder talkige Chlo- 
ritschiefer neuer Benennung *'"')• Gerade jene Benennung 
ist die bezeichnende. In der Natur, wie im Geiste, entzieht 



*) Neptunlsmus und Vulkanismus, Stntfg^rrt 1834, S. 164 ff. Meine. 
Ansicht, die ich nusführlifher noch im N. Jahih. 1834, TI, 177 flP., 
203 ff., 111, 253 ff. darüber aussprach, hat schon B. Cotta in 
seinem geülo<;isc!»en Glaubens- Bekenntnisse 1S35 treffend auf be- 
stimmte Arten de» Tiiouschit'fers ausgedehnt. 
•*) N. Jrtbrb. i833, IV, 414. 1804, Ul, 277 ff. 



— 407 — 

sich (las Denkwürdigste überall dem Fachwerk der 
Schulen : es entflieht dem Namen, den mühsame Gelehrsam- 
keit sucht , welche zu sondern strebt, was die Natur ver- 
bunden hält. — Diejenigen behalten Recht, welche Übergänge 
von Gneiss und Glimmerschiefer in einander behaup- 
ten : wo beide nicht zu den ältesten , ersten , einfachsten 
Erstarrungen, nicht zu jenen gehören, die ich im N. Jahrb. 
J8oi, li und 111 näher bezeichnet habe, da sind sie doch 
häutig plutonische Auftreibungen Einer Periode, ja Einer 
Ej)oche, oft sogar in denselben Regionen, Diess eben wird 

auch durch die hiesroen Verhältnisse bestätigt. 

n o 

Mühsam habe ich ein Stück dieses glimmerschieferigen 
Gesteins mit dem einschliessenden Granit herausgeschlagen 
und weiterhin Stellen gefunden, wo verschiedene Gra- 
nite in dasselbe eindringen , deutliche Gänge (doch ohne 
dass ich wahre Spiegel darin bemerkt hätte) in ihm bilden. 
Ein Theil dieser Granite, der mir der ältere schien, könnte 
bald nach der Bildung des verwandten Glimmerschiefers — 
als Zeuge der, wie mir scheint, stets mitthätigen, gleich auf 
die erste von oben ausgehende Erstarrung der Rinde ant- 
wortenden T iefe — emporgedrungen seyn. (S. 412.) We- 
nigstens quoll er in grosser Gluth hervor, wenn er den 
überdeckenden Schiefer schon völlig hart und erkaltet traf*). 
Fester, als sonst jüngere Gänge, ist er mit dem plutonischen 
Schiefer verwachsen. Gewaltsam drang er auch empor: 
er durchschneidet in starken Winkeln die Flächen der Schie- 
ferung des überlastenden Gesteins. Nach Analogie der Hei- 
delberger und derjenigen Granite, die ich unter ähnlichen 
Verhältnissen im Ficlilelgebirge und im Nordwesten der Fö- 
gesen untersuchte, dürfte auch der hiesige jüngere Granit 
bald auf den älteren gefolgt, mithin sehr alt, dann aber weifc 
älter, als die jungen Granite des Elhlhales in Sachsen seyn, 
die ausserdem abweichende Natur zeigen , wie schon oben 
bemerkt wurde. 

An einigen Stellen drang der Granit in den plutonischen 

*) Vgl. N. Jahrb. i634, III, 279 n., 300 d. mit 254 ff. 



— 408 — \ 

Schiefer mit solcher Gewalt, dass er im Eindringen fast 
Konglomerat-artig an seiner Seiten-Grenze sich verlor. An 
einigen solchen Granit - Partie'n aber , welche das Ansehen 
völlig vereinzelter Trümmer hatten, fand ich bei Abbruch des 
zwischen inne liegenden Schiefers unmittelbaren Zusammen- 
hang mit dem anstehenden Granit*), während ich umgekehrt 
bei Elbogen ganze Lamellen glimmerschieferigen Gneisses, 
die gleich fortstreichenden Gängen in Granit erscheinen, als i 
isolirte Massen erkannte. Bei Ellbogen sind diese durch \ 
den alten Granit losgerissenen Laraellen des älteren Gneisses \ 
unter sich und mit den einzelnen, theils rundlichen , theils 
eckigen Einschlüssen desselben Gesteins in gleichmässi- \ 
ger Richtung vertheilt, und in derselben Richtung fallen 
auch die abgesonderten Lagen des einschliessenden Granits, 
der mitunter nahe an jenen Steilen, wo seine mächtige und 
weite Masse solche Einschlüsse führt, in bestimmte Lagen 
sich sondert: ein Vorkommen, welches nach der Ansicht, I 
die ich mir gegen eine dort bezeichnete Hypothese Alexan- 
DER's V. Humboldt im N. Jahrb. 1834, III, S. 256, 1840, \ 
in, 341 aufzustellen erlaubt habe, zu den Zeichen des ho- I 
Iien Alters dieses Granites gehört. 

In Marienbad dagegen konnte ich in der Ve rtheilung 
der eino^eschlossenen Trümmer dieses Glimmer-reichen Gesteins ' 
auf der kurzen Wanderung, die ich in diesen Bergen machte, i 
kaum eine im Ganzen durchgreifend bestimmte Richtung ent- ] 
decken. Schien irgendwo eine Richtung entschieden vor- ] 
zuherrschen , so sah ich bald wieder abweichende Verthei- 
lung. Die Form übrigens der eingeschlossenen Trümmer 
zeigte häufiger rundliche , wenigstens abgestumpfte , als 
scharfeckige Grenzen. Doch fand ich auch solche ziemlich ■ 
zahlreich , selbst etwas längliche und dabei eckige Stücke, 
letzte mit dem schwersten Theil nahezu senkrecht gegen 
die Haupt-Fläche der ursprünglichen, mehr oder weni- 
ger verschobenen Lagen des alten Granits gestellt: Belege, 

*; Ein ähnliches Vorkommen, wie z. B. das des Wieshadner Quarzes \ 

im chloritiscbeo Talkschiefer. IS. Jahrb. 1833, IS, 413. 



— 409 — 

dass sie nocli während der ersten Stadien seiner Erstarrung- 
mit emporgerisseii waren. Diess erinnert an Elbogen, wo 
jedoch die eingebackenen Trümmer ungleich zahh-eicher, 
mächtiger, grösser, dabei an Grösse und Form weit manch- 
falticjer sind, als im Marienbader und Cctrlsbader Granit. 

Eines Phänomens, wenig abseits von der Tt»/? /er- Strasse, 
muss ich noch gedenken: Blöcke Gh'mmer- reichen Gesteins 
in kugeh'gen Formen , die unter kräftigen Hammer-Schlägen 
schaalige, ziemlich konzentrische Absonderungen zeigten, la- 
gen, wie von Granit mit eraporgetragen und verändert, zahl- 
reich auf dem Rücken der mittlen Gehänge oder der leichten 
Yorbiegungen des Gebirges. Aber der Abend vor der Ab- 
reise überrascht© mich. Ich konnte jene Blöcke nicht näher 
untersuchen. 

Manchfache Felsarten und Formen , deutliche Verschie- 
bungen, Einschlüsse und Gänge, vielseitige, wenn «uch nur 
sparsam ausgezeichnete Störungen und Risse zeigt die Um- 
randung des Marienbader Kessels, nirgends aber sah ich*) 
eine Bildung, die dem offenen Herde und alleinigen Sitze 
der Carlsbader Thermen, dem Schlossberge, an die Seite ge- 
setzt werden könnte, und selbst, wenn ich mir in den Tiefen 
des Marienlhales die vielen verschiedenen Brunnen, die unge- 
zählten kräftigen Gas-Quellen, die gestörten Felsen vorstelle, 
möchte ich bei aller Analogie des Kreuzbronns mit dem 
Sprudel nur inentferntera Sinne wagen, den bedeckten Bo- 
den dieser Tiefe mit dem offenen, gehobenen Schlossberg zu 
vergleichen, — der uns die kolossalen und anders raodifizir- 
ten Verhältnisse im Kleinen lehrt, die in den Tiefen des Her- 
des von Carlsbad wirken. — Scharfkantig bis ins Auff'allende 
«ersplittert , von Hornstein - Adern durchsetzt , gleichsam 
verkittet steht die Masse des Carlsbader Schlossbergs, kei- 
neswegs wie V. Hoff meinte, als herabgestürzte Trümmer- 
Fülle, sondern als anstehendes, gehobenes Gestein in ihrer 
Art, so weit bis jetzt Gebirge und Thermen untersucht 



Vgl'. S. 419 die Nachschrift aus Carlsbad. 



— 410 — 

sind^ H. h. in solcher Bestimmtheit einzig da voi» dem 
Bh'cke des forschenden Beobachters und spricht in der 
deutlichsten Sprache des feinsten Lapidar- Styis die Myste- 
rien der dortigen Quell-Bildung aus. Wenn ich ausführlich 
über Carlsbad Ihnen schreiben werde, will ich die Gründe 
angeben, die mich vermuthen lassen, dass jene Hornstein- 
Adern nichts als die Ausfüllung der im Emporsteigen des 
Basaltes zerspaltenen Gianit-Masse, die Ausläufer und Enden 
der ßildungs - Epoche dortiger Basalte sind, welche sich 
strichweise von quarzigen Schnüren durchsetzt zeigen *), — 
ferner, dass der Schrift-Granit, der in jetzt verdeckter Tiefe 
an der (Quelle des Neubrofms hinstreicht und nach anderer 
Richtung zugleich hoch auf den Berg-Gipfeln unweit Enge Ik aus 
zu Tage tritt, jüngerer Granit ist**). Gänge jüngeren 
Granits fand ich bei Carlsbad seit 1827 nicht bloss zahl- 
reich in den tiefsten und mittlen Gehängen , sondern selbst 
hoch und weit hinter dem Berg - Wirthshaus der Prager 
Strasse. — Hier bemerke ich über Carlsbad nur noch, dass 
ans den erwähnten und anderen, mehr oder minder damit ver- 
bundenen Thatsachen eine Erfahrungs-treue, von v. Hoff's 
wenn gleich geistreicher, doch zu künstlicher Theorie wesent- 
lich abweichende Ansicht über die Entstehung der Carlsbader 
Quellen und selbst die Erklärung ihres Kalk -Gehaltes ganz 
einfach oder von selbst sich ergeben wird. (S. 415.) 

