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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1909. 



Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1910. 






Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS Im- 


Herausgegeben 

v/on dem Redaktionskomitee. 



in Dresden. 


Jahrgang 1909. 

Januar bis Juni. 


Mit 2 Tafeln und 8 Abbildungen im Text. 


Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1909. 

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Redaktionskomitee für 1909. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr» Förster. 

Mitglieder: Prof. Dr, E. Lohrmann, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer 
Dr. P. Wagner, Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. A. Lottermoser und 

Prof. Dr. A. Witting. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 


Inhalt. 

Verzeichnis der Mitglieder S, V. — Ernst Fürchtegott Zschau f S. XV. 

A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3. — Ernst Hackel- Stiftung S. 3. — Escherich, K.: 
Aus dem Leben der Termiten S. 3. — Lohrmann, E.: Geweihbildung in der Familie 
der Hirsche, neue Literatur S. 3. — Schorler, B.: Neue Literatur S. 3,. — Stadel- 
mann, H.: Lichtversuche am Chamäleon S. 4. — Viehmeyer, H.: Über Raupen 
und Ameisen S. 3; gegenwärtiger Stand der Tierpsychologie S. 4. — Besichtigung 
der Eiersammlung des Lehrers B. Hantzsch im Heimatkundlichen Schul- 
museum S. 4. 

II. Sektion für Botanik S. 4. — Drude, 0.: Chlorophyll und Assimilationsprozefs 
unter dem Einflufs der Sonnenbestrahlung und des Himmelslichtes, mit Bemerk, von 

R. Jahr, Literaturbesprechungen S. 5; Vorlage von Bildern von Alpenpflanzen am 
natürlichen Standorte S. 4. — Neger, F.: Scheuchzeria - Früchte im Flachmoor bei 
Okrilla S. 4; Mutation parasitischer Pilze S. 5. — Scheidhauer, R.: Literatur- 
besprechung S. 4. — Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica 1906—1908 

S. 4; neue Literatur S. 5. — Stiefelhagen, H.: Ergebnisse einer botanischen 
Sammelreise in die Seealpen S. 4. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 6. — Engelhardt, H.: E. F. Zschau f 
S. 6. — März, Chr.: Eiszeiten und Moränen in der sächsischen Oberlausitz S. 6. 

— Schönfeld, G.: Neuer Stegocephalen-Fund aus dem sächsischen Rotliegenden, ent- 
wicklungsgeschichtliche Stellung der Stegocephalen S. 6. — Stutzer, 0.: Sommer- 
aufenthalt in Alaska und Yukon 1908 S. 6. - Wagner, P.: Neue Literatur S. 6. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 6. — Bruhrn, A.: Gefäfse aus einem 
Hügelgrabe bei Merseburg S. 7. — Deichmüller, J.: La Tene- Funde von Cröbern 
bei Leipzig S. 7; vorgeschichtliche Votive und Weihegaben S. 8; neue Literatur S. 7. 

— Döring, H.: Steinzeitliche Besiedelung der Gegend um Leipzig, mit Bemerk, von 
J. Deichmüller S. 6; Steinäxte von Wachau S. 7; neue Literatur S. 6. — Göhler, P.: 
Votive und Weihegaben des katholischen Volkes als urgeschichtliche Zeugnisse und 
Reste S. 7, mit Bemerk, von 0. Jäkel S. 8. — Klähr, M.: La Tene-Funde der 
Leipziger Gegend, neue Literatur S. 7. 

V. Sektion für Physik und Chemie S. 8. — Beythien, A.: Die chemischen Grund- 
lagen einer rationellen Ernährung S. 9. — Förster, Fr.: Zwei elektrochemische Vor- 
lesungsexperimente S. 9. — Friese, W. : Der Staub- und Rufsgehalt der Dresdner 
Luft S. 8. 

VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 9. — Heger, R.; Zür Kon- 

struktion der rationalen Kurven 3. Ordnung S. 9. — Krause, M.: Näherungsweise 
Integration totaler Differentialgleichungen S. 12. — Müller, F.: Gedächtnisrede an 
Hermann Grafsmann S. 10. — Neovius, E. R.: Minimalflächenstücke, dere^i Be- 
grenzung von drei geradlinigen Teilen gebildet wird S. 12. — Schreiber, Ai: Be- 
dingungsgleichungen für Rückwärtsschnitte S. 11. — Weinmeister, Ph.: Ableitung 
der Formel für den Mantel des schief abgeschnittenen Umdrehungskegels &. 10; 
Rollenverwandtschaft zwischen Parabel und Kettenlinie S. 12. — Witting, A. : V Vor- 
richtung zum Zeichnen von Ellipsen S. 12. 1 


Inhalt des Jahrganges 1909. 


Verzeichnis der Mitglieder S. V. — Ernst Fürchtegott Zschau f S. XV. 

A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3 und 21. — Ernst Hackel- Stiftung S. 3. — Es eher ich, K.: 
Aus dem Leben der Termiten S. 3; Beziehungen zwischen Ameisen nnd Pflanzen S. 21; 
neue Literatur S. 22. — Lohrmann, E.: Geweihbildung in der Familie der Hirsche 
S. 3; die Familie der Hirsche S. 21; neue Literatur S. 3. — Neger, F. : Neue Be- 
obachtungen an körnersammelnden Ameisen S. 21. — Schorler, B.: Neue Literatur 
S. 3. — Stadelmann, H.: Lichtversuche am Chamäleon S. 4. — Viehmeyer. H.: 
Über Raupen und Ameisen S. 3; gegenwärtiger Stand der Tierpsychologie S. 4; Ver- 
gleich zwischen der Ameisen- und Menschen-Psyche S. 21. — Besichtigung der Eier- 
sammlung des Lehrers B. Hantzsch im Heimatkundlichen Schulmuseum S 4. 

II. Sektion für Botanik S. 4 und 22. — Drude, 0.: Chlorophyll und Assimilations- 
prozefs unter dem Einflufs der Sonnenbestrahlung und des Himmelslichtes, mit Bemerk, 
von R. Jahr, Literaturbesprechungen S. 5; Bilder von Alpenpflanzen am natürlichen 

• Standorte ‘S. 4.. — Naumann, ArT Botanische Ergebnisse eines dreitägigen Aufent- 
halts an der Franz - Schlüterhütte in den Südtiroler Kalkalpen S. 22. — Neger, F.: 
Scheuchzeria - Früchte im Flachmoor bei Okrilla S. 4; Mutation parasitischer Pilze 
S. 5. — Scheidhauer, R.: Literaturbesprechung S. 4. — Schorler, B. : Berei- 
cherungen der Flora Saxonica 1906 — 1908 S. 4; neue Literatur S. 5 und 22. — 
Stiefelhagen, H.: Ergebnisse einer botanischen Sammelreise in die Seealpen S. 4. 
— Besichtigung der Ausstellung über die Dresdner Heide im Heimatkund- 
lichen Schulmuseum S 22. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 6 und 23. — Engelhardt, H.: 
E. F. Zschau f S. 6. — Kalkowsky, E. : Geologische Reliefs vom Vesuv und von 
Santorin, neue Minerale aus Sachsen, über Pleochroismus, Versuche mit der Wünschel- 
rute, neue Literatur S. 23. — März, Chr.: Eiszeiten und Moränen in der sächsischen 
Oberlausitz S. 6. — Schönfeld, G.: Neuer Stegocephalen-Fund aus dem sächsischen 
Rotliegenden, entwicklungsgeschichtliche Stellung der Stegocephalen S. 6. — Stutzer, 
0.: Sommeraufenthalt in Alaska und Yukon 1908 S. 6. — Wagner, P. : Neue Lite- 
ratur S. 6 und 23. — Ausflug nach Niederschöna S. 23. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 6 und 24. — B rühm, A. : Gefäfse aus 
einem Hügelgrabe bei Merseburg S. 7. — Deichmüller, J.: La Tene- Funde von 
Cröbern bei Leipzig S. 7; vorgeschichtliche Votive und Weihegaben S. 8; Gründung 
einer Deutschen Gesellschaft für Vorgeschichte, neue Funde aus Sachsen S. 24; neue 
Literatur S. 7 und 24. — Döring, H.: Steinzeitliche Besiedelung der Gegend um 
Leipzig S. 6, mit Bemerk, von J. Deichmüller , S. 7; Steinäxte von Wachau S. 7; 
Literaturbesprechung S. 6 und 24. — Ebert, O. : Literaturbesprechung S 24. — 
Göhler, P.: Votive und Weihegaben des katholischen Volkes als urgeschichtliche 
Zeugnisse und Reste S. 7, mit Bemerk, von 0. Jäkel S. 8. — Klähr, M.: La Tene- 
Funde der Leipziger Gegend, neue Literatur S. 7. 

Y. Sektion für Physik und Chemie S. 8 und 25. — Beythien, A.: Die chemischen 
Grundlagen einer rationellen Ernährung S. 9. — Förster, Fr.: Zwei elektrochemische ' 
Vorlesungsexperimente S. 9. — Friese, W. : Der Staub- und Rufsgehalt der Dresdner 
Luft S. 8; Methodik der Staub- und Rufsbestimmung in der Luft S. 25. — Hall- 
wachs , W. und Dember, H.: Kontakt- elektrische und lichtelektrische Arbeiten aus 
dem physikalischen Institut der Technischen Hochschule S. 25. — Lottermoser, A. : 
Jetziger Stand der Kolloid chemie S. 25. 

VI. Sektion für reine nnd angewandte Mathematik S. 9 und 26. — Heger, R.: 
Zur Konstruktion der rationalen Kurven 3. Ordnung S. 9; irrationale ebene Kurven 
3. Ordnung S. 26; Wandtafeln mit Kurven 3. Ordnung S. 29. — Krause, M. : 
Näherungsweise Integration totaler Differentialgleichungen S. 12. — Müller, F.: Ge- 
dächtnisrede an Hermann Grafsmann S. 10. — Neovius, E. R.: Minimalflächenstücke, 
deren Begrenzung von drei geradlinigen Teilen gebildet wird S. 12. — Schreiber, A : 
Bedingungsgleichungen für Rückwärtsschnitte S. 11; der harmonische Analysator von 
Mader S. 27; Logarithmenpapiere und deren Anwendung, Abacus zur Auflösung drei- 
gliedriger kubischer Gleichungen S. 28. — Weinmeister, Ph.: Ableitung der Formel 


IV 


für den Mantel des schief abgeschnittenen Umdrehungskegels S. 10; Rollverwandtschaft 
zwischen Parabel und Kettenlinie S. 12; graphische Bestimmung der Achsen des 
schiefen elliptischen Kegels S. 26. — Witting, A.: Vorrichtung zum Zeichnen von 
Ellipsen S. 12. 

VII. Hauptversammlungen S. 14 und 29. — Beamte im Jahre 1910 S. 30 und 32 f — 
Veränderungen im Mitgliederbestände S.17, 30 und 31. — Kassenabschlufs für 1908 
S. 14, 15 und 18. — Voranschlag für 1909 S. 14. — Freiwillige Beiträge zur Kasse 
S. 31. — Geschenk von 500 M. zur Drucklegung eines neuen Bibliothekskatalogs S. 30. 
— Bericht des Bibliothekars S. 34. — Bibliotheksangelegenheiten S. 30. — Ernst 
Häckel - Stiftung S. 15. — Naturschutzpark in den Alpen S. 15. — Erhaltung der 
Sternwarte im Dresdner Ausstellungspark S. 30. — Verbilligung der sächsischen 
topographischen Karten S. 15. — 500jährige Jubelfeier der Universität Leipzig S. 15, 
17 und 30. — Gedenkfeier des 100. Geburtstages von Charles Darwin S. 14. — 
Drude, 0.: Die Theorie der Entstehung der Arten als Markstein im Lebensbilde 
Darwins S. 15. — Göllnitz, 0.: Die erdmagnetische Vermessung Sachsens und 
deren Ergebnisse S. 30. — Hempel, W. : Elektrische Laboratoriumsöfen S. 30. — 
Kalkowsky, E.: Die geologischen Grundlagen der Entwicklungslehre S. 15. — 
Lange, E.: Immunitätserscheinungen S. 16. — Meyor, E.von: Die chemische Ver- 
edelung der Zellulose und ihre wirtschaftliche Bedeutung S. 15. — Schiffner, K.: 
Die neueren Untersuchungen über Radioaktivität» und radioaktive Wässer Sr. 14 
Schreiber, A.: Das Stereoskop und die Stereomethoden, sowie deren Anwendung 
in der Phologrammetrie S. 30. — Ausflug nach Meifsen, Besichtigung der Alt- 
städter Dampfmolkerei S. 16, und der Nähmaschinenfabrik von CI. Müller 
in Dresden S. 29. 


B. Abhandlungen. 

Bachmann, E.: Die Flechten des Vogtlandes. S. 23. 

Deichmüller, J.: Einige neolithische Funde aus Sachsen. Mit 2 Abbildungen. S. 112. 
Drude, 0.: Die Theorie der Entstehung der Arten als Markstein im Lebensbilde 
Darwins. S. 11. 

Hall wachs, W., und Dember, H.: Mitteilungen über im Physikalischen Institut der 
Technischen Hochschule Dresden ausgeführte Arbeiten. Mit 2 Tafeln. S. 65. 
Heger, R.: Zur Konstruktion von Kurven 3. Ordnung. Mit 8 Abbildungen. S. 48. 
Heger, R.: Vorführung dreier Wandtafeln für Kurven 3. Ordnung. S. 110. 
Kalkowsky, E.: Geologische Grundlagen der Entwicklungslehre. S. 3. 

Müller, F. : Zur Erinnerung an Hermann Grafsmann. S. 43. 

Naetsch, E.: Über Lichtgrenzkurven und geodätische Linien. S. 58. 

Naumann, A.: Die botanischen Ergebnisse eines dreitägigen Sammelausfluges in die 
Umgebung der Franz - Schlüterhütte (D.-Oe. A -V.). S. 86. 

Wanderer, K.: Der erste Fund eines Moschusochsen im Diluvium des Königreiches 
Sachsen. Mit 1 Tafel und 1 Abbildung. S. 79. 

Wanderer, K. : Zum Alter der Schichten an der Teplitzer Strafse in Dresden-Strehlen. 
S. 114. 

Weinmeister, Ph.: Graphische Bestimmung der Achsen des schiefen elliptischen 
Kegels. Mit 3 Abbildungen. S. 103. 


Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Verzeichnis der Mitglieder 

der 

N aturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden 

im Juni 1909. 


Berichtigungen bittet man an den Sekretär der Gesellschaft, 
d. Z. Hofrat Prof. Dr. J. Deicliinüller in Dresden, K. Mineral.- geologisches Museum 

im Zwinger, zu richten. 





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L Ehrenmitglieder. 


Jahr der 
Aufnahme. 


1. Agassiz, Alex., Dr. phil., Kurator a. D. des Museum of Comparative Zoology in 

Cambridge, Mass. 1877 

2. Credner, Herrn., Dr. phil., Geh. Kat, Prof, an der Universität und Direktor 

der geolog. Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen in Leipzig (1869)1895 

3 . Galle, J. G., Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Professor a. D. in Potsdam . . 1866 

4. Haugliton, Sam., Rev., Professor am Trinity College in Dublin ..... 1862 

5. Jones, T. Rupert, Professor a. D. in Penbryn, Chesham, Bucks ..... 1878 

6. Krone, Herrn., Hofrat, Professor a. D. in 'Laubegast (1852) 1908 

7. Laube, Gust., Dr. phil., K. K. Hofrat, Professor an der Universität in Prag 1870 

8. Ludwig, Priedr., Dr. phil., Hofrat, Professor, Oberlehrer am Gymnasium in 

Greiz (1887)1895 

9. Magnus, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität in Berlin 1895 

10. Omboni, Giov., Professor an der Universität in Padua 1868 

11. Rohn, Karl, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der Universität in Leipzig (1885) 1904 

12. Seydewitz, P. von, Dr. jur. et phil., Staatsminister a. D. in Dresden, Lennestr. 1 1903 

13. Stäche, Guido, Dr. phil., K. K. Hofrat, Direktor a. D. der K. K. Geologischen 

Reichsanstalt in Wien (1877)1894 

14. Tschermak, Gust., Dr. phil., K. K. Hofrat, Professor an der Universität in Wien 1869 

15. Verbeek, Rogier D. M., Dr. phil., Direktor der geologischen Landesuntersuchung 

von Niederländisch-Indien in Buitenzorg 1885 

16. Wiesner, Jul., Dr. phil , K.K. Hofrat, Professor an der Universität in Wien (1868) 1908 

17. Wolf, Franz, Dr. phil., Professor, Realschuldirektor in Rochlitz 1895 

18. Zirkel, Ferd., Dr. phil., Geh. Rat, Professor an der Universität in Leipzig . . 1895 


II. Wirkliche Mitglieder. 

A. In Dresden und den Vororten. 


1. Baensch, Wilh., Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei, Waisenhausstr. 34 1898 

2. Baldauf, Rieh., Privatmann, Geinitzstr. 5 1878 

3. Barthel, Theod., Kais. Telegraphensekretär, Ludwig Richterstr. 35 ... . 1901 

4. Bauer, J. Adolf, Kaufmann, Falkenstr. 12 ... " 1903 

5. Beck, F. Heinr., Bezirkschullehrer, Lortzingstr. 15 1896 

6. Becker, Herrn., Dr. med., Oberarzt am Stadtkrankenhause, Sidonienstr. 16 . 1897 

7. Beier, Herrn., Bürgerschullehrer, Schillerstr. 39 . . . 1907 

8. Berger, Karl, Dr. med., Pragerstr. 44 1898 

9. Bernkopf, Georg, akadem. Bildhauer, Wittenbergerstr. 43 1900 

10. Besser, C. Ernst, Professor, Münchnerstr. 30 1863 

11. Beythien, Adolf, Dr. phil., Direktor des städt. ehern. Untersuchungsamtes, 

Carolinenstr. 8 ..... 1900 

12. Biedermann, Paul, Dr. phil., Professor an der K. Tierärztlichen Hochschule 

und Oberlehrer an der Annenschule, Reinickstr. 11 1898 

13. Böhme, Max, Dr. phil., Oberlehrer an der III. Realschule, Feldlierrnstr. 29 . 1904 

14. Böhmig, Konr. Heinr., Dr. med., Hauptstr. 36 1904 

15. Bose, K. Mor. von, Dr. phil., Fabrikdirektor a. D., Löbauerstr. 22 1868 

16. Bracht, Eugen, Geh. Hofrat, Professor an der K. Akademie der bildenden 

Künste, Franklinstr. 11 1905 

17. Brömel, Alb., Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Dreikönigschule, Puls- 

nitzerstr. 10 1906 

18 Bruhm, Arth., Forstassessor, Uhlandstr. 29 1907 

19. Burdach, Fritz, Dr. med., Oberstabsarzt, Melanchtonstr. 5 ...... . 1902 


VIII 


Jahr der 
Aufnahme. 


20. Calberla, Heinr., Privatmann, Bürgerwiese 8 1897 

21. Ciippers, Friedr., Kaufmann, Julius Ottostr. 12 1896 

22. Dannenberg, Osk. Eugen, Dr. med., Christianstr. 1/3 1902 

23. Deichmüller, Job., Dr. phil., Hofrat, Professor, Kustos des K. Mineral.-geolog. 

Museums nebst der Präbistor. Sammlung, Bergmannstr. 18 1874 

24. Dember, Harry, Dr. pbil. , Assistent an der K. Tecbniscben Hocbscbule, 

Residenzstr. 9 . 1906 

25. Dietz, Rud., Dr. pbil., Professor an der K. Technisch en Hochschule, Sedanstr. 14 1902 

26. Döring, F. Herrn., Bezirkschuldirektor, Glacisstr. 24 1885 

27. Dressier, Heinr., Professor, S.eminaroberlehrer, Würzburgerstr. 61 ... . 1893 

28. Drude, Osk., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hochschule 

und Direktor des K. Botanischen Gartens, Stübel- Allee 2 1879 

29. Dutschmann, Georg, Bezirkschullehrer, Bernhardstr. 113 1903 

30. Ebert, Gust. Rob., Dr. phil., Professor, Weinligstr. 7 1863 

31. Ebert, Otto, Taubstummenoberlehrer, Falkenstr. 2 1885 

32. Eiinert, Osk. Max, Vermessungsingenieur, Teutoburgstr. 8 1893 

33. Eisenbaus, Theod., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, 

Hohestr 37 b 1909 

34. Engelhardt, Bas. von, Dr. phil., Kais. Russ. Staatsrat, Astronom, Liebigstr. 1 1884 

35. Engelhardt, Herrn., Hofrat, Professor, Bautznerstr. 34 1865 

36. Entner, Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Fürstenstr. 52 . . 1906 

37. Fehrmann, Max Rieh., Bürgerschullehrer, Neubertstr. 25 1901 

38. Eickel, J., Dr.phil., Prof., Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, Anton Graffstr. 11 1894 

39. Fischer, Hugo Rob., Geh. Hof rat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Schnorrstr. 57 1879 

40. Flachs, Rieh., Dr. med., Oberarzt, Sidonienstr. 6 1897 

41. Flatlie, Mart., Bergdirektor a. D., Richard Wagnerstr. 5 1905 

42. Förster, Friedr., Dr. phil., Geh. Hof rat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Hohestr. 46 1895 

43. Francke, Hugo, Dr. phil., Mineralog, Müllerbrunnenstr. 5 1889 

44. Freitag, Willy, Oberlehrer an der II. Realschule, Eisenstuckstr. 26 ... . 1906 

45. Freude, Aug. Bruno, Bürgers chullehrer, Seminarstr. 11 ........ 1889 

46. Freyer, Karl, Bczirkschuldirektor, Herbertstr. 34 1896 

47. Friedrich, Edm., Dr. med., Sanitätsrat, Lindengasse 20 1865 

48. Friese, C. Walter, Dipl. -Ingenieur, Nahrungsmittelchemiker, Ostra - Allee 31 1905 

49. Frölich, Gust., K. Hofbaurat, Elisenstr. 11 1888 

50. Galewsky, Eug. Eman., Dr. med., Christianstr. 21 1899 

51. Gebhardt, Mart., Dr. phil. , Professor, Oberlehrer am Vitzthumschen Gym- 

nasium, Walpurgisstr. 11 1894 

52. Geinitz, Leop., Bureauassistent an den K. Sächs. Staatsbahnen, Rabenerstr. 11 1886 

53. Geissler, Gust. Alfr., Oberlehrer an der I. Realschule, Wittenbergerstr. 18 . 1904 

54. Giseke, Karl, Privatmann, Franklinstr. 17 1893 

55. Göllnitz, Osk., K. Obervermessungsinspektor, Gutzkowstr. 15 1908 

56. Gottlöber, Mart., Bezirkschullehrer, Weinbergstr. 18 1908 

57. Grahl, Hans, Apotheker, Augsburgerstr. 69 1908 

58. Gravelius, Harry, Dr. phil., Astronom, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Reissigerstr. 13 1897 

59. Grossmann, Alb., Dr. ing., Fabrikbesitzer, Königsbrückerstr. 22 1906 

60. Grübler, Mart., Geh. Hofrat, Kais. Russ. Staatsrat, Professor an der K. Tech- 

nischen Hochschule, Bernhardstr. 98 .... 1900 

61. Grützner, C. Max, Professor, Realschuloberlehrer, Ermelstr. 5b 1906 

62. Grüner, Harald, Bergingenieur, Werderstr. 24 1909 

63. Gühne, Herrn. Bernh., Dr. phil., Professor beim K. Sächs. Kadettenkorps, 

Jägerstr. 28. 1896 

64. Günther, Osw., Chemiker, Frankenstr. 5 . 1899 

65. Guthmann, Louis, Geh. Kommerzienrat, Fabrikbesitzer, Pragerstr. 34 . . . 1884 

66. Haase, Gertr., Drs. med. Ww., Eisenstuckstr. 28 1907 

67. Ilähle, Herrn., Dr. phil., Chemiker, Blasewitz, Schubertstr. 42 . . . . . 1897 

68. Hänel, F. Paul, Dipl.-Chemiker, Fabrikbesitzer, Behrischstr. 30 1899 

69. Hallwachs, Willi., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Münchnerstr. 2 1893 

70. Hefelmann, Rud., Dr. phil., Chemiker, Schreibergasse 6 . . 1884 

71. Heger, Gust. Rieh, Dr. phil., Studienrat, Professor an der K. Technischen 


Hochschule, Wiuckelmannstr. 37 1868 


IX 


Jahr der 
Aufnahme, 


72. Heinrich, Karl, Buchdruckereibesitzer, Johann Georgen-Allee 27 ... . 1898 

73. Heller, Karl, Dr. phil., Professor, Kustos des K. Zoolog, und Anthrop.-ethnogr. 

Museums, Franklinstr. 22 . 1900 

74. Helm, Georg Ferd., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Dippoldiswaldaergasse 10 1874 

75. Hempel, Hans, Dr. phil., Nahrungsmittelchemiker, I. Assistent am städtisch. 


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76. Hempel, Walt. Matthias, Dr. phil., Geh. Bat, Professor an der K. Tech- 

nischen Hochschule, Zelleschestr. 44 1874 

77. Henke, K. Bich., Dr. phil., Prof., Bektor der Annenschule, Lindenaustr. 9 . 1898 

78. Herrmann, Em., Bezirkschullehrer, Döbelnerstr. 62 1905 

79. Hofmann, Alex. Emil, Dr. phil., Ge]i. Hofrat, Goethestr. 5 1866 

80. Hofmeier, Ernst, Privatmann, Leubnitzerstr. 32 1903 

81. Hoyer, K. Ernst, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der I. Bealschule, 

Marschnerstr. 18 1897 

82. Hühner, Georg, Dr. phil., Apotheker, Am Markt 3 und 4 1888 

83. Hupfer, Herrn. Paul, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der II. höh. Töchter- 

schule, Gneisenaustr. 20 1907 

84. Jacobi, Arn. , Dr. phil. , Professor an der K. Technischen Hochschule und 

Direktor des K. Zoolog, und Anthrop.-ethnogr. Museums, Marsdorferstr. 7 1904 

85. Jacoby, Julius, K. Hofjuwelier, Jüdenhof 1 1882 

86. Jahr, Bich., Photochemiker, Fabrikbesitzer, Schubertstr. 15 1899 

87. Jenke, Andreas, Bezirkschuloberlehrer, Zirkusstr. 10 1891 

88. Jühling, Franz, Streichinstrum.- und Saitenfabrikant, Moritzstr. 2 ... . 1900 

89. Ihle, Karl Herrn., Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Kamenzerstr. 9 1894 

90. Kadner, Paul, Dr. med., Krenkelstr. 13 . . 1906 

91. Kämnitz, Max, Dipl. - Chemiker, Bautznerstr. 79 1894 

92. Käseberg, Mor. Bich., Dr. phil., Institutslehrer, Gr. Plauenschestr. 9 . . . 1886 

93. Kalkowsky, Ernst, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule und Direktor des K. Miner. -geolog. Museums nebst der Prähistor. 
Sammlung, Bismarckplatz 11 1894 


95. Kiefsling, Hugo, Dipl.-Ingenieur, Stadtvermessungsinsp., Martin Lutherstr. 3 1908 

96. Klähr, Max, Oberlehrer an der I. Bealschule, Fürstenstr. 11 1899 

97. Klette, Alfons, Privatmann, Besidenzstr. 18 1883 

98. Knauth, Bernh., Bezirkschuloberlehrer, Dorotheenstr. 18 1909 

99. Köckhardt, Walt., Oberlehrer an der Kreuzschule, Kyffhäuserstr. 23 . . . 1907 

100. König, Klemens, Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Stephanienstr. 95 1890 

101. Kopeke, Klaus, Dr. ing., Geh. Bat, Sedanstr. 25 1877 

102. Köpert, Otto Herrn., Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Yitzthumschen 

Gymnasium, Krenkelstr. 17 1903 

103. Kotte, Erich, Dr. phil., Seminaroberlehrer, Briesnitz, Maximilianstr. 8 . . 1905 

.104. Krause, Martin, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 
schule, Bäcknitz, Friedrich Wilhelmstr. 82 1888 

105. Kühn, Gust. Em., Dr. phil., Geh. Schulrat, Vortragender Bat im K. Ministerium 

des Kultus and öffentlichen Unterrichts, Ferdinandstr. 16 1865 

106. Kühnscherf, Alex., Techniker, Gr. PJauenschestr. 20 1904 

107. Kühnscherf, Emil, Fabrikbesitzer, Gr. Plauenschestr. 20 1866 

108. Kühnscherf, Erich, Kaufmann, Gr. Plauenschestr. 20 1904 

109. Kürzel, Arth. Eduard, Privatmann, Nordstr. 25 1903 

110. Küster, Max G., Dr. med., Fürstenstr. 58 1905 

111. Kuntze, F. Alb. Arth., Bankier, An der Kreuzkirche 1 . . . . . • . . 1880 

112. Kunz-Krause, Herrn., Dr. phil., Medizinalrat, Professor an der K. Tierärztlichen 

Hochschule, Ludwig Bichterstr. 6 1901 

113. Ledebur, Hans Em. Freiherr von, Friedensrichter, Uhlandstr. 6 1885 

114. Lehmann, Ernst, Dr. phil., Seidnitzerplatz 7 1906 

115. Lehmann, F. Georg, K. Hofbuchhändler, Handelsrichter, Schlofsstr. 32 . . 1898 

116. Leuner, F. Osk., Ingenieur, Klarastr. 16 1885 

117. Lewicki, Ernst, Professor an der K. Technischen Hochschule, Würz- 

burgerstr. 51 1898 

118. Lohmann, Hans, Dr. phil., Oberlehrer am König Georg -Gymnasium, Bern- 


hardstr. 106 , . . . ? ...... . f . , , f , 1896 


X 


Jahr der 
Aufnahme, 


119. Lohrmann, Ernst, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der II. Realschule, 

Lüttichaustr. 16 

120. Lottermoser, K. A. Alfred, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Wintergar tenstr. 15 

121. Ludwig, J. Herrn., Bezirkschullehrer, Wintergartenstr. 66 

122. Ludwig, Walt., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, 

Zelleschestr. 10 

128. Luther, Rob., Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule, Reichen- 
bach str. 53 

124. März, Christ., Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Dreikönigschule, 

Bautznerstr. 22 

125. Manliu, Jean, Professor, Nürnbergerstr. 50 

126. Mann, Max Georg, Dr. med., Sanitätsrat; Ostra- Allee 7 

127. Meier, E. F. Gust., Oberlehrer am Yitzthumschen Gymnasium, Dippoldis- 

waldaergasse 6 

128. Meigen, Friedr., Dr. phil., Oberlehrer an der II. Realschule, Nöthnitzerstr. 26 

129. Meiser, Emil, Mechaniker, Kurfürsten str. 27 

130. Meissner, Georg, Ingenieur, Palaisstr. 8 

131. Menzel, Osk., Baumeister und Architekt, Ferdinandstr. 8 

132. Menzel, Paul, Dr. med., Sanitätsrat, Mathildenstr. 46 

133. Meyer, Ernst von, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Lessingstr. 6 

134. Modes, Herrn., Ingenieur, Antonstr. 18 

135. Möhlau, Rieh., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule, Semperstr. 4 

136. Mollier, Rob. Rieh., Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, George Bährstr. 4 

137. Morgenstern, Osk. Wold., Oberlehrer an der Annenschule, Holbeinstr. 26 . 

138. Moritz, P. Wald., Zahnarzt, Pragerstr. 48 

139. Mühlberg, Joh., Rumän. Konsul, Kaufmann, Webergasse 32 

140. Miihlfriedel, Rieh., Bezirkschuldirektor, Theresienstr. 21 

141. Müller, Felix, Dr. phil., Professor, Weifser Hirsch, Bautznerstr. 84 . . . 

142. Müller, G. Felix, Dipl. -Ingenieur, Bernhardstr. 115 

143. Müller, Rud. Ludw., Dr. med., Blasewitz, Friedrich Auguststr. 25 ... . 

144. Nägel, Adolf, Dr. ing., Prof, an der K. Techn. Hochschule, Eisenstuckstr. 17 

145. Naetsch, Emil, Dr. phil., Professor an der K. Techn. Hochschule, Blasewitz, 

Striesenerstr. 5 

146. Naumann, K. Arno, Dr. phil., Professor, Assistent am K. Botanischen Garten 

und stellvertr. Direktor an der Gartenbauschule, Borsbergstr. 26 ... . 

147. Nessig, Rob., Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Lutherplatz 9 

148. Neumann, E. Günt., Dr. phil., Seminarlehrer, Bernhardstr. 103 

149. Niedner, Chr. Frz., Dr. med., Geh. Medizinalrat, Winckelmannstr. 33 . . 

150. Oeder, Reinhard, Dr. phil., Zahnarzt, Marschallstr. 28 

151. Ostermaier, Josef, Kaufmann, Blasewitz, Barteldesplatz 4 

152. Pander, John, Eisenbahndirektor a. D., Wintergartenstr. 9 

153. Pattenhausen, Beruh., Geh. Hofrat, Professor an der K. Technischen Hoch- 

schule und Direktor des K. Mathem.-physikal. Salons, Reichenbachstr. 53 . 

154. Paul, M. O., Dr. phil., Seminaroberlehrer, Pestalozzistr. 15 

155. Pazsclike, Otto, Dr. phil., Privatmann, Forststr. 29 

156. Pestei, Rieh. Mart., Mechaniker und Optiker, Hauptstr. 1 

157. Peuckert, F. Adolf, Oberlehrer an der Dorotheenschule, Seilergasse 2 . . 

158. Pfitzner, Paul, Dr.phil., Professor, Oberlehrer an der Kreuzschule, Bettinastr. 12 

159. Pötschke, F. Jul., Techniker, Gärtnergasse 5 

160. Preller, Bernh., Realschullehrer, Schmiedegäfschen 2 

161. Presspricli, Gust., Stadtbaumeister, Schumannstr. 6 

162. Putscher, J. Wilh., Privatmann, Reichsstr. 26 

163. Rahenhorst, G. Ludw., Privatmann, Stolpenerstr. 8 

164. Range, E. Alb., Oberbaurat, Blumenstr. 1 . . 

165. Rebenstorff, Herrn. Alb., Professor beimK. Sächs. Kadettenkorps, Glacisstr.3 

166. Reichardt, Alex. Wilibald, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Wettiner 

Gymnasium, Chemnitzerstr. 35 . . 

167. Renk, Friedr., Dr. med., Geh. Medizinalrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule und Direktor der Zentralstelle für öffentliche Gesundheitspflege, 
Münchner Platz 16 


1892 

1898 

1897 

1909 

1908 

1907 

1909 
1900 

1900 

1901 

1901 

1907 

1902 
1894 

1894 
1887 

1895 

1897 
1891 

1906 

1903 

1898 

1908 

1903 
1877 

1909 

1896 

1889 

1893 

1907 
1873 

1908 

1896 
1905 

1893 

1909 
1905 

1899 
1873 
1901 
1882 
1908 

1904 
1872 
1881 
1898 
1895 

1897 


1894 


_XI_ 

Jdür der 
Aufnahme. 

168. Reuter, Am. Klem., Privatmann, Anton Graffstr. 22 1908 

169. Richter, Emil, Privatmann, Loschwitz, Robert Diezstr 9 1908 

170. Richter, F. Arth., Privatmann, Blase witz, Marschall- Allee 18 1899 

171. Richter, K. Wilh., Dr. med., Hähnelstr. 1 1898 

172. Richter, Konrad, Oberlehrer an der Annenschule, Räcknitz, Friedrich Wilhelm- 

strafse 74 1895 

173. Richter I, M. J. Em., Dr. jur., Rechtsanwalt, Waisenhausstr. 27 1901 

174. Riemer, Osk., Chemiker, Braumeister, Chemnitzerstr. 58 1906 

175. Rimann, Eberh., Dr. ph.il., Dipl. -Ingenieur, Assistent an der K Technischen 

Hochschule, Hopfgartenstr. 8 .... 1905 

176. Röhner, K. Wilh., Bezirkschullehrer, Elisenstr. 16 1898 

177. Rohrs, Friedr., Lehrer an der Handelschule, Niederwaldstr. 31 1907 

178. Römisch, Adolf, Amtsgerichtsrat a. D., Anton Graffstr. 21 1909 

179. Rühencamp, Rob., Dr. phil., Fabrikdirektor, Blasewitz, Südstr. 17. . . . 1903 

180. Salbach, Franz, Dipl.-Ingenieur, Reichenbachstr. 67 1895 

181. Sauer, Kurt, Realschullehrer, Rabenerstr. 20 1908 

182. Saupe, Albin, Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der I. Realschule, Kyffhäuserstr. 17 1907 

183. Schade, F. Albin, Gymnasiallehrer, Franklinstr. 16 1906 

184. Schanz, Fritz, Dr. med., Sanitätsrat, Pragerstr. 36 1901 

185. Scheele, Kurt, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am Wettiner Gymnasium, 

Blasewitzerstr. 13 1893 

186. Scheidhauer, Rieh., Zivilingenieur, Reinickstr. 9 1898 

187. Schiller, Karl, Privatmann, Bautznerstr. 47 1872 

188. Schmidt, Herrn. G., Bezirkschullehrer, Niederwaldstr. 15 1898 

189. Schneider, Bernh. Alfr., Dr. phil., Apotheker, Schandauerstr. 43 .... 1895 

190. Schneider, Friedr., Realschullehrer, Teutoburgerstr. 5 1909 

191. Schneider, Gust., Dr. phil., Semiaaroberlehrer, Carlowitzstr. 29 1908 

192. Schöne, J. E., Dr. phil., Seminaroberlehrer, Loschwitz, Karolastr. 23 . . . 1908 

193. Schönfeld, Jul. Georg, Bezirkschullehrer, Naufslitz, Annabergerstr. 2 . . . 1905 

194. Schorler, Bernh., Dr. phil., Realschuloberlehrer und Kustos des Herbariums 

an der K. Technischen Hochschule, Krenkelstr. 34 1887 

195. Schreiber, Paul, Dr. phil., Regierungsrat, Professor, Direktor der Landes- 

wetterwarte, Gr. Meifsnerstr. 15 1888 

196. Schulze, Georg, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Dreikönigschule, 

Markgraf enstr. 34 1891 

197. Schulze, Jul. Ferd., Privatmann, Liebigstr. 2 1882 

198. Scliunke, Th. Huldreich, Dr. phil., Professor, Seminaroberlehrer, Blasewitz, 

Waldparkstr. 2 1877 

199. Schwede, Rud., Dr. phil., Apotheker, Gutzkowstr. 28 1901 

200. Schweissinger, Otto, Dr. phil., Apotheker, Medizinalrat, Dippoldiswaldaerplatz 3 1890 

201. Schwotzer, Mor., Bürgerschullehrer, Kl. Plauenschestr. 12 1891 

202. Seyde, F. Ernst, Kaufmann, Strehlenerstr. 29 ... 1891 

203. Seyler, Heinr., Dr. phil., Chemiker, Hohestr. 50 1905 

204. Simon, H. Jos., Dr. phil., Assistent an der K. Pflanzenphysiologischen Ver- 

suchstation, Reifsigerstr. 15 1904 

205. Sporbert, Erich, Gymnasiallehrer, Bankstr. 5 1908 

206. Stadelmann, Heinr., Dr. med., Niirnbergerstr. 45 1905 

207. Stauss, Walt., Dr. phil., Chemiker der städtischen Gaswerke, Pillnitzerstr. 57 1885 

208. Stein, Max, Kaufmann, Bischofsweg 100 1909 

209. Stiefelhagen, Hans, Bezirkschullehrer, Albrechtstr. 3 1897 

210. Stresemann, Rieh. Theod., Dr. phil., Apotheker, Residenzstr. 42 1897 

211. Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer, Struvestr. 8 1898 

212. Täger, E. H., Geh. Forstrat, Kaitzerstr. 64 1908 

213. Tedesco, Adolf, Fabrikdirektor a. D., Blasewitz, Forsthausstr. 4 1903 

214. Tempel, Paul, Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, Mark- 

grafenstr. 37 1891 

215. Teucher, O. Alfr., Oberlehrer am König Georg- Gymnasium, Barbarossastr. 17 1907 

216. Thallwitz, Joh., Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der Annenschule, Mathildenstr. 6 1888 

217. Thiele, Herrn., Dr. phil., Chemiker, Privatdozent an der K. Technischen Hoch- 

schule, Winckelmannstr. 27 1895 

218. Thiele, Karl, Apotheker, Leipzigerstr. 82 1900 

219. Thümer, Ant. Jul., privat. Institutsdirektor, Blasewitz, Residenzstr. 12 . . 1872 

220. Toepler, Aug., Dr. phil. et med., Geh. Rat, Professor a. D., Reichenbachstr. 9 1877 

221. Toepler, Max, Dr. phil., Professor an der K. Techn. Hochschule, Uhlandstr.40 1896 


XII 


Jahr der 
Aufnahme. 


222. Tschaplowitz, Friedr., Dr. phil., Privatmann, Pfotenhauerstr. 51 .... . 1906 

223. Ulbricht, F. Rieh., Dr. phil., Geh. Banrat, Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Hettnerstr. 3 1885 

224. Yiehmeyer, Hugo, Bezirkschullehrer, Reissigerstr. 21 1898 

225. Yieth, Joh. von, Dr. phil., Professor, Oberlehrer am K. Gymnasium zu Neustadt, 

Arndtstr. 9 1884 

226. Yogel, G. Klemens, Bezirkschullehrer, Lindenaustr. 25 1894 

227. Yoigt, Alban, Privatmann, Münchnerstr. 34 1909 

228. Yorländer, Herrn., Privatmann, Parkstr. 2 1872 

229. Wagner, A. Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der I. Realschule, Eisenacherstr. 13 1897 

230. Wagner, M. Joh., Dr. phil., Bürgerschullehrer, Burgsdorffstr. 13 1903 

231. Walther, Reinhold Freiherr von, Dr. phil., Professor an der K. Technischen 

Hochschule, Münchnerstr. 15 1895 

232. Weber, Friedr. Aug., Institutsoberlehrer, Zirkusstr. 34 1865 

233. Weber, Rieh., Dr. phil., Nahrungsmittelchemiker, Loschwitz, Leonhardistr. 5 1893 

234. Weigel, Joh., Kaufmann, Marienstr. 12 1894 

235. Werner, Friedr., Dr. phil., Oberlehrer an der Dreikönigschule, Johannstädter 

Ufer 12 1902 

236. Werther, Joh., Dr. med., Oberarzt am Stadtkrankenhause, Eisenstuckstr. 44 1896 

237. Wiechel, Hugo, Oberbaurat, Bismarckplatz 14 1880 

238. Winzer, Hugo, Dr. phil., Privatmann, Mockritzerstr. 6 1903 

239. Wirth, Herrn., Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der I. Realschule, Borsbergstr. 19 1907 

240. Witting, Alex., Dr. phil., Prof., Oberlehrer an der Kreuzschule, Waterloostr. 13 1886 

241. Wobst, Karl, Professor, Oberlehrer a. D., Ammonstr. 78 1868 

242. Wolf, Theod., Dr. phil., Privatgelehrter, Hohestr. 62 1891 

243. Zielke, Otto, Apotheker, Altmarkt 10 1899 

244. Zinimermann, Rieh., Dr. phil., Chemiker, Altenbergerstr. 3 1908 

245. Zipfel, E. Aug., Bezirkschuldirektor, Zöllnerstr. 7 1876 

246. Zschuppe, F. Aug., Oberlandmesser, Holbeinstr. 15 1879 

B. Aufserhall) Dresden. 

247. Arldt, Th., Dr. phil., Realschuloberlehrer in Radeberg, Badstr. 8 1906 

248. Beck, Ant. Rieh., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt .... 1896 

249. Boxberg, Georg von, K. Kammerherr, Rittergutsbesitzer auf Rehnsdorf . . 1883 

250. Brand, Willy, akadem. Bildhauer, Tolkewitz, Dresdnerstr. 31 1908 

251. Carlowitz, Karl von, K. Kammerherr, Majoratsherr auf Liebstadt .... 1885 

252. Dietel, E., Hauptmann und Batteriechef im K. Sachs. Feldartillerieregiment 

Nr. 28 in Pirna 1902 

253. Döring, Horst von, K. Oberförster in Klotzsche - Königswald , Gartenstr. 6 1905 

254. Engelhardt, Rud., Dr. phil., Dipl. - Chemiker in Oberlöfsnitz, Reichsstr. 19 . 1896 

255. Escherich, K., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt . 1907 

256. Fritzsche, Felix, Privatmann in Niederlöfsnitz, Wilhelmstr. 2 1890 

257. Gebier, Walter, Fabrikbesitzer in Pirna, Mühlenstr. 10-12 1904 

258. Hentschel, L. W., Dr. phil., Chemiker, Löfsnitzgrund 1902 

259. Hoffmann-Lincke, Max, Privatmann in Radebeul, Leipzigerstr. 17 ... . 1902 

260. Jentsch, Joh. Aug., emer. Lehrer in Klotzsche, Königsbrückerstr. 86 . . . 1885 

261. Jentzsch, Albin, Dr. phil., Fabrikbesitzer in Radebeul, Goethestr. 34 . . 1896 

262. Kesselineyer, Charles, Privatmann in Bowdon, Cheshire 1863 

263. Mammen, F., Dr. phil., Forstassessor, Privatdozent an der K. Forstakademie 

in Tharandt 1902 

264. Neger, Frz. Willi., Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1905 

265. Sanner, Hugo, Bergrat, Radebeul, Wasastr. 68 1908 

266. Schreiber, Albert, Dr. ing., K. Bauamtmann in Niedersedlitz 1907 

267. Seidel, T. J. Rud., Kunst- und Handelsgärtner in Grüngräbchen .... 1899 

268. Siegert, Theod., Bergrat, Professor, Radebeul, Gabelsbergerstr. 1 . . . . 1895 

269. Thiermann, Rud., Forstassessor, Assistent an der K. Forstakademie in 

Tharandt 1906 

270. Yater, Heinrich, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1882 

271. Wanderer, Karl, Dr. phil., Direktorialassistent am K. Miner.- geolog. Museum 

nebst der Prähistor. Sammlung, Tolkewitz, Dresdnerstr. 31 ..... . 1906 

272. Weinmeister, Joh. Philipp, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor an der K. Forst- 


akademie jn Tharandt . ............ 1900 


XIII 


Jahr der 
Aufnahme. 

273. Wislicenus, Adolf, Dr. phil., Professor an der K. Forstakademie in Tharandt 1899 

274. Zetzsche, Frz., N ahrungsmittelchemiker, Assistent an der Techn. Prüfung- 

stelle der K. S. Zoll- und Steuerdirektion, Kötzschenbroda, Schützenstr. 19 1906 


III. Korrespondierende Mitglieder. 

1. Albert!, Osk. von, Regierungsrat, Badedirektor in Elster 1890 

2. Altenkirch, Gust. Mor., Dr. phil., Realschullehrer in 0 schätz ...... 1892 

3. Amthor, K. E. A., Dr. phil., in Hannover 1877 

4. Ancona, Cesare de, Dr., Professor am R. Instituto di studi superiori in Florenz 1863 

5. Ardissone, Frz., Dr. phil, Professor an der Ackerbauschule in Mailand . . 1880 

6. Artzt, Ant., Vermessungsingenieur in Plauen i. V. . 1883 

7. Ascherson, Paul, Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Prof, an der Universität in Berlin 1870 

8. Bachmann, Ew., Dr. phil., Prof., Konrektor der Realschule in Plauen i. V. . . 1883 

9. Baltzer, Armin, Dr. phil., Professor an der Universität in Bern 1883 

10. Barth, Rieh., Dr. phil., Institutsoberlehrer in Leipzig . 1903 

11. Beck, K. R., Dr. phil, Oberbergrat, Prof, an der K. Bergakademie in Freiberg 1908 

12. Bernhard!, Joh., Landbauinspektor in Altenburg . 1891 

13. Bibliothek, Königliche, in Berlin . 1882 

14. Blaschka, Rud., naturwissensch. Modelleur in Hosterwitz ....... 1880 

15. Blochmann, Rud., Dr. phil., Physiker am Marinelaboratorium in Kiel . . . 1890 

16. Bureau, Ed., Dr., Professor am naturhistor. Museum in Paris 1868 

17. Capelle, G., Apotheker in Springe 1903 

18. Carstens, K. Dietr., Ingenieur in Varel . 1874 

19. Conwentz, Hugo Wilh., Dr. phil., Professor, Direktor des Westpreuss. Pro- 

vinzialmuseums in Danzig 1886 

20. Danzig, Emil, Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Realschule in Rochlitz 1883 

21. Dathe, Ernst, Dr. phil., Geh. Bergrat, K. Preufs. Landesgeolog in Berlin . 1880 

22. Dittmarsch, Alfr. Ludw., Bergschuldirektor in Zwickau 1870 

23. Doss, Bruno, Dr. phil., Professor am Kais. Polytechnikum in Riga .... 1888 

24. Dzieduszycki, Wladimir Graf, in Lemberg 1852 

25. Eisei, Rob., Privatus in Gera 1857 

26. Flohr, Konrad, Amtsgerichtsrat in Leipzig 1879 

27. French, C., Esqu., Governement Entomologist in Melbourne 1877 

28. Friederich, A., Dr. med., Sanitätsrat in Wernigerode 1881 

29. Friedrich, Osk., Dr. phil., Professor, Konrektor des Gymnasiums in Zittau . 1872 

30. Fritsch, Ant., Dr. med., Professor, Direktor a. D. des böhm. Landesmus. in Prag 1867 

31. Gaudry, Alb., Dr., Membre de lTnstitut, Prof, am naturhist. Mus. in Paris 1868 

32. Geheeb, Adelb., Apotheker in Freiburg i. Br 1877 

33. Geinitz, Frz. Eug., Dr. phil., Professor an der Universität in Rostock . . . 1877 

34. Gonnermann, Max, Dr. phil., Apotheker und Chemiker in Rostock . . . 1865 

35. Groth, Paul, Dr. phil., Geh. Rat, Professor an der Universität in München . 1865 

36. Haupt, Hugo, Dr. phil., Chemiker in Bautzen 1902 

37. Heim, Alb., Dr. phil., Professor an der Universität und am Polytechnikum in Zürich 1872 

38. Heine, Ferd., K. Domänenpächter und Klostergutsbesitzer auf Hadmersleben 1863 

39. Hennig, Georg Rieh., Dr. phil., Professor am Kais. Polytechnikum in Riga . 1888 

40. Herb, Salinendirektor in Traunstein ............... 1862 

41. Herrmann, Wilh., Dr. theol. et phil., Professor an der Universität in Marburg 1862 

42. Hibsch, Emanuel, Dr. phil., Prof, an der Höh. Ackerbauschule in Liebwerd 1885 

43. Hilgard, W. Eug., Professor an der Universität in Berkeley, Kalifornien . . 1869 

44. Hofmann, Herrn., Bürgerschullehrer in Grofsenhain 1894 

45. Hottenroth, Isidor R. M., Lehrer in Gersdorf 1903 

46. HuH, Ed., Dr., Professor in London 1870 

47. Issel, Arth., Dr., Professor an der Universität in Genua . 1874 

48. Jentzscb, Alfr., Dr. phil, Geh. Bergrat, Prof., K. Preufs. Landesgeolog in Berlin 1871 

49. Kesselmeyer, Wilh., in Manchester 1863 

50. Kirbach , Fr. Paul, Dr. phil., Oberlehrer an der Realschule in Meifsen . . 1894 

51. Klein, Herrn., Herausgeber der „Gaea“ in Köln 1865 

52. Köhler, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer a. D. in Schneeberg 1858 

53. König von Warthausen, W. R. Freiherr von, Kammerherr auf Warthausen . 1855 

54. Krebs, Wilh., Privatgelehrter in Altona 1885 

55. Krieger, W., Lehrer in Königstein . .... , f . , ...... . 1888 


XIV 


56 . 

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106. 

107. 

108. 


. Jahr der 
Aufnahme, 

Krutzsch, Herrn., K. Oberforstmeister in Auerbach 1894 

Kyber, Arth., Chemiker in Riga 1870 

Lanzi, Matthaeus, Dr. med., in Rom 1880 

Lefevre, Theod., Dr., in Brüssel 1876 

Leonliardt, Otto Emil, Seminaroberlehrer in Nossen 1890 

Liittke, Joh., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Hamburg 1884 

Mann, Otto, Dr. phil., Kais. Regierungsgeolog in Viktoria, Kamerun . . . 1903 

Mehnert, Ernst, Dr. phil., Seminaroberlehrer in Pirna 1882 

Menzel, Karl, Geh. Bergrat, Bergamtsrat a. D. in Ereiberg 1869 

Möller, Valerian von, Kais. Russ. Staatsrat, Oberberghauptmann in Petersburg 1869 

Müller, Herrn. Otto, K. Oberförster in Unterwiesenthal 1896 

Müller, K. Alb., Dr. phil., Professor, Oberlehrer an der Realschule in Pirna 1888 

Muhle, Willy, Dr. phil., Realschuloberlehrer in Kamenz 1905 

Naschold, Heinr., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Aussig. ........ 1866 

Naumann, Emst, Dr. phil., Greolog in Berlin 1898 

Naumann, Herrn., Professor an der Realschule in Bautzen 1884 

Nohhe, Eriedr., Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof, an derK. Forstakademie in Tharandt 1864 

Oshorne, Wilh., Privatmann in München 1876 

Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker in München 1898 

Papperitz, Erw., Dr. phil., Oberbergrat, Prof, an der K. Bergakad in Freiberg 1886 

Peschei, Ernst, Lehrer in Nünchritz 1899 

Petrascheck, Wilh., Dr. phil., K. K. Sektionsgeolog in Wien 1900 

Pigorini, L., Dr., Professor an der Universität und Direktor des Kirche- 

rianischen Museums in Rom 1876 

Prasse, Ernst Alfr., Betriebsingenieur a. D. in Leipzig 1866 

Rathsburg, A., Dr. phil., Oberlehrer in Chemnitz 1906 

Rehmann, Antoni, Dr., Professor an der Universität in Lemberg .... 1869 

Reiche, Karl, Dr. phil., in Santiago, Chile . 1886 

Reidemeister, K., Dr. phil., Fabrikdirektor in Schönebeck 1884 

Schimpfky, Paul Rieh., Lehrer in Lommatzsch 1894 

Schlaginhaufen, Otto, Dr. phil., wissenschaftl. Hilfsarbeiter am K. Zoolog, und 
Anthrop.-ethnogr. Museum in Dresden, z. Z. in Simpsonhafen, D. Neuguinea 1907 
Schnorr, Veit Hans, Professor und Konrektor a. D. in Zwickau .... 1867 

Scott, Dr. phil., Direktor der Meteorological Office in London 1862 

Seidel, Osk. Mor., Seminaroberlehrer in Zschopau 1883 

Seidel, Heinr. Bernh., Seminaroberlehrer in Zschopau 1872 

Seidlitz, Georg von, Dr. phil., in Ludwigsort bei Königsberg i. Pr. . . . 1868 

Sieber, Georg, Privatus in Niederlöfsnitz 1879 

Stephani, Franz, Kaufmann in Leipzig 1893 

Sterzei, Joh. Traug., Dr. phil., Professor, Direktor der städt. naturwiss. 

Sammlung in Chemnitz 1876 

Steuer, Alex., Dr. phil., Bergrat, Grofsherzogl. Hess. Landesgeolog inDarmstadt 1888 
Stevenson, John J., Professor an der University of the City in New -York 1892 
Temple, Rud., Direktor des Landesversicherungamts in Budapest .... 1869 

Thümer, K. A., Dr. med. in Karlshorst bei Berlin 1904 

Ulrich, George, Dr. phil., Prof, an der Universität in Dunedin, Neu-Seeland 1876 

Umlauf, Karl, Dr. phil., Professor in Hamburg. . 1897 

Vetters, K., Dr. phil., Prof, an den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz 1884 
Voigt, Bernh., Steuerrat, Bezirksteuerinspektor a. D. in Oberloschwitz . . 1867 

V oretzsch, Max, Dr. phil. , Prof, am Herzog!. Ernst-Realgymnasium in Altenburg 1893 

Weinland, Dav. Friedr., Dr., in Hohen Wittlingen bei Urach 1861 

Weise, Aug., Buchhalter in Ebersbach 1881 

Welemensky, Jak., Dr. med. in Prag 1882 

White, Charles, Dr., Kurator am National -Museum in Washington . . . 1893 

Wicke, Fritz, Dr. phil., Realschullehrer in Chemnitz 1905 

Worgitzky, E. Grg., Dr. phil., Oberlehrer in Frankfurt a. M. . . * . . . 1894 


Ernst Fürchtegott Zschau. 

In Plauen -Dresden, wohin er sich nach langem arbeitsreichen Leben 
im hohen Alter zurückgezogen hatte, um während seiner letzten Jahre 
dem nach diesem Orte benannten Grunde, welchem er einen grofsen Teil 
seiner Zeit und Kraft gewidmet, nahe sein zu können, verschied am 29. April 
dieses Jahres unser Ehrenmitglied E. F. Zschau. Den Jüngeren unter 
uns nur dem Namen nach bekannt, steht er den Alteren noch frisch im 
Gedächtnis da als Forscher, Lehrer und Charakter. 

Geboren wurde er am 8. November 1828 in dem nördlich von Leisnig 
gelegenen Dorfe Zschoppau, wo sein Vater ein Gärtnergütchen besafs. 
Hier verbrachte er unter der Obhut der um ihn besorgten Eltern die ersten 
Lebensjahre in der Einfachheit und Freiheit, wie sie das Land bietet, be- 
suchte später auch die Schule des Ortes, welche in ihrer Einrichtung und 
Leistungsfähigkeit weit abstand von den Schulen der Jetztzeit. Gar bald 
erkannte man sein frisches Auffassungsvermögen wie seinen eifrigen Lern- 
trieb, denen jedoch unter obwaltenden Verhältnissen nicht genügende 
Förderung zuteil wurde, weshalb ihn die Eltern mit dem 9. Jahre zum 
Grofsvater, dem Kirchschullehrer von Colm, brachten. Dieser nahm sich 
seiner weiteren elementaren Ausbildung mit Eifer an und der Enkel ver- 
galt die treue Tat durch immer wachsende Strebsamkeit. Das stille bäuer- 
liche Hinleben gefiel ihm bald nicht mehr, Sehnsucht nach Befriedigung 
seines Wissensdurstes erfafste ihn und so entstand der Wunsch, auf einer 
höheren Schule weiter arbeiten zu können. Das freilich war leichter ge- 
dacht als getan. Woher sollten die Mittel kommen? Nur einen Teil der- 
selben vermochten die Eltern zu bestreiten, im übrigen mufste man sich 
auf Gott und gute Menschen, besonders auch auf die Selbsthilfe unseres 
Zschau verlassen. Doch mit der ihm eigenen Energie setzte er seinen 
Willen durch und bezog, 14 Jahre alt, die damalige technische Bildungs- 
anstalt zu Dresden, die wir als Keim der heutigen Technischen Hochschule, 
welche sich infolge der grofsartigen Entwickelung des technischen Wissens 
und Könnens wie der Bedürfnisse der Zeit organisch aus ihr gestaltet 
hat, ansehen müssen. Hier war Zschau in seinem Elemente. Die Vorträge 
und Übungen seiner Lehrer Seebeck, von dem er stets mit Begeisterung 
sprach, und des damals jugendlichen H. B. Geinitz, dem er bis zu dessen 
Tode treu zugetan war, fesselten ihn am meisten und liefsen in ihm den 
Entschlufs reifen, Lehrer zu werden. Nach Vollendung seiner Studien trat 
er als solcher zunächst in das Institut seines Onkels Kallunsky ein, 
Michaeli 1846 aber in das des bekannten Pädagogen Blochmann, der seine 


XVI 


Liebe zu Schule und Erziehung im unmittelbaren Umgänge mit Pestalozzi 
genährt hatte. Ostern 1854 erkrankte er schwer am Typhus, was zur 
Folge hatte, dafs er zwei lange schwere Jahre ohne feste Stellung war. 
In dieser Zeit unterrichtete er in verschiedenen Anstalten, z. B. in dem 
Freimaurerinstitut für Knaben, in dem von Käufer, von Dzondi u. a., hielt 
auch vor einem Lehrerkreise Vorlesungen über Mineralogie. Eine feste 
Anstellung als Oberlehrer ward ihm darauf wieder im Jahre 1857 an der 
Öffentlichen Handelslehranstalt der Dresdner Kaufmannschaft, der er bis 
zu seiner Pensionierung im Jahre 1891, nachdem er mit dem Titel „Pro- 
fessor“ ausgezeichnet worden war, treu blieb. In allen diesen Stellungen 
zeigte er, dafs er von der Natur zum Lehrer bestimmt sei und leistete 
Bedeutendes. Einfachheit und Anschaulichkeit strebte er in erster Linie 
an; Wortgeklingel war ihm zuwider; immer galt ihm die Sache allein. 
Er hatte sich seine eigene Methode herausgebildet, unbekümmert um die 
Regeln, welche andere festgestellt, wobei er freilich in der Unterschätzung 
derselben manchmal zu weit ging. Selbständigkeit, bisweilen starre, war 
ihm eben eigen. 

In den von Amts- und Familienpflichten freien Stunden gab er sich 
seiner Lieblingswissenschaft, der Mineralogie hin. Seine ersten Sammel- 
studien vollzog er an den Geschieben und Gerollen der Weifseritz, bald 
aber richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Steinbrüche des Plauen- 
schen Grundes, zu denen er während langer Jahre fast Tag für Tag 
wanderte, da suchend und forschend, die Arbeiter zum Sehen und Sammeln 
anleitend. Bald war er in diesem Gebiete der Herrscher, dem kein Vor- 
kommnis verborgen blieb; bald arbeitete er sich zu einem Kenner der im 
Syenit auftretenden überaus zahlreichen Mineralien empor, wie es vordem 
und nachdem keinen besseren gegeben hat. Seine Tätigkeit blieb nicht 
verborgen, sein Ruf drang rasch über Dresdens und Sachsens Grenzen 
hinaus und brachte ihm ihn ehrende Verbindungen mit Männern der 
Wissenschaft in der Nähe und Ferne, wie zahlreiche Besuche von solchen, 
die seine Schätze kennen lernen wollten. Wer ihn freilich dabei nur als 
Mineralienhändler behandelte — einen regen Vertrieb von Steinen aller 
Herren Länder hatte er eingerichtet — , den wufste er kurz und bisweilen 
schroff abzufertigen mit dem Worte, dafs bei ihm nichts zu finden, noch 
weniger zu lernen sei. Da half kein Bitten; die Kästen blieben ver- 
schlossen. Ihm selbst aber brachte dies Auftreten bei manchem den Ruf 
eines unnahbaren Mannes ein. 

Während der Ferien durchwanderte er alljährlich die verschiedensten 
Gegenden des Erzgebirges, in denen er auf Schächten den Steigern und 
Beamten, in Steinbrüchen den Betriebsleitern und Arbeitern nur zu be- 
kannt wurde, überall von dem Gefundenen das Beste erwerbend. So blieb 
er frei von Einseitigkeit. Ganz besonders zog es ihn nach Norwegen. Im 
Jahre 1851 trat er seine erste Reise dahin an, die ihn u. a. mit Forch- 
hammer, von dem er stets mit grofser Liebe sprach, zusammenbrachte. 
Sechs andere folgten im Laufe der Zeit, die eine in Gesellschaft von 
Professor Scheerer in Freiberg. Reiche Schätze brachte er heim für sich 
und für andere, u. a. das eine Mal für die Universitätsammlung zu Strafs- 
burg, der damals unser ehemaliges Mitglied Professor Groth Vorstand, ein 
andermal für die Universität München, die ihn dafür mit der Überweisung 
einer Medaille ehrte. Einmal jedoch war sein Mühen umsonst gewesen, 
da das Schiff, dem er zwei Kisten übergeben, unterging, während er. 


XYII 


durch einen Zufall gezwungen, mit einem anderen zu fahren, mit dem 
Leben davon kam. Dies hatte auf seine Gattin einen tiefen Eindruck ge- 
macht. Als er beschlossen, noch einmal, des letzte Mal, den Norden auf- 
zusuchen, wollte sie ihn nicht allein reisen lassen, sondern ihm den Sohn, 
der damals Heeresdienst leistete, als Begleiter zuweisen. Ein Gesuch um Be- 
urlaubung desselben für diesen Zweck wurde von den militärischen Behörden 
abgewiesen, aber vom König, dem sie darauf ihre Bitte vorgetragen, bewilligt. 
Auch Tirol und Salzburg hat er für seine Zwecke besucht. Gern erzählte 
er von all diesen Reisen und einmal machte er uns den Vorschlag, mit 
ihm in die Alpen zu gehen, ein gemeinschaftliches Standquartier einzunehmen, 
von dem aus die Geologen, Mineralogen, Zoologen und Botaniker am Morgen 
vereinzelt nach den für ihre Zwecke geeigneten Lokalitäten ausziehen 
möchten, um, am Abend zurückgekehrt, Rechenschaft über ihr Beobachten 
und Sammeln abzulegen. Leider ist der mit viel Beifall aufgenommene 
Vorschlag nicht ausgeführt worden. 

Von all diesen Fahrten und Reisen hat die Isis nennenswerten Nutzen 
gehabt. Das Beste vom Besten legte er ihr vor, und wie oft das geschah, 
erzählen ihre Berichte. Während er bemüht war, die Fesseln seines Pakets 
zu lösen und die Mineralstücke von ihren Hüllen zu befreien, sprach er 
einleitende Worte, in denen er bat, nicht viel erwarten zu wollen; dann 
aber erfolgte seine stets willkommen geheifsene Erläuterung, nicht von 
oben herab und über die Köpfe hinweg, sondern in entwickelnd elemen- 
tarer Weise, wie sie vorher in seinem Geiste erwachsen war. Auch hier 
zeigte er den trefflichen Lehrer. Wie sehr man ihn und seine Belehrungen 
schätzte, ersieht man daraus, dafs man ihn während vieler Jahre meist neben 
Geinitz zum Vorsitzenden der Sektion für Mineralogie und Geologie ernannte. 
Ihren Dank trug die Gesellschaft ab, indem sie ihn im Jahre 1908, nachdem 
er 59 Jahre Mitglied derselben gewesen, zu ihrem Ehrenmitgliede ernannte. 

Leider hat er sich über seine Forschungen fast gar nicht schriftlich 
verbreitet. Wie oft habe ich ihn gebeten, eine Arbeit, in der er sein 
reiches Wissen von den Mineralien des Plauenschen Grundes zusammen- 
fassen möge, zu veröffentlichen. Stets verwies er auf späterhin; das 
Späterhin kam aber nie, und so ist uns leider eine Quelle reicher Erfahrung 
verschlossen geblieben. Von seinen Veröffentlichungen seien genannt: 

Einige Bemerkungen über den Basalt. (Progr. d. Blochmannschen Erziehungsanstalt 1849.) 
Über die Mineralien des Syenits im Plauenschen Grunde bei Dresden. (Allg. naturh. 
Zeitung 1856/57.) 

Ueber einen Monazit aus Norwegen. (Allg. naturh. Zeitung 1857.) 

Bemerkungen über ein neues Vorkommen des Orthits im Plauenschen Grunde bei 
Dresden mit besonderer Hinsicht auf die Orthit-Fundstätten auf Hitteroe in Nor- 
wegen. (N. Jahrb. f. Min. 1852.) 

Bemerkungen über das Vorkommen der phosphorsauren Yttererde in den Gang-artigen 
Graniten des Norits auf Hitteroe in Norwegen. (N. Jahrb. f. Min. 1855.) 
Avanturinfeldspath und Orthoklasfeldspathe Norwegens. (Sitzungsber. d. Isis 1869.) 
Kupfervorkommen im Syenite des Plauenschen Grundes. (Sitzungsber. d. Isis 1883.) 
Analcim im Syenite des Plauenschen Grundes. (Sitzungsber. d. Isis 1883.) 

Bemerkungen über den Quarz im Syenite des Plauenschen Grundes. (Festschrift d. Isis 
zur Feier ihres 50jährigen Bestehens 1885.) 

Bemerkungen über den Quarz im Syenite des Plauenschen Grundes. (Abh. d. Isis 1892.) 
Die Zeolithe im Syenitgebiete des Plauenschen Grundes bei Dresden. (Abh. d. Isis 1893.) 
Ein Titanit- Abkömmling im Syenite des Plauenschen Grundes bei Dresden. (Abh. d. Isis 1893.) 


XVIII 


Es gehörte längeres Bekanntsein mit ihm dazu, ihn richtig einzuschätzen. 
Wer den stillen, gegen Fremde verschlossenen Mann auf der Strafse mit 
zum Boden gesenkten Augen, unbekümmert um das, was um ihn vorging, 
langsamen aber festen Schrittes dahinschreiten sah, ahnte den Reichtum 
nicht, den seine Seele barg. Wen er länger beobachtet und schätzen ge- 
lernt, den liefs er tiefe Blicke in sein Inneres tun, dem gab er kund, was 
ihn bewegte, freilich bisweilen in einer ihm eigenen, andere befremdenden 
Weise. Seine tief religiöse und durch und durch sittliche Natur ent- 
rollte sich dann. Gottesfurcht, Wahrheitsliebe, Hochschätzung alles 
Guten und Schönen, besonders tiefer Natursinn und erquickende Freude 
an der Natur traten zutage. Es erscheint so, als habe ihm mit pro- 
phetischem Blicke in die Zukunft der Vater die Namen Ernst Eürchtegott 
gegeben. Besonders dankbar war er für das, was seiner Entwicklung das 
Studium der Naturwissenschaften geboten; den Afterglauben von der All- 
macht der Sprachen teilte er nicht und herbe Worte entflossen seinem 
Munde, wenn er Überschwängliche im philologischen Lager behaupten 
hörte, dafs ideales Denken und ideale Gesinnung nur durch das Studium 
der griechischen Sprache erweckt werden könnten. Feind war er aller 
konventionellen Rechtgeberei. Bisweilen behauptete er, um die Selbständig- 
keit im Denken einzelner zu prüfen, das Gegenteil von dem, was er für 
wahr hielt, und helle Freude brachte ihm dann eine lebhafte Opposition. 
Feind war er auch dem Herumwerfen mit gelehrten Brocken, das einen 
Schein der Gelehrsamkeit erwecken sollte, wie dem Mifsbrauch von Fremd- 
wörtern, denn deutsch dachte er und deutsch wollte er auch sprechen. 
Nachtragend konnte er nicht sein. Zum Beweise nur ein Stückchen. Ich 
hatte an einem Sonntage mit Schülern eine Exkursion in sein Reich unter- 
nommen, wobei einer derselben auf dem Strohdache einer Arbeiterhütte 
Stücke Syenits, übersäet von grofsen und selten schönen Titaniten, ent- 
deckte. Soviel ich nur fortzuschleppen vermochte, nahm ich mit heim, in 
der festen Meinung, dafs sich solche Gelegenheit wohl nie wieder bieten 
würde, die anderen den anderen überlassend. Als nun später gelegentlich 
einer in Dresden tagenden Geologenversammlung eine Exkursion in Zschaus 
Gebiet unternommen worden war und nach gröfseren Titaniten Verlangen 
laut wurde, erzählte er, wie er an einem Sonnabend, weil schon über- 
mäfsig bepackt, den Arbeitern Befehl gegeben, die ob ihrer Schönheit von 
ihm bewunderten Stücke zu verbergen, damit er sie am Montage abholen 
könne, und wie er erschienen, — sei alles verschwunden gewesen. Als ich 
nun gestand, dafs ich der Dieb sei, traf mich nur ein durchbohrender 
Blick und rasch warf er mir entgegen: „Wenn sie nur in die rechten 
Hände gekommen sind!“ Was hätte wohl ein anderer in gleicher Lage 
getan? Er liefs es dabei bewenden. Auf unser Verhältnis zu einander 
warf meine Sünde nicht den geringsten Schatten. Noch sei hervorgehoben, 
dafs er verschiedenen höheren Schulen Suiten von Vorkommnissen aus dem 
Plauenschen Grunde in uneigennützigster Weise als Geschenk überwies, 
damit reifere Schüler derselben eine Ahnung von dem bekämen, was die 
nächste Nähe ihnen böte. Sehr einfach war seine Lebensweise; äufsere 
Ehren liefsen ihn kalt; von Familie, Natur und Wissenschaft beglückt 
schritt er durchs Leben als ein Original, wie er oft genannt wurde, jedoch 
frei von aller Karikatur. 

Hatte er lange Zeit als ein Bild der körperlichen Gesundheit vor uns 
gestanden, so ergriff uns vor neun Jahren die Nachricht schmerzlich, dafs 


XIX 


er plötzlich schwer erkrankt sei. Bei seiner Übersiedelung nach Plauen 
mufste er in der Chaise in das neue Heim getragen werden. Dort er- 
fafste die Beine eine gewaltige Schwäche, weshalb er fortan nach seinen 
geliebten Brüchen im Grunde von seinen Töchtern, deren unermüdliche 
Sorge um ihn er nicht genug zu rühmen wufste, im Fahrstuhl gebracht 
werden mufste. Dazu gesellte sich eine immer weiterschreitende Schwer- 
hörigkeit, die aber in den letzten Wochen seines Lebens auffallenderweise 
völlig wich. Sein Geist blieb dagegen frisch bis ans Ende und das Inter- 
esse an der Welt im allgemeinen wie am Leben in unserer Isis, der er im 
letzten Jahrzehnt fernzubleiben gezwungen war, erlosch in ihm nicht. Doch 
endlich kam der Tod auch an ihn heran. Sanft und schmerzlos ist er 
eingeschlummert. Sein Begräbnis bei hellem Sonnenschein versammelte noch 
einmal eine grofse Zahl seiner Freunde, Kollegen und Schüler um ihn. 
Schätze hat er nicht hinterlassen, wohl aber einen Schatz, seine grofs- 
artige Sammlung der Mineralien des Plauenschen Grundes, von der wir 
hoffen, dafs sie unzersplittert in unser Mineralogisches Museum überführt 
werden könne als ein grofsartiges Denkmal, das er sich selbst geschaffen. 
Er ruhe in Frieden! H. Engelhardt. 



Sitzungsberichte 

der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1909 , 



I. Sektion für Zoologie. 


Erste Sitzung am 14. Januar 1909. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
E. Lohr mann. — Anwesend 49 Mitglieder. 

Kustos Dr. B. Schorler legt vor: 

Hentschel, E. : Das Leben des Süfswassers. München 1909. 

Lehrer H. Viehmeyer trägt vor über Raupen und Ameisen. 

Der Vortragende berichtet über die verschiedenartigen Beziehungen, welche zwischen 
Raupen und Ameisen Vorkommen, und behandelt besonders ausführlich und auf Grund 
eigner Untersuchungen die Verhältnisse bei den Raupen der Lycaeniden. Die Zahl der 
myrmekophilen Raupen dieser Familie ist anscheinend sehr grofs. An Schnitten durch 
den Raupenkörper wird die Anatomie der Sekretions- und Duftorgane erläutert und 
gezeigt, dafs die Raupen der südafrikanischen Gattung Phasis in dieser Beziehung 
wesentlich von dem bekannten Typus abweichen. Ihre mit Haarpinseln ausgestatteten 
Exsudatgruben erinnern auffällig an ähnliche Gebilde bei den echten Gästen der Ameisen, 
sodafs die Vermutung nahe gelegt wird, dafs diese Raupen zu den eigentlichen Sym- 
philen gehören. Zum Schlüsse macht der Vortragende eine Lycaenidenpuppe aus Manila 
bekannt, die sich durch eine grofse, zu einem Becken erweiterte Exsudatöffnung aus- 
zeichnet. An Literatur wird vorgelegt: 

Hagmann, G. : Beobachtungen über einen myrmekophilen Schmetterling 
am Amazonenstrom. Biolog. Centralbl. 1907 ; 

Thomann, H. : Schmetterlinge und Ameisen. Naturf. Ges. Graubündens 
1900, 1908. 

Der Vorsitzende spricht über die Geweihbildung in der Familie 
der Hirsche. 


Zweite Sitzung am 11. März 1909. Vorsitzender: Lehrer H. Vieh- 
meyer. — Anwesend 78 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Escherich, K.: Die Termiten oder weifsen Ameisen. Braunschweig 1909. 

Darauf hält Prof. Dr. K. Escherich Vortrag über das gleiche Thema, 
indem er die hervorstechendsten Züge aus dem Leben der Termiten 
schildert und die Anschaulichkeit durch eine grofse Menge von Lichtbildern 
unterstützt. 


Dritte Sitzung am 13. Mai 1909. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
E. Lohr mann. — - Anwesend 54 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende gibt bekannt, dafs die Sammlung für die Ernst 
Häckel-Stiftung zum weiteren Ausbau des phylogenetischen Museums in 
Jena 85 Mark ergeben hat. 


4 


Dr. med. H. Stadelmann berichtet über seine Lichtversuche am 
Chamäleon. 

Es werden dargestellt die Wirkungen von rotem, gelbem, grünem, blauem und 
violettem Licht auf die Hautfarbe und den allgemeinen Körperzustand dieser Tiere. 

Lehrer H. Viehmeyer hält Vortrag über den gegenwärtigen Stand 
der Tierpsychologie. 

Unter Vorlage der wichtigsten älteren und neueren tierpsychologischen Literatur 
berichtet der Vortragende über die verschiedenen Auffassungen der Tierseele. Er kritisiert 
die einzelnen Richtungen im Anschlufs an Wundt und kommt zu folgendem Ergebnis: 
Tierseele und Menschenseele sind qualitativ gleich, sie sind Stufen ein und derselben 
Entwicklung, also nur graduell verschieden. Charakteristisch für die Tierseele ist das 
Vorherrschen der Instinkte und das Fehlen der abstrakten Denkformen. 


Am 19. Juni 1909 besichtigten 8 Mitglieder die Eiersammlung des 
Lehrers B. Hantzsch im Heimatkundlichen Schulmuseum, wobei Herr 
Hantzsch selbst die nötigen Erklärungen gibt. 

Die Sammlung enthält etwa 800 Arten, unter Bevorzugung der europäischen, die 
meisten in einer gröfseren Anzahl, sodafs die Schwankungen innerhalb derselben Art 
sehr deutlich zum Ausdruck kommen. 


II. Sektion für Botanik. 


Erste Sitzung am 21 . Januar 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt 35 von J. Ostermaier in Postkartenform her- 
gestellte, ausgezeichnete Bilder von Alpenpflanzen am natürlichen 
Standorte vor. 

Kustos Dr. B. Schorler spricht über Bereicherungen der Flora 
Saxonica in den Jahren 1906 — 1908. (Vergl. Abhandlung VIII des 
Jahrganges 1908.) 

Im Anschlufs hieran erwähnt Prof. Dr. F. Neger einen Fund von 
Scheuche eria - Früchten in einem Flachmoor bei Okrilla. 

Lehrer H. Stiefelhagen hält einen Vortrag über die Ergebnisse 
einer botanischen Sammelreise in die Seealpen, unter Vorlage 
reichhaltigen Herbarmaterials. 

Dasselbe wird auf iy 2 Woche im Herbarsaal ausgelegt, um den Floristen ein ein- 
gehenderes Studium der interessanten Pflanzensammlung zu ermöglichen. 


Zweite Sitzung am 18. März 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. 0. Drude. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste. 

Ingenieur R. Scheidhauer berichtet über R. H. France: „Das Leben 
der Pflanze“, Abt. II: Floristische Lebensbilder, Bd. 1, Algen, Pilze und 
Moose. Stuttgart 1908. 

Das Buch wendet sich weniger an den Fachmann, als an den gebildeten Liebhaber 
der Botanik. 


5 


Prof. Dr. F. Neger behandelt die Mutation parasitischer Pilze. 

An vielen Beispielen ist beobachtet worden, dafs Formen, die sonst nicht zu unter- 
scheiden sind, sich gleichen Wirtspflanzen gegenüber verschieden verhalten. Diese Er- 
scheinung ist in einzelnen Fällen auch künstlich hervorgerufen worden. Für Pleophagie, 
die Fähigkeit, sehr viele Wirte zu befallen, liegen eine Reihe von Beispielen vor. Bei 
Verschlagung in andere Erdteile wurde Erweiterung des Kreises der Wirtspflanzen beob- 
achtet. Eine andere interessante Erscheinung ist die Einengung des Entwicklungs- 
ganges durch Ausschaltung der Uredoform bei Rostpilzen. Zuletzt wird der Eichen- 
mehltaupilz erwähnt, der 1907 zum ersten Mal in Frankreich beobachtet wurde und sich 
seitdem weit über Europa verbreitet hat. 

Kustos Dr. B. Schorler legt vor: 

Wiesner, J.: Biologie der Pflanzen. Wien 1902; 

Ludwig, F. : Biologie der Pflanzen. Stuttgart 1895; 

Migula, W.: Pflanzen -Biologie. Leipzig 1908; 

Wagner, M.: Biologie unserer einheimischen Phanerogamen. Leipzig 1908; 

Sohns, Fr.: Unsere Pflanzen. Namenserklärung und Stellung im Volks- 
aberglauben. 4. Aufl. Leipzig 1907. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude bespricht die von Dr. B. Schorler 
bearbeitete neue Auflage von 0. Wünsche: ,,Die verbreitetsten Pflanzen 
von Deutschland“. 5. Aufl. Leipzig -Berlin 1909; 

ferner Rutger Sernander: „Monographie der europäischen Myrme- 
kochoren.“ Upsala- Stockholm 1906. 

Unter dem Namen Myrmekochoren werden Pflanzen verstanden, die unter Mit- 
wirkung von Ameisen verbreitet werden, - — eine Tatsache, die gröfsere Verbreitung und 
Bedeutung hat, als man bisher annahm; 

sowie eine von Dr. R. Pohle bearbeitete Lieferung der „Vegetations- 
bilder aus dem nördlichen Rufsland“ von Karsten und Schenk. 

Zur Erläuterung sind eine Reihe von Herbariumtafeln ausgelegt, die Dr. R. Pohle 
früher hier selbst zusammengestellt hat. Eine Anzahl seiner Vegetationsbilder wird 
als Lichtbilder vorgeführt. 

Vorgelegt wird noch, unter Hervorhebung einiger Probestellen: 

Warburg, 0., und von Someren-Brand, J. E.: Kulturpflanzen der Welt- 
wirtschaft. Leipzig 1909. 


Dritte Sitzung am 10. Juni 1909 (im Kgl. Botanischen Garten). 
Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 48 Mitglieder 
und Gäste. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag über das Chlorophyll und 
den Assimilationsprozefs unter dem Einflufs der Sonnen- 
bestrahlung und des Himmelslichtes. 

Photochemiker R. Jahr knüpft daran einige vergleichende Betrachtungen 
über diese Ergebnisse der Botanik und solche der Photochemie. 

An den Vortrag schliefst sich ein Rundgang durch den Botanischen 
Garten. 


6 


III. Sektion für Mineralogie nnd Geologie. 


Erste Sitzung am 4. Februar 1909. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 46 Mitglieder. 

Lehrer G. Schön fei d berichtet über einen neuen Stegocephalen- 
Fund aus dem sächsischen Rotliegenden und die entwicklungs- 
geschichtliche Stellung der Stegocephalen. 

Im Anschlüsse daran weist der Vorsitzende auf die neuen Arbeiten 
von Versluys- Giefsen über die Entwicklungsgeschichte der Sala- 
mander hin. 

Referat in der Naturwiss. Wochenschrift 1909, Nr. 3. 


Zweite Sitzung am 1. April 1909. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — - Anwesend 50 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Berg, A.: Einführung in die Beschäftigung mit der Geologie. Ein Weg- 
weiser für Freunde der geologischen Wissenschaft und Heimatkunde. 
Jena 1909; 

Wanderer, K.: Die wichtigsten Tierversteinerungen aus der Kreide des 
Königreichs Sachsen. Mit 12 Taf. und 11 Textfig. Jena 1909; 

März, Chr.: Das Diluvium der sächsischen Oberlausitz. Jahresber. der 
Drei-König-Schule Dresden 1909. 

Hierauf hält Oberlehrer Dr. Chr. März einen Vortrag über Eiszeiten 
und Moränen in der sächsischen Oberlausitz. 


Dritte Sitzung am 17. Juni 1909. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 31 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt widmet dem verstorbenen Ehrenmitgliede 
der Isis Prof. E. F. Zschau in Dresden einen Nachruf. (Vergl. S. XV.) 

Privatdozent Dr. O. Stutz er- Freiberg spricht unter Vorführung von 
Lichtbildern über seinen Sommeraufenthalt mit der kanadischen geo- 
logischen Landesanstalt in Alaska und Yukon 1908. 

Vergl. des Vortragenden Bericht im „Globus“ 1909, Bd. 95, Nr. 18 und 19. 


IY. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 18. Februar 1909. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. Deichmüller. Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. 

Schuldirektor H. Döring spricht über die steinzeitliche Besiede- 
lung der Gegend um Leipzig, unter Hinweis auf die neueste, über 
diesen Gegenstand erschienene Schrift von 

Näbe, M.: Die steinzeitliche Besiedelung der Leipziger Gegend unter be- 
besonderer Berücksichtigung der Wohnplatzfunde. Veröffentl. städt, 
Mus. f. Völkerkunde Leipzig, Heft 3, 1908. 


7 


Im Anschlufs hieran erläutert der Vorsitzende seine von der M. Nahes 
abweichende Ansicht über das Alter der keramischen Gruppen der 
jüngeren Steinzeit. 

Oberlehrer M. Klahr berichtet über die La Tene-Funcle der Leip- 
ziger Gegend, unter Zugrundelegung der Arbeit von 

Jakob, K.: Die La Tene-Funde der Leipziger Gegend, ein Beitrag zur 
vorgeschichtlichen Eisenzeit der Leipziger Tieflandsbucht. Jahrb. städt. 
Mus. f. Völkerkunde Leipzig, Bd. II, 1907. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller legt eine Anzahl prächtiger La Tene- 
Funde aus dem Gräberfelde von Cröbern bei Leipzig vor, welche in 
neuerer Zeit von der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden erworben 
worden sind. 


Zweite Sitzung am 22 . April 1909. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller. — Anwesend 51 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt folgende Bücher vor: 

Eichhorn, G.: Die paläolithischen Funde von Taubach in den Museen zu 
Jena und Weimar. Festschrift zum 350jähr. Jubil. d. Univers. Jena. 
Jena 1909 ; 

Bericht über die Prähistoriker -Versammlung am 23. — 31. Juli 1907 zur 
Eröffnung des anthropologischen Museums in Cöln. Cöln 1908, 

sowie einige der Bibliothek der K. Prähistorischen Sammlung vor 
kurzem geschenkte Originalzeichnungen zu dem Werke von 

Bär, J. K . : Die Gräber der Liven. Dresden 1850. 

Durch Forstassessor A. Bruhm kommen zur Vorlage mehrere Ge- 
fäfse des Lausitzer Typus aus einem Hügelgrabe der Gegend von 
Merseburg, 

durch Schuldirektor H. Döring zwei durchlochte Äxte aus Feld- 
spatamphibolit, bez. Diabas aus der Flur Wachau bei Radeberg. 

Pfarrer P. Göhler hält einen Vortrag über Votive und Weihe- 
gaben des katholischen Volkes als urgeschichtliche Zeugnisse 
und Reste. 

In den katholischen Kirchen und Kapellen aller Länder sieht man oft in der Nähe 
von Altären oder bei Bildsäulen und Statuen Votive und Weihegaben aufgehängt und 
angebracht. Dieselben sind gestiftet, um die Gottheit günstig zu stimmen zur Ge- 
währung eines Anliegens oder um den Dank für erhörte Bitte auszudrücken. So 
fremdartig oft diese Gaben und Bilder („ex voto“) erscheinen, findet doch der Forscher 
Linien, die auf sehr alte, heidnische, prähistorische Zeiten zurückführen. Nach dem 
Vorgänge Tredes (Das Heidentum in der römischen Kirche), Höflers u. a. hat besonders 
Prof. Dr. Rieh. Andree - München, unterstützt durch die Forschungen und Sammlungen 
seiner Frau, Marie Andree-Eyfsn, unter Zuhilfenahme von Volkskunde, Religionspsycho- 
logie und vergleichender Religionsgeschichte dies Gebiet bearbeitet. Schon die Stätten, 
an denen diese Wallfahrtsorte auf Höhen oder an Stelle alter Tempel erbaut sind, weisen 
oft auf vorgeschichtliche Zeiten hin. Besonders lehrreich ist hierfür auch die Quellen- 
forschung: gerade an und auch in den Quellen sind oft vorgeschichtliche Funde gemacht 
worden, die als Weihegegenstände bezeichnet werden müssen. Die Funde von Tier- 
und Men sehen votiven in der Attis zu Olympia,, in verschiedenen ehemaligen Asklepios- 
heiligtümem u. a. m. erinnern sehr lebhaft an das Darbringen von Opfern solcher Figuren 
in der Gegenwart. Viel Kopfzerbrechen haben die kettenumspannten Leonhardskirchen 
gemacht; eine sehr einleuchtende Erklärung für dieselben hat R. Andree in seiner Schrift: 
„Votive und Weihegaben des katholischen Volkes“ gegeben und gezeigt, wie weit zurück 
auch die Hufeisenvotive gehen. Der Vortragende weilt besopders lange bei den Votiven, 


8 


welche menschliche Körperteile: Augen, Ohren, Lungen, Füfse, Arme, Beine, Herzen usw. 
darstellen, welche ebenfalls vorgeschichtliche Vorbilder haben. 

Als Material kommt gegenwärtig hauptsächlich Wachs, auch wohl Silber, bis zu 
Holz und Papier herab vor, früher Eisen (St. Leonhard!), in prähistorischer Zeit Bronze, 
Stein (Amulette!), aus etrurischen Gräbern Terrakotta in Betracht. Die Formen der 
heutigen Votive weisen ebenfalls auf sehr alte Muster hin und sind zumeist stilisiert; 
gerade bei den Formen der Menschen- und Tiergestalten, sowie der einzelnen Glieder 
wird der Zusammenhang mit prähistorischen Fundgegenständen sehr deutlich. Besonders 
ist interessant, wie engbegrenzt das Krötenvotiv bei Frauenleiden vorkommt (anscheinend 
nur im bajuvarischen und alemannischen Stamme), und wie es südlicher von der Stachel- 
kugel abgelöst ist. Der Hinweis auf die Schiffsvotive, gewidmete Kindersärge mit den 
Anfangsbuchstaben, geweihte Kleidungsstücke, Zöpfe (Haaropfer) liefs wieder völker- 
psychologische und religionsgeschichtliche Zusammenhänge ahnen. 

Eine Anzahl Votive aus Wachs und Eisen, welche die uralten prähistorischen 
Formen auf weisen, dienen zur Veranschaulichung des Gesagten. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller ergänzt diese Ausführungen durch 
Mitteilungen über Votive und Weihegaben aus vorgeschichtlicher 
Zeit. 

Die Sitte, Votive darzubringen, reicht bis in die jüngere Steinzeit zurück; zu den 
ältesten derartigen Funden dürften rohe Darstellungen des Menschen aus Bernstein ge- 
hören. Von Quellenfunden werden die reichhaltigen Depots von Bronzegegenständen in 
der jetzt versiegten Riesenquelle bei Dux und in der Mähe einer der Quellen von Pyrmont 
erwähnt. 

Prof. Dr. 0. Jäkel - Greifswald erläutert noch weiter die Bedeutung 
des Krötenmotivs. 


Y. Sektion für Physik und Chemie. 


Erste Sitzung am 7. Januar 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Lotter- 
moser. — Anwesend 110 Mitglieder und Gäste. 

Dr. W. Friese spricht über den Staub- und Rufsgehalt der 
Dresdner Luft. 

Durch die kolorimetrische Methode der Rufsbestimmung in der Luft nachRubner, 
verbessert von Renk, fand letzterer, dafs in Dresden im Winter stets mehr Rufs in der 
Luft suspendiert ist als im Sommer, ferner am Vormittage stets mehr als am Nach- 
mittage, wobei auch die Sonntage keine Ausnahme machen, ein Hauptbeweis dafür, dafs 
es nicht ausschliefslich die Industrie ist, die unsere Luft mit Rufs erfüllt, sondern haupt- 
sächlich die Hausfeuerungen. Ferner ergab sich, dafs der Rufsgehalt der Aufsenluft immer 
mit dem der Zimmerluft übereinstimmt. 

Weitere Versuche im hygienischen Institute ergaben, dafs Rufs- und Staubgehalt 
der Luft fast nie parallel gehen, und dafs der Staubgehalt der Luft über Dresden 
schwankt, je nach der Lage und Höhe des Untersuchungspunktes und nach der Wind- 
richtung und Witterung. Auch die sich freiwillig aus der Luft innerhalb von 24 Stunden 
absetzenden Staubmengen stimmen im Freien und im Zimmer ziemlich überein. 

Aus Regen- und Schneeschmelzwasser gewonnene feste Bestandteile unserer Luft 
zeigten, dafs in letzterem zumeist mehr suspendierte und gelöste Stoffe enthalten sind 
als in ersterem, so dafs also Schneefälle besser die Luft von Staub und Rufs zu befreien 
vermögen als Regen. 

In den meisten, an verschiedenen Orten Dresdens gesammelten Staubarten konnte 
stets ein geringer Kupfergehalt nachgewiesen werden, der offenbar einesteils aus den 
Kohlen, die mehr oder weniger reich an kupferhaltigen Pyriten sind, stammt, andernteils 
vielleicht durch mechanische Abscheuerung der Leitungsdrähte der Strafsenbahn in die 
Luft gelangt. 


9 


Zweite Sitzung am 4. März 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Lotter- 
moser. — Anwesend ca. 80 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster führt zwei elektrochemische 
Vorlesungsexperimente vor. 

Obgleich das Aluminium ein unedles Metall ist, ist es doch sehr widerstandsfähig 
gegen oxydierende Einflüsse. Das kommt daher, dafs es sich mit einer kaum wahr- 
nehmbaren dünnen Oxydschicht bedeckt, die einen schützenden Überzug bildet. Auch 
bei anodischer Polarisation entsteht sofort eine Schicht von Oxyd oder basischem Salz, 
welche einen hohen Übergangswiderstand bildet. Diese Eigenschaft wird bekanntlich 
benutzt, um Wechselstrom in Gleichstrom umzuwandeln. 

Der Vortragende führt dann ein durch Werner von Bolten wieder bekannter 
gewordenes, interessantes Experiment vor, welches nur durch die erwähnte Eigenschaft 
des Aluminiums möglich ist: Ein Stück Aluminiumdraht wird elektrisch erhitzt, er über- 
zieht sich mit Oxyd, in dieser höchst festen Oxydhaut schmilzt das Metall, und der 
Draht kann als stromdurchflossener Leiter durch einen Elektromagneten in Bewegung 
versetzt werden. 

Das zweite Experiment besteht in der Vorführung des Castnerschen Quecksilber- 
verfahrens der Alkalichloridelektrolyse in einem für Experimentierzwecke von Le Blanc 
konstruierten gläsernen Apparate. Dieser besitzt drei Abteilungen, die durch Glas- 
scheidewände von einander getrennt sind, die nicht ganz den Boden erreichen. Der 
Boden ist mit Quecksilber bedeckt, welches die Scheidewände verschliefst. Durch 
schaukelnde Bewegung des Apparates fliefst das Quecksilber hin und her. In der einen, 
mittleren Abteilung, wo eine Graphitanode in die Alkalichloridlösung taucht, wird Chlor 
am Graphit gebildet, welches abgeleitet und verwertet wird. In den beiden anderen 
Abteilungen werden Eisenelektroden zu Kathoden gemacht. So fungiert das Quecksilber 
als Mittelleiter, ist der Kohle gegenüber Kathode und nimmt Natrium oder Kalium als 
Amalgam auf. In den beiden anderen Abteilungen dagegen ist das Quecksilber den 
Eisenkathoden gegenüber Anode, so dafs das Amalgam unter Alkalibildung und Wasser- 
stoffentwicklung zersetzt wird. 

Auf einige Bemerkungen von Prof. Dr. H. R ebenstorff antwortet 
der Vortragende mit kurzen Worten. 


Dritte Sitzung am 6. Mai 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Lotter- 
moser. — Anwesend 56 Mitglieder und Gäste. 

Direktor Dr. A. Beythien hält einen Vortrag über die chemischen 
Grundlagen einer rationellen Ernährung. 

Der Vortragende gibt zunächst die Zahlen für den täglichen Eiweifs-, den Kohle- 
hydrat- und den Fettbedarf eines erwachsenen Menschen. Dann verbreitet er sich über 
den Gehalt der wichtigsten Nahrungsmittel an diesen Stoffen. Endlich zieht er den 
Preis der einzelnen Nahrungsmittel und die Menge und den Preis der in ihnen ent- 
haltenen Ernährungsbestandteile in Vergleich und kommt zu dem Resultate, dafs als Volks- 
ernährung vor allem preiswert und dem Bedarf des Menschen an den verschiedenen 
Ernährungsbestandteilen am besten angepafst Fische (in erster Linie der Hering) und 
Magerkäse neben Kohlehydraten zu empfehlen sind. 

Zum Schlufs geht der Vortragende noch auf die Eigenschaften verschiedener Genufs- 
mittel und ihre Einwirkung auf den menschlichen Organismus ein. 

An den V ortrag schliefst sich eine äufserst rege Diskussion an. 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Erste Sitzung am 11. Februar 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. 
Witting. — Anwesend 11 Mitglieder. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger spricht zur Konstruktion der ratio- 
nalen Kurven 3. Ordnung. (Vergl. Abhandlung V.) 


10 


Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über die Ableitung 
der Formel für den Mantel des schief abgeschnittenen Um- 
drehungskegels. 


Projiziert man die in der Grundfläche des Kegels entstehende Schnittellipse mit den 
Achsen 2 a und 2 b auf eine durch die Spitze 0 gehende Ebene, die zur Achse des Um- 
drehungskegels senkrecht steht, so entsteht in dieser eine Ellipse mit den Achsen 2 a' 
und 2 fr, deren Fläche sich darstellen läfst als Projektion des Kegelmantels M in ihre 
Ebene, also ist 

... tc a' b , sin a 

(1) M =— — - — tz ab 

sin 


sin 4> ’ 


wenn 2 der Öffnungswinkel des Umdrehungskegels und a der Winkel ist, den die Um- 
drehungsachse mit der Grundfläche bildet. Derjenige Achsenschnitt 0 AB des Kegels, 
welcher senkrecht zur Grundfläche steht, ist ein Dreieck, dessen eine Seite AB — 2a 
ist, während die beiden anderen Seiten mit Z t und Z ? , d. i. die längste und die kürzeste 
Mantellinie des Kegels, bezeichnet werden sollen. Die Seite 2 a dieses Dreiecks zerfällt 
durch die Kegelachse 0 0' in die beiden Abschnitte A 0' = i x und 0' B = i 2 . Da aber 


sm a 


so hat man 

Weil ferner 

ist, so wird 

( 2 ) 


sin 4 » 


li = b = l/W- 2 und a = 

V Mo 2 


Vl-Vü-Vg-V!; 


M=tz 


2 


b. 


Denkt man sich nun, um b auszudrücken, in den Kegel eine Kugel eingeschrieben, 
so wird diese die Grundfläche in einem Brennpunkte F der Ellipse berühren. Der 
Achsenscbnitt des Kegels schneidet die Kugel in dem dem Dreieck 0 AB eingeschrie- 
benen Kreise, der insbesondere AB in F berührt. Nun ist einerseits, weil ^ der halbe 
Winkel des Dreiecks 0 AB in 0 ist, nach einer bekannten Formel der Trigonometrie 


sin 4» 


-V^ 


BF 

U ’ 


andererseits, weil F Brennpunkt der Ellipse mit den Halbachsen a, b ist, 

AF FB = & 2 , 

mithin 


V'. 




(3) b = \/ i, i 2 sin 4* 

Also wird 

(4) 

Setzt man im speziellen Falle = 

und 

l sin 4» = r, 

so ergibt sich die bekannte Formel für den Mantel des geraden Kreiskegels 

(5) M= iz Ir. 

Der Vortragende bemerkt zum Schlüsse, dafs aus Gleichung (4) die Formel für die 
Oberfläche des Hufes hergeleitet werden kann. 


Zweite Sitzung am 15. April 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Witting. 

— Anwesend 16 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. F. Müller nimmt das Wort zur Gedächtnisrede an 
Hermann Grafsmann. (Vergl. Abhandlung IV.) 


11 


Bauamtmann Dr. A. Schreiber spricht über Bedingungsgleichungen 
für Rückwärtsschnitte. 

Gegeben sind 4 Punkte A 1} A 2 , A Sl A 4 . Den Strahlen von einem beliebigen 
Punkte C nach jenen 4 Punkten mögen in bezug auf irgend ein Koordinatensystem die 
Richtungswinkel a M , a 0 2 , u 03 , a 04 zukommen; die Längen der 4 Strahlen seien nacheinander 
durch r lt r 2 , r 3 , r 4 ausgedrückt. Von den 6 Winkeln zwischen den 4 Strahlen reichen 
zwei aus, um die Lage von G gegen A t , A 2} A s , A 4 vollständig zu bestimmen. Demnach 
bestehen 4 Bedingungsgleichungen, von denen 8 Winkelbedingungen sind, die man leicht 
anschreiben kann. Es ist z. B. 

^34 = ^4-21*3, 

wo 5t 34 den Winkel zwischen den Strahlen CA S und GA 4 bedeutet usw. Die letzte 
Bedingungsgleichung ist eine Seitenbedingung, mit deren Aufstellung sich bereits 
C. F. Gauss beschäftigt hat. Die Gleichung findet sich ohne Ableitung in seinem Nach- 
lasse. (Gesammelte Werke, Bd. VIII, S. 319.) 

Der Vortragende zeigt, wie man solche Bedingungsgleichungen in eleganter Weise 
auf vektoranalytischem Wege herleiten kann, und führt zu diesem Zwecke zunächst eine 
Vektorgleichung vor, die sich auf das Pothenotsche (Snelliussche) Problem in seiner 
einfachsten Form bezieht. Werden hier die Winkel auf C zwischen CA 1 und GA 2 , 
zwischen CA 2 und Ci 3 , zwischen C A s und G A t nacheinander mit 9t 3 , 5R, be- 
zeichnet, so kann man fragen, wie verschiebt sich der Punkt C, wenn sich diese Winkel 
um differentiale Gröfsen ändern, wobei selbstverständlich 


dU||H-^ 2 + d3l 8 = 0 

sein mufs. Ist dQ der differentiale Vektor der Punktverschiebung in (7, so gilt, wie 
der Vortragende zeigt, die Gleichung 


( 1 ) 


— - — = + + — '<* si 8 . 

^2^*3 ^ 7*1 11 T t) Z T 3 

Darin sind 9^, 9£ 2 , 91 3 Einheitsvektoren, deren Richtung dieselbe ist, wie die der 
Strahlen CA 4 , GA 2 , CA S , und X ist zur Abkürzung gesetzt für 

X = r t sin 5R -f- r 2 sin 2l 2 -j- r 3 sin $ 3 . 

Die Gleichung (1) wird illusorisch, wenn X = 0 ist. In diesem Falle liegen aber 
C, A v A 2 , A b auf einem Kreise. 

Wenn nun 4 Strahlen vorliegen, so kann man sich eine beliebige Verschiebung des 
Punktes G vorstellen und die Gleichung viermal ansetzen, weil man unter den 4 Strahlen 
viermal eine Auswahl zu je dreien treffen kann. Man erhält also mit leicht verständ- 
lichen Bezeichungen 


r 2 r 3 r 4 ^ 


«-««) 
7 1 


n r A 


~zr d («04 — «03) "i" ~zf d («o 

*2 1 3 

+ ~ d («0 


• «04) J r'^ d Ks — «02) 
« 01 ) + “ d (u 03 — a 01 ) 


^‘124 j O % 


m. 


— \ r~zr d 3 — ~rr d («04 — «02) + ~^r d («01 — «04) + 


X 9? 

d S = d ( a o 3 — «02) 4- ~^r d («01 — «03) + — ^(a 0 


r, r 9 r. 


% 

To 


4“ ~ d ( «02 «Ol) 


• a 01 ). 


1 '2 # 3 '1 ' 2 

Addiert man die 4 Gleichungen, nachdem man vorher die erste und dritte mit — 1 
multipliziert hat, so kommt die gesuchte Bedingungsgleichung in der Form 


(2) v 4 X 2 3 4 "j - t 2 X 4 3 4 ^3 2 4 ^*4 X j 2 3 — 0- 

Dabei ist z. B., wie oben 

X 234 = ^2 sin («04 — « 03 ) + h sm (a 02 — a o4 ) + r 4 sin (a 03 — aj. 

Zum Zwecke der Ausgleichung von Rückwärtsschnitten mit überschüssigen ge- 
messenen Richtungen oder Winkeln braucht man aber eine Bedingungsgleichung, welche 
die Differentiale der Richtungswinkel oder der Winkel zwischen den Strahlen CA U GA 2 
usw. enthält. 

Durch eine anderweite Zusammenfassung der obigen 4 Gleichungen gelangt man 
nun zu der Gleichung 


12 


dS 


U r •» r s 


^234 [9^1 ^4] G 3 4 [3^2 ^4] + ^124 [9^3 *R 

_ ( m. *Ü.l 

= Sft 4 


[SR, SR 4 K , , . [SR, SR 4 ] 7 ; , . [SR3 SRJ a , 

V~~r d (a 03 — «02) + " d (« 01 — a 03 ) + d (a 02 

'1 y 4 ? 2 9 4 


r- r A 




+ ™ -r~ d («01 - «03) + ^7^ d («04 — «02) + d («o 4 — « 01 ) } 

' 1 ‘ 9 M 'S '9*3 7 


Da auf jeder Seite ein Vektor als Faktor steht, und da der Vektor d 3 ganz be- 
liebig gerichtet sein soll, so müssen die in den geschweiften Klammern stehenden Skalare 
auf jeder Seite für sich verschwinden. Hiermit ergibt sich zunächst links eine neue 
Form der Bedingungsgleichung (ohne Differentiale) 


(3) X 2 3 4 sin (« 04 — « 01 ) — X j 3 4 sin (« 04 - « 03 ) + X 1 2 4 sin (« 04 — « u3 ) = 0. 


Durch passende Vertauschung der Indices bekommt man noch drei andere Be- 
dingungsgleichuugen der Form (3) 

Setzt man aber den Skalar auf der rechten Seite gleich Null, so ergibt sich nach 
einigen Umformungen die gesuchte Bedingungsgleichung mit Differentialen in der Form 

(4) «j d « 01 -)- «2 d «02 + «3 d «03 + «4 d «04 = 0, 

worin gesetzt ist 

«1 — r i ^234) «2 = ^2 ^134? 

«3 — ^*3^1241 «4 — ^4^123? 

und dabei ist nach (2) 

«1 H - «2 «3 “I“ «4 — 0* 

Für Ausgleichung nach Winkeln würde die Bedingungsgleichung lauten 
« 2 d 3l 12 + « 3 d 9f 13 + « 4 d 5l 14 = 0. 

Eine eingehendere Darstellung befindet sich in einem demnächst erscheinenden 
Aufsatz im Archiv für Mathematik und Physik, Band XV. 


Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über eine gewisse 
Roll Verwandtschaft zwischen Parabel und Kettenlinie. 


Wird eine Parabel auf einer Geraden abgerollt, so durchläuft ihr Brennpunkt eine 
Kettenlinie und ihre Direktrix hüllt eine symmetrisch zur Bahn gelegene Kettenlinie 
ein. Wird andererseits eine Kettenlinie auf einer Geraden abgerollt, so hüllt jede mit 
ihr starr verbundene Gerade eine Parabelevolute ein. Der Vortragende gibt für beide 
Sätze einfache synthetische Beweise. Den letzten Satz hat Giard gefunden und Ribaucour 
bewiesen und zwar mit Hilfe einer nach Savary benannten, aber von Euler herrührenden 
Formel. Der Vortragende bespricht noch den Ribaucourschen Beweis. 

Zum Schlüsse macht der Vorsitzende auf eine einfache zum Zeich- 
nen von Ellipsen dienende Vorrichtung aufmerksam, die neuerdings 
zu billigem Preise im Handel erschienen ist. Die Vorrichtung beruht auf 
dem Prinzip des gewöhnlichen Ellipsenzirkels. 


Dritte Sitzung am 10. Juni 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Wittin g. 
— Anwesend 13 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. M. Krause spricht über näherungsweise Inte- 
gration totaler Differentialgleichungen. 

Der Vortragende gibt einen Überblick über die Rungesche Methode für die an- 
genäherte Auflösung von totalen Differentialgleichungen erster Ordnung und ersten 
Grades nebst geometrischer Deutung derselben. 

Senator Prof. Dr. E. R. Neovius-Helsingfors spricht über Minimal - 
flächenstücke, deren Begrenzung von drei geradlinigen Teilen 
gebildet wird.*) 


*) Siehe Acta Soc. Scient. Fennica, Tom. XIV, Helsingfors 1891. 


13 


In seiner Abhandlung ..Über die Fläche vom kleinsten Inhalt bei gegebener Be- 
grenzung“ hat Riemann die Aufgabe behandelt, ein Minimalflächenstück analytisch zu 
bestimmen, dessen Begrenzung aus drei einander kreuzenden geraden Linien besteht, 
und stellt für den Fall, dafs die Geraden den Koordinatenaxen parallel laufen, die fertigen 
Ausdrücke für die rechtwinkligen Koordinaten eines Punktes der Fläche auf. 

Der Vortragende teilt mit, dafs er für den erwähnten speziellen Fall die Aufgabe 
mit einfachen Hilfsmitteln gelöst hat, und dafs er die verschiedenartigen Gestalten, welche 
die durch die Formeln dargestellten Minimalflächenstücke dadurch annehmen können, 
dafs sowohl die Abstände zwischen den begrenzenden Geraden als auch die Vorzeichen 
dieser Abstände variiert werden, einem genauen Studium unterworfen hat, und zeigt durch 
eine gröfsere Anzahl von Modellen, welcher Reichtum von Gestalten hierbei auftritt. 

Zu einer vollständigen Übersicht aller in Betracht zu ziehenden Fälle gelangt Vor- 
tragender durch die Bemerkuug, dafs die Ausdrücke für die kürzesten Abstände A, B 
und G zwischen den begrenzenden Geraden in die Form eines Produktes von zwei Faktoren 
ersten Grades dreier von einander unabhängiger Parameter j?, q , r gesetzt werden können. 

A = k [4 p 2 — (p -|- q + r) 2 ] = tc (ßp + q + r) (p — q — r), 
oder A = A 2 . A 1 und analog damit 

B = B 2 . B t , C = C 2 . C x . 

Betrachtet man also die Parameter als die homogenen Koordinaten eines Punktes in 
einer Ebene (p, g, r), so wird durch die sechs Geraden A x = 0, A 2 = 0 usw. die ganze 
Ebene derart in 16 Gebiete eingeteilt, dafs innerhalb jedes einzelnen derselben die Vor- 
zeichen der Abstände bei festgestellter Verknüpfung der Enden der drei begrenzenden 
Geraden durch die ins Unendliche verlaufenden Sektoren des Flächenstückes sich nicht 
ändern, während beim Überschreiten einer Trennungslinie zweier benachbarter Gebiete 
einer der Abstände sein Vorzeichen wechselt. 

Für jedes einzelne dieser Gebiete, sowie für die Trennungslinien und die Eckpunkte 
derselben wird die Gestalt der entsprechenden Flächen durch Modelle zur Anschauung 
gebracht. 

Wird einer der Abstände dadurch gleich Null, dafs der Punkt (p, q , r) sich einer 
der Geraden A x , B x oder C x nähert, so nähert sich der betreffende, sich ins Unendliche 
erstreckende Sektor einem ebenen Flächenstücke von der Gestalt der Fläche einer Viertel- 
ebene, welches sich schliefslich von dem Minimalflächenstücke trennt, während dagegen 
eine Annäherung des Punktes (p, q , r) an eine der Geraden A 2 , B 2 oder C 2 damit gleich- 
bedeutend ist, dafs das Minimalflächenstück sich selbst zu durchschneiden anfängt. Be- 
trachtet man z. B. das Gebiet in Form eines Fünfeckes, welches von Strecken der Geraden 
C x A x B 2 A 2 B x begrenzt wird, so entsprechen den drei Ecken B x A 2 , B t A 2 und B 2 A x 
drei verschiedene Minimalflächenstücke mit derselben Begrenzung, gebildet von drei 
Geraden, von welchen zwei von der dritten geschnitten werden. Durch dieselbe Be- 
grenzung geht noch ein viertes Minimalflächenstück, die gewöhnliche Schraubenfläche 
und aufserdem eine Minimalfläche, welche eine sogenannte Doppelfläche ist. Von sämt- 
lichen fünf Flächenstücken werden Modelle vorgezeigt. 

Der Vortragende geht hiernach über zur Beantwortung der Frage, ob unter Bei- 
behaltung der Verknüpfung der ins Unendliche reichenden Enden der begrenzenden 
Geraden ein Minimalflächenstück eindeutig bestimmt ist, wenn die Verhältnisse der Ab- 
stände A: B : C=a:b : c gegeben sind. 

Da die Ausdrücke für die Abstände Funktionen zweiten Grades der Parameter 
jo, q , r sind, so bezeichnet A : B — a:b die Gleichung eines durch die vier Schnittpunkte 
der Geraden A x , A 2 , B x , B 2 gehenden Kegelschnittes, welcher, wenn die Abstände 
A und B dasselbe Vorzeichen haben, eine Hyperbel, im entgegengesetzten Falle eine 
Ellipse ist. Eine analoge Bedeutung haben die Gleichungen B : G=b : c und A : G = a : c. 
Die drei Kegelschnitte haben vier Schnittpunkte mit einander gemein. Die Beantwortung 
der aufgestellten Frage ist somit zurückgeführt auf die Entscheidung, ob ein oder 
mehrere dieser Schnittpunkte in dasselbe Gebiet, oder auch in verschiedene Gebiete mit 
derselben Zeichenkombination der Abstände fallen können. Es zeigt sich nun, dafs nur 
für die Zeichenkombination ( ) das Minimalflächenstück durch die Abstände ein- 

deutig bestimmt ist, während für die übrigen Zeichenkombinationen einem gegebenen 
Wertverhältnisse der Abstände ein, zwei oder drei verschiedene Minimalflächenstücke ent- 
sprechen können. Von solchen von einander verschiedenen Flächen, die durch dieselbe 
Begrenzung hindurchgehen können, werden Modelle vorgelegt. 

Auf den betrachteten Minimalflächenstücken kann im Innern ein singulärer Punkt 
von der Beschaffenheit, dafs durch denselben drei Asymptotenlinien hindurchgehen, auf- 
treten; oier auch hat die Fläche zwei entweder auf derselben oder auf zwei verschiedenen 
der begrenzenden Geraden gelegene sogenannte Rückkehrpunkte der Normale. Die 


14 


hierbei eintretenden Übergangsfälle werden durch Zeichnungen erläutert, und ebenfalls 
wird gezeigt, wie man imstande ist, über das Eintreten der verschiedenen Möglichkeiten 
betreffend die Lage dieser singulären Punkte einfach zu entscheiden. 

Über die Herstellung der Modelle teilt der Vortragende folgendes mit : 

Die Drahtgestelle zu den Plächenstücken sind aus 0,8 mm dicken, stark geglühten 
Klaviersaiten hergestellt. Nach einem von Professor H. A. Schwarz angegebenen Ver- 
fahren wird das Minimalflächenstück aus Gelatine derart hergestellt, dafs man das 
Gestell in eine Lösung von einem Gewichtsteil Gelatine in 5 bis 6 Gewichtsteilen Wasser 
bei einer Temperatur von 35 bis 45° C. taucht und recht langsam ohne Schütterung 
heraushebt. Nachdem die so erhaltenen Lamellen etwa 24 Stunden in der Kälte erstarrt 
sind, werden dieselben in eine Lösung von Wachs, Canadabalsam und Harz bei einer 
Temperatur von 74 bis 75° C. getaucht. Zu dieser Lösung verwende man 48% reines, 
weiches Wachs, 48% Canadabalsam und 4% Harz, welches bei 72° schmilzt (die Her- 
stellung dieses Harzes ist recht mühsam).*) Diese Mischung erwärmt man in einem 
Sandbade 8 bis 10 Stunden bei einer Temperatur von 95° C. Der Überzug, den die 
Gelatinlamellen so erhalten haben, wird nach dem Verlaufe von ca. 10 Tagen hart, 
und jetzt werden die Lamellen noch einmal in eine Gelatinlösung (1 : 10 bis 12) bei 
einer Temperatur von 45 bis 50° C. getaucht. Werden die so erhaltenen Lamellen nach 
etwa einer Stunde einem gelinden Dampf bade von nicht über 40° ausgesetzt, so werden 
die Lamellen durchsichtig und sehen beinahe wie bläuliches Glas aus. Lamellen, die 
über acht Monate alt sind, zeigen noch gar keine Veränderungen und werden wohl Jahre 
lang halten. 


VII. Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 28. Januar 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Förster. — Anwesend 113 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. K. Schiffner-Freiberg spricht über die neueren Unter- 
suchungen über Radioaktivität und radioaktive Wässer. 


Zweite (aufserordentliche) Sitzung am 18. Februar 1909. Vor- 
sitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 45 Mitglieder 
und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt, der Vorsitzende des Verwaltungsrates, 
gibt den Kassenabschlufs für 1908 (siehe S. 18) bekannt; als Rechnungs- 
prüfer werden Lehrer M. Gottlöber und Lehrer E. Herrmann gewählt. 

Derselbe legt weiter den Voranschlag für 1909 vor, der genehmigt 
wird. 


Dritte Sitzung am 25. Februar 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend ca. 300 Mitglieder und Gäste. 

Die in der Aula der K. Technischen Hochschule stattfindende 

Gedenkfeier des 100. Geburtstages von Charles Darwin, 

zu der Einladungen an das Kultusministerium, an die Professoren der 
K. Technischen Hochschule und an die Mitglieder des Vereins für Erdkunde 
und des Lehrervereins für Naturkunde ergangen waren, eröffnet 


*) Sil van us P. Thompson (Phil. Mag. 1878, Vol. V, 5. Serie, S. 269) hat zur Her- 
stellung von Lamellen eine Lösung von 46% Harz und 54% Canadabalsam bei einer 
Temperatur von 93 bis 95° angewendet. Bessere Resultate hat E. Stenius (Ueber 
Minimalflächenstücke, deren Begrenzung von zwei Geraden und einer Ebene gebildet 
wird, pag. 71. Helsingfors 1892) erreicht, indem er das Harz mit Wachs ersetzte und 
in diese Lösung die Gelatinlamellen tauchte. 


15 


Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster mit einer Begrüfsung der zahlreich 
erschienenen Gäste und mit einem kurzen Hinweis auf die Bedeutung der 
Feier. 

Hierauf nimmt Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky das Wort zu 
einem Vorträge über die geologischen Grundlagen der Entwick- 
lungslehre. (Vergl. Abhandlung I.) 

Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude spricht anschliefsend über die 
Theorie der Entstehung der Arten als Markstein im Lebensbilde 
Darwins. (Vergl. Abhandlung II.) 


Vierte Sitzung am 25. März 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Förster. — Anwesend 79 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt teilt mit, dafs die Rechnungsprüfer den 
Kassenabschlufs für 19 08 geprüft und richtig befunden haben. Der 
Kassierer wird entlastet. 

Oberlehrer Dr. E. Lohrmann verliest einen Aufruf zu einer Samm- 
lung, deren Ertrag als Ehrengabe für Ernst Häckel dem von dem- 
selben gegründeten phylogenetischen Museum in Jena zufliefsen soll. 

Mitgeteilt wird weiter ein Aufruf zu Beiträgen für Schaffung eines 
Naturschutzparks im Alpengebiet. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag über die 
chemische Veredelung der Zellulose und ihre wirtschaftliche 
Bedeutung. 

An den Vortrag schliefst sich eine kurze Aussprache an. 


Fünfte Sitzung am 29. April 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Förster. — Anwesend 59 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende berichtet über eine aus Anlafs der 500jährigen 
Jubelfeier der Universität Leipzig geplante Kundgebung. 

Mitglieder der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ und des Vereins für 
Erdkunde in Dresden, wie des Vereins Deutscher Chemiker (Bezirk Sachsen-Thüringen) 
haben die Frage angeregt, ob und in welcher Weise die naturwissenschaftlichen und 
verwandten Vereine Sachsens der Universität Leipzig zur Jubelfeier ihres 500jährigen 
Bestehens ihre Glückwünsche .darbringen könnten. 

In Aussicht wurde die Überreichung einer künstlerisch gestalteten Glückwunsch- 
adresse genommen, an der sich zu beteiligen diejenigen Gesellschaften aufgefordert 
werden sollen, welche von ihrer Tätigkeit in wissenschaftlichen Veröffentlichungen Zeug- 
nis geben. 

Auf die durch Geh. Hofrat Prof. Dr. E. von Meyer im Aufträge des 
Ausschusses an unsere Gesellschaft „Isis“ ergangene Einladung beschliefst 
die Hauptversammlung einstimmig, sich an dieser Kundgebung zu be- 
teiligen. 

Auf die Eingabe an das K. Ministerium des Kultus und öffentlichen 
Unterrichts vom 20. Dezember 1908, die Verbilligung der vom K. Finanz- 
ministerium herausgegebenen Karten betreffend (vergl. Sitzungs- 
berichte 1908, S. 27), ist nachstehender Bescheid eingegangen: 


16 


Dresden, den 31. März 1909. 

Das Finanzministerium hat sich auf Antrag des Unterzeichneten Ministeriums bereit 
erklärt, Umdrucke der Mefstischblätter im Mafsstahe 1:25000 hersteilen zu lassen und 
sie zum Preise von 50 Pfg. für das einzelne Blatt an Schulen, Lehrervereine, geo- 
graphische und naturwissenschaftliche Vereine abzugeben, wenn zu erwarten stehe, dafs 
die herzustellenden Sektionen mindestens in einer Anzahl von je 300 Stück innerhalb 
2 — 3 Jahren abgesetzt werden würden. Dem Finanzministerium ist es daher zunächst 
erwünscht, einen Überblick darüber zu erlangen, wie grofs der erstmalige Bedarf an 
solchen Umdrucken sein würde. 

Die Adressaten werden deshalb hiermit veranlafst, diesen erstmaligen Bedarf fest- 
zustellen und ihn — getrennt nach den einzelnen Sektionen der topographischen Karte — 
unter Beachtung des nachstehenden Musters 

spätestens bis zum 10. Mai dieses Jahres 
hierher anzuzeigen, hierbei auch anzugeben, wie hoch sich voraussichtlich der künftige 
Jahresbedarf stellen wird. 

Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, 
(gez.) Dr. Beck. 

Zur Erläuterung bemerkt Oberlehrer Dr. P. Wagner, dafs von der 
topographischen Karte in 1 : 25000 zwei Ausgaben vorhanden sind: eine 
ältere, auf Grund der alten Meilenkarten hergestellte, die manche Un- 
genauigkeiten aufweist, und eine Neuaufnahme, von der bisher nur das 
östliche Sachsen bis zur Elbe fertiggestellt ist. 

In der Debatte wird der Wunsch geäufsert, das Ministerium um Ver- 
längerung der Zeichnungsfrist und um eine Bekanntgabe der erschienenen 
Sektionen der Neuaufnahme zu ersuchen, ferner in den Isis -Sitzungen 
alljährlich zweimal Zeichnungslisten aufzulegen und auf dieselbe in den 
Ankündigungen der Sitzungen im Dresdner Anzeiger aufmerksam zu machen. 

Hierauf hält Privatdozent Dr. L. Lange einen durch Demonstrationen 
und Experimente veranschaulichten Vortrag über Immunitätserschei- 
nungen, an den sich eine kurze Aussprache anschliefst. 


Sechste Sitzung und Ausflug nach Meifsen am 20. Mai 1909. — 

Zahl der Teilnehmer 44. 

Auf dem Wege von der Dampfschiff haltestelle Sörnewitz nach der Bosel werden 
zunächst die am Fufse derselben gelegenen Granitbrüche besucht. Auf der Boselspitze 
macht Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude auf die dortige interessante Pflanzenwelt aufmerk- 
sam und berichtet über die vom Bunde „Heimatschutz“ getroffenen Mafsregeln zur 
Sicherung derselben; Oberlehrer Dr. P. Wagner erläutert die Entstehung der Eibaue 
in der Umgebung der Bosel und Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller die Bedeutung des 
die Boselspitze abschliefsenden vorgeschichtlichen Walles. 

Nach einer in der „Deutschen Bosel“ unter Vorsitz von Geh. Hofrat Prof. Dr. 
Fr. Förster abgehaltenen geschäftlichen Hauptversammlung wandern die Teil- 
nehmer über Niederspaar und Siebeneichen mit seinem herrlichen Park nach Meifsen, 
wo sie im Burgkeller ein gemeinsames Mittagsmahl mit Mitgliedern der Meifsner „Isis“ 
vereinigt. 

Der Nachmittag wird von einzelnen Teilnehmern zur Besichtigung der Stadt 
Meifsen, von anderen zu einem Besuche der unterhalb der Stadt gelegenen Steinbrüche 
an der Knorre benutzt. 


Siebente Sitzung am 26. Juni 1909. Vorsitzender: Geb. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Förster. — Anwesend 39 Mitglieder und Gäste. 

Die Versammlung ist einer Besichtigung der „Dresdner Milch- 
versorgungsanstalt Altstädter Dampfmolkerei“ in Dresden-Plauen, 
Würzburgerstr. 9, gewidmet, deren vortreffliche, nach den neuesten Er- 


17 


fahrungen auf dem Gebiete des Molkereiwesens hergestellte Einrichtungen 
von Herrn P. Reh, dem Direktor der Anstalt, und einem Beamten der- 
selben den Besuchern eingehend erläutert werden. 

Hieran schliefst sich im „Plauenschen Lagerkeller“ eine kurze geschäft- 
liche Hauptversammlung, in der der Vorsitzende mitteilt, dafs die 
von den naturwissenschaftlichen und verwandten Gesellschaften Sachsens 
beschlossene Adresse zur 500jährigen Jubelfeier der Universität 
Leipzig am 29. Juli d. J. gelegentlich der Festsitzung im Leipziger 
Theater durch Geh. Hofrat Prof. Dr. E. von Meyer überreicht werden wird. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 1. Februar 1909 starb Apothekenbesitzer Karl Stephan in Dresden, 
wirkliches Mitglied seit 1904. 

Am 22. März 1909 starb Hofrat Dr. med. Friedrich von Mangoldt, 
Oberarzt am Karolahaus in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1903. 

Am 29. April 1909 verschied der Senior der Isis-Mitglieder, Professor 
Fürchtegott Z sch au, Oberlehrer a. D. an der Öffentlichen Handelslehr- 
anstalt in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1849, Ehrenmitglied seit 1908. 


Nachruf s. S. XV dieses Heftes. 

Am 24. Mai 1909 starb Kommissionsrat Adolf Schöpf, Betriebs- 
direktor des Zoologischen Gartens in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1897. 

Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder : 

Elsenhans, Theodor, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hoch- 
schule in Dresden, am 26. Juni 1909; 

Grüner, Harald, Bergingenieur in Dresden, am 29. April 1909; 

Hempel, Hans, Dr. phil., Nahrungsmittelchemiker in Dresden, am 26. Juni 
1909; 

Knauth, Bernhardt, Bezirkschuloberlehrer in Dresden, am 20. Mai 1909; 
Ludwig, Walter, Dr. phil., Professor an der K. Technischen Hochschule 
in Dresden, am 26. Juni 1909; 

Manliu, Jean, Professor in Dresden, am 18. Februar 1909; 

Nägel, Adolf, Dr. ing., Professor an der K. Technischen Hochschule in 
Dresden, am 25. März 1909; 

Paul, M. O., Dr. phil., Seminaroberlehrer in Dresden, am 18. Februar 1909; 
Römisch, Adolf, Amtsgerichtsrat a. D. in Dresden, am 25. März 1909; 
Schneider, Friedrich, Realschullehrer in Dresden, i , 1Anrv 

Stein, Max, Kaufmann in Dresden, } aln 39 ' A P nl 1909; 

Voigt, Alban, Privatmann in Dresden, am 26. Juni 1909. 

Aus den korrespondierenden Mitgliedern in die wirklichen 

ist übergetreten: 

Rimann, Eberhard, Dr. phil., Diplomingenieur, Assistent an der K. Tech- 
nischen Hochschule in Dresden. 

Aus den wirklichen Mitgliedern in die korrespondierenden 

ist übergetreten : 

Krutzsch, Herrn., K. Oberforstmeister in Auerbach i. V. 


Kassenabschlufs der Naturwiss. Gesellschaft ISIS vom Jahre 1908. 

Einnahme. Ausgabe. 


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Dresden, am 17. Februar 1909. Hofbuchhändler Georg Lehmann, z. Z. Kassierer der Isis. 


Sitzungsberichte 

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der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 

1909. 


3 



I. Sektion für Zoologie. 


Yierte (aufserordentliche) Sitzung am 10. Juli 1909. Vorsitzender . 
Prof. Dr. E. Lohrmann. 

Nachmittags Y 2 4 Uhr versammelten sich 22 Mitglieder und Gäste im 
zoologischen Institut der K. Forstakademie zu Tharandt. 

Nach einer Begrüfsung durch Prof. Dr. K. Es che rieh hält Prof. Dr. 
E. Lohrmann einen Vortrag über die Familie der Hirsche, wobei 
zahlreiche Stücke aus der Sammlung der Forstakademie vorgezeigt werden. 

Die Familie der Hirsche ist über ganz Amerika, Asien, Europa und den Nordrand 
von Afrika verbreitet. In seinem Werke „The deer of all lands“ unterscheidet Lydekker 
57 lebende Arten in 11 Gattungen, wozu noch 17 ausgestorbene Arten und 3 Gattungen 
kommen. Dabei sind nur die sicher bekannten Arten gerechnet und der Artbegriö nicht 
sehr eng gefafst. Die geographische Verteilung der Arten ist derart, dafs die unvoll- 
kommeneren im südöstlichen Asien und in Südamerika Vorkommen, während in Europa 
Reste derartiger Formen aus den tertiären Ablagerungen bekannt geworden sind. Diese 
Verteilung stimmt in den Hauptzügen zu der von Simroth vertretenen Pendulations- 
theorie. 

Nach dem Vortrag macht die Mehrzahl der Erschienenen einen Spazier- 
gang nach der Edlen Krone. 


Fünfte Sitzung am 4. November 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Lohr mann. — Anwesend 62 'Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. E. Neger berichtet über neue Beobachtungen an körner- 
sammelnden Ameisen. 

Der Vortragende hat in Dalmatien, besonders auf der Insel Arbe, eingehende Beob- 
achtungen über diesen Gegenstand angestellt. Die Arbeiterinnen der Art Messor bar- 
barus sammeln grofse Mengen kleiner Früchte und Samen, auch Schneckenhäuschen in 
ihre feuchten Baue. Hier findet die Keimung der Samen statt, was aber nicht als ein 
Mälzprozefs zu erklären ist, vielmehr wird durch das Keimen nur das Abschälen der 
Samenschale erleichtert. Schalen sowohl als Körner werden dann wieder vor den Bau 
gebracht zum Abtrocknen in der Sonne; dann werden die Körner wieder in den Bau 
getragen, wo sie zerkleinert werden zu einer äufserst feinen krümeligen Masse, die dann 
wieder vor dem Bau getrocknet wird. Diese Krümel sind von früheren Beobachtern für 
Erde gehalten worden. Aus ihnen konnte der Vortragende einen Schimmelpilz, Aspergillus 
niger , züchten, und er vermutet, dafs die Krümel als Nährboden für das Mycel dieses 
Pilzes hergerichtet werden, und dafs der Pilz dann den Ameisen zur Nahrung dient. 

Lehrer H. Viehmeyer zieht darauf einen Vergleich zwischen der 
Ameisen- und Menschen-Psyche. 

Prof. Dr. K. Escherich spricht über die Beziehungen zwischen 
Ameisen und Pflanzen im allgemeinen. 


22 


Gegenüber der von den Botanikern ausgearbeiteten Ansicht, dafs die sogenannten 
Ameisenpflanzen durch ihre Gäste Schutz gegen schädliche Insekten erhalten und ihnen 
dafür Wohnung und Nahrung gewähren, ist von Zoologen neuerdings durch Beobachtungen 
festgestellt worden, dafs dies durchaus nicht in dem angenommenen Mafse stattfindet; 
einige gehen sogar, so weit, einen derartigen Schutz vollständig zu leugnen, was aber 
jedenfalls als eine Übertreibung ins Gegenteil zu betrachten ist. 

Vorgelegt werden dabei folgende Arbeiten: 

Kohl, H.: Die Ameisenpflanzen des tropischen Afrika mit besonderer Be- 
rücksichtigung ihrer biologischen Verhältnisse. Natur u. Offenbarung, 
Bd. 55, 1909; 

Nieuwenhuis, M. u. von Üxküll- Güldenbr an dt: Extraflorale Zucker- 
ausscheidungen und Ameisenschutz. Annales du jardin botan. de Buiten- 
zorg, ser. 2, tome 6, 1907; 

Jhering, H. von: Die Cecropien und ihre Schutzameisen. Englers botan. 
Jahrb., Bd. 39, 1907; 

Sjöstedt, Y. : Akaziengallen und Ameisen. Wissenschaftl. Ergebnisse der 
schwed. zoolog. Expedition nach dem Kilimandjaro, dem Meru usw. 
1905—1906. Upsala 1908. 


II. Sektion für Botanik. 


Vierte Sitzung am 11. November 1909. Vorsitzender: Kustos Dr. 
B. Schorler. — Anwesend 55 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende bespricht folgende Werke, die vorgelegt werden: 

Hegi, G.: Jllustrierte Flora von Mittel-Europa. Bd. I: Pteridophyta, Gym- 
nospermae u. Monocotyledones I. Teil; Bd. II: Monocotyledones II. Teil. 
München 1907—1909; 

Clarke, Oh. B.: Jllustrations of Cyperaceae. London 1909; 

Lin dm an, C. A. M. : Karl von Linne als botanischer Forscher und Schrift- 
steller. Jena 1908; 

Lotsy, J. P. : Progressus rei botanicae, Bd. II. Jena 1908. 

Prof. Dr. A. Naumann hält einen Vortrag über die botanischen 
Ergebnisse eines dreitägigen Aufenthalts an der Franz Schlüter- 
Hütte in den Südtiroler Kalkalpen. (Vergl. Abhandlung IX.) 

Es werden die alpinen Vegetationsformationen geschildert an der Hand eines für 
diesen Zweck hergestellten Formationsherbariums, das aus 20 Tafeln besteht, und einer 
Anzahl farbiger Projektionsbilder, welche von dem Exkursionsteilnehmer, Herrn J. Oster- 
maier, hergestellt wurden. 


Fünfte (aufserordentliche) Sitzung am 16. Dezember 1909 (im 

Heimatkundlichen Schulmuseum). Vorsitzender:) Kustos Dr. B. Schorler. 
— Anwesend 17 Mitglieder. 

Der Dresdner Lehrerverein hat in diesem Jahre in den Räumen des 
Schulmuseums eine Ausstellung über die Dresdner Heide veran- 
staltet, die nicht nur den gegenwärtigen Zustand der Heide, ihre Boden- 
beschaffenheit, Pflanzen- und Tierwelt, sondern auch ihre Geschichte und 
Vorgeschichte zur Anschauung für weite Kreise bringen soll. 

Unter Führung von Ingenieur B,. Scheidhauer, der dabei mitgewirkt und die 
hauptsächlichsten Moose der Dresdner Heide in schönen Tafeln zusammengestellt hat, 


23 


besichtigt die Sektion für Botanik eingehend die Ausstellung. Sie erregt bei allen Teil- 
nehmern reges Interesse und findet wegen ihrer Vielseitigkeit und übersichtlichen An- 
ordnung ungeteilten Beifall. Man ist sich darüber einig, dafs eine solche Ausstellung 
Liebe zur heimatlichen Natur wecken und naturwissenschaftliche Kenntnisse in weite 
Kreise tragen wird. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Ausflug nach Niederschöna am 29. August 1909. — Zahl der Teil- 
nehmer 12. 

Von Klingenberg- Colmnitz aus wird zunächst im Tharandter Wald ein Sandstein- 
aufschlufs mit Exogyra und Serpula besucht und dann nach .Niederschöna gewandert. 
Hier werden in allen Steinbrüchen die Crednerienschichten des Cenomansandsteins nach 
Kesten von Laubhölzern abgesucht. 

Nach dem Mittagsmahl regt Oberlehrer Dr. P. Wagner in einer kurzen Besprechung 
an, die Isis möge — ähnlich wie auf floristischem Gebiete — auch für paläontologische 
Funde aus Sachsen eine Sammelstelle für die Einzelbeobachtungen einrichten. Der Plan 
soll in einer späteren Sitzung ausführlicher begründet werden. 

Nachmittags schliefst eine Wanderung durch den Wald über Grüllenburg nach 
Klingenberg-Colmnitz den Ausflug ab. 


Vierte Sitzung am 18. November 1909. Vorsitzender: Oberlehrer 
Dr. P. Wagner. — Anwesend 67 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende bespricht einige Neuerscheinungen: 

Stromer von Reichenbach, E.: Lehrbuch der Paläozoologie I. Leip- 
zig 1909; 

Kays er, E.: Lehrbuch der allgemeinen Geologie. 3. Aufl. Stuttgart 1909; 

Beier, H.: Geologische Karte von Sachsen und Nordböhmen. Dresden 1909. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky legt zwei geologische Reliefs 
vom Vesuv und von Santorin, hergestellt von Aureli-ftom, vor und 
bespricht 

Stübel, A. -Bergt, W.: Der Vesuv, eine vulkanologische Studie für jeder- 
mann. Leipzig 1909. 

Derselbe demonstriert ferner einige neue Minerale aus Sachsen: 
Ottrelith von Rabenstein bei Chemnitz, Mangangranaten aus dem Phytlit 
und Glimmerschiefer der Umgebung des Granulitgebirges, Andalusit mit 
Korund aus dem Granulitgebirge und Dumortierit von Penig. 

Daran knüpfen sich allgemeine Erörterungen über den Pleochroismus. 
Schliefslich berichtet 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky noch über die Versuche mit 
>* -der Wünschelrute, die unter Kontrolle verschiedener Gelehrter von den 
Herren von Uslar, von Bülow und Voll in der Dresdner Gegend aus- 
geführt worden sind. 

Der Vortragende stellt fest, dafs alle drei Herren einige Kohlenausbisse und die 
Grenze zwischen Kohlenformation und sibirischen Tonschiefern im Döhlener Becken mit 
grofser Genauigkeit gefunden haben, und dafs das in seinen Ursachen noch völlig un- 
geklärte Phänomen einer genauen Prüfung durch naturwissenschaftliche und insbesondere 
medizinische Sachverständige wert und bedürftig sei. 


24 


IY. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Dritte Sitzung am 9. Dezember 1909. Vorsitzender: Hofrat Prof. 

Dr. J. Deichmüller. — Anwesend 30 Mitglieder. 

Der Vorsitzende bespricht eine Arbeit von H. Schmidt: „Die vor- 
geschichtlichen Rundwälle in der Amtshauptmannschaft Löbau i. S. u (Jahres- 
hefte der Ges. für Anthrop. und Urgeschichte der Oberlausitz, Bd. II, 
Heft 3/4. Görlitz 1909.) 

Zahlreiche Veröffentlichungen über die vorgeschichtlichen Wälle und mannigfaltige 
Hypothesen über den Zweck zeugen für das rege Interesse, welches diesen Bauwerken 
von den Altertumsforschern geschenkt worden ist. Abweichend von der üblichen 
Gruppierung in Schlacken-, Stein- und Erdwälle teilt sie der Verfasser nach den Funden 
in denselben in Yorslawische, slawische und mittelalterliche Wälle ein Der einzige 
vorslawische Wall der Amtshauptmannschaft Löbau, der auf dem Löbauer Berg, ist 
nach seiner Ansicht durch Ablesen der Steine von dem bewohnten Innenraum und Auf- 
schichten derselben am Rande entstanden und hat als Einfriedigung, nicht als Schutz- 
wehr ge^en Überfälle gedient. Die Verschlackung einzelner Teile des Walles führt er 
auf zufällige Entstehung, hauptsächlich durch Herdfeuer, zurück. Die Mehrzahl der 
Wälle des behandelten Gebietes gehören der slawischen Zeit an. Auf herrschenden, 
zum Teil schwer zugänglichen Punkten aus Lehm oder Erde errichtet und auf der 
Aufsenseite durch Steinbelag befestigt, dienten sie vor allem dem Schutze der in die 
Innenböschung eingebauten Wohnungen. Einzelne sind stellenweise verschlackt oder 
• geglüht. Diese Erscheinung wird als eine absichtlichem einem tiefen . Graben in der 
Längsaxe des Walles erzeugte angesehen und bezw^kte da§ Trockenlegen des Erd-, 
reichs hinter und über den Wohnräumen. Zu den mittelalterlichen Wällen gehören * 
die beiden auf dem Hochstein bei Kleindehsa, die im Gegensatz zu den slawischen aus 
freistehenden, ungemörtelten Mauern aus flachen, geschlagenen Steinen bestehen, an 
deren Innenseiten Hütten angebaut waren. Einen besonderen Wert erhält die vor- 
liegende Arbeit durch die eingehende, durch Grundrisse und Durchschnittszeichnungen 
und Abbildungen von Fundstücken erläuterte Beschreibung der einzelnen Wälle. Zum 
Schlufs berichtigt der Verfasser verschiedene Irrtümer über angeblich vorgeschichtliche 
und andere Altertümer der Amtshauptmannschaft Löbau. 

Derselbe legt weiter vor: 

Weber, Fr.: Die vorgeschichtlichen Denkmale des Königreichs Bayern, 

I. Bd.: Oberbayern. Mit 5 Übersichtskarten. München 1909, 

und berichtet über die Gründung einer Deutschen Gesellschaft 
für Vorgeschichte. 

Direktor H. Döring bespricht eingehend die neue „Prähistorische 
Zeitschrift“, herausgeg. von C. Schuchardt, K. Schumacher und H. Seger, 

Bd. I, Heft 1. Berlin 1909, „und . 

Oberlehrer 0. Ebert das kurz vorher erschienene Organ der Deutschen 
Gesellschaft für Vorgeschichte: „Mannus, Zeitschrift für Vorge- 
schichte“, herausgeg. von G. Kossinna, Bd. I, Heft 1/2. Würzburg 1909. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller berichtet kurz über die abschliefsenden^. 
Ergebnisse seiner Ausgrabungen auf dem Gräberfelde der früh- 
römischen Kaiserzeit bei Piskowitz-Prositz und • 

legt einige von Lehrer J. Hottenroth-Gersdorf eingesandte und zum 
Teil der K. Prähistorischen Sammlung geschenkte, interessante neue Funde 
aus Sachsen vor: 

Aus einer Herdgrube der jüngeren Steinzeit in Flur Birmenitz bei Lommatzsch 
stammt der Torso einer in sehr realistischer Weise dargestellten weiblichen Figur aus 
Ton und ein Rohstück von Amphibolschiefer mit langem, tiefem Sägeschnitt, von Jessen 
bei Lommatzsch ein durchlochtes Gerät aus Hornblendeschiefer in der Form einer 
Kreuzhaue. (Vergl. Abhandlung XII.) 


25 


Y. Sektion für Physik und Chemie. 


Vierte (aufserordentliche) Sitzung am 8. Juli 1909. Vorsitzender: 
Prof. Dr. A. Lottermoser. — Anwesend 75 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Hallwachs und Dr. H. Dem her erstatten 
einen Bericht über kontakt-elektrische und licht-elektrische Ar- 
beiten aus dem physikalischen Institut der K. Technischen 
Hochschule. (Vergl. Abhandlung VII.) 


Fünfte Sitzung am 7. Oktober 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Lottermoser. — Anwesend 39 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende berichtet über den j etzigen Stand der Kolloid- 
ehern i e. 

Nack einer kurzen Einleitung über die Gasgesetze, die Avogadrosche Hypothese 
und die kinetische Gastheorie und ihre Übertragbarkeit auf Lösungen, wird zunächst 
gezeigt, dafs zwischen den Eigenschaften von Gasen, Lösungen und Suspensionen keine 
sprunghaften Änderungen zu bemerken sind. Die Untersuchungen Svedbergs und 
Perr ins haben streng bewiesen, dafs alle denselben Gesetzmäfsigkeiten gehorchen, so 
dafs nunmehr auch die kinetische Gastheorie und die Molekulartheorie auf sicherer 
experimenteller Grundlage stehen. * 

Die Ladung der Hydrosolteilchen kommt nach den. neuesten Forschungen durch 
Jonenadsorption zustande und steht in engster Beziehung zum Verhalten der Hydrosole 
Elektrolyten gegenüber und zur Einwirkung verschiedener Hydrosole aufeinander. Es 
werden auch hier die neuesten Forschungsergebnisse mitgeteilt. Ferner wird die Methode 
der Ultrafiltration, die Anwendung der Zentrifuge für die Untersuchung von Hydrosolen, 
die Einwirkung grofser Temperaturänderungen, namentlich starker Abkühlung (Aus- 
frieren) besprochen. Endlich wird über die neueren Bestrebungen berichtet, den kri- 
stallinischen als den allgemeinen Zustand der Materie hinzustellen, insonderheit die 
Hydrosole als heterogene Gebilde mit einer kristallinischen, festen Phase aufzufassen. 

An der Diskussion beteiligen sich Geb. Hofrat Prof. Dr. E. von Meyer, 
Privatdozent Dr. H. Thiele und der Vortragende. 


Sechste Sitzung am 2. Dezember 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Lottermoser. — Anwesend 51 Mitglieder und Gäste. 

Dr. W. Friese spricht über die Methodik der Staub- und Hufs- 
bestimmung in der Luft. 

Nach einer kurzen Rekapitulation des an gleicher Stelle im Januar 1909 über 
den Staub- und Rufsgehalt der Stadtluft gehaltenen Vortrags, wird zunächst an der 
Hand einiger durch das Kaiserl. Gesundheitsamt in Berlin herausgegebenen Tabellen ge- 
zeigt, wie in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang der Tuberkulosesterblichkeit im 
Deutschen Reich zu verzeichnen ist, dafs aber im Gegensatz hierzu sich ein Anwachsen 
der Sterblichkeit an akuten Krankheiten ‘der Atmungsorgane bemerkbar gemacht hat. 
Nicht zum wenigsten ist diese letzte -Tatsache der Rauch*- und Rufsplage, namentlich 
in den Grofsstädten, zuzuschreiben. Deshalb mufs es eine Hauptaufgabe der modernen 
Hygiene sein, sich mit diesem Kapitel eingehend zu befassen und zunächst nach brauch- 
baren Methoden an möglichst vielen Orten des Reiches VYerte über den Gehalt der Luft 
an Staub und namentlich an Rufs zu sammeln, mit deren Hilfe dann eine sachgemäfse 
Rauchbekämpfung in die Wege geleitet werden kann. 

Nunmehr werden die bis jetzt angewendeten Methoden der Staub- und Rufs- 
bestimmung in der Luft erläutert. Hieraus ergibt sich eine bedingte Brauchbarkeit der 
quantitativen Staubbestimmungsart nach Liefmannn und eine unbedingte Zuverlässigkeit 
der kolorimetriscken Rufsbestimmungsmetbode nach Rubner und Renk. Die letztere ist 


26 


so empfindlich, dafs es damit noch möglich ist, die Schwankungen des Rufsgehaltes eines 
Zimmers je nach Lage der Untersuchungsstelle in demselben, also ob am Boden oder an 
der Decke usw. einwandfrei zu ermitteln. 

Weiter wird über verschiedene Versuche berichtet, um diese kolorimetrisch-ver- 
gleichende Methode zu einer quantitativen zu verwerten. Da diese Untersuchungen zur 
Zeit noch nicht abgeschlossen sind, konnten sie nicht eingehend behandelt werden. Jeden- 
falls läfst sich aber mit Bestimmtheit sagen, dafs die Renksche Untersuchungsmethode 
(siehe „Arbeiten aus den Hygienischen Instituten zu Dresden“ 1907, Heft 1) recht wohl 
geeignet ist, sich auch in dieser Hinsicht verwenden zu lassen. 

Nach Verlesung der Resolutionen, welche auf dem XIV. internationalen Kongrefs 
für Hygiene und Demographie zu Berlin 1907 zur Rauchbekämpfung in den Städten 
aufgestellt wurden (siehe Berichte dieses Kongresses), wurde auf die Notwendigkeit der 
Gründung einer Zentralstelle zur Unterdrückung der Rauch- und Rufsplage im Deutschen 
Reiche nach einem Vorschläge von Ascher auf dem diesjährigen Kongrefs in Zürich 
hingewiesen. 

Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann wird wohl auch ein Absinken der Sterblichkeit 
an akuten Erkrankungen der Atmungsorgane zu verzeichnen sein, ähnlich wie durch 
die Erfolge der Bakteriologie in jüngster Zeit die Sterblichkeit an Tuberkulose ganz 
bedeutend zurückgegangen ist 

An der Diskussion beteiligen sich Geb. Hofrat Prof. H. Fischer, 
Priv. M. Hoffmann-Lincke, Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalk.owsky und der 
Vortragende. 


