Skip to main content

Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

See other formats


§M$mä 


m mm 
























der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



i n I ) r e s d e n. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1907. 


Mit 5 Abbildungen im Text. 





Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1908 . 




der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1907. 

Januar bis Juni. 


Mit 5 Abbildungen im Text. 




Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 


1907. 



uni 


Redaktionskomitee für 1907. 

Vorsitzender: Grell. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 

Mitglieder: Prof. Dr. A. Jacobi, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer Dr. 
P. Wagner, Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. M. Toepler und Staatsrat 

Prof. M. Grübler. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 


Inhalt, 

Verzeichnis der Mitglieder S. V. 

A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3. — Jacobi, A.: Schrillapparate bei Singzikaden S. 4; 
über Beuteltiere S. 5. — Schlaginhaufen. 0.: Körperbau eines jungen Schimpansen 
S. 4. — Viehmeyer, H.: Hochzeitsflug und Nestgründung der Ameisen S. 3. — 
Wagner, P. : Stellung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Mittelschulen 
S. 4. — Wandolleck, B.: Brutpflege im Tierreich, mit Bemerk, von K. Heller, 
Mifsbildungen bei Reptilien, Regenerationserscheinungen von Reptilien S. 3, mit Be- 
merk. von A. Jacobi, M. Mann und K. Verhoeff S. 4. 

II. Sektion für Botanik S. 5. — Drude, 0.: Flora der Antarktis S. 5. — Dutsch- 
mann, Gr.: Wirkung des Windes auf die Vegetation von Sylt S. 6. — Schlagin - 
häufen, 0.: Das sog. „Inkabein“, neue Literatur S. 6. — Schorler, B. : Besprechung 
neuer Literatur, Fortschritte in der bildlichen Darstellung der Diatomeen, Lebens- 
geschichte einiger Mall omonas -Arten S. 6. — Ausflug nach Kötzschenbroda zur 
Besichtigung der blühenden Trachycarpus excelsa S. 6. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 7. — Baldauf, R.: Über Meteor- und 
tellurische Eisen S. 7. — Engelhardt, H.: Eozänflora im Fajüm S. 7. — Kal- 
kowsky, E. : Neue Sektionen der geologischen Reliefkarte von Sachsen, Besprechung 
neuer Literatur S. 7. — Stutzer, 0. : Entstehung und Einteilung der Erzlagerstätten 
S. 7. — Uhlig, J.: Molekularstruktur der Kristalle S. 7. — Wagner, P.: Wissen- 
schaftliche Ergebnisse der Vesuvbeobachtungen während der Eruption im April 1906 
48.7. — Wanderer, K.: Über Flugsaurier S. 7. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 8. — Deichmüller, J. : Vorlage 
neuer Funde aus Sachsen S. 8; prähistorische Typenkarten S. 9; Besprechung neuer 
Literatur, die ersten Kupferfunde aus Sachsen S. 10. — Hentschel, W.: Ozeanien, 
die Heimat des Neolithikers S. 8, mit Bemerk, von J. Deichmüller und H. Wiechel 
S.9. — Schlaginhaufen, 0.: Über ein Skelett von Lunkhofen S. 10. — Wiechel, H, : 
Vorgeschichtliches Schichtenprofil als Seitenstück zum geologischen Schichtenprofil S. 8. 

— Neue Literatur S. 9. 

V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie S. 10. — Lottermoser, A. : 
Einiges über kolloidale Metalle S. 11. — Rebenstorff, H, : Neue Schulversuche 
S. 10. — Witting, A. : Neues über Linienspektra S. 11. — Besichtigung des Fern- 
heiz- und Elektrizitätswerks, des Instituts für Telegraphie und Signalwesen und des 
Elektrotechnischen Instituts der K. Technischen Hochschule S. 11. 

VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 11. — Heger, R.: Über die 
Kugeln, die einem unebenen Viereck M, A 2 A s A 4 eingeschrieben sind, S. 11; Berech- 
nung der homogenen Koordinaten des 9. Schnittpunktes zweier Kurven III. Ordnung aus 
8 gegebenen S. 13. — Helm, Gr. : Eine Konstruktion des Krümmungskreises bei Kegel- 
schnitten S. 12. — Henke, R. : Gegenpunkte und Gegenkurven beim Dreieck S. 13. 

— Grübler, M.: Gleichgewicht und Ruhe S. 12. — Krause, M.: Zur Theorie des 
ebenen Gelenkvierecks S. 11. — Weinmeister, Ph.: Die Ellipse im Dienste der 
Landwirtschaft S. 11. 


Inhalt des Jahrganges 1907. 

Verzeichnis der Mitglieder S. V. 


A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3 und 21. — Escherich, K.: Reise nach Erythraea S. 21. 

— Jacobi, A.: Schrillapparate bei Singzikaden S. 4; über Beuteltiere S. 5 ; Vorlage 
von Literatur S. 21. — Schlaginhaufen. 0.: Körperbau eines jungen Schimpansen 
S. 4. — Viehmeyer, H.: Hochzeitsflug und Nestgründung der Ameisen S. 3. — 
Wagner, P.: Stellung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Mittelschulen 
S. 4. — Wandolleck, B.: Brutpflege im Tierreich, mit Bemerk, von K. Heller, 
Mifsbildungen bei Reptilien, Regenerationserscheinungen von Reptilien S. 3, mit Be- 
merk. von A. Jacobi, M. Mann und K. Verhoeff S. 4. 

II. Sektion für Botanik S. 5 und 21. — Drude, 0.: Flora der Antarktis S. 5; die 
1907 in Dresden abgehaltenen botanischen Versammlungen, kartographische Dar- 
stellung mitteldeutscher Vegetationsformationen, Besprechung neuer Literatur S. 22. — 
Dutschmann, Gr.: Wirkung des Windes auf die Vegetation von Sylt S. 6. — Nau- 
mann, A.: Die Myxomyceten als Erreger gewisser Pflanzenkrankheiten S. 22. — 
Neger, F.: Habitus der Koniferen S. 21. — Schlaginhaufen, 0.: Das sogen. 
„Inkabein“, neue Literatur S. 6. — Schorle r, B.: Fortschritte in der bildlichen Dar- 
stellung der Diatomeen, Lebensgeschichte einiger Mallomonas- Arten S. 6; Besprechung 
neuer Literatur S. 6 und 21. — Ausflüge nach Kötzschenbroda zur Besichti- 
gung der blühenden Trachycarpus excelsa S. 6, nach Tharandt zur Besichtigung 
des Forstgartens S. 21. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 7 und 23. — Baldauf, R.: Uber Meteor- 
und tellurische Eisen S. 7. — Engelhardt, H.: Eozänflora im Fajüm S. 7. — Kal- 
kowsky, E. : Neue Sektionen der geologischen Reliefkarte von Sachsen, Besprechung 
neuer Literatur S. 7; Korundgranulit von Waldheim S. 23. — Menzel, P. : Flora des 
Braunkohlenreviers von Senftenberg S. 23. — Stutzer, 0.: Entstehung und Ein- 
teilung der Erzlagerstätten S. 7. — Uhlig, J.: Molekularstruktur der Kristalle S. 7. 

— Wagner, P.: Wissenschaftliche Ergebnisse der Vesuvbeobachtungen während der 
Eruption im April 1906 S. 7; neue Literatur S. 23. — Wanderer, K.: Uber Flug- 
saurier S. 7. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 8 und 23. — Arldt, Th.: Heimat 
und erste Ausbreitung des Menschen S. 23. — Deich müller, J. : Vorlage neuer 
Funde aus Sachsen S. 8; prähistorische Typenkarten S. 9; Besprechung neuer Literatur, 
die ersten Kupferfunde aus Sachsen S. 10. — Hentschel, W.: Ozeanien, die 
Heimat des Neolithikers S. 8, .mit Bemerk, von J. Deichmüller und H. Wiechel 
S.9. — Schlaginhaufen, 0.: Über ein Skelett von Lunkhofen S. 10. — Wiechel, H.: 
Vorgeschichtliches Schichtenprofil als Seitenstück zum geologischen Schichtenprofil S. 8. 

— Neue Literatur S. 9 und 24. 

V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie S. 10 und 24. — Beythien, A.: 
Neuere Aufgaben der Nahrungsmittelchemie S. 25. — Lottermoser, A. : Einiges 
über kolloidale Metalle S. 11. — Rebenstorff, TI.: Neue Schulversuche S. 10. — 
Toepler, M.: Gleitende Entladungen S. 24. — Witting, A.: Neues über Linien- 
spektra S. 11. — Besichtigung des Fernheiz- und Elektrizitätswerks, des Instituts 
für Telegraphie und Signal wesen und des Elektrotechnischen Instituts der K. Tech- 
nischen Hochschule S. 11. 


IV 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 11 und 25. — Grübler, M.: 
Gleichgewicht und Ruhe S. 12; Elastizitätstheorie S. 25. — Heger, R.: Über die 
Kugeln, die einem unebenen Viereck A 1 Ä 2 A s A 4 eingeschrieben sind, S. 11; Berech- 
nung der homogenen Koordinaten des 9. Schnittpunktes zweier Kurven III. Ordnung aus 
8 gegebenen S.18. — Helm, G. : Eine Konstruktion des Krümmungskreises bei Kegel- 
schnitten S. 12; Beziehungen der Sammelbegriffe zur Wahrscheinlichkeitsrechnung 
S. 27. — Henke, ft.: Gegenpunkte und Gegenkurven beim Dreieck S. 13. — 
Krause, M.: Zur Theorie des ebenen Gelenkvierecks S. 11. — Naetsch,E.: Licht- 
grenzkurven und geodätische Linien S. 27. — Weinmeister, Ph.: Die Ellipse im 
Dienste der Landwirtschaft S. 11. 

VII. Hauptversammlungen S. 13 und 28. — Beamte der Isis im Jahre 1908 S. 29 
und 31. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 16 und 29. — Kassenabschlufs 
für 1906 S. 14, 15 und 17. — Voranschlag für 1907 S. 14. — Freiwillige Beiträge zur 
Kasse S. 30. — Bericht des Bibliothekars S. 33. — Geschenke für die Bibliothek S. 6 
und 9. — 79. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Dresden S. 14. — 
Drude, 0.: Linnes Leben und Wirken S. 15; Organisation und Arbeiten des Bundes 
„Heimatschutz“ im Jahre 1907 S. 29. — Engelhardt, H. , Photographie eines 
Braunkohlen - Tagebaus von Senftenberg S. 15; über Musophyllum Kinkelini S. 16. 
— Heller, K. : Ausflüge auf den Inseln Gran-Canaria und Tenerife S. 29. — 
Helm, G.: Die neueren Ansichten über das Wesen der Naturerkenntnis S. 13. — 
Kalkowsky, E.: Über Weltsprache und gegen Esperanto S. 15; Verlauf der 79. Ver- 
sammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Dresden S. 28; Gründung einer 
geologischen Gesellschaft in Freiberg S. 29. — Nessig, R., Thallwitz, J. und 
Wagner, P.: Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Mittelschulen 
S. 14 und 15 (vergl. auch S. 4). — Schlaginhaufen, 0.: Die körperlichen Merkmale 
des altdiluvialen Menschen S. 15. — Schreiber, P.: Der Wärmehaushalt an der 
Erdoberfläche S. 16. — Stadelmann, H. : Stellung der Psychopathologie zur Kunst 
S. 28. — Wawrziniok, 0.: Die Metallmikroskopie und metallographische Unter- 
suchungsmethoden S. 14. — Besichtigung der Völkergruppe „Wild-Afrika“ im Zoo- 
logischen Garten S. 28, der Sonderausstellung „Die Elbe und ihre Bedeutung für 
Dresden“ S. 29. 


B. Abhandlungen. 

Drude, 0.: Carl v. Linne, sein Leben und Wirken. S. 26. 

Hentschel, W.: Ozeanien, die Heimat des Neolithikers. S. 3. 

Kalkowsky, E.: Der Korundgranulit von Waldheim in Sachsen. S. 47. 
Rebenstorff, H.: Neue Apparate zur Bestimmung von spezifischen Gewichten. Mit 
3 Abbildungen. S. 8. 

Schorler, B : Das pflanzengeographische Formationsherbarium. S. 66. 

Schorler, B.: Über Herbarien aus dem 16. Jahrhundert. S. 73. 

Toepler, M.: Gleitfunken auf Glasröhren. Mit 2 Abbildungen. S.18. 


Die Verfasser sind allein verantwortlieh für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Verzeichnis der Mitglieder 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden 

im Juni 1907. 


Berichtigungen bittet man an den Sekretär der Gesellschaft, 
d. Z. Hofrat Prof. Dr. J. Y. Deiclimüller in Dresden, K. Mineral.- geologisches Museum 

im Zwinger, zu richten. 




I. Ehrenmitglieder. Jahr der 

0 Aufnahme. 

1. Agassiz, Alex., Dr. phil., Kurator a. D. des Museums of Comparative Zoology in 

Cambridge, Mass 1877 

2. Credner, Herrn., Dr. phil., Geh. Bergrat, Professor an der Universität und 

Direktor der geologischen Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen in 
Leipzig (1869)1895 

3. Galle, J. G., Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Professor a. D. in Potsdam . . 1866 

4. Haughton, Sam., Rev., Professor am Trinity College in Dublin 1862 

5. Jones, T. Rupert, Professor a. I). in Penbryn, Chesham, Bucks 1878 

6. Laube, Gust., Dr. phil., K. K. ILofrat, Professor an der Universität in Prag 1870 

7. Ludwig, Friedr., Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Gymnasium in Greiz (1887)1895 

8. Magnus, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin 1895 

9. Omboni, Giov., Professor an der Universität in Padua 1868 

10. Rohn, Karl, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der Universität in Leipzig (1885)1904 

11. Seydewitz, Paul von, Dr. jur. et phil., Staatsminister a. D. in Dresden, Zinzen- 

dorfstr. 47 1903 

12. Stacke, Guido, Dr. phil., K. K. Hofrat, Direktor a. D. der K. K. Geologischen 

Reichsanstalt in Wien . (1877)1894 

13. Tschermak, Gust., Dr. phil., Hofrat, Professor an der Universität in Wien . 1869 

14. Yerbeek, Rogier D. M., Dr. phil., Direktor der geologischen Landesuntersuchung 

von Niederländisch-Indien in Buitenzorg 1885 

15. Wolf, Franz, Dr. phil., Professor, Realschuldirektor in Rochlitz 1895 

16. Zeuner, Gust., Dr. phil., Geh. Rat, Professor a. D. in Dresden, Lindenaustr. la 1874 

17. Zirkel, Ferd., Dr. phil., Geh. Rat, Professor an der Universität in Leipzig . . 1895 


II. Wirkliche Mitglieder. 

A. In Dresden und den Vororten. 


1. Baensck, Willi., Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei, Waisenhausstr. 34 1898 

2. Baldauf, Rieh.. Privatmann, Geinitzstr. 5 1878 

3. Barthel, Theod., Kais. Telegraphensekretär, Ludwig Richterstr. 35 . . . . 1901 

4. Bauer, J. Adolf, Kaufmann, Falkenstr. 12 1903 

5. Beck, F. Heinr., Bezirksschullehrer, Lortzingstr. 15 1896 

6. Becker, Herrn., Dr. med., Oberarzt am Stadtkrankenhause, Sidonienstr. 16 . 1897 

7. Berger, Karl, Dr. med., Pragerstr. 44 1898 

8. Bernkopf, Georg, akadem. Bildhauer, Wittenbergerstr. 43 1900 

9. Besser, C. Ernst, Professor, Hohestr. 59 1863 

10. Beythien, Adolf, Dr. phil., Direktor des ehern. Untersuchungsamtes der Stadt 

Dresden, Düppelstr. 8 1900 

11. Biedermann, Paul, Dr. phil., Professor an der K. Tierärztlichen Hochschule 

und Oberlehrer an der Annenschule, Reinickstr. 11 1898 

12. Bobine, Max, Dr. phil., Oberlehrer an der 111. Realschule, Böhnischplatz 17 . 1904 

13. Bölimig, Konr. Heinr., Dr. med. ; Hauptstr. 36 1904 

14. Bose, K. Mor. von, Dr. phil., Fabrikdirektor, Leipzigerstr. 11 . . . . 1868 

15. Bracht, Eugen, Geh. Hofrat, Professor an der K. Akademie der bildenden 

Künste, Frank linstr. 11 . 1905 

16. Brömel, Alb., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Pulsnitzerstr. 10 1906 

17. Burdach, Fritz, Dr. med., Oberstabsarzt, Melanchtonstr. 5 1902 


VTII 


Jahr der 
Aufnahme. 

18. Calberla, Ghist. Mor., Privatmann, Bürgerwiese 8 1846 

19. Calberla, Heinr., Privatmann, Bürgerwiese 8 1897 

20. Cüppers, Friedr., Kaufmann, Julius Ottostr. 12 1896 

21. Dannenberg, Osk. Eugen, Dr. med., Christianstr. 1/8 1902 

22. Deichmüller, Job., Dr. pliil., Hofrat, Professor, Kustos des K. Mineral.-geolog. 


23. Dember, Harry, Dr. phil. , Assistent an der K. Technischen Hochschule, 

Residenzstr. 9 1906 

24. Dietz,B,ud.,Dr.phil., Privatdozent an der K. Technischen Hochschule, Sedanstr. 14 1902 

25. Disteli, Mart., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, Hübnerstr. 1b 1905 

26. Döring, Herrn., Bezirksschuldirektor, Glacisstr. 24 1885 

27. Dressier, Heinr., Seminaroberlebrer, Bernhardstr. 69 1893 

28. Drude, Osk., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hochschule 

und Direktor des K. Botanischen Härtens, Stübel- Allee 2 1879 

29. Dutschmann, Georg, Lehrer, Nostitz- Wallwitzplatz 15 1903 

30. Ebert, Gust. Bob., Dr. phil., Professor, Gr. Plauenschestr. 20 1863 

31. Ebert, Otto, Taubstummenoberlehrer, Ammonstr. 92 1885 

32. Ehnert, Osk. Max, Vermessungsingenieur, Teutoburgstr. 8 1893 

33. Engelhardt, Bas. von, Dr. phil.. wirkl. Kais. Buss. Staatsrat, Astronom, 

Liebigstr. 1 1884 

34. Engelhardt, Herrn., Hofrat, Professor, Bautznerstr. 34 1865 

35. Entner, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Residenzstr. 25 . . 1906 

36. Fehrmann, Max Rieh., Bürgerschullehrer, Neubertstr. 19 1901 

37. Fickel, Joh., Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, 

Anton Graffstr. 11 1894 

38. Fischer, Hugo Bob., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Schnorrstr. 57 1879 

39. Flachs, Rieh., Dr. med., Oberarzt am Säuglingsheim, Sidonienstr. 6 ... 1897 

40. Flathe, Mart., Bergdirektor a. D., Richard Wagnerstr. 5 1905 

41. Förster, Friedr., Dr. phil., Geh. Hof rat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Hohestr. 46 1895 

42. Francke, Hugo, Dr. phil., Mineralog, Müllerbrunnenstr. 5 1889 

43. Freitag, F. Gl. Willy, Realschullehrer, Eisenstuckstr. 26 1906 

44. Freude, Aug. Bruno, Bürgerschullehrer, Seminarstr. 11 1889 

45. Freyer, Karl, Bezirksschuldirektor, Herbertstr. 34 1896 

46. Friedrich, Edm., Dr. med., Sanitätsrat, Lindengasse 20 1865 

47. Friese, O. Walter, Dipl. - Ingenieur, Assistent an der K. Technischen Hoch- 

schule, Ostra- Allee 31 1905 

48. Frölich, Gust., K. Hofbaurat, Elisenstr. 11 1888 

49. Galewsky, Eug. Eman., Dr. med., Christianstr. 21 1899 

50. Gebhardt, Mart., Dr. phil., Oberlehrer am Vitzthumschen Gymnasium, 

Walpurgisstr. 11 1894 

51. Geinitz, Leop., Bureauassistent an den K. Sächs. Staatsbahnen, Rabenerstr. 11 1886 

52. Geissler, Gust. Alfr., Lehrer an der I. Realschule, Wittenbergerstr. 18 . . 1904 

53. Giseke, Karl, Privatmann, Franklinstr. 17 1893 

54. Gravelius, Harry, Dr. phil., Astronom, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Reissigerstr. 13 1897 

55. Grossmann, Alb., Dr. ing., Fabrikbesitzer, Königsbrückerstr. 22 1906 

56. Grübler, Mart., Kais. Russ. Staatsrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Bernhardstr. 98 1900 

57. Grützner, Max, Realschuloberlehrer, Ermelstr. 5 b 1906 

58. Gühne, Herrn. Bernh. , Dr. phil., Professor beim K. Sächs. Kadettenkorps, 

Jägerstr. 28 1896 

59. Günther, Osw., Chemiker, Frankenstr. 5 1899 

60. Guthmann, Louis, Geh. Kommerzienrat, Fabrikbesitzer, Prägerstr. 34 . . . 1884 

61. Haase, Gertr., Drs. med. Ww., Eisenstuckstr. 28 1907 

62. Hiinel, F. Paul, Chemiker, Fabrikbesitzer, Behrischstr. 30 1899 

63. Hallwachs, Wilh. , Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Münchnerstr. 2 .... 1893 

64. Hartmann, W. E. Alb., Privatmann, Münchnerstr. 20 1896 

65. Hefelmann, Rud., Dr. phil., Chemiker, Schreibergasse 6 1884 

66. Heger, Gust. Rieh., Dr. phil., Studienrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Hähnelstr. 15 1868 

67. Heinrich, Karl, Buchdruckereibesitzer, Johann Georgen- Allee 27 1898 


IX 


Jahr der 
Aufnahme. 

68. Heller, Karl, Dr. phil., Professor, Kustos des K. Zoolog, und Anthrop.-ethnogr. 

Museums, Franklinstr. 22 1900 

69. Helm, Georg Ferd., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Lindenaustr. la 1874 

70. Heinpel, Walt. Matthias, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Tech- 

nischen Hochschule, Zelleschestr. 44 1874 

71. Henke, K. Rieh., Dr. phil., Professor, Konrektor an der Annenschule, Lindenau- 

strafse 9 1898 

72. Herrmann, Em., Bezirksschullehrer, Döbelnerstr. 62 1905 

73. Hesse, Walt., Dr. med., Obermedizinalrat, Julius Ottostr. 11 1901 

74. Hofmann, Alex. Emil, Dr. phil., Geh. Hofrat, Goethestr. 5 1866 

75. Hofmeier, Ernst, Privatmann, Leubnitzerstr. 32 ... 1903 

76. Holz, Karl, Realschullehrer, Sachsenplatz 4 1906 

77. Hoyer, K. Ernst, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Fürstenstr. 57 1897 

78. Hübner, Georg, Dr. phil., Apotheker, Am Markt 3 und 4 1888 

79. Hupfer, Herrn. Paul, Dr. phil. , Oberlehrer an der II. höh. Töchterschule, 

Gneisenaustr. 20 1907 

80. Jacobi, Arn., Dr. phil. , Professor, Direktor des K. Zoolog, und Anthrop.- 

ethnogr. Museums, Marsdorferstr. 7 1904 

81. Jacoby, Julius, K. Hofjuwelier, Jüdenhof 1 1882 

82. Jahr, Rieh., Photochemiker, Fabrikbesitzer, Schubertstr. 15 1899 

83. Jenke, Andreas, Bezirksschuloberlehrer, Zirkusstr. 10 1891 

84. Jühling, Franz, Streichinstrum.- und Saitenfabrikant, Moritzstr. 2 ... . 1900 

85. Ihle, Karl Herrn., Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Kamenzerstr. 9 1894 

86. Kadner, Paul, Dr. med., Franklinstr. 22 1906 

87. Kämnitz, Max, Dipl. - Chemiker, Bautznerstr. 79 1894 

88. Käseberg, Mor. Rieh., Dr. phil., Institutslehrer, Gr. Plauenschestr. 9 . . . 1886 

89. Kalkowsky, Ernst, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule und Direktor des K. Miner. -geolog. Museums nebst der Prähistor. 
Sammlung, Bismarckplatz 11 1894 

90. Kelling, Em. Georg, Dr. med., Professor, Christianstr. 30 1899 


92. Klähr, Max, Oberlehrer an der I. Realschule, Fürstenstr. 11 1899 

93. Klette, Alfons, Privatmann, Residenzstr. 18 1883 

94. König, Klemens, Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Stephanienstr. 95 1890 

95. Kopeke, Klaus, Dr. ing., Geh. Rat, Sedanstr. 25 1877 

96. Köpert, Otto Herrn., Dr. phil., Oberlehrer am Vitzthumschen Gymnasium, 

Krenkelstr. 17 1903 

97. Kotte, Erich, Dr. phil., Seminaroberlehrer, Briesnitz, Maximilianstr. 8 . . 1905 

98. Krause, Martin, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Räcknitz, Friedrich Wilhelmstr. 82 1888 

99. Krone, Herrn., Professor an der K. Technischen Hochschule, Josefinenstr. 2 1852 

100. Kühn, Gust. Em., Dr. phil., Geh. Schulrat, Vortragender Rat im K. Ministerium 

des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Ferdinandstr. 16 1865 

101. Kühnscherf, Alex., Techniker, Gr. Plauenschestr. 20 1904 

102. Kühnscherf, Emil, Fabrikbesitzer, Gr. Plauenschestr. 20 1866 

103. Kühnscherf, Erich, Kaufmann, Gr. Plauenschestr. 20 1904 

104. Kürzel, Arth. Eduard, Privatmann, Nordstr. 25 1903 

105. Küster, Max G., Dr. med., Fürstenstr. 58 1905 

106. Kuntze, F. Alb. Arth., Bankier, An der Kreuzkirche 1 1880 

107. Kunz-Krause, Herrn., Dr. phil., Medizinalrat, Professor an der K. Tierärztlichen 

Hochschule, Ludwig Richterstr. 6 1901 

108. Ledebur, Hans Em. Freiherr von, Friedensrichter, Uhlandstr. 6 . ... 1885 

109. Ledien, Franz, Garteninspektor am K. Botanischen Garten, Stübel- Allee 2 1889 

110. Lehmann, Ernst, Dr. phil., Seidnitzerplatz 7 1906 

111. Lehmann, F. Georg, K. Hofbuchhändler, Handelsrichter, Schlofsstr. 32 . . 1898 

112. Lehmann, Hellmuth, Gärtner, Gartenstr. 1 1905 

113. Leuner, F. Osk., Ingenieur, Klarastr. 16 1885 

114. Lewicki, Ernst, Professor an der K. Technischen Hochschule, Würz- 

burgerstr. 51 . 1898 

115. Lewicki, J. Leonidas, Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Zelleschestr. 29 1875 


X 


Jahr der 
Aufnahme. 

116. Lohmann, Hans, Dr. phil., Oberlehrer am König Georg -Gymnasium, Bern- 

hardstr. 106 1896 

117. Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Oberlehrer an der II. Realschule, Struvestr. 34 1892 

118. Lottermoser, K. A. Alfred, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Wintergarten str. 15 1898 

119. Ludwig, J. Herrn., Bezirksschullehrer, Wintergartenstr. 66 1897 

120. März, Christ., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Bautznerstr. 22 1907 

121. Mangoldt, Friedr. von, Dr. med., Hofrat, Oberarzt am Karolahaus, Bürger- 

wiese 21 1903 

122. Mann, Max Georg, Dr. med., Ostra- Allee 7 1900 

123. Meier, E. F. Gust., Oberturnlehrer am Yitzthumschen Gymnasium, Dippoldis- 

waldaergasse 6 1900 

124. Meigen, Friedr., Dr. phil., Oberlehrer an der II. Realschule, Nöthnitzerstr. 26 1901 

125. Meinert, Eugen, Dr. jur., Moltkeplatz 3 1895 

126. Meiser, Emil, Mechaniker, Kurfürsten str. 27 1901 

127. Meissner, Georg, Ingenieur, Palaisstr. 8 . 1907 

128. Menzel, Osk., Baumeister und Architekt, Ferdinandstr. 8 1902 

129. Menzel, Paul, Dr. med., Mathildenstr. 46 1894 

130. Meyer, Ernst von, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Lessingstr. 6 1894 

131. Modes, Herrn., Ingenieur, Antonstr. 18 1887 

132. Möhlau, Rieh., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Semperstr. 4 1895 

133. Mollier, Rob. Rieh., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, 

George Bährstr. 4 1897 

134. Morgenstern, Osk. Wold., Oberlehrer an der Annenschule, Kügelgenstr. 40 . 1891 

135. Moritz, P. Wald., Zahnarzt, Pragerstr. 48 1906 

136. Mühlberg, Job., Rumän. Konsul, Kaufmann, Webergasse 32 1903 

137. Miihlfriedel, Rieh., Bezirksschuloberlehrer, Ludwigstr. 1 1898 

138. Müller, G. Felix, Dipl. -Ingenieur, Bernhardstr. 115 1903 

139. Müller, Rud. Ludw., Dr. med., Blasewitz, Friedrich Aüguststr. 25 ... . 1877 

140. Naetsch, Emil, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, Blase- 

witz, Striesenerstr. 5 1896 

141. Naumann, K. Arno, Dr. phil., Assistent am K. Botanischen Garten und Lehrer 

an der Gartenbauschule, Nicolaistr. 19 1889 

142. Nessig, Rob., Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Dreikönigschule, Luther- 

platz 9 1 893 

143. Neumann, H. Paul, Dr. jur., Rechtsanwalt, Marschallstr. 5 1905 

144. Niedner, Chr. Frz., Dr. med., Geh. Medizinalrat, Winckelmannstr. 33 . . 1873 

145. Nowotny, Franz, Oberfinanzrat, Chemnitzerstr. 27 1870 

146. Ostermaier, Josef, Kaufmann, Blasewitz, Weinbergstr. 3 ...... . 1896 

147. Pander, John, Eisenbahndirektor a. D., Wintergartenstr. 9 1905 

148. Pattenhausen, Bernh., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule und Direktor des K. Mathem.-physikal. Salons, Reichenbachstr. 53 . 1893 

149. Pazsclike, Otto, Dr. phil., Privatmann, Forststr. 29 1905 

150. Pestei, Rieh. Mart., Mechaniker und Optiker, Hauptstr. 1 1899 

151. Peuckert, F. Adolf, Oberlehrer an der Dorotheenscbule, Seilergasse 2 . . 1873 

152. Pfltzner, Paul, Dr.phil., Professor, Oberlehrer an der Kreuzschule, Bettinastr. 12 1901 

153. Pötschke, F. Jul., Techniker, Gärtnergasse 5 1882 

154. Pressprich, Gust., Stadtbaumeister, Schumannstr. 6 j: . . 1904 

155. Putscher, J. Wilh., Privatmann, Reichsstr. 26 1872 

156. Rahenhorst, G. Ludw., Privatmann, Stolpenerstr. 8 1881 

157. Range, E. Alb., Oberbaurat, Blumenstr. 1 1898 

158. Rebenstorff, Herrn. Alb., Professor beimK. Sachs. Kadettenkorps, Glacisstr.3 1895 

159. Reichard, Max, Dipl. -Bergingenieur, Struvestr. 32 1905 

160. Reichardt, Alex. Wilibald, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Wettiner 

Gymnasium, Chemnitzerstr. 35 1897 

161. Renk, Friedr., Dr. med., Geh. Medizinalrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule und Direktor der Zentralstelle für öffentliche Gesundheitspflege, 
Münchner Platz 16 . 1894 

162. Richter, F. Arth., Privatmann, Blasewitz, Marschall- Allee 18 1899 

163. Richter, K. Wilh., Dr. med., Hähnelstr. 1 1898 

164. Richter, Konrad, Oberlehrer an der Annenschule, Räcknitz, Friedrich Wilhelm- 

strafse 74 1895 


XI 


Jahr der 
Aufnahme. 

165. Richter I, M. J. Em., Dr. jur., Rechtsanwalt, Grunaerstr. 16 1901 

166. Riemer, Osk., Chemiker, Braumeister, Chemnitzerstr. 58 1906 

167. Röhner, K. Wilh., Bezirksschullehrer, Elisenstr. 16 1898 

168. Rohrs, Eriedr., Cand., Lehrer an der Handelsschule, Behrischstr. 16 . . . 1907 

169. Rühencamp, Roh., Dr. phil, Fabrikdirektor, Blasewitz, Südstr. 17 . . 3903 

170. Salbacli, Franz, Dipl.-Ingenieur, Uhlandstr. 2 . . 1895 

171. Saupe, Albin, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Kyffhäuserstr. 17 . 1907 

172. Schade, Albin, Gymnasiallehrer, Struvestr. 3 1906 

173. Schanz, Fritz, Dr. med., Oberarzt am Karolahaus, Pragerstr. 36 .... 1901 

174. Scheele, Kurt, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, 

Blasewitzerstr. 13 1893 

175. Scheidhauer, Rieh., Zivilingenieur, Reinickstr. 9 1898 

176. Schiller, Karl, Privatmann, Bautznerstr. 47 1872 

177. Schlaginhaufen, Otto, Dr. phil., wissenschaftl. Hilfsarbeiter am K. Zoolog. 

und Anthrop. - ethnogr. Museum, Galeriestr. 9 1907 

178. Schmidt, Herrn. G., Bezirksschullehrer, Niederwaldstr. 15 1898 

179. Schneider, Bernh. Alfr., Dr. phil., Apotheker, Schandauerstr. 43 .... 1895 

180. Schönfeld, Jul. Georg, Bezirksschullehrer, Naufslitz, Annabergerstr. 2 . . 1905 

181. Schöpf, Adolf, Kommissionsrat, Betriebsdirektor des Zoologischen Gartens, 


182. Schorler, Bernh., Dr. phil., Realschuloberlehrer und Kustos des Herbariums 

an der K. Technischen Hochschule, Krenkelstr. 34 1887 

183. Schreiber, Paul, Dr. phil., Professor, Direktor des K. Sachs. Meteorolog. 

Instituts, Gr. Meifsnerstr. 15 1888 

184. Schulze, Georg, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Dreikönigschule, 

Markgraf enstr. 34 1891 

185. Schulze, Jul. Ferd., Privatmann, Liebigstr. 2 1882 

186. Schunke, Th. Huldreich, Dr. phil., Professor, Seminaroberlehrer, Blase witz, 

Waldparkstr. 2 1877 

187. Schwede, Rud., Dr. phil., Apotheker, Gutzkowstr. 28 1901 

188. Schweissinger, Otto,Dr. phil., Apotheker, Medizinalrat, Dippoldiswaldaerplatz 3 1890 

189. Schwotzer, Mor., Bürgerschullehrer, Kl. Plauenschestr. 12 1891 

190. Seyde, F. Ernst, Kaufmann, Strehlenerstr. 29 ... 1891 

191. Seyler, Heinr., Dr. phil., Chemiker, Nürnbergerstr. 30b 1905 

192. Simon, H. Jos., Dr. phil., Assistent an der K. Pllanzenphysiologischen Ver- 

suchsstation, Pirnaischestr. 32 1904 

193. Sohle, Ulrich, Dr. phil., Geolog, Bernhardstr. 28 1904 

194. Stadelmann, Heinr., Dr. med., Bismarckplatz 9 1905 

195. Stauss, Walt., Dr. phil., Chemiker der städtischen Gaswerke, Pillnitz erstr. 57 1885 

196. Stephan, R. Karl, Apothekenbesitzer, Bautznerstr. 15 1904 

197. Stiefelhagen, Hans, Bezirksschullehrer, Christianstr. 7 1897 

198. Stresemann, Rieh. Theod., Dr. phil., Apotheker, Residenzstr. 42 .... 1897 

199. Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer, Struvestr. 8 1898 

200. Tedesco, Adolf, Fabrikdirektor a. D., Blasewitz, Forsthausstr. 4 1903 

201. Tempel, Paul, Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, Mark- 

grafenstr. 37 1891 

202. Thallwitz, Joh., Dr. phil., Oberlehrer an der Annenschule, Mathildenstr. 6 . 1888 

203. Thiele, Herrn., Dr. phil., Chemiker, Winckelmannstr. 27 1895 

204. Thiele, Karl, Apotheker, Leipzigerstr. 82 1900 

205. Thümer, Ant. Jul., Institutsdirektor, Blasewitz, Residenzstr. 12 1872 

206. Toepler, Aug., Dr. phil. et med., Geh. Rat, Professor a. D., Reichenbachstr. 9 1877 

207. Toepler, Max, Dr. phil., Professor an der K. Techn. Hochschule, Uhlandstr. 40 1896 

208. Tschaplowitz, Friedr., Dr. phil., Privatmann, Kurfürstenstr. 11 1906 

209. Uhlig, Job., Dr.phii., Assistent ander K. Technischen Hochschule, Werderstr. 12 1906 

210. Ulbricht, F. Rieh., Dr. phil., Geh. Baurat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Hettnerstr. 3 1885 

211. Verhoeff, Karl Wilh., Dr.phii, Zoolog, Pohlandstr. 25 1906 

212. Yiehmeyer, Hugo, Bezirksschullehrer, Reissigerstr. 21 ....... 1898 

213. Yieth, Joh. von, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Arndtstr. 9 1884 

214. Yogel, G. Klemens, Bezirksschullehrer, Lindenaustr. 25 1894 

215. Yogel, J. Karl, Fabrikbesitzer, Leubnitz erstr. 14 1881 

216. Yorländer, Herrn., Privatmann, Parkstr. 2 1872 

217. Wagner, M. Joh., Dr.phii, Bürgerschullehrer, Spenerstr. 51 1903 


XII 


Jahr der 
Aufnahme. 


218. Wagner, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Eisenacherstr. 18 

219. Walther, Reinhold Freiherr von, Dr. phil., Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Münchnerstr. 15 

220. Wanderer, Karl, Dr. phil., wissenschaftl. Hilfsarbeiter am K. Miner. -geolog. 

Museum nebst der Prähistor. Sammlung, Wintergartenstr. 29 

221. Wandolleck, Benno, Dr. phil., Direktorialassistent am K. Zoolog, und Anthrop.- 

ethnogr. Museum, Terrassenufer 21 

222. Weher, Friedr. Aug., Institutslehrer, Zirkusstr. 34 

223. Weher, Rieh., Dr. phil., Nahrungsmittelchemiker, Loschwitz, Leonhardistr. 5 

224. Weigel, Joh., Kaufmann, Marienstr. 12 

225. Weissbach, Joh., Dr. phil., Chemiker, Daheimstr. 19 

226. Werner, Friedr., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Elisenstr. 79 

227. Werther, Joh., Dr. med., Oberarzt am Stadtkrankenhause, Sedanstr. 47 . . 

228. Wicke, Fritz, Dr. phil., Realschullehrer, Zwickauerstr. 42 

229. Wiechel, Hugo, Oberbaurat, Bismarckplatz 14 

230. Winzer, Hugo, Dr. phil., Privatmann, Mockritzerstr. 6 

231. Witting, Alex., Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der Kreuzschule, Waterloostr. 13 

232. Wohst, Karl, Professor, Oberlehrer an der Annenschule, Ammonstr. 78 . . 

233. Wolf, Theod., Dr. phil., Privatgelehrter, Hohestr. 62 

234. Zeuner, Gust., Dr. phil., Geh. Rat, Professor a. D., Lindenaustr. la . . . 

235. Zielke, Otto, Apotheker, Altmarkt 10 

236. Zipfel, E. Aug., Bezirksschuldirektor, Zöllnerstr. 7 

237. Zsckau, E. Fchgtt., Professor, Klingenbergerstr. 5 

238. Zschnppe, F. Aug., Finanzvermessungsingenieur, Holbeinstr. 15 


1897 


1895 


1906 

1906 

1865 

1893 

1894 
1903 

1902 
1896 
1905 
1880 

1903 
1886 
1868 
1891 
1874 
1899 
1876 
1849 
1879 


B. Aufserhalb Dresden. 


239. Arldt, Th., Dr. phil., Realschuloberlehrer in Radeberg, Badstr. 8 . . . . 1906 

240. Beck, Ant. Rieh., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt .... 1896 

241. Boxberg, Georg von, K. Kammerherr, Rittergutsbesitzer auf Rehnsdorf bei 

Kamenz, Sa 1883 

242. Carlowitz, Karl von, K. Kammerherr, Majoratsherr auf Liebstadt .... 1885 

243. Dietel,, E., Hauptmann und Batteriechef im K. Sachs. Feldartillerieregiment 

Nr. 28 in Pirna 1902 

244. Döring, Horst von, K. Oberförster in Klotzsche -Königswald, Gartenstr. 22 1905 

245. Engelhardt, Rud., Dr. phil., Dipl. - Chemiker in Oberlöfsnitz, Reichsstr. 19 . 1896 

246. Escherick, K., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt . 1907 

247. Fritzsche, Felix, Privatmann in Niederlöfsnitz, Wilhelmstr. 2 1890 

248. Gehler, Walter, Fabrikbesitzer in Pirna, Mühlenstr. 10-12 1904 

249. Häkle, Herrn., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, Leipzigerstr. 103 .... 1897 

250. Hentschel, L. W., Dr. phil., Chemiker, Rittergutsbesitzer, Buchholz- 

Fried ewald 1902 

251. Hoffmann-Lincke, Max, Privatmann in Radebeul, Leipzigerstr. 17 ... . 1902 

252. Jentsch, Joh. Aug., emer. Lehrer in Klotzsche, Königsbrückerstr. 86 . . . 1885 

253. Jentzsch, Albin, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Radebeul, Goethestr. 34 . . 1896 

254. Kesselmeyer, Charles, Privatmann in Bowdon, Cheshire 1863 

255. Krntzsch, Herrn., K. Oberförster in Hohnstein 1894 

256. Mammen, F., Dr. phil., Forstassessor, Privatdozent an der K. Forstakademie 

in Tharandt 1902 

257. Müller, Karl, Apotheker, Niederpoyritz, Pillnitzerstr. 13 1904 

258. Neger, Frz. Wilh., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1905 

259. Schreiber, Alfred, Dr. ing., K. Eisenbahn -Bauinspektor in Niedersedlitz . 1907 

260. Seidel, T. J. Rud., Kunst- und Handelsgärtner in Grüngräbchen .... 1899 

261. Siegert, Theod., Bergrat, Professor, Badebeul, Gabelsbergerstr. 1 . . . . 1895 

262. Thiermann, Rud., Forstassessor, Assistent an der K. Forstakademie in 

Tharandt 1906 

263. Täter, Heinrich, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1882 

264. Weinmeister, Joh. Philipp, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in 

Tharandt 1900 

265. Wislicenus, Adolf, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1899 

266. Zetzsche, Frz., Nahrungsmittelchemiker, Assistent an der Techn. Prüfungs- 


stelle der K. S. Zoll- und Steuerdirektion, Kötzschenbroda, Schützenstr. 19 1906 


XIII 

Jahr der 
Aufnahme. 

III. Korrespondierende Mitglieder. 

1. Alberti, Osk. von, Regierungsrat, Badedirektor in Elster 1890 

2. Altenkirch, Gust. Mor., Dr. phil., Realschullehrer in Oschatz 1892 

3. Amthor, K. E. A., Dr. phil., in Hannover 1877 

4. Ancona, Cesare de, Dr., Professor am R. Institnto di studi snperiori in Florenz 1863 

5. Ardissone, Franz, Dr. phil., Professor an dem Technischen Institut und der 

Ackerhauschule in Mailand 1880 

6. Artzt, Ant., Vermessungsingenieur in Plauen i. V 1883 

7. Ascherson, Paul, Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Prof, an der Universität in Berlin 1870 

8. Bachmann, Ewald, Dr. phil., Professor, Konrektor an der Realschule in 

Plauen i. V 1883 

9. Baltzer, Armin, Dr. phil., Professor an der Universität in Bern 1883 

10. Barth, Rieh., Dr. phil., Institutsoberlehrer in Leipzig 1903 

11. Bernhardi, Joh., Landhauinspektor in Altenburg 1891 

12. Bibliothek, Königliche, in Berlin 1882 

13. Blaschka, Rud., naturwissensch. Modelleur in Hosterwitz 1880 

14. Blochmann, Rud., Dr. phil., Physiker am Marinelaboratorium in Kiel . . . 1890 

15. Brusina, Spiridion, Professor an der Universität in Agram 1870 

16. Bureau, Ed., Dr., Professor am naturhistor. Museum in Paris 1868 

17. Capelle, G., Apotheker in Springe 1903 

18. Carstens, K. Dietr., Ingenieur in Varel 1874 

19. Conwentz, Hugo Willi., Dr. phil., Professor, Direktor des Westpreuss. Pro- 

vinzialmuseums in Danzig 1886 

20. Danzig, Emil, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Realschule in Rochlitz 1883 

21. Dathe, Ernst, Dr. phil., Geh. Bergrat, K. Preufs. Landesgeolog in Berlin . 1880 

22. Dittmarsch, Alfr. Ludw., Bergschuldirektor in Zwickau 1870 

23. Döll, Ed., Dr., Oberrealschuldirektor in Wien 1864 

24. Doss, Bruno, Dr. phil., Professor am Kais. Polytechnikum in Riga .... 1888 

25. Dzieduszycki, Wladimir Graf, in Lemberg 1852 

26. Eisei, Roh., Privatus in Gera 1857 

27. Flohr, Konrad, Amtsgerichtsrat in Leipzig 1879 

28. French, 0., Esqu., Go vernement Entomologist in Melbourne 1877 

29. Friederich, A., Dr. med., Sanitätsrat in Wernigerode 1881 

30. Friedrich, Osk., Dr. phil., Professor, Konrektor am Gymnasium in Zittau . 1872 

31. Fritsch, Ant., Dr. med., Professor an der Universität und Direktor a. D. des 

böhmischen Landesmuseums in Prag 1867 

32. Gaudry, Alb., Dr. , Membre de lTnstitut, Professor am naturhistorischen 

Museum in Paris 1868 

33. Geheeb, Adelb., Apotheker in Freihurg i. Br 1877 

34. Geinitz, Frz. Eug., Dr. phil., Professor an der Universität in Rostock . . . 1877 

35. Gonnerinann, Max, Dr. phil., Apotheker und Chemiker in Rostock . . . 1865 

36. Groth, Paul, Dr. phil., Geh. Rat, Professor an der Universität in München . 1865 

37. Haupt, Em., Dr. phil., Chemiker in Bautzen 1902 

38. Heim, Alb.,Dr. phil., Professor an der Universität und am Polytechnikum in Zürich 1872 

39. Heine, Ferd., K. Domänenpächter und Klostergutsbesitzer auf Hadmersleben 1863 

40. Hennig, Georg Rieh., Dr. phil., Dozent am Kais. Polytechnikum in Riga . 1888 

41. Herb, Salinendirektor in Traunstein 1862 

42. Hernnann, Wilh., Dr. theol. et phil., Professor an der Universität in Marburg 1862 

43. Hibsch, Emanuel, Dr. phil., Professor an der Höh. Ackerbauschule in Lieb- 

werd hei Tetschen 1885 

44. Hilgard, W. Eug., Professor an der Universität in Berkeley, Kalifornien . . 1869 

45. Hirzel, Heinr., Dr. phil., Professor a. D. in Leipzig 1862 

46. Hofmann, Herrn., Bürgerschullehrer in Grofsenhain 1894 

47. Hottenroth, Isidor R. M., Lehrer in Gersdorf 1903 

48. HuU, Ed., Dr., Professor in London 1870 

49. Issel, Arth., Dr., Professor an der Universität in Genua 1874 

50. Jentzscb, Alfr., Dr. phil., Professor, K. Preufs. Landesgeolog in Berlin . 1871 

51. Kesselmeyer, Wilh., in Manchester 1863 

52. Kirbach, Fr. Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der Realschule- in Meifsen . . 1894 

53. Klein, Herrn., Herausgeber der „Gaea“ in Köln 1865 

54. Köhler, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer a. D. in Schneeberg 1858 

55. König von Warthausen , Wilh. Rieh. Freiherr von, Kammerherr auf Wart- 

hausen bei Biberach 1855 


XIY 


Jahr der 
Aufnahme. 

56. Krebs, Wilh., Privatgelehrter in Altona 1885 

57. Krieger, W., Lehrer in Königstein 1888 

58. Kyber, Arth., Chemiker in Riga 1870 

59. Lanzi, Matthaeus, Dr. med., in Rom 1880 

60. Lapparent, Alb. de, Ingenieur des mines, Professor in Paris 1868 

61. Letevre, Theod., Dr., in Brüssel 1876 

62. Leonhardt, Otto Emil, Seminaroberlehrer in Nossen 1890 

63. Liittke, Joh., Dr. phil. , Fabrikbesitzer in Hamburg 1884 

64. Mann, Otto, Dr. phil., Geolog in Berlin . 1903 

65. Mayer, Charles, Dr., Professor an der Universität in Zürich 1869 


67. Menzel, Karl, Geh. Bergrat, Bergamtsrat a. D. in Ereiberg. ... . . . . 1869 

68. Möller, Yalerian von, Kais. Russ. Staatsrat, Oberberghauptmann in Petersburg 1869 

69. Müller, Herrn. Otto, K. Oberförster in Unterwiesenthal . • 1896 

70. Müller, K. Alb., Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Realschule in Pirna 1888 

71. Muhle, Willy, Dr. phil., Realschuloberlehrer in Kamenz 1905 

72. Naschold, Heinr., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Aussig 1866 

73. Naumann, Ernst, Dr. phil., Geolog in Berlin 1898 

74. Naumann, Herrn., Professor an der Realschule in Bautzen ........ 1884 

75. Nobbe, Friedr., Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof, an der K. Forstakademie in Tharandt 1864 

76. Osborne, Wilh., Privatmann in München 1876 

77. Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker in München 1898 

78. Pabst, Mor., Dr. phil., Professor, Konrektor am Realgymnasium in Chemnitz 1866 

79. Pabst, Wilh., Dr. phil., Kustos der naturhistor. Sammlungen in Gotha . . 1881 

80. Papperitz, Erwin, Dr. phil., Oberbergrat, Professor an der K. Bergakademie 

in Freiberg 1886 

81. Peschei, Ernst, Lehrer in Nünchritz 1899 

82. Petrascheck, Wilh., Dr. phil., K. K. Sektionsgeolog in Wien . . . . . . 1900 

83. Pigorini, L., Dr., Professor an der Universität und Direktor des prähistor. 

und Kircherianischen Museums in Rom 1876 

84. Prasse, Ernst Alfr., Betriebsingenieur a. D. in Leipzig 1866 

85. Rathsburg, A., Dr. phil., Oberlehrer in Chemnitz 1906 

86. Rehmann, Antoni, Dr., Professor an der Universität in Lemberg .... 1869 

87. Reiche, Karl, Dr. phil., in Santiago, Chile 1886 

88. Reidemeister, K., Dr. phil., Fabrikdirektor in Schönebeck 1884 

89. Rimann, Eberhard, Dr. phil., Student in Freiberg . 1905 

90. Schimpfky, Paul Ricli., Lehrer in Lommatzsch. 1894 

91. Schnorr, Veit Hans, Professor und Konrektor a, D. in Zwickau .... 1867 

92. Scott, Dr. phil., Direktor der Meteorological Office in London 1862 

93. Seidel, Osk. Mor., Seminaroberlehrer in Zschopau 1883 

94. Seidel, Heinr. Beruh , Seminaroberlehrer in Zschopau . . • • • • • • 1872 

95. Seidlitz, Georg von, Dr. phil., in Ludwigsort bei Königsberg i. Pr. . . . 1868 

96. Sieber, Georg, Privatus in Niederlöfsnitz 1879 

97. Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig 1893 

98. Sterzei, Joh. Traug., Dr. phil., Professor an der I. höheren Mädchenschule 

in Chemnitz j 1876 

99. Steuer, Alex., Dr.phil., Bergrat, Grofsherzogl. Hess. Landesgeolog in Darmstadt 1888 

100. Stevenson, John J., Professor an der University of the City in New -York 1892 

101. Temple, Rud., Direktor des Landesversicherungamts in Budapest .... 1869 

102. Thiimer, K. A., Dr. med. in Karlshorst bei Berlin . . . . . . . . . 1904 

103. Ulrich, George H. F., Dr. phil., Professor an der Universität in Dunedin, 

Neu- Seeland 1876 

104. Umlauf, Karl, Dr. phil., Oberlehrer in Hamburg . . . . 1897 

105. Yetters, K., Dr. phil., Prof, an den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz 1884 

106. Yoigt, Bernh., Steuerrat, Bezirkssteuerinspektor a. D. in Oberloschwitz . . 1867 

107. V oretzsch, Max, Dr. phil. , Prof, am Herzog! Ernst-Realgymnasium in Altenburg 1893 

108. Weinland, Dav. Friedr., Dr., in Hohen Wittlingen bei Urach 1861 

109. Weise, Aug., Buchhalter in Ebersbach 1881 

110. Welemeusky, Jak., Dr. med. in Prag 1882 

111. White, Charles, Dr., Kurator am National -Museum in Washington . . . 1893 

112. Wiesner, Jul., Dr., Professor an der Universität in Wien . 1868 

113. Worgitzky, E. Gg., Dr. phil., Oberlehrer in Frankfurt a. M 1894 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1907 . 




I. Sektion für Zoologie. 


Erste Sitzung am 24. Januar 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Heller. 
— Anwesend 32 Mitglieder. 

Dr. B. Wandolleck spricht über Brutpflege im Tierreich und 
erläutert seine Ausführungen durch 40 Original-Projektionsbilder. 

Die Brutpflege ist aufzufassen als ein Teil des im Tiere ruhenden Triebes, die Art 
sicher fortzupflanzen. Die Besprechung der verschiedenartigen Mittel, der sich die ver- 
schiedenen Tiere bedienen, um diesen Zweck zu erreichen, und die mit der Mitgabe von 
Nahrungsdotter und einer riesigen Keimfruchtbarkeit beginnen und mit einer Brutpflege, 
wie sie der Mensch ausübt, schliefsen, bildet den Inhalt des Vortrages. 

Im Anschlufs daran erwähnt der Vorsitzende die eigentümliche 
Brutpflege bei Passaliden (Coleoptera), die von Dr. Fr. Ohaus ent- 
deckt und in der Entomolog. Zeitung, Stettin 1900, S. 164 u. f. beschrieben 
wurde. 

Lehrer H. Viehmeyer spricht über den Hochzeitsflug und die 
Nestgründung der Ameisen, speziell von Camponotus ligni- 
perda Ltr. 

Vortragender beobachtete den Hochzeitsflug dieser Art am 27. Juni 1906 in der 
Dresdner Heide. Eine eigentliche Schwarmbildung war nicht vorhanden, die Geschlechts- 
tiere kreisten einzeln in Mannshöhe über dem Waldboden. Eine grofse Anzahl von 
Kolonien mufste sich an dem Fluge beteiligen, denn über eine Stunde weit war die Luft 
von geflügelten Ameisen erfüllt. Die Weibchen waren in der Überzahl. Nach kurzem 
Fluge sanken sie entkräftet zur Erde, kletterten an den Grashalmen empor, um von 
deren Spitzen aus wieder aufzufliegen. Ein entflügeltes Weibchen wurde mitgenommen; 
es legte schon nach einigen Tagen sechs Eier, die aber infolge des Austrocknens des 
Nestes zu gründe gingen. Ende August waren sechs neue Eier vorhanden. Die daraus- 
schlüpfenden Larven sind jetzt 2 mm grofs. Einige nachgelegte Eier und auch eine 
der Larven wurden von der Mutter gefressen. Die Königin erhielt nur Wasser. 


Zweite Sitzung am 14. März 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Jacobi. 
— Anwesend 32 Mitglieder. 

Dr. B. Wandolleck spricht über Mifsbildungen bei Reptilien. 

Der Vortragende bespricht eine typische Buckelbildung bei Testudo graeca L. und 
erläutert seinen Vortrag durch Demonstration des betreffenden Exemplares, einer Ab- 
bildung der verbildeten Wirbelsäule und derjenigen eines normalen Exemplares. Hierzu 
wird vorgelegt : 

Wandolleck, B.: Eine bucklige Testudo graeca’L. Zoolog. Jahrb. XX, 1904. 

Anschliefsend spricht Derselbe über die Regenerationserschei- 
nungen von Reptilien, besonders über die Versuche von Tornier, unter 
Vorlage von 


4 


Meliely, L. von: Ueber das Entstehen überzähliger Gliedmafsen. Mathem. 
und naturwiss. Ber. aus Ungarn XX, 1904; 

Tornier, G.: Ueber Amphibiengabelschwänze und einige Grundgesetze 
der Generation. Zoolog. Anzeiger XXIII, 1900; 

Tornier, G.: Ueber experimentell erzeugte dreischwänzige Eidechsen und 
Doppelgliedmafsen von Molchen, und: Ueber Operationsmethoden, welche 
sicher Hyperdaktylie erzeugen, mit Bemerkungen über Hyperdaktylie 
und Hyperpedie. Ebenda XX, 1897; 

Tornier, G. : Neues über das natürliche Entstehen und experimentelle 
Erzeugen überzähliger und Zwillingsbildungen. Ebenda XXIV, 1901; 

Tornier, G.: Ueber Hyperdaktylie, Regeneration und Vererbung, mit 
Experimenten. Archiv f. Entwickelungsmechanik der Organismen, Bd. III , 
Heft 4 und Bd. IV, Heft 1, 1896. 

Dr. K. Verhoeff erinnert daran, dafs bei Chilopoden etwas ähnliches, 
nämlich eine komplimentäre Ergänzung der Segmente vorkommt. 

Dr. M. Mann vermutet als Ursache der Verbildung der Wirbelsäule 
tuberkulöse Erkrankung derselben. 

Prof. Dr. A. Jacobi weist darauf hin, dafs man bei jungen Hunden 
durch mechanische Einwirkungen auch Verkrümmungen der Wirbelsäule 
hervorrufen könne. 

Dr. 0. Schlaginhaufen spricht über den Körperbau eines jungen 
Schimpansen. 

Es handelt sich um ein vierjähriges, dem Zoologischen Museum unlängst zugegangenes 
Exemplar. Der Vortragende vergleicht in eingehender Weise die Körpermafse dieses 
Tieres mit denen eines gleichalterigen Menschen. Zur Erläuterung dienen verschiedene 
Tafeln. Darauf spricht er über die Farbe und das Relief der Haut, besonders von Hand 
und Fufs, und schliefslich von dem Ohre. Die ausführliche Bearbeitung dieses Gegen- 
standes erschien in den Abhandl. und Ber. des K. Zoolog. Museums Dresden XI, 1907. 
Es zirkulieren: 

Fritsch, G. : Die Gestalt des Menschen, 2. Aull. Stuttgart 1905; 

Meyer, A. B.: Notizen über die anthropomorphen Affen des Dresdener 
Museums. Mitteil, aus dem K. Zoolog. Museum zu Dresden II. Heft, 
Dresden 1877, und zwei Gypsabgüsse von Fufs und Hand und Photo- 
graphien von Fufs und Hand, Kopf und Ohr des Schimpansen. 

Prof. Dr. A. Jacobi spricht über Schrillapparate bei Singzikaden. 

Der Vortragende geht von dem nach dem Prinzip der Zungenpfeifen gebildeten, 
bekannten Stimmorgane unserer südeuropäischen Ciccida plebeja aus und schildert dann 
einen Schrillapparat, der sich bei der Gattung Tettigacles (Chile) vorfindet. Er besteht 
aus Schrilleisten auf einem ovalen Felde in der Nähe der Vorderecke des Mittelrückens. 
Auf diesem Felde reibt eine Leiste, die sich an der Unterseite eines nach aufwärts ge- 
bogenen Lappens des Vorderflügels befindet. 


Dritte Sitzung am 16. Mai 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Jacobi. 
— Anwesend 34 Mitglieder. 

Oberlehrer Dr. P. Wagner referiert über die Stellung des natur- 
wissenschaftlichen Unterrichts an den Mittelschulen. Der Referent 
kommt zu folgenden Thesen: 

1. Für die Auswahl und Behandlungsart alles naturwissenschaftlichen Lehrstoffes 
ist nicht das Bedürfnis des künftigen Studierenden der Naturwissenschaften mafsgebend, 
sondern lediglich die Rücksicht auf den kraftbildenden Wert des Stoffes, seine Wichtig- 
keit für die Erkenntnis des Naturganzen, in zweiter Linie sein praktischer Nutzen für 
den Menschen. 

2. Nicht die Erwerbung einer grofsen Summe von Einzelkenntnissen, nicht die 
Vorführung möglichst vieler Naturobjekte bildet die Hauptsache des naturwissenschaft- 
lichen Unterrichts ; es soll vielmehr ein Einblick in die Lebenstätigkeit der Organismen 


5 


und in die dynamischen Vorgänge in der anorganischen Natur als dauernder geistiger 
Besitz dem Schüler vermittelt werden. 

3. Ein solcher Einblick ist nur auf Grund chemischer und physikalischer Kennt- 
nisse möglich; daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dafs sowohl der mineralogisch- 
geologische, als der zoologisch-botanische Unterricht bis auf die Oberstufe neunklassiger 
Anstalten durchgeführt werden mufs. Es wird dabei vorausgesetzt, dafs Physik und 
Chemie in ihrem bisherigen Umfange erhalten bleiben. 

4. Den Abschlufs des gesamten biologischen Unterrichts mufs eine Betrachtung der 
physiologischen Vorgänge mit besonderer Berücksichtigung der Punktionen des mensch- 
lichen Körpers bilden. 

5. Durch Beschränkung des Tatsachenmaterials in der anorganischen Chemie ist 
darnach zu streben, dafs im letzten Kursus hinreichend Zeit für Berücksichtigung der 
organischen Chemie gewonnen werde. 

6. Ein voller Erfolg des biologischen und geologischen Unterrichts kann nur er- 
zielt werden, wenn er durch Ausflüge und durch Lösung leichter Beobachtungsaufgaben 
zu einem Teile in die Natur selbst verlegt wird. 

Diese Thesen werden nach eingehender Aussprache einstimmig an- 
genommen. 

Prof. Dr. A. Jacobi spricht über die Beuteltiere. 

Der Vortragende gibt zunächst einen Überblick über den Bau der Marsupialien, 
wobei er die Bildung des Gebisses und die darauf gegründete Einteilung in dipro- 
todonte und polyprotodonte Beuteltiere näher erörtert und die Einschränkung des Zahn- 
wechsels hervorhebt. Sodann wird die Familie nach den Eigenschaften ihrer Organi- 
sation und Lebensweise besprochen und durch Vertreter in ausgestopften Exemplaren, 
Skeletten und Abbildungen veranschaulicht; die durch gleiche Lebensweise entstandenen 
konvergenten Eigenschaften vieler Formen (mit plazentalen Säugetieren) Anden besondere 
Erwähnung. Weiter geht der Bedner auf die geographische Verbreitung der Marsupialien 
ein, die sich durch das Vorkommen fossiler Formen befriedigend erklären läfst; er 
schliefst mit dem Hinweise, dafs man in den Beuteltieren nicht, wie es besonders früher 
geschah, die Vorfahren der höheren Säuger erblicken darf, sondern eine selbständige 
Abzweigung von den Mammalia ditremata, die sich .in eigenen Bahnen weiter entwickelt 
und deutliche Sonderausbildung ihrer einzelnen Aste unter der Verschiedenheit der 
Lebensweise erlangt hat. Allerdings dürften diese Vierfüfser den Höhepunkt ihrer 
Stammesgeschichte seit dem Pleistozän, wo weit gröfsere Gestalten vorhanden waren, 
überschritten haben. 


II. Sektion für Botanik. 


Erste Sitzung am 7. Februar 1907. Vorsitzender: Geb. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste. 

Geb. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude spricht über die Flora der Ant- 
arktis, insbesondere nach den Veröffentlichungen der Chun- und Drygalski- 
schen Expeditionen. 

Vorgelegt werden die früheren und jetzigen einschlägigen Werke von 

Wedell, H. A.: Chloris andina. Paris 1855; 

Fries, R.: Zur Kenntnis der alpinen Flora im nördlichen Argentinien. 

Nov. act. reg. soc. scientiar. Upsaliensis IV, Vol. I, No. 1. Upsala 1905; 
Voyage au Pole Sud et dans l’Oceanie. Paris 1842 — 45; 

Düsen, P.: The Vegetation of Western Patagonia. Stuttgart 1903; 
Nordenskjöld, 0. : Antarktic. Zwei Jahre in Schnee und Eis am Südpol. 
Berlin 1904; 

Schenk, H.: Flora von Kerguelen, St. Paul und Neu- Amsterdam. 
Wissensch. Ergehn, d. deutschen Tiefsee-Exped. auf d. ValdiviavonC. Chun, 
Bd. II. Jena 1905; 

Drygalski, E. von: Deutsche Südpolar-Expedition 1901—03, VIII. Band: 
Botanik. Berlin 1906. 


G 


Weiter legt Dr. B. Schorler von neuerer botanischer Literatur 
vor uncl erläutert: 

Matsumura,J. und Hayata, B.: Enumeratio plantarum in insula Formosa 
crescentium. Journ. of the College of Science imp. univers. Tokyo, Japan. 
Tokyo 1906; 

Verhandlungen des internationalen botanischen Kongresses in Wien 1905. 
Jena 1906; 

Lotsy, J. P.: Progressus rei botanicae, 1. Bd., 1. Hft. Jena 1907; 

Vries, H. de: Arten und Varietäten. Berlin 1906; 

Lotsy, J. P.: Vorlesungen über Descendenztheorien. Jena 1906. 


Zweite Sitzung am 4. April 1907 (in Gemeinschaft mit der Sektion 
für Zoologie). Vorsitzender: Dr. B. Schorler. — Anwesend Bl Mitglieder. 

Der Vorsitzende demonstriert die Fortschritte in der bild- 
lichen Darstellung der Diatomeen von Leeuwenhoek an bis auf die 
„Diatomaceae Germaniae“ von H. v. Schönfeldt und 

spricht hierauf über die Lebensgeschichte einiger Mallomoncts- 
Arten. 

Mallomonas longiseta Lern, und M. caudata Iwan wurden von ihm im vorigen 
Sommer in einem Schwarzwasserteich des Erzgebirges bei Marienberg gefunden. Die 
beiden Arten zeigten aber nicht den gelben Farbstoff, welcher sonst den Chrysomona- 
dinen zukommt, sondern waren chlorophyllgrün gefärbt. Diese Färbung wird als kom- 
plementäre Anpassung an das gelbbraune Torfwasser gedeutet. 

Lehrer G. Dutschmann schildert die Wirkung des Windes auf 
die Vegetation von Sylt, unter Vorlegung zahlreicher Photographien 
und getrockneter Pflanzen. 

Dr. 0. Schlaginhaufen trägt vor über das sog. „Inkabein“, eine 
Abänderung des Hinterhauptbeines am menschlichen Schädel. 

Die beiden Abhandlungen, welche Vortragender aufserdem vorlegt: 
„Ueber eine Schädelserie von den Marianen“ und „Das Hautleistensystem 
der Primaten -Planta“, macht derselbe der Gesellschaft zum Geschenk. 


Dritte Sitzung am 6. Juni 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. 

Die Sektion versammelte sich nachmittags Q 1 /^ Uhr auf dem Bahn- 
hofe zu Kötzschenbroda, um die blühende Trachycarpus excelsa 
im Wilhelmsbade daselbst zu besichtigen. 

Der Besitzer des Bades, Herr W. Timmers, empfing die Gesellschaft auf das 
freundlichste und führte sie auf die Veranda, wo die blühende Palme mit zwei jüngeren 
Genossen derselben, früher als Chamaerops excelsa Thunbg. beschriebene Art, frei ohne 
jeden Deckschutz den Sommer über steht, während sie in einem ungeheizten Vorraum 
sogar nicht einmal ganz frostfrei überwintert. Die älteste, jetzt vielleicht vier Jahr- 
zehnte zählende Palme blühte mit vier zwischen den Blattscheiden herabgebogenen und 
50—85 cm Länge (einschliefslich Stiel!) besitzenden Kolben, deren schöne, leuchtend gelbe 
Blüten eifrig von Pollen sammelnden Bienen besucht wurden. Der Vorsitzende setzte 
die eigentümliche Geschlechtsverteilung bei Chamaerops und Trachycarpus auseinander; 
die Blüten dieser Palme besitzen neben vollem männlichen Geschlecht drei wohl aus- 
gebildete Carpelle, deren jedes je ein anscheinend befruchtungsfähiges Ei enthält. Da 
die Palme in früheren Jahren einige halbreife Früchte ausbildete, wäre dieses Mal die 
Möglichkeit erst recht vorhanden, da die vier Kolben seit dem 9. Mai bis jetzt bei anfangs 
sehr heifsem Wetter ungestört geblüht haben. Es ist kein sicheres Anzeichen dafür 


7 


vorhanden, ob das weibliche Geschlecht in den Blüten fruchtbar sei oder nicht; in 25 
untersuchten Blüten verschiedener Kolben war es ganz gleichartig gut entwickelt. 

Nachdem die Gesellschaft dann noch die elektrischen, kohlensauren und Lichtbad- 
Einrichtungen genauer besichtigt hatte, folgte sie einer Einladung ihres eben erst von 
Korsica zurückgekehrten Mitgliedes Herrn AlbertKuntzein dessen Grundstück, welches 
hoch oben auf einer schotterigen Hügelspitze über der früheren Weinbergskultur zwischen 
der normalen Hügelformation von Sedum- Arten, JDianthus Carthusianorum , Centaurea 
maculosa , Rosa und Rubus den jetzt als einzig geltenden Standort von Libanotis mon- 
tana im Elbtal einschliefst. Die für uns seltene Umbellifere findet hier auf ca 100 Qm 
ein üppiges Gedeihen und beherrscht an manchen Stellen den Geröllboden ausschliefslich. 

Die Gesellschaft erfreute sich der lieblichen Aussicht auf das glänzende Band der 
Elbe im Abendsonnenschein und verbrachte bei Wein und Erdbeerbowle auf der Terrasse 
vor der Villa eine heitere Abendstunde. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 14. Februar 1907. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 35 Mitglieder. 

Prof. Dr. E. Kalkowsky legt zwei neue Sektionen (Fürstenwalde 
und Hinterhermsdorf) der geologischen Spezialkarte des König- 
reichs Sachsen vor, die von Sanitätsrat Dr. Barth als Reliefs ausge- 
führt worden sind, und bespricht 

Wagner, P.: Lehrbuch der Geologie und Mineralogie für höhere Schulen. 

Leipzig 1907. 

Oberlehrer Dr. P. Wagner hält einen Vortrag über die wissenschaft- 
lichen Ergebnisse der Vesuvbeobachtun gen während der Eruption 
im April 1906. 


Zweite Sitzung am 18. April 1907. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 52 Mitglieder und Gäste. 

Prof. H. Engelhardt gibt eine kurze Mitteilung über seine Unter- 
suchung der Eozän fl ora im Fajüm. 

Bergwerksbesitzer R. Baldauf legt eine grofse Meteoreisenplatte 
vom Mukerop-Bassin in Deutschsüdwestafrika, ein Stück Ovifakeisen 
und eisenführenden Basalt vor und erläutert die Struktur derselben 
durch Lichtbilder. 

Dr. 0. Stutzer-Freiberg hält einen Vortrag über die Entstehung 
und Einteilung der Erzlagerstätten. 


Dritte Sitzuug am 20. Juni 1907. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 40 Mitglieder und Gäste. 

Dr. J. Uhlig spricht über die Molekularstruktur der Kristalle 
unter Vorführung zahlreicher Raumgittermodelle. 

Dr.K.Wan derer legt einen wertvollen Rhamphorhynchus Gemmingi 
H. v. M. aus dem Dresdener Museum vor und knüpft daran allgemeine Er- 
läuterungen über die Flugsaurier. 


8 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 21. Februar 1907. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. D ei chm aller. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt Steinäxte von der Rittergutsflur Riesa, von 
Wölkisch bei Zehren, Mügeln bei Oschatz und vom Pionierübungsplatze 
bei Mickten, sowie einen bei der Gründung eines Hauses in Röder au 
gefundenen Br onze schmuck aus körbchenförmigen Bronzeanhängern und 
einer blauen Glasperle, die auf einen Bronzedraht gereiht sind, vor. 

Dr. W. Hentschel spricht über Ozeanien, die Heimat des Neo- 
lithikers. (Vergl. Abhandlung I.) 


Zweite Sitzung am 11. April 1907. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller. — Anwesend 29 Mitglieder. 

Oberbaurat H. Wiechel spricht über ein vorgeschichtliches 
Schichtenprofil als Seitenstück zum geologischen Schichten- 
profil. 

Im Hörsaale für Mineralogie, wo die Sitzungen der Isis - Sektionen für Mineralogie 
und für Prähistorie stattfinden, hängt ein schmales hohes Profil der geologischen Schichten 
in der Reihenfolge ihrer Bildung als stets sichtbarer Leitfaden bei geologischen Fragen. 
Wenn auch der Fachmann derartiger nüchterner, schematischer Hülfsmittel nicht bedarf, 
so kann man dies von dem Studierenden und den Freunden der Wissenschaft, die sich 
nicht ausschliefslich mit den Sonderfragen eines Faches beschäftigen, nicht behaupten; 
ihnen ist ein Blick auf eine übersichtlich graphisch dargestellte Systematik immer will- 
kommen. Ganz besonders gilt dies für die Vorgeschichte bis zurück zu den ersten Spuren 
des Menschen. Noch vor zwei Jahrzehnten wäre ein solches vorgeschichtliches Schichten- 
profil kaum aufstellbar gewesen. Durch die Ausdehnung der Forscherarbeit auf das von 
allen Seiten zuströmende neue Material an Fundsachen und durch die immer eindringen- 
deren Vergleichsstudien treten die Umrisse der vorhistorischen Chronologie täglich deut- 
licher aus dem Nebel der bisherigen Hypothesen, so dafs heute wohl gewagt werden kann, 
derartige Profile aufzutragen. Dev Einwand, dafs bei dem bevorstehenden Fortschritte 
der Erkenntnis wohl alljährlich Änderungen und Nachträge nötig werden würden, ist 
anzuerkennen; indessen dürfte gerade aus diesem Umstande ein erhöhter Wert der Profil- 
zeichnung für eine Gesellschaft wie die Isis abzuleiten sein; denn den zahlreichen Freunden 
der Vorgeschichte wird durch die Nachträge immer wieder vor Augen geführt, auf 
welchem Gebiete und in welchem Umfange diese Wissenschaft foitschreitet. 

Das Vorgeschichtsprofil wird in erster Linie auf die Verhältnisse Sachsens zuzu- 
schneiden sein. Vom Jahre 930 nach Chr., wo mit der deutschen Besetzung des Landes 
der Scheinwerfer geschichtlicher Überlieferung erstmalig deutliche Kunde bringt, können 
abwärts die Jakrhundertabschuitte aufgetragen werden durch die slawische, die mero- 
wingische bis zur Römerzeit; es folgt das merkwürdige Vakuum in der Junglatene- 
zeit, das spärliche Mittellatene und das reiche Altlatene im unmittelbaren Anschluß an 
die jüngere Bronzezeit. Die feineren Gliederungen dieser und der älteren Bronzezeit 
werden für Sachsen noch nicht streng durchzuführen sein; ebenso liegen die Ver- 
hältnisse in der jüngeren Steinzeit. Es empfiehlt sich deshalb, zu beiden Seiten des 
sächsischen Schichtenprofils die Verhältnisse unserer südlichen und nördlichen Nachbarn 
darzustellen, wo vielfach reicheres Fundmaterial als in Sachsen zum verfeinerten Ausbau 
der Schichtengliederung geführt hat. 

In das Profil werden besonders bezeichnende Wendepunkte in der Bestattungsform, 
in der Anlage der Grabstätten, im Gebrauch von Metallen, in der Form der Werk- 
zeuge usw. einzutragen sein; ebenso die Namen der besonders bezeichnenden bekannten 
Fundorte. Alle Darstellungen sollen sich in erster Linie, wie gesagt, auf Sachsen be- 
ziehen und die nachbarlichen Verhältnisse nur so weit mit berücksichtigt werden, als sie 
zur Klärung der heimischen vorgeschichtlichen Verhältnisse beitragen. Der Vortragende 
glaubt dadurch zum Ziele zu kommen, dafs ein Mitglied einen vorläufigen Entwurf 
skizzenhaft aufstellt, und dafs durch die Besprechung, die Kritik der Vorlage neuer Stoff 


9 


in erwünschter Weise den Sitzungen zugeführt wird. Wenn dann etwa nach Jahresfrist 
der durch das Feuer der Kritik geläuterte Entwurf im allgemeinen Zustimmung ge- 
funden haben sollte, würde er in den Mitteilungen der Isis zu veröffentlichen sein und 
damit mancher neue Freund vorgeschichtlicher Forschungen gewonnen werden können. 

In der Debatte wird der Wert eines vorgeschichtlichen Schichtenprofils 
für die Verhandlungen der Sektion allgemein anerkannt und die Aufstellung 
eines solchen trotz der Schwierigkeit und Unsicherheit der Darstellung auf 
Grund der gegenwärtigen Kenntnis der Vorgeschichte Sachsens lebhaft 
befürwortet. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller spricht über die von der deutschen 
anthropologischen Gesellschaft herausgegebenen prähistorischen Typen- 
karten. 

Während die älteren Fundkarten nur die Verbreitung der einzelnen Kulturperioden 
kartographisch festlegten, sollen die neuen Typenkarten dazu dienen, zu ergründen, 
welchen Einflüssen die vorgeschichtliche Kultur unserer Heimat ihre Entstehung ver- 
dankt und wieweit sich dieselbe hier selbständig entwickelt hat. In den bisher er- 
schienenen drei Berichten, Berlin 1904 — 1906, sind die Typen der Ruder-, Scheiben-, 
Badnadeln und der Äxte nach ihren Formen und ihrer Zeitstellung eingehend behandelt, 
die wichtigsten Fundstellen in Deutschland und den Nachbarländern zusammengestellt 
und auf fünf Kartenblättern die Verbreitung der einzelnen Typen dargestellt. 

Vortragender erläutert an einem Beispiele die Vorteile der Karten. Aus der der 
Steinaxt nachgebildeten „Flachaxt“ aus Kupfer oder Bronze ging zunächst die „Rand- 
axt“ hervor, indem die Bänder leistenartig erhöht, die Mitte eingeschnürt oder ein- 
geknickt wurden, um die seitliche Verschiebung des Schaftes und das Eindringen der 
Klinge in denselben beim Gebrauch zu verhüten. Die Praxis lehrte dann, dafs die ur- 
sprünglich bis zur Schneide reichenden Randleisten das Eindringen der Axt in das 
Arbeitsstück erschwerten. Deshalb befreite man die Klinge in der Schneidenhälfte von 
den Randleisten und schuf in der Mitte einen Absatz, gegen den sich der Schaft stützt; 
so entstand die „Absatzaxt“. Aus dieser Form entwickelte sich durch weitere Ver- 
kürzung der Randleisten, Verbreiterung und Umbiegen derselben nach dem Blatt die 
„Lappenaxt“. Von der oberständigen Lappenaxt, bei welcher die Schaftlappen dicht am 
Bahnende stehen, bis zur jüngsten Form, der „Tüllenaxt“, ist nur ein Schritt. Aus den 
Karten ist leicht zu ersehen, wie sich in bestimmten Verbreitungsgebieten bestimmte 
Typen der einzelnen Axtformen herausgebildet haben. So ist z. B. eine als „sächsischer 
Typus“ bezeichnete Form der Randaxt in der Hauptsache auf das Königreich und die 
Provinz Sachsen, Thüringen und Anhalt beschränkt und im Königreiche Sachsen die 
fast alleinherrschende; hierher gehören die Äxte aus den grofsen Depotfunden von Cars- 
dorf bei Pegau und Wauden bei Lommatzsch, die Einzelfunde von Oetzsch, Knautklee- 
berg, Binnewitz, Briefsnitz, Neschwitz und Wurschen. 

Eine in der Vorbereitung begriffene Karte wird die Verbreitung der Latene-Fibeln 
behandeln. 

Oberbaurat H. Wiechel gibt aus der Zeitschrift für Ethnologie einige 
ergänzende Bemerkungen zudem in der Februarsitzung von Dr. W. Hentschel 
gehaltenen Vortrage über die Heimat des Neolithikers. 

Der Vorsitzende macht auf eine neue über diesen Gegenstand er- 
schienene Veröffentlichung aufmerksam: 

Penka, K.: Die Entstehung der neolithischen Kultur Europas. Beiträge 
zur Rassenkunde, Heft 2. Leipzig 1907. 


Dritte Sitzung am 13. Juni 1907. Vorsitzende: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller und Direktor H. Döring. — Anwesend 22 Mitglieder 
und Gäste. 

Als Geschenk des Verfassers wird der Bibliothek überreicht: 

Schlaginhaufen, 0.: Ein Fall von Ossifikation des Ligamentum apicis 
dentis epistropbei beim Menschen und entsprechende Bildungen bei den 
Affen. Morpholog. Jahrb. XX XVII, 1907. 

** 


10 


Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller bespricht das Buch von 0. Mertins: 
„Wegweiser durch die Urgeschichte Schlesiens“. Breslau 1906. 

In chronologischer Folge stellt Mertins die Altertümer Schlesiens nach der gegen- 
wärtigen Kenntnis der Vorgeschichte des Landes zusammen und schildert auf Grund 
eigener Forschungen den Gang der Entwicklung, den die Kultur des Landes genommen 
hat. Die in Schlesien fehlende ältere Steinzeit wird nach den in den Nachbarländern 
herrschenden Zuständen behandelt. Die jüngere Steinzeit zeigt viele Verwandtschaften 
mit unserer sächsischen. An die älteste Bronzezeit mit den Hockergräbern des Aun- 
jetitzer Typus schliefst sich wie bei uns die Periode der grofsen Urnenfelder mit Ge- 
fäfsen des Lausitzer und Billendorfer Typus. Die Latenezeit, die in ihrem älteren 
Abschnitte durch Skelett- und Brandgräber, im jüngeren nur durch ßrandgräber ver- 
treten ist, wird von der römischen Zeit abgelöst, die zahlreiche, oft recht kostbare Kultur- 
niederschläge hinterlassen hat, während die Altertümer der Völkerwanderungszeit nur 
spärlich vorhanden sind. Den Schlufs bildet die slawisch-polnische Periode mit Lang- 
und Burgwällen und vereinzelten Pfahlbauten. Die zahlreichen vortrefflichen Abbildungen, 
mit denen das Buch ausgestattet ist, bieten einen leichten und vollständigen Überblick 
über die Typen schlesischer Altertümer. 

Derselbe berichtet weiter über die ersten Kupfer funde aus 
Sachsen. 

Noch bis vor kurzem waren Kupferfunde aus Sachsen unbekannt. Vor zwei Jahren 
erwarb die K. Prähistorische Sammlung in Dresden eine durchlochte Kupferaxt von 
ungarischem Typus mit gekreuzten Schneiden, angeblich 1876 bei Grofsenhain gefunden. 
Zu diesem Funde ist jetzt der einer rohen Flachaxt gekommen, die 1900 von einem 
Holzfäller auf der Flur des Rittergutes Treuen i. V. in etwa 16 cm Tiefe entdeckt wurde. 

Dr. 0. Schlaginhaufen spricht über ein Skelett von Lunk- 
hofen. 

Der Vortragende legt die Reste eines prähistorischen (Alemannen-?) Skeletts vor, 
das hei Lunkhofen im Kanton Aarau in der Schweiz gefunden wurde. Dasselbe weist 
eine Anzahl von Merkmalen auf, die in dieser Vereinigung beim rezenten Europäer nicht 
bekannt ist. Hier seien erwähnt: die grofse absolute Länge des Schädels, die grofsen 
Augenbrauen wülste, das starke Hervortreten der zum Ansatz der Muskeln dienenden 
Leisten und Höcker namentlich am Hinterhaupt, das kurze, stark gekrümmte und an 
seinem Brustbeinende mächtig verdickte Schlüsselbein, die kräftige Tuberosites deltoidea 
am Oberarmknochen, der Trochanter tertius am Oberschenkelbein und die seitliche Ab- 
plattung oder Platyknemie des Schienbeins. Genauere Untersuchungen sollen folgen. 


V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie. 


Erste Sitzung am 10. Januar 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. M.Toepler. 
— Anwesend 63 Mitglieder und Gäste. 

Prof. H. Rebenstorff spricht über neue Schulversuche unter Vor- 
führung von Experimenten. (Vergl. Abhandlung II.) 

Der Vortragende demonstriert den Verdrängungsapparat zur Volum- und Dichte- 
bestimmung faustgrofser Mineralstücke. Das Differential -Aero-Pyknometer gibt 
das spezifische Gewicht einer in das Pyknometergläschen gebrachten Flüssigkeit bis auf 
einige Einheiten der vierten Dezimale genau an. Bei der besonders empfindlichen und 
handlichen Senkwage mitZentigrammspindel wird die Sichtbarmachung der Ein- 
stellung der Spindel für gröfsere Entfernung (Schule, Hörsaal) durch verschiedene Färbung 
der Zehnerbereiche der Zentigrammspindelskala erreicht. Das Rohr für Wasserstofs 
zeigt das Emporschleudern weniger Tropfen Wasser bis zur Hörsaaldecke durch eine nur 
um 20 cm fallende Wassersäule. Die vielfache und äufserst, bequeme Anwendbarkeit eines 
gefüllt bleibenden Hebers (mit Wasser gefülltes Chlorkalziumrohr, dessen Schenkel 
mit drei gekreuzt gelegten Lagen feinen Tülls Überbunden sind) wird gezeigt. Zur 
Füllung des kleinen Wasserstoff-Luftballons bei Demonstrationen werden die jetzt leicht 
und billig beziehbaren Magnesiumspäne empfohlen. 


11 


Prof. Dr. A. Witting hält einen Vortrag: Neues über Linienspektra 
unter besonderem Eingehen auf die neuesten Arbeiten über den Doppler- 
effekt an Kanalstrahlen. 


Zweite Sitzung am 7. März 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. M. Toepler. 
— Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. A. Lottermoser hält einen Experimentalvortrag: Einiges 
über kolloidale Metalle. 


Dritte Sitzung am 3. Mai 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. M. Toepler. 
— Anwesend 60 Mitglieder und Gäste. 

Unter Führung und erläuterndem Vortrage durch Prof. W. Kühler wird 
das Fernheiz- und Elektrizitätswerk der Technischen Hochschule 
besichtigt. Hieran schliefsen sich Besichtigungen des Instituts für Tele- 
graphie und Signalwesen mit Lichtbildervortrag über Telegraphie ohne 
Draht durch Geh. Baurat Prof. Dr. R. Ulbricht und des Elektrotech- 
nischen Instituts unter Prof. J. Görges mit Demonstrationen im grofsen 
Hörsaale desselben. 


Yl. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Erste Sitzung am 17. Januar 1907. Vorsitzender: Staatsrat Prof. 
M. Grübler. — Anwesend 14 Mitglieder. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. M. Krause spricht zur Theorie des ebenen 
Gelenkvierecks. 

Wenn von den vier Seiten eines ebenen Gelenkvierecks die eine festgehalten wird, 
so lassen sich die trigonometrischen Funktionen der Richtungswinkel der drei übrigen 
Seiten als elliptische Funktionen eines Parameters darstellen. Der Vortragende entwickelt 
diese Darstellung nach einer durchsichtigen und eleganten Methode, indem er von der 
Theorie der Thetafunktionen III. Ordnung Gebrauch macht und insbesondere den Satz 
benutzt, dafs zwischen je vier solchen Funktionen immer wenigstens eine homogene 
lineare Relation mit konstanten Koeffizienten besteht. 


Zweite Sitzung am 14. März 1907. Vorsitzender: Staatsrat Prof. 
M. Grübler. — Anwesend 17 Mitglieder. 

Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über die Ellipse im Dienste 
der Landwirtschaft. 

Bei der Entwässerung einer ebenen Wiese von gegebener Neigung gegen die Hori- 
zontalebene kommt der folgende geometrische Satz in Betracht: Die Orthogonalprojektion 
c' einer beliebigen ebenen Schnittkurve c des Rotationskegels auf die durch die Kegel - 
spitze S senkrecht zur Kegelachse gelegte Ebene ist so beschaffen, dafs der Abstand 
eines beliebigen Punktes der Kurve c' vom Punkte S zu seinem Abstande von einer 
gewissen festen Geraden in einem konstanten Verhältnis steht. Für diesen Satz gibt 
Vortragender einen einfachen und direkten Beweis. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger spricht über die Kugeln, die einem 
unebenen Viereck A x A 2 A s eingeschrieben sind. 


12 


Es werde die auf der Ebene des Winkels Ai, stehende Höhe des Tetraeders A 1 A 2 
1 3 A 4 mit hi, derjenige Winkel bei Ai, auf dessen Symmetrieebene die Kugelmitte M liegt, 
mit 2 ai, die Tangente von Ai an die Kugel mit U, der an der Kante Ai Au liegende 
Raumwmkel des Tetraeders A 2 A 3 A 4 mit ßik, die Kante Ai An mit 2 lik, der Kugel- 
halbmesser mit p bezeichnet; ferner seien xyz die rechtwinkligen Koordinaten von M 
und die homogenen Koordinaten von M in bezug auf das Tetraeder A ± A 2 A s A 4 . 

— Dann erhält man 

1. aus der Plückerschen Formel 

^1 |2 I ^3 1 ^4 1 

h^h^h^ I h ~ 

und aus 


%i*=p* — tiHg*ai 

eine Gleichung für p, nämlich die Relation 


h V^ 2 ~ ^9 2 a i~\ b P 2 — V tc J 2 a -4 — 1 ’ 

2. aus dem Kreis Viereck, das die anstofsenden Seiten %i& und AI gegenüber den 
Winkel ßik hat, die Formel 

p 2 sm 2 ßijc =ti 2 tg 2 -ai-\-tk* tg 2 aj c — 2 Ufo tgoti tga k • cos 

3. aus der Cayleyschen Gleichung (Baltzer, Determinanten, § 16, 1 1) für die Strecken 
zwischen fünf Punkten die Relation 


0 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

0 

4^i 2 2 

4^1 3 2 

4V 

P 2 + ^l 2 

1 

4Z 12 2 

0 

4* 2 3 2 

4 Cr 

p 2 H-*2 2 

1 

4 ^13 2 

4?23 2 

0 

«34* 

P 2 + h 2 

1 

4?14 W 

4^24 2 

4^34 2 

0 

P 2 ~b V 

1 

p 2 -p 

p 2 + *2 2 

p 2 + V 

? a -+v 

0 



Der Koeffizient von p 4 in der Determinante verschwindet identisch, und man erhält 


0 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

0 

47 2 
4t 12 

4^3 2 

4Z 14 2 

b 2 

1 

4Z 12 2 

0 

4Z 2 3 2 

4 1, 2 

V 

1 

4? 1S 2 

4^*3 2 

0 


G 2 

1 

4?14 2 

4 V 

4?34 2 

0 

*4 2 

1 

V 2 

^2 2 

tA 

V 

0 


0 

1 

1 

l 

1 

1 

0 

4 / 12 2 

4^3 2 

4 ^14 

1 

4Z 12 2 

0 

4Z 2 3 2 

4 ^24 

1 

4^13 2 

4Z 23 2 

0 

4 ^34 

1 

4^i4 2 

4 ^ 2 

4 7 2 

0 


Die Gleichungen der Ebenen, welche die Kugelmitte enthalten und mit den Seiten 
des Vierecks rechte Winkel bilden, sind, wenn mit a ik, bik, ca die Richtungscosinus von 
Ai Ak bezeichnet werden, 

Cl ik ' X -\-b ilt ‘ y ~\~ Gik ' Z = yy — i 2 — V Je 2 — ti 2 -{- t fc 2 ^ , 

wobei 


ist. 


n * = x i 2 y i 2 -j- -z'i 2 


Staatsrat Prof. M. Grübler spricht über Gleichgewicht und Ruhe. 

An dem Beispiel eines materiellen Punktes, der in vertikaler kreisförmiger Bahn 
unter ausschliefslichem Einflufs der Schwerkraft steht, wird gezeigt, dafs Gleichgewichts- 
lagen und Ruhelagen nicht gleichbedeutend zu sein brauchen. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. G. Helm spricht über eine Konstruktion des 
Krümmungskreises bei Kegelschnitten. 

Es handelt sich um die Aufgabe, zu einem nebst seiner Tangente t gegebenen 
Kegelschnittspunkte P das Krümmungszentrum G zu finden; als bekannt werden voraus- 
gesetzt der Mittelpunkt M des Kegelschnitts und die Richtungen (nicht die Längeu) 
der Achsen. Man kann zunächst die Normale n und die nach dem zweiten Schnitt- 
punkte des Krümmungskreises mit dem Kegelschnitt führende Gerade s zeichnen (s und t 
liegen harmonisch zu den Achsenrichtungen!). Wird nun der zu P in bezug auf eine 
Achse des Kegelschnitts symmetrische Punkt P' geradlinig mit Al verbunden und die 
erhaltene Gerade mit s zum Schnitt gebracht, so geht die im Schnittpunkt Häuf s er- 
richtete Senkrechte durch das Krümmungszentrum, das sich andrerseits auch auf n vor- 
findeii mufs. 


13 


Dritte Sitzung am 13. Juni 1907. Vorsitzender: Staatsrat Prof. 
M. Grübler. — Anwesend 12 Mitglieder. 

Konrektor Prof. Dr. R. Henke spricht über Gegenpunkte und 
Gegenkurven beim Dreieck. 

Verbindet man einen beliebigen Punkt P der Ebene geradlinig mit den Ecken A, 
P, C eines gegebenen festen Dreiecks und konstruiert zu den drei entstehenden Eck- 
transversalen dieses Dreiecks die Gegentransversalen*), so gehen diese wieder durch einen 
Punkt P 17 welchen man den Gegenpunkt von Pin bezug auf das gegebene Dreieck nennt. 
Da hiernach jedem Punkt P ein bestimmter Gegenpunkt P, zugeordnet ist, so wird 
auch jeder Kurve c — gedacht als geometrischer Ort von P — eine bestimmte neue 
Kurve c t — als geometrischer Ort von P 1 — entsprechen; diese Kurve wird dann als 
Gegenkurve von c bezeichnet. 

Der Vortragende führt nun aus, wie durch Einführung der Beziehung zwischen 
Kurve und Gegenkurve eine grofse Anzahl von Sätzen und Tatsachen der neueren Drei- 
ecksgeometrie , die sonst isoliert auftreten, in einen inneren Zusammenhang gebracht 
werden können. So zeigt sich z. B. dafs die Gegenkurve zu einer Geraden stets ein 
durch die Ecken A, P, C des gegebenen Dreiecks gehender Kegelschnitt ist; insbesondere 
entspricht der unendlich fernen Geraden der Umkreis des Dreiecks, der Geraden von 
Lemoine die Steinersche Ellipse, dem Brocardschen Durchmesser des Brocardschen Kreises 
die Kiepertsche gleichseitige Hyperbel. Allgemein tritt als Gegenkurve zu einer ge- 
gebenen Geraden eine Ellipse, oder eine Parabel, oder eine Hyperbel auf, je nachdem 
diese Gerade den Umkreis meidet oder berührt oder schneidet; und insbesondere ergibt 
sich eine gleichseitige Hyperbel, wenn die Gerade durch den Umkreismittelpunkt geht; 
der Mittelpunkt einer solchen gleichseitigen Hyperbel befindet sich stets auf dem Feuer- 
bachschen Kreise, und die Asymptoten sind zwei Simsonsche gerade Linien. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger spricht über die Berechnung der 
homogenen Koordinaten des 9. Schnittpunktes zweier Kurven 
IH. Ordnung aus 8 gegebenen. 


VII. Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 31. Januar 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Kalkowsky. — Anwesend 88 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. G. Helm spricht über die neueren Ansichten 
über das Wesen der Naturerkenntnis. 

Ausgehend von den Arbeiten der Mathematiker über die von Riemann und von 
Helmholtz aufgeworfene Frage: Welche Erfahrungen sind es, die unserer Raum- 
anschauung zu gründe liegen? berichtet der Vortragende über die Untersuchungen, die 
sich auf das Wesen der Bewegungsgesetze und der physikalischen Prinzipien überhaupt 
beziehen. Der Einflufs von C. Neumann, Kirchhoff, Helmholtz, Maxwell, Hertz wird 
geschildert, vor allem aber ergab sich als das Lebenswerk von Emst Mach die Über- 
zeugung, dafs die wissenschaftliche Naturerkenntnis auf grundsätzlich denselben Wegen 
zu stände kommt, auf denen wir alltäglich uns in unserer Umwelt zurecht zu finden 
wissen. 

Diese neuere Richtung fand ihren Philosophen von Fach in Richard Avenarius, 
der den natürlichen Weltbegriff, den wir alle hatten, ehe wir zu philosophieren be- 
gannen, als ausreichende Grundlage der aus Erfahrung geschöpften Erkenntnis betont. 

Poincare hat neuerdings die Ergebnisse dieser deutschen Forscher mit französi- . 
scher Klarheit und Präzision dargestellt, und die Schriften dieses grofsen Mathematikers 
waren der unmittelbare Anlafs des Vortrags. 


*J Zwei von einer Ecke des Dreiecks ausgehende Transversalen werden als Gegen- 
transversalen bezeichnet, wenn sie symmetrisch liegen zur Halbierungslinie des betreffenden 
Dreieckswinkels. 


14 


Nach dieser Schilderung' der geschichtlichen Entwicklung wendet sich der Vortrag 
dazu, an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie es lediglich Beziehungen der Dinge zu 
einander und zu uns sind, die wir in unseren Anschauungen über Raum und Zeit, 
Kausalität und Kraft, Masse und Atom festhalten, nie die Qualitäten der Dinge, und 
dafs jeder Begriff, insofern wir ihn als beziehungslos, als. absolut denken, für die Er- 
fahrungserkenntnis unnütz ist. Er mag Wünsche oder Überzeugungen des Einzelnen 
bezeichnen, — allgemein gültige Erkenntnis gibt er nicht wieder. 

Jede unserer Erfahrung zugängliche Beziehung suchen wir nun in der jeweilig 
bequemsten Weise darzustellen und danach die Erscheinungen zu klassifizieren, damit 
wir ihre Fülle überblicken und ihren Verlauf so weit Voraussagen können, um unser 
Handeln danach einzurichten. So hat z. B. die Lehre der Wissenschaft, dafs sich die 
Erde dreht, den Sinn einer bequem zusammenfassenden Beschreibung unzählig vieler 
Erfahrungen, genau so wie der Alltagsausspruch, dafs ein Rad vor mir sich dreht. 
Nicht darum handelt es sich, ob eine solche Darstellung der Erscheinungen endgültig 
„wahr“ ist, sondern ob sie innerhalb des jeweilig erforderten Genauigkeitsgrades kon- 
trollierbar und bequem ist; wahr hat sich immer nur erwiesen, dafs es jeweilig eine 
solche Darstellungsform gibt. Den Wert einer Theorie kann dieser Relativismus nur 
darin finden, dafs sie scheinbar weit auseinander liegende Erfahrungen in Beziehung 
setzt, so dafs sie sich gegenseitig stützen. 

Der Vortrag schliefst mit dem Hinweis auf die hervorragende Stellung, die bei 
dieser Auffassungsweise, bei diesem Suchen nach bequemster Darstellung der reinen 
Beziehungen, der mathematischen Behandlung unserer Erfahrungen und insbesondere 
der Energetik zufällt, während die Bilder, die in unseren Hypothesen und Theorien 
benutzt werden, keinen anderen Wert haben als den, die erfahrungsmäfsigen Beziehungen 
durch Anschaulichkeit bequem wiederzugeben. Gerade die mathematischer Darstellung 
fähigen, quantitativen Beziehungen haben sich als die wertvollsten Hilfsmittel für den 
eigentlichen Zweck der Erkenntnis erwiesen, die Erscheinungen vorauszusagen. 


Zweite Sitzung am 28. Februar 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Kalkowsky. — Anwesend 49 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Prof. H. Engelhardt, legt den 
Kassenabschlufs für 1906 (siehe S. 17) und den Voranschlag für 
1907 vor. 

Zu Rechnungsprüfern werden Bildhauer G. Bern köpf und Prof. 
Kl. König gewählt; der Voranschlag wird genehmigt. 

Adjunkt Diplomingenieur 0. Wawrziniok hält unter Vorführung von 
Lichtbildern und graphischen Darstellungen einen Vortrag über die Metall- 
mikroskopie und metallographische Untersuchungsmethoden. 


Dritte Sitzung am 21. März 1907. Vorsitzender: Prof. H. Engel- 
hardt. — Anwesend 47 Mitglieder und Gäste. 

Eingegangen ist die Einladung zur 79. Versammlung Deutscher 
Naturforscher und Ärzte in Dresden im September 1907. 

Auf der Tagesordnung steht die Aussprache über eine Reform des 
naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Mittelschulen. 

Oberlehrer Dr. R. Nessig spricht über den Unterricht in der 
Ch emie, 

Oberlehrer Dr. J. Thallwitz über den biologischen Unterricht, 
insbesondere an den Realanstalten, und 

Oberlehrer Dr. P. Wagner über den Unterricht in Mineralogie 
und Geologie. 


15 


Nach längerer Aussprache über die von den Berichterstattern unab- 
hängig voneinander aufgestellten Leitsätze für eine Reform des natur- 
wissenschaftlichen Unterrichts beschliefst die Gesellschaft, diese Angelegen- 
heit in einer späteren Sitzung auf Grund einer einheitlichen Überarbeitung 
der Leitsätze nochmals zu behandeln. (Vergl. Sitzung der Sektion für 
Zoologie vom 16. Mai 1907.) 


Vierte Sitzung am 25. April 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Kalkowsky. — Anwesend 102 Mitglieder und Gäste. 

Prof. H. Engelhardt teilt mit, dafs die Rechnungsprüfer den Kassen- 
abschlufs für 1906 geprüft und richtig befunden haben. Der Kassierer 
wird entlastet. 

Dr. 0. Schlagin häufen spricht über die körperlichen Merkmale 
des altdiluvialen Menschen. 

In seinen Arbeiten über Pithecanthropus und Neanderthaler hat G. Schwalbe 
die Mittel geschaffen, die erlauben, an jedem Schädel nachzuweisen, ob er der Spezies 
Homo sapiens angehört, welche die heute lebende Menschheit umfafst, oder der Spezies 
Homo primigenius , die ausgestorben ist. Die heute bekannten Vertreter der letzteren 
sind: der Neanderthalmens ch , die Menschen vonSpy in Belgien und die Menschen 
von Krapina. Als hauptsächlichste spezifische Merkmale derselben wurden erkannt: 
die Niedrigkeit des Schädels (Kalottenhöhenindex), die starke Neigung des Stirnbeins 
(Bregmawinkel, Index der Lage des Bregma), geringe Wölbung des Stirnbeins (Stirn- 
winkel), Überwiegen der Länge des sagittalen Stirnbogens über diejenige der sagittalen 
Parietalbogen (Scheitelbeinindex), starke Neigung der Oberschuppe des Hinterhauptbeins 
(Lambdawinkel). Die Kapazität des Neanderthalschädels ist aber so grofs, dafs er in 
bezug auf diese Eigenschaft in die Schwankungsbreite des rezenten Menschen fällt. 
Auch an den Extremitätenknochen ergeben sich bereits eine Anzahl Merkmale, die in 
ihrer Kombination von Klaatsch als spezifisch für den Homo primigenius befunden 
wurden. Auf Grund dieser Untersuchungen läfst sich auch zeigen, dafs der heute lebende 
Mensch nicht aus kleinen Formen hervorging, wie das von manchen Forschern an- 
genommen wird. Beispielsweise hat der Vortragende für die kleinwüchsigen Semang 
von Malakka (Abh. u. Ber. d. K. Zool. Mus. Dresden, 1907) nachgewiesen, dafs sie keine 
Merkmale von Homo primigenius besitzen. 

Prof. Dr. E. Kalkowsky spricht über Weltsprache und gegen 
Esperanto. 


Fünfte Sitzung am 30. Mai 1907 (im K. Botanischen Garten). Vor- 
sitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 51 Mit- 
glieder und Gäste. 

Der Vorsitzende teilt mit, dafs in der Versammlung des Vereins zur 
Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts 
Oberlehrer Dr. E. Lohrmann über die von der Isis angenommenen Thesen 
(siehe S. 4) berichtet hat. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude spricht zum Gedächtnis an Linnes 
zweihundertjährigen Geburtstag über dessen Leben und Wirken. 


Sechste Sitzung am 27. Juni 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 40 Mitglieder. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt legt die Photographie eines Braun- 
kohlen-Tagebaus von Senftenberg, in dem noch Reste aufrecht- 
stehender Taxodium - Stämme zu sehen sind, vor und 


16 


gibt Mitteilungen über Musophyllum Kinkelini aus dem Tertiär von 
Münzenberg. 

Prof. Dr. P. Schreiber spricht über den Wärmehaushalt an der 
Erdoberfläche. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 


Am 15. April 1906 ist Hermann Baessler, Direktor der Strafanstalt 
in Voigtsberg, korrespondierendes Mitglied seit 1866, gestorben. 

Am 10. Februar 1907 starb Prof. Dr. Richard Ulbricht in Losch- 
witz, wirkliches Mitglied seit 1884. 

Am 7. April 1907 starb Kommerzienrat Dr. Karl Wilkens, Direktor 
der Steingutfabrik von Villeroy & Boch in Dresden, wirkliches Mitglied 


seit 1876. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 


Fscherich, K., Dr. phih, Professor an der R. Forstakademie in Tharandt, 
am 30. Mai 1907; 

Haase, Gertr., Drs. med. Wwe. in Dresden, am 28. Februar 1907; 
Hupfer, Herrn. Paul, Dr. phih, Oberlehrer in Dresden, am 21. März 1907; 
März, Christian, Dr. phih, Oberlehrer an der Dreikönigschule 



in Dresden, 


Meissner, Georg, Ingenieur in Dresden, J ’ 

Rohrs, Friedrich, Cand., Handelsschullehrer in Dresden, l am 27. Juni 
Saupe, Albin, Dr. phih, Realschuloberlehrer in Dresden, / 1907; 

Schlaginhaufen, Otto, Dr. phih, wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am 
K. Zoolog, u. Anthropol.-ethnogr. Museum in Dresden, am 31. Januar 
1.907; 

Schreiber, Albert, Dr. ing., K. Eisenbahn -Bauinspektor in Niedersedlitz, 
am 27. Juni 1907; 

In die korrespondierenden Mitglieder ist übergetreten: 

Muhle, Willy, Dr. phih, Realschuloberlehrer in Kamenz. 


Kassenabschlufs der Naturwiss. Gesellschaft ISIS vom Jahre 1906. 

Einnahme. Ausgabe. 


17 


00«)0 

HCDH^ 


p co cd 03 uo >— i0>j> 
^COHCQiO«3CQ WO 

S ft 1— I 


a 'S 

£ fl 


03 

PA 

CO 


ft 0 

o) 03 


-r, © 

i—l >7^ 

fl 


fl . 


. SR 

03 ka 
ft 02 
co fl 
• o fl 

öß_ 

CO ft 

PS Ö 
fl PS 


rfl 

önO.„ 

a co aS 

43.3 o 

ft) 03 5 

0 f-i cq 

PS 03 ^ 

03 h> r _4 
Ü3 ft 

WS* 

'fl .0 

1 bß° 

53 gr« 

^äft 

fl ft o 

N *3 

^©rS 5 © g s 

OtdWWcqp^HM 


03 


ft-S 


- * A TS 

'g'fl'Ög 

< r§ fl ^ -g 

3 03c2;fl 03 

£ £ £ 03 
03 03 «2 

* ‘ ® « § 


Oi CO Tji lO CO Ü> 00 


ft ^ 
fl o? 


I »O O I O 00 

I o« I co t- 


^HVCO^CDOCOOO 
3 lO CO ft CD 03 OOlOO 
«s H CD H CD rn 

JS rH 02 


M 


* ft 

fl 

•O 

• fl 

03' 

.rfl 

C3 

CO 


• Ö 
fl 


00 O I !>ONO 
03 Oi I lOlOOi VO 


CD O 

O? r-l 


i>O00OCDftCDftlßO3 
^CO^^HHOOCOIOOO 
3<OOOOOiiCixOiOC3aO?> 
rH lO rH CO H H ffi) 


9061 ‘IIX US ™oa 

sjn^ uiap q.it?a 


^ CsJ 


M 


>-4 

bß <D 
fl : 9 ’o, 


03-2 

bßx? 

:fl .rn 

03 ft PQ 

bß .-3 w 

:cö 5 h 03 ft 

22 © 03 

3 d 

03 ft 3 h 03 
33 ’rj > ft 
bn-W .5 © 

.t?.S S © 


ft ft 03 rH 
:Q ft 

«Mft « “ 

O fl 03 

ö GO .3 H? 

03 ft 03 g 
ft C3 ft _fl 
ft 3 © 03 
Ofj 

Mfi „ g 

CO CO 03 fl 

PS fl -fl 
a a _ 5 

fl n 'i 
CO CO 03 ^ 
:C :0 w ^ 

'ft "ft .3 :fl 

13 Klafft 


A 

fl j-j 

s © 

03 _o 

•-3 fl 


& S) 

gft 

% w 


_S fl 


bß 

0 bß 


'fl 

P I g) 

ft fl 

fl ft H r ft ft 

1 1-3 

2^ ö 0 } Ph o5 cp 

03 ft fl CO fl cq O '"fl fl ^ 

® 2 © bß^ft 5 

fl^ £^-h S 

M<1pqctO >: pm 3Q S3 p3 


H (M CO tII »O CD b- 00 O) 


Dresden, am 26. Februar 1907. Hofbuchhändler Georg Lehmann, z. Z. Kassierer der Isis. 



Sitzungsberichte 

der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


in Dresden. 


1907. 












I. Sektion für Zoologie. 


Vierte Sitzung am 12. Dezember 1907 (in Gemeinschaft mit der 
Sektion für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. A. Jacobi. — Anwesend 
44 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt als bemerkenswerte Erwerbung der Bibliothek 
des K. Zoologischen Museums das Werk von 

Saville-Kent, W.: The Great Barrier-Reef of Australia. London 1898, 

vor. 

Prof. Dr. K. Escherich hält einen Vortrag über seine Reise nach 
Erythräa, unter Vorführung von Lichtbildern und Vorlage der Königin- 
zelle einer Termite. 


II. Sektion für Botanik. 


Vierte (aufserordentliche) Sitzung am 11. Juli 1907. 

Einer Einladung von Prof. Dr. F. Neger folgend versammelten sich 
zahlreiche Mitglieder nachmittags 5 Uhr auf dem Hauptbahnhofe, um nach 
Tharandt zu fahren. 

Vom Einladenden begriffst begab sich die Gesellschaft in den regenschwer da- 
liegenden Forstgarten, den sie von der Freiberger Strafse aus bis zu den Heiligen Hallen 
auf Zickzackpfaden dem schlechten Wetter zum Trotz unter den lehrreichen Erläute- 
rungen von Prof. Dr. F. Neger und anregenden Diskussionen durchwanderte. Der Vor- 
tragende führte sowohl zu den auf der Hochfläche des Gartens neu angelegten Rabatten 
für forstliche Standorts- (Sand-, Kalk-, Humus-, Moor-, Holzschlag- usw.) Pflanzen, als 
besonders erläuterte er den ,, Habitus der Koniferen“ an der grofsen Mannigfaltig- 
keit der im Garten befindlichen Arten mit ihren zum Teil hervorragend schön ge- 
wachsenen und schon genügend alten Exoten. 

Dieser Demonstration im Freien folgte ein Vortrag über dasselbe Thema im Hör- 
saal des forstbotanischen Instituts, bei welchem nunmehr zahlreiche Lichtbilder den 
Habitus der Koniferen zu erläutern bestimmt waren und auch solche Arten, wie Arau- 
caria , zur Besprechung ihrer Charakterform gelangten, deren Kultur im Freien unser 
Klima ausschliefst. 

Nach einer gemeinsamen Stärkung in der Baderestaui ation verabschiedeten sich die 
Dresdner Mitglieder mit herzlichem Danke von Prof. Dr. F. Neger. 


Fünfte Sitzung am 7. November 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 39 Mitglieder und Gäste. 