IV. Epochen der Gebirgs - Bildung in Marienbad. 

Nach den Thatsachen, die ich Ihnen bereits mitgetheilt, 
glaube ich in Marienbad mindestens folgende Epochen der 
Gebirgs Bildung unterscheiden zu müssen: 

1) Die Bildung der uralten Gnelsse und Glimmer- 
schiefer, die wohl gleichzeitig mit den nächsten Böhmi-- 
sehen und Fichtelb ergischen entstanden sind und weiter gegen 

*) Siehe N. Jahrb. 1833, IV, 416 ff. mit bestimmter Erklärung gegen 
V. HoFp'tj sonst treffliche Monügraphie. 
**) Worauf ich entfernt schon im N. Jfthrb. z. B. i83i, III, 265 ff., 
267, 273 ff. gedeutet habe. 



— 411 — 

S.O. die Natui* eines Versteineriings - freien T hon Schie- 
fers anzunelimeji scheinen, dessen Ursprung auf einseitig 
neptunischem Wege nicht zu erklären ist. Sie*) deutet viel- 
mehr auf die erste, entschiedene Erstarrung bei der ursprüng- 
lichen Erkaltuno nicht etwa der Erde, sondern ihrer Ober- 
fläche, d. h. auf die erste Bildung der Erd-Rinde zurück: 
auf eine Periode, durch die sich der Gegensatz zwischen 
Neptunisnius und Vulkanismus, zwischen Festem und Flüs- 
sigem, zwischen Erd-Rinde und dem Inneren der Erde, wie 
gesagt, erst bestimmt entwickelte**) [vgl. S. 406]. 

2, a) Diese anfängliehe, mithin durch alle folgenden Welt- 
Katastrophen im Grossen stark veränderte Kruste wurde 
hier zuerst durchbrochen von den ältesten Graniten. 
Diese Granite tragen bei Älarienbad , Carlsbad, Elbogen, 
selbst auf dem Ochsenhopf im Fichtelgebirge (S. 405) — die 
deutlichsten Spuren ihres Ursprungs in ihren Wandungen : 
Trümmer jener plutonischen Schiefer, durch die Gluth der 
feuerllüssig nachquellenden Massen von Aussen nach Innen 
verändert. Und jene Schiefer zeigen auf manchfaltige Weise 
an der Grenze der Granite die Veränderung, die sie durch 
diese erfahren haben. 

In Folge mehr oder minder gestörter Entwicklung bei 
ihrer Ausbreitung und Erkältung etc. sahen wir oben die 
ältesten Granite (S. 399) theils grob, theils feinkörnig kry- 
stallisiren , hie und da zugleich in bestimmte Lagen sich 
sondern. Ihre Masse ist Aeix überlastenden Gneissen ver- 
wandt, aber der Drang von unten und der W^iderstand von 
oben gab ihr, nebst den anderen schon erwähnten Bedingungen 

*; Hier wird die üiihaltbarkeit der kühnon weit verbreiteten Um- 
wa iidl un gs-H y po t iies e n ganz anschaulich, sowohl jener, welche 
gegen die Gesetze physikalischer Möglichkeiten die ältesten pluto- 
nischen Schiefer bald aus Sandsteinen , bald aus neptunischen 
Tli()n,s(;hiefern u. s. w. am offenen Tage entstehen lassen , als 
auch jener, weiche sie su zu sagen auf dem Woge einer organi- 
schen Atomistik aus lufusorien bilden, eine Ansicht, die eigent- 
lich schon mit der Monaden - Lehre des Leisnitz überwunden ist. 
Vgl. N. Jahrb. I83i, II, 171 ff., III, 266, 275 tf., 289. 
*") S. N. Jahrb. 1834: II, 186 ff., 203, ff., III, 253 ff. 
Jahrgang 1840. 27 



— 412 ^ 

iler Temperatur etc., statt der G n eiss-ar tigen — kör 
nige Struktur. Darum wurde sie Granit, 

Mag, wie vorhin bemerkt, das Aufsteigen dieser Gra- 
nite (S. 407) die erste schnelle Antwort der immer wir- 
kenden Tiefe auf die alte, von oben ausgehende Erstar- 
rung der Rinde, die eine Zusammenziehung und kraft der 
Gesetze der Schwere wohl zugleich eine Senkung im 
Kleinen war*), — gewesen seyn; mögen mit anderen Wor- 
ten diese Granite bald auf die Bildung jener plutunlscheh 
Schiefer, hie und da vielleicht noch während derselben, 
d. h. vor ihrer völligen , jedenfalls lang , lang anhaltenden 
Erkaltung gefolgt, mögen sie schneller in die ersten Risse 
der jungen, der kaum überlastenden Kruste, in die Risse 
gedrungen seyn, welche die erste bestimmte Erstarrung der 
vorher ungetheilteren Masse erzeugte, oder nicht; — der 
Grad der Erkaltung, der überhaupt damals auf der 
äussersten Oberfläche der Erde denkbar ist, war offenbar 
eine weit höhere Temperatur, als diese Oberfläche im Gan- 
zen jemals nachher wieder hatte (S. 399). Denn von späteren 
feuerflüssigen Massen wurde sie, wie von selbst klar, nie- 
mals ganz wieder überdeckt. Daher ist sie auch nothwen- 
dig theilweise heute noch vorhanden, weil sie auch un- 
möglich ganz wieder von neptunischen Massen überzogen 
werden konnte; — wohl wurde sie aber überall durch spä- 
tere Einwirkungen aller Art merklich verändert, ihrer ur- 
sprünglichen frischen, ihrer äussersten Formen beraubt. 

2, b) Mögen also diese ältesten hiesigen Granite in der an- 
gegebenen Art- und Zeiten-Folge in die plutonischen Schiefer 
gedrungen seyn; sehr bald sind sie wohl selbst wieder, gleich 
den Heidelbergern, von jüngeren Graniten gehoben und 
durchsetzt worden. Ich fand aber, wie S. 397 ff. gesagt, 
liier nur Eine wiederholte, keine bestimmt dreifache 
Granit- Bildung und bin, immer der einfachsten Ansicht 



'') Ob oder wie fern sich die GrÖHSc der Erde verändert habe, 8, 
N. Jahrb. 1834, IF, 180 ff. 



— 413 — 

geneigt, auch in Hciddherg über die dritte noch nicht ent- 
schieden 5 da ich noch an keiner der zahh'eichen Stellen, 
wo Gänge jüngeren Granits sich kreuzen , Durchgangs- 
Grenzen gefunden habe. Gab es eine dritte , so steht sie 
der zweiten sicher sehr nahe , vielleicht näher , als diese 
der ersten, der sie doch selbst sehr nahe stehen dürfte. 

3) VV^ie sich nun zu diesen Epochen (1, 2, a und 2, b) 
die übrigen plutonischen Fels - Arten hohen Alters in der 
nahen und fernen Umgebung, die Serpentine, Talk-*) 
and Hornblende-Schiefer und andere Gesteine, wie 
sich dieselben zugleich unter sich und zu den benach- 
barten und verwandten des Fichtdgehirges und Erzgebirges 
verhalten , hatte ich für diessmal nicht Zeit zu ermitteln. 
Entschieden aber glaube ich annehmen zu müssen, dass 
alle Haupt-Epochen, welclie das Fichtel - und Erz- 
Gebirge^ >vie die Thermal-Gebiete des ganzen nordwestlichen 
Böhmens gründeten , stets auch die hiesige Umgebung mehr 
oder weniger veränderten , dass mithin nach dem hohen 
Gesetze der Einfachheit, welches überall in der Natur 
herrscht, entsprechende Formationen in solcher 
Nähe so lange am besten als gleich- periodisch 
im Ganzen betrachtet werden, so lange kein 
bestimmter Grund entdeckt ist, der sie ver- 
schiedenen Umwälzungen anweist. Kleine unter- 
geordnete oryktognostische Merkmale können — wie S. 402 
gezeigt worden — ohne geologische Entscheidungs-Gründe 
daran nichts ändern. Deuten nicht die Winke, die ich 
oben über die S t r e i c h u n g s - L i n i e n der Mineral-Quellen 
gab, die Fortsetzung z, ß. der vulkanischen Kette, die 
durch Italien zieht , tief nach Asien ins Thian - Schan- 
Ccbirge hinein **) — deuten nicht zahllose gleich sprechende 



*) Glimmerschiefer z. ß. sah irh deutlich bei Maria Ciilm (wo 
im Jahre 1822 die Stelle aufj^eschlossen und zugän«;lich war) ia 
Talkschiefer übergehen und beide von Quarz durchsetzt werden. 
Vgl. N. Jahrb. 1834, III, 278, 277 ff. mit 1833, IV, 412 ff. 

**) Chr. Kapp, Italien. Berlin 1834, S. 60. 

27* 



— 414 — 

Momente *), selbst von v. Beaumont's geistreich sich überbie- 
tender Theorie abgesehen, auf grössere oder geringere 
Gleichzeitigkeit, d. h» auf periodische Einheit 
räumlich sehr entfernter Revolutionen durch Aufsteigen 
verwandter, wenn schon verschiedener Felsarten und dadurch 
empörter Wasser? Ist es nicht auffallend, dass , die be- 
zeichneten **) selbst durch die Geschichte der Tempera- 
t u r erweislich umfassenden Grenzen z. B. des Diluviums 
— weil sie schwerer zu bestimmen — übersehend, ausge- 
zeichnete Naturforscher die Wirkungen der letzten W^elt- 
Katastrophe wesentlich verschiedenen Zeiten zuschreiben, 
und dass umgekehrt wieder Andere, welche wie v. Räumer 
die Gemeinsamkeit der Wirkungen dieser letztgenannten 
Katastrophe übertreiben, die Ausdehnung und gegenseitige 
Gleichzeitigkeit älterer Umwälzungen in Abrede stellen! Man- 
cher Verwirrung w ürde die Gebirgs - Forschung entgangen 
seyn, hätte sie Obiges immer gehörig beachtet, das Gesetz 
der Einfachheit nicht zu sehr unter der Mode halt- 
loser Vereinzelung und Zerstückelung vergessen und doch 
zugleich das andere Extrem vermieden: die Vermischung 
offenbar verschiedener Formationen , das Misskennen der 
Wiederholung sehr gleichartiger Bildungen zu 
verschiedenen Zeiten, worüber immer nur Ort und 
Stelle, im Grossen gefasst, entscheiden kann. Der 
körnige Kalk z. B. hei Wunsiedel enthält eingebackene 
Stücke des erwähnten Glimmerschiefers und zeigt sich noch 
durch andere Verhältnisse, die ihn vom körnigen Kalk bei 
Gastein, dem Alter und der Entstehungsweise nach — we- 
sentlich unterscheiden ***), als acht p in tonisches Gebilde. 