Yl. Sektion für Teine und angewandte Mathematik. 


Vierte Sitzung am 14. Oktober 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Witting. — Anwesend 14 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über graphische 
Bestimmung der Achsen des schiefen elliptischen Kegels. (Vergl. 
Abhandlung X.) 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger macht Mitteilungen über irrationale 
ebene Kurven 3. Ordnung. 

I. In einer 1847 veröffentlichten Abhandlung gibt 0. Hesse einen Satz über Kurven 
3. Ordnung, in dem sich eine irrige Abzählung vorfindet ; Cremona hat diesen Satz in 
seine „ebenen Kurven“ aufgenommen, aber ohne die Abzählung; Dur ege gibt ihn 
in seinen „ebenen Kurven 3. Ordnung“, mit der unrichtigen Abzählung. 

In bezug auf ein Dreieck A x A 2 A 31 in dem A 3 ein realer Wendepunkt, A 8 A x die 
zugehörige Wendetangente ist und A 3 Ä 2 die Kurve in A 2 berührt, hat man bekanntlich 
x x : x 2 :x s =p x sin 3 am X : p 2 sin am X :p 3 cos X A am X, wobei p x p 2 p 3 und der Modul k die 
besondere Natur der Kurve bezeichnen. 

Wenn die drei Punkte \ x X 2 X 3 der C 3 auf einer Geraden* liegen, so ist bekanntlich 
• X, — [— Xg — |— X 3 — 0, d. i. — m • 2 K. — j— fl • 2 K' ?, 

* * wob$i m und n ganze Zahlen sind und K und K ' die übliche Bedeutung haben. Ebenso 

ist für (»-Punkte eines Kegelschnitts, bezw. für 9 Punkte einer andern Kurve 3. Ordnung 
X 1 *G* _ ■ ■ - 0, bez\V Xf— j— • • • — Xg 0. 

Die Punkte, in denen die C 3 von einem Kegelschnitte sechspunktig berührt wird, sind 
die Wurzeln der Kongruenz 6X~0; unter ihnen befinden sich die 9 Wendepunkte, die 
der Kongruenz 3X^ 0 genügen; es gibt daher 27 eigentliche, eine C 3 sechspunktig be- 
rührende Kegelschnitte. Ihre 27 Berührungspunkte sind die Berührungspunkte der die 
Wendepunkte enthaltenden Kurventangenten. Werden K:3 mit a und K'i: 3 mit ß 
bezeichnet, sö ordnen sich die 27 Punkte in drei Gruppen zu je 9, je nachdem die Punkte 
sich von den Wendepunkten um 3 a, 3 ß oder 3a + 3ß unterscheiden. Bezeichnet man 
mit mn den Puukt ma-j- nß, so erhält man für die Wendepunkte ( W ) und die drei 
Gruppen (I, II, III) zugeordneter Berührungspunkte die Übersicht 


27 


w 

I 

LE 

III 

00 

30 

03 

33 

02 

32 

05 

35 

04 

34 

01 

31 

20 

50 

23 

53 

22 

52 

25 

55 

24 

54 

21 

51 

40 

10 

43 

13 

42 

12 

45 

15 

44 

14 

41 

11 


Hesse behauptet, dafs unter den 84 Kombinationen 6. Klasse, ohne Wiederholung, der 
Punkte einer Gruppe, I, II oder III, 66 sein sollen, die auf einem Kegelschnitte liegen. 

Die Punkte einer Gruppe unterscheiden sich von den in derselben Zeile stehenden 
(zugehörigen) Wendepunkten um 3 a, 3 ß, bezw. 3 a -p 3 ß ; die Summe von 6 Punkten 
einer Gruppe ist demnach der Summe der zugehörigen Wendepunkte kongruent, und 
diese Bemerkung gilt auch noch, wenn von den 6 Punkten nicht alle verschieden sind. 
Sollen 6 verschiedene Punkte einer Gruppe auf einem Kegelschnitte liegen, so müssen 
daher die entsprechenden 6 verschiedenen Wendepunkte die Summe kongruent Null 
haben. Da nun die Summe aller 9 Wendepunkte kongruent Null ist — in Überein- 
stimmung damit, dafs die Wendepunkte auf der Hesseschen Kurve liegen — so ist die 
Summe von 6 verschiedenen W nur dann Null, wenn die übrigen drei auf einer Geraden 
liegen; damit ist bewiesen, dafs es in jeder Gruppe nur 12 mal vorkommt, 
dafs 6 verschiedene Punkte auf einem Kegelschnitte liegen. 

Der Hessesche Satz läfst eine Ergänzung zu. Bei den Kombinationen 6. Klasse 
dersflK, bei denen ein W zweimal auftritt, während die übrigen von diesem und unter- 
einander verschieden sind, ergibt sich die Summe Null nur dann, wenn die fünf W auf 
zwei Geraden liegen, die den wiederholten W gemein haben. Da dies 66 — 12 = 54 mal 
vorkommt, so folgt: Unter den Punkten jeder Gruppe I, II oder III kommt es 
54 mal vor, dafs ein Kegelschnitt, der 4 Punkte der Gruppe enthält, die 
Kurve in einem fünften Punkte derselben Gruppe berührt. Durch die vier 
Punkte, in denen ein solcher Kegelschnitt die C 3 schneidet, gehen noch drei Kegel- 
0 r schnitte, die die C s berühren; auch deren Berührungspunkte gehören der Sechs- 
i ^^ilungsgruppe des Punktes Null, d. i. der Gruppe 6X 0 an; z. B. die Kegel- 
schnitte, die durch 

30, 34, 10, 14 

gehen und die C 3 berühren, haben die Berührungspunkte 

2X = 4a + 4ß, 

woraus folgt 

X -ze 22, 52, 25, 55. 

* * Für drei Wendepunkte, die auf einer Geraden liegen, und einen beliebigen anderen 
dreimal gezählten Wendepunkt sind die beiden Zeigersummen ebenfalls kongruent 0 
(mod 6). ln jeder Gruppe kommt es daher 72 mal vor, dafs ein Kegelschnitt 
in einem Gliede der Gruppe die C 3 dreipunktig berührt und drei andere 
Glieder derselben Gruppe enthält. Wenn man zu drei Wendepunkten, die auf 
einer* Geraden liegen, einen dieser Wendepunkte dreifach hinzufügt, so kommt man auch 
auf durch 6 teilbare Zeigersummen. Die Glieder einer jeden Gruppe, deren zu- 
gehörige Wendepunkte auf einer Geraden liegen, bestimmen daher drei 
Kegelschnitte, die in einem Gliede die C 3 vierpunktig berühren und durch 
die beiden anderen hindurchgehen. 


Fünfte Sitzung am 9. Dezember 1909. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Witting. — Anwesend 17 Mitglieder und Gäste. 

Bauamtmann Dr. A. Schreiber führt den neuen harmonischen 
Analysator von Mader vor. 

Es handelt sich um die Bestimmung der Koeffizienten A n und Bn (Amplitudeu) in 
der Entwicklung einer beliebigen (willkürlichen) periodischen Funktion f(x) mit der 
Periode o nach der sogen. Fourierschen Beihe ; 


28 


f{cc) = ~ A 0 -[- A x cos x • — -f- A 2 cos 2.« • — -j- 

a ct 

IT> ' ^ I X> • o 2 TC 

4- -üi sm ai h B 9 sm 2a? H > 

1 a a 

wobei sich bekanntlich die A n und Bn in folgender Weise als bestimmte Integrale dar- 
stellen lassen: 

a a 


A n — 


aj y COä ( B x - 2 i) dx Bn = Ij y siu (» * • -£) 


d x . 


0 0 
Bei dem vorliegenden Analysator wird eine kreisrunde Scheibe mit vertikaler Dreh- 
achse durch einen Mechanismus derart in fortschreitende und drehende Bewegungen ver- 
setzt, dafs ein Punkt P der Scheibe, während der Fahrstift des Analysators die Kurve 
befährt und, am Ende der Perioie angelangt, auf der Basis a geradlinig bis zum Anfang 
der Kurve zurückgeführt wird, eine geschlossene Kurve beschreibt, deren Inhalt, ab- 
gesehen von einem konstanten Faktor, der gleich 100 gemacht wird, den Koeffizienten 
A n darstellt. Ein anderer Punkt Q derselben Scheibe gibt in derselben Weise den 
Koeffizienten B n . ln den Punkt P wird der Fahrstift eines gewöhnlichen Planimeters 
eingesetzt, so dafs es nur nötig ist, vor und nach dem Umfahren der zu analysierenden 
Kurve das Planimeter abzulesen. Dem Instrumente sind Scheiben für die 1. bis 11. 
harmonische Schwingung beigegeben. Ein wesentlicher Vorteil des Instrumentes beruht 
darin, dafs es für jede beliebige Basis zwischen « = 20 und 360 mm eingestellt werden 
kann. Das Instrument ist sehr leicht zu handhaben, derart, dafs eine gezeichnet vor- 
liegende Funktion samt Aufstellung und Adjustierung des Instrumentes bei einiger 
Übung etwa in einer Stunde bis zur 4. oder 5. Schwingung analysiert werden kann.* Der 

Koeffizient — A 0 wird natürlich ermittelt, indem man die vorgelegte Kurve direkt 'mit 
& 

dem Planimeter umfährt und die erhaltene Fläche durch a teilt. 

Der Analysator wird von der Firma Gebr. Stärzl, München, Amalien str. 28 zum 
Preise von 120 Mk. geliefert. D R G. M. Ausführliche Darstellung der Theorie und 
des Gebrauchs vergl. 0. Mader: Ein einfacher harmonischer Analysator mit beliebiger 
Basis... Elektrotechn. Zeitschr. 1909, Heft 36. 

Über ältere Instrumente zur harmonischen Analyse vergl. den Aufsatz won; 

0. Henrici im Katalog mathem. und mathem. -physikalischer Modelle, Apparate un# 1 * 
Instrumente der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. München 1892, S. 125; ebenda- 
selbst S. 213 ff. 

Der Vortragende teilt einige Versuchsreihen mit, die gewonnen worden sind 
durch harmonische Analyse einer aus geraden Linien zusammengesetzten Funktion (von 

A , . ci a . . a a a . . 3 3 

x = 0 bis — y = 0, von x = — bis — i y = x — — , von & = — bis x — y — x — ^ a > 

wobei es dann durch Integration möglich ist. " 

die Koeffizienten A n und Pu analytisch und numerisch (a = 200 mm) zu ermitteln. Der 

Funktionsverlauf zeigt dann für x = ^ eine Unstetigkeit ^Sprung von auf — 

Die Vergleichung der berechneten’ Koeffizienten mit den durch das Instrument mechanisch 
ermittelten zeigte, dafs die gröfsten Fehler nur 4 0,3 mm sind. An Unstetigkeitsßtellen 

wird die dort vorhandene Ordinate filier die zu = gehörende Ordinate zw^olien 
~ ^ befahren, als wäre sie ein Teil der Kurve. 

Bauamtmann Dr. A. Schreiber spricht ferner über Logarithmen- 
papiere und deren Anwendung, sowie über einen Abacus zur Auf- 
lösung dreigliedriger kubischer Gleichungen. 

Diese Papiere sind erst kürzlich von der Firma Schleicher & Schüll, Düren 

1. Rheinland, in den Handel gebracht worden Die erste Sorte ist in der einen Richtung 
linear, d. li. wie gewöhnliches Millimeterpapier, in der anderen Richtung wie eine sogen. 
Gunterskala (Skala des Rechenschiebers), d. h. logarithmisch geteilt. Die Kurve 

y = ae kx , 


schliefslich von x = a bis 
4 


2 

ö y = o), 


y — 


und 


29 


(e Basis der nat. Logarithmen, a und k Konstante) stellt sich auf diesem Papier als 
gerade Linie dar. Der Vortragende deutet eine Reihe von mathematischen, physikalischen 
und technischen Anwendungen an. 

Die zweite Sorte der Logarithmenpapiere ist in beiden Achsenrichtungen logarith- 
inisch geteilt. Eine auf solchem Papier gezeichnete Gerade stellt die Kurve 

X m yn = C 

dar, wo m, n und C Konstante sind ; eine Schar paralleler Geraden gibt eine Isoplethen- 
dar Stellung für die Funktion 

z = Ä . x m y ™ , 

wo A, in imd n Konstante sind. So ist es leicht, sich einen Abacus für graphische 
Multiplikation und Division herzustellen, der die Gleichung 

z = xy 

vertritt. Die Schar der hier auftretenden Hyperbeln erscheint auf dem Logarithmen - 
papier als eine Schar von parallelen Geraden, die auf den Achsen des Logarithmenpapiers 
(gezählt von dem mit 1 bezifferten Punkte) gleiche Abschnitte hervorbringen. Die Haupt- 
anwendung finden diese Papiere in der Nomographie (Lehre von den Isoplethendar- 
stellungen). 

Der Vortragende legt schliefslich einen auf logarithmischein Papier der zweiten 
Sorte entworfenen Abacus zur Auflösung kubischer Gleichungen vor, der auf dem be- 
kannten Satze beruht, dafs die Abszissen der Schnittpunkte zweier Kurven mit den 
Gleichungen 

y = %?- y=px 
Wurzeln der kubischen Gleichung 

x z — px-\-q — Q (p >> 0, #^0) 
sind. Die Wurzeln der Gleichung 

x z -\-px — cf = 0 

ergeben sich aus den beiden Kurven 

y — q — x s , y=px (p >» 0, q >- 0). 

Der Abacus besteht daher aus zwei einzelnen Teilen und läfst sich infolge der Eigen- 
schaften des Logarithmenpapiers sehr leicht zeichnen und auf geringen Raum ein- 
schränken. Die Gleichung 

x z -{-px-\-q = 0 (p > 0, q > 0) 

kann auf dem Abacus nicht dargestellt werden. Ihre einzige reelle und negative Wurzel 
findet man aber, indem man die positive Wurzel der Gleichung 

x z -\-px — q = 0 

aufsucht. In dieser Weise fiudet man auch in anderen Fällen die negativen reellen 
Wurzeln irgend einer vorgelegten kubischen Gleichung. Durch Wurzelvergröfserung 
oder Verkleinerung kann man jede reelle Wurzel einer beliebig vorgelegten kubischen 
Gleichung auf den Abacus bringen. 

Vergl. hierzu A. Schreiber: Über Logarithmenpapiere. Zentralblatt der Bau- 
verwaltung, 1909, Nr. 88, S. 574. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger führt Wandtafeln mit Kurven 
3. Ordnung vor und gibt eingehende Erläuterungen dazu. (Vergl. Ab- 
handlung XI.) 


VII. Hauptversammlungen. 


Am 29. September 1909 fand an Stelle der Hauptversammlung eine 
Besichtigung der Nähmaschinenfabrik von Clemens Müller in 
Dresden-N., Grofsenhainerstrafse 1/5, unter Führung der Direktoren der 
Fabrik statt, an der 28 Mitglieder und Gäste teilnahmen. 


30 


Achte Sitzung am 28. Oktober 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 59 Mitglieder und Gäste. 

Ausgelegt sind die Photographien der Adresse, welche der Uni- 
versität Leipzig zur 500jährigen Jubelfeier von den naturwissen- 
schaftlichen und verwandten Gesellschaften Sachsens überreicht worden ist. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt und Bibliothekar A. Richter berichten 
über die Fortschritte der Katalogisierung der Gesellschafts- 
bibliothe k. 

Prof. Dr. A. Wittin g veranlafst eine kurze Aussprache über die Be- 
teiligung der Isis an den Bestrebungen, welche auf die Erhaltung der 
jetzt im Ausstellungspark erbauten Sternwarte für Dresden ge- 
richtet sind. 

Bauamtman'n Dr. A. Schreiber hält einen Lichtbildervortrag über 
das Stereoskop und die Stereomethoden, sowie deren Anwendung 
in der Photogrammetrie. 


Neunte Sitzung am 25. November 1909. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 93 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt gibt bekannt, dafs der Gesellschaft von 
einem ungenannten Mitgliede ein Beitrag von 500 Mk. zur Drucklegung 
eines neuen Bibliothekskataloges geschenkt worden sind. 

Hierauf wird die Wahl der Beamten für 1910 vorgenommen. 
(Vergl. die Zusammenstellung auf S. 32.) 

Geh. Rat Prof. Dr. W. Hempel hält einen Experimentalvortrag über 
elektrische Laboratoriumsöfen. 


Zehnte Sitzung am 16. Dezember 1909. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
H. Engelhardt. — Anwesend 47 Mitglieder. 

Auf Antrag der Sektion für prähistorische Forschungen wird be- 
schlossen, die beiden neu erschienenen Zeitschriften für Vorgeschichte: 

Prähistorische Zeitschrift, herausgeg. von 0. Schuchhardt, K. Schu- 
mncher und H. Seger, und 

Mannus, Zeitschrift für Vorgeschichte. Organ der Deutschen Ges. für 
Vorgesch., herausgeg. von G. Kossinna, 

für die Gesellschaftsbibliothek zu abonnieren. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller teilt mit, dafs die gegenwärtige Zahl 
der wirklichen Mitglieder 279 beträgt und damit der Höchstbestand an 
wirklichen Mitgliedern seit Gründung der Gesellschaft (278 im Jahre 1873) 
überschritten worden ist. 

Baurat 0. Göllnitz spricht unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder 
über die erdmagnetische Vermessung Sachsens und deren Er- 
gebnisse. 

Vergl. Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, 
Jhrg. 1909, A, S. 3 ff. Mit 4 Tafeln. 


31 


Yeräiiderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 27. November 1908 starb in Paris Dr. Albert Gaudry, früher 
Professor der Paläontologie am Musee d’liistoire naturelle, Membre de 
^Institut, korrespondierendes JVIitglied der Isis seit 1868. 

Am 13. September 1909 starb Adelbert Geheeb, privatisierender 
Apotheker in Freiburg i. Br., korrespondierendes Mitglied seit 1877. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Guthmann, Louis, Kaufmann in Dresden, am 25. November 1909; 
Heinich, Rud., Dr. phil., Gymnasiallehrer in Dresden, am 16. De- 
zember 1909; 

Lange, Ernst, Dr. phil., Geh. Schulrat, vortrag. Rat im Kultusministerium 
in Dresden, am 28. Oktober 1909; 

Langenhan, J., Dr. jur., Rechtsanwalt in Dresden,! \r nvpm n pr ,q 0 q 

Riehmer, Ernst, Organist in Leuben b. Dr., J a 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse 

zahlten: Dr Amthor, Hannover, 3Mk.; Prof. Dr. Bachmann, Plauen i. V., 
3 Mk.; Oberbergrat Prof. Dr. Beck, Freiberg, 3 Mk.; K. Bibliothek, 
Berlin, 3 Mk. ; naturwissensch. Modelleur Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. ; 
Apotheker Capelle, Springe, 3 Mk.; Privatmann Eisei, Gera, 3 Mk.; 
Chemiker Dr. Haupt, Bautzen, 3 Mk. ; Prof. Dr. Hibsch, Liebwerd, 2 Mk. 
89 Pf.; Bürgerschullehrer Hofmann, Grofsenhain, 3Mk.; Lehrer Hotten- 
roth, Gersdorf, 3 Mk.; Prof. Dr. Müller, Pirna, 3 Mk.; Prof. Naumann, 
Bautzen, 3 Mk. 5 Pf.; Sektionsgeolog Dr. Petrascheck, Wien, 3 Mk. 5 Pf.; 
Oberlehrer Dr. Raths bürg, Chemnitz, 6 Mk.; Oberlehrer Seidel I, 
Zschopau, 4 Mk.; Prof. Dr. Sterz el, Chemnitz, 3 Mk. 5 Pf.; Dr. med. 
Th ümer, Karlshorst, 3 Mk.; Prof. Dr. Umlauf, Hamburg, 6 Mk. 5 Pf. — 
In Summa 64 Mk. 9 Pf. 

G. Lehmann, 
Kassierer der „Isis“. 


32 


Beamte der Isis im Jahre 1910. 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 
Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Direktorium. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Als Sektionsvorstände: 

Prof. Dr. E. Lohr mann, 

Prof. Dr. F. Neger, 

Oberlehrer Dr. P. Wagner, 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, 

Prof. H. Rebenstorff, 

Prof. Dr. A. Witting. 

Erster Sekretär: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 
Zweiter Sekretär: Direktor A. Thiimer. 

Verwaltungsrat. 

Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Mitglieder: Geh. Hofrat Prof. H. Fischer, 

Bankier A. Kuntze, 

Geh. Kommerzienrat L. Guthmann, 
Privatmann W. Putscher, 

Fabrikbesitzer E. Kühnscherf, 

Zivilingenieur R. Scheid hau er. 

Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Bibliothekar: Privatmann A. Richter. 

Sekretär: Direktor A. Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I. Sektion für Zoologie. 

Vorstand: Prof. Dr. E. Lohrmann. 

Stellvertreter: Lehrer H. Viehmeyer. 

Protokollant: Lehrer G. Dutschmann. 

Stellvertreter: Lehrer G. Schönfeld. 

II. Sektion für Botanik. 

Vorstand: Prof. Dr. F. Neger. 

Stellvertreter: Kustos Dr. B. Schorler. 

Protokollant: Prof. Dr. A. Saupe. 

Stellvertreter: Lehrer E. Herrmann. 


33 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. P. Wagner. 

Stellvertreter: Dr. K. Wanderer. 

Protokollant: Dr. E. Ri mann. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Geifsler. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 

Vorstand: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Stellvertreter: Direktor H. Döring. 

Protokollant: Oberlehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Oberlehrer M. Klahr. 


V. Sektion für Physik und Chemie. 

Vorstand: Prof. H. Rebenstorff. 

Stellvertreter: Direktor Dr. A. Beythien. 

Protokollant: Privatdozent Dr. H. Thiele. 

Stellvertreter: Fabrikbesitzer R. Jahr. 

VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 

Vorstand: Prof. Dr. A. Witting. 

Stellvertreter: Prof. Dr. E. Naetsch. 

Protokollant: Bauamtmann Dr. A. Schreiber. 

Stellvertreter: Gymnasiallehrer E. Sporbert. 


Redaktionskomitee. 

Besteht aus den Mitgliedern des Direktoriums mit Ausnahme des 
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Sekretärs. 


Bericht des Bibliothekars. 


Im Jahre 1909 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt: 

A. Durch Tausch. 

(Die tauschende Gesellschaft ist verzeichnet, auch wenn im laufenden Jahre keine 
Schriften eingegangen sind.) 

I. Europa. 


1. Deutschland. 


Altenburg : Natur forschende Gesellschaft des Osterlandes. 

Annaberg- Buchholz: Verein für Naturkunde. 

Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. — 
38. Bericht. [Aa 18.] 

Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. 

Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. 

Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. 

Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 60, Heft 4; 
Bd. 61, Heft 1 — 3; Monatsberichte 1908, Nr. 8 — 12; 1909, Nr. 1 — 7. 
[Da 17.] 

Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Zeitschrift für Ethnologie, 40. Jahrg., Heft 6; 41. Jahrg., Heft 1—5. 
[G 55.] 

Bonn: Natur historischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens 
und des Reg.-Bez. Osnabrück. — Verliandl., 65. Jahrg. ; 66. Jahrg., 
1. Hälfte. [Aa 93.] 

Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs- 
ber., 1908; 1909, 1. Hälfte. [Aa 322.] 

Braunschiveig : Verein für Naturwissenschaft. 

Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIX, Heft 3 
nebst Beilage. [Aa 2.] 

Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 86. Jahresber. 


[Aa 46.] 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 


lerzogl. geologische Landes- 
Fa 8.] 


Darmstadt: Verein für Erdkunde und Gross 
anstalt. — Notizbl., 4. Folge, 29. Heft. 

Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landesteile. — Schriften, XII. Heft. [Aa 174.] 
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber. 1908 — 1909. 


[Aa 47.] 

Dresden: K. Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. 
— Sitzungsber. und Abhandl., Jahrg. 10—1*3. [Ca 26.] — Verzeichnis 
der Bibliothek. [Je 122.] 

Dresden: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Heft 8 u. 9, und Mitglieder- 
verzeichnis 1909. [Fa 6.] 

Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sächs. 
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXX. [G 75.] 


35 


Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mitteil., 
1908—1909. [Ha 9.] 

Dresden : K. Mineralogisch -geologisches Museum. 

Dresden : K. Zoologisches und Anthrop.- ethnogr. Museum. 

Dresden : K. Oeffentliche Bibliothek. 

Dresden : K. Tierärztliche Hochschule. - — Bericht für das Jahr 1908, n. F., 
III. [Ha 26 b.] — Bericht über das Veterinär wesen in Sachsen, 53. Jahrg. 
[Ha 26.] 

Dresden : K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht für das Studien- 
jahr 1907 — 1908 und 1908—1909; Verzeichnis der Vorlesungen und 
Uebungen samt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1909, W.-S. 1909 
bis 1910. [Je 63.] — Personalverz. Nr. XXXIX — XL. [Je 63b.] 
Dresden'. K. Sächs. Landeswetterwarte. — Deutsches meteorolog. Jahrbuch 
für 1904, II. Hälfte, und 1905, I. Hälfte. [Ec 57.] — Dekaden Monats- 
berichte, Jahrgang XI. [Ec 57 c.] 

Dürkheim : Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. — 
Mitteil. LXV, Nr. 24. JAa56.] 

Düsseldorf : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber., 12. Heft. [Aa 235. J 
Emden\ Naturforschende Gesellschaft. — 93. Jahresber. [Aa-48.] 

Emden : Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. 
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher, 
XXXIV. Heft. [Aa 263.] 

Erlangen: Physikalisch -medizinische Sozietät. — Sitzungsberichte, 39. u. 
40. Bd. [Aa 212.] — Festschrift zur Feier des lOOiährigen Bestehens. 
[Aa 21.2 b.] 

Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht 
für 1909. [Aa 9 a.] 

Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresbericht für 1907 — 1908. 

[Eb 35.] — Der Neubau und seine Eröffnungsfeier 1908. [Eb 35b.] 
Frankfurt a. O.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. 

Freiberg: K. Sächsische Bergakademie. — Programm für das 143. Studien- 
jahr. [Aa 323.] 

Freiburg i. Br.: Badischer Landesverein für Naturkunde. — Mitte^., 
Nr. 226 — 244. [Aa 346.] — Mitteil, des badischen botanischen Vereins, 
Nr. 51 — 225 und 4 Beilagen. [Ca 31.] 

Fulda: Verein für Naturkunde. — IX. Bericht. [Aa 22b.] 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 3. u. 4. 
Bericht der medizinischen Abteil.; Bericht der naturwissensch. Abt. 
Bd. 2. [Aa 26.] 

Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — AbUandlungen' Bd. 2*6. [Aa 3.] 
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Codex diplo- 
maticus Lusatiae superioris, Bd. 81, Heft 5; Neues Lausitzisches 
Magazin, Bd. 85. [Aa 64.] — W. Scheibe: Die baugeschichtliche Ent- 
wicklung von Kamenz. [G 158.] — R. Doehler: Geschichte der Ritter- 
güter und Dörfer Lomnitz und Bohra. [G 159.] — W. Steitz: Friedrich 
von Uechtritz als dramatischer Dichter. [Ja 102.] 

Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 
— Jahreshefte, Bd. II, Heft 3—4. [G 113.] 


36 


Greifswald'. Naturwissenschaftlicher Verein für Neu- Vorpommern und Rügen. 
— Mitteil., 40. Jahrg. [Aa 68.] 

Greifsivald : Geographische Gesellschaft. — XI. Jahresbericht. [Fa 20.] 
Greiz : Verein der Naturfreunde. 

Guben : Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — 
Mitteil., X. Bd., Heft 5 — 8. [G 102.] 

Güstroiv : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — 
Archiv, Jahrg. 62, Abt. II mit Anhang, u. Jahrg. 63, Abt. I. [Aa 14.] 
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. 

Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische Deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Heft XLV. [Aa 62.] 

Halle a. S.: Sachs. -Thüring. Verein für Erdkunde. — Mitteil., 32. Jahrgang. 
[Fa 16.] 

Hamburg: Wissenschaftliche Anstalten. — Jahrbuch, XXV. Jahrg. mit 
Beiheft 1—7. [Aa 276.1 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., III. Folge, 
16. Heft. [Aa 293 b.] 

Hamburg: Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. 
J£^wnover:,-NaturhistoHsche Gesellschaft. 

Hannover : r Geographische Gesellschaft. — 4. u. 5. Nachtrag zum Kataloge 
der Stadtbibliothek, 1906. [Fa 18.] 

Heidelberg: Naturhistorisch -medizinischer Verein. — Verhandl., Bd. VIII, 
Heft 5; Bd. IX; Bd. X, Heft 1—2. [Aa 90.] 

Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde. 
— - V. Bericht. [Aa 325.] 

Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. 21. [Aa 88.] 
Karlsruhe: Badischer zoologischer Verein. — Mitteilungen, Nr. 18. [Ba 27.] 
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. u. Bericht Nr. LII. [Aa 242.] 
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschrift, 


Bd. 43. [Fa 21.] 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. 

Köln : • Redaktion der Gaea. 

Königsberg i. Pr.: Physikalisch - ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 
% 49. Jahrg. [Aa 81.] 

Königsberg i. Pr.: Altertums -Gesellschaft Prussia. 

Krefeld: Verein für Naturkunde. — Mitteilungen 1909. [Aa 329.] 

Landshut : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsberichte, 34. u. 35. Jahr- 
gang. [Aa 202.] 

Leipzig: K. Sächsische' Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl., mathem.-phys. Klasse, LX. Bd., Heft 6 — 8; LX1. Bd., 
Heft 1 — 3/ {Aa 296.] * 

Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Erläuterungen 
zu Sektion Rosswein-Nossen (Bl. 63), 2. Aufl., und zu Sektion Franken- 
berg-Hainichen (Bl. 78), 2. Aufl. [De 146.] 

Leipzig: Städtisches Museum für Völkerkunde. — Jahrb., Bd. 2. [G 155.] 

Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. — 
Mitteil., 2. Reihe, Heft 22 u. 23. [Aa 279b.] 

Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. 

Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 


37 


Magdeburg : Museum für Natur- uncl Heimatkunde. — Abhandl. u. Berichte, 
Band I, Heft 4. [Aa 342.] 

Mainz: Bömisch -germanisches Centralmuseum. — Mainzer Zeitschrift, 
Jahrg. 1907. [G 145a.] — Röm.-germ. Korrespondenzbl., 1. Jhrg. [G153.] 
Mannheim : Verein für Naturkunde. 

Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber., Jahrg. 1908. [Aa 266.] 

Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. 

München: Bayerische botanische Gesellschaft zur Erforschung der hei- 
mischen Flora. — Mitteil., Bd. II, Nr. 9 — 13; Berichte, Bd. XII, Heft 1. 
[Ca 29.] 

München: Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. — Mitteil., Jahrg. 

1909. [Fa 28.] — Zeitschrift, Bd. XXXIX. [Fa 28b.] 

Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. — 
36. u. 37. Jahresbericht. [Aa 231.] 

Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. — 34. Bericht. 
[Aa 28.] 

Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. 

Offenbach: Verein für Naturkunde. — 43. — 50. Bericht nebst Ergänzung. 
[Aa 27.] 

Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Passau : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Posen: Deutsche Gesellschaft für Kunst u. Wissenschaft. — Zeitschr. der 
naturwissenschaftl. Abteilg., XV. Jahrg.] Heft 3 — 5; XVI. Jahrg., Heft 1 
bis 5. [Aa 316.] 

Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Reaensburq: K. Bayer, botanische Gesellschaft. — Denkschriften, n. F., 
LV. Bd. [Cb 42.] 

Reichenbach i. V.\ Verein für Natur- u. Altertumskunde. — VI. Bericht. 
[Aa 29.] 

Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. 

Stettin: Ornithologischer Verein. 

Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jahrg. 64, mit 2 Beilagen. [Aa 60.] 

Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. 

Tharandt: Redaktion der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- 
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. LX1X, Heft 5—6; Bd. LXX; Bd. LXXI. 
[Ha 20.] 

Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mitteil., 
16. Heft. [Aa 145.J 

Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. — Jahresber., n. F., I. 
[Aa 262.] 

Tübingen: Universität. — Württembergische Jahrbücher für Statistik 
und Landeskunde, Jahrg. 1908, Heft II; Jahrg. 1909, Heft I. [Aa 335.] 
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. 

Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. — 
Mitteil., Heft 13—16. [G 58.] 

Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mitteil.^ n. F., Heft 24 u. 25. 
[Ca 23.] 

Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 


38 


Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 62. 
[Aa 43.] 

Würzburg : Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsberichte, 
Jahrg. 1907 und Jahrg. 1908, Nr. 1 — 6. [Aa 85.] 

Zerbst : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Zwickau : Verein für Naturkunde. 

2. Österreich-Ungarn. 

Aussig : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Bistritz : Gewerbelehrlingsschule. — XXXIII. Jahresbericht. [Je 105.] 
Brünn: Naturforschender Verein. — Verhandl., Bd. XLVI. [Aa 87.] 
Brünn: Lehrerverein, Klub für Naturkunde. — IX. Bericht. [Aa 330.] 
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — FöldtaniKözlöny, XXXVIII. 

köt., 11. — 12. füz.; XXXIX. köt., 1. — 5. füz. [Da 25.] 

Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und:Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. 

Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mitteilungen, 
Jahrg. 1908. [Aa 72.] 

Hermannstadt: Siebenhür gisch er Verein für Naturwissenschaften. — Ver- 
handl. u. Mitteil., Jahrg. LVilL [Aa 94.] 

Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrb., Jahrg. XXXVI. [Aa 198.] 
Innsbruck: Naturwissenschaftlich -medizinischer Verein. 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum für Kärnten. — Jahrbuch, 
Heft 28. [Aa 42.] — Carinthia II, Mitteil., Jahrg. 98, Nr. 4 — 6; Jahr- 
gang 99, Nr. 1 — 5. [Aa 42b.] 

Laibach: Musealverein für Krain. 

Linz: -Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. 

Linz: Museum Francisco -Carolinum. — 67. Bericht nebst der 61. Lief, der 
Beitr. zur Landeskunde von Österreich ob der Enns. [Fa 9.] 

Olmütz: Naturwissensch. Sektion des Vereins „Botanischer Garten“. 
Hag: Deutscher naturwissenschaftlich -medizinischer Verein für Böhmen 
„Lotos“. — Naturwissenschaft!. Zeitschr. „Lotos“, Bd. 56. [Aa 63.] 
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch. Kl., 1908. [Aa 269.] — Jahresber. für 1908. 
[Aa 270.] 

Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Bericht 1908. 

[Aa 272.] — Pamätky archaeologicke , dil. XXIII, ses. 4 — 6. [G 71.] 
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. — 59. u. 60. Bericht. 
[Ja 70.] 

P*ag: »Ceska Akademie Cisafe Frantiska Josefa. — Rozpravy, trida II, 
roenik XVII. [Aa 313.] — Bulletin international, XII. u. XIII. annee. 
[Aa 313b.] — B. Nemec: Anatomie a Fysiologie Rostlin, 1. Bd., 2. Hälfte. 
[Cc 76.] 

Presburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., Bd. XVIII u. 
XIX. [Aa 92.] 

~Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mitteilungen, Jahrg. 39. [Aa 70.] 
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 

Temesvar : Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- 
zettudomänyi Füzetek, XXXII. evol., füz. 3 — 4; XXXIII. evol., füz. 1. 
[Aa 216.] 


39 


Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Komitates. 
Triest: Museo civico di storia naturale. 

Triest : Societä Adriatica di scienze naturali. 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1908. [Aa 11.] 
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — 
Schriften, Bd. XLIX. [Aa 82.] 

Wien: K. k. naturhist. Hofmuseum. — Annalen, Bd.XXII, Nr. 2—4; Bd.XXLlI, 
Nr. 1—2. [Aa 280.] 

Wien: Anthropologische Gesellschaft. 

Wien: K. k. geologische Beichsanstalt. — Verhandl., 1908, Nr. 15 — 18; 
1909, Nr. 1 — 9. [Da 16.] — Jahrbuch, Bd. LVIII, Heft 4; Bd. L1X, 
Heft 1 — 2. [Da 4.] — Abhandl., Bd. XXI, Heft 1. [Da 1.] 

Wien: K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft — Verhandl., Bd. LVIII. 
[Aa 95.] 

Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. 

Wien: K. k. Zentral- Anstalt für Meteorologie und Geodynamik. — Jahr- 
bücher, Jahrg. 1907. — Offizielle Publikation Nr. III u. Nr. IV; all- 
gemeiner Bericht und Chronik der 1906 und 1907 in Oesterreich 
beobachteten Erdbeben. [Ec 82.] 

3. Rumänien. 

Bukarest: Observatoire astronomique et meteorologique de Roumanie. — 
Buletinul lunar, anul XVII und XVIII. [Ec 75 b.J 

4. Schweiz. 

Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft. 

Basel: Natur forschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XX, Heft 1 u. 2. 
[Aa 86.] 

Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Nr. 1665—1700. [Aa 254.] 
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. 

Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 
91. Jahresversamml. [Aa 255.] 

Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubiindens. — 51. Jahresber. [Aa51,] 
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. 

Freiburg : Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin, vol. XVI. 
[Aa264.] — Memoires: Botanik, Bd. III, Heft 1; Chemie, Bd. III, Heft 2; 
Geologie u. Geographie, Bd. VI; Bakteriolgie, Bd. I, Heft 1. [Aa 264b.] 
St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Jahrbuch für 1907. 
[Aa 23.] 

Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 5. ser., 
vol. XLIV, no. 164; vol. XLV, no. 165- 166. [Aa 248.] 

Neuchatel: Societe Neuchäteloise des Sciences naturelles. — Bulletin, tome 
XXXV. [Aa 247. J 

Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitteil., 
Bd. XI, Heft 9 u. 10. [Bk 222.] 

Sion : La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. 
Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Mitteil., Heft 7. [Aa331.] 
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr., Jahrg. 53; 
Jahrg. 54, Heft 1 — 2. [Aa 96.1 


40 


5. Frankreich. 

Amiens : Societe Linneenne du nord de la France. 

Bordeaux : Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires, ser, 6, 
tome IV, cah. 1 u. 2. [Aa 253.] — Proces-verbaux, annee 1907 — 1908. 
[Aa 253b.] — Observations pluviometriques et thermometriques 1904 
bis 1905; Bulletin de la Commission meteorologique du departement 
de la Gironde 1907, II. partie. [Ec 106.] 

Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. — 
Memoires, tome XXXVI. [Aa 137.] 

Dijon : Academie des Sciences, arts et belles lettres. 

Le Mans : Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. 

Lyon : Societe Linneenne. 

Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales 1907. [Aa 133.] 
Lyon: Academie des Sciences, belles -lettres et arts. 

Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXX11I. [Ba 24.] 
Ä Toulouse: Societe Frangaise de botanique. 

6. Belgien. 

Brüssel: Societe royale zoologique et malacologique de Belgique. — Annales, 
tome XLIII. [Bi l.j 

Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 52. [Bk 13.] 
— Memoires, tome XVII. [Bk 13b.] 

Brüssel: Societe Beige de geologie, de paleontologie et d’hydrologie. — 
Proces-verbaux, tome XXII, Aug. — Dez.; tomeXXHI, Jan. — Jun. [Da34.] 
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome 45. 
[Ca 16.] — Essai de geographie botanique des districts littoraux et 
alluviaux de la Belgique par J. Massart. [Cd 134.] 

Gembloux: Institut chimique et bacteriologique. 

Lüttich: Societe geologique de Belgique. — Annales, tome XXX, livr. 4; 
tome XXXIII, livr. 4; tome XXXV, livr. 3— 4; tome XXXVI, livr. 1. 
[Da 22.] 

7. Holland. 

Cent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. 

Groningen \ Natuurkundig Genootschap. — Verslag 108. [Je 80.] 
Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. XI, p. 3. [Aa 217.] — 
Catalogue du cabinet numismatique, 2. Ausg. [Je 123.] 

Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises des 
Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome XIV. [Aa 257.] 

8. Luxemburg. 

Luxemburg: Institut grand-ducal. 

Luxemburg: Gesellschaft Luxemburger Naturfreunde. — Monatsberichte, 
I. u. II. Jahrg. [Aa 347.] 

9. Italien. 

Brescia: Ateneo. — Commentari per l’anno 1908; Index 1808 — 1907. [Aal99.] 
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol. XX, 
u.ser. V, vol.I. [Aal49.] — ßollettino, 1909, 2. ser., fase. 5 — 9. [Aal49b.] 
Florenz : Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XL, trimestre 
I— II. [Bk 193.] 


41 


Mailand : Societä Italiana di scienze naturali. 

Mailand'. R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2, 
yoI. XLI, fase. 17 — 20; vol. XLII, fase. 1 — 15. [Aa 161.] 

Modena : Societä dei naturalisti e materaatici. — Atti, ser. IV, vol. VII — X. 
[Aa 148.] 

Padua : Accademia scientifica Veneto-Trentino-Istriana. 

Palermo'. Societä di scienze naturali ed econoraicbe. — Giornale, vol. XXVI. 
[Aa 334.] 

Parma: Redaktion des Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
anno XXXIV, no. 9 — 12; anno XXXV, no. 1 — 4. [G 54.] 

Pisa: Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XVIII, 
no. 1— 4; Memorie, vol. XXIV. [Aa 209.] 

Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, vol. XII, 2. sein., fase. 
11 — 12; Rendic. sol. d. 6. giugno 1909; Rendic., vol. XVII I, 1. sem.; 
2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.] 

Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bolletino bimensuale, vol. XXVII, 
no. 7 — 12; vol. XXVIII, no. 1 — 6, 10 — 12; Bolletino meteorologico e 
geodinamico delFosservatorio dei Real Collegio Carlo Alberto, Monca- 
lieri, 1909, Jun. — Dez.; 1908, Jan. — Nov. [Ec 2.] 

Venedig : R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti. 

Verona: Accademia d’agricoltura, scienze, lettere, arti e commercio di 
Verona. — Atti e Memorie, ser. IV, vol. VIII e 2 append.; vol. IX. 
[Ha 14.] 

10. Grofsbritannien und Irland. 

Dublin: Royal Irish academy. — Proceedings, vol. XXVII, sect. A, no. 10 — 12; 

sect. B, no. 6 — 11. [Aa 343.] 

Dublin: Royal geological society of Ireland. 

Edinburg: Geological society. — Transactions, vol. IX, p. 3 u. 4. [Da 14.] 
Edinburg: Scottish meteorological society. 

Glasgow: Natural history society. 

Glasgow: Geological society. 

Manchester: Geological and mining society. 

Newcastle-upon-Tyne: Natural history society of Northumberland, Durliam 
and Newcastle-upon-Tyne. 

11. Schweden. 

Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 29. 
[Bk 12.] 

Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antik- 
varisk Tidskrift för Sverige, Del. XVIII, H. 2. [G 135.] — Fornvännen 
meddelanden 1907 und 1908. [G 135 c ] 

Upsala: Geological Institution of the university. 

12. Norwegen. 

Bergen: Museum. — Aarbog 1908, 3. Heft; 1909, 1. — 2. Heft; Aarsberet- 
ning 1908. [Aa 294.] 

Christiania : U niversität. 

Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmärkers bevaring. — 
Aarsberetning 1908. [G 2.] 


42 


Ghristiania : Redaktion des Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. — Nyt 
Mag., Bind 47, Heft 1—3. [Aa 340.] 

Tromsoe : Museum. — Aarshefter 29. [Aa 243.] 

13. Rufsland. 

Ekatharinenburg: Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. 

— Bulletin, tome XXVIII. [Aa 259.] 

Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. — Acta, vol. 24, 29 — 32. 

[Ba 17.] — Meddelanden, Heft 33 — 35. [Ba 20.] 

Kharkoff: Societe des Sciences physico-chimiques. — Travaux, tome XXXV; 

Register zu XXXIV; Supplements, fase. XXI. [Aa 224.] 

Kiew : Societe des naturalistes. 

Moskau : Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, 1907, no. 4. 
[Aa 134.] ^ 

Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome 
XXX 11. XXXI. [Aa 256.] 

Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome 
XXVIII, fase. 2; tome XXIX, fase. 2; tome XXX, fase. 1. [Ca 10.] 
Petersburg: Comite geologique. — Bulletins, XXVII, no. 4 — 10. [Da 23.] — 
Memoires, nouv. ser., livr. 36, 43 — 50. [Da 24.] 

Petersburg: Physikalisches Zentralobservatorium. — Annalen 1905. [Ec 7.] 
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletins, Jahrg. 1908, 
Nr. 18, u. Jahrg. 1909, no. 1—17. [Aa 315.] 

Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. 45; 
Bd. 46, Lief. 1. [Da 29.] — Materialien zur Geologie Rufslands, 
Bd. XXIII, Lief. 2; Bd. XXIV. [Da 29 b.| — Travaux de la section 
geologique du cabinet de Sa Majeste, vol. VII. [Da 29c.] 

Riga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt LI u. LII. [Aa 34.] 


IX. A m e r i k a. 

1. Nordamerika. 

Albang: University of the state of New- York. — State Museum report, 
no. 60, p. 1 — 3, 5; no. 61, p. 1 — 3. [xYa 119.] 

Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XXIII, 
no. 209 — 218. [Aa278.] — American journal of mathematics, vol. XXX, 
no. 3—4; vol. XXXI, no. 1 — 3. [Ea 38.] — American Chemical journal, 
vol. 40; vol. 41; vol. 42, no. 1. [Ed 60.] — Studies in histor. and 
politic. science, ser. XXVI, no. 11 — 12; ser. XXVII, no. 1 — 7. [Fb 125.] 
— American journal ofphilology, vol. XXIX, no. 3 — 4; vol. XXX, no. 1 — 2. 
[Ja 64.] 

Berkeley: University of California. — Department of geology: Bulletin, 
vol. V, no. 12—17. [Da 31.] — Botany, vol. III, pag. 303- 395. [Da 31c.] 
— Zoology, vol. 5, no. 2 — 3; vol. 6, no. 2. [Da 31 d.] — Phvsiology, 
vol. III, pag. 87-94. [Da31e.] 

Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser., 
vol. XLIV, no. 1 — 26; vol. LXV, no. 1—2. [Aa 170.] 


43 


Boston : Society of natural history. — Proceedings, vol. 34, no. 1 — 4. 

[Aa 111.] — Occasional papers, vol. Y1I, no. 8 — 10. [Aa 111b.] 
Buffalo : Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. IX, no. 2. [Aa 185.] 
Cambridge : Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. LI I, no. 6-13; 
vol. LIII, no. 2—4. [Ba 14.] 

Chicago : Academy of Sciences. — Bulletin, no. VII, pt. 1; Natural History 
survey, bulletin, vol. III, no. 1—2. [Aa 123b.] 

Chicago'. Field Columbian museum. — Publications, no. 129, 133, 134. 
[Äa 324.] 

Bavenport'. Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. XII, pag. 
95—222. [Aa 219.] 

Halifax : Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and 
transactions, vol. XI, p. 3 u. 4; vol. XII, p. 1. [Aa 304.] 

Lawrence'. Kansas university. — Science bulletin, vol. IV, no. 7 — 20. 
[Aa 328.] 

Madison : Wisconsin academy of Sciences, arts and letters. — Transactions, 
vol. XVI, p. 1. [Aa 206.] 

Mexiko : Sociedad cientifica ,, Antonio Alzate“. — Memorias y Bevista, 
tomo XXV, no. 4 — 8; tomo XXVI, no. 10 — 12; tomo XXV II, no. 1—3. 
[Aa 291.] 

Mihvaukee: Public museum of the city of Milwaukee. 

Milwaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., 
vol. VI, no. 3—4; vol. VII, no. 1-2. [Aa 233.] 

Montreal: Natural history society. 

Neiv-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions, 
vol. XIV, pag. 59 — 290; vol. XV. [Aa 124.] 

New- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XVIII, p. 3. [Aa 101.] 
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. LX, p. 3; 
vol. LXI, p. 1. [Aa 117.] 

Philadelphia: American philosophical society. — Proceedings, vol. XLVII, 
no. 190; vol. XL VIII, no. 191-192. [Aa 283.] 

Philadelphia: Wagner free institute of Science. 

Philadelphia: Zoological society. — Annual report 37. [Ba 22.] 
Pochester: Academy of Science. 

Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XIX. [Aa 28.] 
Salem: Essex Institute. 

San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 4. ser., 
vol. III, pag. 41 — 48. [Aa 112.] 

St. Louis: Academy of Science. 

St. Louis: Missouri botanical garden. — Annual report 1908. [Ca 25.] 
Topeka: Kansas academy. of Science. 

Toronto: Canadian institute. — Transactions, vol. VIII, p. 3. [Aa 222b.] 
Tufts College. — Studies, vol. 11, no. 3. [Aa 314.] 

Washington: Smithsonian Institution. — Annual report 1907. [Aa 120.] 
— Report of the U. S. national museum 1908. [Aa 120c.] 
Washington: United States geological survey. — Annual report, no. XXIX. 
[De 120.] - Bulletin, no. 341, 347, 349, 351—380, 382-385, 387, 
388, 394. [De 120b.] — Professional papers, no. 58—61, 63. [De 120e.] 
— Water-supply papers, no. 219 — 226, 228—231, 234. [De 120 f. | — 
Mineral resources of the United-States, 1907, p. I u. II. [Db 81.] 
Washington: Bureau of education. 


44 


2 . Südamerika. 

Buenos- Air es: Museo nacional. — Anales, ser. 3, tomo X. [Aa 147.] 
Buenos- Aires: Sociedad cientificä Argentina. — Anales, tomo LXVI, entr. 

2 — 6; tomo LXV1I; tomo LXVIII, entr. 1. [Aa 230.] 

Cordoba: Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XVIII, entr. 3a. 
[Aa 208.] 

La Plata: Museum. — Revista, tomo XII — XV. [Aa 308.] — Anales, ser. 2, 
tomo I, entr. 1 — 2. [Aa 308 b.] 

Montevideo : Museo nacional. — Anales, vol. VII [Flora Uruguaya, tomo IV, 
entr. 1], [Aa 326.] 

Rio de Janeiro : Museo nacional. 

San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. 
Sao Paulo : Commissao geographica e geologica de S. Paulo. — Carta topo- 
graphica, folha Braganga, folha St. Bento. [Aa 305 a.] — Dados clima- 
tologicos, ser. 2, no. 4 — 7. [Aa 305 b.] 

Santiago de Chile : Deutscher wissenschaftlicher Verein. 


III. Asien. 

Batavia : K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor 
Nederlandsch Indie, Deel 68. [Aa 250.] 

Calcutta : Geologica! survey of India. — Memoirs, vol. XXXIV, p. 4; vol. 
XXXVII, p. 1-3. [Da 8.] — Records, vol. XXXVII, p. 2-4; vo! 
XXXVIII, p. 1—2. [Da 11.] — Palaeontologia Indica, new ser., vol. II, 
no. 4 — 5; vol. III, no. 3; vol, VI, no. 1. [Da 9.] — Annual report of 
the board of scientific advise for India, 1906—1907, 1907 — 1908. 
[Da 18b.] — G. Burrard and II. Hayden: A sketch of the geography 
and geology of the Iiimalaya mountains and Tibet, part IV. [Fb 147.J 
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. — 
Mitteilungen, Bd. XI, Teil 3 u. 4; Bd. XII, Teil 1. [Aa 187.] 


IV« Australien. 

Melbourne : Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary 
for mines 1908. [Da 21.] 


B. Durch Geschenke. 

Arldt, Th.: Die Ausbreitung einiger Arachnidenordnungen. Sep. 1908. 
[Bb 47.] 

Arldt , Th.: Die Ausbreitung der terricolen Oligochäten im Laufe der erd- 
geschichtlichen Entwicklung des Erdreliefs. Sep. 1908. [Bb 68 f.] 
Arldt , Th.: Wirkung des Insellebens auf einige Tiergruppen. Sep. 1908. 
[Bb 68g.] 

Arldt, Th.: Die erste Ausbreitung des Menschengeschlechtes. Sep. 1909. 
[Bd 35 b.] 

Arldt, Th.: Die Bedeutung der kambrischen Fauna für die Entwicklungs- 
geschichte. Sep. 1909. | Db 152 b.] 


45 


Arldt, Th.: Die Simrothsclie Pendulationstheorie. Sep. aus dem Archiv für 
Naturgeschichte. 1909. [Fb 145 g.] 

Arldt, Tli.: Die Simrothsche Pendulationstheorie. Sep. aus Gerland u. 

Rudolph’s Beiträgen zur Geophysik, Bd. X, Heft 2. [Fb 145h.] 
Bureau, deutsches, der Internationalen Bibliographie in Berlin: Biblio- 
graphie der deutschen naturwissenschaftl. Litteratur, Bd.XI, Nr. 28 — 30. 
[Je 121.] 

Centralblatt, botanisches: Beihefte, Bd. XXIV, Abt. 1, Heft 2 und Abt. 2, 
Heft 1. [Ca 30.] 

Dathe, E.: Gliederung und spezielle Entwicklung der Cuseler Schichten 
zwischen Waldenburg und Friedland und bei Albendorf in Schlesien. 
Sep. 1908. [De 196t.] 

Dathe, E.: Kugelporphyre südöstlich von Waldenburg in Schlesien. Sep. 
[De 196u.] 

Dieterich, K.: Zur Pharmadiakosmie und chemischer Analyse der Hausen- 
und Fischblasen. — Abhandl. zur Erlangung der Lehrberechtigung 
an der K. Sachs. Tierärztlichen Hochschule zu Dresden. [Ed 90.] 
Dörfler, J.\ Botaniker-Adrefsbuch, 3. Aufl., Wien, 1909. [Je 120.] 
Elberfeld: Bericht über die Tätigkeit des chemischen Untersuchungsamtes 
für das Jahr 1908. [Hb 140.] 

Engelhardt, H.: Tertiärpflanzen von Foca in Südostbosnien. Sep. 1909. 
[Dd 94 dd.] 

Etzoldt, Fr.: Die Erdbebenwarte. Sep. 1909. [Ec 100f.] 

Freiberg i. S.: Geologische Gesellschaft. — 2. Jahresber. |Da36.] 

Fries, Th.: Breef och skrifvelser af och tili Carl v. Linnee, III. Teil. 
[Jb 99.] 

Geinitz, E.: XX. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. [De 217u.| 

Göllnitz, 0.: Die magnetische Vermessung des Gebietes des Königreichs 
Sachsen. — II. Mitteil. Sep. 1909. 

Gutzmer, A.\ Bericht über die Tätigkeit des Deutschen Ausschusses für 
den mathematischen und naturwissenschaftl. Unterricht im Jahre 1908. 
Sep. [Ja 99.] 

Herrmann, E.: Die Doppelgänger unter den Pilzen. Sep. 1908. [Cf 34.] 
Herrmann, E.: Pilzkochbuch. 1909. [Hb 138.] 

Herrmann, E.: Der Schulgarten. Seine Anlage und Verwendung. Dresden 
1909. [Hb 139.] 

Issel, A.: Liguria preistorica epilogo. Genua 1908. [G 154.] 

Lima: Cuerpo de ingenieros de minas del Peru. — Boletin 63 — 74. [Aa 337.] 
März, Cli .: Das Diluvium der Sächsischen Oberlausitz. Sep. 1909. [De 257.] 
Monaco: Institut oceanographique. — Bulletins 126 — 153. [Aa 336.] 
Observatoire physique central Nicolas. — Annales 1904; 1905; 1906, p. I 
u. p. II, fase. 1 — 2. [Ec 111.] 

Pessler, W.: Richtlinien zu einem Volkstumsatlas von Niedersachsen. Sep. 
Hannover, 1909. [Fb 151.] 

Poscharsky, G.: Bericht über Pflanzenkulturversuche im 750 m hoch ge- 
legenen Garten bei Schellerhau. 1909. [Cb 54.] 

Raleigh: Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XXIV, no 3 — 4; 
vol. XXV, no. 1 — 2. [Aa 300.] 

Schlaginhaufen, O.: Die Rand-Butam des östlichen Süd -Neu -Mecklen- 
burg. Sep. 1908. [Bd 36 e.] 

Schlaginhaufen, O.: Ein Besuch auf den Tanga-Inseln. Sep. 1908. [Bd 36 f.] 


46 


Sclilaginhawfen, 0.\ Orientierungsmärsche an der Ostküste von Süd- 
Neu-Mecklenburg. [Bei 36 g.] 

Schlaginhaufen , 0.: Streifzüge in Neu -Mecklenburg und Fahrten nach 
benachbarten Inselgruppen. Sep. 1908. [Bd 36 e.] 

Schlaqinhaufen, 0.: Geographisches und Sprachliches von den Feni-Inseln. 
Sep. [Bd 36 f.] 

Schneider, 0.: Typen-Atlas, sechste farbige Ausgabe. 1909. [Fb 108.] 
Schreiber, H.\ X. Jahresbericht der Moorkulturstation in Sebastiansberg. 
1908. ^ [Ha 42.] 

Station meteorologique de Kharbin. — Observations meteorologiques en 
Mandcbourie faites en 1898 — 1906. [Ec 112.] 

Stevenson, J.: The carboniferous of the Appalachion- Basin. [De 253 d.] 
Stiibel, A.\ Der Vesuv, eine vulkanologische Studie für jedermann. Er- 
gänzt und herausgegeben von W. Bergt. Leipzig 1909. [De 237 g.] 
Swedish explorations in Spitzbergen von 1758 — 1908. Herausgegeben von 
Nathurst, Hulth u. De Geer. [Fb 149.] 


Aufserdem eine gröfsere Anzahl älterer naturwissenschaftlicher Werke, 
Geschenk eines Mitgliedes. 


C. Durch Kauf. 

Abhandlungen der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft, Bd. XXX, 
Heft 4. [Aa 9.] 

’ Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, n. F., Bd. XI. [G 1.] 
Anzeiger, zoologischer, Bd. XXII, No. 14 — 26; Bd. XXXIII, No. 21 — 25; 

Bd. XXXIV: Bd. XXXV, no. 1—10. [Ba 21.] 

Berichte des westpreufsischen botanisch-zoologischen Vereins. — Bericht 31. 
[Aa 341.] 

Boelsche, W.: Charles Darwin. 2. Aufl. Leipzig 1906. [Jb 101.] 

Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. III (Molluska), Lief. 
95 — 108; Suppl. (Tunicata), Lief. 81 — 87; 2. Abteil., Lief. 1 — 3; Bd. VI, 
Abt. 1 (Pisces), Lief. 29 — 31. [Bb 54.] 

Centralblatt, biologisches, Bd. XXXIX. [Aa 344.] (Vom Isis-Lesezirkel.) 
Darwin, Ch .: Reise eines Naturforschers um die Welt. Autorisierte deutsche 
Ausg. [Fb 150.] 

Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz: Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1909. 
[Fa 19.] 

BLaeckel, E.\ Das Weltbild von Darwin und Lamarck. Festrede zum 
100jährigen Geburtstag von Ch. Darwin. II. Aufl. 1909. [Ab 29b.] 
Hedivigia, Bd. 47. [Ca 2.] 

Heimatschutz, Sächsischer, Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, 
Kunst und Bauweise. — Mitteilungen, Heft 4 — 8. [Fa 147.] 
Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, Jahrg. 44 und 3 Karten. [Fa 5.] 
Mannus, Zeitschrift für Vorgeschichte, Bd. I, Heft 1 — 2. [G 157.] 
Prähistorische Zeitschrift, Bd. I, Heft 1. [G 156.] 

Prometheus, No. 1000 — 1053. [Ha 40.] 


47 


Suess, Ed.: Das Antlitz der Erde. III. Bd., 2. Hälfte; Namens- u. Sach- 
register für sämtliche Bände. [De 161.] 

Wochenschrift, naturwissenschaftl., Bd. XXIV. [Aa 311.] (Vom Isis -Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift, allgemeine, für Entomologie, Bd. V. [Bk 245.] 

Zeitschrift für die Naturwissenschaften, Bd. 81. [Aa 98.] 

Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 26. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Jahrg. XXV; Jahrg. XXVI, 
No. 1. [Ee 16.] 

Zeitschrift, Oesterreichische botanische, Jahrg. 59. [Ca 8.] 

Zeitung, botanische, Jahrg. 67. [Ca 9.] 


Abgeschlossen am 23. Dezember 1909. 


A. Dichter, 
Bibliothekar der „Isis“. 


Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der 
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag 
von 3 Mark können eine grofse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung 
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio- 
thekar entgegen. 



Abhandlungen 


der 

4 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1909. 



I. Geologische Grundlagen der Entwicklungslehre. 

Von Prof. Dr. Ernst Kalkowsky. 


In der Welt ist alles in Bewegung und in ewigem Wechsel. Wir er- 
forschen die Entstehung der Sonnen, und wir erkennen die Trümmer zer- 
fallener Himmelskörper in den Meteoriten wieder, die auf die Erde nieder- 
fallen. Wir sehen auf unserer Erde Lebewesen zu einem kurzen Dasein 
erwachen und wir sehen sie wieder vergehen, Wesen hinab bis zu den 
winzigsten Gebilden. Dafs die Welt auch aufserhalb uns selbst in der 
Zeit besteht, erkennen wir an dem ewigen Wechsel in der Vergangenheit. 
Leichter ist es für den Menschen, durch einen Blick zum bestirnten 
Himmel, dem Erhabensten, was wir sehen können, sich eine immer mehr 
vertief bare Vorstellung zu erwerben von der Gröfse der Welt nach räum- 
lichen Mafsen; viel schwerer ist es, hinabzutauchen in die Vergangenheit 
zum Versuch, sich auch eine Vorstellung von der Gröfse der Zeit zu er- 
werben. Wenn auch die uns erkennbaren Möglichkeiten des Werdens der 
Welten geeignet sind, uns neben der Erkenntnis der Gröfse des Raumes 
auch die der Zeit zu vermitteln, so nehmen solche Vorstellungen doch 
immer wieder ihren Anfang in den Beobachtungen an unserer Mutter Erde; 
aber es bleibt uns recht schwer, uns vorzustellen, wie lange auch nur die 
Erde ihre Bahn um die Sonne und mit ihr im Weltenraume verfolgt. In 
wenigen Tagen vermögen wir jetzt eine Strecke Weges zurückzulegen, die 
das Millionenfache unserer Leibeslänge ist; aber was ist auch nur eine 
Million Tage? Seit der Gründung Roms ist eine Million Tage noch nicht 
vergangen. Der Musiker kann ein kurzes Zeitmafs gleichmäfsig innehalten, 
aber wer vermag es, auch wenn er wohlbewandert ist in der Geschichte 
einiger Völker, die man mit arger Selbstüberhebung die Weltgeschichte 
zu nennen beliebt, sich vorzustellen, auszufüllen in gleichem Mafse die Zeit 
von einer Million Jahre. Mit Gewalt müssen wir uns immer erst dazu 
zwingen, bei jeder Betrachtung über das Alter, die Vergangenheit unserer 
Erde, daran zu denken, dafs sie besteht seit vielen Millionen von Jahren. 
Lange, lange vor dem Menschen grünt und blüht es auf unserer Erde, lebt 
und liebt eine Schar von Wesen auf ihr: sie kommen und gehen, sie 
werden geboren und sterben, und wir erhalten Kunde von alledem durch 
die Spuren ihrer Körper, die in den kalten, unansehnlichen Steinen er- 
halten sind. 

Vergleichen wir unsere Erde mit anderen Himmelskörpern, so können 
wir wohl zu dem Schlüsse kommen, dafs es eine Zeit gegeben haben 
möchte, in der auf der Erde lebende Wesen noch nicht vorhanden waren. 
Das Leben soll auf der Erde einstmals begonnen haben, nachdem die 


4 


Erde als solche schon längst bestanden hatte, zusammengesetzt an ihrer 
Oberfläche aus Kristallen. Lebewesen sind aber anders aufgebaut aus 
Grundstoffen als die toten Kristalle unserer Gesteine; Kristalle sind oder 
könnten wohl aufgebaut sein durch einfache Aneinanderlagerung gleich- 
artiger Teilchen, sie leben nicht und sie können nicht sterben; sie können 
zerstört werden durch Kräfte, die von aufsen auf sie einwirken, ihre Zu- 
sammensetzung kann aufgelöst werden durch fremde Eingriffe in ihr Dasein, 
nicht dadurch, dafs sie altern wie jedes lebende Wesen. Die Kluft, die 
den leblosen Kristall von den niedrigsten lebenden Wesen trennt, ist un- 
überbrückbar — so sagt man. Kristalle sollen auf der Erde viel eher 
vorhanden gewesen sein als Lebewesen; gewifs kann aus Kristallen ein 
Lebewesen nicht entstehen, ein Übergang ist unmöglich, aber umgekehrt 
können Kristalle sich aufbauen aus den Resten organischer Körper. 

Wir können aber unsere Phantasie schweifen lassen, auch als beob- 
achtende und aus Beobachtungen schliefsende echte und ihrer Forschung 
getreue Naturforscher, und uns vorstellen, entweder dafs Leben vorhanden 
gewesen sei gleich zu Anfang der Entstehung der Erde, oder dafs es von 
anderswoher auf sie gekommen sei. Der Zukunft ist es vielleicht noch 
Vorbehalten, solche Erwägungen in einen logisch unangreifbaren Zusammen- 
hang zu bringen. Ob das Leben auf der Erde überhaupt begonnen hat, 
ob wir von einer Entstehung des Lebens zu sprechen berechtigt sind, das 
wissen wir nicht: ob wir es nicht werden wissen können, das ist eine 
andere Sache, denn ein Ignorabimus erkennen wir als grundsätzlich be- 
rechtigt nicht an. 

Wenn wir also diese Frage zurzeit überhaupt ganz aus dem Spiele 
lassen müssen, so könnte man doch gerade den Geologen fragen, der die 
Geschichte aller Veränderungen auf der Erdoberfläche insbesondere zur 
Aufgabe seiner Forschung hat, wie haben denn die ältesten erkennbaren, 
oder auch nur erschliefsbaren Lebewesen auf der Erde ausgesehen? Die 
Geologen bleiben die Antwort auf diese Frage schuldig. Und das geht 
so zu. Es ist ein alter und vielgebrauchter, aber auch höchst zutreffender 
Vergleich, wenn wir von dem grofsen Geschichtsbuche der Erde sprechen, 
das uns in den Schichten von Gesteinen vorliegt, die sich nacheinander 
im Wasser abgelagert haben. Schlagen wir dieses Buch auf, so finden wir 
an seinem Anfänge nur Blätter mit völlig verwischten Schriftzügen; es hat 
augenscheinlich auf den Blättern ein Bericht gestanden, seinen Inhalt 
können wir nicht erkennen, denn Buchstaben oder Bilder sind nicht mehr 
zu finden, nur noch Druckerschwärze ist vorhanden. Und das ist gar nicht 
mehr bildlich gesprochen, sondern wirklich dem Worte gemäfs. Schwarzer 
Kohlenstoff in nicht kristallinischer Form ist es, der uns hauptsächlich 
Kunde davon gibt, dafs Wesen auf der Erde gelebt haben noch vor anderen, 
früher als andere, von denen uns deutliche Reste erhalten vorliegen. 

Das Buch, in dem die Geologen lesen, ist im Laufe der uns wie un- 
endlich erscheinenden Zeit arg dick geworden; immer lagen die ersten 
Blätter zu unterst und ihre Schriftzüge wurden allmählich immer unklarer. 
Die Gesteine, die wir als die ältesten nachweisbaren bezeichnen müssen, 
haben bald nach ihrer Ablagerung oder im Laufe der Zeit eine solche 
Veränderung erlitten, dafs der Kristall zerstört und verdrängt hat die 
organische Form. Wir können es wagen, den Nachweis zu führen, dafs 
die ältesten uns zugänglichen Gesteine einst Absätze im Meere und vul- 
kanische Laven waren, wie sie sich noch heute bilden; wir können das 


5 


Bestehen von Leben auf der Erde zur Zeit ihrer ersten Ablagerung noch 
als einen ganz leisen Hauch spüren, aber einzelne Formen oder Gestaltungen 
können wir nicht mehr erkennen. Es erscheint auch ganz ausgeschlossen, 
dafs wir irgendwo auf der Erde in noch unerforschten Gegenden eine 
Stelle finden werden, wo wir in der Erkenntnis des Lebens durch unmittel- 
bare Beobachtung weiter in die Vergangenheit werden Vordringen können. 
Trotzdem aber mufs es als völlig sicher bezeichnet werden, dafs organische, 
lebende Gebilde eine ungezählte Reihe von Millionen von Jahren auf der 
Erde vorhanden gewesen sind, ehe diejenigen lebten, von denen uns Reste 
erhalten sind. 

In den Bergen ist der Geologe so glücklich, mehr zu sehen und zu 
empfinden, als landschaftliche Schönheit, als Formen und Farben; die 
Steine erzählen ihm lange Geschichten von dem, was einst war, und nur 
demjenigen, der flüchtig und ohne genügende Vorbereitung in dem grofsen 
Buche der Erdgeschichte blättert, kommt es so vor, als erschiene plötzlich 
ein Blatt, auf dem in klarer Schrift ein Bericht erhalten ist über Tiere 
und Pflanzen: das sind aber sicherlich nicht die ersten, die auf der Erde 
gelebt haben, sondern nur die ersten, von denen wir handgreifliche Kunde 
haben. Diese Unterscheidung ist im höchsten Grade bedeutungsvoll und 
früher sehr oft nicht genügend berücksichtigt worden. Wenn zum Beispiel 
früher geradezu gelehrt wurde, dafs die ersten luftatmenden Tiere in der 
Zeit der Ablagerung der Steinkohlen gelebt hätten, so bezeugen uns heute 
Skorpione und Netzflügler nicht nur, dafs schon in dem Zeitalter des Ober- 
silurs, Millionen von Jahren früher, auch aufserhalb des Meeres Tiere 
lebten, sondern auch, dafs schon damals trockenes Land ein mannigfaltiges 
Pflanzenkleid trug, obwohl uns davon nichts erhalten ist. 

Es braucht uns deshalb durchaus nicht in besonderes Erstaunen zu 
versetzen, dafs die ältesten uns bekannten Tiere und Pflanzen im grofsen 
und ganzen schon so aussahen, wie die Wesen unserer Tage. Das was 
wir Stämme des Tier- und Pflanzenreiches nennen, die Urformen des Auf- 
baues ihrer Körper, das tritt uns sogleich schon abgeschlossen, als etwas 
Fertiges und Gegebenes, entgegen. Wir kennen nur einige wenige Formen, 
bei denen wir unsicher sind, zu welchem Stamme sie gehören, allein das 
liegt doch wahrscheinlich nur an ihrem Erhaltungszustände, und sie sind 
für weitere Betrachtungen recht bedeutungslos. 

Die ältesten deutlichen Tiere und Pflanzen gehören also zwar schon 
den noch jetzt lebenden grofsen Abteilungen der lebenden Wesen an, es 
sind das aber doch Gebilde, die trotz aller Ähnlichkeit in den allgemeinen 
Grundzügen ihres Baues in ihrer besonderen Form und Gestalt und in 
manchen Fällen offenbar auch in einzelnen ihrer Organe ganz verschieden 
sind von allen jetzt lebenden. Unsere besondere Aufmerksamkeit erregt 
es sogar, wenn darunter auch einige Vorkommen, deren Nachkommen noch 
heute fast unverändert leben. So gräbt der arme Strandbewohner der 
japanischen Inseln im Sande nach einem kleinen wurmartig gestalteten 
Tiere, einer Lingula, die in fast genau derselben Gestalt ihrer beiden die 
Atmungsorgane schützenden Schalen zu den ältesten uns bekannten Ver- 
steinerungen gehört. Sonst eben sind die Meerestiere jener Zeit ganz 
andere als die heutzutage lebenden; die Formen sind andere, die herrschen- 
den Klassen sind andere. Wir nennen ihre Zeit die paläozoische Ära, weil 
uns diese Lebewesen fremdartig und altertümlich erscheinen, genau in 


6 


demselben Sinne, in dem wir die Zeiten unserer eigenen Vorfahren alt- 
vaterisch nennen. 

Blättern wir in unserem Geschichtsbuche weiter, steigen wir hinauf 
in der Reihe der Schichten von Gesteinen, die sich einst auf dem Boden 
der Meere ablagerten, so kommen wir in die sogenannte mesozoische Ära, 
in das Mittelalter der Erdgeschichte. Damals war nichts mehr von jenen 
altertümlichsten Formen im Meere vorhanden, andere Geschlechter sind 
es, die herrschen, andere gröfsere Tiere sind vorhanden, denen sie zur 
Nahrung dienen. Und gerade diese grofsen Tiere, Wirbeltiere, Saurier 
von bizarren Formen und zum Teil gewaltiger Gröfse sind es aus dieser 
Zeit, die uns so erstaunlich Vorkommen, weil wir sie unseren heutigen 
Säugetieren gegenüberstellen, ja unversehens uns selbst. 

Die Säugetiere aber sind es und die Blütenpflanzen, die in den oberen 
Schichtensystemen der Erde reichlich und in grofser Formenmannigfaltig- 
keit auftretend die neue Zeit, die känozoische Ära, charakterisieren. 

•Berücksichtigen wir nun auf einer Wanderung durch die Zeiten, die 
Ären der Erdgeschichte, möglichst alles, gehen wir langsam und sozusagen 
schrittweise weiter, dann erkennen wir mit dem allergröfsten Erstaunen, 
dafs sich Tier- und Pflanzenwelt unaufhörlich im Laufe der Zeit, von einer 
Schicht zur anderen, ändert, und nicht lange bleibt uns ein noch viel 
merkwürdigeres Verhältnis verborgen: niemals kehrt eine besondere Form, 
die eine Zeitlang gelebt hat und dann ausgestorben ist, noch einmal wieder. 
Neue und wieder neue Gestalten treten im Laufe der Zeit auf, aber niemals, 
durchaus niemals kehrt wieder von organischen Gebilden, was einmal zu 
sein aufgehört hat. 

Das ganze Gebäude unserer Kenntnis von der Geschichte der Erde 
beruht auf der einfachen Tatsache, beruht ganz wesentlich darauf, dafs 
wir die Zeit mit grofsem Mafsstabe messen und bestimmen können nach 
den einzelnen jeweilig vorhanden gewesenen Formen der Tiere und Pflanzen. 
Diese Erkenntnis bildet überhaupt den Anfang einer wissenschaftlichen 
Lehre von der Vergangenheit der Erde, eines Teiles der Geologie. In der 
beständig vor sich gehenden Veränderung der Lebewesen ohne alle Wieder- 
holungen haben wir sogar den einzigen sicheren Leitfaden, wenn es sich 
darum handelt, die Gesteinsschichten in weit voneinander entfernten Ge- 
bieten ihrem Alter nach miteinander zu vergleichen. 

,, Medaillen der Schöpfung“ wurden deshalb die versteinerten Reste 
der Tiere und Pflanzen genannt; wenn aber der menschliche Geist sich 
vermessen kann, den grofsen Gedanken der Schöpfung noch einmal zu 
denken, wie der Dichter gesagt hat, dann kommt er ganz langsam zu der 
Auffassung, dafs es doch höchst auffällig ist, dafs diese Schöpfung, das 
Auftreten neuer und immer wieder neuer Formen, in einer ganz fest- 
bestimmten Richtung verläuft, nachdem er schon erkannt hat, dafs eine 
Schöpfung nicht einmal, auch nicht mehrmals eingetreten ist, sondern dafs 
sie vielmehr fortdauernd und ohne alle Unterbrechung vor sich gegangen 
ist. Gewifs, lückenhaft ist unsere Kenntnis und sie wird es bleiben für 
die einfache Beobachtung auf begrenztem Raum, allein in allem, was uns 
von Fossilien, von Versteinerungen vorliegt, finden wir doch nur, dafs in 
der Aufeinanderfolge der verschiedenen Formen im grofsen und ganzen 
einfache Reihen vorliegen, die sich durch Abstammung, durch Herkunft 
von einem Vorfahren, am einfachsten erklären lassen. Die Natur macht 


1 


keine Sprünge, so lautet ein alter Lehrsatz: an die Stelle der Medaillen 
der Schöpfung setzen wir den Ausdruck Medaillen der Entwicklung; denn 
fortdauernde, ununterbrochene Schöpfung ist gleichbedeutend mit Ent- 
wicklung. 

Die Geologen und Paläontologen sind es gewesen, denen sich zuerst 
der Zusammenhang der Fauna und Flora einer Zeit mit denen der vorher- 
gehenden und denen der nachfolgenden darbot. Gleich bei der ersten 
Ausbildung der Lehre von den sogenannten geologischen Formationen galt, 
man kann sagen ohne alles Besinnen und ohne Nachdenken über die Ur- 
sachen der Erscheinung, der Satz, dafs die Formen in den unmittelbar 
aufeinander folgenden Schichten einander recht ähnlich sind, dafs sie, das 
Wort einfach auf die Form bezogen, miteinander verwandt sind, und dafs 
sie ferner um so verschiedener sind, je mehr Schichten zwischen den 
beiden untersuchten liegen. Daran hat auch alle jüngere Forschung durch- 
aus nichts geändert, und wir sind durch tausendfältige Erfahrung so sicher, 
dafs wir mit aller einem Menschen überhaupt möglichen Gewifsheit be- 
haupten dürfen, an dieser geologischen Grundlage der Lehre von der Ent- 
wicklung der lebenden Wesen zu anderen Formen im Laufe der Zeit kann 
nicht gerührt und gerüttelt werden. 

Die Geschlechter von Tieren und Pflanzen, die zeitlich aufeinander 
folgen, verändern sich oft in der bestimmten Richtung, dafs höher organi- 
sierte Formen die jüngeren sind; höher organisiert aber sind die Formen, 
die mehr besondere Organe für besondere Leistungen haben und die besser 
ausgestaltet sind für die Erhaltung ihres Lebens und ihrer Nachkommen- 
schaft. 

Am leichtesten ist diese Regel zu erkennen an der Reihenfolge der 
Klassen und Ordnungen der Wirbeltiere. Auch wenn wir uns immer be- 
wufst bleiben, dafs alle unsere Kenntnis auf Grund einfacher Beobachtung 
gerade von den früheren Wirbeltieren besonders lückenhaft ist und bleiben 
wird, so mufs es doch unser Erstaunen in hohem Grade erregen, dafs 
gerade die am niedrigsten stehenden Wirbeltiere, die Fische, die ältesten 
sind, selbst wenn wir nur sagen wollen, die ältesten, die wir bisher kennen, 
nicht die ältesten, die gelebt haben könnten. Und wie in unseren zoo- 
logischen Systemen, so folgen im geologischen System, nach der Zeit ihres 
Auftretens, auf die Fische die Amphibien, auf diese die Reptilien, dann 
erst die Vögel, und zuletzt treten die Säugetiere hervor, dann endlich, end- 
lich auch der Mensch. 

Tiere und Pflanzen sind abhängig von ihrer Umgebung, von dem 
Gebiet, der Stelle der Erde, wo sie leben. Rosen blühen nicht am Nord- 
pol und der Elefant lebt nicht im Meere. Es ist nun aber auch gerade 
eine Aufgabe des Geologen, zu erkennen und zu verfolgen einen Wechsel 
von Land und Meer im Lauf der Zeiten, er ist Chidher, der ewig junge, 
der morgenländischen Sage, der zwar nicht erlebt, wohl aber nacherlebt 
alle die Veränderungen, die an der leblosen und scheinbar so starren Erd- 
kruste vorgekommen sind. Diese Erkenntnisse aber befähigen ihn, die 
Erscheinung zu erklären, dafs in den aufeinander folgenden Schichten der 
Erde sich auch unvermittelte Sprünge in der Entwicklungsgeschichte der 
organischen Welt einstellen, einzustellen scheinen; diese Sprünge sind nur 
vorhanden an je einer besonderen, einzelnen Stelle der Erde, zum Beispiel 
weil dort alle Reste zerstört worden sind, oder weil sich dort in einer 
Zeit überhaupt keine Ablagerungen gebildet haben. 


8 


Unser Geschichtsbuch behandelt eben nicht auf jeder Seite die ganze 
Erde, sondern nur bald einen, bald einen anderen Teil, weil Land und 
Meer ihre Stellen gewechselt haben. Damit mufste auch jeweilig die Ver- 
breitung einzelner Klassen oder Familien der Tier- und Pflanzenwelt ver- 
ändert werden. Die Bewegungen in der Erdkruste, die eine veränderte 
Verteilung der Wasserhülle zur Folge hatten, zwangen die lebenden Wesen 
zu Ortsveränderungen und warfen damit auch gelegentlich die Bewohner 
verschiedener Gebiete zusammen und durcheinander. Tiere und Pflanzen 
brauchen Nahrung, mit einer neuen Vergesellschaftung aber verändern sich 
auch die Bedingungen für ihre Ernährung. Sie fangen an zu wandern, 
wenn sie durch Nahrungsmangel infolge geologischer Vorgänge dazu ge- 
zwungen werden. 

Damit gibt gerade die Geologie auch zugleich und zuerst eine der 
Ursachen an, die eine beständige Änderung der Fauna und Flora bewirkten. 
Es müssen durch geologische Vorgänge die Lebensbedingungen der Lebe- 
wesen geändert werden, und von den Lebensbedingungen hängt auch die 
Form ab, die Dauer nicht nur des Einzelwesens, sondern auch die des 
Geschlechts. Nicht nur das Einzelwesen stirbt, auch die Art stirbt. 

Man wolle jedoch nicht einwenden, dafs die Geologen eine Verände- 
rung der Lebensbedingungen nur erschliefsen, nein, wir können sie auch 
unmittelbar erkennen. Jetzt starren zum Beispiel die polaren Gebiete von 
ewigem Eise bedeckt, dort spielt das dem Leben feindliche Eis die Rolle 
eines Gesteins, es bildet den Boden des Landes, das keine Pflanzen zu 
tragen imstande ist. Steinkohlenlager im hohen Norden lehren uns dagegen, 
dafs dort einstmals auch eine üppige Vegetation gedieh, von der wieder 
eine reiche Tierwelt ernährt werden konnte. Aber das nicht allein. Jetzt 
ist das Wasser in allen unseren Weltmeeren in der Tiefe kalt, hinab bis 
zu nahe an 0 Grad; allein wenn an den Polen keine Eismassen vorhanden 
waren, dann gab es keine kalte Unterströmung von dort zu den äqua- 
torialen Gebieten, und das Meereswasser war warm von der Oberfläche 
bis zum Grunde. Wärme ist eine der gewaltigsten Mächte für das Leben. 
Wir selbst leiden von der Kälte, wie wir unter zu grofser Hitze leiden. 
Das Leiden geht über in Erlöschen für ganze Geschlechter im Laufe geo- 
logischer Zeiträume, und war Kälte in der Tiefe der Grofsmeere bedeutungs- 
los für die im flachen Wasser in der Nähe der Küsten lebenden Tiere, 
konnten Landtiere der Kälte durch Auswanderung entfliehen, so war doch 
das Leben im ganzen, der Haushalt der Natur, beeinflufst durch wechselnde 
Zeiten mit Kälte und Wärme. Der Zeiten einer gröfseren Verbreitung 
des Eises auf der Erde weist die Geologie mehrere nach. 

Alle Schrecken auf der Erde, Vulkanausbrüche und Erdbeben, Sint- 
fluten und wandernde Berge, Sandstürme und sengende Sonnenglut, giftige 
Gase und an Salz überreiche Wasser treten immer nur stellenweise auf 
oder vorübergehend, und wir kennen keine Erscheinungen aus dem Gebiet 
rein geologischer Forschung, die das Leben der Art vernichten können, 
aufser den erwähnten grofsen Erscheinungen des langsamen Klimawechsels 
und des langsamen Wechsels in der Gestaltung der Erdoberfläche. Allein 
der Geolog, der die beständige Veränderung aller Lebewesen verfolgt, der 
hat sich doch auch geübt, bei allen Veränderungen auf der Erde daran 
zu denken, dafs sie eine lange Zeit in Anspruch genommen haben. Das 
gilt wie für Vorgänge im Reich der Steine, so offenbar ebenso im Reiche 
des Lebens. Gewifs, der einzelne Kristall, das Sandkorn stirbt nicht, aber 


9 


es wird zerstückelt und zerrieben: wir können nachweisen, dafs vor nicht 
langer Zeit die Elbe nicht in ihrem heutigen Tale flofs, sondern oben über 
den Gipfelflächen des Liliensteins und des Pfaffensteins, vor nicht langer 
Zeit — nicht am Mafsstabe des Menschenlebens gemessen, sondern am 
Mafsstabe des Alters der Erde. Wenn wir die Veränderung, die all- 
mähliche Vertiefung der Täler doch nicht blofs erschliefsen, sondern in 
manchen Fällen auch unmittelbar beobachten können, sollen wir es dann 
nicht ebenso für möglich halten, dafs sich im Laufe der Zeit, im Verlauf 
sehr, sehr langer Zeiträume auch die Lebewesen verändern, von denen 
das einzelne zwar stirbt, die aber fortbestehen in ihrem Geschlecht, in 
ihrer Art und so fortdauernd die Einwirkung von Umwandlungen der Erd- 
oberfläche erleiden? 

Mögen nun solche Gedanken auch soeben eingekleidet sein in die Form, 
die ihnen ein heute lebender Geolog geben kann, so sind sie doch schon 
Gemeingut der Wissenschaft seit einem Jahrhundert. Die Geologen, die 
Naturforscher, die ihre Arbeit möglichst mit gleicher Liebe den leblosen 
Steinen wie den fühlenden Lebewesen zuwenden müssen, sind es gewesen, 
die zuerst nachdrücklich darauf hingewiesen haben, dafs Tiere und Pflanzen 
im Laufe der Zeit sich beständig verändern, dafs sie niemals ganz aus- 
gestorben sind und einer neuen Schöpfung den Platz überlassen haben, 
dafs also eine Abstammung unter ihnen in gerade Linie bestehen ge- 
blieben ist, dafs sie sich entwickelt haben zu neuen und immer wieder 
neuen Formen. Alle Ursachen einer solchen Entwicklung zu erforschen, 
das ist nicht Aufgabe der Geologie. 

Die Lehren von der Entwicklung lebender Wesen der Art nach, die 
Lehre von der Abstammung einer erwachsenen Form von einer anders 
gestalteten, nimmt heute eine bedeutsame Stellung ein in der Naturforschung; 
sie hat rückwirkenden Einflufs auf die Geologie, und zwar nicht blofs auf 
den Teil, der als historische Geologie oder Formationslehre bezeichnet 
wird und es eben mit den ausgestorbenen Geschlechtern von Tieren und 
Pflanzen zu tun hat, sondern auch auf die allgemeine Geologie, die doch 
in erster Linie mit der anorganischen, leblosen Natur zu schaffen hat. Die 
Ergebnisse der Biologie veranlassen den Geologen darüber nachzudenken, 
ob nun nicht die so vielfach betonte lückenhafte Überlieferung in unserem 
steinernen Buche der Entwicklungsgeschichte der Erde nur angeblich vor- 
handen ist, nur darauf beruht, dafs wir dieses Buch doch noch nicht gut 
zu lesen verstehen. Schon lange sprechen Geologen von diesem Buch, wir 
wollen jetzt besser sagen, dafs uns schon eine ganze Reihe von Büchern 
vorliegt, nachdem sich die Forschung von Mitteleuropa aus weiter über 
die Erde verbreitet hat. Noch wird der Geolog meist in Verlegenheit 
geraten, wenn von ihm verlangt wird, er solle eine lückenlose Reihe von 
Formen vorlegen, die sich augenscheinlich, schon auf Grund ihrer äufseren 
Gestalt, auseinander bei gradliniger Abstammung entwickelt haben. Wir 
beginnen jetzt erst zu suchen nach der Fortsetzung einer Erzählung in 
einem anderen Bande, weil sie in dem uns in den Schichten Mitteleuropas 
vorliegenden abgebrochen ist. Immer wieder von neuem und besser erkennt 
jedes Geschlecht von Naturforschern die Gröfse unserer Aufgabe; wir sagen 
bescheiden zugleich, stolz und vertrauensvoll ,,ignoramus non ignorabimus“, 
wir wissen wenig, aber wir werden mehr lernen. Der einzelne kommt mit 
seinem Wissen und Können nicht in Betracht, um die ganze Menschheit 
handelt es sich. Wir streben erst mühsam dem Ziele zu, zu erkennen: 


10 


„Wie alles sich zum Ganzen webt, 

Eins in dem andern wirkt und lebt!“ 

Der einzelne kommt nicht in Betracht. Und doch! Ein einzelner 
war es, der als junger Gelehrter auszog in ferne Länder, ausgerüstet mit 
dem Wissen seiner Zeit, mit voller Kenntnis der Ergebnisse gerade der 
Geologie, und dem erfolgreichen Bemühen ergeben, durch Beobachtungen 
unsere Kenntnisse über Vulkane und Koralleninseln, über Vorgänge in der 
leblosen Natur und ihre Verbindung mit der Welt der Lebewesen zu ver- 
mehren, der heimgekehrt in reifem Alter, als Biologe in regem Verkehr 
stand mit den Geologen seines Landes. 

Das was die Geologen erkannt hatten, lag vor, lag handgreiflich da, 
sich aufdrängend einem vorurteilsfreien Forscher: die Welt der lebenden 
Wesen verändert sich beständig und stetig, die Ursachen der Veränderung 
sind schwer zu übersehen, die Geologie beantwortet darauf hinzielende 
Fragen nur im allgemeinen: es fragt sich also, ob die Biologie, die Lehre 
vom Leben, nicht die Lehre von der Erde, die Geologie, ergänzen, ihr zu 
Hilfe kommen oder gar zu Ergebnissen kommen kann über die unmittel- 
bare Beobachtung hinaus. Die Grundlagen der Entwicklungslehre waren 
von der Geologie unantastbar gegeben, es mufsten Gelehrte auftreten, 
die die Lehren von der Erde und vom Leben zur Erklärung des Beob- 
achteten zu verbinden vermochten. 

Der Mann, der sich diesen Aufgaben zuerst in umfassender Weise 
zugewendet hat, der einen mächtigen Anstofs gab durch Erschliefsung 
neuer Wege der Forschung auf der Grundlage des schon Errungenen, der 
gezügelte Phantasie in den Dienst nüchterner Beobachtung stellte, das war 
Charles Darwin. 


II. Die Theorie der Entstehung der Arten als Markstein 
im Lehenshilde Darwins. 

Yon Prof. Dr. Oscar Drude. 


In einem der glänzenden Säle des Naturhistorischen Museums zu 
New-York, welches vielleicht mehr als irgend ein anderes der Welt. den 
Zustand der heutigen Forschung zu einem Allgemeingut lernfreudiger 
Menschheit macht, steht hochaufgerichtet wie eine von Titanen herein- 
gewälzte Wurfscheibe der Querschnitt vom Holzstamm eines Mammuth- 
baumes, der Sequoia gigantea. In seinem Umfange weiter spannend als 
ein mächtiges Schwungrad ist dies Naturdenkmal eines Baumes, der um 
das Jahr 550 p. Chr. in der Sierra Nevada von Kalifornien keimte, dazu 
ausersehen worden, zugleich ein Denkmal zu bieten für die führenden 
Geister in der Geschichte der Naturforschung, die in den mehr als 13 
seitdem verstrichenen Jahrhunderten fortschreitend hohe Ziele verfolgt und 
neue Forschungsrichtungen auf eigene Erkenntnis gegründet haben. Nahe 
des Baumes tausendstem Jahresringe prangt der Name von Copernicus, 
66 Jahre später folgt Keppler, im Jahre 1682 Newton, und zwischen 
diesen beiden ist mit dem Jahre 1619 Harveys Entdeckung der Blut- 
zirkulation als erste hochbedeutende physiologische Tat gegenüber der 
Voreingenommenheit alter medizinischer Ideen verzeichnet. Wir finden die 
Namen von Linnee, Cuvier, Lyell, von Baer, die Begründer der 
Zelltheorie der organischen Welt Schleiden und Schwann; dann steht 
Charles Darwin auf dem im Jahre 1859 gewachsenen Holzringe mit 
seinem Buche: ,,Die Entstehung der Arten durch natürliche Zucht- 
wahl“, und die ausführliche für die Besucher gedruckte Erklärung fügt 
hinzu, dafs dieses Buch nach allgemeinem Urteil mehr Einflufs 
auf die Gedankenrichtung des Menschen gehabt habe, als irgend 
ein anderes während des verflossenen Jahrhunderts. 

An dieses Buch,*) das ich als den Markstein in Darwins wissenschaft- 
lichem Leben bezeichne, wollen wir daher die Betrachtungen anknüpfen, 
die zum Ruhme seines glänzenden Namens und zur Beleuchtung des durch 
ihn erzielten Fortschrittes in der organischen Naturforschung heute diesen 
hervorragenden Platz verdienen. 

*) Es ist dasselbe jetzt in einer neuen, nur 1 Mark kostenden Volksausgabe er- 
schienen, bearbeitet von Dr. H. Schmidt-Jena nach der Übersetzung von J. V. Carus und 
der letzten englischen Ausgabe. — Das englische Original : Origin of Species by means 
of Natural Selection, kostet 6 S. und in der Volksausgabe 2 S. 6 d. bei John Murray, 
Albemarie Street, London 1907. Es sollte dieses berühmte Buch in seiner Originalaus- 
gabe, und nicht in den vielen darüber gemachten Behandlungen anderer gelesen werden. 


12 


In fünfjähriger, ganz allein der Herausgabe dieses Werkes gewidmeter 
Arbeit batte Darwin in seinem vom Geräusch der grofsen Welt und von jeder 
Berufspflicht gleich zurückgezogenen Leben alles das zusammengetragen, 
was er auf seiner grofsen Reise und später als Beweismittel der Veränder- 
lichkeit der Arten und ihres fortschreitenden Umbildungsganges erkannt 
hatte. Ein Manuskript vom dreifachen Umfange des 1859 gedruckten 
Buches lag lange vorher schon in seinen Händen; unbefriedigt und zweifelnd 
liefs er es liegen. Da kam im Sommer 1858 eine kleine Abhandlung von 
Wallace über denselben Gegenstand, für die Linneeische Gesellschaft in 
London bestimmt, an ihn, der nun auf Wunsch seiner Freunde Lyell und 
Hooker gleichfalls seine Theorie in einer kurzen Abhandlung an dieselbe 
Gesellschaft einsendete. Darwin erzählt selbst,*) dafs damals ihre gemein- 
samen Erzeugnisse sehr wenig Aufmerksamkeit erregt hätten; nur eine 
einzige Kritik darüber von einem Dubliner Professor sei ihm erinnerlich, 
und dessen Ausspruch sei gewesen, dafs alles, was neu in den beiden 
Abhandlungen wäre, falsch, und dafs das Richtige alt sei. 

Hierin fand später Darwin einen Beweis, wie notwendig es sei, jede 
neue Ansicht in ziemlicher Ausführlichkeit mitzuteilen, um die öffentliche 
Aufmerksamkeit zu erregen. Und dies geschah 13 Monate später: im 
November 1859 wurde die „Entstehung der Arten“ als selbständiger, 
sehr inhaltsreich überarbeiteter Band herausgegeben; die erste kleine Auf- 
lage von 1250 Exemplaren war sofort verkauft und ebenso bald darnach 
die zweite Ausgabe von 3000 Exemplaren. Bald folgten andere Ausgaben 
und Übersetzungen, nach und nach in fast allen europäischen Sprachen, 
auch in das Japan esische: der Kampf um den „Darwinismus“ hatte 
begonnen 1 

Ein geistreicher Gelehrter jener Zeit, Alph. de Candolle, schildert 
sehr anschaulich den damaligen Eindruck des Darwinschen Buches,**) das 
einige Naturforscher sogleich als Morgenröte eines neuen Tages begrüfsten, 
während andere zunächst von Staunen und oft von Unwillen überwältigt 
waren. Aber ehe die Kritik die richtigen Gegenzüge auf so ganz un- 
gewohnten Bahnen gefunden hatte, folgten die Fortsetzungen derselben 
Gedankengänge in neuen Büchern, voll von bisher niemals so dargestellten 
Tatsachen und originellen Ansichten. Es war wie die Invasion einer sieg- 
reichen Armee! Überall begann man sich mit „Darwinismus“ zu be- 
schäftigen, mit diesem eigenartigen Komplex von Ideengängen auf Grund- 
lage vielseitiger Beoachtungen, den man bei der Neuheit in seinem Auf- 
treten sehr richtig nach dem Urheber selbst so benannte. Die hart- 
näckigsten Gegner mufsten immerfort seine Anhänger zu Worte kommen 
lassen, und die öffentliche Meinung bildete sich ein, dafs überhaupt alles 
in Darwins Schriften neu und noch nie zuvor bekannt gewesen sei. 

Man hat diesen Ungeheuern und ganz ungewohnten Erfolg eines 
einzelnen Buches damit erklären wollen, dafs die darin ausgesprochenen 
Anschauungen „in der Luft gelegen hätten“. Darwin selbst bestreitet 
dies und, wie ich glaube, mit Recht: er weist darauf hin, dafs er selbst 
die bereits früher von anderen ausgesprochenen Ideen über Veränderung 
der Arten nicht für sich brauchbar gefunden hätte, und dafs alle, mit 


*) Leben und Briefe von Charles Darwin, I, S. 76. Stuttgart 1887. 

**) Darwin considere an point de vue des causes de son succes et de l’importance 
de ses travaux. Geneve 1882. 


13 


denen er vor 1858 über sein geplantes Buch gesprochen hätte, immer 
gegenteiliger Meinung gewesen seien.*) „Es ist mir (vorher) niemals vor- 
gekommen, sagt Darwin selbst, auch nur auf einen einzigen Naturforscher 
zu stofsen, welcher an der Beständigkeit der Arten zu zweifeln geschienen 
hätte. Selbst Lyell und Ilooker, obschon sie mir mit Interesse zuhörten, 
schienen niemals mit mir übereinzustimmen. Ich habe ein oder zwei Mal 
versucht, tüchtigen Männern zu erklären, was ich unter natürlicher Zucht- 
wahl verstände, doch entschieden ohne Erfolg. Eins war meiner Meinung 
nach vollkommen richtig, dafs nämlich unzählige gut beobachtete Tatsachen 
in den Geistern der Naturforscher aufgespeichert waren, bereit, sofort die 
richtige Stelle angewiesen zu erhalten, sobald irgend eine zu ihrer Auf- 
nahme aufgestellte Theorie hinreichend erklärt sein werde.“ — Der Erfolg 
läfst sich aber nur durch ein ausgedehntes Studium der mafsgebenden 
Werke und Lehrbücher vor 1858, sowohl nach ihrem Inhalt als besonders 
auch nach ihrer Methode richtig verstehen und lag demnach in zwei sich 
gegenseitig ergänzenden Gründen. 

Der eine war der, dafs die auf die Spezies und ihre höheren Gruppen- 
bildungen gestützte natürliche Systematik, das Hauptarbeitsgebiet der 
damaligen Zeit, in ihrem theoretischen Ausbau sich in sich selbst verrannt 
hatte und nur durch die Deszendenztheorie Befreiung von einem unerträg- 
lichen Zwange finden konnte. Man hat nachträglich die Vorläufer Darwins, 
hauptsächlich Lamarcks Schriften, ausgegraben; aber diese waren ja ganz 
ohne wirklichen Einflufs geblieben. 

Noch stand man allgemein unter dem Einflufs des von Linnee so stark 
in seiner „Philosophia botanica“ ausgesprochenen Dogmas von der Un- 
veränderlichkeit der Arten; die Charaktere dieser Spezies aufzuspüren galt 
daher als Grundlage und Ziel an sich. Durch den bedeutenden Einflufs 
von August Pyrame de Can dolle, den Vater des oben erwähnten 
Freundes von Darwin, war die in der Theorie elementaire de la Botanique 
im Jahre 1819 von neuem als richtig hingestellte Unveränderlichkeit weiter 
in der Herrschaft erhalten. 

„Seit Jahrhunderten“, so schrieb P. de Candolle,**) „überzeugen uns 
alle gut beobachteten Tatsachen von der Richtigkeit der Theorie unver- 
änderlicher Arten, und wenn einige Parteigänger für die entgegengesetzte 
Meinung zugeben, dafs sich die Veränderungen erst im Laufe von Jahr- 
hunderten zeigen können, so dürfen einige zweifelhafte Beobachtungen an 
einer kleinen Zahl von Pflanzen nicht die Theorie der Spezies zerstören.“ 
— Man sieht also, es gab wohl Parteigänger für die Transmutation der 
Arten, aber sie kamen nicht zu Gehör. Statt dessen quälte man sich mit 
nicht endender Mühe damit herum, zu entscheiden, was denn eigentlich 
in der „natürlichen Systematik“ als wirklich von der Natur geschaffene, 
also natürliche Einheiten zu betrachten wäre, ob neben den als sich in 
sich selbst fortpflanzend erkannten Individuen-Reihen auch die Spezies mit 
ihren Varietäten, ob auch die Genera, und auch die höheren Gruppen- 
bildungen, also Familien und Klassen. Immer von neuem wurden die 
Meinungen solcher Schriftsteller, welche sich mit dieser Frage beschäftigt 
hatten, untereinander verglichen und abgewogen, also nach P. de Candolle 
besonders von Lindley, Schleiden und Fries. Die Erörterungen darüber 


*) Vergl. Leben und Briefe, I, S. 78. 

**) 1. c. S. 195. 


14 


zeigen deutlich, dafs man mit allen den geäufserten Meinungen doch nicht 
vom Flecke kam, und dafs jeder Versuch, irgend eine Grenze zu ziehen 
zwischen den „wirklich natürlichen“ Einheiten und den mehr von künstlich 
zusammenfügenden Gründen geschaffenen, als unbefriedigend angesehen 
werden mufste und daher zu neuen Versuchen über eine Entscheidung auf- 
forderte, die dann doch nicht eintraf. 

Es ist sehr interessant, dafs gerade im Jahre 1858 eine sehr gelehrte 
„Theoria Systematis Plantarum“ von Agardh in Lund erschien, in der alle 
diese Fragen nach der damals neuesten Literatur sehr gründlich und 
kenntnisreich behandelt waren ; als Motto ist dem lateinisch geschriebenen 
Werke der Ausdruck Linnees vorgesetzt: „Natur ae opus semper est Species 
et Genus. Generum genus est Ordo, Ordinum autem genus Classis est.“ 
Es ist nicht leicht mehr für uns, die wir uns jetzt schon in eine ganz 
andere Anschauungsweise hineingelebt haben, mit Interesse den damals 
von Agardh für seine Zeit wirklich sehr gut geäufserten Betrachtungen für 
und wider zu folgen. Aber in solche Quellen hineinzuschauen müfste allen 
denen empfohlen werden, die den durch die Annahme von Darwins Mu- 
tationstheorie erfolgten gewaltigen Umschwung und Fortschritt am Zeit- 
geiste selbst spüren wollen, da doch die eigentliche Klassifikation, Auf- 
suchen der natürlichen Verwandtschaft und Abtrennung von Gattungen, 
Arten und Varietäten praktisch nach Darwins Buch nicht anders ge- 
worden ist, als es etwa in der Periode vom älteren Jussieu 1789 bis zum 
Jahre 1859 betrieben worden war. 

Der Hauptvorzug lag also in der Anschauungsweise und Forschungs- 
methode. Das war gerade das Ausgezeichnete und den durchschlagenden 
Erfolg von Darwins Theorie Versprechende, dafs diese sich auf den 
Grund und Boden einer ganz neuen, so ganz unbefangenen Beobachtung 
und Darstellungsweise stellte, aber einer Darstellung, in der man das 
Leben der organisierten Lebewelt pulsieren fühlte. Wie immer das ge- 
schickte und innerlich berechtigte Zusammenfassen grofser Grundgedanken 
aus verschiedenen Wissenschaftszweigen zu einheitlichen Schlufsfolgerungen 
vom gröfsten Erfolge ist, so war es hier der Fall: aus den Anregungen der 
Geologie und Paläontologie hatte Darwin sein Arbeitsgebiet auf die lebende 
Tier- und Pflanzenwelt übertragen; nicht in Herbarien hatte er die Spezies- 
frage als solche drückend empfunden, sondern als Sammler auf fernen 
ozeanischen Inseln mit der Wirkung eines Klimas, welches auf eine Eigen- 
entwicklung hinzudrängen schien. 

So dürfen wir voraussetzen, dafs der merkwürdige und von vornherein 
gar nicht auf einen gelehrten Naturforscher hinzielende Lern- und Lebens- 
gang von Darwin für seine späteren Erfolge gerade die günstigste Vor- 
bedeutung bildete. — - 

Wohl ziemt es sich heute bei der Gedenkfeier dieses merkwürdigen 
Denkers und Forschers, das wichtigste aus seinem Leben mitzuteilen, so 
viel auch schon in diesen Tagen darüber gesprochen und in Zeitungen 
gedruckt sein mag. 

Als Sohn eines sehr klugen, mit scharfer Beobachtungsgabe begnadeten 
Arztes wuchs er in behaglichem Hause und Wohlstände heran, ohne sich 
auf der Schule irgendwie besonders auszuzeichnen. Er beklagt selbst 
später seine Unfähigkeit, Sprachen zu beherrschen, und bei seinen Literatur- 
studien in gereiften Jahren bereitete ihm z. B. das Deutsche so viel Mühe, 
dafs er unsere Sprache und stilvolle Schreibweise nicht gerade liebens- 


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würdig zu bezeichnen pflegte. Als er, 13 Jahre alt, eine Tour zu Pferde 
durch Wales machte, erfüllten ihn die landschaftlichen Bilder und Beize 
mit höchstem Entzücken und riefen den Wunsch in ihm wach, dereinst die 
grofse Welt zu sehen. Die Jagd auf Vögel, das Sammeln von Mineralien, 
chemische Versuche mit seinem älteren Bruder wiesen wohl auf natur- 
wissenschaftliche Passionen hin, brachten ihm aber nicht so sehr Lob, als 
vielmehr den Tadel ein, dafs er seine Zeit mit so nutzlosen Sachen ver- 
schwende. 

Mit 16 Jahren wurde er nach Edinburg in das College geschickt, um 
dort ein medizinisches Studium einzuleiten; aber die langweiligen Vor- 
lesungen zogen ihn nicht an, und er versäumte auch, sich Kenntnisse in 
der vergleichenden Anatomie zu erwerben, die er später schwer entbehrte. 
Angeregt durch guten Verkehr machte er wohl einige gute zoologische 
Beobachtungen und Ausarbeitungen, fafste aber zugleich eine heftige Ab- 
neigung gegen die schlecht vorgetragene Geologie, die ihn später zuerst 
zum richtigen Forscher stempeln sollte. 

So war es ganz natürlich, dafs er auf Wunsch seines Vaters sein 
Studium wechselte und Geistlicher zu werden beschlofs. Zu diesem Zweck 
bezog er 19 Jahr alt die Universität Cambridge, verschwendete — wie er 
es selbst in der Skizze seines Lebens bezeichnet — seine Zeit mit nutz- 
losen akademischen Studien ohne inneren Drang, und bestand recht gut 
sein erstes theologisches Examen. Die Freiheit, auch andere Vorlesungen 
zu hören, führte ihn zu Henslo w, dem damaligen ersten Professor der 
Naturgeschichte in Cambridge, der ihn sehr begeisterte, zu botanischen 
Exkursionen mitnahm, sein Auge und sein physiologisches Wissen übte, 
ihn auch zum Betreiben der Geologie zurückführte. Er las Humboldts 
Reisebeschreibung, wurde von dem brennenden Wunsche erfafst, Teneriffa 
bald selbst zu besuchen, und bereitete sich auf so veränderte Neigungen 
durch kleine geologische Aufnahmen in Wales vor. Und nun, da er anfing, 
auch zum Geistlichen sich untauglich zu machen, kam der glückliche 
Wendepunkt seines Lebens: er wurde auf eine wissenschaftliche Expedition 
mitgenommen, auf eine fünfjährige Weltumseglung. Darwin bezeichnet 
diese grofse Weltreise selbst als die erste wirkliche Erziehung seines 
Geistes, da sie ihn dazu führte, mehreren Zweigen der Naturgeschichte ein- 
gehende Aufmerksamkeit zu widmen. „Ich bin sicher“, fügt er hinzu, 
„dafs diese Dressur es war, welche mich dazu befähigt hat, das 
in der Wissenschaft zu leisten, was ich etwa geleistet habe“. — 
Dieser Wendepunkt trat ein in den Herbstferien des Jahres 1831, als 
Darwin also 22*/ 2 Jahr alt war. Der Kapitän Fitzroy bereitete sich 
auf eine Expedition zu vergleichenden Längenmessungen vor und wünschte 
einen jungen Naturforscher von Talent und guten Sitten als Genossen in 
seiner eigenen Kabine aufzunehmen. Henslow wurde gefragt, und es 
spricht sehr für den vortrefflichen Eindruck, den Darwin auf ihn ge- 
macht haben mufste, dafs er ihn allein zu solcher verantwortungsvollen 
Aufgabe empfahl. Die nicht grofse Kriegsbrigg, der „Beagle“, lag schon 
bereit. Darwin hatte zwei Monate Zeit für seine eigenen Vorbereitungen, 
und der Beagle, zweimal durch Stürme am Auslaufen verhindert, verliefs 
endlich England am 27. Dezember 1831. 

Fünf Weihnachten verlebte Darwin auf diesem Schiffe: das erste 
unmittelbar vor der Ausfahrt, das zweite nahe dem Kap Horn, das dritte 
an der Ostküste Patagoniens, das vierte in einem wilden Hafen an der 

* 


16 


Halbinsel von Tres Montes in Valdiyien, das fünfte in Neuseeland — das 
sechste nach glücklicher Rückkehr von der Küste Brasiliens in das Eltern- 
haus (Oktober 1836). 

Wenn Darwin von der geistigen Zucht, die diese Reise an ihm aus- 
übte, spricht, so darf ein Umstand, ein geistiger Begleiter nicht vergessen 
werden, der in Gestalt eines reformatorischen Buches ihm kurz vor der 
Abfahrt von Henslow empfohlen wurde: dies waren Lyells ,,Principles of 
Geology“. Als Geolog hat Darwin seine eigene Laufbahn begonnen und 
seine Kräfte gestählt; die schöpferischen Ideen Lyells zeigte ihm das hohe 
Ziel eigener Forschertätigkeit und regten ihn zu allgemeinen Ausblicken 
auf die organische Welt durch das Band der Paläontologie an. Mit Lyell 
blieb er sein Lebenlang innig verbunden und schrieb auf den Empfang 
von der Nachricht von dessen Tode am 23. Februar 1875: 

„Ich vergesse niemals, dafs ich beinahe alles, was ich in der Wissen- 
schaft geleistet habe, dem Studium seiner grofsen Werke verdanke.“ 

Der Wunsch, die Absicht, gleichfalls etwas Ordentliches auf dieser Welt- 
umseglung zu leisten, durchdrang ihn mehr und mehr, schärfte sein Nach- 
denken; und so haben auch seine Worte auf ihn selbst Bezug, die er am 
Schlufs seines überaus anregenden Reisewerkes über den Wert solcher 
Naturforscher-Expeditionen ausspricht: *) 

„Das während solcher Zeit genossene Vergnügen wiegt die Übel- 
stände nicht auf. Es ist nötig, nach irgend welcher Ernte, wie fern 
dieselbe auch sein mag, blicken zu können, wo man gewisse Früchte 
ernten, irgend etwas Gutes bewirken kann“. 

Und den Hauptteil des reichen Erntekranzes, den Darwin aus den Früchten 
seiner Reise für sich wand und dann den Zeitgenossen darbot, den finden 
wir in dem 1859 erschienenen Buche, das uns zum Mittelpunkt seiner 
Leistungen in der Verknüpfun g der Geologie mit der Lebewelt dient. 

Denn das war doch wohl der eigentliche Hauptsinn des Buches über 
die „Entstehung der Arten“, auszudehnen auf die Welt der Organismen, 
was in der Geologie zum herrschenden Prinzip erklärt und als richtig be- 
funden war. In der geologischen Entwicklung der Erde soll die Ver- 
gangenheit durch die Gegenwart erklärt werden, wenn nicht gute Gründe 
für das Gegenteil nachgewiesen werden können. W arum denn nun die in 
den geologischen Schichten eingeschlossenen Versteinerungen, die Zeugen 
einer längst verschwundenen Lebewelt, anders beurteilen als die Entwick- 
lung der toten Steine selbst? Mufste nicht alles dazu einladen, nun auch 
diese fossilen Schöpfungen mit der heutigen Lebewelt in unmittelbaren 
Zusammenhang zu bringen, d. h. die heutige Lebewelt als Nachkommen- 
schaft jener ausgestorbenen Zeugen geologischer Vergangenheit hinzustellen? 

Bis dahin hatte das Niemand auszuführen gewagt, auch Lyell selbst 
nicht. Die Überzeugung von der Richtigkeit dieser Folgerung drängte sich 
Darwin während seiner Weltreise an einigen dafür besonders geeigneten 
Stellen mit überwältigender Kraft auf, und ich glaube sagen zu dürfen: 
Darwin hat die Antwort auf die brennende Frage der Herkunft der heutigen 
Organisation in ihren Grundzügen sich selbst bereit gestellt, ehe er die 
wissenschaftlichen Schwierigkeiten der ganzen Fragestellung überschaute 
— eben weil er damals durchaus noch nicht ein vertieftes Studium von 


*) Reise eines Naturforschers um die Welt, 2. deutsche Ausgabe 1899, S. 551. 


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zoologischer und botanischer Systematik mit all ihrem gelehrten Apparat 
betrieben hatte. Und so erleichterte ihm seine Unbefangenheit darin später 
seine eigene Beweisführung im Ersinnen vollständig selbständiger Wege, 
die er mit eigenen Beobachtungen so scharfsinnig ebnete und mit so 
starkem Rüstzeug versah, dafs ihm seine Gegner, die auf solche Beweis- 
führung gar nicht gefafst sein konnten, darin gar nicht zu folgen ver- 
mochten und, von der Wucht der logischen Schlüsse überwältigt, einer 
nach dem andern sich zu ihm bekannten oder einer jüngeren, rasch für 
Darwin eintretenden Gelehrten-Generation Platz machten. 

Die Galäpagos-Inseln, jene merkwürdige, unbesiedelt-öde Gruppe 
von zehn kleinen vulkanischen Inseln, 150 Meilen westlich der Küste von 
Ecuador im Stillen Ozean, brachten hauptsächlich viel wertvolle Anregungen. 
Kein Säugetier aufser einer Maus bewohnt sie, aber eigentümliche Vögel, 
riesige Schildkröten und Eidechsen in friedlichem Zusammensein, in welches 
nur der Mensch störend eingreift. Zwei Arten Eidechsen von der Länge 
einer Elle, oder sogar mehr als 1 m, und mit breitem Maul, ernähren sich 
dort von Seegräsern und Kakteen; die Schildkröten haben, Tausende an 
Zahl, breite Wege vom Strande bis zu den Bergquellen im Innern zwischen 
schwarzem Geröll und ärmlichem Gestrüpp ausgetreten und wandern auf 
diesen Tag und Nacht. — „Wenn der Geolog dies hört — sagt Darwin 
in seinem Reisewerk*) — so wendet er sich wahrscheinlich in seiner Er- 
innerung zurück zu den mesozoischen Perioden, wo Eidechsen, einige 
pflanzenfressend, manche fleischfressend, und von Dimensionen, die sie nur 
mit unsern heutigen Walfischen vergleichen lassen, auf dem Lande und 
im Meere schwärmten.“ Der Verwandtschaft nach sind fast alle Tiere und 
Pflanzen dieses Archipels amerikanisch, aber eine überraschend grofse Zahl 
besteht aus Arten, die nirgends auf der Welt als eben auf diesen kleinen 
Inseln leben. „Warum sind — so fährt Darwin fort — auf diesem 
kleinen Stückchen Land, welche aus basaltischer Lava bestehen und daher 
in ihrem geologischen Charakter vom amerikanischen Kontinent verschieden 
sind und die auch ein eigentümliches Klima besitzen, — warum sind hier 
alle diese Tiere und Pflanzen nach amerikanischen Organisationstypen er- 
schaffen? Und warum tragen die Cap Verdeschen Inseln, die den Galäpagos- 
Inseln so ähnlich sich verhalten, durchaus nur afrikanischen Charakter?“ 

Und nun ist noch der allermerkwürdigste Zug der, dafs auf den 
zehn einzelnen Inseln unter sich etwas verschiedene Schildkröten, ver- 
schiedene Arten von Vögeln, verschiedene Pflanzenarten leben, wenn 
auch alle einander nahe verwandt und oft sehr ähnlich. . . .“ Das ist es, 
was mich mit Verwunderung erfüllt, dafs mehrere der Inseln gerade ihre 
besonderen eigenen Spezies besitzen, während doch alle dieselben Lebens- 
gewohnheiten haben und offenbar im Naturhaushalt des Archipels ganz 
die gleichen Stellen ausfüllen.“ Nur sind die Inseln alle durch sehr starke 
Meeresströmungen voneinander getrennt gehalten. . . . „Überblickt man die 
hier mitgeteilten Tatsachen, so ist man über den Betrag an schöpferischer 
Kraft, wenn ein derartiger Ausdruck gestattet ist, erstaunt, der sich auf 
diesen kleinen, felsig-nackten Eilanden entfaltet hat, und noch mehr 
über deren verschiedenartige Wirkung auf so nahe bei einander gelegenen 
Punkten.“ 

Diese „schöpferische Kraft“ bildete denn später den Gegenstand seiner 


*) 1. c. S. 425. 


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reiflichsten Überlegung, und er fand die Lösung darin, dafs er Neu- 
schöpfung durch Entwicklung ersetzte: die Einzelinseln der Gala- 
pagos- Gruppe haben im langen Lauf der Jahrtausende die zu ihnen ge- 
langten amerikanischen Typen zu selbständigen Arten entwickelt. 

Wenn ihm so seine .Reiseerfahrungen die wundervollsten Probleme 
durch die Beziehungen der heutigen Lebewelt zur geographischen Ver- 
teilung und zur geologischen Vergangenheit boten, so mufste er doch, 
nach England zuriickgekehrt, vornehmlich das Studium der Spezies 
und ihrer Veränderungsmöglichkeiten aufnehmen; und indem er 
sich dabei die Erfahrungen der Tier- und Pflanzenzucht zu eigen machte, 
begründete er seine Theorie auf die erbliche Veränderlichkeit aller Eigen- 
schaften und auf eine einseitige Auslese, welche der Mensch in seiner 
zielbewufsten Absicht, die Natur aber aus sich selbst unter den best- 
ausgerüsteten in der Überzahl neu entstandener Keime im Kampfe um 
das Dasein vornehmen soll. Dies ist sein berühmtes Selektionsprinzip, 
das Prinzip der natürlichen Auslese oder Zuchtwahl. „Die neue 
Spezies ist das Resultat einer auswählenden Wirkung der äufseren Lebens- 
bedingungen auf die von den Individuen dargebotenen Abweichungen von 
ihrem spezifischen Typus.“*) 

Über die Allgemeingültigkeit und den Wert dieses von Darwin als 
Erklärungsgrund seiner Mutationstheorie ersonnenen Prinzipes hat man 
viel gestritten; sicher scheint, dafs es in vielen Fällen ausschlaggebend 
ist, aber ebenso, dafs es längst nicht allein die Veränderung der Arten 
beherrscht. 

Darwin selbst hat das auch nie behauptet, hat im Gegenteil Schon 
in der Einleitung zur ersten Ausgabe seiner „Veränderung der Arten“ aus- 
gesprochen, er sei überzeugt, dafs die natürliche Zuchtwahl das haupt- 
sächlichste, wenn auch nicht das einzige Mittel zur Abänderung der Arten 
gewesen sei. Unsere kritisch angelegte Zeit handelt wohl auch nicht im 
Sinne einer ganz gerechten Würdigung wirklichen Verdienstes, wenn sie 
auf die Vorläufer Darwins eingehend deren Rolle, besonders die von Lamarck, 
in ein zu helles Licht stellt; sie übten ja auf Darwin selbst nur einen 
mehr widersprechenden Einflufs und hatten trotz der richtigen Empfindung 
und Ausdrucksweise in manchen Dingen doch durchaus keine mit über- 
zeugender Gewalt sich selbst Sieg verschaffende Theorie aufgestellt. Sie 
haben eigentlich erst ihren Einflufs durch Darwin selbst nachträglich 
zurückerhalten. 

Noch mehr mufs man sich darüber wundern, dafs man in neuerer 
Zeit zuweilen das Wesen des „Darwinismus“ nur allein in dieses Prinzip 
der natürlichen Zuchtwahl im Kampf um den Raum hat legen wollen, als 
könnte man dadurch den Ruhm, das wissenschaftliche Verdienst dieses 
nach Erforschung der Hauptsache in ihrem ganzen Umfange trachtenden 
Mannes schmälern. 

Darwinismus bedeutet weit mehr, und schnell hat sich im ersten 
Jahrzehnt nach dem Erscheinen seines berühmten Buches dies Wort bei 
Gegnern wie Anhängern eingebürgert. Es bedeutet die ganze neuere Biologie 
in der Richtung auf die mit den Stammbäumen der Tiere und Pflanzen 
zusammenhängenden Untersuchungen über Variation und Erblichkeit, über 
Anpassungsfähigkeit an äufsere Bedingungen, über steigende und fallende 


*) Leben und Briefe von Oh. Darwin, II, S. 190. 


19 


Fruchtbarkeit in sexuellen Fragen, über die mannigfaltigen Erhaltungs- 
mittel und oft so merkwürdigen gegenseitigen Beziehungen im Kampf um 
den Raum. Für alle diese wichtigen Fragen hat Darwin in seinem Haupt- 
buche, wie in den später auf dasselbe folgenden wesentlichen Ergänzungen 
durch eine Fülle anderer Werke, die Wege der heutigen Forschung eröffnet 
und ebenso viele Vorbilder als weitere Anregungen gegeben. Darin zeigt 
sich gerade seine Gröfse: selbst unermüdlich und bis zur Erschöpfung 
seiner Kräfte tätig, eröffnete er als Erster bisher unbetretene Gebiete, zog 
alte Werke von bedeutsamem biologischen Hintergrund aus dem Dunkel 
ihrer Vergessenheit, und schuf, selbst nie durch Vorlesungen oder Labo- 
ratoriumstätigkeit belehrend, sich doch durch die Anregung seiner Schriften 
eine ganze Generation von seiner Belehrung folgenden Schülern. Daher 
der eingangs erwähnte Ausspruch, dafs sein Buch über die „Entstehung 
der Arten“ nach allgemeinem Urteil mehr Einflufs auf die Gedanken- 
richtung des Menschen ausgeübt habe, als irgend ein anderes während des 
verflossenen Jahrhunderts. 

Wenn sich also die heutige Forschung kräftig weiter entwickelt hat, 
so ist das ganz im Sinne der Anschauungen Darwins geschehen, dem selbst- 
verständlich viele Erfahrungen abgingen, die inzwischen von Jüngeren 
gemacht worden sind. Die Begeisterung, mit der Männer wie Anton 
Kerner, damals noch in Innsbruck, und Moriz Wagner auf Darwins 
Theorie eingingen, sie mit ihren geistigen Machtmitteln lebendig erfafsten 
und weiterführten, zeigt die tiefe Anregung, welche sie aus ihr geschöpft 
hatten. Das wäre doch schlimm, wenn die Schar so vieler auf den richtigen 
Weg gewiesener Forscher nicht sehr viel wesentliche Dinge schon jetzt 
hinzuzufügen gehabt hätte! Wenn z. B. jetzt die Hugo de Vriessche sprung- 
weise Mutation der Arten soviel von sich reden macht: was hätte Darwin 
wohl darum gegeben, wäre ihm selbst die Einsicht vergönnt gewesen, dafs 
eine Möglichkeit zu einem Artsprunge wie bei Oenothera Lamarckiana 
erfahrungsgemäfs festgestellt ist! Wie viel dreister hätte er dann selbst 
noch die Umformung mancher seiner’ nur auf Annahmen begründeter Sätze 
in die Hand nehmen können! 

Das aber pflegt einem einzelnen Menschen selten vergönnt zu sein, 
die ihm entsprungenen weittragenden Anregungen bis in ferne, vielleicht 
von ihm ersehnte Möglichkeiten wirklich ausgebaut zu sehen; das ist Sache 
der nachfolgenden Generationen, die sich aber eins fühlen müssen mit 
dem Genius ihrer Vorgänger. — 

In rascher Folge arbeitete Darwin nach dem Jahre 1859 die Konse- 
quenzen seiner Theorie von der Entstehung der Arten aus und überraschte 
durch die Mannigfaltigkeit seiner schöpferisch eigenartigen Tätigkeit. Der 
Mensch wurde nach seiner körperlichen wie geistigen Entwicklung in den 
allgemeinen Entwicklungsgang der Organismen auf unserer Erde mit hinein- 
gezogen und stieg damit von dem ihm in der Schöpfungsgeschichte der 
Bibel angewiesenen Platze einer ursprünglich sündenreinen Hoheit herab, 
um dafür die Krone der höchsten Entwicklungsfähigkeit wieder einzu- 
tauschen. 

Diese wichtigen Dinge sind so bekannt, wie Darwins Theorie der 
Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl. Nur das Eine möchte 
ich hinzufügen: der Mensch mit seinem Werdegang auf der Erde ist 
Gegenstand naturforschender Betrachtung; dafs wir unsere eigene Ver- 
gangenheit kennen lernen, entspricht dem Ziel unseres Strebens, auch wenn 


20 


die Resultate unserer Forschung alten, als heilig erachteten Traditionen 
widersprechen. Deshalb hat sich auch Darwin nie gescheut, solche Re- 
sultate und Folgerungen auszusprechen, soweit sie berechtigt waren. 

Aber er war zugleich ein Muster von Zurückhaltung in den Dingen, 
die nicht Gegenstand der Naturforschung sind, und die, wenn auch der 
Naturforscher anders und freier darüber denken mag als ein Gelehrter, 
dem dieser einschneidende Bildungsgang nicht zu Teil geworden ist, doch 
immer Gegenstand der ethischen Seite und der religiösen Eigenentwicklung 
der Menschheit bleiben. Nie würde Darwin es sich verziehen haben, auf 
solchem Gebiete die Gefühle anders Denkender zu verletzen, und welche 
Folgerungen er auf philosophischem Gebiete auch für sich gezogen haben 
mag, in seinen wissenschaftlichen Werken blieb er nur der besonnene 
Naturforscher und wollte er nur der Forschung dienen. Dabei unterliefs 
er es nicht, in seinem Reisewerke da, wo er von den fernen Inseln der 
Südsee spricht, mit Stolz und Genugtuung auf den veredelnden Einflufs 
des durch die britischen Missionare hierher verpflanzten Christentums in 
starken Worten hinzuweisen*). 

Daran sollte auch heute erinnert werden, wo der Kampf der Geister 
wieder mächtig wie vor 50 Jahren hin und her wogt, damals in der Er- 
schütterung alter Anschauungen durch eine neue Biologie, heute besonders 
im Widerstreit philosophischer Abstraktionen, die, auch wenn sie in der 
Naturforschung wurzeln, doch häufig die Grenzen unserer Erkenntnis nur 
zu kühn überfliegen und daher berechtigte Zweifel bezüglich der Sicherheit 
ihrer Fundamente übrig lassen. Und das zu sagen erscheint noch der 
Mühe wert, dafs, wo etwa Zweifel auch beim Studium von Darwins Werken 
im Leser auftauchen, sie ihn an und für sich dadurch auffordern zu eigener 
Arbeit, zu Versuch und Gegenversuch, zum Erschliefsen ganz neuer und 
schwieriger Gebiete, mit einem Worte: zur Forschung! 

Und aus dieser in weiten Kreisen durch Darwin entzündeten Liebe 
zur Forschung in neuen Bahnen ist herausgekommen, dafs schon bei seinem 
Tode im Jahre 1882 Alph. de Candolle in einem herrlichen Nachrufe 
sagen konnte, die Veränderung der Arten könne jetzt nur irrtümlich noch 
als Hypothese bezeichnet werden, sie sei im Gegenteil eine wohl bewiesene 
Tatsache. Die Hypothesen bezögen sich nur auf die schwer zu verstehenden 
Modalitäten, wie die Veränderungen der Form stattfanden und wie sie sich 
verbreitet haben. So hatte De Candolle schon damals eine Antwort auf 
solche Anschauungen erteilt, wie wir sie in der Bezeichnung „vom Sterbe- 
lager des Darwinismus“ erst noch neuerdings hier in Dresden wieder auf- 
tauchen sahen. 

Nein: der Darwinismus, hervorgegangen aus der unermüdlichen 
Hingabe eines durch glückliche Fügung erst in reiferen Jahren an seinen 
eigentlichen Beruf herangetretenen Mannes, steht in voller Kraft und kann 
nicht aufhören, jemals fruchtbar weiter zu wirken. Wir feiern heute zu- 
gleich mit dem 100. Geburtstage von Darwin auch das erste Halbjahr- 
hundert seit dem Beginn einer neuen Epoche in der organischen Natur- 
forschung, wie sie mit dem Erscheinen des Werkes über die Entstehung 
der Arten im November 1859 anhub. 

Dankbar gedenken wir heute ihres edlen Verfassers und wollen den 
ihm geweihten Lorbeer durchflechten mit den zarten Blüten, die sein 


*) Reise eines Naturforschers, 2, Ausgabe 1899, S, 451 — 452, 549—550, 556 u. a, 


21 


liebreiches Gemüt auf dem Pfade seines Lebens ausstreute. Denn er war 
grofs als Forscher und Denker, wie als Mensch. 

Das Familienleben, das er bald nach seiner Heimkehr als 30jähriger 
Mann durch eine glückliche Heirat begründete, wurde später, als er sich 
mit 33 Jahren in ein idyllisch gelegenes Landhaus in Down zurückgezogen 
hatte, die Stütze seines ferneren, unaufhörlich durch grofse Kränklichkeit 
getrübten Lebens und bot ihm, allein im Kreise seiner Frau und seiner 
zärtlich geliebten Kinder, eine nie versiegende Quelle der Erholung zwischen 
den mit regem Geist neu ersonnenen und mit hingebendem Fleifs, so gut 
er vermochte, ausgeführten Untersuchungen. 

Die schönen Werke, die daraus hervorgingen, — ich erinnere nur 
kurz an die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, 
an die Lebensweise der kletternden Pflanzen, die Insekten fressenden 
Pflanzen, an die Wirkungen der Kreuz- und Selbstbefruchtung im Pflanzen- 
reich und an die Befruchtungseinrichtungen bei den Orchideen — diese 
schönen Werke bezeichnet Darwin als die Meilensteine in seinem ge- 
räuschlos hingebrachten Leben, das mit der Aufsenwelt fast nur durch 
eine enorme Gelehrten-Korrespondenz in Verbindung stand. 

Der kühne Weltreisende, der als Geolog seinen Hammer funken- 
sprühend auf die Gesteine der fernsten ozeanischen Inseln hatte nieder- 
sausen lassen, mufste seiner späteren Kränklichkeit wegen auf die Freude 
solcher Naturgenüsse verzichten und machte mit 33 Jahren Alter seinen 
letzten anstrengenden Ausflug nach dem nördlichen Wales, So mufste er 
von der Erinnerung an die Bilder seiner Weltumseglung zehren, an die 
Schönheiten der tropischen Natur, die sich für ihn zum letzten Male in 
Bahia zu einer vollkommenen Szene vereinten, und die er sich damals 
vornahm, festzuhalten, wie ein in der Kindheit gehörtes Märchen mit dem 
Reiz ihrer unauslöschlich schönen Bilder. 

Im Alter von 67 Jahren, also sechs Jahre vor seinem Tode, schrieb 
Darwin für seine Frau und Kinder eine kurze, höchst anziehende Selbst- 
biographie nieder mit der Schilderung seines eigenen Werdeganges, mit 
der rührend einfachen Bescheidenheit und Zartheit, die ihn beseelten. Er 
spricht von den Plänen für seine letzten Jahre, für die er ein Hinreichen 
seiner Kräfte erhoffe; dann sei er bereit, sich vom Herrn der Welten ab- 
rufen zu lassen. Er spricht dankbar von seinen glücklichen Erfolgen und 
fügt hinzu: 

„Mein Fleifs im Beobachten und im Sammeln von Tatsachen ist so 
grofs gewesen, wie er nur hat sein können. Was aber von weit gröfserer 
Bedeutung ist: meine Liebe zur Naturforschung ist beständig und heifs 
gewesen 

Es ist daher mein Erfolg als der eines Mannes der Wissenschaft, 
wie gering oder grofs derselbe auch gewesen sein mag, soweit ich es 
zu beurteilen vermag, hauptsächlich bestimmt worden durch Liebe zur 
Wissenschaft, — uneingeschränkte Geduld, lange Zeit über irgend einen 
Gegenstand nachzudenken, — Fleifs beim Beobachten und Sammeln von 
Tatsachen, — und ein ordentliches Mafs von Erfindungsgabe sowohl wie 
von gesundem Menschenverstände. Bei so mäfsigen Fähigkeiten, wie ich 
sie besitze, ist es wahrhaft überraschend, dafs ich die Meinungen wissen- 
schaftlicher Männer über einige bedeutungsvolle Punkte in beträcht- 
lichem Mafse beeinflufst habe,“ 


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Wir, die erste herrschende Generation nach des grofsen Darwin Tode 
im Jahre 1882, wir haben erkannt, wie der Einflufs dieses Naturforschers 
sich auf uns, auf unsere Arbeiten und auf unsere Anschauungen frucht- 
bar übertrug. Wir fühlen uns stark auf den frei vor uns liegenden Bahnen, 
in denen nun die Entwicklungsgeschichte der Erde und ihrer Lebewelt der 
Leitstern ist. Wir kennen aber auch die Schwierigkeiten, die in den ge- 
heimnisvollsten Tiefen des Lebens und seiner Entstehung der Forschung 
entgegenstehen, und hegen daher den Wunsch, dafs in den neu heran- 
wachsenden Generationen Männer erstehen wie Darwin, strebsam, fleifsig, 
besonnen und mafsvoll, deren Taten und Werke sich würdig diesem grofsen 
Meister anschliefsen, und die, von seinem Geiste beseelt, in sich selbst den 
Beruf fühlen, seine Nachfolger zu sein! 


III. Die Flechten des Vogtlandes. 

Von Prof. Dr. E. Baehmann, Plauen i. V. 


Durch langjährige Untersuchungen der Beziehungen der Flechten zu 
ihrer Unterlage bin ich genötigt worden, das dazu nötige Material selbst 
zu sammeln und zu bestimmen. Nachdem ich mit dieser Arbeit einmal 
begonnen hatte, habe ich sie über den Rahmen jener Untersuchungen 
hinaus fortgesetzt, um nebenbei eine Zusammenstellung der im Vogtland 
vorkommenden Arten und ihrer Formen zu erhalten. Dabei bin ich von 
einigen Herren unterstützt worden, deren Namen dankend zu erwähnen sind, 
von Herrn Bürgerschullehrer Spin dl er hier und von Herrn Gärtner Stolle. 

Da ein blofses, mehr oder weniger rastloses Durchwandern des Ge- 
bietes bei der Unscheinbarkeit vieler Krustenflechten, denen ich mich mit 
Vorliebe zugewendet habe, wenig Erfolg gehabt hätte, habe ich die Sommer- 
ferien sammelnd und mikroskopierend an verschiedenen, weit auseinander 
gelegenen, der Bodenbeschaffenheit nach ungleichartigen Orten des Vogt- 
landes verbracht. Dies sind Ebmath (1893 — 95), Hammerbrücke 
(1896, 1897), Schönberg bei Brambach (1898, 1900, 1901, 1903 und 1905), 
Brambach (1902). Von Hammerbrücke, später auch wiederholt von 
Plauen aus, ist der als Flechtenstandort besonders interessante Wendel- 
stein bei Falkenstein abgesucht worden. Eine ähnliche Ergiebigkeit 
dürfte auch der „Hohe Stein“ bei Erlbach besitzen, an dem ich nur 
zweimal je einige Stunden sammeln konnte. Darum gibt das folgende 
Verzeichnis nicht eine Übersicht dessen, was das ganze Vogtland an 
Flechtenarten besitzen kann und voraussichtlich besitzt, sondern der an 
den vier Hauptpunkten Plauen, Ebmath, Hammerbrücke und Schönherg 
gemachten Funde. Anderseits überschreitet es die politischen Grenzen 
des Vogtlandes, indem auch die Funde mit aufgenommen worden sind, 
die in der weiteren Umgebung Schönbergs, nämlich in Nordböhmen um 
Haslau, ferner die, welche bei Schlofs Burgk (Reufs ä. L.) gemacht 
worden sind. Letzteres habe ich mit aufgenommen, weil es durch seine, 
die Steilhänge des Saaletals bedeckenden alten Eichen, Eschen, Buchen usw. 
mancherlei an Flechten zu bieten versprach, was in dem an zusammen- 
hängendem, hochstämmigem Laubwald sehr armen sächsischen Vogtland 
nicht zu finden gewesen ist. Wenn trotzdem die Ausbeute geringer war, 
als ich gehofft hatte, so erklärt sich das daraus, dafs ich dort nur wenige 
Tage gesammelt habe. 

Bei der Bestimmung der Funde haben mir die Lichenes Monacenses 
exsicc. von Arnold, sowie viele von demselben schenkweise erhaltene 


24 


Exemplare als Vergleichsmaterial grofse Dienste getan. Als Bestimmungs- 
werke benutzte ich den Text zu der genannten Sammlung, von älteren 
systematischen Werken das von Stein, Ko erber, Th. Fries, unter den 
neueren die von Hue, Olivier, A. Zahlbruckner. In zweifelhaften 
Fällen habe ich durch Arnold, später durch Herrn Dr. A. Zahlbruckner 
in Wien, für Cladonien durch Herrn H. Sandstede in Zwischenahn wert- 
volle Aufschlüsse erhalten, für die ich den genannten Herren zu grofsem 
Danke verpflichtet bin. 

Das Sammelgebiet umfafst kein eigentliches Gebirge, sondern nur 
Hügelland von etwa 800 bis 940 m Höhe. Es ist sehr arm an Kalk ; wo 
dieser auftritt, wird er zur Gewinnung von Mörtel abgebaut, falls er sich 
einigermafsen dazu eignet: alles Gründe, die es erklären, dafs die Flechten- 
flora verhältnismäfsig arm an Arten ist. Dessenungeachtet ist es gelungen, 
eine Anzahl Spezies und Formen zu entdecken, die in Rabenhorsts 
Kryptogamenflora von Sachsen, der Oberlausitz, Thüringen und Nord- 
böhmen, II. Abteilung: Die Flechten. Leipzig 1870, noch nicht aufgeführt 
sind. Sie sind durch gesperrten Druck ausgezeichnet. Das Vogtland wird 
in dem genannten Werk nur an ganz wenig Stellen erwähnt, denn von 
den vielen Mitarbeitern Rabenhorsts hat nicht ein einziger in dem süd- 
westlichen Teile des Königreichs Sachsen gesammelt. Nur Rabenhorst 
selbst hat gelegentlich eines Badeaufenthaltes in Elster dessen Umgebung 
auch mit auf Flechten abgesucht und die beobachteten Standorte bei den 
betreffenden Arten angeführt. Zu ihnen gehört die seltene und charakte- 
ristische Rinodina polyspora Th. Fr. Ungeachtet eifrigsten Suchens ist 
es mir nicht gelungen, sie an dem angegebenen Fundorte oder sonstwo im 
Vogtlande wieder aufzufinden. Möglich, dafs sie, wie manche andere seltene 
Flechte, verschwunden ist, seit Rauch und Rufs mit dem gewaltigen in- 
dustriellen Aufschwung des Landes ihre schädigenden Einflüsse auf diese 
langlebigen Pflänzchen mehr und mehr geltend gemacht haben. Sicher 
hat Parmelia caperata (L.) Ach. dieses Schicksal gehabt: von den beiden 
in unmittelbarer Nachbarschaft Plauens gelegenen Standorten, Syratal und 
Chrieschwitz, ist sie durch Parmelia physodes (L.) Ach., P. saxatilis (L.) Fr. 
und andere weniger empfindliche Spezies verdrängt worden. Heppia 
Guepinii (Delise) Nyl., die ich 1886 noch reichlich und in schönen Exem- 
plaren im Steinicht gefunden habe, ist gegenwärtig bis auf kümmerliche 
Reste verschwunden, nicht etwa durch die Sammelwut von Flechten- 
sammlern. Denn aufser mir dürfte kaum jemand den Standort kennen, 
und ich habe ihm nur zweimal kleine Proben entnommen, eine für meine 
eigene Sammlung, die andere fast zwanzig Jahre später für die der Tech- 
nischen Hochschule in Dresden. 

Die Arten aber, welche die kohlenstaubreiche Atmosphäre des Vogt- 
landes ertragen, nehmen in ihr, was sich beim Bestimmen oft recht un- 
angenehm bemerkbar maeht, eine dunklere Färbung an, als die Bestimmungs- 
werke angeben oder die Münchener Belegexemplare besitzen. Arnold, 
dem ich im Okober 1890 eine Anzahl Flechten zur Bestimmung über- 
schickt hatte, begleitete deren Rücksendung mit der Bemerkung, die 
Plauenschen Flechten erinnerten ihn in ihrem Aussehen auffällig an die 
in seinem Besitz befindlichen englischen, und riet mir, die für Sammel- 
zwecke bestimmten Exemplare Standorten zu entnehmen, die wenigstens 
eine Stunde von Plauen entfernt wären. Das Auffallendste daran ist, dafs 
sich seine Bemerkung speziell auf die Varietät conglobata Flk. von Lecanora 


25 


polytropa (Ehrh.) Schaer bezog — und die hatte ich auf der Topasbreccie 
des Schneckensteins, der mitten im Walde und über 20 km Luft- 
linie von Flauen entfernt liegt, gesammelt. Allerdings ist die nächste 
lebhaft betriebene Fabrik in Tannenbergstal nur 2 1 / 2 km von dem Fund- 
orte entfernt. Flechten wie Biator a lucida (Ach.) Fr. sind eigentlich nur 
an den Apothezien zu erkennen, ihr Thallus ist im Vogtlande grauschwarz 
und zeigt nichts von dem hellen Gelb der Alpenexemplare, das ich aber 
an einem Exemplare von Burgk gleich leuchtend gefunden habe. Die 
charakteristische Färbung der Apothezien tritt erst hervor, nachdem sie 
in Wasser mit einer weichen Bürste gereinigt worden sind. 

Geologisch sind die Sammelgebiete sehr verschieden: Der Untergrund 
von Plauen und Umgebung wird besonders von Diabasgesteinen, cambrischen, 
silurischen und devonischen Schiefern, sowie etwas Kalk gebildet. Triebtal 
und Steinicht, ersteres bei Jocketa, letzteres zwischen Rentzschmühle und 
Elsterberg, werden von etwa 70 m hohen Steilhängen aus harter Diabas- 
breccie eingefafst, Blöcke aus demselben Material liegen in den Flufsbetten 
und sind gleich jenen von mancher seltenen Krustenflechte bedeckt. 
Phyllit, Kontaktschiefer und in einiger Entfernung der Granit des Eiben- 
stocker Massivs stehen um Hammerbrücke an, um Schönberg aber haupt- 
sächlich Ausläufer des Fichtelgebirgsgranits. Bei Haslau und Rommersreut 
in Nordböhmen sind ihm Gneifsschollen, kristallinischer Kalk und eine 
grofse Quarzfelsader eingelagert. Am einförmigsten ist die Bodenbeschaffen- 
heit um Ebmath: Phyllite und cambrische Schiefer bedecken weite Flächen; 
nach Westen, hinter Tiefenbrunn wird sie der von Plauen recht ähnlich. 
— Eine Sonderstellung nehmen der Wendelstein bei Falkenstein und der 
Hohe Stein bei Erlbach ein: beide bestehen aus grauwackeartigem Quarzit 
und verdanken es der aufserordentlichen Härte dieses Materials, dafs sie 
sich haushoch und in steilen Abhängen über ihre aus gleichaltrigen, aber 
weichen Schiefern bestehende Umgebung erheben. 

Die vulkanischen Gesteine, Granit und Diabas, habe ich reicher mit 
Arten besetzt gefunden als die Schiefer, am reichsten aber den Quarzit- 
zug, der unter dem Namen der ,, Lochsteine“ bei Falkenstein beginnt, über 
eine Stunde lang in der Richtung Nord-Süd hinzieht, weiterhin „Wendel- 
stein“ heifst und im letzten Abschnitt „Affensteine“ genannt wird. Hier, 
wo im Moos und Heidekraut auch Lycopodium Selago L. ein verborgenes 
Dasein führt, treten die drei vogtländischen Gyrophora- Spezies, Parmelia 
prolixa Nyl. und P. glomellifera Nyl. auf. Parmelia encausta Ach. und 
P. stygia (L.) Ach. bilden mehr als handtellergrofse Thalli, die bei letzterer 
nicht selten fruktifizieren. Noch mehr aber wird der Gebirgscharakter 
der genannten Fels- und Blockmassen durch Lecidea speirea Ach., L. lactea 
Nyl., die charakteristische L. tenebrosa (Fw.) und den Flechtenschmarotzer 
Phaeospora rimosicola Zopf zum Ausdruck gebracht. — Der Hohe Stein 
überragt den Wendelstein um etwa 40 m, besitzt jedoch in horizontaler 
Richtung eine weit geringere Ausdehnung, und dies, vielleicht auch noch 
die gröfsere Entfernung vom Erzgebirge dürften die Gründe dafür sein, 
dafs er manche der dem Wendelsteinzug eigenen Arten, z. B. eine Gyro- 
phora- Spezies, die angeführten Lecidea - Arten, vielleicht auch Parmelia 
prolixa und glomellifera vermissen läfst. Dafür wachsen an seinem Nord- 
abhang schöne kräftige Exemplare von Cladonia sylvatica (L.) Hoffm. 
f. condensata (Floerk), in den Spalten des Gesteins Alectoria bicolor Ehrh. 
und Sphaerophorus frägilis L. Letztere, sowie die ihr verwandte Sph. 


26 


coralloides Pers. bedecken eine grofse Fläche an der Hinterseite des „Siegel- 
felsens“, einer kleinen Quarzitmasse, die sich an der Strafse zwischen 
Grünbach und Hammerbrücke fast turmartig über ihre Umgebung erhebt 
und etwa 700 m Meereshöhe erreicht. Dagegen finden sich auf dem 
Quarzit von Jöfsnitz mit 400 m Meereshöhe nur die gewöhnlichen Flechten 
der Umgebung Plauens, eine Bestätigung der längst bekannten Tatsache, 
dafs die Artenzahl einer Flechtenflora von der Ebene nach dem Berglande 
zunimmt. 

Welcher Einflufs aber dem Substrat zukommt, das zeigen im Vogt- 
lande besonders deutlich der Schneckenstein und die Rommersreuter 
Schweiz. Jener, eine Breccie aus Quarz, Topas und Turmalin, erreicht 
890 m Meereshöhe und ist trotzdem lichenologisch ganz arm. Seine einzige 
Besonderheit ist Lecanora polytropa (Ehrh.) Schaer. var. conglobata (Flk.), 
eine durch den bedeutenden Quarzgehalt der Unterlage bedingte dürftige 
Wuchsform der Stammart. Die sogenannte Rommersreuter Schweiz ist 
ein mehr als kilometerlanger Quarzgang nördlich von dem böhmischen 
Städtchen Haslau, westlich von Rommersreut, erhebt sich mit scharfem 
Grat und zackigen Spitzen haushoch über den Granit und Gneifs ihrer 
Umgebung und steigt bis 672 m Meereshöhe an. Trotzdem besitzt sie von 
den Gebirgsfiechten des Wendelsteinzugs und des Hohen Steins nur Gyro- 
phora polyphylla (L.), die aber anderthalbe Stunde davon entfernt und 
100 m tiefer am Fufse des Kapellenberges auf Granitblöcken auch vor- 
kommt. — Die erste Besiedelung dieses harten, zur Beschotterung von 
Strafsen gut verwendbaren Materials geht vornehmlich von Lecidea plana 
Lahm., L. erratica Kbr. und Acarospora fuscata (Schrad.) aus; die 
schwarzen Apothezien der beiden ersten sitzen über den feinsten Gesteins- 
rissen, fast ohne Thallus, zu schmalen, schwarzen Linien aneinander ge- 
reiht, zwischen denen die rifsfreien Stellen des Quarzes mit milchweifser 
Farbe hervorblitzen. In etwas tieferen und weiteren Rissen sitzen winzige 
Schollen der genannten Acarospora. Später werden kleine Flächenstücke 
des Gesteins von Rhizocarpon geographicum DC., Lecanora sordida (Pers.), 
L. sulphurea (Hoffm.), Aspicilia cinerea (L.) und A. gibbosa (Ach.) bewachsen, 
schliefslich findet man, besonders an der Westseite des Höhenzugs, ganze 
Felswände in der Ausdehnung von mehreren Quadratmetern mit einem 
gleichmäfsigen Überzug von Parmelia olivacea (L.) Nyl., P saxatilis (L.), 
dazwischen auch etwas P. conspersa Ach. bedeckt. 