Oberlehrer Dr. B. Schorler bespricht einige Erscheinungen der neueren 
Literatur, nämlich: 


22 


Holläs, L. : Die Gasteromyceten Ungarns. Leipzig 1902, ein Foliowerk 
mit ausgezeichneten bunten Tafeln; 

Kirchner, 0., Loew, E. und Schröter, C.: Die Lebensgeschichte der 
Blütenpflanzen Mitteleuropas. Stuttgart 1906. Dieses grofse, sehr be- 
deutungsvolle Werk wird die Gesellschaft bei seinem ferneren Erscheinen 
noch mehrfach beschäftigen. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude legt vor einen Faksimile -Neudruck 
von Caroli Linnaei ,,Species plantarum“, Editio I, 1753. 

Die Seltenheit der ersten, für die botanische Nomenklatur klassisch gewordenen 
Ausgabe hat bei der Linne-Jubelfeier ihre Neuausgabe veranlafst, da sich in den meisten 
Bibliotheken nur die zweite, in Stockholm 1762 erschienene befindet. Es hat daher auch 
unsere botanische Bibliothek diesen 40 Mk. kostenden zweibändigen Neudruck, der bei 
0. Weigel-Leipzig im Kommissionsverlag sich befindet, angeschafft. 

Dr. A. Naumann spricht über Myxomyceten als Erreger ge- 
wisser Pflanzen krank heiten, unter Vorlage zahlreicher mikroskopischer 
und Spiritus-Präparate. 

Der Vorsitzende berichtet über die unter erfreulich starker Be- 
teiligung vom 8. — 20. September hier abgehaltenen botanischen 
Versammlungen, welche, wie wohl noch nie zuvor, eine Menge der ver- 
schiedensten Fachvertretungen deutscher, österreichischer und auch einiger 
fremdländischer Botaniker in Dresden zusammengebracht haben. 

Vom 8. bis 11. September tagten gleichzeitig in den Räumen der Technischen 
Hochschule die „Vertreter der angewandten Botanik“ und die „Freie Vereinigung für 
botanische Systematik und Pflanzengeographie“ unter ihren Präsidenten Zacharias- 
Hamburg und Engler-Berlin. Beide Vereine hatten in ihrer gemeinsamen Tagung in 
Hamburg 1906 Dresden zum Orte ihrer diesjährigen gemeinsamen Tagung erwählt und 
waren dadurch mafsgebend dafür geworden, dafs nun auch die „Deutsche botanische 
Gesellschaft“, obgleich diese leider sich vom Orte der Naturforscher -Versammlung zu 
trennen in Meran beschlossen hatte, entgegen diesem Beschlüsse in diesem Herbst nach 
Dresden kam, um hier ihr 25jähriges Jubiläum seit der Gründung in Eisenach 1882 
zu feiern. 

Sie hielt unter ihrem in bewundernswerter Frische und Rüstigkeit unentwegt am 
Präsidentenplatze stehenden Leiter, S. Schwendener- Berlin, ihre Generalversammlung 
am Donnerstag, den 12. September, ihre Festsitzung am Freitag, den 13. September in 
einem festlich mit Pflanzenschmuck vom Botanischen Garten hergerichteten Saale des 
Äusstellungsgebäudes an der Stübel- Allee ab. An diesen Sitzungen sowohl wie am 
Festmahl der Gesellschaft (Donnerstag Abend im Belvedere) beteiligten sich eine Anzahl 
botanischer Isis-Mitglieder, und Geheimrat Kalkowsky sprach beim Festmahl die Glück- 
wünsche der Isis aus. 

Der Vortragende berichtet dann weiter über eine Abhandlung: „Die 
kartographische Darstellung mitteldeutscher Vegetationsformationen; I. Wein- 
böhla, II. Zschirnsteine, III. Altenberg.“ Dresden 1907, welche als Sonder- 
druck der Englerschen Jahrbücher für Systematik und Pflanzengeographie 
vom Botanischen Institut der Technischen Hochschule herausgegeben wurde, 
mit drei pflanzengeographischen Karten und einer farbigen Formationstafel, 
an denen der Vortragende, vielfach von Kustos Dr. B. Schorler unterstützt, 
in den letzten Jahren gearbeitet hat. 

Die Karten sind in ausgezeichneter Weise von der hiesigen Firma Meinhold & Söhne 
auf 15 farbigen Steinplatten gedruckt und sollen noch in diesem Winter einer zweiten 
Abhandlung beigegeben werden, welche die Prinzipien der floristischen Kartographie 
nach allgemeineren Gesichtspunkten im Dresdner Verein für Erdkunde zur Darstellung 
bringen soll. 

Das durch die genannten Karten umschriebene Gebiet sollte nun für diese botanischen 
Vereinigungen im September auch als Exkursionsgebiet dienen. Nachdem bereits am 
Montag, den 9. September, nachmittag von Neusörnewitz aus die „Freie Vereinigung“ 
zu einem durch das schönste Wetter begünstigten Ausfluge über die Bosel nach Meifsen 


23 


(Gebiet der Karte I) geführt war, begann eine gröfsere, mit zwei Nachtquartieren in 
Tetschen geplante Exkursion am Freitag, den 13. September, Nachmittag mit einer Be- 
steigung des Grofsen Zschirnsteins (Karte II), um von da zum Böllberg bei Niemes und 
in die Elbgehänge des Böhmischen Mittelgebirges bei Salesel und Czernosek zu führen. 
Diese am Sonntag Abend, den 15. September, geschlossene Exkursion wurde vom Vor- 
tragenden, Dr. B. Schorler und Dr. A. Naumann gemeinsam geführt; bedauerlicherweise 
war Prof. Dr. F. Neger- Tharandt durch Erkrankung gehindert, sich an der Führung zu 
beteiligen, die auch bei dem Ausfluge nach Tharandt zur Besichtigung des Forstgartens 
(am 11. September) von Prof. Dr. A. Beck und Inspektor G. A. Büttner an seiner Stelle 
übernommen wurde. 

Die Beschreibung der Ausflüge ist im Jahresbericht der „Freien Vereinigung“, 
zugleich in Englers botanischen Jahrbüchern 1907/08, ausführlicher wiedergegeben. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Vierte Sitzung am 14. November 1907. Vorsitzender: Oberlehrer 
Dr. P. Wagner. — Anwesend 58 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Gäbert, C.: Die Gneise des Erzgebirges und ihre Kontaktwirkungen. 
Zeitschr. Deutsch. Geol. Ges. LIX, 1907. 

Geb. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky berichtet über den Ko rund - 
granulit von Waldheim. (Vergl. Abhandlung V.) 

Dr. P. Menzel hält einen Vortrag über die Flora des Braunkohlen- 
reviers von Senftenberg. 

Vergl. hierzu die Veröffentlichung des Vortragenden: „Ueber die Flora der 
Senftenberger Braunkohlenablagerungen.“ Abhandl. K. Pr. Geol. Landes- 
anstalt, n. F. Bd. 46, 1906. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Vierte Sitzung am 21. November 1907. Vorsitzender: llofrat Prof. 
Dr. J. Deich müll er. — Anwesend 55 Mitglieder und Gäste. 

Oberlehrer Dr. Th. Arldt spricht über Heimat und erste Aus- 
breitung des Menschen. 

Die Frage nach der Urheimat des Menschen hat die verschiedensten Beantwortungen 
gefunden; es gibt keinen Kontinent, der nicht dafür schon in Betracht gezogen wurde. 
Zu ihrer Beantwortung führen zwei Wege, ein rückschreitender, analytischer, der anthro- 
pologisch-prähistorische, und ein vorwärtsschreitender, synthetischer, der paläogeo- 
graphisch- phylogenetische. Letzterer wurde vom Vortragenden eingeschlagen. Die 
paläogeographische Forschung stützt sich wieder auf eine petrographisch-paläontologische 
und auf eine biogeographische Methode, deren Besultate durch ihren Vergleich gröfsere 
Sicherheit der Schlufsfolgerungen gewährleisten. Durch die wechselnden Verbindungen 
zwischen den Kontinenten treten Faunenmischungen ein, bei denen das Herrschen mehrerer 
Gesetze sich erkennen läfst, die man als Gegenseitigkeits-, Massenwirkungs- und klima- 
tisches Gesetz bezeichnen kann, auch läfst sich in der Entwickelung eine Periodizität 
in mathematischem Sinne nicht verkennen. Infolge dieser Änderungen gab es früher 
andere Regionen und Reiche als jetzt, sie sind auch die Ursache, dafs wir in den 
lebenden Kontinentalfaunen verschiedene Schichten unterscheiden können. 

Suchen wir den im Menschen gipfelnden Zweig der Wirbeltiere in seiner geo- 
graphischen Entwickelung zu verfolgen, so liegt die Heimat der ältesten Säugetiere 
wahrscheinlich in Südafrika bez. im permischen Südkontinente. Von hier gelangten sie 


24 


über Süd- nach Nordamerika, wo sie zn den Plazentaliern sich weiterentwickelten, 
während in Australien die Kloakentiere, in Südamerika die Beutler sich ausbildeten. 
Vor Beginn der Tertiärzeit spalteten sich die Plazentalier in vier Hauptzweige und ge- 
langten auch nach dem Süden, darunter die Primaten, von denen im Oligozän in Süd- 
amerika die Breitnasen, in Afrika und Madagaskar die Lemuren, in Asien und dem 
nordatlantischen Kontinente die Uraffen (Anaptomorphiden und Pachylemuriden) und in 
Nordeuropa die Schmalnasen gelebt haben dürften. Im Miozän gelangen diese nach 
Mitteleuropa, bereits in Hunds- und Menschenaffen geschieden, und breiten bald auch 
nach Indien sich aus. Hier entwickeln sich als gesonderte Zweige Gibbon, Pithecan- 
thropus, Schimpanse und Orang Utan. Der Urmensch hat wohl weiter im Norden sich 
entwickelt, etwa zwischen Skandinavien und dem Himalaya, vielleicht in Nordasien, das 
damals wärmer war als jetzt. Nachdem er hier seine körperliche Ausbildung infolge 
seines aufrechten Ganges erlangt hatte, veranlafste ihn zur Ausbildung der ersten Kultur 
die Notlage, in die Horden des Affenmenschen gerieten, als im Pliozän das inner- 
asiatische Hochland sich erhob und sie in ihm isoliert wurden. Hierher möchten wir 
daher die Ausbildung des Menschen verlegen, von hier aus konnte er auch im Pliozän 
am raschesten und leichtesten über alle Kontinente sich ausbreiten. Zuerst breiteten die 
protomorphen Rassen sich aus, von denen nur die Neandertalrasse den alten Typus uns 
rein zeigt, während die anderen Zweige sich gleichsinnig mit den Hauptrassen weiter- 
entwickelt haben. Im Süden stellen aufeinanderfolgende Völkerwellen dar die woll- 
haarigen Völker, die Wedda, die Dravida und Australier, sowie die Urmalayen, Schmidts 
austrische Rasse. Im Norden besiedelte die Neandertalrasse den Westen, die Vorfahren 
der Aino waren deren Repräsentanten im Osten. Die Negroiden, Mongoloiden und 
Mittelländer sind selbständige Zweige, die getrennt von einander aus protomorphen 
Stämmen hervorgingen, und zwar in Afrika bez. West- und Ostasien. In Europa sind 
die Urneger von Mentone vielleicht mit den Hottentotten zusammenzubringen, jedenfalls 
sind sie, wie viele afrikanische Tiere, vom Süden gekommen. Gleiches gilt vielleicht 
vom Löfsmenschen, den wir der westeuropäischen Rasse gleichsetzen möchten, während 
die Cro-Magnonrasse den Indogermanen zuzuzählen ist. Die erste ist wahrscheinlich von 
Nordafrika nach Europa gelangt, während die Ausbreitung der letzteren wohl nördlich 
vom Pontus erfolgt ist. 

Yorgelegt werden: 

Schoetensack, 0.: Die Bedeutung Australiens für die Heranbildung des 
Menschen aus einer niederen Form. Verh. Naturhist.-med. Ver. Heidel- 
berg VII, 1902; 

Arldt, Th.: Die Entwicklung der Kontinente und ihrer Lebewelt. 
Leipzig 1907; 

— Paläogeographisches zum Stammbaum des Menschen. Zeitschr. f. Morph, 
u. Anthr. X, 1907; 

— Die Gröfse der alten Kontinente. Neues Jahrb. f. Min. usw. 1907, 1. 

An der sich an den Vortrag anschliefsenden Debatte beteiligen sieb 
Dr. W. Hentschel, Prof. Dr. A. Jacobi und der Vortragende. 


V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie. 


Vierte Sitzung am 17. Oktober 1907, Vorsitzender: Prof. Dr. 
M. Toepler. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. M. Toepler spricht über gleitende Entladungen. 

Unter Umständen kann man bei relativ kleiner Spannung auf der Oberfläche ver- 
schiedener Körper starke elektrische Funken von ganz auffallender Länge (z. B. mit 
weniger als 50 Kilovolt mehr als 2 m lange Funken) erhalten — „gleitende Entladung“. 
Dies Phänomen ist altbekannt; erst neuerdings aber sind vom Vortragenden die Be- 
dingungen, unter denen die Erscheinung eintritt, und deren Gesetze durch messende 
Versuche festgestellt worden*). 


*) Vergl. z. B. auch diese Berichte, Jahrgang 1907, Abhandl. 3. 


25 


Unter den mannigfachen Entstehungsbedingungen gleitender Entladung sind zwei 
von besonderer Wichtigkeit. Die eine, durch Einfachheit ausgezeichnet, liegt vor, wenn 
eine konstante Spannung plötzlich an die Enden der Funkenbahn angelegt wird. Die 
andere hat neuerdings für die Technik eine hervorragende Bedeutung gewonnen ; bei ihr 
handelt es. sich um Anlegung hochgespannter Wechselströme. Eingehender ist bisher 
nur die erste Art untersucht. 

Man erhält leicht mit kleiner Spannung auffallend lange Gleitfunken auf Metall- 
pulvern, vergoldeten Bilderrahmen, Rufs, feuchtem Gips (Stuck), feuchtem Holze, feuchtem 
oder auch trockenem Schiefer, Basalt, Wasseroberflächen, aber auch unter bestimmten 
Bedingungen auf blanken, trockenen, nichtleitenden Jsolatorenoberflächen (Glimmer, 
Glas, Porzellan). Vortragender zeigte dies durch eine grofse Reihe von Experimenten. 
Während bei erstgenannten Fällen die Verdampfung des Bahnmaterials zur Funken- 
bildung mit beiträgt, ist diese in den weiteren Fällen ausschliefslich durch eine Eigen- 
tümlichkeit der Elektrizitätsleitung der Gase (Luft) ermöglicht. Gase sind (ähnlich wie 
z. B. der Glühkörper in der Nernstlampe) für schwache Ströme schlechte Leiter, für 
starke dagegen sehr gute. Infolgedessen gelten für kurze, schwache Entladungen ganz 
andere Gesetze als für so starke Entladungen, wie sie bei den Gleitphänomen vorliegen. 
Als bemerkenswerte Gesetze für die Gleitfunkenbildung wurden vom Vortragenden 
gefunden : 

1. Die Gleitfunkenlänge ist proportional der Aufnahmefähigkeit der Bahnlängen- 
einheit für Elektrizität. 

2. Die gröfstmögliche Gleitfunkenlänge ist je nach festgestellten Umständen der 
zweiten bis fünften Potenz der Spannung proportional. 

Die grofse Wachstumsfähigkeit macht die gleitende Entladung (wegen der mit ihr 
verbundenen Brand- und Kurzschlufsgefahr) zu einem für die Technik hochgespannter 
Ströme sehr zu fürchtenden Phänomen; schon heute kommt die Frage der Formgebung 
von Isolierungen für hohe Spannungen zum grofsen Teile auf das Problem der Ver- 
meidung von Gleitprozessen auf Isolatorenoberflächen hinaus. 

Auch alle weithingehenden Raumbüschel zeigen Gleitcharakter. Der Schlüssel zu 
ihrer Erklärung und quantitativen Beurteilung ist durch obengenannte Gesetze gegeben. 
Zu völlig fehlerhaften Schlüssen mufs es dagegen führen, wenn man die Gesetze der 
direkten Entladung über kurze Luftstrecken auf irgendwelche Gleitphänomen anwendet, 
also speziell auch, wie das bisher immer geschehen ist, auf das gröfste Gleitphänomen, 
die Blitzbildung. 


Fünfte Sitzung am 5. Dezember 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. 
M. Toepler. — Anwesend 39 Mitglieder und Gäste. 

Direktor Dr. A. Beythien spricht über neuere Aufgaben der 
Nahrungsmittel chemie. 


Yl. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 

Vierte Sitzung am 4. Juli 1907. Vorsitzender: Prof. Dr. A.Witting. 
— Anwesend 10 Mitglieder und Gäste. 

Staatsrat Prof. M. Grübler spricht über die Elastizitätstheorie. 
Der Vortragende erwähnt einleitungsweise, däfs man bisher zwischen Dehnung 
und Spannung in Körpern das Proportionalitätsgesetz: s = a 0 . o = -=- oder auch das 

Bachsche Potenzgesetz s = a 0 . <j» angenommen hat. Das letztere Gesetz hat aber den 
Nachteil, dafs für den Fall a = 0 der Elastizitätsmodul JE 0 == oo wird. Wahrscheinlich 
besteht ein komplizierteres Gesetz e = f (a) als das Proportionalgesetz bei vielen Körpern. 

Während bisher die Zugfestigkeit durch die Zerreifsungsmethode bestimmt wurde, 
ermittelte der Vortragende diese an auf Innendruck beanspruchten Hohlzylindern und 
erläutert näher sein zur Bestimmung der Zugfestigkeit dienendes Verfahren. Er hebt 
hervor, dafs es ihm gelungen sei, den Innenraum eines Hohlzylinders unter starken Druck 
zu setzen, ohne den Körper selbst durch irgendwelche andere Kräfte zu beanspruchen. 


26 


Diese Art der Beanspruchung entspricht auch genau der Differentialgleichung des 
Deformationsvorganges. 

Ist E der Elastizitätsmodul für Druck, E z der für Zug, a die tangentiale, v die 
radiale Spannung und X die bekannte Konstante, so ergibt sich 

als Dehnung in tangentialer Richtung: et = X = = — , 

Ez E r 


als Dehnung in radialer Richtung: er = — Xz 


dv 

dr 


Hieraus folgt 


<s I 1 {— + ^ v '\ und V = - + v ' } 

1 — XX* Ir J 1 -XXjI r 1 J 


E~ 

Setzt man demnach = p. 2 und 1 + Xz — X p. 2 = c , so lautet die Differential- 


ff i ^ / o ^ 

v = l*- 2 * --ö, 


gleichung der Deformation; 

c 

die Integralgleichung derselben hingegen 

v — A . r m i -j- B . r m 2, 

wobei und w 2 die Wurzeln der quadratischen Gleichung 

m 2 -J- (c — 1) . m — p 2 = 0 

sind. Es berechnet sich dann für r = r t das Maximum der Spannung a zu 


. = JP_ i_ f /r x ] 

1 >». - j j- 


Nimmt man nun 

1) p, = 1 (Proportionalitätsgesetz) und X = Xz, so wird m = + 1 und 

A4 ‘3 I A4 2 

^ Pi (Lame); [hierin bezeichnet p L den Innendruck j 


r 2 2 — r 1 


2) Xz = X = 0, so ist m — + p. und a, = p, 


woraus für den Fall p 2 = \ sich a 


/r 0 \2,u 

ergibt; 


7\ 2 


1 u. 2 — 1 

3) X = Xz = T (Poisson), so ist m = 1 — - — + 
4 o 


V(^)‘ 




woraus für p. = — sich m A == 0,4150, m 2 = — 0,6025 und 

/w 


0,4150 + 0, 


(-) 

,6025 \r 1 / 


p x ergibt. 


1,0175 ^ 

Diese Spezialfälle haben bei einem Versuch u. a. folgende Werte ergeben: 


1) x >0 

2) Xz = X = 0 

00 

.11 

II- 


1 

1 

p. — 1 

= 2 

■*='2 

<J t == 39,82 

36,67 

38,78 at-, 


welche nur sehr wenig von einander abweichen, trotzdem im ersten Falle E s = E 

und im letzten E z = \ E ist. 

4 


27 


Fünfte Sitzung am 10. Oktober 1907. Vorsitzender: Staatsrat Prof. 
M. Grübler. — Anwesend 12 Mitglieder. 

Prof. Dr. E. Naetsch spricht über Lichtgrenzkurven und geo- 
dätische Linien. 

Als eine Lichtgrenzkurve einer gegebenen Fläche soll jede Kurve bezeichnet 
werden, welche auf dieser Fläche liegt und so beschaffen ist, dafs die zu den Punkten 
der betreffenden Kurve gehörenden Tangentialebenen der Fläche sämtlich zu einer und 
derselben Richtung (Lichtrichtung!) parallel sind, dafs also die längs der Kurve um die 
Fläche beschriebene Developpable eine Z.ylinderfläche ist. Dann läfst sich leicht einsehen, 
dafs es auf jeder nicht abwickelbaren Fläche im ganzen oo 2 Lichtgrenzkurven geben 
mufs. Andererseits enthält aber die Fläche bekanntlich auch genau oo 2 geodätische 
Linien; es ist daher der Fall denkbar, dafs auf einer nicht abwickelbaren Fläche jede Licht- 
grenzkurve eine geodätische Linie und auch umgekehrt jede geodätische Linie eine Licht- 
grenzkurve ist. Dafs dieser Fall wirklich vorkommt, zeigt das Beispiel der Kugeloberfläche. 

Im Vorfrage wird nun auf analytischem Wege der Nachweis erbracht, dafs die 
Kugeloberfläche die einzige Fläche von der gewünschten Beschaffenheit ist. Zu diesem 
Zwecke wird zunächst für eine beliebige Fläche, deren Gleichung in der Form z = f (x, y) 
angesetzt wird, einerseits die Differentialgleichung der Lichtgrenzkurven, andererseits 
die Differentialgleichung der geodätischen Linien aufgestellt; hierauf werden die not- 
wendigen und hinreichenden Bedingungen dafür formuliert, dafs diese beiden gewöhn- 
lichen Differentialgleichungen II. Ordnung miteinander identisch sein sollen. Es ergeben 
sich vier Bedingungsgleichungen, welche sich als vier partielle Differentialgleichungen 
III. Ordnung mit derselben unbekannten Funktion f (er, y) erweisen. Die nähere Unter- 
suchung zeigt, dafs dieselben ein „beschränkt integrables“ System bilden und dafs sich 
dieses zurückführen läfst auf ein System von zwei partiellen Differentialgleichungen 
II. Ordnung, welches seinerseits „unbeschränkt integrabel“ ist; nämlich auf das bekannte, 
sofort geometrisch zu deutende System 

r s t 

1 + P 2 ~ PV~~ f + L 2 ’ 

Bildet man aber mit der vollständigen Lösung des letzteren Systems, mit der Funktion 

f(x, y) = c-{- y& 2 — (x — a) 2 Sr(i/ — ö) 2 ( a b, c, k willkürliche Konstanten) 

die Gleichung z = f (cc, y), so hat man die Gleichung oo 4 der Kugeloberflächen des Raums. 
Diese sind somit in der Tat die einzigen Flächen von der gewünschten Beschaffenheit. 


Sechste Sitzung am 12. Dezember 1907. Vorsitzender: Staatsrat 
Prof. M. Grübler. — Anwesend 14 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. G. Helm spricht über die Beziehungen der 
Sammelbegriffe zur Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

Unter Bezugnahme auf seinen früher in der Isis (Sitzungsberichte 1899, S. 11) 
gehaltenen Vortrag über statistische Beobachtungen biologischer Erscheinungen ent- 
wickelt der Vortragende den Gedanken, die von Fechner zuerst bearbeiteten Kollektiv- 
gegenstände zur erfahrungsmäfsigen Grundlage der Wahrscheinlichkeitslehre zu machen. 
Nach dieser Auffassung bezeichnet Wahrscheinlichkeit niemals eine Eigenschaft des 
Einzelgegenstandes, von dem sie ausgesagt wird, sondern des Sammelbegriffs, dem dieser 
Einzelgegenstand angehört; nur über den Sammelbegriff, nicht über irgendein einzelnes 
ihm angehöriges Exemplar besitzen wir statistisches Wissen, und wenn wir es mit Hilfe 
des Wahrscheinlichkeitsbegriffs als ein quasi - Wissen über den Einzelgegenstand dar- 
stellen, so ist das nur eine oft bequeme, aber mit Vorsicht zu gebrauchende Ausdrucks- 
weise. So gibt z. B. die Wahrscheinlichkeit, aus einer Urne, die s schwarze und w weifse 
Kugeln enthält, bei zwei Zügen zwei weifse Kugeln zu ziehen, eine Eigenschaft des 
Sammelbegriffs aller Ziehungen von Kugelpaaren aus dieser Urne an, nämlich das 
Häufigkeit s Verhältnis der Paare weifser Kugeln zu allen möglichen Paaren. 

Die elementaren Lehrsätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung ergeben sich bei diesem 
Ausgangspunkte unmittelbar durch Anwendung des disjunktiven Urteils auf die Sammel- 
begriffe. 

Während des Vortrags wurden verschiedene der Erfahrung entnommene oder auch 
logisch kombinierte Sammelbegriffe besprochen, zum Schlüsse auch die kollektiven Be- 
griffe physikalischer Natur, aiif die der Vortragende bei der diesjährigen Versammlung 
deutscher Naturforscher und Arzte hingewiesen hat. 


38 


VII. Hauptversammlungen. 


Siebente Sitzung am 26. September 1907. 

Die Versammlung findet im Zoologischen Garten statt, wo zunächst 
die Vorführungen der Völkergruppe „Wild-Afrika“ besichtigt werden. 

Hieran schliefst sich eine Hauptversammlung, an der 31 Mitglieder 
teilnehmen. 

Der Vorsitzende, Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky, spricht dem 
anwesenden Direktor des Zoologischen Gartens, Kommissionsrat A. Schöpf, 
den Dank der Gesellschaft für die den Mitgliedern seitens des Aufsichts- 
rates und Direktoriums des Gartens gewährte Vergünstigung des unent- 
geltlichen Eintritts aus und 

erstattet einen kurzen Bericht über den Verlauf der 79. Versamm- 
lung Deutscher Naturforscher und Arzte in Dresden vom 15. — 21. 
September 1907. 


Achte Sitzung am 24. Oktober 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 74 Mitglieder und Gäste. 

Dr. med. H. Stadelmann hält einen durch Lichtbilder erläuterten 
Vortrag über die Stellung der Psychopathologie zur Kunst. 

Die Psychopathologie ist Untersuchungsmittel der Kunst, insofern als die Kunst 
seelisches Erzeugnis ist, das sich vod den normalen, d. h. durchschnittlichen menschlichen, 
seelischen Erzeugnissen quantitativ unterscheidet. 

Durch das „Erleben“ wird die objektive Aufsenwelt zu einer subjektiven Welt. 
Bei der Bildung der subjektiven Welt zerfallen Vorstellungskomplexe, aus deren Ele- 
menten sich neue Komplexe nach den alten Notwendigkeiten bilden mit Hilfe der Ge- 
fühle und Stimmungen; es folgt einem Vorgänge seelischer Dissoziierung eine erneute 
Assoziierung. In besonders hohem Grade treffen diese Vorgänge beim Werke schaffender 
Künstler zu. Die Möglichkeit dieser erhöhten Dissoziierung ist verursacht durch eine 
gesteigerte Beizbarkeit des Gehirns. Und zwar ist diese gesteigerte Reizbarkeit die 
Folge der Ermüdung. Bei der Ermüdung werden Stoffe erzeugt, die gesteigerte Reiz- 
barkeit im Gehirn hervorbringen, der herabgesetzte Reizbarkeit nachfolgt. Die geniale 
Gehirnanlage, die eine stark gesteigerte Reizbarkeit aufweist, hat die Neigung, leicht 
zu ermüden und namentlich das erste Stadium der Ermüdung, die gesteigerte Reizbarkeit 
hervorzubringen. Ganz ähnlich verhält es sich bezüglich der Ermüdung bei der Anlage 
zur Psychose. Beide Anlagen sind „Ermüdungsanlagen“. Allein Genialität ist nicht 
Psychose. Wie Gebautes zu Zerstörtem verhält sich das Werk des Genialen zum Chaos 
des Psychotischen. In der Möglichkeit der erneuten Verknüpfung der dissoziierten 
Elemente zu einer Einheit liegt der scharfe Unterschied des Genies von der Psychose. 
Beim Genie fortwährendes Zerlegen und erneutes Bauen, ein gesteigerter Lebensprozefs ; 
bei der Psychose fortschreitender Zerfall. Das Genie kann zur Psychose werden, wenn 
es die dissoziierten seelischen Elemente nicht mehr zu einen vermag; hier entscheiden 
die individuelle Veranlagung und die Erlebnisse. Es können aber psychotische Elemente, 
wie Kontrast- (Pervers-) und Negationswertungen, Illusionen und Halluzinationen u. dergl. 
in einem Werke Vorkommen; deshalb ist das Werk nicht psychotisch. Der Begriff: 
„psychotisch“ schliefst den Begriff Werk aus. Das Einfiechten derartiger Elemente in 
ein Werk ergibt neue Schaffensmöglichkeiten. Z. B. hat Oskar Wilde in seinem Drama 
„Salome“ ein psychopathologisches Moment (das Verlangen der Salome nach dem Kopfe 
des von ihr geliebten Jochanaan) in das Werk eingeflochten. Hier dient das psycho- 
pathologische Moment, das mit andern psychischen Elementen zu einer Einheit gefügt 
ist, dazu, den tragischen Konflikt in Herodes zu künstlerisch wirkungsvoller Höhe zu 
bringen. 

Die Grenze zwischen Kunst und Psychose ist eine fliefsende, wenn auch scharf be- 
stimmbare. Beim künstlerischen Wachstum gibt es Zerfall und Aufbau. Wenn die 


29 


Assoziationen sich nicht immer sofort nach den Dissoziationen einstellen, kann der 
Künstler infolgedessen oft weit mehr in der Psychose zu Hause sein als in der Kunst. 
Aus dem Grenzlande der Kunst zur Psychose kommen meist die Werke mit den ein- 
gestreuten psychotischen Elementen; aber es ist auch das Leichenfeld alter Werte und 
der Ursprungsort neuer. 

Wie die Natur seihst beim Genie Reizzustände erzeugt durch den Vorgang der 
Gehirnermüdung, so treten beabsichtigterweise, vergleichbar den dort durch die Lebens- 
vorgänge selbst entstandenen Reizmitteln, künstliche Mittel (Alkohol, Opium, Haschisch, 
Selbsthypnose usw.) an die Stelle, um Gefühle und Stimmungen zu heben. 

Den genialen Veranlagungen liegen Typen zu Grunde wie den psychotischen. 
Diese Typen sind unterschieden voneinander durch die jeweilige Möglichkeit, auf Reize 
zu reagieren, sowie durch die Möglichkeit der Wiederherstellung zur individuellen Norm 
nach dem Reiz. 

Die Psychopathologie in ihrer Stellung zur Kunst arbeitet am Werke der Er- 
kenntnis; ihr sind die Untersuchungen derjenigen seelischen Geschehnisse anvertraut, die 
sich von dem Gewohnten entfernen. Ihr Werk enthält die Nachbildung der erhebenden 
Verkünder menschlicher Übernormalität in der Kunst, wie auch der bedrückenden 
Zeugen des Überschreitens der Norm in der Psychose. Allein die von dem Gewohnten 
abweichenden seelischen Erscheinungen, Psychose und Kunst, ihrem Wesen nach gleich- 
zusetzen, hiefse die beiden Pole des Lebens, Zersetzung und Gestaltung, verkennen. 


Neunte Sitzung am 28. November 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 28 Mitglieder. 

Das Ergebnis der zu Beginn der Sitzung vorgenommenen Neuwahl 
der Beamten für 1908 ist auf S. 31 zusammengestellt. 

Der Vorsitzende teilt mit, dafs in Freiberg eine geologische 
Gesellschaft gegründet worden ist. 

An die Sitzung schliefst sich eine Besichtigung des heimatkundlichen 
Schulmuseums mit der Sonderausstellung: ,,Die Elbe und ihre Be- 
deutung für Dresden“, unter Führung und eingehendster Erläuterung 
durch die Herren, welche die einzelnen Abteilungen zusammengestellt haben. 


Zehnte Sitzung am 19. Dezember 1907. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 67 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude berichtet als Vertreter der Tsis im 
Bund „Heimatschutz“ über die neue Organisation und die Arbeiten 
des Bundes im Verlauf des Jahres. 

Prof. Dr. K. Heller spricht über seine Ausflüge auf den Inseln 
Gran-Canaria und Tenerife, unter Vorführung von Lichtbildern. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Anfang Juni 1907 starb in Dresden Privatmann Gustav Moritz 
Calberla, der Senior der Isis-Mitglieder, aufgenommen in die Gesellschaft 
im Jahre 1846. 

Am 27. August 1907 starb Geh. Hofrat Prof. Leonidas Lewicki 
in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1875. 


BO 


Am 16. Oktober 1907 verschied Ingenieur Albert Hart mann in 
Dresden, wirkliches Mitglied seit 1896. 

Am 17. Oktober 1907 starb Geh. Rat Prof. a. D. Dr. Gustav Zeuner 
in Dresden, Ehrenmitglied seit 1874. 

Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Beier, Hermann, Bürgerschullehrer in Dresden, am 28. November 1907; 
Bruhm, Alfred, K. Forstassessor in Dresden, am 19. Dezember 1907; 
Ernemann, Alexander, Ingenieur in Dresden, am 24. Oktober 1907; 
Köckhardt, Walter, Gymnasiallehrer in Dresden, am 19. Dezember 1907; 
Neumann, Günter, Dr. phil., Seminarlehrer in Dresden, i am 28. No- 
Teucher, Alfred, Gymnasialoberlehrer in Dresden, 1 vember 1907; 
Wirth, Alexander, Dr. phil., Realschuloberlehrer in Dresden, am 24. Ok- 
tober 1907. 

In die korrespondierenden Mitglieder ist übergetreten: 

Schlaginhaufen, Otto, Dr. phil., z. Z. in Simpsonhafen, Deutsch-Neu- 
guinea. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellscliaftskasse 

zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bach mann, Plauen i.V., 
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blaschka, 
Hosterwitz, 3 Mk.; Apotheker Capelle, Springe, 6 Mk. 5 Pf.; Privatmann 
Ei sei, Gera, 3Mk.; Chemiker Dr. Haupt, Bautzen, 3 Mk.; Prof. Dr. Hibsch, 
Liebwerd, 3Mk.; Bürgerschullehrer Hof mann, Grofsenhain, 3 Mk.; Lehrer 
Hottenroth, Gersdorf, 3 Mk.; Kais. Geolog Dr. Mann, Berlin, 3 Mk.; 
Prof. Dr. Müller, Pirna, 3 Mk.; Prof. Naumann, Bautzen, 3 Mk. 5 Pf.; 
Privatmann Osborne, Starnberg, 3M.; Sektionsgeolog Dr. Petrascheck, 
Wien, 3 Mk.; Dr. Reiche, Santiago -Chile, 3 Mk.; Oberlehrer Seidel I, 
Zschopau, 4 Mk. ; Prof. Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Dr. med. Thümer, 
Karlshorst, 6 Mk. — In Summa 64 Mk. 10 Pf. 

G. Lehmann, 
Kassierer der „Isis“. 


31 


Beamte der Isis im Jahre 1908. 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Direktorium. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Als Sektionsvorstände: 

Prof. Dr. A. J acobi , 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, 

Oberlehrer Dr. P. Wagner, 

Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller, 

Prof. Dr. A. Lottermoser, 

Rektor Prof. Dr. R. Henke. 

Erster Sekretär: Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller. 

Zweiter Sekretär: Institutsdirektor A. Thümer. 

Verwaltungsrat. 

Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Mitglieder: Geh. Kommerzienrat L. Guthmann, 

Privatmann W. Putscher, 

Fabrikbesitzer E. Kühnscherf, 

Zivilingenieur R. Scheidhauer, 

Geh. Hofrat Prof. H. Fischer, 

Bankier A. Kuntze. 

Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Bibliothekar: Privatmann A. Richter. 

Sekretär: Institutsdirektor A. Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I. Sektion für Zoologie. 

Vorstand: Prof. Dr. A. J acobi. 

Stellvertreter: Prof. Dr. K. Heller. 

Protokollant: Lehrer H. Viehmeyer. 

Stellvertreter: Lehrer G. Dutschmann. 

II. Sektion für Botanik. 

Vorstand: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. 

Stellvertreter: Kustos Dr. B. Schorle r. 

Protokollant: Oberlehrer Dr. E. Lohrmann. 

Stellvertreter: Dr. A. Naumann. 

* 


32 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. P. Wagner. 

Stellvertreter: Dr. K. Wanderer. 

Protokollant: Dr. J. Uhlig. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Geifsler. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 

Vorstand: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Stellvertreter: Direktor H. Döring. 

Protokollant: Oberlehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Oberlehrer M. Klahr. 

V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie. 

Vorstand: Prof. Dr. A. Lottermoser. 

Stellvertreter: Direktor Dr. A. Beythien. 

Protokollant: Dr. H. Thiele. 

Stellvertreter: Fabrikbesitzer R. Jahr. 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 

Vorstand: Rektor Prof. Dr. R. Henke. 

Stellvertreter: Prof. Dr. A. Witting. 

Protokollant: Prof. Dr. E. Naetsch. 

Stellvertreter: Realschullehrer Dr. F. Wicke. 


Redaktionskomitee. 

Besteht aus den Mitgliedern des Direktoriums mit Ausnahme des 
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Sekretärs. 


Bericht des Bibliothekars. 


Im Jahre 1907 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt: 

A. Durch Tausch. 

(Die tauschende Gesellschaft ist verzeichnet, auch wenn im laufenden Jahre keine 
Schriften eingegangen sind.) 

I. Europa. 

1. Deutschland. 

Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. 

Annaber g- Buchholz: Verein für Naturkunde. 

Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. — 
37. Bericht. [Aa 18.] 

Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. 

Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. 

Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verband]., Jahrg.48. 
[Ca 6.] 

Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 58, Heft 2 — 4; 

Bd. 59, Heft 1 — 3; Monatsberichte 1907, Nr. 3 — 7. [Da 17.] 

Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Zeitschrift für Ethnologie, 38. Jahrg., Heft 6; 39. Jahrg., Heft 1 — 5; 
Gener.-Register zu Bd. 21—34. [G 55.] 

Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens 
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 63. Jahrg., 2. Hälfte. 
[Aa 93.] 

Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. ■ — Sitzungs- 
ber., 1906, 2. Hälfte. [Aa 322.] 

Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft. 

Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIX, Heft 1. 
[Aa 2.] 

Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 84. Jahresber. 

mit Ergänzungsheft. [Aa 46.] 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. XII, Heft 1. 
[Aa 80.] 

Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossherzogi. geologische Landes- 
anstalt. — Notizbl., 4. Folge, 27. Heft. [Fa 8.] 

Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landesteile. 

Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber. 1905 — 1906. 
[Aa 47.] 

Dresden: K. Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. 
Dresden: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Heft 5—6, und Mitglieder- 
verzeichnis 1907. [Fa 6.] 


34 


Dresden'. K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sachs. 

Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXVIII. [G 75.] 

Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mitteil., 
1906—1907. [Ha 9.] 

Dresden : K. Mineralogisch -geologisches Museum. 

Dresden : K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum. 

Dresden : K. Oeffentliche Bibliothek. 

Dresden : K. Tierärztliche Hochschule. — Bericht für das Jahr 1906, n. 
F. I. [Ha 26b.| — Bericht über das Veterinär wesen in Sachsen, 51. Jahrg. 
[Ha 26.] 

Dresden : K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht für das Studien- 
jahr 1905 — 1906; Verzeichnis der Vorlesungen und Uebungen samt 
Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1907, W.-S. 1907—1908. [Je 63.] 
— Personalverz. Nr. XXXV— XXXVI. [Je 63b.] 

Dresden: K. Sächs. meteorologisches Institut. 

Dürkheim'. Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz ,,Pollichia“. — 
Mitteil. LXIII, Nr. 22; H. Zwick: Grundlagen einer Stabilitätstheorie 
für passive Flugapparate und für Drachenflieger. [Aa56.] 
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 90. Jahresber. [Aa 48.] 
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. 
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrb., Heft XXXII 
u. XXXIII. [Aa 263.] 

Erlangen: Physikalisch -medizinische Sozietät. — Sitzungsber., 38. Band. 
[Äa 212.] 

Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht 
für 1907. [Aa 9 a.] — Festschrift zur Erinnerung an die Eröffnung 
des neu erbauten Museums d. Senckenberg. naturforsch. Ges. 1907. 
[Aa 9b.] 

Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresbericht für 1905 — 1906. 
[Eb 35.] 

Frankfurt a. O.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. 

Freiberg: K. Sächsische Bergakademie. — Programm für das 141. u. 142. 

Studienjahr. [Aa 323.] 

Fulda: Verein für Naturkunde. 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Bericht, 
n. F., medizin. Abt., Bd. 2; naturwissensch. Abt., Bd. 1. [Aa 26.] 
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., Bd. 25, Heft 2. [Aa 3.] 
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Codex diplo- 
maticus Lusatiae superioris, Bd. 81, Heft 3; Neues Lausitzisches 
Magazin, Bd. 83. [Aa 64.] 

Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 

— Jahreshefte, Bd. II, Heft 2. [G 113.] 

Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und 
Rügen. — Mitteil., 38. Jahrg. [Aa 68.] 

Greif sivald: Geographische Gesellschaft. — X. Jahresber.; Bericht über 
die Tätigkeit in den ersten 25 Jahren. [Fa 20.] 

Greiz: Verein der Naturfreunde. — Abhandl. u. Ber. V. [Aa 338.] 


35 


Guben : Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — 
Niederlausitzer MitteiL, IX. Bd., Heft 1 — 4; X. Bd., Heft 1—2. [G 102.] 
Güstrow: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — 
Archiv, Jahrg. 60, Abt. II, u. Jahrg. 61, Abt. I. [Aa 14.] 

Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. 

Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Heft XLIII. [Aa 62.] 

Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1907. [Fa 16.] 
Hamburg: Wissenschaftliche Anstalten. — Jahrbuch, XX III. Jahrg. mit 
Beiheft 1 — 5. [Aa 276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl. , III. Folge, 
14. Heft. [Aa 293.] — Abhandlungen aus dem Gebiete der Natur- 
wissenschaften, Bd. XIX, Heft 1 — 2. [Aa 293b.] 

Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. 
Hannover : Naturhistorische Gesellschaft. 

Hannover: Geographische Gesellschaft. — Zweiter Nachtrag zum Kataloge 
der Stadtbibliothek. 1906. [Fa 18.] 

Heidelberg : Naturhistorisch -medizinischer Verein. — Verhandl., Bd. VIII, 
Heft 3—4. [Aa 90.] 

Hof : Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde. 
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. 19. [Aa 88.] 
Karlsruhe : Badischer zoologischer Verein. 

Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. u. Bericht, Nr. LI. [Aa242.] 
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, 
Bd. XIII, Heft 2. [Aa 189.] 

Köln: Redaktion der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 43. [Aa 41.] 
Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 
47. Jahrg. [Aa 81.] 

Königsberg i. Pr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. 

Krefeld : Verein für Naturkunde. 

Landshut: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Leipzig: Naturforschende Gesellschaft.— Sitzungsberichte, 33. Jahrg. [Aa202.] 
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl., mathem.-phys. Klasse, LVIII. Bd., Heft 6—8; LIX. Bd., 
Lieft 1—3. [Aa 296. ] 

Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. 

Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. 

— Jahresheft XVII. [Aa 210.] 

Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Magdeburg: Museum für Natur- und Heimatkunde. 

Mainz: Römisch-germanisches Centralmuseum. 

Mannheim: Verein für Naturkunde. 

Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber., Jahrg. 1906. [Aa 266.] 

Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Mitteilungen aus 
den Sitzungen der Vereinsjahre 1906 — 1907. [Aa 319.] — Zusammen- 
stellung der Monats- und Jahresmittel der Wetterwarte Meissen im 
Jahre 1906. [Ec 40.] 


36 


München : Bayerische botanische Gesellschaft zur Erforschung der hei- 
mischen Flora. — Mitteil., Bd. II, Nr. 1 — 4; Berichte, Bd. XI. [Ca 29.] 
München: Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. — Mitteil., Jahrg. 

1907. [Fa 28.] — Zeitschrift, Bd. XXXVIII. [Fa 28b.] 

Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. 
Neisse : Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. — 33. Bericht. [Aa 28.] 
Nürnberg : Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. 1905; Abhand]., 
Bd. XVI. [Aa 5.] 

Offenbach : Verein für Naturkunde. 

Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Passau : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Posen : Deutsche Gesellschaft für Kunst u. Wissenschaft. — Zeitschr. der 
naturwissenschaftl. Abteilg., XIII. Jahrg., Heft 3; XIV. Jahrg., Heft 1 — 2. 
[Aa 316.] 

Pegensburg : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Regensburg : K. botanische Gesellschaft. 

Reichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde. 

Reutlingen : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Schneeberg : Wissenschaftlicher Verein. 

Stettin : Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt. 

Geflügelzucht, Jahrg. XXXI. [Bf 57.] 

Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jahrg. 63, mit 2 Beilagen. [Aa 60.] 

Stuttgart : Württembergischer Altertumsverein. 

Tharandt : Redaktion der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- 
wirts ch. Versuchsstationen, Bd. LXV, Heft 5 — 6; Bd. LXVI; Bd. LXVII, 
Heft 1 — 4. [Ha 20.] 

Thorn : Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mitteil., 
14. Heft. [Aa 145.] 

Trier : Gesellschaft für nützliche Forschungen. 

Tübingen : Universität. — Württembergische Jahrbücher für Statistik 
und Landeskunde, Jahrg. 1902 — 1906; 1907, Heft I. [Aa 335.] 

Ulm : Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. 

Ulm : Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. 
Weimar : Thüringischer botanischer Verein. • — Mitteil., n. F., 22. Heft. 
[Ca 23,] 

Wernigerode : Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 

Wiesbaden : Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 60. 
[Aa 43.] 

Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — - Sitzungsber., Jahrg. 
1906. [Aa 85.] 

Zerbst : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Zwickau: Verein für Naturkunde. — XXXIV. u. XXXV. Jahresber. [Aa 179.] 


2. Österreich-Ungarn. 

Aussig : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Bistritz : Gewerbelehrlingsschule. 

Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XLIV, u. 24. Bericht der 
meteorolog. Kommission. [Aa 87.] 


37 


Brünn'. Lehrerverein, Klub für Naturkunde. — Bericht VIII. [Aa 330.] 
Budapest : Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXXY1. 

köt., 10. — 12. füz.; XXXVII. köt., 1. — 8. füz. [Da 25.] 

Budapest'. K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. 

Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. 

Hermannstadt: Siebenbür gischer Verein für Naturwissenschaften. — Ver- 
handl. u. Mitteil., Jahrg. LV u. LVI. [Aa 94.] 

Iglo : Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrb., Jahrg. XXXIV. [Aa 198.] 
Innsbruck: Naturwissenschaftlich - medizinischer Verein. — Berichte, 
XXX. Jahrg. [Aa 171.] 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum für Kärnten. — Carinthiall, 
Mitteil., Jahrg. 96, Nr. 5 — 6; Jahrg. 97, Nr. 1 — 4. [Aa 42b.] 

Laibach : Musealverein für Krain. — Mitteil., Jahrg. XIX; Izvestja Let- 
nik XVI. [Aa 301.] 

Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 36. Jahresber. 
[Aa 213.] 

Linz: Museum Francisco-Carolinum. — 65. Bericht nebst der 59. Lieferung 
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.] 
Olmütz: Naturwissensch. Sektion des Vereins „Botanischer Garten“. 
Prag: Deutscher naturwissenschaftlich -medicinischer Verein für Böhmen 
„Lotos“. — Sitzungsber., Bd. XXVI u. naturwissenschaftl. Zeitschrift 
Lotos, 1. Bd., Nr. 1 — 3. [Aa 63.] 

Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch. Kl., 1906. [Aa 269.] — Jahresber. für 1906; 
[Aa 270.] 

Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Bericht 1906. 

[Aa 272.] — Pamätky archaeologicke, dil. XXII, ses. 3 — 6. [G 71.] 
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. — Jahresber. für 1906. 
[Ja 70.] 

P*ag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, trida II, 
rocnik XIV — XV. [Aa 313.] — Bulletin international, IX. annee, p. II; 
X. annee, p. I — II. [Aa 313b.] — A. Reychler: Chemie fysikälnä. 
[Aa 313 c.J — Baborovsky u. Plzäk: Elektrochemie. [Aa 313 d.] — 
K. Chodounsky: Nastuzeni a choroby z nastuzeni. [Aa 313 e.] — Pa- 
laeozoologie, 1. Bd.: Invertebrata; 2. Bd.: Vertebrata. [Aa 313 f.J — 
Katalog der Fossilia vertebrata Bohemiae. [Aa 313g.] 

Presburg: Verein für Heil- und Naturkunde. 

Peichenberg: Verein der Naturfreunde. 

Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mitteil., Bd. XLV1 
u. XLVII. [Aa 71.] 

Temesvar: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- 
zettudomänyi Füzetek, XXX. evol., füz. 3 — 4; XXXI. evol., füz. 1 — 2. 
[Aa 216.] 

Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Komitates. 
Triest: Museo civico di storia naturale. 

Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1906, Nr. 25—27. 
[Aa 11.] 

Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — 
Schriften, Bd. XLVII. [Aa 82.] 


38 


Wien : K. k. naturhist. Hofmuseum. — Annalen, Bd. XX, Nr. 4; Bd. XXI, 
Nr. 1—2. [Aa 280.] 

Wien: Anthropologische Gesellschaft. 

Wien: K. k. geologische Reichsanstalt. — Verhandl., 1906, Nr. 13 — 18; 
1907, Nr. 1—10. [Da 16.] — Jahrbuch, Bd. LVI1. [Da 4.] — Ab- 
handh, Bd. XVIII, Heft 2. [Da 1.] 

Wien : K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft — Verhandl., Bd.L VI. [Aa 95.1 
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. — Mitteil. 1905, 
Nr. 1 — 3; 1906, Nr. 7 — 10; 1907, Nr. 1—11; Festschrift zur Feier des 
25jährigen Bestandes. [Aa 274.] 

Wien: K. k. Zentral-Anstalt für Meteorologie und Geodynamik. — Jahr- 
bücher, Jahrg. 1905. [Ec 82.] 

3. Rumänien. 

Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Analele, tomul XVIII. 
[Ec 75.] 

4. Schweiz. 

Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft. 

Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XIX. Heft 1 — 2. 
[Aa 86.] 

Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mitteilungen, Nr. 1609 — 1628. 
[Aa 254.] 

Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, HeftXVI. [Ca 24.] 
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 
89. Jahresversamml. [Aa 255.] 

Cliur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. — 49. Jahresber. [Aa51.] 
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. 

Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Memoires: Bo- 
tanik, Bd. 11, Heft 2 — 3; Geologie, Bd. IV, Heft 3; Chemie, Bd. II, 
Heft 3 — 4; Bd. III, Heft 1. [Aa 264b.] 

St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 5. ser., 
vol. XLII, no. 156—157; vol. XLI1I, no. 158- 160. [Aa 248.] 
Neuchatel: Societe Neuchäteloise des Sciences naturelles. 

Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitteil., 
Bd. XI, Heft 5 u. 6. [Bk 222.] 

Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. — Bulletin, 
fase. XXXIV mit SuppL [Ca 13.] 

Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 51, 
Heft 2 — 4; Jahrg. 52, Heft 1 — 2. [Aa 96.] 

5. Frankreich. 

Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. 

Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Proces-verbaux, 
annee 1905 — 1906; Cinquantenaire 1906. [Aa 253. | — Observations 
pluviometriques et thermometriques 1905 — 1906. [Ec 106.] 


39 


Cherbourg'. Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. — 
Memoires, tome XXXV. [Aa 137.] 

Dijon : Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, ser. 4, 
tome X. [Aa 138.] 

Le Mans : Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. 

Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 52 u. 53. [Aa 132.] 

Lyon: Societe d’agriculture, Sciences etindustrie. — Annales 1905. [Aa 133.] 
Lyon: Academie des Sciences, belles -lettres et arts. 

Paris : Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXX. [Ba 24.] 
Toulouse : Societe Fran^aise de botanique. 

6. Belgien. 

Brüssel : Societe royale zoologique et malacologique de Belgique. 

Brüssel : Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 50. [Bk 13.] 
Brüssel : Societe Beige de geologie, de paleontologie et d’hydrologie. — 
Proces-verbaux, tome XX, fase. 3—5; tome XXI, Jan. — Juli; tables 
generales des matieres des tomes I — XX. [Da 34.] 

Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome 43, 
[Ca 16.] 

Gembloux: Station agronomique de l’etat. 

Lüttich : Societe geologique de Belgique. — Annales, tome XXXIII, livr. 3; 
tome XXXIV, livr. 1—2. [Da 22.] 

7. Holland. 

Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. 

Groningen *. Natuurkundig Genootschap. — Verslag 106. [Je 80.] — 
Centralbureau voor de Kennis van de provincie Groningen en om- 
gelegen streken. Bijd ragen, deel II, stuk 3. [Aa 333.] 

Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. X, p. 4; vol. XI, p. 1. [Aa 217.] 
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises des 
Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome XII. [Aa 257.] 

8. Luxemburg. 

Luxemburg: Societe botanique du grandducke de Luxembourg. 
Luxemburg: Institut grand-ducal. — Archives trimestrielles, fase. III — IV. 
[Aa 144.] 

Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde ,, Fauna“. — Mitteil., 
16. Jahrg. [Ba 26.] 

9. Italien. 

Brescia: Ateneo. — Commentari per l’anno 1906. [Aa 199.] 

Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — ßollettino, fase. 

XCII— XCIV. [Aa 149b.] — Atti, serie IV, vol. XIX. [Aa 149.] 
Florenz: Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXXVIII, 
trimestre I — II. [Bk 193.] 

Mailand : Societä Italiana di scienze naturali. 

Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2, 
vol. XXXIX, fase. 17 — 20; vol. XL, fase. 1 — 16. [Aa 161.] — Memorie, 
vol. XX, fase. 9. [Aa 167.] 

Modena: Societä dei naturalisti. 


40 


Padua : Accademia scientifica Veneto-Trentino-Istriana. — Atti, nuova 
serie, anno III, fase. 1 — 2; anno IV, fase. 1 — 2. [Aa 193.] 

Palermo : Societa di scienze naturali ed economiche. 

Parma: Redaktion des Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
anno XXXII, no. 10 — 12 mit Titel, Index u. Bibliografia; anno XXXIII, 
no. 1 — 10. [G 54.] 

Pisa : Societa Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XVI, 
no. 1—5. — Memorie, vol. XXII. [Aa 209.] 

Rom : Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, vol. XI, 2. sem., fase. 5; 
vol. XV, 2. sem., fase. 11—12; Rendic. sol. d. 3. giugno 1907; Rendic., 
vol. XVI, 1. sem., fase. 1 — 12; 2. sem., fase. 1 — 11. [Aa 226.] 

Turin : Societa meteorologica Italiana. — Bolletino bimensuale, vol. XXV, 
no. 11 — 12; vol. XXVI, no. 1 — 7; Bolletino meteorologico e geodina- 
mico dell’osservatorio del Real Collegio Carlo Alberto, Moncalieri, 1906, 
Dez.; 1907, Jan. — Sept.; Pubblicazione del Real Collegio: Dr. C. Albera, 
Riassunto delle osservazioni meteorologiche fatte al Grand Hotel du 
Mont Cervin durante la stagione estiva 1906. [Ec 2.] 

Venedig: R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti. 

Verona: Accademia d’agricoltura, scienze, lettere, arti e commercio di 
Verona. - — Atti e Memorie, ser. IV, vol. V, fase. II; vol. VI e append. 
al vol. IV u. V della ser. V. [Ha 14.] 

10. Rrofsbritannien und Irland. 

Dublin: Royal Irish academy. — Proceedings, vol. XXVI, sect. A, no. 2; 

sect. B, no. 6—10; vol. XXVII, sect. A, no. 1 — 3. [Aa 343.] 

Dublin: Royal geological society of Ireland. 

Edinburg: Geological society. — Transactions, vol. IX, p. 1. [Da 14.] 
Edinburg: Scottish meteorological society. 

Glasgow: Natural history society. 

Glasgow: Geological society. 

Manchester: Geological and mining society. 

Newcastle-upon-Tyne: Natural history society of Northumberland, Durham 
and Newcastle-upon-Tyne. — Transactions, new ser., vol. I,p. III. [Aal26.] 

11. Schweden. 

Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 27. 
[Bk 12.] 

Stockholm: K.Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Mänadsblad, 
1903 — 1905. [G 135b.] — Fornvännen meddelanden, 1906. [G 135c.] 
TJpsala: Geological institution of the university. 

12. Norwegen. 

Bergen: Museum. — Aarbog 1906, 3. Heft; 1907, 1. — 2. Heft; Aarsberet- 
ning 1906. [Aa 294.] 

Christiania: Universität. 

Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmärkers bevaring. — 
Aarsberetning 1906. [G 2.] 

Christiania: Redaktion des Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. — Nyt 
Mag., Bind 44, Heft 4; Bind 45, Heft 1 — 2. [Aa 340.] 

Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1905; Aarshefter 28. [Aa 243.] 


41 


13. Rufsland. 

Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. 

— Bulletin, tome XXVI. [Aa 259.] 

Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. 

Kharkoff : Societe des naturalistes a l’universite imperiale. 

Kieiv: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XX, livr. 2. [Aa 298.] 
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, 1905, no. 4; 1906, 
no. 1 — 4. [Aa 134.] 

Odessa : Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. 

Petersburg : Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome 
XXVII, fase. 1. [Ca 10.] 

Petersburg : Comite geologique. 

Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, 1904. [Ec 7.] 
Petersburg : Academie imperiale des Sciences. — Bulletins, tome XXII - XXIV 
u. Jahrg. 1907, no. 1—17. [Aa 315.] 

Petersburg : Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., 2. Ser., 
Bd. 44, Lief. 1 — 2. [Da 29.] — Travaux de la section geologique du 
cabinet de Sa Majeste, vol. VI, livr. 2. [Da 29c.] 

Riga : Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt IL u. L. [Aa 34.] 


IX® A m erika. 

1. Nordamerika. 

Albany: University of tlie state of New- York. — State Museum report, 
no. 57—58. [Aa 119.] 

Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XXIII, 
no. 186, 187, 189, 191 — 198. [Aa 278.] — American journal of mathe- 
matics, vol. XXVIII, no. 2 — 4; vol. XXIX, no. 1 — 3. [Ea 38.] — 
American Chemical journal, vol. 35, no. 5—6; vol. 36 — 37; Gener. 
Index für vol. 11 — 20. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. 
Science, ser. XXIV, no. 3 — 12; ser. XXV, no. 1 — 5. [Fb 125.] — American 
journal of philology, vol. XXVII; vol. XXVIII, no. 1 — 2. [Ja 64.] — 
Maryland geological survey, vol. pliocene and pleistocene. [Da 35.] 
Berkeley: University of California. — Departement of geology: Bulletin, 
vol. IV, no. 14 — 19; vol. V, no. 1 — 8; Publications: Issued quarterly, 
vol. VIII, no. 2. [Da 31.] — College of agriculture: Bulletin 177 — 187. 
[Da 31b.] — Botany, vol. II, pag. 237 — 308. [Da 31c.] — Pliysiology, 
vol. III, pag. 38 — 60. [Da 31 e.] — Pathology, vol. I, no. 8 — 9. [Da 31 f.] 
Boston : Society of natural history. — Proceedings, vol. 32, no. 3—12; 
vol. 33, no. 1 — 2. [Aa 111.] — Occasional papers, vol. VII, no. 4 — 7. 
[Aa 111b.] 

Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser., 
vol. XLII, no. 13 — 29; vol. XLIII, no. 1 — 6. [Aa 170.] 

Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. VIII, no. 4 — 5. [Aa 185.] 
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. XLIII, no. 5; 

vol. L, no. 6 — 9; vol. LI, no. 1 — 6; Annual report 1905 — 1906. [Ba 14. 
Chicago: Academy of Sciences. — Bulletin, no. IV, p. 2; no. VI. [Aa 123b. 
Chicago: Field Columbian museum, — Publications no. 117 — 120. [Aa 324. 


42 


Davenport : Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. XL [Aa 219.] 
Halifax : Nova Scotian institute of natural Science. 

Lawrence: Kansas university. — Science Bulletin, vol. IV, no. 1 — 6. 
[Aa 328.] — Geological survey, vol. VIII. [Aa 328b.] — Annual bulletin 
of the mineral resources of Kansas 1902 u. 1903. [Aa 328c.] 
Madison: Wisconsin academy of Sciences, arts and letters. — Transactions, 
vol. XV, p. 1. [Aa 206.] 

Mexiko : Sociedad cientifica ,, Antonio Alzate“. — Memorias y Revista, 
tomo XXII, no. 7—12; tomo XXIII, no. 5 — 12; tomo XXIV, no. 1 — 9. 
[Aa 291.] 

Milwaukee: Public museum of the city of Milwaukee. — Annual report 
25. [Aa 233 b.] 

Milwaukee: Wisconsin natural liistory society. — Bulletin, new ser., 
vol. V, no. 1—3. [Aa 233.] 

Montreal: Natural liistory society. 

Neiv-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions, 
vol. XII; vol. XIII, pag. 1— 46, 149 — 297. [Aa 124.] 

Neiv-York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XVII, p. 1. [Aa 101.] 
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol.LVIII, p. 2—3; 
vol. LIX, p. 1. [Aa 117.] 

Philadelphia : American pliilosophical society. — Proceedings, vol. XLV, 
no. 183—184; vol. XLVI, no. 185 — 186; The Franklin bicentennial 
celebration. [Aa 283.] 

Philadelphia: Wagner free institute of Science. 

Philadelphia: Zoological society. — Annual report 35. [Ba 22.] 
Pochester: Academy of Science. 

Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XVII. [Da 28.] 
Salem: Essex Institute. 

San Francisco : California academy of Sciences. 

St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. XV, no. 6; vol. XVI, 
no. 1 — 7. [Aa 125.] 

St. Louis: Missouri botanical garden. — Annual report 1906. [Ca 25.] 
Topeka: Kansas academy of Science. — Transactions, vol. XX, p. 2. [Aa 303.] 
Toronto: Canadian institute. 

Tafts College. 

Washington: Smithsonian institution. — Annual report 1905. [Aa 120.] 
— Report of the U. S. national museum 1905, 1906. [Aa 120c.] 
Washington: United States geological survey. 

Washington: Bureau of education. 

2. Südamerika. 

Buenos- Aires: Museo nacional. — Anales, ser. 3, tomo VI u. tomo VIII. 
[Aa 147.] 

Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo LXII, entr. 

2 6; tomo LXIII; tomo LXIV, entr. 1. [Aa 230.] 

Cordoba: Academia nacional de ciencias. 

Im Plata: Museum. — Revista, tomo XT. [Aa 308.] — Anales: Seccion 
palaeontologica V, seccion botanical. [Aa 308b.] 

Montevideo: Museo nacional. — Flora Uruguaya, tomo III, entr. 1 — 2. 
[Aa 326.] 


43 


Rio de Janeiro : Museo nacional. 

San Jose : Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. 
Sao Paulo : Commissäo geographica e geologica de S. Paulo. 

Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein. 


111. Asien, 

Batavia: K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor 
Nederlandsch Indie, Deel 66. [Aa 250.] 

Calcutta: Geological survey of India. — Records, voh XXXIV, p. 3 — 4; 
vol. XXXV, p. 1 — 4. [Da 11.] — Annual report of the board of scien- 
tific advice for India 1905—1906. — Palaeontologia Indica, new ser., 
vol. II, no. 3; vol. V, no. 2. [Da 9.]i 
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 


IV- Australien. 

Melbourne: Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary 
for mines 1906. [Da 21.] 


B. Durch Geschenke. 

Ambronn, G.: Die geologischen Verhältnisse und die chemische Zusammen- 
setzung der Pyroxenquarzporphyre und der Pyroxengranitporphyre im 
Leipziger Kreise. Inaug.-Dissert. 1907. [De 255.] 

Arldt, Th.: Die Gestalt der Erde. Sep. 1905. [Fb 145.] 

Arldt, Th. : Die tiergeographischen Reiche und Regionen. Sep. 1906. [Bb 68.] 
Arldt, Th.: Grundgesetze des Erdreliefs. Sep. 1906. [Fb 145b.] 

Arldt, Th.: Parallelismus auf der Erdoberfläche. Sep. 1906. [Fb 145c.] 
Arldt, Th.: Parallelismus der Inselketten Ozeaniens. Sep. 1906. [Fb 145 d. | 
Arldt, Tli.: Die Gröfse der alten Kontinente. Sep. 1907. [Fb 145 e.] 
Arldt, Th. : Die antipodische Lage von Land und Meer. Sep. 1907. [Fb 145 f.] 
Arldt, Th.: kolvtol pst. Sep. 1907. [Ab 95.] 

Arldt, Tli.: Die Säugetierwelt Südamerikas. Sep. 1907. [Bb 68b.] 

Arldt, Tli.: Zerstreute Verbreitungsgebiete. Sep. 1907. [Bb 68c.] 

Arldt, Th.: Paläogeographisches zum Stammbaum des Menschen. Sep. 1907. 
[Bd 35.] 

Arldt, Th.: Die älteste Säugetierfauna und ihre Beziehungen. Sep. 1907. 
[Dd 152.] 

Arldt, Th.: Der Baikalsee und seine Lebewelt. Sep. 1907. [Bb 68d.] 
Arldt, Tli.: Die Entwicklung der Kontinente und ihrer Lebewelt. 1907. 
[Bb 68 e.] 

Barrande, J.: Systeme silurien du centre de la Boheme, vol. IV, Gastero- 
podes, tome II. [Dd 3.] 

Bergt, W.: Dr. Hermann Obst f. Sep. 1906. [Jb 94.] 

Bergt, W.: Die Abteilung für vergleichende Länderkunde am Städtischen 
Museum für Völkerkunde zu Leipzig. Sep. 1906. [Je 119.] 

Block, G.: Tafeln zur Berechnung der Störung einer Gruppe kleiner Planeten 
durch Saturn. 1907. [Ea 54.] 


44 


Boddaert, D.\ Misure magnetiche nei dintorni di Torino. Sep. 1907. 
[Ec 107.] 

Bohlin, K.: Der zweite Sternhaufen im Herkules Messier 92. 1906. [Ea52b.] 
Bolilin, K.: Versuch einer Bestimmung der Parallaxe des Andromeda- 
Nebels. Sep. 1907. [Ea 52 c.] 

Brüssel : Observatoire royal de Belgique. — Annales, nouv. ser.: Physique 
du globe, tome III, fase. 2. [Ea 51b.] — Annales astronom., tome IX, 
fase. 2 — 3; tome XI, fase. 1. [Ea 51c.] — Annuaire astronomique 
pour 1907. [Ea 51.] — Les observatoires astronomiques et les astro- 
nomes. [Ea 51 d.] 

Curdy, H. u. Castle, W.: Selection and cross -breeding in relation to 
the inheritance of coat-pigments and coat-patterns in rats and Guinea- 
pigs. [Bc 50 c.] 

Deichmüller, J.\ Die Gegend von Dresden in vorgeschichtlicher Zeit. 
Sep. 1907. [G 1 19 e.] 

Dresden: Kgl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft. — Bericht über 
Verwaltung und Vermehrung während der Jahre 1904 und 1905. 
[Je 77.] 

Drude, O.: Carl v. Linne, sein Leben und Wirken. Sep. 1907. [Jb 95.] 
Drude, O.: Die kartographische Darstellung mitteldeutscher Vegetations- 
formen: I. Weinböhla, II. Zschirnsteine, III. Altenberg. 1907. [Cd 131.] 
Ehler, E.\ Der Arsengehalt der „Maxquelle“ in Bad Dürkheim a. d. Haardt. 
Sep. 1907. [Ed 71.] 

Engelhardt , H.: Musophyllum Kinkelini. Sep. 1907. [Dd 94 aa.] 

Geinitz, E.: Die Eiszeit. 16. Heft der Sammlung naturwissenschaftlicher 
und mathematischer Monographien. Braunschweig 1906. [De 217 s.] 
Henriksen, G.: Sundry geological problems. 1906. [De 250b.] 

Kuntze, A. : Tabelle zum Bestimmen der Arten der Gattung Empis. Sep. 
1906. [Bk 249.] 

Lima : Cuerpo de ingenieros de minas del Peru. — Boletin 41, 44 — 49, 
51—54. [Aa 337.] 

Lissauer, A. : 3. u. 4. Bericht über die Tätigkeit der von der deutschen 
anthropol. Gesellsch. gewählten Kommission für prähistorische Typen- 
karten. Sep. 1906. [G 149.] 

Ludwig, F.: Weiteres zur Biologie von Helleborusfoetidus. Sep. 1907. [Cg 35.] 
Menzel, P.: Ueber die Flora der Senftenberger Braunkohlen- Ablagerungen. 
Abhandl. der Kgl. Preufs. geolog. Landesanstalt und Bergakademie, 


Heft 46. 1906. [Dd 151.] 

Monaco : Institut oceanographique. — Bulletins 87 — 108. [Aa 336.] 

Naumann, E. u. Picard, E.: Ueber Ablagerungen der Ilm und Saale vor 
der ersten Vereisung Thüringens. Sep. 1907. [De 254. 

Neander, A.: Ueber die jährliche Parallaxe des Doppelsternsystemes 
6 Cygni. Sep. 1907. [Ea 55.] 

Raleigh: Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XII, no. 3—4; 
vol. XIII, no. 2. [Aa 300.] 

Schlaginhaufen, O.: Das Hautleistensystem der Primatenplanta unter Be- 
rücksichtigung der Palma. Sep. 1905. [Bc 52.] 

Schlaginhaufen, O.: Ueber eine Schädelserie von den Marianen. Sep. 1906. 
[Bc 52 b.] 

Schlaginhaufen, O.: Beschreibung und Handhabung von Bud. Martins 
diagraphentechnischen Apparaten. Sep. 1907. [Bc 52 c.] 


45 


Schlaginliaufen, 0.\ Ein Fall von Ossifikation des Ligamentum apicis dentis 
epistrophei beim Menschen und entsprechende Bildungen bei den Affen. 
Sep. 1907. [Bc 52 d.] 

Stöpel, Th.: Eine Reise in das Innere der Insel Formosa und die erste 
Besteigung des Niitakayama Weihnachten 1898. Ueberreicht vom 
deutschen wissenschaftl. Vereine zu Buenos-Aires. [Fb 144.] 

Tower, W.: An investigation of evolution in Chrysomelia Beetles of the 
genus Leptinotarsa. 1906. [Bk 250.] 

Walton, L. B.\ The metathoracic pterygoda of the hexapoda and their 
relation to the wings. Sep. 1901. [Bk 248.] 

Wandolleck, B.: Eine bucklige Testudo graeca L. Sep. 1904. [Bg 30.] 


C. Durch Kauf. 


Abhandlungen der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft, Bd. XXIX, 
Heft 2. [Aa 9.] 

Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, neue Folge, Bd. VIII, 
Heft 3—4; Bd. IX, Heft 1-2. [G 1.] 

Anzeiger , zoologischer, Jahrg. XX. [Ba 21.] 

Berichte des westpreufsischen botanisch-zoologischen Vereins. — Bericht 29. 
[Aa 341.] 

Bronn' 's Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. II, Abt. 3 (Echino- 
dermen), Lief. 74—77; Bd. III (Mollusca), Lief. 90 — 94; Suppl. (Tunicata), 
Lief. 73 — 80; Bd. IV (Vermes), Lief. 75 — 91; Suppl. (Nemertini), Lief. 
27—29; Bd. Y (Crustacea), Abt. 2, Lief. 78—79. [Bb 54.] 
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1907. 
[Fa 19.] 

Hedwigia , Bd. 45. [Ca 2.] 

Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, Jahrg. 42. [Fa 5.] 

Prähistorische Blätter , Jahrg. XIX, Hf't. 1. [G 112.] 

Prometheus , No. 899 — 946. [Ha 40.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftliche, Bd. XX. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift , allgemeine, für Entomologie, Bd. XII. [Bk 245.] 

Zeitschrift für die Naturwissenschaften, Bd. 79. [Aa 98.] 

Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 24. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XXV. [Ee 16.] 
Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 57. [Ca 8.] 

Zeitung , botanische, Jahrg. 65. [Ca 9.] 

Abgeschlossen am 23. Dezember 1907. 


A. Richter, 
Bibliothekar der „Isis“. 


Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der 
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag 
von 3 Mark können eine grofse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung 
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio- 
thekar entgegen. 



Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1907. 



I. Ozeanien, die Heimat des Neolithikers. 

Von Dr. W. Hentsehel. 


Es war mir vergönnt, unter diesem Titel in der prähistorischen Sektion 
der Isis am 21. Februar d. J. einen Vortrag zu halten, über den ich hier 
kurz berichte, um noch einige Bemerkungen an das Vorgetragene zu knüpfen. 

Nachdem sich die Erkenntnis von der Abstammung der indogräko- 
italischen, wie der slawischen und keltischen Völker von den steinzeitlichen 
Bewohnern der Ostseeküste mehr und mehr befestigt hat, ist in neuerer 
Zeit auch die Frage nach der Urheimat des Neolithikers besprochen worden. 
Wenn die Ostseeländer während eines nicht zu weit zurückliegenden Zeit- 
raumes unter dem Nordlandeise begraben lagen, so können ihre Bewohner 
erst während eines jüngeren Abschnittes der Steinzeit ihre Küstensitze 
bezogen haben; es fragt sich, von wannen sie gekommen sind? 

Als erster hat sich zu dieser Frage meines Wissens Wilser geäufsert, 
der früher an Mitteleuropa dachte, neuerdings auf den Westen des Erd- 
teils als die Heimat des Neolithikers hinwies. Penka neigt derselben 
Meinung zu, indem er betont, der Osten Europas käme deshalb nicht in 
Betracht, weil derselbe schon während der Eiszeit den gleichen kontinen- 
talen Charakter getragen habe wie heute, während die Ostseerasse, die 
wir im heutigen Norddeutschland und Skandinavien vor Augen haben, auf 
die Dauer nur in einem Seeklima gedeiht: in Norwegen besser als in 
Schweden, im Norden Deutschlands besser als im Süden, in Kalifornien 
mit seinem gleichmäfsig warmen Klima besser als im kontinentalen Amerika. 

Zu demselben Ergebnis ist auch die Sprachvergleichung gelangt, wenn 
sie eine Reihe durchgreifender indogermanischer Sprachgleichungen auf- 
stellte, die sich auf Gegenstände beziehen, die nur den Bewohnern des 
europäischen Westens bekannt sein konnten, z. B. die Buche, die an die 
mitteleuropäische Kalkzone gebunden ist und östlich der Linie Königsberg- 
Krim nur noch ausnahmsweise vorkommt, unter den Fischen Aal und 
Lachs, die ostwärts über das Stromgebiet des Schwarzen Meeres hinaus 
nicht mehr angetroffen werden u. a. 

Wie man sieht, richten sich diese sprachlichen Fingerzeige noch gegen 
die alte Theorie von der vorderasiatischen Heimat der Indogermanen, für 
die engere Entscheidung für dieses oder jenes Ländergebiet kommen sie 
nicht in Betracht. 

Indessen konnte Wilser sowohl als auch Penka eine Reihe von Argu- 
menten Vorbringen, die dafür sprachen, dafs der Neolithiker aus dem 
diluvialen Renntierjäger Westeuropas hervorgegangen sei. Hinter seinem 
sich in nördlichere Regionen zurückziehenden Jagdtiere her sei er während 


4 


der nacheiszeitlichen Jahrhunderte bis an die Nordsee vorgedrungen, wo 
er feste Wohnplätze bezogen und sich schrittweise auf eine immer höhere 
Stufe konstitutiver und kultureller Entwicklung emporgehoben habe. Tat- 
sächlich hat man in den ältesten dänischen Muschelhalden aus der Kiefer- 
periode (Fund bei Magiemose) die früher in jenen Abraumhaufen ver- 
mifsten Renntierstangen gefunden, wie auch einige an die mitteleuropäische 
Renntierkultur anklingende Geräte und Schmuckstücke. 

Gegen diese durchaus nicht unbefriedigende Ansicht erheben sich bei 
genauerer Betrachtung indessen einige Bedenken. Es ist nämlich auffällig, 
dafs sich die Kjökkenmöddinger fast immer nur in der Nähe des Strandes 
finden ; wo man sie aber im Lande gefunden hat, da liefs sich ihre nach- 
trägliche Verlegung durch Landerhebungen nachweisen. Die Bewohner 
jener alten Wirtschaftsstätten müssen also wohl ein Seefahrervolk gewesen 
sein; dafür spricht auch der Umstand, dafs die Abfallhaufen neben den 
Resten zahlreicher Landtiere vornehmlich aus Muschelschalen und Fisch- 
resten bestehen, und dafs sich unter den letzteren auch solche nachweisen 
liefsen, die von Hochseefischen herrühren. Die Menschen, die diese Spuren 
hinterlassen haben, waren der See vertraut, sie waren nicht zufällig hierher 
geraten; wären sie wirklich die Enkel des mitteleuropäischen Renntier- 
jägers, so wäre der Grund nicht einzusehen, weshalb sie sich unter allen 
ihnen zu Gebote stehenden Plätzen gerade die Seeküste ausgewählt hätten. 
Die Geschichte der Seevölker lehrt uns ja, dafs sie sich in keinem Falle 
über Nacht aus landsässigen Völkern entwickelt haben. Die Chinesen 
haben viele Jahrhunderte ihre wohlgelegenen Küstengebiete bewohnt, ohne 
jemals seemächtig zu werden, und wenn man an den Japanern anderes 
gesehen hat, so weifs man, dafs hier altes Malayenblut mitspricht und 
dafs die insulare Einspinnung der Japaner eine durch historische Ereig- 
nisse bedingte vorübergehende Erscheinung war. Wir haben vielmehr Grund 
zu der Annahme, es sei dem Menschengeschlecht im Laufe seiner Ent- 
wicklung überhaupt nur ein einziges Mal beschieden gewesen, sich mit 
der See zu vertrauen, so dafs sich alle seefahrenden Völker von dieser 
bestimmten Menschengruppe herleiten, deren Heimat, ich darf es nun 
aussprechen, in Ozeanien gelegen hat. Dahin möchte ich auch die Heimat 
des Neolithikers der Ostseeküste und mittelbar des geschichtskräftigen 
Menschen, der arischen Rasse verlegen. 

In der Südsee hatte sich schon während des Diluviums aus der 
Kreuzung der schwarzen und gelben Menschenrasse jener entwicklungs- 
fähige ozeanische Typus von grofser Variationsbreite gebildet, dem das 
Angebinde der Seeherrschaft in die Wiege gelegt worden war. 

Dieser von mir vor Jahren vorgetragene rein hypothetische Gedanke 
ist in letzter Zeit wiederholt durch ethnologische, mythologische und 
baugeschichtliche Entdeckungen bestätigt worden. So hat Frobenius nach- 
gewiesen, dafs die Sonnenmythen aller Völker von einem ozeanischen 
Mittelpunkte aus entsprungen sind. Von hier aus haben sie sich (als die 
Weltanschauungen und Rechtfertigungsgedanken erobernden Seenomaden) 
über alle Küsten und Länder verbreitet. Klemm hat ihre Träger die 
aktiven Völker genannt, Lippert nennt sie die uranischen, ich habe sie die 
heroische Völkergruppe genannt; und es ist sehr auffällig, dafs ihr von 
mir aufgestellter Stammbaum sich mit der Frobeniusschen Mythentafel 
vollkommen deckt, auffällig, indessen nicht verwunderlich, wenn man sich 
dem vorgetragenen Gedanken anschliefst. 


5 


Tut man das, so hat man keinen Grund, nicht auch den Neolithiker 
als einen Sprofs des ozeanischen Yölkerstammes anzusehen, der im Ver- 
laufe diluvialer Klimaschwankungen, wahrscheinlich über Afrika, nach 
Europa vorgedrungen ist. Im Südosten von Afrika hat man steinzeitliche 
Kulturschichten gefunden, die dem Reichtum und der Gliederung nach 
mit denjenigen des Ostseegebietes wetteifern, und in Nr. 1 der Zeitschrift 
für Ethnologie von 1905 hat Ankermann den Zusammenhang westafrika- 
nischer und ostpapuanischer Kulturschichten behauptet. Frobenius hat 
freilich darauf erwidert: es beständen ja die intimsten Beziehungen zwischen 
westafrikanischen und westeuropäischen Altertümern, aber das kann doch 
den nicht Wunder nehmen, der beide Küstenkulturen von Ozeanien her- 
leitet; zwei einer dritten ähnliche Gröfsen müssen doch auch unter sich 
ähnlich sein. 

Wir dürfen annehmen, der neue Mensch habe sich längs des Roten 
und Mittelländischen Meeres oder gar durch Afrika nach dem Nordwesten 
vorgeschoben, er habe sich im südlichen Europa unter Vermischung mit 
negroiden Elementen zum homo mediterraneus umgebildet (der Cro 
Magnon-Rasse), an den entlegenen Gestaden der Ostsee sich aber in 
glückverheifsender Vereinsamung und Ruhe zu dem wüchsigen Reis ent- 
wickelt, aus dem sich in der Folge die indogermanischen Völker abzweigten. 

Für diese Auffassung spricht der freilich negative Umstand, dafs die 
Wissenschaft bisher nicht in der Lage war, eine organische Entwicklung 
des Neolithikers nachzuweisen; was man in solchem Sinne vorgetragen 
hat, beruht auf Schein; man vergleicht verschiedene diluviale Funde und 
bildet sich eine willkürliche Skala, an deren Ende man den neolithischen 
Menschen als die Krone einer hypothetischen Entwicklungsreihe setzt. 

Im Gegensätze dazu hat es den Anschein, als sei der neue Mensch 
gewappnet und fertig ans Land gestiegen; wo er in der Folge Abände- 
rungen erleidet, da geht es mit ihm nicht bergauf, sondern bergab, da 
wird sein Wuchs kleiner, da schwinden seine Merkmale im Gefolge von 
Kreuzung mit minderwertigen Rassen und Kontraselektion. Er steht heute 
in seinen letzten Positionen vor dem Untergange und damit vor der Auf- 
gabe, nach den sein Dasein bedingenden Existenzgrundlagen zu suchen, 
nachdem die Geschichte von fünf Jahrtausenden bis zum Uberdrufs gezeigt 
hat, dafs er auf der historisch geschaffenen Grundlage seine Erfolge mit 
dem Untergange bezahlen mufs. 

Ich habe mit diesen Ausführungen mein Thema nicht erschöpft. Ich 
hatte mich in meinem Vortrage noch mit der interessanten Frage der 
Depigmentierung der nordischen Rasse beschäftigt, kann mich aber hier 
nicht dabei aufhalten, weil ich die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeit- 
schrift noch auf eine Entdeckung lenken will, die meines Erachtens ein 
helles Licht auf den hier behandelten Gegenstand wirft. Ich meine die 
von Paul Sarasin im ersten Doppelheft des laufenden Jahrganges der Zeit- 
schrift für Ethnologie aufgestellte Theorie vom Ursprünge des griechischen 
Tempels aus der Lobo, dem Männerhause von Celebes. 

Die Mitglieder der prähistorischen Sektion sind bereits in einer der 
letzten Sitzungen durch Herrn Oberbaurat Wiechel auf diesen interessanten 
Gegenstand hingewiesen worden, durch den eine durch zwei Jahrtausende 
gesponnene kunstgeschichtliche Frage ihren Abschlufs findet. Freilich 
lassen sich diese Dinge nur an der Hand der Sarasinsche.n Abbildungen 
würdigen und verstehen; dazu gehören noch weiter einige Erörterungen 

* 


6 


desselben Verfassers aus seiner trefflichen Schrift „Zur Einführung in 
das prähistorische Kabinett der Sammlung für Völkerkunde im Basler 
Museum“. Ich will es aber versuchen, hier ein gedrängtes Bild der 
Sarasinschen Wahrnehmungen zu geben. 

Derselbe nennt die neolithische Periode das „Zeitalter der Pfahl- 
bauten“; er vergleicht die rezenten Pfahlhäuser der Südsee mit denjenigen 
des neolithischen Zeitalters, deren Reste ja nicht blofs in Schweizer Seen, 
sondern, wenn auch in verminderter Form, im weitesten Umkreise der 
neolithischen Schichten nachgewiesen sind. 

Bei seinen Studien in Celebes fiel ihm auf, dafs die Pfahlhäuser 
daselbst hauptsächlich im Bereiche der Flutzone am Seegestade errichtet 
werden, darüber hinaus in Flüssen und Landseen, an Stellen, die gleich- 
falls bei Hochwasser überflutet werden. Die Bewohner erklärten ihren 
Brauch auf Befragen mit der Angabe, es sei ihr Vorteil, wenn der Ab- 
raum ihrer Häuser (den sie durch im Boden derselben angebrachte Öff- 
nungen fallen lassen) vom Wasser fortgespült würde. Der Reisende fand 
denn auch den Boden zwischen den Pfählen nach dem Rückzuge des 
Wassers rein gefegt und er ist der Ansicht, die ursprüngliche Absicht des 
Pfahlbaues habe sich auf diese primitive Kanalisation gerichtet. Der Pfahl- 
bau sei also ursprünglich an der Küste entstanden und habe sich auf dem 
Trocknen nur auf Grund der Konstanz der organischen Bildung erhalten; 
einige Vorteile mögen dazugekommen sein, z. B. der Schutz vor Ratten, die 
sich der Pfahlbauer durch glatte und abgerundete Kopfstücke an seinen 
Pfählen, die dem Echinus der dorischen Säule gleichen, vom Leibe hält. 

Diese Wahrnehmungen aus dem ozeanischen Inselgebiete sind, so 
meint Sarasin ungezwungen, auf unsere neolithischen Verhältnisse zu über- 
tragen. Wir haben uns die Kjökkenmöddinger natürlich von Pfahlbau- 
dörfern überragt zu denken, nur dafs dieselben hier aus irgendwelchen 
Gründen, vielleicht aus Sorge der Anwohner vor den Hochfluten, vielleicht 
auch erst im Laufe der Zeit durch Landerhebungen der eigentlichen Flut- 
zone entrückt sind. 

Und wo immer der Neolithiker sich im Inneren des Landes ansiedelte, 
da geschah es, wie uns das die megalithischen Steinbauten zeigen, längs 
der Wasserläufe. Bei weiterem Vordringen werden die Landseen bevor- 
zugt, aber auch auf trockenem Boden nach wie vor an dem Pfahlbau 
festgehalten — dort die Schweizer Seedörfer, hier die Terramaren. 

Wir sehen also in Europa eine makroskopische Wiederholung des 
Befundes von Celebes. Wenn man die Pfahlbaurasse bei uns genauer 
gerade aus den Landseen kennt, so hängt das damit zusammen, dafs die 
Pfähle hier seit der Stein- und Bronzezeit der Fäulnis widerstanden. 

Sarasin hat auch versucht, sich über die Konstruktion unserer neo- 
lithischen Pfahlbauten ein genaueres Bild zu verschaffen. Er fand bei 
einer sorgfältigen Ausgrabung im Torfmoore von Wauwyl in der Tat An- 
klänge an die malaiische Bauweise , einen weit bedeutsameren Einblick 
brachte ihm indessen die Wahrnehmung, dafs der griechische Tempel im 
Männerhause von Celebes, der Lobo, sein lang gesuchtes Vorbild findet. 
Bekanntlich leiteten auch die Griechen ihren Tempel vom Megaron, dem 
Männerhause her. Der besondere Charakter desselben kam dadurch zustande, 
dafs der ursprünglich auf Pfähle gestellte Versammlungssaal des Männer- 
hauses sich in den Architrav des Tempels verwandelt hat, während der 
ursprüngliche Versammlungsraum in die Cella, also auf ebene Erde ver- 


7 


legt worden war; auch diese fand Sarasin übrigens bei einigen Pfahl- 
häusern von Celebes als einen wirtschaftlichen Zwecken dienenden, zwischen 
den Pfählen befindlichen Verschlag bereits vorgebildet. Die Triglyphen, 
die die Kunstgeschichte seit Vitruv als Balkenköpfe angesprochen hat, 
entsprechen den Fenstern der Lobo, die in Celebes gelegentlich gleichfalls 
durch zwei Längsstäbe in drei Felder geteilt vorgefunden wurden; wie 
denn Euripides, dem die Gestalt des Megarons noch gegenwärtig war, den 
Pylades seinem Freunde die Worte zurufen läfst: „ Schaue zu den Tri- 
glyphen hinein, wo es Raum hat, Dich hinab zu lassen l“ 

Wenn sich aber die Gestalt, die eine alte Bevölkerung ihren Wohn- 
räumen gab, im letzten vorchristlichen Jahrtausend in Bauten erhalten 
hat, die den konservativen Kultzwecken dienten, so dürfen wir annehmen, 
dafs sie im zweiten und dritten vorchristlichen Jahrtausend, im Bronze- 
und Steinzeitalter auch den Profanbau beherrscht hat, und da der dorische 
Tempel ein thrakisches Requisit ist, die Thraker aber als Ostarier von 
der Ostsee stammen, so dürfte sich der Tatbestand ungezwungen in die 
hier vorgetragene Theorie einpassen — die Annahme vom ozeanischen 
Ursprünge des Neolithikers. Seine und damit auch unsere Vergangenheit 
lag auf dem Wasser. 

Zum Schlüsse noch eine sprachliche Anmerkung. Grillparzer gibt in 
seinem erst neuerdings über die Bühne gegangenen, an ethnographischen 
Hinweisungen reichen Drama Libussa eine mythische Deutung des Wortes 
Prag. Praha bedeutet tschechisch die Schwelle. Ganz ähnlich lautet aber 
das slawische prach = Asche, Staub, Abraum. Wenn dieses die ältere 
Bedeutung des Wortes ist, so würde man im Pfahlbauzeitalter an Stelle 
von: ,,Ich überschreite die Schwelle“ gesagt haben: „ — den Abraum“. 
Dieser mufste ja, wie wir das von den Terramaren kennen und uns von 
den Kjökkenmöddingern vorstellen müssen, einen zwischen den Pfählen des 
Hauses allmählich sich verbreitenden Hügel bilden, dessen Fufs derjenige 
überschreiten mufste, der die ,,vier Pfähle“ eines Hauses betreten wollte 
— eine Frage an die Sprachkundigen? 




II. Neue Apparate 

zur Bestimmung von spezifischen Gewichten. 

Yon Prof. H. Reben stör ff. 

Mit 3 Abbildungen. 


I. Der Verdrängungsapparat. 

Zur Messung der Volumina fester Körper benutzt man seit sehr alter 
Zeit sog. konstante Gefäfse, aus denen die ein bestimmtes Niveau über- 
schreitende Wassermenge seitlich abfliefst. Senkt man nach dem Auf- 
hören des Abfliefsens einen Gegenstand in das Wasser ein, so wird ein ihm 
gleiches Volumen in ein leeres Glas verdrängt, dessen Wägung oder Messung 
das gesuchte Volumen angibt. Die Bestimmung des spezifischen Gewichtes 
des Gegenstandes erfordert dann nur noch diejenige des absoluten Ge- 
wichtes, das am besten voraufgehend für den noch trockenen Gegenstand 
aufgesucht worden war. 

Der zu beschreibende Apparat ist eine Verbesserung des kon- 
stanten Gefäfses im Sinne einer Erhöhung seiner Genauigkeit und des 

Umfanges seiner Anwendbarkeit. Der „Ver- 
drängungsapparat“ (Fig. 1) besteht aus einem 
sehr standfesten Zylinder, der oberhalb seiner 
Mitte einen seitlichen Tubus zur Aufnahme 
des Abflufsröhrchens besitzt. Bei solcher Lage 
ist dieses vor zufälligen Berührungen mit dem ein- 
zusenkenden Gegenstände geschützt, die das 
Niveau des Abflusses leicht ein wenig verändern 
und dadurch das zu messende Volumen stark 
fehlerhaft machen. Der Seitentubus hat ellip- 
tischen, in der Vertikalen gestreckten Querschnitt. 
Im Korke oder Gummipfropfen sitzt in seiner 
Mündung das kleine Abflufsröhrchen, von dessen 
Beschaffenheit die Genauigkeit der Messung ab- 
hängt. Während die innere Öffnung des Röhr- 
chens, dessen Ende hier nach oben konkav halb- 
kreisförmig gebogen ist, möglichst wagerecht liegen 
soll,, liegt die äufsere Öffnung um 1 bis 1% cm 
tiefer. Nur bei einem solchen geringen Gefälle 
wird das Abfliefsen sehr gleichmäfsig. Bei schnellerem Einströmen des 
Wassers in die wagerechte Öffnung bilden sich bald früher, bald später 
kleine Wirbel, die Luft mit hineintreten lassen und eine ungleichmäfsige 


Fig. 1 



9 


Beendigung des Abflusses bewirken. Aus dem gleichen Grunde darf das 
Abflufsröhrchen auch nur einen geringen Durchmesser haben. Um den 
Wasserabflufs jedesmal plötzlich aufhören zu lassen, versah Wein hold 
das Röhrchen kurz vor der Aufsenmündung mit einer sehr kleinen Heber- 
biegung. Ist diese infolge Sinkens des Wasserstandes im Gefäfse nicht 
mehr voll Wasser, so rinnen nur selten noch einige einzelne Tropfen hinter 
der Hauptmenge des Wassers her, was als eine bedeutende Annehmlichkeit 
bemerkbar wird. 

Eine kleine Verschiedenheit des Abflusses ist indessen die Folge davon, 
dafs — besonders nach längerem Gebrauche des Abflufsröhrchens — beim 
Beginne des Fliefsens eine kleine Luftblase im Röhrchen, meistens in der 
Heberbiegung an der Wand hängen bleibt. Sie verlangsamt den Abflufs 
und bewirkt, dafs bis zum Aufhören des Fliefsens einige Kubikzentimeter 
mehr heraustreten. Hierin liegt eine gewisse Unsicherheit der Messung 
mit dem konstanten Gefäfs. 

Die öftere Bildung der störenden Luftblase beim Vollaufen des Abflufs- 
röhrchens schränkt die neue Konstruktion ein. An die Stelle der Heberbiegung 
tritt einfach eine Paraffinierung der wagerechten Einströmungs- 
öffnung. Erwärmt man den Rand dieser Öffnung durch kurzes Einbringen 
in eine Flamme, tupft auf ein Paraffinstück auf und läfst, den Rand wage- 
recht nach unten gehalten, erkalten, so ist das Röhrchen imstande, den 
Wasserabflufs plötzlich und recht gleichmäfsig aufhören zu lassen. Bei dem 
Fortfallen der Adhäsion infolge des Paraffinüberzuges beginnt ein erneutes 
Fliefsen erst dann, wenn der Wasserstand im Gefäfse um einige Millimeter 
höher geworden ist. Sehr kleine Volumina kann man daher nur bestimmen, 
wenn gleichzeitig eine bekannte gröfsere Wasserverdrängung vorgenommen 
wird, am einfachsten durch Eingiefsen von 100 oder 200 ccm Wasser. Er- 
wähnt sei, dafs eine solche, die Heberbiegung ohne Verlängerung des ganzen 
Röhrchens völlig ersetzende Aufhebung der Adhäsion auch durch Über- 
streichen des Randes mit Aluminium (vorher Betupfen mit Lauge) erzielt 
werden kann. Die Randbedeckung erneuert man in wenigen Sekunden, wenn 
nach langem Stehen des Apparates Staub oder Pilzfäden in unreinem Wasser 
auf dem Paraffin die Aufhebung der Adhäsion unvollkommen machten. 

Der ,, Verdrängungsapparat“ kann erstens ohne weiteres Zubehör 
in der beschriebenen Weise verwendet werden. Zum Schutze des Glas- 
zylinders gegen das Zerstofsenwerden beim Hineinfallenlassen grofser Ge- 
steinsstücke, kann man auf den Boden eine runde Scheibe Leder oder 
dergleichen bringen. Selbstverständlich ist, dafs man dem Leder anhaftende 
Luftblasen abstreift, die sonst zur Unzeit aufsteigen und dem gleichen 
Wasservolumen Platz machen könnten. 

Infolge der Gröfse der Wasseroberfläche kommen die beim Einbringen 
der Gegenstände, sowie beim Anstofsen des Tisches entstehenden Wellen- 
bewegungen erst nach geraumer Zeit zur Ruhe. Bei dieser ersten Ver- 
wendungsart des Apparates wird man daher alle Bewegungen der Wasser- 
oberfläche recht ruhig vornehmen und während des Abfliefsens Erschütte- 
rungen möglichst vermeiden ; denn ohne weiteres ist klar, dafs man keinen 
gleichmäfsigen Abflufs erzielen kann, wenn nicht die W asseroberfläche so 
gut wie ganz ruhig geworden ist, sobald das Niveau bis zum plötzlichen 
Stocken des Abflusses gesunken ist. 

Schneller beruhigen sich die Erregungen der W asseroberfläche, wenn 
der zum Apparate gehörige Schwimmer aus Nickelblech eingesetzt war. 


10 


Dieser hat unten eine durchlochte schwere Schale zur Aufnahme von Gegen- 
ständen; oben befindet sich ein Bügel zum Emporziehen des ganzen Ein- 
satzes und in der Mitte ist der grofse Schwimmzylinder, der am Boden 
drei in gleichen Abständen befindliche kleine Drahtbügel besitzt, die den 
Schwimmer in der Mitte des Wassers halten. Die Reibung zwischen diesen 
Bügeln und der Glaswand ist unter Wasser bei senkrechter Stellung des 
Schwimmers sehr gering. Würde sich beim Fehlen der Bügel die Schwimmer- 
wand oben gegen das Glas anlegen, so erhielte die Bewegung des Schwimmers 
infolge der Kapillarwirkung des Wassers eine so grofse Hemmung, dafs an 
gleichmäfsigen Abflufs nicht zu denken wäre. 

Es empfiehlt sich, wenn nicht ganz besonders grofse Volu- 
mina zu bestimmen sind, mit dem Schwimmer zu arbeiten, d. h. 
diesen jedesmal vor dem Hineinlegen des Gegenstandes anzuheben und, 
ohne dafs Wasser neben den Zylinder abtropft, ihn wieder auf die Wasser- 
oberfläche zu senken, sobald der Gegenstand auf den Zylinderboden ge- 
bracht ist. Bei angehobenem Schwimmer hat man zugleich Zeit, mit einem 
(vorher schon benetzten) Glasstabe dem Gegenstände anhaftende Luftblasen 
abzustreifen. Es ist dies besonders erwünscht, wenn das Volumen von 
Kies oder dergleichen zu bestimmen ist. Erst beim Wiederaufsetzen des 
Schwimmers beginnt der Wasserabflufs und es ist eine besondere Annehm- 
lichkeit, dessen Eintritt mit der Bewegung des Schwimmers in der Hand 
zu haben. Durch einen etwas tieferen Druck beim Aufsetzen des Schwimmers 
läfst man das Wasser plötzlich in das Abflufsröhrchen hinein- 
schiefsen. Eine Luftblase bleibt dabei ganz selten darin zurück, und 
sollte eine solche sichtbar sein, so hebt man den Schwimmer wieder an 
und drückt ihn noch ein wenig energischer in das Wasser. 

Zur Erprobung der Gleichmäfsigkeit desWasserab fl usses giefst 
man eine bekannte Wassermenge aus dem Mefszylinder, z.B. genau 100 ccm 
bei geringem Anheben des Schwimmers zwischen Schwimmer und Glaswand 
hinein. Nach Unterhalten des Mefszylinders unter das Abflufsröhrchen läfst 
man den Abflufs ruckartig beginnen, indem man den Schwimmer etwas 
tiefer hineindrückt und alsdann natürlich ruhig schwimmen läfst. Nach 
etwa einer halben Minute stockt der Abflufs. Im Mefszylinder ist der Wasser- 
stand oft genau wieder bei 100 ccm, wie vor dem Hineingiefsen. Vor Be- 
ginn einer Messung, die recht zuverlässig werden soll, macht man diese 
Probe einige Male. War auch zuletzt der Abflufs der normale, so ist 
garantiert, dafs nicht ein ausnahmsweiser Zufall (Erschütterung) einen 
Fehler in die Bestimmung bringt. 

Nach Abtropfenlassen eines innen benetzten Becherglases stellt man 
dies zum Auffangen des verdrängten Wassers unter das Abflufsröhrchen, 
bringt in der beschriebenen Weise den Gegenstand in den Zylinder, er- 
öffnet mit dem Schwimmer den Abflufs und mifst schliefslich die abgeflossene 
Wassermenge mittels geeigneter Mefszylinder. 

Bei einer ganzen Folge von Bestimmungen, z. B. für Gesteinsproben, 
ist es besonders des bequemeren Emporholens wegen zweckmäfsig, die 
grofsen Gegenstände an einem dünnen Faden zu befestigen, an dem man 
sie in das Wasser hinabläfst. Der schlaff an der Gefäfswand liegende 
Faden verursacht keinen bemerkbaren Fehler. Besonders beim Unter- 
richtsgebrauche des Apparates ist die Verwendung von Fäden 
zweckmäfsig. Nachdem das erste Einbringen des Gegenstandes bis auf 
den Boden des Zylinders sein Volumen ergeben hat, kann auch die Be- 


11 


Stimmung seines absoluten Gewichtes mittels des Verdrängungsapparates 
erfolgen. Man hebt mit der einen Hand den Schwimmer genügend hoch 
heraus — am bequemsten hängt man den Drahthenkel über eine hoch 
aufgestellte Stativklemme oder ein besonderes Galgengestelle, wenn man 
ohne Gehülfen arbeiten will — man zieht hierauf den Gegenstand empor 
und bringt ihn, nur mit den Fingerspitzen zugreifend, in die untere Schale 
des Schwimmers. Wasser darf hierbei freilich nicht von den benetzten 
Dingen daneben herabtropfen, sondern alles ist oberhalb des Zylinders aus- 
zuführen. Die Benetzung der Fingerspitzen kommt nicht in Betracht. 

Setzt man hierauf den Schwimmer wieder in das Wasser, so gelangt 
eine Wassermenge zum Abflufs, die ebenso schwer wie der Gegenstand 
im Wasser ist. Läfst man sie gleich in den die erste Wasserportion ent- 
haltenden Mefszylinder abfliefsen, so macht sie mit dieser zusammen eine 
Wassermenge aus, deren Gewicht gleich dem Gewichte des Gegenstandes 
in Luft ist. Das spezifische Gewicht ist, wie sofort ersichtlich, aus 
den beiden Ablesungen am Mefszylinder durch Division zu finden. Da frei- 
lich nicht Wasser von 4°, sondern von Zimmerwärme abfliefst, so ist die 
Zahl der das zweite Mal verdrängten Kubikzentimeter etwas (1 bis 2 % 0 ) 
gröfser als das Gewicht des Gegenstandes (in Wasser) in Grammen. Für 
die meisten Zwecke des Apparates ist die geringe Differenz verschwindend. 
Man erhält in der Tat eine entsprechend gröfsere Zahl von Kubikzenti- 
metern als Mafs für das Gewicht eines ganzen oder halben Kilogrammes, 
wenn man ein solches Gewichtsstück mitten in den Luftraum des Schwimmers 
hineinsetzt. Damit auch bei einer solchen Belastung der Schwimmer senk- 
recht bleibt, schiebt man das Gewichtsstück zu Anfang des Wasserabflusses 
je nach der Neigung des Schwimmers mehr in die Mitte. 

Von anderen Unterrichtsversuchen mit dem Apparate sei der 
Nachweis erwähnt, dafs auf dem vorhin angegebenen Wege das Luft- 
gewicht eines Gegenstandes gefunden wird. Nachdem zunächst das von 
diesem verdrängte Wasser abgemessen und die Wassermenge nach Be- 
schweren der unteren Schwimmerschale mit dem Gegenstände hinzu- 
gekommen ist, nimmt man den Schwimmer empor und überträgt den 
Gegenstand von der unteren Schale in den grofsen Lufti’aum des 
Schwimmers. Man achtet hierbei darauf, dafs abtropfendes Wasser in 
den Zylinder zurückfällt. Die kleine, an den Fingerspitzen bleibende Wasser- 
menge kommt wieder nicht in Betracht. Setzt man den Schwimmer jetzt 
wieder hinein, nachdem von der noch im Mefszylinder befindlichen Wasser- 
menge ein Teil in den Zylinder zurückgegossen wurde, so fliefst bei normalem 
Abrinnen genau ebensoviel Wasser in den daruntergehaltenen Mefszylinder 
hinein, als zuletzt darin war. Es ist klar, dafs selbst eine beliebig gröfsere 
Wassermenge an dieser Übereinstimmung nichts ändern würde, die, an dem 
Gegenstände haftend, von unten nach oben mit übertragen würde. Durch 
Eingiefsen von Wasser in den Schwimmer, das aus dem Röhrchen durch 
Herunterdrücken des Schwimmers vorher verdrängt war, kann man dies 
sofort demonstrieren. Die gleichmäfsige Einstellung des Wasserniveaus 
zeigt sich stets darin, dafs z. B. genau 100 ccm wieder abfliefsen, wenn 
man diese nach geringem Anheben des Schwimmers in den Zylinder 
hineingofs. 

Die Gewichtsbestimmung mit dem Verdrängungsapparat gibt 
in den verdrängten gleich schweren Wassermengen ein sehr anschauliches 
Bild der ungleichen Gewichte von Körpern verschiedener Dichte. Als 


12 


Beispiel für eine solche Benutzung sei die Gewichtsbestimmung von Metall- 
körpern (Mg, Al, Zn, Sn, Cd) hinzugefügt, die eine besonders einfache Be- 
stätigung des Satzes von der Gleichheit der Atomwärmen liefern. Hierzu 
verwende ich dicke rechteckige Gufsstiicke der Metalle, die je 10 Gramm- 
atomgewicht schwer sind. Mittels einer übergestülpten Glocke, in deren 
Rohransatz Wasserdampf eintritt, werden diese Körper einzeln schnell auf 
100° erhitzt und sodann mittels daran befestigten Hakens in das Kalori- 
meter versenkt, wohin sie in für den Unterricht genügend genauer Weise 
die gleiche Wärmemenge übertragen. Während des Heizens hat man Zeit, 
das Gewicht des nächsten Metallstückes zu demonstrieren. Der Magnesium- 
körper verdrängte nach Hineinlegen in den Schwimmer 244 ccm. Man hebt 
ihn heraus und setzt das nächst schwerere Stück Aluminium hinein, es 
fliefsen weitere 27 ccm aus, die man in einem besonderen, mit dem zuerst 
verwendeten gleichweiten Zylinder auffängt. Das Zinkstück läfst sodann 
weitere 383 ccm ausfliefsen usf., soweit man über die Metallstücke ver- 
fügt. Man stellt hinterher diese neben den Zylindern mit den Wassermengen 
auf. Jedes wiegt so viel, wie die voraufgehenden Wassermengen 
zusammen. 

Der Verdrängungsapparat ist ferner ein bequemes Mittel, gröfsere 
Mengen von Gasen recht genau abzumessen, die mittels abgewogener 
Stoffmengen chemisch entwickelt wurden. Hierbei benutzt man eine in 
den Zylinder hineinpassende, unten mit Bleifufs beschwerte Glocke, 
in die man durch das im Stopfen oben befindliche Glasrohr das Gas ein- 
leitet. In den von mir angegebenen Entwicklerkölbchen (Zeitschr. f. d. 
phys. u. ehern. Unterricht XVIII, 277 und XIX, 98) kann man bequem die 
abgewogenen Metallmengen zunächst neben dem Säureüberschufs getrennt 
halten und nach Herstellung der Anschlüsse und dem Druckausgleich das 
Metall in die Säure fallen lassen. Das verdrängte Wasser fängt man im 
vorher benetzten Glase auf und überträgt es in die Mefszylinder. Der 
Sicherheit wegen giefst man zuletzt etwas Wasser zurück und läfst es wieder 
zum übrigen a‘bfliefsen. Das Glas in der Glocke befindet sich unter dem 
Drucke der Wassersäule, die ein Zentimetermafs erkennen läfst. Um sofort 
die Zahl der Kubikzentimeter zu erhalten, um die das Gasvolumen bei 
Atmosphärendruck gröfser ist als jetzt, da es zugleich unter dem Drucke 
der Wassersäule (a cm) steht, braucht man nur a Promille des abgemessenen 
Volumens zu berechnen. Durch Hinzufügen der kleinen Volumgröfse 
ergibt sich das Volumen des Gases bei Atmosphärendruck. Auch für die 
Reduktion auf 0°, Trockenheit und normalen Barometerstand habe ich 
(a. a. 0.) eine einfache Annäherungsrechnung angegeben, deren Fehler bei 
geringen Abweichungen von der so häufig vorhandenen Zimmerwärme von 
19° unter einem Promille bleiben. Als Beispiel für einen solchen, die 
stöchiometrischen Rechnungen bestätigenden Versuch sei die Auflösung von 
1 g Aluminiumblech erwähnt. Der Wasserstoff drängte bei 20° und 754 mm 
Luftdruck 1345 ccm Wasser aus dem Apparat. Das Wasser in der Glocke 
stand zuletzt 19 cm tiefer als im Standzylinder. Die Reduktion auf nor- 
male Verhältnisse ergibt 1238 ccm, während die berechnete Menge 1240 ccm 
beträgt. Bei anderen Versuchen gleicher Art überschritten die Abweichungen 
selten 10 ccm. 

Bezüglich der Genauigkeit der Volumbestimmung mit dem Verdrängungs- 
apparat ist zu bemerken, dafs sie verhältnismäfsig um so gröfser ist, je 
gröfser das Volumen selbst ist. Besonders wenn man mehrmals das in 


13 


den Mefszylinder geflossene Wasser wieder zurückgiefst, um eine kleine 
Anzahl von ganz wenig differierenden Angaben zu erhalten, deren Mittel- 
wert berechnet wird, kann man auch bei Körpern von nur 100 bis 200 ccm 
den Fehler unter 1 / 2 ccm herabsetzen. Eigentlich braucht man zum wieder- 
holten Abmessen der verdrängten Wassermengen Mefszylinder, die auf 
Ausgufs geeicht sind. Die kleine, der Zylinderwand adhärierende Wasser- 
menge in gewöhnlichen Mefszylindern kann man indessen leicht durch 
Wägung des trocknen und des innen benetzten Zylinders ermitteln und 
nötigenfalls in Abzug bringen. 


II. Eine Senkwage mit Zentigrammspindel. 


Fig. 2. 


Apparate wie die gewöhnlich nach Nicholson benannte Senkwage 
(Gewichtsaräometer) sind erheblich älter, als meistens angenommen wird. 
So findet sich in s’Gravesande, Elementa 
Physices (1720), S. 118 ein Gewichtsaräo- 
meter mit kalibrierter Spindel für die kleinsten 
Differenzen und mit zwei Schalen (in Wasser 
und in Luft) beschrieben, in Fig. 5 der 
Tafel 22 abgebildet. In der verbesserten 
Form (Tr all es) läfst die Senkwage die Be- 
stimmung etwas gröfserer Gewichte zu, wäh- 
rend bei der gewöhnlichen Nicholsonschen 
Konstruktion diese nur sehr leicht sein dürfen. 

Beide Formen erfordern beim Gebrauche in- 
dessen eine geradezu mühselige Einstellung 
auf eine Marke des aus dem Wasser heraus- 
ragenden Drahtes und damit viel mehr Zeit 
als das Ab wägen unter Wasser mittels einer 
Analysenwage. 