*) Vgl. meine Bemerkungen ira N. Jahrb. 1836, V, 573 ff. 
**; z. B. N. Jahrb. 1834, III, 298 ff. Athene 11, 1832, S. 123 ff. 

mit III, S. 290. 
*'■''*) Die lagenweise (Schichten - ähnliche) Bildung: ^^^ Wunsiedler 
körnigen Kalkes habe ich (in Übereinstimmung mit R. Blum) im 
N. Jahrb. 1834, Ili, 262 und 255, die Natur seiner eingebackenen 
Stücke, III, 278 ff. erklärt. Über den Gnsteiner Urkalk bemerke 
ich einstweilen nur, dass seine Entstehung, auf wesentlich 



— 415 — 

Das Aufsteigen einer solchen Wucht plutoniseher Mnssen 
muss den Erdboden weithin mächtig erschüttert haben, 
viel weiter als heute die grössten Gewitter und vulkanischen 
Ausbrüche ihre, in solchem Vergleiche schwache Wirkun- 
gen fühlen hissen. Schon e r muss daher nothwendig auch 
im nahen Marienbad mächtige Zerklüftungen , auch wohl 
Verschiebungen verursacht haben. Nun aber beobachte 
man sein Auftreten, sein Streichen, bedenke, dass jede ächt- 
plutonische Felsart, da wo sie zu Tage bricht, nur ein 
Zeichen ihrer Macht und Verbreitung, nur ein Sympton 
ihrer ungemessenen Gegenwart in der Tiefe gibt*); dann 
^i?ipd nian nicht bloss an die Bewegungen glauben , welche 
die Katastroj)he seiner Bildung hier im Marienhad längst, 
ehe es ein solches Thal wie heute war, erzeugte; man 
wird, ohne dass ich hier näher darüber mich auslasse, zu- 
gleich sehen, was ich S. 410 andeutete, dass sich aus der 
von mir aufoesteliten Ansicht über die Entstehung der 
Carlshader Thermen auch der Kalk-Gehalt derselben , über- 
haupt die Natur ihrer wesentlichsten Bestandtheile , selbst 
»die Flussspath-Säure **) erklärt. Jener körnige, von Fluss- 
spath-reichen Quarz>6ängen durchsetzte Kalk bei Wunsiedel 
greift in ^e\\ Tiefen, in welchen die obere Entfernung, die 
nur für unsere Ameisen-Schritte erheblieh ist, verschwindet, 

andern Weise vermittelt, in der That viel einfacher ist, ob sie 
gleich weit kompUzirter scheint und völlig unlösbar wird, wenn 
man ihn als eine Gang- Bildung betrachtet. Nach meinen Be- 
obachtungen scheint mir seine Entstehung ganz ähnlich der- 
jenigen jener alten Fel«arten, die ich oben unter n. 1, S. 411 
und 406 angegeben habe. Die Bildungs - Epoche begründet eine 
zweite Frage. Ich kann weder über die Bildungs-Zeit, noch über 
die Bildungs - Art dieses Kalkes mit den bestehenden Ansichten 
übereinstimmen. 
*) S. meinen „Neptunismus und Vulkanismus" 1834, z. B. 
S. 143 ff. 
""*) Auf diese untergeordneten Momente lege ich kein Gewicht, und 
weiss in diesem Punkte z. B. Haidinöer's und andere abweichende 
Ansichten wohl zu schätzen , ob ich gJeitMi nach den obigen Be- 
merkungen überzeugt bin , dass die gewöhnliche Au»laugungä- 
Theorie zur LriJärun" dieser Thermen ninuiM^nwehr ?.«rmht. 



— 41ß — 

unter dem nahen Carlsbad durch, wenigstens in das Gebiet 
hinein, welches seinen Quellen Nahrung gibt. Jünger wohl 
als Carlsbads alter Granit, trägt er als plutonische Felsart 
weithin dessen unterste Sohle und ist noch mächtig in der 
Tiefe zerklüftet durch Risse, welche, abgesehen von den 
Folgen seiner eigenen Erkaltung, das Aufsteigen jüngerer 
Fels-Ärten , namentlich der Basalte , auch in ihm noch er- 
zeugte. — Dieser Kalk also ( — nicht der oberflächliche, 
entlegene , tertiäre) liefert in den Schachten der Erde den 
Kalk - Gehalt der Thermen, deren Bildungs - Herd nach 
obigen Andeutungen tiefer begründet ist, als das ein- 
sickernde Tagewasser der weithin zerklüfteten Gebirge ein- 
dringen mag *). — 

4) Gewaltsamer noch als die Schöpfung dieser älteren 
Massen wirkte die letzte plutonische , der Basalt der 
nächsten Nähe, auf das hiesige Berg-Becken, das er bildete, 
wie das jetzige Töplilzer Gebiet und die Carlsbader Schlucht. 
An beiden letzten Orten tritt er mit den verwandten Pho- 
nolithen hervor und begründete wohl nur die zweite 
sehn el I folgend e Epoche dieser selben letzten 
Hebung im Grossen. Die Nähe der Basalte und 
Phonolithe bei Carlsbad erschwert nämlich die Annahme 
eines völlig und unmittelbar gleichartigen Aufsteigens 
beider. Alles aber spricht dafür, dass der Basalt schnell 
auf den Phonolith, so schnell auf ihn folgte, dass man 
beide als Momente einer Katastrophe betrachten kann. 
Bei Töplilz sah ich den Phonolith, bei Carlsbad den Basalt 
Braunkohlen-Sandstein-Lager , wie gesagt , sprengen, Trüm- 
mer derselben auf seinen Schultern , bei Carlsbad auf den 
gehobenen Graniten , deren Reste bei Espenthor auf seinem 
Gipfel scliwiramen, hoch mit emporreissen. Bei Carlsbad 
setzt er unter verschobenen Braunkohlen - Gebilden , gleich 



*) Es ist hier nirht , wie z. B. bei Vidtweiler . wo Salz-Gelialt 
vielleicht durch einsickernde Wasser in Gebirgs-Rissen dem dortigen 
Kohlen - Lager in geringer Tiefe zugeführt wird, wonach meine 
Bemerkungen im N. Jahrb. iS.56', III, 200 ff. zu ergänzen «inii. 



^ 417 — 

bei Fischern stellenweise in so schmalen Schnüren 
in den Granit ein, wie ich sonst nur die jüngsten Granite 
und andere phitonische Gesteine *), niemals aber bisher die 
Basalte ausgehen sah : ein deutliches Zeichen zur Erklärung 
jener feinen Verzweigungen plutonischer Massen in 
den Felsarten 5 die sie beim Aufsteigen sprengten. Sie er- 
gossen sich in solche eben gebrochene Risse, wie die mer- 
liuriale Flüssigkeit in die feinsten Lymph-Ge fasse unter 
der Hand des Anatomen sich ausbreitet. 

Der Basalt hat bei Alanenbad die plutonischen Schie- 
fer, die alten granitischen Massen und alle Gebilde bis 
dahin zum letzten Male verrückt, sie alle wieder zerrissen, 
gehoben , zum Theil umgestürzt , dem Meere von Bergen, 
welches dieses Thal mit dem Carlsbader verbindet, wie 
der weiten Umgegend , die noch überall gleich alte Basalt- 
Gipfel zeigt, die letzte , die heutige Physiognomie gegeben, 
und da er (wie aus meinen Beobachtungen bei Carlsbad 
und Töplitz etc. hervorgeht) jünger ist , als die letzte ante- 
diluvische Formation dieser Gebiete, das Diluvium dersel- 
ben hervorgerufen **). 

Er bildete die Sächsische y die Böhmische Schweif z, 
die sogenannte kleine Schweitz bei Marienbad im Grossen 
aus und schuf zugleich die Risse der Tiefe , ohne welche 
die hiesigen Quellen , wie die verwandten Carlsbader , ein 
unlösbares Räthsel bleiben würden. An jenen Bildungen 
haben spätere Erschütterungen, selbst die grosse, welche 
vielleicht die kimbrische Fluth veranlasst, in der Hauptsache 



*) z. B. die Quarze bei Wiesbaden ^ deren pyrogenetische Natur 
ich im N. Jahrb. 1833, IV, 412 ff. meines Wissens zuerst entschei- 
dend nachgewiesen habe , was auch die französische Societe geo- 
loyique im oben , S. 403 , angeführten Resume des progres be- 
riicksichtigt hat. Tritt der Basalt in so schmalen Schnüren auf, wer 
will dann die Möglichkeit ähnlichen Auftretens bei anderen pluto- 
nischen FeU-Arten bezweifeln? 

**; Leibmtz sagt am Schlus» seiner Protogaca : repulsum mare cessit 
ad tempits, sed postea jttris sui teuax , sese iterum ruptis ay- 
yerifnis in Urras iiifwlit etc. 