Pflanzengeographisch gehört das Gebiet in die dritte von den fünf 
Regionen, in welche Deutschland von Drude*) eingeteilt wird, geht aber 
nach Südosten in die vierte über. Nach demselben Autor besitzen einzelne 
Gaue der ersten und zweiten Region 250 bis höchstens 400 Arten, im 
Vogtland aber sind nur 278 nachgewiesen- worden. Von diesen sind etwa 
185 Krustenflechten, der Rest verteilt sich zu fast gleichen Teilen auf 
Blatt- und Strauchflechten. Das ist für jene ein ungünstiges Verhältnis, 
wenn man bedenkt, dafs in Sydows Flechtenflora von Deutschland auf 
173 Strauch- plus Blattflechten 823 Krustenflechten kommen, und dabei 
weist das Vogtland gerade unter diesen eine ganze Anzahl Spezies auf, 
die in Rabenhorsts Flora noch nicht aufgeführt sind. Diese Armut an 
Arten erklärt sich einerseits aus der Unvollständigkeit der Erforschung, 
aus dem Mangel an Kalkgebirge und an alten Laubwäldern, anderseits 


*) Drude, 0.: Deutschlands Pflanzengeographie, Bd. 1. Stuttgart 1896. 


27 


aus der Kleinheit des Gebiets. Nach Steins*) Einteilung von Schlesien 
würde es hauptsächlich der Hügelregion (— 500 m) angehören, aber in 
die Bergregion (— 1100 m) übergehen. Jene besitzt in der ganzen, gut 
durchforschten Provinz Schlesien 281 Arten, darunter 115 ihr ausschliefs- 
lich eigene, während die Bergregion unter 405 Spezies 82 ihr allein ge- 
hörige aufweist. Hiermit verglichen würde man von einer auffallenden 
Artenarmut des Vogtlandes nicht sprechen können, besonders da noch 
mancher Zuwachs zu dem vorläufig abgeschlossenen Verzeichnis zu er- 
warten ist. Zu demselben Ergebnis führt der Vergleich mit Ehingen a. D. 
in Württemberg, wo Bieber**) 212 Arten nachgewiesen hat, wogegen 
Arnold***) mit seinen Helfern, wohlgeschulten Flechtensammlern, in der 
Umgebung von München gegen 500 Arten gefunden hat. Aber mehr noch 
als durch die grofse Zahl der Spezies erhebt sich seine Zusammenstellung 
dadurch zu einer nachahmenswerten Musterleistung, dafs sie die Verteilung 
der Münchener Flechten über die verschiedensten Unterlagen und ihr Vor- 
kommen in den mancherlei Pflanzenformationen bis ins Einzelnste durch- 
geführt enthält und so eine äufserst wertvolle Grundlage für die geo- 
graphische Verteilung der Flechten in Deutschland geschaffen hat. Eine 
ähnliche Übersicht der vogtländischen Flechten sei einer späteren Ver- 
öffentlichung Vorbehalten. 

Pyrenocarpeae* 

Verrucariaceae. 

1. Verrucaria calciseda D. C. An Kalkfelsen im Elstertal bei Plauen, 

Kulmberg bei Oberlosa; an den Kalkschmitzen des Grünsteins von 
Reusa — gemein. 

2. V. rupestris Schrad. An Blöcken einer Mauer an der alten Reusaer 

Strafse; an Kalkschmitzen des Grünsteins bei Reusa. 

8. V. dolos a Hepp. Tonschieferplatten im Seifenbächlein oberhalb Ober- 
Gettengrün. 

4. V. laevata Kbr. Diabasblöcke des Elsterbettes im Steinicht; Triebtal 

bei Jocketa. 

5. V. anceps Kph. Kalkblöcke im Burgstall bei Haslau (Böhmen); Kalk- 

schmitzen im Grünstein bei Reusa. 

6. V. Floerkeana nob. (V. papillosa Flrk.). An Grünsteinblöcken im 

Triebtal bei Jocketa, am Chrieschwitzer Bach, Nähe des Restaurants 
„Waldfrieden“. 

7. V. hydrela Ach. Granit- und Gneifsgeschiebe im Rommersreuter Bach 

(Böhmen). 

8. V. chlorotica Ach. Grünsteinblöcke im Triebtal bei Jocketa und im 

Elstertal, Steinicht. 

9. V. aethiohola Wahlenb. Granitgeschiebe im Rommersreuter Bach 

(Böhmen). 

10. V. aquatilis Mudd. An Grünstein im Chrieschwitzer Bach nahe dem 
Restaurant „Waldfrieden“; Rodersdorf: Geschiebe im Bach nahe 
beim „Wunderbaum“; Steinicht: Grünsteinblock im Ruppertsgrüner 
Grund bei seiner Einmündung in das Elstertal. 

*) Stein, B.: Kryptogamenflora von Schlesien, Bd. II: Flechten. Breslau 1879. 

**) Rieb er, X.: Zur Flechtenflora der Umgebung von Ehingen a. D. Wissensch. 
Beilage z. Jahresber. des K. Gymnas. in Ehingen. Stuttgart 1901. 

***) Arnold, Fr.: Zur Lichenenflora von München. München 1891 — 1901. 


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11. Verrucaria nigrescens Pers. An Felsen, Blöcken, umherliegenden Steinen 

aller Art gemein. 

12. Thelidium parvulum Arn. Granitblock auf der Höhe des Kapellen- 

bergs bei Schönberg, eine über handgrofse Fläche bedeckend. Thallus 
fast gänzlich fehlend. 

13. Staurothele clopima (Wahlbg.) Th. Fr. Überschwemmte Grünsteinblöcke 

im Triebtal bei Jocketa; Bärenloh bei Adorf [Rabenhorst]. 

Dermatocarpaceae. 

14. Dermatocarpon rufescens (Ach.) A. Zahlbr. Verwitterter Tonschiefer 

am Weg von Schleiz nach Möschlitz; Diabasbreccie zwischen Pirk 
und Rosental [Spindler]. 

15. D. hepaticum (Ach.) A. Zahlbr. Felsspalten des Steinichts; Triebtal 

bei Jocketa [Stolle], 

16. D. miniatum (L.) Mann. An trockenen Felsen und Felsblöcken ver- 

breitet: Trieb- und Elstertal bei Jocketa, Steinicht, Weischlitz, Pirk, 
Burgk. An sonnigen Stellen reichlich fruktifizierend, an schattigen 
meist nur Pykniden bildend, var. complicatum (Sw.). Steinicht. 

17. D. fluviatile (Weis) Th. Fr. Felsblöcke im Triebtale bei Jocketa und 

im Steinicht, zeitweise von Wasser bespült, stets tiefere Stellen 
einnehmend als D. miniatum. 

Pyrenulaceae. 

18. Arthopyrenia punctiformis (Ach.) Arn. An Acer und Ainus im Steinicht. 

19. A. cerasi (Schrad.). An wilder Kirsche bei Possig und Schönberg. 

20. Porina lectissima (Fr.) A. Zahlbr. Elstertal, unterhalb Rentzsch- 

mühle, an Diabasfelsen; Bretschneiderfelsen im Triebtal. 

21. Pyrenula nitida Ach. An Corylus , Fagus , Ainus verbreitet. 

Glymnocarpeae. 

Coniocarpineae : I. Caliciaceae. 

22. Calicium pusillum Fl. Völlig übereinstimmend mit dem von Arnold 

in seinen Lieh. Monac. unter Nr. 58 herausgegebenen Exemplar. 
Fichtenstumpf bei Schönberg. 

23. C. chlor inum (Ach.) Kbr. Steriler, weit ausgebreiteter Überzug (Lepra- 

form) auf Felsen bei Schönberg, Lochsteine bei Falkenstein. 

24. Coniocybe furfuracea Ach. Auf Moos, Erde, Wurzeln, Steinen im 

Triebtal, Syratal, bei Schönberg. 

II. Cypheliaceae. 

25. Cyphelium trichiale Kbr. = Chaenotheca trichialis (Ach.) Th. Fr. f. 

candelaris Schaer. Auf Eichen in Burgk. 

26. C. aciculare Sm. Auf Eichen in Burgk. 

III. Sphaerophoraceae. 

27. Sphaerophorus fragilis L. Siegelfelsen bei Grünbach; Hoher Stein bei 

Erlbach. 

28. Sph. coralloides Pers. Siegelfelsen bei Grünbach. 

Graphidineae : I. Arthoniaceae. 

29. Arthonia radiata Pers. An Fraxinus bei Pirk, an Acer im Trieb tal. 

30. A. sorbina Kbr. An Sorbus in Burgk. 

31. Coniangium f ns cum Mass. Auf Kalk, Kulmberg bei Oberlosa. 


29 


II. Graphidaceae. 

32. Xylographa parallela (Ach.) Fr. Baumstumpf im Steinicht, rechtes 

Elsterufer. 

33. Opegrapha lithyrga Ach. An Grünsteinblöcken im Steinicht. 

34. 0. atra Pers. An Eschen in Pirk. 

35. 0. varia Pers. An Eiche, Burgk; an Kiefern im Steinicht; an Birke 

auf dem Tenneraberg. f . pidicaris Fr. An Eiche in Burgk. 

36. 0. herpetica Ach. An Carpinus Betulus in Burgk. Spermatien gerade, 

4 — 5 g lang. 

37. 0. ruf es eens Pers. An Carpinus Betulus in Burgk. Spermatien ge- 

bogen, 5 g lang; an Ainus bei Säuerlingsmühle, Voitersreut (Böhmen). 

38. Graphis scripta Ach. An Buchen, Erlen, Eschen sehr verbreitet. 

f. recta Humb. An Ahorn im Steinicht. 

Cyclocarpineae: I. Diploschistaceae. 

39. Diploschistes scruposus (L.) Norm. Auf Felsen gemein. 

40. D. bryophilus (Ehrh.) Zahlbr. Über Moosen im Steinicht, hinter 

Chrieschwitz, bei Kossengrün im Triebtal. 

II. Gyalectaceae. 

41. Microphiale diluta (Pers.) A. Zahlbr. An einem Baumstumpf zwischen 

Steinicht und Elsterberg, rechtes Elsterufer. 

III. Lecideaceae. 

42. Lecidea fumosa (Hoffm.) Ach. Auf Granit bei Schönberg. 

43. L. grisella Flk. Auf Grünstein bei Plauen; auf Granit bei Hammer- 

brücke und Schönberg; viel verbreiteter als vorige Art. 

44. L. convexa Fr. Auf Quarzit des Wendelsteins bei Falkenstein. 

45. L. speirea Ach. Auf Quarzit des Wendelsteins bei Falkenstein; sehr 

selten an Grünstein im Steinicht. 

46. L. confluens Fr. Auf Quarzit des Wendelsteins bei Falkenstein. 

47. L. erratica Kbr. Auf Quarzitblöcken bei Rommersreut (Böhmen). 

48. L. platycarpa Ach. Auf Felsen aller Art (Kalk ausgenommen) verbreitet. 

f. steriza Ach. Auf Granit bei Schönberg. 

f. flavicunda Ach. Auf Granit des Tierbergs bei Hammerbrücke; 
Schönberg. 

49. L. einer eoatra Ach. Granit bei Schönberg. 

50. L. albocaerulescens (Wulf.) Schaer. Granit bei Hammerbrücke und bei 

Schönberg. 

51. L. crustulata (Ach.) Kbr. Auf Felsen und Steinen aller Art (aus- 

genommen Kalk) gemein. 

f. soredizoides Nyl. Granit bei Schönberg und Hammerbrücke (be- 
stimmt durch Arnold). 

f. ochrochlora Ach. An einer Feldmauer bei Schönberg. 

52. L. silvicola Fw. Granit des Tierbergs bei Hammerbrücke; Granit bei 

Schönberg. 

53. L. lithophila (Ach.) Th. Fr. Granit bei Hammerbrücke und Schön- 

berg, ziemlich verbreitet. 

f \ p alles eens Stein. Schönberg, auf Granitblöcken. 


30 


54. Lecidea plana Lahm. 

f. typica Lahm. Granit bei Hammerbrücke und Schönberg; Topas- 
breccie des Schneckensteins; Quarzitschiefer des Wendelsteins, ver- 
breitet. 

f. elevata Lahm. Quarzit des Wendelsteins. 

55. L. lactea Nyl. Quarzit des Wendelsteins. 

56. L. elabens Fr. Schindeln der Scheune der Scheidemühle bei Schön- 

berg; Kiefern bei Fröbersgrün. 

57. L. turgidula (Fr.) f. pityopliüa Smrft. Schindeln der Scheune der 

Scheidemühle bei Schönberg. 

58. L. latypaea Ach. Tonschiefer an der alten Olsnitzer Strafse in halber 

Höhe des Kemmlers; Granit bei Schönberg. 

59. L. tenebrosa (Fw.). Quarzit des Wendelsteins bei Falkenstein; Granit 

bei Schönberg am Fufsweg nach Voitersreut (nur sehr spärlich); 
Hoher Stein bei Erlbach. 

60. L. enteroleuca Ach. = goniophila (Flk.) Kbr. Auf Kalk: Kulmberg 

bei Oberlosa, Burgstall bei Haslau (Böhmen), Reusa; auf Granit: 
Schönberg; auf Grünstein: im Triebtal. 

f. p ungens (Kbr.) Grünsteinblöcke am Kemmler, Fufsweg nach 
Reinsdorf; Granit bei Schönberg, Fufsweg nach Voitersreut. 

61. L. parasema Ach. Sehr verbreitet im ganzen Gebiet. 

62. L. olivacea Hoffm. An Fraxinus in Burgk, vereinzelt. 

63. L. lucida (Ach.) Fr. Ziegelstein bei der Bahnmühle, Syrau; Grünstein 

im Triebtal; Tonschiefer bei Burgk (Röhrensteig). 

64. L. granulosa (Ehrh.) Schaer. Auf torfiger Erde, Moosen, Baumstümpfen 

durch das Gebiet sehr häufig. 

65. L. flexuosa Fr. Hammerbrücke, Schönberg: an Baumstümpfen. 

66. L. vir ides eens (Schrad.) Fr. Kapellenberg bei Schönberg, auf mooriger 

Erde. 

67. L. coarctata Ach. An allerlei Felsarten verbreitet. 

f. elachista (Ach.) Th. Fr. Auf Grünstein im Syratal; auf Granit bei 
Schönberg. 

f. terrestris Fw. Auf verwittertem Granit bei Schönberg, nahe dem 
„grofsen Teich“. 

f. cotaria (Ach.) Auf Granit bei Schönberg. Die jungen Apothezien 
entstehen zuweilen unter dem Hypothezium der vorjährigen, durch- 
brechen diese und drängen sie schliefslich, sich ausbreitend, ganz 
bei Seite. 

68. L. rivulosa Ach. f. corticola Fr. Wachholderstumpf bei Hammerbrücke. 

69. L. symmictella Arn. Hirnschnitt eines Kiefernstumpfes bei Ebmath. 

70. L . gelatinosa (Flk.) Stein. Auf Tonschiefer bei Pirk. 

71. L. sanguineoatr a (Wulf?) Lönnroth. Auf Diabasbreccie im Syratal. 

72. L. leucophaea (Flk.) Th. Fr. Auf Granit bei Schönberg. 

73. L. fuscorubens Nyl. Auf Granit bei Schönberg. 

74. L. uliginosa (Ach.) Fr. Auf moorigem Boden, vermoderten Baum- 

stümpfen usw. im Gebiet gemein. 

f. argillacea Krmphb. Auf sandigem Boden: Weg von Schönberg nach 
Bärenteich. 

75. L. fuliginea (Ach.) Fr. Fichtenstumpf bei Ebmath; Holzgeländer bei 

Heidenreich; morsches Holz am grofsen Teich bei Schönberg; Baum- 
stumpf im Steinicht, rechtes Ufer. 


31 


76. Lecidea lurida (Sw.) Ach. In Spalten der Grünsteinfelsen im Steinicht. 

77. L. ostregta (Hoffm.) Am Fufs alter Kiefern durch das Gebiet verbreitet. 

78. Catülaria lenticularis (Ach.) Th. Fr. Auf Kalk bei Reusa. 

79. C. prasina (Fr.) Th. Fr. Hirnschnitt eines Fichtenstumpfes bei Ebmath. 

80. C. micrococca (Kbr.) Th. Fr. Morscher Baumstumpf im Steinicht, 

rechtes Ufer der Elster. 

81. C. synothea (Ach.) Th. Fr. Schindeln der Scheune der Scheidemühle 

bei Schönberg; Baumstumpf im Steinicht, rechtes Ufer. 

82. C. glomerella Nyl. Schindeln der Scheune der Scheidemühle bei 

Schönberg. 

83. C. sabulosa Mass. Auf abgestorbenen Moosen bei Schönberg. 

84. Bacidia alhescens (Hepp.) Zwackh. Holzstamm zwischen Zwoschwitz 

und Schnekengrün; im Steinicht, rechtes Ufer; Fichtenstumpf hinter 
Reinsdorf. 

85. B. inundata (E. Fr.) Kbr. Auf Grünstein und einmal auf einem Erlen- 

stumpf im Triebtal; auf Granit im Rommersreuter Bach (Böhmen). 

86. B. muscorum (Sw.) Arn. Auf Moos bei Schönberg. 

87. B. Beckhausii Kbr. Lärchen am Tenneraberg bei Plauen; wilde Rose 

bei Schönberg; entrindeter Fichtenstumpf hinter Reinsdorf'. Epi- 
thecium olivengrün, im Alter bräunlich, durch K intensiver grün 
gefärbt, nicht violett, wie die von Arnold in seinen Lieh. Monac. 
exsicc. unter Nr. 410 herausgegebenen Exemplare, sonst aber mit 
diesen völlig übereinstimmend. Sieht man die von Arnold an- 
gegebene Violettfärbung als mafsgebend an, so müfsten die vogt- 
ländischen Exemplare als Abart von Beckhausii aufgestellt werden. 

88. B. Naegelii (Hepp.) Anzi. Auf Erlenrinde bei Strafsberg. 

89. B. sphaeroides (Dicks.) A. Zahlbr. Auf Moos bei Reusa. 

90. B. sabuletorum (Schreb.) Th. Fr. = B. hypnophila (Ach.) Th. Fr. Auf 

Moos bei Weischlitz; bei Reusa. 

91. B. microcarpa Th. Fr. = B. obscurata ß microcarpa Th. Fr. Auf 

Moos im Steinicht. 

92. Scoliciosporum umbrinum (Ach.) == Bacidia umbrina (Ach.) Br. 

et Rostr. Auf Grünsteinblöcken bei Chrieschwitz; auf Tonschiefer 
bei Pöhl und im Ruppertsgrüner Tal; auf Grünstein im Steinicht. 

93. Toninia caeruleonigricans (Lightf.) Th. Fr. Kalkfelsen am Elsterufer 

hinter Zöbischs Fabrik, Kulmberg bei Oberlosa. 

94. Rhizocarpon badioatrum (Flk.) Th. Fr. Auf Grünsteinblöcken im 

Steinicht; auf Granit bei Schönberg. 

95. R. geographicum (L.) DC. Auf allerlei Felsarten (Kalk ausgenommen) 

gemein. 

f. contiguum Fr. Auf Grünsteinblöcken im Steinicht. 
f. lecanorium (Flk.) Auf Quarz im Steinicht. 

96. R. Montagnei (Fw.) Kbr. Auf Grünstein: Weg vom Kemmler nach 

Oberlosa. 

97. R. grau de (Floerk.) Arn. Auf Grünsteinblöcken im Zwoschwitztal. 

98. R. distinctum Th. Fr. Auf Felsarten aller Art (ausgenommen Kalk) 

verbreitet (Triebtal, Syratal, Elstertal, Schönberg, Hammerbrücke). 

99. R. obscuratum (Schaer.) Kbr. Auf Grünstein im Triebtal; auf Granit 

bei Schönberg. 

100. R. lavatum (Ach.) Arn. Auf Grünsteinblöcken im Triebtal. 

101. R. concentricum (Dav.) Beitram. Auf Tonschiefer bei Pirk. 

* 


32 


IV Cladoniaceae. 

102. Baeomyces byssoides (L.) Schaer. Auf Fels, Erde, Wurzeln durch 

das Gebiet sehr verbreitet. 

f. sessile (Nyl.) Ivst. Auf Erde bei Schönberg. 

103. B. placophyllus Wnbg. Auf Erde zwischen Frosch und Elster- 

quelle (Böhmen) leg. Spindler. 

104. B. roseus Pers. Auf sandigem Boden hei Syrau, Mehlteuer, Ebmath, 

Schönberg. 

105. Cladonia rangiferina (L.) Web. Durch das Gebiet gemein, nie frukti- 

fizierend, mit Soralen bei Alt-Jocketa. 

106. CI. sylvatica (L.) Hoffm. 

a) sylvestris Oed. Durch das Gebiet verbreitet. 

f. condensata (Floerk). Hoher Stein bei Erlbach [Spindler]. 
m. pumila (Ach.) Wain. Ebenda. 

107. CI. Papillaria (Ehrh.) Hoffm. Auf Erde, zwischen Steinen: Hoher 

Stein bei Erlbach. Hundshübel bei Hundsgrün [Spindler]. 

108. CI. Floerkeana (Fr.) Sommerf. Zwischen Moos auf dem Dach der 

Ossermühle bei Schönberg. 

109. CI. bacillaris Nyl. Dach der Ossermühle bei Schönberg; auf Fichten- 

wurzeln bei Syrau. 

110. CI. macilenta (Hoffm.) Nyl. Allgemein verbreitet in den Fichten- 

wäldern von Schönberg, Mehlteuer, Hammerbrücke, 
f. styracella (Ach.) Wain. Schönberg. f. polydactyla (Flk.). Zwosch- 
witztal bei Plauen. 

111. CI. digitata (L ) Hoffm. Friedrichsmühle bei Morgenröte: am Mühl- 

graben in feuchtem Moos. 

a) monstrosa (Ach.) Wain. Nicht selten am Grunde von Fichten 
bei Schönberg, Neuengrün. 

monstrosa ad f. brachytes Wain. Auf Waldboden bei der 
Säuerlingsmiilile bei Voitersreut (Böhmen). 

112. CI. coccifera (L.) Willd. Verbreitet in den Wäldern von Schönberg, 

Mehlteuer, Ebmath, Hammerbrücke, 
f. pleurota Schaer. Waldboden bei Syrau. 

113. CI. deformis (L.) Hoffm. Schönberg, südlich der Hahnenpfalz, auf 

sandigem Boden. 

114. CI. uncialis (L.) Web., Hoffm. Auf sandigem Boden im Syrauer Wald, 

bei Ebmath; Hoher Stein bei Erlbach. 

115. CI. furcata (Huds.) Schrad. Im ganzen Gebiet sehr verbreitet. 

var. racemosa (Hoffm.) Floerk. Typische Form selten: unter Fichten 
am Waldrande bei Pirk, Hammerbrücke. 

1. furcatosubulata (Hoffm.) fehlt. 

2. corymbosa (Ach.) Nyl. häufig, z. B. Felsblöcke am Eingang 
zum Zwoschwitztal; Steinicht; Waldrand bei Haselbrunn. — 
Syratal und Strafse zwischen Syrau und Elsterberg am Wald- 
rand [Stolle]. 

var. pinnata (Floerk.). 

1. foliolosa Del. Waldboden bei Pfaffenmühle, Liebau, Alt- 
Jocketa, Syrau, Kauschwitz; eine der häufigsten Formen in 
schattigen Wäldern. Hierher gehört auch f. dichotoma Fl. Mit 


33 


Arnold, Icon. Clad. Nr. 1315 völlig übereinstimmend. Ziegelei 
in der Nähe des Glockenbergs bei Plauen [Stolle]. 

2. truncata (Floerk.) nicht gefunden. 

var. scabriuscula (Del.) Coem. 

1. surrecta (Floerk.) Wain. Steinicht, linkes Elsterufer; Wald- 
rand am Weg vom Forsthaus nach der Holzmühle (mit Ori- 
ginalexemplaren Sandstedes völlig übereinstimmend). 

2. adspersa Floerk. Am Kapellenberg bei Schönberg. 

var. palamaea (Ach.) Nyl. Sehr verbreitet auf sonnigen Felsen 
durch das ganze Gebiet, besonders m. recurva Floerk. Zwischen 
Echo und Holzmühle, am Waldrand; Wendelstein bei Falken- 
stein; sonnige Hänge bei Pirk [Stolle] ; Syratal usw. 
m. subulata Floerk. Schönberg, Fufsweg nach Steinsgrün. 

116. Cladonia rangiformis Hoffm. Strafse von Syrau nach Elsterberg, am 

Waldrande [Stolle]. 

117. CI. squamosa (Scop.) Hoffm. Im ganzen Gebiet sehr verbreitet. 

a) f. denticollis (Hoffm.) Floerk. Schönberg: am Weg nach Hohen- 
dorf; Syratal an feuchten Stellen, 
m. squamosissima Floerk. Kienmühle bei Schwand [Spindler] ; 

Syrauer Wald [Stolle], Mehlteuer, in feuchtem Moos, 
m. asperella Floerk. Waldboden um Jocketa, Plauen, Schönberg: 
an trockneren Stellen als vorige. Mit der nächsten die ver- 
breitetste Form um Schönberg: 

asperella ad denticollis (Hoff.) Floerk. Seltener bei Plauen 
und J ocketa. 

ß) f. muricella (Del.). Auf Steinblöcken im Zwoschwitztal, am 
rechten Abhang des Syratals auf felsigem Boden. 
denticollis ad muricella (Del.). Syratal, an gleichem Orte. 
denticollis ad phyllocoma Rabenh. Wald zwischen Syrau 
und Elstertal [Stolle]. 

asperella ad multibrachiata Floerk. Syratal, Eingang zum 
Zwoschwitztal, auf feuchtem Boden. Beim Siegelfelsen zwischen 
Grünbach und Hammerbrücke [Stolle]. 

Typische multibrachiata Floerk. habe ich noch nicht gefunden, aber 

ohne Zweifel findet sie sich an torfigen Stellen. 

118. CI. cenotea (Ach.) Schaer. Friedrichsmühle bei Morgenröte ; Schön- 

berg: Weg vom Kirchhof nach Steingrün; Syratal : rechtes Ufer, 

hinter der Brücke. 

119. CI. caespiticia (Pers.) Floerk. An sonnigen Felsen bei Pirk [Stolle]. 

120. CI. cariosa (Ach.) Sreng. i. pruniformis Norm. Auf trockenen Felsen 

bei Pirk [Stolle] ; Alt- Jocketa, auf den Höhen nach dem Triebtal zu. 

121. CI. gracilis (L.) Willd. Durch das ganze Gebiet in lichten Fichten- 

wäldern verbreitet. 

a) chordalis (Floerk.) Schaer. Die verbreitetste Form auf sandigem 
Boden um Plauen, Hammerbrücke, Ebmath, Schönberg. 
chordalis ad ecmocyna Ach. Auf Waldboden zwischen Tausch- 
witz und Theuma. 

ß) aspera Flk. Schönberg, am Kapellenberg: Wegböschungen. 

122. CI. cornuta (L.) Schaer. Schönberg, am Weg nach Hohendorf: an 

einem Baumstumpf; Syratal [Stolle]. 

123. CI. Botrytes Hoffm. Bad Elster [Rabenhorst]. 


34 


124. Cladonia degenerans (Flk.) Spreng. Durch das Gebiet sehr verbreitet, 

a) euphorea (Ach.) Floerk. Schönberg: in den Wäldern am Kapellen- 
berg, um die Hahnenpfalz, hei Hohendorf und nach Brambach 
zu; Plauen: bei der Zadera, zwischen Echo und Holzmühle. 
ß) cladomorpha (Ach.) Wain. Syratal, rechtes Ufer: auf bemoostem 
Boden; Schönberg: in einem Hohlweg nach Hohendorf zu. 
y) phyllophora (Ehrh.) Flot. Auf Waldboden zwischen Schönberg und 
Hohendorf, südlich von der Hahnenpfalz; bei Fröbersgrün und 
an Felsabhängen bei Pirk [Stolle]. 

125. CI. verticillata Hoffm. Am Waldrand zwischen Schönberg und Bram- 

bach: sandiger Boden. 

126. CI. pyxidata (L.) Fr. Durch das Gebiet verbreitet. 

ä) neglecta (Floerk.) Mass. Auf Felsen bei Pirk [Stolle]. 
ß) chlorophaea Floerk. Waldrand beim Echo bei Plauen. Schönberg: 
auf sandigem Boden zwischen Heide häufig. 

f .prolifera Arn. Waldrand zwischen Forsthaus und Holzmühle 
bei Plauen. 

y) pocillmn (Ach.) Floerk. Auf moosbewachsenen, sonnigen Felsen 
und Felsblöcken um Plauen verbreitet. 

127. CI. fimbriata (L.) Fr. Durch das Gebiet sehr verbreitet. 

a) simplex (Weis) Flot. Auf moosfreiem, nadelbedecktem Wald- 
boden, an Waldrändern, in Lichtungen um Plauen, Mehlteuer, 
Schönberg, Ebmath. 

f. prolifera (Betz.) Wain. Morgenröte, Hammerbrücke. 
ß) cornutoradiata Coem. Unter Heide im Stadtwald beim Essig- 
steig (Plauen); Schönberg, Weg nach Werdengrün. 

f. radiata (Schreb.) Coem. Waldrand beim Echo (Plauen); bei 
Morgenröte [Stolle]. 

f. capreolata (Floerk.) Flot, Waldrand zwischen Echo und Holzmühle, 
y) nemoxyna (Ach.) Coem. Im Kemnitztal [Spindler]. 

128. CI. coniocraea (Floerk.) An einem Baumstumpf zwischen Bartmühle 

und Liebau. 

129. CI. foliacea (Huds.) Schaer. Auf kurzrasigen Felsen nicht selten. 

a) alcicornis (Lightf.) Schaer. Um Plauen, Schönberg, Pirk häufiger 
als die Stammform. 

f. phyllophora (Hoffm.) Malbr. Alt-Jocketa; die Höhen nach dem 
Triebtal zu. 

130. Stereocaulon tomentosum E. Fr. Schönberg: auf verwittertem Granit 

südlich von der Hahnenpfalz; bewaldete Abhänge an der Strafse 
von Markneukirchen nach Adorf; Hohlweg zwischen Tauschwitz 
und Theuma; Diabasbreccie beim Westbahnhof, Plauen [Spindler]. 

131. St. condensatum. Schönberg: Weg nach Bärenteich; Strafse zwischen 

Steingrün und Rommersreut (Böhmen); immer auf Erde. 

132. St. nanum Ach. An Felsen bei Möschwitz, im Syratal, Triebtal, bei 
Jocketa, im Steinicht nicht selten [Stolle]. 

V. Gyrophoraceae. 

133. Gyrophora hirsuta (Ach.) Fw. Auf Quarzit des Wendelsteins hei 

Falkenstein und des Hohen Steins bei Erlbach. 
a) grisea Tb. Fr. Ebenda. 
ß) vestita Th. Fr. Wendelstein. 


35 


134. Gyrophora polyphylla (L ) Körb. Auf Granitfelsen und -blocken um 

Schönberg; auf Quarzfels bei Rommersreut (Böhmen) sehr häufig; 
auf Quarzit des Wendelsteins und Hohen Steins. 

135. G. hyperborea (Hoffm.) Mudd. Wendelstein bei Falk enstein. 

136. Umhilicaria pustulata (L.) Hoffm. Auf einem Grünsteinfelsen in der 

Nähe der Plauenschen Kaserne. 

VI. Acarosporeae. 

137. Biatorella pruinosa (Sm.) Mudd. Tonschiefer am Wege zwischen 

Chrieschwitz und Möschwitz. 

138. B. clavus (DC.) Th. Fr. Auf Granit bei Schönberg; auf Grünstein um 

Plauen nicht häufig. 

139. B. simplex (Dav.) Br. et Rostr. Auf Quarzitschiefer des Hohen Steins 

bei Erlbach. 

140. Acarospora fuscata (Schrad.) Arn. Auf Granit bei Schönberg nicht 

selten; auf Turmalinbreccie des Schneckensteins bei Auerbach. 

141. A. dis er et a (Ach.) Th. Fr. Auf Granit bei Schönberg häufig, des- 

gleichen auf Tonschiefern um Plauen. 

f. foveolata Kbr. Auf Tonschiefer bei Tauschwitz; auf Grünstein- 
blöcken im Steinicht. 

f. belonioides Nyl. Auf Granit bei Ottengrün (Böhmen); auf 
Tonschiefer bei Stoekigt. 

VII. Collemaceae. 

142. Collema flaccidum Ach. Kienmühle bei Schwand (mit Apoth.) [Spin dl er]; 

Triebtal; Kemnitztal [Spindler]. 

143. C. furvum Ach. An den Kalkfelsen des Elstertales bei Plauen. 

144. C. granosum (Scop.) Schaer. Kalkbruch hinter Zöbischs Fabrik bei 

Plauen. 

145. C. multifidum (Scop.) Schaer. Kalkführende Grünsteinfelsen im 

Steinicht und vor dem Tunneleingang bei Elsterberg. 

146. G. polycarpon (Schaer.) Kph. Auf Grünstein bei Elsterberg. 

147. Leptogium atrocaeruleum (Haller) Kph. f. pulvinatum Ach. Zwischen 

Moospolstern bei Chrieschwitz, Elsterberg, Schönberg. Burgstall 
bei Haslau (Böhmen). 

148. L. sinuatmn Huds. Weg in einem verlassenen Steinbruch beim Weifsen 

Stein, Plauen [Spindler]. 

VIII. Heppiaceae. 

149. PLeppia Guepinii(De\.) Nyl. Auf Grünsteinfelsen im Steinicht. Elstertal 

bei Jocketa [Rabenhorst]. 

IX. Pannariaceae. 

150. Flacynthium nigrum (Huds.) S. Gray. Kalkfelsen hinter Zöbischs 

Fabrik; Kulmberg hinter Öberlosa. 

151. Parmeliella microphylla (Swartz) Müll. Arg. Auf Granit bei Schön- 

berg und Brambach; auf Tonschiefer bei Pirk; auf Grünsteinbreccie 
im Syratal und Triebtal zwischen Magwitz und Rosental: immer 
an stark beschatteten Felsen. 

152. Pannaria brunnea (Sw.) Nyl. Tenneraberg: auf Erde in der Lärchenallee. 


36 


X. Peltigeraceae. 

153. Peltigera horizontalis (L.) Hoffm. Triebtal, Elstertal: auf bemoosten 

Felsen und Baumstämmen. 

154. P. canina (L.) Hoffm. Im ganzen Gebiete sehr verbreitet. 

155. P ruf es eens ( Sm.) Hoffm. Auf Granit bei Schönberg; auf Tonschiefer 

des Ruderitzberges; auf Grünstein bei Pöhl. Bei Pirk [Stolle]. 
Steinicht, rechtes Ufer, am Felsen. 

156. P. aphthosa (L.) Ach. Auf Erde an Waldrändern zwischen Mefsbach 

und Rosental. 

157. P. malacea (Ach.) E. Fr. An einer Feldmauer zwischen Moosen bei 

Ottengrün (Böhmen). 

158. P spuria (Ach.) DC. Auf Erde bei Alt-Jocketa; beim Bahnhof Schöneck 

[Spindler]. 

XI. Pertusariaceae. 

159. Pertusaria coronata Ach. Auf Rofskastanie bei Mühltroff [Spindler]. 

160. P corallina (L.) Ach. Auf Granit bei Mechelgrün, um Schönberg ver- 

breitet; auf Quarzit: Hoher Stein bei Erlbach. 

161. P. communis DC. An Rinden von allerlei Laubbäumen weit verbreitet. 

162. P amara Ach. An Fichten, Eichen, Apfelbäumen um Plauen, bei 

Liebau, Schönberg, Hammerbrücke, Burgk, 
f. saxicola Nyl. Auf Tonschiefer bei Plauen. 

163. P. lejoplaca (Ach.) Schaer. An alten Buchen bei Schönberg. 

164. Variolaria globulifera Turn. An Pappeln bei Mühltroff [Stolle]. 

165. V. lactea Wulf. f. cinirascens Nyl. Auf Grünsteinbreccie im Triebtal, 

bei Cossengrün, im Steinicht. 

XII. Lecanoraceae. 

166. Lecanora aquatica (Fr.) Kbr. Auf Grünsteinblöcken im Triebtal; auf 

Granit im Rommersreuter Bach (Böhmen). Bei Schönheide [Raben- 
horst]. 

167. L. calcarea (L.) Sommerf. Auf Kalk des „Weifsen Steins“ bei Plauen; 

auf kalkführendem Diabas bei Reusa und Chrieschwitz, 
var. contorta (Hoffm.) Kbr. Reusa. 

var. Hoffmanni (Ach.). Auf Grünstein am Eriesenbach bei Chriesch- 
witz. 

168. L. cinerea Ach. Auf Grünstein im Steinicht, Triebtal; auf Granit bei 

Voitersreut und Ottengrün (Böhmen). 

169. L. gibbosa (Ach.) Nyl. An allerlei E eisarten (ausgenommen Kalk) weit 

verbreitet; auf Granit bei Schönberg quadratfufsgrofse Thalli bildend. 
f. porinoidea Fw. Auf Grünsteinblöcken im Triebtal. 

170. L. silvatica Zwackh. Auf Grünstein im Triebtal ; auf Granit bei 

Schönberg; auf Tonschiefer zwischen Tauschwitz und Theuma. 

171. L. sordida (Pers.) Th. Fr. An allerlei Felsarten (ausgenommen Kalk) 

sehr häufig und fast immer reichlich fruktifizierend, oft handgrofse 
Flächen überziehend. 

f. rugosa Ach. Auf Grünsteinbreccie im Syratal. 

172. L. cenisia Ach. AufTopasbreccie des Schneckensteins bei Hammerbrücke. 

173. L. atra (Huds.) Ach. Auf allerlei Felsarten (ausgenommen Kalk) ver- 

breitet, immer nur kleine Thalli bildend. 


37 


174. Lecanora sulphurea (Hoffm.) Ach. Durch das Gebiet auf Felsarten 

(aufser Kalk) verbreitet. 

175. L. dispersa (Pers.) Ach. Auf Kalk: „Weifser Stein“ bei Plauen, Kulm- 

berg bei Oberlosa. — Grenzsteine bei Burgk. 

176. L. subfusca (L.) Ach. Im ganzen Gebiete gemein. 

var. allopliana Ach. Kirschbäume bei Haselrain, 
var. campestris Ach. Auf Granit bei Schönberg, Weg nach Bären- 
teich. 

var. coilocarpa Ach. Auf Grünstein im Syratal. 
f . pinastri Schaer. Auf Fichtenrinde, Tenneraberg. 

177. L. pallida (Schreb.) Schaer. Pappeln am Weg nach dem Tannenhof; 

Rofskastanien am Huthaus auf dem Eisenberg; Sorbus bei Kotten- 
haide. 

178. L. carpinea (L.) Wain. Häufiger als vorige Art, an Rinden ver- 

schiedener Laubbäume durch das Gebiet verbreitet. 

179. L. Hagenii Ach. An Eiche und Weide bei Plauen; an Buche bei 

Schön berg. 

var. umbrina (Ehrh.) Mass. Junge Fichtenzweige vom Tenneraberg 
bei Plauen, vom Kapellenberg bei Schönberg; entrindeter Fichten- 
stumpf hinter Reinsdorf. 

180. L. polytropa (Ehrh.) Schaer. Auf Topasbreccie des Schneckensteins 

bei Hammerbrücke. 

var. vidgaris Fw. Auf Granit bei Bärenteich. 

var. conglobata (Flk.). Auf Topasbreccie des Schneckensteins bei 

Hammerbrücke. 

var. illusoria Ach. Auf Felsen und Lesesteinen sehr verbreitet 
im ganzen Gebiet. 

181. L. varia Ach. Auf Holzplanken und -brettern durch das ganze Ge- 

biet verbreitet. 

i.pallescens Schrnk. An den Planken eines Holzsteges bei Syrau. 

182. L. subravida Nyl. Fichtenstumpf im „Spalteschädel“ bei Ebmath; 

Baumstumpf im Kemnitztal. 

183. L. metaboloides Nyl. An jungen Fichtenzweigen bei Schönberg. 

Spermatien 1 p dick, 6—7 p lang, gerade. 

184. L. eff us a (Pers.) Ach. An entrindeten Stellen einiger Kirschbäume 

in Schönberg; Baumstumpf im Steinicht, rechtes Ufer. Spermatien 
sichelförmig. 

185. L. piniper da Kbr. Baumstumpf am Weg von Zwoschwitz nach 

Schneckengrün. 

186. L. symmictera Nyl. Baumstumpf bei Hammerbrücke; Kiefern bei 

Holzmühle, Plauen. 

f. saepincola Ach. Baumstumpf im Steinicht, rechtes Ufer. 

187. L. badia (Pers.) Ach. Auf Tonschiefer bei Hammerbrücke; auf Granit 

bei Bergen und Schönberg; auf Quarzit des Wendelsteins und des 
Hohen Steins. 

188. L. subintricata (Nyl.) Th. Fr. Baumstumpf im Steinicht. Sper- 

matien gerade, meist 3 —4 p lang. 

189. L, albellula Nyl. (Fr.). An einem vertrockneten Wachholderstumpf 

im Syratal; auf Eichenrinde bei Burgk. Neu für Deutschland. 

190. L. lentigera (Web.) Ach. Jocketa, an der Elsterbrücke [Stolle]. Fehlt 

nach Rabenhorst in Sachsen! 


38 


191. Lecanora radiosa Schaer. Auf Granit zwischen Grofsenteich und 

Säuerlingsmühle bei Schönberg. 

192. L. demissa Zahlbr. ( Parmelia demissa Stein). . Auf Grünsteinfelsen 

im Steinicht. — Bei Jocketa [Stolle]. Nach Babenhorst bei Halle 
und im Elstertal gefunden. 

193. L. murale (Schreb.) Arn. Auf allerlei Felsarten durch das Gebiet 

verbreitet. 

194. Ochrolechia pallescens (L.) Kbr. An Sorbus bei Karlsfeld [Stolle], 

195. Icmadophila ericetorum (L.) A. Zahlbr. Friedrichsmühle bei Morgen- 

röte. Schönberg, südlich von der Hahnenpfalz an morschen Baum- 
stümpfen. 

196. Lecania cyrtella (Ach.) Sydow. An einem Pappelzweig bei Schönberg. 

197. L. erysibe (Ach.) Th. Fr. Auf Kalk des Weifsen Steins an der Elster 

bei Plauen. 

198. Candelariella vitellina (Fhrh.) Müll. Arg. An Holzplanken und -pfosten 

bei Plauen; auf Granit bei Schönberg usw. sehr verbreitet. 

XI 11. Parmeliaceae. 

199. Candelaria concolor (Dicks.) Wain. Pflaumenbäume bei der Holz- 

mühle; Ebereschen bei Ebmath. Bei Karlsfeld an Strafsenbäumen 
[Stolle]. 

200. Parmeliopsis ambigua (Ach). Nyl. An entrindeten Baumwurzeln und 

-Stämmen bei Ebmath, Schönberg, Bärendorf (hier mit Apothezien); 
auf Granit bei Schönberg und Hammerbrücke. 

201. Parmelia tubidosa Bitt. An Fichten auf dem Tenneraberg; auf Grün- 

stein in der Nähe von Reifsig bei Plauen; Wendelstein bei Falkenstein. 

202. P. physodes (L.) Ach. Gemein an Zweigen, Stämmen, Wurzeln, Felsen 

durch das ganze Gebiet; (mit kleinen Apothezien) bei Krebes [Spindler] ; 
bei Pirk [Stolle]. 

203. P. vittata (Ach.) An einer Eberesche bei Schönberg. 

204. P. encausta (Ach.) Auf Quarzit des Wendelsteins und des Hohen 

Steins. 

205. P. stygia (L.) Ach. ln fruchtenden Exemplaren auf dem Quarzit des 

Wendelsteins, des Affensteins bei Grünbach und des Hohen Steins. 

206. P. conspersa (Ehrh.) Ach. An allerlei Felsarten (ausgenommen Kalk) 

durch das ganze Gebiet verbreitet, oft fruchtend, Apothezien nicht 
selten von Pfenniggröfse. 

207. P. acetabulum (Neck) Duby. Wegbäume bei Oberlosa, am Kemmler 

bei. Plauen: stets ohne Apothezien. Desgleichen bei Schönberg, 
Schleiz, Heinrichsruh, Burgk, Mühltroff, meist reichlich fruchtend. 

208. P. olivacea (L.) Nyl. Auf Grünstein und Tonschiefer bei Plauen; auf 

Granit bei Hammerbrücke und Schönberg; auf verschiedenen Laub- 
bäumen der genannten Orte. 

209. P. fuliginosa (Fr.) Nyl. An Grünstem im Syratal; auf Granit bei 

Schönberg; auf Erlenrinde bei Strafsberg; an Kirschbäumen bei 
Haselrain. 

210. P. verruculifera Nyl. An Kirschbäumen bei Haselrain. 

211. P. aspidota Ach. An Buchen zwischen Erlbach und dem Hohen Stein. 

212. P. exasperata (Ach.) Nyl. An wilden Birnbäumen im Syratal bei 

Zwoschwitz; an Pappeln beim Kemmler. 

213. P. prolixa (Ach.) Nyl. Auf Quarzit des Wendelsteins. 


89 


214. Parmelia glomellife r a Nyl. Ebenda. Der braune Farbstoff der Rinde 

wird von Salpetersäure blaugrün gefärbt! 

215. P. sorediata (Ach.) Th. Fr. Auf Grünstein im Trieb- und Syratal, im 

Steinicht; auf Granit bei Schönberg und Hammerbrücke, nicht 
selten. Von Rabenhorst in Sachsen nur bei Leisnig gefunden. 

216. P. saxatilis (L.) Ach. An Bäumen und Felsen durch das Gebiet sehr 

verbreitet, fruchtend gefunden im Syratal, bei Jocketa, Schönberg, 
Hammerbrücke, Fröbersgrün [Stolle]. 

var. sulcata (Tayl.). Pappeln am Kemmler bei Plauen; Ebereschen 
zwischen Muldenberg und Schöneck. 

217. P. omphälodes (L.) Ach. Auf Quarzjt des Hohen Steins bei Erlbach. 

var. panniformis Ach. Auf Quarzit des Wendelsteins [Stolle]. 

218. P. tiliacea (Hoffm.) Ach. Auf Schindeln in Zwoschwitz. Pappeln am 

Kemmler ; Kirschbäume bei Schönberg, hier kleine Apothezien 
tragend; Wegbäume bei Reinsdorf, 1883 mit Apothezien gesammelt. 

219. P. caperata (L.) Ach. An Grünstein im Syratal, an einer Erle am 

Friesenbach bei Chrieschwitz: an beiden Standorten seit Jahren 
verschwunden. Jetzt nur noch zu finden an Felswänden im Trieb- 
und Elster tal. 

220. P. perlata (L.) Ach. Schindeln eines Stalles in Eichigt bei Ebmath. 

An Fichten und Buchen bei • Ebmath. 

221. Cetraria glauca (L.) Ach. An Stämmen und Zweigen verschiedener 

Bäume, an bearbeitetem Holz, an Steinen bei Ebmath, Schönberg, 
Hammerbrücke häufig. 

var. fallax Ach. Pfosten am forstlichen Pflanzgarten in Schönberg; 
an Fichtenzweigen bei Hammerbrücke und Mehlteuer. 

222. C. pinastri (Scop.) Fr. An Fichtenwurzeln, -Stämmen und -zweigen 

bei Hammerbrücke, Ebmath, Schönberg häufig; geht auch auf Granit 
über (Schönberg). Nie fruchtend gefunden. 

228. C. saepincola (Ehrh.) Ach. An Fichten bei Schönberg; an Buchen 
im Burgstall bei Haslau und vor dem Hohen Stein. Auf Granit 
bei der Säuerlingsmühle bei Voitersreut (Böhmen). 

224. C. aleurites (Ach.) Th. Fr. Schindeldach der Ossermiihle bei Schön- 

berg. Buchen unterhalb des Hohen Steins. 

225. C. islandica (L.) Ach. Durch das Gebiet sehr verbreitet; bei Schön- 

berg mit Apothezien, verkümmerte Exemplare mit S oralen bei Alt- 
Jocketa und Schönberg. 

var. crispa Ach. Auf sandigem Boden bei Ebmath und Haselrain. 

226. C. aculeata (Schreb.) Fr. Durch das Gebiet verbreitet, sehr häufig 

in sandigen Gebieten, wie bei Mehlteuer, Ebmath. 

XIV. Usneaceae. 

227. Evernia divaricata (L.) Ach. Zwischen Frössen und Gfell von W enck 

(nach Raben hörst) gefunden, im sächsischen Vogtland vergeblich 
gesucht. 

228. E. prunastri (L.) Ach. Durch das Gebiet verbreitet, aber viel seltener als 

229. E. furfuracea (L.) Mann. Auf den verschiedensten Baum- und Strauch- 

arten, auf bearbeitetem Holz. Auch auf Granit im ganzen Gebiet 
gemein. 


40 


230. Pseudevernia olivetorina Zopf. An Pfosten des forstlichen Pflanz- 

gartens in Schönberg drei Thalli gefunden (Bestimmung durch Zopf 
bestätigt). 

231. Alectoria jubata (L.) Nyl. An Fichten besonders der Waldränder; an 

Wegbäumen; an Planken und Brettern durch das Gebiet verbreitet, 
wie auch: 

232. A. cana Ach. 

233. A. bicolor Ehrh. Am Siegelfelsen bei Grünbach [Stolle]; am Hohen 

Stein bei Erlbach. 

234. Ramalina calicaris (L.) Fr. An Buchen zwischen Ebmath und Posseck; 

an verschiedenen Bäumen bei Burgk. 

235. R. farinacea Ach. An Wegbäumen bei Schleiz [Spindler], Schönberg, 

Ebmath, Hammerbrücke. 

236. R. fraxinea Ach. Durch das ganze Gebiet verbreitet, viel häufiger 

als vorige. 

var. ampliata Schaer. An Pappeln bei Oberlosa; an Weiden bei 
Schwand. 

var. fastigiata Ach. An Pappeln beim Kemmler; an Ahorn und Esche 
bei Schönberg. 

237. R. pollinaria Ach. An Felsarten wie Grünstein (Syratal) und Granit 

(Schönberg, Hammerbrücke) viel häufiger als auf bearbeitetem Holz. 
Durch das Gebiet verbreitet. 

238. Usnea hirta (L.) Hoffm. Durch das Gebiet verbreitet, an Wald-, 

Wegbäumen und bearbeitetem Holz; noch nicht fruchtend gefunden. 
Etwa ebenso häufig, wie 

239. U. dasypoga (Ach.) Nyl. an gleichen Orten, aber mehrmals mit Apo- 

thezien angetroffen. An einer Buche zwischen Ebmath und Posseck 
einen fast 30 cm langen Thallus mit grofsen Apothezien gesammelt, 
var. plicata (Hoffm.) Hue. Nur ein Exemplar an einer Eberesche bei 
Schönberg gesehen. 

240. U. florida (L.) Hoffm. An allerlei Bäumen durch das Gebiet ver- 

breitet, aber nicht so häufig wie die beiden ersten Arten. 

XV. Caloplacaceae. 

241. Blastenia ferruginea (Huds.) Arn. An Zitterpappeln am Essigsteig 

bei Plauen, hinter dem Kirchhof bei Schönberg. 

242. B. caesiorufa Ach. Auf Grünstein im Syratal und Steinicht. 

243. Caloplaca variabilis (Pers.) Th. Fr. Auf Kalk bei Reusa, Kulm b erg 

bei Oberlosa; auf Zement -Dachplatten der Riedelschen Gärtnerei, 
Plauen. 

244. C. cerina (Ehrh.) A. Zahlbr. = C. pyracea (Ach.) Th. Fr. Auf Kalk : 

Kulmberg bei Oberlosa. 

245. C. gilva (Hoffm.) A. Zahlbr. = C. cerina (Ach.) Th. Fr. An Ebereschen 

bei Plauen, Schönberg, Hammerbrücke, 
f. stillicidiorum Horn. Über Moosen bei Reusa. 

246. C. citrina (Hoffm.) Th. Fr. Auf Mörtel einer Mauer in Neuen dorf. 

247. C. epixantha Ach. Auf Zement- Dachplatten eines Schuppens der 

Riedelschen Gärtnerei, Plauen. 

248. C. luteoalba (Turn.) Th. Fr. An kalkhaltigem Grünstein am Friesen- 

bach bei Chrieschwitz. 


41 


249. Caloplaca elegans (Link.) Th. Fr, An einer Granit- Wegsäule bei 

Hammerbrücke. 

250. C. murorum (Hoffm.) Th. Fr. Auf Kalkfelsen im Gebiet gemein ; an 

Granitmauern bei Scbönberg, nicht blofs die verbindenden Mörtel- 
streifen, sondern auch den nackten Granit reichlich überziehend. 

251. C. candicans (Flagey) A. Zahlbr. An kalkhaltigem Grünstein im 

Steinicht. 

XVI. Theloschistaceae. 

252. Xanthoria parietina (L.) Th. Fr. Gemein im ganzen Gebiet; auf 

Felsen immer dunkler gefärbt als an Rinden. 

f. polycarpa Ehrh. An Pappeln längs der alten Oelsnitzer Strafse 
beim Kemmler, am grofsen Teich bei Schönberg, 
f. phlogina Ach. Ebenda, an alten Weiden im Elstertal bei Plauen 
im Steinicht. (Völlig übereinstimmend mit dem von Arnold, Lieh. 
Monac. Nr. 15 herausgegebenen Exemplar.) 

253. X. lychnea (Ach.) Th. Fr. An Wegbäumen bei Ebmath, Plauen, 

Hammerbrücke, Schönberg, aber viel seltener als vorige, 
f. ulophylla Wahr. An Grünsteinfelsen bei Strafsberg und im Steinicht. 
(Nach einer Bestimmung Arnolds. Mit den von Arnold, Lieh. 
Monac. Nr. 148 und 265 herausgegebenen Exemplaren überein- 
stimmend; Substrat: Ziegel.) 

XVII. Buelliaceae. 

254. Buellia lep tocline (Fw.) Kbr. An Grünstein im Syratal. 

255. B. aethalea (Ach.) Th. Fr. Auf Granit zwischen Ottengrün und 

Rommersreut; auf Quarzfels in der Rommersreuter Schweiz (Böhmen). 

256. B. s cabrosa (Ach.) Kbr. Auf dem Thallus von Baeomyces roseus im 

Strafsengraben zwischen Rommersreut und Stein grün (Böhmen). An 
der Kreuzung der alten und neuen Strafse von Schönberg nach 
Brambach. 

257. B. myriocarpa (DC.) Mudd. An allerlei Rinden, besonders von Laub- 

bäumen im ganzen Gebiet sehr verbreitet; an einem entrindeten 
Baumstumpf im Steinicht, rechtes Ufer, 

258. B. stigmatea Ach. An Tonschiefer bei Reusa; bei Möschwitz und im 

Steinicht, rechtes Elsterufer. 

259. B. atroalba (Hoffm.) Th. Fr. Linde auf dem Burgstein bei Krebes. 

Schönau bei Markneukirchen [Rabenhorst]. 

260. Binodina milvina (Wahlenb.) Th. Fr. Auf Grünstein im Triebtal. 

261. B. confragosa (Ach.) Arn. Auf Diabas-Lesesteinen am Gipfel des 

Kemmlers bei Plauen; im Steinicht, rechtes Elsterufer. 

262. B. calcarea Hepp. Auf Kalk: Weifser Stein im Elstertal bei Plauen. 

263. B. Bischoffii (Hepp.) Kbr. Auf Kalk: Kulmberg bei Oberlosa. 

264. B. polyspora Th. Fr. Von Rabenhorst an jungen Pappeln zwischen 

Adorf und Elster, an Hainbuchen bei der Lochmühle gefunden. 

265. B. discolor (Hepp.) Kbr. Auf Diabas zwischen Rosental und Mag- 

witz. Mit den charakteristischen Mischoblastiasporen. 

XVIII. Physciaceae. 

266. Phy seiet stellaris (L.) Nyl. An allerlei Laubbäumen im Gebiet ver- 

breitet, selten an Lärchen, ganz selten an Fichtenzweigen, 
f. rosulata Ach. Auf Granit bei Schönberg. 


42 


267. Physcia aipolia (Ach.) Ny]. Pappeln am Weg zum Kemmler; Weiden 

bei Leubnitz; Ebereschen bei Hammerbrücke, Schönberg, Ebmath. 

268. Ph. tenella (Scop.) Ny]. An Weiden bei Reifsig; Wegbäume bei Reins- 

dorf; Pappeln am Weg zum Kemmler; an Ebereschen bei Schön- 
berg. Auf Tonschiefer bei den Th Ösehäusern; auf Granit bei Schön- 
berg. 

269. Ph. dimidiata Arn. An einer Pappel am Weg von Plauen nach dem 

Kemmler; auf einer Rofskastanie bei Rodersdorf [Spindler], 

270. Ph. caesia (Hoffm.) Nyl. Haselrain: an Kirschbäumen. Schönberg: 

auf Granit (mit Apothezien). 

271. Ph. dubia Floerk. Auf Tonschiefer im Elstertal zwischen W eischlitz 

und Pirk. 

272. Ph. albinea (Ach.) Nyl. Auf Grünstein um Plauen; auf Tonschiefer 

bei W eischlitz, Pirk, Schwand; auf Granit bei Schönberg; verbreiteter 
als Ph. caesia . 

273. Ph. orbicularis (Necker.) Th. Fr. Pappeln am Weg zum Kemmler. 

Dachziegel der Schäferei in Schönberg, eines Hauses in Ottengrün 

(Böhmen). Kalkfelsen des Kulmberges bei Oberlosa. 

f. cycloselis (Ach.) Auf Grünstein im Steinicht. 

f. sciastrella Nyl. Auf Kalk des Weifsen Steins im Elstertal bei 

Plauen. 

274. Ph. lithotea Nyl. Auf Kalk: Kulmberg bei Oberlosa. 

275. Ph. adglutinata (Elk.) Nyl. An einer Buche zwischen Erlbach und 

Hohem Stein. 

276. Ph. pidverulenta (Hoffm.) Nyl. Pappeln am Weg zum Kemmler; 

Ebereschen bei Morgenröte, zwischen Muldenberg und Schöneck; 
Weiden bei Reifsig; Wegbäume bei Langenbuch [Spindler]. 

277. Ph. pityrea Nyl. An einer Esche bei Schönberg. 

278. Anaptychia ciliaris (L.) Mass. An Pappeln am Weg zum Kemmler; 

Wegbäume bei Morgenröte. 

Fl echten- Schmarotz er. 

Tichothecium pygmaeum Krb. Auf Lecanora polytropa: alte Oelsnitzer 
Strafse, Gipfel des Kemmlers; auf Phizocarpon geographicum DC. : 
Wendelstein bei Falkenstein. 

jP haeospora rimosicola Zopf. Auf Phizocarpon badioatrum (Fl.) 
Th. Fr. des Wendelsteins bei Falkenstein. Stimmt in allen Punkten 
mit der von W. Zopf (Untersuch, üb. d. durch parasit. Pilze hervor- 
gerufenen Krankheiten der Flechten. Ac. Leop. Halle 1897/98) be- 
schriebenen und abgebildeten Pflanze überein. Bisher nur aus 
dem Groedener Tale, aus den Dolomiten [Arnold] und aus England 
[Leighton] bekannt. 


IV. Zur Erinnerung- an Hermann (Jrafsniann. ) 

Von Prof. Dr. Felix Müller. 


Das Interesse an der historischen Entwickelung der mathematischen 
Wissenschaften hat in den letzten Dezennien in erfreulichster Weise zu- 
genommen. Mit ihm ist auch die Zahl der Fachgenossen gewachsen, die 
in pietätvoller Weise gern derjenigen Männer gedenken, die unsere Wissen- 
schaft gefördert haben. Deshalb durfte ich als Motto für mein „Gedenk- 
tagebuch“ getrost die Worte setzen: „Mathematico nulla dies nisi festiva“. 
Der 15. April aber ist für uns ein ganz besonderer Festtag. Vor zwei 
Jahren feierten wir den 200. Geburtstag Leonhard Eulers; heute feiern 
wir den 100. Geburtstag von Hermann Grafsmann, dem Schöpfer der 
Ausdehnungslehre. Ich will versuchen, mit ein paar Worten das Leben 
und das Wirken des grofsen Mathematikers und bedeutenden Sprachforschers 
Hermann Grafsmann zu schildern. Als Quelle habe ich hauptsächlich 
Victor Schlegels „Biographie Grafsmanns“. Leipzig 1878, und dessen 
Aufsatz: „Die Grafsmannsche Ausdehnungslehre“, Ztschr. f. Math. u. Phys. 
41, 1896, benutzt. 

Hermann Günther Grafsmann wurde am 15. April 1809 zu Stettin 
geboren. Sein Vater Justus Günther Grafsmann war seit 1806 
Professor der Mathematik und Subrektor am städtischen Marienstifts- 
Gymnasium zu Stettin. Er hat mehrere Lehrbücher der Raumlehre und 
der sphärischen Trigonometrie geschrieben, für deren Brauchbarkeit ver- 
schiedene Auflagen sprechen. Der Sohn Hermann Grafsmann ging, 
nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolviert hatte, im Herbst 
1827 nach Berlin, um Theologie und Philologie zu studieren. Neander, 
Schleiermacher und Boeckh waren hier seine einflufsreichsten Lehrer. 
1831 trat er in das Schulseminar zu Stettin und absolvierte im Winter- 
semester 1833/4 das erste theologische Examen. Angeregt durch die Lehr- 
bücher seines Vaters suchte er daneben seine Kenntnisse in der Mathe- 
mathik zu erweitern. Mathematische Vorlesungen hat er nicht gehört. 
Durch eine im November 1831 abgelegte Prüfung pro facultate docendi 
erhielt er die Befähigung, aufser in den philologischen Fächern, in der 
Mathematik in den mittleren Klassen zu unterrichten. Im Oktober 1834 
wurde er Lehrer der Mathematik an der Berliner Gewerbeschule (Friedrich- 
Werderschen Realschule) und zwei Jahre später Lehrer der Mathematik 
und Physik an der Ottoschule zu Stettin, einer Realschule. Im Juli 1839 


*) Vortrag in der mathematischen Sektion der naturwissensch. Ges. Isis in Dresden 
am 15. April 1909. 


44 


bestand er zu Stettin die zweite theologische Prüfung. Erst im Mai 1840 
erhielt er durch eine Nachprüfung in Berlin die Facultas für alle Klassen 
in Mathematik und Physik. Seine schon am 20. April 1839 eingereichte 
umfangreiche Prüfungsarbeit enthält aufserordentlich einfache Rechnungen 
aus der Theorie der Ebbe und Flut. Sie bilden den Keim für Unter- 
suchungen auf dem Gebiete der Mechanik, denen die elementaren Begriffe 
und Methoden der Ausdehnungslehre ihre Ausbildung verdanken. Michaelis 
1842 kam Gr als mann an das Gymnasium zu Stettin, nach einem halben 
Jahre an die Friedrich- Wilhelm-Realschule daselbst, und nach dem Tode 
seines Vaters im Jahre 1852 wurde er als Nachfolger desselben zum Pro- 
fessor der Mathematik und Physik an das städtische Marienstifts- Gym- 
nasium berufen. 

In einem Programm dieser Schule vom Jahre 1854 begründete 
Hermann Grafsmann die Theorie der Vokaltöne, die aber gänzlich un- 
bekannt blieb, wohl weil sie an so entlegener Stelle vergraben war und 
1859 von Helmholtz wieder gefunden werden mufste. Ein von Grafs- 
mann verfafstes Lehrbuch der Mathematik für höhere Lehranstalten be- 
steht aus zwei Bänden: Arithmetik 1861 und Trigonometrie 1865. In der 
Arithmetik zeigt Grafsmann die Anwendung der Prinzipien der allgemeinen 
Formenlehre auf einfache, durch Setzung eines und desselben Objektes 
entstandene Gröfsen. Ein zweites Programm des Gymnasiums vom Jahre 
1867 enthält eine zusammenhängende Darstellung der mechanischen Grund- 
gesetze unter dem Titel: „Grundrifs der Mechanik für den Unterricht in 
Prima“. Zehn Jahre später versuchte Grafsmann in einem Aufsatze der 
Mathematischen Annalen die wichtigsten Begriffe einer Mechanik nach den 
Prinzipien der Ausdehnungslehre darzustellen. Von den eigenen Geschicken 
der grofsen wissenschaftlichen Werke, durch welche die Ausdehnungslehre 
als neuer Zweig der Mathematik begründet wurde, werden wir noch im 
folgenden zu reden haben. Niedergedrückt durch den mangelnden Erfolg 
seines Hauptwerkes, entschlofs sich Grafsmann, sich von der mathe- 
matischen Arbeit ganz zurückzuziehen. Er suchte ein neues Arbeitsfeld in 
den Sanskritstudien. Durch Aufstellung eines für die Lauterscheinungen 
in den indogermanischen Sprachen grundlegenden Gesetzes fand er hier 
sogleich die gebührende rückhaltlose Anerkennung, die seinem mathe- 
matischen Werke lange Zeit vorenthalten wurde. Seine sprachlichen 
Hauptwerke sind sein Wörterbuch zur Rigveda Samhita und seine darauf 
beruhende Übersetzung dieser alten Hymnensammlung. Hermann Grafs- 
mann starb am 26. September 1877 zu Stettin. Kurz vor seinem Tode 
hatte er die Freude, noch selbst die Vorrede schreiben zu dürfen zu einem 
Neudruck seines W erkes : „Die lineale Ausdehnungslehre “. Dieser Neu- 
druck erschien zu Leipzig im Jahre 1878. 

Es sei mir gestattet, nach diesen biographischen Notizen, mit wenigen 
Worten der grofsen Schöpfung Hermann Grafsmann s und der Werke, 
in denen sie enthalten ist, zu gedenken. Eine eingehende Würdigung der 
Verdienste Grafsmanns und eine Darstellung der Prinzipien der Ausdeh- 
nungslehre würde über den Rahmen einer kurzen Gedächtnisrede weit 
hinausgehen. 

Der Gedanke, der Gröfsenlehre eine reine Formenlehre vorangehen 
zu lassen, aus deren Gesichtspunkte man die Gröfsenlehre betrachtete, 
w T ar vor Grafsmann ausschliefslich zum Beweise längst bekannter Sätze 
verwendet worden. Erst Grafsm ann erfafste diesen Gedanken mit wahr- 


45 


haft philosophischem Geiste und begründete auf ihn eine neue Wissen- 
schaft, die Ausdehnungslehre, welche sich ganz allgemein mit abstrakten, 
extensiven, stetigen Gröfsen und deren rein formalen Verknüpfungen be- 
schäftigt. Als konkrete Bilder dieser abstrakten Gröfsen erschienen die 
räumlichen Gebilde, Strecken, Flächen, Körperräume. Die rein formalen 
Verknüpfungen, die man arithmetische Operationen zu nennen pflegt, finden 
dadurch ihr reales, aber abstraktes Substrat und, geometrisch veranschau- 
licht, ihre konkrete reale Bedeutung. Das Werk, in welchem Grafsmann 
die Ideen seiner neuen Wissenschaft zum ersten Male entwickelte, hatte 
den Titel: ,,Die lineare Ausdehnungslehre, ein neuer Zweig der Mathe- 
matik, dargestellt und durch Anwendungen auf die Statik, Mechanik, die 
Lehre vom Magnetismus und die Krystallonomie erläutert.“ Der 280 Seiten 
starke Band erschien im Jahre 1844 im Verlage von Otto Wiegand in 
Leipzig. 

Drei Jahre später gab die Jab lonowsky sehe Gesellschaft eine von 
ihr gekrönte Preisschrift Grafsmanns heraus: ,, Geometrische Analyse, 
geknüpft an die von Leibniz erfundene geometrische Charakteristik“. 
Bekanntlich hatte Leibniz in einem Briefe vom 8. September 1679 an 
Huygens den Gedanken ausgesprochen, es fehle uns eine rein geometrische 
oder lineare Analyse, welche direkt den situs ausdrückt, wie die Algebra 
die longitudo. Grafsmann wies in seiner Preisschrift nach, dafs seine 
neue Disziplin die Verwirklichung der von Leibniz geforderten Analyse 
sei. Die Preisschrift enthält Anwendungen auf Geometrie und Mechanik. 

Grafsmann vertiefte die formale Algebra in ungeahnter Weise be- 
sonders dadurch, dafs er das Wesen der Additions- und Multiplikations- 
Operationen in viel allgemeinerer Weise erfassen lehrte. Die wichtigsten 
Grundlagen für seine Reformen bilden zwei Multiplikations- Operationen, 
welche Grafsmann als „äufsere Multiplikation“ und ,, innere Multiplikation“ 
der Elemente e v e 2 , ... . bezeichnet. Das ,, äufsere Produkt“ zweier Strecken 
e 1 e 2 z. B. ist nach seiner geometrischen Analyse (1847) seinem numerischen 
Werte nach s 1 s 2 sin(a, e 2 ), wenn s 1 s 2 die absoluten Längen der beiden 
Strecken bezeichnen; ihr „inneres Produkt“ ist e 1 s 2 cos(e 1 e 2 ). Das Grund- 
gesetz der „äufseren Multiplikation“ ist (e 1 e 2 ) = — (e 2 e ± ), woraus sogleich 
(e t e 2 ) = 0 folgt; die Grundgesetze der „inneren Multiplikation“ sind (ej^) 
= 0, (eJ&j) — 1. Diesen unscheinbaren Anfängen entspringt ein ungeahnter 
Reichtum methodischer Hilfsmittel. Den Namen „Ausdehnungslehre“ hatte 
Grafsmann anfänglich mit Rücksicht auf seine „äufsere Multiplikation“ 
gewählt. Für eine Erweiterung auf alle anderen Systeme, die auf geo- 
metrische Einheiten aufgebaut sind, ist besonders charakteristisch die Ab- 
handlung: „Der Ort der Hamiltonschen Quaternionen in der Ausdehnungs- 
lehre“. Math. Ann. 12, vom Jahre 1877. Während Grafsmann mit n Ein- 
heiten e v e 2 , ... e n operiert, hatte Hamilton deren nur drei i,j, k mit Multi- 
plikationsregeln: ij = k= — j i , j k = i = — kj, k i =j = i k. Es mufs 
hervorgehoben werden, dafs die Ausbildung der Quaternionentheorie das 
Verständnis der Grafsmannschen Methoden wesentlich befördert hat. 

In den Jahren 1846 bis 1856 folgten nun mehrere Aufsätze Grafs- 
manns im Journal für Mathematik, Bd. 31 bis 52, in denen neue Ent- 
deckungen in der Kurven- und Flächentheorie unter Anwendung der neuen 
Analyse hergeleitet wurden. Die bedeutendsten derselben enthalten die 
nach Grafsmann benannte Erzeugung algebraischer Kurven 3. und 4. Ord- 
nung und aller algebraischen Flächen durch Bewegung gerader Linien. 


46 


Diese schönen Resultate waren aber auch das Einzige, was damals 
von der Wissenschaft adoptiert wurde; um die Methoden, durchweiche 
Grafsmann dazu gelangt war, bekümmerte sich niemand. „Die lineale 
Ausdehnungslehre“ von 1844, das Fundamentalwerk Grafsmanns, blieb 
lange Zeit vollständig unverstanden und unbeobachtet. 

Hermann Hankel schreibt den Grund dafür, dafs die Untersuchungen 
Grafsmanns nicht die verdiente Anerkennung gefunden haben, hauptsäch- 
lich dem Umstande zu, dafs ihr Verfasser allen Sätzen sogleich die all- 
gemeinste Form in bezug auf n Dimensionen gegeben hat. Dadurch wurde 
die Übersichtlichkeit sowie das Verständnis ungemein erschwert. Victor 
Schlegel, ein begeisterter Anhänger Grafsmanns, berichtet uns in seinem 
Buche: „Hermann Grafsmann. Sein Leben und seine Werke.“ Leipzig 
1878, ausführlich über die erste Periode der Geschichte der Ausdehnungs- 
lehre. Von ihm erfahren wir, dafs selbst Möbius, der Verfasser des bary- 
zentrischen Kalküls, der den Ideen der Grafsmannschen Untersuchungen 
weitaus am nächsten stand, beim Studium des Werkes von 1844 erlahmte. 
Immerhin gönnten Möbius und Grunert dem Werke eine freundliche 
Aufnahme und waren unter allen derzeitigen Mathematikern rühmliche 
Ausnahmen. Die herablassende und selbstgefällige Aufserung des Olympiers 
Gaufs über das Werk des unbedeutenden Lehrers war für die damalige 
Aufnahme im allgemeinen charakteristisch. 

Gleichsam als zweiter Band des Werkes von 1844 erschien im Jahre 
1862 ein neues Werk: „Die Ausdehnungslehre, vollständig und in strenger 
Form bearbeitet“. Die Darstellung in dem früheren Werke hatte durch 
ihr rein philosophisches, wenngleich durchaus sachgemäfses Gewand viele 
Leser abgeschreckt; auch hatte die Operation mit Gröfsen, die von den 
in der Arithmetik gebräuchlichen durchaus verschieden waren, etwas Un- 
gewohntes. ln dem neuen Bande war der Inhalt des früheren Teiles nach 
mehr euklidischer Methode .umgearbeitet. Die Fortsetzung der Theorie 
bestand darin, dafs der Analysis der Verschiebungen eine Analysis der 
drehenden Bewegungen hinzugefügt wurde. Hier wurden die räumlichen 
Gebilde durch komplexe Zahlen dargestellt, deren Einheiten die den geo- 
metrischen Operationen entsprechenden Verknüpfungsgesetze zeigen. 

Leider war der Erfolg des zweiten Teiles womöglich noch geringer 
als der des Werkes von 1844, das der Verleger des minimalen Absatzes 
wegen einstampfen liefs. Die Ausdehnungslehre war — wenigstens in 
Deutschland — verschollen und vergessen. In dieser Zeit war es, wo 
Hermann Grafsmann, niedergeschmettert durch die Wahrheit des 
Spruches: „Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande“, sich einem 
neuen Arbeitsfelde, der Sprachvergleichung, zuwandte. 

Aber das trostreiche Wort des Dichters: 

„Dem ernsten Fleifs, dem ungeteilten Streben 
Wird doch einmal der rechte Lohn gegeben“ 

sollte sich auch an der Arbeit Grafsmanns bewahrheiten. Erfüllen sollten 
sich die prophetischen Worte, mit denen Grafsmann die Vorrede seines 
Werkes vom Jahre 1862 schlofs: „Ich bin der festen Zuversicht, dafs die 
Arbeit, welche ich auf die hier vorgetragene Wissenschaft verwandt habe, 
nicht verloren sein werde.“ 

Nachdem das Werk aus eigener Kraft seinen Eroberungszug durch 
das Ausland vollendet, wie ihn uns Victor Schlegel eingehend schildert, 


47 


errang es sich endlich auch in Deutschland allgemeinere Aufmerksamkeit 
neben den Leistungen anderer mathematischer Schulen. Seitdem ist die 
Zahl der Arbeiten aus den verschiedensten Gebieten der reinen und der an- 
gewandten Mathematik, deren Verfasser sich der Grafsmannschen Methode 
bedienen, beträchtlich gewachsen ; in allen Kulturländern erschienen gröfsere 
und kleinere Lehrbücher der Ausdehnungslehre. Wir erwähnten schon 
oben, dafs kurz nach Grafsmanns Tode im Jahre 1878 ein Neudruck des 
Werkes von 1844 veröffentlicht wurde. Zum 50jährigen Jubiläum seiner 
ersten Veröffentlichung erschien im Jahre 1894 zu Leipzig der erste Band 
der „Gesammelten mathematischen und physikalischen Werke Hermann 
Grafsmanns; auf Veranlassung der mathematisch-physischen Klasse der 
Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, unter Mitwirkung 
anderer Mathematiker herausgegeben von Fr ie d rieh Engel.“ Dieses von 
deutschen Gelehrten inaugurierte Werk wird dem Auslande zeigen, dafs 
der Prophet doch, wenn auch nachträglich, in unserem Vaterlande etwas 
gilt. Uns aber mufs an dem heutigen Festtage die, wenn auch verspätete 
Anerkennung der hervorragenden Verdienste des Stettiner Gymnasiallehrers 
mit besonderer Freude erfüllen. 


* 


V. Zur Konstruktion tou Kurven 3. Ordnung. 

Von Prof. Dr. R. Heger. 

Mit 8 Abbildungen. 


Fig. 1. 



Fig 2. 


1. Für die den Namen Ophiuride führende Kurve 3. Ordnung kennt 
man die Konstruktion*): Bewegt sich der Scheitel Q eines rechten Winkels 

auf einer Geraden (7(Fig.l), geht ein Schen- 
kel dabei beständig durch einen Punkt A , 
und fällt man auf den anderen Schenkel 
von einem Punkte 0 der Geraden G ein 
Lot, das diesen Schenkel in P trifft, so ist 
der Ort von P eine bestimmte zirkulare 
Kurve 3. Ordnung, die 0 zum Doppelpunkte 
hat, deren reale Asymptote parallel zu G 
ist, und deren beide Doppelpunktstangenten 
die Richtungen von A A! und OA haben. 

Maclaurins T risektrix, die ebenfalls 
rational zirkular 3. Ordnung ist, erhält man 
auf folgendem Wege**): Ist auf einer Gera- 
den OD = 3 D A (Fig. 2), ist ferner die 
Gerade G des Punktes D senkrecht zu OA , 
und bewegt sich der Scheitel Q eines rechten 
Winkels entlang der Gleitlinie 6r, während 
ein Schenkel beständig durch A geht, so 
ist der Ort des Fufspunktes P des von 0 
auf den anderen Schenkel des rechten 
Winkels gefällten Lotes eine bestimmte 
zirkulare Kurve 3. Ordnung. 

Stellt man die beiden Erzeugungen neben 
einander, so ist ihre nahe Übereinstimmung 
nicht zu verkennen; es drängt sich die Frage 
auf, oh diese einfachen Konstruktionen nur 
ganz vereinzelt sind, oder ob sie als be- 
sondere Fälle einer allgemeineren Konstruk- 
tion gelten können. 

Wenn der Scheitel Q eines beständigen 
Winkels AQP=a (Fig. 3) auf der Linie y=c 



*) Gr. L oria: Spezielle algebraische und transzendente Kurven, deutsch von Sch ütte. 
Teubner 1892, S. 48. 

**) Gr. Loria a. a. 0. S. 81. 


49 


gleitet und ein Schenkel den festen Punkt A (a,b) enthält, so hat, wenn 
die veränderliche Abszisse des Q mit m bezeichnet wird, QA die Richtungs- 
konstante (b — c ) : (a — m ) ; daher kommt QP die Richtungskonstante zu 

b — c + (a — m) tan a 
a — m — (b — c) tan 
die Gleichung von QP ist 


(1) 

Die Gerade 
(2) 


y 


b — c + (a 


a — ■ m — (b — c) tan a 
OP hat die Gleichung 
b — c 

y = — — - x. 
ci — m 


m) tan a , 

- [x — m). 


Die Gleichung des Ortes von P ergibt sich, wenn man m aus (1) und (2) 
entfernt. Man erhält zunächst 


y—c 


und hieraus 


y + x tan a 

x — - y tan a 


x — a + 


( b — c)x 

y 


)■ 


(3) y (x* + ?/ 2 ) + {b — -c) x 2 — (a — b cot a)xy — (c + a cot a) y 2 — 0. 
Der Ort ist daher eine zirkulare Kurve 8. Ordnung, deren reale 
Asymptote die Gleichung y + b — c = 0 hat, und deren Doppel- 
punktstangenten sind 

(b — c) x 2 — (a — b cot a) x y — (c + a cot a) y 2 = 0. 

Je nach der Wahl von a, b , c, a kann der Doppelpunkt eigentlich, 
Rückkehrpunkt oder vereinzelt sein. 

Eine zirkulare Kurve 3. Ordnung, deren reale Asymptote der Abszissen- 
achse im Abstande d parallel ist, hat die Gleichung 

(4) y (# 2 + y 2 ) — d x 2 + AI x y + N y 2 = 0. 

Vergleicht man dies mit (3), so erhält man 

d — c — &, M = — a -\~b cot «, N = — c — a cot a. 

Ersetzt man in N die Gröfse c durch b d und entfernt dann a aus M 
und N. so ergibt sich 

a 2 + b 2 + Ma + (d + N) b = 0. 


Fig. 4. 


Hieraus erkennt man: Jede zirkulare rationale 
kann auf einfach unendlich viele Weisen durch die 
gegebene Erzeugung entstehen; die Gleitlinien haben 
t ung der realen Asymptote und die 
Punkte A liegen auf dem Kreise AT, der 
den Doppelpunkt 0 und den Punkt — Af, 

— (d + N) zu Gegenpunkten hat. 

Für den erzeugenden Winkel a ergibt sich 

, b 

tan a = — — — • 

a + M 

Ist B der Gegenpunkt von 0 (Fig.4) im Kreise 
K , so ist 0 B ! = — M und daher 

teaAB'A' = — —■ 
a+ M 


Kurve 3. Ordnung 
oben an- 
die Rich- 



Dieser Winkel ist somit der erzeugende. 


50 


Schneidet man den Schenkel QP durch einen Nullstrahl 0 77, der 
mit PQ den beständigen Winkel ß bildet, so ist 0 77 gegen OP um den 
beständigen Winkel 77 0 P= a — ß geneigt, und das Verhältnis 0 77 : OP 
hat die beständige Gröfse sin a : sin ß. Folglich ist der Ort F des Punktes 77 
dem Orte C von P ähnlich. Dreht man die Kurve r rückwärts um 0 um 
den Winkel a — ß, so kommt dadurch r mit C in Perspektive Lage; 

dabei komme A nach A 0 (Fig. 5). Ver- 
Fig. 5. jungt man OA 0 im Verhältnisse sin ß : sin «, 

so überzeugt man sich leicht, dafs man 
dadurch zu dem Punkte A ± des Kreises K 
kommt. Denn da 

A 0A X = cc — ß = A B'A V 

so folgt, dafs A 1 B' A! — ß ist, dafs also, 
wie verlangt, 

AO x : 0 A = sin ß : sin a. 

Auch wenn die Gleitlinie G nicht 
die Richtung der realen Asymptote 
hat, liegen also die Punkte A auf 
dem Kreise K. 

Während die Gleitlinien, die mit der realen Asymptote gleichgerichtet 
sind, von ihren Drehpunkten die beständige Entfernung d haben, gilt dies 
von den anders gerichteten Gleitlinien nicht, sondern eine solche hat von 
ihrem Drehpunkte den Abstand d sin ß : sin a. 



2. Wenn das Büschel der Strahlen O 77 nicht mit dem Büschel 
A Q kongruent, aber doch noch projektiv ist, so ist der Ort der 
Punkte 77 im allgemeinen eine nicht zirkulare rationale Kurve 
3. Ordnung, deren Gleichung sich ergibt, wenn man aus der Gleichung 

(1) y = Xx 
des Strahls 0 P, aus der Gleichung 

(2) ^ ~ 1 — I tan ^ 


der Geraden Q P, aus der Gleichung 

(3) T] = n J 

des Strahls 0 77, aus der Verwandtschaftsgleichung 

( 4 ) Xy-\-eXpfy-\-g=0 

und aus der Gleichung des Ortes von P 

(5) — ä x* + Mx y + Ny 2 = 0 

die Gröfsen x, y, X und y entfernt. Aus (1), (2) und (5) erhält man 
(X — X 2 tan «) rj — (X 2 + X tan «) J + (d — MX — NX 2 ) tan a = 0. 
Ersetzt man nach (3) und (4) 

ri + e$ 

so ergibt sich 

(f V + 9 f) [y + e J + (f t] + g S) tan «] rj 
— (f r l + 9 %)[f r l+ 9 £ — 0? + e ?) tan <x] £ 

+ {d (ij + e £)- + M (f tj + g £) (rj + e £) — N(fr] + g £) 2 } tan a = 0. 


51 


Da hierin nur Glieder dritter und zweiter Ordnung in den Koordinaten 
Vorkommen, stellt diese Gleichung eine rationale Kurve 3. Ordnung mit 
dem Doppelpunkte 0 dar. 

Man kann auf diese Weise jede rationale Kurve 3. Ordnung erzeugen; 
dabei können die Richtung der Gleitlinie und der erzeugende Winkel a 
beliebig gewählt werden; alles übrige ist dann dreideutig bestimmt. 

Eine rationale C s ist durch den Doppelpunkt 0, die Doppelpunkts- 
strahlen T x T 2 P s , auf denen die drei unendlich fernen Punkte liegen, die 
beiden Doppelpunktstangenten P 4 T b und einen Punkt P 6 bestimmt. Von 
den Doppelpunktstrahlen T ± T 2 P 3 entspricht einer, etwa T v dem Strahle 
S ± des Büschels A, der die Richtung der Gleitlinie G hat. Die Drei- 
deutigkeit der Bestimmung liegt darin, dafs man jede der Geraden T ± T 2 T s 
nach Belieben dem Strahle S ± entsprechen lassen kann. Hat man den 
erzeugenden Winkel a beliebig gewählt, so müssen S 2 und S s mit den 
entsprechenden T 2 und T s den Winkel a bilden. Ferner müssen die 
Doppelpunktstangenten P 4 und T b den Strahlen S, und S* entsprechen, 

/\ / N 

für die AQ^O = A Q b 0 = a ist. Nimmt man an Stelle des noch un- 
bekannten Punktes A einen beliebigen Punkt 5t an, zieht © 1 in der ver- 
langten Richtung der Gleitlinie, ferner © 2 und © 3 so, dafs sie mit T 2 und T s 
den beliebig gewählten Winkel a bilden, dazu (S 4 , 0> 5 und (& ß so, dafs 

©! ©2 © 3 ©4 ©5 ©6 X T t T, T % T, I\ T v 
wobei unter T ß der Strahl 0 P 6 gemeint sein soll, durchschneidet © 4 © 5 © 6 
mit einer Parallelen (3 zu © 1 in 0 4 0 5 0 6 , zieht die Geraden 0 4 0 und 0 5 0, 
die mit © 4 und @ 5 den Winkel a bilden, sowie durch ihren Schnittpunkt 0 
% ß || P 6 , und bestimmt auf $£ 6 so, dafs 51 0 6 = <x (oder bzw. 180° — «), 

so geht die mit den deutschen Buchstaben Gezeichnete Figur in die der 
entsprechenden lateinischen durch Perspektive ähnliche Abbildung über, die 
durch die beiden Paare entsprechender Punkte 0 und 0, sowie ^ß 6 und P 6 
bestimmt ist. Das Bild von 51 ergibt den Drehpunkt A, das von 0 4 O 5 
die Gleitlinie G. 

3. Auf Seite 48 (Fig. 3) entspricht in den beiden Parallelstrahlen- 
büscheln 0 und A der Strahl 0 A sich selbst, der zugehörige Kurven- 
punkt ist daher der Schnittpunkt von 0 A mit der 
Gleitlinie G. Hieraus folgt: Bewegt sich ein 
rechtwinkliges Dreieck PAG so, dafs die 
Hypotenuse PA einen festen Punkt 0 eines 
festen Kreises K enthält, die Ecke A den 
Kreis K beschreibt, und die Kathete AG 
ihre Gröfse und Richtung beständig beibe- 
hält, so beschreibt Peine bestimmte zirku- 
lare rationale C 3 , die 0 zum Doppelpunkte 
und deren reale Asymptote die Richtung der 
Katheten PC hat. Je nach der Länge der Ka- 
thete AG im Verhältnisse zum Durchmesser von 
K usw. ist 0 ein eigentlicher Doppelpunkt, ein 
vereinzelter Punkt oder ein Rückkehrpunkt. 

Ist der Ort von A nicht ein Kreis, sondern ein anderer Kegelschnitt, 
so ist die erzeugte Kurve nicht eine zirkulare, sondern eine gewöhnliche 
rationale Kurve 3. Ordnung. Denn ist 0 der Nullpunkt, hat der Kegel- 
schnitt die Gleichung 


Fig. 6. 



52 


fi £ 2 -j- 2b £ ^ + c rj 2 -|- 2 d £ + 2 e rj — 0, 
und ist HG 7 rechtwinklig zur Abszissenachse und beständig gleich so er- 
gibt sich die Gleichung der erzeugten Kurve, wenn man in der des Kegel- 
schnitts die Ersetzung macht 

c. (y + l) x . 7 

£= „ ■. v = y + h 

man erhält " 

( 2 / + 0 (<* x y + c y 2 ) + %y (ß x + e y) — o. 

4. Nimmt man zwei auf parallelen Trägern G und inliegende 
ähnliche Punktreihen Qu und Ru von zwei festen Punkten A und 
B aus auf, und zieht durch Qu und Ru Gerade, die mit A Qu bezw. 
B Ru die beständigen Winkel a und ß bilden, so ist der Ort der 
Schnittpunkte je zweier solcher durch entsprechende Punkte 
gezogener Geraden eine bestimmte rationale C s . 

Haben G und H von einer zu ihnen gleichgerichteten Abszissenachse die 
Abstände c und c v kommen ferner A und B die Koordinaten a, b bezw. a v b 1 

so 


Fig. 7. 


und Q und R die Abszissen m und m ± zu, 
haben PQ und PR (Fig. 7) die Gleichungen 
b — c A- (a — m) tan a . 

J a — m — (b — c) tan a ' 

^ 1 a 1 — m 1 — (b 1 — Cj) tan ß 1 

Beseitigt man die Nenner, so ergeben sich 
zwei Gleichungen von der Form 
MxA~Ny-\-P = 0, 

M i x + N 1 y + P 1 = 0, 
wobei M , N, P, M il N ± , P ± Funktionen 
von m bezw. m 1 sind und zwar M, N, M v N ± lineare, P und P ± quadratische. 
Ersetzt man in der zweiten Gleichung nach der Voraussetzung 

m 1 — em A~ f, 

worin e und f gegebene Zahlen sind, und berechnet dann x und y, so 
ergeben sie sich als gebrochene rationale Funktionen von m, deren Zähler 
vom dritten, die Nenner aber vom zweiten Grade sind. Hieraus erkennt 
man, dafs die erzeugte Kurve rational 3. Ordnung ist. 

5. Statt, wie in Nr. 2, das Büschel 0 abzuändern, kann man dies 
mit den Strahlen $Ptun; zunächstetwain der Weise, dafs man QP nicht 



Fig. 8. 


unter einem beständigen AVinkel gegen Q A 
zieht, sondern unter einem Winkel, der A"QA 
gleicht. Man gelangt dabei zu dem Satze: 

Ist A" (Fig. 8) das Richtbild eines 
Punktes A auf einer Geraden G, wird 
diese von einem Strahle AQ des Punk- 
tes A in Q getroffen, macht man ferner 
P Q A = AQ A”, und zieht durch einen 
festen Punkt 0 eine Parallele OP zu AQ, 
so istderOrtvonPeine zirkulare ratio- 
nale (? 3 , deren reale Asymptote dieRich- 
tung G hat; jede zirkulare rationale C 3 
kann aufdiesemWege erzeugt wer den, und zwar nur auf eine Weise. 



53 


Nimmt man Oals Nullpunkt, gibt man der Abszissenachse die Richtung 6r, 
und sind a und b die Koordinaten von A, m und c die von Q , so ist 
nach der Voraussetzung 

2 (b — c)(a — m) 


tan P Q A" = tan 2 A QA 
Die Gleichung von Q P ist daher 

(i) y 

die von 0 P ist 


= 2 (b—c) (a .. v 
(a — m ) I 2 — (b — c) 2 ' 


(a — m) 2 — (b 
■ m) 


cf 


m); 


'(*> 

Aus (2) ergibt sich 


b — c 

y = a- 


a — m 


m 


(b — c) 


Setzt man dies in (1) ein, so erhält man die Ortsgleichung 
(3) (; x 2 + y 2 ) y + (2 b — c) x 2 — 2a xy — c y 2 = 0. 

Vergleicht man dies mit Nr. 1(4), so folgt 

c — 2 b = d, a = - - y ilf, c = — N, 

folglich b = — y (N d). 

Wie man sieht, enthält die Kurve den Punkt 0, c, sowie den Schnittpunkt 

von G und 0 A. Beschreibt man um A einen Kreis K durch A", und 

legt an ihn Tangenten von 0 aus, so bestimmen diese auf G die Sonder- 
lagen Q ± und Q 2 von Q, bei denen P mit 0 zusammen fällt; die Geraden 
A Q 1 und A Q 2 geben daher die Richtungen der Doppelpunktstangenten an. 

6. Wenn 0 P nicht die Richtung von A Q hat, sondern mit AQ den 
Winkel a bildet, so hat 0 P die Gleichung 


b — c + (a — m) tan a 
a — m — ( b — c) tan a 

( b — c) (x A-y tan d) 


(1) y= 

und hieraus folgt 

(2) a — m = 

y — x tan a 

Setzt man m aus (2) in Nr. 5 (1) ein, so ergibt sich 

(x + y tan af 1 x. -f- y tan a 

x tan a ) 2 


x , 


(y — e) 


x — a -f 


(b — c) (x-\~ y tan «)| 
y — x tan oc 


I (y — x tan ay J y — x tan a 
Nach Potenzen der Koordinaten geordnet, ergibt dies 

2 tan a . x s — (1 — tan 2 a)x 2 y — 2 tan a . x y 2 — (1 — tan 2 a) y 3 
— (2b — c — c tan 2 a + 2 a tan a) x 2 2 {a — a tan 2 a — (b 4- c) tan a) xy 
+ {c — c tan 2 a-\-2a tan a — 2 (b — c) tan 2 a] y 2 = 0. 

Wenn cc von Null verschieden ist, stellt diese Gleichung keine zirkulare 
C 3 dar. Für a — 45° erhält man z. B. die Glieder 3. Ordnung 

2 x(x 2 — y 2 ) ; 

die drei Asymptoten sind in diesem Falle real und haben die Richtung 
der x~ Achse und der Geraden, die die Winkel der Achsen hälften; die 
vollständige Kurvengleichung ist in diesem Falle 

2 x (x 2 —y 2 ) — 2 (b — c -f- a) x 2 — 2 (b + c) x y + 2 (a — b c)y 2 = 0. 


54 


7. Wenn man zwischen den Richtungskonstanten von A Q und Q P 
die Beziehung annimmt 


( 1 ) 


tan P Q A " 


p -j- q tan AQA" p(a — m)-\- q(b — c) 

r + s tan A Q A" ~~ r (a — m) + s (b — c) 


so hat PQ die Richtung des Strahles eines zum Büschel A projektiven 
Büschels, der A P entspricht. Nimmt man 0 P parallel A Q , so hat man 
m aus den beiden Gleichungen 

y — ^ x, oder a — m = (b — c) • — 

J a — m v J y 

und 




p(a — m) + q (b — c) 


(x — m) 


r(a — m) -f- s (b — c) 
zu entfernen. Man erhält 

r (y — c) S y+ s (y — c) = (^ + q^(x-a + 
oder, besser geordnet, 

(2) y {s y 2 + (r — q) xy — p x 2 } + p (b — c) x 2 — {r c — ap 

— (sc — qa)y 2 = 0. 


(b — c) x> 
V > 


q(b — c)}xy 


Der Ort von Pist daher auch in diesem Falle eine rationale, im allgemeinen 
nicht zirkulare (7 3 ; eine Asymptote hat die Richtung der Abszissenachse, 
die Richtungen der andern hängen von den Koeffizienten 5, r, q und p ab. 
Soll (2) mit 

(3) y (L y 1 + M x y — N x 2 ) + Px 2 — Qxy — Ply 2 — 0 
übereinstimmen, so müssen für ein bestimmtes k die Gleichungen gelten 

(4) s — kL , r — q = kM , p — kN , p (b — c) — kP, 

rc — pa + q(b — c) = kQ, sc - — qa = k R. 

Hieraus folgt 

(5) b— c = — * 

(6) rc — kNa — (k M — r) ~ = q Q, 

(7) (kM—r)a + kLc = kB. 

Entfernt man hieraus r, so ergibt sich 

— Na 1 ßT a Q a + M (c + a -f- (L c — P) (c = 0. 

Ersetzt man hier c durch b nach (5), so erhält man 

— N 2 a 2 — (MP+ QN—MNb)a + (LNb — LP—NE)b = 0, 

oder 

(8) — N 2 a 2 + MNabp LNb 2 — (MP+ QN)a — (LP+ NE)b = 0. 


Eine gegebene rationale C 3 läfst also unzählig viele verschiedene Er- 
zeugungen auf diesem Wege zu; die zugehörigen Punkte A liegen auf dem 
Kegelschnitte (8); die Geraden G sind einer Asymptote der C 3 parallel und 
haben vom zugehörigen A den beständigen Abstand b — c = P : N. Hat 
man A gemäfs (8) gewählt, so ergibt sich 


55 



a M + cL — R 
? 

a 



1 c L — R 

k ^ a 



8. Gleitet der Scheitel P eines beständigen Winkels a entlang einer 
zirkularen rationalen Kurve 3. Ordnung, während ein Schenkel den Doppel- 
punkt 0 enthält, so werden die anderen Schenkel von den dem Winkel a 
zugehörigen Gleitlinien in Punktreihen geschnitten, die zu dem Büschel der 
Strahlen OP projektiv sind. 

Man kann nun ganz allgemein nach den Geraden fragen, die die be- 
zeichneten Geraden in Punkten schneiden, die den OP projektiv ent- 
sprechen. Setzt man die Kurvengleichun g in der Form voraus 
y (x 2 -f- y 2 ) — d x 2 + M x y + Ny 2 = 0, 
so enthält die Kurve für jedes X den Punkt 

d — MX — NX* 
y_\x,X— + 


Die Gerade PQ hat die Gleichung 

. X 4- tan a 
x >- Xx = T=jÄ^- a 


(£ — *) 


oder 

p (1 — X tan a) -|- (1 -f- X 2 ) tan a • x — (X -f- tan «) £ = 0. 

Ersetzt man hierin den obigen Wert für x, so folgt 

X (1 — X tan a) p -f- (d — MX — NX 2 ) tan a — {X 2 + X tan a) £ === 0, 
oder, nach X geordnet, 

(p tan a + N tan a -f £) X 2 + (M tan a — p -f" y tan a) X — d tan a — 0. 

Soll hierdurch eine projektive Beziehung ausgedrückt werden, so mufs 
diese quadratische Funktion von X in zwei rationale lineare Faktoren zer- 
fallen, deren einer £ und p nicht enthält, und weggelassen werden kann. 
Im einfachsten Falle ist dies der Faktor X -f- tan «, er teilt die quadratische 
Form unter der Bedingung 

(1 + tan 2 a ) p + N tan 2 a — M tan a — d = 0; 


die projektive Beziehung folgt aus 

X (p tan a N tan « + £) — d = 0. 

Nimmt man dagegen allgemeiner X + u als abzuscheidenden Faktor, so 
ergibt sich als Bedingung für die Teilbarkeit eine lineare Gleichung, die 
neben p auch £ enthält. Man erkennt hieraus, dafs für jedes a und jedes u 
eine bestimmte Gerade vorhanden ist, auf die die C s durch die angegebene 
Konstruktion in einer projektiven Reihe abgebildet wird. 


9, Schneidet man eine rationale zirkulare C s durch eine 
Strahleninvolution, deren Träger der Doppelpunkt O ist, und 
zieht durch jeden Punkt P der Kurve eine Gerade PQ, die mit 
OP den beständigen Winkel a bildet, so schneiden sich je zwei 
Gerade PQ und P f Q', deren zugehörige Doppelpunktstrahlen 
OP und OP' ein Paar der Involution bilden, in Punkten einer 
bestimmten Geraden. 


56 


Liegen P und P' auf den Geraden 

y — 2 x, bezw. y — 

so haben die Geraden PQ und P' Q' die Gleichungen 

-d + MX + NV 


(1 — 2 tan a) rj — (2 -f- tan a) £ 
(1 — 2' tan cc) rj — (2' -f- tan a) £ 


tan 


— d + MP +NX 
2 ' 


'2 


tan a. 


Hieraus folgt 

2 ? 


sin 2 1 


22' = — d + d tan a . (2 -)- 2') — (N -f- M tan a) 2 2', 


j-^L_ 2 ; ' — 


sin 2 a 


22' = ^ tan a -|- d (2 -f- 2') — ( M — N tan a) 2 2'. 


Fügt man hierzu noch die Involutionsgleichung 

0 = H + P.(2 + 2')+ (722', 
so folgt als Bedingungsgleichung, für £, rj 

— ^ J tan «, — jV — M tan a 

— d tan a , — cZ, Af — N tan a 


2 g 

sin 2« 

3»? 


sin 2« 


-B, 


(7 


also die Gleichung einer bestimmten Geraden. 


10 . Jede irrationale Kurve 3. Ordnung, die eine reale und 
zwei irreale Asymptoten hat, kann durch affine Abbildung in 
eine zirkulare Kurve verwandelt und dadurch ihre Kon struktion 
wesentlich erleichtert werden. 

Nach der Voraussetzung haben die kubischen Glieder der Kurven- 
gleichung einen realen und zwei irreale lineare Faktoren. Sind die letzteren 

ax*-{-%ßxy-\-y .? 2 , 

so kann man sie durch Drehung der Koordinaten um den Nullpunkt in 
die Hauptachsenform 

+ ßi y* 

verwandeln; hieraus geht durch affine Veränderung der Ordinaten und 
Beibehaltung der Abszissen (oder umgekehrt) die zirkulare Form 

J(x* + y*) 

hervor. 

Die entsprechende Konstruktion macht davon Gebrauch, dafs die 
Strahlenpaare irgend eines Punktes, die nach den unendlich fernen Punkten 
der Glieder eines Kegelschnittbüschels gehen, eine quadratische Involu- 
tion bilden, die mit dem Büschel projektiv ist. 

Aus gegebenen neun Punkten der gesuchten C 3 stelle man in be- 
kannter Weise ein Kegelschnittbüschel A und das dazu projektive Strahl- 
biischel 31 her, die zusammen die C s erzeugen. Hierauf stelle man die qua- 
dratische Involution J der durch irgend einen Punkt P gehenden Parallelen 


57 


der Asymptoten der Glieder des Büschels her, sowie in P das Strahlen- 
büschel 33, dessen Glieder denen des 3t parallel sind. Durch P lege man 
einen Kreis Z\ seine Schnittpunktpaare mit den Paaren von J liegen auf 
den Gliedern eines Büschels (£, das mit J und daher auch mit 33 pro- 
jektiv ist. Die Büschel 33 und © erzeugen einen Kegelschnitt X, der P 
enthält und daher Z noch in drei Punkten schneidet. 

Die Geraden des P nach diesen Schnittpunkten gehen durch die 
unendlich fernen Punkte der C 3 . 

Hat man durch graphische Näherung den einen realen Schnittpunkt 
von K und Z ermittelt, so kann man in bekannter Weise die Gerade H 
herstellen, die die beiden anderen (irrealen) Schnittpunkte enthält. 

Dreht man die Gerade H um irgend einen ihrer Punkte, und nimmt 
die Schnittpunktpaare, die dabei mit X bezw. Z entstehen, von P aus 
durch Strahlenpaare auf, so erhält man zwei mit dem Büschel H pro- 
jektive Involutionen und Die irrealen Schnitte von X und Z er- 

scheinen daher als Schnitte von X oder Z mit dem (irrealen) gemeinsamen 
Paare zweier projektiver Strahleninvolutionen des Punktes P. 

Die Kegelschnitte L' und M\ die durch drei beliebig angenommene 
Punkte Q P 8 gehen, und deren unendlich ferne Punktpaare auf zwei Paaren 
von Q' liegen, haben noch einen vierten gemeinsamen Punkt T\ der leicht 
gefunden wird; die Glieder des Büschels Q R 8 T’ haben ihre unendlich 
fernen Punktpaare auf den Strahlenpaaren der Involution 

Ebenso ergibt sich zu. Q R 8 noch ein vierter Träger T" für das 
Kegelschnittbüschel, dessen Glieder ihre unendlich fernen Punktpaare auf 
den Gliedern von haben. Der beiden Büscheln gemeinsame Kegelschnitt 
Q R S T' T" hat daher seine unendlich fernen Punkte auf dem gemein- 
samen Gliede von und diese sind die noch fehlenden irrealen un- 
endlich fernen Punkte der C s . 

Verwandelt man durch Affinität den Kegelschnitt (Ellipse) Q R 8 T’ T n 
in einen Kreis, so geht dabei die C s in eine zirkulare Kurve C' s über. 


YI. Über Lichtgrenzkurven und geodätische Linien.*) 

Von Prof. Dr. E. Naetsch. 


Wenn eine gesetzmäfsig gestaltete krumme Fläche mittels paralleler 
Lichtstrahlen — also von einer unendlich fernen Lichtquelle aus — be- 
leuchtet wird, so ergibt sich als Grenze zwischen dem beleuchteten und 
dem unbeleuchteten Teil der Fläche eine Kurve, welche sich geometrisch 
folgendermafsen charakterisieren läfst: Die Tangentialebenen, welche unsere 
Fläche in den Punkten dieser Kurve berühren, sind einer gegebenen festen 
Richtung parallel; oder: die Flächennormalen, welche zu den Punkten 
dieser Kurve gehören, stehen auf einer gegebenen festen Richtung senk- 
recht; oder: die Developpable, welche unserer Fläche längs dieser Kurve 
umbeschrieben werden kann, ist eine Zylinderfläche; oder auch: das 
sphärische Bild dieser Kurve ist ein Hauptkreis der Bildkugel. Eine Kurve 
von dieser Beschaffenheit wollen wir eine Lichtgrenzkurve unserer 
krummen Fläche nennen. 

Um zu erfahren, wie viele Lichtgrenzkurven auf einer gegebenen 
krummen Fläche vorhanden sind, bedenken wir, dafs sich für jede mög- 
liche Lichtstrahlrichtung eine bestimmte Lichtgrenzkurve ergibt und dafs 
zu zwei verschiedenen Lichtstrahlrichtungen im allgemeinen**) auch zwei 
verschiedene Lichtgrenzkurven gehören. Die Anzahl der fraglichen Kurven 
wird hiernach mit der Anzahl der im Raume möglichen Richtungen über- 
einstimmen, d. h. also auf einer gegebenen krummen Fläche wird es im 
allgemeinen oo 2 Lichtgrenzkurven geben. Analytisch mufs sich die Schar 
dieser oo 2 Kurven charakterisieren lassen durch eine gewöhnliche Differential- 
gleichung II. Ordnung oder durch eine endliche Gleichung mit zwei will- 
kürlichen Konstanten. 

Ein bemerkenswerter Umstand bietet sich dar, wenn es sich um eine 
Kugeloberfläche handelt. Jede Lichtgrenzkurve einer solchen Fläche ist 
ja ein Hauptkreis und mithin zugleich eine geodätische Linie der Fläche; 
und umgekehrt ist jede geodätische Linie ebenfalls ein Hauptkreis und 
mithin zugleich eine Lichtgrenzkurve. Auf einer Kugeloberfläche ist also 
die Schar der oo 2 Lichtgrenzkurven identisch mit der Schar der oo 2 geo- 
dätischen Linien. 


*) Nach einem in der mathematischen Sektion der naturwissenschaftlichen Gesell- 
schaft Isis gehaltenen Vortrag. 

**) Eine Ausnahme findet statt, wenn die betreffende Fläche abwickelbar ist. Von 
diesem Fall wird im folgenden noch die Rede sein. 


59 


Es dürfte nicht ohne Interesse sein, festzustellen, ob die Kugelober- 
flächen die einzigen Flächen sind, welche diese Eigenschaft besitzen. Zu 
diesem Zweck fragen wir: 

Wie mufs eine krumme Fläche beschaffen sein, wenn die 
Schar ihrer oo 2 Lichtgrenzkurven identisch sein soll mit der 
Schar ihrer oo 2 geodätischen Linien?*) 

Bei Beantwortung dieser Frage können wir von vornherein die ab- 
wickelbaren Flächen ausscheiden, denn man überzeugt sich leicht, dafs 
auf einer abwickelbaren Fläche zwar jede Lichtgrenzkurve eine geodätische 
Linie ist (nämlich eine Gerade oder ein System von mehreren Geraden), 
aber nicht jede geodätische Linie eine Lichtgrenzkurve werden kann; denn 
die geodätischen Linien einer abwickelbaren Fläche sind im allgemeinen 
krumme Linien, und die längs einer krummen Linie um die Fläche be- 
schriebene Developpable ist identisch mit der Fläche selbst. 

Infolge des Ausscheidens der abwickelbaren Flächen kann die gestellte 
Frage folgendermafsen analytisch eingekleidet werden: 

Wie mufs die Funktion f (x, y) beschaffen sein, wenn die 
Gleichung 

z = ffay) 

eine nicht abwickelbare Fläche darstellen soll, auf welcher die 
Lichtgrenzkurven identisch sind mit den geodätischen Linien? 

Es entsteht also das Problem, eine unbekannte Funktion zweier 
Variabein zu ermitteln, welche gewisse Bedingungen zu erfüllen hat. Im 
folgenden wird sich herausstellen, dafs die verlangte Funktion einem 
System von vier partiellen Differentialgleichungen III. Ordnung Genüge zu 
leisten hat, welches sich aber reduzieren läfst auf ein System von zwei 
partiellen Differentialgleichungen II. Ordnung; ersteres System ist be- 
schränkt integrabel, letzteres ist unbeschränkt integrabel. Daher gibt es 
schliefslich oo 4 gemeinsame Lösungen aller dieser Differentialgleichungen 
und mithin auch oo 4 Flächen von der gewünschten Beschaffenheit; wir 
werden sehen, dafs dies genau die oo 4 Kugeloberflächen des Raumes sind. 

1 . 

Um das Problem in Angriff nehmen zu können, denken wir uns die 
gewünschte Fläche auf ein rechtwinkliges Koordinatensystem (x, y, z) be- 
zogen und durch eine Gleichung von der Form 
(1) z = f(x, y) 

dargestellt; geben sodann für diese Fläche einerseits die Differential- 
gleichung ihrer oo 2 Lichtgrenzkurven, andererseits die Differentialgleichung 
ihrer oo 2 geodätischen Linien an — in beiden Fällen handelt es sich um 
gewöhnliche Differentialgleichungen II. Ordnung zwischen den zwei Veränder- 
lichen x und y\ und stellen schliefslich die Bedingungen dafür auf, dafs 
diese beiden Differentialgleichungen miteinander identisch werden sollen. 
Es werden sich vier Bedingungsgleichungen ergeben, welche die partiellen 
Ableitungen der Funktion f(x, y) — bis zur III. Ordnung einschliefslich — 
enthalten, welche also ein System von vier partiellen Differentialgleichungen 
III. Ordnung mit der unbekannten Funktion f(x, y) bilden. 


*) Die sphärischen Bilder der geodätischen Linien einer solchen Fläche sind offen- 
bar identisch mit den geodätischen Linien der Bildkugel. 


60 


Der Bequemlichkeit halber wollen wir die partiellen Ableitungen der 
Funktion f(x, y) abgekürzt bezeichnen; nämlich 

die Ableitungen I. Ordnung durch p, 


II. 


05 

r, s, t\ 


55 55 III. 55 55 ^5 ßl 7 5 

Es finde nun eine Parallelbeleuchtung der Fläche statt, und zwar 
seien A : B : C die Richtungskoeffizienten für die Lichtstrahlrichtung. Dann 
mufs längs der Lichtgrenzkurve, weil die Richtungskoeffizienten der Flächen- 
normale bekanntlich p : q: — 1 sind, die Gleichung 

A . p + B . q — C = 0 

bestehen; diese ist, wenn die Fläche, also auch die Funktion f(x, y), als 
gegeben angesehen wird, eine Relation zwischen x und y und kann als die 
Gleichung der betreffenden Lichtgrenzkurve (eigentlich der at?/- Projektion 
dieser Kurve) angesehen werden. Will man alle Lichtgrenzkurven der 
Fläche haben, so braucht man blofs A, B , C als willkürliche Konstanten 
anzusehen; dann enthält die vorige Gleichung aufser x und y noch zwei 

A B 

wesentliche Parameter — nämlich und ^ — und stellt mithin die 

sämtlichen oo 2 Lichtgrenzkurzen unserer Fläche dar; sie ist die endliche 
Gleichung dieser Kurven. Aus ihr mufs sich die Differentialgleichung der 
Lichtgrenzkurven ergeben durch zweimaliges Differenzieren nach x und 
nachherige Elimination der beiden Parameter. Nun findet man durch die 
Differentiation der obigen Gleichung zunächst die beiden Formeln 
Ä ■ (r + s y') + B . (s + ty') = 0, 

Ä.(a + 2 ßy' -f- yy ' 2 + sy") + B . (ß + 2yy' + <V 2 + ty") = 0, 
und durch die Elimination der Parameter schliefslich die Relation 


welche sich 


Jb 

<b 

— 1, 

auch 


r + sy\ a 2ßy' + yy' 2 + sy" 
s + ty', ß + 2yy' + dy'* + ty" 
0 , 0 


=r= 0, 


(2) (rt — s 2 ) . y" = ccs — ßr -f (ati- 1- ßs — 2/r) . y' + {%ßt — ys — Sr) . y' 2 

+ (yt — ds).y' s 

schreiben läfst, als die gewünschte Differentialgleichung der Lichtgrenz- 
kurven unserer Fläche (1). 

Andererseits kann, wie als bekannt vorausgesetzt werden möge, die 
Differentialgleichung der geodätischen Linien dieser Fläche 

(1 -| -p' + g 3 ) . y" = (r + 2 sy’ 4 - ty' 2 ) . (— q +py'), 

oder 

(3) (1 +P 2 + g 2 ) -y" = — rq + (rp — 2 sq) . y’ 4 - ( 2 sp —tq).y' 3 + tp. y' s 
geschrieben werden. 

Wie man sieht, haben beide Differentialgleichungen dieselbe Form; 
die eine wie die andere bringt zum Ausdruck, dafs y n eine ganz rationale 
Funktion dritten Grades von y' ist, deren Koeffizienten von x und y ab- 
hängen.*) 


*) Die Division der Gleichung (2) durch den Faktor rt — s 2 und die Division der 
Gleichung (3) durch den Faktor 1 -f-p 2 + (f ist sicher gestattet, da diese beiden Faktoren 
für eine nichtabwickelbare Fläche keinesfalls identisch verschwinden können. 


61 


Damit nun, wie wir verlangen, auf der Fläche (1) die Schar der oo 2 
Lichtgrenzkurven identisch werde mit der Schar der oo 2 geodätischen 
Linien, ist offenbar notwendig und hinreichend, dafs die beiden Differential- 
gleichungen (2) und (3) identisch übereinstimmen; und dies ist, wie man 
sich leicht überzeugt, nur dann, aber auch stets dann der Fall, wenn die 
Koeffizienten der einen Gleichung den entsprechenden Koeffizienten der 
andern Gleichung beziehungsweise gleich sind. Es ergeben sich somit die 
vier Bedingungsgleichungen 

as — ßr — rq at-\- ßs — 2 yr rp — 2sq 

rt — s 2 1 V + q v H. — 6 2 1 -\-p~ p v 

2 ßt — ys — ^ r — tq yt — Ss tp 

rt — s 2 i + p 2 + q v r t —~ s * i -f^ 2 + q 2 ' 

dieselben sind, wie vorausgesagt wurde, in der Tat vier partielle Differential- 
gleichungen III. Ordnung mit der unbekannten Funktion f(x, y). Für die 
weitere Behandlung ist es zweckmäfsig, diese Gleichungen nach a , ß, y, 6 
aufzulösen, sie also in der Form 


( 4 ) 





3 r 2 p + 3 rsq 

T+FTF’ 

3 rsp -f- {rt -j- 2 s 2 ) q 
-1 + p 2 + q 2 5 
(rt -\- 2 s 2 )p -f- Sstq 

i o i o 5 

+p + r 


3sf^ + 3fg 

r|isn 

zu schreiben. 

Das Ergebnis der bisherigen Überlegungen kann in dem Satze aus- 
gesprochen werden: 

Damit die Gleichung (1) eine nicht abwickelbare Fläche dar- 
stelle, auf welcher die Lichtgrenzkurven identisch sind mit den 
geodätischen Linien, ist notwendig und hinreichend, dafs die 
Funktion f (x, y) eine gemeinschaftliche Lösung der vier par- 
tiellen Differentialgleichungen III. Ordnung (4) ist. 


2 . 


Wenn vier partielle Differentialgleichungen III. Ordnung von der Form 
« **= A (x, y, z, p, q, r, s, t), 

ß = B (x, y, z, p, q, r, s, % 

y = T (x, y , g, p, q, r, s, t\ 


6 = J (x, y , e, p, q, r, s, t), 

in denen J, B , E, J Funktionen der beigefügten Argumente bedeuten, eine 
gemeinschaftliche Lösung f(x, y) besitzen sollen, so mufs letztere, weil 
allgemein 

dß da dy d ß dS dy 

d x d y* dx d y' dx dy 

ist, jedenfalls auch den Relationen 

(6) ^ B dÄ ^ dr dB ^ dJ dr ^ 

dx dy ’ dx dy ’ dx dy 


62 


Genüge leisten, in denen zur Abkürzung 


dn 

dx 


an Stelle von 


+, ^ + r *L> +siü + A *4i +B *n + r *o 


und 


d( 


dz 

an Stelle von 


dp d q 


d r 


d s 


d t 


d_n 

dp 


H) 

dq 


ttt + 1 tt + s ~äzt + * 3~r + B + r x: + J 


dn 

d r 


H) 

d s 


d u 

d t 


d y 

d n +q d u 

dy ^ 1 de 
geschrieben ist. 

Nun sind zwei Fälle denkbar: 

Der erste Fall liegt vor, wenn die Relationen (6) blofse Identitäten 
sind. Dann besitzen die vier partiellen Differentialgleichungen (5) oo 6 gemein- 
schaftliche Lösungen,*) deren Ermittelung übrigens die Integration eines 
zweigliedrigen Jacobischen Systems in acht Veränderlichen erfordert. Von 
den gegebenen Gleichungen (5) sagt man in diesem Falle, sie bilden ein 
unbeschränkt integrables System partieller Differentialglei- 
chungen III. Ordnung. 

Der zweite Fall liegt vor, wenn die Gleichungen (6) keine blofsen 
Identitäten sind, sondern vielmehr — da sie alsdann xyzpqrst ent- 
halten werden — partielle Differentialgleichungen II. Ordnung. Dann mufs 
jede gemeinschaftliche Lösung der Gleichungen (5) auch diesen Differential- 
gleichungen II. Ordnung Genüge leisten. Wenn es in diesem Fall über- 
haupt eine gemeinschaftliche Lösung gibt, so ist die Anzahl der etwa in 
ihr enthaltenen willkürlichen Konstanten geringer als im ersten Fall. Man 
wird alsdann das System (5) passend als beschränkt integrabel be- 
zeichnen. 

3. 


Um nun die vier partiellen Differentialgleichungen III. Ordnung (4), 
auf welche unser geometrisches Problem geführt hat, nach den soeben 
entwickelten Gesichtspunkten zu untersuchen, bezeichnen wir die rechten 
Seiten dieser Gleichungen der Reihe nach mit A, B , F, J und finden dann 
nach einigen Rechnungen 


dB d A _ 2 (rt — s 2 ) 
d x d y ~ (l p 2 g 2 ) 2 




dr dB 


rt — s 2 


d x 
dJ 
d x 


d y 

dT 

dy 


(1 +** + «? 

2 (rt — s 2 ) 


r.(l+2 a )~Ml+y) 


»•(1+ä 2 )— t-PQ. 


(1 +P* + 

das System (4) ist also jedenfalls nicht unbeschränkt integrabel. Vielmehr 
mufs jede etwa vorhandene gemeinschaftliche Lösung der obigen Differential- 
gleichungen auch noch denjenigen Relationen Genüge leisten, welche sich 
durch Nullsetzen der soeben gefundenen drei Ausdrücke ergeben; und 
diese drei Relationen reduzieren sich, da durch den Faktor rt — s 2 divi- 
diert werden darf, schliefslich auf die beiden von einander unabhängigen 
Gleichungen 


*) D. h. natürlich eine gemeinschaftliche Lösung f(x, y : c t] c 2 , c 3 , c 4 , c 5 , c 6 ), welche 
aufeer x und y noch sechs wesentliche Konstanten enthält, die in den Differentialglei- 
chungen (5) nicht Vorkommen dürfen. 


63 


(7) 


1+f 


s, t 


1 + Q' 


s, 


pq pq 

also auf ein System von zwei partiellen Differentialgleichungen II. Ord- 
nung. Umgekehrt leistet jede gemeinschaftliche Lösung der beiden Diffe- 
rentialgleichungen (7) auch den ursprünglichen vier Differentialgleichungen 
(4) Genüge; denn aus den Gleichungen (7) ergeben sich durch Differen- 
tiation nach x und y die Formeln 

/ Q \ o 1 + r 2 o 1 “f“ 3j9 2 2 l-j-Bg' 2 9 r, Q l + g 2 

(8) « == 3 — ' ^ . s 2 , ß= - : ‘ 2 M • s 2 , Y= — • s * d = 3 1 * 




p 2 q 


pq° p a q pp 

und wenn man r, £, «, /?, y, d aus den Formeln (7) und (8) in die Glei- 
chungen (4) substituiert, so verwandeln sich die letzteren in Identitäten. 

Hiernach ist die Aufgabe, alle gemeinschaftlichen Lösungen 
der vier partiellen Differentialgleichungen III. Ordnung (4) zu er- 
mitteln, zurückgeführt auf das einfachere Problem, alle ge- 
meinschaftlichen Lösungen der zwei partiellen Differential- 
gleichungen II. Ordnung (7) zu finden. 

Die Differentialgleichungen (7) ihrerseits, die sich übrigens auch 

r s t 

T+F 

oder 


>2 1 + 2 ' 


r:s:t = ( 1 + p*) : pq:(l + g 2 ) 

schreiben lassen, können geometrisch gedeutet werden; sie sagen aus, dafs 
auf der Fläche (1) in jedem Punkte die beiden Hauptkrümmungsrichtungen 
unbestimmt sind, dafs also die Fläche aus lauter Punkten sphärischer 
Krümmung (Nabelpunkten) besteht. Diese Eigenschaft aber kommt be- 
kanntlich nur den Kugeloberflächen zu*), welche hiernach als die einzigen 
(nicht abwickelbaren) Integralflächen der Differentialgleichungen (7) ■ — und 
also auch der Differentialgleichungen (4) — zu gelten haben. 

Somit gelangen wir zu dem Schlufsergebnis: 


Die einzigen Flächen, auf denen die Lichtgrenzkurven 
identisch sind mit den geodätischen Linien, sind die oo 4 Kugel- 
oberflächen des Raumes. 


Anmerkung. Das System der beiden partiellen Differentialgleichungen 


(7) 


1 + + 

pq 


s, t = 


1 + 1 
pq 


kann natürlich, auch ohne dafs der in der vorigen Eufsnote erwähnte Kunstgriff 
benutzt wird, lediglich auf Grund der allgemeinen Theorie der Systeme von 
partiellen Differentialgleichungen II. Ordnung behandelt werden.**) Man mufs 
in diesem Falle zunächst die erste Gleichung des Systems (7) nach z/, die zweite 
nach x differenzieren und die beiden entstehenden Relationen nach ß und y auf- 
lösen ; dann ergeben sich die zwei Gleichungen 


*) Ein einfacher Beweis hierfür, bei welchem direkt von den Differentialgleichungen 
(7) ausgegangen und die Integration derselben mit Hilfe eines eleganten Kunstgriffs 
vollzogen wird, findet sich bei J. Knoblauch: Einleitung in die Theorie der krummen 
Flächen, § 17. 

**) Betreffs der hier in Frage kommenden Sätze vergleiche die Abhandlung von 
L. Bianchi: Sülle soluzioni comuni a due equazioni a derivate parziali del 2 ° ordine 
con due variabili (Atti della Reale Accademia dei Lincei, Seria IVa, Vol. II), insbesondere 
S. 221—222 des angeführten Bandes. 


64 


(9) ß = — • s 2 , y = — —2 — • s' 

w p 2 q pq 2 

also zwei partielle Differentialgleichungen III. Ordnung. Nun hat jede Lösung 
des Systems (7) offenbar auch den beiden Gleichungen (9) Genüge zu leisten; mithin 
d y d ß 

auch noch der wegen — = — aus diesen beiden Gleichungen folgenden Relation 


1 +3g 2 


TJ /l+^q_ s ,\ 7 /M_3^_ 52 \ 

V pq ) \ p q ) 


pq / \ p q 

in welcher U und V zwei durch die Formeln 


U((P)-: 

V(0>) 


d Q) 


d x 

da* 


+ p 


d 0 

d z 


P 


pq 

. d 0 . d 0 
d~y +q -~d~z +S 'J^ 


d<D , d<t> , 14 - 3» 2 

\~ S • A 2 S 

dp dq p 2 q 


1 + q 2 d (& 


1 + 3 i 


Ö 0 
~57 
Ö 0 
d s 

eine blofse 




pq d q p q 2 

definierte Operationssymbole sind. Diese Relation aber ist 
Identität, wie sich beim Ausrechnen zeigt. Hieraus folgt bereits, dafs unser 
System (7) unbeschränkt integrabel ist, dafs also die beiden Gleichungen, aus 
denen es besteht, eine gemeinschaftliche Lösung mit vier willkürlichen Kon- 
stanten besitzen müssen. Um diese Lösung zu finden, hat man die beiden linearen 
partiellen Differentialgleichungen 
(10) ü(0) = O, V(0) = O 

aufzustellen, in denen 0 eine unbekannte Funktion der sechs Variabein x, y, z , 
p , q, s bedeutet; diese beiden Gleichungen bilden, wie sich leicht nachweisen läfst, 
ein zweigliedriges Jacobisches System*) und haben infolgedessen vier von einander 
unabhängige gemeinschaftliche Lösungen ; solche Lösungen sind, wie man sofort 
verifizieren kann, die vier Funktionen 

„ P 2 2 „ Ptf , i Pi JPsVl +p*-\-<F 

s ’ V s ’ + s ’ s 

Nun hat man diese vier Lösungen des Jacobischen Systems (10) ebensovielen will- 
kürlichen Konstanten c t , c 2 , c 3 , c 4 , gleichzusetzen, also die vier Relationen 
p 2 q pq 2 , p q ^ p q\ 1 p 2 

—— — c i? y 

o 


( 11 ) 


X 


z + v* 

s 


+ q 2 


' 3 1 


zu bilden, und die letzteren nach z, p, q , s aufzulösen; dabei ergeben sich die 
Gleichungen 

z = C S + VV— Cc—Ci ) 2 - ( y—c 2 y , p = ~ ^ 


( 12 ) 


— (y — e 2 ) 


v< 


-{x-CiY — {y 

--(* — c i)(y— c a ) 




q Vc 4 2 — (» — c if — (y — « 2 ) 2 s [Vc 4 2 — (* — hf — (v — «s ) 2 ] 3 

Die erste dieser Gleichungen ist alsdann die verlangte allgemeinste Integral- 
gleichung des Systems (7), und diese Gleichung enthält in der Tat vier willkür- 
liche Konstanten. Geometrisch gedeutet aber stellt sie offenbar genau die oo 4 
Kugeloberflächen des Raumes dar. 


*) Vergl. etwa Goursat-Bourlet: Legons sur lintegration des equations aux 
derivees partielles du premier ordre, § 26. 


TU. Mitteilungen über im Physikalischen Institut 
der Technischen Hochschule Dresden ausgeführte 

Arbeiten. *) 

Mit 2 Tafeln. 


A. Bericht von W. Hallwachs. 

§ 1. Über eine die Variationen des Kontaktpotentials betreffende 

Arbeit von H. Beil. 

Bei seinen Arbeiten über Kontaktpotential -Differenzen stiefs Herr 
Pellat auf einen „Einflufs eines Metalls auf die Oberfläche eines andern, 
welches in geringem Abstand ihm gegenübersteht“.**) Er fand, dafs das 
Kontaktpotential einer Platte durch Gegenüberstellung einer anderen vom 
selben oder anderen Metall verändert wurde und stellte quantitative Ver- 
schiedenheit des Einflusses fest je nach der Art des gegenüberstehenden 
Metalles. 

Eine Reihe von Beobachtungen über Veränderungen des Kontakt- 
potentials sind ferner von einer grofsen Anzahl von Beobachtern gelegent- 
lich festgestellt worden, ohne dafs eine Erklärung dafür gegeben worden 
wäre. Dahin gehören aufser älteren Beobachtungen (Hankel, Gerl and, 
R. Kohlrausch) einige Bestimmungen, welche ich gelegentlich einer früheren 
Arbeit über die Bestimmung der Kontaktpotential -Differenzen mit dem 
Quadrantelektrometer***) ausführte. Ferner fand ich gelegentlich licht- 
elektrischer Arbeiten eine Art von Gefäfseinflufs auf das Kontaktpotential f ), 
der sich aber von dem lichtelektrischen unterschied und beim Aufenthalt 
in einem Gefäfs stets positiver Werden, beim Aufenthalt in freier Luft im 
allgemeinen negativer, zuweilen auch positiver Werden lieferte. Es war 
die Frage, ob für die erwähnten Änderungen eine Erklärung aufzufinden 
und eventuell die Beobachtungen von Pellat, die ja auch eine Art von 
Gefäfseinflufs darstellen, auf eine gemeinsame Ursache mit denselben 
zurückzuführen wären. 

Mit der Untersuchung dieser Verhältnisse liefs sich leicht die Bear- 
beitung der Frage, ob Jonenadsorption bei der Variation der Kontakt- 

*) Vorgetragen in der physikalisch -chemischen Sektion der naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft Isis in Dresden am 8. Juli 1909. 

**) H. Pellat, C. R. 94, 1882, p. 1247 ff. 

***) W. Hallwachs, Ann. der Physik 29, 1886, S. 10. 

f) W. Hallwachs, Ber. d. sächs. Ges. der W., Band 58, 1906, S. 356; auch Ann. 
d. Physik 23, 1907, S. 477. 


66 


potentiale Einflufs hat, sowie die Überprüfung der Versuche des Herrn 
Aigner*) verbinden, welcher einen Einflufs des Lichtes auf die Kontakt- 
potentiale gefunden haben wollte, was für die Erklärung der lichtelek- 
trischen Ermüdung von Wichtigkeit hätte sein können. 

Die erwähnten Variationen treten besonders stark am Zink hervor, 
so dafs dieser Körper das geeignetste Material zur Feststellung ihrer Ur- 
sachen bildet. Zugleich verspricht die Beherrschung dieser verhältnis- 
mäfsig grofsen Variationen die Möglichkeit einer schärferen quantitativen 
Abschätzung der Wirkung von elektrischen Doppelschichten als Neben- 
ursache der lichtelektrischen Ermüdung. 

Über die vorerwähnten Fragen hat Herr H. Beil unter meiner Leitung 
eine Untersuchung angestellt. Dieselbe führte zu folgenden Resultaten: 

1. Das Kontaktpotential frisch geputzter Zinkplatten nimmt im all- 
gemeinen mit der Zeit ab. Diese Abnahme ist für eine im Zimmer liegende 
Platte von der Gröfsenordnung von etwa 0,2 Volt in der ersten halben 
Stunde und erreicht nach etwa drei Stunden einen Wert bis zu 0,45 Volt. 

2. Gefäfseinflufs: Im Innern eines Gefäfses ist die Abnahme ver- 
mindert und zwar umsomehr, je kleiner das Gefäfs ist. ln sehr kleinen 
Gefäfsen wird eine früher aufserhalb derselben eingetretene derartige Ab- 
nahme wieder rückgängig und zwar unter geeigneten Bedingungen bis zum 
Anfangswert. 

3. Die unter 1. angeführte Abnahme wird einer Wirkung des Wasser- 
dampfes, der Gefäfseinflufs der Verminderung dieser Wirkung infolge der 
geringeren Luftbewegung in Gefäfsen verdankt. Diese Erklärung liefs sich 
durch Versuche über die Wirkung von Wasserdampf unter Vergleich ver- 
schiedener Konzentrationen, durch vergleichende Beobachtungen in gerührter 
und ruhiger Luft, sowie durch solche mit einem kleinen Gefäfs im Innern 
eines gröfseren bei verschiedener Konzentration des Wasserdampfes als 
richtig beweisen. 

4. Die schon vor langer Zeit von Pellat beobachtete und auf eine 
Ausstrahlung der Metalle zurückgeführte Beeinflussung des Kontaktpoten- 
tials durch nahe gegenübergestellte Platten liefs sich als ein spezieller Fall 
des unter 2. und 3. aufgeführten Gefälseinflusses erweisen. Nach Bekannt- 
sein der Wirkung des Wasserdampfes liefsen sich die Versuche über die 
Pellatsche Erscheinung einwandfreier einrichten und so die Unabhängig- 
keit von der Substanz der gegenüberstehenden Platten feststellen. 

5. Da aus den geschilderten Versuchen folgt, dafs Vermehrung des 
Wasserdampfes ein Hindernis für die Ausbildung hoher Kontaktpotential- 
Differenzen ist, läfst sich die vielfach vorgetragene Ansicht, dafs jene auf 
der Wirkung einer Wasserhaut beruhten, nicht länger halten. 

6. Für weitere Arbeiten über die Art der Wirkung des Wasserdampfes 
ist zu berücksichtigen, dafs die Wirkung desselben bei Einbringen in einen 
trockenen Raum wieder rückgängig wird, was ausschliefst, dafs eine 
chemische Veränderung des Metalls die Ursache bildet. Da auch das 
Einbringen der Platte in ein Gefäfs, welches Luft von gleichem Feuchtig- 
keitsgehalt enthält wie diejenige aufserhalb des Gefäfses, in welchem die 
vorherige Abnahme des Kontaktpotentials stattfand, letzteres wieder an- 
steigen läfst, so kann der Wiederanstieg auch nicht auf die Verdampfung 


*) Fr. Aigner, Ber. der Wiener Akad., Band 115, Nov. 1906, besonders S. 1492 fl. 
(S. 8 des Separatabzuges). 


67 


von H 2 0 von der Platte geschoben werden. Es müssen vielmehr noch 
andere Vorgänge im Spiele sein. Da festgestellt ist (Rüssel), dafs sich an 
der Oberfläche von Metallen in feuchter Luft H 2 0 2 bildet, dieses im Innern 
der Gefäfse aber weggeht, wie dies die photographischen Wirkungen der 
Metallplatten beweisen, die mit Erfolg auf H 2 0 2 zurückgeführt sind, so ist ins 
Auge zu fassen, dafs dieser Körper im Spiele ist. Besondere Versuche 
zeigten, dafs H 2 0 2 das Kontaktpotential der Platten erniedrigt und zwar 
um einen Betrag (0,4 Volt), welcher mit den beim Lagern der Platten nach 
langer Zeit beobachteten Potentialerniedrigungen von gleicher Gröfsen- 
ordnung ist. 

7. Bei chemisch reinem Zink ist der Einflufs des Wassers erheblich 
geringer wie bei gewöhnlichem. 

8. Kohlensäure verhält sich ähnlich wie trockene Luft. Im Zusammen- 
wirken mit Wasserdampf erhält man kräftige Potentialerniedrigungen bei 
gewöhnlichem, nicht so bei chemisch reinem Zink. Im letzteren Falle sind 
die Wirkungen ganz, im ersteren gröfstenteils rückgängig zu machen. Diese 
Feststellung fand bei gröfseren C0 2 - Konzentrationen statt. Bei den ge- 
wöhnlichen Kohlensäuregehalten der Luft möchte deren Einflufs keine be- 
trächtliche Rolle gegenüber dem des Wasserdampfes spielen. 

9. Kupfer zeigt zwar qualitativ dieselben Erscheinungen wie Zink, aber 
nur mit dem zehnten Teile der Stärke. 

10. Ein elektrostatisches Feld wirkt weder in trockener, noch in feuchter 
Luft auf das Kontaktpotential : Jonenadsorption spielt also beim Gefäfs- 
einflufs keine Rolle. 

11. Ein Lichteinflufs auf das Kontaktpotential, wie ihn Herr Aigner 
gefunden zu haben glaubte, existiert innerhalb der bei den Versuchen in 
diesem Gebiet gütigen Fehlergrenzen nicht. 

12. Verschiedene Reinigungsverfahren der Platten liefern sehr ver- 
schiedene Werte für das Kontaktpotential des Zinks, den höchsten Wert 
ergab das Abreiben mit gereinigtem Glasmehl, den tiefsten, und zwar 
Y 2 Volt weniger wie bei Glasmehl, das Abdrehen oder Behandeln mit dem 
Schaber. 

§ 2. Über eine die lichtelektrische Ermüdung des Zinks betref- 
fende Arbeit von E. Ullmann. 

In einer nach meinen letzten Veröffentlichungen*) über die lichtelek- 
trische Ermüdung erschienenen Arbeit hat Herr Aigner**) Versuche be- 
schrieben, aus denen er den Schlufs zog, dafs der von mir früher gefundene 
Gefäfseinflufs nicht existiere und dafs die früher durch Versuche wider- 
legte Anschauung, dafs eine Ermüdung hervorrufende Lichtwirkung auf 
die Platten vorhanden sei, doch zu Recht bestehe. Herr Aigner hatte mit 
Zink gearbeitet, ein Körper, der zwar seiner leichteren chemischen An- 
greifbarkeit durch Atmosphärilien wegen von vornherein weniger geeignet 
erscheint, die tieferen Ursachen der lichtelektrischen Ermüdung aufzudecken, 
wie das bei meinen früheren Versuchen verwendete Cu und Pt, dessen 
diesbezügliche Untersuchung aber gerade wegen seiner grofsen Verschieden- 
heit von Cu und Pt die beste Gesamtorientierung gestatten möchte. Ich 


*) W. Hallwachs, Phys. Ztschr. 5, 1904, S. 489; 7, 1906, S. 766; Ber. d. K. Sachs. 
Gr. d.W. 58, 1906, S. 841; Ann. d. Phys. 23, 1907, S. 459. 

**) Wiener Ber. II a, 115, 1906, S. 1485, 


68 


regte deshalb Herrn E. Ullmann zu einer Arbeit über die lichtelektriscbe 
Ermüdung des Zinks an. Dieselbe sollte auch unter Bezugnahme auf die 
vorher erwähnte Arbeit des Herrn Beil die Frage nach dem etwaigen Ein- 
flufs von elektrischen Doppelschichten an der Oberfläche auf die licht- 
elektrische Ermüdung quantitativ weiter klären. Diese können nach meinen 
früheren Untersuchungen nur als Nebenursache in Frage kommen. Beim 
Kupfer war die Abschätzung der Gröfsenordnung dieser Nebenwirkung 
wegen der Geringfügigkeit der erzielbaren Kontaktpotential -Variationen 
unvollkommen, bei den grofsen derartigen Variationen, die bei Zink auf- 
treten, standen schärfere Schlüsse in Aussicht. Herr Ullmann verknüpfte 
mit diesen Untersuchungen solche über die lichtelektrische Empfindlichkeit 
des Zinks in verschiedenen Gasen und fand viel erheblichere Unterschiede, 
als man sie früher angenommen hatte. 

Die Ergebnisse der Arbeit waren kurz zusammen gefafst die folgenden: 

1. Das Resultat neuerer Versuche des Herrn Aigner, bei Zn- Platten 
bilde Belichtung eine Ursache der lichtelektrischen Ermüdung, trifft nicht 
zu, beruht vielmehr auf unvollständiger Versuchsanordnung. Nach deren 
Verbesserung findet sich, dafs Zn keine Ausnahme für die von Herrn 
Hall wachs festgestellte Unabhängigkeit jener Ermüdung von der Belichtung 
liefert. Lichtwirkung kommt nur sekundär in Betracht, insofern bei grofser 
ultravioletter Lichtstärke in der umgebenden Luft Ozon gebildet wird, 
welches dann seinerseits Ermüdungswirkungen ausüben kann. 

2. Das Resultat des Herrn Aigner, die lichtelektrische Ermüdung weise 
bei Zn keinen Gefäfseinflufs auf, trifft nicht zu, beruht vielmehr auf der 
Wahl von Formen der zu vergleichenden Gefäfse, welche keinen merk- 
lichen Unterschied im Gefäfseinflufs veranlassen können. Stärkere Varia- 
tion der Gefäfsgröfsen stellte den Gefäfseinflufs auch bei Zn einwand- 
frei fest. 

3. In Luft befindliches Zn erleidet im Gegensatz zu Cu durch die 
Einwirkung der Luftfeuchtigkeit stärkere lichtelektrische Ermüdung, bei 
welcher indes der Luftsauerstoff nicht mitwirkt, da sowohl in feuchtem 
Wasserstoff die gleiche Ermüdung auftritt, als auch feuchter Sauerstoff 
keine Vermehrung derselben liefert. Die durch Wasserdampf bewirkte 
Ermüdung wird in trockener Luft oder Wasserstoff wieder gröfstenteils 
rückgängig, welcher Umstand einige Eventualitäten für die ermüdende 
Wirkung des Wasserdampfes ausschliefst, insbesondere die, dafs die letz- 
tere auf einer chemischen Veränderung des Metalls beruht. Es liegt die 
begründete Vermutung vor, dafs Wasserstoffsuperoxydbildung mit im 
Spiele ist*). 

4. Die im Cu gefundene bedeutende Ermüdungswirkung des Ozons 
tritt auch bei Zn auf. Pumpt man darauf das Ozon weg, so steigt die 
Empfindlichkeit wieder an, z. B. von den im Ozon eintretenden 18% der 
Anfangsempfindlichkeit in Luft auf 75 % der Empfindlichkeit in letzterer 
unter Berücksichtigung der auch in Luft inzwischen eintretenden Ermüdung. 
Analoges tritt bei ozonisiertem Sauerstoff ein. Dafs die Ermüdung im 
Ozon nicht diesem, sondern gleichzeitig etwa gebildeten Stickstoffoxyden 
verdankt wird, wurde durch diesbezügliche Versuche ausgeschlossen. 


*) S. § 1 unter 6. Dafs Cu durch Wasserdampf keine dem Zn vergleichbare Ermü- 
dung erleidet, stimmt damit, dafs Cu auch photographisch unwirksam ist, kein H 2 0 2 bildet 


69 


5. Das Resultat des Vergleichs der lichtelektrischen Empfindlichkeit 
in verschiedenen Gasen hängt sehr stark von der Schnelligkeit im Um- 
füllen der Gase ab. Obwohl dabei dreimal ausgepumpt wurde, liefs sich 
die Umfüllzeit unter Anwendung geeigneter Reservoire auf drei Minuten 
herabdrücken. Die Gröfse der Anfangswerte der lichtelektrischen Empfind- 
lichkeit in verschiedenen Gasen hatte dann eine nach den bisherigen Ver- 
suchen nicht zu erwartende Verschiedenheit. Den kleinsten Wert erhält 
man mit trockenem Wasserstoff, den gröfsten, das 17fache von dem in 
Wasserstoff, bei feuchter Kohlensäure, trockene Luft ergab etwa das drei- 
fache, feuchte Luft das achtfache von Wasserstoff. Vorheriges Verweilen 
in den feuchten Gasen drückt die nachher zu erhaltende lichtelektrische 
Empfindlichkeit in den trockenen Gasen nicht herab, erhöht sie eher etwas, 
bei C0 2 indes schwächt es um 30 — 40 °/ 0 . 

6. Änderungen des Kontaktpotentials, die beim Zink bedeutende Werte, 
bis zu 0,5 Volt, erreichen, haben keinen oder nur sehr geringen Einflufs 
auf die lichtelektrische Empfindlichkeit, eine Zurückführung der lichtelek- 
trischen Ermüdung auf dieselben ist nicht möglich. 

7. Die Reinigung der Zn -Oberflächen durch Schaben ist derjenigen 
durch Abschmirgeln vorzuziehen, da sie erstens höhere Konstanz der 
lichtelektrischen Anfangsempfindlichkeit und zweitens geringere Ermüdung 
liefert. 

Überblickt man die Ergebnisse der vorstehenden Arbeit, so zeigt sich, 
dafs sie das durch meine früheren Versuche am Cu, CuO und Pt ge- 
wonnene Bild der lichtelektrischen Ermüdung bestätigen und ergänzen. 
Eine Hauptursache starker, lichtelektrischer Ermüdung bildet das Ozon, 
heim Zn auch der auf Cu und Pt nur sehr wenig wirksame Wasserdampf. 
In beiden Fällen besteht die nächste Wirkung der Agentien nicht in der 
Erzeugung von weniger lichtelektrisch empfindlichen, chemischen Metall- 
verbindungen, vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach in ihrer Absorption 
durch das Metall*), sei es direkt, sei es nach einer vorausgegangenen Zer- 
setzung. Wasserdampf wird eventuell dabei zunächst in H 2 0 2 verwandelt. 
Die eingedrungene Substanz wirkt auf die Elektronen, bremst und ab- 
sorbiert dieselben oder dämpft vielleicht auch ihre Schwingungen im Metall. 
Belichtung veranlafst keine, oder schärfer gesprochen primär keine Er- 
müdung, nur kann jene, indem sie bei grofser Lichtstärke gelegentlich das 
Medium verändert, z. B. Ozon bildet, sekundär wirksam werden. Auch die 
Variationen der Kontaktpotentiale, wie sie durch manche Agentien, z. B. 
Wasserdampf, Ozon oder durch Änderung der Reinigungsmethode der 
Oberflächen hervorgerufen werden, spielen bei der Ermüdung eine sehr 
geringe Rolle. Da einerseits das Licht Ermüdung gar nicht hervorruft 
und deshalb von ihm eventuell hervorgerufene elektrische Doppelschichten 
diese nicht erklären können, andererseits aber auch Änderungen von 
Doppelschichten, wie sie in den Variationen der Kontaktpotentiale zu 
Tage treten, beinahe gar keinen Einflufs auf die lichtelektrische Empfind- 
lichkeit haben, kann Ausbildung elektrischer Doppelschichten für die Er- 


*) Eine Konsequenz dieser Auffassung würde sein, dafs im Helium wegen 
seiner minimalen Absorption durch Metalle die lichtelektrische Empfindlichkeit besonders 
grofs sein müfste. Dies bestätigen Versuche von Herrn Dember (Änn. d. Phys. 20, 1906, 
S. 389), welcher in Helium etwa die 25 fache Empfindlichkeit wie in Wasserstoff findet. 


70 


klärung der lichtelektrischen Ermüdung nicht bezw. nur ganz nebensächlich 
herangezogen werden. In einem Gefäfs ist die lichtelektrische Ermüdung 
gegenüber dem freien Raume beträchtlich vermindert (Gefäfseinflufs), unter 
geeigneten Umständen steigt sogar die lichtelektrische Empfindlichkeit 
zunächst im Gefäfs an, um aber nach einiger Zeit nach Passierung eines 
Maximums einer sehr langsamen, weiteren Ermüdung Platz zu machen. 
Letztere beruht nach meinen früheren Versuchen auf Gasabsorption der 
Platten. Die anfängliche Verminderung der Ermüdung bez. das Ansteigen 
der Empfindlichkeit haben ihre Ursache im Mangel an Ermüdungs- Agens 
im Gefäfs unter Mitwirkung der wegen des Fehlens der Gasbewegung 
verringerten Zufuhr desselben zur Platte,*) sowie im Weggehen eines Teiles 
der bereits ad- und absorbierten Substanzen. Das letztere wirkt auf Ver- 
mehrung der Empfindlichkeit hin und kann nur dann zustande kommen, 
wenn diese Substanzen im Gasraume genügend fehlen, wie das bei Ver- 
suchen in Gefäfsen für Ozon und das eventuell wirkende H 2 0 2 der Fall 
ist. Der Sinn der Empfindlichkeitsänderung im Gefäfs hängt davon ab, 
ob die gleichzeitig stattfindenden Ermüdungs- oder Erholungsprozesse 
kräftiger wirken. Herrn Ullmanns Versuche bei verschiedenen Gasen 
deuten darauf hin, dafs das Licht aufser auf die Platte auch auf die durch 
gegenseitige Kräfte zerfallbereite Gas-Metallschicht wirkt. Nähere Unter- 
suchung möchte auch die Aufklärung der Kontaktpotentiale fördern. 

§ 3. Orientierung im Ultraviolett mittelst Photographie 
auf Entwicklungspapier. 

Das Auswählen einer bestimmten Lichtsorte des Ultravioletts, welches 
sich für viele Zwecke, bei mir für lichtelektrische Arbeiten, erforderlich 
macht, verlangt im allgemeinen ein ziemlich zeitraubendes Verfahren. Man 
mufs ein Spektrometer aufstellen, den Raum verdunkeln können und 
scharfe Winkelmessungen ausführen, eventuell ein Okularrohr mit Kamera 
anwenden und dergl. mehr. Hat man nun vielleicht diese Mefsvorrichtungen 
noch in eine bereits früher entstandene Versuchsanordnung einzubauen, bei 
welcher der Verlauf der Strahlen nicht horizontal gemacht werden kann, 
so mufs das Spektrometer noch geneigt aufgestellt werden, was die Auf- 
gabe noch viel zeitraubender macht. In vielen Fällen kann das Entwerfen 
des Spektrums auf einem Uranglas helfen, auch hier mufs der Raum ver- 
dunkelbar sein und überdies ist die Identifizierung der Fluoreszenzlinien 
mit denen der veröffentlichten Photographien meistens recht umständlich, 
indem die grofse Empfindlichkeit der photographischen Platten Bilder 
liefern, bei denen die Stärke der Linien in anderem Verhältnis steht wie 
auf dem Glas, viele Linien, die auf letzterem kaum oder gar nicht zu 
sehen sind, machen in der Photographie einen ganz kräftigen Eindruck. 