Für den im Gebrauch feinerer Glasinstru- 
mente Geübteren ist die Verwendung der zu. 
beschreibenden Senkwage (Fig. 2) eine be- 
sondere Annehmlichkeit, da die Aufhängung 
am Faden fortfällt, die ja aufserdem bei einem 
aus Körnern bestehenden Stoffe unausführbar 
ist. Unterhalb der Schwimmkugel des Appa- 
rates befindet sich das Schälchen zur Auf- 
nahme des im Wasser Abzuwägenden. Oben 
schraubte man auf die Schwimmkugel die einem 
besonderen Futteral entnommene „Zenti- 
grammspindel“ fest, auf die man das Luftschälchen aus Nickelblech 
aufsetzt. Bei senkrechter Haltung der Senkwage kann man mit der Hand 
stets an der dünnen Glasspindel zugreifen. Sonst erfafst man die Schwimm- 
kugel. Bringt man die Senkwage auf das Wasser in einem hohen Aräo- 
meterzylinder, so ragt ein erheblicher Teil der Schwimmkugel heraus. Man 
mufs 31 g auf die Schale legen, damit Einsinken bis zum Skalenanfang (0) 
erfolgt, während nach Auflegen von 32 g die Spindel bis zum Ende der 
Zentigrammteilung (1) einsinkt. Nur um einzelne Zentigramme setzt sich 
die Skaleneinteilung über diese Hauptmarken fort. Die Zehner der Zenti- 
gramme sind für die schnellere Ablesung von allen Seiten durch die mittels 



14 


der bekannten Armeefarbenfolge hergestellte Farbenreibe: Grau, Weifs, 
Rot, Gelb, Blau deutlicher kenntlich gemacht. Eine Anzahl nahe heran- 
getretener Schüler kann die Einstellung gleichzeitig nachprüfen. Auf die 
genauere Ablesung unterhalb des Wasserspiegels kann bei solcher Massen- 
beobachtung verzichtet werden, wenn jedesmal von oben abgelesen wird. 
Ist die Wasseroberfläche nicht ganz rein oder die Spindel nicht gleich- 
mäfsig benetzt, so zeigt sich ohnehin eine gewisse Unsicherheit der Ein- 
stellung durch die Zähigkeit des Wasserhäutchens, die ja bei allen aräo- 
metrischen Beobachtungen unter diesen Umständen bemerkbar wird. Man 
erhält Unterschiede der Einstellung von etwa 2 Zentigrammen, wenn man 
bei wenig reiner Oberfläche einmal nach leisem Herabdrücken, dann nach 
geringem Emporheben die Ablesung wiederholt. 

Die Apparate sind in ihrem Gewichte derart abgeglichen, dafs bei 18° 
unter einer Schalenbelastung mit 31 bez. 32 g die Einstellung beim Anfang 
bez. beim Ende der Zentigrammskale erfolgt. Hat das Wasser eine etwas 
abweichende Temperatur, so legt man ein Drahtstückchen bis zur richtigen 
Nulleinstellung auf oder man notiert die abweichende Einstellung für die 
anschliefsenden Wägungen. War dieselbe infolge zu grofser Wärme des 
Wassers bei 31 g Schalenbelastung z. B. beim Teilstrich 4 der Zentigramm- 
skale (man schreibt 31 ; 0 , 04 ), während eine Belastung durch einen Gegen- 
stand neben 4 g die Einstellung beim Teilstrich 67 hervorruft (man schreibt 
4; 0 , 67 ), so wiegt der Gegenstand 27,63 g. Legt man den Gegenstand auf 
die untere Schale, so erhält man eine dritte Einstellung, die mit der 
zweiten verglichen sofort den Gewichtsverlust in Wasser angibt. 

Beim Abwägen von Gegenständen gröfseren Volumens auf der oberen 
Schale kann es an Platz für die daneben aufzulegenden Gewichtsstücke 
fehlen; man benutzt dann zweckmäfsig die zweite Reihe der Gewichts- 
stücke des Kästchens (die vernickelten), die das aufgeschriebene Gewicht 
nicht in Luft, sondern unter Wasser haben. Man kann damit zugleich für 
vielerlei Unterrichtsversuche, bei denen Gewichtsänderungen demonstriert 
werden sollen, die Stabilität der Senkwage grofs machen. Mit fünf Gewichten 
in jeder Reihe kommt man aus, zugleich durchschnittlich etwas schneller 
wägend, wenn die Gewichte nicht nach der üblichen Folge, sondern 1, 2, 
4, 8, 16 g schwer benutzt werden. Natürlich ist diese Anordnung nach 
Potenzen von 2 nur für einen kleinen Gewichtssatz eine Verbesserung, da 
sonst die Addition im Kopfe Schwierigkeiten macht. Zum Wechseln der 
Gewichte auf der unteren Schale hebt man mit der einen Hand die Spindel 
an, greift mit der anderen Hand an der Schwimmkugel zu und legt das 
Gewichtsstück auf. Dann senkt man bis zur Spindel in das Wasser ein, 
hält diese selbst wieder in der Hand und lüftet einen Augenblick die Finger. 
An der schnellen oder sonst sehr langsamen Bewegung der Senkwage er- 
mifst man meistens sofort, ob und in welcher Richtung die Schalenbelastung 
für die Einstellung auf einen Punkt der Zentigrammskale zu ändern ist. 

Die Dichtebestimmung erfolgt in der beschriebenen Weise sicher und 
erspart viel Zeit; beim Unterrichte wird es möglich, Dichten von Mineralien 
oder wichtigen Stofftypen in wenigen Augenblicken zu ermitteln. Dafs man 
ebenso gut viele kleine Ge st eins Stückchen, als ein einziges kompaktes 
untersuchen kann, war schon angedeutet worden. Hartnäckig anhaftende 
Luftblasen, besonders solche, die Spalten erfüllen, entfernt man, indem 
man nach Abwägen in Luft die Mineralstückchen in ein Reagensglas mit 
Wasser bringt, dieses an die Luftpumpe anschliefst (oder, wenn angängig, 


15 


kocht) und hinterher nach Daumenschlufs unter Wasser alles in die untere 
Schale der Senkwage sinken läfst. In der Zeitschr. f. d. phys. u. chem. 
Unterricht XIX, 10 (1906) sind eine Anzahl von Zahlenbeispielen für die 
Bestimmung der spezifischen Gewichte von Münzen (die Senkwage trägt ein 
silbernes Fünfmarkstück, auch bis 80 Mark in Gold) und Mineralien mit- 
geteilt. Die Genauigkeit der Bestimmung hängt von der absoluten Gröfse 
der Dichte des betreffenden Stoffes ab. Werden bei den beiden Wägungen 
in Luft und in Wasser jedesmal Fehler in Höhe von /\p gemacht, und zwar 
so, dafs sie sich nicht teilweise auf heben, sondern in ihrer Wirkung ver- 
stärken, so ist für einen Gegenstand von p g Gewicht und der Dichte s der 

Fehler der Bestimmung s=- ^ ’- (l — 2s). 

Bei gröfseren Werten von s nimmt der Fehler also fast mit dem Qua- 
drate von s zu. Vergleicht man alte Tabellen der spezifischen Gewichte 
mit neueren Bestimmungen, z. B. die von Al Khäzini herrührende (Ger- 
land und Traumüller: Geschichte der physikalischen Experimentierkunst, 
1899, S. 73), so berechtigen die verhältnismäfsig genauen Zahlen für die 
Metalle Gold (19, 05 gegenüber 19,26), Quecksilber (13,56 gegen 13,59), Blei 
(11,32 gegen 11,35) in verstärktem Grade ein 
günstiges Urteil über manche schon von den 
Arabern vorgenommenen Wägungen. 

Eine Anzahl weiterer Anwendungen der 
Senkwage habe ich in der Zeitschr. f. d. 
phys. u. chem. Unterricht XX, 153 (1907) be- 
schrieben. 

III, Das Differential- Aräo -Pyknometer. 

Für Gehaltsbestimmungen von Lösungen, 
mehr oder weniger konzentrierten Säuren usw. 
ist das Aufsuchen des spezifischen Gewichtes 
und die Ermittlung der Prozentsatzzahl mit- 
tels einer Tabelle ein bequemes Verfahren. 

Der Gebrauch eines Aräometers erfordert in- 
dessen eine erhebliche Menge der Flüssigkeit, 
und man mufs über einen ganzen Satz feinerer 
Aräometer verfügen, wenn die Bestimmung 
auf eine Einheit der 3. Dezimalen oder noch 
etwas genauer werden soll. Das Abwägen 
mittels des Pyknometers ist etwas umständ- 
lich; beim Abwägen des Gewichtsverlustes 
eines eingesenkten Glaskörpers ist der ab- 
kühlenden Verdunstung wegen, die auch durch 
Konvektionsströmungen stört, besonders bei 
ätherartigen Flüssigkeiten, die gleichzeitige 
Temperaturbestimmung unsicher. 

Durch Vereinigung eines Pyknometers mit einem Aräometer erhält man 
ein für schnellen, bequemen Gebrauch geeignetes Instrument. Das Pykno- 
metergefäfs (Fig. 3) nimmt aus einer Pipette oder einem Trichterchen un- 
gefähr 30 ccm der zu untersuchenden Flüssigkeit auf. In vielen Fällen 


Fig. 3. 



16 


kann man einen etwaigen Wasserrest vom Ausspülen nach der letzten Be- 
nutzung durch zweimaliges Spülen mit kleinen Anteilen der zu unter- 
suchenden Flüssigkeit vorher entfernen. Die Temperatur der letzteren ist am 
besten ganz wenig niedriger als diejenige des Wassers im Aräometerzylinder. 
Beim Einbringen leicht verdunstender Flüssigkeiten tritt durch Überlaufen 
gewöhnlich von selbst dieser Zustand ein. Nach Abschliefsen des Gefäfses 
mit dem langen Schliffstöpselchen bringt man das Aräometer zum Schwimmen, 
wobei es aber nur dann bis zu einem Punkte der Skale einsinkt, wenn die 
Flüssigkeit eine selten hohe Dichte hat. Dieselbe mufs zwischen den 
Grenzwerten 1,9 und 2,0 gelegen sein. Die bisher beschriebene Einrichtung 
besafs auch das Aräo-Pyknometer von A. Eichhorn. 

Es sind nun dem Instrumente vier Anhängegewichte beigegeben, die, 
mit Aufschriften 0,8, 0,4, 0,2 und 0,1 versehen, das Gewicht um genau 
so viel erhöhen, als der Flüssigkeit an Schwere fehlt, um bis zu einem 
Punkte der Skale einzusinken. Sie haben unter Wasser (von 15°) einfach 
das Gewicht 0,8_p, 0,4 p usf., wobei p das Gewicht des Wassers ist, das in 
das Pyknometergefäfs hineingeht. Ist also die Einstellung z. B. beim An- 
hängen der Gewichte 0,8 + 0,4 gleich 1,948, so ist 1,948 — 1, 2= 0,748 die 
gesuchte Flüssigkeitsdichte für die Temperatur des Wassers im Aräometer- 
zylinder (15°). Ein eigenartiger und für bequemes Arbeiten erwünschter 
Vorzug des Apparates liegt darin, dafs die Einflüsse kleinerer Tem- 
peraturabweichungen auf die Flüssigkeit im Pyknometergefäfs und im 
Aräometerzylinder sich stets entgegen wirken und zum Teil aufheben. 
Befindet sich eine verdünnte wässerige Lösung im ersteren, die also die 
geringe Wärmeausdehnung des Wassers bei Zimmerwärme besitzt, so gibt 
der Apparat erst bei 18° bez. bei 11° das spezifische Gewicht um 0,ooi zu 
hoch bez. zu niedrig an. Die Temperatur von 15° braucht also nur auf 
etwa 1 Grad genau innegehalten zu werden. Noch günstiger wird es für 
Flüssigkeiten, die eine nicht so ausnahmsweise geringe Wärmeausdehnung 
besitzen. Für konzentriertere wässerige Lösungen (Dichte ungefähr 1,8, 
thermischer Ausdehnungskoeffizient etwa 0,0003) sind die Angaben erst für 
19° um 0,0005 zu grofs, unter 10° um ebensoviel zu klein. Diese Präzision 
des Apparates ist für schnelles Arbeiten recht bemerkenswert. Für zahl- 
lose organische Flüssigkeiten, die wie Alkohol etwas leichter als Wasser 
sind und eine Wärmeausdehnung von etwa 0,ooi pro Grad besitzen, sind 
die Angaben bei 18° um 0,ooi zu niedrig, bei 12,5° um ebensoviel zu hoch. 
Etwas genauer ist bei besonders leichten und sich stark ausdehnenden 
Flüssigkeiten wie Äther auf Annäherung der Wassertemperatur an 15 0 zu 
sehen. Die Angaben werden für letztere Flüssigkeit schon bei 16,5° um 
0,ooi zu klein, bei 13,5° um ebensoviel zu grofs. War aber, wie oben er- 
wähnt, die Temperatur der ätherischen Flüssigkeit beim Einbringen etwas 
unter Zimmerwärme gesunken, so nimmt sie in kurzer Zeit nach dem 
Einsetzen des Instrumentes die Temperatur des Wassers (15°) an. 
Es entweichen dann einzelne feine Tröpfchen neben dem Stöpselchen des 
Pyknometergefäfses, stets aber nur so lange, als sie infolge der Wärme- 
ausdehnung noch herausgeprefst werden. Durch besondere Versuche wurde 
festgestellt, .dafs hierbei keine Bestimmungsfehler auftreten. 

Die gefundene Zahl ist nicht das „spezifische Gewicht“ im strengen 
Sinne des Wortes (Gewicht der Volumeneinheit), sondern, ebenso wie das 
Ergebnis der Dichtebestimmung nach Abwägen eines Körpers in Luft, sowie 
in Wasser von Zimmerwärme, diejenige Zahl, die streng genommen als 


17 


„relatives Gewicht“ zu bezeichnen ist, was ja aber gewöhnlich nicht ge- 
schieht. Nach der Bezeichnung von Gockel (siehe dessen Vortrag beim 
internationalen Kongrefs für angewandte Chemie in Berlin 1903) 

15°C 

ist die Angabe des Aräo- Pyknometers durch - ^-rf (76) gekennzeichnet. 

lD vj. 

15°C.\ . 

-jöq“ 1 1 wenn rQan die a Ö- 

gelesenen mit der Dichte des Wassers bei 15°, 0,99913 multipliziert. Für 
die Deduktion der durch Wägung festgestellten Gewichte ( d ) auf den luft- 
leeren Raum gab Gockel eine Tabelle an, die sich durch die Formel 
ersetzen läfst: d! — 0,9988 d + 0,0018. Man sieht, dafs diese Reduktion 
auf den luftleeren Raum unter den Genauigkeitsverhältnissen des be- 
schriebenen Apparates nur dann in Betracht kommt, wenn die Dichte der 
Flüssigkeit eine selten grofse ist. Eine einzelne Bestimmung hat einen 
Fehler, der unter 0,ooi liegt. 

Für kleine Laboratorien (Schulen) ist der Gebrauch des bequemen und 
genauen Instrumentes recht zweckmäfsig. Der Lehrer verschafft sich damit 
vielerlei Aufklärungen bei seiner vorbereitenden Arbeit. Im Unterrichte 
kann man schnell damit die Vorzüge und Schattenseiten der verschiedenen 
Verfahren der Dichtebestimmung von Flüssigkeiten demonstrieren.*) 


*) Das Aräo - Pyknometer liefert das Phys.- ehern. Institut von Dr. Gockel in 
Berlin NW., Luisenstrafse. 

Die Bezugsfirma für die 3 beschriebenen Apparate, Max Kohl in Chemnitz, entlieh 
die Cliches der Figuren. II und III stehen unter Musterschutz. 


Die wahren spezifischen Gewichte erhält man 


III. Crleitftmken auf Glasröhren. 

Von Max. Toepler. 

Mit 2 Abbildungen. 


Die Ausbildung gleitender Entladung auf sehr weiten Glasröhren mit 
relativ geringer Wandstärke und mit einem schmalen Metallstreifen entlang 
der Rückseite*) unterscheidet sich naturgemäfs nicht von der früher ein- 
gehend untersuchten auf Platten. Dies gilt jedenfalls, solange die Rohr- 
weite so grofs ist, dafs der seitlichen Ausbreitung des Gleitbüschels keine 
Grenzen gezogen sind. Nun beträgt die Breite von ebenen Gleitbüscheln 
auf Platten von mehr als 0,2 mm Stärke schon dicht hinter dem Büschel- 
kopfe etwa 3 cm. Man wird also auf allen Glasröhren, deren Umfang 
weniger als 3 cm beträgt (bei mehr als 0,2 mm Wandstärke) die seitliche 
Ausbildung des Gleitbüschels als seiner ganzen Länge nach behindert und 

in bestimmter Weise festgelegt 
anzusehen haben; auf solch engen 
Rohren ist dann (im Gegensätze 
zu Platten) die jeweils geladene 
Oberfläche proportional der 
Gleitbüschellänge. Dem ent- 
sprechend sind auch für diese etwas 
veränderte Bildungsgesetze zu er- 
warten. Einen Beitrag zur Kennt- 
nis dieser Gesetze sollen nach- 
stehende Untersuchungen liefern.**) 

T ersuchsanordnung 
und Beobachtungseinzelheiten. 

a) Die im folgenden angewandte 
Versuchsanordnung (Fig. 1) ist die 
gleiche, wie die früher***) von mir 
zur Herstellung von Gleichfunken 
erster Art benutzte. 


*) Man kann hierbei natürlich entweder den Streifen innen legen und die Funken- 
bildung aufsen erfolgen lassen, oder umgekehrt. 

**) Bemerkt sei, dafs sich die Hoffnung, es werde aus obengenannten Gründen die 
Gleitbüschel- und Gleitfunkenbildung auf Rohren gleichmäfsiger und regelmäfsiger er- 
folgen als auf Platten, nicht erfüllt hat; die Unsicherheit der Ausbildung gleitender 
Entladung scheint hiernach wesentlich in ihrem Mechanismus mit begründet. 

***) M. Toepler, Abh. d. naturw. Ges. Isis in Dresden 1897, Heft 1; Wied. Ann. 66, 
1898, S. 1061; Ann. d. Phys. 21, 1906, S. 193. 


Fig. 1. 



19 


Es bedeutet: 

M eine vielplattige Influenzmaschine; 

Cj C 2 zwei gleichgrofse Batterien (je zwei Schachtel batterien von 
je 40 000 cm Kapazität, sodafs also die wirksame Kapazität 
der benutzten Batterieanordnung 40000 cm betrug); 

F Primärfunkenstrecke zwischen Messingpolkugeln von je 6 cm 
Durchmesser; 

W ein Wasserwiderstand von ca. 3.10 6 Ohm; 

G das Glasrohr mit den Gleitfunkenpolen p 1 und p 2 . 

Da enge Rohre durch Gleitfunken im Innern leicht zertrümmert 
werden, war die Aufsen Oberfläche für die gleitende Entladung benutzt*). 
Als Metallbelag im Innern diente entweder Quecksilberfüllung oder Ver- 
silberung mit Drahteinlage im Rohrinnern. (Vergl. die Angaben in fünfter 
Spalte von Tab. I). 

b) Wählt man als Metallbelag im Rohrinnern dünne Oberflächenver- 
silberung ohne Drahteinlage, so erscheint die Versilberung nach mehr- 
maliger Benutzung in merkwürdiger Weise angefressen. Der Metallbelag 
ist stellenweise verschwunden und dies längs zahllosen senkrecht zur 
Rohrachse stehenden, ringsumlaufenden sehr schmalen Streifen. 

c) Ist das benutzte Rohr gebogen, so folgt die gleitende Entladung 
ohne Erschwerung dem Rohre als Leitlinie. Erst wenn sich Rohrteile 
soweit nähern, dafs die längs des Gleitbüschels bei Bildung herrschende 
Potentialdifferenz zum Überschlagen von Rohrteil zu Rohrteil durch die 
Luft genügt, wird natürlich dieser Weg gewählt. Es war also z. B. möglich, 
einen Gleitfunken einer mit Quecksilber gefüllten Glasrohrspirale (5 mm 
Rohrdurchmesser, 0,3 mm Wandstärke) von 4 cm Spiraldurchmesser und 
nur 2 cm Ganghöhe über mehr als fünf volle Rohrwindungen folgen zu lassen. 

d) Läuft in einem Glasrohre die Rohrbelegung unter p 2 durch auch 
nach rückwärts hin fort, so bilden sich (wie auch im analogen Falle auf 
Glasplatten) von p 1 jeweils gleichzeitig nach beiden Seiten, nach a und b 
hin Gleitbüschel. Je nachdem ob das Büschel über a oder über b den 
Anschlufs an die Ableitung p 2 eher erreicht, findet Gleitfunkenbildung 
nach a oder nach b hin statt. Bemerkenswert und für manche Zwecke 
wohl nicht uninteressant ist es nun, dafs, solange der Weg über a von dem 
über b (gleiche Bahnbeschaffenheit vorausgesetzt) nicht mehr als etwa 10°/ 0 
verschieden ist, sich meistens bei jeder Entladung sowohl auf dem Wege 
a wie über b ein Gleitfunken bildet. Es liegt also die experimentelle 
Möglichkeit vor, mit Sicherheit eine lange Funkenbahn in zwei Äste zu 
spalten. 

Messungsergebnisse. 

Die Tabelle I gibt die Messungsergebnisse auf einer Reihe von Glas- 
röhren verschiedenen Durchmessers und verschiedener Wandstärke. Nach 
Analogie mit den Verhältnissen auf Glasplatten wird weder die eine noch 
die andere genannter Gröfsen allein, sondern die Kapazität der Glasrohr- 
längeneinheit für die Gleitfunkenlänge die wesentlichste Rolle spielen**). 


*) Sehr störend wirkte auch bei Gleitfunkenerzeugung im Rohrinnern die ein- 
tretende Temperaturerhöhung, denn nach orientierenden Messungen wächst die Gleit- 
funkenlänge cet. par. angenähert proportional der absoluten Temperatur. 

**) Die Rohre sind geordnet nach abnehmender Kapazität; die Nummerierung be- 
ginnt mit Nr. 3 in Fortsetzung der Zählung in der Arbeit Annalen 66, 1898, S. 1066. 


20 


Diese Kapazitäten, in bekannter Weise mittels Telephons bestimmt, sind 
in der zweiten Spalte der Tabelle angegeben.*) 


Tabelle I (beobachtete Gleitfunkenlängen f in cm). 


CD 

g 

9 

2 

Ä 

O 

Pi 

Nr. 

o Kapazität der 

2’ Rohrlängen- 
| ernheit 

CD 

1 

+3 

m 

§ 

£ 

a in mm 

ö •• 

p Äußerer Robr- 
B durchmesser i 
B 

Art des 
Metallbelages 

F 

in cm 

Kilo- 

volt 

0,25 j 

8,8 

0,50 

17,i 

0,75 

25,2 

1,00 

32,6 

1,25 

39,7 

1,50 

46,4 

1,75 

52,8 

3 

1,77 

1,79 

3,97 

Quecksilb. 


— 

_* 

3,5* 

4,i* 

5,4 

9,6 

15,6 

4 

2,93 

1,61 

4,34 

?> 


1,2* 

2,i* 

3,8* 

6,6 

12,8 

23,3 

34,5 

5 

4,80 

0,94 

2,62 

V 


— 

■ — 

3,6* 

12,i 

24,7 

42,8 

— 

6 

12,o 

0,90 

4,46 

V 


1,4* 

7,o 

19,4 

41,6 

77,5 

129 

— 

7 

12,7 

0,85 

5,83 

n 


1,3* 

5,8 

16,3 

43,5 

81 

128 

190 

8 

14,4 

0,81 

6,61 

,, 


1,2* 

5,9 

18,0 

43 

82 

126 

182 

9a 

l QA J 

1,02 

10,7 

jj 


1,3* 

6,9 

20,5 

52 

102 ‘ 

— 

— 

9b 

j 20 ’ 9 1 

1,02 

10,8 

V 


1,2* 

7,0 

22 

55 

— 

— ' 


10 

51,4 

0,30 

9,1 

Silber 


1,2* 

16 

53 

99 

■ 

- 

— 

11 

86,1 

0,31 

14,4 

5) 


1,2* 

22,5 

64 


— 

— 

— ; 


.Die Tabellenwerte zeigen zunächst, dafs man auch auf Glasröhren 
wieder zweierlei Funkenbildung zu unterscheiden hat, solche „durch Luft“ 
und solche „gleitend“. Die zu erster Kategorie gehörigen Werte sind in 
der Tabelle mit einem Sternchen versehen**). 

Speziell bei gleitender Entladung erscheint als bemerkenswert die 
durch relativ sehr kleine Spannung erreichbare grofse Gleitfunkenlänge. 
Auf Glasrohr Nr. 8 wurden 2,1 m lange Funken mit dem mittleren Gefälle 
von nur 270 Volt-Zentimeter erzeugt! 

Korrektion der Gleitfunkenlänge wegen ungenügender Kapazität 

der Batterie. 

Vor Benutzung zu eingehenderer quantitativer Diskussion bedürfen 
die angegebenen Werte der zum Teil beträchtlichen Korrektion auf unend- 
lich grofse Batteriekapazität. Wie bei dünnen Platten ist bei dünnwandigen 
Glasröhren die zur Ladung der Rohroberfläche während der Büschelbildung 
verbrauchte Elektrizitätsmenge sehr beträchtlich. Benutzt man nicht 
sehr grofse Batterien, so veranlafst der genannte Elektrizitätsaufwand 
eine Verkürzung der für bestimmte Spannung erreichbaren Gleitfunken- 
länge. 

Für sehr grofse Kapazität würden natürlich die Gleitfunkenlängen 
schliefslich jeweils einen bestimmten, von Kapazitäts Vermehrung nicht 
mehr merklich abhängigen gröfsten Wert erreichen. 

*) Die Angaben unter Rohr 9a und 9b beziehen sich aut das gleiche Rohr, nur 
wurden hier die Gleitfunken einmal nach dem einen, dann nach dem anderen Rohrende 
hin erzeugt. 

**) Eingehenderes über den Unterschied „durch Luft“ und „gleitend“ ist zu finden 
in Ann. d. Phys. 21, 1906, S. 201. 


21 


Es sei die angelegte Spannung P, die bei voller Entwicklung des 
Gleitbüschels noch herrschende Spannung P — AP, die hierbei wirklich 
erreichte Gleitbüschel- (Gleitfunken-) länge f, die bei beliebig grofser Kapa- 
zität (konstant bleibendem P) erreichbare gröfste Länge f-j-Af und das 
Wachstumsgesetz angenähert f = a . P n . Ist die benutzte Kapazität 
nicht zu klein, so dafs die Werte AP und Af klein bleiben, so lassen 
sich diese, und somit entweder die wirklich zur Länge f gehörige korri- 
gierte Spannung (P — AP) oder die für die Spannung P gröfstmög- 
liche, korrigierte Gleitfunkenlänge (f + Af) berechnen. Es ist nämlich 
AP : P gleich dem Verhältnisse der auf der Glasplattenoberfläche bei 
gröfster Gleitbüschelausbildung sitzenden Elektrizitätsmenge zu der in der 
Batterie ursprünglich vorhandenen, d. h. gleich (c . P . 0) : (P . G), worin 
c die Kapazität der Plattenoberflächeneinheit, 0 die Gröfse der um p 3 
herum geladenen Fläche, P den Mittelwert der Spannung auf dieser 
Fläche, P die an p 2 p 2 anfänglich gelegte Spannung (gleich der an der 
Primärfunkenstrecke F) und C die wirksame Kapazität der Batterie be- 
deutet. Liegt auf Platten der Pol p 1 fest nahe am Streifen ende, so 
ist bei schmalem Streifen für Korrektionszwecke hinreichend genau 
0 — 0,15 . f 2 ; auf Rohren dagegen ist c.O gleich dem Produkt aus f.cc, 
wo Cc die Kapazität der -Rohrlängeneinheit bedeutet, anzunehmen. 

Ferner ist P = ; — - — rr - 7 = ; — • P zu setzen.*) Es wird somit für Platten 

(n + l)(3n + l) 

2 TI ^ c 

A P = 0,15 • t — r 7 V 7 n — \ — üt • ■ f ' (wobei auf Platten n = 4 zu setzen 

(n +l)(2n +1) C 


ist) 


und für Rohre AP 


2 n 2 

(n+1) (2n + l) 


c c f 

mi 


Natürlich kann man auch an Stelle der zum beobachteten f wirklich 
gehörigen Spannung P — AP die zur anfänglich angelegten Spannung P 
gehörige gröfstmögliche Gleitfunkenlänge f-j-Af berechnen; es ist 

AP 

nämlich A f = n . « . P 11 — 1 = n.f. — p— , worin AP : P wie vorangehend 


angedeutet zu berechnen ist. 

Wie aus den unkorrigierten Werten von Tab. I hervorgeht, ist die 
Gleitfunkenlänge auf Rohren in rohester Annäherung proportional der 
dritten Potenz der Spannung. Zum Zweck der Errechnung der Korrektion 
genügt dieser Ansatz jedenfalls innerhalb der Grenzen vorliegender Unter- 
suchung. Mittels dieser Annahme würde sich dann die Korrektur der 
Funkenlänge zu 

Af=3 . 0^.^.c c , 2 

rechnen (cc Kapazität der Rohrlängeneinheit, C Batteriekapazität, f beob- 
achtete Gleitfunkenlänge). Die Zahlfaktoren 3 und 0,64 entsprechen n und 
n 2 

(2 n -j- 1) (n -j- 1) C ^ er voran S e h en d gegebenen Ableitung, während der Faktor 
2 in vorliegendem Falle deshalb noch hinzuzufügen ist, weil bei den Ver- 


*) Näheres über die Ableitung dieser Formel siehe Sitzungsberichte der naturwiss. 
Ges. Isis in Dresden 1906, S. 21. 

* 


22 


suchen auf Glasröhren der Metallinnenbelag nicht unter dem Pole p x endete, 
sondern nach rückwärts (p 2 abgewandt) fortlief, sodafs jeweils von p A 
aus durch zwei gleichzeitige Büschel vor und rückwärts von p.,^ die Rohr- 
länge 2 f geladen wurde.*) 


Tabelle II (korrigierte Längen f -j- A f in cm). 


Tabelle I II (Relativlängen). 


Rohr 

Kap. 

F in 
cm 

0,50 

0,75 

1,00 

1,25 

1,50 

1,75 

0,50 

0,75 

1,00 

1,25 

1,50 

1,75 

Nr. 

Cc 

Kilo- 

volt 

17,1 

25,2 

32,6 

39,7 

46,4 

52,8 

17,1 

25,2 

32,6 

39,7 

46,4 

52,8 

3 

1,77 








5,4 

9,6 

15,6 













4 

2,93 


— 

— 

6,6 

12,8 

23,4 

34,8 

— 

— 

1,00 

1.94 

3,54 

5,27 

5 

4,80 


— 

— 

12,2 

25,0 

43,6 

— 

— 

— 

1,00 

2,04 

3,57 

— 

6 

12,o 


7,i 

19,8 

43,6 

83,5 

148 

— 

0,162 

0,454 

1,00 

1,92 

3,40 

— 

7 

12,7 


5,8 

16,6 

45,8 

89 

148 

234 

0,126 

0,362 

' 1,00 

1,94 

3,23 

5,11 

8 : 

14,4 


5,9 

18,4 

45,5 

91 

148 

228 

0,130 

0,404 

1,00 

2,00 

3,25 

5,oo 

9a , 
9b 

} 20,9 { 


7.0 

7.1 

21,3 

23 

57,4 

61 

123 

— 

— 

0,122 

0,116 

0,371 

0,377 

1,00 

1,00 

2,14 

— 

— 

10 

51,4 


17,3 

67,4 

147,4 

— 

— 

■— 

0,117 

0,457 

1,00 

— 

— 

— 

11 

86,1 


26,5 

98 

















Mittel : 

0,129 

0,404 

1,00 

2,00 

3,40 

5,13 


Tabelle II gibt die in eben angegebener Weise auf unendlich grofse 
Batterie korrigierten Gleitfunkenlängen. 


Abhängigkeit der Gleitfunkenlänge von Spannung und Kapazität 
der Rohrlängeneinheit. 

Um das gemeinsame Gesetz des Gleitfunken Wachstums mit der Span- 
nung hervortreten zu lassen, sind in Tabelle III schliefslich die jeweils 
auf die bei f = 1 cm beobachtete Gleitfunkenlänge als Einheit umgerech- 
neten relativen Werte angegeben. Man sieht, trotz aller Unsicherheit 
der Einzelbestimmungen, dafs die Wertefolge der relativen Gloit- 
funkenlänge auf allen Rohren die gleiche ist. 

Der Verlauf der in letzter Zeile angegebenen Mittelwerte ist in Eig. 2 
dargestellt. Soviel ist sicher zu erkennen, dafs nur in roher Annäherung 
das Gesetz f proportional P 3 erfüllt wird. Eine genauere Formulierung 
erscheint mir jedoch verfrüht. 


*) Die Korrektionen sind znm Teil nicht unbeträchtlich. Die benutzte Kapazität 
(zweimal 16 Leydnerflaschen) betrug 1 noch nicht die Hälfte der mir verfügbaren. Trotzdem 
habe ich mich mit Anwendung derselben begnügt, denn mit der wachsenden Kapazität 
nimmt auch die Stärke des Gleitfunkens und somit auch die Erschütterung des Rohres 
zu. Bedenkt man, dafs die Bestimmung jedes einzelnen der angegebenen Gleitfunken- 
längenwerte derart erfolgte, dafs die Schlagweite jeweils bis zum Versagen schrittweise 
vergröfsert wurde und dafs die Tabelle Mittelwerte aus je fünf solchen Einzelbestimmungen 
gibt, so sieht man, dafs für jede Tabellenangabe mindestens 50 Gleitfunken nötig waren; 
Rohr Nr. 8 hat z. B. insgesamt über 700 Gleitfunken aushalten müssen. 


23 


Auffallend einfach gestaltet sich dagegen auf Rohren die Abhängigkeit 
der Länge von der Bahnkapazität; trotz gröfster Unsicherheit im Ein- 
zelnen läfst sich doch der Satz aussprechen: 


Fig. 2. 


Kilovolt 

•50 


■40 



1 

1 



o — — beobachtet 

+ x=(y:32,Ö) J 


relative Gleitfunkenlünge 
2 3 4 

i i i 


5 


Die mit der gleichen Spannung auf verschiedenen Rohren 
erreichbare gröfste Gleitfunkenlänge ist proportional der Kapa- 
zität der Rohrlängeneinheit. 

Vergleiche zwischen Platten und Rohren. 

Wie schon bemerkt, besteht der prinzipielle Unterschied der Gleit- 
funkenbildung auf Platten und Rohren darin, dafs auf ersteren die Breite 
der Gleitbüschel, also des jeweils geladenen Oberflächengebietes nicht be- 
schränkt festgelegt ist, sondern der Einregulierung durch den Prozefs der 
Büschelbildung selbst überlassen bleibt. Hierdurch ist bei der Gleitfunken- 
bildung auf Platten (und sehr weiten Rohren) ein Moment der Kompli- 
kation mehr vorhanden als auf (nicht zu weiten) Rohren; die Gesetze der 
gleitenden Entladung auf letzteren werden also die einfacheren und die- 
jenigen auf Platten aus ihnen abzuleiten sein. 

Bei Rohren war oben angenäherte Proportionalität zwischen der für 
bestimmte Spannung erreichbaren Länge und der Kapazität der Bahn- 
längeneinheit gefunden. Bei Platten ist letzterer analog die Kapazität, 
welche ein Oberflächenstreifen von der Breite gleich derjenigen des 
Büschels (und der Länge von 1 cm) besitzt. Die eben genannte Kapazität 
ist jedoch längs jedes Büschels auf Platten nicht konstant; die Büschel- 
breite nimmt ja vom Pole nach dem Büschelkopfe hin auf Platten ab. 
In nachstehenden Tabellen*) ist der Mittelwert eben genannter Breite 
angegeben. Er rechnet sich, wenn die Büschelfläche k.f 2 beträgt, zu k.f 
und die in Rede stehende mittlere Kapazität der Büschellängen- 

*) Soweit Beobachtungen auf Platten herangezogen sind, habe ich dieselben den 
früheren Angaben Ann. d. Phys. 21, 1906, S. 194, Tab. I, Tab. II, und S. 207, Tab. X 
entnommen. 


24 


einheit zu c . k . f, wo c wie früher die Kapazität der Plattenoberflächen- 
einheit bedeutet. 


Tabelle IV (F = 0,75 cm). 



f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

ec bez. 
c . k . f 

Rohr 4 


3,8 





1,2 

3,8 

2,93 

Platte 10 . 


10,4 

3,60 

0,200 

2,i 

10,4 

7,49 

Platte 11 . 


H,4 

3,81 

0,190 

2,2 

H,4 

8,25 

Rohr 7 


16,3 

— 

— 

1,8 

16,6 

12,7 

Rohr 8 


18,o 

— 

— 

2,i 

18,4 

14,1 

Rohr 6 


19,4 

— 

— 

1,3 

19,8 

12,o 

Platte 12 . 


19,7 

4,96 

0,150 

3,o 

19,9 

14,8 

Rohr 9 a . 


20,5 

— 

— 

3,4 

21,3 

20,9 

Rohr 9 b . 


22 

— 

— . 

3,4 

23 

20,9 

Rohr 10 . 


53 

— 

— 

2,9 

67,4 

51,4 

Rohr 11 . 


64 

— 

— 

4,5 

98 

86,1 


Tabelle V (F 

= 1,00 cm). 




f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

Cc bez. 
c . k . f 

Rohr 4 . 


6,6 

_ 



1,2 

6,6 

2,93 

Rohr 5 . 


12,i 

— 

— 

0,8 

12,2 

4,80 

Platte 8 . 


13,5 

2,05 

0,180 

2,4 

13,6 

5,02 

Platte 9 . 


19,2 

2,36 

0,150 

2,9 

19,4 

6,87 

Platte 10 . 


30,8 

3,60 

0,120 

3,8 

31,8 

13,7 

Rohr 6 . 


41,6 

— 

— 

1,2 

43,6 

12,0 

Rohr 8 


43 

— 

— 

2,i 

45,6 

14,4 

Rohr 7 . 


43,5 

— 

— 

1,8 

45,8 

12,7 

Platte 12 . 


50,8 

4,96 

0,ioo 

5,5 

55,4 

27,5 

Rohr 9 a . 


52 

— 

— 

3,4 

57,4 

20,9 

Rohr 9 b . 


55 

— 

— 

3,4 

61 

20,9 

Rohr 10 . 


99 

— 

— 

2,9 

147,4 

51,4 


Tabelle VI (F = 1,50 cm). 



f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

ec bez. 
c . k . f 

Platte 6 . . . . 

10,5 

0,74 

0,200 

2,1 

10,5 

1,55 

Platte 7 . . . . 

12,7 

0,88 

0,180 

2,3 

12,7 

2,oi 

Rohr 3 . . . . 

15,6 

— 

— 

1,2 

15,6 

1,77 

Rohr 4 . . . . 

34,5 

— 

— 

1,2 

34,8 

2,93 

Platte 8 . . . . 

106 

2,05 

0,090 

11,1 

123 

22,7 

Platte 9 . . . . 

128 

2,36 

0,085 

13,5 

159 

31,9 

Rohr 8 ... . 

182 

— 

' — 

2,i 

228 

14,4 

Rohr 7 . . . . 

190 

— 

— 

1,8 

234 

12,7 


25 


Die Tabellen IV und V lassen folgendes erkennen: 

Auf den verschiedensten Platten und Rohren sind die je- 
weils für bestimmte Spannung erzielbaren gröfsten Gleitfunken- 
längen (Gleitbüschellängen) proportional der (mittleren bei 
Platten) Kapazität der Bahnlängeneinheit. Hierbei ist die Pro- 
portionalitätskonstante die gleiche für Rohre und Platten. 

Diese Beziehung gilt jedoch (vergl. Tabelle VI) nur so lange, wie die 
mittlere Büschelbreite und die Belagbreite (auf den herangezogenen Platten 
stets 2 cm) nicht allzuverschieden sind. Bei grofser Büschelbreite wächst 
die Länge schliefslich langsamer als proportional der genannten Kapazität. 

Hiermit sind die Beobachtungen mit Platten im wesentlichen auf die- 
jenigen mit Rohren reduziert. Speziell das eigentümliche Interpolations- 
gesetz*) für Platten a 2 . c 8 = const. (mit seinen Abweichungen auf dünnsten 
Platten) erscheint hiernach nur als eine durch die Inkonstanz der Büschel- 
breite auf Platten modifizierte Form des einfacheren Gesetzes a . cc = 
const., wo Cc wie oben die freilich ihrerseits vom Gleitprozesse abhängig 
variable wirksame Kapazität der Bahnlängeneinheit bedeutet. 


*) Vergl. Ann. d. Pliys. 21, 1901, S. 206. 


Physika!. Institut der Technischen Hochschule Dresden, 7. Juli 1907. 


IV. Carl v. Linne, sein Leben und Wirken.*) 

Von Prof. Dr. O. Drude. 


Im Laufe der letzten Woche sind die Zeitungen erfüllt gewesen von 
Berichten über Festversammlungen und Linne-Feiern, welche zu Ehren 
der Wiederkehr des 200jährigen Geburtstages dieses weltbekanntesten aller 
schwedischen Naturforscher an allen gröfseren Mittelpunkten naturwissen- 
schaftlichen Lebens abgehalten worden sind und unter denen diejenige in 
Upsala naturgemäfs voransteht. Auch in unserer botanischen Sektion stand 
der Plan einer solchen Feier, wenigstens in Gestalt eines Festvortrages, 
seit lange fest, und ich habe nun heute die Freude, eine auserwählte Ver- 
sammlung hier im Botanischen Garten zwischen Palmen und Araucarien 
vor dem mit einem frischen Reis von Linnaea geschmückten Bilde des 
grofsen Forschers willkommen zu heifsen und den Dank dafür auszu- 
sprechen, dafs gerade die Hauptversammlung unserer Gesellschaft im Mai 
den Raum für diese Versammlung bot. 

In den Annalen unserer Isis-Hefte ist schon einmal ein solcher Linne- 
Gedenktag zu finden, als es sich um die Feier seines 100jährigen Todes- 
tages am 10. Januar 1878 handelte. Herr von Kiesenwetter, dessen an- 
sprechenden Reden wir Älteren in der Gesellschaft noch oft gelauscht 
haben, hielt damals in der ersten botanischen Sektion des Vereinsjahres 1878 
einen Vortrag, dessen Inhalt**) wir aus der Kürze der Wiedergabe nur 
mehr vermuten können. Um so passender erscheint es, in die Annalen 
unserer Gesellschaft in Anlafs der heutigen Feier eine Lebensskizze Linnes 
aufzunehmen, welche ursprünglich für eine von der diesjährigen inter- 
nationalen Gartenbau -Ausstellung zu Anfang dieses Monats geplante Linne- 
Feier bestimmt war, und diese Geschichte seines Lebens mit einer kriti- 
schen Würdigung seiner hauptsächlichsten wissenschaftlichen Taten und 
Erfolge zu versehen, um gegenüber manchen Verkleinerungen dieser Grofs- 
taten in neuerer Zeit stets wieder zu betonen: „Mit Recht gilt Linne auch 
im Lichte der modernen Naturforschung als einer ihrer Begründer und als 
der bedeutendste Forscher seiner eigenen Zeit! Seine Zeit schon nannte 
ihn den Vater der modernen Naturgeschichte und die Nachwelt hat diese 
stolze Bezeichnung zu bestätigen.“ 

Sein Leben ist nicht so ruhig verlaufen wie bei vielen anderen grofsen 
Gelehrten, sondern auf rauher Bahn strebte er, unerschüttert durch Mangel 


*) Vortrag in der Hauptversammlung am 30. Mai im Kalthause des K. Botanischen 
Gartens, zur Feier der 200jährigen Wiederkehr von Linnes Geburtstage am 23. Mai. 

**) Sitzungsberichte 1878, S. 40—42. 


27 


und Neid, seinem Ziele zu, vermochte alle ihm entgegenstehenden Hinder- 
nisse durch rastlose Energie zu überwinden, und er hat dann, zum Gipfel 
des Ruhms emporgehoben, unaufhörlich weiter arbeitend für sich selbst 
den Lohn seiner Anstrengungen in der Liebe zu seiner Wissenschaft, zu 
seinem Vaterlande, Schülern und Familie gesucht und gefunden. Von 
diesen Gesichtspunkten aus mag die zu entwerfende knappe Lebensskizze 
Ihr Interesse beanspruchen und es mag das Verdienstliche seiner Arbeiten 
in noch hellerer Beleuchtung daraus hervorgehen. — Der 23. Mai des 
Jahres 1707 war der Geburtstag unseres Carl Linnäus, dessen Vorfahren 
schwedische Bauern gewesen waren und später unter Änderung ihres 
Namens den Pflug mit der Feder vertauschten. Nicolas Linnäus, sein 
Vater, war damals schon seit zwei Jahren in Räshult, einem kleinen Dorfe 
der Provinz Smäland, als Prediger angestellt und seine Mutter entstammte 
gleichfalls einer Pfarrersfamilie. Als Erstgeborener wurde er schon in der 
Wiege zum Studium der Theologie und womöglich zur Nachfolge im väter- 
lichen Amte bestimmt, zumal als sein Vater schon im folgenden Jahre 
eine viel bessere Pfarre zu Stenbrohult erhielt. Hier war der grofse mit 
dem Pfarrhause verbundene Garten der erste Schauplatz, auf dem der 
heranwachsende Knabe die im zartesten Alter bei ihm hervorgetretene 
Liebe zur Blumenwelt betätigen konnte, und schon vom vierten Jahre an 
liefs er sich von seinem Vater und dessen zum Besuch anwesenden Amts- 
genossen in der Benennung seiner Pflanzen unterweisen, machte auch später 
fleifsig Ausflüge in die Umgegend und verpflanzte aus den heimatlichen 
Wäldern und Wiesen eine grofse Menge seltnerer Gewächse in das ihm 
zur alleinigen Wartung übergebene Gärtchen. Zehn Jahre lang lebte er 
so in friedlicher Stille der Entfaltung seiner geistigen Anlagen, welche 
durch den Unterricht seines Vaters in Lesen, Schreiben und Religion, 
auch schon in den Anfangsgründen vom Latein und etwas Geographie eine 
angemessene Nahrung erhielten. Als er aber 1717 auf die lateinische 
Schule in der benachbarten Stadt Wexiö kam, da zeigte es sich, dafs er 
für das Erlernen der zu dem für ihn ausersehenen Berufe nötigen Disziplinen 
durchaus nicht den nötigen Eifer entwickelte; er liebte es viel mehr, in 
der Umgegend Blumen zu suchen, als Vokabeln auswendig zu lernen, und 
ein Glück war es, dafs sein Magister als ebenso eifriger Freund der Botanik 
den kleinen Linne seiner Neigung wegen lieb gewann und ihm manches 
andere nachsah. Doch hörte diese Nachsicht auf, als er mit 17 Jahren 
auf das höhere Gymnasium zu Wexiö gekommen war, und wie sein Vater 
im Jahre 1826 einmal dort einen Besuch abstattete, um sich nach seinem 
ältesten und liebsten Sohne zu erkundigen, da traf es ihn wie ein Donner- 
schlag, dafs sich alle Lehrer über seinen Mangel an Fleifs und seine sehr 
geringen Fortschritte in der Theologie beklagten; sie gingen so weit, dafs 
sie dem Vater Linne rieten, nicht mehr unnützes Geld für die Ausbildung 
seines Carl zu verschwenden, sondern ihn zu einem Handwerker in die 
Lehre zu geben. Und da sein Vater selbst nur sehr geringes Vermögen 
besafs, so würde er vielleicht diesem Rate nachgegeben haben, wenn nicht 
ein neuer Gönner sich für den untauglichen Theologen verwendet hätte. 
Der Pliysikus Dr. Rothmann unterrichtete am Gymnasium in Naturkunde 
und dieser allein hatte die bedeutenden Anlagen Linnes erkannt; er er- 
teilte ihm im Gespräch mit seinem Vater das wärmste Lob und versicherte, 
dafs er später einmal Bedeutendes würde leisten können, nur niemals auf 
dem Gebiete der Theologie, Als diese Vorstellungen allein nichts fruchteten, 


28 


erklärte er sich grofsmütig bereit, den jungen Linne während des letzten 
Gymnasialjahres privatim zu unterrichten und ihn in seinem eigenen Hause 
wohnen zu lassen. Hiermit war der Pfarrer Linnäus zufrieden, und dieses 
Einverständnis war die wichtigste Unterstützung, welche er seinem Sohne 
zu seinen späteren Erfolgen leistete. Er überliefs ihn fast ganz seinem 
Schicksale und seinen Gönnern, verwendete alle seine Kräfte und Geld- 
mittel auf die Erziehung seines jüngeren Sohnes, fand in diesem auch 
wirklich seine Hoffnungen erfüllt, da er Prediger wurde und ihm nach 
seinem Tode im Amte folgte. 

Carl Linne verlebte nun noch ein Jahr fleifsig in Wexiö bei seinem 
väterlichen Freunde Rothmann, dem die Nachwelt ein dankbares Andenken 
schuldet, und ging dann im Jahre 1727 nach Lund, um sich dem Studium 
der Medizin zu widmen. Ein widriges Schicksal schien ihn hier zu 
empfangen; unter den Professoren dieser schwedischen Universitätsstadt 
hatte sich ein Verwandter der Linnäusschen Familie befunden, welcher 
dem jungen Studenten Obdach und Beköstigung bieten wollte: derselbe 
war aber gerade zur Zeit seiner Ankunft gestorben. Glücklicherweise 
wurde der damalige Professor der Medizin und Botanik Kilian Stobäus 
auf Linne aufmerksam, gewann ihn seines Charnkters wegen lieb und nahm 
ihn, den gänzlich Unbemittelten, zu sich in sein Haus. Was man sonst 
von grofsen Gelehrten hört, deren Lebensglück allein von ihrem Fleifse 
und ihrem Rieseneifer abhing, das alles wiederholte sich hier: die Nacht 
wurde zum Tage gemacht; die ganze botanische Bibliothek des Professors 
und ein grofser Teil der medizinischen wanderte erst heimlich, dann mit 
Erlaubnis des Besitzers auf die stille Dachkammer des emsigen Studenten 
hinauf, der sie zu seinem geistigen Eigentume verarbeitete; die äufserste 
Sparsamkeit liefs ihn mit dem, was er hatte, auskommen; zu irgend welcher 
Erholung hatte er weder Zeit noch Geld. 

Ein Ferienbesuch in seinem elterlichen Hause liefs dann schon nach 
einem Jahre eine Veränderung eintreten: Rothmann, sein erster Beschützer, 
besuchte ihn dort und riet ihm an, Lund mit Upsala zu vertauschen, 
wo seinen Studien mehr Vorschub geleistet werden könnte. Leicht war 
Linne zu überzeugen, und da ihm seine Eltern, erfreut über die Fort- 
schritte in des Sohnes neuer Laufbahn, ihm noch einmal und zum letzten 
Male 100 Taler schenkten, so bezog er im Herbst 1728 die Universität 
zu Upsala. 

Hier lag Medizin und Botanik in den Händen der Professoren Rud- 
bek und Roberg; aber Bedeutenderes in der Pflanzenkunde als sie beide 
leistete der auch in anderer Hinsicht vielgenannte Professor der Theologie 
Olof Celsius. In einem zehn Jahre später geschriebenen Briefe be- 
zeichnet Linne diesen Theologen als den einzigen wirklich bedeutenden 
Botaniker Schwedens damaliger Zeit und stets hat er ihn als einen seiner 
hervorragendsten Lehrer anerkannt. Nur war Celsius zum Unglück für 
Linne damals fern von Upsala mit einer wissenschaftlichen Arbeit be- 
schäftigt und dadurch war Linne zunächst auf sich allein und auf die aus 
dem Elternhause mitgenommenen Subsidien angewiesen, welche bald zu 
Ende gingen. Der junge Student der Medizin, ohne jede Möglichkeit, sich 
irgend etwas zu verdienen, geriet nun alsbald in die drückendste Verlegen- 
heit, aus der ihm nur notdürftig durch wohltätige Kameraden heraus- 
geholfen ward; diese schenkten ihm auch abgelegte Kleidung, und gelegent- 
lich ward Linne in der für einen angehenden Gelehrten wenig passenden 


29 


Beschäftigung angetroffen, sich eigenhändig seine Stiefel mit Birkenrinde zu 
flicken. Da safs er einst, froh nur durch die Liebe zu seinem Studium, mit der 
Bestimmung einiger Pflanzen im akademischen Garten beschäftigt, als ein 
ehrwürdiger Geistlicher zu ihm trat und ein botanisches Gespräch mit ihm 
anknüpfte. Erstaunt über die Kenntnisse, die Linne entfaltete, forderte er 
ihn auf, ihm zu seinem Hause zu folgen, wo sie die Unterredung weiter 
führen wollten, und jener merkte denn alsbald, dafs kein anderer als der 
berühmte Celsius hinter dem Inkognito des theologischen Gewandes ver- 
borgen war. Nun lächelte ihm wieder das Glück: Celsius, der bald von 
der Dürftigkeit seines jungen Freundes Kenntnis erhalten hatte, nahm ihn 
zu sich ins Haus und in Kost und die Dankbarkeit des jungen Studenten 
fand schon jetzt einen Ausweg, sich seinem Wohltäter in einer wichtigen 
Sache erkenntlich zu zeigen, indem er ihm bei der Bearbeitung seines 
später in Druck erschienenen „Hierobotanicon“ (Upsaliae 1745 — 47) tat- 
kräftig half. 

In diese Zeit seiner Studien fällt der Wendepunkt von Linnes eigener 
Kichtung. Er war bisher ein eifriger Anhänger Tourneforts gewesen, 
dessen Tod ein Jahr nach Linnes Geburtsjahr fällt und dessen Prinzipien 
auch die folgenden Jahrzehnte noch beherrschten. Eine kleine Schrift des 
früh verstorbenen Le Vaillant über die Blütenstruktur (1718) brachte 
Linne auf neue Gedanken hinsichtlich der Prinzipien in botanischer Systematik 
und schon im Jahre 1729 schrieb er die ersten Betrachtungen über seine 
eigenste Schöpfung, das bekannte Sexualsystem, nieder und trat in einer 
kleinen akademischen Abhandlung 1730 mit diesen seinen Ansichten hervor. 
Hierdurch lenkte er nun auch die Aufmerksamkeit des Botanikers zu 
Upsala, 0. Rudbeck auf sich, der ihn dann alsbald so schätzen und lieben 
lernte, dafs er ihn aus Celsius’ Hause fort in sein eigenes als Yicarius 
überführte und ihn in dieser Eigenschaft schon im gleichen Jahre Vor- 
lesungen im Botanischen Garten halten liefs. So war unser Linne, erst 
23 Jahre alt und ohne Titel und Würden, nach dreijährigen Studien schon 
Dozent der Botanik und versah sein Amt mit ebensoviel Eifer, als mit 
Umsicht und Erfolg. 

Eine neue Ehre bot sich ihm im folgenden Jahre: die schwedische 
Gesellschaft der Wissenschaften zu Upsala ging mit dem Plane um, das 
in naturhistorischer Beziehung damals noch fast ganz unbekannte Lapp- 
land bereisen zu lassen und erwählte dazu unsern Linne. So trifft ihn 
denn der Mai des Jahres 1732 auf der nordischen Heise begriffen. 

Das unwirtliche Lappland setzte damals den jugendlichen Kräften 
unseres Helden sehr grofse Schwierigkeiten entgegen. Drei Mal war er in 
wirklicher Lebensgefahr: bei einer Bergbesteigung hätte ihn fast ein herab- 
rollendes Felsstück zerschmettert, auf der Überfahrt über einen der zahl- 
reichen lappländischen Binnenseen entging er mit genauer Not dem Unter- 
gänge in Sturm und Nebel und einmal mufste er mit gezogenem Hirsch- 
fänger sein Leben gegen einen ihn mit Pfeil und Bogen angreifenden 
Seefinnen verteidigen. Er lebte nach Lappenweise von Fischen, Renntier- 
milch, Brot und Salz und ging in Lappentracht. Ein später in Holland 
verfertigtes Bild, dessen Nachbildung auch moderne Linne -Werke ziert 
(s. Anhang, Literatur I. 7 und II. 11), vergegenwärtigt uns die stolze, im- 
ponierende Haltung des jungen Gelehrten mit dem stets an ihm gerühmten 
scharf durchdringenden Blick; ein breiter Gürtel, der seinen am Halse 
mit herabhängender Schnur zusammengezogenen weiten Mantelrock fest in 


30 


der Taille umschliefst, trägt zugleich die notwendigsten Reiseutensilien, 
Mafsstab, Messer, Reisebuch, Efssack und Tabaksbeutel; der Geldbeutel 
ist geräumig zur Aufnahme der Kupfermünzen — denn in dieser Geldsorte 
sollen ihm die 112 K. Reisekosten ausgezahlt sein — , in der mit Hand- 
schuh geschützten Rechten trägt er seine Blume, die von Gronovius mit 
seinem Namen belegte Linnaea. 

Ende Oktober traf Linne wieder in Upsala ein und begann sofort die 
Bearbeitung seiner gesammelten wissenschaftlichen Schätze; noch im selben 
Jahre lieferte er einen Bericht ein über die Kulturfähigkeit Lapplands 
und dessen Produkte, welcher von seinem schnell das Wesentliche erfassen- 
den Blicke ein beredtes Zeugnis gibt, und gleichzeitig erschien die erste 
Bearbeitung der Flora von Lappland unter dem Titel „Florula 
Lapponica“ in den „Acta liter. et scient. Sueciae“ vom Jahre 1732. 

Hier sei die erste botanische Bemerkung über eines der nach meiner 
Ansicht epochemachendsten Werke Linnes eingeschaltet. Ist schon der 
1732 erschienene Vorläufer der lappländischen Flora aus dem Grunde von 
grofsem Interesse, weil er einmal Linnes erste gedruckte Arbeit darstellt 
und aufserdem auch zum ersten Male das alsbald ganz allgemein zur Herr- 
schaft gelangte Sexualsystem praktisch vorführte, so liegt noch ein viel 
gröfserer Reiz in der 1737 erschienenen „Flora Lapponica“*) selbst, von 
welcher Smith eine zweite Londoner Ausgabe 1792 in der seitdem erfolg- 
reich durchgeführten binären Nomenklatur der Spezies veranstaltet hat. 
Denn ich erachte diese lappländische Flora Linnes als ein noch heute 
gültiges Muster für eine die Artbeschreibung mit den biologischen Charakteren 
der Pflanzen, ihren Standortsverhältnissen und Verwendungen im mensch- 
lichen Haushalt verbindende Landesflora und möchte sie denen zum Studium 
empfehlen, welche die Leistungen Linnes für die damalige Periode der 
Naturwissenschaften für einseitig halten und gering schätzen, weil sie zu- 
meist nur mit dem Diagnosenstil der „Species plantarum“ bekannt wurden. 
In der „Flora“ sind 380 Arten Blütenpflanzen, 19 Farne und Verw., 
32 Moose, 30 Lichenen, 12 Algen und 64 Pilze diagnostisch dargestellt und 
zum Teil auf den Kupfertafeln trefflich abgebildet. Die „Prolegomena“ 
enthalten in einer geographischen Gliederung Lapplands die Bezeichnung 
der Standorte und Andeutung gewisser Formationen durch Hinweise auf 
die im speziellen Teile folgenden Arten. Die Kulturverhältnisse und der 
menschliche Haushalt finden ausgedehnte Berücksichtigung. So geht z. B. 
über zwei Seiten hinweg die Schilderung von Vaccinium Myrtillus mit der 
Zubereitungsweise einer Lieblingsspeise der Lappländer aus Renntiermilch, 
Käse usw., die immense Menge der Heidelbeeren wird mit dem Auftreten 
des Auerhahns, des Schneehuhns usw. in Verbindung gebracht. Auf diese 
Verhältnisse greift Linne dann in Kl. XXIII. 3 bei Empetrum nigrum zu- 
rück, welches an Stelle der „Korinthen“ dient. Betula nana , die lapp- 
ländischen Weiden, die Rasenbinse Scirpus caespitosus haben ähnliche 
interessante Ausführungen, und so durch das ganze Werk. 

Wir kehren zum Gange der Lebensskizze Linnes zurück. Die Schwe- 
dische Gesellschaft der Wissenschaften hatte ihn für den vorzüglichen 
Erfolg seiner Reise dadurch belohnt, dafs sie ihn zu ihrem Mitgliede erhob 
und ihm ferner die Erlaubnis erteilte, Vorlesungen über Botanik und 


*) Fl. Lapp., exhibens plantas per Lapponiam crescentes, secundum Systema sexuale 
collectas in itinere impensis Soc. reg. Sc. Sueciae 1732 instituto. 372 S. u. XII Taf. 8°. 


31 


Mineralogie in selbständiger Weise zu halten, womit er im Jahre 1733 
auch begann; aber der Hoffnung auf eine ruhige Gestaltung seines weiteren 
Lebenslaufes trat nunmehr Neid und Eifersucht entgegen. Ein anderer 
junger und sehr strebsamer Gelehrter Rosen, welcher der Nachfolger 
Rudbecks zu werden hoffte und schon an dessen Stelle Anatomie las, sah 
in Linne einen sehr gefährlichen Nebenbuhler und suchte ihn zu stürzen. 
Er machte geltend, dafs Linne noch nicht einmal zum Doktor promoviert 
sei und also nicht Vorlesungen halten dürfe. Diese befremdliche Tatsache 
hing damit zusammen, dafs damals für die jungen Gelehrten Schwedens 
der Gebrauch bestand, im Auslande zu promovieren, und Linne hatte zu 
einer solchen Reise bisher noch nicht die Mittel gehabt. Trotz der vielen 
Freunde, welche Linne zu unterstützen suchten, setzte es sein eifriger 
Gegner durch, dafs die Fakultät ihm das Abhalten von Vorlesungen ver- 
bot. Linne war rasend; nicht allein war ihm für den Augenblick sein 
einziger Lebensunterhalt entzogen, sondern er sah nun auch keine Aus- 
sicht vor sich, die akademische Laufbahn weiter zu verfolgen. Nur mit 
Mühe war er daran zu verhindern, dafs er den von der Fakultätssitzung 
heimkehrenden Rosen auf offener Strafse mit blankem Degen erstach, und 
dieser hatte dann den weiteren Triumph, dafs die Universität an Linne 
für diese Handlungsweise einen scharfen Verweis mit Androhung von 
Relegation erteilte. Aber zu sehr war dieser empört, als dafs er nicht 
noch ferner sich mit Mordgedanken umhergetragen hätte, bis endlich in 
ihm der bessere Mensch siegte. Er erzählt davon in seinem Tagebuche, 
welches die bezeichnende Aufschrift Nemesis divana führt: ,,Als ich den 
Plan, *Rosen zu töten, mit mir herumtrug, da fuhr ich einst zur Nachtzeit 
aus schweren Träumen empor, dachte klarer darüber nach und beschlofs, 
den Plan zu verbannen. Tue es nicht, sagte ich zu mir, Gott wird als 
Rächer dastehen. Und seit der Zeit kehrte sich mir alles zum Besseren.“ 
Noch oft sehen wir in Briefen und Schilderungen seiner selbst diesen 
frommen Zug wiederkehren, der in dem Glauben gipfelte, dafs alles Schlechte 
hier auf Erden unmittelbar die göttliche Rache nach sich ziehe. 

Linne bewarb sich nun um eine Adjunktenstelle bei der medizinischen 
Fakultät in Lund, aber vergeblich; endlich fand er eine Aussicht auf 
Verdienst in dem Anerbieten von früheren Zuhörern, welche ihn um eine 
Führung auf ihre Kosten nach den reichen Erzstätten zu Falun baten, und 
so wurde diese Reise noch zu Ende des Jahres 1733 unternommen. In 
Falun lernte der Gouverneur Baron Reuterholm ihn kennen und liefs 
ihn zur naturwissenschaftlichen Ausbildung seiner Söhne eine Reise mit 
denselben durch Dalekarlien und nach Norwegen unternehmen, womit ein 
grofser Teil des folgenden Jahres ausgefüllt ward. Nach Falun zurück- 
gekehrt, begann Linne dann auf eigene Autorität hin mineralogische Vor- 
lesungen zu halten und hatte das Glück, dieselben von Erfolg gekrönt zu 
sehen. Dennoch war seine Stellung sehr unsicher und schien sich nicht 
seinen Lehrtalenten entsprechend gestalten zu wollen. 

Da kam ein neuer glücklicher Wendepunkt seines Lebens, der mit 
seinen späteren Folgen Linne der Wissenschaft erhielt, obgleich er zunächst 
die Schwierigkeiten seiner Lage zu vergröfsern schien. Er verlobte sich 
nämlich mit Fräulein Sara Lisa Moräus, der Tochter eines reichen Faluner 
Arztes. Tatsächlich ist in den unmittelbar auf seine Verlobung folgenden 
Jahren der Reichtum seiner Braut das für ihn notwendigste und nützlichste 
gewesen. Der offene, treu und redlich in allen Stücken handelnde Charakter 


Linnes widerspricht aber durchaus einer Zumutung, als ob er sich durch 
eine Verlobung hätte in Geldbesitz setzen wollen, und volles Zutrauen ver- 
dienen wohl Linnes eigene Briefe, aus denen hervorgeht, dafs hier wie bei 
der eigensinnigen Wahl seines Berufes die Neigung sein Leitstern war. 
Jedenfalls war die Persönlichkeit seiner, wie man sagt, sehr schönen Braut 
nicht ihrem späteren Gemahl ebenbürtig und sie hat es nicht verstanden, 
in ihrem Ehestande ein Hauswesen zu begründen, welches dem wissen- 
schaftlichen Ruhm ihres Mannes entsprach. Sie war zänkisch und eigen- 
sinnig, und verfuhr in späteren Jahren gegen ihren eigenen Sohn, den 
einzigen männlichen Erben des grofsen Namens und Nachfolger in der 
väterlichen Professur, mit einer unnatürlichen Härte. Um so höher ist es 
anzuschlagen, dafs Linne seine Gemahlin bis zu seinem Tode mit einer 
Treue geliebt hat, die seinem Charakter überhaupt eigentümlich war. 

Der Verlobte sollte nun zu einer gesicherten Lebensstellung schreiten. 
Sein Schwiegervater, Dr. Moräus, wünschte dringend, dafs er praktischer 
Arzt werden solle, aber zu dem Zwecke mufste er sich im Auslande die 
Doktorwürde erwerben. Durch seine Braut reichlich mit Geld versehen, 
reiste er schon im April des folgenden Jahres 1735 über Hamburg nach 
Holland, um dort auf der Akademie zu Harderwyk zu promovieren, und 
so grofs war sein Fleifs, dafs er schon am 24. Juni desselben Jahres mit 
einer Dissertation über die Ursache der Wechselfieber den Doktorgrad 
erhielt. 

Noch eine kleine Zeit beabsichtigte er nun in Holland zu bleiben, 
ehe er sich in Falun als praktischer Arzt niederliefs, um sich Land und 
Leute anzusehen, und unternahm daher zuerst eine Reise nach Leiden. 
Hier waren damals viele Naturforscher versammelt, von denen einer, 
Gronow, alsbald mit Linne innige Freundschaft schlofs. Auf ihr Anraten 
entschlofs sich Linne, die Zeit seines Aufenthaltes zu schriftstellerischen 
Arbeiten zu benutzen und alsbald erschien auf 14 Seiten sein „Systema 
naturae“*), eine systematische Anordnung der drei Naturreiche. Sensation 
und Beifall, zugleich auch Neid und Anfeindung folgten diesem Werke 
unmittelbar und bewirkten wenigstens, dafs der in Leiden lebende be- 
rühmteste Arzt der damaligen Zeit, Boerhaave, ein bedeutender Bota- 
niker, auf Linne aufmerksam wurde und ihn zu einer Audienz einlud. 
Bisher war es Linne noch nicht möglich gewesen, sich bei ihm Zutritt zu 
verschaffen, trotz aller angewendeten Mühe; denn bei Boerhaave war der 
Zudrang von Gelehrten wie von Hilfsbedürftigen ein so grofser, zugleich 
die Dienerschaft so berechnend und bevormundend, dafs mancher nur 


*) Kein Werk hat so vielerlei Auflagen erlebt und dabei so vielerlei Gestalt an- 
genommen, als dieses. Es bestach sogleich mit seiner ersten Ausgabe 1735 durch die 
analytische Tabellenform, in welcher die drei Reiche der Natur dargestellt sind: ., Systema 
naturae, sive regna tria naturae systematice proposita.“ Aus diesem Grunde machte 
J. J. Langen in Halle eine unberechtige Neuausgabe im Jahre 1740 in lateinischer und 
deutscher Sprache; ein Exemplar davon, welches ich aus eigenem alten Familienbesitz 
unserer botanischen Bibliothek (T. H.) überweisen konnte, macht durch seine Form mit 
vorgebundenen Handpapierblättern in Querfolio den Eindruck, als hätte es zu Kolleg- 
zwecken benutzt werden sollen. 

Vom Pflanzenreich erschien hier also das Sexusalystem zum zweiten Male in 
praktisch brauchbarer Übersicht, später selbstverständlich in binärer Nomenklatur. Fünf 
Jahre nach deren Einführung (im Jahre 1753) führte Linne selbst dann auch in der 
X. Ausgabe zum ersten Male die binäre Nomenklatur in der zoologischen Systematik ein, 
weshalb auch von dieser Ausgabe ein späterer Neudruck veranstaltet ist. 


33 


gegen ein hohes Trinkgeld eine Audienz erhielt. Linne beabsichtigte gerade 
die Rückreise anzutreten, als ihn einen Tag zuvor noch die Aufforderung 
zum Besuche bei Boerhaave traf. Die kurze Unterredung genügte, um 
die beiden so verschieden in Alter und Würden stehenden Männer zu 
gegenseitiger gröfster Achtung und Freundschaft zu bringen; als Linne 
Tags darauf seine Weiterreise an trat, hatte er schon als Beweis von Boer- 
haaves Zutrauen eine Empfehlung an Burmann in Amsterdam bei sich, 
der damals mit der Bearbeitung einer Flora Ceylons beschäftigt war. 
Diese Empfehlung verschaffte ihm eine freundliche Aufnahme und da 
Burmann alsbald merkte, wie nützlich ihm Linne bei seiner ceylonischen 
Flora sein könne, so nahm er ihn, der schon wieder auf fremde Unter- 
stützung angewiesen war, in seinem Hause auf und beide arbeiteten ge- 
meinschaftlich. Linne benutzte hier die grofse Bibliothek seines Gast- 
gebers, um ausgedehnte Literaturstudien zu machen, die er auch alsbald 
zu einer neuen Publikation verwertete, nämlich zu der im Jahre 1736 in 
Amsterdam herausgegebenen „Bibliotheca botanica“, einem systemati- 
sierenden, merkwürdigen Katalog der botanischen Werke und Autoren. So 
ging das Promotionsjahr 1735 zu Ende und Linne dachte ernstlich an seine 
Heimkehr, als eine neue Stellung ihm in Holland angeboten und sein Auf- 
enthalt dort dadurch wesentlich verlängert ward. Der Bürgermeister von 
Amsterdam Cliffort besafs als reicher Mann in der Umgebung der Stadt 
einen grofsen Garten zu Hartecamp und bot Linne auf Boerhaaves Em- 
pfehlung an, dort als Botaniker und Privatarzt zu wohnen bei freier Be- 
köstigung und 1000 Gulden jährlichem Gehalt. Eine so günstige Stelle 
hatte sich Linne bisher noch nie geboten und mit Freuden willigte er in 
den gemachten Vorschlag um so lieber ein, als Cliffort auch ansehnliche 
Sammlungen besafs, die er nun in der Stille des ländlichen Aufenthaltes 
nach Kräften ausbeuten konnte. Neue wissenschaftliche Leistungen, neue 
Sensation und neuer Ruhm gaben alsbald die Kunde davon, was für ein 
Botaniker jetzt in Hartecamp seinen Wohnsitz aufgeschlagen habe. Die 
„Musa Cliffortiana“, besonders aber der als Katalog von 2500 Pflanzen- 
arten auf 532 Seiten mit 37 Kupfertafeln herausgegebene „Hortus Cliffor- 
tianus“ 1737 haben den Namen des Bürgermeisters auch in der Botanik 
verewigt, der diese Werke in kleiner Auflage drucken liefs und verschenkte. 
Die K. Leopoldinische Akademie der Naturforscher fühlte sich ver- 
anlafst, schon damals Linne unter dem Namen „Dioscorides“ zu ihrem 
Mitgliede zu machen. — Cliffort veranlafste Linne auch zu einer Reise 
nach England, um für seinen Garten fremdländische Gewächse von dorther 
zu holen. Selten sind wohl so günstige Empfehlungen, wie sie Linne be- 
safs, so wenig beachtet worden. Boerhaave hatte seinem wissenschaft- 
lichen Freunde, dem Baronet H. Sloane, der nachmals das berühmte 
britische Museum gestiftet hat, den jungen Linne mit folgenden Worten 
empfohlen: „ Linnäus , der Euch diesen Brief überreicht, ist allein ivürdig , 
Euch zu sehen, und allein ivürdig, von Euch gesehen zu werden. Wer 
Euch beide gleichzeitig sieht , wird ein Paar von Männern sehen, wie der 
Erdkreis kein ähnliches besitzt.“ Allein gerade der Umstand, dafs Boer- 
haave den jungen Linne als ebenbürtig dem stolzen Sloane an die Seite 
gestellt hatte, liefs die Empfehlung an letzterem wirkungslos vorüber- 
gehen, und nicht weniger wurde Linnes Stolz von den übrigen Engländern 
gekränkt, da sogar der alte Dillenius in seiner Gegenwart über ihn — 
allerdings in englischer Sprache, die Linne nur wenig verstand — das 


34 


Urteil gefällt hatte: „Sehen Sie, das ist der junge Mensch, der die ganze 
Botanik verwirrt.“ Aus diesen Kontrasten vermag man zu ersehen, wie sehr 
die von Linne angestrebte Reform in den systematischen und termino- 
logischen Grundlagen damals zu gären und die Botaniker zu beschäftigen 
begann. 

Am stärksten trat dieses im Jahre 1737 hervor, wo Linne seinen 
gröfsten Fleifs entwickelte und in sechs Originalwerken zusammen etwa 
200 gedruckte Bogen herausgab, die alle in der Muse zu Hartecamp nieder- 
geschrieben waren und die Reform der Botanik in Theorie und Praxis 
durchführten. Die Meinungen darüber waren in zwei Heerlager getrennt 
und zu den Gegnern Linnes schien sich auch damals der grofse nach 
Göttingen berufene Haller gesellen zu wollen, welcher gegen die Un- 
natürlichkeit des neuen Linneschen Sexualsystems sofort auftrat. Höchst 
interessant ist der erste Brief, welchen damals Linne an Haller schrieb 
und in dem er von seinem eigenen neuen System in sehr bescheidener 
Weise spricht, wie es später nicht mehr der Fall war. Er beschwört 
Haller, mit ihm in Frieden zu bleiben: „Wer triumphiert ohne Wunden? 
— Sie allein und Dillenius möchte ich nicht zu meinen Feinden haben, 
denn Sie haben eben das Buch — die Natur — gelesen, das ich lese^. Die 
anderen Botaniker, die blofs Büchergelehrte sind, achte ich nicht, wenn sie 
auch noch so viel Weisheit besitzen.“ — Eine edle Freundschaft begann 
auf diesen Brief hin zwischen beiden Forschern aufzublühen, die leider 
nicht die spätere Lebenszeit hindurch anhielt, sondern vielfach durch die 
gegenseitige Rivalität und literarische Anfeindung getrübt wurde. 

Andere nichts weniger als bedeutende Botaniker griffen Linne damals, 
1737, mit um so gröfserer Heftigkeit an und keiner mehr als der Professor 
zu Helmstedt Heister, der, als er selbst aus dem Felde geschlagen war, 
seinen in Petersburg angestellten Schüler Siegesbeck gegen Linne zu 
Felde rief. Er führte den Kampf mit solcher gemeinen Heftigkeit, dafs 
der Name Siegesbeck für Linne immer als Bezeichnung von etwas höchst 
Widerwärtigem galt. Als sich ihm später im Jahre 1739 noch immer 
keine botanische Stellung bot und er sich mit der ärztlichen Praxis er- 
nähren mufste, da rief er bekümmert aus: „Äskulap gibt alles Gute, Flora 
aber nur Siegesbecke.“ Und noch später, als kein Gegner mehr seinen 
Ruhm schädigen konnte, rächte er sich durch eine Aufstellung einer Rang- 
liste der Botaniker unter dem Namen „Floras Gardekorps“, in der er 
selbst als General voransteht und mit sehr grofsem Rechte Bernh. Jussieu 
als Generalmajor folgen läfst, Haller mit zwei Leidener Botanikern als 
Obersten bezeichnet; in diesem Korps bekleidet Siegesbeck die niedrigste 
Charge als Feldwebel. 

Linne wollte nun endlich nach Schweden zurückkehren. Es bemächtigte 
sich seiner die gröfste Sehnsucht nach Vaterland und Braut und war sogar 
die Ursache, mehrere sich ihm sehr vorteilhaft bietende wissenschaftliche 
Stellungen in Holland auszuschlagen. Im Winter 1737 ging er noch einmal 
nach Leiden zu seinen Freunden, besuchte im März des folgenden Jahres 
zum letzten Male Hartecamp und eilte dann, von seinem greisen väterlichen 
Freunde Boerhaave Abschied zu nehmen. Die Abschiedsworte, die dieser 
mit zitternder Stimme zu ihm sagte, kann man als ein Vermächtnis dieses 
vortrefflichen Mannes ansehen, welches sich bei seinem Lieblinge glänzend 
erfüllt hat. „ Mein Leben neigt sich zu Ende“, sagte er, „und meine Tage 
sind gezählt; ich habe alles getan, was in meiner Macht stand. Dir hinter- 


35 


bleibt noch diese Pflicht, und mag Gott Dich dabei schützen. Was die Welt 
von mir zu fordern hatte, hat sie bekommen , aber von Dir erwartet sie 
noch viel mehr. Lebe wohl, mein teuerer Linnäus! u — Und Linne mufste 
eiliger reisen, als zuvor seine Absicht gewesen war, da er gern in einem 
weiten Bogen über Leipzig und Göttingen, um hier Haller persönlich kennen 
zu lernen, nach Schweden zurückgekehrt wäre. Allein es waren merkwürdige 
Dinge in Falun vor sich gegangen; der Freund Linnes, der die Korrespondenz 
zwischen ihm und seiner Braut vermittelte, hatte letzterer unter der Vor- 
Spiegelung, dafs der ungetreue Linne niemals zurückkehren wolle, für sich 
selbst einen Heiratsantrag gemacht. Noch rechtzeitig wurde sein Freund- 
schaftsbruch entlarvt, und auch er ist später, wie Linne in seinem Tagebuch 
bemerkt, „von der Strafe des Himmels getroffen und von tausend Wider- 
wärtigkeiten verfolgt“. 

So traf Linne, nach eiliger Durchreise durch Paris zum Besuche bei 
den beiden berühmten Jussieu, im Juni wieder in seiner Heimat ein. Nun 
sollte er der ursprünglichen Bestimmung gemäfs sich als praktischer Arzt 
niederlassen und ging zu diesem Zwecke nach Stockholm, aber er hatte 
weder grofse Neigung zur Praxis, noch zuerst wenigstens Glück mit ihr. 
Der Ruf des grofsen Botanikers war ihm vorangeeilt, aber eben darum 
vertraute man ihm keine Patienten an, sodafs der nun schon so berühmt 
gewordene Gelehrte alsbald wieder in grofser Verlegenheit sich befand. In 
dieser widrigen Lage schrieb Haller voller Freundschaft einen Brief an ihn 
(November 1738) des Inhaltes, dafs er Lust habe, sobald sein eigenes Vater- 
land, die von Haller nie vergessene Schweiz, ihm dort eine passende Stellung 
anweise, von Göttingen fortzugehen, und dann wolle er dafür Sorge tragen, 
dafs Linne an seiner Stelle dorthin berufen werde, da er keinem Würdigeren 
seine Stellung übertragen könne. — Als aber Haller später wirklich Göt- 
tingen verliefs, war Linne in Upsala in der glücklichsten Lage und die 
1738 blühende Freundschaft zwischen den beiden Männern war ziemlich 
erkaltet. 

Übrigens brachte schon das folgende Jahr unserm Linne durch 
einige glückliche Kuren eine günstigere Lage. Der dem königlichen Hause 
nahestehende Graf Tessin wurde sein Wohltäter, erreichte es auch, dafs 
Linne in den Staatsdienst treten konnte unter der Eigenschaft eines „König!. 
Botanikus und Marinearztes“, worauf denn Linne am 26. Juni desselben 
Jahres (1739) mit seiner seit fünf Jahren verlobten Braut Hochzeit hielt. 

Eine bittere Enttäuschung brachte ihm noch das folgende Jahr: der 
Professor der Botanik in Upsala Rudbeck war gestorben und Linne hoffte, 
dessen Nachfolger zu werden. Allein vergeblich, denn sein alter Rivale 
Rosen wurde ihm vorgezogen und Linne blieb, was er war und wohnte 
nach wie vor zu Stockholm. Noch waren seine Gegner nicht beschwichtigt 
und erhoben gegen den kühnen Revolutionär auch in Schweden zahlreich 
ihre Stimmen, sodafs sich Linne zu einer anonym herausgegebenen Ver- 
teidigungsschrift genötigt sah, in der er die gelehrten Naturforscher Euro- 
pas mit ihrem Urteile über ihn für sich sprechen läfst*). Ein spafshaft 
klingendes, fast möchte man sagen kleinliches Mittel darf hier nicht uner- 
wähnt bleiben, welches Linne kräftig handhabte, um sich an seinen Feinden 
dauernd zu rächen. Bei der Benennung von Pflanzengattungen oder - Arten, 
die ja gröfstenteils von ihm neu vollführt wurde, widmete er seinen Freunden 


*) Siehe Anhang, Literatur I. (1). 


36 


schöne und seltene, seinen Feinden aber recht häfsliche und unansehnlich 
blühende Pflanzen, welche noch heute deren Namen tragen. Er legte über- 
haupt auf diese Widmungen ein grofses Gewicht und war stolz auf die lieb- 
liche, seinen Namen führende Pflanze. 

Das Jahr 1741 ward aber nun bedeutungsvoll für sein Glück: der 
20. Januar war der Geburtstag seines einzigen Sohnes und späteren Nach- 
folgers, mit dessen frühem Tode der männliche Stamm der Ritter v. Linne 
erlosch. Am 31. März wurde zu Stockholm die schwedische Akademie der 
Wissenschaften offiziell begründet, die Linne ihr Entstehen verdankte und 
unter seinem Präsidium zuerst ihre Sitzungen hielt. Im Frühlinge machte 
er dann im Aufträge des Staates eine Reise nach den schwedischen Ostsee- 
inseln, um dieselben naturhistorisch zu untersuchen und dem Vaterlande 
einen neuen Teil des Gebietes wissenschaftlich zu erschliefsen. Endlich 
wurde er, als zu Upsala eine Vakanz in der Professur für Medizin 
und Anatomie eintrat, für dieselbe gewählt und hatte nun also im 
34. Lebensjahre das hauptsächlichste Ziel seiner Wünsche erreicht. Er 
siedelte im September mit seiner Familie nach Upsala über und ist dieser 
Akademie dann zeitlebens treu geblieben. Nur das trübte noch sein völliges 
Glück, dafs er Medizin und Anatomie lesen sollte, während sein alter Rivale 
Rosen Botanik vertrat. Aber dieses Mifsverhältnis wurde auch letzterem 
und der Fakultät sehr bald klar und schon 1742 erfolgte ein gegenseitiger 
Austausch der Professuren. Und nun endlich in dem ruhigen Hafen an- 
gelangt, nach dem er, durch Sturm sich hindurchkämpfend, gestrebt hatte, 
widmete sich Linne fast allein der von ihm so geliebten Pflanzenwelt, der 
er auch bis dahin unvergleichlich mehr genützt hatte als den anderen 
Naturwissenschaften, deren Reformen sich gewissermafsen an das für die 
Botanik gelieferte Modell anschlossen. Ein neuer botanischer Garten wurde 
gegründet; schon im Juli 1743 siedelte Linne in denselben über und widmete 
ihm alle seine Kräfte. Seinem weit berühmten Namen war es zu verdanken, 
dafs der Garten durch Schenkungen aus aller Herren Länder alsbald einer 
der reichhaltigsten in Europa wurde. Seine Auditorien füllten sich mit 
zahlreichen Studenten, die nur seinetwegen aus fernen Gegenden herkamen, 
und wurden die besuchtesten*); im Sommer wurden die botanischen Vor- 
lesungen durch häufige Exkursionen ergänzt, wie sie wohl mit gröfserer 
Liebe aller Teilnehmer kaum jemals wieder veranstaltet sind. An 200 Teil- 
nehmer sollen den Heiteres und Ernstes in gleicher Weise hier zur Schau 
tragenden Professor oft begleitet haben; sie zerstreuten sich an verab- 
redeten Plätzen, um auf die Suche zu gehen, und wenn Linne oder einer 
aus dem Gefolge etwas besonders Interessantes gefunden hatte, so wurde 
mit Waldhörnern zum Sammeln geblasen; alles vereinigte sich dann um 
den ehrwürdigen Meister, der mit klaren Worten das Wissenwürdige an 
dem gemachten Funde auseinandersetzte. 

Verschiedene gröfsere Reisen unternahm Linne noch in den vierziger 
Jahren nach Westgothland und Schonen, sonst aber lebte er mit seinen 
Arbeiten beschäftigt still zu Hause. Der Flora Schwedens folgte eine 
Fauna seines Heimatlandes aus seiner Feder, dann die Bearbeitung der Flora 
von Ceylon nach getrockneten Pflanzen, dann die Resultate seiner Reise- 
studien, dann der unter dem Namen ,,Philosophia botanica“ bekannte 


*) Angeblich stieg die Zahl der Studenten an der Universität Upsala unter Linnes 
Einflufs von 500 auf 1500. 


37 


Grundrifs über die Geschichte und Prinzipien seiner Wissenschaft und 
1753 die erste Ausgabe der Species plantar um, die auf 1200 Seiten die 
Beschreibungen von 7300 Arten brachte. Mehr Arten konnten damals 
kaum beschrieben werden, denn Linnes Sammlungen waren reichhaltiger 
als die irgend eines anderen; als aber später Schüler von ihm in ferne 
Weltteile gingen, um deren Flora zu erschliefsen, da war es ihm selbst 
noch vergönnt, in wiederholten Ausgaben des letztgenannten Werkes und 
in Spezialarbeiten wesentliche Ergänzungen zu bringen und die Zahl der 
beschriebenen Arten noch stark zu vermehren. Es ist übrigens allgemein 
bekannt, dafs die im deutschen Sprachgebiet vereinigte Flora Mitteleuropas 
allein schon jetzt mehr Arten (Blüten- und Sporenpflanzen) zählt, als Linnes 
Species plantarum von der ganzen Erde damals enthielten. 

Es mag hier nun eine weitere Einschaltung Platz finden über die 
eben genannten Werke, fundamental für ihre Zeit und nachwirkend in die 
Gegenwart hinein. 

Der Umstand, dafs dieselben aus manchen, wenn auch mehr formalen 
Gründen noch heutzutage gebraucht und in botanischen Bibliotheken nach- 
geschlagen werden, wie ebenso, dafs die deskriptive Richtung der Syste- 
matik und Floristik die Beschreibungen von Gattungen und Arten zu wesent- 
lichem Anteil noch in dieselben Formen — mutatis mutandis! — giefst, 
welche Linne damals dafür anwenden lehrte, beweist allein schon deren 
tatsächliche Bedeutung, und wenn davon manche neuere Botaniker nichts 
wissen wollen, weil sie in einer anderen Richtung arbeiten, so sagen sie 
damit noch nichts in Beziehung auf diejenigen Richtungen der Botanik, 
welche damals als notwendig anerkannt waren und sich rapide eine Allein- 
herrschaft bis in das 19. Jahrhundert hinein verschafften. Dafs man den 
durch so alte Werke in formaler Beziehung ausgeübten Zwang in manchen 
Beziehungen als lästig empfinden kann, sagt auch noch nichts gegen die 
damalige glückliche Institution solcher formaler Begriffe, wie sie z. B. die 
Spezies-Nomenklatur als eine für die Wissenschaft notwendige Zugabe archi- 
vischer Art, ganz unabhängig von der freien Forschung, mit sich bringt. 
In mancher Beziehung hat man nur versäumt, rechtzeitig gewisse Ände- 
rungen anzubringen, welche die Kompromisse zwischen formalen Dingen 
und neuen Erfahrungen der Forschung verlangten, und diese Schuld trifft 
die Schüler und Epigonen, nicht den alten Lehrmeister! 

Das könnte man doch auch sogar von dem Linneschen Sexualsystem 
sagen, dafs es nämlich bei rechtzeitigen Änderungen noch heute — natür- 
lich nicht ein System — wohl aber die nützlichste ,, Clavis analytica“ zur 
Bestimmung der Genera eines kleineren Florengebiets abgeben würde, 
während es — trotz der konservativen Lehrpläne der Schulen — in der 
ursprünglichen Form Linnes doch jetzt als ganz unbrauchbar angesehen 
werden mufs. Mufsten es denn immer 24 Klassen sein? Konnten nicht 
die Sporenpflanzen weiter zerlegt, andere Klassen zusammengezogen wer- 
den? Hat die Blütenmorphologie nicht längst festgestellt, dafs nicht die 
Zahl der Staubblätter an sich das wichtigste ist, sondern die Art und 
Weise, wie sie zu stände kommt (wie es auch Linne bei Cruciferen und 
Labiatifloren richtig erkannt hatte!)? So dafs also z. B. Blüten mit dedoub- 
lierten Staubblättern, wie Ruta , sich dann durch diese Verdoppelung aus- 
zeichnen und die viergliedrig aufgebaute Blüte 8 Staubblätter, die fünf- 
gliedrige aber 10 Staubblätter notwendigerweise haben mufs, statt sie 
nach Klasse VIII und X zu trennen. — Ich will hiermit nur andeuten, 


38 


was man mit vielem von Linnes Schöpfungen hätte machen können, wenn 
man es entwickelungsfähig gehalten und nicht vorgezogen hätte, die alten 
Formen bis zur Unmöglichkeit auszubeuten. Die Wege, welche Linne da- 
mals betreten hatte, waren jedenfalls sehr wegsam. 

Diese Wege kennzeichnete er am meisten in seiner ,,Philosophia 
botanica“, die man als ein recht altes, ehrwürdiges Lehrbuch der Botanik 
in der abrifsartigen Form ansehen mufs, wie sie eben Linne, dem scharfen 
Diagnostiker, zu eigen war. Dafs sein Wissen viel weiter ging, als es der 
Rahmen der „Philosophia“ andeutet, braucht kaum hinzugefügt zu werden. 
Was dieses alte Lehrbuch — und ich möchte hinzufügen, dafs ich in der 
älteren, mir zu Gebote stehenden Literatur kein anderes, früheres Buch 
gefunden habe, welches man so wie Linnes „Philosophia“ als Lehrbuch 
bezeichnen könnte — für eine Bedeutung damals gehabt hat, das bezeugt 
ja seine Verbreitung allein schon. 

Nach einem schon im Jahre 1732 verfertigten Manuskripte, welches 
damals keinen Verleger fand, gab Linne 1736 die „Fundamenta botanica“ 
heraus, die aber wenig verbreitet blieben. Somit trug er seine geläuterten 
Reformideen in die einzige von ihm besorgte und 1751 in Stockholm er- 
schienene erste Ausgabe der „Philosophia botanica“ nach zehnjähriger Lehr- 
tätigkeit als Professor hinein, und dieses Buch mufs damals — nach seiner 
noch jetzt starken Verbreitung und dem niedrigen Antiquariatspreise von 
ca. 6 Mk. zu schliefsen — sehr stark gekauft worden sein. 

Drei andere Ausgaben sind dann nach Linnes Tode von anderen 
tüchtigen Botanikern veranstaltet worden, die Editio II im Jahre 1780 von 
Gleditsch, die Editio III im Jahre 1790 von Willdenow, die Editio IV 
im Jahre 1809 von C. Sprengel. Willdenow änderte nur die letzte der 
beigefügten elf Tafeln mit ihren zwar schematisierten, aber dadurch doch 
recht eindrucksvollen, wie Diagramme wirkenden Figuren, und erst Sprengel 
zeichnete sämtliche Figuren um. Und hören wir nun, was Sprengel in 
seinem lateinischen Vorwort sagt: 

„Das Buch, das ich schon als Knabe und Jüngling hochschätzte und bewundert 
habe, aus dem ich überhaupt all mein Wissen in der Pflanzenkunde geschöpft habe, das 
Buch, welches ich durch mehr als zwölf Jahre in jedem Sommer in öffentlichen Vor- 
lesungen kommentierte, das biete ich hiermit den Gelehrten und Anfängern, vermehrt 
und illustriert mit den Errungenschaften unserer Zeit. Es scheint weder angebracht 
noch meine Pflicht zu sein, in Lobeserhebungen über dies Buch mich zu ergehen, welches 
ich für einzig halte und für das vortrefflichste in der ganzen Naturwissenschaft. Nur 
mufs ich kurz vorausschicken, was ich mit eigener Arbeit hinzugefügt, verändert oder 
zu verbessern versucht habe.“ 

Solche Worte, begleitet von Taten, bezeugen ganz von selbst, welchen 
Rang man noch vor 100 Jahren den Werken Linnes beimafs, und wenn 
wir heute glücklicherweise in der Lebewelt das Werdende, das sich Ent- 
wickelnde und die Erscheinungen der Anpassung als unerläfslich zum Ver- 
ständnis der fertigen Form erforschen, so sind wir doch zu dieser ge- 
läuterten Erkenntnis hauptsächlich auf dem Wege gelangt, den die Bo- 
tanik des 18. Jahrhunderts unter Linnes Führung betrat; ja es ist die Frage, 
ob die von den Physiologen und Chemikern damals gleichfalls eröffneten 
Wege allein uns hätten so weit bringen können. Zur umfassenden Kenntnis 
des Pflanzenreichs konnte man mindestens nur auf ersterem gelangen. 

Über die Rolle der „Species plantarum“, deren Editio I im Jahre 
1753, die viel weiter verbreitete Editio II im Jahre 1763 erschien, und 
über die „Genera plantarum“, deren Editio V vom Jahre 1754 die 


39 


v 


Nomenklatur-Grundlage der Spezies ergänzte, habe ich wohl kaum nötig, 
in unserer naturforschenden Gesellschaft Bemerkungen zu machen; diese 
Werke sind noch heute allbekannt.*) 

Bemerkt möchte vielleicht werden, dafs die Zahl der „Genera“ im 
Jahre 1754 sich auf 1105 belief, welche alle in gleicher Weise nach den 
Signaturen Calyx, Corolla, Stamina, Pistillum, Pericarpium und Semen in 
Diagnosen gekleidet sind. Die Zahl der Gattungen beträgt gegenwärtig 
beiläufig das Zehnfache. 

Selbstverständlich gilt für die Anordnung in diesen Systemwerken 
stets das Sexualsystem in 24 Klassen, meist unter Beifügung eines be- 
sonderen Anhanges für Palmen u. a., welche sich dem sexuellen Klassen- 
system nicht fügen wollten. Aber trotzdem wird man, wenn man sich in 
Linnes eigene Schriften vertieft, immer und immer wieder zu der Meinung 
geführt, dafs er selbst seine Anordnung nach Klasse I — XXIV als eine 
interimistische ansah und nicht gerade in ihr den Hauptwert seiner Arbeiten 
erkannt haben würde. Wohl wufste er, dafs er durch Anwendung dieser 
Methode Ordnung in die Beschreibung der Pflanzenwelt gebracht hatte, 
aber, wenn er auch mit der Gattungs- und Speziesdefinition zufrieden ge- 
wesen sein wird: mit den Klassen war er es nicht! 

Zwar entsprechen sie seinem in der „Philosophia botanica“ unter § 164 
geäufserten Grundsatz: 

„Dispositio vegetabilium primaria a sola fructificatione 
desumenda est“, 

sowie dem: 

„Filum ariadneum Botanices est Systema, sine quo Chaos 
est Bes herbaria“. 

Aber zugleich spricht er unter § 77 freimütig aus: 

„Methodi Naturalis fragmenta studiose inquirenda sunt. 

Primum et ultimum hoc in Botanicis desideratum est.“ 

Und stets ist es mir erschienen, als wenn Linne, wenn er noch einmal ein 
neues Leben hätte haben können, seine sexuelle Anordnung hätte um- 
werfen mögen und selbst eine neue getroffen hätte, vielleicht so, wie bald 
nach seinem Tode Jussieu (im Jahre 1789) mit der Einführung des 
„Methodus naturalis“ es machte. 

Es wird dies in bemerkenswerter Weise bestätigt durch das am Schlufs der hier fol- 
genden Literatur-Zusammenstellung unter II. (14) angeführte, von Ove Dahl jüngst erst 
herausgegebene „Collegium botanicum“ Linnes von 1767. In einer ganz überraschenden 
Weise hebt dieses rein deskriptive Kolleg mit Klasse IV an und fafst die „Stellatae“ 
voranstehend zusammen, fügt hinter Cornus dann die „Umbellatae“ bei, ergeht sich in 
den Umbelliferen und läfst dann erst die Klasse V „Pentandria“ folgen, um unter deren 
Monogynia die Asperifolien zu behandeln. Und so weitergehend schliefst er hinter 
Gentiana nun zunächst die Didynamia (also Klasse XIV anstatt Klasse VI) an, er- 
ledigt die Klasse III am Schlufs mit Ausführung der Gräser und behandelt die Cyperaceen 
einschliefslich Carex im Anhang als . „Graminibus affinia“. Also er trug seinen Zu- 
hörern unter Wechsel der ursprünglichen Klassenfolge die Pflanzenwelt in dem Zusammen - 
schlufs der grofsen natürlichen Gruppen, der „Ordines naturales“, vor, wobei allerdings 
die Mono- und Dikotyledonen noch nicht als gesonderte Hauptgruppen erschienen. 

In dieser Hinsicht ist von gröfstem Werte ein Werk, welches erst 
14 Jahre nach Linnes Tode von einem seiner Schüler, Paul Dietr. Giseke, 


*) Da die erste Ausgabe der „Species plantarum“ (1753) als Ausgangspunkt der 
binären Nomenklatur noch heute in den botanischen Bibliotheken quellenmäfsig ein- 
gesehen werden mufs, ist in diesem Jahre ein Faksilime- Neudruck veranstaltet (bei 
0. Weigel, Leipzig, für 40 Mk. käuflich). 


40 


herausgegeben wurde, die Vorlesungen Linnes über die natürlichen Pflanzen- 
familien*). Es ist wohl nicht ohne Bedeutung, dafs hier im Texte die 
Palmae voranstehen, diese prachtvoll natürliche Familie, die Linne in 
seinen Klassen nie mit Befriedigung unterbringen konnte. Aber noch 
lehrreicher für das, was Linne dachte, ist die Wiedergabe einiger Ge- 
spräche zwischen Meister und Schüler. 

Letzterer dringt in ihn, kühn und entschlossen die Ordines naturales aufzuhauen. 
Linne sagt, es sei unmöglich. „Kannst Du mir den Charakter einer einzigen Ordnung 
lierstellen?“ 

Giseke: ,,lch glaube es zu können, z. B. für die Umbelliferen.“ 

Linne: „Und ihr Charakter?“ 

Giseke: „Eben der im Namen liegende: sie tragen die Blüten in Dolden.“ 

Linne: „Gut; aber es gibt auch andere Pflanzen, die solche Infloreszenz tragen.“ 

Giseke: „Gewifs. Es ist noch hinzuzufügen: „Semina duo nuda“ (damalige falsche 
Auffassung des Fruchtknotens der Umbelliferen). 

Linne: „Dann gehört Echinophora nicht hierher, obgleich sie Umbellate ist. Und 
wohin bringst Du Eryngium?“ 

Giseke: „Zu den Aggregatae.“ 

Linne: „Auf keinen Fall! Es ist ganz gewifs eine Umbellifere!“ (Folgt die Be- 
gründung.) 

Giseke: „Solche Pflanzen müssen an den Schlufs der Ordnung gestellt werden, 
damit sie einen Übergang zu einer anderen Ordnung machen. Eryngium würde die 
Umbellaten mit den Aggregaten verbinden.“ 

Linne: „Ah! Das ist allerdings ganz etwas anderes, die Übergänge kennen und 
die Charaktere der Ordnung kennzeichnen. Jene kenne ich zwar und wie die eine 
Ordnung mit der andern zu verbinden sei; aber ich möchte es nicht sagen — ich kann 
es nicht sagen.“ 

Es ist unschwer einzusehen, dafs Linnes Bestreben, den Klassen des 
Systems feste, abgerundete Merkmale zu geben, mit seinen genetischen 
Weltanschauungen zusammenhing. Er betrachtete die Arten und Gattungen 
als natürlich, weil sie ,,ab initio u geschaffen seien; die Klassen dagegen 
erschienen ihm als Gemisch von Natur und künstlicher Wissenschaft. Wir, 
die wir heute auf dem Standpunkte der Deszendenztheorie und der Muta- 
tion der Arten stehen — ein Standpunkt, der erst aus dem innerlichen 
Zusammenwirken verschiedenartiger Zweige der Natur forschung sich er- 
geben konnte — , wir verbinden schon mit der Art den Begriff des 
Flüssigen, Veränderlichen und lernen schon bei den Stammeinheiten des 
Systems mit den Übergängen und Verbindungsformen rechnen. Jussieu 
tat das unentwegt auch schon in jener alten Zeit bei seinen „Ordines 
naturales“; aber wer weifs, wie viel er selbst aus dem harten Ringen 
Linnes, Natur und künstliche Wissenschaft zu verbinden, gelernt hatte. 

So kann ich nach meinem Empfinden den Wert des Linneschen Sexual- 
systems, welches man stets neben der Methode seiner Diagnostik und der 
Einführung der binären Nomenklatur der „Spezies“ als seine botanische 
Hauptleistung zu nennen pflegt, hauptsächlich in den beiden Momenten 
finden, einmal für jene frühe Zeit der über die ganze Erde sich ausbreiten- 
den Pflanzenkunde eine höchst nützliche, damals unentbehrliche schema- 
tische Anordnung getroffen zu haben, welche das breitschleppende Gewand 
der langatmigen Kräuterbücher wirkungsvoll ersetzte und einen enormen 
Aufschwung der Kenntnisse zuliefs, ja forderte; und zweitens in dem für 
die wissenschaftliche Ausübung sehr nützlichen methodischen Hinweis auf 
ein analytisches Bestimmungsverfahren, welches nach den Grundsätzen der 
fortschreitenden Blütenmorphologie längst hätte weiter ausgebaut werden 


*) Oaroli a Linne Praelectiones in Ordines naturales plantarum. Hamburg' 1792. 


41 


sollen, um die in der Erkenntnis der natürlichen Pflanzenfamilien für An- 
fänger und nicht fachmännisch Durchgebildete auch heute noch liegenden 
Schwierigkeiten möglichst zu beseitigen. Die Naturforschung dringt auf 
Fortschritt und man hat durch die konservative Beibehaltung der Linne- 
schen Originalklassen seiner Methode auf dem Gebiete, wo sie dauernd 
brauchbar sein konnte, nur im Ansehen geschadet. 

Dafs in jener Periode der botanischen Entwickelung, die nun schon 
weit hinter uns liegt und seit welcher auch die exakten Naturwissenschaften 
eine ungeahnte und fruchtbar weiterwirkende Entwicklung durchliefen, die 
beschreibende Seite der Botanik vorangehen mufste, ist ganz selbstver- 
ständlich. Auch Physik und Chemie, selbst die exakteste aller Wissen- 
schaften, die Astronomie, haben ihre breiten deskriptiven Grundlagen, in 
deren Bereich erst hinterher die Theorie zusammenfassen konnte und die 
induktive Forschung begann. Diese Grundlagen, an denen wir heute mit 
geläuterter Erkenntnis noch immer weiter ausbauen, in ihrem Werte für 
die organische Naturforschung zu verkennen, kann nur Ausdruck einer 
tadelnswerten Einseitigkeit nach anderer Richtung hin sein, der sich in 
unserer Zeit niemand schuldig machen sollte! 

Damals wurde diese Seite hoch verehrt; „Deus creavit — Linnaaus 
disposuit“ — ein solcher Denkspruch besagt alles. Aber man würde doch 
irren, wollte man nach diesen Arbeiten das Wissen und die Lehrtätigkeit 
von Linne beurteilen. Um diese richtig zu würdigen, mufs man andere, 
weniger bekannte und verbreitete Bücher hinzuziehen, so seine „Materia 
medica“ (in welcher die diagnostische Methode auch auf eine Einteilung 
der Medikamente angewendet wurde und dann die offizinellen Tier-, Pflanzen- 
und Mineralheilmittel systematisch angeordnet folgten), besonders aber 
die „ Amoenitates academicae“. 

Sieben Bände dieser akademischen Disputationen und Dissertationen 
sind von Linne selbst herausgegeben (1749 — 1769), die drei letzten Bände 
veröffentlichte Schreber 1785 — 1790. Jeder Band enthält 10—20 Einzel- 
bearbeitungen, meist von Schülern Linnes, denen er Aufgaben gestellt hatte 
und deren Resultate er kritisierte, zum kleineren Teile auch von ihm selbst. 
Aus ihnen kann man die Fülle von Anregungen ersehen, die im botanischen 
Garten zu Upsala gegeben wurden, und nur selten mag ein akademischer 
Lehrer fruchtbarer nach dieser Richtung hin gewirkt haben. 

Von besonderem Werte für die damaligeZeit, in welcher die Physio- 
logie der Befruchtung sich zunächst auf das Aufserliche der Organbildung 
zu beschränken hatte, sind die dahin gehörigen Dissertationen, in Band I, 
No. XII die 

„Sponsalia plantarum, proposita a J. G. Wahlbom. Upsaliae 1746“, 
und aufserdem in Band X, No. IX die Preisschrift Linnes 

„Disquisitio de Sexu plantarum“ vom Jahre 1760. 

Hier tritt auch die experimentelle Methode in ihre Rechte und die 
z. B. mit Clutia tenella*) ( Cluytia , Euphorbiacee) ähnlich wie mit Mer- 
curialis angestellten Versuche zeigen Linnes eigene Beobachtungstätigkeit. 
Diesen Arbeiten schliefsen sich floristisch -monographische Bearbeitungen 
an, wie z. B. gleich die erste Dissertation über die Zwergbirke Betula 
nana , erläutert durch Tafeln. 


0 Bd. VII, S. 117. 


42 


In den Beziehungen zur geographischen Verbreitung hat Linne der 
Klimatologie grofse Beachtung geschenkt und thermometrische Beobach- 
tungen viel angestellt, schon seit seiner lappländischen Expedition. Von 
grofsem Interesse ist der von Wittmack (Lit. II. 13.) kürzlich gegebene 
Hinweis, dafs die Celsius’ Namen tragende 100-teilige Thermometerskala 
in ihrer seit damals gebräuchlichen Bezifferung, Null am Gefrierpunkte, 
100° am Siedepunkte, von Linne herrührt, da die ursprüngliche Bezeich- 
nung den Nullpunkt am Siedepunkte gehabt hat und die Frostgrade nach 
unten hin von 101° an fortlaufend zählte. Der klimatisch -pflanzengeo- 
graphische Wert des Gefrierpunktes des Wassers ist dadurch zu seinem 
Rechte gekommen. 

Diese Dinge aus Linnes akademischer Lehrtätigkeit und wissenschaft- 
licher Glanzzeit behalten ein dauerndes Interesse, neben dem sich nur 
noch einiges von Aufserlichkeiten beifügen läfst. Ein Gelehrter wie er, 
dem die Schüler aus allen Kulturländern zuströmten, mufste auch schon 
bei Lebzeiten aller Ehren teilhaftig werden, welche die Wissenschaft ver- 
leiht, und er ist es geworden. Schon in den Jahren 1746 und 1747 wurden 
ihm zu Ehren zwei Denkmünzen geschlagen; die zweite zeigt auf der Vorder- 
seite sein Bildnis, auf dem Revers das einfache, vielsagende Wort ,, Illustrat“. 
Viele Gesellschaften und Akademien erwählten ihn zu ihrem Mitgliede. 
Von allen Gelehrten zuerst erhielt Linne den neu gegründeten Nordstern- 
Orden und wurde im Jahre 1756 in den Adelsstand erhoben. Von da an 
erst stammt seine Bezeichnung als Ritter C. v. Linne, während er selbst 
in Briefen und Werken immer seinen ursprünglichen Familiennamen 
C. Linnäus beibehalten hat. 

Damals stieg auch seine Wohlhabenheit von Jahr zu Jahr, sowohl durch 
Gehalt als durch Honorare und Schenkungen. In seinen späteren Jahren 
kaufte er sich das Gut Hammarby, eine Meile von Upsala gelegen, und 
benutzte dies als Sommeraufenthalt, hatte sich dort auch ein eigenes 
Auditorium, fast eine kleine Akademie eingerichtet, da die Zuhörer ihm 
dorthin folgten. Dies Landgut war der Witwensitz seiner ihn überlebenden 
Gemahlin mit ihren zwei unverheirateten Töchtern; eine dritte Tochter 
war sehr glänzend verheiratet und sein einziger Sohn, Linne filius, folgte 
ihm später im Amte. 

Eine lange glückliche Reihe von Jahren hindurch erfreute sich Linne 
seiner so erfreulichen Lage bis zum hohen Alter, und nur Krankheitsfälle, 
die seine letzten Jahre trübten und seinen regen Geist umnachteten, warfen 
einen Schatten von Trauer über ihn hin. Nachdem er noch im Jahre 1772 
zum dritten Male Rektor der Universität gewesen war und sein Amt mit 
der berühmten Rede über die Schönheiten der Natur*) niedergelegt hatte, 
traf ihn 1774 bei den Vorlesungen im botanischen Garten zum ersten Male 
ein Schlaganfall, dem zwei Jahre darauf ein zweiter folgte. Seine Gesund- 
heit war zerrüttet und mit lakonischem Humor schreibt er in sein Tage- 
buch: „Linne hinkt, kann kaum gehen, spricht undeutlich und kann kaum 
schreiben.“ 

Nur zuweilen noch trat seine Entschiedenheit und seine Geisteskraft 
glänzend hervor, aber wer ihn früher im vollen Besitz seiner Körper- und 
Geisteskräfte gekannt hatte, der durfte nicht klagen, als ihn am 10. Januar 
des Jahres 1778 ein sanfter Tod erlöste. — Wahrhaft empfundene Trauer 


*) 14. Dezember 1772: DeliciaeNaturae. — Amoenitates academ. Bd.X, No VIII, S. 66. 


43 


sprach sich am Sarge dieses grofsen Mannes aus, dessen Leben bestimmt 
war durch die Vereinigung von drei Triebfedern: Liebe zur Wissenschaft, 
zum Ruhm und zur Frömmigkeit. Von der ersten geben seine Werke 
Zeugnis, von den beiden letzteren sein Wahlspruch: „Famam extendere 
factis“ und die schönere Richtschnur seines Lebens „lnnocue vivito! 
Numen adest“. Dieser Spruch stand sogar als Mahnung für seine Zu- 
hörer über dem Auditorium geschrieben. 

Sein feuriger Geist hat ihm einen lange nachhallenden Ruhm ver- 
schafft und wohl keines Naturforschers Andenken ist mit so grofser Liebe 
in allen Wissenschaft treibenden Ländern an den Gedenktagen seiner Ge- 
burt und seines Todes gefeiert. Mehrere nach seinem Tode entstandene 
Gesellschaften haben sich nach ihm benannt; Zeitschriften führen seinen 
Namen; alljährlich sind Linnäusfeste an seinem Geburtstage abgehalten, 
z. B. durch Martius in München. Auch seine Sammlungen, welche Smith 
im Jahre 1783 für die Linnean Society erwarb und auf einem Schiffe 
nach London entführte, sind fortdauernd der Gegenstand teils nüchterner 
Vergleichsarbeit, teils pietätvollen Andenkens geblieben. 

So hat die dankbare Nachwelt in weiten, und nicht nur botanischen, 
Kreisen den grofsen Reformator geehrt und wird ihn ferner ehren. So 
lange historische Gerechtigkeit mit Erwägung der wissenschaftlichen An- 
schauungen, unter denen Linne grofs wurde und die auch ihn in Fesseln 
hielten, über ihn und seine Verdienste urteilt, so lange wird Linnes Leben 
und Streben als nachahmungswürdiges Beispiel für mustergiltig durch- 
geführte und vom schönsten Erfolge gekrönte Arbeiten gelten können. 
Und fort und fort wird sein Name in der Geschichte der Wissenschaft 
als der eines unerschütterlich und begeistert seinem hohen Ziele zustreben- 
den Naturforschers glänzen — und solange zwischen ihren moosigen 
Steinen alljährlich neu sich verjüngend die Linnaea ihre zarten Glocken 
entfaltet, so lange wird man bei ihrem lieblichen Anblick mit stiller Ehr- 
furcht des grofsen Namens gedenken, den sie in ferne Zeiten hinüberträgt. 