— 418 -^ 

wenig geändept. Die tieferen Mineral-Quellen mag die da- 
mals erfolgte Entleerung des noch postdilnvischen Böhmer- 
Sees vielleicht von überdeekenden Wassern befreit haben. 
Ita rerum natura praestat nohis kistorme vicem. „Die ent- 
rathselte Natur vertritt uns, wie Leibnitz am Schluss sei- 
ner Protogaea sagt, die Stelle der G e schi c h t e. Unsere 
-Geschichte aber vergilt diese Wohlthat der Natur, in- 
dem sie deren herrliehe Werke, so weit sie uns zur Zeit 
nech bekannt sind, der Nachwelt überliefert/^ — 

¥. Schluss, (Nachschrift aus Carlshad vom 

24.- Jüii! 1839.) ' 

Leider war es mir in Marienbad nicht gelungen, die 
Bekanntschaft mit Hrn. Hofrath Heidler zu erneuern. Der 
Strudel der Kranken und mein kurzer Aufenthalt riss ihn 
mir aus dem Äuge. Doch hatte ich Gelegenheit, Hrn. Dr, 
Frankl zu sprechen , der gleichfalls geologische Interessen 
theilt und Ihre Werke und meinen Neptunismus und Vul- 
kanismus etc. kannte. Aber erst hier in Carlsbad erhalte ich, 
durch hiesige Arzte und durch Hrn. Dr. Vogel aus Bayreuth, 
was ich in Marienbad bei einem flüchtigen Aufenthalt nicht 
finden konnte: Nachrichten über die bisherigen Untersuchun- 
gen der Marienbader Felsen. Sie sind enthalten in T. E, 
GuMPRECHTS Beiträgen zur geognostischen Kenntniss einiger 
Theile Sachsens und Böhmens, Berlin^ 1835; ferner in 
V. Göthe's und v. Gutbier's Mittheilungen in C. J. Heidler's- 
naturhistorischer Darstellung des Kurorts Marienbad^ welche 
bei Krokberger und Weber, Prag 1837, auch unter folgen- 
dem Titel erschienen ist: Pflanzen und Gebirgs- Arten von 
Marienbad ^ gesammelt und besehrieben von Sr. K. H. dem 
Prinzen Friedrich , Mitregenten von Sachsen (1834 und 
1835) und von Sr. Exe. J. W. v. Göthe (1821, 1822, 1823), 
ergänzt und mit einem Anhange über, die anderen natur- 
historischen Verhältnisse des Kurorts herausoeaeben von 
Dr. C. J. Heidler, mit 5 Abbildungen. In diesem Werke 
linde ich unter zum TheÜ ab weichenden Vorstellungen neue 



- 410 — 

Belege, orossentheils Bestätigungen meiner Beobachtungen und 
Ansichten, und, was mir von besonderem Interesse, Mit- 
tlieilungen über angebliche Ho r n s t e i n - G ä n g e bei A/fl- 
rievhad ^ in deren Streichen die mehr Eisen -haltige n 
öuellen des Marieiihader Thaies liegen sollen. Ob aber 
oder wie fern diese Hornstein - Bildung mit der hiesigen 
{Carishader) , auf die ich zurückkommen werde , überein- 
stimme, wird mir, bei Mangel eigner Anschauung in diesem 
Punkte daraus noch nicht klar. Entspräche sie der hiesi- 
gen , wenn auch nicht in Bezug auf die Streichungs-Linie 
der Thermen, doch in Bezug auf die Natur der Formation 
selbst, dann dürfte man fragen, ob sie in der Tiefe, von 
der ich oben S. 410 spracli, nicht unter dein Granit auch 
des Kreutzbronnens vorkomme, wenn gleich dessen Ober- 
fläche nichts davon zeigt. Indessen ist die eigentliche Horn- 
stein-ßildung auch hier, in Carlsbad^ wo sie jedoch in zahl- 
losen Richtungen sicl> kreutzt , nur lokal aufgeschlossen: 
Gang - förmig geht sie nämlich nur am linken Töpel •'\]ier^ 
am Schlossberg zu Tage, der der Herd der Thermen, auch wohl 
jener Thermen, gerade der gev» altigsten ist, die ganz nahe 
am rechten Töpel-Ufev ausbrechen. Sonst kommt in CarlS" 
bad der Hornstein im Granit nur selten, nur zerstreut, 
gleich dem Quarze beigemengt, kaum eigentlich Nester- 
förmig vor, seines Vorhandenseyns in Versteinerungs-reichea 
Gebilden der Umgegend nicht zu erwähnen. Aber auch 
hier, im Carlsbad ^ ist nicht der Hornstein als s o 1 c h e r, 
sondern der Basalt Vater der Mineral-Quellen, der Horn- 
stein des Schlossberges aber^ der Gang-förmige, keineswegs 
dem Granit, den er durchsetzt, vielmehr, wie oben bemerkt, 
höchst wahrscheinlich dem Basalt gleichzeitig, und dieser 
ist hier, wie auch sonst so häufig, der eigentliche Re- 
formator im Gebiete des Braunkohlen-Sandsteins, 
dessen Streichungs - Linie im Norden der dortigen Granite 
der Streichungs -Linie der alten Steinkohlen im Süden 
derselben ziemlich parallel geht , der sich aber von vielen 
anderen Braunkohlen - Sandsteinen dadurch unterscheidet, 



— 420 — 

^ass er bei mächtiger Ausbildung des Sand- 
steins zugleich sehr reich an organischen Re- 
sten und durch Kohlenbrand ausgezeichnet ist, — 
vrovon zum Theii schon Leibnitz in seiner Protogaea sprach. 

Zur Bestätigung dessen aber, was ich im N. Jahrb. 
1834^ III, 267 und Note ausgesprochen, bemerke ich noch 
Foigendes: Auch den jungen Carlshader Granit traf ich 
bisweilen sehr Porpliyr - artig und roth , dabei von rothen 
Hornstein-Gängen so durchsetzt , dass die blassen in einan- 
der nahezu verschwinden, doch nicht so weit, um etwa*) 
Gedanken an die unwirkliche und darum hier unmögliche 
Möglichkeit zu wecken, dass jene Hör nstein-G ä n ge 
anders nichts f als eine eben so einseitige Entwicklung des 
jüngeren Granits seyen , wie die sogenannten Feldspath- 
Gänge , so nämlich , dass dieser junge Granit , wie ich von 
anderen Fällen oben, S. 401 und 403 bemerkt habe, da 
mehr feldspathige, dort mehr die quarzige Natur ausgebil- 
det hätte. Letzte hat der junge, hier sonst meist Feldspath- 
reiche Granit ohnediess auf dem linken Töpel-Ufer, wo aus- 
serdem die Hornstein-Gänge selbstständig auftreten, un- 
gemein entwickelt. Ich sah diess vor Jahren deutlich. Jetzt 
sind viele dieser und anderer sprechenden Stellen theiis ver- 
schüttet, theils unfrisch und tief hinein verwittert. Nur 
einzelne Trümmer, die man bei früheren Bauten in das 
Thal, welches vom Schlossberg nach Klein- Vers aille führt, 
geschüttet hat, stehen für solche Varietäten als schlechte 
Nothhilfe emsigen Sammlern zu Gebote, denen übrigens die 
kleine GöTHE'sche Sammlung durch Hrn. David Kkoll s rüh- 
menswerth fortgesetzte Thätigkeit Vieles und Schönes bietet. 

Ich schliesse mit den W^orten, die mir als Motto dienten, 
des Leibnitz, dass von grossen Dingen auch s c h w a'c h c 
Kunde willkommen sey. 



") Vgl. N. Jabib. i83ly III. 254 ff. 



Geognostische Uebersicht 



iron 



E sthl an d 
und den Nachbar - Gegenden , 

Herrn Professor E* Eichvtald 

in Petersburg. 



Aus ßriefrn an Prof. BrosN vom 24, Novemb. 1839 und 12. Jänn. 1840. 



Ich hflbe Ihnen schon geschrieben, dass ich clie diess- 
jährigen Sommer-Ferien zu einer geognostischen Reise nach 
Reval^ Hapsal und der Insel Odinsholm in der Ostsee be- 
nutzte, um mich von dem relativen Alter des dortigen Uber- 
gangs-Kalkes zu überzeugen. Zu gleicher Zeit waren auch 
die beiden Stabs-Offiziere des Berg-Korps, die HH. v. Hel- 
MERSKN und Olivieri, nach dem Waldai-Vlatesixi gereist, und 
so hat denn jeder von uns eine Sammlung von Gebirgs-Arten 
und Thier- Resten mitgebracht, welche grosse Aufschlüsse 
über diese noch wenig gekannten Gegenden geben mussten. 

Nach den ausführlichen geognostisch-zoologischen Schil- 
derungen des Gouvernements Moskau durch unsern uner- 
müdlichen Fischer in Moskau glaubten Sie in der Anzeige 
dieses Werks (Jahrbuch 1839 ^ 125) dort einen Über- 
gangs -Kalk annehmen zu müssen, obgleich die Formntion 



~ 422 — 

yon Fischer «Is Keiiper-Gebihle aufgeführt ward. G. Rose 
{Reise nach dem Ural) und Quenstedt (Jahrbuch 1838, 
13 — 16) waren ebenfalls der Meinung, in Esthlnnd und 
Lwland den Bunten oder den Keuper- Sandstein annehmen 
2u müssen. 

Ich halte ihn für entschieden älter und zwar für Alten 
rothen Sandstein , und den auf ihm ruhenden Kalkstein für 
— Bergkalk oder Kohlen - Kalkstein. ürtheilen Sie selbst 
nach einigen Notitzen , die ich Ihnen hier niederschreiben 
will: ich werde mit den nächsten Umgebungen unserer Re- 
sidenz anfangen. . 



Um Pawiowsk und Zarshöje Sselo steht überall ein al- 
ter Übergangs -Kalk zu Tf?ge an; wir sehen uns genöthlgt, 
ihn wegen der grossen Menge von Orthis, die in ihm 
vorkommt, zum Untern Silurischen Systeme zu zählen, um 
so mehr, da er so viele Asaphen (vorzüglich A. crassi- 
oauda und A. expansus) und O rthozeratiten und nur 
sehr wenige Krinoiden enthält. Zu diesen gehört auch 
ein kleiner Asteriocrinua Münst., wie er in den höhern 
Schichten des ? Silurischen Systems bei Elbersreuth vorkommt. 
Am häufigsten sind Calamoporen (vorzüglich C. poly- 
morpha Goldf.) in ihm. Nie sah ich einen Bell erop hon 
aus dieser Gegend und auch nur selten Euomphale n und 
Conularien. Dagegen Kr e bs - Scheeren , fast wie sie 
Phillips {Geohgy of the Mountam limestone distrid p. 240, 
pl. xxiij fig, 21) abbildet. 