Diese Schwierigkeiten lassen sich durch Aufnahme des ultravioletten 
Spektrums auf Entwicklungspapier beseitigen. Letzteres ist für sichtbares 
Licht im Verhältnis zum ultravioletten ganz unempfindlich. Während man 
bei einer Hg -Lampe bei meiner Versuchsanordnung die Linien 365, 313, 


*) Vergl. Versuche von H. Beil über die durch Rühren des Gases bewirkte Ver- 
minderung 1 des Gefäfseinflusses beim Kontaktpotential. Vergl. auch W. Friese: Bei- 
träge zur Kenntnis des Staubes in der Stadtluft, Diss. Dresden 1909, insbesondere Ab- 
schnitt 6, wo gezeigt wird, dafs die Innenflächen der Scheiben eines Kastenfensters nur 
2 — 3°/ 0 von dem Staub anlagern, den die Aufsenflächen annehmen u. dergl. 


71 


254 bereits nach einer Sekunde Exposition erhielt, trat 406 erst nach 
30 Sekunden, 436 erst nach 240 Sekunden hervor. Dieser Umstand bringt 
es mit sich, dafs das Photographieren nicht im dunklen ausgeführt zu 
werden braucht, sondern auch in einem mäfsig erhellten Räume vor sich 
gehen kann. Die Kamera reduziert sich auf ein Brett mit einem den Ab- 
messungen des Spektrums entsprechenden Spalt und einen dahinter an- 
gebrachten Schieber, welcher zur Ausführung mehrerer Aufnahmen nach- 
einander mit einer Streckenverschiebung (einige Nägel, zwei Ohrenschrauben 
und ein Stift) versehen ist. Eine Serie von solchen Aufnahmen des Spektrums 
der Quarz-Hg-Lampe zeigt Tafel II. Die Expositionsdauern betragen 1, 2, 4, 8, 
16, 32, 64, 128, 256 Sekunden. Eine solche Serienaufnahme vermittelt auch 
einfach den Vergleich des auf dem Uranglas sichtbaren Spektrums ent- 
sprechend etwa der Aufnahme 4 und dem, was man auf der photographischen 
Platte sieht. Letztere läfst sich mit der Aufnahme 8 leicht identifizieren. 
Ein verschieblicher Spalt, an die Stelle des durch die Photographie be- 
stimmten Ortes der betreffenden Lichtsorte gebracht, gestattet letztere 
auszublenden; ob dies scharf gelungen ist, läfst sich durch eine Aufnahme 
auf einem Streifchen hinter den Spalt gebrachten Entwicklungspapieres 
kontrollieren. Andere Spektren, welche am gleichen Orte aufgenommen 
werden, können mit dem Spektrum der Hg-Lampe unter Vermittlung von 
quadriertem Pauspapier verglichen und so bezüglich ihrer Wellenlängen 
ebenfalls einfach identifiziert werden.*) 

§4. Bogenspektren für den Unterricht. 

Farbige Spektraltafeln existieren nur für die mittelst des Bunsen- 
brenners erzeugten Spektren. In der Vorlesung entwirft man nun z. B. 
bei dem Versuch mit der Umkehrung der Natriumlinien Bogenspektren 
und die Zuhörer wollen dann öfters nicht recht glauben, dafs das dann 
auftretende Spektrum mit vielen Linien ein Natriumspektrum sei und dergl. 
mehr. Ich habe deshalb von meinen Mitarbeitern, Herrn Prof. Dr. Toepler 
und Herrn Dr. Wigand, bunte, mit einem geradsichtigen Prisma entwor- 
fene Spektren von Na, Li und Ba im Mafsstabe von 100X25 cm 2 nach- 
bilden lassen**). Die beigedruckte Tafel I gibt eine Dreifarbenphotographie 
dieser Spektren. Die im Bunsenbrenner sichtbaren Linien sind etwas länger 
gezeichnet. Die Farben wurden durch Vergleich von Spektralfarbenpapier 
mit dem direkt projizierten Bogenspektrum ausgewählt und aufgeklebt, wo- 
durch bei den Originalen eine sehr frische Farbenwirkung erzielt worden ist. 

§ 5. Abhängigkeit der spezifischen lichtelektrischen Empfind- 
lichkeit des Kaliums von der Wellenlänge. 

Im Anschlufs an Versuche von Elster und Geitel***) hat man vielfach 
angenommen, dafs die spezifische lichtelektrische Empfindlichkeit gewisser 


*) Die Tafel ist leider weit hinter dem Original zurückgeblieben; so sieht man im 
letzten Spektrum statt der schönen Aufeinanderfolge der Linien des Originals ein allge- 
meines Schwarz. Indes gelingt es noch, die angeschriebenen Wellenlängen auf die weiter 
oben stehenden Spektren zu beziehen. Die Zahlen 221 und 224 sind etwa 1 mm nach 
links zu rücken, statt 280 mufs es 281 heifsen. 

**) Nachbildungen des Originals, die drei Spektren zusammen auf einem 120X150 cm 2 
Bogen, können zum Preise von 6 M. bezogen werden. Bestellungen sind zu richten an 
Herrn Mechaniker Berg, Dresden -A. , Physikalisches Institut der Technischen Hoch- 
schule, Bismarckplatz. 

***) J. Elster und H. Gr eitel, Wied. Ann. 1894, 52, S. 433. 


72 


Metalle im Gebiet der sichtbaren Strahlen ein Maximum besitzt. Herr 
Braun*) fand dies z. B. für Ka bei 440 Nun zeigen alle Körper, 

welche im ultravioletten Licht untersucht worden sind, dafs in diesem die 
stärkste lichtelektrische Wirkung stattfindet, Wirkungen im sichtbaren 
Gebiet entweder überhaupt nicht Vorkommen oder doch schwach sind 
gegenüber denjenigen im Ultravioletten. Ka ist niemals im Ultraviolett 
untersucht worden, da man es bisher stets in Glasgefäfsen eingeschlossen 
hatte. Es erschien mir wahrscheinlich, dafs auf diese Unvollständigkeit 
der Untersuchung das Maximum zurückzuführen sei und dafs die Er- 
streckung der Beobachtung ins Ultraviolett das Maximum beseitigen würde. 
Der Besitz einer Ka-Zelle mit Quarzfenster, welche Herr Dr. Dember die 
Freundlichkeit hatte, mir für einen anderen Zweck herzustellen, gab mir 
daher die Anregung, ihre lichtelektrische Empfindlichkeit für eine Anzahl 
Linien der Hg -Lampe zu untersuchen und eine thermoelektrische Aus- 
messung der Energie der betreffenden Linien zuzufügen, so dafs man die 
spezifische lichtelektrische Empfindlichkeit, d. h. die lichtelektrische Em- 
pfindlichkeit bezogen auf gleiche einstrahlende Energiemengen, ermitteln 
konnte. 

Das Resultat dieser Untersuchung gibt die folgende Tabelle. Die 
oberste Reihe enthält die benutzten Wellenlängen, die zweite die licht- 
elektrische Empfindlichkeit bezogen auf diejenige für die Linie 436 als 
Einheit, die dritte die mit der Thermosäule ermittelte Energie der einzelnen 
Linien, die vierte den Quotient der beiden vorigen, d. h. die spezifische 
lichtelektrische Empfindlichkeit. 


Wellenlängen 

578 

546 

436 

406 

365 

313 

254 

217 

Lichtelektrische Empfind- 
lichkeit 

0,032 

0,083 

1,00 

0,79 

2,18 

3,01 

1,98 

3,90 

Energie 

0,99 

1,42 

0,84 

0,56 

1,00 

0,76 

0,33 

0,46 

spez. lichtelektrische Em- 
pfindlichkeit .... 

0,032 

0,058 

1,18 

1,42 

2,18 

3,98 

6,0 

8,5 


Hierbei sind die Energiemessungen und die lichtelektrischen Messungen 
mit wesentlich derselben Versuchsanordnung bestimmt worden. 

Es zeigt sich, dafs bei der Ausdehnung der Untersuchung ins Ultra- 
violett hinein von einem im Sichtbaren liegenden Maximum nichts mehr 
zu sehen ist, dafs vielmehr auch für Ka die spezifische lichtelektrische 
Empfindlichkeit im Ultraviolett durchaus am gröfsten ist. Mit dem Weg- 
falle der Ausnahmestellung des Ka fallen auch die Konsequenzen weg, 
welche inan an das vermeintliche Maximum im sichtbaren Teil des Spektrums 
geknüpft hat. 


*) J. Braun, Diss. Bonn, 1906. 


73 


B. Bericht von H. Dember. 

Über die Erzeugung positiver Strahlen durch ultraviolettes Licht. 

Die von Herrn Goldstein*) entdeckten Kanalstrahlen der Glimment- 
ladung sind nach den Ablenkungsmessungen von Herrn Wien**) positiv ge- 
ladene Teilchen, über deren Ürsprungswert verschiedene Annahmen be- 
stehen***). Da diese Kanalstrahlen sich nicht im äufsersten heute erreich- 
baren Vakuum erzeugen lassen, so ist wegen der Anwesenheit der Gas- 
reste eine Entscheidung darüber schwer, ob sie durch Stossionisation ent- 
standen sind oder auch zum Teil dem Metall der Kathode entstammen. 

Die folgenden Versuche sind zum Zwecke angestellt, den Ursprungs- 
ort der lichtelektrischen Kanalstrahlen f) zu bestimmen. Die lichtelek- 
trische Wirkung findet auch im äufsersten Vakuum statt, daher war zu 
erwarten, dafs bei abnehmendem Gasdruck die durch Stossionisation ent- 
standenen, positiven, lichtelektrischen Strahlen sich von denen trennen 
liefsen, die etwa aus dem Metall der Kathode ausgelöst worden waren und 
daher vom Gasinhalt des Rohres sich unabhängig zeigen mufsten. Aufser- 
dem mufste sich ein Einflufs der Stossionisation auch zeigen, wenn die 
lichtelektrischen Elektronen über ihre Grenzgeschwindigkeit (lonisierungs- 
spannung) beschleunigt wurden. Als lichtelektrisch empfindliche Kathoden 
wurden geschabte Gold-, Kupfer-, Zink- und Magnesiumplatten im Luft- 
und im Wasserstoffvakuum benutzt, die mit wenigen 0,75 — 1mm weiten 
Bohrungen versehen waren. Sie standen unter Einschaltung eines empfind- 
lichen Galvanometers mit der Erde in Verbindung, das gegenüberstehende 
Platinnetz konnte auf ein Potential von 0—440 Volt geladen werden. 
Hinter der durchlöcherten Kathode wurden die positiven Strahlen mit 
einer Metallplatte in einem Faradayschen Zylinder aufgefangen und durch 
die Aufladung eines sehr empfindlichen Quadrantelektrometers gemessen 
oder mit Hilfe der an einem Bronson -Widerstand hervorgerufenen Potential- 
differenz berechnet. 

Messungen bei höheren Drucken (0,0022 und 0,0008 mm) ergaben bei 
einer Potentialdifferenz von 0 bis 5 Volt zwischen Platte und Netz ein 
starkes Ansteigen des positiven Stromes. Zwischen 6 und 8 Volt ist der 
Verlauf der diese Messungen darstellenden Kurven nur wenig gegen die 
Abszissenaxe (Potentialdifferenz auf der Abszisse, positive Strömung auf 
der Ordinate) geneigt, um dann bei höheren Potentialen schnell anzusteigen. 
Der Wendepunkt dieser Kurven liegt bei 7 Volt und seine Lage ist unab- 
hängig vom Gasdruck. 

Weiter zeigt der Verlauf dieser Kurven, dafs zwei Arten von positiven 
lichtelektrischen Strahlen vorhanden sind, wovon die zwischen 0 und 5 Volt 
entstandenen vom Gasinhalt unabhängig sind, d. h. nicht durch Stossioni- 
sation entstanden sein können. Aus der Furikenspannung (32700 

läfst sich eine untere Grenze für die Grenzgeschwindigkeit zu 1,9 Volt be- 
rechnen, wenn man für die Elektronen einen 4 V 2 so grofsen Wert für 


*) E. Goldstein, Berl. Ber. 39, 1886, S. 691. 

**) W. Wien, Wied. Ann. 65, 1898, S. 440. 

***) Ausführliche Literaturangab en siehe bei P. Ewers, Jahrbuch der Radioaktivität 
und Elektronik ITT, 1906, S. 291. 

f) H. Dember, Ann, d. Phys. 26, 1908, S. 403, 


74 


die freie Weglänge annimmt, als sie Gasmolekeln unter gleichen Um- 
ständen zukommt*). 

Der niedrigste Wert, den ich in der Literatur für die Ionisierungs- 
spannung finden konnte, ist 2,5 Volt**). Es lassen sich aber schon bei 
einer die Elektronen beschleunigenden Potentialdifferenz von 0,2 Volt 
deutlich positive Strahlen nachweisen. Durch weitgehendes Evakuieren 
nach dem Dewarschen Verfahren, nachdem mit einer Toepler-Hagenschen 
Quecksilberpumpe vorgearbeitet war, wurden Drucke von 9 — 11 . IO -6 mm 
Quecksilberdruck erreicht und mit einem Mc-Leodschen Manometer von 
540,7 cm 3 Quecksilbergefäfsinhalt zuverlässig gemessen. Dabei zeigte sich, 
dafs der durch Stossionisation bedingte Teil des positiven Stromes sich 
fast vollständig zurückdrängen liefs. 

Frühere Versuche***) und eine Beobachtung von Rubens und Laden- 
burg j), sowie das Auftreten dieser vom Gasinhalt unabhängigen positiven 
Strahlung, machen es wahrscheinlich, dafs unter der Einwirkung des Lichtes 
auch positiv geladene Metallionen die bestrahlte Platte verlassen. 

Die Versuchsanordnung gestattet, die Geschwindigkeit der positiven 
Strahlen zu messen. Da die Strahlen unter verschiedenen Winkeln und 
aus verschiedenen Tiefen des Metalls herauskommen, verlassen sie dieses 
mit Geschwindigkeiten , die von 0 an ansteigen werden. Sogleich nach 
dem Verlassen des Metalls unterliegen sie der Kraft des äufseren Feldes, 
beschreiben eine mehr oder weniger steile Parabel und werden nach ge- 
ringer Flughöhe wieder auf die Platte zurückgeworfen. Wenn nur wenige 
Gasreste von der Kathode vorhanden sind, so erreichen sie die Oberfläche 
mit derselben Geschwindigkeit, mit der sie aus ihr herausgeflogen sind. 
Denjenigen positiven Teilchen, die aus der näheren Umgebung einer Durch- 
bohrung ausgelöst sind und unter einem steilen Winkel aufgeflogen waren, 
gelingt es, die Kanäle zu durchsetzen und ihre Ladungen auf der Auffange- 
platte im Faradayschen Zylinder abzugeben. 

Die Potentialdifferenz zwischen Platte und Netz, der es gelingt, die 
positiven Strahlen in ihrer Flugrichtung umzukehren, ist in Volt ausgedrückt, 
ein Mafs für die Geschwindigkeit, mit der sie das lichtelektrisch empfind- 
liche Metall verlassen haben. Eine weitere Diskussion der Kurven ergibt 
das Resultat, dafs die gröfsere Menge der vom Gase unabhängigen posi- 
tiven Strahlen — der inneren positiven Strahlen — aus Teilchen besteht, 
die mit Geschwindigkeiten von 0 bis etwa 4 Volt das Metall unter der 
Einwirkung des ultravioletten Lichtes verlassen. 

Die positive Strömung der lichtelektrischen Entladung bei Drucken 
oberhalb etwa 2 / 1000 mm Quecksilberdruck und Potentialdifferenzen, die 
7 bis 8 Volt überschreiten, besteht zum gröfsten Teil aus positiven Ionen, 
die im Gase durch die Zusammenstöfse der Elektronen mit den Gasmolekeln 
erzeugt worden sind. Messungen in Luft und Wasserstoff ergaben, dafs 
bei Drucken unterhalb 2 / 1000 mm und wenn die Entfernung der Anode von 
der empfindlichen Metallplatte nur gering ist, die Gasreste nur eine ver- 
schwindende Rolle spielen. 

*) J. C. Maxwell, Phil. Mag. (4) 19, 1860, p. 29. 

**) H.A. Wilson, Phil. Trans., A. 197, 1901, p. 415. 

***) P. Lenard u. M. Wolf, Ann. d. Phys. 37, 1889, S. 443; R. v. Helmholtz u. 
P. Richarz, Wied. Ann. 40, 1890, S. 187; vergl. auch J. Stark, Phys. Zeitschr. 9, 
1908, S. 894. 

f) H. Rubens u. E. Ladenburg, Ber. d. Dtschn. Physik. Ges. 5, 1907, S. 749. 


75 


Ergebnisse: 

Die Versuche zeigen, dafs beim lichtelektrischen Phänomen nicht nur 
Elektronen und negative Träger auftreten, sondern auch positive Strahlen. 
Und zwar sind zwei Arten positiver Strahlen zu unterscheiden. 

1. Die inneren positiven Strahlen, die soweit das jetzt vorhandene 
Versuchsmaterial zu urteilen gestattet, aus Metallionen bestehen, 
die eine gewisse Menge der Energie des auffallenden Lichtes ab- 
sorbierend, das Metall mit Geschwindigkeiten verlassen, die zwischen 
0 und 5 Volt liegen. 

2 . Es entstehen durch den Zusammenstofs der von einer Potential- 
differenz von mehr als 7 Volt (8 Volt = lonisierungsspannung) 
beschleunigten lichtelektrischen Kathodenstrahlen mit den Gas- 
resten positive Träger — die äufseren positiven Strahlen — für 
welche analoge Existenzbedingungen gelten, wie für die negativen 
Träger der lichtelektrischen Entladung. Es läfst sich an ihnen 
das Stoletow-Righische*) Maximum ihrer Zahl bei einem be- 
stimmten Druck nachweisen. 


Die lichtelektrische Erregung wurde bisher angesehen als hervor- 
gerufen durch die den ausgelösten Kathodenstrahlen äquivalenten positiven 
Ladungen, die auf dem Metall Zurückbleiben. Der Nachweis der inneren 
positiven Strahlen des lichtelektrischen Phänomens gestattet einen etwas 
weiteren Blick in den Mechanismus dieses Vorganges. 

Bestrahlt man eine isoliert aufgestellte Metallplatte mit Strahlen wirk- 
samen Lichtes, so werden sowohl Elektronen als auch positive Ladungen 
aus dem Metall herausbefördert. Es verlassen mehr Elektronen das Metall 
als positive Strahlen, infolge davon lädt die Platte sich positiv auf. Die 
positive Ladung der Platte bremst die Geschwindigkeit der herausfliegenden 
Elektronen. Die negative Strömung, die von der Platte weggeht, nimmt 
hierdurch ab und wird schliefslich gleich der durch das positive Potential 
beschleunigten positiven, so dafs der Gesamtwert der negativen und posi- 
tiven Ladungen, die auch noch nach Erreichung des Endpotentials von der 
Kathode Weggehen, gleich Null wird. 

Aufs er halb der bestrahlten Platte können durch den Zusammenprall 
dieser Ladungen verschiedenen Vorzeichens neutrale Atome entstehen, die 
z. B. bei der Glimmentladung in Geifslerschen Röhren eine lichtelektrische 
Wirkung durch das Licht der Entladung selbst erleiden. Auf solche Weise 
läfst sich vielleicht eine Erklärung für den von Herrn Wien gefundenen 
„ Dissoziationsprozefs zwischen Atomen und Elektronen“ im Kanalstrahl- 
strom geben. Mau hat es demnach bei den leuchtenden Entladungen nicht 
nur mit einer Ionisation der neutralen Gasmolekeln durch Stossionisation 
zu tun, sondern es tritt dazu noch die ionisierende Wirkung des Lichtes, 
also eine elektromagnetische Ionisation. 

Dresden, Physikalisches Institut, Juli 1909. 


*) A. Stoletow, Compt. Rend. 107, 1888, p. 91; A. Righi, Atti della Reale Acad. 
dei Lincei (2) 6, 1890, p. 81; A. Stoletow, Jouro. de Phys. (2) 9, 1890, p. 468. 



Abliandl. d. Isis in Dresden, 1909. 


Taf. 1. 



ßömmlfer & Jonas, Dresden. 





221 


Abhandl. d. Isis in Dresden, 1909. 


Taf. II. 


Quecksilberlampe; Entwicklungspapier. 


ßelichtzeit 

(Sec.) 

1 



LICHTDRUCK VON RÖMMIER * JONAS, ORiSDEI 






VII. Hauptversammlungen S. 14. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 17. — 
Kassenabschlufs für 1908 S. 14, 15 und 18. — Voranschlag für 1909 S. 14. — Ernst 
Hackel -Stiftung S. 15. — Naturschutzpark in den Alpen $. 15. — Verbilligung der 
sächsischen topographischen Karten S. 15. — 500jährige Jubelfeier der Universität 
Leipzig S. 15 und 17. — Gedenkfeier des 100. Geburtstages von Charles Darwin S. 14. 
— Drude, 0.: Die Theorie der Entstehung der Arten als Markstein im Lebensbilde 
Darwins S. 15. — Kalkowsky, E.: Die geologischen Grundlagen der Entwicklungs- 
lehre S. 15. — Länge, L.: Immunitätserscheinungen S. 16. — ■ Meyer, E. von: Die 
chemische Veredelung der Zellulose und ihre wirtschaftliche Bedeutung S. 15. — ■ 
Schiffner, K : Die neueren Untersuchungen über Radioaktivität und radioaktive 
Wässer S. 14. — Ausflug nach Meifsen, Besichtigung der Altstädter Dampf- 
molkerei S. 16. 


B. Abhandlungen. 

Bachmann, E.: Die Flechten des Vogtlandes. S. 23. 

Drude, 0.: Die Theorie der Entstehung der Arten als Markstein im Lebensbilde 
Darwins. S. 11. 

Hallwachs, W., und Dember, H.: Mitteilungen über im Physikalischen Institut der 
Technischen Hochschule Dresden ausgeführte Arbeiten. Mit 2 Tafeln S. 65. 
Heger, R.: Zur Konstruktion von Kurven 3. Ordnung. Mit 8 Abbildungen. S. 48. 
Kalkowsky, E.: Geologische Grundlagen der Entwicklungslehre. S. 3. 

Müller, F. : Zur Erinnerung an Hermann Grafsmann. S. 43. 

Naetsch, E.: Uber Lichtgrenzkurven und geodätische Linien. S. 58. 


Oie Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Sitzungskalender für 1909. 

September. 30. Hauptversammlung. 

Oktober. 7. Physik und Chemie. 14. Mathematik. 21. Prähistorische Forschungen, 
28. Hauptversammlung. 

November. 4. Zoologie, 11. Botanik. 18. Mineralogie und Geologie. 25. Haupt- 
versammlung. 

Dezember. 2. Physik und Chemie. 9. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 
16. Hauptversammlung. 


v 


Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8 ........ 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8. . . . . 3 M. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1868 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, der Jahrgang . . . 3 1. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember 3M. — Pf. 

Sitzungsberichte Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4M., — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte Jahrgang 1880. Juli-Dezember . . 4 . 31. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1908, der Jahrgang . 5 M. — Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1909, Januar-Juni 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deichmiiller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral.- 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

\ Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 



Druck von Wilhelm Baenscb in Dresden. 





ickt 


li 


Naturwissensehaftliehen Gesellschaft 

1 ISIS 


in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1909. 

.1 ut 1 i bis Dezember. 


Mit 1 Tafel und 6 Abbildungen im Text. 


Redaktionskomitee für 1909. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Förster. 

Mitglieder: Prof. Dr. E. Lohrmann, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer 
Dr. P. Wagner, Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. A. Lottermoser und 

Prof. Dr. A. Witting. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 


Sitzungskalender für 1910. 

Januar. 13. Zoologie. .20. Botanik. 27. Hauptversammlung. 

Februar. 3. Mineralogie und Geologie. 10. Mathematik. 17. Physik und Chemie. 
24. Hauptversammlung. 

März. 3. Prähistorische Forschungen. 10. Zoologie. 17. Botanik. 31. Hauptver- 
sammlung. 

April. 7. Mineralogie und Geologie. 14. Mathematik. 21. ^Physik und Chemie. 

28. Hauptversammlung. 

Mai. 5. Exkursion. 12. Botanik. 26. Hauptversammlung. 

Juni. 2. Mineralogie und Geologie. 9. Prähistorische Forschungen. — Mi "hematik. 
16. Physik und Chemie. 23. Zoologie. 30. Hauptversammlung. 

September. 29. Hauptversammlung. 

Oktober. 6. Zoologie. 13. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 20. Botanik. 
27. Hauptversammlung. 

November, 3. Mineralogie und Geologie. 10. Physik und Chemie. 17. Zoologie. 
24. Hauptversammlung. 

Dezember. 1. Botanik. 8. Mathematik. 15. Prähistorische Forschungen. 22. Haupt- 
versammlung. 


l 


Abhandlungen 

der 

N aturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


in 13 resden. 


1909. 



YIII. Der erste Fund eines Moschusochsen im Diluvium 
des Königreiches Sachsen.*) 

Von Dr. K. Wanderer. 

Mit 1 Tafel und 1 Abbildung. 


Das K. Mineralogisch-geologische Museum zu Dresden erwarb kürzlich 
das Schädelfragment eines fossilen Moschusochsen aus dem Diluvium von 
Prohlis bei Dresden (Katalog 1909, Nr. 17). Hat sich auch dieser hoch- 
nordische Wiederkäuer im Laufe des vorigen Jahrhunderts bis heute in 
weitester geographischer Verbreitung, von Yukon in Alaska**) über Sibirien 
bis nach Südfrankreich, und in nicht unbeträchtlicher Zahl fossil nach- 
weisen lassen — in Deutschland allein kennen wir 28 Fundorte mit 18 
mehr oder weniger vollständigen Schädeln — so besitzt das Stück aus 
Prohlis zunächst wenigstens lokale Bedeutung als erster sicherer Fund 
dieser Art im Königreich Sachsen. 

Die diluviale Fauna Sachsens ist damit um eine Tierform bereichert 
worden, die heute wohl als der bemerkenswerteste Wiederkäuer der 
arktischen Tierwelt betrachtet werden mufs und der als typischer Tundren- 
und Barrengrounds- Bewohner für Rückschlüsse auf landschaftliche und 
klimatische Verhältnisse zu gewissen Zeiten der Diluvialperiode in Sachsen 
wesentlich greifbarere Anhaltspunkte geben könnte als die bisher bei uns 
gefundenen Arten: Ren, Mammuth und wollhaariges Rhinozeros. Denn 
ersteres steht als Tundren-, Steppen- und Waldtier auf einer viel weniger 
scharf umgrenzten Vergleichsbasis, für uie Biologie der letztgenannten 
ausgesterbenen Arten aber fehlen unmittelbare rezente Analogien. Dabei 
sei hier noch erinnert, dafs in unseren Diluvialablagerungen das Vor- 
kommen der tiergeographisch besonders wichtigen subarktischen Steppen- 
nager, der Lemminge, bisher noch nicht festgestellt ist. 

Fundort und Begleitfauna. 

Der Fundort des Stückes ist das durch zahlreiche frühere Diluvial- 
funde bekannte Dorf Prohlis südöstlich von Dresden und zwar die an der 


*) Eine im Zoologischen Institut der Universitas. pzig aufbewahrte, von H. Pohlig 
(Sitzuugsber. d. niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkunde 1888, B. 45, S. 19) beschriebene 
rechte Schädelhälfte, angeblich aus dem Diluvium von öckern bei Leipzig, kann hierbei 
nicht in Betracht kommen, da der Fundort nicht authentisch ist. 

**) Gidley, J. W. : Descriptions of two new species of Pleistocene Buminants of 
the genera Ovibos and Boötherium usw. Proceedings U. S. Nat. Museum 1908. B. 34. S. 881 . 


80 


Ostseite der Strafse Leubnitz -Lockwitz gelegene Ziegelei von Pahlisch, 
nördlich des Weges Torna-Reick. 

Die hier erschlossenen Diluvialschichten zeigen folgendes Profil*) nach 
den Aufnahmen der geologischen Landesanstalt: 

Z*u oberst 

dal — Tallehm: ein roter bis rotbrauner feinsandiger Lehm ohne 
deutliche Schichtung. 

Es folgt eine dünne, durch kohlige Substanzen tiefdunkel gefärbte 
Lehmschicht, die den Tallehm trennt von 

d4, dem ungeschichteten, lichten Gehängelehm; dieser wird unter- 
lagert von 

d4s, einem gelben, horizontal geschichteten Löfssand, dem „Seif“. 

Das Liegende wird in der Grube von jungdiluvialen Lockwitz- 
schottern gebildet, die ausschliefslich einheimisches Gesteins- 
material führen. 

In dieser Schicht wurde der Schädel gefunden. 

Leider bestehen über die aus der Ziegelei von Pahlisch sowie den 
benachbarten Gruben stammenden Aufsammlungen früheren Datums weder 
Fundprotokolle noch nähere Angaben über die jeweiligen Fundschichten. 
Immerhin läfst sich aber aus den Berichten von H. B. Geinitz**), Wegener***) 
und den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreiches 
Sachsen, Sektion Dresden, mit Sicherheit feststellen, dafs die dort er- 
wähnten Funde mit dem Ovibos nicht das Lager teilten, sondern aus 
dem „Löfs oder löfsartigen Lehm“, d. h. aus den im Profil unter d4 oder 
d4s bezeichneten Schichten stammten. Es kommen also die von H. B. Geinitz 
aus Prohlis zitierten Arten Elephas primigenius , Rhinozeros tichorhinus, 
Equus caballus , Cervus tarandus und Bison priscus als Begleitfauna 
unseres Moschusochsen in vorliegenden Fall einstweilen nicht in Frage. 

Dagegen erhielt ich im Juli d. J. von dem Bruchmeister der Ziegelei einen 
stark abgerollten, wurzellosen oberen pm3 von Rhinozeros (Coelodonta) 
antiquitatis Blum., der nach Aussage des Finders ebenfalls aus den Lock- 
witzschottern stammt; gröfsere und kleinere einheimische Gerolle in den 
Höhlungen des Zahnes, vor allem aber die vollkommene Übereinstimmung 
im Erhaltungszustand schliefsen jeden Zweifel an dieser Angabe aus. 

Es dürfen also Ovibos und Rhinozeros als aus den gleichen Schichten 
stammend angenommen werden. 

Erhaltungszustand. 

Der "Erhaltungszustand läfst es ausgeschlossen erscheinen, dafs das 
Stück an seinem Fundort in situ eingebettet wurde. Abgesehen davon, dafs 
keinerlei zugehörige weitere Skelettelemente in dem Aufschlufs entdeckt 
werden konnten, zeigt der Schädel typische Korrosionserscheinungen, die 
auf einen mehr oder weniger weiten Transport hinweisen: alle am Schädel* 
stärker vorspringenden Teile, wie die Hornzapfen, die Griffelbeine, die 


*) Erläuterungen zur geolog. Spezialkarte d. Königr. Sachsen, Sektion Dresden, 
S. 62 u. f., Profiltafel Fig. 5. 

**) Geinitz, H. B.: Isis-Dresden, Sitzungsber. 1883, S. 84, und Abhandl. 1883, S. 99. 

***) Wegener, J. F. W.: Ebenda, Sitzungsber. 1877, S. 17, 18. 


* 


81 


Orbitalröhren, ebenso die Flügelbeine sind abgebrochen und tragen Ab- 
rollungsmerkmale an ihren Basalstümpfen, die sich schon durch hellere 
Färbung von den mit einem dunkelbraunen, patinaartigen Überzug ver- 
sehenen unverletzten Knochenflächen abheben. Die gleichen Verhältnisse 
kehren bei dem vorher erwähnten Rhinozeroszahn wieder. 

Die Partien distal der Frontalien fehlen vollständig, also auch die 
wegen etwaiger Tränengruben systematisch wichtigen Lakrimalien, so dafs 
nur die kranialen, die Gehirnkapsel bildenden Knochenelemente erhalten 
sind. Die Schädelnähte sind zumeist noch nicht verwachsen; ein Teil 
derselben ist offenbar durch spätere Sprengung künstlich erweitert, was 
sich schon daraus erhellt, dafs einige klaffende Sprünge annähernd dem 
Verlauf der bereits obliterierten Suturen folgen. Das ausgebrochene Basi- 
sphenoid gestattet einen bequemen Einblick in die Gehirnhöhle, in der an 
der oberen Occipitalregion eine tiefe querlaufende Rinne auffällt. 

Bemerkt sei hier noch, dafs der Schädel aus Prohlis keinerlei Spuren 
palaeolithischer Bearbeitung aufweist, w r ie sie der Fund von Moselweifs 
bei Koblenz nach Schaafhausens Beschreibung unzweifelhaft zeigt.*) 

Geschlecht und Alter. 

Bei dem stark ausgeprägten Geschlechts- und Altersdimorphismus der 
Ovibovinae, .der bei fossilen Formen zur Aufstellung von besonderen Arten 
Veranlassung geben könnte, ist es für jeden neuen Fund von Wichtigkeit, 
das Geschlecht und möglichst auch das Alter des Individuums, soweit 
dies geht, festzustellen. Die durch die Ansatzflächen der Nackenmusku- 
latur stark modellierte Occipitalregion, die schmäle mediane Rinne zwischen 
den Hornbasen, die mit 6,5 mm noch in die von Gottsche**) aufgestellte 
cT Variationsbreite fällt, das starke Übergreifen der Hornbasen auf die 
Parietalien, endlich die wesentlich gröfsere Ausdehnung der Hornbasen in 
sagittaler «,1s in transversaler Richtung, — das alles sind Markmale, die 
unzweideutig auf ein männliches Individuum hinweisen. Da sämtliche 
bisher in Deutschland gefundene Schädelreste von Ovibos möschatus, viel- 
leicht mit nur einer Ausnahme, männlichen Tieren zugerechnet werden 
müssen, wird die merkwürdige Erscheinung dieses auffallenden Geschlechts- 
verhältnisses der Funde durch den Prohliser Moschusochsen noch ver- 
schärft. 

Bei Altersangaben kann es sich für uns natürlich nur um die Frage 
handeln, ob hier ein jugendliches, ein ausgewachsenes oder ein excessiv 
altes Tier vorliegt; um so mehr als weder Gröfse und Gestalt der Horn- 
zapfen noch Grad der Abkauung der Zähne, sondern lediglich die Art der 
Obliteration der Schädelnähte Anhaltspunkte hierfür liefern können. Ver- 
gleiche mit einem vollkommen ausgewachsenen, starken Bullen aus Grön- 
land, im Besitz des Dresdener Zoologischen Museums, ergeben, dafs nach 
seinen Ausmafsen der Schädel von Prohlis zwar einem ausgewachsenen Tiere 
angehörte, das indessen, wie die noch deutlich verfolgbare Naht zwischen 
den Frontalien zeigt, kein besonders hohes Alter erreicht haben kann. 


*) Schaafhausen, H.: Korresp. Blatt d. deutsch. Ges. f. Anthropologie usw. 1879, 
S. 125. 

**) Gottsche, C.: Notiz über einen neuen Fund von Ovibos. Verhandl. d. Vereins 
f. naturw. Unterhalt, z. Hamburg 1877, Bd. 4, S. 235. 


82 


Bevor wir unter Zugrun Jeleguug der letzten Untersuchungen von W. Stau- 
dinger*) und vor allem von R. Kowarzik**) auf die spezielle Zugehörig- 
keit des Prohliser Fundes eingehen, seien zunächst dessen wichtigsten 
Mafse angegeben, wobei auf eine Vergleichung derselben mit denen älterer 
Funde wegen deren meist wenig genauen Mefsmethoden um so eher ver- 
zichtet werden konnte, als dies in einer demnächst erscheinenden Mono- 
graphie des Moschusochsen auf Grund exakter Nachmessungen von Herrn 
R. Kowarzik erfolgen dürfte. 

Mafse am Hinterhaupt: 

Gröfste Hinterhauptshöhe (gemessen vom tiefsten Punkt der Kon- 


dylen zur Ebene des Schädeldaches) 140 mm 

Abstand vom Opistion zur Ebene des Schädeldaches 109 „ 


Abstand vom Opistion zum höchsten Punkt der Lamboidnaht . 91 

Gröfste Breite des Hinterhauptes (einschliefslich der Mastoideen, 

im unteren Drittel der Hinterhauptshöhe gemessen) . . ca. 165 
Kleinste Breite des Hinterhauptes (in Höhe der Lamboidnaht 

gemessen) ca. 125 

Höhe des Foramen magnum 30 

Breite des Foramen magnum 38 

Mafse am Schädeldach: 

Länge der Hornbasen 

Kleinste Breite der Medianrinne am Hornbasenrand 
Höhe der Hornbasen über der Fronto-Parietalebene 

Umfang der Hornzapfen an der Basis 

Stirnbreite hinter den Orbitaltuben 

Mafee an der Schädelbasis: 

Breite des Basioccipitale an der Einschnürung hinter den proxi 

malen Knorren . . . • 

Breite desselben über den proximalen Knorren 

Breite desselben über den distalen Knorren 

Vergleich mit anderen Funden. 

Die unter den Gattungsnamen Bootherium, Symbos, Scaphoceras und 
Liops bisher beschriebenen Ovibovinen aus dem Pleistocän von Nord- 
amerika***) können mangels jeglicher Analogie mit dem vorliegenden Stück 
unberücksichtigt bleiben. 

Unter den weiteren Funden sind es drei ausgewachsene männliche 
Schädel, je einer von Trimingham (Norfolk f), von Frankenhausen (Thü- 


*) Staudinger ,W. : Praeovibos priscus usw. Centralblatt f. Mineralogie 1908, S. 481. 

**) Kowarzik, R. : I. Der Moschusochs u. seine Rassen. Zoolog. Anzeiger 1908, 
Bd. 33, S. 816. — II. Der Moschusochs im Diluvium Europas u. Asiens. Zoolog. Anzeiger 
1908, Bd. 33, S. 857. — III. Der Moschusochs im Diluvium von Europa und Asien. 
Verhandl. d. naturf. Vereins in Brünn 1908, Bd. 47, S. 44. 

***) Yergl. die Literaturorte bei Staudinger und bei Gidley 1. c. 
f) Dawkins, W. B.: Quartely Journal 1883, Bd. 34, S. 575. 


57 „ 
66 „ 
■56 „ 


• • 141 „ 

• * b,5 55 

ca. 18 „ 

ca. 4C0 „ 
. . 145 „ 


83 


ringen*) und Bielscliowitz (Schlesien**), die eine Sonderstellung den 
übrigen Formen gegenüber einnehmen und für die Staudinger die neue 
Gattung und Art Praeovibos priscus*) aufgestellt hat, während Ko- 
warzik für sie aus phylogenetischen Gründen den alten Rütimeyerschen 
Namen Ovibos fossilis (Rütimeyer) emend. Kowarzik angewendet wissen 
will***). 

Charakteristische Merkmale für diese Gruppe sind ungemein lange 
Orbitaltuben mit beulenförmig verdickten Rändern, hoch aufgewölbte Horn- 
zapfen mit kurzen Basen, die auch bei ausgewachsenen männlichen Tieren 
eine sehr breite Medianrinne freilassen. Mit den erstgenannten Merkmalen 
gestattet der Erhaltungszustand des Prohliser Fundes keinen Vergleich, 
während er, wie wir weiter unten sehen werden, bezüglich der Hornbasen 
Abweichungen zeigt, die eine Zugehörigkeit zu Ovibos fossilis Kowarz. nicht 
in Frage kommen lassen. 

Es bleiben somit nur die die Mehrzahl aller bisherigen Ovibovinen- 
Funde bildenden, unter mancherlei Synonymiken gehenden Formen, die 
Staudinger in der oben angeführten Arbeit als Ovibos moschatus Zimmer- 
mann s. 1. zusammenfafst. 

In zwei vorläufigen Mitteilungen zu einer demnächst erscheinenden 
Monographie des Moschusochsen gibt R. Kowarzik die wesentlichsten Re- 
sultate seiner Untersuchungen, die diesen schon biologisch so bemerkens- 
werten Wiederkäuer auch systematisch und stammesgeschichtlich ungemein 
interessant erscheinen lassen. 

Kowarzik zeigt nämlich, dafs die bisher aufgestellten lebenden Arten, 
denen er noch zwei neue beigesellt, sich in zwei Hauptgruppen teilen 
lassen: eine Ost- und eine Westgruppe, die sich durch systematisch tief- 
greifende Unterschiede schroff gegenüberstehen. Die geographische Grenz- 
linie zwischen beiden bildet die Wasserscheide des Atlantischen Ozeans 
und des nördlichen Eismeeres. 

Für den Prohliser Fund sowie für alle oben erwähnten Formen 
im allgemeinen kommt dabei ausschliefslich die Westgruppe mit deren 
einzigem Vertreter Ovibos moschatus mackenzianus Kowarzik in Betracht. 
Kowarzik sieht nämlich in dieser heute noch im Gebiet des Mackenzie 
River lebenden Art den im Laufe des Postglacials und Alluviums aus 
Europa nach Asien zurück- und über die Beringstrafse nach dem Nord- 
westen von Nordamerika eingewanderten Moschusochsen unserer Diluvial- 
ablagerungen, den erst die erwähnte Wasserscheide an weiterem Vor- 
dringen verhinderte. 

Sehen wir hier von den somatischen Unterschieden ab, so sind es 
folgende osteologische Merkmale, die die Wesjgruppe charakterisieren: 
1. annähernd quadratischer Umrifs des Basioccipitale; 2. niedere aber 
•lange Hornbasen, die um so länger sind, je näher die Formen zeitlich an 
den rezenten Ovibos moschatus mackenzianus reichen; 3T stark an den 
Schädel angeprefste Hornzapfen und Scheiden; 4. deutliche Tränengruben; 
5. schwache Krümmung der Zahnreihen; 6. grofser Abstand zwischen der 
Fossa sphaenomaxillaris und dem hintersten Molar. 


*) Staudinger, W.: 1. c. 

**) Michael, R.: Zeitschrift d. deutsch, geolog. Gesellsch. 1902, Bd. 54, Verh. S. 12. 

***) Kowarzik, R.: II. u. III. 1. c. 


84 


Die unter 3 — 6 angeführten Merkmale entziehen sich bei dem Prohliser 
Schädel der vergleichenden Kontrolle. Bei dem Basioccipitale ergeben 

schon die angeführten Mafse über den 
vorderen und hinteren Knorren, dafs die 
Verjüngung nach vorn verhältnismäfsig ge- 
ring ist, woraus für dieses Element eine 
annähernd quadratische Form resultiert 
(s. nebenstehende Abbildung). Bei einem 
Vergleich mit einem rezenten Schädel der 
Ostgruppe, bei dem die entsprechenden 
Mafse 67 bez. 49 mm betragen, tritt der 
Unterschied noch deutlicher hervor; aufser- 
dem fehlen hier die Einschnürungen am 
Basioccipitale hinter den proximalen Knor- 
ren vollkommen. 

Die Hornbasenlänge am Schädel von 
Prohlis steht mit 141 mm allerdings weit 
hinter dem extremsten, von Kowarzik an 
einem rezenten Schädel genommenen Mafs 
von 235 mm zurück. Diese weite Differenz 
wird indessen durch dreiundzwanzig Fossil- 
funde bis zu einer Basenlänge von 157 mm 
herab lückenlos ausgefüllt. Die nächst 
V 2 natürliche Grölse kleinere bisher festgestellte Basenlänge 

zeigt der Fund von Trimingham, also be- 
reits eine Form von Ovibos fossilis Kowarz. ( Praeovibos priscus Staud.), 
so dafs wenigstens bezüglich dieses Merkmales die Zugehörigkeit des Proh- 
liser Fundes zu der genannten geologisch älteren Ovibovinen-Form in Frage 
zu kommen scheint. 

Dabei ist indessen zu berücksichtigen, dafs bei dem Prohliser Schädel, 
wenn er auch einem erwachsenen Tier zuzuschreiben ist, das Wachstum 
der Hörner keineswegs abgeschlossen war; aufserdem greifen schon jetzt 
die Hornbasen so vollkommen über die Parietalien, dafs die Hornbasen un- 
mittelbar über dem Hinterhaupt beginnen und auf der Frontopartialebene 
nur eine schmale mediane Rinne freilassen. Bei 0. fossilis Kowarz. liegen 
die Verhältnisse anders: hier wird die hintere Parietalregion von den 
Hornbasen nicht überwuchert und diese selbst stehen auf dem Schädeldach 
in weitem Abstand voneinander. 

* Immerhin ist es bemerkenswert, dafs unser Fund von 0. m. macken- 
zianus in der Variationsbreite der Hornbasenlänge, diesem entwicklungs- 
geschichtlich wichtigen«? Merkmal, das bisherige Minimum darstellt und 
sich hierin dem Ovibos fossilis Kowarz. nähert, wenn er auch nach seinen 
sonstigen Befanden zweifellos mit Ovibos moschatus mackenzianns Kowarz. 
zu identifizieren ist, dem übrigens auch Gidleys*) Ovibos yukonensis synonym 
gesetzt werden mufs. 

Der vorstehende Befund läfst sich in folgender Übersicht zusammen- 
fassen: 

Der in der Ziegelei Pahlisch in Prohlis bei Dresden in 
jungdiluvialen Lockwitzschottern zusammen mit Rhinozeros 



f ) Gidley, J. W.: 1. c. 


85 


antiquitatis Blum, gefundene kraniale Schädelteil eines 
Moschusochsen befand sich auf sekundärem Lager. Er 
stammt von einem zwar ausgewachsenen, aber nicht sehr 
alten männlichen Tier, das zu Ovibos moschatus macken - 
zianus Kowarzik ( Ovibos moschatus Zimmermann s. 1.) gehört. 

<# 

Zum Schlufs möchte ich noch Herrn Prof. Dr. Jacobi für freundliche 
Überlassung rezenten Vergleichsmaterials und zoologischer Literatur auch 
an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank aussprechen, ebenso Herrn 
Hofrat Prof. 'Dr. Deichmüller für die sorgfältige Ausführung der Photo- 
graphien. 


Tafelerklärung. 

Ovibos moschatus mackenzianus Kowarzik aus den jungdiluvialen 
Lockwitzschottern von Prohlis bei Dresden. 

| 1 / 2 natürlicher Gröfse. 


Fig. 1 Stirnansicht. 

„ 2 Hinterhauptsansicht. 





IX. Die botanischen Ergebnisse 
eines dreitägigen Sammelausfluges in die Umgebung 
der Franz-Schlüterhiitte (D.-Oe. A.-V.) 

Von Prof. Dr. A. Naumann 


Villnös, eine Haltestelle der Brennerbalm zwischen Brixen und Klausen 
in 600 in Höhe, war der Ausgangspunkt dieser kurzen Sammelreise. 
Unser Isismitglied Joseph Ostermaier, der Hüttenwart, war mir ein lieber 
sammeleifriger und pflanzenkundiger Begleiter. 

Von der Haltestelle aus beginnt eine gute Fahrstrafse in das liebliche 
Villnöstal. Dasselbe führt ostwärts hinein in die grofsartige Zinnenwelt 
der Südtiroler Dolomiten. Es endigt zwischen dem Felsgewirr der wild- 
zerklüfteten Geifslerspitzen und dem kuppenförmigen Massiv des Peitler- 
kofels (2877 m), dem „am weitesten nach Norden vorgeschobenen“ Gipfel 
der Südtiroler Kalkalpen. 

Hier liegt inmitten blumenreicher, grüner Matten, umringt von er- 
habenen zackenreichen Berghäuptern, stillfriedlich die Franz-Schlüterhiitte 
bei 2300 m Höhe. Unterhalb des Kreuzkofeljoches in windgeschützter, 
aussichtsreicher Lage, bietet sie ein behagliches, praktisches und mit 
schlichter Gediegenheit ausgestattetes Unterkommen und eine gute Ver- 
pflegung durch den Hüttenwirt Seraphim Santer. 

An dem Anfahrtstage, dem 18. August, wollten wir als erste Zwischen- 
station das inmitten des Tales freundlich gelegene St. Peter-Villnös er- 
reichen. Hierzu genügen, selbst wenn man, wie ich, eifrige Notizen macht, 
etwa 3 Stunden. 

Dabei wandert man den Villnösbach aufwärts, durch ein anfangs tief 
eingeschnittenes, später sich erweiterndes Tal und steigt bis zu etwa 
1200 m empor. 

Wir begegnen einer reizenden, mit südlichen Elementen durchsetzten 
Felsflora, welche je nach demJro ckn eren oder feuchteren Substrat aufser- 
ordentlich abwechselunfsr^ich *änmutet. 

Ich gebe hier einfach meine Wandernotizen wieder, welche wohl un- 
mittelbarer wirken als eine formationsmäfsige Anordnung. Die Grauerle 
begleitet den Bach, die trockneren Hänge starren von Prunus spinosa, 
und in dem von Gebüsch durchsetzten lockeren Mengwald fallen als süd- 
liche Formen auf: die Hopfenbuche ( Ostrya carpinifolia ), die Mannaesche 
(. Fraxinus Ornus ), die Weichsel ( Prunus Mahaleb), die mit roten Frucht- 
trauben behangenen Berberitzen und der Blasenstrauch (Colutea arborescens), 
vielfach umsponnen von Clematis Vitalba. Die Felsflora ist entzückend: 
Melica ciliata , Anthericum remosum , Allium' fallax, Diantlius Silvester , 


87 


Ästragalus Onobrychis , Sedum rupestre , Saxifraga Aizoon , Laserpitium 
prutenicum , Erica carnea , Calamintha officinalis und alpina , Teucrium 
montanum , ödster alpinus und Amellus , Carlina vulgaris , Hieracium stati- 
cifolium; an feuchten und schattigen Stellen: Moehringia muscosa, Epi- 
lobium JDodonaei , Circaea alpina, Veronica urticifolia , Selaginella Helvetica. 

Bei etwa 800 m erblickt man die Raschütz-Alp, die Scheidemauer 
zwischen Villnös- und Grödner Tal. Hier sind nach Mitteilung meines 
Begleiters die Wiesen im Frühjahr übersät mit Crocus albifiorus und 
die Felsen geschmückt mit blühender Pulsatilla montana, von welcher 
jetzt nur noch die Blattrosette erkennbar ist. 

Dafür zeigten sich an den Kalkfelsen die Blüten von : Potentilla 
rupestris, Ononis natrix , Vicia tenuifolia, Sedum album und dasyphyllum, 
Sempervivum tectorum , Vincetoxicum officinale , Thymus- Polster, Veronica 
spicata , Digitalis ambigua , Lactuca perennis, Allium oleraceum\ es wehen 
die Federgrannen von Stipa pennata und in den Felsritzen wuchern As- 
plenium trichomanes, septentrionale und Puta muraria. 

Vor Pardell (etwa 900 m) tritt schattigkühler, feuchtmoosiger Nadel- 
wald heran -mit Lathyrus Silvester, Vicia silvatica, Pirola secunda und 
Parnassia palustris, daneben blüht in Moospolstern Silene quadrifda', 
und zierliche Farne ( Polypodiun vulgare, Phegopteris Dryopteris, Cysto- 
pteris fragtlis) bilden eine angenehme Wald- und Felszierde. 

Die wenigen Häuser von Pardell sind an allen Fenstern wunderbar 
geschmückt mit Hängenelken, Epheupelargonien und Petunien. Es ist ein 
farbenfreudiges Bild, welches auf ein heiteres, sinniges Gemüt der Bewohner 
schliefsen läfst. 

Im Hintergründe gegen Osten grüfst der weifsgebänderte Rueffenberg 
herüber und läfst die Gebirgsschönheit ahnen, der wir entgegenwandern. 

Im Gebüsch rankt, zum ersten Male auf unserem Wege, die Alpenrebe 
{Atragene alpina) mit grofsen blauglockigen Blüten, und reiches Blätterwerk 
deutet auf die im Frühjahr erblühenden Hepatica, Corydalis digitata und 
Pulmonaria mollis. Auf der Wiese zeigen sich vereinzelte Trupps von 
Cirsium Erisithales. 

Auf den Höhen erscheinen frischgrüne Lärcheninseln im dunklen 
Fichtenwald und ein freundliches Kirchlein zeigt uns das Ziel des heutigen 
Tages, das einfach gemütliche St. Peter. Das gastliche Kabiswirtshaus 
nimmt uns auf und läfst uns einen stillfriedlichen Abend geniefsen. Nach 
einem starken Gewitter sturm* über Nacht blaut ein herrlicher Morgen 
und wir wandern frohgemut hinein in den reizvollen Voralpenwald, auf.» •* 
Schritt und Tritt begrüfst von einem neuen lieblichen Kind der Alpenflora. 

Wuchskräftige Fichten, durchsetzt von Lärchen, nehmen uns auf und 
zeigen uns auf moosigem Grunde: Pinguicula alpina , Silene quadrifida, 
Tofieldia calyculata, Epipactis latifolium; hie und da blüht ein Horst von 
Melandryum rubrum oder eine einsame Campanula barbatal Am Forsthaus 
ragt der letzte Bergahorn empor, ein stattlicher Veteran. Bald erscheint 
die Kirche von St. Johann, 1352 m. Hinter dem Ort beginnt ein Stück 
Lärchen wald. Sein Boden ist bewachsen von Erica carnea , dazwischen 
breiten sich ganze Rasen von Pirola secunda aus. PLomogyne alpina und 
Bellidiastrum zeigen sich häufiger, und schon blüht hie und da am Wege, 
wenn auch nicht in der Farbenglut der Höhen, ein Alpenrosenstrauch 
{Rhododendron hirsutum ), durchrankt von blauglockiger Alpenrebe, ein 


88 


entzückendes Bild! Vom Villnösbach grüfst eine Hochstaudenvegetation 
herauf, die späterhin immer fesselnder wird. 

Neben uns zeigen sich immer häufiger Sträucher der Voralpen-Region: 
vereinzelte Ainus viridis , eine Rosa alpina mit später Blüte und Lonicera 
alpigena mit ihrem dunkelgrünen Laub, dazwischen erblühen Rubus saxatilis , 
Saxifraga rotundifolia , Gentiana asclepiadea und Valeriana saxatilis. 
Kleine Trupps von Equisetum variegatum auf kiesigen Feuchtstellen wechseln 
mit Majanthenum bifolium und Melampyrum silvaticum. An lichteren 
Stellen, welche herabgestürzte Felsblöcke geschaffen haben, leuchten die 
roten Köpfe von Scabiosa lucida , an cpielligem Ort die gelbroten Blüten- 
polster von Saxifraga aizoides , vom kalkigen Block das Zitronengelb des 
zweiblütigen Veilchens (Viola biflora). An sandig -kiesigen Stellen hält 
sich der zähe Ubiquist Calluna vulgaris. 

Von etwa 1500 m an wird der Wald schütterer; Zungen frischgrüner 
Gebirgswiesen greifen tief hinein, und bei etwa 1600 m erscheinen die 
ersten Vorposten der Arven, noch nicht in kraftvoller Schönheit, aber 
umringt von lieblichen Begleitern: braunblättrige Alpenrose (Rhododendron 
ferrugineum) und blaugrüner Zwergwachholder (Juniperus nana), Campa- 
mUa Scheuchzeri und Phyteuma orbiculare , Polygonum viviparum und 
Potentilla aurea. 

Nicht weit vom Pfade hat eine Triftwiese ihren bunten Teppich 
gewebt*) aus Rumex arifolius , Trollius europaeus , Geranium silvaticum , 
Potentilla aurea , Trifolium medium , Helianthemum alpestre , Gentiana 
obtusifolia , Campamäa barbata , Horminum pyrenaicum (Charakterpflanze 
der südlichen Kalkalpen!), Crepis aurea , Leontodon hispidus. An torfig- 
moosigen Stellen finden sich Molinia- Horste, Arnica montana , Trifolium 
badium und Vaccinium uliginosum. 

Am Zenonbach, bei . etwa 1700 m, ward Frühstücksrast gehalten. 
In der Nähe befanden sich Saliceta aus Salix nigricans Fries, S. Wald- 
steiniana W., S. phylicifolia L. und retusa var. major Host nebst vier 
noch unklaren Formen. 

Längs des Baches ist eine Hochstaudenflur von grofser Reichhaltigkeit 
entwickelt, welche sich beim Aufstieg immer mehr in kurzrasige Alpen-, 
matten verliert. Thalictrum aquilegifolium , Aconitum Lycoctonum und 
Napellus , Aquilegia atrata , Imperatoria Ostruthium , Pimpinella magna 
var. rubra , Phyteuma Halleri , Knautia silvatica , Valeriana Tripteris , 
Senecio cordifolius, Solidago alpestris , Adenostyles alpina , Carduus 
defloratus , Veratrum album bildeten die wechselnden Haupterscheinungen 
dieser Formation^ dazwischen blühten: Ranuculus montanus, Arabis alpina , 
Geum rivale , Saxifraga rotundifolia, Bartsia alpina, Pedicularis verticillata 
[nach Ostermaier (1. c.) auch: tuberosa und elongata ], Phyteuma orbiculare. 

Nun löst sich der Wald mehr und mehr in kleinere Trupps von 
Fichten und Lärchen auf; prächtige Arvengestalten rücken in die felsigeren 
Matten und die Blockhalden ein. Kurz vor den Gampenwiesen (1950 m) 
begegnen wir noch Sorbus Cliamaemespilus , Lonicera coerulea und Ribes 
petraeum. 


*) In dem Jahresbericht 1903 des Vereins zum Schutz und zur Pflege der Alpenflora 
veröffentlichte mein Begleiter Joseph Ostermaier in Dresden -Blasewitz: „Pflanzen- 
vorkommnisse in der Umgebung der Franz - Schlüterhütte im Villnöstal (Südtirol)“. 
Darunter finden sich: Lilium Martagon und bulbiferum, sowie Gymnadenia albida und 
conopea , die sicher dem geschilderten Wiesenbestand beizufügen sind. 


89 


Nun haben wir auch die ,, Kampfregion“ des Bauinlebens hinter uns: 
vereinzelte wetterzerzauste Arven, weifsgebleichte Arvenleichen, krüppel- 
hafte Lärchenreste - — aber kein Krummholzgürtel umschliefst nach oben 
den niedergekämpften Hochwald und auch die Alpenrosen -Sträucher 
breiten sich nicht in geschlossenen Beständen aus, sondern wachsen ver- 
streut zwischen den von den Geifslerspitzen abgestürzten Blöcken. 

Die ,, alpine“ Region setzt hier ohne Strauchgürtel ein; herrlich 
blumenreiche, echt alpine Matten treten sofort die Herrschaft an und 
umrahmen die bei 2300 m erreichte Franz-Schlüterhütte. 

Was wir hier innerhalb zweier Tage am Kreuzkofeljoch, Zendleser- 
kofel, Sobutsch, Peitlerkofel und am dritten Tage beim Übergang über 
die Wasserscharte zur Regensburger Hütte gesammelt haben, sei in 
folgendem formationsgemäfs zusammengestellt. 

Um diese Zusammenstellung pflanzengeographisch wertvoller zu ge- 
stalten, habe ich durch geeignete Zeichen und Abkürzungen folgende 
Daten hinzugefügt: • * 

1. Die Regionshöhen, in welche die Hauptverbreitung der Art 
fällt. Ein ausnahmsweises Hinauf- und Hinabsteigen findet bei vielen 
statt, bleibt aber hier unberücksichtigt. 

Es bedeutet: 

e = Ebene; be = Bergregion; va = Voralpenregion (bis etwa 
1 900 m) ; 

ua = unteralpine Region (infraalpine Region Drudes), Region der 
Alpensträucher (sehr lückenhaft ausgebildet und durch eine 
Blockhalden-Eormation ersetzt, bis 2200 m); 
ma = mittelalpine Region (Region zusammenhängender Matten, 
bis 2500 m); 

ua und ma ineinander übergehend! 

oa = oberalpine Region (bis 2900, subnivale Region), Region der 
Gesteinsfluren: Fels und Schotter, aufserdem Pionierrasen 
(Grasbänder) und dauernde Schneeflecke. 

Die Nivalregion (Pencks Schnee- und Eisgebirge) gelangt in diesem 
Exkursionsgebiet nicht zur Entwickelung. Trotzdem zeigt ein Vorgesetzter 
* diejenigen Pflanzen an, welche bis in jene 'Region Vordringen können*), 
f = praealpin (im Sinne Drudes). 

2. Durch Sperrdruck sind diejenigen Pflanzen hervorgehoben, welche 
durch die ganze Alpenkette verbreitet sind. 

3. Bei Pflanzen, welche nur auf gewisse Alpengebiete beschränkt 
sind, bedeutet: 

Ca! Kalk; U! Urgestein. 

C = Zentralalpen, W = Westalpen, O = Ostalpen, S = Südalpen, 

N = Nordalpen. 

Beispiel: Ca! N, S — nördliche und südliche Kalkalpen. 

4. Nach dem verdienstvollen Vorgehen von Marie Ch. Jerosch in 
„Geschichte und Herkunft der schweizerischen Alpenflora“, Leipzig 1903, 
habe ich die geographische Verbreitung der erwähnten Pflanzen berück- 
sichtigt und durch folgende Abkürzungen gekennzeichnet. 

*) Vergl. Heer, O.: Über die nivale Flora der Schweiz, und Schröter, C.: Das 
Pflanzenleben der Alpen, S. 612 u. 613. 


90 


1. Arten der Ebene. 

u = Ubiquisten. 

II. Arten, welche in Nord-Asien und Arktis fehlen. 

an — alpin-nordeuropäisches (skandinavisches) Element, 
mea = mitteleuropäisch-alpines Element (auf Alpen und mittel- 
europäischen Hochgebirgen); 

a = alpines Element (auf Alpen und benachbarten Mittel- 
gebirgen); 

mi = Mittelmeer- Element (auf Apennin und Balkan*) inkl. 
Transsilvanien). 

III. Arten, welche in der Arktis Vorkommen. 

aa = arktisch-altaisches Element (also auch im Altai). 

ak = arktisches Element (in der Arktis, nicht im Altai). 

* 9 

IV. Arten im Altai (nicht in der Arktis). 

at = altaisches Element (mit Steppenelementen vom niederen 
Altai). 

Mit den bishergenannten Abkürzungen versehen mögen nun die ge- 
sammelten Pflanzen, in Formationen geordnet, folgen: 

A. Voralpen-Formationen. 

Die Gehölzformationen der voralpinen Region habe ich in dem Ein- 
gänge dieser Mitteilungen geschildert. 

Es waren die von Engl er in seinem Schriftchen: „Die Pflanzen- 
Formationen und die pflanzengeographische Gliederung der Alpenkette“, 
1901, charakterisierten Formationen des Voralpen waldes, des Lärchen- 
waldes und der Arve. Die Formation des Sevenstrauches (Juniperus 
Sabina ) habe ich nicht gesehen, ist aber nach Ostermaiers Mitteilungen (1. c.) 
im östlichen Teil des Gebietes im Campiltal vorhanden. Die Formation 
der „subalpinen Weiden“ war in den vom Zenonbache durchflossenen 
Mulden recht gut entwickelt, erschien mir aber zu wenig ausgedehnt und 
zu wenig charaktervoll, um den Begriff einer „Formation“ zu verdienen. 

Die voralpine Hochstaudenflur, eine reizvolle Formation, hat von mir 
bereits die gebührende Würdigung gefunden (S. 88). Sie tritt besonders längs 
der Bachläufe auf und reicht über die Waldgrenze weit in die alpinen 
Grasfluren hinein, ärmer an voralpinen, aber reicher an alpinen Elementen 
werdend. 

Dort, wo der Boden nicht so tiefgründig, trockner und vertorft ist, 
treten mattenähnliche Grasfluren auf, die sich zungenartig in den Vor- 
alpenwald* erstrecken, nach der Baumgrenze zu einen breiteren Raum 
gewinnen und der eigentlichen alpinen Milchkrautweide ähnlich werden. 

•*) Ich glaubte dieses Element hier um so eher einfügen zu müssen, als gerade die 
Südtiroler Dolomiten nach der Eiszeit eine Wiederbesiedelung von den Illyrischen Alpen 
über die Julischen und Karnischen Alpen erfahren haben dürften. Gleichzeitig liegt 
eine Besiedelung längs des Südrandes der Alpen vom ligurischen Apennin aus im Ge- 
biete der Möglichkeit. Die Nähe des Tauern-Gebietes bringt selbstverständlich in die 
Dolomiten auch Pflanzenelemente der Zentralalpen. Dieselben haben sich besonders auf 
dem feuchtkühlen Urgestein erhalten, welches auch das Peitlermassiv in Form von 
Gneis, Ton- und Glimmerschiefer umgibt (vergl. Zwergstrauch-Formation). 


91 


Hier lösen sich dann die geschlossen stehenden Lärchen und # Fichten 
in einzelne Bauminseln auf, und dazwischen findet sich eine Halde 
gröfserer und kleinerer Blöcke, welche auf ihrem Steinrücken einer 
sonnigen, xerophytischen Vegetation Platz gewähren, zwischen sich aber 
schatten- und feuchtigkeitsliebende Pflanzen, besonders auch die Rhodo- 
dendron aufnehmen. 

Diese Grenzformation zwischen subalpinem und alpinem Charakter 
ersetzt hier den eigentlichen Krummholz- und Alpenrosen -Gürtel. 

Dort, wo gewachsener Fels zu Tage tritt, und Steilhänge und Schmal- 
bänder vorhanden sind, kommt eine der Englerschen Sesleria- Forma- 
tion entsprechende Genossenschaft zur Ausbildung." 

In folgendem seien die Pflanzen-Elemente einiger der genannten For.- 
mationen aufgeführt. 


1. Voralpine Grasfluren. 


u 

Agrostis vulgaris With. 

e-va 

aa 

Phleum alpinum L. 

va-ma 

aa 

*Poa alpina L. 

va-ma 

mea 

Calamagrostis Halleriana (var .mutica Koch). 

be-va 

u 

Briza media L. 

e-ua 

u 

Carex pallescens L. • 

e-va 

u 

Tofieldia calyculata Wahlenbg. 

be-va 

u 

Orchis latifolia L. 

e-va 

u 

Gymnadenia odoratissima Rieh. 

be-ua 

u 

G. conopea R. Br. 

be-ua 

an 

Thesium alpinum L. 

be-ua 

a 

Silene ( inflata var.) alpina Thom. 

be-ua 

a 

S. nutans var. livida Willd. 

be-ua S, 0 



auch Dal 

aa 

Trollius europaeus L. 

be-ua 

u 

Anthyllis vulneraria (var. alpestris Hegetschw.). 

be-ua 

mea 

Trifolium badium Schreb. 

va-ua 

mea 

Polygala alpestris Rchb. 

va 

at 

* Gentiana verna L.*) 

ua-va 

mea 

G. obtusifolia Hoppe 

be-va 

mea 

Betonica Alopecurus L. 

be-va C, 0 

mea 

Campanula pusilla Hnke. 

ua 

aa 

C. Scheuchzeri Vill. 

ua-ma 

u 

Pliyteuma orbiculare L. 

ua-ma 

mea 

Pli . Halleri All. 

va-ua 

ak 

Galium silvestre var. austriacum Jacq. 

be-va 0 

a 

Bellidiastrum Michelii Cass.**) 

be-ua 

u 

Leucanthemum vulgare (v. heterophyllum Willd,). be-va 

cl . 

Centaurea jacea var. nigrescens Willd. 

be-va Ca! S 


Crepis parviflora Schleich. 

be C, 0 

u 

Leontodon hispidus L. 

e-ma 

u 

Achillea millef olium (var. s. alpestris Koch).’ 

e-va 

mea 

Homogyne alpina Cass. 

va 


*) Nach Schröter aber auch Skandinavien und Nordasien 
**) An felsigeren Stellen. 


92 


mea JPieracium v illos um L. (var. calvifolium). 

mea *H. alpinum L. 

mea H. staticifolium Vill. 

u Botrychium Lunaria L. 
u Aspidium Lonchitis Sw. 


va-ma 

ua-va 

va ligur. 

Apennin 

va 

va 


Feuchte, quellige Stellen (Übergang zur Hochstauden- Flur), 
a Car ex claviformis Hoppe ( glauca nahestehend), va 0 


an C. Davalliana Smith e-va 

aa C. capillaris L. * va-ma 

ak Juncus adpinus Vill. be-va 

aa Thalidrum alpinum L. va-ma W, 0 

aa Epilobium alsinefolium Vill. be-ma 

u Chaerophyllum hirsutum L. be-va 

aa Primula farinosah. be-va 

aa Bartschia alpina L. va 


mea Senecio cordifolius Gouan = S. alpinus Scop. be-va 


Von Ostermaier (1. c.) sind aufgefunden und gehören wohl hierher: 


mea 

*Agrostis alpina Scop. 

va-ma 

an 

Alchemilla alpina L. 

va 

mea 

Crepis incarnata Wulf. 

va 

aa 

Erigeron alpinus L. 

va 

mea 

Gentiana utriculosa L. 

va 

aa 

Polygonun viviparum L. 

va-ma 

mea 

Willemetia stipitata Jacq. 

va-ua C, 0 


2. Voralpine Geröll- und Blockhalde. 
Vergl. S. 91. 


1) fj. und 

aa * Juniperus nana W. 
mea Rhododendron hirsutum L. 
mea Rh. ferrugineum L. 
aa Ar cto staphylo s alpina Spr. 
aa A. uva ursi Spr. 
u *Yaccinium uliginosum L. 
a Daphne striata Tratt. 
mi f Polygala Chamaebuxus L. 


rni f Globularia cordifolia L. 

mea Rosa alpina L. 

(mea) Sorbus aucuparia var. alpestris 
aa * Salix reticulata L. 
mi f Erica carnea L.*) 

2) %: 

aa Car ex nigra All. 
mea Atragene alpina L. 


va-ua 
va-ua C, 0 
va-ua C 
va-ua 
be-ua 
e-oa 

va-ua W, 0 
be-ua Balk.- 
Apenn. 
be-ua Balk.- 
ligur. Ap. 
be-ua 
be-va 
ua-oa 
va 

ua 

va-ua disjunkt 


*) Nach Jeroscli mea; nach Christ wahrscheinlich „afrikanischen“ Ursprungs. 


93 


an Draba aizoides L, 
mea \Biscutella laevigata L. 

mi f Kerner a saxatilis Rchb. 

mi f Erysimum Cheiranthus Pers. 
ak * * Saxifraga Aizoon var. brevifolia Sternb. 
mea S. atropurpurea Sternb. 
u Antennaria dioica L. 
ak Woodsia glabella Hitcb.*) 
mea Cystopteris alpina Wulf, 
u Asplenium viride Huds. 

An feuchten, schattigen Stellen: 
mea *Cardamine resedifolia L. 
ak Selaginella spinulosa A. Br. 
ak Saxifraga atrorubeus Bertol. 


va-ea 

va-ua Mittel- 
meergeb, 
va-ua Balkan, 
Ital. 
va S, 0 

ua-oa 
va 0 

be-ma 
va-ua 0 
va-ua 
be 


va-oa 


va 

va? 0 


Von Ostermaier (1. c.) angegeben und wohl hierher gehörig: 
mea Arabis pumila Jacq. 

mi Saponaria ocimoides L. 
mea *Sempervivum montanum L. 


va-ua 

ua 

va-oa 


Anhang: 2a. Voralpine Steilwände 
Diese interessante Genossenschaft 
spätere Blaugras -Formation ergänzen, 
mi -\Silene Saxifraga L. 

mi f Potentilla caulescens L. 

mi?f Rhamnus pumila L.**) 

mi Calamintha alpina Lam. 

mi fTeucrium montanum L. 
an Euphrasia salisburgensis Funk, 
a Phyteuma comosum L.***) 
mea Artemisia nitida Bertol. 
mea Senecio abrotanifolius L. 


im Langental bei Wolkenstein, 
soll die vorhergehende und die 

he Ca! S 
Balkan, 
Apennin 
be-vaCa! N, S 
Balk.Jt., 
NAfr. 

be-vaCa! N, S 
Apenn. 
be-vaN-Afr. 
Or. 

be-va Balkan 
va Ca! N, S 
be Ca! S 
va Ca! S 
va-maC, 0 > 


3. Voralpine Hochstaudenflur (zu S. 88). 
mea Ranuncu lus montanus Willd. * be-maBalk., 

Kauk. 

*) In den Dolomiten isoliert! Sonstige Verbreitung: Spitzbergen, subarkt. Europa, 
Perm, Nordasien, kaltes Nordamerika. 

**) Nach Christ: „Pflanzenleben der Schweiz“ ist diese Pflanze ein endemisch-alpines, 
weit nach Westen und Süden ausstrahlendes Element. Sie steigt nach Schröter (S. 203) 
hoch in die Alpenregion. 

***) Von Ostermaier (1. c.) angegeben am Rueffenberg- Caserill. 


94 


u 

Aconitum Napellus (var. Tauricum ) L. 

be-ma 

mea 

Geum montanum L. 

va-ma Balk. 

u 

Geranium silv aticum L. 

be-va 

aa 

Fedicularis verticillata L. 

va-oa Balk., 
Kauk. 

mea 

Gentiana punctata L. 

va-ua 0, Balk. 

a 

Cirsium spinosissimum Scop. 

va-ma 

u 

Arnica montana L. 

be-va 

u 

Crepis paludosa Much. 

be-va 


4. Voralpine bis alpine Blaugras- Halde (Sesleria- Formation). 


an -\8esleria coerulea L. 
mi *Festuca violacea Gaudin. 


aa Carex ferruginea Scop. 
aa Hedy sarum obscurum L. 
u jHippocrepis comosa L. 
aa Astragalus alpinus L. 

mi Onobrychis montana DC. 
mi f Leontodon incanus Schrk. 
aa Aster alpinus L. 


be-oaCa! N, S 
va-oa Balk., 
Ital., 

Kl. -Asien 
va-ma 
ua-ma 
be-ma 

va-ma Südost- 
Europ. 

be-ma 

va Cal N, S 
va-ma 


B. Alpine Formationen. 

Schon ein Blick auf die baumlose alpine Region der Dolomiten läfst 
erkennen, welche Formationen hier zu erwarten sind. 

Überall grüne Matten, die sich an den Felszinnen hoch emporziehen. 
Dazwischen breite Schuttströme, mit Pionierrasen und Kräuterinseln besetzt. 
Hie und da deutet ein Braungrün in flachen Mulden auf artenarme Grün- 
moore, aus denen eine trübe Lache emporblinkt. An den im Schatten 
gelegenen, spät auftauenden Nordhängen flacher Sättel verrät ein braun- 
stichiges Dunkelgrün die Zwergstrauchformation. Und über dem allen ragen, 
in der Beleuchtung zauberhaft wechselnd, die nackten Felsen, nur spärlich 
von vegetationsgrünen Simsen unterbrochen. 


5. Alpine Grasmatte. 

Dieselbe deckt sich zum Teil mit Englers Milchkrautweide und herrscht 
in der unteren und mittelalpinen Region. 


aa 

Poa alpina L. (ß frigida) 

be-ua 

aa 

Festuca rubra L. 

e-ma 

aa 

Carex atrata L. 

ua 

an 

Nigritella nigra Rchb. 

ua ( 


N. nigra var. flava*) 


mea 

Anemone baldensis L. 

ua-ma 

mea 

Geum montanum L. 

ua 


*) Von mir nur ein einziges prachtvoll hellgelbes Exemplar aufgefunden. Dieser 
Fund deckt sich wohl mit der oberhalb Sitten, ferner bei Göschenen, Zermatt, Avers 
beobachteten var. flava Jaccard. 


95 


mi 

Trifolium noricum Wulf. 

ua-oa Ca! S, 0 
Südöstl. 
Europa 

mea 

Athamanta cretensis L. 

ma 

a 

*Gentiana nivalis L. 

ua-oa 

a (mi?) 

G.%a caujlis L. 

ua CalKarp. 
Balk., App. 

a (mi?) 

G. CXusii Perr. Song. 

ua Schiefer! 

Karp., Balk. 

a (mi?) 

Primula longiflora L. ■ 

ua-ma disjunkt 
W, 0 

Karp., Balk. 

mea 

Pedicularis rostrata L. = Jacquini Koch. 

ua 0! 

mea 

P. rosea Wulf. 

ua-ma disi unkt 
W, 0 

a 

Euphrasia picta Wimmer 

ua 

£L 

Phinanthus aristatus Celak. 



= angustifolius Gmel. 

ua U! 

aa 

*Veronica alpina L. 

ua-oa 

aa 

V. fructicans Jacq. 

ua-oa 

mea 

Horminum pyrenaicum L. 

be-va disjunkt 
C, 0 

mea 

Scabiosa lucida Vill. 

ua-ma 

aa 

Saussurea alpina DC. 

ua-oa 

aa 

Erigeron neglectus Kern. 

ua-ma 

mi 

Achillea Clavennae L. 

ua Ca! N, S 
Balk. 

mea 

Crepis aurea Cass. 

ua 

mi 

Scorzonera aristata Ramb. 

va-maO,Balk., 

Ital. 

a 

Hypochoeris uniflora Vill. 

va-ma 

mea 

Hieracium villosum L. 

va-oa 

mea 

H. glaciale Lachen. 

ua-ma 0 


Hierher auch die von Ostermaier angegebenen: 


mea 

Hieracium Schraderi Schleich. 

ma 

und 

0, Tirol 
Tauern 

a 

II. Hoppeanum Schult. 

ma 

C,0 

mea 

Pedicularis tuberosa L. 

ua 


mea 

P. recutita L. 

P. erubescens Kern. (= rostrata x tuberosa). 

ua 


mea 

Ranunculus Thora L. 

ua 

C, 0 

a 

R. Phtora Crtz. 

ua 

0 


6. Alpine Lachen und Moore. 

Diese Formation tritt in dem höheren Teil der Kalkalpen sehr zurück 
und findet sich nahe der Franz-Schlüterhütte besonders in muldenförmigen 
Vertiefungen an den Osthängen des Peitlerkofels. 

Nach Eriophorum Scheuchten und Trichophorum alpinum wurde ver- 
geblich gesucht, während letzteres auf der benachbarten Seiser-Alp häufig ist. 

* 


96 


aa 

Carex capillaris L. 

va-oa 

u 

C. Oederi Ehrh. 

va-ua 

ak 

Scirpus caespitosus L. 

be-ma 

aa 

Junens triglumis L. 

ua-oa 

ak 

Kobresia caricina W. 

ua-ma 


7. Zwergstrauch -Formation 

(Englers Formation der Zwergazalea und Mutternwiese). 

Sie ist besonders entwickelt auf einer Urgesteinschicht (Tonschiefer) 
in der Nähe des Kreuzkofeljoches (2400 m). Ein feuchter, kalter Unter- 
grund , einesteils durch die wasserhaltenden Schieferfugen, anderenteils 
durch späte Schneeschmelze, läfst eine reiche Humusschicht aus Horst- 
und Polsterbildnern zu. 

Die Feuchtigkeit findet Ableitung in eine flache Mulde, die sich gegen 
die Hütte hinzieht und gibt dort Gelegenheit zur Entwickelung einer 
alpinen Schneetälchen- und Hochstaudenflur. 


1. Holzgewächse: 

aa Loiseleuria procumbens Desv. ma 

aa Dryas octopetala L. ma 

at * Salix retnsa L. ma 

aa *S. herbacea L. ua-oa 

aa *S. reticulata L. ua-oa 

mea Veronica fruticulosa L. ua 

2. Grasartige: 

at *Avena versicolor Vill. ma 

mea *Sesleria disticha Pers. ma C 

aa *Juncus trifidus L. ma 

mea *J. Jacquinii L. oa 

aa *Luzula spadicea DC. ma 

aa L. spicata DC. ma 

3. Kräuter: 

ak *Pot entilla aurea L. ua 

mea Anemone alpina var. sulfurea L. va-ua 

a Alsine Ger ar di Wahlbg. (alpine Form der vernd) ua Ca! N, S 
ak Arenaria ciliata L. ma Ca! 

mea Ligusticum Mutellina (L.) Crtz. ua 

mea ’* Primula minima L. ua-oa 0 

mea * Phyteuma hemisphaerium L. ma 

ak *Gnaphalium carpaticum Wahlbg. ma-oa 

an Campanula barbata L. va-ma 

aa *0. Scheuchzeri Vill. ma 

mea *Veronica bellidioides L, ua-oa 

ma * Senecio incanus L. oa 

a Achillea oxyloba F. Schult. ma 0 


Hierher wohl auch die von Ostermaier (1. c.) angegebenen, auf Ur- 
gestein (U!) vorkommenden: 


97 


ak 

Gnaphalium norvegicum Gunn. 

va-ua 

a 

* Phyteuma humile Schleich. 

ma W, 0 

mea 

Soldanella pusilla Baumg. # 

ua 

a 

Sempervivum Wiäfeni Hoppe 

ua-ma W, 0 

an 

* Anemone vernalis L. 

ua-oa 

aa 

Astragalus alpinus L. 

ua-ma*) 

aa 

Phaca frigida L. 

ua 

8. 

Alpine bis hochalpine Seggenmatten und begraste Felsbänder 
(Englers Seggenformationen und Borstgras -Wiese z. T.). 

Sie finden sich an den steileren Hängen zwischen 

2400 und 2700 m. 

mea 

Carex firma Host 

ua-oa Ca! 

ak 

Chamaeorchis alpina Rieh. 

va-ua 

a 

Tofieldia calycidata var. glacialis Rchb. 

ua-ma 

mea 

Oxytropis montana DC. 

ua-ma Ca! S 

an 

Helianthemum alpestre Rchb. 

be-maCa! N, S 
Karp , ßalk., 
Kl.-As. 

mea 

*Androsace obtusif olia All. 

ua-oa 

a 

Gentiana imbricata Fröl. 

ua-oa 0 

mea 

G. prostrata Hke. 

ua-oa 0 

a 

G. nana Wulf.**) 

ua-oa 0 

aa 

*6r. tenella Rottb. 

ua-oa 

mea 

Armer ia alpina W. 

be-maCa! S 

a 

Valeriana saxatilis L. 

va-ua C, 0 

mi 

Calamintha alpina Lam. 

be-maN, Afr. 
Or. 

a 

Paeder ota Bonarota L. 

be-ma 

a 

Phyteuma Sieberi Spreng. 

va-maCa! S,0 
Dolomiten 

mea 

Senecio Doronicum L. 

ua-ma 

mea 

Centaurea plumosa Lam.***) ■= nervüsa W. 

ua-va 

at 

*Leont.op odium alpinum L. 

ma-oaCa! N, S 

Hierher wohl auch die von Ostermaier (1. c.) angegebenen: 

mea 

Phyteuma pauciflorum L. 

va-oa 

aa 

Androsace chamaejasme Host 

va-ma 

aa *Potentilla Crantzii G. Beck 

9. Alpine Gesteinsfluren. 

Gräser : 

ma-oa 

aa 

Ply na spie ata Schrad. 

ma 

a 

Sesleria sphaerocephala And. 

ma Ca! S 

a 

*$. ovata Kern. 

ma C, 0 

mea 

*Agrostis rupestris All. 

ma 

aa 

Poa alpina L. 

ma 


*) Nach Schröter (1. c. S. 372) von Salzburg westwärts! 
**) Nach Wettstein auch Himalaya- Tibet. 

***) Schwerpunkt im S. Osten. 


98 


2. Kräuter: 



a) Felspflanzen. 



1. Flachpolster. 


aa 

*Silene acaulis* L. 

ma-oa 


2.. Kugelpolster. 

- 

mea 

*Cherleria sedoides L. 

ma-oa 

mea 

Saxifraga caesia L. 

ua-ma 0! 


Apenn. 


3. Rosettenpflanzen. 


mea 

* Draba tomxntosa Wahlbg. 

ma C, 0 

a 

D. Sauteri Hoppe 

ma 0, ende- 


misch 

mea 

* S'empervivum arachnoideum L. 

C,S 

a 

Potentüla nitida L. 

ma-oaCa! S 


a Kernera alpina Prantl. — Rliizobotrya alpina Tausch ua-m Dolo- 
miten! 

b) Schotterpflanzen. 

1. Schuttstrecker. 

Diese arbeiten sich durch den lockeren Schutt mittels Streckens 
aufrechter Organe. 

aa *Oxyria digyna Hill. va-oa 

mea Sedum atratum L. ua-ma 


2. Schuttwanderer. 

Sie senden aus dem Wurzelhals Triebe über die Schuttdecke und 
bilden dort Blätter und Blüten. 

mea *Thlaspi rotundifolium Gaud. ma-oa 

at? Moehringia polygono'ides Mert. et Koch ma 


3. Schuttdecker. 

Sie bilden niedere Rasen aus niederliegenden, wurzelnden Zweigen, die 
blütentragenden Zweige kurz aufrecht (Rasen -Inseln). 

aa * Saxifraga oppositifolia L. ua-oa 

mea G-ypsophila repens L. va-ma 


4. Schuttüberkriecher. 


Sie liegen mit schlaffen, beblätterten Achsen 
bilden Übergänge zu den Schuttstreckern, 
ak *Arabis alpina L. 
mea *Linaria alpina L. 
an * Cerastium uniflorum Murith. 
subacaule f. glandulifera. 


auf dem Schutt und 

va-oa 

va-oa 

ma 


5. Schuttstauer. 

Sie bilden Horste, welche den beweglichen Felsdetritus stauen, 
a ■* Hutchinsia brevicaulis R. Br. oa W, 0 

an *ZT. alpina Glaab. ma 


99 


mea 

*Saxifraga aphylla Sternb. 

ma C, 0 

an 

*S, androsacea L. 

va-oa 

mea 

S. muscoides Wulf. 

va-ma 

a 

S. sedoides L. 

ua-ma 0 

mea 

mea 

mea 

*Alsine recurva ? Wahlb. 

*Papaver pyrenaicum Heg. et Heer 

Crepis Jacquini Tausch 

Dolomiten 

va-ma 0 

at 

Saussurea discolor DC. 

ma Ca! S 

mea 

Leontodon Taraxaci Loisel. 

va-oa 


Hierher wohl auch die von Ostermaier angegebene Rosettenpflanze: 
alt * Praha carinthiaca Hoppe ma 


Formation der Schneetälchen und Schmelzwässer. 

Diese Formation ist abhängig von einer gewissen spätsommerlichen 
Feuchtigkeit. Sie findet sich überall da, wo an Nordhängen oder in 
schattigen Runsen sich Schneemassen bis zum Sommer erhalten konnten 
und ist deshalb in der oberalpinen Region in der Nähe abschmelzender 
Schneeflächen, in der mittel- und unteralpinen auf schattigen, flachmuldigen 


Matten der Nordhänge zu finden, 
mea Ranunculus alpestris L. ua-ma 

mea R. pyrenaeus L. ua-ma 

mea Arabis pumila Jacq. va-ua 

mea A. coerulea Hke. ua-oa 

aa Viola biflora L. be-oa 

aa Epilobium alsinefolium Vill. be-ua 

a '*G entiana bavarica var. imbricata Schl. ua-oa 

at Veronica aphylla L. ua-oa 

aa *V. alpin a L. ua-oa 

aa Pedicularis verticillata L. ua-ao 

ak * Leontodon pyrenaicus Gouan ua-oa 

aa Homogyne discolor Cass. ua 0 

ak *Gnaphalium supinum L. ua-oa 

aa *Erigeron uniflorus L. ua-oa 

Hierher auch die von Ostermaier (1. c.) angegebenen: 

aa *Saxifraga androsacea L. va-oa 

mea Soldanella alpina L. va-ma 


Als Anhang möge hier noch folgen, nicht als Formation (subnivaler 
Fels), sondern infolge des Interesses, welches jeder Hochgipfelflora entgegen- 
zubringen ist: 

Gipfelflora des Peitlerkofels (2877 m) 

a Sesleria sphaerocephala Ard. 
mea * Car ex curvula All. 
mea *C.firma Host 

a * Salix retusa var. serpyllifolia Scop. 
ak * Silene . acanlis L. 
a *Cerastium uniflorum Murr. 


ma-oaCa! S 

ma-oa 

ma-oaCa! 

ma-oa 

ma-oa 

ua-oa 


100 


a Draba Sauteri Hoppe 

mea *Cherleria sedoides L. 

a Papaver pyrenaicum Heg. und Her. 
mea *Hutchinsia brevicaulis Hoppe 
a *Potentilla nitida L. 
mea * Saxifraga aphylla Sternbg. 


oa 0 

endemisch! 

ua-oa 

ua-oa Ca! C, S 
ma-oa 
ua-oa Ca! S 
ua-oa C, 0 


Am Schlufs kann ich mir nicht versagen, eine übersichtliche Zusammen- 
stellung der Gesamtresultate zu geben und daraus einige wohl zulässige 
Schlüsse zu ziehen. 

In Anteil -Prozenten. 



Formationen 

Gesamt- 

Arten 

Ubiquisten 

mitteleurop.- 

alpin 

alpine 

Elemente 

alpin- 

nordeurop. 

arktisch- 

altaisch 

arktisch 

altaisch 

Mittelmeer- 

Elemente 

durch die 

Alpenkette 

östl. und 

sftdl. Alpen 

nival 

praealpin 



Grasfluren (mittelfeucht). 







ö 

Grasflur 

44 

33 

31 

12 

3 

14 

3 

1 

2 

84 

16 

9 

-J| 

© 

Hochstaudenflur . 

9 

40 

40 

10 

■— 

10 


— 

.;-||| 

88 

22 

— 

-g 

.2 

Grasmatte .... 

33 

E$SS 

42 

22 

3 

21 

3 


10 

67 

33 

7 

— 

S < 

Seggenmatte . . . 

21 

— 

38 

29 

5 

13 

5 

5 

5 

62 

38 

20 

— 


Gesteinsfluren (trocken). 



Blaugrashalde . . 

9 

11 

— 

— 

11 

45 

' — . 


33 

22 

78 

H 

30 

’Ph 

Ü * 

Blockhalde h . . . 

30 

10 

36 

4 

3 

17 

13 

— 

17 

71 

29 

17 

20 


Steilwände .... 

9 

— 

22 

11 

11 

— 

— 

— 

56 

100 

— 

11 

40 

Ö 

Gesteinsfluren . . 

34 


48 

20 

9 

15 

6 , 

6 

% 

70 

30 

56 

M 

5 ] 

| Gipfelflora .... 

12 

— 

42 

50 

— 

•— : 

8 

— 

— 

67 

33 

75 



Feuchte und kühle Formationen. 


feucht 

voralpin 

Grasflur (Grünmoor) 

10 

10 

10 

10 

10 

30 

10 

— 

Pk 

80 

20 

— 

-M 

Lachen und Moore . 

5 

20 

. — 


Ha 

40 

40 

-J| 

— 

100 

— 

— 

— 

3-| 

Z wergstrauchform. 

32 

— - 

31 

13 

6 

31 

13 

6 


90 

10 

56 

— 

:pf ft ( 
^ o3 

Schneetälchen . . 

16 

— 

32 

12 

— 

38 

12 

6 

g- 

100 


43 



101 


Ich bin mir beim Ableiten der Resultate aus dieser Zusammenstellung 
wohl bewufst, dafs diese floristische Studie bei der Kürze der Sammelzeit, 
bei der Kleinheit des Gebietes, bei der vorgeschrittenen Jahreszeit (Fehlen 
der Frühjahrspflanzen), vor allem auch bei der bedingten Berücksichtigung 
der teils abgeblühten Gräser und Seggen, nur lückenhaft sein kann. 
Trotzdem erscheinen mir einige Resultate nicht ohne Wert und eröffnen 
einige Gesichtspunkte für die Abgrenzung der Formationen nach 
geographischen Elementen. 

Eine Pflanze wird im allgemeinen möglichst diejenige 
Formation besiedeln, deren oekologische Faktoren ihrem geo- 
graphischen Verbreitungsareal nahe kommen. 

Es müssen sich deshalb interessante Beziehungen zwischen Formation 
und Areal auffinden lassen. 

Bei den von M. Jerosch berücksichtigten 420 Phanerogamen der 
schweizerischen Flora fanden sich folgende Prozentzahlen für die einzelnen 
geographischen Elemente: 

Ubiquisten 7,4%, mitteleuropäisch -alpin 37,6 %, Alpenelement 
15,4%, alpin -nordeuropäisches Element 4,3 %, arktisch- altaisches 
Element 22,5%, arktisches Element 8,2 %, altaisches Element 4,8 %. 

Daraus ergibt sich für die Betrachtung unserer Resultate, dafs das 
mitteleuropäisch-alpine Element, als das häufigste, auch bei unserem 
Gebiete den gröfsten Raum einnehmen wird und für unsere Betrachtungen 
von wenig Belang ist. 

Die angeführten Formationen: Hochstaudenflur, Blaugrashalde, sub- 
alpine Steilwände und Lachen und Moore sind so lückenhaft, dafs bei 
ihnen auf die gewonnenen Zahlen nur geringes Gewicht zu legen ist; trotz- 
dem sind auch diese Zahlen nicht ohne Bedeutung. 

Unter diesen Gesichtspunkten dürfen wir (für unser Exkursionsgebiet) 
folgende Sätze ableiten: 

1. Das Ubiquisten-Element findet sich nur in den voralpinen 
Formationen. 

2. Das alpine Element häuft sich in den alpinen Formationen 
und erscheint am reichsten in den hochalpinen Seggenmatten 
und der Gipfelflora. 

3. Das arktisch-altaische Element häuft sich in den mittel- 
feuchten Grasfluren, tritt zurück an den sonnigen Felsen und 
erreicht die höchsten Zahlen in den feucht- kühlen Forma- 
tionen. 

4. Für das arktische Element gelten, wenn auch nicht so aus- 
gesprochen, ähnliche Verhältnisse. 

5. Das Altai-Element tritt in den voralpinen Formationen sehr zurück. 

6. Das Mittelmeer-Element ist in den feucht-kühlen Formationen 
nicht vertreten, es erreicht seine höchste Entwickelung in den 
voralpinen Gesteinsfluren, ist noch vorhanden in den alpinen 
Grasmatten und fehlt gänzlich auf den alpinen Felsfluren. 

Damit hängt logisch zusammen die Verteilung östlicher und südlicher 
Alpenpflanzen in den Formationen: 

7. Die Pflanzen mit süd- und ostalpiner Verbreitung sind in 
den feucht-kühlen Formationen selten und häufen sich in den 
voralpinen Gesteinsfluren und alpinen Matten. 


102 


8. Die voralpinen Formationen und die alpine Grasmatte 
senden nur wenig Arten in die Nivalregion. Dagegen sind 
die alpine Gesteinsflur, sowie die kühlen Formationen am 
Aufbau der Nivalflora besonders beteiligt. 

9. Die „präalpinen“ Elemente sind beschränkt auf die vor- 
alpinen Gesteinsfluren. 

Ich glaube, mit den hier niedergelegten Schlüssen nicht zu weit 
gegangen zu sein und möchte nur wünschen, dafs ich noch reichlicheres 
Material hätte verarbeiten können. 

Bei Zusammenstellung dieser Arbeit ist mir so recht zum Bewufstsein 
gekommen, welch grofse Lücken in der Durchforschung der Alpenflora 
noch bestehen, zumal in der „formationsgemäfsen“ Darstellung der- 
selben*). Besonders fühlbare Lücken zeigt trotz der häufigen Besteigungen 
die hochalpine Flora — und gerade die Pflanzen dieser Region er- 
scheinen mir von hoher Bedeutung für die Wiederbesiedelung der Alpen 
nach dem Schwinden der eiszeitlichen Vergletscherungen. Darf man doch 
annehmen, dafs die noch heute bis in die Nivalregion vordringenden Ge- 
wächse befähigt waren, an eisfreien Graten und schneefreien Steilhängen 
der vernichtenden Wirkung der Eiszeit zu trotzen. Sie werden hier 
Refugien im Kleinen gebildet haben, wie sie die warmen Hänge der Süd- 
und Ostalpen und der Gran Paradiso dereinst im Grofsen zeigten. 

Alle diejenigen, welche, mit Mut, Ausdauer und Kraft ausgerüstet, einen 
„Viertausender“ nicht scheuen, können an der botanischen Durchforschung 
der Nivalregion mitarbeiten. Dies sei besonders den Mitgliedern alpiner 
Vereine zugerufen! Wie schnell ist vom Felsgrat, von steiler Wand, vom 
Moränenschotter ein Pflänzlein gelöst und in der Joppentasche geborgen; 
wie leicht ist diese Beute als „Muster ohne Wert“-Packet mit Angabe des 
Ortes und der ungefähren Höhenlage einem Kundigen zugesendet! 

Möchte dieser Ruf bei allen bergfrohen Mitgliedern auch unseres 
Vereines nicht unbeachtet verhallen! 


*) Vorbildlich erscheint mir in letzterer Beziehung für eng umschriebene Gebiete 
G. Beck: Flora vom Herrnstein in Niederösterreich. 


X. Graphische Bestimmung der Achsen 
des schielen elliptischen Kegels. 

Von J. Ph. Weinmeister. 

Mit 3 Abbildungen. 


Im folgenden soll die Aufgabe der Achsenbestimmung zunächst 
analytisch gelöst und dann das Ergebnis geometrisch gedeutet werden. 
Die Basisellipse (Mittelpunkt 0) habe die Halbachsen a , &, die auf das 
Achsensystem der Ellipse bezogenen Koordinaten des Höhenfufspunktes 
H seien p, q (beide positiv); endlich sei die Höhe 8 II = h. Sind nun 
P v P 2 , P 3 die gesuchten Spurpunkte der Kegelachsen in der Basisebene, so 
hat das Dreieck P 1 P 2 P 3 den Punkt H zum Höhenschnittpunkt, und es ist das 
Produkt aus den Abschnitten einer jeden Höhe = li 2 . Man kann daher 
auch sagen, dafs P 1 P 2 P 3 ein Polardreieck des Kreises um H mit dem 
Radius hi sei. Da es aber aufserdem ein Polardreieck der Basisellipse 
ist, so kann man die Aufgabe in folgender Fassung auf die Ebene über- 
tragen : 

Es soll das gemeinsame Polardreieck der Kurven mit den 
Gleichungen 

(x — pf -j- (y — q ) 2 -\- h 2 = 0 un d x 2 b 2 + y 2 a 2 — a 2 b 2 '= 0 
gesucht werden. 

Die Koordinaten des einen Punktes P seien x\ y\ Dann müssen 
folgende Gleichungen identisch sein: 


(1) 


* (*' — p) + y W — i) =p%' + iy' —f — r — w 

xx f b 2 + yy f a 1 = a 2 b 2 , 


oder die Werte x\ y f müssen folgende Gleichungen befriedigen: 


x — p y — q px - f- qy — p 2 — q 2 — h 2 

xb 2 ya 2 a 2 b 2 


Eliminiert man y , so erhält man für x die kubische Gleichung: 

/ox x 3 e 2 p — x 2 \a 2 e 2 + p 2 (a 2 + e 2 ) -f- q 2 (b 2 -f- e 2 ) h 2 e 2 ] 

^ + oca 2 p ( a 2 + e 2 + p 2 -f- q 2 + h 2 ) — alp 2 == 0. 

Dies wäre die analytische Lösung der Aufgabe. Um nun die 
Punkte Pj P 2 P 3 durch Zeichnung zu erhalten, suchen wir zwei Kegel- 
schnitte, die sie als Kurvenpunkte enthalten. Da sich nun aber zwei 
Kegelschnitte in vier Punkten schneiden, so mufs sich aufser den gesuchten 


104 


Punkten noch ein vierter und zwar falscher Schnittpunkt F ergeben. Die 
Kegelschnittsgleichungen entnehmen wir aus (2) in der Form 
= xye 2 -f- xb 2 q — yct 2 p — 0 

(4) $ 2 = (x — p) a 2 — x (px + qy — p 2 — q 2 — li 2 ) == 0 

==• (y — q.) b 2 - y {px + qy — p 2 — - h*) = 0. 

Diese Kurven sind offenbar Hyperbeln und zwar sind 

die Koordinaten des Mittelpunktes M von 

a 2 b 2 

(5) 

Multiplizieren wir die Gleichungen (4) mit den unbestimmten Parametern 
«, ß, y, so erhalten wir in 

(6) a ^ -f- ß «g) 2 -j- y — 0 

die Gleichung eines Netzes von Kegelschnitten, die sämtlich durch die 
Punkte P gehen. Von diesen kann man zwei beliebig wählen. Es empfiehlt 
sich zunächst = 0 zu nehmen wegen der Einfachheit der Gleichung 
und der Abwesenheit der Gröfse h. Als zweiten Kegelschnitt wählen wir 
den Kreis ^ = 0. Für denselben ist: 


<?> 

Man erhält: 


: e‘ 


ß = 1 : p y—l \ q. 


( 8 ) 


® = ar 2 + i/ 2 x ■ ~ ( p 2 + q- + e‘) + yM (r + «* — « 2 ) 


r fo»+b*-h*d-.+^iw 

\J3 q) 


0. 


Variiert /&, so beschreibt ^ = 0 ein Kreisbüschel mit der gemeinsamen 

OC XI 

Sekante — -4- — == 0. Diese Gerade schneidet die Hyperbel © 1 = 0 im 

. p q 


Koordinatenanfang und im Punkte x—p 


a 2 4- b 2 


y — — q 


a 2 -p b 2 


e* " 

Diese Werte befriedigen aufserdem = 0, aber nicht «£) 2 = 0 und — - 0. 

Daher ist dieser Punkt der falsche Schnittpunkt F. 

a 2 + b 2 
( 1 — 


^2 * ^2 

( 9 ) Koordinaten des Punktes F: x=p — 4 ^ — , y — 


Fi g. 1. 



105 


Zeichnung. 

Der Punkt F. H' sei der Spiegelpunkt von H in Beziehung auf 
die sc- Achse. Dann liegt F auf OH', und zwar ist 
OF : OH' = a 2 -f b 2 :a 2 — b 2 . 


Die Hyperbel H ± — 0. Aus (5) und (9) ergibt sich, dafs ihr Mittel- 
punkt M die Verbindungslinie HF halbiert. Die Asymptoten sind den 
Koordinatenachsen parallel. Weiter geht die Hyperbel durch die Punkte 
H und 0. Es sei bemerkt, dafs sich dies von vornherein ergibt. Ist 
nämlich h = 0, so entartet der Kegel, und es fällt seine Spitze S mit H 
zusammen. Ist andererseits 7/ = oo, so entartet dieser schiefe elliptische 
Kegel zu einem geraden elliptischen Zylinder, und es liegt die Projektion 
von S in 0. 

Das Kreisbüschel' U = 0 bei variierendem h. 


Die gemeinsame Sekante ist OH'. Auf ihr liegt der Schnittpunkt F. 
Für den anderen Schnittpunkt G ergibt sich aus dem Absolutglied der 
Kreisgleichung OG • OF ~ a 2 -(- b 2 . Auch ist OG-OH' = e 2 . 
Koordinaten des Schnittpunktes G: 


(10) 


x =■ p 


p 2 + q 1 


y= — Q 


a 2 — b 2 
p 2 -f- q 2 


Man kann das Büschel auch noch auf andere Art bestimmen. Für 
li— 0 ergibt sich die eine Kegelachse als das in H auf die Ebene er- 
richtete Lot. Die beiden anderen sind die auf einander senkrechten 
Harmonikalen des Punktes H. Man erhält sie bekanntlich, indem man 
die Winkel der Brennstrahlen dieses Punktes halbiert. Schneidet man 
dieselben durch die Polare von H, so erhält man das *Polardreieck für 
den Fall h = 0. Der ihm umgeschriebene Kreis ergibt das Büschel. 


Der Kreis ^ = 0. 


Sucht man die Potenz des Punktes M für diesen Kreis, so erhält 

+ 7i 2 ) = — {MW + W) — — MS\ 

M liegt also innerhalb des Kreises. Man trage auf MH von M aus 
die Länge MS 2 : MF ab und erhält so den zweiten Schnittpunkt des 
Kreises mit FM. 


man 


q 2 a A i_p 2 b 


Die reziproke Polare der Hyperbel = 0 für die Ellipse ist 
ein Kegelschnitt, dem sämtliche Polardreiecke, die man durch Variieren 
von li erhält, anbeschrieben sind. Da die Hyperbel durch 0 geht, mufs 
dieser Kegelschnitt eine Parabel sein. Sie mufs aufserdem die Achsen 
berühren, also geht ihre Direktrix durch 0 und ebenso durch H. Der 
Brennpunkt liegt auf allen den Dreiecken umgeschriebenen Kreisen, also 
ist er einer der Schnittpunkte des Büschels. Er ist Punkt G. 

Man setze in die linke Seite der Gleichung (3) im Hinblick auf die 

Punkte 0, H, M für x die Werte ein: 0, p*p -f- oo, so erhält man der 

Reihe nach — a 4 p 2 , -)- h 2 p 2 b 2 , — a 4 b 2 p 2 q 2 : e 4 , + oo. 

Hiernach liegen die Punkte P 1 und P 2 auf dem Hyperbelast durch 
0 und H, und zwar liegt P 1 zwischen 0 und H, P 2 auf der Verlängerung 
des Bogens OH über H hinaus. P 3 gehört dem anderen Hyperbelast an. 


106 


Ferner mufs von den drei Punkten einer im Innern der Ellipse liegen, 
die beiden anderen liegen aufserhalb. 

Ihre Koordinaten seien x v y x ; x 2 , y 2 \ a? 8 , y s . Dann gelten die Gleichungen 

x i x 2 | Vi V-2 i x 2 x s | y 2 y% i x s x ± ■ i y& y^ i 

a 2 "t" b 2 a 2 “D h 2 a 2 ^ b 2 


Hieraus ergibt sich: 




X l) ( X 2 ~~ X l) ^ 

2/2 2/3 a 2 


Da nun a 3 >aq, x 2 > x 1 , ?/ 2 >0, 2/3 < 0, 


so ist 



yl_ 

b 2 


d. h. der Punkt P 1 liegt innerhalb der Ellipse. 
Wir unterscheiden nun zwei Fälle. 


0 , 


I. P sei innerhalb der Ellipse gegeben (Fig. 2). 

Die Polare von P für die gegebene Ellipse schneide die Hyperbel 
= 0 in den Punkten 2 und 3, und zwar gehöre 2 dem Ast durch P , 
3 dem anderen Ast an. Dann sind P, 2 und 3 die Anfangslagen der 
Punkte P x , P 2 , P 3 , d. h. für den Fall h = 0. Wächst nun h bis in das 
Unendliche, so durchläuft P 1 den Bogen von P bis 0, während sich P 2 
und P 3 im entgegengesetzten Sinn auf ihren Ästen in das Unendliche 
bewegen. 

II. H sei aufserhalb der Ellipse gegeben (Fig. 3). 

Die Polare von H schneide die Hyperbel im Punkt 1* innerhalb der 
Ellipse und im Punkt 3 aufserhalb. Dann sind 1, P, 3 die Anfangslagen 
der Punkte P v P 2 , P 3 . Wächst nun wieder h bis in das Unendliche, so 
durchläuft P, den Bogen 1,0; P 2 und P 3 bewegen sich im entgegen- 
gesetzten Sinn von P, bezw. 3 aus*auf ihren Ästen in das Unendliche. 



Der besondere Fall q = 0, d. h. es liege P auf der Haupt- 
achse der Ellipse. Alsdann zerfällt |q = 0 in seine Asymptoten: 
y — 0 und x —pa 2 : e 2 . Dieser Wert von x mufs eine Wurzel der Gleichung (3) 
sein. In der Tat verwandelt sich diese für q — 0 in: 

(x —p °^j • [x 2 — ~ (p 2 + a 2 -f- h 2 ) -f- = 0. 

Die hieraus fliefsende quadratische Gleichung läfst sich auch in 
folgender Form schreiben: 


107 


(11) (a + x) 2 : (a — xf = (a + pf + : ( a — Pf + ^ 2 . 

Die Gleichung für y erhält man aus der Gleichung (3) durch Ver- 
tauschung der Werte x, p, a bezw. mit y, q , b. Sie lautet: 

_ ytqe* _ y* W (&■ - e *) + (a 2 - e 2 ) - e 2 (b 2 + 7* 2 )] 

^ + yb 2 q (p 2 + q 2 + b 2 — e 2 + h 2 ) — Wq 2 = 0. 

Setzt man in dieser Gleichung q = 0, so werden alle Glieder zu Null, 
mit Ausnahme des Koeffizienten von y 2 . Wir setzen ausdrücklich fest: 
p 2 (a 2 — e 2 ) ^ e 2 (b 2 h 2 ). Es wird dann eine Wurzel der Gleichung (12) 
unendlich grofs, die beiden anderen werden Null. 

In der Tat ist in diesem Fall die Ebene durch S und die Ellip’Sen- 
hauptachse eine Symmetrie -Ebene des Kegels. Wir erhalten die eine 
Achse als Lot in S auf die Ebene (x=pa 2 :e 2 , y = oo). Die beiden 
.anderen Achsen liegen in dieser Symmetrie-Ebene und halbieren die 
Winkel der Kegelachsen. Dies stimmt überein mit der Gleichung (11). 

Endlich sei q — 0 und p 2 (a 2 — e 2 )=e 2 (b 2 + h 2 ). 

Dann wird Gleichung (12) identisch, man erhält unendlich viele Achsen, 
der gegebene Kegel ist ein Umdrehungskegel. Um für diesen Fall den 
•Grt des Punktes S in der Symmetrie -Ebene zu erhalten, setze man in der 
zweiten Bedingungsgleichung 

01 p = x und h = y. 

Die Ortsgleichung für S *vlrd 

x 2 y 2 _ 

d. i. eine Hyperbel, die die Ellipsenbrennpunkte zu Scheiteln und die 
Ellipsenscheitel zu Brennpunkten hat, ein aus der Dandelinsclien Theorie 
wohlbekannter Satz. * 

Es sei noch kurz auf die übliche Konstruktion der gemeinsamen 
Polaren* zweier Kegelschnitte hingewiesen, wenn diese weder vier reelle 
Punkte, noch vier reelle Tan'genten gemeinsam haben. 

Sind zwei Kegelschnitte K ± und K 2 gegeben, so kann man jedem 
Punkt P der Ebene ein^n Punkt Q eindeutig zuordnen, indem man fest- 
setzt, dafs PQ von K ± harmonisch geteilt werde, und auch von K 2 . Man • 
findet hiernach Q , indem man die beiden Polaren von P zum Durchschnitt 
bringt. Nun durchlaufe P die Gerade P, deren Pol für K x mit A 1 und 
für K 2 mit A 2 bezeichnet 'gein^möge. Alsdann beschreiben die Polaren 
von P zwei projektive Strahlbüschel mit den Scheiteln A 1 und A 2 ; der 
Ort des Punkts Q ist somit ein Kegelschnitt durch A 1 und A 2 . Es sei 
weiter 0 die eine Ecke des beiden Kegelschnitten gemeinsamen Polar- 
dreieckes und es schneide seine Gegenseite die Gerade L in dem Punkt P. 
Gelangt nun P beim Durchlaufen der Geraden L nach P, so sind seine 
Polaren A ± 0 und A 2 0 , also liegt der Punkt Q in 0, wenn P in P liegt, 
d. h. der L zugeordnete Kegelschnitt geht durch die eine Ecke des 
gemeinsamen Polardreieckes; natürlich geht er dann auch durch die beiden 
anderen Ecken. Sonach entspricht allen Geraden der Ebene ein Netz von 
Kegelschnitten, das dem gemeinsamen Polardreieck der beiden gegebenen 
Kegelschnitte umgeschrieben ist. 

Sind also zwei Kegelschnitte gegeben, und soll deren gemeinsames 
Polardreieck bestimmt werden, so nehme man zwei beliebige — oder besser 
zwei zweckentsprechende — Gerade und bestimme deren zugeordnete 


108 


Kegelschnitte. Von deren vier Schnittpunkten entspricht der eine dem 
Schnittpunkte der beiden Geraden, die übrigen drei sind die Ecken des 
gesuchten gemeinsamen Polardreieckes. 

Wir wollen nun dies synthetische Ergebnis auf unsere analytische 
Lösung übertragen. 

Wir wählen die Gleichungen der beiden Polaren (1). Darnach entspricht 
jedem Punkt x\ y ' ein Punkt x, y. Letzteren lassen wir die Gerade 
xu + yv = w durchlaufen. Dann erhalten wir für den Ort des Punktes x f , y' 
die Gleichung: 

x—p y — q px -\- qy — p 2 — q 2 — Ji 2 
xb 2 ya 2 a 2 b 2 —0 


U V w 

oder tQjiu — b 2 fQ 2 v -j- = 0. 

Hiernach entspricht der Hyperbel «gq die Gerade w = 0, d. h. die 
unendlich ferne Gerade, der Hyperbel «£) 2 die Gerade y = 0 (die Ellipsen- 
hauptachse) und der Hyperbel die Gerade x = 0 (die Ellipsenneben- 
achse). Welche Gerade entspricht nun dem Kreis? Dann ist nach (7) 

w = (— 4- : e 2 v — — — u = - es ist also die Gerade 

\p q) pb~ _ qa 2 

^ = Dies ist aber die Polare des Punktes x — 6 — ^ 

qa J pb 1 pqe * p 2 -\- q 2 

0 G~ 

y— g— — 2 (10), also entspricht dem Kreis die Ellipsenpolare des 

P “r Q. 


Punktes G. 


Geschichtliches. 


' Während man früher in der Geometrie nur den Kreiskegel behandelte, 
ist es das Verdienst von Desargues gewesen, zuerst auf den allgemeinen 
Kegel zweiten Grades hingewiesen zu haben. Hiermit lag zugleich die 
Aufgabe vor, diesen Kegel in einem Kreis zu schneiden, oder, was ziemlich 
auf dasselbe herauskommt, seine Achsen zu bestimmen. Man verkannte 
• nicht die Schwierigkeit dieses Problems, und somit gelangte dasselbe zu 
einer gewissen Berühmtheit. Es wurde zuerst von Descartes gelöst. Die 
ersten synthetischen Lösungen aber gab Chasles in seinem Apergu historique, 
allerdings ohne Beweis. * 

Die erste Lösung von Chasles ist folgende: Man lege durch die 
Hauptachse der Ellipse eine zur Ellipsenfläche senkrechte Ebene und 
konstruiere in dieser die Hyperbel, die die Ellipsenbrennpunkte zu Scheiteln 
und die Ellipsenscheitel zu Brennpunkten hat. Nun stimmt der Kegel, 
der diese Hyperbel zur Basis und die Spitze des gegebenen Kegels zur 
Spitze hat, in den Achsen mit dem letzteren überein. Zum Beweis sei 
folgendes bemerkt: Es ist Chasles’ Verdienst, die Fokal eigenschaften der 
Kegelschnitte auf die Flächen zweiten Grades übertragen zu haben. Hat 
man z. B. von einem Punkt an zwei konfokale Kegelschnitte die beiden 
Tangentenpaare gelegt, so haben die Winkel derselben die Halbierlinien 
gemeinsam. Dieser Satz überträgt sich, wie folgt, auf den Raum: Legt 
man von einem Punkt an zwei konfokale' Flächen zweiten Grades die 
Tangentialkegel, so stimmen diese beiden in den Achsen miteinander 
überein. Nun kann man die gegebene elliptische Kegelbasis und die von 


109 


Chasles herangezogene Hilfshyperbel als entartete konfokale Flächen zweiten 
Grades auffassen. Alsdann beweist der obige Satz die Konstruktion. Auf 
diesen Zusammenhang hat Pelz aufmerksam gemacht. 

Bei der zweiten Konstruktion nimmt Chasles den Polarkegel des 
gegebenen Kegels zu Hilfe. Dafs diese beiden Gebilde die Achsen gemeinsam 
haben, ist wohl ohne Beweis unmittelbar klar. 

Chasles hat also in beiden Fällen den imaginären Kreis durch einen 
reellen Kegelschnitt ersetzt. Wenn nun aber dieser Kegelschnitt mit der 
gegebenen Kegelbasis weder vier Punkte, noch vier Tangenten gemeinsam 
hat — was dann? In diesem Fall bringen die Chaslesschen Konstruktionen 
keinerlei Vorteil. 

Von den weiteren Lösern sei Pelz genannt, der auf rein synthetischem 
Weg von der Parabel ausgeht, deren Tangentendreiecke den Punkt H zum 
gemeinsamen Höhen -Schnittpunkt haben, er geht von dieser zur gleich- 
seitigen Hyperbel, als dem reziprok -polaren Kegelschnitt über und fügt 
den Kreis hinzu. Die Pelzsche Darstellung ist in die darstellende Geometrie 
von Peschka übergegangen, und zwar ist hierbei Peschka ein Fehler 
untergelaufen. Er will nämlich zu drei Punkten eines Kreises den vierten 
harmonischen dadurch finden, dafs er von einem der drei Punkte auf die 
Sehne der beiden anderen das Lot fällt. 

Endlich sei noch der Lösung Solins gedacht, der aus dem Kegel- 
schnittsnetz den Kegelschnitt heraussucht, der der gegebenen Basisellipse 
ähnlich ist und ähnlich liegt. Auf diese Weise vermag er die Konstruktion 
eines besonderen Hilfskegelschnittes zu vermeiden. Diese Lösung findet 
sich in der darstellenden Geometrie von Wiener vor. 


XI. Vorführung dreier Wandtafeln für Kurven 

3. Ordnung. 

Von Prof. Dr. R. Heger. 


Die Tafeln sind zum Gebrauche bei Vorlesungen bestimmt. Sie sind 
auf starkes, mit schwarzem Grunde überzogenes Papier (von Berteaux, 
Dresden- A. , Moritzstr.) mit weifser, bezw. roter und grüner Lackfarbe 
aufgezeichnet. Man kann nach Belieben mit Talkstift oder Kreide Linien 
und Buchstaben hinzufügen, sowie durch Abwaschen mit einem feuchten 
Schwamme wieder entfernen. 

Die erste Tafel zeigt eine einzügige C 3 , die durch die Schnittpunkte 
von zweimal drei Geraden und einen weiteren Punkt mit Hülfe der 
Rohnschen Konstruktion hergestellt ist. Durch Einträgen der dazu nötigen 
Geraden (mit Kreide) wurden drei Punkte der C 3 erzeugt. 

Die andern beiden Tafeln dienen der Erzeugung einer C s durch zwei 
projektive Strahleninvolutionen in Sonderlage. Sind von einer C 3 
zwei Punkte A ± und A 2 gegeben, die einen gemeinsamen, gegebenen 
Begleiter A s haben, so ist die C 8 durch vier weitere Punkte 1, 2, 3, 4 
eindeutig bestimmt. Durch die Punkte 1, 2, 3, 4 und je einen der Punkte 
A t und A 2 sind zwei Kegelschnitte K ± und K 2 bestimmt. Die Glieder 
der Involutionen J ± und J 2 , die von A 2 und A 2 getragen werden und 
die C 3 erzeugen, werden von K ± bezw. K 2 in Punktpaaren geschnitten, 
deren Gerade zwei zu J 1 und J 2 projektive Strahlbüschel bilden, deren 
Träger B 3 und B 2 auf den Geraden G 1 und G 2 liegen, auf denen die 
Schnittpunkte von K 1 bezw. K 2 mit den entsprechenden Gliedern A 1 A 2 , 
A 1 A S bezw. A 2 A 1 , A 2 A s von J 1 und J 2 enthalten sind. Die beiden 
Büschel B a und B 2 sind projektiv; da die Strahlen B^l, B ± 2, B 1 3, 
B ± 4: und G 1 der Reihe nach den Strahlen B 2 1, B 2 2, B 2 3, E> 2 4 und G 2 
entsprechen, so erzeugen die Büschel B t und B 2 den die Punkte 1, 2, 3, 4 
und den Schnittpunkt C von G t und G 2 enthaltenden Kegelschnitt L . 
Folglich sind B 1 und B ^ die Punkte, die G ± und G 2 mit L aufser C 
noch gemein haben. 

Mit Hülfe der nun gefundenen Punkte B 1 und B 2 kann man zunächst 
die Schnittpunkte von K 1 mit B 1 1, B^2, B x 3, 1^4, sowie die von K 2 
mit B 2 l , B 2 2, B 2 3, B 2 4 finden und damit die Glieder der Involutionen 
J 1 und J 2 ergänzen, die 1, 2, 3 und 4 enthalten. Dadurch erhält man 
zwölf weitere Punkte der C s . Bis hierher ist die Konstruktion linear. 
Die Fortsetzung kann auf organischem Wege nur durch quadratische 
Konstruktionen erfolgen; zunächst bietet sich der Weg dar, dafs man 
durch B 1 einen beliebigen Strahl H 1 zieht, dessen Schnitt mit L ermittelt 
(linear); diesen Punkt durch einen Strahl H 2 des Büschels B 2 aufnimmt; 


111 


die Schnittpunkte von H 1 mit K 1 ermittelt (quadratisch) und von aus 
aufnimmt; die Schnittpunkte von H 2 mit K 2 ermittelt (quadratisch) und 
von A 2 aus aufnimmt; man hat damit zwei entsprechende Glieder von 
J t und J 2 erhalten und in deren Schnittpunkten vier Punkte der ge- 
suchten C s gefunden. 

Es lädst sich zeigen, dafs man bei der quadratischen Fortsetzung der 
Konstruktion statt der Kegelschnitte K 1 und K 2 zwei feste Kreise K t ' 
und K 2 und statt des Kegelschnitts L eine Gerade L' benutzen kann. 

Sind S ± T \ und S ± ' T / die entsprechenden Glieder von J t und J 2 , 
die den Punkt 1 enthalten, so lege man durch 1 eine beliebige Gerade Q 
und zeichne die den Dreiseiten 8 1 T 1 Q und T x f Q umschriebenen 
Kreise K / und K 2 . 

Die beiden Strahlenbüschel B t ' und B 2 , die mit den Involutionen J ± 
und J 2 die Kreise K / und K 2 erzeugen, sind perspektiv, weil Q selbst- 
entsprechendes Glied beider Büschel ist. Die Träger B ± f und B 2 , sowie 
die Gerade 77, die an die Stelle von L tritt, können durch irgend ein 
zweites und drittes Paar entsprechender Glieder der Involutionen J t und J 2 
gefunden werden; z. B. werden 7?/ und B 2 als Schnittpunkte von Q mit 
den Geraden gefunden, die die Schnittpunkte von A 1 A 2 und A 1 A S mit 
bezw. von A 2 A ± und A 2 A S mit K 2 , enthalten, und L' geht durch den 
Schnitt dieser Geraden und wird durch Hinzufügung zweier^ weiterer 
entsprechender Glieder der Büschel 7?/ und B 2 vollständig bestimmt. 

Der weitere Verlauf der Erzeugung der C s ist nun im höchsten Grade 
einfach und ergiebig: Von B ± f und B 2 aus nimmt man einen beliebigen 
Punkt R' der Geraden 77 auf; nimmt die Schnittpunkte der Geraden J5/ R' 
und des Kreises K t ' von A ± aus auf; und nimmt die Schnittpunkte von 
B 2 R' und K 2 von A 2 aus auf; die vier Schnittpunkte der beiden auf- 
nehmenden Strahlenpaare gehören der C s an. 

Wie man sieht, hat man nichts weiter zu tun, als zwei 
Gerade durch gegebene Punkte mit zwei festen Kreisen zu durch- 
schneiden und diese Schnittpunktpaare mit zwei festen Punkten 
zu verbinden. 

Durch sechs Gerade erhält man vier Punkte der Cs . 

Diese Konstruktion ist von allen bisher bekannten wohl die einfachste 
und ergiebigste. Der Rohn sehen steht sie insofern nach, als sie' zur 
Erzeugung aus neun beliebig gegebenen Punkten nur durch Vermittelung * 
einer kubischen Konstruktion (zur Herstellung von zwei konjugierten Polen 
A 1 und A 2 ) führt, während die Rohn sehe Konstruktion durchaus linear ist; 
dagegen hat die obige Konstruktion den sehr erheblichen Vorzug, dafs 
sie organisch ist und nie versagt, während die Rohnsche (und die 
Schroeter sehe) Konstruktion zu den unorganischen gehören, «die es nicht 
gestatten, Lücken im Verlaufe der Kurve beliebig dicht mit konstruierten 
Punkten auszufüllen, und die zuweilen sogar versagen, inctem sie unter 
Umständen über eine beschränkte Anzahl von Punkten nicht hinausführen, 
und in solchen Fällen nur durch Vorspanndienste einer organischen — 
z. B. der Cha sie s sehen Konstruktion wieder flott gemachl; werden können. 

Zum Schlüsse darf noch erwähnt werden, da^ die obige Konstruktion 
mit Leichtigkeit acht Tangenten der C 3 und deren Berührpunkte ergibt; 
durch jede von B^ an K ± ' bezw. von B 2 an K 2 gezogene Tangente er- 
hält man nämlich zwei durch A 2 bezw. A t gehende Tangenten der C 3 . 


XII. Einige neolithische Funde aus Sachsen. 

Yon Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Mit 2 Abbildungen. 



Unter den zahlreichen neolithischen Fundstücken aus dem Königreich 
Sachsen, die mir in letzterer Zeit zur Inventarisierung zugesendet wurden, 
befinden sich einige aus der Umgebung von Lommatzsch, die durch die 
Form wie durch den dargestellten Gegenstand mein besonderes Interesse 
erregten und bisher innerhalb der Landesgrenzen noch nicht vorge- 
kommen sind. 

Fig. 1. Fig. 2. 


1 /g nat. Gr. 


2 / s nat. Gr. 


Das in Fig. 1 abgebildete Steingerät wurde Ostern 1909 vom Lehrer 
Isidor Hottenroth in Gersdorf, Bez. Chemnitz, auf einem Wohnplatze der 
jüngeren Steinzeit westlich von Jessen gefunden. Es erinnert in seiner 
äufseren Form an einen Wetzstein, ist aber durchlocht und endet beider- 
seits in Schneiden, die seine Benutzung nach Art der heute gebräuch- 
lichen Kreuzhauen wahrscheinlich machen. Das nicht gebogene Werkzeug 
ist 15,6 cm langsam Schaftloch 2,1 x 2,6 cm dick und hat rechteckigen 
Querschnitt; das kleine* nur wenig konische Schaftloch befindet sich nahe 
der Mitte. Das zu dem zierlichen Gerät verwendete Gestein ist Horn- 
blendeschiefer, der das Rohmaterial zu weitaus den meisten der in Sachsen 
gefundenen Steingeräte geliefert hat, soweit nicht Feuerstein zur Her- 
stellung benutzt worden ist. 


113 


In einer Herdgrube der steinzeitlichen Ansiedelung westlich von Bir- 
menitz fand derselbe Herr das Bruchstück einer Menschenfigur aus Ton, 
Fig. 2, zusammen mit einem 17,4 cm langen und 3,6 X 5 cm dicken, unregel- 
mäfsig vierkantig -säulenförmigen Rohstück von Hornblende- Grünschiefer, 
das zur Herstellung irgend eines Gerätes der Länge nach durch einen mehr 
als zentimetertiefen Sägeschnitt von einem gröfseren Handstück abgetrennt 
worden ist. Der erwähnte, aus rot und gelbgrau gebranntem Ton her- 
gestellte, roh gearbeitete menschliche Torso ist 6,7 cm lang, an der oberen 
Bruchfläche 1,9 X 3,2 cm dick und besteht aus dem unteren Teil des 
Rumpfes und den beiden Oberschenkeln. Dargestellt ist eine weibliche 
Figur, deren Geschlecht in stark realistischer Weise zum Ausdruck ge- 
bracht ist. Ebenso deutlich ist auf der Rückenseite Fig. 2 c die After- 
spalte ausgeprägt, während der Künstler die plastische Modellierung des 
übrigen Körpers — die Wölbung des Bauches und der beiden, die After- 
spalte ein schliefsenden grofsen Schenkelmuskel — vernachlässigt hat. Die 
ganze Oberfläche ist mit Reihen runder Einstiche bedeckt, die in der 
Längsrichtung des Rumpfes und der Schenkel angeordnet sind und auf 
der Vorderseite in der Höhe der Hüften durch eine Querreihe dicht ge- 
drängter Einstiche gürtelartig unterbrochen werden. Ob diese Eindrücke 
auf dem Körper etwa Tätowierung oder die durch einen Gürtel zusammen- 
gehaltene Bekleidung darstellen sollen, ob sie nur als ornamentaler Schmuck, 
wie an den in derselben Siedelung vorkommenden Gefäfsen der Spiral- 
mäanderkeramik, aufzufassen sind, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls 
ist dieses Idol die erste plastische Menschendarstellung, die mir bisher 
unter den Tausenden von Resten aus den zahlreichen neolithischen An- 
siedelungen Sachsens Vorgelegen hat. 

Die beiden abgebildeten Gegenstände hat der Finder, Herr Hotten- 
roth, der K. Prähistorischen Sammlung in Dresden als Geschenk über- 
wiesen. 


XIII. Zum Alter der Schichten an der Teplitzer Strafse 
in Dresden -Strehlen. 

Vorläufige Mitteilung von Dr. K. Wanderer. 


In seiner Abhandlung „Über die jüngsten Schichten der Kreide 
Sachsens“ *) hat W. Petrascheck die Aufmerksamkeit auf Schichten unseres 
Kreidesystems gelenkt, deren Fauna bis dahin unbekannt war oder doch 
kaum Beachtung gefunden hatte. Ihr Alter war als oberturon (Zone 
des Inoceramus Cuvieri— Scaphitenton von Zatzschke) bezeichnet 
worden. 

Nach dem ersten Fundort dieser Ablagerungen, einer Strafse an der 
südlichen Peripherie Dresdens, mögen sie im weiteren als die Schichten 
der Teplitzer Strafse geführt werden. 

Seit 1906**) habe ich diese Schichten im Auge behalten und ihr 
Auftreten teils in vorübergehenden (beim Kanalbau in der Reichenbach- 
strafse, am K. Lehrer- Seminar), teils an dauernden Aufschlüssen in der 
näheren Umgebung von Dresden wiederfinden können (in der Ziegelei der 
Vereinigten Baugesellschaft in Zschertnitz, in den Ziegeleien von Richter 
und von Bloch witz in Gostritz, Bossecker in Plauen und anderwärts). 

Mit Hilfe eifriger einheimischer Sammler wurde dabei die Fauna 
dieser Schichten an den genannten Fundorten wesentlich ergänzt, so dafs 
sowohl die von Petrascheck angegebene Schichtenfolge im einzelnen, wie 
auch deren stratigraphische Stellung im allgemeinen eine Berichtigung 
erfahren kann. 

So sei zunächst festgestellt, dafs an all den beobachteten Lokalitäten, 
auch an dem Aufsclilufs der in die Teplitzer Strafse mündenden Reichenbach- 
strafse, die Aufeinanderfolge der Strafen die umgekehrte ist, als sie 1. c. 
angegeben wird: das Liegende stellt die ,, obere graue Mergelschicht“ 
Petraschecks dar, während die „untere Schicht bräunlicher Mergel“, in 
der die faunistische Ähnlichkeit mit Strehlen besonders deutlich zum 
Ausdruck kommt, das Hangende bildet. 

Die Erscheinung, dafs gerade die auf ein „jüngeres Alter“ hin- 
weisenden Scaphites Fritschi Gross, und Turritella acicularis Rss. — Formen 
übrigens, deren Erhaltungszustand und Gröfse eine unzweideutige Be- 
stimmung sehr erschweren — in der „oberen“ Schicht liegen, verliert 
damit an stratigraphischer Bedeutung. 

*) Petrascheck, W.: Abbandlg. Isis in Dresden 1904, S. 3. 

**) Wanderer, K.: Sitzber. ebenda 1906, S. 18. 


115 


Die in dem Aufschlufs an der Teplitzer Strafse seinerzeit fehlenden 
oder nur spärlich vertretenen, aber gerade für das Mittelturon (Strehlener 
Horizont) typischen Arten wie Spondylus spinosus Sow. sp., Inoceramus 
Brongniarti Sow., Paciiydiscus peramplus Mant. sp., finden sich unter 
den neueren Aufsammlungen aus den identen Schichten nächstliegender 
Fundorte in genügender Zahl; daneben aber treten in unserer Fauna Arten 
auf wie Lima elongata Geinitz (non Sowerby), Brionotropis Caro- 
linas d’Orb. sp.*), die besonders für das Liegende des Mittelturons bez. 
das Hangende des Unterturons charakteristisch sind, keinesfalls aber das 
Mittelturon überschreiten. 

Der Charakter der Fauna der Schichten der Teplitzer Strafse erhält 
demnach durch die Aufsammlungen neueren Datums ein wesentlich anderes 
Gepräge: durch das Auftreten typischer Strehlener Leitformen 
einerseits, durch das Vorkommen von Arten mehr unter- als mittel- 
turonen Typus andererseits ergibt sich notwendig eine Änderung des 
bisher angenommenen oberturonen Alters dieser Ablagerungen. 

Eine eingehende Besprechung der neuen Aufschlüsse, in der ich auch 
über das Liegende unserer Schichten Klarheit zu erbringen hoffe, sowie 
eine Zusammenstellung ihrer Fauna, die bis dahin eine weitere Ergänzung 
erwarten läfst, sei einer späteren Arbeit Vorbehalten. Diese vorläufige 
Mitteilung soll lediglich darauf hinweisen, dafs das Alter der Schichten 
der Teplitzer Strafse keinesfalls jünger als die Strehlen er Pläner- 
kalke zu setzen ist und dafs ihre Gleichstellung mit den Scaphiten- 
tonen von Zatzschke, wie dies bereits in der Literatur Aufnahme 
gefunden**), nicht zu recht bestehen kann. 

Dresden, K. Mineralogisches Museum, Januar 1910. 

*) Petrascheck, W.: Die Ammoniten d. sächs. Kreideformation. Beiträge zur 
Palaeontologie Österreich - Ungarns usw. 1902, Bd. XIV, S. 153 u. 156. 

**) Scupin, H.: N. J. 1907, B. B. XXIV, S. 696, und Credner, H. : Geolog. TJeber- 
sicktskarte des Königreichs Sachsen. Leipzig 1908. 








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Fig. 2. 


Abhandl. cl. Isis in Dresden, 1909, 


Taf. III 



J. Deichmüller phot. 


Lichtdruck von Römmler & Jonas, Dresden. 









Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8. 3 M. — Pf. 

Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . ' . . 6 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . . . : 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang. . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, der Jahrgang. . . 3 1. — Pf. 
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September .... 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember .... 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember . . . . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1909, der Jahrgang 5 M. — Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. DeichmüBer, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral. - 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

Slip 8 *’ Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 


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Königl. Sächs. Hofbuchhandlung 

— — H. Burdach 


Schlofsstrafse 32 DRESDEN Fernsprecher 152 
empfiehlt sich 

zur Besorgung wissenschaftlicher Literatur. 



Druck von Wilhelm Baensch in Dresden. 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1910. 


Mit 1 Tafel und 10 Abbildungen im Text. 

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♦ 

Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1911 . 




der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

1 ISIS k* 


in Dresd e.n. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1910. 

Januar bis Juni. 


Mit 4 Abbildungen im Text. 




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Dresden. 

In Kommission der K. Sächs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 

1910. 


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Redaktionskomitee für 1910. 

Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. Pr. Po er st er. 

Mitglieder: Prof. Dr. E. Lohrmann, Prof. Dr. P. Neger, Oberlehrer Dr. P. Wagner 
Hofrat Prof. Dr. J. Deichmiiller, Prof. H. Rebenstorff und Prof. Dr. A. Witting. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 


Inhalt 

Aufruf zum Sammeln und Registrieren paläontologischer Funde aus Sachsen. 
Mit 1 Abbildung. S. 17. 


A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 8. — Escherich, K.: Unsere Spechte S. 3. — Jacobi, A. : 
Der See-Elefant und die Robbenfamilie S. 3. — Lohr mann, E.: Bau der Backzähne 
vom Rind S. 3. — Neger, F.: Die natürlichen Verfärbungen des Holzes S. 3. — 
Schorler, B.: Neue Literatur S. 3. — Thallwitz, J.: Über giftige Tiere S. 3. 

II. Sektion für Botanik S. 4. — Vertretung der Isis auf dem Botanikerkongrefs in 
Brüssel S. 5. — Engelhardt, H.: Vorlagen S. 5. — Menzel, P.: Neue Literaiur 
S. 4. — Neger, F.: Die Pinsapo- und Korkeichenwälder Andalusiens S. 4. — 
Schorler, B.: Neue Literatur S. 4. — Stiefelhagen, H.: Reise durch Bulgarien 
und die Dobrudscha S. 4. — Thallwitz, J.: Literaturbesprechung S. 4. — Wolf, Th.: 
Reisen auf den Galäpagosinseln S. 5. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 5. — Wahl eines Schriftführers S. 6. — 
Baldauf, R.: Geologische Wanderungen in Westgrönland S. 5. — Kalkowsky, E.: 
Makroskopische Struktur bilder von Kontaktgesteinen S. 6. — Rim an n, E. : Geo- 
logischer Bau des Isergebirges S. 6. — Wagner, P. : Gründung einer „Geologischen 
Vereinigung“ S. 5; Einrichtung einer Zentralstelle zum Registrieren paläontologischer 
Funde aus Sachsen, der Granit und seine Kontakterscheinungen S. 6; neue Literatur 
S. 5 und 6. — Wanderer, K.: Schädel eines Moschusochsen aus dem Diluvium von 
Prohlis S.6. — Ausflug nach Lock witz und nach dem Bahra- und Gottl eubatal S.6 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 7. — Bracht, E.: Gegenwärtiger 
Stand der Eolithenfrage S. 7. — Deichmiiller, J.: Steinzeitliche Siedelungen in der 
Umgebung von Dresden S. 7; neue Funde aus Sachsen S. 8; Literaturbesprechung 
S. 7. — Döring, H.: Urnenfund im Kaditzer Tännicht, über Burgwallschlacken, 
Literaturb esprechungen S. 7. — Schreiter, R.: Vorgeschichtliche Biberfunde S. 8. — 
Vogel, Kl.: Steinzeitliche Funde in der Dresdner Heide S. 7. 

V. Sektion für Physik und Chemie S. 8. — Loh mann, H.: Die Einrichtungen des 
König Georg-Gymnasiums für den Physikunterricht S. 9. — Neugebauer, E.: Selbst- 
tätige Flüssigkeitsheber S. 9. — Rebenstorf f, H.: Über messende Versuche mit 
Gasen und andere Demonstrationen S. 8. — Thiele, H.: Wirkungen ultraviolett- 
reichen Lichtes S. 8. 

VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 9. — Krause, M.: Einige 
kinematische Sätze von R. Müller S. 9. — Ludwig, W., Die Annäherung der Ellipse 
durch ihre Scheitelkreise S. 9. — Naetsch, E.: Eine Anwendung des Eulerschen 
Multiplikators in der Theorie der Minimalflächen S. 10. — Schreiber, P. : Einfaches 
Verfahren zum Studium der Vorgänge in den oberen Luftschichten S. 9; neue Loga- 
rithmenpapiere S. 10. — Weinmeister, Ph.: Über Ellipsenkrümmung und über die 
Kardioide in der Mikroskopie S. 9; Heumansches Verfahren zur Konstruktion der 
Krümmungsradien von Kegelschnitten S. 10. — Witting, A.: Verfahren zur Rekti- 
fikation des Kreisbogens S. 10; die Posener Hauptversammlung des Vereins zur 
Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts S. 11. — Ein- 
ladung zu dem Vortrage von E. Papperitz: Die kinodiaphragmatische Projektion S. 9. 


Inhalt des Jahrganges 1910. 


Philipp Weimneister f S. V. — Karl Schiller + S. XIII. 


A. Sitzungsberichte. 

I. Sektion für Zoologie S. 3 und 25. — Brandes, Gr.: Ergebnisse neuerer Forschungen 
über Elefanten S. 26. — Engelhardt, H.: Neue Literatur S. 25. — Escherich, K.: 
Unsere Spechte S. 3. — Jacob i, A. : Der See-Elefant und die Robbenfamilie S. 3. — 
Lohrmann, E.: Bau der Backzähne vom Rind S. 3; die Klasse der Tausendfüfsler 
S. 25. — März, Ohr.: Die Elefanten und ihre Vorfahren S. 25. — Neger, F. : Die 

■ natürlichen Verfärbungen des Holzes S. 3. — Schorler, B. : Neue Literatur S. 3. — 
Thallwitz, J.: Über giftige Tiere S. 3; neue Literatur S. 25. 

II. Sektion für Botanik S. 4 und 26. — Vertretung der Isis auf dem Botanikerkongrefs in 
Brüssel S. 5. — Engelhardt, H.: Vorlagen S. 5; neue Literatur S. 26. — Menzel, P. : 
Neue Literatur S. 4. — Neger, F.: Die Pinsapo- und Korkeichenwälder Andalusiens 
S. 4; Reiseeindrücke in Istrien, Dalmatien und Herzegowina S. 26. — Pazschke, 0. : 
Stereoskopische Aufnahme eines Hallimasch S. 26. — Scheidhauer, R.: Neuere 
Anschauungen über Humussäuren und Kolloide in den Hochmooren S. 26. — Schorler, 
B.: Über Eisenbakterien S. 26; neue Literatur S. 4. — Stiefelhagen, H.: Reise 
durch Bulgarien und die Dobrudscha S. 4. — Thallwitz, J.: Literaturbesprechung 
S. 4. — Wolf, Th.: Reisen auf den Galäpagosinseln S. 5. 

III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 5 und 27. — Wahl eines Schriftführers 
S. 6.. — Baldauf, R.: Geologische Wanderungen in Westgrönland S. 5. — Engel- 
hardt, H.: Tertiäre Pflanzenreste von Flörsheim S. 27. — Kalkowsky, E.: Mikro- 
skopische Strukturbilder von Kontaktgesteinen S. 6. — Rimann, E.: Geologischer 
Bau des Isergebirges S. 6. — Schreiter, R. : Über Meteoriten S. 27. — Wagner, P.: 
Gründung einer „Geologischen Vereinigung“ S. 5; Einrichtung einer Zentralstelle zum 
Registrieren paläontologischer Funde aus Sachsen, der Granit und seine Kontakt- 
erscheinungen S. 6; internationaler Geologenkongrefs in Stockholm S. 27; neue Lite- 
ratur S 5, 6 und 27. — Wanderer, K.: Schädel eines Moschusochsen aus dem Dilu- 
vium von Prohlis S. 6. — Ausflug nach Lockwitz und nach dem Bahra- und 
Gottleubatal S. 6. 

IV. Sektion für prähistorische Forschungen S. 7 und 27. — Bracht, E.: Gegen- 
wärtiger Stand der Eolithenfrage S. 7; die ältesten nacheiszeitlichen Steingeräte 
Rügens S. 29. — Deichmüller, J. : Steinzeitliche Siedelungen in der Umgebung von 
Dresden S. 7; vorgeschichtliche Funde im Meifsner Dom S. 28; Spuren neolithischen 
Leichenbrands in Sachsen S. 28; neue Funde aus Sachsen S. 8 und 28; Literatur- 
besprechung S. 7. — Döring, H.: Urnenfund im Kaditzer Tännicht, über. Burg wall- 
schlacken S. 7; Literaturbesprechung S. 7 und 27. — Dutschmann, G. : Über Spinn- 
und Webwerkzeuge S. 29. — Langenlian, J.: Wandzeichnungen aus der Höhle von 
Combarelles, mit Bemerk, von H. Wiechel S. 29. — Schreiter, R.: Vorgeschicht- 
liche Biberfunde S. 8. — Vogel, Kl.: Steinzeitliche Funde in der Dresdner Heide 
S. 7. — Wanderer, K. : Herstellung von Feuersteingeräten S. 27. 

V. Sektion für Physik und Chemie S. 8 und 29. — Beythien, A : Über Würzen 
und Gewürze S. 29. — Lohmann, H. : Die Einrichtungen des König Georgs-Gym- 
nasiums für den Physikunterricht S. 9... — Neugebauer, E. : Selbsttätige Flüssigkeits- 
heber S. 9. — Rebenstorff, H. : Über messende Versuche mit Gasen und andere 
Demonstrationen S. 8. — Thiele, H. : Wirkungen ultraviolettreichen Lichtes S. 8. 


IV 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 9 und 29. — Philipp Wein- 
meister f S. 29. — Heger, R.: Teilungsgruppen auf Kurven 3. Ordnung S. 32. — 
Krause, M.: Einige kinematische Sätze von R. Müller S. 9. — Lohmann, H.: Die 
stereographische Projektion S. 30. — Ludwig, W.: Die Annäherung der Ellipse durch 
ihre Scheiteikreise S. 9. — Naetsch, E.: Eine Anwendung des Eulerschen Multipli- 
kators in der Theorie der Minimalflächen S. 10. — Schreiber, A. : Zur Integration 
der Differentialgleichung der barometrischen Höhenmessung S. 30. — Schreiber, P.: 
Einfaches Verfahren zum Studium der Vorgänge in den oberen Luftschichten S. 9; 
neue Logarithmenpapiere S. 10. — Weinmeister, Ph.: Über Ellipsenkrümmung und 
über die Kardioide in der Mikroskopie S. 9; Heumansches Verfahren zur Konstruktion 
der Krümmungsradien von Kegelschnitten S. 10; über höhere Evoluten S. 29. — 
Witting, A.: Verfahren zur Rektifikation des Kreisbogens S. 10; die Posener 
Hauptversammlung des Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissen- 
schaftlichen Unterrichts S. 11; Literaturbesprechung S. 30. — Einladung zu dem Vor- 
trage von E. Papperitz: Die kinodiaphragmatische Projektion S. 9. 

VII. Hauptversammlungen S. 11 und 32. — Beamte im Jahre 1911 S. 32 und 35. — 
Wahl eines Verwaltungsrats-Mitgliedes S. 14. — Veränderungen im Mitgliederbestände 
S. 14, 15 und 33. — Kassenabschlufs für 1909 S. 12, 13 und 16. — Voranschlag für 
1910 S. 12. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 34. — Bericht des Bibliothekars 
S. 37. — Geschenk für die Bibliothek S. 13. — Vertretung der Isis auf dem 5. Inter- 
nationalen Ornithologenkongrefs S. 13. — Aufruf zum Sammeln und Registrieren 
paläontologischer Funde aus Sachsen S. 14. — Einladung zu dem Vortrage von A. Heim 
über Neuseeland S. 12 — Feier des 75 jährigen Bestehens der Isis S. 13. — 
Bergt, W.: Der Vesuv und seine Veränderungen S. 13.— Deichmüller, J.: Grün- 
dung eines Lokalvereins , »Dresden“ der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft S. 12. 
— Dember, H.: Die Anschauungen und Aufgaben der neueren Physik S. 32. — 
Förster, F.: Neuerungen im Akkumulatorenwesen S. 33. — Hentschel, W.: Das 
züchterische Element in den älteren Kulten, insbesondere im Dionysoskult S. 13. — 
Kalkowsky, E.: Der Erdgasbrand von Neuengamme bei Hamburg S. 33. — 
König, W.: Die bisherigen Erfolge auf dem Gebiete der Eiweifssynthese S. 33. — 
Schanz, F. und Stockhausen, K.: Die Wirkungen der kurzwelligen Lichtstrahlen 
auf das Auge S. 11. — Wislicenus, A.: Faserstruktur und Holzbildung vom Stand- 
punkte der neueren Kolloidchemie S. 12. — Besichtigung der Fabrik von H. Erne- 
mann, Aktien-Gesellschaft für Camera-Fabrikation S. 14, der Orienta- 
lischen Tabak- und Zigarettenfabrik Yenidze S. 32. 

Aufruf zum Sammeln und Registrieren paläontologischer Funde aus Sachsen. 
Mit 1 Abbildung. S. 17. 


B. Abhandlungen. 

Bachmann, E. : Zur Flechtenflora des Frank enwaldes. S. 99. 

Förster, F.: Rückblick auf die letzten 25 Jahre des Bestehens der Naturwissenschaft- 
lichen Gesellschaft „Isis“. S. 3. 

Kalkowsky, E.: Geologie und Phantasie. S. 10. 

Ludwig, W.: Über die Annäherung einer Ellipse durch ihre Scheitel-Krümmungskreise. 
Mit 3 Abbildungen. S. 67. 

Schreiber, P. : Beiträge zur Ermittelung der Tragkraft und Bewegung eines Frei- 
ballons mit Hilfe von Logarithmenpapier. Mit 1 Tafel. S. 83. 

Verhoeff, K.: Über Diplopoden: 18. (38.) Aufsatz. Die nordböhmisch-sächsische Fauna 
und ihre Bedeutung für die Zoogeographie Mitteleuropas. S. 20. 

Vohland, A.: Ein fossilführender Kalksinter im Gebiet der Wilden Sau. S. 120. 

Weinmeister, Ph.: Über höhere Evoluten. Mit 5 Abbildungen. S. 113. 

Die Verfasser sind allein v er antiv örtlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Philipp Weinmeister. 