1. Anhang: Literatur zur Lebensskizze*). 

I. Eigene Aufzeichnungen Linnes. 

(1) . Judicium de C. Linnaei Scriptis, anonym i. J. 1741 in Upsala erschienen; wieder 

abgedruckt von Stöver 1792, s. Abtlg. II. Nach W. Junk (1907, S. 16) eine der 
seltensten Schriften, in welcher Linne sich gegen seine Gegner verteidigte. 
Auch von dieser ist 1907 ein Neudruck (Preis 10 Mk.) veranstaltet. 

(2) . D. H. Stöver: Collectio epistolarum quas ad viros ill. et dar. scripsit. Accedunt 

opuscula pro et contra eum scripta. Hamburg 1792. 

(3) . H. C. van Hall: Epistolae ineditae. Groningen 1830. 

(4) . Caroli Linnaei epistolae ad Nie. Jos. Jacquin. Ed. C. N. J. eques a Schreibers, 

notas adj. St. Endlicher. Vind. 1841. 

(5) . Egenhändiga anteckningar of CarlLinnaeus om sig sielf med anmärk- 

ningar och tillägg. Stockholm 1823. Utgifna of Adam Afzelius. 

(„) Linnes eigenhändige Anzeichnungen über sich selbst, mit Anmerkungen und Zu- 
sätzen von Afzelius. Aus dem Schwed. übersetzt von Karl Lappe. Berlin 1826. 

(6) . A Selection of the correspondence of Linnaeus by Sir F. E. Smith, 2 vol. London 1821. 

(7) . Carl von Linnes Svenska Arbeten. I urval och med nota utgifna of Ewald Ahr- 

ling. Stockholm 1879. 


*) Einen sehr ausführlichen, mit dem Bildnis Linnes geschmückten Katalog seiner 
ganzen Werke „Carl von Linne in Memoriam“ veröffentlichte die Buchhandlung Björck 
& Börjesson in Stockholm unter Nr. 60, Botanik 1907. 


44 


II. Biographische Bearbeitungen und Lebensschilderungen. 

(1) . A g a r d h : Antiquitates Linnaeanae ; Lund 1826 (Fol.) [Programma ad inaugurationem 

philosophiae doctorum]. 

(2) . Richard Pulteney: A general view of the writings of Linnaeus. 24. edition by 

W. Gr. Maton, with the Diary of Linnaeus. London 1805. 

(3) . D. H. Stöver: Lehen des Ritters Carl von Linne. 2 Bde. Hamburg 1792. 

(4) . Gedächtnisrede auf . . . Carl v. Linne, vor der Kgl. Akad. d. Wiss. am 5. Dez. 1778 

gehalten vom Hn. Arch. und Ritter A, Bäck. — Aus dem Schwed. übers. 
Stockholm und Upsala 1779. 

(5) . Gedächtnisrede bei der am 24. Juni 1835 im Bot. Gart, zu Regensburg begangenen 

lOOjähr. Jubelfeier der Doktorpromotion K. v. Linne’s, gehalten von Dr. A. 
E. Für nr ohr. [Flora 1835, Nr. 27, S. 417.] 

(6) . Reden, gehalten zur Feier des Linnäusfestes von Martius. [Reden und Vorträge 

aus dem Gebiete der Naturforschung. Stuttg. u. Tüb. 1838. S. 1, 23, 35, 42, 67.] 

(7) . A. L. A. Fee: Vie de Linne, redigee sur les documens autographes laisses par ce 

grand homme. [Memoires de la societe royale des Sciences de l’agriculture et 
des arts de Lille, 1832, I. partie.] 

(8) . Johannes Gistel: Carolus Linnaeus, ein Lebensbild. Frankfurt a. M. 1873. 

(9) . Rede ter herdenking van den sterfdag van Carolus Linnaeus, eene eeuw na diens 

verscheiden, in felix meritis, op den lOden januari 1878 nitgesproken door Oude- 
mans. Amsterdam 1878. Daran angebunden: Linnaeana in Nederland 
aanwezig. (Die gesammte Linne - Literatur !) 

(10) . Biographie von . . ., v. Th. M. Fries. Stockholm, Fahlcrantz 1903. 

(11) . Jung, W. : C. v. L. u. seine Bedeutung für die Bibliographie. Festschr. u. 2 Porträts. 

Berlin 1907 (W. Junk, Kurfürstendamm *). 

(12) . Linne-Feier am 24. Mai 1907 in Wien (R. v. Wettstein); Verhandlungen der K. K. 

zoologisch -botanischen Gesellschaft in Wien, LVII, 1907, S. 139—152. 

(13) . Die Linne - Feier in der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin (L. Witt- 

mack); Sitzungsberichte der Ges. nat. Fr. 1907, Nr. 5, S. 119— 156. 

(14) . Ove-Dahl, Carl von Linnes Forbindelse med Norge. Trondhjem 1907. 41 S. in 

4° mit einem „Collegium botanicum Linnaeanum Upsaliae ao 1766“ von 71 S. 
in 4°. 


2. Anhang: Die Hauptperioden in Linnes Lebensgang. 

1707 — 1717 Aufenthalt im Pfarrhause. 

1717—1727 Schulzeit in Wexiö und Gymnasium. 

1727 — 1730 Studium der Medizin in Lund und Upsala. 

1731—1738 Jugendreisen, Expeditionen und Aufenthalt im Auslande mit beginnender 
wissenschaftlicher Berühmtheit. 

1738 — 1741 Arzt und „Botanicus regius“ in Stockholm; Heirat. 

1741—1774 Akademische Glanzzeit und Professur in Upsala. 

1774 — 1778 (10. Januar) Altersschwäche und Tod. 


*) Diese Festschrift ist eine höchst verdienstvolle bibliographische Arbeit , in 
welcher die Nachweise über die literarischen Veröffentlichungen Linnes und seiner Zeit- 
genossen chronologisch an dem Leitfaden seiner Biographie angereiht sich finden. — 
Diese wie alle wichtigen Originalwerke Linnes finden sich in der Bibliothek des 
Botan. Instituts, Techn. Hochschule, zur Einsicht unserer Mitglieder. 


YII. Hauptversammlungen S. 13. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 16. — 
Eassenabschlufs für 1906 S. 14, 15 und 17. — Voranschlag für 1907 S. 14. — Geschenke 
für die Bibliothek S. 6 und 9. — 79. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte 
in Dresden S. 14. — Drude, 0.: Linnes Leben und Wirken S. 15. — Engelhardt, H.: 
Photographie eines Tagebaus von Senftenberg S. 15; über Musophyllum Kinkelini 
S. 16. — Helm, Gr.: Die .neueren Ansichten über das Wesen der Natur erkenntnis 
S.13. — Kalkowsky, E.: Über Weltsprache und gegen Esperanto S.15. — Nessig, R., 
Thallwitz, J. und Wagner, P.: Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts 
an den Mittelschulen S. 14 und 15 (vergl. auch S. 4). — Schlaginhaufen, 0.: Die 
körperlichen Merkmale des altdiluvialen Menschen S. 15. — Schreiber, P.: Der 
Wärmehaushalt an der Erdoberfläche S. 16. — Wawrziniok, 0.: Die Metallmikro- 
skopie upd metallographische Untersuchungsmethoden S. 14. 


B. Abhandlungen. 

Drude, 0.: Carl. v. Linne, sein Leben und Wirken. S. 26. 

Hentschel, W.: Ozeanien, die Heimat des Neolithikers. S. 3. 

Rebenstorff, H.: Neue Apparate zur Bestimmung von spezifischen Gewichten. Mit 
3 Abbildungen. S. 8. 

Toepler, M.: Gleitfunken auf Glasröhren. Mit 2 Abbildungen. S. 18. 


Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Sitzungskalender für 1907. 

September. 26. Hauptversammlung. 

Oktober. 3. Zoologie. 10. Mathematik. 17. Physik, Chemie und Physiologie. 24. Haupt- 
versammlung. 

November. 7. Botanik. 14. Mineralogie und Geologie. 21. Prähistorische Forschungen 
28. Hauptversammlung. 

Dezember. 5. Physik, Chemie und Physiologie. 12. Zoologie und Botanik. — Mathematik 
19. Hauptversammlung. 


Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8.. . . . . . 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8 3 M. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln ... 6 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . . 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 . . . . . . . . . . . . 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember ..... 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, der Jahrgang. . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember 31. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember ...... 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni 2 1. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880/ Juli-Dezember . . . . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1906, der Jahrgang 5 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1907. Januar- Juni 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein .Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der . Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deichmiiller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral. - 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 



Druck von Wilhelm Baensch in Dresden. 


der 


TI 


□ 



ichti 




li 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 



in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktions komitee. 


Jahrgang 1907. 

Juli bis 33 © z; e m b e i*. 


Dresden. 

In Kommission der K. Bachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1908. 




□ 





— 

r 




i'r 


Redaktionskomitee für 1907. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 

Mitglieder: Prof. Dr. A. Jacobi, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer Dr. 
P. Wagner, Hofrat Prof. Dr. J. D ei chm ü Iler, Prof. Dr. M. Toepler und Staatsrat 

Prof. M. Grübler. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller.# 


‘ Sitzungskalender für 1908. 

Januar. 9. Botanik. 16. Mathematik. 23. Mineralogie und Geologie. 30. Haupt- 
versammlung. 

Februar. 6. Physik, Chemie und Physiologie. 13. Prähistorische Forschungen. 20. Zoo- 
logie. 27. - Hauptversammlung. . 

März. 5. Botanik. 12. Mathematik. 19. Mineralogie und Geologie. 26. Haupt- 
versammlung. 

April. 2. Physik, Chemie und Physiologie. 9. Prähistorische Forschungen. 23. Zoo- 
logie und Botanik. 30. Hauptversammlung. 

Mai. 7. Botanik. 14. Mineralogie und Geologie. — Mathematik. 21. Hauptversammlung 
oder 28. Exkursion. 

Juni. 4. Physik, Chemie und Physiologie. 18. Prähistorische Forschungen. 25. Haupt- 
versammlung. 

September. 24. Hauptversammlung. 

Oktober. 1. Zoologie. 8. Botanik, — Mathematik. 15. Mineralogie und Geologie. 
22. Physik, Chemie und Physiologie. 29. Hauptversammlung. 

November. 5. Prähistorische Forschungen. 12. Zoologie. 19. Botanik und Zoologie. 
26. Hauptversammlung. 

Dezember. 3. Mineralogie und Geologie. 10. Mathematik. 17. Hauptversammlung. 


Abhandlungen 


der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


in Dresden. 


1907. 



Y. Der Koruiidgranulit von Waldheim in Sachsen. 

Von Professor Dr. Ernst Kalkowsky. 


I. Korund und Prismatin. 

In seinem Mineralogischen Lexikon für das Königreich Sachsen, 
Leipzig 1874, schreibt August Frenzei S. 177 unter Nr. 140 Korund: 
„als Einsprengling in Magneteisenerz — mit rotem Strichpulver — im 
Mittelberg bei Waldheim“. Zu der Zeit, als Ernst Dathe im sächsischen 
Granulitgebiet kartierte, fehlte dort ein natürlicher oder künstlicher Auf- 
schlufs; er gibt in den Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte des 
Königreichs Sachsen, Sektion Waldheim, 1879, S. 14 an, dafs in dem 
Gesteine, zum grobkörnigen, eklogitartigen Diallaggranulit gehörend, „das 
in Bruchstücken auf dem Mittelberge bei Wald heim zerstreut liegt, auch 
Korund in kleinen Kriställchen vorgekommen“ sei „nach Stelzner (Sitzungs- 
ber. d. Isis 1870, 12)“. An dieser Stelle berichtet aber Stelzner über den 
Korund im Seufzergründel bei Hinterhermsdorf, ohne den Korund von 
Waldheim überhaupt zu erwähnen. Gegenwärtig ist das sonderbare zu 
den Pyroxengranuliten in Beziehung stehende Gestein im Anschnitt des 
Mittelberges durch die Güterbahnhofstrafse gut aufgeschlossen, auf der 
Höhe aber liegen Bretter einer Fabrik aufgestapelt, und ich habe hier 
Korund nicht gefunden, wohl aber in dem benachbarten Gestein, das 
Prismatin enthält. 

Der Name Mittelberg ist auf der zweiten Auflage der Sektion Waldheim 
wohl wegen Raummangel weggefallen. Nördlich von ihm erhebt sich 
orographisch selbständig und auch durch eine in einer Einsattelung ver- 
laufende Strafse getrennt ein namenloser Hügel, östlich von der Bahn 
und am nördlichen Ende des Bahnhofes; er ist von der Fortsetzung der 
Güterbahnhofstrafse angeschnitten und enthält das Prismatin führende 
Gestein. Letzteres ist in den siebziger Jahren wohl überhaupt nicht zu 
Tage ausgegangen, und Dathe hatte dort auf der Karte den Granulit als 
zum Gebiete des Andalusitgranulites gehörig bezeichnet. Auch die zweite 
Auflage der Sektion Waldheim vom Jahre 1900 spricht noch von Andalusit- 
granulit. Es gibt jedoch im sächsischen Granulitgebiet überhaupt keinen 
Andalusitgranulit, sondern nur Sillimanitgranulit; es ist wohl nicht zu 
vermeiden gewesen, dafs die diesbezügliche Angabe in meinen Elementen 
der Lithologie, 1886, S. 183 nicht beachtet worden ist, denn in einem 
für Studierende bestimmten Lehrbuche pflegt niemand neue Angaben zu 
suchen. Im Gebiet also des Sillimanitgranulites, wie Sauer richtig angibt, 
fand dieser den Prismatin als ein neues Mineral. Er berichtete darüber 


48 


in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1886, Bd. 38, 
S. 704: in einem Gestein, einer in jeder Hinsicht eigenartigen Mineral- 
kombination, das vollkommen quarzfrei der Hauptsache nach aus mittel- 
körniger albitischer Feldspatmasse bestünde, fänden sich als weitere 
Bestandteile spärlich bis sehr häufig Prismatin mit seinem Umwandlungs- 
produkt Kryptotil, Granaten und Turmälinkörnehen. In den Erläute- 
rungen zur zweiten Auflage der Sektion Waldheim, 1900, S. 5 wird das 
Gestein von E. Danzig kurz als ein rein körniger Granulit bezeichnet, 
„der sich aufser durch seine haselnufsgrofsen, randlich meist in Chlorit 
umgewaiidelten Granaten vornehmlich durch die reichliche Führung von 
Prismatin auszeichnet“. 

Dieses Vorkommnis von Prismatin, das einzige auf der Erde, galt 
merkwürdigerweise in weiteren Kreisen als nicht mehr zugänglich oder 
gar als erschöpft. Es steht aber immer noch völlig aufgeschlossen und 
an einer öffentlichen, wenn auch auf fiskalischem Grunde befindlichen 
Strafse leicht zugänglich an. Ich habe die Stelle in diesem Herbste 
dreimal besucht und das Profil und die Gesteine zum Teil mit Assistent 
und Gehilfen und auch mit Gebrauch einer Leiter möglichst eingehend 
durchforscht. Die Mineralienniederlage der Königlichen Bergakademie 
in Freiberg i. S. hat dabei auch reichliches Material sammeln lassen. 
Herr Dr. Uhlig in Dresden ist mit einer erneuten näheren Untersuchung 
des Prismatins, seiner von mir gefundenen Endflächen und seiner chemischen 
Zusammensetzung beschäftigt. Ich beschränke mich in dieser Abhandlung 
auf die geologischen und petrographischen Verhältnisse des Gesteins, das 
sich als Ko rund granulit erwiesen hat. Das räumlich beschränkte, aber 
hochinteressante Gestein würde vielleicht Prismatingranulit genannt werden 
können, wenn nicht Korund einerseits sein bedeutsamster, andererseits sein 
wesentlicher Gemengteil wäre: nur eine Abart wird wohl besser als Korund 
führender Prismatingranulit weiter unten erwähnt werden. Der Korund ist 
in dem Gestein in lichtvioletten bis rötlichen Täfelchen oder in kleinen 
lichtbläulich- grauen Haufwerken schon mit blofsem Auge zu sehen; seine 
Menge beträgt bis 3 v. H. des Gesteins, und er ist stets vorhanden und 
gleichmäfsig verbreitet, was von dem Prismatin nicht in dem gleichen 
Mafse gilt. Das Gestein selbst ist und bleibt ein Granulit, solange man 
diese Bezeichnung als einen geologischen Begriff benutzt und benutzen 
mufs. Analog dem Namen Hercynitgranulit, der ohne mein Zutun in Auf- 
nahme gekommen ist, obwohl der Hercynit immer quantitativ in nur sehl- 
geringer Menge vorhanden ist, soll hier sogleich die Bezeichnung des 
Gesteins als Korundgranulit eingeführt werden. 

Der Korundgranulit ist ein alumokrates Gestein, dessen vorwaltender 
Gemengteil Plagioklas ist; seine Gemengteile werden am besten unter 
folgenden fünf Kategorien aufgeführt: 

A. Vorläufer: 1. Zirkon; 2. Rutil. 

B. Aluminium reiche Gemengteile: 3. Andalusit; 4. Disthen ; 

5. Sillimanit; 6. Korund. 

C. Farbige, schwere, magn esiumhaltige Gemengteile: 

7. Prismatin; 8. Dumortierit (?); 9. Granat; 10. Turmalin; 

11. Biotit. 

D. Helle, leichte Gemengteile: 12. Muscovit; 13. Plagioklas; 

14. Orthoklas; 15. Quarz; (16. Apatit). 

E. Sekundäre Ge meng teile. 


49 


II. Lagerung des Korundgranulites. 

Der Korundgranulit ist dem System der Granulit-Abarten konkordant 
in Form einer Linse eingelagert. Diese Lagerungsform ist hier mit dem- 
selben Rechte anzugeben, wie sonst für besonders ausgezeichnete Gesteine 
im Bereiche des sächsischen Granulitgebietes. Im Liegenden des Korund- 
granulites treten Biotitgranulite und gemeine, meist ,,rein körnige“ Gra- 
nulite auf. Das unmittelbare Liegende bildet ein quarzreicher Granulit 
mit Sillimanit und ein wenig Hercynit und mit Granat; er weist ungleich- 
mäfsige Mörtelstruktur auf. Halbwegs zwischen der liegenden Grenze des 
Korundgranulites und der auf der Karte eingezeichneten Barytader wurden 
zwei an Biotit sehr reiche, nur etwa 1 cm mächtige schiefrige Lagen ge- 
sammelt, die keine Spur von Mörtelstruktur aufweisen und bei Armut an 
Quarz neben Feldspäten, darunter Mikroperthit, grofse Mengen von Silli- 
manitbüscheln von genau der Beschaffenheit, wie sie aus dem Korund- 
granulit beschrieben werden sollen, enthalten; Rutil, Disthen und Zirkon, 
der auch aus diesen Lagen isoliert und genauer studiert werden konnte, 
sind weiter erwähnenswert. 

Das unmittelbare Hangende des Korundgranulites bildet in einer 
Mächtigkeit von 60 — 100 cm ein ganz ähnliches schiefriges, leicht zu Grus 
zerfallendes, ebenfalls an Sillimanit reiches Gestein mit viel Biotit und 
ebenfalls ohne jede Spur von Mörtelstruktur. Eingelagert sind dieser Bank 
mehrere kürzere oder längere Lagen von wenigen Zentimetern Mächtigkeit 
von gemeinem, rötlichem Sillimanitgranulit mit ungleicher Korngröfse, also 
mit einer Art von Mörtelstruktur. Es folgen nach oben gemeine Granu- 
lite, Biotitgranulite, Sillimanitgranulite. 

Das Streichen der Granulite und also auch das der Linse von Korund- 
granulit ist N 13° geogr. W bei einem Einfallen von 60° in 0, soweit 
sich das überhaupt im Gebiete der Granulite genauer bestimmen läfst. 
Da die Strafse und die Felswand noch mehr nach N gewendet streichen, 
so ist die Linse auch nicht annähernd quer durchschnitten; doch ge- 
winnt man von einem Punkte auf der Strafse weiter nach N zu recht wohl 
den Anblick des Querschnittes. Im Profil an der Strafse wird die Linse 
von oben her, wo sie sich nachweislich am Gehänge auskeilt, nach unten 
zu im Niveau der Strafse sehr schnell mächtiger; in Wirklichkeit ist der 
hier aufgeschlossene obere Teil der Linse schlanker, die Sohlfläche aber 
ist bauchiger als die Dachfläche, und die wirkliche Mächtigkeit der Linse 
im Niveau der Strafse dürfte nur 3 m betragen. Es ist nicht die geringste 
Andeutung vorhanden, ob das aufgeschlossene Stück die Hälfte, den 
gröfseren oder den kleineren Teil der ganzen Linse darstellt. 

Fl^Diese Linse von Korundgranulit ist, im ganzen betrachtet, eine ein- 
heitliche Masse, die sich durch ihre Gemengteile scharf vom Liegenden 
und vom Hangenden abhebt. Innerhalb der Linse sind mehrfache An- 
deutungen von Parallelstruktur vorhanden, vor allem aber ein reicher 
Wechsel der Abarten des Gesteins. Ein beständiges Schwanken aller Ver- 
hältnisse des Korundgranulites ist für ihn charakteristisch; ein beständiger 
Wechsel innerhalb im ganzen doch enger Grenzen an Gemengteilen, Korn- 
gröfse, Textur, Ausscheidungen macht das Gestein zu einem wahren Proteus: 
die chemische Zusammensetzung dessen, was hier als Korundgranulit zu- 
sammengefafst wird, könnte auch durch ein Dutzend Analysen nicht genau 
angegeben werden, denn das Mengenverhältnis der Abarten läfst sich nicht 


50 


erkennen. Ich wage es anzugeben, clafs im liegenden Teil der Linse der 
Prismatin am reichlichsten vorhanden ist, darüber folgt ein an Biotit reicher 
Teil, dann die Abart mit den gröfsten Korunden, zu oberst wohl wieder an 
Prismatin reicheres Gestein. Ich habe den Korundgranulit in 54 Dünn- 
schliffen untersucht, zu denen die Stücke von den verschiedensten Teilen 
der Linse herstammen, und ich bin doch noch nicht ganz sicher, ob ich im 
folgenden wirklich eine erschöpfende Schilderung des Gesteines geben kann. 

Trotzdem die Linse bei dem Anschnitt nahezu im Streichen ungefähr 
15 m lang an der Strafse und auf eine Höhe bis zu 8 m über der Strafse 
aufgeschlossen ist, kann man die Abarten leider, wie übrigens meist im 
Granulitgebiet, doch nur erst bestimmen , wenn man das Gestein anschlägt, 
denn alle reichlich vorhandenen Zerklüftungsflächen sind durch Bestege 
verhüllt. 

Aufser der steilen Stellung der Linse und der Zerklüftung sind weitere 
Störungen der Lagerung kaum zu erkennen; vielleicht ist die Linse von 
einigen ganz unbedeutenden Verschiebungen betroffen, und wenige Zenti- 
meter mächtige Barytadern durchsetzen sie ebenso wie ihr Liegendes und 
ihr Hangendes. Eine stärkere Verwitterung fehlt dem ja erst künstlich 
aufgeschlossenen Gestein völlig. 

III. Struktur des KorundgrauuJites. 

Durch einander parallel gelagerte Blättchen von Biotit tritt eine Paral- 
lelstruktur bald schwächer, bald stärker entwickelt, bis zur guten Spalt- 
barkeit des Gesteins nur bei der Abart des rötlichen, schiefrigen Korund- 
granulites, auf. Und wenn auch sonst Biotite oder andere Gemengteile 
einander parallel gelagert sein können, so ist im allgemeinen die Struktur 
der meisten Abarten doch fast richtungslos zu nennen. Auch eine Parallel- 
struktur im grofsen durch Wechsellagerung der Abarten oder nur durch 
geringe Unterschiede in der mineralischen Zusammensetzung tritt nicht 
absonderlich hervor; gleichwohl läfst es sich nicht in Abrede stellen, dafs 
innerhalb der ganzen Linse durchaus die Tendenz zu irgendwelcher Parallel- 
struktur vorhanden ist. 

Der Korundgranulit hat zuckerkörnige Struktur; auch die frischesten 
kleinen Stücke lassen sich zu Sand zerdrücken. Der Korngröfse nach ist 
das Gestein im allgemeinen als feinkörnig bis kleinmittelkörnig zu be- 
zeichnen, indem die einzelnen Körner von Plagioklas, die hierfür ausschlag- 
gebend sind, nur seltener über 1 mm Durchmesser aufweisen. Es fehlt 
dem Gestein in allen seinen Abarten jede Spur von Mörtelstruktur; es 
fehlen ihm Mikroklin, zerstückelte Plagioklase, gebogene Zwillingslamellen, 
undulöse Auslöschung, kurz alle Erscheinungen, die als Folgen einer mecha- 
nischen Beeinflussung aufgefafst zu werden pflegen. Wenn jedoch zer- 
brochene Gemengteile, und zwar namentlich solche von prismatischem 
Habitus Vorkommen, wie sich das an Kristallen von Prismatin schon ma- 
kroskopisch gar nicht selten beobachten läfst, so dürfte meines Erachtens 
diese altbekannte Erscheinung nicht auf von aufsen einwirkende mecha- 
nische Kräfte zurückzuführen sein, sondern einzig und allein auf die mole- 
kularen Kräfte, die beim Kristallisieren auftreten: innere Arbeit im fest- 
werdenden, im kristallinische Struktur gewinnenden Gestein ist es, die zur 
Zerteilung von Gemengteilen führen kann, die früher starr werden, die, 
wenn auch noch so wenig, älter sind. 


51 


Und hier im Korund granulit sind die Altersunterschiede zwischen den 
verschiedenen Gemengteilen äufserst gering, wie weiter unten bei mehreren 
derselben, insonderheit beim Turmalin, hervorgehoben werden wird. Im 
wesentlichen sind vielmehr alle Gemengteile gleich alt: sie kristallisierten 
nicht nach einander, sondern wesentlich durch einander, nur hat eben in 
bekannter Weise ein Mineral mehr Kristallisationstendenz als ein anderes, 
eine Richtung an einem Kristall eine gröfsere als eine andere. Eine An- 
ordnung der Gemengteile nach ihrem Alter läfst sich ungezwungen nicht 
durchführen, ebensowenig eine Anordnung, bei der man nach Beziehungen 
zwischen spezifischem Gewicht und Alter sucht. Zirkon und Rutil können 
nur mit einem Anschein von Recht als „Vorläufer“ angegeben werden: 
wie weit das richtig ist, wird sich im folgenden zeigen. 

Die Gleichmäfsigkeit des Gefüges des Korundgranulites in allen seinen 
Abarten wird unterbrochen durch Ausscheidungen leukokrater Natur, die 
einige Verwandtschaft mit pegmatitischen Massen in den kristallinischen 
Gesteinen haben. Ich habe die Vorstellung, dafs solche Ausscheidungen 
entstehen durch den Zusammentritt von verwandten Molekeln, die aus 
irgend einem Grunde beweglicher sind als andere. Vielleicht kommt 
dabei die Beihilfe der sogenannten Mineralisatoren in Frage; es mag an 
dieser Stelle genügen, darauf hinzuweisen, dafs Einschlüsse von flüssiger 
Kohlensäure nur in Prismatin und Turmalin in Ausscheidungen nachge- 
wiesen werden konnten. 

Die Ausscheidungen haben im Korundgranulit immer nur geringe 
Gröfse: die Mächtigkeit von einem Zentimeter und die Länge von einigen 
Dezimetern wird nur selten überschritten werden, während es wohl zu 
beachten ist, dafs solche Ausscheidungen auch nur als Hülle eines ein- 
zigen kleinen Prismatinkristalles auftreten können. Bei stark entwickelter 
Parallelstruktur liegen die Ausscheidungen alle parallel der Schieferung, 
konkordant eingeschaltet. Durchgreifende Lagerung, die sich also dadurch 
zu erkennen gibt, dafs die Ausscheidungen sehr verschiedene Stellung im 
Anstehenden quer gegen die Mittelebene der Linse haben können, kommt 
ganz sicher ebenfalls vor, aber doch nicht oft. Die Ausscheidungen können 
manchmal makroskopisch recht scharfe Grenzen haben, im Dünnschliff 
sind die Grenzen immer verschwommen. Es gibt aber auch Partien im 
Gestein, und zwar sehr oft, die unregelmäfsig begrenzt sind und gar keine 
scharfen Grenzen haben und die dabei so „unrein“ sind, dafs man nicht 
mehr weifs, ob man sie als Ausscheidungen bezeichnen soll oder nicht. 
Es finden sich auch alle Zwischenstufen zwischen Hauptgesteinsmasse 
und Ausscheidung; es sind eben die Ausscheidungen keine fremden, von 
aufsen hinzugekommene Massen, sie sind nicht etwa Injektionen von 
aufsen her. 

Die Korngröfse der reineren Ausscheidungen übertrifft vielleicht stets 
ein wenig die der Hauptgesteinsmasse, und bei den Gemengteilen zeigen 
sich auch einige Unterschiede. Die Ausscheidungen sind wie gesagt leu- 
kokrater Natur; es überwiegt in ihnen der Feldspat, dem sich der Quarz 
zugesellt; es tritt der Andalusit und der Muscovit allein in ihnen auf, 
es fehlt ihnen der Disthen und der Sillimanit. Dann aber bilden die 
Ausscheidungen die Hauptlagerstätte des Prismatins, der stets makrosko- 
pisch auftritt und dessen gröfste Individuen nur in deutlichen Ausscheidun- 
gen auftreten. In der Mittelebene oder Mittellinie der Ausscheidungen tritt 
der Prismatin auf; die Stücke des Gesteins zerteilen sich öfters nach 


52 




solchen Flächen, die dann die reichlichste Anhäufung dieses Minerals auf- 
weisen. Wie aber durchaus alle Verhältnisse beim Korundgran ulit schwanken, 
so können solche Ausscheidungen auch ganz frei von Prismatin sein, und 
andererseits kann er so im Gestein gleichmäfsig verteilt sein, dafs es eine 
höchst gezwungene Auffassung wäre, wollte man dann den Prismatin noch 
mit den doch an Feldspat reicheren Ausscheidungen in Beziehung bringen. 

Was andere Gemengteile betrifft, so kommen sie sowohl im Gesteins- 
gefüge, wie in Ausscheidungen vor. Zum Beispiel der Biotit, der Tur- 
malin, der Granat. Der Korund ist überall im Gestein vorhanden, aber 
die allergröfsten Kristalle treten doch erst in Ausscheidungen auf, während 
die kleinen Haufwerke von Korundtäfelchen darin selten sind. 

An diese leukokraten Ausscheidungen schliefst sich wohl an eine 
quarzhaltige grobkörnige Masse mit Zerklüftung in kleine Prismen; sie ist 
nur klein und ihre Grenzen waren schwer verfolgbar. Das Königliche 
Mineralogisch- Geologische Museum in Dresden bewahrt ferner ein im Jahre 
1885 vom Baurat Engelhardt geschenktes Stück an Prismatin reichen Granu- 
lites auf, dessen eine Fläche mit einer etwa 2 mm dicken Lage von wirr durch- 
einander liegenden schwarzen Turmalinsäulchen von winziger Gröfse bis 
1 mm dick und 40 mm lang bedeckt ist; in einer Ecke derselben Fläche 
liegt ein grobes Quarzaggregat mit wenig Turmalin. Das ist offenbar auch 
ein Primärtrum in dem Granulitstück, das anf einer anderen Seite auch 
noch eine Ausscheidung mit grofsen Muscovitkristallen aufweist. Der sehr 
stark pleochroitische Turmalin ist verschieden von dem sonst in dem 
Gestein vorkommenden. 

IT. GemeugteiJe des Korundgraimlites. 

A. Vorläufer. 

Die beiden Gemengteile Zirkon und Rutil, die das höchste spezifische 
Gewicht haben und Elemente enthalten, die in Silikate nur ungern, so 
möchte man sagen, eintreten, enthalten keine Einschlüsse der anderen 
Gemengteile, kommen dagegen ihrerseits als Einschlüsse in allen vor, die 
deren überhaupt aufnehmen. Man möchte ihnen deshalb ein höheres 
Alter zuschreiben. Rutil erscheint eingeschlossen im Prismatin, allein im 
Dünnschliff sieht man nicht selten, dafs die Rutile aufsen dicht am Pris- 
matin liegen, und auf den Abdruckflächen aus dem Gestein herausge- 
brochener Prismatine sieht man fast regelmäfsig eine ganze Menge grofser 
Rutilkristalle schon mit blofsem Auge. Das erweckt den Eindruck, als 
wären die Rutile von dem Prismatin bei seiner Bildung zur Seite ge- 
schoben worden. Der Zirkon ist zu spärlich vorhanden, um an ihm eine 
ähnliche Beobachtung machen zu können. 

1. Zirkon. Scharf ausgebildete Kriställchen, zum Teil sehr flächen- 
reich, kommen vor; sie wurden namentlich in dem bei der Isolierung des 
Korundes zeitweilig gewonnenen Kristallsande gefunden. Meist tritt der 
Zirkon in kleinen Körnern hinab bis zu winziger Gröfse auf, die Oltropfen 
ähnlich glatt sind, stellenweise aber dabei doch Kombinationsstreifung deut- 
lich beobachten lassen. Es läfst sich in keiner Weise die Ansicht begrün- 
den, es hätten die Körner Geröllform. Die Zirkone sind farblos, stark licht- 
brechend, optisch einaxig; den optischen Charakter festzustellen gelang 
an den wenigen dafür in Betracht kommenden Körnchen nicht. Verwachsung 


53 


mit Rutil wurde mehrfach beobachtet; winzigste, opak erscheinende rund- 
liche Einschlüsse sind selten, ihre Natur mufs unbestimmt bleiben. 

2. Rutil. Der Korundgranulit ist meinen Beobachtungen nach der- 
jenige Granulit, der die gröfste Menge von Rutil enthält. Bis ein Milli- 
meter lange dicke Säulchen treten fast überall auf den Bruchflächen des 
Gesteins durch ihren starken Diamantglanz in Menge lebhaft hervor, 
unter dem Mikroskop aber nimmt ihre Menge erstaunlich zu. So wurden 
z. B. bei schwacher Vergröfserung im Gesichtsfelde auf einmal gegen 
50 stärkere Kriställchen gezählt. Und mit Erstaunen sieht man bei 
einer kleinen Verschiebung des Präparates nur lange, dünne und aller- 
dünnste Nadeln in Menge liegen. Ein solcher unaufhörliche]- Wechsel in 
der Gröfse der Rutile ist überall in allen Präparaten wahrzunehmen. 
Alle die gelben dünnen bis rotbraunen dicken Rutile haben scharfe Kristall- 
form, nur an den Enden tritt bisweilen eine Rundung auf; eine weitere 
auffällige Ausnahme wird beim Korund zu erwähnen sein. Knieförmige 
Zwillinge sind durchaus selten. Wenn sehr lange Nadeln in dicht hinter- 
einander liegende Stücke zerteilt sind, so dürfte hier in der Tat eine Zer- 
teilung, eine Zerstückelung bei der Kristallisation der Wirte vorliegen. 
Ausnahmsweise wurden auch einige haarfeine gebogene Nadeln gesehen. 

B. Aluminiumreiche Gemengteile. 

Der Korundgranulit liegt im Bereiche der Sillimanitgranulite; Korund 
und Sillimanit verleihen ihm in erster Linie einen besonderen Charakter, 
und wenn auch der Turmalin gewifs zu den tonerdereichen Gemengteilen 
gehört, so verweist ihn doch sein Gehalt an Magnesia in die nächste Gruppe. 

3. Andalusit. Nur ein einziges gröfseres Korn in allen 54 Präpa- 
raten konnte durch seinen charakteristischen Pleochroismus mit Sicher- 
heit als Andalusit bestimmt werden. Es liegt vergesellschaftet mit Mus- 
covit und Quarz, also höchst wahrscheinlich in einer Ausscheidung. Da- 
gegen wurden mehrere grofse Pseudomorphosen auch in Ausscheidungen 
oder doch an Stellen mit besonderer mineralischer Zusammensetzung 
gefunden, die wenigstens wahrscheinlich auf Andalusit zurückzuführen 
sind. Die auf den Gesteinsbruchflächen zum Teil mehr als ein Quadrat- 
zentimeter grofsen Pseudomorphosen von licht grünlichgrauer Farbe sind 
meist ziemlich scharf rechteckig, namentlich steht eine Fläche senkrecht 
gegen eine schwach hervortretende Faserung. Sie treten auf in der 
Gesellschaft von primären Museo vitblättern und von Quarz, bestehen aus 
einem Filz von glimmerartigen Schuppen und enthalten bisweilen Ein- 
schlüsse von Turmalin in gut geformten Kriställchen : da letzterer niemals 
im Prismatin eingeschlossen vorkommt, so liegen nicht etwa Umwand- 
lungsprodukte dieses Minerals vor, mit dem auch die Form nicht stimmt. 
Als einen akzessorischen Gemengteil in akzessorischen Bestandmassen 
könnte man den Andalusit bezeichnen. 

4. Disthen. Allgemein verbreitet, aber nur in geringer Menge und 
mikroskopisch klein erscheint der Disthen. Er bildet Körnchen, die 
wenigstens teilweise Kristallumrisse aufweisen; vollständig reine Substanz, 
schiefe Auslöschung gegen scharfe Spaltrisse und gegen die Begrenzungs- 
linien und seltener auftretende Zwillingsbildungen charakterisieren ihn 
hier wie in anderen Granuliten. Auf sein Verhalten bei der Verwachsung 
mit Turmalin soll schon hier vorläufig aufmerksam gemacht werden. 


54 


5. Sillimanit. Dieser überall und meist ziemlich reichlich vor- 
handene Gemengteil erscheint in dreifacher formaler Entwickelung. Nur 
in der rötlichen schiefrigen Abart des Korundgranulites gewahrt man 
vereinzelt locker radialstrahlige Gruppen von bis 1 cm langen und bis 
0,5 mm dicken wasserklaren, stark glänzenden Prismen, die stets mit Biotit 
verwachsen sind. Ungleich häufiger sind die beiden anderen Erscheinungs- 
weisen, die auch in der erwähnten Gesteinsabart und sonst überall auf- 
treten, durch Übergänge miteinander verbunden, aber doch einigermafsen 
gesondert in den einzelnen mikroskopisch untersuchten Stücken Vorkommen. 
Makroskopisch treten sie nicht hervor, nur mit der Lupe kann man ihre 
Anwesenheit öfters halbwegs erkennen. 

Die zweite Erscheinungsweise schliefst sich an die erste eng an; 
es treten Anhäufungen von wasserklaren, einschlufsfreien Nadeln auf, die 
mehr oder minder parallel liegen oder, öfter, schwach divergent strahlig, 
und zwar locker angeordnet sind. Sie zeigen die bei solchen Sillimanit- 
nadeln ganz gewöhnliche Zerstückelung und die seitlichen Einschnitte 
und Lücken; in Granuliten pflegen diese Erscheinungen besonders deutlich 
und klar entwickelt aufzutreten. 

Zum dritten, und zwar besonders häufig, bildet der Sillimanit dicht 
geschlossene schwach radialstrahlige Bündel, knötchenartige Gebilde mit 
einem Durchmesser bis über 1 mm; der Ausstrahlungspunkt liegt meist 
am Rande. Die Interferenzfarben sind auch in sehr dünnen Schliffen 
oft unregelmäfsig durcheinander gemischt, was auf einen verflochten 
filzigen Aufbau hinweist. Aufserst charakteristisch ist für sie das Ver- 
hältnis, dafs über den Rand der Knötchen einzelne Kristallspitzen ein 
wenig hervorragen — wie ausgefranst sehen die Bündel an der dem 
Ausstrahlungspunkt gegenüberliegenden Seite aus. Einschlüsse fehlen. 
Querschnitte der Bündel, deren Individuen übrigens gar nicht sehr fein 
sind, zeigen die charakteristische Spaltbarkeit des Sillimanites, woran er 
am leichtesten mit Sicherheit zu erkennen ist. Der Sillimanit ist leicht 
mit Flufssäure isolierbar. Eine faserkieselartige Durchwachsung mit Quarz 
kommt gar nicht vor. Die beiden letzten Erscheinungsweisen finden sich 
in allen Sillimanitgranuliten Sachsens. Daran, dafs der Sillimanit aus 
Biotit hervorgegangen sei, mit dem er bisweilen verwachsen vorkommt, 
ist hier nicht zu denken. 

6. Korund. Meines Wissens ist bisher der Korund noch nicht als 
ein gleichmäfsig verteilter wesentlicher Gemengteil eines Gesteins, abgesehen 
natürlich vom Schmirgelfels, in Europa bekannt geworden. Es mag des- 
halb erlaubt sein, ihn etwas ausführlicher zu besprechen. 

Da Korund durch Säuren und auch durch Flufssäure nicht ange- 
griffen wird, so schien es zunächst eine leichte Aufgabe zu sein, ihn 
aus dem Gemenge von Silikaten zu isolieren. Bei der Behandlung des 
zerdrückten Gesteins mit Flufssäure, kalt oder warm, mit oder ohne 
Zusatz von Schwefel- oder Salzsäure, bleiben auch bei langer Einwirkung 
leider auch Rutil, Turmalin, Prismatin, Sillimanit, Disthen, Granat übrig; 
grofse Korunde kann man aussuchen, die allerwinzigsten Täfelchen durch 
Schlämmen, wenn auch nicht rein, gewinnen. Da nun angegeben wird, 
dafs Korund auch durch Natriumkaliumkarbonat im Schmelzflufs nicht 
angegriffen wird, so schien der Weg zur Absonderung des Korundes aus 
dem Rückstände der Behandlung mit Flufssäure gegeben. Rutil löst sich 
in der Schmelze bekanntlich leicht und schon bei verhältnismäfsig nie- 


55 


clriger Temperatur auf, aber die übrigen Mineralien und vor allem der 
Prismatin bedürfen zu ihrer Auflösung anhaltender starker Hitze schon 
im feinstverteilten Zustande. Grofse Prismatinkörner widerstehen dem 
Schmelzflufs stundenlang. Behandelt man nun jenen Rückstand in dieser 
Weise, dann sind aus ihm alle kleinen Korunde verschwunden, sie haben 
sich aufgelöst, die gröfsten sind abgerundet, angegriffen. Ein direkter 
Versuch zeigte, dafs Korund sich langsam auflöst in geschmolzenem 
kohlensauren Natronkali, in dem zunächst Quarz aufgelöst worden war; 
dicke Spaltungsstücke gehen aus dem Schmelzflufs nach einstündiger Ein- 
wirkung mit abgerundeten Kanten und Ecken und stark verkleinert hervor: 
Korund kann in einem Schmelzflufs mit freier Kieselsäure 
nicht bestehen und noch viel weniger sich daraus bilden. 

Bei der winzigen Gröfse vieler, ja der meisten Kriställchen von Ko- 
rund ist eine völlig exakte Bestimmung der Menge derselben im Gestein 
unmöglich; chemische Versuche und Ausmessungen und Berechnungen an 
den Dünnschliffen machen es mir wahrscheinlich, dafs die Menge dem 
Gewicht nach 3 v. H. nicht übersteigt in den an Korund reichsten 
Stücken; in der daran ärmsten Abart des quarzreichen Granulites sinkt 
die Menge offenbar auf vielleicht 0,01 v. H. 

Dafs der Korund durch Atmosphärilien doch zersetzt wird, ist mehr- 
fach beobachtet worden; es bleiben auch hier trübe, weifse Substanzen 
zurück, doch kann auch ich etwas genaueres nicht angeben. 

Der Korund hat in dem vorliegenden Gestein die hellviolette Farbe des 
sogenannten orientalischen Amethystes; die Farbe tritt an allen gröfseren 
Individuen auf und auch an dem feinsten isolierten Staube im Haufen 
unter Wasser hervor. In auffallendem Lichte erscheinen die Korunde oft 
licht rosa; überdies sind manche etwas heller, andere etwas kräftiger ge- 
färbt, so dafs man im Dünnschliff unter dem Mikroskop oft einen an das 
Schokoladenfarbige grenzenden Ton sieht. Dickere Kristalle sind schwach 
aber deutlich pleochroitisch. 

Starke Lichtbrechung und schwache Doppelbrechung lassen den Korund 
unter dem Mikroskop namentlich bei schwacher Vergröfserung auf den 
ersten Blick erkennen; Haufwerke kleiner Individuen aber erscheinen im 
durchfallenden Lichte durch Totalreflexion recht dunkel, und sie sind schwer 
analysierbar. Optische Einaxigkeit, negativer Charakter und seltenes Auf- 
treten optischer Anomalie liefsen sich an den isolierten Kristallen leicht 
feststellen. 

In den isolierten, in Balsam eingebetteten, tafelförmigen und natürlich 
meist auf der Basis liegenden grofsen bis kleinsten Kristallen gewahrt man 
nicht selten winzigste farblose, sehr stark doppeltbrechende Körnchen, die 
dem Zirkon angehören mögen. Rutil erscheint oft eingeschlossen im Ko- 
rund, merkwürdigerweise aber meist in abgerundeten, spindelförmigen 
Körpern, die durch Farbe und Liebt- und Doppelbrechung doch unzweifel- 
haft ihre Natur erkennen lassen. Da erhebt sich denn doch die Frage, 
ob der Rutil schon als fertiggebildeter, älterer Gemengteil bei der Kristal- 
lisation des Korundes von diesem umhüllt worden sei, denn sonst hat er 
ja, wie erwähnt, im Gestein scharfe Kristallform. Nur sehr selten wurden 
pleochroitische Körner augenscheinlich von Turmalin als Einschlufs in 
isolierten gröfseren Korunden gesehen; es handelt sich gewifs um Ein- 
schlüsse, nicht nur um angewachsene Körnchen. 


56 


Ferner enthält der Korund farblose, anisotrope, meist ovale Ein- 
schlüsse, die wohl dem Feldspat angehören: die alsbald zu besprechenden 
Wachstumserscheinungen bieten dieser Deutung eine genügende Stütze. In 
den gi öfseren Korundtafeln sind diese Einschlüsse bisweilen in der Mitte 
besonders zahlreich. Flüssigkeitseinschlüsse konnten nicht nachgewiesen 
werden, winzige dunkel erscheinende Dinge mögen vielleicht Gasporen sein. 
Aber auffällig sind besonders farblose, ovale Einschlüsse mit schmaler 
Umrandung, die sich isotrop verhalten. Ich möchte sie doch für Einschlüsse 
von Feldspat halten, denen sie der Form und Gröfse nach ähneln; sie 
sind vielleicht so dünn, dafs sie auf das polarisierte Licht nicht mehr 
merklich einwirken. 

Der Korund tritt in zwei Erscheinungsweisen auf, in einzelnen, meist 
gröfseren Kristallen und in Haufwerken aus sehr kleinen. Übergänge sind 
vorhanden, aber verhältnismäfsig selten. Was zunächst die Einzelkristalle 
an betrifft, so sind sie stets tafelförmig durch Yorwalten der Basis, die 
von Rhomboederflächen begrenzt wird. Der gröfste Kristall, der gefunden 
wurde, hat die Mafse 10:5: 0,5 mm; kleinere von 2 — 4 mm Durchmesser 
sind häufig in der Abart des roten schiefrigen Korundgranulites. Auch 
noch kleinere und kleinste Einzelkristalle kommen reichlich vor. Die 
Tafeln sind oft scharfe Kristalle, bisweilen aber auch, wenigstens scheinbar, 
durch Wachstumsverhältnisse abgerundet. Auf der Basis nicht nur der 
gröfseren sondern selbst kleinster Tafeln sieht man meist die charak- 
teristischen dreieckigen Fortwachsungen, und es ist vielleicht zu beachten, 
dafs die beiden Basisflächen sich gerade so, wie dies von grofsen säulen- 
förmigen Korundkristallen bekannt ist, hierbei verschieden verhalten können; 
eine Basis kann kräftige, sich stufenförmig wiederholende Fortwachsungen 
aufweisen, die der Gegenfläche vielleicht ganz fehlen. 

Oft sind nun in die Tafeln von aufsen her Feldspatkörner mit rund- 
lichem Umrifs eingewachsen, sie können selbst tief in die Körner Vor- 
dringen; in den mit Flufssäure behandelten Korunden sieht man dann 
rundliche, lappige Einbuchtungen und Löcher mitten in den Tafeln. Ich 
möchte darauf aufmerksam machen, dafs solche in Balsam eingebettete 
Korunde in den Einbuchtungen Luftbläschen festhalten können, die 
dann Flüssigkeitseinschlüsse Vortäuschen. Andererseits ist offenbar ein 
Zusammenhang vorhanden zwischen dem Eindringen der Feld späte mit 
rundlichen Umrissen und der Form der Einschlüsse von Feldspat. 

Die Fortwachsungsstreifung auf der Basis ist natürlich nicht mit 
Zwillingsbildung verbunden; Zwillingslamellen wurden durchaus niemals 
beobachtet. Doch spaltet der Korund sehr leicht nach Rhomboederflächen, 
die Tafeln sind sogar sehr spröde, sie zerbrechen leicht, und es ist fast 
unmöglich, gröfsere Korunde in einem genügend dünnen Präparat zu er- 
halten. An den irgendwie gröfseren Einzelkristallen, die doch in Dünn- 
schliffen zur Beobachtung gelangen , wird man wohl mit Sicherheit bis- 
weilen auch feststellen können, dafs sie zerbrochen im Gesteinsgewebe 
liegen ; sie sind zerbrochen worden bei der Kristallisation der Feldspäte. 

Ungemein charakteristisch ist nun die zweite Erscheinungsweise des 
Korundes in kleinen Haufwerken von etwa 0,5 mm oder weniger Durch- 
messer. Diese Haufwerke treten makroskopisch als kleine, aber scheinbar 
gröfsere, hellbläulichgraue Fleckchen überall, bald reichlicher, bald spär- 
licher deutlich hervor; man mufs sich nur erst ein wenig daran gewöhnen, 
sie besonders zu beachten. Sehr kleine Täfelchen von Korund liegen nur 


57 


sehr selten vereinzelt im Gestein; häufiger ist schon eine lockere An- 
sammlung derselben. Meist aber sind eben die 0,03 bis 0,io mm grofsen 
Täfelchen zu Haufwerken zusammengetreten mit eingelagerter Feldspat- 
masse. Die Haufwerke haben unregelmäfsige rundliche Form oder sie 
zeigen einzelne geradlinige Begrenzungen, selbst annähernd sechseckige 
Gestalt. Die Täfelchen selbst sind nicht selten partienweise einander 
parallel gestellt, was natürlich nur dort zu erkennen ist, wo sie im Prä- 
parat aut der Kante stehen; man erhält den Eindruck, dafs an Ort und 
Stelle gröfsere Kristalle von Korund haben entstehen wollen, das Be- 
streben der Tonerdemolekeln, sich aneinander zu legen, konnte aber den 
Widerstand der schon fertigen oder im Bildungsakte befindlichen Feld- 
spatmolekeln nicht mehr überwinden. Dasselbe Verhältnis offenbart sich 
an der Form der einzelnen Täfelchen, die man weniger gut im Dünnschliff 
als im isolierten Staube prüfen kann: neben spärlicheren ganz scharf 
hexagonal umgrenzten herrschen die mehr rundlichen entschieden vor. 

Die grofsen Kristalle liegen in dem roten schiefrigen Korundgranulit 
im Gesteinsgewebe eingestreut wie irgend ein anderer Gemengteil, meist 
parallel der Schieferung, gelegentlich aber auch quer dagegen gestellt. 
Sie sind meist auf manchen Schieferungsebenen reichlicher vorhanden. Sehr 
grofse und die gröfsten Korunde erscheinen aber in demselben Gestein 
auch in den feldspatreichen Ausscheidungen, neben dem Prismatin und 
gelegentlich auch mit ihm verwachsen. In dieser Gesteinsabart liegen 
aber auch unzählige Haufwerke von Korund, beide Erscheinungsweisen 
treten also auch zugleich auf. in den meisten Abarten finden sich nur 
die Haufwerke und nur ausnahmsweise auch einmal eine gröfsere Tafel. 
Wie erwähnt bildet Feldspat das Bindemittel der einzelnen Täfelchen in 
den Haufwerken, und diese selbst liegen zwischen den gröfseren Feldspat- 
körnern. Besonders beachtenswert aber ist es, dafs die kleinen Korund- 
täfelchen auch sehr oft sich an die Kristalle und Körner von Disthen 
und an die Bündel von Sillimanit anlegen, nicht mehr in den gleichsam 
selbständigen geschlossenen Haufwerken, sondern als eine nur schmälere 
Kruste an einer Seite jener Silikate oder selbst rundherum. Das sieht 
dann so aus, als wäre das Wachstum der Silikate durch die Bildung der 
Tonerdekristalle zum Stillstand gekommen. Man könnte aber auch die 
Frage aufwerfen, ob nicht etwa die Korunde erst durch epigenetische 
Prozesse aus den Tonerdesilikaten entstanden sind. Da nun aber winzige 
Korunde auch lockere Anhäufungen im und zwischen Feldspat bilden 
können, da grofse Korunde in den Ausscheidungen Vorkommen, in sehr 
reinen Ausscheidungen, die niemals auch nur eine Spur von Sillimanit 
enthalten, so läfst sich meines Erachtens kein genügender Anhalt finden, 
um die epigenetische Entstehung der Korunde zu behaupten. Es hielse 
sich zu sehr einer grundlagelosen Spekulation hingeben, wollte man aus 
dem beobachteten Nebeneinander gleich auf ein Entstehen aus einander 
schliefsen. Man müfste dann eben auch gleich darauf Rücksicht nehmen, 
dafs die Korundhaufwerke nun nicht blofs nakt im Feldspat liegend Vor- 
kommen, sondern auch zunächst von Turmalin oder von Biotit umwachsen 
auftreten. Man müfste also mit gleichem Rechte auch einen Nachweis 
oder doch den Beweis der Möglichkeit verlangen, dafs auch wieder der 
Korund aufgebraucht werden kann zur Bildung von Turmalin. In der 
quarzreichen Abart des Korundgranulites wurde beobachtet, dafs ein Korn 
von Sillimanit zunächst von Korund, dieser von Feldspat und letzterer 


58 


noch von Quarz umwachsen auftritt; eine Hülle folgt auf die andere als 
ein Beispiel für die in allen Granuliten so häufige zentrische Struktur. 

Niemals ist Korund unmittelbar mit Quarz verwachsen, wohl aber 
erscheint letzterer in mikroskopischer Nähe des Korundes, in Entfernungen, 
die nach Hundertsteln vom Millimeter zu messen sind. 

C. Farbige, schwere, magnesiumhaltige Gemengteile. 

Erst bei der Besprechung der Abarten des Korundgranulites wird es 
zu erläutern sein, inwieweit die magnesiumhaltigen Gemengteile einander 
vertreten, obwohl sie auch nebeneinander Vorkommen. Der fragliche 
Dumortierit wird hier eingereiht, weil er nur mit dem Prismatin zusammen 
auftritt. 

7. Prismatin. Nach der einzigen Analyse Sauers, die wir bisher von 
diesem Mineral besitzen, ist der Prismatin wesentlich ein magnesium- 
haltiges Tonerdesilikat. Er tritt nur in stets makroskopisch sichtbaren 
Kristallen auf, und zwar eben in Kristallen; Körner sind auch unter dem 
Mikroskop nur in der Mitte von Kristallgruppen in geringer Menge vor- 
handen. Die in unsere Hand- und Lehrbücher übergegangene Mitteilung, 
dafs er in bis daumenstarken Kristallen vorkomme, bedarf doch einer 
starken Einschränkung; ich wenigstens habe in zwei Zentnern klein ge- 
schlagenen Gesteins nur einen Kristall einer solchen Gröfsenordnung ge- 
funden. Es sind schon Prismen von 5 — 7 mm Durchmesser ziemlich 
selten, die dabei eine Länge von 2 — 3 cm erreichen. Am häufigsten sind 
die Kristalle 0,5 — 2 mm dick und 5 — 20 mm lang; reichlich vorhanden 
sind Kristalle von 1 — 2 cm Länge, doch können auch 2 mm dicke Indi- 
viduen bis über 4 cm lang werden. Alle Kristalle sind quer gegen die 
Vertikalachse zerklüftet oder leicht zerbrechlich. Nochmals mag es betont 
werden, dafs wenigstens alle grofsen Prismatine nur in Ausscheidungen oder 
doch wenigstens von einem Feldspathof umgeben Vorkommen; die kleineren, 
und zwar stets verschieden grofse, sind oft zu lockeren radialstrahligen 
Gruppen in der Ebene oder im Raume vereint. In der Prismenzone sind 
die Kristalle immer gut entwickelt, Endflächen sind sehr selten; die Spalt- 
barkeit nach dem Prisma ist gut, eine Teilbarkeit nach Flächen senkrecht 
oder schräg gegen das Prisma auch immer vorhanden. 

Zerbrochene Kristalle findet man oft genug, wobei Feldspat und Quarz 
zwischen die Stücke eingedrungen sind. Feldspat und Quarz liegen aber auch 
zwischen den Strahlen der Prismatinsonnen, und es ist geradezu auffällig, 
wie gerade der Quarz in den Ausscheidungen sich neben und zwischen 
den Prismatinen vorfindet. Dazu kommt noch die Skelettbildung der Pris- 
matine, wobei ebenfalls Quarz und Feldspat es sind, die die Herausbildung 
geschlossener Kristalle verhindert haben. Solche Skelettbildungen sind 
besonders in Querschnitten leicht zu studieren, in denen ein Prismatin in 
Teilstücke zerlegt erscheint, ja bisweilen eine halboffene Hülle mit anderen 
Teilen um Quarz und Feldspat bildet, wobei alle Teile zu einem Individuum 
mit genau gleicher optischer Orientierung zusammengehören. Wahrscheinlich 
gehen solche Querschnitte meist durch die Enden der Prismen. Die Hüllen- 
bildung ist sonst ganz gleich derjenigen, die beim Granat in Granuliten 
bekannt ist. 

Im Dünnschliff ist ein Pleochroismus der licht weingelben, stark^licht- 
und doppeltbrechenden Prismatine nicht wahrnehmbar. Als Einschlüsse 


“59 


erscheinen nur selten der ja überhaupt spärlich vorhandene Zirkon und 
dann der Rutil; dafs die Kriställchen des letzteren bei der Bildung des 
Prismatins auch augenscheinlich zur Seite geschoben worden sind, wurde 
schon oben erwähnt. Spärlich sind auch Dampfporen und Flüssigkeits- 
einschlüsse, die meist in Ebenen quer gegen die Prismenzone angeordnet 
sind; es wäre nicht unmöglich, dafs die Zerbrechlichkeit der Prismatine 
mit solchen Einschlufsebenen zusammenhängt, ln Längsschnitten sind allerlei 
zarte und winzige Dinge zu sehen, die vielleicht auch Einschlüsse dar- 
stellen, aber nur in einem Querschnitt wurden deutliche Flüssigkeits- 
einschlüsse mit sehr lebhaft beweglicher Libelle gefunden , die bei 
geringer Erwärmung verschwindet und bei der Abkühlung wieder er- 
scheint, so dafs man sie ohne weiteres für Einschlüsse flüssiger Kohlen- 
säure halten darf. 

Die kleineren Prismatine sind sehr oft völlig frisch und wasserklar; 
ein dünnster Überzug von einem glimmerigen Mineral, vermöge dessen sie 
wie die gröfseren sich leicht aus dem Gestein herausbrechen lassen, stammt 
wohl eher von dem anliegenden Feldspat her. Dann aber tritt von aufsen 
und von den Querklüften her die Umwandlung in das faserige, schwach 
licht- und doppeltbrechende Mineral ein, das von Sauer als Kryptotil be- 
zeichnet worden ist; in letzterem kann auch eine Menge von roten Körnchen 
von Eisenhydroxyd auftreten. 

8. Dumortierit (?). Nur neben in der Umwandlung begriffenem 
Prismatin tritt ein Mineral auf, das vielleicht als Dumortierit zu deuten 
ist. Es sind parallelfaserige Bündel mit starken Pleochroismus: der parallel 
der Vertikalachse schwingende Strahl ist hell violett, selten kräftig rot, einmal 
an einer kleinen Stelle blau, der senkrecht dagegen schwingende ganz licht- 
gelblich, fast farblos. Das Mineral bricht das Licht schwächer als Pris- 
matin, stärker als dessen Zersetzungsprodukt Kryptotil; es liegt neben 
dem Prismatin oder wächst an den Enden der Prismatine gleichsam aus 
ihm heraus, es kann aber auch in Bündeln Vorkommen, die nur in der 
Nachbarschaft des Prismatins liegen. Nur in sechs Präparaten wurde es 
gefunden, und es läfst sich kein Gesteinstypus angeben, in dem es zu suchen 
wäre; doch findet es sich andererseits wohl nur in Ausscheidungen neben 
Prismatin, wo sich auch noch faserige Bündel eines nicht farbigen Minerals 
einstellen, die sich sonst den violetten ganz ähnlich verhalten. Der auf- 
fallend starke Pleochroismus des Dumortierites von Beaunan findet sich 
bekanntlich nicht dermafsen in dem violetten von Dehesa, S. Diego Co., Cal. 
Das hier vorliegende Mineral, das nur in äufserst geringer Menge beob- 
achtet wurde, ähnelt auffällig diesem violetten Dumortierit von Dehesa. 

Ich mufs es unentschieden lassen, ob das in Frage stehende Mineral 
sich sekundär durch Verwitterung aus dem Prismatin gebildet hat, oder 
ob es epigenetisch aus letzterem hervorgegangen ist, oder ob es vollstän- 
dig unabhängig vom Prismatin ist. Einerseits ist daran zu erinnern, 
dafs Dumortierit von Rösler in Kaolinerden aufgefunden worden ist, 
andererseits enthält der Korundgranulit in seinem Turmalin auch sonst 
Borsäure. 

9. Granat. Eine eigentümliche Rolle spielt der nur spärlich vor- 
handene Granat in den Abarten des Korundgranulites. Einmal tritt er 
spärlich in zwei Abarten des Gesteins an dem nördlichen Ende des Auf- 
schlusses auf in kleinen und winzigen Körnchen oder in Rhombendodekaedern, 
Ketten bildend oder am Rande von groben Sillimanitbündeln, mit oder ohne 


60 


kelyphitische Rinde, mit den schwer bestimmbaren gewöhnlichen Einschlüssen 
des Granulit-Granats, lichtrosa gefärbt. Dann aber findet man die schon 
von Sauer erwähnten bis haselnufsgrofsen Granaten von ganz hellrosa 
Farbe, die im ganzen doch auch nur spärlich und vereinzelt in den Aus- 
scheidungen und im Gesteinsgewebe selbst auftreten. Die Granaten treten 
nur ganz ausnahmsweise auf ohne andere Hüllen, als die eines lichtgrün- 
lichen Zersetzungsproduktes, das sich auch auf Klüften herausgebildet hat. 
Meist zeigen die Granaten eine Hülle von Biotit, der durch Atmosphärilien 
leicht gebleicht und grünlich wird ; die von Sauer angegebene Hornblende 
habe ich nie gesehen. Die Biotithülle kann verhältnismäfsig schmal oder 
breit sein, ja es kann Biotit, wie es scheint, die Granatsubstanz ganz ver- 
drängt haben. Ein solches Verhältnis zwischen Granat und Biotit findet 
sich auch sonst in Granuliten. Unter dem Mikroskop sieht man hier die 
Granatsubstanz (mit Einschlüssen von Rutil) in Bruchstücken ähnlichen Resten, 
aufsen um die Biotithülle aber wieder noch eine fein struierte kelyphi- 
tische Hülle. Gerade diese läfst es mir im höchsten Grade unwahrschein- 
lich Vorkommen, dafs hier gewöhnliche Pseudomorphosen von Biotit nach 
Granat vorliegen: epigenetische Vorgänge gleich bei der Entstehung des 
Gesteins dürften eher in Frage kommen, und zwar um so mehr, als auch 
diese Granaten von einem Hof von Feldspat umgeben zu sein pflegen, 
wenn sie nicht in gröfseren feldspatreichen Ausscheidungen liegen. Im 
ganzen ist der Granat im Korundgranulit nur ein „unwesentlicher“ 
Gemengteil; seine Rolle in anderen Granuliten übernimmt hier der Tur- 
malin. 

10. Turmalin. Schon Sauer hat die ungewöhnliche Erscheinungs- 
weise des Turmalins in Körnern hervorgehoben; nach seiner Analyse ist 
es ein Magnesia-Turmalin. Es glückte mir, einmal an einer Stelle einige 
wenige etwa 2 mm grofse scharfe Kriställchen zu finden, die Messung auf 
dem Goniometer gestatteten. In der Prismenzone der kurz säulenförmigen 
Kriställchen treten die gewöhnlichen neun Flächen auf, an beiden Enden 
das primäre Rhomboeder; hemimorphe Entwickelung war an den Enden 
nicht zu beobachten. Ebenso gestaltet sind die winzigen Turmaline von 
0,oi mm und die ein wenig gröfseren; alle makroskopisch sichtbaren Tur- 
maline sind unregelmäfsig gestaltete Körner und Körnerhaufen mit einem 
Durchmesser von höchstens etwa 2 mm. Die mikroskopische Unter- 
suchung lehrt, dafs vornehmlich der Feldspat die scharfe Formentwicke- 
lung der gröfseren Turmaline verhindert hat; er dringt ganz wie bei den 
Korunden in die Turmaline in Buchten ein, bildet darin rundliche Ein- 
schlüsse, oft in reichlicher Anzahl, und liegt zwischen sich sonst berühren- 
den Turmalinindividuen. Von anderen Gemengteilen erscheint nur noch 
der Rutil als wahrer Einschlufs. 

In den dunkelbraunen, im Präparat gelbbraunen und wenig stark 
pleochroitischen Turmalinen kommen nicht selten Einschlüsse vor von der 
Form des Wirtes; beim Erwärmen nicht absorbierbare Libellen sind seltener 
wahrzunehmen, meist beherbergen solche Einschlüsse allerlei winzigste 
Partikeln, wobei es zweifelhaft bleibt, ob dann auch noch eine Flüssig- 
keit in ihnen vorhanden ist. Echte dunkelumrandete Dampfporen kommen 
auch vor. Um so auffälliger sind die unregelmäfsig gestalteten, zum Teil 
grofsen Einschlüsse in einem grofsen Turmalin in einer Ausscheidung 
neben den Pseudomorphosen nach Andalusit. Einige derselben ent- 
halten zweierlei Flüssigkeit, deren innere mit der an den Enden 


61 


und Ecken liegenden anderen sich nicht mischt und eine bei der Er- 
wärmung absorbierbare Libelle enthält. Die Grenze zwischen den beiden 
Flüssigkeiten ist schmal und fein, woraus eben folgt, dafs auch die äufsere 
Substanz eine Flüssigkeit ist. Überdies liegen unmittelbar neben den 
Doppeleinschlüssen auch solche mit nur einer Flüssigkeit und nicht ab- 
sorbierbarer Libelle. Diese Einschlüsse sind alle so grofs und so günstig 
gestaltet, dafs die Erscheinungen bei der oft wiederholten Erwärmung 
mit der gröfsten Sicherheit beobachtet werden konnten. In einem Ein- 
schlufs treten infolge besonderer Form beim Abkühlen bisweilen zunächst 
zwei Libellen auf, eine kugelrunde und eine gröfsere flache: es gewährt 
einen wunderbaren Anblick, zu sehen, wie die zuerst immer gröfser ge- 
wordene flache Libelle bei weiterer Abkühlung langsam wieder kleiner 
wird bis zum Verschwinden, während die kugelrunde noch gröfser wird. 

Der Turmalin ist im Korundgranulit aber noch in anderer Weise 
interessant, nämlich dadurch, dafs er andere Gemengteile umhüllt, um sie 
herumgewachsen ist. Es handelt sich dabei nicht um einfache Einschlüsse, 
zumal zum Teil nur eine teilweise Umhüllung auftritt; in Fällen der 
anscheinenden völligen Umhüllung auch durch nur ein Individuum liegen 
im Präparat bei verhältnismäfsiger Gröfse der Gegenstände nur Durch- 
schnitte vor, so dafs sich eine völlige Umhüllung gar nicht beweisen läfst. 
Es wurde beobachtet: 1. Turmalin umhüllt Haufwerke von Korundtäfelchen; 
2. es liegt Disthen mit teilweisem Rande von Korundtäfelchen als im 
ganzen rundlicher Einschlufs im Turmalin; 3. Turmalin legt sich an eine 
Seite eines Disthenindividuums, das an der anderen mit Kristallzacken 
mit Feldspat verwachsen ist: die Grenze zwischen Disthen und Turmalin 
aber ist glatt, unregelmäfsig, als wäre der Disthen angegriffen, aufgelöst 
worden von dem Turmalin; 4. Sillimanit mit Korund besetzt erscheint als 
Einschlufs im Turmalin; 5. Turmalin umschliefst Bündel von Sillimanit 
ohne Kristallspitzen — sind diese neben dem Turmalin nicht zur Ent- 
wickelung gelangt, oder sind sie vom Turmalin aufgelöst worden? Dabei 
tritt der Turmalin als Einschlufs im Korund auf, winzige wohlgestaltete 
Turmalinkriställchen erscheinen in Menge als Einschlüsse im Feldspat, der 
Feldspat dringt in Buchten in Korund und in Turmalin ein: ich meine, 
dafs das alles Verhältnisse sind, die nur durch eine im wesentlichen 
gleichzeitige Entstehung aller Gemengteile erklärt werden können; eine 
sicher bestimmbare Altersfolge kann gewifs nicht aufgestellt werden. 

Dafs der Turmalin völlig unzersetzt bleibt, dafs in dem oben S. 52 
erwähnten Primärtrum ein schon durch Farbe und stärksten Pleochrois- 
mus ausgezeichneter anderer Turmalin erscheint, ist nur kurz zu er- 
wähnen. 

11. Biotit. Verschieden von dem mit Granat in Verbindung stehen- 
den Biotit ist derjenige, der als ein Hauptgemengteil in mehreren Ab- 
arten des Korundgranulites auftritt. Er ist widerstandsfähiger gegen 
Atmosphärilien, und es scheiden sich aus ihm, besonders schön in den 
gröfseren Blättchen, mit der beginnenden Zersetzung unzählige kurze 
Nädelchen, wohl von Rutil, aus. Es dürfte ein hellbrauner titanhaltiger 
Magnesiaglimmer vorliegen. Seine Blättchen liegen meist vereinzelt im 
Gestein, wie es der herrschenden zuckerkörnigen Struktur entspricht; 
doch kommen auch stellenweise Haufwerke von gröfserem Durchmesser 
vor im Gestein wie auch in den leukokraten Ausscheidungen, in die er 
doch auch, wenn auch selten, eintritt. Echte Flasern bildet er nie. 


62 


D. Helle, leichte Gemengteile. 

12. Muscovit. Wohl nur in den Ausscheidungen, soweit das in 
Präparaten erkennbar ist, tritt Muscovit auf als primärer Gemengteil. 
Seine Vergesellschaftung mit Andalusit und Quarz wurde schon erwähnt. 
Es wurden auch einige Ausscheidungen gefunden, in denen der Muscovit 
in etwa 8 mm breiten und bis 2 mm dicken Kristallen auftritt; die 
Kristalle sind stark verzwillingt und zeigen die federförmige Fältelung; 
sie sind schwer schmelzbar und geben keine Lithiumreaktion. Mikro- 
skopisch kleine Blättchen sind vollkommen klar und einschlufsfrei. 

13. Plagioklas. Mit einer Ausnahme ist in allen Abarten des 
Korundgranulites ein Plagioklas der vorherrschende Gemengteil, den Sauer 
als „albitisch“ bezeichn ete. Ich weifs nicht, ob das Richtige getroffen 
worden ist, wenn in Zitaten aus dem ,, albitisch“ geradezu Albit geworden 
ist. Der Plagioklas tritt auf in Körnern, die eine sehr feine reichliche 
Verzwillingung nach dem Albitgesetz besitzen; gleichzeitige Verzwillingung 
nach dem Periklingesetz fehlt meist, oder sie ist sehr spärlich ausgebildet. 
Wie aber alle Verhältnisse beim Korundgranulit schwanken, so findet 
man auch in einem oder dem anderen Dünnschliff reichlich doppelte Ver- 
zwillingung. Die Zwillingslamellen sind sehr dünn, stets vollkommen 
gerade und verlaufen meist durch das ganze Korn. Das spezifische Ge- 
wicht, durch Suspension in Kaliumquecksilberjodid neben reinem Albit 
als Indikator bestimmt, erwies sich höher als das des Albites, chemische 
Prüfung ergab Kalzium- und Kaliumgehalt, die Art der Verzwillingung 
spricht gegen Albit, mehr für einen zwischen Albit und Oligoklas stehenden 
Feldspat. Es ist schliefslich recht gleichgültig, ob der Plagioklas besser 
als Albit oder als ein dem Albit nahestehender Oligoklas bezeichnet 
werden soll. Eingelagerte Spindeln von anderer Lichtbrechung scheinen 
den Kaliumgehalt -erklären zu können. Es genügt hier von Plagioklas 
zu reden; die vielleicht von manchem vermifste genaueste Bestimmung 
liefse sich nur gleich für alle Granulite durchführen. Dampfporen und 
in gröfseren Feldspäten der Ausscheidungen auch deutliche Flüssigkeits- 
einschlüsse mit bei der Erwärmung nicht absorbierbarer Libelle und 
einer Annäherung an die Form des Wirtes sind reichlich vorhanden. 
Durch sekundäres Eisenhydroxyd wird auch der Plagioklas rötlich gefärbt. 
Seine Körner bilden die Fülle zwischen allen anderen Gemengteilen, und 
es ist nur beachtenswert, dafs meist die anderen Gemengteile nicht sowohl 
in den Plagioklasen liegen, als vielmehr zwischen den Feldspatkörnern. 

14. Orthoklas. In einem fast richtungslos körnigen Gestein, wie 
es mehrere Abarten des Korundgranulites sind, müfsten theoretisch weitaus 
die meisten Durchschnitte durch einen feinlamellierten Plagioklas Zwillings- 
streifung aufweisen. Wenn man unter den Dünnschliffen nun auch wieder 
solche vorfindet, in denen eine Menge von nicht verzwillingten Feldspäten 
liegt, die sich durch keinerlei sonstige Eigenschaften von den verzwillingten 
unterscheiden, so wird man zunächst daran denken, dafs in dem Gestein 
doch eine versteckte Parallelstruktur vorhanden sein könnte, derzufolge 
die Plagioklase eine bestimmte Stellung annehmen, zumal ja Andeutungen 
von . Parallelstruktur immer vorhanden sind. Allein der Umstand, dafs 
unter den Feldspäten auch solche Vorkommen, die gar keine Verzwillingung, 
dagegen die Lamellen oder Schläuche des Mikroperthites, wenngleich 
ziemlich spärlich, aufweisen, wie in den Granuliten im Liegenden und im 


63 


Hangenden, weist doch wohl darauf hin, dafs neben dem Plagioklas auch 
Kalifeldspat in Abarten des Korundgranulites und in den Ausscheidungen 
vorkommt. Nur sind nicht etwa die rötlichen Feldspäte alle als Orthoklas 
oder Mikroperthit anzusprechen, wie denn überhaupt strukturelle Unter- 
schiede unter den Feldspäten vollständig fehlen. Alles sieht wesentlich 
gleichartig aus, und entschieden herrscht zumeist ein dem Albit nahe- 
stehender Plagioklas im allgemeinen bei weitem vor. 

15. Quarz. Mit blofsem Auge erkennt man den Quarz, abgesehen 
von der quarzreichen Abart, nur gelegentlich in gröfseren Körnern in den 
Ausscheidungen. Erst die mikroskopische Untersuchung zeigt, dafs er 
viel reichlicher darin vorhanden ist, besonders in der Gesellschaft des 
Prismatins, als es den Anschein hat. Der Quarz, leicht erkennbar, ent- 
hält meist die kurzen, opak erscheinenden, winzigen Nädelchen, deren 
Natur vielleicht doch noch einmal sicher bestimmt werden kann, und 
meist Dampfporen bis Flüssigkeitseinschlüsse. Letztere haben nicht selten 
annähernd die Form ihres Wirtes, so dafs es möglich ist, nach ihrer Form 
die optische Orientierung des sonst formlosen Kornes aufzufinden. Die 
Libellen in den Einschlüssen sind meist recht grofs; aber auch wenn 
sie klein sind und sich bewegen, werden sie doch nicht bei der Er- 
wärmung absorbiert, höchstens werden sie dadurch zur Kühe gebracht. 
Also weder im Feldspat noch im Quarz treten Einschlüsse flüssiger Kohlen- 
säure auf. 

(16. Apatit) fehlt allen Abarten des Korundgranulites durchaus völlig; 
vereinzelte Körnchen in den Ausscheidungen gehören vielleicht zum Apatit, 
sie könnten aber ebensogut einem anderen farblosen und stark licht- 
brechenden Mineral angehören. Vielleicht stecken in dem Korundgranulit 
und namentlich in den Ausscheidungen stellenweise doch noch andere 
Mineralien, als ich erkannt habe; in dem untersuchten Material hoffe ich 
nichts wesentliches übersehen zu haben. 


E. Sekundäre Gemengteile. 

Ich mufs gestehen, dafs ich nicht recht weifs, woher das Eisenhydroxyd 
stammt, dafs nicht nur Feldspäte in feinem Staube rötlich färbt, sondern 
ganzen Abarten eine rötliche Farbe verleiht, darin auch in kleinen Fleckchen 
reichlicher angehäuft vorkommt und auch manche Klüfte überzieht. Ein 
primäres Eisenerz habe ich nicht auffinden können, und ich kann nur ver- 
muten, dafs doch winzigste Partikelchen von Schwefeleisen im Gestein, wo 
es rötlich ist, vorhanden gewesen sind. Manganflecke kommen auf Klüften 
auch oft vor. Im allgemeinen ist die Zersetzung des Korundgranulites 
nur unbedeutend; nur Flitterchen, die wohl einfach als Sericit zu be- 
zeichnen sind, lassen sich überall zwischen den Körnern der Gemengteile 
beobachten. Sie werden wesentlich aus den Feldspäten hervorgegangen sein. 

V. Abarten des Korundgranulites. 

Obwohl das ganze Lager von Korundgranulit, gegen Liegendes und 
Hangendes scharf abgegrenzt, eine tektonische und auch im geologischen 
Sinne eine petrographische Einheit darstellt, so lassen sich doch mit 
leichter Mühe einige Abarten unterscheiden, die räumlich begrenzt auf- 

** 


64 


treten, und deren Trennung noch mehr zur Charakterisierung des ganzen 
Vorkommnisses beitragen wird. Übergangsstufen finden sich, doch sehen 
typische Handstücke der Abarten sehr verschieden aus. 

1. Korundarmer Pri s matin granulit. 

Das weifse, fein- bis kleinmittelkörnige Gestein ist durch kleinere und 
bis 2 mm grofse Turmaline von dunkelbrauner Farbe gesprenkelt; Biotit 
in kleinsten Blättchen kann ganz fehlen oder stellenweise — da wo Tur- 
malin spärlich ist oder fehlt — vorhanden sein. Granaten von 3—4 mm 
Durchmesser und bis zu mehr als 1 cm dicke liegen vereinzelt wie 
Fremdlinge im Gestein , kommen in dieser Abart aber am reichlichsten 
vor. Die ganze Masse ist bald mehr bald minder stark von Prismatin, 
hauptsächlich in räumlich strahligen Aggregaten aus kleineren Kristallen, 
durchsetzt; grofse Prismatine erscheinen nur in Ausscheidungen, die aber 
spärlich vorhanden sind. Wenngleich man beobachten kann, dafs fast 
alle Prismatinsonnen auch mehr in reinem Feldspat liegen, so würde es 
doch eine gezwungene Auffassung sein, dabei schon jedesmal von einer 
Ausscheidung zu reden. Diese Abart ist es allein, die der Beschreibung 
Sauers entspricht; die kleinen Korundhaufwerke können anscheinend ganz 
fehlen, und man wird sie im Hand stück gewifs übersehen, wenn man sie 
nicht kennt und sucht. Sie können aber auch deutlichst und in gröfserer 
Anzahl hervortreten, und dadurch ist dann ein Übergang gegeben in die 
zweite Abart. 

2. Körniger korundreicher Granulit. 

Diese Abart wechselt am stärksten in ihrem Aussehen schon dadurch, 
dafs der Grundton bald graulich, bald rötlich ist. Die Korundhaufwerke 
sind massenhaft vorhanden, so dafs namentlich angeschliffene Flächen 
geradezu durch bläulichhellgraue Fleckchen gesprenkelt sind. Parallel- 
struktur ist nur schwach in verschiedenem Grade vorhanden, schon je nach 
dem Gehalt der Abart an Biotit oder Turmalin. Es besteht ein ent- 
schiedener Antagonismus zwischen Biotit und Turmalin: wenn einer von 
beiden reichlich vorhanden ist, fehlt der andere gewifs gänzlich. Und 
ein weiterer Antagonismus gibt sich zu erkennen, in dieser Abart wie in 
den anderen auch, zwischen Prismatin einerseits und Turmalin und Biotit 
andererseits: in dieser Abart findet sich der Prismatin nur in deutlichen 
Ausscheidungen. Daraus folgt, dafs in dem Korundgranulit die magnesia- 
haltigen Gemengteile einander vertreten ; der spärlichere Granat fügt sich 
ebenfalls diesem Gesetz. 

3. Biotitreicher Korundgranulit. 

Der erwähnte Antagonismus zeigt sich auch vortrefflich in der dritten 
Abart. Das Gestein ist ausgezeichnet durch seinen Reichtum an Biotit, wo- 
durch es einen schwach violetten Gesamtton erlangt; trotz der Menge der 
sehr kleinen Biotitblättchen ist Parallelstruktur nur wenig entwickelt. Diese 
Masse enthält so gut wie keinen Turmalin, der aber in Ausscheidungen 
vorkommt wie Granat und Prismatin. In dieser Abart sind die Korund- 
haufwerke wohl nur erst unter dem Mikroskop zu sehen; dasselbe gilt 
von dem Sillimanit, der allenfalls mit der Lupe in matten weifsen Körnchen 
erkannt werden kann. 


65 


4. Rötlicher schiefriger Korundgranulit. 

Diese Abart ist es, die den Korund in grofsen Kristallen, daneben 
aber auch stets in reichlichen Haufwerken enthält, die auch mit blofsem 
Auge zu sehen sind. Auf der Spaltungsfläche eines Handstückes kann man 
oft 20 und mehr solcher grofsen Tafeln zählen; sie treten durch ihre 
glänzenden Basisflächen meist gut hervor, aber ihre Zahl nimmt doch erst 
bei der Betrachtung mit der Lupe erheblich zu. Sie sind etwas unregel- 
mäfsig verteilt, auf manchen Spaltungsflächen sind sie reichlicher vor- 
handen, und die allergröfsten kommen, wie oben erwähnt, erst in den Aus- 
scheidungen mit rötlichem Feldspat vor, die auch allein den Prismatin in 
einzelnen Kristallen oder in ebenen Sonnen enthalten. Die Abart ist arm 
an Turmalin, und Granat fehlt wohl ganz. Rutil und Sillimanit sind 
reichlich vorhanden. 

5. Weifser, an Korund armer, quarzreicher Granulit. 

Die letzte Abart entfernt sich durch ihren grofsen Reichtum an Quarz 
von allen andern. Sie tritt nur in einer kleinen, etwa 1 m langen und 0,5 m 
mächtigen Lage gegen das nördliche Ende der Linse hin bequem zugänglich 
auf. Das Gestein hat eine gestreckte Parallelstruktur dadurch, dafs der 
Quarz lang spindelförmige etwa 0,5 mm dicke und 3 — 6 mm und mehr 
lange, aus Körnchen zusammengesetzte Körper bildet, zwischen denen 
erst der Feldspat, Plagioklas und faseriger Orthoklas, Sillimanit und 
spärliche, meist nur stellenweise vorkommende kleinste Granaten stecken. 
Biotit, Turmalin und Prismatin fehlen dem Gestein, dessen auffälligster 
Gemengteil nun der Korund ist. Die kleinen graulichen Korundhauf- 
werke sind überall bald spärlicher, bald reichlicher auf den ersten Blick 
deutlich makroskopisch hervortretend zu sehen; allerdings ist das Gestein 
sehr arm an Korund, denn es liegen wohl nur 3 — 7, höchstens einmal 
10 — 12 Haufwerke in einer einen Quadratzentimeter grofsen Fläche. Das 
Gestein ist unzweifelhaft ein Granulit, sein Quarz enthält Flüssigkeitsein- 
schlüsse und die feinen kurzen Nüdelchen wie der Quarz, der in den 
Ausscheidungen die Nähe des Prismatins liebt, seine Korundhaufwerke 
gleichen vollständig denen in den an Korund reichen Abarten. Warum, 
mufs man fragen, tritt in diesem Gestein freie Tonerde neben freier 
Kieselsäure auf, warum ist nicht alle freie Tonerde, die nicht zur Bildung 
von Feldspat verbraucht werden konnte, mit Kieselsäure zusammen- 
getreten zu Sillimanit, der doch auch in dem Gestein vorkommt? Kann 
freie Tonerde neben freier Kieselsäure in einem Eruptivgestein Vor- 
kommen? 

Alle Abarten aber gehören zusammen zu einer geologischen Einheit, 
zu einem Korundgranulit, einem Gestein, das sich gut einfügt in die Gruppe 
der Sillimanitgranulite. Der Korundgranulit ist ein ungewöhnliches Gestein, 
aber nach Struktur, Vergesellschaftung und Lagerung ein echter Granulit. 


VI. Das pflanzengeographische Form ati onsherb arium. 

Yon Dr. B. Schorler. 


Schon zu verschiedenen Malen ist in der botanischen Sektion der 
Isis von dem pflanzengeographischen Formationsherbarium des botanischen 
Institutes gesprochen und einzelnes daraus gezeigt worden. Eine Be- 
schreibung dieses neuen Herbariums ist aber bisher noch nicht erfolgt. 
Da nun von verschiedenen Seiten, von Fachbotanikern sowohl wie von 
Lehrern der Naturwissenschaften, Anfragen über Einrichtungen eines 
solchen Herbariums an das botanische Institut gelangt sind, so erlaube 
ich mir im folgenden eine kurze Beschreibung desselben zu geben. 

Das Formationsherbarium wurde nach den Anregungen und Plänen 
des Herrn Geheimrat Drude im letzten Jahrzehnt angelegt. Die ersten 
Anfänge reichen jedoch bis zum Jahre 1890 zurück. Es verfolgt den 
Zweck, das systematisch geordnete Herbarium durch eine geographisch- 
biologische Anordnung zu ergänzen, und es will Bilder von Vegetations- 
formationen besonders von Sachsen und Thüringen vorführen und deren 
Verschiedenheiten nach Meereshöhe, Unterlage und Jahreszeit zugleich 
mit der Lebensgeschichte und Verbreitung einzelner Arten zur Darstellung 
bringen. Es soll in erster Linie Vorlesungszwecken in der Pflanzengeo- 
graphie dienen und ist daher so eingerichtet, dafs einzelne Formationen 
im Hörsaal demonstriert werden können. 

Das Herbarium besteht aus 84 cm langen und 41 cm breiten weifsen 
Papplatten, die so grofs gewählt sind, damit auch gröfsere Pflanzen mög- 
lichst vollständig und in ihren verschiedenen Entwickelungsstadien auf- 
geklebt werden können. Stärkere Holzpflanzen oder solche mit dicken 
Wurzelstöcken, die am besten mit Heftzwirn befestigt werden, kommen 
auf Tafeln, die am Rande einen 1 cm dicken Holzrahmen als Schutzleiste 
haben. Je zwei am oberen und unteren Ende angeleimte Fliefspapier- 
bogen bilden den nötigen Stauhschutz. 

Die Anordnung und Abgrenzung der Formationen ist nach dem sechsten 
Bande der ,, Vegetation der Erde“*) erfolgt. Jedoch sind verwandte Forma- 
tionen zu Formationsgruppen zusammengezogen, um den Umfang des Her- 
bariums nicht zu grofs werden zu lassen. Und so sind auf den Tafeln die 
folgenden grofsen Formationen zur Anschauung gebracht: Wald, Wiese, Moor, 
subalpine Matten, Wasser-, Hügel- und Ruderalpflanzen. Daneben aber führen 
Einzelbilder uns besonders charakteristische Bestände, wie die Thüringer 


*) Engler, A.n. Drude, 0.: Die Vegetation der Erde, VT. Bd. Drude: Der Her- 
cynische Florenbezirk. Leipzig 1902. 


67 


Muschelkalkflora, die Salzflora von Artern, die Lausitzer Niederungsmoore, 
die Bergwiesen vom Geising im Erzgebirge usw. vor Augen. Jeder For- 
mation und jedem Einzelbilde sind überdies Photographien der natürlichen 
Verhältnisse beigegeben. Und bei den Wasserpflanzen ist das Plankton 
durch eine Tafel mit farbigen Zeichnungen zur Anschauung gebracht. In 
den Vorlesungen über eine der Formationen werden die betreffenden Tafeln 
an den Schränken des Herbarsaales aufgestellt und geben nun in ihrer 
Gesamtheit von jener ein recht deutliches Bild. 

Die Anordnung der Pflanzen innerhalb einer Formation ist natürlich 
keine systematische. Sie erfolgt nach der Wuchsform, wechselt aber in 
den verschiedenen Formationen nach dem physiognomischen Wert der 
einzelnen Arten in der Weise, dafs immer die herrschenden Formen voran- 
gestellt werden. Im Walde z. B. kommen zuerst die Bäume, die immer- 
grünen nach den laubabwerfenden, dann die Sträucher mit Zwerg- und 
Schöfslingssträu ehern, hierauf folgen die Farne, Schachtelhalme und Bär- 
lappe, dann die Basenbildner und die Stauden, letztere gruppiert nach der 
Art des Überwinterns in perenne und redivive Stauden. Hieran schliefsen 
sich die zwei- und einjährigen Blütenpflanzen, die Saprophyten und Para- 
siten, und den Schlufs machen die Moose, Flechten und Pilze. Bei den 
Wiesen stehen die Rasenbildner obenan usw. In den einzelnen Gruppen 
gehen immer die allgemein verbreiteten Formen denjenigen voran, die 
nur für bestimmte Regionen, z. B. für die Niederungs- und Hügelwälder 
oder für die Bergwälder charakteristisch sind. 

Für die Einteilung dieser Vegetationsformen wurde die Bearbeitung 
Drudes in „Deutschlands Pflanzengeographie“, S. 33 ff. zugrunde gelegt. 
Zu ihrem Verständnis sei hier nur das Folgende erwähnt. Von den eigent- 
lichen Grofssträuchern, wie Haselstrauch, Weifs- und Schwarzdorn, mit 
ihren von Grund an verzweigten langlebigen Holzstämmen mit oftmaliger 
Blütenerzeugung, sind die Schöfslings- und Zwergsträucher oder Reiser 
unterschieden. Die ersteren sind ausgezeichnet durch einzelne grofse, 
schon im ersten Jahre ihre volle Höhe erreichende, zwei- oder mehrjährige, 
beblätterte Langtriebe oder Schöfslinge, die ein- oder mehrmals blühen. 
Zu ihnen gehören Brombeeren und Rosen. Die letzteren haben zahlreiche 
kleine kurzlebige, fruchttragende Einzelsprosse oder Reiser, die ein- bis 
zweimal Blüten erzeugen. Sie bleiben daher niedrig und erzeugen oft 
dichte rasenförmige Decken auf der Bodenoberfläche. Vaccinien und Eriken 
sind Beipiele dafür. Die Holzstauden umfassen jene Wuchsformen, die 
man auch als Halbsträucher und Erdstämme bezeichnet. Verholzte unter- 
irdische Wurzelstöcke oder ähnliche oberirdische Erdstämme mit un- 
verholzten ein- oder zweijährigen Blütentrieben, die nach der Fruchtreife 
absterben, sind für sie charakteristisch. Dryas und Linnaea , Thymus 
und Calamintha- Arten gehören hierher. Die perennen Stauden haben un- 
verholzte Wurzelstöcke oder Rhizome mit oberirdischen, auch im Winter 
ausdauernden krautigen Trieben, die entweder immergrüne Lederblätter, 
wie Asarmn , Vinca und Pirola , oder Rosetten, wie Primula , Fragaria , 
Hepatica uw., oder Polster, wie Dianthus- kr ten, oder sich bewurzelnde 
Wandertriebe bilden, wie die beiden Chrysosplenium- Arten, Oaleobdolon 
und Stellaria nemorum. Die rediviven Stauden führen ein hauptsächlich 
unterirdisches Leben. Von ihnen bleiben am Ende der Vegetationsperiode 
gar keine oberirdischen lebenden Teile übrig, Zwiebel- und Knollengewächse 
wie Lilium Martagon , Corydalis und Gagea-kriexi sind typische Vertreter. 


68 


Daneben kommen noch Erdstauden und Wurzelsprosser vor. Bei ersteren 
perenniert der Wurzelstock als solcher und entwickelt alljährlich Kraftknospen 
für neue Triebe. Hierher gehört die Hauptmasse der einheimischen Stauden. 
Aegopodium , Bupleurum , Aruncus , Ulmaria , Geum , Campanula , Astra- 
galus und Lathyrus niger seien als Vertreter aufgeführt. Bei den letzteren 
übernimmt an Stelle des Wurzelstockes ein reichverzweigter wandernder 
Sprofs die Entwickelung neuer Triebe, wie Convallaria und Polygonatum , 
Paris und Dentaria zeigen. 

Wenden wir uns nun zu den einzelnen Tafeln des Herbariums. Bei 
ihrer Herstellung wurde das Ziel verfolgt, die Formation nicht nur in einem 
einzigen Entwickelungsstadium zu zeigen, sondern auch ihren Jahreszeiten- 
wechsel, also ihr Aussehen im Winter, Frühling, Frühsommer, Hochsommer 
und Herbst, zur Darstellung zu bringen. Um hierbei unnötige Wieder- 
holungen zu vermeiden, wurde die Formation nicht in fünf getrennte 
Jahreszeitenbilder aufgelöst, sondern für jede Art der ganze Jahreszyklus 
auf einer oder mehreren aufeinander folgenden Tafeln festgelegt. Das 
hatte noch den besonderen Vorteil, dafs so die Lebensgeschichte einer 
Art zur klaren Anschauung kam und doch das Jahreszeitenbild der For- 
mation demonstriert werden konnte. Nur bei den für eine bestimmte 
Landschaft charakteristischen Einzelbildern einer Formation wurde der 
Höhepunkt in der Entwickelung ausgewählt. 

Wir sehen z. B. bei den Bäumen auf dem unteren Teil der Tafel einen 
Zweig mit den ruhenden Winterknospen und ihrem Frostschutz, darüber 
einen zweiten mit den austreibenden Frühlingsblatt- resp. Blütenknospen, 
weiter die Vollblüte, Vollbelaubung, die jungen und die reifen Früchte und 
schliefslich die herbstliche Blattverfärbung mit den angelegten Winter- 
knospen. Dadurch, dafs der gleiche Entwickelungszustand oft aus ver- 
schiedenen Höhen aufgeklebt ist, ergeben sich aus den beigefügten Etiketten 
zugleich wichtige phänologische Daten. Junge Keimpflänzchen und Stock- 
austriebe (z. B. bei den Pappeln) ergänzen die Lebensgeschichte der Art. 
Bei den Stauden kommt dafür cler Wurzelstock, die Art des Überwinterns, 
Ausläufer- und Rasenbildung, kurz alles, was von dem vegetativen Aufbau 
für die Bildung des Pflanzenkleides auf einer Bodenfläche von Wichtigkeit 
ist, zur Darstellung. 

Weitere pflanzengeographisch wichtige Angaben bringen dann die den 
Tafeln beigegebenen Etiketten. Sie unterscheiden sich zunächst durch ihre 
Farben. Weifse Etiketten sind für die gemeinen, farbige dagegen für die 
eine Formation auszeichnenden Arten gewählt. So haben die Charakter- 
arten des Bergwaldes grüne, die der Niederungs- und Hügelwälder rosen- 
rote, die der Moore braune, die der Hügelformationen gelbe und die der 
Wasserpflanzen blaue Etiketten. Mit grünen Etiketten sind z. B. versehen: 
Abies pectinata, Lonicera nigra , Athyrium alpestre , Luzula silvatica , 
Homogyne , Digitalis purpurea , Mulgedium usw.; mit roten: Evonymus 
europaea, Lonicera Periclymenum , Scolopendrium vulgare , Melica nutans 
und uniflora, Melampyrum nemorosum , Cypripedium usw.; mit braunen: Be- 
tula nana , Carex pauciflora , Ledum palustre , Vaccinium uliginosum und 
Oxycoccus , Rhynchospora fusca, Hydrocotyle , Erica Tetralix\ mit gelben: 
Clematis recta , Dictamnus albus , Asperula glauca , Seseli und andere; und 
mit blauen endlich: Hottonia palustris, Trapa natans , Hydrocharis und 
Carex stricta. 


69 


Auf jeder Etikette steht zu oberst der Name der Formation, dann 
kommen die Gruppen der biologischen Yegetationsformen und die Unter- 
gruppen der Formation, in denen die Pflanze überhaupt im Gebiet vor- 
kommt, weiter folgen Speziesname und floristische Signaturen, die sich 
auf die allgemeine Verbreitung der Art und ihre besondere in dem her- 
cynischen Bezirk beziehen, mit Bezeichnungen über die Häufigkeit der 
Standorte und die der Individuen daselbst (Frequenz und Abundanz) und 
den Schlufs machen Angaben über den Standort der Art. So haben 
Daphne Mezereum und Lonicera Periclymenum die folgenden Etiketten: 

Formation der Wälder. 

2. Gruppe: Sträucher. 

b. III: in Formation (2) 7—9. 

Daphne Mezereum L. 

Flor. Sign.: Mb. Freq. 3. — spor. 

Standort: Niederung und oberer Bergwald bis ca. 800 m. 

Formation der Wälder. 

2. Gruppe: Sträucher. 

b. I: in Formation 1 — 4. 

Lonicera Periclymenum L. 

Flor. Sign.: NAtl. wh — mh. Freq. 3. spor.-cop. 

Standort: Thüringer Laubwälder. 300 m. 

Die Bezeichnung b. III und b. I unter der Gruppe will Folgendes be- 
sagen: Unter a sind die Sträucher von allgemeiner, unter b die von nicht 
allgemeiner Verbreitung zusammengefafst. Es haben also sämtliche Arten 
unter b farbige Etiketten. Die Zahlen I— III geben die Untergruppen der 
Waldformationen an und zwar I die Plügel- und trocknen Niederungs- 
wälder mit den Formationen 1 — 4, d. h. den Buschgehölzen, den ge- 
schlossenen Laub-, Meng- und Kiefernwäldern, II die Wälder der nassen 
Niederung mit den Formationen 5 und 6, d. h. den Auen- und Bruch- 
wäldern, und III die Bergwälder bis zur Baumgrenze mit Berglaubwald, 
sumpfigem und oberem Fichtenwald (Formationen 7 — 9). Die unter dem 
Speziesnamen folgenden geographischen oder floristischen Signaturen Mb 
und NAtl. geben das Areal der Art an. Es bedeutet M = Mitteleuropa 
und Mb == mitteleuropäisch-boreales, NAtl. = nordatlantisches, W = west- 
europäisches, A = arktisches Areal usw. Freq. 1 — 5 bezeichnet die Häufig- 
keit der Standorte, für seltene Arten wird r und für die gröfsten Selten- 
heiten rr verwendet. Die von der westlichen bis zur östlichen Plercynia 
durchgehenden Arten tragen nur eine dieser Häufigkeitsbezeichnungen. Ist 
dagegen eine Spezies nur im Westen, in der Mitte oder im Osten verbreitet, 
so kommen dazu noch die näheren Angaben wh, mh, oh (s. Etikette für 
Lonicera Periclymenum). Die letzten floristischen Signaturen endlich be- 
ziehen sich auf die Dichtigkeit des Vorkommens oder die Zahl der Indi- 
viduen an den Standorten. Dafür sind die Bezeichnungen: soc. (plantae 
sociales) für die geselligen, greg. (pl. gregariae) für die truppweise auf- 
tretenden, cop. (pl. copiosae) für die in Menge zerstreuten und spar. (pl. 
sparsae) für die vereinzelt eingestreuten Arten benutzt worden. 

Aufser der vorstehend beschriebenen Hauptetikette finden sich auf 
den Tafeln bei den einzelnen Entwickelungsphasen noch kleinere weifse, 
streifenförmige Etiketten, die den Aufdruck haben: Winterruhe, Frühling, 


70 


Frühsommer, Hochsommer und Herbst. Auf ihnen wird der aufgeklebte 
Entwickelungszustand näher charakterisiert und die Zeit des Einsammelns 
und die Höhe des Standortes ausführlich angegeben. So tragen bei Daphne 
Mezereum diese Etiketten folgende Vermerke: Frühling: Vollblüte mit aus- 
treibenden Blattknospen; unteres Erzgebirge, 850 m; den 14. März 1908. 
Frühsommer: Letzte Blüten und Entfaltung des Laubes; Lausitzer Berg- 
land, 700 m; 18. Mai 1902. Hochsommer: Vollbelaubung und reifende 
Früchte; höchster Standort im Erzgebirge 1000 m; 30. Juli 1902. 

Ein so grofs angelegtes Formationsherbarium läfst sich natürlich nicht 
in 1 — 2 Jahren fertigstellen. Es sind zahlreiche Exkursionen zu allen 
Jahreszeiten notwendig, um nur das Material zusammenzubringen, und es 
erfordert viel Zeit und Mühe, ehe dieses als Demonstrationsmittel dienen 
kann. Auch unser Herbarium ist noch nicht vollständig und bedarf noch 
mancher Ergänzung. Trotzdem zeigt es aber deutlich, wie viele wichtige 
pflanzengeographische und ökologische Tatsachen mit ihm demonstriert 
werden können und wie unentbehrlich es für die Vorlesungen über Pflanzen- 
geographie ist. 

Aber ich möchte die Anlage von Formationsherbarien nicht nur für 
Vorlesungszwecke, sondern auch für Schulen dringend empfehlen. Das 
systematisch geordnete Herbarium, wie es sehr viele Schulen besitzen, ist 
für den Unterricht nicht verwendbar. Es kann höchstens einmal dem 
Lehrer das Vergleichsmaterial für schwierige Bestimmungen liefern, und 
selbst dabei läfst es vielfach im Stiche, weil gerade die gemeinsten Pflanzen 
der Umgebung in einem solchen von irgend einem Liebhaber angelegten 
und der Schule geschenkten Herbar zu fehlen pflegen. So verstaubt es 
nutzlos in einem Schranke und wird von Anobien zerfressen. Das Her- 
barium könnte aber sehr wohl ein ausgezeichnetes Anschauungsmittel sein, 
wenn man bei Anlegung eines solchen von der systematischen Anordnung 
ganz absehen und nur ökologische oder pflanzengeographische oder besser 
beide Gesichtspunkte als Einteilungsprinzip anwenden würde. 

Zusammenstellungen nach fleischfressenden Pflanzen, Bestäubungs- 
einrichtungen, Samenausstreuung usw. existieren wohl schon an verschie- 
denen Schulen. Pflanzengeographische Momente sind aber bisher wenig 
oder gar nicht für solche Gruppierungen mafsgebend gewesen. Ich meine 
aber, dafs das im Interesse der Heimatkunde geboten ist. Der heutige 
biologische Unterricht in den Mittelschulen stellt ja unzweifelhaft gegen 
früher einen grofsen Fortschritt dar. Aber er kann auch leicht zu einer 
gewissen Einseitigkeit führen, bei welcher die Kenntnis der Heimat, ,,das 
wichtigste Förderungsmittel für Vaterlandsliebe“, nicht die gebührende Be- 
rücksichtigung findet* wenn man sich in der Botanik z. B. darauf beschränkt, 
die Schüler die Lebensgeschichte ausgewählter einheimischer Arten kennen 
zu lehren. Wie man sich in der Mineralogie nirgends mit der Betrachtung 
der einzelnen Mineralien begnügt, sondern ihre Verbindung zu Gesteinen 
und deren Entstehen und Vergehen behandelt, so sollte es auch in der 
Botanik sein. Auf die Lebensgeschichte der einzelnen Arten rnüfste sich 
die Lebensgeschichte der grofsen, in der freien Natur sich findenden 
Pflanzenbestände, der Formationen, aufbauen. Das heimatliche Land- 
schaftsbild erhält seine Umrisse durch den geologischen Aufbau, seine 
Farben aber erst durch das bedeckende Pflanzenkleid. Ein volles Ver- 
ständnis dieses Bildes kann uns also neben der Geologie nur die pflanzen- 
geographische Formationslehre übermitteln. 


71 


Die Lebensgeschichte einer Pflanze wird vielfach erst durch die Be- 
rücksichtigung ihres Standortes und der hier einwirkenden äufseren Faktoren 
verständlich. Wenn wir aber den Standort in Betracht ziehen, so sehen 
wir hier eine Anzahl von Pflanzen aus den verschiedensten systematischen 
Gruppen vereinigt, welche durch die gleichen Bedürfnisse zusammengeführt 
mehr oder weniger auffällig die Einwirkungen des Standortes zeigen, diesem 
sich angepafst haben und demnach die gleiche Haushaltsführung aufweisen. 
Oder anders ausgedrückt: „Das räumliche Beieinander hat eine Ähnlich- 
keit der Standortsbedingungen zur Grundlage und eine gleichsinnige phy- 
siologische Ausrüstung wie auch eine weitgehende Übereinstimmung im 
Artbestande zur Begleitung.“ (Gradmann.) Und so führt uns das Hervor- 
suchen gemeinsamer ökologischer Züge, das Streben, die Pflanzen nach 
dieser Haushaltsführung zu gruppieren, häufig ganz ungezwungen zu jenen 
grofsen Beständen, die die Pflanzengeographie als Formationen bezeichnet. 
Die Formationen der Wasserpflanzen mit ihren charakteristischen An- 
passungen an das Wasserleben und die der sonnigen Hügel mit den aus- 
geprägten Trockenschutzeinrichtungen mögen als Beispiele für das eben 
Gesagte dienen. 

Nun können zwar Schulgärten und Exkursionen bei der Behandlung 
der Formationen im Unterricht wichtige Hilfen liefern. Leider fehlt es 
vielen Anstalten, namentlich der Grofsstadt, zu ersteren an dem nötigen 
Raum und meist auch den erforderlichen Mitteln, und Exkursionen sind 
dort ebenfalls nur in beschränktem Mafse ausführbar. Da bleibt als un- 
entbehrliches Anschauungsmittel eben nur das Formationsherbarium übrig. 

Wenn ich nun unser grofses Formationsherbarium als Musterbeispiel 
auch für Schulen hinstelle, so bin ich mir w r ohl bewufst, dafs dieses weit 
über das Ziel der Mittelschulen hinausgeht. Aber für solche Zwecke 
können leicht starke Vereinfachungen eintreten. Da ist es nicht nötig, 
die verschiedenen Formationen in ihrer ganzen Vollständigkeit zu zeigen, 
sondern nur diejenigen, welche sich in der näheren Umgebung finden, und 
auch diese nur in der Ausbildung, wie sie die Örtlichkeit bedingt. Es 
kann sich also in der Schule nur um Einzelbilder von Formationen handeln. 
Dadurch vermindert sich die Zahl der aufzuklebenden Pflanzen sehr. Und 
diese kann noch mehr beschränkt werden, wenn man die selten vor- 
kommenden Arten ganz wegläfst, dafür aber die Lebensgeschichte der 
übrigen möglichst vollständig zur Darstellung bringt. Auch die grofsen 
Papptafeln, die in ihrer Handhabung und Aufbewahrung etwas unbequem 
sind, sind nicht unbedingt notwendig. Man kann ebensogut die einzelnen 
Arten oder ihre verschiedenen Entwickelungszustände auf gewöhnliches 
starkes Herbarpapier auf kleben. Letzteres hat noch die besonderen Vor- 
teile, dafs man aus dem etwa vorhandenen nicht benutzten systematischen 
Schulherbarium sich den Grundstock zu einem anzulegenden Formations- 
herbarium aussuchen kann, nachdem man sich im Freien die in Betracht 
kommenden Arten aufgezeichnet hat, und dafs die Jahreszeitenbilder leicht 
einzeln zusammenstellbar sind. 

Diese Blätter können dann leicht im Sammlungszimmer aufgehängt 
oder ausgelegt werden und dienen nicht nur als Anschauungsmittel bei 
Besprechung einer Formation, sondern auch für die Vorbereitung zu Ex- 
kursionen in diese. Denn ich meine, man sollte auf einem Gang ins Freie 
nicht planlos alles beobachten und sammeln, was einem am Wege gerade 
in die Hände gerät, sondern stets für eine botanische Exkursion als festes 


72 


Ziel eine Formation der Umgebung ins Auge fassen und hier erst mit der 
Arbeit beginnen. Hat nun der Schüler sich schon vorher in der Schule 
mit deren Pflanzenformen vertraut gemacht, so erkennt er diese auch im 
Freien leicht wieder und freut sich ihrer Bekanntschaft. Dadurch aber 
wird erreicht, dafs auf einmal nicht allzuviel Neues auf ihn einstürmt, er 
hat Zeit für weitere Beobachtung und Vertiefung. Und wenn der Schüler 
die Formationen seiner Umgebung erst einmal genauer kennt, so hat er 
dann auch ein offenes Auge für die Pflanzenbestände der weiteren Um- 
gebung. Er schaut die neu auftauchenden Gestalten, vergleicht mit der 
Heimat und lernt so deren Besonderheiten erkennen und schätzen. Jede 
Wanderung wird ihm zum Naturgenufs. 

Botanisches Institut der Technischen Hochschule Dresden, 20. Dezember 1907. 


VII. Über Herbarien aus dem 16. Jahrhundert. 

Von Dr. B. Schorler. 


Unter Herbarien hat man keineswegs immer das verstanden, was man 
heute darunter versteht, nämlich Sammlungen von flach geprefsten und 
getrockneten Pflanzen. Plinius gebrauchte in seiner Historia naturalis 
das Wort Herbarius für einen Kräutersammler. In den medizinisch- 
botanischen Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts wird mit Herbarius 
das alphabetische Verzeichnis der Heilpflanzen bezeichnet. So hat nach 
Maiwald*) die Wodnianer Handschrift aus dem Jahre 1389 unter ihren 
16 Abschnitten neben einem Verzeichnis von Edelsteinen auch schon einen 
Herbarius. Und aus dem Jahre 1416 ist uns die Abschrift eines anderen 
Heilpflanzenverzeichnisses erhalten, das Christann von Prachatitz zum Ver- 
fasser hat und den Titel trägt: „Jncipit Erbarius reverendi Magistri 
Christanni“. Später ging dieser Name auf die mit Abbildungen versehenen 
Kräuterbücher über. Man hat einen Herbarius Maguntie impressus anno 
1484, auch kurz Herbarius Maguntinus genannt, und einen Herbarius 
Patavie impressus anno 1486. Diesen ersten Kräuterbüchern sind dann eine 
ganze Anzahl mit dem gleichen Namen Herbarius (italienisch erbario, eng- 
lisch herball), für den man auch vereinzelt den Namen Herbolarium, z. 13. 
,,Herbolarium de virtutibus herbarum“ 1491 anwandte, nachgefolgt. Auch 
für die deutschen Ausgaben der Kräuterbücher behielt man diesen lateini- 
schen Namen bei. So z. B. endet die erste deutsche Ausgabe des be- 
rühmten Ortus sanitatis, des ,,Gart der Gesundheit“ mit den Worten: 
„Dieser Herbarius ist czu mencz gedruckt“ usw. 

Eine weitere Wandlung erfuhr dann der Begriff Herbarius, indem 
man ihn auf den Botaniker selbst übertrug, was von den Vätern der 
Botanik im 16. Jahrhundert sehr häufig geschah. So schrieb Brunfels 
stets „Hieronymus herbarius“ für Bock (oder Brunschwick?). Das ist also 
wieder eine Rückkehr zur ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Und 
wie man heute neben dem „Botaniker“ auch das „Botanisieren“ und 
„Botanisieren gehen“ hat, so gebrauchten die Alten ähnliche Wendungen, 
z. B. herborisare, Herborisieren, herbatum ire, herbatum gehen usw. So 
schreibt der Pfarrer Ch. Lehmann 1699 in seinem „Historischen Schau- 
platz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Oberertzgebirge“, dafs 
„fremde und vornehme Medici als Valerius Cordus, Dr. Bartholinus aus 
Dänemark, Dr. Salianus und andere auf diesen Berg (gemeint ist der 
Pöhlberg) , herbatum 4 gegangen.“ 


*) Maiwald, V.: Geschichte der Botanik in Böhmen. Wien 1904. 