Bei Jampol, Narva, Reval und überhaupt an der ganzen 
See -Küste Esthlands kommt derselbe Kalkstein vor; nur 
nehmen hier die Orthis an Menge ab, obgleich einige, 
wie 0. pecten Dalm. und andere von Pander zuerst auf^ 
geführte, ziemlich konstant bleiben; häufiger sind dagegen 
Terebrateln und Str ophome n en ;. die Spiriferen 
nehmen an Menge zu. Die Asaphen bleiben nicht minder 
häufig m\^ .durch Grösse ausgezeichnet vorzüglich auf dei^ 
hiiycl Odimholmj wo sich eiue Mcngo Calymiuicn zu ihnen 



— 428 — 

gesellen; nnd nusser den überall häufigen oft sehr grosgeit 
Ortho z er atit en sieht man nur einzelne Bruchstücke von 
Clymenien auf Odinsholm ^ so dass auch hier der VJber^ 
gangs-Kalk zum Orthozeratiten- Kalke Münster's gezählt 
werden inüsste. In ihm finden sich ausserdem viele Cala- 
monorae, Coscinopora, Phasianella, Trochus, Eu- 
omplia lus, S eil izo Stoma. Na tica von auffallender Grösse, 
Bellerophon, aber keine Bivalven, ebensowenig wie bei 
Petersburgs ausserdem die vielen Brach i op öden, obgleich 
nicht in so grosser Menge und Manchfaltigkeit, wie um 
PawhwsJl. Auch einen kleinen Lomatoceras, kleine Co- 
nularien und Pa teilen beobachtete ich in diesem Kalke. 
Die untern Schichten sind mit Linsen-förmigem Thoneisen- 
stein überfüllt, \ or zä glich hei Paw low sk und Reval ^ auf Odms-^ 
höhn nehmen sie ein Konglomerat-artiges Aussehen an und zei- 
gen nach allen Richtungen wieder ausgefüllte Spalten oder 
Klüfte, daher man diesen Kalk demGrauwacke-Kalkstein*) ver- 
gleichen könnte, welcher noch zum nämliclien Systeme gehört. 
Unter ihm liegt zwar nirgends deutliche Grauwacke, 
aber offenbar ein Sandstein, der ihre Stelle vertritt, wie- 
wohl er viel feinkörniger ist; er enthält nur Lingulen- 
artige Muscheln in seinen obern Schichten, wo er an den 
Kalkstein grenzt oder durch einen Brand - oder Thon- 
Schit'fcr von ihm geschieden wird. Ahnliche Lingulen 
finden sich zwar anch in einem grünen, von vielen Chlorit- 
Körnern erfüllten Mergel-Kalke oder in dem dichten Kalk- 
stein selbst , aber ihre Art , ja selbst die Gattung scheint 
abzuweichen, sobald sie sich im Sandstein finden; ich 
habe sie daher Obolus genannt, und Paivder späterhin 
Unguiites. So findet sich der Obolen-Sandstein bei Paw- 
lowsh, Jamburg, Narva, Reval, Wiems u. «. O. Der Thon- 
sehlefer endlich, der mit diesem Grauwacken-Sandstein, wie 
er wohl am passendsten zu nennen wäre, wechselt, ist nur 

^) Seit MrRcnisoN'.s Arbeiten über da« Süurische und Devonische 
System bat jedoch der Ausdruck Grauwacke seine alte systemati- 
sche Bedeutung verloren^ 



— 424 - 

an wenigen Stellen gehörig ausgebildet und zeigt dann 
eine Gorgonia flabcU iformis ziemlich häufig zwischen 
seinen einzelnen Schichten; meist stellt er sich als blauer 
Thon dar, wie bei Pawlowsh, der unter dem Sandstein an- 
steht und noch nicht durchstochen worden ist; er enthalt 
keine Versteinerungen, könnte aber trotz seinem verschiede- 
nen üusseren Verhalten am füglichsten mit dem Übergangs- 
Thonschiefer paralieiisirt werden. 

Südwärts von Pawlowsk jenseits Gatschina findet sich 
auf dem Wege nach Pskow ein Enkriniten-Kalk des Obern 
Silui'ischen Systems in bedeutender Ausbildung; ausser ei- 
nigen Orthis, die ihm auch hier eigenthümlich zu seyn 
scheinen, und kleinen mikroskopischen Phytozoen-Stämmen, 
die den Reteporen und Escharen gleichen, finden sich 
eine Menge En krin iten- Stiele in ihm, so dass die ganze 
Masse aus ihnen und einigen Kalamoporen zusammenge- 
setzt zu seyn scheint. Einen ähnlichen Silui'ischen Kalk- 
stein fand ich auch südwärts von Reval auf dem Wege 
nach Hapsal; in ihm liegen ausser den Enkriniten- 
Gliedern noch Trümmer von Schaalen mit Fühler - Gängen 
nach der Art, wie bei Spatangus. Weiterhin erscheint 
der Kalkstein nur aus einer neuen Art Melocrinites zu- 
sammengesetzt. Unfern Hapsal herrschen die vielen Cya- 
thophyUen vor. 

Ganz derselbe Silurische Kalkstein mit denselben En- 
kriniten findet sich endlich auch bei Tschudowa auf dem 
Wege nach Nowogorod, so dass wir diese neue Bildung 
tiberall in einer gewissen Entfernung von der Küste antreffen. 

Gehen wir noch weiter südwärts , so zeigt sich am 
Süd-Ende des Urnen- Sees in der Nähe von Staraja Russ 
ein braunrother Kalkstein mit wenigen Orthozeratiten, 
die aber zuweilen 3 und mehr Zolle im Durchmesser hal- 
ten, ohne alle Trilobiten, aber wohl mit Terebratula 
prisca, Cyrtia t rapezoidalis, Strophomen e anti- 
quata, welchen ich kaum Anstand nehme schon für Berg- 
kalk oder Kohlen - Kalkstein zq erklären , well er hoher 



— 425 — 

hinauf auf dem Waldai -Plateau ein Stciiikohlen-Lnoer und 
darunter den Alten Rothen Sandstein mit den Fisch-Kno>- 
chen Livlands unter sich ruhen hat. Dieser Glimmer-reiche- 
Sandstein hat allerdings alle äussern Charaktere des Bunten 
Sandsteins ; allein der auf ihm ruhende ältere Kalkstein 
weiset ihm ein weit höheres Aher zu, wie wir gleich weiter 
sehen werden. Wir vergleichen ihn daher mit dem Old Red 
von Glammis in Schottlaiid, aus welchem so wie aus dem 
dortigen Kohlen-Kalke Agassiz Reste von Plakoiden, seine 
Gattungen Cephalaspis und M egalich thys, beschrieben 
hat. Ahnliche Fische mögen auch der Asterole pis und 
Bo th ry ol epis *) gewesen seyn, deren Schilder >in einzel- 
nen Stellen den Sandstein oft dicht erfüllen. Noch nie hat 
man aber in ihm Muscheln gefunden, so dass es bisher 
nicht möglich war, sein Alter genau /,u bestimmen, was 
noch mehr dadurch erschwert ward, dass man weder sein 
Aufliegendes, noch sein Unterliegendes kannte. Bei Starajfi 
Russ hat V. Helimersen in ihm 2 — 3 Linien lange schmale 
Lingulen beobachtet, aber nirgends die O holen, wie sie 
im Grauwacken- Sandstein der Küste von Eslhland oder bei 
Jamhurg und Paiclowsk vorkommen. 

Von hier aus steigt nun das Waldai - VlatQuii immer 
höher hinan bis nach Waldai hin, dem höchsten Punkte 
der Gegend. Hier zeigen sich an mehren Stellen des 
Nowogorodschen Gouvernements, vorzüglich an der Prikscha, 
der Knochen- führende Sandstein und in ihm reiche Stein- 
kohlen Lager. 

In gerader östlicher Richtung von Staraja Russ liegt 
die Stadt RorowilscH an dem Flusse Msta, v^o an einzelnen 
in ihn fallenden Flüsschen, wie an der Wilgeja, derselbe 
Kohlen-Kalkstein in grossen Massen zu Tage ansteht. Er ist 
überfüllt mit der von Fischer beschriebenen Leptaena 



"; Ich habe diese Namen nach der Beschaffenheit der am häufigsten 
vorkommenden Fi s ch-Pveste , der Schuppen, gebildet; an der 
Asterolepis ornata sind die Schuppen mit Stern-Hügeln, an 
der Doli» ryol epis prisca mit tiefen Gruben besetzt. 



— 426 — 

variAbiHs und juidern Arten dieser Gattung; enthält aber 
auch einen Euomphalus, dem E. üuaiteriatus nahe- 
stehend, Harmodites distans Fischer und Cyatho- 
whyilum ve r mic u i ar e Goldf., ausserdem noch Abdrücke 
und Kerne von Goniatiten. Dieser Kohlen - Kalk ist 
nicht hart, sondern ziemlich weich, und hat unter sich ei- 
nen Mergel - artigen Kalkstein liegen, der tiefer in einen 
Schieferthon übergeht, worin ein Steinkohlen - Lager mit 
Schwefelkies-Nieren enthalten ist. 

Höher hinauf tliesst die Bystritza^ ein Neben-Fluss der 
Wilgeja ; an ihr steht derselbe Kohlen - Kalk zu Tage an, 
^och so , dass seine obern Schichten w'eisslich sind , also 
nicht schwärzlich, wie dort, und löcherig erscheinen; auch 
«ie enthalten dieselben Leptänen und viele Hornstein- 
Geschiebe gleich flachgedrückten Zylindern. Weiter unten 
vvird der Kalkstein grau , fester , mit etwas Sand gemischt 
lind enthält hier eine eigenthümliche Art von Orthoce- 
l»atites?, in welchen jedoch kein deutlicher Sipho be- 
merkt wird; er gleicht sehr dem O. calamiteus Münst., 
nur dass diesem die vielen Löcher fehlen, die seine Schaale 
in regelmässigen Reihen durchsetzen ; er ist nur klein und 
kaum \" dick, oft viel dünner. Ich werde ihn daher lieber 
mit Amplexus (A. ornatus) verbinden: ganz das Genus, 
»wie es Phillips abbildet. Auch kommt Cyrtia trapezoi- 
dalis, ein Cardium oder Nucula, Astraea emar- 
cida Lam. nach Fischer und ein CyathophyUum voj*. 
Hierauf wird der Kalk völlig Thon- artig und nimmt ein 
paar Unionen? (wohl Sanguinolaria sulcata Phill,) 
in sich auf. Tiefer wird er wieder dichter, dann sandiger 
«nd zeigt dieselbe Cyrtia, das Cardium, aber aucli grosse 
Enkriniten eigner Art, ferner E u o m p h a 1 e n , Ortho- 
zeratiten, Bellerophon, einen hübschen Pecten 
tenuissimus, eine Gorgonia coarctata und aiii 
Fluss - Betto selbst in der untersten Schicht den Olenus 
£ichwaldi Fiscif. Auch hier findet sich eine Po rcellia 



— 42T — 

oder Clyin!enia mit liöckorn auf der Schaale und feinen 
Queerstreifeii, aber nur im Abdruck *). 