Am 27. August 1910 verstarb zu Tharandt bei Dresden eins der 
eifrigsten und tätigsten Mitglieder der naturwissenschaftlichen Gesellschaft 
Isis, der Geh. Hofrat Dr. phil. Johann Philipp Weinmeister, Professor 
an der Forstakademie zu Tharandt. Seit dem 29. November 1900 war er 
Mitglied der Isis und gehörte der mathematischen Sektion an, deren Vor- 
sitzender er auch in den Jahren 1902 und 1903 war. Seit 1901 hat er 
21 Vorträge in dieser Sektion gehalten, den letzten am 7. Juli 1910 in 
Tharandt, wohin er die Mitglieder eingeladen hatte, damit sie nach der 
wissenschaftlichen Sitzung auch noch in seiner gastlichen „Kattenburg“ 
gesellig beisammen bleiben könnten. Niemand unter seinen Gästen ahnte 
damals, dafs der vollkommen gesunde Mann so nahe vor seinem Ende 
stehe; und er ist ja auch nicht eine Stunde krank gewesen, als ihn der 
Tod abrief; zurückgekehrt von einer Erholungsreise ist er an seinem 
62. Geburtstage ganz plötzlich einem Gehirnschlag erlegen. Noch nicht 
zehn Jahre ist er Mitglied der Isis gewesen, und man mufs es sehr be- 
dauern, dafs er den Anschlufs an sie nicht schon früher gefunden hat; 
er würde sonst manche kleine Frucht seiner Arbeit, die er so vielleicht 
nicht für der Veröffentlichung wert hielt, dort mitgeteilt und auf Grund 
des Meinungsaustausches mit Fachgenossen weiter ausgebaut haben. Auf 
den Wunsch der Gesellschaft möge hiermit einiges aus dem Lebensgange 
des Dahingeschiedenen mitgeteilt werden. 

Johann Philipp Weinmeister wurde als Sohn eines kurhessischen Be- 
amten am 27. August 1848 zu Kassel geboren. Sein Vater wurde 1849 
nach Schmalkalden und 1852 nach Marburg versetzt, dort ist er bis zu 
seinem 1876 erfolgten Tode im Amte geblieben. Diese Stadt ist also die 
eigentliche Heimat Weinmeisters gewesen, in der er die hauptsächlichsten 
Jugendjahre zugebracht hat. Nach dem Besuch einer Privatschule trat er 
zu Ostern 1859 in die Quinta des dortigen Kurfürstlichen Gymnasiums 
ein. Schon in den mittleren Klassen zeigte sich hier seine hervorragende 
Begabung für Mathematik, die durch den Unterricht seines ausgezeichneten 
Mathematiklehrers Eduard Fürstenau derartig gefördert wurde, dafs 
bald in ihm der Wunsch rege ward, sich dieser Wissenschaft später ganz 
zu widmen. Schon damals wurde er wiederholt, auch von Mitschülern, 
um mathematischen Privatunterricht angegangen, und dies förderte nicht 
nur sein eigenes Können, sondern gab ihm auch die Mittel zur bescheidenen 
Befriedigung zweier Liebhabereien, denen er für sein ganzes Leben treu 
geblieben ist: er kaufte sich gute Bücher und machte gelegentlich Reisen. 
Unter den Büchern, die er sich anschaffte, befand sich übrigens auch das 


VI 


Lehrbuch der Gabelsbergerschen Stenographie von Rätzsch, und er be- 
nutzte die unfreiwillige Mufse, die ihm die Erholung von einem Scharlach- 
fieber auferlegte, dazu, diese Kurzschrift zu erlernen, deren er sich von 
da an stets bedient hat. Zu Ostern 1868 bestand er die Reifeprüfung 
mit der ersten Zensur in Mathematik und Physik. Während seiner ganzen 
Schulzeit hatte sich seine geradezu einseitige Begeisterung für Mathematik 
gezeigt, und diese Einseitigkeit ist ihm in gewissem Sinne auch im späterem 
Leben verblieben. Nicht dafs er nicht auch an anderen Gebieten des 
Lebens, der Künste und der Wissenschaften Anteil genommen hätte, so 
insbesondere an der Musik, an den Schönheiten der Natur, die er gern 
auf seinen Reisen bewunderte, an kirchlichen und politischen Dingen; aber 
seine Arbeit, sein Streben galt immer nur seiner Wissenschaft, und das 
hat mit dazu beigetragen, dafs er ein Gelehrter in seinem Fache wurde. 

Gleich von Anfang an widmete er sich nun auf der alma mater 
Philippina eifrig seinen Studien. Zunächst zogen ihn besonders die überaus 
klaren Vorlesungen des Mathematikers Stegmann an, der auf sein Studium 
vielfach bestimmend einwirkte. Ferner hörte er Vorlesungen bei den 
Mathematikern v. Drach, Hefs und Feufsner, sowie bei dem Physiker 
Melde. Aber er beschränkte sich nicht darauf, die Vorlesungen seiner 
Lehrer zu hören und teilweise auszuarbeiten, sondern studierte auch eifrig 
Lehrbücher der höheren Mathematik. So waren vier Semester vergangen, 
und schon trat er dem Gedanken an die abzulegende Staatsprüfung näher, 
besonders beschäftigte ihn die Frage des unumgänglich erforderlichen 
Nebenfaches. Für Naturwissenschaften hatte er keine grofse Neigung, 
fürchtete auch seine Kräfte zu zersplittern. Eine Zeit lang dachte er 
daran, Französisch zu wählen, fand aber dann als besten Ausweg, sich 
für die philosophische Propädeutik zu entscheiden, da sich ja die Prüfung 
sowieso auf Philosophie zu erstrecken hatte, überdies die Philosophie 
der Mathematik näher lag als jedes andere Fach. Er hatte es demnach 
in der Prüfung nur mit zwei Examinatoren zu tun: mit Professor Steg- 
mann, der in Mathematik und Physik prüfte, und mit Professor Weifsen- 
born, der die Fächer der Philosophie und der Pädagogik vertrat; er 
erreichte dadurch, dafs er seine Studien auf einen engeren Kreis be- 
schränken und um so mehr vertiefen konnte. Alles schien sich somit 
in erwünschter Weise zu gestalten, da brach 1870 der Krieg gegen Frank- 
reich aus, und es galt auch für Weinmeister, sich dem Vaterlande zur Ver- 
fügung zu stellen. Er trat beim hessischen Jägerbataillon Nr. 11 ein und 
wurde zu seiner kriegsmäfsigen Ausbildung der von Marburg nach Wies- 
baden verlegten Ersatzkompanie dieses Bataillons eingereiht. Im Oktober 
gelangte er zum mobilen Bataillon, das damals in Sevres vor Paris lag. 
Die Jäger hatten während der Belagerung die Mannschaften für einen 
ständigen vorgeschobenen Oberjägerposten im Schlosse Meudon zu liefern. 
Hier finden wir den bisherigen Studiosus wieder, der zu seiner Freude in 
der Schlofsbibliothek auch mathematische Werke entdeckte. Wenn es der 
Dienst gestattete, safs er, die Büchse im Arm, hinter einem im Parke zur 
Deckung aufgestellten Pianino und studierte ein französisches Werk mathe- 
matischen Inhalts. 

Es war zum Abschlufs der Friedenspräliminarien gekommen, da zog 
sich Weinmeister auf dem von Granaten zerrissenen Erdboden im Dienste 
eine Fufsverletzung zu, die seine Aufnahme ins Lazarett und dann seine 
Beurlaubung in die Heimat zur Folge hatte. Nach völliger Wiederher- 


VII 


Stellung tat er zunächst in Wiesbaden Dienst und beendete danach sein 
Freiwilligenjahr in Marburg. 

Sofort nahm er nun wieder sein Studium auf und meldete sich gegen 
Ende des Jahres 1871 zur Staatsprüfung, die er am 3. Mai 1872 mit dem 
von ihm erhofften Erfolge bestand. Es war gerade eine Zeit des Lehrer- 
mangels, und so konnte er auf alsbaldige Anstellung rechnen; dafs er aber 
eine solche nicht in Hessen, sondern in Sachsen fand, kam sehr über- 
raschend. Seiner Mutter Bruder, der Kaufmann in Leipzig war, teilte ihm 
nämlich mit, dafs die dortige Realschule 1. Ordnung zu möglichst baldigem 
Antritt einen Mathematiklehrer suche. Er bewarb sich sofort um die 
ausgeschriebene Stelle und wurde zu einer Probelektion nach Leipzig be- 
rufen. Seine vielfache Übung durch Privatunterricht kam ihm hier zu 
statten, er machte in der Probelektion einen guten Eindruck und wurde 
gewählt, mufste allerdings noch die Form erfüllen, um Erlafs der säch- 
sischen Staatsprüfung nachzusuchen. Schon am 1. Juni 1872 trat er sein 
Amt an, zunächst als Hilfslehrer, im Sommer 1873 wurde er zum Ober- 
lehrer befördert. 

Der Unterricht in Unter- und Mittelklassen, den er vorübergehend 
gleichzeitig in vier Parallelklassen zu erteilen hatte, sagte ihm allerdings 
wenig zu, und da die Oberklassen nur in geringer Zahl vorhanden waren, 
überdies in ihnen zwei ältere Fachkollegen und von 1873 an auch noch 
ein als Direktor der Schule neu berufener Mathematiker tätig waren, so 
trug er sich bei der anscheinenden Aussichtlosigkeit des Vorrückens im 
Unterricht mit der Absicht, sein Amt mit einer Assistentenstelle an einem 
schweizerischen Polytechnikum zu vertauschen. Aber der neue Direktor, 
Professor Giesel, erkannte bald die hervorragende Tüchtigkeit seines 
jungen Fachgenossen und übertrug ihm, als sich überdies die Zahl der 
Oberklassen mehrte, mathematischen Ünterricht in ihnen. Bei dieser 
Tätigkeit befriedigte und beglückte es ihn nun sehr, dafs es ihm gelang, 
bei seinen Schülern volles. Verständnis für die Gröfse seiner Wissenschaft 
zu wecken und bei vielen zu heller Begeisterung zu steigern. Hierfür 
besafs er eine besondere Gabe, zu ihrer vollen Entfaltung konnte sie aber 
natürlich nur dadurch kommen, dafs er an sich und an seine Schüler hohe 
Anforderungen stellte, ohne jedoch dabei für letztere ein gerechtes Mafs 
zu überschreiten. Die Schüler empfanden keine Überbürdung und kamen 
freudig den Anforderungen ihres Lehrers nach, ja vielfach überboten sie 
diese noch. Gar manchen pflanzte er eine so starke Liebe zur Mathematik 
ein, dafs sie sich entschlossen, ihr Studium zu ihrem Lebensberufe zu 
wählen, und eine ganze Reihe von ihnen befinden sich heute in angesehenen 
Stellungen als treue Diener oder erfolgreiche Forscher dieser Wissenschaft, 
von denen hier nur der Berliner Mathematiker Professor Scheffers ge- 
nannt sein mag. Aber auch Schüler, die sich nach dem Verlassen der 
Schule anderen Berufen zuwandten, liebten seinen Unterricht und dadurch 
die in ihm gelehrte Wissenschaft, und es war ihm eine besondere Freude, 
neben der möglichsten Förderung aller gelegentlich mit einzelnen besonders 
Begabten zu Gebieten, die sich über das Alltägliche erhoben, emporzu- 
steigen. Hier wie auch im gewöhnlichen Unterrichte legte er Gewicht 
darauf, dafs seine Primaner nicht einfach das von ihm Gebotene in sich 
aufnahmen, sondern an der Entwicklung der mathematischen Wahrheiten 
selbst mitarbeiteten, und wiederholt hatte er die grofse Freude, dafs ein- 
zelne ihn durch Selbstgefundenes überraschten, das tatsächlich neu war. 


VIII 


In seine Veröffentlichungen hat er denn einigemal solche Entdeckungen 
seiner Schüler mit Nennung ihrer Namen aufgenommen, einmal sogar die 
selbständige Arbeit eines Schülers (der sich übrigens später nicht dem 
Studium der Mathematik widmete) in eine wissenschaftliche Zeitschrift 
aufnehmen lassen. 

Neben seinem Unterrichte war er stets auf wissenschaftliche Weiter- 
bildung bedacht, wozu ihm die Universität seiner neuen Heimat Leipzig 
die beste Gelegenheit bot. Die Vorlesungen des Professors Neumann 
liefsen ihn erkennen, wie sehr sein Marburger Studium noch der Förderung 
fähig war und bedurfte; ihm und später dem von München nach Leipzig 
berufenen Professor Klein hatte er als fleifsiger Hörer viel zu danken. 
Aber er forschte auch vielfach für sich allein, und das Ergebnis seiner 
Arbeiten in den ersten Jahren legte er in seiner Dissertation nieder, durch 
die er sich bei der philosophischen Fakultät der Universität Marburg am 
26. Februar 1876 die Doktor- und Magisterwürde erwarb. Es war keine 
gewöhnliche Dissertation, vielmehr stellte sie eine tatsächliche Bereicherung 
der Wissenschaft dar, weshalb auch die Fakultät die Arbeit als maxime 
laudabilis bezeichnete. In ihr führte der Verfasser ein neues Koordinaten- 
system in die analytische Geometrie der Ebene ein, das System der 
polaren Linienkoordinaten, dessen grofse Fruchtbarkeit er erkannte 
und nachwies. 

Die Tätigkeit an seiner Schule befestigte mehr und mehr seine An- 
schauung, dafs die realistische Ausbildung der humanistischen mindestens 
ebenbürtig sei; mit Begeisterung trat er daher in den Kampf ein, den die 
Realschule erster Ordnung, das spätere Realgymnasium, um die Gleich- 
berechtigung mit dem Gymnasium zu führen begann. Diese Anschauung 
hat er auch später, als er nicht mehr an seiner Schule wirkte, wiederholt 
zum Ausdrucke gebracht; auch an der Bewegung zur Neugestaltung des 
mathematischen Unterrichts hat er sich tätig beteiligt und zwar besonders 
durch einen längeren Aufsatz in der Zeitschrift für mathematischen und 
naturwissenschaftlichen Unterricht und durch zwei Vorträge in der Gesell- 
schaft Isis. 

Mehr als zehn Jahre hatte er zu Leipzig gewirkt, da ward er plötzlich 
zu einem anderen Amte berufen. Der damalige Vortragende Ministerialrat 
für den mathematischen Unterricht der sächsischen höheren Schulen, Geh. 
Rat Schlömilch, war schon Vorjahren auf Weinmeister aufmerksam ge- 
worden. Dieser hatte 1868 als junger Student das Schlömilchsche Übungs- 
buch der höheren Analysis, das gerade damals in erster Auflage erschienen 
war, fast ganz durchgerechnet und dabei mancherlei Irrtümer entdeckt. 
Ein Verzeichnis dieser hatte er dem Verfasser eingeschickt und damit den 
ersten Schritt zu einer Bekanntschaft getan, die ihm später so wertvoll 
werden sollte. Später hatte nun Schlömilch bei gelegentlichen Besuchen 
der Leipziger Realschule den Studenten von damals auch persönlich kennen 
und schätzen gelernt und wünschte ihn zu fördern. Als dann an der Forst- 
akademie zu Tharandt die Stelle eines Professors für Mathematik und 
Physik frei wurde und das Finanzministerium, dem die Akademie unter- 
steht, beim Kultusministerium anfragte, wer sich wohl für die Stelle am 
besten eigne, schlug Geh. Rat Schlömilch Weinmeister vor, und so wurde 
dieser am 1. Oktober 1883 nach Tharandt berufen. Herzliche Freundschaft 
seiner bisherigen Amtsgenossen und dankbare Liebe gegenwärtiger und 
früherer Schüler begleiteten ihn in das liebliche Tharandt, das ihm zu 


IX 


einem Orte reinsten Glückes wurde, als er am 27. Dezember 1888 den 
Ehebund mit Kamilla Kornagel aus Leipzig schlofs. 

Hier begann nun eine Berufstätigkeit für ihn, die in mehrfacher Be- 
ziehung anders geartet war als seine bisherige. Sein Lehrgebiet umfafste 
Mathematik, theoretische und experimentelle Physik, alles Gegenstände, 
die für junge wald- und jagdfrohe Forstleute nicht so leicht schmackhaft 
gemacht werden können. Deshalb sah er sich in seinem neuen Amte, das 
in vieler Hinsicht bequemer war als sein bisheriges, zunächst manchen 
Schwierigkeiten gegenüber, die seine forstlichen und naturwissenschaft- 
lichen Tharandter Amtsgenossen bei Ausübung der Lehrtätigkeit nicht zu 
überwinden hatten. Aber die in ihm allezeit rege Begeisterung für sein 
Wissensgebiet befähigte ihn, ohne Einbufse seiner Berufsfreudigkeit alle 
Schwierigkeiten zu besiegen, und mancher seiner Zuhörer, der anfangs nur 
dem Zwange des Lehrplanes und der Rücksicht auf die abzulegende Prüfung 
gehorchte, wenn er in den frühen Morgenstunden zum mathematischen Hör- 
saale wanderte, empfand bald die Einwirkung des in seinem Fach auf- 
gehenden Lehrers und folgte gern seinen anregenden Vorträgen. Mit solchen 
Bekehrten und den von vornherein mathematisch beanlagten Hörern dann 
zu arbeiten, sie zu fördern und ihnen die Reize der höheren Mathematik 
zu erschliefsen, war ihm eine grofse Freude und eine Entschädigung für 
immerhin nicht ausbleibende Enttäuschungen. 

ln den mathematischen Vorlesungen trug er in den ersten Jahren ana- 
lytische Geometrie, später Infinitesimalrechnung vor. Den zunächst allein 
angewandten geschlossenen Vortrag ersetzte er dann, um den Lehrerfolg 
zu sichern, mehr und mehr durch seminaristische Übungen. Der Physik 
hatte er bis zur Übersiedelung nach Tharandt unterrichtlich ganz fern 
gestanden; die Einarbeitung in das neue Fach machte ihm die erste Zeit 
ziemlich arbeitsreich, zumal da die von ihm bei seinem Amtsantritte Vor- 
gefundene Sammlung von Apparaten ziemlich dürftig und für Abhaltung 
von Experimentalvorträgen wenig geeignet war. Jetzt verfügt dank seiner 
Fürsorge die Forstakademie über eine reich ausgestattete physika- 
lische Sammlung, ein Beweis dafür, mit welchem Eifer und Erfolg ihr 
dahingegangener Vorstand an ihrer Vervollständigung dauernd gear- 
beitet hat. 

Seit 1887 übernahm er auch noch die Vorlesungen über Meteorologie 
und clie ziemlich zeitraubende Tätigkeit, die mit dem weiteren Ausbau und 
der Überwachung des statistischen Dienstes einer Station der Landeswetter- 
warte verbunden ist. Schon um sich in der leicht zu einer drückenden 
Fessel werdenden Mühe fortgesetzter Ablesungen an den Beobachtungs- 
instrumenten eine Erleichterung zu schaffen, liefs er sich die Anschaffung 
der neuesten selbstregistrierenden Apparate angelegen sein. Gegenüber 
dem Laboratoriumsgebäude, seiner vieljährigen Arbeitstätte, wurde auf 
der Höhe des das Tal der wilden Weifseritz westlich begrenzenden Höhen- 
zuges 1892 auf seine Anregung eine mit einem Windstärkemesser versehene 
zuverlässige Windfahne unter erheblichen Kosten errichtet. Tausende von 
Blicken, die jährlich von den Bewohnern Tharandts und durch das Weifseritz- 
tal Wandernden empor nach Heinrichseck, dem Standorte der Windfahne, 
zur Erkundung der Windrichtung gesandt werden, weisen auf die gemein- 
nützige Bedeutung der zunächst wissenschaftlichen Zwecken dienenden 
Schöpfung hin und lassen erwarten, dafs auch die nichtakademischen Kreise 
Tharandts ihres Mitbürgers Weinmeister dauernd gedenken werden. 


X 


Die neue Stellung bot gar manche Vorteile. Sie liefs ihm mehr Zeit 
zur eigenen Arbeit, uncl die Ruhe der Kleinstadt war dieser günstiger als 
das Hasten in dem vielbewegten Leipzig. Die grofsstädtischen Anregungen 
fand er im benachbarten Dresden, die schöne Umgebung von Tharandt 
wiederum bot ihm genufsreiche Spaziergänge, die ihm ein tägliches Be- 
dürfnis waren. Kamen aber die Ferien, so brauchte er nicht die Ruhe 
einer Sommerfrische aufzusuchen, die er ja zu Hause hatte, sondern er 
erfreute sich in Begleitung seiner Gattin an gröfseren Reisen, mit denen 
er gewöhnlich den Besuch fachwissenschaftlicher Kongresse, besonders den 
der Internationalen Mathematiker- Versammlungen und der Naturforscher- 
Versammlungen, verband. Auf diesen wurde er mit angesehenen Fach- 
genossen des In- und Auslandes bekannt, deren Werke er schätzen gelernt 
hatte, und trug von da die Anregung zu mancher neuen Arbeit heim. 

Seine stille Denkertätigkeit galt vor allem der höheren Geometrie und 
der Mechanik. Auf diesen Gebieten war er ein gründlicher und deshalb 
oft langsamer Arbeiter; er blieb beim Schaffen still in sich verschlossen 
und sprach grundsätzlich niemandem gegenüber von einer Arbeit, ehe er 
sie nicht fertig hatte. Dabei besserte und feilte er so lange an ihr, bis 
er etwas Vollkommenes vor sich zu haben glaubte. Das hat zur Folge 
gehabt, dafs die Zahl besonders seiner umfänglicheren Veröffentlichungen 
nicht grofs geworden ist. Er war so glücklich, keinen treibenden Zwang 
hinter sich zu haben, und so arbeitete er an seinen Problemen mit Liebe 
und Ruhe, ohne sich zu überstürzen. Dafs er, wenn es sein mufste, auch 
schnell arbeiten und doch etwas Gutes leisten konnte, hat er in Leipzig 
bewiesen, als er für Ostern 1880 die Abhandlung zum Programme seiner 
Schule übernommen hatte; zwar wuchs ihm der Stoff unter den Händen, 
aber dennoch lieferte er pünktlich seine Arbeit ein, die nun nur so um- 
fangreich ausgefallen war, dafs sie geteilt werden mufste und in zwei auf- 
einander folgenden Jahresprogrammen erschien. 

Die geometrische Betrachtungsweise in seinen Arbeiten war vorwiegend 
synthetisch; er benutzte die analytische Geometrie nur als Pfadfinderin, 
wozu sie sich ja hervorragend eignet, hielt sich aber immer die Tatsache 
vor Augen, dafs man zu Ergebnissen, die man erst durch langwierige 
Rechnungen erhalten hat, hinterher oft weit einfacher durch rein geo- 
metrische Betrachtungen gelangt. Deshalb bemühte er sich immer, das 
auf analytischem Wege gefundene Ergebnis auf die Synthese zu übertragen 
und so einen zugleich anschaulichen Weg zu schaffen. Dieser gestaltete 
sich dann bisweilen so einfach, dafs es möglich war, ihn sogar Schülern 
höherer Lehranstalten verständlich zu machen und somit der Schulgeo- 
metrie mit elementaren Mitteln auch mancherlei zugänglich zu machen, 
was sonst der Hochschule Vorbehalten ist. Hatte er auch allmählich eine 
grofse Virtuosität darin errungen, so machte doch naturgemäfs das Auf- 
finden des synthetischen Weges oft reichlich Mühe und erforderte viel 
Zeit. Und wenn er dann einen an sich schwierig erscheinenden Nachweis 
in der ,, Geometrie der Unmündigen“, wie er es nannte, durchgeführt hatte, 
wenn dann ein elegantes und durchsichtiges Verfahren vorlag, so ahnte 
man meist nicht, wievieler Versuche und Umarbeitungen es bedurft hatte, 
bis das Ziel erreicht war. Eine schöne Frucht dieser Bestrebungen aus 
den ersten Tharandter Jahren war die Festschrift „Die Herzlinie, für die 
Schule bearbeitet“, die er 1884 seinem geliebten Leipziger Realgymnasium 
zum fünfzigjährigen Jubiläum widmete. Die Kritik rühmte dieser Arbeit 


XI 


Klarheit, Einfachheit und mathematische Eleganz nach und betonte mit 
Recht ihren Vorzug, dafs sie nur geringe mathematische Vorkenntnisse 
erfordere. Diese Schrift zeigt, wie man die Schüler in das so reizvolle 
Gebiet der Kurvendiskussion auch ohne Differential- und Integralrechnung 
auf leichte und angenehme Weise einführen kann. 

Die Ergebnisse seiner reichen Studien in der synthetischen Behand- 
lung ebener Kurven wollte er in einem Werke zusammenstellen, das sehr 
elementar und einfach die wesentlichen Eigenschaften dieser Linien ent- 
wickeln sollte. Jahrzehnte hat er an diesem elementaren Kurvenwerke 
gearbeitet und es schliefslich im Entwürfe beendet, nach einer kurzen 
Erholungsreise gedachte er vom Herbst 1910 an diesen Entwurf auszu- 
arbeiten. Aber der Tod hat ihn daran gehindert, und es steht nun sehr 
dahin, wann dieses sein Lebenswerk an die Öffentlichkeit gelangen kann. 
Leider ist der Entwurf noch lange nicht druckfertig, und es ist für jeden 
anderen recht schwer und nur in langer Arbeit möglich, die Grund- 
gedanken des Verfassers durchzuführen und danach das Werk fertigzustellen. 

Für seine amtliche Tätigkeit fand Weinmeister auch die Anerkennung 
seines Königs: am 15. April 1899 wurde ihm das Ritterkreuz 1. Klasse 
des Albrechtsordens verliehen, am 21. Mai 1908 erhielt er Titel und Rang 
als Geheimer Hofrat. Im Geschäftsjahr 1906/07 war er Rektor der Forst- 
akademie. Paul Weinmeister. 


Veröffentlichungen. 

1. Das System der polaren Linien-Koordinaten in der Ebene. Inaugural-Disser- 
tation, Marburg 1876. 26 S. 8°. Abgedruckt auch in der Zeitschr. f. Matliem. 
u. Physik, XXL Jahrg., 1876, S. 301 — 324. 

2. Die Flächen zweiten Grades nach elementar- synthetischer Methode. Progr. d. 
Realschule 1. Ordn. zu Leipzig. I. Teil 1880; II. Teil 1881. 34 und 42 S. 4°. 

In der Zeitschrift für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht: 

3. Die Herzlinie, für die Schule bearbeitet. XV. Jahrg., 1884, S. 245— 270. Auch 
als Festschr. z. 50jälirig. Jub. d. städt. Realgymn. zu Leipzig 1884. 

4. Uber die Körper, deren Schnittflächen parallel zu einer Ebene quadratische 
Funktionen ihres Abstandes sind. XVIII. Jahrg., 1887, S. 321 — 359. 

5. Elementare Bestimmung der gröfsten und kleinsten Werte ganzer algebraischer 
Funktionen. XXVI. Jahrg , 1895, S. 8— 13. 

6. Über die Begründung des Cavalierischen Satzes. XXXII. Jahrg., 1901, S. 599 
bis 606. 

7. Unendlichkeitsrechnung in der Schule. XXXVIII. Jahrg., 1907, S. 1— 15. 

8. Das Achsenproblem des Kegels zweiter Ordnung. XL. Jahrg., 1909, S. 481 
bis 487. 

In der Zeitschrift für Mathematik und Physik: 

9. Notiz über Fufspunktkurven. XXVJ II. Jahrg., 1883, S. 256. 

10. Eingrenzung der Zahl e auf geometrischem Wege. XXXIJ. Jahrg., 1887, S. 256. 

11. Gelenkviereck und Dämmerungsdauer. 55. Bd., 1907, S. 122— 129. 

Im Archiv der Mathematik und Physik: 

12. Uber die Variation der Parallelprojektion einer Ellipse mit der Richtung der 
projizierenden Strahlen und mit der Lage der Projektionsebene. 2. Reihe, T. X, 
1891, S. 380-397. 

13. Über die Inhaltsbestimmungen von Körpern, deren Schnittflächen parallel mit 
einer Ebene quadratische Funktionen ihres Abstandes sind. 2. Reihe, T. XVII. 
1899, S. 190— 201. 


XII 


In der Zeitschrift für den physikalischen und chemischen Unterricht: 

14. Elementar-mathematische Bestimmung der Trägheitsmomente ebener homogener 
Elächenstücke. IV. Jahrg., 1891, S. 301— 304. 

Im Tharandter forstlichen Jahrbuch: 

15. Die Blitzschläge in Bäume der sächsischen Staatsforstreviere während des 
Jahres 1897. Bd. 48, 1897, S. 185—188. 

16. Zur Theorie der reziprok-polaren Kegelschnitte. Bd. 60, 1909, 8. 287—312. 

In den Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden: 

17. Graphische Bestimmung der Achsen des schiefen elliptischen Kegels. Jahrg.1909, 
S. 103-109. 

18. Über höhere Evoluten. Jahrg. 1910, S. 113— 119. 

Aufserdem mancherlei Bücherbesprechungen in mehreren Zeitschriften und zahlreiche 
Aufgaben besonders in der Zeitschrift für mathematischen und naturwissenschaftlichen 
Unterricht, in der Zeitschrift L’intermediaire des mathematiciens und im Archiv der 
Mathematik und Physik. 


f 

Karl Schiller. 

Der unerbittliche Tod hat vor kurzem einen Mann aus dem Leben 
gerufen, dessen Streben und Arbeit lange Jahre hindurch mit unserer „Isis“ 
innig verknüpft war. So ziemt es sich wohl, einen Augenblick rückwärts 
zu schauen, um zu sehen, wie er sich entwickelte und was er geleistet, 

Karl Schiller wurde am 10. November 1840 zu Mitteloderwitz in 
der sächsischen Oberlausitz als Sohn eines unbemittelten Tischlers geboren. 
Schon in seinem fünften Jahre verlor er die Mutter und mit ihr die Liebe, 
welche auf die Entwicklung des Kindesgemüts von gröfstem Einflufs zu 
sein pflegt. Nachdem sich der Vater wieder verheiratet hatte und nach 
Zittau übergesiedelt war, führte er ihn der dortigen Volkschule zu. Nach 
seiner Konfirmation wurde er wohl wider seinen Willen zu einem Kauf- 
mann in die Lehre getan, ging ja sein Herzenswunsch dahin, Lehrer zu 
werden. Nur acht Tage hielt er in dieser aus, worauf der Vater, seinen 
dringenden Bitten folgend, sich erweichen liefs, ihn dem Seminare zu Zittau, 
das später mit dem zu Bautzen vereint wurde, zu übergeben. Seine Armut, 
die ihm bei seinen Schulgenossen sehr bald den Namen „Peu d’argent“ 
einbrachte, liefs ihn während seiner Studienzeit viel Entbehrungen kosten, 
hinderte ihn aber nicht, mit Bienenfleifs zu arbeiten, um reiche Kenntnisse 
zu sammeln und sich mit trefflichen Fertigkeiten für seinen künftigen Beruf 
auszurüsten. Endlich war sein Ziel erreicht; Ostern 1860 wurde er als 
Hilfslehrer nach Cunewalde gewiesen, dem dortigen Hauptlehrer zur Seite 
zu stehen, was ihm aufser Kost und Wohnung 40 Taler einbrachte. Die 
jetzige Zeit vermag dies nicht zu verstehen, da die Ansprüche gestiegen 
sind; wer aber selbst durch solche Verhältnisse gegangen, dem ist es be- 
greiflich, wie unser von frühester Jugend an unverwöhnter Schiller sich 
unter den seinigen wohl fühlen konnte. Nach bestandener Wahlfähigkeits- 
prüfung galt es, nach einer ständigen Stelle Umschau zu halten. Er fand 
sie weit von den Bergen der Heimat im ebenen Gelände der Lommatzscher 
Pflege, in Mettel witz. Wohl betrug der Gehalt nur 150 Taler, doch fühlte 
er sich dabei, wie er oftmals bekundete, wiederum glücklich, freilich immer- 
hin auf bessere Zeiten hoffend. Nur das Gefühl der Einsamkeit, das ihn 
hier mit festen Armen umfafste — das Schulhaus stand für sich allein 
im Freien zwischen zwei Dörfern — , wollte seiner jugendlichen Natur nicht 
behagen und trieb ihn in seinen Freistunden, soweit sie nicht dem Umgang 
mit Menschen gewidmet waren, hinaus in die Natur, wo er auf jede Kleinig- 
keit achtete und sich besonders der Erforschung der Welt phanerogamer 
Pflanzen hingab. Nachdem er in dieser Stellung mehrere Jahre verbracht, 
wurde er an die Stadtschule von Lommatzsch berufen und bald zum Kantor 


XIV 


der Stadtkirche ernannt. Während dieser Zeit lernte er seine künftige 
Gattin kennen, die ihm als die Sonne seines Lebens Licht und Wärme 
spenden sollte bis an seinen Tod. Ostern 1872 siedelte er nach Dresden- 
Neustadt über, wo er in der Kadenschen, später Bochowschen Privat- 
schule den Unterricht im Zeichnen und in den Naturwissenschaften über- 
nahm und über ein Jahrzehnt lang fortführte. Sicher hätte er sich noch 
länger ihm gewidmet, wäre nicht eine Störung seiner Gesundheit eingetreten, 
die ihn zwang, den Lehrerberuf ganz aufzugeben. 

Bald nach seiner Übersiedelung trat er unserer Gesellschaft bei, in 
der er sich ganz besonders dem damaligen Oberlehrer, jetzigen Direktor 
a. D. Gerstenberger, dessen Name unter den Kryptogamenkennern Sachsens 
den besten Klang hat, anschlofs, damit er ihn, wie dieser es mit manchem 
vor und nach ihm getan, in Algen- und Mooskunde einführe. Nachdem 
Schiller den Reiz dieser Wissenschaft einmal gekostet, beseelte ihn ein 
wahrer Feuereifer für dieselbe. An der Seite seines ihm zum Freunde 
gewordenen Lehrers oder bei der Fülle ihm zu Gebote stehender Zeit viel 
öfter allein durchstreifte er die nähere und weitere Umgebung Dresdens, 
um mit Ausdauer und scharfem Blick alles zu sammeln, was sich ihm für 
seine Zwecke darbot; später schlossen sich ihm unsere Mitglieder, der jetzt 
in Leipzig lebende, durch sein Buch über Vogelstimmen bekannt gewordene 
Oberlehrer Voigt und die hiesigen Oberlehrer Jenke und Professor Wobst 
an. Zu Hause wurde dann alles gründlich durchgearbeitet, wobei das 
Mikroskopieren und das Zeichnen, in dem er es zur Meisterschaft gebracht 
hatte, eine Hauptrolle spielten. Erst nachdem er damit zu einem gewissen 
Abschlüsse gekommen war, trat er vor die „Isis“, um sie mit seinem „Ersten 
Verzeichnisse der in der Dresdner Heide bis 1883 gefundenen Laub-, Leber- 
und Torfmoose“ bekannt zu machen. Von da an läfst er keine Gelegen- 
heit vorübergehen, über neue Funde zu sprechen; bald stellt er vor ihm 
nicht gekannte Standorte seltener Pflanzen fest, bald berichtet er über die 
Wiederauffindung von Kryptogamen durch ihn, von denen angenommen 
worden war, dafs sie aus der Flora Sachsens verschwunden seien. Erwähnt 
sei hier nur nach mir durch Herrn Dr. Schorler freundlichst gewordenen 
Mitteilungen „die der interessanten und pflanzengeographisch wichtigsten 
Pflanze der Sächsischen Schweiz, des Hymenophyllum tunbridgense. Diese 
seltene westliche Art, die am bezeiehneten Gebiete ihren östlichsten und 
einzigen Standort in Deutschland hat, war in der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts am Felsentor des Uttewalder Grundes entdeckt, aber durch die 
Habgier unverständiger Sammler sehr bald wieder ausgerottet worden. 
Schiller ging nun von dem richtigen Gedanken aus, dafs dieser Standort 
nicht der einzige in dem schluchtenreichen Elbsandsteingebirge sein könnte. 
Und so durchforschte er Jahre lang alle Schluchten und Gründe des Ge- 
birges, bis es ihm im Oktober 1885 zu seiner grofsen Freude auch gelang, 
einen neuen Standort dieser Pflanze zu entdecken. Er hütete diesen wie 
seinen Augapfel und verriet ihn selbst seinen besten Freunden nicht. Erst 
am 30. Mai 1901 führte er die Herren Geheimrat Drude und Dr. Schorler 
zu seinem Kleinod, um, wie er sich ausdrückte, die Kenntnis dieses wich- 
tigsten Standortes nicht mit ins Grab zu nehmen.“ Besprechungen neuer 
Literatur, Berichte über von ihm im In- und Auslande unternommene 
Kryptogamenexkursionen, verbunden mit erläuternden Vorlagen, Vorträge 
über Gegenstände aus dem Gebiete der Pilzwelt, in dem er wie zu Hause 
war, hatten wir ihm vielfach zu danken. Aber nicht einseitig war sein 


XV 


Sinn auf die Pflanzenwelt gerichtet; gewisse Abteilungen der oberen und 
niederen Tierwelt verfolgte er mit grofsem Interesse. Besonders waren 
es neben Beobachtungen an Vögeln die an Ephemeriden, welche er in 
seinem Aquarium aufgezogen hatte, und die an sächsischen Zikaden voll- 
zogenen, welche lange Zeit seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. 
Daneben sei nicht vergessen, zu erwähnen, dafs er in dem langen Zeitraum 
von 1889 bis 1904 das viel Kraft und Zeit beanspruchende Amt als Biblio- 
thekar in höchst gewissenhafter Weise verwaltete, wofür ihm jederzeit Dank 
und Anerkennung von der Gesellschaft in reichem Mafse gezollt wurde. 

Immer lebte er im Ganzen und für das Ganze. Das Glück, das ihm 
seine von der grofsen Masse unbeachtete und von ihr nicht verstandene 
Tätigkeit gebracht, wollte er nicht in sich verschliefsen, sondern auch 
anderen mitteilen. Darum scharte er eine Anzahl Lehrer von höheren 
und niederen Schulen in getrennten Abteilungen um sich und unternahm 
mit ihnen viele Ausflüge, auf denen er den reichen Schatz seines Wissens 
und seiner Erfahrungen freigebig mitteilte. Im Winter unterrichtete er sie 
weiter bei in geschlossenem Raume vollzogenen Zusammenkünften. Wo er 
sonst noch etwas für Verbreitung seiner Lieblingswissenschaft tun konnte, 
da tat er es; immer fand man ihn bereit, Rat zu erteilen, wenn er ge- 
wünscht wurde. Niemand wird es wunderbar finden, dafs ein Mann von 
solchem Wissen mit einer grofsen Zahl sächsischer Forscher in Verbindung 
stand. So wirkte er segensreich und vielen Dank hat er dafür geerntet. 
Grofsen Dank wird man ihm auch in Zukunft spenden, dafs er seine 
prächtigen Sammlungen, die mehr als anderes von seinem vorbildlichen 
eisernen Fleifse und seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit zeugen, in un- 
eigennütziger Weise einer Stätte vermacht hat, an der sie jedem Belehrung 
Heischenden zugänglich bleiben sollen. Nicht bestehen sie allein aus einer 
Zusammenstellung der von ihm gesammelten und bestimmten Naturpro- 
dukte, sondern beigefügt sind den tausenden künstlerische getuschte oder 
aquarellierte Analysen, durch die sie dem Belehrung Suchenden von be- 
sonders hohem, nicht zu unterschätzendem Werte sein werden. 

Das Leben unseres Schillers hätte ein durchaus glückliches sein 
können, wenn es nicht bisweilen von Krankheit getrübt worden wäre. So 
brachte ihm eine heftige Erkältung, die er sich auf einer Reise zugezogen 
hatte, eine Nervenlähmung der rechten Seite, welche zwar allmählich schwand, 
aber ihn zwang, die rechte Hand mit der linken zu vertauschen, worin er 
es durch Willenszähigkeit und lang fortgesetzte Übung zu bewunderns- 
werter Fähigkeit brachte. Eine zeitweilig auftretende Herzschwäche ver- 
ursachte ihm manch bittere Stunde. Immer raffte er sich wieder empor, 
bis endlich Paralyse des Gehirns ihm Verlust des Gedächtnisses in weit 
stärkerem Mafse brachte, als es das Alter zu tun pflegt. Mit täglichen 
Gedanken an den Tod die Seinen beunruhigend siechte er allmählich hin. 
Noch vermochte er seinen siebzigsten Geburtstag bei vollem Bewufstsein 
in ihrer Mitte zu feiern, dann aber trat Bewufstlosigkeit und ein sanfter 
Tod am 12. November 1910 ein. Die Nachricht, dafs er gestorben, legte 
sich erkältend auf die Herzen aller, die ihn gekannt. Dafür, dafs sein 
Andenken bei ihnen nicht erlischt, hat er selbst gesorgt. 

Er ruhe in Frieden! 


H. Engelhardt. 



Sitzungsberichte 


der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1910. 


♦ 



I. Sektion für Zoologie. 


Erste Sitzung am 13. Januar 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Lohr- 
mann. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. 

Kustos Dr. B. Schorler legt vor: 

Brauer, A.: Die Süfs wasserfauna Deutschlands. Jena 1909. 

Prof. Dr. A. Jacobi hält Vortrag über den See-Elefanten und die 
Robbenfamilie, unter Vorlage mehrerer Schädel, wobei auf den vom 
K. Zoologischen Museum neuerdings erworbenen See-Elefanten besonders 
hingewiesen wird. 


Zweite Sitzung am 10. März 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Lohr- 
mann. — Anwesend 38 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt einige präparierte Backzähne vom Rind vor 
und bespricht kurz den Bau derselben. 

Prof. Dr. J. Thallwitz hält Vortrag über giftige Tiere, im Anschlufs an 

Taschenberg, 0.: Die giftigen Tiere. Stuttgart 1909. 


Dritte Sitzung am 25. Juni 1910 (in Gemeinschaft mit der Sektion 
für Botanik) in der Forstakademie zu Tharandt. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Lohr mann. — Anwesend 33 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. K. Escherich spricht über unsere Spechte. 

Der Vortragende führt die bei uns vorkommenden sechs Spechtarten vor und be- 
spricht unter Verwendung des überaus reichen Materials der Akademie die Anlage der 
Nisthöhlen und die Nahrung dieser Vögel, beides besonders im Hinblick auf den forst- 
lichen Nutzen oder Schaden. Vortragender ist der Ansicht, dafs beide sich ziemlich die 
Wage halten, dafs aber doch vielleicht der Nutzen, der darin liegt, dafs von den Spechten 
verschiedene schädliche Insekten niedergehalten werden, den Schaden überwiegt. 

Sodann spricht Prof. Dr. F. Neger über die natürlichen Ver- 
färbungen des Holzes. 

Schon die Entstehung des Kernholzes ist eine natürliche Verfärbung, die durch 
den Ausschlufs von der Saftleitung bewirkt wird. Dabei werden aufser Farbstoffen meist 
auch Gerbstoffe abgelagert. Das Vergrauen des Holzes an der Wetterseite, die Ver- 
gilbung und Bräunung vieler Hölzer, die Vergrünung des Lindenholzes und die Rot- 
färbung des Erlenholzes werden durch anorganische Einflüsse bewirkt. Dagegen erzeugen 
parasitische Pilze sowohl die unschädliche Blaufäule der Nadelhölzer als auch die anderen 
Fäulearten, die das Holz zugleich färben und zerstören. — An Literatur wird vorgelegt: 

Schramm, W. H.: Zum Vergrauen der Hölzer. Jahresbericht der Ver- 
einigung für angewandte Botanik, IV. Berlin 1907. 

Nach der Sitzung unternahmen die Teilnehmer einen Spaziergang nach 
Edle Krone. 


4 


II. Sektion für Botanik. 


Erste Sitzung am 20. Januar 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Neger. 
— Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. 

Kustos Dr. B. Schorler legt den XI. Band der „Vegetation der Erde“ 
von Engler und Drude vor, enthaltend eine Arbeit von 

Adamovic, L.: Die Vegetation der Balkanländer. Leipzig 1909. 

Sanitätsrat Dr. P. Menzel weist hin auf ein Werk von 

Connold, E.: Plant galls of Great Britain. London 1909. 

Lehrer H. Stiefelhagen hält einen Vortrag über seine Beise durch 
Bulgarien und die Dobrudscha. 

Der Vortragende macht zunächst an der Hand einer selbst entworfenen Wandkarte 
mit dem Reisegebiet bekannt und geht dann auf die Flora desselben ein. Auf zahlreichen 
Tafeln sind die gesammelten Pflanzen geographisch zusammen gestellt, darunter auch die 
beiden Seltenheiten Moehringici Grisebachii Ika. und M. Jankae Griseb., deren Auf- 
suchen die Reise veranlafst hat. Eingehend wird die Strandvegetation von Varna und 
die Flora von Burgas, des Balkan und des Rhodopegebirges, des Vitösch bei Sofia und 
des Rilo Dagh besprochen und in Vertretern gezeigt. 


Zweite Sitzung am 17. März 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Neger. 
— Anwesend 46 Mitglieder und Gäste. 

Prof. Dr. J. Thallwitz gibt eine kurze Besprechung von 0. Schneiders 
„Typenatlas“. Sechste, farbige Ausgabe. Dresden 1909. 

Oskar Schneiders Typenatlas, naturwissenschaftlich-geographischer Bilderatlas für 
Schule und Haus, ist nunmehr im Verlage von Meinhold u. Söhne, Dresden, nach dem 
Tode des Verfassers in 6. Auflage erschienen. Hat sich dieses Unterrichtswerk, das 
16 Karten und über 550 Einzel- und Gruppenbilder aus der Völkerkunde sowie der 
charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt der verschiedenen Erdteile zur Darstellung 
bringt, schon in den früheren Auflagen als wertvolles Anschauungsmittel zur Belebung 
des geographischen Unterrichts erwiesen, so erhöht die neue Auflage diesen Wert noch 
dadurch, dafs in ihr zum ersten Male die sämtlichen Bildertafeln in farbiger Ausführung 
dargeboten werden. Die farbige Wiedergabe entspricht dem' hohen Stande, welchen die 
Technik des Farbendruckes heute erreicht hat Die meisten der Bilder wirken dadurch 
unmittelbarer aufs Auge und lassen die Eigenart der Objekte leichter und rascher wahr- 
nehmen als in den älteren Auflagen. Neben weiteren Vervollkommnungen ist noch die 
Zahl der Bilder um einige vermehrt worden. Wäre es auch erwünscht, manches in 
gröfserem Mafsstabe dargestellt zu sehen, so müfste das allerdings auf Kosten der Fülle 
des Gebotenen geschehen. Voraussichtlich wird die neue, farbige Auflage des Typen- 
atlas das Interesse der Jugend an dem darin dargestellten Lehrstoff in noch gröfserem 
Mafse erwecken, wie die früheren schwarzen Ausgaben, die erfahrungsgemäfs von den 
Schülern der höheren Lehranstalten gern beschafft und benutzt wurden und sich auch 
aufserhalb der Schule zahlreiche Freunde erworben haben. 

Prof. Dr. F. Neger hält einen durch zahlreiche Lichtbilder veran- 
schaulichten Vortrag über die Pinsapo- und Korkeichenwälder 
Andalusiens. 

Die ursprünglichen Pinsapobestände Südspaniens bedecken zur Zeit nur noch eine 
kleine Fläche in einigen Gebirgen (Sierra de las nieves ca 600 ha, Sierra de Estepona 
ca 60 ha). Die spanische Staatsforstverwaltung sorgt seit einigen Jahren dafür, dafs 
eine weitere Dezimierung dieser interessanten Bestände verhindert wird. (Näheres 
hierüber in Naturw. Zeitschrift f. Land- und Forstwirtschaft 1907.) 


Dritte Sitzung am 12. Mai 1910. Vorsitzender: Kustos Dr. B. Schorler. 
— Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 


5 


DerV orsitzende wird zum stimmberechtigten Vertreter der Sektion 
bei den Nomenklatur- Verhandlungen auf dem 1910 in Brüsseltag enden 
Botanikerkongrefs ernannt. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt legt an der Mulde gesammelte Blätter 
vor, die in ihrer Form aufserordentlich variieren. 

Dr. Th. Wolf spricht über seine Reisen auf den Galäpagosinseln. 

Der Vortragende bespricht zunächst die Erforschung durch Darwin während seines 
20 tägigen Aufenthaltes auf der Inselwelt im Jahre 1835 und schildert dann auf Grund 
eigener Beobachtung und Erforschung die durchaus vulkanische Natur der Eilande, die 
besonders aus Palagonittuffen und Laven aufgebaut sind, und das Klima, das namentlich 
von der kalten Humboldtströmung beeinflufst wird. 

Die ganze Flora trägt zwar südamerikanisches Gepräge, macht aber keinen tropischen 
Eindruck. Die Hälfte aller Pflanzen ist endemisch. Die Tierwelt ist noch reicher an 
endemischen Arten, darunter fast alle Landvögel. Die Krone der Schöpfung bilden auf 
den Galäpagosinseln die beschuppten Reptilien. Hier findet sich die einzige lebende 
Meereseidechse ( AmbJyrhynchus cristatus Bell.) und insbesondere die Elefantenschildkröte 
( Testudo elephantojous Harl.), der die Inseln den Namen verdanken. Insekten sind nicht 
reich an Arten, Spinnen, Skorpione und Skolopendren kommen vor. 

Zum Schlufs geht der Vortragende auf die schwierige Frage ein, wie die Pflanzen 
und Tiere vom amerikanischen Festlande auf die aus dem Meere aufgestiegenen Inseln 
gelangt sind, und welche Faktoren bei ihrer Umbildung in endemische Arten die Haupt- 
rolle gespielt haben dürften. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 3. Februar 1910. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 81 Mitglieder und Graste. 

Der Vorsitzende berichtet über die am 8. Januar 1910 in Frank- 
furt a. M. erfolgte Gründung einer „Geologischen Vereinigung.“ 

Die Geologische Vereinigung will, in erster Linie durch Herausgabe der „Geo- 
logischen Rundschau“, die Fortschritte der geologischen Wissenschaft verbreiten helfen, 
sowie die Methodik des geologischen Unterrichts in Schulen, Museen und Hochschulen 
pflegen. Vorsitzender ist Prof. E. Kayser in Marburg. Anmeldungen sind zu richten 
an den 1. Schriftführer Dr. Drevermann in Frankfurt a. M., Senc.kenbergisches Museum. 
Eintrittsgeld 5 M., Jahresbeitrag 10 M., wofür die „Geologische Rundschau“ in jährlich 
6 Heften postfrei zugestellt wird. 

Ferner legt der Vorsitzende vor: 

Nordens kjöld, 0.: Die Polar weit und ihre Nachbarländer. Leipzig und 
Berlin 1909. 

Herr R. Baldauf hält einen Vortrag über seine geologischen 
Wanderungen in Westgrönland und erläutert ihn durch Lichtbilder 
und Lumiereaufnahmen. 


Zweite Sitzung am 7. April 1910. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 47 Mitglieder. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Geologische Rundschau, Zeitschr. f. allgem. Geologie. Herausgeg. von 
der Geolog. Vereinigung unter der Redaktion von G. Steinmann, W. Salomon 
und 0. Wilkens. 1. Heft. Leipzig 1910. 

Hierauf begründet der Vorsitzende eine bereits früher gegebene 
Anregung (vergl. Sitzungsber, 1909, S. 23), die Isis möge eine Zentral- 


6 


stelle zum Registrieren paläontologi scher Funde aus Sachsen 
einrichten. 

Als Beispiel für die Notwendigkeit einer solchen berichtet er über neue Beob- 
achtungen in dem Coschützer Sandsteinbruche. 

Folgende Anträge des Vorsitzenden finden einstimmige Annahme: 

1. Die Isis gründet eine Zentralstelle zum Registrieren paläontologischer Funde 
aus Sachsen. Dr. K. Wanderer, Direktorialassistent am K. Mineralogischen Museum, 
übernimmt die Bearbeitung und Prüfung der eingesandten Berichte und gibt darüber 
Sammelberichte in den Abhandlungen der Isis. 

2. Das nächste Isisheft soll einen Aufruf bringen, in dem die Ziele der Einrichtung 
klargelegt und Winke über wirksame Mitarbeit gegeben werden. 

3. Von dem Aufrufe werden Sonderabzüge auf Kosten der Isis an geeignete Personen 
versandt. 

Dr. K. Wanderer legt den Schädel eines Moschusochsen aus 
dem Diluvium von Prohlis vor. (Vergl. Abhandlung VIII des Jahr- 
ganges 1909.) 

Dr. E. Rimann hält einen Vortrag über den geologischen Bau 
des Isergebirges. 


Dritte Sitzung am 2. Juni 1910. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 52 Mitglieder und Gäste. 

Für den nach Südwestafrika abgereisten 1. Schriftführer Dr. E. Rimann 
wird Dr. R. Sehr eit er gewählt. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Suess, E : Das Antlitz der Erde, III. Bd., 2. Hlfte. Wien und Leipzig 1910; 

Reinisch, R.: Entstehung und Bau der deutschen Mittelgebirge. Leip- 
zig 1910. 

Walther, J.: Vorschule der Geologie. 4. Aufl. Jena 1910. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag über den Granit und seine 
Kontakterscheinungen und erläutert ihn besonders durch Gesteins- 
handstücke und Skizzen aus dem Elbtalschiefergebirge. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky zeigt im Anschlufs hieran eine 
Anzahl mikroskopischer Strukturbilder von Kontaktgesteinen. 


Ausflug am 4. Juni 1910 unter Führung von Oberlehrer Dr. P. Wagner. 
— 23 Teilnehmer. 

Vom Dorfe Lockwitz talaufwärts bis jenseits des Hummelsteins wird Gelegenheit 
gegeben, den Dohnaer Granit und seinen Kontakthof zu studieren bis dahin, avo sich 
bereits die Wirkungen des Syenits zeigen. Ein geselliges Zusammensein in Donaths 
Obstweinkelterei nebst Besichtigung der Keltereianlagen beschliefst den Ausflug. 


Ausflug am 16. Juni 1910 (in Gemeinschaft mit dem Verein für Erd- 
kunde) unter Führung von Oberlehrer Dr. P. Wagner. — 18 Teilnehmer. 

Von der Haltestelle Zehista aus geht die Wanderung durch das Bahratal nach 
Friedrichswalde und über Ottendorf nach Berggiefshiibel, nach der Mittagsrast und einem 
Besuch der Panoramahöhe dann an der Gottleuba abwärts über Zwiesel nach Langen- 
hennersdorf. 

Der Ausflug gibt Gelegenheit, einen grofsen Teil des Elbtalschiefergebirges zu 
durchqueren und die Beziehungen zwischen Gesteinsbeschaffenheit und Geländeformen 
zu erläutern. 


7 


IY. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Erste Sitzung am 3. März 1910. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmiiller. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. 

Vorgelegt werden: 

Mannus, Zeitschr. f. Vorgeschichte, Bd. I, Heft 8/4. YYürzburg 1910; 

Prähistorische Zeitschrift, Bd. I, Heft 2. Berlin 1909. 

Schuldirektor H. Döring berichtet über einen Urnenfund des älteren 
Lausitzer Typus im Kaditzer Tännicht, aus dem ein vorzüglich er- 
haltener Buckelnapf ausgestellt ist, und 

referiert über eine Schrift von A. M ei che: „Die Oberlausitzer Grenz- 
urkunde vom Jahre 1241 und die Burgwarten Ostrusna, Trebista und 
Godobi.“ Dresden 1908, welche interessante Rückschlüsse auch auf die 
prähistorische Zeit ermöglicht. 

Lehrer Kl. Vogel spricht über steinzeitliche Funde in der 
Dresdner Heide. 

Aufser einer Pfeilspitze vom Heller bei Dresden und Steinäxten von Klotzsche 
und von YYachau bei Seifersdorf, welche ausliegen, sind noch Steinäxte bekannt vom 
Militärschiefsstand auf dem Heller, vom Bahnhof Klotzsche, aus der Kiesgrube bei 
Langebrück, vom Vogelherd in der Dresdner Heide und von den Losch witzer Höhen. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller gibt eine Übersicht über die stein- 
zeitlichen Siedelungen in der Umgebung von Dresden. 

Zu den seit längerer Zeit bekannten steinzeitlichen Siedelungen auf dem linken 
Elbufer, in der Flufsaue und auf dem südlich angrenzenden Höhenzuge, bei Cotta, Löbtau, 
Mockritz, Neuostra, Strehlen, Nickern und Tolkewitz, ist jetzt eine neue Niederlassung 
in der Flur Seidnitz hinzugekommen. Das rechte Elbufer scheint infolge seiner mehr 
bergigen Beschaffenheit während der jüngeren Steinzeit noch nicht besiedelt gewesen 
zu sein. 

Hierauf hält Geh. Hofrat Prof. E. Bracht einen Vortrag über den 
gegenwärtigen Stand der Eolithenfrage. 


Zweite Sitzung am 9. Juni 1910. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. 
J. Deichmüller. — Anwesend 18 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende bespricht eine Schrift von L. Reinhardt: „Die 
älteste menschliche Bevölkerung Europas zur Eiszeit und ihre Herkunft 
nach den neuesten Skelettfunden.“ Frankfurt a. M. 1910. 

Gipsabgüsse des Unterkiefers von Homo lieidelbergensis und des Schädels von 
Homo neandertalensis liegen aus. 

Schuldirektor H. Döring bespricht E. Blume: „Vor- und frühgeschicht- 
liche Altertümer aus dem Gebiet der Provinz Posen“. Posen 1909, und 
G. Eichhorn: „Die paläolithischen Funde von Taubach in den Museen zu 
Jena und Weimar.“ Jena 1909. 

Zur Erläuterung dienen Fundstücke aus den Kalktuffen von Ehringsdorf. 

Derselbe spricht weiter über Burgwallschlacken. 

Vorgelegt werden Schlacken von den Burg wällen auf dem Liiptilzer Spitzberg und 
dem Dechantsberg westlich von Nossen, bei Altoschatz, bei Coschütz, auf dem Löbauer 
Berg, dem Stromberg bei Weifsenberg, der Landskrone bei Görlitz und aus einer 
schottischen Glasburg. Die Schlacken von Altoschatz, Coschütz und dem Stromberg 
zeigen deutliche Abdrücke von Holzstruktur. 


8 


Dr. R. Schreitcr spricht über vorgeschichtliche Biberfunde, 
an der Hand von 

vonLinstow, 0.: Die Verbreitung’ des Bibers im Quartär. Magdeburg 1908. 

Von sächsischen Biberresten aus vorgeschichtlicher Zeit sind ausgestellt ein Unter- 
kiefer von Zauschwitz bei Pegau und das Bruchstück eines Schneidezahns von Dresden- 
Cotta, beide aus neolithischen Siedelungen, sowie Unterkiefer von den Burgwällen bei 
Coschütz und bei Leckwitz. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller berichtet über neuere Funde aus 
Sachsen. 

Neue steinzeitliche Niederlassungen wurden bei Ziegenhain, Leippen und Kropte- 
witz entdeckt. Von Leippen stammt ein Napf, der ringsum mit Zapfen verziert ist, und 
ein wohlerhaltener bombenförmiger Napf mit - Spiralornament. Eine Herdgrube ‘bei 
Kroptewitz enthielt Trümmer mehrerer Kugel amphoren. Von Gärtitz liegt ein ring- 
förmiger, verzierter Keulenstein aus Basalt vor, von Schweta ovale, dicke Armringe aus 
Bronze mit Spuren einer Umwicklung und von Batzdorf ein prächtig verzierter Halsring 
aus Bronze. An der Balmhofstrafse in Cossebaude wurde eine Herdgrube mit zwei Reib- 
steinen und Trümmern von Gefäfsen des älteren Lausitzer Typus aufgeschlossen. 


V. Sektion für Physik und Chemie. 


Erste Sitzung am 17. Februar 1910. Vorsitzender: Prof. H. Reben- 
storff. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. 

Prof. H. Rebenstorff hält einen Experimentalvortrag über messende 
Versuche mit Gasen und andere Demonstrationen. 

Der Vortragende zeigt mit Hilfe von neuen Entwicklerkölbchen und Mefszy lindern 
die schnelle und genaue Abmessung der mittels Vioo Gramm- Atomgewicht Magnesium 
entwickelten Wasserstoffmenge. Dieselbe befindet sich in scharfer Übereinstimmung 
(Abweichungen etwa V 2 °/o) m it der Gasmenge, die gleich darauf ein Magnesiumüber- 
schufs aus 20 ccm Normal -Salzsäure bis zur Neutralisation freimacht. Im Anschlüsse 
wird über die vereinfachte Reduktion von Gasmengen und ihre Anwendung für genaue 
Unterrichtsversuche berichtet. 

Sodann wird die ausgedehnte Verwendbarkeit von Gummiballons mit bequem ver- 
schliefsbarem Schlauchansatz an Beispielen von Unterrichtsversuchen vorgeliihrt Die 
gleichen Apparate sind auch bei Versuchen mit flüssiger Luft vorteilhaft zu benutzen. 
Die Messung der 37 2 fachen Ausdehnung, die abgekühlter Wasserstoff beim nachträg- 
lichen Erwärmen auf Zimmertemperatur zeigt, gibt eine äufserst anschauliche und auf 
wenige Grade genaue Bestimmung der Temperatur der flüssigen Luft. Ist nach längerem 
Eindunsten derselben fast reiner flüssiger Sauerstoff entstanden, so entströmen dem Mefs- 
zylinder des Vortragenden gegen 10 ccm Wasser weniger, woraus sich die um etwa 
13 Grade höhere Siedetemperatur des flüssigen Sauerstoffs ergibt. 

Magnesium späne lieferten in einem weiteren Versuche reichliche Mengen an gelb- 
grünem Magnesiumnitrid, die mit Wasser sehr lebhaft reagieren und Ammoniak ent- 
wickeln. Zum Schlufs werden neue farbenthermoskopische Demonstrationen vorgeführt. 


Zweite Sitzung am 21. April 1910. Vorsitzender: Prof. H. Reben- 
storff. — Anwesend 69 Mitglieder und Gäste. 

Privatdozent Dr. H. Thiele berichtet über Wirkungen ultraviolett- 
reichen Lichtes, mit Demonstrationen. 


Dritte Sitzung am 16. Juni 1910 im Physikzimmer des König Georg- 
Gymnasiums. Vorsitzender: Prof. H. Rebenstorff. — Anwesend 38 Mit- 
glieder und Gäste. 


9 


Ingenieur E. N eugebauer- Wiesbaden zeigt die Versuche mit seinen 
selbsttätigen E lü s si gk ei ts hebern. 

Prof. Dr. H. Lohmann spricht über die Einrichtungen des König 
Georg-Gymnasiums für den Physikunterriebt, mit Demonstrationen. 

Nach einleitenden Bemerkungen, in denen er besonders das Entgegenkommen liervor- 
liebt, das ihm von seiten der städtischen Behörden und der Bauleitung bei der Errichtung 
des physikalischen Institutes zuteil geworden war, führt der Vortragende die Anwesenden 
durch die Bäume des König Georg -Gymnasiums, welche dem Physikunterricht, den 
praktischen Schülerübungen und der Werkarbeit dienen. Hierauf gibt er an der Hand 
zahlreicher Schulversuche ein Bild von den Einrichtungen und Hilfsmitteln, die dem 
Institute zur Verfügung stehen. 


Yl. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Erste Sitzung am 20. Januar 1910 im Hörsal der K. Sachs. Landes- 
wetterwarte. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Witting. — Anwesend 21 Mit- 
glieder und Gäste. 

Regierungsrat Prof. Dr. P. Schreiber trägt vor über ein einfaches 
Verfahren zum Studium der Vorgänge in den oberen Luft- 
schichten. 


Zweite Sitzung am 10. Februar 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Witting. — Anwesend 16 Mitglieder und Gäste. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. M. Krause spricht über einige kinematische 
Sätze von R. Müller. 

Vergl. Krause, M.: Zur Theorie der ebenen unveränderlichen Systeme. 

Arch. d. Math. u. Physik, III. Reihe, XVI, Heft 1. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Pb. Weinmeister gibt Mitteilungen über 
Ellipsenkrümmung und über die Kardioide in der Mikroskopie. 

Der Vortragende beweist zunächst die drei Rohnschen Konstruktionen des Krüm- 
mungskreises der Ellipse, indem er die Werte der Koordinaten des Krümmungsmittel- 
punktes und des Krümmungshalbmessers als bekannt voraussetzt. Dann zeigt er, wie 
man mit Hilfe der Parallelprojektion der Ellipse zum Kreis Konstruktion und Berech- 
nung des Krümmungskreises ausführen kann, und fügt einige Sätze über das der 
Ellipse eingeschriebene Dreieck hinzu, die er auf demselben Wege ableitet. 

Alsdann beweist er ohne höhere Rechnung den von H. Siedentopf gefundenen und 
zur Herstellung eines Kardioidenkondensors benutzten Satz über die Kardioide und den 
ihrem Erzeugungskreis konzentrischen Kreis von doppeltem Halbmesser. Alle parallel 
der Kardioidenachse einfallenden und von diesem Kreis und der Kardioide zurück- 
geworfenen Lichtstrahlen treffen sich in der Spitze dieser Kurve. 

• Der Vorsitzende überbringt eine Einladung des Dresdner Vereins 
akademisch gebildeter Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften an 
den höheren Schulen zu dem gelegentlich seiner Hauptversammlung am 
21. Februar 1910 vom Oberbergrat Prof. Dr. E. Papperitz angekündigten 
Vortrage: Die kinodiaphragmatische Projektion, ein neues Lehr- 
mittel in der Geometrie. 


Dritte Sitzung am 14. April 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Witting. 
— Anwesend 14 Mitglieder. 

Prof. Dr. W. Ludwig spricht über die Annäherung der Ellipse 
durch ihre Scheitelkreise. (Vergl. Abhandlung IV.) 


10 


Geh. Hof. Prof. Dr. Ph. Weinmeister macht Mitteilungen über das 
auf dem Zusammenhang der Krümmungen zweier projektiv aufeinander 
bezogenen Kurven beruhende Heumansche Verfahren zur Kon- 
struktion der Krümmungsradien von Kegelschnitten. 

Regierungsrat Prof. Dr. P. Schreiber legt die von der Firma Karl 
Schleicher & Schüll in Düren hergestellten neuen Logarithmen- 
papiere vor. 

Prof. Dr. A. Witting teilt ein einfaches, von d’Ocagne herrührendes 
Verfahren zur Rektifikation des Kreisbogens mit. 


Vierte Sitzung am 9. Juni 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. A. Witting. 
— Anwesend 10 Mitglieder. 


Prof. Dr. E. Naetsch spricht über eine Anwendung des Euler- 
schen Multiplikators in der Theorie der Minimalflächen. 

Damit die auf ein rechtwinkliges Raumkoordinatensystem bezogene Gleichung 
z = f(x , y) eine Minimalfiäche darstelle, ist notwendig und hinreichend, dafs die Funktion 
f{oß,y ) der partiellen Differentialgleichung II. Ordnung 
(1) (1 -f # 2 ) r — 2pqs + (1 = 0 

Genüge leistet, in welcher p, q , r, s, t die partiellen Ableitungen erster und zweiter 
Ordnung der Funktion f(x,y) bedeuten, also 

_df_ _d£ _d*f jgj d*f _d*f 
^ d x' ® dy ’ 1 d x*' 8 dx dy : d y 2 

ist. Diese Gleichung kann aber 

^ (yT+i^i 7 ^) + Jy (y r+FTp) = 0 


geschrieben werden und läfst dann erkennen, dafs der Ausdruck 

p .dy — q.dx 

yi +p 2 +p 2 

i 

ein vollständiges Differential wird, dafs also der Quotient ~r nr ' - 0 — , — ^ einen Eulerschen 

yi +p 2 + s 2 

Multiplikator (integrierenden Faktor) der gewöhnlichen Differentialgleichung I. Ordnung 

(2) p .dy — q.dx = 0 

bildet. Die vollständige Integration der letzteren erfordert also, wenn die Funktion 
f(x,y) der partiellen Differentialgleichung (1) Genüge leistet, blofs eine Quadratur. Nun 
kann aber die Differentialgleichung (2) geometrisch gedeutet werden; sie charakterisiert 
offenbar die Fallinien (Kurven stärksten Gefälles) der Fläche z = f(x,y), d. h. diejenigen 
Kurven, welche die Niveaulinien dieser Fläche (die Schnittkurven der letzteren mit den 
oo 1 Ebenen ^ = c.onst.) rechtwinklig durchsetzen. Hiernach ergibt sich der Satz, dafs 
die Fallinien einer Minimalfläche stets durch blofse Quadratur gefunden werden können. 

Dieser Satz mufs natürlich auch gelten, wenn die Begriffe der Niveaulinien und 
der Fallinien etwas allgemeiner gefafst werden, indem man die Schnittkurven einer ge- 
gebenen Fläche mit irgendeiner Schar paralleler Ebenen als Niveaulinien und deren 
orthogonale Tiajektorien als Fallinien bezeichnet. Wenn die Stellungswinkel jener Ebenen 
a, ß, y genannt werden und die betreffende Fläche durch drei Gleichungen von der Form 

(3) x = X (w, v), y = Y (u, v), z = Z (u, v ) 

dargestellt wird, in denen u und v zwei Parameter sind, so können die Niveaulinien durch 
die endliche Gleichung X (u, v) . cos a 4- Y (w, v) . cos ß + Z(u, v) . cos y = const , die Fall- 
linien aber durch die gewöhnliche Differentialgleichung I. Ordnung 



du 4- 


(' 


d_ü,_ d_Q\ 
d v ^ d u) ’ 


dv = 0 


charakterisiert werden, in welcher e, f , g die Gaufssclien Fundamentalgröfsen I. Ordnung 
sind, 12 aber zur Abkürzung für den Ausdruck X cos a + Y cos ß -f- Z cos y steht. In 


11 


dem besonderen Fall, wo die Gleichungen (3) eine Minimalfläche darstellen, mufs nun die 
vollständige Integration der Differentialgleichung (4) durch blofse Quadratur möglich 
sein; dies trifft auch in der Tat zu, denn die genannte Differentialgleichung besitzt alsdann 


den Eulerschen Multiplikator 


wie sich ohne Schwierigkeit zeigen läfst. 


\eg — r 

Prof. Dr. A. Witting berichtet über die Posener Hauptversamm- 
lung des Vereins zur Förderung des mathemathischen und natur- 
wissenschaftichen Unterrichts. 


VH. Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 27. Januar 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Fo erster. — Anwesend 79 Mitglieder und Gäste. 

Sanitätsrat Dr. Fr. Schanz und Dr. ing. K. Stockhausen berichten 
über die Wirkungen der kurzwelligen Lichtstrahlen auf das Auge. 

Jedermann hat schon an sich selbst empfunden, dafs unsere Augen von dem Licht 
unserer künstlichen Lichtquellen umsomehr belästigt werden, je intensiver sie sind. An 
der Lichtstärke selbst kann dies nicht liegen, da viel helleres Tageslicht für gewöhnlich 
unsere Augen nicht belästigt. Wir müssen die Ursache in der verschiedenen Zusammen- 
setzung des Lichtes suchen. Das Licht unserer gebräuchlichen Lichtquellen enthält 
neben den sichtbaren auch unsichtbare, sogen, ultraviolette Strahlen. Die Beleuchtungs- 
industrie hat die Temperatur der Leuchtkörper immer mehr gesteigert. Dadurch wird 
das Licht immer reicher an diesen unsichtbaren ultravioletten Strahlen. Diese Strahlen 
wirken aber, obgleich sie nicht mehr als Licht wahrgenommen werden, auf unser Auge 
und erzeugen da, wo sie intensiv einwirken, erhebliche Störungen. 

Die kurzwelligsten ultravioletten Strahlen werden von den äufseren Augenteilen 
absorbiert. Da diese mit einem sehr empfindlichen Nervenapparat versehen sind, ent- 
stehen sofort wahrnehmbare unangenehme Empfindungen am äufseren Auge. Bei sehr 
intensiver Einwirkung kann es sogar zu heftigen Entzündungen kommen. Solche werden 
bei Arbeitern an Bogenlampen beobachtet. Man kennt diese Erkrankung unter dem 
Namen „elektrische Ophthalmie“. Auch das Tageslicht ist unter Umständen imstande 
die gleichen Entzündungen zu erzeugen. Bei Hochtouren, bei Ballonhochfahrten, bei 
Reisen in arktischen Gegenden kommt es neben den Erscheinungen des Gletscherbrandes 
zur Schneeblindheit. Es ist dies dieselbe Krankheit wie die elektrische Ophthalmie. 
Sie wird durch dieselbe Strahlenart des Tageslichts erzeugt, das im Hochgebirge und 
in den arktischen Gegenden noch reich ist an den kurzwelligsten ultravioletten Strahlen, 
die in der Tiefebene bereits durch die Atmosphäre absorbiert sind. 

Die relativ langwelligen ultravioletten Strahlen gelangen in das Augeninnere und 
werden von der Augenlinse absorbiert. Sie sind die Ursache des Glasmacherstars. Ob 
sie auch auf die Entstehung des Alterstars von Einflufs sind, bedaif noch weiterer 
Prüfung. Sie erzeugen aber auch sofort wahrnehmbare Störungen dadurch, dafs sie in 
der Linse und Netzhaut Fluoreszenz hervorrufen. Auch ein Teil der blauen und violetten 
Strahlen ist dabei beteiligt. Durch das Fluoreszenzlicht wird das Netzhautbild ver- 
schleiert und die Netzbaut rasch ermüdet. Wir merken dies am besten bei der Blendung, 
sobald direktes Sonnenlicht in die Pupille gelangt. Daraus ergibt sich die Notwendig- 
keit, die Augen vor den störenden Wirkungen der kurzwelligen Lichtstrahlen zu schützen. 
Bei Hochtouren, Ballonhochfahrten, Reisen in arktischen Gegenden versieht man sich 
mit Brillen zum Schutz gegen diese schädlichen Strahlen des Tageslichts. Jetzt haben 
sich die dunkelgrauen Brillen eingebürgert, weil man empirisch herausgefunden hat, 
dafs die blauen ungeeignet sind. Wer in das Hochgebirge reist, will sich an der Natur 
erfreuen. Es entgeht ihm mancher Genufs durch die dunkle Brille. Aus Euphosglas 
werden jetzt Schutzbrillen hergestellt, die von den sichtbaren Strahlen nur die blauen 
und violetten, denen ähnliche Wirkungen zukommen wie den ultravioletten, etwas 
schwächen, die ultravioletten aber vollständig absorbieren. Auf ihrer Absorption im Blau 
und Violett beruht ihre gelbgrüne Farbe. Dafs diese Schutzbrillen wirklichen Schutz 
bieten, hat Dr. Flemming, Assistent der Augenklinik der Charite, bei einer Ballon- 
hochfahrt festgestellt, bei der er über 8000 m hoch gekommen war. Er trug eine helle 


12 


Euphosbrille, sein Begleiter eine dunkelgraue. Er hatte keine Beschwerden am Auge, 
sein Begleiter eine schwere Ophthalmie. 

Das Sonnenlicht der Tiefebene enthält aber von den ultravioletten Strahlen noch 
diejenigen, die Fluoreszenz der Linse und Netzhaut erzeugen. Um uns gegen die zu 
intensive Wirkung dieser Strahlen zu schützen, müssen wir die Pupille möglichst be- 
schatten, damit nur diffus reflektiertes Licht in die Pupille gelangt. Durch diffuse 
Reflektion verliert das Licht sehr viel ultraviolette Strahlen. Wir haben unsere Kopf- 
bedeckung so eingerichtet, dafs sie die Beschattung der Pupille übernimmt, wenn die 
natürliche Beschattung durch den Augenhöhlenrand und die Lidkante wegfällt. Da, wo 
ein solcher Schutz nicht möglich ist, oder wo bei Einwirkung direkt gespiegelten Sonnen- 
lichts die natürlichen Schutzmittel versagen, sind sicher Schutzbrillen, die diese Strahlen 
abfangen, angebracht. Auf jeden Fall aber sind sie dann angezeigt, wenn die Linse 
aus dem Auge entfernt oder die Pupille abnorm erweitert ist. 

Das künstliche Licht ist auch reich an ultravioletten Strahlen. Das Licht der 
Petroleumlampe enthält keine Strahlen, die das äufsere Auge reizen. Darum wird die 
Petroleumlampe zweifellos mit Recht als Arbeitslampe allen intensiveren Lichtquellen 
vorgezogen. Ihr Licht enthält aber noch die Strahlen, die Fluoreszenz der Linse und 
Netzhaut erzeugen. Man sollte daher diese Lampen stets so hoch stellen, dafs die Licht- 
strahlen nicht direkt in die Pupille gelangen. Durch diffuse Reflektion würde dann 
dieses Licht von den ultravioletten Strahlen soweit gereinigt, dafs es die Augen am 
wenigsten ermüdet. Steht die Lampe unmittelbar vor dem Arbeitsplatz, und können 
die Lichtstrahlen direkt in die Pupille gelangen, so tut man gut, auch diesem Licht die 
kurzwelligen Strahlen zu entziehen. In Glaszylindern, Augenschützern aus Euphos- 
glas hat man hierzu ein einfaches und billiges Hilfsmittel. Das Licht der intensiveren 
Lichtquellen enthält neben den Strahlen, die Fluoreszenz der Linse und der Netzhaut 
erzeugen, immer auch Strahlen, die das äufsere Auge reizen. Dem Licht dieser Licht- 
quellen sollte man die kurwelligen Strahlen nicht nur, wenn sie in die Pupille gelangen, 
sondern schon, wenn sie auf das äufsere Auge direkt einwirken, entziehen. Man müfste 
mit diesen Lichtquellen die Beleuchtung indirekt gestalten. Diese Beleuchtungsart wird 
wegen des grofsen Verlustes an sichtbaren Strahlen kostspielig bleiben. Einfacher und 
billiger können wir diesen Lichtquellen die kurzwelligen Strahlen entziehen, wenn wir 
sie mit Glashüllen aus Euphosglas umgeben. 

Der Vortrag wird durch zahlreiche Lichtbilder erläutert. 


Zweite Sitzung am 24. Februar 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Foerster. — Anwesend 69 Mitglieder und Gaste. 

Eingegangen ist eine Einladung des Vereins für Erdkunde zu Dresden 
zu dem am 18. März d. J. im Konzerthaus ,, Zoologischer Garten“ statt- 
findenden Vortrag des Prof. Dr. A. Heim-Zürich über Neuseeland. 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Hofrat Prof. H. Engelhardt, 
berichtet über den Kassenabschlufs für 1909 (siehe S. 16). Zu Rech- 
nungsprüfern werden Lehrer M. Gottlöber und Lehrer E. Herrmann 
gewählt. 

Der Voranschlag für 1910 wird genehmigt. 

Prof. Dr. A. Wislicenus spricht über Faserstruktur und Holz- 
bildung vom Standpunkte der neueren Kolloidchemie, unter Vor- 
lage verschiedener Präparate. 


Dritte Sitzung am 31. März 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Foerster. — Anwesend 67 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller berichtet über die Gründung eines 
Lokalvereins „Dresden“ der Deutschen Anthropologischen Ge- 
sellschaft und beantragt den Beitritt der Isis als Mitglied desselben. 
Der Antrag wird genehmigt. 


13 


Der Antrag der Sektion für Zoologie auf Gewährung einer Reise- 
beihilfe für einen Vertreter der Isis bei dem 1910 in Berlin tagenden 
5. Internationalen Ornithologenkongrefs wird abgelehnt. 

Vorgelegt wird ein vom Gebirgsverein Demitz-Thumitz- Klosterberg 
herausgegebenes und der Gesellschaftsbibliothek übersandtes Scbriftchen: 
„Der Klosterberg bei Demitz-Thumitz und seine Umgebung“. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt teilt mit, dafs die Rechnungsprüfer den 
Kassenabschlufs für 1909 geprüft und richtig befunden haben. Der 
Kassierer wird hierauf entlastet. 

Dr. W. Hentschel hält einen Vortrag über das züchterische Ele- 
ment in den älteren Kulten, insbesondere im Dionysoskult. 

Vergl. hierzu den Aufsatz des Vortragenden über den Dionysoskult in 
Nr. 17 der Mittgart-Blätter, Mitteilungen des Mittgart-Bundes. 


Vierte Sitzung am 28. April 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Foerster. — Anwesend 92 Mitglieder und Gäste. 

Nach einer kurzen Aussprache über den für den Himmelfahrtstag in 
Aussicht genommenen Gesellschaftsausflug*) spricht 

Prof. Dr. W. Bergt-Leipzig über den Vesuv und dessen Ver- 
änderungen, unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder und Vorlage des 
Werkes von 

Stübel, Alph. : Der Versuv, eine vulkanologische Studie für jedermann. 
Nach dessen Tode ergänzt und herausgegeben von W. Bergt. 
Leipzig 1909. 


Fünfte Sitzung am 26. Mai 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. Fr. Foerster. — Anwesend 204 Mitglieder und Gäste. 

Festsitzung zur Feier des 75jährigen Bestehens der Isis. 

Als Ehrengäste sind anwesend Staatsminister Exz. Dr. H. Beck, Mini- 
sterialdirektor Geh. Rat Dr. F. Kretzschmar, Geh. Regierungsrat Dr. 
G. Schmaltz, der Rektor magnificus der K. Technischen Hochschule Geh. 
Hofrat Prof. Dr. G. Helm; als Vertreter der K. Tierärztlichen Hochschule 
Obermedizinalrat Prof. Dr. H. Kunz-Krause; als Vertreter des Vereins für 
Erdkunde Geh. Hofrat Prof. B. Pattenhausen und kommandierender 
General Exz. H. von Broizem, des Vereins für Natur- und Heilkunde 
Prof. Dr. M. Klimmer, der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ in 
Bautzen Dr. H. Stüh ler, des Dresdner Vereins akademisch gebildeter Lehrer 
für Mathematik und Naturwissenschaften an den höheren Schulen Prof. 
Dr. H. Lohmann und des Bezirksvereins Dresden des Lehrervereins für 
Naturkunde Lehrer G. Schön feld. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Foerster hegrüfst zunächst die zahlreich 
erschienenen Gäste und dankt ihnen für das Wohlwollen, welches sie der 
Gesellschaft durch ihr Erscheinen bei deren Jubelfeier erwiesen haben. 

In längerer Rede gibt Derselbe dann ein Bild der Entwickelung der 
Isis in den letztvergangenen 25 Jahren (vergl. Abhandlung I) und über- 


*) Der für den 5. Mai 1910 geplante Ausflug nach Stolpen mufste infolge ungünstiger 
Witterung unterbleiben. 


14 


reicht am Schlufs seiner Ansprache dem langjährigen zweiten Vorsitzenden 
der Gesellschaft, Hofrat Prof. H. Engelhardt, mit warmen Worten des 
Dankes die Urkunde seiner Ernennung zum Ehrenmitglied. 

Se. Magnif. Geh. Hofrat Prof. Dr. G. Helm begrüfst und beglückwünscht 
die Isis zu ihrer Jubelfeier namens des Senats und Professorenkollegiums 
der K. Technischen Hochschule und betont, dafs nicht nur der seit mehr 
als drei Jahrzehnten bestehende Mietvertrag die Isis äufserlich an die Hoch- 
schule geknüpft hat, sondern vor allem die auf naturwissenschaftliche 
Bildung gerichteten Ziele der Gesellschaft mit den Aufgaben der Hoch- 
schule zusammenstimmen. 

Den Festvortrag hält Geh. Hof rat Prof. Dr. E. Kalkowsky über 
Geologie und Phantasie. (Vergl. Abhandlung II.) 


Nach der Sitzung vereinigen sich ca. 120 Mitglieder und Gäste bei 
einem einfachen Mahle zu einer Festosiris im Kaiser Franz- Josefsaale 
des Hauptbahnhofs. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Fr. Foerster eröffnet die Tafelreden mit einem 
Hoch auf Ihre Majestäten den Deutschen Kaiser und den König von Sachsen; 
Hofrat Prof. H. Engelhardt feiert die Isis und dankt ihr insbesondere 
für die ihm erwiesene Ehrung; Sanitätsrat Dr. P. Menzel widmet sein 
Glas den Vertretern hiesiger und auswärtiger Vereine. 

Der Vorsitzende der Bautzner „Isis“, Dr. H. Stübler, überbringt die 
Glückwünsche der Schwestergesellschaft und Prof. Dr. H. Lohmann die 
des Vereins akademisch gebildeter Lehrer für Mathematik und Natur- 
wissenschaften an den höheren Schulen; Lehrer G. Schönfeld beglück- 
wünscht die Gesellschaft im Namen des hiesigen Lehrervereins für Natur- 
kunde. 

Schliefslich teilt Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller die Glückwunsch- 
schreiben und Telegramme mit, die von der Meifsner „Isis“ und von zahl- 
reichen auswärtigen Mitgliedern eingegangen sind. 


Sechste Sitzung am 29. Juni 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. 
Dr. F r. Foerster. 

Vor der Hauptversammlung findet eine Besichtigung der Fabrik von 
Heinrich Ernemann, Aktien-Gesellschaft für Camera - Fabri- 
kation in Dresden-Striesen, Schandauerstr. 48, unter Führung von Ingenieur 
A. Ernemann und Dr. Aue statt, an der 41 Mitglieder und Gäste teil- 
nehmen. 

Hieran schliefst sich im Restaurant „ Reichsadler“ eine kurze Ge- 
schäftsitzung, in der an Stelle des verstorbenen Verwaltungsrats -Mitgliedes 
W. Putscher, welchem Hofrat Prof. H. Engelhardt einen ehrenden 
Nachruf widmet, Sanitätsrat Dr. P. Menzel gewählt wird. 

Auf Antrag der Sektion für Mineralogie und Geologie wird die Ver- 
öffentlichung und Versendung eines Aufrufs zum Sammeln und Re- 
gistrieren paläontologischer Funde aus Sachsen (siehe S. 17) be- 
schlossen. 


15 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 1. Februar 1910 starb Giovanni Omboni, Professor der Geo- 
logie an der Universität zu Padua, Ehrenmitglied der Isis seit 1868. 

Am 27. März 1910 starb Dr. Alexander Agassiz, Professor der Zoo- 
logie und Kurator a. D. des Museum of comparative zoology in Cam- 
bridge, Nordamerika, Ehrenmitglied seit 1877. 

Am 23. April 1910 starb Apotheker Dr. Georg Hübner in Dresden, 
wirkliches Mitglied seit 1888. 

Am 3. Juni 1910 starb in Dresden J. Wilhelm Putscher, wirkliches 
Mitglied seit 1872. 

J. Wilhelm Putscher wurde am 9. November 1826 in Bremen geboren und ge- 
nofs daselbst anfangs seine Schulbildung in der Lateinschule, später im Hause eines 
Pastors, der ihn für die Natur zu interessieren verstand. Nachdem er sich dem Kauf- 
mannsberufe gewidmet, verlebte er mehrere Jahre in London und Paris, bereiste dann 
die Schweiz, Italien, Griechenland, Palästina, Syrien und Ägypten. 1860 kehrte er nach 
Bremen zurück, übernahm das Geschäft seines Vaters, siedelte aber schon 1872 nach 
Dresden über, wo er bald Mitglied unserer Isis und, in derselben durch Männer der 
Wissenschaft angeregt, leidenschaftlicher Sammler vor allem von Mineralien und Conehilien 
wurde. Nach und nach entstanden seine grofsartigen, wegen ihrer Vollständigkeit oft 
bewunderten Sammlungen, die bisweilen bei Vorträgen in unserer Gesellschaft zu Hilfe 
gezogen wurden. Zum Mitglied des Yerwaltungsrates erwählt, waltete er gewissenhaft 
vom Jahre 1891 bis zu seinem Tode dieses Amtes. 


Neu ernanntes Ehrenmitglied: 

Engelhardt, Herrn., Hofrat, Professor in Dresden, am 26. Mai 1910. 


Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 
Förster, Bruno, Dr. phil., Oberlehrer am Realgymnasium 
in Blasewitz, ! 

Heinrich, Karl, Realschullehrer in Pirna, 

Lemmes, Fritz, Eisenwerksdirektor in Kommotau, 

Qu and t , J., Dr. phil., Oberlehrer am Realgymnasium in Pirna, 
Reich, Otto, Dr.phil., Oberlehrer am Realgymnasium in Pirna, 
Schreiter, Rud., Dr. phil., wissenschaftlicher Hilfsarbeiter 
am K. Miner.-geolog. Museum in Dresden, 

Steinkopff, H. Theod., Verlagsbuchhändler in Dresden, 
bruar 1910. 


am 31. März 
1910; 


am 29. Juni 
1910; 

am 24. Fe- 


Aus den korrespondierenden in die wirklichen Mitglieder 

ist übertreten: 

Schlaginhaufen, Otto, Dr. phil., wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am 
K. Zoolog, und Anthrop.-ethnograph. Museum in Dresden. 


Aus den wirklichen in die korrespondierenden Mitglieder 
sind übergetreten: 

Bruhm, Arth., K. Forstassessor in Holzhau; 

Heinich, Rud., Dr. phil., Oberlehrer am Realgymnasium in Pirna; 
Lehmann, Ernst, Dr. phil., Privatdozent an der Universität in Kiel; 
Rimann, Eberh., Dr. phil., Bergingenieur in Rehoboth, Südwestafrika; 
Verhoeff, Karl, Dr. phil., Zoolog in Stuttgart-Cannstatt. 


Kassenabschlufs der Naturwiss. Gesellschaft ISIS vom Jahre 1909. 

Einnahme. Ausgabe. 


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Dresden, am 24 . Februar 1910 . Hofbuchhändler Georg Lehmann, z. Z. Kassierer der Isis. 


Aufruf 

der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden zum 

Sammeln und Registrieren pal äontologischer Funde 

aus Sachsen. 


Bereits seit Jahren veröffentlicht die Isis regelmäfsige Berichte über 
Bereicherungen der Flora Saxonica, ebenso über wichtige prähistorische 
Funde aus Sachsen, obgleich für letztere eine amtliche Inventarisierung 
besteht. In der Erwägung, dafs „die naturwissenschaftliche Erforschung 
des Vaterlandes“ statutengemäfs eine Hauptaufgabe der Isis ist, möchte sie 
jetzt auch auf einem anderen Felde die Arbeiten Einzelner zusammen- 
fassen, nämlich auf dem Gebiete der Paläontologie. Die grofsen als fossil- 
reich bekannten künstlichen Aufschlüsse sind durch Abbau dauernden Ver- 
änderungen unterworfen; Steinbrüche, Gruben, die jahrelang aufser Betrieb 
waren, werden plötzlich wieder in Angriff genommen; durch Strafsen-, 
Bahn-, Hausbauten usw. werden beständig neue Gelegenheiten zum Sammeln 
geboten, die rasch wie sie entstanden sind, häufig wieder verschwinden. 
All diese vergänglichen und veränderlichen Aufschlüsse paläontologisch 
auszunützen, ist nur möglich, wenn viele orts- und sachkundige Persönlich- 
keiten sich in eine dauernde Beobachtungsarbeit teilen. Es fehlt sicher 
nicht an Arbeitswilligen hierzu; es bedarf nur einer Anregung und einer 
Zentralstelle, um die kleinen Einzelergebnisse zu sammeln und weiter zu 
verwerten. Man könnte einwenden, der natürliche Mittelpunkt hierfür sei 
in der Geologischen Landesanstalt bereits vorhanden. Aber dieses Institut 
besitzt weder — wie viele andere Landesanstalten — ein besonderes 
Organ zur Veröffentlichung von Berichten, noch Mittel und Hilfskräfte 
genug, um eine andere Arbeit, als die Herausgabe von Spezialkarten, zu 
übernehmen. Und so bleiben tatsächlich eine grofse Menge von Einzel- 
beobachtungen, Ergebnisse von Bohrungen, von Ausschachtungsarbeiten u. ä. 
für die Wissenschaft verloren. 

Deshalb wendet sich die Isis mit der Bitte um freiwillige Mitarbeit 
in einem vernachlässigten Zweige vaterländischer Forschung an alle sächsi- 
schen naturwissenschaftlichen Schwestergesellschaften, an die Sektionen des 
Deutschen Lehrervereins für Naturkunde, an die höheren Schulen, deren 
reifere Zöglinge schon recht viel schätzbares Material geliefert haben, 
sowie an alle Persönlichkeiten, die aus Beruf oder Neigung dem heimat- 
lichen Boden besondere Aufmerksamkeit widmen. Herr Dr. Karl Wanderer, 
Direktorialassistent am K. Mineralogischen Museum zu Dresden (Zwinger), 
hat sich bereit erklärt, die einzelnen Mitteilungen entgegenzunehmen, das 


18 


gefundene Material eventuell zu prüfen und zu bestimmen und dann in 
geeigneter Weise darüber in den Abhandlungen der Isis zu berichten. 

Sollen die Mitteilungen von wissenschaftlichem Werte sein, so sind 
folgende Punkte zu beachten: 

1. Unzweideutige Bestimmung des Fundortes, sei es durch Angaben 
aus der Spezialkarte oder durch Beifügung einer topographischen Skizze. 

2. Möglichst genaue Beschreibung des Aufschlusses, der Gesteins- 
beschaffenheit, Schichtenfolge und -mächtigkeit, eventuell unter Beilegung 
eines schematischen Profils oder einer Photographie. 

3. Genaue Angabe, aus welcher Schicht jede gesammelte Versteinerung 
stammt. 

4. Mitteilungen über den Erhaltungszustand und die Art der Fossi- 
lisierung. 

5. Einsenden jeder für den Fundpunkt neuen oder zweifelhaft be- 
stimmten Form zur Nachprüfung an die Zentralstelle. 

Durch Beachtung obiger Grundsätze kann jeder Sammler der wissen- 
schaftlichen Landeskunde einen Dienst erweisen, scheinbar geringfügig und 
für das Fortschreiten der Erkenntnis belanglos, so lange die Ergebnisse 
zersplittert bleiben — aber aus der Zusammenfassung vieler Einzel- 
leistungen erwächst schliefslich doch ein Beitrag zur Geologie unseres 
Vaterlandes, der in seinem Werte nicht zu unterschätzen ist. 

Dr. Paul Wagner, 

z. Z. Vorsitzender der Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Bericht Nr. 1. 


Cenoman -Aufschlufs im Sandsteinbruch westlich von 
Alt-Coschiitz bei Dresden.*) 

Von K. Wanderer. 


Lage des Bruches: Rechtwinckelig von dem den slawischen Rund- 
ling Alt-Coschütz umgebenden Weg geht auf der Westseite des Dorfes bei 
Sig. 212,7 ein Fahrweg in westnordwestlicher Richtung nach dem grofsen 
Syenitbruch unter der Heidenschanze Sig. 224, 1. Ungefähr 200 m hinter 
dem letzten Haus von Coschütz zweigt rechts vom Weg, in nordöstlicher 
Richtung, eine tief eingeschnittene Fahrt in den Sandsteinbruch ab. 

Literatur über den Aufschlufs: Erläut. z. Geol. Spez.-Karte d. K. Sachsen, 
Sekt. Dresden, 1893, Fig. I, S. 50/51 ; Beck, R.: Geol. Wegweiser durch 
d. Dresdner Elbthalgebiet usw., 1897, S. 10; Nessig, R.: Geol. Ex- 
kursionen i. d. Umgebung von Dresden, 1898, S. 116/117. 

In dem in NNO. -SSW. Richtung angelegten Bruch ist heute nur die 
senkrecht angeschnittene Ostwand der Beobachtung zugänglich und zwar 
in einer Längsausdehnung von über 80 m. Nach einer geodätischen Auf- 
nahme von Hans Ziegenbalg unter Leitung des Geh. Hofrates Prof. Patten- 
hausen ist die Bruchsohle unter der Wand am südlichen Eingang mit 
213,5, am nördlichen Bruchende mit 207,2 bestimmt worden, der oberste 
Bruchrand mit 218,4 m. 



Geologisch bietet der Aufschlufs ein ausgezeichnetes Bild auskeilender 
Wechsellagerung von Sandsteinen und Konglomeraten cenomanen Alters, 
deren Auflagerungsfläche entsprechend den Verhältnissen der nächsten 


*) Dem Bericht dienten als Unterlage die Aufnahmen und Aufsammlungen der 
Herren P. Wagner, F. Dettmer und des Berichterstatters. 


20 


Umgebung durch den Syenit des Plauenschen Grundes gebildet wird. Der 
Syenit selbst ist in dem Bruch nicht mehr aufgeschlossen, es ist darum die 
Frage, ob sich zwischen diesem und dem liegenden Sandstein noch eine 
andere Schicht (Grundkonglomerat) einschaltet, hier nicht zu entscheiden. 

Bei einer von der horizontalen nur wenig abweichenden Lagerung 
(5° OSO. nach d. Erläut. d. geol. Karte) zeigt der Bruch in seinen ver- 
schiedenen Teilen folgende Profile: 

Südlicher Teil: Über der Sohle des Bruches steht hier in einer 
wechselnden Mächtigkeit von ca. 3 — 5 m Sandstein an, der gegen das 
Hangende hin in unregelmäfsiger Oberfläche abschneidet. Durch eine 
dünne, nach Norden allmählich auskeilende Konglomeratschicht von wenigen 
Zentimetern und zwei in der Mitte des Bruches ebenfalls kleine Gerolle 
führende Schichtflächen ist der Sandsteinkomplex in vier mehr oder weniger 
deutlich sich abgrenzende Bänke gegliedert. Über den Sandstein vergl. 
Nessig 1. c. 

Während die unteren Bänke bisher als fossilleer betrachtet werden 
müssen (Nessig gibt auf den Schichtflächen nur die problematische Spongia 
Saxonica Gein. an), sind in der obersten Sandsteinbank bisher gefunden: 

Inoceramus bohemicus Leonliardt. Radiolites German Gein. 

Alectryonia carinata Lam. sp. Gastropodensteinkern. 

Ostrea hippop odium Nilss. 

Über dem Sandstein liegt, von diesem durch eine dünne Schicht mulmig- 
sandigen, durch Mangan schwarz gefärbten Materials getrennt, eine 
Konglomeratlage von durchschnittlich 4 m Mächtigkeit. Die zumeist kugel-, 
liieren- oder linsenförmigen Gerolle, die in Gröfsen von wenigen Zenti- 
metern bis zu 3 / 4 m auftreten , bestehen durchweg aus Syenit und sind 
derart stark verwittert, dafs sie unter dem Hammerschlag meist zu Grus 
zerfallen. Als Bindemittel tritt hier ein gleichfalls stark verwittertes, über- 
wiegend sandiges Zement auf, das nur in den oberen Lagen an Kalkgehalt 
zunimmt und damit eine höhere Festigkeit gewinnt. 

An Fossilien fanden sich in den Konglomeraten und zwar nur aus 
den höheren Lagen: 

Cklaris (Tylocidaris) StrombecTci Desor. Nerinea sp. cf. Geinitzi Goldf. 

Turbo Goupilianus d'Orb. 

Im mittleren Teil des Bruches bildet eine im südlichen Teil von 
der Bruchsohle verdeckte, in ihrem oberen Drittel von einem dünnen 
Geröllband durchzogene, fünfte Sandsteinbank das Liegende. 

Im Frühjahr 1910 waren hier in einer kleinen Grube ca. 1 m unter der 
Sohle zwei dünne Sandsteinschichten angeschnitten, ganz erfüllt von den 
durch Mangan schwarz gefärbten Steinkernen des Pectunculus obsoletus 
Goldf. Da die Schichten, der andere Fossilien ganz zu fehlen schienen, nur 
in 1 bis 2 m Horizontalausdehnungen in der Grube verfolgbar waren, mufs es 
offen bleiben, ob es sich um eine durchgehende Pectunculus - Bank handelt 
oder nur um eine lokal beschränkte, linsenförmige Einlagerung. Eine 
verminderte Abnahme der Mächtigkeit nach den Seiten hin liefs sich nicht 
beobachten. 

Zwischen den Bänkchen und zum Teil auch im Hangenden fanden sich 
Einlagerungen eines sehr festen Kalksandsteines, wie solche im nördlichen 
Teil des Bruches anzuführen sind. 

Über dem Sandstein folgt, dessen unregelmäfsiger Oberfläche sich an- 
schmiegend, eine Konglomeratlage, die sich hier nach Süden auskeilend 


21 


zwischen die unteren Sandsteinbänke einschiebt und an ihrer Spitze durch 
eine nach Norden einschliefsende, schmale Sandsteinzunge gespalten wird. 
Art und Material der Gerolle sind die gleichen wie in der oberen Konglomerat- 
lage im südlichen Teil des Bruches. Das Einbettungsmaterial der Gerolle 
ist dagegen hier rein sandig und nur durch Eisenhydroxyd stellenweise 
schwach verkittet und gefärbt. Fossilien sind in dieser Konglomeratlage 
bisher nicht gefunden. 

Zwischen dieser unteren Konglomeratzunge und den Konglomeraten im 
Hangenden des Bruches keilen die oberen Sandsteinbänke in nördlicher 
Richtung aus, ohne sich in ihrer petrographischen Beschaffenheit wesent- 
lich zu ändern. 

Die darüber folgenden hangenden Konglomerate unterscheiden sich 
sowohl von den im gleichen Niveau befindlichen des südlichen Bruchteiles 
als auch von der unteren Konglomeratzunge durch ein äufserst festes, rein 
kalkiges und von Organismenresten ganz erfülltes Zement. 

Im nördlichen Teil des Bruches war im Frühjahr 1910 an einer 
Stelle ca. 1 m unter der Sohle versuchsweise gebrochen worden. Hierbei 
stellten sich in dem sonst fossilleeren Sandstein , in verschiedener 
Niveauhöhe verstreut, in Geröllform und Gröfse von 15—80 cm Einlage- 
rungen eines sehr stark verfestigten Kalksandsteins ein, der erfüllt war 
von in Kalkspat umgewandelten Molluskenschalen. Peripher waren diese 
Einlagerungen zumeist durch eine ca 1 / 2 cm dicke stark verfestigte, dunkel- 
gefärbte Sandsteinkruste abgegrenzt. 

Es kann sich bei dieser Erscheinung nicht um ehemalige in situ lebende Faunen- 
konzentrationen handeln, auch nicht um Reste älterer, bereits verfestigter Sedimente, 
sondern wohl um die Reste gleichalteriger, vor völliger Verfestigung durch die Brandung 
teilweise wieder zerstörter benachbarter Ablagerungen. Als solche kämen die am 
Promenaden weg längs des steilen rechten Weifseritzufers anstehenden (?) Muschelfelsen 
in Betracht, mit denen obige Einlagerungen petrographisch und faunistisch Analogien 
zeigen. 

An Fossilien liefsen sich aus den Einlagerungen bestimmen: 

Exogyra columba Lam. sp. Nerinea Geinitzi Goldf. 

Pectunculus obsoletus Goldf. Actaeonella conica Briart u. Cornet. 

Radiolites sp. Turritella Kirsteni Gein. 

Die über dem Sandstein folgenden Konglomerate erreichen im nörd- 
lichen Teil des Bruches ihre Maximalmächtigkeit mit ca. 9 m, doch wird 
die Gleichmäfsigkeit der Ablagerung unterbrochen durch zwei von Nord 
nach Süden auskeilende Sandschichten, die sich zungenförmig in die Konglo- 
merate einschieben. Im Geröll material macht sich früherem gegenüber 
keinerlei Unterschied bemerkbar. Das Einbettungsmaterial ist über den 
weitaus gröfsten Teil der Mächtigkeit ein feinkörniger, durch Eisenhydro- 
xyd leicht verfestigter Sand; nur in den allerobersten Lagen sind die Ge- 
rolle in ein Kalkzement eingebettet, das mit dem im mittleren Teil des 
Bruches auftretenden völlig übereinstimmt. 

Die im folgenden aufgeführten Fossilien entstammen ausnahmslos 
diesem kalkigen Zwischen mittel, auf welches überhaupt die Fossilführung 
beschränkt erscheint. Die Versteinerungen treten überwiegend als Schalen- 
exemplare auf, der Erhaltungszustand ist nicht sehr günstig, doch liegt 
dies nicht so sehr an Verstümmelungen der Gehäuse vor der Einbettung, 
als an der Schwierigkeit, die Formen unversehrt aus dem harten Zement 
heraus zu präparieren. 


22 


Bisher wurden gefunden:*) 

Spongien: 

Nicht näher bestimmbare Reste. 
Korallen: 

cf. Montlivaultia Tourtiensis Bölsche. 
Placoseris Geinitzi Bölsche. 
cf. Thamnastraea sp. 

Echinodermen: 

JDorocidaris vesiculosa Goldf. sp. 
Tylocidaris StrombecTci Desor sp. 
Gyphosoma cenomanense Cott. (Gei- 
nitz: Elbthal J., Taf. 15, Fig. 35.) 
Pseudodiadema sp. (Geinitz: Elb- 
thal I., Taf. 16, Fig. 8.) 

Codiopsis Doma Desm. sp. 

Pygaster truncatus Ag. 

Pyrina Des Moulinsi d’Arch. 
Pyrina inflata d’Orb. 

Brachiop öden: 

Terebratula phaseolina Lam. 
Rhynchonella compressa Lam. sp 

Lamellibranchiaten: 
Perna lanceolata Gein. 

Lima sp. (neue Form für Sachsen). 


Lima sp. 

Lima ornata d'Orb. 

Lima divaricata Duj. 

Pecten acuminatus Gein. 

Pccten cf. subacutus d’Orb. 
Spondylus sp. indet. 

Aleetryonia diluviana L. sp. 

Ostrea hippopodium Miss. 
Exogyra haliotoidea Sow. sp. 
cf. Eriphyla striata Sow. sp. 
Badiolites Saxoniae Boem. sp. 

Gastropoden: 

Turbo Goupilianus d’Orb. 
Operculum dazu. 

Trochus (Ziziphinus) Buneli d’Arch. 
Nerita nodosa Gein. sp. 

Nerinea sp. 

4 nicht näher zu bestimmende Gastro- 
poden, wohl neu für Sachsen. 

Wirbeltiere: 

Oxyrliina angustidens Reuss. 
Coelodus complanatus Ag. sp. 
Koprolithen. 


*) Die hier angeführten Versteinerungen befinden sich ausnahmslos in der Samm- 
lung des Herrn Friedrich Dettmer, Dresden. 


Sitzungsberichte 

der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 


in Dresden. 


1910. 



I. Sektion für Zoologie. 


Yierte Sitzung am 6. Oktober 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. 
E. Lohrmann. — Anwesend 35 Mitglieder. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag über die Klasse der Tausend- 
fiifsler, wobei die fünf Ordnungen derselben in grofsen Zügen charak- 
terisiert und die beiden wichtigsten derselben, die Chilopoden und Diplo- 
poden etwas eingehender behandelt werden. 


Fünfte Sitzung am 17. November 1910. Vorsitzender : Prof. Dr. 
E. Lohrmann. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt legt vor: 

Kleinschmidt, 0.: Corvus nucifraga. Halle 1909; 

Riedel, M.: Gallen und Gallwespen. Stuttgart 1910. 

Prof. Dr. J. Thallwitz legt vor: 

Weigold, H. : Biologische Studien an Lyncodaphniden und Chydoriden. 

Leipzig 1910. 

Prof. Dr. Chr. März hält einen durch Lichtbilder und Naturgegen- 
stände erläuterten Vortrag über die Elefanten und ihre Vorfahren. 

Sie vereinigen altertümliche Merkmale mit neueren Anpassungserscheinungen. Die 
Erhöhung über dem Boden und die Möglichkeit, das Körpergewicht zu tragen, wird 
erreicht durch die Länge und die senkrechte Stellung von Humerus und Femur und das 
mächtige Knorpelpolster, in das die Fufsknochen eingebettet sind. Da der Hals kurz 
bleibt, so entwickeln sich die zweiten Schneidezähne als Stofszähne zu Grabwerkzeugen, 
und der Rüssel wird zum vorzüglichen Greiforgan. Das grofse Gewicht vorn wird aus- 
geglichen durch die rückwärtige Verlagerung der Schädelknochen. Die Steigerung des 
Kau Vermögens zeigt sich an den Molaren in der Zunahme der Gröfse, verbunden mit der 
Abnahme ihrer Zahl. Von Formen mit 4 Stofszähnen und Molaren mit Höckern auf der 
Kaufläche ( Mastodon cmgustidens ) schreitet die Entwicklung fort zu solchen mit 2 Stofs- 
zähnen und Molaren mit querverlaufenden Lamellen. Je mehr die Grasnahrung über- 
wiegt, desto zahlreicher und enger werden die Lamellen, desto mehr entarten die infolge 
Nichtgebrauchs nach oben sich krümmenden Stofszähne. 

Die Stammesentwicklung scheint im Eozän Afrikas einzusetzen, greift im Miozän 
nach Europa über und bringt infolge riesiger Wanderungen nach Asien und Amerika 
eine grofse Reihe von Arten hervor. Im Miozän und Pliozän entstehen aus den Masto- 
donten Asiens über die Stegodonten (Dachzähner) hinweg die echten Elefanten. Diese 
wandern von Asien wieder zurück nach Europa und hinüber über die Landbrücke, deren 
Reste die Aleuteninseln sind, nach Amerika. In Europa reichen Elephas meridionalis 
und El. antiguus ins Diluvium herein. Interessant ist die Elefantenreihe Amerikas. 
Die Nachkommen von zwei Mastodonten bringen in Nordamerika zunächst die eine Reihe 
hervor, die mit dem diluvialen Mastodon giganteum endet, und gleichzeitig eine formen- 
reiche zweite Reihe, die mit M. Humboildti und M. andium ins neotropische Gebiet, ja 
sogar bis nach Buenos -Aires vordringt. Später scheinen wieder von Asien her echte 
Elefanten eingewandert zu sein. Den Abschlufs der Entwicklung in der Diluvialzeit 


26 


bildet das wollhaarige Mammut {El. primigenius) in Amerika, Asien und Europa. Mit 
ihm verwandt sind der indische und der afrikanische Elefant. 

Prof. Dr. G. Brandes fügt einige Ergebnisse neuerer Forschungen 
hinzu. 

Zur Erleichterung des Hebens der Beine besitzen die Elefanten elastische Bänder, 
welche vom Bücken bis an die Fiifse hinabgehen. Die aufserordentlich grofsen Kau- 
flächen der Backzähne sind eine Anpassung an Holznahrung, die Elefanten sind in erster 
Linie Holzfresser. Die Stofszähne werden von den westafrikanischen Tieren tatsächlich 
dazu benutzt, Bäume zu zerreiben und zu spalten. Das Alter ist vielfach überschätzt 
worden, neunzigjährige sind schon vollständig greisenhaft. Dafs die Elefanten in Vorder- 
indien sich in der Gefangenschaft in der Begel nicht fortpflanzen, hat seinen Grund 
darin, dafs von den Elefantenbesitzern der Geschlechtstrieb durch Verabreichung von 
Arzneien unterdrückt wird, ln Hinterindien dagegen ist die Fortpflanzung der gefangenen 
Elefanten eine sehr häufige Erscheinung. 


II. Sektion für Botanik. 


Tierte Sitzung am 20. Oktober 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. 
F. Neger. — Anwesend 69 Mitglieder. 

Der Vorsitzende spricht über Beiseeindrücke in Istrien, Dal- 
matien und Herzegowina. 

Der Vortragende gibt eine Schilderung der istrianischen Karstlandschaft mit ihren 
Dolinen, ihren die Gipfel der Berge krönenden Städten und deren eigenartiger Bevölke- 
rung, der Waldarmut und den Bestrebungen, das von der Borra beherrschte Land wieder 
aufzuforsten, dann der dalmatinischen Inselwelt vom Quarnero nach Süden zu bis Lacroma 
und den Bocche di Cattaro, der ursprünglichen Wälder von Pinus halepensis auf der 
Halbinsel Lapad und der die Hauptmasse der dalmatinischen Pflanzendecke bildenden 
Macchien - Vegetation , endlich Schilderung einer Beise in das Innere der Herzegowina, 
einer Fahrt durch das endlose Überschwemmungstal Popovopolje und der weltentlegenen 
Wälder von Pinus leucodermis (Schlangenhautkiefer) auf der Bjelasnica Planina, sowie 
des stark orientalisch an mutenden Städtebildes von Mostar. 

Zahlreiche Lichtbilder und einige Tafeln mit Charakterpflanzen der dalmatinischen 
Macchie begleiten den Vortrag’. Wichtigste botanische Literatur: 

Beck, G. : Die Vegetationsverhältnisse der illyrischen Länder. 


Fünfte Sitzung am 1. Dezember 1910. Vorsitzender : Prof. Dr. 
F. Neger. — Anwesend 62 Mitglieder und Gäste. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt legt ein reich illustriertes Werk vor: 

Forrest Shreve, M. A. Chrysler, F. H. Blodgett and F. W. Besley: 

The plant life of Maryland. Baltimore 1910. 

Dr. 0. Pazschke zeigt eine stereoskopische Aufnahme eines 
Hallimasch, photographiert von Lehrer W. Brinkmann in Lengerich i. V. 

Hierauf hält Ingenieur B. Scheidhauer einen durch Zeichnungen, 
mikroskopische Demonstrationen und Pflanzentafeln reich illustrierten Vor- 
trag über die neueren Anschauungen über Humussäuren und Kol- 
loide in den Hochmooren, wobei er sich hauptsächlich auf die Unter- 
suchungen von Baumann, Paul u. a. (Mitteil, der K. Bayerischen Moorkultur- 
anstalt zu München) stützt. 

Kustos Dr. B. Schorler endlich hält einen Vortrag über Eisen- 
bakterien, wobei er an seine früheren Ausführungen (vefgl, botanische 


27 


Sitzung am 27 . Oktober 1904) anknüpft, neue Beobachtungen mitteilt und 
eine kürzlich erschienene Arbeit von Mo lisch über den gleichen Gegen- 
stand einer Kritik unterzieht. 

Auch dieser Vortrag wird durch mikroskopische Demonstrationen und 
gezeichnete Tafeln veranschaulicht. 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 


Vierte Sitzung am 3. November 1910. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
P. Wagner. — Anwesend 69 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende legt vor: 

Walther, J.: Lehrbuch der Geologie von Deutschland. Leipzig 1910; 

Fr aas, E.: Der deutsche Petrefaktensammler. Ein Leitfaden zum Sammeln 
und Bestimmen der Versteinerungen Deutschlands. Stuttgart 1910. 

Hofrat Prof. H. Engelhardt berichtet über seine Untersuchung der 
tertiären Pflanzenreste von Flörsheim im Mainzer Becken. 

Dr. R. Schreiter gibt unter Vorlegung der wertvollen Neuerwerbungen 
des Mineralogischen Museums eine zusammenfassende Darstellung der 
Meteoriten, ihrer Struktur und Einteilung. 

Wegen der vorgerückten Stunde kann der Vorsitzende den ange- 
kündigten Bericht über den Internationalen Geologenkongrefs in 
Stockholm nur ganz kurz erstatten; er verweist auf seine gedruckten 
Referate : 

Geographisches vom Internationalen Geologenkongrefs in Stockholm. Geogr. 
Zeitschr. 16. Jhrg., 11. Hft. Leipzig 1910. 

Formentypen der schwedischen Landschaft. Ebenda 17. Jhrg. , 2. Hft. 
Leipzig 1911. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 


Dritte Sitzung am 13. Oktober 1910. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. Deichmüller. — Anwesend 30 Mitglieder und Gäste. 

Schuldirektor H. Döring bespricht folgende Schriften: 

Pfau, W. 0.: Topographische Forschungen über die ältesten Siedelungen 
der Rochlitzer Pflege. Mitteil, des Ver. für Rochlitzer Geschichte, 
3. Hft., 1900; 

Pfau, W. C.: Über urgeschichtliche Feuersteinwerkstätten in der Rochlitzer 
Gegend. Rochlitzer Tageblatt 1910, Nr. 182 ff.; 

Beltz,R. : Die vorgeschichtlichen Altertümer des Grofsherzogtums Meck- 
lenburg-Schwerin. Mit 1 Karte und 70 Taf. Schwerin 1910. 

Dr. K. Wanderer spricht über die Herstellung von Feuerstein- 
geräten. 

Es wird kurz das Material der Silexgeräte im Norden und Süden besprochen, 
Herkunft, Alter, petrographische Eigenschaften, und dann auf die Methode der Bearbei- 


28 


tung eingegangen, unter Vorlage der bei der Herstellung der Geräte benutzten Werk- 
zeuge. Ein Dreikanter dient als Ambofs, für feinere Retouchen tritt an seine Stelle 
ein Meifselambofs in Holzfassung; zum Schlagen dient ein leichtes Hämmerchen mit 
langem, dünnem Stiel und 1 — 2 cm grofsemHolz- oder Hirschhornkopf. Die Technik 
des Schlagens ist folgende: der Silex wird fest gegen den Ambofs geprefst und dann 
wird kurz hinter die Auflagestelle ein kurzer Schlag mit dem Hammer geführt; dabei 
springt gerade soviel vom Silex ab, als Fläche dem Ambofs aufliegt. Der Schlagende 
hat es damit in der Hand, gröfsere oder kleinere Splitter durch indirekten Schlag 
abzuspalten und so dem Gerät die gewünschte Form zu geben. Mit dieser Methode ge- 
lang es dem Vortragenden, alle wesentlichen Typen ziemlich originalgetreu nachzu- 
ahmen, wie Schaber, Messer, Sägen, Pfeilspitzen u. a , die als Nachbildungen neben den 
Originalen zur Vorlage gelangen. 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller legt hierzu die Photographie eines 
von einem englischen Arbeiter geschlagenen Feuerstein-Nukleus mit 
den zugehörigen Spänen vor, und 

spricht dann über vorgeschichtliche Funde im Untergrund des 
Meifsner Doms. 

Im Innern des Doms wurden bei der Freilegung der Grundmauern zweier älterer 
Kirchenanlagen verschiedene Gegenstände gefunden, die zum Teil bis in die vorgeschicht- 
liche Zeit zurückreichen: einzelne Trümmer von Gefäfsen des jüngeren Lausitzer Typus 
und des Burgwalltypus der Slawenzeit, vor allem aber solche der deutschen Kolonisations- 
zeit, nebst zahlreichen Tierknochen. Unter dem Fufsboden der ältesten Kirchenanlage 
aus dem 10. Jahrhundert wurde eine in den Löfsboden eingegrabene Herdgrube mit 
slawischen Scherben durchschnitten. Diese Funde zeigen, dafs der Domberg schon wäh- 
rend der jüngeren Bronzezeit und später wieder in der slawischen Zeit besiedelt war. 
Ob der Berg damals durch einen Wall geschützt war, ist infolge wiederholter Bebauung 
und Durcharbeitung des Bodens seit der Ansiedelung deutscher Kolonisten nicht mehr 
festzustellen. Vgl. Neues Arch. f. Sächs. Geschichte und Altertumskunde XXXI, 1910, 
S. 377. 

Derselbe berichtet weiter über Spuren neolithischen Leichen- 
brandes in Sachsen. 

Schon 1905 hat A. Teetzmann in den Abhandlungen unserer Gesellschaft auf einen 
Fund kalzinierter Knochen zusammen mit Gefäfsen des Hinkelsteintypus und einem durch 
Feuer zerstörten Steinbeil in einer Wohngrube der Ansiedelung in Lockwitz bei 
Dresden hingewiesen. Im Frühjahr 1910 ist auf derselben Lokalität ein zweiter Fund 
gemacht worden, ein mit gebrannten Knochen gefülltes Gefäfs des Hinkelsteintypus. 
Dasselbe ist leider von den Arbeitern zertrümmert worden ; einzelne Reste mit noch an- 
haftenden Knochen wurden , wie der erste Fund , der K. Prähistorischen Sammlung in 
Dresden übergeben. 

Dahin gelangte auch ein ähnlicher Fund, den Lehrer E. Peschei in Nünchritz 1910 
auf der neolithischen Ansiedelung am Vogelberg bei Grödel, östlich von Riesa, 
machte. Schon vor einigen Jahren hat derselbe dort in einem zusammengedrückten 
Gefäfs des Hinkelsteintypus kalzinierte Knochen, denen Feuersteinspäne mit Brandspuren, 
ein Steinbeil und flache, knopfartige Steinperlen beigegeben waren, gefunden. Dieselben 
befinden sich im Besitz des Generaloberarztes Dr. Wilke in Chemnitz. In dem späteren 
Funde lagen die kalzinierten Knochen zwischen Scherben von Gefäfsen jenes Typus 
unter einem Mahlsteine, dabei Feuersteinspäne, ein durch Feuer zermürbtes Steinbeil 
und ein gebrannter Knochenpfriemen. 

Ob die kalzinierten Knochen aus diesen vier Funden vom Menschen herstammen 
oder Reste von Tierleichen sind, läfst sich mit absoluter Sicherheit der Kleinheit der 
Bruchstücke wegen nicht feststellen, verschiedene erhaltene Schädelreste aber sprechen 
für er stere Annahme. 

Auf der steinzeitlichen Siedelung von Leippen, südlich von Lommatzsch, wurde 
1910 ein Gefäfs der Spiralmäanderkeramik ausgeackert, das nach Angabe des Finders 
mit Knochen gefüllt war. Leider ist der Inhalt des zerschlagenen Gefäfses von dem- 
selben vernichtet worden, das Gefäfs befindet sich im Dresdner Museum. 

Vorgelegt wird noch ein durchlochter Hammer aus Hornblende- 
schiefer aus der Lehmgrube der Ziegelei Kleinluga, Bez. Dresden. 


29 


Rechtsanwalt Dr. J. Langen h an berichtet über seinen Besuch der 
Höhle von Combarelles im Vezeretal, Dordogne, unter Vorlage von 
Abgüssen der in derselben befindlichen Wandzeichnungen. 

Oberbaurat H. Wiechel ergänzt diesen Bericht durch einige von ihm 
in dieser Höhle gemachte Beobachtungen. 


Vierte Sitzung am 15. Dezember 1910. Vorsitzender: Hofrat Prof. 
Dr. J. Deichmüller. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. 

Lehrer G. Dutschmann spricht über Spinn- und Webwerkzeuge, 
unter Berücksichtigung einer Schrift von 

Kimakowicz-Winnicki, M. von: Spinn- und Webwerkzeuge. Würzburg 1910, 

in welcher die bisher allgemein als Spinnwirtel und Webstuhlgewichte bezeichneten vor- 
geschichtlichen Gegenstände andere Deutungen erhalten. Zeichnungen und Fundstücke 
aus der K. Prähistorischen Sammlung dienen zur Erläuterung des Vortrags. 

Geh. Hofrat Prof. E. Bracht spricht über die ältesten nacheis- 
zeitlichen Steingeräte Rügens, an der Hand seiner reichhaltigen Auf- 
sammlungen bei Sellin, Vilm, Lietzow u. a. Orten auf Rügen. 


Y. Sektion für Physik und Chemie. 


Viert© Sitzung am 10. November 1910. Vorsitzender: Prof. H. Reben- 
storff. — Anwesend 68 Mitglieder und Gäste. 

Direktor des Städtischen Chemischen Untersuchungsamtes Prof. Dr. 
A. Beythien hält einen Vortrag über Würzen und Gewürze. 

Nach einer kurzen Besprechung der physiologischen Bedeutung des Würzens für 
die menschliche Ernährung gibt der Redner einen Überblick über die Abstammung, sowie 
die botanischen und chemischen Eigenschaften der gebräuchlicheren Gewürze. Weiter 
bespricht er an der Hand von Demonstrationsobjekten und Experimenten die hauptsäch- 
lichsten Verfälschungen und die zu ihrem Nachweise geeigneten Methoden. 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 


Fünfte Sitzung am 7. Juli 1910 (im Hörsaale des physikalischen 
Laboratoriums der K. Forstakademie zu Tharandt). Vorsitzender: Prof. 
Dr. A. Witting. — Anwesend 8 Mitglieder. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. Ph. Weinmeister spricht über höhere Evo- 
luten. (Vergl. Abhandlung VII.) 


Sechste Sitzung am 13. Oktober 1910. Vorsitzender: Prof. Dr. 
A. Witting. — Anwesend 35 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende gedenkt in warmen Worten des am 27. August 
1910 verschiedenen Geh. Hofrats Dr. phil. J. Philipp Weinmeister, weil, 
ord. Professors an der Forstakademie Tharandt, und 


30 


begrüfst die als Gäste erschienenen Mitglieder des Dresdner Vereins 
akademisch gebildeter Lehrer für Mathematik und Naturwissen- 
schaften an den höheren Schulen. 

Prof. Dr. H. Lohmann spricht über die stereographische Pro- 
jektion, eine Übung aus dem Gebiete der darstellenden Geo- 
metrie in der Schule. 


Der Vortragende geht von dem Satze über den schiefen Kreiskegel aus: „Ein 
Kegel, welcher einer Kugel einbeschriehen ist, wird von jeder Ebene, die auf dem Radius 
zur Spitze senkrecht steht, in einem Kreise geschnitten.“ Dieser Satz gilt auch für den 

Fall, dafs die Grundfläche des Kegels von der 
Ebene geschnitten wird. In der Figur ist Ä B 
der Durchmesser des Grundkreises vom Kegel 
SAB und CB der Durchmesser des Kreises, 
in dem der teilweise verlängerte Kegelmantel 
von der Ebene EE 1 geschnitten wird. Da es 
sich hei der stereographischen Projektion darum 
handelt, die Längen- und Breitenkreise der Erde 
von irgendeinem Punkte der Erdkugel auf eine 
Ebene zu projizieren, die auf dem Durchmesser 
zum Projektionszentrum senkrecht steht, so ist 
die stereographische Projektion nur eine An- 
wendung jenes Satzes. Die Spitzen S der 
Kegel sind dabei bei der Polarprojektion ein 
Erdpol, .bei der Äquatorprojektion ein Punkt 
auf dem Äquator und bei der Meridianproj ektion 
ein Punkt eines beliebigen Meridians. Diese drei Fälle der stereographischen Projektion 
werden vom Vortragenden konstruktiv durchgeführt und zwar unter Anwendung der 
Methoden der darstellenden Geometrie. Diese Methode ermöglicht es, durch Einführung 
geeigneter Hilfsebenen die Längen- und Breitengrade und die stereographischen Pro- 
jektionen der Längen- und Breitenkreise in wahrer Gröfse darzustellen. 



Zum Schlüsse legt der Vorsitzende die in Deutschland erschienenen, 
durch die Internationale mathematische Unterrichtskommission 
veranlafsten Abhandlungen vor und gibt ausführliche Erläuterungen dazu. 


Siebente Sitzung am 8. Dezember 1910. Vorsitzender: Prof. Dr, 
A. Witting. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste. 

Baurat Dr. A. Schreiber spricht zur Integration der Differen- 
tialgleichung der barometrischen Höhenmessung. 

Die bekannten barometrischen Höhenformeln beruhen mit Ausnahme einer einzigen, 
die aus thermodynamischen Erwägungen bei Annahme adiabatischen Gleichgewichts- 
zustandes der Atmosphäre hergeleitet wird, auf der Differentialgleichung 

dh = — RT — 

P 

(h Höhe, B = 29,27 Gaskonstante für Luft, p Luftdruck, T = 273-\-t absolute Luft- 
temperatur); diese Gleichung drückt den aerostatischen Gleichgewichtszustand der Atmo- 
sphäre aus, der dadurch gekennzeichnet ist, dafs die an einem Luftteilchen in beliebiger 
Höhe angreifende Schwerkraft durch den Auftrieb dp äquilibriert wird. 

Der Vortragende unterscheidet physikalische und mathematische Barometerformeln 
und versteht unter physikalischen Barometerformeln solche, bei denen behufs Integration 
der obigen Differentialgleichung eine bestimmte Annahme über die Abhängigkeit zwischen 
T und p oder zwischen T und h in Form einer wohldefinierten und leicht integrablen 
Funktion gemacht wird. Der Vortragende weist aber bei dieser Gelegenheit auch darauf 
hin, dafs das Problem in Wirklichkeit noch viel verwickelter ist, weil man sich T als 
Funktion von h und p gleichzeitig oder noch allgemeiner T und p als Funktionen des 
Raumes vorzustellen hat. 

Eine physikalische Barometerformel ergibt sich beispielsweise, wenn man in obiger 
Differentialgleichung T= T 0 — och (T n abs. Temp. an der unteren Station, a Gradient 


31 


der Temperaturabnahme) einsetzt, d. h. Temperaturabnahme proportional der Höhe vor- 
aussetzt. Man erhält dann die zuerst von General Beyer aufgestellte Barometerformel 



(p 0 und p 1 Luftdrücke an der unteren, bezw. oberen Station), die im wesentlichen mit 
der eingangs erwähnten thermodynamischen Barometerformel identisch ist. 

Unter mathematischen Barometerformeln werden solche verstanden, bei denen ein 
bestimmter physikalischer Zusammenhang zwischen T und p oder zwischen T und h nicht 
vorausgesetzt wird, bei denen vielmehr das bestimmte Integral 



durch Anwendung der Mittelwertsätze der Integralrechnung näherungsweise darge- 
stellt wird. 

Aus dem 1. Mittelwertsatze 


J' f (#) dx = (b — a) f (£) 


( f(x ) eine stetige Funktion, | ein im allgemeinen nicht bekannter mittlerer Wert zwischen 

T 

a und b) fliefst, wenn man f(x) = — setzt, die Barometerformel 

( 1 ) + ~ ) 

2 Vj)„ VJ 


( T 0 und T 1 abs. Temp. an der unteren, bezw. oberen Station), wobei also für /7£) als ein- 

T 

fache Annahme das arithmetische Mittel zwischen den Werten der Funktion an der 

p 

unteren und an der oberen Station genommen ist. Diese Formel gibt, wie die Erfahrung 
gelehrt hat, im allgemeinen zu kleine Werte. Man kann aber auch, wenn f dieselbe 
Bedeutung wie vorher hat, 

f (|) = ?«+ T ' 

Po+Pl 

setzen, denn nach einem bekannten, von Cauchy angegebenem Satze ist der Ausdruck 

T T 

rechter Hand ein Mittelwert zwischen — und — , wenn nur p 0 und p x positiv sind, und 

Po V 1 

es ergibt sich dann die bekannte Babinetsche Barometerformel 


(2) fe = B(7’ 0 +r t )'?- 0 - T ^ä, 

P o+i’i 

die bis zu Höhenunterschieden von 1000 m ebenso zuverlässige Werte liefert, wie andere 
Barometerformeln. Bei gröfseren Höhenunterschieden gibt sie nach den vorliegenden 
Erfahrungen zu kleine Werte. 

Nimmt man schliefslich f(x)—T und setzt wieder für f(|) das arithmetische Mittel 
zwischen den Werten von T an der unteren und oberen Grenze des Integrals, so bekommt 
man die allgemein bekannte Laplace-Bauernfeindsche Barometerformel 

(3) h = B T - ^ - n ogn p p °, 

die zurzeit noch und zwar mit Hecht unter den einfachen Barometerformeln als beste 
und zuverlässigste auch für grofse Höhenunterschiede angesehen wird. 

Der 2. Mittelwertsatz der Integralrechnung lautet 

b g b 

J ' cp (x) 4>(x) dx = \p ( a ) J cp (x) dx -J- \[> (b) J cp ( x ) d x 

a a $ 

(xp (x) eine monotone Funktion, | ein im allgemeinen nicht bekannter mittlerer Wert 
zwischen a und b). Nimmt man hierin cp (x) — 1, ip (x) = — und für den mittleren Wert | 
das geometrische Mittel \Zp 0 p v so erhält man die neue Barometerformel 

w h = BT ^ -Vö+^Vfu 1 )- 


32 


Diese Formel ist der Laplaceschen Formel unter (3) als gleichwertig an die Seite 
zu stellen; nach den Erfahrungen des Vortragenden schliefst sie sich sogar den Sollwerten 
der berechneten Höhenunterschiede noch etwas besser an als jene. 

Der Vortragende kommt sodann auf die zuerst von R. Rühlmaun klar erkannte 
Periode der barometrisch bestimmten Höhenunterschiede zu sprechen und bezeichnet es 
als das Ziel seiner Untersuchungen, Barometerformeln zu finden, bei deren Anwendung 
diese Periode soviel wie möglich überdeckt oder wenigstens in ihrer Amplitude abge- 
schwächt erscheint. 

Man gelangt z. B. zu solchen Formeln, wenn man, wie auch Herr Hugershoff (Die 
periodischen Fehler barometrisch bestimmter Höhenunterschiede in der inneren Tropen- 
zone. Dresden 1910. Mitteil. d. Ver. f. Erdkunde zu Dresden, Habilitationsschrift) vor- 
geschlagen hat, in die Barometerformel nur die Temperatur an der unteren Station oder 
nur die an der oberen Station einführt. Die Temperatur T 0 mufs dann beispielsweise 
als Funktion von T t dargestellt werden, und es mufs dabei irgendein den meteorologischen 
Beobachtungen im Jahresmittel entsprechendes Gesetz für die Veränderlichkeit der 
Temperatur in der Vertikalen zugrunde gelegt werden. Setzt man z. B. in Formel (4) 
nach dem Peisseaschen Gesetze 


und nimmt für die gemäfsigte Zone fc = — , was einen mittleren Temperaturgradienten 
^ = entspricht, so bekommt man die neue Formel 


Diese Formel gibt, wenn man mit Jahresmitteln rechnet, etwa dieselben und im 
allgemeinen an die Sollwerte noch besser anschliefsende Höhenunterschiede als die 
Laplacesche Formel (3). Bei Berechnung aus Monatsmitteln gibt Formel (5) eine Periode, 
die selbst bei Höhenunterschieden zwischen 2000 und 3000 m nur etwa halb so grofse 
Amplitude hat, wie die bei Formel (3) auftretende Periode. Die Phasenverhältnisse sind 
etwa die gleichen. 

Studienrat Prof. Dr. R. Heger spricht über Teilungsgruppen auf 
Kurven 3. Ordnung. 


VII. Hauptversammlungen. 

Am 28. September 1910 wurde, anstatt der Hauptversammlung, die 
Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden- 
Fr. unter Führung von Beamten derselben besichtigt. An dieser Besich- 
tigung nahmen 19 Mitglieder und Gäste teil. 


Siebente Sitzung am 27. Oktober 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 51 Mitglieder. 

Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten findet eine gemein- 
schaftliche Sitzung mit dem elektrotechnischen Verein statt, in der 

Privatdozent Dr. H. Dember über die Anschauungen und Auf- 
gaben der neueren Physik spricht. 


Achte Sitzung am 24. November 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 102 Mitglieder und Gäste. 

Für das Jahr 1911 werden die auf Seite 35 verzeichneten Beamten 
der Gesellschaft gewählt. 


33 


Privatdozent Dr. W. König spricht über die bisherigen Erfolge 
auf dem Gebiete der Eiweifssynthese. 

Nach kurzer Debatte berichtet 

Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Kalkowsky über den Erdgasbrand von 
Neuengamme bei Hamburg und führt mehrere Lichtbilder der brennen- 
den Gasquelle vor. 


Neunte Sitzung am 22. Dezember 1910. Vorsitzender: Geh. Hofrat 
Prof. Dr. Fr. Förster. — Anwesend 55 Mitglieder und Gäste. 

Der Vorsitzende hält einen Vortrag über Neuerungen im Akku- 
mulatorenwesen. 

Es gelangen an der Hand eines gröfseren Demonstrationsmaterials sowohl eine 
Beihe Neuerungen an Bleisammlern zur Besprechung, als auch wird der Edison-Akku- 
mulator näher erläutert. 


Veränderungen im Mitgliederbestände. 

Gestorbene Mitglieder: 

Am 4. April 1910 starb in Mailand, 73 Jahre alt, der Botaniker Pro- 
fessor Dr. Francesco Ardissoni, korrespondierendes Mitglied seit 1880. 

Am 10. Juli 1910 starb im 99. Lebensjahre Geh. Regierungsrat Dr. 
Johann Gottfried Galle in Potsdam, früher Professor der Astronomie 
an der Universität Breslau, Ehrenmitglied seit 1866. 

Am 24. Juli 1910 verschied im 76. Lebensjahre der Ortsrichter Karl 
August Weise in Ebersbach i. Sa., korrespondierendes Mitglied seit 1881. 

Am 27. August 1910 verschied in Tharandt Geh. Hofrat Prof. Dr. 
Philipp Wein meist er, Professor der Mathematik und Physik an der 
dortigen Forstakademie, wirkliches Mitglied seit 1900. 

Nachruf s. S. V. 

Am 13. November 1910 starb der frühere langjährige Bibliothekar der 
Isis, der Privatmann Karl Schiller in Dresden, wirkliches Mitglied seit 
1872. 

Nachruf s. S. XIII. 

Am 17. Dezember 1910 verschied in Dresden Staatsminister a. D. Dr. 
jur. et phil. Paul von Seydewitz, Ehrenmitglied seit 1903. 

Gestorben ist Oberberghauptmann Valerian von Möller, Kais. 
Russ. Staatsrat in Petersburg, korrespondierendes Mitglied seit 1869. 

Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: 

Beyer, Otto, Prof., Dr. phil., Schulrat, Seminardirektor in 
Dresden-Pl., 

Brandes, Gust. Herrn., Dr. phil., Professor an der K. Tier- 
ärztlichen Hochschule und Direktor des zoologischen 
Gartens in Dresden, 

Gleitsmann, Alb , Regierungsbaumeister in Dresden, 

Gumprecht, Otto, Prof., Dr. phil., Studienrat, Realschul- 
direktor a. D. in Dresden, 

Lakon, G., Dr. phil., Assistent am botanischen Institut der 
K. Forstakademie in Tharandt, 


am 

22. Dezember 
1910; 


am 

27. Oktober 
1910; 


34 


Lochner, Hugo, Assistent am miner. -geologischen Institut der K. Tech- 
nischen Hochschule in Dresden, am 22. Dezember 1910; 

Pfeifer, R. A., Dr. phil., Seminaroberlehrer in Dresden, am 27 . Oktober 
1910; 

Schneider, Elsa, Frl., in Dresden, 

Stahel, Rud., Dr. phil., Chemiker in Dresden, 


am 22 . Dezember 1910. 


Neu ernannte korrespondierende Mitglieder: 


Gäbert, C., Dr. phil., Geolog in Leipzig, 
Schröder, Max, Dr. phil., Apotheker in Gera, 


am 24. November 1910. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse 

zahlten: Prof. Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk. ; Prof. Dr. Bachmann, Plauen 
i. V., 3Mk.; Oberbergrat Prof. Dr. Beck, Freiberg, 3Mk.; K. Bibliothek, 
Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blasckka, Hosterwitz, 3 Mk.; 
Apotheker Capelle, Springe, 3 Mk.; Privatmann Eisei, Gera, 3Mk.; 
Geolog Dr. Gäbert, Leipzig, 3 M.; Chemiker Dr. Haupt, Bautzen, 3 Mk.; 
Prof. Dr, Hibsch, Liebwerd, 3 Mk.; Bürgerschullehrer Hofmann, Grofsen- 
hain,3Mk.; Lehrer Hottenroth, Gersdorf, 3 Mk. ; Kais. Geolog Dr. Mann, 
Kamerun, 9 M.; Prof. Dr. Müller, Pirna, 3 Mk.; Prof. Naumann, Bautzen, 
3 Mk. 5 Pf.; Sektionsgeolog Dr. Petrascheck, Wien, 6 Mk. 5 Pf.; Ober- 
lehrer Dr. Rathsburg, Chemnitz, 3 Mk. 5 Pf.; Dr. Schlaginhaufen, 
Dresden, 6Mk.; Oberlehrer em. Seidel, Niederlöfsnitz, 4Mk.; Privatmann 
Sieber, Niederlöfsnitz, 6 Mk.; Prof. Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Dr. 
med. Thümer, Karlshorst, 3 Mk.; Zoolog Dr. Verhoeff, Cannstadt, 3 Mk. 
10 Pf. — In Summa 85 Mk. 25 Pf. 

G. Lehmann, 
Kassierer der „Isis“. 


35 


Beamte der Isis im Jahre 1911. 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 
Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Direktorium. 

Erster Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. 
Zweiter Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Als Sektionsvorstände: 

Prof. Dr. J. Thallwitz, 

Prof. Dr. F. Neger, 

Oberlehrer Dr. P. Wagner, 

Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, 

Prof. H. Rebenstorff, 

Prof. Dr. E. Naetsch. 

Erster Sekretär: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 
Zweiter Sekretär: Direktor A. Thümer. 

Yerwaltungsrat. 

Vorsitzender: Hofrat Prof. H. Engelhardt. 

Mitglieder: Geh. Kommerzienrat L. Guthmann, 
Sanitätsrat Dr. P. Menzel, 

Fabrikbesitzer E. Kühnscherf, 

Zivilingenieur R. Scheidhauer. 

Geh. Hofrat Prof. H. Fischer, 

Bankier A. Kuntze, 

Kassierer: Hofbuchhändler G. Lehmann. 

Bibliothekar: Privatmann A. Richter*). 

Stellvertreter: Privatmann E. Richter, 

Privatmann A. Voigt. 

Sekretär: Direktor A. Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I. Sektion für Zoologie. 

Vorstand: Prof. Dr. J. Thallwitz. 

Stellvertreter: Lehrer H. Viehmeyer. 

Protokollant: Realschullehrer K. Sauer. 

Stellvertreter: Lehrer G. Schönfeld. 

II. Sektion für Botanik. 

Vorstand: Prof. Dr. F. Neger. 

Stellvertreter: Kustos Dr. ß. Schorler. 

Protokollant: Prof. Dr. A. Saupe. 

Stellvertreter: Lehrer E. Herrmann. 


: ) Gestorben am 8. Januar 1911 ; an seine Stelle ist Privatmann E. Richter getreten. 


36 


III. Sektion für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. P. Wagner. 

Stellvertreter: Dr. K. Wanderer. 

Protokollant: Dr. R. Sehr eit er. 

Stellvertreter: Oberlehrer A. Geifsler. 


IV. Sektion für prähistorische Forschungen. 

Vorstand: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Stellvertreter: Direktor H. Döring. 

Protokollant: Oberlehrer 0. Ebert. 

Stellvertreter: Lehrer Kl. Vogel. 

V. Sektion für Physik und Chemie. 

Vorstand: Prof. H. Rebenstorff. 

Stellvertreter: Direktor Prof, Dr. A. Beythien. 

Protokollant: Privatdozent Dr. H. Thiele. 

Stellvertreter: Fabrikbesitzer R. Jahr. 


VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik. 

Vorstand: Prof. Dr. E. Naetsch. 

Stellvertreter: Baurat Dr. A. Schreiber. 

Protokollant: Gymnasiallehrer E. Sporbert. 

Stellvertreter: Realschullehrer B. Preller. 


Redaktionskomitee. 

Besteht aus den Mitgliedern des Direktoriums mit Ausnahme des 
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Sekretärs. 


Bericht des Bibliothekars. 


Im Jahre 1910 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- 
schriften und Bücher vermehrt: 

A. Durch Tausch. 

(Die tauschende Gesellschaft ist verzeichnet, auch wenn im laufenden Jahre keine 
Schriften eingegangen sind.) 

I. Europa. 

1. Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., n. F., 
Bd. 14. [Aa 69.] 

Annaber g - Buchholz : Verein für Naturkunde. — XII. Bericht, 1904 — 1909. 
[Aa 50.] 

Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. 
Bamberg : Naturforschende Gesellschaft. 

Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Sitzungsber. 1906 
bis 1909. [Aa 827.] 

Berlin : Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.51. 
[Ca 6.] 

Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 61, Heft 4; 
Bd. 62, Heft 1 — 8; Monatsberichte 1909, Nr. 8 — 12; 1910, Nr. 1 — 6. 
[Da 17.] 

Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — 
Zeitschrift für Ethnologie, 41. Jahrg., Heft 6; 42. Jahrg., Heft 1 — 5. 
[G 55.] 

Bonn : Naturhistorischer V erein der preussischen Rheinlande und Westfalens. 
— Verhandl., 66. Jahrg., 2. Hälfte. [Aa 93.] — Sitzungsber., 1909, 
2. Hälfte. [Aa 322.] 

Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft. — 16. Jahresber., 1907 —1909. 
[Aa 245.] 

Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XX, Heft 1. 
[Aa 2.] 

Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 87. Jahresber. 
[Aa 46.] 

Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 

Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 

Darmstadt: Verein für Erdkunde, und: Grossherzogi. geologische Landes- 
anstalt. — Notizblatt, 4. Folge, 30. Heft. [Fa 8.] 

Donaueschingen : Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und 
der angrenzenden Landesteile. 

Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber. 1909 — 1910. 
[Aa 47.] 

Dresden: K. Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“. 

— Sitzungsber. und Abhandl., n. F., Jahrg. 14. [Ca 26.’ 

Dresden: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Heft 10. [Fa 6.' 


r 38 


Dresden : K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für Sachs. 

Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXXI. [G 75.] 

Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mitteil. 
1909—1910. [Ha 9.] 

Dresden : K. Mineralogisch -geologisches Museum. 

Dresden : K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum. 

Dresden : K. Oeffentliche Bibliothek. 

Dresden: K. Tierärztliche Hochschule. — Bericht für das Jahr 1909, n. F,, 
IV. [Ha 26 b.] — Bericht über das Veterinärwesen in Sachsen, 54. Jahrg.; 
Generalregister für 1856 —1905. [Ha 26.] 

Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Verzeichnis der Vor- 
lesungen und Uebungen samt Stunden- und Studienplänen, S.-S. 1910. 
[Je 63.] — Personalverzeichnis Nr. XLI. [Je 63b.] 

Dresden : K. Sächs. Landeswetterwarte. — Deutsches meteorolog. Jahrbuch 
für 1905, II. Hälfte; 1906 und 1907, I. Hälfte. [Ec 57.] — Dekaden 
Monatsberichte, Jahrgang XII. [Ec57c.J 
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. — 
Mitteil. LXVI, Nr. 25. [Aa56.] 

Düsseldorf : Naturwissenschaftlicher Verein. 

Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Emden: Naturforschende Gesellschaft. 

Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. 
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher, 
XXXV. Heft. [Aa 263.] 

Erlangen: Physikalisch-medizinische Sozietät. — Sitzungsberichte, 41. Bd. 
[Äa 212.] 

Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — 41. Be- 
richt, Heft 1 — 4. [Aa 9 a.] 

Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresbericht für 1908 — 1909. 
[Eb 35.] 

Frankfurt a. O.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks 
Frankfurt. 

Freiberg: K. Sächsische Bergakademie. — Programm für das 145. Studien- 
jahr. [Aa 323.] 

Freiburg i. Br.: Badischer Landesverein für Naturkunde. — Mitteil., 
Nr. 245—250. [Aa 346.] 

Fulda: Verein für Naturkunde. 

Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. - — Jahres- 
bericht 51 u. 52. [Aa 49.] 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 5. Be- 
richt der medizinischen Abteil.; Bericht der naturwissensch. Abteil., 
Bd. 3; Register zu den Bänden 1 — 34. [Aa 26.] 

Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. 

Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 

Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. 
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu- Vorpommern und Rügen. 

— Mitteil., 41. Jahrg. [Aa 68.] 

Greifsivald: Geographische Gesellschaft. 

Greiz: Verein der Naturfreunde. 

Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. 
Güstroiu: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 


39 


Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. 

Halle a. S. : Kais. Leopoldino-Carolinische Deutsche Akademie. — Leopoldina, 
Heft XLVI. [Aa 62.] 

Halle a. S.: Sächs.-Thüring. Verein für Erdkunde. — Mitteil., 33. u. 34. Jahr- 
gang. [Fa 16.] 

Hamburg-. Wissenschaftliche Anstalten. — Jahrbuch, XXVI. Jahrg. mit 
5 Beiheften. [Aa 276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., n. F., I — IV. 
[Aa 293.] — Abhandlungen, Bd. IV, 2.-4. Abt.; Bd. V, 2. u. 3. Abt.; 
Bd. VI, 2. u. 3. Abt.; Bd. VIII, 1.— 3. Heft; Bd. IX., 1. u. 2. Heft. 
[Aa 293b.] . 

Hamburg : Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. — Be- 
richte 1903— 1909. [Aa 30.] 

Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. — 58. u. 59. Jahresbericht. [Aa 52.] 
Hannover: Geographische Gesellschaft. — 6. Nachtrag zum Kataloge der 
Stadtbibliothek. [Fa 18.] 

Heidelberg: Naturhistorisch -medizinischer Verein. — Verhandl., Bd. X, 
Heft 3—4. [Aa 90.] 

Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde. 
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., Bd. 22. [Aa88.] 

Karlsruhe: Badischer zoologischer Verein. 

Kassel: Verein für Naturkunde. 

Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschrift, 
Bd. 44. [Fa 21.] 

Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, 
Bd. XIV, Heft 2. [Aa 189.] 

Köln: Redaktion der Gaea. 

Königsberg i. Pr.: Physikalisch - ökonomische Gesellschaft. 

Königsberg i. Hr.: Altertums -Gesellschaft Prussia. 

Krefeld: Verein für Naturkunde. — Mitteilungen 1910. [Aa 329.] 
Landshut: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. 

Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über 
die Verhandl., mathem.-phys. Klasse, LXI. Bd., Heft 4 — 5; LXII. Bd., 
Heft 1. [Aa 296.] 

Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. 

Leipzig: Städtisches Museum für Völkerkunde. — Jahrb. , Bd. 3; illustr. 
Führer durch die Prähistor. Abteilung. [G 155.] — Veröffentlich, des 
Städt. Mus. für Völkerkunde, Heft 1 — 3. [G 155 a.] — Die Insel Ma- 
deira, Reliefkarte. [De 256.] 

Lübeck: Geographische Gesellschaft, und: Naturhistorisches Museum. — 
Mitteil., 2. Reihe, Heft 24. [Aa 279b.] 

Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. 
Magdeburg: Museum für Natur- und Heimatkunde, und: Naturwissenschaft- 
licher Verein. — Abhandl. u. Berichte, Band II, Heft 1. [Aa 342.] 
Mainz: Römisch -germanisches Centralmuseum. — Mainzer Zeitschrift, 
Jahrg. 1908. [G 145 a.] — Röm.-germ. Korrespondenzbl., 2. Jhrg. [G 153. 
Mannheim: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 73, 74 u. 75. [Aa 54/ 
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften. 
— Sitzungsber., Jahrg. 1909. [Aa 266.] 