74 


Herbarien in dem heutigen Sinne, also getrocknete Pflanzensamm- 
lungen, tauchen erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts auf. Man hatte 
für sie zunächst keinen Namen, sie werden schlechthin als Buch resp. als 
über, Codex, chartae, libro, livre, book bezeichnet. Rauwolff nennt als erster 
seine 1573 — 1575 zusammengestellte Sammlung Kräuterbuch. Ihm folgt 
in dieser Bezeichnung Harder 1576. Wahrscheinlich um Verwechslungen 
mit den gedruckten Kräuterbüchern zu vermeiden, führt Ratzenberger 1592 
die Bezeichnung „Lebendiger Herbarius oder Kreuterbuch“, auch Her- 
barius vivus und Herbarium vivum ein. Und Spigel gebraucht dafür 
Hortus hyemalis (1606), Bauhinus Hortus siccus (1620), Linne (1756) Hortus 
mortuus und endlich Fr. Ehrhart (1780) Phytophylacium (d. h. Pflanzen- 
sammlung). 

Den Vätern der Botanik, Brunfels, Bock und Fuchs sind jedoch solche 
Herbarien noch nicht bekannt. Brunfels z. B. hat in der Vorrede zu seinem 
Kräuterbuche ein besonderes Kapitel: „Wie man die Kreuter behalten 
soll.“ Es finden sich jedoch hierin nur Anweisungen, die Pflanzen und 
ihre Teile so zu trocknen und aufzubewahren, wie es in den Drogerien 
und Apotheken noch heute geschieht. 

Es erhebt sich daher die Frage: Wer war der Erfinder der heutigen 
Herbarien? E. Meyer war der erste, der in seiner Geschichte der Botanik 
Bd. IV, 1857 diese Frage zu beantworten suchte. Er kam auf Grund 
seiner Nachforschungen zu dem Resultat, dafs der Italiener Luca Ghini, 
der in der Mitte des 16. Jahrhunderts an den Universitäten von Bologna 
und später von Pisa als „Lector simplicium“ wirkte, der Erfinder der 
Herbarien sein müsse, weil seine Schüler Aldrovandi und Caesalpini beide 
nachweisbar Herbarien besafsen, und weil Ghini auch getrocknete Pflanzen 
an Matthioli schickte, der von diesen Abbildungen anfertigen liefs. Die 
Zeit der Erfindung der Herbare durch Ghini verlegt Meyer noch vor das 
Jahr 1548. 

Nach Meyer haben sich besonders der Franzose Saint-Lager*) und 
C. Flatt**) in Budapest mit dem Quellenstudium zur Geschichte der Her- 
bare befafst. Sie kommen dabei beide zu wesentlich anderen Resultaten 
als Meyer. Saint -Lager stellte fest, dafs die von Ghini an Matthioli ge- 
schickten Pflanzen nichts weiter als Drogen, also an der Luft ohne Pressen 
getrocknete Pflanzen waren, die Matthioli, bevor er sie zeichnen liefs, erst 
in kaltem Wasser aufweichte, um ihnen einigermafsen die Form lebender 
Pflanzen zu geben. Auch erwähnt Matthioli nirgends in seinen Schriften 
das Trocknen der Pflanzen zwischen Papier, obgleich er in dem ersten 
Kapitel seiner Dioscorides-Kommentare Ratschläge für das Sammeln und 
Trocknen der Pflanzen gibt. Aber hier ist immer nur von dem bei den 
Kräutersammlern üblichen bündelweise Trocknen an der Luft die Rede. 
Er würde doch hier sicher die neue Methode, Pflanzen herbarmäfsig 
herzurichten, erwähnt haben, wenn er sie an den Ghinischen Pflanzen 
kennen gelernt hätte. 

Des Weiteren wies Flatt nach, dafs in dem durch Aldrovandi ge- 
sichteten Nachlafs Ghinis sich weder ein Herbarium, noch auch nur eine 
herbarmäfsig hergerichtete Pflanze fand. „Nichts spricht dafür“, schreibt 


*) Saint-Lager: Histoire des Herbiers. Paris 1885. 

**) Flatt, C.: Zur Geschichte der Herbare. — Ungar, bot. Blätter. Budapest 1902 
u. 1903. 


75 


Flatt, „dafs Ghini ein Herbar besessen habe, auch ist keine einzige Spur 
vorhanden, dafs Ghini Pflanzen derart getrocknet hätte, dafs der Begriff 
einer , Herbarpflanze 4 auch nur einigermafsen auf dieselben passen würde.“ 

Die beiden Forscher kommen daher zu dem gleichen Resultat, dafs 
der Italiener Ghini nicht der Erfinder der Herbarien ist. Die ältesten 
Urkunden über Herbarien finden sich in den Enarrationes in Dioscoridem 
des Amatus Lusitanus 1554 und in William Turners: A new Herball, 1562. 
In dem ersten Werk erzählt der berühmte Portugiese, dafs er während 
seines Aufenthaltes in Ferrara im Jahre 1540 — 1547 auch den Engländer 
John Falconer kennen lernte, der auf seinen Reisen eine grofse Zahl 
Pflanzen gesammelt habe, die er in kunstvoller Weise präpariert und auf 
Papierblätter geklebt und zu einem Buche vereinigt habe*). Von diesem 
Herbarium Falconers berichtet auch Turner in seinem Kräuterbuche. Er 
zitiert darin aber auch sein eigenes Herbarium, auf das er sich in seinen 
Pflanzenbeschreibungen vielfach bezieht, und aufserdem das des Hugh 
Morgan, des Hofapothekers der Königin Elisabeth. Von diesen drei 
ältesten englischen Herbarien ist uns leider kein einziges erhalten geblieben. 

Wenn man nun weiter berücksichtigt, dafs in der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts die Italiener Aldrovandi, Cibo, Caesalpini und Laguna, 
die Franzosen Girault und Renaud, die Deutschen Rauwolff, Harder, 
Ratzenberger und Burser, der Schweizer Bauhin und andere nachweislich 
Herbare besafsen, die zum grofsen Teil auf uns gekommen sind, so mufs 
man Saint-Lager und Flatt beipflichten, wenn sie der Meinung sind, dafs 
die Erfindung der Herbare nicht einem einzelnen zugeschrieben werden 
kann, sondern dafs man in der Zeit, da man anfing, sich mit den ein- 
heimischen Pflanzen zu beschäftigen, in Italien, England, Frankreich, 
Deutschland usw. gleichzeitig, und zwar etwa in der Mitte des 16. Jahr- 
hunderts, auf die Technik, Pflanzen herbarmäfsig aufzubewahren, gekommen 
sein mufs. 

Wie schon erwähnt sind die drei ältesten englischen Herbarien ver- 
loren gegangen. Die ältesten erhaltenen Herbarien, sämtlich aus dem 
16. Jahrhundert, sind die folgenden: 

1. Das Herbarium des Ulysses Aldrovandi, das im Jahre 1554 an- 
gelegt wurde und sich jetzt in der Bibliothek des Botanischen Gartens zu 
Bologna befindet. Eine eingehende Beschreibung dieses Herbars lieferte 
Saint-Lager in seiner Histoire des Herbiers, p. 30 — 45. 

2. Ein Herbarium des Gherardo Cibo in der Angelica- Bibliothek zu 
Rom, das nach der Schätzung Celanis (Sopra un Erbario di Gherardo 
Cibo. Malpighia 1902) ungefähr mit dem Aldrovandischen gleichaltrig ist. 
Ja nach einer neuerdings erst erschienenen Arbeit von Penzig (Contri- 
buzioni alla storia della botanica 1904) wäre ein Teil des Ciboschen Her- 
bariums sogar noch älter als das von Aldrovandi und schon 1532 her- 
gestellt, also das älteste aller jetzt existierenden. 

3. Das Herbarium des Lyoner Chirurgen Jean Girault aus dem Jahre 
1558 im Museum d’histoire naturelle de Paris, ebenfalls ausführlich be- 
schrieben von Saint-Lager 1. c., p. 45 — 66. Hier sind die Pflanzen den 
Papierbogen aufgenäht, während sie in den übrigen Herbarien mit ihrer 
ganzen Fläche aufgeklebt sind. 


') Amatus Lusitanus: Enarrationes in Dioscoridem, lib. III, cap. 78, pag. 337. 


76 


4. Das Herbarium von Andrea Caesalpini aus dem Jahre 1563 im 
Naturhistorischen Museum zu Florenz, beschrieben von Bertoloni in „Memoria 
sopra l’erbario e una lettera del Caesalpino“ 1819 und von Caruel unter 
dem Titel: Illustratio in hortüin siccum Andreae Ceasalpini. 1858. 

5. Das Herbarium des Augsburger Arztes Leonhard Rauwolff aus den 
Jahren 1573—1575 im Rijks Museum zu Leyden, beschrieben von Münter 
in der Oesterr. bot. Zeitschr. 1866, S. 201 — 204. Über die sonderbaren 
Schicksale dieses Herbariums gibt Eyries in der Biographie universelle, 
t. 37, p. 143 interessante Mitteilungen. 

6. — 8. Die Herbarien des Ulmer „Schulmeisters und Simplicisten^ 
Hieronimus Harder. Harder stellte nachweislich drei Herbarien zusammen. 
Das erste aus den Jahren 1574 — 1576 gilt allgemein als verschollen. Ich 
komme auf dasselbe weiter unten noch zu sprechen. Das zweite aus dem 
Jahre 1594 wird in der Bibliothek der Stadt Ulm auf bewahrt und ist 
von Veesenmayer in den Württemberg, naturw. Jahresheften, 12. Jahrg., 
1. Heft, 1856, S. 55 — 59 beschrieben worden. Das dritte aus dem Jahre 
1599, das sich jetzt im Wiener K. K. Naturhistor. Hofmuseum befindet, 
beschrieb G. Beck 1888. 

9. — 10. Die zwei Herbarien von Caspar Ratzenberger. Das erste 
stammt aus dem Jahre 1592, wird gegenwärtig im Königl. Museum in 
Cassel aufbewahrt und ist 1870 von Kessler (Das älteste und erste Her- 
barium Deutschlands) ausführlich beschrieben worden. Das zweite aus 
dem Jahre 1598, dafs man bis vor kurzem als verloren gegangen ansah, 
befindet sich nach der Beschreibung Zahns (Mitteilungen des Thüring. bot. 
Vereins 1901) in der Herzogi. Bibliothek zu Gotha. 

11. Ein italienisches Herbarium unbekannter Herkunft aus den letzten 
Dezennien des 16. Jahrhunderts, das in dem Staatsarchiv von Modena auf- 
bewahrt wird und den Titel führt „Ducale Erbario Estense“, eingehend 
beschrieben von Camus und Penzig 1885. 

12. Ein spanisches Herbarium, das dem Franciscus Ilernandez zu- 
geschrieben und in der Bibliothek des Escurials aufbewahrt wird. Das 
Jahr der Entstehung ist nicht bekannt, doch gehört es wie das vorige 
noch dem 16. Jahrhundert an. 

13. Das Herbarium Caspar Bauhins in der Bibliothek des Botanischen 
Gartens der Baseler Universität stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, 
da Bauhin nach seinen eigenen Worten im Prodromos theatri botanici 
bereits mit 16 Jahren, also 1576, Pflanzen zu sammeln begann. Be- 
schreibungen dieses umfangreichen wichtigen Herbariums geben Saint-Lager 
(Histoire des herbiers, p. 86 — 118) und De Candolle (Bull. Herb. Boiss., 
s. II, t. 4, p. 201—217. 1904). 

14. Das Herbarium des aus der Lausitz (Kamenz) stammenden Joachim 
Burser, eines Schülers Bauhins, das sich in der Verwahrung der öffentlichen 
Bibliothek zu Upsala befindet und am Ende des 16. Jahrhunderts angelegt 
wurde. Beschrieben ist es von Roland Martin 1749 in den Amoenitates 
Academicae, p. 141 — 171. Da Burser auch die Lausitz, das Erzgebirge, 
Böhmen und Thüringen bereiste und auf seinen Reisen eifrig sammelte, 
so finden sich in seinem Herbarium wahrscheinlich auch sächsische Pflanzen. 
Leider ist ein grofser Teil des Herbariums durch Feuer zerstört worden, 
sodafs es jetzt nur noch 240 Arten enthält. 

Dieser Aufzählung der ältesten erhaltenen Herbarien aus dem 16. Jahr- 
hundert füge ich noch ein Herbarium aus dem Anfänge des 17. Jahrhunderts 


77 


an, clas vor allem für Sachsen wichtig ist, nämlich das Leipziger Herbarium 
von Georg Kirchen, das den Titel führt: Herbarium vivum, in quo 
praecipue arbores, frutices, suffrutices et Herbae, tarn exoticae quam vul- 
gares, quas Lipsiae conspexi continentur, collectum ab anno 1600 usque 
ad 1606 per M. Georgium Kirchenium Wettringensem, medicinae studiosum. 
Das Herbarium ist im Besitz des Grofsherzogl. Ludwig -Georg -Gymna- 
siums zu Darmstadt und 1905 von G. Greuel (in dem Archiv d. Pharmazie, 
Berlin 1905, S. 654— 667) beschrieben worden. Kirchen hat nach der 
Zählung Greuels in seinem Herbarium nicht weniger als 1018 Arten, da- 
runter allerdings ungefähr zur Hälfte kultivierte. Dieses älteste sächsische 
Herbarium hat lange Zeit keinen Nachfolger gefunden oder es sind uns 
wenigstens keine Herbarien aus dem 17. Jahrhundert erhalten geblieben. 
Wohin z. B. das Herbarium von Rivinus, das Kreutzer in seinem Herbar 
(S. 166) als in Dresden befindlich angibt, gekommen ist, weifs ich nicht.. 
Ebenso ist uns nicht bekannt, was aus dem Herbarium von Kaulfufs ge- 
worden ist, das nach Kreutzer Baron Römer in Dresden besafs. Vielleicht 
geben diese Zeilen die Veranlassung zur Bekanntmachung des einen oder 
anderen alten Herbars. Das älteste sächsische Herbarium im Besitze des 
Botanischen Instituts stammt aus dem Jahre 1797, es sind die „Merk- 
würdigen Gewächse der obersächsischen Flora“ von L. G. Erdmann. 

Von den oben aufgezählten 14 Herbarien aus dem 16. Jahrhundert 
haben wir in Deutschland nur drei, die beiden Ratzenbergerschen Herbarien 
aus den Jahren 1592 und 1598 in Cassel und Gotha und das Herbarium 
von Harder aus dem Jahre 1594 in Ulm. Das erste Herbarium Harders 
gilt, wie schon oben erwähnt, allgemein als verschollen. In der Vorrede 
zum Ulmer Exemplar erwähnt der Verfasser, dafs er einige solche Samm- 
lungen zusammengestellt und bei grofsen Herren, z. B. bei Herzog Albrecht 
von Bayern, bei dem Bischof von Augsburg und dem von Knöringen an- 
gebracht habe, welche besonders Gefallen daran fanden. Die erste dieser 
Sammlungen erwähnt, wie Kreutzer festgestellt hat, zum ersten Male wieder 
der Professor der Botanik in Jena F. S. Voigt in seinem Lehrbuch der Bota- 
nik, 2. Aufl., Jena 1827, S. 21. Voigt hat offenbar das Herbarium Harders 
unter den Händen gehabt, denn er beschreibt genau den Titel, die vom 
Verfasser gegebene Zeit der Zusammenstellung (1574—1576) und die Zahl 
der aufgeklebten Pflanzen (436), gibt jedoch nicht an, wo sich das Herbarium 
befindet. Auch Matouschek*) und Elatt haben über Besitz und Auf- 
bewahrungsort dieses Herbars nichts Näheres in Erfahrung bringen können. 
Es war verschollen, zum Glück aber nicht in Verlust geraten, denn es 
befindet sich seit Jahrzehnten wohlbehalten in der Bibliothek unserer 
Königl. Forstakademie in Tharandt. Dafs das Tharandter Herbarium das 
von Voigt 1827 erwähnte erste nachgelassene Herbarium Harders ist, geht 
aus der genauen Übereinstimmung des Titels usw. (s. die unten folgende 
Beschreibung) hervor. Und dafs es jenes Herbarium sein mufs, das Harder 
dem Herzog Albrecht von Bayern dedizierte, ergibt sich aus dem der 
Innenseite des Deckels aufgeklebten Ex libris, welches das von Amoretten 
gehaltene bayrische Wappen enthält und die Unterschrift trägt: Ex Elec- 
torali Bibliotheca Sereniss. Vtrivsq. Bavariae Dvcvm. 


*) Matouschek, F.: Über alte Herbarien. — Mitt. d. Ver. f. Naturf. in Reichen- 
berg*, Jahrg. 32. 

* 


78 


Das Herbarium wurde um 1870 der König]. Forstakademie von dem 
nun verstorbenen Apotheker Back in Tharandt geschenkt, der es von seinem 
Vater, Geh. Regierungsrat Back in Altenburg, geerbt hatte. Als ,,Possessor u 
hat sich auf dem Titelblatt Joh. Friedrich Geyer eingetragen, unter dessen 
Namen mit neuerer Schrift Eisenberg steht, worunter wahrscheinlich das 
thüringische Städtchen bei Gera gemeint sein dürfte. Das ist alles, was 
über die Schicksale dieses alten Herbariums festgestellt werden konnte. 

Nach dem Erscheinen von Kefslers Schrift ,,Das älteste und erste 
Herbarium Deutschlands, im Jahre 1592 von Dr. Caspar Ratzenberger an- 
gelegt“, veröffentlichte Professor Nobbe eine kurze Notiz unter dem Titel: 
,,Ein uralt Kreuterbuch“ in dem Tharandter forstl. Jahrbuch 1871, S. 79 
über das Tharandter Herbarium, das noch um 18 Jahre älter ist als jenes. 
Aber diese kurze Notiz in dem Forstlichen Jahrbuch ist in Botanikerkreisen 
nicht bekannt geworden. Und da nähere Mitteilungen, die Nobbe in jener 
Notiz sich vorbehielt, meines Wissens bislang nicht erfolgt sind, so gilt 
auch heute noch das Ratzenbergersche Herbarium vom Jahre 1592 all- 
gemein als das älteste in Deutschland. Eine ausführlichere Beschreibung 
des Harderschen Herbariums dürfte daher am Platze sein. 


Das erste Herbarium von Harder aus dem Jahre 1574—1576. 

Das Herbarium besteht aus einem stattlichen Folioband mit Leder- 
rücken und Holzdeckeln, die zur Hälfte mit geprefstem Leder überzogen 
sind. Die zum Verschliefsen ursprünglich vorhandenen Metallspangen fehlen. 
Der schön geschriebene Titel auf der ersten Seite lautet: ,, Kreuterbuch, 
darin vierhundert und ein und vierzig lebendiger Kreuter begriffen und 
eingefafst sein. Wie sie der Almechtige Gott selb erschaffen und auf erden 
hat wachsen lassen das unmöglich ist einem Maler, wie kunstreich er sey, 
so leblich an tag zu geben. Den gedruckten Kreuter zu erkennen Nützlich*). 
Zusammen getragen, auch in dis werck geordnet Durch Hieronimum 
Harderum Schulmeistern und Simplicisten zu uberchingen, angefangen 
Anno 1574 den 18. tag Februarii und vollendet den 29. Aprilis in dem 
76. Jar.“ Darunter steht mit etwas blässerer Tinte und wahrscheinlich 
fremder Hand: „zu hinderst im buch findt man 2 Register das aine 
lateinisch das ‘ander teusch, an welchem blat ain iedes kraut zu finden 
sey“. Diese Register fehlen jedoch am Ende des Buches. Der Band 
enthält 101 Blätter aus starkem Papier, die auf der Vorder- und Rückseite 
mit Pflanzen beklebt sind. Meist befinden sich mehrere Pflanzen auf einer 
Seite, die sämtlich mit ihrer ganzen Fläche aufgeleimt sind. Die Zahl der 
Arten beträgt nach Nobbe 436, ich habe nur 430 gezählt, 441 sind nach 
dem Titel ursprünglich vorhanden gewesen, einige Arten sind jedoch doppelt 
eingeklebt. Wurzeln, Zwiebeln und fleischige Früchte sind nicht geprefst 
und aufgeklebt, sondern vom Verfasser durch kolorierte Federzeichnungen 
ergänzt worden, ganz so, wie das von den beiden jüngeren Herbarien 
Harders bereits bekannt ist. Auch fehlende Blätter und fleischige Schäfte, 
z. B. von Arum, sind auf diese Weise manchmal nachgetragen. Es fehlen 


*) Dieser Satz ist durch Auslassung einiger Worte verstümmelt. In den späteren 
Herbarien schreibt dafür der Autor: „Neben den gedruckten Kreuterbuechem die Kreuter 
zu erkennen Nützlich.“ 


79 


jedoch die in den Federzeichnungen seiner späteren Herbarien zugleich 
ausgedrückten Eigentümlichkeiten des Standortes, die mit Moos bedeckten 
Blöcke, das Flufswasser mit Fröschen und Kröten usw. Nur bei einer 
einzigen Pflanze, bei Asplenium Ruta muraria, ist in der Zeichnung Mauer- 
werk angedeutet. Die Zeichnungen der Wurzeln lassen erkennen, dafs dem 
Verfasser die betreffenden Teile Vorgelegen haben und dafs er bestrebt 
war, sie richtig wiederzugeben. Das zeigen die Rhizome von Polygonatum 
und Pentaria bulbifera ganz deutlich. Gegenüber den oft recht phan- 
tastischen Wurzelgebilden in den Darstellungen der alten Kräuterbücher, 
z. B. des Ortus sanitatis, verdient dies besonders hervorgehoben zu werden. 

Da die Pflanzen mit ihrer ganzen Fläche aufgeleimt sind, so haben 
sie sich recht gut gehalten. Nur wenige Pflanzen oder deren Teile sind 
von der Unterlage losgelöst. Die Anobien haben zwar ihre Spuren hinter- 
lassen, doch sind noch sehr viele Pflanzen völlig intakt und die richtige 
Bestimmung ist bei fast allen möglich. Erschwert wird diese allerdings 
zuweilen dadurch, dafs manche Exemplare aus Teilen verschiedener Arten 
zusammengesetzt sind. So sind dem Geum urbanum Blätter von G. rivale , 
der Cardamine impatiens solche einer anderen Crucifere angeklebt, und ein 
Fruchtzweig von Thlaspi alpestre trägt einen blühenden Seitenzweig von 
Alyssum calycinum usw. 

In der Reihenfolge der Pflanzen läfst sich keinerlei System erkennen. 
Sie sind eingeklebt wie die Jahreszeit sie brachte. Den Anfang machen 
Frühlingsblumen, wie Leucojum vernum, Pulsatilla, Scilla bifolia und 
andere. Dann folgen Sommer- und Herbstblumen. Da aber die Herstellung 
des Herbariums drei Jahre in Anspruch nahm, so wiederholt sich das 
mehrmals. 

Ein gewisses Gefühl für natürliche Verwandtschaft ist insofern zu 
spüren, als die Vertreter augenfälliger Familien, wie der Cruciferen, Um- 
belliferen, Compositen, Labiaten usw., beisammen liegen. Andrerseits ist 
man erstaunt, unter der Bezeichnung Viola vereinigt zu finden Arten von 
Viola , Pinguicula , Arabis , Thlaspi , Praba, Lunaria und Gentiana , während 
Viola tricolor nicht darunter begriffen ist. Gattungen und Arten unter- 
schied man eben noch nicht. 

Über jeder Pflanze stehen schön und deutlich geschrieben der lateinische 
und deutsche Name, zuweilen auch Synonyme. Nur auf den letzten Blättern 
finden sich einige Pflanzen ohne Namen, die an Stelle dieses den Buch- 
staben N tragen. Offenbar hat der Autor diese Arten nicht mit den vor- 
handenen Beschreibungen zu identifizieren vermocht. Bei einer dieser 
Pflanzen, bei Aspenda glauca , gibt er in schönstem Küchenlatein an: „lila 
herba in petris nascitur et est incognitum apud Medicis.“ Fundorte werden 
nirgends angegeben. In der Nomenklatur stützt sich Harder auf Matthiolus 
und Tragus. Doch geht er zuweilen auch seine eigenen Wege und wendet 
Namen an, die weder in den Kräuterbüchern der eben genannten, noch 
im Pinax Bauhins verzeichnet sind, z. B. Isatis lutea , Is. purpurea, Clino- 
podium minus agreste usw. Wenn auch eine ganze Reihe dieser alten 
Benennungen bei Linne als Gattungs- oder Artnamen wiederkehren, so 
zeigt sich doch, dafs die alten deutschen Bezeichnungen weniger Wand- 
lungen durchgemacht haben. Namen wie Erdrauch, Hahnenfufs, Oder- 
mennig, Sinau, Rittersporn, Mondraute usw. haben heute noch dieselbe 
Bedeutung wie damals. 


80 


Kritische Bemerkungen zu den aufgeklebten Pflanzen macht der Autor 
nur ganz selten. So z. B. bei den beiden Anemonen, von denen er schreibt: 
„Aliquot volunt, quod sint Ranunculi, Ego nego, quia neque radice neque 
foliis conveniunt.“ Dann fährt er fort, dafs die Wurzel der Anemonen der 
von Paris ähnlich ist und dafs jene auch eher blühen als die Ranunkeln. 

Woher stammen nun die Pflanzen dieses alten Herbariums? Harder 
nennt sich auf dem Titel einen Schulmeister und Simplicisten zu Ueber- 
chingen. Das ist das heutige Ueberkingen im Filstal bei Geislingen, nord- 
westlich von Ulm. Das hat schon Veesenmayer nachgewiesen. Durch 
einen Druckfehler in Kreutzers „Herbar“, der ganz richtig bei Geislingen 
angibt, ist aus Ueberkingen Ueberlingen geworden, und diese unrichtige 
Angabe findet sich auch bei Matouschek und Platt. In der Vorrede zu 
seinem Herbarium aus dem Jahre 1594 schreibt Harder, er habe die 
meisten mühsam aus Feld und Wald zusammengesucht, einige auch in 
seinem Garten erzogen. Das dürfte auch für unser Herbarium gelten. 
Da nur wenige Gartenpflanzen darunter sind, so stammt also die Haupt- 
masse aus der Umgebung von Ueberkingen, d. h. aus der Schwäbischen 
Alb. Demnach haben wir in dem ersten Harderschen Herbarium die älteste 
Pflanzensammlung aus diesem Gebiete vor uns, und dadurch erhält dieses 
seinen besondern Wert. 

Es ist nun nicht uninteressant, an der Hand des unten folgenden Ver- 
zeichnisses der Harderschen Pflanzen einen Vergleich mit der heutigen 
Flora der Schwäbischen Alb anzustellen, die ja durch die vortreffliche 
Bearbeitung Gradmanns allgemein bekannt geworden ist. Von den alpinen 
Charakterpflanzen sammelte Harder bereits Saxifraga Aizon , „das Wahr- 
zeichen der Schwäbischen Alb“, Draba aizoides und Hieracium Jacquini. 

Aus der Liste der montanen Arten Gradmanns finden sich in dem 
alten Herbarium z. B. Ly copodium annotinum, Centaurea Montana, 
Lunaria rediviva , Aspidium Lonchitis , Polygonatum verticillatum, Primula 
farinosa , Gentiana lutea und andere weiter verbreitete Arten. Die süd- 
europäischen Arten sind vertreten durch Melittis Melissophyllum, Euphor- 
bia amygdaloides, Helleborus foetidus , Gentiana cruciata , G. ciliata, 
Dianthus caesius , Coronilla varia, Cytisus sagittalis , Physalis Alkekengi , 
Stachys germanica, St. annua, Ajuga Chamaepitys, Ophrys fuciflora und 
Asperula arvensis. Und die pontischen Arten endlich durch Panunculus 
lanuginosus, Scilla bifolia , Piäsatilla vulgaris, Alyssum montanum, Poly- 
gala comosa, Linum flavum , Coronilla montana, Cephalanthera rubra, 
Asperula glauca, Geranium palustre, Falcaria Rivini, Arabis arenosa, 
Lathyrus tuberosus und Parietaria officinalis. 

Von weiteren interessanten Pflanzen in dem Harderschen Herbarium 
seien genannt: 

Asplenium fontanum Beruh. (= A. Halleri RBr.) Dieser Farn, der 
im Schweizer Jura und den benachbarten Alpen des oberen Rhonetales 
verbreitet, sonst aber sehr selten ist, hat jetzt in der Schwäbischen Alb 
einen einzigen Standort, nämlich bei Ueberkingen, dem Aufenthaltsort 
unsers Harder. Hier hat er sich dreieinhalb Jahrhunderte unverändert 
gehalten, denn nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Dr. Gradmann 
kommt dieser Farn bei Ueberkingen am Jungfraufelsen und dessen Nach- 
barschaft auch heute noch vor, ist aber keineswegs häufig, sodafs seine 
Auffindung dem alten Simplicisten wahrhaftig alle Ehre macht. 


81 


Helichrysum arenarium , Artemisia pontica, Saxifraga rotundifolia , 
biflora , Myricaria germanica , Thlaspi alpestre und Tamus communis 
fehlen heute der Schwäbischen Alb gänzlich. Ob sie im 16. Jahrhundert 
hier vorkamen und seit dieser Zeit ausstarben, oder wo sie Harder ge- 
sammelt haben mag, läfst sich nicht mehr feststellen. Die heutige Ver- 
breitung des Helichrysum und der Artemisia weist auf das bayrische 
Keupergebiet und die der übrigen Arten auf die Umgebung des Bodensees. 
Es wäre ja möglich, dafs Harder eine Reise dahin unternommen hätte. 
Jedoch schreibt mir Herr Dr. Gradmann, ,,dafs sich ein Aufenthalt Harders 
daselbst sollte nachweisen lassen, kann ich mir auf Grund meiner Quellen- 
kenntnis nicht denken“. Die Bodenseepflanzen liegen in dem Herbarium 
nicht beisammen. 

Die angeführten Beispiele ans der spontanen Flora zeigen zur Genüge, 
dafs in dem Harderschen Herbarium eine ganze Anzahl von Pflanzen mit 
jetzt sehr beschränkter Verbreitung in der Schwäbischen Alb vertreten 
sind. Ob man nun daraus auf eine früher weitere Verbreitung dieser 
Arten oder nur auf eine höchst intensive Sammeltätigkeit Harders schliefsen 
darf, ist dem Fernstehenden, der wie ich die Schwäbische Alb nicht aus 
eigener Anschauung kennt, unmöglich zu entscheiden. * 

Von den eingeklebten Gartenpflanzen dürfte wohl die interessanteste 
die Tomate, Solanum Lycopersicum , sein, die als Solanum marinum , Mer 
Nachtschatten, bezeichnet ist. Diese amerikanische Nutzpflanze findet sich 
nach Penzig auch schon in dem Herbarium des Cibo. Sie wird nach 
Dürkop*) zum ersten Male von dem Italiener Luigi Anguillara 1560 er- 
wähnt und von Gesner 1561 in seinem Horti Germaniae beschrieben. Der 
erstere nennt sie Pomi del Peru, der letztere Pomum aureum, Pomum 
amoris oder auch Pomum de altero mundi. Zur selben Zeit, wo die 
Tomate in Italien bekannt geworden war, mufs sie nach Deutschland ge- 
bracht worden sein. Gesner erwähnt 1561, dafs sie in Nürnberg, Breslau 
und Torgau kultiviert wurde. Aber diese Kulturen waren damals noch 
Ausnahmen, denn Gesner zählt die Männer in den obigen drei Städten 
auf, die sich mit ihnen befafsten. Dann scheint allerdings die Kultur sich 
rasch ausgebreitet zu haben, wie das Vorkommen in Ueberkingen 1574 
beweist. Und schon 1588 schreibt Tabernaemontanus: „Es seyn diese 
Oepfel in den Gärten gemein worden.“ Das ist für eine Zierpflanze, denn 
nur als solche kannte man damals die Tomate, eine sehr rasche Ver- 
breitung. Als Nutzpflanze lernte man sie erst im 19. Jahrhundert schätzen. 
Auch verschiedene Varietäten oder Rassen kannte man im 16. Jahrhundert 
schon. Gesner spricht von Sorten mit kleineren glatten und solchen mit 
gröfseren unebenen Früchten, die goldgelb, rot und weifs sein können. Das 
Exemplar im Harderschen Herbarium trug, wie es scheint, kleine glatte 
Früchte. Wenigstens hat der Autor solche in einer kolorierten Feder- 
zeichnung zugefügt. 

Zu den Gartenpflanzen dürfte auch die in einem kümmerlichen Exem- 
plare vorhandene Valeriana celtica gehören, die früher unter dem Namen 
Spica celtica oder Nardus celtica offizinell war. 


*) Dürkop, W. : Ein Beitrag zur Geschichte der Tomate. Naturw. Wochenschr. 
1907, Nr. 35. 


82 


Die Pflanzen des Harderschen Herbariums. 


1. *)Leucoion Theophrasti, Hornungs- 

blumen 

Pulsatilla 

Trifolium aureum, sive Epatica nobilis, 
Guldin lde od. Edel leber krautt 
Lichen verum, Brunnen Leberkraut 
Hyacinta, Bio mertzen blumen 

— alter., Hyacinte 
Ornithogalum minus, Mertzenstern 

2. Chelidonium minus, F eig wartzen Kraut 
Viola purpurea, Bio mertzen violen 

— canina, Hundsvyolen 

— montana lutea 

— mira, Wunderviolen 
Aron, Bruchwurtz 

3. Aristolochia rotunda applinaris, die 

Runde Osterlucey od. d. Rund 
Hohlwurzel 

— longa, die lange Osterlucey 
Originalis, Wasserkron 

Herba paratisis, Schlisselblum 
Gamedris, Blomenderlin 
Dio. Chamedrys 1 querula amara, sub- 
acris, Das echt Gamenderlin od. 
aichelenkraut 

4. Flos aprilis ceruleus, Abrellenblumen 

— — Albus „ 

Cruciola, Creuzelin 

Poligala mas, Creutzbliemlin, männlin 

— foemina, „ weiblin 

Chrysanthemum, schmaltzblum, 

dotterblum 

Ranunculus primus sive martialis, 
Mertzen Hanenfufs 

5. Viola petrea, Felsen violen 

— — cerulea, Gel felsen violen 

— montana alba, Weis berg violen 

— ibea, Igel viole. 

Herba umbilici, Nabelkraut 
Telephium magnum, Katzen treublin 
Diosc. Telephium, Mauerpfeffer 

6. Trichomanes terestre, Erdrauten 

— Dioscoridis, Rot Steinbrech, 
Steinrauten 

Adiantum album Diosc.-Ruta muraria, 
Mauer Rauten 

Politrychon apuley, Guld. Widertod 
Ruta petrea, Felsen Rauten 


Leucojum vermint L. 

Pulsatilla vulgaris Milk 
Hepatica nobilis Schreb. 

Marchantia polymorpha L. 
Scilla bifolia L. 

Muscari botryoides Milk 
Gagea lutea Schult. 

Ficaria verna Huds. 

Viola odorata L. 

— canina L. 

— biflora L. 

Pinguicula vulgaris L. 

Ar um maculatum L. 

Corydalis cava Schwägr. 

Aristolochia Clematis L. 
Chrysosplenium alternifolium L. 
Primula elatior Jcq. 

Veronica longifolia L. 

Teucrium Chamaedrys L. 

Anemone ranunculoides L. 

— nemorosa L. 

Primula farinosa L. 

Polygala comosa Schk. 

— amara L. 

Caltha palustris L. 

Ranunculus auricomus L. 

Arabis arenosa Scop. 

Älyssum montanum L. 

Thlaspi montanum L. 

Praha aizoides L. 

Saxifraga Aizoon Jacq. 

Sedum album L. 

— acre L. 

Plagiochila asplenoides N. v. E. 
Asplenium Trichomanes L. 

— Ruta muraria L. 

Polytrichum alpinum L. 
Thalictrum minus L. 


") Die Vorgesetzten Zahlen geben die Blätter des Herbariums an. 


83 


7 . 


8 . 


9 . 


10 . 


11 . 


12 . 


13 . 


14 . 


15 . 


16. 


Polypodium, Engelsiefs 
Phyllitis, Hirszung 
Scolopendrium magnum, Grofs Hirs- 
zung 

Loncliitis aspera, das klain Miltzkraut 
Filix petrea, Felsenfarn 

— muraria, Mauerfarn 
Driopteris, Aichfarn 

Filix sylvestris mas, Waldfarn, das 
mänlin 

Filix sylvestris foemina, Waldfarn 
Weiblin 

Pulmonaria, Lungenkraut 

— Mathioli, Waldoxenzung 
Cynoglossum, Hundszung 
Anchusa, Wild oxenzung 
Bugglossa, Oxenzung 
Borago, Boretsch 
Consolida regalis, Rittersporn 
Aculeata, Feldröslin 
Papaver hortensis, Olmagen 

— agrestis, Schnellblumen 
Pseudo melanchium, Ratten 
Alliaris, Knoblauchkraut 
Lilium convallium, Mayblümlin 
Ophioscorodon. Allium sylvestre, Wald 

Kn obloch 

Ophioglossum, Naterzünglin 
Lunaria, Mon rauten 
Nummularia, Pfenningkraut, Egelkraut 
Asaron, Haselwurtz 
Chamecissus ut corona terrae, Gundt- 
roeben 

Chamecissus minor, Edel Gundtroeb 
Dentaria agrestis minor, Zangail, 
moennlin 

Dentaria agrestis maior, Zangail, 
weiblin 

Anagallis aurea, Guldin gachhail 

— foemina, Gachhail weiblin 

— mas, „ moenlin 

Fragaria, Erdbeerkraut 
Veronica mas, Erenbreifs, moennlin 

— foemina 

Beta sylvestris, Holtz mangolt 
Pirola vera, das recht wintergrien 
Camepitis vera, Je länger ye lieber 
Camedris species, Bergciprefs 
Elichryson luteum, Remblum 

— album, Weis katzenpfötlin 

— purpureum, Rot katzenpfötlin 


Polypodium vulgare L. 
Scolopendrium vulgare Smith. 
Blechnum Spicant With. 

Aspidium Loncliitis Sw. 
Asplenium fontanum Bernh. 
Cystopteris fragilis Bernh. 
Nephr odium Pryopteris Mich. 
Aspidium Filix mas Sw. 

Pteridium ctquilinum Kuhn. 

Sticta Pulmonaria Schaer. 
Pulmonaria officinalis L. 
Cynoglossum officinale L. 
Echium vulgare L. 

Anchusa officinalis L. 

Borago officinalis L. 
Delphinium Consolida L. 
Adonis autumnalis L. 

Papaver somniferum L. 

— Bhoeas L. 

Agrostemma Githago L. 
Alliaria officinalis Andrz. 
Convallaria majalis L. 

Allium ursinum L. 

Ophioglossum vulgatum L. 
Botrychium Lunaria Sw. 
Lysimachia Nummularia L. 
Asarum europaeum L. 
Glechoma hederacea L. 

Veronica polita Fr. 

— triphyllos L. 

— hederifolia L. 

Anagallis arvensis L. 

— coendea Schreb. 

— phoenicea Lam. 

Fragaria vesca L. 

Veronica officinalis L. 

— serpyllifolia L. 

Pirola rotundifolia L. 

— secunda L. 

Ajuga Chamaepitys Schreb. 
Teucrium Boirys L. 
Helichrysum arenarium DC. 
Gnaphalium dioicum L. 


84 


Gnaphalium verum, Der rechte Knawel 
~ P r * mum ) Drey Knawel Ge- 

— tertiuml schlecht 

17. Morsus gallinae, Hüner clarm 
Lingua passerina, Spatzenzinglin 
Centum morbia, Nummularia, Pfen- 
ningkraut 

Yerbaseulum Mathioli mas, Gold 
knöpfflin 

Verbasculum foemina, Goldknöptflin 

18. Piperitis, Senffbletter 
Yerbascum album, Weifs Wullkraut 

— nigrum, Scbwartz Wullkraut 

19. Polygonatum foemina, Weiswurtz, 

weiblin 

Polygonatum mas, Weifswurtz, 
männlin 

Perfoliatum, Durchwax 
Parietaria, Glaskraut 

20. Mercurialis mas, Bingel kraut, märdin 
Diapensia, Weifser Sanickel 
Sanicula vera, der recht Sanickel 

21. Betonica, Braun Betonic 
Agrimonia, Odermeng 
Alchimilla, Sinaw 
Serpentina, Naterwurtz 

22. Bifolium, Zwayblatt 
Unifolium Ainblatt, mänlin 

— foemina — , Dz weiblin 
Benedicta gariosilata, Benedictwurtz 

— silvestris, Wild Benedict 

23. Apiaria, Imenkraut 
Philipendula, Rot Stainbrech od. Erd- 

aichel 

Damasonium primum mas, Sackpfeiff 

— secundum foeminum, Hennen- 
kropf 

24. Damasonium tertium foemina, 

Wunderblum 

Damasonium quartum mas, Wunder- 
blum 

Aconitum hortense, Eysen hütlin, 
Narren kapp. 

— licoctonum, Wolfswurtz 

25. — pardalianches sive Herba paris, 

Vierblatt, Ainber od. Wolfsber 
Virga aurea mas, Haidnisch Wund- 
kraut 

Virga aurea foemina, Haidnisch 
Wundkraut, weiblin 


Filago arvensis Fr. 

Gnaphalium uliginosum L. 
Filago minima Er. 

Gnaphalium silvatieum L. 
Malachium aquaticum Fr. 
Arenaria serpyllifolia L. 
Lysimachia Nummularia L. 

(s. Bl. 13) 

Neslea paniculata Desv. 

Erysimum cheiranthoides L. 
Lepidium latifolium L. 
Verbascum Thapsus L. 

— nigrum L. 

Polygonatum verticülatum All. 

— multiflonim All. 

Bupleurum rotundifolium L. 
Parietaria officinalis L. 
Mercurialis perennis L. 
Astrantia major L. 

Sanicula europaea L. 

Betonica officinalis L. 
Agrimonia Eupatoria L. 
Alchemilla vulgaris L. 
Polygonum Bistor ta L. 

Listera ovata RBr. 
Majanthemum bifolium Schmidt. 

— — (steriles Blatt) 
Geum urbanum L. 

— rivale L. 

Spiraea Ulmaria L. 

— Filipendula L. 

Cypripedium Calceolus L. 
Cephalanthera grandiflora Bab. 

Epipactis latifolia All. 

Cephalanthera rubra Rieh. 

Aconitum Napellus L. 

• — Lycoctonum L. 

Paris quadrifolia L. 

Solidago Virga aurea L. 

Senecio Fuchsii Gm el. 


85 


26 . 


27 . 


28 . 


29 . 


30 . 


31 . 


32 . 


33 . 


34 . 


35. 


Eupatorium Avicenne, Künigund 

— Mesue, Wurmkreutlin 
Onagra Dioscoridis, Rot weiden 
Hypericon, Sanc Johanskraut 

Androsemum, Kunradt 
Centaureum minus, Tausend guldin 
Kraut 

Bonax chironium, Haiden Isopp 
Linum pratense Mathioli, Wilder Flax 
Origanum, Dosten 
Clinopodium, Wirbel Doste 
Menta saracenica, Unser frawen mintz 
od. Salvay 

— serrata, Stain mintz 

— montana, Berg mintz 

— aquatica, Wassermintz 

— equina, Rofs mintzen 

— sativa ut Bits menta, Biment 
Krausbalsam 

— agrestis, Acker mintz 
Poleium, Boley 
Melissa, Wantzenkraut 

— citrinaria, Die recht Melissen 
Isopus, Ispen 

Satureia, Joseplin 
Basilicon, Basilien 
Kunili, Kuenlin (Quendel) 

Sideritis aspera j 

— laevis I «idkrautt 

Amaracus sylvestris, Wild mayeron 

— hortensis, Der rechte mayeron 
Chamecyparisus, Cyprefs 
Lybanotis, Rosmarin 

Caltha hortensis, Ringelblum 
Flos trinitatis, Dreyfaltigkait od. 

Denckel blümlin 
Jacea, Wild denckel bliemlin 
Lavendula, Lavander 
Spica celtica, Eselshew 

— Spicenardi 

Levcoion citrinum, Gel viol 

— purpureum, Braun viol 
Gariophila perversa, Mutwille 

— tonicrualis, Donder nägelin 

— domestica, Naegelin 

— petrea, Felsen naegelin 
Aquileia, Aggley 

Ranunculus montanus sive sylvestri 
minor, Berg- Han enfufs 

— pratensis, Wisen Hanenfufs 


Eupatorium cannabinum L. 

? 

Epilobium angustifolium L. 
Hypericum perforatum L. var. 

veronense Schrank. 
Hypericum perforatum L. 
Erythraea Centaurium Pers. 

Helianthemum vulgare Gaertn. 
Linum fiavum L. 

Origanum vulgare L. 
Clinopodium vulgare L. 
Tanacetum Balsamita L. 

Mentha arvensis L. 

Calamintha officinalis Moench. 
Mentha aquatica L. 

— silvestris L. 

— rotundifolia L. 

— arvensis L. 

— Pulegium L. 

Melissa officinalis L. 

Melittis Melissophyllum L. 
Hysopus officinalis L. 

Satureja hortensis L. 

Ocimum Basilicum L. 

Thymus vulgaris L. 

Stachys recta L. 

— annua L. 

Calamintha Acinos Clairv. 
Origanum Major ana L. 
Santolina Chamaecyparissus L. 
Rosmarinus officinalis L. 
Calendida arvensis L. 

Viola tricolor L. 

— — var. arvensis Murr. 
Lavandula Spica L. 

Valeriana celtica L. 

Lavandula Spica L. 
Cheiranthus Cheiri L. 

Matthiola annua Sw. 

Dianthus superbus L. 

— cartlmsianorum L. 

— Caryophyllus L. 

— caesius Sm. 

Äquilegia vulgaris L. 
Ranunculus nemorosus DC. 

— acer L. 


86 


36. Ranunculus hortensis, Tausent blättlin 

— sylvestris maior, d. grofs wald 
Hanenf. 

Potentilla anserina, Genserich 
Pentafilon minus, Das klain fünffinger- 
kraut 

— Fünffingerkraut 

37. — album, Weifs fünffingerkraut 
Tormentill, Blutwurtz, Birckwurtz 
Asparagus, Spargen 

38. Antirhinon sive Orant, Kalbsmaul 
Fumus terre, Erdrauch, Taubenkröpff 
Apostema, Apostelkraut 

Scabiosa vera, Die recht Scabiosen 

39. Morsus diaboli, Teufelsabbis 
Apium hortense Diosc. Petrosileni, 

Peterling 

Yerbena, Eisenkraut 

40. Erisimon Diosc., Edler senff 
Apium agreste, Acker epich 

— aquaticum, Wafser epich 

41. Paludapium Dioscoridis, Bauren epich 
Marubium hortense, Andorn 

— aquaticum, Wafser an dorn 

42. — Album, Weis andorn 

— nigrum, Schwartz andorn 
Ormium sylvestre, Berg Scharlach 
Urtica sylvestris, Wald nefsel 

43. — mortua sive Sanguisorbai Todt r 

Binsauge Jnefslenl 

Urtica, Nefsel 

— minor, Eyter nefsel 

44. Fortuna, Glückkraut 

Viola latifolia, Silber glantz 

45. — Matronalis, Weifs violen 
Dentaria, Zankraut 

Cianus maior, Wald kornblum 

46. — minor, Korn beifs 
Lichnis coronaria, Margen röslin 
Salvia nobilis, Edel salvay 
Ruta hortensis, Rauten 

47. Salvia maior, Brait salvey 

— rustica, Wild salvay 
Tanacetum, Rainfarn 

— - montanum, Berg Rainfarn 

48. Meter sive partenium, Matreni 
Bellis maior, Grofs mafslieb 

— minor, Klain mafslieb 

49. Chrysanthemum, Goldblum 
Alisma, Engeltranck 


Ranunculus bulbosus L. 

— lanuginosus L. 

Potentilla Anserina L. 

— verna L. 

— reptans L. 

— arg ent ea L. 

— Tormentilla Sehr. 
Asparagus officinalis L. 
Linaria minor Desf. 

Fumaria officinalis L. 

Knautia arvensis Coult. 
Scabiosa Columbaria L. 

Succisa pratensis Moench. 
Petroselinum sativum Hoffm. 

Yerbena officinalis L. 
Sisymbrium officinale Scop. 
Ranunculus arvensis L. 

— sceleratus L. 

Berula angustifolia Koch 
Marrubium vulgare L. ? 
Lycopus europaeus L. 

Stachys germanica L. 

Ballot a nigra L. 

Stachys palustris L. 

— silvatica L. 

Lamium maculatum L. 

— album L. 

TJrtica dioica L. 

— urens L. 

Lamium amplexicaule L. 
Lunar ia rediviva L. 

Hesperis matronalis L. 
Dentaria bulbifera L. 

Centaur ea montanci L. 

— Cyanus L. 

Lychnis Coronaria Lmk. 

Scdvia officinalis L. 

Ruta graveolens L. 

Salvia officinalis L. (Blätter), 

— pratensis (Blütenst,). 

Salvia pratensis L. 
Chrysanthemum vulgare Beruh. 

— corymbosum L. 

— Parthenium Bernh. 

— Leucanthemum L. 

Bellis perennis L. 

Anthemis tinctoria L. 
Doronicum spec. 


87 


Chamomilla vulgaris, Gmein Camillen 

— sativa, Edel Camillen, Haber Cam. 

50. Thalictrum, Krottendill 
Bubonium, Sternkraut 

Nigella romana, Römisch coriander 
Coriandrum, Colander 

51. Santonicum, Wurmsamen 
Abrotanum, Stabwurtz 
Absinthium, Wermutt 

— ponticum, Pontiscber wermut 
Artemisia, Beyfufs 

52. Lisimachia lutea, Edelweyderich 

— purpur ea, Braun weydericli 
Gentiana maior, Entzion 

53. — nigra, Schwartz Entzion 

— minor, Modelzer (?) 

Viola gentiane, Entzion violen 
Coniza maior, Gros dürrwurtz 

— minor, Klain dürrwurtz 

54. Scroffularia maior, Schaumkraut 

— minor, Braunwurtz 
Alkikengi, Juaenkirs, Bobrellen 
Solanum, Nachtschatten 

55. — marinum, Mer nachtschatt 
Cichorea, Wegwart 

56. -- lutea, Gel wegwart 
Flos sancti Jacobi 

Sonchus aspera, Raucher gensdistel 

— sativus, Genszung 

— levis, Gensdistel 

57. Senecio maior, Gros kreutzwurtz 

— minor, Klain kreutzwurtz 
Hieratium, Pfaffenrörlin 
Accipitrinum maius, Gros Happichs- 

kraut 

58. Lactuca leporina, Hasen strauch (?) 
Accipitrinum minus, Klain Happichs- 

kraut 

Ursina auris, Beren ohr 

59. Pilosellum maius, Gros meus or 
Bubauris, Sauen ohr 
Pilosellum minus, Klain meus or 
Genista, pfrimen 

Spartium, pfrimen 

Flos tinctory, ferb blumen 

60. Tragopogon, Bocksbart 
Barba caprina, Gaisbart 
Valeriana maior, Baldrion, der grofs 

— minor, d. klain Baldrion 
Stratiotes mille folium, Schaff garb 


l Chrysanthemum Chamomilla 
1 Bernh. 

Anthemis arvensis L. 

Aster Amellus L. 

Nigella damascena L. 
Coriandrum sativum L. 
Sisymbrium Sophia L. 
Artemisia Abrotanum L. 

— Absinthium L. 

— pontica L. 

— vulgaris L. 

Lysimachia vulgaris L. 
Lythrum Salicaria L. 
Gentiana lutea L. 

— germanica Willd. 

— cruciata L. 

— ciliata L. 

Inula Conyza DC. 

Erigeron acer L. 

Scrofularia umbrosa Dum. 

— nodosa L. 

Physalis Alkekengi L. 
Solanum nigruin L. 

— Lycopersicum Trn. 
Cichorium Intybus L. 

Crepis biennis L. 

Senecio Jacobaea L. 
Hieracium boreale Fr. 
Sonchus asper All. 

— oleraceus L. 

Senecio viscosus L. 

— vulgaris L. 

Taraxacum officinale Web. 
Leontodon autumnalis L. 

Crepis virens Vill. 

Hypochoeris radicata L. 

Crepis praemorsa Tsch. 
Hieracium murorum L. 

— Jacquini Vill. 

— Pilosella L. 

Genista germanica L. 

Cytius sagittalis Koch. 
Genista tinctoria L. 
Tragopogon pratensis L. 
Aruncus Silvester Kost. 
Valeriana officinalis L. 

— dioica L. 

Achillea Millefolium L. 


88 


61. Pimpinella italica, Welsch Bibenell 

— sativa, Bibenellen 
Pastinaca campestris, Pest nachen 
Cerefolium, Körblen kraut 

62. Cuminum, Kümich 
Mirhis, Morchen 
Branca ursina, Berenkla 
Ostrucium sylvestre,Wildmaisterwurtz 

63. — hortense, Maisterwurtz 
Angelica, Haillig gaistwurtz 

64. Ligu.sticum, Leibstickel 
Pencedanum, Harstrang, Schwebel- 

wurtz 

65. jFalcaria Mathioli, Sichelkrautt 

Ambrosia maior, Hirswurtz, die grofs 

66. — minor, Die klain Hirswurtz 
Feniculum, Fenchel 

Anetum, Dill 

67. Linum, Flax 
Linaria, Harnkraut 
Canapis, Han ff 

Noli me tangere, Junckfra zucht, Gel 
Rittersporn 

Chelidonia, Schelkraut 

68. Hirundinaria, Schwalbenwurtz 
Symphitum maius, Walwurtz 
Consolida media, Guldin günsel 
Brunelia, Braun nelle 

69. Cathanances femina, Sterckkraut 

— mas, Sterckkraut, mänlin 
Bonus Hainricus, Gut Hainrich 
Fenium graecum, Bocks horn 
Trifolium odoratum, Marien -Magda- 

lenenkraut, Sibenzeit 

70. Fenium graecum rusticum, Das wild 

Bockshorn 

Lagoppus, Katzenklee 
Trifolium pratense mas, Wiesenklee, 
mänlin 

— pratense foem., Wiesenklee, weibl. 

71. — luteum, Gel Stainbrech 

— pisarum, Erbifs klee 
N 

— Aquaticum, Wafserklee 

72. Plantago aquatica, Wafserwegerich 

— maior, Wegerich 

— minor, Spitzwegerich 
N 

78. Mellilotum nobile minus 

— — maius 


Sanguisorba minor Scop. 
Pimpinella Saxifraga L. 
Pastinaca sativa L. 

Anthriscus Cerefolium Hoffm. 
Carum Carvi L. 

Myrrhis odorata Scop. 
Heracleum Sphondylium L. 
Aegopodium Podagraria L. 
Imperatoria Ostruthium L. 
Angelica silvestris L. 

Levisticum officinale Koch. 

? 

Falcaria Pivini Host. 
Laserpitium latifolium L. 
Peucedanum Cervaria Cuss. 
Foeniculum vulgare Mill. 
Anethum graveolens L. 

Linaria vidgciris Mill. 

Cannabis sativa L. 

Lmpatiens Noli tangere L. 

Chelidonium majus L. 
Cynanchum Vincetoxicüm RBr. 
Symphytum officinale L. 

Ajuga genevensis L. 

Brunelia vulgaris L. 

Reseda lutea L. 

— Luteola L. 

Chenopodium Bonus Henricus L. 
Trigonelia Foenum graecum L. 
Melilotus coeruleus Desr. 

Astragalus glycyphyllos L. 

Trifolium arvense L. 

— pratense L. 

— hybridum L. 

— procumbens L. 

Medicago lupulina L. 

— falcata L. 

Menyanthes trifoliata L. 

Alisma Plantago L. 

Plantago major L. 

— lanceolata L. 

Anthyllis Vulneraria L. 
Hippocrepis comosa L. 

Lotus uliginosus Schk. 


89 


Mellilotum luteum, Geier Stainklee 

— album, Weyser Stainklee 
Saxifragum album maius, Der grofs 

weifs Stainbrech 

Saxifragum album medium, d. mittel 
weifs Stainbr. 

Saxifragum album minus, d. klain 
weifs Stainbr. 

Saxifragum album erraticum, d. falsch 
weifs Stainbr. 

74. Nasturtium hortense, Garten krefs 

— aquaticum, Brunn krefs 

— sylvestre, Wald krefs 
Sium, Bach bungen 
Lactuca agrestis, Acker Salat 

75. — hortensis, Garten Salat 
Nasturtium montanum, Berg krefs 
Sinapi luteum 

— album 

Bunium Dioscoridis, Wafser senff 

76. Brassica agrestis, Acker köl 
Eruca, Raucken 

Erica, Haid 
Mirica, Tamariscen 

77. Epatica sylvestris, Wald leberkraut 
N 

N 

N 

Matri sylva maius, Grofs Waldmaister 

— — minus, Klain ,, 

78. Aparine maius, Grofs klebkraut - 

— minus, Klain „ 

Rubia rustica, Wild Röte 
Milium solis album, Weis xMerhirs 

— — nigrum, Schwartzer Merhirs 

79. Crateogonium Diosc., Flöchkraut 
Arenaria maior, Grieskraut, d; grofs 

— minor, klain griefs kreutlein 
Eufrasia vera, der recht augentrost 
Eufragia rubra, der rot augentrost 

80. Crassula maior, Wundkraut 
Cardiaca, Hertz gespan 
Hosciamus, Bilsenkraut 
Frumentum saracenicum, Wild körn 
Botris, Traubenkraut 

81. Atriplex rustica, wild malten 

— sativa, zam malten 

— fimaria, Mist malten 
Isatis lutea, Geier waid 

82. — purpurea, Brauner waid 


Melilotus officinais Desr. 

— albus l)esr. 

Saxifraga rotundifolia L. 

— granulata L. 

— tridactylites L. 

Cerastium arvense L. 

Lepidium sativum L. 
Cardamine amara L. 

— pratensis L. 

Veronica Beccabunga L. 
Valerianella olitoria Much. 
Lactuca sativa L. 
Cardamine impatiens L. 
Sinapis arvensis L. 

— alba L. 

Barbaraea vulgaris RBr. 
Brassica oleracea L. 
Nasturtium palustre DC. 
Calluna vulgaris Salisb. 
Myricaria germanica Desv. 
Galium silvaticum L. 
Asperula glauca Bess. 

— arvensis L. 

Sherardia arvensis L. 
Asperula taurina L. 

— odorata L. 

Galium Aparine L. 

— Cruciata Scop. 

Galium Mollugo L. 
Lithospermum officinale L. 

— arvense L. 

Polygonum mite Schrank. 
Asperula cynanchica L. 
Linum catharticum L. 
Euphrasia officinalis L. 

— Odontites L. 

Sedum purpureum Link. 
Leonurus Cardiaca L. 
Hyoscyamus niger L. 
Polygonum Fagopyrum L. 
Alber sia Blitum L. 
Chenopodium album L. 
Atriplex hortense L. 

— hastatum L. 

Lactuca muralis Less. 
Prenanthes purpurea L. 


90 


83. 


84. 


85. 


86 . 

87. 

88 . 


89. 

90. 


91. 


92. 


Clinopodium minus agreste, Acker 
wirbel 

Flos cuculi, Guckochblum 
Frumentum vaccinum, Ku weisen 

Bis malva, Eybisch baplen 
Althea, Sigmarswurtz, Felrifs 
Malva simplex mas, Kes baplen, mänlin 

— — foemina, ,, ,, weiblin 

Saphonaria, Sayffenkraut 

S tr uch ium, w alck erkr aut 
Digitalis, Fmgerhutt 
Cervicaria aut Campanula, Halskraut 
Rapunculus sylvestris, Wald rapontzel 

— hortensis, Gerelen 
Vesicaria, Blasenkraut 
Leontopodion, Vergifsmeinnitt, weiblin 

— „ mänlin 

Crispa gallinacea, Hanenkam 
Amara dulcis, Bittersiefs 

Alba Brionia, Stickwurtz, oder weifs 
Zaunriib 

Brionia nigra, Schwartze Stickwurtz 
Appium Hedera, Ebheu 
Yolubilis maior, Grofs winden 

— minor, Klain winden 
Usnea terestris, Weinkraut 
Remor aratri, Leisten wurtz 
Yicia palaria, Schauffel wick 

— trifolia, Kle wicken 

— montana, Bergwick 

— sylvestris, Waldwick 
Lathyros, Kichern 
Apios, Erdnufs, Erdfeig 

Heck wicken 

Pess columbe, Taubenfufs, Geschofs- 
kraut 

Geranion gratia dei, Gotzsgnad 
Robertina, Ruprechtskrautt 
Rostrum ciconiae, Storckenschnabel 
Bursa pastoris maior, das grofs 
Deschelkraut 

Bursa pastoris altera, das ander 
Teschelkraut 
Scoparia, Besenkraut 

Bursa pastoris vera, das recht Deschel- 
kraut 

Bursa pastoris minima, das klainst 
Teschelkraut 


Galeopsis Ladanum L. var. an- 
gustifolia Ehrh. 

Lychnis flos cuculi L. 
Melampyrum arvense L. 

(s. Bl. 30.) 

Althaea offlcinalis L. 

Malm Alcea L. 

— silvestris L. 

— neglecta Wallr. 

Saponaria offlcinalis L. 

— glutinosa MB. 

Digitalis ambigua L. 
Campanula rapunculoides L. 
Pliyteuma spicatum L. 

Sium Sisarum L. 

Silene inflata Sm. 

Myosotis silvatica Hoffm. 

— palustris L. 

Alectorolophus minor W. u. G. 
Solanum Dulcamara L. 
Bryonia alba L. 

Tamus communis L. 

Hedera Helix L. 

Convolvulus sepium L. 

— arvensis L. 

Ly copodium annotinum L. 
Ononis spinosa L. 

Lathyrus Apha ca L. 

— pratensis L. 

Coronilla montana Scop. und 

C. varia L. 

Lathyrus vernus Beruh. 

— Silvester L. 

— tuberosus L. 

Vicia Cracca L. 

Geranium columbinum L. 

— Bobertianum L. 

Geranium palustre" L. 

Er odium cicutarium L’Herit. 
Tlüaspi arvense L. 

— perfoliatum L. 

— alpestre L. mit Alyssum 
calycinum L. 

Capselia Bursa pastoris Mnch. 
Draba verna L. 


91 


Petasites officinalis Moench. 

Tussilago Farfara L. 

Helleborus viridis L. 

— foetidus L. 

Euphorbia amygdaloides Kl. u. G. 

— stricta L. 

— exigua L. 

Orchis sambucina L. 

Ophrys fuciflora Rchb. (?) 
Satyrium basilicum mas, die wol- Orchis militaris L. 
schmeckend Stendelwurtz. 

96. Cynosorchis minor, das klain vögelin Ophrys muscifera Huds. 
Satyrium basilicum foemina, die wol- Gymnadenia conopea RBr. 

schmeckend Stendelwurtz, weiblin 
Orchis femina, Stendelwurtz, weib. Orchis spec. 

Lapatum, Straiffwurtz, Mengelwurtz Pumex Hydrolapathum Huds. 
Acetosa maior, Saur ampfer — Acetosa L. 

97. — minor, klain Saurampfer — Acetoselia L. 

Oxytriphyllon, Buch klee, Buchampfer Oxalis Acetosella L. 

Polygonium, weggrafs Polygonum aviculare L. 


Petasites mas, l Bolsteren, ) 

— femina, / Pestilentz wurtz 1 

93. Tussilago, Rofs hupf 
Yeratrum nigrum, Christwurtz 

94. Sesamoides magnum, Leuskraut 
Esula maior, Wald Wolfsmilch 

— secunda, die ander Wolfsmilch 

95. — tertia, die dritt Wolfsmilch ] 

— minima, die klainst Wolfsmilch J 
Testiculus. Orchis, Stendelwurtz 
Cynosorchis, Fögelin 


Volgen nun mancherley Grafs geschlecht 


N 

N 

98. N 

N 

Holosteon, Hundsgras 

N 

N 

99. Lolium, Drefftzgen 
N 

N 

Linum pratense, Mattenflax 

N 

Canda muris, Meusschwantz 

100. Mezereon, Zilander 

Flos hepatica, Leberblum 
Cuscuta, Filtzkraut 
Vina pervinca 

101. Galiom, Meyerkraut 
Frumentum vaccinum, Kuweysen 
N 


Car ex digitata L. 

Melica nutans L. 

Sesleria coerulea Ard. 

Br im media L. 

Carex glauca Murr. 

Scirpus silvaticus L. 

Poa spec. 

Bromus secalinus L. 

Luzula campestris DC. 
Cynosurus cristatus L. 
Eriophorum polystachium L. 
Dactylis glomerata L. 
Phleum pratense L. 

P>aphne Mezereum L. 
Parnassia palustris L. 
Cuscuta europaea L. 

Vinca minor L. 

Galium verum L. 
Melampyrum arvense L. 
Centaur ea jacea L. 


Botanisches Institut der Technischen Hochschule Dresden, Januar 1908. 




Die Preise für clie noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8 . . . . 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8. .... ... . . . . . 3 1. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissenscli. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 61.- Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . IM. 20 Pf. 

Sitzungsberichte'. Jahrgang 1-863 . . . . . . . . . . . . 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang , . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868. der Jahrgang. . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September .... 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember ..... 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September ... . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . ..4M. — Pf. 
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember . ... 31. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgal] gl 881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1907, der Jahrgang . . . . . . . . . . 5 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deiehmiiller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral. - 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

gj^T“ Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 



der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in 


Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1908. 


Mit 2 Tafeln und 5 Abbildungen im Text. 




Dresden, 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1909 . 


zobZ'IA- 




der 


0 


|| 

- 





ly 





Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


^6~ r ' S 


in Dresden. 


Herausgegeben ■ 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1908. 

Januar bis Juni. 


' 


Mit 1 Tafel und 1 Abbildung im Text. 




SP 


■ 

. ’ ' 


Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1908. 


& 


Redaktionskomitee für 1908. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 

Mitglieder: Prof. Dr. A. Jacobi, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer Dr. 
P. Wagner, Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. A. Lottermoser und Rektor 

Prof. Dr. R. Henke. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 


Inhalt. 

A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3. — Heller, K.: Tierwelt der Kanaren S. 3. — Jacobi, A.: 
Ibidorhynchus struthersi Vig., Nacktschnecken von der Küste Kaliforniens, Fischfauna 
von Samoa, neue Literatur S. 3. — Lehmann, H.: Von Makropoden erzeugte Töne 
S. 3. — Schorler, B.: Teiche des Erzgebirges S. 3, mit Bemerk, von A. Jacobi S. 4. 

II. Sektion für Botanik S. 4. — Ernennung J. Wiesners zum Ehrenmitgliede S. 4. 
— Drude, 0.: Formationen und endemischer Charakter der Flora der Kanaren 
S. 4; Schutz der Erica carnea L. im Vogtlande, Reise nach Gent zur Gartenbau- Aus- 
stellung S. 5. — Neger, F.: Pilzkulturen der Nutzholz- Borkenkäfer S. 4. — Scheid- 
hauer, R. : Hochmoorbildungen und Moosflora des Zinnwalder Moores S. 5. — 
Schorler, B.: Über alte Herbarien, mit Bemerk, von 0. Drude S. 4. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 5. — Engelhardt, H.: Tertiärpflanzen 
von der Insel Seymour S. 7. — Gäbert, C.: Neuere Forschungsergebnisse über 
Bildungsweise und Alter der erzgebirgischen Gneisformation S. 6. — Kalkowsky, E.: 
Umgestaltungen durch Bodenbewegungen , farbige Photographien von Mineralien, 
Meteoreisenstruktur S. 6; Edelstein- und Steinschleiferei und Florentiner Mosaik- 
arbeiten S. 7. — Wagner, P.: Geologische Übersichtskarte des Königreichs Sachsen 
S. 7 ; neue Literatur S. 5 und 7. — Wanderer, K.: Literaturbesprechung S. 7. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 7. — Deichmüller, J.: Diluvialer 
Menschenkiefer von Mauer bei Heidelberg, Nachbildung eines Bronzegefäfses in Ton, 
neue Literatur S. 7; neue Erwerbungen der K. Prähistorischen Sammlung S. 8. — 
Ebert, 0.: Prähistorisches aus Österreich S. 7. — Kalkowsky, E.: Vorgeschichte 
von Kreta S. 7. — Krull, W. : Rethra, Besiedelungstätte und Heiligtum der 
Redarier S. 8. 

V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie S. 8. — Haenel, H. : Problem der 
Vergröfserung des Mondes am Horizonte S. 8. — Lange, L.: Moderne bakteriolo- 
gische Methodik, erläutert an dem Verfahren des Typhusnachweises S. 8. Wit- 
ting, A. : Entstehung des Planetensystems S. 8. 

"VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 9. — Heger, R.: Die 
Rohnsche Konstruktion der ebenen Kurve III. Ordnung S. 9. — Krause, M.: Zur 
Theorie der Gelenkmechanismen S. 9. — Schreiber, A.: Theorie des Prytzschen 
Stangenplanimeters S. 10. — Schreiber, P.: Theorie und Praxis der Wagemano- 
meter S. 10. — Witting, A.: Angenäherte Lösung numerischer Gleichungen S. 9. 

WH. Hauptversammlungen S. 10. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 14. — 
Kassen ab schlufs für 1907 S. 12, 14 und 16. — Voranschlag für 1908 S. 12. — Ge- 
schenk für die Bibliothek S. 13. — Denkschrift über den naturwissenschaftlichen 
Unterricht an den höheren Schulen S. 13. — Verbilligung der sächsischen topo- 
graphischen und anderen Karten S. 13. — Brion, G.: Bindung des atmosphärischen 
Stickstoffs in elektrischen Gasentladungen S. 12. — Drude, 0.: Blattform und Vege- 
tationsformation S. 14. — Förster, F. : Der elektrische Ofen in der Eisenindustrie 
S. 14. — Kalkowsky, E.: Geologie und Beginn des organischen Lebens S. 13. — 
Schmidt, K.: Geologie des Simplons und des Simplontunnels S. 10. — Ausflug 
nach Landberg- Spechtshausen S. 14. , 


Inhalt des Jahrganges 1908. 


A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3 und 19. — Heller, K.: Tierwelt der Kanaren S. 3. — 
Jacobi , A. : Ibidorhynchus struthersiYig ., Nacktschnecken von der Küste Kaliforniens, 
Fischfauna von Samoa S. 3; Varietäten zweier deutscher Wildarten S. 19; neue Literatur 
S. 3 und 19. — Kalkowsky, E.: Über Miesmuschelperlen, ein sprechender Papagei 
S. 19. — Lehmann, H.: Von Makropoden erzeugte Töne S. 3. — Schorler, B.: 
Teiche des Erzgebirges S. 3, mit Bemerk, von A. Jacobi S. 4. 

II. Sektion für Botanik S.4 und 19. — Ernennung J.Wiesners zum Ehrenmitgliede S.4. 
— Drude, 0.: Formationen und endemischer Charakter der Flora der Kanaren S.4; 
Schutz der Erica carnea L. im Vogtlande, Reise nach Gent zur Gartenbau- Ausstellung 
S. 5; Darwin und Darwinismus S. 20; Selaginella helvetica Link, aus der Sächsischen 
Schweiz S. 21. — Herrmann, E.: Gutachten über die Hehn sehen Pilzdarstellungen 
S. 20. — Neger, F.: Pilzkulturen der Nutzholz-Borkenkäfer S.4; Ambrosiagallen und 
ihre Pilze S. 20. — Rehn , A.: Ausstellung von Aquarellen und Modellen heimischer 
Pilze S. 19. — Scheidhauer, R.: Hochmoorbildungen und Moosflora des Zinnwalder 
Moores S. 5; Cylindrothecium concinnum Schpr. von Weinböhla und Gallier gon gigan- 
teum Kindb. von Meifsen S. 21. — Schorler, B.: Über alte Herbarien, mit Bemerk, 
von 0. Drude S. 4. — Wolf, Th.: Monographie der Gattung PotentiH a S. 21. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 5 und 21. — Engelhardt, H.: Tertiär- 
pflanzen von der Insel Seymour S. 7. — Fischer, H.: Die „Opferschüsseln“ im 
Fichtelgebirge S. 21. — Gäbert, C.: Neuere Forschungsergebnisse über Bildungs- 
weise und Alter der erzgebirgischen Gneisformation S. 6. — Hibsch, E. : Der geo- 
logische Aufbau des Böhmischen Mittelgebirges S. 21. — Kalkowsky, E.: Gin- 
gest altungen durch Bodenbewegungen, farbige Photographien von Mineralien, Meteor- 
eisenstruktur S. 6 ; Edelstein- und Steinschleiferei und Florentiner Mosaikarbeiten 
S. 7; über den Korund S. 21. — Wagner, P.: Geologische Übersichtskarte des 
Königreichs Sachsen S. 7; neue Literatur S. 5, 7 und 21. — Wanderer, K.: Lite- 
raturbesprechung S. 7; die sächsischen Kreidekrehse S. 21. 

IY. Sektion für prähistorische Forschungen S. 7 und 22. — Deichmüller, J.: Dilu- 
vialer Menschenkiefer von Mauer bei Heidelberg, Nachbildung eines Bronzegefäfses in 
Ton S. 7; neue Erwerbungen der K. Prähistorischen Sammlung S. 8; Inventarisierung 
der vorgeschichtlichen Altertümer, Steinhammer von Kaditz S. 22; neue Literatur S. 7 
und 22. — Döring, H.: Slawische Gefäfse von der Lukaskirche in Dresden, Literatur- 
besprechung S. 22. — Ebert, 0.: Prähistorisches aus Österreich S. 7; die Einhornhöhle 
bei Scharzfeld S. 22. — Kalkowsky, E.: Vorgeschichte von Kreta S. 7. — Krull, W.: 
Rethra, Besiedelungsstätte und Heiligtum der Redarier S. 8. — Ludwig, H.: Herd- 
gruben bei Kötitz, Steingerät von Gommern S. 22. 

Y. Sektion für Physik und Chemie S. 8 und 22. — Haenel, H. : Problem der Ver- 
gröfserung des Mondes am Horizonte S. 8. — Lange, L.: Moderne bakteriologische 
Methodik, erläutert am Verfahren des Typhusnachweises S. 8. — Luther, R.: Nutz- 
barmachung der Sonnenenergie S. 22. — Witting, A.: Entstehung des Planeten- 
systems S. 8. 

YI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 9 und 23. — Disteli, M.: 
Das Hookesche Gelenk S. 26. — Heger, R.: Die Rohnsche Konstruktion der ebenen 
Kurve III. Ordnung S. 9; Taylor in Prima S. 23. — Krause, M.: Zur Theorie der 
Gelenkmechanismen S. 9. — Schreiber, A.: Theorie des Prytzschen Stangenplani- 
meters S. 10. — Schreiber, P.: Theorie und Praxis der Wagemanometer S. 10. — 
Weinmeister, Ph. : Autopolare Kegelschnitte S. 23; Mitteilungen über homogene 
Koordinaten S. 26. — W itting , A. : Angenäherte Lösung numerischer Gleichungen S. 9. 


IV 


VII. Hauptversammlungen S. 10 und 27. — Beamte im Jahre 1909 S. 27 und 32. — 
Veränderungen im Mitgliederbestände S. 14 und 30. — Kassenabschlufs für 1907 S. 12, 
14 und 16. — Voranschlag für 1908 S. 12. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 31. 

— Bericht des Bibliothekars S. 34. — Geschenk für die Bibliothek S. 13. — Namens- 
änderung der Sektion für Physik und Chemie S. 29. — Denkschrift über den natur- 
wissenschaftlichen Unterricht an den höheren Schulen S. 13. — Verbilligung der 
sächsischen topographischen und anderen Karten S. 13; Eingabe hierzu an das Mini- 
sterium des Kultus und öffentlichen Unterrichts S. 27. — Brion, Gr.: Bindung des 
atmosphärischen Stickstoffs in elektrischen Gasentladungen S. 12. — Drude, O.: 
Blattform und Vegetationsformation S. 14; Tätigkeit des Landesvereins „Sächsischer 
Heimatschutz“ S. 27 und 29. — Förster, F. : Der elektrische Ofen in der Eisen- 
industrie S. 14. — Hempel, W.: Bekämpfung der Feuersgefahr S. 29. — Kal- 
kowsky, E.: Geologie und Beginn des organischen Lebens S. 13; europäische Ent- 
fernungen S. 30. — Patt en hausen, B.: Afsmanns Versuch mit dem Aspirations- 
thermometer S. 27. — Schmidt, K. : Geologie des Simplons und des Simplontunnels 
S. 10. — Schreiber, P. : Wissenschaftliche Aufgaben der Luftballonfahrten S. 27. 

— Witting, A.: Einige Zusammenhänge der höheren Mathematik mit der elementaren 
S. 30. — Ausflug nach Landberg -Spechtshausen S. 14. 


B. Abhandlungen. 

Denkschrift über den naturwissenschaftlichen Unterricht an den höheren Schulen. S. 3. 
Kalkowsky, E.: Europäische Entfernungen. S. 33. 

Menzel, P.: Fossile Koniferen aus der Kreide- und Braunkohlenformation Nordböhmens. 
Mit Tafel II. S. 27. 

Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica in den Jahren 1906 — 1908. S. 63. 
Schreiber, P: Allgemeine Theorie der Wagemanometer. Mit Tafel I. S. 7. 
Wanderer, K. : Ein Vorkommen von Enoploclytia Leachi Mant. sp. im Cenoman von 
Sachsen. Mit 1 Abbildung. S. 23. 

Witting, A.: Über einige Zusammenhänge der höheren Mathematik mit der elementaren. 
Mit 3 Abbildungen. S. 41. 

Wolf, Th. : Über die neue „Monographie der Gattung Potentilla“. Mit 1 Abbildung. S. 52. 


Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

A bhandlungen. 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1908 . 



I. Sektion für Zoologie. 


Erste Sitzung am 27. Februar 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. A. 
Jacobi. — Anwesend 47 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt folgende Schriften vor: 

Go w ans Nature books, No. 1—3. London; 

Shelley, G. E.: The birds of Africa, vol. I, pt. 1. London 1906. 

Er weist auf die anziehende Ausstattung mit Naturaufnahmen von Tieren bei den 
äufserst wohlfeilen Gowanschen Heftchen hin, während in dem Shelley sehen Werke die 
vollendete Wiedergabe von Vögeln (Gilanzstare) mit metallglänzenden Farben gerühmt wird. 

Derselbe zeigt sodann ein ausgestopftes Stück des Ibidorhynchus 
struthersi Vig. vor. 

Dieser auf den Hochgebirgen Mittelasiens hausende Watvogel, dessen systematische 
Stellung lange verkannt wurde, ist trotz unähnlichen Aufseren ein naher Verwandter 
des Austernfischers; auch von letzterer Art, die sich selten ins Binnenland verfliegt, 
wird ein jüngst bei Grofsenhain erlegtes Exemplar vorgewiesen. 

Nachdem hält Prof. Dr. K. Heller seinen angekündigten Vortrag über 
die Tierwelt der Kanaren. 


Zweite Sitzung am 23. April 1908 (in Gemeinschaft mit der Sektion 
für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. A. Jacobi. — Anwesend 30 Mit- 
glieder. 

Der Vorsitzende legt das 

Bulletin of the bureau of fisheries, vol. XXV, 1895, 
vor und spricht im Anschlufs daran über Nacktschnecken von der 
Küste Kaliforniens und über die Fischfauna von Samoa (Korallen- 
fische). 

HerrH. Lehmann berichtet über an Makropoden wahrgenommene 
Töne. 

Kustos Dr. B. Schorler spricht über die Teiche des Erzgebirges. 

Der Vortragende bedauert, dafs viele Teiche des Erzgebirges in den letzten Jahren 
trockengelegt wurden, weil die Fischzucht nicht mehr gewinnbringend war. Er weist 
darauf hin, dafs die Fischproduktion unmittelbar von dem Plankton und dieses wieder 
von den im Wasser gelösten Nährstoffen (N . P 2 0 5 . Ca . K 2 0) abhängt. Bei längerem 
Betriebe tritt in den Teichen ein derartiger Mangel an solchen Stoffen ein, dafs die 
Ertragsfähigkeit der Teiche an Fischfleisch darunter leidet. Es mufs darum für künst- 
liche Zufuhr durch rationelle Düngung gesorgt werden. Die schädliche Humussäure 
wird durch kohlensauren Kalk gebunden. Der Vortragende legt hierzu vor: 
Knauthe, K.: Die Karpfenzucht. Neudamm 1901; 

Knauthe, K.: Das Süfswasser. Neudamm 1907. 


4 


Prof. Dr. A. Jacobi warnt davor, die Hochteiche zur Karpfenzucht zu 
verwenden, weil die Durchschnittstemperatur des Wassers eine zu geringe 
sei. Besser eigneten sie sich für die Salmoniden, nachdem das Wasser 
entsäuert worden sei. 

Kustos Dr. B. Schorler erwidert, dafs die Forelle in den Moor- 
teichen leicht absterbe, Karausche und Schleie aber sich als Besatzfische 
eignen würden. 


II. Sektion für Botanik. 


Erste Sitzung am 9. Januar 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende stellt den Antrag, die Sektion möge bei der Haupt- 
versammlung anregen, dafs der durch seine vielseitige Tätigkeit wohl- 
bekannte Botaniker K. K. Hofrat Prof. Dr. Julius Wiesner in Wien an- 
läfslich seines 70. Geburtstages zum Ehrenmitgliede ernannt werde. 

Nach einem kurzen Überblick über Wiesners wissenschaftliche Ver- 
dienste durch den Vorsitzenden wird der Antrag einstimmig angenommen.*) 

Prof. Dr. F. Neger hält einen Vortrag über die Pilzkulturen der 
Nutzholz-Borkenkäfer, welche in sehr interessanter Weise Analogien 
zu den aus Möllers Arbeiten genauer bekannt gewordenen Pilzgärten brasi- 
lianischer Ameisen ergeben. Demonstrationen am Objekt und schöne 
Lichtbilder begleiten den Vortrag. 

Kustos Dr. B. Schorler spricht dann über alte Herbarien. 

Der Vortragende legt zwei Bände der ältesten bei uns befindlichen sächsischen 
Flora von Erdmann aus dem Jahre 1797 vor, besonders aber einen Band von Harder 
aus den Jahren 1574 — 1576, der z. Z. in der Tharandter Bibliothek auf bewahrt ist und 
das älteste in Deutschland jetzt befindliche Herbarium, gesammelt im Gebiet der 
schwäbischen Alb und dem Alpenvorlande, darstellt.**) 

Da dieser durch sein Alter allein wertvolle Schatz offenbar in der 
Tharandter Forstakademie nicht am rechten Platze ist, so besteht dort 
die Absicht, ihn auf dem Wege des Umtausches besser zu verwerten. Es 
spricht daher der Vorsitzende den Wunsch aus, dafs das Herbar auf 
jeden Fall für Deutschland erhalten bleiben möge, entweder in seinem 
Ursprungsgebiete oder bei uns in Sachsen. 


Zweite Sitzung am 5. März 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende spricht über die Formationen und den en- 
demischen Charakter der Flora der Kanaren, unter Vorlage der 
grofsen vierbändigen „Flora canariensis“ von Berthelot. 


*) Diese Ernennung ist durch Beschlufs des Direktoriums vom 20. Januar 1908 
unter nachträglicher Genehmigung der Hauptversammlung vom 30. Januar 1908 erfolgt. 

**) Die von Dr. B. Schorler darüber verfafste Abhandlung ist als letzte im Jahr- 
gang 1907 der Isis- Abhandlungen inzwischen gedruckt worden. 


5 


Nachdem in den früheren Jahren und auch noch kürzlich durch Prof. Heller die all- 
gemein-topographische Seite der so anziehenden Inselgruppe und die Tierwelt mit ihrem 
endemischen Charakter in unseren Isis- Sitzungen ausführlicher erörtert war, wollte der 
Vortragende die floristischen Beziehungen der Inselgruppe und ihren hervorragend 
endemischen, aus alter Tertiärzeit sich ableitenden Charakter erläutern. Zur Vorlage 
dienten dabei ausgewählte Herbarexemplare, welche aus den Sammlungen von Dr. Alph. 
Stübel dem Herbarium kürzlich geschenkt sind und unter denen ein besonderes Farren- 
Herbar im grofsen Format geradezu hervorragend ist. Diese Farne zeigen schon als 
gutes Beispiel, wie sich der floristische Charakter zu unserer heimischen Flora verhält: 
neben bei uns heimischen Arten (Adlerfarn!, Pteris aquilina ) wachsen dort endemische 
Arten von Gattungen, die auch in unserer Flora Arten besitzen (darunter z. B. das sehr 
merkwürdige Adiantum reniforme ), endlich solche, die auch als Gattungen oder Tribus 
ganz anderen Floren angehören, wie besonders der seltene Baumfarn aus der Cyatheaceen- 
Gruppe, Dicksonia Culcita , welcher auch auf den Azoren vorkommt 

Die Formationen werden an der Hand der schönen Abbildungen von Schimper in 
Chuns Valdivia- Expedition besprochen. Die heifsen Formationen der Niederung ent- 
halten mit fleischigen Wolfsmilchen und Drachenbaum afrikanische (z. T. mit der Insel 
Socotra in nahen Beziehungen stehende) Elemente; die alt- mediterranen stecken im 
Bergwalde, besonders in den Lorbeerbäumen, die mit Mitteleuropa gemeinsamen Arten 
in den oberen Formationen als Beigemisch. Sehr interessant ist die Retama-Formation 
auf den Trümmergeröllen am Fufse des eigentlichen Piks von Teneriffa. 


Dritte Sitzung am 7. Mai 1908. Vorsitzender: Geb. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 58 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende macht Mitteilungen von Bestrebungen zum Schutze 
der Erica carnea L. im Vogtlande. 

Ingenieur R. Scheidhauer hält seinen angekündigten Vortrag über 
Hochmoorbildungen und die Moosflora des Zinnwalder Moores, 
unter Vorlage seines reichhaltigen Herbariums von Moosen, aus dem die 
zur Besprechung gelangenden Arten in sehr anschaulicher Weise auf grofsen 
Tafeln in Gruppen zusammengestellt sind. 

Nach kurzer Debatte referiert der Vorsitzende über seine Reise 
nach Gent zu der dortigen Gartenbau-Ausstellung zu Ende April, 
welche mit dem Jubiläum des 100jährigen Bestehens der Societe d’agri- 
culture et de botanique daselbst verbunden war. Diese Gesellschaft ist 
die führende in dem durch hohe Bedeutung ausgezeichneten belgischen 
Gartenbau. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 23. Januar 1908. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 52 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Naumann-Zirkel: Elemente der Mineralogie, 15. Aufl. Leipzig 1907; 
Weinschenk, E. : Die gesteinsbildenden Mineralien. 2. Aufl. Freiburg 1907; 
Weinschenk, E. : Petrographisches Vademecum. Freiburg 1907; 

Reyer, E.: Geologische Prinzipienfragen. Leipzig 1907; 

Festschrift zur Erinnerung an die Eröffnung des neuerbauten Museums 
der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 1907. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E Kalkowsky berichtet über eine im Aufträge 
der ,, Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde in Deutschland“ 


6 


durch Prof. Dr. G. Braun -Greifswald versendete Bundfrage über Um- 
gestaltungen durch Bodenbewegungen. 

Fragebogen über Bodenbewegungen. 

1. Möglichst genaue Ortsangabe (wenn vorhanden, nach dem Mefstiscbblatt). 

2. Wann trat die Bewegung ein resp. wann wurde sie beobachtet? Dauer derselben? 

3. Art der Bewegung. 

Bestimmungstabelle dazu: 



1. Gleitbewegung 

Bewegte Scholle 
wenig oder gar nicht 
zerrüttet 

2. Rutschbewegung 
Bewegte Scholle in 
sich stark zerrüttet 
oder durcheinander 
gemengt 

3. Sturzbewegung 

Zusammenhang der 
bewegten Scholle 
zerstört 

4. Sackende 
Bewegung 

a) Weiches, pla- 
stisches Material 

a. Schlammstrom 

8. Gekriech 
y. Schlipf 

Frana (Erdrutsch) 


> Erdfälle 

b) Schuttmaterial 

(Hauptmasse der 
bewegten Scholle 
Schutt) 

Schuttgekriech 

Schuttrutsch 

Schuttsturz * 

c) Felsmaterial 
(Hauptmassse ge- 
wachsenes G-estein) 


Felsrutsch 

a. Felssturz 
ß. Abbrüche 


4. Kurze Skizze der geologischen und Bodenverhältnisse (in Ergänzung der geo- 
logischen Spezialkarte, wenn eine solche vorhanden). 

Angaben über die Vegetationsdecke (Wald, Busch, Wiese, Feld, Moor). Ist 
der Erdboden (Fels) sichtbar? 

Sind Bodentiere (Mäuse, Maulwürfe, Ameisen) oder andere wühlende Tiere 
bemerkbar? 

In welcher Zahl? 

Können die Rutschungen auf das Treten von Herdentieren zurückgeführt 
werden ? 

Kann Bergbau oder sonstige menschliche Tätigkeit (Aufschüttung) die Ursache 
der Bewegungen sein? 

Angaben über die Grundwasserverhältnisse, benachbarte Quellen und Riesel. 

5. Sind Ihnen andere (auch ältere und prähistorische) derartige Bewegungen in der 
Gegend bekannt? An welcher Stelle haben sie stattgefunden? Wer könnte über sie 
Auskunft geben? Literatur? 

6. Wer könnte mit näherer Untersuchung betraut werden? 

Erwünscht ist 

a) Übersendung einer Photographie. 

b) Mitteilung über die Topographie (Kartenskizze, Neigung der betr. Abhänge 
und Stellen, Gröfse) und 

c) Geologie (Ergänzung nach den Gesichtspunkten von 4). 

d) Allgemeine Beschreibung und Folgeerscheinungen des Vorgangs, angerichteter 
Schaden, Schutzbauten usw. 

Derselbe demonstriert farbige Photographien von Mineralien. 

Dr. C. Gäbert-Leipzig hält einen Vortrag: Neuere Forschungs- 
ergebnisse über Bildungsweise und Alter der erzgebirgischen 
Gneisformation. 


Zweite Sitzung am 19. März 1908. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 54 Mitglieder. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky erläutert die Meteor ei son- 
st ruktur in Lichtbildern. 


7 


Oberlehrer Dr. P. Wagner bespricht die neue „Geologische Über- 
sichtskarte des Königreichs Sachsen in 1 : 250 000“ und legt dabei 
eine gröfsere Anzahl von Originalabzügen der einzelnen Farbplatten vor. 


Dritte Sitzung am 14. Mai 1908. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 44 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Schneider, K.: Zur Geschichte und Theorie des Vulkanismus. Prag 1908. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt berichtet über die von Nordenskjöld 
auf der Insel Seymour gefundenen Tertiärpflanzen. 

Vergl. hierzu Düsen, P.: Die tertiäre Flora der Seymour-Insel. Stock- 
holm 1908. 

Dr. K. Wanderer bespricht 

Steinmann, G.: Die geologischen Grundlagen der Abstammungslehre. 
Leipzig 1908. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky trägt über Edelstein- und 
Steinschleiferei in Amsterdam und Oberstein und die Florentiner 
Mosaikarbeiten vor. 


IY. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 13. Februar 1908. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. Deich mü 11 er. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende bespricht einige neuerschienene Werke: 

Forrer, R.: Reallexikon der prähistorischen, klassischen und frühchrist- 
lichen Altertümer. Mit 3000 Abbild. Berlin und Stuttgart 1907; 

Schlemm, J.: Wörterbuch zur Vorgeschichte. Ein Hilfsmittel beim Studium 
vorgeschichtlicher Altertümer von der paläolithischen Zeit bis zum Anfänge 
der provinzialrömischen Kultur. Mit nahezu 2000 Abbild. Berlin 1908. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen durch zahlreiche 
Lichtbilder erläuterten Vortrag über die Vorgeschichte von Kreta. 


Zweite Sitzung am 9. April 1908. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller. — Anwesend 32 Mitglieder. 

Der Vorsitzende macht auf das soeben erschienene Werk von 

Mortimer, J. R.: Forty years researches in British and Saxon burial 
mounts of East Yorkshire. London, 

und auf den Fund eines diluvialen menschlichen Unterkiefers 
in Mauer bei Heidelberg aufmerksam, 

und legt die Photographie eines Tongefäfses aus einem Urnenfelde 
bei Oschatz vor, welches einem Gefäfse aus Bronze nachgebildet ist. 

Oberlehrer 0. Ebert spricht über Prähistorisches aus Österreich 
auf Grund der bisher erschienenen 

Mitteilungen der prähistorischen Kommission der Kaiserl. Akademie der 
Wissenschaften, Bd. I u. II, No. 1. Wien 1888—1908. 


8 


Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller bespricht neue Erwerbungen der 
Königl. Prähistorischen Sammlung. 

Yorgelegt werden eine Sehnuramphore von Methewitz bei Pegau mit weifs 
ausgefüllten Schnurlinien, ein Schnurbecher von Serkowitz, dessen Verzierungen 
mit roter Masse gefüllt sind, ein Gloekenbecher von Cröbern bei Leipzig, zwei 
bandverzierte Schalen von Geithain und von Dr esden- Oskarstraße, eine Guß - 
form für zwei Sicheln und zwei Pfeilspitzen von Gävernitz bei Grofsenhain, eine 
Reihe von Tonklappern aus sächsischen Urnenfehlern der Bronze- und älteren vor- 
römischen Eisenzeit und von sogen. Räuchergefäfsen, sowie mehrere wohlerhaltene 
slawische Gefäfse aus Sachsen. 


Dritte Sitzung am 18. Juni 1908. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller. — Anwesend 33 Mitglieder. 

Dr. med. W. Krull hält einen Vortrag mit Lichtbildern über Rethra, 
Besiedelungsstätte und Heiligtum der Redarier. 

Der Vorsitzende legt einige neue Erwerbungen der Königl. Prä- 
historischen Sammlung vor: 

ein Gefäfs des Aunetitzer Typus von Wiederau bei Pegau, ein solches 
des Billendorfer Typus mit hochglänzender, schwarzer Oberfläche von Elstra bei 
Kamenz und eine Eisennadel aus einer Urne desselben Typus, deren Kopf mit einem 
Goldplättchen belegt ist, von Radeberg. 


V. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie. 


Erste Sitzung am 6. Februar 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. A. 
Lottermoser. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. # 

Privatdozent Dr. L. Lange hält einen Vortrag über moderne bak- 
teriologische Methodik, erläutert an dem Verfahren des Typhus- 
nachweises, mit zahlreichen Demonstrationen. 


Zweite Sitzung am 2. April 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Lotter- 
moser. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste. 

Dr. med. H. Haenel spricht über das Problem der Vergröfserung 
des Mondes am Horizonte. 

An den Vortrag schliefst sich eine längere Aussprache. 


Dritte Sitzung am 4. Juni 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Lotter- 
moser. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. A. Witting spricht über die Entstehung des Planeten- 
systems. 

Auch dieser Vortrag regt zu einer lebhaften Aussprache an. 


9 


YI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Erste Sitzung am 16. Januar 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. Dr. 
R. Henke. — Anwesend 19 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. M. Krause spricht zur Theorie der Gelenk- 
mechanismen. 

Die Ausführungen des Vortragenden beziehen sich auf die Frage, unter welchen 
Bedingungen ein beweglicher Mechanismus möglich ist, der sich aus 8 geradlinigen 
Stangen folgendermafsen zusammen setzt: Vier Stangen bilden die Seiten eines ebenen 
Vierecks (Gelenkvierecks) ABGD\ die andern vier Stangen gehen von einem Punkt F 
im Innern dieses Vierecks aus und endigen auf den Seiten des letzteren. — Der Vor- 
tragende zeigt, dafs dieses Problem in sehr eleganter Weise analytisch behandelt werden 
kann; es läfst sich zurückführen auf die Untersuchung von 8 quadratischen Gleichungen 
mit derselben Unbekannten, deren Koeffizienten doppeltperiodische Funktionen eines 
Parameters sind, und zwar müssen die 3 Gleichungen für unendlich viele Werte dieses 
Parameters zusammenbestehen. Wird die Untersuchung durchgefühlt, so zeigt sich, dafs 
vier Mechanismen der gewünschten Art möglich sind. 


Zweite Sitzung am 13. Februar 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. 
Dr. R. Henke. — Anwesend 15 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. A. Witting spricht über angenäherte Lösung nume- 
rischer Gleichungen. 

Der Vortragende erläutert nach kurzer historischer Darstellung an mehreren 
typischen Beispielen, wie man durch graphische Behandlung der Annäherungsmethoden 
in elementarer Weise ein Urteil über die Konvergenz oder Divergenz der betrettenden 
Algorithmen erlangt. Zum Schlüsse wird darauf hingewiesen, dafs die bekannten 
Lösungen der Gleichungen 3. und 4. Grades durch den Schnitt zweier Kurven 2. Grades 
passende und mannigfach interessierende Übungsaufgaben darbieten. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger berichtet über die Rohnsche Kon- 
struktion der ebenen Kurve III. Ordnung. 

Es handelt sich um eine von K. Rohn im Jahre 1907 angegebene Konstruktion 
der ebenen Kurve III. Ordnung aus 9 beliebigen Punkten, welche alle bisher bekannten 
an Einfachheit übertrifft. 

Legt man durch einen Punkt 1 einer C 3 die Geraden S 1 und T ± , welche die C 3 
noch in 2 und 3, resp. 4 und 5 schneiden, so lassen sich durch diese Punktpaare un- 
zählige Paare von Kegelschnitten K m , Lm, legen, die sich auf der C 3 schneiden. Aus 
C 3 EE S , . Lm — T 1 . Km EE S t . Ln — T t . Kn = 0 folgt S x . ( Lm — Ln) : T x . {Km — Kn)’, 
daher enthält Lm — Ln den Faktor 1\, und Km — Kn den Faktor S x . Ist Km — K n 
= . Bmn , so ist Lm — Ijh=T 1 . Bmn ; und T t enthalten je zwei Schnitte von Km 

und Kn, bez. Lm und Ln, folglich liegen die andern beiden Schnittpaare auf Bmn. 

Aus 9 gegebenen Schnittpunkten findet man nach Chasles leicht auf linearem 
Wege zweimal 3 Grade £,, S . 2 , S 3 und T 17 T 2 , T 3 , die sich auf der C 3 schneiden, welche nun 
als Glied des Büschels S 1 . . S 3 , T x . T 2 . T 3 durch einen weiteren Punkt P bestimmt 

ist. Man sieht sofort, dafs sich durch P mehr als ein Kegelschnittpaar K L legeii läfst, 
das in Gerade zerfällt; zu einem solchen, K n und L n , gehören z. B. die Geraden P (S x T 2 ) 
und P(S 8 TJ; die zu T 2 .T 3 = Km und S 2 . S 3 = Lm sowie Kn und Ln gehörige Gerade 
Bmn ist durch die Schnitte von P{S 1 T 2 ) mit T 3 und von P{T X S 2 ) mit S . 2 bestimmt; die 
Geraden (S x T 3 ) (B T 2 ) und {T x S 3 ) (B S 2 ) ergänzen Kn und Ln. Die 4 Schnittpunkte 
von K n und L n (zu denen P gehört) liegen auf der C 3 . Man erhält also durch Ziehen 
von nur fünf Geraden drei neue Kurvenpunkte. 


Dritte Sitzung am 12. März 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. Dr. 
R. Henke. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste. 

Die Sitzung findet auf Einladung des Direktors Prof; Dr. P. Schreiber 
in der Königl. Sächs. Landeswetterwarte, Grofse Meifsnerstrafse 15, statt. 


10 


Prof. Dr. P. Schreiber spricht über die Theorie und Praxis der 
Wagemanometer. (Vergl. Abhandlung II.) 


Vierte Sitzung am 14. Mai 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. Dr. 
R. Henke. — Anwesend 12 Mitglieder und Gäste. 

Eisenbahn- Bauinspektor Dr. ing. A. Schreiber spricht über die 
Theorie des Prytzschen Stangenplanimeters. 

Das Stangenplanimeter ist seit Mitte der 90er Jahre in Deutschland bekannt und 
soll zur Berechnung des Inhaltes beliebig begrenzter, ebener Figuren dienen. Es be- 
steht aus einer Stange von konstanter Länge (20 oder 25 cm), an deren einem Ende ein 
Fahrstift angebracht ist, mit dem die geschlossenen Figuren umfahren werden. Das 
andere Ende ist als Messer (Schneide) ausgebildet, so dafs bei einer beliebigen differen- 
tialen Verschiebung des Fahrstiftes das mit der Schneide versehene Ende der Stange 
gezwungen wird, sich in der jeweiligen Stangenrichtung zu verschieben. Wenn man 
dann eine geschlossene Figur umfährt, so erleidet das Stangenplanimeter einen Gesamt- 
ausschlag, d. i. eine Winkelgröfse, die man leicht messen kann, indem man die zugehörige 
Sehnenlänge mittelst des Zirkels bestimmt. Bei geeigneter Wahl des Anfangspunktes 
der Umfahrung (in einem Punkte innerhalb der Figur, möglichst nahe dem Schwerpunkt) 
und der Anfangsrichtung der Stange wird der Flächeninhalt der Figur sehr nahe dar- 
gestellt durch F = a 2 «, wobei a die Stangenlange und a den Ausschlag bedeuten. Die 
erste ausführlichere Abhandlung über das Stangenplanimeter in deutscher Sprache stammt 
von C. Runge, Ztschr. für Vermessungswesen 1895, S. 821. 

Der Vortragende führt eine neue Behandlung des Problems mit Hilfe der Hyperbel- 
funktionen vor und stellt zunächst die zugehörige Differentialgleichung in der Form auf: 
d (4> — 30 — — d 3 (A — B cos — 3]). 

Hierin bedeutet d ^ den Ausschlag, den man erhält, wenn ein differentialer Sektor 
vom Zentriwinkel d 3 und der Länge r umfahren wird. A und B sind Abkürzungen für 

A = &o\ — — ©ilt — i 5 = -Koj- — ©in-- 

a a a ' a a 

Diese Gleichung läfst sich näherungsweise integrieren, wobei 3 von 0 bis 2 tc und <]> 
(d. i. der Richtungswinkel der Stange) von einem Anfangsweite bis ^ + a zu nehmen 
ist. Hierbei ergibt sich, unter welchen Voraussetzungen die obige Gleichung für F 
richtig ist, und wie man insbesondere d» 0 zu wählen hat. 

Die weitere Ausführung der Integration obiger Gleichung zeigt, dafs das Produkt 
a 2 « nicht den Flächeninhalt der umfahrenen ebenen Figur, sondern den einer sphärischen 
Figur angibt, die auf einer mit dem Radius a (Stangenlänge) um den Anfangspunkt 
der Umfahrung geschlagenen Kugel liegt, und deren orthogonale Projektion in die 
Zeichenebene die umfahrene Figur ist. 

Man kann also den wahren Flächeninhalt von Figuren auf der Kugel, die in 
sogenannter orthographischer Projektion gezeichnet sind, bestimmen, wenn man letztere 
mit einem Stangenplanimeter von geeigneter Länge umfährt. 

Näheres hierüber siehe den Aufsatz von A. Schreiber: Zur Theorie des Stangen- 
planimeters. Ztschr. für Vermessungswesen 1908, Heft 20. 


VII. Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 30. Januar 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 149 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende begrüfst die als Gäste erschienenen Mitglieder des 
Sächs. Ingenieur- und Architektenvereins und des Vereins für Erdkunde 
zu Dresden, 

Prof. Dr. K. Schmidt-Basel spricht über die Geologie des Sim- 
plons und des Simplontunnels, 


11 


Im August 1898 waren auf schweizer Seite im Rhonetal bei Brig und gleichzeitig 
auf italienischer Seite bei Iselle im Divedrotal — also in zwei Längstälern der Alpen 
— die Arbeiten an dem Riesenunternehmen in Angriff genommen worden ; am 24. Februar 
1905 konnte der Durchschlag des Tunnels erfolgen. Damit war in 6 7® jähriger Arbeit 
die gröfste Tief bauanlage der Welt geschaffen: ein Stollen von 20 km Länge bei einer 
stellenweisen Tiefe von über 2000 m unter Tag. Im Gegensatz zum Gotthardtunnel, 
der bei einer Länge von 15 km Höhenunterschiede von rund 800 m zu überwinden hat, 
ist der Simplontunnel ein typischer Basistunnel, der vermöge seiner weit tieferen 
Sohle, bei allerdings verlängerter Strecke, die Verbindung der trennenden Schranke auf 
möglichst ebener Strecke erreicht, „un trace de plaine ä travers des Alpes“, der an 
Stelle der bisherigen achtstündigen Postfahrt über den Berg die Fahrt durch das 
Gebirge in 20 Minuten ermöglicht. 

Die Aufgaben, die ein derartiges Unternehmen an die Geologie stellt, sind mannig- 
facher Art; sie bestehen im wesentlichen in der Vorherbestimmung der im Berg zu er- 
wartenden Gestern e, in der Beurteilung der dort auftretenden Wassermengen und der 
in der Tiefe herrschenden Temperaturen, endlich in der Untersuchung über die Stand- 
festigkeit der durchfahrenen Gesteinsschichten. Ausgangspunkt für die Arbeiten des 
Geologen ist die Erforschung der Art, des Alters und der Lagerung der Gesteine auf 
der Oberfläche. In weitem Umkreis werden auf den Höhen der Berge, in den Tiefen 
der Täler, an natürlichen und künstlichen Aufschlüssen, wo immer sich Gelegenheit 
bietet, Beobachtungen in dieser Richtung gesammelt. Ihren Ausdruck findet die Summe 
dieser Beobachtungen in der geologischen Karte, der die möglichst genaue topo- 
graphische Aufnahme als Unterlage dient. Das so gewonnene Oberflächenbild wird 
ergänzt durch Profile, ideale Schnitte durch das Gebirge, die den tatsächlichen oder 
vermutlichen Verlauf der Gesteinsschichten unter der Oberfläche zur Tiefe hin veran- 
schaulichen. 

Im Simplongebiet haben diese Untersuchungsmethoden ergeben, dafs die für den 
Tunnelbau in Frage kommenden Schichten sich ihrem Alter nach in drei Gruppen gliedern 
lassen, von denen sich jede trotz mannigfaltiger Zusammensetzung als einheitliche Bildung 
dokumentiert. In der Reihenfolge ihrer Entstehung treten auf: 

a) Granit- und glimmerschieferähnliche Gneise in mannigfaltigen Zusammen- 
setzungen ihrer Mineralbestandteile. Ihr Alter ist archaeisch; 

b) Marmore, Kalke, Dolomite, Gipse und Anhydrite, Quarzite triadischen 
Alters; 

c) Kalkschiefer, die sog. Bündnerschiefer der Juraformation. 

Nirgends in unserem Gebiet finden sich diese Schichten in ihrer ursprünglichen Ab- 
lagerungsform; in der Tertiärzeit, in welche die Aufrichtung unserer Kettengebirge 
fällt, haben die obengenannten Ablagerungen in grofs er Tiefe einen Faltungsprozefs 
derart durchgemacht, dafs die ursprünglich horizontal gelagerte Schichtendecke durch 
seitlichen Druck zu fünf flachen übereinander liegenden Falten zusammen- 
geschoben wurde. Ihre ursprüngliche Ausdehnung wurde dadurch um das 10— 15 fache 
verkürzt; ihr ursprüngliches Aussehen unter der Druckwirkung in tiefgreifendster Weise 
verändert. 

Das Massiv des Simplons ist also wurzelecht; seine Schichten sind an Ort und 
Stelle entstanden und stellen keine von fern überschobene Decken dar, wie sie 
in anderen Gebieten der Alpen zur Erklärung der Anatomie des Gebirges herangezogen 
werden müssen. 

Die genaueste Kenntnis des geologischen Baues des Gebirges ist Grundbedingung 
für die Beurteilung der im Berginnern zu erwartenden Wasser. Während des Tunnel- 
baues waren drei gröfsere Quellregionen angeschnitten worden, von denen die südlichste 
in der Gneis-, die folgende in der Triaszone und die Hauptquellregion — annähernd in 
der Mitte des Tunnels — in der jurassischen Schieferzone lag. Die Temperaturen dieser 
Quellen schwankten zwischen 10—50° C., ihr Ergufs zwischen 30—1200 sl. Nach der 
Herkunft ihres Wassers gehören diese Quellen zu den vadosen, d. h. sie werden von 
Oberfiächenwassern gespeist und stehen darum in engster Beziehung und proportionalem 
Verhältnis zu den atmosphärischen Niederschlägen. Die Quellen zeichnen sich alle 
durch einen ziemlich hohen Gehalt an Gips aus. Geheimnisvolle Wasser der Tiefe hat 
also der Tunnelbau nicht erschlossen. 

Gleiche Beachtung wie das Wasser beanspruchen bei einer gröfseren Tunnelanlage 
die Temperaturverhältnisse. Als Wärmequelle kommen für die Erde in Betracht die 
Sonne und die gewissermafsen als Residuum seines früheren Zustandes im Innern des 
Planeten aufgespeicherte Eigenwärme. Die auf der Erdoberfläche herrschenden Tem- 
peraturen und Temperaturschwankungen machen sich im Erdinnern nur bis zu einer 


12 


Tiefe von ca. 30 m bemerkbar. Es herrscht an dieser Grenze eine gleichmäfsige Tem- 
peratur, die der mittleren Jahrestemperatur auf der Erdoberfläche entspricht. Für Tiefen, 
wie sie der Simplontunnel erschließt, kommt daher nur die zweite Wärmequelle, die 
Eigenwärme, in Betracht. Je tiefer wir in das Erdinnere eindringen und uns damit 
dem zentralen Wärmeherd nähern, desto höher wird die Temperatur. Der Grad der 
Zunahme ist indessen bei gleichen vertikalen Abständen auch in vollkommen ebenem 
Gelände an verschiedenen Punkten nicht der gleiche; erhöhten Schwankungen ist er in 
einem reich gegliederten Gebirge unterworfen durch den beständigen Wechsel in der 
Mächtigkeit der die Wärme im Innern zurückhaltenden Gebirgsmassen. Von weiterem 
Einflufs für die Temperatur im Berginnern ist die unterschiedliche Leitungsfähigkeit 
der verschiedenen Gesteine, ferner die Art ihrer Lagerung und — als sehr wesentlicher 
Faktor — das Auftreten von Quellen. Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände 
wurde in der für den Tunnel aufgestellten Temperaturkurve eine Maximalwärme von 
53° C. berechnet, der als tatsächlicher Befund eine solche von 56° C. gegenüberstand. 
In erster Linie den Temperaturverhältnissen Rücksicht tragend, war bei der Anlage 
des Tunnels ein zweiter, dem Hauptstollen parallel laufender Stollen vorgesehen, dessen 
Durchführung sich auch in anderer Hinsicht als äufserst zweckmäfsig erwies. 