Eben so trifft man auch dieselbe Bildung an der Msfa 
und an der sich in sie ergiessenden Krupifza. Zuerst der- 
selbe Kohlen -Kalk 5 der jedoch hier viele Tu rri teilen 
oder Sealarien enthält; darauf ein Schiefer-Thon , der 
auch zu Töpfer- Arbeiten mit Nutzen gebraucht wird und 
alle äussern Charaktere eines Töpfer - Thons zeigt 5 unter 
ihm das Kohlen-Lager, und darunter noch einmal der Töpfer- 
Thon ; er ist hier meist blau und enthält dünne Adern von 
Gyps. In dem Kohlen - Lager findet sich vorzüglich schön 
die Stigma ria ficoides Sterne. 

Noch weit merkwürdiger ist das Fluss-Ufer der Prikscha 
nnd die mit ihm zusammenhängende Kluft gleiches Namens, 
50 Werst etwa nordwärts von jenem Flusse entfernt. 



*) Nachschrift. Die Versteinerungen des Waldai-VXAit^Vi stim- 
men mit denen des Berg-Kalkes, welche Phillips abbildet, gros- 
sentheils recht gut übcrein; auch sehe ich mich in meinen Bestim- 
mungen durch eine kleine Sammlung En^/t^cA^r Bergkalk-Petrefakten 
beim Berg-Korps ganz gut unterstützt. Gleichwohl scheinen wie- 
der andre des Silurischen Kalkes damit zusammenzutreffen. Ob 
aber beide aus einerlei , oder aus übereinanderliegenden Schichten 
herstammen , ksnn ich aus den Berichten der oben erwähnteu 
Reisenden nicht entnehmen. 

unter meinen „Unionen" des Wuldai befindet sich Sangui- 
nolaria sulcata Phill. Meine Pterinecn erkenne ich in 
seinen Gervillien wieder. Eine Clymenia, die ich nur nach 
dem Abdruck der Unterseite kannte, wird von ihm bei Cirrus 
aufgeführt. Vorzüglich der schwarze Kalkstein ist durch viele 
grosse und kleine Produkt en ausgezeichnet, gerade wie in Eni/- 
land ; ja wir haben bei uns fast dieselben oder ihnen doch sehr 
nahestehende Arten, insbesondre 5 1* -he, die dem Pr. puuctatus, 
Pr. fimbriatus, Pr. latissimus, Pr. Martini, Pr. gigas 
auffallend gleichen. Viel seltener kommt zwar Spirifer vor, 
doch finden wir hauptsächlich die flachen an Sp. arachnoideus 
und Sp. p a p i I i n a ce u 8 angrenzenden Arten. Auch sieht \y,a\\ 
mit A s a p h u s E i c h w a I d i die N u c u I a t u m i d a Piiill. oder 
eine ihr sehr nahe verwandte Art ; und ein Theil der viele« 
Pectines, die im Englischen Berg - Kalke vorkommen und xau 
Phillips so schön abgebildet sind , findet sich sehr ähnlich bei 
uns: doch mögen sie der Art nach verschiedeu seyn. 
J.ihrgang 1810. »28 



— 428 — 

In der Kluft von SfolohensM findet sieh derselbe Koh- 
len-Kalk; er entliält Gänge von Thonschiefer und darunter 
das Kohlen-Lager, das oben und unten von demselben Lehm 
begrenzt wird. Auch hier kommt Gyps auf kleinen Gängen 
im. Thon vor. In dem Kalkstein nach oben findet sich ein 
Chiton, kleiner als Chiton priscus Münst. aus dem 
Jüngern Übergangs- Kalke des Sikirischen Systems, ferner 
jene 4)ben erwähnten Pecten, ünio, Leptänen, ^ die 
Strophomene antiquata, eine kleine Pterinea, dio 
oben erwähnten E u omphalen und B eller oph ons, end- 
lich auch ein Orthoceratites und Lituites, der S a n- 
nionites c re p i ta c ulum Fisch,, der gewiss auch zu den 
Orthozeratitcn (mit weitem Sipho) gehört, und endlich 
eine Astraea und eine Gorgonia (G. reticulum). 

Aus dieser Kluft gelangt man an die Prikscha selbst, 
an deren Ufer jene Formation sich zu einer Höhe von 40 
Faden erhebt. Der dichte Kalkstein allein nimmt an 12 
Faden ein und enthält eigne platte Enkriniten, die wohl 
als eigne Gattung Pachycrinus aufgestellt werden könnten, 
von ziemlichem Umfange, fast J Zoll breit; ferner Scyp ho- 
kriniten und Leptänen. 

Darunter folgt der Töpfer-Thon mit Stigmaria ficoi- 
des und deutlichen Kalamiten; er ist bald schwärzlich, 
vorzüglich da, wo er an das Kohlen -Lager grenzt , bald 
rotlilich , bald blau; wo er bräunlich wird, nimmt er eine 
eigne Art L e p i d o d e n d r o n in sich auf, aber auch lose 
Blätter jener Stigmaria. Die Steinkohlen -Lager wech- 
seln mehrmal mit diesem bunten Töpfer - Thon. Zuweilen 
wird dieser sandig, vor:^^lich seine unterste Schicht, die 
den darunter liegenden rothen Sandstein bedeckt. Daher 
nimmt diese sandige blaue Thon-Schicht dieselljen Knochen 
der Bothryolepis prisca auf, wie sie in so grosser 
Menge im Sandstein selbst vorkommen. Unter diesem Knochen- 
führenden Sandstein liegt ein rother Glimmer-reicher Saud- 
istein , oft ohne alle Fisch - Knochen ; aber unter ihm folgt 
aufs neue der biauc Lehm oder der rothe Sandstein mit ihnen» 



— 420 — 

Nooh einer Erwähnung verdient endlich der Orochow- 
iche Berg ; er zeigt zunächst Sand , dann einen sandigen 
Thon mit Adern von Eisen-Erzen ; darauf folgt ein Tüj)fer- 
Thon mit einer kleinen Art Cyclopteris, endlich unbe- 
deutende Kohlen -Lager 5 darauf wieder der Töpfer -Thon 
mit Sphärosiderit , und endlich thonige Sandsteine mit 
Schwefelkies - Nieren und den Blättern der Stl^maria 
ficoides. Weiter unten finden sich sogar aufrechtstehende 
li Ellen hohe Stämme von Tubicaulis?, fast einen Fuss 
im Durchmesser haltend ; ganz unten folgt dann ein dichter 
Sandstein, oft viele Klafter mächtig und ohne alle Verstei- 
nerungen; er entspricht dem Rothen Sandstein, dessen obere 
Schichten hier überall Fisch-Knochen einsrhliessen. 

Auch auf dem höchsten Plateau des Waldai, im S. der 
Stadt, von wo nach allen Seiten bedeutende Ströme, wie 
die Wolga ^ Düna, die jPö/ö, Mesha u. a. seinen Abhängen 
entströmen , findet sich am Ursprünge der Düna ein sehr 
reiches Sumpf- Erz und unter ihm ein Kalkstein, der von 
Eisen stark geröthet ist, wie bei Slaraja Russ , und darin 
eine kleine Natica, ein Euomphalus, die gewöhnlichen 
Leptänen, Unionen, ein stark gestreifter üncites 
costatus, viel schmäler als der ü. gryphus, ferner 
viele B e 1 1 e r p h o n und ein queergestreifter mehrere 
Zoll langer Abdruck einer Clymenia oder Porceliia, 
endlich auch in Hornstein verwandelte Cya thophy 11 ien, 
C. c a p s p i t o s u m, und A u 1 o p o r a s e r p e n s. Unter die- 
sem Kalkstein liegt ein blauer Töpfer-Thon, darauf folgt ein 
ßrandschiefer und unter ihn» aufs Neue ein Töpfer - Thon, 
bis an das Fluss-Bette der Düna. 

Verfolgen wir endlich den Abfall des Waldai nach 
S.O. 5 so finden wir auch im Moshamschen Gouvernement 
dieselben zwei Kalk - Formationen wie oben mit denselben 
Versteinerungen, wie wir diess aus der ausfüliriichen Be- 
schreibung des verdienstvollen Vice-Präsidenten der Moskau- 
sehen natorforschenden Gesellschaft auf jeder Seite sehen 

28* 



~ 430 — 

liünnen; aber auch weiter nordwärts nach dem Ausflusse 
der Dwina ins weisse Meer scheint ganz dieselbe Formation 
zu herrschen 5 wie ich diess so eben aus einer Sammlung 
von Versteinerungen aus jener Gegend sehe; dieselbe Stro- 
phomene antiquata und ähnliche Leptänen finden sich 
da mit einigen Arten von Harmodites, Retepora, 
Gol'gonia und ähnlichen zum Kohlen - Kalkstein gehörigen 
Thier-Resten. 



Die 

höchste Gebirgs-Höhe der Karpathen 
ist die Gerlsdorfer Spitze, 

vou 

Hrn. Prof. und Ritter Dr. Zipser. 