40 


Meissen : Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Mitteilungen aus 
den Sitzungen der Vereinsjahre 1908 — 1910. [Aa 819.] — Zusammen- 
stellung der Monats- und Jahresmittel der Wetterwarte Meilsen im 
Jahre 1909. [Ec 40.] 

München : Bayerische botanische Gesellschaft zur Erforschung der hei- 
mischen Flora. — Mitteil., Bd. II, Nr. 14. [Ca 29b.] 

München'. Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. — Mitteil., Jahrg. 

1910. [Fa 28.] — Zeitschrift, Bd. XLI. [Fa 28b.] 

Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. 
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. 

Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Abhandlungen, Bd. XVIII. [Aa5.] 
Offenbach: Verein für Naturkunde. 

Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Passau: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Posen: Deutsche Gesellschaft für Kunst u. Wissenschaft. 

Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Heft XII. [Aa295.J 
Regensburg: K. Bayer, botanische Gesellschaft. 

Reichenbach i. V.: Verein für Natur- u. Altertumskunde. 

Reutlingen: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. — Mitteil., Heft 6. [Aa 236.] 
Stettin: Ornithologischer Verein. 

Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- 
hefte, Jahrg. 66, mit 1 Beilage. [Aa 60.] 

Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. 

Tharandt: Redaktion der landwirtschaftlichen Versuchstationen. — Land- 
wirtschaftl. Versuchstationen, Bd. LXXII; Bd. LXXIII; Bd. LXXIV, 
Heft 1 u. 2. [Ha 20.] 

Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — Mitteil., 
17. Heft. [Aa 145.] 

Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. 

Tübingen: Universität. — Württembergische Jahrbücher für Statistik 
und Landeskunde, Jahrg. 1909, Heft II; Jahrg. 1910, Heft I. [Aa 835.] 
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahresheft 14. 
[Aa 299.] 

Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. 
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. - — Mitteil., n. F., Heft 26 u. 27. 
[Ca 23.] 

Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 

Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 63. 
[Aa 43.] 

Würzburg: Physikalisch-medizinische Gesellschaft. — Sitzungsberichte, 
Jahrg. 1909. [Aa 85.] 

Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Zwickau: Verein für Naturkunde. 

2. Österreich-Ungarn. 

Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. 

Bistritz: Gewerbelehrlingsschule. — XXXIV. u. XXXV. Jahresber. [Je 105.] 
Brünn: Naturforschender Verein. — VerhandL, Bd. XLVII. [Aa 87.] 
Brünn: Lehrerverein, Klub für Naturkunde. 


41 


Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXXIX. 

köt., 6. — 12. f uz. ; XL. köt., 1. — 4. füz. [Da 25.] 

Budapest : K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische 
Akademie der Wissenschaften. — Berichte, Bd. 24 u. 25. [Ea 37.] — 
Dr. Lörentheg: Die Fauna der Kreide der Fraska Gora. [Dd 155.] 
Graz : Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mitteilungen, 
Jahrg. 1909. [Aa 72.] 

Hermannstadt: Siebenbür gischer Verein für Naturwissenschaften. — Ver- 
handl. u. Mitteil., Jahrg. XXXVI u. LIX, 1886 u. 1909. [Aa 94.] 

Iglo : Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrb., Jahrg. XXXVII. [Aa 198.] 
Innsbruck : Naturwissenschaftlich-medizinischerVerein. — XXXIII. Bericht. 
[Aa 171.] 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum für Kärnten. — Jahresbericht 
1909. [Aa42.] — Carinthia II, Mitteil., Jahrg. 99, Nr. 6; Jahrgang 100, 
Nr. 1 — 4. [Aa 42b.] 

Laibach : Musealverein für Krain. 

Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — Jahres- 
bericht 37 u. 38. [Aa 213.] 

Linz : Museum Francisco -Carolinum. — 68. Bericht nebst der 62. Lief, der 
Beitr. zur Landeskunde von Österreich ob der Enns. [Fa 9.] 

Olmütz: Naturwissensch. Sektion des Vereins „Botanischer Garten“. — 
II. Bericht 1905—1909. [Aa 339.] 

Hag: Deutscher naturwissenschaftlich -medizinischer Verein für Böhmen 
„Lotos“. — Naturwissenschaft]. Zeitschr. „Lotos“, Bd. 57. [Aa 63.] 
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch. Kl., 1909. [Aa 269.] — Jahresber. für 1909 
[Aa 270.] 

Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Bericht 1909. 
[Aa 272.] — Pamätky archaeologicke , dil. XXIIJ. ses. 7 — 8; dil. XXIV, 
ses. 1. [G 71.] — Starozitnosti zeme ceske, dil. III, svaz. 1. [G 71b.] 
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. — 61. Bericht. 
[Ja 70.] 

Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, trida II, 
rocnik XVIII. [Aa 313.] — Bulletin international, XIV. annee. [Aa 313b.] 
— J. Velenovsky: Groonäväci Morfologie, dil. III. [Cc 75.] 

P'eßburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., Bd.XX. [Aa 92. 

— Festschrift zur Feier des 50jähr. Bestehens (ungarisch). [Aa92b. 
Peichenberg: Verein der Naturfreunde. 

Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mitteil., Bd. XLIX 
u. L; Festschrift aus Anlafs des 50jähr. Bestehens. [Aa 71.] 
Temesvar: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. • — Termes- 
zettudomänyi Füzetek, XXXIV. evol., füz. 1 u. 2. [Aa 216.] 

Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Komitates. 
Triest: Museo civico di storia naturale. 

Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. 

Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1909. [Aa 11.] 
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — 
Schriften, Bd. L; Festschrift 1910. [Aa 82.] 

Wien: K. k. naturhist. Hofmuseum. — Annalen, Bd. XXIII, Nr. 3 — 4. 
[Aa 280.] 

Wien: Anthropologische Gesellschaft. 


42 


Wien: K. k. geologische Reichsanstalt, — Verhandl., 1909, Nr. 10 — 18; 
1910, Nr. 1 — 12. [Da 16.] — Jahrbuch, Bd. L1X, Heft 3 — 4; LX, 
Heft 1 — 3. [Da 4.] — Geolog. Karte der Oesterr.- Ungar. Monarchie, 
Lief. 9, u. Geolog. Detailkarte von Süd- Dalmatien. [Da 33.] 

Wien: K. k. zoologisch -botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. LIX. 
[Aa 95.] 

Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. — Mitteil., VII. 
u. VIII. Jahrg. [Aa 274.] 

Wien: K. k. Zentral -Anstalt für Meteorologie und Geodynamik. 


3. Rumänien. 

Bukarest: Observatoire astronomique et meteorologique de Roumanie. 


4. Schweiz. 

Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., XI. Heft. 
[Aa 317.] 

Basel : Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XX, Heft 3; Bd. XXI. 
[Aa 86.] 

Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Nr. 1701 — 1739. [Aa 254.] 
Bern: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft XVIII u. 
XIX. [Ca 24.] 

Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — Verhandl. der 
92. Jahresversammlung. [Aa 255.] 

Cliur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. — 52. Jahresber. [Aa51.] 
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 19. 
[Aa261.]^ 

Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Bulletin] vol.XVII. 
[Aa 264.] — Memoires: Zoologie, Bd. I, Heft 2; Mathematik u. Physik, 
Bd. I, Heft2; Geologie u. Geographie, Bd.V, Heft 3; Bakteriologie, Bd.I, 
Heft 2 u. 3. [Aa 264b.] 

St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Jahrbuch für 1908 
u. 1909. [Aa 23.] 

Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 5. ser., 
vol. XLV, no. 167—168; vol. XLVI, no. 169 — 170. [Aa 248.] 
Neuchatel: Societe Neuchäteloise des Sciences naturelles. — Bulletin, tome 
XXXVI. [Aa 247.] 

Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mitteil., 
Bd. XII, Heft 1. [Bk 222.] 

Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. — Bul- 
letin, fase. XXXV. [Ca 13.] 

Winterthur: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — Mitteil., Heft 8. [Aa331.] 
Zürich: Natur forschende Gesellschaft. — Vierteljahr sehr., Jahrg. 54, 
Heft 3 — 4; Jahrg. 55, Heft 1 — 2. [Aa 96.] 


5. Frankreich. 

Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Memoires, tome XII. 
[Aa 252 b.] 


43 


Bordeaux : Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires, 
ser, 2, tome I, II u. III, cah. 1 u. 2. [Aa 253.] — Proces-verbaux, annee 
1908 — 1909. [Aa 253b.] — Observations pluviometriques et thermo- 
metriques; Bulletin de la Commission meteorologique du departement 
de la Gironde 1908. [Ec 106.] 

Cherbourg : Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. 
Dijon : Academie des Sciences, arts et belles lettres. 

Le Mans : Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. 

Lyon : Societe Linneenne. — Annales, tome LVI. [Aa 132.] 

Lyon: Societe d’agriculture, Sciences et industrie. — Annales 1908. [Aa 133.] 
Lyon: Academie des Sciences, belles-lettres et arts. — Memoires, tome X, 
ser. 3. [Aa 139.] 

Poris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXXIV. [Ba 24.] 
Toulouse : Societe Frangaise de botanique. 


6. Belgien. 

Brüssel : Societe royale zoologique et malacologique de Belgique. — Annales, 
tome XLIV. [Bi 1.] 

Brüssel : Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 53. [Bk 13.] 
Brüssel : Societe Beige de geologie, de paleontologie et d’hydrologie. — 
Proces-verbaux, tome XXIII, fase. 7 — 12; tome XXIV, fase. 1 — 7. 
[Da 34.] 

Brüssel : Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome 46. 


[Ca 16.] 

Gembloux : Institut chimique et bacteriologique. 

Lüttich : Societe geologique de Belgique. — Annales, tome XXXVI, 
livr. 4; tome XXXVII, livr. 1 — 3. [Da 22.] — Memoires, tome II, 
livr. 2. [Da 22 b.] 


7. Holland. 


Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. 

Groningen \ Natuurkundig Genootschap. — Verslag 109. [Je 80.] 
Hartem: Musee Teyler. 

Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises des 
Sciences exactes et naturelles, ser. II, tome XV, livr. 1 — 4. [Aa 257.] 


8. Luxemburg. 

Luxemburg: Institut grand-ducal. — Archives trimestrielles 1909, fase. 1 — 4; 
1910, fase. 1. [Aa 144.] 

Luxemburg: Gesellschaft Luxemburger Naturfreunde. 


9. Italien. 

Brescia: Ateneo. — Commentari per l’anno 1909. [Aa 199.] 

Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. V, vol. II. 

[Aa 149.] — ßollettino, 1909, 2. ser., fase. 10—13. [Aa 149b.] 
Florenz : Societä entomologica Italiana. — Bullettino, anno XL, trimestre 
III— IV. [Bk 193.] 

Mailand: Societä Italiana di scienze naturali. 


44 


Mailand'. R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2, 
vol. XLII, fase. 16 — 20; vol. XLIII, fase. 1 — 16. [Aa 161.] — Memorie, 
vol. XXI, fase. 1 — 4. [Aa 167.] 

Modena : Societä dei naturalisti e matematici. — Atti, ser. IV, vol. T XI. 
[Aa 148.] 

Padua: Accademia scientifica Veneto-Trentino-Istriana. — Atti, ser. III, 
anno 2. [Aa 193.] 

Palermo: Societä di scienze naturali ed economiche. — Giornale, vol. XXVII. 
[Aa 334.] 

Parma: Redaktion des Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, 
anno XXXV, no. 5 — 12; anno XXX VI, no. 6 — 9. [G 54.] 

Pisa: Societä Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. XVIII, 
no. 5 — 6; vol. XIX, no. 1 — 4; Memorie, vol. XXV. [Aa 209.] 

Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendic., vol. XVIII, 2. sem., fase. 
11 — 12; vol. XIX, 1. sem.; 2. sem., fase. 1 — 4, 6 — 10; Rendiconti dei 
5. giugno 1910. [Aa 226.] 

Turin: Societä meteorologica Italiana. — Bolletino bimensuale, vol. XXIX, 
no. 1 — 6, 10 — 12; vol. XXX, no. 1 — 2; Bolletino meteorologico e geo- 
dinamico dell’osservatorio dei Real Collegio Carlo Alberto, Moncalieri, 
1909, Sept.— Dez., 1910, Jan. — Juni; Osservat. sismiche 1910, no. 1—5. 
[Ec 2.] 

Venedig : R. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti. 

Verona: Accademia d’agricoltura, scienze, lettere, arti e commercio di 
Verona. — Atti e Memorie, ser. IV, vol. X e 1 append. [Ha 14.] 

10. Grrofsbritannien und Irland. 

Dublin: Royal Irish academy. — Proceedings, vol. XXVIII, sect. A, no. 1 — 3; 
sect. B, no. 1 — 8. [Aa 343.] 

Dublin : Royal geological society of Ireland. 

Edinburg: Geological society. — Transactions, vol. IX, special part. [Da 14.] 

Edinburg: Scottish meteorological society. 

Glasgow: Natural history society. — The Glasgow naturalist, vol. I u. II. 
[Aa 244.] 

Glasgow: Geological society. 

Manchester: Geological and mining society. 

Neivcastle-upon-Tyne: Natural history society of Northumberland, Durham 
and Newcastle -upon-Tyne. — Transactions, vol. III, p. 2. [Aa 126.] 

11. Schweden. 

Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Ärg. 30. 
[Bk 12.] 

Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Forn- 
vännen meddelanden 1909. [G 135 c ] 

Upsala: Geological Institution of the university. — Bulletin, Vol. IX u. X; 
Index zu Vol. I — X. [Da 30.] 

12. Norwegen. 

Bergen: Museum. — Aarbog 1909, 3. Heft, 1910, 1.— 2. Heft; Aarsberet- 
ning 1909. [Aa 294.] 


45 


Christiania : Universität. 

Christiania : Foreningen til Norske fortidsmindesmärkers bevaring. 
Christiania : Redaktion des Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. — Nyt 
Mag., Bind 47, Heft 4; Bind 48. [Aa 340.] 

Tromsoe : Museum. — Aarshefter 30; Aarsberetning 1908. [Aa 243.] 


13. Rufsland. 

Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. 

— Bulletin, tome XXIX. [Aa 259.] 

Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. 

Kharkoff : Societe des Sciences physico-chimiques. — Travaux, tome XXXVI 
u. XXXVII. [Aa 224.] 

Kieiv: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XX, no. 4; tome XXI, 
no. 1 — 2. [Aa 298.] 

Moskau : Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, 1908 u. 1909. 
[Aa 134.] , 

Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. 

Petersburg : Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tome 
XXVI, fase. 2; XXVII, fase. 3; tome XXVIII, fase. 3. [Ca 10.] 
Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, XXVIII, no. 1 — 8. [Da 23.] — 
Memoires, nouv. ser., livr. 40, 51 u. 52. [Da 24.] 

Petersburg : Physikalisches Zentralobservatorium. 

Petersburg : Academie imperiale des Sciences. — Bulletins, Jahrg. 1909, 
Nr. 18; Jahrg. 1910, no. 1—18. [Aa 315.] 

Petersburg: Kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. 46, 
Lief. 2. [Da 29.] 

Riga: Naturforscher-Verein. 


II. A m e r i k a. 


1. Nordamerika. 

Albany: University of the state of New-York. — State Museum report, 
no. 62, p. 1—4. [Aa 119.] 

Baltimore : John Hopkins university. — University circulars, vol. XXIII, 
no. 219 — 224. [Aa 278.] — American journal of mathematics, vol. XXXI, 
no. 4; vol XXXII, no. 1 — 2. [Ea 38.] — American Chemical journal, 
vol. 42, no. 2 — 6; vol. 43. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. 
Science, ser. XXVII, no. 8 — 12. [Fb 125.] — American journal of philo- 
logy, vol. XXX, no. 3—4; vol. XXXI, no. 1. [Ja 64.] — Maryland geo- 
logical survey, vol. 7 u. 8. [Da 35.] — Maryland weather Service, 
vol. III. [Ec 95.] 

Berkeley: University of California. — Department of geology: Bulletin, 
vol. V, no. 18 — 29. [Da 31.] — Botany, vol. IV, pag. 75 — 120. [Da 31c.] 
— Physiology, vol. III, pag. 101 — 197. [Da31e.] 

Boston: American academy of arts and Sciences, — Proceedings, new ser., 
vol. LXV, no. 3 — 21; vol. LXVI, no. 1 — 9. [Aa 170.] 


46 


Boston : Society of natural history. — Proceedings, vol. 34, no. 5 — 8. 

[Aa 111.] — Occasional papers, vol. VII, no. 11. [Aa 111b. 

Buffalo : Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. IX, no. 3. [Aa 185.] 
Cambridge : Museum of comparative zoology. — Bulletin, vol. LII, no. 14 - 17; 

vol. LIV, no. 1; annual report 1908 — 1909. [Ba 14.] 

Chicago : Academy of Sciences. 

Chicago : Field museum of natural history. — Publications, no. 136, 140. 
[Aa 324.] 

Davenport: Academy of natural Sciences. 

Halifax: Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and 
transactions, vol. XII, p. 2. [Aa 304.] 

Lawrence: Kansas university. — Science bulletin, vol. V, no. 1 — 11. 

[Aa328.] — Geolog, survey: Report on lead and zink, vol. IX. [Aa328b.] 
Madison : Wisconsin academy of Sciences, arts and letters. 

Mexiko: Sociedad cientifica ,, Antonio Alzate“. — Memorias y Revista, 
tomo XXV, no. 9 — 12; tomo XXVII, no. 4 — 10. [Aa 291.] 

Milwaukee: Public museum of the city of Milwaukee. — Bulletin, vol. I. 

[Aa 233 a.] — Annual report 27. [Aa 233b.] 

Milwaukee: Wisconsin natural history society. — Bulletin, new ser., 
vol. VII, no. 3—4; vol. VIII, no. 1-3. [Aa 233.] 

Montreal: Natural history society. 

New -Häven: Connecticut academy of arts and Sciences. — Transactions, 
vol. XVI, pag. 1 — 116. [Aa 124.] 

New- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. XIX, p. 1 — 3. [Aa 101.] 
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. LXI, p. 2 — 3; 
vol. LXII, p. 1—2. [Aa 117.] 

Philadelphia: American philosophical society. — Proceedings, vol. XL1X, 
no. 193-196. [Aa 283.] 

Philadelphia: Wagner free institute of Science. — Transactions, vol. VII. 
[Aa 290.] 

Philadelphia: Zoological society. — Annual report 38. [Ba 22.] 
Pochester: Academy of Science. 

Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. XX; vol. XXI, 
no. 1 — 3. [Aa 28.] 

Salem: Essex Institute. 

San Francisco: California academy of Sciences. — Proceedings, 4. ser., 
vol. III, pag. 49—72. [Aa 112.] 

St. Louis: Academy of Science. 

St. Louis: Missouri botanical garden. — Annual report 1909. [Ca 25.] 
Topeka: Kansas academy of Science. — Tansactions, vol. XXII. [Aa 303. 
Toronto: Canadian institute. — Transactions, vol. VIII, p. 4. [Aa 222b. 
Tafts College. — Studies, vol. III, no. 1. [Aa 314.] 

Washington: Smithsonian institution. — Annual report 1908 u. 1909. 

[Aa 120.] — Report of the U. S. national museum 1909. [Aa 120c.] 
Washington : United States geological survey. — Annual report, no. XXX. 


[De 120.] — Bu 
432. [De 120b. 
Water - supp 


letin, no. 386, 390 — 391, 393, 395—418, 420 — 428, 
— Professional papers, no. 64—68. [De 120e.] 
y papers, no. 232, 235, 237, 239, 242 — 252. 


[De 120 f.] — Mineral resources of the United - States, 1908, p. I u. II. 
[Db 81.] 

Washington: Bureau of education, 


47 


2. Südamerika. 

Buenos- Aires: Museo nacional. — Anales, ser. 3, tomo XI u. XII. [Aa 147.] 
Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo LXVIII, entr. 

2—6; tomo LX1X, entr. 1 — 4. [Aa 230.] 

Cordoba: Academia nacional de ciencias. 

La Plata: Museum. — Revista, tomo XVI. [Aa 308.] 

Montevideo: Museo nacional. — Anales, vol. VII (Flora Uruguaya, tomo IV, 
entr. 2). [Aa 326.] 

Rio de Janeiro : Museo nacional. 

San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa Rica. 
Säo Paulo : Commissäo geographica e geologica de S. Paulo. — Carta geral 
do Estado de S. Paulo. [Aa 305 a.] — Dados climatologicos , ser. 2, 
no. 8—11. [Aa 305 b.] 

Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein. 


III. Asien. 

Batavia : K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor 
Nederlandsch Indie, Deel 69. [Aa 250.] 

Calcutta : Geological survey of India. — Memoirs, vol. XXXVII, p. 4; vol. 
XXXVIII, p. 4; vol. XXXIX. [Da 8.] — Records, vol. XXXVIII, p. 3-4. 
[Da 11.] — Palaeontologia Indica, new ser., vol. III, no. 1; vol. IV, 
no. 2; vol, VI, no. 2. [Da 9.] — Annual report of the board of scientific 
advise for India, 1908 — 1909. [Da 18b. | 

Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. — 
Mitteilungen, Bd. XII, Teil 2. [Aa 187.] 


IV. Australien. 

Melbourne : Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary 
for mines 1909; 8 Bl. geol. Karte von Victoria. [Da 21.] 


B. Durch Geschenke. 

Aquila , Zeitschrift für Ornithologie, Jahrg. XV u. XVI. [Bf 68.] 
Centralblatt , botanisches: Beihefte, Bd. XXIV, Abt. 2, Heft 3; Bd. XXV, 
Abt. 1, Heft 1-3 und Abt. 2, Heft 1—3; Bd. XXVI, Abt. 2, Heft 1-3. 
[Ca 30.] 

Chapel Hill : Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XXV, 
no. 3 — 4; vol. XXVI, no. 1 — 2. [Aa 300.] 

Drude, O . : Führer durch den K. Botan. Garten in Dresden. [Cd 136.] 
Ducloux, E.\ La ensenanza de la Qufmica en la universidad nacional de 
La Platar [Je 125.] 

Engelhardt, H.\ Novi Prilozi poznavanju fosilne tereijarne flore Bosne. 
[Dd 94 ee.] 

Freiberg i. -S .: Geologische Gesellschaft. — 3. Jahresber. [Da 36.] 

Fries, Th.: Bref och skrifvelser af och tili Carl v. Linnee, IV. Teil, 
[Jb 99.] . 


48 


Geinitz, E. : XXI. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. [De 217v.] 
Hentschel, Wz Zucht, eine Lebensfrage für die weifse Kasse. [Bd 36.] 
Jagerskjöld , L.\ Results of the Swedish zoolog. expedit. in Egypt and 
the White Nile 1901, p. III. [Bb 71.] 

Jentzsch, A. : Die Geologie in der Schule. [De 259.] 

Kasan : Publication de Fobservatoire Engelhardt de Funiversite imperiale, 
no. 2. [Ea 83.] 

Lima: Cuerpo de ingenieros de minas del Peru. — Boletin 76. [Aa 337.] 
Ludwig. F. : Entomologische Mitteilungen. [Bk 253.] 

Ludivig, Fr. Der Weidenbohrer und die Pilzflüsse der Bäume, insbesondere 
der gährenden Eichen. [Bk 252. 

Ludwig, Fr. Die Wasserhornmilbe, ihre amphibische Lebensweise und ihr 
Verhalten im Zimmeraquarium . [Bl 48.] 

Ludwig, F. : Baumälchen und andere pflanzenbewohnende Aale. [Bm 70.] 
Monaco : Musee oceanographique. — Bulletins 154 — 184. [Aa 336.] 
Naturschutzpark -Verein: Ein Mahnwort an das deutsche Volk. [Ab 97.] 
Ostermaier, Jr. 10 Kunstblätter Alpenblumen, Vegetationsbilder nach Auf- 
nahmen der freien Natur. [Cd 135.] 

Reichsanstalt, K. Ungar., für Meteorologie und Erdmagnetismus. — J. Hegy- 
foky : Die jährliche Periode der Niederschläge in Ungarn, Bd. VIII. 
[Ee 113.] — J. Hegyfoky: Regenangaben aus Ungarn f. d. Zeitraum 
1851 — 1870. [Ec 113b.] 

Schreiber, Hr. Die Moore Vorarlbergs und des Fürstentums Liechtenstein. 
[Ha 42 b.] 

Upsala : Universitet. — Ram ström : Swedenborgs investigations in natural 
Science and the basis for his statemans concerning the functions of 
the brain. [Bc 60.] 

Washington : Library of Congress — Report 1901 — 1908; want list 1909, 
no. 1 — 3; publications issued since 1897. [Ja 124.] 

Wichmann, Ar. Adolf Bernhard Meyers Reise nach Neu-Guinea i. J. 1873. 
[Fb 153.] 

Zickmantel, O. und Fauli, Gr. Der Klosterberg und seine Umgebung. 
[Fb 152.] 


C. Durch Kauf. 

Abhandlungen der Senckenbergischen naturforsch. Gesellschaft, Bd. XXXI, 
Heft 1; Bd. XXXIII, Heft 1 — 2; Festschrift zum 70. Geb. v. W. Kobelt. 
[Aa 9.] 

Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, n. F., Bd. XI, No. 3 — 4; 
Bd. XII, No. 1. [G 1.] 

Anzeiger, zoologischer, Bd. XXXV, No. 11 — 26; Bd. XXXVI, No. 1 — 26. 
[Ba 21.] 

Berichte des westpreufsischen botanisch-zoologischen Vereins. — Bericht 32. 
[Aa 341.] 

Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. III (Molluska), Lief. 
109 — 112; Suppl. (Tunicata), Lief. 88 — 94; 2. Abteil., Lief. 4 — 5; Bd. VI, 
Abt. 1 (Pisces), Lief. 32 — 33. [Bb 54.J 
Centralblatt, biologisches, Bd. XL. [Aa 344.] (Vom Isis- Lesezirkel.) 


49 


Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz : Ueber Berg und Thal, Jahrg. 1910. 
[Fa 19.] 

Hediuigia, Bd. 49, No. 4 — 6; Bd. 50, No. 1 — 3. [Ca 2.] 

Heimatschutz, Sächsischer, Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, 
Kunst und Bauweise. — Mitteilungen, Heft 11 — 12. [Fb 148.] 
Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, Jahrg. 45 und 4 Karten. Repertorium 
zu XXI — XLIV. [Fa 5.] 

Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie 
und Urgeschichte, Jahrg. XLI. [G 160.] 

Mannus , Zeitschrift für Vorgeschichte, Bd. I, Heft 3 — 4. [G 157.] 
Palaeontographical Society, vol. L1X u. LX. [Da 10.] 

Prähistorische Zeitschrift, Bd. I, Heft 2—4; Bd. II, Heft 1. [G 156.] 
Prometheus , No. 1054 — 1105. [Ha 40.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftl., Bd. XXV. [Aa 311.] (Vom Isis -Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift für wissenschaftl. Insektenbiologie, Bd. VI. [Bk 245.] (Vom Isis- 
Lesezirkel.) 

Zeitschrift für die Naturwissenschaften, Bd. 81, No. 5 — 6. [Aa 98.] 
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 27. [Ec 66.] 

Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Jahrg. XXVI, No. 3 — 4; 

Jahrg. XXVII, No. 1 — 3. [Ee 16.] 

Zeitschrift, Oesterreichisclie botanische, Jahrg. 60. [Ca 8.] 

Zeitung, botanische, Jahrg. 68. [Ca 9.] 

Abgeschlossen am 31. Dezember 1910. 

E. Richter, 
Bibliothekar der „Isis“. 


Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der 
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag 
von 3 Mark können eine grofse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung 
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio- 
thekar entgegen. 



Abhandlungen 


der 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1910 , 



I. Rückblick auf die letzten 25 Jahre des Bestehens 
der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“. 

Ansprache bei der Feier des 75jährigen Bestehens der Gesellschaft 
am 26. Mai 1910. 

Yon Geh. Hofrat Prof. Dr. F. Foerster. 


Hochgeehrte Festversammlung! 

Am 14. Mai dieses Jahres waren 75 Jahre verflossen, seit den Be- 
gründern unserer Isis die Genehmigung ihres ersten Statuts durch das 
Königliche Kultusministerium bekannt wurde, ihr Wunsch, zur Pflege 
der Naturwissenschaften in Dresden eine Vereinigung zu schaffen, voll 
verwirklicht war. Wenn es auch nicht Gebrauch ist, Vierteljahrhundert- 
feiern mit dem gleichen Glanze auszustatten, welchen man der 50- oder 
100-jährigen Wiederkehr wichtiger Gedenktage zu geben pflegt, so wäre 
es doch eine Verkennung des Wertes rückblickender Erinnerungsfeiern 
auch im Leben grofser Vereine, wollte man nicht die seltene und schöne 
Gelegenheit der 75. Wiederkehr des Stiftungstages wenigstens zu einer 
schlichten Feier benutzen. Eine stattlichere Ausgestaltung der auf den 
heutigen Tag angesetzten Hauptversammlung war für eine solche der ge- 
gebene Kähmen. 

Die Isis darf sich glücklich schätzen, dafs eine grofse Zahl hoch- 
verehrter Gönner und Freunde ihrer Bestrebungen den zur heutigen Fest- 
sitzung ergangenen Einladungen gefolgt ist. Sr. Exzellenz den Minister 
des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Herrn Staatsminister Dr. Beck, 
hier begrüfsen zu dürfen, ist uns eine hohe Ehre und Freude. Mit auf- 
richtigem Danke ist sich die Isis stets bewufst, dafs sie sich seit den 
ersten Zeiten ihres Bestehens des fortdauernden, bei mannigfachen An- 
lässen bekundeten Wohlwollens des Königlichen Kultusministeriums er- 
freuen durfte. An der Seite Sr. Exzellenz begrüfse ich die Herren 
Ministerialdirektor Geheimen Rat Dr. Kretzschmar und Geheimen Re- 
gierungsrat Dr. Schmaltz und danke auch Ihnen für Ihr gütiges Erscheinen. 

Seitdem am 22 . Februar 1866 zum ersten Male eine Sitzung der Isis 
in Räumen der Königlichen Polytechnischen Schule abgehalten war, haben 
sich allmählich immer engere, im Jahre 1877 auch vertraglich festgelegte 
Beziehungen unserer Gesellschaft zum Königlichen Polytechnikum ent- 
wickelt, welche es gestatten, dafs die Isis alle ihre Versammlungen in 
den Räumen dieser Anstalt abhielt und hier auch ihre Bibliothek zu 
öffentlicher Benutzung aufgestellt hat. Für die Arbeiten und Bestrebungen 


4 


der Isis sind diese ihr dauernd jede Sorge um das äufsere Gewand ihrer 
Sitzungen abnehmenden Beziehungen von fördersamsten Einflufs gewesen. 
Sie sind die alten geblieben, auch nachdem das frühere Polytechnikum 
im Laufe der letzten 25 Jahre zur Technischen Hochschule sich ausgestaltet 
hat. Dafs auch von deren Seite die alten Bande zur Isis freundlich ge- 
pflegt und wert gehalten werden, beweist uns die Gegenwart Sr. Magnifizenz 
des Rektors dieser Hochschule und zahlreicher Mitglieder des Professoren- 
kollegiums. Als einen Ausdruck der Gemeinsamkeit unserer wissenschaft- 
lichen Bestrebungen begrüfse ich es, dafs auch die Tierärztliche Hochschule 
zu unserer Feier einen Vertreter entsendet hat. 

Herzliche Freundschaft hat die Isis auch in den letzten 25 Jahren mit 
ihren Schwestergesellschaften, der Isis in Bautzen und derjenigen in 
Meifsen, verbunden, und gegenüber Dresdner Vereinen von verwandten Be- 
strebungen hat sie mit dem hiesigen Verein für Erdkunde, dem Verein für 
Natur- und Heilkunde, der Oekonomischen Gesellschaft, der Königlichen 
Gartenbaugesellschaft Flora, dem Entomologischen Verein Iris und dem 
Dresdner Lehrerverein für Naturkunde stets freundschaftliche Beziehungen 
unterhalten. Diese auch von Seiten dieser Vereine heute durch Ent- 
sendung ihrer Vertreter oder durch freundliche Glückwunschschreiben 
betont zu sehen, ist uns eine freudige Genugtuung. 

Ich heifse Sie alle unsere verehrten Gäste und nicht zuletzt die 
Damen, welche unserer Feier ihr Interesse entgegenbringen, namens der 
Isis herzlich willkommen und sage Ihnen für Ihr Erscheinen verbind- 
lichsten Dank. 

Rückschauend auf das durchwanderte letzte Vierteljahrhundert darf 
die Isis bekennen, dafs diese Jahre eine einzige Kette ungestörten, ruhigen 
Fortschreitens auf der von den Begründern unserer Gesellschaft vorge- 
zeichneten Bahn waren. Die aus Erfahrungen vergangener Jahrzehnte 
für das äufsere Leben unserer Gesellschaft entwickelten Formen, wie sie 
im Statut von 1866 festgelegt und in der Organisation der wissenschaftlichen 
Tätigkeit der Gesellschaft zum Ausdruck gelangten, haben sich auch im 
vergangenen Vierteljahrhundert so trefflich bewährt, dafs sie bis auf kleine 
Neugestaltungen, wie z. B. der seit 1887 bestehenden Einrichtung mehr- 
facher gemeinsamer Sitzungen der zoologischen und der botanischen 
Sektion oder der Einführung von Floristenabenden bei der letzteren, 
überall die alten geblieben sind. 

Dafs viele der um die Ausgestaltung dieser Organisation und um 
die Betätigung in ihr hochverdienten Männer in den vergangenen 25 Jahren 
der Isis durch den Tod entrissen wurden, liegt im natürlichen Verlauf 
der Dinge. Der letzte überlebende Stifter der Gesellschaft, Dr. med. 
Theile wurde ihr vor 11 Jahren genommen. Ihm folgte sehr bald Pro- 
fessor Geinitz, der langjährige Ehrenpräsident der Gesellschaft, der vor 
25 Jahren an eben dieser Stelle auf grofse Teile der Entwicklung der 
Isis als auf ein schönes Stück seines eigenen umfassenden Lebens- 
werkes zurückschauen konnte. Die dankbare Anerkennung der Isis für 
Geinitz’ auch in der Folgezeit um sie erworbenen Verdienste kam in 
schöner Weise zum Ausdruck an der zu seinem 80. Geburtstage ver- 
anstalteten Festsitzung und bei der nach seinem Hinscheiden vor 10 Jahren 
abgehaltenen Gedenkfeier. Von denen, die einst dem wisschaftlichen Leben 
der Isis das Gepräge gaben und ihre Arbeitskräfte ihr zur Verfügung 
stellten, sind der langjährige Kassierer der Isis Warn atz, der verdienst- 


5 


volle Vorsitzende des Verwaltungsrates Raspe, die Prähistoriker Caro 
und Fräulein von Boxberg, die Mineralogen und Geologen Purgold, 
Stelzner, Stübel, Zschau, der Botaniker Maler Seidel, die Zoologen 
Nits.che, Vetter, Schneider, Reibisch, der Technologe Hartig, der 
Mathematiker Harnack, der Chemiker Schmitt, sind es Zeuner, 
Friedrich Siemens und viele andere, deren Wirksamkeit in diesem 
Kreise wir heute dankbar und voll Wehmut gedenken. Manch einer 
schied auch von uns, weil sein Beruf ihn an andere Wirkungstätten führte; 
wir gedenken dabei der schönen Abschiedsfeier, welche die Isis dem um 
sie hochverdienten Mathematiker Professor Rohn bereitete. 

Froh dürfen wir aber auch sein, dafs viele unter uns sind, die schon 
seit Jahrzehnten mit regem Eifer am Leben unserer Gesellschaft teil- 
nehmen. Nicht weniger als 6 unserer wirklichen Mitglieder, 8 unserer 
korrespondierenden und 3 unserer Ehrenmitglieder schauen auf eine Zu- 
gehörigkeit von 45 und mehr Jahren zu uns zurück. Die Beschäftigung 
mit den Aufgaben der Isis ist also eben keine ungesunde. 

Die Mitglied erzähl der Isis, welche 1885 214 wirkliche, 181 korre- 
spondierende und 70 Ehrenmitglieder betrug, beläuft sich heut auf 274 
wirkliche, 110 korrespondierende und 17 Ehrenmitglieder. Verglichen mit 
der Tatsache, dafs im Jahre 1895 die Zahl der wirklichen Mitglieder auf 
180 herabgegangen war, seitdem aber ein stetiges Ansteigen auf den 
heutigen Höchstbetrag aufweist, darf man diese Zahlen als nicht ungünstig 
ansprechen. Bedenkt man aber, dafs die Isis 1869 schon 262 wirkliche 
neben 257 korrespondierenden und 126 Ehrenmitgliedern zählte, und seitdem 
Dresden seine Einwohnerzahl verdreifacht hat, so wird man, bei aller 
Würdigung der mannigfachen, dem allzu langsamen Anwachsen unserer 
Gesellschaft zugrunde liegenden Momente, doch den Wunsch begreiflich 
finden, dafs auch in weiteren Kreisen unserer Stadt die auf die Verbreitung 
naturwissenschaftlicher Kenntnisse gerichteten Bestrebungen unserer Ge- 
sellschaft in ihrer Bedeutung besser bewertet würden. 

Bei der Feier des 50 jährigen Bestehens der Isis betonte Geinitz das 
dringende Bedürfnis, dafs das damals insgesamt etwa 10000 Mark be- 
tragende Vermögen der Gesellschaft auf mindestens den dreifachen 
Betrag anwachse, damit die Isis ihren wissenschaftlichen Aufgaben voll 
gerecht werden könne. Diese sehr berechtigte Forderung ist zurzeit 
noch nicht erfüllt; denn einschliefslich 3466 Mark Reservefonds ist das 
Gesellschaftsvermögen erst auf 22894 Mark angew r achsen. Seine Zinsen 
zusammen mit den Mitgliederbeiträgen genügen gerade, die laufenden Aus- 
gaben der Gesellschaft, welche zum überwiegenden Teile durch die Heraus- 
gabe ihrer Sitzungsberichte und Abhandlungen und durch die Pflege ihrer 
Bibliothek veranlafst sind, zu decken. 

Die in diesen Veröffentlichungen erscheinenden Abhandlungen, 
deren Zahl von 1886 bis 1909 235 betrug, dienen in erster Linie der 
naturwissenschaftlichen Erforschung Sachsens. Ihre wissenschaftliche Be- 
deutung sichert unseren Mitteilungen einen in weiten Kreisen anerkannten 
Wert. Nicht weniger als 276 Gesellschaften und Institute des In- und 
Auslandes sind es, welche heut im regelmäfsigen Schriftenaustausch mit 
der Isis stehen. 

So ist in Dresden eine zumal auf den geologischen und biologischen 
Gebieten selten vollständige, in dieser wie anderer Hinsicht auch die 
Bibliothek der Technischen Hochschule in willkommenster Weise ergänzende 


6 


Bücherei entstanden, welcher die „Isis“ ihre gröfste Aufmerksamkeit 
zuwendet. Da der vorhandene Katalog aus dem Jahre 1870 stammt, war 
eine neue Katalogisierung dringend erforderlich. Seit dem vorigen Jahre 
ist sie in Angriff genommen. Während noch 1869 der damalige Sekretär 
der „Isis“, Apotheker Bley, die Ausarbeitung des Bibliothekskatalogs unent- 
geltlich übernehmen konnte, ist dies heute angesichts einer Zahl von 
3490 Nummern nicht mehr möglich, und erhebliche Geldopfer sind zur 
Durchführung der notwendigen Neubearbeitung unerläfslich. Sie würden 
die Kräfte unserer Gesellschaft wahrscheinlich übersteigen, wenn nicht wie 
in früheren Jahren so auch jetzt opferfreudige Männer uns geholfen hätten, 
und wie wir hoffen, sich auch in Zukunft noch finden werden. Nichts er- 
läutert besser als dieses die Dichtigkeit von Geinitz’ oben erwähnter 
Forderung. 

Nur selbstverständlich ist es, dafs eine Gesellschaft wie die „Isis“ 
stets auch da, wo öffentliche Interessen mit naturwissenschaftlichen Fragen 
in Beziehung traten, ihre Wünsche zu Gehör kommen zu lassen bemüht 
sein mufs. Hierzu bot sich in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt 
Gelegenheit. In Gemeinschaft mit dem Königl. Sächs. Altertumsvereine zu 
Dresden wurde 1897 eine Denkschrift ausgearbeitet und dem Ministerium 
des Innern unterbreitet, in welcher Mafsregeln zum Schutz vorgeschichtlicher 
Altertümer erbeten wurden; einer hierauf erfolgten Aufforderung zum 
Entwurf einer Belehrung über die den vorgeschichtlichen Altertümern zu 
widmende Fürsorge wurde im Jahre 1898 von der „Isis“ entsprochen. 
Die weitere Verfolgung dieser Angelegenheit hat zu der vom Königlichen 
Ministerium des Innern bestimmten Inventarisierung der vorgeschicht- 
lichen Altertümer in Sachsen geführt, mit welcher seit 1901 unser 
Professor Deichmüller beschäftigt ist. Freudigen Widerhall und eifrige 
Mitarbeit fanden die Bestrebungen des 1904 ins Leben getretenen Bundes 
für Heimatschutz in der „Isis“. Die folgenden Jahre brachten lebhafte 
Aussprachen zur Reform des mathematischen und naturwissen- 
schaftlichen Unterrichts an den höheren Schulen; die Frage der 
Einführung des biologischen Unterrichts wurde in einer dem König- 
lichen Kultusministerium überreichten Denkschrift eingehend behandelt. 
Den Bestrebungen, billige Karten der Heimat zu erlangen, um 
damit die Freude an Wanderungen in unserer schönen Natur zu erhöhen, 
fanden in der „Isis“ eifrige Unterstützung. Nicht unerwähnt darf auch 
bleiben, dafs eine Anregung unserer „Isis“ der Ausgangspunkt war, als 
im vorigen Jahre alle den Naturwissenschaften dienenden Vereinigungen 
Sachsens sich zum ersten Mal zu gemeinsamem Handeln vereinigten, um 
der Landesuniversität zu ihrem 500-jährigen Bestehen ihre Glück- 
wünsche darzubringen. 

Immerhin treten diese Teile der Arbeiten der „Isis“ stark zurück im 
Vergleich mit ihrer rein wissenschaftlichen Tätigkeit. Getreu den 
Bestrebungen unserer Gesellschaft nach Erweiterung und Verbreitung 
naturwissenschaftlicher Kenntnisse hat die „Isis“ sich bemüht die Fort- 
entwicklung der grofsen Züge der ganzen Naturwissenschaft in ihrer 
wissenschaftlichen Arbeit widerzuspiegeln. Dafs ihr dies gelungen ist, 
des geben die Sitzungsberichte aus den Hauptversammlungen und Sektionen 
ein beredtes Zeugnis. 

Die letzte gröfsere Erinnerungsfeier der „Isis“ vor jetzt 25 Jahren 
fiel in eine Zeit, in welcher die Naturwissenschaft, gewissermafsen Atem 


7 


holend nach gewaltigem Siegeslauf, sich zu neuen gröfseren Triumphen 
anschickte, deren Zeugen wir im letzten Vierteljahrhundert gewesen sind. 

Insbesondere auf den Gebieten der Physik und Chemie und ihrer 
Anwendungen sind hervorragende Fortschritte zu verzeichnen. Werfen 
wir, um auch dem wissenschaftlichen Gepräge der letzten Vergangenheit 
der Naturforschung wenigstens nach einer Seite gerecht zu werden, einen 
flüchtigen Blick auf die eben genannten Wissensgebiete. 

Schon ihre grundlegenden Denkmittel, die Atom- und die Molekular- 
theorie, haben aufserordentliche Festigung und Vertiefung erfahren. Die in der 
Elektronentheorie zusammengefafste Erkenntnis, dafs auch die Elektrizität, ja 
vielleicht die Energie überhaupt, aus begrenzten Elementarqnanten besteht, 
also atomistisch aufgebaut ist, brachte auch der älteren chemischen Atom- 
lehre neuen Nutzen. Die Molekulartheorie wurde durch die der Lösungen 
und der elektrolytischen Dissociation wesentlich erweitert. Waren dort die 
Entdeckung der radioaktiven Stoffe und tiefgreifende Beobachtungen der 
Strahlungserscheinungen die Grundlagen für die Erweiterung unserer Vor- 
stellungen über die Masse, so waren es hier die Ergebnisse der Forschungen 
in der theoretischen Elektrochemie. Ihnen gesellen sich in der jüngsten 
Zeit in der Kollo'idchemie gewonnene Erkenntnisse bei, um wichtige Stützen 
der Molekulartheorie zu leihen. 

Die Physik lernt die Beziehungen der Licht- und Wärmestrahlen zur 
Temperatur und damit die Mittel zur Messung auch der höchsten Tem- 
peraturen kennen. Die Entdeckung der elektrischen Wellen im Raume 
erweitert das Gebiet der elektrodynamischen Wellen weit über das Infra- 
rot hinaus. Die Röntgenstrahlen werden entdeckt und damit die Chirurgie 
mit einem Hilfsmittel von höchstem Wert beschenkt, und den altbekannten 
Kathodenstrahlen gesellen sich die positiven Strahlen zu. 

In der Chemie schreitet die Synthese fort zu den Zuckern, den Harn- 
säureabkömmlingen und Alkaloiden und nähert sich schon erfolgversprechend 
dem Aufbau der Eiweifsmoleküle, und höchst merkwürdige, neue gasförmige 
Elemente, das Helium und seine Verwandten, werden in der atmo- 
sphärischen Luft gefunden. 

Und wie gewaltig sind die Nutzanwendungen, welche diese und vor 
allem die Erkenntnisse der vorangehenden Zeit in diesem Vierteljahr- 
hundert finden. Man vergifst es leicht, dafs ein grofser Teil der Ent- 
wickelung der Elektrotechnik, insbesondere die Ausbildung der Fortleitung 
und Verteilung von Energie durch den elektrischen Strom, den letzten 
25 Jahren angehört, von der drahtlosen Telegraphie ganz zu schweigen, 
für die auch die wissenschaftliche Grundlage erst in dieser Zeit geschaffen 
wurde. Auch der Explosionsmotor ist erst in den beiden letzten Jahr- 
zehnten zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten gelangt und hat damit 
einerseits die Benutzung der Hochöfen der Eisenindustrie als gewaltige Kraft- 
quellen, andererseits das Automobilwesen und den köstlichsten Triumph der 
jüngsten Zeit, das lenkbare Luftschiff und den Flugapparat, ermöglicht. Tem- 
peraturen, die 1000 bis 2000° höher liegen als die früher erreichbaren, hat 
man im elektrischen Ofen, solche, welche um mehr als 200° unter den Ge- 
frierpunkt des Wassers herabgehen, durch die sichere Handhabung der 
Verflüssigung der Luft und des Wasserstoffs beherrschen und benutzen ge- 
lernt, so dafs heut kein Gas mehr der Verflüssigung entgangen ist. Das viel 
bearbeitete Problem der photographischen Wiedergabe der natürlichen 
Farben darf als seiner Lösung sehr nahe geführt betrachtet werden. 


8 


In der anorganisch -chemischen Grofsindustrie treten ganz neuartige 
Arbeitsweisen an die Seite oder die Stelle der in jahrzehntelangem Ge- 
brauch trefflich ausgestalteten, aber doch einseitigen älteren Verfahren. 
Das auf der Anwendung der Katalyse beruhende Kontaktverfahren ge- 
staltet die Schwefelsäurefabrikation um, die Elektrolyse erobert die 
Herstellung des Chlors und der Ätzalkalien, und der elektrische Licht- 
bogen verspricht, der vorauszusehenden Erschöpfung der Salpeterlager zu 
begegnen und durch Verbrennung des Luftstickstoffes eine unerschöpfliche 
Quelle der zur Fruchtbarhaltung unserer Acker erforderlichen salpeter- 
sauren Salze zu liefern. 

Auf dem Gebiete der organischen Chemie sehen wir vor etwa zwei 
Dutzend Jahren die Herstellung der rauchschwachen Pulver sich vollziehen, 
eine tiefe Umgestaltung der ganzen Kriegstechnik nach sich ziehend. 
Die technische Gewinnung des künstlichen Indigo gelingt mit solchem 
Erfolge, dafs die Tage des natürlichen gezählt erscheinen, und in der 
künstlichen Seide liefert die Chemie der Textilindustrie den erst selbst- 
erzeugten Faserstoff. 

Und welche Fülle von wichtigen Erkenntnissen ist gereift auf den 
Gebieten solcher Naturvorgänge, an denen kleinste Lebewesen beteiligt sind. 
Die Reinzüchtung der Gährungserreger gewährt den Gährungsgewerben 
gesteigerte Sicherheit, während in der Bekämpfung mancher gefährlichen, 
in dieser Zeit auch erst erkannten Krankheitserreger die Serumbehandlung 
schönste Erfolge erzielt hat. Zugleich hat die theoretische Erforschung die 
fruchtbarste Anregung erfahren durch die Erkenntnis, dafs die Träger der 
Wirkungen der kleinsten Lebewesen weniger diese selbst als gewisse ihrem 
Stoffwechsel entstammende Enzyme sind, welche als noch geheimnisvoll 
arbeitende Katalysatoren physiologische Vorgänge in dieser oder jener Rich- 
tung auszulösen oder zu beschleunigen vermögen. Ein aufserordentlich viel 
versprechendes'Zusammenwirken der physiologischen und der physikalischen 
Chemie mit der Kollo'idchemie nimmt jetzt hier seinen Ausgangspunkt und 
läfst uns für die Zukunft vielleicht die ersten tieferen Einblicke in die uns 
noch so unbekannten Lebensvorgänge erhoffen. 

Bei diesem nur allzu flüchtigen Rückblick auf das nur in einem kleinen 
Teil der Naturwissenschaft Erreichte will es dem Beschauer kaum in den 
Sinn, dafs ein kurzes Vierteljahrhundert, ja oft eine viel kürzere Zeit erst 
vergangen ist, seit Wissenschaft und Technik der bezeichneten Fortschritte 
sich erfreuen dürfen. 

Aber wir lassen uns dadurch nicht zu stolzer Selbstgewifsheit ver- 
locken. Gerade der Naturwissenschaftler kennt am besten die Bedingt- 
heiten und Begrenztheiten seines Wissens auch auf den Gebieten, welche 
hier und dort schönste Blüten hoher, für das äufsere Leben der Menschen 
wohltätiger Erfolge zeitigen. 

Vor Überschätzung der gegenwärtigen Leistungen bewahrt auch die 
historische Betrachtung der Entwickelung dieser und jener als fruchtbar 
erkannten Reihe von Gedanken und Beobachtungen und zeigt oft dem 
Forscher, wie kurz der Schritt war, der schliefslich zum Erfolge führte, 
und welche Zufälligkeiten oder einst verbreitete Irrtümer die Ursache 
waren, dafs ein schöner Erfolg nicht schon längst von anderen gewonnen 
wurde. 

Gerade solche Erwägungen der Dankesschuld an die Arbeiten ver- 
gangener Zeiten sind bei einem Feste wie dem unsrigen die besten Früchte, 


9 


welche aus dem gewifs erfreulichen Rückblicke auf die Ruhmestaten der 
Naturwissenschaften im letzten Vierteljahrhundert geerntet werden sollen. 

Froh und dankbar der Vergangenheit gedenkend schreitet unsere alte 
aber doch ewig junge „Isis“ rüstig weiter zu neuer Arbeit und neuer Freude 
am Fortschreiten und Blühen der Naturwissenschaft. 

Diese Worte darf ich aber nicht schliefsen, ohne der besonderen 
Dankespflicht der „Isis“ an mehrere ihrer Mitglieder Ausdruck geliehen zu 
haben. Nicht ohne dafs Einzelne in hingebender Weise gewisse zum 
Wohle des Ganzen erforderliche Aufgaben auf sich nehmen, kann dieses 
freudig gedeihen. So gebührp unser Dank dem ständigen Sekretär der 
„Isis“, Herrn Hofrat Professor Dr. Deichmüller, welcher die ganzen letzt- 
vergangenen 26 Jahre hindurch dieses Amt mit unermüdlichem Eifer treu 
verwaltet hat; er gebührt Herrn Hofbuchhändler Lehmann, welcher seit 
elf Jahren die Kassengeschäfte der Gesellschaft führt, sowie unserem lang- 
jährigen Bibliothekar Herrn Schiller und dem seit 1906 an seine Stelle 
getretenen Herrn Richter. Die „Isis“ weifs ihnen allen herzlichsten Dank 
für ihre aufopfernden Dienste. 

Seit 45 Jahren ist unser derzeitiger zweiter Vorsitzender, Herr Hofrat 
Professor Engelhardt, Mitglied der „Isis“. Seine weit über Deutschlands 
Grenzen hinaus bekannten Forschungsergebnisse auf dem Gebiete der Kunde 
über die Pflanzen vergangener Erdepochen hat er der „Isis“ stets zuerst 
mitgeteilt; mehr als zwölf Jahre führt er nunmehr das Amt des zweiten 
Vorsitzenden und den Vorsitz im Verwaltungsrat unserer Gesellschaft. Die 
„Isis“ ehrt sich nur selbst, wenn sie einen Teil der Dankesschuld für diese 
grofsen ihr geleisteten Dienste dadurch abzutragen sucht, dafs sie bei 
dieser feierlichen Gelegenheit den von uns allen hochverehrten 
Herrn Hofrat Professor Hermann Engelhardt 
zum Ehrenmitgliede ernennt. 


II. Geologie und Phantasie. 

Vortrag bei der Feier des 75jährigen Bestehens der Naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft „Isis“ am 26. Mai 1910. 

Von Geh. Hofrat Prof. Dr. Ernst Kalkowsky. 


Vor 125 Jahren lehrte Abraham Gottlob Werner in Freiberg zum 
ersten Male Geologie als besondere Wissenschaft, getrennt von Mineralogie; 
er nannte seine Wissenschaft Geognosie, weil sie eine Beobachtungs- und 
Erfahrungswissenschaft sein sollte. Zugleich gilt Werner als Vater des 
Neptunismus, der Lehre, dafs bei der Umbildung der Erde nur Vorgänge 
in Betracht kämen, bei denen das Wasser eine wesentliche Rolle spielt. 
Wir würden heute deshalb vielleicht sagen dürfen, Werner sei ein ein- 
seitiger Phantast gewesen, die Geologie aber stehe von Anfang an im 
Bunde mit der Phantasie. Und stutzig mufs es uns machen, dafs heute 
ein rastlos tätiger, hervorragender Geologe in einem Werke „subjektive 
Phantastereien“ zum Besten gegeben haben soll, so dafs Forscher mit 
anderer Richtung der Gedankenarbeit mit ihrer ernsten Mifsbilligung 
nicht zurückhalten. 

Beobachtung und Erfahrung als Urquellen der Geologie sind schon 
vor Werner gefordert worden; der deutsche Arzt Füchsel in Rudolstadt 
wies zuerst darauf hin; aber wenn er seine für seine Zeit höchst be- 
rechtigten Sätze mit der Behauptung schlofs: „etwas anderes wissen wir 
nicht“, so schofs er über das Ziel hinaus: diese letzte Behauptung ist 
falsch, weil wir durch reine Gedankenarbeit auch weiter kommen können, 
auch auf geologischem Felde. Nach Werner verhalt der Engländer Lyell 
dieser Auffassung, dafs die Vorzeit nach den Erscheinungen in der Gegen- 
wart zu beurteilen sei, zum Siege. Als Aktualismus wird wohl diese 
Richtung der geologischen Forschung bezeichnet. Lyell war zugleich einer 
der ersten, die der Entwickelungslehre die Wege bahnten; der Begriff der 
Entwickelung läfst sich folgerichtig auch auf den Zustand der Weltkörper 
und die darauf herrschenden Kräfte anwenden, und dann erweist sich der 
Aktualismus im strengen Sinne als unzureichend. 

Wir dürfen eben über Naturkräfte nachdenken auch über die unmittel- 
bare Erfahrung hinaus, wir dürfen darüber auch phantasieren. 

Nicht selten spricht man tadelnd und zugleich halbwegs beschönigend 
von luftigen Hypothesen, von schwachen Theorien; ich spreche hier nicht 
als Philosoph, sondern als einfacher Geolog und will ein besonderes 
Mäntelchen beiseite lassen und das Kind beim rechten Namen nennen. 


11 


Phantasie ist es zu nennen mit dem alltäglichen Begriff voll der Unbe- 
stimmtheit, die einem Fremdwort anhaftet. In Wahrheit, in der Geologie 
steckt auch heutzutage Phantasie, die sich jedoch stofflich und der Stufe 
nach von der Phantasie z. B. der Künstler unterscheidet. 

Gewifs ist die Geologie gelegentlich durch den Anteil der Phantasie 
in Verruf gekommen, aber eben nur, weil von Zeit zu Zeit dicke Bücher 
von Unberufenen geschrieben werden, für die das Ei des Columbus nicht 
teurer ist als alle Eier auf dem Wochenmarkt; man könnte es bedauern, 
dafs phantastische Spielerei mit den Ergebnissen der Arbeit anderer nicht 
unter den Unfugsparagraphen gestellt werden kann; dieser ist leider im 
Getriebe der Wissenschaft nicht zulässig. Nur der kenntnisreiche Forscher, 
der seine Lebensarbeit der Geologie gewidmet hat, darf die Phantasie ihr 
Spiel treiben lassen, denn es handelt sich bei ihrer Verwendung um die 
höchsten Aufgaben dieser Wissenschaft. 

Seine Sinne verschärfen kann der Geologe nicht oder seine Gegen- 
stände umwandeln, wie der Physiker Vorgänge und Kräfte umwandeln 
kann, so dafs seine Sinne genügen; ultraviolette Strahlen können wir 
durch Photographie oder durch Fluoreszenzerscheinungen sichtbar machen; 
wer weifs, ob nicht einmal Zwiegespräche der Ameisen phonographisch 
aufgenommen und durch Vertiefung der Töne hörbar gemacht werden 
werden — dagegen kann uns die Physik kein Fernrohr liefern, mit dem 
wir im Stande wären, uns die Vergangenheit nahe zu bringen. Deshalb 
arbeiten wir mit der Phantasie, von der mehr in der Geologie steckt, als 
man bei einer zunächst auf Beobachtung und Erfahrung beruhenden 
Wissenschaft auf den ersten Blick vermuten sollte. 

Mit Phantasie arbeiten, im Gegensatz gegen die Arbeit mit dem 
Hammer, heifst nicht gegen die Würde der Wissenschaft verstossen, einge- 
denk dessen, dafs was heute Hirngespinnst ist, morgen Tatsache sein kann: 
das haben wir doch wohl in der letzten Zeit zur Genüge erlebt. — 

Und in der Tat, jeder Geologe arbeitet mit Phantasie, bedient sich 
ihrer als Hilfsmittel, als Werkzeug, und zwar um so mehr, je höhere Ziele 
er verfolgt. Zunächst sieht der Geologe ja gar nicht alles, er 
kann nicht alles beobachten, worüber er arbeitet. Er kann nämlich die 
Gegenstände seiner Forschung nicht in ihrem ganzen Umfange beobachten. 
Fruchttragender Boden und Wald, Wüstensand und öder Schutt, das 
Meer und das Eis verschleiern das Antlitz der Erde. Der Geologe ist 
beständig auf der Jagd nach Aufschlüssen, nach Stellen, wo er wirklich 
etwas sehen kann, und ihm dient alles vom Maulwurfshaufen bis zur 
unersteiglichen Felswand in den Alpen. Er vereinigt dann die Beobach- 
tungen an den Aufschlüssen zu einem Gesamtbilde, er legt Schnitte durch 
die Erdkruste und setzt seine Linien oft genug in die Luft fort: alle 
geologischen Profile enthalten Phantasie, und wie sehr erinnert doch der 
gewöhnliche geologische Ausdruck „Luftsattel“ an phantastische Luft- 
schlösser ! 

Man hat gesagt, für das Auge des Geologen seien die Gebirge durch- 
sichtig wie Kristallglas; er kann im Geiste vor dem Ingenieur den Berg 
durchbohren, wenn es auch für den Praktiker dann noch ein langer Weg 
ist, „bis Spitzhacke auf Spitzhacke schlägt“, wie der Ausdruck in der 
Siloah- Inschrift in Palästina schon vor 2600 Jahren lautete. Doch liefert 
ein durch die Form bekannt gewordenes Beispiel dafür, was der Geologe 


12 


durch Phantasie erkennen kann, die Wette zwischen dem Geologen Stapft 
und dem Ingenieur Favre, dem kühnen Bezwinger des St. Gotthards für 
den Verkehr. Schwarze Tonschiefer stehen gleich oberhalb des Urner 
Loches im Reufstale an und weiterhin an der Oberalpstrafse; Stapft be- 
hauptete, sie würden auch von dem Tunnel angetroften werden, und er 
gewann glänzend die Wette gegen Favre. 

Hier am St. Gotthard handelte es sich um Schiefer in der Lagerungs- 
form der Schicht; die Aufgabe war es, festzustellen, welchen Verlauf diese 
Schichten in der Tiefe, im Innern der Berge, nehmen werden. Schicht 
ist nun einer der ersten dem Anfänger beizubringenden Begriffe, in ganzen 
grofsen Abschnitten der Geologie wird fortlaufend von Schichten gesprochen, 
Schicht ist die Lagerungsform eines Gesteins, das sich durch Absatz im 
Wasser gebildet hat, Schichten sind die steinernen Blätter in dem Ge- 
schichtsbuche der Erde — und doch, so widersinnig es auch klingen mag, 
kein Geologe hat jemals eine Schicht gesehen. Denn was sehen wir in 
Wirklichkeit? Hier und da ein Stückchen von einer Schicht, Querschnitte 
durch dieselbe an einzelnen Stellen; man versuche es doch einmal in der 
Sächsischen Schweiz oder etwa an der Steilwand des Saleve bei Genf 
eine Schicht, eine und dieselbe, zu verfolgen, es wird nicht weit gehen. 
Das was wir in schulmäfsigen Querschnitten durch ein paar gleichlaufende 
Striche als Schicht anzudeuten pflegen, soll eine Platte sein — ja, aber 
wie weit reicht eine solche Platte, welches ist ihr Umrifs? Auf die 
letztere Frage geben unsere Lehrbücher geradezu gar keine Auskunft. 
Nie hat jemand eine ganze Schicht gesehen, immer nur Stückchen davon 
hat er vor Augen gehabt, und das Ganze ist in jedem einzelnen Falle 
nichts als ein Phantasiegebilde. Der Begriff der Schicht, meine ich, 
steht somit etwa auf derselben Stufe, wie der des Atoms, dessen heilige 
Einheit eben jetzt durch die Radiumforschung angetastet wird. 

So wenig wie eine ganze Schicht beobachten, ebensowenig kann der 
Geologe überhaupt irgendein Einzelwesen zur Untersuchung vornehmen, 
wie das dem Zoologen und dem Botaniker möglich ist. Die Gegen- 
stände der geologischen Forschung haben meist, ja fast immer, keine 
scharfen Grenzen. Was uns an einer Stelle als eine Schicht von Sand- 
stein entgegentritt, wer weifs ob das Ding nicht langsam übergeht in eine 
Tonschicht, die an einer anderen Stelle sichtbar ist, ohne dafs eine scharfe 
Grenze zwischen beiden Gesteinsarten vorhanden ist. 

Was ist für den Geologen ein Berg? Eine scheinbar überflüssige 
Frage, die aber sogleich ein ganz anderes Aussehen erhält, sobald wir 
einmal Auskunft darüber haben wollen, wie weit nun der Berg in die 
Tiefe reicht, wie weit seine Wurzel reicht. Und wenn wir einmal einen Berg 
als wurzellos bezeichnen, flugs ist uns doch die Phantasie durch eine Lücke 
in das Gehege unserer Beobachtungswissenschaft geschlüpft. 

Beobachten soll der Geolog die Vorgänge der Veränderung der Erde 
in der Gegenwart; allein er beschäftigt sich auch und mufs sich be- 
schäftigen mit Vorgängen, die er nicht beobachtet hat, oder nicht 
beobachten kann. Kehren wir einen Augenblick zu dem Begriff der Schicht 
von Sandstein zurück. Sie bildete sich im Meere durch allmählige Zufuhr 
und Anhäufung von Sandkörnchen, so sagen wir; allein am Ufer des 
Meeres stehend ergibt uns die unmittelbare, einfache Beobachtung herzlich 
wenig, und ganz gewifs nirgends und niemals sehen wir die Form, den 


13 


flachen Umrifs der ganzen Schicht, auch wenn wir alle Künste der Technik 
zu Hülfe nehmen wollten. 

Bei Brunnen am Vierwaldstätter See erscheinen die beiden Mythen in 
ihrer Umgebung wie vom Himmel gefallen, wenn sie ihrem Aufbau nach 
geologisch, nicht blofs geographisch untersucht werden; wie „Mythen“ er- 
scheinen uns dann diese Mythenstöcke. Wir können mit grofser Sicherheit 
sagen, dafs es wurzellose Berge sind, denn ihre Grundlage ist geologisch 
jünger als sie selbst, der Boden ist für diese Bauten gelegt worden, als 
das Dach schon fertig war. Andere Berge schliefsen sich dort den 
Mythen ihrer Entstehung nach an, und .dieselbe Erscheinung kehrt wieder 
in der Provence, in Nordschottland, in Skandinavien, und wahrscheinlich 
ist das ganze grofse Gebirge der Alpen wesentlich dadurch entstanden, 
dafs Stücke der Erdkruste auf wenig geneigter Fläche hinüber-, vorgeschoben 
wurden über andere, dafs eine Falte von Gesteinsschichten nach der 
anderen sich als liegende Falte über die ältere hinüberlegte, hinüberscbob. 
Eine grofse Anzahl von Geologen ist gegenwärtig, man kann fast sagen 
überall in den Hochgebirgen, damit beschäftigt, diese noch neue Lehre 
von den gewaltigen Überschiebungen durch immer gründlichere Beob- 
achtungen zu stützen, und schon kommt einer von ihnen und zwar einer 
der an Erfahrung reichsten und läfst seine Mitteilungen über die Alpen 
in einem leisen Zweifel an der Richtigkeit dieser Lehre ausklingen. Warum 
wohl? Die Überschiebung ist in sehr vielen Fällen über allen Zweifel 
hinaus an einzelnen Aufschlüssen nachgewiesen worden; die Beobachtung 
der tatsächlichen Lagerung des Alteren über dem Jüngeren liegt vor: den 
Vorgang selbst der Überschiebung haben wir nicht beobachtet oder können 
wir überhaupt nicht beobachten; der mechanische Vorgang, wie sich 
horizontal übereinander liegende F^alten starrer Gesteinsschichten auch 
noch immer weiter um- und vorwärtsgewälzt haben sollen, entzieht sich 
noch dem Verständnis: die Beobachtung des tatsächlichen Ergebnisses 
liegt vor, den Vorgang sucht die Phantasie zu begreifen. 

Leopold von Buch behauptete einst, vulkanische Berge könnten ent- 
stehen durch Aufblähung des Erdbodens durch Kräfte, die aus dem Erd- 
innern her senkrecht nach oben wirkten; von „exakten“ Forschern wurde 
er später beinahe verspottet wegen seiner Erhebungskrater — ungenügende 
Beobachtung! tönte es von allen Seiten. Heute, ja heute heifsen die Dinge 
Lakkolithen und sind hoch modern. In Nordamerika zeigte es sich, dafs 
Berge durch Eindringen von glutflüssigen Gesteinsmassen in Haufen zwischen 
Schichten sedimentärer Gesteine entstanden sein müssen, aber die Beob- 
achtung des Vorganges einer derartigen Anhäufung vulkanischer Gesteins- 
massen fehlt bisher völlig — Phantasie, hilf uns! 

Unser Erzgebirge ist von ungeheuren gleichmäfsigen Massen von 
Granit durchsetzt; ihre Lagerungsform ist anscheinend derart, dafs sie 
mit Fug und Recht mit den Lakkolithen verglichen werden können; sie 
werden auch als einstige Anhäufungen glutflüssigen Gesteinsmateriales 
nahe, aber nicht auf der Erdoberfläche angesehen. Allein so bunt und 
lang auch die Reihe aller Gesteine ist, die wir an wirklichen Vulkanen, 
an tätigen, an erloschenen, an fossilen Vulkanen der Vergangenheit beob- 
achten können, vor unseren Augen wenigstens bildet sich kein Granit, die 
Bildung von Granit durch vulkanische Tätigkeit der Erde ist nie beob- 
achtet worden. Darf ich nur behaupten, mancher Granit sei nicht aus 
einer schmelzflüssigen Masse erstarrt? Ich höre schon ein anathema sit, 


14 


der Scheiterhaufen ist für dich geologischen Ketzer bereit. Phantasie 
ist jede Erklärung der Entstehung von Granit, aber natürlich, die be- 
treffende Phantasie mufs hübsch Mode sein. 

Phantasie liegt vor, nicht mehr Beobachtung, wenn der Geologe sich 
mit Dingen beschäftigt, die nicht mehr da sind, die also nicht mehr 
beobachtbar sind. Vor den Toren der Stadt haben wir hier solche Aufgaben 
in Fülle. Bei Coschütz und Döltzschen flutet das Meer nicht mehr an einer 
Küste hoch über dem Plauenschen Grunde; ein schlechter Geologe, der dort 
blofs Gesteine und Versteinerungen sieht und nicht den ewigen Pulsschlag 
des ruhelosen Meeres an der Brandung fühlt, dem die Phantasie nicht die 
Vergangenheit zur Gegenwart macht. Und schauen wir dort von der Höhe 
über die Talaue der Elbe hinweg, wir sehen die hohen „Steine“ emporragen, 
wir wissen, dafs noch bei Pirna die Elbsandsteinmassen eine grofse Mächtig- 
keit besitzen, uns aber gerade gegenüber auf der Lausitzer Granitplatte 
fehlt uns die Fortsetzung dieser Sandsteinmassen. Wir wissen zwar, dafs 
Granit und Sandstein uns schräg gegenüber, weiter talaufwärts, an einer 
grofsen, weithin verfolgbaren Kluft aneinanderstofsen, an der Stücke der 
Erdrinde gegeneinander verschoben sind, aber wir sind doch noch weiter 
neugierig. Dafs die Sandsteine zur Zeit ihrer Bildung bei Pirna nicht 
plötzlich endeten, unterliegt keinem Zweifel; allein wie weit reichten sie 
einst auf dem Lausitzer Granit nach Nordosten, wie mächtig waren sie, 
wann wurden sie von dort fortgeschafft. Eine ernsthafte Erforschung 
dieser Verhältnisse, bei der die Beobachtung auf der Lausitzer Granit- 
fläche gar nichts hilft, ist bisher nicht in Angriff genommen worden, aber 
ohne Mitwirkung der Phantasie wird sie nie möglich sein, weil das was 
nicht mehr da ist, der Gegenstand unserer Forschung sein soll. 

Im Vergleich mit dem bifschen verschwundenen Sandstein ist es eine 
viel grofsartigere Aufgabe für den Geologen, wenn er das erforschen soll, 
was er „erloschene Gebirge“ nennt, Gebirge, die nicht mehr da sind als 
Erhebungen, Gebirge, von denen nur noch die Wurzeln übrig sind. Zur 
Ausstellung in Brüssel in diesem Jahre fährt man im belgischen Land im 
Schnellzuge sausend dahin: einst erhob sich dort ein Gebirge von alpinem 
Charakter, denn die übrig gebliebenen Wurzeln desselben zeigen eine solche 
Lagerung der Gesteine, dafs dort einstmals ganz ähnliche Kräfte in der 
Erdkruste mechanische Umwälzungen hervorgerufen haben müssen in 
weit zurückliegender Vergangenheit, wie in jüngeren Zeiten in den Alpen. 
Es ist durchaus unsere Aufgabe, dieses erloschene Gebirge nach Möglich- 
keit in unserer Phantasie wieder herzustellen, weil es sich dabei nicht nur 
um die Entzifferung des Baues des belgischen Landes mit seinen Schätzen 
an Steinkohlen handelt, sondern weil ein solches Gebirge auch einstmals 
eine Wasserscheide gebildet haben wird, weil seine durch fliefsendes Wasser 
und durch Brandung zerstörten, zertrümmerten Gesteinsmassen die jüngeren 
Gesteinsschichten in den angrenzenden Landen bilden halfen. Aber sicher- 
lich, wie schön dieses Gebirge war, darum kümmert sich unsere Phan- 
tasie nicht. 

Erloschen sind auf der Erde auch viele Geschlechter von Tieren und 
Pflanzen. Aus den Schichten der alten, silurischen Zeit sind uns drei 
Skorpione erhalten, aus der jüngeren Jurazeit sind uns auf deutscher Erde 
drei Exemplare des ältesten uns bekannten Vogels zu Gesicht gekommen, 
dabei von einem nur eine einzige kleine Feder. Aber welche Heerscharen 
von Tieren und von Pflanzen zaubert uns unsere Phantasie für jene Zeiten 


15 


hervor schon einzig und allein deshalb, weil es sich um luftatmende Tiere 
des festen Landes handelt. Was frafsen die Skorpione, wer waren die 
befiederten Genossen der Archaeopterix, wie viel Geschöpfe gab es damals 
noch, von denen wir keine Kunde durch Beobachtung erhalten haben oder 
je erhalten können, weil sie nicht oder nur schlecht erhaltungsfähig, ver- 
steinerungsfähig waren. 

Wozu doch diese Phantasiegebilde von organischen Wesen im Kopfe 
eines exakten Geologen, fragt man vielleicht mit Verwunderung. Die Ant- 
wort ist leicht; sie müssen beachtet und gewürdigt werden, wenn wir 
wirklich die Geschichte der Erde schreiben wollen, die Veränderungen der 
Erdoberfläche in palaeogeographischen Karten wiedergeben wollen, denn alle 
lebenden Wesen sind von Bedeutung auch für die Veränderungen im Reiche 
der leblosen Steine. Wieder müssen wir die Phantasie zu Hilfe rufen, 
auch wenn es eben eitel Phantasie ist. 

Aber es steht noch ärger mit dem angeblich exakten Forscher, dem 
Geologen, sträflicherweise beschäftigt er sich auch mit Dingen, 
die überhaupt nie da gewesen sind, er studiert das Nicht, das Nichts, 
wenn ich mich etwas übertrieben ausdrücken darf. In einer Schichten- 
gruppe liegt eine Schicht über der anderen, je getrennt von der unteren 
und von der darüber liegenden durch eine Kluft, eine Trennungsfläche. 
Zwischen einer Schicht und der unmittelbar darüber folgenden liegt 
„nichts“, eine Schicht hat ihren Abschlufs nach oben gefunden, ehe die 
obere, jüngere sich zu bilden begann: das „nichts“ zwischen den beiden 
Schichten, bedeutet es Jahre oder Jahrhunderte oder Jahrtausende oder 
gar Jahrmillionen, wie wohl oft in dem Falle sog. ungleichförmiger Über- 
lagerung. Von Revolutionen in der Erdgeschichte, ein Begriff, der wieder 
aufleben darf, erzählt uns das Nichts. 

In Böhmen ist die Silurformation in einem bunten, an Versteinerungen 
überaus reichen Schichtensystem entwickelt; bei uns in Sachsen, hier in 
Dresdens weiterer Umgebung, ist das Silur nur äufserst kärglich ver- 
treten, kaum mit Spuren von Versteinerungen; ein beide Gebiete trennendes 
Erzgebirge, wie es jetzt ist, gab es zur Zeit des Silurs nicht: warum fehlen 
nun hier und im Vogtlande und in Thüringen die mächtigen fossilienreichen 
Kalksteine und die Fossilien in anderen Schichten? Sie sind nicht da, 
und doch hat sich der Geologe darum zu kümmern. 

Mächtige weifse Kalksteine setzen in Deutschland und sonst in Mittel- 
europa, noch mächtigere schwarze Kalke in den Alpen die obere Stufe der 
Juraformation zusammen; in jeder Entwickelungsperiode der Erde, so 
wird gelehrt, bilden sich Kalksteine, Sandsteine, Tongesteine gleichzeitig, 
und Festlandsmassen hatten wir zur oberen Jurazeit auch im Gebiete 
Deutschlands — uns fehlen die Schuttmassen, die Sande, die vom Fest- 
lande überall ins Meer hinausgeschafft werden. Hat es wirklich eine Zeit 
gegeben, in der sich, umgekehrt, in Mitteleuropa nur Buntsandstein bildete 
und kein petrefaktenreicher Kalkstein? ist das Fehlen des einen oder 
anderen Gesteines nur scheinbar, weil wir es in viel gröfserer Entfernung 
suchen müfsten, oder ist unser System der geologischen Schichtenfolge 
falsch? Zu beobachten ist da kaum noch viel, die Phantasie soll uns das 
Fehlende aufsuchen helfen, die damaligen Grenzen von Land und Wasser 
festlegen helfen; ohne die Phantasie kommen wir zu keinem Ziele. 

Mit knappen Worten heifst es in unseren Lehrbüchern, in dem Mittel- 
alter der Erdentwickelungsgeschichte herrschte im Gebiete Mitteleuropas 


16 


Ruhe in den vulkanischen Kräften. Wirklich und unzweifelhaft gab es 
damals hier keine Vulkane, und doch traten damals auch hier Ver- 
schiebungen in den Grenzen zwischen Festland und Meer auf, wackelte 
der Boden gelegentlich auch hier. Also keine Vulkane in Deutschland 
zur Jura- und Kreidezeit; aber eben weil wir noch recht wenig wissen 
über die Verteilung der Vulkane auf der Erde, über die Ursachen der 
zeitweilig stärkeren vulkanischen Tätigkeit der Erde, eben deshalb ist das 
Nichtvorhandensein von Vulkanen in einer bestimmten Zeit und einem 
bestimmten Gebiete ein Gegenstand unserer Untersuchung. Nun, ist das 
auch noch eine Aufgabe für den, der es mit der Beobachtung der Natur- 
körper, mit der Welt des Vorhandenen, durch unsere Sinne Erkennbaren, 
zu tun haben soll? 

Welchen Abschnitt auch der Geologie wir näher betrachten, überall 
finden wir bei genauerem Hinsehen Dinge und Verhältnisse, die wir nur 
durch unsere Phantasie bemeistern können, bei denen es nichts zu be- 
obachten, nichts zu erfahren gibt. Es lohnte sich vielleicht doch, einmal 
einen Teil solcher Gedanken zu vereinigen, um sich Rechenschaft zu 
geben, wie viel etwa an der Geologie Beobachtungs- und Erfahrungs- 
wissenschaft ist, und wie viel die Phantasie daran Teil hat. — 

Nötig ist die Phantasie dem Geologen, Nutzen und Gefahren hat 
sie in ihrem Gefolge. Die nackte, nüchterne Beobachtung ist die Grund- 
lage aller Geologie, und die Kärnerarbeit dafür ist unumgänglich; ihr 
darf sich niemand entziehen, wenn er ein echter Naturforscher sein will. 
Man klagt über ungeheure Anhäufung des wissenschaftlich durchforschten 
Stoffes, da es sich ja um die Erforschung der ganzen, für uns doch recht 
grofsen Erde handelt, und immer schwerer wird es, aus diesem Stoff ein 
Körnchen tieferer Erkenntnis herauszupicken. Da heifst es wohl, das 
Genie erkenne durch seine Phantasie oft Gesetze ohne volle Berücksich- 
tigung des ungeheuren Beobachtungsstoffes. Gewifs, das Genie scheidet 
daraus leicht Unwesentliches aus, aber mit Phantasie allein lockt man in 
der Geologie keinen Pudel hinter dem Ofen hervor. 

Heuristische Methoden sind Wege der Phantasie im Reiche der reinen 
Gedankenwelt wie in der Geologie, aber Träume ohne Selbstbewufstsein 
sind dabei ausgeschlossen. 

So wenig wie das Genie Shakespeare ohne den Naturforscher Bacon 
ein höchstes Wissen von Naturerscheinungen offenbaren konnte, so wenig 
kann ein geologisches Genie ohne reiches Wissen und eigene reiche Er- 
fahrung für unsere Wissenschaft etwas leisten. 

Phantasiearbeit braucht der Geologe, zunächst weil ihm die Beobach- 
tung nicht genügt, da durch sie ein uns innerlich befriedigender Zusammen- 
hang der Erscheinungen nicht erkannt wird. Wenn neuerdings Tolstoi 
mit dem Verzicht des Alters alle unsere heutige Naturwissenschaft als 
„nicht wahre Wissenschaft“ bezeichnet, so wird er bei der Jugend mit 
diesem Gedanken kein Glück haben. Unser Forschersinn läfst sich nicht 
unterdrücken, eher kann er noch zur Leidenschaft werden. Und dann 
kommt die Ungeduld, die grofse Schwäche der Gegenwart, und verführt 
den Geologen, der Phantasie bei weitem den Vorrang vor der mühseligen 
Beobachtung zu geben. Überdies fällt ja auch vielen der erste Satz aller 
Wissenschaftlichkeit unsäglich schwer, der Satz: „ich weifs es nicht“. 

Der eine behält geduldig weiterarbeitend seine Phantasien für sich, 
vielleicht aus Scheu, durch Blender berühmt zu werden, der andere rückt 


17 


kecker mit seiner Phantasie heraus; das alles hängt von einem sich jeder 
Kritik entziehenden Gefühl ab. Irrtümer aber sind bei der Arbeit mit 
Phantasie von vornherein geradezu zu erwarten, weil unsere Erkenntnisse 
durch Beobachtung und Erfahrung beständig wachsen. Wohl kaum wird 
der mit einem Male aufgetauchte Transhimalaya sich dem Gedankengange 
unserer hervorragendsten Erforscher des geologischen Baues Asiens ohne 
weiteres einreihen lassen, bevor er geologisch durchforscht worden ist. 
Phantasiegebilde sind vergänglich, bedenklich werden sie erst, wenn die 
Phantasie sich auf einer Klippe festrennt und alles, was ihr nicht in den 
Kram pafst, für falsche Beobachtung hält. Und leider ist der Narrheits- 
bazillus gefährlicher, als andere niedliche Geschöpfe, und die allmächtige 
Göttin Mode herrscht leider auch in der Geologie. 

Die Phantasie soll mit schärfster Kritik gepaart sein und nicht irr- 
lichtern. Goethe, den wir Geologen auch als einen der unseren verehren, 
gab die Regel: „Bei Betrachtung der Natur im Grofsen wie im Kleinen 
hab’ ich unausgesetzt die Frage gestellt: Ist es der Gegenstand oder bist 
du es, der sich hier ausspricht?“ Geht man über die Beobachtung hin- 
aus zur Theorie, Hypothese oder eben zur Phantasie, dann heifst es vor 
allem fragen, ob die Phantasiegebilde nach dem Stande unseres Wissens 
möglich sind; unbeabsichtigte Sprünge, Lücken in der Schlufskette sind 
auch im Gebiete geologischer Forschung eine häufige Erscheinung. Aber 
mit der Möglichkeit allein ist es noch nicht getan, es tritt vielmehr die 
viel schwerere Aufgabe hinzu, zu bestimmen, ob nicht auch noch etwas 
anderes möglich ist. Man mufs zur Überzeugung kommen, dafs diese Auf- 
gabe bei geologischen Untersuchungen, die über den Bereich der Be- 
obachtung hinausgehen, in weitaus den meisten Fällen übersehen worden 
ist. Wer irgendwo aufgelaufen ist, dessen Schiff lein ist schwer wieder 
flott zu machen. Leider findet er noch Gefolgschaft; der in der Wissen- 
schaft ganz anders als etwa in Ethik oder Politik zu bewertende Autoritäts- 
glaube kann lange als Hemmschuh auch fremder Forschung sich geltend 
machen. Es ist eben bequemer und es verspricht manchmal mehr äufsere 
Erfolge, wenn man der Autorität folgt, als wenn man sich nach dem Satze 
der Alten richtet, hic Rhodus, hic salta — hier ist Rhodus, hier springe hoch! 

Im ganzen, Geologie ist keine exakte Wissenschaft; es ist nötig, 
die Phantasie ohne Mafs und ohne Zahl, aber am Zügel der Kritik walten 
zu lassen, auch wenn dann Leidenschaft immer noch leicht der Ruhe der 
Beobachtung einen Streich spielen kann. 

Liegt es nun nicht nahe, Geologen und Künstler nebeneinander 
zu stellen? Letztere, hervorragend mit Phantasie begabt, beobachten ja 
auch, Beobachtung und Erfahrung bilden ja auch die unumgängliche Grund- 
lage ihres Schaffens. Geologe und Künstler können sich auch begegnen, 
wenn auch der Künstler die Natur wesentlich in Beziehung zur Seele des 
Menschen zu setzen hat. In einem versteckten Winkel der Bürgerwiese 
steht das Gebilde Zwei Mütter: das ist nicht blofs ein gepeinigtes Menschen- 
herz, sondern zugleich auch das geologische Phänomen der Überflutung 
— wie oft hat sich wohl dieser Vorgang im Kampfe ums Dasein im Tier- 
reich abgespielt, der hier für den Menschen zur Darstellung gelangt ist 
und auf uns eben deshalb packender und ergreifender wirkt. Geologie 
und Phantasie in einem Bildwerke, wenn auch wohl nicht so gemeint. 

Unterschiede sind vorhanden zwischen der Phantasie des Geologen 
und der des Künstlers. Der Geolog mufs sich hüten, sich mit in dieser 

* 


18 


Welt unmöglichen Dingen abzugeben; unsere Drachen sind viel erstaun- 
licher und auch schöner, als die künstlerischen Wirbeltiere mit sechs 
Gliedmafsen, die für uns nur unschöne, lebensunfähige Krüppel sind. Seht 
doch hin, ihr Künstler, es gibt mehr Dinge und hat mehr Dinge unter 
dem Himmel gegeben, als eure Phantasie sich träumen läfst. Die Phan- 
tasie des Geologen zieht ihre Darlegungen nicht so bei den Haaren herbei, 
wie im Schahnameh des persischen Dichters Firdausi die Maid den Ge- 
liebten an ihren Zöpfen zu den Zinnen der Burg emporklettern läfst: wer 
so in der Geologie arbeitet, verliert das Recht auf Beachtung, während 
dem Dichter solche Phantasie wohl ansteht. Unsere Phantasie ist gesund, 
sie drängt sich niemandem auf, sie ist kalt wie Stein und kann niemals 
zum Kitzel mifsbraucht werden, wenn sie auch einige schwache Köpfe ver- 
drehen kann; die Phantasie in der Geologie trägt Früchte in jedem Fall, 
während die Kunst nur eine taube Blüte der Kultur ist, die ihre schönste 
Entfaltung in sinkenden Zeiten aufweist, eine Erfahrung, die auch ein 
Schiller nicht hat beseitigen können. 

Wie der Kunst die Wissenschaft, so werden den Naturwissen- 
schaften die Geisteswissenschaften entgegengestellt; wenngleich diese 
Trennung zunächst nur eine äufsere Teilung der Wissensgebiete bedeuten 
sollte, so haftet ihr nun doch ein Beigeschmack an. So wie Menschen- 
geist als Beherrscher der Natur, ja als von ihr unabhängig hingestellt wird, 
so gilt er mehr. Und doch ist kein Unterschied in dem Werte der 
Wissenschaften vorhanden. Und sind wir armen Geologen etwa nicht 
Geistesforscher, weil wir auch noch die schwerste körperliche Arbeit unter 
allen Naturforschern leisten müssen mit Laufen, Klettern, Steineschleppen; 
sind wir Geologen keine Geistesforscher, weil wir das gemeinste Hand- 
werkzeug, den Hammer, gebrauchen, auf den wir Geologen so stolz sind, 
wie der Krieger auf sein Schwert. 

Leicht wäre es, das Verhältnis zwischen Naturwissenschaften und 
Geisteswissenschaften in einem anderen Lichte zu zeigen, umzuwerten, denn 
was ist mehr, Menschenwort oder Gotteswerk? Gotteswerke, die sich uns 
als Wunder der Wunder überall darbieten, deren Erforschung uns mit 
der höchsten Lust erfüllt, oder Menschenworte, die Grundlagen aller 
Geisteswissenschaften: Torheiten und aber Torheiten derselben Art, so lange 
es Menschen gibt, und mangelhafter Ausdruck menschlicher Gedanken in 
Sprache und im geschriebenen Wort, von denen es hiefs, sie seien dem 
Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen. 

In weiten Kreisen herrscht immer noch eine höhere Bewertung der 
Geisteswissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften, weil letztere 
angeblich nur Beobachtungswissenschaften sind, während sie doch auch mit 
Phantasie arbeiten, auch über Dinge arbeiten, die nur im Geiste bestehen; 
über dieses hinaus aber haben sie noch die gesunde Grundlage der Beobach- 
tung mit gesunden Sinnen an Dingen, die der Mensch nicht erschaffen hat. 
Wir Naturforscher sind milderen Herzens, wir erkennen neidlos auch alle 
sogenannten Geisteswissenschaften an, wir können das um so leichter, als 
alle Naturwissenschaften durch den Anteil der Phantasie in Wirklichkeit 
den Geisteswissenschaften gleichstehen: die Beobachtung allein ist un- 
fruchtbar in beiden Gebieten. 

Ich bin wohl unversehens von der Geologie zu den Naturwissenschaften 
im allgemeinen gekommen; doch jeder meiner Kollegen würde in gleicher 
Weise für sein Gebiet die Phantasie in Anspruch genommen haben. Reu- 


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mütig kehre ich zum Schlüsse zur Geologie zurück, aber kampfbereit gegen 
den Satz, den VVundt mit völliger Verkennung des wahren Verhältnisses 
1895 hinschrieb: „Die Naturwissenschaften haben ihre Blüte hinter sich, 
die Geisteswissenschaften gehen ihr entgegen“. Nein, und abermals nein! 
Wir Geologen wünschen allen Geisteswissenschaften unzählige Blüten, aber 
wir sind von der Erfüllung unserer Aufgabe der Erforschung der ganzen Erde 
in allen Zeitaltern noch unabsehbar weit entfernt. Man möchte die Jugend 
beneiden um die Entdeckungen, welche ihr Vorbehalten sind, sagte Eduard 
Suess. Könnte ich doch nach 300 Jahren noch einmal mich der Geologie 
widmen, auf weitere Wiederholungen des Schauspiels wollte ich gern ver- 
zichten. Jetzt schaut nur unsere Phantasie weiter aus und läfst uns in 
sehr verschwommenen Umrissen die Geschichte der Erde sehen, erkennen, 
wie Meer und Land ihre Plätze wechselten, wie Berge entstanden und 
vergingen, wie Feuer und Flut alles ummodelten, wie das Leben kämpfte, 
bis der Geist entstand, der alles das zu begreifen trachtet. Für die 
Geologie heifst die Losung noch alle Zeit: Vorwärts! 


III. Über Diplopoden: 18. (38.) Aufsatz. 

Die nordböhmisch - sächsische Fauna und ihre Bedeutung für die 
Zoogeographie Mitteleuropas. 

Von Dr. Karl W. Verhoeff in Cannstatt. 

[.Rückblick und Inhaltsübersicht am Schlufs des Aufsatzes.] 


I. Vorbemerkungen. 

(Gliederung Deutschlands in zoogeographische Provinzen und 
Gaue. Einflufs der geologischen Form ationen auf die Zusammen- 
setzung der Elbgau - Fauna.) 

Im 6. (26.) Aufsatz über Diplopoden*) habe ich zum ersten Male eine 
zusammenhängende Darstellung einer Diplopoden - Fauna Branden- 
burgs gegeben, meist auf Grund von mehrjährigen eigenen Exkursionen. 
Ich suchte das tatsächlich Vorkommende festzustellen, die Lebensweise, 
die Konstanz oder Variabilität der einzelnen Formen und die Beziehungen 
zu verschiedenen bereits untersuchten Nachbarländern. Aufserdem bin 
ich mehreren Formen über ein weites Gebiet gefolgt, wie z. B. Polydesmus 
illyricus Verh. und Brachyiulus projectus Verh., um mit ihrer Ausbreitung 
zugleich die Gliederung in ünterformen (Rassen und Varietäten) zu studieren. 
Unter den besprochenen Nachbargebieten befand sich auch das Königreich 
Sachsen, von welchem ich in der Übersicht auf Seite 270 bereits 23 Arten 
namhaft gemacht habe, obwohl das nur eine vorläufige Mitteilung war, 
da ich damals erst einige Monate in Sachsen tätig gewesen war. 

Vorliegende und eine Reihe anderer ähnlicher Untersuchungen dienen 
zunächst der Bereicherung unserer Kenntnisse von den Diplopoden 
überhaupt, zweitens der Vermehrung der besonderen Landes-Zoologie, 
drittens der vergleichenden Tiergeographie, für welche die Diplopoden 
nicht nur eine grofse, sondern geradezu eine fundamentale Bedeutung 
haben, aus Gründen, die ich im 26. und anderen Aufsätzen bereits be- 
sprochen habe. Inzwischen unternahm ich noch mehrere Forschungsreisen 
durch Südwestdeutschland und konnte damit meine zoogeographischen 
Untersuchungen zu einem gewissen Abschlufs bringen. 

In einem andern Aufsatz werde ich die Zoogeographie Mitteleuropas 
an der Hand der Diplopoden zusammenfassend darstellen, hier will ich 
wenigstens schon hervorheben, dafs ich in der Richtung von Norden nach 
Süden Deutschland in drei Provinzen einteile, nämlich: 


*) Mitteilungen aus dem Zoologischen Museum in Berlin, III. Bd., 3. Hft., 1907. 


21 


I. Norddeutschland als das Gebiet der norddeutschen Tiefebene, 
ohne anstehendes Gestein, aufserhalb der Mittelgebirge gelegen und deren 
Verlauf entsprechend, namentlich im Westen in stark gebuchteter Weise 
begrenzt, und hier und da, wie z. B. bei Rüdersdorf, Trümmer zerriebener 
Gebirgsteile enthaltend. 

II. Mitteldeutschland, im Osten durch Oder und March, im Westen 
durch die Maas begrenzt, im Süden durch die Donau und von der Gegend, 
wo sie teilweise gegen den Rhein versickert, weiter durch die Rhein linie 
vom Bodensee bis Basel und schliefslich die Burgunder Klause. 

III. Süddeutschland, im wesentlichen das Gebiet der Nordalpen, 
also im Norden von der eben genannten Linie begrenzt, im Osten von der 
ungarischen Tiefebene, im Süden von den mittleren Alpen-Urgebirgen, im 
Westen von Genfersee und Rhonedurchbruch. Die schwäbisch -bayrisch- 
österreichische Hochebene, an Diplopoden ärmer als die Nachbargebiete, 
schliefst sich anscheinend mehr an Süd- als Mitteldeutschland an. 

Die weitere Gliederung dieser drei Provinzen in Gaue wird an anderer 
Stelle vollständiger besprochen werden. Wie in der Richtung von Norden 
nach Süden können wir Deutschland nämlich auch in der Richtung von 
Westen nach Osten gliedern und gerade hierdurch kommen die Gaue zustande. 

Das Königreich Sachsen gehört also der mitteldeutschen Pro- 
vinz an, und deshalb will ich hinsichtlich der Gaugliederung Mitteldeutsch- 
lands hier wenigstens so. viel bemerken, dafs wir mindestens 

a) einen doppelten innerdeutschen \ 

b) einen westdeutschen Mittelgau 

c) einen ostdeutschen J . 

zu unterscheiden haben, deren Abgrenzung annähernd durch Rhein, sowie 
Elbe und Thüringer Wald erfolgt, ich sage aber ausdrücklich annähernd, 
denn die Grenze zwischen a und c ist auch im Norden entschieden etwas 
westwärts der Elbe zu ziehen und die Grenze zwischen a und b wenigstens 
im Bereich des rheinischen Schiefergebirges etwas ostwärts des Rheines. 
Für die Charakteristik des innerdeutschen, namentlich aber ost- 
deutschen Mittelgaues sind die Untersuchungen im sächsischen und nord- 
böhmischen Elbgebiet von entscheidender Bedeutung, und will ich dieselben 
daher zunächst genauer darlegen. 

Für wenige Tiergruppen sind die geologischen Verhältnisse von 
solcher Wichtigkeit wie für die Diplopoden, was ja schon durch die 
Abgrenzung der nord- und mitteldeutschen Provinz in auffälligster Weise 
zum Ausdruck kommt. Ich habe daher auch den geologischen Verhältnissen 
der Elbgebiete einige Worte zu widmen. Gerade bei Dresden, in dessen 
Nachbarschaft ich die meisten Exkursionen unternommen habe, stehen die 
beiden Talseiten in schroffstem Gegensatz. Ostwärts tritt an die Elbe, 
von Pillnitz bis Loschwitz ihr genähert, das grofse Lausitzer Granitgebiet 
heran, von einer Reihe lieblicher, kleiner Bachschluchten durchschnitten, 
hier und da auch noch mit Felsgruppen hervorschauend. Westwärts 
dagegen tritt der Granit nur in zerrissenen Inseln noch zu Tage, während 
als herrschende Formationen neben dem Rotliegenden, welches zu beiden 
Seiten der mittleren Weifseritz ausgedehnt ist, paläo- und mesozoische 
Schichten in Betracht kommen, welche mit Ausnahme des Quadersand- 
steins mehr oder weniger kalkreich sind. Besonders verdient hier der 
Pläner genannt zu werden, welcher auf die Entfaltung der Diplopoden- 
Fauna des sächsischen Elbgaues von sehr günstigem Einflufs gewesen ist. 


22 


Er zieht sich als ein mehr oder weniger schmaler Streifen auf dem linken 
Elbtalrande ungefähr von Schlofs Scharfenberg bis gegen Pirna. 

Von diesen Formationen der so verschiedenen Talseiten der Dresdner 
Flufsrinne unterscheidet sich das weltberühmte Elbsandsteingebirge wieder 
auffallend genug, äufserlich in seinen imposanten Felsgestalten und 
klaffenden Spalten, innerlich in dem geringeren Kalkgehalt, wenigstens 
gegenüber dem Pläner. Durch kalkreichere Einschlüsse, wie z. B. die 
versprengten Jurateile bei Hobnstein u. a., wird allerdings dem Kalk- 
mangel hier und da abgeholfen. 

Hinter den paläo- und mesozoischen Schichten der linken Elbtalseite 
sitzen, als Gegenstück zu der Lausitzer Granitmasse, ebenfalls Urgebirgs- 
massen, Gneis, Porphyr, Granit und Granitporphyr, hier und da von 
Basaltkaminen durchbrochen. 

Das nordböhmische Elbgebiet weicht abermals von den vorigen in 
seinem geologischen Aufbau völlig ab, tertiäre Schichten sind mit aus- 
gedehnten Basaltmassen vergesellschaftet, letztere von Phonolith durch- 
brochen. 

Soweit meine Forschungen reichen, haben wir es also mit folgenden 
geologischen Gebieten zu tun, denen ich die hauptsächlichsten von mir 
untersuchten Fundplätze, beisetze: 

I. Urgebirge rechts der Elbe: Höhenzug von Loschwitz bis 
Pillnitz und Dresdner Heide bei Klotzsche. 

II. Urgebirge links der Elbe: In den unteren Gebieten bei 
Tharandt und Kreischa, in den oberen (Erzgebirge) bei Geising, 
hier zugleich am Geisingberg eine Basaltkuppe. 

III. Paläo- und mesozoische Schichten links der Elbe: 
Niederwartha, Schonergrund, Lockwitz, Dohna, Weesenstein. 

IV. Paläozoische Schichten rechts der Elbe: Rödertal bei 
Radeberg. 

V. Elbsandsteingebirge: Pirna, Königstein, Rathen, Polenz- 
tal, Lilienstein, Pfaffenstein. 

VI. Quartäres Elbtalgebiet: Bachläufe mit Weiden und Elbufer 
oberhalb Blasewitz. 

VII. Tertiär- und Basaltgebiet Nordböhmens: Aussig und 
Umgebung. 

Dafs ich keine vollständige Diplopoden- Fauna Sachsens liefern will 
und kann, ist für jeden Einsichtigen selbstverständlich, es ist auch gar nicht 
unwahrscheinlich, dafs namentlich einerseits im oberen Spree- und Neifse- 
gebiet, andererseits in den westlichen Teilen Sachsens die eine oder die 
andere neue Form noch auffindbar ist. Dennoch kann es keinem Zweifel 
unterliegen, dafs ich sowohl die wichtigsten Teile Sachsens untersucht 
habe, als auch die Hauptmasse der Diplopoden-Fauna festgestellt, so dafs 
die Grundzüge und der eigentliche Charakter dieser Fauna klar vor 
Augen gebracht sind. 

Auf die hydro- und orographischen Verhältnisse brauche ich im all- 
gemeinen nicht einzugehen. Dafs der Wald bestand dieser Elbgebiete 
streckenweise arg gelichtet ist, kann bei der Bevölkerungsdichtigkeit 
nicht in Erstaunen setzen. Im Gegenteil mufs man es als Naturforscher 
und Mensch dankbar und freudig anerkennen, dafs selbst in der Nähe 
Dresdens noch so ausgedehnte Waldreviere wie diejenigen der Dresdner 
Heide, des Moritzburger und Tharandter Forstes erhalten sind. Aber 


23 


selbst wenn wir uns diese gröfseren Waldreviere ganz wegdenken wollen, 
kommen doch noch zahlreiche kleinere Waldbestände in der Nachbarschaft 
Dresdens in Betracht, welche dem Forscher für seine Tätigkeit als vor- 
treffliche Unterlage dienen. Besonders gedenke ich hier der zahlreichen 
bandartigen Waldbestände, welche den Bändern der Flufs- und Bach- 
tälchen folgend meist his zur Hochfläche reichen, während diese selbst 
der Landwirtschaft dient. Diese zahlreichen bewaldeten Tälchen, unter 
denen ich östlich nenne den Losch witzgrund, Wachwitzgrund, Moosleite, 
Helfenbergergrund und Friedrichsgrund, westlich den. Tännig- und Amsel- 
grund, Weifseritz-, Lockwitz- und Müglitztal, sind nicht nur durch Be- 
waldung und Bewässerung, sondern an manchen Stellen auch durch Stein- 
geröll für Diplopoden als Wohnsitz wertvoll. Während im Urgebirge 
namentlich östlich der Elbe Nadelwald vorherrscht, findet sich in den 
Schluchten der westlich der Elbe befindlichen Sedimentgesteine vorwiegend 
Laubwald. Dennoch fehlt derselbe auch östlich der Elbe auf dem Granit- 
höhenzuge Loschwitz-Pillnitz durchaus nicht und ist namentlich einerseits 
an den der Elbe zugekehrten, sonnigen Abhängen z. B. mit Eichen ver- 
treten, andererseits in den Schluchten mit Erlen, die ja auch in sonst 
reinen Nadelholzdistrikten an den Bachläufen nicht fehlen (Dresdner Heide- 
wald). Reine Kiefernwälder, wie wir sie im Granitgebiet nicht selten 
finden, können als die an Diplopoden ärmsten Waldgebiete bezeichnet 
werden, da man in ihnen bisweilen, namentlich wenn es sich um Jungholz 
handelt, sich vergeblich nach irgendeinem Tausendfüfsler umsieht. Die 
an Diplopoden viel reicheren Laubwälder auf Pläner und Silur da- 
gegen sind auch botanisch viel reichhaltiger. Aufser Eichen und Buchen 
erwähne ich noch Eschen, Rosen, Brombeeren, Hollunder, Kirschen, Weifs- 
dorn, Bryonia , Hedera. Wegen gröfseren Pflanzen- und namentlich Hölzer- 
reichtums und reichlicherer Belichtung sind kleine Talwäldchen an Diplo- 
poden meist reicher als ausgedehnte, namentlich an Unterholz arme und 
im Laufe der Zeit durch Abholzung noch dazu stark wechselnde, weite 
Waldreviere. Doch hängen reichere oder ärmere Fauna im übrigen sehr 
von Boden-, Fels- und Wasserbeschaffenheit ab. Durchschnittlich findet 
man im Granitgebiet viel schwerere Felsstücke als in den Kalkformationen, 
so dafs dementsprechend auch die Schlupfwinkel für die Bodentiere geringer 
sind. Es gibt aber Gebiete, in welchen durch den Menschen die Granit- 
stücke zu kleinerem Geröll zerschlagen sind, z. B. am Loschwitz-Pillnitzer 
Höhenzug an verschiedenen Stellen. Hierdurch ist den Bodenkerfen die 
Existenz einmal ausnahmsweise verbessert worden, wenigstens da wo 
sich in der Nähe solchen zerschlagenen Granits die nötige pflanzliche 
Nahrung und Wasser vorfindet. Die Schlupfwinkel sind den Tieren an 
solchen Stellen vervielfältigt worden, so dafs trotz des Granits eine reiche 
Fauna zur Entfaltung gelangt, soweit die sonstigen Existenzerfordernisse 
gegeben sind. Jedenfalls hängt bei den kalkbedürftigen Diplo- 
poden das Auftreten einer nach Formen und Individuen reichen 
Gesellschaft keineswegs vom Vorhandensein einer Kalkfor- 
mation ab. 

Im Elbsandsteingebirge ist der Wald sehr verschieden gemischt, im 
allgemeinen aber der Tannenwald viel reichlicher vertreten als in den 
tieferen Elbgeländen. Tief eingeschnittene Schluchten sind nicht immer 
günstig, denn wenn die nötige Feuchtigkeit und dementsprechend Pflanzen- 
wuchs nicht vorhanden sind, kann man selbst in tiefen Klüften eine öde 


24 


Sandablagerung vorfinden. Umgekehrt sah ich z. B. in der Nähe von 
Rathen einen nicht besonders tief eingeschnittenen, verlassenen Holzpfad, 
der gröfstenteils zwischen Nadelwald hinlief und völlig von Sphagnum und 
anderen Moosen überzogen war, so dafs man auf ihm wie auf einem dichten 
Teppichbelag Hunderte von Metern weit dahinwandelte. Die Flufs- und 
Bachtälchen des Elbsandsteingebirges sind bekanntlich besonders am 
rechten Ufer vertreten und haben sich ein beträchtliches Gefälle schon 
deshalb erhalten, weil sie meist im Oberlauf dem Granit angehören. An 
den Ufern dieser Wasseradern, z. B. der Polenz, tritt mannigfaltiges Ge- 
hölz auf, an gut belichteten Stellen auch reichlich Unterholz und Kräuter. 
Dort gibt es also auch Plätze, welche der Entwickelung der Diplopoden 
besonders günstig sind, indem sich mit Feuchtigkeit, Licht und Pflanzen- 
abfällen Pflanzenschutz und eventuell auch noch Steingeröll vereinigt. 
Für einen Teil des Elbsandsteingebirges sind bekanntlich die Tafelberge 
oder „Steine“, wie Lilienstein, Königstein u. a. charakteristisch. Sie stellen 
die Überreste eines höheren Gebirgsstockwerks vor und lassen an ihrem 
Grunde, wo sich eine mehr oder weniger ausgedehnte Hochebene an- 
schliefst, Geröllmassen entstehen, welche je nach den sonstigen Umständen 
für Bodentiere mehr oder weniger günstig sind. Die emporragenden 
„Steine“ selbst dagegen habe ich arm an Bodenkerfen gefunden, besonders 
den Lilienstein, an welchem mir überhaupt kein Diplopode aufgestofsen 
ist, während solche, deren Oberfläche mehr zerklüftet ist, wie der Pfaffen- 
stein, in den Einschnitten und Gruben einiges Leben an Tausendfüfslern 
aufweisen. Von vornherein ist es ja klar, dafs sich am Fufs der Tafel- 
berge namentlich im Sommer eher Feuchtigkeit halten kann als oben und 
an den Abhängen, zumal wenn die Schattenwände in Betracht gezogen 
werden. 

Hinsichtlich der Urgebirgsmassen links der Elbe möchte ich noch 
daran erinnern, dafs in den tieferen Gebieten, wo sich bei Kreischa (und 
am Wilisch) und in der Gegend von Tharandt sowohl Laub- als auch 
namentlich Nadelholzwälder vorfinden, Elbsandsteininseln beigelagert sind. 
Im Erzgebirge habe ich leider die höchsten Distrikte nicht kennen gelernt, 
immerhin habe ich zweimal auf mehrere Stunden den Geisingberg, d. h. 
Gebiete von 700 bis 820 m Höhe durchsucht. Wir haben auch dort ge- 
mischten Wald, in welchem Nadelholz vorherrscht. Auf Waldblöfsen ist 
Himbeergestrüpp sehr reichlich. Am Waldrande, welcher ungefähr der 
Basis der emporragenden Basaltkuppe entspricht, finden wir aufser Busch- 
werk, ( Corylus , rotbeerigen Sambucus ) hier und da Acer und Ebereschen, 
aufserdem Himbeeren, Urtica , Galeopsis. Auf der Kuppe des Geising- 
berges sind die grofsblumigen Impatiens noch ausschliefslich vertreten, 
während sie in den tiefen Gebieten des Elbtales fast allenthalben von 
dem kleinblumigen Eindringling verdrängt worden sind. 


II. Verzeichnis der im sächsisch -nordböhmischen Elbgebiet von mir 
nachgewiesenen Diplopoden. 


1. Polyxenus lagurus aut. 10 

2. Glomeris pustulata Latr. x ca. 200 

3. — conspersa C. K. ( genuina ) 90 

4. — hexasticha bavarica Verh. x 62 


25 


5. Glomeris hexasticha marcomannia Verh. 64 

[6. — connexa alpina Latz.] 0 

7. Geoglomeris subterranea Verh. 11 

8. Gervaisia costata Latz. u. Verh. 11 

9. Strongylosoma pallipes Latz, x ca. 400 

10. Polydesmus denticulatus C. K. x 325 

11. — coreaceus Porath. x 6 

12. — illyricus Verh. var. austriacus Verh. 12 

13. Brachydesmus superus Latz, (gen.) x 54 

14. Orthochordeuma germanicum Verh. 137 

15. Orobainosoma flavescens Latz. 43 

16. Craspedosoma simile germanicum Verh. x 87 

17. Ceratosoma karoli Rothenb. (gen.) x 6 

18. Heteroporatia vihorlaticum albiae Verh. 23 

19. — bosniense Verh. x ca. 20 

20. — simile eremita Verh. 1 

21. Mastig ophorophyllon saxonicum Verh. 54 

22. Nopoiulus palmatus Nem. 5 

23. — palmatus caelebs Verh. 17 

24. Typhloblaniulus. guttulatus Gerv. x 15 

25. Isobates varicornis (C. K.) Latz, x 11 

26. Leptophyllum nanum Latz, x 36 

27. Schizophyllum sabulosum (L.) Latz, x 33 

28. Brachyiulus projectus kochi Verh. x 92 

29. — unilineatus C. K. x 2 

30. Microiulus laeticollis Por. 3 

31. Leptoiulus ciliatus Verh. 49 

32. bükkensis Verh. x 4 

33. Julus ligulifer Latz. u. Verh. x 73 

34. Cylindroiulus occultus C. K. x 21 

35. — londinensis Leach var. saxonicus Verh. 38 

36. Oncoiulus foetidus C. K. x 236 

37. Polyzonium germanicum Brandt. — x ca. 100 


Hinter den einzelnen Arten habe ich die Zahl der von mir in Sachsen 
und Deutschböhmen gesammelten Individuen angegeben, wobei jedoch die 
Mehrzahl der 1900 bei Aussig gefundenen Stücke nicht mitgerechnet worden 
ist. Es finden sich also 8 Arten, welche in 50 — 100 Individuen und aufser- 
dem 6 Arten, welche in mehr als 100 Individuen beobachtet worden sind, 
während ich im ganzen ungefähr 2400 Stück untersucht habe. 


III, Die nordböhmisch- sächsischen Elbgaugebiete untereinander 

verglichen. 

In der vorhergehenden Übersicht sind die 20 mit einem X bezeichneten 
Arten in Nordböhmen bei Aussig nachgewiesen. Von ihnen habe ich in 
Sachsen nirgends aufgefunden: 

1. Heteroporatia bosniense , 

2. Brachyiulus unilineatus , 

3. Leptoiulus ciliatus bükkensis , 

4. Cylindroiulus occultus. 


26 


Nr. 2 und 4 sind kalk- und wärmebedürftige, östliche Tiere, welche in 
ihrem Vordringen nach Norden durch die engeren und kühleren Strecken des 
Elbsandstein- Flufspasses recht wohl aufgehalten sein können. Nr. 1 wird 
in Sachsen durch Het. vih. alhiae , Nr. 3 durch den typischen ciliatus ersetzt. 
Es bleiben somit 16 Diplopoden, welche ich als Sachsen und Nordböhmen 
gemeinsam nachgewiesen habe. Von den 17 aus Nordböhmen noch nicht 
erwiesenen Arten kann Polyxenus jedenfalls erwartet werden, Orthochor- 
deuma germanicum habe ich bereits für das östliche Böhmen (Nachod) 
festgestellt, Glomeris marcomannia und alpina für den bayerisch-böhmischen 
Wald. Gervaisia costata ist von Haase und mir ebenfalls in den Sudeten 
aufgefunden. Polydesmus illyricus kann im Bereich Nordböhmens noch er- 
wartet werden, da er nach allen Richtungen hin auftritt, wenn auch in 
zum Teil verschiedenen Varietäten. Auch Orohainosoma flavescens kann in 
Böhmen erwartet werden, nachdem er dem sächsischen Elbgebiet und den 
Ostalpen gemeinsam ist. Nopoiulus palmatus wurde sogar zuerst aus Böhmen 
bekannt gemacht, ob palmatus caelebs in Böhmen vorkommt, ist noch 
zweifelhaft. Es bleiben somit noch übrig Nr. 7, 18, 20, 21, welche nach 
den bisherigen Erfahrungen auf Sachsen beschränkt sind und schliefslich 
Glomeris conspersa , Microiulus laeticollis und Cylindrohdus londinensis, 
welche auf Grund ihrer übrigen Verbreitung nicht mehr in Nordböhmen 
erwartet werden können*). Glomeris conspersa ist zwar durch den gröfsten 
Teil der Alpenländer verbreitet, geht aber westlich im allgemeinen bis zum 
Rhein und nördlich der Donau nicht über die Elbe hinaus. Microiulus 
laeticollis ist aus dem südlichen Schweden bekannt und besonders in der 
nordostdeutschen Tiefebene zu Hause. Er ist schon in Sachsen selten 
und scheint bei Dresden einen seiner südlichen Ausläufer zu erreichen. 
Cylindroiulus londinensis ist ein westeuropäisches Charaktertier, welches 
in Österreich nördlich der Donau niemals gefunden wurde. Vermöge seiner 
Vorliebe für niedere und offene Gelände ist es in Norddeutschland weiter 
nach Osten vorgedrungen als in Mittel- und Süddeutschland. Es bietet 
ein interessantes westliches Gegenstück zu den östlichen Iuliden Brachyiulus 
unilineatus und Cylindroiulus occultus. Eine weitgehende fauni- 
stische Verwandtschaft zwischen Nordböhmen und Sachsen ist 
also zweifellos erwiesen und dürfte noch mehr zum Ausdruck kommen, 
wenn die besonders schwer aufzufindenden Ascospermophora noch besser 
bekannt sind. Diese Verwandtschaft gründet sich zum Teil ohne Frage 
auf die im östlichen Böhmen und im sächsischen Elbgelände weit aus- 
gedehnten Kreideformationen. 

In Sachsen selbst konnte ich einen bemerkenswerten Unterschied 
zwischen den beiden Elbseiten feststellen, insbesondere zwischen dem 
Loschwitzer Granithöhenzug rechts und den kalkreichen Gebieten des 
unteren Müglitztales links der Elbe. Während ostwärts Glomeris pustulata 
sehr häufig war, begegnete sie mir westwärts niemals (links der Elbe fand 
ich pustidata überhaupt nur einmal bei Niederwartha). Umgekehrt fand 
ich Gl. conspersa im Müglitztal verbreitet und noch am Geisingberg häufig, 
ostwärts überhaupt niemals. Auch die kleinen Glomeriden des Müglitz- 
talgebietes (also Geoglomeris und Gervaisia) fehlen im östlichen Granit- 
gebiet. Die Gl. hexasticha- Formen sind in beiden Revieren ziemlich gleich- 


*) lm Böhmerwald habe ich Glomeris conspersa als häutig bei Neuern an der 
Ruine Beyereck erwiesen. 


27 


mäfsig vertreten. Diese geringeren Ansprüche an die Gesteinsbeschaffen- 
heit bei hexasticha hängen offenbar mit ihrer weiten Verbreitung und 
grofsen Variabilität zusammen. 

Auf beiden Elbseiten reichlich vertreten habe ich erwiesen: Oncoiulus 
foetidus , Schizophyllum sabulosum , Polydesmus denticulatus , Brachydesmus 
superus, Orthochordeuma, Orobainosoma, Craspedosoma. — Strongylosoma 
und Brachyiulus kochi sind zwar auf beiden Elbseiten vertreten, aber im 
westlichen Kalkgebiet bedeutend reichlicher als auf dem Granit. Dasselbe 
dürfte gelten für Leptophyllum und Iulus ligulifer , die ich bisher aller- 
dings nur im westlichen Kalkgebiet tatsächlich auffand. Ceratosoma meidet 
die tieferen Gebirgslagen, fehlt daher auf beiden Elbseiten und findet sich 
erst weiter im Innern des Gebirges, was für Heteroporatia eremita wahr- 
scheinlich in noch höherem Mafse gilt. Leptoiidus ciliatus und Microiulus 
bilden den Gegensatz zu ligulifer , insofern ich sie nirgends im Kalkgebiet 
nachweisen konnte, vielmehr ausschliefslich im östlichen Granitgebiet, 
ciliatus dann aber auch wieder im Elbsandsteingebirge. Merkwürdig ist 
das Auftreten des Cylindroiulus londinensis, welcher sonst entschieden kalk- 
haltige und schwere Böden bevorzugt, hier aber gerade in den Schluchten 
des rechtsufrigen Granitzuges häufig auftritt, während er mir in dem so 
oft durchsuchten Dohna- Revier niemals zu Gesicht gekommen ist, ver- 
einzelt aber bei Kalkgestein im Schonergrund und bei Lockwitz. Ich 
habe den Eindruck erhalten, dafs das Elbgelände bei Dresden ein Stück 
des Arealrandes des londinensis vorstellt und dafs er in diesem Gebiet im 
langsamen Vorrücken begriffen ist. Es wäre späteren Forschern also be- 
sonders das linke Ufergebiet hinsichtlich des londinensis zur Beachtung 
zu empfehlen, namentlich die Strecke zwischen Lockwitz- und Müglitztal. 
Dafs londinensis im sächsischen Elbgebiet ein neuer Eindringling ist, 
beweist auch der Umstand, dafs er nur in niederen Talgebieten angetroffen 
wurde, während andere im Gebiet reichlich verbreitete Formen auch an 
hohen Punkten, wie namentlich am Geisingberg Vorkommen, so Orthochor- 
deuma ;, Polyzonium , Strongylosoma , Oncoiidus , Schizophyllum , Iulus ligu- 
lifer , Polydesmus denticulatus. Jedes Lebewesen sucht sich im Raum aus- 
zubreiten, was bei den Diplopoden langsam und schrittweise geschieht. 
Wenn also in einem Eaunengebiet ein derartiges Bodentier reichlich ver- 
breitet ist und auch hohe Plätze bevölkert hat, dürfen wir es als einen 
alten Bürger des Reviers in Anspruch nehmen, im Gegensatz zu londi- 
nensis und Glomeris pustuläta . Dabei müssen wir allerdings festgestellt 
haben, dafs diese letzteren Arten in anderen Ländern auch an hohen Plätzen 
Vorkommen und dem Klima rauherer Lagen gewachsen sind. Es sei deshalb 
daran erinnert, dafs ich londinensis z. B. am Titisee im Schwarzwald und 
pustulata z. B. nicht weit vom Arbersee im Böhmerwald festgestellt habe, 
also beide an Plätzen, welche sich noch etwa 100 m über der höchsten 
Kuppe des Geisingberges befinden. Treffen wir sie dagegen im Elbgebiet 
nur an tief gelegenen Plätzen, so lehrt uns das, dafs sie bei ihrer lang- 
samen Ausbreitung noch nicht Zeit gehabt haben, sich überallhin und 
namentlich weiter ins Innere und nach oben auszubreiten. Das Elbtal 
ist als eine Hauptwandei strafse ja von vornherein nicht zu bezweifeln, in 
ihm ist londinensis von Nordwesten, pustidata von Südosten hergekommen. 
Während nun Glomeris pustulata nach meinen Untersuchungen auf das 
Elbtal oder vielmehr seine Ränder beschränkt geblieben ist, konnte ich 
Cyl. londinensis auch im Rödertal nördlich von Radeberg nachweisen, ein 


28 


Vorkommen, welches uns hinüberführt nach Brandenburg, wo ich die Art 
mehrfach nachgewiesen habe. Im Gegensatz zu pustulata sind Glomeris 
hexasticha und conspersa weit ins Binnenland*) vorgedrungen, erstere bis 
zum Wilisch, letztere bis auf den Geisingberg. 

Ein Bürger der Elbtalränder ist auch Heteroporatia vihorlaticum albiae, 
ein Tier, welches Haase wahrscheinlich bei seiner „var. fasciatum “ von 
verschiedenen Teilen Schlesiens Vorgelegen hat. Als Talform schliefst 
sich dieses Tier übrigens an das Vorkommen des verwandten bosniense an. 
Brachydesmus superus , Polydesmus coreaceus und Microiulus laeticollis 
sind ebenfalls nur von den Elbtalrändern oder deren nächster Nachbar- 
schaft zu verzeichnen, wieder im Zusammenhang mit ihrem sonstigen Auf- 
treten. Br. superus ist von der norddeutschen Tiefebene abgesehen z. B. 
am Rhein, auch nur an Flufsrändern beobachtet, desgleichen Pol. coreaceus , 
während laeticollis als Tieflandtier schon genannt wurde. 

Polyzonium germanicum ist im Gebiet weit verbreitet und kommt 
sowohl in tieferen als auch höheren Lagen vor. Um so auffälliger ist es, 
dafs ich diesen Diplopoden in den Schluchten des Loschwitz-Pillnitzer 
Granitzuges so selten angetroffen habe. Es sind somit als 

a) abseits von den Elbtalrandgebieten und nur weiterim Innern 
auftretend beobachtet worden 

1. Ceratosoma karoli , 2. Heteroporatia simile eremita\ 

b) nicht im Innern und nur an den Elbtalrandgebieten ver- 
breitet aufgefunden wurden 

1. Glomeris pustulata , 2. Heteroporatia vihorlaticum albiae , 
3. Brachydesmus superus , 4. Polydesmus coreaceus , 5. Mi- 
croiulus laeticollis , Q.Nopoiulus palmatus caelebs und 7. Typhlo- 
blaniulus. — 

Nopoiulus ist schon durch das Leben unter Weidenborke auf eine 
Verbreitung längs der Flufsläufe angewiesen und Typhloblaniulus gehört 
zu den Arten, welche namentlich in Westeuropa als Kulturschädlinge sich 
bemerkbar gemacht haben. 

Fragen wir nach den Gründen für die auffallende Verschiedenheit 
in der Zusammensetzung der Diplopoden -Fauna der beiden Elbtalseiten 
unterhalb Pirna, so kommen wir mit den biologischen Verhältnissen allein 
nicht weiter. Ich möchte hier den allgemeinen Leitsatz einfügen, dafs 
je geringer die Verbreitungsmittel einer Tierklasse sind, um so 
gröfser die Notwendigkeit wird, noch andere als biologische Ver- 
hältnisse zur Erklärung der tatsächlichen Verbreitung heran- 
zuziehen. Die andern Verhältnisse können aber nur historische sein. 
Die Verbreitung der Diplopoden mufs biologisch und historisch 
aufgefafst werden. Ist das aber für eine Tierklasse völlig klar, so mufs 
gefolgert werden, dafs auch alle anderen Tierklassen in ihrer Verbreitung 
durch die grofsen historischen Erdprozesse mehr oder weniger beeinflufst 
worden sind. 

Wenn also pustulata im Loschwitzer Granitzug häufig ist, im Dohna- 
Kalkgebiet dagegen fehlt, so könnte man das entweder auf die Vorliebe 
für Urgebiete oder auf die besonders sonnige Lage zurückführen. Aber 
beide Erklärungen befriedigen mich noch nicht. Allerdings hat mir die 

*) Als Binnenland sind diejenigen Länderstrecken gemeint, welche aufserhalb des 
Elbtales und seiner Ränder liegen. 


29 


Häufigkeit der pustulata auf Urgebirge ihre Vorliebe für dieses sowohl 
in Südtirol als auch im Böhmerwald bewiesen, aber sie meidet das 
Kalkgestein durchaus nicht. Wenn man nämlich dem Auffinden 
einzelner Individuen auf demselben keine Bedeutung beimessen will, so mufs 
das doch dann geschehen, wenn sich pustulata wiederholt auf Kalk gesellig 
herausgestellt hat. Diesen Nachweis aber konnte ich im letzten Herbst 
sowohl im südlichen Baden als auch im nördlichen Schweizer Jura, als auch 
am Ipf bei Nördlingen führen. Allen diesen Vorkommnissen gemeinsam 
ist das Vorhandensein fester, nicht in kleine Brocken zerfallender 
Steintrümmer, zwischen welchen weite Lücken für eine bequeme 
Bewegung übrig bleiben; ob Kalk oder Urgebirge ist dagegen 
nebensächlich. Für andere Glomeris, wie z. B. conspersa , gilt übrigens 
dasselbe. Dafs conspersa ebenfalls handliche bequeme Lücken lassende 
Felstrümmer liebt und nicht auf die Formation sieht, zeigt ihr Vor- 
kommen in den Sedimenten bei Weesenstein und im Basaltgeröll am 
Geisingberg. Sie lebt ferner in reinem Urgebirge, wie ich am Titisee im 
Schwarzwald feststellen konnte, ebenso im Kalkgeröll, z. B. des Jura. 
Bei Dohna finden wir ein ausgedehntes Plänergebiet. Der Plänerkalk 
bildet aber breite, manchmal sogar schieferartige Tafeln, welche 
weit mehr als gedrungene, vieleckige Stücke geeignet sind, kugelige Tiere 
wie Glomeris zu zerdrücken. Sie bieten ihnen also nicht die günstigen 
Schlupfwinkel wie Urgebirgsgeröll und klumpiges, festes Kalkgeröll. In 
einem derartig flache Plänerkalkstücke enthaltenden Wald habe ich daher 
zwar Gervaisia und Geoglomeris , niemals aber Glomeris angetroffen, 
trotz vieler Exkursionen, denn erstere können in den kleineren Gesteins- 
zwischenräumen sich halten vermöge ihres kleinen Körpers an Stellen, wo 
die viel gröfseren Glomeris zermalmt werden würden. Noch auffallender 
ist die Tatsache, dafs ich auf meinen Wanderungen in dem sächsiclien 
Elbsandsteingebirge niemals eine Glomeride zu Gesicht be- 
kommen habe, ein Umstand, der für die mechanische Bedeutung der 
Gesteine als Unterschlupf für bestimmte Tiergruppen sehr ins Gewicht 
fällt. Die Erklärung für diese Glomeriden-Öde des Elbsandsteins 
suche ich einmal darin, dafs dieses Gestein in seinen Brocken weder so 
schöne Löcher darbietet wie häufig Kalkgestein oder Basalt, noch den 
günstigen muscheligen Bruch vieler Urgebirgsbrocken aufweist. Ferner 
verwittert es in einer für Glomeride n (die hinsichtlich ihrer Bewegung 
besonders sefshaft sind) besonders unangenehmen Weise, indem die vielen 
feinen Eerfallkörner, welche oft ganze Sandschichten entstehen lassen, den 
Tieren einerseits direkt unangenehm sind beim Laufen und dadurch, dafs 
sie beim Einrollen in die Kugel gelangen können, andererseits sowohl 
Geröll als auch Humus und Blätterschichten durchsetzen und damit sowohl 
die Aufnahme der Nahrung erschweren als auch den Aufbau der Humus- 
kügelchen, mit welchen jedes einzelne Ei umhüllt werden mufs. Ob nun 
dem Elbsandsteingebirge wirklich die Glomeriden völlig fehlen, mögen 
weitere Untersuchungen lehren; dafs sie dort mindestens ungewöhnlich 
spärlich sind, kann nicht mehr zweifelhaft sein. 

In dem eben genannten Plänergebiet bei Dohna fand ich hier und 
da auch Elbsandsteintrümmer, über deren Herkunft ich mir anfangs, als 
ich in der Nachbarschaft nur anstehenden Plänerkalk gesehen hatte, den 
Kopf zerbrach, bis ich in einem verlassenen benachbarten Steinbruch einen 
schönen Aufschlufs bemerkte, der eine Schicht Quadersandstein mitten im 


30 


Verband des Pläners aufgedeckt hat. Von dieser stammen also die um- 
hergestreuten und zum Teil auch im benachbarten Wald befindlichen Sand- 
steinstücke. Obwohl nun diese Sandsteine nicht so massig sind, dafs sie 
den dort reichlichen Laubwaldhumus sandig durchsetzt hätten, habe ich 
doch auch unter ihnen keine Glomeris auffinden können. Wohl aber fand 
ich die hexasticha im benachbarten Steinbruch, wo eine Bodenversandung 
durch das Überwiegen des Pläner verhindert wird. In den Plänerstein- 
brüchen am Schonergrund gab es überhaupt keine Glomeriden. 

Die mechanische Beschaffenheit der Gesteine und, die Art 
ihrer Zertrümmerung sind somit auf die Verbreitung der Diplo- 
poden von grofsem Einflufs. 

Dafs nun aber pustulata nicht im Müglitztalgebiet auftritt und um- 
gekehrt conspersa nicht im östlichen Granitgebiet, kann nicht durch die 
Beschaffenheit der Gesteine erklärt werden — auf Grund dieser könnte 
sowohl conspersa im Loschwitzer Höhenzug als auch pustulata bei Weesen- 
stein und Geising Vorkommen — sondern ergibt sich aus historischen 
Vorgängen. Glomeris conspersa ist in Mitteldeutschland eine ausge- 
sprochen westliche Form und tritt nur deshalb westlich der Elbe auf, 
weil sie von Westen gekommen ist und für ihre weitere Ausbreitung 
nicht nur im Elbtal, sondern anscheinend auch im Elbsandsteingebirge 
ein Hemmnis gefunden hat. Glomeris pustulata dagegen ist mehr als 
südliche Form anzusprechen, doch kann es nicht so bestimmt wie bei con- 
spersa gesagt werden, von welcher Dichtung sie gekommen ist. Wahr- 
scheinlich aber ist sie entweder von Nordböhmen, wo ich sie ja am 
Schreckenstein nachgewiesen habe, dem Elbtal entlang nach Norden vor- 
gerückt (und dann müfsten wir sie im Elbsandsteingebirge wenigstens an 
günstigen Plätzen der Talrinne noch auffinden), oder sie ist durch die 
Gebirge des westlichen Sachsens an die Elbe gelangt. 

Wenn ich soeben betont habe, dafs für die Glomeris- Arten bestimmte 
mechanische Verhältnisse der Gesteine viel wichtiger sind als deren 
chemische Zusammensetzung, so darf daraus nicht geschlossen werden, 
dafs die letztere für alle Diplopoden geringe Bedeutung habe. Es gibt 
nämlich auch ausgesprochene Kalktiere und als solche kommen hier in 
Betracht die kleinen Glomeriden Geoglomeris und Gervaisia. Die Geo- 
glomeris habe ich überhaupt nur unter Plänerplatten gefunden. Selbst 
da, wo dieselben mit Sandsteinstücken vermischt waren, habe ich an 
letzteren niemals eine Geoglomeris gesehen. Gervaisien habe ich «an so 
zahlreichen Plätzen in Italien, Österreich-Ungarn und Bosnien-Herzegowina 
immer nur auf Kalkstein beobachtet, dafs sie als ausgesprochene Kalk- 
tiere gelten können. Dabei sitzen sie jedoch häufiger in dem den Kalk- 
steinen benachbarten Humus als an diesen selbst. Das Fehlen der 
Gervaisien im ostelbischen Granitgebiet und im Elbsandsteingebirge 
hängt also nicht etwa mit einer Herkunft von Westen zusammen, sondern 
entspricht den biologischen Erfordernissen. Diese und andere kleine 
Glomeriden, welche zu den sefshaftesten aller existierenden 
Organismen gehören, betrachte ich als Reste einer einst reicher 
entfalteten, uralten Tiergruppe, welche nur geringe geo- 
graphische Verschiebungen erfahren und die Eiszeit da oder 
wenigstens in der Nähe derjenigen Plätze überdauert hat, an 
welchen sie sich noch heute befindet, 


31 


In Mitteleuropa kennen wir Gervaisien nur südlich der Linie 
der glazialen nordischen Geschiebe, und es ist gewifs recht interessant, 
dafs ich Geoglomeris und Gervaisia bei Dohna gemeinsam an einer Stelle 
nachweisen konnte, welche sich in der Nähe der nordischen Ge- 
schiebegrenzlinie befindet. Insofern haben wir bei diesen Glomeriden 
des unteren Müglitztalgebietes den vereinten Ausdruck historischer 
und biologischer Verhältnisse. Sehr bemerkenswert ist es, dafs ich 
am Geisingberg eine Gervaisia costata unter einem Basaltstück auffand. 
Der Basalt ist nicht so kalkarm wie das Urgebirge. Da nun ein breites 
Stück Gneisgebirge den Geisingberg von dem unteren Müglitzkalkgebiet 
trennt, im Granit- und Gneisgebiet aber nie eine Gervaisia gesehen worden 
ist, so möchte ich die Gervaisien des Geisingberges als solche ansehen, 
welche die Abnagung der an den oberen Erzgebirgshängen einst vor- 
kommenden und auch jetzt noch in einigen Inseln vorhandenen, paläo- 
zoischen Kalkmassen überdauert haben. 

Glimmerschiefer ist für Gervaisia ein Untergrund, auf dem sie 
zwar auch nicht gern zu leben scheint, aber wenigstens existieren kann, 
denn ich habe bei Lindewiese im Altvatergebirge in einem auf Glimmer- 
schiefer stehenden Buchenwald vier Stück von costata erbeutet. 

Neben solchen absoluten oder fast absoluten Kalktieren können 
Brachyiulus und Strongylosoma als relative Kalktiere angesprochen 
werden, indem sie auf den kalkarmen Gebieten selbst an Plätzen, die 
hinsichtlich der übrigen Existenzverhältnisse so günstig sind wie einige 
des Loschwitzer Granithöhenzuges, ganz auffallend individuenärmer er- 
scheinen als an Kalkplätzen der anderen Talseite, wie Dohna, Weesenstein, 
Lockwitz, Niederwartha. Trotzdem diese Brachyiulus und Strongylosoma 
südöstlicher Herkunft sind, zeigen sie sich im westlichen Elbgelände reich- 
licher entwickelt. 

Bemerkenswert ist aber auch im Hinblick auf den Geisingberg und 
die Gegend von Aussig, dafs Brachyiulus auf Basalt viel besser gedeiht 
als auf Urgestein. 

Dafs Microiulus nur ostwärts beobachtet wurde, entspricht seiner 
nördlich-östlichen Herkunft vollkommen. Ebenso wurde Ceratosoma nur 
westlich der Elbe nachgewiesen, entsprechend seiner südwestlichen 
Herkunft. 

Dafs ich Polyzonium auf Granit und Sandstein selten fand, hängt 
mit der Vorliebe dieser Gattung für kalkreichen Boden zusammen, ohne 
dafs dieselbe an das Vorkommen von Gestein gebunden wäre, wie ihre 
weite Ausbreitung in Nordostdeutschland anzeigt. 

Leptoiulus ciliatus ist insofern merkwürdig, als er innerhalb Deutsch- 
lands die kalkreichen Gesteine meidet, in Siebenbürgen dagegen in Kalk- 
gebirgen häufig vorkommt, während ich ihn in der Tatra sowohl in dem 
Granit- als auch Kalkgebiete derselben häufig antraf. Da diese ausge- 
sprochene Karpathenform offenbar von Südosten nach Nordwesten in die 
Sudeten sich ausgebreitet hat, scheint es, dafs sie von der Granittatra an 
ihre alte Vorliebe für Kalkgebiete aufgegeben hat, ohne dafs damit eine 
merkbare Rassentrennung zustande gekommen wäre. 

Die tatsächliche Ausbreitung der Diplopoden im Elbgebiet erklärt 
sich also teilweise aus den Ansprüchen an die natürlichen Existenz- 


32 


Verhältnisse, teilweise ist sie die Folge grofser historischer Vor- 
gänge. Aus dem speziellen Teil wird man ersehen können, in welcher 
Weise auch bei allenthalben vorkommenden Arten sich ein Einflufs der 
Formation bemerklich macht. 


IV. Das nordbölimisch- sächsische Elbgaugebiet im Vergleich mit 
andern Teilen Mitteleuropas. 

Hiermit kehre ich zurück zu der schon einleitend besprochenen 
Gliederung der mitteldeutschen Provinz in mehrere Gaue. In west- 
östlicher Richtung zeigt uns Mitteleuropa in der Diplopo den- Fauna er- 
staunliche Gegensätze, von denen ich jetzt nur die wichtigsten hervorheben 
will, soweit sie sich nämlich auf Gattungen und Untergattungen erstrecken: 


Westdeutschland: 


Ostdeutschland: 


1. Gervaisia , 

2. Polyzonium. 

3. Mastig ophorophyllon, 

4. Heteroporatia , 

5. Oncoiulus , 

6. Brachyiulus, 

7. Leptoiulus: ciliatus- Gruppe, 

8. Microiidus. 


1. Chordeuma, 

2 . Microchordeuma, 

3. Macheiriophoron, 

4. Craspedosoma mit Ausnahme des 

Cr. simile und transsilvanicmn , 

5. Tachypodoiulus, 

6. Cylindroiulus, Gruppe 
Ypsiloniulus, 

7. Leptoiidus ohne ciliatus- Gruppe, 

8. Geoglomeris*). 

Diese 8 westlichen Gruppen fehlen also in mehr oder weniger aus- 
gedehntem Bereich Ostdeutschlands, während umgekehrt diese 8 östlichen 
Gruppen mehr oder weniger weit in Westdeutschland fehlen, und zwar kann 
jetzt schon so viel bestimmt gesagt werden, dafs alle 8 westlichen 
Gruppen östlich der Elbe völlig fehlen, während die 8 östlichen 
Gruppen westlich des Rheins nicht mehr vorhanden sind, wobei 
aber aufser dem linksrheinischen Deutschland an Belgien und Nordfrank- 
reich zu denken ist (nicht Südfrankreich), ferner im Osten der Elbe an 
die Gebiete nördlich der Donau. 


Da ich hier nur Mitteldeutschland besprechen will, habe ich be- 
sondere süddeutsch -alpine Gruppen aufser Betracht gelassen. Die ge- 
nannten 8 und 8 Gruppen dienen also zur Charakterisierung des we st- 
und ostdeutschen x\littelgaues. 

Von der Art und Weise, wie die ost- und westdeutschen Formen mit 
ihren Arealen in der Mitte getrennt bleiben oder sich übereinander schieben 
von entgegengesetzten Richtungen aus, hängt die Abgrenzung eines oder 
mehrerer mittlerer innnerdeutscher Gaue ab. 

Wollen wir eine Hauptlinie 1. Ordnung als Grenze für West- und 
Ostdeutschland und zwar zunächst für die Länder nördlich der Donau 
festsetzen, so kann ich nach eingehender Prüfung bisher bekannt gewordener 
Tatsachen die folgende ziehen: 


*) Durch neue Forschungsreisen habe ich Geoglomeris inzwischen für den schwä- 
bischen Jura und den fränkischen Muschelkalk erwiesen. 


Im Norden zwischen Elbe und Weser beginnend folgen wir 
der Wasserscheide bis zum Harz, gehen von diesem zwischen den 
Flufsgebieten von Elbe und Weser weiter zum Thüringer Wald 
und dem Fichtelgebirge und erreichen der Rednitz und Pegnitz 
entlangziehend bei Regensburg die Donau an der Grenze von 
Jura und Urgebirge. 

Diese Linie wird von Westen her nicht überschritten von Ypsiloniulus , 
Macheiriopkoron und Craspedosoma (ohne simile und transsilvanicmri), nur 
wenig (nämlich nach den jetzigen Kenntnissen bis ins Saalegebiet) wird sie 
überschritten von Chordeuma , Micro chordeuma und Tachypodoiulus , während 
Leptoiulus alemannicus noch bis in den Böhmerwald gelangt ist. Umgekehrt 
wird diese Linie von Osten her nicht überschritten von der Familie Mas - 
tigophorophyllidae, von Gervaisia , Strongylosoma , Microiulus und Poly- 
zonium und von der ciliatus- Gruppe. Da nun der Lauf des Rheines von 
Basel an ebenfalls eine wichtige geographische Linie ist, so haben wir einen 
westlichen mitteldeutschen Mischungsgau 
zwischen der eben beschriebenen Hauptlinie und der Rheinlinie. Die Haupt- 
linie kann auch kurz als Harz -Regensburger Linie bezeichnet werden. 

Dafs sie innerhalb Norddeutschlands westlich der Elbe verläuft, ist 
durch den Bestand der Diplopoden -Fauna der Niederelbe sichergestellt. 
Zwischen dem Fichtelgebirge und Regensburg kann südlich der Pegnitz 
die Grenze zwischen Urgebirge und Kalkformationen als mafsgebend 
betrachtet werden. Am unsichersten bleibt vorläufig noch die Strecke 
zwischen Braunschweig und dem Fichtelgebirge, weil die Fauna des west- 
lichen Sachsens noch ganz unbekannt ist. 

Einen östlichen mitteldeutschen Mischungsgau erhalten wir 
zwischen der Elbe und dem Elbsandsteingebirge im Osten und der Harz- 
Regensburger Linie im Westen. Auf diesen östlichen Mischungsgau führen 
mich insbesondere meine vorliegenden nordböhmisch -sächsischen Unter- 
suchungen. Sie liefern mir im Verein mit dem, was aus Thüringen, 
Böhmer wald und Schlesien bekannt geworden ist, folgende Charakteristik: 


Ostdeutscher Mittelgau: 

1. Glomeris fagivora , 

2. Gervaisia , 

3. Scotherpes mamillatum , 

4. Polydesmus constrictus , 

5. Mastig ophorophyllon saxoni- 

cum, 

6. Heteroporatia vihorlaticum 

albiae , 

7. Orohainosoma fiavescens , 

8. Cylindroiulus luridus, 

9. — occultus, 

10. Brachymlus unilineatus, 

11. Leptoiulus ciliatus , 

12. — ciliatus bükkensis. 


Östlicher mitteldeutscher 
Mischungsgau: 

1. Glomeris conspersa, 

2. — marginata , 

3. Geoglomeris , 

4. Chordeuma silvestre , 

5. Micro chordeuma voigti*), 

6. Craspedosomn alemannicum 

bavaricum, 

7. — alemannicum brevilobatum , 

8. Tachypodoiulus albip es, 

9. Leptoiulus belgicus , 

10. Orobainosoma germanicum, 

11. — pinivagum , 

12. Ceratosoma karoli germanicum , 

13. Leptoiulus alemannicus. 


*) Eine Mitteilung über das Vorkommen von Chordeuma und Micro chordeuma 
voigti im Saaletal verdanke ich Herrn Wernitz sch in Jena. 


34 


Wahrscheinlich mufs von diesen beiden Gauen noch ein dritter südöst- 
lich-mitteldeutscher getrennt werden, für welchen als Charaktertiere Nr. 10 
bis 13 rechts gelten können, etwa als markomannischer zu bezeichnen. 
Er würde den Böhmerwald, die südwestlichen Teile Böhmens und die 
nördlichen Oberösterreichs umfassen und sich im wesentlichen auf die in 
diesen Gebieten verbreitete Urgebirgsmasse beziehen. Endlich ist es 
möglich, dafs wir für einen grofsen Teil Mährens*) und den Norden Nieder- 
österreichs einen vierten Gau aufzustellen haben, was sich aber erst dann 
entscheiden läfst, wenn in diesen Gebieten genauere Untersuchungen durch- 
geführt werden. Vorläufig handelt es sich darum, festzustellen, dafs wir 
überhaupt in Mitteleuropa eine ganze Reihe origineller Tier- 
gebiete unterscheiden können, analog den für die ganze Erde auf- 
gestellten Regionen und Subregionen. Wie diese einzelnen Tiergebiete genau 
abzugrenzen sind, und wie weit wir in der Gliederung solcher Gebiete 
gehen können, hängt von der fortgesetzten Vervollkommnung unserer 
Kenntnisse ab, und an ihr werden noch viele Arbeiten und Arbeiter mitzu- 
wirken haben. 

In einem andern Aufsatz wird die zoogeographische Gliederung Mittel- 
europas eingehender behandelt; hinsichtlich der drei obengenannten 
Provinzen Nord-, Mittel- und Süddeutschland will ich aber wenig- 
stens an der Hand der Ascospermophora Folgendes als inhaltliche 
F ormen - Charakteristik feststellen : 

A. Norddeutschland ist das an Ascospermophoren auffallend 
arme Gebiet, über welches sich nur einige Rassen des Craspe- 
dosoma simile Verh. ausgebreitet haben, während östlich der 
Oder an einigen Punkten auch noch Heteroporatia , wahrschein- 
lich vihorlaticum beobachtet worden ist. 

B. Mitteldeutschland ist viel reicher mit Ascospermophoren 
besiedelt und nenne ich die Gattungen Orthochordeuma , Micro- 
chordeuma, Chordeuma, Orobainosoma , Ceratosoma , Craspedo- 
soma , Macheiriophoron , Heteroporatia , Mastig ophorophyllon. 

C. Süddeutschland wird von Orthochordeuma und Mastigo- 
phorophyllon nicht erreicht, hat sonst die vorigen Gattungen 
mit Mitteldeutschland gemeinsam und ist besonders charakterisiert 
durch folgende süddeutsch-alpine Gattungen : Orthochordeumella , 
Trimerophoron , Prionosoma , Orotrechosoma und Rhiscosoma. 


V. Besondere Mitteilungen über die Diplopoden- Fauna von Nord- 

böhmen und Sachsen. 

1. Polyxenus lagurus aut. 

Dieser einzige Vertreter der Pselaphognatha ist besonders unter 
Rinden zu Hause, unter diesen aber in Sachsen von mir nie beobachtet, 
allerdings auch nur wenig von mir gesucht worden, weil ich von vorn- 
herein den Rindentieren als den am weitesten verbreiteten weniger Be- 
obachtung geschenkt habe. 


*) Vier östlich-mitteldeutsche Gaue können wir also bezeichnen als Thüringer Gau, 
Sudeten-Gau, markomannischen Gau und mährischen Gau. 


35 


25. Juli in der Moosleite eine Larve mit 8 Beinpaaren unter Stein. 
Am Geisingberg fand ich am 12. September 9 Erwachsene unter Basalt- 
stücken, davon 7 unter einem Ahorn, 2 unter einer Eberesche. 

2. Glomeris pustulata Latreille var. proximata- C. Koch. 

Nachdem ich in Sachsen bereits einige Exkursionen unternommen 
hatte, ohne eine Glomeris zu Gesicht bekommen zu haben, begegnete mir 
am 13. Juni 1906 die erste pustulata , welche in Sachsen wohl je gesehen 
und erkannt worden ist, nach mehreren vorangegangenen Begentagen in 
dem kleinen Hohlweg, welcher oberhalb Wachwitz bei „Königs Weinberg“ 
ins Tal führt unter einem Granitstück. Bald gelang es mir dann diese 
schöne Glomeris als eine häufige Bürgerin des Loschwitz-Pillnitzer Granit- 
Höhenzuges festzustellen, die aber immer nur da vorkommt, wo sich fol- 
gende Bedingungen erfüllt finden: 

1. zerstreute Gesteinsbrocken, 

2. reichliches Licht und Wärme, 

3. eine gewisse Feuchtigkeit. 

Man wird das Tier nach Regenwetter also am ehesten auffinden können, 
in einer Trockenperiode meist umsonst suchen. Die grofse Mehrzahl 
meiner Objekte stammt aus der Moosleite, vom Staffelstein und dem 
Berghang oberhalb Niederpoyritz. 

7. Juli am 2. Tage nach Regen: 42 cf un d 37 9, eine Larve mit 3-f-8 Ter- 
giten. Die Tiere haben hellgelbe bis gelblichweifse Flecke und zeigen 
gröfstenteils die proximata- Färbung, bei einzelnen ist aber auch das 
11. Tergit gefleckt, während sich einige finden, bei denen das 10. und 
seltener auch das 9. Tergit ungefleckt sind. 

9. Juli bei Regen 10 cf, 5 9, eine Larve mit 3-}- 9 und eine mit 
3 + 8 Tergiten. 

14. Juli sammelte ich bei feuchter Witterung nach langer Regenperiode 
20 Stück, deren 11. und 12. Tergit ungefleckt sind. 

25. Juli 6+, 5 9, 5 Larven und ältere Unreife. 

5. August wieder 20 Stück , deren 10. Tergit meist recht deutlich 
gefleckt ist; das kleinste Stück eine Larve von 4 3 / 4 mm mit 3 + 9 Ter- 
giten. 