Im weiteren erwuchs der Geologie die Aufgabe, die im Tunnel durchfahrenen 
Gesteine auf ihre Standfestigkeit zu untersuchen. Man neigt in der Geologie zur An- 
sicht, dafs die Gesteine in sehr grofsen Tiefen (manche angeblich schon um 2500 m) unter 
den gewaltigen Druckverhältnissen aus dem festen Aggregatszustand in einem Zustand 
der Plastizität übergeführt werden müfsten. Es sei vorweggenommen, dafs diese Theorie, 
welche den ganzen Tunnelbau in Frage stellte, durch die tatsächlichen Befunde während 
des Baues keinerlei Stützen gefunden hat. Dagegen kommen als Faktoren, welche die 
Standfestigkeit des Gesteins tatsächlich beeinflussen, der Druck der überlagernden 
Gebirgsmasse, die Art der Schichtenstellung zur Tunnelachse und die ursprüngliche 
Zusammensetzung der Gesteine in Betracht. Während weite Strecken im Tunnel sich 
als absolut standfest erwiesen, waren andere mehr oder minder starken Deformierungen 
unterworfen. Neben untergeordneten Einbrüchen örtlicher Natur in sonst standfestem 
Gestein und Störungen im Bereich der triadischen Anhydrite, hervorgerufen durch Los- 
brechen infolge Wasseraufnahme dieser Gesteine, liefsen sich vor allen zwei Deformierungs- 
arten feststellen. Zunächst sog. „brechendes Gebirge“: durch die Anlage des Stollens 
tritt bei dem bisher unter gleichmäfsigem Druck stehenden Gestein eine einseitige Druck- 
entlastung gegen den Stollen zu ein, deren Folgen sich bei festem, homogenem 
Gestein in schalenförmiger Absplitterung äufsern. Die zweite Art, das „treibende 
Gebirge“, betrifft vorzüglich dünnschieferige Gesteine; auch hier tritt Druck- 
entlastung gegen den Stollen zu ein, wobei die ganze Masse in denselben nachdrängt. 
Durch entsprechende Widerlager konnten diese Stellen genügend gesichert werden, so 
dafs für den Weiterbestand des genialen Baues von dieser Seite keinerlei Gefahr droht. — 

Die vom Vortragenden vorgeführten hervorragenden Bilder und Profile sind dessen 
Werke: „Bild und Bau der Schweizeralpen“, Basel 1907, entnommen. 


Zweite (aufserordentliche) Sitzung am 20. Februar 1908. Vor- 
sitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. — Anwesend 126 Mitglieder und 
Gäste. 

Privatdozent Dr. G. Brion hält einen Experiraentalvortrag über die 
Bindung des atmosphärischen Stickstoffs in elektrischen Gas- 
entladungen. 


Dritte Sitzung am 27. Februar 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Hofrat Prof. H. Engelhardt, 
legt den Kassenabschlufs für 1907 (siehe S. 16) und den Voran- 
schlag für 1908 vor. 

Zu Rechnungsprüfern werden Bildhauer G. Bern köpf und Prof, 
Kl. König gewählt; der Voranschlag wird genehmigt. 


13 


Bezugnehmend auf eine von der Ortsgruppe Leipzig des Deutschen 
Vereins für Schulgesundheitspflege an die Landstände gerichteten Petition 
um Einführung des biologischen Unterrichts an den höheren 
Lehranstalten regt Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude an, dafs auch die 
„Isis“ ihre Beschlüsse in dieser Angelegenheit dem Königl. Ministerium des 
Kultus und öffentlichen Unterrichts und den Landständen in einer Denk- 
schrift unterbreite. 

Oberlehrer Dr. E. Lohrmann und Prof. Dr. A. Witting werden be- 
auftragt, den Entwurf dieser Denkschrift auszuarbeiten und der nächsten 
Hauptversammlung zur Beschlufsfassung vorzulegen. 


Vierte (aufserordentliche) Sitzung am 5. März 1908. Vorsitzender: 
Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 49 Mitglieder. 

Oberlehrer Dr. E. Lohr mann berichtet über die von ihm mit Prof. 
Dr. A. Witting entworfene Denkschrift über den naturwissenschaft- 
lichen Unterricht an den höheren Schulen. 

Nach längerer Aussprache wird beschlossen, diese Denkschrift drucken 
zu lassen (vergl. Abhandlung I) und dem Königl. Ministerium des Kultus und 
öffentlichen Unterrichts, den Mitgliedern beider Ständekammern und den 
Leitungen der höheren Schulen zu überreichen. 


Fünfte Sitzung am 26. März 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 79 Mitglieder und Gäste. 

Gegenstand einer längeren Besprechung ist zunächst die Frage, wie 
von dem Königl. Sächs. Finanzministerium die von demselben heraus- 
gegebenen sächsischen topographischen und anderen Karten für 
Schulen und wissenschaftliche Anstalten zu einem billigen bez. dem 
Selbstkostenpreise zu erlangen seien. 

Nachdem Oberlehrer Dr. J. E. Schöne und Dr. P. Wagner über die 
zu diesem Zwecke unternommenen, bisher aber immer vergeblichen Ver- 
suche berichtet haben, wird auf Vorschlag von Geh. Hofrat Prof. B. Patten- 
hausen beschlossen, gemeinschaftlich mit dem Verein für Erdkunde eine 
Kommission zum Entwurf einer Eingabe zu bilden, in der dem Königl. Sächs. 
Finanzministerium bestimmte Vorschläge zur Erreichung des gedachten 
Zweckes ohne Schädigung des buchhändlerischen Vertriebes gemacht werden 
sollen. 

Seitens der „Isis“ wird Oberlehrer Dr. P. Wagner in diese Kommission 
gewählt. 

Oberlehrer Dr. B. Schorler überreicht im Auftrag des Buchhändlers 
K. Heinrich die in dessen V erlag erschienenen „Beihefte des botanischen 
Zentralblatts“ als Geschenk für die Isis-Bibliothek. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky spricht dann über -Geologie 
und Beginn des organischen Lebens. 

An den Vortrag schliefst sich eine längere Aussprache. 


14 


Sechste Sitzung am 30. April 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 74 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. F. Förster spricht über den elektrischen 
Ofen in der Eisenindustrie, mit Experimenten. 


Siebente Sitzung und Ausflug nach Landberg-Spechtshausen am 
28. Mai 1908. — Zahl der Teilnehmer 25. 

Auf der Wanderung von Klingenberg durch den Grüllenburger Forst nach Spechts- 
hausen werden die Aufschlüsse im dortigen Porphyr und Kugelpechstein besichtigt. 

In einer im Gasthof zu Spechtshausen unter dem Vorsitz von Geh. Hofrat Prof. 
Dr. E. Kalkowsky abgehaltenen Hauptversammlung teilt Hofrat Prof. H. Engelhardt 
mit, dafs die Rechnungsprüfer den Kassenabschlufs für 1907 richtig befunden 
haben, worauf der Kassierer entlastet wird. 

Nach einer Besichtigung der interessanten Überlagerung des Plänersandsteins 
durch Basalt auf dem Landberg wird der Basaltbruch auf dem Asch^hübel und der 
Quadersandsteinbruch am Fufse desselben aufgesucht und dann der ^Rückweg nach 
Tharandt angetreten. 


Achte Sitzung am 25. Juni 1908 (im Königl. Botanischen Garten). 
Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 48 Mit- 
glieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude spricht über Blattform und Vege- 
tationsformation. 

Hieran schliefst sich unter Führung des Vortragenden ein kurzer 
Bundgang durch den Garten. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 


Gestorbene Mitglieder: 

Am 25. Februar 1907 ist in Zürich Dr. Charles Mayer, Professor 
der Paläontologie an der dortigen Universität, korrespondierendes Mitglied 
der „Isis“ seit 1869, gestorben. 


Am 16. Januar 1908 starb Professor Eduard Döll, emer. Realschul- 
direktor in Wien, korrespondierendes Mitglied seit 1864. 

Am 26. Januar 1908 starb in Leipzig Rittergutsbesitzer Dr. jur. Eugen 
Mein er t, wirkliches Mitglied seit 1895. 

Am 3. Mai 1908 starb Professor Albert de Lapparent, Ingenieur 
des mines in Paris, korrespondierendes Mitglied seit 1868. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Brand, Willy, Bildhauer in Tolkewitz, 

Gottlöber, Martin, Bezirkschullehrerin Dresden, 

Kose, Wilhelm, Dr. med., in Dresden, 

Reuter, Am. Klemens, Privatmann in Dresden, 

Richter, Emil, Privatmann in Losch witz, am 30. April 1908; 


am 26. März 1908; 


15 


Sanner, Hugo, Bergrat in Radebeul, 1 07 F v _ 1908 . 

Sauer, Kurt, Realschullehrer in Dresden, J a ’ 

Schneider, Gustav, Dr. phil., Seminaroberlehrer in Loschwitz, am 30. Ja- 
nuar 1908; 

Schöne, J. E., Dr. phil., Seminaroberlehrer in Loschwitz, 1 am 

Zimmer mann, Dr. phil., Chemiker in Dresden, 1 30. April 1908. 


Neu ernannte Ehrenmitglieder: 

Krone, Hermann, Hofrat, Professor a. D.in Laubegast, am 27. Februar 1908; 
Wiesner, Julius, Dr. phil., K. K. Hofrat, Professor an der Universität in 
Wien, am 20. Januar 1908; 

Z sch au, E. Fürchtegott, Professor a. D. in Dresden, am 27. Februar 1908. 


In die korrespondierenden Mitglieder ist übergetreten: 
Wicke, Fritz, Dr. phil., Realschullehrer in Chemnitz. 


Kassenabschlufs der Naturwiss. Gesellschaft ISIS vom Jahre 1907. 

Einnahme. Ansgabe. 


16 


o 

Ph co 


wo \0 CO I I iO WO 

O* CQ 05 I I J> 05 


!DOON(S O O i-H i> 

i oo co co oi o-^coo 

; CO rH rH C0 C0 Ci iO 


• bß 

CD 

'PH 


• PS 


<D 
fl rQ 
<35 f**< 
_-H> CS 
'ä Sh 

h 'O 

bß o Ö 


• Sh 

05 

,r o 

«2 

• fl 

05 

*P 

• bß 


. 05 

P> 

’ 05* 


pj PS s 
H-= .03 O Sh 

rfl 05 ö S 

g Sw --g, 

05 ,fl ö Ph 

rn *h otH |h ® 

^ P5 E£ Ja 

§ bp®ltl 'S 

Ü ÜePts 



'S 
'S 3 
■S| 8 
a t> 0 

S !H 05 
fl(33 Ö2 

fs % 

s«w 


1-1 Ci CO fl WO co 

i> 00 05 


CO 1 1 O 1 IO 

co 

wo O O CO O O 1 OHIO 

?> 

Ph 05 | | H 1 1 fl 

fl 

05 Oi WO CO 1-1 fl 1 CO 00 co 

05 

v00©woflwocoi> 

co 

i-i> 05 cicoooooflr^co 

fl 

<h t— K 5 i> CO fl CO 00 

co 

OA-HrH 05 00 l 0 iHC 0 W 0 

05 

^»oco co 

r— ^ 

WO CO O H fl fl lO 00 00 05 

fl 

Sh« 

\o 

rH WO i— < CO HH « 

05 

i—l 




£061 1 IX *18 nioA 




. san^i ttisp qoho 




• 


£3 

03 


QQ ********"* 


p 


o 


ö 


••••• ••••• 


& 


rH 



.CG 

*53 

l-H 

Sh 

<a> 

Sh 

a> 

Sh 

.05 

*00 

co 

cö 

M 

1S3 

N* 

fl 

fl 

cj 

s 

<X> 

H 

bß 

Sh 

O 

05 

P5 

Sh 

05 

*3 

A 

:<fl 

rfl 

-S 

O 

fl 

«+h 

o 

W 


?- 

o 

05 


a p 

<s .-ä’ 

Sh 


05 

•8 

05 

£ 

N 

M 

05 

,fl 

05-2 

bß3 * 


05 

rfl 

■ 05 


fl 

05 

bß 

I 

05 

> 


fl 

I S 

^ fl 

• Hfl 


.•fl'.'fl fl g 

J5 

Sh 


05 
Sh 

n_! SH ' 05 Sh Sh 05 

'S« 


g> . 

rM 

fl . 

fl 

P . 

•fl bß 

§§ 


Ö 'fl 


Cß 05 

fl 'fl 


■’H * t f— h Q3 — 

CO H <r> sT n 

„ 

fl 2 P 15 03 rH 

IlllllJ 

M^PpdbPtSJ 


bß 

fl fl bJO 
ä3 iR fl &ß 


bß 

s»!|»i!§. 0 

fl'-d S 2 

II " s 

«SS 

M 05 05 05 Hfl .Jh hßjn .fl 05 

S-S'g'S’S* gf.a 8 

W<lPOO ^phojmP^ 


2 1» dü bß+3 *43 rg ^ . w 

fl Gß bß e *H fl . fl 

fl fl 05 *.{3 <£76 § 
<A ™ s4 £ S ^ J§ *3 'S fl 

HH hH ,11 Zl CÖHflfl-fl’fl 05 

a 'S rfl Ph > 

, <3? 


rH Ci C0 fl iC CD i> 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1908. 
















I. Sektion für Zoologie. 


Dritte Sitzung am 1. Oktober 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Jacobi. — Anwesend 19 Mitglieder. 

Der Vorsitzende bespricht folgende Bücher, welche vorgelegt werden: 

Woltereck, R.: Tierische Wanderungen im Meere. Berlin 1908; 

Reuter, O. M.: Die Seele der Tiere im Lichte der Forschung unserer Tage. 

Leipzig 1908; 

H empelmann, F.: Der Frosch. Leipzig 1908; 

Floericke, K.: Jahrbuch der Vogelkunde. Stuttgart 1908. 

Ferner zeigt der Vorsitzende Varietäten zweier deutscher 
Wildarten und knüpft Bemerkungen daran. 

Eine wegen ihrer ungewöhnlichen Gröfse und Färbung vom Erleger für einen 
Bastard vom Hasen und Wildkaninchen gehaltene Jagdbeute erwies sich als ein letzteres 
und zwar jedenfalls als ein der Gefangenschaft entsprungenes sogen. Hasenkaninchen. 
Die zur Erkennung dienenden Unterschiede am Hasen- und Kaninchenschädel werden 
erläutert. 

Eine sehr selten auftretende Abart des Rebhuhns, die sogen. Perdix montana, ist 
in einem ganzen Volke unweit Hainichen vorgekommen und eine erlegte alte Henne dem 
Museum einverleibt worden. 


Yierte Sitzung am 12. November 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Jacobi. — Anwesend 38 Mitglieder. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag über Mies- 
muschelperlen, die in grofser Anzahl vorgelegt werden. 

Derselbe macht weitere interessante Mitteilungen über seinen 
sprechenden Graupapagei, wobei er die Frage erwägt: Spricht der 
Papagei oder plappert er? 


II. Sektion für Botanik. 


Yierte Sitzung am 8. Oktober 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste. 

Bildhauer A. Rehn als Gast der Gesellschaft hat eine Sammlung von 
höchst naturgetreuen Aquarellen heimischer Pilze, etwa 200 Arten, und 
einige ebenfalls vorzügliche Modelle von Pilzen auf den Tischen des 
geologischen Laboratoriums ausgestellt. 

Herr Rehn, dem eine auch in den Lehrerkreisen und unter dem Forstpersonal nicht 
selten verblüffende Unkenntnis unserer bekanntesten Speisepilze aufgefallen ist als eine 
der Abhilfe bedürftige Sache, wünscht „ein wirklich einwandfreies Pilzwerk der Fülle 


20 


der jetzt bestehenden hinzuzufügen. Nicht für die Masse des Volkes soll es berechnet 
sein, sondern als ein bis in die kleinsten Teile treu ausgeführtes Studienwerk gelten, und 
soll in erster Linie den Lehrern als den Beratern des heranwachsenden Geschlechts zur 
Vergleichuug dienen.“ Er denkt sich die Originale im Besitz einer der öffentlichen 
Belehrung allgemein zugänglichen Stelle. Herr Lehn wünscht ein fachmännisches Urteil 
über seine Nachbildungen von der Isis abgegeben zu sehen. 

Diesem Wunsche kommt Lehrer E. Herrmann mit folgendem Gut- 
achten nach: 

,, Vergleicht man die bisher erschienenen Abbildungswerke dieser Art, so zeigt sich 
eine immer fortschreitende Vervollkommnung sowohl im Entwurf, wie auch in der tech- 
nischen Ausführung. Ganz besonders ragten die Abbildungen des Michaelschen Pilz- 
werkes durch naturgetreue und künstlerische Auffassung unter allen übrigen Werken 
hervor, sodafs man meinte, das denkbar Beste auf diesem Gebiete erreicht zu haben. 
Vergleicht man nun mit diesen vorzüglichen Pilztafeln die Naturaufnahmen des Herrn 
Rehn, so ergeben sich folgende Vorzüge. Die Rehnschen Tafeln bringen gröfsere Gruppen 
eines und desselben Pilzes in verschiedenen Entwicklungsstufen vom jugendlichen bis 
zum vollständig ausgebildeten Zustande in seinen verschiedenen Formen und Farben- 
veränderungen. Jeder Pilz ist mit solcher Plastik und farbenkräftiger Wirkung durch- 
gearbeitet, dafs man die lebensvolle Natur vor sich zu haben meint. Ein gut durch- 
geführter Hintergrund weist als landschaftliches Motiv auf den Standort hin und wirkt 
zugleich dekorativ. 

Es sind dies Vorzüge, welche in ihrem Zusammenwirken alle bisher erschienenen 
Abbildungen von Pilzen wesentlich übertreffen und ihre Betrachtung für jeden Fachmann 
zum wahren Genüsse gestalten, jedem Pilzfreunde aber als sicherer Berater dienen 
dürften, wenn nämlich jeder Pilztafel die richtige Benennung beigefügt sein wird.*) Im 
Interesse der Verbreitung der Pilzkenntnis ist nur zu wünschen, dafs sich Mittel und 
Wege finden möchten, das von Herrn Rehn begonnene und noch weiter fortzusetzende 
Werk zu einem Hilfsmittel der öffentlichen Belehrung zu gestalten und es zugänglich 
für den Gebrauch weiter Kreise zu machen. 

Gleiche Anerkennung ist den Pilzmodellen zu zollen. Sie zeigen ebenfalls grofse 
Gruppen in voller Naturtreue, in sorgfältiger Naturbeobachtung und gewissenhafter 
Durcharbeitung bis in die einzelsten Teile, sodafs damit verglichen die bisher erschienenen 
Modelle nur als schematische Darstellungen erscheinen. Würde sich Herr Rehn dazu 
entschliefsen können, die Modelle bei gleicher Naturtreue kleiner und zu mäfsigem Preise 
herzustellen und auf eine passende Auswahl zu beschränken, so wäre die Einführung in 
öffentliche Lehranstalten wesentlich erleichtert.“ 

Darauf hält Prof. Dr. F. Neger einen Vortrag über Ambrosiagallen 
und ihre Pilze, unter Vorführung von Lichtbildern und mikroskopischen 
Präparaten. 

Der Inhalt desselben wird in den Berichten der Deutschen botanischen Gesellschaft 
erscheinen. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude verliest einen für die Tagepresse be- 
stimmten Aufsatz über Darwin und Darwinismus, der eine sachliche 
Beleuchtung eines von Prof. Dr. Dennert jüngst im Vereinshause gehaltenen 
Vortrages ,,Vom Sterbelager des Darwinismus“ bietet. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky wünscht, dafs dieser Aufsatz 
auch in den Isisberichten abgedruckt werde.**) 

*) Dieser Punkt ist von besonderer Bedeutung und Schwierigkeit. Es wurden vor 
kurzem dem botanischen Institut Originalzeichnungen der mitteleuropäischen (Sachsen- 
Koburgischen) Pilze von Gonnermann & Rabenhorst zugesendet, welche wiederum 
zeigten, welche Schwierigkeiten auch Rabenhorst bei der Feststellung des botanischen 
Namens für eine einmal fertiggestellte Tafel gehabt hat. Sicherlich waren einige der 
von Herrn Rehn vorgelegten Aquarellen nach dieser Richtung hin noch kritisch. 

**) Da inzwischen der Beschlufs gefafst ist, im Februar 1909 eine Darwin- Gedenk- 
feier' in der Isis abzuhalten, erübrigt sich die Notwendigkeit, den damals verlesenen 
Text für sich allein zum Abdruck zu bringen. (D. Red.) 


21 


Fünfte Sitzung am 19. November 1908. Vorsitzender: Geb. Hofrat 
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 33 Mitglieder und Gäste. 

Dr. Th. Wolf gibt einen Bericht über seine kürzlich erschienene 
„Monographie der Gattung Potentilla 

Das Selbstreferat über das im XVI. Bande der Bibliotheca Botanica, Stuttgart 1908, 
veröffentlichte umfangreiche Werk, von dem der Verfasser ein Exemplar der botanischen 
Bibliothek der Technischen Hochschule geschenkt hat, ist in Abhandlung VII dieses 
Heftes niedergelegt. 

Ingenieur R. Scheidhauer legt das von ihm in den Weinböhlaer 
Kalkbrüchen gefundene Cylindrothecium concinnum Schpr. ( Enthodon 
orthoccirpus Lindt.) vor. Dieser Fund ist neu für Mittel- und Ostsachsen. 

Das weiter von ihm vorgelegte, mächtig entwickelte Moos Gallier gon 
giganteum Kindb. stammtaus den Wassergräben der Nassen Aue bei 
Meifsen. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude berichtet noch kurz zum Schlufs über 
einen Fund von Selaginella helvetica Link, in der Sächsischen 
Schweiz, den ihm ein Musiker vom Prebischtor, der sich lebhaft für 
Mooskunde interessiert, unter Moosen zusendet ohne genaue Ortsangabe. 
Dieser Fund verdient eine ganz besondere Beachtung. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Vierte Sitzung am 15. Oktober 1908. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende bespricht: 

Voit, F.W.: Ueber die südafrikanischen Diamantenlagerstätten. Zeitschr. f. 
prakt. Geologie XVI, 1908. 

Geh. Hofrat Prof. H. Fischer berichtet unter Vorführung von Licht- 
bildern über die „Opferschüsseln“ im Fichtelgebirge. 

Dr. K. Wanderer bespricht die sächsischen Kreidekrebse und 
erläutert seine Ausführungen ebenfalls durch Lichtbilder. (Vergl. Ab- 
handlung III.) 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag über den 
Korund. 


Fünfte Sitzung am 3. Dezember 1908. Vorsitzender: Oberlehrer 
Dr. P. Wagner. — Anwesend 78 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Hang, E.: Traite de geologie I. Les phenomenes geologiques. Paris 1908. 

Prof. Dr. E. Plibsch-Tetschen hält einen längeren Vortrag über den 
geologischen Aufbau des Böhmischen Mittelgebirges. 


22 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Vierte Sitzung am 5. November 1908. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. Deichmüller. — Anwesend 32 Mitglieder. 

Direktor H. Döring legt neue vorgeschichtliche Funde aus 
Sachsen vor, darunter zahlreiche Reste slawischer Gefäfse aus einem der 
Schrebergärten an der Lukaskirche in Dresden. 

Hiernach bespricht derselbe zwei Schriften von 

Wilke, Gr.: Archäologische Parallelen aus dem Kaukasus und den unteren 
Donauländern. Zeitschr. f. Ethnolog. 1904, Heftl; 

Wilke, Gr.: Vorgeschichtliche Beziehungen zwischen Kaukasus und dem 
unteren Donaugebiete ; ein Beitrag zum Arierproblem. Mitteil, anthrop. 
Ges. Wien XXXVIII, 1908. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Schliz, A.: Der schnurkeramische Kulturkreis und seine Stellung zu den 
anderen neolithischen Kulturformen in Südwest-Deutschland. Zeitschr. 
f. Ethnolog. 1906, Heft 8; 

Meiche, A.: Die Oberlausitzer Grenzurkunde v. J. 1241 und die Burgwarde 
Ostrusna, Trebista und Godobi. Neues Lausitz. Magazin, Bd. 84. 

Oberlehrer 0. Ebert spricht über die Untersuchungen der Einhorn- 
höhle bei Scharzfeld am Südwestrande des Harzes, auf Grund der 
Schriften von 

Struckmann, C.: Einhornhöhle bei Scharzfeld am Harz. Archiv f. Anthrop., 
Bd. XIV u. XV, und von 

Wind hausen, A. u. Hahne, H : Die Einhornhöhle bei Scharzfeld am 
Harz. Jahrbch. d. Provinz.-Mus. Hannover 1908. 

Lehrer H. Ludwig berichtet über die Auffindung von Herdgruben 
bei Kötitz und über ein Steingerät aus einer Sandgrube bei Gommern 
am Lug türm. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller macht Mitteilungen über die Fort- 
schritte der Inventarisierung der vorgeschichtlichen Altertümer, 
unter Vorlage einer Anzahl von Blättern des Kgl. Archivs vorgeschichtlicher 
Funde aus Sachsen, und 

legt zum Schlufs einen grofsen, bei der Anlage einer Klärgrube in 
der Flur Dresden-Kaditz gefundenen Steinhammer vor. 


V. Sektion für Physik und Chemie. 


Vierte Sitzung am 22 . Oktober 1908. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Lottermoser. — Anwesend gegen 100 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. R. Luther hält einen Vortrag über die Nutzbarmachung 
der Sonnenenergie. 

An der an den Vortrag sich anschliefsenden Aussprache beteiligen sich 
Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Hallwachs und der Vortragende. 


23 


YI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Fünft© Sitzung am 9. Juli 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. Dr. 
R. Henke. — Anwesend 12 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über autopolare 
Kegelschnitte. 

Ein Kegelschnitt A ist einem andern B autopolar, wenn allen Punkten von A 
Polaren, in Beziehung auf B , zugeordnet sind, welche A berühren. A und B stehen 
hierbei im Doppelkontakt, und zwar ist die Berührung eine äufsere. Von beiden Kurven 
mufs eine immer eine Hyperbel sein, wenn sie nicht gerade beide Parabeln sind. Man 
kann nun A und B zentrisch so projizieren, dafs eine Ellipse und eine Hyperbel ent- 
stehen, die sich in den Scheiteln berühren und die aufserdem gleiche Achsen haben. In 
diesem besonderen Fall ergibt sich — und es überträgt sich dann ohne weiteres auf den 
allgemeinen — die Reziprozität von A und B. Beide sind einander autopolar. 
Jede durch den Schnittpunkt der gemeinsamen Tangenten gehende Sekante trifft den 
Kegelschnitt in einem Pol und dem Berührungspunkte seiner Polaren. Man kann nun 
das Dreieck der gemeinsamen Tangenten und der Berührungssehne als Koordinaten- 
Dreieck zugrunde legen und erhält dann für die Gleichungen der beiden Kegelschnitte 
z* = + 4 X x y. Hieraus ergibt sich, dafs die Zentrale beider von der Mitte und dem 
Pol der Berührungssehne harmonisch geteilt wird. Ist daher der eine Kegelschnitt und 
die Berührungssehne gegeben, so kann man leicht den zugehörigen autopolaren finden. 
Wenn der gegebene Kegelschnitt eine Hyperbel ist, so entsprechen allen Sehnen, welche 
die konjugierte Hyperbel schneiden, berühren, verfehlen, resp. autopolare Hyperbeln, 
Parabeln, Ellipsen. Von den vier Ästen zweier autopolarer Hyperbeln berühren sich 
drei, der vierte ist isoliert. Ist die eine autopolare Kurve eine Parabel, so liegt der 
Mittelpunkt der andern auf ihr. Zwei autopolare Parabeln berühren sich von aufsen, 
haben parallele Achsen und gleiche Parameter. Was den Kreis anbelangt, so ist zu 
bemerken, dafs die spitzwinklige Hyperbel zwei autopolare gleiche Kreise besitzt. Deren 
Radius ist r = a 2 :b. Für die Zentrale c gilt die Gleichung c 2 = r 2 — 6 2 . Die gleich- 
seitige Hyperbel hat einen, die stumpfwinklige keinen autopolaren Kreis. Durch Parallel- 
projektion der Hyperbel mit Kreis kann man die Aufgabe lösen, zwei durch die Längen 
der Achsen gegebene Kegelschnitte in autopolare Lage zu bringen. Endlich sei noch 
auf die Aufgabe hingewiesen, aus den allgemeinen Gleichungen zweier Kegelschnitte die 
drei Bedingungsgleichungen ihrer Autopolarität zu finden. 


Sechste Sitzung am 8. Oktober 1908. Vorsitzender: Rektor Prof. 
Dr. R. Henke. — Anwesend 8 Mitglieder. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger spricht über Taylor in Prima. 

Die Freunde entschiedener Reform führen ihre Schüler nicht blofs an die Pforten 
der Infinitesimalrechnung, sondern hinein in ihren elementaren Teil. Die einfacheren 
unendlichen Potenzreihen bilden einen wesentlichen Teil des mathematischen Unterrichts 
der Mittelschulen, daher kommt das Bestreben, die Taylorsche Reihe im Unterrichte als 
Schlufs der Differentialrechnung zu behandeln. Dem steht die Meinung entgegen, dafs 
eine exakte Behandlung an Zeit und Kraft der Schüler zu hohe Ansprüche stellt. Dazu 
ist zu bemerken, dafs auch die Behandlung der Reihen ohne Differentialrechnung die 
Schüler stark in Anspruch nimmt, hauptsächlich aber, dafs der Einwand auf nicht richtiger 
Fragestellung beruht. Die Schule ist an vielen Stellen nicht imstande, den Anforderungen 
strenger Wissenschaftlichkeit zu genügen, sondern mufs sich begnügen, wenn das von 
ihr Gebotene von der wissenschaftlichen Kritik als eben noch zulässig befunden wird. 

So ist auch betreffs des Taylorschen Satzes die Frage so zu stellen: Gibt es eine 
Ableitung, die für die Schüler nicht zu schwer und wissenschaftlich eben 
noch zulässig ist? Dies ist zu bejahen, wie folgende Ableitungen zeigen. _ 

Voraussetzungen sind: der binomische Satz für natürliche Exponenten, die unend- 
liche geometrische Reihe, die Exponentialreihe (nach Baltzer, Elemente der Mathematik), 
letztere, um den Schülern diese sehr durchsichtige Ableitung nicht vorzuenthalten und 

um für die Differentialrechnung die unbequeme Ermittelung von lim^l zu 

umgehen. Dann folgt die Differentialrechnung mit dem Mittelwertsatze. Hierauf 


24 


die Frage, ob auch andere Funktionen als 1 : (1 — x) und e* in Potenzreihen entwickelt 
werden können. Dann unter der Voraussetzung, dafs die Entwickelung innerhalb einer 
gewissen Giltigkeitsstrecke möglich ist, die Ableitung der Taylorschen Reihe nach der 
Methode der unbestimmten Koeffizienten. Zur Entscheidung über die Giltigkeit bieten 
sich drei Wege, keiner zu schwer für den Unterricht. 

1. Weg. Für die Funktion 


ist 


F (x) = f (sc) — f (0) — x . f' (0) — • • • — x n 

F'(x) = f'(x)-f'(0)-x.f" (0)- 

F" (x) = f" (x) - f" (0) — x . ?” (0) 


f(n) (Q) 
n ! 


und daher 


F( n ) (x) = f( n ) (x) — f( n ) (0) 

F(n + 1) ( x ) — f(n + l)(aj) 


F' (0) = F" (0) = • • • = F(n) (0) == 0. 

Jede so gebildete Funktion F hat hiernach die Eigenschaft, dafs sie selbst nebst ihren 
ersten n Differentialquotienten für x = 0 verschwindet, während die folgenden mit denen 
der Funktion f übereinstimmen. Fügt man die Bedingung hinzu, dafs die Funktion fix) 
und alle ihre Differentialquotienten von 0 bis x endlich und stetig sind, so gilt dasselbe 
von F. Bildet man die Funktion 

H(z) = x n + 1 . F(z) — F(x) .z n + 1, 
worin x gegeben, z veränderlich ist, so wird 

H f (z) — x n + J- . F' (z) — (n + 1) . F(x ) . z n , 

also endlich und stetig für die Strecke 0 bis x; daher ist nach dem Mittelwertsatze 
H (x) = H (0) + \x n + 1 . F' (£,) — (n -J- 1) . F(x ) . . x, O^^^x. 

Da nun H (0) .= H (x) = 0, so folgt 

F(x)_ F'(Q 

l 


X n + 1 

Wiederholte Anwendung führt auf 

F(x)_ F’ (CG _ F" (£ 2 ) _ 


2T(« + !)'(£)■ 


x n + 1 in -j- 1) Ci w (n 4~ 1 ) n • K,i n ~~ 1 (w + 1)! 

wobei alle die ^ £ 9 . . . £ zwischen 0 und x liegen. Daher folgt 


f(n + l) (£) 

(n + Dl’ 


f(x) = f (0) + os 


f (0) 


4 b xn 


f( n ) (0) 


j- xn 


ft w+l )(£) 


1 ! ' 1 n! 1 ~ [n + 1) ! 

Keine der hier verwendeten Schlufsfolgerungen ist zu schwer für mathematisch 
geübte Oberprimaner, auch das Ganze hinlänglich durchsichtig und bündig. Dasselbe 
gilt von dem in den meisten Kompendien enthaltenen 
2. Weg. Die Funktion 

1 

ergibt 

F'(z) = f'(z) +^ 


f"(ß) + ---4- 


-rw- 

(x — z) n 




n\ 

{x—zy — 1 


f(n)(z) 


1! 

fi n + B (z) 


f"(z)~ 


2! 
(x - 


*) 9 


2! 




(n — 1 )! 

(x — z) n - 

in — 1) ! 


,^’V o, + !)(*) 


f(n)iz) 


Wenn f, f r , f”, ... f(n + i) endlich und stetig sind für £ = 0 bis z = x , so gilt dasselbe 
von F {. z ) und F' iz), und man hat nach dem Mittelwertsatze 

F ix) = F(0) + — /> + U (£) . x • 

Ist X ein echter Bruch, so kann man £ = Xa; setzen und hat 

(# — £)» = sc» (1 — X) w ; 

da ferner F{x) = fix\ so folgt 

(«) = m + « • ^ + -+*■• + + « » 


n\ 


(» + !)! 


25 


3. Weg. Unter der Voraussetzung, dafs f(x) und f'{x) von x bis x + § endlich 
und stetig sind, ist die Uleichung 

f(aj + S) = f(aj) + ff . f'(x) 

um so genauer richtig, je kleiner § ist; unter den entsprechenden Voraussetzungen er- 
gibt sich hieraus 

f (x + 2 8) = f (x + §) -f 8 . f (x + 8) 

= {f(x) + S.f (*)} + 8 {f (x) + 8 . f" (*)} 

= f(ps) + Z8.f' (a) + 8 *.f"(x). 

Durch den Schlufs von k auf k + i erhält man 

f(x + nS )=f(x)+ (») fix) .«■(*) f" ix) . S 2 H + F) f(«Hx) . 8» . 

Nimmt man n unendlich und nd gleich einer endlichen Zahl h, so ist, unter der Voraus- 
setzung, dafs f 1 f'i f", . . . für die Strecke x bis x -\-h stetig und endlich sind, 

f(x + h) = lim {ft«) + I (») f (x).h + i (») f" («?).»•+•••}. 

Für jedes 7c, für das lim k\n = 0, hat man 

^©“«■ÜO-OO-D-O-^K- 


lim 

Für jedes gröfsere Je ist 


lim 




nk 


folglich 


lim Ip © w*) ■ hl + pU G© f(t+1) w • ^ + 1 + • • • } 


!/•(*=)(*), f9 + . 

i - jn _w + i*+ijr w+ + 


} 


Nach der Voraussetzung sind f(&), fU + i), ... alle endlich; ist M der gröfste innerhalb 
der Strecke von x bis x-\-h vorkommende Wert, so ist 


P 


h , P 


ir** + <4 {f! + '"} 

Da man immer h <Z k voraussetzen kann, so hat man schliefslich 


fc! ( X 4 Je 7c 2 


/W (x) 


P 


■ p 
IM * in 


7c 


fc! " 7c! fc + fe 

Wächst 7c ins Unendliche, so enthält der Bruch 

Ink h ln h h 

‘ 2*3 ¥ 

höchstens eine beschränkte Anzahl von Faktoren, die gröfser als 1 sind, neben unendlich 
vielen echt gebrochenen, die zur Grenze Null abnehmen; folglich 


und daher 


lim ^¥i( 1 + l + "') =0 ’ 


f(x + h) = f.(x)-\- 


f (afl 

1! 


7^-1 


r o*o 

2! 


P 


giltig, wenn f, f, f", jf 7 ", .... innerhalb der Strecke von x bis x + h stetig sind. 

Auch diese Ableitung macht keine zu weitgehenden Ansprüche an die Schüler und 
dürfte wissenschaftlich zulässig sein. Sie zeichnet sich vor den andern dadurch aus, 
dafs die Untersuchung des Restgliedes wegfällt. 

Bei den Anwendungen machen sin x und cos x keine Schwierigkeiten. Mehr Um- 
stände macht ( l-\-x) m , doch müssen diese in gleicherweise überwunden werden, wenn 
man (l-\-x) m ohne Differentialrechnung aus den Funktionaleigenschaften der Reihe ab- 
leitet. Für arctan x und arcsin X, die man gern entwickeln wird, um Reihen für tc zu 
erhalten, wird es zulässig sein, von 

d arctan x _ . , 

= =1 — X 2 -F £C 4 — 

d x 

d arcsin x 
d x 



auszugehen. — ■ 


26 


In der lebhaften Diskussion wird von einer Seite bei der 3. Ableitung der doppelte 
Grenzübergang (lim 8 = 0 und lim n = 00) bemängelt, von anderer Seite die Vermeidung 
der Restglieduntersuchung für einen Vorzug erklärt. Das Vorausschicken der Exponential- 
reihe wird für unnötig gehalten. Auch wird auf die Verhandlungen hingewiesen, die in 
diesen Tagen an anderen Stellen über denselben Gegenstand stattgefunden haben. 


Siebente Sitzung am 10. Dezember 1908. Vorsitzender: Rektor 
Prof. Dr. R. Henke. — Anwesend 19 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. M. Disteli spricht über das Hookesche Gelenk. 

Das genannte Gelenk dient zur Übertragung der Drehbewegung einer Achse Oj 
auf eine diese schneidende Achse 0 2 , die mit jener einen stumpfen, aber veränderlichen 
Winkel 180° — 2s bildet, und besteht im wesentlichen aus einem starren rechtwinkligen 
Achsenkreuz, dessen Endpunkte gelenkartig durch Gabeln mit den Achsen verbunden 
sind. Sind A und B die Durchstofspunkte der Stäbe des Kreuzes mit der um seinen 
festen Mittelpunkt beschriebenen Einheitskugel, so läfst sich die Bewegung des Gelenks 
dadurch beschreiben, dafs die Punkte A und B auf zwei Grofskreisen laufen, deren Ebenen 
auf den Achsen Oj und 0 2 rechtwinklig stehen und daher den spitzen Winkel 2 e ein- 
schliefsen, während der Bogen A B selbst ein Viertel sgrofskr eis ist. 

Ist 0 der Schnittpunkt der beiden Grofskreise, und werden A und B bestimmt 
durch ihre sphärischen Abstände Sr und y) von 0, so genügen diese der Bedingung 

COS 2 £ = — COtg $ . COtg Y), 

und es besteht daher zwischen den Winkelgeschwindigkeiten der Achsen die Beziehung 

coj _ Sr' _ sin 2_3; 
to 2 ~ yj' sin 2 r\ 

also 

Wj cos2e 

w 2 1 — sin 2 2 £ sin 2 Sr 

Kinematisch vollzieht sich diese sphärische Bewegung durch Abrollen des beweglichen 
Polkegels B auf dem festen Polkegel F. Bei zweckmäfsiger Wahl der Achsen xyz 
des festen und x' y ' des beweglichen Systems lassen sich die Koordinaten des Kegels 
B darstellen durch die Proportionen 

x ' : y r : z f = cos y) : cos Sr : cotg 2e, 
die Koordinaten des festen Kegels F durch die Proportionen 

x : y : « = cos S cos „ : si n <S + ,) : sin (S - v,). 

Der bewegliche Kegel ist vom vierten, der feste vom zweiten Grade und es rollt der 
bewegliche zweimal auf dem festen ab, bis die Anfangslage wieder erreicht ist. 

Nebst der Anwendung des Gelenks zur Herstellung von Sonnenuhren wurden 
namentlich noch Kombinationen mehrerer Gelenke betrachtet, deren Achsen in einer 
Ebene liegen, insbesondere eine solche Anordnung von 2 Gelenken mit 3 Achsen, für 
welche die Winkelgeschwindigkeit der dritten (getriebenen) Achse gleich derjenigen der 
ersten (treibenden) Achse ist. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister macht kleinere Mittei- 
lungen, homogene Koordinaten betreffend. 

Die analytische Darstellung einer C 2 in homogenen Koordinaten wird bekanntlich 
besonders einfach, wenn ein Polardreieck dieser Kurve als Fundamentaldreieck benutzt 
wird; die Gleichung derselben enthält alsdann nur noch die 3 rein quadratischen Glieder, 
während die 3 gemischt quadratischen Glieder wegfallen. Der Vortragende zeigt einen 
Weg, auf welchem dieser Satz, der gewöhnlich deduktiv bewiesen wird, induktiv ge- 
funden werden kann. Man geht hierbei von dem speziellen Fall aUs, wo eine der 3 Ecken 
des betreffenden Polardreiecks mit einem Brennpunkte der Kurve zusammenfällt und 
stellt die Gleichung der letzteren in bezug auf dieses spezielle Fundamentaldreieck auf, 
zuerst in Abstandskoordinaten 2/j : 2/ a I «/ 3 , dann in Flächenkoordinaten x x : x 2 : x 3 ; die 
letztere Gleichung kann 


27 


±l_ _j_ ±2 |_ 


m o 


± 5 . =0 


geschrieben werden, wobei m x : m 2 : m 3 die Koordinaten des Mittelpunktes der Kurve sind. 
Auf diesen speziellen Fall aber kann der allgemeine zurückgeführt werden durch das 
Verfahren der Parallelprojektion, da die Verhältnisse der homogenen Koordinaten 
x x : x 2 : x 3 — als Flächenverhältnisse — bei Parallelprojektion ungeändert bleiben. 


VII. Hauptversammlungen. 


Neunte Sitzung am 29. Oktober 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 59 Mitglieder. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude berichtet über die Tätigkeit des jetzt 
in vollendeterer Form gebildeten Landesvereins zur Pflege heimatlicher 
Natur, Kunst und Bauweise „Sächsischer Heimatschutz“, über dessen 
für die Zukunft geplante Arbeiten, u. a. die Herausgabe eines Merkbuchs 
der sächsischen Naturdenkmäler und einer Zeitschrift und die Erwerbung 
von Reservaten, und über die Erlangung eines staatlichen Zuschusses für 
die Zwecke des Vereins. 

Regierungsrat Prof. Dr. P. Schreiber spricht über die wissenschaft- 
lichen Aufgaben der Luftballonfahrten. 

Geh. Hofrat Prof. B. Pattenhausen erwähnt einen interessanten Ver- 
such Assmanns mit dem Aspirationsthermometer. 


Zehnte Sitzung am 26. November 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 100 Mitglieder und Gäste. 

Nach der Neuwahl der Beamten für 1909, deren Ergebnis auf 
S. 32 zusammengestellt ist, berichtet 

Oberlehrer Dr. P. Wagner über die von der Kommission (s. Sitzungs- 
berichte 1908, S. 13) eingeleiteten Schritte zur Verbilligung der vom 
•Kgl. Finanzministerium herausgegebenen Karten und teilt den Ent- 
wurf einer an das Kgl. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unter- 
richts zu richtenden Eingabe mit, die in nachstehender Form von der 
Hauptversammlung genehmigt wird. 


Dresden, am 20. Dezember 1908. 


An 

das Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts. 


Verbilligung der Mefstischblätter 
1 : 25000 betreffend. 

Es ist eine Hauptforderung des erdkundlichen wie naturwissenschaftlichen Unter- 
richts, eine auf unmittelbare Anschauung gegründete Kenntnis der Heimat zu vermitteln. 
Klassenausflüge und Einzelwanderungen müssen in den Dienst der Schule treten. Dazu 
ist aber unerläfslich , dafs der Schüler mit dem Gebrauch der Karte vertraut gemacht 
wird. Die Erfahrung lehrt, dafs in den breiten Volksmassen die Fähigkeit, Karten zu 
lesen, au iser ordentlich gering ist. Die grofse Menge ist schon zufrieden, wenn sie sieh 
mit Hilfe einer Karte über einzuschlagende Wege zu orientieren vermag. Den drei- 
dimensionalen Charakter eines Stückes der Erdoberfläche auf Grund einer Karten- 


28 


Betrachtung genau zu erkennen, ist nur wenigen möglich. Und trotzdem ist die Fähigkeit, 
Karten in dieser Weise lesen zu können, von ungemeinem Bildungswert in formalem 
wie materiellem Sinne. In militärischen Kreisen ist man sich darüber einig, dafs Ge- 
ländestudien, wie sie jetzt für die Zwecke der Kriegsbereitschaft von jedem einzelnen 
Soldaten betrieben werden müssen, viel weniger auf Schwierigkeiten stofsen würden, 
wenn die Schule darin tüchtig Vorarbeiten könnte. 

Aus dem Gefühl für den grofsen Wert solcher Kartenstudien heraus, bei denen 
kartographische Darstellung und Wirklichkeit fortwährend hinsichtlich ihrer Über- 
einstimmung verglichen werden können, ist in schulgeographischen Kreisen öfters die 
Frage nach der Herstellung guter, den dreidimensionalen Charakter der Erdoberfläche 
darstellender Heimatkarten erwogen worden. Die Lösung dieser Frage ist aber mehr 
oder weniger immer daran gescheitert, dafs die unverhältnismäfsig hohen Herstellungs- 
kosten in kein rechtes Verhältnis zu bringen waren zu dem zu erwartenden Absatz 
solcher Karten. 

Deshalb ist schon mehrfach von berufener Seite, ganz besonders aber vom Deutschen 
Geographentag der Wunsch ausgesprochen worden, die bedeutungsvolle Kulturarbeit, die 
der Staat durch seine systematischen Landesaufnahmen und durch die Herausgabe 
offizieller Kartenwerke leistet, in den Dienst der Schule stellen zu können. Insbesondere 
ist das Bestreben der dafür interessierten Kreise darauf gerichtet gewesen, die Mefstisch- 
blätter 1:25000 wegen ihres grofsen Mafsstabes im Verein mit der Kleinheit der jedes- 
mal dargestellten Fläche, sowie infolge der Einfachheit der angewendeten Signaturen 
für Schulz wecke nutzbar zu machen. Hindernd stand aber einer allgemeinen Verwendung 
in der Schule bisher der hohe Preis dieser Blätter im Wege. 

Es mufs nun allerdings zugegeben werden, dafs bei der jetzigen Höhe der jedes- 
maligen Auflage und bei der Art der angewandten Technik in der Herstellung der 
einzelnen Mefstischblätter eine billigere Abgabe derselben kaum möglich ist. Abgesehen 
von den enormen Kosten, die schon der vorbereitenden Landesaufnahme erwachsen, be- 
trägt der Selbstkostenpreis für ein dreifarbig gedrucktes Mefstischblatt ca. 1 Mk., und 
auch bei starker Erhöhung der Auflage läfst sich kaum eine wesentliche Verbilligung 
bei Anwendung der bisherigen Technik ermöglichen. Es ist daher nicht zu verwundern, 
dafs das Königlich Sächsische Finanzministerium bisher Bedenken getragen hat, dem 
Wunsche auf Verbilligung der Mefstischblätter für Schulzwecke Rechnung zu tragen. 

Die Unterzeichneten Vereinigungen sind aber der Ansicht, dafs die Herstellungs- 
kosten für Mefstischblätter zum Schulgebrauche wesentlich herabgesetzt werden könnten, 
wenn sich das Finanzministerium entschliefsen wollte, dreifarbige Umdrucke her- 
stellen zu lassen. Der Gebrauchswert derselben ist, wie eine genaue, mit der Lupe 
ausgeführte Prüfung ergeben hat, dem der Originalkarten durchaus gleich. Nach In- 
formationen an kompetenter Stelle würde sich die Herstellung eines dreifarbigen Um- 
druckblattes wie folgt bewerkstelligen lassen: 

bei einer Auflage von 300 Blatt 51 Pf., 

>5 » » 500 „ 43 „ 

„ „ „ „ 1000 „ 37 „ 

„ „ „ „ 3000 „ 33 „ usw. 

Die Gefahr, dafs bei der Abgabe von billigen Umdruckkarten der geringe Absatz 
der Originalkarten noch tiefer sinken könnte, als bisher, ist zwar vorhanden, erscheint 
aber angesichts der enormen Kulturvorteile, die bei Beschreitung des vorgeschlagenen 
Weges erreicht werden könnten, belanglos, beträgt doch der Überschufs über die Her- 
stellungskosten an dem jedesmaligem Vertrieb pro Sektion und pro Auflage, die Ver- 
triebsspesen und die Buchhändlergewinne noch gar nicht abgezogen, kaum 150 Mk. 
Übrigens läfst sich dieser Gefahr dadurch etwas begegnen, dafs der Verkauf solcher 
Umdrucke für die Schule in ähnlicher Weise wie in Preufsen geregelt werden könnte. 
Nicht unwahrscheinlich ist ferner, dafs der Verkauf der Mefstischblätter sich im all- 
gemeinen heben wird, wenn erst durch die Schule ein gröfseres Verständnis und eine 
höhere Wertschätzung lür das offizielle Kartenwerk erzeugt sein wird. 

Die zu erwartende Absatzhöhe der vorgeschlagenen Umdruckkarten wird selbst- 
verständlich je nach der Anzahl der beteiligten Lehranstalten sehr verschieden sein. 
Es würde sich empfehlen, wenn das Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen 
Unterrichts sich entschliefsen wollte, einerseits die Anwendung von Mefstischblättern 
für den Unterricht nachdrücklich zu empfehlen, andererseits aber darüber Erhebungen 
anzustellen, wie viele Exemplare von jeder einzelnen Sektion etwa jährlich gebraucht 
werden würden. 


29 


Die Bitte der Unterzeichneten Vereinigungen, deren auf Verbilligung der Mefstisch- 
biätter gerichtete Bestrebungen auch vom Professorenkollegium der Technischen Hoch- 
schule zu Dresden für Unterrichts- und Übungszwecke, besonders in den Fächern 
Geographie, Geodäsie, Geologie, Eisenbahn- und Wasserbau geteilt werden (Sitzung 
vom 2. Dezember 1908;, geht deshalb dahin: 

das Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts wolle im 
Hinblick auf den grofsen unterrichtlichen und kulturellen Wert der Mefstisch- 
blätter 1 : 25000 

1. bei dem Königlichen Finanzministerium auf eine billige Ausgabe von 
Umdruckexemplaren für Lehrzwecke hinwirken, 

2 durch eine allgemeine Empfehlung der Karte als Lehrmittel für die 
Hand der Schüler deren gröfseren Absatz herbeiführen helfen und 
3. Erhebungen darüber veranstalten, wie grofs sich etwa der jährliche 
Bedarf pro Sektion gestalten wird. 

Einer geneigten Unterstützung ihrer Bestrebung entgegensehend verharren 

Verein für Erdkunde Gesellschaft für Naturkunde 

zu Dresden. „Isis“. 

Geographischer Verein 
zu Freiberg. 

Vereinigung von Lehrern an städtischen Sächsischer 

höheren Schulen Dresdens. Lehrer -Verein. 


Anlage. 

Bisher gewährte Preisermäfsigungen: 

Preufsen: Geologische Spezialkarte 1:25000 1 Mk. (statt 2 Mk.). 

Bayern: Lithographische Positionsblätter 1:25000 0,50— 0,60 Mk. (1 Mk.). 

Blaukopien der noch nicht veröffentlichten Positionsblätter 0,50 Mk. (1 Mk.). 
Ebenso alle übrigen Kartenwerke mit 30—50 °/ 0 Ermäfsigung. 
Württemberg: Höhenkurvenkarte 1 :25000, dreifach Kupferstich 0,40—1 Mk. (1,50 Mk.). 

Topographische Karte 1:50000, schwarzer Steindruck 0,25—0,50 Mk. (0,75 Mk.). 
Geologische Spezialkarte 1 : 25 000 2 Mk. (2,50 Mk.). 

Geognostische Spezialkarte 1:50000 1 — 1,50 Mk. (2 Mk.). 


Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Hempel hält einen Experimentalvortrag 
über die Bekämpfung der Feuersgefahr. 


Elfte Sitzung am 17. Dezember 1908. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. 

Die Hauptversammlung genehmigt die von der Sektion für Physik, 
Chemie und Physiologie beschlossene Namensänderung in ,, Sektion für 
Physik und Chemie“. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude legt die 

Mitteilungen des Bundes Heimatschutz, 4. Jahrg. 1908, Nr. 1 — 3; 
Mitteilungen des Sächsischen Heimatschutz, Landesverein für Pflege 
heimatlicher Natur, Kunst und Bauweise, 1908, Heft 1 — 3 

vor und teilt als erfreuliches Ergebnis der Bestrebungen des Bundes die 
Sicherung der Bo sei bei Meifsen durch Ankauf eines Grundstücks auf 
derselben für 1200 Mk. mit. 


BO 


Prof. Dr. A. Witting hält einen Yortrag über einige Zusammen- 
hänge der höheren Mathematik mit der elementaren. (Ver gl. Ab- 
handlung VI.) 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky spricht über europäische Ent- 
fernungen. (Yergl. Abhandlung V.) 

Hieran schliefst sich eine längere Aussprache. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 21. Mai 1908 starb Spiridion Brusina, Professor an der Uni- 
versität und Direktor des zoologischen Museums in Agram, korrespon- 
dierendes Mitglied seit 1870. 

Am 15. Juli 1908 starb in Serkowitz Prof. Dr. Moritz Pabst, früher 
Konrektor am Realgymnasium in Chemnitz, korrespondierendes Mitglied 
seit 1866. 

Am 23. August 1908 starb in Dresden der Chemiker Dr. Johannes 
Weifsbach, wirkliches Mitglied seit 1903. 

Am 21. September 1908 ist in Gotha der Kustos der dortigen natur- 
historischen Sammlungen Dr. Wilhelm Pabst, Oberlehrer am Gymnasium 
Ernestinum, korrespondierendes Mitglied seit 1881, gestorben. 

Am 11. Oktober 1908 verschied Oberfinanzrat Franz Nowotny in 
Dresden, wirkliches Mitglied seit 1870. 

Am 15. November 1908 starb Professor a. D. Dr. Heinrich Hirzel, 
Schweizer Konsul in Leipzig, korrespondierendes Mitglied seit 1862. 

Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Göllnitz, Oskar, K. Obervermessungsinspektor in Dresden, am 26. No- 
vember 1908; 

Grahl, Hans, Apotheker in Dresden, j 

Kiefsling, Hugo, Diplomingenieur, Stadt- } am 17. Dezember 1908; 

Vermessungsinspektor in Dresden, J 

Luther, Robert, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule 
in Dresden, am 29. Oktober 1908; 

Müller, Felix, Dr. phil., Professor a. D. in Weifser Hirsch, am 17. De- 
zember 1908; 

n 26. November 1908; 
a 29. Oktober 1908; 
a. D. in Dresden, am 

26. November 1908. 

Neu ernanntes korrespondierendes Mitglied: 

Beck, Richard, Dr. phil., Oberbergrat, Professor an der K. Bergakademie 
in Freiberg, am 26. November 1908. 

In die korrespondierenden Mitglieder ist übergetreten : 

Holz, Karl, Oberlehrer in Berlin, am 1. Juli 1908. 


Oeder, Reinhard, Dr. phil., Zahnarzt in Dresden, a 
Preller, Bernhard, Realschullehrer in Dresden,! a 
Sporbert, Erich, Gymnasiallehrer in Dresden , i a 
Taeger, Hermann, Geh. Forstrat, Oberforstmeister 


31 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse 

zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bachmann, Plauen i.V., 
3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blaschka, 
Hosterwitz, 3 Mk.; Apotheker Capelle, Springe, 3 Mk.; Privatmann Eisei, 
Gera, 3 Mk.; Chemiker Dr. Haupt, Bautzen, 3 Mk.; Prof. Dr. Hibsch, 
Liebwerd, 3 Mk. ; Bürgerschullehrer Hofmann, Grofsenhain, 3 Mk.; Lehrer 
Hottenroth, Gersdorf, 3 Mk.; Prof. Dr. Müller, Pirna, 3 Mk.; Prof. 
Naumann, Bautzen, 3 Mk. 5 Pf.; Sektionsgeolog Dr. Petraschek, Wien, 
3 Mk.; Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 4 Mk.; Privatmann Sieber, Nieder- 
löfsnitz, 6 Mk.; Prof. Dr. Sterz el, Chemnitz, 3 Mk.; Dr. med. Thümer, 
Karlshorst, 3 Mk.; Prof. Dr. Umlauf, Hamburg, 3 Mk. 5 Pf. — In 
Summa 58 Mk. 10 Pf. 


G. Lehmann, 
Kassierer der „Isis“. 


32 


Beamte der Isis im Jahre 1909. 

Tor stand. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 
Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Direktorium. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Als Sektionsvorstände: 

Oberlehrer Dr. E. Lohrmann, 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, 

Oberlehrer Dr. P. Wagner, 

Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller, 

Prof. Dr. A. Lottermoser, 

Prof. Dr. A. Witting. 

Erster Sekretär: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Zweiter Sekretär: Direktor A. Thümer. 

Yerwaltungsrat. 

Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Mitglieder: Fabrikbesitzer E. Kühnscherf, 

Zivilingenieur R. Scheidhauer, 

Geh. Hofrat Prof. H. Fischer, 

Bankier A. Kuntze, 

Geh. Kommerzienrat L. Guthmann, 
Privatmann W. Putscher. 

Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Bibliothekar: Privatmann A. Richter. 

Sekretär: Direktor A. Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I. Sektion für Zoologie. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. E. Lohrmann. 

Stellvertreter: Lehrer H. Viehmeyer. 

Schriftführer: Lehrer G. Dutschmann. 

Stellvertreter: Lehrer G. Schönfeld. 

II. Sektion für Botanik. 

Vorstand: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. 

Stellvertreter: Kustos Dr. B. Schorler. 

Schriftführer: Oberlehrer Dr. E. Lohr mann. 

Stellvertreter: Lehrer E. Herrmann. 


38 


m. Sektion für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. P. Wagner. 

Stellvertreter: Dr. K. Wanderer. 

Schriftführer: Dr. E. Rim an n. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Geifsler. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 

Vorstand: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Stellvertreter: Direktor H. Döring. 

Schriftführer: Oberlehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Oberlehrer M. Klähr. 


V. Sektion für Physik und Chemie. 

Vorstand: Prof. Dr. A. Lottermoser. 

Stellvertreter: Direktor Dr. A. Beythien. 

Schriftführer: Privatdozent Dr. H. Thiele. 

Stellvertreter: Fabrikbesitzer R. Jahr. 

VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 

Vorstand: Prof. Dr. A. Witting. 

Stellvertreter: Prof. Dr. E. Naetsch. 

Schriftführer: Bauinspektor Dr. A. Schreiber. 

Stellvertreter: Gymnasiallehrer E. Sporbert. 


Redaktionskomitee. 

Besteht aus den Mitgliedern des Direktoriums mit Ausnahme des 
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Sekretärs. 


* 


Bericht des Bibliothekars. 


Im Jahre 1908 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt: 

A. Durch Tausch. 

(Die tauschende Gesellschaft ist verzeichnet, auch wenn im laufenden Jahre keine 
Schriften eingegangen sind.) 

I. Europa. 

1. Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., n. F., 
18. Band. [Aa 69.] 

Annaber g- Buchholz: Verein für Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. 
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht XIX und XX. [Aa 19.] 
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. 

Berlin : Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.49. 
[Ca 6.] 

Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitsehr., Bd. 59, Heft 4; 
Bd. 60, Heft 1 — 3; Monatsberichte 1907, Nr. 8 — 12; 1908, Nr. 1 — 7. 
[Da 17.] 

Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Zeitschrift für Ethnologie, 39. Jahrg., Heft 6; 40. Jahrg., Heft 1 — 5. 
[G 55.] 

Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Bheinlande, Westfalens 
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verhandl., 64. Jahrg. [Aa 93.] 
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs- 
ber., 1907. [Aa 322.] 

Brauns chiv eig : Verein für Naturwissenschaft. — 15. Jahresber. [Aa 245.] 
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIX, Heft 2. 
[Aa 2.] 

Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 85. Jahresber. 
[Aa 46.] 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. XII, Heft 2. 
[Aa 80.] 

Darmstadt: Verein für Erdkunde und Grossherzogi. geologische Landes- 
anstalt. — Notizbl., 4. Folge, 28. Heft. [Fa 8.] 

Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landesteile. 

Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber. 1906 — 1907 
und 1907—1908. [Aa 47.] 

Dresden: K. Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. 
Dresden: Verein für Erdkunde. — Mittei]., Heft 7, und Mitgliederver- 
zeichnis 1908. [Fa 6.] 

Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sächs. 
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXIX. [G 75.] 


35 


Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mitteil., 
1907—1908. [Ha 9.] 

Dresden: K. Mineralogisch -geologisches Museum. 

Dresden: K. Zoologisches und Anthrop.- ethnogr. Museum. 

Dresden: K. Oeffentliche Bibliothek. 

Dresden : K. Tierärztliche Hochschule. — Bericht für das Jahr 1907, n. F. 
II. [Ha 26 b.] — Bericht über das Veterinär wesen in Sachsen, 52. Jahrg. 
[Ha 26.] 

Dresden : K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht für das Studien- 
jahr 1906 — 1907 ; Verzeichnis der Vorlesungen und Uebungen samt 
Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1908, W.-S. 1908 — 1909. [Je 63.] 
— Personalverz. Nr. XXXVII— XXXVIII. [Je 63b.] 

Dresden: K. Sächs. Landeswetterwarte. — Deutsches meteorolog. Jahrbuch 
für 1903 und 1904. [Ec 57.] — Dekaden Monatsberichte, Jahrgang IX 
und X. [Ec 57c.J 

Dürkheim: N aturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. — 
Mitteil. LXIV, Nr. 23. [Aa 56.] 

Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 91. und 92. Jahresber. [Aa 48.] 
Emden : Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. 
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. 

Erlangen: Physikalisch - medizinische Sozietät. 

Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht 
für 1908. [Aa 9 a.] 

Frankfurt a. AL: Physikalischer Verein. — Jahresbericht für 1906 — 1907. 
[Eb 35.] 

Frankfurt a. O.: N aturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. — Helios, XXIV. u. XXV. Bd. [Aa 282.] 

Freiberg : K. Sächsische Bergakademie. — Programm für das 143. Studien- 
jahr. [Aa 323.] 

Fulda: Verein für Naturkunde. 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. — Jahresbericht 
49—50; Bericht über die 50jährige Jubelfeier. [Aa 49.] 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 

Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. 

Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Codex diplo- 
maticus Lusatiae superioris, Bd. 81, Heft 4 ; Neues Lausitzisches 
Magazin, Bd. 84. [Aa 64.] 

Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 
Greifswald: N aturwissenschaftlicher V erein für Neu- Vorpommern und Rügen. 

— Mitteil., 39. Jahrg. [Aa 68.] 

Greifswald: Geographische Gesellschaft. 

Greiz: Verein der Naturfreunde. 

Guben : Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — 
Mitteil., X. Bd., Heft 3 — 4; Ortsregister zu Bd. IX. [G 102.] 

Güstrow: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — 
Archiv, Jahrg. 61, Abt. II, u. Jahrg. 62, Abt. I. [Aa 14.] 

Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. 

Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische Deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Heft XLIV. TAa 62.1 


36 


Halle a. S.: Verein für Erdkunde. 

Hamburg : Wissenschaftliche Anstalten. — Jahrbuch, XXIV. Jahrg. mit 
Beiheft 1—5. [Aa 276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., III. Folge, 
15. Heft. [Aa 293 b.] 

Hamburg'. Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. — Verhandl., 
Bd. XIII. [Aa 204.] 

Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. — Fest- 
schrift zur Feier des 100jährigen Bestehens. [Aa 30.] 

Hannover : Naturhistorische Gesellschaft. — 55. — 57. Jahresbericht. [Aa 52.] 
Hannover : Geographische Gesellschaft. — Dritter Nachtrag zum Kataloge 
der Stadtbibliothek. 1906. [Fa 18.] 

Heidelberg : N aturhis torisch - m edizinischer V er ein. 

Hof : Nordober fränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde. 
Karlsruhe'. Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. 20. [Aa 88.] 
Karlsruhe : Badischer zoologischer Verein. — Mitteilungen, Nr. 18. [Ba 27.] 
Kassel : Verein für Naturkunde. 

Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschrift, 
Bd. 41 u. 42. [Fa 21.] 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, 
Bd. XIV, Heft 1. [Aa 189.] 

Köln : Redaktion der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 44. [Aa 41.] 
Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 
48. Jahrg. [Aa 81.] 

Königsberg i. Pr.: Altertums -Gesellschaft Prussia. — Sitzungsberichte 
1900—1904. [G 114.J 
Krefeld: Verein für Naturkunde. 

Landshut'. Naturwissenschaftlicher Verein. — 18. Bericht. [Ca 14.] 
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. 

Leipzig : K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl., mathem.-phys. Klasse, LIX. Bd., Heft 4; LX. Bd., Heft 1 
bis 5. [Aa 296.] 

Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Erläuterungen 
zu Sektion Bautzen -Wilthen (Bl. 54), 2. Aufl. und zu Sektion Chemnitz 
(Bl. 96), 3. Aufl. — Geologische Uebersichtskarte des Königreichs 
Sachsen, 1908. [De 146.] 

Leipzig: Städtisches Museum für Völkerkunde. — Jahrb., Bd. 1, 1906. [G 155.] 
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. 
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. u. Abhandl., 
Jahrg. 1904—1907. [Aa 173.] 

Magdeburg: Museum für Natur- und Heimatkunde. 

Mainz: Römisch -germanisches Centralmuseum. — Mainzer Zeitschrift, 
Jahrg. 1908. [G 145 a.] 

Mannheim: Verein für Naturkunde. 

Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber., Jahrg. 1907. [Aa 266.] 

Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Mitteilungen aus 
den Sitzungen der Vereinsjahre 1907 — 1908. [Aa 319.] — Zusammen- 
stellung der Monats- und Jahresmittel der Wetterwarte Meissen im 
Jahre 1907. [Ec 40.] 


37 


München : Bayerische botanische Gesellschaft zur Erforschung der hei- 
mischen Flora. — Mitteil., Bd. II, Nr. 5 — 8. [Ca 29.] 

München : Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. — Mitteil., Jahrg. 
1908. [Fa 28.] 

Münster : Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. 
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft ,,Philomathie u . 

Nürnberg : Naturhistorische Gesellschaft. — Abhand]., Bd. XVII nebst Bei- 
gabe; Mitteilungen, Jahrg. I; Jahrg. II, Nr. 1. [Aa 5.] 

Offenbach: Verein für Naturkunde. 

Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Passau : Naturwissenschaftlicher Verein. — XX. Bericht. [Aa 55.] 

Posen: Deutsche Gesellschaft für Kunst u. Wissenschaft. — Zeitschr. der 
naturwissenschaftl. Abteilg., XIV. Jahrg., Heft 3; XV. Jahrg., Heft 1—2. 
[Aa 316.] 

Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — XI. Bericht. [Aa 295.] 
Regensburg: K. botanische Gesellschaft. 

Reichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde. 

Reutlingen : N aturwissenschaftlicher V er ein. 

Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. 

Stettin: Ornithologischer Verein. 

Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jahrg. 64, mit 2 Beilagen. [Aa 60.] 

Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. 

Tharandt: Redaktion der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- 
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LXVIII; Bd. LXIX, Heft 1 — 4. [Ha 20.] 
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mitteil., 
15. Heft. [Aa 145.] 

Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. 

Tübingen: Universität. — Württembergische Jahrbücher für Statistik 
und Landeskunde, Jahrg. 1907, Heft II; Jahrg. 1908, Heft I. [Aa 335.] 
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte, 
13. Jahrg. [Aa 299.] 

Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. 
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mitteil., n. F., 23. Heft. 
[Ca 23.] 

Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 

Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 61. 
[Aa 43.] 

Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. 

Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein. — Bericht 1902 — 1907. [Aa 332.] 
Zwickau: Verein für Naturkunde. — XXXII. Jahresber^ [Aa 179.] 


2. Österreich-Ungarn. 

Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Bistritz: Gewerbelehrlingsschule. — XXXII. Jahresbericht. [Je 105.] 
Brünn: Natur forschender Verein. — Verhandl., Bd. XLV, u. 25. Bericht der 
meteorolog. Kommission. [Aa 87.] — Ergebnisse der phänologischen 
Beobachtungen aus Mähren und Schlesien im Jahre 1905. [Cc 73.] 
Brünn : Lehrerverein, Klub für Naturkunde. 


38 


Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — FöldtaniKözlöny, XXXVII. 

köt., 9. — 12. füz.; XXXVIII. köt., 1. — 10. füz. [Da 25.] 

Budapest : K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. — Berichte, Bd. 21 und 22. [Ea 37.] 
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mitteilungen, 
Jahrg. 1906 u. 1907. [Aa 72.] 

Hermannstadt: Siebenbür gisch er Verein für Naturwissenschaften. — Ver- 
handl. u. Mitteil., Jahrg. LVII. [Aa 94.] 

Iglo : Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrb., Jahrg. XXXV. [Aa 198.] 
Innsbruck : Naturwissenschaftlich - medizinischer Verein. — Berichte, 
XXXI. Jahrg. und Beilage von V. Schiffner: Kritische Bemerkungen 
über die europäischen Lebermoose. [Aa 171.] 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum für Kärnten. — Carinthiall, 
Mitteil., Jahrg. 97, Nr. 5 — 6; Jahrg. 98, Nr. 1 — 3. [Aa 42b.] 

Laibach: Musealverein für Krain. — Mitteil., Jahrg. XX; Izvestja Let- 
nik XVII. [Aa 301.] 

Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — 37. Jahresber. 
[Aa 213.] 

Linz: Museum Francisco -Carolinum. — 66. Bericht nebst der 60. Lief, der 
Beitr. zur Landeskunde von Österreich ob der Enns. [Fa 9.] 

Olmütz: Naturwissensch. Sektion des Vereins „Botanischer Garten u . 
P°ag: Deutscher naturwissenschaftlich -medizinischer Verein für Böhmen 
„Lotos“. 

Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch. Kl., 1907. [Aa 269.] — Jahresber. für 1907. 
[Aa 270.] — F. Vejdovsky: Neue Untersuchungen über die Reifung 
und Befruchtung. [Bc 53.] 

Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Bericht 1907. 
[Aa 272.] — Pamätky archaeologicke, dil. XXII, ses. 7—8; XXIII. ses. 
1—3, [G 71.] 

Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. 

Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, trida II, 
rocnik XVI. [Aa 313.] — Bulletin international, XI. annee. [Aa313b.] 
— J. Velenovsky: Srovnävaci Morfologie, 2 Bde. [Bc 75.] — B. Nemec: 
Anatomie a Fysiologie Rostlin, 1. Bd. [Cc 76.] 

Presburg: Verein für Heil- und Naturkunde. 

Peichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mitteilungen, Jahrg. 38 u. Rechen- 
schaftsber. 1906. [Aa 70.] 

Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mitteil., Bd. XL VIII. 
[Aa 71.] 

Temesvar: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- 
zettudomänyi Füzetek, XXXI. evol., füz. 3 — 4; XXXII. evol., füz. 1 — 2. 
[Aa 216.] 

Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Komitates. — 
Jahreshefte, Jahrg. XXIX— XXX. [Aa 277.] 

Triest: Museo civico di storia naturale. 

Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1907. [Aa 11.] — 
Mitteil, der prähistorischen Kommission, Bd. II, Nr. 1. [G 111.] 

Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — 
Schriften, Bd. XLV1II. [Aa 82.] 


39 


Wien: K. k. naturhist. Hofmuseum. — Annalen, Bd. XXI, Nr. 3 — 4; Bd. XXLl, 
Nr. 1. [Aa 280.] 

Wien: Anthropologische Gesellschaft. 

Wien: K. k. geologische Reichsanstalt. — Verhandl., 1907, Nr. 11 — 18; 
1908, Nr. 1—14. [Da 16.] — Jahrbuch, Bd. LVIII, Heft 1—3. [Da 4.] 
— Abhandl., Bd. XVI, Heft 2. [Da 1.] — Geologische Karte der 
Oesterreich- Ungarisch. Monarchie, 7. Lieferung mit 6 Bl. Karten u. 
3 Heften Erläuterungen; 8. Lieferung mit 4 Bl. Karten und 1 Heft 
Erläuterungen. [Da 33.] 

Wien : K. k. zoologisch -botanische Gesellschaft — Verhandl., Bd. LVII. 
[Aa 95.] 

Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. — Mitteil. 1908. 
[Aa 274.] — E. Janchen: Die europäischen Gattungen der Farn- und 
Blütenpflanzen nach dem Wettsteinschen System geordnet. [Cb 53.] 
Wien: K. k. Zentral- Anstalt für Meteorologie und Geodynamik. — Jahr- 
bücher, Jahrg. 1906 mit Anhangsheft. [Ec 82.] 

3. Rumänien. 

Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. 

Bukarest: Institut botanique. — Bulletin de l’herbier, annee 1, Nr. 1 u. 2. 
[Ca 28.] 

4. Schweiz. 

Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft. 

Basel : Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XIX, Heft 3. 
[Aa 86.] 

Bern: Naturfor sehende Gesellschaft. — Mitteilungen, Nr. 1629 — 1664. 
[Aa 254.] 

Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft XVII. 
[Ca 24.] 

Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 
90. Jahresversamml. [Aa 255.] 

Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. — 50. Jahresbericht. 
[Aa 51.] 

Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 18. 
[Aa 261.] 

Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. Bulletin, vol. XV. 

[Aa 264.] — Memoires: Botanik, Bd. II, Heft 5. [Aa 264b.j 
St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Jahrbuch für 1906. 
[Aa 23.] 

Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 5. ser., 
vol. XLIII, no. 161; vol. XL1V, no. 162-163. [Aa 248.] 

Neuchatel: Societe Neuchäteloise des Sciences naturelles. — Bulletin, tome 
XXXIII und XXXIV. [Aa 247.J 

Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitteil., 
Bd. XI, Heft' 7 u. 8. [Bk 222.] 

Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. 
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Vierteljahrsschr., Jahrg. 52, 
Heft 3—4. [Aa 96.] 


40 


5. Frankreich. 

Amiens : Societe Linneenne du nord de la France. — Bulletin, tome XVI1X, 
Nr. 369— 380. [Aa 252.] 

Bordeaux : Societe des Sciences physiques et naturelles. — Proces-verbaux, 
annee 1906 — 1907. [Aa 253.] — Observations pluviometriques et ther- 
mometriques 1906 — 1907. [Ec 106.] 

Cherbourg : Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. 
Dijon : Academie des Sciences, arts et belles lettres. 

Le Mans : Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. 

Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 54. [Aa 132.] 

Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales 1906. [Aa 133.] 
Lyon: Academie des Sciences, belles -lettres et arts. — Memoires, 3. ser., 
tome IX. [Aa 139.] 

Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXXI u. XXXII. 
[Ba 24.] 

Toulouse: Societe Frangaise de botanique. 

6. Belgien. 

Brüssel: Societe royale zoologique et malacologique de Belgique. — Annales, 
tome XLI u. XLII. [Bi 1.] 

Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 51. [Bk 13.] 
— Memoires, tome XV u. XVI. [Bk 13b.] 

Brüssel: Societe Beige de geologie, de paleontologie et d’hydrologie. — 
Proces-verbaux, tome XXI, Oct.— Dez.; tome XXII, Jan. — Juli. [Da 34.] 
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome 44. 
[Ca 16.] 

Gembloux: Institut chimique et bacteriologique. — Bulletin, Nr. 75. 
[Hb 75.] ^ 

Lüttich: Societe geologique de Belgique. — Annales, tome XXV, livr. 3; 
tome XXVIII, livr. 5; tome XXXIV, livr. 3; tome XXXV, livr. 1—2. 
[Da 22.] 

7. Holland. 

Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. 

Groningen \ Natuurkundig Genootschap. — Verslag 107. [Je 80.] 

Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. XI, p. 2. [Aa 217.] 
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises des 
Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome XIII. [Aa 257.] 

8. Luxemburg. 

Luxemburg: Societe botanique du grandduche de Luxembourg. 
Luxemburg: Institut grand-ducal. 

Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde ,, Fauna“. 

9. Italien. 

Brescia: Ateneo. — Commentari per l’anno 1907. [Aa 199.] 

Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — ßollettino, 1908, 2. ser., 
fase. 1—4. [Aa 149 b.] 

Florenz: Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXXVIII, 
trimestre III — IV; anno XXXIX, trimestre I — IV. [Bk 193.] 


41 


Mailand : Societä Italiana di scienze naturali. 

Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2, 
vol. XL, fase. 17 — 20; vol. XLI, fase. 1 — 16. [Aa 161.] — Memorie, 
vol. XX, fase. 10. [Aa 167.] 

Modena : Societä dei naturalisti. 

Padua: Accademia scientifica Veneto-Trentino-Istriana. — Atti, nuova 
serie, anno V, fase. 1; ser, 111, anno 1. [Aa 193.] 

Palermo: Societä di scienze naturali ed economiche. 

Parma: Redaktion des Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
anno XXXIII, no. 11 — 12; anno XXXIV, no. 1 — 8. [G 54.] 

Pisa: Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XVII, 
no. 1 — 5. — Memorie, vol. XXIII. [Aa 209.] 

Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, vol. XI, 2. sem., fase. 5; 
vol. XVI, 2. sem., fase. 12; Rendic. sol. d. 7. giugno 1908; Rendic., 
vol. XVII. 1. sem., fase. 1 — 12; 2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.] 

Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bolletino bimensuale, vol. XXVI, 
no. 8 — 10; vol. XXVII, no. 1—6; Bolletino meteorologico e geodina- 
mico deH’osservatorio dei Real Collegio Carlo Alberto, Moncalieri, 1907, 
Okt. — Dez.; 1908, Jan. — Mai. [Ec 2.] 

Venedig : R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti. 

Verona: Accademia d’agricoltura, scienze, lettere, arti e commercio di 
Verona. — Atti e Memorie, ser. IV, vol. VII e append. [Ha 14.] 

10. Grofsbritannien und Irland. 

Dublin: Royal Irish academy. — Proceedings, vol. XXVII, sect. A, no. 4 — 9; 

sect. B, no. 1 — 5. [Aa 343.] 

Dublin: Royal geological society of Ireland. 

Edinburg: Geological society. — Transactions, vol. IX, p. 2. [Da 14.] 
Edinburg: Scottish meteorological society. 

Glasgow: Natural history society. — Transactions, vol. VIII, part I. [Aa 244.] 
Glasgow: Geological society. 

Manchester: Geological and mining society. 

Neivcastle-upon-Tyne: Natural history society of Northumberland, Durham 
and Newcastle-upon-Tyne. — Transactions, new ser., vol. III, p. I. 
[Aa 126.] 

11. Schweden. 

Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 28. 
[Bk 12.] 

Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. 

TJpsala: Geological institution of the university. — Bulletin, vol. VIII, 
Nr. 15—16. [Da 30.] 


12. Norwegen. 

Bergen: Museum. — Aarbog 1907, 3. Heft; 1908, L — 2. Heft; Aarsberet- 
ning 1907. [Aa 294.] 

Christiania : U niversität . 

Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmärkers bevaring. — 
Aarsberetning 1907. [G 2.] 


42 


Christiania : Redaktion des Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. — Nyt 
Mag., Bind 45, Heft 3 — 4; Bind 46, Heft 1—4. [Äa 340.] 

Tromsoe : Museum. — Aarsberetning 1906 u. 1907; Aarshefter 25. [Aa 243.] 

13. Rufsland. 

Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. 

— Bulletin, tome XXVII. [Aa 259.] 

Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. 

Kharkoff: Societe des Sciences physico-chimiques. — Travaux, tome XXXII 
u. XXXIII; Supplements, fase. XVI, XVII, XIX. [Aa 224.] 

Kiew : Societe des naturalistes. — Memoires, tome XX, livr. 3. [Aa 298.] 
Moskau : Societe imperiale des naturalistes- — Bulletin, 1907, no. 1—3. 
[Aa 134.] 

Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. 

Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome 
XXV, fase. 2; tome XXVII, fase. 2; XXVIII, fase. 1; tome XXIX, 
fase. 1. [Ca 10.] 

Petersburg: Comite geologique. — Bulletins, XXV, XXVI u. XXVII, no. 1 — 3. 
Da 23.] — Memoires, nouv. ser., livr. 16, 21—35, 37 — 38, 41 — 42. 
[Da 24.] 

Petersburg: Physikalisches Zentralobservatorium. 

Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletins , tome XXV; 

J ahrg. 1907, Nr. 18, u. Jahrg. 1908, no. 1 — 17. [Aa 315.] 

Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Travaux de la section 
geologique du cabinet de Sa Majeste, vol. VIII, livr. 1. [Da 29c.] 
Riga: Naturforscher-Verein. — Arbeiten, n. F„ 11. Heft. [Aa 12.] 


II, Amerika. 

1. Nordamerika. 

Albany: University of the state of New-York. — State Museum report, 
no. 59—60. [Aa 119.] 

Baltimore : John Hopkins university. — University circulars, vol. XXIII, 
no. 199 — 208. [Aa278.] — American journal of mathematics, vol. XXIX, 
no. 4; vol. XXX, no. 1 — 2. [Ea 38.] — American Chemical journal, 
vol. 38 — 39. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. Science, ser. 
XXV, no. 6 — 12; ser. XXVI, no. 1 — 10. [Fb 125.] — American journal 
of philology, vol. XXVIII, no. 3 — 4; vol. XXIX, no. 1—2. [Ja 64.] — 
Maryland geological survey, vol. VI; St.Mary’s country mit Atlas; Calvert 
country mit Atlas. [Da 35.] — Maryland weather Service, vol. II. 
[Ec 95.] 

Berkeley: University of California. — Department of geology: Bulletin, 
vol. V, no. 9—11. [Da 31.] — College of agriculture : Bulletin 188 — 191. 
[Da 31b.] — Botany, vol. II, pag. 309 — 354; vol. III, pag. 1 — 302. 
[Da 31 c. | — Physiology, vol. III, pag. 61 — 86. [Da 31 e.] 

Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser., 
vol. XLI11, no, 7—22 [Aa 170.] 


43 


Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. 33, no. 3—9. 
[Aa 111.] 

Buffalo : Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. VIII, no. 6; vol. IX, no. 1. 
[Aa 185.] 

Cambridge : Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. XLIII, no. 6; 
vol. XL VIII, no. 4; vol. XLIX, no. 5—7; vol. LI, no. 7-12; vol. LII, 
no. 1—5; vol. LIII, no. 1; annual report 1906 — 1907 u. 1907 — 1908. 
[Ba 14.] — : Harvard university museum, its origin and history. [Ja 99.] 
— W. James: Rede über Louis Agassiz. 1896. [Jb 97.] 

Chicago : Academy of Sciences. — Special publication no. 2. [Aa 123c.] 
Chicago: Field Columbian museum. — Publications, no. 122, 123, 126, 128. 
[Aa 324.] 

Lavenport: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. X. u. vol. XII, 
pag. 1 — 94. [Aa 219.] 

Halifax: Nova Scotian ins ti tute of natural Science. 

Lawrence: Kansas university. 

Madison: Wisconsin academy of Sciences, arts and letters. — Transactions, 
vol. XV, p. 2. [Aa 206.] 

Mexiko: Sociedad cientifica ,, Antonio Alzate“. — Memorias y Revista, 
tomo XXIV, no. 10—12; tomo XXV, no. 1 — 3; tomo XXVI, no. 1 — 9. 
[Aa 291.] 

Milwaukee: Public museum of the city of Milwaukee. — Annual report 
26. [Aa 233 b.] 

Milwaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., 
vol. V, no. 4; vol. VI, no. 1—2. [Aa 233.] 

Montreal : Natural history society. 

New -Häven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions, 
vol. XIII, pag. 47 — 147, 299—548; vol. XIV, pag. 1 — 57. [Aa 124.] 
New-York: Academy of Sciences. — Annals, vol, XVII, p. 2—3; vol. XVIII, 
p. 1—2; Tafeln XXIX u. XXX zu vol. XVII, p. 2. [Aa 101.] 
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. L1X, p. 2—3; 
vol. LX, p. 1—2. [Aa 117.] 

Philadelphia: American pbilosopbical society. — Proceedings, vol. XLVI, 
no. 187; vol. XLVII, no. 188—189. [Aa 283.] 

Philadelphia: Wagner free Institute of Science. 

Philadelphia: Zoological society. — Annual report 36. [Ba 22.] 
Pochester: Academy of Science. 

Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XVIII. [Da 28.] 
Salem: Essex Institute. 

San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 4. ser., 
vol. I, pag. 1 — 6; vol. III, pag. 1—40. [Aa 112.] 

St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. XVI, no. 8— 9; vol. XVII, 
no. 1—2; vol. XVIII, no. 1. [Aa 125.] 

St. Louis: Missouri botanical garden. — Annual report 1907. [Ca 25.] 
Topeka: Kansas academy of Science. — Transactions, vol. XXI, p. 1. 
[Aa 303.] 

Toronto: Canadian institute. — Transactions, vol. VIII, p. 2. [Aa 222b.] 
Tufts College. 

Washington: Smithsonian Institution. — Annual report 1906. [Aa 120.] 
— Report of the U. S. national museum 1907; classified list of 
Smithsonian publications. [Aa 120c.] 


44 


Washington: United States geological survey. — Bulletin, no. 328, 335, 
337, 338, 340, 343—346, 348, 350. [De 120 b.] — Professional paper, 
no. 62. [De 120c.] 

Washington: Bureau of education. 

2 . Südamerika. 

Buenos- Aires: Museo nacional. — Anales, ser. 3, tomo VII. [Aa 147.] 

Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo LXIV, entr. 
2 — 6; tomo LXV; tomo LXVI, entr. 1. [Aa 230.] 

Cordoba: Academia nacional de ciencias. 

La Plata : Museum. 

Montevideo: Museo nacional. — Anales, vol. VI [Flora Uruguaya, tomo III, 
entr. 3], [Aa 326.] 

Rio de Janeiro : Museo nacional. — Archivos, vol. XIII. [Aa 211.] 

San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. 

Säo Paulo: Commissao geographica e geologiea de S. Paulo. — Carta geral 
de Estado de S. Paulo. [Aa 305 a.] — Dados climatologicos, ser. 2, 
no. 2 — 3. [Aa 305b.] 

Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein. 


III. Asien. 

Batavia : K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor 
Nederlandsch Indie, Deel 67. [Aa 250.] 

Calcutta : Geological survey of India. — Memoirs, vol. XXXVI, p. 2. [Da 8.] 
— Records, vol. XXXVI; vol. XXXVII, p. 1. [Da 11.] — Palaeontologia 
Indica, new ser., vol. V, no. 3; ser. XV, vol. I, p. 1. [Da 9.] — G. Burrard 
and II. Hayden : A sketch of the geography and geology of the Hima- 
laya mountains and Tibet. Part I — III. [Fb 147.] 

Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. — 
Mitteilungen, Bd. XI, Teil 1 u. 2. [Aa 187.] 


IV. Australien. 

Melbourne: Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary 
for mines 1907. [Da 21.] 


B. Durch Geschenke. 

Almen, E .: Bidrag tili kännedomen om de vid gasers och vätskors lösningar 
i vätskor uppträdande volymändringarne. 1901. [Eb 64.] 

Andersson, K.: Die Pterobranchier der schwedischen Südpolarexpedition 
1901 — 1903, nebst Bemerkungen über Rhabdopleura Normani. 1907. 
[Bi 91.] 

Aquila: Zeitschrift für Ornithologie. Budapest. Jahrg. XIII u. XIV. [Bf 68.] 
Arwidsson, J.: Studien über die skandinavischen und arktischen Malda- 
niden. [Bm 67.] 


45 


Bendz, T.: Öfver diaphantiska ekvationen x n -\-y n = z n . 1901. [Ea 57.] 
Benedicks , C .: Linnees Pluto Sveticus. Linneefestschrift 1907. [Db 95.] 
Billbergh, Th.: Bidrag tili kännedomen om de elektriska disjunctions- 
strömarne. 1872. [Eb 58.] 

Bjerke, K.: Ueber die Veränderung der Refraktion und Sehschärfe nach 
Entfernung der Linse. 1902. [Eb 59.] 

Boddaert, D.: Misure magnetiche nei dintorni di Torino. 1908. [Ec 107.] 
Bodman, G.: Om isomorfi mellan salter af Vismut och de sällsynta jord- 
metallerna. 1906. [Ed 72.] 

Bohlin , K.i Sur une equation algebrique remarquable se trouvant en 
rapport ä la mecanique celeste. [Ea 52 d.] 

Bohlin, K: Analytische Merkmale des Dreikörper-Problemes. [Ea 52 e.] 
Bohlin, K: Integral-Entwicklung des Dreikörper-Problemes. [Ea 52 f.] 
Burgerstein, A.: Bericht über die Wiesner-Feier. [Jb 96.] 

Carlbaum, T. : Contributions ä la theorie des mouvements infiniment petits 
d’un gaz heterogene. 1907. [Eb 54.] 

Carlsson, A.: Om itererade funkti.oner. 1907. [Ea 73.] 

Carpiaux, E .: Contribution ä l’etude de l’assimilation du phosphore et de 
la chaux pendant la vie embryonnaire du poussin. Sep. 1908. [Bc 54.] 
Centralblatt, botanisches: Beihefte, Band XX, Abt. 1 und 2; Bd. XXI, 
Abt. 1 und 2; Bd. XXII, Abt. 1 und 2; Bd. XXIII, Abt. 1, Heft 1 u. 2; 
Abt. 2, Heft 1 u. 3; Bd. XXIV, Abt. 1, Heft 1. [Ca 30.] 

Cleve, P: A treatise on the phytoplankton of the Atlantic etc. [Cb 52.] 
Cleve , P.: Bidrag tili kännedomen om Qvicksilfvercyanidens föreningar med 
Rhodanmetaller. [Ed 88.] 

Cleve, Th.: Mineral-analytiska undersökningar. [Db 97.] 

Cronander, W.: Om Fosforsuperklorid. 1873. [Ed 86.] 

Dahlerus, C.: Expose de l’industrie miniere et metallurgique de la Suede. 
1905. [Hb 137.] 

Damm, J.: Bidrag tili läran om kongruenser med primtalsmodyl. 1896. 
[Ea 56.] 

Ekeckrantz, Th.: Studier öfver Benzaldoximer och deras reaktionsprodukter 
med Diazometan. 1900. [Ed 78.] 

Ekman, Sv.: Die Phyllopoden, Cladoceren und freilebenden Copepoden der 
nordschwedischen Hochgebirge. [Bl 45.] 

Ekström, A.: Om teorien för elektriska svängningar i metalltradar fram- 
kallade af en Hertz’ oskillator. 1897. [Eb 67.J 
Enander, S.: Studier öfver Salices in Linnees herbarium. [Cg 36.] 
Engelhardt , PL.: Tertiäre Pflanzenreste aus dem Fajüm. Sep. 1907. [Dd94bb.] 
Engelhardt, H. u. Kinkelin, F. : I. Oberpliocäne Flora u. Fauna des Unter- 
maintales, insbesondere des Frankfurter Klärbeckens. II. Unterdilu- 
viale Flora von Hainstadt a. M. Sep. 1908. [Dd 94cc.] 

Ericson- Auren, T.: Ueber die Auflösungsgeschwindigkeit von Zink in sauren 
Lösungen. 1901. [Ed 80.] 

Fagerholm, E.: Ueber den Sternhaufen Messier 67. 1906. [Ea 69.] 
Forsling, S.: Om sulfonering af /2-naftylamin. 1895. [Ed 76.] 

Forsström, S.: Om temperaturens och ljusets inverkan pä svafvelsilfrets 
elektriska ledningsförmäga. 1900. [Eb 50.] 

Fransen, A.\ Om en generalisation af Dirichlets proplem. 1899. [Ea 60.] 
Freiberg: Geologische Gesellschaft. — 1. Jahresber. [Da 36.] 

Fries, E.: Epicrisis generis Hieraciorum. [Cg 37.] 


46 


Fries, R. E.\ Zur Kenntnis der alpinen Flora im nördlichen Argentinien. 
[Cd 133.] 

Fries, Th.: Breef och skrifvelser af och tili Carl v. Linnee. 2 Teile. 
[Jb 99.] 

Fries, Th.: Caroli Linnaei hortus Uplandicus. [Cd 132.] 

Fries, Th.: Naturalhistorien i Sverige intill medlet af 1600-talet. 1894. 
[Ab 96.] 

Fristedt, R. u. Fries, R.: Om tvänne i Sverige hitills misskända arter af 
växtsläget Rumex. [Cg 38.] 

Geinitz, E.: Ergebnisse der Brunnenbohrungen in Mecklenburg. XX. Mittei]. 

der Grofsherzogl. Mecklenb. Geolog. Landesanstalt 1908. [De 217t.] 
Geinitz, E.: Landeskunde von Mecklenburg. Güstrow 1907. [Fb 146.] 
Göransson, E.: Om periodiska lössningar tili lineara differentialekvationer. 

1901. [Ea 72.] 

Haglund, E.: Ur de vedväxternas ekologi. [Cc 77.] 

Hammarsten, 0.: Bidrag tili kännedomen om gallans kemiska bestands- 
delar. 1902. [Ed 83.] 

Hammarsten, 0.: Om lefvern säsom blodbildande och blodrenande organ. 

1902. [Bc 56.] 

Hammersten, 0.: Om näringsämnenas betydelse för muskelarbetet. 1901. 
[Bc 55.] 

Hedbom, K.: Farmakodynamiska studier ä det isolerade och öfverlefvande 
däggdjurshjartat. 1896. [Bc 57.] 

Hedbom, K: Om vissa Organextrakts inverkan etc. 1897. [Bc 57b. | 
Heising, G.: Om a-amidonitriler, a-aminotiamider etc. 1905. [Ed 77.] 
Hofman-Bang, 0.: Studien über schwedische Flufs- und Quellwässer. 
1904. [Ed 79.] 

Hofsten, N. v.: Studien über Turbellarien aus dem Berner Oberland. 1907. 
[Bm 68.] 

Holmberg , 0.: Om framställing af ren Neodymoxid etc. 1906. [Ed 74.] 
Holmberg, K.: Bidrag tili kännedomen om de fysikaliskt-kemiska egens- 
kaperna hos vattenlössningar af Lantan-, Cerium- och Thorium-Salter. 

1903. [Eb 52.] 

Jägerskjöld, L. : Results of the Swedish zoological expedition in Egypt and 
the White Nile. 1901. Part 1. [Bb 71.] 

Janet , Ch.: Anatomie du corselet et histolyse des muscles vibrateurs apres 
le vol nuptial chez la reine de la fourmi. Hierzu 1 Bd. Tafeln. 
[Bk 240gg.] 

Janet, Ch.: 5 Separata über Ameisen. [Bk 240 hh.] 

Jansson, M.: Om värmeledningsförmagan hos snö. 1904. [Ec 110.] 
Josephson, 0.: Studier öfver elastiska rotationskroppars deformation. 1896. 
[Eb 55.] 

Koch, J.: Den elektriska gnistan. 1904. [Eb 49.] 

Kruckenberq, J.: Bidrag tili kännedomen om magnetostriktionsfenomenet. 
1907. [Eb 51. | 

Kulgren, C.: Om metallsalters hydrolys. 1904. [Eb 53.] 

Kylin, H.: Studien über die Algenflora der schwedischen Westküste. [Ce 40.] 
Lagergren, St.: Ueber elektrische Energieausstrahlung. 1902. [Eb 57.] 
Langtet, N.: Undersökningar inom Arthinserien. 1896. [Ed 85.] 

Lilljeborg, W.: Bidrag tili kännedomen om Pterycombus Brama. Bidrag 
tili kännedomen om Crustaceer etc. 1865. [Bb 69.] 


47 


Lilljeborg, W.: Öfversigt af de inom Skandinavien anträffade Hvalartade 
Däggdjur (Cetacea). 2 Hefte. [Be 36.] 

Lima : Cuerpo de ingenieros de minas del Peru. — Boletin 50, 53, 56 — 62. 
[Aa 337.] 

Lindfors, A.: Linnees dietetik. Linneefestschrift, 1907. [Hb 136.] 
Lindgren, B.: Sur le cas d’exception de M. Picard dans la theorie des 
fonctions entieres. 1903. [Ea 66.] 

Lindgren , N.: Beitrag zur Kenntnis der Spongienfauna des malayischen 
Archipels und der chinesischen Meere. 1898. [Bm 69.] 

Lisell, E.: Om tryckets inflytande pä det elektriska ledningsmotständet 
hos metaller etc. 1902. [Eb 62.] 

Lönnberg, E.\ Caroli Linnaei methodus avium Sveticarum. Linneefest- 
schrift, 1907. [Bf 77.] 

Lönnberg, E.: Fortsatta undersökningar rörande Öresunds djurlif. 1899. 
[Bb 70.] 

Lundberg, F .: I. Approximerad framställning af sannolikhetsfunctionen; 

II. Äterförksäkring af kollektivrisker. 1903. [Ea 65.] 

Lundquist, G.\ Undersökning af nägra vätskors ledningsförmäga för värme. 
1869. [Eb 60.] 

Lundquist, G.: Om friktion hos vätskor och gaser. 1875. [Eb 60b.] 
Macdougal, D., Vail, A. and Skull, G.\ Mutations, variations and rela- 
tionships of the Oenotheras. Washington 1907. [Cc 72b.] 
Marpmann, G.: Zeitschrift für angewandte Mikroskopie. Bd. XIII. [Ee 17. 
Mattson, P.: Contribution ä la theorie des fonctions entieres. 1905. [Ea 59.’ 
Mickaelson, C.: Om Butylalkohol. [Ed 82.] 

Moklin, H.\ Undersökningar öfver den ljuselektriska strömmen. 1907. 
[Eb 56.] 

Monaco'. Institut oceanographique. — Bulletins 109—125. [Aa 336.] 
Monten, T. \ Om analysis situs och algebraiska funktioner af Hera oberoende 
variabler. 1901. [Ea 63.] 

Nordblad, J.: Bidrag tili kännedomen om Vanadiums Amfidsalter. 1874. 
[Ed 84.] 

NordensJcjöld, J.\ Studier öfver Molybdensemipentoxid och dess föreningar. 
1903. [Ed 81.] 

Nyren, M.\ Försög tili bestämming af precessionskonstanten medelst 
ljussvag stjeror. 1869. [Ea 67.] 

Odhner, Th.: Die Trematoden des arktischen Gebietes. 1905. [Bm 66.] 
Paijkull, C.: Om fyndet af en menniskoskalle i Fyris-äns fordna utlopps- 
bassin. [G 152.] 

Paijkull, C Undersökningar om granater. [Db 96.] 

Pleijel, H.\ Beräkning af motständ och själfinduktion hos ledare omgifna 
med metallmantel. 1906. [Eb 66.] 

Paleigh : Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XXIII, no. 3 u. 4; 
vol. XXIV, no. 1 — 2. [Aa 300.] 

Pinman, E.\ Om triazol — bistriazol — och tritriazol föreningar. 1902. 
[Ed 73.] 

Pom: Onoranze al Prof. Alfonso Sella. 1908. [Jb 98.] 

Posander, FL.: Studier öfver bladmossornas Organisation. [Cf 33.] 

Posen, K.\ Studien und Messungen an einem Dreipendelapparate. 1903. 
[Eb 61.] 

Posen, P : Komet VI, 1863. Upsala 1867. [Ea 68.] 


48 


Rossander, G.: Om gasers utströmning genom kapillärrör vid läga tryck. 
1900. [Eb 63.] 

Budberg, T.: Nägra bidrag tili kännedomen om vätskornas emission of 
reflexion. 1902. [Eb 65.] 

Sandström, J.: En Studie öfver multiplikatorsfunktionerna och deras inte- 
graler. 1899. [Ea 71.] 

Scheele, C. v.\ Om Praseodym och nägra af dess föreningar. [Ed 75.] 
Schultz, H.: C. A. v. Steinheil’s justeringsmethod för parallaktiska instru- 
ment af egen construction. [Ea 70.] 

Schultz, H.\ Beobachtungen des Cometen II, 1862. [Ea 70b.] 

Schultz, H .: Mars beobachtet in der Opposition 1862. [Ea 70c.] 

Schultz, H .: Ephemerider för Asteroiden Alexandra (54), 1862. [Ea 70d.] 
Schultz, H .: Asteroiden-Beobachtungen 1862. [Ea 70 e.] 

Schultz, B..: Härledning af element-systemet V för asteroiden Alexandra. 
[Ea 70 f.] 

Schultz, H.: Beobachtungen einiger Asteroiden und der Cometen des 
Jahres 1863. [Ea 70g.] 

Schultz, H.: Beobachtungen von Nebelflecken im Jahre 1873. [Ea 70h.] 
Settenberg, G.: Hvilka funktioner äro representabla? 1900. [Ea 61.] 
Silven, N.\ Om de svenska dikotyledonernas första förstärkningsstadium etc. 
1906. [Cc 78.] 

Smitt, F.: Bidrag tili kännedomen om Hafs-bryozoernas utveckling. [Bi 90.] 
Stadelmann, H.\ Psychopathologie und Kunst. München 1908. [Ja 98.] 
Sterzei, J.\ Die Karbon- und Rotliegendenfloren im Grofsherzogtum Baden. 
Sep. 1907. [Dd 153.] 

Strömholm, D.: Om Sulfin-och Tetinföreningar. 1899. [Ed 89.] 

Studier, botaniska, F. R. Kjellman gewidmet. 1906. [Cb 51.] 

Studier, zoologiska, Prof. Tullberg gewidmet. [Bb 72.] 

Sturgis, W.: The Myxomycetes of Colorado. 1907. [Ce 39.] 

Sva-nberg, L.\ Om nägra nya alunarter, hvaruti organiska baser etc. [Ed 87. 
Svensson, A.: Zur Kenntnis des ventilierten Psychrometers. 1898. [Ec 109. 
Swederus, B. \ Linnees Vorlesungen über die Kultur der Pflanzen. Linnee- 
festschrift, 1907. [Cc 74.] 

Sivederus, B.\ Linnee ochVäxtodlingen. Linneefestschrift. [Cb 50.] 
Thunberg, T: Undersökningar öfver de köld-, värme- och smärtperci- 
pierande nervändernes relativa djupläge etc. [Bc 58.] 

Törnquist, M.: Linjära homogena funktionalekvationer med iterade sub- 
stitutioner i flera variabler. 1906. [Ea 64.] 

Trägardh, J.: Monographie der arktischen Akariden. 1904. [Bl 46.] 
Tullberg, T.: Linneporträtt. [Jb 100.] 

TJpsala: Botaniska Sektionen af naturvetenskapliga Studentsällskapet. — 
Sitzungsberichte, Jahrg. II— VII. [Aa 345.] 

Verbeek, R.\ Rapport sur les Moluques, nebst Atlas. Batavia 1908. 
[De 249 b.] 

Wahlgren, A.: Om de singulära punkterna tili differentialekvationer etc. 
1903. [Ea 62.] 

Wallin, H.\ Om cirkeldelningsekvationen. [Ea 58.] 

Wiman, C.: Ueber die Graptoliten. [Dd 154.] 

Zeipel, H. v.: Recherches sur les Solutions periodiques de la troisieme sorte 
dans le probleme des trois corps. 1904. [Ea 74.] 


49 


C. Durch Kauf. 

Abhandlungen der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft, Bd. XXVII, 
Heft 4'; Bd. XXIX, Heft 3.; Bd. XXX, Heft 3. [Aa 9.] 

Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, n. F„ Bd. IX, Heft 3 — 4; 
Bd. X, Heft 1-2. [G 1.] 

Anzeiger , zoologischer, Bd. XXII, No. 14 — 26; Bd. XXXIII, No. 1 — 20,; 
Register zu Bd. XXV — XXX u. zu Bibliographia zoologica, Vol. VIII — XII. 
[Ba 21.] 

Berichte des westpreufsischen botanisch-zoologischen Vereins. — Bericht 30. 
[Aa 341.] 

Bronn' s Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. II, Abt. 2, Lief. 4—6 
(Anthozoa); Bd. IV (Vermes), Lief. 92 — 117; Bd. V, Abt. 2 (Arthropoda), 
Lief. 80 — 82; Bd. VI, Abt. 1 (Pisces), Lief. 23—28. [Bb 54.] 
Centralblatt, biologisches, Bd. XX VIII. [Aa 344.] (Vom Isis -Lesezirkel.) 
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1908. 
[Fa 19.] 

Hedivigia, Bd. 46. [Ca 2.] 

Heimatschutz, Sächsischer, Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, 
Kunst und Bauweise. — Mitteilungen, Heft 1 — 3, und Satzungen. 
[Fc 147.] 

Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, Jahrg. 43 und 9 Karten. [Fa 5.] 
Palaeontographical society, London. — Vol. LVII u. LVIII. [Da 10.] 
Prähistorische Blätter, Jahrg. XIX, Hft. 2. [G 112.] 

Prometheus, No. 947 — 999. [Ha 40.] 

Wochenschrift, naturwissenschaftl., Bd. XXIII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift, allgemeine, für Entomologie, Bd. IV und Nachdruck der Hefte 
1-7 von Bd. III. [Bk 245.] 

Zeitschrift für die Naturwissenschaften, Bd. 80. [Aa 98.] 

Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 25. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Jahrg. XXIV; Jahrg. XXV, 
No. 1. [Ee 16.] 

Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 58. [Ca 8.] 

Zeitung, botanische, Jahrg. 66. [Ca 9.] 

Abgeschlossen am 23. Dezember 1908. 

A. Richter, 
Bibliothekar der „Isis“. 


Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der 
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag 
von 3 Mark können eine grofse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung 
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio- 
thekar entgegen. 


* 



Abhandlungen 


der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 


ISIS 


in Dresden. 


1908. 




I. Der naturwissenschaftliche Unterricht an den 
höheren Schulen. 

Denkschrift der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ in Dresden. 


Dem hohen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts und 
den hohen Ständekammern gestattet sich die Naturwissenschaftliche 
Gesellschaft Isis in Dresden eine Reihe von Leitsätzen über den natur- 
wissenschaftlichen Unterricht an den höheren Schulen vorzulegen mit der 
Bitte um geneigte Berücksichtigung und Verwertung bei künftigen Be- 
ratungen über die Gestaltung des höheren Unterrichtswesens. 

Nachdem die hohe I. Kammer bereits in Verhandlungen über eine ihr 
vorgelegte Petition des Deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege, 
Ortsgruppe Leipzig, und Genossen um Einführung des biologischen Unter- 
richts an den oberen Klassen der höheren Lehranstalten eingetreten ist, 
hält es die Unterzeichnete Gesellschaft für ihre Pflicht, hervorzuheben, 
dafs und in welcher Weise hier am Orte in unseren naturforschenden 
Kreisen über diesen hochwichtigen Gegenstand unserer Schulbildung eine 
Richtschnur zum Beschlufs erhoben worden ist, welche wegen ihrer reif- 
lichen Durchberatung im gröfseren Kreise mindestens die gleiche Beachtung 
verdient als von anderer Seite aufgestellte Leitsätze. Die Gesellschaft 
Isis möchte mit dieser ihrer Denkschrift das zur Beratung vorliegende 
Material nach mehreren Richtungen hin nicht unwesentlich ergänzen, 
besonders durch Betonung des Bedürfnisses des biologischen Unterrichts 
für alle Gymnasialabiturienten. 

Die Leitsätze der Isis wurden im Frühjahr 1907 in mehreren Sitzungen 
der Gesellschaft beraten und festgestellt, sie sind dann am 21. Mai dem 
in Dresden tagenden Verein zur Förderung des mathematischen und 
naturwissenschaftlichen Unterrichts vorgetragen worden und erschienen 
endlich in den Unterrichtsblättern für Mathematik und Naturwissenschaften 
Jahrgang XIII, Nr. 3. Sie lauten wie folgt: 

I. Für die Auswahl und Behandlungsart alles naturwissenschaftlichen 
Lehrstoffes ist nicht das Bedürfnis des künftigen Studierenden der Natur- 
wissenschaften mafsgebend, sondern lediglich die Rücksicht auf den kraft- 
bildenden Wert des Stoffes, seine Wichtigkeit für die Erkenntnis des 
Naturganzen, und in zweiter Linie sein praktischer Nutzen für den Menschen. 

II. Nicht die Erwerbung einer grofsen Summe von Finzelkenntnissen, 
nicht die Vorführung möglichst vieler Naturobjekte bildet die Hauptsache 
des naturwissenschaftlichen Unterrichts; es soll vielmehr ein Einblick in 


4 


die Lebenstätigkeit der Organismen und in die dynamischen Vorgänge in 
der anorganischen Natur dem Schüler als dauernder geistiger Besitz ver- 
mittelt werden. 

III. Ein solcher Einblick ist nur auf Grund chemischer und physika- 
lischer Kenntnisse möglich; daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dafs 
sowohl der mineralogisch-geologische als der zoologisch-botanische Unter- 
richt bis auf die Oberstufe neunklassiger Anstalten durchgeführt werden 
mufs. Es wird dabei vorausgesetzt, dafs Physik und Chemie an den Real- 
anstalten, ebenso die Physik an den Gymnasien in ihrem bisherigen 
Umfange erhalten bleiben, die Chemie an den Gymnasien aber entsprechend 
erweitert wird. 

IV. Den Abschlufs des gesamten biologischen Unterrichts mufs eine 
Betrachtung der physiologischen Vorgänge mit besonderer Berücksichtigung 
des menschlichen Körpers bilden. 

V. Durch Beschränkung des Tatsachenmaterials in der anorganischen 
Chemie ist darnach zu streben, dafs im letzten Kursus hinreichend Zeit 
für Berücksichtigung der organischen Chemie gewonnen werde. 

VI. Ein voller Erfolg des biologischen und geologischen Unterrichts 
kann nur erzielt werden, wenn er durch Ausflüge und durch Lösung 
leichter Beobachtungsaufgaben zu einem Teil in die Natur selbst ver- 
legt wird. 

Indem die Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis die vorstehenden 
Leitsätze einer geneigten Berücksichtigung empfiehlt, möchte sie, wie schon 
oben hervorgehoben, zur Zeit besonderes Gewicht legen auf die im 
III. Satze ausgesprochene Überzeugung, dafs es eine dringende Not- 
wendigkeit ist, den zoologisch-botanischen Unterricht bis zur 
obersten Klasse aller höheren Schulen fortzuführen. 

Nachdem im Laufe des vorigen Jahrhunderts die Naturwissenschaften 
in allen ihren Zweigen einen ganz hervorragenden Aufschwung genommen 
und auf viele Verhältnisse des praktischen Lebens einen erheblichen Ein- 
flufs gewonnen haben, mufste schon längst derjenige, der unter allgemeiner 
Bildung die Fähigkeit versteht, an dem Kulturleben der Gegenwart ver- 
ständnisvoll teilzunehmen, zu der Überzeugung kommen, dafs alle Schulen, 
insbesondere aber die höheren, den Naturwissenschaften einen breiteren 
Raum als vorher bereitstellen müfsten. Zum Teil ist das auch geschehen, 
jedoch nicht in dem Umfange, wie es von Kennern dieser modernen Fächer 
für notwendig gehalten wurde, weil die mafsgebenden Stellen sich nicht 
entschliefsen konnten, von den Fächern, die bis dahin die Gegenstände 
für den höheren Unterricht abgegeben hatten, und die sich infolge ihrer 
langen geschichtlichen Entwicklung einer allgemeinen Wertschätzung er- 
freuten, einen entsprechenden Teil zu opfern. Insbesondere sind den 
biologischen Wissenschaften die Oberklassen der höheren Schulen seit 
Jahrzehnten verschlossen geblieben und erst in neuester Zeit ist die Ein- 
reihung der Biologie unter die Lehrfächer der Oberstufe für einige höhere 
Schulen zögernd und in sehr beschränkter Ausdehnung zugestanden worden. 

Demgegenüber ist die Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis der 
Überzeugung, dafs die biologische Bildung heutzutage so sehr zur all- 
gemeinen Bildung gehört, dafs dieses Fach an keiner höheren Schule in 
den Oberklassen entbehrt werden kann. Dafür seien im folgenden noch 
einige besondere Gründe angeführt. 


5 


Zunächst bedarf das, was in den Unterklassen bis einschliefslich 
Unter- oder Obertertia von der belebten Natur gelernt worden ist, einer 
Auffrischung, um nicht völlig in Vergessenheit zu geraten und damit für 
das spätere Leben unwirksam zu werden. 

Sodann können gerade die wichtigsten Lehren der Biologie nur von 
solchen Schülern erfafst werden, denen die Grundbegriffe der Physik und 
Chemie nicht ganz fremd sind. Dahin gehört vor allem die physiologische 
Verschiedenheit in der Ernährung der Tier- und Pflanzenwelt, welche ganz 
auf chemischem Boden steht. Dahin gehört die Abhängigkeit der Organismen 
von äufseren Bedingungen in Klima, Standort und Boden, und daran 
schliefst sich die geographische Verteilung der Pflanzen und der Tiere, 
endlich die Abhängigkeit der Menschen und ihrer Kultur von den durch 
die Natur dargebotenen Bedingungen ihres Landes. 