Bis zum Schlüsse des Jahres 183S hielt man die Ets^ 
thaler Spitze für die höchste Gebirgs-Höhe der Karpathen, 
Ihr folgte die Lomniizer Spitze, der Krivan u. s. w, und 
zwar nach der neuesten Messung eines Wahlenberg, Brü- 
DANT und, wenn ich nicht irre, eines Grafen Kaiserling, 
welcher eine Beschreibung der Karpathen zu liefern sich 
vorgenommen. Indessen gelang es dem unermüdeten Eifer 
des Hrn. L. Greiner, herzogl. Sachsen- Kohurg- Gotha" sehen 
Forst-Direktors, im Herbste 1S3S das Gegentheil zu beweisen. 
Schon im J. 1837 am 10. Äug. bestieg er die Lomnitzer 
Spitze, um ihre Höhe über der Meeres-FIäche barometrisch 
zu messen. Er untersuchte bei dieser Gelegenheit von be- 
nnnnter Hölie aus mit einem einfachen Gradbooen die Höhen 
der übrigen ausgezeichneten nicht zu weit entfernten Berge 
der Zentral- Karpathen, die Eisthaler Spitze mit eingerech- 
net, \mA fand durch diese freilich nicht sehr verlässliche 
Untersuchung einige dieser Gebirgs - Spitzen fast eben so 
hoch wie »lie Lomniizer , und eine derselben, nämiich die 
Gerlsdorfer. noch höher als die Lomniizer Sj)itze, waji ihn 



-- 432 — 

um so mehr überraschte , da man von dieser Gebirgs-Höhe 
keine Erwähnung maclit, oder hie und da, wo sie erwähnt 
wird, sie um mehre 100 F. niedriger, als die Lomnitzer und 
Eisthnler Spitze angibt. Hr. Greiner beschloss daher, sich wo 
möglich auf mathematischem Wege von der Richtigkeit die- 
ser Entdeckung näher zu überzeugen. Mit einem zu dieser 
Messung ganz geeigneten Theodoliten begab er sich im ver- 
flossenen Herbste in die Zipser Ebene zwischen Georgenberg 
und dem einzeln stehenden jPe/Ä«er-Wirthshause an der ins 
Liptauer Komitat führenden Landstrasse, legte daselbst eine 
Standiinie von nahebei 2000 Wiener Klafter an, welche 
mehrmals sorgfältig gemessen wurde , und nahm mit dem 
benannten 5 vorher gut rektJfizirten Instrumente sowohl die 
Horizontal - als auch die Höhe- Winkel auf alle ausgezeich- 
neten Spitzen des Gebirgs - Zuges von der Käsmarher und 
Lomnitzer Spitze angefangen bis zum Krivan hin mit aller 
Genauigkeit auf, w^elche Aufnahme noch aus einem dritten 
Punkte und durch mehrmaliges Aufstellen des Instrumentes auf 
den drei Stand - Punkten dieser Höhen gehörig kontrollirt 
wurde. Aus diesen Messungen ergab sich das Resultat, 
dass die Gerlsdorf er Sj)itze wirklich die höchste und zwar 
50 Fuss Wiener Maas höher als die Lomnitzer Spitze ist, 
Nach dieser folgt im Höhen-Range eine Spitze, welchö von 
Felha oder Poprad aus gesehen sich etwas links von der 
Lomnitzer Spitze zeigt und nicht weit hinter derselben liegt. 
Sie ist nur 30 Fuss niedriger als die Lomnitzer Spitze. 
Nun folgt die nach obiger Ansicht noch weiter links und 
zwar hinter dem kleinen Kohlbach und den fünf Seen sich 
erhebende Eisihaler Spitze, welche 65 Fuss niedriger als 
die vorige ist; an sie reihen sich noch einige andere ausge- 
zeichnete Gebirgs-Höhen an, und dann erst kommt der Kri- 
van mit seiner Höhe. 

Diese Bestimmungen auf niathematiscliem Grunde ru- 
hend , sagt Hr. Grkinrr , haben ihre hinreichende Rich- 
tigkeit; allein um die Höhen dieser Gebirge über dem Meere 
zu berechnen, war es noch nötliig, die Höhe des einen oder 



~ 433 — 

andern End -Punktes der oben erwähnten Stand -Linie zu 
ermitteln, was füglich nicht anders als durch Messungen 
mit Barometer geschehen konnte. Zu ähnlichem Behufe be- 
obachtete Hr. Greiner schon durch mehre Jahre den Ba- 
rometer - und Thermometer - Stand mit dazu eingerichteten 
guten IVlener Instrumenten sowohl in und bei seiner Woh- 
nung (in Pohoretia^ an der Abdachung des Künigsberges)^ 
als auch von Zeit zu Zeit zwischen dieser und der Stand- 
Linie und selbst auf der Lomnitzer Spitze, auf dem Krivan 
und auf andern Punkten, und hat aus diesen Beobachtungen 
und seiner geometrischen Messung folgendes Resultat über 
die oben benannten vier ersten Gebirgs -Höhen der Kar- 
pathen gefunden, dass nämlich die Gerlsdorf er Spitze S285 F., 
die Lomnitzer S235 F. , die zunächst an derselben gelegene 
Höhe 8205 und. die Eisthaler Spitze 8140 F. Wiener Maas 
über dem Adriatüchen Meere liegen. 



Geognostische Skizze 
Kalabrien 

von 

Herrn Dr. R. A. Philippi. 



(Aus einem Briefe an Professor Bronn.) 



Ein tiefes 5 7 Miglien breites Thal 5 welches sieh vom 
Meerbusen von S. - Eufemia bis zu dem von Squülace er- 
streckt, trennt das südh'che Kalabrien^ den Gegenstand mei- 
ner spezielleren Nach forsch ungen , vom nördlichen auf das 
VoJIständigste. Dieses Thal, ganz mit tertiären Massen 
ausgefüllt, beweist, dass das südliche Kalabrien zur Tertiär- 
Periode bereits eine sowohl von Sizilien wie vom nördlichen 
Kalabrien geschiedene Insel war. Die nördliche Meerenge 
war flacher, die südliche tiefer, und so ward bei der Er- 
hebung des Landes dasselbe mit N.- Kalabrien verbunden, 
während es von Sizilien getrennt blieb. Wie man übrigens 
unter Karl VI« hat auf den .Gedanken kommen können, 
beide Meerbusen von S.^Eufemia und Squillace durch einen 
Kanal zu verbinden, ist mir unbegreiflich, da einerseits 
die beiden Flüsschen Lamdto und Cordce im Sommer fast 
wasserleer sind, andrerseits die tertiären Mergel- Hügel in 
der Mitte sich wohl auf 800' und darüber erheben , was 



— 435 — 

freilich in Vergleich zu den hohen Bergen von Tiriolo und 
Girifalco unbedeutend ist, aber doch die Anlage eines Ka- 
nals bei seiner unbeträchtlichen Länge ziendich unmöglich 
machen \vürde. — Das südliche Kalabrien ist aber nicht 
allein geographisch vom übrigen Italien scharf gesondert, son- 
dern bildet auch in geognostischer Beziehung ein von ^qi\ 
Apenninen geschiedenes, für sich bestehendes Gebirgs System. 
Schon sein Streichen ist ganz anders, denn es geht nicht 
>vie bei Aen Apenninen von IN.W« nach S.O. , sondern um- 
gekehrt von N.N.O. nach S,S.W. ; und, was die Hauptsache 
ist, seine geognostische Beschaffenheit ist eine ganz andre: 
es besteht hauptsächlich aus ürgebirge, die Äpenninen- 
Formation ist auf einen schmalen 5 räumlich sehr unbedeu- 
tenden Streifen beschränkt und besteht nur zum geringsten 
Theil aus Kalkstein , zum grössern Theil aus Mergel. Das 
ürgebirge bildet das ganze Innere der Halbinsel. Auf 
der Ost-Küste erreicht es nur in dem schmalen Vorgebirge 
von Stdäati (und beim Fortino dt Paliporto) das Meer. 
Auf der Süd-Küste soll es zwischen Bova und Palizzi bis 
zum Meere gehen ; auf der West-Küste wird es, vom schmäl- 
sten Punkt der Landenge von Messina an bis zum Thal 
des Lamdto, an selir vielen Stellen von den Wogen bespült. 
Ein tiefes Längenthal von Francavilla im N. bis Pahni, 
Seminara, S.-Eufemia^ Pedävoli und Oppido im S. reichend 
theilt auf dieser Seite das ürgebirge. In diesem Thale 
fliessen mit ihren Zuflüssen die Angitola, die Alesma , der 
Marro oder Petrdce ; es ist ganz mit tertiären Massen aus- 
gefüllt und reicht von Nicölera bis Palmi ans Meer. Der 
Vorsprung des Landes von Briatico bis Capo Vaticano scheint 
grösstentheiis aus ürgebirge zu bestehen ; indessen findet 
man auch viele tertiäre Massen von zerrissener Gestalt und 
oft von ganz unbedeutender Ausdehnung, wie denn eben- 
falls in diesen letzten hie und da wiinzige Punkte von 
Granit auftreten, so driss ich die scharfe Begränzung beider 
Formationen bei der beschränkten Zeit meiner Wanderungen 
nicht erreichen konnte» Von Monteleone bis Francavilla 



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dagegen bildet das ürgebirge einen zusammenhängenden, 
schmalen, nur durch die Angitola durchbrochenen Rücken. 
Von Canneiello , der Torte di Furo in Sizilien gegenüber, 
bis zum Capo deW armi besteht die Küste wieder aus ter- 
tiären Anhäufungen, doch tritt das ürgebirge in den_ tief 
eingerissenen Bach - Betten bis auf wenige Miglien an die 
Küste. Zieht mau nun noch eine Linie von Penledattüo 
nach Bova, von dort nach der Torre S.- Giovanni d'AiwloS 
und vom Fiume di Palizzi bis Sldllaii, so hat man den 
ümriss des Urgebirges im Groben. Seine Gestalt hat nichts 
Malerisches; es bildet überall fast horizontale Rücken oder, 
namentlich im S., Terrassen-artig aufsteigende Hoch-Ebenen; 
im Aspromonte erreicht es seine grösste Höhe mit etw'a 4600^ 
Im nördlichen Theil der Halbinsel schätze ich es zwischen 
2000^ und 2500' hoch. Das vorherrschende Gestein ist 
Granit von verschiedenen Varietäten; bei Pizzo enthält 
er sehr häufig Granaten , seltener Cyanit. An sehr vielen 
Stellen löst er sich in Gruuss auf, in welchem oft einzelne 
sehr harte , meist Syenit - ähnliche Knollen stecken bleiben, 
wie z. ß. bei Squillace } an einigen Stellen kann man zweifel- 
haft seyn, ob man schon wirklichen groben Sand oder noch 
anstehenden Granit vor sich hat: ich habe oft in Kalabrien 
an A\Q Nord-Deutsche oAev Nord-Europäische ^hene ^eA^aht, 
Zwischen Pazzano und la Mongiana kommen im Granit 
schmale Gänge eines sehr verwitterten Grünsteins vor, 
doch habe ich diesen nie in grösseren Massen anstehend 
gesehen. Weit weniger verbreitet als der Granit ist der 
Gneis s, und zwar sind die grobschieferigen in Granit 
übergehenden Varietäten weit häufiger, als die feinkörnigen. 
In demselben findet sich an mehren Stellen Graphit, und 
einige Miglien westlich von Squiilace an einem Ort, welchen 
die Leute Riga di Olivadi nennen, ist früher ein Bergwerk 
darauf angelegt gewesen, freilich auf eine so unsinnige 
Weise , dass es die Kosten nicht herausbringen konnte. 
Seit 12 Jahren ist es verlassen; der verschlossene Stollen 
und 2 von der Witterunor schon stark angeofriffcne Bretter- 