5. November sammelte ich in einer Waldschlucht 1 cf, 9 9 meist an 
einer umgestürzten, morschen grofsen Weide, in deren Nachbarschaft Granit- 
geröll lag. Modernde Bäume vermögen die pustulata von ihren Geröll - 
lieblingsplätzen durch die massige und erwünschte Nahrung zeitweise ganz 
fortzulocken, wie mir auch im Böhmerwald eine morsche Buche bewies, in 
der ich eine Gesellschaft von über 100 Stück aufheben konnte. 

6. Oktober unter zahlreichen Stücken verschiedenen Alters nur eine 
Larve mit 3 + 9 Tergiten. Die jüngeren, also epimorphotischen Individuen 
und die älteren Larven haben im allgemeinen gröfsere, aber blässere Flecke 
als die Erwachsenen, doch ist bei ihnen auch das schwarze Pigment noch 
weniger ausgeprägt und namentlich an den Seiten der hinteren Tergiten 
treten quere helle Felder auf. Die Flecke des Präanalschildes sind variabel, 
meist rund und vom Hinterrande entfernt, bisweilen aber auch länglich 
und bis zu diesem ausgedehnt. 


36 


7. Oktober 1 cf, 1 2. 

17. Oktober unter Eilbus zwischen Geröll 4 cf , 4 2. 

19. Oktober 2 cf , 5 2. 

9. Oktober fand ich bei Niederwartha unter Salix -Borke das einzige 
Stück, welches ich linkselbisch gesehen habe, ein cf von 9 x / 2 mm. 

Bei allen in Sachsen beobachteten pustulata - Männchen fand ich die 
Telopoden vollkommen hell, gelblich, ohne schwarzes Pigment, 
ein Merkmal, welches offenbar charakteristischer für die var. proximata ist 
als die Flecke des 10. Tergit. Bei württembergis chen pustulata fand 
ich die Bänder der Telopodenglieder geschwärzt, während bei Süd- 
tirolern die ganzen Telopoden geschwärzt sind. 

Brustschildfurchen 1 -j- 2 oder 1 + 3 oder(l)+2, d.h. die durchlaufende 
Furche ist bisweilen ein Stück unterbrochen. 

Die Weibchen erreichen meist 12 — 13, seltener 14 mm Länge, während 
ich unter den zahlreichen Männchen immer 9 — 11 mm gemessen habe. 

Die Geröllmassen, welche der pustulata besonders Zusagen, befinden sich 
an den Abhängen der nach der Elbe herunterfallenden Höhen meist in der 
Nähe des Waldrandes oberhalb der Hang-Kulturen und sind offenbar teil- 
weise im Laufe der Zeiten bei der Bestellung dieser von fleifsigen Händen aus- 
gelesen und zusammengehäuft worden. Sie sind also besonders in der Nähe 
von Einschnitten begünstigt, wenn sie sich zugleich neben Wald oder 
wenigstens Buschwerk befinden, so dafs zwischen ihnen Zweiglein oder Blätter 
vermodern und hier und da sich dunkler Humus ansammelt. Man findet bei 
feuchter Witterung die Tiere aber auch an Granitstücken sitzend, welche 
sich nicht gleich neben vegetabilischer Nahrung befinden, und in einem 
Geröll, durch dessen Lücken sie von diffusem Licht erreicht werden 
können. An solchen Stellen geniefsen sie einerseits Licht und Wärme, 
andererseits finden sich dort die entwickelten Geschlechter. Dafs ich 
pustulata an feuchten Felsen in Südtirol zahlreich frei im Sonnenschein 
habe wandern sehen, berichtete ich schon vor Jahren. 

3. Glomeris conspersa C. Koch ( genuina ). 

Die sächsischen Funde gehören fast alle dem Müglitztalgebiet an. 

2 cf , 8 2 sammelte ich am 14. Oktober bei Weesenstein unter Laub 
und im lehmigen Humus im Walde unter vorragenden silurischen Fels- 
partien. 

8. September am Geisingberg, Waldrand der Basaltkuppe unter Laub, 
Genist und Basaltstücken 4 cf, 15 2 und Junge. 12. September daselbst: 

5 cf, 11 — 14 V 2 mm lang 18 2, 13— 17 x /s mm lang 

10Ä6V,-10V, „ „ 5j.?,67-U7 2 - . 

eine Larve mit 3+9 Tergiten. 

Brustschild ohne durchlaufende Furche, der schwarze Mittelfleck ver- 
schmilzt niemals zu einer Querbinde, sondern steht der Sprenkelung gegen- 
über deutlich abgesetzt, meist vom Hinterrande entfernt bleibend. Bei 
manchen Stücken (namentlich Männchen) finden sich Ansätze zu seitlichen 
unregelmäfsigen schwarzen Fleckenreihen. Der schwarze Präanalschild- 
fleck ist besonders bei jüngeren Stücken deutlich abgesetzt. Die grofse 


37 


Mehrzahl gehört zur var. marmorata C. K„ während ein cT vom Geisingberg 
als der var. grisea Verh. zugehörig zu betrachten ist. 

Tharandt, im Laubwald auf Porphyr 1 9 , 18 x / 2 mm lang, reichlich 
dunkelgesprenkelt, das gröfste Stück, welches ich im Gebiete gesehen habe. 
Weesenstein, 6. September 5 cf von 8 4 / 5 — 13 V 2 mm « 

2 Larven mit 3 -)- 9 Tergiten, 9 9 und j. 9 von 7 — 15 2 / 3 mm. 

Bei diesen Individuen ist die Sprenkelung weniger dicht, aber an 
den Seitenlappen der Medialsegmente stehen auffallende dunkle Schrägstriche. 
1Ä 19 von Weesenstein sind dagegen reichlicher gesprenkelt und lassen 
keine dunklen Schrägstriche hervortreten. 

Hemianamorphose*): Am 8. und 12. September am Geisingberg: 

Eine Larve von 2 1 / s mm mit 3 — 6 Tergiten, ganz unpigmentiert. 

Eine Larve von 2 1 / 2 mm mit 3 7 Tergiten mit einer Medianreihe 
schwarzer Flecke und seitlich schwacher, spärlicher brauner Sprenkelung. 

Eine Larve von 4 mm mit 3 + 8 Tergiten, die Sprenkelung viel 
deutlicher. 

Eine Larve von 4 x / 2 mm mit 3 + 9 Tergiten, kräftige Sprenkelung. 

Ein j, 9 von 6 x / 2 mm 3 + 10 Tergiten. 

Diese Larven mit 9, 10 und 11 Tergiten können wir gleichzeitig als 
Larve II, III und IV unter den Larven überhaupt, als 1., 2. und 3. aber 
der Freilebenden bezeichnen. Von ganz besonderem Interesse ist die 
Larve II mit 9 (3 + 6) Tergiten hinsichtlich ihres Brustschildes, indem sich 
an diesem noch kein Schisma in den Seitenteilen vorfindet, vielmehr eine 
ziemlich kurze, ganz vom Seitenrand getrennte, ein gut Stück nach 
innen gerückte Längs rippe. In einem späteren Aufsatz werde ich auf 
diese Larven näher eingehen. 

4. G-lomeris hexasticha marcomannia Verhoeff. 

5. Glomeris hexasticha havarica Verh. var. schrechensteinensisYe rh. 

Vgl. den 4. (24.) Aufsatz über Diplopoden: Zur Kenntnis der Glome- 
riden usw. Berlin 1906, Archiv f. Nat. 72. S., 1. Bd., 2. Hft., S. 107 — 226. 

Die zahlreichen sächsischen hexasticha- Individuen waren ein wert- 
voller Beitrag zur weiteren Klärung des Verhältnisses dieser beiden Rassen 
und zeigten mir, dafs wir es trotz übereinstimmender Telopoden mit durch- 
gehends gut unterschiedenen Formen zu tun haben. Zugleich ergab sich, 
dafs die Form holeti nicht als eigene Rasse geführt werden kann, sondern 
nur abweichende Individuen der marcomannia- Rasse vorstellt. Das be- 
merkenswerteste Unterscheidungsmerkmal der Rassen marcomannia und 
havarica , nämlich die verschiedene Zeichnung des Präanalschildes, liefs 
mich niemals in Zweifel kommen: 


*) Die Hemianamorphose wurde 1905 von mir begründet in den Zoolog. Jahr- 
büchern, Suppl. VIII, Festschrift für K. Möbius: Ueber die Entwicklungsstufen der 
Steinläufer, Lithobiiden, und Beiträge zur Kenntnis der Chilopoden, S. 195 — 298, 
dazu 3 Tafeln. (Vergl. insbesondere S. 205!) — 1906 im Archiv für Naturgesch., S. 107 
bis 226, über Diplopoden 24. Aufsatz, zur Kenntnis der Glomeriden, habe ich den 
Nachweis geführt, dafs die Hemianamorphose auch für diese Diplopoden Gültigkeit 
hat. S. 199 findet man die Definitionen für Status antecedens, Pseudomaturus 
und Maturus junior et senior. 


38 


hexasticha marcomannia Verh. 

(nebst var. boleti ) 

Die schwarze Zeichnung des 
Präanalschildes ist pilzförmig, also 
vorn stark ausgebreitet, in der Mitte 
stielartig verschmälert und hinten 
bis zum Hinterrand ausgedehnt, 
dabei an ihm mehr oder weniger 
verbreitert, die Mediane ist also voll- 
kommen verdunkelt. 

Helle Fleckenreihe IV gewöhnlich 
vollständig fehlend, seltener vorhan- 
den und schmal (var. boleti Ye rh.) und 
dann am Präanalschild auch fehlend. 

ßrustschildseiten wie bei bava- 
rica , aber die dunklen, dreieckigen 
Zipfel springen weiter gegen die hel- 
len Seitengebiete vor. 

Die Individuen der hexasticha bavarica, welche ich in Sachsen ge- 
funden habe, gehören alle, ebenso wie die nordböhmischen, zur var. schrecken- 
steinensis. Die andern bavarica -Varietäten besitzen nicht alle die hier 
beschriebene Präanalschild -Zeichnung, worauf ich aber erst in einer be- 
sonderen Glomeris- Arbeit zurückkommen kann. 

a) hexasticha bavarica var. schreckensteinensis Verh. 

(Vgl. S. 91 im XVIII. Aufsatz der Beiträge, wo hexasticha von Aussig 
für beide Seiten der Elbe angegeben ist.) 

11. September Dohna im Plänersteinbruch 5 cf , 2 2, davon 1 cf ohne 
die helle Fleckenreihe IV. (var.) 17. Juli bei Kreischa in einem Walde auf 
Gneis 1 9. 

14. Oktober bei Weesenstein unter Laub 1 cf , 1 j. cf und ein besonders 
helles $. 

Die Hauptmasse habe ich wieder in den benachbart gelegenen Ge- 
bieten von Niederpoyritz, Moosleite und Staffelstein gesammelt, deren 
Beschaffenheit bei pustulata besprochen wurde: 

7. Juli nach Regen 1 cf , 1 2. 

9. Juli bei Regen 1 cf. 

15. Juli 1 j. cf. 

5. August 3 2, 1 j. cf, 1 Larve mit 3 + 9 Tergiten. 

6. Oktober 2 2, 1 j. 2, 2 j. cf, 7. Oktober 3 2 und eine Larve 3 + 9 
Tergiten. 

28. Oktober 2 2. 3. November in Granitgeröll mit Spartium und Rubus 
9 cf von 6Y 2 — mm, 20 2 von 7 — 15 1 / 2 mm. 

2 j. von 5y 2 mm mit 3 + 9 (10) Tergiten. 

b) hexasticha marcomannia Verh. 

Aus Nordböhmen nicht bekannt geworden. 

Im Juli und August bei Niederpoyritz 1 cf, 5 2, 2 j. 

5. Oktober 1 cf , 1 2 mit Andeutung medianer Aufhellung 1 2 Rufino. 


hexasticha bavarica Verh. 
var. schreckensteinensis. 

Die schwarze Zeichnung des 
Präanalschildes ist weniger ausge- 
dehnt und nicht pilzförmig, sie reicht 
nach hinten bis zur Mitte oder noch 
etwas darüber hinaus, bleibt aber stets 
weit vom Hinterrand getrennt. 
Hinten ragen zwei durch einen 
spitzen Einschnitt getrennte, dunkle 
Zipfel ins Helle, so dafs also auch 
die Mediane hinten ganz aufgehellt 
ist. 

Helle Fleckenreihe IV stets aus 
deutlichen, mehr oder weniger breiten 
Flecken bestehend. 


39 


3. November daselbst 20 2, 21 cf und 1 j 5 ] / 3 mm mit 3 + 9 (10) 
Tergiten, 2 Larven mit 3+9 Tergiten, 3 2 / 3 — 4 2 / 3 mm. 

17. Juli bei Kreischa in einem Walde auf Gneis 1 + überführend zur 
var. boleti, Weesenstein, 6. September drei Larven mit 3 + 9 Tergiten, 
4 l / a mm. 11. November Dohna im Plänersteinbruch 2 cf, 3 2; von diesen 
ein cf ohne Reihe IV., die andern mit sehr schwacher Andeutung derselben, 
die 3,2 mit sehr schmalen Streifen IV, also überleitend zu var. boleti. 

Es verdient noch besonders ausgesprochen zu werden, dafs die Prä- 
analschildunterschiede deutlich sind auch bei denjenigen Stücken, 
welche hinsichtlich der Fleckenreihe IV zu Zweifeln Anlafs geben können, 
desgleichen deutlich schon bei den älteren Larven. 

Vermifst habe ich beide hexasticha-Ra,ssen im Rödertal, im Elbsand- 
steingebirge, im Schonergrund und am Geisingberg. 

6. Glomeris connexa alpina Latzei. 

Nach den bisher bekannt gewordenen Vorkommnissen dieser Art halte 
ich sie für einen Eiszeitrelikten, den wir einerseits über ein ver- 
hältlich weites Gebiet zerstreut finden, andererseits an Stellen, welche 
entweder durch ihre hohe Lage noch heute ein kühles Gebirgsklima be- 
sitzen oder wie das tief eingeschnittene Annental bei Eisenach lokal be- 
sonders begünstigt sind. Da ich die alpina aus dem Böhmerwald, 
Thüringen, Württemberg, Baden und Oberbayern einerseits, Karpathen und 
Tatra andererseits nachgewiesen habe, halte ich ihr Vorkommen im Erz- 
gebirge für so wahrscheinlich, dafs ich sie hier aufgeführt habe, obwohl 
ich sie in Sachsen noch nicht zu Gesicht bekam. 

7. Geoglomeris subterranea Verhoeff n. g., n. sp. 

Die Entdeckung dieses überaus merkwürdigen Diplopoden im Pläner- 
gebiet von Dohna kann wohl als der überraschendste meiner sächsischen 
Funde bezeichnet werden, zugleich als einer der auffallendsten in Deutschland 
überhaupt. Am 9. Juni 1908 fand ich das erste Stück unter einer grofsen 
Plänerkalkplatte und nahm es mit in dem Glauben, eine recht junge 
Glomeris-L&YYe gefunden zu haben. Die eigentümliche, im Leben etwas 
trübweifse Farbe und der Umstand, dafs ich in dem betr. Pläner-Laubwald 
niemals eine Glomeris zu Gesicht bekommen, machten mich stutzig. 

Am 12. Juni wurde mein erneutes Forschen durch sieben Stück 
belohnt, welche alle sich an etwas tief gelegenen Waldstellen befanden, 
davon fünf wieder unter grofsen Kalkplatten, zwei zwischen solchen in 
dunkler Erde. 

Die Tiere erinnern etwas an grofse Schneckeneier, sind aber trüber 
weifs und etwas der Gesteinsfarbe angepafst. Während meines Sammelns 
tropfte der Wald vom unmittelbar vorangegangenen Gewitterregen und 
bald folgte ein zweiter. Zwei Stück fand ich wieder unter Kalkplatten 
am 11. Juli, wo die gesteigerte Sonnenwärme offenbar schon auf das 
Zurückdrängen der Tiere von Einflufs gewesen war. Eins derselben liefs 
einen grünlichgelben Darm durchschimmern. Am 11. September konnte 
ich in demselben Walde bei Dohna trotz angestrengten Suchens kein 
Stück mehr auftreiben, nur in einem benachbarten Steinbruch fand ich 
eins unter einer Plänerplatte, nahe an einem Gebüsch und zwar in Ge- 


40 


Seilschaft einer Myrmica- Kolonie. Es ist jedenfalls beachtenswert, dafs 
das einzige Stück, welches ich überhaupt aufserhalb des Waldes aufge- 
spürt habe, sich in Gesellschaft von Ameisen befand, während alle im 
Walde vorkommenden sich aufserhalb jeglicher Ameisen hielten. Sep- 
tember 1908 in Nr. 12 des zoologischen Anzeigers, Seite 415 habe ich für 
diese Glomeride folgende vorläufige Beschreibung gegeben: 

Gatt. Geoglomeris n. g. 

„Rumpf wie bei Glomeris aus 14 Segmenten bestehend, also mit 
13 Tergiten (3 + 10), 2 mit 17 Beinpaaren, + unbekannt. Mundteile 
denen von Gervaisia sehr ähnlich. Kopf völlig ohne Ocellen. 6. An- 
tennenglied verdickt, so lang wie das zweite und dritte zusammen, das 
7. Glied auffallend grofs, etwa 2 / 5 der Länge des sechsten erreichend. 
Schläfenorgan ungewöhnlich stark entwickelt, bis an die Aufsen- 
wand der Kopfkapsel ausgedehnt, länglich in der Querrichtung und in 
dieser reichlich iy a mal so lang wie der Durchmesser der Antennen- 
Gelenkgruben. Der Raum zwischen den Antennengruben ist noch nicht 
so breit wie jede derselben. Die Kopfkapsel springt aufsen vor dem 
Schläfenorgan etwas eckig vor, und ein abgerundeter Vorsprung findet 
sich aufsen neben dem Clypeus-Seiteneinschnitt. Hyposchismalfeld schmal 
wie bei Glomeris , das am Seitenrande unten gelegene Schisma ist (ähnlich 
Xesto glomeris) wenig abgehoben in der Seitenansicht und liegt etwas vor 
der abgerundeten Hinterecke. Tergite reichlich mit kurzen Tastborsten 
bekleidet. Körper ohne Hautpigment. Präanalschild des 2 ohne besondere 
Auszeichnung. 

Geoglomeris subterranea n. sp. Körper 27 2 — 2 4 / 5 mm lang, gelblichweifs 
bis weifs, der dunkle Darm durchschimmernd. Collum mit zwei durch- 
laufenden Querfurchen. Brustschild mit einer durchgehenden Randfurche 
und drei eigentlichen durchlaufenden Furchen, zwei abgekürzten aufser- 
dem, die eine vor, die andere hinter jenen. An den Seitenlappen der 
Medialsegmenttergite zwei nach aufsen divergierende Furchen, welche am 
Präanaltergit vor dem Hinterrand abbiegen und ihn begleiten. Die feine 
Beborstung ist auf allen Tergiten reichlich entwickelt, auch am Kopf und 
Collum. Die querovalen bräunlichen Vulven des 2 mit 1 + 3 ziemlich 
langen Tastborsten und einer Gruppe Drüsenporen hinter denselben. 

Myrmecomeris unterscheidet sich durch die starke Entwicklung der 
Hyposchismalfelder von allen andern Gattungen der Glomerinae auffallend 
genug. Geoglomeris nähert sich am meisten Glomeridella, unterscheidet 
sich aber von dieser Gattung durch den pigmentlosen, blinden Körper, 
das wohl ausgebildete 12. Rumpfsegment, die sehr grofsen Schläfenorgane, 
die stark genäherten Antennen und die Vorsprünge an den Seiten der 
Kopfkapsel. Durch die Telopodenzangen und die Verkümmerung des 
12. Rumpfsegmentes bietet auch Myrmecomeris eine beachtenswerte An- 
näherung an Glomeridella , doch ist zu berücksichtigen, dafs das 12. Tergit 
bei letzterer Gattung keineswegs fehlt, sondern nur im Mittelteil abge- 
schwächt ist.“ 

Die 11 von mir aufgefundenen Geoglomeris sind erwachsene Weibchen, 
Männchen scheinen hier ebenso zu fehlen wie bei Gervaisia costata. Eine 
genauere Beschreibung nebst Abbildungen erscheint 1910 in dem 11. — 15. 
(31. — 35.) Aufsatz über Diplopoden, Halle in den Nova Acta. 


41 


Inzwischen entdeckte ich die Glomeris subterranea in wenigen weib- 
lichen Stücken auch im schwäbischen Jura bei Neuffen und auf Muschel- 
kalk bei Hall. 

8. Gervaisia costata Latzei und Verhoeff. 

(Vergl. Über Diplopoden den 5. (25.) Aufsatz, zur Kenntnis der Gattung 
Gervaisia. Zoologischer Anzeiger 1906, Nr. 24, S. 790 — 822, und den 
9. (29.) Aufsatz daselbst 1908, Nr. 18, S. 521 — 536). 

Im Laubwald bei Dohna auf Pläner 11. Juli ein Stück unter Stein- 
platte, zwei im Humus eingewühlt, alle in einer Mulde, welche teils 
Fagus - Laub enthielt, teils Epheu, 11. September daselbst im Humus 
7 Stück und zwar 6 2 von 4 — 4 J / 3 mm Länge und 1 j. 2 . 6. September 
bei Weesenstein auf Silur unter Laub in einem namentlich Eichen ent- 
haltenden Laubwald 1 2 . Ein unter Basalt des Geisingberg am 12. Sep- 
tember gefundenes Stück wurde schon oben erwähnt. Ich sammelte es 
also bei etwa 720 m Höhe bei nasser Witterung, indem der vorhergehende 
Tag ein Regentag gewesen und auch am 12. bei kühler Luft zeitweise 
klatschende Regenschauer das Erzgebirge durchtobten. 

9. Strongylosoma pallipes Latzei. 

Eine der individuenreichsten Arten des Gebietes, in Böhmen und 
Sachsen häufig und von den Tälern bis in die höheren Gebirgslagen ver- 
breitet, am häufigsten aber an kalkreichen, feuchten Plätzen. 

Man kann drei Farben Varietäten unterscheiden, welche aber nicht 
lokalisiert sind und auch so allmählich ineinander übergehen, dafs ich sie 
nur mit Buchstaben bezeichnen will, obwohl die Extreme aufser ordentlich 
voneinander abweichen. 

var. a: Dunkelbraune bis braunschwarze Tiere mit gelbbraunen Flecken 
in Reihen, welche beim c? kleiner sind als beim Q- 

var. b: Heller gelbbraune bis rotbraune Tiere mit gelblichen Gebieten 
über und unter den Seitenkielen. 

var. c: Ganz hellweifslichgelbe Tiere, ohne rotbraune Zeichnung, welche 
man auch als larval gefärbt bezeichnen kann, da sie den durchgehends 
hell gefärbten Entwickelungsformen ähnlich, sehen. 

Die Varietäten a und b sind häufig, während c mehr vereinzelt unter 
ihnen auftritt. 

Der Vorliebe für kalkreiche Plätze entsprechend habe ich pallipes 
nirgends reichlicher vertreten gefunden als in dem Pläner- Waldgebiet 
von Dohna. Für dieses gebe ich zunächst folgende Funde: 

16. April von var. a 2 c?, 1 2. 

31. Mai 12 Stück der var. a, mehrere Kopulae beobachtet, 1 c? var. c. 

9. Juni sehr zahlreich, 8 Kopulae beobachtet, 2 Stück var. c, sonst 
alle var. a. 

8 Larven mit 15 Rumpfringen, 3‘ 2 / 3 mm lang, 

32 Larven mit 19 Rumpfringen, 10 — 12 mm lang. 

12. Juni 25 Erwachsene der var. a. 

4 Larven mit 19, 15 Larven mit 15 Rumpfringen. 

Ein 2 war nur 14 mm lang, gehört zu var. c, während sonst alle $5 
18 mm lang sind. 


42 


7. Juli 7 Erwachsene der var. a. 

11. Juli 8 Erwachsene und noch 2 Kopulae beobachtet. 

7 Larven mit 15 Rumpfringen, 3 1 / 2 mm lang, 

2 Larven mit 17 Rumpfringen, 4 3 / 4 und h 1 / 2 mm lang, 

6 Larven mit 19 Rumpfringen. 

22. Juli eine Larve mit 19 und eine mit 18 Rumpfringen. 

11. September abermals sehr zahlreich. Geprüft wurden von var. a 
9 9, 10 cf, von var. b 1 9 j 1 cf. Larven von 8 3 / 4 mm Länge mit 18 Rumpf- 
ringen, Larven von 12 1 / 2 mm Länge mit 19 Rumpfringen. 

Diese beiden Larvenstufen sind zahlreich vertreten. 

Wieder fand ich 1 9 der var - c von nur 14 2 / 3 mm Länge. 

20. Oktober 2 cf, 1 9. — 

21. April bei Lockwitz, im Laubwald, nahe einem Bach 9 Stück der 
var. a. 6 von diesen (cf, 9) nahm ich lebend mit und setzte sie in eine 
Glaskapsel. Sie starben in der ersten Hälfte des Mai jedoch alle. In der 
ersten Hälfte des Juni aber schlüpften aus Eiern, welche sie unbemerkt 
in der Erde abgelegt hatten, zahlreiche Larven, welche zum Teil schon 
bald in das zweite Larvenstadium übergegangen waren. 

15. Juli Moosleite an morscher Weide neben Rinnsal 1 9 der var. a. 

9. August in einem Plänersteinbruch des Schoonergrundes ein 9. 

12. August daselbst 2 Larven von ll 3 / 4 mm mit 19 Ringen. 

19. August im Elbtal bei Aussig zwischen Basaltgeröll mit Gebüsch 
häufig, ebenso die Larven mit 19 und 18 Ringen. Meistens gehören sie 
der var. b an, 2 9 der var. a, 1 9 ebenfalls, besitzt aber einen braunen 
Rückenstreifen. 1 cf , 1 9 der var. a am Schreckenstein. 

21. August im Polenztal von var. b 5 9, 3 cf, nur 1 9 zu der sonst 
fehlenden var. a überführend, 2 9 zu var. c überführend, von var. c 3 cf . 
7 Larven mit 18 Rumpfringen. 

5. September Niederpoyritz in einer Schlucht mit Gebüschen unter 
Laub 2 Larven mit 18 Ringen. 

6. September Weesenstein, var. a 2 cf , 1 9, 1 9 von b zu c überführend. 

8. und 12. September am Waldrand der Basaltkuppe des Geisingberges 
nicht selten und zwar var. a und b. Einige von b zu c überführend. 
Während ich die normalen 99 21 mm lang fand, erreichte 1 9 der var. c 
nur 17 mm Länge. 

10. September im Rödertal bei Radeberg 1 dV 4 9 von var. a und b, 
eine Larve mit 18 Ringen. 

9. Oktober Niederwartha unter Alnus-Laub in einer Schlucht an 
feuchten Plätzen (var. a fehlend). 8 cf, 9 9 der var. b, 3 9 überführend 
zu c, 1 9 der var. c. 

14. Oktober Weesenstein im Laubwald auf Silur gemein unter Laub 
und im Humus, namentlich unter Quercus und Heer, var. b rotbraun, bei 
weitem vorherrschend, nur einzelne Stücke überführend zu a oder c. Trotz 
der grofsen Menge, die ich nicht gezählt habe, sah ich keine Larven. 

Diese von über 20 Exkursionen verzeichneten Funde geben uns einen 
Einblick in die Lebens Verhältnisse der Entwickelungsformen. 

Wie bei den meisten anderen Diplopoden leben auch bei Strongylosoma 
die Larven verborgener als die Erwachsenen; im April, Mai und 
Oktober wurden im Freien nur Erwachsene gefunden. 


43 


| | Die übereinstimmenden Funde des 9. und 12. Juni zeigen uns Larven 
mit 15 und 19 Rumpfringen nebeneinander, während die Stufen mit 17 
und 18 Ringen fehlen, welche erst im Juli auftraten*). 

Im Verein mit der Eiablage und Larvenentwickelung in der Gefangen- 
schaft und dem Absterben der im April gesammelten Entwickelten schliefse 
ich aus der Verschiedenheit der Julilarven, dafs die mit 19 Ringen 
überwintert haben, die mit 15 Ringen dagegen aus Frühjahrs- 
eiern stammen. 


Die in den einzelnen Monaten beobachteten Stufen möge die folgende 


Übersicht veranschaulichen: 





April A cT $ 

Mai A Jüngste Larven 




A Kopulae 

Juni 

X 15 


19 

Kopulae 

Juli A 15 

xl7 

18 

19 

Kopulae 

August A (17) 


x 18 

19 

September 


A 18 

x 19 


Oktober 


A (19) 

xcT Q 


April 


A cT 9 



[Die fetten Zahlen bezeichnen die Ringzahl der in den betr. Monaten tat- 
sächlich aufgefundenen Larven.] 

Da die jüngsten Larvenstufen schnell durchlaufen werden, wie mir 
deren Aufzucht gezeigt hat, könnten wir annehmen, dafs aus diesen 
jüngeren Larven des Mai im Juli die Larven mit 15 Ringen geworden 
sind, die im August 17, im September 18 und im Oktober 19 Ringe er- 
halten, so dafs aus ihnen im nächsten April wieder entwickelte Tiere ent- 
stehen würden, welche Ende April bis Anfang Mai wieder zur Kopula 
schreiten würden. Ist dieser Entwickelungsgang, welcher in der Übersicht 
mit A angezeigt worden ist, richtig, dann macht Strongylosoma pallipes 
seinen Lebenslauf in ungefähr einem Jahre durch. Es mufs aber 
nachgeprüft werden, ob die Anfang Mai den Eiern entschlüpfenden Lärv- 
chen bis zum Juli wirklich löringlig werden, weil mir meine Objekte im 
zweiten Stadium zugrunde gingen. Einen zweiten Entwickelungsgang deutet 
die mit x bezeichnete Stufenfolge an, bei welcher mit der Kopula im 
Herbst gerechnet werden müfste. Die im Juli von mir beobachteten 
Kopulationen fielen in das Jahr 1908, das einen abnorm regenreichen 
Sommer besafs, so dafs mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dafs diese 
Kopulationen im Hochsommer in normalen Jahren ausbleiben. 

Jedenfalls ist der Umstand von Interesse, dafs im Juli, abgesehen 
von den Kopulationen, vier verschiedene Larvenstufen beobachtet 
worden sind, nebeneinander an demselben Platze. Eine grofse 
Variation in der Entwickelungsweise hinsichtlich der zeitlichen 
Folge ist auch von verschiedenen anderen Diplopoden schon bekannt 
geworden. Bei pallipes kommt die zeitliche Variation aber nicht allein in 
dem Nebeneinander von vier Stufen im Juli zum Ausdruck, sondern 
auch in dem Nacheinander einer Stufe, nämlich mit 19 Ringen im 


*) Trotz der vielen von mir beobachteten Strongylosomenist zur Verfolgung der 
Entwickelung das Vorhandene doch noch zu lückenhaft, um eine vollständige Klärung 
zu gestatten. Das Vorkommen von Larven allein mit 15 und 19 Ringen im Juni ist 
nur von Dohna festgestellt, während von allen anderen Plätzen vor Juli keine Larven 
gesammelt sind. 


44 




Juni, Juli, August und September. Aus diesen Tatsachen mufs man auch 
schliefsen, dafs das Auftreten von Geschlechtsreifen von April bis Oktober 
noch kein Beweis dafür ist, dafs durch alle diese Monate ein einzelnes 
Individuum fortlebt. (Vergl. aber weiterhin die Mitteilungen über Poly- 
desmus denticulatus.) Besonders hinweisen will ich schliefslich noch auf 
die drei ihrer Färbung nach zu var. c gehörigen Weibchen mit 20 Eingen, 
welche ich von Dohna und dem Geisingberg erwähnt habe und dadurch 
merkwürdig sind, dafs sie um 3Y ? — 4 mm kleiner sind als die übrigen 
zugleich mit ihnen gesammelten Weibchen. Weitere Funde müssen lehren, 
ob sich hier etwa ein Entwickelungsstadium mit 20 Ringen vorfindet, oder 
ob es sich nur um ein Individuum handelt, bei welchem durch kümmerliche 
Ernährung eine Zwergform entstand. Über die Möglichkeit einer mehr- 
jährigen, statt der zunächst ins Auge gefafsten einjährigen Lebensdauer 
vergleiche man denticulatus und die Ascospermophora. 

10. Polyclesmus denticulatus C. Koch. 

Im Vergleich mit Stronyylosoma pallipes ist denticulatus räumlich 
noch reichlicher in unserm Gebiet ausgebreitet und von mir auf etwa 
36 Exkursionen beobachtet worden. Dementsprechend ist auch die unten 
zusammengestellte Übersicht der Larvenstufen noch vollständiger über die 
Monate des Sommerhalbjahres ausgebreitet, während die jüngeren Ent- 
wickelungstufen infolge ihrer sehr versteckten Lebensweise wieder fehlen. 
Im Plänergebiet von Dohna habe ich folgende Funde verzeichnet: 

31. Mai 13 cT, 13 9, 1 j. 19, 2 j. 18 Ringe. 

9. Juni 13 cT, 10 9, 3 j. 19 Ringe (2 cT, l9). 

12. Juni 12 c?, 6 9, 1 j. 18, 2 j. 17, 3 j. 15 Ringe. 

11. Juli 10 d", 10 9, 2 j. 19, 17 j. 18, 3. j. 17 Ringe. 

22. Juli 1 (J 1 . 

11. September 13 cT, 8 9, 13 j. 19, 1 j. 18 Ringe. 

20. Oktober 1 j. 18 Ringe. 

Am Elbufer bei Laubegast an Stellen, welche mit zähen Lehm- 
schichten versetzt sind, teils zwischen diesen in Spalten, teils im Uferkies 
unter Genist und Kräutern. Der Uferlehm stammt wohl gröfstenteils 
aus den benachbarten Plänerrevieren und paläozoischen Schichten. 

6. Juni 2 cT, 2 9. 5 Juli 1 cT. 1. August 1 cT, 8 9. 

Im Loschwitz-Pillnitzer Granitgebiet (Wachwitzgrund, Niederpoyritz, 
Moosleite, Staffelstein u. a.) verzeichne ich folgendes: 

3. Mai 1 j. 18 Ringe. 

7. Juni 1 j. 18, 1 j. 19 Ringe. 30. Juni 1 cf, 1 9, 1 j. 17 Ringe. 

9. Juli bei Regen 2 cT, 6 9, 10 j. 19, 3 j. 18, 2 j. 17 Ringe. 

12. Juli 3 cT (darunter ein Albino). 15. Juli 4 9, 4 j. 18 Ringe. 

20. Juli Königspark 1 j. 18 Ringe. 3. August Pillnitz (Waldschlucht) 
1 j. 19, 1 j. 18 Ringe. . 

5. September an morscher Weide 2 cf, 3 9, 1 j. 18 Ringe. 

6. Oktober 1 j. 17 Ringe. 7. Oktober 1 j. 19 Ringe. 19. Oktober 3 j. 
18 Ringe. — 

9. Mai Königstein 1 j. 18, 1 j. 17 Ringe. 16. August Pfaffenstein 1 9, 
1 j. 19, 1 j. 18 Ringe. 

20. August bei Rathen unter faulenden Gräsern 1 cT, 7 j. 19, 2 j. 18 Ringe. 

21. August im Polenztal 1 cf, 4 9, 6 j. 19, 2 j. 17 Ringe. 


45 


17. Juli bei Kreischa auf Gneis im Walde 1 cf, 3 9, 1 j. 18 Ringe. 

9. Oktober Niederwartha unter Buchenborke 1 9. 

10. September im Rödertal 1 j. 19 Ringe. 

11. Mai am Schreckenstein 1 cf, 3 9. 

17. August oberhalb Aussig im Elbtal mit Basaltgeröll, 10 cf, 22 9 und 
j. mit 19 Ringen. 

18. August am Marienberg in Tertiärkalk-Steinbruch 1 cf, 1 9, 1 j. 19, 
1 j. 18 Ringe. Geisingberg zwischen Basaltgeröll am Waldrand 8. September 
3 j. 19 Ringe. 

12. September daselbst 4 cf, 1 9, 6 j. 19 Ringe. 27. Oktober Tharandt 
3 9 im Laubwald. 

6. September Weesenstein, Silur 2 cf, 2 9, 1 j. 19 Ringe. Lockwitz, 
21. April 1 j. 18 Ringe in Lindenhumus. 

Die Körperlänge habe ich von einer Reihe verschiedener Plätze 
zusammengestellt und auffallende Unterschiede gefunden: 


cf 9 

Lehmiges Elbufer IS 1 /« — 15 7* 12—127 2 

Dohna 13—17 ' 12-14 

Granithöhen 14 1 / 2 — 19 15 7 2 

Elbsandsteingebirge 157 2 — 17 2 /» 15 x l 2 — 17 2 A 

Geisingberg 16 — 17 13 

Weesenstein 14 7 2 — 18 14 7 2 


Gesamte Gröfsen - Variation cf 13 — 19, 9 12 — 17 2 / 3 mm. 

Die durchschnittlich geringere Gröfse der Weibchen habe ich 
auch von anderen Polydesmus- Arten, z. B. complanatus , testaceus und collaris 
nachgewiesen. Die verschiedenen Gröfsenschwankungen im Bereich ver- 
verschiedener Formationen lassen den Schlufs gerechtfertigt erscheinen, 
dafs Polydesmus denticulatus , obwohl auf kalkreichen und kalkarmen 
Formationen häufig, auf den kalkärmeren sich dennoch durch- 
schnittlich kräftiger entwickelt als auf den kalkreicheren, überein- 
stimmend in beiden Geschlechtern. 

Für die im Freien von mir beobachteten Larvenstufen gebe ich wieder 
eine auf die einzelnen Monate verteilte Übersicht: 


April 

Mai 

Juni 

Juli 

August 

September 

Oktober 


+ (jüngste Larven) 18 

+ (12) A (15) 17 18 (2) 19 

+ 15 A 17 (2) 18 (2) 19 (2) Kop. 12. u. 30. Juni 

+ 17(2) A 18 (5) 19(3) Kop. 11. Juli 

17 +18(4) A 19 (6) 

(17) 18 (2) + 19 (4) A Kop. 11. September 

17 18(2) 19 +cf9 


Wir sehen also, dafs die Larvenstufen mit 17, 18 und 19 Rumpfringen 
durch das ganze Halbjahr von Mai, oder schon April, beobachtet werden 
können, wobei die eingeklammerten Zahlen anzeigen, auf wie viel Exkursionen 
ich das betreffende Stadium aufgefunden habe. 


Wahrscheinlich können die Larven mit 15 und vielleicht auch die mit 
12 Ringen ebenfalls in allen diesen Monaten beobachtet werden. Viermal 
(vergl. die vorige Übersicht!) wurden von mir in Sachsen Kopulationen 
des denticulatus und zwar zum Teil mehrmals festgestellt, nämlich im 
Juni, Juli und September. Nun habe ich in den Diplopoden Rhein- 


46 


preufsens, Verh. nat. Yer. Rheinl. u. Westf. 1896, 53. J., S. 250, für Poly- 
desmus complanatus , innerhalb eines Gebietes, dessen Klima von dem des 
Elbgeländes nur wenig ab weicht, Kopulationen schon für Mitte März und 
bei günstiger Witterung sogar Mitte Dezember feststellen können. Im 
Hinblick auf diese grofsen Verschiedenheiten in der Jahreszeit 
sowohl bei den Kopulationen als auch beim Auftreten der einzelnen 
Entwickelungsformen schliefse ich, dafs bei Polydesmus die 
Fortpflanzung an keine bestimmte Jahreszeit gebunden ist,*) 
sondern sich in allen Monaten abspielt, soweit dieselben nicht 
durch extreme Witterung ausgezeichnet sind, also durch Hitze, 
häufig Juli und August, und durch Kälte, Dezember, Januar, Februar. 

Tatsächlich vorhanden aber sind die entwickelten Tiere zu allen 
Jahreszeiten, auch wenn sie durch Hitze oder Kälte in Schlupfwinkel ge- 
trieben werden. Hierin bezeugt sich aber ein auffallender Gegensatz zu 
den weiterhin zu besprechenden Ascospermophora, denen eine Sommer- 
periode ohne Reifetiere zukommt. 

Es liegt auf der Hand, dafs sich bei Tausendfüfslern einer derartigen 
Entwicklungsweise abnorme Jahre wie das von 1908 und 1909 bemerkbar 
machen müssen. Schliefslich sei noch hervorgehoben, dafs ich bei P. com- 
planatus Larven mit 15 Rumpfringen im März, November und Dezember 
beobachtet habe. ? 

In der obigen denticulatus - Übersicht habe ich durch -f~ und A die 
aufeinanderfolgenden Stufen angezeigt und angenommen, dafs durch- 
schnittlich für jede Stufe ein Monat in Betracht komme. Diese Annahme 
mufs jedoch durch Zuchtversuche erst weiter bekräftigt werden. Angesichts 
der wesentlich klarer liegenden, zeitlichen Entwickelungsverhältnisse der 
Ascospermophora mufs mit der Möglichkeit gerechnet werden, dafs auch 
die Polydesmen mehrjährig sind. Aufserdem habe ich in meiner ersten 
Diplopodenfauna Siebenbürgens, Verh. zool. bot. Ges. Wien 1897, S. 11, über 
Polydesmus spelaeorum aus dem Banat auf Grund eines Zuchtversuches 
bereits mitgeteilt, dafs zwei Larven mit 17 Rumpfringen von mir in diesem 
Stadium „17 Monate hindurch lebend beobachtet worden sind“. Wenn 
diese Zeit auch durch die mangelhafte Ernährung der Versuchstiere aus- 
gedehnt worden sein mag, so mufs doch angenommen werden, dafs dieses 
Entwickelungsstadium auch unter natürlichen Verhältnissen wenigstens ein 
Jahr innegehalten wird und damit kommen wir auf mehrjährige Tiere 
nach Art der Ascospermophora. Ferner wäre es sehr interessant zu er- 
fahren, wie weit das Auftreten der einzelnen Stufen der Polydesmen 
im Mittel- und besonders im Hochgebirge durch die mehr und mehr 
verringerte, der Fortpflanzung zuträgliche Jahreszeit beeinflufst wird. 

11. Polydesmus coreaceus Porat. 

\ 

Im Gebiet ziemlich selten .und mir nur von Dohna bekannt geworden, 
wo er unter Laub und Steinen im Plänergebiet vorkommt. 

9. Juni 1 d 12 3 / 5 mm, auffallend graugelblich. 

7. Juli 3 9? 1 j. d 19 Ringe. 11. Juli 1 j. d 18 Ringe, fast weifs. 

*j Bei Strongylosoma pallipes v^ird sich voraussichtlich derselbe Schlufs ergeben; 
schon nach meiner obigen Übersicht für diese Form kaun das als sehr wahrscheilich 
gelten. 


47 


12. Polydesmus illyricus var. austriacus Verh. 

pflm Kalkgebiet des Müglitztales habe ich diese gröfste ostdeutsche 
Polydesmus-krt ebensowenig angetroffen wie im ost- oder westelbischen 
Urgebirge. Nur im Elbsandsteingebiete begegnete sie mir, was gegenüber 
dem Fehlen der Glomeriden recht auffallend ist, aber mit der Eier- 
versorgung zusammenhängt, welche vom Humus unabhängig ist. 

20. August teils im Polenztale an der östlichen Sonnenseite unter 
faulenden Kräutern, teils unter Laub und abgewelkten Pteris- Wedeln in 
den weiter östlich gelegenen Sandsteinschluchten. Bei dem einzigen 9 
von 24 y a mm und 3 3 / 4 mm Breite in der Mitte sind die vorderen Seiten- 
flügel nicht aufgekrämpt. 10 cf von 23 1 / 2 — 27 mm Länge zeigen die 
Seitenflügel des 2.-4. Rumpfringes meist deutlich aufgekrämpt, bei 
einigen aber schwächer, welche dadurch zu var. marcomannius überführen, 
bei allen aber ist die dritte Collumreihe deutlich gehöckert. lj.9 mit 
19 Ringen. 

13. Brachydesmus superus Latzei (genuinus Verh.). 

(Vergl. den 7. (27.) Aufsatz über Diplopoden: Europäische Polydesmiden. 
Zoolog. Anzeiger 1907, Nr. 12/13, S. 337—354, mit 20 Abb.) 

Br. superus ist ein noch junger Eindringling des Gebietes, da er sich 
ausschliefslich im Bereich der Elbtalrinne gezeigt hat. Aussig im Elbtal 
in Gebüschen mit Basalt schon 1901 von mir verzeichnet und auch neuer- 
dings im August wieder beobachtet. 

19. Oktober in der Moosleite unter Rubus zwischen Granitstücken 1 9, 
1 cf ' 9 Y 3 mm. 

17. Oktober daselbst 1 j. cf mit 18 Ringen. 25. November 3 j. mit 
18 Ringen. 

Alle übrigen Funde stammen aus dem Laubwaldgebiet auf Pläner bei 
Dohna, nämlich: 

24. April 1 9. 

31. Mai 1 cf, 3 9 unter Steinen auf liumöser Erde. (Eine Kopula.) 
gl 9. Juni 19 Stück (cf 9) zwischen Steinen und Laub. 

1 J 12. Juni 2 9. 7. Juli 1 cf, 1 9 1 j. 

11. Juli an humösen Stellen 7 cf, 3 9. 

8 S 20. Oktober unter Steinen und im Lehm darunter 4 cf (97 2 mm) 2 9, 

2 j. 18, 1 j. 17 Ringe. 

14. Orthochordeuma germanicum Verhoeff 

ist ein ausgesprochenes Waldtier und gehört zu denjenigen Diplopoden, 
welche auf allen Bodenformationen fortkommen und im Urgebirge fast 
ebenso gut gedeihen wie im Kalkgebiet oder Sandsteingebirge. Vergl. aber 
unten die genauere Tabelle. 

18. April bei Rochwitz neben einem Bach im gemischten Walde 2 cf, 1 9. 
24. April Dohna im Wald auf Pläner 1 cf, dessen Gonopoden ein 

braunes Kappenspermatophor tragen. 1 j. mit 26 Ringen. 31. Mai daselbst 1 9. 

21. April bei Lockwitz neben einem Bach im Walde 2 cf, 2 9, 1 j. 
28 Ringe. 

3. Mai im Wachwitzgrund unter Laub 1 cf, 1 9, 1 j. 26 Ringe. 

9. Mai am Königstein unter Laub 3 cf, 3 9, 1 j. 28, 1 j. 26 Ringe. 


48 


9. Juni Dohna l2, 1 j. 26 Ringe. 12. Juli daselbst 1 cf, 14 junge mit 
26 und 2 j. mit 23 Ringen. 

7. Juli Dohna 1 9, 9. Juli Moosleite 3 j. 28, 2 j. 26 Ringe. 

17. Juli Kreischa im Walde, auf Gneis unter Laub 5 j. 28 Ringe. 

22. Juli Dohna 3 j. mit 28 Ringen. 

5. August Moosleite 1 j. 28 Ringe. 16. August Pfaffenstein unter Laub 
und Genist 4j. 28, 2 j. 26 Ringe. 

20. August Rathen unter faulen Gräsern 5 j. 28 Ringe. 

21. August Polenztal 1 j. 28 Ringe. 

6. September Weesenstein unter Laub 4 cf, 2 2, 1 j. 28 Ringe. 

8. und 12. September Geisingberg 1 cf , 7 2. 10. September Rödertal 

unter Laub 4 9, 3 j. 28 Ringe. 

11. September Dohna im Walde 2 cf, 3 2. 6. Oktober Moosleite zwischen 
Granitstücken neben Buschwerk 1 cf, 1 j. 28 Ringe. 

9. Oktober Niederwartha im Tännigtgrund an morscher gefallener 
Buche unter Rindenstücken, die teilweise am Boden lagen, 3 cT, 7 2 (cf 14 V 8 
bis 17 1 / 2 mm lang). 

14. Oktober Weesenstein unter Laub von Quercus , Carpinus, Acer, 
Tilia 6 cf, 4 2. 

19. Oktober Moosleite unter Alnus-Laub 2 9. 

20. Oktober Dohna unter Laub und Steinen 3 cf, 6 2. 

27. Oktober Tharandt im Laubwald mit Porphyrgeröll 2 cf, 6 9, 1 j. 
26 Ringe. 

Übersicht nach den Monaten: 


April 

26, 

28, 

9 cf 

Mai 

26, 

28, 

9' cf 

Juni 23, 

26, 

28, 

(9 cf) 

Juli 

26, 

28, 

(5) 

August 

26. 

28, 


September 

26, 

28, 

9 cf 

Oktober 

26, 

28, 

9 cf 


Im scharfen Gegensatz zu den oben besprochenen Polydesmiden 
macht sich hier eine grofse sommerliche Unterbrechungszeit im Er- 
scheinen der Entwickelten bemerkbar. Während im Frühling und 
Herbst beide Geschlechter häufig sind, werden sie im Juni nur noch ver- 
einzelt angetroffen, im Juli und August aber fehlen sie vollständig, nur 
Anfang Juli wurde in einem nassen Jahre ein einzelnes 9 noch angetroffen. 
Im Laufe des Juni erfolgt also das Sterben der Entwickelten. 
Im Zusammenhang mit der folgenden Gattung werden diese Verhältnisse 
noch in deutlicheres Licht treten. 

15. Craspedosoma simile germanicum n. subsp. 

Die Charakterisierung dieser mit Sicherheit bisher nur aus Sachsen 
bekannten Rasse erfolgt in der Verb. d. Ges. nat. Fr. Berlin 1910 im Zusammen- 
hang mit anderen Craspedosomiden Mitteleuropas. 

ln unserm Gebiet zeigt Craspedosoma eine fast ebenso allgemeine 
Verbreitung wie Orthochordeuma , scheint jedoch im Elbsandsteingebirge 
ziemlich spärlich aufzutreten. Aufserdem habe ich Orthochordeuma als 
eine Form kennen gelernt, welche an Wärme und Belichtung nur geringe 
Anforderungen stellt, so dafs man sie auch in kalten nach Norden gelegenen, 


49 


von cler Sonne nur sehr spärlich getroffenen Schluchten antreffen kann. 
Craspedosoma simile germanicum dagegen verlangt günstigere Plätze mit 
reichlicherem diffusen Licht und entsprechend auch höherer Wärme. Dieses 
Tier gedeiht daher vortrefflich an feuchten, aber sonnig gelegenen Plätzen 
des Granitgebietes am rechten Pfibufer, während ich es am Geisingberg 
vergeblich gesucht habe. Aber auch in demselben Granitgebiet war es an 
ungünstiger gelegenen Plätzen, sowie in dem Dresdner Heidewald nicht 
zu finden. 

Craspedosoma simile ist übrigens eine von Sachsen aus nach allen 
Himmelsrichtungen so weit verbreitete Art, dafs ihr Fehlen an ungünstig 
gelegenen Plätzen nicht etwa auf eine spätere Einwanderung geschoben 
werden kann, wie z. B. bei Glomeris pustulata. 

11. Mai am Schreckenstein zwischen Basalt unter Quercus-Laub 8 j. 28, 
1 j. 26 Ringe. 

17. Juli Kreischa im Walde auf Gneis 1 j. 28 Ringe. 

15. Juli Moosleite unter Erlenborke 5 j. 19 und 6 j. mit 23 Ringen. 

5. August Moosleite 2 j. 26 Ringe. 17. August Aussig im Elbtal in 
Gebüsch 1 j. 26 Ringe. 

20. August im Polenztal unter faulenden Kräutern an sonniger Stelle 
3 j. 26 Ringe. 

5. September Niederpoyritz unter Laub zwischen Granit 9 j. 28 Ringe. 

6. September Weesenstein unter Laub 3 j. 28 Ringe. 

11. September Dohna in Pläner-Steinbruch 2 j. 28 Ringe. 

6. Oktober Moosleite unter Rubus zwischen Granitgeröll 2 cf. 17. Ok- 
tober daselbst cf 2 in Kopula. 

19. Oktober Moosleite unter Ainus- Laub 1 cf , 4 9. Ein 2 safs 1 1 / 2 111 
hoch unter Erlenrincle und hatte sich ebenso wie ein Leptoiulus mit dem 
hinteren Körperdrittel auf einen grofsen Limax gesetzt. 

28. Oktober Moosleite 2 cf, 1 2. 11. November unter Steinen und 
Ainus- Borke 2 cf, 2 2. 

7. Oktober am Staffelstein zwischen Granit bei Rubus , Quer aus , Pteris , 
TJrtica 3 cf, 2 2. 

9. Niederwartha unter Granitstücken 2 cf. 

14. Weesenstein unter Laub 6 cf, 5 2. 

10. Oktober Wachwitzgrund 5 cf, 2 2. 18. November 1 9- 

27. Oktober Tharandt, Laubwald 3 cf, 1 2. 

In der folgenden Übersicht der Jahreszeiten habe ich aufser den 
sächsisch-nordböhmischen Funden auch noch diejenigen aus Brandenburg 
aufgenommen, welche im 6. (26.) Aufsatz über Diplopoden verzeichnet 
sind, Mitt. zoolog. Museum in Berlin, 1907; desgleichen die in den Diplo- 
poden Rheinpreufsens vermerkten, Verh. nat. Ver. Rheinl. Westf. 1896, S. 253. 


März (19) 

April 

(23) 

(26) 

(28) 

<? 2 

cf 2 Kop. 

Mai 


26, 

28, 

11. Mai cT 2, 16. Mai 1 cf 

Juni 


(26) 

(28) 

— 

Juli 19, 

23, 

26, 

28, 

— 

August 


26, 

(26) , 

28, 

(d 1 2) 

September 


28, 

Oktober 

November 

Dezember 

23, 

(26) 

(28) 

cf 2 Kop. 

cf 2 
cf 2 


* 


50 


Vergleichen wir die monatlichen Übersichten von Orthochordeuma und 
Craspedosoma , so tritt uns ein bemerkenswerter Unterschied entgegen, 
indem die sommerliche Unterbrechungszeit bei Craspedosoma 
schärfer ausgeprägt ist dadurch, dafs die geschlechtsreifen Craspedo- 
somen im Frühjahr noch ungefähr einen Monat eher verschwinden 
als die entwickelten Orthochordeumen. Wir sehen Orthochordeuma 
im Mai noch häufig, durch den Juni mehr vereinzelt auftreten, aber doch 
noch bis Anfang Juli. Craspedosoma dagegen tritt schon im Mai spär- 
licher auf und wurde im Juni überhaupt nicht mehr entwickelt beobachtet. 

Hiervon abgesehen herrscht jedoch eine weitgehende Übereinstimmung, 
so dafs wir zur Gewinnung einer Einsicht in die zeitliche Entwickelung 
der Ascospermophora beide gemeinsam verwenden können. 

Die sommerliche Unterbrechungszeit in der Existenz entwickelter 
Ascospermophora gestattet an der Hand der Exkursionstatistik eine viel 
klarere Einsicht in die Lebensdauer der Entwickelungsformen, als es bei 
den oben besprochenen Polydesmiden möglich ist. Die Entwickelten 
sterben also im Mai oder Juni, spätestens Anfang Juli ab, und es bleibt 
eine Zwischenperiode, in welcher es nur Entwickelungsformen 
gibt. Diese Zwischenperiode dauert zwei bis vier Monate, eine Zeit, 
die uns lehrt, dafs innerhalb derselben die Larven mit 28 Ringen keine 
Verwandlung erfahren können. Solche Larven mit 28 Ringen kommen 
aber in allen Beobachtungsmonaten vor und sind wahrscheinlich über- 
haupt immer vorhanden, nur in den kälteren Monaten, wo sie sich in die 
Erde verkriechen, noch nicht gefunden worden. In einem Fall sind aber die 
Larven wenigstens mit 23 Ringen für den Dezember im Winterquartier 
unter Moos nachgewiesen. Berücksichtigt man, dafs eine Verwandlung 
der 28ringeligen Larven, wenn sie überhaupt im Frühjahr erfolgen sollte, 
nur frühzeitig vonstatten gehen kann, also jedenfalls vor Mitte April, da 
für Umwandlung, Erhärtung, Kopulation und Eiablage, bis zu der Zeit, wo 
Entwickelte nicht mehr vorhanden sind, immerhin einige Wochen erforder- 
lich werden, so kann man die Zwischenperiode, in welcher die 28ringe- 
ligen Larven sich aus äufseren Gründen nicht verwandeln können, auf 
fünf Monate erhöhen. Eine mindestens fünfmonatliche Lebens- 
dauer der 28ringeligen Larven folgt also schon aus der Zwischenperiode. 

Nun habe ich die Kopulationen bei Craspedosoma simile viermal 
beobachtet, zweimal im April in Brandenburg, einmal im April in Rhein- 
preufsen und einmal im Spätherbst (17. Oktober) in Sachsen. Ein zweites 
Mal sah ich Kopulationen im Spätherbst (Ende Oktober und Anfang No- 
vember) auch bei rheinischen Tieren, welche ich im kalten Zimmer ge- 
fangen hielt. 

Ich schliefse aber aus diesen Beobachtungen, dafs die Eiablagen im 
Frühjahr erfolgen und zwar etwas zeitiger, März bis April, wenn die Kopula 
bereits im Spätherbst erfolgte, später aber, April bis Mai, wenn die Tiere 
erst im Frühling zur Begattung gelangten. Jüngste Larven können wir 
also im April, Mai oder Juni erwarten. (Tatsächlich habe ich auch in 
diesen Monaten die jüngsten Larven aufgefunden, allerdings in anderen 
Ländern und von anderen Gattungen.) Mithin folgt schon aus dem 
einfachen Nachweis von Larven mit 26 und 28 Ringen im April 
und Mai, dafs dieselben überwintert haben, da sie doch aus den 
durch mehrere Stufen von ihnen getrennten jüngsten Frühjahrslärvchen 
nicht abgeleitet werden können. 


bi 


Alle im Herbst auftretenden Entwickelten entstehen aus der Ver- 
wandlung der 28 ringeligen Larven und zwar meist im September. Da 
nun im Spätherbst die 28 ringeligen keineswegs verschwinden, so müssen 
diese im September oder Oktober aus 26 ringeligen entstehen, und da auch 
diese wieder im Oktober nicht fehlen, so müssen die 26 ringeligen aus 
23 ringeligen entstehen, so dafs der September für die Entwickelten, die 
älteren und mittleren Entwickelungsstufen die grofse Umwandlungs- 
periode darstellt. Ob für die jüngeren Larven, deren Beobachtung in 
der freien Natur selten ist, dasselbe gilt, kann natürlich vorläufig nicht 
gesagt werden, es ist aber wahrscheinlich, dafs sie, analog den von mir 
gezüchteten Polydesmus und Strongylosoma , sich schneller entwickeln als 
die älteren Stufen. Dafs die im Herbst aus 26 ringeligen entstandenen 
28 ringeligen Larven im April sich verwandeln sollten, ist höchst unwahr- 
scheinlich, denn 

1. ist bereits im Herbst eine Menge Entwickelter entstanden, und 

2. müssen diese 28 ringeligen Larven, um sich verwandeln zu können, 
erst einmal einen neuen Vorrat Reservestoffe ansammeln, wozu die 
kurze Zeit, welche sich zwischen Beginn des Vorfrühlings und Beginn der 
Frühjahrs-Kopulationszeit ausdehnt, also vielleicht l x / 2 Monat, kaum aus- 
reicht. 

Wir müssen demnach schliefsen, dafs die im Herbst entstandenen 
28ringeligen Larven im Winter sich nicht umwandeln wegen des Klimas, 
im Frühjahr wegen der eben genannten Umstände, während ihre Ver- 
wandlung im Sommer aus den oben genannten Gründen eine Unmöglich- 
keit ist. Mithin ergibt sich, dafs die Lebensdauer der 28 ringeligen 
Larven ungefähr ein Jahr beträgt, diejenige der Erwachsenen 
8 — 9 Monate. 

Die 26 ringeligen Larven sind vom Winter abgesehen durchs ganze 
Jahr beobachtet worden, die 23 ringeligen habe ich für Juli und Dezember 
festgestellt, so dafs sie ebenfalls in den übrigen Monaten erwartet werden 
können, die 19 ringeligen habe ich bisher nur für den Juli verzeichnet. 
Es ist aber nicht anzunehmen, dafs sie aus Eiern desselben Frühjahres 
stammten, so dafs wir auch diese 19 ringeligen für alle Monate erwarten 
können. 

Demnach ist es wahrscheinlich, dafs analog den 28 ringeligen Larven 
auch die 19, 23 und 26 ringeligen je ein Jahr in ihrer Stufe verharren, 
und dafs aus den im Frühjahr gelegten Eiern sich erst im Herbst Larven 
mit 19 Rumpfringen entwickeln. Ich habe also auf Grund der bisherigen 
Beobachtungen von der zeitlichen Entwickelung bei Orthochgrdeuma , 
Craspedosoma und vielen anderen Ascospermophora folgende Übersicht 
erhalten : 

Von der Eiablage im Frühjahr bis zu 19 ringeligen \ K M , 

Larven im Herbst ) 4 bis 5 iVlonate, 


von den 19 ringeligen Larven im 1. Herbst bis zu 
den 23 ringeligen im 2. Herbst 
von den 23 ringeligen im 2. Herbst 
26 ringeligen im 3. Herbst 
von den 26 ringeligen im 3. Herbst bis zu den 
28 ringeligen im 4. Herbst 
von den 28 ringeligen im 4. Herbst 
Erwachsenen im 5. Herbst 


bis 


bis 


zu 


zu 


den 


den 


12 


12 


12 


12 


52 


von den Erwachsenen im 5. Herbst bis zu deren Tod im i Q K ö ** , 

Mai, Juni oder Anfang Juli des nächsten Jahres J ö 1S 1 ona e ’ 

Mithin ergibt sich eine Lebensdauer von 60 bis 62 Monaten. Die 
Annahme, dafs die 26 ringeligen Larven analog den 28 ringeligen einjährig 
sind, hat nichts Unwahrscheinliches an sich. Wollte man nämlich an- 
nehmen, dafs sie bereits im Sommer aus 23 ringeligen entständen, dann 
dürften wir nicht, wie es doch tatsächlich geschehen ist, 26 ringelige 
Larven bereits im Mai oder gar April antreffen! Ferner dürften wir nicht 
23 ringelige mitten im Winter auffinden, wenn die Annahme richtig wäre, 
dafs noch im Jahre der Eiablage die 23 ringeligen im Sommer aus 19 ringe- 
ligen entstanden wären. Ich sehe somit die gefundene ca. 5jährige Lebens- 
dauer eher als ein Minimum wie ein Maximum an. 

Werfen wir einen Rückblick auf die oben behandelten Polydesmiden, 
so zeigt sich, dafs deren Kopulationen vollständig zwischen den Kopu- 
lationszeiten von Craspedosoma liegen, also über die Zwischenperiode der 
Ascospermophora ausgedehnt sind, wodurch eben die gröfsere Unklarheit 
über die Sterbezeit der Polydesmiden erzeugt wird. Haben wir einmal 
wie hier die Einsicht gewonnen, dafs die Ascospermophora mehrjährige 
Tiere sind, dann werden wir auch bei den Polydesmiden von der anfäng- 
lichen Annahme der Einjährigkeit, mit Rücksicht auf den oben genannten 
Zuchtversuch, Abstand nehmen und auch die Angehörigen dieser Gruppe 
als mehrjährig betrachten. 

16. Orobainosoma flavescens Latzei. 

Ob 0. flavescens (genuin.) und flavescens helveticum Verh. untereinander 
und von diesen sächsischen Tieren abweichen, ist zurzeit leider noch nicht 
sicher feststellbar, weil ich augenblicklich keine flavescens aus den Alpen 
zur Verfügung habe. Es war mir aber überhaupt eine Überraschung, 
diese Art in Mitteldeutschland noch anzutreffen, zumal ich aus dem 
Böhmerwald zwei andere Arten bekannt gemacht habe, welche erheblich 
abweichen. 

(0. flavescens helveticum Verh .—flavescens setosum Roth.) 

11. September im Plänerwald bei Dohna unter Steinen und Laub und 
Genist 1 cf, 15 j. mit 28 und 2 j. mit 26 Ringen. 

5. August Moosleite in Geröll 4 j. 23, 1 j. 19 Ringe. 

5. September daselbst an faulenden Pteris 5 j. 28 Ringe. 

8. und 12. September am Geisingberg zwischen Basalt unter Ahorn 3 j. 
28 Ringe. 

10. September im Rödertal, gemischter Wald 2 j. 28 Ringe. 

6. Oktober Moosleite, im Humus zwischen Geröll 1 j. 9 28 Ringe, 
6 3 / 4 1 j- 9 26 Ringe, 5V 2 mm ’ 

17. Oktober daselbst unter Rubus im Geröll 1 9 9 x / 2 mm lang mit 
vorgestülpten Vulven. 

28. Oktober daselbst 1 9. 

9. Oktober bei Niederwartha, unter Borkenstücken neben gefällter 
Buche 1 cT 11 mm, 5 .9 9 V 2 bis 11 mm, alle mit 30 Rumpfringen. 

An den vorderen Gonopoden endet der Nebenast des gesägten Blattes 
mit einfacher Spitze, wie bei helveticum. 


53 


17. Heteroporatia vihorlaticum albiae Verh. n. subsp. 

Yergl. die vorläufige Beschreibung im Zoologischen Anzeiger 1909, 
Nr. 18/19, Juli, über einige Mastigophorophylliden und Craspedoso- 
miden. Die ausführliche Charakteristik nebst Abbildungen findet man 
1910 im 11. — 15. (31. — 35.) Aufsatz in den Nova Acta der L. K. D. Akad. 
d. Nat., Halle. 

20. August bei Rathen unter faulenden Gräsern 2 j. 28 Ringe. 

21. August im Polenztal 2 j. 28 Ringe (cf 9), 

5. September oberhalb Niederpoyritz am Waldrand neben oder zwischen 
Granitstücken, teils unter Laub, teils an modrigen ifo^s-Zweiglein, 3 cT 
und 8 j. 9 mit 28 Ringen, also ausgesprochene Proterandrie! 

6. Oktober Moosleite in Granitgeröll mit Humus 1 9 18 mm. 

19. Oktober Moosleite, unter Älnus-Lsmb 1 9 17 mm. 

28. Oktober Moosleite 1 9 und 11. November daselbst 2 9 unter Alnus- 
Laub. 

7. Oktober am Staffelstein zwischen Granit und Humus und Genist 

1 9 18 V 2 mm. 

18. November Wachwitzgrund 1 9. 

9. Oktober Niederwartha auf Pläner 1 9 17 mm, unter Jimts-Laub. 


Orohainosoma flavescens : 

Heteroporatia vihorlaticum albiae: 

August 19, 23, 

28, 

September 26, 28, cf 

28, cf 

Oktober 26, 28, cT 9 

9 

November 

9 


IIS Die Übersicht über das Auftreten von Orohainosoma und Hetero- 
poratia lehrt, dafs bei beiden übereinstimmend zuerst nur Entwickelungs- 
formen vorhanden sind, die Entwickelten aber mit Proterandrie er- 
scheinen. Im übrigen sind diese Gattungen Beispiele für einen dritten 
Entwickelungsmodus innerhalb der Jahreszeiten insofern, als ge - 
schlechtsreife Tiere nicht nur im Sommer fehlen (wie bei Craspe- 
dosoma und Orthochordeuma ), sondern auch im Frühjahr niemals 
beobachtet worden sind. Das gilt jedoch nicht allein für unser nord- 
böhmisch-sächsisches Gebiet, sondern auch für andere Gegenden Mittel- 
europas. So habe ich z. B. im Böhmerwald alle Entwickelten von 
Orohainosoma stets nur im Herbst und zwar meist sogar im Spätherbst 
gefunden, in anderen Jahreszeiten nur unreife Tiere. In Österreich-Ungarn 
aber sind mir von Heteroporatia im Frühjahr niemals Geschlechtsreife 
vorgekommen, so zahlreich auch die im Herbst von mir erbeuteten Ent- 
wickelten waren. Aus diesen Beobachtungen folgt also, dafs die Ent- 
wickelten von Orohainosoma und Heteroporatia ein auffallend kurzes 
Leben haben im Vergleich mit denen vieler anderer Diplopoden, wie 
z. B. Craspedosoma. Genaueres läfst sich über die Lebensdauer der 
Orohainosoma- Entwickelten allerdings noch nicht sagen, da wir bei der 
Seltenheit dieser Diplopoden noch von keiner Art eine breitere stati- 
stische Unterlage besitzen und nicht wissen, wie weit in den Winter hinein 
sie existenzfähig sind und ob sie nicht vielleicht den Winter überstehen 
und sehr zeitig im Frühjahr absterben. Einige Heteroporatia- Arten sind 
allerdings an manchen Orten häufig, bisher habe ich auf dieselben im 
zeitigen Frühjahr aber noch nicht fahnden können. (Siehe auch Nr. 19.) 


54 


18. Heteroporatia simile eremita Verh. n. subsp. 

Vergl. die Literaturangaben bei Nr. 17. 

Das einzige männliche Stück von 12 1 / 2 mm Länge entdeckte ich am 
Waldrand der Geisingberg-Basaltkuppe zwischen Basaltstücken unter Acer- 
Laub am 8. September. Auf einer zweiten Exkursion am 12. September 
habe ich besonders nach diesem Tier gesucht, ohne es wieder finden zu 
können, obwohl die regnerische Witterung dafür günstig war. Bisher war 
H. simile nur in einem einzigen weiblichen Stück vom Arbersee bekannt, 
der Kasse nach also zweifelhaft. Von Herrn Wernitzsch (Jena) erhielt 
ich 2 2 des simile aus Thüringen und eine Skizze der Gonopoden des cT. 
Nach dieser zu urteilen würde dort simile carniolense Verh. Vorkommen. 

19. Heteroporatia bosniense Verhoeff. 

Um den 10. Oktober 1900 wies ich diese Art für unser Gebiet zum 
erstenmal aus dem Elbtal südlich von Aussig nach. Am 17. und 18. August 
1908 habe ich dieselben Plätze wieder besucht, welche im Angesicht des 
Schreckensteins gelegen sind und aus Gebüschstreifen mit Basaltgeröll 
zwischen Eeldern bestehen. Es war noch kein einziges entwickeltes Tier 
zu finden, dagegen brachte ich neun Jugendliche der 28 ringeligen Stufe 
mit, welche damals im Oktober fehlten. So belegt uns auch diese Art den 
oben geschilderten Entwickelungsmodus. In Sachsen ist mir bosniense 
nirgends vorgekommen. Dagegen fand ich in einer Schlucht am Land- 
grafenberg bei Jena vor einigen Jahren ein leider defektes Stück von 
Heteroporatia. Herrn Wernitzsch machte ich hierauf aufmerksam und 
gelang es ihm alsdann, bosniense bei Jena mehrfach aufzufinden. 

20. Ceratosoma karoli Rothenbühler ( genuinum ). 

Dafs diese Art in Sachsen ganz typisch auftritt, verdient um so mehr 
betont zu werden, als ich aus dem Böhmerwald etwas abweichende Indi- 
viduen nachgewiesen habe, karoli germanicum. 

17. Juli am Wilisch bei Kreischa in bemoostem Gneisgeröll bei einem 
wasserarmen Bächlein 1 j. 28 Kinge. 

6. September Weesenstein unter Laub 2 j. 28 Kinge. 

8. September am Geisingberg 1 j. 28 Kinge. 

27. Oktober bei Tharandt im Laubwald, Porphyrgeröll mit Laub, 2 cT 
von 1 1 a / 2 mm Länge. 

21. Mastigophorophyllon saxonicum Verh. n. sp. 

(Untergatt. Mastigophorophyllon , Sektio Foliopenniferi Verh., vergl. Bei- 
träge 8. Aufsatz.) 

Die Beschreibung nebst Abbildungen findet man 1910 in den genannten 
Aufsätzen der Deutsch. Akad. d. Nat. Halle. 

Diese Art ist zunächst verwandt mit AI. bohemicum Attems aus 
Böhmen, ein Tier, dessen näheres Vorkommen leider unbekannt ist. Sie 
unterscheidet sich von bohemicum aber zweifellos auch dann, wenn man 
annimmt, dafs die Federanhänge der vorderen Gonopoden von Attems 
übersehen wurden. Sehr abweichend ist u. a. die Bucht zwischen den 
hinteren Gonopoden und der zurückgebogene Haken am Ende der vorderen. 


55 


Auch das dritte und vierte Beinpaar des cf weichen etwas ab von der 
Beschreibung des bohemicum. 

20. August im Polenztal an der östlichen Talseite unter faulen 
Kräutern 1 cf 1 , 1 j. 28 Ringen. 

21. August daselbst an der westlichen Talseite, oberhalb der Walters- 
dorfer Mühle 18 2, 34 cf, teils unter Pteris- und AAzes- Abfällen, teils unter 
Himbeeren und Brombeeren, teils unter Urtica und an Humushaufen mit 
Borkenstücken. Angesichts dieses häufigen Auftretens im Polenztal dürfen 
wir erstaunt sein, dafs mir dieser interessante Diplopo de sonst auf keiner 
meiner Exkursionen begegnet ist. 

22. Nopoiulus palmatus Nemec. ( genuinus ) Yerh. 

27. Mai Seidnitz bei Dresden an Kopfweiden neben einem Wasser- 
graben 1 cf mit 48 Ringen, 12 mm. 1 2 mit 45 Ringen, 12 x / 4 mm lang. 
Körper braun, Ozellen und Drüsen schwarz, Kopf und 1. bis 3. Rumpfring 
dunkelrötlich. 

9. Mai Königstein, in der Nähe der Festung, ebenfalls unter Kopf- 
weidenborke 2 cf 1 , 1 j. cf, erstere mit 39 und 46, letzteres mit 39 Rumpf- 
ringen. 


23. Nopoiulus palmatus caelebs Verb. var. salicis m. 

Vergl. im 6. (26.) Aufsatz über Diplopoden, Mitt. Zoolog. Museum in 
Berlin, 1907, S. 281, III. Bd., 3. Heft. 

9. Oktober Niederwartha auf Pläner unter Salix-Borke 11 2, 6 j. 2. 
2 11 Yg bis 12 2 / 3 mm lang mit 39 und 40 Rumpfringen, j. 2 mit 36 und 
38 Ringen. Im Alkohol geben sie einen auffallend stark weinroten Saft 
aus den Wehrdrüsen, der sie anfangs mit einer Wolke umhüllt. Der echte 
palmatus ist bei cf und 2 meist nicht nur segmentreicher, sondern zugleich 
auch auffallend schlanker als der gedrungenere caelebs , obwohl ein caelebs 
2 von 12 2 / 3 mm Länge mit 40 Ringen, also gröfser ist als ein 45 ringeliges 
des palmatus. Dennoch ist der Segmentunterschied kein ganz durch- 
greifender, wie das erwähnte reife cf des palmatus mit 39 Rumpfringen 
beweist. 

24. Typhi oblaniulus guttulatus (Gervais). 

7. August im Elbtal bei Aussig in Gebüschen mit Basaltgeröll 1 j. 2, 
14 2 / 3 mm mit 47 Rumpfringen, einfarbig grauweifs. 

11. September in einem Plänersteinbruch bei Dohna unter Steinen neben 
Gebüsch 1 cf, 10 2, 2 j. 2, ebenfalls alle einfarbig grauweifs, im Alkohol 
zum Teil nachdunkelnd. 2 15 mm mit 51 Rumpfringen, cf 12 2 / 3 mm, 
47 Ringe. Die Beine und Gonopoden des cf stimmen mit denen der 
westdeutschen Tiere überein bis auf unbedeutende, wohl individuelle Varia- 
tion der Spitzchen an den hinteren Gonopoden. 

T. guttulatus ist als Gartenschädling in Westeuropa schon oft genannt 
worden. Ich halte diese Art nicht für einen ursprünglichen Bürger 
Deutschlands, sondern für ein in Frankreich heimisches, durch die 
Kultur uns zugeführtes und durch Düngstoffe und Mistbeeterde (analog 
dem Isopoden Haplophtlialmus) verbreitetes Tier. In Deutschland habe 
ich es niemals in gröfseren Wäldern beobachtet und überhaupt 
niemals aufserhalb des Bereiches grofser Flufstäler oder Kultur- 


56 


gebiete. In meinen Diplopoden Rheinpreufsens konnte ich es 1896 aus 
Freiland nur in zwei Stück verzeichnen, obwohl ich bald feststellte, dafs es 
bei Bonn in manchen Gärten geradezu massenhaft vorkommt. Da dieser 
Tausendfüfsler auch tote Tierkörper verzehrt und z. B. durch zerquetschte 
Schnecken leicht geködert werden kann, ist es wahrscheinlich, dafs er 
auch durch menschliche Friedhöfe verbreitet wird. 

Die beiden hier genannten Fundorte lagen in der Nähe von Äckern, 
so dafs der guttulatus vielleicht auch hier durch den Dünger, welcher auf 
den Feldern verstreut wird, in deren Nachbarschaft sich festgesetzt hat. 

Nicht verschweigen möchte ich übrigens, dafs ich in Österreich-Ungarn 
zweimal, nämlich bei Afsling in den Karawanken und bei Broos in Sieben- 
bürgen einige Stücke eines Typhloblaniulus im Waldhumus erbeutet habe, 
welche äufserlich wie guttulatus aussehen. Da ich bisher aber kein cf 
aus diesen Gebieten untersuchen konnte, wäre es übereilt, sagen zu wollen, 
hier läge ebenfalls der gemeine guttulatus vor. 

25. Isolates varicornis (C. K) Latze!. 

9. Mai Königstein bei der Festung unter Salix- Borke 2 cf, 1 j. c?, 

1 j. 9. Gröfstes cf 7 2 / 3 mm mit 35 Rumpfringen. 

3. August Pillnitz an morschem Carpinus- Stamm 1 j. cf 6Y 3 mm, 
30 Ringe, 2 9, 2 j. 9, eine Larve. 

15. Juli Moosleite unter Salix- Borke 1 9 7 ] / 2 mm, 35 Ringe. 

19. Oktober Moosleite unter Salix- Borke 1 9 9 3 / 4 mm, 39 Ringe. 

26. Leptophyllum nanum Latzei.*) 

11. Mai am Schreckenstein unter Quercus- Laub 1 9. 

11. Juli Dohna, Laubwald im Humus 1 cf. 

21. August Polenztal teils unter Laub, namentlich aber in humöser 
Erde 11 cf, 17 9, 2 j. cf 11 1 / 2 bis 1373 mm mit 79, 81 und 85 Bein- 
paaren, 4 oder 5 beinlosen Endsegmenten. Verschiedene Individuen waren 
weich von überstandener Häutung, bei 7 cf waren die Gonopoden weit 
ausgestülpt, auch die Cyphopoden bei einigen Weibchen. 

14. Oktober Weesenstein unter Quercus- Laub im Humus m 12 , 

2 j. 9. cf 10 V 2 mm mit 45 Ringen, 83 Beinpaaren und 6 beinlosen End- 
segmenten. 9 13 mm. 

27. Schizophyllum sabulosum (L.) Latzei. 

var . punctulatum Fanz. 7. Juni Wachwitzgrund an sonnigem Platz 1 cf, 
19. cf 20 V 3 mm, 77 Beinpaare, 3 Endsegmente. 

12. Juli daselbst unter Steinen 3 9, 31 bis 33 J / 2 mm mit 89 und 91 
Beinpaaren. 

var. bilineatum C. K. 9. Mai Königstein 2 9 22 mm, 11. Mai Schrecken- 
stein 2 9 . 

31. Mai Dohna 1 9 347 2 mm, 91 Beinpaare, 2 Endsegmente beinlos. 

7. Juni Wachwitzgrund 3 9, gröfstes 23 mm, 79 Beinpaare. 

9. Juni Dohna 1 cf 27 7 2 mm, 83 Beinpaare. 17. Juli Kreischa 1 $ 
32 1 / 2 mm, 95 Beinpaare, 3 Endsegmente. 


*) Hinsichtlich der Varietäten des L. nanum vergl. meinen 39. Aufsatz: Juliden 
und Ascospermophora, 1910 in den Jahresh d. Ver. f. vaterl. Naturk. Württemberg. 


57 


20. Juli Königspark 1 j. cf, 1 $ 42 1 / 2 mm, 95 Beinpaare. Das gröfste 
im Gebiet beobachtete Individuum. 

20. August Polenztal unter faulenden Kräutern 1 9 2 j. 

5. September Niederpoyritz 1 j. 12. September am Geisingberg, Wald- 
rand der Basaltkuppe 10 j., welche zum Teil zur var. bifasciatum über- 
führen. 1 Schalt cf 24 2 / 3 mm, 87 Beinpaare. 20. Oktober Dohna 1 j. 9 
21 mm. 

Da die beobachteten Männchen 77 und 83 Beinpaare besitzen, das 
Schalt cf 87, so ist ein entwickeltes Grofs-cf nicht beobachtet worden. 

28. Bracliyiulus projectus kochi Verhoeff. 

Die zahlreichsten Funde stammen aus dem Laubwaldgebiet von Dohna: 

24. April unter Corylus -Laub und zwischen von Humus durchsetztem 
Geröll 1 d”, 32 mm, 87 Beinpaare. 31. Mai ebenda 3 cf, 2 9, 1 j., auch eine 
Kopula beobachtet. 

9. Juni 1 (9, 2 9, 4 j. und abermals Kopula. cf ganz schwarz, also 
der sexuelle Farbendimorphismus sehr ausgeprägt. 

4 j. 9 7 4 — 17 mm, mit 49 — 69 Beinpaaren, 6—8 beinlosen Endsegmenten. 

12. Juni 1 9, 11. Juli 1 cf, 2 9, 1 j. cf lO 1 /^ mm, 67 Beinpaare, 6 End- 
segmente. 

11. September 2 9, 2 j. 20. Oktober 1 cf 35 mm, 93 Beinpaare. 

17. August im Elbtal bei Aussig in Gebüschen mit Basaltgeröll häufig, 
3 cf, 4 9, 43 Junge aus zahlreichen Stufen. Von den Männchen ist eins 
grau, am Rücken mit schwarzen Medianstreifen, ein anderes ebenso, zeigt 
aber zugleich schwache graugelbliche Rückenseiten binden. An allen übrigen 
Plätzen trat koclvi spärlicher auf: 

9. Juli Moosleite 1 j. 9 bei Regen. 5. September Moosleite 1 j. cf mit 
45 Ringen. 

21. August im Polenztal 1 9, 2 j. 5. September Moosleite zwischen 
Geröll 1 9. 

6. September Weesenstein 2 9, 2 j. 

8. September Geisingberg, am Waldrand der Basaltkuppe 2 cf. 

cf 28 l / 2 mm, 87 Beinpaare, 3 beinlose Endsegmente, am Rücken zu 
Seiten der schwarzen Medianlinie mit Andeutung graugelblicher Längsbänder. 

cf .25 mm, 81 Beinpaare, 4 Endsegmente, Rücken mit deutlich grau- 
gelben Längsbinden neben der schwarzen Medianlinie. 

12. September Geisingberg 5 9, 1 j., 1 cf, dieses von Häutung noch 
etwas weich, kaum 22 mm lang, mit 87 Beinpaaren, ebenfalls hellrückig. 


29. Bracliyiulus unilineatus C. Koch. 

In Sachsen nicht beobachtet. Bei Aussig habe ich dieses Charakter- 
tier der ungarisch - rumänischen Tiefebenen bereits 1900 festgestellt. 
19. August fand ich im Basaltgeröll bei Aussig nur ein cf, 25 1 / 2 mm lang, 
mit 79 Beinpaaren. Die Art scheint also im nordböhmischen Gebiet ziem- 
lich selten zu sein. 


30. Microiulus laeticollis Porat. 

3. Mai im Wachwitzgrund, an humöser Stelle mit Granittrümmern im 
Laubwald 3 9 14 1 / 4 — 14 x / 2 mm, mit 65 und 69 Beinpaaren. 


58 


31. Leptoiulns ciliatus Verhoeff. 

18. April bei Rochwitz an einem Bache 1 9 m gemischtem Walch 

22. April in Eichwalcl bei Pillnitz unter Laub 2 2. 

3. Mai Wach witzgrund in von Urtica durchwachsenem und von Laub 
und Humus durchsetztem Granitgeröll im Laubwald 3 2 37 — 37 7 2 mm, 
2 cf, 28y 2 - — 307 2 mm, 93 und 95 Beinpaare. 

9. Mai Königstein unter Laub 1 cf 27 1 / 2 mm, 91 Beinpaare, 3 End- 
segmente. 

30. Juni Moosleite 1 j. cf 18 1 / 2 mm, 83 Beinpaare, noch weich von der 
üb erstandenen Häutung. 

1 j. 2 137 2 mm ) 1 j. 2 9 mm (53 Beinpaare) daselbst, 6. Oktober. 

15. Juli daselbst unter Weidenborke 1 j. 2 17 mm. 

9. Juli an einem sonnigen Hang am Staffelstein 1 2 357 2 mm. mit 
vorgestülpten Vulven 1 j. cf 167 2 mm, 73 Beinpaare, 7 Endsegmente. 1 cf 
26 7 2 mm, mit 89 Beinpaaren, 3 Endsegmente. Diese befanden sich bei 
Regen unter Pteris , Lathyrus und Himbeeren zwischen Steinen und 
Eichenlaub. Laub und Steine waren nur von oben befeuchtet, die tieferen 
Lagen waren dagegen völlig ausgetrocknet. Die Tiere hatten also die 
trockene Zone passiert und in der Tiefe, aus der sie hervorgekommen 
waren, die oberflächliche Feuchtigkeit empfunden. 

17. Juli bei Kreischa 2 2* 

6. August auf dem Pfaffenstein, oben im gemischten Wald in Felsen- 
kesseln bei Pubus und Pteris unter Laub und Genist, 1 cf frisch gehäutet. 
5 2, 3 j. cf, j. cf 197 2 mm, 79 Beinpaare, 5 Endsegmente. Von den jungen 
Männchen nahm ich einige zur Aufzucht lebend mit und erzielte am 
20. September 2 reife cf 287 2 mm, mit 95 Beinpaaren. 

20. August Polenztal 1 cf (gehäutet), 2 2, 1 j. 2* cf 32 mm, 93 Bein- 
paare, 2 beinlose Endsegmente. 

5. September Moosleite 5 2, 3 j. 2, 4 cf. 3 cf 24— 257 2 mm, 85 und 
87 Beinpaare, 2 Endsegmente. 1 cf 25 mm, 91 Beinpaare. 

7. Oktober am Staffelstein zwischen Granitstücken 2 cf, 1 j. 2. 
cf 297 2 — 327 2 mm, 91 und 93 Beinpaare, 3 beinlose Endsegmente. 

27. Oktober Tharandt, im Laubwald 1 cf. 

In Österreich-Ungarn beobachtete ich ciliatus- Männchen mit 91 — 99 
Beinpaaren, in der Tatra auch mit 89. 

Am Altvater fand ich 85 Beinpaare. 

Im sächsischen Gebiet habe ich für das cf festgestellt: 89, 91, 93 und 
95 Beinpaare, einmal sogar 85 und 87. 

32. Leptoiulus ciliatus bükkensis Verhoeff. 

ln Sachsen nicht beobachtet. 

19. August im Elbtal bei Aussig, in Gebüschen mit Basaltgeröll 2 2, 
1 cf 22 mm, 89 Beinpaare, 2 Endsegmente. 1 j. cf 18 mm. 

33. Julus ligulifer Latz. u. Verh. (genuinusY). 

9. Mai Königstein unter welken Pteris und Laub von Quercus , Fagus 

1 c?, 1 9. 


*) Über die V ariabilität des ligulifer vergl . den 89. Aufsatz : J u 1 i d e n und A s c 0 s p e r - 
mopbora in den Jahresheften d Ver. f. vat. Naturk. i. Württemberg 1910, Abschnitt All. 


59 


10. Mai am Kuhstall in gemischtem Wald 1 $. 

11. Mai Schreckenstein unter Quercus- Laub 3 j. 9? 2 jüngere Larven, 
im Elbtal bei Aussig 15 2, davon 4 frisch gehäutet und mit ausgestülpten 
Vulven, 4 j. cf 18 — 19 mm, deren 2. Beinpaar schon kräftige Fortsätze er- 
kennen läfst. (Kein entwickeltes cf.) 

9. Juli Moosleite bei Regen 1 j. 2, 1 j. cf. 

17. Juli Kreischa 1 j. 2, 1 j. cf. 

20. August bei Rathen unter faulenden Gräsern 1 2. 

21. August Polenztal 1 j. Q. 

5. September Moosleite 1 cf, 1 j. cf, 3 9> 1 j. 2. cf 24 mm, 93 Bein- 
paare. Aufser dem cf sind alle liellrückig. 6. September Weesenstein 3 2. 

10. September im gemischten Wald des Rödertales auf Silur 1 cf, 1 j. cf, 
3 2, 1 j. 2. cf 237 3 mm, 87 Beinpaare, 2 Endsegmente (1 cf, 1 2 sind 
liellrückig). 

8. September Geisingberg eine jüngere Larve, 1 j. 2 frisch gehäutet, 

1 cf 247 2 mm, 85 Beinpaare. 

12. September Geisingberg 3 cf, 7 2, 4 Halbwüchsige, eins gehäutet. 
14. Oktober Weesenstein unter Laub von Carpinus und Tilia 3 cf, 1 2. 

2 32 mm, 93 Beinpaare, cf 257 2 — 26 mm, 89 Beinpaare. 

17. Oktober Moosleite 2 2. 27. Oktober Tharandt, Laubwald 1 cf , 2 2. 
In den Monaten Juni, Juli, August wurde mithin kein entwickeltes cf 
beobachtet. 

34. Cylindroiulus occultus C. Koch (= Cyl. coerulans Nemec). 
Aus Sachsen nicht bekannt geworden. 

17. August im Elbtal bei Aussig in Basaitgeröll, in Humus -Gekrümel 
dazwischen und an faulenden Gräsern. Grauweifs bis graubraun, mit 
schwarzen Drüsenflecken. 14 2, 4 j., 3 cf. 

2 13 mm mit 89 Beinpaaren, 3 beinlosen Endsegmenten, 
cf 10 7 2 mm mit 81 Beinpaaren, 3 beinlosen Endsegmenten. 


35. Cylindroiulus londinensis Leach. var. saxonicus Verb. 

Im Loschwitz-Pillnitzer Granitgebiet nach meinen Beobachtungen inner- 
halb Sachsens am stärksten vertreten, also in Schluchten mit leichtem, 
vorwiegend von Granitsand durchsetztem Boden. Hierdurch ergibt sich 
ein Gegensatz zu den übrigen bisherigen Beobachtungen, wonach londinensis 
schweren lehmigen Boden oder kalkreiche Gesteine bevorzugt. Diese Granit- 
gebietfunde zeichnen sich aber alle insofern aus, als sie geschützt, sonnig 
und zugleich feucht gelegen sind, im Bereich von Laubwald oder reich- 
lichem Gestrüpp oder in dessen nächster Nachbarschaft. 

7. Juni 3 2. 15. Juni 5 cf, 4 2, 1 j. 2, 3 j. cf. 2 31 — 31 7 2 mm, 
79 Beinpaare, j. cf 12 mm, 53 Beinpaare, cf 24 mm, 73 Beinpaare, cf 25 mm, 
71 Beinpaare. 

27. Juni 1 2 3P/ 2 mm, 83 Beinpaare, 1 j. cf 17 mm, 63 Beinpaare viel 
heller als die Erwachsenen. 

12. Juli 3 cf, 2 2. 15. Juli 1 j. cf 19 mm, 65 Beinpaare. 5. August 1 j. 

5. September 2 2 mit bräunlichem Kollum. 

6. Oktober 1 j. cf 18 mm. 17. Oktober 1 2, 1 j. 2. 

Im Bereich der Kalkformationen sah ich nur wenige Stücke, nämlich: 


60 


21. April im Laubwald bei Lockwitz unter Laub 8 2 29 x / 2 — 37 7 2 mm. 
Das gröfste 2 mit 87 ßeinpaaren, 1 cf 26 mm, 75 Beinpaare. 

9. August in einem Plänersteinbruch am Schonergrund 1 2. 

10. September im gemischten Wald des Rödertales 2 2, 1 cf. cf 237 2 mm, 
71 Beinpaare, 3 Endsegmente. 

36. Oncoiulus foetidus C. Koch 

kann als der gemeinste Julide unseres Gebietes bezeichnet werden, 
welcher auf keiner Formation und in keinem Walde desselben fehlt. 

In den Laubwäldern bei Dohna auf Pläner verzeichn ete ich folgende 
Beobachtungen: 

24. April 2 cf, 2 2. 31. Mai 1 cf, 2 2. 9. Juni 1 cf, 3 2 und 6 j., 
welche durch ihre grauweifsliche Farbe von den dunklen Erwachsenen sehr 
auffallend abstechen, j. 9 14r 2 / 3 mm, 59 Beinpaare, 4 beinlose Endsegmente. 

12. Juni 3 cf, 12 2, 1 j. 11. Juli 13 2, 7 j., 1 cf. j. cf 21 mm, 69 Bein- 
paare, 2 Endsegmente, cf 25 mm, 69 Beinpaare, 2 Endsegmente. 22. Juli 4 2. 

11. September 10 cf, 1 j. cf, 33 2, 7 hell gefärbte Jugendliche. 

5 cf 22 — >247 3 mm, 69 Beinpaare, 2 Endsegmente. 

1 cf 20 mm, 65 Beinpaare, 2 Endsegmente. 

1 cf 2H/ 2 mm, 67 Beinpaare, 2 Endsegmente. 

1 cf 227 2 mm, 71 Beinpaare, 2 Endsegmente. 

j. cf 20 mm, 62 Beinpaare, 2 Endsegmente. 

Die folgenden Funde stammen aus dem Granitgebiet zwischen Losch- 
witz- Pillnitz: 

15. Juni 1 j. 9 18 mm. 27. Juni 3 j. 19 — 20 mm. 

30. Juni 2 2, 1 j. 12. Juli 1 2, 1 j. cf. 15. Juli 1 j. 2 grau. 

3. August 1 2. 5. September 2 2, 1 j. weifslich. 

6. Oktober 1 cf, 1 2. 17. Oktober 1 j. 2. 

Aus dem Bereich anderer Formationen nenne ich: 

21. April Laubwald bei Lockwitz 4 cf, 3 2. 2 24— 26 7 3 mm, 71 Bein- 
paare. cf 21 7 2 — 22 mm, 67 und 69 Beinpaare. 

9. Mai Königstein unter welkem Pteris -, Quercus- und Fagus-Ldub 
3 cf, 3 2. 

10. Mai am Kuhstall in gemischtem Wald 3 cf , 2 2: 

11. Mai am Schreckenstein unter Quercus - Laub 10 Erwachsene, 1 j. 

17. Juli Kreischa 1 2. 6. August am Pfaffenstein 1 cf. 

12. August im Schoonergrund 1 j. cf 1572 mm > 63 Beinpaare. 

17. August Aussig im Elbtal, Büsche mit ßasaltgeröll, 10 Erwachsene 
und 8 Halbwüchsige grauweifs. 

20. August bei Rathen unter faulenden Gräsern 8 2, 1 j. 2, 2 cf, 
1 weifsliche Larve. 

21. August Polenztal 6 2, 7 cf. cf 217 2 mm > 67 Beinpaare. 

6. September Weesenstein 1 cf , 4 2, 1 j. 2, 3 weifsliche Larven, unter 
diesen ein j. cf 14 mm, 59 Beinpaare, 3 beinlose Endsegmente. 

8. September Geisingberg 2 2. 12. September daselbst 6 cf, 6 2. 

10. September im Rödertal 3 cf , 3 2. cf 23 mm, 69 Beinpaare, 2 End- 
segmente. 

9. Oktober Niederwartha 1 cf. 14. Oktober Weesenstein unter Laub 
von Carpinus , Tilia, Acer 4 2, gröfstes 28 mm, 71 Beinpaare (41 Rumpf- 
ringe), 1 j. 2 grauweifs, 1172 mm > 35 Ringe. 


ei 


Die von mir im nordböhmisch - sächsischen Gebiete untersuchten 
236 Stück des Oncoiulus foetidus verteilen sich auf die Formationen in 
folgender Weise (32 Exkursionen): 


^Dohna^^^ ^ } 109 Stück von 7 Exkursionen, Durchschnitt: lö 1 /^ Stück 


Andere Kalkge- l 
biete J 

29 

11 

» 6 

11 

„ 5 

ii 

Basalt 

43 

5 ? 

„ 4 

55 

» 11 

ii 

Elbsandstein 

37 

11 

» 5 

11 

» 7 Vs 

ii 

Granit und Gneis 

18 

n 

„ 10 

11 

,, kaum 2 

ii 


Der aufserord entliehe Gegensatz zwischen dem Auftreten des foetidus 
im Urgebirge einerseits und auf Basalt und Plänerkalk andererseits zeigt 
aufs deutlichste, wie günstig diese Art in den letzteren Gebieten gedeiht. 
Mit den andern Kalkformationen der Gruppe 2 ist hauptsächlich Silur 
gemeint, das an meinen Sammelplätzen wohl hauptsächlich deshalb sich 
weniger günstig erwies, weil es sowohl bedeutend weniger Steintrümmer 
als Schlupforte darbot, als auch in den einzelnen Steinbrocken weniger 
günstig ist, indem es weder sehr flache, noch besonders löcherige oder 
muschelartig gebrochene Stücke aufweist, sondern klumpige, oft mit Lehm 
verklebte. Die Fundplätze des Elbsandsteins würden zweifellos noch weniger 
vorteilhaft dastehen, wenn sie nicht durch Wasser- und Pflanzenreichtum 
ausgezeichnet wären. 

Dafs sich foetidus im Urgebirge am spärlichsten entwickelt, 
harmoniert mit dem Umstande, dafs er in den oberen Böhmerwald nicht 
eingedrungen ist , während er in den mitteldeutschen Kalkgebirgen schon 
viel weiter nach Westen vorgedrungen ist, nämlich bis ins Taubertal und 
Wiesbaden. Dennoch ist das Urgebirge keine Schranke für diesen Juliden, 
sondern lediglich ein Revier, durch welches seine Ausbreitung langsamer 
als anderwärts erfolgt. 

Von Polydesmus denticulatus wurden im Gebiet 325 Stück auf 33 Ex- 
kursionen gesammelt. Sie verteilen sich auf die Formationen folgender- 
mafsen: 

^Dohn^^ ^ } 190 Stück von 10 Exkursionen, Durchschnitt: 19 Stück 

Andere Kalkge- \ 
biete / ' 

Basalt 50 

Elbsandstein 28 

Granit und Gneis 60 

Die Verteilung auf die Formationen zeigt also mit der des Oncoiulus 
foetidus die gröfste Ähnlichkeit, namentlich wieder die bedeutende Be- 
günstigung durch Basalt und Pläner gegenüber dem Urgebirge. Dafs 
jedoch die Einzel-Individuen in den kalkärmeren Formationen durch- 
schnittlich gröfser werden, wurde schon oben nachgewiesen. 

37. Polyzonium germanicum Brandt. 

Auch dieser einzige Colobognathe des Gebietes war am reichlichsten 
in Dohna vertreten, wo ich ihn im Pläner- Laubwald auf folgenden Ex- 
kursionen beobachtete : 


3 

4 
4 

12 


»v, » 
12 „ 
V „ 
5 


62 


24. April 2 2 von 9 mm. 9. Juni unter Laub 1 2 127 a mm. 

12. Juni 1 cf. 

11. Juli an humusreichen Plätzen, z. T. im Humus eingewühlt 8 Er- 
wachsene, von denen das gröfste Stück ein 2 von 127g mm, 24 j. von 
4 1 / 2 — 5 mm, durch hellgelbliche Farbe von den Erwachsenen unterschieden, 
2 noch jüngere Larven. 

11. September 8 Erwachsene. 20. Oktober 1 cf, 3 2. 22. Juli 2 cf, 2 2. 

18. April bei Rochwitz an einem Bach 1 2 in gemischtem Wald. 

9. Mai in Laubwald am Königstein an humöser Stelle 3 cf, 4 9. 

2 14 Vg mm lang, 2 1 / g mm breit, mit 47 Rumpfringen. 

2 177 2 mm lang, 2 2 / 5 mm breit, mit 52 Rumpfringen (dies das gröfste 
im Gebiet beobachtete Stück). 

cf 97 2 mm lang mit 41 Rumpfringen. 

cf 10 Y 2 mm lang mit 42 Rumpfringen. 

Durchgehends sind die Männchen erheblich kleiner als die Weibchen. 

10. Mai bei Schandau 2 2 in gemischtem Wald. 

17. Juli am Wilisch 3 Stück unter Laub. 

17. August bei Aussig war Polyzonium in den faunistisch sonst so 
reichhaltigen Talgebüschen mit Basalt nirgends zu finden, nur in einem 
Laubwald unter Laub von Carpinus erbeutete ich 1 cf. 

6. September bei Weesenstein 10 Stück unter Laub. 

10. September im Rödertal bei Radeberg, gemischter W 7 ald, 7c?, 6 9. 

Die Männchen zeigen alle, trotz recht verschiedener Gröfse, kräftig 
entwickelte Gonopoden. 

8. September am Geisingberg im Basaltgeröll abermals fehlend, nur 
im Tannenwald der höchsten Kuppe 1 2. 

9. Oktober bei Niederwartha auf Granit, unter Quercus- Laub 1 cf 

10 mm. 1 2 1 27a mm 42 Rumpfringen. 

14. Oktober Weesenstein, die Erwachsenen unter Laub und die Jugend- 
lichen im Humus von Quercus 1 cf, 2 2, 2 j. 2. 

Gröfstes 2 17 mm lang, 27 4 mm breit mit 49 Ringen. 

Gröfstes cf 14 2 / s mm lang mit 49 Rumpfringen. 

17. Oktober 1 cf in der Moosleite. 

Auf 18 Exkursionen wurde Polyzonium germanicum also in etwa 
100 Stück gefunden, welche sich in folgender Weise auf die Formationen 
verteilen : 


Plänergebiet bei 
Dohna 



Silur- Kalk 
Urgebirge 
Sandstein 
Basalt 


Der auffallende Gegensatz im Auftreten des Oncoiulus foetidus im 
Kalkgebiet einerseits und Urgebirge andererseits wiederholt sich also bei 
Polyzonium , nur mit dem Unterschiede, dafs der Gegensatz dem Silur 
gegenüber viel auffälliger ist, was damit zusammenhängt, dafs für Polyzonium 
die mechanische Beschaffenheit der Steintrümmer viel weniger in Betracht 
kommt, da dieser Diplopode fast immer in Laub oder Humus sitzt, viel 


63 


seltener aber an Steinen angetroffen wird. Dem Umstand, dafs ich auf 
den zahlreichen Ausflügen ins Granitgebiet östlich der Elbe nur zweimal 
je ein Stück des Polyzonium auffand, spricht gegenüber den zahlreichen 
Funden an den Kalkplätzen eine so deutliche Sprache, dafs die weit 
günstigere Entwickelung an diesen keinem Zweifel unterliegen kann. Hin- 
sichtlich der Häufigkeit nehmen Polyzonium , Polydesmus denticulatus 
und Oncoiulus im Elbsandsteingebirge in gleicher Weise eine Mittelstufe 
ein zwischen Urgebirge und Plänerkalk. Sehr abweichend von Oncoiulus 
verhält sich Polyzonium nur hinsichtlich des Basalts. Ich erkläre mir 
das Fehlen der Polyzonien in den Gebüschen mit Basaltgeröll durch 
ihr lichtscheues Wesen und den Umstand, dafs sie mehr als die meisten 
andern Diplopoden auf vermoderndes Laub und Laubhumus angewiesen sind. 

Schliefslich seien zum Vergleich noch zwei Arten hinsichtlich ihrer 
Verteilung auf die Formationen beigefügt: 

Auf 22 Exkursionen wurde Orthochordeumob germanicum beobachtet: 


Pläner 

Silur 

Urgebirge 

Sandstein 

Basalt 


37 Stück von 6 Exkursionen, Durchschnitt: 6 Stück 


24 

21 

20 

8 


Auf 18 Exkursionen fand ich folgende Bracliyiulus projedus koclii : 


Pläner 24 Stück von 7 Exkursionen, Durchschnitt: 3 Y 2 Stück 


Silur 

4 

55 

„ 2 

, 

5 5 

55 

~ / % 

2 

Urgebirge 

3 

55 

„ 3 

55 

55 

1 

Sandstein 

3 

55 

» 3 

55 

55 

1 

Basalt 

59 

55 

„ 3 

5 5 

55 

20 


Die fünf besprochenen Diplopoden liefern also folgende Exkursions- 
Durchschnittszahlen : 




Polydesmus 

denticulahis 

Ortho- 

cliordeuma 

germanicum 

Oncoiulus 

foetidus 

Brachyiulus 
proj. Tcochi 

Polyzonium 

germanicum 

Pläner 

(51 V.) 

+ 19 

6 

+ 157 2 

3 1 /, 

77* 

Silur 

(26 V 3 ) 

2 Vs 

8! 

5 

2 

9! 

Basalt 

(48) 

12 

4 

11 

20! 

1! 

Sandstein 

(25)1 

7 

5 

772 

1 

47. 

Urgebirge (12 V 2 ) 

5 

3 

2 

1 

17* 


Während der Pläner für die Entwickelung dieser Diplopoden also 
absolut am günstigsten dasteht, schwankt das Maximum zwischen der 
1., 2. und 3. Formation, fehlt in der 4. und 5., wobei das Urgebirge sich 
als absolut am ungünstigsten erweist. Dafs das nicht für alle Diplopoden 
gilt, wurde schon oben angeführt. Für manche Arten liegen aber die Ver- 
hältnisse so einfach, dafs eine tabellarische Übersicht unnötig ist, man 
vergl. z. B. Glomeris pustidcita. Um jedoch für alle Diplopoden des Ge- 
bietes, mit Ausnahme der Rinden- Juliden, die Beziehungen zu den For- 
mationen im Zusammenhang hervortreten zu lassen, gebe ich noch eine 
Übersicht über die Zahlen der überhaupt beobachteten Individuen: 


64 


Artenzahl 


Pläner- 

Kalk 

Silur 

Basalt 

Elb- 

sand- 

stein- 

ge- 

birge 

Urge- 

birge 

Zahl der 
Exkur- 
sionen, 
auf denen 
das Genus 
gefunden 

Exkur- 

sions- 

Durch- 

scbnitts- 

zakl 

1 

Polyxenus .... 


_ 

9 


1 

2 

5 

4 

Glomeris 

13*) 

34 

62 

— 

{307 

19 

21 

2 

kleine Glomeriden . . 

{20 

1 

1 

— 

— 

6 

37s 

1 

Strongylosoma . . . 

{ca. 220**) 

ca. 60 

ca. 40 

ca.20 

3 

22 

16 

3 

Polydesmus .... 

{196 

7 

50 

40 

60 

33 

io7s 

1 

Brachydesmus . . . 

{48 

— 


— 

6 

8 

7 

1 

Orthochordeuma . . 

37 

24 

8 

20 

21 

25 

4 

1 

Craspedosoma . . . 

2*) 

14 

10 

3 

{58 

18 

5 

1 

Orobainosoma . . . 

{24 

2 

3 

— . 

14 

10 

4 

3 

Meter oporatia . . . 

1 

— 

10 

4 

{18 

12 

3 

1 

Ceratosoma .... 

— 

2 

1 

— 

3 

4 

17» 

1 

Mastig ophorophyllon . 

— 

— 

— 

{54 

— 

2 

27 

1 

Leptophyllum . . . 

1 

4 

1 

{30 

— 

4 

9 

1 

Scliizophyllum . . . 

3 

— 

13 

5 

12 

11 

3 

2 

Brachyiulus . . . . 

24 

4 

{61 

3 

3 

16 

6 

1 

Microiulus .... 

— 

— 


— 

3 

1 

— 

2 

Leptoiulus .... 

— 

— . 

4 

14 

{33 

16 

3 

1 

Julus 

— 

10 

{41 

5 

15 

14 

5 

2 

Cylindroiulus ... 

1 

7 

21 

— 

30 

13 

47s 

1 

Oncoiulus . . . . 

109 

29 

43 

37 

18 

32 

77b 

1 

Polyzonium . . . . 

{54 

28 

2 

9 

6 

18 

57s 


Summa: 

753 

226 

380 

244 

611 

33 Max. 


Die durch eine Klammer ausgezeichneten Zahlen geben die Fälle an, 
in welchen die betr. Art in der betr. Formation stärker als in allen übrigen 
zusammengenommen vertreten ist. 

Zur richtigen Beurteilung dieser Übersicht will ich übrigens bemerken, 
dafs ich im Bereich des Pläners und des Urgebirges ungefähr gleich 
intensiv gesammelt habe, erheblich weniger aber in den drei übrigen For- 
mationen. Wenn daher in dieser eine Form trotzdem besonders auffällig 
vertreten ist, so darf dieser Feststellung erhöhter Wert beigelegt werden. 
Die absoluten Gesamtzahlen für Pläner und Urgebirge belegen das, was 
ich weiter oben bereits ausgeführt habe. 

VI. Rückblick. 

1. Auf Grund der Diplopoden -Verbreitung teile ich Deutschland in der 
Richtung von Norden nach Süden in die drei Provinzen Nord-, Mittel- 
und Süddeutschland ein, zwischen Nord- und Ostsee einerseits und den 
Urgebirgsmittelzügen der Alpen andererseits. 

*) Hier wurden die betr. Individuen nicht im Plänerwalde und überhaupt nicht 
im reinen Plänergebiet gefunden, sondern in einem durch Sandsteinklötze gemischten 
Plänerbruch. 

**) Strongylosoma müfste eine noch erheblich höhere Zahl ergeben, wenn ich die 
Individuen, welche ich sah, alle gesammelt hätte, was mir nicht immer möglich war 


65 


2. Mitteldeutschland teile ich in der Richtung von Westen nach 
Osten zunächst in zwei Hauptgebiete ein, mittleres West- und Ostdeutsch- 
land, deren jedes eine Anzahl charakteristischer Gruppen (nicht nur 
Arten) besitzt. Für eine weitergehende Gliederung kommen neben der 
Harz*Regensburger Linie Rhein- und Elbtal in Betracht. Östlich der Harz- 
Regensburger Linie sind drei oder wahrscheinlich vier mitteldeutsche Gaue 
zu unterscheiden, Thüringer Gau, Sudeten-Gau, markomannischer Gau und 
mährischer Gau. Von diesen sind der Sudeten-Gau und mährische Gau aus- 
gesprochen östlichen Gepräges, während der markomannische und Thüringer 
Gau mehr den Charakter von Mischungsgebieten aufweisen. 

3. Aus dem sächsisch-deutschböhmischen Elbgebiet sind 37 Diplopoden 
in etwa 2400 Stück nachgewiesen worden. 

4. Zwischen der Fauna Sachsens und Deutschböhmens herrscht eine 
weitgehende Übereinstimmung, doch besitzt letzteres Gebiet einige südöst- 
liche, ersteres einige nordwestliche Formen, welche dem andern Gebiet 
fehlen. 

5. Im Dresdener Elbgelände macht sich ein starker Gegensatz zwischen 
der östlichen und westlichen Talseite bemerkbar, welcher teils aus örtlichen 
(biologischen), teils aus historischen Verhältnissen hervorgeht. Glomeris 
pustulata z. B. ist für die östliche, conspersch für die westliche Gegend 
charakteristisch. 

6. Im Elbsandsteingebirge sah ich nirgends Glomeriden, ein Umstand, 
welcher nicht mit der chemischen, sondern der mechanischen Beschaffenheit 
des Gesteins, namentlich der krümeligen Verwitterung in Zusammenhang 
steht. Die mechanische Beschaffenheit der Gesteine und die Art ihrer 
Zertrümmerung sind überhaupt von grofsem Einflufs auf Verbreitung und 
Häufigkeit der Diplopoden. 

7. Dennoch ist die chemische Beschaffenheit der Gesteine, namentlich 
ihr Kalkgehalt durchaus nicht belanglos, was 

a) sich daraus ergibt, dafs manche Arten und selbst Gattungen 
ausschliefslich oder fast ausschliefslich auf kalkreichen Forma- 
tionen leben, 

b) auch bei manchen Arten, welche scheinbar gleichmäfsig über alle 
Formationen verbreitet sind, statistisch durch ein mehr oder weniger 
auffallendes prozentuales Überwiegen in den Kalkgebieten 
nachgewiesen werden kann. 

8. «Mit Ausnahme der unter Borken lebenden Diplopoden zeigen die 
Entwickelungsformen namentlich in den kühleren Jahreszeiten eine ver- 
borgenere Lebensweise als die Erwachsenen. 

9. Bei Strongylosoma und Polydesmus denticulatus wurden im Juni 
und Juli aufser den Entwickelten vier Entwickelungsformen nebeneinander 
beobachtet. 

10. Bei Polydesmus denticulatus wurden die Larvenstufen mit 17, 18 
und 19 Rumpfringen in 6 — 7 aufeinanderfolgenden Monaten beobachtet, 
nebeneinander und nacheinander. 

11. Bei Polydesmus und Strongylosoma (und noch vielen andern Diplo- 
poden) gibt es Geschlechtsreife zu allen Jahreszeiten. Die Fortpflanzung 
ist daher an keine bestimmten Jahreszeiten gebunden, sondern spielt sich 
in allen Monaten ab, deren Witterung nicht durch Frost oder starke Wärme 
extrem ist. 


66 


12. Für Diplopoden habe ich drei wesentlich verschiedene zeit- 
liche Entwickelungsweisen feststellen können, nämlich 

a) Kopulation in F rühling, Sommer und Herbst, ohne Verschwinden 
der Entwickelten im Sommer, so z. B. bei Polydesmus. 

b) Kopulation im Frühling oder Herbst, bei Absterben, der Ent- 
wickelten, früher oder später im Spätfrühjahr oder Frühs'ommer, 
z. B. bei Craspedosoma im Mai, bei Orthochordeuma im Juni. 
Hier kommt also eine namentlich für Juli und August geltende 
sommerliche Unterbrechungszeit zustande, innerhalb welcher 
entwickelte Tiere nicht existieren. [Vergl. auch Julusligulifer, No. 33.] 

c) Kopulation im Herbst und überhaupt nur herbstliches Auf- 
treten der Geschlechtsreifen, so bei Orobainosoma und Peter o- 
poratia, wo dieselben also im Vergleich mit den Diplopoden 
unter a kurzlebiger sind. 

13. Orthochordeuma und Craspedosoma haben eine Lebensdauer von 
mindestens fünf Jahren, wobei 4— 5 Monate auf die jüngsten Stufen, je 
ein Jahr auf die Larven mit 19, 23, 26 und 28 Rumpfringen zu rechnen 
sind und 8 — 9 Monate auf die Erwachsenen. 

14. Zu den häufigen und über alle Formationen verbreiteten Diplo- 
poden des Gebietes gehören Polydesmus denticidatus , Orthochordeuma 
germanicum, Oncoiulus foetidus , Brachyiulus kochi und Polyzonium ger- 
manicum. Dennoch verhalten sich dieselben nach statistischen Feststellungen 
den Formationen gegenüber zum Teil recht verschieden. Während bei allen 
gemeinsam der Plänerkalk viel mehr Individuen birgt als das Urgebirge, 
ist das bei Polydesmus und Oncoiulus doch ganz besonders auffallend. 
Während sich der Basalt für die Entwickelung dieser Diplopoden nächst 
dem Pläner am günstigsten zeigt, ist er für Polyzonium am wenigsten 
geeignet, für Brachyiulus kochi am allergünstigsten. Im Gebiete der 
paläozoischen Sedimente finden Orthochordeuma und Polyzonium ihr 
Optimum. Diesen fünf Formen gemeinsam ist jedenfalls die reichlichere 
Entwickelung auf den kalkreicheren Formationen. 

Inhaltsübersicht : 

I. Vorbemerkungen: Gliederung Deutschlands in zoogeographische 
Provinzen und Gaue. Einflufs der geologischen Formationen auf die Zu- 
sammensetzung der Elbgau-Fauna. Notizen über die sonstige natürliche Be- 
schaffenheit der Länder. 

II. Verzeichnis der im sächsisch -nordböhmischen Elbgebiet von mir 
nachgewiesenen Diplopoden. Zahl der beobachteten Individuen. 

III. Die nordböhmisch -sächsischen Elbgaugebiete untereinander ver- 
glichen. 

IV. Das nordböhmisch-sächsische Elbgaugebiet im Vergleich mit andern 
Teilen Mitteleuropas. 

V. Besondere Mitteilungen über die Diplopoden -Fauna von Nord- 
böhmen und Sachsen. Vorkommen, Lebensweise, Lebensdauer, Arten der 
zeitlichen Entwickelung. 

VI. Rückblick. 

Cannstatt, 8. Januar 1910. 


IV. Über die Annäherung einer Ellipse durch ihre 
Scheitel - Kriimmungskreise. 

Von W. Ludwig in Dresden. 


§ 1. Einleitung. 

Bei der Konstruktion einer Ellipse aus ihren Achsen benutzt man mit 
Vorteil ihre Scheitel- Krümmungskreise; jedoch ist meines Wissens noch 
nicht untersucht worden, bis auf welche Entfernungen von den Scheiteln 
die Ellipse durch Bögen der Krümmungskreise mit genügender Annäherung 
ersetzt werden darf*). Ferner ist bei der Ausführung der Konstruktion 
leicht die Beobachtung zu machen**), dafs man eine bessere Annäherung 
erhält, wenn man statt der Krümmungskreise an den Scheiteln der grofsen 
Achse ein wenig gröfsere Kreise und an den Scheiteln der kleinen Achse 
ein wenig kleinere Kreise nimmt. 

Im folgenden soll untersucht werden, welches die Grenzen der An- 
näherung einer Ellipse durch ihre Scheitel-Krümmungskreise und wie grofs 
die Radien der Kreise sind, die eine bessere Annäherung liefern. 

Teil I: Die Scheitel der grofsen Achse. 

§ 2. Ansatz. 

Wenn uns eine Ellipse durch ihre Achsen gegeben ist, so betrachten 
wir sie zunächst in der Nähe des einen Scheitels A der grofsen Achse und 
nehmen auf dieser zu derselben Seite von A, zu der sich der Krümmungs- 
mittelpunkt Ko von A befindet, einen Punkt K an. Um diesen schlagen 
wir mit dem Radius r = KA den Kreis und erhalten dabei nicht den 
mathematischen Kreis & r , der K zum Mittelpunkt und r zum Radius hat, 
sondern einen Streifen von einer kleinen Breite d, den wir uns etwa durch 
die mathematischen Kreise mit demselben Mittelpunkt K und den Radien 
r — fd und r + (1 — s)d begrenzt denken können; hierbei ist s ein positiver 
echter Bruch, dessen Wert sich nicht bestimmen läfst und dem wir infolge- 
dessen den jeweils für uns bequemsten Wert zuzuschreiben berechtigt sind. 
Im Innern dieses Kreisstreifens wird nun zu beiden Seiten von A ein ge- 
wisses Stück weit die mathematische Ellipse verlaufen, und gerade so weit 
dürfen wir unseren Kreisstreifen für die Herstellung des Streifens benützen, 

*) Auf diese Frage bin ich zuerst durch Herrn F. Schur aufmerksam gemacht 
worden. 

**) Vergl. Müller, E.: Lehrbuch der darstellenden Geometrie, Bd. I, S. 158, Anm. 
Leipzig 1908. 


68 


durch den wir beim Zeichnen die mathematische Ellipse ersetzen. Es 
handelt sich also um die Länge des Bogens der mathematischen Ellipse, 
der im Innern des Kreisstreifens liegt; aber diese Länge hängt auch von 
der Gröfse von s ab, und deshalb wollen wir, um in allen Fällen gleichmäfsig 
zu verfahren, s immer so wählen, dafs der Bogen möglichst lang wird. 

Wenn wir im folgenden von Kreis und Ellipse sprechen, so meinen wir 
immer den mathematischen Kreis und die mathematische Ellipse. Wir 
nehmen nun einen Punkt P unserer Ellipse und schneiden die Gerade KP 
mit dem Kreise k r \ die Strecke zwischen P und dem ihm nächsten der 
beiden Schnittpunkte bezeichnen wir als den kürzesten Abstand y des 
Punktes P vom Kreise k r und geben y das positive oder negative Vor- 
zeichen, je nachdem P aufserhalb oder innerhalb von k r liegt. Dann ist 
die Potenz von P in bezug auf kr gegeben durch 

y(y + 2r). 

Ferner seien a und b {a~>b) die Längen der grofsen und der kleinen 
Halbachse der Ellipse und # die exzentrische Anomalie des Punktes P. Dann 
hat P in bezug auf die Achsen der Ellipse die rechtwinkeligen Koordinaten 
a cos ^ und b sin 3', und wir finden für seine Potenz in bezug auf den Kreis 
k r auch den Wert (1 — cos 3) [(a 2 — b 2 ) (1 — cos 3) -j- 2 (b 2 — ar)]. 

Diese beiden Ausdrücke für die Potenz des Punktes P in bezug auf 
den Kreis kr führen zu der Gleichung 

(1) y (y -j- 2 r) = (1 — cos 3) [(a 2 — b 2 ) (1 — cos t f >) + 2 {p 2 — ar )], 
durch die der Zusammenhang zwischen 3 und y bestimmt ist. Wir müssen 
nun erstens die Grenzen aufsuchen, in die 3* gebannt ist, wenn der absolute 
Wert von y die gegebene Gröfse d nicht überschreiten soll, und zweitens 
den Wert von r ermitteln, für den diese Grenzen möglichst weite sind. 

§ 3. Umformung und geometrische Deutung der Gleichung (1). 

Im Scheitel A hat die gegebene Ellipse den Krümmungsradius 


b 2 



Wir setzen 

r ~ r o + Q 

und führen statt 3 eine neue unabhängige Veränderliche 

x = r 0 (1 — cos 3) 

ein, von der für uns nur die Werte zwischen 0 und 2 r 0 in Betracht kommen : 

0 <,x <.2 r 0 ; 

hiermit nimmt die Gleichung (1) die folgende Gestalt an: 

(2) [( a 2 — b 2 ) x 2 — - r 0 2 y 2 — 2 r 0 3 y] — 2 q [b 2 x + r 0 2 y] = 0. 

Die Gleichung (2) ist, wenn wir x und y als rechtwinkelige Koordinaten 
deuten, die Gleichung eines Kegelschnittes, der durch den Koordinaten- 
ursprung hindurchgeht; betrachten wir von ihm den Bogen, der vom 
Koordinatenursprung aus sich bis zur Geraden x — 2 r 0 erstreckt, so sind 
die Ordinaten seiner Punkte gerade gleich den kürzesten Ab- 
ständen der Punkte unserer Ellipse von dem Kreise kr. Infolge- 
dessen können wir das Verhalten der Ellipse gegen den Kreis 
k r an dem Verhalten des Kegelschnittes (2) gegen die sc-Achse 
studieren.^ 


69 


Wir wollen aber nicht nur einen bestimmten Kreis k r ins Auge fassen, 
sondern alle, die die Ellipse im Scheitel A berühren und auf derselben 
Seite der zugehörigen Scheiteltangente liegen wie der Krümmungskreis; 
r kann also alle möglichen positiven Werte annehmen, und wir brauchen 
auch die negativen nicht auszuschliefsen, die uns die Kreise liefern, die 
auf der andern Seite der Scheiteltangente liegen. In unserer Gleichung (2) 
ist also q — r — r 0 ein Parameter, der alle Werte zwischen — oo und 
-f- oo annehmen kann ; zu jedem Werte von q gehört vermöge der Gleichung (2) 
ein Kegelschnitt c Q , und alle diese Kegelschnitte bilden einen Büschel, 
der in der erwähnten Beziehung als eine Abbildung des Büschels der 
Kreise ~k r dienen kann. Deshalb wollen wir den Kegelschnittbüschel (c f ) 
zuerst untersuchen. 


§4. Der Kegelschnittbüschel (c ? ). 

Die sämtlichen Kegelschnitte c Q gehen durch vier reelle Punkte, nämlich 
durch den Koordinatenursprung, durch den Punkt (# = 2r 0 , y = — 2a) 
und durch die beiden unendlich fernen Punkte des Geradenpaares, dessen 
Gleichung (a 2 — b 2 ) x 2 ■ — r 0 2 y 2 — 0 lautet. Sie sind deshalb Hyperbeln 
und zerfallen in zwei Gruppen derart, dafs je zwei Hyperbeln derselben 
Gruppe einander ähnlich sind und dafs von zwei Hyperbeln aus ver- 
schiedenen Gruppen jede der konjugierten der anderen ähnlich ist. Den 
Übergang zwischen beiden Gruppen bilden zwei Geradenpaare, die sich 

yi 

für q — + Va 2 ' — b 2 ergeben; wir bezeichnen als erste Gruppe 

a 

diejenige, für die 

a 2 — b 2 „ /-s a 2 — b 2 


- V« 2 - b 2 < Q < 


+ V « 2 — i 2 


a a 

ist und der immer die Hyperbel für q — 0 angehört. 

Die Mittelpunkte der Hyperbeln c Q haben die Koordinaten x 

y = — (ro -f- q) und erfüllen eine Gerade mit der Gleichung 


b 2 


a - 


b 2 ' 


(3) 


X 


— r, 


b 2 


m 


y 


i; 


0 a 2 


auf dieser Geraden finden wir auch die Doppelpunkte D 1 und D 2 der 
beiden zum Büschel gehörigen Geradenpaare, und auf der Strecke zwischen 
diesen liegen die Mittelpunkte der ersten Gruppe der Hyperbeln. 

Die Hyperbeln der ersten Gruppe haben ihre reellen Hauptachsen 
parallel zur y- Achse; ihre Scheitel erfüllen eine Ellipse mit der Gleichung 

2 7 2 

(4) (a* — b‘ 2 )x 2 + r 0 2 y 2 - f 2r„ 2 -^-p — xy+ 2r o s y = 0, 

die im Koordinatenursprung die x - Achse berührt. Die Hyperbeln der zweiten 
Gruppe haben ihre reellen Hauptachsen parallel zur rr-Achse; ihre Scheitel 
liegen auf einer Hyperbel mit der Gleichung 

(5) (a 2 — b 2 ) x 2 + r 0 2 y 2 + 2 b 2 x y + 2 r 0 b 2 x — 0, 

die im Koordinatenursprung die y -Achse berührt. Die beiden Kegelschnitte 
(4) und (5) gehen auch durch die oben erwähnten Punkte i) 3 , Z> 2 und 
aufserdem noch durch den Punkt (pc = 2 r 0 , y — — 2 a)\ sie haben einen 


70 


gemeinsamen Mittelpunkt M mit den Koordinaten x~r 0l y — — a, der 
auf der Geraden (3) liegt, und der zu dieser Geraden konjugierte Durch- 
messer ist bei (4) zur y - Achse parallel und trägt eine Sehne von der Länge 2b, 
während er bei (5) zur x - Achse parallel ist. 

Jetzt können wir uns ein Bild von dem Büschel der Hyperbeln c Q 
machen; dieses entspricht, da ja stets a > b > r 0 ist, immer der Fig. 1; 
denn das Wesentliche in der Lage der wichtigen Kurven (3), (4), (5) gegen 
das Koordinatensystem bleibt erhalten, auch wenn sich der Wert des Ver- 
hältnisses — zwischen 0 und 1 ändert. 
a 


§ 5. Bestimmung des günstigsten Wertes von q. 


Von den Hyperbeln c Q brauchen wir für unsern Zweck nur die Bögen? 
die vom Koordinatenursprung ausgehen und sich bis zur Geraden x — 2 r 0 
erstrecken; wir müssen denjenigen unter ihnen herausfinden, der sich mög- 
lichst eng an die x -Achse anschliefst, der also auf eine möglichst grofse 
Strecke innerhalb eines die x - Achse enthaltenden Streifens 2 von der 
Breite d verläuft. Diesen Streifen 2 begrenzen wir durch die beiden 
Geraden y = ■ — s ö und y == (1 — s)d, wobei s so zu bestimmen ist, wie 
wir es in § 2 angegeben haben. ' 

Bei dieser Untersuchung handelt es sich, wie wir sofort erkennen, 
nur um Bögen der Hyperbeln der ersten Gruppe. Wir müssen also q vom 


Werte 


a 2 -b 2 


a~ 


b 2 


+ V 


w 


V a 2 — b 2 bis zum Werte 
a v a 

lassen; dabei haben wir drei Intervalle zu unterscheiden, je nachdem 

a 2 — b 2 I m t-o a 2 — b 2 


achsen 


a 


— V a 2 — b 2 <q < 0, 0 < q < 


b 2 


<Q< 


b 2 


+v< 


b 2 


ist. Im ersten Intervall liegt der Mittelpunkt von c Q auf der Geraden (3) 
links von der y - Achse (siehe Fig. 1) und folglich der in Frage kommende 
Bogen von ergänz oberhalb der x- Achse; infolgedessen müssen wir e = 0 
nehmen und den Streifen 2 durch die x -Achse und die Gerade ?/=d 
begrenzen. In diesem Streifen hat diejenige Hyperbel c Q den längsten 
Bogen, deren zwischen der ?/~Achse und der Geraden x — 2 r 0 liegender Schnitt- 
punkt Q mit der Geraden y = d die gröfste Abszisse hat. Da nun die 
Gerade y = 6 die Ellipse (4) nicht schneidet und somit von keiner Hyperbel 
c Q berührt wird, zeichnet der Büschel der Hyperbel c Q in sie eine elliptische 
Punktinvolution ein, deren Mittelpunkt auf der Hyperbel c^, d. h. auf der 
Geraden ax -f- r 0 y = 0 liegt; hieraus erkennen wir, dafs Q sich stetig 
in der Dichtung der wachsenden x bewegt, wenn wir q das erste Intervall 
durchlaufen lassen, und die gröfste Abszisse x 0 für q = 0 annimmt. Im 
ersten Intervall also erhalten wir für e — 0 die Hyperbel, die 
sich der a;-Achse auf die längste Strecke anschliefst, und die 
Länge dieser Strecke ist die Abszisse x 0 desjenigen Schnitt- 
punktes der Hyperbel mit der Geraden y=ö, der auf der posi- 
tiven Seite der z/-Achse liegt. Es ist 


71 


( 6 ) 


= r » a ’\/ + Ä) 


worin der positive Wert der Quadratwurzel zu nehmen ist. 

Im zweiten und dritten Intervall liegt der Mittelpunkt von c Q auf der 
positiven Seite der ?/-Achse, und infolgedessen tritt der in Frage kommende 

Fig. 1. 


Y 



Bogen von c Q auch in das Gebiet unterhalb der x -Achse (siehe Fig. 1), 
wobei sein tiefster Punkt der eine Scheitel S Q von c Q ist. Deshalb werden 
wir den Streifen 2 so begrenzen, also s den Wert s Q beilegen, dafs die 
Gerade y = — s Q S die zu S Q gehörige Tangente von c Q ist. Lassen wir nun 
q von 0 an wachsen, so bewegt sich S Q vom Koordinatenursprung aus- 
gehend auf der Ellipse (4) nach rechts und entfernt sich dabei immer 
mehr von der x- Achse; weil aber der Streifen 2 die x - Achse enthalten mufs 
und deshalb s Q höchstens gleich 1 sein darf, brauchen wir q nur so weit 
wachsen zu lassen, bis S Q in den rechts der y - Achse liegenden Schnitt- 


72 


punkt S m zwischen der Ellipse (4) und der Geraden y — — d hineinfällt. 
Die Abszisse von S m und zugleich die Abszisse des Mittelpunktes der 
Hyperbel c m unseres Büschels, deren Scheitel S m ist, finden wir gleich 

a 2 0 a V a — r 0 \ 2 a) 

worin der positive Wert der Quadratwurzel zu nehmen ist; infolgedessen 
ist der Wert von q : für den sich die Hyperbel c m ergibt, 

(a — r 0 )S_ , 

a T 

in Betracht, 


(7) 






Es kommt also für uns nur das Intervall 0<qSQ> 

und dieses dürfen wir stets als vollständig in dem zweiten unserer oben 

a 2 £2 

genannten Intervalle enthalten voraussetzen: Für q = rückt näm- 

a 

lieh der Mittelpunkt von Cg in den Punkt M , so dafs S Q die Ordinate 
— (a — b) erhält; wir dürfen aber stets a — fr>d annehmen, da sich 
sonst die Ellipse mit den Halbachsen a und b nicht merklich von einem 

Kreise unterscheiden würde. Also ist sicher q m < — . 


Wenn wir nun q das zweite Intervall von 0 bis q m < 


b 2 


durch- 


laufen lassen, so müssen wir den Wert von q aufsuchen, für den die 
Hyperbel Cg die Gerade y = (1 — in einem Punkte Q q mit möglichst 
grofser positiver Abszisse schneidet. Die Abszisse von Q q setzt sich nun 
aus zwei Teilen zusammen: Der eine Teil ist die Abszisse von Sg und wächst 
mit q. Der andere Teil ist die Hälfte der Sehne, die von der Hyperbel 
Cg aus der Geraden y = (1 — Sg)6 ausgeschnitten wird; diese Sehne liegt 
immer im Abstande d vom Scheitel Sg und wächst ebenfalls, während q 
das zweite Intervall durchläuft, weil dabei sich immer ähnlich bleibt, 
aber zugleich eine immer gröfsere reelle Halbachse (gleich der vertikalen 
Strecke zwischen der Geraden (3) und dem oberen Bogen der Ellipse (4) 
erhält. Infolgedessen nimmt in unserem Intervall die Abszisse von Q q mit 
wachsendem q zu, und wir erkennen hieraus, dafs q m der gesuchte Wert von q ist. 

Für q — q m wird der Streifen 2 begrenzt durch die Gerade y = — d 
und y — 0; mithin ist dann Qg der zweite Schnittpunkt Q m der Hyperbel 
c m mit der a:-Achse. Die Abszisse von Q m ist doppelt so grofs wie die 
von S m , also . 

= + 2 r 0 - \/-— (i - J-\ 

a u a V a — r 0 \ 2 a) 


( 8 ) 


x, 


Hiernach haben wir das folgende Ergebnis: Wenn wir für q den in 
Gleichung (7) gegebenen Wert q m wählen, so erhalten wir die 
Hyperbel, die sich — für ein bestimmtes d — der a>Achse auf die 
längste Strecke anschliefst; die Länge dieser Strecke können 
wir aus Gleichung (8) entnehmen. 

§ 6. Verwertung des Ergebnisses für die Ellipse. 

Gehen wir nunmehr wieder zu den Kreisen über, von denen die 
Ellipse in einem Scheitel der grofsen Achse berührt wird, so haben wir 
für q = 0 den Krümmungskreis. Wir sehen zunächst: 


73 


Bei gegebener Striclibreite d nähert in jedem Scheitel der 
grofsen Achse einer Ellipse der Krümmungskreis die Ellipse besser 
an als jeder kleine Kreis, aber schlechter als die gröfseren 
Kreise, deren Radien die Gröfse r m nicht überschreiten; 

der Kreis mit dem Radius r m liefert die beste Annäherung. 


Wir bezeichnen mit & 0 und die exzentrischen Anomalien 
der Punkte der Ellipse, bis zu denen sie durch den Krümmungs- 
kreis und durch den Kreis mit dem Radius r m angenähert wird. 
Dann haben wir 

■■■ d 


(6 a) 
und 


cos 


0 _ 1 r 0 ~ 1 a V o - r 0 V + 2 rj 


X , 


= i — 2 - — 2 -y— ~ (i — mi 

a a v a — r n \ 2 a) 


(8 a) COS 'd'm = 1 

r° w/ w - w f 0 

worin wieder die positiven Werte der Quadratwurzeln zu nehmen sind. 

An die Stelle der Gleichungen (6a), (7), (8a) können wir einfachere 
Näherungsformeln setzen, die einer konstruktiven Ausnützung zugäng- 
lich sind, nämlich: 

T 


(6b) 


(7b) 


COS 


V: 


8 (« — r 0 ) 

Qm 


(q— ro)>)T | fe-t / 

a L a V ) 
(8b) 


8(a — r 0 ) 

cos — 1 


b \f 2 3 

= 1 — y (p , 

a v a —r 0 

(, , 8 \-£ S\f 8 

— ~y 2 8 (a — r 0 ) -f 


b 

<Pv 


8 (a — r 0 Y 


2 h - 

a 


< <P 2< 

yz! 

V a — 


(a — r 0 )8 
a 

~ ^3’ 


ri_ & V :i. 

L «V S(a—r 0 )V 


26 \ 
a 


[> - ‘VK(. -äi <* < ”[> -: 


Wenn wir zu der bereits gemachten Annahme, dafs a — b> 6 sein 
soll, die Voraussetzungen hinzufügen, dafs a>2 6 und r 0 > d, also 


b > '^d ist, so haben wir a — 6 > r, 


0 ’ 


(a t 0 ) t 0 ($ d) d, 


^ i / 6 — a ^ d / a 

b V 8(a — r 0 ) ft 1 8(a — r 0 ) r 0 ^ a V 8 (a — d) 

und erkennen, dafs die angegebenen oberen Grenzen für die Fehler, die man 

bei der Anwendung der Näherungsformeln machen kann, kleiner als — , bezw, 

ct 

d, bezw. -—sind. Da d die Breite eines Striches, also die kleinste in 

Gj 

Betracht kommende Strecke ist, sind diese Fehler ohne Belang, wenn nur 

a eine Strecke von endlicher Gröfse ist. Allerdings sind, wenn - sehr 

a 

klein ist, auch die vorletzten Glieder der rechten Seiten der Formeln (6 b), 


74 


(7b), (8b) sehr klein; aber wir befinden uns dann an der unteren Grenze 
dessen, was wir noch konstruieren können, und haben mit verhältnismäfsig 
sehr bedeutenden Genauigkeitsfehlern zu rechnen, die in gleicher Weise 
den Nutzen der exakten Formeln wie den unserer Näherungsformeln illu- 
sorisch machen. 

6 2 

Wenn wir in den Formeln (6 b), (7b), (8b) r 0 = — einführen, so er- 

ß 

kennen wir, dafs die in ihnen angebenen, bezw. aus ihnen folgenden Aus- 
drücke für cos # 0 , — , cos d'm sowohl, wie die zugehörigen Fehlergrenzen 
ct 

allein von den Verhältnissen — und — abhängen. Diese Bemerkung er- 
möglicht es, eine einfache Tabelle für die Gröfsen cos # 0 , — , cos nach 

Ct 

den Näherungsformeln (6b), (7b), (8b) auszurechnen; dabei nehmen wir bei 
einer Ellipse, deren halbe grofse Achse a = 5 cm ist, eine Strichbreite 
4 = 0,1 mm, also d = 0,002 a an und bestimmen auch die Fehler, die 
durch die Benutzung dieser Formeln entstehen; wir finden, dafs durchweg 
die obere und die untere Fehlergrenze bis zur dritten Dezimale überein- 
stimmen, und erhalten die Tabelle: 


b 

a 

1 0,1 

1 

0,2 

0,3 

0,4 

0,5 

0,6 

0,7 

0,8 

0,9 

P TO 

a 

0,006 

0,012 

0,019 

0,023 

0,027 

0,030 

0,032 

0,030 

0,025 

Fehler 

+ 0,002 

+ 0,002 

+ 0,002 

+ 0,002 

+ 0,001 

+ 0,001 

+ 0,001 

+ 0,001 

+ 0,000 

cos % 

0,994 

0,987 

0,979 

0,972 

0,964 

0,953 

0,938 

0,916 

0,869 

Fehler 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

— 0,000 

$o*) 

6° 

9° 

12° 

14° 

16° 

18° 

20° 

24° 

30° 

cos 3 m 

0,987 

0,974 

0,958 

0,945 

0,927 

0,905 

0,882 

0,831 

0,739 

Fehler 

— 0,004 

- 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

— 0,004 

Sr to*) 

9° 

13° 

17° 

19° 

22° 

25° 

00 

© 

34° 

42° 


— hat für — = = ein Maximum. 

a a y 2 

Nach den Näherungsformeln können wir # 0 , q m konstruieren; in 

Fig. 2 ist die Konstruktion für a = 5 cm, — = 0,6, d = 0,1 mm ausgeführt, 

ct 

und es wird zu ihrer Erläuterung folgendes genügen: MA und MB sind 

*) % und sind stark abgerundet. Der Fehler der Näherungsformel ist hei % 

durchweg und hei für — >0,4 ganz ohne Belang; er steigt hei bis zu 1°20', 
a 

ist also auch in seinem Maximum nicht von grofsem Einflufs. 


75 


die beiden Halbachsen der Ellipse; K 0 ist der in üblicher Weise gefundene 
Krümmungsmittelpunkt für den Scheitel A, so dafs F 0 A = r 0 und MK 0 
= a — r 0 ist Dann ist K 0 D = 3 mm aufgetragen und somit K n E 
= y iKZo . K q D = V(ä — r 0 ) 30 6 oder angenähert K 0 E= 4 ]/2S (a— r ö ) ; 

ferner ist K 0 T= V 4 K 0 E und TK m || C K 0 , mithin K m K 0 = ^K 0 T, 
d. h .K m K 0 = Q m Also ist K m der Mittelpunkt des günstigen Kreises, 


Fi g. 3. 



dessen Radius r m = r 0 + Qm = A ist. — Ist ferner K 0 ' der Krümmungs- 
mittelpunkt für den Scheitel B und H der Schnittpunkt von K 0 ' K m mit 

BC, so ist HC — — - — Q m und folglich MF=BH=a( 1 ) 

ci Tq ' ci r 0 / 

= a . cos i9- 0 ; ebenso ist, wenn wir AG = 2 AF machen, M G = a . cos 
Auf den Loten, die wir in F und G auf MA errichten, liegen also die 
Punkte P 0 und P m bis zu denen die Ellipse durch den Krümmungskreis 
und durch den Kreis mit dem Mittelpunkt K m ersetzt werden kann. 


76 


Teil II: Die Scheitel der kleinen Achse. 

§ 7. Wiederholung der Überlegungen von § 2 bis § 5 für die 
Scheitel der kleinen Achse. 

Wenn wir dieselbe Untersuchung für die Scheitel der kleinen Achse 
der gegebenen Ellipse anstellen, müssen wir die Überlegungen des I. Teiles 
mit den notwendigen Abänderungen wiederholen. Wir erhalten dann statt 
der Gleichung (1) die Gleichung 

(9) y{y - h 2r) — (1 — sin d) [(b 2 — a 2 ) (1 — sin &) + 2 (a 2 — br)] 

und formen sie um in die — der Gleichung (2) entsprechende — Gleichung 

( 10 ) [(a 2 — V) x 1 + r' 0 y* -f 2 r' 0 y\ — 2 o' [a 2 x + r\ y\ — 0, 
indem wir den Krümmungsradius 

, _ a 2 

T °~~b 

der Ellipse in den Scheiteln ihrer kleinen Achse ein führen und 

r = r f o - q', 

x = r' 0 (1 — sin $j, (0<x<2 r' 0 ) 

setzen. Die Gleichung (10) wird uns wieder durch einen Büschel von 
Kegelschnitten (<y) veranschaulicht, wenn wir g f als Paramenter auffassen; 
aber diese Kegelschnitte sind jetzt ähnliche Ellipsen, deren Hauptachsen 
parallel den Koordinatenachsen sind, und zwar ist das V erhältnis der zur 


x - Achse parallelen Hauptachse gleich 


y a 2 — b 2 


Von den Grundpunkten 


des Büschels (<y) sind zwei endlich und reell (x = y = 0 und x = 2 r' 0 , 

y = — 2b) und zwei unendlich fern und imaginär (gegeben durch (a 2 — b 2 )x 2 

2 

-|- r' 0 y 2 = 0). Der Mittelpunkt einer Ellipse c Q ’ hat die Koordinaten 


x ~ a 2 — V 
und liegt stets auf der Geraden 

<"> T-V 

r 


y = — (r' 0 — ?') 


h^r = l. 


— r 


0 a 2 


b 2 


Die Scheitel der zur sc-Achse parallelen Hauptachsen der Ellipsen c Q > er- 
füllen die Gleichung 

(12) (a 2 — & 2 ) x 1 — r' 0 y 2 - f 2 r ' 0 xy — 2 r' 0 y = 0 

(aj 

und die Scheitel der anderen Hauptachsen die Gleichung 

(13) ( a 2 — b 2 ) x 2 — r' 0 y 2 — 2 a 2 xy — 2 r' 0 a 2 x = 0; 

diese beiden Gleichungen stellen zwei Hyperbeln dar, deren gemeinsamer 
Mittelpunkt M (x = r' 0 , y = — b) auf der Geraden (11) liegt, die in den 
Punkten (x = y = 0) und (x = 2r' 0 , y = — 2b) zur x-, bezw. «/-Achse 
parallele Tangenten haben und deren zur Geraden (11) konjugierte Durch- 
messer zur «/-Achse, bezw. zur rr-Achse parallel sind. 

Da das Wesentliche in der Lage des Büschels der Ellipsen cy gegen 

die Koordinatenachsen bei den verschiedenen Werten von - zwischen 0 

a ■ 


77 


und 1 ungeändert bleibt, gibt Fig. 3 ein immer gültiges Bild von den 
Lageeigenschaften dieses Büschels. 

Es handelt sich jetzt — genau wie in § 5 — darum, den Wert von 
q' zu finden, für den die zugehörige Ellipse <y zwischen der ?/-Achse und 
der Geraden x — £r' 0 möglichst lange in dem Streifen 2 zwischen den 
beiden Geraden y = — € d, y = (1 — e) d, [.0 < s < 1], verläuft. I s t q' < 0, 
so müssen wir e—\ wählen und finden, dafs wir für q' = 0 die 
Ellipse erhalten, die die Gerade y — d in einem Punkte Q r 0 mit 


Fig. 3. 



' 0 schneidet. Es ist 


möglichst grofser positiver Abszisse x 

< 141 - 
worin der positive Wert der Quadratwurzel zu nehmen ist. 


Ist(/>0, so bestimmen wir s so gleich s Q ’, dafs die Gerade y=(l — 
Tangente der Ellipse ist, und es kommen für uns nur die Werte von q' 
in Betracht, die kleiner sind, als der — mit positiver Quadratwurzel zu 
berechnende — Wert 

(15) g', fr — (/ ° 73 + f ]/ - b)(l + ^). 

für den = 0 ist. Wie in § 5 dürfen wir — unter der Voraussetzung 


78 


a 2 _ £2 

a — b > ü — immer annehmen, dafs Q f m — ist, d. h. kleiner als der 

Wert, für den der Mittelpunkt der Ellipse cy in den Punkt M hineinfallt. 
Aber wir können nicht in der Weise, wie in § 5, schliefsen, dafs Q f m der 
günstigste Wert von q' ist: 

^2 2 

Lassen wir nämlich q' das Intervall von 0 bis q f m < — durch- 
laufen, so besteht die Abszisse des Punktes Q in dem die Ellipse <y von 
der Geraden y= — e Q >d auf der Seite der positiven x geschnitten wird, 
wiederum aus zwei Teilen, aus der Abszisse p des Scheitels Sj von c p 
(siehe Fig. 3) und aus der halben Sehne q , die durch cy in die um 6 von 
Sq' entfernte Gerade y = — eingeschnitten wird; jedoch wächst dabei 
nur p, während q kleiner wird, weil die kleine Halbachse t der Ellipse <y 
von r f 0 bis t m > a abnimmt. Wir können also ohne weiteres nichts über 
das Verhalten von p -J- q aussagen, sondern müssen uns folgend ermafsen 
helfen : 

t ist Funktion von p und nimmt von r' 0 bis a ab, wenn p von 0 
bis zum Werte r' 0 wächst, für den t ein Minimum besitzt; mithin ist 
o>^ ry 
— dp — L dp 

y = — f und aus der Gleichung (12) y = t'\ so ist da nun 

dt ' g 2 — b 2 , rdf'l A . , n A • i r [dtl 

und — — — 0 ist, so finden wir, dals -=— 

ldpj p = 0 ldpJ p = o 


m . Berechnet man für x = p aus der Gleichung (11) 
L Ct P J n = 0 


dp a 

__ g 2 — b 2 
a 2 

und t besitzt, 


und 


ist. Ferner ist, da die Ellipse c Q > die Halbachsen 


ff = 


r' 0 t 


Vtt 2 — b 2 


d q 


a*-b*y U 2 )zt — S' 


d t 

wobei immer der positive Wert der Quadratwurzel zu nehmen ist, weil 

g 2 g 2 

q mit t zugleich abnimmt und wächst. Wir haben nun 0 < ^ — 1 < ^ 2 , 


_ b 2 

r > a, —r, 


ü und deshalb auch 


g 


\/( g 2 \ 6 V-i/a a 6 a/ ö 

v U ! V 2 1 - <5 ^ V b*2a — S *2 r _rf <1 


und 


0 < 


d q 
dt 


b 2 ' 


Mithin ist in dem von uns betrachteten Intervall 0 > > — 1, ^ > 0 

dp dp 

und auch ^ ^ ^ > 0; also nimmt die Abszisse p -J- q des Punktes Q q > 

fortwährend zu, und wir haben — ähnlich wie früher — den Satz: 


79 


Wenn wir für q' den in Gleichung (15) gegebenen Wert q' m 
wählen, so erhalten wir die Ellipse <y, die sich — für ein be- 
stimmtes ö — der a:- Achse auf die längste Strecke anschliefst. 
Die Länge dieser Strecke ist die Abszisse des zweiten Schnitt- 
punktes jener Ellipse mit der :r-Achse und gegeben durch 


(16) 


x 


b + V r’—b\ + 2b)’ 


worin der positive Wert der Quadratwurzel zu nehmen ist. 