Dazu gehört weiterhin die Kenntnis der physiologischen Vorgänge im 
eigenen Körper, die einen bedeutenden praktischen Nutzen hat. Durch 
eine bessere biologische Bildung wird die heranwachsende Jugend zu einer 
naturgemäfsen, gesunden Lebensweise erzogen; sie befähigt aber auch 
dazu, einerseits die Tätigkeit des Arztes richtig zu würdigen, wodurch 
dem üppig wuchernden Kurpfuschertum der Boden abgegraben werden 
würde, andererseits die Mafsnahmen zu verstehen, die im öffentlichen 
Interesse zur Plebung der Volksgesundheit verfügt werden. 

Zum praktischen Nutzen aber gesellt sich auch der ideelle Wert. 
Die biologische Wissenschaft leitet zu ästhetischem Erfassen und Geniefsen 
der Natur hin und bildet gewissermafsen eine Brücke, die von der Wissen- 
schaft zur Kunst hinüberführt. Die staunende Bewunderung vor den 
Schönheiten der Natur hat ferner auch einen Gemütswert, sie ist nahe 
verwandt mit religiösen Empfindungen und kann somit nur zur Veredlung 
der Menschheit beitragen. Es ist ein Fehler, die Kenntnisse von der 
Natur und den Genufs ihrer Schönheit und Zweckmäfsigkeit als etwas 
verschiedenartiges aufzufassen. 

Nicht gering zu schätzen ist endlich die grofse Theorie von der all- 
mählichen Entwicklung des Lebens auf der Erde aus einfachsten Anfängen 
während ungezählter Jahrtausende. Diese grofsartige Idee hat seit der 
Mitte des 19. Jahrhunderts einen gewaltigen Kampf der Geister auf- 
lodern lassen, einen Kampf, der nicht auf die Gelehrten beschränkt 
geblieben ist, sondern die Weltanschauung des Volkes bis in die untersten 
Schichten hinein tiefgehend beeinflufst hat. Dieser Kampf ist in den 
siebziger Jahren auch der Anlafs für die Ausschliefsung der Biologie aus 
dem Lehrplane der Oberstufe geworden. Aber was hat man dadurch 
erreicht? Man hat erreicht, dafs die grofse Mehrzahl der Gebildeten 
über die wirklichen und unumstöfslichen Grundlagen der Entwicklungs- 
lehre im unklaren bleibt, während doch anderseits eine Hochflut populärer, 
oft wahres mit falschem nur zu sehr vermischender Literatur über diesen 
Gegenstand in das Volk dringt und die gymnasial Gebildeten, aufser den 
Naturforschern selbst, völlig unvorbereitet trifft. Wie schon angedeutet 
wurde, hat die populäre Literatur den Fehler an sich, Hypothesen vielfach 
als gesicherte Erkenntnisse hinzustellen, oder auch Schlüsse zu ver- 
allgemeinern, die nur für einzelne Fälle gelten; dadurch ist vielfach die 
Weltanschauung des Volkes in falsche Richtung gelenkt worden. Hier 
hätten nun die Gebildeten die Pflicht, Führer des Volkes zu sein und es 
von Irrwegen wieder auf die richtige Bahn zu lenken. Der nicht biologisch 


6 


Gebildete ist dazu aber so gut wie niemals imstande, er stebt solchen 
Irrtümern in der Weltanschauung waffenlos gegenüber. 

Ganz besonders würden wohl die Geistlichen oftmals imstande sein, 
den Zwiespalt zwischen Wissen und Glauben in den Gliedern ihrer Ge- 
meinde zur Versöhnung zu bringen, wenn sie selbst mehr biologische 
Bildung besäfsen. Schon hat sich ein beachtenswerter Teil des Volkes in 
Gegensatz zur Kirche gestellt und der Kampf um die Entwicklungslehre 
ist zu einem Kampfe zwischen den Gegnern und den Anhängern der Kirche 
geworden, der in neuester Zeit zu weit umfassenden Vereinsgründungen 
geführt hat. Dieser Kampf w T ird nur dann zu einem für beide Teile 
befriedigenden Ausgleich kommen können, wenn auch die Vertreter der 
Kirche ein Verständnis gewinnen für die durch die Naturwissenschaften 
festgestellten Tatsachen, welche die Ursache der veränderten Weltanschauung 
so vieler geworden sind. Einzelne Theologen gibt es auch jetzt schon, 
die sich mit der Entwicklungslehre vertraut gemacht haben und sie 
wenigstens teilweise oder sogar vollständig anerkennen. 

Die Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis gibt sich der Hoffnung 
hin, dafs das hohe König! Ministerium und die hohen Landstände in den 
vorstehenden Darlegungen den Beweis dafür erblicken werden, dafs mit 
der Einführung des biologischen Unterrichts in die Oberstufe aller 
höheren Schulen nicht länger gezögert werden darf und dafs der dadurch 
erzielte Nutzen auf idealem Gebiete den durch Beschränkung eines anderen 
Faches — wenn es nicht anders möglich sein sollte — entstehenden Nach- 
teil reichlich aufwiegen wird. Sie verweist daher noch einmal ausdrücklich 
auf den ersten der oben angeführten sechs Leitsätze, wonach nicht das 
Bedürfnis des künftigen Studierenden der Naturwissenschaften mafsgebend 
sein soll, sondern die Rücksicht auf die Wichtigkeit der Erkenntnis des 
Naturganzen zum Zwecke der Allgemeinbildung, welche künftigen Theologen 
und Juristen ebenso schon vom Gymnasium aus mit auf den Weg gegeben 
werden sollte wie denjenigen, deren Fachstudium später mitten in diese 
Dinge hineinführt. 

Dresden, den 5. März 1908. 

Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. 

Der erste Vorsitzende: Kalkowsky. 


II. Allgemeine Theorie der Wagemanometer. 


Von Dr. Paul Schreiber. 
Mit Tafel I. 


In den nachstehenden Zeilen handelt es sich nur darum, in möglichst 
kurzer Form eine Darstellung der Wirkungsweise der von mir als „Wage- 
manometer“ bezeichneten Vorrichtung zu geben. Vor 20 bis 30 Jahren 
habe ich mehrere Arbeiten hierüber — namentlich in „Carls Repertorium 
der Experimentalphysik usw.“ — veröffentlicht. Auch vor und mit mir 
haben sich andere Forscher mit der Frage beschäftigt, es würde aber nicht 
möglich sein, hier eine auch nur kurze geschichtliche Darlegung zu geben 
und dabei auf die Leistungen der einzelnen Forscher — wie Sprung, 
Wild, Radau, Secchi usw. — einzugehen. 

Auf Tafel I habe ich eine Vorrichtung dargestellt, in der eine grofse 
Zahl der verschiedenen Formen, welche das Wagemanometer annehmen 
kann, als Spezialfälle enthalten sind. Bei der Zeichnung wurden alle 
Gröfsenverhältnisse unberücksichtigt gelassen, sie wurde so angelegt, dafs 
man aus ihr die folgenden Formeln sofort ablesen kann. 

Man denke sich links eine Glasröhre, welche oben aus einem weiten 
Zylinder (Kammer), unten aus einem engeren Rohr (das am unteren Ende 
aufsen gut zylindrisch ist) besteht, an einem Wagebalken aufgehängt. Es 
ist dies die Manometerröhre. Die Drehachse des Wagebalkens liegt um £ 0 
über der Nullebene; nach der Zeichnung zeigt der Wagebalken den Aus- 
schlag f (positiv nach oben). Die Manometerröhre ragt in den Trog 
hinein, welcher aus Eisen hergestellt ist und oben aus einem sehr weiten 
Zylinder besteht, während der untere Teil eben nur so weit zu sein braucht, 
als zur freien Bewegung der Manometerröhre nötig ist. 

Der Trog hängt ebenfalls an einem Wagebalken und zwar soll die 
Schneide im Niveau des oberen Trograndes liegen, während die Drehachse 
des Wagebalkens um £ 0 über der Nullebene sich befindet. Nach der Zeich- 
nung ist der Ausschlag + £. Durch den Trogboden ragt eine Röhre (Glas 
oder Eisen) in die Manometerröhre hinauf. Die Fortsetzung dieser Zu- 
leitungsröhre nach unten mufs man sich sehr biegsam und so gestaltet 
vorstellen, dafs sie als konstanter Teil des Troggewichtes betrachtet werden 
darf und der Bewegung des Troges kein merkliches Hindernis entgegenstellt. 

Der Trog und der untere Teil der Manometerröhre (bis zur Höhe y ) 
enthalten Quecksilber. Darüber befindet sich in der letzteren die „Zwischen- 
flüssigkeit“ (Petroleum oder Luft), welche durch die Zuleitungsröhre sich 
nach dem oberen Teil der „Taucherglocke“ fortsetzt. Die Taucherglocke 


8 


steht im Wasser. Die äufsere Oberfläche des Wassers befindet sich in der 
Höhe H 0 + H, die innere Oberfläche (in der Glocke also die Grenzschicht 
zwischen Wasser und Zwischenflüssigkeit) in der Höhe y ' . 

Zuerst wird es sich darum handeln, die Bedingungen des Gleich- 
gewichtes des ganzen Systems aufzusuchen. 

Dann wird die Frage entstehen, welche Bewegungen die an den Wage- 
balken aufgehängten Teile des Wagemanometers ausführen, wenn man in 
das Bassin rechts Wasser eingiefst oder wenn Änderungen im Luftdruck 
und der Temperatur eintreten. Man wird also zu fragen haben, ob es 
möglich ist, die Änderung in Stand H der Wasseroberfläche durch die 
Beobachtung der Ausschläge der beiden Wagebalken zu bestimmen. Dabei 
mufs aber unterschieden werden, ob als Zwischenflüssigkeit eine inkom- 
pressibele Flüssigkeit (welche leichter als Wasser sein mufs, sich mit diesem 
nicht mischen kann, keine chemische Wirkung auf Wasser und Queck- 
silber ausüben darf usw.) oder atmosphärische Luft Verwendung findet. 
Eine Flüssigkeit, welche den gestellten Anforderungen entspricht, eine 
geringe Dampfspannung und niederen Erstarrungspunkt — leider aber 
starke thermische Ausdehnung — hat, ist das Petroleum. Es soll deshalb 
weiterhin kurz nur von Petroleum oder Luft gesprochen werden, um das 
lange Wort ,, Zwischenflüssigkeit“ zu vermeiden. 

Zunächst sollen die Bezeichnungen für die in den Formeln auftreten- 
den Gröfsen festgestellt werden. 

Da wir gewöhnt sind, den Barometerstand in Millimetern Quecksilber- 
säule, Gewichte aber in Grammen zu messen, sollen als Längeneinheit das 
Millimeter, als Gewichts- oder Mafseneinheit das Gramm betrachtet werden. 
Es sollen also bedeuten 


y — 13,6 X 10~ 3 das Gewicht von 1 cbmm Quecksilber in Grammen, 
cp — 10 3 x 0,0735 das Volumen von 1 gr Quecksilber in cbmm, 
j/' = 0,8X 10~ 3 das Gewicht von 1 cbmm Petroleum in Grammen, 
y"= das Gewicht von 1 cbmm Luft in Grammen, 
a = y'/y = Dichte des Petroleums bezogen auf Quecksilber, 
g"= y" I y= Dichte der Luft bezogen auf Quecksilber. 


Die Gröfsen s bedeuten Spannungen im Innern des Manometers und 
der Glocke in Millimetern Quecksilbersäule. Die Gröfsen Ä, B , (7, D, Ä/, 
JF, q und Q sind die Gewichte Quecksilber in Grammen, welche die be- 
treffenden Röhren auf 1 mm Länge enthalten können. 

Man kann nun die Beziehungen zwischen den aus Tafel I ersichtlichen 
Längen aufstellen. Dieselben sind 


I. 


£ + £o — h + h + x V = w i+ h + ^ 

£ + £o — h + h + ^ ^ ^ = y — z 

£ + £ 0 — h + w 2 J r y z — u + + x 

£ + £o = ^ +^2+ ^ z = rj X 

y = h'+y'. 


X =& 1 -f- x 
X'= l b -f- x 


Es sind dies 11 Gleichungen mit 16 Variabein, man kann also durch 
J, y , z und y f sämtliche Hilfsgröfsen ausdrücken. 

Die Spannungen s haben den nachstehenden Zusammenhang, wenn 
als Zwischenflüssigkeit Petroleum angewendet wird, 


9 


8 1 = g + w t o s" Ms’ -f- (y' — H 0 — E)<p s 3 = b 1 + t] 

s 2 = Sl + h s"'= s"+ H<f s'"= b 2 + H<f 

s s = *2 + V s ' = s i + h ' a = h + h ' a "’ *) 

hieraus folgt weiter 

S 2 == ^1 S == ^ 2 ’ 
wie dies direkt hätte abgeleitet werden können. 

Tritt nun Luft an Stelle des Petroleums, so hat man in den vor- 
stehenden Formeln überall er" statt er zu setzen. Das reicht aber eigentlich 
nicht aus, man müfste streng noch die Spannung des Wasser- 
dampfes berücksichtigen. Hat die Vorrichtung überall gleiche Tem- 
peratur und treten alle Änderungen in dem Zustand der eingeschlossenen 
Luft sehr langsam auf, so bietet dies keine besonderen Schwierigkeiten, 
wird aber sehr umständlich bei raschen Zustandänderungen und starken 
Temperaturverschiedenheiten in den einzelnen Teilen der Vorrichtung. 

Läfst man also der Einfachheit wegen die Wirkung des Wasserdampfes 
unberücksichtigt, so kann man auch a"= 0 setzen und bekommt 

b 1 = b 2 = b. 

Somit erhält man als Druckgleichungen: 

A. Petroleum. 

s" = s' + (xf — — H)y = b s'=8 1 + h'a. 

s m =b + H(p 

B. Luft. 

=s' + (y f — H 0 — H)(f = b s' = s. 
s'" = b+H<p 

Das Wagemanometer. 

Wenn man mit P 1 und P 2 die Zugkräfte bezeichnet, welche die 
Manometerröhre und der Trog auf ihre Befestigungspunkte ausüben und 
wenn G t und G 2 die Gewichte der Röhre und des Troges allein bedeuten, 
so erhält man die folgenden Gewichtsgleichungen: 

P 1 = G ± + B b — Cs + ( C — A) (s t + wj — (B — A) s s 

^2 = + (B — D) u-\- (D—B) {u-\-l^}-\-{B—F) (s 3 + ^ 1 )+P(5 + ^ 2 <r ) — Bb. 

Hierzu ist folgendes erläuternd zu bemerken. Die horizontale Wirkung 
der den ganzen Apparat umgebenden Luft ist überall ausgeglichen. Be- 
züglich der vertikalen Wirkungen des Luftdruckes ist dies bei allen den 
Teilen sofort zu ersehen, welche aufserhalb des Zylinders vom Querschnitt B 
sich befinden. In den Formeln erscheint daher als + Bb der Druck auf 
die obere Fläche der Röhre (nach unten gerichtet) und als — Bb der nach 
oben wirkende Druck auf die untere Fläche des Troges. Die Bedeutung 
aller anderen Glieder der Gewichtsgleichungen läfst sich aus der Zeichnung 
mit leichter Mühe erkennen. 

Zur vollständigen Feststellung des Zustandes der Vorrichtung hat 
man nun noch die Mafsengleichung für das Quecksilber nötig. 


s 1 = s + W 2 () 
s 9 = s, 4- h = b 
s s = b +V 

s 1 = s 

s 2 = s + h==b 
S s — b + V 


*) Angenähert. 


10 


Mit M ± soll das Gewicht des Quecksilbers bezeichnet werden, welches 
von der Manometerröhre umgeben ist, während M 2 den sich im Trog 
befindlichen Teil und M das Gesamtgewicht bedeuten sollen. 

Man erhält nach der Zeichnung 

M 1 =(C-F)w 1 + (A-F)l s 

M 2 = (E — D)u + (D — B)ij + (. D—F )#, 

M —Eu + DI.+ ( C—F)w 1 J r (A—F) (li — w 1 )—(B—A) i]—F(u-{-l 1 ). 

Die Kombination der zwei Gewichtsgleichungen mit diesen Mafsen- 
gleichungen ergibt die nachstehenden interessanten Gleichungen: 

P 1 = Gr t + M t + F(l s + w ± ) + Cw 2 a — B rj 

P 2 = Go -j- M 2 H“ ^l) ■ — (^o & 2) G ~f ' Btj 

P 1 + P 2 =G 1 + G 2 + M+( C — F)w 2 c + Fd 2 o. 

Der Ausdruck M ± -\-F(l 9 + w ± ) bedeutet das Quecksilbergewicht, welches 
die Manometerröhre vom offenen Ende an bis zum Stand w 1 in der Kammer 
aufnehmen kann, also einen Wert, der durch Auswägen mit Quecksilber 
gefunden werden kann. Wächst E, so wird M t um AAfj kleiner derart, 
dafs (F + A F) (l s + w ± ) = M ± — A M ± sein mufs. Cw 2 a ist das Gewicht 
Petroleum, welches die Kammer auf die Länge w 2 aufnehmen kann. 

Ob die Zuleitungsröhre in diesen Raum hineinragt oder nicht, wie 
weit dies geschieht und wie grofs F ist, das ist auf den Zug P 1 sonach 
ohne jeden Einflufs. 

Man kann also die Gleichung für P ± folgendermafsen durch Worte 
ausdrücken : 

,,Die Zugkraft P ± des Manometerrohres am Aufhängungspunkt ist 
gleich dem Gewicht der Röhre mit Zubehör vermehrt um das Gewicht der 
Flüssigkeit, welches die Röhre bei ,F=Null fassen könnte, und vermindert 
um den Auftrieb, den das eingetauchte massiv gedachte Rohrstück im 
Quecksilber erfährt.“ 


Was den Zug P 2 des Troges anlangt, so stellt G 2 + M 2 -\- Br] den 
Zug dar, den der Trog ausüben würde, wenn die Röhre nicht vorhanden, 
der Trog aber bis zur Höhe u mit Quecksilber gefüllt wäre. Taucht aber 
die Manometerröhre ein und geht in derselben das Zuleitungsrohr bis zur 
Höhe ? 3 + w 1 + (w 2 — & 2 ) in die Höhe, so ist P 2 um das Gewicht der von 
dem Zuleitungsrohr innerhalb der Manometerröhre verdrängten Flüssigkeit 
(Quecksilber und Petroleum) kleiner. 

Die Summe P x + P 2 der Zugkräfte ist — wie dies zu erwarten war — 
gleich der gesamten Mafse des ganzen beweglichen Systems. 

Fehlt das Zuleitungsrohr und ist der obere Teil der Kammer luftleer 
(oder auch nur mit sehr verdünnter Luft gefüllt), so wird aus dem Wage- 
manometer ein Wagebarometer; es ist 

F — 0 er == 0 und 


P 1 = G 1 + M 1 — Bij 
P 2 = Go d - A/2 “P Bi] 

p 1 + p^ = g 1 + g 2 +m. 

Da für Messungen am Instrument die Variabelen f, J, ?/, z und y' 
innerster Linie geeignet sind und alle anderen in der Zeichnung eingeführten 
Hilfsvariabelen durch diese ausgedrückt werden können, müssen die bisher 
gewonnenen Gleichungen noch weiter umgearbeitet werden. Man erhält 
als Hauptgleichungen für das Wagemanometer zunächst 


11 


III A. P 1 = Q —(C—A) k+ CQt + lJtr - [0(1 — a) - B]X + C{l—o)y—Bz 
P 2 = G 2 — (. E-D )l t — Fl 5 i 7 - [E~F(\ -o)} x — F( 1 — o)y+Ez 

P 1 + P 2 =G 1 + G 2 + M+[C(l, + l,)-Fl b \a+CaX~Fax-{C-F)ay. 

Hierin erscheinen statt £ und £ noch X und x, die aber nur durch 
(bei konstanter Temperatur) konstante Werte verschieden sind, wie dies 
sich aus dem Gleichungssystem I ergibt. Hierzu kommen nun noch die 
auf die Wirkungsweise der Wagebalken bezüglichen Gleichungen. In der 
Figur sind dieselben als gerade Hebel mit je zwei gleichlangen Armen dar- 
gestellt, wie sie — wenigstens in gleichwirkender Weise — vielfach 
praktisch Verwendung finden. 

Die Gegengewichte 77 1 und II 2 müssen dann P 1 resp. P 2 gleich sein, 
wenn Gleichgewicht stattfinden soll. 

Man kann aber die Wagebalken auch so einrichten, dafs II 1 und ü 2 
Funktionen von £ resp. £ sind, dann wird also Gleichgewicht stattfinden, 
wenn 


III B. 
sind. 





Es sind dies 5 Gleichungen mit den Variabelen 
P ± P 2 X — £ + Konst. x = £ + Konst. y und z, 

man braucht also nur eine dieser Variabelen zu kennen, um den Zustand 
des Instrumentes bestimmt angeben zu können. Aus den Gleichungs- 
systemen I und III kann man durch Differentiation die Bewegungs- 
gleichungen ableiten. Bleibt die Temperatur unverändert, so können alle 
Dimensionen und spezifischen Gewichte der Flüssigkeiten (mit Ausnahme 
der Luft) als konstant angenommen werden. Man erhält aus I 

dx = dX' — d£ dh = dy — dz dh'=dy — dy 

dX = d£ du — dz — d£ 

• dw 1 —~dw 2 = dy — d£ dy = dz — d£ 
d\X 1 == d& 2 = d£ — d£ 

und aus III A und IIIB für Petroleum 


dP 1 = -[C{l—a) — B}d£ + 0(1— o)dy — Bdz 
dP 2 = m-[F—F(l—aJ]d£ — F(l — o)dy + Fdz 

dP ± + dP 2 = + Cad£ — Fad£ — (C-F)ady 

dn ± = dP x = — K 1 d£ 
dl. I 2 = dP 2 — — K 2 d£. 

Die Auflösung der letzten 5 Gleichungen liefert die Ausdrücke für 

d£ dy dz , , dy , dz 

Tc\ 5P. M' alsoauch dl und sr 

Sind die mit und X 2 bezeichneten Differentialquotienten dnjd£ 
und dü 2 /d£ voll oder nahezu konstant, so erhält man für die obigen 
Differentialquotienten Ausdrücke, in denen nur konstante durch Beob- 
achtung gegebene Gröfsen auftreten, die also sofort integrabel sind. Anders 
wird dies aber, wenn K t und K 2 als Funktionen von £ resp. £ auftreten 
oder auch die Kammer der Manometerröhre wesentlich von der voraus- 
gesetzten Zylinderform abweicht. 

Hat man also die Stellungen £ t und £ 2 des oberen Wagebalkens be- 
obachtet und kennt die zu £ 1 gehörigen Werte £ v y 1 und z v so erhält 
man meist 


12 


^2= ?i+ Konstj (f 2 — fj) 

y 2 = Vi + Konst.g (f 2 — 

^2= + konst.g (? 2 — fj). 

Mit diesen Gleichungen kann man die Gleichungen für die Hilfsgröfsen, 
deren jede eine besondere Bedeutung hat, aufstellen. 

Unter diesen tritt die Hilfsgröfse h — y — z hervor, welche durch die 
Gleichung 

h 2 — ^1 = (Konst. 2 — Konst. 3 ) (£ 2 — h 1 =y 1 — z 1 

gegeben ist. Bei den gewöhnlichen Manometern wird h gemessen, es gibt 
die Gröfse s 1 =b — h , also die Spannung im Innern der Vorrichtung, mit 
der das Manometer in Verbindung steht, an der Stelle der inneren Kuppe 
des Quecksilbers an. Hierdurch wird der Name „Wagemanometer“ für 
das auf Tafel I dargestellte Instrument, gleichgültig zu welchen Zwecken 
es dient, gerechtfertigt. 

Wenn als Zwischenflüssigkeit Luft verwendet wird, so gestalten sich 
die Gleichungen einfacher und ergeben 

dP 1 = — (C—B)d£ -\-Cdy — Bdz 

dP 2 — — (E — F)d£ — Fdy-\-Edz 

dP ± + dP 2 = Null 
dP 1 ==-^-K 1 d£ 
dP 2 = — K 2 d§. 

Wenn man nun auf das Gleichungssystem II übergeht und dieses 
differenziiert, so erhält man 


A. Petroleum. 


ds 1 — ds -f- a dw 2 
ds 2 = ds 1 -j- dh = db 
dSg ===: db — j— d Tj 

ds 1 = ds 

ds 2 = ds 4 - dh — db 
ds s = db-\- drj 
wozu noch 


ds" = ds' -j- (p dy r — (f dH = db 
ds"'= db (f dH 

B. Luft. 

ds" = ds' -\- (f dy ' — (f dH — db 
ds'" = db 4- <p dH 


dh' = dy — dy' 

nach den Gleichungen I kommt. Hieraus ergibt sich 


ds' — ds 1 -j- er dh' 



A. Petroleum. 


B. Luft. 


ds = db + dz — (1 — a) dy + a d£ ds = db — dh 

ds' = db -j- dz — (1 — <r) dy — dy' ds' = db — dh 

dH— ydz — (y — /) dy + (1 — Y) dy' dH— — ydh -f- dy'. 

Während also ds durch Barometer und Manometer vollständig gegeben 
ist, erfordert dH und bei Petroleum auch ds' die Kenntnis von dy'. 

Um dieses zu finden, mufs auch für die Zwischenflüssigkeit eine Mafsen- 
gleichung aufgestellt werden. 


A. Petroleum. 

M' sei das Gewicht des ganzen im Apparat vorhandenen Petroleums, 

Mo' der konstante Teil desselben in der Zuleitungsröhre. Dann ist 
IV A. M'=M 0 '+ Cöw 2 —~ Fa (w 2 — ^ 2 ) qa (Z 7 — y')*) 

*) / 7 wurde in der Zeichnung' vergessen, es bedeutet den Abstand des oberen • 
Endes der Taucherglocke von der Nullebene. 


13 


B. Luft. 

Das Gewicht von 1 cbm Luft in Kilogrammen bei s mm Spannung 
und der absoluten Temperatur T ist 

/,= WT kgr/cbm - 

Wir haben hier als Volumeinheit das cbmm und als Gewichtseinheit 
das Gramm eingeführt. Setzt man also 

B = 2,153 X 10 + 6 , 

so wird 

s 

y' f = j, Gramm pro cbmm 

sein. Näheres hierüber findet man in meiner Vorarbeit zum Jahrbuch 1903 
der K. S. Landeswetterwarte. 

Wird das Volumen der Luft im Apparat mit v bezeichnet, so ist 


IV. M'= .p m das Gewicht dieser Luft. 

Jti 1 

Bezeichnet v 0 das Volumen der Zuleitungsröhre, so ist 

v = v 0 +Ccpw 2 — F(f (iv 2 — # 2 ) + qg>(l 7 — y’) 
und man erhält 

IVB. M ' = ^T { v o + C( f^ 2 -F<f(iv 2 - # 2 )+q<p(l,—y')y 


Die Formeln IV A und IV B können einer wesentlichen Umarbeitung 
unterzogen werden. 

Wenn man nämlich das Gewicht M f durch das Gewicht der Zwischen- 
flüssigkeit, welche in 1 Millimeter der Taucherglocke enthalten sein kann, 
dividiert, so erhält man die Höhe L des Zylinders vom Querschnitt der 
Taucherglocke, in welchem die ganze Menge M' der Zwischenflüssigkeit 
untergebracht werden kann. Es ist 


VA. 

VB. 


L = bei Petroleum. 

qa 

BT 


L = 


s 


M' 

qg) 


bei Luft. 


Wird aufserdem noch 


VI. 



gesetzt, werden also mit q und q ' die Verhältnisse der Querschnitte der 
Kammer und der massiv gedachten Zuleitungsröhre zu dem Querschnitt 
der Taucherglocke bezeichne^ so erhält man die für alle Arten der 
Zwischenflüssigkeit gemeinsame Formel 


V. L = i 0 + qw 2 — (/ (w 2 —& 2 ) + l y'. 


Man hat hierbei aber nur noch zu beachten, dafs bei Petroleum L 
eine Konstante ist, so lange sich die Temperatur nicht wesentlich ändert, 
bei Luft aber L als Funktion von s und T auftritt. 


14 


L 0 ist aber auch bei Luft als Konstante v 0 /q<p zu betrachten. Die 
Differentiation ergibt 

VII. dy'= qcIw 2 — q'd (w 2 — # 2 ) — dL = qd£ — Q f d£ — (q—q') dy — dL. 

Hierin ist weiter nach II, sowie V A und V B 
bei Petroleum dL = 0, 

bei Luft dL = — — ds = — — db + — dh. 

S S S 

Man erhält also 


A. Petroleum. 

VII A. dy'=Qd£ — q' d£ — (q— q') dy, 


B. Luft. 

VII B. dy f = — db qd £ — Q'd'g — ( Q~q')dy — — dh, 

s s 

und damit schliefslich 

A. Petroleum. 

VIII A. — 

B. Luft. 

VIII B. dH= Qdt; - Q'dS + (y+ |) dz - { y + ^ + (e - ? ')} dy + ^ db. 
Damit ist die Aufgabe noch nicht völlig gelöst. 

Es war angenommen worden, dafs die Bewegung durch Eintreten von 
Wasser in das Bassin bedingt wird und die Aufgabe gestellt worden, diese 
Menge zu bestimmen. 

Auch für das Wasser im Bassin läfst sich eine Mafsengleichung auf- 
stellen, welche die sehr einfache nachstehende Form annimmt: 

IX. M"=(Q-q)<pH + q'p (y'-H-H,). 

Wie man sieht, ist hierbei das Gewicht des von dem Mantel der 
Taucherglocke verdrängten Wassers — was meist zulässig sein wird — 
vernachlässigt worden. 

Dividiert man M" durch ( Q — q) (p, und setzt 

M" q _ „ 

^ ( Q~q)<f Q~q P ’ 

so wird [jl die Höhe bedeuten, welche das ganze in dem Apparat befind- 
liche Wasser in dem Baum vom Querschnitt ( Q — q) cp haben würde, während 
q" das Verhältnis des Querschnittes der Taucherglocke zu dem des Raumes 
aufserhalb derselben im Bassin darstellt. Man erhält dann: 

IXa. p = H+ q" = (!-<>") H+ Q " y'- Q " H 0 , 

X. dy = (l—Q")dH+Q"dy'. 

In diese Gleichung hat man dann die unter VII und VIII gefundenen 
Ausdrücke für dy ' und dH einzusetzen. 

Es wird sich nach der vollen Lösung der gestellten und möglichst 
allgemein gehaltenen Aufgabe nunmehr noch darum handeln, mit tunlichster 
Kürze eine Übersicht der verschiedenen Zwecke zu geben, denen die Wage- 
manometer dienen können, und zu zeigen, wie dies geschehen kann. 


15 


Vorher ist aber festzustellen, dafs es keinen Zweck haben würde, wenn 
man — wie dies bisher angenommen worden war — die Manometerröhre 
und den Trog beweglich anordnen wollte, da die Bewegung beider in 
gesetzmäfsigem Zusammenhang steht. Man wird also entweder nur die 
Bohre oder nur den Trog beweglich einrichten, den anderen Teil aber 
festklemmen und es werden hierbei nur die Gründe der Zweckmäfsigkeit 
in Frage kommen. Die Einrichtung, welche man dem Wagebalken geben 
kann, läfst sich sehr verschieden treffen. Es soll angenommen werden, 
dafs das Gewicht 77, welches an der Stelle wirkt, wo Manometerröhre oder 
Trog befestigt werden, durch die Gleichung 

II = TI 0 — Kl, oder 

n = n 0 — K% 

gegeben ist, und es wird dabei festgestellt, dafs die Konstante K den 
Wert Null annehmen darf und auch negativ werden kann. 

I. Das Wagebarometer. 

Denkt man sich in Tafel I Wasserbassin, Taucherglocke und Zulei- 
tungsröhre weggelassen und nimmt an, dafs der Baum w 2 vollständig luft- 
leer sei, so erhält man ein Wagebarometer. 

Gewöhnlich hat man bisher die Bohre beweglich eingerichtet. Setzt 
man in den Gleichungen III F = 0, a = 0 und auch s — 0, so wird 

dh — dl) 

und man erhält streng 

0 dl) _ (. E + C—B) K — E ( C—B) 

dt~ EC 

Genau denselben Ausdruck bekommt man für db/d£, wenn die Bohre 
festgehalten und der Trog beweglich gemacht wird, nur erhält er das 
entgegengesetzte Vorzeichen. 

Die Formel 2 läfst sich hinreichend genau schreiben 

db ( K+B)—C 

d£~ C 

wenn EC als sehr grofs gegen K (C — B) betrachtet werden darf, was man 
bei der Konstruktion der Wagebarometer leicht erreichen kann. Man er- 
hält dann in 

dt _ C 

db (. K+B) — C 

einen Ausdruck, welcher als die Bewegungsgröfse bedingt durch den Anstieg 
des Barometerstandes um 1 mm bezeichnet werden kann. Es ergibt sich 
daraus, wie man die drei Gröfsen AT, B und C zu wählen hat, um eine 
gewünschte Bewegungsgröfse zu erreichen. Diese wird im allgemeinen 
mit dem Durchmesser der Kammer wachsen; aber einen noch gröfseren 
Einflufs hat die Differenz 

(K+B)~c. 

So lange diese positiv, also 

(Z+B)>C 

ist, wird die Bohre bei steigendem Barometerstand sinken. Ist 

K+B=C, 


16 


so bringt die geringste Schwankung im Barometerstand eine unendlich 
grofse Bewegung der Bohre hervor, während die Bohre mit dem Luft- 
druck steigt, wenn 

K+B<C 

ist. Untersucht man diese Angelegenheit näher, so findet man, dafs der 
Gleichgewichtszustand 

stabil 

indifferent ist, wenn K B = C 
labil 

gewählt wird, also nur im ersteren Fall die Bohre bei einem gegebenen 
Barometerstand sich in der durch die Gleichung 2 gegebenen Stellung 
erhalten kann. Das Instrument mufs sonach so eingerichtet werden, dafs 
die Bohre bei steigendem Barometerstand sinkt. 

Ist K = Null, hat man also vielleicht die Bohre an einer leicht beweg- 
lichen Bolle mit konstantem Gegengewicht aufgehangen, so mufs der äufsere 
Durchmesser des in das Quecksilber tauchenden Bohrstückes (B) gröfser 
als der Durchmesser der Kammer sein. Am einfachsten erreicht man dies, 
wenn man C = A macht, also ein gleichweites zylindrisches Bohr anwendet. 
Hierbei kommen aber noch andere Erwägungen in Frage. Die Wage- 
manometer sind bisher nur zur Begistrierung des Luftdruckes eingerichtet 
worden, wozu sie sich besonders eignen, viel besser als alle anderen 
Barometerformen. Das Gleiten des Schreibstiftes auf dem Papier erfährt 
einen gewissen Widerstand, der durch die bewegende Kraft der Luft- 
druckänderung überwunden werden mufs. Nimmt man bei der Differen- 
tiation der etwas abgeänderten Gewichtsgleichungen d£ = 0 an, so erhält 
man für die bewegende Kraft folgende Formel: 

dP 1 _ C ■ _ r 

db ~ c—b- 

+ E 

Das Instrument wird also um so kleinere Fehler bei der Begistrierung 
der Luftdruckschwankungen — soweit nur die Beibungswiderstände zwischen 
Schreibstift und Papier in Frage kommen — machen, je gröfser der Durch- 
messer der Kammer ist. Um Quecksilber zu sparen, gibt man der Kammer 
nur die absolut nötige Länge und macht dann den unteren Teil der Bohre 
möglichst eng. Jedoch kann man auch in diesem Fall durch Ankitten 
eines genügend langen Zylinders aus Stahl oder Eisen die Bedingung B > C 
erreichen. Dies führt noch auf eine weitere Frage, die hier wenigstens 
gestreift werden möchte. Wie bereits erwähnt wurde, treten Bewegungen 
im Instrument auch durch Temperaturänderungen ein und werden haupt- 
sächlich durch die Ausdehnung der Flüssigkeiten bedingt. Da eine exakte 
Untersuchung des Temperatureinflusses nur bei Instrumenten, deren Ein- 
richtung in allen Einzelheiten genau bekannt ist, stattfinden kann und 
selbst eine überschlägliche Ermittelung derselben ziemlich viel Bechnung 
erfordert, wurde diese Frage hier beiseite gelassen. Da aber bei den ! 
registrierenden Barometern der Temperatureinflufs von besonderer Be- j 
deutung ist, sollen hier die Hauptsachen eingeschaltet werden. 

Es macht dies nötig, auf den Fall einzugehen, bei dem in der Kammer 
sich Luft, wenn auch von nur sehr kleiner Spannung befindet. Die 
Gleichung 2 ist dann zu schreiben 


17 


dh _ (E + C—B) K — E{C — B) 
d£~~ EC 


Konst., 


da K als konstant vorausgesetzt wurde. Die hieraus folgende Gleichung 

h = h 0 — Konst, f — b — s 

ergibt also durch h die Differenz zwischen dem Luftdruck b und der 
Spannung s der in der Kammer sich noch befindenden Luft. Ist v 0 das 
Volumen der Kammer, so ist das Volumen der Luft 

v 0 — C(fiv v 

worin w 1 nach dem Gleichungssystem III als lin eare Funktion von f — wie h — 
dargestellt werden kann. Ist weiter r das Gewicht der Luft in der Kammer, 
so bekommt man nach IV 

r.n.T 

s== 

v 0 — C (f iv 1 

und kann somit für jeden Wert von f den zugehörigen Barometerstand 
nach der Formel 


berechnen. 


b === h -j- s 


Wenn nun das Instrument bei dem Barometerstand b und der Tem- 
peratur 0° C. (T= 273) einen bekannten Zustand hat und man erwärmt 
dasselbe bei unverändertem Luftdruck, so tritt eine nach der Formel 

k _c_~b k 

^ E K * 

dt (i + £=**) k-(c-b) 

zu berechnende Bewegung ein. Hierin sind K ± und K 2 zwei Koeffizienten, 
welche von 6, s und den Instrumentalkonstanten abhängen. Läfst man 
die Ausdehnung der festen Bestandteile unberücksichtigt und bezeichnet 
den Ausdehnungskoeffizienten -des Quecksilbers mit «, so erhält man 


Es ist nun klar, dafs man dem Wert s durch passende Wahl von JT 
jede beliebige Gröfse geben kann. Man kann es also auch einrichten, dafs 

A - C-B 

l ~ E 2 

ist, in welchem Fall dann 

^ = Null 

dt 

wird, im Instrument also alle Temperatureinflüsse „kompensiert“ sind. 

Allerdings setzt die praktische Anwendung dieser Methode ein so 
grofses Volumen des Luftraumes der Kammer voraus, dafs s bei allen 
vorkommenden Barometerständen nahezu denselben Wert behält, was aber 
sich bequem und hinreichend genau erzielen läfst. 

jj 

Da — -g— meist sehr klein ist, kann als Kompensationsbedingung auch 

K}— Null 


18 


betrachtet werden. Ist die Barometerröhre gleichweit, also ist C=A, 
so ist nach Seite 10 

P t — G 1 =M 1 —Bri=C{li + rj) — Br l- 

Somit wird 

K \ = {ch+Cs - Ch-\-(B — C)rj\ a- C~- ■ 

Wenn in diesem Fall das Barometer vollständig luftleer ist, hat man 
s = Null zu setzen und erhält 

worin (B — C)rj das Gewicht des von dem eingetauchten Rohrstück ver- 
drängten Quecksilbers bedeutet. 

Ist die Barometerröhre sehr dünnwandig und taucht sie nur wenig 
in das Quecksilber des Troges ein, so ist also K ± sehr klein und das 
Barometer sehr nahe kompensiert. Dies hat Veranlassung zur Konstruktion 
des Sprungschen Laufgewichtsbarographen gegeben und wird als dessen 
Hauptvorzug bezeichnet. 


II. Das Wagemanometer für Gasdruck. 

Läfst man in Tafel I nur das Wasserbassin weg, nimmt an, dafs die 
Taucherglocke geschlossen sei und nur Luft oder irgend ein anderes Gas 
enthalte, so wird im Innern der Glocke oder jetzt des Luftgefäfses (Rezipient) 
die Spannung s herrschen und es wird 

s = b — h 


sein. Die Gröfse von b liefert das Barometer und den Wert 

h = h 0 - f- Konst, f 

das Wagemanometer. Die Konstante ist bestimmt durch 

q TZ , äh K[E-\-C—B — F] —(C — B){E—F) 

3. Konst. = M =~ ^ C (E-F)-F(C-B ) A . 

Man erkennt, dafs der Ausdruck 3 mit dem Ausdruck 2 identisch 
wird, wenn man (in 3) F = 0 setzt. 


III. Das Wagemanometer als Luftthermometer. 

Kennt man das Gewicht r der Luft in dem abgeschlossenen Luftraum, 
mit dem das Wagemanometer in Verbindung steht, so kann man aus der 
Spannung s und dem Volumen v die Temperatur ableiten. Man erhält 
nach IV 

v=v 0 -\- C(pw 2 — Fcp(w 2 —d' 2 ) + 

rn VS 

r.R 

Die hier auftretenden Gröfsen iv 2 und ( w 2 — # 2 ) sind lineare Funktionen 
von f, welche nach den Gleichungen I oder III bestimmt werden können. 
Ist die Temperatur nicht in allen Teilen des Apparates dieselbe, so hat 
man v in mehrere Teile zu zerlegen. Wenn z. B. die Temperatur des 
Manometers T v die mittlere Temperatur in der Zuleitungsröhre T 2 und 
die Temperatur in der Glocke T wäre, so würde Formel IV 

rR = s | % | gyU 

L 2^1 T J 


19 


zu schreiben sein. Meist wird es dann der Wert T sein, um dessen Be- 
stimmung es sich mit Hilfe des Wagemanometers handelt, T x und T 2 
müssen auf andere Weise ermittelt werden. 


IV. Wagemanometer als Wassermesser. 


Bei den folgenden Einrichtungen soll angenommen werden, dafs das 
Manometerrohr aus einem einfachen zylindrischen Rohr — welches am 
besten aus Stahl (Mannesmannröhre) gemacht wird — besteht und dafs 
dieses Rohr festgehalten wird. 

Der Trog wird beweglich eingerichtet. 

Da aber dann die Zuleitungsröhre durch den Trog kaum zu brauch- 
baren Konstruktionen führen dürfte, soll weiter angenommen werden, dafs 
die Zuleitung nach dem Manometerrohr geführt wird und an der Stelle 
A'=Z 5 - \-x einmündet. Dieses Zuleitungsrohr bildet dann eine konstante 
Erhöhung des Gewichtes 0 ± und in den Formeln III ändert sich weiter 
nichts, als dafs man 

dV ~ 0, d& 2 = 0, d£ = 0 und F= 0 

zu setzen hat. 

Es kann nun weiter angenommen werden, dafs bei 


ist, was auch 


h = 0 § = 0 


ergibt. Dann erhält man 

V = V o + 


yo= £o 

BE+{E—B)K t 
EC § 


a i E — K. 

4. z = y 0 + — g— £ 

7 , K{E+C-B)-E(C-B) y 
. EC 

wobei bemerkenswert ist, dafs diese Formeln für alle Zwischenflüssig- 
keiten gelten. Weiter möchte hier noch kurz bemerkt werden, dafs h bei 
Minder druck positiv gerechnet wurde und bei Überdruck negativ erscheint, 
es sinkt dann die Quecksilberkuppe in der Röhre unter das Niveau im Trog. 

Wassermessungen selbst können sehr verschiedenartig sein. Zuerst 
kann man das in der Zeichnung vorausgesetzte Wasserbassin beibehalten. 
Dasselbe kann höher oder tiefer liegen als das Wagemanometer. Während 
es beliebig hoch gestellt werden kann und dies nur erfordert, dafs man 
die Röhre und den unteren Trogteil genügend lang macht, ist der An- 
ordnung unter dem Wagemanometer bei Petroleum eine durch die Gröfse 
des Luftdruckes (zirka 12 m im günstigsten Fall) bedingte Grenze gesetzt, 
obwohl auch hier man sich helfen könnte. Man wird also zunächst an 
einen der Wasserbehälter denken können, wie sie bei allen Wasserleitungen, 
Wasserstationen für die Lokomotiven, in chemischen und anderen Fabriken 
usw. Vorkommen. Der Apparat soll dann das zu- und abgehende Wasser 
angeben und zwar dadurch, dafs er alle Schwankungen in der Höhe H 
des Wasserspiegels durch das Wagemanometer registriert. 

In solchen Fällen wird man als Zwischenflüssigkeit zwar stets Luft, 
aber nur selten Petroleum anwenden dürfen. Meist wird man als Zwischen- 
flüssigkeit direkt das Wasser wirken lassen können. 

** 


20 


Dann hat man in Formel VIII A y'=l zu setzen. In dieser Formel 
und aufserdem in Formel VII A wird weiter 

d£ = 0 q'= 0, sodafs diese und Formel X in der Gestalt 

dy f = — qdy 

dH— ydz - — (y — 1) dy 

dp = (1 q") dH+ q" dyf. = (1 - f)dH — qfdy 

erscheinen. Hierin ist also 


QQ" = 


G 


Q-r 

Da es in diesem Fall keinen Sinn haben würde, eine weite Taucher- 
glocke in das Bassin einzustellen, sondern hierzu ein einfaches enges Rohr 
ausreicht, und auch Q meist sehr grofs gegen C sein wird, kann man 
q"=qq" = 0 setzen und erhält 

dy = dH = ydz — (y - 1) dy , woraus 
I M — ,«0= H — H ü =y{z- y 0 ) -(y-l) (y- y 0 ) 

folgt. 

Wenn also (Q — q) (p — der Querschnitt des Bassins — mit F bezeichnet 
wird und G das Gewicht des in das Bassin geflossenen Wassers bedeuten 
soll, so hat man 

Q=F(H- H 0 )=F{r{z~y 0 )- {y-l)(y -yS) = Konst, x 

Der Wert der Konstanten bestimmt sich aus dem Gleichungssystem 4. 


V. Das Wagemanometer als Regenmesser. 

Wenn man das Bassin so einrichtet, dafs es das Regen wasser von 
einer möglichst grofsen Auffangefläche aufnimmt, so wird die Einrichtung 
unter IV auch als Regenmesser verwendet werden können. 

Derartige Einrichtungen sind bereits mehrere in Tätigkeit, nur werden 
bei den von mir hergestellten Instrumenten statt des Wagemanometers 
Dosenfedermanometer verwendet, die ich auch bei sehr hoch stehenden 
Wasserbehältern in Anwendung bringe. Beim Regenmesser ist die Ein- 
schaltung von Petroleum oft empfehlenswert und hat sich — wenigstens 
im Winter — gut bewährt. Im Sommer empfiehlt es sich aber, das Pe- 
troleum wegen dessen grofsen Ausdehnungskoeffizienten wieder durch 
Wasser zu ersetzen. 


VI. Der hydrostatische Pegel. 

Die Einrichtung auf Tafel I stellt ohne weiteres einen hydrostatischen 
Pegel vor, wenn man sich das Wasserbassin als einen Flufs oder eine Tal- 
sperre oder irgend eine andere Wasseransammlung denkt, bei der es nur 
auf die Höhe des Wasserspiegels H ankommt. Aufserdem hat man das 
unter IV über die Einrichtung des Wagemanometers Gesagte zu berück- 
sichtigen. 

Als Zwischenflüssigkeit ist Petroleum (oder auch Wasser selbst) zu 
denken. 

Da auch hier in den Formeln VII A und VIII A 

d£ = 0 und q'= 0, 
f=0(Q^Wr) 


sowie in X 


21 


zu setzen sind, erhält man 

dy'— — Qdy dH—ydz — {/ — /' + (!—>■')<?} dy. 

Hier können zwei Spezialfälle erwähnt werden; 

1. Es wird q = (7, also q = 1 

gemacht, was dy '— — dy dH=ydz — (y — 1) dy 

ergibt. Oder es kann 

2. q als sehr grofs gegen C angenommen werden, was 

q = 0 dy'= 0 d H=y dz — ( Y~/)dy 

liefert. 

In jedem Fall lassen sich mit Hilfe der Gleichungen 4 dH/d'i und 
dy'ld% als konstante Gröfsen berechnen, in denen aufser /, / und q nur 
noch AT, E, C und B Vorkommen. 

Wenn man aber in derselben Vorrichtung das Petroleum durch Luft 
ersetzt denkt, so wird aus derselben 


VII. ein Luftdruckpegel. 


Die Gleichungen VII B, VIII B und X ergeben hier 

dy' — — dh — qdy — — dh 
s s 


^jdz — 

dy — dH. 

Diese Gleichungen haben ein ganz anderes Aussehen als beim hydro- 
statischen Pegel. Zuerst fällt auf, dafs ein Glied erscheint, in dem die 
Luftdruckschwankungen zum Ausdruck kommen. Dann ersieht man, dafs 
die Gröfse dH\d £ keinen konstanten Wert haben kann, sondern sich mit s , 
also auch mit £ ändert. 

Jedoch lehren die Gleichungen auch, wie man es anfangen mufs, wenn 
man möglichste Konstanz des Quotienten dH /dg erreichen und die Wirkung 
des Luftdruckes tunlichst klein machen will, womit auch die tunlichste 
Verminderung des Einflusses von Temperaturschwankungen erreicht 
werden kann. 

Man wird diese Zwecke erreichen, wenn man L so klein und s so 
grofs als möglich macht, sodafs L/s so klein wird, als es die Umstände 
gestatten. 

Was zunächst die Spannung s anlangt, so wird diese um so gröfser 
werden können, je tiefer die Taucherglocke unter dem Wasserspiegel sich 
befindet. Die Einrichtung, wie sie Tafel I zeigt, würde also ganz unzweck- 
mäfsig sein, man würde die Glocke eingraben müssen, sodafs ihr oberes 
Ende noch unter dem tiefsten Stand des Wasserspiegels liegt. 

Um L möglichst klein zu machen, mufs man den Querschnitt der 
Glocke so grofs als möglich einrichten, da 


Ü+ y + e}*/ + y db 


**=(’ + T. 


L _ M’ ET 
~ Q9 s 

gesetzt worden war und darf überhaupt nicht mehr Luft anwenden als 
absolut nötig ist. Die Grenze des Volumens der Glocke ist aber durch 
das Volumen der Luft im Manometer und in der Zuleitung, sowie die 


22 


gröfste Schwankung im Wasserstand gegeben. Man hat dafür zu sorgen, 
dafs beim Anstieg des Wassers und der damit zusammenhängenden Zu- 
sammendrückung der Luft immer noch ein genügender Luftraum in der 
Glocke bleibt, auf keinen Fall aber das Wasser in die Rohrleitung gelangt. 
Müfste die Glocke einen sehr grofsen Durchmesser erhalten , wodurch sie 
sehr teuer werden könnte, so kann die Verwendung einer nur sehr wenig 
geneigten langen Röhre in Betracht gezogen werden. Es kann jedoch 
hier nicht auf alle in Frage kommenden Einzelheiten eingegangen werden. 

Gelingt es, L/s so klein zu machen, dafs man es vernachlässigen 
darf, in welchem Fall dann auch q stets weggelassen werden kann, so 
nehmen die Formeln die sehr einfache Gestalt 

äy '= Null 
dH ^ — ydh 
an. 


Diese Darlegungen werden genügend zeigen, welcher weitgehenden 
Anwendungen das Prinzip des Wagemanometers fähig ist. Weitere Vor- 
schläge habe ich in meinen früheren Arbeiten gemacht, habe aber zur 
W eiterverfolgung dieser Angelegenheit keine Zeit — und auch kein Geld 
gehabt. 


III. Ein Vorkommen von Enoploclytia Leachi 
Mant. sp. im Cenoman von Sachsen. 

Yon Dr. K. Wanderer. 

Mit 1 Abbildung. 




Das Königl. Mineralogische Museum zu Dresden gelangte kürzlich in 
den Besitz einer Enoploclytia Leachi Mant. sp., die ihres stratigraphischen 
Vorkommens wegen Beachtung verdient. 

Das Fundstück entstammt dem cenomanen Quader (Stufe des Acti- 
nocamax plenus) der Goldenen Höhe bei Welschhufe südlich von 
Dresden, wo es von einem Freunde 
des Museums, Herrn v. Scheel, im 
Steinbruch selbst erworben wurde. 

Es kann über die Herkunft des 
Krebses ein Zweifel um so weniger 
bestehen, als das Gestein die typi- 
sche petrographische Zusammenset- 
zung besitzt, die wir aus den Lagen 
mit Douvilleiceras Mantelli Sow. sp. 
dieses Fundortes kennen. 

Unsere Erwerbung stellt den 
Cephalothorax oben genannter Krebs- 
art als Steinkern dar, der einem klei- 
neren Tiere (ca. 13 cm Gesamtlänge) 
zugehörte. DerTeil distal der Nacken- 
furche ist stark corrodiert, das Rost- 
rum abgestofsen; Nacken-, Lund 
II. Rückenfurche, ebenso die kurze 
randständige Längsfurche zwischen 
den erstgenannten Einschnürungen Natürliche Gröfse. 

treten dagegen deutlich vor und ge- 
statten durch Lage und Verlauf eine sichere Bestimmung der Art. 

Enoploclytia Leachi galt Reufs*) als eine sehr bezeichnende Form für 
das mittlere Turon. A. Fritsch**) weist sie im gesamten Turon und 
im unteren Senon Böhmens nach, in den Weifsenberger, Malnicer-, Iser-, 


*) Reufs, A. E.: Die Versteinerungen d. böhm. Kreideformation. 1843. — Über 
Olytia Leachi Jüfs. 1853. 

**) Fritsch, A.: Die Crustaceen d. böhm. Kreideformation, S. 27. 1887. 


24 


Teplitzer- und Priesenerschichten. H. B. Geinitz*) führt Enoploclytia Leachi 
als „selten“ im Labiatuspläner von Briefsnitz a. E. an, als „häufiger“ im 
Plänerkalk von Strehlen und Weinböhla, sowie aus dem „oberturonen Quader- 
mergel“ von Königsbrunn unweit Königstein. Zwei neuere Funde entstammen 
dem kleinen Bruch an der Windmühle von Leutewitz bei Dresden und der 
als Fundort für Ammoniten bekannten Müllerschen Ziegelei zwischen Goppeln 
und Leubnitz, also unterturonen Schichten. In Bayern kennt Gümbel**) 
die Art aus den oberturonen Pulverturmschichten; Leonhard***) fand sie 
in Schlesien in der oberturonen Scaphitenzone von Oppeln. In England 
und Frankreich ist Enoploclytia Leachi im Turon und Senon verbreitet. 
Gegenüber den bisherigen Vorkommnissen ausschliefslich turonen bez.senonen 
Alters zeigt unser Fund von der Goldenen Höhe, dafs Enoploclytia 
Leachi Mant. sp. bereits in der Fauna des Obercenomans ( Actinocamax 
plenus- Stufe) von Sachsen vertreten ist. 


*) Geinitz, H. B.: Das Elbthalgebirge i. Sachsen II, S. 205. 1875. 

**) Gümbel, C. W. von: Frankenjura, S. 142. 1891. 

***) Leonhard, K.: Die Fauna d. Kreideformation i. Oberschlesien. Palaeontogr. 44, 
S. 63. 1897. 



] 


SlhtuxndUincjen der Jti* in ^Dreaden -, 1908 » 





JX 











1 


■n 


$ 








H- J*i 


5a fei i , 


a 


>c 




V 


I 
i 


i 

1 


V 

$3 






1 

\N 

I 

\ 



x 


'X 


&ukag r , ffir tick de r Jfq t . &ncUfrfr» Wetterwarte 




SUkcinAluncfcn der 3tii> in tyrzoAcn >>1908, 





^ -H 


~~ = ~ Z 4 ü' 




5 1 " — 


<a 


.'JC 

i — 




\\ 

i 


X 


ßln/togr.^ruck: der Xql. foncl(^u>&tterwart& . 





B. Abhandlungen. 

Denkschrift über den naturwissenschaftlichen Unterricht an den höheren Schulen. S. 3. 
Schreiber, P.: Allgemeine Theorie der Wagemanometer. Mit 1 Tafel. S. 7. 
Wanderer, K. : Ein Vorkommen von Enoploclytia Leachi Mant. sp. im Cenoman von 
Sachsen. Mit 1 Abbildung im Text. S. 23. 


Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich , eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Sitzungskalender für 1908. 

September. 24. Hauptversammlung. 

Oktober. 1 . Zoologie. 8 . Botanik. — Mathematik. 15. Mineralogie und Geologie. 

22. Physik, Chemie und Physiologie. 29. Hauptversammlung. 

November. 5. Prähistorische Forschungen. 12. Zoologie. 19. Botanik und Zoologie. 
26. Hauptversammlung. 

Dezember. 3. Mineralogie und Geologie. 10. Mathematik. 17. Hauptversammlung. 


Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8. 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8 3 M. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, der Jahrgang. . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember . . . . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4M. — Pf. 
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember . . . . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1907, der Jahrgang 5 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1908. Januar-Juni 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deickmüller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral. - 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 






% • Jg 

Königl. Sachs. Hofbuchhandlung 

' H. Burdach — — 

Schlofsstrafse 32 DRESDEN Fernsprecher ’152 
empfiehlt sich 

znr Besorgung wissenschaftlicher Literatur. 

k — __ . -SS 






Druck von Wilhelm Baensch in Dresden. 



der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 




Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee, 





Jahrgang 1908. 

Juli bis Dezember. 

Mit 1 Tafel und 4 Abbildungen im Text. 



Dresden. 



! 


In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 



1909 




Redaktionskomitee für 1908. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky. 

Mitglieder: Prof. I)r. A. .Tacobi, Geb. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer Dr. 
P. Wagner, Hofrät Prof. Pr. J. Deichmüller, Prof. Dr. A. Lottermoser und Rektor 

Prof. Dr. R. Henke. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. ,T. Deichmüller. 


Sitzungskalender für 1909. 

Januar. 7 Physik und Chemie 14. Zoologie und Botanik. 21. Botanik. 28. Haupt- 
versammlung 

Februar. 4. Mineralogie und Geologie. 1 1 . Mathematik 18 Prähistorische Forschungen. 
25. Hauptversammlung. 

März. 4. Physik und Chemie. 11. Zoologie und Botanik. 18. Botanik. 25. Haupt- 
versammlung. 

April. 1. Mineralogie und Geologie. 15. Mathematik. 22. Prähistorische Forschungen. 
29. Hauptversammlung. 

Mai. 6 . Physik und Chemie. 13. Zoologie. 20. Exkursion oder 27. Hauptversammlung. 
Juni. 10. Botanik. — Mathematik 17. Mineralogie und Geologie. 24. Hauptversammlung. 
September. 30. Hauptversammlung. 

Oktober. 7. Physik und Chemie. 14. Mathematik. 21. Prähistorische Forschungen. 
28. Hauptversammlung. 

November. 4. Zoologie. 11. Botanik. 18. Mineralogie und . Geologie. 25. Haupt- 
versammlung. 

Dezember. 2. Physik und Chemie. 9. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 
16. Hauptversammlung. 


Abhandlungen 


der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


in Dresden. 


1908. 




IY. Fossile Koniferen aus der Kreide- und Braunkoblen- 
formation Nordböhmens. 

Yon Dr. Paul Menzel. 

Mit Tafel II. 


Aus den Beständen des Museums zu Teplitz gelangten kürzlich zwei 
interessante Zapfenreste aus Sandsteinen der Umgebung von Teplitz zur 
Untersuchung in meine Hände, die im Nachstehenden beschrieben werden 
sollen, und denen ich die Mitteilung einer für Böhmen neuen Kiefernart 
aus den plastischen Tonen von Preschen anschliefse. 

1. Pinus macrostrobilina nov. spec. Taf. II, Fig. 1. 

Pinus strobilo longo, cylindrico, 21,5 cm longo, 3 cm crasso, paulo 
curvato, pedunculato; squamarum apophysi integra, rhomboidali depresse 
pyramidata, latere superiore convexiore, non carinata, margine superiore 
plerumque semicirculari, inferiore trigono; umbone centrali magno, elliptico, 
mutico, paulo elevato. 

Der vorliegende Zapfenrest, der im Teplitzer Museum aufbewahrt 
wird, stammt aus einem grobkörnigen Quadersandsteine*) von Tyssa nord- 
östlich von Teplitz und befindet sich auf einem Steine, der früher in 
Schönau als Trottoirplatte gedient hat; infolgedessen ist der Erhaltungs- 
zustand des Zapfens kein tadelloser, läfst aber immerhin dessen Bildung 
hinreichend deutlich erkennen. 

Der walzenförmige, ganz schwach gekrümmte Zapfen mifst 21,5 cm 
Länge bei 3 cm gröfster Breite; am Grunde ist er abgerundet und läfst 
den Ansatz eines kräftigen Stieles erkennen; nach der Spitze zu ist er 
mäfsig verjüngt. Schuppenschilder sind nur teilweise deutlich erkennbar; 
ihre Oberfläche ist durchgängig abgerieben. Die Form der Schilder ist 
rhombisch, die oberen Ränder bilden einen mehr oder weniger halbkreis- 
förmigen Bogen, die unteren Ränder laufen spitzwinkelig zusammen. 

Die Breite der Apophysen schwankt zwischen 10—12 mm, ihre Höhe 
zwischen 8 — 10 mm, nach der Zapfenspitze zu nehmen sie wenig an Gröfse 
ab. Die Schilder sind mäfsig verdickt, und zwar sind sie in der oberen 
Hälfte stärker gewölbt als in der unteren; ihre Mitte trägt einen grofsen, 


*) Ob derselbe der Carinaten- oder der Labiatus- Stufe entstammt, war nicht fest- 
zustellen. 


28 


länglich-runden, stumpfen, wenig hervorragenden Nabel ohne erhaltene 
Dornbildung. Von einer feineren Flächenskulptur der Apophysen erlaubt 
der Erhaltungszustand des Zapfens nichts wahrzunehmen. 

Unter den bisher bekannten Pimts-Resten der Kreideformation stimmt 
keiner mit dem vorliegenden Fossile überein. Am nächsten kommt dieses 
folgenden: 

Pinus longissima Velenovsky [Gymnospermen der böhmischen Kreide- 
formation, S. 29, Taf. 1, Fig. 14 — 17.] 

besitzt ebenfalls zylindrische Zapfen von erheblicher Länge, doch gibt 
Velenovsky von seinem gut erhaltenen Zapfen an, dafs die Apophysen ge- 
wölbt und in der Mitte schwach vertieft seien, unser Zapfen läfst dagegen 
trotz seines abgeriebenen Zustandes einen erhöhten, stumpfen Nabel er- 
kennen. 

Pinus Andraei Coemans [Description de la flore fossile du premier 
etage du terrain cretace du Hainaut, p. 12, tab. IV, fig. 4; tab. V, 

i-] 

trägt schlanke, aber wesentlich kleinere Zapfen, deren rhombische bis 
polyedrische Schuppenschilder nach des Autors Diagnose einen Querkiel 
besitzen, der auf den Abbildungen allerdings nicht deutlich hervortritt; die 
Schilder sind in der vorderen Hälfte verdickt und entbehren eines vor- 
tretenden Nabels. 

Pinus Quenstedti Heer [Kreideflora von Moletein in Mähren, S. 13, 
Taf. II, Fig. 5—9; Taf. 111.] 

hat lange zylindrische Zapfen mit sechseckigen, am oberen Rande teilweise 
bogenförmig begrenzten Apophysen, die denen unserer Art an Gröfse un- 
gefähr entsprechen, sich aber von diesen durch eine deutliche Querkante 
und einen viel kleineren, viereckigen, warzenartig erhöhten Nabel unter- 
scheiden. 

Der Tyssaer Zapfen kann mit keiner mir bekannten fossilen Art ver- 
einigt werden; er stellt also eine neue Art dar; ebensowenig ist es mir 
möglich, unter den lebenden Kiefern eine im Zapfenbau nahestehende Art 
anzuführen. 


2. Pinus ornata Sternbg. sp. Taf. II, Fig. 2. 

Conites ornatus Sternberg: Vers. I, 4, S. 39, Taf. 55, Fig. 1, 2. 

Literatur s. Menzel: Gymnospermen der nordböhmischen Braun- 
kohlenformation. Abh. Isis Dresden 1900, Heft II, S. 54, Taf. II, 
Fig. 6—9. 

Pinus strobilis conicis vel oblongis, 3 — 12 cm longis, 2 — 5 cm crassis; 
squamarum apophysi integra, tetra-hexagona, planiuscula, radiatim striata; 
carina transversa prominen tiore; umbone centrali transversim rhombeo, 
plano. 

Über das Vorkommen dieser Art in der böhmischen Braunkohlen- 
formation habe ich 1. c. berichtet. Der vorliegende, Taf. II, Fig. 2 ab- 
gebildete Zapfenrest, im Besitze des Museums zu Teplitz, stammt aus dem 
oligocänen Braunkohlensandsteine der Gegend von Kosten, westlich von 
Teplitz, also von einem bisher unbekannten Fundorte dieser Föhre. 


29 


Der Abdruck stellt einen etwa 11 cm langen, schlank kegelförmigen 
Zapfen dar, dessen gröfste erhaltene Breite 2,5 cm beträgt, und läfst am 
Grunde einen schief abgehenden, starken Stiel erkennen; im unteren Teile, 
wo der Zapfen nicht mehr in der vollen ursprünglichen Breite vorliegt, 
sind vier Reihen von Schuppenschildern im Abdrucke erhalten; diese sind 
unregelmäfsig vier- bis sechsseitig mit stumpfen Ecken, 10 mm breit, 
6 — 7 mm hoch; sie sind flach, von einem querlaufenden, schmalen Kiele 
durchzogen, der in der Mitte einen mäfsig erhöhten, querrhombischen Nabel 
trägt; beide Apophysenhälften, besonders die obere, sind mit kräftigen 
Radiärstreifen versehen. 

Der obere Teil des Zapfens ist aufgebrochen und läfst neben einigen 
längsgebrochenen Schuppen zahlreiche paarig angeordnete Samen von 
5 mm Länge und 3 mm Breite erkennen. 

Der vorstehend beschriebene Zapfenrest stimmt mit den bisher als 
Pinus ornata beschriebenen Zapfen in allen wesentlichen Verhältnissen 
überein; nur die Apophysen weisen zum Teil einen von der bei dieser Art 
gewöhnlich rhombischen Form etwas abweichenden fünf- bis sechsseitigen 
Umrifs auf. Dasselbe Verhalten ist aber auch bei Pinus halepensis Mill 0 
mit der P. ornata vermutlich in genetischem Zusammenhänge steht, und 
mit der diese im Zapfenbau aufserordentlich übereinstimmt, zu beobachten. 

Neben Pinus ornata sind noch eine Reihe anderer fossiler Pinus- 
Arten mit unserem Reste vergleichbar: 

Pinus Hageni Heer [Flor. tert. Helvet. III, S. 308; Mioc. balt. Flora, 
S. 25, Taf. I, Fig. 23—33; 

Schimper: Traite de paleont. veget. II, p. 268, t. LXXVI, fig. 12; 

Squinabol: Contrib. alla flora fossile dei terreni terziarie della 
Liguria III, p. 2, t. XV, fig. 5; 

Meschinelli e Squinabol: Flora tertiaria italica, p. 125.] 
bietet eine weitgehende Übereinstimmung mit unserem Fossile, nur besitzt 
sie etwas gedrungenere Zapfen. Diese Art ist von P. ornata Stbg. sp. 
wohl kaum verschieden. 

Pinus Ferrerii Massalongo [Flor. foss. Senigall., p. 159, t. V, fig. 30.] 
besitzt gleiche, flache Apophysen; die Form des Zapfens ist nicht voll- 
ständig erhalten. 

Pinus Coquandii Saporta [fitudes sur la veget. du sud-est de la France 

ä l’epoque tertiaire I, a, p. 61, pl. III, fig. 5.] 
trägt gleichgestaltete Apophysen an allerdings kurzen, eiförmigen Zapfen. 

Pinus Plutonis Bailly [Quart. Journ. Geol. Soc., Vol. XXV, p. 360, 
pl- XV ; 

Gardener: Monograph of the british eocene flora, Vol. II, p. 69, 
pl.XV, fig. 1,3,4, 6, 7, 8; pl. XVI, fig. 5—7, 17; pl. XVII; pl.XVIII.J 

Die Zapfen dieser Art aus dem älteren Tertiär Englands sind nur um ein 
weniges kleiner als unser Rest, mit dem sie im übrigen vollständig über- 
einstimmen. 

Alle genannten, zum Vergleiche herangezogenen Arten werden von den 
Autoren mit der lebenden Pinus halepensis Mill. bezw. mit der von dieser 
nur wenig verschiedenen Pinus pyrenaica La Peyr. verglichen, und es 
darf angenommen werden, dafs die angeführten tertiären Kiefern unter 
einander und mit Pinus ornata in engem Zusammenhänge stehen. 


30 


Der Typus der lebenden Pinus halepensis erscheint also — nach den 
erhaltenen Zapfen zu urteilen — im europäischen Tertiär in verschiedenen 
Formen mit geringen Abänderungen vertreten, die im englischen Eocän, 
in den Gipsen von Aix, im Miocän des Balticums, Böhmens und Italiens 
Reste hinterlassen haben; und im Pliocän Italiens (S. Venanzio in Maranello) 
tritt Pinus halepensis selbst auf. (Vergl. Meschinelli e Squinabol: Flora 
tert. ital., p. 124.) 

Auf genetische Beziehungen zwischen mehreren der vorerwähnten 
tertiären Pinus -Arten und Pinus halepensis hat übrigens schon Saporta 
[Origine paleontologique des arbres cultives ou utilises par Fhomme, p. 65 fg.] 
hingewiesen. 

Ob Pinus Cortesii Brongniart [Lit. s. Squinabol: Contrib. alla flora foss. 
dei terr. terz. della Liguria III, p. 24; 

Meschinelli e Squinabol: Flora tert. ital., p. 126; 

Engelhardt und Kinkelin: Abh. Senckenb. Naturf. Ges. XXIX, Heft 3, 
S. 284, Taf. XXXVI, Fig. 1, 2.], 

die von den Autoren ebenfalls mit Pinus halepensis verglichen wird — 
Meschinelli und Squinabol drücken sich vorsichtig ,,P. halepejisi quodammodo 
similis“ aus — der lebenden Aleppokiefer in der Tat sehr nahe steht, mufs 
ich zur Zeit noch dahingestellt sein lassen, denn nach allen mir bekannten 
Abbildungen und Beschreibungen von Pinus Cortesii und der von Geyler 
und Kinkelin zu dieser gezogenen Ludwigschen Arten Pinus resinosa und 
Pinus Schnittspahni besitzen deren Zapfen sämtlich Schilder, die viel 
stärker gewölbt sind als die flachen Apophysen der Pinus halepensis. 


3. Pinus uncinoides Gaudin. Taf. II, Fig. 3. 

Pinus uncinoides Gaudin et Strozzi: Mem. sur quelques gisements de 
feuilles fossiles de la Toscane, p. 28, pl. I, fig. 3; 

Schimper: Traite de paleont. veg. II, p. 273; 

Heer: Miocene baltische Flora, S. 56, Taf. XIII, Fig. 3 — 13; 

Peola: Le conifere terziarie del Piemontese. Boll. della soc. geol. 
Ital. Vol. XII, p. 714. 

Pinus strobilis pedunculatis, reflexis, ovatis vel conicis; squamarum 
apophysi integra, pyramidatim elevata, radiatim striata, acute carinata, 
latere superiore magis producto; umbone recurvato, planiusculo, sulco 
excavato cincto. 

Der Tafel II, Fig. 3 abgebildete Zapfen stammt aus dem plastischen 
Tone von Preschen und befindet sich im Besitze des Verfassers; er ist in 
einer Länge von 38 mm bei 18 mm gröfster Breite erhalten, von länglich 
eiförmiger Gestalt mit schiefansitzendem, kräftigem Stiele. 

Die gut ausgeprägten Apophysen sind rhombisch, 7 — 9 mm breit, 
5 — 6 mm hoch, pyramidenartig erhöht und von einer scharf vortretenden 
Querleiste in zwei ungleiche Hälften geteilt; der stumpfe, rhombische Kabel 
ist von einer flachen, ringförmigen Furche umzogen. Die obere Hälfte 
der Schuppenschilder ist stärker gewölbt als die untere; der Nabel ist 
dadurch etwas zurückgekrümmt, wie die Abbildung an den Randschildern 
erkennen läfst. 


Bl 


Die Oberfläche der Apophysen ist mit radiären Streifen bedeckt; 
einzelne Schilder besitzen in der Mitte der unteren Hälfte eine oder 
mehrere deutliche Längskanten. 

Unser Zapfen stimmt mit den Heer 1. c. beschriebenen Zapfen der 
Pinus uncinoides von Rixhöft vollständig überein. 

Die Zapfen, die Ludwig aus dem Oligocän der Wetterau unter den 
Namen Pinus nodosa und P. repandosquamosa beschrieb [Palaeontogr. VLII, 
S. 74, 75, Taf. XIII, Fig. 2; Taf. XIV, Fig. 1], bieten ebenfalls überein- 
stimmende Merkmale; diese Arten dürften, wie schon Heer [1. c. S. 57] 
angibt, kaum von P. uncinoides zu trennen sein. 

Geringere Annäherung besitzt unser Zapfen an: 

Pinus Ludivigi Scbimper [Traite de pal. veg. II, p. 266; 

Geyler und Kinkelin: Abh. Senck. Nat. Ges. Bd. XV, S. 13, Taf. I, 
Fig. 6, 7; 

Engelhardt und Kinkelin: Abh. Senck. Nat. Ges. Bd. XXIX, S. 203, 
Taf. XXIV, Fig. 9, 10; 

Squinabol: Contrib. alla flora foss. dei terr. terz. della Liguria III, 
p. 21, t. XV, fig. 3; 

= Pinus oviformis Ludwig: Palaeontogr. VIII, S. 76, Taf. XIV, 
Fig. 3]. 

Die Zapfen dieser Art sind kleiner und besitzen flache Apophysen. 

Pinus montana Mill. fossilis Geyler und Kinkelin [Abh. Senck. Nat. 
Ges. Bd. XV, S. 11, Taf. I, Fig. 3, 4; 

Engelhardt und Kinkelin: Abh. Senck. Nat, Ges. Bd. XXIV, S. 207, 
Taf. XXIV, Fig. 5; Taf. XXVI, Fig. 8; 

= Pinus brevis Ludwig: Palaeont. Bd. V, S. 89, Taf. XIX, Fig. 1]. 
Diese Art hat Zapfen von gedrungener Form mit stark gewölbten Apo- 
physen, deren Nabel nicht zurückgekrümmt ist, 

Pinus uncinoides Gaud. ist mit den lebenden Arten P. silvestris L. 
und P. montana Mill. verglichen worden; Ettingshausen stellt sie zwischen 
beide. 

Von den Zapfen der gemeinen Waldkiefer weichen die mir bekannten 
Abbildungen von P. uncinoides- Zapfen aber durch die Form der Apo- 
physen ab, die bei letzteren eine die Höhe übertreffende Breite besitzen, 
wie bei Pinus montana , während die Schuppenschilder der P. silvestris 
annähernd gleich breit wie hoch sind (vergl. Engelhardt und Kinkelin 1. c. 
S. 201, 202); aufserdem ist der Nabel der Schilder bei P. uncinoides wie 
bei P. montana von einem Ringe umgeben. „Die Zurückkrümmung des 
Nabels bei P. uncinoides vervollständigt die Übereinstimmung dieser Art 
mit P. montana Mill. und zwar mit deren var. uncinata. 

Nachdem das fossile Auftreten der Pinus montana — und zwar mit 
Zapfen, die der var . pumilio entsprechen — in der Wetterau, der Schweiz, 
Siebenbürgen, England und Norddeutschland bekannt geworden (vergl. 
Engelhardt und Kinkelin 1. c. S. 201), erfährt das Verbreitungsgebiet der 
Bergkiefer während der jüngeren Tertiärperiode eine Erweiterung durch 
die Feststellung einer ihrer var. uncinata entsprechenden Form im baltischen 
und nordböhmischen Miocän und im Pliocän Italiens. 


32 


Abbildungen Taf. II. 

Fig. 1. Pinus macrostrobilina nov. sp. Zapfen aus dem Quadersand- 
steine von Tyssa. [Museum zu Teplitz.] 

Fig. la, b. einzelne Schuppenschilder. 

Fig. 2. Pinus ornata Sternbg. sp. Zapfen aus dem Braunkohlensand- 
steine von Kosten. [Museum zu Teplitz.] 

Fig. 3. Pinus uncinoides Gaud. Zapfen aus dem plastischen Tone von 
Preschen. [Sammlung Menzel.] 


Y. Europäische Entfernungen. 

Von Ernst Kalkowsky. 


YV. Deecke hat in seinen Abhandlungen „Ein Grundgesetz . der Ge- 
birgsbildung?“ im Neuen Jahrbuch für Mineral, usw. 1908, Bd. I u. II, 
auch auf die Beziehungen zwischen den Lagen der Vulkane hingewiesen. 
Solche Untersuchungen gehören zunächst in das Bereich der von Agassiz 
als geographische Homologien bezeichneten Erscheinungen. Wenn nun 
hier der Aufforderung Deeckes gemäfs eine Prüfung seiner Gedankenfolge 
von einem besonderen Standpunkte aus mitgeteilt werden soll, so mag es 
wohl gut sein, einen Satz aus den „Neuen Problemen der vergleichenden 
Erdkunde“ von Oskar Peschei, Leipzig 1870, anzuführen, der in dem 
Artikel über geographische Homologien S. 66 schrieb: „Wollte jemand in 
solchen, fast pedantischen Wiederholungen nur Neckereien des Zufalls 
erblicken, so müfste er überhaupt verzichten, aus Ähnlichkeiten in der 
Natur zur Erkenntnis eines ursächlichen Zusammenhanges zu gelangen.“ 
Wenn man im Verfolg solcher Untersuchungen von der Gleichartigkeit 
der Erscheinungen zuerst verblüfft und überrumpelt wird, so dafs man 
sich selbst den Vorwurf der Lächerlichkeit zu machen geneigt ist, so 
wird man doch bald erfahren, dafs nur die Ungewöhnlichkeit bei der 
Verbindung von Gegenständen, die nichts mit einander gemein zu haben 
scheinen, und das Bewufstsein unzureichender Erkenntnis zum Kopf- 
schütteln veranlafst. Grofse Städte und Vulkane könnte man leicht zu 
naheliegenden witzigen Vergleichen verkoppeln, allein in der vorliegenden 
Mitteilung liegt mir nichts ferner als Spott und Scherz. 

I. 

W. Deecke beginnt seine Studien zum Vulkanismus mit dem Nach- 
weis, dafs die Entfernung vom Monte Epomeo auf Ischia nach der Insel 
Ustica sich in der Lage anderer europäischer vulkanischer Herde wieder- 
holt. Fragt man sich, wie er dazu kommt, gerade diese Entfernung 
zugrunde zu legen, so wird wohl die Antwort lauten müssen, dafs sich nach 
mancherlei tastenden Versuchen eben gerade diese Entfernung als für Unter- 
suchungen über die Lage brauchbar erwiesen hat. Warum aber unter allen 
vulkanischen Herden in Italien gerade der Lago di Bracciano die Entfernung 
Epomeo — Ustica vom Vesuv hat, das ist doch auch eine Frage, die man 
stellen darf, da ja noch viele andere vulkanische Herde um den Vesuv 
herumliegen. Europa ist ja reich an vulkanischen Herden in der geo- 


34 


logischen Gegenwart und in dem selbstverständlich mit heranzuziehenden 
Tertiär, und da mufs es Punkte geben, die gleichen Abstand von einander 
haben. Wirft man auf einen Tisch eine Hand voll Sandkörner, so ist es 
eine Aufgabe der Wahrscheinlichkeitsrechnung herauszubekommen, wie 
viele davon in gleicher Entfernung von einander liegen werden, und selbst 
auch, wie viele auf den Eckpunkten eines Netzwerkes mit den Seiten an 
einander stofsender gleichseitiger Dreiecke liegen werden. Und für einen 
enger begrenzten Fall wird sich nicht nur eine „Regelmäfsigkeit“, sondern 
eine „Gesetzmäfsigkeit“ nach weisen lassen. Die Verteilung der Sand- 
körner auf dem Tische wird abhängen von ihrer Menge, ihrer Gröfse, der 
Stärke und Richtung des Wurfes usw.; läfst man aber senkrecht auf eine 
ganz glatte Fläche eine Anzahl gleichgrofser, gleichmäfsig kugeliger Quarz- 
körner fallen, so ist es leicht einzusehen, dafs Gewicht, Fallhöhe, Elastizität 
des Quarzes, Ebenheit des Tisches usw. Faktoren sind, die der rechnerischen 
Gewinnung eines Gesetzes günstig sein würden. 

Bleiben wir aber zunächst bei den gegebenen gleichen Abständen der 
vulkanischen Herde von einander, so dürften doch wohl auch andere gleiche 
Entfernungen beachtet werden müssen. Zum Beispiel zeigen Rhone, Rhein 
und Donau auffällige Knickungen ihres Laufes in die Nordsüd-Richtung, 
und die nordsüdlichen Strecken dieser Flüsse sind gleich lang. Die grofsen 
Inseln des mittelländischen Meeres Sardinien, Sizilien, Kreta und Kypern 
sind annähernd gleich lang. Und auch viele grofse Städte in Europa 
haben von einander gleichen Abstand. In den Städten haben wir ja 
gleichsam ein Beispiel, dafs sie auf der Fläche von Europa liegen, wie 
Sandkörner, die auf einen Tisch gestreut sind. Nimmt man die Ent- 
fernung des Vesuvs vom Ätna in den Zirkel, so kann man auf einer 
Übersichtskarte von Europa mit dieser Entfernung immer von einer Stadt 
zu einer anderen kommen. Soll es sich bei einem solchen Tanz auf der 
Karte absichtlich nicht um allzu grofse Genauigkeit handeln, so kann 
man etwa folgende Reihe nennen: Dresden, Nürnberg, Triest, Livorno, 
Toulon, Barcelona, Alicante (stimmt schlecht), Oran, Algier, Mahon, Sassari, 
Rom, Spalato, Belgrad, Budapest, Oppeln, Berlin, Nürnberg, Düsseldorf, 
Calais, Cardiff, Brest, le Havre, Antwerpen, Frankfurt a. M., Innsbruck, 
Genua, Lyon, Strafsburg, Erfurt, Stettin, Prag, Kassel, Augsburg, Dresden. 
Nun aber wolle man beachten, dafs in dieser Reihe weder Krähwinkel 
noch Cucugnan aufgezählt worden sind, sondern nur grofse, allbekannte 
Städte; dann frage man, warum liegt London von Paris so weit entfernt, 
wie der Vesuv vom Ätna? Sind es dieselben Beziehungen, Verhältnisse, 
Kräfte, die die vulkanischen Schlote entstehen lassen und die, Gestaltung 
des europäischen Festlandes verursachten, von der die Lage der Städte 
abhängt? 


II. 

Von der „Annehmlichkeit der neuen Ausgabe des Stielerschen Atlas, 
dafs dort die Hauptkarten der europäischen Länder in gleichem Mafsstabe 
gehalten sind“, spricht Deecke. Diese Annehmlichkeit haben aber auch 
andere Atlanten, und es erhebt sich die Frage, weshalb können sie diese 
Annehmlichkeit darbieten. Doch wohl nur deshalb, weil die europäischen 
Länder oder Gebiete vielfach annähernd dieselbe Gröfse haben, ln der 
Tat lassen sich auf einer Übersichtskarte von Europa mit einem und 


35 


demselben Rechteck eine ganze Anzahl von geologisch, geographisch oder 
politisch wichtigen Gebieten bedecken; so würde es zum Beispiel leicht 
sein, in den Atlanten auch Karten von Meeresteilen mit den Küsten- 
gebieten zu geben in demselben Mafsstabe, wie von den politischen Ein- 
heiten. In der Gestaltung des zerstückelten Europa kehrt eben ein be- 
stimmtes Mals oft wieder, nämlich das der Entfernung vom Kap Creus 
bis zum Kap Finisterre in der auffällig geraden Linie von Gebirgs- 
erhebungen. Die Entfernung Creus — Finisterre ist gleich den Entfernungen 
Creus bis Punta Marroqui bei Gibraltar, Ouessant oder Brest bis Toulon 
oder den Hyerischen Inseln, Kap Landsend bis Orkneys, Genua bis Nor- 
derney, Fiume bis Rügen, Kap Spartivento bis Como, Vorgebirge Emine 
bis Zara, Batum bis Konstantinopel oder bis Odessa u. a. Und das 
Kaukasusgebirge hat auch gerade wieder diese Länge. Tritt in den 
Umrissen von Europa dieses Mafs hervor, so ist es schon weniger auf- 
fällig, dafs die gleiche Entfernung Creus — Finisterre sich wiederfindet 
zwischen den Mündungen grofser Flüsse, wie Tejo — Loire, Minho — Seine, 
Guadiana — Gironde, Ebro — Po, Loire — Weser, Maas — Weichsel, Po — 
Elbe, Elbe — Düna. 

Nicht auffällig wird es auch sein, wenn nun wieder dieselbe Ent- 
fernung Creus — Finisterre auch zwischen grofsen Städten vorkommt. Die 
Siedelungskunde lehrt uns, dafs die Lage der Städte in mannigfaltigster 
Weise von Flüssen, Pässen, Gebirgen, Küsten und anderen Verhältnissen 
der Erdoberfläche, nicht aber etwa blofs von dem Willen der Menschen 
abhängig ist. Grofse Städte weisen von einander die Entfernung Vesuv — 
Ätna deshalb auf, weil etwa diese Entfernung proportional ist der Dichte 
der Bevölkerung. Für die Entfernung Creus — Finisterre wird aber das 
Verhältnis dadurch auffälliger, dafs es gerade die neuen (und alten) 
Hauptstädte sind, 'die hier in Frage kommen. 

Die folgenden Entfernungen wurden ohne Rücksicht auf die Ab- 
plattung der Erde berechnet aus den Positionen der Sternwarten und in 
wenigen Fällen nach Bestimmung der Position des Stadtmittelpunktes 
durch Ausmessung am Gradnetz auf Blättern in gröfserem Mafsstabe. 
Es ist jedoch Europa nur ein so kleines Stück der Oberfläche der Erde, 
dafs die kartographische Darstellung auf einem gröfseren Blatte mit keiner 
für den vorliegenden Zweck beachtenswerten Verzerrung behaftet ist. 
Immerhin mögen die Zahlen der Entfernungen in Kilometern auch dazu 
dienen, den Grad der Übereinstimmung zu veranschaulichen; dabei wolle 
man nicht aufser Acht lassen, dafs bei der Flächenausdehnung der Städte 
ein Unterschied von etwa 10 — 12 km die Gleichheit der Entfernungen der 
Städte von einander gar nicht berührt. Die Entfernung Kap Creus bis 
Kap Finisterre wurde berechnet zu 1032 km; die folgende Reihe ist nach 
zunehmenden Entfernungen angeordnet: 


Bern — Kopenhagen 1024 

Neapel- — Prag . 1025 

Paris — Kopenhagen 1029 

Paris — Wien 1031 

Warschau — St. Petersburg .... 1031 

Bern — Belgrad 1031 

London — Prag 1034 

Neapel — Bukarest . 1045 


36 


Rom — Athen 1046 

Paris — Madrid 1049 

St. Petersburg — Kijew 1051 

Wien — Kijew . 1053 

Stockholm — Prag 1054 

Konstantinopel — Kijew 1056 

Madrid — Turin 1061 

Kristiania — Warschau 1064 

Budapest — Konstantinopel .... 1067 

Neapel — Algier 1070 

St. Petersburg — Kristiania .... 1086 


Das Mittel aus diesen Zahlen beträgt 1048; die kleineren Entfernungen 
finden sich mehr in der Mitte von Europa, die gröfseren sind die nach 
Orten mehr in der Peripherie. Der Reihe der Hauptstädte schliefsen sich 
noch einige andere Paare von grofsen Städten an, allein ihre Anzahl ist 
doch nur gering. 

Die Entfernung der Hauptstädte von einander mufs andere Ursachen 
haben, als die Entfernung sonstiger grofser Städte von einander, die auf 
Bevölkerungsdichte zurückgeführt wurde. Nun es scheint, dafs auch hier 
der Entfernung zwischen den Hauptstädten eine rein geographische — und 
damit also eine geologische — Ursache zugesprochen werden kann; be- 
herrscht die Länge Creus — Finisterre die Gestaltung Europas, dann be- 
herrscht sie auch die Lage der politischen Mittelpunkte, weil die politischen 
Einheiten sich den geographischen anschmiegen. 

Hängen geographische Verhältnisse von geologischen ab, woran doch 
wohl niemand mehr zweifelt, dann braucht es doch nicht allzu auffällig 
zu sein, dafs die Entfernung Creus — Finisterre sich auch zwischen Vul- 
kanen in Europa wieder findet: beachtenswert ist die folgende Reihe aber 
vielleicht gerade dadurch, dafs sie (mit einer Ausnahme vielleicht) nur 
die allerjüngsten Vulkane enthält. Die Entfernung Creus — Finisterre 
haben sehr genau 

Santorin — V esuv, 

Vesuv — Olot, 

Vesuv — Le Puy, 

Vesuv — Kammerbühl, 

Kammerbühl — Agde, 

Agde — Pantelleria, 

Pantelleria — Methana, 

Methana — Albaner Gebirge, 

Albaner Gebirge — Laacher See. 

Wenn in dieser Weise Beziehungen zwischen den Entfernungen von 
Städten von einander und von Vulkanen von einander gesucht worden 
sind, so könnte es scheinen, oder es könnte behauptet werden, dafs 
Dinge, die nichts mit einander gemein haben, auf einander bezogen 
worden sind. Da mag denn doch daran erinnert werden, dafs längst eine 
Verbindung von grofsen Städten mit Erdbeben hervorgehoben und von 
der Geologie leicht erklärt worden ist. Und hier handelt es sich ja gar 
nicht einmal um eine engere Verbindung zwischen Hauptstädten und 
Vulkanen, sondern nur um gleiche Abstände bei sonst unregelmäfsiger 
Verteilung. 


37 


III. 

Die beiden Mafse Vesuv — Ätna und Creus — Finisterre zeigen sich in 
einer bedeutungsvollen Anzahl von Fällen; sie werden eben selbst be- 
deutungsvoll dadurch, dafs irgend welche anderen Mafse nicht eine gleiche 
Anzahl von Fällen der Übereinstimmung ergeben. Gewifs wird man immer 
eine ganz beliebige Entfernung zwischen zwei oder drei Paaren von Städten 
wiederfinden können, aber die Seltenheit nimmt ihnen die Bedeutung. 
Da ist es denn überraschend zu sehen, dafs es unter den europäischen 
Entfernungen noch eine gibt, die an reichem Vorkommen in mehreren 
Beziehungen alle anderen übertrifft, zwischen den Vulkanen aber nicht 
festgestellt werden kann. Trotz letzterem Verhältnis ist diese Entfernung 
im Zusammenhänge mit den hier vorgeführten Betrachtungen wohl wert, 
näher behandelt zu werden. Denn verwundert mufs man fragen, was in 
aller Welt hat diese Entfernung — die Entfernung Berlins von 
St. Petersburg, nach astronomischen Positionen 1323 km — zu tun 
mit dem ,,Bau und Bild“ Europas. Sicher haben bei dem Emporkommen 
Berlins aus einem armseligen Fischerdorf und bei der Gründung St. Peters- 
burgs durch den Ukas eines Zaren Erwägungen über europäische Ent- 
fernungen keine Rolle gespielt. Aber andererseits, sind diese Städte wirk- 
lich Schöpfungen eines freien Willens? 

Ein Kreis um Berlin mit dem Halbmesser von 1323 km trifft folgende 
Städte mit den berechneten Entfernungen von Berlin: 


St. Petersburg 1323 

Galatz 1302 

Sofia . 1316 

Salerno [für Neapel] 1317 

Sassari 1355 

Toulouse 1328 

Bordeaux 1326 

Brest 1342 

Dublin 1320 

Umeä 1319 


Das Mittel aus diesen Zahlen beträgt 1325. Neapel hat mit 1295 km 
keine um mehr zu kleine Entfernung, als Sassari zu grofse; letzterer Ort 
und das sonst doch an geographisch hervorragender Stelle gelegene kleine 
Umeä sind wegen weiterhin folgender Angaben in die Reihe aufgenommen 
worden. Überhaupt handelt es sich jedoch hier und in den folgenden 
Listen nicht um mathematische Genauigkeit; es ist eben die grofse Zahl 
der Städte auffällig, die einen Abstand gleich dem Berlins von St. Peters- 
burg haben. Die Entfernungen wurden auch weiter nicht berechnet, da 
das Abgreifen mit dem Zirkel auf jeder guten Übersichtskarte die An- 
gaben bestätigen wird. Eine Abweichung von 2 bis 3 v. H. kann immer- 
hin noch als gute Übereinstimmung gelten. 

Auf einem Kreise mit dem Halbmesser Berlin — St. Petersburg liegen 
um Galatz: 

Messina, Rom, Florenz, Bologna, Verona, Augsburg, Leipzig, Berlin, 

Riga, Moskau; 
um Sofia: 

Tunis, Nizza, Bern, Berlin, Danzig, Königsberg, Taganrog; 


38 


um Neapel: 

Cartagena, Bordeaux, Paris, Brüssel, Berlin, Warschau; 
um Sassari: 

Cadix, Brest, Amsterdam, Berlin, Breslau, Krakau, Athen; 
um Bordeaux: 

Berlin, Wien, Neapel, Tunis; 
um Brest: 

Berlin, Dresden, Florenz, Sassari, Cadix; 
um Dublin: 

Zaragoza, Oporto, Kristiania, Berlin, Augsburg; 
um Umeä: 

Moskau, Warschau, Berlin; 
um Wien: 

Barcelona, Bordeaux, Nantes, Southampton, Hüll, Kristiania, Stock- 
holm, Konstantinopel, Athen, Malta, Tunis; 
um Rom: 

Oran, Madrid, Calais, Amsterdam, Hamburg, Stettin, Thorn, 

Warschau, Galatz, Konstantinopel, Herakleion (Knossos) auf Kreta; 
um Madrid: 

Birmingham, Antwerpen, Lüttich, Karlsruhe, Rom, Tunis; 
um Oporto: 

Dublin, London, Calais, Genf, Nizza; 
um Lyon: 

Malta, Gibraltar, Lissabon, Glasgow, Warschau; 
um Paris: 

Algier, Cordoba, Bergen, Kristiania, Danzig, Warschau, Neapel; 
um Calais: 

Rom, Oporto, Stockholm, Königsberg, Warschau, Budapest; 
um Bergen: 

St. Petersburg, Warschau, Stuttgart, Strafsburg, Paris; 
um Warschau: 

Konstantin opel, Saloniki, Neapel, Rom, Lyon, Paris, Calais, 

Bergen, Umeä. 

Es sind ferner zu erwähnen die Paare: Edinburg — Stockholm, 
Edinburg — München, Edinburg — Prag, London — Valencia, Hüll — 
Triest, Triest — Konstantinopel, Triest — Odessa, Lissabon — Marseille, 
Brest —Venedig, Turin — Saloniki, Mailand — Bukarest, Florenz— Kopen- 
hagen, Brüssel — Stockholm, Stockholm — Budapest, Budapest — Malta, 
Moskau — Astrachan, Astrachan — Odessa usw. 

Es sind im Vorstehenden 111 „konjugierte Punkte“ angegeben worden; 
in den Listen der auf Kreisen gelegenen Orte wiederholen sich manche 
Namen mehrfach. Es ist nun aber besonders beachtenswert, dafs auch 
Städte um die doppelte Entfernung von einander abstehen, darunter 
manche, die sich auf einem Kreise diametral gegenüberliegen, wie Umeä 
und Sassari. Es können naturgemäfs nur weniger Punkte mit doppelter 
Entfernung aufgezählt werden, da nur die mehr peripherisch gelegenen 
in Betracht kommen. Es sind zu nennen die Paare: Lissabon — Warschau, 
Oporto — Stockholm, Oporto — Sofia, Madrid — Galatz, Algier — Stockholm, 
Algier — Riga, Marseille — Moskau, Dublin — Galatz, Umeä — Sassari, Kri- 
stiania — Athen. 


39 


Und noch verwunderlicher erscheint es, dafs es nun auch Tripel gibt 
unter den bereits genannten Städten, die auf den Eckpunkten gleichseitiger 
Dreiecke mit der Entfernung Berlin — St. Petersburg liegen; es sind zu 
nennen: 

Sassari — Brest — Berlin, 

Sassari — Brest — Cadix, 

Sassari — Athen — Krakau, 

Stockholm — Budapest — Calais, 

Rom — Warschau — Calais, 

Rom — Warschau — Konstantinopel, 

Paris — Warschau — Neapel, 

Paris — Warschau — Bergen, 

Bordeaux — Wien — * Tunis. 

Da sich nun überdies Paare von Paaren finden, wie Umeä — Moskau 
und Galatz — Moskau, so ergibt es sich, dafs die Lage einiger Städte 
durch Kreise um andere bestimmt ist, und dafs ein hexagonales Kreis- 
netzwerk in mehrfacher Stellung über die Städte deckbar ist, so dafs 
diese auf Mittelpunkten oder auf Kreisbögen liegen, wie dies Deecke für 
die Vulkane angegeben hat. 

Über die oben angegebenen Städte mit dem Abstande Creus — Finis- 
terre läfst sich ein solches Kreisnetzwerk nicht decken: der Grund davon 
dürfte einzig und allein darin zu suchen sein, dafs die Zahl der be- 
treffenden Punkte zu klein ist. Ein hexagonales Kreisnetzwerk ergibt die 
dichteste regelmäfsige Lagerung von Punkten auf der Fläche, und je 
kleiner der Halbmesser der Kreise wird, um so mehr Punkte müssen auf 
Mittelpunkte oder Kreisbögen fallen.*) Der Halbmesser Berlin — St. Peters- 
burg ist im Verhältnis zur Gröfse Europas gerade sehr grofs, und es ist 
deshalb leicht einzusehen, dafs nicht alle Städte auf das Kreisnetzwerk 
in einer bestimmten Stellung fallen werden. Deecke aber verwendet sehr 
enge Netzwerke, wobei sich gute Übereinstimmung für die Lage von 
Vulkanen zeigt. Da aber das grofse Netzwerk für Städte, die doch 
immerhin, wenn auch nur bis zu einem gewissen Grade, freie Schöpfungen 
der Menschen sind, etwas ähnliches ergibt, wie das enge Netzwerk für 
Vulkane, so wird man wohl behaupten können, dafs das hexagonale 
Kreisnetzwerk nichts für die Verteilung der Vulkane Wesentliches darstellt. 
Die Übereinstimmung in der Lage der vulkanischen Herde mit einem 
solchen Netzwerk ist und bleibt eine Aufgabe der Wahrscheinlichkeits- 
rechnung, nicht der Geologie. 

An diesem Ergebnis wird nichts geändert durch folgende Erwägung. 
Die Lage grofser Städte ist abhängig von mancherlei „geographischen“ 
Verhältnissen. Wenn also Städte so oft den Abstand Berlin — St. Peters- 
burg aufweisen, so wird dieser Abstand auch eine europäische Entfernung 
von allgemeinerer Bedeutung sein. In der Tat finden wir das Mafs wieder 
in der Entfernung des Nordkaps von der westlichsten Spitze Norwegens, 
in der nordsüdlichen Länge der Ostsee von Haparanda bis Danzig; das 
russische Tafelland wird eingeschlossen von dem Kreise um Moskau, Flufs- 
mündungen haben von einander diesen Abstand, wie die Paare Donau — 


*) Deckt man über Europa ein Kreisnetzwerk mit dem Halbmesser von 1 km, 
nun dann fallen alle Städte auf Mittelpunkte. 


* 


40 


Po, Rhein — Ebro, Seine — Weichsel, Oder — Rhone, Elbe — Tiber. Be- 
sonders grofs ist dann noch die Zahl der Vorgebirge mit dem gleichen 
Abstande: Punta Marroqui — Punta Falcone (Sardinien), S. Vicente — 
St. Matthieu , Roca — de la Hague , Finisterre — Küste bei Gt. Yarmonth, 
Gata — St. Matthieu, Palos — bei Ancona, la Nao — Passaro, Creus — Glossa 
(Albanien), Athos — Teulada (Sardinien), Matapan — Corso, Corso — Jasmund, 
Skagen — Landsend, Skagen — Erris Head, Küste bei Gt. Yarmonth — bei 
Norrtelge, Carnsore Point — Falsterbo (Südschweden). Die Südspitze der 
Krim, das Kap Saritsch, ist 1296 km entfernt vom Kap Matapan : mit der 
Entfernung Berlin — St. Petersburg kommt man von Kap Saritsch nach 
Matapan, nach der Nord westspitze von Sardinien, nach Kap St. Matthieu 
oder der Insel Ouessant, von da nach der Südspitze von Norwegen, weiter 
nach einer Nordostspitze von Island, zurück nach der Nordwestspitze von 
Irland, nach dem innersten Winkel des Meerbusens von Biscaya, nach 
Kap Bon, nach dem Ostende von Kreta und endlich wieder ziemlich genau 
zurück nach Kap Saritsch. 

Vulkanische Herde mit dem Abstand Berlin — St. Petersburg liefsen 
sich zwar ermitteln, die Beispiele sind aber offenbar ebenso bedeutungs- 
los wie Dutzende von Paaren hoher Berggipfel, deren Verbindung doch 
ganz willkürlich sein würde. 

Die im Vorstehenden berücksichtigten europäischen Entfernungen sind 
Epomeo — Ustica mit 233 km, Vesuv — Ätna mit 346 km, Creus — Finis- 
terre mit 1032 km, Berlin — St. Petersburg mit 1323 km: diese Zahlen 
verhalten sich nahezu wie 2:3:9:12 [Äquatorialgrade!]. Das einfache 
Verhältnis spricht vielleicht schon allein dafür, dafs diese Entfernungen 
eine Rolle spielen in dem Aufbau des kleinen europäischen Stückes der 
Erdoberfläche: die Entfernungen je zweier Punkte sind gegeben, ein 
Gesetz für die Verteilung der vulkanischen Herde, kleiner und grofser, 
läfst sich daraus allein nicht ableiten. Vor 29 Jahren habe ich in einem 
Vortrage im Verein für Erdkunde in Leipzig versucht, eine Regelmäfsig- 
keit in der Verteilung der Vulkane in Europa von einem anderen Ge- 
sichtspunkte aus nachzuweisen; aufser einem kurzen Referat ist jedoch 
nichts darüber veröffentlicht worden. 

Dresden, den 31. Dezember 1908. 


VI. Über einige Zusammenhänge der höheren Mathematik 
mit der elementaren.*) 

Yon Prof. Dr. A. Witting. 

Mit 3 Abbildungen. 


Zur Mathematik gibt es keinen Königsweg, das ist ein altes und immer 
noch wahres Wort. Daher ist die Aufgabe, Laien einen Begriff des Wesens 
der Mathematik zu geben, streng genommen, unlösbar, d. h. jeder Versuch, 
dies zu tun, wird nur mehr oder weniger unvollständig und unbefriedigend 
bleiben müssen. Andrerseits erscheint es sowohl verlockend für den Mathe- 
matiker als auch vielleicht nicht ganz unnützlich für gebildete Laien, solchen 
Versuch zu wagen. Das gekennzeichnete Problem kann offenbar auf mehr- 
fache Weise in Angriff genommen werden. Einmal kann man dem histo- 
rischen Gang der Entwickelung der Mathematik nachspüren und zeigen, 
wie sich bei verschiedenen Kulturvölkern im Einklang mit dem Wachstum 
der geistigen und materiellen Bedürfnisse neben den anderen Wissenschaften 
und Künsten die Mathematik entwickelt hat. Nach dieser Richtung hin 
ist die Darstellung der Entwickelung der Mathematik neuerdings in dem 
Sammelwerke „Schaffen und Schauen“, das bei Teubner erschienen ist, 
erfolgt. Dann aber kann man auch einen kurzen Überblick über die 
Entwickelung der Mathematik und über ihre Bedeutung in einer für Laien 
einigermafsen fafslichen Weise dadurch zu geben versuchen, dafs man 
überall an bekannte Dinge anknüpft und zeigt, wie sich schon im mathe- 
matischen Elementarunterrichte Keime zu mannigfaltigen wichtigen Er- 
weiterungen vorfinden. Aus diesem Grunde wurde auch als Thema des 
heutigen Vortrages formuliert: Über einige Zusammenhänge der höheren 
Mathematik mit der elementaren. 

Wenn schon gesagt war, dafs an Bekanntes angeknüpft werden sollte, 
so mufs zur Kennzeichnung unseres Ausgangspunktes sofort bemerkt werden, 
dafs die sogenannte Elementarmathematik, wie sie auf unseren höheren 
Schulen gelehrt wird, als im wesentlichen bekannt vorausgesetzt werden 
soll. Eine genauere Ausführung verbietet die Beschränktheit der Zeit, 
nur der Hinweis mag genügen, dafs ja auch die sogenannte Elementar- 
mathematik das Ergebnis einer Jahrtausende alten Entwickelung ist, bei 
der jeder neue Gedanke die Arbeit von Generationen enthält. Versuchen 
wir demnach einige solcher neuer Gedanken, die für den Fortschritt der 
Wissenschaft Bedeutung erlangt haben, zu erkennen. 

*) Vortrag in der Hauptversammlung der naturwissensch. Ges. Isis in Dresden am 
17. Dezember 1908. 


42 


Die Zahlenlehre beginnt zunächst mit den ganzen Zahlen und an 
ihnen werden die vier Grundrechnungsarten: die Addition, Subtraktion, 
Multiplikation und Division gelehrt und eingeübt. Dann wird es nötig, 
die Rechenoperationen durch Einführung neuer Zahlenarten in allen Fällen 
ausführbar zu machen. Aus den zunächst nur vorhandenen positiven 
ganzen Zahlen entstehen die gemeinen Brüche durch Division, die nega- 
tiven Zahlen werden durch die Subtraktion veranlafst. So wie man aus 
der Summe gleicher Glieder den Begriff des Produkts bildet, so sieht 
man sich später genötigt, das häufig vorkommende Produkt gleicher 
Faktoren als Potenz zu definieren und damit eine neue Operation, das 
Potenzieren, einzuführen. Man erkennt dann weiter, dafs, während Addi- 
tion und Multiplikation nur je eine Umkehrung, die Subtraktion und die 
Division, zulassen, die Potenzierung zwei Umkehrungen ergibt, das Radi- 
zieren und das Logarithmieren. Auch hier mufs man neue Zahlenarten 
einführen, wenn man diese Umkehrungen allgemein ausführbar machen 
will. Das einfachste Beispiel ist bekanntlich die Umkehrung des Qua- 
drierens. Wir bedienen uns zu dieser kurzen Klarlegung allgemeiner Zahlen, 
die durch Buchstaben dargestellt werden, und weisen dabei nur kurz darauf 
hin, dafs durch die Einführung von Buchstaben eines der gewaltigsten 
Hilfsmittel der Mathematik zugeführt worden ist — nebenbei bemerkt in 
gewissem Sinne die einzige, allgemein anerkannte Weltsprache. Die Be- 
deutung der Buchstabenrechnung beruht vor allem darauf, dafs die Er- 
gebnisse der Rechnung allgemein gültig sind, d. h. dafs man in eine fertige 
Formel, die die Antwort auf eine vorgelegte Frage enthält, beliebige 
Zahlenwerte einsetzen kann, ohne jedesmal von neuem wieder dieselbe 
gedankliche Arbeit zu leisten, die eben schon bei der Entwickelung der 
Formel aufgewendet wurde. Ist also in der Gleichung y — x 1 die Gröfse y 
gegeben und soll x berechnet werden, so drückt man diese Forderung 
unter Benutzung eines neuen Symbols durch die Gleichung x = y/y aus. 
Für den Fall, dafs y das Quadrat einer ganzen oder gebrochenen Zahl 
ist, kann man eine Rechenvorschrift, einen Algorithmus angeben, der die 
Bestimmung dieser Zahl ermöglicht. Man merkt aber bald, dafs wenn y 
eine beliebige positive Zahl ist, der Algorithmus kein Ende hat und kann 
leicht beweisen, dafs der entstehende unendliche Dezimalbruch nichtperiodisch 
ist. So wird die Berechnung von x nur mit „ beliebiger Annäherung“ 
möglich ; man nennt den nicht durch die bisherigen Zahlen darstellbaren 
Wert der Quadratwurzel eine irrationale Zahl und bezeichnet die bis- 
herigen Zahlen zum Unterschiede davon als rationale Zahlen. Ist aber 
y eine negative Zahl, so erfordert die Lösung der Aufgabe abermals die 
Einführung einer neuen Zahlenart, der imaginären Zahlen, während 
man die rationalen und irrationalen Zahlen reelle Zahlen nennt. (Es 
ist wohl unnötig hier genauer darauf einzugehen, dafs diese Namen so 
mifsverständlich wie möglich sind, dafs die positiven ganzen Zahlen genau 
so abstrakte Begriffe vorstellen, wie die imaginären Zahlen.) Die Rechnung 
mit imaginären Zahlen führt sofort auf die komplexe Zahl, die Summe 
einer reellen und einer imaginären Zahl. Man kann nun erstens zeigen, 
dafs die Quadratwurzel aus einer irrationalen Zahl wieder eine irrationale 
Zahl ist und zweitens, dafs auch die Quadratwurzel aus einer komplexen 
Zahl eine komplexe Zahl ergibt. Ferner aber ist es wesentlich, dafs auch 

n 

die Umkehrung der Gleichung y = x n , nämlich x = yjy nicht zu neuen 


43 


Zahlen führt. Die bis jetzt genannten Zahlen bilden allen besprochenen 
Operationen gegenüber einen in sich geschlossenen Bereich von Gröfsen. 
Eine andere Frage ist freilich die nach der wirklichen Ausführung der 
Operationen, nach der vollständigen Auflösung solcher Aufgaben, und dazu 
bedarf man neuer Hilfsmittel, deren Besprechung hier unerläfslich ist. 

So wie man zur Berechnung der Quadratwurzel aus einer positiven 
reellen Zahl einen Algorithmus angeben kann, so kann man auch für 
dritte und höhere Wurzeln Rechenverfahren ersinnen, nur werden diese 
Algorithmen immer komplizierter, ihre Anwendung immer zeitraubender. 
Man könnte daran denken, für jede dieser Wurzeln eine Tabelle zu be- 
rechnen, aus der sowohl die betreffende Potenz, als auch die Wurzel mit 
einer gewissen Genauigkeit abzulesen wäre. Bekanntlich hat sich aber 
gezeigt, dafs man mit einer einzigen Tabelle für alle Wurzeln auskommt, 
mit der Logarithmentafel, die in ihrer gewöhnlichen Form auf der Um- 
kehrung der Gleichung y — 1(U beruht. Allerdings setzt dies eine Er- 
weiterung des Begriffs der Potenz voraus, die im wesentlichen von Newton 
herrührt, die Definition einer Potenz mit negativem ganzen, mit gebrochenem 
und mit irrationalem Exponenten. Jede reelle positive Zahl y läfst sich 
dann als Potenz von 10 darstellen; der Exponent x heifst der Logarith- 
mus des Numerus y zur Grundzahl 10, der dekadische oder gemeine 
Logarithmus von y ... . x = log y und man kann eine Tabelle herstellen, 
aus der man mit gewisser Annäherung zu jeder reellen positiven Zahl den 
Logarithmus und zu jedem positiven oder negativen reellen Logarithmus 
den Numerus bestimmen kann. Aus den elementaren Sätzen über Potenz- 
rechnung folgt dann, dafs der Logarithmus des Produkts oder Quotienten 
zweier Zahlen gleich der Summe oder Differenz ihrer Logarithmen, der 
Logarithmus der n - ten Potenz einer Zahl das w-fache ihres Logarithmus 
ist; n kann dabei eine beliebige reelle Zahl sein, sodafs das Problem der 
angenäherten Wurzelberechnung für reelle positive Radikanden erledigt 
scheint. 