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Hütten werden seitdem von drei Artilleristen bewacht! 
G lim in er schiefer und Tho n sc hiefer, immer nur einen 
schmalen Streifen bildend , finden sich einzig am ostlichen 
Abhang des ürgebirges 5 ich habe sie bei y4/^Hcö nördlich 
von Bova, bei Cdnnolo nördlich von Gerdce, und bei Bivongi 
westlich von Stüo gefunden; nördlicher kommt kein Schiefer 
mehr vor. Dagegen ist derselbe die herrschejide Gebirgs- 
Art von Catanzaro bis Cosenza und Amantea. In diesem 
Scbiefer-Gebirge kommen häufig Erze vor, namentlich habe 
ich öfter Silber-haltigen fßleiglanz gesehen, und in früheren 
Zeiteji ist ein, wie es scheint, nicht ganz unbedeutender 
Bergbau daraufgetrieben worden, so wie in der ISähe von 
Reggio auf Kupfer. Bei Pazzano bricht ein schöner reiner 
Brauneisenstein in Menge, wie es scheint, als grosses Stock- 
werk zwischen Thonschiefer und Äpenninen- Kalk *). — 



'') Wenn aber die Bergwerke früher eben so bearbeitet worden sind, 
wie jetzt das Eisen Bero:weik von Pa%%ano bei StÜo , so wundert 
es mich gar nicht, dass die Regierung sie aufgegeben. Letztes 
ist das einzige Bergwerk im Königreich , es ist königlich , und 
wird vom Kriegs-Miuisterium durch das Artillerie-Korps verwaltet; 
ein Obrist und ich weiss nicht wie viel Kapitäne und Lieutenante, 
die sämmtlich , bevor sie dorthin konimandirt werden , keine Idee 
von einem Bergwerk haben , sind dazu erforderlich! Will man 
ein Pfund Eisen auf rechtlichem Wege kaufen , so mu.ss erst ein 
Bericht dcsshalb an das Kriegs - Ministerium in Neapel erstattet 
und dessen Genehmigung zum Verkauf eingeholt werden: leichter 
soll es auf unrechtmässigem Wege geschehen können. Überhaupt 
glauben Sie nicht, wie ähnlich die Regierung Neapels der Regie- 
rung Sultan ÄBD EL Meschids oder selbst Mehemet Ali's in vielen 
Dingen ist. Doch ich breche diese ungehörige Digression ab, um 
Ihnen zu sagen, dass die Schmelzwerke in Mongiana sind, wohin 
alles Erz auf Maulthieren von den Gruben von Paz^mw 4 Stun- 
den weit gebracht wird. Es sind 4 Stollen im Gange (Schacht 
kennt man dort nicht) , von denen jedoch im Mai zwei ersoflfen 
waren; die jährliche Produktion an Erz beträgt etwa 20,000 Can- 
tare oder 3,360.000 Pfund; bedarf aber die Regierung mehr, so 
ertheilt der Obrist in Mongiana dem Kapitän in Pazzano den Be- 
feiil, in bestimmter Zeit die doppelte Quantität Erz zu liefern, dann 
wird aurh des Nachts gearbeitet. Kurz vorher, ehe ich die Gru- 
ben besuchte, hatte der Obrist einen Capo- Minatore und andere 
Pcisonen bestrafen lassen, weil sie gelben Eisenocker, den sie 



~ 438 ~ 

Das S e kund är- Geh irge bildet einen schmalen Streifen 
von Slilo bei Palizzi zwischen dem Üi'gehirge einer-, und 
Aev\ Tertiär- Hilgehi der Küste andrer - seits; ein zweiter 
Streifen wird vom Meer nnd einer Linie begränzt, die von 
Capo deir armi nach Bova gezogen ist. Es besteht das- 
selbe wesentlich aus braunen Mergeln (bei Peiiledattilo 
soll es ein grobes Konglomerat seyn, wahrscheinlich demjeni- 
gen ähnlich, welches ich in der Gegend von Taormina beob- 
achtet habe). untergeordnet sind darin Kalksteine und 
Sandsteine. Es ist dieselbe Formation, die ich mit dem 
seeligen Fr. Hoffmann und mit Hrn. Escher in Sizilien an 
so vielen Steilen, namentlich bei Mojo getroffen; so habe 
ich auch bei Gerace und bei SUgjiano dieselben dünnen 
Schichten von thonigem Sphärosiderit und flieselben Fokoi- 
<len gefunden. Zwischen 6'^rß{?e und Agnana hart am Flüss- 
ohen Novito kommen in dieser Formation Steinkohlen von 
vortrefflicher Qualität und dem Anschein nach auch in hin- 
reichender Menge vor, die jetzt seit Anfang Mai von einer 
Gesellschaft ausgebeutet werden, an deren Spitze ein Eng- 
Jischer Obrist Namens Back steht. An mehren Stellen, bei 
Slilo, Cdnnolo und, wie mir versichert ist, auch bei Ciminä 
und S.-Nicola kommt überaus mächtig und undeutlich geschich- 
tet in malerischen zackigen Felsen ein blas s-rö thlich er 
Kalkstein von vollkommen muscheligem Bruche vor; seine 
Auflagerung auf den braunen Mergeln ist nicht ganz deut- 
lich zu beobachten, aber als gewiss anzunehmen; zudem 
wechselt er bei Cdnnolo mit Mergeln ab, welche Spuren 
von Kohlen führen ; es kann daher keinem Zweifel unter- 
liegen, dass dieser Kalkstein ebenfalls der Sekundär-Forma- 
tion angehöre. Er bildet isolirte Inseln an der Grenze des 
Urgebirges und der braunen Mergel, und eine solche dringt 
zwischen Casalnuovo und Gerace tief nach innen hinein, so 



dort Antimonio ! nrnnon , zum Huliofcii c;c.schirkt hatten, ,,denn es 
sey Schwefel-Eisen", Ül»rigens wird das Eisen fast nur zu Guss- 
waaretij eihenien Kanonen, Kononen-Kugeln eic. benutzt, fast nie 
zu Schmi-cde-Eisen. 



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tlass der graiiitische Kern der Halbinsel an dieser Stelle 
sehr zusonimenaezooen erscheint. Abweichend sind die 
Kalksteine, anf denen Bova liegt und welche das Capo dell* 
anntf mit Recht von den Alten Leucopefra genannt, bilden; 
Capo deW armi ist deutlich geschichtet, und zwar glaube 
ich hier eine Auflagerung auf den braunen Mergeln wahr- 
genoujraen zu haben; beide haben das Gefüge eines groben 
Sandsteins, und bei Bova hat Broccki selbst Versteinerun- 
gen gefunden, wie mir dort die HH, Marzano gelegent- 
lich erzählten, bei denen Broccki früher, wie ich später, 
gastfreie Aufnahme gefunden. Es kann daher nur ein Ge- 
dächtniss- Fehler seyn , wenn Brocchi (Biblioteca italiana^ 
Vol. XIX) diesen Kalkstein primitiv nennt; den sehr ähn- 
lichen Kalkstein von Capo deU armi nennt er eine Grau- 
wacke mit kalkigem Zäment. — Eine genauere Bestimmung 
des Alters dieser Formation ist mir für den Augenblick 
nicht möglieh. — Das Ter tiär- Gebi rge, welches an 
Ausdeiinung dem ürgebirge wenig nachgibt, wird haupt- 
sächlich aus grobem Schutt, aus Mergeln und aus Sand 
gebildet. Von Cap Spariivento an bildet es überall, nur 
an wenigen Stellen auf kurze Strecken unterbrochen, die 
Ost-Küste Xalabnens , verrauthiich ebenfalls die Küste von 
Basilicüta , und schliesst sich dann an Appulien an. Sein 
Vorkommen im W. habe ich schon oben kurz bezeichnet. 
— Den groben Schutt und Kies findet man nur an 
dem Granit- Abhancr in der Gegend von Reggio ^ wo er bis 
zur bedeuteiulen Hohe von 1800' bei Terreti ansteigt, so 
w ie am Süd- Abhang von Nord-Kalahrien , wo derselbe bei 
Tiriolo und Catanzdro schön entblöst ist. Im Allgemeinen 
stammen die Fragmente, welche ihn bilden, von dem be- 
nachbarten ürgebirge her, allein bei Catanzdro enthält er 
auch ungeheure Gyps - Blöcke , deren Ursprung nicht nach- 
zuweisen ist, 80 wie Varietäten von Granit und anderm 
ürgebirge, die nach der Versicherung von Hrn. Tarentino, 
Prof. der Naturgeschichte am Lyceum in Catanzdro^ in der 
Umgegend nirgends an;stehend angetroffen werden. — Die 



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Mergel liegen im Allgemeinen, wie bei der Subapennincn- 
Formation, unter dem Sand und sind mächtiger als dieser. 
So namentlich in der grossen , wegen ihrer Fruchtbarkeit 
und ihres Wohlstandes gepriesenen Ebene von Kalabrien^ 
d. h. dem oben begränzten Strich zwischen Filadelfia und 
Seminara einerseits und zwischen Gioja und Polistena zwi- 
schen Monteleone und Soriano andrerseits. Hier wandert 
man meilenlang in einem wahren Ölbaum -Wald Yon gigan- 
tischen Bäumen ; einen vollkommen gesunden Stamm bei So- 
riano konnte ich mit zwei andern Männern kaum umspannen. 
Dafür ist diese Gegend aber auch Aen verheerenden Wir- 
kungen der Erdbeben in unendlich höherem Grade als 
die auf ürgebirg oder anderm festen Gestein erbauten 
Ortschaften ausgesetzt gewesen. Bei dem Erdbeben von 
1783 hat die Aufweichun