§8. Folgerungen für die Ellipse. 

Wir schliefsen aus den Ergebnissen des § 7 ähnlich wie früher das 
Folgende: 

Bei gegebener Strichbreite 6 nähert in jedem Scheitel der 
kleinen Achse einer Ellipse der Krümmungskreis die Ellipse 
besser an als jeder gröfsere Kreis, aber schlechter als die 
kleineren Kreise, deren Radien nicht kleiner sind als r' m = r \ — 
der Kreis mit dem Radius r' m liefert die beste Annäherung. 

Wir bezeichnen mit #' 0 und &’ m die exzentrischen Anomalien 
der Punkte der Ellipse, Ms zu denen sie durch den Krümmungs- 
kreis und durch den Kreis mit dem Radius r' m angenähert wird. 
Dann haben wir: 


sin »' m = 1 -%r = 1 + 3 \ - 2 | V?^! 1 + Ä)’ 


(14a). 
und 

(16 a) 

worin ebenfalls die positiven Werte der Quadratwurzeln gelten. 

An die Stelle der Gleichungen (14a), (15), (16a) setzen 
Näherungsformeln: 

= 1 — * V?~h + 


wir 


die 


(14b) 


sin 


-V 

a V 


8(r’ 0 -b) 


< 


- <*l/ 4 r ä \-l 

2 r’J ’ 


(15 b) 

(r' 0 — &)dr a a/ 

b L b V i 

(16b) 


e '„, = |y 2 4(r' 0 -6) -y' 2 , 

(r\-b)S\ «4 / ~S ( 

b V 8(r'o — b)\ 


8 (/„-&) 
sin i)'„, 


«*2< 


1 + 


2 b 


n 




2 d\ 
b 


[>- - Bfe] <*■.<%- +&-*]■ 

Aus ihnen rechnen wir unter denselben Voraussetzungen wie in § 6, d. h. für 
= 0,002 a, die Tabelle: 


^ 31 


80 


b 

ci 

0,1 

0,2 

0,3 

1 

0,4 

0,5 

0,6 

0,7 

0,8 

0,9 

p'm 

a 

1,990 

0,693 

‘ 0,368 

0,229 

0,155 

0,109 

0,077 

0,053 

0,032 

Fehler 

- 0,188 

- 0,046 

— 0,019 

— 0,010 

— 0,006 

— 0,0 4 

— 0,002 

— 0,001 

— 0,000 

sin Sr' 0 

0,799 

0,856 

0,879 

0,891 

0,897 

0,898 

0,894 

0,882 

0,857 

Fehler 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

+ 0,000 

y„*) 

53° 

59° 

62° 

63° 

64° 

64° 

63° 

62° 

59° 

sin Sr r m 

0,598 

0,711 

0,758 

0,782 

0,793 

0,796 

0,789 

0,764 

0,694 

Fehler 

4- 0,038 

+ 0,019 

+ 0,013 

+ 0,010 

+ 0,008 

+ 0,007 

+ 0,006 

+ 0,005 

+ 0,004 

Sr f 7 n *_) 

37 o 

45° 

49° 

51° 

52° | 

53° 

52° 

50° 

44° 


Weil (/ TO , sin d'o, sin &' m aus cos # 0 , cos & m im wesentlichen durch 
Vertauschung der Halbachsen a und b entstehen und weil in beiden Tabellen 

— als unabhängige Veränderliche genommen wurde, ist in dieser Tabelle 

Cb ' 

der Verlauf der Funktionen anders als in der ersten; hier haben sin#' 0 

b 1 

und sin #' m Maxima für — 

Wir können q r m und die Punkte P' 0 und P' m , bis zu denen die Ellipse 
durch die Kreise mit den Radien r' 0 und r' 0 ■ — q' m ersetzt werden darf, 
mit genügender Annäherung nach den Formeln (14b), (15 b), (16 b) kon- 
struieren; dies geschieht genau analog, wie es in § 6 angegeben wurde, 
und ist ohne weiteres aus Fig. 2 zu erkennen. 

*) Auch hier sind Sr' 0 und S'm stark abgerundet. Der Fehler der Näherungsformel 
ist bei %'m bedeutend gröfser als bei SmV.er beträgt etwa 1° für — = 0,3 und etwa 3° 

Q) 

für - = 0,1. 

a 









:n« •; i.; :*H'f t 


i [ ' * i r i . 







VII. Hauptversammlungen S. 11. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 14 und 15. 
— Wahl eines Verwaltungsrats- Mitgliedes S. 14. — Kassenabschlufs für 1909 S. 12, 
13 und 16. — Voranschlag für 1910 S. 12. — Geschenk für die Bibliothek S. 13. — 
Vertretung der Isis auf dem 5. Internationalen Ornithologenkongrefs S. 13. - Aufruf 
zum Sammeln und Registrieren paläontologischer Funde aus Sachsen S. 14. — Ein- 
ladung zu dem Vortrage von A. Heim über Neuseeland S. 12 — Feier des 75jährigen 
Bestehens der Isis S. 13. — Bergt, W.: Der Vesuv und seine Veränderungen 
S. 13. — Deichmüller, J.: Gründung eines Lokalvereins „Dresden“ der Deutschen 
Anthropologischen Gesellschaft S. 12. — Hentschel, W.: Das züchterische Element 
in den älteren Kulten, insbesondere im Dionysoskult S. 13. — Schanz, F. und Stock- 
hausen, K.: Die Wirkungen der kurzwelligen Lichtstrahlen auf das Auge S. 11. — 
Wislicenus, A.: Faserstruktur und Holzbildung vom Standpunkte der neueren 
Kolloidchemie S. 12. — Besichtigung der Fabrik von H. Ernemann, Aktien- 
Gesellschaft für Camera-Fabrikation S. 14. 


B. Abhandlungen. 

Foerster, F.: Rückblick auf die letzten 25 Jahre des Bestehens der Naturwissenschaft- 
lichen Gesellschaft „Isis“. S. 3 
Kalkowsky, E.: Geologie und Phantasie. S. 10. 

Ludwig, W.: Über die Annäherung einer Ellipse durch ihre Scheitel-Krümmungskreise. 
Mit 3 Abbildungen. S. 67. 

Verhoeff, K. : Über Diplopoden: 18. (38.) Aufsatz. Die nordböhmisch-sächsische Fauna 
und ihre Bedeutung für die Zoogeographie Mitteleuropas. S. 20. 


Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer 

Abhandlungen . 


Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf 
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er- 
stattung der Herstellungskosten. 


Sitzungskalender für 1910. 

September. 29. Hauptversammlung. 

Oktober. 6. Zoologie. 13. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 20. Botanik. 
27. Hauptversammlung. 

November« 3. Mineralogie und Geologie. 10. Physik und Chemie. 17. Zoologie. 
.24. Hauptversammlung. 

Dezember. 1. Botanik. 8. Mathematik. 15. Prähistorische Forschungen. 22. Haupt- 
versammlung. 


Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs- 
berichte der „Isis“, welche durch die Burdachsche Hofbuch- 
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender 


Weise festgestellt worden: 

Denkschriften. Dresden 1860. 8. . . . . . . 1 M. 50 Pf. 

Festschrift. Dresden 1885. 8 . . . 8 M. — Pf* 

Schneider, 0.: Näturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der 

Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 1. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 . ... 1 M. 80 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, der Jahrgang. . . 1 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und '868, der Jahrgang. . . 8 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember . . . . 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-Dezember 31. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1878, der Jahrgang . . . 4M. — Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni . . . . . . 2 M. 50 Pf. 

Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember 3 M. — Pf. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl881. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884, 

1887 bis 1909, der Jahrgang . . . 5 M. — Pf. 


Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgangl886. Juli-Dezember 2 M. 50 Pf. 
Sitzungsberichte und Abhandlungnn. Jahrgang 1910, Januar-Juni 2 M. 20 Pf 

Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt. 

Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch 
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der Sitzungsberichte 
werden von dem ersten Sekretär der Gesellschaft, d. Z. Hofrat 
Prof. Dr. Deichmüller, Dresden -A., Zwingergebäude, K. Mineral.- 
geolog. Museum, entgegengenommen. 

Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus- 
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder 
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins- 
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber 
in den Sitzungsberichten quittiert wird. 

■' ■ ; , T ' - t T 

Königl. Sachs. Hofbuchhandlung 

I H. Burdach ~ — 


Schlofsstrafse 32 DRESDEN Fernsprecher 152 

empfiehlt sich 

zur Besorgung wissenschaftlicher Literatur. 



Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung in Dresden. 



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/ 


Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



resden. 


Herausgegeben 

von dem Redaktionskomitee. 


Jahrgang 1910. 


.Xixli bis Dezemb 

u 


Mit 1 Tafel und 6 Abbildungen im Text. 

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Dresden. 

In Kommission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Bur dach. 

1911 . 


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Redaktionskomitee für 1910. 


Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. F& Fo erster. 

Mitglieder: Prof. Dr. E. Lohr mann, Prof. Dr. F. Neger, Oberlehrer Dr. P. Wagner, 
Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. H. Rebenst<$jrff und Prof. Dr. A. Witting. 

Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller. 

Ü 

4m . 


Sitznngskalender für 1911. 

Januar. 12. Mineralogie und Geologie. 19. Physik üßü Chemie. 26. Hauptversammlung. 

Februar. 2. Zoologie und Botanik. 9. Mathematik. 16. Botanik. 23. Hauptver- 
sammlung. 

März. 2. Mineralogie und Geologie. 9. Mathematik. 16. Prähistorische Forschungen. 
23. Physik Und Chemie. 30. Hauptversammlung. 

April. 6. Zoologie. 20. Botanik. 27. Hauptversammlung. 

Mai. 4. Mineralogie und Geologie. 11. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 
18. Hauptversammlung. 25. Exkursion. 

Juni. 1. Physik und Chemie. 15. Zoologie. 22. Botanik. 29. Hauptversammlung. 
September. 28. Hauptversammlung. 

Oktober. 5. Mineralogie und Geologie-. 12. Mathematik. 19. Physik und Chemie. 
26. Hauptversammlung. 

November. 2. Prähistorische Forschungen. 9. Zoologie. 16. Botanik. 23. Mineralogie 
und GeologieJfcßO. Hauptversammlung. 

Dezember. 7. Physik und Chemie. 14. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 
21. Hauptversammlung. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen Gesellschaft 

ISIS 

in Dresden. 


1910. 



V. Beiträge zur Ermittelung der Tragkraft und Bewegung 
eines Freiballons mit Hilfe von Logarithmenpapier. 

Von Dr. Paul Schreitoer. 

Mit 1 Tafel. 


I. Die Beziehungen zwischen Höhe, Barometerstand und Temperatur. 

Bei den nachstehenden Untersuchungen vernachlässige ich die Ein- 
wirkung des Wasserdampfgehaltes der Luft und der Abnahme der Schwer- 
kraft mit der geographischen Breite und der Höhe, nehme aber an, dafs 
an den durch Quecksilberbarometer bestimmten Werten des Luftdruckes 
die Schwerekorrektion angebracht sei. 

Dann gilt für das spezifische Gewicht der Luft die Formel 

p b 

PTT - iTT’ 


worin 

y das Gewicht von 1 cbm Luft in Kilogrammen, 
p den Luftdruck in Kilogrammen pro qm, 
b den Barometerstand im Millimetern Hg- säule, 

T die absolute Temperatur, 

P == 29,272 die Luftkonstante bei Rechnung mit p , 

P= P: 13,596 = 2,153 bei Rechnung mit b 
bedeuten. Es ist p = 13,596 b. 

Die Differentialgleichung, welche das Gesetz der Abnahme des Druckes 
mit der Höhe h angibt, ist 

dp db dh 

p ~ b ~ PT 


1. Die Lufttemperatur nimmt proportional mit der Höhe ab. 
Es sei r das Temperaturgefälle in Celsiusgraden pro Meter Höhe, 
T 0 die Temperatur der Erdoberfläche. Dann ist die Temperatur in der 
Höhe h 

(1) ^ ^ T=T 0 -rh. 

Alsdann liefert die Integration der Differentialgleichung 

r . P (log b 0 — log b) = log T 0 — log T= — log (l — ~ Tij’ 

Ich setze 


1c — i • P und 



i 



i 


* 


( 2 ) 


84 


Weiter schreibe ich 

A log b = log b 0 — log b A log T— log T 0 — log T 
und erhalte einfach 

k • A log b = A log T= — log (1 — q h). 

2. Die Lufttemperatur ist in allen Höhen gleich. 

Diese Formel versagt, wenn r = Null ist, also in allen Höhen T= T 0 
angenommen werden darf. Dann liefert die Integration 


Alog&= 

worin M= 0,43429 den logarithmischen Modul bedeutet. 
Ich setze 

(2a) m = l° 7 iW 

und erhalte 


10 7 A log b = m h. 

Die Formeln sind also 

(I) T= To — t h, 

k Mlog b — A log T= — log (1 — q li) (t ^ 0) 

10 T Alog^ = m/z (t — 0). 

Die Gröfsen k und q sind durch x und T 0 bestimmt, m ist nur eine 
Funktion von T 0 und ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle. 


Die Temperaturzahlen m 


T 

0 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

200 

742 

739 

735 

731 

728 

725 

721 

00 

t- 

714 

711 

210 

707 

704 

701 

697 

694 

691 

688 

685 

681 

678 

220 

675 

672 

669 

666 

663 

660 

657 

654 

652 

649 

2B0 

646 

643 

640 

638 

635 

632 

630 

627 

624 

621 

240 

619 

616 

614 

611 

609 

606 

604 

601 

599 

596 

250 

594 

592 

589 

587 

585 

583 

580 

578 

576 

573 

260 

571 

569 

567 

565 

563 

561 

558 

556 

554 

552 

270 

550 

548 

546 

544 

542 

540 

538 

536 

534 

532 

280 

530 

529 

527 

525 

523 

521 

519 

518 

516 

514 

290 

512 

510 

509 

507 

505 

504 

502 

500 

498 

497 

300 

495 

493 

492 

490 

489 

487 

486 

484 

483 

482 


Man erkennt, dafs die Gleichungen (I) sich auf die Formen 
log b = a ß- • log T oder 
log b = a -f- ß • h {a und ß Konstante) 

bringen lassen. Man kann also zu der praktischen Rechnung das Loga- 
rithmenpapier von Carl Schleicher & Schüll in Düren (Rheinland), welches 
mein Herr Namensvetter Dr. ing. A. Schreiber im Jahrgang 1909 der 
Sitzungsberichte der Isis, Seite 28, beschrieben hat, verwenden. Ich be- 
nutze dazu die Fabrikationsnummer S67 1 / 2 und 875 4/ a , bei denen ein 
Mantissenbereich der logarithmischen Teilung 25 cm lang ist. 


85 


Beispiel. Es sei b 0 = 750 mm, T 0 = 300°, r = 0,01, 1c = 0,293 
Dann folgt aus (1) 

T= 300 — 0,01 h, 

0,293 (log 750 — log b) — log 300 — log T. 

Wird hierin b — 100 mm angenommen, so ergibt sich T= 166,3°. 


h = 


300 — 166,3 133,7 


= ~~~ = 13370 m. 


0,01 0,01 

Der Barometerstand 100 mm findet dort statt, wo T= 166.3° ist, und 
dies mufs nach der Annahme r = 0,01 in der Höhe 13370 m sein. 
Würde aber bei b 0 = 750 mm, T 0 = 300°, r= Null sein, so wäre m— 495, also 
10 7 (log 750 — log b) = 495 • h. 

Für b = 100 mm ergibt dies 

h = 17677 m, also über 4300 m mehr. 

In der warmen Atmosphäre nimmt der Druck langsamer ab als in 
der kalten. 

Nun kommt das Logarithmenpapier in Anwendung und zwar das mit 
doppelter logarithmischer Teilung (ich will dies kurz ,, Doppelpapier“ nennen) 
versehene, wenn x einen endlichen positiven oder negativen Wert hat, und 
das „Einfachpapier“, wenn t = Null ist. 

In dem Doppelpapier gibt man mit den Koordinaten 
T 0 = 300 0 b 0 = 750 mm 

T = 166,3 b = 100 

die zwei Punkte an, welche in Tafel I, Fig. 1 durch Doppelringe kenntlich 
gemacht worden sind. 

Zwei derartige weitere Punkte werden im Einfachpapier mit den 
Koordinaten 

h == 0 b 0 = 750 mm 

h = 17 677 m b = 100 mm 


eingetragen, wie dies Fig. 2 zeigt. 

In Fig. 1 wurden nun die zwei eingetragenen Punkte durch eine Gerade 
verbunden, für welche die Gleichung 

0,293 (log 750 — log b lc ) — log 300 — log T 

gilt. Sie stellt sonach b als Funktion von T bei r = 0,01 dar; man kann 
ihr mit gegebenen T das zugehörige b entnehmen und dann auch nach 
T= 300 — 0,01 h die zugehörige Höhe h berechnen. Ist h gegeben, so 
berechnet man erst T oder entnimmt dies einer einfachen graphischen 
Darstellung in gewöhnlichem Koordinatenpapier. 

Will man die Barometerstände für li = 0, 1, 2, 3 usw. Kilometer kennen, 
so hat man die Schnitte der F unktionsgerad en mit den Abszissen 300°, 
290°, 280°, 270° usw. anzustechen und kann dann die b sofort ablesen. 

Um auch Werte von b unter 100 mm finden zu können, müfste man 
ein zweites Formular unten an fügen und die Funktionsgerade über dieses 
verlängern. Statt dessen kann man den Schnitt T= 166,3° mit b = 100 
heraufprojizieren und eine Parallele zu der ersten Geraden ziehen. Für 
diese behalten die Abszissen denselben Wert, die Ordinaten sind aber Ein- 
zehntel der Ordinaten der ersten Geraden. So könnte man weiter fort- 




86 


fahren und in demselben Quadrat alle beliebigen Koordinatengröfsen be- 
rücksichtigen. 

In Fig. 2 stellen die Funktionsgeraden die Gleichung 
10 7 (log 750 - log b w ) = 495 • h 

dar, gestatten also, b w mit gegebenen Werten von h oder umgekehrt ab- 
zulesen. 


h 

T 

h 

bw 

Ab 

h 

T 

h 

bw 

Ab 

km 

0 

mm 

mm 

mm 

km 

O 

mm 

mm 

mm 

0 

300 

750 

750 

0 

10 

200 

188 

240 

— 52 

1 

290 

667 

668 

— 1 

11 

190 

157 

214 

— 57 

2 

280 

591 

594 

— 3 

12 

180 

132 

191 

— 59 

3 

270 

524 

530 

— 6 

13 

170 

109 

171 

— 62 

4 

260 

461 

471 

— 10 

14 

160 

89,0 

152 

— 63 

5 

250 

401 

421 

— 20 

15 

150 

71,0 

137 

— 66 

6 

240 

350 

377 

— 27 

16 

140 

56,0 

122 

— 66 

7 

230 

302 

337 

— 35 

17 

130 

43,8 

108 

— 64 

8 

220 

260 

299 

— 39 

18 

120 

33,3 

95,5 

— 62 

9 

210 

221 

268 

— 47 

19 

110 

24,7 

85,8 

— 61 

10 

200 

188 

240 

— 52 

20 

100 

17,6 

76,7 

— 59 


In der vorstehenden Tabelle wurden die Resultate zusammengestellt. 
bk ist der Barometerstand in der kalten Atmosphäre («- = 0,01), b w der 
Wert, welchen das Barometer bei gleicher Höhe in der warmen Atmo- 
sphäre ( r = 0) zeigt. Die Differenzen erreichen bei 15 bis 16 Kilometer 
Höhe ihr Maximum und nehmen dann wieder ab. 

Nun ist es klar, dafs der Fall ^ = 0,00 in der Natur nur bis zu 
geringen Höhen Vorkommen kann. Die Abnahme der Temperatur um 10° 
pro Kilometer (das sogenannte adiabatische Temperaturgefälle) kann eher 
bis zu gröfseren Höhen vorhanden sein. In kleineren Höhen werden auch 
noch gröfsere Temperaturgefälle zeitweise vorhanden sein können und bei 
Inversionen wird man sogar mit negativen t zu rechnen haben. Im all- 
gemeinen werden aber die wirklich in einer Höhe li herrschenden Baro- 
meterstände zwischen den Werten b k und b l0 liegen. Kennt man das Tem- 
peraturgefälle, so wird man also — wenigstens angenähert — den Baro- 
meterstand aus b k und b w mittels Interpolation herleiten können. Um dies 
zu erleichtern, kann man die aus den beiden Figuren ersichtlichen gra- 
phischen Darstellungen sich ohne jede besondere Mühe machen. In Fig. 1 
wurden aus Fig. 2 die b w für die Höhen 0, 1, 2, 3 usw. Kilometer als 
Ordinaten über der Abszisse T=300° aufgetragen. Es wurden dann 
durch punktierte Gerade die zusammengehörigen bk und b w verbunden. 
Diese Geraden werden — wenigstens ungefähr — die Barometerstände 
für irgendein zwischen 0,00 und 0,01 liegendes x ergeben. 

In Fig. 2 wurde nach Fig. 1 die Kurve eingetragen, welche den Ver- 
lauf der bk ergibt. Je nach der Natur der Aufgabe wird man die eine 
oder andere dieser Darstellungen verwenden. Ich glaube, dafs diese An- 
gaben genügen und dafs es nicht nötig ist, hier noch auf die Einzelheiten 
weiter einzugehen. 


87 


II. Der Zustaudsfaktor rj uud der Bewegungsfaktor £. 

In allen den Formeln, bei denen es sich um Zustandsänderungen der 
Luft selbst oder eines in ihr befindlichen Körpers an irgendeiner Stelle 
der Atmosphäre handelt, tritt die Funktion 

b 

auf, während bei Bewegungsvorgängen die Funktion 

*=Vr 

erscheint. Man kann kurz rj als den Zustandsfaktor, £ als den Bewegungs- 
faktor bezeichnen. 

Ist rj o = der Zustandsfaktor an der Erdoberfläche, rj = ~ der 
Wert dieses Faktors in der Höhe h, so findet man nach (I) 

(II) A log rj = log rj 0 — log 7j = (1 — k) A log b = - A l°g T 

= — 1 /( . log (1 (< 70 JT > 0 


und analog 
(UI) A log £ = log £ 0 


= A log b = 10“ 7 m h 


log? = 


1 —k 


= + L 2l” l0g(1 - eÄ) 


2 


A log 6 = — -gj— A log T 


T = 0 


^0 


= — A log 5 '= — 1 10 ~ 7 mh. t = 0 

Zweck und Anwendung dieser Formeln werden sich aus dem Folgenden 
ergeben, es möge hier nur noch eine Eigenschaft der Funktion rj erörtert 
werden. 

Es sei rjjt wieder der Wert, den rj in der Höhe h erreicht, wenn das 
Temperaturgefälle r einen endlichen positiven Wert hat und rj w die Gröfse 
von rj, welche in derselben Höhe h bei r B 0 stattfinden müfste. Nach 
(1), (II) und (2) erhält man 

log Vo — log log (1 — Q h) = — l —j 7 - M ■ ln (1 — Q h) 

log % — log rj w — 10 ~ 7 m h = h = h 

also 

(3) u = log rj k - log r, w =M Q T{ li+ M ■ ln (1 - q h) = fy 

(4a) y = q h ( 1 — k) ln (1 — q h) 

(4b) = q h k — (,1 — Ti)qh h + ^ h 2 + . . .J- 

Aus (4b) folgt, dafs u bei kleinen Werten von h einen positiven Wert 
hat, also rj k > rj w ist. Diese Differenz erreicht bei einer gewissen Höhe ein 


88 


Maximum. Bei gröfseren Höhen nähert sich u wieder der Null und wird 
darüber hinaus negativ. 

Die Differentiation von (4 a) ergibt 

dy ( 1 1 — k \ 

. Th ^ Q { 1 — 1 

es wird das Maximum von u also bei 

(5) h mx = 1 j=T 0 P=H 

liegen und sonach nur von der Temperatur an der Erdoberfläche abhängen. 
Da T 0 zwischen 200 und 300° liegt, wird 

h = 5850 bis 8800 m betragen. 
u wird gleich Null, wenn 

1 ln (1 — q h) 

1 — k q h 

i + & + p = i + |a + £a* + . ... . 

geworden ist. Hieraus findet man als erste Annäherung 

(6 a) Ji u - o = 2 R 

und damit als zweite Annäherung 

(6b) 7*„ = o = 2jffjl-^/c 


III. Die Tragkraft TI eines motorlosen Ballons. 

Unter einem motorlosen Ballon soll ein mit irgendeinem Gas ge- 
füllter Ballon verstanden werden, dem keine Geschwindigkeit durch irgend- 
welchen Motor erteilt wird. Ist ein solcher vorhanden, so soll er in Ruhe 
sein. Unter Tragkraft soll dann die Differenz zwischen dem Auftrieb 
durch die verdrängte atmosphärische Luft und dem Gewicht des Füllgases 
verstanden werden. Ich bezeichne mit 

V a das Volumen der verdrängten Luft in cbm, 

Vi das Volumen des Füllgases in cbm, 

y a das spezifische Gewicht der verdrängten Luft in kg pro cbm, 

Yi das spezifische Gewicht des Füllgases. 

A ist der Auftrieb, F das Gewicht des Füllgases. Dann ist 

(7) A — V a y a F= Vi Yi, also die Tragkraft TT 

(8) n= A — F= V aY a— ViYi. 


Sind um den Ballon herum b der Barometerstand und T die absolute 
Temperatur, so ist 


y — J- — T l 

ya ET E 


E — 2,153. 


Im Ballon sei 

bi = b ~V Ab die Spannung und 

Ti — T-j- A T die Temperatur des Füllgases, 

6 soll die Dichte des Füllgases bezogen auf 

Luft von gleichem Drucke und gleicher Temperatur sein. Wird noch 


89 


( 9 ) 

so erhält man 


( 10 ) 


Ab 


= ß 


A T 


T 


# gesetzt, 


V 1 -f“ ß 0 ^ 

<=-&■— WOrln 


E 1 + 77 


a = l±tä 


1 + ^ 

die Dichte des Füllgases bezogen auf die den Ballon umgebende Luft 
bedeutet. 


Sonach ist 


(IV) 


77 


(Ta-Vi«). 


A. Der pralle und unten offene Stoff-Ballon. 

Besteht die Ballonhülle aus einem nicht ausdehnbaren Material (Stoff 
im Gegensatz zu Gummi), ist der Ballon voll mit Gas gefüllt und unten 
offen, so dehnt sich das Füllgas während des Aufsteigens aus und es ent- 
weicht ein Teil desselben. Sonach wird F immer kleiner, das Volumen 
bleibt jedoch konstant, es wird aber A b als Null betrachtet werden dürfen, 
und es können auf die Differenz a — d nur Temperaturverschiedenheiten 
einwirken. Meist wird man V a = V}=V annehmen dürfen und erhält dann 
nach (IV) 

V V 

n = £ (1 — <0 V = ß V- 

worin ^ die Dichtendifferenz bedeutet. Hieraus folgt 

n .r 

r, ~ V ß 

A logr / = Alog^ r = Alog-, 

da in der logarithmischen Differenz alle als Faktoren auftretenden und 
konstant bleibenden GrÖfsen weggelassen werden dürfen. 

Geht man nun auf das Gleichungssystem (II) zurück, so erhält man 

A log r) = A log — = (1 —k) A log b = - 7 -- A log T 

/i 

= — log (1 — Q Ä) ^ 0 

= A log b = lO^ 7 m h r = 0 

Man wird stets je zwei dieser Ausdrücke zusammennehmen können, 
je nachdem die Aufgabe lautet und es zweckmäfsig erscheint. 

2. Beispiel. Die Zustände der Atmosphäre sollen wie im 1. Beispiel 
sein. Es soll ein praller Ballon aufsteigen, der 2000 cbm Gas fafst. Das 
Gas habe die Dichte ö = 0,1. Man hat also 


90 


b 0 = 750 mm 


T 0 = 300° 


r = 0,01 
r = 0,00 
R = 2,153 
Hieraus 


Jc = 0,293 
495 
0,464 


(1 — k) = 0,707 


Vo : 

1 — k 


= 2,5 
= 2,41 


1 


30000 


m- 

1 

R 

findet man 
JJ 0 = 0,464 
Ilo 2088 


= 2000 

2000 X 0,9 
2320. 


öV. = d 


0,1 


^0 = 0,9. 


2,5 = 2088 kg 


1 % °> 9 

Das eiserne Gewicht, welches der Ballon unter allen Umständen mit 
in die Höhe nehmen mufs — Hülle, Netzwerk, Gondel usw. — kann man 
bei einem derartigen Ballon zu 500 — 600 kg rechnen. Sonach wird die 
Belastung höchstens 1500 kg betragen dürfen, wenn der Ballon aufsteigen 
soll. Da 4 = 0,1 angenommen wurde, können auch ziemlich grofse Werte 
von A & nur sehr geringe Änderungen in a bewirken, man kann a = 4 
in allen Höhen als konstant betrachten. Dann erhält man einfach 


A log rj = log 2088 — log II k = 0,707 (log 750 — log b) 

= 2,41 (log 300 - log T) = - 2,41 log (l - -XX) * = 0,01 

A log 7] = log 2088 — log Il w = log 750 — log b 

= 10- 7 - 495-/2. * = 0,00 

Bei der kalten Atmosphäre rechnet man am besten mit der absoluten 
Temperatur, da diese sofort die Höhe ergibt und hat sonach 
3,3197 — log n lc = 2,41 (2,4771 — log T) 

3,3 197 — log TI W = 10 - 7 • 495 . h. 

Um die Funktionsgeraden*) in beiden Arten des Logarithmenpapieres 
ziehen zu können, hat man für jede Gerade einen, besser zwei Punkte 
nach diesen Gleichungen zu berechnen. Man findet 


T= 

300° 

2T = 0,01 
221° 

100° 

300 

t = 0,00 

300 

300 

h = 

0 

7900 

20000 

0 

6495 

20000 

11 = 

2088 

1000 

148 

2088 

1000 

214. 


Die graphische Arbeit gestaltet sich genau so wie im 1. Beispiel. 
Man kann an den beiden Funktionsgeraden direkt ablesen: 


h 

0 

2 

4 

6 

8 

10 

12 

14 

16 

18 

20 

n ]c 

2088 

1770 

1480 

1220 

980 

775 

602 

453 

329 

229 

148 

n w 

2088 

1670 

1330 

1060 

840 

668 

530 

422 

338 

269 

214 

nie — 

0 

T-loo 

4-150 

4-160 

14- 140 

4- 107 

4-72 

4-31 

— 9 

— 40 

- 66 


*) Die Reproduktion dieser graphischen Darstellungen war wegen zu hoher Kosten 
nicht möglich. Denjenigen Lesern, welche sich für diese Sache besonders interessieren, 
wird empfohlen, die graphischen Darstellungen seihst zu machen, und kann hierbei be- 
merkt werden, dafs die Firma Carl Schleicher & Schüll in Düren (Rheinland) Blocks in 
den Handel bringt, welche vier der zweckmäfsigsten Formulare in je einem Block 
(50 Bogen) vereinigt enthalten. Der Preis eines Blockes stellt sich auf 4 bis 5 Mark. 
Ich bin zur Vermittelung des Bezuges dieser Formulare bereit. Schreiber. 


91 


Hier tritt die Eigenschaft der Funktion rj hervor. In der kalten 
Atmosphäre ist bis zu zirka 15 km Höhe die Tragkraft gröfser als bei 
gleicher Höhe in der warmen Atmosphäre. Das Maximum der positiven 
Differenz liegt bei h = 6 — 8 km, darüber hinaus werden die Differenzen 
kleiner und dann negativ. Der graphischen Darstellung kann man sofort 
jede gewünschte Auskunft entnehmen. Steigt der Ballon leer, hat also 
nur das eiserne Gewicht von etwa 550 kg zu tragen, so kann er in der 
kalten Atmosphäre bis zu T— 193°, h — 12700 m, in der warmen bis zu 
11700 m steigen. 

Beträgt die Gesamtbelastung 1100 kg, so gelangt der Ballon in 
der kalten Atmosphäre bei T— 230°, h = 7000 m, in der warmen bei 
5700 m in die Buhelage, es wird diese also je nach der Gröfse des wirk- 
lich vorhandenen Temperaturgefälles zwischen diesen beiden Grenzwerten 
liegen. Man wird erkennen, dafs es leicht ist, aus den Funktionsgeraden 
den Einflufs der Gewichtsvermehrung des Ballons durch Regen und Schnee, 
oder der Gewichtsverminderung durch Ballastausgabe auf die Steighöhe 
zu entnehmen. 


B. Der schlaffe Sto ff- Ballon. 


Einen aus nicht ausdehnbarem aber weichem Material bestehenden 
Ballon hat man nur zum Teil gefüllt und zugebunden. Steigt dieser 
Ballon auf, so dehnt sich die Füllung aus, der Füllungsgrad vermehrt 
sich, bis der Ballon prall geworden ist. Dann mufs man ihn aber öffnen, 
um dem Platzen vorzubeugen, es hat sich dann der schlaffe Ballon in 
einen unten offenen prallen Ballon verwandelt. Das Wesentliche bei diesem 
Vorgang ist, dafs bis zum Prall werden das Gewicht des Füllgases konstant 
bleibt. 


Ich bezeichne mit V das Volum des prallen Ballons, mit a den Fül- 
lungsgrad, welcher zwischen 0 und 1 schwanken kann. Man hat dann in 
den früheren Formeln aV statt V zu schreiben und erhält 


(7 a) 

V V 

Aq = CCq Yjo F 0 = ri r /o ö *( 

b 

£7- 

8 

i MKi 

9 

S' 

8 

I 

Da F bis zu 

ct = 1 konstant bleibt, mufs 

(ii) 

a rj (T = ct 0 rj 0 a 0 = konstant 


sein. Daraus folgt weiter 

(IVa) n— n 0 = A — A 0 = ~ (fit t) — a„ </ 0 ) = Ä 0 a 


Ist der Stoff genügend weich, die Dichte des Füllgases d klein, und 
treten nicht gar zu grofse Werte von A T auf, so ist 

cr 0 = er = 6' 

und sonach 77 = 77 0 ? die Tragkraft bleibt konstant, bis der Ballon prall 
geworden ist. 

Es wird dann auch nach (11) 

Ct 71 

(11 a) a r\ = a Q rj 0 rj = — ^ A log rj = — A log a. 


92 


3. Beispiel. Der Ballon soll unter denselben Verhältnissen, wie in 
den beiden ersten Beispielen angenommen wurden, nur zu 40% seines 
Fassungsvermögens gefüllt und zugebunden worden sein. Es ist 

«o ; 0,4 

V 2000 

n 0 = -= « 0 p 0 ri 0 = — — X 0,4 X 0,9 X 2,5 = 2088 X 0,4 = 835 kg. 

Jx 2,loo 

Weiter ist nach (11a) 

& log V 1 log a ic — log 40= 2,41 (log 300 — log! 7 ) r = 0,01 

log a w — log 40 = 10“ 7 • 495 • h v = 0,00. 

Hieraus findet man 

« = 100% bei T= 205° h = 9500 m x = 0,01 

«=100% 7940 r = 0,00. 

Diese Resultate müssen mit den Rechnungen im 2. Beispiel überein- 
stimmen. Steigt der pralle offene Ballon mit 835 kg Gesamtbelastung 
auf, so erreicht er nach den Funktionsgeraden des 2. Beispiels die Gleich- 
gewichtslage 

bei T= 205° h = 9500 m r = 0,01 
h = 8000 r = 0,00. 

Die Lagen der Funktionsgeraden hätten hier ohne jede Rechnung 
gefunden werden können. Man liest aus ihnen ab: 

Änderung des Füllungsgrades mit der Höhe 
h= 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 km 

«* = 0,01 40% 43,5 47,3 51,9 56,8 62,2 68,8 76,0 84,4 94,5% 

a w = 0,00 40% 45,0 50,8 56,8 63,3 71,1 79,5 89,0 100 — % 

Sonach wird ein schlaffer Ballon um so rascher prall, je" geringer 

das Temperaturgefälle ist. 


IV. Die Geschwindigkeit des Aufstieges eines motorlosen Ballons. 

Hat irgendein Ballon die relative Geschwindigkeit w gegen die um- 
gebende Luft, so ist der Widerstand W, welchen die Luft dieser Bewegung 
entgegensetzt, abhängig von der Dichte der Luft, die durch rj gegeben 
ist und dem Querschnitt des Ballons, d. h. der Projektion des Ballons 
in der Richtung der Bewegung. Aufserdem kommen noch in Frage die 
Gestalt des Ballons, die Bewegungsverhältnisse der Luft um denselben 
und andere Einzelheiten. Ist X ein Zahlenwert, q der Querschnitt, so 
rechnet man gewöhnlich nach der Formel 
(12) W = X • q . r] • w 1 . 

Über den Zahlenwert X gehen die Ansichten weit auseinander, ich 
nehme hierfür vorläufig X = 1 / 81 an. 

Befindet sich ein Ballon an irgendeiner Stelle der Atmosphäre im 
vertikalen Gleichgewicht, so mufs die Tragkraft TI des Ballons gleich der 
Gesamtbelastung sein. Wirft man P Kilogramme Baiast über Bord, so ver- 
mindert sich die Gesamtbelastung um diesen Betrag und erreicht einen 


93 


Wert G. Es mufs dann beim Beginn der Bewegung durch die bewegende 
Kraft P 

(13) n=G + P 

sein. Nimmt bei dem weiteren Aufstieg II ab und wirft man keinen 
weiteren Ballast aus, so vermindert sich P, bis es zu Null geworden ist 
und damit der Ballon eine neue Gleichgewichtslage erhält. Bleibt aber 
II konstant und wird G nicht geändert, so bleibt auch die bewegende 
Kraft unverändert. 

Die Bewegung ist anfangs eine beschleunigte, sie wird dann aber umso- 
mehr eine gleichmäfsige, je mehr P=W geworden ist. Meist läfst man die 
Vorgänge während der ersten Zeit der Bewegung unberücksichtigt und 
rechnet einfach nach der Formel 
(V) P=W=X-q- rj -w\ 

Näheres findet man hierüber in den Illustrierten Aronautischen Mit- 
teilungen 1909, S. 635 ff. und S. 1116 ff. 


A. Der pralle unten offene Stoff-Ballon. 


Nach (IV), (13) und (V) ist 

H — G -j - P= rj 


Hieraus folgt 


(14) 


1 


1 [ Vfi 


P=w=l 


q • rj 


iw 


?2== ^=g VT -^ 2 


Alog? = !AlogI(^>-W) 


4. Beispiel. Der Ballon soll mit der konstanten Geschwindigkeit 
w = 5 m/s aufsteigen. Es soll berechnet werden, in welcher Weise der 
Ballonführer den Ballast auszugeben hat. 

Wenn ft, V und q als konstant angenommen werden dürfen und w 
konstant bleiben soll, ist der ganze Klammerwert konstant und nur G 
variabel. Sonach erhält man aus (14) und (III) 


A log £ = — 1 A log G = - log T= — ~ 10 


oder 


2 k 
r Sä 0 

1 — k 


7 m h 
T == 0 


log G 0 — log G k = - j-- (log T 0 — log T) r Js 0 

log G 0 — log G w = 10 - 7 m h r = 0. 

Die Zahlenrechnung wird erst dann ausgeführt werden können, wenn 
G 0 bekannt ist. Ein Ballon von 2000 cbm Volumen hat einen Durch- 
messer von 15,6 bis 15,7 m, wonach q = 192 qm anzunehmen ist. Dies 

ergibt bei w = 5 m/s und X = 

ol 


w 0 = X q r ] 0 10 2 = 


192 X 2,5 X 25 


149 kg. 


81 


94 


Im 2. Beispiele wurde als Tragkraft U Q — 2088 kg gefunden. Soll 
der Ballon mit 5 m/s ansteigen, so mufs also 

Go = n o — = 2088 — 149 = 1939 k g sein. 

Dies ergibt 

log 1939 — log Gi = 2,41 (log 300 — log T) t = 0,01 
log 1939 — log G w = 10 ~ 7 • 495 . h t= 0,00. 

Rechnung ist hier nicht nötig. Man legt durch G = 1939 Parallele 
zu den Funktionsgeraden für JJ , welche durch i7 0 = 2088 gehen und kann 
dann sofort die Werte von G ablesen, welche der Ballon in den verschie- 
denen Höhen haben mufs, wenn w = 5 m/s bleiben soll. 

Die Resultate sind folgende: 


h 

0 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

6r k 

1939 

1780 

1620 

1480 

1360 

1240 j 

1120 

1010 

900 

810 

720 

ui 

2088 

1930 

1770 

1620 

1480 

1350 

1220 

1100 

980 

880 

775 

Pi 

149 

150 

150 

140 

120 

110 

j 100 

90 

80 

70 

55 

A Gi 

— 

159 

160 

140 

120 

120 

120 

110 

110 

90 

90 

Gw 

1939 

1730 

1540 

1380 

1230 

1100 

985 

' 875 

780 

698 

622 

Hw 

2088 

1870 

1670 

1490 

1330 

1180 

1060 

940 

840 

748 

668 

Pw 

149 

140 

130 

110 

100 

80 

75 

65 

60 

50 

46 

A Gtv 

— 

209 

190 

| 160 

150 

130 

115 

110 

95 

82 

76 


Steigt der Ballon in der kalten Atmosphäre (r = 0,01) auf, so müssen 
zwischen 0 und 1000 m A Gi = 159 kg Ballast ausgeworfen werden, um 
w = 5 m/s zu erhalten, während in der warmen Atmosphäre hierzu 209 kg 
nötig sind. Je höher der Ballon kommt, umso weniger Ballastausgabe 
ist in den einzelnen Kilometerstrecken nötig und zwar in der kalten 
Atmosphäre bis zu 7 — 8 km Höhe weniger, darüber hinaus mehr als 
in der warmen Atmosphäre. Die zur Erzielung einer gegebenen Geschwin- 
digkeit nötige bewegende Kraft wird umso kleiner, je höher der Ballon 
steigt. In der kalten Atmosphäre ist sie bis zu 10 km gröfser als in der 
warmen nötig. 

Hört man in irgendeiner Höhe mit Ballastausgabe auf, so vermindert 
sich die Geschwindigkeit, und der Ballon kommt in der Höhe zu Ruhe, 
für welche J1 = G geworden ist. 

Es soll das eiserne Gewicht und die Bemannung des Ballons zusammen 
gerade 900 kg betragen. Der Ballon steigt dann mit 

1939 — 900 = 1039 kg Ballast auf. 

Ist die Atmosphäre kalt, so ist bei h = 8000 m aller Ballast ver- 
braucht, bis zu dieser Höhe wird w = 5 m/s bleiben können, dann ver- 
mindert sich w und wird bei T= 212°, h = 8800 m zu Null. In der 
warmen Atmosphäre mufs die Ballastausgabe schon bei li = 6750 m auf- 
hören und der Ballon kann nur bis 7400 m steigen. In den tieferen 
Schichten kann der Ballon noch zirka 1000 m über die Stelle steigen, bei 
der man mit Ballastausgabe aufgehört hatte. 


95 


5. Beispiel. Wenn der Ballon mit 900 kg Belastung ohne jeden 
weiteren Ballast aufgelassen wird, so wird er mit einer sehr grofsen An- 
fangsgeschwindigkeit aufsteigen. Diese Geschwindigkeit nimmt mit der 
Höhe ab und der Ballon wird in den früher ermittelten Höhen zur Ruhe 
kommen. Es ist nach (14) 

Hierin sind 6r, F, /r, P, X und q als konstant zu betrachten. 

Setzt man 

V y . 

u — — g Xqw 

so wird u eine Funktion von w und £ sein. 

Setzt man weiter 


y = X qw* = — u, 


so erhält man 


Sonach hat man 


w = 


X q 


1 1 

A log ^ = 2 A l0g ~G = ä A lo § u 

1 y 1 

Alogw = g Alog^= g A log y. 

In dem 2. Beispiel wurde die Tragkraft 77 0 = 2088 kg gefunden. Da 
die konstante Gesamtbelastung 900 kg betragen soll, ist die bewegende 
Kraft beim Beginne des Aufstieges P 0 = 2088 — 900 — 1188 kg. Es 
mufs also 

1 


W 0 — 1188 


X-q-rj 0 .<-^Xl92X2,5XV 


sein, was 


iv 0 = 14,16 m/s ergibt. 


Man erhält weiter 


und 


y 0 = = ±2 = 47 5,2 

70 


Es ist sonach 


2000 X 0,9 


2,153 


475,2 = 835,2 - 475,2 = 360. 


A log § = r- (log 360 — log u k ) 


- X 2,41 (log 300 — log T) t = 0,01 
2 


1 (log 360 — log u,o) = — \y. 10- 7 X 495 X h 

2 2 


log 14, 16 — log w = g (log 475,2 — log y) 


x = 0,00 


96 


Zur Konstruktion der Funktionsgeraden für u. welche hier ebenfalls 
ohne Rechnung erfolgen könnte, da diese parallel zu den «-Geraden im 
3. Beispiel verlaufen, dienen die Koordinatenpaare 


r == 0,01 

T 0 = 300 T= 196 

h 0 = 0 h= 10400 m 

u Q = 360 u= 1000 


v — 0,00 

T 0 = 300 T= 300 

h Q =0 h — 8970 

u 0 = 360 u = 1000. 


Um die Geraden für y zu finden, verwendet man am besten die 
K o o r din at en p aar e 

y = 100 w = 6,48 

y = 10 iv = 2,05. 

Hat man diese Linie gezogen, so sind nur noch zwei Parallelen nötig, 
um alle vorkommenden Werte von w finden zu können. Der Vorgang ist 
dann folgender: 

Mit gegebenem h ( T ) sucht man aus den tt- Geraden die zugehörigen u. 
Diese liefern y = 835 — u, und mit dem y sucht man aus den i/- Geraden 
die zugehörigen w. 

So wurden die folgenden Resultate erhalten: 


h 

0 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

H 

360 

394 

429 

468 

510 

561 

620 

688 

762 

850 

yii 

475 

441 

406 

367 

325 

274 

215 

147 

73 

— 15 

Wk 

14,2 

13,7 

13,1 

12,4 

11,7 

10,8 

9,5 

7,8 

5,5 

— 

Uw 

360 

402 

450 

508 

570 

639 

716 

800 

895 

_ 

yw 

475 

433 

385 

327 

265 

196 

119 

35 

-60 

— 

ii'w 

14,2 

13,5 

12,7 

11,7 

10,6 

9,0 

7,0 

3,8 

— 

1 


Es ist daraus zu ersehen, dafs die Geschwindigkeit des Aufstieges 
des Ballons in den unteren Schichten nur sehr langsam abnehmen würde, 
namentlich in der kalten Atmosphäre, ln den Höhen von zirka 5 km 
würde w immerhin noch 10 m/s betragen, u kann nur bis 835 anwachsen, 
und es ist dann y — 0. Die Funktionsgeraden für u ergeben 835 bei 
T= 212° oder h = 8800 m in der kalten und bei h = 7350 m in der 
warmen Atmosphäre übereinstimmend mit Beispiel 4. In diesen Höhen 
wird w = Null. 


B. Der schlaffe Stoff-Ballon. 

Wenn die Dichte a des Füllgases als konstant angesehen werden 
kann, bleibt die Tragkraft II des Ballons ebenfalls konstant, bis der Ballon 
prall geworden ist. Tritt auch keine Änderung in der Belastung ein, so 
mufs auch die bewegende Kraft konstant bleiben, und man hat dann ein- 
fach nach (V) 


P= W= l • q • rj • w 2 , woraus 


97 


(15) 


l q iv 2 

~P~ 


Ä log £ = A log --^p - = ~ A log g «t; 2 

folgt. 

Bei dem schlaffen Ballon wird stets die Gröfse von q Schwierigkeit 
machen. Ist der Füllungsgrad sehr gering, so wird wohl q kleiner sein 
als bei prall gefülltem Ballon, es wird wachsen in dem Mafse, als der 
Füllungsgrad zunimmt, müfste also variabel in Rechnung gebracht werden. 
Kann man annehmen, dafs q sich nur wenig ändert und nahezu den durch 
V gegebenen Wert hat, so erhält man einfach nach (15) und (11a) 

A log S — A log w 
A log rj = — A log a. 

6. Beispiel. Der Ballon soll soweit nur gefüllt werden, dafs er hei 
900 kg gesamter Belastung mit 5 m/s Anfangsgeschwindigkeit aufsteigt. 

Kann man also q = 192 qm rechnen, so ergab sich als bewegende 
Kraft für iv 0 = 5 m/s 

P 0 = 149 kg. 

Sonach wird JJ 0 = G + P () = 900 + 149 = 1049 kg sein müssen. Da 
bei praller Füllung 77 0 = 2088 kg gefunden worden war, erhält man den 
Füllungsgrad 

« 0 = 1049 : 2088 = 50,8 %. 

Man hat also 

A log f = log 5 — log Wh = — ~ X 2,41 (log 300 — log T) x = 0,01 


= log 5 — log«;,, = — A 10- 7 X 495X 7» % = 0,00 

2 

A log rj = log aje — log 50,3 = 2,41 (log 300 — log T) x = 0,01 

= log a w — log 50,3 = 10 ~ 7 • 495 • Ji * x = 0,00. 

Zur Konstruktion der Funktionsgeraden findet man hieraus die Koordi- 
natenpaare 


T= 

T = 

300 

0,01 

T= 

169 

X 

T= 300 

= 0,00 
T= 

300° 

h = 

0 

h = 

13100 

1 1 0 

h = 12160 m 

IV = 

5 

IV — 

10 

iv = 5 

IV = 

10 m / 

T= 

300 

T= 

225 

T= 300 

T= 

300° 

h = 

0 

h = 

7500 

h — 0 

h = 

6020 m 

a = 

50,3 

a = 

100 

«= 50,3 

a = 

100%. 


Aus den hiermit gezogenen Geraden kann man ablesen: 


h 

0 

i 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

Wh 

5,00 

5,22 

5,45 

5,70 

5,96 

6,25 

6,57 

6,91 

7,30 

IVlV 

5,00 

5,29 

5,60 

5,92 

6,29 

6,67 

7,01 

7,43 

7,89 

CCJc 

50,3 

55,0 

60,0 

65,0 

71,0 

78,0 

86,0 

95,2 

— 

Ciw 

50,3 

56,5 

63,2 

71,0 

79,5 

89,0 

100,0 

— 

— 


98 


Wie man hieraus ersieht, nimmt die Geschwindigkeit des Aufstieges 
eines schlaffen Ballons beständig zu und zwar in der warmen Atmosphäre 
rascher als in der kalten. In der er steren erreicht der Ballon aber auch 
rascher den Prallzustand. 

In der Höhe, wo a = 100 % wird, mufs der schlaffe Ballon genau dieselbe 
Geschwindigkeit haben, wie der pralle unten offene Ballon mit gleicher 
Gesamtbelastung. Ist « = 100 % geworden, so mufs der Füllansatz ge- 
öffnet werden und der Ballon steigt dann wie ein praller w r eiter. 


VI. Zur Flechtenflora des Frankenwaldes. 

Yon Prof. Dr. E. Bachmann, Plauen i.Y. 


Der Frankenwald, das Bindeglied zwischen Thüringerwald und Fichtel- 
gebirge, ist meines Wissens lichenographisch noch nicht erforscht worden. 
Das folgende Yerzeichnis ist weit davon entfernt, diese Aufgabe zu erfüllen, 
es bildet nichts als den ersten Anfang dazu; denn es umfafst nur meine 
Beobachtungsergebnisse aus einem ganz kleinen Teile des Frankenwaldes 
und kann auch für diesen auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben. 
Es ist durch Absuchen der Umgebung des oberfränkischen Städtchens 
Lichtenberg während eines zweimaligen Sommeraufenthaltes von je vier 
Wochen in den Jahren 1906 und 1908 entstanden. Veranlassung dazu gab 
mir der Wunsch, einen Vergleich mit der Flechtenflora Plauens i. V. an- 
stellen zu können, dessen Umgebung mit der Lichtenbergs landschaftlich 
und geologisch auffallend übereinstimmt. 

Der Grund und Boden ist an beiden Orten hauptsächlich aus kam- 
brischen, sibirischen , devonischen, weiterhin auch unterkarbonischen Ge- 
steinsschichten zusammengesetzt. Kalk tritt sehr zurück; das Vorkommnis 
von Marxgrün, etwa eine Stunde von Lichtenberg entfernt, ist in dieser 
Zusammenstellung nicht berücksichtigt worden. Hier wie dort ist der 
Diabas mit seinen verschiedenen Abarten das einzige Eruptivgestein. 

Ähnlich wie bei Plauen wird die harte und zähe Grünsteinbreccie von 
mehreren tiefen Tälern schluchtenartig durchbrochen, dem der Selbitz und 
des Lohbachs. Jenes, gewöhnlich Höllental genannt, läfst sich dem Trieb- 
tal und Steinicht, dieses dem Syratal zwischen Holz- und Poppenmühle 
an die Seite setzen. Aber während es sich in den vogtländischen Tälern 
um Höhenunterschiede von 60, höchstens 70 m handelt, wird im Höllental 
die Talsohle von den beiderseitigen Talgehängen im Süden um 100, am 
nördlichen Ausgang um etwa 200 m überragt, denn „König David“ hat 
634 m, das an seinem Fufse liegende Etablissement „Blechschmiedehammer“ 
431 m absolute Höhe. 

Der relativ gröfseren Enge der beiden oberfränkischen Täler ent- 
spricht eine gröfsere Feuchtigkeit, die in der Flechtenvegetation deutlich 
zum Ausdruck kommt: zwischen den Moospolstern der mit mooriger Erde 
reichbedeckten Felsblöcke am Drachen fels wächst Cladonia digitata L. 
(Hoffm.) in mächtigen, grofsblättrigen Exemplaren, wie man sie in den 
vogtländischen Tälern vergebens sucht. — Die Lagerstiele von Cladonia 
cenotea (Ach.) Schaer. werden bis 95 mm lang, nähern sich also der Form 
exaltata Nyl. — In den kräftigen Rasen von Cladonia cornuta (L.) Schaer. 


100 


sind die gröfsten Podetien oft mit Bechern ausgestattet und übertreffen 
die bei Plauen gesammelten an Länge um das Doppelte. — Hier ebenso 
wie im Lohbachtal tritt Cladonia squamosissima Floerk., die üppigste aller 
Formen der vielgestaltigen Cladonia squamosa (Scop.) Hoffm. auf und einmal 
habe ich sogar die Form multibrachiata Floerk. gefunden. — Dasselbe wie 
die Cladonien bezeugt auch die Gattung Peltigera , von der die an trockenen 
Standorten wachsenden Arten (, spuria D. C., rufescens Hoffm.) fehlen, wäh- 
rend. die grofsblättrigen, besonders canina (L.) Hoffm. und aphthosa (L.) 
Hoffm. in Rosetten von mehr als 20 cm Durchmesser gefunden werden, 
viel gröfser als ich die letztgenannte Art im Vogtlande gesehen habe. — 
Endlich sei noch hervorgehoben, dafs im Selbitztal drei Collema- Spezies 
auftreten, darunter die grofsblättrige C. granosum (Scop.) Schaer., im 
Triebtal und Steinicht aber nur eine, während im Syratal gar keine ge- 
funden worden ist. 

Von dem in der Richtung Süd-Nord verlaufenden Höllental erstreckt 
sich das Land als ein flachwelliges Tafelland nach West und Ost. Der 
westliche Flügel, an dessen Nordostecke Lichtenberg liegt, steigt allmählich 
nach Nord west an, erreicht in Rumpelsbühl, etwa 3 km von Lichtenberg 
entfernt, 663 m und in dem 6 km entfernten Kulm 736 m absolute Höhe. 
Im Norden des Ortes, vom linken Ufer der Thüringer Muschwitz an, die 
sich in die Selbitz ergiefst, treten zusammenhängende Fichtenbestände auf. 
Bis dahin, im Süden bis Bad Steben, im Westen bis über den Rumpels- 
bühl hinaus ist das ganze Tafelland von Feldern und Wiesen bedeckt. 
Letztere sind in der Nähe von Teichen sumpfig, werden in der Nähe des 
Rumpelsbühl aber so trocken , dafs Calluna vulgaris L., zwischen dessen 
Büscheln der aufmerksame Beobachter die rosenroten Köpfchen von 
Baeomyces roseus Pers. hervorlugen sieht, die Hauptpflanze bildet. 

Laubwald fehlt, wie im Vogtlande auch, gänzlich. Was von Laub- 
bäumen vorhanden ist, beschränkt sich auf die gewöhnlichen Obstarten, 
Erlen längs der Wasserläufe und Wegbäume, unter denen an den Strafsen 
nach Marxgrün, Lobenstein und Bad Steben bei weitem die Eberesche 
vorwiegt und nur einige alte Exemplare von Fraxinüs und Acer durch 
Gröfse sich auszeichnen. 

Aus dieser einförmigen Landschaft erhebt sich kein einziger Fels von 
hartem Gestein, der gleich dem vogtländischen Wendelstein und Hohen- 
stein, Jahrhunderte lang alle Bäume der Umgebung überragend, Wind und 
Wetter trotzend, von reichlichem Flechtenwuchs bedeckt wäre. Wo am 
Rumpelsbühl der nackte Fels zwischen der Heide hervorguckt, besteht er 
aus losem Geröll, das von den gemeinsten Steinflechten (Biator a co - 
arctata Ach., Lecidea crustulata (Ach.) Kbr., L. macrocarpa Ach., 
Acarospara fnscata Arn.) bewachsen ist. Deshalb fehlen der Flechten- 
flora von Lichtenberg alle Gyrophora- und Sph aerophorus -Arten, die 
seltenen Farmelia- und Lecidea- Spezies, die gröfseren Stereo- 
caulon- Arten, Cladonia sylvatica (L.) Hoffm. f. condensata (Floerk.) 
und andere das Vogtland auszeichnencle Flechten. Von den Arten, die 
Drude*) als montane heraushebt, sind nur solche aus der „nieder-mon- 
tanen Gesellschaft“, der Umbilicarien-Fazies vertreten, nämlich Lecanora 
hadia Ach., L. sulphurea Ach., L. polytropa Schaer., Lecidea 


*) Drude, 0.: Der Hercynische Florenbezirk. Leipzig 1902, S. 208— 209 und 334. 


101 


crustulata Kbr., L. macrocarpa Th. Fr., Rliizocarpon geographi - 
cum D. C., Haematomma coccineum Kbr., Parmelia saxatilis Fr. 
und Placodium saxicolum Kbr., also mit einer Ausnahme sehr häufige, 
ja fast gemeine Arten. Dagegen kommen bei Lichtenberg einige Krusten- 
flechten vor, die man in höherem Grade montan nennen darf als die eben- 
genannten, da sie um Plauen nicht auftreten, sondern erst im oberen 
Vogtlande, um Schönberg und Hammerbrücke; das sind Lecidea cine- 
reoatra Ach,, L. alb ocaerules eens (Wulf.) Schaer., L. speirea Ach., 
L. silvicola Fw. und Lecanora cenisia Ach. Völlig fehlen die auf 
Seite 334 zusamraengestellten montanen und die subalpinen Arten 
(S. 254), von denen doch das Vogtland an Orten von fast gleicher absoluter 
Höhe eine Anzahl beherbergt. 

Umso bemerkenswerter ist das reichliche Vorkommen von Letharia 
vulpina (L.) Wainio = Evernia vulpina (L.) Ach., weil diese Bewoh- 
nerin des Nordens und des Hochgebirges in den Alpen nach Stein*) nicht 
unter 5000 Fufs = 1416 m herabsteigt und innerhalb Deutschlands nur 
von wenig Punkten des Riesengebirges bekannt ist, die Stein jeden einzelnen 
mit Nennung des Sammlers und des Jahres, in welchem sie gesammelt worden 
ist, aufzuführen für nötig hält. Am tiefsten unter den schlesischen Fundorten 
liegt Grünberg, wo sie auf dem Dache einer Weinbergshütte als ein „2,5 cm 
langes, gelbgrünes, von schmutziggrünen Soredien umstarrtes“ Pflänzchen 
beschrieben wird. Aufserclem ist durch Arnold**) auch ein Fundort aus 
der Umgebung von München bekannt geworden. In den Erläuterungen 
zu den Lichenes Monacenses exsiccati sagt er von diesem Funde: „Ver- 
einzelt und dürftig an einem Brette an der Westseite des Grünewalder 
Parkzaunes: specimen 4 centim. altum, ramosum, virenticitrinum“. Des- 
wegen betrachtet er sie offenbar nicht als Vollbürger der Münchener Flechten- 
flora; denn in den vergleichenden Zusammenstellungen mit der engli- 
schen, skandinavischen und anderen Floren führt er sie immer nur in 
Klammer an***). 

Bei Lichtenberg überzieht sie die westliche Hälfte der Nordwand 
dreier alter Holzscheunen von oben bis unten in solcher Menge, dafs man 
einen ganzen Sack voll davon nach Hause tragen könnte, wenn man alles 
abkratzen wollte. Von diesen drei ist sie in einigen Exemplaren auch 
schon auf eine vierte, neuere Scheune übergegangen. Nie habe ich sie in 
der Schweiz in solchen Massen beisammen wachsen sehen, obschon sie 
dort durch ihr leuchtendes Gelb viel mehr in die Augen fallen müfste als 
die grüngelben Lichtenberger Exemplare, an denen ich im ersten Jahre 
meines dortigen Aufenthaltes öfters vorbei gegangen bin, ohne sie über- 
haupt zu bemerken, die ich ihres fremdartigen Aussehens halber zunächst 
nicht erkannt habe, bis Herr Dr. A. Zahlbruckner in Wien die Güte hatte, 
sie zu bestimmen. Letharia vulpina fehlt in England, in dem an alpinen 
Flechten so reichen Harz, kommt innerhalb Frankreichs blofs in den 
Alpen -Departements vor, nicht aber in den Granitbergen der Bretagne. 
Das Lichtenberger Vorkommnis ist deshalb ein ganz vereinzeltes und mufs 
wohl ebenso erklärt werden wie das Münchener, von dem Arnold*)*) an- 


*) Stein, B.: Kryptogamen-Flora von Schlesien. Die Flechten. Breslau 1879, S. 38 

**) Arnold, F.: Zur Lichenenflora von München, 1891, S. 11. 

***) Ders.: Zur Lichenenflora von München, 1898, S. 4, 13, 23. 
f) Ders.: Zur Lichenenflora von München, 1900, S. 7. 

** 


102 


nimmt, dafs es sich dabei ebenso wie bei Sticta scrobiculata Scop. und 
Lobaria amplissima Scop. um Überreste aus den grofsen Eichenwäldern 
handle, die früher Südbayern bedeckten, von 500 n. Chr. an ausgerodet 
wurden und jetzt bis auf geringe Reste verschwunden sind. — Den Ge- 
danken, die Flechte sei von den Alpen aus eingewandert, weist er an 
anderer Stelle*) zurück, wo er ausdrücklich betont, dafs die. Flechten der 
Waldbäume in den Alpen kein originelles Gepräge zeigen, dafs an den 
Lärchen und Zirben bis an den obersten Waldessaum kein Umschwung 
der Flechtenflora verglichen mit dem Alpenvorland eintrete, dafs man beim 
Besuch der Alpenwälder den Eindruck erhalte, die rinden- und holzbe- 
wohnenden Arten müssen von aufsen eingewandert, keineswegs aber von 
den Alpen ins Flachland vorgedrungen sein. 

Nimmt man noch hinzu, dafs Letharia vulpina von Martius in 
seiner Flora Erlangensis 1817 als Bürger der Flora von Erlangen ange- 
führt wird, dafs die Ortsnamen Unter-Eichenstein 3 7 2 km und Eichen- 
stein 5 km von Lichtenberg entfernt auch auf eine grofsere Verbreitung 
der Eiche in der Umgebung dieses oberfränkischen Städtchens in alten 
Zeiten schliefsen lassen, dann darf man wohl mit Arnold annehmen, dafs 
die in Rede stehende Flechte früher in Deutschland viel weiter verbreitet 
gewesen ist als jetzt und wahrscheinlich an manchem abgelegenen Ort 
noch der Entdeckung harrt. 

Hervorhebenswert ist für Lichtenberg ferner das Vorkommen von 
Cladonia turgida (Ehrh.), die nach Sandstede**) aus dem nördlichen 
Europa, aus der Schweiz und aus Schlesien bekannt ist. In letzterem ist 
sie nach Stein***) auf sonnigen Plätzen, besonders auf Lehmboden, an 
Wegrändern, Sand usw. von der Ebene bis zur Bergregion gefunden worden. 
Bei Lichtenberg habe ich diese eigenartige Säulenflechte blofs an einem 
Punkte angetroffen, auf einem sonnigen Waldwege zwischen dem Lohbach- 
tal und dem Drachenfels. Die reichlich fruchtenden Lagerstiele sind nicht 
über 4 cm hoch, während die in Schlesien bis 5 cm hoch Vorkommen. 
Zschackef) erwähnt sie in seinen Beiträgen zur Flechtenflora des Harzes 
nicht mit unter seinen Funden, und zwei andere Sammler, Ofswald und 
Quelle ff), führen sie zwar für Nord -Thüringen und Harz an, aber mit 
Fragezeichen. 

Noch auffallender als der Fund dieser doch nur vereinzelt vorkom- 
menden und an anderen Orten Mittel -Deutschlands wahrscheinlich nur 
übersehenen Flechte ist das massenhafte Auftreten von Haematomma 
coccineum (Dicks.) Kbr. In Schlesien wird sie nach Steinfff) nur hier 
und da gefunden, meist an Sandstein, in der Sächsischen Schweiz aber 
ist sie nach Rabenhorst *f) die gemeinste aller felsenbewohnenden Flechten 
und kommt nach demselben Verfasser auch in Thüringen und Böhmen vor. 


*) Arnold, F. : Zur Lichenenflora von München, 1898, S. 37. 

**) Sandstede, H. : Die Cladonien des nordwestdeutschen Tieflandes und der 
deutschen Nordseeinseln. Abh. Nat. Ver. Bremen 1905, Bd. XVIII, Heft 2, S. 432. 

***) Stein, B., a. a 0. S. 48. 

f) Zschacke, H. : Beiträge zu einer Flechtenflora des Harzes. Hedwigia, Bd. 48. 
ff) Ofswald, L., und Quelle, F.: Beiträge zu einer Flechtenflora des Harzes und 
Nord -Thüringens. Mitteil. d. Thüring. Botan. Ver., n. F., Heft 22. Weimar 1907. 
fff) Stein, B., a. a. 0. S. 145. 

*f) Rabenhorst, L.: Ki 7 ptogamen-Fiora von Sachsen, der Ober-Lausitz, Thüringen 
und Nordböhmen. II. Abteilung: Die Flechten. Leipzig 1870, S. 210. 


103 


Aus dem Gebiete Nord -Thüringen und Harz erwähnen sie Ofswald und 
Quelle, leider ohne Angabe über die Menge, in der sie dort auftritt. 
Die Art ihrer Verbreitung um Lichtenberg erinnert am meisten an das von 
Rabenhorst für die Sächsische Schweiz geschilderte; denn wenn die 
Diabaswände auch nicht ,, klafterweit“ mit dem weifsen, niemals schwefel- 
gelben Staub der Haematomma bedeckt sind, mehr als quadratmetergrofse 
Thalli sieht man hier und da, kleinere fast allerwärts. Schöne Früchte 
habe ich nur in einer Spalte am Drachen fels gefunden. Im Erzgebirge 
scheint sie ganz zu fehlen. Wie erklärt sich nun die grofse Lücke zwischen 
zwei ihrer Hauptverbreitungsgebiete? 

Ganz vereinzelt und eigenartig ist das Vorkommen der Abart sab- 
carnea (Sw.) Th. Fr. von Lecanora sordida (Pers.) Th. Fr. , einer der 
häufigeren Krustenflechten sowohl des Vogtlandes als auch der Lichten- 
berger Umgebung. Allein so oft und in soviel Exemplaren ich die Stamm- 
form schon gesehen habe, die durch ihre rosa gefärbten Apothezien aus- 
gezeichnete Varietät habe ich noch nie gefunden aufser auf dem König 
David, wo sie eine senkrechte Felswand fast einen halben Quadratmeter 
weit bedeckt und so dicht mit Früchten besetzt ist, dafs sie sofort ins 
Auge sticht. Zschacke*) führt sie aus dem Harz an, wo er sie im 
Bodetale unter dem Hexentanzplatze einmal gefunden hat. 

Wie die bisher angeführten, so sind auch noch einige andere Flechten 
des nachfolgenden Verzeichnisses durch gesperrten Druck herausgehoben 
worden als solche, die im Vogtlande noch nicht gefunden oder wie JRino- 
dina poly spora Th. Fr. noch nicht wieder entdeckt worden sind. Ihre 
Zahl ist so gering, dafs sich als erstes Hauptergebnis dieser Untersuchung 
eine auffallende Übereinstimmung der beiden benachbarten 
Flechtenfloren, der Plauens und Lichtenbergs, zeigt. Freilich kann 
das nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dafs Arnold**) beim Ver- 
gleich der grofsen und weit auseinandergelegenen Florengebiete Süd- 
Bayern (München), England und Skandinavien in bezug auf ihre Strauch- 
und Laubflechten ebenfalls den Eindruck fast völliger Übereinstimmung 
gewonnen hat. Für Plauen und Lichtenberg erstreckt sich diese 
aber auch in hervorragendem Grade auf die Krustenflechten, 
wie eine Durchsicht der beiden Verzeichnisse und im besonderen folgendes 
Beispiel zeigt: Pertusaria lactea (L.) Wulf f . cinerascens Nyl. kommt 
auf dem Diabas des Syratals und vor allem des Steinichts, sowie der 
Höhen, die von ihm nach Cossengrün zu liegen, so reichlich vor, dafs ich 
an Arnold eine grofse Kiste voll flacher Steinstücke, alle mit dieser 
seltenen Flechte bedeckt, als Frachtgut für seine Lichenes exsiccati 
schicken konnte. Auf dem Grünstein des Höllen- und Lohbachtals habe 
ich sie ebenfalls ziemlich häufig gesehen. 

Zweitens lehrt unser Vergleich, dafs die Flechten fl ora von Lich- 
tenberg zwar wesentlich ärmer als die des ganzen Vogtlandes, 
aber kaum ärmer als die Plauens ist, und dafs weder die eine 
noch die andere reich genannt werden kann. Das ist dasselbe Ur- 
teil, welches Drude***) über die Flora der Blütenpflanzen und Gefäfs- 
kryptogamen des Frankenwaldes fällt. 


*) Zschacke, H., a. a. 0. S. 37. 

**) Arnold, F.: Zur Lichenenflora von München, 1898, S. 13 und 23. 

***) Drude, 0., a. a. 0. S. 545. 


104 


Pyrenocarpeae. 

Yerrucariaceae. 

1. Verrucaria calciseda D. C. An Weg- und Grenzsteinen aus Kalk 

zwischen Marxgrün einerseits, Lichtenberg und Bad Stehen ander- 
seits. 

2. V. rupestris Schrad. Ebenda. 

3. V. papillosa Flrk. ( V. Floerkeana nob.). An Grünsteinblöcken im Loh- 

bachtal. 

4. V. aethiobola Wahlenb. Auf Diabastuff am Wege von Lichtenberg nach 

Lobenstein. 

5. V. nigrescens Pers. An Felsen, Blöcken, umherliegenden Steinen aller 

Art sehr häufig. 

6. V. Velana Mass. An kalkführendem Diabas des Lohbachtales. 

7. Spliaerompliale fissa (Taylor) Arn. Auf einem Grünsteinblock im 

Lohbachbett. 

Dermatocarpaceae. 

8. JDermatocarpon hepaticum (Ach.) A. Zahlbr. Felsspalten im Höllental. 

9. D. miniatum (L.) Mann. An Felsen und Felsblöcken der Täler und 

Höhen verbreitet. An sonnigen Standorten, z. B. unterhalb der 
Scheune des Kohlenhändlers Jungkunz, reichlich fruktifizierend, an 
schattigen, z. B. im Höllental, meist nur Pykniden bildend. 

10. D. tiuviatile (Weis) Th. Fr. Felsblöcke im Höllental, ober- und unter- 

halb von Wiedes Holzschleiferei. 

Pyrenulaceae. 

11. Pgrenula nitida Ach. An Sorbits, Corylus , Ainus verbreitet. 


Gymnocarpeae. 

Coniocarpineae: 1 . Calicieae. 

12. Calicium chlorinum (Ach.) Kbr. Grofse Flächen der Felswände mit 

der ,, Schwefelflechte“ bedeckt, von der der Volksmund sagt, sie 
„blühe“ im Winter. Immer steril. 

Graphidineae : 1 . Arthoniaceae. 

13. Arthonia radiata Pers. An Acer platanoides bei Lichtenberg, an 

Sambucus racemosa beim Drachenfels. 

2. Graphidaceae. 

14. Xylographa parallela (Ach.) Fr. Baumstumpf im Lohbachtal und beim 

Drachenfels. 

15. Opegraplia atra Pers. Fichte am Fufs des König David. 

16. 0, varia Pers. An Ainus bei Marxgrün. 

17. Graphis scripta Ach. An Fagus bei Lichtenberg. 


105 


Cyclocarpineae : 1. Diploschistaceae. 

18. Diploschistes scruposus (L.) Norm. Auf allerlei Felsen sehr ver- 

breitet. 

19. D. hryophilus (Ehrh.) Zahlbr. Auf Moospolstern im Lohbach- und 

Höllental. 

2. Lecideaceae. 

20. Lecidea fumosa (Hoffm.) Ach. Auf Diabas der Elisenhöhe. 

21. L. grisella Flk. Ebenda, im Lohbach- und Höllental. 

22. L. speirea Ach. Diabas der Elisenhöhe. 

23. L. platycarpa Ach. Auf Felsen aller Art, Kalk ausgenommen, ver- 

breitet. 

24. L. cinefeoatra Ach. Diabas der Elisenhöhe. 

25. L. alb ocaerules eens (Wulf.) Schaer. Diabasbreccie in der Nähe der 

„Schutzwand“ im Höllental. 

26. L. crustulata (Ach.) Kbr. An Felsen, Blöcken, Steinen aller Art, Kalk 

ausgenommen, gemein. 

27. L. silvicola Fw. Diabastuff am „Teufelsteg“ im Höllental. 

28. L. lithopliila (Ach.) Th. Fr. An Felsen und Blöcken im Höllental, 

zwischen „Wolfsbauer“ und Bad Steben. 

29. L. turgidula (Fr.) f. pityophila Smrft. Baumstumpf im Lohbach tal. 

30. L. latypaea Ach. An Felsen und Blöcken im Höllen- und Lohbach tal. 

31. L. enteroleuca Ach. = goniophila (Flk.) Kbr. An Weg- und Grenz- 

steinen aus Kalk bei Lichtenberg und Marxgrün, 
f . pungens (Kbr.) Diabas der Elisenhöhe. Schiefer zwischen Wolfs- 
bauer und Bad Steben. 

32. L. parasema Ach. Sehr verbreitet an der Rinde von allerlei Laub- 

bäumen. 

33. L. olivacea Hoffm. An Acer beim Wolfsbauer. 

34. L.pulveracea Flk. Baumstumpf im Lohbachtal. 

35. L. lucida (Ach.) An Lesesteinen am Wege nach Lobenstein, jenseits der 

Buttermühle. 

36. L. granulosa (Ehrh.) Schaer. Auf Erde und Moos zwischen Schweden- 

schanze und Drachenfels. 

37. L. coarctata Ach. An allerlei Felsarten verbreitet. 

f. elachista (Ach.) Th. Fr. Mit soraleartigen Bildungen. Grünstein 
im Lohbachtal. 

38. L. ambigua Mass. An Fraxinus unterhalb der Harmonie bei Lichten- 

berg. 

39. L. mollis (Whlnbg.) Th. Fr. Diabas der Elisenhöhe. 

40. L. lithinella (Nyl.) Kst. Fichtenwurzel in der Nähe der Schweden- 

schanze. 

41. L. asserculorum (Ach.) Arn. Baumstumpf im Lohbachtal, beim 

Drachenfels. 

42. L. uliginosa (Ach.) Fr. Vermoderter Baumstumpf im Lohbach-, im 

Höilental, beim Drachenfels. 

43. L. fidiginea (Ach.) Fr. Baumstumpf zwischen Lohbachtal und Drachen- 

fels. 

44. L. ostreata (Hoffm.). Am Fufse alter Kiefern nach Bad Steben und 

Rumpelsbühl zu. 


106 


45. Catillaria Ehrhartiana (Ach.) Th. Fr. Spermogonienform. An einem 

Baumstumpf zwischen Lohbachtal und Drachenfels. 

46. C . micrococca (Kbr.) Th. Fr. Morscher Baumstumpf beim Schweden- 

stein. 

47. C. synothea (Ach.) Th. Fr. Baumstumpf im Lohbachtal. 

48. Bacidia inundata (E. Fr.) Kbr. Grünsteinblöcke im Lohbachtal. 

49. B. Beckhausii Kbr. Fichtenzweige bei Leupoldsruhe bei Lichtenberg. 

Der olivengrüne Farbstoff des Epitheziums wird, wie bei den vogt- 
ländischen Exemplaren, durch K intensiver grün, nicht violett 
gefärbt. 

50. B. Nitzschkeana Lahm. Baumstumpf im Lohbachtal. 

51. Scoliciosporum umbrinum (Ach.) = Bacidia umbrina (Ach.). Auf Diabas 

des König David. 

52. Rhizocarpon geographicum (L.) D. C. Auf allerlei Felsarten verbreitet. 

53. Rh. distindum Th. Fr. Wie vorige. 

54. Rh. obscuratum (Schaer.) Kbr. Vereinzelt an Diabas im Lohbach- und 

Höllental. 

3. Cladoniaceen. 

55. Baeomyces byssoides (L.) Schaer. Auf Fels und Erde sehr verbreitet. 

f. sessilis (Nyl.) Kst. Auf Erde am Bumpelsbühl. 

56. B. roseus Pers. Auf sandigem Boden bei Bad Steben. 

57. Cladonia rangiferina (L.) Web. Auf sandigem Boden sehr häufig, 

seltener auf Felsblöcken und an Baumstümpfen im Lohbachtal und 
auf der Höhe nach dem Drachenfels zu. 

58. CI. silvatica (L.) Hoffm. Ebenda, aber seltener. 

f. tenuis Floerk. Waldblöfse hinter der Buttermühle. 

59. Ci. Papillaria (Ehrh.) Hoffm. Auf trockenem Boden beim Rumpelsbühl. 

m. papillosa Fr. Wallr. Ebenda. Reichlich Pyknokonidienbehälter 
vorhanden. Lagerstiele sehr spärlich. 

60. CI. bacillaris Nyl. Fichtenwälder zwischen Lohbachtal und Drachen- 

fels, selten. 

61. CI. macilenta (Hoffm.) Nyl. Ebenda, verbreitet. 

f. syncephala Wallr. Einmal, beim Drachenfels gefunden. 

62. CI. digitata L. (Hoffm.). Auf moosig-feuchten Steinblöcken in der Nähe 

des Drachenfels. 

63. CI. coccifera (L.) Willd. In den Fichtenwäldern des Gebiets verbreitet. 

64. CI. deformis (L.) Hoffm. Auf Erde in der Nähe des Drachenfels. 

65. CI. furcata (Huds.) Schrad. Im ganzen Gebiete häufig. 

var. racemosa (Hoffm.) Floerk. Im Lohbachtal auf moosigen Blöcken, 
f. corymbosa (Ach.) Nyl. Lohbach-, Höllental, Nähe des Drachen- 
fels. 

racemosa ad foliolosa Del. Im Lohbachtal tellergrofse zusammen- 
hängende Lager auf moosbedeckten Felsblöcken bildend, 
var. pinnata (Floerk.). 

f. foliolosa Del. Zwischen Lohbachtal und Drachenfels und im 
Lohbachtal selbst auf moosigen, feuchten Felsblöcken, 
var. palamaea (Ach.) Nyl. Auf Erde an Wegen, Feldrändern, auf 
sonnigen Felsen verbreitet. 


107 


var. scabriuscula (Del.) Coem. Nähe des Drachenfels, zwischen 
Moos. 

f. surrecta (Floerk.) Wain. An sonnigen Stellen im Lohbach- und 
Höllental nicht selten. 

66. Cladonia rangiformis Hoffm. Auf Erde des Waldrandes am Wege 

nach Lobenstein, Lohbachtal. 

67. CI. squamosct (Scop.) Hoffm. Sehr verbreitet. 

a) f. denticollis (Hoffm.) Floerk. Bemooste Felsblöcke Lohbachtal 

bis Drachenfels, Höllental. 

m. squamosissima Floerk. Im feuchten Moos des Lohbachtals und 
am Drachenfels. 

m. asperella Floerk. Bemooste Felsblöcke Lohbachtal bis Drachen- 
fels. 

b) f. muricella (Del.). Ebenda, aber seltener. 

c) f. multibrachiata Floerk. Auf torfiger Erde zwischen Moos beim 

Drachenfels. 

68. CI. cenotea (Ach.) Schaer. Bis 95 mm hoch, zum Teil reichlich fruchtend, 

Apothezien traubig angeordnet. Auf Erde und Felsblöcken, die 
gröfseren Exemplare zwischen Moos. Lohbachtal bis Drachenfels. 
crossata (Ach.) Nyl. Nicht fruchtend gefunden. Auf einem morschen 
Baumstumpf beim Drachenfels. 

69. CI. caespiticia (Pers.) Floerk. Auf sonnigen Felsen im Höllental. 

70. CI. gracilis (L.) Willd. In den Fichtenwäldern durch das Gebiet ver- 

breitet. 

f. chordalis (Floerk.) Schaer. Ebenda, häufiger als weitbecherige 
Formen. Zwischen feuchtem Moos im Lohbachtal mit podetium- 
artig verlängerten Apothezien (1 mm dick, 10 mm lang) gefunden. 

71. CI. cornuta (L.) Schaer. Auf Erde in den Fichtenwäldern bei Elisen- 

höhe, oberhalb des Lohbachtals, beim König David. Mit Bechern 
beim Drachenfels. 

72. CI. degenercms (Elk.) Spreng. Durch das Gebiet verbreitet. 

a) euphorea (Ach.) Floerk. Höhe zwischen Lohbachtal und Drachen- 

fels, König David. 

b) dilacerata Schaer. Ebenda. 

c) pliyllophora (Ehrh.) Flot. Ebenda. 

73. CI. verticillata Hoffm. Kurzrasiger Waldweg vom Schwedenstein nach 

dem Drachenfels. 

Mit a) mesotlietiim Wallr. 
b) perithetum Wallr. 

74. CI. pgxidata (L.) Fr. Durch das Gebiet verbreitet. 

chlor ophaea Floerk. 

m . prolifera Arn. Zwischen Schwedenstein und Wolfsbauer im 
Fichtenwald. 

m. costata Floerk. Waldweg beim Drachenfels. 

75. CI. fimbricita (L.) Fr. Im Gebiete häufig. 

a) simplex (Weis.) Flot. An sonnigen Stellen der Talgehänge und 
an Waldrändern verbreitet. 

f. prolifera (Retz.) Wain. Auf Erde und verwittertem Fels im 
Lohbachtal. 


108 


b) cornutoradiata Coem. 

f. radiata (Schreb.) Coem. Sonniger Abhang im Lohbachtal, 
Drachenfels. 

f. capreolata (Floerk.) Flot. Ebenda und am König David. 

76. Cladonici coniocraea (Floerk.) An Baumstümpfen im Lohbachtal und 

am Weg nach dem Drachenfels, 
m. phyUostrata (Floerk.) Wain. Ebenda. 

77. CI. turgida (Ehrh.) Hoffm. Kurzrasiger Waldweg auf der Höhe zwischen 

Lohbachtal und Drachenfels. 

78. CI. foliacea (Huds.) Schaer. Auf Erde und verwittertem Fels im Ge- 

biet nicht selten. 

alcicornis (Lightf.) Schaer. Häufiger als die Stammform und an 
gleichen, nur etwas sonnigeren Standorten. 

79. Stereocaidon nanum Ach. Felswände am ,, Katzensteg“ kurz vor Blanken- 

berg und im Höllental. 

4. Acarosporeae. 

80. Acarospora fuscata (Schrad.) Arn. Auf Diabasfels des Lohbach- und 

Höllentals, auf Lesesteinen am Rumpelsbühl. 

5. Collemaceae. 

81. Collema flaccidum Ach. An Felsblöcken im Bette der Selbitz (Höllental). 

82. C. furvum Ach. Ebenda. 

83. C. granosum (Scop.) Schaer. Feuchte Felsblöcke an der Strafse im 

Höllental. 

6. Pannariaceae. 

84. Parmeliella micropkglla (Swartz.) Müll. Arg. Diabasblöcke an der 

Strafse im Höllental. 

7. Peltigeraceae. 

85. Peltigera horizontalis (L.) Hoffm. Auf bemoosten Felsblöcken im Höllen-, 

Lohbachtal und beim Drachenfels. 

86. P. canina (L.) Hoffm. Im ganzen Gebiete häufig. 

87. P. polydactgla (Neck.) Hoffm. Waldweg auf der Höhe zwischen Schweden- 

stein und Drachenfels. 

88. P. malacea (Ach.) E. Fr. Ebenda. 

89. P. aphthosa (L.) Ach. Auf bemoosten, schattigen Felsblöcken nahe der 

Schutzwand im Höllental. 

8. Pertusariaceae. 

90. Pertusaria communis D. C. An Rinden von allerlei Laubbäumen weit 

verbreitet. 

91. P. amara Ach. An der Rinde von Acer beim Wolfsbauer, an Fichten- 

rinde hier und da. 

92. Variolaria lactea Wulf f. cinerascens Nyl. An Diabasfelsen im Loh- 

bach- und HÖllental häufig. 


109 


9. Lecanoraceae. 

93. Lecanora cinerea Ach. Grünsteinblöcke im Bett des Selbitzbaches, 

Höllental. 

94. L. gibbosa (Ach.) Nyl. An allerlei Felsarten, Kalk ausgenommen, nicht 

selten. 

f. laevata Ach. An Grünstein: Weg nach dem König David. 

95. L. sordicla (Pers.) Th. Fr. An allerlei Felsarten, Kalk ausgenommen, 

häufig. 

f. subcarnea (Sw.) Th. Fr. Felsgipfel des König David. Ihre röt- 
lichen Apothezien sehen im frischen Zustande wie die von Baeomyces 
roseus Pers. aus. 

96. L. cenisia Ach. Auf Diabas nahe der ,, Schutzwand“ im Höllental. 

97. L. atra Huds. Auf allerlei Felsarten, ausgenommen Kalk, im Höllen- 

tal und anderwärts nicht selten. 

98. L. sulphurea (Hoffm.) Ach. Auf Diabas der Elisenhöhe und im 

Höllental. 

99. L. subfusca (L.) Ach. Im ganzen Gebiete gemein. 

var. allophana Ach. Sorbus an der Strafse nach Lobenstein, 
var. campestris Ach. An Diabasblöcken im Höllen tal. 
var. similis Mass. Sorbus und Acer an der Strafse nach Marx- 
grün. 

100. L. intumescens Rebentisch. An Acer platanoides unterhalb der 

„Harmonie“ in Lichtenberg. 

101. L. pällida (Schreb.) Schaer. An Salix , Sorbus , Popidus und anderen 

Laubbäumen ziemlich häufig. 

102. L. Hagenii Ach. An Fichtenzweigen bei „Leupolds Ruhe“. 

103. L.polytropa (Ehrh.) Schaer. Auf allerlei Felsarten, ausgenommen 

Kalk, verbreitet. 

var. illusoria Ach. Auf Felsen, Blöcken, Lesesteinen noch ver- 
breiteter als die Stammform. 

104. L. varia Ach. Auf Holzplanken - und brettern im Gebiet ver- 

breitet. 

105. L. metaboloides Nyl. Baumstümpfe im Lohbachtal und am Wege nach 

dem Drachenfels. Spermatien gerade, 1 g dick, 6 g lang. 

106. L. symmidera Nyl. Baumstumpf im Lohbachtal. 

107. L. baclia (Pers.) Ach. Auf Diabas des König David. 

108. L. munde Schreb. = Placodium saxicolum lvbr. An allerlei Felsarten 

durch das Gebiet verbreitet. 

109. IBaematomma coccineum (Dicks.) Kbr. Meist steril, liand- bis 

quadratmetergrofse Flächen der Felswände des Lohbach- und Höllen- 
tals weifs überziehend. Nur am Drachenfels fruktifizierend ge- 
funden. 

110. Candelariella vitellina (Ehrh.) Müll. Arg. Auf Diabas, Schiefer und 

anderem Gestein verbreitet. 

10. Parmeliaceae. 

111. Candelaria concolor (Dicks.) Wain. Strafsenbäume zwischen Lichten- 

berg und Bad Steben. 

112. Parmeliopsis ambigua (Ach.) Nyl. An Fichtenwurzeln nicht selten. 


110 


113. Farmelia tubulosa Bitt. An Acer und Sorbus am Weg nach Marx- 

grün und Lobenstein, an Ficlitenzweigen im Lohbachtal und bei 
Elisenhöhe. Auf Diabasblöcken an der Strafse nach Marxgrün (nur 
zwei Exemplare). Viel häufiger als bei Plauen. 

114. F. physodes (L.) Ach. Gemein an Zweigen, Stämmen, Wurzeln, be- 

arbeitetem Holz, Felsen durch das ganze Gebiet. 

f. stigmatea Wallr. An Acer am Weg nach Marxgrün nur einmal 

gefunden. 

115. F. vittata Ach. An einem feuchten Felsen beim Friedrich-Wilhelm- 

stollen. 

116. F. conspersa (Ehrh.) Ach. An allerlei Felsarten, ausgenommen Kalk, 

durch das Gebiet verbreitet, ausnahmsweise auf Wurzeln. 

117. F. acetabulum (Neck.) Duby. An Strafsenbäumen zwischen Lichten- 

berg, Marxgrün und Lobenstein nicht selten, oft fruktifizierend. 

118. F. olivacea (L.) Nyl. Auf Felsen und Bäumen verbreitet. 

119. F. fuliginosa (Fr.) Ny]. An Ainus, Sorbus und anderen Laubbäumen 

nicht selten. 

120. F. verruculifera Nyl. An Sorbus bei Marxgrün und Blankenberg. 

121. F. aspidota Ach. An Strafsenbäumen zwischen Lichtenberg, Marxgrün 

und Lobenstein verbreitet. 

122. F. exasperata (Ach.) Nyl. An Felsen im Lohbachtal, an Firus malus 

bei Lichtenberg. 

123. F prolixa (Ach.) Nyl. Auf Diabas des König David. 

124. F. sorediata (Ach.) Th. Fr. Ebenda. 

125. F. saxatilis (L.) Ach. An allerlei Felsarten sehr häufig. 

var. sulcata (Tayl.). Sorbus an der Strafse nach Lobenstein. 

126. F. omphalodes L. Ach. var. panniformis Ach. Felsen vor der Butter- 

mühle. 

127. P. tiliacea (Hoffm.) Ach. An den Strafsenbäumen der Umgebung ver- 

breitet. Lager handteller- bis mehr als handflächengrofs, oft mit 
Apothezien. 

128. Cetraria glauca (L.) Ach. An Stämmen und Zweigen verschiedener 

Bäume und an bearbeitem Holz verbreitet. 

129. C. pinastri (Scop.) Fr. An Fichtenwurzeln, -Stämmen und -zweigen, 

zuweilen auf Gestein ziemlich verbreitet. 

130. C. saepincola (Ehrh.) Ach. Am Fufs von Fichten am Weg auf die Höhe 

des König David. 

131. C. islandica (L.) Ach. In trockenen Wäldern (Fichten und Kiefern) nach 

Lobenstein und Bad Steben zu; scheint in dem Diabasgebiet des 
Höllentals bis nach Lichtenberg zu fehlen. 

132. C. aculeata (Schreb.) Fr. Auf trockenem Boden, an sonnigen Stellen 

verbreitet. 

11. Usneaceae. 

133. Evernia prunastri (L.) Ach. An Strafsen-, seltener an Waldbäumen 

durch das Gebiet verbreitet, häufiger als bei Plauen, aber weniger 
häufig als : 

134. E. furfuracea (L.) Mann. Auf den verschiedensten Baum- und Strauch- 

arten, auf bearbeitetem Holz, zuweilen auch auf Gestein, im ganzen 
Gebiet sehr häufig. 


111 


135. Letliaria vulpina (L.) Wainio. An den Brettern einiger alter 

Scheunen am Wege nach dem Rumpelsbühl. Gelblichgrün, dicht- 
ästig, bis 7 cm hoch. 

136. Älectoria jubata (L.) Nyl. An Fichtenstämmen und -zweigen, sowie 

an bearbeitetem Holz sehr häufig, seltener an Strafsenbäumen. 

137. A. implexa (Hoffm.) Ach. Wie vorige. 

138. A. cana Ach. Wie vorige, aber weniger häufig. 

139. Ramalina calicctris (L.) Fr. An Strafsenbäumen ( Sorbus , Acer , Fraxi- 

uus) zwischen Lichtenberg, Marxgrün und Lobenstein. 

140. R. fraxinea Ach. An Strafsenbäumen (Fraxinus und Acer) zwischen 

Lichtenberg, Lobenstein und Marxgrün häufig, 
var. ampliata Schaer. Ebenda, 
var. fastigiata Ach. Ebenda. 

141. R. farinacea Ach. Ebenda, aber selten. 

142. R. pollinaria Ach. Auf Diabas der Elisenhöhe, des König David. 

143. TJsnea hirta (L.) Hoffm. An Wald- und Strafsenbäumen durch das 

Gebiet verbreitet. 

144. U. äasypoga Ach. An Fichten in den W T äldern nach Loben- 

stein zu. 

145. U. florida (L.) Hoffm. An Wald- und Strafsenbäumen durch das Ge- 

biet verbreitet. 

12. Caloplacaceae. 

146. Blastenia caesiorufa Ach. Auf Grünstein der Elisenhöhe, des Schweden- 

steins und Höllentals. 

147. Caloplaca variabilis (Pers.) Th. Fr. Wegsäulen aus Kalk zwischen 

Marxgrün und Bad Stehen. 

148. C. aurantiaca (Lightf.) Th. Fr. Ebenda. 

149. G. citrina (Hoffm.) Th. Fr. Mörtel an einer Scheune im oberen Teil 

von Lichtenberg. 

150. C. murorum (Hoffm.) Th. Fr. An Wegsäulen aus Kalk zwischen Lichten- 

berg und Marxgrün. 

13. Theloschistaceae. 

151. Xanthoria parietina (L.) Th. Fr. An Bäumen und Felsen im ganzen 

Gebiete gemein. 

i.polycarpa Ehrh. Strafsenbäume zwischen Lichtenberg und Marx- 
grün. 

14. Buelliaceae. 

152. Buellia myriocarpa (DC.) Mudd. An allerlei Rinden von Laubbäumen 

im Gebiet verbreitet. 

153. Rinodina polyspora Th. Fr. An einem Baumstumpfe am Wege 

vom Lohbachtal nach dem Drachenfels. 

15. Physciaceae. 

154. Physcia stellaris (L.) Nyl. An allerlei Laubbäumen im Gebiete sehr 

verbreitet. 


112 


155. Physcia aipolia (Ach.) NyL An Sorbus am Weg nach Marxgrün und 

Lobenstein. 

156. Ph. tenella (Scop.) Nyl. An Diabas im Lohbachtal. An Kalkweg- 

säulen zwischen Bad Stehen und Marxgrün. 

157. Ph. caesia (Hoffm.) Nyl. An Grünsteinblöcken im Lohbachtal ver- 

einzelt. 

158. Ph. albinea (Ach.) Nyl. An allerlei Felsarten im Gebiet verbreitet. 

159. Ph. orbicularis (Necker) Th. Fr. Auf Schieferplatten von Mauern und 

Dächern, an Kalkwegsäulen an der Strafse nach Marxgrün, an einer 
Scheune bei Leupoldsruhe. 

160. Ph. pulverulenta (Hoffm.) Nyl. Strafsenbäume (Heer, Fraxinus , Sorbus) 

zwischen Lichtenberg, Marxgrün und Lobenstein. 

161. Anaptychia ciliaris (L.) Mass. Ebenda. 


VII. Über höhere Evoluten. 

Yon f Ph. Weinmeister. 

Mit 5 Abbildungen. 


Die hier veröffentlichte Arbeit gibt den Inhalt eines Vortrages wieder, 
welchen der am 27. August 1910 verstorbene Geh. Hofrat Prof. Dr. Philipp 
Weinmeister in der Sitzung der mathematischen Sektion der Isis am 
7. Juli 1910 gehalten hat. Es fand sich hierüber in dem Nachlasse eine 
stenographische Niederschrift vor, daneben hatte ich brieflich von dem 
Verstorbenen eine kurze Darstellung des kinematischen Teiles des Vortrages 
erhalten. 

Das stenographische Manuskript ist zuerst von Herrn Gymnasiallehrer 
Rudolf Weinmeister zu Leipzig bearbeitet und in gewöhnliche Schrift 
übertragen, sodann hat Herr A. Carl, Studierender der Mathematik an 
der hiesigen Technischen Hochschule, auf Grund der genannten Unter- 
lagen die vorliegende Redaktion der Arbeit gegeben, die sich, von einzelnen 
Fortlassungen und Ergänzungen abgesehen, streng an die vorhandenen 
Darstellungen anschliefst. 

Dresden, den 23. Oktober 1910. 

M. Krause. 


Ist eine Kurve gegeben, und hat man dann zu jedem ihrer Punkte 
den Krümmungsmittelpunkt konstruiert, so füllen diese eine zweite Kurve 
an, die bekanntlich die Evolute der gegebenen Kurve genannt wird. Ebenso 
entsteht die Evolute durch Einhüllung der Normalen. Konstruiert man 
zur Evolute wieder die Evolute, von dieser abermals usw., so erhält man 
die höheren Evoluten, eine unendliche Reihe von Kurven, die die Mutter- 
kurve gemeinsam haben. Ist daher diese durch ihre Gleichung gegeben 
und aufserdem die Ordnungszahl n der höheren Evolute, so mufs man die 
Gleichung der letzteren finden können. Ich will Ihnen heute diese Auf- 
gabe zunächst allgemein lösen und dann das Ergebnis auf einzelne Kurven 
und auf die Lehre von den Bewegungen anwenden. 

Es fragt sich zunächst: Welches Koordinatensystem soll genommen 
werden? Nun, das kommt darauf an, ob man die Evolute als Krümmungs- 
mittelpunktkurve auffassen will oder als die Umhüllungskurve der Nor- 
malen. Im ersteren Falle nimmt man Punktkoordinaten, im letzteren Linien- 
koordinaten. Ich nehme Linienkoordinaten. Die Linienkoordinaten wurden 
bekanntlich im Jahre 1828 von Julius Plücker in Bonn in die analytische 
Geometrie eingeführt. Die Abschnitte auf den Achsen setzen wir — in seinem 


114 


Sinne, denn er hat homogene Koordinaten eingeführt 

1 


gleich und 

u 


gleich 


Wir wollen aber andere Koordinaten wählen, nämlich r, 


Fi g. 1. 


die polaren Koordinaten des Fufspunktes des vom Anfangspunkt auf die 
Gerade gefällten Lotes. Dann ist ru = — cos # und rv — — - sin Diese 

beiden Formeln führen aus einem System in das andere. 

Ist eine Gleichung zwischen r und # gegeben, so stellt diese demnach 
zwei Kurven dar, je nachdem man die Koordinaten r, & als Linien- oder 
als Punktkoordinaten auffafst. Von diesen beiden ist immer die letztere 
die Fufspunktkurve der ersteren für den Koordinatenanfangspunkt als Pol. 

Es seien uns jetzt gegeben eine Gerade r & und ein Punkt x y . Dann 
ist r — x cos & — y sin = p der Abstand des Punktes x y von der 
Geraden r 

In den Anfangsgründen der analytischen Geometrie nimmt man x, y 
als Veränderliche; dann stellt diese Gleichung eine Gerade dar, die parallel 

der Geraden r & ist und vom Anfangspunkt die 
Entfernung r — p hat. 

Hier ist aber r & veränderlich, also ist: 
r — x cos # — y sin & = p die Gleichung eines 
Kreises mit dem Mittelpunkt x y und dem Ra- 
dius p. 

Ist jp = 0, so erhalten wir r — x cos# — 
y sin d' = 0, die Gleichung eines Punktes. 

Anwendungen. Satz: Bewegt sich eine Gerade so, dafs die Summe 
ihrer Abstände von n Punkten ungeändert bleibt, so hüllt sie einen Kreis 
ein. (NB. Dieser Satz hat schon vor hundert Jahren in Gergonnes Annalen 
gestanden.) 

Beweis: Die n Punkte seien x 1 y v x 2 y 2 , . . . . x n y n \ die Summe der Ab- 
stände von der sich bewegenden Geraden sei j), dann folgt 
r — cos # — y 1 sin & 



x x cos & 
x 2 cos 


_l_ r 

+ r — x n cos & 


y 2 sin ^ 
y n sin & 


=i>» 


oder 


#1 + X 2 + 


x* 


n 


cos & 


ÄM sraä= !. 

n n 


Das ist aber die Gleichung eines Kreises, der den Massenmittelpunkt 

V 

der Punkte x t y v x n y n zum Mittelpunkt hat und — zum Radius. 

Nun seien zwei Punkte F 1 und F 2 mit den Koordinaten x v y x resp. 
Xcp y 2 gegeben. Ihre Abstände von der Geraden r & sind dann r — x ± cos & 
— y t sin & bez. r — x 2 cos & — y 2 sin Bewegt sich nun die Gerade so, 
dafs die Abstände der Punkte F ± und F 2 von ihr ein konstantes Ver- 
hältnis haben, so folgt r (c ■ — 1) — (c x 2 — x^) cos & — (c y 2 — y^ sin & — 0, 
die Gleichung eines Punktes. Bewegt sich also eine Gerade so, dafs die 
Abstände zweier Punkte von ihr ein konstantes Verhältnis haben, so dreht 
sie sich um einen Punkt. 

Bedenkt man, dafs das Produkt der Lote, welche von den Brenn- 
punkten einer Ellipse bez. Hyperbel auf eine bewegliche Tangente dieser 


115 


Kurven gefällt werden können, gleich dem Quadrate der kleinen bez. imagi- 
nären Halbachse ist, so erhält man analog als Gleichungen der Ellipse 
und Hyperbel 

(r — x ± cos & — y 1 sin #) (r — x 2 cos & — y 2 sin #) = + & 2 > 
wobei x v y x und y 2 die Brennpunktskoordinaten und b bez. i b die kleine 
bez. imaginäre Halbachse bedeuten. 

Wir nehmen nun noch die Parabel. Zunächst soll sie in ihrer ein- 
fachsten Lage dem Koordinatensystem gegenüber gegeben sein. Die Parabel- 
achse soll Koordinatenachse sein, der Brennpunkt soll der Anfangspunkt sein, 

die Scheiteltangente soll den Abstand ~ vom Anfangspunkt haben. Nun gilt 

der Satz: Der Ort der Fufspunkte der vom Brennpunkt auf die Parabel- 
tangenten gefällten Lote ist die Scheiteltangente. 


Dann folgt sofort als Parabelgleichung r cos & = 


P 


Jetzt nehmen wir die allgemeine Lage: die Brennpunktskoordinaten 
seien x 0 , y 0 . Der Winkel zwischen Parabelachse und Systemachse sei co. Dann 
ist nach dem genannten Satze 


(r — x 0 cos & — y 0 sin #) cos (# 


X P 

») = ä 


Fig. 2. 


die Gleichung der Parabel. 

Dieses Koordinatensystem hat wie jedes andere seine Licht- und 
Schattenseiten. Ich möchte hier auf erstere aufmerksam machen. Zunächst 
die leichte Koordinatentransformation. Rechtwinklige Punktkoordinaten 
verschieben sich leicht, drehen sich schwer, polare Punktkoordinaten 
drehen sich leicht, verschieben sich schwer, polare Linienkoordinaten aber 
drehen sich leicht und verschieben sich leicht. — Dann die sehr einfache 
geometrische Deutung der Konstanten der Kegelschnittsgleichung. 

Ich gehe jetzt zur eigentlichen Aufgabe über. 

Es sei gegeben eine Kurve in polaren Linienkoordinaten r = f(&). 

Wir wollen zunächst den Berührungspunkt B der Tangente mit der 
Kurve bestimmen, dann die Normale, hierauf die Evolute und endlich die 
Evolvente. Wir fragen uns, wo der Be- 
rührungspunkt B liegt. Derselbe ist auf- 
zufassen als Schnittpunkt zweier benach- 
barter Tangenten. 

Wie aus Fig. 2 ersichtlich, ist nun 
OP' — r + ä r = r cos d & + B P sin d 

i r 4- dr — r cos d & 

also B P = — 7 — 

sin a P 

d r , 

~ d$ ~ T 1 
also ist JB P = r'. 

Dies ist der Kernpunkt meines heutigen Vortrags. 

Die Koordinaten des Punktes B sind 

x = r cos & — r’ sin 
y == r sin & -f- r' cos <#. 

Jetzt wollen wir die Normale bestimmen. 



116 


Dieselbe hat zu Koordinaten r f und # + 


n 


Fig. 3. 



r = f’{ 


^ — - 


Hat demnach die Mutterkurve die Glei- 
chung r = f( i^), so ist die Gleichung der 
Evolute 

-) 

%> 

Betrachtet man nun diese Kurve für sich 
und nicht im Zusammenhang mit der ersteren, 
so kann man die Achse um einen rechten Winkel 
drehen; dann ist r = f f (-#) die Gleichung der 
Evolute; also r = f^(xf) die Gleichung der wten Evolute, wenn die Achse 
um n rechte Winkel gedreht worden ist. 

Hiermit ist die gestellte Aufgabe gelöst. 

Anwendung auf den Krümmungsmittelpunkt K: 

Dieser ist der Berührungspunkt der Normalen mit der Evolute. Man 
erhält ihn also, indem man vom Anfangspunkt 0 auf die Normale das 
Lot OP' fällt und BP ' um r" verlängert, also sind die Koordinaten des 
Krümmungsmittelpunktes K : 

x = — r f sin & — r" cos #, 
y = r' cos & — r" sin 
Der Krümmungsradius selbst ist 

BK=q = v + t " 

Anwendungen. 

1. Die Logarithmische Spirale. 

In Punktkoordination lautet ihre Glei- 
chung r = a • ^ ( p. 

Wir untersuchen nun zunächst die Kurve, 
welche dieselbe Gleichung in Linienkoordi- 
naten besitzt. 

Für sie ist 

r' 

-= f 9V- 

Verbinde ich den Anfangspunkt 0 mit dem 
Berührungspunkte B der Tangente an die 
Kurve, so ist hiernach ^ BO P— cp = Kon- 
stante. Der Radiusvektor des Berührungspunktes B sei R. 

Dann ist 

r a -O-tgff a tg (p (&+_(p — (p^ 


Fig. 4. 



R = 


COS (f COS (f 


a tg<p(d_+j) 
COS (f 


Da nun <£ XOB = # -f- (f die Winkelkoordinate des Punktes B ist, so 
sehe ich nach einer Drehung der Achse um cp, dafs die Kurve in Punkt- 
koordinaten eine Gleichung von derselben Form hat. Diese Kurve hat 
also die merkwürdige Eigenschaft, dafs ihre Gleichungen in Punkt- und 
Linienkoordinaten dieselbe Form haben. 

Es folgt also: die Fufspunktkurve der logarithmischen Spirale ist eben- 
falls eine logarithmische Spirale, ebenso ihre Evolute, wie sich sofort durch 
Differenzieren ergibt. 


117 


2. Die gemeine Parabel. 

Ihre Gleichung war 

r = ~ : cos & = ^ sec ^ • 
2 2 


Also ist die Gleichung der ntm Evolute 


r 


p d n sec # 
2 d^ n ' 


Die Entwickelung dieses wten Differential quotienten ist nicht einfach, 
wenn man independente Form wählt. 

Ich habe ihn in der Form erhalten 


d n sec# cos & 


dö 




2 n — 1 


¥ 


+ 


n\ " ' 6 

280 n s — 2604 n 2 + 6914 n 


2 ^ + 

-4377 


20 n 2 — 72 72+43 


360 • 126 


tg n 


360 

^ + 


tg n 


4 <1 


Die absoluten Glieder sind sogenannte Sekanten-Koeffizienten, da sie 
in der Entwickelung der sec-Reihe Vorkommen. — Führt man die Plücker- 
schen Koordinaten u, v ein, so erkennt man, dafs die Kurve von der 
(n+2)ten Klasse ist. Für n = 0, also für den Fall der Parabel, ergibt 
sich eine Kurve 2. Klasse. Die Neilsche Parabel ist also von der dritten 
Klasse usw. 

Ich gehe jetzt zur Evolvente über. 

Ist eine Kurve in polaren Linienkoordinaten gegeben durch 

so ist nach dem Vorangegangenen die Gleichung der Evolvente 
r = J f{&) d & + Konstante. 

Wir erhalten also unendlich viele Kurven, die, wie sich hier ergibt, 
Parallelkurven sind. 

Beispiel: Der Kreis, welcher den Koordinatenanfang als Mittelpunkt 
und h zum Halbmesser hat. 

Seine Gleichung ist r = h. 

Mithin lautet die Gleichung der ersten Evolventenschar r = h • # + <x, 
d. h. die Fufspunktkurve der Kreisevolvente ist die Archimedische Spirale. 

Drehen wir für ein bestimmtes a die Koordinatenachse um so er- 

li 

scheint die Gleichung der Archimedischen Spirale in der Form r — h-&. 
Die n te Evolvente hat die Gleichung 

Diese Gleichung enthält n unbestimmte Parameter. 


Anwendung auf die Kinematik. 

Diese Anwendung ist es gewesen, welche mich veranlafst hat, meinen 
Vortrag in dieser Weise auszugestalten. Vor mehreren Wochen hat Herr 
Geheimrat Krause in der Isis einen Vortrag gehalten, in dem er für einige 
Sätze aus der Bewegungslehre, welche Reinhold Müller in Darmstadt auf- 
gestellt hat, neue und zwar analytische Beweise brachte. — Ich bitte um 

** 


118 


die Erlaubnis, einen Teil dieses Vortrags übersetzen zu dürfen aus der Sprache 
der Punktkoordinaten in die der Linienkoordinaten. 

Es handelt sich um die ebene Bewegung eines starren Systemes. Man 
setzt voraus, dafs ein bestimmtes Bewegungsgesetz existiert, ohne näher 
auf dieses Gesetz einzugehen. 

Im ruhenden System wählen wir irgendeine Koordinatenachse und 
auf ihr einen Anfangspunkt. Im beweglichen System wählen wir ebenfalls 

eine Koordinatenachse mit dem Anfangs- 
punkt 0'. Beide Achsen seien gegenein- 
ander geneigt unter dem Drehwinkel x. 
Die rechtwinkligen Koordinaten des An- 
fangspunktes des beweglichen Systemes 
im festen System seien a, b. a und b 
sind als Funktionen des Drehwinkels ge- 
dacht. Hat nun eine Gerade des beweg- 
lichen Systemes in diesem die Koordinaten 
p, «, im ruhenden System dagegen die 
Koordinaten r, #, so gelten die Beziehungen 

3 = x + w und V = a cos 3 + b sin 3 -f- p. 

Die letztere Gleichung ist die Gleichung der von der Geraden p co 
umhüllten Kurve. Die Gleichung ihrer wten Evolute ist 

d n (a cos 3) d n (b sin 3) 

r ~ d& n ' ’ 

wo in a und b die Gröfse x durch 3 — co ersetzt ist. 

Die Gröfse p fällt heraus; das ist natürlich, denn eine Schar paralleler 
Kurven hat eine einzige Evolute. 

Bei der Ausführung der auftretenden Differentialquotienten er- 
halten wir 

r = u cos 3 -f- v sin 

wobei gesetzt ist 

d n a . d n ~ 1 b d n ~ 2 a d n ~*b . 

u ' Wl ~ n *dlpt=* ~~ Uz JW-* + ’ 

d n b ‘ d n ~ 1 a d n ~ z b , d n ~ 3 a , 
v ~ HF" ~~ n 1 d/i «- 1 — ” 2 + ” 3 + 

Die Gröfsen u, v sind nur vom Bewegungsgesetz abhängig, denn a 
und b sind Funktionen von x — 3 — oo. Ändern wir w, so ändert sich auch 
3, so dafs 3 — w immer gleich x ist. Es sind also u, v unabhängig von 
p , co, d. h. von der Wahl der Geraden im beweglichen System. 

Aus r — u cos 3 + v sin 3 folgt, dafs die Tangenten der wten Evolute 
durch den Punkt u v, den (n — l)ten Rückkehrpol, gehen. 

Die Koordinaten des Berührungspunktes der Tangente r — u cos 3 
+ v sin 3 sind 

x = r cos 3 — r' sin 3, y — r sin 3 + r' cos 3. 

Da nun r = u cos 3 -f- v sin 3 ist, wobei u und v die angegebenen 
Ausdrücke bedeuten, folgt 

x = u — (u f cos 3 -f- v f sin 3) sin 3, y — v- (- (u f cos 3 + v' sin 3) cos 3. 

Eliminiert man aus beiden Gleichungen 3 , so ergibt sich 
(x — u ) 2 + (y — v ) 2 = — v- (x — u)-\- u' ( y — v). 


Fig. 5. 



119 


Das ist die Gleichung eines Kreises, der den Mittelpunkt x m 



u' 

y m + J 


hat. 


Es liegen also in jedem Augenblick die Berührungspunkte der Tangenten 
der wten Evolute mit denselben auf einem Kreis, dem (n — l)ten Rück- 
kehrkreis. 

Die Koordinaten des wten Rückkehrpoles TJ. V werden bestimmt mittelst 
der Gleichung der (n + l)ten Evolute. Diese finden wir wiederum, indem 
wir die Gleichung der nten Evolute 

r = u cos & + v sin 


differenzieren und & durch # — — ersetzen. 

2 <* ' 

Wir finden also als Gleichung der (n + l)ten Evolute: 


r 

oder 


= — u sin ^ + v cos ) + u' cos + v ' si' n 


r = (u — v') cos d + (v + u ') sin & = TJ cos & + Fsin 
Die Koordinaten des T^ten Rückkehrpoles sind also 
U=u — v r , V — v + u'. 

Die Koordinaten des Mittelpunktes der Verbindungslinie des (n — l)ten 
und des 7^ten Rückkehrpoles sind 


x 


u + (u — v f ) 


u ~*y 


v + (v + u’) , u r 

— == v -i 

2 ^ 2 


Das sind jedoch auch die Mittelpunktskoordinaten des nten Rückkehr- 
kreises. Also hat der nte Rückkehrkreis die Verbindungslinie des (n — l)ten 
und des wten Rückkehrpoles zum Durchmesser. Er geht also auch durch 
den 7iten Rückkehrpol hindurch. 


VIII. Ein fossilführender Kalksinter im Gebiet der 

Wilden Sau. 

Yon Albert Vollland, Lehrer in Leipzig. 


I. 

Die Wilde Sau, ein Nebenflüfschen der Elbe unterhalb Dresdens, 
bat ihre Quellbäche an den Abhängen des Landbergrückens westlich von 
Tharandt. Anfangs geht sie trägen Laufes in weitgeböschter Wanne durch 
Löfslehmgebiet. Kurz unterhalb Wilsdruffs tritt sie in die Region des 
,,Meifsner Massivs“. In einem etwa 50 m tiefen Tale hat sie die ihrem 
Laufe vorgelagerte Syenitfelsenbarre in der Gegend von Klipphausen 
durchsägt. Das Erosionstal wird bei der Neudeckmühle eng, die Wände 
sind zu grofsen Blöcken zerklüftet und das Gestein ist zu grobem Grus 
zerwittert. Erst in der Nähe von Konstappel wird das Tal wieder 
weiter und mündet bald dahinter in die Elbe. 

Bei Konstappel empfängt die Wilde Sau als linksseitigen Nebenflufs 
den sogenannten ,, Regenbach“. Mit Ausnahme des Quellgebietes, das in 
Röhrsdorf auf Löfsboden liegt, ist dessen Bett in Syenitfels einge- 
graben. Das Tal ist besonders in seinem mittleren Teile sehr eng, teil- 
weise von kahlen Felsen flankiert, vorwiegend aber mit prächtigem Laub- 
wald geschmückt. Die Unterholz- und Krautvegetation ist an diesen 
bewaldeten Hängen auffallend dürftig*). „Der Syenit ist hier gelockert und 
zu Grus zersetzt, seine Hornblende ist in grüne, chloritische Masse um- 
gewandelt, während der Orthoklas oft noch ziemlich unversehrt ist und 
glänzende Spaltflächen besitzt.“ Erst im unteren Teile sind von den flacher 
geböschten Talhängen, besonders der linken Seite, gröfsere Mengen von 
löfs artigem Lehm herabgeschwemmt worden, so dafs hier die Vor- 
bedingungen für eine ziemlich ertragreiche Wiesenfläche gegeben sind. 

Kurz unterhalb der letzten Mühle von Röhrsdorf, an den Grenz- 
linien der beiden Sektionen Wilsdruff und Kötzschenbroda der geologischen 
Landesaufnahme von Sachsen, da, wo eben der Bach in den wilderen Teil 
des Tales eintritt, findet sich ein Lager von Kalksinter. Der Bach 
macht hier nach links eine Biegung und umgeht so eine wenige Meter 
höher gelegene ovale Terrasse, die an die etwa unter 50° einfallende rechts- 
seitige Talwand anstöfst. Darauf liegen zwei gröfsere Blöcke von Kalk- 
sinter. Weit mehr, aber wesentlich kleinere Brocken dieses Kalksteins 


*) Dalmer, K. und Beck, R.: Sekt, Wilsdruff- Potschappel d. Erläut. der geol. 
Spezialkarte des Königreichs Sachsen. 1894. 


121 


liegen am Waldrande, dort wo Terrasse und rechte Talwand zusammen- 
stofsen. Hierher wurden sie sicher durch Menschenhand zusammengetragen. 
Nach mündlichen Berichten sollen früher weit mehr Kalkblöcke auf dem 
Plateau gelegen haben. Man hegte die Absicht, einen Kalkbruch anzu- 
legen, da gebrannte Proben einen sehr feinen, weifsen Putzkalk ergaben.' 
Aber man hatte bald die Geringfügigkeit des Lagers bei der ersten ernst- 
haften Untersuchung erkannt, das Kalkbruchprojekt aufgegeben und dafür 
durch Ablesen der transportablen Stücke versucht, ein nutzbringendes Stück 
Ackerland bez. Wiese zu schaffen. Aber die Humusschicht ist dünn, reich- 
lich untermengt von Syenitgrus, dessen Muttergestein wenige Zentimeter 
tief angetroffen wird. 

Da die geologische Landesuntersuchung das Vorkommen weder auf der 
Spezialkarte noch in den dazugehörigen Texterläuterungen der Sektion er- 
wähnt, möge es kurz gekennzeichnet sein. 

II. 

Die Blöcke lagern direkt in primärer Lagerung auf dem Syenit auf*), 
von dem sie bis faustgrofse Bruchstücke umschliefsen. Diese eingeschlos- 
senen Massen sind lockergefügig und bröckeln leicht auseinander, es sind 
typische Grusbrocken, wie sie überall in der Gegend angetroffen werden. 
Im allgemeinen ist der Kalktuff flach-plattenförmig abgesondert, nur ver- 
einzelt hat er sich zu stumpfkegelig-klotzartigen Massen ausgebildet. An 
der Basis sind die gröfseren Blöcke sehr reich an Syenitbröckchen, die in 
der Regel Erbsengröfse nicht überschreiten. Die Sintermasse ist dicht, 
ohne jede Höhlung und aufserordentlich gleichmäfsig abgesetzt, in ihrem 
äufseren Habitus erinnert sie an feinkörnigen Postelwitzer Quadersandstein. 
Zuweilen finden sich scharf abgesetzte Bänder hellglänzender, dicker Plättchen 
darin, die vielleicht aus Orthoklastrümmern bestehen. 

Weiter nach dem Hangenden zu sind die Sintermassen deutlich 
schalig abgesondert um rundliche bis faustgrofse Höcker, die in 
der Regel von konzentrisch geordneten Partien vertikal durchzogen sind, 
deren Innerstes die ersten feinen Röhrchen zeigt. 

Die schaligen, aufserordentlich harten Lagen umschliefsen als liegendste 
Schicht die ersten Schneckengehäuse, vorwiegend von Cochlicopa lubrica 
Müller, Hyalinia pura Alder und Fruticicola liispida L. 

Nach dem Hangenden zu wird dann die Sintermasse poröser und 
weist ab und zu gröfsere Hohl räume auf, die zumeist von einer sehr 
harten Sinterschicht überkrustet sind. Hier finden sich die meisten 
Fossilien, meist in die harten Krusten eingebettet, teils in zahlreicher 
Gesellschaft lose auf ihnen liegend, insbesondere grofse Mengen von 
Carychium Minimum Müller. Die Decken der Höhlungen bilden zumeist 
wieder schalig übereinandergelagerte Absonderungen, die dünne Lagen von 
dichtgedrängten Schneckenschalen enthalten, die besonders aus den Spezies 
Cochlicopa lubrica , Helix liispida , Hyalinia radiatula und pura , verein- 
zelter aus Patula rotundata und Punctum pygmaeum bestehen. 


*) Obgleich der Kalktuff nicht mit dem felsigen Untergrund verwachsen ist, so 
handelt es sich trotzdem um eine primäre Lagerstätte, da ja der reichlich vorhandene 
Syenitgrus ein Verwachsen mit dem Untergrund verhinderte. 


122 


Im ganzen ist das Gefüge der Sintermasse ziemlich dicht und der 
oben gebrauchte Ausdruck „porös“ ist nur in dem Sinne zu verstehen, dafs 
hier und da kleine Höhlungen und Röhren auftreten. 

III. 

Von Pflanzenresten ist in den Kalksinterblöcken wenig enthalten. 
Vorwiegend treten dichte Lagen eines Lebermooses auf, vielleicht zu 
Marchantia polymorpha gehörig. Ein Blattabdruck von Corylus avellana 
und TJlmus campestris sind die einzigen Zeugen einer Laubwaldvegetation. 
Leider gelang es nicht, diese beiden Abdrücke zu präparieren, da sie völlig 
zerbrachen. Aufserdem enthielt ein Block in einer Höhlung die inkru- 
stierten Überreste eines langstengligen Moosstandes und ein anderer 
einen sauber ziselierten Röhrenabdruck eines Schachtelhalms. 

IV. 

Von tierischen Überresten wurden nur Schalen von Gastero- 
poden gefunden, deren genauere Aufzählung und Beschreibung folgen mag. 

I. Ordnung. Pulmonata Cuvier. 

Unterordnung: Stylommatophora A. Schmidt. 

1. Vitrinidae 

Vitrina Draparnaud. 

1. Vitrina pellucida Müller. 

Gehäuse gedrückt kugelig, Umgänge 2 3 / 4 , der letzte wenig erweitert, 
mit deutlichen Radiärwülsten oder Wellen, so dafs die Kontur der Peri- 
pherie schwach ausgebogt erscheint. Mund säum verletzt. D. 4, H. 3. 
1 Exemplar. 

*) Diese Schnecke bevorzugt kalte, feuchte Gründe usw. Sie ist sehr 
empfindlich gegen Wärme wie die meisten Vitrinen, die ausgesprochene 
Modertiere und stenotherm sind. Darum auch verlegen sie ihr Reife- 
stadium in den Herbst und halten sich im Sommer tief im Waldmoder, in 
hohlen Baumstümpfen usw. verborgen. 

2. Zonitidae. 

Hyalinia Agassiz. 

2. Hyalinia pura Alder ( lenticula Held). 

Gehäuse niedergedrückt, noch einen schwach gelblichen Schein, Unter- 
seite hell, weifs; Ober- und Unterseite glänzend. Gröfstes Exemplar 3V 2 Um- 
gänge, der letzte nicht bedeutend erweitert, nicht herabgezogen. Nabel 
weit, alle Umgänge zeigend. D. 3*/ 21 H. 2. 4 Exemplare — im Tuff häufig 
— alle nicht ganz erwachsen. 

Ihr dünnes, glänzendes Gehäuse befähigt sie wenig zum Aufenthalt 
in der Wärme. Als fleischfressende Art hält sie sich meist im Waldmoder ver- 
borgen, obwohl man sie auch vereinzelt im trockenen Heidewald finden kann. 


*) Um die Funde recht würdigen zu können, macht sich eine kurze Schilderung 
der Lebensverhältnisse und der Verbreitung bei einzelnen Arten nötig. 


123 


3. Hyalinia radiatula Gray. 

Gehäuse gedrückt kugelig, Naht tief. Umgänge 4, auf der Oberseite 
mit dichten feinen Rippchen, Unterseite glatt, porzellanweifs, glänzend. 
Letzter Umgang nach abwärts gehend, Mündung schräg abwärts, länger 
als breit. Nabel im Gegensatz zu pura eng und tief, nur die letzten Um- 
gänge zeigend. D. 4y 2 , H. % 1 / 2 . 4 Exemplare — im Tuff häufig. 

Diese kleine, schöngerippte Art zeigt eine aufserordentliche Anpas- 
sungsfähigkeit an die verschiedengestalteten Örtlichkeiten bei sehr ver- 
schiedenen Temperaturverhältnissen. 

Vitrea Fitzinger. 

4. Vitrea crystallina Müller. 

Gehäuse schwach scheibenförmig, in der Mitte schildbuckelartig er- 
hoben. Umgänge 4 Y 2 , gleichmäfsig zunehmend, letzter breiter als vorletzter, 
Ober- und Unterseite glatt. Nabel eng, aber deutlich und tief. D. 37 2 . 
Sehr zahlreich. 

Sie bevorzugt ganz entschieden feuchte, kühle Aufenthaltsorte. 

Zonitoides Lehmann. 

5. Zonitoides nitidus Müller. 

Gehäuse wenig erhoben, etwas weitläufiger als in der Regel gestreift 
und ganz entschieden nicht gerippt, wie es Bollinger an Baseler Exem- 
plaren beobachtet hat*); darum dürfte Clessins Angabe „fein gestreift“**) 
eben zu Recht bestehen, wie ehedem. Das schöne Gelbbraun rezenter 
Schalen ist gänzlich verblichen, an seine Stelle ist ein glänzendes Por- 
zellanweifs getreten. Umgänge 4y a , langsam, gleichmäfsig zunehmend, 
im letzten Teil etwas herabsteigend. D. 4 3 / 4 , H. 2 y 2 . 1 Exemplar. 

Bewohnt vorzugsweise Bach- und Teichränder, ist ein ausgesprochener 
Feuchtigkeitsbewohner und ist auch auf nassen Wiesen und Torfmooren 
anzutreffen. Im Winter gräbt sie sich nicht ein, sondern ruht in starken 
Genossenschaften oberflächlich. 

3. Naninidae. 

Euconulits Reinhardt. 

6. Euconulus fulvus Müller. 

Gehäuse kugelig -kegelig, Naht ziemlich tief. Oberseite noch hell- 
bräunlich, wie poliert glänzend, mit feinen Radialstreifchen, unten sehr fein 
spiralig gestreift. Umgänge 4 7 4 , also nicht erwachsen, sehr langsam zu- 
nehmend, dicht aufgewunden. JD. 27 2 , H. 27 2 - 2 Exemplare. 

Die biologische Amplitude ist sehr grofs. Fast wahllos nimmt die 
Art mit jeder Lokalität vorlieb, obgleich sie vorzugsweise an trockeneren 
Stellen, ganz besonders unter starkem Papier, wie es leider in der Nähe 
der Grofsstadt so oft den Waldboden ziert, gefunden wird. 


*) Bollinger, Gr.: Zur Gastropodenfauua von Basel und Umgebung. In. -Biss. 
Basel 1909, S. 52 und 57. 

**) Clessin, S.: Deutsche Excursions Moll. -Fauna. 2. Aufl. Nürnberg 1884, S. 101 
und 122, 


t 


124 


4. Polyplaeognatha. 

Pvnctum Morse. 

7. Punctum pygmaeum Draparnaud. 

Gehäuse aufserordentlich klein, sehr niedergedrückt, fast scheiben- 
förmig. „Streifung“ fast verloren gegangen. Die vorliegenden Exemplare 
bestätigen Bollingers*) Behauptung, dafs es sich hier nicht um eine 
Streifung handelt, wie Clessin angibt, sondern um feine Rippung. Alle 
Arten, die gestreift, d. h. mit vertieften Linien versehen sind, zeigen diese 
Skulptur an den Röhrsdorfer Fossilen ganz besonders deutlich bei dem 
Porzellanglanz der Schalen. Die Arten, die im Leben feine Rippung auf 
der Oberfläche der Schalen trugen, zeigen davon nur ganz geringe Rudi- 
mente, selbst die stark gerippte Vallonia costata ist fast glatt. Umgänge 4, 
sehr langsam zunehmend, nicht gekielt. Farbe sehr zart hellgelb. D. 1 7 2 , 
H. etwa 3 / 4 - Zahlreich, besonders in den festen, schaligen Lagen des 
Sinters. 

Liebt die Feuchtigkeit, flüchtet vor der Wärme. 

5. Patulidae. 

Vatula Held. 

8. Patula rotundata Müller. 

Gehäuse etwas erhoben, scheibenförmig. Ober- und Unterseite mit 
soliden Rippchen besetzt, die auf der Oberseite sehr schräg nach innen (der 
Windungsrichtung rücklaufend) gerichtet sind. In dem sehr weiten, tiefen 
Nabel, der alle Umgänge zeigt, sind die Rippchen deutlich zu verfolgen. 
Die für die Art charakteristischen Flecken im Konchyn sind ausgelöscht, 
die Farbe des Gehäuses ist schmutziggelb. Gröfstes Exemplar 4 Umgänge; 
alle unerwachsen. Umgänge langsam, gleichmäfsig zunehmend, stumpf ge- 
kielt. D. 5 7g, H. 27^ Häufig. 

Ist wenig wählerisch, doch bevorzugt sie den Schutz des Halden- 
schuttes, lose anliegender Rinde, umgefallener Bäume und flacher Steine. 

6. Helieidae. 

Vallonia Risso. 

9. Vallonia costata Müller. 

Gehäuse klein, niedergedrückt, Umgänge 37 2 > ziemlich gleichmäfsig 
zunehmend, letzter im letzten Drittel rascher zunehmend, herabgebogen. 
Offen und weit genabelt. Mündung schräg. Mundsaum mit starker, weifser 
Lippe. Die für die Art charakteristische starke Rippung fast gänzlich ver- 
loren. D. 27 2 > H. 17 2 « Zahlreich. 

Obwohl sie auf Wiesen, in Wäldern und felsigen Orten gefunden wird, 
zeigt sie doch eine besondere Vorliebe für warme, sonnenbestrahlte Berg-, 
Halden- und Heidewiesen. 


Fruticicola Held. 

10. Fruticicola hispida L. 

Flach halbkugelig, weit und offen genabelt, Behaarung völlig verloren, 
hell bräunlich; bei dem gröfsten Exemplar Kielstreifen als weifse Binde 

*) Bollinger, G. : Zur Gastropodenfauna von Basel und Umgehung. In.-Diss, 
Basel 1909, S 52 und 57. 


125 


deutlich vortretend. Auf der Unterseite der Mündung eine deutlich aus- 
gebildete Leiste. D. 8, H. 4. Kein unversehrtes Exemplar, sehr zahlreich. 

Lebt mit Vorliebe auf Wiesen, an Schutthalden und in Buchenwäldern. 
Sie ist eine kalkholde Art und deswegen überall da zu finden, wo Kalk 
dem Boden reichlich beigemengt ist, wie im Löfsgebiet bei uns und an 
Ruinenschutt. 

Arianta Leach. 

11. Arianta arbust orum L. 

Beim Präparieren zerbrochen, Band deutlich, blafsviolett. 

Sie liebt ganz besonders die Feuchtigkeit und ist ein Freund der küh- 
leren Tage. Während man die unerwachsenen Tiere oft massenhaft an 
Nesseln usw. antreffen kann, solange die Temperatur noch kühler ist, so 
ist das Auftreten erwachsener Exemplare im Sommer immer vereinzelt. 
Erst im vorgeschrittenen Herbst glückt es zuweilen, aufserordentlich grofse 
Kolonien anzutreffen, wenn zuvor reichlicher Regen gefallen ist. 

Tachea Leach. 

12. Tachea hortensis Müller. 

Nur 1V 2 Windungen, oben flach, nach unten schräg abfallend mit 
stumpfem Kiel. Nach der Gröfse der Embryonalwindung und nach dem 
stumpfen Kiel zu T. hortensis gehörig. 

7. Buliminidae. 

Buliminus Ehrenberg. 

13. Buliminus montanus Draparnaud. 

Nur 2 Umgänge vom unteren Drittel. Durch grobe Streifung und 
schwache enggestellte Spirallinien sehr deutlich gekörnelt, stumpf gekielt. 

Liebt feuchten Laubwald und ist fast gar nicht von der Kälte ab- 
hängig. An einigermafsen freundlichen Wintertagen kriecht sie umher. 
Anfang April fand ich sie massenweise in Kopula, während Helix pomatia 
um diese Zeit noch eingedeckelt und in Winterstarre lag. Obwohl feuchtig- 
keitsliebend, trifft man sie doch auch oft genug in trockenen Laubwäldern, 
wo sie sich gern unter gröfseren lockerliegenden Steinen aufhält. 

14. Buliminus obscurus Müller. 

Nur 27 2 Umgänge der oberen Hälfte, diese deutlich gestreift, ohne 
die geringste Spur von Spirallinien. 

In nassen Laub- und Tannenwäldern und feuchtem Steingeröll. Nur 
bei nasser Witterung umherkriechend. 

Acanthinula Beck. 

15. Acanthinula aculeata Müller. 

Gehäuse kreiselförmig, sehr klein, durchbohrt genabelt, Naht tief, 
Umgänge 4, gleichmäfsig zunehmend. Von den bei rezenten Exemplaren 
charakteristischen Epidermisrippen, die in der Regel einen Dorn in der 
Höhe des Umgangs tragen, fehlt jede Spur. Dagegen zeigt die Oberseite 
eine äufserst feine, enggestellte Streifung. D. 2, 11. 2. Zahlreich. 


126 


8. Cochlicopidae. 

Cochlicopa Risso. 

16. Cochlicopa lubrica Müller. 

Gehäuse länglich eiförmig, glatt, glänzend. Umgänge 6, letzter beinahe 
so grofs wie die übrigen zusammen. Im Vergleich zur folgenden aufge- 
blasen, bauchig. D. 3, H. 6. Sehr häufig. 

17. C. lubrica var. exigua Menke ( lubricella Ziegler). 

Viel schlanker als die typische lubrica , zylindrisch, Mündung mehr 
nach aufsen gerückt, der var. columna Clessin ähnelnd, jedoch zum Teil 
noch in die Richtung der Gehäuseachse fallend. Da ein Übergangsexemplar 
zur typischen lubrica vorliegt, handelt es sich hier nur um das Glied einer 
Formenreihe, als welches exigua wohl überhaupt nur aufgefafst werden 
kann. D. 2, H. 47 2 und 5. 

9. Pupidae. 

Orcula Held. 

18. Orcula doliolum Brugiere var. tumida n. 

Gehäuse kugelig-walzlich, viel aufgeblasener als der Typus; mit feinem, 
schiefem Nabelritz. Rippung (ausnahmsweise gut erhalten) zart, regelmäfsig. 
Wo das Konchyn abgerieben ist, da zeigt sich sehr feine Streifung. Um- 
gänge nur 8, gegen 9 oder 10 des Typus. Die gröfste Dicke etwas mehr 
nach der Mitte gerückt, dann rascher abnehmend, viel enger aufgewunden, 
letzter Umgang bei der Mündung stark nach oben gezogen. Mündungs- 
charaktere wie beim Typus. D. 2 1 / 2 , H. 4. Mehrfach; erwachsen 2 Exemplare. 

Die Verbreitung des Typus erfordert für sächsische Faunisten be- 
sonderes Interesse. Ihre Verbreitung erstreckt sich über Mittel- und 
Südeuropa bis Kleinasien. Sie fehlt in Spanien, England, den drei 
nordischen Reichen und den bayrischen Alpen. Sie findet sich überall an 
zerstreuten Fundpunkten in Württemberg, Taunus, Harz, Rheinprovinz, 
Thüringen, Schlesien, Böhmen. 

In Thüringen kommt sie nach Goldfufs*) vor an Schlofs Tenneberg 
bei Waltershausen, Wachsenburg bei Arnstadt, Schlofsberg der Mühlberger 
Gleiche, Höllental bei Kosen, Mühlhausen, Gleichen bei Göttingen, Rothen- 
burg am Kyffhäusergebirge. 

In Schlesien lebt sie nach Merkels**) Angaben in Setzdorf, alte Burg 
bei Goldenstein, Mühlberg, Kitzelberg, Schweinhaus, Landskrone und am 
Rotstein, sächsische Lausitz. 

Die schlesischen Funde liegen alle an Örtlichkeiten kalkigen Substrates. 
Die Annahme, dafs 0. doliolum eine kalkstete Art sei, bestätigt sich nach 
den sächsischen Fundorten. Ehrmann wies die Schnecke in den neun- 
ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts überhaupt zum erstenmale für 
Sachsen nach aus der Schmortitzer Schlucht bei Golzern-Grimma. Ich 
wies sie von der Rehbockschlucht (place de repos) am linken Elbtal- 
gehänge unweit Schlofs Siebeneichen nach. In diesem Jahre fand ich den 
dritten Punkt im Saubachtal, direkt unterhalb der Neudeckmühle in 
der Nähe des im Volksmunde ,,Lilienflufs“ genannten Bächleins. 

*) Goldfufs, 0.: Binnenmolluskenfauna von Deutschland nebst Nachtrag. 

**; Merkel, K. : Molluskenfauna v. Schlesien. Breslau 1894, 


127 


Fossil führt sie Professor Engelhardt an vom Robschützer Kalktuff, 
Sandberger*) aus-dem Löfs vonLeuben bei Lommatzsch, Priefsa beiMeifsen, 
Wildberg bei Kobschütz (mufs heifsen bei Weifstropp). Jentzsch**) nennt 
7 Löfsfunde ohne Ortsangabe. Alle Funde der Schnecke in Sachsen, die 
also früher eine weit gröfsere Verbreitung hatte und heute relikten- 
haft versprengt ist, sind auf kalkigem Substrat gemacht. Von den rezenten 
lebt die Schmortitzer an einem sich heute noch bildenden Kalktuff. Die 
Saubachschnecke ist streng gebunden an die Verbreitung von bis faust- 
grofsen Brocken eines sich wahrscheinlich auch heute noch bildenden Kalk- 
tuffes. Sie rettete sich bei uns vielleicht deswegen gerade aus der kalkreichen 
Löfszeit, weil sie hier in engen Schluchten ihre beiden Hauptlebensbedin- 
gungen — kühlere, gleichmäfsige Temperatur und Kalkreichtum — vorfindet. 

Sandberger benennt die von Robschütz bekannte Form, die ihm nur 
in einem einzigen Exemplar vorlag, var. uniplicata. Wie ich schon früher 
vermutete, ist diese Varietät nicht haltbar. Die Diagnose gründet sich 
auf das Fehlen der Spindelfältchen. Diese aber sind vorhanden, wenn 
auch ein wenig kleiner als bei der heute lebenden Art der Gegend. Dies 
liefse sich, wenn man die Bezähnungsbildung auf rein automatische Funk- 
tion des Mantelrandes schieben will, als Folgeerscheinung***) ,, anderer 
für den Organismus wichtiger Vorgänge“ so erklären, dafs die Ruheperiode 
während trockener Zeitabschnitte in altalluvialen und vor allem diluvialen 
Perioden eine viel kürzere war als heute f). 

Ein wichtiges Charakteristikum für die fossile doliolum ist die viel 
kürzere, sehr gedrungene, aufgeblasene Form, die geringe Zahl 
der Umgänge. Damit weicht sie sehr von den heute in Sachsen leben- 
den ab und ich schlage unter Vorbehalt genauer Nachprüfung die oben 
angegebene Varietätsbenennung vor. Kreglinger ff) gibt von einem Fund- 
orte bei Glince, Krain, an: ,, lange und kurze, schmale und dicke Abände- 
rungen“. Wenn also das Formenspiel bei der Art auch grofs ist, so ist 
unsere Art ohne alle Übergänge völlig konstant. 

Clessins Angabe, dafs 0. doliolum meist vereinzelt vorkommt, gilt für 
Sachsen nicht. Hier entwickeln sie sich zu vielzähligen Kolonien, nicht 
wagend, über die enge Grenze ihres Tuskulums hinauszugehen. 

Sphy vadium Charpentier. 

19. Sp hyradium columella G. v. Martens. 

Gehäuse zylindrisch, Umgänge 5. Ersten Umgänge rasch zunehmend, 
3 — 5 gleichgrofs, nicht erwachsen, glänzend, glatt. 1 Exemplar. 

In den höchsten Alpenregionen, heute nicht mehr bei uns. 


*) Sandberger, F. : Die Land- und Süfswasserkonchylien der Vor weit. Wies- 
baden 1870-75. 

**) Jentzsch, A., a...a. 0. 

***) Ehrmann, P. : Über einige alpine Schnecken. Jahresber. d. naturf. Ges. zu 
Leipzig, 1892/93. 

f) Da die wehrhaften Raub- und carnivoren Schnecken der Testacelliden , Vitri- 
niden, Patuliden und die aufsteigenden Laubschnecken der Heliciden alle ungezähnt sind, 
dagegen gerade die auf sehr feuchten Orten wohnenden, also nicht zur Trockenruhe ge- 
zwungenenen Pupiden und die im Steingerölle lebenden Helix ( Trigonostoma , lsognomo- 
stoma) Mundbewaffnung führen, so halte ich diese doch für einen Schutz gegen die boden- 
ständigen Räuber aus dem Volk der Arthropoden. 

ff) Kreglinger, C.: Systematisches Yerz. der in Deutschland lebenden Binnen- 
Mollusken. Wiesbaden 1870. 


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Vertigo Müller. 

Untergruppe Alaea Jeffreys. 

20. Alaea substriata Jeffreys. 

Gehäuse gedrungen eiförmig, mit deutlichem Nabelritz, mattgelb glän- 
zend, deutlich, regelmäfsig eng gestreift. Letzter Umgang beinahe die 
Hälfte des Gehäuses betragend. Je zwei Zähnchen an der Mündungs-, 
Gaumen- und Spindel wand. Der Mundsaum ist gegen die aufgetriebene 
Gaumenwulst durch ein enges, tiefes Tal abgeschnürt. D. 1, H. kaum 2. 

I Exemplar. 

Sie bewohnt die nord alpine und boreale Region. Unvermittelt tritt 
sie im Kaukasus und Portugal auf. Es ist kaum anzunehmen, dafs 
derartige Unterbrechungen tatsächlich bestehen. Schuld an der noch heute 
beschränkten Zahl der Fundorte mag ja wohl die Seltenheit der Schnecke 
haben, vor allem aber auch die Vorliebe der Schnecke für sehr feuchte 
Waldwiesen, auf denen sich nicht gerade mit besonderem Erfolg nach 
solchem Kleinzeug suchen läfst. Immerhin fällt ihre Hauptverbreitung 
in den Norden: England, Dänemark, Schweden, Norwegen. Nach 
Clessin*) hat sie ihre meisten Fundorte in Deutschland in Südbayern. 
In den letzten Jahren hat der unermüdliche Stuttgarter Malakozoologe 
Geyer**) das Schneckchen in Württemberg gefunden: Schlattstaller Tal, 
Wendtal bei Steinheim, Zipfelbach (Randecker Maar), Sirchinger Wasserfall 
bei Urach, Ummendorf (Biberach), Wolffegg, an der Nagold bei Station 
Talmühle, an der Teinach, Hohenwittlingen, an der Rottum bei Ochsen- 
hausen. Für den Fränkischen Jura wies er sie von Unterbürg bei 
Nürnberg nach. Nach Schmidt***) dürfte sie im Zittauer Gebirge 
bez. Isergebirge nicht allzuselten sein. 

Nach Ehrmannsf) Zusammenstellung ist sie in Mitteldeutschland 
ziemlich zerstreut. Im Osten hat sie die meisten Fundorte, nach Westen 
zu scheint sie seltener zu werden. Von Sachsen führt sie Ehrmann an 
von Rautenkranz im Pyratal, Erlabrunn im Schwarzwassertal und bei 
Grimma (Dornau). Ich füge noch hinzu meinen mit Ehrmann gemeinsam 
gemachten Fund bei Westewitz -Klosterbuch. Sämtliche liegen im Strom- 
gebiet der Mulde. Sc hu mann ff) gibt für die Provinz Westpreufsen 

II Fundorte an, mit der Bemerkung ,, nicht selten“. Müllerfff) fand sie 
voriges Jahr in der Provinz Posen bei Gnin. Lindholm*f) gibt schliefs- 
lich die Schnecke aus dem Gouvernement Petersburg an, wo sie in 
Gemeinschaft mit Papa arctica und alpestris lebt. Überhaupt scheint 


*) Clessin, S., a. a. 0. 

**) Geyer, D.: Beiträge zur Mollf. Schwabens, I u. II. Jahrb. d. Ver. f. vaterl. 
Naturk. in Württ. 1907 u. 1908. — Die Mollf. v. Nürtingen usw. Jabrb. d. Ver. f. vaterl. 
Naturk. in Württ. 1904... — Die schalentragenden Moll, im fränk. Jura. (?) 

***) Schmidt, A.: Über die Mollf. d. nördl. Böhmens. Mitt. d. Ver. der Naturfreunde 
Reichenberg, XXXIX. Jahrg., 1909. 

f) Ehr mann, P. : Beiträge zur Kenntnis d. Mollf. d. Königr. Sachsen. Bericht d. 
Naturf. Ges. zu Leipzig, Jahrg. 1895 96. 

ff) Schumann, E.: Verz. der Weichtiere d. Prov. Westpreufsen. 26. Ber. d. westpr. 
Bot.-zool. Ver. Danzig, 1905. 

fff) Müller, E. : Zur Mollf. der Umg. v. Grätz in Posen. Nachrichtsbl. d. Deutsch. 
Malakoz. Ges., 1910. 

*f) Lindholm, A.: Einige für die Fauna des St. Petersb. Gouv. neue Landschn. 
Nachrichtsbl. d. Deutsch. Malakoz. Ges., 1910. 


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nach ihm Papa substriata zu den weitverbreitetsten Arten im europäischen 
Rufsland zu gehören, die von Finnland bis an das Gebiet der mitt- 
leren Wolga (Saratow) reicht. Darum ist der Zweifel Bollingers an 
ihrem „quantitativ“ reicheren Auftreten im Norden sicher unberechtigt. 

Fossil führt sie Geyer*) an aus den Kalktuffen von Ermstal bei 
Urach, Seeburg, von Glems (sehr häufig) und Gütlingen, Hocker**) von 
Brüheim bei Gotha. 

Wenn diese Angaben auch keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch 
machen können, so geht doch daraus hervor, dafs wir es mit einer alpin- 
borealen Art zu tun haben, deren hiesige Fundorte ein letztes Refugium 
bedeuten. 

21. Alaea alpestris Alder. 

Gehäuse schlank, zylindrisch, sehr fein gestreift, hellgelblich. Gewinde 
mit stumpfer Spitze. Umgänge 5, letzter Umgang reichlich x / 3 der Ge- 
samtlänge betragend. Mündung halbeiförmig mit vier Zähnen, wovon je 
einer auf der Mündungs- und Spindelwand und zwei auf der Gaumenwand. 
Der obere Zahn auf der Gaumenwand ist erheblich kleiner als der untere. 
Mundsaum mit weifser Lippe, Nacken stark verschmälert, zusammenge- 
drückt. D. 1, H. 2 und l 4 / 5 - 2 Exemplare. 

Ist eine echte Felsenschnecke, die sich im Mulm und Moos der Fels- 
wände und an den Hängen steiler Schluchten mit Vorliebe auf hält. Sie 
lebt im nördlichen Europa und den höheren Gebirgen Mittel- 
europas. Sie trägt entschieden Glazialcharakter. Im Norden reicht sie 
bis zum 67. 0 nördlicher Breite in Lulea, Lappland, und in Sibirien bis zum 
unteren Amur. In Sachsen wurde sie bisher nicht lebend gefunden. 

Untergruppe Vertilla Moquin Tandon. 

22. Vertilla pusilla Müller. 

Gehäuse länglich eiförmig, links gewunden, hellgelb, fein gestreift. 
Umgänge 5. In der Mündung stehen 6 Zähnchen, zu je zwei auf die drei 
Wände verteilt. D. 1, H. 2 1 / 2 . Zahlreich. 

23. Vertilla angustior Jeffreys. 

Elliptisch, nach beiden Enden stark verschmälert, links gewunden, mit 
4 Zähnen, zwei auf der Mündungs- und je einer auf der Gaumen- und 
Spindelwand und einer derNaht fast parallel laufenden langen, tiefen Nacken