Eine wesentlich neue Fragestellung drängt sich aber auf, wenn man 
beachtet, dafs jede Quadratwurzel zwei Werte hat, die entgegengesetzt 
gleich sind; so führt die Gleichung x 2 = 1 auf die Werte + 1 und — 1. 
Wie steht es nun mit der Gleichung x n — 1, unter n eine positive ganze 
Zahl verstanden? Eine allgemeine und kurze Antwort auf diese Frage 
läfst sich nur unter Einführung neuer Symbole geben, deren Ursprung 
auf ganz anderem Gebiete liegt. Bevor wir aber auf diese Dinge eiri- 
gehen, ist es unbedingt erforderlich, zweierlei zu besprechen, was grofse 
Gebiete der Mathematik anschaulich und lebensvoll macht, die Funktion 
und die graphische Darstellung, eine Anschauungsweise und eine 
Methode, die nicht früh genug im elementaren Unterrichte eingeführt 
werden können. 

Schon im allerersten Rechenunterrichte tritt eine Gattung von Auf- 
gaben auf, die Dreisatzaufgaben (Regel de tri, Schlufsrechnung), bei denen 
die Abhängigkeit einer Gröfse von einer anderen betrachtet werden mufs. 
Damit sind zwei neue und wichtige Begriffe verbunden, der Begriff der 
veränderlichen Zahl und der Begriff der funktionalen Abhängig- 
keit. Ihre Wichtigkeit liegt in ihrer Fruchtbarkeit, da sie bei allen 
möglichen Fragestellungen auftreten; bei allen möglichen Aufgaben erhält 
man erst dann vollen Einblick, wenn man eine oder mehrere der gegebenen 
Gröfsen als veränderlich ansieht und die Abhängigkeit anderer von ihnen 


44 


studiert. Schon die vier Grundrechnungsarten geben zu solchen Betrach- 
tungen Anlafs, wenn man y = xYa, y = ax, y = — schreibt, unter a eine 

x 

feste, unter x eine beliebig veränderliche Zahl versteht und y als Funktion 
von x auffafst; setzt man y — x z , so erhält man mehrere Möglichkeiten, 
indem man irgend einer der drei Zahlen einen festen Wert beilegt, eine 
zweite als beliebig veränderlich und die dritte als die abhängige Ver- 
änderliche, als die Funktion betrachtet. Zu gröfserer Klarheit kommen 
diese Begriffe aber erst, wenn eine graphische Darstellung die funktionale 
Abhängigkeit einer reellen Zahl von einer beliebig veränderlichen andern 
reellen Zahl veranschaulicht. Fast ausschliefslich werden dazu zwei 
Methoden benutzt. Die eine ist die von Descartes angegebene Methode 
rechtwinkliger Koordinaten, bei der z. B. das gerade Verhältnis y = ax 
eine durch den Koordinatenursprung gehende Gerade, das umgekehrte 

Verhältnis y — — eine gleichseitige Hyperbel als „Diagramm“ ergibt. 
x 

Die andre ist die Methode der Polarkoordinaten, die weiter unten be- 
sprochen werden soll. Eine wesentliche Erweiterung mufste diese Dar- 
stellung nach Einführung der komplexen Zahlen erfahren. Eine beliebig 
veränderliche Gröfse z = x + iy erfordert ja zu ihrer Darstellung schon 
die ganze Ebene; ebenso ist für die abhängige Gröfse Z—X-\-iY eine 
ganze Ebene nötig, es schwindet also zunächst die einfache Darstellung 
der funktionalen Abhängigkeit durch die Punkte einer Kurve. Jedem 
Punkte, jeder Linie, jedem Bereiche der z- Ebene entspricht dann ein 
Punkt, eine Linie, ein Bereich der Z- Ebene und um- 
Fig. 1. gekehrt — wobei allerdings die bei vielen Funktionen 

auftretende Mehrdeutigkeit nicht aufser Acht gelassen 
werden darf. Zur bequemeren Veranschaulichung führen 
wir nun Polarkoordinaten ein. Dazu müssen wir die 
ursprünglich zum Zwecke der Dreiecksberechnung er- 
y fundenen W inkelfunktionen sin, cos, tan, cot heran- 
— — x — — ziehen. Ihre Untersuchung zeigt zunächst, dafs sie perio- 

dische Funktionen sind, was bei ihrer graphischen 
Darstellung besonders anschaulich wird. Aus der bei- 
stehenden Figur ist unmittelbar ersichtlich, dafs 


z = x iy = r (cos cp + i sin (p) 


x — r cos (p r = + yjx 2 + y 2 

y = r sin (p tan <p = y : x 

ist. Soll nun die Funktion z 2 — Z oder z — 'SjZ untersucht werden und 
setzt man Z=X-\-iY=R { cos <P + i sin CP), so ergeben sich aus der 
leicht zu berechnenden Formel z 2 = r 2 ( cos 2 (p + i sin 2 (p) die Bezieh- 
ungen R = r 2 und cP = 2 (p. Erteilt man r einen festen Wert und läfst 

( p von 0 bis n (= arc 180°) zunehmen, so hat auch R — r 2 einen festen 

Wert und <I> durchläuft die Werte von 0 bis 2 tc. Während also der 
Punkt z einen Halbkreis um den Nullpunkt vom Punkte + r der x-Achse 
über den Punkt ri der y - Achse bis zum Punkte — r durchläuft, be- 
schreibt der Punkt Z in seiner Ebene einen vollen Kreis mit Badius 
R — r 2 um den Nullpunkt. Er durchläuft diesen ein zweites Mal, wenn 
z den andern Halbkreis von cp = n bis cp — 2 n durchmifst. Da nun r 
jeden beliebigen positiven reellen Wert annehmen kann, so erkennt man: 
jedem Punkte der Z - Ebene entspricht nicht ein Punkt der Ebene, 


45 


sondern es entsprechen ihm zwei verschiedene Punkte im selben Abstande 
r vom Nullpunkte und mit Argumenten #>, die sich um tc von einander 
unterscheiden; die Verbindungslinie zweier solcher Punkte wird also vom 
Nullpunkt halbiert. Man betrachtet daher auch die Z- Ebene als aus 
zwei auf einander liegenden Blättern bestehend und ordnet dem oberen 
Blatte etwa die oberhalb der x- Achse gelegene halbe z- Ebene zu und 
dem unteren Blatte die untere Hälfte der £- Ebene. 

Diese Betrachtungen erscheinen auf den ersten Augenblick sehr 
schwierig und man könnte meinen, dafs eine solche mehrdeutige Be- 
ziehung zweier Ebenen etwas dem gewöhnlichen Leben völlig Fernliegendes 
sei. Betrachten wir aber einmal die Bewegungen der beiden Zeiger einer 
Uhr, so erkennen wir da eine viel kompliziertere Abhängigkeit. Zwölfmal 
dreht sich der grofse Zeiger herum, während der kleine Zeiger nur eine 
Umdrehung macht. Jeder Stellung des Stundenzeigers entspricht eine einzige 
Stellung des Minutenzeigers; aber jeder Stellung dieses letzteren entsprechen 
zwölf verschiedene Stellungen des kleinen Zeigers: Wir haben eine ein- 
zwölfdeutige Beziehung. Man könnte sich also 13 Zifferblätter über- 
einander gelegt denken. Das erste gehört dem kleinen Zeiger an, der auf 
ihm die Stunden angibt. Die andern 12 dienen in folgender Weise dem 
Minutenzeiger: Um 12 Uhr beginnt er seinen Lauf über das erste Blatt; 
hat er den ersten Umlauf vollendet, so schlüpft er auf dem nach XII 
gehenden Radius unter das erste Blatt und gelangt so zum zweiten, um 
auf diesem seine Drehung auszuführen. Dann kommt das dritte, das vierte 
u. s. f. bis zum zwölften daran, und darauf erhebt er sich wieder bis zum 
ersten Blatt. Wir haben so für den Minutenzeiger eine sogenannte 
12-blättrige Riemannsche Fläche konstruiert. 

Von hier aus gelangen wir leicht zur völligen Beantwortung der oben 
aufgeworfenen Frage über diejenigen Werte, die der binomischen Gleichung 
n- ten Grades genügen, die wir jetzt allgemeiner z n = Z schreiben, wobei 
n wieder eine positive ganze Zahl bedeutet. Man erkennt durch dieselben 
Betrachtungen wie oben, dafs jedem Werte von Z n verschiedene Werte 
von z zugehören, die auf einem Kreise mit Radius r — R n die Ecken 

n 

eines regelmäfsigen n- Ecks bilden. So hat also y Z n verschiedene Werte 
und die Gleichung z n = Z hat für jeden bestimmten Wert von Z n ver- 
schiedene Lösungen oder Wurzeln. Setzt man insbesondere Z— 1, so 
gibt die Gleichung z n = 1 die sogenannten n- ten Einheits wurzeln 

2 kn . . 2 k n 

Zu = cos h ^ sm 1 

n n 

wobei man k der Reihe nach die Werte 0, 1, 2, ... n — 1 beizulegen hat. 

In der Elementarmathematik wird nun gezeigt, dafs man jede qua- 
dratische Gleichung auf eine binomische Gleichung zurückführen kann, 
sodafs also jede quadratische Gleichung zwei Wurzeln hat, die allerdings 
auch gelegentlich denselben Wert haben können. Es erhebt sich daher 
die Frage, ob auch die allgemeine Gleichung n-ten Grades 
z n + a 1 z n ~ 1 + a 2 z n ~ 2 + • • + a n -\Z + a n = 0, 
bei der die Koeffizienten a 1 a 2 ... komplexe Zahlen sind, immer n Wurzeln hat. 

Das kann nun in der Tat durch Betrachtungen erwiesen werden, die 
sich an die oben ausgeführten anschliefsen. Ist hiermit die Auflösbarkeit 
einer jeden algebraischen Gleichung bewiesen, so entsteht die weitere 


46 


Aufgabe, einen Algorithmus zur Berechnung der Wurzeln zu finden. Die 
Vermutung liegt nahe, dafs man hier zu w-ten Wurzeln kommen wird. Es 
war daher ein grofses Ereignis, als Abel zeigte, dafs die bisher benutzten 
Symbole zur Lösung der allgemeinen Gleichungen von höherem als dem 
vierten Grade nicht mehr ausreichen, oder genauer gesagt, dafs es keine 
aus einer endlichen Anzahl von Wurzeln gebildeten Ausdrücke in den 
Koeffizienten einer allgemeinen Gleichung von höherem als dem vierten 
Grade geben könne, die der Gleichung genügen. Es ergibt sich daraus 
die Forderung, neue Funktionen zu bilden, die jene Aufgabe lösen. Man 
wird mithin bei den höheren Gleichungen zu untersuchen haben, auf 
welche einfachste Formen sie reduziert werden können und nun die Ab- 
hängigkeit der Gröfse z von den Koeffizienten studieren. So zeigt sich, 
dafs die allgemeine Gleichung fünften Grades auf eine Form gebracht 
werden kann, in der nur noch ein einziger unbestimmter Koeffizient vor- 
handen ist, sodafs die Wurzeln Funktionen nur einer willkürlichen Gröfse, 
eben dieses Koeffizienten sind. 

Wir haben oben eine Ebene mit Hilfe der Funktion z* = Z zu 
einer andern Ebene in Beziehung gesetzt, indem wir z und Z als Punkte 
in je einer dieser Ebenen deuteten. Setzt man allgemein Z = f(z), so 
kann man ebenso verfahren. Eine derartige Untersuchung nennt man die 
Abbildung einer Ebene auf eine andre Ebene und diese Abbildungen 
spielen zunächst in der Funktionen theorie eine gröfse Rolle. Hat man in 
der z - Ebene zwei Linien, die sich unter irgend einem Winkel schneiden, 
so schneiden sich die Abbildungen in der Z- Ebene unter demselben 
Winkel; man nennt solche Abbildungen in den kleinsten Teilen ähn- 
lich oder konform. Da nämlich einer Geraden der z - Ebene im all- 
gemeinen nicht wieder eine Gerade der Z- Ebene entspricht, so wird ein 
geradliniges Dreieck der z - Ebene durch ein krummliniges Dreieck der 
if-Ebene abgebildet. Je kleiner man nun die Seiten des geradlinigen 
Dreiecks nimmt, desto mehr wird sich das krummlinige Dreieck dem gerad- 
linigen Sehnendreieck in der Z- Ebene nähern, das dann wegen der Über- 
einstimmung in den Winkeln jenem ähnlich ist. 

Übrigens sind die Abbildungen auch sonst von Nutzen und häufig 
verwendet. Schon in der elementaren Geometrie betrachtet man kon- 
gruente und insbesondere auch symmetrisch gelegene Figuren; ferner ähn- 
liche und insbesondere ähnlich gelegene Figuren. Man braucht sich nur 
vorzustellen, dafs sich die Figuren in zwei verschiedenen, auf einander 
liegenden Ebenen befinden, um sofort die kongruente oder die ähnliche 
Abbildung einer Ebene auf die andre zu haben. Projiziert man eine Ebene, 
d. h. die auf ihr liegenden Punkte und Linien durch parallele Strahlen 
auf eine zweite sie schneidende Ebene, so erhält man eine affine Ab- 
bildung (Beispiel: ebene Schnitte eines Prismas), und läfst man die Strahlen 
von einem im Endlichen gelegenen Raumpunkte ausgehen, so ergibt sich 
die Perspektive Abbildung (Beispiel: ebene Schnitte einer Pyramide). 
Berührt eine Ebene eine Kugel in dem einen Endpunkte eines Durch- 
messers, so wird jeder durch den andern Endpunkt gehende Strahl die 
Kugel in einem weitern Punkte schneiden und auch mit der Ebene einen 
Schnittpunkt haben; man bezeichnet dann den einen Schnittpunkt als das 
Bild des andern. Jede Figur auf der Kugel erhält dann ein Bild in der 
Ebene. Diese sogenannte stereographische Projektion, die in den kleinsten 
Teilen ähnlich ist, findet zur Abbildung von Teilen der Erdkugel in den 


47 


Atlanten Anwendung, wo überdies noch manche andre Abbildung an- 
gewendet wird, auf deren mathematische Theorie einzugehen hier unmög- 
lich ist. Man sagt auch, die beiden Flächen seien verwandt und das 
Studium der V erwandtschaften kann offenbar sowohl geometrisch , als 
auch analytisch oder funktionentheoretisch betrieben werden. Im ersten 
Falle wird man z. B. sein Augenmerk darauf richten können, welche 
Eigenschaften einer Figur bei der Abbildung _ (Transformation) erhalten 
bleiben; so ändern sich beispielsweise bei der Ähnlichkeits-Transformation 
weder die Winkel noch die Streckenverhältnisse. Im zweiten Falle wird 
man ebenso fragen können , welche analytische Ausdrücke ungeändert 
(invariant) bleiben. 

Oben war die graphische Darstellung der Funktionen im reellen Ge- 
biete nach der Methode der rechtwinkligen Koordinaten erwähnt worden. 
Jedem Wertpaare x, y entspricht ein Punkt der Ebene und eine Gleichung 
zwischen x und y bestimmt durch die unendlich vielen Wertpaare x, y, 
die ihr genügen, eine Kurve. So wird also ein geometrisches Gebilde 
analytisch durch eine Gleichung y = f(x) oder <f (x, y) — 0 vollständig 
bestimmt. Man kann nun offenbar Gleichungen zwischen x und y an- 
setzen und untersuchen, welche Gestalt und Eigenschaften die durch sie 
definierten Kurven haben. Aber auch umgekehrt kann man jeder in der 
Ebene ausgeführten Konstruktion durch eine analytische Rechnung nach- 
folgen und z. B. die Gleichung eines punktweise gezeichneten geometrischen 
Ortes aufstellen. Man wird dann weiter geometrisch gefundene Eigen- 
schaften der Kurven ebenso in den Eigenschaften ihrer Gleichungen 
wiederfinden, wie man auch aus den Ergebnissen von analytischen Rech- 
nungen geometrische Sätze erkennen wird. Übrigens ist dies Verfahren 
schon beim Elementarunterrichte in der sogenannten algebraischen Analysis 
angedeutet. Zwei andre Keime aber, die schon in der elementaren Geo- 
metrie vorhanden sind, haben hier eine fruchtbare Weiterentwickelung 
gefunden, das Problem der Tangenten und die Inhaltsberechnung. Schon 
beim Kreise sollte von Anfang an die Tangente als Grenzlage einer Sekante 
betrachtet werden; dann erkennt man das W esentliche der Kurventangente 
darin, dafs sie als Verbindungslinie zweier 
unendlich benachbarter Kurvenpunkte die Fig. 2. 

Richtung der Kurve an einer Stelle an gibt. 

Ist a der Winkel, den die Verbindungslinie 
zweier Kurvenpunkte P ± und P 2 mit der 
x - Achse bildet, so wird tan a gleich der 
Ordinatendifferenz dividiert durch die Ab- 
szissendifferenz 


tan er = 


__y 2 — Vi 


Xo — X* 


Rechnet man diesen Quotienten für 
eine gegebene Kurvengleichung aus, so kann 
man hierin die Abszissendifferenz immer 
kleiner werden lassen, indem man mit x 2 
an x ± herangeht; im allgemeinen wird 
dann auch die Ordinatendifferenz immer 

kleiner und man erhält schliefslich für unendlich kleine Differenzen, also 
im Grenzfall, als Grenzwert jenes Differenzenquotienten tan v, wenn man 
mit t den Winkel bezeichnet, den die Kurventangente des Punktes P t 



48 


Fi g. B. 


/f 


mit der sc-Achse bildet. Aus demselben Grunde erkennt man, dafs für 
den Winkel & = 90° — t, den die Kurventangente mit der y - Achse 
einschliefst, tan & der Grenzwert der Abszissendifferenz dividiert durch 
die Ordinatendifferenz ist, dafs also dieser zweite Grenzwert das Reziprokum 
des ersten ist. Diese Grenzwerte nennt man Differentialquotienten und 
man versteht, dafs die Konstruktion der Tangente in einem beliebigen 
Kurvenpunkte völlig bestimmt ist, wenn man den einen jener beiden 
Differentialquotienten berechnen kann. Von hier aus hat die durch 
Leibniz begründete Differentialrechnung ihren Ausgang genommen. 

Bei der Inhaltsbestimmung des Kreises (und ebenso bei der Berech- 
nung des Kreisumfanges) gelingt die Lösung nur dadurch, dafs man eine 
Summe von unendlich vielen, unendlich kleinen Gröfsen herstellt. Zur 
praktischen Berechnung geht man ja von irgend einer regelmäfsigen Teilung 
des Kreises aus und verdoppelt die Anzahl der Teile so oft, bis die ge- 
wünschte Annäherung erreicht ist, theoretisch aber mufs man sich diesen 
Prozefs unendlich weit fortgesetzt denken. Solche Summen von unendlich 

vielen, unendlich kleinen Gröfsen nennt man 
Integrale, und die Art ihrer Einführung bei 
einer beliebigen Kurve y = f(cc) erkennt man 
am besten aus der beistehenden Figur. Die 
grundlegende Aufgabe ist, die Fläche zu be- 
rechnen, die von einem Kurvenbogen, den 
Grenzordinaten und der x -Achse umschlossen 
wird. Das betreffende Stück der sc-Achse teilt 
man in n gleiche Teile und summiert die zu- 
gehörigen Rechtecke. Je gröfser man n werden 
läfst, desto näher kommt man an die gesuchte Fläche und für unendlich 
grofses n erhält man diese selbst. 

So wie sich nun an die Planimetrie die analytische, oben charakteri- 
sierte Geometrie der Ebene anschliefst, so erhält die Stereometrie ihre 
Weiterführung in der analytischen Geometrie des Raumes. Die Lage eines 
Raumpunktes kann ja durch seine Abstände von drei zu einander senk- 
rechten Ebenen festgelegt werden. Den Gebilden im Raume entsprechen 
dann Gleichungen zwischen drei veränderlichen Gröfsen und umgekehrt 
kann man solche Gleichungen durch Raumfiguren anschaulich deuten. Den 
geometrischen Konstruktionen und Beziehungen im Raume entsprechen dann 
gewisse Rechenoperationen und Gleichungen und umgekehrt. Die Differential- 
rechnung bestimmt bei Raumkurven und Flächen Tangentialebenen, Normalen 
usw., die Integralrechnung Kurvenlängen, Oberflächen, Rauminhalte. Auch 
hierfür finden wir in der Elementarmathematik Ansätze bei der Berech- 
nung der Oberflächen von Zylinder, Kegel und Kugel, bei der Inhalts- 
bestimmung nach dem Cavalierischen Satze, bei den Guldinschen Regeln. 

Um nun Raumgebilde anschaulich zu machen, kann man sie entweder 
in wahrer Gröfse nachbilden, Modelle von ihnen herstellen, man kann 
zweitens von ihnen nach gewissen, genau bestimmten Regeln Reliefs an- 
fertigen oder man kann das dreidimensionale Gebilde durch Projektion in 
einer Ebene darstellen. Diese letztere Methode, Raumgebilde in der 
Ebene durch Zeichnung anschaulich zu machen, hat zu einer sehr weit- 
ausgedehnten Disziplin geführt, zur darstellenden Geometrie, die ja 
auch im Schulunterrichte seit langem Fufs gefafst hat. So wie in der 
darstellenden Geometrie auf zeichnerischem Wege, meist ohne Rechnung, 


49 


ebenfalls geometrische Lehrsätze — beispielsweise über Kegelschnitte — 
entwickelt werden, so kann man nun überhaupt grundsätzlich auf analytische 
Rechnung verzichten und rein geometrisch etwa Kurven punktweise durch 
Konstruktion gewinnen, oder durch bewegliche Mechanismen erzeugen und 
sie dann untersuchen. Auf solchen Wegen geht die Geometrie der Lage 
und die Kinematik. 

Wir haben an einzelnen Beispielen zu zeigen versucht, wie sich grofse 
Gebiete der sogenannten höheren Mathematik an einzelne Stellen der 
Elementarmathematik unmittelbar anschliefsen. Solcher Anschlüsse gibt 
es viele weitere und wir dürfen es uns nicht versagen, wenigstens einige noch 
in gedrängter Kürze zu erwähnen. Die einfachen Sätze über die Teilbar- 
keit der ganzen Zahlen, über Primzahlen führen zu einer grofsen Reihe 
von weiteren Fragen über ganze Zahlen, die in der Zahlentheori e ihre 
Beantwortung finden, oder noch einer Erledigung harren. Die periodischen 
Dezimalbrüche ordnen sich den geometrischen Reihen unter, und diese 
bieten den einfachsten Fall dar von Reihen, die sich unter gewissen Be- 
dingungen ins Unendliche fortsetzen lassen. So erhalten wir hier einen 
Ausblick in die wichtige Theorie der unendlichen Reihen, von denen 
eine gewisse Verallgemeinerung der geometrischen Reihe, die Potenzreihe, 
von besonderem Einflüsse auf die Funktionentheorie und auf die Zahlen- 
theorie geworden ist. In der Trigonometrie wird die Periodizität der 
Funktionen sin, cos, tan, cot bewiesen. Man kann nun überhaupt nach 
periodischen Funktionen fragen; gibt es noch mehr mit solcher oder anderer 
Periodizität, gibt es Funktionen mit mehr als einer Periode usw. 

Wenn in der Mathematik ein Lehrsatz aufgestellt wird, so mufs er 
bewiesen werden, d. h. es mufs gezeigt werden, dafs er auf Grund der 
vorher aufgestellten Definitionen und früher bewiesener, einfacher Lehr- 
sätze richtig ist. Bei solchem Verfahren geht man also rückwärts, und 
es ist klar, dafs man schliefslich auf gewisse einfachste Sätze, Grund- 
sätze oder Axiome, stöfst, die von vornherein als richtig und als ge- 
geben betrachtet werden müssen. Diese Grundlagen einer mathematischen 
Disziplin sind nun namentlich neuerdings ganz besonders untersucht worden 
und dabei hat sich z. B. für die Geometrie ergeben, dafs man neben dem 
von Euklid aufgestellten System von Axiomen noch auf mehrfache Weise 
andere vollständige und in sich widerspruchsfreie Systeme von Axiomen 
aufstellen kann, auf Grund deren der folgerichtige Aufbau von anderen 
Geometrien möglich ist. 


Betrachten wir nun, worauf die von allen Seiten zugestandene un- 
geheuere Bedeutung der Mathematik beruht. Zunächt wird man antworten 
müssen, dafs überall da, wo es sich um Messen und Zählen handelt, 
Gebiete der Mathematik berührt werden; aus solchen praktischen Bedürf- 
nissen heraus hat sich ja die Mathematik bei den Alten entwickelt. Ins- 
besondere sind zwei Wissenschaftsgebiete der Mathematik benachbart, 
die Physik und die Technik im weitesten Sinne; von diesen dreien ver- 
dankt jede den beiden anderen aufsei ordentlich viel. Schon in älteren 
Zeiten war es gelungen in einem Teile der Physik, in der Statik, Gesetze 
in mathematischer Form aufzustellen, also Gleichungen (oder wenigstens 
Proportionen) zu finden, die die Abhängigkeit veränderlicher Gröfsen unter- 
einander festlegen (z. B. Gleichgewichtsbedingungen, Archimedisches Prinzip). 


50 


Aber erst der Vater der Physik, Galilei führte auch die Zeit als variable 
Gröfse in die Gesetze der Physik ein und ermöglichte eine mathematische 
Formulierung und Untersuchung von gesetzmäfsigen Bewegungen. Newtons 
Scharfsinn erweiterte das Anwendungsgebiet so wesentlich, dafs von ihm an 
erst von einer mathematischen Physik gesprochen werden kann. Die gleich- 
zeitig und nach ihm lebenden grofsen Mathematiker des 17. und 18. Jahr- 
hunderts haben teilweise erhebliches in der Anwendung der Mathematik 
auf physikalische und technische Probleme geleistet. Aber erst im 19. Jahr- 
hundert erkannte man klarer, dafs überall in der Physik, wie in der 
Technik (ja auch noch in anderen Wissenschaften) der Begriff der Funktion 
die ausschlaggebende Rolle spielt und dafs daher überall die von der 
Mathematik bereit gestellten Methoden zur Untersuchung der Funktionen, 
die analytische und die graphische, anwendbar seien. — Es ist vielleicht 
nicht überflüssig zu betonen, dafs die funktionale Abhängigkeit einer 
Variabein von einer anderen bei einem physikalischen Gesetze nicht not- 
wendig auch eine causale zu sein braucht; man denke nur an die Fall- 
gesetze! — In der analytischen Mechanik tritt der Begriff Prinzip in 
dreierlei Bedeutung auf, als Axiom, als allgemeiner Lehrsatz, den man 
benutzt, um daraus andere Sätze abzuleiten, und endlich als allgemeine 
Methode oder Regel, um die Differentialgleichungen der Bewegung auf- 
zulösen. Stellt man den Weg eines bewegten Punktes als Funktion der 
Zeit dar, so wird die Geschwindigkeit der erste Differentialquotient des 
Weges nach der Zeit und die Beschleunigung wird gleich dem zweiten 
Differentialquotienten, wie man leicht zeigen kann. Da man nun seit 
Newton die Kraft als Produkt aus Masse und Beschleunigung definiert, so 
erkennt man, dafs bei gegebener Kraft eine Gleichung für jenen zweiten 
Differentialquotienten vorliegt, deren Lösung ein rein mathematisches 
Problem ist. Auf solche Differentialgleichungen führen nun fast alle physi- 
kalischen Fragen, zumal wenn es sich um Bewegungsvorgänge handelt, in 
der Akustik, Optik, Elektrodynamik ebenso wie in der Astronomie bei der 
Bewegung der Planeten um die Sonne. — Eine sehr wesentliche Unter- 
suchung besonderer Art ist es, bei einem beobachteten Naturvorgang das 
Gesetz zu finden, nach dem die beobachteten und gemessenen Gröfsen 
Zusammenhängen. Häufig wird man hier zunächst graphisch Vorgehen; 
indem man alle bei der zu studierenden Naturerscheinung vorkommenden 
Gröfsen bis auf zwei unverändert läfst, die eine dieser Gröfsen willkürlich 
variiert und die dadurch bedingte Veränderung der andern mifst, erhält 
man zunächst eine Tabelle, die nach der Koordinaten-Methode einzelne 
„Punkte“ der Zeichenebene liefert. Beachtet man dabei die Beobachtungs- 
fehler, so sind jene „Punkte“ mathematisch als Rechtecke aufzufassen 
und durch Verbindung dieser „Punkte“ erhält man statt einer wirklichen 
Kurve zunächst ein Streifenpolygon, sodafs also zunächst jede Kurve, 
die innerhalb der Streifen des Polygons verläuft, die Beobachtung wieder- 
gibt. Man wird nun, wenn man keinen theoretischen Ansatz für die 
mathematische Behandlung der Naturerscheinung hat, eine möglichst ein- 
fache Kurvengleichung auswählen, die möglichst wenig konstante Gröfsen 
aufweist; y = a x n + 5, y — a log x + b mögen als Beispiele dienen. Ist 
eine Naturerscheinung vollständig neu, so wird es also gelegentlich auf 
ein glückliches Probieren ankommen. Sowie aber eine Kurvenform mit 
ihrer Gleichung das Beobachtungsmaterial deckt, hat man durch die 
Gleichung einen theoretischen Ansatz, der verfolgt werden mufs und dessen 


51 


mathematische Folgerungen wiederum experimentell auf ihre Zulässigkeit 
zu prüfen sind. Die einfachsten Folgerungen bestehen in den Inter- 
polationen und den Extrapolationen; bei jenen werden Zwischenwerte, 
bei diesen Aufsenwerte nach der angenommenen Kurvengleichung berechnet 
und dann experimentell geprüft. Die Geschichte der Physik namentlich 
in den letzten Jahrzehnten ist reich an höchst interessanten Beispielen 
für solche Untersuchungen. Vielfach wird es auch nötig sein, aus einer 
grofsen Menge von beobachteten Werten den besten, d. h. wahrscheinlichsten 
Mittelwert zu ermitteln. Im einfachsten Falle ist dies das arithmetische 
Mittel; sind aber die Fehler der einzelnen Beobachtungen nicht gleich- 
wertig, so führt die Untersuchung zu der von Gaufs begründeten Methode 
der kleinsten Quadrate. So erkennt man, dafs in der Tat die Mathe- 
matik ein unentbehrliches Hilfsmittel bei der Behandlung physikalischer 
und technischer Probleme ist, und wenn es gelegentlich scheint, als ob auf 
irgend einem Gebiete der Technik das mathematische Bedürfnis gestillt 
sei, so bedarf es nur des Auftauchens eines neuartigen Problems, um von 
neuem zu bestätigen, dafs auch zu seiner Bewältigung die mathematischen 
Methoden schon vorhanden sind, oder um zu veranlassen, dafs neue Methoden 
ersonnen werden, durch die das Problem abschliefsend erledigt werden kann. 


YII. Über die neue „Monographie der Gattung Potentilla“. 

Von Dr. Theodor Wolf.*) 

Mit 1 Abbildung. 


Das zu besprechende Werk zerfällt in einen allgemeinen und einen 
speziellen Teil. Der erste behandelt nach einem einleitenden Abschnitt in 
acht folgenden die Geschichte und Literatur, die Begrenzung und Definition, 
die morphologischen und biologischen Verhältnisse der Gattung, ihre 
geographische Verbreitung in Verbindung mit phylogenetischen Betrach- 
tungen, die Ansichten des Verfassers über Artbegriff, Wertstufen (Rasse, 
Varietät, Form), Nomenklatur, Synonymik, Zitate usw., ferner einige Winke 
für das Studium und Bestimmen der Potentillen, und endlich die Gliederung 
der Gattung in natürliche Sektionen, Subsektionen und Gruppen, sowie 
einen ausführlichen Schlüssel zur Bestimmung dieser verschiedenwertigen 
Verbände. 

Der zweite, spezielle Teil des Werkes enthält die Beschreibung der 
Arten derart, dafs der Reihe nach zunächst jede der schon im ersten Teil 
kurz diagnostizierten Gruppen noch etwas eingehender besprochen, mit 
den nächstverwandten Gruppen verglichen, und ihre geographische Ver- 
breitung angegeben wird, worauf dann ein kurzer Bestimmungschlüssel 
für die ihr angehörenden Arten, und schliefslich die eingehende Behand- 
lung jeder Gruppenangehörigen und ihres Formenkreises folgt. Die Be- 
stimmungschlüssel — im ersten Teil auch die für die Sektionen, Sub- 
sektionen und Gruppen — sowie die sehr ausführlichen Diagnosen der 
Spezies, Varietäten, zum Teil auch der Formen und Bastarde, sind aus 
begreiflichen Opportunitätsrücksichten in lateinischer Sprache abgefafst. 

Einen Anhang zum zweiten Teil bildet die systematische Zusammen- 
stellung der Gruppen, Arten, Varietäten und Formen der Gattung Potentüla, 
soweit sie bis jetzt bekannt und hier abgehandelt sind. Diese Zusammen- 
stellung kann auch als Herbar- Katalog zum Ordnen gröfserer Potentillen- 
Sammlungen dienen. Ebenso willkommen dürfte dem Potentillenfreund 
das umfangreiche alphabetische Register sein, weil es viele Synonyme und 
halbverschollene Namen mit Angabe ihrer Bedeutung enthält, welche sonst 


*) Nach dem Selbstreferat , welches der Verfasser in der Versammlung der bota- 
nischen Sektion der Isis am 19. November 1908, nach Vorlegen seines Werkes durch 
den Vorsitzenden und auf dessen Anregung gegeben hat. — Die Monographie erschien 
als XVI. Band der von Professor Dr. Ohr. Luerssen herausgegebenen „Bibliotheca botanica a 
und umfafst VIII, 715 Seiten Text, 2 Verbreitungskarten, 20 Tafeln und mehrere Figuren 
im Text. 


53 


im Text des Werkes nicht aufgeführt wurden, um diesen nicht mit einem 
zu grofsen, meist überflüssigen Ballast zu beschweren. 

Die Potentillen haben bekanntlich den Botanikern von jeher viel zu 
schaffen gemacht. „Admodum obscuri sunt Botanici in historia Penta- 
phyllorum“ klagte schon der alte J. Ray in seiner Historia plantarum vor 
mehr als 220 Jahren, obwohl man zu seiner Zeit erst 15 bis 20 Arten 
unterschied, und diese Klage über die Schwierigkeit der Unterscheidung 
und Bestimmung der Potentillen wiederholte sich bis auf die neueste Zeit 
immer lauter, je mehr Arten und Formen im Laufe der Zeit entdeckt 
wurden, und je weniger sich diese nach den alten Systemen oder vielmehr 
„Bestimmungschlüsseln“ unterbringen liefsen. Noch Linne beschrieb in 
der ersten Ausgabe seiner „Species plantarum“ (1753) nur 26 Potentillen- 
Arten (mit Einschlufs von 4, welche er in andere Gattungen versetzt hatte), 
heute unterscheiden wir aber über 300 gute Arten und eine Unzahl von 
Varietäten und Formen, welche grofsenteils von manchen Floristen eben- 
falls als Spezies aufgefafst wurden. 

Die jüngst erschienene neue Monographie der Gattung verfolgt nun 
den Zweck, alle heutzutag bekannten Potentillen der ganzen Erde auf 
ihren systematischen Wert — ob Spezies, Rasse, Varietät oder nur leichte 
Spielform — zu prüfen, und die Spezies und Formen nach ihren natür- 
lichen Verwandtschaften an- und unterzuordnen, also die Aufstellung 
eines natürlichen, so weit als möglich phylogenetischen Systems. 
Ein solches System, welches alle Arten der Erde umfafst und verhältnis- 
mäfsig leicht zu bestimmen gestattet, fehlte bis jetzt; denn die älteren 
monographischen Bearbeitungen der Gattung (von Nestler 1816, Lehmann 
1820 und Trattinnick 1824) mit ihren unvollkommenen Bestimmung- 
schlüsseln können keinen Anspruch auf den Namen eines Systems, d. h. 
einer rationellen Gliederung der Gattung erheben, und selbst der letzte 
Versuch zu einer solchen, welchen Lehmann vor 52 Jahren in seiner 
„Revisio Potentillarum“ gemacht hat, ist zum gröfsten Teil mifslungen. 
Auch dieses, seinerzeit besonders wegen seiner meist guten Abbildungen 
hochgeschätzte Werk ist längst veraltet, nicht nur weil in ihm jetzt gegen 
150 seit seinem Erscheinen bekannt gewordene Arten fehlen, sondern weil 
sich viele derselben in seinem zumeist auf Aufserlichkeiten und Ober- 
flächlichkeiten gegründeten System gar nicht unterbringen liefsen. 

In keiner andern artenreichen und polymorphen Gattung der Rosaceen 
finden wir eine so grofse Mannigfaltigkeit habituell ganz verschiedener 
Formen und Formengruppen, wie bei Potentilla — wie einförmig im 
Habitus erscheinen ihr gegenüber z. B. Bosa und Bubus\ — Zur Unter- 
scheidung und Anordnung dieser Formen hat man sich zumeist nur, oder 
doch hauptsächlich äufserlicher und zum Teil recht unbeständiger Merk- 
male bedient, und die in der Beschaffenheit der wichtigsten Organe der 
Pflanze liegenden ganz übersehen, oder für nebensächlich gehalten. So 
entstanden die fehlerhaftesten Anordnungen und unnatürlichsten „Systeme“: 
die nächstverwandten Arten wurden weit von einander getrennt, die hetero- 
gensten eng zusammengekoppelt. Man braucht nur an die berühmte Haupt- 
einteilung in Pinnatae, Digitatae, Ternatae zu erinnern, an welcher man 
fast 100 Jahre lang festhielt. Gerade die Blattform, die sich in ver- 
schiedenen weit getrennten Gruppen oft zum Verwechseln ähnlich wieder- 
holt, ist das ungeeignetste Einteilungsmotiv, weil es mitunter selbst in 


54 


einer und derselben Spezies ganz auffallend variiert und zwischen gefiedert 
und gefingert schwankt. Bei der Unklarheit und Unsicherheit in der Be- 
wertung der Gruppen- und Speziescharaktere trat allmählich eine weit- 
gehende Zersplitterung der Arten, dabei aber auch eine vollständige Ver- 
wirrung in der Gattung ein, welche jeden wahren Fortschritt in ihrer 
Kenntnis hinderte. Diese Verhältnisse wurden im zweiten, die Geschichte 
der Literatur der Gattung behandelnden Abschnitt des allgemeinen Teiles 
der Monographie ausführlicher geschildert. 

Um hierin Wandel zu schaffen, mufste die Reform mit der Aufstellung 
eines natürlichen, auf die wichtigsten Organe der Pflanze gegründeten 
Systems beginnen. Einige beachtenswerte Versuche, welche in dieser Hin- 
sicht gemacht worden sind (so z. B. von A. Gray, Watson, Focke, Rydberg), 
konnten nicht oder nur sehr unvollkommen gelingen, solange man ein 
System nur auf die beschränkte Anzahl von Arten eines Landes oder 
höchstens eines Kontinents gründete und dessen Anwendbarkeit auf alle 
Arten der Erde nicht prüfen konnte. Eine solche Prüfung an der Hand 
der existierenden Literatur, d. h. mit den bisherigen Diagnosen und Be- 
schreibungen der Arten durchzuführen, war nicht möglich, weil dieselben 

— von den ältesten bis auf die neuesten — gerade die Hauptorgane, auf 
die es ankommt, entweder nicht oder ungenau, nicht selten sogar falsch 
angeben. Es war notwendig, alle Arten der Erde durch Autopsie und 
eine genaue mikroskopische Untersuchung kennen zu lernen, um sie nach 
natürlichen Verwandtschaften gruppieren zu können. Ein so ausgedehntes 
Studium, welches bis jetzt noch niemand unternommen hatte, hielt der 
Verfasser der neuen Monographie für die erste Vorbedingung zur Auf- 
stellung eines rationellen, wirklich natürlichen Systems, aber erst nach 
vieljährigen Bemühungen ist es ihm gelungen, das notwendige Unter- 
suchungsmaterial aus allen potentillentragenden Ländern zusammen- 
zubringen. Die wenigen noch nicht äufzutreibenden, weil höchst seltenen 
Arten, hei denen er sich auf fremde, zum Teil recht unvollständige 
Beschreibungen verlassen mufste, dürften bei ihrer eventuellen spätem 
Untersuchung sein System kaum wesentlich modifizieren, jedenfalls aber 
nicht umstofsen können. 

Wenn man ohne Rücksicht auf die bisher aufgestellten Systeme oder 
Einteilungen alle Potentillen vorurteilsfrei auf ihre gesamten Eigenschaften 

— immer mit Voranstellung derer der Hauptorgane — prüft, und die in 
dieser Hinsicht sich am nächsten kommenden zusammenstellt, so erhält 
man etwa 30 Gruppen (greges), welche sich sehr ungleich zu einander ver- 
halten. Manche zeigen schon auf den ersten Blick eine nahe Verwandt- 
schaft unter sich und lassen sich unschwer in gröfsere Verbände (Sektionen 
oder Subsektionen) zusammenfassen, während andere Gruppen morphologisch 
und habituell scheinbar ganz isoliert dastehen. Dazu kommt der beachtens- 
werte Umstand, dafs die letzteren arm an Spezies sind und die Spezies 
selbst sehr konstant erscheinen, sowie niemals oder höchst selten Bastarde 
bilden, die ersteren dagegen meistens eine Reihe nahe verwandter, sehr poly- 
morpher Spezies enthalten und stark zur Hybridenbildung neigen. Man 
wird kaum fehlgehen, wenn man jene isoliert stehenden Gruppen für die 
ältesten, zum Teil schon im Aussterben begriffenen, die polymorphen, unter 
sich eng verbundenen Gruppen aber für die jüngsten hält, welche noch 
jetzt in voller Entwickelung sich befinden. Alle drei potentillenreichen Kon- 


55 


tinente (Europa, Asien und Amerika) weisen eklatante Beispiele von paläo- 
typen und neotypen Gruppen auf. 

Es ist nun auffallend, dafs alle jene meist kleinen, vom Gros des 
Potentillen-Heeres schon habituell sehr abweichenden paläotypen Gruppen 
behaarte Früchtchen besitzen, während die Früchtchen aller polymorpher 
neotyper Gruppen nackt sind. Unter den ersteren sind dann wieder die 
auffallendsten und vermutlich allerältesten Formen Sträucher und Halb- 
sträucher, die letzteren dagegen sind alle krautig. Es liefsen sich noch 
mehrere Punkte anführen, in denen ein merkwürdiger Kontrast zwischen 
den ältesten und neuesten Typen hervortritt, und welche die Vermutung 
stützen, dafs die Urpotentillen der Tertiärzeit, aus denen sich die Neotypen 
der Jetztzeit entwickelt haben, Sträucher und Halbsträucher mit ge- 
fiederten Blättern und stark behaarten Früchtchen waren. Als 
eine solche Urpotentille, die sich wahrscheinlich ziemlich unverändert aus 
der arktischen Tertiärflora herübergerettet hat, kann man die Potentilla 
fruticosa ansehen. Mit ihr nennt man allerdings den auffallendsten Typus, 
welcher schwer mit den neotypen Arten in Verbindung gebracht werden 
könnte, wenn nicht von der langen Brücke, die einst von ihm zu diesen 
herüberführte, glücklicherweise einige Pfeiler — ein paar Halbsträucher 
Nordamerikas und Nordasiens — stehen geblieben wären, welche durch 
ihre Mittelstellung zwischen den Extremen einen genetischen Zusammen- 
hang als wahrscheinlich oder wenigstens als möglich erscheinen lassen. 

Leider kann man die Unterscheidung zwischen paläotypen und neotypen 
Potentillen — mag sie auch in der Theorie richtig sein — , in der Praxis 
nicht als oberstes Einteilungsprinzip im System wählen, weil es kein un- 
trügliches morphologisches Merkmal gibt, welches ausschliefslich allen Arten 
der ersten oder allen der zweiten Klasse zukäme. Wenn auch z. B. alle 
behaartfrüchtigen Potentillen paläotyp wären, so dürfte man doch nicht 
umgekehrt alle nacktfrüchtigen für neotyp halten, da sich unter ihnen 
offenbar auch verschiedene sehr alte Formen befinden; andererseits treten 
bei ein paar Arten, welche man aus pflanzengeographischen Gründen für 
sehr jung halten mufs, merkwürdige Atavismen, selbst zerstreute Haare 
an den Früchtchen. auf. — Auf ein rein phylogenetisches System, bei dessen 
Konstruktion so viele Einzelheiten der subjektiven Ansicht oder Vermutung 
des Monographen anheimgegeben wären, werden wir vorläufig und viel- 
leicht für immer verzichten und uns bei der Gliederung der Gattung an 
die greifbaren morphologischen Eigenschaften der Pflanzen halten 
müssen, aber an solche, welche uns in der Kenntnis der genetischen Be- 
ziehungen der Arten unter sich am meisten fördern und einem natürlichen 
phylogenetischen System so viel wie möglich nähern. 

Das wichtigste Organ der Pflanze ist das Fruchtblatt (Karpell) und 
sein Zubehör. Die Arten, welche in diesem Organ genau übereinstimmen, 
stehen sicher auch in einer nahen Verwandtschaft unter sich. Diese Voraus- 
setzung bestätigt sich bei den Potentillen aufs beste; denn nach den Eigen- 
schaften des Karpells und seines Griffels geordnet, schliefsen sie sich in 
Gruppen zusammen, welche meistens — wenn auch nicht immer — in ver- 
schiedenen andern mehr oder weniger nebensächlichen Merkmalen ihre 
Natürlichkeit zu erkennen geben und daher zum Teil schon von älteren 
Botanikern nach solchen Äufserlichkeiten (ohne Berücksichtigung des 
Karpells) annähernd richtig empfunden und aufgestellt wurden. Ein paar 


56 


der auffallendsten Griffelformen sind zwar schon früher hin und wieder 
zur Unterscheidung gewisser Arten oder auch einer Gruppe herangezogen 
worden, aber meist als untergeordnetes Motiv nebenbei, oder doch ohne 
konsequente Anwendung, weil eben eine solche an der Hand eines zu be- 
schränkten Untersuchungsmaterials nicht möglich war. Gewöhnlich wurden 
die Griffel, wenn überhaupt in den Diagnosen ausnahmsweise die Rede von 
ihnen war, mit den vagen Ausdrücken kurz, lang, dünn, dick bezeichnet. 

Der Griffel der Potentillen, welcher stets auf der Bauchnaht desKarpells, 
aber entweder fast in der Mitte (lateral), oder nahe der Spitze (subterminal), 
oder nahe dem Grunde desselben (subbasal) angeheftet ist, tritt in 6 leicht 
zu unterscheidenden Typen auf: 



1 2 3 4 5 6 

Die 6 Grundformen des Griffels in der Gattung Potentilla. 


1. keulenförmig (clavaeformis), aus dünnem Grunde sich nach oben 
allmählich stark verdickend und eine grofse gelappte, fast trichterförmige, 
oder gewölbte Narbe tragend, subbasal oder lateral (Potentillae rhopa- 
lostylae); 

2 . fadenförmig (filiformis), vom Grunde bis zur Narbe gleichdünn, 
meist viel länger als das reife Früchtchen, lateral oder subbasal oder 
subterminal (Potentillae nematostylae); 

3. spindelförmig (fusiformis), aus dünnem Grunde sich nach der 
Mitte zu allmählich stark verdickend und dann wieder ebenso allmählich 
gegen die verbreiterte Narbe hin dünn zulaufend, stets subbasal (Poten- 
tillae closterostylae); 

4. kegelförmig (coniformis), gleich am Grunde mehr oder weniger 
stark und oft papillös angeschwollen, dann nach oben bis zur Narbe sich 
kegelförmig verjüngend, oder auch aus kurz -knolliger Basis lang faden- 
förmig ausgezogen, überhaupt vielgestaltig, aber stets mit angeschwollenem 
Grunde, stets subterminal (Potentillae conostylae); 

5. nagel förmig (claviculiformis), aus kurz-zugespitztem Grunde mäfsig 
und ziemlich gleich dick verlaufend und erst oben unter der verbreiterten 
Narbe etwas anschwellend, einem kleinen Drahtstift oder auch dem Ende 
einer Rebenranke ähnlich, subterminal (Potentillae gomphostylae); 

6. stäbchenförmig (virguliformis), sehr klein und kurz, kaum so lang 
oder kürzer als das reife Früchtchen, vom Grunde bis zur Narbe gleich 
dünn, lateral (Potentillae leptostylae). 

Unsichere Zwischenformen zwischen den sechs aufgeführten Haupttypen, 
welche beim Bestimmen der Arten Schwierigkeiten machen könnten, kommen 
sehr selten vor; sie erweisen sich dann meistens als einzelne Mifsbildungen 
zwischen regelmäfsig gebildeten Griffeln — man mufs daher stets mehrere 
Griffel einer Blüte untersuchen — , oder weisen, wenn in gröfserer Zahl 
vorhanden, auf Bastarde zwischen Arten verschiedener Sektionen hin. 

Es hat sich herausgestellt, dafs sich die zwei ersten Griffeltypen, der 
keulenförmige und der fadenförmige, ausschliefslich bei behaartfrüchtigen, 


57 


die vier übrigen aber ausschliefslich bei nacktfrüchtigen Potentillen finden. 
Diese neue Beobachtung bestätigt die Ansicht, dafs die Griffelform im 
Entwickelungsgang der Gattung eine bedeutsame Bolle spielt, und beweist 
zugleich die Natürlichkeit eines Systems, welches die Potentillen zunächst 
in zwei Hauptsektionen teilt: in Trichocarpae und Gymnocarpae.*) 
Jene Beobachtung gibt aber auch ein vorzügliches Mittel an die Hand, die 
Zugehörigkeit einer Pflanze zu den Trichocarpae mit Sicherheit zu be- 
stimmen, wenn deren Früchtchen (im Alter) zufällig verkahlt, oder in ein 
paar Fällen (bei P. palustris und P. elatior) ausnahmsweise von Anfang 
an kahl sind. Die Definition der zwei Hauptsektionen wird sich demnach 
so gestalten: I. Trichocarpae: Früchtchen (mit ein paar Ausnahmen) be- 
haart, Griffel stets keulen- oder fadenförmig; II. Gymnocarpae: Früchtchen 
kahl, Griffel spindel-, kegel-, nagel-, oder kurzstäbchenförmig. 

Während auf den sechs beschriebenen Griffeltypen der Hauptunter- 
schied zwischen sechs grofsen Potentillen -Abteilungen beruht, lassen sich 
feinere Modifikationen derselben, wie einige in den Figuren 2, 3 und 4 an- 
gedeutet sind, vortrefflich zur Unterscheidung gewisser Spezies oder auch 
ganzer Speziesgruppen verwenden. Wenn es aber nach dem Gesagten nicht 
schwer ist, mit Hilfe der Früchtchen und deren Griffel die Sektion und 
Subsektion zu bestimmen, zu welcher eine Potentille gehört, so müssen 
zur weiteren Gliederung der Subsektionen in Series und Gruppen, wo eine 
solche notwendig ist, aufser den feinem Modifikationen der Griffeltypen 
natürlich auch andere Momente herangezogen werden, wie z. B. die wichtigen 
Behaarungsverhältnisse, die Wachstumsart der Pflanzen und anderes. Zur 
Bestimmung der Gruppen ist im allgemeinen Teil der Monographie ein 
sehr ausführlicher Schlüssel ausgearbeitet worden, welcher in den meisten 
Fällen rasch zum Ziel führen dürfte. Zudem werden dann im zweiten 
Teil die einzelnen Gruppen noch ausführlicher besprochen. Dort befindet 
sich auch bei jeder derselben ein Schlüssel für die Bestimmung der zu 
ihr gehörenden Spezies. — Ist man einmal bei der richtigen Gruppe an- 
gelangt, so hat man nur mehr die Wahl zwischen ein paar bis höchstens 
20 Arten in derselben. 

Es konnten hier nur die Grundzüge des neuen Systems kurz dargelegt 
werden.**) Schon auf die Besprechung und Begründung der Gruppen 
mufste verzichtet werden; doch dürfte es dem einen oder anderen Leser 
erwünscht sein, wenigstens in einer tabellarischen Übersicht die Anordnung 
derselben kennen zu lernen. 

Sect. I. Potentillae trichocarpae. (Früchtchen behaart, 
Griffel keulen- oder fadenförmig.) 

Subsect. A. Rhopalostylae. (Griffel keulenförmig.) 

Gruppen : 1. Fruticosae, 2. Bifurcae. 

Subsect. B. Nematostylae. (Griffel lang-fadenförmig.) 

Ser. a , Svffruticulosae. (Halbsträucher.) 

Gruppen : 3. Xylorhizae, 4. Biflorae, 5. Palustres, 6. Triden- 
tatae, 7. Eriocarpae. 

*) Beiläufig sei bemerkt, dafs diese zwei Sektionen sich durchaus nicht mit den 
sogenannten „Leucotricha“ und ,,Atricha“ Zimmeters decken. 

**) Soweit sich dieselben bei der Einteilung der mitteleuropäischen Gymnocarpae 
anwenden lassen, wurden sie zum erstenmal schon in Ascherson-Graebners Synopsis (1904) 
benützt. 


58 


Ser. b Herbaceae . (Stauden.) 

Gruppen: 8. Speciosae, 9. Nitidae, 10. Curvisetae, 11. Crassi- 
nerviae, 12. Caulescentes, 13. Fragariastra. 

Sect. II. Potentillae gymnocarpae. (Früchtchen nackt, 

Griffel spindel-, kegel-, nagel-, oder kurzstäbchenförmig.) 

Subsect. A. Closterostylae. (Griffel spindelförmig.) 

Gruppe : 14. Rupestres. 

Subsect. B. Conostylae. (Griffel kegelförmig.) 

Ser . a. Eriotrichae. (Pflanzen aufser schlichten Haaren 
auch gekräuselten Wollfilz tragend.) 

Gruppen : 15. Multifidae, 16. Graciles, 17. Haematochroae, 
18. Niveae, 19. Argenteae, 19a. Collinae. 

Ser . b. Orthotrichae • (Pflanzen nur schlichte Haare tragend.) 

Gruppen: 20.Tanacetifoliae, 21. Rectae, 22. Rivales, 23.Persicae, 
24. Grandiflorae, 25. Chrysanthae, 26. Multijugae, 27. Ra- 
nunculoides. 

Subsect. C. Gomphostylae. (Griffel nagelförmig.) 

Gruppen: 28. Aureae, 29. Fragarioides, 30. Tormentillae. 

Subsect. D« Leptostylae. (Griffel kurzstäbchenförmig.) 

Gruppe: 31. Anserinae. 

Bei der Behandlung der einzelnen Arten im speziellen Teil der Mono- 
graphie suchte der Verfasser die möglichste Klarheit und Übersichtlichkeit 
zu erzielen, indem er eine zu weit gehende Spaltung in Subspezies, Rassen, 
Varietäten, Sub Varietäten, Formen und Unterformen, wie man ihr zuweilen 
in modernen floristischen Spezialarbeiten begegnet, vermied, sehr viele un- 
nütze oder nichtssagende „Varietäten“ und „Formen“ einfach strich oder 
als Synonyme behandelte, den Synonymen- und Zitaten bailast verminderte 
oder ins Register verwies usw.; denn nach seiner Ansicht ist ein Monograph, 
der sein Werk nicht aus der existierenden, oft so verworrenen Literatur 
kompiliert, sondern auf eigene Forschungen gründet, durchaus nicht dazu 
verpflichtet, jede wertlose Spezies, Varietät oder Form, die jemals aufgestellt 
worden ist, weiter zu berücksichtigen und mitzuschleppen, sondern soll im 
Gegenteil bestrebt sein, allen unnötigen, nur Verwirrung schaffenden Wust 
aus dem Weg zu räumen und einer vernünftigen vorurteilsfreien Forschung 
die Bahn zu ebnen. — In Nomenklaturfragen wurden, soweit immer mög- 
lich, die auf dem internationalen Botanikerkongrefs von 1905 aufgestellten 
Regeln befolgt; in wenigen Fällen, in denen scheinbar von ihnen ab- 
gewichen wurde, sind die Gründe dafür angegeben. 

Bei allen seinen Potentillen- Studien hat der Verfasser stets der geo- 
graphischen Verbreitung der Arten und Gruppen eine besondere Aufmerk- 
samkeit geschenkt und daher derselben schon im allgemeinen Teil der 
Monographie einen Abschnitt gewidmet, in welchem er nicht unterlassen 
konnte, auch einige phylogenetische Ansichten oder Vermutungen einzuflechten. 
Hier können nur einige Resultate dieser pflanzengeographischen Forschung 
mitgeteilt werden. 


59 


Die Potentillen haben eine sehr grofse Verbreitung auf der ganzen 
Nordhalbkugel der Erde. Nur ein paar Arten erreichen oder über- 
schreiten etwas (auf hohen Gebirgen) den Äquator, und diese sind entweder 
identisch mit solchen, welche weiter nordwärts eine weitere Verbreitung 
haben, oder etwas modifizierte Rassen oder Varietäten nördlicher Arten. 
Jedenfalls hat die Südhalbkugel keinen einzigen besonderen Potentillen- 
Typus hervorgebracht. Es wurde versucht, die Verbreitung der Gattung 
und einiger interessanter Gruppen derselben auf zwei dem Werke bei- 
gegebenen Karten darzustellen. 

In Amerika hört der Potentillen-Reichtum in Mexico auf (ein paar 
Spezies finden sich noch in Guatemala, eine noch im nördlichen Süd- 
amerika, und P. anserina, wohl die einzige Art, welche den Transport 
durch salziges Meerwasser lebend aushält, gelangte sogar an die Küsten 
von Chile und nach Neuseeland). Australien und Afrika südlich der Sahara 
sind frei von Potentillen. In Asien finden sich solche südlich des Wende- 
kreises schon recht selten und nur auf hohen Gebirgen. Ihr Haupt- 
verbreitungsgebiet liegt zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem 
ewigen Eis der Polarregion; nur dieses steckt ihnen eine Grenze gegen 
Norden. Nach alledem dürfen wir annehmen, dafs die Gattung Potentilla 
nicht auf der Südhalbkugel und vor allem nicht in den heifsen Regionen 
der Tropen, sondern im gemäfsigten und kalten Norden entstanden ist 
und ihre Hauptentwickelung durchgemacht hat. Das tertiäre Zirkumpolar- 
land mag die Heimat der Urpotentijlen gewesen sein, und dort, in der 
arktisch -tertiären Flora wird sich wohl die Gattung schon in mehrere 
Speziesgruppen gespalten haben, von denen sich einige Reste (Palaeotypen) 
bis heute erhalten haben. Als solche sehr alte Gruppen werden wir mit 
Recht jene annehmen, welche heutzutag in allen drei nördlichen Kontinenten 
(Asien, Europa, Nordamerika) verbreitet sind, z. B. die Fruticosae, Palustres, 
Rupestres, Niveae, Anserinae. Man wird kaum annehmen wollen, dafs die 
Hauptrepräsentanten dieser Gruppen, welche nach ihnen benannt sind, in 
verschiedenen Ländern der Nordhemisphäre unabhängig entstanden seien, 
sondern es für wahrscheinlicher halten, dafs sie schon im tertiären Zirkum- 
polarland allgemein verbreitet waren und von dort nach allen Richtungen 
gegen Süden vordrangen. Ähnlich wird es sich mit ein paar andern kleinen 
paläotypen Gruppen verhalten, die man jetzt nur mehr in einem oder in 
zwei nördlichen Kontinenten antrifft (z. B. die Bifurcae, Biflorae, Triden- 
tatae). Ihre Hauptrepräsentanten sind stellenweise ziemlich weit gegen 
Süden vorgedrungen, halten sich aber auch noch im hohen Norden in der 
Nähe ihrer Urheimat. 

Als die Tertiärzeit zu Ende neigte und die arktisch -tertiäre Flora 
infolge veränderter klimatischer Bedingungen teils zugrunde ging, teils 
immer weiter nach Süden gedrängt wurde, als zugleich die Kontinente mehr 
von einander getrennt wurden, da begann auch für die Potentillen ein 
neues Stadium der Weiterentwickelung. Viele alte Arten mögen zugrunde 
gegangen sein (einige lebens- und akkommodationsfähigere, wie die oben 
genannten, haben sich mit Zähigkeit erhalten), andere haben sich beim 
Vordringen in südlichere Gegenden verändert und umgebildet. Gewisse 
Gruppen (z. B. die der Multifidae) schlugen jetzt in den drei Kontinenten 
verschiedene Richtungen ein, ja es entstanden allmählich ganz neue (neotype) 
Gruppen, von denen wir jetzt im hohen Norden keine Spur finden, und von 
denen in der Tertiärzeit wahrscheinlich noch kein Repräsentant vorhanden 


60 


war. Als die zirkumpolare Quelle versiegt war, konnte von dort kein 
Nachschub mehr erfolgen, welcher alle drei Kontinente mit der gleichen 
Art versorgt hätte; jeder derselben ging seine eigenen Wege, und es ent- 
standen spezifisch asiatische, spezifisch europäische, spezifisch amerikanische 
Arten und Artengruppen, wobei aus leicht begreiflichen Gründen die 
Trennung zwischen der neuen und alten Welt stärker hervortritt, als die 
zwischen Asien und Europa. 

Spezifisch amerikanisch sind die artenreichen Gruppen der Multijugae, 
Ranunculoides und Graciles. — Als schönes Beispiel einer neotypen 
Gruppe der alten Welt kann man die Persicae anführen, eine aufser- 
ordentlich natürliche, aber bisher ganz verkannte Gruppe, deren Angehörige 
z. B. im Lehmannschen System in vier Gruppen untergebracht waren, denen 
sie absolut fernstehen. Von den jetzt bekannten 19 Arten sind 15 auf 
Persien und das angrenzende Armenien beschränkt und jedenfalls dort 
entstanden, zwei den persischen sehr nahestehenden Arten gelangten östlich 
nach Turkestan und zwei ebensolche westlich nach Südspanien und Marokko. 
— Eine andere, ebenso interessante als schwierige Gruppe ist die der 
Rectae, deren Entstehungs- und Hauptverbreitungsgebiet in Südosteuropa, 
in den Gegenden um das Schwarze Meer und der Balkanhalbinsel liegt, 
wo sie am arten- und formenreichsten, auch in zahlreichen Hybriden auf- 
tritt, und von wo sie peripherisch nach allen Richtungen, aber nur in 
einzelnen Arten ausstrahlt; gegen Nordwest und Nordost bis nach Zentral- 
europa und dem westlichen Asien, jn der P. Detommasii bis nach Unter- 
italien, in der P hirta durch die Mittelmeerländer bis Spanien und Por- 
tugal, in derselben Art und in der P taurica nach Kleinasien. Diese 
Gruppe fehlt vollständig in allen arktischen und subarktischen Gebieten, 
in ganz Asien östlich von Turkestan und in Amerika. — Ein sehr ähnliches 
Verbreitungsgebiet, wie die Gruppe der Rectae, besitzt die der Argenteae, 
einschliefslich der mit ihnen stets assoziierten Collinae, nur liegt das 
Yerbreitungszentrum derselben nicht im Südosten, sondern in Zentral- 
europa. Von diesem Zentrum aus nimmt z. B. der Hauptrepräsentant der 
Gruppe, die P. argentea, nach allen Richtungen hin an Individuen- und 
Formenreichtum ab, oder wird gegen die Peripherie hin durch vikarierende 
Spezies ersetzt (so durch P dealbata im Altai, durch P. Meyeri in Klein- 
asien). Die Gruppe fehlt im höheren Norden, in ganz Asien östlich vom 
Altai und in Amerika. 

Eine sehr merkwürdige Verbreitung weisen die Trieb ocarpae her- 
baceae auf, welche man bisher unter dem Namen Fragariastra zusammen- 
gefafst hat, die aber in der Monographie in sechs kleine Gruppen zerlegt 
sind: Speciosae, Nitidae, Curvisetae, Crassinerviae, Caulescentes, Fragariastra. 
In allen arktischen und subarktischen Regionen, sowie in ganz Amerika 
und im gröfsten Teil Asiens findet man keine Spur von ihnen. Mit Aus- 
nahme der letzten Gruppe (Fragariastra sensu stricto) sind es Pflanzen der 
Hochgebirge, welche sich durch die Mittelmeerländer von Spanien, Süd- 
frankreich, Italien, die Alpen- und Balkanländer bis nach Kleinasien, 
Armenien und dem Libanon in Syrien hinziehen und in der kleinen Gruppe 
der Curvisetae noch über Afghanistan bis zum Himalaya Vordringen. Ohne 
Zweifel sind alle Trichocarpae herbaceae nicht nur morphologisch, sondern 
auch genetisch unter sich nahe verwandt und in den genannten Ländern 
entstanden und zwar — mit Ausnahme der Fragariastra genuina — in 
sehr alter Zeit, worauf die jetzige Lokalisierung und Isoliertheit, SeRep- 


61 


heit und Formenarmut der einzelnen Gruppen und Gruppen -Angehörigen 
hinweist. Andererseits haben sie sehr nahe morphologische Beziehungen 
zu den Trichocarpae fruticulosae (z. B. zu den Tridentatae), die wir aus 
der arktisch -tertiären Flora ableiteten, von denen sie aber jetzt geo- 
graphisch weit getrennt sind. Mit Ausnahme der Curvisetae, welche im 
Himalaya mit den Eriocarpae und Tridentatae zusammenstofsen, klafft 
zwischen den südlichen Herbaceae und den nördlichen Suffruticulosae eine 
weite geographische Lücke, welche wir vorläufig nur mit Hilfe der Phan- 
tasie ausfüllen können, wenn wir annehmen, dafs schon in sehr alter 
(tertiärer) Zeit von Norden her gewisse uns unbekannte Trichocarpae 
suffruticulosae sehr weit nach Süden vorgerückt sind und sich auf den 
mediterranen Gebirgen umgebildet und in die uns bekannten Trichocarpae 
herbaceae differenziert haben. Vielleicht sind erst in posttertiärer Zeit die 
letzten Reste der einst von Nord nach Süd führenden Brücke verschwunden. 

Die kleine Gruppe der Fragariastra genuina ist offenbar jüngerer 
Entstehung als die fünf anderen der Trichocarpae herbaceae, und leitet 
sich höchst wahrscheinlich aus einer der letzteren (den Caulescentes?) her. 
Sie gehören zwar noch zu den Nematostylae, aber schon die merkliche 
Verkürzung des Griffels bei ein paar Arten, sowie die nur am Grunde 
spärlich behaarten, sonst aber kahlen Früchte bekunden eine Hinneigung 
zu den Gymnocarpae und ihr ganzes Aussehen und Benehmen ist sozusagen 
ein modernes. Auf neuere Entstehung weist auch ihre starke Neigung zur 
Hybridenbildung unter sich und ihre grofse Verbreitung in zahlreichen 
Individuen. Sie begleiten die anderen oben genannten Gruppen der Her- 
baceae auf deren ganzem Zuge von Spanien bis nach Persien, beschränken 
sich aber nicht auf den Gürtel der hohen Gebirgszüge, deren höchste 
Regionen sie meiden, sondern streifen vom Fufs derselben weit gegen 
Norden hin über Hügel- und Flachländer, z. B. bis Schottland, Schweden 
und Mittelrufsland. Diese weite Verbreitung gegen Norden und Osten 
dürften sie erst in jüngster, postglazialer Zeit erlangt haben, in der die 
älteren verwandten Gruppen der Trichocarpae herbaceae bereits in ihren 
beschränkten Gebieten stabil blieben oder sich im Rückzug und Aussterben 
befanden. Die Fragariastra genuina sind die einzige neotype Gruppe der 
Trichocarpae, der einzige junge Schöfsling eines morschen, schon ab- 
sterbenden Baumes. 

In der grofsen Gruppe der Aureae scheint ein Beispiel dafür vor- 
zuliegen, dafs eine Gruppe neben sehr alten auch sehr junge Arten um- 
fassen kann, dafs also eine arktisch- tertiäre Gruppe in posttertiärer Zeit 
und in südlicheren Gegenden eine neue Entwicklungsperiode begann, gleich- 
sam zu neuer Energie erwachte, ohne ihre Gruppencharaktere zu ändern. 
Man kann bei den Aureae die morphologischen Untergruppen der Frigidae, 
Alpestres, Opacae und Vernae unterscheiden; die beiden ersten sind zum 
Teil sehr alt, zum Teil jung, die beiden letzten aber sehr neu; jene sind 
fast zirkumpolar und zugleich auf südlichen Hochgebirgen Europas und 
Asiens verbreitet, diese fehlen in der Arktis und auf den Hochgebirgen, 
und beschränken sich auf die Hügel- und Flachländer Europas und West- 
asiens, in welchen sie in posttertiärer Zeit höchst wahrscheinlich aus den 
älteren alpestres hervorgingen. Diese kurzen Andeutungen durch Ein- 
gehen auf die Verbreitung der einzelnen Arten der Aureae weiter aus- 
zuführen und zu erhärten, würde zu weit über den Rahmen eines Referats 
hinausgehen. 


62 


Aus den vorstehenden pflanzengeographischen Angaben geht hervor, 
dafs die Arten der nach morphologischen Charakteren richtig zusammen- 
gestellten Gruppen nicht gesetzlos über die Welt zerstreut sind, sondern 
auch durch eine bestimmte geographische Verbreitung zusammengehören, 
was nur dadurch erklärt werden kann, dafs sie in einem engen genetischen 
Zusammenhang untereinander stehen. Wir können also schliefsen: Wenn 
in einer Gruppe morphologische nahe Verwandtschaft der Arten mit einem 
gleichen, klar erkannten und leicht zu erklärenden Verbreitungsgebiet der- 
selben zusammentrifft, so dürfen wir sicher sein, dafs diese Gruppe auch 
phylogenetisch richtig, also natürlich ist. Legt man dieses Axiom als 
Mafsstab für die Natürlichkeit der Gruppen an das System in der neuen 
Monographie, so wird das Ergebnis der Prüfung im grofsen und ganzen 
zu dessen Gunsten ausfallen. Derselbe Mafsstab an die Gruppen der älteren 
Potentillensysteme, z. B. des Lehmannschen, angelegt, zeigt sofort die Un- 
natürlichkeit derselben auch vom pflanzengeographischen Standpunkt aus. 

Das numerische Verhältnis der Potentillen -Arten in den drei nörd- 
lichen Kontinenten Europa (mit Nordafrika), Asien und Nordamerika (mit 
Grönland) gestaltet sich nach unserer jetzigen Kenntnis der Gattung 
folgendermafsen. Es finden sich in 

Europa 90, davon in Europa allein . 54 

Asien 165, davon in Asien allein . . . 126 
Amerika 98, davon in Amerika allein 86 

Europa und Asien zugleich 26 

Europa und Amerika zugleich ... 0 

Asien und Amerika zugleich .... 2 

Europa, Asien und Amerika zugleich 11 


305 Arten. 


VIII. Bereicherungen der Flora Saxonica 
in den Jahren 1906 bis 1908. 

Von Dr. B. Schorler. 


Nephrodium Oreopteris Desv. = Aspidium montanum Aschers. Diesen 
Farn führt Domin in seiner Arbeit über das Erzgebirge*) als zweifel- 
haft für das Gebirge an. Den sächsischen Floristen ist die Art als 
Bürger des Erzgebirges seit langem bekannt. Auch Luerssen schreibt 
in seinen „Farnpflanzen“: „Sie ist im höheren Erzgebirge, wenn auch 
nicht gemein, so doch stellenweise ziemlich häufig.“ Das gilt besonders 
von den Abhängen des Fichtelberges, wo sie oft ganze Bestände bildet. 
Aber auch am Keilberge und anderwärts kommt sie vor. 

Aspidium Thelypteris Sw. Einen zweiten Standort bei Grofsenhain fand 
H. Hofmann 1907 bei Treugeböhla auf. 

A. cristatum Sw. Lausitz: Ortrand, an mehreren Teichen bei Kröppen 
(Mifsbach). 

A. Braunii Spenn. Über das Vorkommen dieses Farns im Elbsandstein- 
gebirge teilte mir Herr Mifsbach mit: ,,Er ist im Schleifgrunde und 
Uttewalder Grunde wohl sicher verschwunden. Die im Wünsche an- 
gegebenen Standorte „Bärenhöhle und Rosenberg“ sind zweifelhaft, 
dort habe ich nur A. lobatum Sw. finden können. Im Bärengarten 
ist er auch fast verschwunden.“ 

Struthiopteris germanica Willd. liegt im Herbarium der Flora Saxonica 
aus dem Muldenlandterritorium (nach Drude) nur von zwei Stand- 
orten in Belegexemplaren vor, die 1892 von Hofmann im Zschopau- 
tale bei Waldheim und Kriebstein gesammelt worden sind. Der präch- 
tige Farn scheint aber durch das ganze Zschopautal zerstreut zu sein. 
Wenigstens teilt mir Professor Dr. Stecher-Chemnitz mit, dafs er ihn 
an der Lauenhainer Mühle bei Mittweida, bei Lichtenwalde und weiter 
flufsaufwärts bei Erdmannsdorf gefunden habe. Ein neuer Lausitzer 
Standort wurde von G. Feurich-Göda entdeckt und mir am 5. Ok- 
tober 1908 gezeigt. Er liegt zirka zwei Kilometer südlich von dem 
in der Isis -Abhandlung 1905 erwähnten Standort bei Coblenz, nämlich 
am Schwarzwasser südlich von Nedaschütz, Sektion Bischofswerda 
der topographischen Karte. Der Bach geht hier aus einem kurzen 
westlichen Lauf in eine nördliche Richtung über. Der Farn bildet 


*) Dom in, K.: Das böhmische Erzgebirge und sein Vorland. Archiv für die uaturw. 
Landesdurchforschung von Böhmen. Bd. XII Nr. 5. 


64 


auf beiden Ufern grofse Bestände und fruktifiziert reichlich. Im Elb- 
sandsteingebirge fand Mifsbach Standorte auf im Polenztale, Bahra- 
tale und an den Schleusen bei Hinterhermsdorf; auch in der Um- 
gebung von Dresden beobachtete er einmal einen Bestand, nämlich im 
Tale der roten Weifseritz über der Spechtritzmühle. 

Woodsia ilvensis Bab. Als Standorte für diesen Farn im Lausitzer Berg- 
lande führt Wünsche den Hochwald, die Lausche und den Tollenstein 
an. Ein vierter Standort auf dem Irigberg, einem 533 m hohen steilen 
Basaltberg nordwestlich von der Stadt Kreibitz, wurde dem botanischen 
Institut schon 1887 von A. Weise- Eberswalde mitgeteilt. 

Blechnum Spicant Roth rechnet Domin zu den Charakterarten der höchsten 
Zone des Erzgebirges, die nur selten tiefer herabsteigen. Das kann 
bei Blechnum höchstens für den Südhang des Gebirges zutreffen. Auf 
der nördlichen Abdachung ist der Farn dagegen auch in tieferen 
Lagen vom Vogtland bis zur Lausitz verbreitet und im Herbarium 
der Flora Saxonica von vielen Standorten vertreten. Er steigt in 
Sachsen sogar bis zur Niederung von Königsbrück und Königswartha 
herab, also in Gegenden, die unter der 150 m -Höhenlinie liegen. 

Asplenium adulterinum Milde ist wie A. cuneifolium Yiv. (= A. Serpentini 
Tausch) charakteristisch für Serpentinfelsen und -gerölle, doch gibt 
Ascherson in seiner Synopsis an ,,sehr selten an Mauern“. Neuerdings 
will W. Krieger (Hedwigia XLVI, S. 253) diese Art auch auf Sand- 
stein im Kirnitzschtal bei Schandau und auf Granit am Schlofsberge 
zu Dohna aufgefunden haben. Da ich Exemplare von diesen beiden 
Standorten nicht gesehen habe, so möchte ich sie noch als fraglich 
bezeichnen. 

A. viride Huds. Schneeberg i. Erzgeb.: an einer alten Bergwerksmauer 
(Eislebener Halde) bei Lindenau in wenigen Exemplaren (Oberlehrer 
Lange-Schneeberg). Von einem weiteren Standort bei Tharandt führt 
W. Krieger (Hedwigia XLVI, S. 253) eine Reihe von Formen auf. 
Leider erwähnt Krieger nicht, ob er die Exemplare selbst gesammelt 
hat, oder ob es alte Herbarexemplare sind. Früher kam A. viride 
Huds. an den Abhängen des Weifseritztales bei Tharandt vor. Aber 
schon Willkomm gibt 1866 im Tharandter Jahrbuch an, dafs die Pflanze 
neuerdings nicht mehr aufgefunden worden sei. Daher kann die 
Kriegersche Angabe auch nicht als Bestätigung eines alten Standortes 
aufgefafst werden. 

Botrycliium Matricariae Spr. Mifsbach fand ein Exemplar (zwei Jahre 
hintereinander) am Fichtelberg, ein Exemplar am Abstieg vom Keil- 
berg nach Oberwiesental und acht Exemplare auf einer Wiese bei 
Gottesgab. 

Pilularia globulifera L. Im Wünsche ist unter anderen der schon von 
Heynhold angeführte Schradenwald bei Ortrand als Standort für 
diesen Wasserfarn angegeben. Im Jahre 1907 fand ihn Mifsbach in 
einem Graben bei Groeden zwischen Ortrand und Elsterwerda in 
Menge. Möglicherweise ist das der alte Heynholdsche Standort. Jeden- 
falls zeigt der neue Fund, dafs die seltene Pflanze knapp an der 
Nordgrenze Sachsens noch vorhanden ist. 

Equisetum pratense Ehrh. Elbsandsteingebirge: am Elbufer zwischen 
Königstein und Wehlen häufig; Pirna: bei Bonnewitz; Dresden: Elb- 
ufer bei Zschachwitz und im Gehege (Mifsbach). 


65 


Lycopodium inundatum L. ist in der sächsischen Niederung und dem 
Lausitzer Hügellande bis an das Elbhügelland verbreitet. Es tritt von 
Norden her auch in das Elbsandsteingebirge vor, wo es zwei Stand- 
orte bei Schandau und Schmilka hat. In den Mooren des Erzgebirges 
scheint es aber sehr selten zu sein. Im Dresdner Herbarium lag 
bisher nur ein von P. Nitzsche im Juli 1876 zwischen Gottesgab und 
dem Fichtelberge gesammeltes Exemplar. Einen zweiten Standort 
vom oberen Erzgebirge führt Domin (S. 56) an, nämlich „auf torfigen 
Sumpfstellen von Seifen gegen Platten zu“. Und von einem dritten 
Standorte, am Spitzberge bei Gottesgab, den Domin im September 1904 
auffand, erhielt das Herbarium der Flora Saxonica ein Belegexemplar. 

Selaginella helvetica Link. Am 10. September 1908 sandte Kapellmeister 
L. Fischer eine Anzahl unbestimmter Moose aus der Umgebung des 
Prebischtores an das botanische Institut. Darunter befand sich nun 
auch zu unserer gröfsten Verwunderung ein Exemplar von Selaginella 
helvetica. Da Herr Fischer kurze Zeit darauf abreiste, so war es 
uns bis heute nicht möglich, näheres über diesen Fund zu erfahren. 
Da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dafs diese Art als Fremd- 
ling nur zufällig unter die einheimischen Moose gekommen ist, so 
führe ich sie mit einem Fragezeichen hier mit auf, um weitere Nach- 
forschungen nach ihr in der Umgebung des Prebischtores anzuregen. 
Übrigens soll die Art schon einmal, wie Wünsche in seinen „Filices 
Saxonicae“ angibt, um Reichenberg in Böhmen von Siegmund ge- 
sammelt worden sein. 

Potamogeton pusillus L. Pirna: Elblachen bei Copitz (Mifsbach); var. 
mucronulatus Fischer bei Grofsenhain (Hofmann). 

P. gramineus L. var. graminifolius Fr. und var. heterophyllus Fr. Grofsen- 
hain: im Spittelteich (Hofmann). 

Scheuchzeria palustris L. Domin gibt an, dafs die Art einen einzigen 
erzgebirgischen Standort habe, nämlich in dem kleinen Hochmoor, 
das zwischen dem Gottesgaber Spitzberg und der Joachimstaler 
Strafse liegt. Das ist nicht einmal für den böhmischen Anteil des 
Erzgebirges richtig. Denn sie wächst auch in Hochmoorlachen westlich 
vom Spitzberg und bei Abertham sowie westlich von Hirschenstand, 
ferner auf sächsischer Seite im Kranichsee bei Karlsfeld. Das sind 
fünf durch Belegexemplare im Dresdner Herbarium gut verbürgte 
Standorte, die, wie ich mich in den letzten Jahren überzeugt habe, 
auch heute noch unberührt bestehen. 

Stratiotes aloides L. Die Krebsschere reicht mit ihrem norddeutschen 
Areal bis an die Nordgrenze des Königreichs Sachsen, bis zur Linie 
Görlitz - Hoyerswerda -Ruhland- Prettin a. E. -Dessau. Wünsche erwähnt 
auch einen sächsischen Standort bei Königswartha, doch dieser ist 
fraglich und in der neueren Zeit nicht bestätigt. Die Pflanze wird 
daher mit Recht in den Floren als in Sachsen und Thüringen fehlend 
angegeben. Auf unserer diesjährigen gemeinsamen Pfingstexkursion 
haben nun Geheimrat Drude und ich Stratiotes im reufsischen 
Vogtlande (Territorium 13 des Hercynischen Florenbezirks) nördlich 
von Zeulenroda im Tale der Weida bei Weifsendorf in einem Teiche 
reichlich, in einem zweiten darüberliegenden spärlich aufgefunden. In 
dem unteren Teiche bildet die Pflanze zwei mehrere Quadratmeter 
grofse dichte Bestände vor einem Acorus-(j\x rtel im flachen Wasser. 


66 


In dem oberen Teiche steht sie vereinzelt zwischen Potamogeton natans 
und Equisetum limosum. Da Stratiotes hier in kleinen Bauernteichen 
wächst, absolut nicht benutzt wird, ja den Leuten nicht einmal be- 
kannt ist, so hielten wir eine Anpflanzung für ausgeschlossen und ver- 
muteten eine zufällige Einschleppung mit Satzfischen aus den grofsen 
Senftenberger Teichwirtschaften. Herr Hofrat Ludwig teilte mir jedoch 
auf eine Anfrage mit, dafs Stratiotes in den Weifsendorfer Teichen 
von dem Lehrer G. Weidhaas in Greiz ausgesetzt worden sei und sich 
dort stark vermehrt habe. Solche Anpflanzungen sollte man doch 
lieber unterlassen, da durch sie die wirklich vorhandenen Naturdenk- 
mäler in ihrer Beweiskraft für die Entwicklungsgeschichte unserer 
Flora nur verlieren. 

Hierochloa odorata Whlbg. In der Isis -Abhandlung IV, 1904 hatte ich 
angegeben, dafs der in Wünsche angegebene Standort dieser Art bei 
Lockwitz nicht existiert. In den beiden letzten Jahren hat nun Mifs- 
bach diese Art zwischen Wehlen und Rathen beobachtet, wo sie 
zwischen den Quadern des Schutzdammes an der Elbe kriecht. Offen- 
bar ist sie hier durch die Elbe von böhmischen Standorten her an- 
geschwemmt. 

Alopecurus geniculatus X pratensis. Dresden: im Gehege; Meifsen: Diesbar 
gegenüber (Mifsbach). 

Ammophila arenaria Link. Dresden: auf dem Heller (Mifsbach). Ob an- 
gepflanzt? 

Festuca sciuroides Roth. Dresden: im Gehege (Mifsbach). 

Elymus arenarius L. Bei Bischofswerda (Mifsbach). 

Carex dioeca L. Grofsenhain: am kleinen Spittelteich (Hofmann). 

C. pseudoarenaria Rchb. Während die echte C. arenaria L. nur zwei 
Standorte in Sachsen hat, den Heller bei Dresden und Zeisholz bei 
Königsbrück, kommt nach Mifsbach die viel umstrittene C. pseudo- 
arenaria , die Kükenthal als Bastard von C. arenaria X brizoides und 
Haufsknecht, Ascherson und Gräbner als C. brizoides X leporina an- 
sehen, vor: 1. im Priefsnitzgrunde bei Dresden an verschiedenen Stellen 
und reichlich — das ist ihr ältester schon Reichenbach bekannter 
Standort; 2. und 3. bei Meifsen am Golkwalde häufig und südwestlich 
davon im Dieraer Hölzchen; 4. nordwestlich von Königsbrück in der 
Nähe des Rohnaer Forsthauses zwischen Rohna und Otterschütz. Die 
an den Standorten 2—4 vorkommenden Pflanzen unterscheiden sich 
nicht von der Dresdner Form. 

C. brizoides L. var. curvata Knaf. Diese Varietät oder Unterart von 
C. brizoides unterscheidet sich von der Hauptart durch ihre Schläuche, 
die erst von der Mitte an geflügelt und kleingesägt sind. Sie ist bisher 
in Sachsen nur an drei Stellen aufgefunden worden, nämlich am Wacht- 
nitzer Steinbruch bei Meifsen (Stiefelhagen), unterhalb Meifsen am 
Gohrisch bei Diesbar an der Elbe und Grofsenhain: bei Skassa 
(Hofmann). 

C. brizoides X remota. Dresden: Porsberggebiet (Mifsbach). 

C. paniculata L. Meifsen: bei Naundörfel; Grofsenhain: bei Treugeböhla 
(Hofmann). 

C. teretiuscula Good. Grofsenhain: Volkersdorf und Ottendorf- Okrilla 
(Mifsbach). Vgtl. Auma: im Reinsdorfer Teich (Drude und Schorler). 


67 


C. Buekii Wimm. Am linken Elbufer: von der Landesgrenze bis Ober- 
vogelgesang oberhalb Pirna stellenweise in Menge, z. B. auf der ehe- 
maligen Prossner Insel; unterhalb Pirna; an der Meufslitzer Lache 
gegenüber Pillnitz häufig. Am rechten Elbufer: an der Mündung der 
Lachsbach und Wesenitz und noch weiter elbabwärts bei Birkwitz. 
Fast immer an steilen angebrochenen Uferhängen (Mifsbach). 

? C. rigida Good. In dem Jahresber. d. Ver. f. Naturkunde zu Zwickau 1891 
veröffentlicht Wünsche „Beiträge zur Flora von Sachsen“. In diesem 
Verzeichnis sind die für Sachsen neuen Arten fett gedruckt. Darunter 
befindet sich auch C. rigida Good., den Laubinger auf dem Fichtel- 
berge gefunden haben sollte. Da Ausrufungszeichen hinter dieser 
Angabe fehlen, so geht daraus hervor, dafs Wünsche weder den be- 
treffenden Standort selbst beobachtet hat, noch auch ihm Pflanzen 
von dem angeführten Orte Vorgelegen haben. Trotzdem hat Wünsche 
die Pflanze in seiner Exkursionsflora von Sachsen aufgenommen und 
bis in die neueste, neunte Auflage fortgeführt. Wenn nun auch das 
Vorkommen dieser Gebirgsart, die im Harz und den Sudeten ihre 
nächsten Standorte hat, im Erzgebirge nicht unmöglich ist, sind doch 
die Angaben Wünsches bisher von Niemandem bestätigt worden. Die 
Dresdner Botaniker haben nach der Art am und auf dem Fichtelb'erge 
viel gesucht, aber immer ohne Erfolg. Auch in dem Herbarium der 
Flora Saxonica liegt kein sächsisches Exemplar. Ich glaube daher, 
dafs der Angabe Wünsches eine falsche Bestimmung oder eine Ver- 
wechslung zugrunde liegt und bezeichne daher C. rigida noch als 
zweifelhaften Bürger unseres Erzgebirges. 

C. pendula Huds. Elbsandsteingebirge: am Schneeberg an der Strafse 
vom Dorfe Eulau nach Dorf Schneeberg (Mifsbach). 

G. fulva X euflava A. u. G. Meifsen: bei Naundörfel mit den Eltern nicht 
selten (Mifsbach). 

Streptopus amplexifolius DC. hat im Zechgrunde bei Oberwiesental nicht 
„seinen einzigen sichergestellten erzgebirgischen Fundort“ (Domin). Er 
wächst auch noch hoch oben am Keilberg bei 1100 m am Fufsweg 
nach Oberwiesental (Mifsbach) und an den Wirbelsteinen (Schorler). 

Orchis sambucina L. reicht mit ganz vereinzelten Standorten vom Hügel- 
lande bis zum oberen Erzgebirge. So sind folgende Territorien im 
Dresdner Herbarium vertreten: Das Vogtland mit Schreyersgrün bei 
Treuen (Artzt); das Muldenland mit Schneppendorf bei Zwickau (Nau- 
mann); das Lausitzer Bergland mit dem Hutberg bei Weifsig, der Lausche 
und dem Kaltenberg in Nordböhmen; das untere Erzgebirge mit Ölsen, 
dem Ölsengrund und Hellendorf bei Gottleuba, sowie dem Geising 
bei Altenberg. In Reichenbachs Pdora Saxonica wird als Standort auch 
der Fichtelberg erwähnt. Diese Angabe wurde in den letzten Jahren 
insofern bestätigt, als 0. sambucina von Mifsbach im Zechgrunde, also 
am Abhange des Fichtelberges gefunden wurde. 

0. ustulata L. Im Müglitztale bei Schlottwitz (Ostermaier) und Maxen 
(Mifsbach). 

Salix daphnoides Vill. Bei Pirna mehrfach angepflanzt (Mifsbach). 

S. purpur eaX viminalis = S. rubra Huds. Wird mit S. viminalis L. am 
Elbufer öfters angepflanzt (Mifsbach). 

Betula carpatica'Knana=B.SeidelianaM\fab. Hochmoore zwischen Gottes- 
gab und dem Spitzberg (Mifsbach, xHlgem. botan. Zeitschr. 1908, S. 120). 


68 


Rumex domesticus Hartm. Wünsche führt in der Auflage seiner Exkursions- 
flora aus dem Jahre 1891 zum ersten Male als Standort dieser Art 
Gablenz bei Chemnitz an. Darüber schreibt mir Herr Gymnasial- 
oberlehrer F. Kramer: „Gefunden soll sie Diakonus em. Weicker haben. 
Aber in einem Verzeichnis von Weicker aus dem Jahre 1865, das mir 
vorliegt, ist sie nicht angegeben. Ich habe mit Dr. Reiche Gablenz 
und Umgebung oft abgesucht, aber die Pflanze nirgends gefunden. 
Gablenz gehört seit einigen Jahren zur Stadt Chemnitz und hat sich 
so verändert, dafs das Vorkommen von Rumex domesticus ausge- 
schlossen ist.“ 

f Cycloloma platyphyllum Mog. Dresden: Sandflächen am Elbufer gegenüber 
Uebigau (Stiefelhagen). Aus Nordamerika eingeschleppt. 

Atriplex tataricum L. Dresden: bei Laubegast (Mifsbach). 

Cucubalus baccifer L. Elbtal zwischen Loschwitz und Wachwitz und ober- 
halb Königstein (Mifsbach). 

-\Herniaria hirsuta L. Bei Kamenz (Lampert). 

Nymphaea candida Presl. Die Art oder Unterart wird häufig verkannt 
und ist auch in Sachsen nicht so selten, wie die wenigen Literatur- 
angaben vermuten lassen. Nach den Exemplaren im Herbarium der 
Flora Saxonica und den Angaben in Wünsches Flora (9. Aufl.) sind 
bis jetzt folgende Standorte sicher gestellt: 1. im Vogtlande: Ziegen- 
rück, Auma, Zeulenroda, Pausa und Falkenau a. Eger; 2. im Mulden- 
lande: bei Lausigk, Öderan, Limbach bei Chemnitz, Zwickau, Kirch- 
berg und Hartenstein; 3. im Elbhügellande nur bei Weinböhla; 4. in 
der Lausitz bei Radeburg und Königsbrück und 5. im unteren Erz- 
gebirge bei Stollberg und Olsnitz. W. candida ist auch im nicht- 
blühenden Zustande leicht an dem Verlauf der Nerven in den Blatt- 
lappen zu erkennen, die vom Blattstielansatz bogig nach den Ecken 
der Lappen verlaufen, so dafs sie sich in der Verlängerung schneiden 
würden. Bei N. alba sind diese Nerven nahezu parallel. Nach den 
Angaben verschiedener Floren soll N. candida meist dreispitzige 
Narbenstrahlen haben. Bei den Exemplaren in unserem Herbarium 
fand ich keinen einzigen dreispitzig. Auch die Beschaffenheit der 
Pollenkörner liefs sich nicht immer zur Unterscheidung der beiden 
Arten benutzen. N. candida hatte zwar immer Pollenkörner mit ge- 
körnter Oberfläche, aber N. alba nur selten solche mit Stacheln. Die 
Stacheln sind übrigens niemals spitz, sondern stäbchenförmig. 

f Helleborus foetidus L. Meifsen : im Triebischtal in der Nähe des Roth- 
schönberger Stollens verwildert (Leonhardt). 

Aconitum Stoerkeanum Rchb. Im Weifseritztal von Hainsberg bis Röthen- 
bach vereinzelt, häufiger bei Dorfhain. Ferner Zöblitz: bei Sorgau 
(Mifsbach). 

f Berberis vulgaris L. Verwildert an den Abhängen des Müglitztales 
zwischen Dohna und Mügeln (Mifsbach). 

j* Lepidium apetalum Willd. Am Elbufer bei Dresden auf Ausschiffungs- 
plätzen mehrfach und zahlreich (Mifsbach). 

Erysimum virgatum Roth. An der Niederwarthaer Elbbrücke (Mifsbach). 

E. crepidifolium Rchb. Im Elbtal: einzeln bei Niederwartha, häufiger 
Säufslitz gegenüber (Mifsbach). 

Myssum montanum L. Grofsenhain: am Grödeler Kanal bei Langenberg 
(Hofmann); Strehla: bei Lorenzkirch (Fritzsche). 


69 


Drosera anglica Huds. (= D. longifolia L.). Von dieser Art gibt Domin 
an: „Sie wurde von F. W. Schmidt bei Gottesgab angegeben, aber 
dort seither nicht mehr gefunden, wiewohl diese Angabe nicht un- 
wahrscheinlich ist. Drude gibt einfach an, dafs sie im westlichen 
Erzgebirge Vorkommen soll.“ Nun, im westlichen Erzgebirge kommt 
D. anglica tatsächlich auch heute noch vor und zwar im Kranichsee 
und den diesem benachbarten Hochmooren. Im Dresdner Herbarium 
liegen Exemplare, die Naumann 1892 im Kranichsee gesammelt hat, 
und solche, die ich selbst 1895 in den Mooren westlich von Hirschen- 
stand, also auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, auffand. Von 
einem im Wünsche nicht angegebenen Standort im Lausitzer Hügel- 
lande, nämlich dem Keulenberg bei Königsbrück, hat A. Schulz Beleg- 
exemplare an das Herbarium gesandt. 

Cotoneaster integerrima Med. Von dieser für die Entwicklungsgeschichte 
der sächsischen Flora wichtigen Art führt Wünsche einen Standort 
nicht an, den F. Ludwig bereits 1893 in den Abh. aus d. Ver. d. Natur- 
freunde zu Greiz veröffentlichte, nämlich den Teufelsberg an der Weida 
unterhalb Zeulenroda. Die Pflanze vergesellschaftet sich hier auf 
Diabasboden mit Seseli Libanotis Koch (Libanotis Montana) und anderen 
südöstlichen Arten, wie Herr Geheimrat Drude und ich auf einer ge- 
meinsamen Exkursion vorige Pfingsten uns selbst überzeugen konnten. 
Ein zweiter in Wünsche nicht angegebener Lausitzer Standort auf dem 
Irigberg nordwestlich von der Stadt Kreibitz wurde von A. Weise 
bereits 1887 entdeckt und dem botanischen Institut mitgeteilt. 

R. caesius X Idaeus. Meifsen: bei Naundörfel (Mifsbach). 

R. corymbosus P. J. Müller. Diese Form gehört zu den R. Apiculati, die 
sich an die Radula- Gruppe anschliefsen. Sie ist von Mifsbach bei 
Wachwitz bei Dresden aufgefunden worden. Eine zweite Form dieser 
Gruppe, R. acanthodes Hofm. wurde von Mifsbach im Elbsandstein- 
gebirge im Zschirrgrund und besonders häufig am Gabrielensteig 
gefunden. 

Rubus Bayeri Focke wird in Wünsches sowie auch in Garckes Flora 
vom Pichow bei Dretschen in der Lausitz angegeben. Das ist nach 
einer freundlichen Mitteilung von Herrn Hofmann- Grofsenhain ein 
Irrtum. Die dort vorkommende Form ist R. lusaticus Rostock. Der 
R. Bayeri Focke ist eine österreichische Art, die auch am Fufse der 
bayerischen Alpen einige Standorte hat. Demnach ist R. Bayeri Focke 
für die sächsische Flora zu streichen. 

R. serpens Whe. var. lusaticus Rost. Elbhügelland bei Pillnitz: Friedrichs- 
grund und Porsberg (Mifsbach); Elbsandsteingebirge: am Rosenberg 
(Hofmann). 

Alchemilla vulgaris L. var. glaucescens Wallr. Ascherson und Graebner 
unterscheiden in ihrer Synopsis von der Gesamtart drei Unterarten, 
nämlich A. glaberrima Schmidt, A. pubescens Lam. und A. vulgaris L. 
Von diesen kommen nur die beiden letzteren in unserem Gebiete vor. 
Sie unterscheiden sich leicht durch die Behaarung des Blütenstan'des, 
der bei A. pubescens auch in seinen letzten Verzweigungen bis zu den 
einzelnen Blütenstielen und Kelchen behaart ist, während bei A. vulgaris 
die letzten Verzweigungen und die Kelche kahl sind. A. vulgaris ist 
in der Niederung bis zum Berglande weit verbreitet. A. pubescens 
dagegen scheint das obere Erzgebirge vorzuziehen. Sie findet sich 


70 


dort in der von Wallroth als glaucescens bezeichneten Form mit dicht 
weifs -wollig behaarten Blütenstielen und Blüten, die Ascherson und 
Grraebner ihrer Varietät A. Montana Willd. unterordnen. Der Einfach- 
heit wegen ziehe ich, wie das auch schon Wünsche getan hat, die 
sächsischen Pflanzen als var. glaucescens Wallr. zu A. vulgaris L. 
A. glaucescens W. liegt von folgenden Standorten im Dresdner Her- 
barium: 1. Bergwiesen an den Tellerhäusern bei Gottesgab in 950 m 
Höhe (Drude 1893); 2. am Kupferhübel bei Kupferberg (Hofmann); 
3. bei Geising (Hofmann 1905) und 4. am Wege von Vorder-Zinnwald 
nach dem Mückentürmchen zu (Hofmann 1907). 

A. vulgaris var. alpestris Schmidt. Lausitz: bei Zittau, Waltersdorf und 
Bautzen; Erzgebirge: am Keilberg, im Zechgrund und bei Reitzenhain 
(Hofmann). 

Rosa glauca Vill. Am Teufelsberg bei Zeulenroda am 12. Juni 1908 von 
Drude und Schorler. Der Teufelsberg ist einer der zahlreichen Diabas- 
berge des Vogtlandes, die alle mehr oder weniger durch ihren Pflanzen- 
reichtum sich auszeichnen. Namentlich sind es die warmen Hügel- 
pflanzen südosteuropäischer Herkunft, die diesen sonnigen Hängen 
einen von der übrigen Flora des Vogtlandes ganz abweichenden 
Charakter verleihen. Es sind die letzten südlichen Ausstrahlungen 
der reichen Geraer Flora. Der Teufelsberg ist nun besonders reich 
an solchen politischen Hügelpflanzen.*) ln der Gesellschaft der Rosa 
glauca befinden sich z. B. Cotoneaster integerrima, Libanotis Montana , 
Teucrium Botrys , Lonicera XylosteuM usw. 

Astragalus Cicer L. Dresden: am Eisenbahndamm hinter Klotzsche (Stud. 
Böhm). Der von Wünsche noch angegebene Standort „im Grofsen 
Gehege bei den Schusterhäusern“ existiert nicht mehr (Mifsbach). 

GeraniuM pliaeuM L. Pillnitz bei Bannewitz und Hohenstein-Ernstthal 
(Mifsbach). 

f G. pyrenaicuM L. Erzgebirge: Dorfgärten in Ölsa (Mifsbach). 

Polygala aMara L. Bei Bischofswerda (Mifsbach). 

P. serpyllacea Wh. Schneeberg: am Filzteich (Lampert). 

LythruM Hyssopifolia L. Dresden: Bärwalde bei Moritzburg und Ortrand: 
Frauendorf (Mifsbach); Kamenz: bei Deutscli-Baselitz (Lampert). 

EpilobiuM trigonuM Schrank. War bisher nur aus dem Zechgrund bei 
Oberwiesenthal bekannt. Jetzt hat es sich bis nach Gottesgab aus- 
gebreitet, wo es im letzten Sommer von Lampert im Strafsengraben 
gefunden wurde. 

f Lupinus polyphyllus L. Lausitz: Ruppersdorf bei Löbau (Neumann- 
Bautzen). 

Hydrocotyle vulgaris L. Auma: bei Reinsdorf auf moorigen Wiesen an 
einem Teiche, der durch das Vorkommen von Naumburgia thyrsiflora 
ausgezeichnet ist (Drude und Schorler den 11. Juni 1908). Der neue 
Standort bei der weimarschen Stadt Auma liegt zwischen den seit 
längerer Zeit bekannten Standorten bei Eisenberg und Schleiz. Be- 
merkenswert ist, dafs die Art sogar noch weiter südlich in das vogt- 
ländische Hügelland vordringt, wie die Auffindung eines Standortes 
bei Mühltroff durch Artzt beweist (s. Isis -Abhandlungen 1905, S. 84). 


*) S. das Verzeichnis von Prof. Dr. Ludwig: Die Flora der Diabasinseln von 
Zeulenroda. Abhandlungen aus dem Verein der Naturfreunde zu Greiz, 1893. 


71 


Seseli annuum L. Sekt. Bischofswerda: bei Dahren (Feurich). 

Chimophila umbellata Nutt. In der Dresdner Heide (Mifsbach). 

Vaccinium Myrtillus L. var. chlorocarpum Dum. Klotzsche bei Dresden 
und Geifsmannsdorf bei Bischofswerda (Mifsbach). 

V. Myrtillus X Vitis idaea (— V. intermedium Ruthe). Dresden : zwei Stand- 
orte bei Klotzsche; Ortrand: bei Tettau und Hoyerswerda: an der 
Strafse nach Schwepnitz (Mifsbach). 

Naumburgia thyrsiflora Rchb. Wird in Wünsche für Sachsen als zer- 
streut angegeben. Das ist sie höchstens in der nördlichen Lausitz. 
Im westlichen Teile der sächsischen Niederung ist sie sehr selten und 
ebenso im Hügel- und Berglande. Einige weit in das Hügelland hinein 
vorgeschobene Standorte haben Drude und ich am 11. Juni 1908 
an Teichen westlich von Auma zwischen den Dörfern Reinsdorf und 
Wüstenwetzdorf in einer Höhe von 300 m aufgefunden. Die Pflanze 
wurde dort an fünf oder sechs Teichen in Vollblüte beobachtet. Sie 
wächst im seichten Wasser oder am Ufer mit Ranunculus Flammula. 
Belegexemplare eines neuen Standortes für das Muldenland übergab 
Dr. Uhlig dem Herbarium der Flora Saxonica. Diese stammen aus dem 
Schafteich bei Dreiwerden südlich von Mittweida, der 240 m hoch 
liegt. Weiter aufwärts im Zschopautal, nämlich in der Lache bei 
Frankenberg, 250 m Höhe, und bei Zschopau, 320 m Höhe, fand sie 
Forstassessor Bruhm. 

Gentiana campestris L.* baltica Murb. Lausitz : auf trocknen Wiesen am 
Warnsdorfer Spitzberg (Hofmann). 

Myosotis caespitosa Schultz. Bei Mittweida (Uhlig). 

Teucrium Scorodonia L. Die Standorte dieser atlantischen Art sind in 
Sachsen selten. Sie findet sich in Territorium 3 bei Leipzig und Eilen- 
burg, in Territorium 5 bei Rochlitz, Waldheim, Chemnitz, Zwickau 
und Stollberg, in Territorium 6 bei Dresden und Schandau, in Terri- 
torium 7 bei Langebrück, Grofsenhain, Königsbrück und Kamenz und 
in Territorium 8 im Kirnitzsch- und Bahratale. Zu den Lausitzer 
Standorten kommen jetzt zwei neue. Der eine von G. Feurich-Göda 
entdeckt, liegt östlich von dem Dorfe Spittwitz (Sekt. Bischofswerda), 
wo die Pflanze üppig unter Weidengebüsch am Weg und Waldrande 
wächst, und der zweite, von dem H. Hofmann Belegexemplare an das 
Dresdner Herbarium einsandte, am Herrn sberge bei Köblitz (Lehrer 
Wauer). 

■ \8ideritis montana L. Verwildert im Dresdner Grofsen Gehege (Mifsbach) 
und bei Tharandt (Neumann-Bautzen). 

Stachys alpina L. Am linken Zschopauufer bei der Lauenhainer Mühle 
(Uhlig). 

Hyoscyamus niger L. Im Herbarium der Flora Saxonica liegt eine von 
A. Schulz bereits am 25. September 1890 bei Königsbrück gesammelte 
Form, deren grofse dicht gestellte obere Blätter sowohl innerhalb des 
Wickels als auch an den Seiten trieben keine Spur eines Einschnittes 
oder einer Zähnelung aufweisen. Auch zeichnen sich die Blätter durch 
ihre geringe Behaarung, die auf die Hauptnerven und eine schwache 
Bewimperung des Randes beschränkt ist, aus. Das Exemplar ist 
leider nicht vollständig, der vorhandene obere Teil der Pflanze mifst 
30 cm und trägt 13 Früchte und Blüten, die deutlich violett geadert 
sind, und 20 Blätter, wobei die an den beiden kurzen Seitenzweigep 


72 


stehenden nicht mitgerechnet sind. Die Mafse für die Blätter be- 
tragen 9 : 4,5. 

Physalis Alkekengi L. Meifsen: bei Niederau (Drude und Schorler). 

Verbascum Blattaria L. Bei Nossen (Mifsbach). 

V. nigrum.X Thapsus (= V. collinum Schrad.). Kamenz: bei Brauna 
(Lampert). 

Linaria arvensis L. Bei Kamenz (Lampert). 

Veronica praecox All. Leipzig: an der Bahn bei Leutzsch (Mifsbach). 

V. agrestis L. Meifsen: Acker bei Oberau und Grofsdobritz; Grofsenhain : 
bei Böhla; Pirna: am Kohlberg und bei Pillnitz (Lehmann); Vogtland, 
Pausa: bei Mehltheuer (Grofse). 

V. opaca Fr. Pirna: bei Rottwerndorf; Erzgebirge: bei Schellerhau (770 m) 
(Lehmann); Vogtland, Plauen: bei Kauschwitz, Syrau und Mehl- 
theuer (Grofse). 

Orobanche arenaria Borkh. Meifsen: bei Seufslitz (Müller). 

Dipsacus pilosus L. Dresden: Müglitztal bei Köttewitz (Böhm). 

Knaatia silvatica Dub. Im Elbtal zahlreich bei Schöna (Mifsbach). 

Campanula latifolia L. Unteres Erzgebirge: im Tale der Wilden Weifseritz 
von Klingenberg (Holzmühle) bis herunter nach Tharandt, zahlreich 
bei Dorfhain (Mifsbach); auch bei Zinnwald (Böhm), 
f Solidago serotina Ait. Am Elbufer bei Laubegast (Böhm) und Scharfen- 
stein (Scheidhauer). 

f Erigeron annuus Pers. Dresden: Schlofsmauer zu Hermsdorf bei Lausa 
(Schorler). 

Homogyne alpina Cass. ist keineswegs, wie Domin angibt, auf die höchste 
Zone des Erzgebirges von Platten bis Gottesgab mit einer unteren 
Grenze bei zirka 800 m beschränkt. Sie wächst an geeigneten Stand- 
orten auf dem ganzen Kamme von Schöneck im Westen bis Frauen- 
stein und Bienenmühle im Osten, also zwischen der oberen Zwickauer 
und Freiberger Mulde. Von hieraus steigt sie am Nordhang in den 
Tälern bis zu 600 m und weiter herab (z. B. bei Buchholz bis 550 m 
Höhe). Auf dem Südhange liegt natürlich ihre untere Grenze höher, 
doch auch nicht so hoch, wie Domin angibt. So hat sie hier nach 
Köhler noch Standorte bei 700 m, z. B. unterhalb Kupferberg, bei 
dem Forsthaus Hauenstein und beim Forsthaus Weite Wiese. Es 
wäre demnach die untere Grenze für den Nordhang bei 600 m und 
für den Südhang bei 700 m anzusetzen. 

Senecio paluster DC. Pirna: Pratzschwitzer See (Mifsbach). 

Carduus Per sonata Jacq. Am linken Zschopauufer bei der Lauenhainer 
Mühle und Tanneberg bei Mittweida (Uhlig). 

Cirsium oleraceum Scop. var. amarantinum Lang. Meifsen: Nasse Aue 
(Mifsbach). 

C. heterophyllum X palustre. Erzgebirge: am Fichtelberg bei Kretzscham- 
Rothensehma; Gottleuba: am Bienhof; im Tal der Wilden Weifseritz 
oberhalb Klingenberg und an der Beerwalder Mühle (Mifsbach); bei 
Reitzenhain und Steinbach (Hofmann). 

C. oleraceum X palustre. Meifsen: bei Naundörfel (Stiefelhagen). 

C. heterophyllum X oleraceum. Erzgebirge: bei Berggiefshübel; im Tale 
der Wilden Weifseritz: bei der Barth-, Holz- und Beerwalder Mühle 
(Mifsbach); im Prefsnitztal zwischen Jöhstadt und Schmalzgrube 
(Hofmann). 


73 


Centaurea nigra L. Für diese Art wird von Wünsche ein Standort, und 
zwar der einzige in Sachsen, bei Rachlau bei Bautzen angegeben. Der 
Angabe dürfte wohl eine fehlerhafte Bestimmung zugrunde liegen. 
Herr G. Feurich teilte mir mit, dafs er die Umgebung Rachlaus wieder- 
holt gründlich abgesucht, von C. nigra jedoch niemals etwas gesehen 
habe. Es kommt dort aber als Seltenheit die im Erzgebirge verbreitete 

C. pseudophrygia Mey. vor, die zu jener fehlerhaften Angabe die Veran- 
lassung gegeben haben dürfte. C. nigra L. ist daher für Sachsen zu 
streichen. 

Crepis praemorsa Tausch. Meifsen : am Zaschendorfer Graben (Stiefel- 
hagen). 

Hieracium floribundum W. u. Gr. Erzgebirge: bei Altenberg und Geising 
(Mifsbach). 

H. Auricula X Pilosella. Elbsandsteingebirge: bei Waltersdorf; Erzgebirge: 
bei Lauenstein und Altenberg (Mifsbach). 

H. Pilosella X praealtum. Erzgebirge: bei Altenberg und Schellerhau 
(Mifsbach). 

H. Pilosella Xpratense. Dresden: bei Strehlen; Erzgebirge: bei Altenberg 
und Olbernhau (Mifsbach). 


/ 














:.'V . 
















. 









■ 

























































Taf. II. 


Abhandl. d. Isis in Dresden, 1908. 



Br. Deisler, Dresden, lith. Druck v. H. Kraja, Dresden. 




i ■ Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Ilofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8. . . . , . . 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8 .... 3 M. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 . . . . . . . . . . . . 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. J ahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, der Jahrgang . . . 3 1.- Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember ..... 3 M. — Pf. 
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . .. . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember 3M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1908, der Jahrgang . . . . . . . . . . 5 M. — Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deichmüller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral.- 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 













■ V 


/ 

W* 

1 v 

< : 

» 

's* 

Sc 

, ¥ 

4' A 

* 

WP 

ß*l 


V 

JB i 


\ € 


— m 


'\ \ 
V % 

r 

1 


1 v 

» 



, * ■* 

K * 

'Ä 

; > 


Jl 

v •'? 


m 

l 

.' 4» . 


, f 1 

♦ - 

% 

’ ; * 

V 

P > 

.'S Ä 

< / 

ft r 

* I t 






3 9088 01357 8830